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Full text of "Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik"

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JAHRBÜCHER 

FÜR NATIONALÖKONOMIE 
UND STATISTIK 

GEGRÜNDET VON 

BRUNO HILDEBRHND 

HERAUSGEGEBEN VON 

Dr. J. CONRAD 

PROF. IN HHLLE H. 8. 

IN VERBINDUNG MIT 

DR.EDG.LOENINÖ ÜR.W.LEXISf Dr.H.WHENTIG 

PROF. IN HHLLE H. S. PROF. IN GÖTTINGEN PROF. IN HHLLE H. 8. 



103. BAND 

III. FOLGE 48. BAND 

1914. II. 





JENH 

VERLAG VON GUSTAV FISCHER 

1914 



Hb 
s 



J35 



Alle Hechte vorbehalten. 






Inhalt des 48. Bandes, dritte Folge. (103. Bd.) 



I. Abhandlungen. 

Blank, Die Fabrikantenkartelle der Textilbranche im Konflikt mit den Abnehmerver- 
bänden. 8. 305. 

Friedmann, Arthur, Ueber die Berechtigung von Staatsanleihen. 8. 433. 

Derselbe, Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 8. 1. 

Schönheyder, K., Die Tätigkeit als Grundbegriff der Oekonomie und der Volkswirt- 
schaft. S. 577. 

Stolzmann, Rudolf, Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorga- 
nischen Methode. S. 145. 

Tiburtius, Joachim, Der Begriff des Bedürfnisses. Seine psychologische Grund- 
lage und seine Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaft. S. 721. 

n. Nationalökonomische Gesetzgebung. 

Bendix, L. u. Jastrow, J., Die amerikanische Bankreform. S. 599. 

Gesetzgebung, Die wirtschaftliche, Preußens im Jahre 1913. S. 52. 

Stöwesand, Walther, Die wirtschaftliche Gesetzgebung der kleineren deutschen 

Bundesstaaten im Jahre 1913. S. 324. 
, Die wirtschaftliche Gesetzgebung Oesterreichs. S. 464. 

III. Miszellen. 

Berg er, Karl, Die Muttersprache der ausländischen weißen Bevölkerung der Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika. S. 483. 

Dietrich, Rud., Zur Ordnung unserer Wissenschaft. S. 390. 

Földcs, Bela, Nachtrag zu der Abhandlung: Bemerkungen zu dem Problem Lorenz 
Stein— Karl Marx (3. Folge Bd. 47 S. 289). 8. 820. 

Hoffmann, Walter, Die geschichtliche Entwicklung des Depositenkassen wesens in 
Deutschland. S. 802. 

Jaeckel, Reinhold, Die Geburten-, Hei rata-, Sterbe- und Geburtenüberschußziffern 
in den hauptsächlichsten Kulturstaaten der Welt 1801 — 1911. 8. 8Q. 

Kesten -Conrad, Else, Jahresbericht des Kgl. Württembergischen Landeswohnungs- 
inspektors für die Jahre 1911 und 1912. 8. 817. 

Kobatsch, Rud., Der Streit um die Weltwirtschaftslehre. S. 486. 

Koch, P., Zur Gewinnbeteiligung der Arbeiter. S. 469. 

Koppe, H., Die Tarifverträge im Deutschen Reiche am Ende des Jahres 1912. S. 382. 

Lehmann, Artur, Die Hauptwerte und ihre Verwendung in der Preisstatistik. 8. 495. 

Müller, Ernst, Ueber die Bevölkerungsdichtigkeit im Königreich Bayern. S. 791. 

— — , Einige wesentliche Ergebnisse der ersten Veranlagung zur bayerischen all- 
gemeinen Einkommensteuer. S. 506. 

Müller, Johannes, Der Personenverkehr in Berlin und Paris. S. 397. 

P f i t z n e r , Bemerkungen zu der Streitfrage : Ist die Statistik eine Methode oder eine 
Wissenschaft? S. 640. 

Schwarzwald, H., Das chinesische Geldwesen und seine Neugestaltung. 8. 60. 

Sigerus, A., Die statistische Beobachtung des Wohnungsbedarfs der Eheschließenden. 
S. 659. 

Strehlow, Die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert. S. 501. 

, Die Industriebezirke und Industriegemeinden. 8. 809. 

Syrup, Friedrich, Die Arbeitszeit in der Großeisenindustrie. Bearbeitet nach den 
Jahresberichten der Königl. Preuß. Regierungs- und Gewerberäte für 1913. S. 193. 

U hl , K., Die Bedeutung und bisherigen Erfolge der deutschen Ueberlandzentralen. 8. 652. 

Viehstandes, Die Entwicklung des — während der letzten Dezennien in den hauptsäch- 
lichsten Staaten Europas. S. 649. 



iy Inhalt. 

Waentig,Heinr., Die japanische Statistik als wissenschaftliches Quellenmaterial. S. 244. 

Derselbe, Erklärung. S. 261. 

v. Wiese, L., Verhandlungen des Zweiten Deutschen Soziologentages (vom 20. — 22. Ok- 
tober 1912 in Berlin). S. 373. 

Winkelmann, Kate, Wohnungsfürsorge in England. S. 344. 

Zusammenfassende Uebersicht der (5) Zweimonatsbilanzen und der Jahresschlußbilanzen 
inländischer Kreditbanken nebst Deckungsziffern für das Jahr 1913. S. 225. 

IV. Literatur. 

a) Berichte und Sammelreferate. 
Bächtold, H., Der norddeutsche Handel im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert, 

(Karl Heldmann.) S. 667. 
Elster, Alexander, Kinoliteratur (Sammelreferat). S. 821. 

Heiander, Sven, Von der Diskontpolitik zur Herrschaft über den Geldmarkt S. 673. 
Hoetzsch, Otto, Rußland. Eine Einführung auf Grund seiner Geschichte von 1904 

—1913. (Th. H. Pantenius.) S. 511. 
Klein, Franz, Justizminister a.D., Die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen des 

Rechtes der Erwerbsgesellschaften. (Paul Reh me.) S. 91. 
Verhandlungen des ständigen Arbeitsbeirates über den Entwurf eines Gesetzes betr. die 

Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Heimarbeit. (P. Arndt.) S. 262. 

b) Rezensierte Schriften. 
Acta Borussica. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. 
Hrsg. von der Kgl. Akademie der Wissenschaften. (K. Held mann.) S. 686. 

1) Die Behördenorganisation und die allgemeine Staatsverwaltung Preußens im 18. Jahr- 
hundert. V. Bd. 2. Hälfte: Akten vom 4. Januar 1736 bis 31. Mai 1740, bearb. 
von G. Schmoll er und W. Stolze. 

2) Die einzelnen Gebiete der Verwaltung. Getreidehandelspolitik. III. Bd. Die Ge- 
treidehandelspolitik und Kriegsmagazinverwaltung Preußens 1740 — 1756. Darstellung 
und Getreidepreisstatistik von W. Naude und A. Skalweit. Akten bearb. von 
G. Schmoller, W. Naude und A. Skalweit. 

3) Münzwesen. II. — IV. Bd. Das Preußische Münzwesen im 18. Jahrhundert. 

Münzgeschichtlicher Teil. Darstellung von Fr. Frhr. v. Schrotte r. Akten bearb. 
von G. Schmoller und Fr. Frhr. v. Schrötter. 

4) Handels-, Zoll- und Akzisepolitik. I. Bd. Die Handels-, Zoll- und Ak- 
zisepolitik Brandenburg- Preußens bis 1713. Darstellung von H. Rachel. Mit einer 
Karte des mittleren Staatsgebiets. 

Ansiedlung, die, von Europäern in den Tropen. 2. Bd. Mit Beiträgen von Prof. Dr. 
Karl Sapper, Prof. Dr. van Blom und Dr. J. A. Nederburgh: Mittelamerika, Kleine 
Antillen, Niederländisch- West- und Ostindien. (Golf.) S. 101. 

Arnold, Ernst Günther, Untersuchungen über die Diskontierung von Buchforde- 
rungen und ihre volkswirtschaftl. Bedeutung in Deutschland. (Hans C rüg er.) S. 699. 

Bauer, Friedrich, Das Wollgewerbe von Eßlingen bis zum Ende des 17. Jahrhun- 
derts. (Abhandl. zur mittleren und neueren Geschichte.) (Gustav Aub in.) S. 530. 

Bernhard, E., Die Vergebung der öffentlichen Arbeiten in Deutschland im Kampf 
gegen die Arbeitslosigkeit. (Schriften der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung 
der Arbeitslosigkeit, Heft 1.) (E. Schwiedland.) S. 123. 

Boerner, A., Kölner Tabakhandel und Tabakgewerbe. 1628 — 1910. (Veröffentlichungen 
des Rheinisch -Westfälischen Wirtschaftsarchivs in Köln, Bd. 2.) (Kuske.) S. 692. 

Borchard, Kurt., Die Wirkung der Getreidezölle auf die Getreidepreise; mit einem 
Anhang: Die Gregory-Kingsche Regel. (Leonhard.) S. 407. 

Bücher, Karl, Die Berufe der Stadt Frankfurt a. M. im Mittelalter. (Abhandlungen 
der philologisch-historischen Klasse der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften. 30. Bd.) (Gustav Aub in.) S. 689. 

Buchforderungseskomptes, Die Kosten des — . Hrsg. von der Evidenzzentrale 
für den Eskompte offener Buchforderungen in Wien. (Hans Crüger.) S. 701. 

Buchforderungseskomptes, Zur Kritik des — . Ein Vortrag, gehalten im 
Wiener Kaufmännischen Verein am 21. April 1914 von Dr. Max Sokal, Sekretär der 
Evidenzzentrale für den Eskompte offener Buch forde rangen in Wien. (Hans Crüger.) 
S. 701. 



Inhalt V 

Cahn, Julius, Münz- und Geldgeschichte der im Großherzogtum Baden vereinigten 
Gebiete. Herausge». von der Badischen Historischen Kommission. I. Teil: Münz- 
und Geldgeschichte von Konstanz und des Bodenseegebietes im Mittelalter bis zum 
Reichsmünzgesetz von 1559. Mit 10 Tafeln und 1 Karte. (Karl Bräuer.) S. 115. 

C arver, Thomas-Nixon, La repartition des richesses. Traduit par Roger Picard. 
Bibliotheque internationale d'economie politique. (R. Lief mann.) S. 682. 

Conrad, J., Grundriß zum Studium der politischen Oekonomie. Forts, des 4. Teils: 
Gewerbestatistik. Von A. Hesse. 2. Aufl. (A. Hesse.) S. 525. 

Cornelissen, Christian, Theorie de la valeur avec une refutation des theories de 
Rodbertus, Karl Marx, Stanley Jevons et Böhm-Bawerk. (Otto Conrad.) S. 95. 

Denkschrift zu dem technischen Entwurf einer Main- Donau- Wasserstraße mit Anschluß 
der Städte München und Augsburg, bearbeitet von Theodor Gebhardt, verlegt von 
dem Verein f. Hebung d. Fluß- u. Kanalschiffahrt in Bayern. (Paul Ritter.) S. 412. 

Dewavrin und Lecarp en tier, La Protection legale des travailleurs au x Etats- Unis 
avec expose comparatif de la Legislation francaise. (H. Koppe.) S. 286. 

Dittmer, Hans, Depositenbanken eines Agrarlandes. Eine vergleichende Untersuchung 
der Banken Mecklenburgs. (Archiv für exakte Wirtschaftsforschung, 10. Heft.) 
(H. Hubert.) S. 415. 

Domo, Friedrich, Der Fläming und die Herrschaft Wiesenburg. Agrar-historische 
Studien aus den nördlichen Aemtern des sächsischen KurkreiÄ. (Schmollers For- 
schungen.) (Gustav Aubin.) S. 531. 

Eickemeyer, W., Zur Frage der zweiten Hypothek beim privaten großstädtischen 
Wohnhausbau und -besitz in Deutschland. Tübinger Staatswissenschaftliche Abhand- 
lungen. (H. Meltzer.) S. 702. 

Elewyck, Ernestvan, La Banque Nationale de Belgique. Les Theories et les 
Faits. 2 Teile. (Sven Heiander.) S. 111. 

Ewald, Walther, Soziale Medizin. Ein Lehrbuch für Aerzte, Studierende, Medizinal- 
und Verwaltungsbeamte, Sozialpolitiker, Behörden und Kommunen. (Alexander 
Elster.) S. 295. 

Festgabe zum 60. Geburtstage des Herrn Geheimen Justizrats Prof. Dr. Rießer. ( J. C.) S. 95. 

Fischer, Alfons, Ein sozialhygienischer Gesetzentwurf aus dem Jahre 1800, ein 
Vorbild für die Gegenwart. (Alexander Elster.) S. 849. 

Forberger (Pastor), Joh., Moralstatistik Süddeutschlands. (Ernst Müller.) S. 572. 

Frankfurter Amts- und Zunfturkunden bis zum Jahre 1612. Hrsg. von Karl Bücher 
und Benno Schmidt. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt 
Frankfurt a. M.). (Gustav Aubin.) S. 689. 

Gabel, Dr. Käte, Die Heimarbeit, das jüngste Problem des Arbeitsschutzes. (H. Koppe.) 
S. 557. 

G i n i , G., Variubilitä e Mutabilitä. Contributo allo studio delle distribuzioni e delle 
relazioni statistiche. Fase. I. ( W. L e x i s f) S. 403. 

Giocker, Theodore W., The government of american trade unions. (H. Koppe.) 
S. 419. 

Grassl, Der Geburtenrückgang in Deutschland, seine Ursachen und seine Bekäm- 
pfung. (Sammlung Kösel, Bändchen 71.) (Ernst Müller.) S. 535. 

Groß, Lothar, Beiträge zur städtischen Vermögensstatistik des 14. und 15. Jahr- 
hunderts in Oesterreich (Forschungen zur inneren Geschichte Oesterreichs, hrsg. von 
A. Dopsch, Heft 10). (Gustav Aubin.) S. 99. 

Haaß, Friedrich, Weltpostverein und Einheitsporto (Welt- Penn yporto). (Erwin 
Günther.) S. 109. 

Halbwachs, La classe ouvriere et les niveaux de vie. Recherches sur la hierarchie 
des besoins dans les societes industrielles contemporaines. (H. Koppe.) S. 562. ' 

Haney, L. H., Business Organization and Combination. (R. Lief mann.) S. 521. 

Haret, Sp. C, Mecanique sociale. (W. Lexis f) S. 267. 

Heber, E. A., Japanische Industriearbeit. Eine wirtschafts-wissenschaftliche und kul- 
turhistorische Studie. (Ernst Grün feld.) S. 409. 

Helfferich, Karl, Deutschlands Wohlstand 1888—1913. (J. Conrad.) S. 532. 

Hemmerle, E., Die Rheinländer und die preußische Verfassungsfrage auf dem ersten 
Vereinigten Landtag (1847). (Studien zur rheinischen Geschichte, herausg. von Dr. 
A. Ahn, 2. Heft.) (F. Härtung.) S. 130. 

Hennig, Richard, Die Hauptwege des Weltverkehrs. (Friedr. Hoff mann.) S. 694. 



VI Inhalt. 

Hersch, L., Le Juif errant d'aujourd'hui. Etudes sur Immigration des Israelites de 
l'Europe Orientale aux Etats-Unis de l'Amerique du Nord. (Mombert.) S. 104. 

Hirsch, Julius, Die Filialbetriebe im Detailhandel unter hauptsächlicher Berück- 
sichtigung der kapitalistischen Massenf ilial betriebe in Deutschland und Belgien. 
(Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben, Heft 1.) (Marcard.) S. 276. 

Hirsch, Max, Fruchtabtreibung und Präventivverkehr im Zusammenhang mit dem 
Geburtenrückgang. (H enr. Fürth.) S. 533. 

Jacob, Eduard, Volkswirtschaftliche Theorie der Genossenschaften. (Tübinger Staats- 
wissenschaftliche Abhandlungen, hrsg. von Carl Johannes Fuchs in Verbindung mit 
Ludwig Stephinger, Neue Folge Heft 1.) (Hans Schönitz.) S. 125. 

Jacobs, Paul, Die Zulassung von Wertpapieren zum * Börsenhandel. (Walter 
P inner.) S. 844. 

Jahrbuch für Verkehrs Wissenschaften. Hrsg. von F. Peitgen. Schriftleitung Adolf Goetz, 
Hamburg. Schleswig, J. Ibbeken. (Paul Ritter.) S. 548. 

Jenny, J., Der Teilbau, nebst der Monographie eines Teilbaugroßbetriebes in Rußland 
aus der Zeit von 1891—1910. (Leonhard.) S. 538. 

Industrie, Die deutsche — . Festgabe zum 25-jährigen Regierungsjubiläum S. Majestät 
des Kaisers und Königs Wilhelm II. Dargebracht von Industriellen Deutschlands 
1913. (M. Rusch.) S. 545. 

Käding, Emil, Beiträge zur preußischen Finanzpolitik in den Rheinlanden während 
der Jahre 1815 — 40. (Studien zur rheinischen Geschichte. 8. Heft.) (Gustav 
Aubin.) S. 282. 

Kaiser, Carl, Die Wirkungen des Handwerkergesetzes in Württemberg und Baden. 
(Tübinger Staatswissenschaftliche Abhandlungen , hrsg. von Carl Johannes Fuchs, 
4. Heft.) (Erhard Schmidt.) S. 543. 

Kleemann, Kurt, Die Sozialpolitik der Reichs - Post- und Telegraphen Verwaltung 
gegenüber ihren Beamten, Unterbeamten und Arbeitern. (Abhandlungen des Staats- 
wissenschaftlichen Seminars zu Jena, hrsg. von Prof. Dr. Pierstorff, Bd. 14, Heft 1.) 
(Erwin Günther.) S. 844. 

Knauth, Oswald Whitman, The policy of the United States towards Industrial 
Monopoly. Studies in history, economics and public law edited by the faculty of 
political science of Columbia University. (Robert Lief mann.) S. 539. 

Köhler, Walter, Die deutsche Nähmaschinenindustrie. (Zitzlaff.) S. 174. 

Krakauer, V., Ueber den gerechten Preis für Eisenbahnleistungen. (Ernst Müller.) 
8. 279. 

Kuczynski, R., Arbeitslohn und Arbeitszeit in Europa und Amerika 1870—1901. 
(H. Herkner.) S. 708. 

Lachmann, Karl, Die Unfallverhütung in der Baumwollspinnerei, ihre Entwicklung, 
Wirtschaftlichkeit und Erfolge. (Volkswirtschaftliche Abhandlungen der badischen 
Hochschulen. Neue Folge Heft 23.) (Schultze.) S. 123. 

Lederle, K., Die Lebensversicherung, unter besonderer Berücksichtigung ihrer recht- 
lichen Beziehungen zum ehelichen Güterrecht, Erb- und Konkursrecht, sowie ihrer 
Besteuerung. (H. Meltzer.) S. 284. 

de Leener, G., La politique des transports en Belgique. (A. v. derLeyen.) S. 549. 

Madelung, Ernst, Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie von 
ihren Anfängen bis zur Gegenwart, mit besonderer Berücksichtigung der Kartelle. 
(Richard Passow.) S. 546. 

Mamroth, Karl, Gewerblicher Konstitutionalismus. Die Arbeitstarifverträge in ihrer 
volkswirtschaftlichen und sozialen Bedeutung. (H. Koppe.) S. 704. 

Mann, Fritz Karl, Der Marschall Vauban und die Volkswirtschaftslehre des Ab- 
solutismus. Eine Kritik des Merkantilsystems. (Axel Nielsen.) S. 684. 

Marschall von Bieberstein, Freih., Landrat des Unterwesterwaldkreises, Die Spar- 
pflichtfür Minderjährige und die Wohnungsfrage. (Dr. Else Kesten- Conrad.) S. 565. 

Meyer, Paul, Die Notstandsarbeiten und ihre Probleme. (J. Conrad.) S. 289. 

Michels, Robert, Probleme der Sozialphilosophie. („Wissenschaft und Hypothese", 
Bd. 18.) (Karl Pribram.) S. 268. 

Misselwitz, Alfred, Die Entwicklung des Gewerbes in Halle a. S. während des 
19. Jahrhunderts. (68. Bd. der „Sammlung nationalökonomischer und statistischer 
Abhandlungen des Staatswissenschaftlichen Seminars zu Halle a. S., hrsg. von Prof. 
Dr. Joh. Conrad.) (Kurt Krüger.) S. 106. 



Inhalt. VII 

Mitteilungen des Statistischen Landesamtes des Königreiches Böhmen, Bd. XVIII, 
Heft 2: Anbau- und Erntestatistik, sowie Statistik der wichtigsten Zweige der land- 
wirtschaftlichen Industrie im Königreiche Böhmen für die Betriebsperiode 1911/12. 
Erster Teil: Text. Deutsche Ausgabe. (Thieme.) S. 293. 

Moheau, Recherches et Considerations sur la Population de la France 1778. Col- 
lection des Economistes et des Reformateurs sociaux de la France. Publie avec in- 
troduction et table analytique par Rene Gonnard, Professeur d'histoire des doctrines 
economiques et d'economie politique & la Faculte de Droit de PUniversite de Lyon. 
(A. Günther.) S. 516. 

Moses, Robert, The Civil Service of Great Britain. Studies in History, Ecouomics 
and Public Law, edited by the Faculty of Political Science of Columbia Univereity. 
(Köllreuter.) S. 567. 

Norton, Thomas H., Die chemische Industrie in Belgien, Holland, Norwegen und 
Schweden. Ins Deutsche übertragen und ergänzt von H. Großmann. (Richard 
Passow.) S. 107. 

Offergeid, Wilhelm, Dr. iur. et phil., Grundlagen und Ursachen der industriellen 
Entwicklung Ungarns. Nebst einem Anhange über die wirtschaftswissenschaftliche 
Literatur Ungarns. Probleme des Instituts für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der 
Univ. Kiel, hrsg. von Prof. Dr. Bernh. Harms. Bd. 17. (B. F.) S. 838. 

Oesterreichische Weistümer, 10. Bd., Steirische Taidinge (Nachträge). Im Auftrage der 
Kaiserl. Akademie der Wissenschaften, hrsg. von Anton Meli und Eugen Frei- 
herrn v. Müller. (H ermann Au bin.) S. 100. 

Osborne, Algernon Ashburner, Speculation on the New York Stoek Exchange, 
September 1904— March 1907. (v. Reibnitz.) S. 557. 

Perlick, A., Die Luftstickstoffindustrie in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung. 
(P. Holdefleiß.) S. 542. 

Perlmann, Louis, Die Bewegung der Weizenpreise und ihre Ursachen. (J. C.) S. 274. 

Polier, Richard, Die Gefahren des Bergbaues und die Gruben kontrolle im Ruhr- 
revier. (Schrader.) S. 271. 

Praxis, Die der kommunalen und sozialen Verwaltung. IL Kursus: Die neuen Auf- 
gaben der Sozialversicherung in der Praxis. (J. Conrad.) S. 846. 

Rechtsfragen des Arbeitstarifvertrags: 1. Haftung. — Abdingbarkeit, von Prof. Dr. W. 
Zimmermann. 2. Brauchen wir ein Arbeitstarifgesetz? von Rechtsanwalt Dr. Hugo 
Sinzheimer. (Heft 42/43 und Heft 44 der Schriften der Gesellschaft für soziale Re- 
form.) (H. Koppe.) S. 120. 

Reinhardt, E., Die Kupferversorgung Deutschlands und die Entwicklung der deut- 
schen Kupferbörsen. (Schrader.) S. 537. 

Roth, Paul, Die Neuen Zeitungen in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert. 
(Preisschriften der Fürstlich Jablonowskischen Gesellschaft zu Leipzig, Bd. 43.) 
(Alexander Elster.) S. 405. 

Salin, Edgar, Die wirtschaftliche Entwicklung von Alaska (und Yukon Territory); 
ein Beitrag zur Geschichte und Theorie der Konzentrationsbewegung. Erg.- Heft XII 
zum Arch. f. Sozial Wissenschaft u. Sozialpolitik. (Robert Lief mann.) S. 832. 

Schmidt, Hermann, Das Eisenbahnwesen in der asiatischen Türkei. (Paul Ritter.) 
S. 546. 

Schmidt, O., Die Reichseinnahmen Ruprechts von der Pfalz. (Leipziger Historische 
Abhandlungen, hrsg. von E. Brandenburg, G. Seeliger, U. Wilcken, Heft 30.) 
(F. Härtung.) S* 533. 

Schneider, Oswald, Bismarcks Finanz- und Wirtschaftspolitik. (Staats- und sozial- 
wissenschaftliche Forschungen, hrsg. von Schmoller und Sering, Heft 166.) (Georg 
Brodnitz.) S. 269. 

Schrameier, W., Aus Kiautschous Verwaltung. Die Land-, Steuer- und Zollpolitik 
des Kiautschougebietes. (Ernst Grün fei d.) S. 537. 

Simkhovitch, Vladimir G., Marxism versus socialism. (Ernst Grünfeld.) S. 681. 

, Marxismus gegen Sozialismus. Uebers. von Th. Jappe. (Ernst Grün- 
feld.) S. 681. 

Sowers, Don C, Professor of Municipalities, The financial history of New York State 
from 1789 to 1912. (W. D. Preyer.) S. 551. 

Statistisches Handbuch des Königreiches Böhmen ; IL Ausgabe (Deutsche Ausgabe). Zu- 
samraengest. vom Statist. Landesbureau des Königreiches Böhmen S. 293. 



VIII Inhalt. 

Statistisches Jahrbuch für das Königreich Bayern. 1913, Jahrg. 12. (J.Conrad.) 

S. 572. 
Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. Jahrg. 34, 1913. (J.Conrad.) 

S. 848. 
Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat. 1913, Bd. 11. (J. Conrad.) 

5. 425. 

Statistische Rückblicke aus Oesterreich. (Ernst Grünfeld.) S. 134. 
Straus, Walter, Die deutschen Ueberlandzentralen und ihre wirtschaftliche Bedeutung 

als Kraftquelle für den Kleinbetrieb in Landwirtschaft und Gewerbe. (K. Uhl.) S. 544. 
Tirnpe, Die Organisation des Magdeburger Zuckerhandels. S. 842. 
Trautwein, Carl, Ueber Ferdinand Lassalle upd sein Verhältnis zur Fichteschen 

Sozialphilosophie. (Karl Pribram.) S. 524. 
Uhlich, Theodor, Die Vorgeschichte des Sächsischen Eisenbahnwesens. (Abhandl. 

aus dem volkswirtschaftlichen Seminar der Technischen Hochschule zu Dresden. 

6. Heft.) (Paul Ritter.) S. 280. 

Ungarische Statistische Mitteilungen, Bd. 31 : Entwicklung des Volksunterrichtswesens 
der Länder der ungarischen heiligen Krone. — Bd. 41: Viehbestand in den Ländern 
der ungarischen heiligen Krone. Nach dem Stand vom 28. Februar 1911. — Bd. 45: 
Die Schiffahrt und Warenbewegung im Hafen von Fiume. (J. Conrad.) S. 714. 

Vandervelde, Emil, Neutrale und sozialistische Genossenschaftsbewegung. Uebersetzt 
von H. Gernsheinier-Hertz. (Ernst Grünfeld.) S. 711. 

Versicherungsbibliothek, hrsg. von Prof. Dr. Alfred Manes, Berlin. 1. Band: Versiche- 
rungsbuchführung, von Mathematiker Joseph Koburger; 2. Band: Die Feuerversiche- 
rung, von Justizrat Dr. Karl Domizlaff, Direktor der Concordia, Hannoverschen 
Feuerversicherungsgesellschaft A.-G. in Hannover. (Leuckfeld.) S. 553. 

Wagemann, Arnold, Wesen und Technik der heutigen Wirtschaftskämpfe. 
(K. Marcard f) S. 828. 

Wassermann, L. u. R., Das Branntweinsteuergesetz vom 15. Juli 1909, in der Fas- 
sung des Gesetzes vom 14. Juni 1912. (C. Briefs.) S. 712. 

Weber, M. gegen Sander, P., Erklärung der rechts- und staatsw. Fakultät der 
deutschen Universität Prag. S. 144. 

Weissbarth, Alfr., Das Dekaturgewerbe und seine Kartellierungsbestrebungen. Zur 
Frage der Monopolfähigkeit von Industrien. (Rob. Lief mann.) S. 836. 

Wohlgemut, Marta, Die Bäuerin in zwei badischen Gemeinden. (Volkswirtschaftl. 
Abhandl. d. badischen Hochschulen, Neue Folge Heft 20.) (Auguste Lange.) S. 103. 

Wölfel, F., Der Handlungsreisende. Eine wirtschaftsgeschichtliche Studie. (Ernst 
Müller.) S. 550. 

Wright, Chester Whitney Ph. D., Wool growing and the Tariff, a study in the 
economic history of the United States. (A. Golf.) S. 527. 

Zürn, Walther, Die deutsche Zündholzindustrie. (Zeitschr. f. d. ges. Staatswissen- 
schaft, Erg.-Heft 47.) (Richard Passow.) S. 411. 

üebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des 
Auslandes. S. 95. 267. 403. 516. 681. 828. 

Die periodische Presse des Auslandes, s. 135. 296. 427. 573. 716. 852. 

Die periodische Presse Deutschlands, s. 138. 299. 429. 574. 717. 853. 

Volkswirtschaftliche Chronik. 1914. Mai: S. 325. Juni: S. 397. Juli: S. 477. 
August: S. 545. September: S. 609. Oktober: S. 687. 



A r t h u r F r i e d m a n n , Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 1 

I. 

Die Wohlstandsentwicklung in Preussen 
von 1891—1911. 

Von 
Dr. Arthur Friedmann. 

Die Höhe des Volkseinkommens läßt sich einigermaßen nach den 
Ergebnissen der Einkommensteuerveranlagung beurteilen. Um je- 
doch ein zutreffendes Bild von dem Wohlstande der Bevölkerung 
zu gewinnen, ist neben der Ermittlung des nominellen Einkommens 
die Berücksichtigung der jeweiligen Kaufkraft des Geldes erforder- 
lich. Wir werden daher bei der Untersuchung der Wohlstandsent- 
wicklung in Preußen von 1891 — 1911 zuerst die Zunahme 
des durchschnittlichen Nominaleinkommens feststellen, um dann 
auf Grund einer Betrachtung über die Aenderung des Geldwertes 
die Steigerung des Kealeinkommens zu ermitteln. Es wird we- 
niger Gewicht darauf gelegt werden, die absolute Höhe des Durch- 
schnittseinkommens in den einzelnen Jahren zu bestimmen, als die 
relative Steigerung desselben festzustellen. Die Darstellung wird 
sich vorerst auf die Betrachtung des Durchschnittseinkommens be- 
schränken; erst am Schlüsse werden wir untersuchen, welchen An- 
teil die höheren und niederen Einkommen an der allgemeinen 
Wohlstandssteigerung hatten. Neben dem privaten Einkommen sollen 
auch die staatlichen Leistungen in den beiden Vergleichsjahren ihrem 
Umfange nach betrachtet werden. 

1. Die Steigerung des Nominaleinkommens. 

Wir beginnen mit der Angabe des in den Jahren 1892 und 1912 
veranlagten Einkommens. (Die Veranlagungsergebnisse dieser beiden 
Jahre haben im wesentlichen das Einkommen der Jahre 1891 und 
1911 zur Grundlage.) Im Anschluß daran bringen wir eine Berech- 
nung des steuerfreien, sowie des nicht veranlagten steuerpflichtigen 
(hinterzogenen) Einkommens. 

Das Einkommen der nichtsteuerpflichtigen Personen, besonders also der 
regierenden und vormals regierenden Fürsten, wird nicht berücksichtigt ; ebenso 
verzichten wir auf eine Darstellung der verhältnismäßig geringen Einkommens- 
teile, die der Besteuerung nicht unterliegen. (An Stelle der vom veranlagten 
Einkommen in Abzug gebrachten Beiträge für die Arbeiter- und Lebensver- 
sicherung werden später im Anschluß an die Aufwendungen der öffentlichen 
Körperschaften die Leistungen der Krankenkassen, Lebensversicherungsgesell- 
schaften etc. besonders behandelt.) 

Nach der Veranlagung des Jahres 1892 betrug das Ge- 
samteinkommen der Zensiten mit einem Einkommen zwischen 
900 und 3000 M. 2912,0 Mill. M., das Gesamteinkommen der Zen- 
siten mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. 2812,3 Mill. M. 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 1 



Arthur Friedmann, 



Die entsprechenden Zahlen für das Jahr 1912 waren 8583,6 Mill. M. 
und 6656,2 Mül. M., zusammen 1892 5724,3 Mill. M., 1912 15 239,8 
Mill. M. 

Diesem Einkommen haben wir das Einkommen der steuer- 
befreiten Personen hinzuzurechnen und außerdem dasjenige Ein- 
kommen, um das die Steuer er mäßigten Personen zu niedrig ver- 
anlagt wurden. 

1892 waren insgesamt 8411000 Personen 1 ), 1912 8159000 
Personen mit einem Einkommen von weniger als 900 M. steuerfrei. 

In Sachsen, wo 1892 noch die Einkommen bis herunter zu 
300 M., 1912 bis herunter zu 400 M. besteuert wurden, läßt sich 
eine ungefähre Berechnung des Durchschnittseinkommens der 
Personen mit weniger als 900 M. Einkommen durchfuhren. Das- 
selbe läßt sich 1892 auf 524 M., 1908 auf 568 M. schätzen 
(siehe besondere Berechnung Tabelle I und II). In Sachsen 

Tabelle I. 

Durchschnittseinkommen der Haushaltungsvorstände und Einzelsteuernden mit einem 
Einkommen von weniger als 900 M. in Sachsen 1892. 



a. 


b 


c 


d 


e (cXd) 


Einkommens- 
gruppe 


Zahl der Hau 
vorstände bz\> 
steuernden ir 


shaltungs- 
v. Einzel- 
Tausend 
(geschätzt) 


Durchschnitts- 
einkommen 
in Mark 


Gesamt- 
einkommen in 
1000 M. 


bis 300 M. 
300— 350 „ 1 
350— 400 „ / 


84,1 2 ) 
182,2 


84,1 

70,0 

112,2 


235 
330 
378 


19764 
23 100 
-42 412 


4.00 — 450 „ 1 
450— 500 „ / 


281,6 


141,0 
140,6 


425 
475 


59 925 

66785 


500— 550 „ 1 
550— 600 „ / 
600 — 650 „ "i 
650 — 700 „ J 


164,1 
125,8 


90,0 
74,1 
65,8 
60,0 


520 

575 
625 
675 


46 800 
42608 

4i 125 
40500 


700— 750 „ 1 
750— 800 „ / 
800 — 850 „ 1 
850- 900 „ \ 


"5,6 

127,2 
84,0 


58,0 
57,6 
48,5 
42,0 
3M 
32,0 
27,5 
24,5 


725 
775 
825 
875 


42 050 
44 640 
40012 
37188 


9 oo— 950 „ J 

950—1000 „ } 

1000 — 1050 ,, > 

1050— 1 100 „ j 


SUE 


nme 546 909 


1100 — 1150 „ 1 
1150— 1200 „ \ 
1200 — 1250 „ J 


57,0 


21,0 
18,5 
17,8 







Zahl der Zensiten mit einem 
Durchschnittseinkommen 524 



Einkommen 
M. 



unter 900 M. 1 044 400. 



1) Für das Jahr 1892 wurde nur die Summe der Einkommensteuerfreien 
einschließlich der Angehörigen gezählt. Die Zahl der einkommensteuerfreien 
Einzelsteuernden und Haushaltungsvorstände wurde hier nach dem Verhältnis der 
Zahl dieser Personen zur Gesamtzahl der einkommensteuerfreien Bevölkerung im 
Jahre 18 9 6 errechnet. 

2) Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen auf das Jahr 1894. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 



Tabelle II. 

Durchschnittseinkommen der Haushaltungsvorstände und Einzelsteuernden mit einem 
Einkommen von weniger als 900 M. in Sachsen 1908. 



a. 


b. c. 


d. 


e. 




Zahl der Haushaltungs- 




1 „ 


Einkommens- 


vorstäude bzw. Einzel- 


Durchschnitts- 


Gesamt- 


gruppe 


steuernden in Tausend 


einkommen 


einkommen in 






(geschätzt) 


in Mark 


1000 M. 


bis 300 M. | 




6l,8 


255 


15 759 


300— 350 „ } 


191,8 8 ) 


45,o 


330 


14850 


350— 400 , 






85,0 


380 


32300 


400 — 450 , 


} 


250,9 


130,0 


425 


55 250 


450— 500 , 


120,9 


475 


57 428 


500— 550 , 


} 


232,2 


118,2 


525 


62055 


550— 600 , 


114,0 


575 


65 550 


600 — 650 , 


} 


161,1 


81,1 


625 


50687 


650 — 700 , 


80,0 


675 


54000 


700— 750 , 


} 


156,2 


79,0 


725 


57 275 


750 — 800 , 


77,* 


775 


59830 


800 — 850 , 


1 




70,0 


825 


57 750 


850— 900 , 


1 


202,2 


68,0 
64,2 


875 


59 500 


900 — 950 , 


Summe 642 234 


950 — 1000 , 


1 




63,9 






1000— 1050 , 




186,9 


62,5 






1050 — 1100 , 


) 




60,5 






1100 — 1150 , 


1 




55,o 






1150 — 1200 , 


[ 


147,6 


49,6 






1200 — 1250 , 


J 




43,o 







Zahl der Zensiten mit 
Durchschnittseinkommt 



einem Einkommen 
n 568,25 M. 



unter 900 M. 1 130 200. 



werden aber mehr erwerbstätige Familienmitglieder als in Preußen 
gesondert gezählt, mitverdienende Ehefrauen werden einzeln ver- 
anlagt. Bei einer gleichen Berechnung des Einkommens wie in 
Preußen würde sich das Durchschnittseinkommen etwas höher stellen. 
Berücksichtigt man in Sachsen allein die Haushaltungsvorstände 
und rechnet ihrem Einkommen das Einkommen der Familienange- 
hörigen hinzu, so ergibt sich für die Einkommen unter 900 M. 
1908 ein Durchschnittseinkommen von 617 M. (siehe Tabelle III). 
Hierbei ist nun wiederum das Einkommen sämtlicher erwerbs- 
tätiger Familienmitglieder, auch derjenigen, die in Preußen gesondert 
besteuert würden, dem Einkommen des Haushai tun gs Vorstandes hin- 
zugezählt, außerdem ist das Einkommen der Haushaltungsvorstände 
auch ohne Hinzurechnung des Einkommens miterwerbender Familien- 
angehöriger sicher höher als das Einkommen alleinstehender Per- 
sonen, so daß das Durchschnittseinkommen der Zensiten mit weniger 
als 900 M. Einkommen in Sachsen 1908, bei einer gleichen Berech- 
nungsart wie in Preußen, 568 M. wahrscheinlich näher als 617 M. 



3) Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 38. Jahrg., 1910, S. 198. 

1* 



Arthur Friedmann 



Tabelle III. 

Berechnung des Durchschnittseinkommens der Haushaltungsvorstände mit einem Ein- 
kommen von weniger als 900 M. in Sachsen 1908 bei Hinzurechnung des Einkommens 
der Familienangehörigen zu dem Einkommen des Haushaltungsvorstandes. 



a. 


b. 


c. 


d. 


e. 


Einkommens- 
gruppe 


Zahl der Haushaltungs- 


Durchschnitts- 


Gesamt- 


vorstände in 


Tausend 


einkommen 


einkommen in 




(geschätzt) 


in Mark 


1000 M. 


bis 300 M. 1 




20,0 


250 


5 000 


300— 350 „ \ 


53,3 4 ) 


10,0 


333 


3 330 


350— 400 „ J 




23,3 


380 


8854 


400— 450 „ 1 
450— 500 „ j 


37,9 


20,0 


425 


8 500 


17,9 


475 


8502 


500— 550 „ 1 
550— 600 „ / 


37,o 


17,5 


525 


9 188 


19,5 


575 


11 213 


600 — 650 „ 1 
650— 700 „ / 




20,7 


625 


12 937 


44, 7 


24,0 


675 


16 200 


700— 750 „ \ 
750- 800 „ / 


64,3 


3 2 ,8 


725 


23780 


3i,5 


775 


24413 


800- 850 „ 1 




3i,o 


825 


25 575 


850— 900 „ \ 


94,2 


31,2 
32,0 


875 


27300 


900— 950 „ J 


Summe 184792 


950—1000 „ 1 




34,* 






1000— 1050 „ \ 


103,5 


34,5 






1050 — IIOO „ J 




34,6 






1100—1150 „ ] 




33,0 






1150— 1200 „ \ 


94,8 


3i,6 






1200— 1250 „ J 




30,2 







Zahl der Haushaltungsvorstände mit einem Einkommen unter 900 M. 299 400. 
Durchschnittseinkommen 617 M. 

kommt. Wir schätzen danach für die sächsischen Einkommen unter 
900 M. 1908 ein Durchschnittseinkommen von 583 M., für das Jahr 
1892 bei einer entsprechenden Korrektur der oben angegebenen Zahl 
538 M. 

In Preußen ist das Durchschnittseinkommen der Gesamtbevölke- 
rung geringer als in Sachsen, 1892 26 o/o, 1911 (gegen Preußen 1912) 
23o/o (siehe weiter unten). Da das preußische Durchschnittsein- 
kommen des Jahres 1912 dem sächsischen Durchschnittseinkommen 
des Jahres 1892 etwas näher als dem Durchschnittseinkommen des 
Jahres 1911 kommt (S. 11), kann man annehmen, daß der Durch- 
schnittsbetrag der preußischen Einkommen unter 900 M. 1912 etwa 
die Mitte zwischen dem Durchschnittsbetrag der sächsischen Ein- 
kommen unter 900 M. in den Jahren 1892 (538 M.) und 1908 
(583 M.) hält, also 561 M. beträgt. Wenn wir vom Jahre 1892 
bis zum Jahre 1912 für Preußen eine entsprechende Steigerung 
dieses Durchschnittseinkommens wie in Sachsen von 1892 — 1908 



4) Zeitschrift des Königlich Sächsischen Statistischen Landesamtes, 56. Jahr- 
gang, 2. Heft, S. 208, 1910. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 5 

vermuten, so erhalten wir als Durchschnittsbetrag der Einkommen 
unter 900 M. in Preußen 1892 504 M. 

Weiter ließe sich auf Grund der sächsischen Ergebnisse eine 
Schätzung der Durchschnittseinkommen unter 900 M. in Preußen 
noch auf folgende Weise durchführen: Das Verhältnis der Zensiten- 
zahl mit weniger als 900 M. Einkommen zu der Zensitenzahl mit 
einem Einkommen von 900—1050, 1050—1200 und 1200—1350 M. 
ist in Preußen 1892 etwas größer als in Sachsen (wobei in Sachsen 
eine größere Zahl Familienangehöriger als in Preußen gesondert ge- 
gezählt ist) und für Preußen 1912 nicht sehr viel geringer als für 
Sachsen 1908, so daß sich die Durchschnittshöhe der preußischen 
Einkommen unter 900 M. in den Jahren 1892 und 1912 nach einem 
Vergleich mit den entsprechenden sächsischen Ziffern für 1892 und 
1908 ungefähr abschätzen läßt. Wir erhalten so für das Jahr 1892 
520 M., für das Jahr 1912 585 M. (siehe die Berechnung Ta- 
belle IV). Da die frühere Schätzung die Werte 504 und 561 ergab, 
wollen wir den Durchschnittsbetrag der Einkommen unter 900 M. 
in Preußen für das Jahr 1892 zu 512 M., für das Jahr 1912 zu 
573 M. veranschlagen. Unter dieser Voraussetzung erhalten wir als 
Gesamteinkommen der Personen mit einem Einkommen von weniger 
als 900 M. 

1892 8381000 Personen mit einem durchschn. Eink. von 512 M. = 4291,1 Mill. M. 
I9128159000 „ „ „ „ „ „ 573 M. = 4675,1 Mill. M. 

Wir haben nun weiter das Einkommen derjenigen Personen zu 
berücksichtigen, die bei einem Einkommen über 900 M. wegen 
einer größeren Zahl versorgungsberechtigter Angehöriger oder aus 
anderen Gründen steuerbefreit waren. 

Die Zahl derer, die auf Grund einer größeren Kinderzahl nach 
§18 der damaligen Fassung des Gesetzes freigestellt waren, be- 
trug 1892 nur 154 600. Es wurde damals nur um eine Stufe ermäßigt 
das Einkommen der steuerbefreiten Personen läßt sich also auf 
975 M. pro Kopf veranschlagen, das Gesamteinkommen mithin auf 
151 Mill. M. — Dagegen wurden 1912 auf Grund der veränderten Ge- 
setzgebung von 1909 (nach § 19 des neuen Gesetzes) sehr viel mehr 
Personen freigestellt und zwar 608 000. Da nach der Gesetzgebung 
von 1909 Steuerpflichtige mit mehr als 3000 M. Einkommen bei 
2 versorgungsberechtigten Familienangehörigen um 1 Stufe, bei 3 
und 4 Angehörigen um 2 Stufen, bei 5 und 6 um 3 Stufen etc. 
ermäßigt wurden, so läßt sich auf Grund der Angaben, wie oft Per- 
sonen wegen 2, wegen 3 und 4 etc. Kinder ermäßigt oder frei- 
gestellt wurden (siehe Tabelle V) unter Berücksichtigung der Stärke 
der einzelnen Einkommensgruppen berechnen, daß von den 608 000 
freigestellten Personen 362500 um 1 Stufe, 195000 um 2 Stufen, 
44200 um 3 Stufen und 6 200 um 4 Stufen ermäßigt sind. Wenn 
wir für die um 1 Stufe Ermäßigten ein Durchschnittseinkommen von 
975 M., für die um 2 Stufen Ermäßigten ein Durchschnittsein- 
kommen von 1125 M. usf. annehmen, so erhalten wir als Gesamt- 
einkommen der Freigestellten 638 Mill. M. (und ein Durchschnitts- 
einkommen von 1049 M.). 



Arthur Friedmann 



Tabelle III. 

Berechnung des Durchschnittseinkommens der Haushaltungsvorstände mit einem Ein- 
kommen von weniger als 900 M. in Sachsen 1908 bei Hinzurechnung des Einkommens 
der Familienangehörigen zu dem Einkommen des Haushaltungsvorstandes. 



a. 


b. 


c. 


d. 


e. 


Einkommens- 
gruppe 


Zahl der Haushaltungs- 


Durchschnitts- 


Gesamt- 


vorstände in 


Tausend 


einkommen 


einkommen in 




(geschätzt) 


in Mark 


1000 M. 


bis 300 M. 1 




20,0 


250 


5 000 


300— 350 „ \ 


53,* 4 ) 


10,0 


333 


3 330 


350— 400 „ ) 




23,3 


380 


8854 


400— 450 „ 1 
450— 500 „ / 


37,9 


20,0 


425 


8 500 


17,9 


475 


8502 


500— 550 ,, 1 
55o— 600 „ / 


37,o 


17,5 


525 


9 188 


19,5 


575 


11213 


600 — 650 „ 1 
650— 700 „ / 




20,7 


625 


12 937 


44> 7 


24,0 


675 


16 200 


700— 750 „ 1 
750- 800 „ / 


64,8 


3 2 ,8 


725 


23780 


3i,5 


775 


24413 


800- 850 „ 1 




3i,o 


825 


25 575 


850— 900 „ \ 


94,2 


31,2 
3 2 ,o 


875 


27300 


90O— 950 „ J 


Summe 184792 


950—1000 „ 1 
1000 — 1050 „ > 
1050— 1 100 „ J 




34,4 






103,5 


34,5 








34,6 






1100—1150 „ \ 




33,0 






1150— 1200 „ \ 


94.8 


3i,6 






1200— 1250 „ J 




30,2 







Zahl der Haushaltungs vorstände mit einem Einkommen unter 900 M. 299 400. 
Durchschnittseinkommen 617 M. 

kommt. Wir schätzen danach für die sächsischen Einkommen unter 
900 M. 1908 ein Durchschnittseinkommen von 583 M., für das Jahr 
1892 bei einer entsprechenden Korrektur der oben angegebenen Zahl 
538 M. 

In Preußen ist das Durchschnittseinkommen der Gesamtbevölke- 
rung geringer als in Sachsen, 1892 26<y , 1911 (gegen Preußen 1912) 
23o/o (siehe weiter unten). Da das preußische Durchschnittsein- 
kommen des Jahres 1912 dem sächsischen Durchschnittseinkommen 
des Jahres 1892 etwas näher als dem Durchschnittseinkommen des 
Jahres 1911 kommt (S. 11), kann man annehmen, daß der Durch- 
schnittsbetrag der preußischen Einkommen unter 900 M. 1912 etwa 
die Mitte zwischen dem Durchschnittsbetrag der sächsischen Ein- 
kommen unter 900 M. in den Jahren 1892 (538 M.) und 1908 
(583 M.) hält, also 561 M. beträgt. Wenn wir vom Jahre 1892 
bis zum Jahre 1912 für Preußen eine entsprechende Steigerung 
dieses Durchschnittseinkommens wie in Sachsen von 1892 — 1908 



4) Zeitschrift des Königlich Sächsischen Statistischen Landesamtes, 56. Jahr- 
gang, 2. Heft, S. 208, 1910. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 5 

vermuten, so erhalten wir als Durchschnittsbetrag der Einkommen 
unter 900 M. in Preußen 1892 504 M. 

Weiter ließe sich auf Grund der sächsischen Ergebnisse eine 
Schätzung der Durchschnittseinkommen unter 900 M. in Preußen 
noch auf folgende Weise durchführen: Das Verhältnis der Zensiten- 
zahl mit weniger als 900 M. Einkommen zu der Zensitenzahl mit 
einem Einkommen von 900—1050, 1050—1200 und 1200—1350 M. 
ist in Preußen 1892 etwas größer als in Sachsen (wobei in Sachsen 
eine größere Zahl Familienangehöriger als in Preußen gesondert ge- 
gezählt ist) und für Preußen 1912 nicht sehr viel geringer als für 
Sachsen 1908, so daß sich die Durchschnittshöhe der preußischen 
Einkommen unter 900 M. in den Jahren 1892 und 1912 nach einem 
Vergleich mit den entsprechenden sächsischen Ziffern für 1892 und 
1908 ungefähr abschätzen läßt. Wir erhalten so für das Jahr 1892 
520 M., für das Jahr 1912 585 M. (siehe die Berechnung Ta- 
belle IV). Da die frühere Schätzung die Werte 504 und 561 ergab, 
wollen wir den Durchschnittsbetrag der Einkommen unter 900 M. 
in Preußen für das Jahr 1892 zu 512 M., für das Jahr 1912 zu 
573 M. veranschlagen. Unter dieser Voraussetzung erhalten wir als 
Gesamteinkommen der Personen mit einem Einkommen von weniger 
als 900 M. 

1892 8381000 Personen mit einem durchschn. Eink. von 512 M. = 4291,1 ICH, Iff, 
I9I28159000 „ „ „ „ „ „ 573 M. = 4675,1 Mill. M. 

Wir haben nun weiter das Einkommen derjenigen Personen zu 
berücksichtigen, die bei einem Einkommen über 900 M. wegen 
einer größeren Zahl versorgungsberechtigter Angehöriger oder aus 
anderen Gründen steuerbefreit waren. 

Die Zahl derer, die auf Grund einer größeren Kinderzahl nach 
§18 der damaligen Fassung des Gesetzes freigestellt waren, be- 
trug 1892 nur 154600. Es wurde damals nur um eine Stufe ermäßigt 
das Einkommen der steuerbefreiten Personen läßt sich also auf 
975 M. pro Kopf veranschlagen, das Gesamteinkommen mithin auf 
151 Mill. M. — Dagegen wurden 1912 auf Grund der veränderten Ge- 
setzgebung von 1909 (nach § 19 des neuen Gesetzes) sehr viel mehr 
Personen freigestellt und zwar 608000. Da nach der Gesetzgebung 
von 1909 Steuerpflichtige mit mehr als 3000 M. Einkommen bei 
2 versorgungsberechtigten Familienangehörigen um 1 Stufe, bei 3 
und 4 Angehörigen um 2 Stufen, bei 5 und 6 um 3 Stufen etc. 
ermäßigt wurden, so läßt sich auf Grund der Angaben, wie oft Per- 
sonen wegen 2, wegen 3 und 4 etc. Kinder ermäßigt oder frei- 
gestellt wurden (siehe Tabelle V) unter Berücksichtigung der Stärke 
der einzelnen Einkommensgruppen berechnen, daß von den 608 000 
freigestellten Personen 362500 um 1 Stufe, 195000 um 2 Stufen, 
44200 um 3 Stufen und 6 200 um 4 Stufen ermäßigt sind. Wenn 
wir für die um 1 Stufe Ermäßigten ein Durchschnittseinkommen von 
975 M., für die um 2 Stufen Ermäßigten ein Durchschnittsein- 
kommen von 1125 M. usf. annehmen, so erhalten wir als Gesamt- 
einkommen der Freigestellten 638 Mill. M. (und ein Durchschnitts- 
einkommen von 1049 M.). 



Arthur Friedmann 







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Die "Wohlstandsentwicklucg in Preußen von 1891 — 1911. 9 

Tabelle VI. 

Betrag des nicht veranlagten Einkommens der nach § 19 des Ein- 
kommensteuergesetzes ermäßigten aber nicht freigestellten Zensiten 
mit einem Einkommen von 1050 — 3000 M. im Jahre 1912. 

Die Zahl der veranlagten Zensiten mit einem Einkommen von 900 — 3000 M. beträgt 
6 123 000, die Zahl der nach § 19 Freigestellten 608 000, zusammen 6 731 000. Es 
wurden nach § 19 insgesamt ermäßigt oder freigestellt 2 414 000, das sind 35,9 %• 
Die Ermäßigung erfolgten (siehe Tabelle V) in 38 °/ der Fälle wegen des Vorhanden- 
seins zweier Angehöriger, also um eine Stufe, in 43,6% der Fälle wegen 3 oder 4 
Angehöriger — um 2 Stufen — , in 15,4, 2,8, 0,2 °/ der Fälle um 3, resp. 4 und 5 
Stufen. Im Durchschnitt wurde um 1,84 Stufen ermäßigt (Tabelle V). — Bei der 
Gruppierung der Zensiten in die einzelnen Einkommensgruppen wurden die stattgehabten 
Ermäßigungen bereits in Betracht gezogen, so daß alle Einkommensgruppen schwächer als 
in Wirklichkeit besetzt sind. Von den insgesamt 18 000 Ermäßigten wurden nur 17 000 
berücksichtigt. Da sich die nicht berücksichtigten Ermäßigten auf die einzelnen Ein- 
kommensgruppen ungefähr entsprechend der angegebenen Stärke derselben verteilen, 
ist dem ermittelten, nicht veranlagten Einkommen 5,9 °/o hinzuzurechnen. 



a 


b 


c 


d 


e 


f 


g 


h 


Ein- 
kommens- 
gruppe 


Zahl 

der 

Zensiten 


Zahl der er- 
mäßigten 

Zensiten ein- 
schließlich 
der frei- 
gestellten 

(35,9 o.' von b) 


Zahl der ermäßigten Zensiten aus- 
schließlich der freigestellten 


durchsch 

liehe I 

mäßigunge 

Ein- 
kommens- 


nitt- 

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n um 


Betrag des nicht 

veranlagten 

Einkommens 

(eXg) 


M. 


Tausend 


Tausend 


°/o von c Tausend 


stufen 


Mark 


1000 M. 


1050— 1200 


1185 


425,42 


um 1 Stufe ermäßigt 38,0 


161,66 


1 


150 


24249 


1200— 1350 


904 


324,54 


/um 2 Stufen ermäßigt 43,6 
\ „ 1 Stufe „ 38,0 


141,50 
123,33 


2 


300 
150 


42450 
18500 








[um 3 Stufen ermäßigt 15,4 


43,56 


3 


450 


19602 


r 35o— 1500 


788 


282,89 


< » 2 „ „ 43,6 


123,34 


2 


300 


37002 








l „ 1 Stufe „ 38,0 


107,50 


1 


150 


16 125 


1500 — 1650 


531 


190,68 


um 1-4 Stufen ermäßigt 99,0188,72] 








1650 — 1800 


434 


155,81 


100,0 


155,81 f 481,31 


1,84 


276 


132842 


1800 — 2100 


38i 


136,78 


• 100,0 


136,78 J 








2100—2400 


264 


94,7 8 


100,0 


94,78 


1,84 


426 


40 37Ö 


2400 — 2; 00 
2700 — 3000 


161 
110 


57,80 

39,49 


100,0 
100,0 


57 > 8 °1 Q7 29 
39,49/ 97 ' 29 


1,84 


552 


53 704 






Summe 384 850 












zuzüglich 5,9 % 22 7° 6 



Gesamtbetrag des nicht veranlagten Einkommens der er- 
mäßigten Zensiten mit 1050 — 3000 M. Einkommen 407,6 Mill. M. 

Nun hat aber die offizielle Statistik bereits diejenigen Zensiten, 
die bei einem Einkommen über 3000 M. zu einem niederen Ein- 
kommen als 3000 M. veranlagt wurden, nicht wie sonst derjenigen 
Einkommensgruppe, zu der sie veranlagt wurden, sondern der Ein- 
kommensgruppe, 3000 — 3300 M. hinzugezählt 10 ). Eine spezielle Be- 
rechnung zeigt, daß sich hierdurch eine Differenz von 36 Mill. M. 
ergibt. Wir hätten also dem von der offiziellen Statistik verzeich- 



10) Statistik der Preußischen Einkommensteuerveranlagung für das Jahr 
1912, S. 5/6. • 



10 



Arthur Friedmann, 



Tabelle VIL 

Berechnung des nicht veranlagten Einkommens der nach § 19 des 
Einkommensteuergesetzes ermäßigten Zensiten mit einem Einkommen 

von 3000 — 6500 M. im Jahre 1912. 
Von 565 000 Zensiten wurden 212 000, das sind 37,5%, ermäßigt. Die Ermäßigung 
erfolgte (vgl. Tabelle V) in 43,5 °/o der Fälle wegen Vorhandenseins von 2 An- 
gehörigen, also um eine Stufe, in 42,3 °/ der Fälle wegen 3 oder 4 Angehöriger 
— um 2 Stufen — , in 11,2, 2,6 und 0,4 °/ um 3 resp. 4 und 5 Stufen. Im Durch- 
schnitt wurde um 1,74 Stufen ermäßigt (Tabelle V). 



a 


b 


c 


d 


e 






Zahl der 


durchschnitt- 


Betrag d. nicht 


Einkommensgruppe 


Zahl der Zensiten 


ermäßigten 
Zensiten 


liche Ermäßi- 
gung um 


veranlagten 
Einkommens 






(377 2 °/ vonb) 


(l 8 / 4 Stufen) 


(cXd) 


M. 


Tausend 


Tausend 


Mark 


1000 M. 


über 3000, aber zu weniger 










als 3000 veranlagt 


75,01 










3000 — 3300 


98,9 










3300—3600 


79,9 










3600—3900 


64,1 


477,4 


179,0 


525 


93 975 


3900 — 4200 


57,6 










4200 — 4500 


49,2 










4500 — 5000 


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5000—5500 


39,ö 

^ abzüglich 5 Tsd. zu\ 


14,9 


725 


10803 


5500 — 6000 
6000 — 6500 


j weniger als 6500 M.j 
227 i veran l a S te Zensiten >48,o 
' 1 mit mehr als 6500 M. 








18,0 


875 


15 750 




J 


Einkommen / 









Gesamtbetrag des nicht veranlagten Einkommens 

der Zensiten mit 3000—6500 M. Einkommen 120,5 Mill. M. 

neten Einkommen nicht 542 Mill. M., sondern 36 Mill. M. weniger, 
das sind 506 Mill. M., hinzuzurechnen. 

Die Freistellungen und Ermäßigungen auf Grund des § 19 
resp. 20 des Gesetzes wegen ungünstiger Lebensverhältnisse sind 
nicht erheblich. 1892 wurden 4 430 Personen befreit mit einem 
Einkommen von ca. 5 Mill. M., ermäßigt wurden 49 000 Personen. 
Der Gesamtsteuerausfall infolge der Freistellungen und Ermäßi- 
gungen betrug 543 000 M., infolge der Ermäßigungen allein also 
ca. 500000 M., das wären pro Kopf 10 M. Das nicht veranlagte Ein- 
kommen der Ermäßigten läßt sich danach auf 400 M. pro Kopf, 
insgesamt auf 20 Mill. M. schätzen. 

1912 wurden 23 000 Personen nach § 20 des Gesetzes frei- 
gestellt mit einem Gesamteinkommen von ca. 23 Mill. M. Die Zahl 
der Ermäßigten betrug 185 000, der Steuerausfall infolge der Er- 
mäßigungen einschließlich der Freistellungen 1569 000 M., aus- 
schließlich der Freistellungen schätzungsweise 1380000 M., das sind 
pro Kopf ca. 7,4 M. Steuerausfall, was einem nicht veranlagten Ein- 
kommen von ca. 320 M. entspricht. Das nicht veranlagte Ein- 
kommen der Ermäßigten stellt sich somit auf etwa 58 Mill. M. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. \\ 

Zusammenfassend erhalten wir folgende Summen: 

1892 1912 

Mill. M. 

Gesamtes veranlagtes Einkommen über 3000 M. 2812 6656 

unter 3000 „ 2912 6584 
Einkommen der Haushaltungsvorstände und Einzelsteuernden mit 

weniger als 900 M. Einkommen 4 291 4675 

Einkommen der nach § 18 resp. 19 freigestellten Zensiten 151 638 
Nicht veranlagtes Einkommen der nach § 18 resp. 19 ermäßigten 

Zensiten 90 506 

Einkommen der nach § 19 resp. 20 freigestellten Zensiten 5 25 
Nicht veranlagtes Einkommen der nach § 19 resp. 20 ermäßigten 

Zensiten 20 58 

10 281 21 140 

Die Bevölkerungszahl betrug Ende 1891 30337 000, Ende 1911 
40 740000. Das Durchschnittseinkommen stellte sich danach 1892 
auf 338,9 und 1912 auf 518,9 M., die Steigerung des Einkommens 
betrug 53,lo/o. 

Bei der hier gegebenen Schätzung des Einkommens auf Grund 
der Veranlagungsergebnisse ist nur die Schätzung der Ein- 
kommen unter 900 M. unzuverlässig (auf die Ungenauigkeit der Ver- 
anlagung selbst nehmen wir erst später Rücksicht). Aber auch et- 
waige fehlerhafte Schätzungen der Einkommen unter 900 M. würden 
nicht allzu sehr ins Gewicht fallen : Wäre beispielsweise in den 
beiden Vergleichsjahren (was schon recht unwahrscheinlich ist) das 
Einkommen der steuerfreien Personen durchschnittlich 60 M. höher 
oder niedriger, als wir annahmen, so würde das Durchschnittsein- 
kommen des Jahres 1892 355,5 resp. 322,3 M., das Durchschnitts 
einkommen des Jahres 1912 530,9 resp. 506,9 M. betragen und die 
Steigerung statt 53,1 o/o 49,1 o/ resp. 57,3% ausmachen. Und wenn 
wir fälschlicherweise eine um 30 M. zu geringe Steigerung des Durch- 
schnittsbetrages der Einkommen unter 900 M. (von 512 auf 573 
statt auf 603 M.) angenommen hätten, so würde doch die ermittelte 
Einkommenssteigerung noch nicht um 2 o/ von der wirklich er- 
folgten Steigerung, die sich auf 54,8 o/ beliefe, abweichen. 

Unter den außerpreußischen Bundesstaaten will ich allein für 
Sachsen eine Berechnung des Durchschnittseinkommens ver- 
zeichnen. Hier gibt die offizielle Steuerstatistik selbst die erforder- 
lichen Zahlen. Das Gesamteinkommen aller physischen Zensiten, 
einschließlich der steuerfreien Personen mit einem Einkommen von 
weniger als 300 resp. 400 M. betrug nach Abzug der Schuldzinsen 
1892 1525 Mill. M.")» 1911 etwa 3070 Mill. M. 12 ). Die Er- 
mäßigungen wegen Kinderprivilegs sind für das Jahr 1892 unerheb- 
lich, für das Jahr 1911 wurde das Einkommen ohne vorherige Er- 
mäßigung gezählt. Das Durchschnittseinkommen stellte sich 1892 
auf 427,6 M., 1911 auf 638,7 M. ; es war somit 1892 26,2o/o 

11) Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen auf das Jahr 1894, 
S. 103 und S. 109. 

12) Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen, 1912, S. 185. 



22 Arthur Friedmann, 

höher als in Preußen, 1911 23,1 o/o höher als in Preußen 1912. 
Die Einkommensteigerung betrug während dieser 19 Jahre 49,3 o/o 
während sie in Preußen in den 20 Jahren 53,1% ausmachte. 
Bei einem Vergleich der preußischen und sächsischen Einkom- 
men ist zu beachten, daß die ländliche Bevölkerung in Sach- 
sen relativ geringer als in Preußen ist (1910 wohnten in Sach- 
sen nur 27,0% der Bevölkerung in ländlichen Gemeinden, in 
Preußen dagegen 38,5% 13 ). Da der Realwert eines bestimmten Ein- 
kommens auf dem Lande größer als in der Stadt ist, so sind die 
Einkommensunterschiede von Preußen und Sachsen weniger be- 
deutend, als dies nach den obigen Zahlen der Fall zu sein scheint. 

In den übrigen Bundesstaaten wird das Nominaleinkommen kaum 
höher als in Preußen, jedenfalls nicht so hoch wie in Sachsen sein; 
die ländliche Bevölkerung ist in den nicht-preußischen Bundesstaaten 
(außer Sachsen) stärker vertreten als in Preußen, die Bevölkerung 
in ländlichen Gemeinden macht hier 46 o/o der Gesamtbevölkerung 
aus gegen 38,5% in Preußen 13 ). Das Durchschnittseinkommen für 
das Reich wird jedenfalls nicht wesentlich von dem preußischen 
Durchschnittseinkommen abweichen. 

Da nun das steuerpflichtige Einkommen durch die Steuer nicht 
vollständig erfaßt wird, wäre es weiter nötig, die Höhe des hinter- 
zogenen resp. zu wenig veranlagten Einkommens zu 
schätzen. Uns interessiert es vor allem, ob sich in dieser Hinsicht 
für die beiden Vergleichs jähre 1892 und 1912 verschiedene Verhält- 
nisse ergeben. Aber auch die absolute Höhe der Hinterziehungen 
ist deshalb von Bedeutung, weil bei absolut höheren Hinterziehungen 
eine etwaige Verminderung derselben im Laufe der Jahre mehr ins 
Gewicht fallen würde. Man nimmt an, daß die präzisere Ausbildung 
der Steuertechnik mit den Jahren eine vollständigere Erfassung des 
Einkommens ermöglichte. 

Für die Einkommen über 3000 M. läßt sich ein ge- 
wisser Anhalt für die Höhe der Hinterziehungen aus der Zahl 
und dem Erfolge der Steuerbeanstandungen gewinnen. Im Jahre 1911 
wurden in Preußen 35,3% aller Steuererklärungen beanstandet und 
von diesen 72,8 o/ (25,7 o/ aller Steuer klärungen) berichtigt. Die 
betreffenden Zensiten wurden zu einem durchschnittlich 30% höhe- 
ren Einkommen veranlagt 14 ). Ein nicht unerheblicher Teil dieser 
Berichtigungen wurde allerdings wieder auf Grund eingelegter Be- 
rufungen korrigiert. Während nach den Beanstandungen des Jahres 
1910 15 ) insgesamt 13 454000 M. mehr Einkommensteuern aufzu- 
bringen waren — meist von Zensiten mit einem Einkommen von 
mehr als 3000 M. — wurden auf Grund der Berufungen und Be- 
schwerden der Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen, die ver- 



13) Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Keich, 1913, S. 4. 

14) Mitteilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern in Preußen, 1912, 
No. 55, S. 132 und 134. 

15) Für 1911 liegen die erforderlichen Zahlen zurzeit nicht vor. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 13 

mutlich meist beanstandete Steuererklärungen abgegeben hatten, 
2 882000 M. Steuern ermäßigt 16 ). Danach wären die berichtigten 
Einkommen nicht um 30 o/o, sondern um reichlich ein Fünftel weniger, 
also um etwa 23,5 o/o, zu niedrig deklariert worden. Sicher wird nun 
aber auch bei der Beanstandung das tatsächliche Einkommen nicht 
vollständig ermittelt. Betrugen die festgestellten Hinterziehungen 
23,50/0, so mochten die wirklichen Hinterziehungen vielleicht 33,5o/o 
ausmachen ; wir hätten dann zu dem nach den Beanstandungen und 
Berufungen berichtigten Einkommen noch 8o/ hinzuzurechnen. — Er- 
wägen wir nun, daß 25,7 o/ aller Zensiten nachweislich ihr Ein- 
kommen um 23,5o/o, wahrscheinlich erheblich mehr, vielleicht um 
33,5% zu niedrig angaben, und berücksichtigen wir weiter, daß von 
den beanstandeten Zensiten immerhin nur 27o/ kein Fehler in den 
Angaben nachgewiesen wurde, so werden wir vermuten dürfen, daß 
auch bei den nicht beanstandeten Zensiten unrichtige Deklarationen 
von erheblichem Umfange vorkamen. Wir schätzen, daß die 65 0/0 
nicht beanstandeter Zensiten ihr Einkommen um durchschnittlich 
10 — 15o/o zu niedrig angaben. Da wir für die beanstandeten Zen- 
siten noch nach der Berichtigung eine Hinterziehung von 8o/ ver- 
muten, so hä-tten wir für die deklarierten Einkommen im Durch- 
schnitt eine Hinterziehung von 10% zu rechnen. 

Es ist nun weiter zu bestimmen, in welchem Maße die Hinter- 
ziehungen im Laufe der Jahre abgenommen haben. Auch in dieser 
Hinsicht sind die Erfolge der Beanstandungen von einigem Wert. 
Ein Vergleich der Jahre 1898 und 1911 zeigt, daß im Jahre 1898 
nicht erheblich mehr Hinterziehungen als 1911 nachgewiesen wurden. 
Während im Jahre 1898 merklich weniger Deklarationen beanstandet 
wurden als 1911, 32,5 o/ gegen 35,3 o/ , wurden doch fast ebensoviel 
Erklärungen berichtigt, 24,5 gegen 25,7 o/ , und man könnte daraus 
allerdings auf etwas häufigere Hinterziehungen schließen. Anderer- 
seits wurden im Jahre 1898 verhältnismäßig geringere Summen 
berichtigt, 27,1 gegen 30 0/0 des deklarierten Einkommens. Immerhin 
darf man aus der Tatsache, daß die Steuerbehörden trotz ihrer noch 
geringeren Erfahrungen und ihrer weniger weitreichenden Befug- 
nisse vor 14 Jahren ebensoviel Hinterziehungen als heute nachwiesen, 
schließen, daß die tatsächlichen Hinterziehungen damals wesentlich 
größer waren. Wir schätzen, daß die Steuerhinterziehungen im Jahre 
1892, soweit sie nicht durch die Beanstandungen berichtigt wurden, 
löo/o betrugen gegen 10 0/0 im Jahre 1912. Ueber die eventuellen 
durch die Unzuverlässigkeit dieser Schätzung bewirkten Fehler 
sprechen wir später. 

Die Einkorn men unter 3000 M., bei denen die Veranlagung 
vielfach ohne genügenden Anhaltspunkt erfolgen muß, sind wahr- 
scheinlich noch häufiger als die Einkommen über 3000 M. zu niedrig 

16) 1. c, S. 148. 

17) Kurt Nitsche, Einkommen und Vermögen in Preußen und ihre Ent- 
wicklung seit Einführung der neuen Steuern mit Nutzanwendung auf die Theorie 
der Einkommensentwicklung, 1902. 



14 

eingeschätzt. Insbesondere werden vielfach etwaige Nebeneinnahmen 
der einzuschätzenden Personen nicht berücksichtigt: der Arbeits- 
verdienst von Frau und Kindern, der Nebenerwerb des Mannes, die 
Einnahmen aus Naturalien, bei Untervermietung derjenige Betrag, 
der über den eigenen Mietbetrag hinausgeht. Bei etwas höheren Ein- 
kommen, die schon nahe an 3000 M. herankommen, spielen, wie 
Nitsche 17 ) hervorhebt, bereits Einnahmen aus Kapitalien eine er- 
hebliche Rolle, die bei der Einschätzung sicher nur ganz ungenügend 
erfaßt werden. Die Reichserhebung von Wirtschaftsberechnungen 
minderbemittelter Familien 18 ) gibt auf 100 Teile des Arbeitsver- 
dienstes des Mannes 21,4 Teile anderweitiger Einnahmen an, dar- 
unter etwa 15 — 20 Teile eigentliches Einkommen. Hierbei scheinen 
aber die Nebenverdienste, beispielsweise das Arbeitseinkommen der 
Frau, noch nicht vollständig erfaßt zu sein. 

Auch hier, bei den nicht deklarierten Einkommen ist es von be- 
sonderem Interesse, ob die Einschätzungen im Laufe der letzten 
2 Jahrzehnte richtiger geworden sind. In dieser Hinsicht ist die 
gesetzliche Bestimmung des Jahres 1906 von Bedeutung (§ 23 des 
Einkommensteuergesetzes), die die Arbeitgeber zur Auskunft über 
das Einkommen der Arbeitnehmer verpflichtet. Ein Vergleich des in 
den Jahren 1906 und 1908 veranlagten Einkommens zeigt aber, daß 
die Erfolge des neuen Gesetzes nicht allzu weitreichend waren. Das 
veranlagte Durchschnittseinkommen der städtischen Zensiten mit 
einem Einkommen von 950 — 1050 M. nahm allerdings, wie sich aus 
der Abnahme der Zensitenzahl mit einem Einkommen von weniger 
als 1050 M. berechnen läßt, um ca. 11 o/o zu 19 ), in der gleichen Zeit 
stieg aber auch das wirkliche Einkommen um mindestens 5%. Nach 
den Lohnnachweisungen der Berufsgenossenschaften stieg der Durch- 
schnittslohn eines Vollarbeiters von 1905 — 1906 um 5 o/o, von 1906 



18) 2. Sonderheft zum Keichsarbeitsblatt, 1909. 

19) Vom Jahre 1906 bis zum Jahre 1908 verminderte sich in den Stadt- 
kreisen die Zahl der Zensiten mit weniger als 1050 M. Einkommen von 3 105 000 
auf 2 917 000, wenn die Freigestellten und Ermäßigten ihrer eigentlichen Ein- 
kommensgruppe zugewiesen werden, von ca. 3 032 000 auf 2 837 000. Dies be- 
deutet bei einer Bevölkerungszunahme von 8,26 o/ eine relative Verminderung um 
13,4 o/ . Es müssen also 13,4 o/o aller Personen mit einem Einkommen von weniger 
als 1050 M. von 1906 bis 1908 eine so starke Einkommensteigerung erfahren haben, 
daß ihr Einkommen 1908 1050 M. oder mehr betrug. Da 1906 die Zensiten mit 
einem Einkommen zwischen 900 und 1050 M. 20,6 o/o aller Zensiten mit einem 
Einkommen unter 1050 M. ausmachten, so läßt sich schätzen, daß die Einkommen 
zwischen 945 und 1050 M. 13,4 o/ aller Einkommen unter 1050 M. darstellten. 
Wenn nun sämtliche Einkommen um 11,1 o/ gestiegen wären, so würden 
alle Einkommen zwischen 945 und 1050 M. die Grenze von 1050 M. 
überschritten haben, also die Zahl der Einkommen unter 1050 M. um 
11,1 o/ vermindert sein. Tatsächlich haben nun nicht alle Einkommen gleichmäßig, 
sondern die einen mehr als 11 o/o, die anderen weniger als 11 o/ zugenommen, die 
anderen gar abgenommen. Es läßt sich aber zeigen, daß, wenn nur die durch- 
schnittliche Steigerung 11 o/ betragen hätte, etwa ebensoviel Einkommen 
wie zwischen 945 und 1050 M. liegen, die Höhe von 1050 M. erreicht hätten. 
Auch die Tatsache, daß die Einkommen zwischen 945 und 1050 M. nicht gleich- 
mäßig verteilt sind, sondern mehr Einkommen 945 als 1050 M. nahekommen, ist 
für das Kesultat von keiner wesentlichen Bedeutung. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 15 

bis 1907 um 4<y und von 1907—1908 um 0,4o/ 2o). Da der Steuer- 
veranlagung vorwiegend das Einkommen des vorangegangenen Jahres 
zugrunde liegt, so hätte wenigstens das Einkommen der Arbeiter von 
1906 — 1908 um ca. 8<>/o zugenommen, und da in den größeren 
Städten, um die es sich hier handelt, die meisten Zensiten mit einem 
Einkommen von 950 — 1050 M. industrielle Arbeiter sind, könnte 
auch für den Durchschnitt der Zensiten dieser Einkommensgruppe 
mit einer Einkommensteigerung von mindestens 5°/o gerechnet 
werden. Die gesetzliche Regelung, die den Steuerbehörden die Er- 
kundigung beim Arbeitgeber des Einzuschätzenden gestattet, hätte 
danach, selbst für die großstädtische Bevölkerung der niedersten 
Einkommensgruppen, eine kaum mehr als 6% höhere Einschätzung 
zur Eolge gehabt 21 ). 

Die Veranlagung der niederen Einkommen mag allerdings in der 
Zeit von 1892 — 1912 auch unabhängig von der gesetzlichen Neu- 
regelung des Jahres 1906 nur auf Grund der besseren Erfahrungen 
der Steuerbehörden vollständiger geworden sein. Wir veranschlagen 
die heutigen Mindereinschätzungen der nicht deklarierten Einkommen 
zu 15o/o, im Jahre 1892 zu 22o/ . — Da die Einkommen unter 900 M. 
nach der Höhe der veranlagten Einkommen geschätzt wurden, 
erheben wir auch zu diesem Einkommen den gleichen Zuschlag wie 
zu den Einkommen zwischen 900 und 3000 M. 

Berechnen wir, gemäß den hier veranschlagten Hinterziehungen 
und Mindereinschätzungen für die Einkommen über 3000 M. im 
Jahre 1892 einen Zuschlag von 15%, im Jahre 1912 einen Zuschlag 
von 10 0/0, für die Einkommen unter 3000 M. im Jahre 1892 einen 
Zuschlag von 22 0/0, im Jahre 1912 von 15 0/0, so würde sich das 
Durchschnittseinkommen im Jahre 1892 statt auf 338,9 auf 407,0 M., 
1912 statt auf 518,9 auf 588,4 M. stellen, und die Steigerung des 
Durchschnittseinkommens von 1892 — 1912 betrüge nicht 53,1 son- 
dern 44,6o/o. 

Gewiß sind diese Schätzungen über den Umfang der Steuer- 
hinterziehungen nur unzuverlässig, doch würde auch hier — ähn- 
lich wie wir dies früher für die Berechnung der Einkommen unter 
900 M. gezeigt haben — ein etwaiger Fehler nicht allzu schwer 
wiegen: Wäre die wirkliche Hinterziehung in den beiden 
Jahren um einen gleichen Prozentsatz höher oder niedriger, als wir 
voraussetzen, so wäre dies für das Resultat gleichgültig. Aber 
auch wenn beispielsweise die Hinterziehungen im Jahre 1892 statt 
5 — 70/0 nur 3 oder 40/0 größer gewesen wären als im Jahre 1912, 
wäre die Steigerung des Durchschnittseinkommens nur um wenige 
Prozent stärker gewesen, als wir angaben. 



20) Richard Calwer, Das Wirtschaftsjahr 1907, I, S. 303 und Das Wirtschafts- 
jahr 1908, I, S. 323. 

21) Auch ein Vergleich der Veranlagungsergebnisse der preußischen Stadt- 
kreise mit den Veranlagungsergebnissen für das Königreich Sachsen in den Jahren 
1906 — 1908 macht es wahrscheinlich, daß ein erheblicher Teil der Zunahme des ver- 
anlagten Einkommens der Zensiten mit weniger als 1050 M. Einkommen auf eine 
wirkliche Einkommenssteigerung zurückzuführen ist. 



IQ Arthur Friedmann, 

Da wir beabsichtigen, späterhin die staatlichen Leistungen in 
den beiden Vergleichsjahren besonders zu behandeln, müssen wir, 
um eine Doppelzählung zu vermeiden, von dem bisher ermittelten 
Durchschnittseinkommen noch die in diesem Einkommen mitein- 
begriffenen Steuern in Abzug bringen. Die in den Jahren 1891 
und 1911 gezahlten direkten Staats- und Kommunalsteuern, soweit 
sie bei der Besteuerung der Jahre 1892 und 1912 nicht in Abzug 
gebracht wurden, berechnen sich, wie nachfolgende Aufstellung er- 
gibt, auf zirka 354 resp. 930 Mill. M. ; das wären 11,4 resp. 22,8 M. 
pro Kopf der Bevölkerung 22 ). Das Durchschnittseinkommen abzüg- 
lich aller Steuerleistungen betrug danach 1891 39 5,6 M., 1911 
565,6 M., die Steigerung 43,0 o/ . 

Berechnung der direkten Staats- und Kommunalsteuern physischer 
Personen im Jahre 1891, soweit sie bei Feststellung des st euerp nich- 
tigen Einkommens nicht in Abzug gebracht wurden. 

1. Staatseinkommensteuer 77 Mill. M. 

2. Direkte Steuern der Kommunen. 

a) Städte. 

Direkte Steuern der Städte mit mehr als 10000 Ein- 
wohnern 23 ) 122 Mill. M. 

abzüglich der von nicht physischen Personen ge- 
leisteten Realsteuern (Summe der Realsteuern 
17 Mill. M.) 2 „ „ 120 „ „ 

In 421 (für den betreffenden Kreis typischen) Städten 
mit weniger als 10 000 Einwohnern betrugen die 
direkten Steuern 13 Mill. M. 28 ), in sämtlichen 
1058 Städten mit weniger als 10 000 Einwohnern 
also schätzungsweise 33 „ „ 

b) Landgemeinden. 

Die Steuern in den Landgemeinden der sieben öst- 
lichen Provinzen (einschließlich Provinzial-, Kreis- 
und Schulabgaben) betrugen 1888 43 Mill. M. 24 ). 
Wir schätzen die direkten Steuern der Landge- 
meinden in den genannten Provinzen auf 40 Mill. M. 
Die Landgemeinden der fünf westlichen Provinzen 
zahlten 1883 92 °/ mehr direkte Steuern als die 
östlichen Provinzen 26 ). Wenn wir für das Jahr 
1888 ein noch etwas günstigeres Verhältnis für die 
westlichen Provinzen annehmen, erhalten wir für 
dieselben direkte Steuern in der Höhe von etwa 
78 Mill. M. 

Die direkten Steuern sämtlicher preußischer Land- 
gemeinden betrugen danach 1888 ca. 118 Mill. M. ; 
von 1888 — 1891 nahmen die direkten Staatssteuern 
in Preußen um 8 °/ zu; wir rechnen für die 
gleiche Spanne Zeit eine Vermehrung der Kom- 
munalsteuern der Landgemeinden um 5°/ . 

Gesamtsumme der direkten Steuern der Landge- 
meinden ca 124 „ ,, 

Gesamtsumme der von den veranlagten Einkommen nicht 

in Abzug gebrachten direkten Steuern im Jahre 1891 354 Mill. M 

22) Die indirekten Steuern wären hier außer acht zu lassen; die Ver- 
teuerung der Waren durch Verbrauchsabgaben und Zölle wird später bei Ermitt- 
lung des Realeinkommens berücksichtigt werden. 

23) Drucksachen des Preuß. Abgeordnetenhauses, Sess. 1892/93, No. 7. 

24) Statistisches Handbuch für den Preuß. Staat, Bd. 2, S. 623. 

25) Ebenda, S. 619. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. yj 

Berechnung der direkten Staats- und Kommunalsteuern physischer 
Personen im Jahre 1911, soweit sie bei Feststellung des steuerpflich- 
tigen Einkommens nicht in Abzug gebracht wurden. 

Staatseinkommensteuer physischer Personen 306 Mill. M. 

Ergänzungssteuer 63 „ „ 

Direkte Gemeindesteuern der Städte 5^ 2 Mill. M. 

Direkte Steuern der Landgemeinden mit mehr als 10 000 

Einwohnern $8 >» >> 

Die direkten Steuern der Landgemeinden mit weniger als 
10 000 Einwohnern lassen sich schätzungsweise ermitteln. 
1907 betrugen die direkten Steuern in Gemeinden unter 
10 000 Einwohnern (Stadtgemeinden mitgerechnet) 171 
Mill. M. (zuzüglich der Abgaben besonderer Schul ver- 
bände) 26 ), pro Kopf 7,6 M. Danach lassen sich die Steuern 
in den Gemeinden unter 10 000 Einwohnern (ausschließ- 
lich der Stadtgemeinden) 1911 (Einwohnerzahl 19 Mil- 
lionen) bei Annahme einer Steuer von 9,1 M. pro Kopf 
schätzen auf 173 » »> 

Gesamtsumme der direkten Steuern der Kommunen 813 Mill. M. 

Von dieser Summe sind 100 °/o der staatlich veranlagten 
Realsteuern, die nach dem Gesetze von 1906 als Werbungs- 
kosten von dem besteuerten Einkommen abgezogen werden 
dürfen, in Abrechnung zu bringen. Die Gemeinden ver- 
anlagen fast ausnahmslos 100 °/ der Realsteuern. 

100 °/ der staatlich veranlagten Realsteuern 190 „ „ 

Es bleiben 623 Mill. M. 

Hiervon wären weiter die von nicht physischen Personen 
geleisteten Steuern in Abzug zu bringen, die nach Ab- 
gaben für das Jahr 1899 2T ) auf 10 °/ der Summe ge- 
schätzt werden können. 

10°/ von 623 Mill. M .62 „ „ 

Gesamtsumme der von dem steuerpflichtigen Einkommen 
nicht in Abzug gebrachten direkten Kommunalsteuern 
physischer Personen $61 „ „ 

Gesamtsumme der von dem veranlagten Einkommen nicht in 

Abzug gebrachten direkten Steuern physischer Personen 930 Mill. M. 

2. Die Verteuerung der Lebenshaltung und die 
Steigerung des Realeinkommens. 

Nachdem wir bisher zu einer ungefähren Ermittlung des durch- 
schnittlichen Nominaleinkommens gelangt sind, gehen wir nunmehr 
dazu über, durch einen Vergleich der Lebenshaltung, die in den 
beiden Jahren auf Grund des jeweiligen Einkommens ermöglicht 
wurde, die Steigerung des Realeinkommens zu bestimmen. Da, wie 
wir bereits früher betonten, das veranlagte Einkommen eines be- 
stimmten Steuer jahres mehr dem tatsächlichen Einkommen des vor- 
angegangenen Jahres entspricht, legen wir die Preise der Jahre 
1891 und 1911 zugrunde. — Wir werden zuerst feststellen, ein wie 
großer Teil des Einkommens des Jahres 1911 dazu erforderlich 
war, um die gleiche Lebenshaltung wie im Jahre 1891 zu er- 



26) Eeichstagsdenkschrift zur Keichsfinanzreform, Bd. 1, S. 636. 

27) Statistisches Handbuch für den Preußischen Staat, Bd. 4, S. 643. 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 2 



lg Arthur Friedmann, 

zielen und wieviel Einkommensteile darüber hinaus im 
Jahre 1911 zur Verfügung standen. Die so bestimmte prozentuelle 
Steigerung bedeutet zwar noch kein entsprechendes Wachstum des 
Kealeinkommens. Wir werden aber später zeigen, daß die tatsäch- 
liche Zunahme desselben nur um ein weniges größer ist. 

Um zu bestimmen, ein wie großer Aufwand für einen gleichen 
Gesamtkonsum wie im Jahre 1891 nach den Preisen des Jahres 
1911 benötigt wurde, werden wir der Reihe nach die wichtigsten 
Bedarfsartikel unter Angabe des für dieselben im Jahre 1891 
erforderten Aufwandes anführen und zugleich die bis zum Jahre 
1911 erfolgten Preissteigerungen verzeichnen; aus diesen Daten 
wird sich ohne weiteres die durchschnittliche Verteuerung 
berechnen lassen. — Es bleibt vorläufig unberücksichtigt, daß im 
Jahre 1911 relativ mehr Waren in der Stadt, wo die Lebenshaltung 
teurer als auf dem Lande ist, konsumiert wurden und die Ver- 
teuerung der Lebenshaltung mithin größer war, als dies der durch- 
schnittlichen Preissteigerung an den einzelnen Orten entspricht. Wir 
werden auf diesen Gegenstand erst am Schlüsse dieser Zusammen- 
stellung zurückkommen. 

Bei den Verbrauchsberechnungen werden im allgemeinen die 
auf das Reich bezüglichen Daten benützt, die sich ohne erhebliche 
Fehler auf Preußen übertragen lassen. Eine Reihe von Angaben über 
Verbrauchsberechnungen basiert auf den Ergebnissen der vom Kais. 
Stat. Amte veranstalteten Erhebung von Wirtschaftsrechnungen minder- 
bemittelter Familien im Deutschen Reiche 28 ), die wir im folgenden 
kurz als Reichserhebung bezeichnen. Diese im Jahre 1907 
angestellten Untersuchungen, die sich auf insgesamt 852 Familien 
erstrecken, passen insofern einigermaßen auf die Verhältnisse des 
Jahres 1891, als das Durchschnittseinkommen der Gesamtbevölkerung 
im Jahre 1891/92 (von 39 6 M.) nur 12 o/o geringer war als das 
Durchschnittseinkommen der bei der Reichserhebung berücksichtig- 
ten Personen (das abzüglich Schuldzinsen, Steuern, Versicherungs- 
beiträge, Erwerbskosten ca. 4 51 M. betrug). Die Zahlen der Reichs- 
erhebung sind im folgenden um 12 o/o reduziert, die tatsächlich von 
der Reichserhebung gegebenen Ziffern sind in Klammern beigefügt. 
Aus mancherlei Gründen sind aber die von der Reichserhebung ge- 
gebenen Zahlen nur mit Vorsicht zu verwerten, insbesondere nimmt 
die Erhebung auf die Verhältnisse des Landes, wo der relative Auf- 
wand für die verschiedenen Bedarfsartikel erheblich von dem in der 
Stadt abweicht, kaum Rücksicht. — Zur Bestimmung der Groß- 
handelspreise werden häufig die Angaben in den Vierteljahrsheften 
zur Statistik des Deutschen Reiches herangezogen ; den Kleinhandels- 
preisen liegen meist die von der Statistik des Preußischen Statisti- 
schen Landesamtes gegebenen Zahlen zugrunde. Die Angaben dieser 
Statistik, im folgenden kurz Preußische Statistik genannt, 
sind darum nicht einwandfrei verwendbar, weil die Erhebungs- 
methode seit dem Jahre 1909 geändert wurde, insbesondere wurden 



28) Reichsarbeitsblatt, 2. Sonderheft, 1909. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. JQ 

früher Mittel preise, nach dem Jahre 1909 häufigste Preise 
verzeichnet, auch beziehen sich die Angaben wesentlich nur auf 
städtische Verhältnisse. 

Wir beginnen mit den Ausgaben für Nahrungsmittel und 
verzeichnen zuerst die für Fleisch gemachten Aufwendungen. 

In der Eeichstagsdenkschrift zur Reichsfinanzreform wurde der 
Fleischverbrauch in Deutschland auf Grund der Statistik der Vieh- 
schlachtungen für das Jahr 1906 auf 46 kg pro Kopf geschätzt. 
Ball od 29 glaubt, daß die wirklichen Werte etwas niedriger sind. 
Die sächsische Statistik, die sich auf Aufzeichnungen der Steuer- 
behörden stützt, gibt 1885 32,4 kg Fleischverbrauch pro Kopf, 
1903 43,1 kg an. Danach läßt sich der durchschnittliche Fleischver- 
brauch in Preußen für das Jahr 1891 auf ungefähr 37 kg schätzen, 
wovon nach den von der Reichsstatistik für das Jahr 1906 gegebenen 
Verhältniszahlen 30 ) ca. 19,7 kg auf Schweinefleisch, ca. 10,9 kg 
auf Rindfleisch, 2,4 kg auf Kalbfleisch, 0,9 kg auf Hammelfleisch 
und 3,1 kg auf anderes Fleisch kämen 31 ). Der Detailverkaufswert 
dieser Mengen betrug für Schweinefleisch ca. 20 M., für Rindfleisch 
ca. 12 M., für Kalbfleisch 2,4 M., für Hammelfleisch 1 M., für 
anderes Fleisch ca. 3 M., insgesamt 38,60 M. Diese Zahlen sind 
nach den Preisangaben der Preußischen Statistik berechnet, doch 
wurde speziell bei Schweinefleisch berücksichtigt, daß ein erheblicher 
Teil desselben in der eigenen Wirtschaft konsumiert wird und der 
Preis entsprechend niedriger angesetzt. (Nach der Reich serhe- 
bung bezifferte sich der Gesamtverbrauch an Fleisch, Wurst, Schin- 
ken, Speck, Fetten [allerdings einschließlich Pflanzenfette] auf 55 M. 
[62 M.] ). — Die Preissteigerung des Schweinefleischs betrug nach 
der Preußischen Statistik von 1891 — 1911 14,6 o/o. Für den Schweine- 
konsum auf dem Lande ist, besonders bei Deckung des Bedarfs 
aus der eigenen Wirtschaft, eher die Steigerung der Großhandels- 
preise maßgebend, die sich (in Berlin) auf 11,9 o/o belief 32 ). Wir 
können danach eine durchschnittliche Steigerung von 13 o/ an- 
nehmen. Die Verteuerung des Rindfleisches betrug für die gleiche 
Zeit nach der Preußischen Statistik 29,7 o/ (die Großhandelspreise 
stiegen um 27,8 °/o) 32 ). Die Kalbfleischpreise erhöhten sich um 
54,2 o/o, die Hammelfleischpreise um 40 o/ . Dabei können die Preise 

29) Festschrift für G. v. Mayr, Bd. 2, S. 614. 

30) Denkschrift zur Eeichsfinanzreform, Bd. 3, S. 76. 

31) In der Tat war der Konsum an Rindfleisch 1891 größer, der Konsum 
an Schweinefleisch geringer, als diese nach den Verhältniszahlen für das Jahr 
1906 berechneten Ziffern besagen, da die Zahl der Schweine von 1891 — 1906 
sehr viel stärker als die Zahl der Rinder zunahm und die Schweinefleisch- 
preise entsprechend weniger stiegen. Trotzdem legen wir diese für das Jahr 
1906 geltenden Verhältniszahlen zugrunde und berechnen so für das Fleisch ins- 
gesamt eine etwas geringere Preissteigerung, weil die früheren Konsumenten des 
Rindfleisches, die bei der geringeren Steigerung des Schweinefleisches Schweine- 
fleisch statt Rindfleisch verzehren, durch dessen Preissteigerung verhältnismäßig 
weniger betroffen werden (vgl. später S. 38). 

32) Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs. 

2* 



20 Arthur Friedmann, 

von 1911 nicht als abnorm hoch bezeichnet werden, die Eleischpreise 
des Jahres 1912 stellten sich noch erheblich höher. Für das hier 
nicht im einzelnen berücksichtigte Fleisch (Wild, Geflügel, Roß- 
fleisch) fehlen umfassende statistische Angaben. Wahrscheinlich 
ist auch dies Fleisch erheblich teurer geworden. Nach Angaben 
eines Hamburger Wild- und Geflügelhändlers ist der Preis der wich- 
tigsten Wild- und Geflügelarten heute 20 — 25 o/o höher als vor 20 
Jahren. Ein städtischer Verkaufsvermittler für Wild und Geflügel 
in Berlin schätzt die Preissteigerung für Geflügel auf 20 o/o, für 
Wild auf 20—30 o/o, für geringere Qualitäten wäre eine geringere 
Verteuerung eingetreten. Nach den Aufzeichnungen in den statisti- 
schen Jahrbüchern der Stadt Berlin war der Preis für Wild im 
Jahre 1910 im allgemeinen merklich höher als im Jahre 1896, da- 
gegen der Preis des Geflügels ziemlich unverändert. Wir rechnen 
für dieses hier nicht im einzelnen berücksichtigte Fleisch von 1891 
bis 1911 eine Preissteigerung von 15 °/o. 

Der Brot- und Mehl verbrauch des Jahres 1891 läßt sich 
unter Zugrundelegung der von der Eeichsstatistik für den Weizen- 
und Roggenkonsum gegebenen Zahlen unter Umrechnung auf Mehl 
und Brot auf ungefähr 22,50 M. für Weizenmehl und Weizenbrot 
und auf 23 M. für Roggenmehl und Roggenbrot schätzen 33 ). Diese 
Schätzung ist besonders deshalb unzuverlässig, weil die im Jahre 
1891 gezahlten Brotpreise nur schwer zu ermitteln sind. Für die 
Mehlpreise wurden die Zahlen der Preußischen Statistik berück- 
sichtigt, für Roggenbrot die Angaben im statistischen Jahrbuch 
deutscher Städte. Es wurden aber, in Anbetracht der niedrigeren 
Brotpreise auf dem Lande, besonders bei Befriedigung des Bedarfs 
aus der eigenen Wirtschaft, etwas geringere Werte in Anschlag ge- 
bracht. Da die Reichserhebung für Brot und Backwaren einen Ver- 
brauch von nur 31,30 (35,60) M. angibt, während wir hier einen 
Brotkonsum von 40 M. schätzten, und da bei der obigen Berechnung 
die als Viehfutter verwandten Getreidemengen nicht in Abzug ge- 
bracht wurden, wollen wir etwas niedrigere als die genannten Werte 
in Rechnung setzen, und zwar 21 M. für Weizenmehl und Weizen- 
brot und ebenso 21 M. für Roggenmehl und Roggenbrot. — Eine 
Gegenüberstellung der Preise in den Jahren 1891 und 1911 hätte 
darum nur wenig Wert, weil die Preise des Jahres 1891 wegen einer 
Mißernte ungewöhnlich hoch waren, wie dies ohne weiteres aus einem 
Vergleich der in den letzten Jahrzehnten verzeichneten Getreide- 



33) Der Weizenkonsum betrug 1891 etwa 80 kg pro Kopf. (Die in der 
Statistik angegebenen 69,5 kg müssen nach den Angaben im Denkschriften- 
band III zur Finanzreform S. 62 um etwa 15 o/o erhöht werden.) 80 kg Weizen 
entsprechen ungefähr 60 kg Weizenmehl oder: 62 kg Brot (19 M.) -f- 10 kg Mehl 
(3,50 M.). Der Koggenkonsum betrug 108 kg (93,8 kg zuzüglich 15o/ ), ent- 
sprechend 81kg Mehl oder: 100 kg Brot (21 M.) + 6 kg Mehl (2 M.). Die 
Roggenmengen, die als Viehfutter dienen, sind schwer zu schätzen; dieselben 
wurden hier nicht in Abzug gebracht. Die für die Branntweingewinnung und 
die Stärkefabrikation verwandten Getreidemengen sind relativ unbedeutend. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 21 

und Mehlpreise ersichtlich ist 34 ). Wir rechnen statt der Preise 
des Jahres 1891 den Durchschnitt der Preise der Jahre 1890 und 
1892, die ihrerseits im Vergleich zu den Vor- und Nachjahren eher 
hoch als niedrig waren. Unter dieser Annahme beträgt die Preis- 
steigerung bis zum Jahre 1911 für Weizen (Großhandelspreise 
nach der Preußischen Statistik) 47s %, für Weizenmehl (Klein- 
handelspreise) 9o/o; die Großhandelspreise des Eoggens nahmen 
hingegen um 5,7 0/0, die Roggen mehlpreise um 50/0 ab. Die 
Weizenbrotpreise stiegen in Berlin von 1891 — 1910 um 15,4 o/o 35 ), 
die Eoggenb rotpreise nahmen nach den Aufzeichnungen im sta- 
tistischen Jahrbuch deutscher Städte von 1891 — 1910 in 11 großen 
Städten im Durchschnitt um 5,8 0/0, in verschiedenen Städten aller- 
dings in sehr verschiedenem Umfange, zu. Die Brotpreise des Jahres 
1911 waren bei den wenig veränderten Mehlpreisen von denen des 
Jahres 1910 wahrscheinlich wenig verschieden. Gegenüber dem 
Durchschnitt der Jahre 1890 und 1892 erhöhten sich die Eoggen- 
brotpreise im Jahre 1910 um 14,8 0/0. Nach einer von Brutzer 36 ) 
wiedergegebenen Berechnung macht der Preis des verwandten Mehles 
beim Eoggenbrot nur etwa 2 / s , beim Weizenbrot nicht einmal die 
Hälfte des Brotpreises aus. Da die allgemeinen Unkosten, speziell 
die Löhne, höher geworden sind, ist ein stärkeres Anziehen der 
Brotpreise im Vergleich zu den Mehlpreisen verständlich. Brutzer 
weist diese Verhältnisse speziell für Berlin nach. — Nach den im 
vorangegangenen gegebenen Zahlen schätzen wir die Preissteige- 
rung für Weizenbrot und Weizenmehl von 1891 — 1911 auf 11 °/o 
und für Eoggenbrot und Eoggenmehl auf 8 0/0 (wobei statt der Preise 
des Jahres 1891 der Durchschnittspreis der Jahre 1890 und 1892 
berücksichtigt wurde); es ist ersichtlich, daß diese Schätzung nur 
sehr bedingten Wert hat. 

Wenn wir hier statt der Brotpreise des Jahres 1891 solche 
Preise in Anschlag brachten, wie sie in einem normalen Erntejahr 
zu erwarten gewesen wären, so war solches nur unter der Voraus- 
setzung zulässig, daß die Landwirte in einem normalen Jahre trotz 
niedrigerer Preise kein geringeres Einkommen erzielt hätten; haben 
wir doch in dem Gesamteinkommen des Jahres 1891 auch das wirk- 
lich erzielte Einkommen der Landwirte in Eechnung gestellt. Aus 
einem Vergleich der Getreideproduktion und der Getreidepreise des 
Jahres 1891 mit den vorangegangenen und folgenden Jahren ergibt 
sich in der Tat, daß die Landwirte im Jahre 1891 aus dem Getreide- 
verkauf jedenfalls keine merklich höheren Einnahmen als in normalen 
Jahren hatten. 

Wir kommen nunmehr zur Berechnung des Verbrauchs von 
Milch, Butter und Käse im Jahre 1891. Die Eeichserhebung 



34) Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, Bd. 10, S. 304. 

35) Statistische Jahrbücher der Stadt Berlin. 

36) Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 139 A 2, S. 28. 



22 Arthur Friedmann, 

gibt einen Verbrauch von 115 Litern Milch, 8 kg Butter und 3,5 kg 
Käse an (unreduzierte Werte) 37 )- Fleischniann 38 ) schätzt nach 
den Angaben über die Höhe des Miichkonsums in mehr als 100 
Städten einen durchschnittlichen Verbrauch von 140 Liter Milch, 
7,7 kg Butter und 1,4 kg Käse (1910). Für das Jahr 1891 mögen 
125 Liter Milch (16 M.) 8 kg Butter (16 M.) und 3 kg Käse (3 M.) 
nicht zu hoch gegriffen sein. Wenn wir diese Werte in Milch um- 
rechnen (1 kg Butter = 27 Liter Milch), so erhalten wir für das 
Keich unter Hinzurechnung der für die Kälberaufzucht verwandten 
Milch eine Gesamtmilchproduktipn von höchstens 19 Milliarden 
Liter 39 ). Da die Viehzählung von 1892 fast 10 Mill. Kühe nachwies, 
kämen auf die Kuh 1900 Liter pro Jahr, ein Wert, der für 1891 un- 
gefähr zutreffen mag. — Von 1891 — 1911 stieg der Butterpreis nach 
der Preußischen Statistik um 25,9 o/o. Da der Butterpreis im Jahre 
1911 wegen der Dürre relativ hoch war, rechnen wir statt dessen 
den Durchschnittspreis der Jahre 1909 — 1911 und erhalten dann 
eine Preissteigerung von 21,8 o/ . Für Milchpreise fehlt eine um- 
fassende Statistik; man könnte aber eine ähnliche Preissteigerung 
wie für Butter vermuten. Nach den wenigen Angaben, die mir über 
Milchpreise bekannt sind, ist die Verteuerung der Milch eher etwas 
geringer gewesen. In Berlin 40 ) stieg der Preis um ca. 15 o/o, in 
Dresden 41 ) um 10 o/o, in Frankfurt a. M. um ca. 20 °/o 42 ), in Bres- 
lau 43 ) (bis 1910) um 13 o/o. In den größeren badischen Städten er- 
höhte sich der Milchpreis von 1897 — 1910 im Durchschnitt um 
22,7o/o*4); von 1891 — 1907 mögen die Milchpreise kaum gestiegen 
sein, die Butterpreise gingen während dieser Zeit etwas zurück. In 
Hamburg hatten die Händler 1911 11 o/ (1912/13 20o/ ) mehr für 
die Milch zu zahlen als 1891 45 ). Wir rechnen für Milch, Butter 
und Käse im Durchschnitt eine Steigerung von 19 °/o. 

Für die Berechnung des Kartoffelkonsums stützen wir uns 
wiederum auf die Ergebnisse der Eeichserhebung, die für das Jahr 
1907 einen durchschnittlichen Verbrauch von 6 M. (7 M.) ver- 
zeichnet. Auf dem Lande ist der Kartoffelkonsum größer, anderer- 



37) 1. c. s. 69. 

38) Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. 6, 3. Auflage, Milchwirt- 
schaft und Molkerei wesen, S. 703. 

39) Die Differenz der Einfuhr und Ausfuhr von Molkereiprodukten war 
1891 nur gering und kann gegenüber der einheimischen Milchproduktion ver- 
nachlässigt werden. 

40) Nach Brutzer (Meierei Bolle) 1891 20 Pf., 1907 22 Pf., nach der 
Preußischen Statistik 1910 22 Pf., 1911 23 Pf. 

41) Statistische Jahrbücher der Stadt Dresden. 

42) Beiträge zur Statistik der Stadt Frankfurt a. M., N. F., Heft 10. 

43) Breslauer Statistik, Bd. 15 und 31. 

44) Statistische Mitteilungen über das Großherzogtum Baden, 1910, N. F., 
Bd. 3, S. 142, bzw. 1911, S. 4, zitiert aus Berg: Die Milchversorgung der 
Stadt Karlsruhe, Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 140 I, S. 135. 

45) Nach Mitteilung des Zentralvereins der Milchproduzenten für Ham- 
burg, die sich allerdings zum Teil nur auf die Aufzeichnungen eines Händ- 
lers stützen. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 23 

seits ist aber bei Deckung des Bedarfs aus der eigenen Wirtschaft 
der in Ansatz zu bringende Preis erheblich niedriger. Auch für das 
Jahr 1891 mag ungefähr ein Durchschnittsaufwand von 6 M. zu- 
treffen. (In diesem Jahre war der Kartoffelkonsum außerordentlich 
gering, der Kartoffelpreis aber entsprechend hoch.) — Wegen der 
ungewöhnlich hohen Kartoffelpreise in den beiden Vergleichs jähren 
lassen sich die in diesen Jahren gezahlten Preise zur Ermittlung der 
Preissteigerung nicht ohne weiteres verwenden. Die Großhandels- 
preise waren 1911 6,4 o/ niedriger als 1891 46 ), die Kleinhandels- 
preise nach der Preußischen Statistik 40 o/ höher (10 Pf. statt 
7 Pf. pro Kilogramm). Im Durchschnitt der Jahre 1901 — 1910 
waren die Großhandelspreise ca. 5 °/o, die Kleinhandelspreise 13 o/o 
höher als im Durchschnitt der Jahre 1891 — 1900. Wir wollen die 
Preissteigerung der Kartoffeln für die 20 Jahre auf 15 o/ veran- 
schlagen. 

Der E i e r verbrauch stellte sich nach der Reichserhebung 1907 
auf 6 M. (6,75 M.) pro Kopf. Im Jahre 1891 waren die Eierpreise 
erheblich niedriger als 1907, so daß wir einen Aufwand von 5 M. 
in Rechnung setzen. Die Preissteigerung von 1891 — 1911 betrug 
nach der Preußischen Statistik 33 o/o. 

Für den Zuckerkonsum gibt die Reichserhebung 5 M. (5,7 M.) 
pro Kopf an. Der Zucker ist in den letzten 20 Jahren sehr viel 
billiger geworden. Die Reichsstatistik verzeichnet 1911 einen 25 o/ 
geringeren Preis als 1891, betont aber, daß die Zahlen nicht ver- 
gleichbar sind. Nach den Angaben der statistischen Jahrbücher der 
Stadt Berlin war der Zucker 1910 20—30 o/ billiger als 189.1. 

Der Kaffeekonsum betrug nach der Statistik des Reiches 
1891 2,4 kg pro Kopf, also ca. 7,2 M. Trotz der inzwischen statt- 
gehabten Zollerhöhung ist der Kaffeepreis 1911 eher billiger als 
1891 gewesen. Die Großhandelspreise dreier verschiedener Kaffee- 
sorten waren nach den Angaben in den Vierteljahrsheften zur Sta- 
tistik des Deutschen Reichs 1911 8 o/ billiger als 1891. 

Der Bierkonsum im Brausteuergebiet bezifferte sich im Jahre 
1891 auf ca. 80 Liter pro Kopf. Bei einem Bierpreise von 26 Pf. 
das Liter (es sind die Kleinverkaufs- und die Ausschankpreise zu 
berücksichtigen), wäre dies ein Gesamtaufwand von 21 M. Das 
Bier ist infolge der Steuererhöhungen sicher merklich teuerer ge- 
worden. Die Steuer allein betrug 1911 2,2 Pf. mehr pro Liter als 
1891, das sind ca. 8V2 % des früheren Preises. Aus den Angaben 
der Reichsstatistik 47 ) ist zwar eine gewisse Steigerung der Bier- 
preise zu entnehmen, die absolute Höhe der Steigerung läßt sich aber 
nach den gegebenen Daten nicht abschätzen. In Leipzig stiegen die 
Ausschankpreise infolge der Steuererhöhungen der Jahre 1906 und 

46) Berechnet nach den Preisangaben über fünf verschiedene Kartoffel- 
sorten in den Vierteljahrs heften zur Statistik des Deutschen Keichs. 

47) Viertel] ahrshefte zur Statistik des Deutschen Keichs, 1892, IV, S. 105, 
und 1912 IV, S. 189. 



24 Arthur Friedmann, 

1909 um 20 — 25 °/o 48 ), auch sonst scheint in Norddeutschland eine 
Preissteigerung von ähnlichem Umfange stattgefunden zu haben, 
während die Verteuerung des Bieres in Süddeutschland etwas ge- 
ringer war 49 ). Wir rechnen eine Verteuerung des Bieres von 17 o/o. 

Der Branntweinkonsum betrug im Jahre 1891 im Brannt- 
weinsteuergebiet 4,4 Liter oder bei einem durchschnittlichen Aus- 
schankpreis von 1,50 M. pro Liter 6,50 M. pro Kopf. Die Preis- 
steigerung läßt sich aus einem Vergleich der von der Reichsstatistik 
gegebenen Branntweinpreise in verschiedenen Orten auf 20—50 o/ 
veranschlagen 50 ). 

Den Aufwand an Zigarren, Zigaretten und sonstigen Tabak- 
fabrikaten schätzen wir nach der Menge des konsumierten Roh- 
tabaks. Im Jahre 1891 kamen 1,5 kg Rohtabak auf den Kopf der 
Bevölkerung; der Wert der hieraus hergestellten Tabakfabrikate 
dürfte 1891 im Kleinverkauf ca. 12 M. betragen haben 51 ). Der 
Tabak ist in den letzten 20 Jahren merklich teuerer geworden, 
nach einem Vergleich der von der Reichsstatistik angeführten Preise 
verschiedener Tabaksorten um 25 — 45o/ . Hinzu kommt die Steige- 
rung der Steuern und Zölle, die sich für 1,5 kg Rohtabak auf 1 M. 
bis 1,50 M. belief und allein eine Verteuerung der Tabakfabrikate 
um 7 — 10 o/o ihres früheren Wertes bewirkte. Nach Angaben eines 
Hamburger Zigarrenfabrikanten sind gleichwertige Zigarren heute 
durchweg 25 o/o teuerer als vor 20 Jahren. 

In der bisherigen Zusammenstellung sind die wichtigsten Nah- 
rungs- und Genußmittel enthalten. Es fehlen insbesondere noch 
Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst (zusammen ca. 9 M. 1891), 
Pflanzenfette, Pische, Salz (1 M. und Wein (ca. 3 M.), 
Wir wollen den Gesamtwert dieser und der sonst noch fehlenden 
Nahrungsmittel auf Grund der Angaben der Reichserhebung auf 
22 M. pro Kopf veranschlagen. — Hülsenfrüchte sind in den letzten 
20 Jahren eher teuerer geworden. Nach der Preußischen Statistik 
waren Kocherbsen 1911 41 o/ teurer als 1891, weiße Bohnen 28 o/ 
teurer und Linsen 12 o/ billiger. — Die Gemüsepreise waren in 
Berlin nach den Angaben in den statistischen Jahrbüchern 1910 
niedriger als 1891. Im Durchschnitt der Jahre 1901 — 1910 stellten 
sich die Preise der Kohlrüben ungefähr gleich hoch wie im Durch- 
schnitt der Jahre 1891 — 1900, der Preis des Kohlrabis etwas niedri- 
ger und des Savoyenkohls etwas höher. Im Jahre 1911 mochte der 



48) Nach einer Mitteilung des Vereins der Brauereien des Leipziger Bezirks. 

49) Nach Angaben des offiziellen Organs des Deutschen Brauerbundes. 

50) Viertel] ahrshefte zur Statistik des Deutschen Keichs, 1892 II, S. 87, 
und 1912 I, S. 304. 

51) Nach einer im Denkschriftenband 3 zur Finanzreform wieder gegebenen 
Statistik kommt der größte Teil des Tabakkonsums auf Zigarren (121 Stück) und 
Rauchtabak (0,45 kg). Zigaretten spielen nur eine untergeordnete Rolle. — 
Man rechnet auf 1 kg Rohtabak 125 Zigarren und den Durchschnittspreis der 
Zigarren heute auf 7 Pf. Unter alleiniger Umrechnung auf Zigarren würden 
1,5 kg Rohtabak einen Detailverkaufswert von 13 M. haben. Der Wert der 
aus der gleichen Menge Rohtabak hergestellten Zigaretten ist erheblich höher. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891—1911. 25 

Gemüsepreis infolge der herrschenden Trockenheit ausnahmsweise 
etwas höher gewesen sein. — Reis war 1911 nach der Preußischen 
Statistik ein wenig billiger als 1891. — Wein ist erheblich im Preise 
gestiegen. Nach der Mitteilung eines Fachblattes ist billiger Wein 
1911 fast 80 o/o teurer als 1891 gewesen. Allerdings sind die Preise 
je nach der Weinernte starken Schwankungen unterworfen. — Salz 
war 1911 etwa 10 °/o teurer als 1891 (Statistische Jahrbücher der 
Stadt Berlin). — Der Preis der Heringe schwankte im Laufe der 
Jahre stark und war 1911 4 o/o niedriger als 1891 52 ). — Wir schätzen 
für diese hier nicht näher besprochenen Nahrungsmittel eine durch- 
schnittliche Preissteigerung von 10 °/o. 

Die Ausgaben in Gastwirtschaften berechnen wir nicht 
gesondert. Bei den alkoholischen Getränken wurden bereits die Aus- 
schankpreise mitberücksichtigt. Der Preisaufschlag für den Speise- 
konsum in den Gastwirtschaften ist bei dem relativ geringen Auf- 
wand nicht von Belang. Die Familien, auf die die Reichserhebung 
Bezug nimmt, verspeisten in Gastwirtschaften nur 4 M. pro Kopf. 
Der durchschnittliche Aufwand wird allerdings etwas größer 
sein, da alleinstehende Personen mehr in Speisewirtschaften ver- 
zehren. 

Nach den hier gegebenen Schätzungen würden sich die Aus- 
gaben für Nahrungsmittel im Jahre 1891 auf 203,7 M. pro Kopf 
gestellt haben. Dies wären, wie die folgenden Berechnungen ergeben, 
50,6 o/o des Gesamtaufwandes. Nach der Reichserhebung betrug 
der Aufwand für Nahrungsmittel 48,6 °/o des Einkommens, wenn 
dort ebenso wie bei der vorliegenden Berechnung Steuern, Versiche- 
rungsbeiträge etc. vom Einkommen in Abzug gebracht werden. 

Wir kommen nunmehr zu dem nächst der Nahrung wichtigsten 
Ausgabeposten, der Wohnungsmiete. Die durchschnittliche Miet- 
höhe läßt sich nach den Angaben einzelner Städte über das Ver- 
hältnis von Wohnungsmiete und Einkommen bestimmen. In einer 
größeren Anzahl deutscher Großstädte betrug dies Verhältnis nach 
den diesbezüglichen Ermittlungen 17 — 22o/ , im Durchschnitt ca. 
18 — 19 o/o 53 ). Diese Verhältniszahl ist aber darum eher zu hoch ge- 
griffen, weil das Einkommen häufig zu niedrig angegeben wird, da- 
gegen die Miete nicht. Speziell ist nicht überall das Einkommen der 
mitverdienenden Familienmitglieder berücksichtigt, auch bezieht sich 
das festgestellte Verhältnis von Miete und Einkommen nur auf Haus- 
haltungsvorstände. Bei alleinstehenden Personen, die in Untermiete 
wohnen, ist das Verhältnis günstiger. In Berlin geben beispielsweise 
in Aftermiete wohnende Personen nur ca. 10 o/ ihres Einkommens 
für Wohnungsmiete aus. — In kleineren Städten wird relativ weniger 
für die Wohnung aufgewandt. In einer Anzahl sächsischer Klein- 



52) Vierteljahrs hefte zur Statistik des Deutschen Keichs. 

53) Vierteljahrsberichte des Statistischen Amtes der Stadt Schöneberg, 
1910 II, S. 45. 



26 Arthur Friedmann, 

und Mittelstädte wurde das Verhältnis von Einkommen zu Miete nur 
zu ca. 12 o/o angegeben 54 ). Auf dem Lande, wo bei eigenem Besitz 
des Hauses an Stelle der Miete ein dem Werte und den Unterhal- 
tungskosten des Hauses entsprechender Betrag in Rechnung zu 
setzen ist, mag die Miete kaum höher als zu 10 o/o des Einkommens zu 
veranschlagen sein. Im Jahre 1890 wohnten 13 o/ der Bevölkerung 
in Großstädten, 26 o/ in Mittel- und Kleinstädten und 61 o/ auf dem 
Lande. Wir schätzen danach den durchschnittlichen Aufwand für 
Wohnungsmiete auf 11 — 12 o/ des Durchschnittseinkommens oder auf 
46 M. 

Was nun die Wandlung der Mietpreise in den letzten beiden 
Jahrzehnten anbetrifft, so wäre eine Steigerung derselben schon mit 
Rücksicht auf die Erhöhung der Baukosten anzunehmen. Wenn 
auch die Materialpreise anscheinend 1911 nicht wesentlich höher 
als 1891 gewesen sind, so sind doch die Arbeitslöhne, die ungefähr 
ein Drittel der Baukosten ausmachen, sehr stark gestiegen. Die 
Steigerung der Löhne hat durch die verbesserte Bautechnik und die 
weitergehenden Arbeitsteilungen nicht ausgeglichen werden können. 
Bei Beurteilung des Einflusses der Baukosten ist allerdings zu be- 
rücksichtigen, daß die neuerstellten Wohnungen nur immer einen 
kleinen Teil aller Wohnungen ausmachen. — Einen wesentlichen 
Einfluß auf den Stand der Mietpreise hat weiterhin die Höhe des 
allgemeinen Zinsfußes, speziell des Hypothekenzinsfußes. Der teuere 
Geldstand der letzten Jahre hat mit zu der Steigerung der Mieten 
beigetragen. Endlich hat speziell in den großen Städten die Er- 
höhung der Bodenwerte auf eine Steigerung der Mieten hingewirkt. 

Es sollen hier die vorliegenden Angaben über die in der Zeit 
von 1891 — 1911 erfolgten Mietssteigerungen in den Städten zu- 
sammengestellt werden und bei dem relativ geringen vorhandenen 
Material auch die Daten für nicht-preußische Städte genannt werden. 

Ich beginne mit denjenigen Städten, für die die Mietpreise für die vollen 
20 Jahre verzeichnet wurden. 

In Hamburg werden jährlich die Mietsteigerungen und Mietermäßi- 
gungen ermittelt. Aus den diesbezüglichen Angaben 55 ) läßt sich berechnen, daß 
der Mietpreis der gleichen Wohnungen von 1892 bis 1912 um 4°/ zuge- 
nommen hat (bis zum Jahre 1897 hatte der Mietpreis um 1 % abgenommen). 
Da dieselbe Wohnung in 20 Jahren im Durchschnitt erheblich minderwertiger 
geworden ist, ist die tatsächliche Mietsteigerung gleichwertiger Wohnungen sehr 
viel höher und auf mindestens 10% zu veranschlagen. In Altona stieg 
der Mietpreis für 1-, 2- und 3-Zimmerwohnungen, die insgesamt über fünf 
Sechstel alier Wohnungen ausmachten, von 1890 — 1910 um 21, 9 und 8°/o 56 ). 
Diese, sowie die meisten nachfolgenden Angaben beziehen sich, im Gegensatz 
zur Hamburger Statistik, auf die Mietpreise aller, also auch der (inzwischen 
neu hinzugekommenen Wohnungen. In diesen Fällen kommt also bei der er- 
mittelten Mietsteigerung auch die Qualitätsverbesserung zum Ausdruck, welche 
die Wohnungen in dem 20jährigen Zeitraum erfahren haben. In Berlin blieb 

54) Ebenda. 

55) Statistik des Hamburgischen Staates, Bd. 22, 1904, S. 90, und Oeffentl. 
Anzeiger, 1906—1913. 

56) Verwaltungsbericht der Stadt Altona, 1863—1900, und direkte Mit- 
teilung des Statistischen Amtes. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 27 

der Mietpreis von 1890 — 1900 ziemlich unverändert; bis 1910 stieg er in 
1 — 3 Zimmerwohnungen, die weitaus den größten Teil aller Wonnungen 
ausmachten, um etwas mehr als 10o/ 57 ). In Breslau 58 ) hat vom Jahre 
1890—1910 die Durchschnittsmiete in 1-, 2-, 3-, 4- und 5-Zimmer- 
wohnungen um 22, 18, 10, 7 und 9o/ zugenommen; 59% aller Woh- 
nungen waren 1-Zimmer-, über 80 o/o 1- oder 2-Zimmerwohnungen. In 
München 59 ) ist der Durchschnittspreis aller Wohnungen von 1890 — 1895 
um 0,9 o/ , von 1895—1900 um 10,8 %, von 1900—1905 um 0,7 und von 1905 
bis 1910 um 17,9% gestiegen, im ganzen also um 28,5%. Die durchschnitt- 
liche Zimmerzahl hat sich von 1890 — 1910 nicht derart verändert 60 ), daß der 
durchschnittliche Mietpreis gleichzimmeriger Wohnungen wesentlich mehr 
oder weniger als der Durchschnitt aller Wohnungen zugenommen hätte, dagegen 
mag auch hier die Beschaffenheit gleichzimmeriger Wohnungen etwas besser 
als 1890 gewesen sein, über 40% der im Jahre 1910 vorhandenen Wohnungen 
waren in den letzten 20 Jahren neu errichtet. In Cöln wurde die Miete nur 
für die größere Hälfte aller Wohnungen festgestellt 61 ). Die Steigerung von 1890 
bis 1910 betrug für 1-Zimmerwohnungen 11,4%, für 2-, 3- und 4-Zimmer- 
wohnungen 25,0, 25,4 und 32,2, für größere Wohnungen 41,3%. 49% aller 
Wohnungen hatten 2 oder 3 Zimmer, 67 % 2, 3 oder 4 Zimmer. Die durch 
schnittliche Steigerung kann also auf über 25o/ geschätzt werden. In Magde- 
burg 62 ) nahm von 1890 — 1910 der Mietpreis der Wohnungen mit einem 
heizbaren Zimmer um 27%, der Wohnungen mit 2 heizbaren Zimmern um 
20% zu. Die 1-Zimmerwohnungen machten 1905 mehr als zwei Fünftel aller 
Wohnungen, die 1- und 2-Zimmerwohnungen zusammen mehr als zwei Drittel 
aller Wohnungen aus. Die 3-Zimmerwohnungen nahmen nur unbedeutend im 
Preise zu, während der Mietpreis der 4- und 5-Zimmerwohnungen im Preise 
zurückging. In Leipzig 63 ) stieg der Mietpreis für 1-, 2-, 3-, 4-, 5- und 
6-Zimmerwohnungen in der gleichen Zeitspanne um 42, 25, 10, 8, 11 und 16%. 
Da (1905) 60% aller Wohnungen 3-, 4- und 5-Zimmerwohnungen waren, 
können wir die durchschnittliche Mietsteigerung auf nicht viel mehr als 10% 
veranschlagen. In Dresden 64 ) erfolgte in der Zeit von 1890 — 1910 nur eine 
relativ unbedeutende Erhöhung der Mieten. Die 1-, 2-, 3-, 4-, 5- und 6-Zimmer- 
wohnungen kosteten 1910 nur 27, 8, 5, 3, 11 und 17 % mehr als 1890. Dabei 
ist zu berücksichtigen, daß die 3- und 4-Zimmerwohnungen, die die geringste 
Steigerung erfahren haben, fast zwei Drittel aller Wohnungen ausmachten. In 
Freiburg i. B. stieg nach Angaben des statistischen Amtes der Mietpreis der 
städtischen Kleinwohnungen von 1891 — 1913 um 10 — 17%, im übrigen 
sind aber die Mietpreise für alle Wohnungsklassen im gleichen Zeitraum um 
etwa 30% gestiegen. In Lübeck war der Mietpreis einer Wohnung mit 1, 
2, 3, 4 und 5 heizbaren Zimmern 1910 um 48, 31, 22, 29 und 22% höher als 
1890 (der durchschnittliche Mietpreis aller Wohnungen um 59 o/o) 65 ). In 
Herne i. W. stieg der Mietpreis nach Angaben des dortigen Haus- und Grund- 
besitzervereins für 2- und 3-Zimmerwohnungen (die Küche wird als Wohn- 
raum gerechnet) von 1891 — 1913 um gut 15°/ . 

Für Frankfurt a. M. liegen Angaben über die Zeit von 1895—1910, für 
Königsberg i. Pr. über die Jahre 1895 — 1912 vor. In Frankfurt a. M. gibt 



57) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

58) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

59) Veröffentlichungen des Statistischen Amtes der Stadt München. Der 
WohnuEgsmarkt in München, S. 13. 

60) 1. c. S. 4. 

61) Statistisches Jahrbuch der Stadt Cöln für 1912, S. 161. 

62) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

63) Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 in der Stadt 
Leipzig, 3. Teil, S. 49 (1910 nach direkter Mitteilung des Statistischen Amtes). 

64) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

65) Grundstücks-, Gebäude- und Wohnungsstatistik der Stadt Lübeck nach 
der Volkszählung vom 1. Dezember 1910, bearbeitet vom Statistischen Amte. 



28 Arthur Friedmann, 

die Statistik eine sehr erhebliche Preissteigerung der Mieten an 66 ), für 4- 
Zimmerwohnungen von über 20 %, f ur 3-Zimmerwohnungen von fast 25%, 
für 2-Zimmerwohnungen von über 30% und für 1-Zimmerwohnungen eine ge- 
ringe Steigerung. Der Bericht des statistischen Amtes hebt aber hervor, daß an 
dieser Preissteigerung auch die Qualitätsverbesserungen der Wohnungen schuld 
seien. In Königsberg i. Pr. nahmen nach einer direkten Mitteilung des 
statistischen Amtes die Mietpreise leerstehender Wohnungen von 1895 bis 
1912, besonders in den letzten beiden Jahren, sehr stark zu, für Wohnungen 
mit 1 — 3 heizbaren Zimmern um ca. 60%. Da aber die durchschnittliche 
Qualität leerstehender Wohnungen erheblich von der Zahl der jeweils neu er- 
richteten Wohnungen abhängt, gestattet diese Zahl keinen zuverlässigen Schluß 
auf die Mietpreissteigerungen gleichwertiger Wohnungen. 

Eine Reihe von Städten macht Mitteilungen über die Entwicklung der 
Mieten während eines kürzeren Zeitraums: In Neukölln 67 ) stieg der Miet wert 
für 1- und 2-Zimmerwohnungen, die hier allein in Betracht kommen, von 1900 
bis 1910 um 27 bzw. 31%. Die Mietsteigerung ist aber zum guten Teile auf 
den vermehrten Komfort der Wohnungen zurückzuführen ; der größere Teil 
aller Wohnungen war in den letzten 10 Jahren neu errichtet. Aehnliches mag 
für Charlottenburg 68 ) gelten, wo der Mietzins der 1- und 2-Zimmer- 
wohnungen von 1900 — 1910 um ca. 30, für größere Wohnungen um ca. 20% 
stieg. Auch von 1895 — 1900 hatte eine erhebliche Mietsteigerung stattgefunden. 
Die Angaben sind allerdings nur durch die Beobachtung einer beschränkten An- 
zahl von Wohnungen gewonnen. Sehr stark war wiederum die Mietsteigerung 
in Straß bürg i. E., wo sich der Durchschnittsmietwert der leerstehenden 
Wohnungen mit 1, 2 und 3 Zimmern von 1900—1912 um 40, 28 und 22%, 
der Mietwert der 4-, 5- und 6-Zimmerwohnungen um ca. 50% erhöhte 69 ). 
Dagegen betrug in Hannover die Miete eines heizbaren Zimmers 1910 nur 
ebensoviel wie im Jahre 1900 (fast 5% mehr als 1905). Vor dem Jahre 1900 
waren die Mieten anscheinend billiger 70 ). In Essen 71 ) stieg der durchschnitt- 
liche Mietwert eines Wohnraums von 1900 — 1910 um 15,6%, während in 
Mannheim in der gleichen Zeit die Mietpreise für 1- bis 3-Zimmerwoh- 
nungen um ca. 15 % zunahmen. In größeren Wohnungen wurde hier der Miet- 
preis allein von 1905 — 1910 um ca. 10% erhöht 72 ). In Stuttgart 73 ) war 
der Durchschnittmietpreis der leerstehenden Wohnungen mit 1 — 4 Zimmern 
im Jahre 1912 12 — 17 % höher als 1903. Es ist aber hier wiederum aus den 
vorliegenden Angaben nicht zu ersehen, ob der relative Anteil der neu errich- 
teten Wohnungen in beiden Jahren gleich war. — In Kiel stieg der durch- 
schnittliche Mietpreis für 1 — 3-Zimmerwohnungen von 1903 — 1910 um ca. 10%, 
während der Mietpreis größerer Wohnungen nur weniger zunahm. Allein von 
1905 — 1910 erhöhte sich der Mietpreis für 1 heizbares Zimmer um 7,2 % 74 ). 
Für die Stadt Düsseldorf 75 ) stellte sich der durchschnittliche Mietpreis eines 
Wohnraumes im Jahre 1910 um 5 % höher als im Jahre 1905, unter Außer- 
achtlassung der seit 1905 eingemeindeten Vororte um 17o/ . In Barmen 76 ) 
stieg der Mietpreis leerstehender Wohnungen von 1900 — 1912 um 10 — 20%. 
In Görlitz erhöhte sich der Mietpreis der 1 — 3-Zimmerwohnungen von 1908 



66) Beiträge zur Statistik der Stadt Frankfurt a. M., N. F., Heft 10. 

67) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

68) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

69) Beitrag zur Statistik der Stadt Straßburg, hrsg. von dem Sta- 
tistischen Amte der Stadt, Heft 12. 

70) Statitistische Monatsberichte der Stadt Hannover, 1911 III, S. 22. 

71) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

72) Ergebnisse der Mannheimer Volkszählung vom 1. Dezember 1910, 
S. 39. 

73) Jährliche Veröffentlichungen im Amts- und Anzeigeblatt der Stadt 
Stuttgart. 

74) Mitteilungen des statistischen Amtes der Stadt Kiel, No. 18. 

75) Mitteilungen zur Statistik der Stadt Düsseldorf, No. 8. 

76) Beiträge zur Statistik der Stadt Barmen, Heft 6. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891—1911. 29 

bis 1910 um 10 o/o 77 ), hingegen bleiben in Wiesbaden die W T ohnungsmieten 
für 1— 4-Zimmerwohnungen von 1907—1912 fast unverändert 78 ). In Chem- 
nitz kostete die leerstehende Wohnung mit 1, 2, 3, 4 und 5 Zimmern 1911 
5V 2 > 13, 21, 18 und 23<>/o mehr als 1906 79 ). Für Cassel lassen sich auf 
Grund der bisherigen Zählungen keine sicheren Schlüsse auf die Höhe der Miet- 
steigerung ziehen. Nach den Angaben des statistischen Amtes ist aber in den 
letzten Jahren eine Erhöhung der Mieten in weitem Umfange erfolgt. 

Gestattet das vorliegende Material auch keine sichere Ab- 
schätzung der durchschnittlichen Mietsteigerung gleichwertiger Woh- 
nungen, so werden wir doch wenigstens für die großen Städte eine 
durchschnittliche Steigerung um annähernd 20 o/ in den letzten 20 
Jahren vermuten dürfen. Auch für kleinere Ortschaften kann man, 
vor allem wegen Erhöhung der Baukosten, mit einer Vermehrung 
der Wohnkosten rechnen. Indessen dürfte diese Steigerung hinter 
derjenigen der großen Städte zurückbleiben, so daß wir für das 
ganze Land nur eine durchschnittliche Mietsteigerung von 16 o/ ver- 
anschlagen. Da wir uns nur für die großen Städte auf statistische Unter- 
lagen stützen können, und nur der kleinere Teil der Bevölkerung in 
diesen Städten wohnt, ist die genannte Ziffer wenig zuverlässig. 

Im Anschluß an die Wohnungsmiete besprechen wir die Auf- 
wendungen für Heizung und Beleuchtung. 

Die Ausgaben fürHeizung und Feuerung sind unter Zugrunde- 
legung der Daten der Reichserhebung (13,80 M.) auf etwa 13 M. 
zu schätzen. An Steinkohlen wurden im Jahre 1891 pro Kopf 1,39 t 
verbraucht. Wenn 25 o/o dieser Menge oder 0,35 t dem Hausbedarf 
dienten, so bedeutet dies bei einem Kleinverkaufspreis der Kohle von 
3 M. pro Doppelzentner einen Aufwand von 10 M. Die Steinkohlen- 
preise zeigen nach den Angaben in den Vierteljahrsheften zur Sta- 
tistik des Deutschen Reichs vom Jahre 1891 bis zum Jahre 1911 
eine ziemlich regelmäßige Steigerung. Eine Berechnung von etwa 
10 verschiedenen Kohlensorten ergibt eine durchschnittliche Preis- 
erhöhung um I8V2 °/o. — Auch das Brennholz ist nach fachmänni- 
schem Urteil erheblich teurer geworden. Die staatlichen Forsten er- 
zielten allerdings im Jahre 1910 für Brennholz keine höheren Preise 
als im Jahre 189180). 

Für die Beleuchtung wurde nach der Reichserhebung pro 
Kopf 5 M. (5,76 M.) verausgabt. Der Verbrauch an Petroleum be- 
trug im Jahre 1891 pro Kopf der Bevölkerung ca. 13 kg, von denen 
wahrscheinlich der größte Teil dem Hausgebrauche diente. Der 
Aufwand belief sich also auf etwa 3 M. Die Petroleumpreise waren 
im Jahre 1911 ungefähr ebenso hoch wie im Jahre 1891. 5 ver- 
schiedene Sorten zeigen nach der Reichsstatistik eine durchschnitt- 
liche Steigerung um 1,8 o/ . Im übrigen läßt sich bei der Verschieden- 



77) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

78) Direkte Mitteilung des Statistischen Amtes. 

79) Beilage zu den monatlichen Mitteilungen des Statistischen Amtes der 
Stadt Chemnitz, Jahrgang 9, No. 11. 

80) Statistische Jahrbücher für Preußen. 



30 Arthur Friedmann, 

heit der im Jahre 1891 und heute üblichen Beleuchtungsmittel nur 
schwer bestimmen, ob eine gleichwertige Beleuchtung jetzt billiger 
als früher ist. 

Nächst den Ausgaben für Nahrung und Wohnung sind die Aus- 
gaben für Kleidung am größten. Bei der Reichserhebung wurde 
ein durchschnittlicher Aufwand von 35 M. (40 M.) festgestellt, 
außerdem für Wäsche und Bettzeug ein Aufwand von 4,70 M* 
(5,30 M.). In der Tat sind die Ausgaben für Wäsche etwas bedeuten- 
der, weil ein großer Teil besonders der Hauswäsche, bei Gründung 
des Haushalts beschafft wird. Wir werden danach den Gesamtauf- 
wand für Kleidung und Wäsche 1891 auf 43 M. schätzen dürfen. 

Die Kosten der Kleidung haben während der beiden letzten 
Jahrzehnte erheblich zugenommen. Teils lag dies an der Ver- 
teuerung der Rohstoffe: die Wollpreise schwankten zwar in den 20 
Jahren stark, zeigten aber im ganzen eine steigende Tendenz; noch 
beträchlicher war die Steigerung für Baumwolle, die im Durchschnitt 
der Jahre 1900 — 1910 um 38 o/o teurer war als im Durchschnitt der 
Jahre 1891 — 1900 81 ). Infolge der Vervollkommnung der Weberei- 
betriebe haben sich die Preise der Kleidungsstoffe wenigstens nicht 
entsprechend der Steigerung der Rohstoffe erhöht 82 ). Hingegen ist 
die Verteuerung für fertige Kleider wieder erheblicher. Auch 
in der Konfektion konnten die gestiegenen Arbeitslöhne und die ver- 
mehrten Geschäftsspesen durchaus nicht durch die technischen Vor- 
züge der Teilarbeit ausgeglichen werden. Die Preissteigerung für 
gleichwertige Konfektion wird von den befragten Inhabern der Kon- 
fektionsgeschäfte und von sonstigen Fachleuten ziemlich überein- 
stimmend auf 20 — 25 o/o geschätzt. Es ist im besonderen noch zu 
berücksichtigen, daß sich vor 20 Jahren ein größerer Teil des Publi- 
kums die Kleider selbst anfertigte und so weniger Geld für die Be- 
schaffung von Stoffen und Zutaten als heute für die Beschaffung der 
Kleider verausgabte. 

Die Haus- und Leibwäsche ist in ähnlichem Umfange wie die 
Kleidung teurer geworden. Die Steigerung wird von der Mehrzahl 
der Interessenten auf 25 — 30 °/o angegeben. Die detaillierte Auf- 
stellung einer großen Berliner Wäschefirma gibt für Stoffe eine 
Steigerung von gut 25 o/o, für fertige Gegenstände von durch- 
schnittlich 30 o/o an. — Auch für Baumwollwaren ist ein ähnlicher 
Preisaufschlag wie für Leinenwäsche zu verzeichnen. 

Für die Schuhbekleidung ist in Anbetracht der verschiedenen 
Qualität der vor 20 Jahren und heute hergestellten Waren nur 



81) Nach den Preisangaben über drei verschiedene Baumwollsorten in den 
Viertel] ahrsheften zur Statistik des Deutschen Keiches. 

82) In betreff der Preisänderungen von Kleidern (Stoffen, Wäsche, Stiefel) 
und Wohnungseinrichtungen während der letzten beiden Jahrzehnte wurden 
jeweils eine größere Anzahl von Interessenten (insbesondere Fabrikanten, De- 
taillisten, Verbände und Fachzeitschriften) befragt, deren Angaben im folgenden 
verwertet wurden. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 31 

schwer ein Vergleich angängig. Die Lederpreise sind sehr stark 
gestiegen, ebenfalls die Arbeitslöhne. Auf der anderen Seite haben 
die technischen Fortschritte eine weitgehende Ersparung von Ar- 
beitskräften möglich gemacht. Die Preissteigerung gleichwertiger 
Schuhwaren wird zu 15 — 40 °/o angegeben, auch die Verkaufspreise 
der minderwertigsten Sorten sollen sich erhöht haben. Nach 
Maß gefertigte Schuhe sind heute sehr viel teurer als vor 20 Jahren ; 
auch die Reparaturkosten haben zugenommen, nach Ansicht eines 
Fachmannes um 20 o/o. 

Ein relativ hoher Aufwand ist für die Beschaffung von Woh- 
nungseinrichtungen, insbesondere für Möbel erforderlich. Die 
Reichserhebung gibt allerdings den Aufwand für Wohnungseinrich- 
tung, sogar einschließlich Reinigung und Instandhaltung der Woh- 
nung auf nur 13,70 M. (15,60 M.) an. Hier ist aber wiederum, wie 
bei den Aufwendungen für Wäsche, zu berücksichtigen, daß 
es sich bei der Reichserhebung um Familien handelt, die schon 
einen Haushalt gegründet hatten, während weitaus der größte Teil 
aller Aufwendungen für Wohnungseinrichtungen bei der Begrün- 
dung des Haushalts erfolgt. Einigen Anhalt über den Wert der 
Wohnungseinrichtungen geben die Ergebnisse der Mobiliarversiche- 
rungen. In Bayern gab es 1910 bei insgesamt 1432000 Haus- 
haltungen 1228 000 Policen der Mobiliarbrandversicherung in der 
durchschnittlichen Höhe von 7130 M. 83 ). Wenn wir annehmen, 
daß die versicherten Personen durchschnittlich zu dem vollen Werte 
ihrer Mobilien versichert waren und die nicht versicherten Per- 
sonen durchschnittlich Mobilien im Werte von 800 M. besaßen, so 
würde sich für den Durchschnitt der Haushaltungen ein Mobiliar- 
wert von 6229 M. ergeben und pro Kopf ein solcher von 1300 M. 
Vor 20 Jahren war nach einer Schätzung von Rasp 84 ) der Mobiliar- 
wert eines Haushaltes durchschnittlich um 20 o/o geringer. Wir 
rechnen so für das Jahr 1891 (auch für Preußen) einen durch- 
schnittlichen Mobilienwert von 1040 M. 85 ). Da wir die Ausgaben 
für Kleidung und Hauswäsche bereits berücksichtigt haben, bringen 
wir eine entsprechende Summe in Abzug; nach der privaten Mit- 
teilung zweier Feuerversicherungsgesellschaften beträgt der Ver- 
sicherungswert von Wäsche und Kleidung etwa 25 °/o der gesamten 
Mobilien (von den restlichen 75 o/o kämen 40 o/o odelr etwas mehr 
auf Möbel). Die eigentlichen Wohnungseinrichtungen würden hier- 
nach einen Wert von ungefähr 780 M. repräsentieren. Veranschlagen 
wir die durchschnittliche Gebrauchsdauer dieser Mobilien auf 20 
Jahre, und berücksichtigen wir, daß im Jahre 1891 etwas mehr An- 
schaffungen als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre ge- 



83) Statistisches Jahrbuch für das Königreich Bayern, 1911, S. 242. 

84) Das Deutsche Volk (Zeitschrift für nationale Politik), Jahrgang 1909. 

85) Eine direkte Berechnung des Mobiliarwertes auf Grund der Versiche- 
rungsdaten des Jahres 1891 wäre unzuverlässig, weil damals in Bayern nur 
gut die Hälfte aller Familien versichert war. 



32 Arthur Friedmann, 

macht wurden, so können wir den Aufwand für Wohnungseinrich- 
tungen für 1891 auf ungefähr 40 M. schätzen. 

Den wichtigsten Bestandteil der Wohnungseinrichtungen bilden 
die Möbel. Der Wert der Möbel wird nach den erwähnten Ver- 
hältniszahlen im Jahre 1891 pro Kopf reichlich 400 M. betragen 
haben, die Kosten für Neuaufwendungen ca. 20 M. — Die befragten 
Fachleute gaben über die Wandlung der Möbelpreise ziemlich ab- 
weichende Auskünfte. Es wurde zwar im allgemeinen ein Steigen 
der Preise angegeben, während aber einige Interessenten nur eine 
geringe Preissteigerung, wenigstens für billige Möbel, verzeichneten, 
nannten andere eine Steigerung bis zu 35 °/o. Nur ausnahmsweise 
wurde ein Gleichbleiben der Preise oder gar eine Verbilligung fest- 
gestellt. Nach dem Durchschnitt der vorliegenden Angaben zu ur- 
teilen, betrug die Preissteigerung für billige Möbel 8 — 10 o/o, während 
sie für teuere Möbel erheblicher war. Als Ursache der Preissteige- 
rung wird wiederum das Anziehen der Materialpreise, die Erhöhung 
der Arbeitslöhne und der Spesen genannt. Die Teilarbeit soll auch 
hier keinen Ausgleich für die Steigerung der Arbeitslöhne geschaffen 
haben. 

Auch die Preise der übrigen Wohnungseinrichtung sind 
gestiegen. Für Gardinen, Portieren, Teppiche, Decken etc. 
wurde ein Preisaufschlag von etwa 20 % angegeben. Die Verteue- 
rung sei vor allem durch die Steigerung der Rohstoffpreise ver- 
ursacht. — Die Preise für Geschirr (Glas, Porzellan, Steingut) 
sollen sich ebenfalls um 15 — 25°/o erhöht haben; höchstens die ganz 
geringen Qualitäten haben eine geringere Steigerung erfahren. Auch 
hier sind die teueren Rohstoffpreise, außerdem die vermehrten Kosten 
für Feuerung und die höheren Arbeitslöhne an dem Preisaufschlage 
schuld; endlich hat die Kartellierung der Industrie ein Hinaufgehen 
der Preise begünstigt. — Auch die Preise der Kunstgegenstände 
hatten im allgemeinen eine steigende Tendenz. — Nur bei wenigen 
Waren, die auf Grund der vervollkommneten Technik als Massen- 
artikel hergestellt werden, hat eine Verbilligung Platz gegriffen, so 
bei billigen Lampen, Kunstdrucken. — Wir schätzen die Preis- 
steigerung aller Wohnungseinrichtungen außer Möbel auf 15%. 

Von den bisher noch nicht berücksichtigten Ausgaben wollen wir 
noch diejenigen zusammenfassen, die im wesentlichen ein Entgelt 
für persönliche Dienstleistung darstellen. Neben den von 
der Reichserhebung unter dem Titel „Persönliche Bedienung" ver- 
zeichneten Ausgaben in der Höhe von 2,60 M. (2,95 M.) wären 
hierher die in der Erhebung besonders angeführten Aufwendungen 
für Reinigung der Wohnung und Reinigung der Kleidung und 
Wäsche, sowie die Umzugskosten zu rechnen. Für die Reinigung 
von Kleidern und Wäsche gibt die Erhebung 5,70 M. (6,50 M.) an, 
während die Ausgaben für Wohnungsreinigung nicht gesondert ge- 
zählt sind. Die Bezahlung für persönliche Dienstleistungen ist heute 
sehr viel höher als vor 20 Jahren. Wir gaben die Steigerung des 
durchschnittlichen Nominaleinkommens von 1891 — 1911 auf unge- 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891—1911. 33 

fähr 45 °/o an ; wahrscheinlich ist die Bezahlung der Dienstleistungen 
in ähnlichem Umfange gestiegen. 

Auch die Kosten der ärztlichen Behandlung, sowie die Ausgaben 
für Rasieren und Haarschneiden können im wesentlichen als ein 
Entgelt für persönliche Dienstleistungen angesprochen werden. Die 
Aufwendungen zu diesen Zwecken sind sicher, wenn vielleicht auch 
nicht entsprechend der durchschnittlichen Einkommensteigerung, 
höher geworden. Die Bezahlung der Aerzte wäre hier nur soweit in 
Betracht zu ziehen, als sie von den Kranken selbst, nicht von den 
Krankenkassen oder von der Armenverwaltung geleistet wird. Die 
Tatsache, daß heute sehr viel mehr Patienten kassenärztlich be- 
handelt werden, kann unberücksichtigt bleiben, da wir später die 
Leistungen der öffentlichen Versicherungseinrichtungen gesondert 
behandeln. Für Gesundheitspflege sind in der Reichserhebung 
7,80 M. (8,90 M.), für Körperpflege 1,80 M. (2,10 M.) verzeichnet. 
Diese Summen werden zum großen Teile auf ärztliche Behandlung, 
sowie auf Haar- und Bartpflege kommen. 

Endlich sind noch die Trinkgelder in Gastwirtschaften als eine 
Bezahlung persönlicher Dienstleistungen zu rechnen. Wir schätzen 
hierfür 1 M. pro Kopf. (Die Ausgaben in Gastwirtschaften stellten 
sich nach der Reichserhebung auf 13 M.) Die Aufwendungen für 
Trinkgelder nahmen wahrscheinlich mit der allgemeinen Hebung des 
Wohlstandes erheblich zu. 

Die gesamten Kosten für persönliche Dienstleistungen mochten 
sich 1891 auf 20 — 25 M. belaufen ; die durchschnittliche Verteuerung 
dieser Ausgaben während der letzten 20 Jahre soll auf 35% ge- 
schätzt werden. 

Wir haben jetzt die wichtigsten Bedarfsposten angeführt. In 
der Reichserhebung sind im wesentlichen nur noch Ausgaben für 
Vergnügen, Vereine, Unterricht, Lernmittel, Zeitungen, Bücher und 
Verkehrsmittel mit zusammen 28 M. (32 M.) angegeben. Wir rech- 
nen für die hier nicht besprochenen Ausgaben insgesamt 30 M. 
und nehmen an, daß dieselben in den 20 Jahren im Durchschnitt 
keine Steigerung erfahren haben. 

Es ist nicht nötig, neben der Bestimmung des Aufwandes auch 
die Höhe der im Jahre 1891 gemachten Ersparnisse zu bestimmen, 
da sich der Wert gleichhoher Ersparnisse entsprechend der durch- 
schnittlichen Verteurung aller Waren verminderte. 

In der folgenden Zusammenstellung ist auf Grund der bisher ge- 
machten Schätzungen der durchschnittliche Aufwand für die ein- 
zelnen Bedarfsartikel im Jahre 1891 in absoluten Zahlen, sowie in 
Prozenten des Gesamtaufwandes wiedergegeben (b und c). An 
zweiter Stelle ist die geschätzte Preissteigerung der betreffenden 
Waren oder Leistungen von 1891—1911 angeführt. Die Ziffern 
(d) bedeuten die relativen Preise des Jahres 1911, wobei die Preise 
des Jahres 1891 gleich 1 gesetzt wurden. Multipliziert man die 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 3 



34 



Arthur Friedmann 



Ziffernreihen c und d, so erhält man Verhältniszahlen (e), welche 
zeigen, ein wie großer Teil des Einkommens des Jahres 1891 bei 
Zugrundelegung der Preise des Jahres 1911 für den betreffenden Be- 
darf erforderlich war; der Ueberschuß der Summe dieser Verhältnis- 
zahlen über 100 gibt an, wieviel Prozent mehr der Gesamtkonsum 
des Jahres 1891 nach den Preisen des Jahres 1911 kostete (wobei 
gemäß unseren früheren Ausführungen vorausgesetzt wurde, daß 
die einzelnen Waren in den Jahren 1891 und 1911 an den gleichen 
Orten konsumiert wurden). 



Die Kosten des Durchschnittskonsums des Jahres 1891 nach den 
Preisen der Jahre 1891 und 1911. 



a 


b 


c 


d 


e 




durchschnittlicher 




(cXd) 




Aufwand im 


Preis des 


relative Höhe 




Jahre 1891 


Jahres 1911 
(Preis des 


des Aufwandes 


Art des Aufwandes 




in Prozent 


im Jahre 1911 




in 


des Ge- 


Jahres 1891 


(Gesamtauf wan d 




Mark 


samtauf- 
wandes 


= D 


des Jahres 

1891 = 100) 


Schweinefleisch 


2O,0 


5,oi 


1,13 


5,66 


Rindfleisch 


12,0 


3,oi 


1,29 


3,88 


Kalbfleisch 


V 


O,60 


1,54 


0,92 


Hammelfleisch 


1,0 


0,25 


1,40 


0,34 


anderes Fleisch 


3,o 


0,75 


1,16 


0,86 


Weizenbrot und Weizenmehl 


21,0 


5,26 


1,11 


5,84 


Roggenbrot und Roggenmehl 


21,0 


5,26 


1,08 


5,68 


Milch, Butter, Käse 


35,o 


8,77 


1,19 


IO,44 


Kartoffeln 


6,o 


1,50 


1,15 


1,73 


Eier 


5,o 


1,25 


1,33 


1,66 


Zucker 


5,o 


1,25 


0,75 


0,94 


Kaffee 


7,2 


1,80 


0,92 


1,66 


Bier 


21,0 


5,26 


1,17 


6,15 


Branntwein 


6,6 


1,65 


1,30 


2,15 


Tabak 


12,0 


3,01 


1,25 


3,76 


Uebrige Nahrungs- und Genußmittel 


22,0 


5,51 


1,10 


6,06 


Wohnungsmiete 


46,0 


11,53 


1,16 


13,37 


Heizung 


13,0 


3,26 


1,18 


3,85 


Beleuchtung 


5,o 


1,25 


1,00 


1,25 


Kleidung 


43,0 


IO,7 7 


1,23 


13,25 


Möbel 


19,0 


4,76 


1,10 


5,24 


Andere Wohnungseinrichtungen 


21,0 


5,26 


1,15 


6,05 


Persönliche Dienstleistungen 


22,0 


5,51 


1,85 


7,44 


Sonstiges 


30,0 


7,52 


1,00 


7,52 




399,2 


100,00 


— 


115,70 



Nach dieser Berechnung betrugen also die Kosten des durch- 
schnittlichen Konsums im Jahre 1891 399,2 M. Ein gleich großer 
Verbrauch hätte im Jahre 1911 (unter der oben gemachten Vor- 
aussetzung, daß die Waren 1911 an den gleichen Orten wie 1891 
konsumiert worden wären) einen 15,7 o/o größeren Aufwand ver- 
ursacht. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 35 

Es mag auffallen, daß wir hier für das Jahr 1891 einen Ge- 
samtverbrauch von 399,2 M. errechneten, während das Durchschnitts- 
einkommen nach unserer früheren Schätzung nur 395,6 M. betrug. 
Diese Differenz wäre dann noch sehr viel erheblicher, wenn wir von 
dem Einkommen die im Jahre 1891 gemachten Ersparnisse, deren 
Höhe sich allerdings kaum abschätzen läßt, in Abzug bringen. Ent- 
weder ist also die frühere Berechnung des Einkommens zu niedrig 
oder der hier berechnete Aufwand zu hoch; das letztere ist bei der 
vielfachen Unsicherheit der vorgenommenen Schätzungen wahrschein- 
licher. Geringe Fehler in der Berechnung der einzelnen Aufwands- 
posten würden aber für die durchschnittliche Verteuerung des Ge- 
samtverbrauchs kaum ins Gewicht fallen, da sich wenigstens die 
wichtigsten Bedarfsgegenstände in ähnlichemUmfange verteuerten. 

Auch die Berechnung der Preissteigerung der einzelnen Waren 
und Leistungen war, wie wir bereits an früheren Stellen betonten, 
vielfach unsicher; dennoch wird die wirkliche Preissteigerung nicht 
allzu erheblich von der geschätzten Steigerung abweichen und kaum 
einige Prozent mehr oder weniger betragen : Nur bei wenigen Posten 
(z. B. bei Brot, Wohnungsmiete und Wohnungseinrichtungen) würde 
ein eventueller Fehler das Gesamtergebnis um 1 / 2 °/o oder um lo/ 
verändern, so würde z. B. die Annahme einer 5% zu hohen Steige- 
rung der Mieten eine um 0,6% zu starke Steigerung des Gesamtauf- 
wandes ergeben. Da die Erhebungsmethoden für die Preise der ver- 
schiedenen Waren oder Leistungen sehr verschieden sind, darf man 
erwarten, daß die etwa gemachten Fehler nicht alle in gleicher Rich- 
tung liegen, sondern sich teilweise ausgleichen. 

Wir müssen nun endlich noch in Rechnung ziehen, daß tatsäch- 
lich nicht, wie wir bisher annahmen, im Jahre 1911 die Waren an 
den gleichen Orten wie im Jahre 1891 konsumiert wurden, daß viel- 
mehr der vom Lande in die Stadt gewanderte Teil der 
Bevölkerung, abgesehen von der bisher berücksichtigten Preis- 
steigerung, für den gleichen Konsum in der Stadt erheblich mehr 
aufzuwenden hatte. Besonders diejenigen Personen, die auf dem 
Lande einen großen Teil ihres Nahrungsbedarfs aus der eigenen Wirt- 
schaft deckten, konnten sehr viel billiger als die städtische Bevölke- 
rung leben. Für das Fleisch lassen sich die Preisunterschiede von 
Stadt und Land nach einigen von Brutzer 86 ) gegebenen Daten be- 
urteilen: Das Schweinefleisch kostete beim Berliner Fleischer 82,5 
Pfennig das Pfund, während der Landwirt für dasselbe nur 57 Pf. 
erhielt. Rechnet man beim Selbstverbrauch des Landwirts 2,2 Pf. 
für Schlachtungskosten hinzu, so hätte der Landwirt für den gleichen 
Konsum 25,5 % weniger aufzuwenden. Beim Rindfleisch ergibt 
eine gleiche Berechnung eine Verbilligung von 29,9% gegenüber 
der Stadt. — Aehnliches gilt für die Unterschiede der Milchpreise 

86) Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 139, A II. 

3* 



36 Arthur Friedmann, 

in Stadt und Land. Nach den diesbezüglichen Angaben für die 
Städte Berlin, Köln, Hamburg und Karlsruhe erhält der Landwirt 
für die Milch 25 — 45% weniger als der städtische Konsument für 
dieselbe zu zahlen hat 87 ). Noch erheblicher sind die Unterschiede 
der Kartoffelpreise; dies ist besonders deshalb bedeutungsvoll, weil 
fast sämtliche landwirtschaftlich Erwerbstätige in eigener Wirt- 
schaft erzeugte Kartoffeln konsumieren. Die Großhandelspreise der 
Kartoffeln waren im Durchschnitt der letzten 10 Jahre nach einem 
Vergleich der von der Reichsstatistik verzeichneten Großhandels- 
preise mit den von der Preußischen Statistik gegebenen Kleinhandels- 
preisen um 31,4% niedriger. Nach den Angaben über Groß- und 
Kleinhandelspreise der Kartoffeln in 17 deutschen Großstädten im 
statistischen Jahrbuch deutscher Städte war der Großhandelspreis 
(1910) sogar 47 0/0 niedriger als der Kleinhandelspreis. Der Land- 
wirt hat bei dem eigenen Verbrauch der Kartoffeln einen noch ge- 
ringeren Preis als den Großhandelspreis zu verrechnen. — Ge- 
ringfügiger sind die Preisunterschiede für Roggen- und Weizen- 
mehl. Nach der Preußischen Statistik betrug der Verkaufspreis 
im Durchschnitt der Jahre 1909 — 1911 „beim Handel in größeren 
Mengen" für Weizenmehl 19 0/0, für Roggenmehl 20 0/0 weniger 
als im Kleinhandel. — Der Mietwert der Wohnungen ist auf dem 
Lande wiederum erheblich geringer als in der Stadt, wenn man auch 
wegen der verschiedenen Qualität der Wohnungen schwer einen 
zahlenmäßigen Vergleich ziehen kann; eine ungefähr gleichwertige 
Wohnung ist in der Großstadt oft um das Vielfache teurer als 
auf dem Lande. Endlich ist auch das Heizmaterial auf dem Lande 
billiger. — Es ist noch besonders zu beachten, daß der Landwirt 
bei Berechnung des steuerpflichtigen Einkommens in Zweifelsfällen, 
ohne eine Steuerhinterziehung zu begehen, einen relativ niedrigen 
Wert für den eigenen Konsum in Rechnung setzen kann. So wird 
er für die selbst konsumierte Milch kaum den Preis in Anschlag 
bringen, den er bei Verkauf derselben nach der Stadt erhalten würde, 
sondern eher den niedrigeren Preis, den die Molkereien ihm zahlen. 
Berücksichtigt man, daß die Kosten der Ernährung, Wohnung und 
Heizung auf dem Lande 2 / 3 — 3 / 4 des Gesamtaufwandes ausmachen, 
so wird man sagen dürfen, daß das Einkommen eines Landwirtes 
von 100 M. einem städtischen Einkommen von 130 M. gleichzu- 
setzen ist. 



87) In Hamburg beträgt nach Angaben des Leiters einer Milch Vertriebs - 
gesellschaft der Milchpreis 18 — 22 Pf., während der Landwirt 10 — 14 Pf. 
erhält. In Köln kostete die Milch in der Stadt 20 Pfg. und inehr,die Land- 
wirte erzielten nur 14 — 15 Pf. (C 1 e w i s h , Die Versorgung der Städte mit Milch, 
Hannover 1909, S. 64). In Berlin betrug nach den Berichten der Aeltesten 
der Kaufmannschaft der Milchpreis im Laden 18 Pf., frei Haus 20 Pf., frei 
Bahnhof 12 — 13y 2 Pf. In Karlsruhe (Berg, Die Milchversorgung der Stadt 
Karlsruhe, Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 140 I, S. 135) kostete 
die Milch in der Stadt 22 Pf., der Produzent erhielt nur I6V4 Pf-, hat aber 
auch die Milch frei Bahnhof zu liefern. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 37 

Auch die Ergebnisse der Steuerveranlagung zeigen, daß das auf 
dem Lande veranlagte Einkommen relativ niedrig ist. Im Jahre 
1902 hatten die Landwirte mit einem Grundsteuerreinertrag von 
60—90 M. im Durchschnitt einen Grundbesitz von 8 ha und dabei 
nur ein veranlagtes Einkommen von durchschnittlich 750 M., bei 
ungefähr 100 M. Schuldzinsen (entsprechend 2063 M. Schulden)» 8 ). 
Bei einem Grundsteuerreinertrag von 90 — 150 M. betrug die durch- 
schnittliche Grundstücksgröße 11,1 ha, das durchschnittlich veran- 
lagte Einkommen 890 M., bei 150 M. Schuldzinsen (3056 M. 
Schulden). So verschiedenartig die Verhältnisse auch je nach der 
Güte des Bodens sind, so läßt sich doch sagen, daß ein Landwirt mit 
einem Grundbesitz von 8 ha, der jährlich nur 100 M. Schuldzinsen 
zu zahlen hat, im Durchschnitt eine sehr viel höhere Lebenshaltung 
als ein städtischer Arbeiter mit 750 M. Einkommen hat, und daß 
sich ebenso ein Landwirt, der 11 ha besitzt, und jährlich 150 M. 
Schuldzinsen zahlt, sehr viel besser als ein städtischer Arbeiter mit 
890 M. Einkommen steht. 

Die Abwanderung vom Lande in die Stadt während 
der letzten beiden Jahrzehnte läßt sich einmal nach den diesbezüg- 
lichen Daten der Volkszählung, andererseits nach den Angaben 
der Berufszählung über die Zahl der landwirtschaftlichen Erwerbs- 
tätigen verfolgen. Im Jahre 1910 war in Preußen der Anteil der 
Bevölkerung in Landgemeinden und Gutsbezirken mit weniger als 
10000 Einwohnern um 11,4 o/o der Gesamtbevölkerung geringer als 
1890, dagegen der Anteil der großstädtischen Bevölkerung 9,2 o/o 
und der Bevölkerung in Städten unter 100000 Einwohnern und in 
Landgemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern 2,lo/ größer als 
1890. — Die Zahl der landwirtschaftlich Erwerbstätigen (allerdings 
einschließlich der in der Forstwirtschaft, Gärtnerei und Fischerei 
Berufstätigen) — zuzüglich der Angehörigen — nahm in Preußen 
von 1882—1895 um 7,5, von 1895—1907 ebenfalls um 7,5 o/ der 
Gesamtbevölkerung ab, in der Zeit von 1891 — 1911 also 
schätzungsweise um 12o/o. Wir rechnen, daß von 1891 — 1911 12 o/o 
der Gesamtbevölkerung, von denen der größte Teil landwirtschaft- 
lich erwerbstätig war und den Nahrungsbedarf ganz oder teilweise 
aus der eigenen Wirtschaft befriedigte, vom Lande in die Stadt, 
zu mehr als vier Fünftel in die Großstadt wanderte. Wenn diese 
Leute früher ein etwa zwei Drittel so hohes Einkommen als der 
Durchschnitt der Bevölkerung hatten, und nunmehr für die Be- 
streitung eines gleich großen Konsums wie auf dem Lande ein 30% 
höheres Einkommen benötigten, so waren im Jahre 1911 allein 
2,4o/o des Gesamteinkommens der Bevölkerung des Jahres 1891 
erforderlich, um den durch die Differenz der Unterhaltungskosten 



88) Preußische Statistik, Heft 191, S. 27, 1905: Verschuldung und sonstige 
wirtschaftliche Verhältnisse der Grundeigentümer mit mindestens 60 M. Grund- 
steuerreinertrag. 



38 Arthur Friedmann, 

bewirkten Mehraufwand der vom Lande in die Stadt Gewanderten 
zu decken. Es würde mithin der Gesamtkonsum des Jahres 1891 
im Jahre 1911 nicht, wie wir früher berechneten 15,7 o/o, sondern 
18,5 % teurer als 1891 gewesen sein. 

In diesem Zusammenhange ist noch zu erwähnen, daß die durch- 
schnittlichen Unterhaltskosten dann höher zu veranschlagen sind, 
wenn die Zahl der Kinder im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 
niedriger ist, und ebenso bei einer durchschnittlich geringeren Mit- 
gliederzahl der Haushaltungen. Die Differenzen der beiden Ver- 
gleichsjahre sind aber in dieser Hinsicht unerheblich. Die Durch- 
schnittszahl der Angehörigen einer Haushaltung nahm in Preußen 
von 1890—1910 nur von 4,69 auf 4,56 ab. Der Anteil der Kinder 
unter 14 Jahren an der Gesamtbevölkerung betrug 1890 33,53, 1910 
32,65o/o. 

Wenn nun im Jahre 1911 das durchschnittliche Nominalein- 
kommen 43,0 o/o höher war als 1891 (S. 16), während die Deckung 
des Konsums des Jahres 1891 1911 ein 18,5% höheres Einkommen 
erforderte, so stand im Jahre 1911 ein nicht ganz 21o/ höheres Ein- 
kommen, als solches zur Bestreitung des Konsums des Jahres 1891 
nötig war, zur Verfügung. 

Diese Einkommensteigerung ist etwas erheblicher als wenn 
in irgendeinem Jahre bei Gleichbleiben der Preise aller Bedarfsartikel 
das Durchschnittseinkommen um 2lo/ gestiegen wäre; nur unter 
der Voraussetzung, daß die relativen Preise aller Bedarfsartikel 
gleichgeblieben wären, wäre bei einem Einkommen, wie es zur Auf- 
bringung des Konsums des Jahres 1891 genügte, im Jahre 1911 auch 
eben derselbe Konsum bestritten worden. Da einzelne Waren mehr 
als der Durchschnitt, andere weniger als der Durchschnitt im Preise 
stiegen oder gar im Preise sanken, wären diejenigen Waren, die 
verhältnismäßig billiger geworden sind, in relativ größerer Menge 
konsumiert worden und so schon bei einem Einkommen, mit dem der 
Gesamtaufwand des Jahres 1891 gerade hätte bestritten werden 
können, ein subjektiv wertvollerer Konsum erzielt worden. Nun sind 
aber die wichtigsten Bedarfsartikel einigermaßen gleichmäßig im 
Preise gestiegen, Schweinefleisch ist um 13o/ , Bindfleisch um 29 o/o, 
Milch und Butter um ca. 20°/o, Brot allerdings nur um 10o/ teurer 
geworden. Die Wohnungsmiete ist auch um ca. 16 o/o gestiegen. 
Kleidung und Wäsche stehen heute um 20 — 30 o/o, Wohnungseinrich- 
tungen um 10 — 15o/o höher im Preise. Wenn auch einige weniger 
wichtige Bedarfsartikel erheblich im Preise gesunken sind, so ist 
doch die Gesamtsteigerung des Realeinkommens höchstens wenige 
Prozent höher als 21o/ anzusetzen. Wir wollen diese Verhältnisse 
an einem Beispiel erläutern; der Einfachheit halber wählen wir von 
der Wirklichkeit einigermaßen abweichende Daten: 

Wenn der Preis des Brotes im Laufe der Jahre unverändert 
geblieben wäre, während alle anderen Waren um 15°/o (von 87 Pf. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 39 

auf 1 M.) im Preise anstiegen, und früher pro Kopf und Jahr 40 M. 
Brot konsumiert wurden, so mögen jetzt, bei den relativ niedrigeren 
Brotpreisen vielleicht weitere 10 M. Brot anstelle anderer Waren 
verzehrt werden. Die erste Mark, die für den Mehrkonsum an Brot 
aufgewandt wird, hat fast den gleichen Wert wie die früher zuletzt 
dafür aufgewandte (40ste Mark) ; es tritt also anstelle eines Konsums, 
für den nach den früheren Preisen 87 Pf. gezahlt wurde, ein 
Konsum, für den früher beinahe 1 M. aufgewandt wurde. Hin- 
gegen repräsentiert die 50ste Mark Brot keinen höheren subjektiven Wert 
als die Waren, an deren Stelle dieser Konsum tritt, denn andernfalls 
würde noch für eine 51ste Mark Brot anstelle anderer Waren konsumiert 
werden. Wir können danach rechnen, daß die 10 M. Brot, die statt 
anderer Waren verzehrt werden, im Durchschnitt die Hälfte von 
13 Pf., also 6,5 Pf., mehr wert sind als die Waren, an deren Stelle 
sie treten. Es würde mithin die ganze Verschiebung des Konsums 
nur einen Gewinn von 65 Pf. bedeuten. — Aehnliches ließe sich 
inbetreff der Preisverschiebungen anderer Waren sagen. 

Wir werden also auch in Anbetracht der zuletzt geschilderten 
Verhältnisse die Steigerung des durchschnittlichen Realeinkommens 
auf kaum mehr als 2 2o/ schätzen dürfen. Eine Zunahme des 
Einkommens um 22 o/o in 20 Jahren würde eine durchschnittliche 
Einkommensteigerung um genau 1% pro Jahr bedeuten. 
(Die durchschnittliche Verteuerung der Lebenshaltung würde bei 
einer 43 o/o igen Steigerung des Nominaleinkommens und einer 
22o/oigeii Steigerung des Realeinkommens 17,2<>/o betragen.) 

In der bisherigen Darstellung wurde nur das Durchschnitts- 
einkommen der Jahre 1891 und 1911 miteinander verglichen, ohne 
daß die Entwicklung in den dazwischenliegenden Jahren besprochen 
wurde. Wir werden auch weiterhin darauf verzichten, auf die 
Einkommensentwicklung in der genannten Periode näher einzugehen ; 
soviel ergibt sich aber schon bei einer oberflächlichen Betrachtung, 
daß sich die Einkommensteigerung im Laufe der 20 Jahre ohne allzu 
erhebliche Schwankungen vollzog: Das Nominaleinkommen nahm 
nach den Ergebnissen der Einkommensteuerveranlagung in den ersten 
Jahren sehr langsam und dann — mit einer Unterbrechung in den 
Jahren 1901 und 1902 — schneller zu, während die Kaufkraft 
des Geldes wahrscheinlich bis Mitte der 90er Jahre ein wenig zu- 
nahm, um von da ab bis zur Gegenwart zu sinken. (Das Jahr 
1891 nahm allerdings insofern eine Ausnahmestellung ein, als wegen 
der Mißernte der Brotpreis außerordentlich hoch war, es wurde 
aber hierauf bei Vergleich der Einkommensverhältnisse der beiden 
Jahre bereits Rücksicht genommen.) 

Dem bisher betrachteten eigentlichen Einkommen ist vielfach der Ver- 
mögenszuwachs, soweit derselbe nicht als Einkommen besteuert wird, 
gleichzusetzen. Der automatische Wertzuwachs spielt hierbei keine erheb- 



40 Arthur Friedmann, 

lieh« Rolle 89 ). Sehr viel eher kämen hier die Erbschaften in Frage, deren 
Gesamtsumme relativ bedeutend im Vergleich zu dem Gesamteinkommen der 
Nation ist. In Preußen wird heute bei einem Nationalvermögen von vielleicht 
180 Milliarden M. die Höhe der jährlichen Erbschaften etwa 6 — 8 Milliarden 
M. betragen gegenüber einem Nationaleinkommen von 23 — 24 Milliarden M. 
Die häufigsten Erbanfälle an Ehegatten und Deszendenten können allerdings in 
ihrer Bedeutung für den Wohlstand dem Einkommen durchaus nicht gleich- 
gesetzt werden. — Die Erbschaften haben in den letzten beiden Jahrzehnten 
infolge der Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer etwas weniger als 
die Vermögen zugenommen, und die Vermögen selbst sind anscheinend nur in 

feringerem Maße als die Einkommen gewachsen. Das von der Preußischen 
Irgänzungssteuer erfaßte Vermögen nahm von 1895 — 1911 pro Kopf der Ge- 
samtbevölkerung um 28% zu > während das durchschnittliche Einkommen von 
1892 — 1912 um 43% anstieg. — Würden wir den konsumierten Teil der Erb- 
schaften dem aus dem Einkommen bestrittenen Konsum hinzurechnen, so würde 
der Gesamtkonsum doch nicht die Höhe des eigentlichen Einkommens erreichen > 
denn die Aufzehrung eines Teiles des vorhandenen Vermögens wird durch die 
Ersparung neuen Vermögens mehr als ausgeglichen. 

Die Größe des Kapitalvermögens an sich kann, abgesehen von dem bereits 
berücksichtigten aus dem Vermögen fließenden Einkommen, kaum als ein 
wesentlicher Maßstab des Wohlstandes betrachtet werden ; anders verhält es sich 
mit dem Gebrauchsvermögen. Indem wir an Hand des veranlagten Ein- 
kommens die Größe des jeweiligen Konsums bestimmten, ließen wir die Nutz- 
nießung der Güter, die bereits in früheren Jahren beschafft wurden, unberück- 
sichtigt. Nur bei Benutzung eines eigenen Wohnhauses wurde ein entsprechender 
Betrag bereits bei dem Einkommen in Rechnung gesetzt, nicht aber bei dem 
restlichen Gebrauchsvermögen, besonders der Wohnungseinrichtung. Nach 
unseren früheren Schätzungen kann der Wert der Nutzung der eigentlichen 
Wohnungseinrichtung für das Jahr 1891 auf nicht ganz 40 M. pro Kopf (das 
wären 10% des Durchschnittseinkommens) veranschlagt werden. Man sollte 
erwarten, daß sich in den letzten Jahrzehnten der Aufwand für Wohnungsein- 
richtungen und mithin der Wert des vorhandenen Mobiliars mindestens ehenso 
stark wie das Einkommen vermehrt hätte, da bei steigendem Wohlstand ein 
relativ größerer Anteil des Einkommens für weniger dringliche Zwecke aus- 
gegeben wird. Nach der Statistik von Rasp 90 ), die sich auf den Vergleich 
einer großen Anzahl von Policen im Jahre 1890 und 1910 stützt, hätte sich 
hingegen der Mobiliarwert nur um 20% gesteigert. Da die Mobilien innerhalb 
der letzten 20 Jahre nicht unerheblich teurer geworden sind, wäre die tatsäch- 
liche Zunahme des Gebrauchs Vermögens noch geringer. 

3. Der Anteil der hohen und niederen Einkommen an der 
allgemeinen Wohlstandssteigerung. 

Bei der obigen Darstellung der Wohlstandsentwicklung in 
Preußen haben wir allein auf die durchschnittliche Einkommen- 



89) Der automatische Wertzuwachs des vorhandenen Vermögens beträgt 
heute nach allerdings sehr unsicheren Schätzungen in Deutschland jährlich 
1 — 3 Milliarden M. Ein sehr großer Teil dieses Zuwachses wird aber bereits 
als Einkommen veranlagt. Die Handel- und Gewerbetreibenden haben den Zu- 
wachs des Anlagekapitals als Geschäftsgewinn zu versteuern. Ein sehr großer 
Teil des Grundvermögens, das hier in erster Linie in Betracht käme, ist nicht 
im Besitz von Privatpersonen, sondern von industriellen Unternehmungen, Terrain- 
gesellschaften etc. Der Vermögenszuwachs erscheint hier in den Dividenden 
der Unternehmungen und so in dem eigentlichen Einkommen der Aktionäre. 
Endlich wird auch ein erheblicher Teil des Wertzuwachses der Grundstücke, 
die sich im Besitze von Privatpersonen befinden, in Form von Hypotheken- 
zinsen den Hypothekengläubigern zugeführt und von diesen als eigentliches 
Einkommen verrechnet. 

90) Das Deutsche Volk, Zeitschrift für nationale Politik, Jahrgang 1909. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 41 

Steigerung Gewicht gelegt. Wir wollen nunmehr an Hand der früher 
gegebenen Daten zu zeigen versuchen, welchen Anteil die nie- 
deren, mittleren und höheren Einkommen an der allge- 
meinen Einkommensteigerung hatten. Wir bedienen uns 
einer ähnlichen Methode, wie sie von Helfferich in seiner Ar- 
beit: Die Verteilung des Volkseinkommens in Preußen 1896 — 1912 91 ) 
angewandt wurde. Die Art der Berechnung ist aus untenstehender 
Tabelle ersichtlich 92 ): Die Gesamtzahl aller Zensiten wurde 1892 
und 1912 in 7 Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe umfaßt in beiden 
Jahren den gleichen Prozentsatz aller Zensiten, und zwar wurde der 
Umfang der Gruppe nach Möglichkeit so bemessen, daß für das 
Jahr 1892 auf die einzelne Gruppe 10% des Gesamteinkommens 
entfiel. Nur der ersten Gruppe mußten 1892 sämtliche Zensiten 
mit weniger als 900 M. und insgesamt 42<y des Gesamteinkommens 
zugewiesen werden, da die genauere Verteilung des Einkommens 
auf die Personen mit weniger als 900 M. unbekannt ist. In die zweite 
Gruppe wurden soviel Zensiten — mit dem nächst höheren Ein- 
kommen — eingeordnet, daß das Einkommen der Gruppe I und II 
50 o/o des Gesamteinkommens ergab. 

Bei der Berechnung der Zensitenzahl und des Einkommens in 
Spalte b — d wurden die Angaben der offiziellen Einkommenstatistik 
verwandt. Eür die Einkommen unter 900 M. wurden jedoch die in 
dieser Arbeit (S. 5) errechneten Werte eingesetzt; die Frei- 
stellungen und Ermäßigungen wurden auf die Weise berücksich- 
tigt, daß die Zensitenzahl in den Einkommensgruppen von 900 
bis 3000 M. — entsprechend der Besetzung der einzelnen Gruppen 
— insgesamt um die Zahl der Steuerbefreiten erhöht wurde; für die 
Ermäßigungen in den höheren Einkommensgruppen wurden ent- 
sprechende Korrekturen angebracht 93 ). 

Aus Spalte e der Tabelle ist ersichtlich, daß sich der verhältnis- 
mäßige Anteil der einzelnen Einkommensgruppen am Gesamtein- 
kommen etwas, wenn auch nur wenig verschoben hat. Wäre der 
Anteil einer Gruppe am Gesamteinkommen 1912 genau so groß 
wie 1892 gewesen, so müßte auch das Durchschnittseinkommen 
dieser Gruppe im selben Umfange wie das Durchschnittseinkommen 
überhaupt, also nach unseren früheren Schätzungen (S. 16) um 
43o/o, gestiegen sein. Nahm aber der verhältnismäßige Anteil des 
Einkommens einer Gruppe am Gesamteinkommen um f°/o zu, 
(Spalte f), so muß auch das Durchschnittseinkommen der Gruppe 
1912 fo/o größer sein, als es bei einer nur 43o/ igen Steigerung ge- 
wesen wäre. Das Durchschnittseinkommen der Gruppe wäre alsdann 



91) Festgabe zu Rießers 60. Geburtstag, Berlin 1913, S. 18. 

92) Die Spalte e der Tabelle entspricht der Helfferichschen Darstellung. 
Die Spalten g und h wurden hinzugefügt. 

93) Bei dieser Berechnung ergibt sich für das Jahr 1892 ein ungefähr 
60 Mill., für das Jahr 1912 ein etwa 200 Mill. M. geringeres Gesamteinkommen 
als bei der präziseren Berechnung an früherer Stelle (S. 11); ein gleicher 
Berechnungsmodus war hier nicht anwendbar. 



42 



Arthur Friedmann, 



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Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 43 

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nicht von 100 auf 143, sondern von 100 auf 143 . ^ 7~ gestiegen ; 

die Zunahme betrüge nicht 43 %> sondern (143 . — ^~ 100) o/o 

(Spalte g). — Da sich die Lebenshaltung von 1892 — 1912 (nach 
S. 39) um 17, 2 o/o verteuerte (einem Einkommen von 100 im Jahr 
1892 ein Einkommen von 117,2 im Jahre 1912 entspricht), würde 
bei einer nominellen Zunahme des Einkommens um go/o die Steige- 
rung des Realeinkommens nur I ~jWö — — — 100J °/ betragen 

(Spalte h). 

Die Tabelle zeigt, daß die verschieden hohen Einkommen in 
nicht gar so verschiedenem Umfange gestiegen sind. Wenigstens 
scheinen die niedersten Einkommen, deren Entwicklung das größte 
Interesse beansprucht, in ähnlichem Umfange wie der Durchschnitt 
aller Einkommen gewachsen zu sein. Die Einkommen unter 900, 
resp. 1355 M. erfuhren nominell eine nur 2,1 o/ größere Steigerung 
als das Durchschnittseinkommen; etwas größer war das Wachs- 
tum der Einkommen bis 1100, resp. 1600 M. Die mittleren Ein- 
kommen blieben hinter der durchschnittlichen Einkommensteige- 
rung zurück, während die hohen Einkommen wieder eine verhältnis- 
mäßig stärkere Zunahme aufweisen. Die Einkommen über 21000, 
resp. 29 000 M. stiegen dem Nominalwerte nach statt um 43 um 
52 o/o, dem Realwerte nach statt um 22 um 29,7 o/ . Am stärksten 
ist die Zunahme bei den allerhöchsten Einkommen. (Ca. 1 /ioo%o 
aller Zensiten [1892 102, 1912 145 Personen] hatten 1892 nur lo/ , 
1912 dagegen 1,19 o/o des Gesamteinkommens. Die Steigerung des 
Nominaleinkommens betrug 70%, die Steigerung des Realeinkom- 
mens 45o/o.) 

Bei der hier gegebenen Berechnung wurden die vermutlichen 
Hinterziehungen und Mindereinschätzungen nicht berücksichtigt, und 
außerdem wurden die direkten Steuerleistungen nicht in Abzug ge- 
bracht. Nun hat sich die Genauigkeit der Veranlagung bei den nie- 
deren Einkommen im Laufe der Jahre wahrscheinlich mehr als bei 
den höheren Einkommen gesteigert. Wir veranschlagten die Minder- 
einschätzungen der Einkommen unter 3000 M. 1912 auf nur 15o/ 
gegen 22o/ im Jahre 1892, hingegen die Hinterziehungen der Ein- 
kommen über 3000 M. 1912 auf IO0/0 gegen 15o/ im Jahre 1892 
(S. 15). Dies wären für die niederen Einkommen 1912 um 7 o/ ge- 
ringere, für die höheren Einkommen aber nur um 5 o/ geringere 
Mindereinschätzungen. Wenn wir also oben die Zunahme der Ein- 
kommen unter 900 M. zu 2,lo/ größer als die Zunahme des Durch- 
schnittseinkommens angaben, so könnte diese geringe Differenz schon 
teilweise durch die relativ bessere Veranlagung der niederen Ein- 
kommen im Jahre 1912 erklärt werden. 



44 Arthur Friedmann, 

Daß bei der obigen Berechnung die direkten Steuern nicht in 
Abzug gebracht «wurden, scheint für das Resultat unerheblich. 
Die direkten Steuern sind verhältnismäßig gering. Auch haben die- 
selben für hohe und niedere Einkommen in nicht gar so verschie- 
denem Verhältnisse zugenommen. Die Progression ist bei den nie- 
deren Einkommen zwar viel stärker als bei den höheren, so daß 
bei einer verhältnismäßig gleichen Zunahme bei den niederen Ein- 
kommen relativ höhere Steuerbeträge in Abzug zu bringen wären. 
Auf der anderen Seite bewirkten die Steuerzuschläge des Jahres 1909 
eine verhältnismäßig stärkere Belastung der höheren Einkommen. 
Ebenso werden die Reichen durch die erst seit 1893 erhobenen Er- 
gänzungssteuern, sowie durch die im Jahre 1911 im Gegensatz zum 
Jahre 1891 bei der Veranlagung teilweise nicht in Abzug gebrachten 
kommunalen Ertragsteuern verhältnismäßig stärker belastet. 

Ein merklicher Fehler entstand jedoch bei der obigen Be- 
rechnung dadurch, daß die Aenderung des Geldwertes für ver- 
schieden hohe Einkommen als gleich angenommen wurde, während 
in der Tat die Kaufkraft des Geldes im Laufe der 20 Jahre für die 
hohen Einkommen in stärkerem Maße als für die niederen abge- 
nommen zu haben scheint, und zwar aus zwei Gründen: Erstens 
sind diejenigen Bedarfsartikel, die von den Wohlhabenden in relativ 
größerem Umfange konsumiert werden, vielfach stärker im Preise 
gestiegen. Bei den hohen Einkommen kommt ein geringerer Anteil 
des Konsums auf Nahrungsmittel, sowie auf Wohnungsmiete, da- 
gegen ein größerer Anteil besonders auf persönliche Bedienung, dann 
auf Wohnungseinrichtungen und wahrscheinlich auch auf Kleidung. 
Die Kleidung und mehr noch die persönliche Bedienung haben sich 
in den letzten 20 Jahren mehr als der Durchschnitt aller Waren 
verteuert, nach unseren früheren Schätzungen um 23, resp. 35 o/o, 
während die durchschnittliche Preissteigerung nur ca. 16% be- 
trug. Unter den wichtigeren Nahrungsmitteln hat das Fleisch, das 
in verhältnismäßig größeren Mengen von den Reichen konsumiert 
wird, eine größere Preissteigerung als der Durchschnitt aller Nah- 
rungsmittel erfahren. Andererseits haben sich die Verkehrsmittel, 
die relativ mehr von der wohlhabenden Bevölkerung in Anspruch 
genommen werden, weniger als der Durchschnitt aller Waren ver- 
teuert oder gar verbilligt, ebenso manche Luxusartikel. Einzelne 
heute gebrauchte Luxusartikel waren vor 20 Jahren gar nicht oder 
in gleichwertiger Form nur zu sehr viel höheren Preisen zu erlangen. 
— Zweitens aber ist der Aufwand der Reichen dadurch verhältnis- 
mäßig teurer geworden, daß sich innerhalb der einzelnen Gruppen von 
Bedarfsartikeln der Preis derjenigen Qualitäten, die speziell dem Ge- 
brauche der Reichen dienen, vielfach mehr als der Durchschnitts- 
preis der betreffenden Waren erhöht hat. Von der ärmeren Bevölke- 
rung werden in größerem Umfange Waren konsumiert, die als Mas- 
senartikeln hergestellt werden und in den letzten Jahren auf Grund 
der vervollkommneten Technik eine Verbilligung oder doch nur eine 
geringere Verteuerung erfahren haben. So stieg der Preis für Kon- 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 45 

fektionswaren lange nicht in dem Umfange wie der Preis nach Maß 
gefertigter Anzüge; Maßstiefel haben sich mehr als fertig gekaufte 
Stiefel verteuert. Ebenso sind nach Angabe der von mir befragten 
Sachverständigen die Preise der teuren Möbel im weitgehenderen 
Maße als die der billigen Möbel gestiegen. — Eine Ausnahme in 
dieser Hinsicht scheinen die Aufwendungen für Wohnungsmiete zu 
machen. In der Mehrzahl der Städte, die Angaben über die Miet- 
steigerung in den letzten Jahren bringen, wird für kleinere Woh- 
nungen eine stärkere Steigerung der Mieten angegeben 94 ). Viel- 
leicht ist diese Tatsache teilweise darauf zurückzuführen, daß sich 
die Ausstattung der billigen Wohnungen verhältnismäßig mehr als 
die der teueren gehoben hat. 

Die durchschnittliche Verteuerung der Lebenshaltung für die 
verschieden hohen Einkommen könnte auf die gleiche Weise, 
wie dies früher für das Durchschnittseinkommen geschehen ist, 
festgestellt werden (in der Tabelle auf S.34 wären in Spalte c und d 
entsprechend veränderte Werte einzutragen). Wenn für eine ge- 
nauere Berechnung auch genügende Daten fehlen, so läßt sich doch 
soviel bei einer ungefähren Schätzung der betreffenden Werte er- 
sehen, daß die durchschnittliche Verteuerung der Lebenshaltung für 
die hohen Einkommen höchstens um wenige Prozent größer als für 
das Durchschnittseinkommen gewesen ist. Wir dürfen danach 
schließen, daß trotz der etwas geringeren Abnahme des Geldwertes 
für die niederen Einkommen die Steigerung dieser Einkommen nicht 
wesentlich größer als die der höheren war. 

4. Die Leistungen der öffentlichen Körperschaften in den 
Jahren 1891 und 1911. 

Um ein vollständiges Bild der Lebenshaltung in den beiden Ver- 
gleichsjahren zu geben, haben wir — nach Besprechung des pri- 
vaten Konsums — nunmehr die staatlichen Leistungen in Betracht 
zu ziehen. Und zwar sind von diesen nur solche zu berücksichtigen, 
die ohne spezielles Entgelt erfolgen; die entgeltlichen Leistungen 
wurden bereits bei dem privaten Konsum betrachtet. Ebenso sind 
die Ausgaben der Schuldenverwaltung in Abzug zu bringen; die 
Schuldzinsen fanden als Einkommen der Staatsgläubiger Berück- 
sichtigung. Auch die Ausgaben für Militärzwecke müssen wir bei 
der Beurteilung des Volkswohlstandes außer Acht lassen. Es ist in 
diesem Zusammenhange ohne Belang, ob die Aufwendungen für 
militärische Zwecke etwaige Störungen der Volkswirtschaft durch 
kriegerische Vorkommnisse verhinderten und so indirekt zu einer 
Hebung des Wohlstandes beitrugen, denn die tatsächlich erfolgte 
Steigerung des Wohlstandes würdigten wir bereits in der Zunahme 
des privaten Konsums, sowie auch in der Mehrung der sonstigen 
staatlichen Leistungen. Es kann auch nicht gut damit gerechnet 
werden, daß schon in naher Zukunft geringere Mehraufwendungen 

94) Vgl. S. 26 etc. und die dort angegebene Literatur. 



46 Arthur Friedmann, 

für militärische Zwecke gemacht werden, und so der Zuwachs des 
Nationaleinkommens, der jetzt für Rüstungen verbraucht wird, an- 
deren Zwecken zugeführt wird, zumal wenn man die Möglichkeit 
kriegerischer Ereignisse in Rechnung zieht. 

Die Gesamtausgaben des Deutschen Reiches, ausschließlich der 
Ausgaben für Landesverteidigung und Schuldenverwaltung, sowie 
der Aufwendungen für Post, Telegraph und Eisenbahn und endlich 
auch abzüglich der Ueberweisungen an die Bundesstaaten stellten 
sich 1891 auf 144 Mill. M. oder 2,90 M. pro Kopf, 1911 auf 385 
Mill. M. oder 5,90 M. pro Kopf. In Preußen betrugen die gesamten 
Staatsausgaben, wiederum ohne die Aufwendungen für erwerbswirt- 
schaftliche Unternehmungen und ohne die Ausgaben für Schulden- 
verwaltung, und abzüglich der Matrikularbeiträge 1891 529 Mill. M., 
1911 1157 Mill. M., das sind pro Kopf der Bevölkerung 17,40, 
resp. 28,40 M. Die unentgeltlichen Leistungen der preußischen 
Kommunen, ausschließlich der Ausgaben für die Schuldenverwal- 
tung, bezifferten sich, wie die untenstehenden Berechnungen ergeben, 
1891 auf schätzungsweise 368 Mill. M., oder 12,10 M. pro Kopf und 
1911 auf 1041 Mill. M. oder 25,60 M. pro Kopf. 

Die Gesamtsumme der unentgeltlichen Leistungen von Reich, 
Staat und Kommunen betrug danach in Preußen 1891 pro Kopf 
32,40 M., 1911 59,90 M., die Steigerung also 85<y . 

Die unentgeltlichen Leistungen der preußischen Kommunen 
im Jahre 1891 abzüglich der Ausgaben für die Schuldenver- 
waltung. 

Im Jahre 1888 betrugen die Gesamtausgaben in den 7 östlichen Provinzen 
Preußens 33 1 / 2 Mill. M., in den Gutsbezirken 10 Mill. M., zusammen 43 1 / 2 
Mill. M. 95 ). Die Schulden der Landgemeinden betrugen 36,7 Mill. M., das sind 
schätzungsweise an Schuldzinsen und Tilgungssummen 2,2 Mill. M. Unter 
den angeführten Ausgaben sind nicht allzuviel entgeltliche Ausgaben ge- 
zählt (fast 29 Mill. M. kamen auf Armenpflege, Volksschulen und öffent- 
liche Wege). Wir rechnen die unentgeltlichen Leistungen der östlichen Land- 
gemeinden und Gutsbezirke abzüglich der Aufwendungen für die Schulden- 
verwaltung zu 37 Mill. M. Die Gemeindeabgaben waren 1883 in den Landge- 
meinden der 5 westlichen Provinzen 92% höher als in den Landgemeinden 
der 7 östlichen Provinzen 96 ). Wir schätzen danach die unentgeltlichen Leistun- 
gen der Landgemeinden der westlichen Provinzen abzüglich der Ausgaben der 
Schuldenverwaltung im Jahre 1888 auf 60 Mill. M. ; die Gutsbezirke der west- 
lichen Provinzen können wegen ihrer geringen Zahl vernachlässigt werden. Die 
Gesamtleistungen aller preußischen Landgemeinden und Gutsbezirke betrugen 
also 1888 ca. 97 Mill. M. Von 1888—1891 nahmen die direkten Staatssteuern 
in Preußen um 8% zu 97 ). Wir nehmen für die Leistungen der Landgemeinden 
eine geringere Zunahme an und schätzen dieselben für das Jahr 1891 auf 102 
Mill. M. 

Die Leistungen der Städte mit mehr als 10000 Einwojmern lassen sich 
nach den Angaben über die Einnahmen und Ausgaben derselben im Jahre 
1891 98 ) abschätzen. 



95) Statistisches Handbuch für den Preußischen Staat, Bd. 2, S. 622. 

96) Ebenda, S. 619. 

97) Ebenda, S. 574. 

98) Drucksachen des Preußischen Abgeordnetenhauses, Session 1892/93, 
No. 7, S. 701. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 



47 



Ein- 


Aus- 


ahmen 


gaben 


4,3 


18,2 


IO,l 


52,1 


121,4 


118,0 


14,3 


44.5 


21,5 


72,8 


4,1 


28,5 


— 


37,1 


24,6 


5,9 


50,7 


18,4 



Unentgeltliche Leistungen der preußischen Städte mit mehr als 

10000 Einwohnern im Jahre 1891/92 (mit Ausnahme der Ausgaben 

für die Schulden Verwaltung) in Millionen Mark. 

unentgeltliche 
Leistungen 
(geschätzt) 
Allgemeine staatliehe Zwecke 4,3 18,2 16 

Verkehrsanlagen 10,1 52,1 42 

Gewerbliche Anlagen und gemeinnützige Anstalten 121,4 118,0 5 

Wohltätigkeit und Armenpflege 14,3 44.5 30 

Unterrichtszwecke 21,5 72,8 51 

Allgemeine Gemeindeverwaltung 4,1 28,5 26 

Schuldenverwaltung 
Nutzbares Vermögen 

Sonstiges 50,7 18,4 10 

Gesamtsumme der unentgeltlichen Leistungen 180 Mill. M 

Die Bevölkerung betrug (1890) 8,3 Mill. ; die Leistungen pro Kopf also 
21,7 M. Rechnen wir für die 3,5 Mill. Bewohner der Städte mit weniger als 
10000 Einwohnern die unentgeltlichen Leistungen der Kommune zu 16 M. 
pro Kopf, so erhalten wir für die Städte dieser Größenordnung eine Gesamt- 
leistung von 56 Mill. M. 

Es betrüge danach die Gesamtsumme der unentgeltlichen Leistungen der 
Städte abzüglich der Ausgaben für Schuldenverwaltung ca. 236 Mill. M. 

Die Leistungen der Kreise, sowie der höheren Kommunalverbände kämen 
nur soweit in Betracht, als dieselben aus eigenen Einnahmen bestritten werden. 
Die Leistungen der Provinzialverbände werden größtenteils durch Dotationen 
ermöglicht, die bei den Ausgaben des Staates bereits berücksichtigt wurden und 
durch direkte Steuern, die sich als ein Teil der Kreissteuern darstellen. Die 
übrigen Einnahmen beliefen sich 1891 auf ca. 12 Mill. M, ") (einschließlich- 
Schuldaufnahmen), abzüglich der Ausgaben für die Schulden Verwaltung viel- 
leicht auf 10 Mill. M. — Die Kreisabgaben betrugen 1891 20 Mill. M. i°°), die 
Schuldaufnahmen und die Ausgaben für die Schuldenverwaltung mögen sich 
wenigstens ungefähr die Wage halten, so daß wir die Gesamtaufwendungen 
der Kommunalverbände, soweit sie nicht anderweitig berücksichtigt sind, auf 
30 Mill. M. veranschlagen können. 

Die Gesamtsumme der hier zu berücksichtigenden Leistungen der Kom- 
munen betrugen danach 

in den Landgemeinden 102 Mill. M. 

in den Städten 236 „ „ 

in den höheren Kommunalverbänden 30 „ „ 



Summe 368 Mill. M. 



Die unentgeltlichen Leistungen der preußischen Kommunen 
im Jahre 1911 abzüglich der Ausgaben für die Schuldenver- 
waltung. 

Die Gesamtleistungen der Städte und Landgemeinden mit mehr als 10000 
Einwohnern, soweit sie ohne spezielles Entgelt erfolgen, lassen sich für das 
Jahr 1907 nach den Angaben in der Denkschrift zur Reichsfinanzreform über 
die Einnahmen und Ausgaben dieser Gemeinden nach Verwaltungszweigen 1 01 ) 
ungefähr bestimmen, und dann auch für das Jahr 1911 auf Grund der Steige- 
rung der Gemeindeabgaben von 1907—1911 abschätzen. 



99) Handbuch für den Preußischen Staat, Bd. 2, S. 628. 

100) Ebenda, S. 625. 

101) Denkschriftenband 1 zur Keichsfinanzreform, S. 683 und 700. 



48 



Arthur Friedmann 



Ausgaben und Einnahmen der Gemeinden mit m 
wohnern nach Verwaltungszweigen im Ji 



Aus- Ein- 

gaben nahmen 
Millionen Mark 



Kämmereiverwaltung 

Allgemeine Verwaltung 

Steuerverwaltung 

Polizei Verwaltung und Verwaltung son- 
stiger Einrichtungen für die öffentliche 
Sicherheit 

Verwaltung der städtischen Werke, Markt- 
hallen und der sonstigen Einrichtungen 
für Lebensmittelversorgung 

Bildungs- und Kunstinstitute 

Bauverwaltung 

Armen-, Waisen- und Krankenverwaltung 

Schuldenverwaltung 

Sonstige Verwaltungszweige 



44J 

"3,1 

26,1 



47,9 



78,1 

35J 
485,9 



7,5 



hr als 10000 Ein- 
hre 1907. 

ohne spezielles Ent- 
gelt erfolgende kom- 
munale Leistungen 
mit Ausnahme der 
Ausgaben für die 
Schuldenverwaltung 
(geschätzt) 

90 

26,1 



44 



306,3 


331,6 


— 


242,3 


69,5 


172,8 


153,4 


79,6 


80 


IIO,8 


40,1 


70,7 


201,9 


129,4 


— 


178,9 


162,4 


60 



543,6 



Die gesamten Steuern der Städte und Landgemeinden mit mehr als 10000 
Einwohnern betrugen 1907 481,6 Mill. M. 102 ), 1911 645,1 Mill. M. 103 ), die 
Steigerung also 33,9%- Die Gesamtausgaben sind von 1907 — 1911 eher etwas 
stärker als die Steuern gestiegen, indem ein wachsender Anteil des Bedarfs 
aus den Ueberschüssen erwerbswirtschaftlicher Unternehmungen gedeckt wurde. 
Wir können danach die Gesamtsumme der ohne spezielles Entgelt erfolgenden 
Leistungen ausschließlich der Ausgaben für die Schuldenverwaltung in den Ge- 
meinden mit mehr als 10000 Einwohnern für das Jahr 1911 auf 740 Mill. M. 
schätzen. 

Für die Gemeinden mit weniger als 10000 Einwohnern ist 
nur eine ungefähre Schätzung der unentgeltlichen Leistungen möglich. Die 
Abgaben dieser Gemeinden betrugen 1907 einschließlich der Abgaben beson- 
derer Schulverbände 174 Mill. M. 103 ) oder 7,8 M. pro Kopf. Wir rechnen 
für das Jahr 1911 die Gemeindeabgaben unter Hinzurechnung der übrigen 
kommunalen Einnahmen — , eines über den Wert der entsprechenden Leistung 
hinausgehenden Anteils der Gebühren, der Ueberschüsse aus Erwerbsunternehmen 
und der zu nicht werbenden Zwecken aufgenommenen Anleihen — zu 13,0 M. 
pro Kopf, das wäre bei einer Bevölkerungszahl von 22,5 Mill. 293 Mill. M. 
Von dieser Summe wären die Ausgaben für Schuldenverwaltung in Abzug zu 
bringen. Die Schulden der Gemeinden mit weniger als 10000 Einwohnern be- 
trugen 1907 717 Mill. M. 104 ), 1911 schätzungsweise 900 Mill. M., die Ausgaben 
für Verzinsung und Tilgung der Schulden also ca. 45 Mill. M. Es bleiben 
als unentgeltliche Leistungen der Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern 
248 Mill. M. 

Die Leistungen der höheren Kommunalverbände wären wieder nur soweit 
zu berücksichtigen, als dies nicht bereits an anderer Stelle geschehen ist. Die 
Zuwendungen des Staates an die Provinzialverbände wurden zu den Ausgaben 
des Staates hinzugerechnet ; die direkten Steuern der Provinzen, die nach 
dem Kreis- und Provinzialabgabengesetz des Jahres 1906 auf die Kreise um- 
gelegt werden, werden schon bei den Leistungen des Kreises berechnet, und 
ebenso finden die direkten Kreissteuern, die auf die Gemeinden umgelegt werden, 

102) Reichstagsdenkschrift für Reichsfinanzreform, I, S. 636. 

103) Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, 1912, S. 619. 

104) Reichstagsdenkschrift zur Reichsfinanzreform, I, S. 663. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 49 

bei den Aufwendungen der Kommunen Berücksichtigung. — Für die Provinzial- 
verbände wären hauptsächlich noch diejenigen Leistungen in Betracht zu ziehen, 
die durch die Einkünfte aus eigenem Vermögen ermöglicht werden. 1903 
kamen auf 30 Mill. M. Steuern ca. 15 Mill. M. Einnahmen aus dem Ver- 
mögen 105 ), 1911 auf 56 Mill. M. Steuern schätzungsweise 25 Mill. M. Die 
Schuldaufnahmen im Jahre 1911 betrugen nach einem Vergleich des Schulden- 
standes von 1911 und 1912 "*) ca. 30 Mill. M. ; wir rechnen 25 Mill. M. zu 
nicht gewerblichen Zwecken. Die Ausgaben für Schuldenverwaltung können 
bei 340 Mill. M. Schulden auf 17 Mill. M. geschätzt werden 107 ), so daß von 
den anderweitig nicht berücksichtigten Aufwendungen der Provinzialverbände 
noch 33 Mill. M. zu zählen wären. 

Die indirekten Steuern der Kreise betrugen 1911 22 Mill. M., die Schulden- 
aufnahmen nach einem Vergleich des Schuldenstandes der Jahre 1911 und 
1912 108 ) ca. 50 Mill. M., wovon wir 30 Mill. M. für Aufwendungen zu nicht 
gewerblichen Zwecken rechnen. Von diesen Ausgaben sind ca. 32 Mill. M. 
Aufwendungen für die Schuldenverwaltung in Abzug zu bringen (der Schulden- 
stand betrug 617 Mill M..). Es bleiben somit 20 Mill. M. anderweitig nicht 
berücksichtigte Leistungen der Kreise. 

Die Gesamtsumme der unentgeltlichen Leistungen der Kommunen abzüg- 
lich der Ausgaben für die Schuldenverwaltung betrug also 

in den Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern 740 Mill. M. 
in den Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern 248 „ „ 
an den höheren Kommunalverbänden (soweit nicht anderweitig berück- 
sichtigt) S3 » „ 

zusammen 1041 Mill. M. 

Bei der Berechnung der staatlichen und kommunalen Leistungen 
wurden auch diejenigen Aufwendungen mitgerechnet, die ganz oder 
teilweise der Nutznießung kommender Jahre dienen, beispielsweise 
die Kosten neu errichteter öffentlicher Gebäude. Auf der anderen 
Seite blieb bei der alleinigen Berücksichtigung der in den beiden 
Jahren gemachten staatlichen Aufwendungen die Nutznießung des in 
den betreffenden Jahren bereits vorhandenen öffentlichen Gebrauchs- 
vermögens 'außer Betracht. Der Anteil dieses "Gebrauchsvermögens, 
der auf die Nutzung der Jahre 1891 und 1911 zu rechnen ist, ist 
wahrscheinlich geringer als der Wert des in diesen Jahren neu be- 
schafften Nutzungsvermögens. — Der Nutzungswert der staatlichen 
und kommunalen gewerblichen Anlagen muß ebenso wie die 
Aufwendungen zu sonstigen erwerbswirtschaftlichen Zwecken un- 
berücksichtigt bleiben. Wenn die Leistungen dieser Unternehmungen 
auch großenteils erst von der Zukunft bezahlt werden, so wurde 
doch andererseits bei Bestimmung des privaten Konsums die Nutzung 
des bereits früher beschafften staatlichen Gebrauchsvermögens 
mitgezählt (Aufwendungen für Eisenbahnfahrten etc.). 

Um die tatsächliche Steigerung der staatlichen Leistungen be- 
urteilen zu können, müssen wir wiederum die Aenderung der Kauf- 
kraft des Geldes in Rechnung ziehen. Wie die private Lebenshal- 
tung sind auch die staatlichen Leistungen zum großen Teil teuerer 

105) Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, 1909, S. 314. 

106) Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, 1912, S. 589. 

107) 1903 betrugen die Ausgaben für Verzinsung und Tilgung der Schulden 
ca. 5o/o. Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, 1909, S. 314. 

108) Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, 1912, S. 591. 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 4 



50 Arthur Friedmann, 

geworden; so mögen die Beamtengehälter von 1891 — 1911 um etwa 
20% gestiegen sein. Auch die Herstellung öffentlicher Bauten ist 
durchweg (besonders wegen der höheren Arbeitslöhne) kostspieliger 
geworden. Die Verpflegung in Kranken- und Armenhäusern er- 
fordert bei den teueren Lebensmittelpreisen vermehrte Aufwendun- 
gen. Ob andererseits durch eine bessere Organisation der Verwal- 
tung eine erhebliche Verbilligung gleicher Leistungen erzielt wurde, 
ist schwer zu beurteilen. — Im besonderen ist bei der Bestim- 
mung des Kealwertes staatlicher Leistungen noch zu berücksich- 
tigen, daß speziell die Kommunen heute einzelne relativ wertvolle 
Tätigkeiten in viel größerem Umfange als vor 20 Jahren 
ausüben. Die vermehrten Ausgaben für Kranken- und Armenpflege 
bedeuten für diejenigen Personen, denen sie zugute kommen, sehr 
viel mehr als die gleichen Summen für den Durchschnitt der Be- 
völkerung. Absolut sind allerdings die Ausgaben für Armen- und 
Krankenpflege nicht so erheblich gestiegen. In Berlin wurden 1891 
6,50 M., 1911 15 M. pro Kopf der Bevölkerung für die Fürsorge für 
Arme und Kranke ausgegeben. In sämtlichen preußischen Gemein- 
den mit mehr als 10000 Einwohnern betrugen 1907 die unentgelt- 
lichen Aufwendungen für Krankenhausverwaltung und Armenwesen 
7,05 M. pro Kopf der Bevölkerung 109 ). 

Einen ähnlichen Wert wie die letztgenannten staatlichen 
Leistungen haben die Leistungen der öffentlichen Versicherungs- 
anstalten. Die Ausgaben der deutschen Krankenkassen betrugen 
1891 erst 19 Mill. M. oder 2 M. pro Kopf der Gesamtbevölke- 
rung, 1911 423 Mill. M. oder 6,50 M. pro Kopf. Da die Leistungen 
der Alters und Invaliden- und der Unfallversicherung im allgemeinen 
in Form einer Rente erfolgen, wurden dieselben genau genommen, 
bereits bei Feststellung des Einkommens berücksichtigt. Die ordent- 
lichen Ausgaben der Alters- und Invalidenversicherung stellten sich 
1891 nur auf 25 Mill. M. oder 0,50 M. pro Kopf der Gesamtbevölke- 
rung, 1911 auf 226 Mill. M. oder 3,50 M. pro Kopf, die ordent- 
lichen Ausgaben der Unfallversicherung 1891 auf 13 Mill. M. oder 
0,25 M. pro Kopf, 1911 auf 197 Mill. M. oder 3 M. pro Kopf. — 
Endlich wären die Leistungen der Lebensversicherungsanstalten an 
dieser Stelle zu besprechen. Bei der Steuerveranlagung werden die 
Lebensversicherungsprämien bis zur Höhe von 600 M., ebenso wie 
die Beiträge zur Arbeiterversicherung in Abzug gebracht. Da außer- 
dem die Zahlungen der Versicherungsgesellschaften im allgemeinen 
nicht in Rentenform erfolgen, blieben die Leistungen bei der früheren 
Bemessung des privaten Konsums (an Hand des Einkommens) 
außer Betracht. Die Lebensversicherungsgesellschaften zahlten im 
Jahre 1896 nur 85 Mill. M. 1 * ), das sind 1,60 M. pro Kopf der Be- 
völkerung, 1911 292 Mill. M. 111 ) oder 4,40 M. pro Kopf. — Auch 



109) Reichstagadenkschrift zur Reichsfinanzreform, Bd. 1, S. 663 und 700. 

110) Viertel] ahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, 1898 I, S. 137. 

111) Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1912, S. 375. 



Die Wohlstandsentwicklung in Preußen von 1891 — 1911. 51 

die Leistungen der Arbeiterverbände sind, wenn auch nicht zahlen- 
mäßig, so doch wegen des hohen subjektiven Wertes der Unter- 
stützung, besonders bei Arbeitslosigkeit, erheblich. Dieselben be- 
trugen 1911 70 Mill. M. oder 1 M. pro Kopf der Gesamtbevölkerung, 
1891 waren sie nur gering. 

Welchen Anteil die verschieden hohen Einkommen im allge- 
meinen an der Steigerung der staatlichen und kommunalen Leistungen 
gehabt haben, wäre nicht leicht zu entscheiden. — Die Ausgaben der 
Kommunen für Arme und Kranke, sowie die Leistungen der öffentlichen 
Versicherungsanstalten kommen allerdings allein den niederen und 
eventuell den mittleren Einkommen zugute, doch sind diese Auf- 
wendungen, wie die oben genannten Zahlen zeigen, im Vergleich zu 
den privaten Einkommen so gering, daß auch bei Hinzurechnung der 
betreffenden Summen zum Einkommen der weniger wohlhabenden 
Bevölkerung, unsere früheren Angaben über die verhältnismäßige 
Steigerung der niederen Einkommen keine wesentliche Korrektur 
erfahren würden. 

Zusammenfassung. 

Wir haben in dieser Arbeit die Wohlstandsentwicklung in 
Preußen von 1891 — 1911 an Hand der Einkommensverhältnisse 
studiert und sind dabei zu folgendem Ergebnis gekommen : 

Das Durchschnittseinkommen nahm (abzügl. aller Steuer- 
leistungen) nominell von ca. 396 M. auf ca. 566 M. oder 
u m 4 3 o/o z u. Da sich die Lebenshaltung in dem gleichen Zeiträume 
um etwa 17o/ verteuerte, so hat das Durchschnittseinkommen dem 
Realwerte nach nur eine Steigerung von ca. 2 2 o/o erfahren. — 
An dieser Zunahme hatten die hohen und niederen Einkom- 
men anscheinend einen verhältnismäßig gleichen (den frühe- 
ren Einkommensunterschieden entsprechenden) Anteil, so daß 
die Einkommensverteilung im Laufe jener 20 Jahre keine 
erhebliche Aenderung erfuhr. — Zur Beurteilung der Lebens- 
haltung sind neben dem aus dem Einkommen bestrittenen Konsum 
auch die unentgeltlichen staatlichen Leistungen zu be- 
rücksichtigen, die sich (einschließlich der Leistungen der öffentlichen 
Versicherungsanstalten) in der gleichen Periode — berechnet auf 
den Kopf der Bevölkerung — von 35 M. auf 7 3 M. vermehrten. 



4* 



52 Nationalökonomische Gesetzgebung. 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 

i. 

Die wirtschaftliche Gesetzgebung Preußens 
im Jahre 1913. 

Preußische Gesetzsammlung 1913. 

Gesetz, betreffend die Verpflichtung zum Besuch ländlicher Fort- 
bildungsschulen in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, 
Schleswig-Holstein, Westfalen, sowie in der Rheinprovinz und in den 
Hohenzollernschen Landen. Vom 19. Mai 1913. S. 301. 

Einziger Paragraph. 1) Durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde 
kann für die nicht mehr schulpflichtigen, unter 18 Jahre alten männlichen 
Personen für drei aufeinanderfolgende Winterhalbjahre die Verpflichtung zum 
Besuch einer ländlichen Fortbildungsschule begründet werden. 2) In gleichem 
Umfange kann in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, Westfalen 
sowie der Rheinprovinz und in den Hohenzollernschen Landen für Gutsbezirke 
mit Zustimmung des Gutsbesitzers auf Antrag des Gutsvorstehers durch Be- 
schluß des Kreisausschusses die Verpflichtung zum Besuche einer ländlichen 
Fortbildungsschule begründet werden. 3) In der Provinz Schleswig-Holstein 
kann die Verpflichtung zum Besuche einer ländlichen Fortbildungsschule in 
dem im Abs. 1 begrenzten Umfange auch durch Beschluß des Kreisaus- 
schusses für sämtliche oder einzelne Landgemeinden und Gutsbezirke einge- 
führt werden. Ein derartiger Beschluß bedarf der Zustimmung des Regierungs- 
präsidenten. 4) In dem Statut (Abs. 1) oder dem Beschluß (Abs. 2, 3) sind 
die zur Durchführung der Verpflichtung erforderlichen Bestimmungen zu 
treffen, namentlich über die zur Sicherung eines regelmäßigen Schulbesuches 
den Schulpflichtigen sowie deren Eltern, Vormündern und Arbeitgebern ob- 
liegenden Verpflichtungen, über die Ordnung in der Fortbildungsschule und 
über die Fürsorge für ein gebührliches Verhalten der Schüler. Die Zeiten 
für den Unterricht sind vom Gemeindevorstand und in den Fällen der Abs. 2, 3 
vom Kreisausschusse festzusetzen und in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. 
5) Von der Verpflichtung zum Besuch einer Fortbildungsschule ist befreit, 
wer die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erworben hat, 
ferner, wer eine deutsche Innungs-, Fach- oder andere Fortbildungsschule be- 
sucht oder einen entsprechenden anderen Unterricht erhält, sofern dieser 
Schulbesuch oder Unterricht von dem Regierungspräsidenten als ein ausreichen- 
der Ersatz für den allgemeinen Fortbildungsunterricht anerkannt wird. Die 
Bestimmung weiterer Ausnahmen durch das Statut ist zulässig. 6) An Sonn- 
tagen darf in der Regel Unterricht nicht erteilt werden. 7) Mit Geldstrafe 
bis zu 20 M. und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 3 Tagen für jeden 
Fall wird bestraft, wer den vorstehenden oder den durch Statut oder Beschluß 
erlassenen Bestimmungen zuwider handelt. 

Moorschutzgesetz. Vom 4. März 1913. S. 29. 

§ 1. Grundstücke, die allein oder mit anderen eine zusammenhängende 
Moorfläche von mehr als 25 Hektar bilden, dürfen, soweit das Gemeinwohl 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 53 

unter Abwägung der Interessen der Beteiligten es verlangt, zur Gewinnung von 
Torf nur in der Weise benutzt werden, daß die Möglichkeit ihrer vorteil- 
haften Iand- oder forstwirtschaftlichen Nutzung gesichert wird. Abs. 2. Die 
Benutzung solcher Grundstücke zur Torfgewinnung bedarf, abgesehen von den 
Fällen des § 2, der Genehmigung des Bezirksausschusses. 

§ 2. Einer Genehmigung bedarf nicht : 1) die Gewinnung von Torf für 
die eigene Haushaltung und Wirtschaft durch den Eigentümer, den Pächter, 
einen Torfstichberechtigten oder durch ländliche Arbeiter, welche in einem 
dauernden Arbeitsverhältnisse zu dem Eigentümer der Moorfläche stehen, 
soweit ihnen durch den Arbeitsvertrag die Torfgewinnung für die Zwecke ihrer 
eigenen Haushaltung und Wirtschaft zugesichert ist (Heuerlinge, Instleute) ; 
2) die Gewinnung von Torf zum Zwecke des Verkaufs, wenn sie mit nicht mehr 
als 6 Personen und nicht mit maschineller Kraft betrieben wird. Abs. 2. Als 
Wirtschaft gelten der landwirtschaftliche Haus- und Hofbetrieb mit Einschluß 
der landwirtschaftlichen Nebenbetriebe von geringem Umfange, sowie klein- 
gewerbliche Betriebe von geringem Umfange. Abs. 3. In den Fällen der Nr. 1 
und 2 können durch Kreispolizeiverordnung Vorschriften für die Torfgewin- 
nung erlassen werden, durch welche die Möglichkeit einer vorteilhaften land- 
oder forstwirtschaftlichen Nutzung gesichert wird. 

§ 3. Dem Antrag auf Erteilung der Genehmigung müssen die zur Er- 
läuterung des Unternehmens notwendigen Pläne und Beschreibungen beigefügt 
werden. 

§ 4. Der Genehmigungsbeschluß trifft die zur Durchführung des § 1 
Abs. 1 etwa erforderlichen Bestimmungen. Abs. 2. Dem Unternehmer kann 
in dem Genehmigungsbeschlusse die Leistung einer Sicherheit für die Ein- 
haltung des genehmigten Planes und der getroffenen Bestimmungen aufgegeben 
werden. 

§ 5. Vor der Beschlußfassung sind über den Antrag eine durch den 
Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu bestimmende sachver- 
ständige Stelle sowie der Meliorationsbaubeamte zu hören. Auf Verlangen ist 
auch ein von den Beteiligten etwa benannter Sachverständiger zu hören. Auf 
Antrag eines Beteiligten findet mündliche Verhandlung vor dem Bezirks- 
ausschusse statt. Die sachverständige Stelle sowie der Meliorationsbaubeamte 
sind auch zu hören, wenn gemäß § 2 Abs. 3 kreispolizeiliche Vorschriften für 
die Torfgewinnung erlassen werden sollen. Abs''. 2. Gegen den Beschluß des 
Bezirksausschusses steht den Beteiligten binnen 2 Wochen die Beschwerde an 
den Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu. 

§ 6. Bei der Ausführung des Unternehmens hat der Landrat, in Stadt- 
kreisen die Ortspolizeibehörde, für die Einhaltung des genehmigten Planes und 
der getroffenen Bestimmungen zu sorgen. Sie können zu diesem Zweck 
polizeiliche Verfügungen erlassen. Abs. 2. Wesentliche Abweichungen von dem 
genehmigten Plane oder den getroffenen Bestimmungen bedürfen der Ge- 
nehmigung nach Maßgabe der §§ 1, 3 bis 5. 

'§ 7. Die Benutzung von Moorgrundstücken ohne die nach diesem Gesetz 
erforderliche Genehmigung ist vom Landrat, in Stadtkreisen von der Orts- 
polizeibehörde, polizeilich zu verhindern. 

§ 8. In den Städten, deren Polizeiverwaltung der Aufsicht des Landrats 
nicht untersteht, tritt in den Fällen der §§ 6 und 7 an Stelle des Landrats 
die Ortspolizeibehörde. 

§ 9. Unternehmungen, die bei dem Inkrafttreten dieses Gesetzes mit der 
Torfgewinnung bereits begonnen haben, dürfen ohne die in diesem Gesetze vor- 
gesehenen Beschränkungen 6 Monate lang in dem bisherigen Umfange fort- 
gesetzt werden. Abs. 2. Kann über einen Genehmigungsantrag nicht vor dem 
Ablaufe der 6-monatigen Frist entschieden werden, so beschließt der Bezirks- 
ausschuß darüber, ob die vorläufige Weiterführung des Unternehmens zu ge- 
nehmigen • ist. Diese Genehmigung muß erteilt werden, wenn über den Ge- 
nehmigungsantrag ohne Verschulden des Antragstellers vor Ablauf der Frist 
nicht entschieden werden kann. Gegen den Beschluß des Bezirksausschusses 
steht dem Antragsteller binnen 2 Wochen die Beschwerde an den Minister 
für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu. 

§ 10. Dieses Gesetz tritt am 1. April 1913 in Kraft. 






54 Nationalökonomische Gesetzgebung. 

Verordnung über das Anwendungsgebiet des Besitzfestigungsge- 
setzes vom 26. Juni 1912. Vom 12. März 1913. S. 33. 

Verordnung über die Einführung des Gesetzes, betreffend die Zu- 
lassung einer Verschuldungsgrenze für land- oder forstwirtschaftlich 
genutzte Grundstücke, vom 20. August 1906 in allen Landesteilen — 
mit Ausnahme des Stadtkreises Berlin — , in denen es nicht schon nach den 
Verordnungen vom 23. März 1908 und vom 16. Juni 1909 gilt. Vom 
5. Mai 1913. S. 274. 

Gesetz, betreffend Abänderung von Zusammenlegungs- und Gemein- 
heitsteilungsgesetzen. Vom 28. Mai 1913. S. 285. 

Gesetz, betreffend die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förde- 
rung der Landeskultur und der inneren Kolonisation. Vom 28. Mai 
1913. S. 293. 

Wassergesetz. Vom 7. April 1913. S. 53. 

A. Wasserläufe. I. Begriff und Arten. IL Eigentumsverhältnisse. III. Be- 
nutzung. 1) Allgemeine Vorschriften. 2) Gemeingebrauch. S) Benutzung durch den 
Eigentümer. 4) Verleihung. 5) Ausgleichung. 6) Stauanlagen. IV. Unterhaltung. 
V. Ausbau. VI. Beteiligung des Staates und der Provinzen an dem Ausbau der Wasser- 
läufe zweiter Ordnung. VII. Wasserbücher. B. Gewässer, die nicht zu den Wasserläufen 
gehören. C. Wassergenossenschaften. I. Allgemeine Vorschriften. II. Genossenschaften 
mit Zulässigheit des Beitrittszwanges. III. Zwangsgenossenschaften. IV. Verfahren 
zur Bildung von Genossenschaften. V. Aenderung der Satzung. VI. Auflösung und 
Liquidation. VII. Genossenschaften, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes begründet 
sind. D. Verhütung von Hochwassergefahr. 1 E. Zwangsrechte. F. Wasserpolizeibehörden. 
G. Schauämter. H. Wasserbeiräte. I. Landeswasseramt. K. Strafbestimmungen. 
L. Uebergangs- und Schlußbestimmungen. 

Rawagesetz. Vom 21. April 1913. S. 238. 

Sesekegesetz. Vom 5. Juni 1913. S. 329. 

Entwässerungsgesetz für das linksniederrheinische Industriegebiet. 
Vom 29. April 1913. S. 251. 

Ruhrreinhaltungsgesetz. Vom 5. Juni 1913. S. 305. 

Ruhrtalsperrengesetz. Vom 5. Juni 1913. S. 317. 

Gesetz, betreffend den Ausbau von Wasserkräften im oberen Quell- 
gebiet der Weser. Vom 9. Juni 1913. S. 343. 

Gesetz über die Bereitstellung weiterer Geldmittel für die nach 
dem Gesetz vom 12. August 1905 durchzuführende Regelung der 
Hochwasser-, Deich- und Vorflutverhältnisse an der oberen und "mitt- 
leren Oder. Vom 30. Mai 1913. S. 273. 

Gesetz, betreffend die Verbesserung der Oderwasserstraße unter- 
halb Breslau. Vom 30. Juni 1913. S. 359. 

Gesetz, betreffend den Ausbau der Unter weser durch Bremen. Vom 
29. Juli 1913. S. 385. 

Verordnung über die Abänderung der Verordnung, betreffend die 
Ausführung des Fischereigesetzes in der Provinz Schleswig-Holstein, 
vom 8. August 1887. Vom 31. März 1913. S. 39. Entsprechende 
Verordnung für die Provinz Hannover. Vom 31. März 1913. S. 40. 

Gesetz zur Berichtigung des Gesetzes vom 3. Juni 1912, betreffend 
die Abänderung des Siebenten Titels im Allgemeinen Berggesetze vom 
24. Juni 1865/19. Juni 1906. Vom 23. Dezember 1912. S. 1. Be- 
kanntmachung, betreffend die Aenderung des Textes des § 70 Abs. 2 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 55 

des Knappschaftsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 
17. Juni 1912. Vom 30. Dezember 1912. S. 2. 

Allerhöchster Erlaß, betreffend Genehmigung eines Nachtrages 
zu der Verwaltungsordnung für die Staatseisenbahnen. Vom 23. August 
1912. S. 35. 

Staatsvertrag zwischen Preußen und Sachsen, betreffend eine 
Aenderung der Vereinbarungen über die staatliche Besteuerung der im 
Königreich Sachsen belegenen preußischen Staatseisenbahnstrecken. Vom 
6./25. August 1913. S. 399. 

Eisenbahnanleihegesetz. Vom 28. Mai 1913. S. 277. Eisenbahn- 
anleihegesetz. Vom 9. Juni 1913. S. 326. Allerhöchster Erlaß, be- 
treffend Bau und Betrieb der in dem Gesetze vom 28. Mai 1913 vor- 
gesehenen neuen Eisenbahnlinien usw. Vom 5. Juli 1913. S. 363. 

Gesetz, betreffend das Schleppmonopol auf dem Rhein- Weser-Kanal 
und dem Lippe-Kanal. Vom 30. April 1913. S. 217. 

§ 1. Fahrzeuge (Schiffe und Flöße), die nicht von Menschen oder Tieren 

fetreidelt werden oder nicht mit eigener Kraft fahren (§ 2), dürfen auf dem 
thein- Weser-Kanal und dem Lippe-Kanal nur mit der vom Staate vorzu- 
haltenden Schleppkraft fortbewegt werden. Zum Rhein- Weser-Kanal im Sinne 
dieses Gesetzes gehören der Anschluß nach Hannover, die Zweigkanäle nach 
Herne, Dortmund, Osnabrück, Minden (Weser abstieg) und Linden mit Leine- 
abstieg, ferner der Duisburg-Ruhrorter Hafen, dieser jedoch nur bezüglich 
des durchgehenden Verkehrs zwischen Rhein und Kanal. Das Verlegen eines 
Fahrzeuges von einem Lösch- und Ladeplatze zu einem anderen innerhalb 
einer Kanalhaltung, jedoch höchstens auf 10 Kilometer Entfernung, kann ohne 
Inanspruchnahme staatlicher Schleppmittel zugelassen werden. Abs. 2. Die 
Staatsregierung wird ferner ermächtigt, Fahrzeuge, die auf einer Fahrt zwischen 
dem Rhein und Mülheim a. d. Ruhr lediglich die untere Haltung des Rhein- 
Herne-Kanals benutzen, vom staatlichen Schleppbetriebe freizulassen. Abs. 3. 
Fahrzeuge, die lediglich den Dortmund- (Herne- )Emshäfen-Kanal benutzen, sind 
in den ersten 15 Jahren seit Inbetriebnahme des Rhein- Weser-Kanals von dem 
staatlichen Schleppbetriebe freizulassen. Nach Ablauf dieser Zeit oder wenn 
eine zusammengefaßte mechanische Schleppeinrichtung eingeführt wird, die ein 
Nebeneinanderbestehen des staatüchen und privaten Schleppzuges untunlich 
macht, kann durch Königliche Verordnung der staatliche Schleppbetrieb ein- 
geführt werden. In diesen Fällen wird die Frage etwaiger Entschädigung einem 
besonderen Gesetze vorbehalten. Abs. 4. Auf der Strecke Dortmund— Henrichen- 
burg kann vorübergehend zu Versuchen mechanischer Schleppeinrichtung private 
Schlepperei ausgeschlossen werden, insoweit dieses für die Versuche not- 
wendig ist. 

§ 2. Fahrzeuge mit eigener Triebkraft dürfen die Wasserstraßen, soweit 
diese dem staatlichen Schleppmonopol unterliegen, nur mit besonderer Ge- 
nehmigung der Kanalverwaltung befahren. Diese Genehmigung ist für das 
einzelne Schiff widerruflich zu erteilen. 

§ 3. Die Tarife, nach denen der Schlepplohn zu entrichten ist, bedürfen 
zu ihrer Gültigkeit der Veröffentlichung im Amtsblatte. Ist in dem Tarife 
nicht ein anderer Zeitpunkt für das Inkrafttreten angeordnet, so beginnt die 
Anwendung mit dem achten Tage nach dem Ablauf desjenigen Tages, an 
welchem das letzte die Bekanntmachung enthaltende Amtsblatt ausgegeben ist. 
Die Tarife sind bei Erfüllung der darin angegebenen Bedingungen für jedermann 
in der gleichen Weise anzuwenden. 

§ 4. Der staatliche Schleppbetrieb erfolgt auf Grund einer Schlepp- 
ordnung, die von dem Minister der öffentlichen Arbeiten zu erlassen ist. 

§ 5. Die Staatsregierung wird ermächtigt, für die Einrichtung des staat- 
lichen Schleppbetriebs einen Betrag von 9900000 M. zu verwenden. 



56 Nationalökonomische Gesetzgebung. 

§ 6. Die öffentlichen Verbände, welche die im § 2 des Wasserstraßen- 
gesetzes vom 1. April 1905 genannten Garantieverpflichtungen übernommen 
haben, werden an dem staatlichen Schleppbetriebe beteiligt, wenn sie sich 
vor dem 1. Juli 1913 der Staatsregierung gegenüber verpflichten, vom Tage 
der Betriebseröffnung (§ 15) an ein Viertel der für den Betrieb verausgabten 
Anlagekosten aus eigenen Mitteln in jedem Rechnungsjahre mit 4 Proz. zu 
verzinsen und mit 1 / 2 Proz. zu tilgen, soweit die laufenden Einnahmen des 
Schleppbetriebs nach Abzug der aufgewendeten Betriebs- und Unterhaltungs- 
kosten und angemessener Rücklagen (§ 9) zur Verzinsung und Tilgung des 
verausgabten Anlagekapitals mit zusammen 4y 2 Proz. nicht ausreichen. Abs. 2. 
Will ein Verband die Verpflichtung nicht übernehmen, so können die anderen 
Verbände für dessen Anteil mit eintreten. Abs. 3. Im Falle der Uebernahme 
der im Abs. 1 genannten Verpflichtung gelten für das Verhältnis zwischen dem 
Staate und den Verbänden die §§ 7 — 13. 

§ 7. Bei der Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals (§ 6) weiden 
nicht nur die auf Grund des § 5 verausgabten Beträge berücksichtigt, sondern 
auch die Kosten von Aenderungen oder Ergänzungen des Schleppbetriebs, die 
von dem zuständigen Minister etwa später für erforderlich gehalten werden, 
um den Verkehr in einer dem öffentlichen Interesse entsprechenden Weise 
durchführen zu können. Bei wesentlichen Aenderungen und Ergänzungen sind 
die Vertreter der Garantieverbände zu hören. 

§ 8. Die laufenden Einnahmen aus dem Schleppbetriebe sind in jedem 
Rechnungsjahr in nachstehender Reihenfolge zu verwenden : a) zur Deckung 
der aufgewendeten Betriebs- und Unterhaltungskosten ; b) zur Bildung eines 
Erneuerungsfonds für die einer besonderen Abnutzung unterliegenden Ein- 
richtungen (§ 9) ; c) zur Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals mit 
4 1 / 2 Proz. ; d) zur Bildung eines Ausgleichsfonds für die Deckung etwaiger 
Fehlbeträge (§ 10). Abs. 2. Der verbleibende Reinüberschuß wird an den Staat 
und die Garanten nach Verhältnis der übernommenen Kostenanteile verteilt. 
Abs. 3. Außergewöhnliche Einnahmen fließen, soweit sie nicht dem Baufonds 
zuzuführen sind, dem Ausgieichsfonds (§ 10) zu. 

§ 9. Zum Zwecke der Erneuerung der einer besonderen Abnutzung: 
unterliegenden Teile der Schleppeinrichtung wird ein Erneuerungsfonds (§ 8 b) 
gebildet, dem alljährlich ein angemessener Satz vom Hundert der für diese 
Teile aufgewendeten Kosten aus den nach Deckung der Betriebs- und Unter- 
haltungskosten verbleibenden Reineinnahmen zuzuführen ist. Reichen die Rein- 
einnahmen eines Jahres zur Abführung des erforderlichen Betrags nicht aus, 
so ist der Fehlbetrag in den folgenden Jahren zu ergänzen, bevor Beträge 
zur Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals verwandt werden. 

§ 10. Zur Deckung unvorhergesehener Ausfälle und Ausgaben wird ein 
Ausgleichsfonds (§ 8d) gebildet. Diesem Fonds fließen — abgesehen von den 
außergewöhnlichen Einnahmen (§ 8 Abs. 3) — 20 Proz. des nach Ver- 
zinsung und Tilgung des Anlagekapitals mit 4 1 / 2 Proz. verbleibenden Rein- 
überschusses zu, bis der Fonds 10 Proz. des verausgabten Anlagekapitals er- 
reicht hat. 

§ 11. Die Beträge, welche von den beteiligten Verbänden auf Grund der 
übernommenen Verpflichtung der Staatskasse oder jenen von dieser zu er- 
statten sind, ebenso die Beträge, die den Erneuerungs- und Ausgieichsfonds 
zuzuführen oder zu entnehmen sind, werden nach Anhörung von Vertretern 
der Garantieverbände für jedes Rechnungsjahr von dem zuständigen Minister 
und dem Finanzminister endgültig festgestellt. 

§ 12. Bei der Aufbringung ' und Unterverteilung der aus dieser Ver- 
pflichtung den Provinzen, Kreisen und Gemeinden erwachsenen Lasten finden 
die gesetzlichen Vorschriften über die Mehr- und Minderbelastung einzelner 
Kreise und Kreisteile sowie der §§ 9 und 20 des Kommunalabgabengesetzes 
vom 14. Juli 1893 Anwendung. 

§ 13. Die Urkunden, durch welche die im § 6 genannten Verpflichtungen 
übernommen werden, sind stempelfrei. 

§ 14. Die Staatsregierung wird ermächtigt, zur Deckung der im § 5 
erwähnten Kosten eine Anleihe durch Veräußerung eines entsprechenden Betrags 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 57 

von Schuldverschreibungen aufzunehmen. Abs. 2. An Stelle der Schuld- 
verschreibungen können vorübergehend Schatzanweisungen ausgegeben werden. 
Der Fälligkeitstermin ist in den Schatzanweisungen anzugeben. Die Staats- 
regierung wird ermächtigt, die Mittel zur Einlösung dieser Schatzanweisungen 
durch Ausgabe von neuen Schatzanweisungen und von Schuldverschreibungen 
in dem erforderlichen Nennbetrage zu beschaffen. Die Schatzanweisungen 
können wiederholt ausgegeben werden. Schatzanweisungen oder Schuldver- 
schreibungen, die zur Einlösung von fällig werdenden Schatzanweisungen be- 
stimmt sind, hat die Hauptverwaltung der Staatsschulden auf Anordnung des 
Finanzministers 14 Tage vor dem Fälligkeitstermine zur Verfügung zu halten. 
Abs. 3. Die Verzinsung der neuen Scnuldpapiere darf nicht vor dem Zeit- 
punkt beginnen, mit dem die Verzinsung der einzulösenden Schatzanweisungen 
aufhört. Abs. 4. Wann, durch welche Stelle und in welchen Beträgen, zu 
welchem Zinsfuße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchen 
Kursen die Schatzanweisungen und die Schuldverschreibungen verausgabt werden 
sollen, bestimmt der Finanzminister. Abs. 5. Im übrigen kommen wegen 
Verwaltung und Tilgung der Anleihe die Vorschriften des Gesetzes vom 
19. Dezember 1869, des Gesetzes vom 8. März 1897 und des Gesetzes vom 
3. Mai 1903 zur Anwendung. 

§ 15. Die Vorschriften der §§ 1 und 2 des Gesetzes treten für die 
einzelnen Wasserstraßen mit dem Zeitpunkt in Kraft, an dem der zuständige 
Minister den Betrieb auf ihnen für eröffnet erklärt. Im übrigen tritt das Gesetz 
sofort in Kraft. 

Gesetz, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Ver- 
besserung- der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen 
Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten. 
Vom 28. Mai 1913. S. 270. 

Verordnung über das schiedsgerichtliche Verfahren bei knapp- 
schaftlichen Streitigkeiten (Schiedsgerichtsordnung). Vom 8. Dezember 
1913. S. 403. Verordnung über das Verfahren vor dem Oberschieds- 
gericht in Knappschaftsangelegenheiten (Oberschiedsgerichtsordnung). 
Vom 8. Dezember 1913. S. 420. 

Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Staats- 
haushaltsetat für das Etatsjahr 1912. Vom 10. Februar 1913. S. 17. 

Gesetz, betreffend die Feststellung des Staatshaushaltsetats für das 
Etatsjahr 1913. Vom 10. Mai 1913. S. 193. 

§ 1. Der diesem Gesetze als Anlage beigefügte Staatshaushaltsetat 
für das Etatsjahr 1913 wird in Einnahme auf 4 595 736 227 M., nämlich auf 
4575827 827 M. an ordentlichen und auf 19 908400 M. an außerordentlichen 
Einnahmen, und in Ausgabe auf 4 595 736 227 M., nämlich auf 4350749 271 M. 
an dauernden und auf 244 986956 M. an einmaligen und außerordentlichen 
Ausgaben festgesetzt. 

§ 3. Im Etatsjahre 1913 können nach Anordnung des Finanzministers 
zur vorübergehenden Verstärkung des Betriebsfonds der Generalstaatskasse 
Schatzanweisungen bis auf Höhe von 100000000 M., welche vor dem 1. Januar 
1915 verfallen müssen, wiederholt ausgegeben werden. Auf dieselben finden 
die Bestimmungen des § 4 Abs. 1 und 2 und des § 6 des Gesetzes vom 
28. September 1866 Anwendung. 

§ 4. Die bis zur gesetzlichen Feststellung des Staatshaushaltsetats (§ 1) 
und der Anlage dazu (§ 2) innerhalb der Grenzen derselben geleisteten Aus- 
gaben werden hiermit nachträglich genehmigt. 

Bekanntmachung, betreffend die Weitergeltung kommunaler Wert- 
zuwachssteuerordnungen. Vom 4. Juli 1913. S. 365. 

Verordnung, betreffend die für die Veranlagung des Wehrbeitrages 
zuständigen Behörden. Vom 7. August 1913. S. 371. 






58 Nationalökonomische Gesetzgebung. 

Allerhöchster Erlaß, betreffend die Ermächtigung, die nach den 
Gesetzen über die direkten Steuern durch gerichtliches rechtskräftiges 
Urteil auferlegten Geld- und Ersatzhaftstrafen und die wegen Zu- 
widerhandlungen gegen §§ 33 und 147 der Gewerbeordnung gericht- 
lich erkannten Geld- und Ersatzhaftstrafen sowie die Kosten des 
Verfahrens niederzuschlagen oder zu ermäßigen, ferner mit Rücksicht 
auf ein Gnadengesuch bis zu dessen endgültiger Entscheidung die Aus- 
setzung der Strafvollstreckung anzuordnen. Vom 15. August 1913. 
S. 389. 

Gesetz, betreffend die Anlegung von Sparkassenbeständen in In- 
haberpapieren. Vom 23. Dezember 1912. S. 3. 

§ 1. Die öffentlichen Sparkassen haben von ihrem verzinslich ange- 
legten Vermögen Mindestbeträge in mündelsicheren Schuldverschreibungen auf 
den Inhaber anzulegen, und zwar : 1) 15 Proz., wenn ihr Einlagebestand 
5 Mill. M. nicht übersteigt und sich ihre Grundstücksbeleihungen und die 
Gewährung von Darlehen als Personalkredit nach der Satzung künftig auf 
den Stadt- oder Landkreis, in dem der Garantiebezirk belegen ist, beschränken ; 
2) 20 Proz., wenn ihr Einlagebestand 10 Mill. M. nicht übersteigt und sich 
ihre Ausleihungen (Nr. 1) nach der Satzung künftig auf den Stadt- und 
Landkreis, in dem der Garantiebezirk belegen ist, und die angrenzenden Kreise 
beschränken ; 3) 25 Proz. in allen anderen Fällen. 

§ 2. Von dem nach § 1 von der einzelnen Sparkasse zu haltenden 
Mindestbestand an mündelsicheren Schuldverschreibungen auf den Inhaber 
müssen drei Fünftel in Schuldverschreibungen des Deutschen Reiches oder 
Preußens angelegt werden. 

§ 3. Sparkassen, welche den nach §§ 1 und 2 zu haltenden Bestand 
an mündelsicheren Schuldverschreibungen auf den Inhaber nicht besitzen, 
haben bis zur Erreichung dieses Besitzstandes alljährlich von dem Zuwachs 
ihres verzinslich angelegten Vermögens einen Prozentsatz in mündelsicheren 
Schuldverschreibungen auf den Inhaber, und zwar in dem im § 2 vorgesehenen 
Anteilsverhältnis anzulegen, der den Prozentsatz des von ihnen in mündel- 
sicheren Schuldverschreibungen auf den Inhaber zu haltenden Besitzstandes um 
5 Proz. übersteigt. Abs. 2. Verstärkt eine Sparkasse in einem Jahre über 
diese Grenze hinaus ihren Besitzstand an mündelsicheren Schuldverschreibungen 
auf den Inhaber, insbesondere an Schuldverschreibungen des Reiches oder 
Preußens, so kann sie den Mehrbetrag auf die in diesen Schuldverschreibungen 
künftig anzulegenden Beträge in Anrechnung bringen. 

§ 4. Der Oberpräsident kann unter besonderen Verhältnissen ausnahms- 
weise Sparkassen Erleichterungen von den Auflagen dieses Gesetzes nachlassen, 
wenn dies ohne wesentliche Beeinträchtigung ihrer Liquidität geschehen kann. 

§ 5. Den Schuldverschreibungen des Reiches oder Preußens stehen im 
Sinne dieses Gesetzes die im Reichsschuldbuch oder im preußischen Staats- 
schuldbuch eingetragenen Forderungen gleich. 

§ 6. Die öffentlichen Sparkassen können den durch dies Gesetz vorge- 
schriebenen Besitzstand an mündelsicheren Schuldverschreibungen auf den In- 
haber soweit veräußern, als dies zur Rückzahlung von Einlagen unbedingt 
notwendig ist. Sobald wieder zinsbar anzulegende Bestände vorhanden sind, 
ist zunächst der bisherige Besitzstand bis zur Höhe der nach diesem Gesetz 
zu haltenden Mindestgrenze wiederherzustellen ; der Oberpräsident kann wider- 
ruflich eine Erleichterung von dieser Verpflichtung nachlassen. 

§ 7. Sparkassen, welche von ihrem verzinslich angelegten Vermögen 
Mindestbeträge unter 25 Proz., aber nicht unter 20 Proz in mündelsicheren 
Schuldverschreibungen auf den Inhaber anzulegen haben, können von ihren 
bei der Rechnungslegung sich ergebenden Jahresüberschüssen zu öffentlichen, 
dem gemeinen Nutzen dienenden Zwecken des Garantiverbandes verwenden : 
a) ein Viertel, wenn der Sicherheitsfonds 2 Proz. oder mehr, aber noch nicht 
5 Proz. der Spareinlagen beträgt ; b) die Hälfte, wenn der Sicherheitsfonds 



Nationalökonomische Gesetzgebung. 59 

5 Proz. oder mehr, aber noch nicht 8 Proz. der Spareinlagen beträgt ; c) die 
gesamten Jahresüberschüsse, wenn der Sicherheitsfonds 8 Proz. oder mehr 
der Spareinlagen beträgt. Abs. 2. Sparkassen, welche mindestens 25 Proz. 
ihres verzinslich angelegten Vermögens in mündelsicheren Schuldverschreibungen 
auf den Inhaber anzulegen haben, können von ihren bei der Rechnungs- 
legung sich ergebenden Ueberschüssen zu öffentlichen, dem gemeinen Nutzen 
dienenden Zwecken des Garantieverbandes verwenden : a) die Hälfte, wenn der 
Sicherheitsfonds der Sparkasse 2 Proz. oder mehr, aber noch nicht 5 Proz. 
der Spareinlagen beträgt ; b) drei Viertel, wenn der Sicherheitsfonds 5 Proz. 
oder mehr, aber noch nicht 8 Proz. der Spareinlagen beträgt ; c) die ge- 
samten Jahresüberschüsse, wenn der Sicherheitsfonds 8 Proz. oder mehr der 
Spareinlagen beträgt. Abs. 3. Im übrigen verbleibt es hinsichtlich der Ver- 
wendung der Sparkassenüberschüsse bei den bestehenden Bestimmungen, und 
zwar auch für die vorbezeichneten Sparkassen, wenn deren Satzungen für 
die Garantieverbände günstigere Vorschriften enthalten. Abs. 4. Die Verwen- 
dung der Jahresüberscnüsse bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörde nur, 
wenn die Ueberschüsse zur Deckung von auf gesetzlicher Verpflichtung be- 
ruhenden Ausgaben des Gesamtverbandes verwendet werden sollen. 

§ 8. An Stelle des Oberpräsidenten tritt für die Hohenzollernschen Lande 
der Minister des Innern. Dies Gesetz tritt am 1. Januar 1913 in Kraft. 

Gesetz, betreffend ältere Hypotheken in Neuvorpommern und 
Rügen. Vom 28. Mai 1913. S. 271. 

Gesetz über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den 
Provinzen Westpreußen und Posen. Vom 28. Mai 1913. S. 269. 

Staatsvertrag zwischen dem Königreich Preußen und dem Fürsten- 
tum Schwarzburg-Rudolstadt wegen anderweitiger Regelung der Ueber- 
tragung von Auseinandersetzungsgeschäften auf die Königlich Preu- 
ßischen Auseinandersetzungsbehörden. Vom 10./6. April 1912. S. 41. 
Bekanntmachung, betreffend die Ratifikation des zwischen Preußen 
und Schwarzburg-Rudolstadt am 10./6. April 1912 vereinbarten Staats- 
vertrags wegen anderweitiger Regelung der Uebertragung von Aus- 
einandersetzungsgeschäften auf die Königlich Preußischen Auseinander- 
setzungsbehörden. Vom 7. April 1913. S. 45. 

Allerhöchster Erlaß, betreffend die Ausübung der Chausseepolizei 
in der Provinz Westfalen und in den nicht zum ehemaligen Appellations- 
gerichtshofe zu Cöln gehörenden Teilen der Rheinprovinz durch die 
Landräte. Vom 7. April 1913. S. 190. 

Hinterlegungsordnung. Vom 21. April 1913. S. 225. 



60 Miszellen. 



Miszellen. 



i. 
Das chinesische Geldwesen und seine Neugestaltung. 

Von Dr. H. Schwarzwald, Wien. 

I. 

Kürzlieh ist ein Aufsehen erregender Prozeß des Reichsfiskus 
gegen die Deutsch-Asiatische Bank wegen gewisser Kursdifferenzen 
aus Zahlungen, die vom chinesischen Staat an das Deutsche Reich zu 
leisten sind, zu Ende geführt werden und hat die Aufmerksamkeit 
weiterer Kreise auf die in der Tat sehr merkwürdigen Besonderheiten 
des chinesischen Geldwesens gelenkt. Wie wenig es dem Europäer ver- 
ständlich ist, zeigen gerade auch gewisse Wendungen in den Prozeßakten 
sowie in den sich daran schließenden Diskussionen. Beispielsweise 
haben die unteren Gerichtsinstanzen den „Haikwan-Tael" für eine Gold- 
münze angesehen, bis das Reichsgericht feststellte, daß China keine 
Goldwährung hat. Der Haikwan-Tael ist aber auch keine Silbermünze, 
ebensowenig wie der Shanghai-Tael, in welchem, wie das Endurteil 
sagt, die effektive Zahlung der chinesischen Boxerindemnität zu er- 
folgen hat, und es ist unrichtig, von den Shanghai- Taels als von einer 
„Landeswährung" zu sprechen. In der Tat haben dann Journalauf- 
sätze, die nur aus dem publizierten Urteil und seinen Gründen 
schöpften, von den vielgenannten Taels als von „Rechnungsmünzen" 
oder ,, Landesmünzen" gehandelt, während es in China gar keinen 
gemünzteE Tael gibt. Es gibt auch keine „Taelwährung" in China, 
und von „streitigen Taels" zu reden ist nur vermöge eines Mißver- 
ständnisses möglich, welches darauf beruht, daß die Europäer ihre 
aus dem heimischen Geldwesen stammenden und ihnen allzu geläufigen 
Begriffe und Bezeichnungen auf ein Geldwesen übertragen, das von 
dem unsrigen in den wichtigsten Beziehungen verschieden ist. 

Vor allem andern ist wichtig festzuhalten, daß „Tael" kein 
Münzname wie Mark, Franc oder Rubel, sondern nichts weiter als 
die Bezeichnung eines Gewichtes ist, das etwa einer europäi- 
schen Unze entspricht. Das Wort ist übrigens nicht chinesisch, sondern 
gehört dem in den Vertragshäfen ausgebildeten sino -europäischen Jar- 
gon an und dürfte aus einer aus Indien importierten Bezeichnung ent- 
standen sein. Die Chinesen selbst nennen ihre Unze Liang. Es ist 



Miszellen. ßl 

nun klar, daß es keinen gehörigen Sinn hat, von einer Anzahl oder 
einem Betrag von Taels zu sprechen, so wenig, als es bei uns verständ- 
lich wäre, von einer Anzahl Kilogrammen oder einem Betrag von 
Zentnern zu reden, ohne anzugeben, auf welche Sache oder Ware sich 
eigentlich die Quantitätsangabe bezieht. In der Tat wird kein Chinese 
schlechtweg von „Unzen" sprechen; es muß hinzugefügt werden, wo- 
von denn Unzen gemeint sind (Reis, Bohnen, Kupfer, Silber oder 
Gold?). So und so viele Unzen feinen Silbers: so drückt sich 
der Chinese aus. Der Europäer aber überträgt ohne weiteres seine 
heimischen Münzgewohnheiten und spricht kurzweg von ,, Taels", was 
nur dann unzweideutig ist, wenn * stillschweigend die Bezugnahme auf 
Silber erfolgt. Wenn also die fremden Mächte nach der Niederwerfung 
der gegen die Ausländer gerichteten national-chinesischen Bewegung 
vom Jahre 1900 dem chinesischen Staat eine Entschädigung von 450 
Mill. Haikwan-Taels auferlegten, so heißt das genau übersetzt: 450 
Mill. Zollamts-Unzen feinen Silbers (nämlich Unzen von dem bei der 
Erhebung der Zölle üblichen Maß). In Europa hätten wir uns in 
analogem Fall auszudrücken: 17 Mill. Kilogramm oder 17 000 metrische 
Tonnen feinen Silbers. Da in China Maße und Gewichte nicht ein- 
heitlich sind, sondern nach Provinzen, Städten, ja oft sogar Gewerbe- 
zweigen mannigfaltig variieren, muß stets die Art des gemeinten Maßes 
näher bezeichnet werden. Für die Zollabgaben ist die alte Unze von 
Kanton, den der fremde Handel an diesem ihm zuerst erschlossenen 
Hafen vorfand, durch die internationalen Handelsverträge festgelegt 
worden; sie wiegt 37,783 g. Die Zollabgaben sind in reinem Silber 
zu entrichten ; und da die Boxerindemnität durch die Zolleinnahmen 
garantiert worden ist, so drückte man sie eben nach der für diese 
geltenden Einheit aus. 

Da^ chinesische Geld ist also einfach Silber nach Gewicht. 
Man kauft und verkauft, steuert und schätzt nach Unzen Silbers. Die 
zollamtliche Unze („Haikwan-Tael") ist bloß für Zollzahlungen üblich. 
Die Steuern zieht der Fiskus gewöhnlich in einer eigenen Einheit, der 
Schatzhaus-Unze („Kuping-Tael), ein, die meist und offiziell mit 37,301 
(in einer jüngst erschienenen Verordnung merkwürdigerweise mit 
37,00301) Gramm angegeben ist. In ihr war auch die den Japanern 
nach ihrem siegreichen Feldzug zu zahlende Kriegsentschädigung aus- 
gedrückt. Es hat keinen Zweck, die Gewichtsdefinitionen anderer gang- 
barer Unzenarten, wie der Sze-ma-Unze von Kanton, der Hang-ping- 
Unze von Tientsin, der Tsao-ping-Unze von Shanghai, der Kung-fa-Unze 
von Peking usw. anzugeben. Manche Quellen wollen 170 Arten von 
Unzen unterschieden haben, so groß ist, dank der durch Jahrtausende 
fortgesetzten Gleichgültigkeit und Unzulänglichkeit der öffentlichen Ver- 
waltung, die Zersplitterung des Gewichtswesens in China. 

Man zählt also in China unter Zuhilfenahme der Wage, wie im 
alten Born das Kupfer, wie heute im internationalen Verkehr das Gold 
gewogen wird. 16 Unzen bilden wie in Europa ein Pfund (Catty). Im 
übrigen haben die Chinesen von altersher die Dezimalteilung, die viel- 



62 Miszellen. 

leicht von dort aus sich in der Welt verbreitet hat. Das Zehntel einer 
Unze ist der Tsien (im Jargon Mace), dieser zerfällt in 10 Fen (im 
Jargon Candarin), dieser in 10 Li (im Jargon Cash), und rechnungs- 
mäßig wird noch weiter bis zum Zehnmillionstel der Unze geteilt. 

Bei Zahlungen kommt aber nicht allein das Gewicht in Betracht, 
sondern auch die Feinheit des Silbers, worin gezahlt werden soll. 
Nicht immer nämlich ist feines Silber (Chines. Tsu-seh-wen-yin) ge- 
meint. Die Zollzahlungen erfolgen, wie erwähnt, in Unzen feinen 
Silbers. Dagegen bezieht sich die fiskalische Unze (der Kuping-Tael) 
meist auf Silber von der Feinheit von 985 Tausendteilen. An verschie- 
denen Plätzen ist verschiedenes Standardsilber gangbar. Bei Preis- 
angaben müssen also die Gattung des gemeinten Unzenmaßes, sowie der 
Standard des Metalles genannt werden. 

Die Europäer stehen der chinesischen Silbergewichtsrechnung so 
fremd gegenüber, daß sie ihr schon in der Bezeichnung nicht gerecht 
werden. Sie sind gewohnt, ein Stück Gold vom Gewicht von 7,965 g 
und der Feinheit von 900 Tausendteilen 20 Reichsmark, eines von 
123 1 /* Troy-Grains und der Feinheit von 11 Zwölfteln 1 Pfund Ster- 
ling zu nennen, weil bei ihnen daheim diesen Bezeichnungen konkrete 
Metallstücke von bestimmtem Aussehen entsprechen. Dieser Gewohn- 
heit folgend benennen sie eine bestimmte Unze Silber von bestimm tem 
Feingehalt, wie sie an einer bestimmten Lokalität in China die herkömm- 
liche Currency bildet, mit dem Namen ,, Shanghai- Tael" — obwohl es ein 
solches Ding, als greifbare Sache, gar nicht gibt. Es ist eine europäische 
Jargonbezeichnung, bei der 1) der gemeinte Stoff oder die gemeinte 
Ware (also Silber von bestimmtem Feingehalt) und 2) das gemeinte 
Gewichtemaß stillschweigend mitzuverstehen sind. Chinesisch ist diese 
Bezeichnungsweise nicht. 

Es gibt also keine Taelmünzen, und es gibt überhaupt keine 
Währung, d. h. kein vom Staat gestempeltes und für Zahlungen 
legalisiertes Geld. Was als Geld umläuft ist Silber, welches nach fakti- 
schem Gewicht genommen und gegeben wird. Die übliche Gestalt sind 
Barren, meist vom approximativen Gewicht von 50 Unzen, die man 
wegen ihrer der chinesischen Fußbekleidung ähnlichen Gestalt im Jar- 
gon „shoes (Schuhe) nennt. Eine Vertrauensstelle von halboffiziellem 
Charakter (Kung-ku) malt auf den Barren Tuschzeichen, die zur Be- 
quemlichkeit des Verkehrs das genaue Gewicht, sowie die Feinheit an- 
geben. Dieses sog. „Sycee"- Silber (von Hsi-sze, d. i. „Feine Seide"» 
nach dem Aussehen des Silbers) ist also Gegenstand der ef fektiven Ueber- 
tragung, wobei bezüglich des Feingehalts eventuell auch bezüglich der 
Gewichtseinheit Umrechnungen platzgreifen müssen 1 ). 

1) Schalten wir hier einen kleinen Exkurs zum eingangs erwähnten Valuta- 
prozeß des Eeichsfiskus ein. Europa, Nordamerika und Japan haben nach der 
Unterdrückung der Boxerbewegung in einem vorläufigen Abkommen vom Mai 1901 
dem chinesischen Staat die Zahlung einer Entschädigung von 450 Mill. Zollamts- 
Unzen feinen Silbers auferlegt. In solchen Unzen empfängt der chinesische Staat 
die Einnahmen aus den Zollabgaben, und da die Indemnität auf letzteren sicher- 
gestellt wurde, so drückte man sie im gleichen Maßstab aus. Im Schlußprotokoll 
vom 7. September 1901 wurde aber China zu einem weiteren sehr schwerwiegenden 



Miszellen. 63 

Ali dem eigentümlichen chinesischen System der Silbergewichts- 
rechnung ändert auch der in China örtlich vorkommende Umlauf von 



Zugeständnis an die Mächte vermocht; die Indemnität wurde nämlich in eine Gold- 
schuld verwandelt, auf Grund einer festen Gleichsetzung der Zoll-Unze Silber mit 
3 sh., 3,055 M., 3,75 frcs. usw. Gold, wonach an die einzelnen Staaten die auf 
sie entfallenden Teile der Jahresannuitäten zu entrichten waren. Infolgedessen 
lastete fortan das ganze Risiko der Schwankungen des Silberpreises auf China, 
was finanziell sehr ins Gewicht fallen konnte. So war der Silberpreis schon ein 
Jahr nach dem Friedensschlüsse um nicht weniger als 12 Proz. gefallen; ent- 
sprechend höher war also die auf dem chinesischen Fiskus liegende Last. Die 
Zölle, die von den importierten Waren eingehoben werden, sollen nach den 
Handelsverträgen 5 Proz. vom Wert betragen, werden aber auf Grund von Durch- 
schnittswerten in spezifische Zölle umgerechnet, d. h. pro Wareneinheit in festen 
Beträgen von Zollamts-Unzen Silber (Haikwan-Taels) fixiert. Der chinesische Staat 
empfängt also die Zollabgaben in Silber quantitäten von wechselndem Wert, 
muß aber die darauf sichergestellten Entschädigungsraten in fixen Gold betragen 
begleichen. Wäre bei den chinesischen Staats Vertretern mehr wirtschaftliche Ein- 
sicht vorhanden gewesen als den Mandarinentraditionen entsprach, so hätten sie 
darauf bestehen müssen, daß den neuen Goldschulden Chinas auch Goldeinnahmen 
entsprächen. Die Indemnität hätte nur dann in Gold fixiert werden dürfen, wenn 
auch die Einfuhrzölle in Gold bezahlt werden. Von importierten Waren, die ja 
mit Gold beglichen werden müssen, Wertzölle in Silber einzuheben, ist ohnehin 
sinnwidrig. Fällt das Silber im Wert, so reduziert sich entsprechend der Zoll- 
betrag, der doch vertragsmäßig 5 Proz. vom Warenwert betragen soll. Blieb es 
aber bei der Zollzahlung in Silber, so hatte logischer- und gerechterweise auch die 
auf den Zöllen sichergestellte Indemnität in Silber ausgedrückt zu bleiben. Die 
hier sichtbar gemachte Nachlässigkeit der chinesischen Regierung ist die Quelle 
der heutigen Valutastreitigkeiten Dritter. Da nämlich China keine Goldrevenuen 
hat, muß es die Goldsummen, die es zu zahlen hat, kaufen. Dies geschieht 
in Shanghai, dem kommerziellen Mittelpunkt des Außenhandels, wo also der größte 
Teil der Importzölle eingeht, und wo die großen ausländischen Banken, die als 
Inkassostellen der bezüglichen Regierungen fungieren, ihren Sitz haben. China 
weist diesen Banken, nach den jedesmaligen, beiderseits zu genehmigenden Wechsel- 
kursen, so viel Silber an, als nötig ist, um die fälligen Goldsummen anzuschaffen. 
(Daß dies in sogenannten Shanghai -Taeis geschieht, ist, wie sich aus den bisherigen 
Darlegungen ergibt, ganz nebensächlich.) Je nach den Silberpreisen muß also die 
chinesische Regierung mehr oder weniger Silber erlegen, als der ursprünglich ver- 
abredeten Annuität von 15 Mill. Zollamts-Unzen entspricht. Ihre eigentliche 
Schuldigkeit besteht eben nicht mehr in Silber, sondern in Gold. Daraus ergibt 
sich, wie unbillig es war, China, als es bei einigen Ratenzahlungen (1902 und 1903) 
wegen Meinungsdifferenzen mit Teilbeträgen in Rückstand geriet, das Rückständige 
bei der Nachzahlung (1904) in jener Anzahl von Shanghai -Taels abzunötigen, die 
es bei rechtzeitiger Zahlung zu erlegen gehabt hätte, obwohl zum verspäteten 
Termin wegen gestiegenen Silberpreisen ein geringeres Silberquantum genügt hätte, 
um den rückständigen Goldbetrag anzuschaffen. Dadurch ergab sich für die 
Empfänger ein Gewinn, um den sich eben der Prozeß zwischen Reichsfiskus und 
der Deutsch - asiatischen Bank drehte. Letztere, die im Bankenkonsortium von 
Shanghai das deutsche Interesse vertritt und bei der Kursfestsetzung für die In- 
demnitätszahlung mitwirkt, besorgt für den Reichsfiskus das Inkasso und hat sich 
diesem gegenüber verpflichtet, den entsprechenden Goldbetrag, auf den es ja nach 
dem Vorstehenden allein ankommt, dem Fiskus gehörig gutzubringen. Sie bean- 
spruchte nun den aus der Nachzahlung Chinas, infolge der zwischenzeitigen Preis- 
steigerung des Silbers, entstehenden Gewinn für sich, weil der Reichsfiskus bloß 
auf jene Goldbeträge Anspruch habe, die China vertragsmäßig zahlen muß. Dem- 
gegenüber nahm der Fiskus mit Recht den Standpunkt ein, die Bank habe ihm 
alle von China geleisteten Beträge, gleichgültig ob sie rechtzeitig oder verspätet, 
richtig oder unrichtig eingehen, in Gold umgerechnet abzuführen. Das Reichs- 
gericht hat in letzter Instanz zugunsten des Fiskus entschieden. Wir haben hier 



64 Mis zellen. 

allerlei Silbermünzen nichts; auch diese werden überall nur nach 
ihrem effektiven Gehalt an Silber geschätzt und angenommen. Man 
sieht in China hauptsächlich mexikanische Silberdollars, ferner Dollars 
amerikanischen und britischen Gepräges, im Norden auch japanische 
Yen und russische Silberrubel. Diese Münzen erhalten sich dort im 
Umlauf, wo das Publikum ihr Gewicht und ihren Feingehalt kennt. 
Im Innern des Landes wandern sie gewöhnlich in den Schmelztopf, um 
in Syceesilber umgegossen zu werden. Es ist charakteristisch, daß im 
Süden der Dollar, um umlaufsfähig zu werden, eine Art Punze seitens 
des ausgebenden Bankiers erhält, wodurch gleichsam dessen Garantie 
beglaubigt wird, daß der Staat, von dem der betreffende Dollar her- 
rührt, bei der Prägung wirklich ehrlich verfuhr, also das übliche Fein- 
gewicht Silber darin enthalten ist. Läuft der Dollar längere Zeit um, 
so häufen sich jene Bankpunzen auf ihm, bis die Münzen (chopped 
Dollars) fast unkenntlich sind, und eingeschmolzen werden. Seit einigen 
Jahren haben auch verschiedene chinesische Provinzialmünzstätten Dol- 
lars chinesischer Prägung ausgegeben. Auch diese werden lediglich 
nach Silbergewicht genommen ; meist tragen sie sogar die Gewichts- 
bezeichnung nach chinesischen Unzen (0,72 Kuping-Tael) aufgeprägt. 
So läuft also neben dem Syceesilber eine Mannigfaltigkeit geprägter 
Silbermünzen um, da sie, sofern ihr Gewicht bekannt ist, das Abwägen 
vielfach ersparen; aber es wird nie übersehen, daß sie nur nach Gewicht 
und Feingehalt gelten. Die Preise und Rechnungen gelten trotzdem 
immer in Unzen, und auf Unzen werden die Münzen als Metallstücke 
verrechnet — wobei die Kosten des Einschmelzens und Nachprüfens 
separat und ausdrücklich kalkuliert werden. 

Das chinesische Publikum ist sehr kaufmännisch und rechnerisch 
veranlagt, und handhabt sein Silbergewichtsgeld mit oft bestaunter 
Virtuosität. Der Fremde steht aber dieser Art Geldwesen meist ratlos 
gegenüber. Man kann europäische Kaufleute antreffen, die jahrzehnte- 
lang in China tätig gewesen sind, und das Wesentliche des dortigen Geld- 
wesens nie begriffen haben. Dem Europäer ist geläufig, in Münzein- 



nicht auf den Prozeß einzugehen, und begnügen uns mit der Bemerkung, daß 
nach dem Vorstehenden die strittigen Beträge eigentlich dem chinesischen Staat 
mit Unrecht abgenommen worden sind. Insofern aber dieser Punkt nicht zur 
Diskussion steht, müssen sie jenem zufallen, der sie verlangt und ihre Bezahlung 
durchgesetzt hat, und das ist das Deutsche Reich. Wir wiederholen, daß China 
eigentlich Gold zu zahlen hat und Gold bei den Banken anschafft, unter Erlegung 
von Silber zu bankmäßig festgesetztem Kurs. Dies wurde in den Prozeßverhand- 
lungen beständig übersehen. Die Festhaltung des Gesichtspunktes der Gold- 
verpflichtung Chinas nimmt dem Anspruch der Deutsch-ostasiatischen Bank jede 
Scheinbarkeit. Der Inkassovertrag des Reichsfiskus mit der Bank hatte zum Zweck, 
noch unzweideutig festzustellen, daß die Bank das von China bezweckte Goldquantum 
auch dem Reichsfiskus gegenüber bücherlich gutzubringen habe. Weder war die 
Bank also berechtigt oder in der Lage, mehr Gold gutzuschreiben, noch der 
Reichsfiskus verpflichtet, mehr Gold zu erwarten und abzunehmen, als von China 
effektiv (im Silberäquivalent) jedesmal überwiesen worden ist. Andererseits durfte 
die Bank dem Fiskus niemals weniger Gold gutbringen, als der jedesmaligen 
Silberzahlung Chinas entsprach. — Der ganze Fall illustriert übrigens die aus der 
Unwissenheit und dem Ungeschick der chinesischen Beamten entspringende Ab- 
hängigkeit des chinesischen Fiskus von der Bank- und Finanzwelt. 



Mis zellen. §5 

heiten zu denken und zu rechnen, ohne sich weiter gegenwärtig zu 
halten, wie viel an effektivem Metallgehalt unter dem gewohnten Münz- 
namen stecke. Dieser Punkt wird zwar beim internationalen Valuten - 
und Rimessenhandel auch in Europa bedeutsam, und die sich damit be- 
fassenden Banken hören alsbald auf, sich um den staatlich festgesetzten 
Namen (Mark, Franc etc.) zu kümmern, greifen vielmehr zur Gold- 
wage, um das effektive Gewicht festzustellen, sobald Versendung von 
geprägtem Geld aus einem Land ins andere in Frage kommt. Auch 
das Geschäftsleben innerhalb der Grenzen eines Landes wird auf den 
Metallsinn des Geldes alsbald aufmerksam, wo Zwangspapiergeld um- 
läuft und Kreditstörungen ein Disagio desselben bewirken; denn dann 
hält jeder das wertvollere Goldstück, das in seine Hand gerät, zurück, 
um es beim Goldschmied oder bei der Bank besser zu verwerten, als 
durch Weitergabe zum Nennwert möglich wäre. Davon abgesehen aber 
hält sich der Europäer an die staatlichen Münznamen, und wünscht im 
Ausland stets etwas Aehnliches anzutreffen. In China herrscht nun 
aber auch im Innern allgemein das, was bei uns nur im internationalen 
Verkehr üblich ist, nämlich die Zahlung in Edelmetall nach Gewicht. 
Die damit verbundenen und durch die große Zersplitterung des Maß- 
wesens allerdings gesteigerten Rechennotwendigkeiten bleiben dem Aus- 
länder etwas kaum Verständliches, was er, wenn er nicht gerade selbst 
Bankmann ist, selten durchschauen lernt. Gerade aber diese Ver- 
ständnislosigkeit gegenüber dem chinesischen Geldwesen hat dazu bei- 
getragen, den europäischen Kaufmann in solche Abhängigkeit von 
chinesischen Organen und Vermittlern zu bringen, wie sie regelmäßig 
Tatsache ist. Er ist im gesamten Zahlungsverkehr auf Vermittlung 
von Chinesen angewiesen und gewohnt, in ihrer Verrechnungsweise 
eine Art Geheimwissenschaft zu sehen. 

Der chinesische Silberumlauf beruht nicht auf staatlicher 
Anordnung und autoritativer Verwaltung, sondern ist ganz und gar 
eine Schöpfung des freien Verkehrs. Man darf daher von ihm 
nicht als von einer Silberwährung im europäischen Sinn sprechen. Er 
hat sich wesentlich erst im Laufe der neueren Jahrhunderte einge- 
bürgert, und zwar in Anschluß an den Handel mit den sich seit dem 
16. Jahrhundert in den Seestädten festsetzenden europäischen Kauf- 
leuten. Was diese für die chinesischen Ausfuhrwaren, besonders den 
Tee und die Seide, boten, war hauptsächlich Silber, welches vordem zwar 
auch nicht unbekannt, aber nur in geringem Maß als Zahlungsmittel 
gebraucht war. Die seit der Eroberung der neuen Welt durch die Euro- 
päer sich in den internationalen Handel ergießenden Edelmetallzuflüsse 
scheinen besonders zur Verbreitung des Silbers in China beigetragen zu 
haben, in dem Maße, als sich der internationale Handel Chinas ent- 
wickelte. China kam also verhältnismäßig erst spät dazu, die edlen 
Metalle als Geld zu benutzen, und nach chinesischer Ueberlieferung 
haben erst die mit solchem Gebrauch verbundenen fühlbaren Vorteile 
zur intensiveren Ausbeutung der chinesischen Silberminen in Yünnan 
veranlaßt. 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 5 



66 Miszellen. 

Neben und in gewissem Sinne unter der Silbergewichtsrechnung" 
steht eine zweite Art von Currency, welche aber nicht wie jene aus dem 
freien Verkehr hervorgewachsen ist, sondern ihren Ursprung dem Staate 
verdankt, freilich aber von diesem selbst in gewissem Sinn fallen ge- 
lassen ist und in ihrem heutigen Zustand ein Spiegelbild mehrtausend- 
jähriger schlechter Staatsverwaltung liefert. Es ist dies eine Art 
Kupfer- (genauer Bronze-) Währung, deren Geschichte weit hinter 
die Zeit der Entstehung abendländischer Münzen zurückreicht. In der 
Tat hat man in China schon vor etwa 3000 Jahren Kupfergeld geprägt. 
Solche Prägung war ebenso wie später in Europa ein Fortschritt und 
eine Erleichterung des Verkehrs, dem dadurch statt jedesmal abzu- 
wägender Kupferbarren Metallscheiben von bekanntem, aus dem Stempel- 
zeichen ersichtlichem .^ "? ht dargeboten wurden. 

Die Verfertigt 1:: ^ a ."^ Metallstücke war ursprünglich und noch 
lange, etwa bis zum Beginn unserer Zeitrechnung, Privatsache, und die 
öffentliche Gewalt begnügte sich mit der Vorschreibung bestimmter 
Form und bestimmten Gewichts. Die Kupfermünzen haben von alters- 
her in der Mitte ein viereckiges Loch, so daß sie auf Schnüren auf- 
gereiht werden können, und die chinesische Tradition führt den Ur- 
sprung dieser Einrichtung auf den vor allgemeiner Einbürgerung des 
Kupfergeldes verbreiteten Gebrauch von Kaurimuscheln und Schildpatt- 
etücken zurück, die zu Schnüren aufgereiht, als Schmuck dienten und als 
Vermögensstücke und Zahlungsmittel geschätzt gewesen seien. Diese 
Reminiszenz ist nicht uninteressant, denn sie zeigt, daß die Entwick- 
lung des Geldwesens überall ähnlich vor sich gegangen ist. Ueberall 
hat man ursprünglich gewisse allgemein beliebte und daher besonders 
leicht absetzbare Dinge vorzugsweise zum Tauschverkehr und Handel 
benützt, und überall ist man, sobald Metalle erlangbar waren, wegen 
ihrer vorzüglichen Eigenschaften dazu gelangt, in stetiger Entwicklung 
zu ihrer überwiegenden und schließlich alleinigen Benützung über- 
zugehen. So wie später die Silberrechnung, so ist auch früher das 
Kupfergeld nicht durch Uebereinkunft oder durch Staatsgesetz, sondern 
vermöge der Notwendigkeiten des Verkehrs und der natürlichen Eigen- 
schaften des Metalls zur Entstehung gekommen. 

Die Geschichte der chinesischen Metallmünzen gibt zu ähnlichen 
Betrachtungen Anlaß wie die europäische Münzgeschichte. Nachdem 
das Prägen der Kupfermünzen unter einem energischen Staatsleiter 
(vor etwa 2000 Jahren, unter der Han-Dynastie) Staatsmonopol ge- 
worden, wurde es auch in China von geldbedürftigen Fürsten, Macht- 
habern und Regierungen als Quelle für eigensüchtige Profite auf Kosten 
der allgemeinen Volkswirtschaft benützt. Das Abwägen und Bezeichnen 
von Metallscheiben ausschließlich einer öffentlichen Anstalt vorzube- 
halten und es der Privatindustrie zu verbieten kann den guten Sinn 
haben, daß das Publikum vor unzuverlässigen Manipulationen besser 
geschützt werden und ihm der Vorteil einer einförmigen und von der 
höchsten Autorität herrührenden Beglaubigung geboten werden soll. 
Aber in China hat sich wie anderwärts der Egoismus der regierenden 
Finanzen der ursprünglich wohltätigen Institution bemächtigt, und unter 



Miszellen. ß^ 

dem Anschein des Gemeinnützigen die staatliche Eigensucht zum Ver- 
derben der Sache spielen lassen. So ist denn auch in China in den ver- 
schiedenen Perioden durch verschiedene Mittel versucht worden, ver- 
schlechterte Münzen zu unverändertem Wert dem Verkehr aufzu- 
oktroyieren oder in ihn einzuschmuggeln. Man verkleinerte die Münzen 
bald im Durchmesser, bald in der Dicke, setzte mehr schlechtes Legier- 
metall zu, und brachte sie unter unveränderter Bezeichnung und zum 
nominellen Wert der besseren von früher gangbaren Metallstücke in 
Umlauf. Die diversen Metallunterschlagungen gingen nicht einmal 
immer von einer einzigen Zentralstelle aus, sondern entsprechend den 
jeweiligen politischen Verhältnissen sind die gleichen Mißbräuche in 
Teilstaaten und Provinzen geübt worden. So entstand eine bunte 
Mannigfaltigkeit von Kupfermünzen, die gesetzlich allesamt dasselbe 
bedeuten sollen. Dabei verdrängten die schlechteren Münzen die besse- 
ren, die nominell denselben Wert haben sollten, da es profitabel war, 
die schwereren Metallstücke einzuschmelzen und als Metall zu ver- 
werten. Nahmen gelegentlich die Münzen infolge des Prägemonopols 
und mangelhafter Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Verkehrs 
einen höheren Verkehrswert an, als dem Metallgehalt entsprach, so ver- 
lockte das die Regierungen zu massenhafter Ausprägung schlechten 
Geldes, die so lange fortdauern konnte, als das Publikum die schlechte 
Beschaffenheit nicht durchschaute und die Korrektur der Bewertung 
nicht vornahm. Ueberdies waren aller Orten auch private Falsch- 
münzer am Werk, ja die Profitchance bot auch privaten Unternehmern 
starken Anreiz, sich trotz gesetzlichen Verbots an der Schaffung von 
Münzen zu beteiligen, die an Metallgehalt hinter den staatlichen nicht 
zurückstanden, ja sie manchmal übertrafen. Versuche besserer Regie- 
rungen (z. B. der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert unserer Zeit- 
rechnung), reformierend einzugreifen, waren nur vorübergehend; im 
ganzen überwogen die Verschlechterungen. 

Das Fazit dieser mehrtausendjährigen verworrenen Münzgeschichte 
ist der tatsächliche chinesische Umlauf an Bronzemünzen (von den 
Fremden cash, Käsch, französisch sapeques, genannt), womit sich der 
Detailumsatz und die Masse des ärmeren Volkes behelfen. Das Ge- 
wicht der gesetzlichen Käschmünze, das ursprünglich das Zehntel einer 
chinesischen Unze betragen sollte, ist im Lauf der Jahrhunderte auf 
ein Zwölftel, dann ein Sechzehntel und gar ein Zwanzigstel der Unze 
heruntergegangen, d. h. von etwa 2 1 / 2 auf etwa l 1 / 3 g reduziert worden. 
Sie soll aus einer Legierung von etwa 50 Proz. Kupfer, 40 Proz. Zink, 
10 Proz. Zinn oder Blei bestehen, tatsächlich sind aber zahllose ältere 
und neuere legitime und illegitime Varianten im Umlauf. Selbstver- 
ständlich kümmert sich der Verkehr nicht um die nominelle Gleich- 
wertigkeit der verschiedenen Sorten und bewertet sie lediglich nach 
dem effektiven Metallgehalt. Der praktische Sinn der Chinesen hat 
Hilfsmittel erfunden, um trotz der elenden Beschaffenheit dieser von 
von der staatlichen Mißwirtschaft der Jahrtausende vererbten Currency 
doch einigermaßen sich damit zu behelfen. Die Käschmünzen kursieren 
gewöhnlich in Schnüren, auf denen nominell je 100 Käsch aufgereiht 

5* 



ß8 Miszellen. 

sein sollen; gewöhnlich fehlen aber 2 — 3, die man als Entgelt für 
Beistellung' der Schnur und Sortierung und Auffädelung der Münzen 
ansieht. Innerhalb der einzelnen Schnur wird aber je nach den Gewohn- 
heiten und Traditionen des Bezirks oder der Lokalität eine ge- 
wisse Sortierung gefordert: soundso viel schwere (ältere), soundso viel 
leichtere haben darin zu sein, und soundso viel unechte (d. h. nicht 
behördlich ausgegebene) werden dabei mitgenommen. Auf diese Weise 
wird doch in gewissem Maße eine durchschnittliche Gleichmäßigkeit 
der Einheit erzielt, um ein Rechnen in Geld zu ermöglichen. 10 Schnüre 
bilden gewöhnlich eine höhere Einheit („Tiao", nominell 1000 Käsch). 
Natürlich muß aber trotzdem immer auf die Zusammensetzung der 
Schnüre geachtet werden. Es gibt immer Abzüge oder Vergütungen 
je nach der Zahl schlechterer oder besserer Münzen. Von Provinz zu 
Provinz, von Stadt zu Stadt ändert sich der Wert der Schnüre nach 
Lokalüsancen ; die Differenzierung der Gebräuche und Sitten geht so 
weit, daß man gewisse Waren mit schlechteren, selbst unechten Käsch, 
andere nur mit guten kaufen kann, und überdies schwankt der Wechsel- 
kurs gemäß dem jeweiligen Mangel oder Ueberfluß an Münzen und 
nach dem Stand der Handelsbeziehungen — umfaßt doch das ungeheure 
Reich Provinzen von der Größe europäischer Großstaaten, zwischen 
denen nach Handels- und Zahlungsbilanz Barausgleichungen nötig 
werden, die ein hochentwickelter Bank- und Wechselverkehr besorgt. 
Käschnoten, die von den Wechslern und Bankiers ausgegeben werden, 
erleichtern zwar den interurbanen Verkehr ein wenig, sind aber ander- 
seits selbst Quelle von Differenzen, Abzügen und Verlusten. Es ist 
eine ganze Wissenschaft von Nöten, um sich in dieser Mannigfaltigkeit 
auszukennen, und zahllose Käsch wechselbuden ziehen aus den Verkehrs - 
Schwierigkeiten Gewinn. Unzureichende Kenntnisse und Unerfahren - 
heit bringen Verluste, und es gehört die bekannte kaufmännische und 
rechnerische Gewandtheit der Chinesen dazu, um sich mit diesem 
elenden Umlaufsmittel schlecht und recht zu behelfen. Auf dieses ist 
gerade der Verkehr der kleinsten wirtschaftlichen Existenzen ange- 
wiesen; hundert Käsch sind erst 2 — 4 Pence (15 — 30 Pfennig) wert. 
Wenn man auch nur mittlere Einkäufe machen will, sieht man sich 
leicht mit einigen Pfunden Kupfermünzen beladen. 

Die Verwirrung ist in der neuesten Zeit noch dadurch vergrößert 
worden, daß man vielfach die Herstellung größerer Bronzemünzen, 
die nominell 10 Käsch repräsentieren sollen, aufnahm. Da sie aber 
durchaus nicht das 10-fache des Metallgehalts des durchschnittlichen 
Käsch haben, wurden sie vom Verkehr sofort nur mit Disagio ange- 
nommen. So rächte sich, daß nicht die Absicht, dem Verkehr Besseres 
zu bieten und wirklich zu reformieren, sondern der Profittrieb bei 
der Schaffung der neuen Münze maßgebend gewesen war. Um Präge- 
gewinne zu machen, hat man kolossale Quantitäten davon in Umlauf 
gebracht, Ueberproduktion und Minderwertigkeit haben ihren Kurs 
immer tiefer gedrückt, bis ihre Prägung nicht mehr lohnte. Neuerdings 
hat man auch nach europäischer Art faconnierte 10 Käsch-Bronze- 
münzen (ohne Loch) in Verkehr gebracht; auch diese sind nur mit 



Miszellen. §Q 

Disagio in Umlauf und sehen ihre offizielle Bezeichnung beständig 
dementiert. 

Das Ergebnis der staatlichen Geldverwaltung in China ist also 
die vollständige Korrumpierung der vom Staat geschaffenen Currency, 
die für den Verkehr beinahe unbrauchbar geworden ist. Wäre dieser 
auf die verrottete Kupferwährung angewiesen geblieben, so hätte ein 
umfänglicherer Handel, eine verzweigtere Volkswirtschaft nicht auf- 
kommen können. Es war ein Sieg der nach Entwicklung drängenden 
wirtschaftlichen Triebkräfte und der ökonomischen Naturgesetze über 
die künstlichen Beschränkungen und Hindernisse, daß sich der Verkehr 
der Kaufleute und der wohlhabenden Schichten in den neueren Jahr- 
hunderten vom staatlichen Kupfergeld emanzipierte und sieh in der 
Silbergewichtsrechnung eine eigene bessere Currency schuf. Der Käsch- 
umlauf dient heute nur mehr dem kleinsten Verkehr, dem Detail und 
den Geschäften der ärmsten Volksschichten; im übrigen rechnet und 
zahlt man in Silber nach Gewieht. Diese neue staatlich nicht re- 
glementierte Currency des freien Verkehrs bot so große Vorteile 
gegenüber der fast unbrauchbar gewordenen staatlichen Kupfer Währung, 
daß der Staat selbst es als sein Interesse erkannte, seine Einkünfte 
von seinem eigenen Gelde und dessen Wertunsicherheit unabhängig 
zu machen und sie gleichfalls in Silber sicherzustellen, so daß heute 
auch Steuern, Abgaben und Zölle im wesentlichen in Silber nach Ge- 
wicht zu entrichten sind. Die Käschwährung besteht also rechtlich 
eigentlich in keiner Beziehung mehr, und die Kupferzirkulation be- 
hauptet sich nur vermöge alter Gewöhnung und durch Jahrtausende 
fortgesetzter Tradition. 

So hat China zwei nebeneinander bestehende Metallzirkulationen, 
die verschiedenen Bedürfnisbereichen angehören. Ein fixes Wertver- 
hältnis zwischen beiden besteht nicht. Der Verkehr achtet auf den 
Wert des effektiven Metalles und bestimmt danach das jeweilige Aus- 
tauschverhältnis. Theoretisch, d. h. nach alten Staatsfestsetzungen, 
sollten 1000 Käsch ein Tael Silber bedeuten. Heute werden aber 2000 
bis 2500 Käsch für ein Tael Silber gegeben, und das illustriert das 
Maß der Verschlechterung der Kupfermünzen. 

Das chinesische Geldwesen ist auch theoretisch von ganz be- 
sonderem Interesse. Der Gebrauch von un geprägtem Metall als Um- 
laufsmittel pflegt als ein fast prähistorischer roher Zustand angesehen 
zu werden, der dem geprägten Gelde vorausgehe. Ja gewöhnlich will 
man in jenem urwüchsigen Metallumlauf überhaupt noch kein eigent- 
liches Geld sehen und läßt die Geschichte des letzteren erst mit den 
staatlichen Prägungen anheben. Damit stehen nun die Tatsachen, die 
wir in China finden, in lebhaftem Widerspruch. Ein gewaltiges Kultur- 
gebiet von mehr tausend jährigen U eberlief erungen, an Bodenfläche und 
Bevölkerungszahl das gesamte Europa übertreffend, dabei in seinen 
wichtigeren Teilen fast so dicht besiedelt wie Deutschland; ein großes 
soziales Gebilde mit intensivem Ackerbau, emsigem Gewerbefleiß, hoch- 
entwickeltem Verkehr, intelligentem, eminent praktisch und solid bean- 
lagtem Kaufmannsstande, uralten Bankiersgilden, weitverzweigten und 



70 Miszellen. 

verfeinerten Krediteinrichtungen — dieses Land hat kein Geld im her- 
kömmlichen europäischen Sinne. Wer sich Umlaufs- und Zahlungsmittel 
nicht als anders als staatlicher Urheberschaft, Stempelung und Privilegie- 
rung vorstellen kann, muß angesichts der nun einmal feststehenden Tat- 
sache, daß ein Kultur kreis von mehr als 400 Mill. Menschen seinen 
Handels- und Geschäftsverkehr ohne Dazwischenkunft staatlich be- 
zeichneten und autorisierten Geldes abwickelt, in Verlegenheit kommen. 

In der Tat wird das so eigentümliche chinesische Geldwesen in 
der Literatur, die sich mit Geldtheorie befaßt, meist ignoriert. Doch 
ist es klar, daß eine Theorie, die zulänglich sein soll, eine befriedigende 
Erklärung aller historisch vorgekommenen oder kulturgeographisch 
nebeneinander auftretenden Tatsachen ermöglichen muß. Der höchst 
ansehnliche Fall der chinesischen Volkswirtschaft, den man nicht mit 
den primitiven Anfängen des Tauschverkehrs roher Urvölker auf eine 
Stufe stellen und sich so etwa über ihn hinwegsetzen kann, steht ins- 
besondere mit der jetzt modisch werdenden „Staatlichen Theorie des 
Geldes" in unausg leichbarem Gegensatz. Die dieser Theorie zugrunde- 
liegende Petitio prineipii, das Geld sei ein Geschöpf der staatlichen 
Eechtsordnung, erfährt durch die chinesischen Zustände ihre hand- 
greifliche Widerlegung. Dort ist der Geldumlauf eine freie soziale 
Schöpfung; die ihre Einbürgerung dem Verkehr und keiner staatlichen 
Initiativo verdankt. Ja historisch ist die freie Silberrechnung sogar 
die Nachfolgerin einer staatlichen Währung, und wir haben hier den 
Fall, wo die staatliche Geldschöpfung von der wirtschaftenden Gesell- 
schaft beiseite geschoben und durch etwas Besseres ersetzt worden 
ist, was nicht auf autoritärer Gesetzgebung, sondern auf den ökonomi- 
schen Naturgesetzen selbst beruht. Ein naturwüchsiger Kupferumlauf 
ist durch staatlich geprägtes Kupfergeld ersetzt worden, welches bis 
in die europäische Neuzeit in China das allgemeine Umlaufsmittel war; 
dann hat. da das staatliche Geld schließlich als allzu verdorben seine 
Verkehrsfunktion nicht gehörig erfüllen konnte, die chinesische Volks- 
wirtschaft gleichsam wieder von vorn angefangen und ihren Verkehr 
auf da3 Silber gegründet. Nicht vom Staat ist diese Wandlung aus- 
gegangen, sondern sie hat sich gegen ihn und seine Satzungen voll- 
zogen, und ihm blieb nichts übrig, als sich dem neuen ökonomischen 
Fortschritt anzupassen und seinerseits aus ihm Vorteil zu ziehen. 

Die europäische Wissenschaft beschränkt sich allzu einseitig auf 
die überkommenen Geldzustände, wie sie sich in unseren auf den 
mittelalterlich- feudalen Grundlagen erwachsenen militärisch-bureaukrati- 
schen Staaten faktisch präsentieren. Unter dem autoritären Druck des 
Tatsächlichen fällt sie mehr und mehr der Beschränktheit anheim, das 
Geldwesen auch theoretisch mit dem Staat und seinen, gelinde gesagt, 
einseitigen Eingriffen zu verquicken. Damit hört denn jede Möglichkeit 
von Kritik und unabhängiger Haltung auf. Sullas Gesetz, das das alt- 
römische Verbot des Legierens der zirkulierenden Metalle neuerlich ein- 
schärfte, war ein Staatsakt; Staatsakte waren aber auch die neronia- 
nischen Frivolitäten, welche die Aera der Münzverschlechterungen ein- 
leiteten. Jenes bezweckte Schutz vor Betrügereien, letztere zielten auf be- 



Miszellen. 71 

trügerische Uebervorteilungen ab. Man sieht, die staatlichen Einwirkun- 
gen auf das Geldwesen müssen selbst nach Rechtsrücksichten geprüft 
werden und alle unterschiedslos als „staatliche Rechtsordnung" hyposta- 
sieren, also Staat und Recht einfach gleichsetzen, heißt vor der zufälligen 
und gedankenlosen Gewalt kapitulieren, auf Theorie, Kritik und absolute 
Wahrheit zugunsten übertätiger Tatsächlichkeiten verzichten. Das große 
chinesische Beispiel kann zur Befreiung von solcher Bornierung ver- 
helfen. Der Ursprung des Geldes ist weder in einer willkürlichen Ueber- 
einkunft, die auch anders hätte ausfallen können, noch in einer obrig- 
keitlichen Verfügung zu suchen. Die Rolle der Metalle und insbesondere 
der edlen Metalle in der menschlichen Wirtschaft ist über dem Be- 
lieben der Menschen erhaben und beruht, wie ihre physikalischen und 
chemischen Eigenschaften, ihre Verwendbarkeit und ihre Seltenheit, 
auf Naturtatsachen, die vom Menschen unabhängig sind und daher 
ein naturgese tzliches Fundament alles Weiteren bilden. Der Staat 
ist erst dazu gekommen, als die Hauptsache schon ohne ihn unter den 
Menschen aus deren freier Initiative durchgesetzt war. Nicht Prägung 
oder Bezeichnung sind das Wesentliche, sondern der Stoff und dessen 
Eigenschaften, vermöge deren er allgemein angenommen wird und 
die Garantie bietet, überall zu gelten, also über die zufälligen Staats- 
grenzen hinaus und ohne alle staatliche Einmischung seine Funktion 
als Wertträger und Wertübertrager zu versehen. Ausmünzung, Prä- 
gung, Stempelung, Gewichtsangabe — das sind Dinge, womit sich die 
Oeffentlichkeit und der Staat befassen mögen, die aber Nebensachen 
sind. — Bezüglich des Näheren zu dieser weittragenden, konsequenzen- 
reichen und uralte Irrtümer beseitigenden antikonventionalistischen Auf- 
fassung des Geldes sei auf die Werke Eugen Dühring's selbst ver- 
wiesen, dessen tiefschürfendem Scharfsinn sie zu verdanken ist. Er 
hat seine Theorie schon 1866, in der „Kritischen Grundlegung der 
Volkswirtschaftslehre", vertreten und dann ausführlich im „Kursus der 
National- und Sozialökonomie" dargelegt, und seither noch wichtige 
politische und soziale Folgerungen aus ihr gezogen (z. B. in „Waffen, 
Kapital, Arbeit" 1906). 

Unsero Skizze wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch des 
chinesischen Papiergeldes Erwähnung täten. Auch darin hat China 
die üblichen Erfindungen und Erfahrungen lange vor den europäischen 
Staaten gemacht, denn schon vor 1000 Jahren setzte die Regierung 
dort Depotscheine über Bargeld in Umlauf, und bis ins 15. Jahrhundert 
unserer Zeitrechnung hat es an verschiedenen Emissionen von Staats- 
noten und an den zugehörigen nur allzu obligaten üblen Folgen, an 
Zwangskurs, Uneinlöslichkeit, Entwertung usw. nicht gefehlt. Nach 
den chinesischen Ueberlieferungen wurde nun die Einführung des 
Silbers und seine Einbürgerung im Verkehr allgemein als eine Er- 
lösung von dem Uebel der unsicheren und fragwürdigen staatlichen 
Zirkulationsmittel empfunden. Jedermann suchte das Metall zu er- 
langen, in dem sich Ersparnisse und Werte sicher anlegen ließen, 
das seine Kaufkraft unabhängig von zweifelhaften Bezeichnungen oder 
staatlichen Willkürakten in sich trug, und dessen Beschaffung nicht 



72 Miszellen. 

von dem Belieben und der Einsieht der staatlichen Verwaltung abhing. 
Die Silberrechnung hat nicht allein den Verkehr vom schlechten Kupfer- 
geld emanzipiert und das Fundament einer modernen Entwicklung 
geliefert, sondern auch das seit Jahrhunderten umlaufende und infolgo 
der Zahlungsunfähigkeit des Staates entwertete Papiergeld verdrängt, 
so daß es schließlich verschwand. 

Erst das 19. Jahrhundert hat in China Kreditbillette des Staates 
wieder entstehen sehen. Insbesondere hat die jüngste revolutionäre Be- 
wegung gegen die Mandschu-Monarchie dazu Anlaß gegeben, daß 
sich verschiedene der neuen Provinzialregierungen finanzielle Mittel 
durch Ausgabe von Noten beschafften. Es ist für China charakte- 
ristisch, daß diese Zettel trotz Erfolgs der politischen Bewegung und 
trotz Konsolidierung der Republik nur mit erheblichem Disagio in 
Kurs sind, sowie sie von vornherein nicht zum Nennwert in Zirkulation 
gebracht werden konnten. Die Regierungen haben sich zu Kompromissen 
mit den Bankiers herbeilassen müssen, um ihre Zettel überhaupt in 
einigem Maße emittieren zu können; man einigte sich fallweise auf 
Prozentsätze, zu denen Papier zugleich mit Metall in Zahlung anzu- 
nehmen war. Trotzdem unterlagen die Zettel seither weiterem Kurs- 
fall, und die Androhung hoher Strafen, ja selbst der Todesstrafe, haben 
30- und 40-proz. Disagio nicht hindern können. Diese Noten bilden 
also neuestens eine Art dritter Currency, wobei von den diversen in 
Teilen Chinas umlaufenden Banknoten (insbesondere der fremden 
Bankniederlassungen) abgesehen wird. Die chinesische Regierung hat 
verschiedentlich schon versucht, die Annahme des revolutionären Papier- 
gelder an ihren Kassen, als für sie mit Verlust verbunden, abzulehnen; 
doch erregte dies, übrigens mit Recht, solche Entrüstung, und die 
Erschütterung* des Geldmarktes war so empfindlich, daß die Regierung 
zurückweichen mußte. Die schließliche Einlösung der Noten wird sich 
schon mit Rücksicht auf die Staatsfinanzen, deren Eingänge durch 
den Einlauf der Noten beeinträchtigt sind, nicht umgehen lassen. 

IL 

In China bedeutet der Staat wenig, die Tradition, die 
uralte Gewohnheit alles. Ungeschriebene Gesetze, in den allgemeinen 
Geist übergegangene Satzungen der Sitte regieren die Gesellschaft. Die 
Zahl der bewaffneten Organe, die den Frieden aufrechtzuerhalten und 
den rechtlichen Verkehr zu schützen haben, ist im Vergleich zu der 
Bevölkerungszahl verschwindend. Man erwartet von der öffentlichen 
Gehalt wenig; man ist gewohnt, von ihr, wo sie sich regt, mehr be- 
hindert als gefördert zu werden. Das berüchtigte chinesische Be- 
stechungssystem ist die Art, wie sich die wirtschaftende Gesellschaft 
mit dem unzulänglichen öffentlichen Apparat abfindet. Der Sturz des 
Mandschu-Regimes erfolgte, weil es sich als unfähig erwies, auch nur 
das Minimum seiner Funktionen, nämlich die Erhaltung der nationalen 
Einheit und Autonomie, zu erfüllen. Das neue Gouvernement hat hier 
seine wichtigste Aufgabe; aber in der inneren Verwaltung wird sich 
schwerlich viel ändern. Das vormundschaftlich-bureaukratische Regieren 



Miszellen. 73 

und Verwalten hat in China nach wie vor geringe Chancen. Eine 
Staateleitung, die dies verkennt und ihre Autorität überschätzt, wird, 
wie die verflossene Monarchie, die Gesetzsammlung mit Edikten be- 
reichern, um die sich praktisch niemand kümmert. 

Wenn man daher bei der Frage nach möglichen Reformen des 
Geldwesens vom bestehenden Silbergebrauch ausgeht und als 
ersten Hauptsatz dessen Beibehaltung und Ausgestaltung aufstellt, so 
ist das bloß eine fast selbstverständliche Folgerung aus dem Vor- 
stehenden. Keine Macht ist imstande, den Jahrhunderte alten Silber- 
umlauf willkürlich durch etwas anderes zu ersetzen. Deshalb sind Er- 
örterungen über die Einführung einer Goldwährung oder dergleichen 
durchaus zwecklos. Ein von oben ausgehender Systemwechsel ist in 
China einfach unmöglich, und nicht etwa bloß inopportun, weil es etwa 
für die Geldverfassungen Europas usw. gefährlich wäre, auch das 
ungeheuere China zum Goldgebrauch übergehen zu lassen. 

Ea ist also ein arges Uebersehen der wesentlichen Eigentümlich- 
keiten Chinas, wenn europäische Ratgeber den Chinesen dieses oder 
jenes Geldsystem statt der Silberwährung empfehlen. Eine chinesische 
Regierung, die sich unterfangen wollte, von oben her ein nach euro- 
päisch-amerikanischem Muster kopiertes System oktroyieren zu wollen, 
würde nichts erreichen, als die heutige Mannigfaltigkeit der chine- 
sischen Umlaufsmittel zu vermehren. 

Man muß das Silber, sowie es in Umlauf ist, zum Aus- 
gangspunkt nehmen und darf sich lediglich fragen, was an den 
heutigen Zuständen verbesserungsfällig ist, und was staatsseitig zur 
Verbesserung mit Aussicht auf Erfolg geschehen kann. 

Freilich hat der Silbergebrauch Nachteile, indem nämlich beim 
Verkehr mit den nach Gold rechnenden Völkern die Schwankungen 
des Silberpreises Unbequemlichkeiten verursachen. Es gibt rationelle 
Mittel, diese zu reduzieren oder unschädlich zu machen. Ganz emanzi- 
pieren kann sich das Silberland davon nicht. Am allerwenigsten ist eine 
chinesischo Regierung imstande, die Wertschwankungen des Silbers 
zu eliminieren. Es war ein Hauptfehler der früheren Währungsrat- 
geber der chinesischen Regierung, insbesondere des amerikanischen 
Professors Jeremiah Jenks und des holländischen Bankpräsidenten 
Dr. G. Vissering 1 ), die Stabilisierung des Wertes einer imaginären 
chinesischen Einheit für das wichtigste Problem zu erklären und so 
zu tun, als könne diesbezüglich der Staat etwas leisten. Sie empfahlen 
ihm Nachahmung des von den Engländern in Indien eingerichteten 
Systems einer staatsseitig beschränkten Silberzirkulation mit fixem Gold- 
kurs. Man braucht sich nicht erst in eine kritische Prüfung dieses so- 
genannten Gold Exchange Standard einzulassen, um ihn für China 
unpraktikabel zu befinden. Wenn die Engländer die indische Silber- 
Rupie in einer künstlichen Goldparität erhalten, die um 40 Proz. den 
inneren Metallwert der Rupie übersteigt, so ist dies nur auf Grund 



1) On Chinese Currency, Preliminary remarks about the monetary reform 
in China. Amsterdam (J. H. de Bussy), 1913. 



74 Miszellen. 

ihrer über Indien etablierten Finanzherrschaft, kraft des indischen 
und britischen Kredits, und vermöge der straffen Kolonialverwaltung 
möglich. In diesen wesentlichen Vorbedingungen ist das englische Re- 
giment über Indien von der Lage der chinesischen Regierung offen- 
bar total verschieden. Dazu kommt aber der von uns wiederholt hervor- 
gehobene Grundzug des chinesischen Verkehrs, ein Metallstück stets 
nur auf sein effektives Gewicht anzusehen und sich nicht nach nomi- 
nellen Bezeichnungen, sondern stets nur nach dem wahren Metall- 
wert zu richten. Jeder Versuch, dieser wohlbegründeten, tief einge- 
wurzelten Tradition entgegenzuhandeln und andere Verkehrsgewohn- 
heiten einzubürgern, muß in China mißlingen; denn dort hat man es 
nicht mit leicht zu bevormundenden Hindus, sondern mit einer an 
kaufmännische Berechnung und verstandesmäßige Ueberlegung gewöhn- 
ten Bevölkerung zu tun. 

Die Uebelstände, die der heutige Zustand mit sich bringt, wenn 
man zunächst vom Kupferumlauf (der Cash-Währung) absieht, sind: 

1) Die Verschiedenheit des Gewichtsmaßes, also das Fehlen einer 
einheitlichen, überall gangbaren und anerkannten Unze; 

2) die Verschiedenheit der usuellen Silberfeinheit, also das Fehlen 
eines überall gleichmäßigen Silberstandards; 

3) die Schwierigkeiten genauen Abwägens und Teilens des Silbers. 
Diese Dinge erschweren nicht bloß den interprovinziellen und 

interurbanen Verkehr, sondern wirken selbst in derselben Stadt oft 
erschwerend. Insbesondere aber machen sie das Publikum in hohem 
Maße von Geldwechslern und Bankiers abhängig, welche aus der Not- 
wendigkeit der vielfachen Umrechnungen und Messungen Gewinn 
ziehen. Sie sind daher an der Erhaltung und Steigerung der Mannig- 
faltigkeiten interessiert und nützen ihre unentbehrlichen Vermittlungs- 
funktionen zu ungebührlicher Ausdehnung des Depositen- und Clearing- 
verkehrs auf Kosten der Geschäftsleute und Privaten aus. 

Auch zur Vereinheitlichung der Maße und Gewichte 
ist China sowie zur Schaffung einer einheitlichen nationalen Münze 
durch internationale Handelsverträge verpflichtet, ohne bisher etwas 
Ernstliches in dieser Beziehung getan zu haben. Offenbar liegt das 
eigentliche Problem nicht darin, irgendein Maßsystem zu erfinden oder 
anzunehmen, welches der Unifikation zugrunde zu legen wäre, sondern 
darin, das Publikum und den Handelsverkehr des ungeheueren Reiches 
zur Annahme eines einheitlichen Maßes zu bringen. In den letzten 
Jahren ist in China vielfach davon die Rede gewesen, das französische 
Metersystem zu rezipieren, und im Herbste vorigen Jahres lag dem 
chinesischen Parlament ein bezüglicher Gesetzesvorschlag der Regie- 
rung vor. Offenbar erschwert man sich aber die Aufgabe außerordent- 
lich, wenn man, statt sich an die heimischen Traditionen anzuschließen, 
noch gar ein fremdes Maßsystem einführen will. Der Vorteil, den 
der Anschluß an das in einem Teile Europas geltende Maßsystem allen- 
falls mit sich brächte, wird bei weitem aufgewogen durch die Schwierig- 
keit (ja nach unserer Ueberzeugung Unmöglichkeit), den chinesischen 
Verkehr zu einer tiefgreifenden Abänderung seiner alten Gewohn- 



Miszellen. 75 

hei ten zu vermögen. Es ist auch nicht abzusehen, warum China etwas 
einführen soll, was Eußland, England, Nordamerika bisher noch nicht 
angenommen haben. Es ist daher zu begrüßen, daß neuestens die 
chinesische Regierung selbst einen Anschluß an die heimischen Maße 
für passender anzusehen scheint und die Rezeption des metrischen 
Systems einer entfernteren Zukunft vorbehalten will. Ein kürzlich 
dem Präsidenten unterbreiteter Ministerialb ericht schlägt speziell be- 
züglich des Gewichtsmaßes vor, die fiskalische Unze (Kuping- 
Ge wicht) zur Einheit zu nehmen und im ganzen Reiche ein- 
zuführen. In der Tat ist der Kuping-Tael als das bei den Steuerzah- 
lungen zugrunde gelegte Gewicht im ganzen Reiche bekannt und hat 
daher von vornherein unter den verschiedenen Tael-Spezies besondere 
Chancen, unter gewissen Voraussetzungen allgemein angenommen zu 
werden. 

Gelänge es, in ganz China die Kuping-Unze zur allgemeinen Ge- 
wichtseinheit zu machen, so wäre auch zur Verbesserung des Geld- 
verkehres bereits viel geleistet. Die zweite wesentliche Verbesserung 
wäre, daß man den Verkehr auch zur Annahme eines einheitlichen 
Silber Standards bewegt. Hierzu böte sich natürlich der Anschluß 
an den Kuping-Tael als der einfachste Weg dar. Dieser versteht sich 
nach den offiziellen Angaben in Silber von 985 Tausendteilen. Indem 
man also den Kuping-Tael allgemein rezipierte, hätte man die Ver- 
schiedenheiten des Gewichtsmaßes sowohl, wie die des Silberstandards 
beseitigt. Für den Uebergang müßten allgemein die gangbaren Geld- 
einheiten nach Gewicht und Silberfeinheit in die neue Einheit umge- 
rechnet werden, was nicht besonders kompliziert wäre, da ja schon heute 
wegen der Steuerzahlungen überall die lokalen Einheiten in die fis- 
kalischen umgerechnet zu werden pflegen. 

Die große Frage ist also: Ist die chinesische Regierung, ist der 
chinesische Verwaltungsapparat der großen Aufgabe gewachsen, im 
ganzen Reiche eine neue zuverlässige und durchgreifende Maß- und 
Gewichtspolizei zu organisieren, überall gehörige Mustermaße und 
Wagen zu verbreiten, für ihre Vervielfältigung zu sorgen, und neue 
Degenerationen der Maße, die Ausbildung neuer lokaler Abweichungen 
zu verhindern? Können die chinesischen Behörden so viel Einfluß auf 
den Verkehr nehmen, um ihn zu durchgängiger Annahme des ein- 
heutlichen Maßes zu vermögen ? Wird die Bureaukratie des republi- 
kanischen Regimes anders und besser funktionieren als die frühere? 
Nach dem, was wir eingangs sagten, besteht wenig Wahrscheinlichkeit, 
daß sich das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Staat wesentlich 
ändern werde. Jedenfalls aber können die wirtschaftlichen Reformen 
nicht davon abhängig gemacht werden, ob es der Zentralregierung 
gelingt, sich finanziell und militärisch nach dem Muster der europäischen 
Staaten zu organisieren und im ganzen Reiche einen entsprechenden 
straffen Verwaltungsapparat einzuführen. Selbst unter Voraussetzung 
eines solchen ist es durchaus nicht ausgemacht, daß es gelingen muß, 
die alten Verkehrsgewohnheiten nach einem behördlichen Schema umzu- 
gestalten. 



76 Miszellen. 

Trotzdem bietet sich dem Staate ein überaus einfaches und wirk- 
sames Verfahren zur Reform, wenn er sich nur an das dem 
chinesischen Geiste angemessene Prinzip hält, sich eng an die Tradi- 
tionen anzuschließen und nur solches zu unternehmen, was dem Ver- 
kehr nicht unökonomische Neuerungen zumutet, sondern ihm Vorteile 
gewährt, die ihm erwünscht sein müssen. Das beste Mittel, die 
Kupingeinheit und den Silberstandard des Kuping-Taels 
einzubürgern, ist die Abwägung des Silbers selbst in die 
Hand zu nehmen und dem Verkehr nach Einheiten abge- 
wogenes Silber zu bieten. Der Staat muß einfach die Prägung 
von Kuping-Taels organisieren. Er errichte an möglichst vielen 
Handelsplätzen modern eingerichtete und exakt funktionierende Münz- 
stätten, in denen alles von Privaten eingereichte Silber unentgeltlich in 
Stücke von Kuping-Unzen-Gewicht und einheitlichem Standard ( 985 /iooo) 
verwandelt wird. Der Verkehr würde es dann vorteilhaft finden, statt 
mit Barren zu manipulieren, die jedesmal geprüft, gewogen und mehr 
oder weniger umständlich kalkuliert werden müssen, mit den neuen 
Münzen zu zahlen, deren Gewicht und Feinheit ohne weiteres ersichtlich 
sind. Die neue Münze würde also, da sie die alte Silbergewichtsrech- 
nung nicht etwa durch etwas Neues ersetzt, sondern sie vielmehr be- 
stätigt und erleichtert, den allgemeinsten Verkehrsbedürfnissen ent- 
gegenkommen und sich rasch überall einbürgern. Der handgreifliche 
Vorteil, der mit der Benützung der geprägten Unzen verbunden wäre, 
würde auch den Widerstand lokal abweichender Gewohnheiten über- 
winden. 

Der geprägte Tael wäre zugleich ein überall umlaufendes, in 
jeder Hand befindliches offizielles Unzengewicht, könnte also überall 
zugleich als Gewichtsmaß dienen. Man brauchte sich nicht in Amts- 
stellen zu bemühen und um Kopien der offiziellen Maße zu be- 
werben, um das neue einheitliche Maß zu kennen und zu ge- 
brauchen. Man würde unmittelbar mit dem umlaufenden Silbergeld 
die Waren zugleich wägen können. Natürlich muß diese Erleichte- 
rung des Messens wieder auf die Gangbarkeit der neuen Münze günstig 
zurückwirken. So würde also durch eine Aktion Vereinheitlichung 
des Geldwesens und Vereinheitlichung des Gewichtsmaßes vor sich 
gehen. Dazu wäre keine bevormundende Aktion der Behörden not- 
wendig. Das neue System brauchte nicht durch Strafandrohungen 
und Polizeimaßregeln durchgesetzt zu werden, der Staat brauchte sich 
nicht der in China so naheliegenden Gefahr auszusetzen, sich und seine 
Ordonnanzen vom Verkehr ignoriert zu sehen. Nichts wäre dazu not- 
wendig als die Einrichtung zuverlässiger Prägestätten. Auch müßte 
Garantie für den fundamental wichtigen Punkt geleistet werden, daß 
wirklich alles vom Publikum präsentierte Silber zur Ausprägung 
kommt. Dies ist eine Hauptvoraussetzung für das Gelingen der Re- 
form, da sie allein die Wertgleichheit des geprägten und ungeprägten 
Silbers garantiert. Eine Schranke für das Ausprägen darf unter keinen 
Umständen gestattet werden. 



Miszellen. 77 

Es ist selbstverständlich, daß das Silber nicht bloß in ganzen Unzen- 
stücken, sondern auch in Teilungen davon auszuprägen ist. Das Ein- 
Tael-Stück würde 37,301 g wiegen, also eine recht schwere Münze 
sein. Man müßte auch Halb-, Viertel-, Zehntel-Unzen und noch 
kleinere Teilmünzen prägen. Es ist nach dem Vorangegangenen selbst- 
verständlich, daß diese Teilmünzen genau das Gewicht haben müssen, 
welches ihre Bezeichnung anzeigt. Ein Zehntel-Tael (Chien, Mace) 
würde 3,7301 g, ein Hundertstel-Tael (Fen, Kandarin) würde 0,37301 g 
wiegen. Auch würde die Feinheit dieser Münzen dieselbe sein, wie die 
des Ein-Tael-Stückes. Alle Silbermünzen würden also einander nach 
Maßgabe ihrer Bezeichnung und des damit übereinstimmenden Fein- 
metallgewichts vertreten können. Bezeichnung und Gewicht haben 
immer miteinander übereinzustimmen, und der Verkehr selbst würde 
dafür sorgen, daß diese Uebereinstimmung überall überwacht und Ab- 
weichungen sofort attrappiert werden. Abgegriffene, verstümmelte, oder 
verschlechterte Münzen würden nämlich nicht zu ihrem Nominalwert 
genommen werden, da die durchaus nicht ausgeschaltete Wage die Ab- 
weichung feststellen würde. Solche Münzen müßten von den Staats- 
kassen bei Vorkommen zerschnitten oder sonstwie umlaufsunfähig ge- 
macht werden, damit der Verkehr genötigt wird, sie zu neuer Prägung 
einzureichen. 

Schon ein kaiserliches Edikt vom Jahre 1908 hat die Prägung von 
Kuping-Taels in Aussicht genommen. Später ist man von dieser am 
richtigen Platz konservativen Idee abgekommen und hat als Grundlage 
des Geldsystems einen Dollar annehmen wollen. Auch das am 7. Fe- 
bruar d. J. publizierte neue Münzgesetz nimmt einen Silberdollar 
als Münzeinheit an. Der Dollar erhält einen Namen: er soll 
„Yüan" (d. h. kreisrundes Stück) heißen. Diese Münze soll 23,978 g 
reines Silber enthalten, 900 /iooo fein sein, also rauh 26,6422 g wiegen. 

Es ist also beabsichtigt, die im ganzen Reiche geltende Silber- 
gewichtsrechnung abzuschaffen und eine Dollarwährung an ihre Stelle 
zu setzen. Wir haben bereits erwähnt, daß schon heute in China Dollars 
verschiedenen Gepräges im Umlaufe sind, und daß auch chinesische 
Dollars geprägt werden. Alle diese Münzen aber stehen auf der 
Basis der Silbergewichtsrechnung im Verkehr und werden nach ihrem 
effektiven Metallgewicht genommen. Auch der neue Dollar wird offen- 
bar, sobald er in Zirkulation kommt, nach seinem wirklichen Silber- 
gehalt (0,648 Kuping-Unzen, nach dem Wortlaut des Münzgesetzes) 
angenommen werden und gelten, und es bleibt abzuwarten, ob es der 
Regierung gelingen wird, den Verkehr von der Gewohnheit des Rech- 
nens nach Unzen abzubringen und sie zu veranlassen, die neue Münz- 
einheit zugrunde zu legen. Nach dem, was wir bisher ausgeführt haben, 
ist dies im höchsten Grade unwahrscheinlich. Zu tief eingewurzelt ist 
im Chinesen die Gewohnheit, ein Stück Metall ohne Rücksicht auf seine 
Bezeichnung oder Prägung einfach als das anzusehen, was es ist, also 
es nur nach dem Verkehrswert des vorliegenden Feinmetalles zu schätzen. 
Man will ihn nun davon abbringen, lediglich auf das Gewicht zu achten, 



78 Miszellen. 

und ihn veranlassen, sich an einen Münznamen zu halten, der sachlich 
nichts bedeutet (kreisrunde Münzen gibt es ja in China seit tausenden 
von Jahren) und der zum Metallgewicht, von dem allein der Wert 
abhängt, keine Beziehung hat. Das ist utopisch. Noch fragwürdiger 
wird das Experiment durch die Bestimmung des neuen Münzgesetzes, 
daß zwar auch für Rechnung Privater die Prägungen stattzufinden 
haben, dafür aber eine Prägegebühr von 6 Prom. eingehoben werden 
soll. Offenbar muß dies der doch vom Standpunkte der Regierung er- 
wünschten Verwandlung des umlaufenden Silbers in Yuans hinderlich 
im Wege stehen. Dem Publikum wird kein greifbarer Vorteil geboten r 
der er veranlassen sollte, sich der neuen Rechnungsart anzubequemen. 

So wird also die neue Münze, gleichgültig, ob sie im größeren oder 
geringeren Maße in den Verkehr kommt, die schon vorhandene Mannig- 
faltigkeit der Zirkulationsmittel nur noch vermehren. 

Man müßte sich wundern, daß die chinesische Regierung sich in 
solchen Gegensatz zu den einheimischen Verkehrsgewohnheiten setzt,. 
und immer wieder von neuem den Versuch unternimmt, dem Lande etwas 
Fremdes, nach ausländischen Mustern Modelliertes aufzuoktroyieren 
wüßte man nicht, daß der chinesische Staat, beständig von Geldverlegen- 
heiten bedrängt, die Münzreform dazu benützen will, um die Staats- 
kassen aus Prägeprofiten zu füllen. Gelänge es nämlich, die Chinesen 
an das Rechnen nach Yuans zu gewöhnen, also sie dazu zu bringen, die 
staatlichen Münzen nach ihrer offiziellen Prägebezeichnung zirkulieren 
zu lassen, ohne auf den wirklichen Metallgehalt gehörig Bedacht zu 
nehmen, so könnte der Staat auch Stücke in Umlauf bringen, welche 
weniger Metall enthalten, als der gesetzlichen Definition der Münz- 
einheit entspricht. Damit wäre also die Möglichkeit gegeben, aus der 
Differenz zwischen Nominalbezeichnung und effektivem Metallgehalt 
Gewinne zu ziehen, die bei einer Bevölkerungszahl von mehreren 
hundert Millionen und dem zugehörigen ungeheueren Geldbedarf ganz 
kolossale Beträge erreichen müßten. In der Tat nimmt das Münzgesetz 
in Aussicht, bei den Teilmünzen eine erhebliche Unter- 
wertigkeit eintreten zu lassen. Schon der halbe Yuan (50 Cents) 
soll zwar im Rauhgewicht genau die Hälfte des Eindollarstücks sein, 
aber bloß 70 Proz. Silber enthalten. Dasselbe Feingewichtsverhältnis 
soll für das silberne Zwanzigcent- und das silberne Zehncentstück gelten. 
Dies bedeutet gegenüber der Nominalbezeichnung eine Wertdifferenz 
von nicht weniger als 23 Proz. Die Regierung würde also durch die 
Ausgabe der selbernen Teilmünzen nicht weniger als fast ein Viertel 
des Nominalbetrages profitieren, natürlich unter der Voraussetzung, daß 
der chinesische Verkehr diese Scheidemünzen wirklich zum Nominal- 
werte, d. h. im nominellen Verhältnis zur vollwichtigen Yuaneinheit 
annimmt. Noch größer müssen natürlich die Profite an den projek- 
tierten Kupfer- und Nickelmünzen sein. Es sollen nämlich Fünf- 
Centstückc aus Nickel, ferner Kupfermünzen von 2 /ioo > Vioo > 5 /iooo> 
Viooo un d Viooo des Yuan ausgegeben werden. 

Dieser Plan der chinesischen Regierung steht im lebhaftesten Kon- 
trast zu den Erfahrungen, die man bisher in China hat machen können. 



Miszellen. 79 

Silberne Teilmünzen des Dollarstückes sind in den letzten Jahren wieder- 
holt von verschiedenen Provinzialregierungen ausgegeben worden, welche 
hofften, dabei Prägegewinne zu machen. Dies gelang ihnen auch teil- 
weise, solange sich der Verkehr hintergehen ließ, und soweit ein tat- 
sächlicher Bedarf an kleinen Münzen bestand. Aber überall ist der 
Wert dieser Teilmünzen alsbald unter das Nominale gesunken und hat 
sich dem effektiven Silbergehalt angenähert. Man nimmt auch die 
kleinen Münzen ohne Rücksicht auf ihre Bezeichnung lediglich nach 
ihrem wirklichen Metallwert. Es ist also unverständlich, wie die Zen- 
tralregierung hoffen kann, neue Scheidemünzen zu einem höheren 
Kurse in Verkehr zu bringen. 

Die neuen Prägungen müssen notwendig zu Enttäuschungen führen. 
Auch wenn die Regierung sich verpflichtet, die von ihr ausgegebenen 
kleinen Münzen an den Staatskassen unbeschränkt in Zahlung zu 
nehmen, wird die Geltung zum Nominalkurs nicht durchzusetzen sein. 
Selbst der englischen Verwaltung in Hongkong ist es bisher nicht ge- 
lungen, den dortigen Scheidemünzen die Kursfähigkeit zum offiziellen 
Wert zu sichern; und die unbeschränkte Annahme an den Staatskassen 
führt nur dazu, daß die Regierung die Münzen mit Verlust einlösen 
muß. Die dortigen staatlichen Scheidemünzen können die Konkurrenz 
der in dem benachbarten Kanton zirkulierenden und von dort auch 
nach Hongkong kommenden Münzen nicht aushalten; da die kan- 
tonesische kleine Münze ohne Rücksicht auf ihre Bezeichnung nach 
dem inneren Metallgehalt genommen und gegeben wird, ist es unmög- 
lich, den Chinesen dazu zu bringen, die ungefähr gleich großen Scheide- 
münzen von Hongkong zu einem wesentlich höheren Wert zirkulieren zu 
lassen. So hat der britische Fiskus in Hongkong seine Scheidemünzen 
zu einem sehr großen Teile wieder zurücknehmen müssen und auf diese 
Weise die früher gemachten Prägegewinne dem Publikum zum Teil 
wiedererstattet. Neuestens versucht man durch drakonische Strafgesetze 
den Umlauf des chinesischen Kleingeldes in Hongkong zu verbieten, 
jedoch bisher ohne besonderen Erfolg. 

Dieser Fall ist überaus lehrreich; denn er zeigt, daß es der chinesi- 
schen Regierung ganz unmöglich sein wird, unterwertige Scheidemünzen 
mit Gewinn in Umlauf zu bringen, wenn sie nicht zugleich alles heute in 
China zirkulierende Kleingeld abschafft. Letzteres ist schon aus finan- 
ziellen Gründen undurchführbar. Alles dieses gilt in noch höherem 
Grade bezüglich des projektierten Kupfergeldes, welches an die Stelle 
des alten Käschumlaufes treten soll. Es ist klar, daß man sich in 
Peking bisher über die Art, wie diese kolossale Unternehmung ins 
Werk gesetzt werden soll, gar keine ernstlichen Gedanken gemacht hat. 

Der Bericht der Währungskommission, der dem neuen Münzgesetze 
zugrunde liegt, sieht die vorderhand proklamierte Silberdollar-Währung 
nicht als definitiv an. Wenn erst einmal die Prägungen genügend weit 
fortgeschritten sein werden, und wenn der Verkehr sich allgemein an die 
Rechnung nach der neuen Münzeinheit gewöhnt haben wird, soll zur 
Fixierung eines gesetzlichen Goldkurses geschritten werden. 
Der Silberdollar soll eine staatlich festgesetzte Parität zum Golde er- 



80 Miszellen. 

halten, um die Wertschwankungen der chinesischen Geldeinheit zu 
beseitigen. Auch soll dann der Silberdollar in eine leichtere Münze 
umgeprägt werden. Um den Uebergang zur Gold- Standard- Währung 
vorzubereiten, und nicht allzu große Beträge umprägen zu müssen, soll 
der Verkehr mit Silberdollars nicht überfüllt werden. Es soll vielmehr 
bei den Prägungen auf den Verkehrsbedarf Bedacht genommen werden. 
Dies steht nun aber mit dem Hauptrequisit einer Metallwährung, 
nämlich der Unbeschränktheit der Prägungen für Rechnung Privater, 
im Widerspruch. Wenn der Staat nicht alles Silber zur Ausprägung 
verstattet ; so fehlt die Hauptvoraussetzung für die Einbürgerung der 
neuen Währung. Wie soll auch der Staat entscheiden, wie groß das Ver- 
kehrsbedürfnis ist? Jede Einreichung von Silber zur Ausprägung 
ist ein Zeichen eines Verkehrsbedürfnisses. Weist der Staat private An- 
suchen um Ausprägung zurück, so bleibt das Publikum eben bei seiner 
Silbergewichtsrechnung, die ohnehin dadurch begünstigt wird, daß der 
Staat eine Prägegebühr erhebt. Man bedenke doch, daß die Behörden 
gar kein Mittel haben, den Verkehr zu zwingen, seine Geschäfts- 
abschlüsse und Rechnungen in den staatlichen Münzen zu betätigen. 

Man glaubt eben in China, daß durch die beschränkte Ausprägung 
des Silberdollars diesem im Vergleiche zum ungeprägten Silber ein 
höherer Wert verliehen werden kann. Da man aber nicht den chinesi- 
schen Verkehr nötigen kann, lieber den Regierungsdollar als den mexi- 
kanischen Dollar oder das Sycee-Silber zu benützen, so ist diese Hoff- 
nung ganz hinfällig. Der Staat müßte denn in Aussicht nehmen, die 
Einfuhr von Silber und Silbermünzen zum Monopol zu machen und sie 
den Privaten zu verbieten, was offenbar unmöglich ist. 

So zeigt sich denn aus allen Gesichtspunkten, daß den Münzgesetz - 
gebungsversuchen eine Ueberschätzung der staatlich-bureaukratischen 
Macht zugrunde liegt, die sich mit dem gesellschaftlichen Geiste und den 
traditionellen Verkehrseinrichtungen in Widerspruch setzt. Die chinesi- 
schen Machthaber lassen sich durch ihre europäischen Ratgeber, die 
Sinn und Vorteil der chinesischen Geldeinrichtungen nicht würdigen, 
dazu verführen, die Staatseinrichtungen Europas und Amerikas zum 
Vorbild zu nehmen. Sie haben aber weder die heutige militärische und 
finanzielle Macht der europäischen Staaten, noch verfügen sie über 
den gleichen festen und das Land in dichtem Netz überziehenden Ver- 
waltungsapparat. Sie werden also gegenüber dem chinesischen Ver- 
kehr, der auf den effektiven Metallwert achtet, die Wage benützt, sinn- 
leere Münznamen ignoriert, und lieber dem Metall, als seiner unzuver- 
lässigen, unbeständigen, gewinnsüchtigen Obrigkeit vertraut, unzweifel- 
haft den Kürzeren ziehen. 

Nicht europäisch, sondern chinesisch muß eine gute 
chinesische Regierung denken. Täte sie dies, so würde sie in dem 
chinesischen Silbergewichtsgeld den Ausdruck nationaler Rationalität 
und Rechtlichkeit achten und nicht nur jeden Verstoß dagegen unter- 
lassen, sondern sich nach Kräften bemühen, jene Tugenden zu unter- 
stützen. Dies geschähe durch zuverlässige Abwägung und Be- 
zeichnung, also ordentliche Ausprägung von Silbergewichtseinhei- 



Miszellen. g][ 

ten. Da aus zuverlässigem Gelde und aus den Verkehrserleich- 
terungen, die sich aus der Unifikation ergeben, die ganze Ge- 
sellschaft Vorteile zieht, ist es gerechtfertigt, die Kosten solcher 
Prägungen auf den Steuerfiskus zu nehmen, also die Prägungen unent- 
geltlich zu leisten. Die Kosten davon wären übrigens geringer, als die 
Lasten, die der Staat mit einer Währungsanleihe auf sich nehmen will. 
Eine solche wird nämlich projektiert, um die beabsichtigten beschränkten 
staatlichen Silberprägungen vorzunehmen und hauptsächlich, um eine 
zentrale Banknotenausgabe zu finanzieren. Papiergeld und unterwertige 
Scheidemünzen — das ist also der Hauptinhalt der jetzt favorisierten 
chinesischen Währungsreform. Durch sie soll der geldbedürftige Staat 
auf Kosten des Publikums bereichert werden. Das ist aber das Gegen- 
teil einer wirklichen Währungsreform, die diesen Namen verdiente. 
Bezügliche Experimente finden im voraus in Geschichte und Tradition 
des chinesischen Verkehrs ihre Widerlegung und können in jeder Be- 
ziehung nur zu Enttäuschungen und zu steigender Verwirrung führen. 

Daß auch der für später in Aussicht genommene Uebergang zum 
britisch-indischen System des sog. Gold Exchange Stan- 
dard (Silberumlauf mit festem Goldkurs) für China durchaus utopisch 
ist, dürfte nach dem Vorangegangenen klar sein. Unterdrückung der 
Silbergewichtsrechnung, Verbot des Gebrauchs anderer Zirkulations- 
mittel als der staatlich geprägten, Beherrschung des Devisenmarktes 
durch den Staat, dauernde Unerschütterlichkeit des Staatskredits, um 
sich auch bei ungünstiger Zahlungsbilanz Goldguthaben im Ausland zu 
verschaffen, Festigkeit des Zentralregiments und zentralistische Zu- 
sammenfassung aller administrativen und finanziellen Funktionen — 
das sine" so einige der Vorbedingungen für die Etablierung eines 
Systems nach dem Muster des absolutistisch regierten britischen Indien- 
besitzes. Sie fehlen in China vollständig. 

Soll nun aber deshalb China sich jeder Kücksichtnahme auf das 
internationale Zahlungsmittel, das Gold, enthalten und sich auf eine reine 
Silberwährung beschränken? Eine solche besteht fast nirgends mehr. 
Alle Staaten sind zum Goldgebrauch übergegangen oder haben ihre 
Silber- oder Papiervaluta wenigstens in eine Kursbeziehung zum Golde 
gebracht; soll China eine Ausnahme machen? 

Durchaus nicht, und um so weniger, als der chinesische Staat, 
insofern er Schuldner ist, und die chinesische Kaufmannschaft, in- 
sofern sie internationalen Handel treibt, sich ohnehin schon der Gold- 
valuta bedienen müssen. Auch ist das Gold, abgesehen von der Verwendung 
für gewerbliche Zwecke, in China als Sparmittel gesucht und verbreitet, 
und hierfür bestimmte Goldplättchen werden an den größeren Handels- 
plätzen regelmäßig gehandelt. Es besteht also in China, und zwar so- 
wohl beim Staat als beim privaten Verkehr, schon heute regelmäßiger 
Bedarf an Goldvaluten. Es brauchen entsprechende Geldeinrichtungen 
nur organisch in das Bestehende eingefügt zu werden. 

Schon in unserem ersten Artikel haben wir, im Zusammenhang mit 
■dem Valutaprozeß der deutsch-ostasiatischen Bank, auf die Anomalität 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 6 



82 Miszellen. 

hingewiesen, die darin liegt, daß der chinesische Staat jährlich große 
Goldfälligkeiten für Zinsen und Kapitalannuitäten hat, obwohl seine 
Einkünfte ausschließlich in Silber bestehen. Infolgedessen wird die 
Bilanz seiner Einnahmen und Auslagen durch jede Veränderung auf 
dem Silbermarkt empfindlich alteriert. Wenn die Silberpreise fallen, 
steigt die Last seiner Ausgaben und kann also alle Voranschlagungen 
vereiteln. Jede sichere Budgetierung wird dadurch unmöglich. 

Nun läßt sich die Tatsache, daß die ans Ausland zu leistenden 
Zahlungen Gold schulden sind, nicht beseitigen. Daraus folgt, daß 
der chinesische Staat zusehen muß, sich entsprechende Goldeinnahmen 
zu verschaffen, um sich für diesen Teil seines Budgets von den Schwan- 
kungen des Silberpreises unabhängig zu machen. 

China, welches ohnehin gerade jetzt bei den Mächten eine Revision 
der Zollbestimmungen zu erreichen sucht, müßte erwirken, daß die 
Eingangszölle in Gold berechnet werden. Die internationalen 
Handelsverträge mit China haben festgesetzt, daß die Zollabgaben einen 
gewissen Prozentsatz des Warenwerts zu betragen haben. Nichts kann 
einleuchtender sein, als daß von Waren, deren Wert in Gold ange- 
geben und fakturiert wird (das Gros der Einfuhrwaren kommt ja aus 
Gold Währungsländern), auch die in Wertprozenten ermittelten Zölle 
in Gold angegeben und bezahlt werden. In der Umrechnung solcher 
Zölle in Silber (Haikwan-Taels) liegt ganz offenbar eine Uebervor- 
teilung Chinas. 

Sie war nur zu rechtfertigen, solange Gold für den chinesischen 
Staat kein Geld war. Aber seit er Goldschulden hat, insbesondere also 
seit der Verwandlung der kolossalen Boxerindemnität von 450 Mill. 
Haikwan-Taels Silber in eine Goldschuld von etwa 67,5 Mill. £ (ohne 
Zinsen) ist auch Gold für China Geld, nämlich eben zur Bezahlung 
der auswärtigen Schulden. Es entfällt also jeder Grund für die künst- 
liche Festhaltung einer ausschließlichen Silbervaluta. 

Die Umrechnung der Zölle in Gold wäre übrigens auch sofort, 
d. h. ohne Rückgriff auf die Warenwerte, sehr einfach. Legte man 
z. B. die Parität zugrunde, die bei der Umwandlung der Indemnität 
in eine Goldschuld angenommen wurde, nämlich 1 Haikwan-Tael Silber 
= 3 sh. Gold, so hätte man ein Verhältnis von Gold zu Silber wie 
1 : 34,4. Dann brauchte man nur die Zahlensätze der jetzt geltenden 
spezifischen Zölle durch 34,4 zu dividieren, um sie statt in Haikwan- 
Taels Silber in Haikwan-Taels Gold ausgedrückt zu erhalten. 

Durch die Einhebung der Zölle in Gold wäre der größte Teil 
der Goldschuldigkeiten des chinesischen Budgets gedeckt. Dieses würde 
in zwei Teilbudgets zerfallen ; das eine würde in Taels Silber, das andere 
in Taels Gold aufzustellen sein. So oft das Goldbudget neue Lasten 
aufweist, die noch keine Deckung haben, wäre rationellerweise nach 
neuen Goldeinnahmen auszuschauen. Jedes Budget hätte für sich zu 
equilibrieren. Solche Doppelbudgets sind nicht ohne Präzedens. Staaten 
mit entwerteter Papiervaluta (wie Griechenland, südamerikanische Re- 
publiken) verschaffen sich durch die Zölle die nötigen Goldeinnahmen 



Miszellen. 83 

für ihren Schuldendienst. Auch Oesterreich verfuhr so bis zur neueren 
Stabilisierung seiner Valuta, 

Wenn nun China, wie wir vorgeschlagen und für einzig rationell 
und aussichtsvoll halten, Silberausprägung in chinesischen Unzen und 
Teilen davon einrichtet, so ist es naheliegend und eigentlich selbst- 
verständlich, daß unter einem und ebenso auch die Ausprägung 
von Gold in ebensolchen Unzen und Teilen davon ver- 
stattet wird. Solche Goldprägungen, besonders in den großen Hafen- 
städten einzurichten, würde sich an den Handel mit Gold, Goldvaluten 
und Goldwechseln in den Zollhäfen anschließen, und so brächten 
die Zollzahlungen in Gold und die Prägung von Gold-Taels eine un- 
gezwungene und natürliche Goldzirkulation zuwege. Der internationale 
Handel Chinas fände selbstverständlich gleichfalls seinen Vorteil in 
Goldrechnung und Goldgebrauch. Sowie der Staat, so würden auch 
die G roßkauf leute und Banken zwei getrennte Rechnungen in Gold 
und in Silber führen. Der Import- und Exporthandel mit dem Gold- 
ausland würde sich der Goldwährung bedienen. Sie würde sich in ge- 
wissen Plätzen, Geschäftsbereichen, Kreisen neben der allgemein üb- 
lichen Silberwährung etablieren. China besäße die Vorteile des Gold- 
gebrauchs, ohne die Kulturwelt mit dem Schreckgespenst einer De- 
monetisierung des Silbers zu beunruhigen. Das Ausland würde mit 
China auf dem Fuß des Weltgeldes, des Goldes, abrechnen, ohne von 
den mit dem Silbermarkt zusammenhängenden Kursschwankungen mo- 
lestiert zu werden. 

Es ist wichtig zu beachten, daß meine Anregung — ich habe sie 
schon vor mehr als einem Jahre mit gehöriger Begründung veröffent- 
licht — nicht auf eine Doppelwährung im herkömmlichen Sinn 
abzielt. Einer solchen ist die staatliche Festsetzung eines fixen Wert- 
verhältnisses zwischen den beiden Metallen eigentümlich. Ein solches 
Beginnen hat sich historisch als Utopie erwiesen. Die vom Welt- 
verkehr abhängige Wertrelation entzieht sich jeder willkürlichen Fixie- 
rung, und bezügliche Versuche sind immer erfolglos geblieben. Nicht 
Bimetallismus, sondern durchaus freier Parallelgebrauch beider 
Metalle ist das, was ich den Chinesen nahelege. Das Wertverhältnis 
von Tael Gold zu Tael Silber bliebe ganz dem freien Verkehr über- 
lassen. Nimmt man auch dasselbe Feinheitsverhältnis für beide Münz- 
kategorien zur Grundlage, so würde die Zahl der geprägten Silber- 
münzen, die man jedesmal für die geprägte Goldmünze zu geben hätte, 
genau auch das Wertverhältnis der beiden Metalle ausdrücken. Es 
ist also auch hier ersichtlich, wie sehr die unverfälschte und unver- 
künstelte Ausprägung von Gewichtseinheiten zu Münzen den Verkehr 
vereinfacht, auch dem ungebildeten Volk das Rechnen und das Ver- 
ständnis des Geldes erleichtert und den Geldverkehr gegen Uebervor- 
teilungen, Verdunklungen, Mißbrauch technischer Subtili täten usw. 
schützt. 

Es liegt offenbar etwas Gewaltsames darin, — bemerkt Dühring, 
dessen Geldtheorie bereits in Bezug genommen worden ist — eines 
der Metalle künstlich aus seiner natürlichen Funktion zu vertreiben. 

6* 



g4 Miszell 



1 s z e i i e n. 



Faßt man, abgesehen von aller öffentlichen Währung-, die natürliche 
Art ins Auge, auf welcher sich die Gewohnheiten des Metallgebrauchs 
durch die bloße Macht des tatsächlichen Verkehrs bilden würden, so 
ist kein Zweifel, daß neben dem Silber nach und nach auch das Gold 
Eingang finden müßte, und daß die Verschiebungen des Wertverhält- 
nisses das Nebeneinanderbestehen beider Zahlungsmittel nicht hindern 
könnten. Für eine gewisse Gewichtsmenge Silber wäre man alsdann 
gewohnt, bestimmte Waren oder Leistungen zu erhalten. Für das Gold 
würde man sich in analoge Beziehungen zu den Bedürfnissen einleben, 
und nur für die gegenseitige Auswechslung beider Zahlungsmittel 
würde ihr eigener relativer Wert oder vielmehr der jedesmalige Wert 
eines jeden von beiden in Anschlag kommen. Der Fall, daß die Gold- 
beschaffung billiger und derjenige, daß die Silberbeschaff nng teurer 
würde, wären hier sichtbar genug zu unterscheiden (Dühring, Oekonomie- 
kursus). 

So würde also das Nebeneinander von Gold- und Silber-Taels die 
logische Fortentwicklung der chinesischen Gewichtsrechnung bedeuten. 
Diese ist, wie wir sichtbar gemacht zu haben glauben, rationeller als 
die üblichen europäischen Berichte und Reformvorschläge gewöhnlich 
darstellen. Das Ueble und Verworrene ist auf Rechnung der ver- 
rotteten Staatsverwaltung und des Mangels ordentlicher Gewichtspolizei 
zu setzen. In diesen Richtungen ist verbessernde Hand anzulegen ; 
wogegen Attentate gegen die gesunden, durchaus vernünftigen und auf 
Ehrlichkeit abzielenden Wägungs- und Bewertungsgewohnheiten, Er- 
findung sinnwidriger Münznamen und fiktiver Einheiten, Propagierung 
unterwertiger Münzen, Vortäuschung hohler Goldkurse und dergleichen 
nur die Verwirrung und Verkehrssehwierigkeiten steigern können. 

Ein sehr wichtiger Punkt, der gewöhnlich in Praxis wie in 
Theorie vernachlässigt wird, ist die reichliche Versorgung des 
Verkehrs mit Edelmetall. Starke Barbestände im volksmäßigen 
Umlauf bedeuten Disponiblitäten für Perioden knapperer Produktion, 
erschütterten Kredits, krisenhafter Gestaltung. Krediterschüterungen 
werden um so gelinder vorübergehen, je mehr bare Mittel in den 
Händen des Publikums umlaufen, je leichter Barmittel für jene zu 
haben sind, die zeitweise nicht weiter kreditieren, sondern sich liquid 
halten wollen. Besonders deutlich wird diese Funktion im internationalen 
Verkehr. Ein ans Ausland verschuldetes Land wird zeitweise ungünstige 
Zahlungsbilanzen, internationale Kreditkrisen und dergleichen um so 
leichter überstehen, je mehr aus dem allgemeinen Verkehr zeitweise Bar- 
mittel herangezogen werden können. Eine mit vollwertigem Metallgeld 
gesättigte Volkswirtschaft hat deshalb unvergleichlich mehr Elastizität, 
mehr Stabilität und Sicherheit, als eine auf Kreditgeld basierte Oeko- 
nomie, sei dieses nun mehr oder weniger unbedecktes Papier oder 
unterwertiges sogenanntes Kurantsilber. Solche Zahlungsmittel sind 
international nicht verwendbar, und es muß, um Geld ans Ausland 
remittieren zu können, gerade damals geborgt werden, wo der Kredit 
gestört, gar nicht oder nur zu ausbeuterischen Bedingungen zu haben 
ist. Ist keiner zu schaffen, so ist der Zusammenbruch der Wechsel- 



Miszellen. g5 

kurse und die Entwertung der nationalen Geldeinheit die Folge — 
letzterem wohl die schwerste allgemeine Katastrophe, von der eine 
Volkswirtschaft betroffen werden kann, infolge der Erschütterung aller 
Vermögenswerte und der rechtswidrigen Vermögensverschiebungen, die 
sich daran knüpfen. An einer Vollwertigkeit der chinesischen Valuta und 
der reichlichen Sättigung des chinesischen Umlaufs mit GeldmetalJ 
sind daher der internationale Handel und die internationalen Gläubiger 
Chinas im hohen Maße interessiert. Export und Kapitalinvestitionen 
werden um so sicherer sein und sich um so besser entwickeln, je 
sicherer die Valuta sein wird, je leichter die Liquidationen in Weltgeld, 
d. i. Edelmetall, sein können. Also freie und vollhaltige Ausprägung 
der Edelmetalle hat die Parole zu sein, im Interesse des Auslands, 
des chinesischen Staats und des chinesischen Volks — und nicht Ex- 
perimente mit Zeichengeld, mit Kreditzetteln, mit massenhaften Scheide- 
münzen ! 

Deshalb ist es auch nicht zu billigen, wenn mit Assistenz und 
Rat der ausländischen Bankwelt die chinesischen Staatsmänner unter 
Assistenz der europäischen Ratgeber 1 ) und der darleihenden Bankwelt 
sich darauf versteifen, die Währungsreform mit der Schaffung einer 
Zentral-Notenbank und ungedeckten (d. h. auf Staatsobligationen 
u. dgl. gegründeten) Zettelemissionen zu verquicken. Schon das jetzt 
umlaufende, anläßlich der politischen Umwälzung ausgegebene Staats- 
papiergeM hat eine schwere Störung des Handels hervorgerufen, da 
es wenig und nur mit starkem Disagio gangbar ist. Noteneinlösung, 
nicht Notenkreation, tut also not. Ueberhaupt muß der Staat in China 
wie anderwärts beherzigen, daß das Geldwesen, so wie es vor dem Staat 
und ohne ihn entstanden ist, so auch weiterhin von seinen fiskalischen 
Bedürfnissen und Gelüsten verschont werden muß, um normal zu 
bleiben und seine Funktionen ordentlich zu erfüllen. Der Staat er- 
schüttert das Fundament der Volkswirtschaft, der Kultur und damit 
seiner selbst, wenn er das Metall aus den Adern des Verkehrs pumpt 
und seine problematischen Schuldurkunden und Kreditzeichen an die 
Stelle davon setzt, was selbst erst den Kredit ermöglicht und stützt. 



1) Vgl. Dr. G.Vissering, On Chinese Currency, Vol. 2: The Banking Problem, 
Amsterdam (J. H. de Bussy), 1914. — Danach soll das neue chinesische Geld- 
wesen nach Möglichkeit ganz auf Banknoten beruhen, die einen fixen Goldwert 
dadurch verbürgt erhalten sollen; daß die Staatsbank in Amerika und Europa 
Goldreserven hält, auf die sie Tratten für jene abgibt, welche Noten zur Ein- 
lösung präsentieren. Der innere Metallumlauf in China, soweit unvermeidlich, soll 
in unter wertig ausgeprägtem Silber bestehen. Dies alles ist, wie gezeigt, für 
China glücklicherweise, vorderhand wenigstens, nicht zu verwirklichen. Wäre es 
ausführbar, so würde es auf eine gewaltige Ausbeutung des Volkes zugunsten des 
Fiskus und der finanzierenden und beteiligten Banken von Amerika und Europa 
hinauslaufen, und müßte früher oder später mit einer allgemeinen Katastrophe 
endigen. 



86 



Miszellen. 



IL 

Die Geburten-, Heirats-, Sterbe- und Geburtenuber- 

schußziffern in den hauptsächlichsten Kulturstaaten 

der Welt 1801-1911. 

Zusammengestellt auf Grund amtlicher Quellen und eigener Berechnungen. 
Von Dr. Reinhold J a e c k e 1 - Charlottenburg. 



Staaten 



Auf 1000 Einwohner kamen durchschnittlich jährlich im Jahrzehnt 



1801 
— 10 



1811 
—20 



1821 
—30 



1831 
—40 



—50 



1841 1851 



-CO 



1861 
—70 



1871 
—80 



1881 I 1891 
—90 1—1900 



1901 
—10 



1911 



Deutsches Reich 

Preußen 

Bayern 

Sachsen 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Elsaß-Lothringen 

Oesterreich 

Ungarn 

Schweiz 

Niederlande 

England und Wales 

Schottland 

Irland 

Dänemark 

Schweden 

Norwegen 

Finland 

Rußland 

Bulgarien 

Serbien 

Rumänien 

Griechenland 

Italien 

Belgien 

Frankreich 

Spanien 

Portugal 

^5 [Connecticut 
« o J Massachusetts 
» S »Michigan 
® '. I Vermont 

Chile 

Uruguay 

Japan 

Neu-Südwales 

Victoria 



Lebendgeborene. 











. 


. 


36,1 


35,3 


37,2 


39,1 


36,8 


36,1 


32,9 


28,6 










4O,0 


38,0 


38,0 


37,7 


38,3 


39,o 


37,1 


36,7 


33,5 


29,4 












34,1 


34,2 


33,2 


3 6 ,9 


40,3 


36,8 


36,5 


34,5 


30,2 












38,2 


39,4 


39,6 


40,5 


42,9 


41,8 


39,5 


32,0 


26,0 












. 


40,8 


35,8 


40,8 


43,i 


35,8 


34,2 


3 2 ,8 


28,4 










37,1 


38,7 


37,9 


33,1 


37,0 


38,5 


33,o 


33,2 


32,7 


27,9 














33,5 


31,0 


34,7 


3 6 ,4 


3i,5 


32,2 


30,7 


25,7 














31,8 


29,4 


3i,9 


33,9 


30,6 


30,1 


28,5 


24,3 










39,0 


38,2 


38,4 


37,6 


38,7 


39,0 


37,9 


37,1 


34,3 


3i,4 












. 


. 




. 


. 


44,o 


40,6 


3 6 ,8 


35,o 














. 


. 


. 


30,7 


28,1 


28,1 


26,9 


24,1 












. 


33,0 


33,3 


35,8 


3 6 ,2 


34,2 


32,5 


30,5 


27,8 












. 


32,6 


34,1 


35,2 


35,4 


32,5 


29,9 


27,2 


(24,4) 
















• 


35,o 
26,3 x ) 


34,9 
26,5 


32,3 
23,4 


30,6 
23,0 


28,4 
23,3 


25,6 
23,3 


3M 


30 


,7 


3i,3 


30,2 


30,5 


32,5 


3o,7 


3i,4 


32,0 


30,2 


28,6 


26,7 


3°, 9 


33,4 


34,6 


3i,5 


3i,i 


32,8 


3i,4 


3°, 5 


29,1 


27,1 


25,8 


24,0 


27,5 


29,9 


33,3 


29,6 


3°, 7 


32,9 


3o,9 


3 J ,o 


30,9 


3o,3 


27,4 


25,5 


3 6 ,3 


37,4 


38,2 


33,4 


35,5 


35,9 


34,4 


37,o 


35,o 


32,2 


31,2 


29,1 












. 




. 




. 


49,2 


47,1 6 ) 


. 














• 


• 


44,6 ') 


40,5 


45,o 


39,4 
41,7 


41,4 
38,9 


(40,6) 

3 6 ,6 














• 




33,o 
28,5 3 ) 


35,o 
27,6 


41,4 


40,6 


39,8 


43,0 












. 


. 




. 


36,9 


37,8 


35,o 


32,7 


(3i,5) 












33,5 


30,3 


29,9 


3i,6 


32,1 


30,0 


29,0 


26,1 








3i 


,8 


3i,o 


29,0 


27,4 


26,3 


26,3 
37,9 


25,4 


23,9 
36,2*) 


22,2 
34,8 


20,6 
34,4 


18,7 
3i,8 












• 


• 




• 


• 


33,o 


3°, 6 


31,8 


39,5 














. 


24,6 


22,7 


24,7 


23,1 


24,1 


24,0 


(24,8) 














. 


29,1 


25,7 


25,9 


25.5 


27,3 


25,9 


25,6 












• 






19,4 


22,5 
20,8 


22,1 
19,1 
37,3 


19,5 
20,6 

35,7 


20,5 
21,0 

32,9 


• 














. 


. 






41,5 


36,5 


38,2 


32,8 












. 




. 


. 




27,2 


29,8 


32,2 














. 


. 




41,7 


38,8 


34,5 


30,3 


26,9 


. 












. 


. 


38>) 


41,3 


33,5 


3i,7 


28,5 


24,9 


• 



Mis zellen. 



87 





Auf 1000 Einwohner kamen durchschnittlich jährlich im Jahrzehnt 


Staaten 


1801 
—10 


1811 
—20 


1821 
-30 


1831 
-40 


1841 
—50 


1851 
—60 


1861 
—70 


1871 
—80 


1881 
—90 


1891 I 1901 
— 1900 —10 


1911 


Queensland 
Süd-Australien 
West-Australien 
Tasmanien 
Neu-Seeland 
Australien (Kon- 
föderation) 


























43,6 
42,3 
35,4 
3i,7 
40,7 

40,8 


38,4 
37,8 
32,1 
30,5 
40,5 

36,1 


37,0 
36,5 
36,5 
35,o 
33,8 

35,2 


3i,4 
29,0 
29,4 
3i,o 
26,7 

29,9 


26,8 

2 5,2 

29,3 
29,4 
26,8 

26,5 


26,0 
27,2 



Gestorbene (ohne Totgeborene). 



Deutsches Reich 
















26,8 


26,4 


26,9 


27,2 


25,1 


22,2 


18,7 


17,3 


Preußen 










26,7 


28,8 


27,6 


27,6 


27,0 


26,6 


24,7 


21,9 


18,4 


17,2 


Bayern 












28,3 


27,8 


27,8 


29,8 


30,9 


28,3 


25,4 


21,6 


19,6 


Sachsen 














28,2 


28,5 


27,1 


28,1 


29,1 


28,0 


24,0 


18,2 


l6,5 


Württemberg 
















31,1 


29,5 


31,3 


30,8 


25,6 


23,4 


19,5 


17,8 


Baden 
















27,8 


26,1 


27,3 


28,1 


23,6 


22,1 


19,2 


16,9 


Hessen 
















22,8 


22,5 


24,5 


24 5 


22,0 


19,9 


16,6 


14,4 


Elsaß-Lothringen 
















24,0 


24,1 


25,3 


26,5 


24,1 


21,5 


18,6 


17,4 


Oesterreich 










2\ 


M 


32,5 


33,2 


31,4 


30,7 


31,5 


29,5 


26,6 


23,3 


21,9 


Ungarn 
















. 


. 




. 


32,5 


29,9 


25,7 


25,1 


Schweiz 
















. 


. 


. 


23,4 


20,8 


19,0 


16,7 


15,6 


Niederlande 
















26,2 


25,6 


25,4 


24,3 


21,0 


18,4 


15,1 


14,5 


England und Wales 
















22,4 


22,2 


22,5 


21,4 


19,1 


18,2 


15,4 


14,6 


Schottland 
















. 


, 


22,1 


21,6 


19,2 


18,7 


16,6 


15,1 


Irland 


















. 


l6,6 


18,4 


18,0 


18,2 


17,4 


16,6 


Dänemark 


23,7 


21,4 


21,9 


23,1 


20,4 


20,6 


19,9 


19,4 


18,6 


17,5 


14,2 


13,4 


Schweden 


27,9 


25,8 


23.6 


22,8 


20,6 


21,7 


20,2 


18,3 


l6,9 


16,4 


14,9 


13,8 


Norwegen 


25,2 


21,2 


18,9 


20,2 


18,1 


17,1 


18,0 


17,0 


17,0 


l6,3 


14,2 


(13,0) 


Finland 


31,9 


26,4 


24,9 


28,2 


23,5 


28,7 


32,2 


22,2 


21,1 


19,7 


18,0 


16,5 


Rußland 












. 


. 


• 


. 


34,1 






Bulgarien 
















. 






. 




26,0 


23,2 


(2^,8) 


Serbien 
















. 




30,7 2 ) 


34,3 


25,2 


27,0 


23,3 


22,0 


Rumänien 


















. 


26,1 


3i,3 


27,5 


29,2 


25,8 


(25,7) 


Griechenland 
















. 


. 


21,1 3 ) 


19,6 


. 


. 


. 


. 


Italien 
















. 


. 


. 


29,9 


27,3 


24,2 


21,6 


(21,4) 


Belgien 














25,9 


24,2 


22,2 


23,3 


22,5 


20,4 


19,1 


l6,4 


. 


Frankreich 






2( 


>,1 


2 


\A 


24,8 


23,3 


23,9 


23,6 


23,7 


22,1 


21,5 


19,4 


19,6 


Spanien 
















. 




30,8 


. 


31,7 *) 


29,5 


25,2 


23,7 


Portugal 
















• 


. 


. 


. 


22,6 


21,3 


20,2 


22,5 


*>"£ 1 Connecticut 
§ ® J Massachusetts 
















, 


14,9 


16,2 


16,4 


17,5 


17,4 


16,0 


15,5 
















. 


18,2 


19,4 


19,8 


19,6 


18,9 


16,6 


!5,4 


5? J| Michigan 
'. 1 Vermont 
















. 






8,8 


9,4 


10,3 


13,7 


















• 


• 


14,1 


14,7 


15,7 


16,2 


16,2 


• 


Chile 
















. 






, 


3^,5 


30,7 


31,0 


. 


Uruguay 
















. 


. 


. 


. 


17,8 


15,4 


14,1 


*4,5 


Japan 
















. 


. 


. 




19,9 


20,9 


20,7 


. 


Neu-Südwales 
















. 


. 


16,5 


15,5 


14,7 


12,3 


10,6 


. 


Victoria 
















, 


19,3 6 ) 


16,9 


15,2 


15,4 


13,9 


12,2 


. ■ 


Queensland 
















. 


. 


19,1 


17,3 


l6,7 


12,2 


10,6 




Südaustralien 
















. 


. 


15,3 


15,4 


13,6 


12,0 


IO,5 


.- 


Westaustralien 
















. 


. 


x 5,5 


15,1 


16,8 


15,6 


11,4 


• 



88 



Miszellen. 





Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich jährlich im Jahrzehnt 


Staaten 


1801 
—10 


1811 
—20 


1821 
—30 


1831 
—40 


1841 
—50 


1851 
—60 


1861 
—70 


1871 
—80 


1881 
—90 


1891 
— 1900 


1901 
—10 


1911 


Tasmanien 
Neu-Seeland 
Australien (Kon- 
föderation) 


• 


• 


• 


• 


• 


• 


14,6 
12,9 

16,5 


15,9 

12,2 
I5J 


15,6 

IO,4 
15,2 


i3,o 
9,8 

13,0 


11,0 

9,8 
11,1 


9,4 

IO, 7 



Heiratende 



Deutsches Reich 

Preußen 

Bayern 

Sachsen 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Elsaß-Lothringen 

Oesterreich 

Ungarn 

Schweiz 

Niederlande 

England und Wales 

Schottland 

Irland 

Dänemark 

Schweden 

Norwegen 

Finland 

Rußland 

Bulgarien 

Serbien 

Rumänien 

Griechenland 

Italien 

Belgien 

Frankreich 

Spanien 

Portugal 

£5 ( Connecticut 
3 S j Massachusetts 
3? £ | Michigan 
o' I Vermont 

Chile 
Uruguay 
Japan 

Neu-Südwales 
Victoria 
Queensland 
Südaustralien 
Westaustralien 
Tasmanien 
Neu-Seeland 
Austrialien (Kon- 
föderaton) 



16,! 
16,1 

14»< 

15,' 



7,2 

7,5 

7,0 
7,o 



17,7 

13,5 
16,0 



16,3 
16,6 
16,5 
17,0 



15,7 



18,1 
13,2 
16,5 



15,9 
16,7 



15,6 

14,3 
13,9 
14,6 



14,5 

16,0 



16,2 
17,7 
13,2 
17,2 
14,6 
14,4 
14,0 
14,2 
17,0 



[4,9 

[6,1 



15,7 
14,5 
15,8 
16,4 






15,6 
17,1 
12,8 
17,0 
11,8 
12,0 
12,5 
14,0 
15,6 

13,4 
15,8 
16,9 



17,7 
15,2 
15.4 
15,6 



14,6 
15,9 



17,6 
21,3 



20,6«) 



17,0 

17,0 

17,4 
17,8 
l6,8 
l6,5 
l6,8 
14,9 
17,4 

14,6 

l6,4 

l6,6 

13,9 

IO,6 l ) 

15,0 

13,1 

13,3 

15,4 



23,6 2 ) 

12,4 3 ) 

14,6 
15,6 
15,6 

17,4 
19,9 

15,4 



17,1 
14,6 
21,2 
16,4 
15,9 
13,6 
»9,1 

15,8 



17,2 
17,4 
16,8 
18,8 
17,1 
16,1 
l6,2 
14,8 
16,9 

15,4 
l6,2 
l6,2 
14,4 
9,4 
15,7 

13,6 

14,5 

16 ,6 



22,7 
15,3 
11,7 
15,3 
14,6 
16,0 



:5,9 

7,ö 
7,4 

[6,4 



15,5 
12,5 
15,8 
16,5 
13,5 
13,8 
15,5 

14,4 



15,6 
16,1 
13,8 
18,2 
13,0 
13,5 
14,5 
13,2 
15,6 
19,1 
14,0 
14,1 
14,9 
13,4 

8,6 

14,7 

12,5 

13,1 

14,6 



22,1 
16,5 

15,9 
14,0 
14,7 
12,9 

13,9 4 ) 

16,2 
18,6 
17,9 
l6,5 

10,1 
11,9 

15,9 
15,5 
16,7 

i5,i 
14,5 
15,2 
12,8 

15,8 



16,4 


16,0 


16,5 


16,0 


15,4 


15,0 


18,2 


16,6 


14,8 


15,6 


15,5 


15,6 


16,8 


16,4 


14,4 


14,6 


16,0 


15,5 


17,6 


17,7 


15,0 


15,0 


14,7 


14,8 


15,6 


15,4 


14,4 


'3,8 


9,6 


10,3 


14,4 


14,6 


11,9 


12,0 


13,4 


12,2 


14,0 


13,0 


18,0 


. 


16,6 


19,3 


2O,0 


19,8 


15,5 


17,8 


14,5 


15,3 


l6,0 


16,0 


15,0 


15,5 


15,7 


15,1 


13,3 


13,2 


15,9 


I/,0 


18,0 


18,2 


17,3 


20,5 


17,2 


17,6 


9,1 


11,6 


9,5 


IO,9 


17,5 


l6,7 


13,6 


15,4 


13,1 


14,4 


12,7 


13,7 


12,5 


15.1 


18,4 


16,8 


12,6 


15,5 


13,2 


16,7 


13,4 


15,0 



Miszellen. 



89 



Staaten 



Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich jährlich im Jahrzehnt 



1801 
—10 



181111821 
—20—30 



1831 
—40 



1841 
-50 



1851 
—60 



1861 
—70 



18711 1881 ; 1891 
— 80| —90 j—1900 



1901 
—10 



1911 



Mehr Geborene als Gestorbene (Geburtenüberschuß) 



Deutsches Reich 

Preußen 

Bayern 

Sachsen 

Württemberg 

Baden 

Hessen 

Elsaß-Lothringen 

Oesterreich 

Ungarn 

Schweiz 

Niederlande 

England und Wales 

Schottland 

Irland 

Dänemark 

Schweden 

Norwegen 

Finland 

Rußland 

Bulgarien 

Serbien 

Rumänien 

Griechenland 

Italien 

Belgien 

Frankreich 

Spanien 

Portugal 

jM [ Connecticut 
« © I Massachusetts 

a?J I Michigan 
® Ji I Vermont 

Chile 
Uruguay 
Japan 

Neu-Südwales 
Victoria 
Queensland 
Südaustralien 
Westaustralien 
Tasmanien 
Neuseeland 
Australien (Kon- 
föderation) 



7,4 
3,0 
2,3 

4,4 



13,3 



IO,4 



9,4 
11,0 
I 4 ,4 
13,3 



9,2 

5,8 

io,o 



5,1 



7,1 
8,7 
9,4 

5,2 



4,2 



9,3 

10,4 

6,4 

10,9 

9,7 
10,1 

10,7 
7,8 

5.2 



6,8 
10,2 



IO,l 
11,6 
12,6 
12,0 



6,1 
4,1 



8,9 
10,1 

5 ? 5 
12,5 
6,3 
6,8 
8,5 
5,3 
6,2 

5,3 

7,7 
11,9 



11,9 
11,1 

15,8 

7,2 



7,6 
2.4 



9,7 
10,9 



19,1 ") 



10,3 
11,3 

7,1 

12,4 

9.5 

9,7 

10,2 
6,6 

8,0 

7,2 

10,4 

12,7 

12,9 
9,7 
10,8 
11,2 
12,9 
2,2 



13,9 
6,9 

7,4 

8,3 
2,7 
7,1 

6,5 
6,3 

5,3 



2 5,2 

24,4 
24,5 
27,0 
20,7 

17,1 

27,8 

24,3 



12,4 

9,5 

3,8 

12,3 

10,4 

11,9 

7,4 

7,5 

7,3 

11,9 
14,0 
13,3 

8,1 
12,0 
12,2 
14,0 
14,8 



6,2 

3,7 

8,0 
7,0 
9,8 

1,7 



8,3 

6,1 

13,7 

6,1 



3,3 

18,3 

21,1 

22,4 
17,0 
14,6 
28,3 

20,4 



11,7 

12,7 

8,5 

13,8 

IO,2 

IO,4 

9,5 

6,5 

8,4 

11,5 

7,3 

13,2 

13,4 

13,1 

5,4 

13,4 

12,2 
13,9 
13,9 



19,8 
13,9 

IO,5 

9,6 



4,5 

10,4 4 ) 

5,6 

5,9 

12,7 

3,4 

5,8 

23,1 

8,3 

19,8 

16,3 

20,3 

22,9 
18,7 
19,4 
23,4 

20,0 



13,9 


14,3 


14,8 


15,1 


11,1 


12,9 


15,5 


13,8 


10,8 


13,2 


11,1 


13,5 


12,3 


14,2 


8,6 


9,8 


10,5 


11,0 


IO,7 


11,1 


9,1 


10,2 


M,i 


15,0 


11,7 


11,8 


11,9 


11,8 


4,8 


5,9 


12,7 


12,0 


10,7 


IO,6 


14,0 


12,9 


12,5 


13,2 


!5,i 


. ' 


13,4 


18,5 


14,7 


15,6 


11,4 


14,0 


IO,8 


11,1 


IO,l 


9,7 


0,7 


1,2 


5,3 


9,2 


9,3 


11,6 


6,7 


8,0 


8,4 


9,3 


9,2 


6,8 


4,4 


4; 8 


5,0 


1,9 


20,9 


24,1 


9,8 


11,5 


18,0 


l6,3 


14,6 


12,7 


19,2 


l6,2 


17,0 


14,7 


13,9 


17,9 


18,0 


18,4 


16,9 


17,0 


16,9 


15,3 



11,8 
12,2 
10,6 

9,5 
IO,6 
11,0 
11,3 

6,9 

9,5 

9,9 
8,4 

13,3 

(9,8) 
10,5 

6,7 

13,2 
10,2 

(12,5) 
12,6 

(18,8) 

4,6 
(17,3) 

(IO,0 

(-0,9) 

(8,1) 
17,0 

9,3 
10,2 



18,3 



[6,6 
[6,6 



1) 1864—70. 2) 1862—70. 3) 1864—70. 4) 1886—90. 5) 1902—06, spätere 
Zahlen liegen für Rußland nicht vor. 6) 1854 — 60. Eingeklammerte Zahlen bedeuten 
Torläufige Ziffern. 



90 Miszellen. 



Literatur und benutzte Quellen (Auswahl). 

Statistique du mouvement de la population internationale d'apres les registres 
d'etat civil. Resume retrospectif depuis l'origine des statistiques de l'etat civil jusqu' 
en 1905. Paris 1907. 

Dasselbe, Second volume, Annees 1901 ä 1910. Paris 1913. 

Die Bewegung der Bevölkerung des Deutschen Reiches 1910 und 1911. Statistik 
des Deutschen Reiches, Bd. 246 u. 256, insbesondere die vorhergehenden Bände, sowie 
N. F. Bd. 44. 

Mortality Statistics 1911. Bulletin 112 Department of Commerce, Bureau of the 
Census. Washington 1913. 

New South- Wales. John B. Trivett, Vital statistics for 1910 and previous years. 
Sydney 1911. 

Jacquart, Mouvement de l'etat civil et de la population en Belgique pendant les 
annees 1876 a 1900. Bruxelles 1906, p. 23. 

Schweiz. Ehe, Geburt und Tod in der schweizerischen Bevölkerung 1871 — 90 und 
besonders 1891—1900. Erster Teil. Bern 1908, S. 9—10). 

(NB. Es haben hier vorzugsweise nur diejenigen Werke Raum gefunden, die mir 
zur Korrektur und Vervollständigung dienten.) 



Literatur. 91 



Literatur. 



1. 

Franz Klein, Justizminister a. D., Die wirtschaft- 
lichen und sozialen Grundlagen des Rechtes 
der Erwerbsgesellschaften. 

(Vorträge und Schriften zur Fortbildung des Hechts und der Juristen, 
Heft 7.) Berlin (Franz Vahlen) 1914. 89 SS. 

Besprochen von Paul Rehme, Halle a. S. 

Das Büchlein, gering an Umfang, doch ungemein reich an Inhalt, 
bietet Vorträge, die Franz Klein, der ehemalige österreichische 
Justizminister, der geniale Schöpfer der neuen Zivilprozeßordnung seines 
Heimatlandes, im November 1913 in den wirtschaftlichen Fortbildungs- 
kursen für Juristen (veranstaltet von den Aeltesten der Kaufmann- 
schaft von Berlin in Verbindung mit dem Deutschen Anwaltsverein, 
der Anwaltskammer zu Berlin, dem Berliner Anwaltsverein und dem 
Verein „Recht und Wirtschaft") gehalten hat. Daß die Betrachtungen 
nunmehr weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden sind, ist höchst 
erfreulich. Denn sie sind von so hohem Werte, daß sie von jedem Ju- 
risten, jedem Nationalökonomen und jedem Politiker studiert werden 
sollten, und zwar nicht nur reichsdeutschen, obgleich lediglich das reiohs- 
deutsche Recht behandelt wird. 

Allgemeine Gedanken will der Verfasser mitteilen, nicht ins Detail 
gehen — in der Erwägung, daß auf den obersten Stufen des Unter- 
richtes, wenigstens in Geistesdingen, hauptsächlich jene dauernden Ge- 
winn bringen (S. 5). Aber die Ausführungen halten sich doch weit 
von Oberflächlichkeit fern. Nicht daß die Grundauffassung, auf der 
sie ruhen, eine Entdeckung Kleins ist! Das Recht „kann ohne jede 
Fühlung mit dem Leben sein, dem Empfinden, den Sitten und der Denk- 
weise des Volkes zuwider, volksfremdes, oktroyiertes Recht. Das klassi- 
sche Beispiel dafür ist stets das den deutschen Ländern aufgenötigte 
römische Recht" (S. 69). Daß ein solcher Zustand ungesund ist, hat 
man längst allgemein erkannt; man ist darin einig, daß das Leben dem 
Rechte die Richtung weisen muß, daß das Recht aufgebaut sein muß 
auf dem gesamten sozialen Leben, und in diesem nimmt die Wirtschaft 
einen besonders breiten Raum ein. Dem entspricht denn auch das 
moderne Recht immerhin zum größten Teil (dazu a. 0.), oder es ist 
wenigstens bestrebt, dem zu entsprechen. Daraus ergibt sich, von 
welcher Wichtigkeit es ist, sich stets die Zusammenhänge zwischen 
der Rechtsordnung und deren außer rechtlichen Grundlagen vor Augen 
zu halten, nicht nur was die Fortbildung des Rechtes, sondern auch was 
die Erkenntnis und die Anwendung der zurzeit geltenden Rechtsnormen 



92 Literatur. 

anlangt. Diese Zusammenhänge liegen nicht immer klar zutage; sie 
müssen vielfach erst aufgedeckt werden. Allgemeine Betrachtungen 
darüber, namentlich über die gegenseitigen Beziehungen von Recht 
und Wirtschaft, sind bereits angestellt worden. Was uns aber fehlt, 
das ist die exakte Untersuchung einzelner Rechtsinstitute oder doch 
einzelner Gruppen verwandter Rechtsinstitute unter jenem Gesichts- 
punkte. Für das Recht der Erwerbsgesellschaften — in Anbetracht 
der hohen Bedeutung desselben eine Materie von hervorragender Wich- 
tigkeit — hat nun Klein die Lücke ausgefüllt, und zwar in durchaus 
mustergültiger Weise. Möchte er recht viele Nachfolger finden in Schrift 
und WortI Um wie viel anregender wäre namentlich der Rechtsunter- 
richt, wenn nicht nur die Rechtssätze an sich, sondern überall auch 
deren außerrechtliche Grundlagen vorgeführt würden! Daß so viele 
Rechtsstudierende durch die Vorlesungen nicht dauernd gefesselt werden, 
ist sicher zumteil dadurch zu erklären, daß ihnen dort die Rechtsord- 
nung losgelöst vom Leben entgegentritt. Ein jeder Rechtslehrer kann, 
sofern er will, die Wahrnehmung machen, mit welchem Interesse die 
Hörer dem Vortrage folgen, wenn er ihnen „statt kahler Sätze das 
agierende Recht in seiner realen Erscheinung" (S. 70) veranschaulicht. 

In dem ersten Abschnitte der Schrift geht der Verfasser 
auf die Geschichte des Gesellschaftsrechtes ein, um zu zeigen, daß die 
Entwickelung des Rechtes nicht ausschließlich ein juristischer Vorgang 
ist, daß dabei vielmehr stets auch einzelne, mehrere oder alle sonstigen 
jeweils lebendigen Gesellschaftskräfte im Spiele sind. Zugrundegelegt 
ist im wesentlichen Schmollers Untersuchung über die Geschichte der 
Unternehmung, nicht die neuere Literatur. Widerspruch muß erwecken 
der Satz: „Die älteste unter den heutigen Erwerbsgesellschaften ist 
die Gesellschaft des bürgerlichen Rechtes, denn ihr Ahne ist die 
römische Societas, welche später die Rezeption als einen Fremdkörper 
in die deutsche Genossenschaftswelt hineingetragen hat" (S. 9). In 
Wahrheit ist die älteste Erwerbsgesellschaft die Urform der Kommandit- 
gesellschaft, gemeinhin als Kommenda bezeichnet, ein universales Rechts- 
institut 1 ), und der Ahne der Gesellschaft des BGB. ist die alte deutsch- 
rechtliche Gemeinschaft zur gesamten Hand, die freilich aus dem ge- 
meinen Rechte durch die römischrechtliche Societas verdrängt wor- 
den war. 

In dem zweiten Abschnitte werden „die privatwirtschaftlichen 
Grundlagen" aufgewiesen. Grundlage des Rechtes sei nicht unmittelbar 
das Kapital, die Assoziationsfreiheit, ein wirtschaftlicher Zustand oder 
eine gesellschaftliche Lage, sondern die dadurch erzeugten Gedanken, 
Bedürfnisse, Wünsche, aus denen sich unter Hinzutritt irgendwelcher 
normativer, ethischer, rechtlicher usw. Gesichtspunkte das geistige 
System des fraglichen Rechtsinstitutes entwickele. Die sämtlichen Er- 
werbsgesellschaften können als eine Gruppe behandelt werden, da sich 



1) Dazu neuestens Rehme, Geschichte des Handelsrechts, in dem Handbuch 
des gesamten Handelsrechts, herausgeg. von V. Ehren berg, Bd. 1 (1913), S. 102 und 
die ebenda Anm. 38 angeführten Stellen des Werkes, ferner S. 162 ff. 



Literatur. 93 

im Eechte der einzelnen Gesellschaftsarten zumteil dieselben Bedürf- 
nisse und Gedankengänge des Lebens wiederspiegeln, und zwar seien 
es, da sie sämtlich Erwerbsunternehmungen seien, die wirtschaftlichen 
Grundbedürfnisse des Erwerbsunternehmens, auf die vor allem in der 
Eechtsordnung Bedacht genommen werden müsse. Auf der anderen 
Seite seien freilich für die einzelnen Gesellschaftsarten spezielle, nur 
auf sie anwendbare ökonomische oder sonstige soziale Urteile be- 
stimmend. Den Grundstock jeder Erwerbsgesellschaft bilde wirtschaft- 
liches Handeln, Arbeit, eine produktive, distributive oder vermittelnde 
ökonomische Tätigkeit, sie sei im engeren oder weiteren Sinne Arbeits- 
gemeinschaft. Das Gesellschaftsrecht sei nicht eine vollständige Organi- 
sation des gesamten Unternehmens, ordne vielmehr nur drei Materien 
daraus, die alle wirtschaftlicher Natur seien: es sorge dafür, daß dem 
gesellschaftlichen Unternehmen Kapital gewidmet werden könne, daß 
das Unternehmen auf die Beine gebracht werde, und daß es am wirt- 
schaftlichen Außenverkehre teilzunehmen imstande sei. Nachdem auf 
diese drei Punkte näher eingegangen worden ist, werden in dem 
dritten Abschnitte „Wendungen ins Soziale" betrachtet: 

Durch die Erwerbsgesellschaften könne der Staatskredit gefährdet 
werden. Darum müsse die Gesetzgebung das kreditpolitische Interesse 
des Staates wahren. Daneben habe sie das steuerpolitische Interesse 
desselben zu berücksichtigen. Ferner kommen allgemeine volkswirt- 
schaftspolitische Erwägungen in Betracht, die namentlich in man- 
chen neuen aktienrechtlichen Vorschriften Ausdruck gefunden haben. 
Allein das Gesellschaftsrecht gründe sich nicht lediglich auf wirtschaft- 
liche Raisonnements ; im Hinblick auf die Tatsache, daß die Ausbreitung 
der Erwerbsgesellschaften, besonders der Aktiengesellschaften, viele, 
die sonst ihre Ersparnisse in die Sparkasse getragen oder in Staats- 
papieren angelegt hätten, in das Kielwasser der Erwerbsgesellschaften 
ziehe, empfangen die wirtschaftlichen Kardinalgesichtspunkte des Ge- 
sellschaftsrechtes einen sozialpolitischen Beisatz; die Rechtsordnung 
habe demgemäß zu verhindern, daß spekulative Waghalsigkeit, Un- 
ehrlichkeit oder ungezügelte Erwerbsgier soziale Schäden anrichten. 
Uebrigens seien auch ethische Gesichtspunkte in dem Gesellschafts - 
rechte maßgebend, indem es z. B. den Vertrauensmißbrauch äußerst er- 
schwere. In der Tat darf man, wie wir mit allem Nachdrucke betonen 
möchten, bei aller Schätzung des Wirtschaftlichen den ethischen Ein- 
schlag der Rechtsordnung nicht zu gering werten, was nicht so selten 
geschieht. 

War bisher von Ideen und Absichten des Gesetzes die Rede, so 
werden im vierten Abschnitte „die soziologischen Grundlagen" 
des Assoziationswesens und des Gesellschaftsrechtes erörtert: eine große 
Zahl äußerer und psychischer Momente, ein bestimmtes Milieu, das 
erforderlich sei, damit das Gesellschaftsrecht sich von dem Papiere 
der Gesetzesurkunde ablöse und wirklich normativ werden könne. Darum 
vermöge man aus der Stufe, welche die Erwerbsgesellschaften eines 
Landes einnehmen, meist zutreffende Schlüsse auf dessen wirtschaft- 
liche und gesellschaftliche Kultur zu ziehen, und so gebe über den „so- 



94 Literatur. 

ziologischen Status" die Statistik Aufklärung, die von dem Verfasser 
genauer betrachtet wird und, wie dieser meint, dem Deutschen Reiche 
das beste Zeugnis ausstellt. 

Der fünfte Abschnitt behandelt den „Wechsel in den Grund- 
lagen". Die leitenden wirtschaftlichen und sozialen Gedanken, von 
denen bisher gesprochen worden ist, müssen in Rechtssätze ausge- 
münzt werden, die nach den verschiedenen Gesellschaftsformen zu indi- 
vidualisieren seien. Wie dies zu geschehen habe, darüber gehen die 
Meinungen oft weit auseinander: man befinde sich hier im Gebiete der 
politischen und der Wirtschaftsparteien und der wissenschaftlichen 
Theorien, und was Recht werde, hänge von den Ansichten derjenigen 
ab, die zurzeit die meiste Macht über die Rechtsbildung haben. So 
seien in dem heutigen Rechte der einzelnen Erwerbsgesellschaften sehr 
verschiedene wirtschaftliche Richtungen erkennbar, z. B. habe sich in 
dem Rechte der Gesellschaft des BGB., der Offenen Handelsgesellschaft, 
der Kommanditgesellschaft und der Reederei der wirtschaftliche Libera- 
lismus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erhalten, während 
man in dem Rechte der Aktiengesellschaft, der Gesellschaften mit be- 
schränkter Haftung und der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften 
zumteil die heute im Vordringen begriffene wirtschaftspolitische Rich- 
tung sehe, die von wirtschaftlicher Freiheit nicht mehr viel halte. In 
den Normen des Gesellschaftsrechtes streben Aenderungen der Wirt- 
schaftsordnung nach Anerkennung; die gegebene Wirtschaftsordnung- 
werde nach und nach mit Hilfe des Rechtes in einen anderen Typus 
umkorrigiert, und das Privatrecht wirke auf diese Weise an den 
allmählichen volkswirtschaftlichen Umwälzungen mit. Das nämliche 
gelte von den sozialen Ideen und Gesichtspunkten. 

In dem sechsten Abschnitte wird „die Rechtsform der Kar- 
telle" in sehr interessanter Weise betrachtet, und der letzte, siebente, 
enthält „Konklusionen" (Außerrechtliches im Rechte, Rechtslehre, An- 
wendung und Auslegung des Rechtes, künftige Entwickelung des Ge- 
sellschaftsrechtes, neue Wege). Was die Feststellung des Außerrecht- 
lichem im Rechte für Rechtslehre und Rechtsanwendung bedeutet, haben 
wir bereits betont. Auf die gedankenreichen Ausführungen über die 
künftige Entwickelung des Gesellschaftsrechtes und die dabei etwa ein- 
zuschlagenden neuen Wege einzugehen, müssen wir uns hier leider 
versagen: sie enthalten eine solche Fülle von Anregungen, daß sie nur 
gewürdigt werden können, wenn man sie im Zusammenhange vor sich 
hat. Die in ihnen zutage tretende Auffassung ist vielfach höchst sub- 
jektiv, und gewiß läßt sich über manches streiten. Oft sind es auch nur 
Fragen, die der Verfasser auf wirft, ohne selbst die Antwort zu geben. 
Der künftige Gesetzgeber wird aber keine jener Ideen unbeachtet lassen 
dürfen, Ideen eines Mannes, der nach reicher Erfahrung uns lehrt: 
„bei der Behandlung von Rechtsfragen über die Para- 
graphen hinaus ins volle Menschenleben zu blicken" (S.89). 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 95 



TTebersicht über die neuesten Publikationen 
Deutschlands und des Auslandes. 

1. Geschichte der Wissenschaft. Encyklopädisches. Lehrbücher. Spezielle 
theoretische Untersuchungen. 

Festgabe zum 60. Geburtstage des Herrn Geheimen 
Justizrats Professor Dr. Eießer. Berlin 1913. 

Zur Feier des 60. Geburtstages des nach verschiedenen Richtungen 
hin hoch verdienten Geheimrat Dr. Rießer, haben sich 17 hervorragende 
Männer zusammengetan und in interessanten Artikeln eine wertvolle 
Festgabe in dem vorliegenden Werk gestiftet. Für uns sind besonders 
die folgenden von Bedeutung: Prof. Dr. Helfferich: Die Verteilung des 
Volkseinkommens in Preußen von 1896 — 1912. Der Artikel bildet 
eine Ergänzung zu dem an anderer Stelle bereits besprochenen über die 
Steigerung des Volksvermögens in derselben Zeit. Der Verfasser weist 
hier nach, daß diese Steigerung in überwiegendem Maße den unteren 
Klassen zugute gekommen ist und eine irgend wesentliche Erweiterung 
der Plutokratie nicht stattgefunden hat. Geheimrat Lexis behandelt 
unter der Ueberschrift „Geld und Preise" besonders die Frage, ob und 
wie weit die Veränderungen in dem Gold- und Geldvorrate einen Einfluß 
auf das Preisniveau in der neueren Zeit gehabt haben und kommt zu 
dem Ergebnis, daß dieser Einfluß im allgemeinen überschätzt wird, 
vielmehr weit mehr auf die Veränderung der Produktionsverhältnisse 
zurückzuführen ist. Besonders wendet er sich gegen die bekannten 
Vorschläge Irving Fischers, der durch die Veränderung des Gold- 
gehaltes des Dollars eine größere Gleichmäßigkeit der Preise erzielen 
will. Professor Lotz behandelt eingehend das Wesen des Kredites. 
Professor Georg Cohn untersucht das Wort „Scheck". Die übrigen 
Artikel sind rein juristische Untersuchungen. Das ganze Werk kann auf 
allgemeines Interesse Anspruch machen und ist eine würdige Gabe 
für den bedeutenden Mann, dem sie gewidmet ist. J. C. 

Christian Cornelissen, Theorie de la valeur avec une re- 
futation des theories de Rodbertus, Karl Marx, Stanley Jevons et Böhm- 
Bawerk. 2. Aufl. Paris 1913. 476 SS. 

Der Verfasser unterscheidet als Grundlagen der Preistheorie zwei 
Arten des Wertes, den Gebrauchswert und den Produktionswert, denen 
er eine ausführliche, mit vielen kritischen Erörterungen verbundene 
Untersuchung widmet. Der Abschnitt über den Gebrauchswert ist 
wenig befriedigend. Cornelissen gehört zu jenen Theoretikern, die sich 
durch die Mannigfaltigkeit der wirtschaftlichen Erscheinungen allzu 
sehr beirren lassen, so daß sie die Fähigkeit, das Typische vom Zu- 
fälligen zu unterscheiden, verlieren. Dies äußert seine Wirkungen in 
der Kritik ebenso wie in der positiven Darstellung. Er ist ein Gegner 



96 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

aller weitergehenden Abstraktionen bei der Formulierung der Voraus- 
setzungen der theoretischen Untersuchung und kann sich daher auch 
mit den auf Grund dieser Abstraktionen gewonnenen allgemeinen Sätzen 
nicht einverstanden erklären: Nur mit Hilfe einer Reihe höchst will- 
kürlicher, mit der Wirklichkeit in Widerspruch stehender Voraus- 
setzungen (homo oeconomicus, freie Konkurrenz, Tausch mit Vorteil, 
gleiche Qualität der angebotenen Ware usw.) sei es den Grenznutzen- 
theoretikern möglich gewesen, zu ihrem Wertgesetz zu gelangen. In 
Wahrheit schließe die Unbeständigkeit des Wertes und die Mannig- 
faltigkeit der auf ihn einwirkenden Faktoren die* Aufstellung be- 
stimmter Gesetze und mathematischer Formeln aus (S. 50). So trifft 
die an der Grenznutzentheorie geübte Kritik zumeist am Ziel vorbei 
und läuft nur zu oft auf einen Wortstreit hinaus. Letzteres gilt meines 
Erachtens auch von dem Haupteinwand, den Cornelissen anknüpfend 
an das bekannte Beispiel Böhm-Bawerks von dem Kolonisten und den 
fünf Säcken Korn gegen die Grenznutzen theorie erhebt, und der dahin 
geht, daß mehrere gleiche Stücke eines Vorrates nicht einen gleichen, 
sondern jedes von ihnen einen verschiedenen Wert für den Besitzer 
haben (S. 66). Denn daß bei der Bestimmung des Gesamtwertes der 
5 Kornsäcke der Wert jedes einzelnen Sackes mit einer verschiedenen 
Größe anzusetzen ist, wird ja auch von Böhm-Bawerk nicht nur an- 
erkannt, sondern auch ausführlich begründet. Im übrigen soll nicht 
unerwähnt bleiben, daß sich auch sehr treffende Bemerkungen in den 
kritischen Erörterungen finden. Namentlich die nachdrückliche Her- 
vorhebung, daß die bei den Grenznutzentheoretikern eine so große 
Rolle spielende Schätzung nach dem Substitutionsnutzen in Wahrheit 
keine Schätzung nach Nutzen, sondern eine Schätzung nach dem Preise 
ist, daß sie also den Preis als gegeben voraussetzt (S. 81 — 82), kann den 
Vertretern jener Theorie nicht eindringlich genug zur Beachtung emp- 
fohlen werden. 

Bei der erwähnten Abneigung gegen Abstraktionen ist es erklär- 
lich, daß Cornelissens eigene Darstellung des Gebrauchwertes über 
ganz allgemein gehaltene Sätze nicht hinauskommt: der Wert be- 
stimmt sich nach dem Vorteil, den das Gut dem Schätzenden gewährt, 
und ist für jedes Stück eines im Besitz ein und derselben Person be- 
findlichen Vorrates verschieden; er variiert mit der Quantität, mit der 
Qualität und mit den Eigenschaften der Güter (S. 71), — das ist 
so ziemlich alles, was der Verfasser über den Gebrauchswert im all- 
gemeinen zu sagen weiß. Seine Darstellung zersplittert sich in die 
Erörterung einer Unzahl von Spezialfällen, ohne daß auch nur der 
Versuch unternommen würde, die beobachteten Werterscheinungen unter 
ein einheitliches Prinzip zu bringen. 

Unter dem Produktionswert (valeur de produktion), dessen ur- 
sprüngliche Form der Arbeitswert ist, versteht Cornelissen jenen Wert, 
der aus dem Umstand, daß die Hervorbringung der Güter Arbeit oder 
überhaupt Kosten erfordert, hervorgeht. Entspringt der Gebrauchswert der 
Beziehung zwischen den genußbereiten Gütern und dem Konsumen- 
ten, so geht der Produktionswert aus der Beziehung zwischen den Gü- 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 97 

tern und dem Produzenten hervor (S. 181). Diese Anerkennung eines 
auf der Angebotsseite entspringenden Wertes, der mit dem der Nach- 
frageseito entstammenden Gebrauchswert korrespondiert, seheint mir 
durchaus berechtigt zu sein. Ist der Wert die Bedeutung, welche die Gü- 
ter dadurch für uns gewinnen, daß sie mit unserer Wohlfahrt in Be- 
ziehung stehen, dann muß auch aus dem Umstand, daß die Hervorbrin- 
gung der Güter Arbeit kostet, ein Wert hervorgehen. Denn diese Tat- 
sache beeinflußt unsere Wohlfahrt zum mindesten in ebenso fühlbarer 
Weise wie der Nutzen, den die Güter gewähren. Die Güter stehen eben 
mit unserer Wohlfahrt in einer doppelten Beziehung, sie fördern unsere 
Wohlfahrt, sie erfordern aber auch ein Opfer an Wohlfahrt. Deshalb muß 
es neben dem Gebrauchswert auch einen Arbeitswert geben. Richtig ist 
auch, daß der Arbeitswert von der Wissenschaft teils zu wenig beachtet, 
teils in seinem Wesen verkannt worden ist. Die Nutzentheoretiker 
behandeln ihn als eine Abart des Gebrauchswertes, die nur unter ganz 
speziellen Umständen Geltung erlangt. Die Kosten theoretiker, vor allem 
die Vertreter der sozialistischen Lehre, haben ihn irrigerweise mit dem 
Tauschwert identifiziert. Der Wert, den Marx behandelt, ist nicht 
der Tauschwert. Denn die moderne Verkehrswirtschaft zeichnet sich 
gerade dadurch aus, daß die Güter nicht im Verhältnis der in ihnen ver- 
körperten Arbeit ausgetauscht werden. Der Arbeitswert ist etwas ganz 
anderes als der Tauschwert. Dennoch — oder besser: gerade deshalb 
besitzt der Arbeitswert große theoretische Bedeutung. Denn er be- 
zeichnet das Niveau, welches der Stand der Preise einnehmen würde, 
wenn die Konkurrenz wahrhaft frei wäre. (Ueber den Begriff der. 
„freien Konkurrenz", wie ich ihn verstehe, siehe meine Schrift: Die 
Lehre vom subjektiven Wert als Grundlage der Preistheorie 1912, 
S. 33 ff.) Bei vollkommen freier Konkurrenz könnte der Preis die 
Arbeitekosten nicht dauernd übersteigen; die Konkurrenz würde ihn 
immer wieder auf das Niveau der Arbeitskosten herabdrücken. Von 
diesem Standpunkt aus stellt sich jede dauernde Abweichung der Preise 
von den Arbeitskosten als Folge einer Beschränkung der Konkurrenz, 
alles arbeitelose Einkommen, das ja immer aus einem Ueberschuß 
des Preises über die Arbeitskosten gezogen wird (Kapitalzins, Grund- 
rente und alle anderen Renten) als Monopoleinkommen dar. So wird 
der Arbeitswert zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die Erklärung 
der Preise und der Einkommensverteilung. 

Cornelissen schlägt diesen Weg jedoch nicht ein. Statt zu unter- 
suchen, warum in der modernen Verkehrs wir tschaft Arbeitswert und 
Preis so weit voneinander abweichen, konstruiert er einen besonderen 
kapitalistischen Produktionswert, der unserer Epoche eigentümlich sein 
soll und sich nach folgender Formel bestimmt: Gesellschaftlich not- 
wendige Kosten der Produktion und Zirkulation plus Durchschnitts- 
profit (S. 297). Natürlich entbehrt dieser Begriff jedes Erklärungs- 
wertes, denn er ist weder zur Formulierung noch zur Erklärung eines 
Probleme3 verwendbar, sondern bezeichnet einfach den normalen Stand 
der Preise, dessen Erklärung ja eben die Aufgabe der Preistheorie ist. 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 7 



98 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Der leitende Gedanke der von Cornelissen entwickelten Preis - 
theorie ist der, daß der Tauschwert aus dem Zusammenwirken des 
Gebrauchs- und des Produktionswertes entsteht (S. 169), daß er eine 
Resultante dieser beiden "Werte ist (S. 345). Der Tauschwert hat die 
Tendenz, einerseits mit dem Produktionswert, andererseits mit dem 
Gebrauchswert zusammenzufallen (S. 162). Die erste Tendenz mußte 
notwendig wirksam werden und offenbare sich auf Schritt und Tritt. 
Die Arbeit sei das reale Element, womit der Mensch in die Erzeugung 
der Güter eingreift, und es sei offenbar (evident) — ein Wort, welches 
bei Cornelissen nur zu oft die Stelle eines Beweises vertritt — , daß 
in der Mehrzahl der Fälle dieses Element einen entscheidenden Einfluß 
auf den Tausch ausüben müsse (S. 163). Die zweite Tendenz entspringt 
daraus, daß die Güter nur um ihres Nutzens willen geschätzt und 
auch nur aus diesem Grunde Arbeit auf ihre Hervorbringung aufge- 
wendet wird (S. 164). Das Zusammenwirken von Gebrauchs- und 
Produktionswert bei der Konstitution des Tauschwertes erfolgt aber 
,,dans les proportions les plus diverses, et, pourrait on dire, les plus 
capricieuses" (S. 169). Bei den irreproduzibeln Gütern übt der Ge- 
brauchswert den beherrschenden Einfluß aus. Der Gebrauchswert dieser 
Güter zeigt zugleich ihren Tauschwert an (S. 171). Bei den beliebig 
reproduzibeln Gütern tritt der Einfluß des Produktionswertes in den 
Vordergrund. Zwischen diesen beiden Extremen finden sich zahllose 
Spielarten mit allen Nuancen des größeren oder geringeren Einflusses 
des Gebrauchs- und des Produktionswertes (S. 173). Warum das so 
ist, und auf welchem Wege der Einfluß dieser beiden Werte wirksam 
wird, wird nicht gezeigt. Die Darstellung verliert sich auch hier in 
die Erörterung zahlloser Spezialfälle, welche zusammenhangslos anein- 
andergereiht werden. Die Unfähigkeit des Verfassers, in der Mannig- 
faltigkeit der Erscheinungen das herrschende Prinzip zu erkennen, 
tritt besonders deutlich in seiner Stellungnahme zum Gesetz von An- 
gebot und Nachfrage hervor. Er lehnt das Gesetz als sinnlos (vide 
de sens) ab (S. 360), erkennt aber andererseits dessen Herrschaft doch 
wieder an, wenn er einräumt, daß der Preis bei unzulänglichem Angebot 
über den Produktionswert gehoben, bei übermäßigem Angebot unter 
den Produktions wert herabgedrückt wird, daß also der Preis mit 
dem Produktionswert nur dann zusammenfällt, wenn die Menge der 
angebotenen Ware die beim Kostenpreis herrschende Nachfrage gerade 
deckt (S. 346). Er hat nicht erkannt, daß sich jede Preisbildung, auch 
die der Monopolgüter, unter der Herrschaft jenes Gesetzes vollzieht, 
daß sich der Preis immer auf jenem Punkt einzustellen sucht, bei 
dem die Menge der angebotenen mit der Menge der begehrten Ware 
zusammenfällt, und daß der Unterschied zwischen der Preisbildung 
der Konkurrenz- und der Monopolgüter lediglich auf die verschiedene 
Art, in der das Zustandekommen eines bestimmten Angebotes hier 
und dort erfolgt, zurückzuführen ist. So hat Cornelissen nur einen 
recht unzulänglichen Beitrag zur Beleuchtung der alten Unterscheidung 
zwischen reproduzibeln und irreproduzibeln Gütern geliefert. Die Er- 
kenntnis der Preisbildung wird durch sein Werk schwerlich gefördert 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 99 

werden, zumal das Hauptproblem der Preistheorie, die Darlegung des 
Zusammenhanges, in dem alle Preise miteinander stehen, ganz und 
gar unerörtert bleibt. 

Wien. Otto Conrad. 

Grundriß der Sozialökonomik. Bearb. von S. Altmann, Th. Brinkmann, 
K. Bücher u. a. I. Abtlg. Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft. Bearb. von 
K. Bücher, J. Schumpeter, Fr. Frhr. v. Wieser. XIV — 454 SS. M. 11.—. 
II. Abtlg. Die natürlichen und technischen Beziehungen der Wirtschaft. Bearb. 
von Fr. v. Gottl-Ottlilienfeld, H. Herkner, A. Hettner, R. Michels, P. Mombert, 
K. Oldenberg. X— 387 SS. M. 9.—. Tübingen, J. C. B. Mohr, 1914. Lex.-8. 

Diehl, Karl, u. Paul Mombert, Ausgewählte Lesestücke zum Stu- 
dium der politischen Oekonomie. 9. Bd. Freihandel und Schutzzoll. Karls- 
ruhe, G. Braun, 1914. 8. VII— 200 SS. M. 2,60. 

Siegfried, Dr. Bernh., Repetitorium der Geschichte der National- 
ökonomie. Bern, Max Drechsel, 1914. 8. 104 SS. M. 3.—. 



Antonelli, E., Principes d'economie pure. La theorie de l'echange sous 
le regime de la libre concurrence. Preface de (prof.) G. Renard. Paris, Marcel 
Riviere et Cie., 1914. 8. IX — 207 pag. fr. 5. — . (Bibliotheque generale d'econo- 
mie politique.) 

De Potter, Agathon, Economie sociale. Tome deux. Deuxieme edition. 
Bruxelles, L'Imprimerie (Vve. Monnom), 1913. 25X16,5. 212— V pag. fr. 1,50. 

Valdour, Jacques, La methode concrete en science sociale. Paris, 
A. Rousseau, 1914. 16. 141 pag. (La vie ouvriere. Observations vecues.) 

Croce, Benedetto, Historical materialism and the economics of Karl 
Marx. London, H. Latimer. Cr. -8. 212 pp. 5/. — . 

Gide, Charles, Political economy. Authorised translation from the 
3rd ed. London, Harrap. 8. 776 pp. 10/.6. 

Hillquit, Morris and Ryan, J. A., Socialism: Promise or menace? 
London, Macmillan. Cr. -8. 5/.6. 

Layton, W. S., The relations of capital and labour. Portrait. London, 
Collins. 12. 264 pp. 1/.—. 

Parkinson, H., A primer of social science; foreword by Rev. T. J. 
Shealy. New York, Devin-Adair, 1913. 85 c. 

Labriola, Arturo, II socialismo contemporaneo : lineamenti storici. Rocca 
S. Giovanni, casa ed. Abruzzese (tip. Bodoniana), 1914. 8. XXXI, 442 pp. 1. 4. — . 

2. Geschichte und Darstellung- der wirtschaftlichen Kultur. 

Groß, Lothar. Beiträge zur städtischen Vermögensstatistik des 
14. und 15. Jahrhunderts in Oesterreich (Forschungen zur inneren Ge- 
schichte Oesterreichs, herausgeg. von A. Dopseh, Heft 10). Innsbruck 
(Wagner) 1913. 

Der Hauptwert der methodisch gut gearbeiteten Schrift liegt in 
der Publikation eines Verzeichnisses des steuerbaren Immobiliarbesitzes 
der Bürger von Enns in Ober-0 esterreich, dessen Abfassung bzw. 
Benützung der Verf. wohl richtig in die Jahre 1393 — 1415 setzt. Von 
weiterer Bedeutung wird diese Quellenpublikation allerdings erst dann 
werden, wenn auch für andere Städte desselben Gebietes, ähnliche Ver- 
öffentlichungen vorliegen, die in ihrer Gesamtheit einen vergleichenden 
Schluß auf die Steuerverfassung und die Steuerkraft jener Periode ge- 
statten. Denn aus dem Ennser Material allein hat der Verfasser bei 
allem Fleiß nicht viel bedeutsames herauszuholen vermocht. Auch 
seine Schlüsse über die Vermögensverteilung und Vermögensverschie- 
bung in dem betrachteten Zeiträume sind bei der Lückenhaftigkeit der 

7* 



100 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Handschrift, der Nichtberücksichtigung des Mobiliarvermögens und der 
kleinen Zahl der beobachteten Zensiten mit großer Vorsicht aufzu- 
nehmen. Bei der Heranziehung der Vermögensverzeichnisse anderer 
Städte wären die Görlitzer Geschoßbücher bzw. die sie besprechende 
Publikation von R. Jecht (N. Laus. Mag. 72, 1896) von Nutzen ge- 
wesen. Als allgemein bemerkenswerte Züge treten uns auch hier der 
starke Wechsel im Hausbesitz sowie die weitverstreute Lage der zahl- 
reichen den Stadtbürgern gehörigen ländlichen Grundstücke entgegen,, 
die in dem Weinbau und dem Weinhandel jener Landschaft ihre Be- 
gründung findet. 

Halle. Gustav Aubin. 

Oesterreichische Weistümer, 10. Bd. Steirische Taidinge 
(Nachträge). Im Auftrage der Kais. Akademie der Wissenschaften her- 
ausgegeben von Anton Meli und Eugen Freiherrn von Müller. Wien 
(Wilhelm Braumüller) 1913. XI u. 385 SS. 12 M. 

Seit dem Erscheinen des für Steiermark und Kärnten bestimmten 
(sechsten) Bandes der österreichischen Weistümer im Jahre 1881 hat 
die Eröffnung und Sichtung der steirischen Archive solche Fortschritte 
gemacht, daß aus einem größeren von Meli gesammelten Material 
60 Stücke von der Wiener Akademie zur Ausgabe in dem vorliegenden 
Nachtragsbande bestimmt worden sind, welcher als abschließend zu be- 
trachten ist. Damit ist die von den Herausgebern des Hauptbandes noch 
nicht eingestandene Tatsache festgestellt, daß das Institut der Tai- 
dinge dem steirischen Mittel- und Unterlande — im Gegensatz zum Ober- 
lande — fast unbekannt gewesen ist und daß hier überhaupt Dorfrechte 
laut Weisung gänzlich fehlen, was Meli auf „das bereits bei der deutschen 
Kolonisierung stark hervortretende grundherrschaftliche Prinzip, viel- 
leicht auch auf einen ursprünglichen Mangel an geschlossenen Dorf- 
schaften und Gemeinden" zurückführt. Dementsprechend sind unter den 
neuen, zum Teil schon anderswo verzeichneten oder veröffentlichten, 
Stücken nur wenige eigentliche Weistümer, die Mehrzahl stellen Auf- 
zeichnungen über die Rechte der Grundherren und Untertanen, aus 
Urbaren entnommen, dazu Markt- und Stadtordnungen, Abweichungen 
also vom strengen Plan einer Weistümer Sammlung, wie sie schon beim 
Hauptbande für notwendig erachtet wurden, und als durchaus be- 
rechtigt anerkannt werden müssen. Anordnung, Druck, Register und 
Glossar folgen ebenfalls dem Hauptband, zu dessen einzelnen Stücken 
auch Nachträge und Berichtigungen vermerkt sind. 

Düsseldorf. Hermann Aubin. 

Stolz, Heinz, Düsseldorf. (Stätten der Kultur. Hrsg. von Prof. Dr. 
Georg Biermann, Bd. 32.) Leipzig, Klinkhardt u. Biermann, 1914. 8. VIII— 148 SS. 
mit Abbildgn. u. Taf. M. 3.—. 



Roger, Rene, La Colombie economique, avec un extrait du Code minier 
colombien et du projet de loi sur l'exploitation des forets, deux graphiques et 
deux cartes (these). Paris, libr. de la Societe du Recueil Sirey, libr. R. Roger 
et F. Chernovitz, 1914. 8. XVI— 444 pag. 

Baerlin, Henry, Mexico, the land of unrest. Illustrated. 2nd and 
cheaper ed. London, Simpkin. 8. 512 pp. 7/.6. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. \Q\ 

Fenc helle, H. E., Italy; Industrial and financial development. London, 
E. Wilson. 8. 1/.—. 

Joyce, Patrick Weston, A social history of ancient Ireland ; treating 
of the government, military System and law, religion, learning and art, trades, 
industries and commerce, manners, customs, and domestic life of the ancient 
Irish people. In 2 vols. 2 d. ed. New York, Longmans. 8. 23 + 632; 11 + 65 pp. 
iL $ 7,50. 

Mavor, James, An economic history of Eussia. 2 vols. London, Dent. 
8. 646, 652 pp. 3/.6. 

Münsterberg, Hugo, The Americans; tr. by Ed. B. Holt. New 
York, Doubleday, Page. 8. 10 + 619 pp. $ 1.— . 

Tchobanian, Archag, The people of Armenia, their past, their 
culture, the future. London, Dent. 18. 80 pp. 1/.6. 

3. Bevölfeerungslehre und Bevölkerungspolitik. Auswanderung- 
und Kolonisation. 

Die Ansiedlung von Europäern in den Tropen. 2. Band. 
Mit Beiträgen von Prof. Dr. Karl Sapper, Prof. Dr. van Blom und 
Dr. J. A. Nederburgh: Mittelamerika, Kleine Antillen, Nie- 
derländisch- West- und Ostindien. München u. Leipzig (Duncker 
& Humblot) 1912. 171 SS. M. 4,60. 

Der Verein für Sozialpolitik beschloß im Jahre 1910, eine Erhebung 
über die wirtschaftliche Tätigkeit und das soziale Leben der Weißen 
in den Tropen zu veranstalten, mit besonderer Berücksichtigung der 
Frage, ob dauernde Ansiedlungen stattgefunden haben und Generationen 
überdauerten. Die Tatsachen, Bedingungen und Erfolge der europäischen 
Ansiedlung und Arbeit in der heißen Zone sollten wissenschaftlich 
untersucht werden. Die Veröffentlichung dieser Untersuchungen er- 
folgt als 147. Band der Schriften des Vereins für Sozialpolitik. Als 
erster Band erschien der Bericht der 1908 unter Führung des damaligen 
Unterstaatssekretärs des Reichskolonialamts Dr. v. Lindequist nach Ost- 
afrika entsandten Kommission „Deutsch-Ostafrika als Siedelungsgebiet 
für Europäer unter Berücksichtigung Britisch-Ostafrikas und desNyassa- 
landes". 

Im ersten Teile des vorliegenden zweiten Bandes behandelt Karl 
S a p p e r die Ansiedlung von Europäern in Mittelamerika ; infolge seines 
langjährigen Aufenthaltes in jenen Ländern ist er dazu wie kaum ein 
anderer berufen. Das einleitende Kapitel orientiert uns über Land und 
Bewohner, Natur und Kultur Mittelamerikas in Vergangenheit und 
Gegenwart, während in den folgenden Kapiteln die Landwirtschaft, 
die sonstige wirtschaftliche Betätigung der Weißen und Farbigen in 
Mittelamerika, die Gesundheitsverhältnisse der Weißen und endlich die 
Aussichten der Besiedlung und der Fortpflanzung der weißen Ansiedler 
erörtert werden. 

Da nach den mittelamerikanischen Ländern schon seit Jahrhunderten 
eine ziemlich umfangreiche Einwanderung von Europäern erfolgt ist, 
waren in Mittelamerika eher als in den meisten andern tropischen Ge- 
bieten hinlängliche Unterlagen zur Beantwortung der Frage zu erwarten, 
ob die Seßhaftmachung von Europäern in den Tropen möglich ist und 
weiße Familien sich daselbst durch Generationen hindurch zu erhalten 
vermögen. Leider werden aber die Ermittlungen dadurch sehr erschwert, 



102 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

daß zwischen den die Grundlage der Bevölkerung bildenden 3 Rassen, 
Weiße, Indianer und Neger, eine weitgehende Vermischung stattgefunden 
hat, so daß sich bei sehr vielen „Weißen" nicht feststellen läßt, ob sie 
wirklich reinblütig sind. Sapper meint, daß nur noch in Costarica ein 
beträchtlicher Prozentsatz reinblütiger Weißer vorhanden, in den andern 
mittelamerikanischen Staaten aber ihre Zahl außerordentlich gering- 
fügig sei. Die aus der Ehe eines Europäers mit einer Einheimischen 
hervorgehenden Kinder gehen fast stets in der Landesbevölkerung auf, 
ja auch die Kinder reinblütiger Eltern trifft meist dasselbe Schicksal, 
wenn sie nicht auf längere Zeit in die Heimat ihrer Eltern zurück- 
gebracht werden und sich später wieder mit weißen Gatten verheiraten. 
Nur in diesem Sinne darf man an eine generationenlange reine Fort- 
pflanzung der Weißen in Mittelamerika denken. Erfolgt eine derartige 
Auffrischung nicht, so widersteht keine Nationalität auf die Dauer den 
Einwirkungen der Umgebung. Spanier und Italiener sollen schon in 
der zweiten, Franzosen und Deutsche in der dritten Generation in der 
Regel völlig unter der einheimischen Bevölkerung verschwinden, während 
Engländer und Nordamerikaner sich etwas widerstandsfähiger erweisen. 

Von wesentlichem Einflüsse auf die Akklimatisation der weißen 
Rasse in den Tropen ist die Höhenlage, das beweisen auch die in Mittel- 
amerika gemachten Erfahrungen. Im mittelamerikanischen Hochlande 
können die Weißen sehr wohl körperliche Arbeit im Freien verrichten 
und dabei gesund bleiben, auch die Familie lebenskräftig fortpflanzen. 
Die weiße Rasse vermag sich hier also, etwa von 1000 m Meereshöhe 
an, bei vernünftiger Lebensweise zu akklimatisieren, ja die Männer 
könnten dabei ruhig im Tieflande arbeiten, wenn nur Frauen und Kinder 
im Hochlande bleiben. In der tropischen Tieflandszone ist eine Akkli- 
matisation der weißen Rasse nicht möglich, weil die Kindersterblichkeit 
groß und die Geburtsziffer sehr niedrig ist. 

Den zweiten Teil des Buches bilden die Untersuchungen Sappers 
über die Ansiedlung von Europäern auf den Kleinen Antillen. Diese 
Inseln waren im 17. Jahrhundert geradezu Emigrationsgebiete, haupt- 
sächlich für die Engländer und Franzosen. Ein sehr hoher Prozentsatz 
der damals hier ansässigen Europäer entfiel auf die weißen Kontrakt- 
arbeiter der Tabakpflanzungen, und wenn auch in der Leistung von 
Feldarbeit unter den vorliegenden klimatischen Verhältnissen der Weiße 
es wohl nicht mit dem Neger aufnehmen konnte, so lehrt doch das Bei- 
spiel der seit Generationen auf der kleinen Insel Saba ansässigen 
Europäer noch heute, daß Feldarbeit dauernd von Weißen auf den 
Kleinen Antillen geleistet werden kann, während das auf Trinidad nicht 
mehr möglich erscheint. Der starke Rückgang der weißen gegenüber 
der farbigen Bevölkerung ist lediglich durch die wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse verursacht; der Gesundheitszustand ist im allgemeinen als gut 
zu bezeichnen. Günstig wirken der zeitweilige Aufenthalt in kühlerer 
Höhenlage und die Erziehung der Kinder in Europa oder Nordamerika ; 
es sind jedoch zahlreiche Familien vorhanden, die seit Generationen im 
tropischen Klima wohnen, ohne daß ihre Mitglieder jemals ein kühleres 
Klima aufgesucht haben. Allerdings soll sich bei diesen Kreolen ein 
Mangel an Energie und an Unternehmungslust fühlbar machen. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 103 

Ungünstiger sind die Erfahrungen mit der Ansiedlung Weißer 
in Niederländisch-Westindien, worüber im dritten Teile D. van Blom 
berichtet. Es trifft das insbesondere für die festländische Kolonie 
Niederländisch-Guyana, ein echtes Tropenland mit feucht-heißem Klima, 
zu. Hier interessieren zunächst die Nachkommen der portugiesischen 
Juden, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus Brasilien ein- 
wanderten. Diese Juden haben sich zwar in der Kolonie vollständig 
akklimatisiert — von Feldarbeit hielten sie sioh stets fern — aber in- 
folge steter Familienheiraten sind bei ihnen schwächlicher Körperbau, 
Skrofulöse und die sonstigen Merkmale einer verkümmernden Kasse 
stark vertreten. Die aus der Vermischung von Juden mit Negerinnen 
oder Mulattinnen hervorgehenden Kinder sind bedeutend kräftiger und 
gesünder als ihre weißen Halbgesohwister. Sodann besteht in der Um- 
gebung von Paramaribo eine Niederlassung holländischer Bauern, deren 
Vorfahren in den 1840er Jahren ins Land gekommen sind. Infolge der 
anfänglich äußerst ungünstigen Lebensbedingungen blieben damals von 
den Einwanderern nur wenige am Leben, die letzteren aber akklimati- 
sierten sich und pflanzten sich fort. Schon die erste im Lande selbst 
geborene Generation kam den Eltern an Energie und Lebensfrisohe 
nicht mehr gleich, und noch ungünstiger sind die zweite und dritte 
Generation beschaffen. Die Hauptschuld daran dürfte auch in diesem 
Falle die im tropischen Klima besonders nachteilig wirkende Inzucht 
tragen, weniger das Klima an sich. 

Im vierten Teile, welcher Niederländisch-Ostindien betrifft, kommt 
J. A. Nederburgh zu dem Schlüsse, daß eine reine europäische 
Kolonisation unter Reinerhaltung der Rasse daselbst nicht möglich sei. 
Die gesundheitlichen Verhältnisse sind gut, auf die Dauer aber be- 
einflußt das Tropenklima des Tieflandes die geistigen und körperlichen 
Kräfte des Europäers in ungünstiger Weise. 

Leipzig. A. Golf. 

Fischer (Handelsschul-Dir.), A u g., Beiträge zur Entstehungsgeschichte 
der ersten Kolonien in Nordamerika, Westindien und Südamerika. (Publi- 
kationen der Exportakademie). Wien, Exportakademie des k. k. Handelsmuseums, 
1914. gi. 8. 61 SS. M. 0,80. 



de Lannoy (prof.), Charles, La colonistique. Definition et methode. 
Bruxelles, Hayez, 1913. 25x16,5. 59 pag. 

4. Bergbau. Land- und Forstwirtschaft. Fischereiwesen. 

Wohlgemut, Marta, Die Bäuerin in zwei badischen Gemeinden. 
Volkswirtschaftliche Abhandlungen der badischen Hochschulen, Neue 
Folge, Heft 20. Karlsruhe i. B. (G. Braunsche Hofbuchdruckerei und 
Verlag) 1913. 160 SS. Preis 2,40 M. 

Diese feinsinnige Studie ist aus der schönen Verbindung von wissen- 
schaftlicher Gründlichkeit und künstlerischer Gestaltungskraft hervor- 
gegangen. Eine Frauenarbeit im besten Sinne, kann sie geradezu als 
Schulbeispiel dafür angesehen werden, daß manche Stoffe sich der weib- 
lichen Untersuchung bereitwilliger fügen als der männlichen, ja, daß 
ihre kritische Sonde unter Umständen tiefer reicht als die des Mannes, 
weil vielo der hier aufgedeckten Interna einem männlichen Forscher 



104 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

unbekannt geblieben wären aus dem äußerlichen Grunde des Ge- 
schlechtsgegensatzes an sich und dem damit verbundenen innerlichen 
einer mangelnden Einfühlungsfähigkeit. Die Verfasserin, die es unter- 
nommen hat, monatelang in zwei bäuerlichen Haushaltungen, der Ebene 
und das Gebirges, zu leben und darin aufzugehen, führt uns sowohl 
die Bäuerin als landwirtschaftliche Produzentin wie als Ehefrau und 
Mutter anschaulich vor Augen und liefert so unter anderem einen wert- 
vollen Beitrag zu dem noch vielfach vernachlässigten und der Auf- 
klärung harrenden Probleme der Konsumtion. Innerhalb ihrer speziellen 
Tätigkeitsgebiete ist die Bäuerin in erheblichem Maße selbständig und 
verantwortlich; eine „Frauenfrage" existiert hier nicht: selbst da, wo 
der Bauer nach außen das letzte Wort spricht, ist eine genaue Rück- 
sprache und Verständigung mit der Bäuerin vorausgegangen. Ihro 
landwirtschaftliche Berufstätigkeit ist auf ein Ganzes gerichtet, das 
unter ihrer Hand wächst und sich vollendet; sie entspricht in ihrer 
Art im allgemeinen den spezifischen Fähigkeiten der Bäuerin als 
Frau. Dadurch, daß der Erfolg ihrer Mühen ihrer Familie voll zugute 
kommt und ihre Produktion für die Nahrungsmittelversorgung anderer 
Stände bedeutsam ist, erwächst ihr das Bewußtsein ihres Wertes für die 
Familie und das Volksganze. Ein Schlußkapitel beschäftigt sich mit 
der zu fordernden Vorbildung der künftigen Bäuerin. Es müssen ent- 
sprechend den veränderten Zeitverhältnissen Maßnahmen getroffen 
werden, um dem allzu starren Konservatismus vorzubeugen und ratio- 
nellere Bewirtschaftungsmethoden einzuführen. 

Halle a. S. Auguste Lange. 

Hersch, L., Le Juif errant d'aujourd'hui. ißtudes sur l'emigration 
des Israelites de l'Europe Orientale aux fitats-Unis de TAmerique 
du Nord. Paris (M. Giard u. E. Briere) 1913. 8°. 331 SS. 6 frcs. 
broschiert. 

Das erste Kapitel stellt den Umfang der jüdischen Auswanderung 
dar, die Zusammensetzung und den Beruf der Auswanderer, ein zweites 
ist den Ursachen, ein drittes den Wirkungen der Auswanderung ge- 
widmet. Die Darstellung bezieht sich erst auf die Zeit nach 1899, der 
Zeitraum vorher wird ganz kurz in der Einleitung behandelt. Das 
Buch ist mit sehr großem Fleiß und sehr großer Sachkenntnis ge- 
schrieben und stellt eine äußerst anerkennenswerte Leistung dar; es 
ist jedenfalls das beste, das wir bis heute über diesen Gegenstand be- 
sitzen. Um welch' wichtiges Problem es sich dabei handelt, geht schon 
rein äußerlich daraus hervor, daß in der Periode von 1899 — 1910 
mehr als 1 Mill. Juden nach den Vereinigten Staaten — der Wanderung 
dorthin ist das Buch speziell gewidmet — ausgewandert sind, daß in 
diesem Zeitraum 11,2 Proz. der gesamten Einwanderung aus Juden 
bestanden haben. Von der russischen Auswanderung dorthin macht in 
dem gleichen Zeitraum ihr Anteil durchschnittlich jährlich 43,8 Proz. 
aus, um in einzelnen Jahren auf die Hälfte und mehr zu steigen. Ganz 
eingehend untersucht werden, Geschlecht, Alter, Familienstand und 
Bildungsgrad der Auswanderer; den Berufsverhältnissen derselben, denen 
der Verf. zur Erklärung dieser gewaltigen und eigenartigen Auswande- 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 105 

rung eine besondere Bedeutung beimißt, ist er ganz besonders gründlich 
nachgegangen. 

Die Frage, welche Bedeutung diese Wanderbewegung in ökonomi- 
scher und sozialer Beziehung für die Aus- und Einwanderungsgebiete 
hat, hat der Verf. nicht erörtert. Wenngleich dies in voller Absicht 
geschehen ist, muß man dies doch mit einem gewissen Bedauern kon- 
statieren, da es sich gerade hierbei um ganz besonders interessante und 
bedeutsame Probleme handelt. 

Freiburg i. Br. Mombert. 

Altrock (Gen.-Sekr.), Dr. Walt her v., Der landwirtschaftliche Kredit 
in Preußen. I. Die ostpreußische Landschaft. Mit einer Einführung von (Wirkl. 
Geh. Kat) Dr. Graf v. Schwerin- Löwitz. (Veröffentlichung des Kgl. Preuß. 
Landes-Oekonomie-Kollegiums. Hrsg. von (Gen.-Sekr.) Dr. v. Altrock. Heft 15.) 
Berlin, Paul Parey, 1914. Lex.-8. XVI— 219 SS. M. 6.—. 

Eliaschewitsch, Dr. Alex, Die Bewegung zugunsten der kleinen 
landwirtschaftlichen Güter in England. Ein Beitrag zur Geschichte des Unter- 
gangs der kleinen englischen Landwirte und der Bewegungen für die innere 
Kolonisation. München, Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. IV— 366 SS. M. 9.—. 

Erzeugnisse, Milchwirtschaftliche. Hrsg. v. Arnold u. Sering. IV. Teil. 
Die Milchversorgung in Württemberg, von (Ob. -Finanzrat) Dr. Otto Trüdinger. 
(Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 140. Bd. IV. Teil.) München u. Leipzig, 
Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. 127 SS. M. 3,60. 

Friedensburg (Bergassessor), Dr. F., Die für den preußischen Berg- 
bau geltenden Bestimmungen über die Sonntagsruhe und über die Beschäfti- 
gung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern. Unter Benutzung der Akten 
des kgl. Oberbergamts zu Breslau zusammengestellt. Kattowitz O.-S., Gebr. 
Böhm, 1914. kl. 8. VI— 73 SS. M. 1,25. 

Heise (Bergsch.-Dir.), F., u. F. Herbst, Proff., Kurzer Leitfaden 
der Bergbaukunde. Berlin, Julius Springer, 1914. 8. XII, 247 SS. mit 334 Fig. 
M. 6.—. 

Kö brich (Bergrat), C, Der Bergbau des Groß herzogt ums Hessen. Kurze 
Uebersicht über geschichtliche Entwicklung und gegenwärtigen Stand des Berg-, 
Hütten- und Salinenwesens, vornehmlich in der Provinz Oberhessen. Unter Be- 
nutzung amtlichen Materials zusammengestellt. Darmstadt, Großh. hess. Staats- 
verlag, 1914. kl. 8. 101 SS. mit 29 Abbildungen und 2 (1 färb., 1 eingedr.) 
Karten. M. 1. — . 

Oertzen, Ka*rl Bernh. v., Wie erhalten wir unseren Bauernstand? 
Und wie befreien wir uns von den Wanderarbeitern? Bisherige Ergebnisse der 
Studienkommission für Erhaltung des Bauernstandes für Kleinsiedlung und Land- 
arbeit. Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8. 40 SS. M. 1,20. 

Preyer , W. D., Die russische Agrarreform. Jena, Gustav Fischer, 1914. 
gr. 8. XIV, 415 SS. mit 10 lith. Plänen. M. 18.—. 

Preisbewegung landwirtschaftlicher Güter in einigen Teilen Bayerns 
während der Jahre 1900 — 1910. Mit Beiträgen von Mich. Horlacher, Frz. Hörenz, 
Jörgen Hansen und V. J. Fröhlich und einer Einleitung von Lujo Brentano. 
I. Teil. (Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 148. Bd., V. Teil.) München u. 
Leipzig. Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. XXII, 711 SS. mit 1 fark. Karte und 
1 färb. Kurventafel. M. 18.—. 

Serban, Dr. Mich., Rumäniens Agrarverhältnisse. Wirtschafts- und 
sozialpolitische Untersuchungen. Berlin, Paul Parey, 1914. Lex.-8. IV — 140 SS. 
M. 5.—. 

Strohmeyer (Reg.- u. Oekon.-Rat), C, Die Berechung des Wertes, 
des Grund und Bodens und der Nebenentschädigungen bei Enteignungen land- 
wirtschaftlich genutzten Geländes. Sondershausen, Fr. Aug. Eupel, 1914. gr. 8. 
VI— 55 SS. M. 2,50. 

Thieringer (Stabsveter.), H., Das Veterinärwesen einschließlich einiger 
verwandter Gebiete in Serbien. Xach Berichten des kaiserl. deutschen Kon- 
sulats für Serbien in Belgrad und nach anderen Quellen bearb. — Hall, 



106 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Dr., Das Veterinärwesen einschließlich einiger verwandter Gebiete in Nor- 
wegen. Nach Berichten des kaiserl. Generalkonsulats in Kristiania und nach 
anderen Quellen bearb. Berlin, Julius Springer, 1914. Lex. -8. 92 SS. M. 4,40. 



Credit (Le) agricole, II: Credit collectif en faveur des societes coopera- 
tives de production et de vente des syndicats agricoles et des societes d'assurances 
mutuelles contre les risques agricoles. Formalites de Constitution et fonctionne- 
ment des societes cooperatives. Besultats obtenus. Paris, Impr. nationale, 1914. 
8. 124 pag (Ministere de l'agriculture. Service du credit de la Cooperation et 
de la mutualite agricoles). 

Le regime forestier aux colonies. Bruxelles, Institut colonial inter- 
national 1914 3 vol., 23,5X15,5. 552, 518 et 506 pag. fr. 60. 

Boule, L., Traite raisonne de la pisciculture et des peches. Paris, 
J. B. Bailliere et fils, 1914. 8. VIII— 734 pag. avec. fig. 

Vermant, Eobert et Charles De Zuttere. Enquete sur la peche 
maritime en Belgique. Deuxieme partie: Etüde sociale de la peche maritime. 
Bruxelles, J. Lebegue et Cie., 1914. 25X16,5. figg., pll. XII— 596 pag. fr. 4,50. 

Aronson, Hugh., The land and the labourer. London, A. Melrose. 
Cr. 8. 304 pp. 3/.6. 

Bailey, L. H., The Standard cyclopaedia of horticulture. Vol. 1. London, 
Macmillan. 4. 25/. — . 

Bück, Solon Justus, The grange movement. A study of agricultural 
Organization and its political, economic and social manifestations. London, H. 
Milford. 8. 396 pp. 8/.6. 

Macdonald, William, Makers of modern agriculture. London, Mac- 
millan. Cr. 8. 94 pp. 2/.6. 

5. Gewerbe und Industrie. 

Misselwitz, Alfred, Die Entwicklung des Gewerbes in Halle 
a./S. während des 19. Jahrhunderts. (68. Band der „Sammlung na- 
tionalökonomischer und statistischer Abhandlungen des staatswissen- 
schaftlichen Seminars zu Halle a./S., herausgeg. von Dr. Joh. Conrad.) 
Jena (Gustav Fischer) 1913. 125 SS. 

Bei der geringen Zahl bisher angestellter Untersuchungen über die 
gewerbliche Entwicklung der einzelnen Städte ist die vorliegende Ar- 
beit, die es sich zum Ziele setzt, im Rahmen der Geschichte des preu- 
ßisch-deutschen Gewerbes eine zusammenhängende Uebersicht über die 
besonderen gewerblichen Verhältnisse der Stadt Halle a./S. zu geben, 
von vornherein dankbar zu begrüßen. Ist doch Halle eine der Städte, 
bei denen sich im Laufe von 100 Jahren die völlige Umwandlung aus 
einer wirtschaftlich nicht hervorragenden Provinzialstadt in einen an- 
sehnlichen Mittelpunkt des Gewerbes, des Handels und Verkehrs be- 
sonders augenfällig zeigt. Noch 1803 bildeten Universität und Schulen, 
die den Ruhm Halles begründet hatten, die Haupterwerbsquellen der 
Stadt; Kleinbetriebe gab es etwa 1500, Fabriken so gut wie gar nicht: 
Nur vier gewerbliche Unternehmen ließen sich nach heutigen Begriffen 
als solche bezeichnen. Auf der anderen Seite die Zahlen der gewerbe- 
statistischen Erhebung von 1907 : 4592 überwiegend großbetriebliche 
Gewerbeunternehmen mit 31 266 Tätigen. Die Grundlagen dieses wirt- 
schaftlichen Aufschwunges sieht der Verfasser — und der Kenner der 
tatsächlichen Verhältnisse muß ihm darin beistimmen — in drei Um- 
ständen: in der Ausbeutung und Verwertung der zahlreichen und 
mächtigeil Braunkohlenlager vor den Toren der Stadt, in der Her- 
stellung des Zuckers aus Rüben und dem damit in Verbindung zu 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 107 

setzenden Aufblühen der Landwirtschaft der Hallischen Umgebung, 
und in der Umwandlung der großen mitteldeutschen, in Halle zu- 
sammentreffenden Landstraßenzüge in Eisenbahnen. 

Der Verfasser zeigt im ersten Hauptteil seiner Arbeit, in dem er 
die Entwicklung des Hallischen Gewerbes während des 19. Jahrhunderts 
im allgemeinen schildert, wie sich diese Entwicklung in mannig- 
faltigem Auf und Ab, im ganzen aber nach vier großen, deutlich 
zu scheidenden Zeitabschnitten vollzieht: 1800 — 1806 als Zeit des 
tiefsten Verfalles des Gewerbes, 1816 — 1846 als Zeit der Wiederge- 
sundung und Erstarkung, 1846 — 1870 als Zeit des verhältnismäßigen 
Stillstandes, und schließlich die Jahre 1870 — 1907 als die Jahre des 
gewaltigen Aufschwunges. Der Verfasser stützt hierbei seine Aus- 
führungen auf die statistischen Unterlagen, wie sie die Erhebungen 
Preußens bzw. des Deutschen Reiches in den Jahren 1816, 1828, 1837, 
1846, 1855, 1861, 1875, 1882, 1895, 1907 bieten und gelangt auf 
diese Weise zu völlig einwandfreien Ergebnissen. Mit Recht weist 
der Verfasser in seiner Schilderung überall darauf hin, wie bei einer 
Stadt von der geographischen Lage Halles die Fortbildung der Ver- 
kehrsverhältnisse durch den allmählichen Ausbau des Eisenbahnnetzes 
und der Wasserwege, hier der Saale, eine mitwirkende Ursache der 
gewerblichen Entwicklung werden mußte. Indessen warnt der Verfasser 
davor, diesen Maßnahmen eine allzu große Bedeutung beizumessen. Als 
treibende Kräfte sieht er vielmehr: die fortschreitende Arbeitsteilung, 
die zunehmende Bedarfserhöhung infolge des großstädtischen Bevölke- 
rungsanwachsens und den Uebergang zur Massenherstellung. 

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des 
Hallischen Gewerbes im besonderen, d. h. mit den für die Stadt 
wichtigsten und kennzeichnendsten Gewerben des Handwerks und der 
Großindustrie. Bei letzterer werden neben der alteingesessenen Salz- 
gewinnung und der ebenfalls alten, blühenden Brauerei noch die neu 
hinzugetretenen Zweige der Stärkefabrikation, der Zuckerindustrie, der 
Maschinenindustrie, der Papierfabrikation und der Buchdruckerei als 
besondere großindustrielle Erwerbsquellen behandelt. Wenn hierbei 
mch die einzelnen Industrien etwas kurz behandelt werden — , so hätte 
insbesondere das wirtschaftliche Schicksal der Hallischen Salzgewinnungs- 
industrie, der „Pfännerschaft", nach seinen Ursachen eingehender ge- 
schildert werden können — sie ist wohl fortgelassen, da sie anderweitig 
eine eingehende Behandlung erfahren hat — , so muß doch anerkannt 
werden, daß die Darstellung des Verfassers einen guten Ueberblick über 
len jeweiligen Umfang und das Fortschreiten des Hallischen Ge- 
werbes während des verflossenen Jahrhunderts bietet. 

Halle. Dr. phil. Kurt Krüger. 

Norton, Thomas H., Die chemische Industrie in Belgien, Hol- 
ld, Norwegen und Schweden. Ins Deutsche übertragen und ergänzt 
ron H. Großmann. Braunschweig (Friedrich Vieweg u. Sohn) 1914. 
112 SS. 

Das Heft bietet die freie Uebersetzung eines amerikanischen Kon- 
mlarberichtes, den Großmann insbesondere durch eingehende Angaben 



108 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

über den Außenhandel in Eohstoffen und Produkten der chemischen In- 
dustrie zwischen Deutschland und den im Titel genannten vier Nachbar- 
ländern ergänzt hat. Wenn der Bericht seinem praktischen Zwecke 
gemäß viele wichtige wirtschaftliche Fragen auch nur kurz streift, 
so ist es doch zu begrüßen, daß er durch die vorliegende Ausgabe all- 
gemein zugänglich gemacht ist. Mit Recht bemerkt der Herausgeber 
in seinem Vorwort: „Es wäre außerordentlich wünschenswert, wenn 
die kleine Schrift mit dazu Veranlassung geben würde, den Stand und 
die Entwicklung der chemischen Industrie in den verschiedenen Kultur- 
ländern eingehender zu untersuchen, denn bisher sind gerade die allge- 
meinen Kenntnisse über die chemische Industrie in den meisten Ländern, 
mit Ausnahme von Deutschland, noch recht lückenhafte." Derartige 
eingehendere Darstellungen wären in der Tat sehr erwünscht, da die 
chemische Industrie eine ganze Reihe eigenartiger und interessanter 
wirtschaftlicher Probleme bietet. 

Aachen. Richard Passow. 

Bauer, Dr. Friedr., Das Wollgewerbe in Eßlingen bis zum Ende des 17. 
Jahrhunderts. (Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, hrsg. von 
Georg v. Below, Heinr. Finke, Friedr. Meineke. 55. Heft.) Berlin-Wilmersdorf, 
Dr. Walther Bothschild, 1914. gr. 8. VII— 164 SS. M. 5.—. 

Ebert (Dir.), Ernst, Zur Gesellen- und Meisterprüfung. Ein Ratgeber 
für das deutsche Handwerk und seinen Nachwuchs. 3. erweit. Aufl. Meißen, H. 
W. Schlimpert, 1914. 8. VIII— 432 SS. M. 3.—. 

Fischer, Karl R., Von der Glasindustrie im Isergebirge. Prag, Verlag 
„Deutsche Arbeit", 1914. Lex.-8. 13 SS. mit 5 Tafeln. M. 1,20. 

Hardenberg, R., Industrie, Handel und Gewerbe. Handbuch für jeder- 
mann, mit Illustrationen. Bochum, H. Potthoff, 1913. gr. 8. 317 SS. M. 7,50. 

Jahresberichte der Gewerbeaufsichtsbeamten im Königreich Württem- 
berg für 1913. Nebst: Schott (Finanzrat), Dr. A., Zahl und Arbeitszeit der 
gewerblichen Arbeiter in Württemberg im Herbst 1912. (Aus: ,,Württemb. 
Jahrbuch für Statistik und Landeskunde".) Stuttgart, H. Lindemann, 1914. Lex. -8. 
S. 728—761. M. 2.—. 

Jahresberichte, Die, der Königl. bayerischen Gewerbeaufsichtsbeamten, 
dann der Königl. bayerischen Bergbehörden für das Jahr 1913. Im Auftrage des 
Königl. Staatsministeriums, des Königl. Hauses und des Aeußeren veröffentlicht. 
München, Theodor Ackermann, 1914. gr. 8. LXII— 386 SS. M. 6,20. 

Stenglewski, Alb., Geschichte der Bäckerinnung zu Cöpenick. Zum 
300-jährigen Jubiläum der Innung bearbeitet. Cöpenick, Richard Schön, 1914. 
Lex.-8. 104 SS. mit 5 Tafeln. 



Enquete sur le travail ä domicile dans l'industrie de la chaussure. Paris, 
Impr. nationale, 1914. 8. X — 553 pag. (Ministere du travail et de la prevoyance 
sociale. Office du travail). 

Joran, Raymond, L'organisation syndicale dans l'industrie du bäti- 
ment. Paris, Arthur Savaete, 1914. 8. 240 pag. 

Liffmann, (prof.) Robert, Cartells et Trusts. Evolution de l'organi- 
sation economique. Traduit d'apres la deuxieme edition allemande par Savinien 
Bouyssy Paris, M. Giard et E. Briere, 1914. 8. fr. 5. — . 

Vigneron, H., La science et l'industrie en 1913. Preface du docteur 
Francois Helme. Paris, L. Geisler, 1914. 8. 223 pag. avec 77 fig. 

National guilds, An inquiry into the wage System and the way out. 
Edited by A. R. Orage. London, Bell. Cr. 8. 378 pp. 5/.—. 

Corsanego, Cam., L'industria ferroviaria in Italia. Roma, tip. Unione 
ed., 1914. 8. 43 pp. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 109 

6. Handel und Verkehr. 

Haaß, Friedrich, Weltpostverein und Einheitsporto (Welt- 
Pennyporto). Stuttgart (W. Kohlhammer) 1913. 8— XI, 174 SS. 3 M. 

Im Rahmen des Weltpostvereins, dessen höchstes Ziel es stets ge- 
wesen ist, Einheitlichkeit und Einfachheit neben tunlichster Billigkeit 
in die Gebührentarife und die Verwaltungsvorschriften über die tech- 
nische Behandlung der Postsendungen zu bringen, haben sich während 
oles letzten Jahrzehnts eine Reihe engerer Vereinigungen gebildet, um 
an Stelle des bisher unerreichbaren Welteinheitsportos ermäßigte Brief- 
portosätze innerhalb ihres Vereinsgebiets herbeizuführen. Während die 
Fachliteratur sowie berufene Vertreter aus Handel und Industrie dieser 
Entwicklung überwiegend sympathisch gegenüberstehen, vertritt der 
Verfasser auf Grund langjähriger praktischer Erfahrungen mit Ueber- 
zeugung den Standpunkt, daß eine gesunde Entwicklung des inter- 
nationalen Briefposttarifs nur im Wege der baldigen Einführung eines 
von allen Sonderbestimmungen freien, d. h. ausnahmslos geltenden Welt- 
einheitsportos zu erreichen ist. Die Durchführbarkeit dieser Maß- 
nahmen zu beweisen und die dagegen erhobenen finanzpolitischen Be- 
denken zu entkräften, ist der Zweck der lehrreichen Arbeit, die im 
Hinblick auf den 1914 in Madrid zusammentretenden siebenten Welt- 
postvereinskongreß besondere Beachtung verdient. 

Nach einer eingehenden Darstellung der geschichtlichen Entwick- 
lung des Weltpostvereins, seiner Grundlagen und aller bisherigen, auf 
Vereinigung oder Ermäßigung des internationalen Briefportos gerich- 
teten Bestrebungen in den beiden ersten Teilen der Arbeit, die durch 4 
übersichtliche Tabellen wertvoll ergänzt werden, begründet der Verfasser 
im dritten Teil unter kritischer Beleuchtung der einschlägigen Literatur 
ausführlich die Forderung baldiger Einführung des Welteinheitsportos. 
Er verkennt hierbei nicht, daß mit dem dann zu erwartenden Verkehrs- 
zuwachs auch eine Steigerung des allgemeinen Betriebsaufwands, ins- 
besondere der Personalkosten, eintreten muß; dieser Mehraufwand kann 
aber die glänzenden Postfinanzen der meisten Vereinsstaaten kaum merk- 
lich schädigen, weil der Auslandsbrief verkehr allenthalben nur einen 
kleinen Bruchteil des gesamten Briefverkehrs ausmacht. Die bei Ein- 
führung des Welteinheitsportos endgültig zu beseitigenden Landtransit- 
gebühren werden, wie der Verfasser zahlenmäßig belegt, reichlich auf- 
gewogen durch unverdiente Ueberschüsse der besonders interessierten 
Binnenstaaten aus dem Mehr der abgehenden gegenüber den ankommen- 
den frankierten Briefen und aus dem Mehr der ankommenden unfran- 
kierten Briefe gegenüber den unfrankiert abgesandten. Die gleichfalls 
zu beseitigenden oder aus anderen Quellen zu bestreitenden Seetransit- 
gebühren für Briefsäcke der Ueberseeposten sind im Vergleich zu den 
Seefrachtsätzen des Warenverkehrs ungebührlich hoch und sollten durch 
angemessenen Druck auf die Schiffahrtsgesellschaften wenigstens ent- 
sprechend ermäßigt werden. Mit besonderem Nachdruck weist der 
Verfasser endlich an der Hand sorgsamer Rentabilitätsberechnungen 
darauf hin, daß der allerwärts monopolisierte Briefpostdienst einen 



110 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Nettogewinn von mehr als 200 Proz. ergibt, der unter Kürzung des 
sonst beträchtlich höheren Ueberschusses der Postverwaltungen jetzt 
teilweise zur Unterhaltung unrentabler Dienstzweige (Paketverkehr, 
Postzeitungsdienst, Telegraphie) verwendet wird, aber in Verbindung- 
mit einer Reform der für diese Dienstzweige geltenden Gebühren tarife 
unbedenklich für die der Allgemeinheit nicht minder nützliche Herab- 
setzung der Portosätze im internationalen Briefverkehr herangezogen 
werden könnte. Ob und inwieweit die gesetzgebenden Körperschaften 
so einschneidenden Tarif um wälzungen zustimmen würden, bliebe aller- 
dings abzuwarten. Erwin Günther. 

Feiler (Red.), Arth., Die Konjunkturperiode 1907 — 1913 in Deutsch- 
land. Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8. X— 204 SS. M. 5.—. 

P i 1 d e r , Dr. Hans, Die russisch-amerikanische Handelskompagnie bis 
1825. (Osteuropäische Forschungen. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft zum 
Studium Rußlands, hrsg. von Otto Hoetzsch, Otto Anhagen und Erich Bernecker, 
Heft 3.) Berlin, G. J. Göschen, 1914. gr. 8. VII— 175 SS. M. 4,80. 

Pries, Dr. Alex., Der schwedische Zoll in Warnemünde in den Jahren 
1632 — 1654, insbesondere im westfälischen Frieden. Wismar, Hinstorff, 1914. 
8. XI— 105 SS. M 2.—. 

Schuon, Dr. Herrn., Der deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband zu 
Hamburg. Sein Werdegang und seine Arbeit. (Abhandlungen des staatswissen- 
schaftlichen Seminars zu Jena, hrsg. von Prof. Dr. J. Pierstorff. 13. Bd. Heft3.) 
Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8. VIII— 249 SS. M. 3,50. 

Sendelbach, Ernst, Ratgeber für den Zollverkehr von und nach dem 
Auslande. Unter Mitwirkung hervorragender Fachleute, bearbeitet nach den 
Gesetzen, Ausführungsvorschriften und der Praxis. Charlotten bürg, E. Frommer 
u. Co., 1914. gr. 8. 224 SS. M. 3,50. 



Lefevre, Edmond, Le commerce et l'industrie de la plume pour pariire. 
Paris, J. Dumans. Grand-in 8. 368 — XIV pag. avec gravures et tableau. 

Freedom of commerce in war (The). By Mancunian. London, P. S. 
King. Cr. 8. 51 pp. 1/.—. 

Laidler, Harry N., Boycotts and the labour struggle. London, Lane. 
8. 6/.—. 

Monkswell, Rob. Alf. Hardcastle Collier, Lord, The rail- 
ways of Great Britain. New York, Dutton. 8. 10^-303 pp. $ 2.—. 

Gentilli, dott. Nino, II Marocco ed il suo commercio. Venezia, tip. 
C. Ferrari, 1914. 8. 113 pp. 

Supino, Cam., La navigazione dal punto di vista economico. Terza 
edizione, rifatta ed ampliatar Milano, U. Hoepli (R. Romitelli e C), 1913. 8. 
XI— 450 pp. 1. 7,50. 

7. Finanzwesen. 

Boehme (vortr. Rat), Dr. Georg, Sächsisches Kirchensteuergesetz und 
Schulsteuergesetz vom 18. Juli 1913, sowie Kirchengesetz, den Haushalt der 
evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden betr., vom 10. Juli 1913. Handausgabe 
mit den zugehörigen Bestimmungen und Erläuterungen. (Juristische Handbiblio- 
thek. Hrsg.: Oberlandesgerichts- Senatspräs. Max Hallbauer und Ministerialdir. 
Geh. Rat Dr W. Scheicher. 436 Bd.) Leipzig, Arthur Roßberg, 1914. kl. 8. XIII— 
345 SS. M. 6,80. 

Gemünd, Prof. Dr. Wilh., Die Kommunen als Grundbesitzerinnen. (Fi- 
nanzwirtschaftliche Zeitfragen. Hrsg. von Proff. Drs. Reichsrat Georg v. Schanz 
und Geh. Reg.-Rat Jul. Wolf. Heft 12.) Stuttgart, Ferdinand Enke, 1914. Lex.-8. 
51 SS. M. 1,80. 

Gruber (Sparkassendir.), E., Sparkassengesetz für Elsaß-Lothringen vom 
23. August 1912 mit Ausführungsbestimmungen und Erläuterungen. 2. Auflage. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes, Hl 

Straßburg, Straßburger Druckerei und Verlagsanstalt vorm. R. Schultz u. Co., 
1914. 8. 102 SS. M. 2,50. 

Koch (vortr. Rat), Dr. Walter, Gemeindesteuergesetz für das Königreich 
Sachsen vom 11. Juli 1913. Handausgabe mit den zugehörigen Bestimmungen und 
Erläuterungen. 2. Bd. enthaltend das Gesetz, nebst ausführlichen Erläuterungen 
der einzelnen Paragraphen, sowie einem Sachregister zu beiden Bänden. (Jurist. 
Handbibliothek, hrsg. von Oberlandesgerichts -Senatspräs. Max Hallbauer und 
Ministerialdir. Geh. Rat Dr. W. Scheicher. 429. Bd.) Leipzig, Arthur Roßberg, 
1914. kl. 8. V— 277 SS. M. 5.—. 

Konrad, Heinr., Kurzgefaßter Grundriß des österreichischen Finanz- 
rechts. (2. nach dem neuesten Stande der Gesetzgebung, insbesondere durch die 
Personal- und Branntweinsteuernovelle vom Jahre 1914 ergänzte Auflage.) Wien, 
Manz, 1914. gr. 8. V— 110 SS. M. 2,40. 

Laue, B., Die Staatseinkommensteuer. Rechtsprechung des Kgl. preuß. 
Ober-Verwaltungsgerichts. 5. umgearb. und ergänzte Aufl. Berlin- Wilmersdorf, 
Veritas-Verlag, 1914. 8. VII— 533 SS. M. 12.—. 

Liebers, Dr. Adolf, Die Finanzen der Städte im Königreich Sachsen. 
(Deutsches Statist. Zentralblatt. Ergänzungshefte. Heft 5.) Leipzig, B. G. Teub- 
ner, 1914. gr. 8. VIII— 176 SS. M. 6.—. 

Pensch (Ministerialrat), Dr. Rud., Das Gesetz vom 25. Oktober 1896 betr. 
die direkten Personalsteuern samt den Nachtragsgesetzen, den Vollzugs Vorschriften 
und sonstigen einschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Erlässen. Mit Benutzung 
der Gesetzesmaterialien und vornehmlich der Verwaltungsgerichtshof-Judikatur er- 
läutert und mit einem Inhaltsverzeichnisse, sowie einem alphabetischen General- 
Sachregister versehen. Unter Mitwirkung des (Ministerial-Vizesekr.) Franz Jaros 
herausgegeben. 4. vollständig umgearb. Aufl. 1. Liefg. Wien, Moritz Perles, 1914. 
kl. 8. S. 1—80. M. 1.—. 

Rausch, Prof. Dr. Karl, Finanzielle und wirtschaftliche Kriegsrüstung, 
Vorschläge zur Sicherung eines geregelten Staats- und Wirtschaftslebens in 
Kriegszeiten. Wien, Wilhelm Braumüller, 1914. 8. 54 SS. M. 0,80. 



Evesque, M., Les finances de guerre au XXe siecle. Preface de A. E. 
Sayons. Paris, F. Alcan, 1914. Grand in-8. XI— 707 pag. fr. 12,50. 

Seguin, J., Les emprunts contractes par la France, ä l'occasion de la 
guerre de 1870 (these). Paris, A. Rousseau, 1914. 8. 200 pag. 

Seligman (prof.), Edwin R. A., Essais sur l'impöt. Traduction fran- 
caise d'apres la 8e edition americaine, par Louis Suret. T. 1er; Evolution de 
l'impöt; l'impöt general sur la propriete; l'impöt unique; la double imposition; 
l'impöt sur les successions; l'imposition des societes. Paris, M. Giard et E. Briere, 
1914. 8. VIII— 521 pag. 

Bryan, W. B., Ä history of the national capital. Vol. 1. 1790—1814. 
London, Macmillan. 8. 21/. — . 

Mallet, Bernard, British budgets, 1887—88 to 1912—13. New York, 
Macmillan. 12. 11 + 469 pp. $ 1,10. 

Baumhauer, P. M. v., Beginselen der staatshuishoudkunde. Handleiding 
naar de aantekeningen, ten gebruike bij de lessen. Bewerkt door J. A. Eiglman. 
6e herz. druk. 's-Gravenhage, G. Deiwel, gr. 8. 4 en 194 blz. fl. 1,50. 

Treub, M. W. F., Hoofdstukken uit de geschiedenis der staatshuishoudkunde. 
3e, veel verm. druk. Haarlem, H. D. Tjeenk Willink en Zoon. gr. 8. 8 en 
232 blz. fl. 2,50. 

8. Geld-, Bank-, Kredit- und Versicherungswesen. 

Elewyck, Ernest van, La Banque Nationale de Belgique. Les 
Theories et les Faits. 2 Teüe. 380 u. 412 SS. Brüssel (Libraire 
Falk Fils) 1913. 15 frcs. 

Die wertvollsten bisherigen belgischen Beiträge zur Untersuchung 
des belgischen Bankwesens sind von sozialistischer Seite gekommen. Das 
breitangelegte Werk, das jetzt der Präsident der Brüsseler Handels- 



112 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 



kammer und der frühere Präsident des Tribunal de Commerce veröffent- 
licht hat, hat deshalb nicht nur den Zweck, eine monographische Dar- 
stellung der belgischen Nationalbank zu sein, sondern will gleichzeitig 
eine — in politischer Hinsicht liberale — Verteidigung der Nationalbank 
gegen die sozialistischen Kritiker geben. Das Buch bekommt durch 
diesen polemischen Charakter vielleicht auch ein allgemeineres In- 
teresse, indem verschiedene prinzipielle Gegensätze mehr oder weni- 
ger stark hervortreten, wobei der Verf. allerdings mehr die sozia- 
listischen Grundprinzipien zu bekämpfen versucht, weniger die liberalen 
Prinzipien begründet, woraus er ein liberales bankpolitisches System 
hätte ableiten können. 

Eine Darstellung des gesamten umfangreichen Inhaltes des Buches 
würde hier wenig nützen, da ein solcher Versuch vielen sehr gründlich 
behandelten Problemen doch nicht gerecht werden könnte. Ich ziehe 
deshalb vor, als Beispiel der Darstellungsart des Verf. ein Problem 
herauszugreifen, das gleichzeitig allgemeines Interesse beanspruchen 
darf: die allgemeine Lage des belgischen Geldmarktes. 

Die belgischen Privatbanken beschäftigen sich wie die deutschen 
gleichzeitig mit Diskontierung, Reportgeschäften, Emissionen industri- 
eller Werte, Beteiligungen usw. In den letzten Jahren fangen die bel- 
gischen Filialen ausländischer Banken an, eine immer größere Rolle 
zu spielen, sie legen dabei besonderen Wert auf Wechseldiskontierung. 
Rediskontierung der ausländischen Banken an die Nationalbank kommt 
sehr selten vor, obwohl die Nationalbank natürlich im Falle einer Krisis 
auch von seiten der ausländischen Banken sich auf eine starke Inan- 
spruchnahme vorbereiten muß. Diese Konkurrenz der ausländischen 
Banken macht sich in Brüssel ganz besonders fühlbar, wie aus einer 
Statistik über die prozentuale Verteilung des Diskontmaterials der 
Nationalbank hervorgeht. 

Brüssel Antwerpen Provinz 
1901—1905 40 21 39 

1906—1910 31 32 37 

Dagegen rediskontieren die belgischen Banken in recht großem Um- 
fange und verhältnismäßig schnell nach der ursprünglichen Diskon- 
tierung, wodurch die durchschnittliche Laufzeit des Portefeuilles der 
Nationalbank ungefähr doppelt so groß wie diejenige der Bank von 
Frankreich wird. Ueber die prozentuale Verteilung der verschiedenen 
Geschäftszweige unterrichtet folgende Statistik: 



Diskontie- 
rung bel- 
gischer 
Wechsel 



Lombards 
und 
Rem- 
bourse 



Depots 
(Umsätze) 



Einkas- 
sierung 



Devisen 

(Umsätze) 



Vor- 
schüsse auf 
Geld und 

Edel- 
metall 



Konto- 
korrent des 

Credit 
Communal 



1906—10 
1911 



49,6< 
45,5< 



ii,54 
18,57 



6,36 
7,16 



:,90 
:,99 



29,58 
25,77 



0,03 



0,96 
0,92 



In der Statistik fällt der große Umsatz in Devisen besonders 
auf. Es war in den politischen Wirren um das Jahr 1870, als die 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. H3 

belgische Nationalbank zu umfangreicher Devisenpolitik geführt wurde. 
Nach den Bestimmungen für die Notenausgabe muß u. a. die zirku- 
liernde Notenmenge repräsentiert sein durch valeurs facilements reali- 
sables, worunter seit 1878 auch die Devisen gerechnet werden dürfen. 
Durch die Devisenpolitik ist es der Bank möglich geworden, einen ver- 
hältnismäßig niedrigen Diskont aufrecht zu erhalten. Ueber die neueste 
Entwicklung ist der Verf. allerdings etwas pessimistisch (I, 316/7) : „Le 
rölo grandissant qu'elles (les reserves en devises) jouent au dehors en- 
leve ä notre portefeuille etranger cette belle liberte d'allures qu'il 
avait autrefois, lorsque la Banque Nationale etait presque seule ä s'en 
servir pour economiser de l'or, le retenir ou le ramener. Le jeu est 
devenu plus difficile et moins sür." Durch die immer größere Beteili- 
gung Belgiens am internationalen Verkehr geriet die belgische Natio- 
nalbank in immer größere Abhängigkeit von den Diskontsätzen der deut- 
schen und englischen Schwesterinstitute. Gegenüber England und 
Deutschland hat Belgien mit Ausnahme von den letzten Jahren dauernd 
aktive Zahlungsbilanz gehabt, was als Gegengewicht gegen die regel- 
mäßige Passivität gegenüber Frankreich dienen muß. Mit Kücksicht 
auf den französischen Diskontsatz ist deshalb der Hauptgesichtspunkt 
nur die Edelmetallausfuhr verhindern zu können. Ebenso wie Frank- 
reich gehört ja Belgien zur lateinischen Münzunion, deshalb können 
die Schwankungen in den Wechselkursen auf Paris nicht so groß sein, 
da die Umprägungskosten und ein Teil von den Zinsverlusten für die Ar- 
bitrage nicht in Betracht kommen. Aber im Unterschied zu Frankreich 
hat Belgien keine Goldprämie, wodurch in Paris der Goldexportpunkt 
erhöht wird. Darum sind die Versendungskosten Brüssel-Paris kleiner 
als Paris- Brüssel, und es besteht die leichte Spekulationsmöglichkeit, 
Gold aus dem freien Verkehr in Belgien nach Frankreich zu führen, wo 
«s besser bezahlt wird. Der regelmäßig hohe Stand der Pariser Devisen 
in Brüssel ist nicht nur eine Folge dieser für Belgien ungünstigen Ver- 
schiedenartigkeit der Währungsverhältnisse, sondern wird auch dadurch 
bedingt, daß die bedeutende belgische Kapitalausfuhr durchweg über 
Paris geht; außerdem halten französische Kapitalisten regelmäßig grö- 
ßere Guthaben bei belgischen Banken, deren Zinsen auch zur Passivität 
der Zahlungsbilanz gegenüber Frankreich beiträgt. 

Was schließlich den bargeldlosen Verkehr betrifft, so fällt von dem 
Ueberweisungsverkehr der Nationalbank 50 Proz. auf Antwerpen, 40 
Proz. auf Brüssel und 10 Proz. auf die Provinz. Dieser Verkehr ist 
zwar in den letzten Jahren vorwärts gegangen, aber „l'education comp- 
tabiliste du public beige est ä faire (II, 46). — 

Dies nur als Beispiel der Darstellungsart des Verf. — hier zusam- 
mengestellt aus verschiedenen Teilen des ganzen Werkes. 

W T elchen Kreis von Problemen der Verf. im übrigen behandelt, 
wird man aus den Kapitelüberschriften am besten ersehen können: 
I. Die Societe Generale vor 1850. Erste Organisationsversuche des 
Kredits in Belgien. 

IL Ursprung der Nationalbank. 
III. Filialen. 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 8 



114 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

IV. Kapital der Nationalbank. 
"V. Reserve, Aktien und Aktionäre. 
VI. Privileg. 
VII. — VIII. Notenausgabe. 
IX. Die metallische Kasse. 
'X. Die Kasse und das Devisenportefeuille. 
XI. Kontokorrent, Depositen und Abrechnungsverkehr. 
XII. Diskontierung. 

XIII. Diskontsatz. 

XIV. Beleihung öffentlicher Sicherheiten. Edelmetallgeschäfte. De- 
pots. Einkassierung. 

"XV. Improduktive Geschäfte. 

XVI. Produktive und improduktive Geschäfte. Einkünfte u. Ausgaben. 
XVII. Abgaben an den Staat. 
XVIII. Staatsbank, Verrechnungssystem, freie Notenbanken. 

Der Verf. behandelt in jedem Kapitel zuerst die wichtigeren Daten 
aus der historischen Entwicklung und dann die an diese Fragen an- 
knüpfenden theoretischen Probleme, gewiß eine sehr glückliche Kom- 
binierung, wenn diese Kombinierung nur nicht den Charakter des 
Kompromisses bekommt, wo weder die eine noch die andere Hälfte 
ganz zu ihrem Rechte kommt. Aber der Verf. ist wohl dieser Gefahr 
nicht ganz entgangen. So wird der Historiker, der die Antwort auf 
die Frage sucht, welche Rolle die Nationalbank in der Entwicklung der 
belgischen Volkswirtschaft gespielt hat, manchmal kaum eine gründliche 
Antwort finden können, besonders über die 1880er und 1890er Jahre sind 
die Angaben sehr knapp. Ebenso wird der Theoretiker manchmal ein 
konsequent aufgebautes System vermissen. Nur so, daß der Verf. zu keinem 
ganz klaren System gekommen ist, kann man es erklären, daß bei einer 
berühmten Streitfrage, worauf er auch selbst für seine praktischen Schluß- 
folgerungen großen Wert legt, ihm das Malheur passiert, an zwei ver- 
schiedenen Stellen einander ganz widersprechende Antworten zu geben. 
So erklärt der Verf. I, 227 : „En realite, ce n'est pas la banque qui 
augmente ou diminue la quantite des billets en circulation, ce sont les 
demandes du public" und zitiert zustimmend Juglar: „Les banques ne 
peuvent accroitre leur circulation quand elles le veulent; les demandes 
locales, surtout pour le commerce du detail, la limitant completement. " 
Trotzdem erklärt aber der Verf. II, 369 : „Les exces ( ! ) d'emission 
des (!) banques privilegiees et des banques d'Etat condamnent le pri- 
vilege et le monopole, nous l'avons vu en Angleterre, en France, en 
Italie, en Autriche et en Russie." 

Aber wenn man also das eine oder andere aussetzen kann, sollen 
doch nicht die guten Seiten des Buches verschwiegen werden, die doch 
so stark überwiegen. Ganz besonders verdient das selten reichhaltige 
statistische Material — im ganzen etwa 140 zum Teil sehr umfang- 
reiche Tabellen — hervorgehoben zu werden. Bei Stichproben an den 
Tabellen habe ich nur unbedeutende Zahlenabweichungen entdeckt. Auch 
hat der Verf. Gelegenheit, sich mit einer sehr großen Anzahl bank- 
theoretischer Probleme auseinanderzusetzen und kommt hier teilweise über 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. H5 

die Bankprobleme im engeren Sinne hinaus, wegen seiner schon er- 
wähnten Polemik gegen die sozialistischen Kritiker der Nationalbank. 
Gegen seine Hauptthese, daß ein sozialistisches Banksystem erst dann 
möglich sei, nachdem die allgemeinen wirtschaftlichen Grundlagen dafür 
vorhanden seien, ist ja auch vom marxistischen Standpunkt aus nichts 
einzuwenden, aber ob er damit sowohl wie mit seiner Detailpolemik seine 
Gegner überall endgültig widerlegt hat, mag hier dahingestellt bleiben. 

Ausländische Bankverhältnisse sind verschiedentlich zum Vergleich 
herangezogen worden, leider scheint der Verf. hierbei nicht überall 
ganz zuverlässige Quellen benutzt zu haben. So wird von Schweden 
behauptet (II, 354), daß es eine Staatsbank haben müsse, um „das kaum 
erschlossene Land mit Kredit durchsetzen" zu können — eine Auf- 
fassung, die auf ungenügende Orientierung über die schwedische Kredit- 
wirtschaft hindeutet. Von Deutschland wird I, 141 der Gewinnver- 
teilungsmodus der Deutschen Reichsbank falsch wiedergegeben, I, 237 
enthält falsche Angaben über die deutschen privaten Notenbanken, I, 327 
u. 335 wird behauptet, daß die Thaler noch gesetzliche Zahlkraft hätten. 

Doch das sind schließlich Detailfragen, die nicht den richtigen 
Gesichtspunkt liefern für die Beurteilung eines so groß angelegten 
Werkes. Für die Gesamtleistung wird man dem Verf., der schon auf 
eine sehr vielseitige nationalökonomische schriftstellerische Tätigkeit 
zurückblicken kann, sicherlich dankbar sein. Er hat wesentlich mit 
dazu beigetragen, daß die belgische Nationalbank jetzt zu den am gründ- 
lichsten untersuchten kleineren Zentralnotenbanken gehört. 

Nyköping, Schweden. Sven Heiander. 

Cahn, Julius, Münz- und Geldgeschichte der im Großherzogtum 
Baden vereinigten Gebiete. Herausgegeben von der Badischen Histori- 
schen Kommission. I. Teil: Münz- und Geldgeschichte von Konstanz 
und des Bodenseegebietes im Mittelalter bis zum Reichsmünzgesetz von 
1559. X und 460 SS., mit 10 Tafeln und 1 Karte. Heidelberg (Carl 
Winters Universitätsbuchhandlung), 1911. 17,50 M. 

Die deutsche Geldgeschichte ist wohl eines der wichtigsten, bisher 
aber in bedauerlichster Weise vernachlässigten Gebiete der wirtschafts- 
geschichtlichen Forschung. Bei dem völligen Mangel an genügenden 
lokalgeschichtlichen Vorarbeiten hat auch bisher niemand den Ver- 
such wagen können, die Entwicklung des deutschen Geldwesens im 
Zusammenhang zu schildern. Die fortgesetzte Vernachlässigung eines 
so wichtigen und für die gesamte wirtschaftsgeschichtliche Erforschung 
der deutschen Vergangenheit grundlegenden Gebietes erklärt sich durch 
die außergewöhnlichen Schwierigkeiten, die besonders für die Behand- 
lung weit zurückliegender Zeiträume zu bewältigen sind. Hier, wo die 
urkundlichen Nachweise immer spärlicher werden und zur Erklärung 
der wichtigsten Vorgänge nicht mehr ausreichen, müssen oft als einzige 
Quelle die Münzen herangezogen werden, deren Bestimmung und Ver- 
wertung für die Geldgeschichte einen großen Apparat münzkundlicher 
Einzelforschung voraussetzt. Mit anderen Worten: eine ersprießliche 
Leistung auf dem Gebiet der mittelalterlichen Geldgeschichte ist ohne 

8* 



116 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

die Vereinigung von numismatischen und wirtschaftsgeschichtlichen For- 
schungsergebnissen undenkbar. 

Von ähnlichen Erwägungen ist auch die Badische Historische 
Kommission ausgegangen, als sie ihr Programm aufstellte für die 
Herausgabe eines groß angelegten Werkes über die Münz- und Geld- 
geschichte der im heutigen Großherzogtum Baden vereinigten Gebiete, 
das von den frühesten Zeiten bis zum Jahre 1806 reichen sollte. 
Mit dieser schwierigen Aufgabe wurde Julius Cahn betraut, der sich 
bereits durch seine Bearbeitung der Straßburger Geldgeschichte und 
seine Darstellung des Rappenmünzbundes um die deutsche Geldgeschichte 
verdient gemacht hat. Als Ergebnis langjähriger Studien legt hier 
der Verf. den ersten Band des geplanten Werkes vor, der sich mit 
Konstanz und dem Bodenseegebiet im Mittelalter beschäftigt; eine Be- 
handlung der oberrheinischen Gebiete (Breisgau und Baar), der Ortenau 
und der eigentlichen Markgrafschaft Baden, eventuell auch der Pfalz 
ist vorgesehen. 

Die geradezu grundlegende Bedeutung des vorliegenden Werkes für 
die wirtschaftsgeschichtliche Forschung beruht auf der Beherrschung 
schwieriger münzkundlicher Einzelfragen und ihrer geradezu vorbild- 
lichen Verwertung für die Geldgeschichte. Durch die Analysierung 
zahlreicher Münzfunde, die Bestimmung aufschriftloser Mittelalter- 
münzen und die Heranziehung eines zum Teil sehr entlegenen Urkunden- 
materials wird hier ein unerschöpflicher Reichtum von gesicherten 
Tatsachen erschlossen, die in bisher gänzlich dunkle Gebiete Licht 
bringen. Wieweit die von numismatischen Sachverständigen vorge- 
nommenen Berichtigungen von Einzelergebnissen berechtigt sind, ver- 
mag ich nicht zu beurteilen, jedenfalls ist aber der Ertrag dieser Arbeit 
für die Wirtschaftsgeschichte ein außerordentlich großer und ich kann 
dem von Frhr. v. Schrötter ausgesprochenen Urteil nur beipflichten, 
daß hier zum erstenmal gezeigt wird, nach welchen Gesichtspunkten 
eine Geldgeschichte des deutschen Mittelalters bearbeitet werden muß 1 )- 

Bei der Fülle der neu gewonnenen Ergebnisse muß hier darauf 
verzichtet werden, auch nur das Wesentlichste mitzuteilen; der reiche 
Inhalt kann nur in wenigen Strichen angedeutet werden. Nach ein- 
gehenden metrologischen Untersuchungen behandelt der Verf. die Ent- 
stehungsgeschichte der wichtigsten Münztypen und ihr Verbreitungs- 
gebiet, er untersucht den Münzfuß, das Gewicht und den Feingehalt der 
Münzen, schildert die fortschreitende Münzverschlechterung, die Münz- 
verruf ungen, stellt die Silberpreise und das Wertverhältnis zwischen Silber 
und Gold fest usw., mit einem Wort, alle geldgeschichtlich bedeutsamen 
Fragen werden hier in peinlich genauer Weise und nach eingehender 
Quellenkritik untersucht. Stets bleibt dabei der Verf. in lebendigem 
Zusammenhang mit den Vorgängen der politischen und wirtschaftlichen 
Entwicklung und seine Studien über den Uebergang von der Natural- 
zur Geld Wirtschaft verbreiten ganz neues Licht. Sie zeigen vor allem, 
in welch tiefgehender Weise die römische Kirche durch ihre Finanz - 



1) Erhr. v. Schrötter, Deutsche Literatur-Zeitung 1912, Spalte 764. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. H7 

politik und die Erhebung der kirchliehen Abgaben in barem Geld die 
Ausbildung geldwirtschaftlicher Formen in deutschen Gebieten beein- 
flußt hat, die im 13. Jahrhundert noch in tiefster Naturalwirtschaft 
steckten. 

Die Wichtigkeit einer vom Verf. angeschnittenen Frage mag es 
rechtfertigen, daß an dieser Stelle etwas näher auf sie eingegangen 
wird. Es handelt sich dabei um die Ursachen der in der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts einsetzenden Preisrevolution, für die man nach den 
abschließenden Untersuchungen von Wiebe die Gründe auf Seite des 
Geldes und auf Seite der "Waren anzunehmen gewöhnt ist. Die herr- 
schende Meinung nimmt nun mit Wiebe an, daß auf Seite des Geldes 
die gewaltige Steigerung der Edelmetallproduktion zu einer Geld- 
entwertung geführt habe, die in einer entsprechenden Steigerung der 
Warenpreise zum Ausdruck gekommen sei. Demgegenüber hebt Cahn 
hervor — der übrigens sonderbarerweise die Arbeit von Wiebe gar nicht 
erwähnt, sondern sich auf die ähnliche Anschauung von Helfferich 
stützt — , daß die von ihm bearbeiteten Akten genau das Gegenteil er- 
weisen, daß infolge des überall herrschenden Mangels an Münz- 
metall die Silberpreise während des 16. Jahrhunderts fortwährend 
steigen und also von einer Geldentwertung in keinem Falle gesprochen 
werden kann. Diese Beobachtung, die ich aus eigenen Studien auch für 
andere deutsche Gegenden bestätigen kann, und die bei der Weiter- 
führung der Cahnschen Arbeit hoffentlich noch eingehendere Begrün- 
dung erfahren wird, legt es doch nahe, die längst für erledigt gehaltene 
Frage wieder aufzunehmen und aktenmäßig klarzustellen. Höchstwahr- 
scheinlich erklären sich die wirtschaftlichen Katastrophen des 16. und 
17. Jahrhunderts im letzten Grunde durch die für die münzberechtigten 
Stände stets wachsende Unmöglichkeit, sich das nötige Edelmetall zu 
beschaffen, denn die so sehr gesteigerte Produktion an Edelmetall reichte 
eben doch nicht aus, die Bedürfnisse des Wirtschaftslebens an ge- 
münztem Geld zu befriedigen. 

Wie sehr der Verf. bestrebt ist, den tiefsten Problemen der Wirt- 
schaftsgeschichte nachzugehen, soweit sich in seinem Material Anhalt- 
punkte ergeben, zeigt die Bezugnahme auf die Sombartsche Grund- 
rententheorie, die er für Konstanz widerlegt und sein Versuch, in dem 
von der kirchlichen Besteuerung für den Geistlichen freigelassenen 
Existenzminimum einen Anhaltpunkt für die Verschiebung der Kauf- 
kraft des Geldes zu gewinnen. Das hier angeschnittene Problem gehört 
2U den schwierigsten Fragen der wirtschaftsgeschichtlichen Forschung 
und trotz einer langen Reihe mühevoller Untersuchungen ist eine 
einigermaßen befriedigende Lösung bisher nicht gelungen. An der hier 
vorliegenden methodischen Schwierigkeit ist auch der Versuch des 
Verfassers gescheitert, denn wenn er (S. 134) feststellt, daß die Kauf- 
kraft des Geldes während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
in der Diözese Konstanz 4: 1 / 2 mal so groß war als heute, so ist seine 
Schlußfolgerung in dieser Verallgemeinerung nicht zutreffend. Es 
handelt sich hier doch nicht um die Kaufkraft des Geldes allgemein, 
sondern um seine Kaufkraft, gemessen an den Bedürfnissen 



118 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

gerade eines Geistlichen und unter Berücksichtigung des da- 
maligen Wertverhältnisses zwischen Silber und Gold. Dabei bleibt 
doch auch die Annahme des Verf. anfechtbar, daß sich die Bedürfnisse 
des unbedingt notwendigen Lebensaufwandes eines Geistlichen seit 1275 
im allgemeinen konstant erhalten haben. Abgesehen von den aus der 
Quellenstelle gezogenen zu weit gehenden Schlußfolgerungen bleibt na- 
türlich die Feststellung des als Existenzminimum anzusehenden Auf- 
wandes eines Geistlichen aus so entlegener Zeit für Vergleichszwecke von 
erheblicher Bedeutung. 

Die unliebsame Verspätung dieser Anzeige, bietet Gelegenheit, 
auf eine Streitfrage einzugehen, die bei der Besprechung des vorliegen- 
den Werkes in der numismatischen Literatur aufgeworfen wurde. Bei 
aller Anerkennung der Klarstellung münzkundlicher Einzelfragen durch 
den Verf. stimmen doch die numismatischen Sachverständigen zum 
größten Teil darin üb er ein, daß der Verf. statt der von ihm gebrachten 
Abbildung und Beschreibung der in Frage kommenden Münztypen ein 
„Corpus nummorum'', d. h. eine vollständige Verzeichnung aller über- 
haupt bekannt gewordenen Münzen des in Frage kommenden Gebietes 
hätte geben müssen. Friedensburg geht sogar soweit, zu behaupten, 
daß die Arbeit aus diesem Grunde den Eindruck des Unvollendeten 
hinterlasse, und daß der Verf. die ihm gestellte Aufgabe nicht in be- 
friedigender Weise gelöst habe 1 ). Er spricht daher auch den Wunsch 
aus, die Badische Historische Kommission möchte sich nachträglich 
noch zur Ausgabe eines vollständigen Münzverzeichnisses verstehen. 
In ganz ähnlicher Weise äußert sich Menadier, der in einer sich über 
14 Seiten erstreckenden Anzeige vor lauter numismatischem Kleinkram 
jedes Verständnis für die hier geleistete wissenschaftliche Arbeit ver- 
liert 2 ). Sogar Frhr. v. Schrötter, der trotz mancher erheblicher und 
teilweise berechtigter Ausstellungen die Gesamtleistung in hohem Maße 
würdigt, hält die Schaffung eines „Corpus nummorum" für eine noch 
zu lösende Aufgabe. 

Die Auslassungen von Menadier und noch mehr von Friedensburg 
sind leider geradezu typisch für den Mangel an Verständnis für die 
wahren Ziele geldgeschichtlicher Forschung, der in weiteren Kreisen 
der Numismatiker herrscht. Es ist doch geradezu betrübend, wenn 
man aus der fast einen Druckbogen umfassenden Anzeige eines so 
hervorragenden Spezialisten und Münzkenners wie Menadiers den Ein- 
druck gewinnen muß, daß der Kritiker überhaupt nicht verstanden hat, 
was hier gewollt ist. Daß vom Standpunkt des Münzsammlers und im 
Interesse des Museumsfachmannes ein „Corpus nummorum" sehr er- 
wünscht ist, wird niemand bestreiten, allein für die Darstellung einer 
Münz- und Geldgeschichte muß es doch wahrhaftig genügen, die Münz- 
typen abzubilden und zu beschreiben, wie es ja auch von Cahn geschehen 
ist. Jedenfalls würde die Badische Historische Kommission mit der 



1) F. Friedensburg, Literarisches Zentralblatt 1912, Spalte 224/225. 

2) Menadier, Zeitschrift für Numismatik, Jahrg. 1913, S. 389—402. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. H9 

Inangriffnahme eines solchen Münzkataloges einen bedauerlichen Irr- 
weg beschreiten, von dem nur dringend abgeraten werden kann. Ein- 
mal würde die in Aussicht genommene Weiterführung des vielver- 
sprechenden Werkes nur noch weiter hinausgeschoben, als dies bei der 
Schwierigkeit der Aufgabe und der Mühseligkeit der Stoffsammlung 
ohnehin nötig sein wird. Schließlich sind aber auch solche landes- 
geschichtlichen Publikationsinstitute doch nicht dazu da, die überaus 
zeitraubenden und kostspieligen Sonderwünsche eines kleinen Kreises 
von Sammlern und Museumsbeamten zu erfüllen. Bei dem unerschöpflich 
großen Bereich ihrer Aufgaben und den gewöhnlich sehr beschränkten 
finanziellen Mitteln haben die historischen Kommissionen alle Ur- 
sache, sich auf die Förderung dringlicher und einem größeren Kreis 
zugute kommender Forschungen zu beschränken. 

Dresden. Karl Bräuer. 

Ecker, Dr. Fr., Feuerversicherungswert und Interesse. Borna, Robert Noske, 
1914. gr. 8. XIII— 100 SS. M. 2,40. 

Fantl, Dr. Gust., Die volkswirtschaftlichen Gefahren des Buchforde- 
rungskredites und ihre Bekämpfung. Wien, Manz, 1914. 8. 34 SS. M. 0,85. 

Ha us er, Dr. Rieh., Die amerikanische Bankreform. Jena, Gustav Fischer, 
1914. gr. 8. IV— 99 SS. M. 3.—. 

Herzog (techn. Konsulent, Ingen.), S., Handbuch der industriellen Finan- 
zierungen. Ratgeber für die Durchführung von Kapitalbeschaffungen und Finan- 
zierungen von industriellen Unternehmungen. Mit 53 (eingedruckten) Formularen, 
Stuttgart, Ferd. Enke, 1914. Lex.-8. XI— 424 SS. M. 13.—. 

Hildebrand, Rieh., Ueber das Wesen des Geldes. Jena, Gustav Fischer, 
1914. gr. 8. 49 SS. M. 1,20. 

Lexis (Geh. Ober-Reg.-Rat), Prof. Dr. Wilh., Das Kredit- und Bank- 
wesen. (Sammlung Göschen. No. 733.) Berlin und Leipzig, G. J. Göschen, 1914. 
kl. 8. 165 SS. M. 0,90. 

Patzauer (Finanzrat), Dr. Hans, Die Reform der amerikanischen Noten- 
banken (The federal reserve act vom 23. Dezember 1913). (Aus: „Jahrbuch 1914 
der Gesellschaft österreichischer Volkswirte".) Wien, Manz, 1914. gr. 8. 31 SS. 
M. 0,70. 

Schlegel (gew. Abteil ungschef), Eugen, Aus dem Versicherungswesen. 
Zürich, Orell Füßli, 1914. kl. 8. 176 SS. M. 1,60. 

Schmidt, Dr. Alfred, Geschichte des englischen Geldwesens im 17. und 
18. Jahrhundert. (Abhandlungen aus dem staatswissenschaftlichen Seminar zu 
Straßburg i. E., hrsg. von G. F. Knapp und W. Wittich. 32. Heft.) Straßburg 
i. E., Karl J. Trübner, 1914. gr. 8. XI— 204 SS. M. 6,20. 

Strieder (Privatdoz.), Jak., Studien zur Geschichte kapitalistischer Or- 
ganisationsformen. Monopole, Kartelle und Aktiengesellschaften im Mittelalter und 
zu Beginn der Neuzeit. München und Leipzig, Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. 
XXIX— 486 SS. M. 12.—. 



Baudin, Pierre, L'argent de la France. Paris, Bernard Grasset, 1914. 
16. XXXVI— 326 pag. 

Hart, Heber L., The law of banking. 3rd ed. London, Stevens and 
Sons. Royal 8. 32/.—. 

Hobson, C. K., The export of capital. London, Constable. 8. 290 pp. 7/.6. 

Temple, E., Interest, gold, and banking. London, Wilson. 8. 6/. — . 

As coli, prof. A lfr., La nuova legge sulle borse. Milano, Societa editrice 
libaria (tip. Indipendenza), 1913. 8. 33 pp. 

Luzzatti, Giac, Valori e prezzi nei loro rapporti con la moneta, con 
la banca e con la borsa. Padova, fratelli Drucker, 1913. 8. 212 pp.l. 5. — . 



120 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 



9. Soziale Frage. 

Rechtsfrage des Arbeitstarifvertrags: 1. Haftung und 
Abdingbarkeit, von Prof. Dr. W. Zimmermann. 2. Brauchen wir ein 
Arbeitstarifgesetz ? von Rechtsanwalt Dr. Hugo Sinzheimer. Heft 42/43 
und Heft 44 der Schriften der Gesellschaft für soziale Reform. Jena 
(G. Fischer) 1913. 

Die Gesellschaft für soziale Reform hat auf ihrer letzten Tagung^ 
im September 1913 zu Düsseldorf die Frage, wie der Arbeitstarif- 
vertrag am zweckmäßigsten gesetzlich zu regeln sei, eingehend be- 
raten. Als Unterlage diente ihr dafür das Ergebnis der Untersuch- 
ungen, die sie zuvor durch ihren Arbeitsrechtausschuß für diesen Zweck 
hatte vornehmen lassen. In Anbetracht der Schwierigkeiten und des 
Umfangs des Gesamtproblems hatte die Gesellschaft diese Untersuch- 
ungen auf die beiden wichtigsten Teilprobleme der Abdingbarkeit des 
Tarifvertrags und der Haftung für seine Verletzung beschränkt, zu- 
mal deren Erledigung die Vorbedingung für eine erschöpfende und er- 
giebige Behandlung aller übrigen Punkte bildet. Es wurde eine Um- 
frage bei denjenigen in möglichst weitem Umfang einbezogenen Ver- 
bänden und Personen der verschiedensten Richtungen, die mit Tarif - 
vertragsfragen beständig praktisch zu tun haben, vorgenommen durch 
Zusendung eines von ihnen auszufüllenden umfangreichen Fragebogens, 
dem ein orientierender „Wegweiser" beigegeben war. Die Versendung 
erfolgte an 26 Einzelpersonen, 17 größere Gewerbegerichte, 24 Arbeit- 
geber- und Unternehmerverbände, an die Generalkommission der freien 
Gewerkschaften und sechs der größten derselben, an das General- 
sekretariat des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften und 
5 Zentralverbände derselben, endlich an den Generalrat der Hirsch- 
Dunckerschen Gewerkvereine und drei der letzteren selbst. Von den Ar- 
beitnehmerorganisationen wurden dabei die an der Tarifvertragspraxis 
am stärksten beteiligten ausgewählt. Die Schrift von Zimmermann be- 
richtet nun, ohne neue Gedanken oder Gesichtspunkte zum Tarif - 
vertragsproblem hinzuzubringen, über das Ergebnis dieser Umfrage. 
Eine Uebersicht über Haftung und Abdingbarkeit im Tarifvertragsrecht 
des Auslandes ist ihr beigegeben. Die Schrift von Sinzheimer unter- 
zieht das Gesamtproblem selbst einer gedrängten und exakten kriti- 
schen Untersuchung. 

Aus der ersten Schrift, der der Wortlaut des Fragebogens und des 
Wegweisers beigegeben sind, ergibt sich, daß von 84 befragten Stellen 
nur 17 brauchbare Antworten eingegangen sind, nämlich von 4 Ge- 
werb egerichten (Bremen, Breslau, Krefeld, Hamburg), 6 praktischen 
Sozialpolitikern, von der Generalkommission der freien Gewerkschaften, 
dem christlichen Generalsekretariat, dem Gutenbergbund (der christ- 
lichen Buchdruckergewerkschaft), dem Zentralrat der Hirsch-Duncker- 
schen Gewerkvereine und dem Gewerkverein der Maschinenbauer, end- 
lich — als einzigen beiden Gutachtern von der Arbeitgeberseite — von 
dem Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberverband für das Schneider- 
gewerbe und dem Syndikus der Düsseldorfer Handwerkskammer. Mit 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 121 

einem starken Optimismus wird dieses Ergebnis „keineswegs un- 
günstig" genannt. Auf der Arbeitgeberseite ist es jedenfalls ein geradezu 
klägliches, entspricht aber durchaus der beständigen Haltung dieser 
Seite gegenüber der Tarifvertragsstatistik des Kaiserlichen Statisti- 
schen Amtes. 

Aus der Fülle der nach dem Umfrageschema zusammengestellten 
Antworten sei als besonders bemerkenswert hervorgehoben, daß die 
Hauptgruppen der Arbeiterorganisationen den gegenwärtigen Rechts- 
zustand zwar für unbefriedigend, aber doch noch für praktisch erträglich 
halten. Doch wird die Abdingbarkeit für unvereinbar mit Treu und 
Glauben und mit dem Zweck des Tarifvertrags erklärt. Ueber das 
Surrogat einer verbesserten Vertragstechnik statt gesetzlicher Regelung- 
äußern sich die freien Gewerkschaften noch am günstigsten. Es ist 
freilich im Hinblick auf ihr Interesse an der Erhaltung ihrer guten 
Vermögens- und Einnahmeverhältnisse vollkommen verständlich, wenn 
sie antworten, daß es gar keiner besonderen Haftung bedürfen wird, 
sondern nur einer heute leider noch nicht bestehenden ungehinderten Ent- 
wicklung und Betätigung der Organisationen. Darüber, wer für Tarif- 
vertragsverletzungen haften soll, Verband, Mitglieder oder beide neben- 
einander, gehen die Meinungen stark auseinander. Gegen die Haftung 
der Verbandsorgane wenden sich vor allem die Arbeitnehmer. Auch 
von der Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine wollen sie 
im Gegensatz zu den meisten anderen Gutachtern nichts wissen. Sie 
halten die Einführung der Aktivlegitimation des Vorstandes zur Er- 
hebung von Klagen aus Tarifverträgen für ausreichend. In der Frage, 
womit und in welchem Umfang gehaftet werden soll, gehen die Mei- 
nungen je nach der Stellung zur Frage, wer haften soll, auseinander, 
doch besteht natürlich auf Arbeiterseite das Bestreben, die Haftung 
der Verbände möglichst zu beschränken. Bei dem Punkte, wofür ge- 
haftet werden soll, ist das Zugeständnis der freien Gewerkschaften 
bemerkenswert, daß während der Tarifdauer Symphathiestreiks und 
-Aussperrungen unzulässig sein sollen. Daß ein tarif zugehöriger Arbeit- 
geber auch unorganisierte Arbeiter nicht unter dem Tarif entlohnen darf, 
ist strenge Forderung der Arbeitervertretungen. Die freien Gewerk- 
schaften sind auch unbedingt gegen die Zulassung einer sei es auch 
nur begrenzten Abweichung vom Tarifvertrage durch den Arbeitgeber 
bei Konjunkturniedergang. Die anderen Gutachter sind zumeist bereit, 
wenigstens dahingehende Abmachungen im Tarifvertrage selbst zu- 
zulassen. Darüber, daß es den Verbänden rechtlich ermöglicht werden 
müsse, sich von der Verantwortung für tarif widrige Handlungen ihrer 
Mitglieder zu befreien, sind fast alle einig, wenn auch die einzelnen po- 
sitiven Vorschläge dabei sehr auseinandergehen. Die christlichen Ge- 
werkschaften erwarten nur vom Ausschluß des schuldigen Mitglieds 
die erforderliche Wirkung. Die Beseitigung der Abdingbarkeit des 
Tarifvertrags durch den Einzelarbeitsvertrag wird von der Arbeiter- 
seite allgemein, von anderen Gutachtern nicht schlechthin gefordert. 
Mit Ausnahme von 3 Sozialpolitikern treten alle Gutachter auch für 
die unbedingte rechtliche Vorherrschaft des Tarifvertrags vor der Ar- 



122 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

beiteordnung und für die Nichtigkeit jeder tarif widrigen Arbeitsord- 
nung ein. Mit nur je einer Ausnahme sind auch alle dafür, daß es 
zur gesetzlichen Pflicht sowohl den tarif gebundenen Arbeitgebern ge- 
macht wird, in ihrer Arbeitsordnung den Tarif für maßgebend zu er- 
klären, als auch den Behörden, welche die Arbeitsordnung zu genehmigen 
haben, für die Uebereinstimmung beider zu sorgen. 

Am Schlüsse wird eine Zusammenstellung der Richtlinien ver- 
sucht, die sich aus der Masse der gutachtlichen Aeußerungen, soweit 
diese übereinstimmen oder sich wenigstens mehr oder weniger ein- 
ander nähern, für eine gesetzgeberische Regelung gewinnen lassen. 

In der zweiten Schrift gibt Sinzheimer eine außerordentlich klare 
und scharfsinnige Darstellung des Tarifvertragproblems von seiner recht- 
lichen Seite. An die Vorführung der bisherigen Behandlung der Ge- 
setzgebungsfrage schließt sich eine kritische Prüfung des bestehenden 
Tarifrechts. Die Fülle und Komplexität der Einzelfragen dieses weiten 
Gebietes wird hier mit sicherer Hand bemeistert zu einer gedrängten, 
übersichtlichen Zusammenfassung und kurzen kritischen Erörterung 
aller wesentlichen Punkte des Gesamtproblems. Knappheit und Gründ- 
lichkeit der Darstellung in glücklicher Vereinigung, Schlüssigkeit der 
Ableitungen und geschickte Ueberführung aller Fäden auf das zu 
erschließende Gebiet einer neuen, an das bewährte Alte anschließenden, 
aber von sozialem Geiste durchtränkten Arbeitsverfassung zeichnen die 
Arbeit aus. Untersucht wird zunächst das Tarifvertragsrecht in seinen 
Grundbeziehungen (persönlicher Geltungsbereich, rechtliche Kraft der 
Arbeitsnormen und Haftung für Friedensbruch), sodann der Rechts- 
schutz des Tarifvertrags und das Berufsvereinsrecht. Bei der Haftungs- 
frage wird festgestellt, daß ein gesetzgeberisches Eingreifen nicht aus 
Furcht vor Haftbarmachung der Berufsvereine abgelehnt werden kann. 
Demi diese gesetzliche Haftung besteht schon jetzt in scharfer und aus- 
gedehnter Weise. Nur ihre Aufrechterhaltung oder Verbesserung kann 
fraglich sein. 

Im zusammenfassenden Ergebnis wird die völlige Unzulänglich- 
keit des bestehenden Tarif rechts aufgezeigt. Daran schließt sich die 
Prüfung des Einwandes, ob bei diesem Versagen des objektiven Rechts 
es nicht wenigstens möglich ist, durch die Mittel der rechtlichen Selbst- 
hilfe und der freien Entwicklung des bestehenden Rechtes zu einer be- 
friedigenden Tarifrechtsgestaltung zu gelangen. Dafür kommen in Be- 
tracht: Vertrags technik, Gewohnheitsrecht und Rechtsprechung. Alle 
drei werden sorgsam geprüft, aber das Ergebnis ist ein ganz gleich- 
artiges. Auch diese Mittel vermögen nicht, die Mängel des geltenden 
Rechts zu beseitigen und das Bedürfnis nach einer neuen gesetzlichen 
Gestaltung zu unterdrücken. 'Wohl ist der Tarifvertrag eine freie 
Schöpfung des sozialen Lebens, hervorgegangen aus dem freien Spiel 
seiner organisierten Kräfte. Aber er lebt im Recht und bleibt darum 
auf dieses angewiesen. Wie dieses Recht beschaffen sein soll, wird am 
Schluß in großen Zügen angedeutet. Es muß ein wirkliches, ein le- 
bendiges und ein soziales Recht sein. Das will sagen: Berufsvereine 
müssen als Schöpfer und Träger der Tarifverträge vorurteilslos an- 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 123 

erkannt werden, der soziale Grundgedanke des Tarifvertrags muß rein 
und klar zum Ausdruck kommen und das neue Recht muß einfach und 
ne weglich sein. Einfach, indem es in erster Linie an die Entwicklung, 
nicht an den möglichen Mißbrauch der Tariffreiheit denkt, beweglich, 
indem es statt starrer Definitionen nur Anweisungen für das Ver- 
halten und für den Richterspruch, und statt unabänderlicher Rechts- 
sätze anpassungsfähige Vorschriften bringt. Die paritätische Selbstver- 
waltung muß die innere Triebkraft des Ganzen sein. Zur Konzentrier ung 
aller Bestrebungen und zu gemeinsamer Arbeit nach dieser Richtung 
werden Sozialpolitiker und Juristen im Schlußwort der wohlgelungenen 
Ideinen Schrift aufgerufen. 

Marburg a. d. Lahn. H. Koppe. 

Lachmann, Karl, Die Unfallverhütung in der Baumwoll- 
spinnerei, ihre Entwicklung, Wirtschaftlichkeit und Erfolge. Volks- 
wirtschaftliche Abhandlungen der badischen Hochschulen. Neue Folge, 
Heft 23. Karlsruhe i. B. (G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Ver- 
lag), 1913. Geheftet 3,60 M. 

Das Werk des Verfassers entstammt seinen praktischen Erfah- 
rungen. Ein zehnwöchiger Aufenthalt ohne Ausnahmestellung in einer 
großen Baumwollspinnerei, eine siebenwöchige Informationsreise, ver- 
bunden mit dem Studium der Verhältnisse bei sechs zuständigen Berufs- 
genossenschaften in den verschiedensten Teilen Deutschlands und eine 
iy 2 -jährige Praxis im Gewerbeaufsichtsdienst gaben die Grundlage 
für die Bearbeitung. Können die schwierigen Fragen der Unfallver- 
hütung in der ersten Großindustrie erschöpfend in der angegebenen Zeit 
nicht erfaßt werden, so steigt der Wert des Buches durch die benutzte 
Literatur. Die schriftlichen Aufzeichnungen verschiedener Einzelper- 
sonen und Mehrheiten von Personen, welche unter anderem die Unfall- 
verhütung in der Industrie als einen Teil ihrer Berufstätigkeit be- 
trachten, haben dem Verfasser zur Vervollkommnimg seiner Arbeit 
gedient. Sie ließen ihn eine Abhandlung von Bedeutung für alle in 
der Praxis Beteiligten und von Wert für die eingeweihten Kreise 
schreiben. Der ausführliche Abschnitt über die Bekämpfung der Un- 
fallverhütung gibt Anregungen für die Praxis. Die umfangreichen, 
an Hand des bedeutenden Stoffes der Berufsgenossenschaften zu- 
sammengetragenen statistischen Uebersichten lassen die Verteilung der 
Unfälle auch auf die Geschlechter und die einzelnen Maschinen in auf- 
klärender Weise erkennen. Das Buch bringt, was seine Aufschrift 
besagt, sachlich für Deutschland. 

Fulda. Schultze. 

Bernhard, E., Die Vergebung der öffentlichen Arbeiten in 
Deutschland im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. (Schriften der Deut- 
schen Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Heft 1.) Berlin 
(Heymann) 1913. 55 SS. 

Die Erkenntnis der Unzweckmäßigkeit von Notstandsarbeiten kommt 
bei den deutschen Staats- und Gemeindebehörden immer häufiger in 



124 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

der prinzipiellen Wendung zum Ausdruck, daß man durch rechtzeitige 
Arbeitsverschiebungen vorbeugende Maßnahmen gegen den Arbeits- 
mangel flauer Geschäftszeiten treffen könne. Freilich sah man im letzten 
Jahrzehnt die Staatsregierungen diesem Probleme „immer erst ihre volle 
Aufmerksamkeit zuwenden, wenn der Notstand offenbar und die Ge- 
legenheit für vorbeugende Maßnahmen vorüber war. Inzwischen hatte 
aber bereits ein Teil der Kommunen die Aufgaben erkannt, die sich 
auf diesem Gebiet für die öffentlichen Körperschaften ergaben " (S. 19). 

Dio Vorteile einer systematischen Verschiebung öffentlicher Ar- 
beiten wie Lieferungen auf Zeiten eines schwachen Geschäftsganges 
liegen im folgenden: die Einrichtung besonderer Notstandsarbeiten, 
die für die Besteller meist unökonomisch sind, fällt fort; die Arbeits- 
losen erfahren keine Schmälerung ihrer Verdienstaussichten, finden in 
ihrem Fache Beschäftigung und erleiden keine Einbuße an ihrer Ge- 
schicklichkeit; derartige Arbeiten ergeben kaum finanzielle Verluste, 
der Aufwand wird vielmehr sogar durch Ersparnis an Armen-, Kranken- 
und Arbeitslosenunterstützung eingebracht und die Preise sind in Zeiten 
der Depression niederer, die Geldbeschaffung leichter. Dabei geben in 
Deutschland Reich, Staat und Gemeinde im Jahr 5 — 6 Milliarden M. 
für öffentliche Arbeiten und Lieferungen auf, und die Rückstellung 
weniger Prozente davon würden zur Behebung der ärgsten Uebel arbeits- 
schwacher Zeiten hinreichen, ohne etwa in den Zeiten des geschäftlichen 
Aufschwunges weitere Folgen für die Arbeiter zu haben, als ein Ein- 
dämmen des Hetztempos der Betriebe und teilweises Ersparen von 
Ueberstunden und Nachtschichten. 

Freilich setzt eine derartige Orientierung der öffentlichen Wirt- 
schaften auch budgetäre Aenderungen (Erstreckung der Verwaltungs- 
dauer bestimmter Kredite und die Schaffung besonderer oder allgemeiner 
Reserven) voraus. 

Wien. E. Schwiedland. 

Eberstadt (Doz.), Prof. Dr. Rad., Neue Studien über Städtebau und 
Wohnungswesen. 2. Bd. Städtebau und Wohnungswesen in Holland. Jena, Gustav 
Fischer, 1914. Lex.-8. VI— 456 SS. mit 107 Abbildungen. M. 12,—. 

Fernau, Herrn., Die französische Demokratie. Sozialpolitische Studien 
aus Frankreichs Kulturwerkstatt. München u. Leipzig, Duncker u. Humblot, 1914. 
8. IV— 350 SS. M. 5.—. 

G e h r i g , Prof. Dr. Hans, Die Begründung des Prinzips der Sozialreform. 
Eine literarische Untersuchung über Manchestertum und Kathedersozialismus. 
(Sozialwissenschaftliche Studien, hrsg. von H. Waentig. Bd. 2.) Jena, Gustav 
Fischer, 1914. gr. 8. V— 381 S.S. M. 8.—. 

Gnauck-Kühne, Elisa b., Das soziale Gemeinschaftsleben im Deut- 
schen Beich. Leitfaden der Wirtschafts- und Bürgerkunde für höhere Schulen, 
Kurse und zum Selbstunterricht. M. -Gladbach, Volks ver eins ver lag, 1914. 8. 190 SS. 
M. 1,20. 

Jopke, Dr. Georg, Die Entwicklung der Grundstückspreise in der Stadt 
Posen. Beiträge zur allgemeinen Theorie der städtischen Bodenrente und zur Woh- 
nungsfrage. Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8. VII— 106 SS. mit 1 Plan. M.3.— . 

Kuske, Dr. Bruno, Die städtischen Handels- und Verkehrsarbeiter und 
die Anfänge städtischer Sozialpolitik in Köln bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 
(Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben, hrsg. von P. Aberer, Chr. 
Eckert, J. Flechtheim u. a. Heft 8.) Bonn, A. Marcus u. E. Weber, 1914. gr. 8. 
VIII— 118 SS. M. 3.—. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 125 

Lang (Landesbauinsp.), Rieh., Submissionswesen und Handwerkernot 
Ein Ueberblick. Leipzig, J. J. Arnd, 1914. Lex.-8. 62 SS. M. 1,50. 

Rothe, Arth., Das soziale Rätsel. Die Lösung der sozialen Frage 
durch Warenökonomie und Genußerhöhung. Dresden, Holze u. Pahl, 1914. 8. 
191 SS. M. 2,75. 

Sozialpolitik, Kommunale. Die Sonntagsruhebestimmungen im Handels- 
gewerbe in deutschen Städten und Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern. 
Zusammengestellt auf Grund behördlicher Auskünfte nach dem Stande vom 1. April 
1914. (31. Schrift des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig.) 
Leipzig, Verband deutscher Handlungsgehilfen, 1914. gr. 8. 55 SS. M. 0,50. 

Bourgeois, L., La politique de la prevoyance sociale. Paris, E. Fas- 
quelle. 18. fr. 3,50. 

Question (la) sociale. Sa Solution corporative. Paris, A. Noel, 1914. 
16. 83 pag. 75 cent. 

Richard (prof.), Gas ton, La question sociale et le mouvement philo- 
sophique au XIXe siecle. Paris, Armand Colin, 1914. 16. XII— 363 pp. fr. 3,50. 

Vielleville, Dr. A., Les systemes Taylor (these). Paris, impr. Vielle- 
ville, 1914. 8. 162 pag. 

Creighton, Louise, The social disease and how to fight it. A re- 
joinder. London, Longmans. Cr. 8. 88 pp. 1/. — . 

Munsterberg, Hugo, Psychology and social sanity. London, Unwin. 
Cr. 8. 332 pp. 5/.—. 

Schreiner, Olive, Woman and labour. London, T. F. Unwin. Cr. 8. 
283 pp. 2/.—. 

10. Genossenschaftswesen. 

Jacob, Eduard, Volkswirtschaftliche Theorie der Genossen- 
schaften. Tübinger Staatswissenschaftliche Abhandlungen, hrsg. von 
Carl Johannes Fuchs in Verbindung mit Ludwig Stephinger, 
neue Folge Heft 1. Stuttgart (W. Kohlhammer) 1913. XVII u. 401 SS. 

Verf. geht von der Bemerkung Crügers aus, daß das Ge- 
nossenschaftswesen in der Wissenschaft zu kurz gekommen sei: 
„. . . . Wir haben wohl das bahnbrechende Werk von Gierke über die 
Eechtsgeschichte der deutschen Genossenschaft; in den Lehrbüchern der 
Volkswirtschaft spielt das Genossenschaftswesen jedoch keine große Rolle, 
in der Regel wird es mit einigen Sätzen erledigt . . ." Auch Wygod- 
zinski, dessen Buch „Das Genossenschaftswesen in Deutschland" Ja- 
cob mit vollem Recht als die streng wissenschaftliche zusammenfassende 
Darstellung des deutschen Genossenschaftswesens rühmt, schreibt in 
dieser Beziehung: „Die umfangreiche Literatur des Genossenschafts- 
wesens hat sich zumeist von vornherein ganz andere Ziele gesteckt als 
die des Lehrbuchs. Eine große Zahl dieser Schriften gehört in die 
Kategorie der Anleitungen, die als Leitfaden für praktische Arbeit 
dienen wollen; ein zweiter, nicht minder beträchtlicher Teil wird von 
den Streitschriften gebildet, in denen die wehrhaften Anhänger der 
allzu zahlreichen Systeme von ihren Ansichten Rechenschaft ablegen. 
Einen weiteren Anteil beanspruchen die Jahrbücher und Zeitschriften 
der verschiedenen Verbände, die, als Quelle jeder Forschung unschätzbar, 
auch durch die Fülle der in ihnen niedergelegten Erfahrungen und Er- 
örterungen ungemein verdienstvoll sind. Der Rest endlich verteilt sich 
auf die wissenschaftlichen Untersuchungen historischer, theoretischer 
und ökonomischer Art. Abgesehen von der recht gut durchgearbeiteten 



126 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Genossenschaftsgeschichte bleibt hier noch viel zu tun übrig. In der 
offiziellen Nationalökonomie ist das Genossenschaftswesen, von wenigen 
glänzenden Ausnahmen abgesehen, fast ganz den Doktoranden überlassen 
worden." Durch das erwähnte Wygodzinskische Werk sei nunmehr 
eine der fühlbarsten Lücken in unserer genossenschaftlichen und volks- 
wirtschaftlichen Literatur überhaupt ausgefüllt. Was jetzt noch am 
meisten nottue, sei eine auf streng wissenschaftlicher Grundlage und 
unter Berücksichtigung des neuesten Standes der Forschung bearbeitete 
eingehende Darstellung des wirtschaftlichen Wesens der Genossenschaft 
und der damit verknüpften genossenschaftlichen Probleme. Diese Lücke 
auszufüllen sei der Zweck des ersten Teiles der vorliegenden Arbeit, die 
kein Lehrbuch des Genossenschaftswesens, aber eine Ergänzung zu 
unsern Lehrbüchern sein soll. 

So behandelt denn Jacob in einer Einleitung die Entstehungs- 
ursachen der modernen Genossenschaften und ihre Aufgaben und Ziele 
im allgemeinen und wirft dann einen kurzen Blick auf die Phasen 
der Genossenschaftsgesetzgebung. Der erste Teil behandelt darauf „Das 
wirtschaftliche Wesen der Einzelgenossenschaft". Erörterung finden 
hier folgende Punkte: der personalgemeinschaftliche Charakter der Ge- 
nossenschaft, die Entstehung und die Auflösung der Genossenschaft, 
der streng persönliche Charakter des Erwerbs und der Beendigung der 
Mitgliedschaft bei der Genossenschaft, die persönliche Haftpflicht der 
Genossen, die dienende Stellung des Kapitals bei der Genossenschaft, 
der demokratische Charakter derselben, die Teilnahme der Genossen an 
den Wirtschaftsvorteilen der Genossenschaft nach Maßgabe der In- 
anspruchnahme des Betriebs und die Genossenschaft als Gesellschaft 
von nicht geschlossener Mitgliederzahl. Ein weiteres Kapitel in diesem 
Teile zeigt, daß die Genossenschaft der Förderung des Erwerbs oder 
der Wirtschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäfts- 
betriebes dient und rollt die Prinzipienfragen der Selbsthilfe und der 
Staatshilfe auf. Den Schluß dieses Teiles bildet die Definition der 
Genossenschaft, die sich mit der üblichen Auffassung deckt; sie bietet 
zugleich Gelegenheit, die „reinen" Genossenschaften von den Genossen- 
schaften „mit Entartungserscheinungen" und von den „formalen" Ge- 
nossenschaften zu trennen. Bei den letzteren nehme die Entartung 
einen derartigen Umfang an, daß sie nur mehr dem Namen bzw. der 
Eechtsform nach noch Genossenschaften sind. Ein zweiter Teil be- 
schäftigt sich mit der systematischen Gruppierung der Genossenschaften. 
Hier finden die bekannten Einteilungen von Petersilie, Schulze- 
Delitzsch, Oppenheimer und Kaufmann Besprechung. Hier 
Hegt denn auch der eigentliche Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit, 
gibt doch Jacob an dieser Stelle neue Vorschläge einer systematischen 
Gruppierung der Genossenschaften. Der dritte Teil behandelt „Die ge- 
nossenschaftlichen Organisationen höherer Ordnung", also die Zentral- 
genossenschaften und sonstigen genossenschaftlichen Zentralgebilde und 
die Genossenschaftsverbände. Der vierte Teil wendet sich zunächst dem 
Neutralitätsprinzip in der Genossenschaftsbewegung zu. Die bloße 
Inhaltsangabe der Paragraphen des Inhaltsverzeichnisses weist schon die 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutsehlands und des Auslandes. 127 

Eesultate auf, zu denen Jacob gelangt: die Genossenschaften sollen sich 
nicht an politische Parteien anschließen und sich auch sonst nicht mit 
außerhalb ihres Interessenbereiches liegenden öffentlichen Angelegen- 
heiten befassen. Die Genossenschaften sollen weder eine Institution des 
Klassenkampfes noch das Werkzeug einer bestimmten Religion sein. 
Und auch die Frage: „Ist in der Aufstellung genossenschaftlich-soziali- 
stischer Programme eine Verletzung des Neutralitätsprinzips zu er- 
blicken ?" findet ihre Beantwortung. Der Schluß dieses Teiles ist dem 
produktivgenossenschaftlichen und dem konsumgenossenschaftlichen So-, 
zialismus gewidmet. Eine prinzipielle Zusammenfassung über Ko- 
operatismus, Sozialismus und Individualismus beschließt das Werk. 
Verf. bemüht sich hier in bisher allgemein üblicher Weise die Grenzen 
der einzelnen Genossenschaftsarten aufzuweisen und glaubt zu dem 
— freilich etwas unbequemen — Satz kommen zu können, daß, wie allen 
Wirtschaftsformen so auch der genossenschaftlichen eine Grenze für 
ihre Anwendbarkeit gezogen sei. Er beruft sich dabei auf Bourguin, 
der in seinem bekannten Werke „Die sozialistischen Systeme und die 
wirtschaftliche Entwicklung" einmal ausspricht, daß kein radikales 
System, „weder der absolute Individualismus, noch der vollständig 
durchgeführte Kollektivismus oder der verallgemeinerte Kooperatismus 
ausreicht, um einen so komplizierten Organismus wie den der heutigen 
Gesellschaft, vollständig in sich aufzunehmen". Im Kampfe dieser 
Prinzipien, um die Herrschaft, meint Jacob, werde es sich vielmehr 
immer nur um ein Mehr oder Weniger handeln können. — 

Schon dieses bloße Inhaltsverzeichnis zeigt die Fülle der ge- 
nossenschaftlichen Probleme, die Jacob in seiner Arbeit aufrollt. Es 
ist ganz unmöglich, an dieser Stelle die Grundzüge der einzelnen Kapitel 
wiederzugeben oder gar kritische Bemerkungen daran anzuknüpfen. Es ist 
unmöglich, aber auch — so merkwürdig es klingen mag — unnötig ; denn 
abgesehen von wenigen Einzelfragen kommt Jacob in den meisten Fragen 
zu keinem Ergebnis, das von den bisher üblichen Auffassungen, die 
sich in den genossenschaftlichen Lehrbüchern finden, erheblich abweicht. 
Wer z. B. die genossenschaftlichen Lehrbücher von Crüger, Lin- 
decke, Wygodzinski, Finck gelesen hat, vielleicht auch noch die 
eine oder andere Monographie herangezogen hat, dem wird das Jacob - 
sehe Buch kaum noch etwas prinzipiell Neues bieten können, abgesehen 
natürlich von der einen oder anderen Detailausführung und von den 
Fragen, die ich nachher noch einer Betrachtung unterziehen will. 
Wozu muß denn noch einmal, ausgerechnet in einer „volkswirtschaft- 
lichen Theorie der Genossenschaften", auf 150 Seiten eine Inhaltsangabe 
des Genossenschaftsrechts, die doch jedes Lehrbuch bietet, gegeben 
werden ? Wenn Verf. der Meinung war, genossenschaftlich-rechtliche 
Kenntnisse nicht bei jedem Leser voraussetzen zu können, so konnte er 
sich doch gut auf den dritten Teil des Raumes beschränken. Wygod- 
zinski z. B. hat knapper und präziser das Genossenschaftsrecht be- 
handelt. Der Raum hätte entschieden Verwendung finden können für 
die wirtschaftliche Eigenart der einzelnen Genossenschaftsarten. Was 
z. B. Jacob über die Kreditgenossenschaften oder über die preußische 



128 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Zentralgenossenschaftskasse zu sagen weiß, ist so knapp und so dürftig, 
weil er sieh aus Eaumgründen beschränken muß, lediglich die Ergeb- 
nisse der Arbeiten Crügers, Wygodzinskis, meines Buches über 
den kleingewerblichen Kredit etc. zu übernehmen. Natürlich muß bei 
diesem Verfahren jeder Beweisgang der einzelnen Autoren vernachlässigt 
werden und vor allem wird man eine wirklich kritische Stellungnahme 
zu den Meinungen anderer Autoren vermissen. Wozu mußte denn z. B. 
nochmals die Gründungsgeschichte und die Organisation der Preußen- 
kasse etc. dargelegt werden ? Das ist doch alles schon bekannt. Wäre 
es nicht richtiger gewesen, Verf. hätte sich beispielsweise nach knapper 
Rekapitulation des schon Bekannten, die ja wohl, wie ich gern zugebe, 
nicht zu vermeiden war, der selbständigen vorurteilslosen Prüfung der 
Kritik an der Tätigkeit der Preußenkasse, die z. B. Crüger, Fink, 
ich u. a. geübt haben, zugewandt? Gewiß, man wird es nie ver- 
meiden können, besonders nicht in einer Arbeit systematischen Cha- 
rakters, bereits Bekanntes zu wiederholen. Man darf dann aber diese 
Teile nicht so anwachsen lassen und muß sich doch zum mindesten be- 
bemühen, die bekannten Tatsachen zu verarbeiten, will sagen, sie 
in einen neuen Zusammenhang zu stellen, sie als Bausteine für einen 
größeren eigenen Gedankengang wirklich zu verwenden. Gerade das 
vermißt man bei der Lektüre des umfangreichen Buches von Jacob, 
wobei ich gern zugeben will, daß ich hier und dort auch Einzelheiten 
finde, die dem Leser oben genannter Lehrbücher vielleicht nicht be- 
kannt sein dürften. Ich will auch dieses ausdrücklich betonen, daß die 
Arbeit Jacobs durchaus zuverlässig und fleißig ist. Wenn er in den 
oben skizzierten prinzipiellen Fehler verfiel, so lag das nämlich an der 
zu weiten Problemstellung, die er sich setzte. Die eingangs in der Be- 
sprechung erwähnten Worte von Crüger treffen heute in dieser Schärfe 
nicht mehr zu. Wir haben heute, um nur einige zu nennen, die Lehr- 
bücher von Lindecke, Finck, Wygodzinski, Crüger. Wenn 
man diese Bücher nacheinander gelesen hat, dann hat man eben in allem 
wesentlichen die Orientierung, die Jacob geben wollte. Wollte er wirk- 
lich eine „Ergänzung" zu unsern Lehrbüchern geben, dann hätte er 
Spezialuntersuchungen treiben müssen auf dem Gebiete des Ge- 
nossenschaftsrechts, auf dem Gebiete der einzelnen Genossenschafts- 
arten; das wäre aber für einen einzelnen eine fast unmögliche Arbeit, 
hätte er doch dann eben nicht nur die Literatur verarbeiten, sondern 
vor allem auch mühselige praktische Enqueten über Rohstoff-, Kredit- 
genossenschaften, Konsumvereine etc. veranstalten müssen. Er hätte 
dann vielleicht, wie der Verfasser dieser Besprechung, allein der Frage 
der Kreditgenossenschaften in ihrer Beziehung zum Handwerk oder den 
Konsumvereinen — , für die jetzt der große Apparat des Vereins für 
Sozialpolitik in Bewegung gesetzt werden muß, um sie zu meistern — 
jahrelange Arbeit widmen müssen. Und die Frage, die Jacob am 
Schluß seines Buches auf einigen Seiten erledigt (über Kooperatismus, 
Sozialismus und Individualismus), bildet den Gegenstand einer mehr- 
jährigen Arbeit eines jungen Nationalökonomen, die demnächst in den 
„Volkswirtschaftlichen Abhandlungen der Badischen Hochschulen" er- 






Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 129 

scheinen wird. Kurzum, die Aufgabe, die sich Jacob stellte, konnte 
beim besten Willen nicht völlig befriedigend gelöst werden. Die bis- 
herigen Ergebnisse der Spezialforschung sind eben schon teilweise 
musterhaft zusammengefaßt worden. Jetzt besteht die Aufgabe, wieder- 
um genossenschaftliche Spezialforschung zu treiben, welche in Zukunft 
einmal lehrbuchmäßige Zusammenfassungen erlaubt, die Neues bieten 
werden. 

So ist denn das Buch Jacobs keine neue „volkswirtschaftliche 
Theorie der Genossenschaften", sondern ein gut orientierender Grundriß 
des Genossenschaftswesens. Und als solcher hat das Buch ohne Zweifel 
seine Verdienste. Brauchbar und selbständig ist auch seine systematische 
Gruppierung der Genossenschaften. Er teilt die Genossenschaften ein 
in Produzenten- und Konsumentengenossenschaften und gliedert erstere 
in Beschaffungs- und Verwertungsgenossenschaften etc. So ergibt sich 
für die genossenschaftliche Systematik folgendes Hauptschema: 
Produzentengenossenschaft en: 
Beschaffunsgenossenschaften, 

Kreditbeschaffungsgenossenschaften, 
überwiegend städtischen Charakters, 
überwiegend ländlichen Charakters, 
Warenbeschaffungsgenossenschaften einschließlich 
Werkgenossenschaften, 
gewerbliche, 
landwirtschaftliche, 
Verwertungsgenossenschaften, 

Arbeitsverwertungsgenossenschaften, 
Warenverwertungsgenossenschaften, 
gewerbliche, 
landwirtschaftliche, 
Konsumentengenossenschaften. 

Die kritischen Ausführungen und die Begründung der eigenen 
Systematik wirken durchaus überzeugend. Ueberzeugend sind auch die 
Bemerkungen gegen Liefmann an dieser Stelle (S. 186/187) und 
S. 18 ff: Im Gegensatz zum Genossenschaftsgesetz und zur Rechts- 
wissenschaft überhaupt stellt Liefmann in seiner Schrift über die 
Unternehmungsformen den „gesellschaftlichen" Charakter der Genossen- 
schaft „vom ökonomischen Standpunkt aus" in Abrede; und zwar er- 
blickt er das Charakteristische der Genossenschaften gegenüber den Ge- 
sellschaften „in der Verbindung einer unselbständigen gemeinsamen 
Wirtschaft mit den einzelnen privaten Haus- oder Erwerbswirtschaften 
der Mitglieder", während die Gesellschaften „selbständige Ver- 
einigungen von Personen zu gemeinsamer Wirtschaftstätigkeit" seien. 
Diese Unterscheidung erscheint Jacob — meines Erachtes mit Recht — 
als durchaus willkürlich. Denn wenn auch die Genossenschaften in ihrer 
großen Mehrzahl nur der Förderung und Ergänzung der einzelnen 
Haus- oder Erwerbswirtschaften dienen, also nach Liefmann „unselb- 
ständig" seien, so sei dies doch nicht immer der Fall. Die eigentliche 
Produktivgenossenschaft z. B. sei eine „selbständige Vereinigung von 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 9 



130 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Personen zu gemeinsamer Wirtschaftstätigkeit"; sie ergänze nicht die 
Wirtschaft des einzelnen Mitgliedes, sondern sie sei eine Erwerbswirt- 
schaft, die er gemeinsam mit anderen betreibe. In der Tat, wenn Lief- 
mann den genossenschaftlichen Charakter der eigentlichen Produktiv- 
genossenschaft leugnet, andererseits aber gänzlich ungenossenschaftliche 
Gebilde, wie Zuckerfabriken, bei welchen der größte Teil der Aktionäre 
zur Rübenlieferung verpflichtet ist, oder das Rheinisch-westfälische 
Kohlensyndikat, ökonomisch als Genossenschaften bezeichnet, so wird 
man dem kaum zustimmen können. Was ist mit einer derartigen Ver- 
wischung der Unterschiede zwischen Personal- und Kapitalgesellschaft 
erreicht? Mit vollem Recht und mit guten Argumenten hebt Jacob 
den personalgesellschaftlichen Charakter der Genossenschaft, den Lief- 
mann leugnet, hervor und weist darauf hin, daß Zuckerfabriken etc., 
um echte Genossenschaften (Verwertungsgenossenschaften) zu sein, noch 
ganz andere Eigenschaften aufweisen müssen als lediglich den von Lief- 
mann geforderten „unselbständigen" Charakter. 

Freiburg i. B. HansSchönitz. 

Hanszel (Bezirkskommissar, Wohnungsfürsorgerevisions- Obmann) Max, 
Die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Bau-Genossen- 
schaften. Teschen, Sigmund Stuks, 1913. 8. 28 SS. M. 1.—. 

11. Gesetzgebung*, Staats- und Verwaltung-sreclit. Staatsbürgerkunde. 

E. Hemmerle, Die Rheinländer und die preußische Verfassungs- 
frage auf dem ersten Vereinigten Landtag (1847). (Studien zur Rhei- 
nischen Geschichte, hrsg. von Dr. A. Ahn, 2. Heft.) Bonn 1912. V 
und 229 SS. 6 M. 

Die vorliegende Schrift stellt in ihrem Hauptteil (S. 68 — 192) 
die Haltung der rheinischen Abgeordneten auf dem ersten Vereinigten 
Landtag dar, worüber Verf. durch Heranziehung der Akten des Geh. 
Staatsarchivs in Berlin allerhand Neues zu sagen weiß, enthält aber 
außerdem dankenswerte Hinweise auf die öffentliche Meinung des 
Rheinlands, soweit sie aus der Presse festzustellen ist. Auch diese 
Untersuchung zeigt deutlich, wie gewaltig der erste Vereinigte Landtag 
das politische Interesse angeregt hat. Bis in die vierziger Jahre haben 
sich die Rheinländer um die preußische Verfassungsfrage nur wenig 
gekümmert, die Hauptsache ist ihnen die Erhaltung der besonderen 
Stellung der Rheinlande im preußischen Staat gewesen. Ja, selbst 
den Errungenschaften des Patentes vom 3. Februar 1847 hat die breite 
Masse durchaus gleichgültig gegenüber gestanden. Nur die Oberschicht 
des Bürgertums hat, wahrscheinlich durch das belgische Vorbild an- 
gefeuert, eine liberale und zentralisierende Verfassung für Preußen 
gewünscht, um auf diese Weise Einfluß auf die Staatsregierung zu er- 
langen. Der Adel und ein guter Teil der Katholiken wollte davon aus 
politischen und aus konfessionellen Gründen, aus Abneigung gegen 
den Liberalismus und aus Furcht vor der protestantischen Mehrheit 
des Gesamtstaats nichts wissen; die Trierer Zeitung, das Organ der 
Arbeiter, lehnte alle Neuerungen ab, die nichts an den Grundmängeln 
der Gesellschaft änderten. Auf dem Landtage selbst kamen nur die 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 131 

Liberalen zu Wort; die in der rheinischen Ritterschaft zahlreich, unter 
den Abgeordneten der Städte und Landgemeinden dagegen nur sehr 
schwach vertretenen Konservativen verhielten sich schweigsam. Die 
Haltung der liberalen Abgeordneten wurde von der rheinischen Be- 
völkerung nicht durchweg gebilligt; weder mit ihren zentralisierenden 
Neigungen noch mit ihrer Toleranz den Juden gegenüber konnte man 
sich befreunden. Aber diese Verschiedenheiten kamen nicht in Be- 
tracht bei dem lebhaften Beifall, den die Opposition der Liberalen gegen 
die Regierung fand. Und je radikaler ein Abgeordneter war, desto be- 
liebter machte er sich, desto festlicher wurde er bei seiner Heimkehr 
empfangen. Der Boden war vorbereitet für die Bewegung des Jahres 
1848. 

Halle. i F. Härtung. 

Blücher (Ober- Verwaltungsgerichtsrat), Bernh., Gemeindebeamtenrecht 
im Königreich Sachsen. Leipzig, B. G. Teubner, 1914. 8. IV— 111 SS. M. 1,40. 

Bojunga (Justizrat), Hans, Reichs -Viehseuchengesetz vom 26. Juni 1909, 
nebst Ausführungsvorschriften des Bundesrats, in Verbindung mit der preußi- 
schen viehseuchenpolizeilichen Anweisung, dem preußischen Ausführungsgesetz, sowie 
Mustern und Anweisungen. Textausgabe mit Anmerkungen. .Hannover, M. u. H. 
Schaper, 1914. kl. 8. VIII— 308 SS. M. 4,50. 

Dultzig (Reg.-Bat), Dr. Eug., Das preußische Disziplinargesetz für die 
nichtrichterlichen Beamten, nebst dem Disziplinargesetze für die Privatdozenten. 
Erläutert und mit den ergänzenden Gesetzesbestimmungen, zumal der Strafprozeß- 
und Zivilprozeßordnung versehen. (Guttentags Sammlung preußischer Gesetze. 
Textausgabe mit Anmerkungen. No. 51.) Berlin, J. Guttentag, 1914. kl. 8. XIV — 
364 SS. M. 4,50. 

Giese (Realgymnasial-Prof.), Dr. A., Deutsche Bürgerkunde. Einführung in 
die allgemeine Staatslehre, in die Verfassung und Verwaltung des Deutschen 
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reich Sachsen. Von (Realschul-Oberlehrer) Max Busse. 2. Aufl. Leipzig, R. 
Voigtländer, 1914. 8. VIII— 222 SS. M. 1,60. 

Glock (Landgerichtsrat), Dr. A., Bürgerkunde. Deutsche Staats- und 
Rechtskunde. Zur Einführung in das öffentliche Leben der Gegenwart. Unter 
Mitwirkung von (Amtm.) Bazille, (Amtsgerichtsrat) Coermann, (Geh. Finanzrat) 
Dr. Kloß u. a., begründet von (Landgerichtsrat) Dr. A. Glock, nach seinem Tode 
weitergeführt von (Notariatsinsp.) E. Burger. Für Preußen. Von Dr. A. Glock 
und Justizrat Rechtsanw. A. Korn. 2. umgearb. Aufl. Karlsruhe, G. Braun, 1914. 
8. XXII, 380 u. 175 SS. M. 3,20. 

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H. Lindemann, O. Most, H. Preuß, A. Südekum. 1. und 2. Liefg. Jena, Gustav 
Fischer, 1914. Lex.-8. 1. Bd. S. 1—240. M. 3,50. 

Jähnel, Gust., Reichsversicherungsordnung und Angestelltenversicherungs- 
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Rob. Piloty. Berlin, Gustav Ziemsen, 1913. kl. 8. 146 SS. M. 1,50. 

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Berlin, Franz Vahlen. 

Kommentar zur Reichsversicherungsordnung. Hrsg. vom (Reichsversiche- 
rungsamts-Sen.-Präs.) H. Hanow, (Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat, vortr. Rat) Dr. F. 
Hoffmann, (Geh. Reg.-Rat) Dr. R. Lehmann, (Reg.-Räten) St. Moesle, Dr. W. 
Rabeling. 5. und 6. Buch. Beziehungen der Versicherungsträger zueinander und 
zu anderen Verpflichteten. — Verfahren. Von (Geh. Reg.-Rat) Dr. R. Lehmann. 
3. verm. Aufl. Berlin, Carl Heymann, 1914. gr. 8. XVI— 580 SS. M. 12.—. 

9* 



132 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Langemack, Dr. Paul, Die Grenzen der Autonomie des hohen Adels 
innerhalb der heutigen Rechtsordnung. Diss. Lübeck, Joh. Carsten, 1914. 8. 
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in der Fassung des Gesetzes vom 28. Juli 1909 erläutert. 2. Aufl. Hannover, 
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Voigt und (Generalsekr.) Erwin Stein. Oldenburg i. Gr., Gerhard Stalling, 1914. 
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Renner, Dr. Karl, Der Proporz in den Industriegemeinden Nieder - 
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Stengel, Karl Frhr. v., Wörterbuch des deutschen Staats- und Ver- 
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Gaetano Azzariti.) Quarta edizione riveduta, con appendice relativa alle 
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1909 — 1911. Im Auftrage des Ministers für Handel und Gewerbe bearb. im 
Kgl. Preuß. Statist. Landesamt. 2 Teile. A. Textlicher Teil, B. Tabellenteil 
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Ischhanian, Dr. B., Nationaler Bestand, berufsmäßige Gruppierung 
und soziale Gliederung der kaukasischen Völker. Statistisch-ökonomische Unter- 
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schaft zum Studium Rußlands. Hrsg. von Otto Hoetzsch, Otto Auhagen und 
Erich Berneker, Heft 1). Berlin, G. J. Göschen, 1914. gr. 8. VIII— 81 SS. 
M. 2,80. 

Jahrbuch für bremische Statistik. Hrsg. vom Brem. Statist. Amt. 
Jahrg. 1913. Zur Statistik des Schiffs- und Warenverkehrs im Jahre 1913, 
Bremen, Franz Leuwer, 1914. Lex.-8. VI— 390 SS. M. 7,50. 

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tistischen Erhebung vom November 1912. Hrsg. vom Vorstand des deutschen 
Holzarbeiter-Verbandes. Berlin, Verlagsanstalt des deutschen Holzarbeiter- Ver- 
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Rosenberg (Dir.), E., Die älteren Kieler Volkszählungen. Bewegung 
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des Statistischen Amtes der Stadt Kiel, No. 20.) Kiel, Lipsius u. Tischer, 1914. 
23 SS. M. 0,60. 

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265. Bd. I. Tl. Verkehr und Wasserstände der deutschen Binnenwasserstraßen 
im Jahre 1912. Bearb. im Kaiserl. Statist. Amte. I. Tl. XLIX— 281 SS. 
M. 5.—. — 278. Bd. Streiks und Aussperrungen im Jahre 1913. IV— 27 und 
62 SS. M. 1.—. Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht. 33,5X26,5 cm. 

Statistik, Preußische. (Amtliches Quellenwerk.) Hrsg. in zwanglosen 
Heften vom Kgl. Preuß. Statist. Landesamt in Berlin. 239. Beiträge zur Sta- 
tistik der Arbeitsverfassung der Landwirtschaft in Preußen nach der land- 



134 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutachlands und des Auslandes. 

wirtschaftlichen Betriebszählung vom Jahre 1907. Bearb. vom Kgl. Statist. 
Landesamt. Mit einer Einleitung von (Geh. Reg.-Rat) Prof. Dr. A. Petersilie. 
Berlin, Verlag des Kgl. Statist. Landesamts, 1914. 33X24 cm. V, XVIII— 
283 SS. M. 7,80. 

Verzeichnis der im Jahre 1915 im Königreich Preußen abzuhaltenden 
Märkte und Messen, nebst einer Uebersicht der wichtigeren Märkte und Messen 
der anderen Staaten des Deutschen Reichs und Zollgebiets, der Grenzprovinzen 
Hollands sowie der nördlichen Schweiz. Unter Benutzung amtl. Quellen hrsg. von 
(Präs.) G. Evert. 43. Jahrg. Berlin, Verlag des Kgl. Statist. Landesamts, 1914. 
gr. 8. VII— 210 SS. M. 7,50. 

Oesterreich-Ungarn. 

Statistische Rückblicke aus Oesterreich. Wien 1913. 
XXIX -f 99 SS. und 3 Kartenbeilagen. 

Die kleine, gefällig ausgestattete Schrift ist eine Festgabe aus 
Anlaß der 14. Tagung des Internationalen Statistischen Instituts in 
Wien und gleichzeitig eine Festschrift aus Anlaß des 50-jährigen 
Bestandes des k. k. statistischen Zentralkommission, deren Präsident 
Dr. Robert Meyer, das vorliegende Buch herausgegeben hat. Es 
ist ein wertvoller Behelf, denn es vereinigt statistische Daten aus weit 
längeren Zeitabschnitten (etwa 50 Jahren) als das oesterreichische Hand- 
buch, mit dem es sonst viel gemein hat. Leider bringt es keine Angaben 
über die Herkunft der einzelnen Daten, sondern nur eine kleine Ein- 
leitung mit weniger wichtigen textlichen Erläuterungen, die wohl mehr 
dazu dienen sollten, durch ihre französische Uebersetzung den Kongreß- 
teilnehmern, die nicht Deutsch verstanden, das Verständnis der Tabellen 
zu erleichtern. 

Halle Dr. Ernst Grünfeld. 

Mitteilungen des Statistischen Landesamtes des Königreichs Böhmen. 
Deutsche Ausgabe. 17. Bd. 2. Heft: Statistik der zu Zwecken der örtlichen 
Selbstverwaltung im Königreich Böhmen für die Jahre 1909, 1910 und 1911 
vorgeschriebenen Zuschläge und jhrer Basis. Mit einem Anhang über die Ge- 
meindegetränkeauflagen in Böhmen im Jahre 1911. Prag, J. G-. Calve, 1914. 
Lex.-8. III, 34 und 166 SS. M. 6.—. 

Statistik des Bergbaus in Oesterreich für das Jahr 1912. Als Fort- 
setzung des statistischen Jahrbuches des k. k. Acker bau -Ministeriums. 2. Heft: 
„Der Bergwerksbetrieb Oesterreichs." 3. Lieferung. Die Gebarung und die 
Ergebnisse der Krankheits-, Mortalitäts- und Invaliditätsstatistik der Berg- 
werksbruderladen 1911. Hrsg. vom k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten. 
Wien, k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 1913. Lex.-8. 117 SS. M. 4.—. 

Frankreich. 

Benseignements statistiques relatifs aux contributions directes et aux 
taxes assimilees-. Annee 1914. Paris, Impr. nationale, 1914. 8. 222 pag. 

Statistique de la navigation interieure. Releve general du tonnage des 
marchandises, annee 1912. Paris, Impr. nationale, 1913. 4. 430 pag. fr. 8. 
(Ministere des travaux publics.) 

Statistique des deces par tuberculose en 1911. 6e annee. Reparation 
par departements et arrondissements, par groupement de population au-dessus 
et au-dessous de 5000 habitants et par groupes d'äges. Rekapitulation generale. 
Cartes et tableau graphiques. Tableaux retrospectifs (1906 ä 1911). Nombres 
absolus et proportions. Extrait du rapport presente au ministre de l'interieur 
par le directeur de l'assistance et de l'hygiene publiques sur la statistique 
sanitaire de l'annee 1911. Melun, Impr. administrative, 1913. 8. 176 pag. 



Die periodische Presse des Auslandes. 135 

Belgien. 

Statistique generale de la Belgique. Expose de la Situation du Royaume 
de 1876 ä 1900, redige sous la direction de la commission centrale de statistique, 
en execution de l'arrete royal du 29 mai 1902. 13me fascicule. Bruxelles, 
Georges Piquart, 1914. 27X17,5. 3 pl., 2 cartes, diagTammes. pag. 433 — 732 — 
XVIII. fr. 15. le volume. 

Statistique de la Belgique. Agriculture. Recensement general de 1910, 
publie par le ministere de l'agriculture et des travaux publics. Partie docu- 
mentaire. Tome I. Reparation des cultures. Rendements moyens. Production 
totale. Semences employees par hectare. Bruxelles, A. Dewit, 1913. 26,5X17,5. 
4 ff + 717 pag. fr. 5.—. 

Italien. 

Cenni statistici sul movimento economico delPItalia (Banca commerciale 
italiana). Milano, tip. Capriolo e Massimino, 1914. 8. 310 pp. con tredici tavole. 

Statistica della criminalitä per Panno 1909. Notizie complementari 
alla Statistica giudiziaria penale. (Ministero di grazia e giustizia e dei culti.) 
Roma, stamp. Reale, D. Ripamonti, 1914. 4. CXLIV — 484 pp. 

13. Verschiedenes. 

Hammacher (Privatdozent), Emil, Hauptfragen der modernen Kultur. 
Leipzig, B. G. Teubner, 1914. gr. 8. V— 351 SS. M. 10.—. 

Kohler, Jos., Recht und Persönlichkeit in der Kultur der Gegenwart. 
Stuttgart, Deutsche Verlags -Anstalt vorm. Eduard Hallberger, 1914. gr. 8. 
IX— 278 SS. M. 5.—. 

Rohrbach, Paul, Der deutsche Gedanke in der Welt. Königstein i. Taunus 
1914. 8. 240 SS. M. 1,80. 

Watrin, L., Unsere Volksschule — eine Arbeitsschule. Einige Bei- 
träge. Mit zahlreichen Abbildungen und 9 färb. Taf. Ansbach, Michael Prögel, 
1914. 8. V— 143 SS. M. 2,80. 

Wirth, Albr., Rasse und Volk. Halle a. S., Max Niemeyer, 1914. 
gr. 8. VI— 353 SS. M. 7.—. 



Kerschensteiner, Georg, The schools and the nation. London, Mac- 
millan. Cr. -8. 376 pp. 6/.—. 



Die periodische Fresse des Auslandes. 

A. Frankreich. 

Bulletin de Statistique et de Legislation comparee. 37e Annee, avril 
1914: Etablissement d'une statistique commerciale internationale. — Les produits 
de l'enregistrement, des domaines et du timbre constates et recouvres, en France, 
pendant l'exercice 1912. — Les revenus de l'Etat. — Etats-Unis: La reforme 
financiere. — Loi portant reduction du tarif douanier et creation de revenus 
d'Etat. — Section II: Impöt sur le revenu (Act du 3 octobre 1913). — 
Italie: L'expose financier du ministre du tresor. — etc. 

Journal de la Societe de Statistique de Paris. 55 annee, mai 1914, 
Ko. 5: Population et populations de l'Algerie, par Paul Meuriot. — Chronique 
des banques et questions monetaires, par M. G. Roulleau. — Le census de 
1911 dans la Nouvelle-Zelande, par Paul Meuriot. — Statistische Rückblicke aus 
Oesterreich, par Paul Meuriot. — La statistique federale de l'Australie, par Paul 
Meuriot. — etc. 

Journal des Economistes. 73e Annee, mai 1914: L'entente cordiale au 
point de vue economique, par Yves Guyot. — Crisis monetaires mondiales, par 



136 Die periodische Presse des Auslandes. 

Kobert Wolff. — Une Solution liberale en matiere de prevoyance sociale, par 
Maurice Bellom. — L'emprunt turc, par Yves Guyot. — L'alimentation de 
l'Angleterre et les denrees frigorifiees, par E. Gouault. — Les assemblees 
generales des compagnies de chemins de fer, par Georges de Nouvion. — 
Mouvement agricole, par Maurice de Molinari. — Societe d'economie politique 
(Reunion du 5 mai 1914): Le bilan financier de l'emigration. Communication 
de M. Paul Ghio. — etc. 

Mouvement Social, Le. 39e Annee, mai 1914, No. 5: L'indemnite de plus- 
value au fermier ou metayer sortant, par P. de Bricourt. — Co-operation in 
England (La Cooperation en Angleterre), par H. Somerville. — L'inspection 
du travail en Russie, par Dr. A. Woycicki. — Emigration et immigration, par 
L. Guizerix. — etc. 

Revue internationale de Sociologie. 22e Annee, avril 1914, No. 4: La 
religion de l'avenir, par A. Bochard. — Le Systeme dramatologique des pro- 
blemes de sociologie, par Otto Effertz. — Societe de Sociologie de Paris 
(Seance du 11 mars 1914): Le liberalisme politique. Paroles de Maurice Or- 
dinaire, Th. Joran, Rene Worms, Albert Parenty, E.-N. Laval, Ch. Rabany, 
Pierre Kahn, Eddy Levis. — etc. 

B. England. 

Century, The Nineteeath and after. June 1914, No. 448: Financial 
Problems of federalism, by Edgar Crammond. — A new German Empire: the 
story of the Baghdad railway (concluded), by Andre Geraud. — Democratic 
finance: 1) The budget, graduaded taxation and the franchise, by Prof. E. C. 
Clark. — 2) Strange reportsl, by E. M. Konstam. — etc. 

Journal of the Royal Statistical Society. Vol. LXXVI, Part 6, may 
1914: Rural population in England and Wales: A study of the changes of 
density, occupations, and ages, by A. L. Bowley. (With discussion.) — On 
the use of analytical geometry to represent certain kinds of statistics. (Con- 
tinus tion.) By prof. F. Y. Edgeworth. — etc. 

Review, The Contemporary. June 1914, No. 582: Our „£ 200 000 000" 
budget, by L. G. Chiozza Money, — The federal Solution, by Lord Charn- 
wood. — The universities and the nation in America and England, by Graham 
Wallas. — Land reform and registration of title, by J. S. Stewart-Wallace. 

— The feminist movement in Turkey, by Ellen D. Ellis and Florence Palmer. 

— etc. 

Review, The Fortnightly. June 1914, No. 570: The new finance: How 
shall we pay for a war?, by Archibald Hurd. — The end of Weltpolitik: 
A letter from Berlin, by Robert Crozier Long. — The real trouble in Mexiko, by 
J. M. Kennedy. — etc. 

Review, The National. June 1914, No. 376: Germany and ourselves, 
by (Captain) Bertrand Stewart. — Future developments in the Balkans, by 
a diplomatist. — etc. 

C. Oesterreich-Ungarn. 

Handelsmuseum, Das. Hrsg. von der Direktion des k. k. österr. 
Handelsmuseums. Bd. 29, 1914, No. 21: Zur britischen Tarifreform bewegung. 

— Das deutsche Ausfuhrgeschäft. — etc. — No. 22: Zölle und Lebenskosten. 
von Dr. Eugen v. Philippovich — Wirtschaftsverhältnisse im südöstlichen 
Bulgarien. — etc. — No. 23: Frankreich in Nordafrika, von Dr. Marcel 
Fischel. — Das türkische Scheckgesetz. — Wirtschaftsverhältnisse in Portugal. 

— etc. — No. 24: Die russischen Eisenbahnbauten und Projekte. — Wirt- 
schaftsverhältnisse in Paraguay. — etc. 

Mitteilungen, Volkswirtschaftliche, aus Ungarn. Hrsg. vom kgl. un- 
garischen Handelsministerium. Jahrg. 9, März 1914, Heft 3: Das Expose des 
kgl. ungarischen Finanzministers. — Der Staatsvoranschlag für das Finanz- 
jahr 1914/15. — Ungarns Finanz- und Kreditwesen im Jahre 1912. — Das Budget 
des kgl. ungarischen Ackerbauministeriums für das Finanzjahr 1914/15. — Ungarns 



Die periodische Presse des Auslandes. J37 

Seidenproduktion im Jahre 1912. — Ungarns Weinproduktion im Jahre 1912. 

— Die Landstraßen in Ungarn im Jahre 1912. — 

Monatsschrift, Statistische. Hrsg. von der k. k. Statistischen Zentral - 
Kommission. Jahrg. 19, 1914, II — III Februar-März-Heft: Geburten und Sterbe- 
fälle in den größeren Städten Oesterreichs im Jahrzehnt 1901 — 1910 und in den 
Jahren 1910, 1911, 1912, von Prof. Dr. Karl Drexel. — Wirtschaftsstatistische 
Chronik. Eückblick auf das Jahr 1913. — etc. 

Eundschau, Soziale. Hrsg. vom k. k. arbeitsstatistischen Amt im Handels- 
ministerium. Jahrg. 15, April 1914, Heft 4: Arbeiterschutz in Fabriken und Werk- 
stätten (Griechenland). — Einschränkung der Kinder-, Jugendlichen- und Frauen- 
arbeit (Frankreich). — Errichtung eines Bergamtes (Vereinigte Staaten von 
Amerika). — Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten (Norwegen). — Städtische und 
staatliche Arbeitslosenunterstützung in Budapest. — Städtische Arbeitslosenfür- 
sorge im Deutschen Keiche. A. Dresden, B. München, C. Neuköln. — Sozial- 
versicherung (Oesterreich, Sozialversicherungsausschuß des Abgeordnetenhauses). 

— Unfallversicherung der Bergarbeiter (Oesterreich). — Arbeitskonflikte in 
Kanada 1912 und 1913. — Ergebnisse der Arbeitsvermittlung in Oesterreich im 
März 1914. — Die Arbeitslosigkeit bei den Gewerkschaften in Oesterreich im Jänner 
und Februar 1914. — Die Arbeitslosigkeit in Wien bei den der Gewerkschafts - 
kommission Oesterreichs angegliederten Verbänden in den Jahren 1910 — 1913. — 
Städtische Arbeitslosenfürsorge im Deutschen Keiche. A. Straßburg 1911/12; B. 
Erlangen 1909—13. — etc. 

Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung. Organ 
der Gesellschaft Oesterreichischer Volkswirte. Bd. 23, 1914, 1. und 2. Heft: Die 
wirtschaftlichen Konjunktur- und Depressionswellen in Oesterreich seit dem Jahre 
1896, von Dr. Emil Brezigar. — Der Grund und Boden als Produktionsfaktor der 
galizischen Landwirtschaft in der Gegenwart, von Otto Pawluch. — Verteidigung 
und Ergänzung der Böhm-Bawerkschen Preistheorie, von Ludwig Mezey. — Nach- 
wort, von Eugen v. Böhm-Bawerk. — Ueber das Bankkontokorrent und dessen 
wirtschaftliche Bedeutung, von Fritz Honig. — Unbedeckte Banknoten und ihre 
Einwirkung auf die Warenpreise, von Prof. Dr. Josef Pazourek. — etc. 

F. Italien. 

Rivista della beneficenza pubblica. Anno 42, Gennaio 1914, No. 1: L'assi- 
stenza alle famiglie numerose codificata in Francia. — La assicurazione per le 
malattie degli operai, di dott. Vincenzo Magaldi. — etc. — Febbraio, No. 2 : La 
cassa di risparmio di Bologna nella previdenza e nella beneficenza, di Giuseppe 
Dalla Favera. — La assicurazione per le malattie degli operai (Continuazione), di 
dott. Vincenzo Magaldi. — etc. 

Rivista Italiana di Sociologia. Anno 18, Fase. 2, Marzo-Aprile 1914: 
Ragioni storiche e recenti tendenze della politica commerciale, di G. Luzzatto. — 
La filosofia del diritto come scienza autonoma, di G. Solari. — La storia e l'edu- 
cazione morale, di R. Resta. — Per la teoria economica della politica sociale, di 
G. del Vecchio. — etc. 

G. Holland. 

Economist, De, opgericht door M. J. L. de Bruyn Kops. 63. jaarg., 
Mei 1914, No. 5: Nog eens hervorming van de staatsbegrooting, door A. van 
Gijn. — De tweede kamer statengeneraal over het wetsontwerp of het levens- 
verzekeriügsbedrijf, door P. van Geer. — De migratiebeweging van Amsterdam, 
mede in verband met de inkomstenbelasting, door Mr. J. Reitsma. — etc. 

H. Schweiz. 

Monatsschrift für christliche Sozialreform. Jahrg. 36, April 1914, 
Heft 4: Konfession und Geburtenfrequenz. — Die Teuerungsrevolten und Strikes 
in England (XV.), von Rudolf Vrba. — Die Zwischenglieder bei der Fleischver- 
sorgung, von Dr. Zitzen. — Die Abänderung des § 100 q der Gewerbeordnung des 



138 Die periodische Presse Deutschlands. 

Deutschen Keichs, von Dr. H. Purpus. — Staatliche Rentenkurspolitik, von Dr. 
Eugen Lanske. — etc. 

J. Belgien. 
Revue Economique internationale. Vol. 2, mai 1914, No. 2: La Situation 
economique et financiere de la Chine, par J. O. P. Bland. — La concurrence 
Anglo-Allemande, par Dr. Fritz Diepenhorst. — Hausse des prix et essor eco- 
nomique de la periode 1895 — 1913, par (prof.) Jean Lescure. — La Katanga au 
point de vue economique, par (prof.) Leon Hennebicq. — etc. 

M. Amerika. 

Annais, The, of the American Academy of Political and Social Science. 
Vol. 53, May 1914, No. 142: State regulation of public Utilities. — etc. 

Journal, The, of Political Economy (The University of Chicago). Vol. 22, 
April 1914, No. 4: The banking and currency act of 1913 (I.), by J. Laurence 
Laughlin. — The financial policy of the federal reserve banks, by Thomas Conway. 
— Banking reserves under the federal reserve act, by William Amasa Scott. — 
Collecting checks under the currency law, by George Woodruff. — Constitutional 
restrictions on municipal debt, by Horace Secrist. — etc. — May 1914, No. 5: 
The banking and currency act of 1913 (II.), by J. Laurence Laughlin. — Com- 
mercial paper and the federal reserve banks, by 0. M. W. Sprague. — The 
probable effects of the new currency act on bank Investments, by Jacob H. Hol- 
länder. — The elasticity of note issue under the new currency law, by F. M. 
Taylor. — Trade unionism in the United States: The essence of unionism and the 
Interpretation of union types, by Robert F. Hoxie. — etc. 

Magazine, The Bankers. 68th year, Vol. 88, May 1914, No. 5: First 
experience with governmental banking. — Is a real reserve bank needed in New 
York? — Building a bank's business, by F. W. Eilsworth. — Greater uniformity 
of State laws. — etc. 

Publications, Quarterly, of the American Statistical Association. 
Vol. 14, March 1914, No. 105: The service of statistics to economics, by David 
Kinley. — The service of statistics to sociology, by Franklin H. Giddings. — 
The service of statistics to history, by Charles H. Hüll. — The service and im- 
portance of statistics to biology, by Raymond Pearl. — The technique of public 
Statistical exhibits, by Charles J. Storey. — The influence of marriage on the 
death-rate of men and women, by George J. Bliss. — The need of a federal 
trade census, by Melvin T. Copeland. — etc. 



Die periodische Fresse Deutschlands. 

Annalen des Deutschen Reichs für Gesetzgebung, Verwaltung und Volks- 
wirtschaft Jahrg. 47, 1914, No. 5: Gedanken über die Möglichkeit von Mo- 
dernisierungen der Staats Verwaltungstechnik (Schluß), von Bezirksamtsassessor) 
Max Zwiebel. — Die Zwangstilgung der Anleihe, von (Geh. Admiralitätsrat a. D.) 
P. Koch. — Schulden und Steuern der preußischen Gemeinden, von Dr. Oscar 
Tetzlaff. — Die amtliche Feststellung der Getreidepreise in Bayern, von Dr. Jo- 
hann Rudolf v. Schelhorn. — Ausweisungen aus den deutschen Schutzgebieten 
(Forts.), von Dr. Egon Kruckow. — etc. 

Arbeiterfreund, Der. Jahrg. 52, 1914, 1. Viertel] ahrsheft: Die Be- 
wegung für internationale Verständigung. Eine Arbeiterfrage und Kulturfrage, 
von Prof. Victor Böhmert. — Die Arbeiterausschüsse und ihre Beziehungen zur 
Industrieverwaltung, von Prof. Victor Böhmert. — Max Roeslers Buch über Ar- 
beiterbeteiligung an Führung, Ertrag und Besitz von Gewerbebetrieben, von Prof. 
Victor Böhmert. — Soziale Frauenarbeit in Chicago, von Else Bachmann. — Wohl- 



Die periodische Presse Deutschlands. ^39 

fahrtsbestrebungen und Betriebsverhältnisse in der deutschen Braunkohlenindustrie, 
von (Bureauvorsteher) Borner. — etc. 

Archiv, Allgemeines Statistisches. Hrsg. von Georg v. Mayr und Friedrich 
Zahn. Bd. 8, 1914, 1. Vierteljahrsheft: Die Statistik als Staatswissenschaft, von 
Prof. Dr. Georg v. Mayr. — Götterdämmerung in der Statistik?, von Prof. Dr. 
Sigmund Schott. — Der Geburtenrückgang in Ungarn, von Mirko M. Kosiö. — 
Säuglingssterblichkeit im Europäischen Rußland in den Jahren 1909, 1910, 1911, 
von Prof. Dr. Paul Georgiewsky. — Die englische Produktionserhebung von 1907, 
von Oskar Nerschmann. — Arbeiterversicherung und Volksgesundheit, von Dr. med. 
Alfred Groth. — Ein Versuch auf dem Gebiete der Statistik der Einkommensteuer, 
von (Geh. Rat) Prof. Dr. Robert Meyer. — Der Bayerische Staatshaushalt, von 
(Ministerialrat) Prof. Dr. Friedrich Zahn. — Die amtliche Statistik in deutschen 
Parlamenten. Nach den Plenarverhandlungen über die Etats von Statistischen 
Aemtern, von Fritz Burgdörfer. — etc. 

Archiv für Bürgerliches Recht. Bd. 40, 1914, Heft 2: Nochmals die offene 
Handelsgesellschaft als juristische Person, von Josef Kohler. — Zur Lehre von 
der ungerechtfertigten Bereicherung, von (Amtsrichter) K. Lassen. — etc. 

Archiv für Eisenbahnwesen. Hrsg. im Königl. Preußischen Ministerium 
der öffentlichen Arbeiten. Jahrg. 1914, Mai und Juni, Heft 3: Die wirtschaftliche 
Lage Rußlands an der Hand des Entwurfes zum Reichsbudget 1914, von Dr. 
Mertens. — Die finanzielle Selbstverwaltung der Staatsbahnen in Italien und der 
Schweiz. Eine etatsrechtliche Studie (Schluß), von (Reg. -Rat) Schapper. — Die 
Eisenbahnen der asiatischen Türkei, von (Dipl.-Ing.) M. Hecker. — Die Eisen- 
bahnen der Erde 1908 — 1912. — Die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen und 
die Wilhelm-Luxemburg-Bahnen im Rechnungsjahr 1912. — Die vereinigten 
preußischen und hessischen Staatseisenbahnen im Rechnungsjahr 1912. — etc. 

Archiv für innere Kolonisation. Bd. 6, Mai 1914, Heft 8: Die Aufgaben 
des Preußischen Landtages gegenüber den Erfordernissen der inneren Kolonisation. 
Besprochen auf der Konferenz der Gesellschaft zur Förderung der inneren Koloni- 
sation am 24. März 1914: Das Gesetz über das Fideikommißwesen und die Inter- 
essen der inneren Kolonisation. Besprochen von (Geh. Reg. -Rat) Prof. Dr. Sering 
und Dr. Frhr. v. Reibnitz. — Das Vorkaufsrecht des Staates, zugunsten der Sied- 
lungspolitik und andere Fragen aus dem Grundteilungsgesetz. Besprochen von 
(Justizrat) Wagner. — Die Belastung der Besiedlungsunternehmer durch Steuern 
und öffentlich-rechtliche Leistungen (insonderheit Schullasten) und sonstige Hinder- 
nisse bei der praktischen Durchführung der Siedlungstätigkeit. Besprochen von 
(Reg.-Assess.) Frhr. v. Gayl. — Die im preußischen Landtage zur Förderung der 
inneren Kolonisation gestellten Anträge. Besprochen von (Ober-Reg.-Rat) Katte 
und (Präs. des Oberlandeskulturgerichts) Dr. Metz. — 

Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie. Jahrg. 10, 1913, Heft 6: 
Was kosten die minderwertigen Elemente dem Staate und der Gesellschaft?, von 
Prof. Dr. J. Kaup. — Rassenwertung in der hellenischen Philosophie (Forts.), von 
Dr. med. Fritz Lenz. — etc. 

Außenhandel, Deutscher. Zeitschrift des Handelsvertragsvereins. Jahr- 
gang 14, 1914, No. 10: Die deutsche Auslandshochschule. — Entwicklung des 
deutschen Außenhandels im Jahre 1913 (IV.). — Das Einfuhrscheinsystem und 
der Schutz der nationalen Arbeit. — etc. 

Bank, Die. Mai 1914, Heft 5: Die Bank mit den 300 Millionen, von Alfred 
Lansburgh. — Sein und Aussichten einer Europäisier ung des chinesischen Geld- 
wesens (Forts.), von Dr. Hermann Schwarzwald. — Finanzpresse, von Ludwig 
Eschwege. — Das Sparkassenwesen einiger europäischer Staaten in Gesetzgebung, 
Einrichtungen und Ergebnissen (Schluß), von (Geh. Reg.-Rat) Dr. Max Seidel. 
— Schnellverkehr und Bodenmonopol. — Kritik der Emissionsstatistik. — etc. 

Blätter für vergleichende Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre. 
Jahrg. 10, Mai 1914, No. 2: La clause d'arbitrage, par Leopold Dor. — Das inter- 
nationale Finanzproblem des Balkans und der asiatischen Türkei. Vortrag, ge- 
halten in der Internationalen Vereinigung für vergleichende Rechtswissenschaft 
und Volkswirtschaftslehre zu Berlin am 28. März 1913, von Rudolph Said- 
Ruete. — etc. 



140 Die periodische Presse Deutsehlands. 

Blätter, Kommunalpolitische. Jahrg. 5, Mai 1914, No. 5: Kommunal- 
politik, von (Univ.-Prof.) Dr. Wilh. v. Blume. — Gartenland als Armenunter- 
stützung, von H. Mankowski. — Die Entwicklung der Zweckverbände in Preußen. 
— etc. 

Concordia, Zeitschrift der Zentralstelle für Volkswohlfahrt. Jahrg. 21, 
1914, No. 10: Arbeitslosenversicherung in Bayern. — etc. — No. 11: Wissen- 
schaftliches Betriebssystem, Fabrikwohlfahrtspflege und Berufsberatung, von Dr. 
Altenrath. — Die Abwässerfrage in volkswirtschaftlicher Hinsicht, von Prof. Dr. 
P. Eohland. — etc. 

Export. Jahrg. 36, 1914, No. 20: Die deutsch-asiatische Dampferlinie, von 
Prof. Dr. E. Jannasch. — Zur Weltwirtschaft hinauf! (Forts.), von Dr. R. 
Jannasch. — Handel und Wirtschaftslage in Südafrika. — etc. — No. 21: Zur 
Weltwirtschaft hinauf! (Forts.), von Dr. K. Jannasch. — Brasilien und seine Be- 
ziehungen zu Deutschland im Jahre 1913. — etc. — No. 22: Das Ende der Re- 
publik der Mitte, von Dr. Frhr. v. Mackay. — Zum deutsch-österreichischen 
Handelsvertrag. — Deutschlands Außenhandel. — General bericht über die wirt- 
schaftliche Entwicklung Rußlands, von W. Ewald. — etc. — No. 23: Zur Welt- 
wirtschaft hinauf! (Forts.), von Dr. R. Jannasch. — Der türkische Handel. — etc. 

Gegenwart, Die. Jahrg. 43, 1914, No. 23: Albanien, von Spiridion 
Gopeevic. — Die Umwertung der Nationalität, von Samuel Lublinski. — etc. — 
No. 24: Das Bevölkerungsproblem der Großstadt, von C. Z. Klötzel. — etc. 

Industrie- Zeitung, Deutsche. Jahrg. 33, 1914, No. 21: Die internationale 
Regelung des gesetzlichen Arbeiterschutzes (Schluß), von Dr. v. Stojentin. — Die 
Zunahme der mittleren Lebensdauer im Deutschen Reiche. — etc. — No. 22: Zum 
Ablauf der Handelsverträge. — Reichstag und Landtag über die Arbeiterverhält- 
nisse der Großeisenindustrie, von Dr. Reichert. — etc. — No. 23: Eine wissen- 
schaftliche Arbeit über die Löhne und Lebenskosten des deutschen Arbeiters. 
Eine Kritik von Dr. Th. Sehmer. — Das Lebensalter der Industriearbeiter nach 
der Berufszählung vom 12. Juni 1907. — etc. — No. 24: Delegiertenversammlung 
des Zentralverbandes Deutscher Industrieller am 4. und 5. Juni 1914 in Köln 
(vorläufiger Bericht). — etc. 

Jahrbücher, Landwirtschaftliche. Bd. 46, 1914, Heft 3: Ueber die Be- 
ziehungen zwischen der physikalischen Bodenbeschaffenheit und der Ertragsfähig- 
keit der Getreidearten, von Dr. Gottlob Stempel. — Einfluß der sozialen Gliede- 
rung der Genossenschaftsmitglieder auf die Tätigkeit der ländlichen Spar- und 
Darlehnskassen, von (Landwirtschaf tslehrer) J. Zimmer. — Untersuchungen über 
die Akkordlöhnung in der Landwirtschaft, von Dr. v. Esden- Tempski. — etc. 

Jahrbücher, Preußische. Bd. 156, Juni 1914, Heft 3: Offener Brief über 
das Verhältnis von Rußland und Deutschland, von Prof. Dr. Paul v. Mitrofanoff, 
mit Vor- und Nachwort des Herausgebers. — Klagen unseres Volkes über den 
deutschen Zivilprozeß, von (Landrichter) Dr. Bovensiepen. — Bedenken gegen 
das Grundteilungsgesetz, von Dr. Georg Wilhelm Schiele. — etc. 

K a r t e 1 1 - Rundschau. Jahrg. 12, April 1914, Heft 4: Kartellrechtliche 
Studien, von (Rechtsanw.) Dr. Rudolf Wassermann. — etc. 

Kultur, Soziale. Jahrg. 34, Juni 1914, Heft 6: Der staatsbürgerliche 
Jugendunterricht, von Elisabeth Gnauck-Kühne. — Die deutsche Elektrizität auf 
dem Weltmarkt, von Dr. Clemens Heiß. — Der Wert der Ziegenzucht für den land- 
wirtschaftlichen Kleinbetrieb in Deutschland, von Dr. Hugo Kühl. — Die sozial- 
hygienische Entwicklung Italiens seit 1888, von Marg. Weinberg. — etc. 

Monatsblätter, Koloniale. Zeitschrift für Kolonialpolitik, Kolonial- 
recht und Kolonialwirtschaft. Jahrg. 16, Mai 1914, Heft 5: Die „schwarze Ge- 
fahr" in den afrikanischen Schutzgebieten, unter besonderer Berücksichtigung 
Deutsch-Südwestafrikas, von (Major a. D.) Kurt Schwabe. — Statistik der far- 
bigen Bevölkerung von Deutsch-Afrika (Schluß), von Dr. Hermann. — Schutz- 
vertrag und Enteignungsrecht, von Dr. jur. K. .Wolzendorff. — Koloniales Gesetz- 
und Verordnungsrecht 1913/14, von (Oberbürgermeister) Dr. Külz. — Die Boden- 
verfassung Aethiopiens (Forts.), von Friedrich J. Bieber. — etc. 

Monatshefte, Sozialistische. 1914, Heft 10: Die politische Krise und die 
Reichstagswahlen 1914 in Schweden, von Otto Järte. — Ein Wort zur Agrarfrage, 



Die periodische Presse Deutschlands. ^4^ 

von Wilhelm Kolb. — Richter und Rechtsanwälte, von Wolfgang Heine. — Ge- 
werkschaften und Genossenschaften, von Heinrich Stühmer. — etc. — Heft 11: 
Kaiser hoch, von Wolf gang Heine. — Der deutsche Reichstag, von Edmund Fischer. 

— Dampfersubvention und Parteientwicklung, von Max Schippel. — Die jüdische 
Neukolonisation Palästinas, von Dr. Ludwig Quessel. — Die neuen Tarifverträge 
im Zentralverband deutscher Konsumvereine, von Franz Feuerstein. — Grundfragen 
eines einheitlichen Arbeitsrechts, von Rudolf Wissell. — etc. 

Oekonomist, Der Deutsche. Jahrg. 32, 1914, No. 1637: Die Gefahr der 
Unternehmungen in überseeischen Ländern. — Der Grundirrtum der Bodenreformer. 

— etc. — No. 1638: Die Konzentration im Bankwesen und die Privatbankiers. — 
Die Amortisationshypothek. — etc. — No. 1639: Die Störungen des Wirtschafts- 
lebens durch die auswärtige Politik. — Die Amortisationshypothek. — etc. — 
No. 1640: Das Provisionskartell im Bankgewerbe. — etc. — No. 1641: Das Ka- 
pital in der Politik. — etc. 

Rechtsschutz, Gewerblicher und Urheberrecht. Jahrg. 19, Mai 1914, 
No. 6: Technische Beisitzer in Patentprozessen, von Prof. Dr. jur. et phil. E. 
Kloeppel. — Immaterielles Güterrecht und Persönlichkeitsrecht, von (Rechts- 
anwalt) H. Marquardt. — etc. 

Plutus. Jahrg. 11, 1914, Heft 20: New Yorker Geschäftsleben. VI. Eigen- 
artige Berufszweige, von Hermann Max Boldt. — Organisation, Betrieb und Buch- 
führung (IL), von Prof. Dr. Fr. Schär. — etc. — Heft 21: Deutschlands Groß- 
schiffahrt, von Ludwig Alinger. — etc. — Heft 22: Der Weltbankier. — Inter- 
ventionspolitik, von Myson. — etc. — Heft 23: Bauschwindel. — Unsere Groß- 
banken (IL), von G. B. — etc. — Heft 24: B. E. W. — etc. 

Recht und Wirtschaft. Jahrg. 3, Juni 1914, No. 6: Zur Frage der Elektri- 
zitätsmonopole, ein gesetzgeberischer Vorschlag, von (Reg.-Rat a. D.) Victor 
Szczesny. — Gemischte wirtschaftliche Unternehmungen in Hamburg, von (Amts- 
richter) Dr. Matthaei. — Die Belastung der Kommunen mit Reichs- und Staats- 
geschäften, von (Bürgermeister) Dr. Vigelius. — Postkreditbriefe, von (Post- 
direktor) Müller. — Zur Psychologie und Ethik der Berufe und Stände. 1. Der 
Großunternehmer, von Prof. Dr. v. Wiese. — etc. 

Revue, Deutsche. Jahrg. 39, Juni 1914: Japan und der Konflikt zwischen 
Mexiko und der nordamerikanischen Union, von einem Botschafter a. D. — Zeitung, 
Publikum und öffentliche Meinung, von Ernst Posse. — Die Entwicklung Ru- 
mäniens unter König Carol und der Balkankrieg, von (Kgl. rumän. Ministerpräs, 
a. D.) Demeter A. Sturdza. — Die Beziehungen der äußeren und inneren Politik 
Oesterreich-Ungarns, von (Feldmarschalleutnant a. D.) v. Wannich. — etc. 

Revue, Politisch- Anthropologische. Jahrg. 13, Juni 1914, No. 3: Die Be- 
herrschung der Massenenergien (IL), vom Herausgeber. — Der Parlamentarismus 
an der Arbeit, von Dr. M. Ritzenthaler. — Zwei Rassenideale, von Ph. Stauff. 

— etc. 

Revue, Soziale. Jahrg. 14, 1914, Heft 3: Zur Erneuerung der Handels- 
verträge, von Anton Heutmann. — Gewerkschaft und Volkswirtschaft, von Dr. 
A. Retzbach. — etc. 

Rundschau, Deutsche. Jahrg. 40, Juni 1914, Heft 9: Die Eisenbahnpolitik 
des Fürsten Bismarck, von G. C. — etc. 

Rundschau, Koloniale. Jahrg. 1914, Mai, Heft 5: Die Arbeiterfrage in 
Südafrika. — Zur Entvölkerungsfrage Unyamwezis, von (Missionssuperintendent) 
M. H. Löhner. — Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Ruandas, von 
(Pastor und Missionar) K. Roehl. — etc. 

Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft 
im Deutschen Reiche. Jahrg. 38, 1914, Heft 2: Die Tatsachen der Lohnbewegung 
in Geschichte und Gegenwart, von Gustav Schmoller. — Die Stellung der Wert- 
urteile in der Nationalökonomie, von Eduard Spranger. — ,,Die berufliche und 
soziale Gliederung des deutschen Volkes*' nach der Berufszählung vom 12. Juni 
1907, von Paul Kollmann. — Die österreichische Volkszählung vom 31. Dezember 
1910, von Paul Martini. — Deutsch- französische Wirtschaftsbeziehungen zur 
napoleonischen Zeit, von Eugen Tarle. — Die Genossenschaft deutscher Bühnen- 
angehöriger und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Theater, von Rudolf 



142 Die periodische Presse Deutsehlands. 

Spuhl. — Das Problem der öffentlichen Arbeitslosenversicherung nach seinem 
gegenwärtigen Stande, von Ernst Bernhard. — Die neueren Agrarreformen und 
die Pachtgenossenschaften in Rumänien, von Constantin Maltezianu. — Der Kampf 
um das Petroleum, von Oswald Schneider. — Aus 100 Jahren deutscher Eisen- 
und Stahlindustrie, von Rudolf Keibel. — Die Ergebnisse des zweiten deutschen 
Soziologentages, von Walther Köhler. — etc. 

Sozial- Technik. Jahrg. 13, 1914, Heft 10: Der Kinematograph im Dienste 
der Unfallverhütung, von (Reg.-Baumeister) Ernst. — etc. — Heft 11: Unfall- 
verhütung und Fortbildungsschule, von (Gewerberat) Dr. Müller. — Gewerbe- 
krankheiten in England im Jahre 1913. — etc. 

Verwaltung und Statistik (Monatsschrift für deutsche Beamte). Jahrg. 4, 
Juni 1914, Heft 6: Liegt die heutige Verwertung der preußischen Staatsdomänen 
im allgemeinen Interesse?, von (Bürgermeister) Pipberger. — Das neue Gesetz über 
die Statistik der Getreidevorräte und Müllereierzeugnisse in Deutschland. — Ein 
Jahrfünft der Privatlebensversicherung in Deutschland, von Franz Xaver Rayl. 

— etc. 

Viertel] ahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs. Hrsg. vom KaiserL 
Statistischen Amte. 23. Jahrg., 1914, Heft 1: Anordnungen für die Reichs- 
statistik 1913. — Zur Statistik der Preise. — Krankenversicherung (1908 — 12). 

— Erntestatistik für das Jahr 1913. — Schlachtvieh- und Fleischbeschau im 
4. Vierteljahr 1913. — Zulassung von Wertpapieren an den deutschen Börsen 
1913. — Statistik der Schuldverschreibungen der deutschen Bodenkreditinstitute. 
31. Dezember 1912. — Die Bestands- und Kapitalsänderungen der deutschen 
Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. (1913). — Bodenseefischerei im 
Jahre 1913. — Die überseeische Auswanderung 1913. — Reichserbschaftssteuer- 
statistik 1912. — Die Kraftfahrzeuge im Deutschen Reiche 1912/13 und Zählung 
am 1. Januar 1914. — Zur amtlichen Kenntnis gelangte schädigende Ereignisse 
beim Verkehr mit Kraftfahrzeugen (1. Oktober 1912 bis 30. September 1913). — 
Vergleichende Darstellung zwischen der Kraftfahrzeugbestands- und -Unfall- 
statistik (1. Oktober 1912 bis 30. September 1913). — Branntweinbrennerei und 
Branntweinbesteuerung 1912/13. — Produktion der Kohlen-, Eisen- und Hütten- 
industrie im Jahre 1912. — Produktion der bergbaulichen Betriebe und der Eisen- 
industrie Luxemburgs im Jahre 1912. — etc. 

Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Bd. 12, 
Heft 1 und 2: Handwerk und Hofrecht. Eine Entgegnung, von G. v. Below. — 
Der Untergang der norwegischen Schiffahrt im Mittelalter, von Alexander Bugge. 

— Zur Entstehung des Deutschtiroler Bauernstandes im Mittelalter, von O. Stolz. 

— Eine amtliche Darstellung der Anfänge der österreichischen Arbeiterbewegung, 
von Julius Bunzel. — etc. 

Weltverkehr und Weltwirtschaft. Jahrg. 4, 1914/15, Mai 1914, No. 2: 
Vergleichende Betrachtung über die Bodenertragsintensität in verschiedenen Län- 
dern, von Dr. Hans Bernhard. — Die deutschen Siedlungen in Britisch-Kaffraria, 
von (Geh. Reg.-Rat) Dr. Max Seidel. — Die Kautschukkrisis, von (Direktor) A. 
W. Bloem. — Die erste internationale Postverbindung durch Deutschland, von 
(Oberpostsekretär) Fritz Lathe. — Der Marseille-Rhone- Kanal, von Dr. F. 
Guckenmuß. — etc. 

Wirtschaf ts - Zeitung. Jahrg. 10, 1914, No. 10: Internationale Handels- 
kammerkongresse, von Dr. Otto Brandt. — Die Einwirkung politischer Krisen auf 
die Wirtschaftslage, von (Redakteur) Leo Benario. — Hilfe für die Arbeitslosen, 
von (Ingen.) Alfred Striemer. — etc. — No. 11: Die Volksversicherung, von P. 
Ruscheweyh. — Weiterer Schutz des Privateigentums auf den Meeren?, von E. 
Fitger. — Internationale kaufmännische Schiedsgerichte, von Simon L. Bern- 
heimer. — Berliner Schmuckfedern, von Dr. Engel. — etc. — Beilage: Das 
Sprachstudium an den Handelshochschulen, unter besonderer Berücksichtigung der 
kaufmännischen Diplomprüfung, von Prof. Dr. Ch. Glauser. — etc. 

Zeit, Die Neue. Jahrg. 32, 1914, No. 8: Auswärtiges Amt. — Zum 
Problem der Moral (Marx und Kant), von C. Notter. — Wohnungsfrage und Ar- 
beiterschaft, von Max Sachs. — Die Organisationsform der Gewerkschaften, von 
Jacob Heinen. — etc. — No. 9: Der „Minister für Wahlrechtsreform", von 



Die periodische Presse Deutsehlands. 143 

Konrad Haenisch. — Zum Problem der Moral (Marx und Kant) (Forts.), von 
C. Notter. — Die italienische Partei und der Kampf gegen den Schutzzoll, von 
Agostino Lanzillo. — etc. — No. 10: Des Mbret Glück und Ende. — Sozial- 
demokratie und Verstaatlichung, von H. Laufenberg. — Zum Problem der Moral 
(Marx und Kant) (Schluß), von C. Notter. — Das Ende der liberalen Aera in 
Württemberg, von Hermann Mattutat. — etc. — No. 11: Die gewerkschaftliche 
Organisationsform, von Xaver Kamrowski. — Sozialdemokratie und Verstaatlichung 
(Schluß), von H. Laufenberg. — Taylorsystem und Arbeiterschaft, von Ernst 
Meyer. — Bürgerliche Sozialpolitiker, Gewerkschaften und Klassenkampf, von 
Paul Lange. — Innere Kolonisation in Oldenburg, von Joseph Kliche. — etc. 

Zeitschrift des K. Bayerischen Statistischen Landesamts. Jahrg. 46, 
1914, No. 2: Aufgaben und Leistungen der Polizeistatistik. — Der Viehstand 
Bayerns auf Grund der Viehzählung vom 1. Dezember 1913. — Die Tarifverträge 
in Bayern am Ende des Jahres 1912. — Krankenbewegung und Sterbefälle in 
den bayerischen Heilanstalten in den Jahren 1911 und 1912. — Die Reichserb- 
schaftssteuer in Bayern 1907 — 1911. — Statistik der Preise im Jahre 1913. — 
Bayerische Verbände von Arbeitgebern, Angestellten und Arbeitern im Jahre 1912. 

— etc. 

Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Jahrg. 70, 1914, Heft 2: 
Betrachtungen über die Kompetenzverteilung in den modernen Staaten, von Dr. 
Bruno Beyer. — Zur Geschichte des Bergrechts von der ältesten Zeit bis auf 
die Gegenwart, von Prof. Dr. Adolf Arndt. — Der Kampf um die Arbeits- 
leistung in Australien und Amerika, von Dr. Junghann. — Gesindegerichte, von 
(Ratsassess. a. D.) Dr. jur. Georg Müller. — Fehlerquellen in der Statistik der 
Nationalitäten, von Waldemar Mitscherlich. — Die Wirksamkeit des britischen 
Arbeitslosenversicherungsgesetzes, von H. Fehlinger. — etc. 

Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft. Bd. 35, 1914, Heft 7: 
Literaturbericht. Rechtsgeschichte. Berichterstatter: (Reichsarchivrat) Dr. H. Knapp. 

— Strafrecht. Allgemeiner Teil. Berichterstatter: Prof. Dr. N. Hermann Kriegs- 
mann. Besonderer Teil. Berichterstatter: (Oberlandesgerichtsrat) Dr. A. Feisen- 
berger. — Strafprozeß. Berichterstatter: Prof. Dr. Ernst Beling und (Gerichts- 
assessor) Dr. Ed. Kern. — Gefängniswesen. Berichterstatter: (Erster Staatsanwalt) 
A. Klein. — Militärstraf recht. Berichterstatter: (Kriegsgerichtsrat) E. Steidle. 

— etc. 

(Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis. Jahrg. 7, Juni 
1914, Heft 3. Das Institut der Sicherungsübereignung und seine buchtechnische 
Behandlung, von (Handelsschuldirektor) Dr. R. Caleb. — Kredit- und Zahlungs- 
vermittlung der Ueberseebanken, von Walter Brandt. — Die Passivkonten im 
.Rahmen der Zweikontentheorie, von Seb. Puff. — Finanzier ungspraxis, von (Red.) 
Arthur Lauinger. — etc. — Beiblatt: Normative Warenkunde, von Dr. Benno 
Jaroslaw. — Entstehung und Verwirklichung des Handelsschulgedankens im 18. und 
19. Jahrhundert in Berlin, von E. Nicklaus. — Zur psychologischen Grundlage 
des Taylor- Systems, von Dr. M. Picard. — Der Weg zum Kaufmann in den 
Vereinigten Staaten Amerikas, von Prof. Rudolf Anschütz. — etc. 

Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Jahrg. 5, 1914, Heft 6: Die Preis- 
kurve und das Teuerungsproblem (2. Teil II), von Dr. Lorenz Glier. — Die 
Bedeutung des Krieges bei den Kulturvölkern (II. Schluß), von S. R. Steinmetz. 

— Sozialhygiene und Eugenik (II), von W. Schallmeyer. — etc. 



144 



Erklärung: 

Die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät 
der deutschen Universität in Prag über den Angriff 
Prof. Dr. Max Webers gegen Prof. Dr. Paul Sander. 

In seiner Sitzung vom 22. Mai 1914 beschäftigte sich das Professoren- 
kollegium der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der deutschen Uni- 
versität in Prag mit den ehrenrührigen Angriffen, welche Professor Max 
Weber in Heidelberg gegen Dr. Paul Sander, Professor der Wirtschaftsgeschichte 
der Prager deutschen Universität, gerichtet hat. Berichterstatter war ein Fakul- 
tätsmitglied, das nicht der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, 
Kunst und Literatur in Böhmen angehört, weil diese insofern an der vorliegen- 
den Angelegenheit beteiligt ist, als sie die Drucklegung der Salzschen „Ge- 
schichte der böhmischen Industrie in der Neuzeit" abgelehnt hatte. Auf Grund 
des in dieser Sache erstatteten Berichtes wurde einstimmig die Grundlosig- 
keit dieser Angriffe anerkannt und folgende vom Referenten beantragte Kund- 
gebung angenommen : 

1. Das Professorenkollegium der rechts- und staatswissenschaftlichen Fa- 
kultät der deutschen Universität in Prag bedauert die maßlosen und schon ihrer 
Form nach unzulässigen Angriffe, welche Prof. Max Weber gegen Prof. Paul 
Sander wegen dessen Kritik des Buches „Geschichte der böhmischen Industrie 
in der Neuzeit" von Arthur Salz gerichtet hat, erklärt, daß sich diese An- 
griffe auf die schriftstellerische und persönliche Ehre Sanders nach reiflicher 
Nachprüfung des von Weber beigebrachten Materials als vollkommen grundlos 
und unberechtigt darstellen, und gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die 
wissenschaftliche und sittliche Integrität Sanders außer jedem Zweifel steht. 

2. Für eine Disziplinaruntersuchung gegen Professor Sander liegt kein 
Anlaß vor, und es bedarf auch keiner gerichtlichen Klage, um etwa Sander der 
Fakultät gegenüber wegen der gegen ihn gerichteten Angriffe zu rehabilitieren. 

Zugleich wurde beschlossen, zur Aufklärung der Oeffentlichkeit die Aus- 
führungen des Berichterstatters zu veröffentlichen, was hiemit geschieht. 

Der Dekan 
der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der deutschen 

Universität in Prag v. Mayr. 

Die ausführliche Begründung dieser Entscheidung ist in einer im Selbst- 
verläge der Prager Fakultät erschienenen Broschüre enthalten. Herr Prof. 
Max Weber hat bereits eine Gegenantwort in einer selbständigen Publikation in 
Aussicht gestellt 

Die Redaktion. 



Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pohle) in Jena. 



Stolzmann, Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 145 



II. 

Die Kritik des Subjektivismus an der Hand 
der sozialorganischen Methode. 

Von 

Rudolf Stolzmann, 
Ehrendoktor der Staatswissenschaft. 

Inhalt: Einleitung. 1. Der Ausgangspunkt der subjektivistischen Lehre und 
ihr ,, Elementarfall". 2. Der „Subjektivismus" der Wertlehre, ihr „Passe-partout" und 
ihre Werteinheit. 3. Der Preis als Resultante subjektiver Wertschätzungen. 4. Die 
„Komplikationen" des subjektivistischen Preisgesetzes, zunächst die für „beliebig käuf- 
liche Güter". 5. Die „Kosten" in der subjektivistischen Preislehre. 6. Das Wesen und 
der Ursprung des Kostenbegriffs: Kausalität oder Teleologie? 7. Die Unzulänglichkeit 
des Kostenbegriffs in der subjektivistischen Preislehre. 8. Der Wert der „komplemen- 
tären" Güter. Das Gesetz der Zurechnung und Verteilung. 

Die theoretische Nationalökonomie wird mit Recht auch die 
.„systematische" genannt. Denn sie hat die Aufgabe, den von der 
Wirtschaftsgeschichte vorbereiteten Stoff in ein grundsätzliches 
„System" von fruchtbaren Begriffen zu bringen, das dann wieder der 
Wirtschaftspolitik als handliches Werkzeug dienen kann. So steht 
sie im Zentrum der Gesamtdisziplin. Sie hat ihr die Elemente der 
Erkenntnis zu bieten, ihr klares und schlichtes Einmaleins. 

Wie soll ihr aber diese Aufgabe gelingen, wenn sie nun seit 
einem halben Jahrhundert durch den hartnäckigen Streit ihrer beiden 
Schulen, der objektivistischen und der subj ekti vistischen, 
in ihren eigenen Grundvesten erschüttert wird? Die Ueberwindung 
dieses Dualismus ist heute für sie und die ganze Nationalökonomie 
zur Lebensfrage geworden. Da aber nach Lage der Sache an ein 
Niederringen des einen der beiden Gegner durch den anderen nicht 
zu denken ist, wird nur ein Friedensschluß helfen, der keinen Sieger 
und keinen Besiegten kennt: die streitenden Prinzipien haben sich 
der Einheit eines höheren Prinzips unterzuordnen, das weit 
genug ist, um die lebenskräftigen Bestandteile beider Lehrmeinungen 
in sich aufzunehmen und sie zu einem zeitgemäßen Neubau zu- 
sammenzufügen — nicht eklektisch äußerlich, sondern innerlich or- 
ganisch, im Hegeischen Dreitakte immanenter Entwicklung. 

Das Prinzip, das ich meine, ist nicht neu. Es ist das Sozial- 
prinzip, der soziale Gedanke, der in der Lehre vom wirtschaft- 
lichen Seinsollen und auf dem Gebiete der praktischen Politik schon 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 10 



146 Rudolf Stolzmann, 

heute gesiegt hat. Wie dort die „soziale Präge" als ein Problem 
der Organisation erkannt wird, so muß in der Lehre vom wirt- 
schaftlichen Sein die bestehende Volkswirtschaft als ein „Orga- 
nismus" erfaßt werden; aber, um alle naturalistische Mißdeutung 
schon an der Schwelle abzuweisen, nicht als ein Organismus im 
Sinne eines Naturgebildes, das man seinem Gange zu überlassen hat, 
sondern als ein historisch variables Zweckgebilde, als eine geistige 
Schöpfung, die, trotz aller ihrer naturgegebenen Bedingun- 
gen, ein Menschenwerk bleibt, und deshalb auch von den Menschen 
geändert und gebessert werden kann. 

Diese Betrachtungsweise, die ich kurz als sozialorganische 
bezeichnen will, ist der Sache nach schon von den Historikern 
der ethischen Kichtung, von Knies an bis zu Schmoller, gehandhabt, 
und auch in der theoretischen Nationalökonomie ist sie von 
Rodbertus, Schäffle und Wagner angebahnt und gefördert worden. 
Energischer hat sie dann wieder der Verfasser dieser Zeilen in seiner 
„Sozialen Kategorie" vom Jahre 1896 geltend gemacht, und damit 
der Forderung Stammlers in dessen gleichzeitig erschienenem Werke 
„Wirtschaft und Recht" entsprochen: „endlich einmal expressis ver- 
bis in den nationalökonomischen Grundlegungen auf die sozi- 
ale Regelung als letzte sozialwissenschaftliche Erkenntnisbe- 
dingung hinzuweisen, diese dann aber auch bei aller Durchfüh- 
rung nationalökonomischer Lehre in klarer Entschlossenheit fest- 
zuhalten und zielbewußt zu verwerten". Diese Grundidee, für die 
.auch Karl Diehl in seinen Abhandlungen, 1897, S. 813 ff., und 1902, 
S. 87 ff., dieser Jahrbücher, und in seinen sonstigen Schriften ein- 
tritt, ist dann von mir 1909 im „Zweck in der Volkswirtschaft" 
vertieft und ausgebaut. Die Volkswirtschaft wird dort nach dem 
Vorgange Stammlers als sozialorganisches Zweckgebilde dargestellt, 
dessen Stoff (Materie) die oben berührten Naturbedingungen, d. i. 
die technischen und psychologischen Elemente der sogenannten rein- 
ökonomischen oder natürlichen Kategorie, bilden, und dessen 
Form sich aus den Elementen der sozialen, auch wohl als „histo- 
risch" bezeichneten Kategorie ergibt, mit anderen Worten, aus der 
durch Sitte und Recht geregelten Wirtschaftsordnung. Die Volks- 
wirtschaft ist dann eben die Einheit jener beiden Kategorien, kurz: 
der „geregelte Stoff", und die oben formulierte Forderung einer 
Zusammenfassung der subjektivis tischen und objektivistischen Ele- 
mente in einer übergeordneten Einheit würde damit erfüllt sein. 

Wenn die Zeichen nicht trügen, hält diese Methode bereits ihren Einzug. 
Ich will aus der großen Masse der neuesten Literatur vor allem ein Werk 
hervorheben : Ammon, „Objekt und Grundbegriffe der theoretischen National- 
ökonomie", Wien u. Leipzig 1911, das mit der Grundtendenz und dem Inhalte 
meiner „Sozialen Kategorie" so auffällig übereinstimmt, daß es sehr wohl den- 
selben Titel führen könnte, obgleich der Verfasser weder Stammler noch mich 
zu kennen scheint. Ich kann mir das nach dem ganzen Inhalte der Schrift 
und nach der eigenen Bemerkung Ammons auf S. 410 nur dadurch erklären, 
daß er seinerseits wieder von Komorzynski angeregt worden ist, der nach einem 
Briefe an mich vom Jahre 1896 bei den Vorstudien für sein 1903 erschienenes 
Werk über den „Kredit" durch „immer und immer wiederholte Lektüre" meines 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 147 

Buches nach der Richtung der sozialorganischen Betrachtungsweise hin ganz 
erheblich beeinflußt worden ist. — Neuerdings hat dann ein so ausgesprochener 
Subjektivist wie Liefmann, Bd. 1913, S. 613 dieser Jahrbücher, eingeräumt, 
daß gerade meine Untersuchungen zeigen, wie man „auch" von der sozialen 
Betrachtungsweise aus bei richtiger Beobachtung der Dinge „zu richtigen Er- 
klärungen gelangen kann". — Endlich weise ich hin auf O. Spann : „Der 
logische Aufbau der Nationalökonomie" in derZeitschr. f.d. ges. Staatswissensch. 
1908, S. 1 ff., ganz besonders aber auf O. v. Zwiedinek in demselben Bande, 
S. 587 ff. : „Kritisches und Positives zur Preislehre", Forts. 1909, S. 78 ff., 
sodann im Archiv f. Sozialw. u. Sozialpolitik, 1914, S. 1 ff. : „Ueber den 
Subjektivimus in der Preislehre (Ueberlegungen im Anschluß an Liefmanns 
Preistheorie)", v. Zwiedinek gelangt, trotz seiner — mit Spann — noch immer 
von den „Handlungen der Subjekte" ausgehenden analytischen Methode, zu einer 
eindringlichen Verwerfung der subjektivistischen Einseitigkeiten und ist schritt- 
weise dem Standpunkte der sozialorganischen Betrachtung so nahe gekommen, 
daß man ihm von dort aus — nach Durchbruch einer nur noch dünnen und 
mehr äußerlich methodischen Scheidewand — beinahe die Hand reichen kann. 

Nach dem Gesagten sehe ich meine nächste Aufgabe in der 
Kritik des herrschenden Subjektivismus, der dann in einer weiteren 
Abhandlung die Kritik des Objektivismus und der Versuch seiner 
Versöhnung oder — weniger optimistisch — seiner Verschmelzung 
mit dem Subjektivismus zu einer sozialorganischen Einheit folgen 
wird. Soweit ich hierbei mit der Kritik einzusetzen habe, kann sie 
nicht immer in Friedenstöne ausklingen, ich hoffe aber, daß mir die 
betroffenen Autoren das Zeugnis strenger Sachlichkeit nicht vor- 
enthalten werden. Es gilt das besonders von einem Schriftsteller, 
dem die Wissenschaft zu großem Danke verpflichtet ist, ich meine 
v. Böhm-Bawerk. Ist er es doch, dessen bewundernswerter Scharf- 
sinn und dessen gewandte Feder der subjektivistischen Lehre die 
abschließende Vollendung und den Reiz eines harmonischen Kunst- 
werks verliehen hat, eines Kunstwerks „aus einem Guß". Er selbst 
und der Leser werden es also natürlich finden, wenn sich meine 
Kritik vielfach kurzweg an diejenige greifbare Form des Subjekti- 
vismus hält, die er nun einmal von seinem Meister erhalten hat. 

1. Der Ausgangspunkt der subjektivistischen Lehre und ihr 

„Elementarfall". 

Der wesentlichste Unterschied zwischen der von mir vertretenen 
sozialorganischen und einer subjektivistischen Methode liegt in 
ihrem Ausgangspunkte. Jene beginnt mit der Zergliederung des 
volkswirtschaftlichen Organismus als eines primären Ganzen, sie 
legt seine organischen Funktionen dar und endigt mit der Lehre 
vom Werte, der nur das Ergebnis der immanenten Zwecke der 
Volkswirtschaft darstellt, die Quintessenz ihrer sozialorganischen 
Zweckfunktionen und deren kurzen Ausdruck im Lapidarstil 
(„Zweck", S. 209, 527). Die subjektivistischen Lehren nehmen 
den umgekehrten Weg. Bei ihnen steht — wie bei den Klassikern 
formal — auch sachlich die Wertlehre an der Spitze des Systems, 
ja der Wert bzw. der Preis „organisiert" erst seinerseits die Volks- 
wirtschaft, wie der neueste Subjektivist sagt: Lief mann. 

10* 



148 Rudolf Stolzmann, 

Nun habe ich schon „Zweck", S. 702, die Wahl des Ausgangs- 
punktes als das unveräußerliche Urrecht jeder Theorie bezeichnet. 
Er muß nur zum richtigen Ende führen und seinen Zweck erfüllen. 
Ueber diesen Zweck herrscht Einigkeit. Auch die Theoretiker des 
Subjektivismus geben zu, daß ihre Wertlehre, obwohl „Zentral- 
problem" der ganzen Nationalökonomie, doch nicht Selbstzweck sei, 
sondern nur Mittel im Dienste eines höheren Zweckes, der Erklärung 
der vollen sozialen Wirklichkeit. „Von der Wissenschaft", sagt 
v. Böhm S. 324, Jahrgang 1892 dieser Jahrbücher, „verlangt man, 
daß sie unserer, der wirklichen Welt, den Spiegel vorhalte... 
Robinson ist uns ein ,Probierbenger, der eigentliche Schauplatz 
unserer Theorie ist die volle sozialwirtschaftliche (!) Wirklichkeit. 
Unsere Werttheorie wäre keinen Schuß Pulver wert, und wir würden 
nicht eine einzige Seele im Publikum zu ihr bekehren, wenn wir 
nicht imstande wären, zu zeigen, daß sie nicht bloß auf Robinsonaden, 
sondern auf die volle lebendige Wirklichkeit paßt." Ganz folgerecht 
weist er deshalb dem objektiven Tauschwerte, dessen Gesetze, wie 
er richtig bemerkt, mit denen des Preises zusammenfallen, die 
Rolle des „Erklärungszieles", dem subjektiven Werte die eines 
wissenschaftlichen Erklärungswerkzeuges zu. Damit im Ein- 
klang steht es, wenn er jetzt, in der neuesten (3. Auflage) seiner 
„Positiven Lehre des Kapitalzinses", S. 219, sich „zugunsten eines 
einheitlichen Wertbegriffs" entscheidet, während er früher Neu- 
mann, dem Vater der unglücklichen Antithese „objektiver und sub- 
jektiver Wert" beipflichtete, der gegen die Zusammenfassung beider 
in einen Begriff ausgeführt hatte, sie laufe auf dasselbe hinaus, als 
wenn man aus einem Schwarzwaldbauer und einem Vogelbauer einen 
„Bauer im allgemeinen" zusammendestilliere. Demgegenüber hatte 
ich schon, „Soziale Kategorie", S. 19 — 23, die Einheit des Wert- 
begriffes und der Werterklärung geltend gemacht. Im wirklichen 
Leben, sagte ich dort, hat jedes Gut auch nur einen Wert und 
einen Preis. Was man seine Unterarten nennt, sind nur wissen- 
schaftliche Hilfsbegriffe (Kategorien) zur Erfassung und Bemessung 
dieses einen unteilbaren Wertes. 

Wenn nun auch v. Böhm-Bawerk nachträglich die Einheitlichkeit 
des Wertes äußerlich anerkannt hat, so scheint er den Dualismus 
innerlich noch lange nicht ausgezogen zu haben. Erkennt er doch 
auch jetzt nur sehr „dürftige gemeinsame Erscheinungsmerkmale" 
zwischen subjektivem und objektivem Werte an. Die „Geltung der 
Güter im Wirtschaftsleben" (so lautet eine neuere einheitliche For- 
maldefinition v. Wiesers) sei eine Geltung recht verschiedener Art, 
weil sie „aus einem verschiedenen Tatbestand" hervorgehe, dem 
zwei „in ihrem Wesen recht stark differenzierte Erscheinungs- 
gruppen" entsprächen. Daß der Tatbestand der einen auf den der 
anderen einen kausalen Einfluß übe (er denkt hierbei wohl an den 
objektiven Tauschwert als „Resultante" der subjektiven Wert- 
schätzungen) gehöre auf ein ganz anderes Blatt und habe mit der 
Frage der Zusammenfassung beider Werte genau so wenig zu tun, 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 149 

als etwa die Tatsache, daß der Regen das Leben und die Entwicklung 
der Pflanzen kausal beeinflußt, irgendeinen Titel dafür gebe, den 
Regen und die Pflanzen in einen übergeordneten gemeinsamen Be- 
griff zusammenzufassen. Das scheint mir im Widerspruch mit der 
besseren Einsicht v. Böhm-Bawerks zu stehen, wonach objektiver und 
subjektiver Wert „in einem Guß" zu erklären seien, and mit der 
Auffassung, wonach dem subjektiven Werte nur die Probe eines 
„Werkzeuges" für die Erklärung des objektiven Wertes, also, mit 
v. Böhm-Bawerks Erlaubnis, des Preises zufalle, der doch glücklicher 
weise eine durchaus gegebene eindeutige Tatsache des Lebens ist. 
Ist er das zu Erklärende, so fällt er auch mit dem „Werte" der 
sozialen Wirklichkeit zusammen, er ist der Preis. Es gibt nicht 
zwei „Erscheinungsgruppen", sondern nur ein einziges zu erklärendes 
Phänomen. Es gibt auch nicht, wie v. Böhm-Bawerk meint, be- 
sondere Gesetze des subjektiven und besondere des objektiven 
Wertes, sondern nur zwei verschiedene Kategorien oder Hilfs- 
mittel des Denkens zur Erfüllung der einen Aufgabe, der Auffin- 
dung der Gesetze des Preises, den wir Nationalökonomen „dem Publi- 
kum" zu erklären haben. So entschieden die Kategorien, wie ich 
eingehend gegen Dietzel im „Zweck", § 8, S. 112 ff., klar zu machen 
suchte, beileibe niemals in eins „zusammengefaßt" werden dürfen,, 
sondern ihren Erkenntniswert erst in der streng begrifflichen Schei- 
dung von einander erhalten, so wenig ist andererseits die Zerhackung 
der einheitlich gegebenen Phänomene in besondere Tatsachen- 
gruppen erlaubt. 

Die Vermengung der Kategorien mit den Phänomenen ist ja so 
alt wie alle „Wertlehren". Je nach der Richtung der Autoren 
haben sie das Denkmittel „Wert" nach ihrem Zwecke gemodelt. 
Die Physiokraten haben den valor intrinsecus der ländlichen Er- 
zeugnisse, die Klassiker und die Sozialisten den „Arbeitswert", 
die Epigonen und Exegeten der Klassiker den Kostenwert als „den" 
Wert bezeichnet. Kein Wunder dann, wenn dieser Wert der Ge- 
lehrsamkeit mit dem Werte der Wirklichkeit, das „Wertgesetz" mit 
dem „Preisgesetz" nicht stimmen will, wie dies schon bei den 
Klassikern (Soz. K., S. 62 ff.), ebenso bei Rodbertus (ebenda, 
S. 73 — 74), dann aber ganz besonders grell bei Marx hervorgetreten 
ist (ebenda S. 93 und Zweck S. 546ff ). Es ist deshalb begreiflich, 
wenn Lief mann das verdächtige Wort „Wert" am liebsten ganz 
aus dem wissenschaftlichen Begriffsschatz ausscheiden möchte, nur 
daß er ihn seinerseits doch wieder durch einen neuen Wert, den 
„Ertragswert", bereichert hat. 



So beginnt denn die subjektive Wertlehre gleich mit der Ana- 
lyse solcher künstlich konstruierter „Erscheinungsgruppen", in denen 
der rein subjektive Charakter des Werts in ungetrübter „Erschei- 
nung" hervortreten kann, recht abseits von jenem „eigentlichen 
Schauplatz" der Theorie, ungestört von allen Ablenkungen der so- 
zialen Wirklichkeiten: noli tangere circulos meos! Wüstenreisende 



150 Rudolf Stolzmann, 

mit gemessenem Wasservorrat, einsame Jäger mit zwei Stücken 
Brot oder zwei Patronen, besonders aber der Kolonist im Urwalde, 
das sind die „Schauplätze" und Versuchspersonen, an denen die 
Subjektivsten klarzumachen suchen, daß „der ökonomische Cha- 
rakter der Güter in keinerlei Weise an die menschliche Wirtschaft 
in ihrer sozialen (!) Erscheinung geknüpft" sei; „die Güter haben 
Wert stets für bestimmte wirtschaftende Subjekte, aber auch nur 
für solche einen bestimmten Wert" (Menger). Ja, v. Böhm 
hat nicht übel Lust, den Begriff „objektiver Tauschwert" ganz 
auszumerzen und ihn durch „Tauschkraft" zu ersetzen, der dann 
in einer Linie mit den „ganz nahe verwandten" übrigen, rein tech- 
nischen „objektiven "Werten: dem „Heizwert" von Holz und Kohlen, 
dem „Düngwert" der Düngmittel, dem „Gefechtswert" der Kriegs- 
schiffe usw. steht, in denen „jede Beziehung" auf das Wohl und 
Wehe eines Subjektes verbannt sei. Nur „der subjektive Wert ist die 
Bedeutung, die ein Gut für die Wohlfahrtszwecke eines bestimmten 
Subjektes besitzt". Der objektive Tauschwert ist nur eine rein 
objektive „Tatsache", nämlich die „Fähigkeit, im Austausch eine 
bestimmte Menge", ein „Quantum" anderer Güter, als Gegengabe 
zu erlangen, z. B. 1 Pferd gegen 100 Gulden (v. Böhm-Bawerk 
„Grundzüge", Jahrg. 1886 dieser Jahrbücher, S. 4—8 und „Pos. 
Theorie", S. 211—220). 

Die Ableitung des „wahren", des subjektiven Wertes, nimmt dann v. Böhm 
an jenem Beispiel des Kolonisten in folgender Weise vor : Sein Blockhaus steht 
„abseits von allen Verkehrsstraßen einsam im Urwalde". Er ist ausgerüstet mit 
dem gemessenen Vorrat von 5 Säcken Korn. Die objektiven und die subjektiven 
Faktoren seiner Wertschätzungen sind gegebene, der objektive Faktor ist der 
„Besitzstand" der 5 Säcke Korn, mit der der Kolonist sich bis zur nächsten 
Ernte behelfen muß, der subjektive Faktor ist die „Skala der Bedürfnisse" in 
seinem Kopfe, nach der er ihre Wichtigkeit bemißt. Nach dieser Skala weist er 
den vorhandenen Gütervorrat der Reihe nach in die wichtigsten konkreten Ver- 
wendungen ein, den ersten Sack bestimmt er für die Lebensfristung, den zweiten 
zur Vervollständigung seiner Mahlzeiten, den dritten zur Mästung von Ge- 
flügel, den vierten zur Erzeugung von Kornbranntwein und den fünften, um 
zu seinem Vergnügen Papageien zu erhalten. Dann richtet sich der Wert eines 
Sackes Korn nach dieser letzten Verwendung. Denn der Wert kann ja immer 
nur die „Bedeutung sein, die ein Gut oder ein Güterkomplex als anerkannte 
Bedingung eines sonst (!) zu entbehrenden ( !) Nutzens .... erlangt. Das 
Maß des abhängigen Nutzens ist auch das Maß für den Güterwert." Dies 
„erprobt" sich, so erläutert v. Böhm, „am einfachsten daran, wieviel er (der Ko- 
lonist) an Nutzen einbüßen würde, falls ihm ein Sack verloren ( !) ginge." 
„Der Kolonist wird mit den übrig gebliebenen 4 Säcken die vier wichtigsten Be- 
dürfniszweige decken, und nur auf die Gewinnung des unbedeutendsten letzten, 
des ,Grenznutzens' verzichten", auf die Papageienhaltung, „und nach diesem 
unbedeutendsten Nutzen wird er daher auch jeden einzelnen Sack seines Korn- 
vorrats schätzen". 

An diesen und ähnlichen kasuistischen „Beobachtungen des 
Lebens" erläutern die Subjektivsten das, was sie den „Elementar- 
fall" nennen, den Fall der Bewertung gleichartiger Güter eines 
gegebenen Vorrats, und leiten aus ihm denjenigen Lehrsatz ab, der 
ihnen als der „Angelpunkt der ganzen Wertlehre" und „noch mehr 
als dies : als der Schlüssel . . geradezu für alle Wirtschaftshandlungen 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 151 

der Menschen, und somit (!) für die gesamte volkswirtschaftliche 
Theorie" erscheint: „die Größe des Werts eines Gutes bemißt sich 
nach der Wichtigkeit desjenigen konkreten Bedürfnisses oder Teil- 
bedürfnisses, welches unter den durch den verfügbaren Gesamt- 
vorrat an Gütern solcher Art bedeckten Bedürfnissen das min- 
dest wichtigste ist", kürzer: „der Wert eines Gutes bestimmt sich 
nach der Größe seines Grenznutzens". 

Aus dem großen Heere der Bedenken gegen diesen „Schlüssel" 
kann ich hier nicht alle wiederholen, die ich an anderer Stelle schon 
seit beinahe 20 Jahren vorgetragen und denen sich unter anderem an- 
geschlossen haben : Schor, Jahrband 1902 dieser Jahrbücher, Schade 
in denAnnalen des Deutschen Reiches, 1906, S. 234ff. Zu vergleichen 
ist jetzt auch Liefmann „Archiv", 1911, S. lff. und 406 ff., be- 
sonders S. 451 ff. Ich will mich auf diejenigen Einwendungen be- 
schränken, die mein Thema betreffen, weil sie sich aus der sozial- 
organischen Betrachtung ergeben. Sie sind auch wohl diejenigen, 
die bis zur Wurzel des Subjektivismus reichen. Sie betreffen die 
Grundfrage, ob der aus dem Elementarfall abgeleitete Lehrsatz zur 
Erklärung der sozialen Wirklichkeit hinüberführt, oder in 
v. Böhm-Bawerks Worten, ob er einen „tragfähigen Unterbau für 
die Erklärung der sozialwirtschaf tlichen ( !) Werterscheinungen" ab- 
zugeben geeignet ist. Dazu ist vor allem eine Prüfung erforderlich, 
wie weit jener Lehrsatz „subjektiver" Art ist, ja ob die Grenz- 
nutzenlehre überhaupt noch den Anspruch erheben kann, eine 
N u t z e n wertlehre zu sein, endlich ob der „Fortfallgedanke", auf 
den sie sich gründet, eine ausreichende Werteinheit und somit 
in der Tat den Schlüssel oder — wie v. Böhm-Bawerk sagt — den 
Passe-partout ergibt, der durch alle Verwicklungen der vielge- 
staltigen Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens siegreich hin- 
durchführt. 

2. Der „Subjektivismus" der Wertlehre, ihr „Passe-partout" 
und ihre Werteinheit. 

Schon mit dem „Subjektivismus" der Lehre hat es seine eigene 
Bewandtnis. Entlehnt sie doch ihr Rüstzeug recht wesentlich den 
objektiven Faktoren, nämlich den „äußeren Umständen" der 
„konkreten Situationen", besonders den fixen „Vorräten" gegebener 
Quantitäten. Es sei klar, sagt schon Menger, „daß das Kriterium 
des ökonomischen Charakters der Güter ausschließlich in dem Ver- 
hältnis zwischen Bedarf und (!) verfügbaren Quantitäten derselben 
zu suchen sei". Und v. Böhm-Bawerk, Pos. Theorie, S. 225: „Jeden« 
falls ist daran festzuhalten, daß Quantitätsverhältnisse allein 
( !) es sind, welche darüber entscheiden, ob irgendein Gut bloß fähig 
zu nützen, oder auch Bedingung des Nutzens für uns ist", also 
Wert hat, d. h. ob es „die unentbehrliche Bedingung, die conditio 
sine qua non eines Wohlfahrtserfolges" ist. Nur ein anderer Aus- 
druck des Quantitätenbegriffs ist die „Seltenheit", die „Knapp- 



152 Rudolf Stolzmann, 

heit"; denn, sagt v. Böhm-Bawerk, die Nützlichkeit zeigt nur an, 
wie hoch der 'Nutzen äußerstenfalls aufragen kann (abstrakter Ge- 
brauchs- oder Gattungswert), die höhere Stufe des Nutzens ergebe 
sich erst aus der Seltenheit. Diese entscheide darüber, bis zu 
welchem Punkte der Nutzen „konkret und wirklich aufragt". Ja, 
sage ich, sie entscheidet dann doch aber auch darüber, bis wie weit 
er herniederreicht, der Umfang des Gütervorrats bestimmt erst, 
bis zu welchem Grenzbedürfnis herab seine Einweisung erfolgen 
kann; kurz: er entscheidet über den „Grenznutzen", der also nicht 
„regiert", sondern ein sekundäres Ergebnis ist, nicht Grund, 
sondern Folge. Am anschaulichsten hat uns v. Wieser darüber belehrt, 
wie sehr diese „objektiven Bedingungen des Güterdaseins den Güter- 
wert beeinflussen", zu vgl. „Zweck", S. 700ff. 

Aber selbst als „Ergebnis" ist der Grenznutzen ein fragwürdiges 
Wertmaß. Als solches müßte er doch einen Wert in sich tragen, 
der geeignet wäre, ein tertium comparationis für die Vergleichung 
des verschiedenen Nutzens der verschiedenen Güter abzugeben. 
Dies ginge nicht anders als durch Messung an irgendeiner Intensi- 
tätseinheit der Bedürfnisbefriedigung. Eine solche 1 ) ist aber 
bis heute noch nicht entdeckt worden. Man kann wohl sagen, daß 
uns im Einzelfalle die eine Bedürfnisbefriedigung wichtiger (!) er- 
scheint, als die andere; aber über diesen Komparativ kommt man 
nicht hinaus. So ist es auch ganz unmöglich, den Nutzen, den der 
letzte Sack Korn gewährt, auf eine Einheit mit dem Nutzen der 
übrigen Säcke zu bringen ; denn das, was man ihren ( ! ) Grenz- 
nutzen nennt, ist nicht „ihr" Nutzen, sondern, wie v. Böhm- 
Bawerk sonst sagt, „ein fremder ( ! ) Nutzen, der Nutzen des letzten 
Güterexemplares, das zur Vertretung (!) herangezogen werden kann". 
„Der Grenznutzen, der den Wert(?) eines Gutes bestimmt (?), ist 
nicht identisch mit dem Nutzen, den es selbst tatsächlich stiftet . . 
letzteres trifft nur zu entweder bei einzigen, oder bei denjenigen 

1) Vergeblich hat sich v. Böhm-Bawerk S. 325, S. 331 a. a. O. und neuerdings noch 
einmal im Exkurs X bemüht, die mannigfaltigen Einwendungen zu widerlegen, die im Laufe 
der Zeit, auch von mir (jetzt Zweck S. 221), gegen die „Meßbarkeit der Gefühlsgrößen" 
und gegen ihre praktische Verwendbarkeit als Wertmaßstab erhoben worden sind. 
Er führt diese Einwendungen selbst ganz zutreffend vor: Intensitäten verschiedener 
Bedürfnisse seien deshalb nicht untereinander meßbar, weil es an der gemeinsamen 
Maßeinheit fehle. Wir vermögen nur immer im gegebenen Momente und bei ge- 
gebenem Zustande unserer Mittel ein vergleichendes Urteil über den Grad der 
Lust zu bilden, den zwei oder mehrere Güter befriedigen. Nicht eine absolute Mes- 
sung, sondern nur eine k o m p a r a t i v e Vergleichung sei möglich. Wir können nicht 
„urteilen, das Lustgefühl A sei z. B. dreimal so groß und stark als das Lustgefühl B"* — 
v. Böhm-Bawerk erwidert S. 333 : „Ich glaube, wir können das wirklich oder mindestens 
etwas ganz A.ehnliches (!)", „weil (?) wir im praktischen Leben unzählige Male in die Lage 
kommen, zwischen mehreren Genüssen, die uns wegen der Beschränktheit unserer 
Mittel (!) nicht gleichzeitig erreichbar sind, eine Wahl (sie) zu treffen", und wir urteilen 
„geradezu darüber, um wievielmal der eine Genuß den anderen an Größe übertrifft". 
Aber ist das nicht eine Verrückung des Beweisgegenstandes? Die Frage ist doch die 
nach dem Wertmaßstabe, mit welchem wir rechnen. Die Bedürfnisse ergeben 
nicht den Wertmaßstab, sondern das tun die Mittel, auf welche die Bedürfnisse erst 
angewiesen und projiziert werden. Der Maßstab bleibt ein objektiver. 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 153 

Güterexemplaren, die zufällig gerade für den geringfügigsten Dienst 
ausersehen waren" (a. a. 0., S. 262). 

Damit verliert aber die ganze Grenznutzenlehre die Eigenschaft 
einer Nutzen lehre, sie ist die Verneinung einer solchen, und der 
gegenteilige Schein, der so lange und so viele geblendet hat, ist 
dem verpönten „Objektivismus" entnommen. Es bedarf der objek- 
tiven Krücken und Stützen, in Gestalt eines heterogenen General- 
nenners, um die fehlende Brücke zwischen Nutzen und Nutzen zu 
schlagen, man ersetzt sie durch ein genial naives Hilfsmittel: es 
wird im „Elementarfair ' einfach ein Vorrat gleicher und deshalb 
natürlich an sich schon gleichwertiger Stücke fertiger Genuß- 
mittel supponiert, und dann behauptet, sie seien gleichen Wertes, 
weil (!) sie gleichen Grenznutzen haben. Ebenso wird beim 
(später zu behandelnden) Kostengesetze angenommen, daß fertige 
Genußmittel verschiedener Art, die aus gleichartigen Pro- 
duktionsmitteln hervorgegangen sind, die sogenannten „produktions- 
verwandten" Güter, gleichwertig seien, nicht etwa bloß weil sie nur 
„allotropische Modifikationen" der gleichartigen Produktivgüter sind, 
mit deren Besitze wir mittelbar auch ihre Produkte besitzen, sondern 
weil sie als Kostengüter, als Mittelglieder, zunächst erst selbst ihren 
Wert vom Grenznutzen der fertigen Produkte empfangen. So wird 
in beiden Pällen die Ungleichheit des Nutzens durch das Hilfsmittel 
gleichartiger Stücke überwunden. Während auf solche Weise etwas 
„erklärt" wird, was der Erklärung nicht bedarf, weil es eine nicht 
erklärungsbedürftige Tatsache ist, nämlich die Wertgleichheit 
gleicher oder produktionsverwandter Güter, bleibt das, was wirklich 
erst der Erklärung bedarf, die Wertgleichung ungleichartiger oder 
aus verschiedenen bzw. verschieden zusammengesetzten Produktions- 
gütern hervorgegangener Güter, unerklärt. Natürlich, das theo- 
retische Hilfsmittel versagt; denn, erklärt uns v. Wieser: „Kämen 
Güter nicht in Vorräten gleicher Stücke vor, sondern nur immer 
individuell besonders gestaltet, so könnte das Gesetz (das Grenz- 
nutzengesetz) nicht gelten". 

Was aber noch schlimmer: der einzige „Positiv" in der Rech- 
nung, der Nutzen des „letzten Stückes" selbst, bleibt ungemessen 
und unmeßbar, obgleich ihn die Grenznutzenlehrer immer mit Ziffern 
in bestimmten Florinbeträgen ansetzen. Es bleibt also nur das übrig, 
was v. Wieser als „oberste Wertregel" bezeichnet: die Wertgröße 
eines einzelnen und isolierten Gutes „wird mit dem Maße des 
Interesses geschätzt, welches der Besitzer an der wichtigsten Ver- 
wendung hat" (Ursprung des Wertes, S. 121 ff.). Da aber die letztere 
die einzige ist, die bei einem isolierten Gute in Betracht kommt, 
so bleibt die „oberste Wertregel" eine Tautologie ohne Erkenntnis- 
wert : A = A, und also unbeziffert und unvergleichbar mit anderen 
Gütern. Weil indessen nun der Grenznutzen, wie er aus dem Elementar- 
fall entwickelt wird, nach v. Wieser nur ein verfeinerter Ausdruck, 
nach v. Böhm-Bawerk, S. 244 nur eine „Verwicklung" („Kompli- 
kation") jener obersten Wertregel ist, mit anderen Worten, „sein 



154 Rudolf Stolzmann, 

Begriff und Name erst bei der genaueren Erklärung in Aktion tritt, 
welches unter mehreren in Frage kommenden das gesuchte ab- 
hängige Bedürfnis ist" (Jahrbücher 1892, S. 348), so fällt das 
Grenznutzengesetz zugleich mit der obersten Wertregel, jedenfalls 
hat es keinen höheren Erkenntniswert wie diese. Aber die Grenz- 
nutzenlehre macht aus ihrer Not eine Tugend, sie glaubt etwas 
Neues mit jener „Verwicklung" gesagt und mit dem „Grenznutzen", 
den sie nun überall unbesehen als gegebenes Wertmaß der 
Güter einsetzt, die Grundlage für eine neue, „moderne" National- 
ökonomie gefunden zu haben. 



Der Grund dieser Selbsttäuschung liegt im Fortfallge- 
danken, den v. Böhm-Bawerk als den Passe-partout der ganzen 
Lehre bezeichnet und dem seinerseits wieder der „Abhängigkeits- 
gedanke" zugrunde liegt: der Wert ist durch die kasuistische Unter- 
suchung zu finden, welcher Wohlfahrtsgewinn in gegebener Lage 
von einem Gute „abhängt", und das ergibt sich — im Kolonisten- 
beispiel — daran, wie viel an Nutzen der Kolonist einbüßen 
würde, wenn (!) ihm ein Sack verloren ginge. Das ist dann 
aber, wie ich dies alles S. K. S. 257 ff. eingehender ausführte, 
nicht mehr der Besitzstand der objektiv gegebenen Quantitäten, 
um deren Bewertung es sich doch handelt, sondern bedeutet eine 
mindestens in Gedanken vorgenommene Störung des Besitzstandes, 
also einen gedanklichen Ausbruch aus diesem: zwei verschiedene 
objektive Besitzstände werden miteinander verglichen. Der Fort- 
fallgedanke enthält also eine Verrückung des Beweisgegenstandes, 
er erklärt Phänomene einer gegebenen Wirtschaft aus denen 
einer anderen mit anderem Besitz- und Quantitätenbestande. Es 
ist das eine Verletzung des eigenen, innerlichsten Prinzips der 
Lehre, des Quantitätenprinzips, das doch eben einen gegebenen und 
festen Vorrat voraussetzt; der Passe-partout umgeht das Problem, 
er ist zentrifugal, er erklärt die Wirtschaft nicht von innen heraus, 
aus ihren eigenen Voraussetzungen, sondern mit Hilfe einer fremden 
Wirtschaft, mit der er sie vergleicht. Dieser Diff erenzgedanke 
muß ja auf Abwege führen, und es ist v. Komorzynski, der ihn — 
unfreiwillig — ad absurdum geführt hat, indem er ihn ganz aus- 
dachte und ihn uns dann in seiner ganzen Ueberspannung vorführte. 
v. Komorzynski verallgemeinert ihn in der Art, daß er den Fort- 
fall eines Gutes die Aenderung des ganzen Wirtschaftsplanes herbei- 
führen läßt: der schließlich, durch Ueberwälzung vermittelte, 
irgendwo haften bleibende Ausfall an Bedürfnisbefriedigung stellt 
den Wert des geschätzten Gutes dar. Will man also den gegen- 
seitigen Wert zweier Güter A und B feststellen, so müßte man 
zuerst den Effekt der Wirtschaft ohne das Gut A und dann den- 
jenigen einer anderen Wirtschaft ohne das Gut B feststellen; beide 
Güter haben gleichen Wert, wenn der schließliche Effekt in dem 
Ausfall derselben Bedürfnisbefriedigung besteht. „Soviel Güter 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 155 

und Gütermengen man bewerten, d. h. in ihren Werten vergleichen 
will, so oft müßte diese Prozedur wiederholt werden, so oft müßte 
die Wirtschaft in Gedanken aus ihrer Haut herausfahren — zum 
Glücke nicht praktisch — sondern nur in der Theorie!" Sollte, 
so fuhr ich fort, nicht vielmehr dem Gedanken v. Wiesers beizu- 
treten sein, den er — allerdings inkonsequent — nicht für die Be- 
wertung der Genußmittel, sondern nur für die der Produktivgüter 
geltend macht, daß es „nicht auf den Ertragsanteil ankomme, der 
durch den Verlust eines Gutes verloren, sondern auf den- 
jenigen, der durch seinen Besitz erreicht wird?" Und: „die regel- 
mäßige und entscheidende Annahme, auf die hin man den Wert 
eines Gutes prüft, ist nicht die seines Verlustes, sondern die seines 
ruhigen Besitzes und seines zweckentsprechenden Gebrauches"? 

All dies habe ich nun in den „Zweck" übernommen, S. 734 ff. und 
751 ff. Ich setzte hinzu: Worin ich mit v. Komorzynski differiere, 
das ist, daß er den Passe-partout auf beide Fälle, auf den Fall 
gleichartiger Genußmittel und den komplementärer Produktivgüter 
gleichmäßig, ich ihn dagegen — aus den von Wieser für die Wert- 
bestimmung der letzteren angeführten Gründen — auf keinen der 
beiden Fälle angewandt wissen will. 

Dagegen wendet sich nun v. Böhm-Bawerk (Pos. Theorie, S. 253, 254, Note 2 
und Exk., S. 192, Note 2) mit einer persönlichen und einer sachlichen Rüge. 
Die erstere geht dahin, daß ich eine „weitläufige und mißverständliche Pole- 
mik angesponnen", und daß ich „mit beharrlichem Mißgeschick den Grenz- 
nutzentheoretikern just immer für Verfehlungen, die sie etwa begehen, meinen 
Beifall auszusprechen pflege", „ihnen eifrig beistimme" und „ihre (?) Argu- 
mente noch mit dem drastischen Bilde ausmale", „daß die Wirtschaft so oft aus 
ihrer Haut herausfahren müßte", als etc. — Ich halte mich an die sachliche 
Rüge, sie lautet, daß doch „auch eine Wirtschaft im Beharrungszustande keine 
versteinerte, regungslose Wirtschaft" sei. Wenn da der unaufhörliche Zugang 
und Abgang von Gütern nicht sinn- und planlos erfolgen solle, so müsse man 
gerade in Hinblick auf solche in Frage kommende „Aenderungen in unserem 
Güterbestande" Werturteile vornehmen und überlegen, ob und wofür man sein 
Geld ( !) verwenden solle. Wenn Stolzmann, sagt v. Böhm-Bawerk, ein Angebot auf 
irgendein Stück seines Güterbesitzes erhielte, so könnte er schwerlich über die 
Annahme oder Ablehnung desselben rationellerweise schlüssig werden, ohne den 
aktuellen Bestand seiner Bedürfnisbefriedigung „mit jenem Stück und ohne 
den Kaufpreis (!) mit dem hypothetischen Stand seiner Bedürfnisbefriedi- 
gung ohne jenes Stück und dafür (!!) mit dem Kaufpreis miteinander 
zu vergleichen ; also ohne gerade jene Operation durchzuführen, die er als ein 
,aus der Haut fahren der Wirtschaft' bezeichne ! — Antikritik : Mein „Güter- 
bestand" bleibt ja hier, ich erleide keinen Verlust, es findet nur innerhalb 
des bleibenden Wertrahmens eine „Variante des möglichen Befriedigungsplanes" 
statt, wa3 doch einen grundverschiedenen Tatbestand bedeutet, v. Böhm- 
Bawerk freilich identifiziert beide, er setzt sie gleich, so z. B. S. 194 Exk., 
wo er in einem Atem von einem Manne spricht, der „das in seinem Besitz be- 
findliche Gut veräußern oder es für irgendeinen anderen Zweck verwenden 
oder (!) endlich durch einen Unglücksfall verlieren (!) würde". Im übrigen 
begeht hier v. Böhm-Bawerk einen Ausbruch aus der isolierten Wirtschaft, 
von der ich doch Wieser und Komorzynski im Texte reden ließ. Da gibt es 
keine „Kaufpreise", überhaupt keine „Preise". Wieder also, wie bei Marx, 
eine Verwechslung mit dem nicht bezifferbaren Gedankending „Wert" und dem 
Dinge der sozialen Wirklichkeit : „Preis", das mit jenem gar nicht kommen- 
surabel ist. Ich sehe ganz ab von dem Zirkel, daß v. Böhm-Bawerk hier mit 
dem Preise als gegebener Größe rechnet, während dieser ja erst als „Resul- 



156 Eudolf Stolzmann, 

tante" aus den rein subjektiven Wertungen erklärt werden soll. v. Böhm- 
Bawerk führt hier, wie so oft (wir werden das oben belegen) ein Mixtum 
compositum subjektiver und sozialer Betrachtung vor. Wenn ich solche höchst- 
persönlichen Extrageschäfte, wie die Versilberung eines Hausgeräts, mache, die 
überdies für die Erklärung des großen Berufs- und arbeitsteiligen Organis- 
mus der Volkswirtschaft „keinen Schuß Pulver wert" sind, so wird doch dabei 
einzig der Gedanke für mein Werturteil die entscheidende Richtung geben, 
wie hoch sich sonst, im Marktverkehr, der Preis eines solchen stellt. Wie 
sich dieser bildet, das ist ja eben die große Frage ! 

Der letalste Mangel im Fortfallgedanken ist aber die ganz 
labile Größe desjenigen Güterquantums, das als „fortgefallen" an- 
genommen wird, mit einem Wort: es ist der Mangel einer brauch- 
baren Werteinheit. Als solche bezeichnet die Grenznutzenlehre 
bald „kleine oder kleinste Teilquantitäten" von Gütern, bald sprechen 
sie von „Gütereinheiten", „Exemplaren", „Güterstücken" usw. Alle 
diese Worte schillern. Man könnte dabei zunächst — derb mate- 
rialistisch — an die im Leben gebräuchlichen Gewichts- und Mengen- 
einheiten: Pfund, Liter, Meter etc. denken, wie das ja auch mit 
dem „Sack" im Kolonistenbeispiel zutrifft. Aber das darf doch 
wohl nicht gemeint sein; die esoterische Lehre der Subjektivsten 
hat vielmehr die Quantitäten im Auge, die — wie in der oben gegen 
mich gerichteten Note — den Gegenstand eines Verkehrsaktes 
bilden und deshalb je nachdem sehr verschieden sind. Man rechnet 
nach Pfunden, aber man schätzt nicht danach. So kann und 
muß also, je nach den zufalligen Umständen des „Aktes", die 
Schätzung ganz verschieden ausfallen. „Es kann", sagt v. Böhm- 
Bawerk S. 254, „vorkommen, daß die Wertschätzung einer größeren 
Güterquantität mit der Wertschätzung der Gütereinheit" (was heißt 
das?) „derselben Art nicht harmoniert, indem die größere Quantität 
außer allem Verhältnis höher geschätzt wird". Werde z. B. unserm 
Kolonisten ein Kaufangebot von 3 Sack oder von 5 Sack gemacht, 
so sei es „ganz natürlich", daß ihm 3 Sack oder gar 5 Sack nur 
um einen höheren Satz als ein Sack feil sein werden, da nun einmal 
ihr Wegfall einen tieferen Eingriff in die Bedürfnisbefriedigung 
des schätzenden Subjektes mache. Die „niederste Schicht", die den 
Grenznutzen bestimmt, schließe dann eben wichtigere Bedürfnis- 
befriedigungen aus, als die Papageienhaltung beim Verlust oder 
Verkauf eines Sackes. Verkaufe ich z. B. alle 5 Sack, und setze 
die Skala der Wichtigkeit, von der Lebenserhaltung herab bis zur 
Papageienhaltung, auf 5, 4, 3, 2, 1 an, den ganzen Ausfall an Nutzen 
also auf 5 + 4 + 3 + 2+1, so sei diese Summe eben größer als 
5x1. v. Wieser habe irrigerweise diese Rechnung (5x1) vorge- 
nommen, abweichend von seiner sonst vorgetragenen besseren Ein- 
sicht. Er sehe es fälschlich als ein „Axiom 1 " an, „daß der Wert 
einer Summe von Gütern gleich sein müsse der Summe der 
Einzelwerte ihrer Glieder". Nun, ich meinte, daß man nach 
Adam Biese auch in der Wirklichkeit so rechne und werte! Mag 
sein, dürfte v. Böhm-Bawerk sagen, aber das schätzende Sub- 
jekt muß im Einzelfalle anders und je nach der Situation ver- 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 157 

schieden rechnen. „Die den subjektiven (!) Wert (!) begründenden 
Urteile . . . können ganz wohl sich wechselseitig ins Gehege kommen 
und sich überdecken (!!). Das Gregenteil zu verlangen, heißt, die 
,Quadratur des Zirkels' zu verlangen" (Exk., S. 200 und 213). 

v. Böhm-Bawerk hat nun auch vom Standpunkte des allein 
auf den Verlustgedanken gegründeten Grenznutzens, dieses theo- 
retischen Gedankendinges, aus, mit der Behauptung der Inkon- 
sequenz des Wieserschen „Axioms" ganz recht. Ich begreife auch 
sehr wohl, wie schmerzlich v. Böhm-Bawerk die Preisgebung des 
Fortfallgedankens sein muß. v. Wieser, sagt er, gehe damit „grund- 
sätzlich von dem Gedanken ab, der nicht nur einen Grundpfeiler ( !) 
der gesamten Theorie des Grenznutzens überhaupt bildet, sondern 
den auch v. Wieser selbst als Fundament seiner Lehre nicht ent- 
behren kann"; „es gibt keinen anderen Gedanken, durch den sich 
sowohl die Größe des Wertes mit der Größe des Grenznutzens in 
Verbindung bringen" ließe, es fehle sonst das indispensable „logi- 
sche" Zwischenglied. Aber andererseits scheint mir doch auch 
Wieser von einem sehr richtigen Gefühle darin geleitet zu sein, 
daß die subjektiven Einzelschätzungen des Individuums mit den 
„Werten" des sozialen Verkehrs ohne Ueber- oder Unterdeckung 
„reinlich" harmonieren müssen, wenn sie deren „Resultante" er- 
geben sollen. Sie werden im Einzelfalle häufig genug anders aus- 
fallen, aber im Grundsatz müssen sie sich ihnen „anpassen", sie 
dürfen nicht schon in der Anlage heterogen sein. Jedes Wirtschafts- 
subjekt muß als Glied des volkswirtschaftlichen Produktionspro- 
zesses a priori seine Schätzungen so einrichten, daß es sie nach- 
her bei der Liquidation auf dem großen Markte bewahrheitet findet. 
Anders nach v. Böhm-Bawerks orthodoxem „Axiom": „die den 
subjektiven Wert der Produktivgüter" (das gilt natürlich auch für 
die fertigen Genußgüter) „begründende wirtschaftliche Zurechnung 
des Ertrages . . steht unter ganz anderen logischen Bedingungen". 
— Hier gilt es also nun zu wählen, zwischen dem Wieserschen 
und dem Böhmschen Axiom. Die Entscheidung kann vom Stand- 
punkte der sozial organischen Betrachtungsweise aus nicht zweifel- 
haft sein. Das eine Axiom ist die theoretisch künstliche conditio 
sine qua non der Grenznutzenlehre, das andere ist das der sozial- 
organischen Wirklichkeit, das der realen Preisbildung. Aus all 
den holden Drangsalen, die auch einem Marx die selbstgeschaffene 
Antithese von „Wert" und „Preis" bereitet hat, werden auch die 
Grenznutzenlehrer nicht ohne Preisgabe ihres Lehrfundamentes 
herausgelangen können. 

v. Böhm-Bawerk hat jetzt im „Exk.", S. 19 ff., eine sehr mühsame, un- 
dankbare und angesichts der selbst betonten „Ueberdeckung" vielleicht auch 
überflüssige Aufgabe in Angriff genommen, die Widerlegung der W.schen 
Behauptung von der Diskrepanz des Besitz- und des Fortfallgedankens. Wenn 
W. sage, so führt er aus, daß „es nicht auf den Ertragsanteil ankomme, der 
durch den Verlust eines Gutes verloren, sondern auf jenen, der durch seinen 
Besitz erreicht wird", so habe W. „nicht wahrgenommen, daß dieser dialekti- 
schen Antithese keine sachliche Antithese entspricht. Was durch den Verlust 



158 Rudolf Stolzmann, 

eines Gutes verloren wird, ist stets und notwendig genau identisch mit dem, 
was durch seinen Besitz erreicht wird. Es sind das nur zwei verschiedene 
Vorstellungs- oder Illustrationsformen für dieselbe Sache." — Da die Prüfung 
der näheren Argumentationen v. Böhm-Bawerks über den Rahmen dieses 
Aufsatzes gehen würde, und sie auch ohne Eingehen auf die (erst später zu 
behandelnde) Lehre vom Werte der komplementären Güter nicht voll gewürdigt 
werden könnten, so muß ich mich hier auf folgende Andeutungen beschränken, 
v. Böhm-Bawerks Dialektik ist meines Erachtens nur durch die Zweideutigkeit 
des Wortes „Besitz" gestützt, das im Sprachgebrauch allerdings oft nur eine 
dialektische Antithese von Fortfall bedeutet. Wenn z. B. Hamlet statt der 
Antithese to be or not to be die gleichbedeutende Antithese : to have or not 
to have (das Leben) gebrauchen würde, so sagte er dann rein gar nichts über 
den Wert und Inhalt des Lebens aus, den es im Falle „seines ruhigen Besitzes 
und seines zweckentsprechenden Gebrauches" haben könnte. Geht das Leben 
„verloren", so wird sein Wert (oder Unwert) recht auffällig, aber im einzelnen 
erkannt wird er nur durch ganz andere Betrachtungen. Wenn v. Böhm- 
Bawerk sagt, er habe vorher festgestellt, was das Subjekt durch djen Besitz 
eines Produktivgutes durch seine Erwerbung erlange, es habe also seine 
Wertschätzung auf das gestützt, was „durch den Besitz erreicht" werde, so 
scheint er sich einer Täuschung hinzugeben. Er hatte sie zu allererst vorher 
auf die Ertragsdifferenz zweier verschiedener Wirtschaften hypothetisch 
verschiedenen Güterbestandes aufgestützt, nämlich auf den einer solchen, wo 
das Gut vorhanden, und einer anderen, wo es fortgefallen, verloren war. Fällt 
dann das Gut aus der ersteren fort, dann zeigt ja hinterher allerdings sein 
Besitz an, was man durch seinen Fortfall verloren. 

v. Wieser ist allerdings „inkonsequent", wenn er den Fortfall- 
gedanken, diesen „Grundpfeiler" der Theorie, für die Bewertung der 
komplementären Güter preisgibt, ohne einzusehen, daß er damit 
die ganze Grenznutzenlehre ad absurdum führt. Denn mit dem 
Pfeiler zerstört er das ganze Gebäude. Aber v. Böhm gerät trotz 
seiner Konsequenz dafür seinerseits in das andere Dilemma, er 
gelangt notwendig zur grundsätzlichen Diskrepanz der subjektiven 
Schätzungen mit ihrer angeblichen Resultante. Er macht den ver- 
geblichen Versuch, ihre Nichtkonsequenz durch die Behauptung 
des Auseinanderfallens der „wirklich verteilten gegenüber den für 
die subjektive Wertschätzung zugerechneten Quoten" unschädlich 
zu machen. Er behauptet, daß „die wirkliche Verteilung zwar 
ganz und gar, ganz und voll aus den die subjektiven Wertschätz- 
ungen bestimmenden Zurechnungsurteilen zu erklären" sei. Aber die 
Erklärung sei „zweistufig"! „die Erklärung der faktischen Auf- 
teilung der Produktionserträge, die sich durch die Preisbildung 
vollzieht, gewinnen wir ebenso ganz und voll mittels der zweiten 
Stufe unserer zweistufigen Erklärung, die uns die Resultante zu 
suchen anweist aus denselben subjektiven Bewertungen der Pro- 
duktionsgüter, welche unsere erste Erklärungsstufe aus den sich 
überdeckenden ( ! ) Zurechnungsurteilen ableitete" (Exk., S. 201 und 
214). — Sehen wir denn zu, wie es mit dieser Resultantenbildung 
auf der „zweiten Stufe" bestellt ist; prüfen wir, ob es v. Böhm-Bawerk 
gelungen ist, auf ihr den Preis als Resultantenbildung zu erklären, 
oder ob es wahr ist, was ich in meinen beiden Büchern zu erhärten 
suchte: Wert und Verteilung stammen aus einer Wurzel, der Wert 
ist, um mit Rodbertus zu sprechen, nur das Medium der Verteilung. 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 159 



3. Der Preis als Resultante subjektiver Wertschätzungen. 

v. Böhm-Bawerk leitet im Anschluß an Menger sein „Preis- 
gesetz" aus folgendem Typus ab: 

Auf dem Pferdemarkt erscheinen im beiderseitigen Wettbewerb die Per- 
sonen Ai bis A 10 als Kauflustige, die je ein Pferd, das sie kaufen mochten, 
verschieden, von 300 bis 150 fl. herab schätzen, und auf der anderen Seite die 
verkaufslustigen Pferdebesitzer B x bis B 8 mit Schätzungen ihrer Pferde von 
100 — 260 fl. herauf. Beide Teile schätzen so verschieden, weil ihre für den 
subjektiven Wert maßgebenden individuellen Bedarfs- und Deckungsverhältnisse 
an Ware und Preisgut (Geld) so verschieden sind. Zum Tausch gelangen dann 
nur A t bis A 5 , welch letzterer ein Pferd auf 210, und B 1 bis B 5 , von denen 
letzterer sein Pferd auf 200 schätzt. Denn nur bei diesen fünf „Paaren" sind 
die ökonomischen Bedingungen des Tausches gegeben : nur bei ihnen ist ein 
Tauschgewinn möglich, das zu Empfangende gilt ihnen mehr als das Her- 
zugebende. Von A 6 , der auf 210 fl. schätzt, herauf und von B 6 , der auf 
215 fl. schätzt, herab, ist das nicht mehr der Fall, sie sind vom Bewerbe 
ausgeschlossen, sie spielen nur die RoUe etwaiger Ueber- oder Unterbieter. 
Deshalb stellt sich der allgemeine Preis zwischen 210 und 215, er wird begrenzt 
und bestimmt durch die Höhe der subjektiven Wertschätzungen der beiden 
Grenzpaare. Jeder Marktpreis ist also, analog dem Grenzwert im „Ele- 
mentarfall", ein „Grenzpreis", eingegrenzt durch die wirtschaftlichen Verhältnisse 
derjenigen Bewerber, die gerade am Rande des „Tauschenkönnens" stehen. 

Im Grunde, sagt v. Böhm-Bawerk, sei dieses Ergebnis kein 
besonders neues, es sei der Kern des alten Gesetzes, wonach sich 
der Preis durch Angebot und Nachfrage in der „Zone" bildet, wo 
beide quantitativ gerade im Gleichgewicht stehen und sich 
die Wage halten. Das Neue und Bedeutsame sei nur der in den 
alten Rahmen gestellte „Gedanke, daß der Preis ganz und voll, von 
Anfang bis zu Ende, das Produkt, die Resultante der sich auf dem 
Markte begegnenden subjektiven Wertschätzungen der Leute von 
Ware und Preisgut" sei. 

Ist dies „Neue" richtig? Ist es durchschlagend, oder bleibt 
die Deduktion nicht vielmehr mitten in der Analyse stecken? Ich 
kann in der Tat v. Böhm-Bawerk nicht zustimmen, wenn er als ihr 
„weitaus schwerwiegendstes Ergebnis" hinstellt, daß er „sämtliche 
( ! ! ) bei der egoistischen Preisbildung wirksamen Einflüsse in subjek- 
tive Wertschätzungen aufgelöst" habe (S. 381). Die Analyse bricht 
da ab, wo die eigentliche Sozialökonomie anfängt, d. i., wo der 
Apparat des Subjektivismus versagt. Es mag dahingehen, wenn 
Menger und v. Böhm-Bawerk für im übrigen autarkische Binnen - 
wirtschaften mit zufälligem Austausch von Ueberschußpro- 
dukten etc. Beispiele anführen wie folgendes S. 358: Wenn A 
ein Pferd besitzt und es gegen 10 Eimer Wein vertauschen soll, 
so kann und wird er es nur tun, „wenn die gebotenen 10 Eimer für 
ihn (!) einen größeren Wert haben als sein Pferd" und wenn der 
andere Kontrahent entsprechend umgekehrt rechnet. Einen Er- 
kenntniswert jedoch für die Erklärung der volkswirtschaftlichen 
Verkehrgesetze von heute können nicht Resultanten von Wert- 
schätzungen aus solchen Situationen haben, welche sich außer- 






150 Rudolf Stolzmann, 

halb des Zusammenhanges der sozialbedingten Verkehrsgemeinschaft 
oder doch bei außerordentlichen Unterbrechungen derselben ab- 
spielen. Die sozialorganisch "bedeutsame Untersuchung kann erst 
da anfangen, wo v. Böhm-Bawerk aufhört. Wir müssen fragen: 
Weshalb können und müssen die A undB so schätzen? Wie kommt 
es, fragt Liefmann, Archiv, a. a. O.'S. 417, daß, obwohl vielleicht 
100000 Konsumenten ein Bedürfnis nach Winterröcken haben, 
gerade nur 20000 angeboten werden und der Preis sich allgemein, 
sagen wir, auf 40 fl. stellt? Woher, so frage ich, bestimmt sich 
das entscheidende „Verhältnis der subjektiven Wertschätzungen 
von Ware und Preisgut?" Warum haben die B ihre Pferde aufge- 
zogen; was wollen sie damit erreichen? Wieviel Pferde brauchen 
die A, weshalb schätzen sie wie angenommen? Weshalb haben 
die Florinstücke für beide Teile einen kommensurablen Wert? 
Wenn ich all diese Vorfragen unbeantwortet lasse und so vorher 
alle objektiv-sozialen Faktoren aus der Beantwortung ausge- 
schlossen habe, dann ist es allerdings kein Kunststück zu sagen, 
man habe den Preis von Anfang bis zu Ende als das Produkt sub- 
jektiver Wertschätzungen abgeleitet, und es „diktieren die wirt- 
schaftlichen (?) Umstände des letzten Kontrahentenpaares der Ware 
ihren Preis". 

Woher jene „Umstände", oder wie sie v. Böhm-Bawerk nennt, 
die „Bestimmungsgründe" des Preises? v. Böhm-Bawerk führt sechs 
solcher auf, nämlich je drei, die gleichmäßig auf Seiten der Käufer 
wie der Verkäufer entscheiden: 1) die Zahl der begehrten bzw. 
ausgebotenen Güter, 2) die absolute Größe des subjektiven Wertes, 
3) die des Preisgutes für beide Teile. Welches aber sind, so müssen 
wir fragen, die Bestimmungsgründe der Bestimmungsgründe? 

Von den sechs Preisbestimmungsgründen v. Böhm-Bawerks soll 
sich der erste (die Zahl der auf die Ware gerichteten Begehrungen) 
ergeben „einerseits durch die Ausdehnung des Marktes", anderer- 
seits durch die Art des Bedürfnisses, ob es, wie Kleider, Brot 
und Fleisch, den Aufwand einer großen Masse von Stücken erheischt 
oder nicht, wie Sanskrit-Grammatiken oder Federmesser. — Das 
sind Tautologien, Tatsachenbeschreibungen, keine Erklärungen. Das- 
selbe gilt von dem Begriffe der ausschlaggebenden „ernsthaften", 
„effektiven Käufer" — „labile Größen", wie v. Böhm-Bawerk selbst 
sagt. — Nicht hesser ist es mit der Bestimmung der Zahl, „in der 
die Ware feil ist". Die Masse der auf dem Markte vorhandenen 
Waren, sagt er, werde bestimmt teils (!) durch rein natürliche 
Verhältnisse, wie z. B. bei Grund und Boden und bei Boden Pro- 
dukten, deren Reichlichkeit vom Ausfall der Ernte abhängt etc., 
teils (!) durch soziale (!) und rechtliche Verhältnisse, wie Mono- 
pole, Kartelle, Koalitionen etc., teils (!) und in besonders weitem 
Umfange durch die Höhe der Produktionskosten, nach denen sich 
die Zahl der auszubietenden „Exemplare" richtet. — Eine recht 
bunte Mischung von sozialorganischen und rein ökonomischen 
Momenten, die überall nicht bis zur Wurzel der Erklärung reichen. 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. Ißl 

Ein gleiches trifft den Versuch, die „absolute Größe der sub- 
jektiven Wertschätzungen der Ware", zunächst bei den Kauf- 
lustigen, zu bestimmen. Es gilt hier alles, was wir schon bei der 
Kritik des Elementarfalles ausführten. Bemerkenswert ist nur 
noch, wie v. Böhm-Bawerk über die dort erörterte Schwierigkeit 
hinfortzukommen sucht, daß, je nach dem Fortfall großer oder kleiner 
Mengen der „Gütereinheit", sich der Wert ganz verschieden heraus- 
stellt. Die dadurch entstehende „Verwicklung" werde besonders 
stark bei vorausgesetzter unendlicher Teilbarkeit der Marktware, 
wie Mehl, Zucker etc. Der Gesamtbedarf jedes Konsumenten setze 
sich dann aus einer Summe von Teilmengen zusammen, welche 
nach dem Gesetze des Grenznutzens abnehmende Wichtigkeit haben. 
Die Schätzungsziffern, sagt v. Böhm-Bawerk, gruppieren (!) sich 
dann nicht nach Personen, sondern nach Teilmengen der auf 
dem Markte gehandelten Waren. An Stelle der Wertschätzungen 
des A, treten dann die Wertschätzungen von 300 fl. pro Stück, 
und so herab bis zu den Wertschätzungen der „Grenzpaare", deren 
Rollen nunmehr ausgefüllt werden durch die subjektiven Wert- 
schätzungen, die innerhalb beider Marktparteien auf die letzten 
noch zum Umsatz gelangenden und die ersten vom Umsatz schon 
ausgeschlossenen Teilmengen der Marktwaren gelegt werden. — Durch 
diese entsprechend „weniger persönlich gehaltene Einkleidung des 
Preisgesetzes" wird aher meines Erachtens die Erklärung aus 
einer subjektiven eine rein quantitativ statistische, sie wird reif 
für eine „mathematische" Darstellung mittels Kurven der 
Kaufs- und Verkaufsbegehrungen, was aber die sachliche Er- 
klärung um keinen Schritt fördert. Aus dem Tiegel des Kalküls, 
sagt Wickseil, kommt kein Atom mehr Wahrheit heraus, als hinein- 
gelegt wurde — was gegen alle Q nantitätengleichungen gilt, 
z. B. bei Schumpeter. Gegen Cassels „System simultaner Gleichun- 
gen", vgl. v. Zwiedineck, Zeitschr. f. d. ges. Staatsw., 1909, S. 90. 
Sachlich bleibt eben nun einmal die Unzulänglichkeit und 
Unbestimmtheit der Werteinheit bestehen, nämlich der als fort- 
gefallen gedachten letzten Güterquantität, die sich nach der jeweili- 
gen Situation verschiebt und schwankt: es sind bald große, bald 
kleine „Einheiten", die den Gegenstand der einzelnen Rechts- 
geschäfte (Aktionen) bilden, v. Böhm-Bawerk meint zwar S. .258, 
daß von den zahllosen subjektiven Wertschätzungen im praktischen 
Wirtschaftsleben „wohl der 'ganz überwiegende Großteil einzelne 
Gütereinheiten (?) oder sonst kleine oder kleinste Quantitäten von 
Gütern zum Gegenstand" habe, und es herrsche „daher auch die Wert- 
schätzung nach dem Grenznutzen der Einheit weitaus vor." Abge- 
sehen davon, daß der Begriff „Einheit" die geschilderte Zwei- 
deutigkeit in sich birgt, fährt nun v. Böhm-Bawerk selbst fort: 
„Immerhin gibt es auch eine Minderheit von Fällen", und zwar 
„recht wichtige und interessante Fälle", wo wir „große Gütermengen 
oder sogar die Gesamtheit von Gütern bestimmter Art als ge- 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). H 



162 Rudolf Stolzmann, 

schlossene Einheit zum Gegenstand unserer wirtschaftlichen Ueber- 
legung zu machen" haben. Ueber das zahlenmäßige Vor- 
kommen dieser Fälle will ich nicht streiten. Aber es sind in der 
Tat „recht wichtige" Fälle! Wir werden später sehen, welche ent- 
scheidende Rolle sie spielen und wie diese Gesamtwerteinheiten den 
sozialnotwendigen Rahmen bilden, innerhalb dessen erst die sub- 
jektiven Schätzungen zur Bedeutung kommen. An dieser Stelle sei 
vorerst nur auf die für die Volkswirtschaft bedeutsamste „Aktion", 
den Arbeitslohnvertrag, hingewiesen, der zwei solcher Gesamtein- 
heiten zur Grundlage hat: es wird hier die Gesamtarbeitskraft 
(Tages- pp. arbeit) gegen die Gesamtnahrungseinheit vertauscht, auf 
die der Arbeiter im Lohne seine Anweisung erhält. Glaubt v. Böhm- 
Bawerk wirklich, daß die „Kasuistik des Grenznutzens" für das 
„Verständnis" dieser Fälle den „Schlüssel geboten" hat? (S. 257). 
Es bleibt ja nach ihr bloß die tautologische Wahrheit der „obersten 
Wertregel" übrig: jene Gesamtwerte sind „gleich dem Nutzen, den 
sie bieten, analog wie bei der Schätzung der Güter, die überhaupt 
nur in einem einzigen Exemplare verfügbar sind", v. Böhm-Bawerk 
sagt, es treffe da „der Gesamtnutzen des Vorrats schlechthin mit 
seinem Grenznutzen zusammen". Es liege aber „nicht etwa eine 
Ausnahme vom Gesetze des Grenznutzens vor", sondern es fehle ihm 
nur wegen der Enge des Tatbestandes gleichsam (?) der Spielraum 
für seine (?) charakteristische Entfaltung" — geradeso wie das 
Primogeniturgesetz keine Ausnahme erleide, wenn einmal der 
einzig geborene Sohn in die Rechte seines Vaters nachfolge. — 
Ich kann diese Dialektik nicht gelten lassen. Es ist richtig, daß 
sich der „Grenznutzen" im Falle der Gesamteinheiten nicht „ent- 
falten" kann, aber das kommt nicht von der „Enge", sondern von 
der Weite des Tatbestandes und von der Enge des Grenznutzen^ 
gedankens, der ihn erklären will. 

Aber selbst dort, wo es sich nicht um Gesamteinheiten, sondern 
um kleinere oder größere Einzelmassen von Gütern handelt, scheitert 
„im praktischen Leben" 'der Fortfallgedanke und mit ihm die Grenz- 
nutzenbetrachtung an der Unbestimmtheit und Zufälligkeit der 
Werteinheiten. Aus der „Resultante" welcher Einzelaktionen soll 
sich denn eigentlich der Preis ergeben, z. B. der des Kaffees? Soll 
der „Weltkaffeepreis" sich nach den Gewohnheiten der kaufenden 
Hausfrauen gestalten, je nachdem es ihnen gefallt, das Lieblings- 
getränk in mehr großen oder mehr kleinen Quantitäten einzukaufen ? 
Wie ich schon S. K. 246, 248, 260 ausführte, ist der größte Vorwurf 
gegen die Grenznutzenlehre der, daß sie nur einzelne wirtschaftliche 
Akte und Beziehungen tor so mäßig nicht nur aus dem Plane der 
einheitlichen Wirtschaft des volkswirtschaftlichen Gesamtorganis- 
mus, sondern auch aus dem Plane der Einzelwirtschaft heraus- 
reißt, während doch in einer konstanten und stetigen Wirtschaft 
auch nur konstante und stetige Größenmaße nütze sein können.. 
Bloße „Augenblicksrelationen" im Geiste der Menschen, deren 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 163 

„Interesse beweglich wie die Wolken um die Berge schwankt" 
(Wieser), können unmöglich die „Resultante" für sozialorganisch 
bedingte Wertgesetze abgeben. 

Geradezu verhängnisvoll für die Grenznutzenlehre ist aber 
nun die Art, wie sie sich mit der Erklärung des Bestim- 
mungsgrundes : „subjektiver Wert der Ware" auf der Seite der 
Verkäufer abfindet. Es ist auch ganz erklärlich, daß sie 
hier versagen muß, weil sie eine Lehre vom subjektiven Ge- 
brauchswert ist, von einem solchen im eigentlichen Sinne aber 
beim Produzenten und Verkäufer eines Gutes nicht gesprochen wer- 
den kann. Beide wollen es ja gerade nicht „gebrauchen", sie 
wollen es so schnell wie möglich loswerden, es ist für sie traurig, 
wenn sie unabsetzbare Ladenhüter selbst verbrauchen müssen. Wenn 
v. Böhm-Bawerk es nur als eine „beachtungswerte Besonderheit" 
bezeichnet, daß heute „die meisten Verkäufe durch berufsmäßige 
Produzenten und Händler stattfinden, die von ihrer Ware einen für 
ihre persönlichen Bedürfnisse ganz unverwendbaren Ueberfluß (!!) 
besitzen", infolgedessen „für sie der subjektive Verbrauchswert 
meistens ganz nahe an Null" stehe, so mag das von dem Gesichts- 
kreis des Subjektivismus aus als eine „Besonderheit" scheinen, für 
eine Erklärung der sozialen Wirklichkeit ist es das nicht, es ist 
die Regel. Mit der Ueberschußproduktion hat es heute bei 
dem Hineinwachsen der „autarkischen" Einzelwirtschaften in eine 
„sozusagen anarchische Bedürfnisbefriedigung" gründlich sein 
Ende, wie uns dies kürzlich v. Zwiedineck a. a. 0., S. 81 und 101, 
sehr anschaulich geschildert hat. Das sollte eine „moderne" Wert- 
lehre mehr berücksichtigen ! Bei „normalen" Produktions- und Ab- 
satzverhältnissen, von denen doch v. Böhm-Bawerk S. 406 selbst 
spricht, wird der Preis nur „außer der vollen Kostendeckung noch 
einen Geschäftsgewinn einbringen". Er hat für den Verkäufer nur 
diese Bestimmung, und hier hätte die Wertlehre einsetzen müssen: 
Kosten und Geschäftsgewinn, das sind die Wertgrößen, von 
deren Erlangung auf die Dauer der Gang der Volkswirtschaft ab- 
hängt. Wir werden später sehen, wie das die „Objektivisten" viel 
besser verstanden haben, welche Bedeutung andererseits aber auch 
den subjektiven Wertschätzungen der Individuen für die Preisbe- 
stimmung auch auf der Angebotsseite verbleibt. Für die Grenz- 
nutzenlehre dagegen fällt jene ganze Seite der Betrachtung aus: 
„Das Preisgesetz erfährt für die im ausgebildeten großen Markt- 
verkehr zustande kommenden Preise eine große Vereinfachung (!) 
...es fallen die Wertschätzungen der Verkäufer aus dem ge- 
schilderten Grunde ganz (!) fort," man kann „für den großen volks- 
wirtschaftlichen Marktverkehr mit ausreichender Genauigkeit be- 
haupten, daß der Marktpreis bestimmt (!) wird durch die 
Schätzungsziffer des letzten Käufers". Des „letzten"; 
denn weil die Käufer sehr zahlreich sind, so „verengt sich die Zone, 

11* 



154 Rudolf Stolzmann, 

die von der Schätzungsziffer des letzten Käufers und jener des ersten 
ausgeschlossenen Bewerbers begrenzt wird, fast auf einen Punkt". 

So kann sich denn auch der vorgeführte Typus der Preis- 
bildung, genau wie der des Elementarfalls, in der Wirklichkeit 
nicht „entfalten". Die Lehre wird auf die Bestimmung des Preises 
durch den letzten Käufer, den „Grenzkonsumenten" zurückgedrängt 
und gelangt so allerdings zu einer richtigen Tatsache des Lebens, 
aber nicht zu ihrer Erklärung. Woher dieser „letzte Käufer"? 
Das bleibt das ungelöste Bätsei. Und woher kennt ihn der „Händ- 
ler", der heute doch die Verbindung zwischen Produzenten und Kon- 
sumenten vermittelt? v. Böhm-Bawerk sagt, er vertrete letztere 
nur, er sei gewissermaßen nur der negotiorum gestor seiner — 
vielfach (?) unbekannten — Klienten, deren Bedarfsverhältnisse 
entscheidend seien. Deren?, ich denke, doch nur die des Grenzkäufers ? 
Wie soll es dann aber „schlechterdings keinen Unterschied machen, 
ob ein Händler für 500 Kunden eines anderen Marktes auf eigenes 
Risiko 500 Stück einer Ware zu 40 fi. aus dem Markte nimmt, 
oder ob ihn jene 500 Kunden direkt und ausdrücklich beauftragt 
haben, 500 Stück zu 40 fl. für ihre Rechnung zu kaufen"? Will man 
den Händler mit einem „Geschäftsführer ohne Auftrag" vergleichen, 
so kann er es nur im höheren Sinne, der den Punktionen des Handels 
mehr gerecht wird, sein, im Sinne eines Beauftragten im sozialen 
Auftrage, er ist der richtig kalkulierende Exekutor des objektiv 
sozialen Wirtschaftsplanes, dessen richtig verstandenes Zweckge- 
füge erst die Grenzgröße des entscheidenden letzten Kaufers ergibt. 

Dieser Mangel jeder sozialorganisch gerichteten Denkweise 
wird endlich vollends bei der Bestimmung „des subjektiven (!) 
Wertes des Preisgutes", also praktisch: des Geldes, verhängnisvoll. 
Es hängt nämlich nach v. Böhm-Bawerk selbst der subjektive Wert 
des Geldes „vom gesamten Versorgungszustande der betreffenden Per- 
sonen ab", praktisch also heute vom Geldeinkommen, von der „Kauf- 
kraft" ; der Wert der Geldeinheit wird also . . . für den Reicheren 
kleiner, für den Aermeren größer sein". Er hat danach nur sub- 
jektiven Tauschwert, der aber wie jeder solcher Tauschwert eine 
hibrida, ein nichtssagender Zwitterbegriff ist, ein Gemisch subjek- 
tiver und objektiver Momente. Er ist aufgeschobener Gebrauchs- 
wert, und dieser hängt erst wieder davon ab, welche Güter ich auf 
dem sozialen Markte dafür erstehen kann, setzt also den „Preis" 
voraus, den er doch mit bestimmen soll. — Bei der Zergliede- 
rung des „subjektiven Wertes des Preisgutes für die Verkaufs - 
lustigen" gesteht v. Böhm-Bawerk hier alles Wünschenswerte 
auch selbst zu, er wird beinahe „Objektivist", indem er der „ob- 
jektiven Tauschkraft ... des Geldes" gerecht wird: bei den 
geschäftlichen Verkäufen der Unternehmer geht der Gelderlös regel- 
mäßig „nicht in ihren Haushaltungskonsum" über, der Unternehmer 
kalkuliert : Geld gegen Geld. Es „ist für den Preiskalkül belanglos", 
„ob die Einheit dieses durchlaufenden (!) Geldes, falls dasselbe im 
Bedürfniskonsum verwendet würde, dort einen hohen oder einen 




Die Kritik des Subjektivismus an der Hand ner sozialorganischen Methode. Iß5 

niedrigen Geldnutzen stiften würde". Als „durchlaufende Post" 
ist er aber objektiv sozialen Ursprungs, die subjektive Wertlehre 
versagt: „In der geschilderten kasuistischen Konstellation (?!) schal- 
tet sich der Einfluß des . . . subjektiven Tauschwertes . . aus." 
Er „lebt nur wieder auf" bei einer „Störung im' regulären Kreislauf 
des Geschäftsbetriebes", bei Bankrotten, „Notverkäufen und allge- 
mein in Krisenzeiten". 

Dahin also flüchtet der „Grenznutzen", der angebliche „Ke- 
gierer". Ich denke nun, daß auch der Käufer das Geld als eine 
nur „durchlaufende Post" im Sinne meiner Ausführungen ansieht, der 
Geldwert ist nicht subjektiv, sondern sozial. Ich habe schon „Soz. 
Kat.", S. 285 ff., die ganze Unzulänglichkeit der subjektiven Geld- 
wertung (gegen Wieser) eingehend dargelegt, und ich freue mich, 
daß jetzt v. Zwiedineck darauf hinweist, wie unbefriedigend heute 
immer noch angesehenste Geldtheoretiker mit dem „Grenznutzen des 
Geldes" operieren, wie er denn auch so trefflich als das ungelöste 
„Kardinal problem" der rein subjektivistischen Preiserklärung die 
„Umsetzung der Gebrauchswerte in eine Geldziffervorstellung" be- 
zeichnet (Zw. a. a. 0., S. 603—609, Jahresband 1908 u. S. 85 ff. 
1909). Es ist erfreulich, daß jetzt auch v. Böhm-Bawerk die „sehr 
guten und feinen Beobachtungen" v. Wiesers lobt, die er neuerdings 
über das „Zurücktreten der persönlichen (!) Schätzung des Geld- 
wertes im geschäftlichen Kalkül" gemacht hat (v. Böhm-Bawerk 
S. 411), nur daß v. Böhm-Bawerk, wie wir sahen, dort nur eine 
„kasuistische Besonderheit" wahrnimmt, wo es sich um ein grund- 
sätzliches Versagen der Grenznutzenlehre handelt. 

Alle diese „Ausnahmen", Besonderheiten, kasuistischen Kom- 
plikationen, Verwicklungen, mangelhaften „Entfaltungen", des ato- 
mistisch individualistischen Grenzmitzengesetzes müssen sich nun 
ins Ungemessene mehren, wenn der Elementarfall und die Ergebnisse 
des Preisbildungstypus stufenweise auf die sozialen Verhältnisse 
übertragen werden sollen. Ich gehe in der Reihenfolge vor, in der 
v. Böhm-Bawerk und v. Wieser diese „Komplikationen" behandeln. 
Es sind drei solcher und zwar 1) die Komplikationen, die „die Mög- 
lichkeit des Tausches", 2) diejenigen, die sich durch die Möglichkeit 
ergibt, „benötigte Ersatzexemplare rechtzeitig durch Produktion her- 
zustellen", wobei es sich 3) zuträgt, daß verschiedene Arten von 
Kostengütern zur Produktion erforderlich sind. Die Komplikation 
zu 1) führt zur Notwendigkeit, die „Wertgröße beliebig käuflicher 
Güter" zu bestimmen, die zu 2) führt zum „Kostengesetz"; die 
zu 3) zum Gesetze des „Wertes der komplementären Güter", zu 
vgl. v. Böhm-Bawerk S. 253, 263—265. 

4. Die „Komplikationen" des subjektivistischen Preisgesetzes, 
zunächst die für „beliebig käufliche Güter". 

Der Komplikation zu 1) — ich darf wohl hinzusetzen: auch 
der anderen „ganz ähnlichen" — kommt nun nach v. Böhm-Bawerk 



166 Rudolf Stolzmann, 

„für unsere durch hochentwickelten Tauschverkehr ausgezeichnete 
Wirtschaftspraxis eine außerordentliche Tragweite zu". „Ich möchte", 
sagt v. Böhm-Bawerk S. 264, „glauben, daß die Mehrzahl der sub- 
jektiven Wertschätzungen, die überhaupt vollzogen werden, auf ihren 
Anteil fällt."*) Ich gehe noch weiter, ich meine, daß die große 
Masse der Güter, die einen Marktpreis haben und deren Preisbe- 
stimmung doch das Hauptproblem des Preisgesetzes ausmacht, grund- 
sätzlich nicht nach ihrem „subjektiven Gebrauchswerte" geschätzt 
wird. \ 

Wir werden das näher sehen, wenn wir die einzelnen „Kompli- 
kationsfälle" betrachten, zunächst also den Fall der Wertbestim- 
mung „beliebig käuflicher Güter". Hier wird man, sagt v. Böhm- 
Bawerk, den Ausfall eines Exemplars in aller Regel (nicht wie im 
Elementarfall, wo wenigstens ein Gut derselben Gattung zum Ersatz 
herangezogen wurde) auf eine ganz fremde Gütergattung wälzen, der 
Verlust trifft den Grenznutzen der vertretenden fremden Güter, nach 
diesem bemißt sich der Wert des zu schätzenden Gutes: 

„Ein Beispiel. Ich habe einen einzigen Winterrock. Er wird mir ge- 
stohlen." Je nach meinem Einkommen, „werde ich wahrscheinlich die (!) 
40 fl., die der neue Winterrock etwa kosten mag, aus meinem Kassen vor rat ( !) 
entnehmen" und dafür eine andere größere oder kleinere Bedürfnisbefriedigung 
entbehren müssen, also etwa eine Luxusausgabe weniger bestreiten können, mich 
einschränken, Sachen des Haushalts verkaufen oder versetzen und nur, wenn 
ich das alles aus Armut nicht kann, mich schlecht und recht ohne Winterrock 
behelfen. „Nur im letzten Fall wird also der Wert des Winterrocks bestimmt 
durch den unmittelbaren Grenznutzen der eigenen Gattung; in allen anderen 
Fällen durch den Grenznutzen fremder Güter- und Bedürfnisgattungen." 

v. Böhm-Bawerk hat die Bedenken gegen diese Gedankengänge 
selbst herausgefunden, ihnen aber, wie er glaubt, die Spitze abge- 
brochen. Die Bedenken liegen, wie er sagt, in einem scheinbaren 
Zirkelschluß. Er bestehe darin, daß der Preis des Winterrockes 
— 40 fl. — als eine fertig gegebene Größe behandelt und so der 
subjektive Wert aus dem Preisstande, dann aber der Preisstand 
wieder aus dem subjektiven Wert erklärt wird (Note S. 266). 
v. Böhm-Bawerk glaubt diesen Vorwurf nun in der Preislehre 
S. 397 ff. „bis auf den Grund" entkräftet zu haben : „Es liegt kein 
Zirkel vor. Und zwar deshalb nicht, weil die Schätzung nach „An- 
schaffungskosten" nicht unbedingt und ausnahmslos, sondern nur 

1) „Dieser Satz", sagt v. Böhm-Bawerk S. 264, Note 1, „hat Stolzmann nicht von 
der Behauptung abgehalten, daß ich den ,RegelfalF, den doch ,der gleiche Wert un- 
gleichartiger Güter' bzw. die Schätzung nach Substitutionsnutzen darstelle, ,zur Aus- 
nahme stemple' (Zweck S. 722 ff.)". Hier liegt wohl ein Mißverständnis vor. Ich 
billige gerade v. Böhm-Bawerks obigen Satz von der numerischen Ueberlegenheit 
dieser Fälle. Meine Dialektik gipfelt darin, daß dieser wahre Satz in argem Kon- 
trast damit stehe, daß der Elementarfall die „alles erleuchtende" Regel des Grenz- 
nutzens ergebe, „Regel" hier nicht im äußerlichen numerischen, sondern im innerlich 
theoretisch-systematischen, heuristischen Sinne, ganz in dem „Sprachgebrauche", dessen 
sich von Böhm-Bawerk selbst an anderen Stellen, so etwa S. 257 Abs. 3 („Ausnahme"- 
„Regel") befleißigt. Was ich sachlich meine, ist doch wohl klar. Wozu der Wort- 
streit? Wozu die lange Polemik in der Note 1, die schließlich in persönliche Bemer- 
kungen ausläuft? 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 167 

unter gewissen Voraussetzungen gehandhabt wird, und weil sie 
wegen Mangels dieser Voraussetzungen gerade auf dem Markte selbst 
nicht gehandhabt wird". Der Winterrockverlierer baue seine Wert- 
schätzung (40 fl.) nur auf eine vorläufige Voraussetzung, auf eine 
bloße Vermutung auf, die nur „eine Art psychologischer Zwischen- 
etappe, aber niemals die endgültige Kichtschnur" „unseres Verhal- 
tens auf demjenigen Markte bilde, auf dem diese Vermutung reali- 
siert werden will". Erhält er auf diesem den Rock nicht um den 
erwarteten Preis, so würde er deshalb nicht frieren und vielleicht 
erkranken wollen; er „wird also — und dies ist das Ergebnis, auf 
das es für unsere Preistheorie ankommt — zur Bildung der Preis- 
resultante nicht nach Maßgabe des niedrigeren, auf die Voraus- 
setzung eines bestimmten Marktpreises aufgebauten mittelbaren, 
sondern nach Maßgabe des höheren unmittelbaren Grenznutzens 
beitragen". 

Also doch aber des Grenznutzens des Winterrockes! 
v. Böhm-Bawerk scheint aber an dieser Stelle ganz außer acht zu 
lassen, daß er oben (S. 263) den Wert des Winterrockes erst durch 
den subjektiven Wert, den „Substitutionsnutzen" des fremden Er- 
satzgutes bestimmen läßt. Woher bestimmt sich der letztere, 
wie trägt also dieser zur Resultantenbildung bei? Das war das 
thema probandi! Hier liegt die Schwierigkeit und die zu behan- 
delnde „Verwicklung". Es fällt auf, daß v. Böhm-Bawerk hierüber 
hinfortgeht, während er sie früher, so 1886 in den „Grundzügen", 
a. a. 0. S. 515 ff., sehr wohl behandelt hat. Ob freilich mit Erfolg? 
Er nennt es dort eine „ernste theoretische Schwierigkeit", daß sich 
„der Bestimmungsgrund: subjektiver Wert der Ware für den Käufer 
unter der Hand in zwei Elemente aufzulösen droht, von denen das 
eine — die Versorgungsverhältnisse in fremden Bedürfnis- und 
Gütergattungen — dem zu schätzenden Gute ganz fremdartig ist, 
während das zweite — noch fatalerer Weise — mit dem Marktpreis, 
den es zu erklären helfen soll, identisch ist". Es kommt hiernach 
doch nicht bloß auf den Wert des Winterrockes, auf dessen Zirkel- 
erklärung sich die obige „volle Aufklärung" beschränkt und zurück- 
zieht, sondern vor allem auf den ausschlaggebenden (!) Wert der 
Ersatzgüter an, der jenen erst, als „Substitutionswert", bestimmen 
soll. 

Wie ist diese neue Unbekannte in der Wertgleichung zu finden? 
Doch auch nicht ohne den Marktpreis der Ersatzgüter, also nicht 
ohne einen weiteren Zirkel in der Erklärung! Denn, wieviel ich 
durch den Fortfall des Ersatzgutes, das doch ebenfalls Marktgut ist, 
verliere, kann ich nur berechnen, wenn ich zuvor dessen Markt- 
preis weiß, dem ja doch der „Marktpreis (für den Winterrock) ab- 
geknappt wird", oder in anderem Ausdruck, da wir den verlorenen 
Winterrock „nach dem Grenznutzen schätzen, den der aufzubrin- 
gende Kaufpreis von 40 fl. für uns hat": diesen Grenznutzen. Wie 
aber finde ich diesen? Nach v. Böhm-Bawerk durch die Lücke, 
welche die zu zahlenden 40 fl. in meinem Einkommen bzw. in 



168 Rudolf Stolzmann, 

„meinem Kassen vorrat" reißen. Welche Lücke ist das? Das richtet 
sich, kann sich nur richten nach dem Preis, den das Ersatzgut 
irgendwelcher anderer Ersatzgüter hat, unter denen sich vielleicht 
gar wieder der unglückselige Winterrock befindet. Der passe-partöut 
führt wieder einmal nicht zum Ziele. Ich muß, um dem Zirkel zu 
entrinnen, erst vorher den Marktpreis sämtlicher in Betracht 
kommender Güter, einschließlich des Winterrockes, wissen, wenn 
ich herausbekommen will, wieviel „Grenznutzen" durch die große 
oder kleine Revolution angerichtet wird, die ein verlorener Winter- 
überzieher ultimately anrichtet. Seinen subjektiven Wert (bei nicht 
gestörtem Besitz- und JSinkommensstande), d. h. die geeignete Grund- 
lage einer Resultantenbildung für den Marktpreis, weiß ich dadurch 
noch lange nicht, nämlich für den Marktpreis, der sich im regulären 
Gange des volkswirtschaftlichen Organismus nach der Schwerkraft 
der in ihm wirksamen sozialen Bedingungen ergeben muß. Der auf 
dem Fortfallgedanken aufgebaute „Grenznutzen" bleibt ein — viel- 
leicht interessantes — euriosum für individualistische Sonderfalle — 
sowohl bei eintretendem .Verlust von Vermögensbestandteilen als 
auch vielleicht bei plötzlichem oder, was, wie wir oben sahen, nur 
eine dialektische Antithese ist, bei allmählichem Vermögenszuwachs. 
Nur für solche Fälle können wir diese Art „Grenznutzen" an- 
erkennen, und es will das wenig mit dem abschließenden Resümee 
v. Böhm-Bawerks, S. 265, harmonieren: „Es zeigt eben durch alle 
Verwicklungen hindurch jederzeit der kleinste Nutzen, der un- 
mittelbar oder mittelbar an einem Gute hängt, den wahren Grenz- 
nutzen und (?!) den Wert desselben an". Nicht der Grenznutzen 
hat den Marktpreis „erklärt", sondern die Marktpreise ergeben den 
„Grenznutzen", den ich unter außerordentlichen Umständen verliere 
oder gewinne. 

Was ich sonst schon gegen den Fortfallgedanken und auch be- 
sonders oben hinsichtlich des ungelösten „Kardinalproblems" (Um- 
setzen der Gebrauchswerte in eine Geldziffervorstellung) ausgeführt 
habe, trifft natürlich auch für diesen Fall zu. Im übrigen kann ich 
auf meine viel eingehenderen Ausführungen in der Soz. K. und ver- 
vollständigt im Zweck S. 722—729 verweisen. Ich führte dort 
ganz ähnlich wie v.Zwiedeneck — zusammenfassend aus: Subjektive 
Nutzenbetrachtung, Grenznutzen, Substitutionen u. dgl. auf der 
einen Seite, objektiver Wert, Marktpreis der Güter, Wert des 
Geldes (die 40 fl. !) sind nicht aneinander meßbar, sie sind hetero- 
gen, sie kommen wie Hero und Leander nicht zueinander, ihre 
Messung gegeneinander bleibt ein Quidproquo von „Preis" und 
„subjektivem Gebrauchswert". Es müssen doch wohl schließlich 
objektive, d. h. von den „Einzelschätzungen" unabhängige Be- 
dingungen sein, in deren Rahmen sich jene erst abspielen, und 
die so erst den organischen Zusammenhang nicht bloß zwischen den 
internen Schätzungen innerhalb derselben Wirtschaft, sondern auch 
die soziale Brücke zwischen Wirtschaft und Wirtschaft, zwischen 
Konsumenten und Produzenten, zwischen der Nachfrage und dem 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. IßQ 

Angebot herstellen. Die „alten" Schulen suchten und fanden die 
Brücke direkt in den Kosten, während „die Neuen" sich erst ab- 
mühen müssen, mit ihrem subjektiven „Erklärungswerkzeug" auf 
Umwegen bis zu den objektiven Elementen vorzudringen. Wir 
müssen und wollen ihnen auf diesem dornigen Wege folgen; denn 
in der Kostenwertlehre gipfelt der Kampf zwischen Objektivismus 
und Subjektivismus. Wir sind damit an dem entscheidenden Punkte 
unseres Themas angelangt. Wir wollen deshalb hier abbrechen mit 
der Kritik der Lehre vom Werte der fertigen Genußmittel, der — 
wie der Ausdruck lautet — zunächst „unabhängig von der Pro- 
duktion" abgeleitet wird. Mit dem Anerkenntnis der Tatsache, 
daß es die Kosten sind, die den Wert der allermeisten Güter von 
ihrem Grenznutzen abziehen, verliert ja eigentlich die ganze Lehre 
vom Wert und Preis der fertigen Genußgüter ihr praktisches Inter- 
esse, und es könnte daher, wie ich „Zweck" S. 729 sagte, für die 
Grenznutzenlehre und für ihre Kritiker unnötig erscheinen, sich 
mit der Betrachtung der Austauschverhältnisse jener Güter so lange 
aufgehalten zu haben. Diesem Vorwurfe tritt v. Böhm-Bawerk 
nun S. 268 damit entgegen: „das ,später' in der Darstellung be- 
deutet . . . keinerlei ,zuspät' für den Inhalt der Lehre", es beruhe 
auf Gründen didaktisch-methodischer Art. Wir wollen prüfen, ob 
sich diese Sache wirklich so verhält, oder ob nicht vielleicht doch 
das zeitliche posterius auch auf ein begriffliches posterius, nicht 
auf ein Spätkommen, sondern auf ein Versagen der Lehre hinaus- 
läuft. 

5. Die „Kosten" in der subjektivistischen Preislehre. 

Wir sahen, einen wie hohen Grad der Beeinflussung des Güter- 
werts in der Wirklichkeit des Lebens v. Wieser den objektiven 
Bedingungen des Güterdaseins zugestehen mußte. Aber, meint er, 
es bleiben trotzdem die „Impulse" der Schätzungen subjektive und 
„erweisen damit (!) die Subjektivität des Ursprungs und Wesen 
des Wertes" (Nat. W. S. 178). Hecht subjektiv-naiv führt dann 
y. Böhm-Bawerk S. 265 die „Kosten" durch folgende Erwägung 
in die Betrachtung ein : „Ganz ähnliche kasuistische Komplikationen, 
wie durch die Möglichkeit des Tausches, können (!) auch (!) da- 
durch hervorgerufen werden, daß man (!) imstande ist, benötigte 
Ersatzexemplare ( !) rechtzeitig durch Produktion herzustellen." Wie 
wenig auch v. Wieser dem ursprünglichen und ureigenen Wesen 
der Kosten nahe kommt, ergibt sich schon aus der Definition, die 
er von ihnen gibt. „Kosten", sagt er, „sind Produktivgüter, 
wenn dieselben bei einer einzelnen Widmung um ihrer ander- 
weitigen ( !) Verwendbarkeit willen als Aufwand eingesetzt werden", 
was Dietzel dann zu der Behauptung erweitert : „Kosten ist gleich- 
bedeutend mit Nutzeneinbuße", „Kosten ist ja nur ein kurzes 
Wort für Nutzeneinbuße", das ist, führte ich Zw. S. 703 aus, keine 
Erklärung der Kosten mehr, das ist ihre begriffliche Vernichtung, 



170 Rudolf Stolzmann, 

die gänzliche Ueberwucherung der Kosten — durch die Nutzen- 
betrachtung ! 

Die Grenznutzenlehre geht wie überall auch in der Ableitung 
des „Kostengesetzes" von der Einzelwirtschaft aus. Wir charak- 
terisierten das Gesetz schon oben S. 153 in Kürze. Einen ausführ- 
lichen Auszug aus der Lehre findet der Leser in meinem „Zweck", 
S. 688—694. 

Die Definition, die v. Böhm-Bawerk (S. 296) gibt, setzt für „Produktiv- 
guter" den Begriff „Produktivmittelgruppen" ein, um vorläufig über die Tat- 
sache fortzukommen, daß jedes Genußgut aus einer Reihe verschiedener 
Produktivgüter (Arbeit, Boden etc.) hervorgeht. Die Definition lautet : „Der 
Wert der Produktivmitteleinheit (Produktivmittelgruppe) richtet sich nach dem 
Grenznutzen und Werte desjenigen Produktes, welches unter allen, zu deren 
Erzeugung die Produktivmitteleinheit wirtschaftlicherweise hätte verwendet wer- 
den dürfen, den geringsten Grenznutzen besitzt", mit anderen Worten nach 
dem Werte des „Grenzproduktes", d. h. des Produkts, „dessen Grenznutzen der 
kleinste ist". Das führt dann aber zu der Folge, daß auch der Wert der 
anderen, aus der gleichen Produktivmittelgruppe gemeinsam hervorgegangenen, 
also der sog. „produktionsverwandten" Genußgüter, sich dem Werte ihrer 
Produktivmittel anpassen muß : „die prinzipielle Identität von ,Wert' 
und ,Kosten' trifft daher auch bei ihnen zu." Nur das Grenzprodukt be- 
stimmt den Wert seiner Kosten, die anderen produktionsverwandten Güter 
müssen sich umgekehrt an den Wert des Produktionsmittels akkomodieren, „in 
letzter Linie freilich nur an den Wert eines anderen, des Grenzprodukts; 
aber in erster Linie auch an den Wert des Produktionsmittels, aus dem es 
hervorgeht, und welches die Substitutions Verbindung ( !) mit dem Grenzprodukt 
vermittelt. Die Wertleitung vollzieht sich hier gleichsam in gebrochener Linie. 
Erst gehfc sie vom Grenzprodukt zum Produktivmittel, fixiert dessen Wert, 
und steigt dann in umgekehrter Richtung wieder empor zu den anderen Pro- 
dukten, die aus ihm hergestellt werden können. . . . Wie der Mond das fremde 
Sonnenlicht auf die Erde, so reflektieren die vielseitigen Kostengüter den Wert, 
den sie von ihrem Grenzprodukt empfangen ( !), auf ihre anderen Produkte. 
Das Prinzip des Wertes liegt nie in ihnen, sondern außer ihnen im Grenznutzen 
der Produkte" 

„Und hiermit" (?), fährt v. Böhm-Bawerk fort, „liegt auch die 
ganze Wahrheit über das berühmte (!) Kostengesetz am Tage". 
Es ist nur eine „Abbreviatur", wenn wir den Wert der Produkte 
nach ihren Kosten bemessen. „Das Kostengesetz bildet nur einen 
Inzidenzfall ( !) des wahren, allgemeinen Gesetzes vom Grenznutzen". 
Es ist wieder der passe-partout des Eortfallgedankens, der dies 
alles erhärten soll: Denn, angenommen, es besitze jemand einen 
größeren Vorrat von Produktivmittelgruppen, mit denen man nach 
Belieben ein Genußgut der Gattung A mit einem Grenznutzen von 
100, oder ein solches der Gattung B mit einem solchen von 120, 
oder der Gattung C mit 200 herstellen kann, so werde man, wenn 
ein Exemplar der letzteren Gattung verloren geht, den Ausfall auf 
die Gattung A wälzen, von der man dann ein Exemplar weniger 
erzeugt, um „sofort" dafür ein neues Exemplar C herzustellen. 

Unsere Kritik kann sich zunächst an das früher Gesagte an- 
lehnen. Der wundeste Punkt ist das Eehlen einer brauchbaren 
Schätzungseinheit. Wenn v. Böhm-Bawerk immer von ausgefallenen 
„Exemplaren" spricht, so war dies vom eigenen Standpunkte des 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 171 

Grenznutzengesetzes eine unzulässige „Materialisierung", „Objek- 
tivierung" des Wertes. Denn, wie uns Wieser belehrt, kommt es 
ja lediglich immer auf die augenblickliche, durch eine vor- 
zunehmende Geschäftsaktion (Kauf, Tausch etc.) bedingte Lage der 
Wirtschaft an, die „im Geiste desjenigen, der sie führt, Reihen 
von gleichartigen und gleichgroßen, weil auf gleichartige und gleich 
große Objekte oder Mittel oder Akte mit gleicher Intensität ge- 
richtete Strömungen des Interesses erzeugt". Mit diesem Schwanken 
der Genußgütereinheit müßte dann aber auch die Größe der sie 
erzeugenden Produktivmitteleinheit schwanken, deren „Bild" sie 
ja nur ist. Und nun soll sich dieses wolkenhaft veränderliche 
Augenblicksergebnis gar auf die „Resultantenbildung" für den großen 
Markt der konstanten Volkswirtschaft übertragen, deren Preisgesetze 
das „Erklärungsziel" bilden! Der Gedanke ist gar nicht auszu- 
denken, wie sich zu diesen unzähligen höchst persönlichen Augen- 
blickserwägungen der Marktgänger immer auch die erforderlichen 
Produktivmittel gruppen finden sollen. Eine arge Zumutung an die 
Produktionstechnik und an die doch erforderliche Planmäßigkeit 
der konstanten Privat- und Volkswirtschaft! Wie ist es auch nur 
denkbar, auf welche Weise der Wirtschafter im Falle des Ver- 
lustes eines Exemplars der Gattung C „sofort (!) aus einer Pro- 
duktivmitteleinheit ... ein neues Exemplar C herstellen" kann, da 
man doch als Regel voraussetzen muß, daß der Wirtschaftsplan 
auf die Erzeugung der drei Produkte A, B, C eingerichtet war, 
daß A und B also ebenfalls genau wie C schon erzeugt daliegen, 
die Produktivgüter also schon verbraucht sind? (Soz. K. S. 274). 

Woher aber ferner der alles andere „bestimmende" Wert des 
Grenzproduktes? v. Böhm-Bawerk antwortet: Das „wissen wir 
schon: es ist sein Grenznutzen". Wie wenig dieses „Wißtum" 
einen bezifferbaren und deshalb zur Erklärung des „Preises" irgend- 
wie brauchbaren „Wert" ergibt, ist uns von oben S. 153 vollauf 
bekannt. Was wir dagegen wissen, ist: die Grenznutzenlehre hat 
den besten Teil ihrer Erklärung der objektiven Tatsache ent- 
nommen, daß die produktionsverwandten Güter nur „allotropische 
Modifikationen" desselben Grundelements darstellen. Sie sind, wie 
Wieser einleuchtend ausführt, gewissermaßen nur verschiedene 
Formen desselben gemeinschaftlichen Produktivgutes, sie sind 
gleichsam von einerlei Gattung: das Kostengesetz ist im Grunde 
nichts anderes als die allgemeine „Regel der Wertschätzung 
von Teilen eines gleichartigen Gütervorrats, nur in einer neuen 
und besonderen Fassung". Die Gleichheit der Kostenstücke er- 
gibt ganz von selbst auch die Wertgleichheit der ungleichen 
Produkte. Wir sind in unserer Bedürfnisbefriedigung letzthin 
in Wahrheit von jenen, den Kostengütern „abhängig". Es 
gilt auch hier: „Kämen Güter nicht in Vorräten gleicher Stücke 
vor, sondern immer nur individuell gestaltet, so könnte das Gesetz 
nicht gelten". Wozu also das ganze Gequäle des Fortfalls- und 
Substitutionsgedankens? Wozu diese Mondscheintheorie, wozu die 



172 Eudolf Stolzmann, 

gebrochenen Strahlen? Die gleiche Sonne scheint über alle Wirt- 
schaftsprodukte, gleiche Kosten entsprechen gleichem Werte. Nicht 
die wirtschaftlichen Tatsachen bedürfen jener krummlienig ge- 
wundenen Erklärung, sondern nur die Grenznutzentheorie, welche 
statt direkt in die Sonne zu schauen, nur den milden Mond betrachtet, 
ihre „gebrochene Linie" und ihre „Substitutionen" sind nur dialek- 
tische Hilfskonstruktionen, um das Prinzip des Grenznutzens auf- 
recht zu erhalten, welches aus der wahren Nutz Werttheorie wenig 
mehr als den bloßen Namen entlehnt hat (S. K. S. 273). 

Hiernach erledigt sich auch die neuerdings aufgeworfene Frage, ob, wie 
v. Böhm-Bawerk oben und v. Wieser (Ursprung, S. 147 ff.) meinen, die pro- 
duktionsverwandten Güter ungleich hohen Grenznutzen und Wert haben 
und dabei derjenige des geringwertigsten Produktes entscheide, oder: 
ob — nach Schumpeter — die Gütereinheit überall den gleichen Grenz- 
nutzen stifte, wenn anders — was doch das Rationelle — der Güterbesitz ein 
Maximum an Nutzen gewähren solle. Die Frage, der v. Böhm-Bawerk jetzt 
im „Exk.", VIII, S. 222 ff. eine sehr eingehende Erörterung widmet, ist nach 
dem Gesagten, jedenfalls für die Preisbildung, deshalb gegenstandslos, weil der 
Grenznutzen des geringwertigsten Produktes kein praktisches Wertmaß ergibt 
und deshalb noch viel weniger von einer Meßbarkeit „der" „Grenznutzen" 
der verschiedenen Verwendungen untereinander die Rede sein kann. Ueber einen 
bloßen Komparativ kommt man auch hier nicht hinaus : man weist die 
Kostengüter so in die Produktion ein, daß kein Bedürfnis eher befriedigt wird, 
bis nicht ein anderes wichtigeres seine Befriedigung gefunden hat. Die Be- 
zifferung der verschiedenen Bedürfnisintensitäten mit Zahlen (v. Böhm-Bawerk, 
S. 225) ist ein Unding. Es gibt keine abstrakte Bedürfnisskala, die vorab in 
den Lüften steht. Es ist immer nur, was so viele neuere Subjektivsten ver- 
kennen, eine konkrete Skala gegeben, die ihren Ausdruck und „Wert" in den 
Kosten hat, mit anderen Worten in bezifferten Teilen des Geldeinkommens, 
auf die man die Bedürfnisse projiziert. Das Wertmaß sind und bleiben die 
Kosten. Die allein zu entscheidende und für unser Thema wichtigste Frage 
ist nur die nach dem Wesen und Ursprung der „Kosten". Wer hat diese 
grundsätzlichste aller Fragen richtig gelöst : der Subjektivismus oder der Ob- 
jektivismus? Oder ist die Lösung von beiden verfehlt worden? 

6. Das Wesen und der Ursprung des Kostenbegriffs: 
Kausalität oder Teleologie? 

Der Prioritätsstreit zwischen Nutzen und Kosten hat sich 
bisher so gut wie ganz im Rahmen der Kausalitätsbetrachtung 
abgespielt, wenn man gleich gelegentlich anerkannte, daß es der Wert 
seinem Begriffe nach mit dem Zweck zu tun habe. Ich vertrete 
nun meinerseits die Ansicht, daß man den Streit um die Priorität 
von Nutzen und Kosten nicht eher entscheiden, ja auch nur den 
Status causae et controversiae nicht früher instruieren kann, ehe 
man nicht die methodische Vorfrage wegen der Priorität der Kausal- 
und der Zweckbetrachtung beantwortet hat. 

Die Wertlehre der Subjektivisten — von Menger an bis zu 
Liefmann — bleibt unentwegt im Kausalitätsgedanken verankert. 
Er gilt ihnen als der selbstverständliche Ausgangspunkt. So will 
auch v. Böhm-Bawerk, welcher der Prioritätsfrage jetzt, besonders 
im Exk. VIII, S. 235 ff, in dankenswerter Ausführlichkeit auf den 
Grund gegangen ist, nur untersuchen: „In welchem Sinne (!) kann 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 173 

man denn überhaupt einen einzelnen Umstand — sei es der „Grenz- 
nutzen" oder die „Kosten" — als die „Ursache" oder den letzten 
oder endgültigen Bestimmgrund des Güterwertes und seiner Größe 
nennen?" 

Er antwortet : „Es liegt auf der Hand, daß der ,Grenznutzen c sowohl als 
die ,Kosten' nur Mittelglieder" einer anderen noch weiter zurückliegenden 
Kausalkette sind, in der sich dann ganz besonders die Begriffspaare Bedarf und 
Deckung (Angebot und Nachfrage) oder mit anderen Worten, der Stand der 
Bedürfnisse einer- und der verfügbaren Produktivkräfte andererseits hervor- 
heben. Hinter ihnen wären dann aber vielleicht zahllose andere „koordinierte 
Bestimmgründe des Wertes" zu nennen, „fast ohne Ende". Er führt solche — 
auch hier ohne Unterscheidung der natürlichen und der sozialen Kategorien 

— in bunter Mischung auf : Technik, Bildung, Fruchtbarkeit — Organisationen, 
Rechts- und Eigentumsverhältnisse. Wenn man aus ihnen dennoch einen 
Umstand, den Grenznutzen oder die Kosten, nenne, so habe das „nur den 
Sinn, daß man ein besonders ausgezeichnetes Mittelglied der schier endlosen 
Kausalkette herausgreife . . ., in welcher die Wirkung ( !) aller der Bestimm- 
gründe sich zum letzten Male, gleichwie im Brennpunkte einer Sammellinse ver- 
einigt." Im Grenznutzen wie analog in den Kosten „haben wir die Wirkung 
aller der komplexen . . Umstände zum letzten Male einheitlich zusammen . 
Grenznutzen und Kosten „resultieren" „aus dem Verhältnis von Bedarf und 
Deckung", ihnen stehen sie daher allerdings in einer gewissen Parität gegenüber. 
Wie kann dann aber v. Böhm-Bawerk dennoch gegen Marshall polemisieren, 
von dem der vielberufene Satz herrührt : „Wir können uns ebenso ernsthaft 
darüber streiten, ob bei einer Scheere das obere oder das untere Blatt ein Stück 
Papier durchschneidet, oder ob der Wert vom Nutzen oder von den Produk- 
tionskosten bestimmt wird?" Und wie darf er Dietzel tadeln, der den Wert 
der Produktivgüter und der Genußgüter sich „wechselseitig" bedingen läßt? 
v. Böhm-Bawerk antwortet : Wohl haben Bedarf und Deckung „kausale Pari- 
tät", aber nicht „Grenznutzen" und „Kosten". Sie sind zwar beide „die ge- 
meinsame Folge einer und derselben dritten (bzw. vierten) Ursache, nämlich 
von Bedarf und Deckung. Aber innerhalb dieses primären gemeinsamen „kau- 
salen Verbandes" steht, wie etwa Sohn und Enkel trotz ihrer Abstammung von 
denselben Großeltern, der Wert der Produktivgüter nicht vor und nicht neben, 
sondern hinter dem Wert der Produkte. Und der Grund? Er liegt in einem 
„der einfachsten und unbestrittensten Gedanken unserer Wissenschaft, . . . daß 
die Menschen die Güter überhaupt nur als Mittel für ihre Zwecke ( !) schätzen", 
und „daß im Verhältnis von Mittel und Zweck der Zweck seine Wichtigkeit 
dem Mittel mitteilt, und nicht umgekehrt ; daß z. B. ein Schiffbrüchiger einen 
Schwimmgürtel hoch einschätzen werde, wenn und weil er sein Leben hoch ein- 
schätzt, und nicht umgekehrt. Die Herstellung der Produktivgüter sei nur 
Zwischenursache, nur nächster Zweck, Endzweck sei die Herstellung der 
Genußgüter, er sei die „Wertquelle", und weil der Wert der Genußgüter dieser 
Quelle näher stehe, habe er auch die „kausale (?) Vorhand". 

Man beachte dieses Umspringen aus der Kausalitäts- in die 
Zweckbetrachtung. Und eben darauf beruht doch auch das „Um- 
wenden" (Jahrbücher, 1892, S. 333), das er als einen Vorzug der 
Grenznutzenlehre bucht, und das darin bestehe, daß sie zur Ver- 
meidung des endlosen regressus — er sagt der Zirkelerklärung, 
der Charybdis der Kostenwertlehre, welche dahin führe, daß die 
Kosten immer wieder aus anderen Kosten erklärt werden müßten 

— den Wert der Kostengüter von vornherein durch den Wert ihrer 
Produkte bestimmen lasse. Dieses Umwenden und Umspringen 
bei Festhaltung des Kausalitätsprinzips halte ich nun für logisch 
unstatthaft. Auf seine Unzulässigkeit habe ich eingehend im 
„Zweck" z. B. S. 323 ff schon hingewiesen. Entweder muß ich bei 



174 Kudolf Stolzm ann, 

der Kausalbetrachtung streng stehen bleiben oder ich muß von 
Hause aus mit der Zweckbetrachtung einsetzen ; was ich aber nicht 
darf, das ist die nachträgliche Einstückelung der Zweck- in die 
Kausalbetrachtung. Ich darf nicht „Endzweck" und „kausale 
Vorhand", also zwei ganz verschiedene Kategorien zusammenwerfen. 
Ich darf nicht von der „kausalen bzw. (!) teleologischen Ver- 
knüpfung" reden. Böhm-Bawerk hat auch kein Recht, sich hierfür 
auf eine Stelle von Paulsens „Einleitung in die Philosophie", 1892, 
S. 224) zu berufen: „Jeder teleologische Zusammenhang (!) ist 
zugleich ein kausaler". Hätte v. Böhm-Bawerk eine neuere Auf- 
lage, etwa die mir vorliegende von 1907 eingesehen, so würde er 
vielleicht nicht zu diesem Mißverständnis gekommen sein. Paulsen 
meint mit dem kausalen Zusammenhang nur das, was man sonst 
auch psychologische Kausalität nennt, er will damit sagen, daß 
die Zweckidee ihrerseits wieder ein „durch assoziative Verbindung 
Verursachtes" ist (S. 240, 241). Aber Philosophen wie Logiker 
werden sich gegen die Zumutung wehren, daß sich aus dem Zu- 
sammenhang von Ursache und Zweck auch einfach eine Stellver- 
tretung beider Kategorien durcheinander rechtfertigen lasse. Ferner: 
Der „Zusammenhang" besteht in der Tatsache, daß der Zweck nur 
durch die Benutzung der kausalen Naturgesetze ausführbar ist, 
der Zweck enthält, wie man sagt, eine „umgekehrte Kausaifolge; 
aber dadurch wird doch nicht der Zweck zu einer causa. 

Wenn der Endzweck entscheidet, so muß der Wert der Pro- 
duktivgüter in einem Zuge mit dem Werte der Genußgüter aus 
diesem Zwecke abgeleitet werden, und es ist schon eine unzu- 
lässige Fragestellung v. Böhm-Bawerks, ob die eine Seite, 
der Wert der Produkte „kausalen" Vorrang habe, wie er meint, 
oder ob — nach Marschall — kausale Parität herrsche. Wenn 
v. Böhm-Bawerk S. 243 die „verfeinerte Problemstellung" so vor- 
nimmt: „daß das Kausalverhältnis (!) zwischen dem Wert der Pro- 
dukte einerseits und dem Wert der Produktivgüter andererseits 
zu erforschen sei", so ist zu erwidern, daß ein „Wert" — als 
Zweckbegriff — nicht causa eines Wertes sein kann, auch nicht 
Zwischen-causa, sondern nur Zwischenzweck, medium, Mittel ; ebenso- 
wenig wie man umgekehrt eine causa die Ursache eines Wertes 
nennen darf. Denn, wie v. Böhm-Bawerk so treffend hervorhebt, 
kann der Wert nicht produziert, nicht gewoben werden, wie ein 
Stück Leinewand. Der Zweck ist gedachter und gewollter Erfolg, 
also ein Gedankending, im Kopfe des Menschen zunächst. 

Aber, so wird mir v. Böhm-Bawerk einwenden, dies Gedanken- 
ding im Kopfe des Menschen, dieser „Zweck" wird ja doch zu 
einer causa, und zwar zu einer recht wirksamen, er wird zur 
causa finalis, zur „psychologischen Ursache", und meine ganze 
Polemik laufe auf ein müßiges Wortgeplänkel hinaus. Er könnte 
hinzufügen, daß man es im Ausdrucke des praktischen Lebens so- 
wohl wie in der Sprache der Logik, die auch von einer causa 
finalis (Zweckursache) rede, mit der Auseinanderhaltung der allge- 






Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. J75 

meineren Antithese „Grund — Folge" und ihrer Unterart „Ursache — 
Wirkung" nicht so genau nehmen. Die Replik dagegen liegt auf der 
Hand, und ich will hier auch gar nicht lange von der Richtigkeit des 
Begriffs der „psychologischen Kausalität" handeln, welche z. B. 
Stammler a.a.O. — jetzt 3. Auflage S.332 — 339 — mit treffenden 
Gründen verwirft. Mag man also ruhig einmal annehmen, daß 
die Grenznutzenlehre — und zwar von Hause aus — sachlich, 
ganz nach meinem Verlangen, mit dem Zwecke operiere, so würde 
sich die Streitfrage nur auf ein -anderes, und zwar viel tieferes 
Problem hinüberspielen, auf das Problem: Welcher „Zweck" 
kommt für die Nationalökonomie, für die Erklärung sozialer Wirk- 
lichkeit, in Betracht? 

Hier scheiden sich die Wege des „Subjektivismus" von denen 
der sozialorganischen Betrachtung für immer. Jener würde dann 
die Zwecke eines isoliert gedachten, dieser dagegen die des sozialen 
Individuums, als eines Gliedes der volkswirtschaftlichen Gemein- 
schaft zum Ausgangspunkt haben. Es handelt sich also um das 
alte große Problem vom Verhältnis des In di vi dual- zum Sozial- 
prinzip, dem seinerseits wiederum die tiefere erkenntnistheoreti- 
sche Präge nach dem Verhältnis und der Berechtigung der natur- 
wissenschaftlichen oder der sozialwissenschaftlichen Betrachtungs- 
weise zugrunde liegt. 

v. Böhm-Bawerk verteidigt und vertritt die erstere : „Alle Sach- 
güter", sagt er schon im Band I, S. 269, „nützen dem Menschen 
durch die Betätigung der Naturkräfte, welche in ihnen liegen . . . 
all ihr Wirken ... ist ein Wirken von Naturkräften nach Natur- 
gesetzen ... sie sind solche ausgezeichnete Gestaltungen der Ma- 
terie, welche eine Lenkung der in ihnen wohnenden Naturkräfte 
zum Vorteil des Menschen gestatten". Dem Einwände, „daß jene 
Auffassung eine naturwissenschaftliche und keine wirtschaftliche 
sei", begegnet er mit der Behauptung, daß „in diesen Fragen" „eben 
die Wirtschaftswissenschaft der Naturwissenschaft das Wort lassen 
muß. Der Grundsatz der Einheit aller Wissenschaft fordert dies . . . 
Der Erklärungsbereich der Wirtschaftswissenschaft ist eingebettet ( !) 
zwischen die Erklärungsbereiche der Psychologie einerseits und der 
Naturwissenschaften andererseits . . .". 

Bei sozialorganischer Betrachtung stellt sich die Sache um- 
gekehrt. Für sie ist die Naturwissenschaft nur eine Hilfswissen- 
schaft, die kausale, naturwissenschaftliche Betrachtung einschließ- 
lich der psychologischen ist „eingebettet" in die sozialökonomische. 
Nicht „innerhalb des Eahmens der Naturgesetze" vollzieht sich das 
Produzieren, Verteilen und Werten, sondern innerhalb des sozial- 
organischen, durch den Zweckplan der Volkswirtschaft bedingten 
Wertrahmens lenkt der Mensch die Naturkräfte, als deren beseelter 
Beherrscher, zu seinen Zwecken. Die Einheit der Nationalökonomie 
mit den anderen Wissenschaften ist nicht durch eine naturwissen- 
schaftliche Betrachtung gegeben, sie ist keine Natur-, sondern wie 
alle Gesellschaftswissenschaften eine Geistes-, eine Kulturwissen- 



176 Rudolf Stolzmann, 

schaft, eine Sozialwissenschaft, wie neuerdings Diehl in der Zeitschr. 
f. Rechtswissenschaft, diesjähriger Band, S. 305 ff., tiberzeugend 
betont hat. Das Individuum ist in die planmäßige Organisation des 
sozialen Körpers, seine Zwecke sind in die des letzteren eingebettet. 
Es kann seine Zwecke, die allerdings schließlich auf unmittel- 
bare Bedürfnisbefriedigung gehen, nur auf einem Umwege erreichen, 
nämlich innerhalb des großen Planes, der ihm seine Bolle zuweist. 
Die Wissenschaft, die Nationalökonomie, hat nichts anderes zu 
tun, als diesem Gange der zu erklärenden Dinge zu folgen. Erst 
so liefert sie uns ein Abbild der Wirklichkeit: Alle Wertung geht 
zwar von den Individuen aus, darin behält die Grenznutzenlehre 
und alle Theoretiker, die mit ihr die Analyse vom subjektiven 
Standpunkte aus beginnen, volles Eecht. Die große Frage bleibt 
nur, woher das Subjekt die Motive seiner Wertungen bezieht; 
„organisieren" diese von sich aus die Volkswirtschaft, entnehmen 
die „subjektiven" Wertschätzungen von innen her, aus den höchst- 
persönlichen Beziehungen der isoliert gedachten Binnenwirtschaft 
heraus, ihren autarkischen Ursprung, oder aber auch — und zwar 
im entscheidenden Punkte — aus den Zweckbeziehungen des sozialen 
Gefüges, das vor ihm da ist und ihm nur die Funktion eines 
Gliedes übrig läßt? (Zw. S. 756). 

Von Interesse ist hier die Stellung einiger neuerer Nationalöko- 
nomen zur Frage vom Verhältnis der subjektivistischen und sozial- 
organisch-objektiven Faktoren. Cassel — Tüb. Zeitschr., 1899, 
S. 395ff. — läßt die Preise durch ein „System von Gleichungen" be- 
stimmt werden, deren Koeffizienten sowohl die subjektiven wie die 
objektiven Faktoren darstellen, so daß man „von einem Vorrang der 
einen oder der anderen" überhaupt nicht sprechen könne. Natürlich, 
Gleichungen geben, wie oben ausgeführt, nur formale Wahrheiten, 
die Koeffizienten sind gleichwertige Quantitäten, sie sind Schemen, 
und Cassels eigene Aeußerung, S. 455, enthält die beste Selbstkritik 
für den anspruchsvollen Titel seiner Abhandlung: „Grundriß (!) 
einer elementaren Preislehre (!)". Die Aeußerung, die ich meine, 
lautet:: „es soll eben eine mathematische Gleichung nichts anderes 
sein, als ein kurzer und exakter Ausdruck für das, was man schon 
im voraus weiß", oder, setze ich hinzu, was man hier eben nicht 
weiß, nicht erklärt hat. Neben all den Vorzügen Cassels — ich 
meine seine scharfsinnigen Bemerkungen kritischer Art — bietet 
er für die positive Erkenntnis der Dinge wenig, viel Mathematik, 
aber zu wenig Nationalökonomie. — Dann folgt 0. Spann, der in 
seiner vorbildlich gewordenen Abhandlung, Tüb. Zeitschr., 1908, 
S. 1 ff. : „Der logische Aufbau der Nationalökonomie" — in ähn- 
licher Weise wie Gottl — die logischen Elemente der Gesell- 
schaftswissenschaft gründlich erörtert, dabei aber wiederum wenig 
Nationalökonomie und viel Logik und Methodisches bringt, hierbei 
auch, infolge seines durchaus subjektivistischen Ausgangspunktes, 
allzuviel neugeprägte, künstliche und fremdsprachige Ausdrücke 
a la Knapp an die Stelle der von den Objektivisten seit A. Smith 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 177 

üblichen einsetzt. Wozu z. B. statt der tausend Jahre hindurch be- 
währten und eingelebten alten Ausdrücke von Ursache, Wirkung usw. 
der einer fremden Wissenschaft entnommene Ausdruck „Funktion"?, 
dessen kautschukartiges Wesen v. Böhm-Bawerk, Exk., S. 238, so 
treffend kritisiert. — Es ist dann v. Zwiedineck, der (in den beiden 
Abhandlungen in derselben Zeitschrift, 1908, S. 587 ff., und 1909, 
S. 1 ff.), die Spannschen Begriffe nach der objektivistischen Kich- 
tung erweitert und damit brauchbarer gemacht hat. Dieser, um die 
Entwicklung der Preislehre besonders verdiente Schriftsteller ist 
recht typisch für den Uebergang unserer Wissenschaft aus der all- 
zulangen Episode der übersubjektivistischen Schulrichtung zu einem 
(durch Einfügung der subjektivistischen Faktoren) zeitgemäß 
reformierten, sozialen Objektivismus. Zwar geht er methodisch, 
wie nun einmal alle jüngeren Nationalökonomen, die aus der Schule 
der Subjektivisten hervorgegangen sind, vom Subjekt aus. Er tadelt 
Cassel, weil dieser den Vorrang der subjektiven Kategorien 
leugnet, der Preis bleibt ihm „gegenüber dem (subjektiven) Wert 
unter allen Umständen ein sekundäres Phänomen ; denn sein Bestand 
und seine Größe", sagt er, „sind Wirkungen (!) einer Mehrheit sub- 
jektiver Vorstellungen, Urteile und des Verhaltens einer Mehrheit 
von Subjekten. Das ergibt sich mit Notwendigkeit aus der Aner- 
kennung der Willensprimates (?) überhaupt" (S. 601, 602). Wenn 
er daher auch anerkennt, daß die Preislehre unter der Tendenz, die 
teleologische Betrachtungsweise auszuschalten, zu kurz ge- 
kommen sei, so will er doch den Terminus „teleologisch" nur rein 
formal angewendet wissen, nur als heuristisches Prinzip für die 
Aufdeckung der Kausalbeziehungen. Er hat sich also grundsätz- 
lich noch keineswegs von der Spannschen Anschauung emanzipiert, 
wonach es sich auch „bei den sozialen Erscheinungen . . . nicht um ein 
System von Zwecken, sondern um ein System von Mitteln für ge- 
gebene Zwecke, also lediglich nicht um einen Zweckzusammenhang, 
sondern um einen Zusammenhang der Mittel handle, der 
seiner Natur nach nur kausal sein könne" (Spann, S. 9, u. Zwied., 
S. 591). 

In der Sache geht v. Zwiedineck allerdings viel weiter wie 
Spann. Dieser prägt den neuen Begriff der „übergreifenden 
Funktion", welche er darin sieht, daß sie von den „monogenetischen 
Individualgebilden", welche ein System von selbständigen Hand- 
lungen der Individuen bilden, zu dem Systeme der „polygeneti- 
schen oder Kongregalgebilde führt, also zu einem Systeme „not- 
wendiger Wechselbedingtheit der übergreifenden Funktionalbe- 
ziehungen" und „polygenetischer Anpassungen", das aber immerhin 
noch ein kausales System der Mittel,, von innerer Selbständigkeit 
bleibe, wenn auch mit „komplementären Zielen" (a. a. O. S. 28 ff.). 
Demgegenüber betont v. Zwiedineck, S. 591 ff., daß eine „sozial- 
wissenschaftliche Behandlung" der Preislehre „nicht bei den Ergeb- 
nissen des Zusammenwirkens komplementärer Kräfte" und ihrer 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 12 



178 Rudolf Stolzmann, 

„individuellen Funktionalbeziehungen", also der, wenn auch noch so 
gehäuften, aber dennoch isolierten Preisphänomene stecken bleiben 
dürfe, sondern „die Funktion der Preise im Gesamtzusammenhang 
als Teil der Gesamtfunktionalbeziehungen erfassen" müsse — neben- 
bei ein Beleg für die erwähnte Umständlichkeit dieses neuen „Stils", 
v. Zwiedeneck markiert denn auch — im Sinne der von mir kürzer 
als „sozialorganisch" bezeichneten Betrachtungsweise — die durch- 
aus soziale Bedingtheit der Wertschätzungen des Subjekts, das 
der Autarkie verlustig, jetzt sozusagen in eine „anarchische Be- 
dürfnisbefriedigung" eingefesselt sei: die Werturteile des Subjekts, 
sagt er, sind entfernt nicht mehr ausschließlich subjektive Willens- 
regungen, sondern ein Produkt der Erziehung, des Lernens und der 
Anpassung an die objektiv bedingten, dem Subjekt der Außenwelt 
oktroyierten" historischen Preisbildungsfaktoren. Erst auf sie 
baue das Individuum seinen eigenen Wirtschaftsplan auf. Deshalb 
verlangt v. Zwiedineck geradezu eine „Vervollständigung des ana- 
lytischen Materials" der Preisbildungselemente durch eine „histo- 
rische Kategorisierung" (a. a. O. 1909, S. 81, 88—90). 

Wie anders hier v. Böhm-Bawerk ! Zwar spricht auch er Bd. II, 
S. 341 ff., von diesem Anpassen und Anlernen des Individuums, das 
die Werturteile in der Regel „fix und fertig vorfindet", ohne sie 
erst „von Grund aus neu aufbauen" zu müssen. Wir sind „darin 
durch ununterbrochene Uebung erstaunliche Virtuosen geworden". 
Den Grund aber sieht er darin, daß „wir ( !) schon früher einmal ein 
Urteil" über den Wert des zu schätzenden Gutes „uns" gebildet 
haben, das wir nur im Gedächtnis festzuhalten brauchen, oder man 
folgt sogar „nur dem Urteile anderer, die in ähnlichen Situationen 
sich bewegen." Aber damit, sage ich, ist doch noch gar nichts über 
den eigentlichen Ursprung der Wertungen bewiesen, weil diese 
Ausführungen für j ede Wertlehre zutreffen und deshalb für keine 
etwas beweisen, am wenigsten gerade für den subjektivistischen Ur- 
sprung der Werturteile im Sinne der Grenznutzenlehre, und es ist 
deshalb wohl kaum die Apotheose dieser Lehre am Schlüsse der 
v. Böhm-Bawerkschen Ausführungen gerechtfertigt: „Und Jahr- 
tausende, ehe die Wissenschaft die Lehre vom Grenznutzen auf- 
stellte, war der gemeine Mann gewohnt, Güter zu erstreben und 
abzulassen . . . mit Rücksicht auf den Zuwachs oder Abfall von 
konkretem Nutzen, der an jedem Gute hängt: er praktizierte mit 
anderen Worten die Lehre vom Grenznutzen (!) früher als die 
Theorie sie entdeckte". (!) Es bleibt die Frage ungelöst, ob und 
wieweit dem Individuum die Maßstäbe seiner Wertungen von 
außen kommen, weil sie hinter seinem Rücken gebildet werden, und 
es sie erst hinterher zu seinen eigenen macht, indem es sie in die 
Autonomie seines Willens aufnimmt. Nur diese Autonomie hat denn 
auch wohl v. Zwiedineck mit dem oben zitierten Ausdruck „Willens- 
primat" gemeint. Wie das Individuum ethisch Selbstzweck ist, 
so muß es auch in der Volkswirtschaft als souveräner Beherrscher 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 179 

seiner Willensregungen anerkannt werden, selbst wenn und insoweit 
seine „Impulse" durch die sozialen Notwendigkeiten bestimmt werden. 
Das Individuum bleibt der Träger, das Gefäß der sozialen Ideen, 
in das sie aufgenommen und in dem sie verwirklicht werden. In 
dieser Zwischenrolle geht von den Individuen allerdings eine kausale 
Wirkung aus, sie sind die Bäder der großen Maschine, die ohne 
sie stille steht, und deren Zwecke mit ihren Zwecken solidarisch 
sind. 

Aber diese Autonomie des Individuums bleibt doch nur eine 
formale Wahrheit, und das Individuum selbst ein unbeschriebenes 
Blatt Papier, ein leerer Formalbegriff, der seinen Inhalt, seine Fül- 
lung und seine Aufgaben erst aus den psychologischen und tech- 
nischen Faktoren, dann aber — was für die Sozialökonomie ent- 
scheidet — aus den sozialen Bedingungen und Aufgaben emp- 
fängt (Zweck, S. 141 ff.). Dem hat die Theorie nachzugehen, 
und ihr Programm muß darin bestehen, den wirtschaftlichen Phä- 
nomenen und ihren Gesetzen aus der sozialen Kategorie heraus 
näher zu kommen (S. K., S. 422), oder wie es jetzt v. Zwiedeneck 
ausdrückt, ihnen „vom s ozial wissenschaftlichen Gesichtspunkte 
aus zu Leibe zu rücken" (a. a. 0. S. 18). 

Es ist ein seltsamer Anachronismus, daß die „Modernen" 
heute noch und besonders heute wieder in der Lehre vom volkswirt- 
schaftlichen Sein, dessen fortschreitende Sozialisierung mit Händen 
zu greifen, in den subjektiven Naturalismus zurückfallen, während 
doch in der Lehre vom Seinsollen, in der Ethik, der soziale Ein- 
schlag im kategorischen Imperativ Kants immer mehr erkannt wird, 
wie z. B. Simmel in seinen Kantvorlesungen 1905, S. 95 und 108, 
die philosophische Sublimierung des Freiheitsenthusiasmus und da- 
mit der subjektivistischen Persönlichkeitsidee bei Kant als eine 
nur seinem Jahrhundert eigentümliche Form der Denkrichtung 
charakterisiert, die ihren Kern unberührt läßt. Diesem sozialen Kern 
muß dann endlich auch die theoretische Nationalökonomie nach- 
gehen, sie darf die Volkswirtschaft nicht länger als ein bloßes 
„System von Handlungen menschlicher Individuen" betrachten, 
auf das sich die Volkswirtschaft immer von neuem „aufbaut", son- 
dern es ist a priori der Kern und das Wesen der „polygenetischen 
Funktionalbeziehungen der gesellschaftlichen Gebilde" und vor allem 
des Kongregalgebildes höchster Ordnung, der Eechts- und Wirt- 
schaftsordnung aufzuweisen, in die sich die „Handlungen" der Einzel- 
personen erst einfügen, um dann erst a posteriori ihre „kausalen" 
Wirkungen auszuüben. „Es ist wirklich nicht auszudenken", sagt 
v. Zwiedineck S. 91 treffend, „wie die Preise der einzelnen Ver- 
kehrsobjekte auf den Märkten zustande gebracht werden sollten, 
wenn etwa eines Tages alle Erinnerung für jeden vorherigen Preis 
(und damit teilweise natürlich auch für gewisse Kosten) erloschen 
wäre! Das aber ist das Problem, das die extremen Subjektivismen 
lösen zu können glauben und das sie zu lösen imstande sein müßten". 

12* 



180 Rudolf Stolzmann, 

Es zeigt deshalb sicher einen Fortschritt, wenn v. Zwiedineck, 
S. 83, in Anlehnung an- Schmoller, Grundr. II, S. 110, das „Träg- 
heitsgesetz des Verkehrs" aufstellt, wonach sich als unentbehrlicher 
Ausgangspunkt für die individuellen Schätzungen ein objektives 
Faktum, der bisherige Preis, der Marktpreis von gestern, 
erweist, von dem alles Werten auf der Angebots- wie auf der Nach- 
frageseite ausgehen muß, und dem sich alles Werten, Disponieren 
und Spekulieren „anzupassen" hat: die Wertung richtet sich 
nach dem Preis und hinge sonst in den Lüften. 1 ) Aber dieser ana- 
lytisch richtige Gedanke dringt dennoch immer nur bis zu einer 
Zwischen Wahrheit vor. Der Preis von gestern ist ebenso gut wie 
der Preis von heute erst das zu Erklärende. Die Kräfte, die ihn 
organisch gebildet haben, wirken alle Tage von neuem, sie reformieren 
und korrigieren ihn, genau wie das für den anderen formalen Quan- 
titätsbegriff: Angebot und Nachfrage zutrifft („Zweck", S. 716), 
die erst ihrerseits als die gehorsamen Diener der höheren sozial- 
organisch bedingten Produktions- und Verteilungszwecke ihre Schul- 
digkeit tun. Hier führt der subjektivistisch-kausale Ausgang die 
Analyse nicht weiter, hier muß der heterogene „Zweck der Volks- 
wirtschaft" als Erklärungsmoment einsetzen, der statisch die früheren 
Preise geschaffen und sie dynamisch immer nach seinen eigenen 
immanenten Gesetzen reformiert und wandelt. 

Der Zweckgedanke, mit dem also auch v. Böhm-Bawerk einsetzt, 
ist deshalb an sich richtig, aber er kommt zu spät. Er ist inhaltlich 
nicht ausgedacht, weil er ganz und gar im naturalistischen Erdreich 
subjektivistisch-mechanischer Betrachtung stecken bleibt. Der Zweck, 
als die entscheidende „Wertquelle", ist nicht subjektivistisch, sondern 
sozial, v. Böhm-Bawerk sagt: „Wenn wir nur als Tatsache wissen, 
daß ein bestimmtes Produkt für uns (?!) Wert hat, können wir daraus 
mit völliger Zuverlässigkeit das weitere Urteil ableiten, daß die Pro- 
duktionsmittel . . für uns (!) ebenfalls wertvoll sind" (Exk., S. 254). 
Der Pluralis: „wir" und die Bewertung der Güter nach dem Wohl- 
fahrtsgewinn „für uns" klingt sozial, ist es aber nicht, weil dahinter 
zunächst immer nur die Privatschätzung des isoliert gedachten Einzel- 
individuums in einer außerordentlichen Einzelsituation steht, dem 
unerschöpflichen Eldorado des Subjektivismus, so oben in der Situ- 
ation gar eines Schiffbrüchigen. Normalerweise, d. h. für den zu 
erklärenden Marktpreis wird der Wert eines Rettungsgürtels nach 
seinen Produktionskosten geschätzt, das bedeutet: nach dem Zwecke 
der andern, die ihn herstellten, und zwar lediglich für ihren 
Zweck, nämlich zum Zwecke ihres Lebensunterhalts oder ihres 



1) v. Zwiedineck sagt a. a. O. S. 89 treffend: Das eigenartige Zusammenwirken 
individueller mit Umweltselementen ist eine Wechselwirkung „ohne Anfang und Ende". 
„Aber der Anfang dieses Kausalnexus tritt doch aus dem Dämmerlicht (!) der Unbe- 
stimmbarkeit etwas heraus, wenn die energetische Qualität der Marktpreise, ihr Behar- 
rungsvermögen und ihre sozusagen (!) polypragmatische Bedeutung Beachtung findet." 
Zum Ziele kommt man meines Erachtens nur, wenn man an Stelle des „Kausalnexus" 
den Zweckgedanken einsetzt. Der Zweck ist dann der „Anfang". 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 1$\ 

Kapitalgewinns. Die wahre soziale Wertquelle ist im sozialen 
Produktionsplane zu suchen, der die Produktion für andere, aber doch 
mittels der Produktion vor allem die eigene Genußbefriedigung mittels 
des Anteils bezweckt, den das produzierende Subjekt durch Liqui- 
dation seiner Wertanweisung (in Gestalt von Lohn, Gewinn etc.) vom 
gemeinsamen Sozialprodukt aus den 'Marktbeständen erreicht, zu ver- 
gleichen schon S. K. S., 11 un$ 12, und v. Zwi edineck, S. 100 ff. 
Das ist heute der Zweck der Produktion, und der Wert ist allerdings 
ein Zweck, aber der Zweck der sozialen Auseinandersetzung. Es ist 
ein Unding, den „Wert" in der heutigen Wichtigkeit als Eesul- 
tante unsozialer, höchst individualistischer Elemente zu erklären, 
Der Wert ist ein Eeflektions-, ein Zweckbegriff, aber die Zwecke, 
das Reflektieren des Individuums, sind durchaus von den Zwecken 
des sozialen Organismus abhängig. 

Dieser „Zwieschlächtigkeit" der Zwecke entspricht eine solche 
des Güterwertes. Zwei Seelen wohnen in ihm, eine rein ökonomisch 
technisch-psychologische und eine soziale. Das Einzelgut ist nicht 
nur ein isoliertes, für die einzelne Bedürfnisbefriedigung bedeutsames 
Stück Natur, sondern ein lebendiges organisches Stück der Volkswirt- 
schaft, deren Leben und Wesen sich in seinem Werte wieder- 
spiegelt (Zw., S. 6 — 7). So auch im Produktivgut. Ich produziere 
ein Gut für den konkreten Nutzen („Wohlfahrtszweck") anderer, 
für mich produziere ich damit nur einen Wert, dessen Wesen in 
seinem Charakter als Liquidationsmittel für die soziale Entlohnung 
meines Dienstes liegt, zu welchem Zwecke andere ihrerseits ihre 
Dienste für ihre Zwecke geleistet haben. Die „Wirksamkeit" der 
Produktivgüter, ihr Zweck, ihr Nutzen, sogar ihre „Nutzung" — 
was v. Böhm-Bawerk in der Kritik dieses letzteren Begriffes so ganz 
übersieht und erst von Komorzynski wieder (vergleiche S. 146) in 
Uebereinstimmung mit meinen Ausführungen in der S. K. und im 
Zweck ins Licht gestellt hat — ist danach ein doppeltes : sie begreift 
nicht bloß die Auslösung „naturaler Kräfteleistungen", wie v. Böhm- 
Bawerk sagt, sondern vor allem jenen sozialorganischen Nutzen für 
den Hersteller, den v. Böhm-Bawerk unter den Tisch fallen läßt, 
den Nutzen und die Kraft, als „Magnet" den einen Teil des National- 
produkts an sich zu ziehen. Wie diese zweite Seele im Werte der Pro- 
duktivgüter den Subjektivisten entgeht, wird uns klar werden, wenn 
wir nun die Holle untersuchen, die die Kosten in ihrer Preislehre 
spielen. 

7. Die Unzulänglichkeit des Kostenbegriffs 
in der subjektivistischen Preislehre. 

„Die Wert- und Preisbildung", sagt v. Böhm-Bawerk S. 413, Bd. II, 
nimmt ihren Ausgang von den subjektiven Wertschätzungen der fertigen Pro- 
dukte durch ihre Konsumenten. Sie bestimmen die Nachfrage nach diesen 
Produkten, der als Angebot zunächst (!) die Vorräte der Produzenten an ferti- 
ger Ware", schließlich aber, „vermöge des Nachschubs, den sie immerfort 
aus der Produktion erfahren", die gegebenen und fixen Vorräte an originären 
Produktivkräften gegenüberstehen, aus denen sie alle letzthin entstehen, nämlich 



182 Rudolf Stolzmann, 

die Bodenkräfte und Arbeitsleistungen ; denn bis zu ihnen führt die Kausal- 
kette vom Schlußprodukt durch die Zwischenprodukte zurück : „die originären 
Produktivkräfte der Nation drängen sich der Reihe nach in die lohnendsten 
Verwendungen und empfangen (!) von der letzten derselben ihren Wert und 
Preis.'* Die Produktion ist einem riesigen Pumpwerk zu vergleichen. Jeder 
Bedürfniszweig hat sein besonderes Saugrohr in das Reservoir der originären 
Produktivkräfte eingesenkt und sucht daraus, konkurrierend mit allen andern 
Zweigen, seine Deckung an sich zu ziehen. ... So saugen alle Bedürfnisse 
mit der durch ihre Schätzungsziffern angezeigten Kraft." Je größer die Menge 
der disponiblen Produktivkräfte ist, in je tiefere Schichten kann die Ver- 
sorgung der Bedürfnisse herabsteigen. Können z. B. als die letzten Bedürf- 
nisse noch diejenigen bedeckt werden, die den Arbeitstag nur mit einem Gulden 
bezahlen, so wird sich demgemäß auch der Marktpreis der Arbeit einheitlich 
auf einen Gulden fixieren. Auch für den großen sozialen Markt also „regieren" 
zwar die Kosten den Wert, aber sie sind „nicht die endgültige, sondern immer 
nur eine Zwischenursache des Güterwerts. In letzter Linie geben sie nicht 
ihren Produkten den Wert, sondern sie empfangen ihn von ihnen". 

Die Einwendungen, die wir oben gegen die Lehre vom sub- 
jektiven Kostenwert und gegen die Preislehre überhaupt erheben 
mußten, rücken hier in ein viel schärferes Licht. Die Subjektivisten 
verkennen, daß in der Sozialwirtschaft hinter jedem Produktions- 
faktor ein Mensch steht. Der Weg zum Produktivgut führt hier 
immer nur über die Person seines Inhabers, wir sind also nicht wie 
Robinson von den Dingen, sondern von ihren Besitzern abhängig, 
die uns die Produktivgüter nur unter Bedingungen darbieten, Diese 
Bedingungen bestimmen auch den Wert. Und zwar kann der dau- 
ernde, organische Wert nicht anders bestimmt werden, als wie 
durch die Umstände, die eine nachhaltige Produktion und eine 
dauernde, sozialnotwendige Vergeltung für die Besitzer der Pro- 
duktivfaktoren gewährleisten. Im sozialen Organismus haben nur die 
Vergeltung erheischenden Produktivmittel einen Wert, und auch 
diesen nur nach Maßgabe der notwendigen Höhe dieser Ver- 
geltung. Dagegen sagt v. Böhm-Bawerk S. 419: „Ob der Arbeitstag 
einen Gulden oder drei Gulden wert ist, hängt davon ab, wie viel 
das Produkt wert ist, das man in einem Arbeitstage hervorbringen 
kann, und zwar das „letzte", mindest gutbezahlte Produkt, zu dessen 
Hervorbringung nach Versorgung aller besser honorierten Verwen- 
dungen noch Arbeit entsprechender Qualität übrig ist." An diesem 
Satze, der so besonders kraß wirkt, weil er den Produktionsfaktor 
betrifft, der die höchstpersönlichste Leistung eines lebenden 
Menschen, des Arbeiters, betrifft, wird besonders klar, wie wenig 
sich die „subjektive" Lehre gemeinhin um das subjektive Moment 
der Kostenwertung kümmert, d. h. um die Personen, die hinter 
den Produktivfaktoren stehen. Hier hätte der Zweckgedanke ein- 
setzen müssen, aber nicht einseitig, sondern es waren zwei Zwecke 
zu berücksichtigen, der Zweck der Konsumenten und der der Produ- 
zenten. Der erstere steht bei der sozialen Produktion im Hinter- 
grunde, vornan steht der Zweck des Produzenten, die Erlangung einer 
Abfindung, einer Wertanweisung auf die anderen Marktgüter, an 
deren Erzeugung er selbst unmittelbar nur in Ausnahmsfällen mit- 
gewirkt hat. Und über diesen beiden Zwecken steht ein dritter 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 183 

Zweck, ein Zweck höherer Ordnung, der organische „Zweck der 
Volkswirtschaft*', der jene beiden Zwecke erst einheitlich zu- 
sammenfaßt. Alle diese Zwecke sind mitnichten schon „gegebene", 
so daß es nur auf die Mittel ankomme, welche die Volkswirtschafts- 
lehre als ein bloßes „System der Mittel" kausal zu betrachten 
habe (Zw., S. 774). Hier hat es mit der „formalen" Teleologie sein 
Ende, es bleibt die größte und vornehmste Aufgabe der National- 
ökonomie, Wesen, Inhalt und Zusammenstimmen aller jener Zwecke 
zu erklären. 

Statt dessen wird von den extremen Subjektivisten die ganze 
„nationale Produktion" nur vom einseitigen Zweckstandpunkte der 
Konsumenten aus betrachtet; sie vergessen, daß nicht nur für 
Menschen, sondern in allererster Linie von Menschen produziert 
wird. Sie machen so viel Wesens von der „Subjektivität" der wer- 
tenden Konsumenten und vernachlässigen darüber die Zwecke der 
Produzenten als Subjekte, als Menschen. Die Menschen, die hinter 
den Produktivfaktoren stehen, die Grundeigentümer, die Unternehmer- 
Kapitalisten, die Arbeiter, lebende, begehrende Wesen, keine Pa- 
goden und Schemen, sie alle „empfangen" nicht nur, sie geben und 
fordern. Sie entscheiden mit der Macht ihrer sozialen Position, 
ob die von ihnen zur Produktion hergegebenen Boden-, Kapital- und 
Arbeitsleistungen „einen Gulden", drei oder viele „wert" sind. Hinter 
den subjektiven Schätzungen der Individuen steht im Konkurrenz- 
system immer der ganze Zwang der sozialen Verhältnisse, die ab- 
schließend bestimmen, wie hoch und wie niedrig die Wirtschafts- 
subjekte schätzen können, dürfen und müssen. Es war ein grandioser 
Fehler, die Wertschätzungen der Verkäufer auszuschalten und die 
Preisbildung auf die der Käufer, der „letzten" Käufer, zurückzuführen. 
Die ganze Volkswirtschaft ist dann nur ein großer Ausverkauf 
fertiger Waren, oder, da sie nur allo tropische Modifikationen der 
originären Produktivfaktoren darstellen, schließlich (!) dieser Fak- 
toren, deren „Umwandlung" und Ueberlieferung an die Konsumenten 
die Zwischenunternenmer nur von Stufe zu Stufe „vermitteln". 
Die letzthin maßgebenden Originärfaktoren, auf welche die Betrach- 
tung zurückgeht, sind also ebenso „fix", wie die fertigen Genuß- 
güter, die aus ihnen hervorgehen. Ihre Mengen, Vorräte, Reser- 
voirs, dann die „Masse" der in einem Marktgebiet verfügbaren Waren 
und wie die sonstigen mechanischen Quantitäts- und Summenbegriffe 
alle lauten, entscheiden nach Umfang und Zahl. Umfang und Zahl 
entscheidet auch darüber, bis zu welcher Tiefe der Grenznutzen und 
der Grenzpreis herabgedrückt wird. „Jedenfalls ist hier", sagt 
v. Böhm-Bawerk S. 405, „in der Beeinflussung der Zahl der ver- 
fügbaren Waren, der Ansatzpunkt zu suchen, von dem aus die Kosten 
jenen bekannten weitreichenden Einfluß auf die Höhe der Güterpreise 
üben . . ." „Die vergrößerte Menge", sagt v. Böhm-Bawerk, Exk. 
S. 257, „bewirkt eine stärkere Sättigung der nach Produkten ... be- 
stehenden Bedürfnisse; dadurch (?) wird der Grenznutzen und Wert 
der Produkte, und weiterhin endlich der durch ihn vermittelte (!) 



Ig4 Rudolf Stolzmann, 

Grenznutzen und Wert des Produktivgutes herabgedrückt/' Wenn 
er nun fortfährt: „Die Vermehrung der Masse des Produktiv- 
gutes kann aber den Wert des Produktes nicht von sich allein (!) 
aus . . . drücken", so ist das freilich unbestritten, damit ist doch aber 
die notwendige Würdigung dieses „andern" Faktors, des eigentüm- 
lichen und ursprünglichen Wertes des Produktivgutes, nicht er- 
ledigt. 

Es fehlt die Würdigung des Zwecks, den die Besitzer der 
Produktivgüter verfolgen und zwar verfolgen müssen gemäß des 
höheren Zwecks der Volkswirtschaft, deren nachhaltiger und dauern- 
der glatter Fluß nicht bloß von der Kaufkraft der zahlungs- 
fähigen Konsumenten, sondern mindestens ebenso wohl von der 
gleichmäßigen Verkaufskraft der Produzenten abhängt, d. i. 
von ihrem Einkommen. Denn wir sahen, die Bedingung der 
ganzen Produktionstätigkeit besteht in der Erzielung dieses Ein- 
kommens, sie ist der Zweck in der Volkswirtschaft. Die Kaufkraft 
der Konsumenten kann nicht bestimmt werden ohne die Verkaufskraft 
der Produzenten und umgekehrt. Sie stehen in Wechselwirkung, 
aber diese ist keine kausale, v. Böhm-Bawerk hat ganz Recht, wenn 
er in diesen Jahrbüchern, 3. F., III. Bd., 1892, S. 359, sagt, daß der 
Satz : der Wert der Produktivgüter wird durch den Wert der Produkte 
bestimmt, und zugleich umgekehrt ein Zirkel, eine Todsünde gegen 
die Logik seien: eine wechselseitige Kausalität derart, daß von 
zwei und denselben Dingen jedes die Ursache des andern sei. Aber 
wohl möglich und sogar begrifflich notwendig ist eine Wechselwirkung 
in einem „Organismus", dessen Wesen gerade in einer solchen 
Wechselwirkung der Glieder und des Ganzen besteht, aber nicht im 
Sinne der Kausal-, sondern der Zweckidee. Da die Volkswirtschaft 
ein organisches Zweckgebilde ist, kann ihr Organismus ohne die 
Zweckidee nicht verstanden werden. Während uns der Kausalitäts- 
gedanke hier aufs Trockene führt, liefert der Zweckgedanke die 
sehr einfache Lösung der Wechselwirkung: Zwei Werte, d. h. 
zwei Zwecke sind gleich, weil sie einem dritten gleich sind, dem 
Zwecke des übergeordneten sozialen Ganzen; Produktivgüter und 
Produkte sind nach ihrem Werte und Zwecke gleich — nicht wie 
v. Böhm-Bawerk Exk. S. 251 sagt, weil letztere einer dritten „Ur- 
sache", nämlich dem Verhältnis von Bedarf und Deckung, sondern weil 
sie einem und demselben organischen Einheits z w e c k e entstammen. 
Dann bedarf es nicht des verfehlten — nicht organischen — „Um- 
wendens". Im Lichte des organischen Zweckgedankens stellt sich 
der Wert der Produktivgüter als antizipierter Konsum tions- und 
Einkommens wert dar, der im Werte der Produkte nur realisiert 
wiedererscheint, sie gehorchen beide nur demselben organischen 
Zweckprinzip, das auf der stetigen Erneuerung der Kauf- und der 
Verkaufskraft "beruht. Dieser gemeinsame Zweck der Volkswirt- 
schaft ist jene „Sonne", von der sie in einem Strahle beide ihr 
Licht erhalten. 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 185 

So behält denn Marshall mit seinem Scherenbeispiel Recht, es 
muß nur teleologisch begründet werden. Bei der Kausalbetrachtung 
der Grenznutzenlehre dagegen bleiben beide Seiten der großen, 
volkswirtschaftlichen Gleichung unbestimmt, es bleibt die große Frage 
ungelöst, woher Arm und Eeich, woher die „Kaufkraft" der alles 
bestimmenden Konsumenten. Auch hier, auf der Konsumentenseite, 
zeigt sich wieder die Tatsache, daß sich der Subjektivismus, ohne 
es zu sehen, in seichten Objektivismus verflacht: Die Nachfrage 
ist ebenso fix und objektiv gegeben, wie wir es beim Angebot sahen. 
Reich und Arm, die natürlich — ein bloßes Gesetz des fertigen 
Marktes — die Kostengüter und ihre allotropischen Modifikationen 
in Gestalt der Genußgüter, sich gegenseitig konkurrierend, „an sich 
saugen", sind mit ihrem Einkommen starrmechanisch gegeben; wo- 
her sie es haben und wie es sich organisch aus dem großen Gefüge 
erneuert, das bleibt ein Rätsel. Es scheint fast, als ob die Volks- 
wirtschaft nur für Rentner da wäre mit fixem Vermögen und 
fixer Kaufkraft — kaufkräftige Guldenbesitzer, deren Guldenmenge 
gleichsam vom Himmel geschneite Fixa der Nachfrage darstellen. 
In Wahrheit stehen Nachfrage und Angebot in einem organischen Zu- 
sammenhang. Sie sind teleologisch a priori aufeinander abgestimmt. 
Das „Aufsaugen" ist erst erklärlich, weil die organischen Vor- 
bedingungen dazu gegeben sind (Zweck S. 764). 

Es ist bisher viel zu wenig beachtet worden, daß die Gedankenbrücke 
vom subjektivistischen Wertbegriffe zum „Preise" eigentlich nur auf einer for- 
malen Analogie, auf einem bildlichen Gleichnisse beruht. So nennt v. Böhm- 
Bawerk das Kostengesetz „nur eine auf eine spezielle Erscheinungsgruppe an- 
gepaßte spezielle Aussageform" des Gesetzes vom Grenznutzen : „Die Ge- 
dankengänge . . gleichen sich Zug für Zug, nur daß hier" (beim sozialen Kosten- 
gesetz) „vermöge des Dazwischentretens des Tausches, vermöge der Ueber- 
setzung (?) des Phänomens aus der Einzelwirtschaft in die Gesellschaft, um 
jedes Glied des Gedankenganges sich reichere Verwicklungen" (wieder das so 
oft beobachtete Verlegenheitswort !) „schlingen". „Es voüzieht sich hier ein- 
fach das große Gesetz des Grenznutzens." Dieses laute, „daß der vorhandene 
Vorrat der Güter immer der Reihe nach in die lohnendsten ( !) Verwendungen 
eingewiesen wird, und daß die letzte, abhängige Verwendung den Wert De- 
stimmt". „Im erweiterten Rahmen des Marktes" dagegen werde nun „Alles 
nicht mehr unmittelbar auf die subjektiven Bedürfnisse, sondern durch deren 
Vermittlung auf das Geld bezogen, das gleichsam ( !) den neutralen gemein- 
samen Nenner für die nicht mehr unmittelbar vergleichbaren Bedürfnisse und 
Empfindungen verschiedener Subjekte abgibt. Jetzt erscheinen als die loh- 
nendsten (!) Verwendungen nicht mehr diejenigen, die den absolut intensivsten 
Bedürfnissen, sondern jene, die den höchsten Geldschätzungsziffern ent- 
sprechen, also die bestbezahlten (!) Verwendungen; und der Wert, der 
daraus (?) hervorgeht, ist objektiver Tauschwert." 

Ich brauche hier die oben nachgewiesene Unzulänglichkeit des 
„großen Grenznutzengesetzes" nicht von neuem aufzuweisen, ebenso 
nicht diejenige des Resultantengedankens im allgemeinen, endlich 
auch nicht die des „neutralen" Generalnenners „Geld", der, ein 
deus ex machina, das Vergleichbare mit dem Unvergleichbaren, „ver- 
mitteln" soll, den subjektiven „Wert" mit dem objektiven Preis. 
Ich beschränke mich darauf, die Ausführbarkeit jener „Ueber- 



186 Rudolf Stolzmann, 

Setzung" aus dem Subjektiven ins Soziale zu beleuchten. Hier sind 
nun, wie ich Zweck S. 715 und 719 näher begründete, nur zwei 
Gedankenbrücken vom einen zum andern denkbar, die Resul- 
tantenidee und die Analogie. 

Prüfen wir die Anwendbarkeit der ersteren und nehmen einmal 
an, es gäbe irgendeinen Robinson oder mehrere solcher Robinsons, 
die nach dem Grenznutzengesetze „werten". Wie kommen dann auf 
dem großen Markte alle die robinsonartig gedachten, autarkischen 
Einzelwirtschafter zueinander, die mit ihren subjektivistischenGrenz- 
und Portfallserwägungen im Vereine die preisbestimmende Resul- 
tante ergeben sollen? Aber da belehrt uns ja schon v. Böhm-Bawerk, 
S. 416 und Note, selbst, daß ihre — subjektiv intensivsten — Be- 
dürfnisse leider nicht mit den „bestbezahlten" Verwendungen zu- 
sammentreffen. Denn es drängt sich ein ganz fremdes Element in den 
Gang der Erklärung, die „Kaufkraft", also ein Objektivum, und 
zwar ein vom „subjektiven" Standpunkte aus genetisch und inhalt- 
lich unerklärtes. Aber nicht genug damit, es springt die Erklärung 
in eine fremde Kausalreihe hinüber, die nicht mehr der Nachfrage-, 
sondern der Angebotsseite entstammt, und zwar geschieht dies mittels 
desjenigen Begriffs, der in v. Böhm-Bawerks Dialektik das alleinige 
Verbindungsglied mit dem subjektiven Grenznutzengesetze bildet, 
es geschieht mit dem tertium comparationis der „lohnendsten Ver- 
wendungen". Ja, aber wem „lohnen' denn nun diese Verwendungen 
in der Gesellschaft, wi'e sie dort dem Robinson „lohnten"? Doch 
nicht mehr dem wertenden Konsumenten, sondern vor allem dem 
Produzenten. Wie v. Wieser, Nat. W., S. 54 u. 57, richtig er- 
kennt, ist hier der persönliche Nutzen der „Unternehmer" das ent- 
scheidende Prinzip. Statt der Dinge, die am meisten nützen 
können, werden diejenigen erzeugt, welche man am besten bezahlt. 
Es ist „dem privaten Unternehmer nicht um den höchsten Nutzen 
für die Gesellschaft, sondern um den höchsten Wert für sich (!) 
zu tun, der zugleich sein höchster Nutzen ist." Damit macht dann 
also der objektive Kostenfaktor und mit ihm das bestimmende Preis - 
bildungsmoment der Angebotseite sein unveräußerliches Recht geltend, 
die Dialektik hatte sie nur interimistisch ausgeschaltet. 

Was aber von ihr übrig bleibt, ist dann nur der rein äußerlich 
formale Gedanke der Analogie. Es bleibt nur ein dialektisch sehr 
interessantes Gleichnis übrig, die Vergleichung zwischen dem Nutzen 
der Gesellschaft und dem des konsumierenden Individuums. Aber 
diese Vergleichung hat keinen sachlichen Boden. Robinson wertet, 
eine Gesellschaft wertet nicht, sie ist ein Abstraktuin, und der 
gesellschaftliche Wert wäre eine jener unzulässigen Idealisierungen, 
vor denen v. Böhm-Bawerk sonst so energisch warnt (Bd. 1, S. 341). 
Es fehlt auf dem großen Markte das einheitliche Subjekt der 
Schätzung, und auf der Kostenseite der einheitliche fixe und gegebene 
Vorrat an Produktivmitteln.' Was die erstere Seite betrifft, so sagt 
schon v. Wieser: „Dort, in der isolierten Wirtschaft, wurden mit 
dem gegebenen Vorrat die wichtigsten Bedürfnisse, von oben nach 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. XS1 

unten gereiht, befriedigt; hier, bei der Preisbildung, kommen die 
tausch fähigsten Kaufbewerber, von oben nach unten gereiht, zum 
Tausche, und wie dort der Grenznutzen, so entscheidet hier der 
Grenzkäufer". „Wie es hier Grenzbedürfnisse gibt, gibt es 
dort Grenzexistenzen unter deren Niveau die Fristung des 
Lebens höchstens noch gnadenweise zugestanden wird" (a. a. O. 
S. 58). Das ist aber alles nur ein Spiel mit Worten, um den 
Grenzgedanken zu retten, eine gedankliche, keine reale Vergleichung, 
es bedeutet nichts anderes, als die phantasievolle Parallele zwischen 
einzelnen, subjektiven Teilwertungen, die im Kopfe des Robinson 
ihr Spiel treiben, mit ganzen Menschen, nämlich mit den In- 
dividuen als Teilen des großen Robinson, als den man sich — unge- 
bührlicherweise (Zweck, S. 367 und 707) — die Volkswirtschaft 
vorstellt. Und gar auf der Angebotsseite (der Kostenseite) fehlt es 
an jedem tertium comparationis. Der „nationale" Vorrat an origi- 
nären und produzierten Produktionsmitteln, der nationale Produk- 
tionsfonds oder, wie ihn v. Böhm-Bawerk in der Zinslehre begriff- 
lich umwandelt, der „nationale Subsistenzfonds", ist ein zur Ver- 
gleichung ganz untauglicher bloßer Summenbegriff. In der Volks- 
wirtschaft ist eben mit der autarkischen Robinsonwirtschaft die 
Keimzelle der subjektivistischen Betrachtung gespalten, das theo- 
retisch ausgedachte „Individuum" auseinander gesprengt und mit ihm 
seine Einzelwirtschaft, seine Gesamtbedürfnisse, sein Gesamtvorrat. 
Es tritt ein begrifflich und sachlich heterogenes novum an die Stelle. 
So an Stelle der Kostengüter und ihrer rein-ökonomischen Dreiteilung 
jetzt die soziale Dreigliederung der Personenklassen, die hinter den 
Kostengütern stehen, die Klassen der Arbeiter, Grundbesitzer und 
Kapitalisten, und an Stelle der einzelnen Bedürfnisse die der werten- 
den „Existenzen" ebenderselben Personenklassen, aus denen — 
abgesehen von den Personen mit sogenannten „abgeleitetem" Ein- 
kommen, sowohl die Konsumenten wie die Produzenten bestehen. 

Wir stoßen hiermit auf ein organisches Moment, das bisher nicht 
bloß von den subjektivistischen, sondern oft auch von den objekti- 
vistischen Theoretikern so auffallend vernachlässigt worden ist, näm- 
lich auf die sozialnotwendig gebotene, aber auch gegebene große volks- 
wirtschaftliche Gleichung, von der Leben und Gedeihen des sozialen 
Körpers abhängt, auf die Gleichung von Nutzen und Kosten, Kauf- 
kraft und Verkaufskraft, Konsumtion und Produktion. Kurz, es 
handelt sich um das Soll und Haben der großen volkswirtschaftlichen 
Bilanz und das Aufgehen dieser ihrer aufeinander angewiesenen 
Posten. Sie kann nur erklärt werden durch die sozialorganisch 
wirksamen Schwerkräfte des volkswirtschaftlichen Organismus, die 
zu einem großen „Ziele streben". „Zielstrebigkeit" will ich das ein- 
mal nennen, statt „Zweck" oder „Telos", um den sogenannten „Tele- 
ophoben" nicht wehe zu tun, die bei dem Worte „Teleologie" immer 
gleich nervös werden. Ich habe das Wort „Zielstrebigkeit" auch 
schon im „Zweck" öfters angewendet. Es stammt wie der Ausdruck 
Teleophobie sogar von einem „Naturforscher", dem berühmten v. Baer 



188 Kudolf Stolzmann, 

und wird von Paulsen a. a. 0. S. 240, an der oben erwähnten Stelle 
empfohlen, die v. Böhm in Bezug genommen hat. 

Jenes organische Verhältnis zwischen beiden Seiten der Gleichung 
ist von der Grenznutzenlehre mit ihrem rein subjektivistischen Denk- 
apparate natürlich nicht erfaßbar. Statt uns das Stimmen der 
Gleichung aus jener Zielstrebigkeit des sozialen Körpers zu erklären, 
stoßen bei ihr Konsumenten und Produzenten, Angebot und Nach- 
frage blind aufeinander. Sie sind eben da, und ihr Verhältnis zu- 
einander ist ein zufällig mechanisches. Es fehlt die verbindende Ein- 
heit. Der einzige Ansatz zu einer solchen findet sich höchstens in 
ihrer Theorie von den ^komplementären Gütern". Wir gelangen 
damit zu der dritten und letzten „Komplikation" des Wert- und 
Preisgesetzes. 

8. Der Wert der „komplementären" Güter. Das Gesetz der 
Zurechnung und Verteilung. 

„Die Theorie vom Werte der komplementären Güter", so sagt 
v. Böhm-Bawerk, „bietet den Schlüssel (!) zur Lösung . . . des Pro- 
blems der Verteilung der Güter ... in der heutigen Gesellschafts- 
form . . . sie legt den durchgreifendsten Bestimmungsgrund für die 
Höhe der Honorierung bloß, die jeder der drei Faktoren (Arbeit, 
Boden, Kapital) für sich erlangt . . . und leitet zur Höhe der drei 
Einkommens zweige Arbeitslohn, Grundrente, Kapitalzins". — Der 
Weg zu diesem Ziele geht wieder von der Betrachtung der Einzel- 
wirtschaft aus, und der Führer auf diesem Wege ist wieder der 
passe-partout des Fortfallgedankens. In der Einzelwirtschaft, so 
geht die Erklärung, ergibt sich der Wert in dem zu untersuchenden 
„komplizierten" Falle, nämlich in dem Falle, daß „verschiedene Arten 
von Produktivgütern zur Produktion erforderlich sind", dadurch, 
daß man sich das zu schätzende Produktivgut als fortgefallen denkt, 
der Ausfall an Bedürfnis ergibt seinen Wert. Man beachte: wie 
beim einfachen Kostengesetze und dem Wertgesetze der „produktions- 
verwandten" Genußgüter die objektiv gegebene Gleichheit der Kosten- 
güter die Brücke abgab, so wird hier umgekehrt vom objektiv ein- 
deutig gegebenen, als fix gedachten Wert eines einzelnen Genußguts 
ausgegangen, der den Produktivgütern „zugerechnet" wird. Beim 
Kostengesetz war dann die Schwierigkeit, daß zur Herstellung selbst 
des kleinsten Gutes in aller Regel das Zusammenwirken mehrerer 
Produktivgüter (Arbeit, Natur, Kapitalgüter) erforderlich ist, zunächst 
dadurch umgegangen, daß das Produkt immer nur als aus einem 
Produktivgut, aus Eisen, aus Arbeit pp. oder nur aus gleich- 
artigen „Produkt! vmittelgruppen" hervorgegangen angenom- 
men wurde, eine bloße Hypothese, die im Leben kaum irgendwo zu- 
treffen wird, die man aber als vorläufige Annahme hingehen lassen 
könnte. Ebenso könnte man die andere Hypothese als solche tole- 
rieren, nach der in der Lehre vom Werte der komplementären Pro- 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 189 

duktivgüter vorausgesetzt wird, daß sie nur ein Gut oder eine 
Güterart hervorbringen. Was aber nimmermehr zugelassen werden 
kann, ist eine Vereinigung und Vermengung beider Methoden und 
ihrer gesonderten Ergebnisse in der Weise, daß das aus der Hypo- 
these gleichartiger und deshalb gleichwertiger Kostenstücke für die 
Wertbestimmung der Glieder der Nutzenseite gewonnene Ergebnis 
rückwärts wieder für die Erklärung der Kostengüter verwertet wird, 
wenn diese — wie beim Problem der komplementären Kostengüter — 
eben verschiedenartig sind. Das tun aber, wie ich „Zweck" S. 742 
bis 745 und schon vorher „S. K." S. 275 ff. ausführlicher nach- 
gewiesen habe, sowohl v. Wieser wie v. Böhm-Bawerk. So fügt 
v. Böhm-Bawerk bei der abschließenden Lehre von der „Auf- 
saugung" der nationalen Produktivkräfte dem Satze, nach dem der 
Marktpreis der speziellen Ware, z. B. eines Eisenprodukts, die 
Schätzungsziffer für die Beteiligung an der Nachfrage des Pro- 
duktivguts Eisen abgibt — ganz ähnlich wie v. Wieser — den 
Worten „Marktpreis seiner speziellen Ware" in der Klammer hinzu: 
„beziehungsweise (!) der nach dem Gesetze der komplementären 
Güter auf das Eisen entfallende Anteil des Marktpreises" (Bd. 2, 
S. 414). 

Aber viel verhängnisvoller noch wie beim allgemeinen Kosten- 
gesetze ist für die Lehre des Wertes der komplementären Produktiv- 
güter die Schwierigkeit der „Uebersetzung" dieser Lehre von der 
Einzelwirtschaft in die gesellschaftlichen Verhältnisse. In der allge- 
meinen Kostenlehre machte die Grenznutzenlehre wenigstens noch 
den (leider mißglückten) Versuch, das subjektive Kostengesetz 
für die Preislehre sozial umzuwandeln, so fügte v. Böhm-Bawerk in 
seine Preislehre das besondere Kapitel IV, S. 411 ff, über „das 
Kostengesetz" ein. Eine solche Einfügung für das Gesetz der „kom- 
plementären Güter" fehlt in der Preislehre ganz. Es fehlt der 
Versuch, die aus der Einzelwirtschaft gewonnenen Sätze auf die hete- 
rogene Volkswirtschaft zu übertragen; und ich kenne keinen Punkt 
in der ganzen Grenznutzenlehre, der einen größeren Widerspruch 
herausfordert, als die mit soviel Zuversicht vorgetragene Meinung, 
als habe sie das Wertgesetz der komplementären Güter auch als ein 
soziales für die bestehende Volkswirtschaft begründet, so wenn 
v. Böhm-Bawerk gar das ganze Ricardosche Grundrentengesetz „mit 
ein paar Federstrichen" ersetzen will, nämlich eben durch das Gesetz 
der komplementären Güter. 

Oder irre ich mich in meiner Behauptung, daß die Grenznutzen - 
lehre die Herausarbeitung des sozialen Gesetzes der komplementären 
Güter verabsäumt habe? Hat sie diese Aufgabe nicht etwa doch bei- 
läufig in der subjektiven Wertlehre miterledigt, so z. B. v. Böhm- 
Bawerk im Kapitel VI, I. Absch., S. 276 ff ? — Es werden dort drei 
Arten „komplementärer" Güter geschildert und zwar 1) solche, die 
nur gemeinschaftlich zu benutzen sind, wie z. B. ein Paar Hand- 
schuhe. Dann gehe, sagt v. Böhm-Bawerk, durch den Verlust (!) 



190 Rudolf Stolzmann, 

eines Handschuhes der ganze Wert des Paares verloren, der übrig 
gebliebene Handschuh ist wertlos. Ganz richtig, aber hier sieht 
man so recht die schon oft hervorgehobene Unzulänglichkeit des 
passe-partout und damit der ganzen subjektiven Wertbetrachtung 
für die soziale Resultantenbildung, die zum „Preise" führen soll. 
Der Handschuh kaufende Grenznutzenlehrer würde große Augen 
machen, wenn der Handschuhmacher ihn beim Worte nähme und ihm 
nur einen Handschuh mit den Worten gäbe, es habe ja dieses „ein- 
zelne Stück den vollen Gesamtwert der Gruppe". — Den zweiten 
Fall, „daß die einzelnen Güter der Gruppe auch außerhalb ihrer 
gemeinsamen Verwendung einen wenn auch geringeren Nutzen zu 
stiften imstande sind", habe ich schon oben S. 158 kurz mitberührt. 
Für uns interessiert hier eigentlich nur der dritte Fall, er betrifft 
ganz besonders den Wert der Produktivgüter und seine etwaige 
Uebersetzung ins Soziale: „Einzelne Glieder der Gruppe sind nicht 
bloß subsidiär zu andern Zwecken verwendbar, sondern auch durch 
andere Exemplare ihrer Art ersetzlich." „Z. B. zum Bau eines 
Hauses sind der Baugrund, Ziegel, Balken und Arbeitsleistungen 
komplementär". Der Baugrund ist unersetzlich, die übrigen, d. h. 
diejenigen, welche man in der Praxis die „Kosten" nennt, sind 
ersetzlich. „Die Aufteilung geht nunmehr in der Art vor sich, daß 
aus dem durch den Grenznutzen der gemeinsamen Verwendung be- 
stimmten (!) Gesamtwert der ganzen Gruppe zunächst den ersetz - 
lichen Gliedern ihr fixer (!) Wert vorweg zugeteilt, und der — je 
nach der Größe des Grenznutzens variable — Rest den nicht ver- 
tretbaren Gliedern als ihr Einzelwert zugerechnet wird." Das sei in 
der Praxis der häufigste Fall, denn „die überwiegende Mehrzahl der 
komplementären Güter ist als marktgängige (!) Ware beliebig ersetz- 
lich: die Leistungen der Lohnarbeiter, die Rohstoffe usw." In der 
Praxis ziehe man also „vom Gesamtertrage", vom „gemeinsamen Er- 
trägnis (Wert, Preis oder Güter? frage ich) die „Kosten", d. h. 
die Aufwände für die ersetzbaren Produktivmittel von gegebenem 
Substitutionswert ab . . . den Rest schreibt man als Reinertrag' (ich 
frage wie oben) dem oder den nicht vertretbaren Gliedern zu: der 
Bauer seinem Boden, der Bergwerkbesitzer seinem Bergwerk, der 
Fabrikant seiner Fabrik, der Kaufmann seiner Unternehmertätigkeit," 
So wird also „die Sache von der Einzelwirtschaft auf den 
Markt hinübergespielt!" Und das soll nun den „Schlüssel" zum 
Problem der sozialen Verteilung abgeben ! In Wahrheit wird uns 
nur das Verhältnis eines Subjektes zu seinen Gütern vorgeführt, 
während doch das soziale Problem der Verteilung das Verhältnis 
verschiedener, in Arbeitsteilung verbundener Subjekte zueinander 
betrifft. Woher weiß v. Böhm-Bawerk ferner den „Wert" des Ge- 
samterträgnisses (denn auf diesen kommt es an), der „zugeteilt", 
„.zugerechnet" wird, den Wert des dividendus? Es soll einfach sein 
„Grenznutzen" sein : „Der Gesamtwert der vollständigen Gruppe 
richtet sich in der Regel nach der Größe des Grenznutzens, den 



Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 191 

sie in ihrer Vereinigung zu stiften imstande ist". Und dieser „Grenz- 
nutzen" wird dann S. 283 gar noch mit Zahlen „beziffert", z. B. 
das Haus mit Grund und Boden, also — nebenbei gesagt — wieder 
ein isoliertes Gut, wo sich nach dem oben Gesagten ein Grenz- 
nutzen gar nicht „entfalten" kann. Ich brau che" v. Böhm-Bawerk nur 
die Frage vorzulegen, wie er dies Wertobjekt mittels des „Grenz- 
nutzens" berechnen will, und zwar mittels des passe-partout? Und 
wie soll die „Bezifferung" in dem sozialen „Generalnenner" Geld 
vor sich gehen? Ich verstehe nicht, wie sich das alles von der 
Einzelwirtschaft auf den Markt „hinüberspielen" soll. 

Von all den Einwendungen, die ich schon oben und ausführ- 
licher in der „S. K." und zuletzt im „Zweck" S. 741 — 755 vor- 
geführt habe, sei nur noch folgende hervorgehoben: die Ergeb- 
nisse aus der Einzelwirtschaft mit geschlossenem Güterbestande be- 
weisen gar nichts für die Ableitung von sozialen Regeln der Ver- 
teilung. Das Einzelsubjekt steht nun zwar mitten in der Volkswirt- 
schaft, aber es bleibt mit seinen subjektiven Schätzungen ein Robin- 
son, eine theoretisch isolierte Felseninsel mitten im reichen Gewoge 
der sozialen Umgebung! Und wenn wenigstens an diesem Robinson 
mit seinem subjektivisti sehen Scheuklappenstandpunkte festgehalten 
würde! Aber nun setzt — eine arge Vermischung der Kategorien — 
plötzlich der Einfluß von außen ein, Robinson richtet sich nach dem 
„Marktpreis", wenn auch nur nach dem der „ersetzlichen Glieder" 
— ein Zirkel, dem wir nun wohl genugsam schon begegnet sind. 
Keine Spur von Erklärung darüber, wie Arbeiter, Kapitalisten und 
Bodenbesitzer sich im Getriebe des großen Marktes zueinander 
stellen, und welches soziale Netz der Beziehungen sich für sie aus 
dem „Besitz" je ihrer drei spezifischen Produktionsfaktoren er- 
geben müssen. Die subjektiven Betrachtungen können uns allen- 
falls veranschaulichen, wie sich das Individuum im fertigen Bau der 
Sozialwissen schaft häuslich einrichtet, wertet und einfügt, aber den 
Bau selbst in seinem eigentlichen Wesen können sie uns nicht er- 
klären. Mit der bloßen Resultante ist es nichts und noch weniger mit 
der „zweistufigen" Erklärung. Der Schritt von der isolierten zur 
sozialen Stufe ist zu weit, er führt zum Straucheln. Auch die ge- 
schilderte gleichnisartige Analogie führt auf Abwege. In der 
organischen Volkswirtschaft gibt es keine „Ueberdeckung" der 
Schätzungen, in ihr bestimmen sich der Wert, die Zurechnung und 
die Verteilung in einem Zuge. Sie bestimmen sich nicht nach den 
zufälligen Augenblicksschätzungen bei den „Einzelakten" der Indi- 
viduen, sondern es richten sich umgekehrt diese „Akte" nach den 
organischen „Funktionen", die ihnen durch die ganze Anlage der 
Wirtschaftsordnung und durch den gleichmäßigen und geregelten, 
planmäßigen Gang des großen Zweckorganismus vorher gegeben 
sind. Sie sind lediglich seine Vollstrecker. „Welche Verkennung 
der Gesetze dieses sozialen Gefüges, sie als Resultante der ein- 
zelnen Kauf-, Tausch- und aller der übrigen „Akte" der sozialen 



192 Stolzmann, Die Kritik des Subjektivismus an der Hand der sozialorganischen Methode. 

Produktion und Verteilung zu behandeln, statt die Betrachtung mit 
jenen Gesetzen zu beginnen und demgemäß aus ihnen erst den 
Anstoß zu allen Wirtschaftsakten der Individuen untereinander zu 
entnehmen!" („Zweck" S. 737). 

Der Subjektivismus ist heute an einem toten Punkte angelangt, 
aber er hat seine Rolle noch lange nicht ausgespielt und wird sie 
nie ausspielen. Recht muß ihm werden, mehr denn er verlangt, 
aber in ganz anderer Weise als nach der atomistischen Anschauung 
seiner heutigen Vertreter: durch Einfügung in die sozialorganische 
Betrachtung und Hand in Hand mit dem angefeindeten Objektivis- 
mus. Nur auf diesem Boden kann die machtvolle soziale Position 
des Individuums und des Individualprinzips seine gebührende 
Würdigung erfahren. Im einzelnen soll hierüber sowie über alle oben 
nur angedeuteten Probleme unsere nächste Abhandlung positive Aus- 
kunft erteilen. 



MiszelleD. 193 



Miszellen. 



in. 
Die Arbeitszeit in der Großeisenindustrie. 

Bearbeitet nach den Jahresberichten der Königlich Preußischen 
Regierungs- und Gewerberäte für 1913 1 ). 

Von Dr. Friedrich Syrup. 

Alljährlich seit dem Inkrafttreten der „Bekanntmachung des Reichs- 
kanzlers, betreffend den Betrieb der Anlagen der Großeisenindustrie, 
vom 19. Dezember 1908" 2 ) sind die Ergebnisse der Untersuchungen der 
Preußischen Regierungs- und Gewerberäte über die Arbeitsverhältnisse 
der Eisenhüttenarbeiter in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und 
Statistik besprochen worden 3 ). Bei dem lebhaften Interesse, das nicht 
nur von seiten der beteiligten Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern 
auch im Reichstag und in der Presse den Erhebungen entgegengebracht 
wird, erscheint es geboten, auch in diesem Jahre die wichtigsten 
Untersuchungsergebnisse hier kurz festzulegen. Während die ersten 
dieses Gebiet behandelnden Berichte der Regierungs- und Gewerberäte 
sich naturgemäß darauf beschränken mußten, in großen Zügen ein Bild 
der Arbeitsregelung in der Großeisenindustrie zu geben, dringen die 
neuesten Erhebungen immer tiefer in diese sozialpolitisch hochinter- 
essanten Verhältnisse ein und zeitigen Ergebnisse, die besonders wertvoll 
zur Beantwortung der Frage sind, ob die bisherigen Schutzvorschriften 
genügt haben, um schädlichen Auswüchsen dieser Arbeitsverhältnisse 
wirksam entgegenzutreten. 

I. Das Anwendungsgebiet. 

Die Zahl der Großeisenwerke hat sich gegenüber den Aufzeichnungen 
des Vorjahres wenig verändert. 5 Stahlwerke, 2 Puddelwerke und 



1) Jahresberichte der Preußischen Kegierungs- und Gewerberäte und Berg- 
behörden. Berlin (K. v. Deckers Verlag) 1914. 

2) Die Bekanntmachung ist im Reichsgesetzblatt für 1908 auf S. 650 ver- 
öffentlicht und in Conrads Jahrbüchern auf S. 229 des 44. Bandes (III. Folge) 
abgedruckt. Sie wird im folgenden kurz als Großeisen-Bekanntmachung be- 
zeichnet werden. 

3) Vgl. Kestner im Band 40, S. 68 ff., Wiskott im Band 42, S. 511 ff., 
Band 44, S. 229 ff., Band 46, S. 39 ff. 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 13 



194 Miszellen. 

4 Walzwerke haben ihren Betrieb eingestellt, dagegen sind 1 Preßwerk 
und 4 Walzwerke hinzugekommen. Im übrigen wurde das Anwendungs- 
gebiet der Großeisen-Bekanntmachung durch das Ausscheiden zweier 
an Maschinenfabriken angegliederter Martinstahlwerke (S. 236) *■) und 
durch die Einbeziehung von fünf kleineren Hochofenbetrieben (S. 467) 
berührt. Weitere Verschiebungen in der Zahl der Anlagen sind lediglich 
auf eine andere Einteilung und Gruppierung der Betriebsabteilungen 
zurückzuführen. \ 

Die im § 1 der Großeisen-Bekanntmachung vorkommenden Begriffe 
„Nebenbetrieb" und „unmittelbarer betriebstechnischer Zusammenhang" 
ließen in Einzelfällen noch immer Zweifel über die Abgrenzung des 
Anwendungsgebietes der Bekanntmachung aufkommen. Im Vorjahre 
war bei einem Großeisenwerke des Begierungsbezirkes Oppeln die 
Anwendung der Großeisen-Bekanntmachung auf verschiedene Neben- 
betriebe des Werkes durch Richterspruch verneint worden. Da nach 
der Auffassung der zuständigen Gewerbeaufsichtsbeamten das Amts- 
gericht dabei den Begriff des unmittelbaren betriebstechnischen Zu- 
sammenhanges verkannt hatte, wnrde im Berichtsjahre gegen dasselbe 
Werk ein neues Verfahren vor dem Landgericht anhängig gemacht. 
Das Urteil der Strafkammer erging dahin, daß in dem fraglichen Hütten- 
werke die Kokerei, die elektrischen Zentralen, der Lokomotivbetrieb 
und die Gleisunterhaltung unter die Großeisen-Bekanntmachung fallen, 
während die Verladung, die Materialienverwaltung und die Prüfanstalt 
aus dem Geltungsbereich der Vorschriften ausscheiden. Die gegen 
dieses Urteil eingelegte Berufung wurde vom Reichsgericht durch Er- 
kenntnis vom 13. Januar 1914 verworfen. In den Gründen gibt das 
Reichsgericht ausführliche Erläuterungen 2 ) zu den Begriffen „Neben- 
betrieb" und „unmittelbarer betriebstechnischer Zusammenhang". Es 
dürfte aber verfehlt sein, diese in Ansehung eines Einzelfalles erfolgten 
Ausführungen des Reichsgerichtes dahin auszulegen, daß nunmehr in 
allen Großeisenwerken die Kokereien, elektrischen Zentralen unter die. 
Bekanntmachung fallen, dagegen Verladung, Materialienverwaltung den 
Bestimmungen nicht unterliegen. Ebenso wie z. B. einzelne mit Groß- 
eisenwerken verbundene Kokereien aus besonderen Gründen nicht den 
Vorschriften unterliegen, finden andererseits die Bestimmungen auf eine 
große Zahl von Verladungen, Materialienverwaltungen, Prüfanstalten 
zweifelsfrei Anwendung. 

Die Zusammenstellung I auf S. 195 gibt die Zahl der Betriebe und 
der Arbeiter der Großeisenindustrie an. Bei den im Aussterben be- 
griffenen Puddelwerken, den Thomas- und Bessemerstahlwerken und 
den Röhrengießereien sind die Belegschaften zurückgegangen. Dagegen 
lassen die Hochofen-, Tiegelstahl-, Hammer-, Preß- und Walzwerke eine 



1) Seitenzahlen ohne nähere Bezeichnung weisen auf die Jahresberichte der 
Regierungs- und Gewerberäte für 1913 hin. 

2) Das Urteil wird demnächst in den Entscheidungen des Reichsgerichtes 
veröffentlicht werden. 



Mis zellen. 



195 



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II 



13* 



196 



Miszellen. 



beträchtliche Vermehrung ihrer Arbeiter erkennen. Seit den 5 Jahren, 
während derer von den Gewerbeaufsichtsbeamten die Aufzeichnungen 
über die Großeisenindustrie gemacht werden, ist die Zahl der be- 
schäftigten Arbeiter ständig gewachsen. 







Zunahme der Arbeiterschaft 


Jahr 


Zahl der Arbeiter 


gegenüber 


dem Bestände von 






1909 in Proz. 


1 


2 


3 


1909 


182853 




_ 


1910 


198 894 




8,8 


1911 


208 210 




13,9 


1912 


219711 




20,2 


1913 


229035 




25,3 



An der Zunahme der Arbeiter im letzten Jahre sind vornehmlich 
die Werke der Regierungsbezirke Düsseldorf (-j-4352), Arnsberg (-j-3402) 
und Coblenz (-{-1213) beteiligt. Obwohl ein besonders in der zweiten 
Hälfte des Berichtsjahres deutlich bemerkbarer Umschwung der ge- 
schäftlichen Lage eintrat, haben Arbeiterentlassungen in größerem Um- 
fange nicht stattgefunden, nur wurde für abgehende Arbeiter zum Teil 
kein Ersatz eingestellt. 



II. Die regelmäßige Arbeitszeit. 

In der Dauer der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit sind geringe 
Veränderungen gegenüber dem Vorjahre eingetreten. In einem Rohr- 
walzwerk des Regierungsbezirkes Oppeln sind für die Generatorwärter 
und Dreher 8-stündige Arbeitszeiten eingeführt (S. 211). Ein Walz- 
werk des Bezirkes Düsseldorf verkürzte die bisher 13-stündige Arbeits- 
zeit auf 12 Stunden (S. 483). Im Bezirk Arnsberg ging eine Röhren- 
gießerei nach technischer Vervollkommnung der Betriebseinrichtungen 
von 13- zu 12-stündigen Schichten über (S. 388). Andererseits wurde 
in der Warmwalzwerksabteilung eines Feinblechwalzwerkes desselben 
Regierungsbezirkes an Stelle des bisherigen 3-schichtigen Betriebes 
der 2-schichtige Betrieb eingeführt, die Arbeitszeit also von 8 auf 
12 Stunden verlängert (S. 388). Auch in einem Tiegelstahlwerk des 
Bezirkes Arnsberg arbeiten sämtliche Arbeiter, von denen ein Teil im 
Vorjahre eine 11-stündige Arbeitszeit hatte, nunmehr in 12-stündigen 
Schichten (S. 388). 

Diese wenigen, geringfügigen Verschiebungen in der Dauer der 
Arbeitszeit sind durch besondere örtliche Betriebs Verhältnisse veranlaßt. 
Nach wie vor ist in allen Betriebszweigen der Großeisenindustrie, wie 
die Uebersicht auf S. 197 zeigt, die 12-stündige Arbeitszeit bei weitem 
vorherrschend. 97,9 Proz. aller Arbeiter werden in 12-stündigen, 
1,5 Proz. in 8-stündigen Schichten beschäftigt. 

Selbst bei den Reparaturwerkstätten, die zum Teil selbständige 
mechanische Werkstätten, wie Drehereien, Schmieden bilden, ist eine 



Miszellen. 



197 



Art der Betriebe 


Gesamt- 
zahl der 
beschäf- 
tigten 
Arbeiter 


Zahl der Arbeiter, deren regelmäßige Arbeits- 
zeit einschließlich der Pausen betrug 
in Stunden 




13 


12V 2 


12 


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UV. 


lljlO 


9 


8 


6 


1 


2 


3| 


5 


6 | 7 


8 


9 


10 


11 


12 


A. Hochofenwerke 

B. Hochofengießereien 

C. Eöhrengießereien 

D. I. Thomas- und Bessenier- 

stahlwerke 
D. II. Martinstahlwerke 

D. III. Tiegel- und andere Stahl- 

werke 

E. Puddelwerke 

F. Hammer- und Preßwerke 

G. Walzwerke 

H. Gemischte Betriebe 
I. Keparaturwerkstätten 


30 596 
2020 

5 488 

6 443 
25 022 

2848 

3 904 
12235 

79 435 x ) 
28245 

32724 


107 

254 

37 


23 

52 
97 

25 


30209 

2 020 

5 36i 

6 443 

24824 

2693 

3 904 
11 903 
75 936 
28103 
32647 


127 


198 
155 

173 

54 

15 


70 


35 


37 


364 
3020 


74 


Zusammen 


228 960 J ) 


398 


197 


224 043 


127 


595 


70 


35 


37|3384 


74 



Verkürzung der Arbeitszeit bisher nicht eingetreten, obwohl in den. 
gleichartigen Anlagen der Metall- und Maschinenindustrie in den letzten 
Jahren eine ständig fortschreitende Verkürzung der Arbeitszeit zu 
verzeichnen war. Die Arbeitgeber der Großeisenindustrie scheuen sich, 
selbst in den Betriebsabteilungen, in denen eine Verkürzung der 12- 
stündigen Arbeitszeit betriebstechnisch ohne Schwierigkeiten durch- 
führbar ist, zu dieser Maßnahme zu greifen, um nicht die einzelnen 
Arbeitergruppen des Werkes ungleichmäßig zu behandeln. 

Im Hinblick auf das Streben der Arbeiterorganisationen nach 
Einführung des Achtstundentages erregen die vorhandenen 8-stündigen 
Arbeitszeiten, deren Ansätze allerdings verschwindend sind, besondere 
Aufmerksamkeit. Wie aus der vorstehenden Uebersicht erkennbar ist, 
kamen 8-stündige Schichten nur in Hochofen- und Walzwerken vor. 
Sie bilden jedoch, wie die folgende Zusammenstellung zeigt, keine ört- 
liche Eigentümlichkeit eines bestimmten Industriebezirkes, sondern ver- 
teilen sich auf 8 Regierungsbezirke. 



Art der 


Zahl der Arbeiter mit 8-stündiger Arbeitszeit 
im Begierungsbezirk 


insge- 


Betriebe 


Oppeln 


Magde- 
burg 


Osna- 
brück 


Arns- 
berg 


Coblenz 


Düssel- 
dorf 


Trier 


Aachen 


samt 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


A. Hochofenwerke 
G. Walzwerke 


58 
1052 


195 


264 


907 516 


197 


153 


42 


364 
3020 


Zusammen 


IIIO 


195 


264 


907 


1 5i6 


197 


153 


42 


3384 



1) 75 Walzwerksarbeiter, deren Arbeitszeiten 8 und 12 Stunden betrugen 
(S. 390) ; blieben unberücksichtigt. 



198 Miszellen. 

In den Hochofenwerken hatten sich in erster Linie die Gichter 
und Eisenträger dieser Regelung zu erfreuen. In einem dieser Werke 
wiesen außerdem die Koksbrenner, in einem anderen die Erzlader und 
Erzverwieger die kurzen Arbeitszeiten auf. Die Walzwerke mit 8- 
stündigen Schichten waren Feinblechwalzwerke, deren Betrieb an die 
Arbeiter der Warmwalzgerüste zumeist so hohe körperliche Anforderungen 
stellt, daß die Walzmannschaften eine 12 -stündige Arbeitszeit nicht 
aushalten. 

a) Pausen. 

Die als Uebergangsbestimmungen gedachten Ausnahmen der höheren 
Verwaltungsbehörden, kürzere als y 4 -stündige Arbeitsunterbrechungen 
auf die Gesamtdauer der Pausen anrechnen zu dürfen, sind in den 
letzten Jahren ständig zurückgegangen. Nachdem im Berichtsjahre auch 
im Regierungsbezirk Arnsberg eine wesentliche Einschränkung der 
früheren Ausnahmen erfolgt ist, werden jetzt noch von den genannten 
Ausnahmen betroffen: 

im Regierungsbezirk Oppeln 48 Hochofenarbeiter (früher 2495 Arbeiter) 

„ „ Arnsberg 715 Stahl Werksarbeiter 

„ „ 685 Walzwerksarbeiter (früher 2360 Arbeiter) 

„ „ Aachen 220 Stahlwerksarbeiter 

insgesamt 1668 Arbeiter 

Die Zahl der Arbeiter, für die derartige Ausnahmen bewilligt 
waren, betrug somit nur noch 0,7 Proz. aller Arbeiter der Großeisen- 
werke gegenüber von 1,5 Proz. am Ende des Jahres 1911. Unter 
diesen Umständen erscheint es unbedenklich, daß der am Schluß dieser 
Abhandlung abgedruckte Entwurf der neuen Großeisen-Bekanntmachung x ) 
die früher gegebene Möglichkeit, kürzere als ^-stündige Pausen auf 
die Gesamtdauer der Pausen anzurechnen, beseitigt. Für diese be- 
absichtigte Aenderung ist in erster Linie die Erwägung maßgebend 
gewesen, daß kürzere als ^-stündige Pausen dem Arbeiter keine wirk- 
liche Ruhe gewähren. 

Von der weiteren Ausnahmebefugnis der höheren Verwaltungs- 
behörden, eine Abkürzung der 1-stündigen Mittags- oder Mitternachts- 
pause zu genehmigen, ist ebenfalls im geringeren Maße Gebrauch ge- 
macht worden. Die am Schlüsse des Berichtsjahres bestehenden Ver- 
hältnisse sind aus der Uebersicht auf S. 199 erkennbar. 

Der erwähnte Entwurf der neuen Großeisen-Bekanntmachung läßt 
die Ausnahmebestimmungen über die Verkürzung der Hauptpause zu- 
nächst noch bis auf weiteres bestehen, aber in der neuen Fassung 2 ) 
ist deutlich zum Ausdruck gebracht, daß die Verkürzungen der Mittags- 
pause nur noch ausnahmsweise in solchen Fällen bewilligt werden 



1) Vgl. S. 223. Der Entwurf ist während der Drucklegung dieses Aufsatzes 
vom Bundesrat angenommen, und die neue Bekanntmachung ist im Reichsgesetz- 
blatt für 1914 auf S. 118 veröffentlicht worden. 

2) Vgl. § 3, Abs. 2 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes 



M i s z e 1 1 e n. 



199 





Zahl der Arbeiter, 




Proz. der in 




.deren Mittagspause be- 




Spalte 4 an- 




schränkt wurde 




gegebenen Ar- 


Art der Betriebe 


auf die Dauer 


insgesamt 


beiter zur Ge- 
samtzahl der 




bis 


bis 


beschäftigten 




V, Stunde 


3 j < Stunden 




Arbeiter 


1 


2 


3 


4 


5 


A. Hoehofenwerke 


i "5 


2408 


3 523 


10,3 


B. Hochofengießereien 


— 


— 


— 


— 


C. Böhrengießereien 


129 


— 


129 


2,2 


D. I. Thomas- und Bessern erstahl- 










werke 


2 026 


164 


2 190 


3O,0 


D. II. Martinstahlvrerke 


4063 


427 


4490 


16,7 


D. III. Tiegel- und andere Stahlwerke 


120 




120 


4,0 


E. Puddelwerke 


795 


629 


1424 


35,o 


F. Hammer- und Preßwerke 


120 


287 


407 


3,2 


G. Walzwerke 


3i73 


5 2 30 


8403 


9,9 


H. Gemischte Betriebe 


532 


198 


730 


1,5 


Zusammen 


12073 


9343 


| 21 416 


9,4 



sollen, in welchen ein dringendes Bedürfnis dazu nachgewiesen wird. 
Nach dem Entwurf sollen ferner die Genehmigungen zur Abkürzung 
der Hauptpause nur dann erteilt werden, wenn „sich in unmittelbarer 
Nähe der Arbeitsstelle gut eingerichtete Räume zum Einnehmen der 
Mahlzeiten befinden". Dadurch wird den Arbeitern die Möglichkeit 
gegeben, die ihnen verbleibende Freizeit wirklich zum Ausruhen aus- 
nutzen zu können. Dies ist nur möglich, wenn die Speise- und Aufent- 
haltsräume in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstelle liegen, weil den 
Arbeitern andernfalls noch die Zeit für den Hin- und Rückweg verloren 
gehen würde. 

Da andererseits der Entwurf den Zeitraum, innerhalb dessen die 
Hauptpause gewährt werden muß, um eine Stunde verlängert, so wird 
für eine ganze Reihe von Werken das Bedürfnis, die Hauptpause für 
einzelne Arbeiter abzukürzen, nicht mehr vorliegen. Sollte der Ent- 
wurf, wie zu erwarten ist, vom Bundesrat angenommen werden, so wird 
vom 1. Dezember dieses Jahres *) ab die Zahl der in der letzten Ueber- 
sicht nachgewiesenen Arbeiter voraussichtlich erheblich kleiner werden. 



III. Die Ueberarbeit. 

a) Die statistischen Unterlagen. 

Einen Ueberblick über den Umfang der in dem letzten Jahre vor- 
gekommenen Ueberarbeit geben die Zusammenstellungen II und III 
auf S. 200 ff, die dem Anhange der Jahresberichte (S. 822 ff.) ent- 
nommen sind. 

Während in den früheren Berichten starke Klagen über die Un- 
genauigkeit der Listenführung laut wurden, gewinnt man jetzt den Ein- 



1) Vgl. § 7, Abs. 2 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



200 



Miszellen. 



Zusammenstellung II. 



Arbeitszeit und Ueberarbeit 

(Nach Aufsichts- 









_ j. b 


Wieviel dieser 




Aufsichtsbezirk 


1 
■8 

CO 
u 


Dauer der regel- 
mäßigen Arbeits- 

sehicht 
(einschl. Pausen) 


mnittliche 
ihl der b< 
m Arbeit« 


Arbeiter (Spalte 5) 

haben durch- 
schnittlich monat- 
lich Ueberarbeit 


Zahl der geleisteten 

Ueberstunden 

(einschl. Pausen) 








Durchs< 
Gesamtzj 
schäftigt( 


geleistet ? 






in Stunden 


für 
Ar- 
beiter 


Zahl 


Proz. 


insgesamt 


davon an 
Sonntagen 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


Potsdam 


2 


12 


473 


473 


125 


26 


19660 


2881 


Stettin 


I 


12 


895 


895 


87 


10 


17 773 


16 179 


Liegnitz 


2 


12 


517 


517 


23 


4 


4482 


183 


Oppeln 


67 


8,9, 10, 12 


32 393 


32 393 


14 291 


44 


3 237 059 1725670 


Magdeburg 


2 


12 

8 


1 071 
195 


1 266 


413 


33 


49 713 


48063 


Schleswig 


2 


12 


360 


360 


210 


58 


35 899 


21523 


Hildeshelm 


4 


12 


4172 


4172 


988 


24 


180522 


146 740 


Osnabrück und 


II 


12 


4 459 


4 723 


2234 


50 


536 096 


124966 


Aurich 




8 


264 












Münster 


I 


12 


5°5 


505 


175 


35 


33 179 


12297 


Arnsberg 


171 


13 

»V. 

12 

12 und 8 
I!*A 

8 
6 


69 
23 

59 734 

75 

379 

907 

74 


61 261 


31870 


52 


7088 126 


2960331 


Wiesbaden 


4 


12 


635 


635 


140 


22 


20048 


14 368 


Coblenz 


2 5 


12 
8 


6523 

70 

516 


7109 


2 452 


34 


446 068 


134652 


Düsseldorf 


189 


127, 

12 

11% 

8 


174 

76062 

127 

197 


76560 


38 476 


5o 


10257425 


5 420 643 


Cöln 


16 


13 
12 

iiV, 


329 

3801 

61 


4 191 


1711 


4i 


351 614 


i73 73o 


Trier 


129 


12 

"V. 

8 


28 171 
155 
153 


28479 


" 338 


40 


2 252080 


1 206 941 


Aachen 


10 


12 
8 


5 454 
42 


5 496 


2509 


46 


617 934 


402 180 


Zusammen 1913 


636 


13 


398 229 035 


107 042 


47 


25 147678 


12 411 347 






I2V 2 


197 
















12 


192832 
















12 und 8 


75 
















..*/. 


127 
















»V. 


595 
















II 


70 
















8 


2274 
















6 


74 
















8,9,10,12 


32 393 












Zusammen 1912 


631 


— 


— 


219711 


106 269 


48 


24 603 707 


1 1 502 409 


Zusammen 1911 


632 


— 


— 


208 210 


97 938 


47 


21 229371 


9 433 262 



Bemerkung: Die Bruchzahlen der Textübersichten sind in ganze Zahlen ab- 
Die Ueberstunden und Ueberarbeitsfälle der Keparaturarbeiter der Betriebe im 
verrechnet worden. 



Miszellen. 



201 



in der Großeisenindustrie, 
bezirken geordnet.) 



Durchschnitt- 
liche Dauer der 
Ueberarbeit 


Von den in Spalte 5 aufgeführten Arbeitern sind wievielmal Ueberstunden 
geleistet worden ? 


für 
Tag 

und A 
in Sti 


für 
Sonn- 
tag 
rbeiter 
inden 


bis zu 
1 Stunde 


mehr als 
1 bis 
2 Std. 


mehr als 
2 bis 
3 Std. 


mehr 
als 

3 bis 

4 sta. 


mehr 

als 

4 bis 

5 Std. 


mehr 
als 

5 bis 
6 Std. 


mehr 
als 

6 bis 

7 Std. 


über 
7 Std. 


über- 
haupt 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


0,43 
0,5 6 
0,53 
0,62 
0,33 


2,12 

3,™ 
1,02 
3,05 
2,00 


8492 
183 

3 192 

64 187 

198 


4 285 

393 

478 

173 129 

1568 


892 
112 

37 
125 124 

2688 


163 
76 

35 

166 006 

1093 


5° 
27 
10 

15 997 
1 290 


120 
65 
14 

24185 

1458 


41 

17 

1 

7 905 
1084 


189 

1 121 

2 

128 941 

1 269 


14232 

1994 

3 769 

705 474 

10648 


0,4 7 
0,50 
0,66 


2,44 

2,87 
2,39 


2 454 

3 135 
34109 


M05 
5 237 

75 732 


643 

6323 

11 239 


236 
1 112 
7103 


734 
918 

3 729 


577 

3 325 

4 075 


360 

90 

1 822 


1924 
10653 
20257 


8 333 

30 793 

158066 


0,52 
0,61 


2,29 
2,85 


1 603 
734 983 


2674 
913 369 


793 
165 443 


721 
212487 


68 
41495 


335 
5i893 


66 
62814 


1 610 
246 345 


7870 
2 428 829 


0,39 
0,4 9 


2,26 
2,04 


275 
66086 


884 
69 010 


423 
12 782 


624 
10059 


65 
7 768 


573 
5083 


13 

2185 


972 
9674 


3829 
182 647 


0,73 


3,61 


8503M 


1 010 654 


H9 43i 


116 628 


59098 


69168 


63 531 


439 578 


2 758 402 


0,56 


2,85 


37041 


34169 


6 597 


8 559 


2862 


2 809 


2 209 


12 691 


106 937 


0,54 


3,oo 


133 233 


148 328 


78730 


52 134 


22 461 


23698 


16244 


100 966 


575 794 


0,68 


3,36 


11 247 


71 136 


8 755 


3 934 


3866 


7 139 


4 274 


29499 


139850 


0,64 


3,18 


1950732 


2512451 


570012 


580970 


160438 


i94 5i7 


162656 


1005 691 


7 137 467 


0,63 
0,59 


3,02 
2,92 


1880595 
1 645 385 


2443210 
2 122 123 


612 287 
534 463 


598772 
516363 


185 606 
164385 


198587 
189 217 


147 768 
124 170 


939 576 

783 742 


7 006 401 
6079848 



gerundet worden. 

Regierungsbezirk Trier sind unter den Reparaturwerkstätten der gemischten Betriebe 



202 



9 



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Von den in Spalte 3 und 5 aufgeführten 

Arbeitern sind wievielmal Ueberstunden 

geleistet worden? 


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§ 1 


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beitern (Sp. 2) haben 

durchschnittlich monatl. 
Ueberarbeit geleistet? 


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Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
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Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
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Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 


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B. Hochofengieße- 


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D. I. Thomas- und, 
Bessemer- Stahlw. 

D. II. Martin-Stahl- 
werke 

D. III. Tiegel- und 
andere Stahlw. 

E. Puddelwerke 

F. Hammer- und 
Preßwerke 

lt. Walzwerke 

EI. Gemischte Betr. 







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' Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 

' Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 

' Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 

: Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 
Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparatu rwerkstätten 

1 Haupt- u. Nebenbetriebe 
Reparaturwerkstätten 


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A. Hochofenwerke . 

B. Hoch ofengieße- , 
reien 

C. Röhrengieße- 
reien 

D. I. Thomas- und 
Bessemer- Stahlw. 

D.H. Martin-Stahl- 
werke 

D. III. Tiegel- und 
andere Stahlw. 

E. Puddelwerke 

F. Hammer- und 
Preßwerke 

G. Walzwerke i 
H. Gemischte Betr. j 







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204 Miszellen. 

druck, als ob die Führung und Einreichung der statistischen Nach- 
weisungen nur in Ausnahmefällen zu Beanstandungen Veranlassung 
gegeben haben. Die üblichen Fehler bei den Eintragungen der Ueber- 
arbeit verschwinden, wie mehrere Berichte übereinstimmend ausführen, 
nachdem die Aufstellung der Uebersichten gut eingearbeiteten Werks- 
beamten übertragen wird. Sie treten aber wieder auf, wenn neue 
Schreibkräfte mit diesen Arbeiten betraut werden, so daß eine ständige 
Nachprüfung der Eintragungen durch die Gewerbeaufsichtsbeamten 
nötig ist. Verschiedentlich konnten diese Beamten dabei die erfreu- 
liche Wahrnehmung machen, daß die Betriebsleiter dem Ueberstunden- 
wesen eingehendes persönliches Interesse entgegengebracht und auf 
Vermeidung aller unnötigen Ueberarbeit mit Nachdruck hingewirkt 
haben. Dem Betriebsleiter eines Preßwerkes im Begierungsbezirke 
Oppeln gelang es, trotz steigender Beschäftigung die Ueberstundenzahl 
auf den 10. Teil zu vermindern. 

Auch in diesem Jahre wurde jedoch wiederum ein Fall von wissent- 
lich unrichtiger Führung des Ueberarbeitsverzeichnisses festgestellt 
(S. 388). Da sich dieser Täuschungsversuch auf eine einzelne Betriebs- 
abteilung eines Hüttenwerkes beschränkte, so ist ihm keine allgemeine 
Bedeutung beizulegen. Betriebsleiter und Meister wurden zu empfind- 
lichen Geldstrafen verurteilt. 

Bereits im Vorjahre sind an dieser Stelle 1 ) die mehrfachen Ver- 
suche der Werksleitungen erwähnt worden, die Zahl der Ueberstunden 
in den Verzeichnissen künstlich herabzudrücken. Dabei wurde be- 
sonders auf ein Werk des Düsseldorfer Bezirkes hingewiesen, das durch 
einen Nachtrag zur Arbeitsordnung alle an Sonntagen regelmäßig wieder- 
kehrenden Arbeiten ihrer Eigenschaft als Ueberarbeit zu entkleiden 
versucht hat. Zu welcher Verschleierung der tatsächlichen Verhältnisse 
eine derartige Umgehung der Vorschriften führen kann, zeigen die 
Feststellungen des vorliegenden Berichtes (S. 483). In dem erwähnten 
Werke sind in der Zeit vom 1. Januar bis 30. November 1913 minde- 
stens 527 880 Arbeitsstunden an Sonn- und Festtagen verfahren, aber 
auf Grund des erwähnten Nachtrages zur Arbeitsordnung nicht in das 
Ueberarbeitsverzeichnis eingetragen worden. Das Werk hat insgesamt 
rund 900000 Sonntagsüberarbeitsstunden aufzuweisen. Hieraus erklärt 
sich ohne weiteres das Interesse der Werksleitung an dem Verschwinden 
dieses Teiles der Sonntagsarbeit aus den Ueberarbeits Verzeichnissen. 
Die neuen Vorschriften des Bundesrats werden voraussichtlich 2 ) diesen 
Verschleierungsversuchen wirksam entgegentreten, indem sie bestimmen, 
daß jede an Sonn- und Festtagen während der gesetzlich festgelegten 
Ruhezeit geleistete Arbeit in die Ueberarbeitsverzeichnisse einzu- 
tragen ist 3 ). 

b) Der Umfang der Ueberarbeit. 
Die Gesamtzahl der geleisteten Ueberstunden ist im Berichtsjahre 
wiederum gestiegen, und zwar um 2,2 Proz. gegenüber dem Vorjahre. 

1) Jahrbücher, Bd. 46, S. 43. 

2) Vgl. Anmerkung auf S. 198. 

3) Vgl. § 2, Abs. 1 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



Miszellen. 



205 



Ein Vergleich der Ueberstundenzahlen der letzten 3 Jahre ergibt fol- 
gendes Bild: 





Zahl der Ueberstunden 


Jahr 


insgesamt 


Zunahme 
gegenüber 

1911 
in Proz- 


an Werktagen 


Zunahme 
gegenüber 

1911 
in Proz. 


an Sonntagen 


Zunahme 

gegenüber 

1911 

in Proz. 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


1911 
1912 
1913 


21 229 371 
24 603 707 
25147678 


16 
19 


1 1 796 109 
13 101 298 

12 736 33i 


11 

8 


9 433 262 

1 1 502 409 

12 411 347 


22 

32 



Bei den Ueberstunden an Sonntagen ist ein weiteres nicht uner- 
hebliches Anwachsen zu verzeichnen, dagegen ist die Werktagsüber- 
arbeit wahrscheinlich infolge der ungünstigen Konjunktur der zweiten 
Hälfte des Jahres 1913 zurückgegangen. Verfolgen wir die Abnahmen 
der Ueberstunden an Werktagen in den 4 größten Eisenhüttenbezirken, 
deren Ueberstundensummen einzeln dem Gesetz der großen Zahlen ent- 
sprechen, so stellen wir fest, daß das Abschwellen allerdings in allen 
4 Bezirken, aber in recht verschiedenem Umfang aufgetreten ist. Der 
Abfall der Ueberstunden an Werktagen beträgt: 

in Düsseldorf 24210 Stunden 0,5 Proz. 

„ Arnsberg J 4 3 2 7 » o>3& » 

„ Oppeln 192500 „ ii,s „ 

„ Trier 143 574 n 12,1 

Der Rückgang dieser Werktagsüberarbeit ist, wie erwähnt, in 
erster Linie auf die schlechte Konjunktur, die ein Bedürfnis nach pro- 
duktiver Ueberarbeit weniger hervortreten ließ, zurückzuführen. Die 
ungünstige wirtschaftliche Lage, wie sie in der Abnahme der Werk- 
tagsüberstunden zum Ausdruck kommt, machte sich den oberschlesischen 
Hüttenwerken, die bekannterweise unter besonders ungünstigen Pro- 
duktions- und Absatzverhältnissen leiden, das ganze Jahr hindurch 
fühlbar, während sie im rheinisch- westfälischen Industriegebiet erst im 
Herbst deutlicher in die Erscheinung trat. Natürlich haben sich die 
Verhältnisse in den einzelnen Betrieben sehr verschieden gestaltet, wie 
der Arnsberger Bericht an mehreren Beispielen ausführt (S. 389). 
Werke, die wegen ihrer Lage fern von größeren Städten dauernd mit 
Arbeitermangel zu kämpfen hatten, die größere Umbauten vornahmen 
oder vorwiegend für Eisenbahnbedarf arbeiteten, verzeichneten eine Zu- 
nahme an Ueberstunden, während in einer Reihe anderer Werke, die 
in erster Linie die dem freien Wettbewerb unterliegenden Erzeugnisse 
herstellten, eine Verminderung der Ueberarbeit auftrat. 

Die Zahl der Ueberarbeitsfälle insgesamt und an Sonntagen 
ist aus den Zusammenstellungen II und III erkennbar. Die folgende 
Uebersicht gibt die an Werktagen vorgekommenen Ueberarbeitsfälle 
an. Zugleich ist in Spalte 4 berechnet, welcher Prozentsatz der Ge- 
samtüberstundenzahl an Werktagen auf die einzelnen Gruppen der 
Ueberarbeitsfälle, die je eine oder mehrere Stunden in Anspruch nehmen, 
ungefähr entfällt. 



206 



Mis zellen. 



Lfd. 
No. 


Ueberarbeitsfälle 

an Werktagen 

mit einer Dauer 


Zahl 
der Fälle 


Proz. der gesamten werk- 
tägigen Ueberstunden, die 
sich für die einzelnen 
Gruppen der Ueberarbeits- 
fälle errechnen 


1 


2 


3 


4 


1 
2 
3 

4 
5 
6 

7 
8 


bis zu 1 Stunde 
von 1 bis 2 Stunden 

„ 2 „ 3 „ 
„ 3 „ 4 

n 4 „ 5 
n 5 „ 6 
n 6 „ 7 

von mehr als 7 Stunden 


19.12 355 

2 447 827 

503 860 

521 692 

51 802 

4° 943 

9 953 

215 019 


15.0 
38,4 
11,9 

16,4 
2,0 
1,9 
0,6 

13,8 


9 


insgesamt 


5 703 451 


100,0 Proz. = 
12 73 6 33 1 Stunden 



Mehr als die Hälfte der Werktagsüberstunden (53,4 Proz.) wurden 
somit von Ueberarbeitsfällen bis zu 2 Stunden in Anspruch genommen. 
Die Dauer der Arbeit ist hierbei bis 14 Stunden gestiegen. 81,7 Proz. 
der Ueberstunden entfielen auf Ueberarbeitsfälle bis zu 4 Stunden. 
Der Einfluß der Bestimmungen über die 8-stündige Mindestruhezeit, 
die eine nur 4-stündige Ueberarbeit ohne Verschiebung der nächsten 
Schicht gestattet, ist in dem auffallenden Unterschied der Zahlen in 
Reihe 4 und 5 der Uebersicht unverkennbar. 

Bemerkenswert ist endlich, daß 13,8 Proz. aller Ueberstunden an 
Werktagen auf Ueber stundenfälle von mehr als 7 Stunden oder Ar- 
beitsschichten von mehr als 19 Stunden entfielen. Trotz des allge- 
meinen Rückganges der werktägigen Ueberarbeit hat die Zahl dieser 
Ueberarbeitsfälle von mehr als 7 Stunden (215 019) um 7 318 gegen- 
über dem Vorjahre (207 701) zugenommen. 

Der schon mehrfach erwähnte Entwurf der neuen Großeisen-Be- 
kanntmachung wird hier voraussichtlich tiefgehende Veränderungen zu- 
folge haben. Indem er eine 10-stündige Ruhezeit vorschreibt 1 ), werden 
künftig nur Ueberarbeiten bis zu 2 Stunden ohne Verschiebung des 
Beginns der nächsten Schicht möglich sein. Wären die Bestimmungen 
des Entwurfes schon im Jahre 1913 in Kraft gewesen, so hätte bei 
den in Reihe 3 und 4 der vorstehenden Uebersicht nachgewiesenen 
1 025 552 Fällen der Beginn der nächsten Schicht verschoben werden 
müssen. Unter der gleichen Voraussetzung wären weiter die in Reihe 5 
bis 8 aufgeführten 317 717 Fälle von mehr als 4-stündiger Ueberarbeit 
— abgesehen von den durch Notfälle verursachten Ueberarbeiten — 
überhaupt unzulässig gewesen 2 ). 

c) Die Sonntagsarbeit insbesondere. 
Wie bereits gesagt, ist das Anwachsen der gesamten Ueberstunden 
auf die Vermehrung der Sonntagsarbeit zurückzuführen. 

1) Vgl. § 4, Abs. 1 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 

2) Vgl. § 4, Abs. 2 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



Miszellen. 



207 



Jahr 


Sonntags- 
überstunden 


Zunahme (gegenüber 1911) 


Anteil der Sonntagsüber- 
stunden an den Gesamt- 


Zahl 


Proz. 


überstunden in Proz. 


1 


2 


3 


4 


5 


1911 
1912 
1913 


9433262 

1 1 502 409 

12 411 347 


2 069 147 
2 978 085 


22 
32 


44,9 
46,8 
49,3 



Die Erhöhung der Sonntagsüberstunden ist bei allen Betriebsarten 
der Großeisenwerke festzustellen. So ist innerhalb der letzten beiden 
Jahre die Zahl der Ueberstunden an Sonntagen z. B. in den Hochofen- 
werken um 18 Proz., in den Martinstahlwerken um 48 Proz., in den 
Walzwerken um 30 Proz., in den Reparaturwerkstätten um 31 Proz. 
angewachsen. Die Gründe für diese ständige Zunahme der Sonntags- 
arbeit sind zum größten Teil in dem Bestreben mancher Betriebsleiter 
zu suchen, die Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten möglichst auf 
die mehr Bewegungsfreiheit bietenden Sonn- und Feiertage zu ver- 
legen. Allerdings stehen diesem Bemühen die allgemeinen Sonntags- 
ruhebestimmungen (§ 105b ff. der Gewerbe-Ordnung) entgegen, wonach 
nur solche Arbeiten an Sonntagen gestattet sind, die an Werktagen 
nicht vorgenommen werden können 1 ). Die Ueberwachung der Durch- 
führung dieser Vorschriften begegnet aber in der Großeisenindustrie 
ungewöhnlichen Schwierigkeiten. Die Entscheidung, ob die Arbeit am 
Sonntag vorgenommen werden muß, liegt bei dem Betriebsleiter, der 
hierfür die strafrechtliche Verantwortung trägt. Die Nachprüfung durch 
die Gewerbeaufsichtsbeamten kann nur von Fall zu Fall unter ein- 
gehender Berücksichtigung aller Begleitumstände erfolgen. Daß bei 
dieser Sachlage ein größerer Bruchteil der Fälle von Sonntagsarbeit, 
die im Jahre 1913 die Zahl von fast iy 2 Mill. erreichten, nachgeprüft 
werden kann, erscheint ausgeschlossen. Die Beamten sind auf Stich- 
proben angewiesen. Aber auch diese Stichproben sind in ihren Schluß- 
folgerungen nicht einfach, denn das Urteil der Beamten kann sich nicht 
auf die Feststellung beschränken, ob die Sonntagsarbeit überhaupt 
an Werktagen hätte vorgenommen werden können, sondern bei jeder 
Sonntagsarbeit ist nachzuprüfen, ob die fragliche Arbeit ohne un- 
verhältnismäßige Unzuträglichkeiten am Werktage ausführ- 
bar war. Dieser Begriff ist so dehnbar, daß die richterliche Ent- 
scheidung zumeist zweifelhaft ist. Mittels der allgemeinen Sonntags- 
ruhebestimmungen dürfte daher dem ständigen Anwachsen der Sonn- 
tagsarbeit in der Großeisenindustrie nicht wirksam entgegengetreten 
werden können. 

Die oben angeführten 12 411347 Sonntagsüberstunden verteilen 
sich auf 1434016 Fälle. Im Durchschnitt hat somit jeder Fall von 
Sonntagsarbeit 8 2 / 3 Stunden gedauert. Ungefähr 83 Proz. aller Sonn- 
tagsüberstunden entfielen auf Arbeiten, die länger als 6 Stunden, also 
länger als eine halbe Schicht dauerten, so daß bei den Sonntagsarbeiten 



1) Vgl. Jahrbücher, Bd. 44, S. 248. 



208 Miszellen. 

nicht kurze, sondern ganz überwiegend recht ausgedehnte Beschäftigungs- 
zeiten vorkamen, die eine wesentliche Beeinträchtigung der Sonntags- 
ruhe der Arbeiter mit sich brachten. In den Berichten von Arnsberg 
(S. 400) und Wiesbaden (S. 451) werden verschiedene Arbeiter be- 
zeichnet, die aus besonderen Anlässen 36 Stunden hintereinander ge- 
arbeitet haben. 

Eine genaue Unterscheidung der Werktags- und Sonntagsüberarbeit 
ist zur Erfassung der Arbeiterverhältnisse in der Großeisenindustrie 
nötig, denn die Wirkung der Werktagsüberarbeit auf den Arbeiter ist 
eine andere als die der Sonntagsüberarbeit. Bei den an Werktagen 
geleisteten Ueberstunden, die im Zusammenhang mit der regelmäßigen 
Arbeitsschicht stehen, ist die Möglichkeit einer augenblicklichen Ueber- 
anstrengung des Arbeiters durch übermäßige Ausdehnung der Arbeits- 
zeit gegeben. Die Ueberarbeitsstunden an Sonntagen bringen dagegen, 
soweit sie nicht im Anschluß an eine regelmäßige Werktagsschicht, 
sondern begleitet von einer voraufgehenden und nachfolgenden Ruhe- 
zeit vorgenommen werden, in erster Linie eine Beeinträchtigung der 
Sonntagsruhe und Erholung des Arbeiters mit sich. Die Statistik der 
Gewerbeaufsichtsbeamten hat daher von vornherein die Sonntagsüber- 
arbeit von der Gesamtüberarbeit geschieden. Doch sind von verschie- 
denen Seiten Wünsche geäußert worden, die Abgrenzung in den 
statistischen Nachweisungen noch schärfer hervortreten zu lassen. 

Die Nachprüfung, in wieweit diesen Wünschen Rechnung getragen 
werden kann, erscheint jetzt geboten, da der Entwurf der veränderten 
Fassung der Großeisen-Bekanntmachung an sich schon Aenderungen in 
den statistischen Ermittelungen mit sich bringt 1 ). Von der gesunden 
Auffassung ausgehend, daß als regelmäßige Arbeit nur die an den 6 
Werktagen der Woche erfolgende Beschäftigung des Arbeiters anzu- 
sehen ist, wird künftig jede Sonntagsarbeit — gleichviel welcher Art — 
in die Nachweisungen aufzunehmen sein. Infolgedessen wird die Ziffer 
der Sonntagsüberarbeitsstunden in den statistischen Uebersichten durch 
die Wechselschichten vermehrt werden. 

d) Die Belastung der Arbeiter. 
Mit dem Anwachsen der Ueberstunden hat auch in diesem Jahre 
die Zahl der Arbeiter, die im monatlichen Durchschnitt an der Ueber- 
arbeit beteiligt waren, nicht Schritt gehalten. Infolgedessen ist die 
durchschnittliche Dauer der Ueberarbeit, wie sie für die letzten 3 Jahre 
in den Schlußsummen der Spalten 9 und 10 der Zusammenstellung III 
angegeben ist, sowohl für den Tag, wie für den Sonntag gestiegen. 
Nach Umrechnung dieser Zahlen auf das Jahr ergibt sich, daß auf 
jeden an der Ueberarbeit beteiligten Arbeiter (Spalte 3 der Zusammen- 
stellung III) im Jahre insgesamt 235 Ueberstunden, darunter 191 Sonn- 
tagsüberstunden entfielen. Die Belastung mit Ueberarbeit machte somit 
bei einem Vollarbeiter, der an 300 Tagen des Jahres je 12 Stunden, 
insgesamt im Jahre also 3600 regelmäßige Arbeitsstunden leistet, 



1) Vgl. § 2, Abs. 1 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



Miszellen. 209 

6,5 Proz. der regelmäßigen Arbeitszeit aus, gegen 6,4 Proz. im Vorjahre 
und 6 Proz. im Jahre 1911. 

Zur Gewinnung der Durchschnittsziffern (Spalte 9 und 10 der Zu- 
sammenstellung III) ist die Summe aller Ueberstunden im Jahre auf 
die durchschnittlich im Monat an der Ueberarbeit beteiligten Arbeiter 
verteilt worden. Diese rechnerische Gegenüberstellung ist deshalb an- 
fechtbar, weil die zur Ueberarbeit herangezogenen Arbeiter in jedem 
Monat nicht die gleichen sind, obwohl eine große Zahl der Arbeiter 
allmonatlich Ueberstunden verfahren, und andererseits viele Arbeiter 
das ganze Jahr hindurch mit keiner Ueberarbeit beschäftigt werden. 
Von anderer Seite ist daher der Vorschlag gemacht, die Ueberstunden 
auf alle im Werke tätigen Arbeiter zu verteilen. Folgt man dieser 
Anregung, so entfallen im Jahr auf jeden Arbeiter 110 Ueberstunden, 
und die Erhöhung der regelmäßigen Arbeitszeit durch Ueberarbeit be- 
trägt 3,1 Proz. Natürlich ist diese Rechnung ebenfalls fehlerhaft, denn 
betriebstechnisch ist es leider nicht möglich, alle Arbeiter des Werkes 
zu den Ueberstunden heranzuziehen. Der richtige Wert, der sich an 
Hand der Unterlagen nicht ermitteln läßt, liegt zwischen 6,5 Proz. und 
3,1 Proz. Im übrigen haben diese theoretischen Durchschnittsziffern 
nur insofern Wert, als sie einen handlichen Maßstab zum Vergleich der 
Ueberstundenziffern der einzelnen Jahre geben und für diesen Zweck 
ist es richtiger, die Ueberstunden auf die mit Ueberarbeit belasteten 
Arbeiter zu verteilen , wie dies in den Berichten der Gewerbeauf- 
sichtsbeamten geschieht, da so der Prozentsatz der zur Ueberarbeit 
herangezogenen Arbeiter (Spalte 4 der Zusammenstellung III) in der 
Durchschnittsziffer mit zum Ausdruck kommt. 

In Fortführung seiner vorjährigen, mehr Stichproben artigen Er- 
hebungen über die Belastung der Arbeiter gibt der vorliegende Bericht 
des Regierungs- und Gewerberates in Düsseldorf in dankenswerter 
Weise sehr umfangreiche Untersuchungen, die einen tiefen Einblick in 
die Arbeitsverhältnisse der Großeisenindustrie gestatten. Diese auf 
alle Großeisenarbeiter des Düsseldorfer Bezirkes ausgedehnten Unter- 
suchungen verdienen schon an sich besondere Beachtung, da in dem 
genannten Bezirk ein Drittel (76 560) aller Hüttenarbeiter tätig ist. Sie 
gewinnen aber noch dadurch an Bedeutung, daß sie durch ähnliche 
Untersuchungen aus den beiden nächst bedeutungsvollen Eisenhütten- 
bezirken Arnsberg und Oppeln ergänzt, und daß ihre Ergebnisse durch 
die Untersuchungen dieser Bezirke bestätigt werden. Die genannten 
Berichte bringen wichtiges Material zur Beantwortung folgender Fragen : 

1) Wieviel Fälle sind im Laufe des Jahres vorge- 
kommen, in denen einzelne Arbeiter innerhalb ein und 
desselben Monats erstens zu 60 und mehr, zweitens zu 
90 und mehr Ueberstunden herangezogen wurden? 

Zur Beantwortung dieser Frage sind im Düsseldorfer Bezirk die 
Arbeiter aller Werke während des ganzen Jahres verfolgt. Im Bezirk 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 14 



210 



Miszellen. 



Oppeln umfaßt die auf die Monate Januar und August beschränkte 
Untersuchung sämtliche Hüttenwerke außer einem großen Werk, dessen 
Direktor grundsätzlich jede Auskunft verweigert, zu der er nicht durch 
gesetzliche Vorschriften verpflichtet ist. Im Regierungsbezirk Arns- 
berg wurden die Erhebungen nur auf die Werke zweier Gewerbeinspek- 
tionen ausgedehnt. 

Es muß an dieser Stelle davon abgesehen werden, die nach ein- 
zelnen Betriebsarten getrennten Untersuchungsergebnisse hier im ein- 
zelnen wiederzugeben. Nur die Haupt- und Nebenbetriebe einerseits 
und die .Reparaturwerkstätten andererseits sind wegen ihrer grund- 
legenden Unterschiede in der folgenden Uebersicht getrennt auf- 
geführt. 



Art der 


Regierungs- 
bezirk 


Zahl der be- 
schäftigten Ar- 
beiter 


Zahl der Fälle, in denen Arbeiter 
monatlich an Ueberstunden ge- 
leistet haben 




60 und mehr 
Stunden 


90 und mehr 
Stunden 


1 


2 


3 


4 


5 


Haupt- u. Neben- 
betriebe 


Düsseldorf 
Oppeln *) 
Arnsberg 


64 731 
25694 

10 495 


13 740 
3 456 
1917 


1185 
480 
168 


Reparaturwerk- 
stätten 


Zusammen 

Düsseldorf 

Oppeln 

Arnsberg 


100 920 

11 829 
2981 
1787 


19 113 

9600 
2628 
1 089 


1833 

799 

150 

80 




Zusammen 


16597 


13 367 


1029 



Die Zusammenstellung ergibt, daß bei Belegschaften von 100 920 
(Haupt- und Nebenbetrieben) und 16 587 (Reparaturwerkstätten) Köpfen 
einzelne Arbeiter in 19113 und 13 367 Fällen eine mehr als 60-stündige 
monatliche Ueberarbeit geleistet hatten, und daß sich darunter 1 833 
und 1029 Fälle befanden, in denen die monatliche Belastung des 
Einzelarbeiters mehr als 90 Ueberstunden betrug. An diesen Fällen 
hoher Inanspruchnahme sind die Arbeiter der Reparaturwerkstätten bei 
weitem am stärksten beteiligt. Doch auch die Arbeiter der Haupt- und 
Nebenbetriebe sind einer derartig großen Beanspruchung durch Ueber- 
arbeit in erheblichem Umfange ausgesetzt worden. 

Bei der Besprechung der monatlichen Belastung der Einzel arbeiter 
mit Ueberstunden scheidet der Bericht des Regierungs- und Gewerbe- 
rates in Oppeln nicht nur die Fälle von mehr als 60 und 90 Ueber- 
stunden aus, sondern gibt auch die Fälle von mehr als 30 Ueberstunden 
an. Wir gewinnen dadurch folgendes recht anschauliche Bild für einen 
einzelnen Monat (Januar 1913): 



1) Die Zahlen für den Kegierungs bezirk Oppeln sind durch Multiplikation. 
der auf 2 Monate beschränkten Berichtszahlen mit 6 gefunden worden. 



Mis zellen. 



211 







Zahl der Arbeiter in den 


Lfd. 

No. 


Bezeichnung der Arbeiter 


Haupt- und 


Keparatur- 






Nebenbetrieben 


werkstätten 


1 


Zahl der beschäftigten Arbeiter 


25629 


2878 


2 


Zahl der zur Ueberarbeit herangezogenen Arbeiter x ) 
Darunter Zahl der Arbeiter, 


10252 


1992 


3 


die bis zu 30 Ueberstunden im Monat verfuhren 


8187 


888 


4 


„ 30 bis 60 


1 706 


906 


5 


„ 60 bis 90 


310 


*7$ 


6 


„ mehr als 90 „ „ „ „ 


49 


23 



Die Zahlen der beiden vorstehenden Uebersichten geben von der 
tatsächlichen Belastung der Arbeiter insofern noch kein klares Bild, 
als sie in ziemlich weit begrenzten Gruppen zusammengefaßt sind. 
Diese Lücke suchen die Berichte der Bezirke Düsseldorf und Arnsberg 
auszufüllen, indem sie zahlenmäßig die durchschnittliche Inanspruch- 
nahme der hochbelasteten Arbeiter in jedem Monat feststellen, zugleich 
aber auch die sonntägliche Ueberarbeit von der Gesamtüberarbeit 
trennen. 

Von der Wiedergabe dieser Zusammenstellungen, die wie die 
früheren Uebersichten die beiden Gruppen „Arbeiter mit einer monat- 
lichen Ueberarbeit von mehr als 60 Stunden" und „Arbeiter mit einer 
monatlichen Ueberarbeit von mehr als 90 Stunden" scheiden, muß hier 
abgesehen werden. Das Ergebnis der Untersuchungen läßt sich dahin 
zusammenfassen, daß die durchschnittliche Belastung der Arbeiter der 
ersten Gruppe im Düsseldorfer Bezirk zwischen 68 und 75, im Arns- 
berger Bezirk zwischen 61 und 81 Ueberstunden schwankte, während 
bei den Arbeitern der zweiten Gruppe im Düsseldorfer Bezirk durch- 
schnittliche Leistungen von 92 bis 106 und im Arnsberger Bezirk von 
94 bis 117 Ueberstunden zu verzeichnen waren. 

Besondere Beachtung beanspruchen die in den Uebersichten wieder- 
gegebenen Feststellungen, wie sich jene Ueberstunden auf Werk- und 
Sonntage verteilen. 

Bei den Fällen von 60- und mehrstündiger monatlicher 
Ueberarbeit betrug: 

1) die Höchstzahl der Werktagsüberstunden: 

im Düsseldorfer Bezirk 51 Stunden bei gleichzeitig 24 Sonntagsüberstunden 
„ Arnsberger „ 66 „ „ „ 11 „ 

2) die Höchstzahl der Sonntagsüberstunden: 

im Düsseldorfer Bezirk 58 Stunden bei gleichzeitig 16 Werktagsüberstunden 
„ Arnsberger „ 43 „ „ „ 29 „ 



Bei den Fällen von 
Ueberarbeit betrug: 



90- und mehrstündiger monatlicher 



1) Die Zahlen in Beihe 2 sind nach Maßgabe der Prozentziffern für das 
ganze Jahr errechnet. 

14* 



212 Miszellen. 

1) die Höchstzahl der Werktagsüberstunden: 

im Düsseldorfer Bezirk 84 Stunden bei gleichzeitig 16 Sonntagsüberstunden 
,, Arnsberger „ 99 „ „ „ 7 „ 

2) die Höchstzahl der Sonntagsüberstunden: 

im Düsseldorfer Bezirk 79 Stunden bei gleichzeitig 21 Werktagsüberstunden 
„ Arnsberger „ 40 „ „ „ 61 „ 

Die Gegenüberstellung zeigt, daß in diesen Fällen ungewöhnlich 
hoher Belastung die Ueberstunden keineswegs vorwiegend auf die Sonn- 
tage entfielen. Dabei sei nochmals ausdrücklich bemerkt, daß die oben 
angegebenen Zahlen Durchschnittsziffern aller Höchstfälle der einzelnen 
Monate sind. Einzelfälle, bei denen das einseitige Ueberwiegen von 
Werktags- oder Sonntagsüberarbeit noch schärfer hervortritt, werden 
von den Durchschnittsziffern verwischt. 

2. Wie oft im Jahre sind die einzelnen Arbeiter 
zu derartig ungewöhnlichen monatlichen Ueberstunden 

herangezogen? 

Eine Durchsicht der Ueberarbeitsverzeichnisse, in denen die ein- 
zelnen Arbeiter mit Namen und Werksnummer aufgeführt sind, zeigt, 
daß in den einzelnen Monaten stets ein großer Prozentsatz derselben 
Arbeiter zur Ueberarbeit herangezogen wird. Allerdings erscheinen 
manche Arbeiter, die in der Ueberarbeitsliste des einen Monats ver- 
zeichnet waren, in den Listen der nächsten Monate nicht, da sie in 
eine andere Betriebsabteilung versetzt oder infolge Krankheit und Un- 
fall auf längere Zeit arbeitsunfähig gewesen sind. Trotzdem läßt sich 
in den Ueberarbeitslisten eine große Zahl Arbeiter das ganze Jahr 
hindurch verfolgen. Die Gründe dieser unliebsamen Erscheinung sind 
schon früher gestreift, besondere Geschicklichkeit und Zuverlässigkeit 
einzelner Arbeiter, Drängen der strebsamen jungen und kräftigen Leute 
nach der gut bezahlten Ueberarbeit; unzureichende Betriebsstätten und 
Arbeitsmittel in einzelnen Werksabteilungen (besonders Reparatur - 
werkstätten) , Gleichgültigkeit und Günstlingswirtschaft der unteren 
Werksbeamten, Zuweisung von Ueberstunden statt Lohnerhöhung 
u. dgl. Ein zahlenmäßiger Nachweis, wie viele Arbeiter einen Monat 
wie den anderen zur Ueberarbeit herangezogen werden, und wie viele 
nur gelegentlich oder in Ausnahmefällen Ueberstunden leisten, läßt sich 
infolge der Verschiebungen innerhalb der Einzelbetriebe an Hand der 
Ueberarbeitsverzeichnisse kaum mit der erforderlichen Genauigkeit durch- 
führen. 

Nun haben aber die Gewerbeaufsichtsbeamten des Regierungs- 
bezirkes Düsseldorf sich im Berichtsjahre der recht mühevollen Auf- 
gabe unterzogen, bei 12 170 Fällen, in denen einzelne Arbeiter mehr 
als 60-stündige Ueberarbeit im Monat geleistet hatten, nachzuprüfen, 
auf wieviel Köpfe sich diese Fälle verteilt haben, oder wie oft im 
Laufe des Jahres die einzelnen Arbeiter von solchen Ueberarbeiten be- 
troffen wurden. Die in dem Bericht des Düsseldorfer Bezirkes nach 



Miszellen. 



213 



Betriebsarten gegliederten Untersuchungsergebnisse sind nachstehend 
für alle verschiedenen Betriebsabteilungen zusammengefaßt: 



Zahl der Arbeiter, die 60- und mehrstündige monatliche Ueberarbeit 
(einschließlich der Sonntagsarbeit) geleistet haben in 

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 



Monaten 



zusammen 



2997 1040 | 569 | 382 | 236 | 113 I 61 I 52 I 33 | 33 I 22 I 24 

Zahl der Arbeiter, die in den nachgewiesenen Fällen von 60- und mehr- 
stündiger monatlicher Ueberarbeit eine Ueberarbeit von 90 Stunden und 
darüber geleistet haben in 

1 1 2 1 3 1 4 | 5 j 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 



5562 



zusammen 



Monaten 



410 



80 28 



*5 



1 - 



525 



Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß an den nachgeprüften 
12 170 Fällen von mehr als 60-stündiger monatlicher Ueberarbeit 
5562 verschiedene Arbeiter beteiligt waren. Eine derartig ausgedehnte 
Ueberarbeit haben 2997 Arbeiter nur lmal, 1040 2mal, 569 3mal, 
382 4mal usw. und schließlich 24 12mal im Verlauf der 12 Monate 
des Jahres geleistet. 24 Arbeiter wurden also allmonatlich zu 
mindestens 60 Ueberstunden herangezogen. Die aufgeführten Fälle von 
mehr als 90-stündiger Ueberarbeit im Monat verteilten sich auf 525 Ar- 
beiter in der Weise, daß 410 Arbeiter lmal, 80 2mal usw. und schließ- 
lich einer 11 mal von ihr betroffen wurden. 

Stellen wir an Hand der letzten Zusammenstellung beispielsweise 
fest, daß 113 Arbeiter in 6 Monaten des Jahres je mindestens 60 Ueber- 
stunden gemacht haben, so dürfen wir nicht annehmen, daß diese 
113 Arbeiter in den übrigen Monaten von jeder Ueberarbeit freigelassen 
wären, sondern wir wissen nur, daß die Zahl der Ueberstunden in den 
übrigen Monaten die Grenze von 60 nicht erreicht hat. Im Düssel- 
dorfer Bericht ist für eine Anzahl hochbelasteter Arbeiter unter An- 
gabe ihres Berufes im einzelnen nachgewiesen, wie sich ihre Ueber- 
arbeitsleistung auf die verschiedenen Monate verteilt. Der Bericht 
führt dazu ausdrücklich aus, daß die sich auf 36 Arbeiter erstreckende 
Uebersicht keineswegs eine erschöpfende Zusammenstellung der schlimm- 
sten Fälle von Ueberarbeitsbelastung darstelle, sondern daß ähnliche 
Fälle unter den Großeisenarbeitern des Düsseldorfer Bezirkes noch in 
großer Menge vorkämen. Sie treten aber nicht nur in den Düssel- 
dorfer Hüttenwerken auf, sondern der Arnsberger Bericht verzeichnet 
ganz ähnliche Fälle 1 ). In der folgenden Zusammenstellung ist eine 
Anzahl dieser Fälle außergewöhnlich hoher Ueberarbeit für Arbeiter 
der verschiedensten Betriebsabteilungen wiedergegeben. 



1) Auch im Regierungsbezirk Oppeln sind gleichartige Fälle festgestellt, aber 
nicht einzeln im Bericht mitgeteilt. Vgl. Anmerkung zu S. 214. 



214 



Miszellen. 



c 


S j* 


Betriebsabteilung 


Beruf des Arbeiters 


Monatliche Ueberstundenzahlen 


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525 


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2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


17 


1 


i 


D 


Hochofenwerk 


Stichlochm assenf orm er 


106 


101 


106 


128 


98 


130 


108 


HO 


HO 


HO 


122 


82 


1311 


10 


2 


A 


M 


Hochofenschlosser 


«3 


70 


62 


80 


47 


57 


95 


95 


IOI 


94 


108 


04 


996 


8 


3 


D 


Thomasstahlwerk 


Kranführer 


72 


60 


48 


60 


48 


7i 


62 


48 


48 


48 


48 


72 


685 




4 


D 


„ 


Maschinist 


72 


60 


48 


60 


48 


72 


72 


48 


48 


48 


48 


72 


696 


5 


5 


D 


„ 


Schlosser 


85 


61 


48 


96 


48 


7i 


72 




96 


48 


72 


166 


763 


6^ 


6 


D 


Walzwerk 


Kranführer 


96 


60 


48 


72 


48 


60 


72 


48 


48 


48 


48 


72 


720 


6 


7 


A 


M 


Maschinist 


82 


92 


80 


74 


95 


9i 


9i 


96 


90 


9i 


93 


84 


»059 


8- 


8 


A 


M 


Walzwerkschlosser 


88 


89 


75 


82 


102 


87 


84 


90 


92 


99 


98 


89 


1075 


9 ( 


9 


D 


„ 


Zuschläger 


79 


60 


48 


72 


48 


72 


72 


48 


48 


48 


48 


72 


715 


6< 


10 


A 


Gießerei 


Gießereiarbeiter 


59 


68 


52 


65 


73 


68 


66 


78 


89 


9i 


73 


57 


839 


7' 


11 


A 


Kesselbetrieb 


Kesselhausmaschinist 


76 


82 


81 


69 


63 


67 


65 


7i 


76 


70 


59 


61 


840 


T 


12 


D 


Repar aturwerkstatt 


Schlosser 


102 


109 


100 


95 


107 


131 


110 


70 


114 


106 


108 


100 


1252 


10. 


13 


D 


Elektr.. Rep.Wrkst. 


Motorenwärter 


84 


114 


94 


121 


106 


129 


95 


106 


98 


106 


93 


125 


1269 101 


14 


D 


Elekrjr) Abteilung 


Elektrotechniker 


9i 


102 


86 


87 


98 


114 


121 


106 


96 


70 


96 


116 


1183 


9 


15 


A 


Bahn etrieb 


Lokomotivführer 


84 


56 


65 


89 


53 


67 


89 


92 


78 


85 


85 


78 


921 


7 


16 


A 


H 


Weichensteller 


in 


"3 


89 


74 


95 


81 


79 


83 


89 I03 


94 


102 


1113 


9 


17 


D 


n 


Bahnarbeiter 


135 


116 


114 


82 


92 


84 


86 


HO 


IO8 


i 78 


102 


82 


1189 


9 



Die Angaben über den Beruf des Arbeiters in Spalte 4 bestätigen die 
schon früher von dem Regierungs- und Gewerberat in Düsseldorf her- 
vorgehobene Tatsache, daß zwar die hochbelasteten Arbeiter zum Teil 
nur eine körperlich wenig anstrengende, durch zahlreiche Pausen unter- 
brochene Arbeit zu verrichten haben, daß aber ein großer Teil dieser 
Leute eine Tätigkeit ausübt, die ihrer Natur nach keineswegs als leicht 
anzusehen ist. Der Regierungs- und Gewerberat in Arnsberg hebt dabei 
noch besonders hervor, daß an jenen Fällen außergewöhnlich hoher 
Ueberarbeit auch Arbeiter beteiligt waren, von deren Arbeitsfrische und 
Aufmerksamkeit im Dienst unter Umständen Leben und Gesundheit 
ihrer Mitarbeiter abhängen. Daß die Summe der Ueberstunden des 
unter Nummer 1 der Uebersicht aufgeführten Hochofenarbeiters noch 
übertroffen werden kann, erscheint kaum glaublich, trotzdem führt der 
Bericht des Oppelner Bezirkes einen Lokomotivheizer an, der 1363 Ueber- 
stunden im Jahr gemacht hat 2 ). Die Bedeutung dieser Ziffer wird erst 
klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ein an jedem Werktag des 
Jahres regelmäßig 12 Stunden beschäftigter Arbeiter insgesamt 3672 Ar- 



1) A bezeichnet Arnsberg, D Düsseldorf. 

2) Die Ueberstunden dieses Lokomotivheizers betrugen in den einzelnen Mo- 
naten: Dezember 119 (28), Januar 125 (27), Februar 92 (0), März 124 (28), 
April 69 (0), Mai 116i/ 2 (38i/ 2 ), J^i 92i/ 2 (16), Juli 108 (28), August 145 
(48), September 124i/ 2 (28), Oktober 128 (26), November 119i/ 2 (38). Die in 
Klammern beigefügten Zahlen besagen, wieviele der Ueberstunden auf Sonn- und 
Festtage entfielen. 






Miszellen. 215 

beitsstunden aufweist, daß also jene 1363 Ueberstunden nicht weniger 
als 37 Proz. der normalen Arbeitsstunden ausmachen. 

Daß eine einmalige monatliche Ueberlastung des Arbeiters ohne 
Wissen und Willen der Betriebsleitung vorkommt, ist leicht verständ- 
lich. Es erscheint aber ausgeschlossen, daß derartige, das ganze Jahr 
hindurch auftretende Wiederholungen von Ueberlastung einzelner Ar- 
beiter ohne Kenntnis und Einverständnis der verantwortlichen Betriebs- 
leiter erfolgen konnten. 

3. Wird die Ueberarbeit durch Minderarbeit 
ausgeglichen? 

Im Anschluß an die letzten Jahresberichte der Gewerbeaufsichts- 
beamten hat sich ein lebhafter Meinungsaustausch über die Frage ent- 
wickelt, ob bei den Arbeitern der Großeisenindustrie die Ueberarbeit 
durch Minderarbeit ausgeglichen wird. Es unterliegt wohl keinem 
Zweifel, daß in den Eisenhüttenwerken die Fehlstunden, d. h. diejenigen 
Stunden, welche die Arbeiter weniger als ordnungsmäßig verfahren, 
einen ungewöhnlich großen Umfang annehmen. Auch die Berichte der 
Gewerbeaufsichtsbeamten haben auf diese unerwünschte Erscheinung 
und ihre Gründe verschiedentlich hingewiesen. Der Arbeiterwechsel 
ist auf den Großeisenwerken recht groß. Nach früheren Erhebungen 
der Gewerbeaufsichtsbeamten betrug der jährliche Abgang für 100 Ar- 
beiter z. B. in der niederrheinischen Hüttenindustrie 91 bzw. 86. Unter 
den Belegschaften befinden sich viele ungelernte, zum Teil ausländische, 
sozial unter dem Durchschnitt stehende Arbeiter, die oft aus mangelndem 
Pflichtgefühl ihre Dienstobliegenheiten wenig ernst nehmen und leicht, 
besonders unter dem Einfluß des Alkohols, zu willkürlichen Feier- 
schichten geneigt sind. Weiter entspringen vielfach Fehlstunden aus 
Betriebsstörungen, die infolge der Technik der Arbeitsvorgänge in der 
Eisenhüttenindustrie häufiger als in den meisten anderen Industrien 
vorkommen, und aus Störungen in der Zufuhr von Rohmaterialien, die 
bei der Bewegung so großer Massengüter unvermeidlich sind. 

Endlich verdienen hier die zahlreichen Unfälle und Erkrankungen 
unter den Eisenhüttenarbeitern weitgehende Berücksichtigung. Man 
rechnet, daß im Laufe des Jahres auf 100 Arbeiter durchschnittlich 
17 Unfälle entfallen, von denen allerdings kaum der zehnte Teil ent- 
schädigungspflichtig ist, die aber auch bei leichten Verletzungen zu- 
meist Feierschichten bedingen. Weiter kann man annehmen, daß bei 
100 Eisenhüttenarbeitern im Jahre 50 — 80 Krankheitsfälle einschließ- 
lich der durch Unfälle verursachten Erkrankungen mit einer durch- 
schnittlichen Krankheitsdauer von 14 — 20 Tagen auftreten, daß also im 
Mittel auf jeden Arbeiter etwa 132 durch Krankheit verursachte Minder- 
arbeitsstunden im Jahr entfallen. Zu diesen verschiedenen Ursachen 
treten noch in Zeiten schlechten Geschäftsganges die durch fehlende 
Aufträge veranlaßten Feierschichten. So führt der Oppelner Bericht 
ein Feineisenwalzwerk an, das z. B. im Mai vorigen Jahres 12, im 



216 Miszellen. 

Juni 18, im Juli 13, im August 15, im September 19 und im Oktober 
16 Schichten ausfallen lassen mußte. Aus allen diesen Gründen ist bei 
den Belegschaften der Eisenhüttenwerke mit einer ungewöhnlich hohen 
Ziffer von Fehlstunden zu rechnen, und es ist zweifelsfrei, daß diese 
den verschiedenen Ursachen entspringende Minderarbeit in vielen Fällen 
zur Ueberarbeit Veranlassung gibt. 

Will man jedoch, wie dies von verschiedenen Seiten getan ist, 
Minder- und Ueberarbeit gegeneinander aufrechnen, um so festzustellen, 
ob die durch Ueberstunden erfolgte Belastung der Arbeiter durch Fehl- 
stunden ausgeglichen wird, so dürfte besondere Vorsicht geboten sein, 
um Trugschlüsse zu vermeiden. Einwandfrei ist die Aufrechnung einer 
Feierschicht gegen eine sonntägliche Ueberschicht, sofern beide bei 
demselben Arbeiter in gleichen, begrenzten Zeiträumen, etwa 2 Wochen 
vorgekommen sind. Hat ein Arbeiter an einem Sonntag Ueberarbeit 
geleistet, und macht er dafür in der vorhergehenden oder folgenden 
Woche an einem Werktag eine Feierschicht, die nicht durch Krank- 
heit verursacht wird, so ist die Beeinträchtigung seiner sonntäglichen 
Ruhezeit durch die Feierschicht ausgeglichen. Grundsätzliche Bedenken 
sind aber gegen den vorbehaltlosen Ausgleich von Minderarbeit und 
Werktagsüberarbeit geltend zu machen. Es ist zweifelhaft, ob 
Ueberstunden, die im Anschluß an eine regelmäßige 12 -stündige 
Schicht verfahren werden und die Kräfte der Arbeiter im höheren 
Maße, als normale Arbeitsstunden beanspruchen, durch unregelmäßig 
auftretende, verlängerte Ruhezeiten überhaupt ausgeglichen werden 
können. Jedenfalls müssen Ueberstunden und Fehlstunden, wenn sie 
sich in ihren Wirkungen auf den Arbeiter aufheben sollen, in eng be- 
grenzten Zeiträumen liegen. Noch wichtiger für die Zulässigkeit der 
Ausgleichsrechnung ist eine weitere Voraussetzung. Will man Minder- 
und Ueberarbeit gegeneinander aufrechnen, so darf man nicht die 
Summe der Fehl- und Ueberstunden der ganzen Belegschaft er- 
mitteln und in Beziehung setzen, sondern man muß den einzelnen 
Arbeiter zur Grundlage der Gegenüberstellung machen. Es leuchtet 
ohne weiteres ein, daß ein stark zu Ueberstunden herangezogener Ar- 
beiter nicht dadurch entlastet wird, daß bei einem anderen Arbeiter 
viel Feierstunden vorgekommen sind. 

Einer Statistik, welche die Minder- und Ueberarbeit der ganzen 
Belegschaft eines Werkes summarisch gegenüberstellt, kann von vorn- 
herein die Beweiskraft dafür, daß die Belastung der Arbeiter mit 
Ueberarbeit durch Minderarbeit ausgeglichen wird, abgesprochen werden. 
Auf diesem Gebiete führt nicht eine Massenstatistik, sondern nur die 
individualisierenden Einzeluntersuchungen zum Ziel. Derartige sehr 
eingehende Erhebungen finden sich in dem Bericht des Düsseldorfer 
Regierungs- und Gewerberates. 

Für ein großes gemischtes Hüttenwerk des Regierungsbezirkes 
Düsseldorf sind innerhalb eines Zeitraumes von 10 Monaten die Zahl 
der Ueberstunden einerseits und die Zahl der freiwillig, wegen Krankheit 
oder wegen militärischer Dienstleistung versäumten Stunden anderer- 
seits ermittelt worden. 



Miszellen. 



217 





Ueberstunden Fehlstunden 


Monat 


insgesamt 




davon 


davon an 
Sonntagen 


insgesamt 


freiwillig 


wegen 
Krankheit 


wegen 
militärischer 
Dienstleistung 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


Januar 

Februar 

März 

April 

Mai 

Juni 

Juli 

August 

September 

Oktober 


56818 
52188 
60 989 
55 4" 

49 949 
55 145 
53 153 
59882 

50 997 
5M65 


22 137 

20 754 
26825 
22003 
20 591 
25279 

21557 
25716 
20362 
20988 


89 560 
83380 
75 920 
72 610 
69920 
79 340 
81 030 
83 350 
92 260 
91350 


26580 
28070 
26450 
25 260 
25 620 
24 240 
28680 
27 180 
29 210 
28680 


62980 

55 3IO 
49 200 
47 350 
43 76o 
52 610 
51950 
54 730 

56 530 
54 350 


270 

540 
2 490 

400 
1440 
6520 
8320 


Zusammen 


545 997 


226 212 


818720 


269970 


528 770 


19980 



Dieser Gesamtübersicht entnehmen wir zunächst, daß den 545 997 
Ueberstunden 818 720 Fehlstunden gegenüber stehen. Ziffernmäßig 
reichen die Ueberstunden noch lange nicht aus, um den durch Feier- 
schichten entstandenen Fehlbetrag zu decken. Hierbei ist zunächst 
jedoch zu berücksichtigen, daß von den 818 720 Fehlstunden nicht 
weniger als 548 750 oder 67 Proz. auf Erkrankungen und militärische 
Uebungen entfallen. Da außerdem unter den als freiwillig gefehlt auf- 
geführten Stunden sich erfahrungsgemäß noch eine erhebliche Zahl von 
Stunden befinden, die infolge kürzerer Erkrankungen ohne Kranken- 
schein oder aus sonstigen dringenden Anlässen versäumt worden sind, 
so können die sogenannten Bummelschichten für die Ueberarbeit nur 
im verhältnismäßig geringen Umfang verantwortlich gemacht werden. 

Aus der vorstehenden Gesamtübersicht weitere Schlüsse etwa auf 
den Vergleich von Minder- und Ueberarbeit zu ziehen, vermeidet der 
Düsseldorfer Bericht wohlweislich. Den dahin zielenden Untersuchungen 
ist vielmehr der Einzelarbeiter zugrunde gelegt, und zwar sind für 
dasselbe Werk die Ueber- und Fehlstunden aller derjenigen Arbeiter 
ermittelt worden, die in mindestens 6 Monaten eine 60- oder mehr- 
stündige monatliche Ueberarbeit geleistet haben. Hierfür kamen 47 
Arbeiter in Betracht, deren Ueber- und Minderarbeit in der Uebersicht 
auf Seite 218/219 einander gegenübergestellt sind. Die Reihenfolge der 
Arbeiter in der Zusammenstellung hat sich nach der Zahl der Monate, 
in denen sie 60- und mehrstündige monatliche Ueberarbeit geleistet 
haben (Spalte 15), gerichtet. 

Die Nachweisung ergibt, daß den von den 47 Arbeitern geleisteten 
37490 Ueberstunden (30 341 an Werktagen, 7149 an Sonntagen) 
nur 5210 versäumte Stunden gegenüberstehen, von denen über- 
dies mehr als die Hälfte — 2730 — auf Erkrankungen, 700 auf mili- 
tärische Dienstleistungen und nur 1780 auf freiwillige Ver- 
säumnis entfallen. 



218 



Miszellen. 



Uebersicht der Ueber- und Fehlstunden der Arbeiter 











6 Monaten eine 60- 


oder meh 


r stün 




Art der 


Ueberstunden 


No. 




















Beschäftigung 


De- 


■Turin a r 


Fe- 


















zember 

1912 


V C4I-1 LI (AI 

1913 


bruar 


März 


April 


Mai 


Juni 


Juli 


August 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


1 


Teerer 


bo — 


20 — 


12 — 


5 — 


41 — 


64- 


67 - 


17 - 


71 — 


2 


Schlosser 


63 - 


60 8 


12 — 


36 5 


41 14 


29 — 


57 18 


54 12 


60 - 


3 


„ 


70 26 


66 i«? 


51 9 


52 26 


47 18 


44 18 


49 22 


73 20 


66 15 


4 


Kranführer 


37 13 


53 7 


39 ff 


40 21 


62 25 


25 13 


41 13 


60 19 


68 20 


5 


Schlosser 


65 33 


66 36" 


53 7 


48 24 


41 21 


48 28 





85 35 


57 14 


6 


Hilfsarbeiter 


70 49 


42 27 


58 26° 


64 41 


53 21 


51 23 


62 24 


5 6 23 


88 23 


7 


Kranführer 





47 ü 


3i 7 


78 25 


96 5 


41 8 


85 22 


67 12 


88 12 


8 


Schlosser 


43 24 


2q-i?4 




13 5 


56 7 


93 23 


72 17 


93 25 


63 15 


9 


„ 


74 20 


50 12 


42 £ 


63 26" 


60 ff 


58 14 


62 14 


61 13 


42 6 


10 


Vorarbeiter 


70 20 


43 ^ 


51 2ff 


79 ^ 


60 14 


45 27 


63 2J 


65 12 


76 24 


11 


„ 


1\34 


59 ^ 


55 28 


49 ^ 


87 32 


44 25 


73 24 


76 25 


68 24 


12 


Dreher 


78 31 


57 15 


60 17 


80 41 


54 11 


79 28 


55 21 


41 16 


63 26 


13 


Scheren arbeiter 


73 — 


81 — 


60 — 


38 - 


64- 


34 — 


78 - 


70 — 


58 - 


14 


Schmied 


81 21 


77 ff 


61 8 


90 38 


72 ff 


40 6 


52 13 


63 ff 


58 16 


15 


Maschinist 


83 27 


67 12 


75 # 


72 2£ 


59 22 


65 23 


63 3J 


51 15 


59 23 


16 


Vorarbeiter 


74 40 


62 15 


73 24 


45 16 


62 25 


55 <* 


78 3J 


66 15 


76 37 


17 


Hilfsarbeiter 


50 8 


57 7 


59 — 


101 — 


5o — 


66 — 


64 24 


74 - 


90 15 


18 


Kranführer 


56 26 


74 ^ 


68 13 


74 ff 


40 13 


72 ff 


14 ff 


82 14 


63 13 


19 


Hilfsarbeiter 


57 21 


66 14 


62 14 


64 17 


66 14 


3i 3 


71 21 


71 14 


52 — 


20 


Kranführer 




28 — 


72 £ 


73 25 


89 25 


43 ff 


76 14 


60 19 


63 ff 


21 


Schlosser 


65 31 


33 12 


33 10 


61 22 


60 35 


52 35 


67 37 


47 ^5 


74 23 


22 


»> 


37 25 


70 23 


73 A3 


33 tt 


59 # 


60 14 


63 27 


66 23 


72 23 


23 


,, 


60 23 


49 *7 


47 23 


65 21 


61 25 


82 33 


90 44 


53 J* 


67 27 


24 


„ 


47 30 


54 25 


67 17 


52 15 


73 8 


109 40 


65 20 


75 24 


72 23 


25 


Maschinist 


88 — 


73 — 


81 — 


63 - 


85 - 


66 — 


44 — 


68 — 


56- 


26 


Kranführer 


77 19 


79 13 


57 ff 


63 ff 


72 6 


53 *J 


55 # 


74 13 


76 14 


27 


Scherenarbeiter 


60 — 


42 — 


77 — 


80 — 


74 — 


72 — 


78- 


99 — 


86 — 


28 


Zuschläger 


62 6 


76 6 


68 14 


59 19 


58 13 


66 23 


40 ff 


70 13 


75 22 


29 


Schlosser 


49 23 


51 22 


61 21 


76 - 


94 — 


46 23 


76 - 


98 - 


92 — 


30 


Kranführer 


73 18 


56 13 


75 ^ 


77 1* 


48 18 


46- 


80 30 


78 12 


86 20 


31 


Vorarbeiter 


75 — 


72 7 


76 7 


59 7 


78 - 


74 7 


75 7 


89 7 


89 - 


32 


Scherenarbeiter 


68 — 


82 — 


92 - 


74 — 


80 — 


84 - 


85 - 


101 - 


88 — 


33 


Hilfsarbeiter 


7i — 


84- 


49 — 


66 — 


62 — 


63 - 


62 — 


83 - 


81 — 


34 


Scherenarbeiter 


72 — 


81 7 


90 - 


86 — 


86 — 


78 - 


46 - 


76- 


95 — 


35 


Maschinist 


79 20 


65 6 


60 19 


52 19 


67 19 


64 6 


83 23 


65 5 


81 19 


36 


Kranführer 


82 26 


88 tf 


75 ff 


81 27 


62 8 


48 14 


59 13 


76 14 


84 13 


37 


Scherenarbeiter 


49 12 


58 Iff 


90 — 


92 - 


90 - 


84 _ 


88 — 


102 — 


90- 


38 


Schmied 


86 20 


76 6 


66 14 


59 19 


61 13 


38 ff 


68 23 


69 13 


70 17 


39 


Dreher 


77 27 


67 15 


59 ^ 


67 21 


63 27 


48 13 


67 23 


70 19 


71 2J 


40 


Bohrer 


64 13 


79 19 


63 15 


62 15 


49 20 


53 13 


67 19 


81 26 


82 17 


41 


Kranführer 


75 20 


51 15 


70 19 


62 18 


80 21 


101 22 


97 2£ 


61 1£ 


76 5 


42 


Schlosser 


83 33 


72 1,5 


67 21 


67 15 


87 2ff 


39^ 


71 23 


75 21 


72 19 


43 


Vorarbeiter 


72 27 


80 26 


79^7 


89 41 


78 31 


106 35 


87 32 


92 25 


75 25 


44 


Scheren arbeiter 


66 — 


78 - 


86 — 


85 - 


84 - 


80 — 


81 — 


102 - 


82 — 


45 


Vorzeichner 


76 - 


83 7 


91 - 


92 - 


88 — 


84 - 


91 — 


110 — 


98 — 


46 


Scherenarbeiter 


72 — 


73 7 


84 - 


84 - 


85 - 


78 - 


83 - 


102 - 


95 — 


47 


Vorzeichner 


78 - 


78 - 


100 - 


86 — 


89- 


81 — 


83 - 


101 - 


86 — 



Die liegenden Zahlen beziehen sich auf Sonntagsarbeit. 



Mis zellen. 



219 



die in den auf S. 211 erwähnten Werken mindesiens in 
dige Ueberarbeit geleistet haben. 





Mehr als 60 


Summe d. 






Feierschichten 




is 




monatliche 


monatlich 
weniger 
als 60 
Stunden 
betragen- 
den Ueber- 


Über- 
stunden ins- 
gesamt 


Wegen 
Krankheit 
gefeierte 

I äS 

t il 


Freiwillig 
gefeierte 

1 i g 

1 21 


Wegen 

militärischer 

Uebung 

gefeierte 

Ö . - 

1 11 


5 'S 
C g 


Sep- 
tember 


Ok- 
tober 


No- 
vem- 
ber 


üebe 

Zahl 
der 
Mo- 


rstunden 

Summe 

der 
Ueber- 


11 

CO 








nate 


stunden 


arbeit 






ja 




u 9 


ja 

w 




ja 




U ES 


12 


13 


14 


15 


16 


17 


18 


19 


20 


21 


22 


23 


24 


25 


53 - 


85 - 


75 — 


6 


422 — 


148 — 


570 











1 


1 
10 1 — 





10 


65 - 


96 6 


68 — 


6 


412 14 


229 49 


641 


63 


4 


40 


7 


70 - 


— 


HO 


49 18 


63 19 


61 19 


6 


399 U5 


292 111 


691 


226 




Angaben fehlen 




6; 13 


78 13 


86 19 


6 


421 104 


235 73 


656 


177 


6 


60 


3 


30 


— 


— 


90 


71 19 


80 30 


65 26 


6 


432 174 


247 94 


679 


268 




— 


7 


70 


26 


260 


330 


26 — 


66 35 


71 20 


6 


423 192 


286 120 


709 


312 




— 


1 


10 


— 


— 


IO 


55 & 


52 i2 


71 34 


6 


485 117 


226 60 


711 


177 


10 


100 


2 


20 


— 


— 


I20 


58 15 


77 22 


61 30 


6 


459 132 


199 55 


658 


171 


45 


45o 


3 


30 


— 


— 


480 


42 22 


62 6 

46 £ 


59 2* 
68 i2 


6 


382 &5 
481 119 


293 81 
223 .90 


675 
704 


166 
209 


" 


110 


5 
2 


50 
20 


— 


— 


50 


38 18 


7 


130 


68 20 


62 20 


46 22 


7 


508 252 


253 112 


761 


294 


10 


100 


2 


20 


— 


— 


120 


50 16 


65 22 


72 50 


7 


497 18 5 


257 52 


754 


267 


— 


— 


20 


200 


— 


— 


200 


46 - 


49 — 
71 20 


76- 
61 13 


7 


502 — 
576 118 


225 — 
158 35 


727 
734 


153 


6 

20 


60 
200 


6 
5 


60 
5° 


— 


— 


120 


8 — 


8 


250 


61 25 


39 <? 


75 ^ 


8 


561 2Öi 


208 £5 


769 


270 




— 


4 


40 


— 


— 


40 


48 7 


75 37 


50 23 


8 


566 252 


198 «54 


764 


285 


15 


150 


6 


60 


— 


— 


210 


100 — 


74 — 


87 «5 


8 


656 47 


216 15 


872 


62 






2 


20 


— 


— 


20 


64 IS 


56 i,5 


79 *? 


8 


576 52 


166 «55 


742 


149 




— 


4 


40 


15 


150 


I90 


52 - 


68 14 


72 24 


8 


540 132 


192 24 


732 


156 


11 


110 




— 






HO 


57 14 


67 i4 


72 2£ 


8 


572 225 


128 20 


700 


143 


39 


390 


— 


— 


— 


— 


390 


61 36 


64 23 


68 30 


8 


520 257 


165 75 


685 


312 


18 


180 


9 


90 


— 


— 


270 


66 23 


66 17 


49 50 


8 


536 173 


178 &5 


7H 


258 


7 


70 


1 


10 


— 


— 


80 


55 ^ 


63 AI 


61 20 


8 


549 226 


204 52 


753 


308 






1 


10 


— 


— 


10 


6/ - 


57 — 


70 24 
70 — 


8 


598 156 
677 - 


153 74 
157 — 


75i 
834 


230 


— 


— 


8 


80 
10 


29 


290 


370 


83 - 


9 


IO 


72 8 


77 13 


79 13 


9 


669 2Ä5 


165 34 


834 


139 


— 


— 


1 


10 


— 


— 


10 


63 21 


10 — 


44 — 


9 


689 21 


96 _ 


785 


21 




— 


3 


30 


— 


— 


30 


76 25 


64 6 


70 20 


9 


627 225 


157 55 


784 


167 


6 


60 






— 


— 


60 


98 —98 — 


62 — 


9 


755 21 


146 68 


901 


89 




Anj 


aben fehle 


n 




75 * 


85 ff 

58- 


61 8 
80 — 


9 


690 252 

772 5J 


150 52 
117 7 


840 
889 


163 
42 


— 


— 


2 

4 


20 

40 


— 


— 


20 


64- 


10 


40 


88 — 


22 — 


16 — 


10 


842 — 


38 - 


880 


— 


35 


350 


2 


20 


— 


— 


370 


60 - 


58- 


76 7 


10 


708 7 


107 _ 


815 


7 


6 


60 


— 


— 


— 


— 


60 


86 — 


70 - 


48 - 


10 


820 7 


94 — 


914 


7 


15 


^o 


— 


— 


— 


— 


J 5o 


61 21 


36 13 


68 24 


10 


693 26\5 


88 32 


781 


197 






10 


100 





— 


100 


81 — 


74 ^? 


78 21 


10 


761 254 


107 27 


868 


161 


— 


— 


2 


20 


— 


— 


20 


92 — 


62 _ 


90 - 


10 


880 — 


107 25 


987 


28 


6 


60 


3o 


300 


— 


— 


360 


76 19 


64 6 


66 i<? 


10 


702 144 


97 2J 


799 


169 
















79 U 


70 22 


70 27 


10 


701 224 


107 32 


808 


256 


— 


— 


2 


20 


— 


— 


20 


70 14 


76 25 


63 15 


10 


716 257 


102 55 


818 


220 


— 


— 


8 


80 


— 


— 


80 


96 19 


60 ü 

87 28 

85 i* 


46 13 
77 21 
83 42 


10 


778 255 
832 237 
994 #4$ 


97 32 
39 25 


875 

871 

994 


215 

250 

348 


3 


30 


5 

7 


5o 
70 


— 


— 


80 


74 13 


11 


70 


68 i6' 


12 




84- 


60 — 


88 — 


12 


976 — 


— — 


976 





— 


— 








— 




— 


80 — 


76 - 


88 _ 


12 


1057 7 


— — 


1057 


7 


— 


— 


2 


20 





— 


20 


86 _ 


69 _ 


90 - 


12 


1001 7 


— — 


1 001 


7 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


90 — 


68 — 


87 - 


12 


1027 — 


~~ ~~ 1 


1 027 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 










2 


Zusammen | 


37 490 


7149 


— 


2730 


— 


1780 


— 


700 | 


5210 



220 Miszellen. 

Um dem Einwurf zu begegnen, daß diese ungewöhnlichen Er- 
gebnisse möglicherweise auf mangelhafte Dispositionen einer einzelnen 
Werksleitung zurückzuführen seien, sind zwei weitere Werke des 
Düsseldorfer Bezirkes den gleichen Untersuchungen unterzogen worden. 
In dem einen Werke haben 63 Arbeiter, die sämtlich in mindestens 
6 Monaten des Berichtsjahres eine 60- und mehrstündige monatliche 
Ueberarbeit geleistet haben, insgesamt 48453 Ueberstunden ver- 
fahren; aber nur 3150 Stunden versäumt. In dem anderen Werke 
belief sich die Summe der Ueberstunden von 19 in der gleichen 
Weise belasteten Arbeitern auf 1433 4, die der versäumten 
Stunden auf 1340. 

Allerdings sind in den zuletzt angeführten statistischen Ueber- 
sichten nur die versäumten vollen Schichten verzeichnet, während 
man erwarten kann, daß die Arbeiter zum Teil auch einzelne Stunden, 
viertel oder halbe Schichten versäumt haben. Sodann sind in den 
Uebersichten die Pausen, wie es die Großeisen - Bekanntmachung vor- 
schreibt, in die Ueberstundenzahl einbegriffen, während bei den .Fehl- 
stunden und Feierschichten die versäumten Arbeitsstunden ausschließ- 
lich der Pausen verrechnet sind. Dies ist nur insoweit berechtigt, als 
auch bei den Ueberarbeitsfällen von kurzer Dauer die reine Arbeits- 
zeit ohne Pausen zum Ausdruck kommt. Durch diese Verschiedenheit 
in der Grundlage der Berechnung der Ueberarbeit einerseits und der 
Minderarbeit andererseits, wird die Gegenüberstellung beider erschwert. 
Diesem Mangel wäre nur dadurch abzuhelfen, daß sowohl die Ueber- 
wie die Minderarbeit ohne Rücksicht auf die Arbeitspausen ermittelt 
würde, was aber praktisch große Schwierigkeiten bieten dürfte. End- 
lich fehlen in beiden Uebersichten diejenigen Fehlstunden , die durch 
Betriebsstörungen veranlaßt sind. Allerdings besteht die Möglichkeit, 
daß aus diesem Grunde keine Feierstunden bei den 47 Arbeitern vor- 
gekommen sind. Dagegen ist es kaum wahrscheinlich, daß in der 
vorletzten auf die ganze Belegschaft bezogenen Uebersicht die durch 
Betriebsstörungen veranlaßten Feierstunden unberücksichtigt bleiben 
durften. 

Diese Ausstellungen sind jedoch nicht geeignet, das Gesamtbild 
der Uebersichten wesentlich günstiger erscheinen zu lassen. Der 
Regieruugs- und Gewerberat in Düsseldorf faßt sein Urteil über 
die vorstehenden Ermittelungen dahin zusammen, daß für die am 
stärksten mit Ueberstunden belasteten Arbeiter von 
einem irgendwie nennenswerten Ausgleich der Ueber- 
arbeit durch Minderarbeit tatsächlich keine Rede sein 
könne. Diese Auffassung deckt sich mit den Ausführungen des Re- 
gierungs- und Gewerberates in Oppeln. Auch dieser kommt auf Grund 
der im dortigen Bezirk gemachten Erhebungen zu der von ihm von 
vornherein erwarteten Feststellung, daß gerade die fleißigsten Arbeiter 
sich zu den gutbezahlten Ueberstunden drängen, ohne auf ihre Ge- 
sundheit Rücksicht zu nehmen , und daß diese Arbeiter sich 
keineswegs für lange Ueb erarbeitszeiten durch frei- 
williges Feiern entschädigen. 



Miszellen. 221 

Es ist zu hoffen, daß die im Entwurf der neuen Großeisen - Be- 
kanntmachung vorgesehenen Bestimmungen l ) über die Mindestdauer 
der Ruhezeit und Höchstdauer der Arbeitszeit nach ihrem Inkrafttreten 
dazu beitragen werden, die Unzuträglichkeiten bei der Belastung des 
Einzelarbeiters zu beseitigen. 

e) Die Verteilung der Ueberarbeit. 

Die in den früheren Berichten des Regierungs- und Gewerberates 
in Hildesheim durchgeführte Scheidung der Arbeiterschaft in Wechsel- 
und Tagschichter ist auch im vorliegenden Bericht beibehalten. Die 
Gegenüberstellung bietet insofern Neues, als die beiden großen Werke 
dieses Bezirkes infolge der ungünstigen Konjunktur einen Rückgang 
an Ueberstunden von 33 Proz. zu verzeichnen hatten. Die Ueber- 
arbeitsstunden an Werktagen gingen bei den Tagschichtern um 36 
Proz., bei den Wechselschichtern um 38 Proz. zurück; der Abfall der 
Sonntagsüberstunden betrug bei den Tagschichtern 30 Proz., bei den 
Wechselschichtern 33 Proz. Bie Zahl der zur Ueberarbeit herange- 
zogenen Tagschichter nahm um 6 Proz., die der Wechselschichter um 
13 Proz. ab. Der günstigere Abfall der Ueberstunden bei den Wechsel- 
schichtern ist somit aufgehoben durch die ungünstigere Verteilung auf 
weniger Köpfe, so daß die durchschnittliche Belastung der an der 
Ueberarbeit beteiligten Wechselschichter von dem Rückgang der Ueber- 
stunden nicht berührt wurde. 

Der Bericht aus Oppeln hat bei der Feststellung der Zahl der am 
höchsten mit Ueberarbeit belasteten Arbeiter diejenigen Leute be- 
sonders herausgehoben, die an jedem zweiten Sonntag eine 24-stündige 
Wechselschicht verfahren müssen. Diese Arbeiter leisten statt wöchent- 
lich 72 Arbeitsstunden (6 Arbeitstage zu je 12 Stunden) regelmäßig 
84 Stunden, so daß sie im Monat schon zu 48 über das Durchschnitts- 
maß hinausgehenden Arbeitsstunden herangezogen werden. 

Unter diesen Arbeitern befanden sich : 

anuar. i ^ j^^ a j g ^ — ^ Ueberstunden geleistet hatten, 

Januar: 8 1 <- ^ 

August: 18 j 6 °-9° 

. ,'. > „ „ „ 90 Ueberstunden geleistet hatten. 

IV. Die 8-stündige Ruhezeit. 

Als die 8-stündige Ruhezeit in der Großeisen-Bekanntmachung an- 
geordnet wurde, war an diese Vorschrift die Erwartung geknüpft 
worden, daß sie zu einer Verminderung der Werktagsüberarbeiten von 
mehr als 4 Stunden Dauer beitragen würde. Diese Hoffnung hat sich 
nicht erfüllt. Im Berichtsjahre trat noch mehr als früher das Bestreben 
der Werke in die Erscheinung, derartig lange Ueberarbeiten an den 
Wochentagen von Montag bis Freitag zu vermeiden, um nicht zwecks 



1) Vgl. § 4 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



222 Miszellen. 

Einhaltung der 8-stündigen Ruhezeit den Beginn der nächsten Schicht 
verschieben zu müssen. Aber leider wurde nicht der naheliegende 
Ausweg, der bei gutem Willen der Betriebsleitungen in vielen — nicht 
allen — Fällen gangbar ist, beschritten, nämlich die langdauernden 
Ueberarbeiten auf mehrere Köpfe zu verteilen und so die Beanspruchung 
des einzelnen Arbeiters zu verringern, sondern die langen Ueberarbeiten 
wurden im Anschluß an Schichten angeordnet, denen ein Sonn- oder 
Festtag folgte. An diesen Tagen ist die Dauer der Arbeitszeit fast 
unbeschränkt, da erst die vor dem Beginn der Montagsschicht inne- 
zuhaltende Mindestruhe der Sonnabendsüberarbeit ein Ziel setzt. Diesem 
gekennzeichneten Bestreben der Werke entgegenzutreten, bieten die 
Bestimmungen des Entwurfes der neuen Bekanntmachung ausreichende 
Handhabe *). Außerdem schreibt der Entwurf an Stelle der bisherigen 
8-stündigen Ruhezeit eine solche von 10 Stunden vor 2 ). Bei der 
schweren Arbeit, die in der Großeisenindustrie im allgemeinen üblich 
ist, erscheint die 8-stündige Ruhezeit nicht ausreichend. Ueberdies 
haben die Arbeiter, wenn sie 8 Stunden nicht beschäftigt werden dürfen, 
noch keineswegs 8 Stunden wirkliche Ruhe; denn davon geht noch 
die nicht unbeträchtliche Zeit für die Wege von und nach der Arbeits- 
stätte und für dringende häusliche Arbeiten ab. Die im Entwurf vor- 
gesehene 10-stündige Ruhezeit trägt diesen Umständen in angemessenerer 
Weise Rechnung. 

V. Schluß. 

Schon vor dem Erlaß der Großeisen-Bekanntmachung war festgestellt 
worden, daß in einem großen Teil der Großeisenindustrie die Arbeitszeit 
einzelner Arbeiter infolge ausgedehnter Ueberarbeit so lange gedauert 
hatte, daß darin eine Gefahr für die Gesundheit der Arbeiter erblickt 
werden mußte. Behufs Bekämpfung der übermäßigen Ausdehnung der 
täglichen Arbeitszeit war an die Spitze der Großeisen-Bekanntmachung 
die Vorschrift der Ueberarbeitsverzeichnisse gestellt worden. An die 
Bestimmung war die Hoffnung geknüpft, daß die Werks- und Betriebs- 
leiter, die sich durch die Verzeichnisse einen leichten Einblick in die 
vorkommende Ueberarbeit verschaffen können, Anlaß nehmen würden, 
einer unangemessenen Ausdehnung der Arbeitszeit durch Ueberarbeit 
entgegenzutreten. Auf diese Weise wäre die nicht unerhebliche Arbeit, 
die den Werken aus der Aufstellung der Ueberarbeitsverzeichnisse er- 
wächst, den Betrieben selbst zu Nutzen gekommen, denn die Abstellung 
ungeeigneter Arbeitszeiten liegt sicherlich im richtig verstandenen 
Interesse der Werke. Diese Hoffnung hat sich aber, wie die letzten 
Untersuchungsergebnisse der Gewerbeaufsichtsbeamten erwiesen haben, 
im allgemeinen nicht erfüllt. 

Einzelne Werksleiter haben allerdings, nachdem sie sich durch 
Einsicht in die Ueberarbeitsverzeichnisse die ihnen vorher fehlende 
genaue Kenntnis der vorkommenden Ueberarbeit verschafft hatten, mit 



1) Vgl. § 4 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 

2) Vgl. § 4 des auf S. 223 abgedruckten Entwurfes. 



Miszellen. 223 

Erfolg durchgreifende Maßnahmen getroffen, um derartige Mißstände 
abzustellen. Die Mehrzahl der Arbeitgeber hat jedoch dies Interesse 
vermissen lassen, obwohl sie nicht im Unklaren darüber gelassen 
waren, daß ein schärferes gesetzliches Einschreiten unvermeidlich sein 
würde, wenn sie nicht selbst ohne gesetzlichen Zwang den klar zutage 
liegenden Mißständen entgegentreten würden. 

Unter diesen Umständen wird es die Großeisenindustrie sich selbst 
zuzuschreiben haben, wenn der Gesetzgeber sich gezwungen sieht, 
wesentlich schärfere Bestimmungen zu erlassen, um den Gesundheits- 
gefährdungen der Hüttenarbeiter, wie sie in den übermäßigen Arbeits- 
zeiten zu erblicken sind, mit Nachdruck entgegenzutreten. 

Der dem Bundesrate zur Beschlußfassung vorliegende Entwurf einer 
neuen Bekanntmachung, betreffend den Betrieb der Anlagen der 
Großeisenindustrie, hat folgenden Wortlaut *) : 

Bekanntmachung 
betreffend den Betrieb der Anlagen der Großeisenindustrie. 

Auf Grund der §§ 120 f., 139 b der Gewerbeordnung hat der Bundesrat 
folgende Bestimmungen über den Betrieb der Anlagen der Großeisenindustrie 
erlassen : 

§ 1. Die nachstehenden Bestimmungen finden Anwendung auf die folgen- 
den Werke der Großeisenindustrie: Hochofenwerke, Hochofen- und Röhren- 
fießereien, Stahlwerke, Puddelwerke, Hammerwerke, Preßwerke und Walzwerke. 
ie finden Anwendung auf alle Betriebsabteilungen dieser Werke einschließlich 
derjenigen Reparaturwerkstätten und Nebenbetriebe, die mit ihnen in einem un- 
mittelbaren betriebstechnischen Zusammenhange stehen. 

§ 2. Alle Arbeiter, die über die Dauer der regelmäßigen Arbeitszeit 
(§ 134 b Abs. 1 Nr. 1 Gewerbeordnung) hinaus oder an Sonn- und 
Festtagen beschäftigt werden, sind mit Namen in ein Verzeichnis einzu- 
tragen, daß für jeden einzelnen über die Dauer seiner regelmäßigen täg- 
lichen Arbeitszeit, seiner Arbeit an Sonn- und Festtagen und der 
Ueberstunden, die er an den einzelnen Werktagen geleistet hat, genau Auskunft 
gibt. Als Arbeit an Sonn- und Festtagen gilt dabei alle Arbeit, 
die innerhalb der nach § 105b Abs. 1 der Gewerbeordnung in 
jedem Betrieb zu gewährenden 24-stündigen oder 36-stün- 
digen Ruhezeit geleistet wird. Das Verzeichnis ist nach dem Schlüsse 
jedes Monats dem Gewerbeaufsichtsbeamten einzusenden. Der höheren 
Verwaltungsbehörde bleibt es vorbehalten, nähere Bestimmungen über seine 
Form zu erlassen. 

Die höhere Verwaltungsbehörde kann auf Antrag diejenigen Unternehmer 
von der Führung dieses Verzeichnisses befreien, welche die Lohnlisten nach 
einem^ vorgeschriebenen Muster führen lassen, ihre Einsicht dem Gewerbe- 
aufsichtsbeamten jederzeit gestatten und ihm die von der höheren Ver- 
waltungsbehörde bezeichneten Auszüge aus den Lohnlisten einreichen. 

§ 3. In allen Schichten, die länger als 8 Stunden dauern, müssen jedem 
Arbeiter Pausen in einer Gesamtdauer von mindestens 2 Stunden gewährt 
werden. Unterbrechungen der Arbeit von weniger als einer Viertelstunde 
kommen auf diese Pausen nicht in Anrechnung. 

Eine der Pausen (Mittags- oder Mitternachtspause) muß mindestens eine 
Stunde betragen und zwischen das Ende der fünften und den Anfang der 
zehnten Arbeitsstunde fallen. In Fällen, wo dies die Natur des Betriebes oder 
Rücksicht auf die Arbeiter geboten erscheinen lassen, kann die höhere Verwal- 

1) Der Entwurf ist während der Drucklegung dieses Aufsatzes vom Bundes- 
rat angenommen, und die neue Bekanntmachung ist im Eeichsgesetzblatt für 1914 
auf S. 118 veröffentlicht worden. 



224 Miszellen. 

tungsbehörde ausnahmsweise auf besonderen Antrag unter Vorbehalt des 
Widerrufes gestatten, daß diese Pause — unbeschadet der Gesamtdauer der 
Pausen von 2 Stunden — bis auf eine halbe Stunde beschränkt wird, wenn 
sich in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstelle gut eingerich- 
tete Räume zum Einnehmen der Mahlzeiten befinden. 

Wenn Rücksichten auf die Arbeiter dies geboten erscheinen lassen, und die 
Schicht nicht länger als 11 Stunden dauert, kann die höhere Verwaltungs- 
behörde in gleicher Weise gestatten, daß die Pausen auf 1 Stunde beschränkt 
werden. 

Soweit dies zur Vermeidung von Betriebsgefahren nötig und die Ein- 
stellung von Ersatzarbeitern mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, 
können die Arbeiter angehalten werden, während der Pausen in der Nähe der 
Arbeitsstelle zu bleiben, um in dringenden Fällen zur Hilfeleistung bereit 
zu sein. 

§ 4. Jedem Arbeiter, dessen regelmäßige Schicht länger 
als 8 Stunden dauert, ist nach Beendigung seiner Arbeitszeit 
eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 10 Stunden 
zu gewähren, bevor er wieder beschäftigt werden darf. 

Abgesehen von den regelmäßigen Wechselschichten darf 
die Arbeitszeit, die zwischen zwei solchen Ruhezeiten liegt, 
auch durch Ueberarbeit nicht über 16 Stunden einschließlich 
der Pausen ausgedehnt werden. 

Zu einer 24r-stündigen Wechselschicht dürfen Arbeiter 
nur herangezogen werden, wenn sie 12 Stunden vorher und 
12 Stunden nachher von jeder Arbeit frei gelassen werden. 

§ 5. Die Bestimmungen der §§ 3, 4 finden keine Anwendung auf Arbeiten, 
die in Notfällen unverzüglich vorgenommen werden müssen. Sind solche 
Arbeiten in Abweichung von den Bestimmungen der §§ 3, 4 ausgeführt worden, 
so ist dies dem Gewerb eaufsichtsbeamten unter Angabe der 
Betriebsabteilung, der Gründe für die Notstandsarbeiten und 
der Zahl der dabei beschäftigten Arbeiter binnen 3 Tagen schriftlich 
anzuzeigen. 

Wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Betrieb eines 
Werkes unterbrochen haben, können Ausnahmen von den Bestimmungen der 
§§ 3, 4 auf die Dauer von 4 Wochen durch die höhere Verwaltungsbehörde, 
auf längere Zeit durch' den Reichskanzler zugelassen werden. 

§ 6. In den im § 1 bezeichneten Werken muß an einer in die Augen 
fallenden Stelle eine Tafel ausgehängt werden, die in deutlicher Schrift diese 
Bekanntmachung wiedergibt. 

Wenn auf Grund der Absätze 2 oder 3 des § 3 von der höhe- 
ren Verwaltungsbehörde eine Ausnahme gestattet wird, so 
ist außerdem e'ine Abschrift der Verfügung der höheren Ver- 
waltungsbehörde innerhalb der Betriebsstätte an einer den 
beteiligten Arbeitern leicht zugänglichen Stelle auszuhängen. 

§ 7. Die vorstehenden Bestimmungen treten am 1. Dezember 
1914 in Kraft und an Stelle der Bekanntmachung vom 19. De- 
zember 1908 (RGBl. S. 650). 

Die auf Grund des § 3 der Bekanntmachung vom 19. De- 
zember 1908 gestatteten Ausnahmen bleiben, wenn ihre Dauer 
nicht auf einen kürzeren Zeitpunkt beschränkt ist, bis zum 
30. November 1914 in Geltung, treten aber am 1. Dezember 
1914 sämtlich außer Kraft. 



Miszellen. 225 



IV. 

Zusammenfassende TJebersicht der (5) Zweimonats- 
bilanzen und der Jahresschlußbilanzen inländischer 
Kreditbanken nebst Deckungsziffern 
für das Jahr 1913. 

Vorbemerkungen. 

Infolge der überaus günstigen Entwicklung, welche die deutsche 
Volkswirtschaft in den letzten Jahrzehnten genommen hat, sind die 
Anforderungen an die Banken, denen die Beschaffung der erforder- 
lichen Kapitalien in erster Linie obliegt, außerordentlich gewachsen. 
Das Bestreben, diese Ansprüche in möglichst weitem Umfange zu be- 
friedigen, hatte schon seit langem im Bankgewerbe einen scharfen 
Wettbewerb hervorgerufen und dazu geführt, daß die Kreditinstitute 
im Vertrauen auf die stete Hilfsbereitschaft der Reichsbank immer 
knapper disponierten und dem Erfordernis, selbst angemessene Kassen- 
beständo oder Guthaben bei der Reichsbank dauernd bereitzuhalten, 
immer weniger Rechnung trugen. Die Nöte des Herbstes 1907 hatten 
zum ersten Male in aller Deutlichkeit den Ernst dieser Entwicklung 
gezeigt. Es gab zu denken, in welcher Weise in jenen Tagen der 
amerikanischen Goldkrisis auf den Goldvorrat der europäischen Noten- 
banken eingestürmt wurde, wie die deutsche Reichsbank, obwohl sie 
innerhalb eines Zeitraumes von 10 Tagen ihren Diskont von 5 1 / 2 auf 
7 1 / 2 Proz. erhöht hatte, kaum die Bedürfnisse der Banken befriedigen 
konnte und fast an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit anlangte. 
Unter dem Eindruck dieser Vorgänge wurde der in den Jahren 1908 
und 1909 zusammengerufenen Bankenquetekommission die Aufgabe zu- 
gewiesen, die Stellung der Reichsbank im Rahmen der veränderten wirt- 
schaftlichen Entwicklung zu beleuchten. Auch die Frage nach der 
gesetzlichen Regelung des Depositen wesens wurde ihr vorgelegt in, 
der Erkenntnis, daß die hervorgetretenen Mißstände gerade mit dieser 
Frage eng zusammenhingen, und daß unserer Volkswirtschaft in erster 
Linie eine Besserung der Liquidität, d. h. eine Besserung des Verhält-, 
nisses der leicht greifbaren Mittel zu den Verpflichtungen nottue. Das 
Ergebnis dieser Verhandlungen konnte Exzellenz Havenstein in seinem 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 15 






226 Miszellen. 

an die Kommission smitglieder gerichteten Schlußwort, wie folgt, zu- 
sammenfassen : 

„Meine Herren, ich hoffe und wünsche mit Ihnen, daß es auch bei 
uns nicht notwendig sein wird, diese gesetzlichen Maßnahmen zu 
treffen, daß das freie Wollen und das eigene Tun und die klare Er- 
kenntnis, daß wir gewissen Schäden gegenüberstehen, daß wir eine 
gesunde Fortbildung unserer Kreditorganisation und unserer Volks- 
wirtschaft notwendig brauchen, sich immer stärker geltend machen 
werden!" 

Die Reichsbank, welcher die Sorge um die Aufrechterhaltung der 
Währung vom Gesetzgeber anvertraut ist, hat seither — im Bewußtsein 
ihrer Verantwortung als letzte Liquiditätsgarantin — alle Bestrebungen 
unterstützt, die dazu dienen konnten, dem vorschwebenden Ziele, Er- 
höhung der Liquidität der Volkswirtschaft, näherzukommen. Der erste 
Schritt auf dem Wege dahin bestand darin, daß sich zunächst die 
Berliner Großbanken — mit Ausschluß der Berliner Handelsgesell- 
schaft — und späterhin eine größere Anzahl anderer Banken bereit 
erklärten, an einer durch die Reichsbank zu besorgenden Veröffent- 
lichung von Zweimonatsbilanzen teilzunehmen, um der Fachpresse und 
dem interessierten Publikum in kürzeren Zeiträumen als bisher Ein- 
blick in ihren Status und ihre Kreditpolitik, insbesondere die Ver- 
wendung der fremden Gelder zu gewähren. Von dieser zweimonatlichen 
Gegenüberstellung der mehr oder weniger flüssigen Bilanzen der ein- 
zelnen Banken muß, wie auch der Reichsbankpräsident erst jüngst 
in seiner Reichstagsrede vom 30. Januar 1914 ausführte, zugleich eine 
erzieherische Wirkung auf die verantwortlichen Bankdirektoren aus- 
gehen im Sinne einer liquideren Gestaltung des Status der von ihnen 
geleiteten Institute. 

Das Schema dieser Zwischenbilanzen war in den Verhandlungen der 
Banken unter Mitwirkung der Reichsbank einheitlich ausgestaltet worden 
und diente in seiner erweiterten Form am 30. März 1912 zum ersten 
Male als Grundlage der allgemeinen Zwischenbilanzveröffentlichungen 
von 86 inländischen Kreditbanken und 4 Hypothekenbanken nach dem 
Stande vom 29. Februar 1912. Der Umfang der Beteiligung ist zweifel- 
los von vornherein günstig beeinflußt worden durch die auf Grund 
des § 44 Abs. 1, 2 des Börsengesetzes unter dem 4. Juli 1910 (Reichs- 
gesetzblatt S. 917) erlassene Bundesrats Verordnung betreffend die Zu- 
lassung von Wertpapieren zum Börsenhandel; § 4 Ziff. 5 dieser Ver- 
ordnung bestimmt nämlich, daß künftig Aktien nur von solchen in- 
ländischen Kreditbanken zum Börsenhandel neu zugelassen werden, 
„welche die Verpflichtung übernehmen, neben der Jahresbilanz regel- 
mäßig Bilanzübersichten zu veröffentlichen." Die Vorschriften über 
die Form und den Zeitpunkt dieser Veröffentlichungen finden sich in 
der Verordnung des Reichskanzlers vom 30. Juni 1911, welche eine 
Abänderung der denselben Gegenstand betreffenden Verordnung vom 
8. Juli 1910 darstellt. Das darin vorgeschriebene Schema stimmt mit 
dem überein, auf das sich die Banken in ihren Beratungen mit der 
Reichsbank geeinigt hatten; die Uebersichten sind für den letzten Tag 



Miszellen. 227 

des 2., 4., 6., 8. und 10. Monats des Geschäftsjahres der Bank auf- 
zustellen und spätestens am letzten Tage des folgenden Monats zu ver- 
öffentlichen. 

Was nun den Wert der Bilanzen für die Kritik anlangt, so wird 
man sich vor Augen halten müssen, daß aus den Bilanzziffern ein 
Urteil über die Qualität der einzelnen Posten natürlich nicht gewonnen 
werden kann ; denn die Ziffern sagen nichts über den inneren Wert der 
betreffenden Aktiv- und Passivposten aus. Es soll aber auch nicht der 
Geschäftstätigkeit der Banken bis ins kleinste nachgegangen werden; 
vielmehr zeigt die ganze Geschichte des Werdens der Bilanzveröffent- 
lichungen, daß es den Schöpfern dieser Einrichtung ferngelegen hat, 
eine Kontrolle der Solidität der Institute in ihren einzelnen Get- 
schäftszweigen zu schaffen, sondern daß immer nur der Gedanke maß- 
gebend gewesen ist, Anhaltspunkte für die Beurteilung der Liquidität 
zu gewinnen. Die Bedeutung einer schematischen, regelmäßig wieder- 
holten Veröffentlichung liegt in der dadurch gegebenen leichteren Ver- 
gleichsmöglichkeit. Diese erstreckt sich nicht nur auf die Ausdehnung 
der wesentlichen Geschäftszweige für jede einzelne Bank, sowie auf 
das Verhältnis der einzelnen Geschäftszweige zu den entsprechenden 
Bilanzposten der übrigen Banken für ein und denselben Zeitpunkt, 
sondern auch auf die zeitliche Entwicklung. Die fortlaufende Statistik 
läßt die Entwicklungstendenzen erkennen, denen die Banken im ein- 
zelnen, in Gruppen oder in ihrer Gesamtheit unter dem wechselnden 
Einfluß der Konjunktur und der etwa veränderten Prinzipien der 
Geschäftsführung unterworfen sind. 

In der Natur der Dinge liegt es freilich, daß die Vergleichbarkeit 
gerade der wichtigsten Bilanz, der Jahresschlußbilanz, mit den Zwischen- 
bilanzen nur beschränkt sein kann. Denn während jene eine volt- 
ständige Abschlußrechnung einschließlich des gesamten Gewinn- und 
Verlustkontos enthält, sind diese genau genommen nur Rohbilanzen, 
Ausweise, bestehend in einer Abschrift der Bücher ohne Bekanntgabe 
des spezifizierten Gewinn- und Verlustkontos. Zum Teil mögen in ihnen 
die Gewinne unter sonstigen Passiven verbucht sein, zum Teil mögen die 
Gewinne überhaupt erst, soweit es sich um Umsatzprovision und Zinsen 
handelt, am Vierteljahres-, Halbjahres- oder Jahresschluß zur Fest- 
stellung gelangen. Immerhin wird hinsichtlich der Vergleichbarkeit der 
Jahresschlußbilanzen mit den Zwischenbilanzen manches gewonnen sein, 
wenn alle Ban k en sich dazu entschlossen haben werden, das gemein- 
same Schema auch den Jahresschlußbilanzen zugrundezulegen. 

Die im folgenden gegebene Zusammenfassung der 5 Zweimonats- 
bilanzen sowie der Jahresschlußbilanz für 1913 ist in entgegenkommen- 
der Weise von der Statistischen Abteilung der Reichsbank zur Ver- 
fügung gestellt worden, und zwar nach einem Schema, das gegenüber 
dem in den Veröffentlichungen des Reichsanzeigers zur Verwendung 
gelangten Muster eine wesentliche Vereinfachung durch Zusammen- 
ziehung einzelner Positionen erfahren hat und zur Erleichterung des 
Ueberblicks in dieser konzentrierten Form gewählt wurde. 

15* 






228 Zusammenfassende Uebersicht der (5) Zweimonatsbilanzen und der Jahre 

Beträge in Millionen Mark 2 ) A 



i 


Bezeichnung der Bank 


Kasse, fremde Geldsorten und Coupons. 

Guthaben bei Noten- und Abrechnungs- 

(Clearing-) Banken 


'S 

1 
3 


Bilanzübersicht vom 
28./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./1 


1913 


i 


2 


3 



Deutsche Bank 

Direction der Disconto-Gesellschaft 

Dresdner Bank 

Bank für Handel und Industrie 

A. Schaaffhausen'scher Bankverein 

Nationalbank für Deutschland 

Commerz- und Disconto-Bank 

Mitteldeutsche Creditbank 

Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt 

Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer & Co. 

Rheinische Creditbank, Mannheim 

Bhein.-Westfäl. Disconto-Ges. 

Essener Credit-Anstalt 

Bergisch Märkische Bank 

Mitteldeutsche Privat-Bank, Aktienges. 

Norddeutsche Bank in Hamburg 

Pfälzische Bank 

Schlesischer Bankverein 

Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G. 

Hannoversche Bank 

Vereinsbank in Hamburg 

Deutsche Nationalbank, Kommdges. a. A. 

Deutsche Effecten- & Wechsel-Bank 

Deutsche Vereinsbank 

Rheinische Bank 

Ostbank für Handel und Gewerbe 

Norddeutsche Creditanstalt 

Allgemeine Elsässische Bankgesellsch. 

Mittelrheinische Bank 

Magdeburger Bank- Verein 

Bk. f. Thür. vorm. B. M. Strupp Aktg. 8 ) 

Braunschw. Bank u. Creditanstalt A.-G. 

Chemnitzer Bank-Verein 

Osnabrücker Bank 

Danziger Privat-Actien-Bank 

Anhalt-Dessauische Landesbank 

Hildesheimer Bank 

Stahl & Federer Aktiengesellschaft 

Westholsteinische Bank 

Königl. Württ. Hofbank G. m. b. H. 

Königsberger Vereins-Bank 

Privatbank zu Gotha 

Schlesische Handels-Bank Aktienges. 8 ) 

Württemb. Bankanst. vorm. Pflaum & Co. 

Märkische Bank 4 ) 

Mülheimer Bank 

Commerz-Bank in Lübeck 

Löbauer Bank 

Holsten-Bank 

Westfälisch-Lippische Vereinsbank Aktges. 

Bank f. Handel und Gewerbe 

Braunschweiger Privatbank Aktges. 

Elberfelder Bankverein 

Mannheimer Bank, Aktges. 

Rostocker Bank 

Vogtländische Bank 



82,5 


96,7 


114,2 


83,0 


15,6 


24,9 


40,8 


19,3 


32,4 


32,0 


51,1 


28,2 


18,3 


31,6 


42,1 


35,o 


IO,6 


12,7 


17,4 


U,9 


7,2 


6,9 


IO,I 


7,8 


11,4 


12,2 


15,5 


11,9 


4,7 


5,9 


5,5 


5,8 


8,9 


10,1 


12,6 


9,i 


3,8 


5,1 


4,4 


4,1 


4,8 


5,6 


6,7 


4,7 


2,9 


3»« 


4,3 


3,5 


6,2 


7,8 


12,6 


7,2 


5,7 


10,8 


9,1 


6,3 


3,9 


5,* 


6,1 


4,0 


5,3 


7,3 


3,2 


3,3 


3,7 


4>2 


6,0 


3,8 


2,8 


3,8 


4,9 


2,1 


1,5 


6,5 


2,4 


1,3 


I , 7 


2,0 


3,7 


1,6 


3,7 


8,2 


5,* 


5,* 


3,8 


3,8 


3,8 


3,2 


2,1 


3,0 


3,6 


2,1 


0,9 


1,6 


2,3 


1,0 


0,5 


0,5 


1,5 


0,6 


2,3 


2,5 


2,9 


2,1 


1,6 


1,5 


2,2 


1,6 


2,2 


3,2 


3,o 


1,8 


0,4 


0,5 


0,7 


0,7 


1,0 


1,1 


I,* 


0,8 


1,3 


1,2 


1,6 


0,9 


0,6 


0,7 


1,3 


0,5 


0,9 


1,1 


0,8 


0,7 


M 


M 


1,8 


1,4 


M 


1,1 


1,3 


M 


0,8 


0,7 


1,2 


0,5 


M 


0,8 


1,4 


0,8 


M 


1,1 


1,4 


0,9 


1,6 


3,o 


2,2 


2,0 


0,406 


0,594 


0,346 


0,577 


0,258 


0,263 


0,320 


0,229 


0,909 


0,997 


1,464 


1,130 


0,469 


0,480 


0,582 


0,2 91 


0,366 


0,556 


0,547 


0,939 


0,708 


0,631 


— 


0,573 


0,189 


0,135 


0,193 


0,1 6 7 


0,644 


0,5 7 3 


0,764 


0,6 6 9 


0,352 


0,412 


0,474 


0,318 


1,044 


1,156 


1,226 


1,025 


0,215 


0,224 


0,247 


O.l 54 


0,118 


0,089 


0,124 


0,07 6 


0,320 


0,376 


0,557 


0,489 


0,192 


0,22 7 


0,237 


0,237 


0,168 


0,156 


0,2 7 2 


0,145 


O,V09 


0,692 


1,324 


0,665 


0,87 


1,403 


0,912 


1,237 



Sbilanzen inländischer Kreditbanken nebst Deckungsziffern für das Jahr 1913 1 ). 229 



Wechsel und unverzinsliche 
Schatzanweisungen 


Reports und Lombards gegen börsengängige 

Wertpapiere. Vorschüsse auf Waren und 

Warenverschiffungen 


Bilanzübersicht vom 
| 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./12. 


Bilanzübersicht vom 
28./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31. /10. 1 31./12. 


1913 


1913 


4 


5 



bankeii. 

678,8 
266,0 

3<>4,9 
169,4 
116,3 

75,o 
68,5 
39.« 
9M 
37,8 
59,i 
34,1 
55,o 
51,8 
36,4 
66,t 
35,3 
45,i 
29.3 
20,1 
41,0 
16,6 
29,3 
16,1 
10,6 
35,2 
24,6 
29,8 

4,9 
12,4 

9,0 
13,1 

7,2 

9,8 

15,9 

6,9 

10,7 

7,2 

14,1 

1,950 
9,744 
4,990 

5,eo9 

5,650 
2,377 
3,326 
5,685 
2,265 
6,192 
3,907 
2,6 7 7 
5,489 
1,316 
3,583 
3,353 
8,127 



650,3 

230,6 
318,0 
150,2 
106,3 

78,5 

67,2 

30,9 

75,* 
38,2 

54,i 
30,9 
60,6 
46,0 
27,1 
72,9 
34,0 
41,4 
26,9 
16,6 
39,9 
15,8 
15,4 
12,0 

7,9 

34,9 

20,8 

29,0 

4,3 

7,5 

10,5 
10,5 

5,9 
10,4 
13,9 

5,8 
9,3 
7,8 

14,2 

2,57 9 

10,205 

4,989 

4,910 
6,000 

3,169 
5,689 
2,405 
4,854 
3,254 
2,877 
3,848 
1,445 
3,733 
3,361 
9,763 



663,1 
274,8 
352,8 
191,9 
120,2 
8l,7 

79,8 
40,6 
102,8 
46,2 
67,0 
35,2 
58,6 
7o,4 
34,9 
74,1 
40,0 
52,1 
27,7 
18,9 
45,2 
15,8 
23,8 
15,7 
11,7 
38,6 
23,5 
27,9 

4,8 

9,6 
11,2 
11,3 

7,6 
13,3 
18,0 

6,3 

9,7 

9,6 

15,8 

2,754 
11,280 
5,897 
6,7 61 
6,972 
2,560 
2,796 
5,826 
2,621 

7,301 

4,415 
2,496 
3,672 
1,431 
3,467 
3,436 
11,442 



688,4 
272,8 
385,9 
201,7 
126,8 

84,9 

89,1 

46,3 
112,4 

47,5 

68,9 

37,3 

63,2 

63,8 

33,9 

76,2 

39,i 

5i,5 

32,1 

19,6 

45,o 

16,8 

24,8 

14,8 

12,5 

38,1 

25,6 

26,0 

4,5 
12,5 
12,7 
14,8 

8,3 

14,4 
14,9 

7,6 

8,2 

9,3 

20,0 

1,432 

9,660 
5,748 
7,856 
6,47 4 
2,591 
2,907 
5,883 
2,423 
8,227 
3,896 
2,972 
3,394 
1,887 
3,426 
2,975 
9,947 



639,4 
257,5 

375,9 
185,0 
H3,5 

88,0 

75,7 

40,8 

91,2 

52,4 

64,0 

37,1 

68,9 

74,0 

35,2 

74,2 

39,o 

52,9 

3i,5 
17,5 
42,4 
17,2 
23,3 
14,1 
12,8 
44,8 
22,6 
28,0 

5,2 
12,6 
10,5 
13,5 

8,7 

15,2 

11,1 

8,8 

9,8 

8,9 

l8,6 
2,813 

IO,873 
5,406 
4,855 
6,87 

3,263 
6,055 
2,406 
7,401 
4,7 39 
3,483 
4,064 
1,818 
3,335 



463,0 
200,2 
258,2 
139,9 

54,4 
70,4 
108,1 
20,9 
21,6 
37,9 
47,2 
64,8 
34,4 
77,2 
86,6 
37,6 
8,2 
14,5 
3i,o 

9,9 

25,9 

57,0 

3,6 

7,4 

1,8 
11,4 
16,7 
26,5 
17,7 
l6,3 

0,1 

8,7 

3,8 

10,8 
10,3 

2,2 

9,5 

1,6 

0,312 

3,950 

6,374 
4,784 
5,669 
6,894 
3,264 
2,223 
1,884 
3,869 
2,155 
1,052 
2,235 
2,318 
0,668 
0,335 



436,4 
190,3 
245,9 
121,2 

47,2 
68,2 
103,4 
23,0 
20,5 
32,0 
47,3 
61,0 
34,« 
74,6 
77,1 
3i,7 

8,4 

17,2 

30,3 

8,3 
21,6 
56,4 

3,4 

7,5 

1,6 

9,6 
13,4 
26,8 
18,6 
H,7 

0,1 
9,1 
4,5 

7,3 
10,2 

2,4 

9,4 

1,6 

0,811 

3,544 

6,277 
4,447 
5,597 
6,596 
3,531 
2,075 
2,268 
3,584 
1,555 
1,072 
2,281 
2,252 
0,432 
0,302 



379,5 
157,2 
206,8 
105,7 

35,9 
57,9 
110,8 
20,6 
20,3 
32,1 
48,8 
59,3 
33,4 
77,4 
79,9 
33,9 

8,6 

14,3 

29,5 

9,8 

23,0 

54,9 
3,3 
6,0 
1,2 
9,8 

11,1 

25,9 
18,5 
13,7 

0,1 

9,8 

5,0 

6,0 

10,5 

2,2 

9,o 

1,5 

0,330 
3,406 
6,771 
6,395 
4,489 

6,947 
3,376 
2,211 
2,446 
4,071 
1,406 
1,092 
2,285 
2,281 
0,199 
0,314 



353,6 
136,6 
203,1 
106,8 

35,3 

62,4 
lOO,2 

27,7 

15,6 

29,0 

48,8 

58,0 

34,4 
76,7 
74,7 
3i,i 
14,8 
17,4 
27,2 
10,4 
24,6 
55,3 

3,0 

4,6 

1,5 

8,3 
11,8 
27,1 
18,0 

9,5 

°,1 

9,1 
5,o 

6,0 

10,3 

1,8 

9,2 

1,6 

0,3 16 

2,840 

6,593 

5,592 

4,453 

5,816 

6,67 

3,147 

2,188 

2,124 

4,002 

1,340 
1,006 
2,167 
2,449 
0,210 
0.3 18 



406,0 
166,1 
203,9 
Il6,8 

34,3 

61,7 
IOO.I 

27,7 

16,5 

34,2 
47,1 
58,5 
32,6 

74,i 
85,9 
32,3 
24,4 
17,8 
25,5 
12,9 
25,4 
61,1 

2,7 

5,2 

1,6 

8,3 
15,4 
26,7 
19,0 
12,3 

0,1 

8,2 
4,8 
0,1 

6,6 

9,9 

2,3 

9,6 

1,7 

0,338 

2,920 

6,666 

5,21« 
4,549 
5,886 
6,448 
3,053 
1,942 
2,146 
3,859 
1,566 
1,137 
2,472 
2,484 
0,3 3 6 
0,3 18 



450,0 
238,8 
235,7 
127,7 
31,8 

49,7 
107,7 
28,4 
29,8 
39,» 
51,8 
63,2 
31,8 
77,6 
91,7 
41,3 
29,7 
24,4 
25,8 
12,0 
26,7 
61,1 

3,7 

7,5 

1,6 

11,1 

16,2 

25,8 

19,1 

17,4 

0,1 

9,1 

4.7 



230 Beträge in Millionen Mark 2 ) 


Akt 


Eigene Wertpapiere 


Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen. 
Debitoren in laufender Bechnung 


Bilanzübersicht vom 

28./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./12. 


Bilanzübersicht vom 
28./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./ 


1913 


1913 


6 


7 



29,0 
57,7 

52,4 
42,0 
28,1 

30,8 
13,8 

22,3 
16,1 
15,3 

15,1 
18,6 
12,9 
13,0 
9,3 

14,1 

20,8 
3,0 
5,6 
8,4 

9,9 

M 

2,4 
2,8 
13,4 
7,8 
3,9 
1,5 
2,8 
7,3 
3,2 
2,8 
3,9 
2,6 
3,7 
3,2 
0,8 
3,4 
1,610 
1,695 
0,9 81 
2,761 
0,729 
0,285 
0,4 8 3 
0,105 
1,276 
0,405 
0,4 71 
0,507 
1,108 
0,387 
0,435 
5,405 
5,509 



157,7 


156,6 


l6o,5 


l6l,7 


l6l,2 


754,i 


800,7 


771,8 


769,6 


726,2 


30,8 


33,5 


34,7 


32,9 


30,1 


448,5 


453,6 


478,7 


489,3 


486,9 


52,8 


5°, 6 


54,o 


53,i 


42,6 


700,0 


698,4 


7l8,l 


704,6 


706,5 


56,2 


54,8 


59,0 


58,4 


54,4 


454,8 


50!,7 


517,4 


5H,6 


496,0 


42,2 


44,3 


48,4 


44,6 


37,3 


361,3 


349,9 


348,0 


357,9 


349,7 


27,3 


26,3 


28,6 


28,8 


29,3 


212,9 


217,9 


215,5 


209,1 


210,6 


26,9 


27,5 


26,5 


29,2 


28,1 


218,1 


231,5 


236,0 


236,2 


228,4 


14,1 


14,9 


14,2 


13,8 


13,5 


135,0 


13^,3 


136,8 


138,7 


143,1 


21,2 


19,2 


22,9 


22,1 


23,1 


279,4 


279,9 


287,6 


283,7 


280,9 


14,3 


H,i 


15,2 


14,8 


14,8 


179,6 


176,6 


172,9 


179,6 


179,4 


14,8 


15,9 


17,9 


17,8 


16,4 


238,4 


232,2 


228,1 


221,4 


212,5 


14,9 


14,8 


14,4 


14,3 


12,9 


141,5 


137,8 


138,0 


139,2 


134,3 


18,4 


20,2 


20,0 


20,0 


20,1 


152,9 


155,6 


152,7 


i65,9 


164,0 


13,1 


12,9 


13,5 


13,9 


12,9 


198,6 


206,8 


201,3 


202,4 


204,1 


12,0 


11,8 


12,3 


11,8 


13,2 


117,9 


H5,8 


119,7 


120,3 


119,1 


7,4 


8,7 


6,4 


7,6 


6,8 


i35,o 


138,5 


I3°,l 


129,0 


i37,i 


13,5 


12,8 


14,1 


13,9 


13,6 


178,7 


180,9 


179,2 


176,6 


168,6 


22,7 


22,4 


24,8 


24,1 


23,4 


109,5 


112,7 


ri 3,2 


110,0 


110,1 


3,4 


3,9 


4,8 


4,6 


3,9 


81,9 


75,9 


80,6 


83,9 


94,i 


5,i 


4,8 


5,1 


5,7 


5,2 


63,3 


63,7 


62,6 


66,3 


66,3 


8,4 


8,2 


9,7 


9,7 


9,9 


65,8 


67,4 


68,5 


58,4 


62,8 


9,3 


10,2 


10,6 


10,4 


10,3 


61,6 


63,0 


67,5 


66,6 


64,8 


4,2 


4,3 


3,7 


3,7 


4,4 


50,2 


46,4 


5i,i 


49,3 


47,o 


2,4 


2,4 


2,5 


2,4 


2,5 


50,4 


49,2 


54,9 


52,i 


53,6 


2,7 


3,5 


3,8 


3,5 


3,6 


72,3 


72,6 


72,4 


73,9 


73,2 


13,1 


12,0 


13,4 


13,0 


12,3 


56,6 


61,9 


61,6 


65,6 


66,4 


7,5 


7,4 


7,6 


7,6 


7,5 


52,1 


52,0 


53,5 


58,6 


54,1 


3,5 


3,8 


3,5 


3,8 


3,3 


44,0 


44,0 


49,5 


47,3 


48,9 


1,5 


2,1 


2,4 


2,3 


2,4 


37,3 


36,0 


36,0 


36,8 


37,8 


2,3 


2,4 


3,2 


3,o 


3,o 


29,3 


26,7 


27,9 


37,2 


32,1 


7,1 


6,7 


7,o 


7,o 


6,7 


45,o 


44,9 


47,2 


47,5 


46,0 


3,3 


3,7 


3,2 


3,1 


3,0 


25,1 


23,9 


23,7 


25,9 


26,8 


2,9 


2,8 


3,2 


3,2 


3,1 


23,2 


22,6 


23,4 


2 3,4 


23,3 


3,7 


3,8 


4,1 


4,3 


4,3 


48,5 


49,2 


47,4 


47,0 


47,3 


2,7 


2,6 


2,7 


2,7 


2,7 


32,3 


31,0 


29,9 


28,8 


28,4 


3,5 


3,5 


3,5 


3,5 


3,5 


29,7 


28,8 


29,2 


29,5 


29,6 


2,9 


2,8 


2,5 


2,3 


2,7 


23,7 


2 4l 2 


24,6 


21,2 


20,9 


0,9 


0,8 


0,9 


1,2 


1,1 


26,2 


24,8 


25,7 


22,7 


22,0 


3,4 


3,4 


3,3 


3,3 


3,3 


44,9 


44,5 


46,0 


46,0 


45,1 


1,500 


1,516 


1,966 


1,854 


1,665 


14,194 


16,459 


14,592 


13,918 


14,202 


1,663 


1,651 


1,873 


1,840 


1,749 


13,933 


12,784 


12,267 


11,801 


13,783 


6,897 


0,904 


0,9 16 


0,866 


0,920 


19,474 


19,099 


12,592 


12,244 


13,676 


3,660 


3,420 


4,328 


4,200 


3,420 


10,920 


10,067 


11,117 


8,830 


8,266 


0,833 


0,721 


1,022 


1,090 


1,073 


14,427 


15,545 


15,764 


17,171 


15,501 


0,281 


— 


0,375 


0,389 


— 


12,240 


12,198 


— 


11,371 


IO,939 


0,457 


0,455 


0,600 


0,610 


0,606 


11,014 


10,853 


11,670 


11,297 


11,766 


0,155 


0,156 


0,084 


0,065 


0,104 


12,829 


12,355 


13,553 


15,185 


15,622 


1,229 


1,333 


1,373 


1,250 


0,988 


25,853 


25,419 


25,487 


24,973 


25,092 


0,409 


0,4 01 


0,398 


0,502 


0,667 


19,884 


18,757 


19,609 


19,645 


18,519 


0,4 91 


0,5 18 


0,5 61 


0,488 


0,474 


14,621 


15,069 


14,918 


14,860 


15,845 


0,452 


0,449 


0,4 6 7 


0,455 


0,593 


10,064 


9,893 


9,893 


10,6 01 


11,461 


0,740 


0,656 


0,765 


0,8 4 3 


0,914 


9,5 24 


9,336 


IO,612 


11,655 


12,292 


0,384 


0,372 


0,4 16 


0,417 


0,456 


9,4 67 


9,166 


9,127 


8,864 


8,793 


0,5 05 


0,4 7 6 


0,485 


0,522 


0,508 


17,744 


17,765 


17,791 


18,811 


18,814 


5,565 


5,536 


5,419 


5,770 


— 


12,357 


12,361 


12,091 


12,410 


12,431 


5,393 


5,211 


5,261 


5,260 


— 


28,348 


30,085 


3<>,519 


29,988 


30,286 



Tortsetzung). 




231 


Sicht eingezahltes Aktienkapital. Konsortialbeteili- 
mgen. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken u. 
ankfirmen. Bankgebäude. Immobilien u. sonst. Aktiva. 


Bezeichnung der Bank 


1 


Bilanzübersicht vom 

28./2. j 30./4. j 30./6. | 31./8. [ 31./10. | 31./12. 


1 


1913 


8 


9 


[10 



reditbanken. 


65,9 


172,1 


81,8 


209,5 


17,7 


120,3 


82,5 


77,8 


88,2 


90,2 


5i,3 


52,4 


37,8 


40,5 


21,5 


23,3 


54,5 


6o,o 


34,7 


37,1 


42,3 


47,7 


53,4 


54,4 


16,7 


32,5 


21,8 


22,3 


23,8 


2 5,2 


22,0 


24,8 


17,1 


16,4 


16,9 


17,0 


18,1 


20,6 


11,0 


10,3 


31,8 


29,9 


IO,5 


IO,3 



7,4 
9,3 

8,3 
4,9 
3,9 
3,2 
5,2 

3,1 

3,9 
2,6 

4,3 

3,2 
6,6 

7,0 

2,3 
1,0 
5,813 

0,447 

1,920 

2,871 

2,085 

1,011 

2,0 

2,946 

0,867 

1,059 

1,719 

0,960 

1,269 

0,315 

0,267 

3,509 

0,902 



[72,9 
[91,9 
[23,8 

78,3 

96,0 

55,8 
38,7 
27,4 
59,4 
32,0 
48,8 
55,3 
32,6 
21,0 
25,9 
24,4 
16,8 
18,7 

20,1 
IO,4 

34,o 

10,6 

9,1 

7,8 

9,1 
10,2 

5,2 

2,5 

2,9 

5,0 

2,7 

3,9 

2,7 

4^4 

4,4 

6,8 

6,9 

2,3 

0,9 

5,99 

0,5 11 

2,011 

1,491 

2,330 

2,202 
2,862 
0,705 
1,119 
1,561 
1,073 
1,483 
0,424 
0,450 
3,550 
0,827 



170,8 


172,8 


167,4 


189,7 


194,6 


199,6 


130,3 


130,5 


129,1 


73,5 


74,1 


71,0 


86,5 


94,7 


82,0 


55,i 


57,7 


49,5 


39,4 


40,3 


40,9 


22,9 


25,7 


22,8 


57,7 


58,0 


49,5 


34,2 


33,9 


29,9 


44J 


50,2 


46,3 


55,9 


5 6 ,5 


53,9 


3°, 5 


3o,4 


15,9 


19,9 


20,2 


19,8 


25,3 


27,4 


25,9 


24,3 


26,8 


22,8 


16,4 


l6,6 


16,4 


10,3 


17,2 


15,7 


19,2 


19,4 


18,1 


10,8 


11,1 


9,9 


3°,9 


35.3 


33.7 


10,7 


ii,i 


10,2 


9,2 


8,9 


8,2 


7,8 


8,3 


7,7 


8,2 


8,5 


7,6 


8,5 


11,1 


7,4 


6,7 


6,9 


3,5 


2,5 


2,6 


2,6 


2,9 


3,3 


2,9 


5,2 


5,5 


4,8 


2,6 


3,o 


2,8 


3,9 


4,1 


3,6 


2,6 


2,9 


2,9 


4,4 


4,4 


3,9 


4,3 


4,8 


2,7 


6,7 


6,9 


6,3 


7,7 


8,9 


7,6 


2,3 


2,8 


2,5 


0,9 


1,0 


0,9 


5,766 


6,094 


5,892 


0,635 


0,733 


0,321 


2,106 


2,190 


1,713 


1,375 


1,355 


1,477 


2,272 


2,505 


2,104 


1,165 


1,243 


— 


2,237 


2,260 


1,288 


2,900 


2,904 


2,894 


0,897 


1,081 


1,074 


1,196 


1,252 


0,960 


1,813 


1,882 


1,524 


0,976 


0,944 


0,8 7 9 


1,363 


1,397 


1,042 


0,457 


0,4 7 8 


0,308 


0,518 


0,590 


0,4 7 8 


3,636 


3,602 


— 


0,921 


1,005 


— 



Deutsche Bank 

Direction der Disconto-Gesellschaft 

Dresdner Bank 

Bank für Handel und Industrie 

A. Schaaffhausen'scher Bankverein 

Nationalbank für Deutschland 

Commerz- und Disconto-Bank 

Mitteldeutsche Creditbank 

Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt 

Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer & Co. 

Rheinische Creditbank, Mannheim 

Rhein. -Westfäl. Disconto-Ges. 

Essener Credit-Anstalt 

Bergisch Märkische Bank 

Mitteldeutsche Privat- Bank Aktienges. 

Norddeutsche Bank in Hamburg 

Pfälzische Bank 

Schlesischer Bankverein 

Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G. 

Hannoversche Bank 

Vereinsbank in Hamburg 

Deutsche Nationalbank, Kommdges. a. A. 

Deutsche Effecten- & Wechsel- Bank 

Deutsche Vereinsbank 

Rheinische Bank 

Ostbank für Handel und Gewerbe 

Norddeutsche Creditanstalt 

Allgemeine Elsässische Bankgesellsch. 

Mittelrheinische Bank 

Magdeburger Bank- Verein 

Bk. f. Thür. vorm. B. M. Strupp Aktg. ") 

Braunschw. Bank u. Creditanstalt A.-G. 

Chemnitzer Bank- Verein 

Osnabrücker Bank 

Danziger Privat-Actien-Bank 

Anhalt-Dessauische Landesbank 

Hildesheimer Bank 

Stahl & Federer Aktiengesellschaft 

Westholsteinische Bank 

Königl. Württ. Hofbank G. m. b. H. 

Königsberger Vereins-Bank 

Privatbank zu Gotha 

Schlesische Handels-Bank Aktienges. 3 ) 

Württemb. Bankanst. vorm. Pflaum & Co. 

Märkische Bank 4 ) 

Mülheimer Bank 

Commerz-Bank in Lübeck 

Löbauer Bank 

Holsten-Bank 

Westfälisch-Lippische Vereinsbank Aktges. 

Bank f. Handel und Gewerbe 

Braunschweiger Privatbank Aktges. 

Elberfelder Bankverein 

Mannheimer Bank, Aktges. 

Rostocker Bank 

Vogtländische Bank 



232 

Beträge in Millionen Mark 2 ) 



Miszellen. 







Kasse, fremde Geldsorten und Coupons. 


c 




Guthaben bei Noten- und Abrechnungs- 





Bezeichnung der Bank 






(Clearing-)Banken 




•e 














| 






Bilanzübersicnt vom 




1 




28./2. 


30./4. 


| 30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


1913 


1 


2 


3 


57 


Mecklenburgische Bank 


0,662 


o,499 


1,505 


0,587 


0,680 




58 


Mecklenburgische Spar-Bank 


1,5500 


1,254 


1,989 


1,286 


1,411 


1,382 


59 


,Vereinsbank in Zwickau 


0,874 


0,557 


0,4 6 7 


0,325 


0,515 


0,991 


60 


Oberlausitzer Bank zu Zittau 


0,2 7 5 


0,305 


0,290 


0,290 


0,345 


0,509 


61 


Oldenburgische Spar- & Leih-Bank 


0,530 


1,276 


0,740 


0,522 


1,158 


0,841 


62 


Plauener Bank Aktienges. 


0,643 


0,523 


0,500 


0,4 3 6 


0,455 


0,820 


63 


Vogtländische Credit-Anstalt Aktges. 


0,566 


0,7 17 


0,443 


0,534 


0,677 


— 


64 


Coburg-Goth. Credit-Ges. 


0,075 


0,088 


0,099 


0,074 


0,064 


0,145 


65 


Norder Bank Aktienges. 


0,105 


0,121 


0,211 


0,243 


0,172 


0,247 


66 


Bankverein Gelsenkirchen Akt. -Ges. 


0,087 


0,106 


0,144 


0,098 


0,098 


0,146 


67 


Creditverein Neviges 


0,060 


0,149 


0,080 


0,088 


0,103 


0,328 


68 


Krefelder Bank, Actien-Ges. 


0,066 


0,086 


0,109 


0,057 


0,077 


— 


69 


Oldenburgische Landesbank 


0,755 


0,945 


0,812 


0,733 


1,024 


1,137 


70 


Niederlausitzer Bank, Aktienges. 


0,176 


0,164 


0,23 7 


0,194 


0,21 4 


0,382 


71 


Potsdamer Credit-Bank 


0,272 


0,264 


0,470 


0,235 


0,306 


0,567 


72 


Westdeutsche Vereinsbank 


0,066 


0,057 


0,06 7 


0,046 


0,058 


0,080 


73 


Kattowitzer Bankverein Aktges. 


0,152 


0,17 2 


0,164 


0,103 


0,078 


0,236 


74 


Neuvorpomm. Spar- u. Cred.-Bank A.-G. 


0,260 


0,273 


0,426 


0,368 


0,3 13 


— 


75 


Weseler Bank, Akt.-Ges. 


0,104 


0,140 


0,145 


0,084 


0,128 


0,224 


76 


Barmer Creditbank 


0,035 


0,0 7 8 


0,147 


0,069 


0,062 


0,185 


77 


Oberschlesischer Credit- Verein 


0,035 


0,059 


0,108 


0,084 


0,085 


0,159 


78 


Geestemünder Bank 


0,27 


0,097 


0,1 86 


0,197 


0,146 


0,173 


79 


Zentral-Bank Aktienges. 


0,079 


0,112 


0,219 


0,215 


0,174 


0,288 


80 


Heilbronner Gewerbekasse A. G. 4 ) 


0,114 


0,081 


— 


0,181 


0,091 


— 


81 


Bremer Bank- Verein 


0,094 


0,183 


0,149 


0,108 


0,146 


0,220 


62 


Emmericher Creditbank A. G. 


0,009 


0,007 


0,011 


0,009 


0,002 


0,008 


83 


Gronauer Bankverein 


0,038 


0,0 21 


0,166 


0,032 


0,040 


0,087 


84 


Leipziger Vereinsbank 4 ) 


0,413 


0,340 


— 


0,163 


0,313 


0,333 


85 


Bheiner Bankverein 


0,032 


0,064 


0,081 


0,063 


0,060 


0,173 


86 


Sauerländischer Bankverein A.-G. 


0,020 


0,042 


0,054 


0,043 


0,009 


— 


37 


Neustädter Bank 


0,04 3 


0,132 


0,098 


0,038 


0,049 


— 


38 


Forbacher Bank Aktienges. 


0,047 


0,179 


0,104 


0,138 


0,074 


— 


39 


Volksbank Geilenkirchen-Hünshoven 


0,028 


0,036 


0,068 


0,039 


0,046 


0,219 


90 


Osterholz-Scharmbecker Bank 


0,025 


0,011 


0,017 


0,028 


0,026 


— 


91 


Radevormw. Volksbank Garschagen & Co. 


0,016 


0,025 


0,011 


0,017 


0,021 


0,018 1 




Summe der inländischen Kreditbanken 


278,9 


349,6 


432,4 


300,7 


334,4 







Davon entfallen auf: 
















8 Berliner Großbanken 


182,6 


222,8 


296,8 


205,0 


227,5 


360,2 




die übrigen inländischen Kreditbanken 


96,3 


126,8 


135,6 


95,7 


106,9 


— 



II, Uebers( 



Deutsche Orientbank 
Deutsche Ueberseeische Bank 
Deutsche Palästina-Bank 



Summe der Ueberseebanken 



Bayer. Hypotheken- & Wechselbank 
Bayerische Vereinsbank 
Bayerische Handelsbank 
Württembergische Vereinsbank 



10,1 

52,6 

1,4 



64,1 



9,8 
55,4 

1,5 



66,7 



9,2 

51,3 



7,7 

53,8 
1,2 



61,7 62,7 



9,4 

51,7 

1.0 



62,1 



Summe der Hypothekenbanken 









III. Hypotheken- 


4,o 


4,o 


3,8 


4,0 


4,o 


5,o 


2,8 


3,6 


4,1 


3,i 


2,9 


6,6 


3,7 


3,1 


3,6 


3,1 


3,7 


4,6 


2,6 


6,7 


3,1 


2,9 


3,o 


4,6 


13,1 I 


17,4 


14,6 


13,1 


13,6 


20,8 



Miszellen. 



233 





Wechsel und unverzinsliche 




Reports und Lombards 
Wertpapiere. Vorsch 


gegen börsengängige 
üsse auf Waren und 






Schatzanweisungen 








Waren Verschiffungen 






Bilanzübersicht vom 






Bilanzübersicht vom 


L 




2. 


| 30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


2B./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. | 31./10. | 


31./12. 






1913 






1913 






4 






5 


596 


4,766 


4,714 


4,067 


4,742 




0,422 


0,391 


0,421 


1,037 


0,647 





295 


10,495 


9,949 


10,383 


10,255 


10,640 


0,315 


0,353 


0,363 


0,400 


0,451 


0,443 


583 


7,736 


7,535 


8,2 7 6 


7,747 


9,358 


5,845 


,5,256 


5,203 


5,257 


5,287 


5,314 


557 


1,670 


1,399 


2,084 


1,814 


0,900 


0,114 


0,1 16 


0,129 


0,1 2 6 


0,134 


0,143 


5 04 


15,453 


16,150 


15,169 


16,072 


19,424 


0,3 8 9 


0,958 


0,6 15 


2,223 


2,195 


1,301 


roö 


1,718 


1,732 


2,165 


2,122 


2,188 


2,736 


2,799 


2,723 


3,208 


2,977 


2,882 


)55 


3,167 


3,908 


3,828 


3,880 


— 


1,131 


1,148 


1,172 


1,011 


0,9 2 8 


— 


t09 


0,404 


0,367 


0,298 


0,360 


0,419 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


)25 


1,671 


1,862 


2,45 7 


2,905 


2,589 


0,012 


0,015 


— 


— 


0,068 


0,060 


556 


1,607 


1,497 


1,507 


1,508 


1,791 


0,379 


0,404 


0,4 19 


0,327 


0,340 


0,2 6 6 


216 


1,350 


1,421 


1,243 


1,273 


1,619 


0,454 


0,375 


0,318 


0,339 


0,323 


0,409 


541 


0,891 


0,859 


0,7 61 


0,889 


— 


0,945 


0,917 


0,8 8 5 


0,946 


0,853 


— 


524 


7,018 


5,766 


5,976 


8,580 


8,618 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


551 


0,910 


0,8 13 


1,009 


1,055 


1,163 


1,914 


1,675 


2,119 


1,939 


2,026 


— 


555 


1,598 


1,369 


1,701 


1,393 


1,170 


2,392 


3,054 


2,836 


2,509 


2,837 


2,014 


t56 


1,136 


0,881 


0,864 


0,927 


0,806 


0,469 


0,385 


0,433 


0,40 7 


0,461 


0,412 


591 


1,989 


1,528 


1,847 


2,189 


2,108 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


)61 


3,885 


3,922 


4,469 


4,054 


— 


0,108 


0,065 


0,128 


0,113 


0,122 


— 


-581 


0,864 


1,247 


1,183 


0,995 


0,963 


1,045 


1,062 


1,097 


1,119 


1,164 


0,998 


525 


1,389 


1,418 


1,579 


1,386 


1,265 


0,057 


0,049 


0,061 


0,148 


0,197 


0,074 


192 


0,571 


0.889 


0,441 


0,597 


0,985 


0,007 


0,007 


0,008 


0,010 


0,009 


0,004 


(69 


0,7 36 


0.859 


0,7 6 5 


0,923 


0,929 


0,689 


0,629 


0,667 


0,57 7 


0,439 


0,467 


548 


1,006 


1,053 


1,116 


1,243 


1,097 


0,564 


0,5 2 8 


0,6 51 


0,5 8 5 


0,637 


0,621 


127 


1,347 


— 


1,538 


1,408 


— 


0,853 


1,109 


— 


1,393 


1,259 


— 


520 


0,383 


0,313 


0,34 8 


0,3 8 6 


0,381 


0,998 


0,904 


0,930 


0,763 


0,9 6 8 


0,816 


532 


0,5 20 


0,388 


0,354 


0,409 


0,735 


0,033 


0,033 


0,076 


0,103 


0,101 


0,098 


578 


1,458 


0,454 


1,129 


0,991 


1,211 


0,500 


0,500 


0,400 


0,500 


0,500 


0,300 


T21 


2,734 


— 


2,944 


2,814 


2,912 


0,102 


0,144 


— 


0,133 


0,103 


0,103 


145 


1,464 


1,756 


2,100 


1,440 


1,665 


0,170 


0,140 


0,113 


Ofl83 


0,168 


— 


502 


0,350 


0,392 


0,2 9 8 


0,347 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


(32 


0,766 


0,785 


0,749 


0,5 64 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


155 


0,664 


0,847 


0,381 


1,290 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


267 


0,329 


0,4 61 


0,280 


0,231 


0,200 


0,480 


0,4 6 8 


0,47 7 


0,492 


0,400 


0,406 


L07 


0,085 


0,084 


0,105 


0,069 


— 


0,009 


0,012 


0,006 


0,009 


0,009 


— 


162 


0,4 6 2 


0,4 8 9 


0,4 6 7 


0,460 


0,460 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


8 


2753,3 


2582,7 


2921,3 


3040,7 


— 


2087,5 


1966,5 


1803,5 


1747,4 


1876,4 


— 


1 


1718,6 


1632,0 


1805,0 


1895,9 


1775,9 


1315,2 


"35,7 


1074,4 


1025,8 


IIl6,8 


1269,7 


7 


I034.7 


950,7 


IIl6,3 


1144,8 


— 


772,3 


730,8 


729,1 


721,6 


759,6 


— 



7 
3 

8 


14,5 

I42.4 

6,7 


16,9 
141,3 

5,o 


16,4 

136,2 

4,o 


17,8 
137,3 

3,8 


13,1 

124,4 

4,3 


28,8 

13,1 

28,5 


26,1 
14,5 
32,4 


23,4 

11,9 

33,4 


25,0 

11,0 

23,6 


43,8 

8,6 

24,4 


46,8 
9,3 

18,4 


8 


163,6 


163,2 


156,6 


158,9 


141,8 


70,4 


73,0 


68,7 


59,6 


76,8 


74,5 



8 


43,7 


1 41,8 


50,0 


44,9 


41,8 


3,1 


3,2 


3,3 


3,o 


3,o 


3,1 


2 


23,9 


25,1 


36,0 


30,7 


32,5 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


•i 


17,7 


16,4 


19,9 


20,0 


20,3 


o,9 


0,8 


0,8 


0,8 


1,1 


1,1 


8 


27,2 


22,1 


26,9 


19,3 


26,4 


9,o 


7,6 


7,9 


8,2 


8,1 


7,1 


5 


112,5 


1 105,4 


132,8 


114,9 


121,0 


13,0 


11,6 


12,0 


12,0 


12,2 


li,l 



234 

Beträge in Millionen Mark *) 



M i s z e 1 1 e n. 



Akt 



Eigene Wertpapiere 


Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen. 
Debitoren in laufender Rechnung 




Bilanzübersicht vom 






Bilanzübersicht vom 




28./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


28./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


1913 






1913 

7 






0,7 27 


0,777 


0,8 5 4 


0,955 


0,961 




13,1^1 


13,157 


12,032 


12,114 


12,306 




1,990 


2,091 


2,132 


2,235 


2,254 


2,165 


23,360 


23,402 


22,780 


24,748 


25,407 


24,01' 


2,617 


2,329 


2,227 


2,320 


2,697. 


3,003 


14,786 


15,076 


15,320 


15,766 


l6, 629 


16,021 


0,517 


0,509 


0,500 


0,556 


0,570 


0,576 


9,832 


IO,194 


IO,468 


IO,178 


IO,365 


IO,81£ 


3,565 


3,679 


3,258 


3,335 


3,334 


4,622 


34,538 


34,994 


35,821 


36,426 


36,763 


37,7i( 


0,6 7 2 


0,701 


0,753 


0,714 


0,718 


0,693 


10,806 


10,212 


9,931 


9,738 


IO,433 


11,11' 


0,550 


0,547 


0,517 


0,572 


0,582 


— 


8,646 


9,055 


8,701 


8,765 


9,480 


— 


2,148 


2,143 


2,141 


2,145 


2,143 


2,114 


5,013 


4,977 


4,812 


5,038 


4,956 


5,01! 


0,942 


0,934 


0,916 


0,9 17 


1,064 


1,130 


IO,359 


IO, 523 


IO,693 


10,706 


10,494 


10,86 


0,335 


0,354 


0,345 


0,341 


0,352 


0,327 


6,075 


6,046 


6,32 7 


6,375 


5,965 


5,90 


0,766 


0,773 


0,733 


0,773 


0,758 


0,743 


5,172 


5,040 


5,159 


5,186 


5,068 


4,63 


0,225 


0,222 


0,219 


0,243 


0,24 3 


— 


3,858 


3,786 


3,818 


3,761 


3<574 


— 


3,812 


3,888 


3,639 


3,650 


3,573 


3,383 


51,201 


50,612 


49,806 


49,45 7 


50,883 


52,05 


0,499 


0,570 


0,585 


0,622 


0,579 


0,643 


4,995 


5,234 


5,999 


5,742 


5,359 


7,43 


0,530 


0,660 


0,280 


0,591 


0,588 


0,692 


4,794 


4,899 


5,156 


5,359 


5,701 


5,96 


0,262 


0,258 


0,256 


0,2 5 6 


0,257 


0,257 


4,013 


3,911 


3,564 


3,360 


3,361 


3,85 


0,612 


0,634 


0,623 


0,6 2 5 


0,623 


0,641 


5,389 


5,434 


5,iii 


5,020 


4,836 


4,99 


0,721 


0,747 


0,842 


0,8 16 


0,790 


— 


4,45 5 


5,365 


4,887 


4,659 


5,359 


— 


1,165 


1,106 


1,147 


1,253 


1,208 


1,241 


3,580 


3,414 


2,908 


2,997 


3 218 


3,oe 


0,164 


0,164 


0,164 


0,163 


0,163 


0,161 


3,045 


2,982 


3,017 


3,126 


3,172 


3,1s 


0,408 


0,4 21 


0,44 2 


0,4 51 


0,439 


0,443 


3,056 


3,360 


2,982 


3,593 


3,407 


3,5f 


1,937 


1,901 


1,896 


1,937 


1,926 


1,896 


9,612 


9,455 


9,575 


9,454 


9,536 


9,6 1 


0,162 


0,171 


0,17 4 


0,146 


0,149 


0,171 


3,261 


3,295 


3,396 


3,525 


3,540 


3, 


0,801 


0,774 


— 


0,7 17 


0,729 


— 


3,130 


3,253 


— 


3,040 


3,028 


— 


1,135 


1,125 


1,113 


1,106 


1,069 


1,055 


5,318 


4,959 


4,820 


5,033 


4,734 


5, 


0,300 


0,296 


0,290 


0,2 8 8 


0,291 


0,291 


2,487 


2,260 


2,287 


2,298 


2,130 


1, 


0,006 


0,006 


0,006 


0,006 


0,006 


0,002 


2,704 


3,036 


2,630 


2,165 


2,670 


2, 


0,245 


0,245 


— 


0,245 


0,245 


0,2 3 8 


0,939 


0,921 


— 


0,939 


0,984 


0, 


0,157 


0,157 


0,457 


0,157 


0,157 


0,153 


2,467 


2,647 


2,749 


1,842 


3,320 


4, 


0,007 


0,007 


0,007 


0,007 


0,004 


— 


1,062 


0,990 


0,950 


1,023 


1,006 


— 


0,213 


0,209 


0,209 


0,2 2 


0,200 


— 


3,800 


3,586 


3,856 


3,831 


3,876 


— 


0,557 


0,540 


0,5 81 


0,736 


0,660 


— 


0,904 


0,975 


1,066 


1,592 


0,938 


— 


0,161 


0,121 


0,123 


0,160 


0,120 


0,122 


3,854 


3,648 


3,736 


3,901 


4,131 


4, 


0,065 


0,049 


0,041 


0,046 


0,047 


— 


0,923 


0,918 


0,962 


0,944 


0,9 21 


— 


0,152 


0,152 


0,152 


0,152 


0,152 


0,150 


0.998 


0,989 


0,983 


0,992 


0,974 


1, 


664,4 


707,9 


707,0 


743,8 


739,2 


— 


6507,9 


6609,1 


6636,1 


6662,4 


6583,6 


— 


358,9 


408,0 


408,6 


426,0 


422,5 


396,5 


3284,9 


3389,9 


3422,3 


3420,1 


3347,4 


3274 


305,5 


299,9 


298,4 


3i7,8 


3 l6 ,7 


— 


3223,0 


3219,2 


3213,8 


3242,3 


3236,2 


— 



IL Ueber* 



1,1 

8,4 
6,5 


1,0 

8,3 
6,3 


0,9 

8,0 

6,9 


1,2 

8,2 

4,0 


1,1 

8,3 
4,1 


1,1 

8,3 

3,8 


38,9 

93,4 

42,7 


43,2 
94,0 
49,3 


38,7 
91,2 

55,7 


39;9 

97,8 
57,8 


40,8 
99,5 
56,0 


36, 
93, 
30, 


16,0 


15,6 


15,8 


13,4 


13,5 


13,2 


i75,o 


186,5 


185,6 


195,5 


196,3 


160,6 



III. Hypothek 



28,4 

6,6 

16,2 

1,5 


25,6 

6,1 

16,1 

1,5 


24,5 

6,4 

15,0 

1,5 


27,1 

8,4 

14,0 

2,8 


23,0 

7,6 

13,9 

2,2 


20,9 

7,1 

12,8 

2,3 


76,0 

104,9 

93,5 

88,2 


78,7 

104,0 

93,9 

88,9 


87,1 

109,6 

95,o 

89,4 


85,7 

112,0 

93,9 

87,1 


89,1 

"5,6 

94,6 
87,6 


93 
119 

94 
92 


52,7 


49,3 


47,4 


52,3 


46,7 


43,i 


362,6 


365,5 


381,1 


378,7 


386,9 


400 



Miszellen. 



235 



Fortsetzung). 



ftcht eingezahltes Aktienkapital. 


£onsortialbeteili- 






mgen. 


Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken u. 




d 
2; 


ankfirmen. Bankgebäude. 


Immobilien u. sonst. Aktiva 


Bezeichnung der Bank 


— 




Bilanzübersicht vom 




! 

- 


28./2. | 


30./4. | 


30./6. 1 


31./8. | 


31./10. | 


31./12. 




1913 


8 


9 


10 


5,518 


6,229 


6,208 


6,429 


6,486 


_ 


Mecklenburgische Bank 


57 


12,998 


13,090 


13,423 


13,502 


13,453 


l6,385 


Mecklenburgische Spar-Bank 


58 


0,654 


0,661 


0,719 


0,763 


0,812 


0,582 


Vereinsbank in Zwickau 


59 


0,628 


0,892 


0,890 


0,979 


0,979 


0,973 


Oberlausitzer Bank zu Zittau 


60 


8,473 


8,695 


8,546 


9,006 


8,726 


7,493 


Oldenburgische Spar- & Leih-Bank 


Gl 


0,611 


0,656 


0,850 


0,6 94 


0,779 


0,563 


Plauener Bank Aktien ges. 


62 


0,483 


0,527 


0,677 


0,7 2 5 


0,765 


— 


Vogtländische Credit-Anstalt Aktges. 


63 


0,135 


0,127 


0,135 


0,141 


0,155 


0,101 


Coburg-Goth. Credit-Ges. 


64 


0,35 8 


0,541 


0,339 


0,372 


0,368 


0,298 


Norder Bank Aktienges. 


65 


0,306 


0,379 


0,400 


0,371 


0,411 


0,264 


Bankverein Gelsenkirchen Akt.-Ges. 


66 


0,392 


0,405 


0,3 6 6 


0,437 


0,451 


0,364 


Creditverein Neviges 


67 


1,596 


1,608 


I ; 579 


1,602 


1,612 


— 


Krefelder Bank Actien-Ges. 


68 


2,978 


3,004 


3,123 


3,247 


3,437 


2,500 


Oldenburgische Landesbank 


69 


0,351 


0,383 


0,296 


0,385 


0,376 


0,273 


Niederlausitzer Bank, Aktienges. 


70 


0,5 5 


0,592 


0,648 


0,7 13 


0,724 


0,497 


Potsdamer Credit- Bank 


71 


0,574 


0,5 7 3 


0,573 


0,573 


0,583 


0,390 


Westdeutsche Vereinsbank 


72 


0,0 7 3 


0,0 7 3 


0,088 


0,103 


0,127 


0,082 


Kattowitzer Bankverein Aktges. 


73 


0,17 9 


0,801 


0,821 


0,850 


0,869 


— 


Neuvorpomm. Spar- u. Cred.-Bank A.-G. 


74 


0,117 


0,123 


0,133 


0,143 


0,148 


0,104 


Weseler Bank, Akt.-Ges. 


75 


0,153 


0,166 


0,180 


0,195 


0,209 


0,128 


Barmer Creditbank 


76 


0,0 5 3 


0,059 


0,072 


0,078 


0,087 


0,041 


Oberschlesischer Credit- Verein 


77 


0,607 


0,619 


0,640 


0,656 


0,673 


0,597 


Geestemünder Bank 


78 


0,107 


0,111 


0,129 


0,146 


0,1 61 


O,07Q 


Zentral-Bank Aktienges. 


79 


0,39 7 


0,406 


— 


0,42 7 


0,426 


— 


Heilbronner Gewerbekasse A. G. 4 ) 


80 


0,421 


0,421 


0,421 


0,421 


0,421 


0,421 


Bremer Bank- Verein 


81 


0,097 


0,118 


0,147 


0,1 63 


0,178 


0,080 


Emmericher Creditbank A. G. 


82 


0,697 


0,690 


0,698 


0,707 


0,701 


0,695 


Gronauer Bankverein 


83 


0,48 7 


0,500 


— 


0,532 


0,552 


0,478 


Leipziger Vereinsbank 4 ) 


b4 


0,389 


0,420 


0,396 


0,404 


0,403 


0,396 


Kheiner Bankverein 


85 


0,348 


0,353 


0,361 


0,374 


0,381 


— 


Sauerländischer Bankverein A.-G. 


86 


0,711 


0,7 7 5 


0,748 


0,761 


0,760 


— 


Neustädter Bank 


S7 


0,534 


0,47 6 


0,4 7 8 


0,490 


0,533 


— 


Forbacher Bank Aktienges. 


88 


0,103 


0,109 


0,115 


0,122 


0,127 


0,041 


Volksbank Geilenkirchen-Hünshoven 


89 


0,036 


0,03 6 


0,036 


0,036 


0,036 


— 


Osterholz-Scharmbecker Bank 


90 


0,047 


0,049 


0,065 


0,071 


0,076 


0,075 


Radevormw. Volksbank Garschagen & Co. 


91 


73,2 


1354,5 


I354;6 


1328,7 


1377,2 


— 


Summe der inländischen Kreditbanken 
Davon entfallen auf: 




'40,8 


786,1 


784,7 


767,6 


790,2 


762,3 


8 Berliner Großbanken 




526,4 


568,4 


569,9 


56l,l 


587,0 


— 


die übrigen inländischen Kreditbanken 




au ken. 














i3,4 


14,4 


x 3>6 


14,0 


14,4 


J 3,4 


Deutsche Orientbank 


1 


8,1 


7,5 


8,8 


7,6 


7,4 


8,1 


Deutsche Ueberseeische Bank 


2 


0,7 


1,2 


0,6 


0,7 


0,6 


1,6 


Deutsche Palästina-Bank 


3 


22,2 


23,1 


2 3,o 


22,3 


22,4 


23,1 


Summe der Ueberseebanken 




aiiken 














i97,9 


1198,6 


1209,3 


1199,9 


1 1204,1 


1215,3 


Bayer. Hypotheken- & Wechselbank 


1 


510,2 


512,7 


514,8 


510,0 


1 5 I2 ,8 


516,9 


Bayerische Vereinsbank 


2 


414,5 


417,8 


421,6 


424,0 


426,8 


426,0 


Bayerische Handelsbank 


3 


59,8 


58,8 


61,1 


59,4 


60,4 


56,5 


Württembergische Vereinsbank 


4 


182,4 


2187,6 


1 2206,8 


2i93,3 


2204,1 


2214,7 


Summe der Hypothekenbanken 





236 Beträge in Millionen Mark 2 ) 


Pas. 


d 


Bezeichnung der Bank 


Aktienkapital und Reserven 




Bilanzübersicht vom 
28./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. 1 31./12. 


1913 


1 


2 


3 



Deutsche Bank 

Direction der Disconto-Gesellschaft 

Dresdner Bank 

Bank für Handel und Industrie 

A. Schaaff hausenscher Bankverein 

Nationalbank für Deutschland 

Commerz- u. Disconto-Bank 

Mitteldeutsche Creditbank 

Allgem. Deutsche Cred.-Anstalt 

Barmer Bankverein, Hinsberg Fischer & Co. 

Rhein. Creditbank, Mannheim 

Rhein. Westfäl. Disconto-Ges. 

Essener Credit-Anstalt 

Bergisch Märkische Bank 

Mitteldeutsche Privat- Bank Aktges. 

Nordd. Bank in Hamburg 

Pfälzische Bank 

Schlesischer Bankverein 

Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G. 

Hannoversche Bank 

Vereinsbank in Hamburg 

Deutsche Nationalbank, Kommdges. a. A. 

Deutsche Effecten- & Wechsel-Bank 

Deutsche Vereinsbank 

Rheinische Bank 

Ostbank f. Handel und Gewerbe 

Norddeutsche Creditanstalt 

Allgem, Elsässische Bankgesellsch. 

Mittelrheinische Bank 

Magdeb. Bankverein 

Bk. f. Thür. vorm. B. IL Strupp Aktg. 3 ) 

Brschw. Bk. u. Kreditanst. A.-G. 

Chemnitzer Bank- Verein 

Osnabrücker Bank 

Danziger Privat-Actien-Bank 

Anhalt-Dessauische Landesbank 

Hildesheimer Bank 

Stahl & Federer Aktienges. 

Westholsteinische Bank 

Königl. Württ. Hofbank G. m. b. H. 

Königsberger Vereins- Bank 

Privatbank zu Gotha 

Schlesische Handels-Bank Aktienges. 3 ) 

Württ. Bankanst. vorm. Pflaum & Co. 

Märkische Bank 4 ) 

Mülheimer Bank 

Commerz-Bank in Lübeck 

Löbauer Bank 

Holsten-Bank 

Westfälisch-Lippische Vereinsbk. Aktges. 

Bank f. Handel u. Gewerbe 

Braunschweiger Privatbank Aktges. 

Elberfelder Bankverein 

Mannheimer Bank, Aktges. 

Rostocker Bank 

Vogtländische Bank 

Mecklenburgische Bank 

Mecklenburgische Spar-Bank 



I. InlKndischt 



310,0 


312,5 


312,5 


281,3 


28l,3 


28l,3 


261,0 


26l,0 


26l,0 


192,0 


192,0 


192,0 


179,2 


179,2 


179,2 


105,8 


106,0 


106,0 


98,5 


99,o 


99,o 


69,1 


69,5 


69,2 


156,6 


156,6 


156,6 


ilb.i 


116,1 


116,1 


H3,8 


U3,8 


U3,8 


H3,4 


"3,4 


H3,4 


95,i 


116,2 


116,2 


104,4 


104,6 


104,6 


68,0 


68,2 


68,2 


64,5 


64,5 


64,5 


60,8 


60,8 


60,8 


69,3 


70,0 


70,0 


54,3 


54,3 


54,3 


45,8 


45,8 


45,8 


43,6 


43,6 


43,6 


36,9 


36,9 


36,9 


33,2 


33,2 


33,2 


33,9 


33,9 


33,9 


3i,4 


3«.i 


3i,7 


31,2 


3i,4 


3i,4 


27,5 


27,6 


27,6 


22,9 


22,9 


22,9 


23,2 


23,2 


23,2 


18,6 


18,7 


18,7 


10,6 


10,6 


10,6 


16,6 


16,6 


16,6 


18,4 


18,4 


18,4 


18,9 


18,9 


18,9 


17,5 


17,6 


17,6 


'4,1 


14,1 


14,1 


16,2 


16,2 


16,2 


12,5 


12,5 


12,5 


14,6 


H,7 


14,7 


10,333 


10,333 


10,333 


12,190 


12,289 


12,2 89 


11,674 


11,674 


11,674 


IO,247 


10,247 


IO,247 


13,412 


13,512 


13,512 


10,100 


IO,100 


— 


9,998 


10,024 


10,024 


9,560 


9,560 


9,560 


9,238 


9,300 


9,300 


8,600 


8,630 


8,630 


7,540 


7,570 


7,570 


6,650 


6,650 


6,650 


6,430 


6,630 


6,630 


6,660 


b,660 


6,660 


6,100 


6,100 


6,100 


6,164 


6,164 


6,164 


9,529 


9,529 


9,529 


5,336 


5,350 


5,850 


6,000 


6,050 


6,050| 



312,5 
281,3 
261,0 
192,0 

179,2 

106,0 

99,0 

69,2 
156,6 
116,1 
H3,8 
H3,4 
116.2 
104,6 

68,2 

64,5 

60,8 

70,0 

54,3 

45 8 

43,6 

36,9 

33,2 

33,9 

3i,7 

3i,4 

27,6 

22,9 

23,2 

18,7 

16,3 

16,6 

18,4 

18,9 

17,6 
14,1 

16,2 

12,5 

14,7 

IO,333 

12,282; 

11,614] 

IO,296: 

I3,512j 

IO,100; 

10,024; 
9,560| 
9,300; 
8,680 
7,570| 
6,650! 
6,630; 
6,660| 
6,100] 
6,164 
9,529J 
5,350, 
6,050| 



312,5 
281,3 
261,0 
192,0 
179,2 

106,0 

99,0 

69,2 
156,6 
116,1 
113,8 
H3,4 
116,2 
104,6 

68,2 

64,5 

60,8 

70,0 

54,3 

45,8 

43,6 

36,9 

33,2 

33,9 

3i,7 

3i,4 

27,6 

22,9 

23,2 

18,7 

16,3 

16,6 

18,4 
18,9 
17,6 
14,1 
16,2 

12,5 

14,7 

IO,333 

12,277 

11,674 

10,296 

13,512 

IO,100 

10,024 

9,560 

9,300 

8,630 

7,570 

6,650 

6,630 

6,660| 

6,100! 

6,164 

9,529! 

5,350 

6,050 



312,5 
281,3 

261,0 

192,0 
169,9 
106,0 
99,0 
69,1 
i5 6 ,7 
116,1 

112,2 

H3,4 
Il6,2 
104,6 

68,2 

65,0 

60,8 

70,0 

54,3 

45,7 

43,9 

36,8 

33,2 

33,9 

29,9 

3i,4 

27,3 

23,s 

23, 

18, 

IO,« 

i6,< 
i8, 5 
18,9 
17,6 

14,1 
16,2 
12,6 
14,7 
10,33 

12,25 
11,61 
IO,2C 
13,51 



237 



Kreditoren 



überhaupt 



innerhalb 7 Tage fällig 



Bilanzübersieht vom 
30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./12. 



Bilanzübersicht vom 
28./2. 1 30./4. 1 30./6. | 31./8. | 31./10. | 31./12. 



1913 



1913 



667,8 
914,5 
604,8 
362,2 
264,3 
295,2 
118,2 

243,1 
116,1 
187,7 
121,4 
'56,3 
227,2 
160,3 
149,0 
127,3 
137,4 

60,7 

45,3 
111,8 

88,3 

33J 

21,1 

40,1 
86,0 
66,8 
78,3 
21,3 
33,9 
47,o 
35,0 
18,5 
44,3 
39,2 
40,8 
27,3 
24,5 
52,5 

10,376 

H,533 

14,374 

12,802 

8,350 

9,244 

9,714 

13,046 

20,306 

19,887 

13,261 

7,408 

H,l32 

5,294 

13,371 

r 9,247 

33,159 

19,369 

43,997 



1630,6 
647,2 

917,4 
601,7 
351,4 
265,0 
309,5 
107,9 
232,0 
111,8 
185,4 
119,1 
162,4 
2l6,7 
156,7 
148,4 
124,8 
132,4 
61,1 

44; 7 

112,9 
89,6 
25,2 
21,2 
38,2 
86,4 
63,3 
81,1 
24,2 

33,7 
48,3 
33,7 
18,2 
43,3 
35,8 
41,3 
25,9 
25,9 
52,3 

IO ,000 

14,291 
15,141 

H,408 
8,361 

10,4 7 7 
13,295 
20,872 
19,591 
12,762 

7,090 
10,723 

5,336 
13,715 
19,495 
34,526 
19,141 
43,904 



1619,0 


1610,2 


6 54,9 


672,2 


949,4 


966,1 


621,0 


615,9 


358,9 


357,4 


262,2 


265,1 


303,1 


307,0 


123,8 


132,8 


243,7 


253,o 


120,1 


116,4 


186,0 


189,7 


120,5 


120,2 


161,9 


164,1 


228,0 


223,7 


162,5 


168,0 


144,9 


152,4 


128,2 


128,5 


i39,9 


140,5 


60,2 


68,9 


47,5 


49,2 


109,2 


H5,i 


89,3 


89,9 


3i,4 


29,9 


20,2 


20,1 


39,5 


42,2 


90,4 


9o,7 


68,6 


70,8 


76,3 


75,1 


24,0 


24,0 


40,7 


38,3 


44,7 


46,1 


33,0 


36,6 


20,0 


20,1 


44,3 


45,2 


37,5 


35,9 


40,5 


41,2 


21,9 


22,1 


25,7 


25,7 


54,3 


58,4 


10,239 


9,616 


14,390 


14,432 


14,792 


15,733 


12,194 


13,889 


8,815 


7,831 


8,107 


8,097 


9,5 51 


9,869 


13,843 


14,212 


20,631 


20,5 2 3 


20,698 


20,928 


13,791 


13,833 


6,889 


7,608 


11,275 


11,462 


4,991 


4,740 


13,939 


14,158 


19,114 


19,019 


35,286 


34,072 


18,723 


19,221 


44,905 


45,438 



1580,0 
674,0 
958,4 
607,7 

344,2 
240,7 
316,0 
130,8 
252,2 
121,3 
184,6 
120,3 
166,0 
231,4 
170,8 
145,5 
132,7 
H7,9 

66,7 

48,5 
121,9 

89,3 

33,o 

21,1 

40,3 

98,5 

7o,8 

74,3 

22,7 

35,9 

48,3 

36,0 

20,2 

45,8 

37,3 

4i,5 

23,1 

25,4 

58,6 

10,082 
15,576 
15,716 
11,453 
8,962 

10,114 
14,753 
20,834 
21,521 
14,194 

8,423 
11,544 

5,022 
14,504 



48,24: 



917,3 


1034,4 


994,3 


945,3 


915,8 


290,4 


335,9 


308,8 


298,0 


305,1 


474,3 


501,7 


482,7 


492,5 


487,7 


218,6 


295,7 


269,7 


274,4 


275,9 


"3,6 


115,1 


105,8 


108,9 


104,4 


79,2 


89,1 


79,1 


75,7 


81,1 


134,6 


148,9 


146,4 


131,2 


H7,7 


44,o 


46,0 


44,o 


45,1 


47,i 


140,2 


149,6 


138,1 


144,0 


148,5 


66,7 


68,0 


68,1 


7i,7 


69,6 


92,5 


94,4 


88,8 


85,5 


80,8 


54,5 


57,2 


52,6 


54,8 


56,0 


97,9 


101,4 


107,0 


107,1 


108,5 


123,6 


130,2 


122,9 


130,6 


128,8 


85,3 


87,6 


85,3 


85,9 


91,7 


48,8 


52,4 


5i,7 


43,4 


46,0 


34,9 


40,8 


39,9 


41,0 


41,6 


108,4 


118,9 


110,9 


100,9 


100,2 


20,0 


23,6 


22,7 


20,6 


28,3 


33,5 


28,8 


32,7 


32,4 


32,6 


45,2 


50,0 


53,5 


42,4 


46,9 


24,1 


26,3 


28,4 


28,9 


3i,7 


8,0 


9,8 


6,7 


11,1 


9,5 


12,8 


16,4 


15.3 


13,2 


10,5 


14,5 


J 4,9 


15,3 


13,3 


14,6 


50,0 


49,5 


48,9 


5i,9 


5i,i 


28,9 


28,3 


28,0 


3i,4 


32,1 


40,5 


43,0 


44,7 


40,7 


40,4 


7,8 


6,2 


6,6 


7,5 


7,4 


25,3 


24,5 


24,4 


29,1 


28,6 


36,2 


35,5 


34,9 


34,2 


33,9 


20,5 


20,1 


I9,i 


i9,i 


22,3 


8,3 


8,7 


8,6 


9,5 


9,3 


15,1 


16,0 


16,1 


15,6 


16,7 


22,1 


20,8 


19,3 


19,3 


19,1 


12,0 


12,8 


13,0 


13,2 


13,8 


IO,2 


IO,6 


10,5 


8,1 


7,2 


l6,5 


17,6 


17,8 


18,0 


17,7 


18,7 


18,5 


18,9 


20,9 


24,0 


7,341 


6.547 


6,355 


6,672 


6,120 


9,006 


8,986 


9,172 


8,065 


7,7 71 


IO,628 


11,271 


11,855 


11,036 


11,852 


6,032 


6,545 


7,130 


6,550 


6,009 


6,744 


6,907 


7,128 


7,298 


6,608 


2,447 


2,466 


— 


2,121 


2,042 


4,022 


4,028 


4,429 


3,678 


3,820 


7,095 


5,627 


6,523 


7,127 


7,806 


5,743 


5,840 


5,778 


5,853 


6,193 


7,068 


6,862 


6,410 


7,566 


7,673 


5,052 


5,085 


4,137 


4,768 


4,335 


3,919 


4,059 


4,084 


3,670 


4,803 


6,215 


6,962 


6,541 


6,863 


6,971 


2,393 


2,566 


2,378 


2,365 


2,504 


2,046 


2,153 


2,236 


2,109 


2,141 


4,081 


4,144 


5,006 


4,985 


5,ioi 


l6,380 


17,128 


18,539 


18,776 


17,787 


4,436 


4,369 


4,410 


4,492 


4,4 7 5 


7,183 


7,775 


9,896 


7,468 


7,688 



Beträge in Millionen Mark 2 ) 



Akzepte und Schecks. Sonstige Passiva 



Summe der Passiva 
(übereinstimmend mit der Summe der Aktiva) 



Bilanzübersicht vom 

./2. | 30./4. | 30./6. | 31./8. | 31./H). | 31./12. 




1913 



6 



306,0 


302,2 


226,0 


204,2 


278,8 


290,0 


161,1 


154,8 


117,1 


117,3 


77,4 


73,i 


88,8 


87,2 


54,5 


59,o 


83,1 


86,0 


70,5 


65,8 


105,2 


103,2 


70,9 


70,1 


3i,4 


33,5 


47,6 


46,9 


43,4 


45,i 


62,9 


60,3 


7o,6 


7i,8 


10,6 


12,5 


5i,o 


48,0 


18,4 


17,4 


21,0 


22,5 


34,2 


36,3 


28,0 


28,4 


29,2 


30,3 


25,5 


2 5,7 


13,2 


13,6 


9,5 


9,4 


10,0 


9,7 


20,2 


17,1 


9,8 


5,5 


7,8 


9,9 


2,4 


2,6 


4,o 


4,0 


5,4 


5,6 


4,4 


4,7 


1,8 


1,6 


4,5 


5,i 


8,7 


8,6 


°,4 


1,2 


5,918 


5,026 


1,623 


1,780 


1,855 


1,916 


5,915 


6,260 


7,254 


7,978 


2,751 


— 


3,666 


4,135 


2,639 


3,545 


2,661 


2,443 


1,324 


1,434 


4,163 


4,237 


1,568 


2,082 


0,520 


0,895 


1,735 


1,894 


5,047 


5,188 


0,501 


0,402 


3,524 


3,491 


» 1,100 


1,243 


\ 0,638 


0,682 



269,1 


323,1 


353,i 


208,2 


229,3 


282,9 


262,6 


288,5 


3i8,7 


167,8 


170,0 


178,4 


124,1 


128,1 


132,1 


76,5 


8l,3 


79,3 


91,9 


93,7 


92,7 


56,9 


59,4 


58,8 


91,5 


89,8 


87,i 


72,1 


81,6 


81,0 


104,7 


97,7 


114,6 


72,3 


7i,i 


77,7 


38,5 


36,9 


35,4 


56,6 


54,7 


55,9 


40,8 


46,7 


53,2 


5 8 >8 


68,2 


78,9 


76,7 


78,9 


78,1 


12,8 


12,9 


14,8 


49,6 


54,8 


57,4 


19,8 


22,7 


19,4 


21,4 


24,5 


21,1 


36,0 


40,8 


41,9 


26,5 


26,1 


28,5 


29,6 


3i,4 


30,7 


28,5 


26,1 


25,0 


14,7 


17,2 


14,6 


13,6 


13,1 


9,4 


IO,9 


12,1 


13,3 


18,4 


20,1 


24,0 


6,1 


9,6 


13,7 


8,3 


7,8 


9,9 


4,3 


4,5 


3,0 


4,1 


4,6 


4,5 


7,0 


7,9 


7,2 


5,9 


5,1 


3,2 


2,2 


3,i 


2,9 


5,6 


5,o 


4,2 


7,4 


7,9 


6,5 


0,6 


0,4 


1,6 


4,724 


4,247 


5,062 


1,986 


2,505 


1,751 


2,420 


2,612 


2,569 


4,687 


3,190 


6,199 


10,502 


9,240 


8,825 


3,653 


3,550 


— 


4,192 


4,297 


4,525 


4,408 


4,417 


2,477 


2,389 


2,342 


2,705 


2,361 


2,197 


1,713 


4,444 


4,797 


4,541 


2,417 


3,254 


2,480 


1,045 


1,234 


1,056 


1,921 


2,327 


2,248 


5,836 


5,744 


5,677 


0,4 98 


0,654 


— 


4,352 


4,238 


— 


1,116 


1,251 


— 


1,599 


1,743 


0,7 41 



2271,2 

1142,5 

1469,1 

895,6 

666,7 
443,7 
467,4 
237,3 
4 8 5,o 
306,1 
410,5 
316,1 
278,9 
380,5 
279,2 
279,8 
257,7 
214,9 
161,9 
114,4 

i74,i 
160,5 

93,3 

84,2 

98,3 

131,1 
104,6 
110,2 

6 5,5 

67,5 
66,6 

55,8 
41,6 
69,7 
63,7 
57,7 
48,0 
44,9 
68,3 

25,783 
29,336 
28,041 
30,296 
29,582 
23,024 
24,124 
26,022 
33,387 
30,658 
24,822 
16,534 
18,042 
13,860 
24,527 
25,781 
45,863 
24,866 
50,158 



2342,4 
H75,l 
1454,3 

957,9 
658,5 
447,7 
483,0 
242,2 
482,8 
302,9 
407,7 
305,7 
303,9 
379,4 
271,9 
276,4 
258,7 
218,0 
166,0 
109,5 
176,4 
159,4 

94,9 

84,2 

97,3 
130,6 
103,9 
111,2 

64,7 

62,4 

65,4 

54,o 

40,9 

68,6 

61,2 

5 6 >7 

48,0 

45,7 
67,6 

26,627 
28,445 
27,903 
28,964 
29,116 
22,095 
23,404 
25,245 
32,267 
29,841 
24,994 
15,626 
18,282 
13,689 
24,518 
25,912 
46,212 
25,819 
50,685 



2245,3 

1132,7 

1468,4 
948,5 
647,9 ' 

444,1 
495,7 
236,1 
474,6 
293,7 
402,4 
302,6 
312,1 
368,2 
270,0 
273,2 
257,4 
214,9 
163,4 
107,9 
179,0 
162,8 

86,8 

85,4 

95,6 

I3 J ,4 

100,3 
H3,7 

64,5 
57,9 
68,8 
52,9 
40,6 
67,8 
58,1 
57,o 
47,2 
47,o 
68,2 
25,359 

28,360 
28,731 
27,915 
29,851 

24,636 
26,400 
32,615 
29,655 
24,569 
15,822 
18,248 
13,890 
25,003 
26,061 
47,546 
25,734 
50,636 



2200,6 

1144,4 

H73,0 

980,8 

662,2 

444,7 

494,0 

249,9 

491,8 

3o8,3 

404,5 

306,2 

316,6 

389,2 

271,5 

268,2 

265,7 

222,7 

164,1 

H3,i 

174,2 

162,2 

9i,i 

83,7 

99,7 

136,5 

109,8 

110,1 

65,6 

65,5 

69,3 

53,9 

42,5 

70,2 

61,0 

56,8 

43,7 

45,6 

69,6 

25,29 

28,65 

28,88 

27,17 

32,82 

21,86 

23,7 

27,81 

32,32 

31,68 

25,80 

15,95 

18,95 

13,57 

25,87 

25,77 

49,16 
25,18 
52,55 



67 



Durch Spalte 3 der Aktiva sind gedeckt: 


Bezeichnung der Bank 


2& 


Kreditoren über- 
haupt (Sp. 4) 
mit Prozent 


Die innerhalb 7 Tage 

fälligen Kreditoren (Sp. 5) 

mit Prozent 




£ 




CO 

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eo 


Bilanzül 

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8 


cht vom 

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CO 


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CO 


91 

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TS 
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3 


1913 




1913 


H* 






3 




9 


10 


11 



1 7,o 


5,i 


5,6 


8,i 


9,o 


9.4 


"»5 


8,8 


9,9 


i3.5 


6,3 


3,o 


4.4 


7,4 


5.4 


7.4 


13.2 


6,5 


9,7 


14,8 


5-6 


3>° 


3.7 


7,2 


6,8 


6,4 


10,6 


5,7 


7.3 


»3*5 


7.o 


5,6 


5,o 


8,o 


8,4 


10,7 


15,6 


12,7 


11,2 


17,0 


4,9 


3.9 


4,i 


7,3 


9.3 


11,0 


16,4 


12,8 


14,0 


24,0 


3,8 


3,° 


3,3 


6,i 


9.o 


7,7 


12,8 


10,4 


10,7 


i5,7 


5.o 


3,9 


4,i 


5,5 


8,4 


8,2 


10,6 


9,i 


8,5 


10,9 


5,i 


4-7 


3,6 


6,9 


10,7 


12,8 


12,6 


12,9 


10,2 


15,9 


5,4 


3,8 


3,8 


6,3 


6,3 


6,7 


9.i 


6,3 


6,4 


10,9 


3,9 


3,4 


3.7 


7,6 


5,8 


7,4 


6,4 


5,6 


6,3 


12,0 


3,6 


2,5 


2,5 


3,8 


5,2 


5,9 


7,5 


5,5 


5,8 


7.5 


3,6 


2,9 


3.2 


6,i 


5.3 


6,1 


8,2 


6,4 


6,8 


12,4 


7,8 


4,4 


4.3 


12, 


6,3 


7,7 


11,8 


6,7 


6,5 


*7»7 


4,2 


2,8 


3, 1 


5,3 


4,6 


8.3 


7,4 


4,8 


5,4 


8,9 


3,9 


2,4 


2,9 


5,6 


4.6 


6,2 


7>i 


4.6 


5,3 


9,7 


2,2 


2,3 


3,3 


3,3 


io,8 


14,0 


6,2 


7,5 


11,0 


9,5 


4,8 


3,° 


4,4 


5.3 


10,7 


10,4 


i5,i 


9.3 


i3,5 


16,1 


3»7 


i,5 


!,9 


4.9 


2,6 


2,8 


4.4 


2,1 


2,7 


6,8 


3>9 


2,2 


3,4 


6,3 


7,4 


27,7 


10,5 


b,6 


8,2 


*7»7 


8,2 


3,4 


4.3 


io,6 


5,i 


6,8 


11,2 


5,o 


6,5 


J 5,7 


4,8 


4,9 


4,3 


6,5 


8,i 


16,4 


10,2 


12,7 


10,6 


12,4 


4,3 


3,6 


3.6 


7,5 


15,9 


14.3 


13,5 


11,0 


10,3 


20,4 


14,4 


6,7 


7.o 


8,5 


26,4 


3o.4 


54,o 


19,0 


22,1 


30.0 


io,8 


4,8 


5.3 


io,6 


7,o 


9.6 


15.0 


7,4 


10,2 


20,3 


4,0 


i,5 


i,6 


2,4 


3-4 


3.6 


10,0 


4.3 


4,6 


6,0 


3,3 


2,3 


2,6 


4,1 


4,6 


5,o 


5,8 


4.0 


4,6 


7,o 


3,5 


2,4 


2,7 


4,7 


5,4 


5.4 


8,0 


5,2 


5,9 


10,4 


3,7 


2 ,4 


2,8 


4,o 


5,5 


7,4 


6,8 


4,5 


5,2 


6,8 


3,i 


2,8 


*,2 


4,9 


5.2 


7,7 


11,4 


8,9 


5,6 


»7»» 


4» 1 


2,1 


3.o 


7,9 


4,0 


4.3 


5,6 


2,9 


4.i 


10,4 


3,4 


2,0 


3- 1 


3,4 


3.6 


3,3 


4.7 


2,6 


4.0 


4,7 


3,8 


i,4 


i,8 


6,7 


3.i 


3,3 


6,8 


2,4 


3.0 


",3 


4,i 


3.3 


3.2 


5,i 


11,0 


12,5 


8,8 


7,0 


6,8 


10,5 


4,2 


3,2 


3.3 


4,3 


9.4 


9.8 


".3 


9,0 


8,9 


12,2 


3,6 


3,2 


3,3 


5,3 


4.8 


5,3 


6,7 


6,2 


6,1 


9,6 


2,9 


J >3 


2,1 


3,6 


6,8 


5.6 


9,i 


3,9 


6,2 


11, 1 


5,4 


3.7 


3,3 


7,9 


13.4 


7. 1 


13.4 


9.9 


10,1 


21,1 


5,3 


3>5 


4,6 


7,o 


7,6 


6,4 


7.7 


5,o 


6,6 


10,3 


4,2 


3,6 


4, 1 


4,5 


8,8 


16,2 


11,6 


9,5 


9,9 


11,0 


3,5 


5,6 


2,9 


ii, i 


5,5 


9,* 


5.5 


8,7 


4,5 


17,4 


2,2 


i,6 


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3,5 


2,9 


2.9 


3.5 


2,8 


3,6 


5.9 


9,7 


7,6 


5,6 


9,0 


8,6 


8,9 


I2 ,3 


10,2 


7.4 


12,3 


5,i 


2,4 


3.5 


5,i 


7,8 


7,3 


8,2 


4.4 


8,1 


7,9 


6,5 


10,7 


5,9 


9,6 


5.4 


8,1 


7,7 


12,9 


7.o 


10,9 


— 


7.i 


8,6 


— 


28,9 


25,6 




27,0 


34.2 


— 


i,8 


1,8 


2,0 


4,2 


4.7 


3,4 


4,4 


4,5 


5.2 


10,5 


5,7 


4,8 


4.7 


7,i 


9.i 


10,2 


"»7 


9,4 


8,5 


15,1 


2,3 


i,5 


i,8 


3,6 


6,1 


7,i 


8,2 


5,4 


6,1 


x 3.4 


6,3 


5.o 


5,3 


7.o 


14,8 


16,8 


19,1 


i3,5 


14,5 


18,2 


X »9 


*»i 


i,7 


3.7 


4,3 


4,4 


6,0 


3,2 


5,3 


10,3 


i,8 


!,! 


i,5 


2,0 


3,o 


2,2 


3,o 


2,1 


2,7 


3,3 


5,2 


4,3 


2,3 


9,i 


5,2 


5.4 


8,5 


7,i 


3,8 


13,8 


4,4 


4,8 


3.8 


5,9 


8,0 


8,8 


10,0 


10,0 


7.2 


10,4 


2,0 


i,o 


*,2 


i,7 


8,2 


7.2 


12,2 


6,9 


7.8 


9,4 


6,8 


3,5 


3,8 


— 


J 7,4 


16,7 


26,5 


13,3 


14,2 


— 


2,6 


3,5 


3.o 


— 


5,3 


8,2 


4.9 


6,6 


5,8 


— 


7,9 


3.i 


3.5 


— 


J 4,9 


11,4 


34.i 


13.1 


15,2 


— 


4,5 


2,9 


3,i 


2 .9 


16,7 


16,1 


20,1 


17,2 


18,4 


13,9 



Deutsche Bank 

Direction der Disconto-Gesellschaft 

Dresdner Bank 

Bank für Handel und Industrie 

A. Schaaffhausenscher Bankverein 

Nationalbank f. Deutschland 

Commerz- u. Disconto-Bank 

Mitteldeutsche Creditbank 

Allgem. Deutsche Cred.-Anstalt 

Barmer Bankverein Hinsberg Fischer & Co. 

Rhein. Creditbank, Mannheim 

Rhein. Westfäl. Disconto-Ges. 

Essener Credit-Anstalt 

Bergisch Märkische Bank 

Mitteldeutsche Privat-Bank Aktges. 

Nordd. Bank in Hamburg 

Pfälzische Bank 

Schlesischer Bankverein 

Süddeutsche Disconto-Gesellschaft A.-G. 

Hannoversche Bank 

Vereinsbank in Hamburg 

Deutsche National bank, Kommdges. a. A. 

Deutsche Effecten- & Wechsel-Bank 

Deutsche Vereinsbank 

Rheinische Bank 

Ostbank f. Handel und Gewerbe 

Norddeutsche Creditanstalt 

Allgem. Elsässische Bankgesellsch. 

Mittelrheinische Bank 

Magdeb. Bank- Verein 

Bk. f. Thür. vorm. B. M. Strupp Aktg. ") 

Brschw. Bk. u. Kreditanst. A.-G. 

Chemnitzer Bank- Verein 

Osnabrücker Bank 

Danziger Privat-Actien-Bank 

Anhalt-Dessauische Landesbank 

Hildesheimer Bank 

Stahl & Federer Aktienges. 

Westholsteinische Bank 

Königl. Württ. Hofbank G. m. b. H. 

Königsberger Vereins- Bank 

Privatbank zu Gotha 

Schlesische Handels-Bank Aktienges 8 ) 

Württ. Bankanst. vorm. Pflaum & Co. 

Märkische Bank 4 ) 

Mülheimer Bank 

Commerz- Bank in Lübeck 

Löbauer Bank 

Holsten-Bank 

Westfälisch-Lippische Vereinsbk. Aktges. 

Bank f. Handel u. Gewerbe 

Braunschweiger Privatbank Aktges. 

Elberfelder Bankverein 

Mannheimer Bank, Aktges. 

Rostocker Bank 

Vogtländische Bank 

Mecklenburgische Bank 

Mecklenburgische Spar-Bank 



1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 





240 Miszellen. 












Beträge in Millionen Mark 2 ) 










Pas sri 




1 


Bezeichnung der Bank 


Aktienkapital und Reserven 


1 




Bilanzübersicht vom 








28./2. | 


30./4. | 


30./6. | 


31./8. | 


31./10. |31./1 


1913 


1 


2 


3 


59 


Vereinsbank in Zwickau 


6,939 


6,979 


6,979 


9,9/9 


6,979 


6,9 


60 


Oberlausitzer Bank zu Zittau 


3,480 


5,000 


5,000 


5,000 


5,ooo 


5,o 


61 


Oldenburgische Spar- u. Leih-Bank 


6,000 


6,000 


6,000 


6,000 


6,000 


6,1 


62 


Plauener Bank Aktienges. 


4,610 


4,610 


4,610 


4,610 


4,610 


4,6 


63 


Vogtländische Credit-Anstalt Aktges. 


4,193 


4,743 


4,743 


4,743 


4,743 


— 


64 


Coburg-Goth. Credit-Ges. 


4,889 


4,889 


4,889 


4,889 


4,889 


4,8 


65 


Norder Bank Aktienges. 


2,999 


2,999 


4,009 


4,009 


4,009 


4,0 


66 


Bankverein Gelsenkirchen Akt.-Ges. 


3,208 


3,262 


3,262 


3,262 


3,262 


3,2 


67 


Creditverein Neviges 


3,701 


3,730 


3,730 


3,730 


3,730 


3,< 


68 


Krefelder Bank, Actien-Ges. 


3,169 


3,169 


3,169 


3,169 


3,169 




69 


Oldenburgische Landesbank 


3,725 


3,742 


3,742 


3,742 


3,742 


3,' 


70 


Niederlausitzer Bank, Aktienges. 


2,725 


2,765 


2,765 


2,765 


2,765 


2,' 


71 


Potsdamer Credit-Bank 


3,062 


3,082 


3,082 


3,082 


3,082 


3, 


72 


Westdeutsche Vereinsbank 


2,656 


2,712 


2,712 


2,712 


2,712 


2, 


73 


Kattowitzer Bankverein Aktienges. 


2,248 


2,268 


2,268 


2,268 


2,268 


2, 


74 


Neuvorpomm. Spar- u. Credit-Bank A.-G. 


1,080 


2,203 


2,203 


2,208 


2,203 


- 


75 


Weseler Bank Akt.-Ges. 


2,810 


2,810 


2,810 


2,810 


2,810 


2, 


76 


Barmer Creditbank 


2,045 


2,045 


2,045 


2,045 


2,045 


2, 


77 


Oberschlesischer Credit- Verein 


2,180 


2,180 


2,180 


2,180 


2,180 




78 


Geestemünder Bank 


2,245 


2,245 


2,245 


2,245 


2,245 




79 


Zentral-Bank Aktienges. 


1,560 


1,560 


1,560 


1,560 


1,560 




80 


Heilbronner Gewerbekasse A.-G. 4 ) 


1,520 


1,550 


— 


1,550 


1,550 


81 


Bremer Bank-Verein 


1,270 


1,270 


1,270 


1,270 


1,270 I, 


82 


Emmericher Creditbank A.-G. 


1,230 


1,230 


1,230 


1,230 


1,230 I. 


83 


Gronauer Bankverein 


1,139 


1,148 


1,148 


1,148 


1,148 I 


84 


Leipziger Vereinsbank 4 ) 


1,380 


1,399 


— 


1,399 


1,399 I 


85 


Rheiner Bankverein 


1,132 


1,134 


1,134 


1,134 


1,134 I 


86 


Sauerländischer Bankverein A.-G. 


1,014 


1,024 


1,024 


1,024 


1,024 


87 


Neustädter Bank 


0,847 


0,847 


0,847 


0,847 


0,847 


88 


Forbacher Bank Aktienges. 


0,518 


0,5 18 


0,525 


0,525 


0,525 


89 


Volksbank Geilenkirchen-Hünshoven 


0,496 


0,501 


O,501 


O,50l 


0,5 01 O 


90 


Osterholz-Scharmbecker Bank 


0,260 


0,2 6 


0,260 


0,260 


0,260 - 


91 


Rade vorm walder Volksbank, Garschagen & Co. 


0,250 


0,250 


0,250 


0,250 


0,250 O 




Summe der inländischen Kreditbanken 


3246,9 


3277,9 


3265,5 


3284,3 


3284,2 






Davon entfallen auf : 
















8 Berliner Großbanken 


1496,8 


1500,4 


1500,1 


1500,1 


1500,1 


149 




die übrigen inländischen Kreditbanken 


I750.1 


1777,5 


1765,4 


1784,2 


1784,1 
















H. Uebe; 


1 


Deutsche Orientbank 


33,6 


33,8 


33,8 


33,8 


33,8 


33 


2 


Deutsche Ueberseeische Bank 


38,2 


38,8 


38,8 


38,8 


38,8 


3* 


3 


Deutsche Palästina-Bank 


22,9 


23,5 


23,5 


23,5 


23,5 


23 




Summe der Ueberseebanken 


94,7 


96,1 


96,1 


96,1 


96,1 


9t 












I 


Q. Hypothe 


1 


Bayer. Hypotheken- & Wechselbank 


118,9 


131,0 


131,2 


131,2 


131,4 


13' 


2 


Bayer. Vereinsbank 


66,8 


67,8 


76,4 


76,5 


76,4 


7< 


3 


Bayerische Handelsbank 


58,6 


59,0 


59,o 


59,0 


59,o 


5> 


4 


Württe mbergische Vereinsbank 


53,4 


53,7 


53,7 


53,7 


537 


5: 




Summe der Hypothekenbanken 


297,7 


3",5 


320,3 


320,4 


320,5 


3* 






Miszell e n. 



241 



3rtsetzung). 













Kreditoren 










• 


überhaupt 




innerhalb 7 


Tage fällig 






Bilanzübersicht vom 






Bilanzübersicht vom 




:8./2. 


| 30./4. 


30./6. 


| 31./8. 


31./10. 


31./12. 


28./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


1913 


1913 


4 


5 


24,448 


23,158 


23,000 


23,724 


24,723 


26,186 


13,462 


12,135 


12,195 


12,802 


14,013 


15,005 


8,608 


8,212 


8,122 


8,609 


8,749 


8,316 


3,610 


3,747 


3,784 


4,208 


4,057 


3,416 


>8,316 


57,862 


57,509 


58,538 


59,557 


63,803 


8,869 


8,604 


8,866 


9.530 


9,889 


IO,593 


[1,063 


10,926 


10,670 


11,243 


11,386 


12,193 


6,512 


6,685 


6,485 


7,294 


7,648 


8,216 


9,249 


9,373 


9,6 24 


9,520 


IO,287 


— 


6,123 


6,070 


6,683 


6,940 


7,109 


— 


2,f>38 


2,684 


2,554 


2,552 


2,504 


2,552 


1,078 


1,161 


1,051 


1,156 


1,126 


1,054 


[0,502 


IO,566 


9,592 


IO,242 


IO,419 


10,736 


2,190 


2,038 


1,818 


2,361 


2,308 


2,270 


5,240 


5,245 


5,237 


5,300 


5,087 


5,033 


2,012 


2,052 


1,865 


1,971 


1,921 


1,933 


3,930 


4,138 


3,980 


3,898 


3,753 


3,940 


1,890 


2,026 


2,032 


1,945 


1,906 


2,039 


3,901 


3,978 


3,770 


3,618 


3,520 


— 


1,018 


1,140 


1,023 


1,017 


1,061 


— 


>2,522 


60,4 09 


57,804 


56,873 


6l, 060 


63,584 


14,139 


11,546 


11,469 


11,400 


12,846 


14,050 


5,860 


6,032 


7,109 


6,918 


6,554 


6,850 


3,378 


3,759 


3,649 


3,828 


4,090 


4,089 


6,881 


7,622 


7,173 


7,447 


7,720 


7,453 


3,533 


4,387 


4,009 


4,1*9 


4,121 


3,302 


3,591 


3,241 


2,515 


1,920 


2,065 


1,991 


0,873 


0,948 


0,8 18 


0,730 


0,912 


0,799 


4,651 


5,489 


4,599 


4,983 


5,136 


5,241 


3,977 


3,894 


4,165 


3,851 


4,022 


4,292 


8,4 39 


8,728 


8,542 


8,570 


8,733 


— 


3,078 


3,321 


3,163 


3,H8 


3,106 


— 


3,841 


3,818 


3,767 


3,-12 


3,781 


4,081 


0,689 


0,740 


0,701 


0,6 21 


0,662 


0,7 37 


2,503 


2,504 


2,617 


2,634 


2,577 


2,574 


1,220 


1,305 


1,381 


1,352 


1,334 


1,313 


2,421 


2,256 


2,271 


2,359 


2,309 


2,753 


1,298 


1,167 


1,210 


1,357 


1,361 


1,767 


[1,500 


11,148 


11,072 


IO,985 


IO,837 


11,118 


4,434 


3,806 


3,856 


3,949 


3,870 


4,011 


3,193 


3,2 9 3 


3,643 


3,633 


3,557 


3,711 


0,246 


0,292 


0,301 


0,398 


0,246 


0,317 


4,7 1 2 


4,882 


— 


4,951 


4,664 


— 


1,640 


1,818 


— 


1,772 


1,490 


— 


6,905 


6,670 


6,280 


6,315 


6,232 


6,510 


2,620 


2,554 


2,485 


2,644 


2,447 


2,5 5 7 


1,938 


1,857 


1,745 


1,763 


1,605 


1,693 


0,464 


0,440 


0,356 


0,3 28 


0,434 


0,428 


4,044 


4,204 


2,824 


2,863 


3,050 


2,895 


2,396 


2,104 


1,859 


1,978 


1,991 


I,82W 


3,183 


3,215 


— 


3,158 


3,155 


3,185 


0,4 2 9 


0,483 


— 


0,436 


0,440 


0,459 


3,881 


3,612 


4,024 


3,458 


3,983 


4,700 


2,569 


2,591 


2,729 


2,254 


2,433 


2,741 


0,618 


0,652 


0,659 


0,592 


0,6 02 


— 


0,175 


0,180 


0,186 


0,177 


0,152 


— 


4,549 


4,567 


4,721 


4,625 


4,507 


— 


0,335 


0,359 


0,502 


0,335 


0,286 


— 


2,225 


2,240 


2,478 


2,685 


2,843 


— 


0,452 


0,827 


1,082 


1,259 


1,436 


— 


4,335 


4,184 


4,331 


4,346 


4,388 


4,5 62 


0,591 


0,5 OB 


0,5 7 5 


0,5 92 


0,624 


0,642 


0,905 


0,849 


0,866 


0,888 


0,823 


— 


0,064 


0,142 


0,060 


. 0,149 


0,087 


— 


1,407 


1,409 


1,434 


1,402 


1,390 


1,432 


0,028 


O.02S 


0,022 


0,015 


0,009 


0,006 


";9,i 


8181,0 


7991,2 


8133,9 


8224,8 


— 


3807,9 


4l6l,3 


3993,7 


3933,7 


3955,2 




4;8,i 


4950,9 


4830,6 


4892,3 


4926,7 


485^8 


2271,9 


2566,9 


2430,8 


2370,9 


2364,9 


2485,3 


3)i,o 


3230,1 


3l6o,6 


3241,6 


3298,1 


— 


1536,0 


1594,4 


1562,9 


1562,8 


I590.3 


— 


t ii ken. 
























)4,3 


69,4 
265,8 


65,9 


65,4 


88,2 


80,2 


47,o 


51,1 


46,9 


43,4 


43,5 


47,4 


)I,0 
>6,3 


255,2 


257,0 


250,3 


241,6 


I3 r ,3 


131,4 


123,3 


123,6 


119,4 


123,6 


68,4 


72,6 


63,0 


63,9 


34,7 


9,2 


10,9 


11,9 


8,2 


9,2 


9,4 


Jl,6 


403,6 


393,7 


385,4 


402,4 


35 6 ,5 


187,5 


193,4 


182,1 


175,2 


172,1 


180,4 


I oken. 
























;o,3 


56,4 
67,9 


59,6 


6l,l 


59,7 


57,7 


39,1 


46,0 


47,5 


50,0 


47,3 


46,6 


>0,8 


67,1 


72,4 


69,6 


73,5 


45,6 


51,4 


50,6 


54,0 


SM 


54,1 


\3,5 


65,0 


66,8 


69,6 


69,2 


69,9 


41,8 


44,5 


45,2 


47,i 


45,8 


45,6 


15,6 


66,9 


60,7 


62,3 


54,7 


61,6 


3i,6 


41,4 


36,3 


35,3 


33,9 


39,8 


0,2 


256,2 


254,2 


265,4 


253,2 


262,7 


158,1 


183,3 | 


179,6 


186,4 | 


178,0 


186,1 



Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 



16 



Beträge in Millionen Mark 2 ) 



Pas 



Akzepte und Schecks. Sonstige Passiva 



Summe der Passiva 
(übereinstimmend mit der Summe der Aktiva) 





Bilanzübersicht vom 








Bilanzübersicht vom 






28./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31./12. 


28./2. 


30./4. 


30./6. 


31./8. 


31./10. 


31. li 


1913 


1913 


6 


7 


2,072 


1,478 


1,492 


2,004 


1,985 


2,104 


33,459 


31,615 


31,471 


32,707 


33,687 


35,2 


0,635 


0,474 


0,554 


0,604 


0,4 5 8 


0,600 


12,723 


13,686 


13,676 


14,213 


14,207 


13,9 


1,983 


1,193 


1,621 


2,143 


2,691 


1,488 


66,299 


65,055 


65,130 


66,681 


68,248 


7i,3 


1,500 


1,073 


1,209 


1,102 


1,488 


1,467 


17,173 


16,609 


16,489 


16,955 


17,484 


18,2 


0,989 


1,045 


1,051 


1,172 


1,282 


— 


14,431 


15,161 


15,418 


15,435 


l6,312 


— 


0,553 


0,1 6 6 


0,111 


0,255 


0,285 


0,357 


7,780 


7,739 


7,554 


7,696 


7,678 


7,7 


0,300 


0,240 


0,420 


0,444 


0,643 


0,440 


13,801 


13,805 


14,021 


14,695 


15,071 


15,1 


0,590 


0,389 


0,633 


0,457 


0,325 


0,4 01 


9,038 


8,896 


9,132 


9,019 


8,674 


8,6 


0,423 


0,224 


0,4 07 


0,438 


0,493 


0,416 


8,060 


8,092 


8,117 


8,066 


7,976 


8,0 


0,461 


0,368 


0,530 


0,583 


0,559 


— 


7,531 


7,510 


7,469 


7,370 


7,248 


— 


1,323 


1,316 


1,600 


2,448 


2,695 


0,363 


67,570 


65,467 


63,146 


63,063 


67,497 


67,6 


0,301 


0,139 


0,175 


0,208 


0,290 


0,278 


8,886 


8,936 


10,049 


9,891 


9,609 


9,8 


0,450 


0,363 


0,5 04 


0,5 7 9 


0,747 


0,4 17 


IO,393 


11,067 


IO,759 


11,108 


11,549 


10,9 


0,593 


0,367 


0,547 


0,874 


0,870 


1,095 


6,840 


6,320 


5,774 


5,506 


5,647 


5,7 


0,718 


0,545 


0,647 


0,447 


0,449 


0,553 


7,617 


8,302 


7,514 


7,698 


7,853 


8,0 


0,265 


0,205 


0,281 


0,502 


0,571 


— 


9,784 


11,136 


11,026 


11,275 


11,507 


— 


0,241 


0,081 


0,100 


0,257 


0,2 7 


0,282 


6,892 


6,709 


6,677 


6,779 


6,861 


7,1 


0,4 31 


0,279 


0,325 


0,601 


0,567 


0,284 


4,979 


4,828 


4,987 


5,280 


5,189 


4,9 


0,145 


0,041 


0,050 


0,118 


0,135 


0,257 


4,746 


4,47 7 


4,501 


4,657 


4,624 


5,i 


0,139 


0,044 


0,506 


0,356 


0,5 61 


0,282 


13,884 


13,437 


13,823 


13,586 


13,643 


13,6 


0,368 


0,370 


0,4 19 


0,540 


0,787 


0,454 


5,121 


5,223 


5,622 


5,733 


5,904 


5J 


0,490 


0,538 


— 


0,7 95 


0,727 


— 


6,722 


6,970 


— 


7,296 


0,941 


— 


o,m 


0,035 


0,196 


0,195 


0,222 


0,190 


8,286 


7,975 


7,746 


7,780 


7,724 


7,$ 


0,090 


0,147 


0,224 


0,222 


0,276 


0,1 86 


3,258 


3,234 


3,199 


3,215 


3,iii 


3,o 


0,340 


0,359 


0,382 


0,528 


0,710 


0,643 


5,523 


5,711 


4,354 


4,539 


4,908 


4,6 


0,344 


0,27 


— 


0,399 


0,457 


0,311 


4,907 


4,884 


— 


4,956 


5,on 


4,8 


0,347 


0,1 4 6 


0,094 


0,157 


0,431 


0,963 


5,360 


4,892 


5,252 


4.749 


5,548 


6,: 


0,107 


0,066 


0,081 


0,129 


0, 1 2 1 


— 


1,739 


1,742 


1,764 


1,745 


1,747 


— 


0,103 


0,054 


0,128 


0,109 


0,095 


— 


5,499 


5,468 


5,696 


5,581 


5,449 


— 


0,054 


0,076 


0,078 


0,127 


0,127 


— 


2,797 


2,834 


3,076 


3,337 


3,495 


— 


0,06 2 


0,026 


0,143 


0,147 


0,166 


0,050 


4,893 


4,711 


4,975 


4,994 


5,055 


5,i 


— 


0,002 


0,020 


0,020 


0,025 


— 


1,165 


1,111 


1,146 


1,168 


1,108 


— 


0,018 


0,018 


0,016 


0,047 


0,043 


0,033 


1,675 


1,677 


1,700 


1,699 


1,683 


1. 


2491,7 


2282,0 


2259,6 


2286,1 


2442,5 


— 


13 597,7 


13 740,9 


13 516,3 


13 704,3 


13 951,5 


— 


1438,6 


I309.8 


1288,1 


1257,1 


1373,5 


1496,2 


7 593,5 


7 76l,l 


7 6l8,8 


7 649,5 


7 800,3 


7838,» 


1053,1 


972,2 


971,5 


IO29,0 


1069,0 


— 


6 004,2 


5 979,8 


5 897,5 


6054,8 


6 151,2 


— 






















n. Ueber* 


7,i 


5,8 


3,o 


5,0 


5,3 


5,7 


105,0 


109,0 


102,7 


104,2 


127,3 


119: 


20,7 


17,5 


18,5 


18,8 


23,7 


23,1 


319,9 


322,1 


312,5 


314,6 


312,8 


303, 


8,4 


5,5 


6,7 


4,8 


2,5 


3,1 


87,6 


97,4 


102,8 


91,3 


89,9 


61, 


36,2 


28,8 


28,2 


28,6 


31,5 


3i,9 


512,5 


528,5 


518,0 


5!o,i 


530,0 
ni. Hyp 


484, 

othek 


1175,0 


1166,4 


1179,0 


"77,4 


1177,0 


1190,5 


1 344,2 


1353,8 


1 369,8 


1 369,7 


1 368,1 


1379, 


518,1 


514,0 


516,5 


520,6 


523,6 


532,8 


645,7 


650,3 


66o ; o 


669,5 


669,6 


682, 


425,4 


425,1 


426,6 


427,1 


431,9 


43i,3 


547,5 


549,1 


552^4 


555,7 


560,1 


559, 


73,9 


70,1 


78,7 


7i,3 


72,2 


74,3 


182,9 


190,7 


185,1 


187,3 


180,6 


189. 


2192,4 


2176,2 


2192,8 


2196,4 


2204,7 


2228,9 


2 720,3 


2 743,9 


2 767,3 


2 782,2 


2 778,4 


2811. 



1) Nach den im Reichsanzeiger veröffentlichten Zweimonatsbilanzen zusammengestellt. Die Bilanzübersic 
nicht durchweg das für die Zweimonatsbilanzen vorgeschriebene Schema in Anwendung gekommen ist, so konnten 
für den Schluß des Jahres 1913 nur für die 8 Berliner Großbanken gezogen worden. 

2) Bei den Banken mit einem Aktienkapital von über 10 Mill. M sind die Ziffern der Uebersichtlichkeit ha 

3) Die Jahresschlußbilanz fällt auf den 30. Juni 1913. 

4) Die Bilanzübersichten der Märkischen Bank in Bochum, der Heilbronner Gewerbekasse und der Leipz 
Stellung nicht enthalten. 



Setzung). 


















243 


Durch Spalte 3 der Aktiva sind gedeckt : 






i Kreditoren über- 


Die innerhalb 7 Tage 


d 


haupt (Sp. 4) 


fälligen Kreditoren (Sp. 5) 




fc 


mit Prozent 


mit Prozent 







Bilanzübersicht vom 


Bezeichnung der Bank 




;* 


«ö 


c6_ 


© 


ai 


£L 


•S. 


«0 


GÖ_ 


O <M 




0> 

*3 


8 


§ 


CO 


eo 


eo 


oö 



eo 


O 
CO 


CO 


eo 1 eo 




■3 


1913 


1913 




8 


9 


10 


11 


-',4 


2,0 


1,4 


2,1 


3,8 


6,5 


4,6 


3.8 


2,5 


3,7 


6,6 


Vereinsbank in Zwickau 


59 


3,7 


3,o 


3-4 


3,9 


6,i 


7,6 


8,1 


7,7 


6,9 


8,5 


14,9 


Oberlausitzer Bank zu Zittau 


60 


2,2 


i,3 


0,9 


i,9 


!,3 


6,0 


14,8 


8,4 


5,5 


",7 


7,9 


Oldenburgische Spar- u. Leih-Bank 


61 


4,8 


4,7 


3,9 


4,0 


6,7 


9,9 


7,8 


7,7 


6,0 


6,0 


10,0 


Plauener Bank Aktienges. 


62 


",o 


4,6 


5,6 


6,6 


— 


9.2 


11,8 


6,6 


7,7 


9,5 


— 


Vogtländische Cred. -Anstalt Aktges. 


63 


3-3 


3,9 


2,9 


2,6 


5,7 


7.o 


7,6 9.4 


6,4 


5,7 


13,8 


Coburg-Goth. Credit-Ges. 


64 


ifi 


2,2 


2,4 


i-7 


2,3 


4,8 


5,9 ",6 


10,3 


7,5 


10,9 


Norder Bank Aktienges. 


65 


2.0 


2,8 


i,9 


i,9 


2,9 


4,3 


5,2 


7,7 


5,o 


5,1 


7,6 


Bankverein Gelsenkirchen Akt.-Ges. 


66 


3,6 


2,0 


2 >3 


2,7 


8,3 


3,2 


7,4 


3.9 


4,5 


5,4 


16,1 


Creditverein Neviges 


67 


2,2 


2,9 


i,6 


2,2 


— 


6,5 


7,5 


10,7 


5,6 


7,3 


— 


Krefelder Bank Actieu-Ges. 


68 


i.o 


1,4 


i,3 


*»7 


i,8 


5,3 


8,2 


7, 1 


6,4 


8,0 


8,1 


Oldenburgische Landesbank 


69 


2,7 


3,3 


2,8 


3,3 


5,6 


5,2 


4,4 


6,5 


5,i 


5,2 


9,3 


Niederlausitzer Bank Aktienges. 


70 




6,6 


3,2 


4,0 


7,6 


7,7 


6,0 


",7 


5,7 


7,4 


17,2 


Potsdamer Credit-Bank 


71 


i,8 


2,7 


2,4 


2,8 


4,0 


7,6 


6,0 


8,2 


6,3 


6,4 


10,0 


Westdeutsche Vereinsbank 


72 


3-i 


3,6 


2,1 


i,5 


4,5 


3,8 


4,4 


3,9 


2,7 


i.9 


5,5 


Kattowitzer Bankverein Aktienges. 


73 


3.i 


5,o 4-3 


3,6 


— 


8,5 


8,2 


!3,5 


11,8 


10,1 


— 


Neuvorpom. Spar- u. Credit-Bank A.-G. 


74 


3-7 


3-9! 2 >3 


3,4 


5,5 


*5,i 


18,9 


20,7 


J 3»5 


19.3 


3°>4 


Weseler Bank Akt.-Ges. 


75 


3,i 


5,6 2,6 


2,4 


7,2 


2,9 


6,0 


10,6 


5,i 


4,7 


14,1 


Barmer Creditbank 


76 


2,6 


4,8 


3,6 


3,7 


5,8 


2,7 


5,i 


8,9 


6,2 


6,3 


9,0 


Oberschlesischer Credit- Verein 


77 


3,9 


i,7 


i,8 


i,4 


i,6 


6,1 


2,6 


4,8 


5,o 


3,8 


4,3 


Geestemünder Bank 


78 


5,4 


6,o 


5,9 


4.9 


7,8 


32,1 


38,4 


72,8 


54,o 


7«>,7 


90,9 


Zentral-Bank Aktienges. 


79 


i»7 


— 


3,7 


2,0 


— 


7,° 


4,5 


— 


10,2 


6,1 


— 


Heilbronner Gewerbekasse A.-G. 4 ) 


80 


2,7 


2,4 


«,7 


2,3 


3,4 


3,6 


7,2 


6,0 


4,i 


6,0 


8,6 


Bremer Bank-Verein 


81 


M 


o,6 


o,5 


o,i 


o,5 


i,9 


1,6 


3,i 


2,7 


o,5 


i,9 


Emmericher Creditbank A.-G. 


82 


-•? 


5,9 


i,i 


»»3 


3,o 


1,6 


1,0 


8,9 


1,6 


2,0 


4,8 


Gronauer Bankverein 


83 


VJ 


— 


5,2 


9,9 


10,5 


96,3 


70,4 


— 


37,4 


7i,i 


72,5 


Leipziger Vereinsbank 4 ) 


84 


:.* 


2,0 


1,8 


x ,5 


3,7 


I ,2 


2,5 


3.o 


2,8 


2,5 


6,3 


Rheiner Bankverein 


85 


3,4 


8,2 


7,3 


i,5 


— 


11,4 


23,3 


29,0 


24,3 


5,9 


— 


Saarländischer Bankverein A.-G. 


86 


2.9 


2, 1 


o,8 


!,I 


— 


12,8 36,8 


!9,5 


"t3 


17»* 


— 


Neustädter Bank 


87 


M 


4,2 


5,i 


2,6 


— 


10,4 


21,6 


9,6 


11,0 


5,2 


— 


Forbacher Bank Aktienges. 


88 


5,9 


i,5 


0,9 


!,I 


4,8 


4,7 


7,1 


11,0 


6,6 


7,4 


34,i 


Volksbank Geilenkirchen-Hünshoven 


89 


i,3 


2,0 


3,2 


3,2 


— 


39,i 


7,8 


28,3 


18,8 


29,9 


— 


Osterholz- Scharmbecker Bank 


90 


.8 


o,8 


1,2 


i,5 


»,3 


57,i 


108,7 


50,0 


«3.3 


233,3 


300,0 


Radevormwalder Volksbank, Garschagen & Co. 


91 


4,3 


5,4 


3,7 


4,i 


- 


7,3 


8,4 


10,8 


7,6 


8,5 


- 


Summe der inländischen Kreditbanken 
Davon entfallen auf: 






6,i 


4,2 


4,6 


7,4 


8,0 


8,7 


12,2 


8,6 


9,6 


i4,5 


8 Berliner Großbanken 




1 611 


4,3 


3>°; 3,2 




6,3 


8,0 


8,7 


6,1 


6,7 




die übrigen inländischen Kreditbanken 




< !,2 13,9 


n,7 10 >6 


«»3 


21,4 


19,2 


19,6 


17,6 


21,6 


19,1 


Deutsche Orientbank 


1 


13,8 


20,1 


! 
20,9 20,6 


2 4,6 


40,0 


42,2 


41,6 


43,5 


43,3 


48,2 


Deutsche Ueberseeische Bank 


2 




1,6 


1,9 1 i,6 


7,7 


i5,3 


14,2 


9,8 


15,0 


n,3 


28,5 


Deutsche Palästina- Bank 


3 




15,7 


l6 ,3 1*5,4 


20,0 


34,i 


34,5 


33,9 


35,8 


36,1 


39,5 


Summe der Ueberseebanken 




B en. 




? 7,i 


6,4 


6,6 6,6 


8,7 


10,1 


8,7 


8,1 


8,0 


8,4 


10,8 


Bayer. Hypotheken- & Wechselbank 


1 


^5,3 


6,2 


4,2 


4,2 


9,0 


6,2 


7,° 


8,2 


5,7 


5,7 


12,3 


Bayer. Vereinsbank 


2 


8 1,8 


5,4 


4,5 


5,3 


6,6 


8,7 


7.° 


8,0 


6,6 


8,0 


10,1 


Bayer. Handelsbank 


3 


; 3,o 


5,o 4,6 


5,5 


7.4 


8,2 


16,1 


8,4 


8,2 


8,8 


n,f, 


Württembergische Vereinsbank 


4 


7 5,8 


5,8 


4,9 


5,3 


7.9 


8,2 


9.5 


8,2 


7,o 


7,6 


11,2 


Summe der Hypothekenbanken 





31. Dezember 1913 sind aus den Jahresberichten der Banken entnommen. Da indessen 
fenden Ziffern nicht für alle Banken ermittelt werden; aus diesem Grunde sind die Summen 

ait einer Dezimalstelle gegeben worden. 

osbank für den 30. Juni 1913 sind in der im Reichsanzeiger veröffentlichten Zusammen- 

16* 



244 Miszellen. 



V. 

Die japanische Statistik als wissenschaftliches 
Quellenmaterial. 

Von Heinrich Waentig. 

Die handelspolitische Expansion der europäischen Kulturvölker im 
fernen Osten hat sich bisher fast ganz auf der Oberfläche bewegt. Zu 
einer wissenschaftlichen Erschließung seines geistigen Wesens, seiner 
sozialen Einrichtungen, oder auch nur seines Wirtschaftslebens hat sie 
kaum geführt. Man lasse sich über diesen Tatbestand nicht durch 
das Anschwellen der Literatur hinwegtäuschen, in der übrigens die 
deutsche nur einen bescheidenen Raum einnimmt. Sie ist zum großen 
Teil ein Reden und Schreiben, ja gelegentlich geradezu ein Phanta- 
sieren über Dinge, die man nicht wirklich kennt, und deren Schattenbilder 
man nicht zu deuten weiß. Dies ist für uns verhängnisvoll; denn die 
mancherlei diplomatischen Mißgriffe unserer fernöstlichen Politik im 
Verlaufe der letzten Jahrzehnte sind im tiefsten Grunde auf solche Un- 
wissenheit zurückzuführen, die einer vorwiegend von Gefühlsmotiven ge- 
leiteten Taktik die Wege ebnen mußte. Es ist höchste Zeit, daß wir 
uns hiervon emanzipieren. 

Freilich begegnen alle Versuche, tiefer in das Wesen der Völker 
des fernen Ostens einzudringen, außerordentlichen Schwierigkeiten, die 
sich keineswegs in den rein sprachlichen erschöpfen. Wirklich er- 
schlossen wird uns der Orient dereinst nur durch die Orientalen selber 
werden, nachdem wir sie für unsere wissenschaftlichen Ideale gewonnen 
und in ihrem Sinne erzogen haben. Darin, nicht so sehr in den mittel- 
baren, immerhin fragwürdigen handelspolitischen Vorteilen, die sich 
möglicherweise daraus ergeben können, liegt das Interesse, das wir 
heute daran haben, einen möglichst großen Teil der Begabtesten unter 
ihnen als Schüler an unsere Hochschulen zu fesseln. Dennoch kann 
auch von unserer Seite schon heute einiges geschehen, indem wir uns 
bemühen, das bereits vorhandene und offen zu tage liegende Tatsachen- 
material sorgfältig zu sammeln, es auf seinen wissenschaftlichen Wert 
hin zu prüfen und methodisch zu verarbeiten. 

Verhältnismäßig am günstigsten hierfür liegen die äußeren Be- 
dingungen auf dem Gebiete der japanischen Kultursphäre. Als 
wissenschaftliche Einfallspforte des fernen Ostens wird Japan noch 
lange eine überragende Stellung behaupten, auch wenn es in seiner poli- 
tischen und wirtschaftlichen Bedeutung in Bälde durch China verdrängt 
werden sollte. Die vergleichsweise geringe Ausdehnung des ganzen 
Reiches, die Entwicklung eines weitverzweigten Verkehrswesens, der 



Miszellen. 245 

hohe Grad der persönlichen Sicherheit, die Einheitlichkeit in Sprache und 
Sitte, sie alle ermöglichen es schon heute dem Forscher, mit Leichtigkeit 
auch in die entferntesten Winkel des Landes vorzudringen und sich 
durch den Augenschein von den bestehenden Verhältnissen zu überzeugen. 
Endlich ist in den letzten Jahrzehnten hier auch eine Sozialwissenschaft 
entstanden, deren Vertreter allmählich mit wachsendem Erfolge die west- 
lichen Methoden zur Aufklärung der Zustände ihrer Heimat anzuwenden 
beginnen. 

Letzteres ist im besonderen auf dem Gebiete der Statistik ge- 
schehen. Aus dürftigen Keimen ist im Laufe der Jahre ein stattlicher 
Baum emporgewachsen, dessen Zweige sich über das ganze weite Feld 
sozialen Geschehens auszubreiten begonnen haben. Nicht, daß sich bis- 
her die japanische Statistik ernstlich mit derjenigen der großen west- 
lichen Kulturnationen messen könnte. Dazu fehlt es dem emporstreben- 
den Volke vorläufig ebenso sehr an den erforderlichen Geldmitteln wie 
an der nötigen Zahl gründlich geschulter Arbeitskräfte. Um so wichtiger 
dürfte es sein, sich einmal von der praktischen Bedeutung des bisher Ge- 
leisteten Rechenschaft zu geben, besonders auch die Zuverlässigkeit des 
verfügbaren Zahlenmateriales, soweit dies möglich, einigermaßen festzu- 
stellen. Dies soll im folgenden geschehen. Ich beginne mit einer 
Aufzählung der wichtigsten statistischen Publikationen, ohne auf Voll- 
zähligkeit meiner Liste Anspruch zu erheben, um daran später einige 
erläuternde Bemerkungen anzuknüpfen 1 ). 

Amtliche Statistik. 

A. Ausgelöste Statistik (Publikationen selbständiger statistischer 

Aemter). 

I. Statistisches Zentralamt des Staatsministeriums. 

1) Nihon teikoku tokei nenkan (Statistisches Jahrbuch des Kaiser- 
reiches Japan). Allgemeinen Inhaltes. Erscheint jährlich seit Meiji 15 
(1882) 2 ). Sprache japanisch. 

2) Nihon teikoku tokei tekiyo. Mit dem Nebentitel Resume" Sta- 
tistique de TEmpire du Japon. Verkürzte Ausgabe der unter 1) genannten 

1) Die folgende Liste wurde mit Unterstützung von Herrn Prof. Takano, Ver- 
treter der Statistik an der Kaiser]. Universität Tokyo, entworfen und von diesem, so- 
wie Herrn Prof. Hanabusa, Direktor des Statistischen Zentralamtes, im Druck nachge- 
prüft, wofür ich den beteiligten Herren auch an dieser Stelle meinen verbindlichen 
Dank ausspreche. Ein solcher gebührt auch Herrn Dr. Hack in Tokyo für einige 
Beiträge. 

2) Die japanische Zeitrechnung deckt sich nicht mit der christlichen. Sie zählt 
nach nengo (Jahresnamen), Perioden von verschiedener Länge, die sich gelegentlich, 
seit Meiji aber immer, mit den Regierungszeiten der Kaiser decken, und deren Namen 
durch Kaiserliches Edikt bestimmt werden. Die hier in Betracht kommenden sind die 
Perioden Meiji (Aera der Erleuchtung) und Taisho (Aera der großen Gerechtigkeit), 
deren erstere die Zeit von 1868—1912, deren zweite die Jahre 1912 ff. umfaßt. Zu 
merken ist, daß Beginn und Ende der nengo nicht mit dem heute auch in Japan auf 
den 1. Januar verlegten Beginn des Kalenderjahres zusammenfallen, so daß z. B. das 
Jahr 1912 sowohl Meiji 45 (bis zum Tode des verstorbenen Kaisers) wie Taisho 1 zitiert 
wird. Taisho 2 umfaßt dann das ganze Kalenderjahr 1913. 



246 Miszellen. 

Publikation. Erscheint jährlich seit Meiji 20 (1887). Sprache japanisch 
und französisch. 

3) Nihon teikoku jinko tokei, seit Meiji 39 (1906) unter dem ver- 
änderten Titel Nihon teikoku jinko seitai tokei (Statistik des Bevölke- 
rungsstandes im Kaiserreich Japan). Erscheint seit Meiji 34 (1901) 
alle 5 Jahre. Sprache japanisch und mit dem 2. Bande auch franzö.sisch 
mit dem Nebentitel £tat de la Population de l'Empire du Japon. 

4) Nihon teikoku jinko dotai tokei. Mit dem Nebentitel Mouvement 
de la population de l'Empire du Japon. Erscheint seit Meiji 35 (1902) 
jährlich. Sprache japanisch und französisch. 

5) Nihon teikoku shi in tokei. Mit dem Nebentitel Statistique 
des Causes de Deces de l'Empire du Japon. Erscheint seit Meiji 42 
(1909) jährlich. Sprache japanisch und französisch. 

Außer diesen periodischen Publikationen des Statistischen Zentral- 
amtes verdienen eine Anzahl monographischer Darstellungen hervor- 
gehoben zu werden, und zwar im besonderen die folgenden *) : 

1) Eisei tokei ni kwansuru byogazu narabini tokeihyo (Statistische 
Tabellen und graphische Darstellungen aus der Sanitätsstatistik). Meiji 44 
(1911). Sprache japanisch. 

2) Nihonjin no seimei ni kwansuru kenkyu (Untersuchung über die 
Lebensdauer der Japaner). Meiji 45 (1912). Sprache japanisch. 

3) Ishin igo teikoku tokei zairyo isan (Archiv für statistisches 
Material des Kaiserreiches seit der Restauration). Erscheint seit Taisho 2 
(1913) unregelmäßig in japanischer Sprache, und zwar wurden bisher 
die folgenden Hefte veröffentlicht: 

a) Minyuchi ni kwansuru tokei zairyo (Statistisches Material über 
das private Grundeigentum). Behandelt die Daten der Periode seit 
Meiji 13 (1880). Taisho 2 (1913). 

b) Genju jinko seitai ni kwansuru tokei zairyo. Furoku: Jinko 
tokei zairyo ni kwansuru hokirui (Statistisches Material über den Stand 
der Wohnbevölkerung. Anhang: Gesetzliche Bestimmungen über das 
Material der Bevölkerungsstatistik). Behandelt Daten der Periode 
seit Meiji 5 (1878) und enthält auch Material über die Berufsverteilung. 
Taisho 2 (1913). 

c) Keiji hikokumin ni kwansuru tokei zairyo (Statistisches Material 
über die im Strafprozeß Angeklagten). Behandelt Daten der Periode 
seit Meiji 15 (1882). Taisho 2 (1913). 

d) Jinko dotai ni kwansuru tokei zairyo (Statistisches Material 
über die Bevölkerungsbewegung). Behandelt Daten der Periode seit 
Meiji 5 (1872). Taisho 2 (1913). 

4) Kyusei densen byo ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel 
Statistique des Deces par Maladies öpidemiques aigues pendant 1899 — 1908. 
Taisho 2 (1913). Sprache japanisch und französisch. 

5) Chiho jinko nenreibetsu shiboritsu oyobi sono kijitsu (Alters- 
Sterbekoeffizient in den einzelnen Verwaltungsbezirken). 

1) Aus früherer Zeit seien kurz erwähnt eine Krankheitsstatistik der Staatsdruckerei 
von Meiji 36 (1903) und eine Statistik der Berufssterblichkeit in Tokyo und Osaka von 
Meiji 37 (1904), beide japanisch. 



Miszellen. 247 

a) Do fu ken betsu (in den einzelnen Verwaltungsbezirken). 
Taisho 2 (1913). 

b) Dai tokwai oyobi sonotano shudan betsu (in Großstädten und 
den anderen Teilgebieten der betreffenden Verwaltungsbezirke). 
Taisho 3 (1914). 

Sprache japanisch. 

6) Kokyuki shikkwan ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel 
Statistique des Deces par Affections de l'Appareil respiratoire pendant 
1899 — 1908. Taisho 3 (1914). Sprache japanisch und französisch. 

7) Icho byo ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel Statistique 
des Deces par Affections de l'Appareil digestif pendant 1899 — 1908. 
Taisho 3 (1914). Sprache japanisch und französisch. 

8) Jinzoen ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel Statistique 
des Deces par Nephrite pendant 1899—1908. Taisho 3 (1914). Sprache 
japanisch und französisch. 

9) Ninshin oyobi san ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel 
Statistique des Döces par Maladies puerperales pendant 1899 — 1908. 
Taisho 3 (1914). Sprache japanisch und französisch. 

10) Gan ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel Statistique des 
Deces par Cancer pendant 1899—1908. Taisho 3 (1914). Sprache ja- 
panisch und französisch. 

11) Mansei densen byo ni yoru shibo tokei. Mit dem Nebentitel 
Statistique des Deces par Maladies 6pid6miques chroniques. 

a) Rai ni yoru shibo tokei (Döces par Lepre pendant 1899 — 1908). 

b) Baidoku ni yoru shibo tokei (Döces par Syphilis pendant 
1899—1908). 

Taisho 3 (1914). Sprache japanisch und französisch. 
Als geschichtlich bedeutungsvoll sei hervorgehoben: 
Kai no kuni genzai nimbetsu shirabe (Erhebung über dis Bevölke- 
rung der Provinz Kai). Meiji 15 (1882). Diese Statistik zeigt die 
Ergebnisse der im 13. Jahre Meiji (1879) vom Tokeiin, dem Vorgänger 
des jetzigen statistischen Zentralamts des Staatsministeriums, durch- 
geführten Zählung der Bevölkerung der Provinz Kai, eines der ersten 
derartigen Versuche in Japan. 

II. Statistisches Amt des Generalgouvernements 
von Formosa. 

1) Taiwan sotokufu tokeisho (Statistik des Generalgouvernements 
von Formosa). Allgemeinen Inhaltes. Erscheint seit Meiji 32 (1899) 
jährlich. Sprache japanisch. 

2) Rinji Taiwan koko chosa (Außerordentliche Volkszählung von 
Formosa). Enthält die Ergebnisse der Volkszählung in Formosa von 
Meiji 38 (1905). Meiji 39— 41 (1906— 1908). Sprache japanisch. Dazu: 

Rinji Taiwan koko chosa kijitsu hobun (Textliche Darstellung der 
außerordentlichen Volkszählung von Formosa). Meiji 41 (1908). Sprache 
japanisch. Dasselbe auch englisch unter dem Titel: 

The special Population Census of Formosa 1905. Report of the 
Committee of the Formosa Special Census Investigation. Tokyo 1909. 



248 Miszellen. 

3) Taiwan jinko dotai tokei (Statistik der Bevölkerungsbewegung 
auf Formosa). Erscheint seit Meiji 39 (1906) jährlich. Sprache japanisch. 
Dazu: 

Taiwan jinko dotai tokei kijitsu hobun (Textliche Darstellung der 
Bevölkerungsbewegung auf Formosa). Erscheint seit Meiji 39 (1906) 
jährlich. Sprache japanisch. 

4) Taiwan genju jinko tokei (Statistik der Wohnbevölkerung von 
Formosa). Erscheint seit Meiji 39 jährlich. Sprache japanisch. 

B. Nicht ausgelöste Statistik. 
I. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. 

1) Kaigai kakuchi zairyu hompojin shokugyo betsu hyo (Tabelle der 
an verschiedenen Orten des Auslandes wohnenden Japaner nach Be- 
rufen). Erscheint seit Meiji 42 (1909) unregelmäßig. Sprache japanisch. 

2) Tsusho isan (Sammlung von Handelsberichten). Erscheint seit 
Meiji 36 (1903) sechsmal monatlich, seit diesem Jahre zweimal wöchent- 
lich. Sprache japanisch. 

IL Ministerium des Innern. 

1) Naimu tokei hokoku (Statistischer Bericht des Ministeriums 
des Innern). Allgemeinen Inhaltes. Erscheint seit Meiji 20 (1887) 
jährlich. Sprache japanisch. 

2) Eisei kyoku nempo (Jahrbuch des Gesundheitsamtes). Erscheint 
seit Meiji 11 (1878) jährlich. Sprache japanisch und englisch. 

3) Doboku kyoku tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des Bau- 
amtes). Erscheint seit Meiji 26 (1893) jährlich. Sprache japanisch. 

4) Nihon teikoku kowan tokei (Statistik der Häfen und Buchten 
im Kaiserreich Japan). Erscheint seit Meiji 40 (1907) jährlich. Sprache 
japanisch. 

III. Finanzministerium. 

1) Okura nempo (Jahrbuch des Finanzministeriums). Allgemeinen 
Inhaltes. Erscheint seit Meiji 9 (1876) jährlich. Sprache japanisch. 

2) Financial (and Economic, seit 1902) Annual of Japan, seit 1903 
auch französisch unter dem Titel Annuaire financier et economiste du 
Japon, seit 1904 auch deutsch unter dem Titel Finanzielles und wirt- 
schaftliches Jahrbuch von Japan. Erscheint seit 1901 jährlich. 

3) Shuzei kyoku tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des Steuer- 
amtes). Erscheint seit Meiji 18 (1885) jährlich. Sprache japanisch. 

4) Sembai kyoku nempo (Jahrbuch des Monopolamtes). Behandelt 
im besonderen das Tabak-, Salz- und Kampfermonopol. Erscheint seit 
Meiji 31 (1898) jährlich. Sprache japanisch. 

5) Ginkoka hokoku (Bericht des Bureaus für Bankwesen). Er- 
scheint seit Meiji 13 (1880) jährlich, seit Meiji 14 (1881) unter dem 
Titel Ginko kyoku hokoku (Bericht des Bankamtes), seit Meiji 26 
(1893) unter dem Titel Ginko eigyo hokoku (Berichte über das Bank- 
wesen), endlich seit Meiji 39 (1906) unter dem Titel Ginko oyobi 
tampotsuki shasai shintaku jigyo hokoku (Bericht über Bankwesen und 



Miszellen. 249 

Vermögensverwaltung in verpfändbaren Schuldscheinen). Sprache ja- 
panisch. 

6) Ginko soran (Ueberblick über die Banken). Erscheint seit Meiji 
27 (1894) jährlich. Sprache japanisch. 

7) Dai Nihon gaikoku boeki nempyo, mit dem Nebentitel Annual 
Keturn of the Foreign Trade of the Empire of Japan. Erscheint seit 
Meiji 15 (1882) jährlich. Sprache japanisch und englisch. 

8) Dai Nihon gaikoku boeki geppyo, mit dem Nebentitel Monthly 
Return of the Foreign Trade of the Empire of Japan. Erscheint seit 
Meiji 16 (1883) monatlich. Sprache japanisch und englisch. 

9) Dai Nihon gaikoku boeki taishohyo, mit dem Nebentitel Return 
of the foreign trade of the Empire of Japan for the . . . years from 
. . . to . . . . Erscheint seit Meiji 18 (1885) unregelmäßig. Sprache 
japanisch und englisch. 

10) Dai Nihon gaikoku boeki gairan (Uebersicht über den japa- 
nischen Außenhandel). Erscheint seit Meiji 22 (1889) jährlich. Sprache 
japanisch. 

11) Kinyu jiko sankosho (Materialien über Fragen des Geldmarktes). 
Erscheint seit Meiji 35 (1902) unregelmäßig. Sprache japanisch. 

12) Osaka zohei kyokucho nempo (Jahrbuch des Direktors des Münz- 
amtes in Osaka). Erscheint seit Meiji 8 (1875) jährlich. Sprache 
japanisch. Gleichzeitig erscheint seit 1875 eine englische Ausgabe 
unter dem Titel Report of the Director of the Imperial Mint, Osaka. 

13) Kokusai tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des Staatsschulden- 
wesens.) Erscheint seit Meiji 40 (1907) jährlich. Sprache japanisch. 

14) Chihosai tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des Kommunal- 
schuldenwesens). Erscheint seit Meiji 42 (1909) jährlich. Sprache ja- 
panisch. 

IV. Kriegsministerium. 

1) Dai Nihon teikoku rikugun tokei nempo (Statistisches Jahrbuch 
des Kriegsministeriums im Kaiserreich Großjapan). Allgemeinen In- 
haltes. Erscheint seit Meiji 24 (1891) jährlich. Sprache japanisch. 

V. Marineministerium. 

1) Kaigun nempo (Jahrbuch des Marineministeriums). Allgemeinen 
Inhaltes. Erscheint seit Meiji 18 (1885) jährlich. Sprache japanisch. 

VI. Justizministerium. 

1) Nihon teikoku shiho keiji tokei nempo (Statistisches Jahrbuch 
des Justizministeriums im Kaiserreich Japan über Kriminalsachen). 
Erscheint seit Meiji 8 (1875) jährlich. Sprache japanisch. 

2) Nihon teikoku shiho minji tokei nempo (Statistisches Jahrbuch 
des Justizministeriums im Kaiserreich Japan über Zivilsachen). Er- 
scheint seit Meiji 8 (1875) jährlich. Sprache japanisch. 

3) Nihon teikoku shiho toki tokei nempo (Statistisches Jahrbuch 
des Justizministeriums im Kaiserreich Japan über Registerwe sen). Er- 
scheint seit Meiji 20 (1887) jährlich. Sprache japanisch. 



250 Miszellen. 

4) Shihosho kangoku kyoku tokei nempo (Statistisches Jahrbuch 
der iVbteilung für Gefängniswesen im Justizministerium). Erscheint seit 
Meiji 36 (1903). Sprache japanisch. 

VII. Unterrichtsministerium. 
1) Mombusho nempo (Jahrbuch des Unterrichtsministeriums). All- 
gemeinen Inhaltes. Erscheint seit Meiji 8 ^1875) jährlich. Sprache 
japanisch. 

VIII. Ministerium für Ackerbau und Handel. 

1) Noshomu tokei nempo. Mit dem Nebentitel Statistical Report 
of the Department of Agriculture and Commerce. Allgemeinen Inhalts. 
Erscheint seit Meiji 17 (1884) jährlich. Sprache japanisch und englisch. 

2) Noshomu tokei hyo (Statistische Tabellen des Ministeriums für 
Ackerbau und Handel). Allgemeinen Inhaltes. Erscheint seit Meiji 19 
(1886) jährlich. Sprache japanisch und englisch. 

3) Sangyo kumiai yoran (Uebersicht über die Erwerbs- und Wirt- 
schaftsgenossenschaften). Erscheint seit Meiji 37 (1904) jährlich. Sprache 
japanisch. 

4) Noshomu shoko iho (Berichte über Handel und Industrie). Er- 
scheint seit Meiji 38 (1905) monatlich. Sprache japanisch. 

5) Zenkoku seishi kojo chosa hyo (Tabellen über die Erhebungen 
in Textilfabriken des ganzen Landes). Erscheint seit Meiji 39 (1906) 
jährlich. Sprache japanisch. 

6) Hompo kogyo ippan (Ueberblick über den japanischen Bergbau). 
Erscheint seit Meiji 40 (1907) jährlich. Sprache japanisch und eng- 
lisch. 

7) Tokkyo kyoku nenkan (Jahrbuch des Patentamtes). Erscheint 
seit Meiji 40 (1907) jährlich. Sprache japanisch. 

8) Sanrin tokei hyo (Statistische Tabellen über das Forstwesen). 
Erscheint seit Meiji 41 (1908) jährlich. Sprache japanisch. 

9) Hoken nenkan (Jahrbuch des Versicherungswesens). Erscheint 
seit Meiji 42 (1909) jährlich. Sprache japanisch. 

10) Suisan tokei nenkan (Statistisches Jahrbuch über die Meeres- 
produktion). Erscheint seit Meiji 43 (1910) jährlich. Sprache japanisch. 

11) Zenkoku kojo tokei (Fabrikstatistik des ganzen Landes). Er- 
scheint seit Meiji 31 (1898) unregelmäßig. Sprache japanisch. 

12) Kojo chosa tokei hyo (Statistische Tabellen der Erhebungen über 
die Fabriken). Erscheint seit Meiji 35 (1902) unregelmäßig. Letzte 
Publikation Taisho 2 (1913). Sprache japanisch. 

13) Kojo eisei oyobi saigai tokei hyo (Statistische Tabellen über 
den Gesundheitszustand und die Unfälle in Fabriken). Meiji 35 (1903). 
Sprache japanisch. 

14) Kojo saigai tokei (Fabrikunfallstatistik). Meiji 41 (1908). 
Sprache japanisch. 

15) Kojo oyobi shokko (Fabriken und Fabrikarbeiter). Erscheint 
seit Meiji 41 (1908) unregelmäßig. Letzte Publikation Meiji 43 (1910). 
Sprache japanisch. 



Miszellen. 251 

16) Chikusan tokei (Viehstatistik). Erscheint seit Meiji 42 (1909) 
unregelmäßig. Letzte Publikation Taisho 1 (1912). Sprache japanisch. 

17) Kojo tokei fu ken betsu hyo (Statistische Tabellen der Fabriken 
nach Verwaltungsbezirken). Meiji 44 (1911). Sprache japanisch. 

IX. Verkehrsministerium. 

1) Teishinsho nempo (Jahrbuch des Verkehrsministeriums). All- 
gemeinen Inhalts. Erscheint seit Meiji 21 (1888) jährlich. Sprache 
japanisch. 

2) Tetsudo kyoku nempo, später unter dem Titel Tetsudo sakugyo 
kyoku nempo, jetzt unter dem Titel Tetsudoin nempo (Jahrbuch des 
Eisenbahnamtes). Erscheint sei Meiji 20 (1887) jährlich. Sprache ja- 
panisch. 

3) Tetsudoin tokei zuhyo (Graphische Darstellung und Tabellen 
der Statistik des Eisenbahnamtes). Erscheint sei Meiji 33 (1900) jähr- 
lich. Sprache japanisch. 

4) Yubin chokin kyoku tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des 
Postsparkassenamtes). Erscheint seit Meiji 24 (1891) jährlich. Sprache 
japanisch. 

5) Tsushin tokei yoran (Statistischer Ueberblick über das Nach- 
richtenwesen). Erscheint seit Meiji 31 (1898) jährlich. Sprache ja- 
panisch. 

X. Kolonialstatistik (mit Ausnahme derjenigen Formosas). 

1. Hokkaido. 

Hokkaido tokeisho (Statistik von Hokkaido). Allgemeinen Inhalts. 
Erscheint seit Meiji 25 (1892) jährlich. Sprache japanisch. 

2. Kwangtung. 

Kwanto sotokufu tokeisho (Statistik des Generalgouvernements 
KwangtuDgi. Allgemeinen Inhalts. Erscheint seit Meiji 40 (1907) jähr- 
lich. Sprache japanisch. 

3. Korea. 

a) Chosen tokwanfu tokei nempo, später unter dem Titel Chosen 
sotokufu tokei nempo (Statistisches Jahrbuch des Generalgouvernements 
Korea). Allgemeinen Inhalts. Erscheint seit Meiji 40 (1907) jährlich. 
Sprache japanisch. 

b) Kwankoku tetsudo kwanri kyoku nempo (Jahrbuch des korea- 
nischen Eisenbahnamtes). Erscheint seit Meiji 40 (1907) jährlich. Sprache 
japanisch. 

c) Chosen tokwanfu tsushin jigyo nempo, später unter dem Titel 
Chosen sotokufu tsushin jigyo nempo (Jahrbuch für das Kommunikations- 
wesen des Generalgouvernements Korea). Erscheint seit Meiji 41 (1908) 
jährlich. Sprache japanisch. 

d Kwankoku shisei nempo (Jahrbuch der koreanischen Verwaltung). 
Erscheint seit Meiji 41 (1908) jährlich. Sprache japanisch. 

Dazu seit 1908 eine verkürzte englische Ausgabe mit dem Titel 
Annual Report on reforms and progress in Chosen. 



252 Miszellen. 

e) Zeimu tokei (Statistik des Steuerwesens). Erscheint seit Meiji 
43 (1910) jährlich. Sprache japanisch. 

XI. Statistik der Verwaltungsbezirke. 

Sämtliche Regierungsbezirke (Fu oder Ken) *) des japanischen Stamm- 
landes geben von Amts wegen statistische Jahrbücher (tokeisho, -nempyo, 
-zensho) allgemeinen Inhalts heraus. Diese sind fast ausnahmslos bloße 
Tabellenwerke ohne textliche Verarbeitung. Ihre Aufzählung im ein- 
zelnen darf unterbleiben. 

Für die neuere Zeit sei erwähnt: 

Keishicho jimu nempyo, später Keishicho tokeisho (Statistik des 
Polizeipräsidiums, d. h. von Tokyo). Allgemeinen Inhaltes für Tokyo 
Stadt und Regierungsbezirk. Erscheint seit Meiji 11 (1878) jährlich. 
Sprache japanisch. 

Außer diesen statistischen Jahrbüchern veröffentlichen die Regie- 
rungsbezirke unter entsprechendem Titel noch gelegentlich Sonderpubli- 
kationen über Polizei und Gefängniswesen, Schulwesen, Gesundheits- 
wesen, Industrie usw. 

XII. Städtestatistik. 

1. Tokyo. 

a) Tokyoshi tokei nempyo (Statistisches Jahrbuch der Stadt Tokyo). 
Allgemeinen Inhaltes. Erscheint seit Meiji 36 (1903) jährlich. Sprache 
japanisch, seit Meiji 40 (1907) japanisch und englisch mit dem Neben- 
titel Annual Statistics of the City of Tokyo. 

b) Tokyoshi shisei chosa (Allgemeine Volkszählung der Stadt Tokyo, 
und zwar von Meiji 41, d. h. 1908). Sprache japanisch. Im einzelnen: 

Gempyo (Tabellen), 5 Bände, Meiji 42—43 (1909—1910). 
Gaisu hyo (Allgemeine Zahlen), Meiji 42 (1909). 
Shokugyo betsu genzai jinko hyo (Tabellen der ortsanwesenden Be- 
völkerung nach Berufsklassen). Meiji 44 (1911). 
Hirei hen (Verhältniszahlen), Meiji 45 (1912). 

2. Kyoto. 

a) Kyotoshi tokeisho (Statistik der Stadt Kyoto). Allgemeinen In- 
halts. Erscheint seit Meiji 42 (1909) jährlich. Sprache japanisch. 

b) Kyotoshi rinji jinko chosa yokei hyo (Allgemeine Tabellen der 
außerordentlichen Volkszählung der Stadt Kyoto, u. zw. von Meiji 44, 
d. h. 1911). Taisho 1 (1912). Sprache japanisch. Der die Berufs- 
zählung behandelnde 2. Band ist unterdessen (Taisho 2, d. h. 1913) 
ebenfalls erschienen, doch ist er noch nicht in meine Hände gelangt, 
so daß ich seinen genauen Titel nicht anzugeben vermag. 

3. Osaka. 

a) Osakashi tokeisho (Statistik der Stadt Osaka). Allgemeinen In- 
halts. Erscheint seit Meiji 33 (1900) jährlich. Sprache japanisch. 

Dazu eine verkürzte englisc he Ausgabe mit dem Titel Statistical 
Abstract for Osaka. Erscheint seit 1907 jährlich. 



1) Die Verwaltungsbezirke der drei großen Städte Tokyo, Kyoto und Osaka 
heißen Fu, die übrigen Ken. 



Miszellen. 253 

4. Yokahama. 

a) Yokohamashi tokeisho (Statistik der Stadt Yokohama). Allgemeinen 
Inhalts. Erscheint seit Meiji 36 (1903) jährlich. Sprache japanisch. 

Dazu eine verkürzte englis che Ausgabe mit dem Titel Summary 
of the Yokohama City Annual Statistics. Erscheint seit 1903 etwa 
alle 2 Jahre. 

5. Kobe. 

a) Kobeshi tokeisho (Statistik der Stadt Kobe). Allgemeinen In- 
halts. Erscheint seit Meiji 42 (1909) jährlich. Sprache japanisch. 

b) Kobeshi rinji shisei chosa yokei hyo (Allgemeine Tabellen der 
außerordentlichen Volkszählung der Stadt Kobe, und zwar von Meiji 41, 
d. h. 1908). Meiji 42 (1909). Sprache japanisch. 

c) Kobeshi rinji shisei chosa jinko oyobi shokugyo tokei hyo 
(Statistische Tabellen der Bevölkerung und Berufe der außerordent- 
lichen Volkszählung der Stadt Kobe, und zwar von Meiji 41, d. h. 1908). 
Meiji 43 (1910). Sprache japanisch. 

6. Kumamoto. 

a) Kumamotoshi tokeisho, später unter dem Titel Kumamotoshi 
tokei nenkan (Statistisches Jahrbuch der Stadt Kumamoto). Allgemeinen 
Inhalts. Erscheint seit Meiji 32 (1899) jährlich. Sprache japanisch. 

b) Kumamotoshi shokugyo tokei (Berufsstatistik der Stadt Kumamoto, 
und zwar von Meiji 40, d. h. 1907). Meiji 41 (1908). Sprache japanisch. 

c) Kumamotoshi shoko eigyo tokei (Gewerbestatistik der Stadt 
Kumamoto, und zwar von Meiji 40, d. h. 1907). Meiji 42 (1909). 
Sprache japanisch. 

d) Kumamoto shimin nenrei oyobi enji mibun betsu ichiran hyo 
(Tabellarische Uebersicht über die Einwohner der Stadt Kumamoto nach 
Alter und Personenstand, und zwar von Meiji 40, d. h. 1907). Meiji 41 
(1908). Sprache japanisch. 

Außer den genannten veröffentlichen noch eine ganze Reihe anderer 
Städte alljährlich statistische Jahrbücher in japanischer Sprache, wie 
Shizuoka seit Meiji 34 (1901), Nagoya seit Meiji 36 (1903), Kofu seit 
Meiji 38 (1905), Fukui seit Meiji 41 (1908), Hakodate seit Meiji 41 
(1908), Kanazawa seit Meiji 42 (1909), Wakayama seit Meiji 43 (1910), 
Niigata seit Meiji 44 (1911) usw. 

Wegen ihrer Bedeutung für die Berufsstatistik seien in diesem Zu- 
sammenhange noch zwei Publikationen genannt : 

1) Sapporoku kusei chosa (Volkszählung der Stadt Sapporo, und 
zwar von Meiji 42, d. h. 1909). Meiji 43 und 44 (1910 und 1911). 
Sprache japanisch. 

2) Niigataken Sadogun gunsei chosa temmatsu oyobi gempyo (Text- 
liche Darstellung und Tabellen der Volkszählung des Bezirks Sado im 
Regierungsbezirk Niigata, und zwar von Meiji 42, d. h. 1909). Meiji 45 
(1912). Sprache japanisch. 

Private Statistik. 

Neben der großen Zahl amtlicher Publikationen nehmen die mehr 
privaten Charakters einen verhältnismäßig bescheidenen Raum ein. Zu 



254 Miszellen. 

erwähnen wären die Statistischen Jahrbücher der Handelskammern, unter 
denen diejenigen von Tokyo und Kyoto, Osaka und Nagoya, Yokohama, 
Kobe und Nagasaki hervorragen. Weiter die regelmäßigen bzw. gelegent- 
lichen Veröffentlichungen der großen Banken, insbesondere der Nippon 
Ginko (Bank von Japan) und der großen Produkten- und Effektenbörsen, 
namentlich der in Tokyo und Osaka. Als beliebte Quelle der Infor- 
mation für Ausländer sei das vom Japan Year Book Office in Tokyo 
seit 1905 alljährlich herausgegebene Japan Year Book allgemeinen In- 
halts erwähnt. Als Zeitschriften die folgenden: 

1) Tokei shushi (Statistische Zeitschrift), herausgegeben von der Tokyo 
tokei kyokai (Statistischer Verein von Tokyo). Erscheint seit November 
des Jahres Meiji 13 (1880), zuerst unregelmäßig, seit Dezember 1881 
als Monatsschrift. Sprache japanisch. 

2) Statistic zasshi, später unter dem Titel Tokei gaku zasshi (Zeit- 
schrift für statistische Wissenschaft), herausgegeben von der Statistic 
sha, später Tokei gaku sha (Verein für statistische Wissenschaft). Er- 
scheint seit Meiji 19 (1886) als Monatsschrift. Sprache japanisch. 

3) Taiwan tokei kyokai zasshi (Zeitschrift des Vereins für for- 
mosanische Statistik), herausgegeben von der genannten Vereinigung. 
Erscheint seit Meiji 36 (1903) alle zwei Monate und seit Meiji (1909) 
allmonatlich. Sprache japanisch. 

Ueberblickt man diese Liste, so fällt zunächst geschichtlich in die 
Augen, daß die moderne japanische Statistik in ihren Anfängen kaum 
über die Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreicht x ). 
Die Begründung eines besonderen statistischen Amtes am 24. Dezember 
1871, das zunächst als Unterabteilung einer umfassenderen Behörde ins 
Leben trat, leitet die Entwicklung ein. Etwa um dieselbe Zeit be- 
ginnen dann auch einzelne Ministerien, so das Finanzministerium, das 
Justizministerium, das Unterrichtsministerium, statistische Jahrbücher 
herauszugeben. Ein am 17. Mai 1876 in Tokyo abgehaltener statistischer 
Kongreß sucht durch die Aufstellung gewisser leitender Grundsätze den 
gemeinsamen Arbeiten im ganzen Lande eine einheitliche Richtung zu 
geben. Aber erst die Errichtung des Tokei in als selbständiges 
statistisches Zentralorgan am 30. Mai 1881 bringt die entscheidende 
Wendung. Seitdem hat sich die japanische Statistik, die seit 1899 
auf den internationalen statistischen Kongressen auch durch eigene 
Repräsentanten vertreten ist, vor allem in die Breite entwickelt. Doch 
scheint die finanzielle Bedrängnis der letzten Jahre auch auf diese 
Bestrebungen lähmend eingewirkt zu haben. 

Sucht man sich nun über das bisher Erreichte ein Urteil zu 
bilden, so ist in formeller Hinsicht folgendes hervorzuheben: 



1) Genaueres darüber vgl. in einem Nihon teikoku chuo tokei kikwan enkaku 
ichiran (Ueberblick über die Geschiebte des Statistischen Zentralamtes des Kaiserreichs 
Japan) betitelten Aufsatz von Jiro Takahashi in der Januarnummer der Tokei shushi 
von Meiji 44 (1911), welcher die geschichtliche Entwicklung des Amtes von 1871 
bis 1911 behandelt. 



Miszellen. 255 

Die herrschende Sprache ist die japanische, so daß die über- 
wiegende Mehrzahl der vorliegenden Publikationen direkt nur dem- 
jenigen zugänglich ist, der nicht nur die japanische Umgangssprache, 
sondern auch die chinesische Zeichenschrift versteht. Doch gibt es Aus- 
nahmen. Einige der wichtigeren Veröffentlichungen liegen auch in fremd- 
sprachigen Ausgaben vor, wobei für einige Aemter das Französische 
(z. B. Statistisches Zentralamt des Staatsministeriums), für andere das 
Englische (z. B. Finanzministerium, Ministerien für Ackerbau und Handel), 
das Deutsche nur verschwindend selten (z. B. im Jahrbuch des Finanz- 
ministeriums) als Vermittler dient. Und zwar handelt es sich dann ent- 
weder um durchaus fremdsprachige Veröffentlichungen (z. B. Financial 
and Economic Annual of Japan, Report of the Director of the Imperial 
Mint), die neben japanischen derselben Art herlaufen, oder um solche, 
die in Tabellen und Text das Japanische und eine der europäischen 
Sprachen gemischt enthalten (z. B. einige Publikationen des Statistischen 
Zentralamtes). Immer aber sind es dann solche Statistiken, welche die 
Japaner aus wissenschaftlichen oder praktischen Gründen dem Aus- 
land zugänglich zu machen wünschen, ein Moment, das unter Umständen 
ins Gewicht fallen kann. 

2) In der Gesamtmasse der statistischen Publikationen tritt bis auf 
die neueste Zeit die ausgelöste Statistik verhältnismäßig zurück. Neben 
dem Statistischen Zentralamt des Staatsministeriums kommt als selb- 
ständiges statistisches Amt nur noch dasjenige des Generalgouverne- 
ments von Formosa in Betracht. Das ist bedeutungsvoll, weil solche von 
anderen Behörden losgelöste statistische Aemter im allgemeinen ein 
höheres Maß von Objektivität gewährleisten, und wichtig besonders in 
Japan, wo eine gewisse Neigung, die Ergebnisse der Statistik, erforder- 
lichenfalls mit den erwünschten Modifikationen, in den Dienst der Politik 
zu stellen, noch längst nicht ausgestorben ist. 

3) Die vorliegenden statistischen Publikationen sind zum erheblichen 
Teile reine Tabellenwerke ohne textliche Darstellung. Darunter befinden 
sich erstaunlicherweise auch solche, wie die allgemeine Volkszählung der 
Stadt Tokyo von 1908, die eine gründliche Verarbeitung wahrlich ge- 
lohnt hätte, und viele statistische Jahresberichte, besonders städtische. 
Eingeweihte verweisen zur Erklärung auf den Mangel finanzieller Mittel. 
Doch ist das keineswegs der einzige Grund, wie dies z. B. das ent- 
gegengesetzte Vorgehen Kumamotos beweist. Jedenfalls erschwert der 
erwähnte Umstand nicht nur die Benutzung, sondern er hat die weitere 
unerwünschte Folge, daß viele Tabellenwerke so gut wie unkontrolliert 
bleiben. Bringt doch gerade ihre systematische Verarbeitung die vor- 
handenen Lücken oder Fehler am klarsten zu Tage. 

In materieller Hinsicht wären die folgenden Punkte zu betonen : 
1) So sehr sich, wie sogleich des weiteren zu erörtern sein wird, 
die japanische Statistik in die Breite entwickelt hat, so fehlt ihr bis- 
her doch jene solide Grundlage, wie sie allein durch regelmäßig wieder- 
kehrende Volkszählungen geschaffen werden kann. Eine im Jahre 1872 
durchgeführte Aufnahme der Bevölkerung hat noch immer keine Nach- 



256 Mis zellen. 

folgerin gefunden. Bis auf die Gegenwart dient sie als Basis für die 
spätere Fortschreibung, die durch eine möglichst sorgfältige Registrierung 
der Bevölkerungsbewegung, verbunden mit periodischen Aufnahmen der 
Registerbevölkerung nach Verwaltungsbezirken auf Grund der amtlichen 
Register, ermöglicht wird. Eigentliche Volkszählungen haben seither nur 
in Teilgebieten des japanischen Reiches stattgefunden. So im Jahre 
1879 in der Provinz Kai, im Jahre 1905 auf der Insel Formosa, endlich 
besonders in einigen größeren Städten, wie Kumamoto im Jahre 1907, 
Tokyo im Jahre 1908, Kyoto im Jahre 1911. Und zwar sind mit diesen 
allgemeinen Volkszählungen begrenzter Gebiete zum Teil auch Berufs- 
und Gewerbezählungen verbunden worden, unter denen wegen ihrer 
Wichtigkeit wiederum die Berufszählung der Stadt Tokyo eine besondere 
Stellung einnimmt. 

2) Im übrigen hat die japanische Statistik die verschiedensten Ge- 
biete in den Bereich ihrer Betrachtungen einbezogen. Neben der Be- 
völkerungsstatistik hat das Statistische Zentralamt des Staatsministeriums 
im besonderen die Sanitätsstatistik gepflegt. Bei der nicht ausgelösten 
Statistik nimmt den breitesten Raum die Statistik des Finanzministeriums 
und die des Ministeriums für Ackerbau und Handel ein. Ersteres ver- 
öffentlicht außer der eigentlichen Finanzstatistik auch eine Reihe vor 
statistischen Berichten über Geld- und Bankwesen und im Anschluß an 
die Zollerhebuug auch über die Bewegung des Außenhandels. Auffal- 
lend ist, daß unter den Sonderpublikationen des Ministeriums für Acker- 
bau und Handel die eigentlich landwirtschaftlichen eher zurücktreten, 
Um so kräftiger ist die Industrie- und Bergbaustatistik entwickelt, und 
in der neuesten Zeit beginnt die großindustrielle Arbeiterfrage auf die 
Richtung dieser Untersuchungen bedeutsam einzuwirken. 

3) Noch eine letzte wichtige Frage bleibt zu erörtern: Welches 
Maß von Glaubwürdigkeit ist dem uns mitgeteilten Ziffernmaterial und 
seiner textlichen Verarbeitung beizumessen? Eine allgemein gültige 
Antwort hierauf läßt sich nicht geben; sie wird sich von Fall zu Fal 
verschieden gestalten. Was nun zunächst die für alle Statistik grund- 
legenden Ergebnisse der amtlichen Bevölkerungsstatistik betrifft, so hal 
sich darüber Rathgen bereits 1887 ausführlicher verbreitet 1 ). Und da 
das damals bestehende System der Erhebung des Bevölkerungsstandes 
und der Bevölkerungsbewegung zwar verfeinert, in seinen Prinzipier 
aber unverändert geblieben ist, so haben im wesentlichen seine damaliger 
Ausführungen noch heute ihre Richtigkeit. Zu ihrer Ergänzung möge 
folgendes dienen 2 ). 

Die japanische Bevölkerungsstatistik unterscheidet eine Rechts- unc 
eine Wohnbevölkerung (honseki jinko und genju jinko), von welch letz- 

1) K. Rathgen, Ergebnisse der amtlichen Bevölkerungsstatistik in Japan, in dei 
Mitteilungen der Deutsehen Gesellschaft für Natur- uud Völkerkunde Ostasiens, Bd. IV 
S. 322 ff., bes. S. 323. 

2) Vgl. hierzu N. Hanabusa in Mouvement de la Population de l'Empire du Japor 
1899, Tokyo 1902, Preface; in Etat de la Population de l'Empire du Japon au 31. 12 
1903, Tokyo 1906, Introduction ; und in Mouvement de la Population de l'Empire di 
Japon 1899—1908, Tokyo 1912, Preface und pp. 19* ff. (Abdruck der betreffender 
Ministerialverordnung und der dazu gehörigen Reglements.) 



Miszellen. 257 

terer sie außer den Individuen auch die Haushalte (genju kosu) erhebt x ). 
Sie stützt sich dabei, wie gesagt, nicht auf eine eigentliche Volkszählung, 
wohl aber auf eine im Anschluß an die Reorganisation der Familienregister 
im Jahre 1872 erfolgte Aufnahme der Rechtsbevölkerung. „Ce registre", 
sagt Hanabusa, „a ete cree d'apres le procede d'un veritable recense- 
ment de la population. On releva alors la population presente en l'in- 
scrivant sur le registre des familles dans chaque localite ou se trouvait 
le chef de famille. Ceux qui habitaient en dehors de leur propre domi- 
cile etaient inscrits sur le registre des familles et aussi sur un registre 
special comme emigrants temporaires (kiriu)." Eine Wiederholung dieser 
Bevölkerungsaufnahme in irgend welcher Form hat, wie gesagt, nicht 
stattgefunden. Vielmehr erfolgt die Ermittlung des Bevölkerungsstandes 
späterer Jahre mit Hilfe eines Rechenverfalirens. „La population le- 
gale", heißt es weiter, „est calculee d'apres les resultats des inscriptions 
ou des radiations faites par les declarations de naissances et de döces 
de chaque annee ainsi que des changements de domicile; depuis 1872 
jusqu'en 1898 (excepte 1877 et 1878) on a public tous les ans le chiffre 
de la population de chaque commune, de chaque arrondissement et de 
chaque district (do, fu et ken), calcule de cette maniere; depuis 1898 
on releve tous les cinq ans la population d'apres le No. 1 des Instruc- 
tions du Cabinet Imperial de cette meme annee." 

Die statistisch wichtige Reform des genannten Erlasses vollzog sich 
in Verbindung mit einer grundsätzlichen Reorganisation des standesamt- 
lichen Registerwesens. Die bisherige Dezentralisation des Zählungs- 
prozesses bei den Ortsbehörden wurde durch eine Zentralisation desselben 
beim Statistischen Zentralamte ersetzt. Hatten die ersteren bis Anfang 
1899 für jede einzelne Gemeinde statistische Tabellen angelegt, so daß 
der Zentralinstanz nur deren Weiterverarbeitung verblieb, so wurden sie 
nunmehr angewiesen, die von ihnen geforderten Auskünfte über Ehe- 
schließungen, Ehescheidungen, Geburten, Todesfälle usw. nach den 
standesamtlichen Registern und anderen authentischen Dokumenten in 
eigens zu diesem Zwecke gelieferte Zählkarten einzutragen und diese 
in dreimonatlichen Zwischenräumen an die Zentralstelle einzusenden. 
Sicherlich war damit wenigstens die Statistik der Bevölkerungsbewegung 
auf eine neue Basis gestellt. 



1) „La population legale", erklärt Hanabusa, „est celle qui a son domicile dans 
une commune (shi, cho et son ou grande ville, ville et village) ; c'est-a-dire celle qui 
y est inscrite sur un registre appele Koseki ou registre des familles. On inscrit sur ce 
registre, sauf des cas particuliers, chaque famille formee de ses propres membres. 
D'apres l'esprit de la loi sur le registre des familles, promulguee en 1871, il resulte 
que les inscriptions de tous les membres devront e'tre faites, sauf des cas particuliers, 
sur le livre de lieu ou se trouve l'habitation du chef de famille, soit qu'il s'y trouve, 
soit qu'il habite une autre commune. Plus tard, par un changement apporte ä l'ap- 
plication de cette loi, cette inscription a pu etre faite en dehors du lieu de residence 
du chef de famille. Mais tous les membres d'une famille doivent toujours Stre inscrits 
sur le meme registre que leur chef. La population residente est au contraire celle qui 
est fixee dans une localite. Le menage de cette population n'est pas non plus le meme 
que la famille de la population legale. II est l'unite d'un moyen d'existence et signifie 
feu ou foyer. On le releve dans le lieu oü il se trouve. (fitat de la population etc., 
p. VII.) 

Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 17 



258 Miszellen. 

Was endlich die Wohnbevölkerung betrifft, so ist diese überhaupt nie- 
mals regelrecht erhoben worden. Seit dem Jahre 1885 hat man ihren Stand 
alljährlich oder in fünfjährigen Intervallen derart veröffentlicht, daß man 
der Zählung die berechneten Ziffern der Rechtsbevölkerung zugrunde legte 
und diese mit Hilfe der Zahlen der zeitweilig Zu- oder Abgewanderten 
und der in Kasernen, Gefängnissen und Kriegsfahrzeugen vorhandenen 
Effektivbestände korrigierte. 

Die Zuverlässigkeit all dieser Daten hängt demgemäß allein von der 
Genauigkeit der Listenführung und des Meldewesens, und soweit die 
Statistik des Bevölkerungsstandes in Frage steht, von der Solidität der 
ersten Grundlage ab, auf der sich das ganze weitere Kalkül aufbaut. Daß 
diese eine recht fragwürdige ist, wird von dem Leiter des Statistischen 
Zentralamtes keineswegs bestritten. „On n'a plus le moyen d'apprecier 
l'exactitude des chiffres de 1872; mais on y remarque plus ou moins 
les traces des doubles emplois et des omissions." Aber auch für die 
übrigen Zahlen möchte er sich nicht verbürgen. „De plus", fährt er 
fort, „les rösultats du mouvement qu'on emploie comme elöments de 
calcul ne sont pas toujours exacts, car on compte tous les ans un 
nombre assez considörable de naissances ou de döces declares tardive- 
ment par nögligence ainsi que des radiations d'individus ayant deux 
domiciles et des inscriptions d'individus sans domicile." Und diese Un- 
sicherheit steigert sich eher noch bei der Wohnbevölkerung. „En general", 
heißt es an anderer Stelle, „les chiffres incertains de la population re- 
sidente proviennent de l'inexactitude des registres d'emigration en d'im- 
migration temporaires. Cette inexactitude resulte principalement de la 
fröquence des deplacements aussi bien que de l'execution du travail 
par le personnel des mairies." Neuere Ministerialverfügungen hätten 
dem Unwesen zu steuern gesucht ; da ihnen aber die rückwirkende Kraft 
fehle, so sei man noch weit davon entfernt, exakte Verhältniszahlen der 
Zu- und Abgewanderten zu erhalten. Nach alledem versteht man es, wenn 
auch Hanabusa eine Volkszählung fordert, und wundert sich fast ein wenig, 
wenn er hinzufügt, der Unterschied zwischen Kalkül und Wirklichkeit 
sei doch nicht groß genug, um uns die allgemeine Lage der japanischen 
Bevölkerung nicht erkennen zu lassen. 

Besonders charakteristisch für den heutigen Zustand ist der Unter- 
schied zwischen Rechts- und Wohnbevölkerung. In manchen Bezirken 
mit starkem Bevölkerungs Wechsel, wie z. B. in Tokyo, durchaus natür- 
lich, müßte sich diese Differenz bei einigermaßen genauer Listenführung 
für das ganze Land ausgleichen, oder einen Ueberschuß zugunsten der 
Rechtsbevölkerung ergeben, weil diese ja außer den in der Heimat 
lebenden auch alle diejenigen Japaner umfaßt, die, obwohl in die Ko- 
lonien oder in das Ausland abgewandert, ihren rechtlichen Wohnsitz im 
Mutterlande behalten. Tatsächlich ergibt sich jedoch aus den erwähnten 
Gründen regelmäßig eine Differenz zugunsten der Wohnbevölkerung. Zu 
Rathgens Zeiten, d. h. im Jahre 1885, ziemlich unbedeutend, nämlich für 
ganz Japan 106 082 (37 868 987 Rechtsbevölkerung gegen 37975069 
Wohnbevölkerung), hat sich dieser Zwiespalt im Laufe der Jahre derart 
gesteigert (2153 682, nämlich 49 588 804 Rechtsbevölkerung gegen 



Miszellen. 259 

51742 486 Wohnbevölkerung im Jahre 1908) *), daß diese Ziffern eigent- 
lich einen rein imaginären Charakter angenommen haben 2 ). 

Jedenfalls stehen für den Fall einer allgemeinen Volkszählung, die 
über kurz oder lang doch einmal kommen muß, allerhand Ueberraschungen 
bevor. Einen gewissen Vorgeschmack des zu Erwartenden gewähren 
die folgenden Zahlen 3 ). Es ergab die schon mehrfach erwähnte Volks- 
zählung vom 1. Oktober 1908 für die Stadt Tokyo eine tatsächliche 
Bevölkerungszahl von 1 626 103 Einwohnern. Für den 31. Dezember 
desselben Jahres bezifferte das städtische Statistische Amt die Rechts- 
bevölkerung auf 1139 029, die Wohnbevölkerung auf 2168151; das 
Polizeipräsidium die Rechtsbevölkerung auf 894 203, die Wohnbevölke- 
rung auf 1 468 068, und zwar in allen Fällen für die 15 inneren 
Stadtbezirke, zu deren Einwohnerzahl die zuerst genannte Volkszählung 
noch 37 984 auf der Wasserfläche (suimen) hausende Personen hinzu- 
gerechnet hat, die in den beiden anderen Zählungen jedenfalls nicht be- 
sonders genannt sind. Ein Kommentar erübrigt sich. 

Wenn also Rathgen vor 30 Jahren noch mit einigem Rechte sagen 
konnte, im allgemeinen dürften die Bevölkerungszahlen richtig sein, 
obschon einiger Unterschied bestehe zwischen den großen Städten 
oder den straff verwalteten Bezirken der Mitte und des Nordens 
und den Landbezirken oder den entlegeneren Bezirken des Südens, 
so gilt das heute nicht mehr in demselben Maße. Die japanische 
Bevölkerung in allen ihren Teilen, immer weiter und schneller in den 
Wirbeltanz des kapitalistischen Produktions- und Verkehrsprozesses 
hineingezogen, widerstrebt dem altertümlichen Erhebungsverfahren, das 
sich unter stabileren Lebensverhältnissen sehr wohl bewähren mochte. 
Rechts- und Wohnbevölkerungsziffern, darauf berechnet, sich zu ergänzen 
und zu kontrollieren, klaffen immer weiter auseinander und führen 
sich wechselseitig ad absurdum. So ist denn die Durchführung 
einer allgemeinen Volkszählung nach modernen Prinzipien unumgäng- 
lich notwendig, wenn nicht in absehbarer Zeit die ganze japanische 
Statistik, soweit sie mit der Statistik des Bevölkerungstandes irgendwie 
in Zusammenhang steht, ein Wahngebilde werden soll. 

Dennoch wäre es verfehlt, dieses kritische Ergebnis zu verallge- 
meinern und unbesehen auf alle anderen Teilgebiete der japanischen 
Statistik zu übertragen. Denn nur eine eindringende wissenschaft- 
liche Detailforschung wird hier die Grundlage für ein abschließendes 
Urteil liefern können, wie Grünfeld das mit Erfolg für die Statistik 
der japanischen Auswanderung versucht hat 4 ). Was ich selber dazu 
beizusteuern habe, wird zu gegebener Zeit am geeigneten Orte vor- 

1) Resume Statistique de l'Empire du Japon, 27. Annee, Tokyo 1913, pp. 10 ff. 

2) Uebrigens beschränkt sich dies keineswegs auf die bloße Bevölkerungszahl. So 
erwähnt Hanabusa z. B., daß für 1903 das Verhältnis von Männern und Frauen bei 
der Rechtsbevölkerung 102 zu 100, bei der Wohnbevölkerung 103 zu 100 betrug. 

3) Tokyoshi shisei chosa, I., Gempyo, p. 4. The seventh Annual Statistics of the 
City of Tokyo, Tokyo 1910, pp. 113 ff. Keishicho tokeisho, Tokyo 1909, pp. 63 ff . 

4) Ernst Grünfeld, Die japanische Auswanderung. Supplement zu den Mit- 
teilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Bd. XIV, 
Tokyo 1913, S. 11 ff. 

17* 



260 Miszellen. 

gebracht werden. Hier will ich dem bisher Gesagten abschließend nur 
noch einige allgemeine Betrachtungen anfügen. 

Der überspannten Japanbegeisterung vergangener Jahre ist heute 
eine ebensolche Japanskepsis gefolgt, und es ist Mode geworden, allen 
Lebensäußerungen des Inselvolkes mit Mißtrauen zu begegnen. Wenn 
nun für die Zuverlässigkeit einer Statistik neben der technischen Schu- 
lung des damit befaßten Personales im besonderen auch die Lauterkeit 
maßgebend ist, mit der sich alle Beteiligten die Lösung ihrer gemein- 
samen Aufgabe angelegen sein lassen, so ist zunächst zu betonen, daß 
die Japaner schon aus dem Bestreben heraus, von den Europäern auch 
auf diesem Gebiete als ebenbürtig anerkannt zu werden, gegen früher 
erhebliche Fortschritte gemacht haben. 

Allerdings ist einschränkend zu bemerken, daß die seminaristische, 
d. h. die eigentlich wissenschaftliche, Ausbildung des jugendlichen Nach- 
wuchses auf den japanischen Universitäten noch zu wünschen übrig läßt und 
im allgemeinen keinesfalls mit der in Deutschland erreichten auf gleiche 
Stufe zu stellen ist 1 ). Wenn also von Männern, wie Hanabusa, Takano und 
ihresgleichen, geleitete und kontrollierte Arbeiten unser volles Vertrauen 
verdienen, so gilt das doch nicht ohne weiteres von allen anderen; 
auch scheint mir das häufige Fehlen einer textlichen Verarbeitung des 
gebotenen Tabellenmateriales darauf hinzudeuten, daß man sich hie und 
da im wissenschaftlichen Sattel noch nicht so recht zu Hause fühlt. 
Bedenklich ist es weiter, daß in der Masse des japanischen Volkes 
der strenge Wahrheitssinn noch unentwickelt ist. Man begnügt sich 
nur zu gern mit einem Ungefähr, wenn sich nur allenfalls dabei leben 
läßt. Gerade aber, daß dies in unserer modernen Welt, wo man doch auch 
eine Rolle spielen möchte, nicht mehr geht, diese wichtige Erkenntnis wird 
dem gelehrigen Volke durch seine wirtschaftlichen wie politischen Er- 
fahrungen mit unbarmherziger Härte eingehämmert. Genau, wie die 
Japaner also zu lernen im Begriffe sind, daß es sich auf die Dauer nicht 
zahlt, dem Auslande kontraktwidrige Waren zu liefern, da man dadurch 
seine Kunden verliert, so werden sie immer deutlicher einsehen und 
haben es bereits getan, daß es keinen Zweck hat, denen durch ge- 
färbte Statistiken Sand in die Augen zu streuen, auf deren Vertrauen 
man vielleicht einmal angewiesen ist, oder gar sich in wichtigen An- 
gelegenheiten selbst etwas vorzuspiegeln. Und weil das so ist, habe 
ich die Ueberzeugung, daß die japanische Statistik, alles in allem ge- 
nommen, heute schon besser ist als ihr Ruf. 



1) Um dem dringendsten Bedürfnis zu genügen, wurde 1882 unter dem Namen 
Kyoritsu tokei gakko eine statistische Schule gegründet, die von 1882 — 1885 im ganzen 
36 Statistiker ausbildete. Sie besteht meines Wissens heute nicht mehr. 



Miszellen. 261 



VI. 

Erklärung. 

Wie ich erfahre, hat Herr Major Haushofer einen Ausdruck meiner 
im Märzheft dieser Zeitschrift erschienenen Besprechung seines Buches 
Dai Nihon anders aufgefaßt, als er gedacht war, obwohl der darauf 
folgende Satz doch ausdrücklich dazu bestimmt ist, ihm alles Ver- 
letzende zu nehmen. Ich trage kein Bedenken zu erklären, daß mir 
nichts ferner gelegen hat, als den Verfasser persönlich verletzen zu 
wollen, und nehme daher den, wie es scheint, in seiner Tragweite miß- 
verständlichen Ausdruck „ein leiser Hauch der Unwahrhaftigkeit" zurück. 
Dagegen halte ich meine sachlichen Ausstellungen, namentlich so- 
weit sie den nationalökonomischen Teil des Buches, insonderheit die 
Methode der Materialbeschaffung und Materialverarbeitung betreffen, 
in ihrem vollen Umfange aufrecht. 

W a e n t i g. 



262 Literatur. 



Literatur. 



IL 

Verhandlungen des ständigen Arbeitsbeirates über 

den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Regelung 

der Arbeitsverhältnisse in der Heimarbeit. 

Wien 1913. 416 SS. 
Besprochen von Prof. Dr. P. Arndt, Frankfurt a. M. 

Diese Veröffentlichung des k. k. Arbeitsstatistischen Amts in 
Wien enthält einen Bericht über die Verhandlungen des österreichi- 
schen Arbeitsbeirates und des von diesem eingesetzten Heim- 
arbeiterausschusses über den vom österreichischen Handels- 
ministerium im Jahre 1911 ausgearbeiteten Entwurf eines Gesetzes be- 
treffend die Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Heimarbeit 
der Kleider-, Schuh- und Wäsche Warenerzeugung. In 4 Plenar- und 
9 Ausschußsitzungen, die in einem Zeitraum von l 1 / 2 Jahren (Dez. 
1911 bis Mai 1913) stattfanden, wurde der Entwurf beraten. Der Bei- 
rat nahm an ihm wichtige Aenderungen vor und redigierte ihn neu. 
Der Hauptinhalt seiner Vorschläge war folgender (nach einer Zusammen- 
fassung des Obmanns des Heimarbeiterausschusses, Dr. M. Hainisch; 
vgl. S. 279 ff.): Zur „Evidenzhaltung" der Heimarbeiter hat jeder 
Unternehmer, der ,, Stückmeister" oder Heimarbeiter beschäftigt, diese 
Tatsache der Gewerbebehörde anzuzeigen und ihr eine Liste der be- 
schäftigten Personen vorzulegen ; eintretende Aenderungen sind der Be- 
hörde von Zeit zu Zeit mitzuteilen. In den Räumen, in denen Heim- 
arbeit übergeben und übernommen wird, sind die Arbeitsbedingungen 
durch Plakat ersichtlich zu machen. Die Stückmeister sollen Lie- 
ferungsbücher, die Heimarbeiter Lohnbücher bekommen. Ferner 
ist eine Inspektion der Räume, in denen die Heimarbeit stattfindet, 
sowohl durch den Gewerbeinspektor wie auch durch den Amtsarzt vor- 
gesehen; unter Umständen — wenn die Räume besonders gesundheits- 
schädlich sind, oder wenn eine Epidemie herrscht — kann die Arbeit 
in den Räumen untersagt werden. Den Heimarbeitern wird verboten, 
fremde Hilfskräfte zu halten. Kinder unter 12 Jahren dürfen 
gar nicht, über 12 Jahren nur gelegentlich mitarbeiten. Der „Schwer- 
punkt des Entwurfes" liegt nach Hainisch in dem „Eingriff in 
das Lohn Verhältnis". In allen Bezirken, in denen eine größere 
Zahl von Heimarbeitern beschäftigt wird, sollen vom Handelsminister 



Literatur. 263 

Heimarbeitskommissionen, sogenannte Distriktskommissionen — 
in Deutschland sagen wir „Lohnämter" — bestellt werden, die sich 
aus 6 Gruppen (3 Unternehmergruppen und je 1 Gruppe der „Stück- 
meister", der „Werkstattgehülfen der Stückmeister" und der „Heim- 
arbeiter") von mindestens 3 und höchstens 6 Personen und ebenso - 
vielen Ersatzleuten zusammensetzen. Die Kommission „hat für die ihr 
zugewiesenen Produktionszweige Mindestlöhne für die Werkstatt- 
gehülfen der Stückmeister und die Heimarbeiter, Mindestpreise für 
die von den Stückmeistern ihren Auftraggebern zu liefernden Waren und 
sonstige Arbeitsbedingungen festzusetzen". Zum Zustandekom- 
men solcher Satzungen ist die Zustimmung sämtlicher Gruppen erfor- 
derlich ; innerhalb jeder Gruppe entscheidet die Mehrheit. Die Distrikts- 
kommissionen sollen ferner als Einigungsämter fungieren, unter Um- 
ständen Schiedssprüche fällen, Gutachten abgeben und Erhebungen ver- 
anstalten können. Ueber den Distriktskommissionen der einzelnen Er- 
werbszweige soll je eine Zentralkommission stehen, „der eine 
Ueberprüfung der Beschlüsse der Distriktskommissionen zufallen 
würde, die also auch solche Satzungen abändern dürfte, und deren 
Tätigkeit darauf gerichtet sein soll, daß keine Ungleichmäßigkeit statt- 
finde und nicht etwa ein Distrikt gegen den andern Lohnpolitik mache". 
„Eine tief einschneidende 'Bestimmung ist die, daß, falls die Zentral- 
kommission sich nicht einigen kann, der Vorsitzende derselben be- 
rechtigt ist, zu dirimieren und aus eigener Machtvollkommenheit eine 
Miniinallohnsatzung zu erlassen. Doch kann er dies wieder nur unter 
der Kontrolle des Handelsministeriums; denn dem Handelsminister 
steht das Recht zu, diese Satzung aufzuheben." Endlich werden die 
Heimarbeitskommissionen ermächtigt, „die zwischen Unternehmern und 
Arbeitern zustande kommenden Kollektivverträge nicht nur für 
diese Vertragsteile, sondern auch für alle Angehörigen der betreffenden 
Branche, also auch für die Außenseiter, rechtsverbindlich zu 
machen" (S. 111). 

Die Beschlüsse dieser Berater des österreichischen Handelsministe- 
riums lassen also an Radikalismus nichts zu wünschen übrig: Staatliche 
Festsetzung von Mindestlöhnen und Rechtsverbindlichkeit der Kollektiv- 
verträge für alle Gewerbeangehörigen ! Höchstens hätte man noch die 
sofortige Unterdrückung der Heimarbeit beschließen können ! Tatsächlich 
bezeichneten mehrere einflußreiche Mitglieder des Arbeitsbeirates, na- 
mentlich der Gewerkschaftssekretär und Reichsratsabgeordnete Smitka, 
die „gänzliche Abschaffung der Heimarbeit" als das zu erreichende Ziel 
und betonten, es „dürfe keinesfalls die Heimarbeit (durch Reformen) 
lebensfähiger gemacht werden" (S. 138, 177, 191). Sie glaubten aber, 
daß ein gesetzliches Verbot der Heimarbeit einweilen noch nicht durch- 
führbar sei, und zogen es daher vor, die Heimarbeit durch scharfe 
„Schutz"-Maßregeln allmählich konkurrenzunfähig zu machen. 

Bemerkenswert ist, daß in den langen Sitzungen des Beirats und 
seines Ausschusses gegen die staatliche Festsetzung von Mindestlöhnen, 
die übrigens auch schon im Entwurf des Handelsministeriums vor- 
gesehen war, kein ernster grundsätzlicher Widerspruch erhoben 



264 Literatur. 

wurde; einige Unternehmervertreter äußerten nur gelegentlich ziemlich 
schüchtern dieses oder jenes Bedenken gegen die als wichtigstes Heil- 
mittel vorgeschlagene Maßregel, schickten sich dann aber bald in das, 
wie es schien, Unvermeidliche. Die Debatte betraf nicht den Grundsatz 
der autoritativen Festsetzung von Löhnen, sondern nur technische 
Einzelheiten der Anwendung des Grundsatzes (Zentralisation oder 
Dezentralisation, Befugnisse der lokalen und nationalen Kommissionen, 
Abstimmung, Geschäftsgang, Befugnis und Wahl des Vorsitzenden der 
Kommissionen, Anwendung des Gesetzes auf weitere Heimarbeitszweige 
usw.). Die sehr wohl aufzuwerfende Frage, ob die staatliche Fest- 
setzung von Mindestlöhnen den Heimarbeitern nicht mehr Schaden 
als Nutzen bringen würde, wurde überhaupt nicht gestellt, offenbar, 
weil man sie für überflüssig hielt. Der Ausschuß -Obmann Dr. Hai- 
nisch gestand in einem seiner Berichte (S. 146), er habe lange ge- 
braucht, um sich von der „Notwendigkeit" des „autoritativen Eingriffes 
in den Lohnvertrag" zu überzeugen; was er aber in seinen Berichten 
zur Begründung seiner heutigen Meinung vorbrachte, ist äußerst dürftig. 
Am Schluß der Hauptberatung (S. 270) wies er ,,zur Begründung der 
Notwendigkeit der Festsetzung von Minimallöhnen" auf die „ungeheure 
Verbreitung der Tuberkulose" gerade in jenen Gegenden hin, „wo 
die schlechtesten Löhne gezahlt werden". Da müßte doch zunächst der 
ursächliche Zusammenhang zwischen Tuberkulose, deren Ver- 
breitung wahrscheinlich auf eine ganze Reihe von Gründen zurückzu- 
führen ist, und Heimarbeit nachgewiesen werden, und es wäre weiter zu 
beweisen, daß die staatliche Festsetzung von Minimallöhnen das Lohn- 
niveau jener Gegenden erhöhen und dadurch eine Einschränkung der 
Tuberkulose hervorrufen kann, und außerdem, daß kein anderes 
wirtschaftliches Mittel zu diesem Zwecke verfügbar ist. 

Dies war nämlich das zweite Argument zur Begründung der 
Mindestlöhne: „Anders kann man dem Heimarbeiteprobleme nicht an 
den Leib rücken" (Hainisch, S. 167). „Wer sich ernstlich mit dem 
Heimarbeiterproblem beschäftigt, wird sich der Einsicht nicht ver- 
schließen können, daß sich die Sozialpolitik hier in einer Zwangslage 
befindet, und daß die Gesellschaft von einer Art Notrecht Gebrauch 
macht, wenn sie Maßregeln auf einem Gebiet ergreift, das sonst dem 
Spiele widerstreitender Interessen voll und ganz überlassen wird" (Hai- 
nisch, S. 146). Alle diese Gedankengänge sind anfechtbar. Wenn 
es feststeht, daß zwei Mittel (freier Wettbewerb und Organisation) nicht 
helfen, so ist damit noch nicht bewiesen, daß ein drittes Mittel (staat- 
licher Zwang) hilft. Die staatliche Erzwingung höherer Löhne zerstört 
in den Fällen, in denen die niedrigsten Stundenlöhne gezahlt werden, 
nämlich bei geringer individueller Leistungsfähigkeit (ungelernte Frauen, 
Greise, Krüppel, Jugendliche) und in technisch rückständigen In- 
dustrien wie der Handweberei einfach die Arbeitsgelegenheit, raubt 
also den Heimarbeitern auch noch das Wenige, was sie bis dahin haben; 
und in den übrigen Fällen, in denen es sich um lebensfähige Industrien 
und leistungsfähige Arbeitskräfte handelt, vermag sie das Lohnniveau 
nicht oder nur unwesentlich zu erhöhen. Ich glaube das deutlich an 



Literatur. 265 

dem Beispiel der Heimarbeiter des rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes 
im Schlußbande unserer Frankfurter Monographiensammlung („Die 
Heimarbeit im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet", Bd. III, 2, S. 575 
— 669, Jena, G. Fischer, 1914) gezeigt zu haben. 

Das dritte Argument zugunsten der Mindestlöhne war das Bei- 
spiel Englands. Nun, wie die englischen Experimente ausfallen 
werden, weiß jetzt noch niemand. Wer aber den Autoritätenbeweis 
führen will, sollte sich neben England, dessen Sozialpolitik unter dem 
Druck der Arbeiterpartei, von der die liberale Regierung abhängig ist, 
in den letzten Jahren in ein sozialistisches Fahrwasser geraten ist, 
doch auch Deutschlands erinnern, in dem man sozialpolitische Pro- 
bleme wahrhaftig nicht leicht zu nehmen pflegt, wo aber die staatliche 
Festsetzung von Mindestlöhnen noch im Jahre 1911 mit Entschieden- 
heit abgelehnt worden ist, trotzdem das Zentrum, die Sozialdemokratie 
und einige Volksparteiler im Reichstag eifrig für sie eingetreten waren. 

Man darf sich auch nicht dadurch beirren lassen, daß in Oester- 
reich wie allerwärts „die Arbeiterschaft" die Festsetzung von 
Mindestlöhnen für die Heimarbeiter befürwortet. Denn „Arbeiterschaft" 
bedeutet doch hier im wesentlichen nur einige sozialistische Theoretiker 
und Führer der großstädtischen Fabrikarbeiter. Diese aber können als 
Vertreter der Heimarbeit ebensowenig anerkannt werden wie etwa 
Großindustrielle als Vertreter des Handwerks. Die Fabrikarbeiter sind 
ja vielfach die Konkurrenten der Heimarbeiter, und ihre Vertreter 
streben meistens auch offen nach der Vernichtung der Heimarbeit, wo- 
mit den Heimarbeitern der denkbar schlechteste Dienst erwiesen würde. 
In den weitaus meisten Fällen kann und will eben der Heimarbeiter 
— noch mehr vielleicht die Heimarbeiterin — nicht in die Fabrik gehen. 
Auch dieses wichtige Moment, das von so vielen Sozialpolitikern über- 
sehen wird, ergibt sich mit aller Klarheit aus unseren Untersuchungen 
der Heimarbeit des rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes wie aus den 
Erhebungen Bittmanns über die Heimarbeit Badens. 

Ziemlich ausführlich wurde in den Wiener Beratungen die tech- 
nische Durchführbarkeit der Festsetzung von Mindestlöhnen be- 
sprochen. Man kam zu dem Ergebnis, daß in der Kleider-, Schuh-, 
Wäsche-, Kürschnerwaren- und Kappenerzeugung die technischen 
Schwierigkeiten überwunden werden könnten. Mir scheint indessen, 
daß man die Hindernisse auch hier erheblich unterschätzt hat. Um wie 
viele oft wechselnde Muster handelt es sich in diesen Erwerbszweigen, 
und wie verschieden sind die Lebensverhältnisse in den Gegenden 
Oesterreichs, in denen sie bestehen ! Da glaubt man mit einigen wenigen 
Sitzungen der Heimarbeitskommissionen in weiten Abständen durch- 
zukommen ! Weder der Vorsitzende der Kommission noch die Behörde, 
sagte Smitka (S. 228), werde zugeben, daß etwa schon nach einem 
Jahre eine Abänderung der festgesetzten Löhne versucht werde; ebenso 
sprach sich Dr. Hainisch (S. 226) dahin aus, nicht nur die Unter- 
nehmer, sondern auch der Unparteiische (Vorsitzende) und das Handels- 
ministerium würden sich gewiß dagegen wehren, „daß jedes Jahr oder 
gar alle sechs Monate die Lohnfrage aufgeworfen werde". Wie sollen 



266 Literatur. 

aber bei einer so schwerfälligen Handhabung die notwendigen An- 
passungen an die Erfordernisse der Konjunktur, der Mode usw. möglich 
sein ? Schließlich stieß auch der Wiener Ausschuß bei seinen Beratungen 
auf eine Schranke, über die er trotz aller Zuversicht nicht hinweg 
konnte. Bei der Erörterung der Frage, ob es zweckmäßig sei, auch der 
Heimarbeit des Posamentier gewerb es den „Schutz" des Gesetzes an- 
gedeihen zu lassen, teilte ein „Experte", ein Großhändler, mit, daß er 
37 000 verschiedene Muster führe: Tressen, Hutfedern, Perlen usw. 
(S. 396). Bei dieser Angabe entfiel auch den Zielbewußtesten der Mut, 
für diese verschiedenen Warenarten in einigen Kommissionssitzungen 
„autoritative" Mindestlöhne auszurechnen. Der Obmann Dr. Hai- 
nisch sagte in seinem Schlußwort resigniert, ,,es würde jedenfalls 
außerordentlich schwer sein, das Prinzip der Minimallöhne auf alle 
diese Muster auszudehnen", und der Ausschuß beschloß, von der An- 
wendung des Gesetzes auf das Posamen tiergewerbe Abstand zu nehmen. 
Alles in allem, das Problem der staatlichen Festsetzung von 
Mindestlöhnen ist auch in Oesterreich trotz der Beschlüsse des „ständigen 
Arbeitsbeirates" noch lange nicht spruchreif. Alle Hauptfragen dieser 
„Reform" bedürfen noch weiterer gründlicherer Prüfung. 



üebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 267 



TJebersicht über die neuesten Publikationen 
Deutschlands und des Auslandes. 

1. Geschickte der Wissenschaft. Enzyklopädisches. Lehrbücher. Spezielle 
theoretische Untersuchungen. 

Haret, Sp. 0., Mecanique sociale. Paris 1910. 8°. 256 SS. 

Verf. sucht die Gesetze der theoretischen Mechanik auf die Er- 
scheinungen des gesellschaftlichen Lebens und die gesellschaftliche Ent- 
wicklung anzuwenden. Es kann sich dabei aber immer nur um eine 
Beschreibung der sozialen Vorgänge in den der Mechanik entnommenen 
Begriffen und Ausdrücken handeln. Gewiß ist es gestattet, bildlich die 
Ursachen der sozialen Aenderungen Kräfte und die Aenderungen selbst 
Bewegungen zu nennen, aber dabei ist nicht zu vergessen, daß diese 
Analogien nur in einem ganz abstrakten Sinne zutreffen und daß aus 
ihnen keinerlei neue Erkenntnisse über das Wesen und den inneren 
Zusammenhang der sozialen Erscheinungen abgeleitet werden können. 
Denn in Wirklichkeit sind diese ihrem ganzen Wesen nach von den 
theoretisch-mechanischen Vorstellungen verschieden. Die Dynamik kennt 
nur gegebene räumliche Bewegungsquantitäten und „Kräfte" in dem 
Sinne vorgeschriebener Aenderungen von Bewegungsquantitäten und 
die Statik hat es nur mit der gegenseitigen Aufhebung von Be- 
wegungsquantitäten zu tun. Schlüsse aus solchen konkreten Begriffen 
lassen natürlich keine konkrete Anwendung auf soziale Zustandsände- 
rungen und Zustände zu. Verf. nimmt drei Gattungen von sozialen 
Kräften an, wirtschaftliche, intellektuelle und moralische, und läßt 
diese nach den drei Achsen eines Koordinationssystems wirken. Man 
kann nun noch zugeben, daß diese drei Aenderungsursachen sich im 
sozialen Leben zu einer gemeinschaftlichen Wirkung vereinigen, aber 
weiter besteht keine Vergleichbarkeit zwischen dieser Vereinigung und 
der Zusammensetzung in den gleichartigen und nur nach Richtung; 
und Größe verschiedenen mechanischen Bewegungen. Verf. selbst findet 
eine Schwierigkeit in der Anwendung des Prinzips der Trägheit auf 
die sozialen „Bewegungen". Es müßte hiernach ja, wenn die auf ein 
Individuum wirkende „Kraft" verschwindet, die demselben erteilte Be- 
wegung gleichmäßig und in gleicher Richtung fortdauern. Er nimmt 
diesen Satz nur „provisorisch" an und erwartet seine Bestätigung von 
dem Fortschreiten der Wissenschaft. Die Schwierigkeit entsteht aber 
einfach aus der Bildlichkeit des Begriffs „Bewegung" im Sinne von 
„sozialer Zustandsänderung". Die durch irgendeine Ursache herbei- 
geführte Zustandsänderung bringt einen neuen Zustand, der fort- 
dauert, bis eine neue Aenderung eintritt, der aber selbst keine Be- 
wegung oder Aenderung ist. Wenn ein junger Mann unter dem Einfluß 
gewisser Motive ein Handwerk erlernt und nun imstande ist, selbständig 
Meister zu werden, so geht er in einen anderen Zustand über, in dem 
er möglicherweise stationär bleibt. Auch alle übrigen mechanischen 



268 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Prinzipien, wie das d'Alembertsche Prinzip, das Prinzip der Erhaltung- 
der Energie, das Prinzip der kleinsten Wirkung usw., lassen sich nur in 
ganz abstrakten Verallgemeinerungen auf die sozialen Erscheinungen 
anwenden und die in ihren Formeln vorkommenden Geschwindigkeiten, 
Quadrate der Geschwindigkeiten und solche Größen enthaltenden Inte- 
grale haben für jene Erscheinungen keinerlei wirkliche Bedeutung, 
weil eben die sozialen Aenderungen keine wirklichen räumlichen Be- 
wegungen sind. Verf. hofft zwar viel von der Zukunft, aber tatsächlich 
begnügt er sich mit einer gewissermaßen bildlichen Darstellung des 
sozialen Lebens und der sozialen Entwicklung nach dem Schema der 
Prinzipien der Mechanik. Für Leser, die mit diesen Prinzipien einiger- 
maßen vertraut sind, haben diese Ausführungen auch ohne Zweifel ein 
gewisses Interesse, und da Verf. Professor an einer technischen Hoch- 
schule ist, so hat er wohl zunächst an die Anschauungsweise der 
Ingenieure gedacht. In den letzten Abschnitten des Buches treten 
übrigens die mechanischen Formeln mehr und mehr zurück und der 
Inhalt besteht hauptsächlich aus soziologischen und kulturgeschicht- 
lichen Betrachtungen, die sich nur mehr oder weniger an die Termino- 
logie der Mechanik anlehnen. 

Göttingen. W. Lexis. 

Michels, Robert, Probleme der Sozialphilosophie. 
Bd. XVIII der Sammlung „Wissenschaft und Hypothese". Leipzig und 
Berlin, 1914. 204 SS. 

Robert Michels ist eine interessante Persönlichkeit unter den mo- 
dernen Soziologen. In seinem Kopfe gährt eine Fülle von Ideen, eige- 
nen und fremden, und da er viel gelesen, mancherlei erlebt hat — seine 
Vergangenheit ist für einen Gelehrten sehr abwechslungsreich — und 
über eine große Fähigkeit der Darstellung verfügt, so weiß er in seinen 
zahlreichen Büchern und Aufsätzen die mannigfachsten Fragen, die 
das soziale Leben der Menschen stellt, in interessanter Weise zu formen 
und zu beleuchten. Ein Musterbild dieser Methode geistvoller Be- 
handlung gesellschaftlicher Phänomene bietet die vorliegende Schrift, 
die übrigens — schon mit Rücksicht auf die Sammlung, in deren Rahmen 
sie erscheint — mehr für ein großes Publikum als für engere Fach- 
kreise bestimmt ist, und dalier mit vollem Bewußtsein jede syste- 
matische Gliederung des Stoffes ebenso vermeidet, wie jede auch nur 
halbwegs erschöpfende Erörterung der gestellten Probleme. Der Ver- 
fasser bescheidet sich von vornherein damit, „sachlich neue Streiflichter" 
auf alte Probleme geworfen zu haben. Es handelt sich also im Grunde 
um eine Sammlung von Essays über einzelne Fragen der Soziologie — « 
— dieser Ausdruck wäre zweckmäßiger als der vom Verfasser gewählte 
„Sozialphilosophie" — , deren* jeder ein für sich bestehendes Ganzes 
darstellt; und nur bei aufmerksamer Lektüre lassen sich die Fäden 
verfolgen, welche die Aufsätze untereinander verbinden : den Essay über 
die Kooperation mit jenem über „Solidarität und Kastenwesen"; den 
letztgenannten mit jenem über die „zeitliche Widerstandsfähigkeit des 
Adels", und diesen wieder mit jenem über Eugenetik usf. Besondere 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 269 

Erwähnung scheint uns der Aufsatz über die Kooperation zu verdienen, 
der vor allem eine logische Gliederung der Formen der Arbeiterkoopera- 
tion versucht, die historische Notwendigkeit des Entstehens neuer Ver- 
bände als Reaktion gegen die atomisierenden Tendenzen des Kapitalis- 
mus darlegt, die Bedeutung des ideellen Faktors in der modernen Ver- 
bandsbildung betont, und vor allem auf das in jeder Kooperation 
steckende negative Element — den Gegensatz der verbundenen Indi- 
viduen gegen die Antagonisten hinweist. Auch das Kapitel über die 
internationale Bourgeoisie ist sehr anregend ; es beschäftigt sich vor- 
wiegend mit der verschiedenartigen Wertung sozial bedeutsamer Quali- 
täten — Besitz, Bildung, Herkunft — bei den verschiedenen Na- 
tionen und forscht nach den Gründen für das verschiedenartige Ver- 
halten ihrer Kaufleute im Welthandel. Allein jeder Versuch einer 
detaillierten Inhaltsangabe muß versagen, weil das Charakteristische 
der Schrift eben nicht in einer erschöpfenden Behandlung der gewählten 
Themen, sondern in geistreichen Bemerkungen besteht. Nicht selten 
entläßt freilich Michels den Leser am Schlüsse eines Kapitels mit 
neuen Fragen, die eigentlich erst auf die Größe und Bedeutung der auf- 
geworfenen Probleme hinweisen. 

Wien. KarlPribram. 

Pesl* (Eechtsanw.), Dr. D., Der Mindestlohn. München u. Leipzig, Duncker 
u. Humblot, 1914. gr. 8. VI— 403 SS. M. 10.—. 

Spann, Prof. Dr. Othmar, Kurzgefaßtes System der Gesellschaftslehre. 
Berlin, J. Guttentag, 1914. gr. 8. XVI— 384 SS. M. 9.—. 



Nogaro, (prof.) B., Clements d'economie politique. T. 2: Reparation. Con- 
sommation. Doctrines. Paris, M. Giard et E. Briere, 1914. 18. 269 pag. fr. 4. — . 

Gini, prof. Corrado, L'ammontare e la composizione della ricchezza 
delle nazioni. Torino, fratelli Bocca, 1914. 8. 709 pp. 1. 10. (Biblioteca di 
scienze sociali, vol. 62.) 

2. Geschichte und Darstellung- der wirtschaftlichen Kultur. 

Schneider, Oswald, Bismarcks Finanz- und Wirtschaftspolitik. 
Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen, hrsg. von Schmoller 
und Sering. Heft 166. 1912. 

Aus dem Problem „Bismarck als Nationalökonom" gibt die Schrift 
einen Ausschnitt: die Finanzpolitik und die (äußere) Wirtschaftspolitik 
vornehmlich von 1871—1890 wird übersichtlich und verständig ge- 
schildert. Da in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Quellen- 
schriften zur Aera Bismarck erschienen sind, vermag Verf. ältere 
Darstellungen in wertvoller Weise zu ergänzen. In seiner Kritik ist 
Verf. nicht immer glücklich. Die ungünstige Bewertung der Mit- 
arbeiter des Kanzlers ist etwas schematisch ausgefallen. Ob man Del- 
brück als „gerieben" bezeichnen darf, will uns doch recht zweifelhaft 
erscheinen. Daß Bismarck Reichsministerien errichten wollte (nicht 
bloß Reichsämter, S. 51), ist eine Verkennung seiner Verfassungs- 
anschauungen. Wenn S. 252 gerügt wird, daß mit den Agrarzöllen 
nicht gleichzeitig eine Grundsteuerentlastung durchgeführt wurde, so 
schließt sich der Verf. der durchaus irrtümlichen Auffassung Bis- 
marcks von der Wirkung der preußischen Grundsteuer an. Anderer- 



270 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

seite heißt, es S. 275: „Im besonderen hat er in der Finanzpolitik das 
feste Fundament gelegt, auf dem die Reichsfinanzen immer ruhen 
werden, auf indirekten Steuern und Zöllen." Diese Versicherung kann 
heute niemand für alle Zukunft geben. Sind wir durchaus sicher, daß 
das Eeich in abermals 35 Jahren noch immer allein aus Agrarzöllen 
eine viertel Milliarde Mark beziehen wird? Und wenn nicht — wird 
sich der Minderertrag immer aus indirekten Steuern ergänzen lassen ? 

Der Verf. hat seinem Buche den Untertitel gegeben: Eine Dar- 
stellung seiner (Bismarcks) volkswirtschaftlichen Anschauungen. So wert- 
voll und brauchbar die Schrift sonst ist, diese Darstellung ist sie 
uns vollkommen schuldig geblieben. Handlungen eines Staatsmannes 
lassen sich in zeitlicher Begrenzung und auf einzelnen Gebieten schildern, 
Anschauungen aber nicht. Bismarcks nationalökonomische Ge- 
dankengänge stammen zum guten Teil aus seiner Jugendzeit, und wer 
nicht genetisch hierauf eingeht, wird immer nur momentane Einzel- 
heiten erfassen. Vor allem aber wird Verf. in keiner Weise der genialen 
Totalität in Bismarcks wirtschaftlichem Wirken gerecht. Er kannte 
nur ein Ziel: Festigung des Reiches. Und deshalb will er Schutz- 
zölle, um die wirtschaftliche Sicherheit zu gewährleisten, die bedenk- 
lichen Folgen der Arbeitslosigkeit zu beseitigen, um die Massen von den 
direkten Steuern entlasten und ihnen umgekehrt die positiven Wohl- 
taten der Sozialpolitik zuwenden zu können. Wer deshalb Bismarcks 
Wirtschaftspolitik schildern will, ohne auf die Sozialpolitik einzugehen, 
kann, wie in diesem Falle, wertvolle Detailarbeit bieten, aber nie- 
mals ein Bild, das der überragenden Größe eines Bismarck entspricht. 

Halle a. S. Georg Brodnitz. 

Bikel, Dr. Herrn., Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St. Gallen 
von der Gründung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts. Eine Studie. Mit 1 Plan 
des Klosters St. Gallen. Breisgau, Herdersche Verlagshandlung, 1914. gr. 8. XIV — 
351 SS. M. 7.—. 

Frank, Dr. S., München-Gladbach, die Stadt der Benediktiner, das nieder- 
rheinische Manchester. M.-Gladbach, L. Boltze, 1914. gr. 8. VIII— 288 SS. mit 
Taf. und 2 Plänen. M. 7,50. 

Katona, Bela, Die Volkswirtschaft Ungarns. Finanzielles und national- 
ökonomisches Jahrbuch 1913. Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. gr. 8. 
301 SS. M. 5.—. 



Godart, Felix, La Roumanie agricole. Bruxelles, Louis Vogels, 1914. 
21X13,5. figg., cartes, diagramme. 42 pag. fr. 0,75. 

Ashley, William James, The economic Organisation of England. An 
outline history. London, Longmans. Cr. 8. 222 pp. 2/.6. 

Griewe, W. F., History of South America, from the first human existence 
to the present time. Cleveland, Central Publishing House. 12. $ 2. — . 

3. Bevölkerung-slehre und Bevölkerungspolitik. Auswanderung- 
und Kolonisation. 

Grotjahn (Priv.-Doz.), Prof. Dr. A., Geburten-Rückgang und Geburten- 
Regelung im Lichte der individuellen und der sozialen Hygiene. Berlin, Louis 
Marcus, 1914. gr. 8. XIV— 371 SS. M. 6.— 



Le Pointe, H., La colonisation francaise au pays des Somalis. Ouvrage 
orne de 10 illustrations hors texte. Paris, Jouve et Cie., 1913. 8. 105 pag., carte 
et gravures. fr. 2,50. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 271 

4. Bergbau. Land- und Forstwirtschaft. Fischereiwesen. 

Polier, Richard, Die Gefahren des Bergbaues und die Gruben- 
kontrolle im Ruhrrevier. München 1914. 

Der Verfasser hat sich mit großem Fleiß bemüht, in die äußerst 
schwierige Materie einzudringen; aber es ist ihm nicht gelungen, sie 
zu beherrschen, weil ihm die dazu nötigen technischen Kenntnisse und 
Erfahrungen fehlen. Von Mangel an Erfahrungen zeugt es vor allen 
Dingen, daß der Verfasser alle Aeußerungen der Tagespresse, nament- 
lich der „Bergarbeiterzeitung", des „Bergknappen" und des „Techni- 
schen Grubenbeamten", sowie der Broschüren von G. Werner, dem 
Vorsitzenden des gar nicht mehr existierenden Deutschen Steigerver- 
bandes, über Mißstände im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau 
kritiklos mitteilt, also von ihrer Wahrheit überzeugt zu sein scheint, 
während er amtliche Publikationen anzweifelt und herabsetzt. 

So wird auf Seite 29 und 30 eine Mitteilung der Bergarbeiter- 
zeitung vom 12. März 1910 über angebliche ungünstige Einflüsse der 
Bohrhämmer und Schrämhämmer auf das Nervensystem der Berg- 
arbeiter wiedergegeben und daran die Bemerkung geknüpft, ob eine 
Verbesserung an diesen Apparaten die Zerrüttung der Nerven der 
Bergleute verhindern *würde, sei mehr als fraglich, denn auch geringe 
Stöße, in rascher Folge geführt, müßten das Nervensystem angreifen. 
Dann heißt es wörtlich: „Der Geschäftsbericht des Allgemeinen Knapp- 
schaftsv er eins in Bochum pro 1910 bestreitet allerdings diesen un- 
günstigen Einfluß der Abbauhämmer auf die Bergleute, dem ist in- 
sofern aber keine entscheidende Bedeutung beizumessen, weil seine Grund- 
lage auf einer zu kurzen Beobachtungszeit beruht; denn in dem Be- 
richtsjahr standen die Abbauhämmer erst kurze Zeit (1 — IV2 Jahre) 
und nur vereinzelt in Anwendung." Nach Ansicht des Verfassers ist also 
dieser amtliche Bericht für das ganze Jahr 1910 weniger beweis- 
kräftig als die Zeitungsnotiz vom 12. März 1910, die sich nur auf 
einen kleinen Teil dieses Jahres bezieht. 

Ferner wird auf Seite 63 und 64 an dem amtlichen Bericht der 
Bergbehörde über das Schlagwetterunglück auf der Zeche Radbod, 
der als „diplomatisch geschickt abgefaßt" bezeichnet wird, eine Kritik 
geübt, die der Grenze des Zulässigen nahekommt. 

Von Mangel an Erfahrung zeugt es auch, wenn der Verfasser auf 
Seite 65 seiner Verwunderung darüber Ausdruck gibt, daß nur ein 
sehr geringer Prozentsatz der von der Bergarbeiterzeitung gebrachten 
Berichte über Mißstände der verschiedensten Art auf den einzelnen 
Gruben durch die Verwaltungen berichtigt worden ist. Der Verfasser 
bemerkt dazu: „Hier ist sicher ein großes Stück sozialer Arbeit zu 
leisten für die Bergbehörde. Geht man den Klagen behördlicherseits 
nach und die Arbeiter wissen das, dann werden sie in ihren Angaben 
von selbst vorsichtig werden." Man kann den Verwaltungen wirklich 
nicht zumuten, daß sie alle übertriebenen und entstellten Zeitungs- 
nachrichten berichtigen. Was die Stellung der Bergbehörde anbetrifft, 
so mag der Verfasser belehrt werden, daß diese Behörde jede Zeitungs- 
nachricht über angebliche Mißstände im Bergbau genau prüft und, 



272 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

sofern sie begründet ist, energisch Abhilfe schafft. Das pflegen dann 
aber die Zeitungen nicht zu bringen,, weil keine Sensation damit ver- 
bunden ist. 

Der letzte Abschnitt der Schrift beschäftigt sich auf 35 Seiten 
sehr eingehend mit dem Institut der Sicherheitsmänner. Ueber das 
Eesultat seiner Untersuchungen scheint der Verfasser aber selbst nicht 
ganz klar zu sein. Er empfiehlt, die Sicherheitsmänner dadurch un- 
abhängig von den Zechen zu machen, daß sie vom Staate bezahlt 
werden, und meint, als staatlich bezahlter Beamter würde der Sicher- 
heitsmann zur unparteiischen Ausübung seiner Amtspflicht erzogen 
und somit Parteiwünsche beseitigt werden. Aus diesen Gründen emp- 
fiehlt der Verfasser eine staatliche Anstellung der gewählten Arbeiter, 
wogegen man, nebenbei bemerkt, die schwersten staatsrechtlichen Be- 
denken geltend machen muß. Dann aber fährt er wörtlich fort: „Wir 
sehen aber nicht ein, daß es unter allen Umständen Arbeiter sein 
müssen; es gibt so viele Kontrollorgane im Bergbau, wie wir erfahren 
haben, und wenn diese zur objektiven Ausübung ihrer Pflichten tatsäch- 
lich gelangten, würde dasselbe erreicht, was durch gewählte Arbeiter erreicht, 
werden soll. Nicht auf das Mittel, sondern auf die Erfüllung des Zweckes 
kommt es an. Geht man, um die Grubenkontrolle zu verbessern, nicht 
dazu über, die Steiger zu Staatsbeamten zu machen oder die staat- 
lichen Kontrollorgane zu reformieren, so dürften sich staatlich be- 
soldete Arbeiterkontrolleure nach den Verhältnissen, wie sie heute liegen* 
empfehlen." 

Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß 
gegen den Vorschlag, die Steiger, also die Beamten der Privatgruben, 
zu Staatsbeamten zu machen, ebenso schwere staatsrechtliche Bedenken 
geltend zu machen sind, wie gegen die staatliche Anstellung der ge- 
wählten Arbeiterkontrolleure. 

Den Zweifel an der objektiven Ausübung der Pflichten der Kon- 
trollorgane zu begründen, hält der Verfasser nicht für nötig. Wie er 
sich eine Reform der staatlichen Kontrollorgane denkt, sagt er nicht. 
Zum Schluß empfiehlt er noch Prämien für die Verhütung von Un- 
fällen, wie sie sich in 2 Fällen beim Kalisalzbergbau und beim Eisen- 
erzbergbau bewährt haben. 

Das Institut der Sicherheitsmänner ist vom preußischen Minister 
für Handel und Gewerbe am Schluß seiner Antwort auf die Inter- 
pellation über das Unglück auf der Zeche Minister Achenbach im 
Abgeordnetenhause am 3. Februar 1914 in geradezu klassischer Weise 
gekennzeichnet worden. Dieses Institut wird man nicht weiter aus- 
bauen. 

Es kann nur wiederholt werden, daß die Frage der Verhütung 
und Verminderung der Unfälle im Steinkohlenbergbau zu den alier- 
schwierigsten gehört. Es bedarf des ernsten Zusammenarbeitens der 
Bergbehörde einerseits und der Bergwerksbesitzer, ihrer Beamten und 
Arbeiter andererseits, um die Gefahren des Bergbaues wirksam zu be- 
kämpfen. So einseitig abgefaßte Schriften wie die vorliegende tragen 
leider nicht dazu bei. 

Halle a. S. Sehr ad er. 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 273 

Perlmann, Louis, Die Bewegung der Weizenpreise und ihre 
Ursachen. München und Leipzig 1914. 73 SS. 

Die vorliegende Schrift gehört zu denen des Vereins für Sozial- 
politik, welche den Untersuchungen über die Preisbildungen gewidmet 
sind. Verf. gibt zunächst eine internationale statistische Uebersicht über 
die Entwicklung der Weizenpreise, um dann den Hauptabschnitt in 
in Angriff zu nehmen, die Ursachen der Preisbewegung näher zu unter- 
suchen, wobei er die täglichen, monatlichen, jährlichen Preisbe wogungen, 
schließlich die Entwicklung der 10-jährigen Durchschnitte ins Auge 
faßt. Besonders gut durchgeführt ist die Untersuchung über den 
Einfluß der Börse, speziell des Terminhandels auf die Preisbewegung. 
Nicht zu folgen vermögen wir dem Verf. bei seiner Vergleichung der 
Weizenpreise mit dem gesamten Preisniveau, wobei er zu einer großen 
Uebereinstimmung derselben gelangt, die er uns zu überschätzen scheint; 
einmal schon nach den von ihm gegebenen Zahlen, noch mehr aber, 
weil die Indexzahlen, die er heranzieht, doch in hohem Maße gerade 
durch die Getreidepreise gemacht werden. Das ganze Schriftchen ist 
durchaus lesenswert. J. C. 

Kubelka (Ober-Forstr.), Aug., Die Ertragsregelung im Hochwalde auf 
waldbaulicher Grundlage. Wien, Wilhelm Frick, 1914. gr. 8. V— 37 SS. M. 2.—. 
Mommsen (Zuchtdir.), Christian, Stellung und Aufgaben der Viehzucht 
und Viehhaltung in der modernen, intensiven Ackerwirtschaft. (Arbeiten der 
deutschen Gesellschaft für Züchtigungskunde, Heft 17.) Hannover, M. u. H. 
Schaper, 1913. gr. 8. VII— 145 SS. mit 5 färb. Karten. M. 4.—. 

Paulus, Gerh., u. (Bergassessor) A. Over, Berg-Recht und -Verwaltung. 
Hand und Lehrbuch für Praktiker und Studierende, sowie zum Selbstunterricht 
leichtfaßlich dargestellt. Potsdam, Bonneß u. Hachfeld, 1914. gr. 8. III, 255, 89, 
74 u. 6 SS. mit 4 Tab. M. 7.—. 

Rümker (Geh. Reg. -Rat), Prof. Dr. v., Die deutsche Landwirtschaft, ihre 
Bedeutung u. Stellung im In- und Auslande. Berlin, Paul Parey, 1914. gr. 8. 
58 SS. M. 1,20. 

Schönfeld, Dr. Rud., Die Kohlen- und Eisenerzfrage der Gegenwart und 
Zukunft. (Diss.) Dresden, E. Wulffen, 1914. gr. 8. XI, 101 u. 42 SS. mit 9 Fig. 
und 1 färb. Karte. M. 3,60. 

Siebenlist (Forstamtsassessor), Th., Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika. 
Berlin, Paul Parey, 1914. gr. 8. VI— 118 SS. mit 4 Taf. M. 4.—. 



Credit (le) agricole. Encouragements a la petite propriete rurale. Le 
credit individuel ä long terme en faveur des petites exploitations. Le bien de 
famille insaisissable. But. Organisation. Fonctionnement. Paris, Impr. nationale, 
1914. 8. 114 pag. (Ministere de l'agriculture. Service du credit, de la Cooperation 
et de la mutualite agricoles.) 

M a r c i 1 1 a c , marquis de, Les syndicats agricoles. Leur action economique 
et sociale. Paris, J. Gabalda, 1913. 18. IX — 265 pag. (Economie soicale.) 

Cantrill, T. C, Coal mining. London, Cambridge Univ. Press. 12. 168 pp. 

Livingston, G., Field crop production. London, Macmillan. Cr. 8. 6/. — . 

Enciclopedia (Nuova) agraria italiana, in ordine metodico, diretta 
dal dott. Vittorio Alpe, ing. Mario Zecchini, dott. Mario Soave. Disp. 
136 (fine della viticoltura, del prof. Domizio Cavazza). Torino, Unione tipo- 
grafico-editrice, 1914. 8. p. 513—563. 1. 1. la dispensa. 

J a i a , prof. Goffredo, La questione cotoniera e la coltura del cotone in 
Italia. Roma, tip. Unione ed., 1914. 8. 134 pp. 

Valenti, Ghino, Studi di politica agraria (Rimboschimento e proprietä 
collettiva, l'enfitensi, la campagna romana, il latifondo in Sicilia, l'Italia agricola 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 18 



274 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

nel cinquantennio. Koma, Athenaeum (Cittä di Castello, S. Lapi), 1914. 8. 
XL VII— 570 pp. 1. 6.—. 

Landbouw, Onze koloniale. Twaalf populaire handboekjes over Nederl.- 
Indische landbouwproducten, onder redactie van J. Dekker. Haarlem, H. D. 
Tjeenk Willink en Zoon. gr. 8. Per serie (6 dltjes) VII. J. Verhagen, De koffie- 
cultuur. 8 en 86 blz. m. 38 fig. tusschen tekst. fl. 1,50. 

5. Gewerbe und Industrie. 

Köhler, Walter, Die Deutsche Nähraaschinenindustrie. Mün- 
chen und Leipzig (Duncker u. Humblot) 1913. 330 SS. Preis geh. 8 M. 

Das Arbeitsgebiet der Industrie, insbesondere der Maschinen - 
industrie, hat in den letzten Jahrzehnten einen derartigen Umfang an- 
genommen und die einzelnen Zweige weisen derartige Verschieden- 
heiten unter sich auf, daß eine gesamte Darstellung vorläufig kaum 
möglich scheint. Es ist deshalb mit Freude zu begrüßen, daß in 
letzter Zeit eine Anzahl von Monographien über einzelne Industrie- 
zweige veröffentlicht worden sind. Diese Monographien, die bald die 
geschichtliche, bald die technische und wirtschaftliche Entwicklung 
eingehender verfolgen, werden für eine spätere zusammenfassende Be- 
handlung wertvolles Material darstellen. Die vorliegende Arbeit von 
Köhler über die deutsche Nähmaschinenindustrie hat den Vorzug, von 
einem Eingeweihten geschrieben zu sein; der Verfasser steht in naher 
Beziehung zu einer unserer größeren Nähmaschinenfabriken. Leider 
hat aber auch er dieselbe Erfahrung machen müssen, die bei derartigen 
Arbeiten sich immer wieder wiederholt, daß nämlich Angaben von 
manchen industriellen Unternehmungen nur sehr schwer und zum Teil 
gar nicht zu erhalten sind. 

Die Vertrautheit mit dem zu bearbeitenden Stoff kommt Köhler 
besonders bei der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung zu- 
gute. Er konnte hier, gestützt auf die Berichte seiner persönlichen 
Bekannten, schildern, wie sich der Bau der Nähmaschine vom reinen 
handwerksmäßigen Betrieb bis zur modernen Massenfabrikation ent- 
wickelte. Auch die Darstellung der, zunächst recht kümmerlichen, finan- 
ziellen Verhältnisse ist von großem Interesse. 

Die darauf folgende Beschreibung der Konstruktion und der Fabri- 
kation hat den Vorzug des Strebens nach klarer und verständlicher 
Darstellung. Leider scheint dem Verfasser jedoch der Ueberblick über 
die technische Seite und insbesondere die Kenntnis der Arbeitsverfahren 
in ähnlichen Industrien zu fehlen. So kommt es, daß er häufig allge- 
mein Bekanntes mit Umständlichkeit neu beschreibt und häufig auch 
schief, zum Teil sogar unrichtig widergibt. Dieser technische Teil 
hätte ohne Schaden wesentlich kürzer gehalten werden können, denn 
für den Fachmann ist an keiner Stelle etwas Neues zu finden und für 
den Nichtfachmann dürfte die Beschreibung zu ausführlich sein. Da- 
gegen wäre es wohl angebracht gewesen, auf den technischen Zusammen- 
hang der Nähmaschinenfabrikation mit dem Bau von Schreibmaschinen, 
Fahrrädern und ähnlichen Fabrikaten etwas einzugehen. 

Die Besprechung der deutschen Gewerbe- und Berufszählungen 
zeigt, daß hieraus wertvolle Ergebnisse nicht, oder wenigstens vorläufig 
nicht zu erwarten sind und daß derartige allgemeine Statistiken be- 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 275 

sonders dann, wenn die Fragestellung nicht unbedingt klar und ver- 
ständlich ist, sehr leicht irreführen können. Interessant sind die von 
einzelnen größeren Unternehmungen gelieferten Zahlen über die Zu- 
sammensetzung der Arbeiterschaft. Es geht aus diesen Zahlen unter 
anderem hervor, daß die Teilung in gelernte und ungelernte Arbeiter 
seit 1885 annähernd gleich geblieben ist. In diesen' Jahren hat sich 
die Entwicklung zur ausgesprochenen Massenfabrikation vollzogen und 
doch beschäftigten z. B. Seidel u. Naumann 1885 44,6 Proz. gelernte 
Arbeiter und 1910 45,1 Proz. 

Die zahlenmäßige Behandlung der Lohnverhältnisse gibt auf Grund 
der dem Verfasser zugänglichen Lohnlisten recht wertvolles Material, 
besonders da die Entwicklung der Löhne bis zum Beginn der Näh- 
maschinenindustrie verfolgt wird. 

Den allgemeinen Ausführungen über die Lohnformen, insbesondere 
Akkordarbeit und das Kolonnensystem wird man jedoch kaum beistimmen 
können. Der Gruppenakkord ist nicht dadurch begründet, daß ein Arbeiter 
mehrere Maschinen bedienen muß, sondern er ergibt sich bei solchen Ar- 
beiten, die nicht gut von einem einzelnen Arbeiter, sondern besser von 
einer Arbeitergruppe erledigt werden. Läßt sich nicht der Anteil der 
einzelnen Arbeiter wohl aber die Gesamtarbeit in Akkord vergeben, so 
findet eben das Kolonnensystem Anwendung. Hierbei wird der Gesamt- 
verdienst der Gruppe aus dem Akkordvertrag berechnet, und die Ver- 
teilung unter die Arbeiter geschieht — regelmäßig nach Festsetzung der 
Fabrik — nach einem bestimmten Schlüssel. Daß der Gruppenführer 
der Fabrik gegenüber allein verantwortlich ist und die Verteilung nach 
eigenem Ermessen vornimmt, dürfte auch in der Nähmaschinenindustrie 
nur selten vorkommen. 

Im letzten Abschnitt wird der Vertrieb der Nähmaschinen behandelt 
und hier wendet sich der Verfasser nach einer Besprechung der üb- 
lichen Vertriebsarten an die deutsche Nähmaschinenindustrie mit der 
Aufforderung, gemeinsam den Kampf mit der amerikanischen Kon- 
kurrenz, d. h. mit der Singer Co., aufzunehmen. Er führt aus, daß 
auf dem Weltmarkt nur zwei Konkurrenten vorhanden sind, das ist 
die Singer Co. und die deutsche Nähmaschinenindustrie. Die Deutschen 
sind dadurch im Nachteil, daß hier 24 verschiedene Fabrikate unter 
verschiedenen Namen und mit verschiedenen Konstruktionen gegen die 
geschlossene Singer Co. zu kämpfen haben. Diesen Nachteil gleicht 
die technische Ueberlegenheit der deutschen Fabriken kaum aus und 
die einzige Möglichkeit, im Wettkampf nicht zu unterliegen, sieht der 
Verfasser in der Kartellierung. Er wünscht, daß bei aller Selbständig- 
keit der einzelnen Fabriken das deutsche Fabrikat unter einheitlichem 
Namen durch eine einheitliche Vertriebsorganisation verkauft werden soll. 
Berlin-Steglitz. Zitzlaff. 

Blattner, Dr. E., Lehrbuch der Elektrotechnik. IL (Schluß) Teil. 2. Aufl 
Bern, ~K. J. Wyß, 1914. 8. VII— 379 SS. mit 317 Fig. im Text und auf 3 Taf. 
M. 8.-. 

Brauer (Dipl.-Handelslehrer), Kurt, Die Organisation der Korbwaren- 
industrie und des Korbwarenhandels im Deutschen Keiche. München u. Leipzig, 
Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. V— 68 SS. M. 2.—. 

18* 



276 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Braunkohlenindustrie, Die deutsche. I. Bd. Handbuch für den 
deutschen Braunkohlenbergbau, hrsg. v. G. Klein. 2. neubearb. Aufl. 16 u. 17. Lfg. 
Halle a. S.. Wilhelm Knapp, 1914. Lex.-8. S. 641—720 SS. mit Abbildungen und 
4 Tafeln, je M. 2.—. 

Giessmann, Wilh., Die Unternehmerverbände in der deutschen Seifen- 
industrie. Leipzig, A. Deichert, 1914. 8. 123 SS. M. 3.—. 

Heimarbeit, Die, im rheinmainischen Wirtschaftsgebiet. Monographien, 
hrsg. im Auftrage des wissenschaftlichen Ausschusses der Heimarbeitausstellung 
Frankfurt a. M., 1908 v. Prof. Dr. Paul Arndt. III. Bd. 2. Teil. Mit einem Be- 
richt über die Heimarbeitausstellung v. J. H. Epstein. Jena, Gustav Fischer. 
1914. 8. VII u. S. 261—696 mit 1 färb. Karte. M. 7.—. 

Industrie, Die, der Oberpfalz in Wort und Bild. Hrsg. von der Handels- 
kammer Kegensburg, 1914. Begensburg, J. Habbel, 1914. 41,5X29,5 cm. VIII — 
240 SS. mit Abbildungen. M. 6.—. 

Meerwein, Dr. Georg, Die Entwicklung der Chemnitzer bzw. sächsischen 
Baumwollspinnerei, von 1789—1879. Berlin, Emil Ehering, 1914. gr. 8. 106 SS. 
M. 2,80. 

Stöckle (Dipl.-Ing.), Dr. Gust., Der Eisenbau, eine volkswirtschaftliche 
Studie. Zürich, Speydel u. Wurzel, 1913. 8. VII— 152 SS. mit 3 (1 färb.) Karten- 
skizzen, 5 Tab. und 3 (1 färb., 2 Kurven-) Taf. M. 4,50. 



Clouzot, H., Le metier de la soie en France (1466 — 1855), suivi d'un 
historique de la toile imprimee (1759 — 1815). Ouvrage orne de 62 planches et 
facsimile. Paris, impr.-edit. Devambez., 1914. Folio. 182 pag. 

Akers, C. E., The rubber industry in Brazil and the Orient. Illustrated. 
London, Methuen. Cr. 8. 336 pp. 6/.—. 

Falco, Aug., L'industria dello zucchero di barbabietola; tesi di laurea. 
Torino, A. Viretto, 1913. 8. 110 pp. 

Mastrangelo, dott. Vito, L'industria pugliese e i suoi prodotti. Roma, 
tip. Unione ed., 1914. 8. 59 pp. 

6. Handel und Verkehr. 

Hirsch, Julius, Die Filialbetriebe, im Detailhandel (unter haupt- 
sächlicher Berücksichtigung der kapitalistischen Massenfilialbetriebe in 
Deutschland und Belgien). Heft I der „Kölner Studien zum Staats- 
und Wirtschaftsleben". Bonn (A. Marcus u. E. Weber) 1913. XVI und 
295 SS. Preis broschiert 6 M. 

Vorliegende Arbeit ist eine treffliche Analyse des Filialsystems 
im Detailhandel, und zwar in den drei Handelszweigen der Nah- 
rungsmittel — hier besonders auch des Kaffees und der Schoko- 
lade — , des Tabaks und der Schuhwaren; außerdem wird auch 
das Filialsystem der Waren- und Kaufhäuser einer Würdigung 
unterzogen. 

Was das Buch von Anfang bis Ende fesselnd macht, ist die außer- 
ordentlich klare Systematik, mit der das gewaltige Material, das 
herangezogen werden mußte, aufgearbeitet worden ist, so daß man sich 
durch die vielgestaltige Materie mit Leichtigkeit hindurchfindet. Ich 
glaube das deswegen besonders hervorheben zu dürfen, weil diese 
Systematik dem Buch auch dann noch einen großen anderen als rein 
historischen Wert beläßt, wenn sein Zahlenmaterial veraltet ist: 
sie zeigt zukünftigen Bearbeitern ähnlicher Probleme deutlich den ein- 
zuschlagenden Weg. — 

Der Gang der Arbeit kann folgendermaßen skizziert werden: In 
einem I. einleitenden Teil setzt der Verf. sich zunächst mit dem Be- 
griff der Filiale im allgemeinen auseinander, der wie so manche 






Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 277 

wirtschaftswissenschaftliche Begriffe, die gleichzeitig im praktischen 
Leben eine große Rolle spielen, keineswegs eindeutig feststeht. Die 
Begriffsbestimmung des Detailhandelfilialbetriebs im speziellen 
dagegen ergibt sich dem Verf. dann leicht. Daran schließt sich eine Er- 
örterung über die Arten der Filialen (Voll-, Halb-, Schein-Filialen 
usw.) und eine Darlegung der „Entwicklungstendenzen im 
Handel als Vorbedingungen für das Filialwesen". Hier 
erweckt besonderes Interesse der Abschnitt über den „Konzentra- 
tions- und Verschmelzungsprozeß im Gebiet des Handels", 
Hand in Hand mit dem eine Ersetzung der selbständigen kleinen Detail- 
handelsbetriebe geht: Konsumvereine; Angliederung der Handels- 
funktioner an den Produktionsbetrieb; großkapitalistischer 
Detailhandelsbetrieb; Einflüsse von seiten Unbeteilig- 
ter, wie Arbeitgeber (Werkkonsumanstalten) und öffentliche Körper- 
schaften (Versorgung der unteren Volksschichten mit wichtigen Lebens- 
mitteln durch Masseneinkauf durch die Kommunen). 

Teil II bringt dann die „Darstellung der Großfilialbe- 
triebe..." selbst — innerhalb der oben angegebenen Branchen. Hier 
wird regelmäßig erörtert die Entstehung und nach Möglichkeit 
(soweit Material zugänglich ist) die Ausbreitung des Filialwesens. 
Es findet die Organisation des Filialbetriebes ihre eingehende Be- 
schreibung (die Filiale selbst, der Revisionsbezirk, die Zen- 
tralverwaltung usw.). Soweit angängig, werden Angaben über 
Kalkulation der Unkosten und Gewinne und über das Per- 
sonal gemacht; Vorteile und Nachteile des Filialbetriebssystems 
werden an der Hand reichen Materials geschildert. Besonders zu 
danken ist es dem Verf., daß er für den Nahrungsmittelhandel 
und für die T a b a k brauche die Bedeutung des Filialbetriebsystems 
für die Gesamtheit des jeweiligen Handelszweiges auseinanderzulegen 
sich bemüht hat. (In der S chuh waren branche liegen die Verhältnisse 
nach Aussage des Verf. noch zu undeutlich, als daß darüber zurzeit ein 
Urteil gefällt werden könnte.) Die betr. Ausführungen z. B. für den 
Nahrungsmittelhandel (Verschlechterung des Detailistennach- 
wuchses, Einwirkungen auf die Zahl der Konkurrenten, auf die Betriebs- 
formen, den Großhandel, die Industrie und die Konsumenten) geben ein 
treffendes Bild von den mit der Rationalisierung dieses Zweiges des 
Erwerbslebens verbundenen privat- und volkswirtschaftlichen Licht- 
und Schattenseiten. 

Teil III bringt zunächst statistische Angaben über die Ver- 
breitung, Größe usw. der Filialbetriebe; und zwar sowohl für das 
Reich, wie für einzelne Städte; die Angaben über letztere verdienen 
da3 größere Interesse, weil — die deutsche Reichsstatistik in diesem 
Punkt höchst undurchsichtig ist. (Hirschs Klagen über die Statistik des 
Handelsgewerbes stehen übrigens nicht allein; cf. z. B. Paul Behm 
„Der Handelsagent", Berlin 1913.) 

In einem zweiten Abschnitt dieses Teiles wird dann noch einmal 
die prinzipielle Bedeutung dieses Handelsbetriebssystems erörtert: für 
Produktion, Handel und Konsumenten. 



278 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Letztlich auch die sozialpolitische Bedeutung: 1. Mittel- 
standsproblem und Filialwesen. — 2. Filialwesen und Angestellte. 
Unter Punkt 1 behandelt der Verf. die Bedrängung des Kleinkaufmänni- 
schen Handelsstandes durch das Filialwesen und spricht seine Ueber- 
zeugung dahin aus, daß ein Filialverbot hier nichts zu helfen ver- 
mag, im Gegenteil die Lage weiter Kreise der im Handelsgewerbe be- 
schäftigten Personen nur verschlimmern muß, weil die offene Filiale 
ja leicht umgangen werden kann, indem an Stelle des eigentlichen 
Filialleiter 6 der Scheinselbständige tritt — unter weit schwereren 
Bedingungen und Sicherheitsleistungen. — Unter Punkt 2 erfahren 
vornehmlich ihre Behandlung „das Klasseninteresse der Ange- 
stellten" und „die wachsende Differenzierung der Angestellten- 
schicht "; hier kommt zum Ausdruck 1) daß zwar das ganze 

„Chargensystem" innerhalb der Großfilialbetriebe den Wunsch 
nach Unselbständigkeit, d. h. Beamtencharakter im Mittelstande 
stärkt, daß' aber gleichzeitig mit zunehmender Ausbildung des Klassen- 
interesses in den Angestelltenkreisen selbst sich auch die Neigung 
zum Klassenkampf entwickelt; 2) daß aber mit der an der Hand 
des „Chargensystems" zunehmenden Differenzierung natürlich auch die 
Fähigkeit der Angestellten zum Klassenkampf wieder geschmälert wird, 
besonders auch auf dem Wege, daß eine Reihe von „Chargen" beinahe 
wieder den Charakter der Abhängigkeit verlieren; so der Revisor und 
Rayonchef, die oft genug aus den unteren Stellen langsam aufsteigen. — 

Wenn im vorhergehenden kurz auf wichtige Seiten des Buches 
hingewiesen ist, so erschöpft sich mit diesen doch seine Bedeutung meines 
Erachten3 nicht: Sondern ebenso wichtig als der tatsächlich gedruckte 
Text scheint mir das zu sein, was man zwischen den Zeilen lesen kann 
— lesen muß: In dieser Form des kapitalistischen Filialbetriebs- 
systems ist, wie heute die Dinge liegen, dem Konsumvereins- 
wesen ein Gegner erstanden, dessen Stärke und Bedeutung für die Zu- 
kunft zwar noch nicht ziffernmäßig abzuschätzen, aber doch schon 
deutlich zu ahnen ist. 

Man kann den Konsumverein als die wichtigste (mögliche) 
Maßnahme einer ernstgemeinten sozialen Bewegung bezeichnen, sofern 
er richtig verstanden wird, d. h. sofern die Erübrigungen des Konsum- 
vereins nicht als Dividenden wieder ausgezahlt, sondern gespeichert 
und zum weiteren Ausbau der Leistungen des Konsumvereins verwendet 
werden. Kauf von Grund und Boden zum Häuserbau und Einrichtung 
eigner Produktion. Wird der Konsumverein so gehandhabt, so wächst 
er mit jedem Jahr mehr aus der Sphäre des Konkurrenzkampfes heraus, 
da er den Bedarf seiner Mitglieder immer vollkommener zu decken 
vermag, und da gleichzeitig seine Mittel zu möglicher Konkurrenz 
immer gewaltiger werden, so daß man nicht leicht versucht sein wird, 
ihn zum Kampf zu reizen. Anders hingegen, wenn die Erübrigungen 
des Konsumvereins als Dividende alljährlich wieder ausgeschüttet werden. 
Es werden dann nicht nur ihm Kräfte entzogen, sondern, indem die 
Kaufkraft der Mitglieder gestärkt wird, wird auch die kapitalistische 
Wirtschaftsordnung gestärkt, die der Konsumverein doch gerade ein- 



üebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 279 

schränken will. Aber diese augenblickliche Stärkung der Kaufkraft 
ist das Wenigste — das Wesentliche liegt im folgenden: das Funktio- 
nieren des Konsumvereins basiert auf der Ausschaltung der Zwischen- 
handelsgewinne — und nicht zum wenigsten der der kleinen Detaillisten. 
Je mehr nun bei gleichzeitiger Dividendenausschüttung des Konsum- 
vereins privatwirtschaftlich kapitalistische Handelsbetriebe entstehen, die 
wie der Konsumverein den kleinen Detailhandel ausschalten, also auch 
preisregulierend wirken, desto mehr versinkt der Konsumverein in 
die Sphäre des Konkurrenzkampfes ; denn einmal wird der Konsumverein 
seinen Mitgliedern immer weniger direkte Vorteile durch billigere Preise 
bieten können; zum andern wird sein Ziel, Erübrigungen zu machen, 
immer schwieriger — und das alles, weil der momentane privatwirt- 
schaftliche Vorteil, den die Ausschüttung der Dividende bietet, durch 
ein Kabattsystem auch vom kapitalistischen Handelsbetrieb (wirklich 
oder scheinbar) geleistet zu werden vermag. — Anders ausgedrückt, je 
länger der Konsumverein dabei verharrt, Dividenden auszuschütten, 
und je mehr der rationelle Filialgroßbetrieb (mit eignener Produktion) 
gleichzeitig dem Konsumenten dieselben Dienste leisten oder doch zu 
leisten scheint, wie der Konsumverein, desto mehr nimmt dieser sich 
die Möglichkeit, überhaupt noch wesentliche Erübrigungen zu machen, 
desto schwerer muß mit fortschreitender Entwicklung also eine Be- 
Organisation des Konsumvereinswesens im streng sozialen Sinne werden ; 
d. h. der Konsumverein verliert dann immer mehr den Charakter, einer 
der wichtigsten oder sogar der wichtigste (weil natürlichste) Weg zum 
Sozialismus zu sein. 

Der Verf. hat nur ganz unter der Hand dies eben angedeutete 
Problem der Konsumvereine berührt (cf. z. B. p. 112/13); mit Beoht: 
er mußte, sollte das Buch nicht seinen ursprünglich vorgesetzten, be- 
schreibenden Charakter verlieren, sich Grenzen ziehen. Aber das Pro- 
blem ist da — und selten wird man so stark daran erinnert, als bei 
der Lektüre des Buches von Hirsch; hier atmet jede Seite die Kraft 
des rationalen Prinzips, sich unbarmherzig durchzusetzen; und man 
fühlt deutlich: Nur, wenn der Sozialismus das rationale Prinzip un- 
bedingt und ganz zu seinem eignen macht, es also zu noch größerer 
Blüte bringt, als der Kapitalismus, kann er den Sieg über diesen er- 
ringen. 

Berlin. K. Marcard. 

Krakauer, Dr. V., Ueber den gerechten Preis für Eisenbahn- 
leistungen. Graz (Deutsche Vereins-Druckerei) 1913. 

Ueber das schwierige Thema hat der scharfsinnige, die ganze 
einschlägige Literatur beherrschende Verfasser — Sekretär und Bureau- 
vorstand der k. k. Nordbahndirektion — eine theoretische Abhand- 
lung von nicht geringer Qualität geschrieben. ,,Daß von einem ge- 
rechten Preis für die Gesamtheit von Eisenbahnleistungen .... ge- 
sprochen werden kann, wenn die .... innerhalb eines bestimmten 
Zeitraumes (Geschäftsjahres) erzielten Einnahmen nebst der Deckung 
der Betriebsausgaben auch die Verzinsung des Anlagewertes ermög- 



280 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

liehen": diese einzig haltbare Theorie des gerechten Preises für Eisen- 
bahnleistungen stellt der Autor auf und beweist auch ihre Richtigkeit. 
Wie in jedem einzelnen Fall sich der gerechte Preis gestalten müßte, 
dafür könne keine Theorie Regeln aufstellen. Wenn nun aber als 
Aequivalent für die einzelne Eisenbahnleistung ein gerechter Preis 
theoretisch nicht gefunden werden könne, so lasse sich doch die Ge- 
samtheit der Eisenbahnleistungen theoretisch entsprechend bewerten. 

Nicht das Anlagekapital, sondern nur der Anlagewert käme aber 
bei dieser Theorie in Frage als eines der beiden Fundamente, auf 
denen die Tarifbildung der Eisenbahnen beruhen müsse. Da im Be- 
griff Anlagewert „implicite der Ausschluß der Leistung einer Tilgung 
enthalten* ist, verstehe es sich von selbst, „daß eine Belastung des 
Verkehrs mit einer Tilgungsquote .... mit den Erfordernissen einer 
gerechten Preisbemessung unvereinbar ist". Der Eisenbahnanlagewert 
an sich bleibt sich ja auch tatsächlich durchaus gleich, ob und wieviel 
Passivvermögen getilgt wird. Wenn ich den Autor hier richtig ver- 
stehe, hätte z. B. die badische Staatsbahn (auch beim besten Willen 
dazu) schon deswegen nie einen theoretisch gerechten Preis einfordern 
können, weil sie das Institut der Eisenbahnschulden-Tilgungskasse zur 
Bereitstellung von Tilgungsquoten förmlich zwang. Der Anlagewert 
besteht für den Verfasser 1) aus dem Wert des „physischen Eisenbahn- 
besitzes" und 2) aus der „Bewertung aller jener (immateriellen) Tat- 
sachen und Verhältnisse, welche auf die Verdienstmöglichkeit der Bahn 
von Einfluß sind". 

Ueber die Selbstkostentheorie und die Werttheorie als Ausgangs- 
punkt für die Bemessung der Beförderungspreise ist wohl noch selten ein 
so vernichtendes Urteil wie hier. gefällt worden. Werden diese zweifels- 
ohne falschen Theorien jetzt aber auch wirklich tot sein? 

Wie verhalten sich nun — wenn Referent noch diese Frage auf- 
werfen darf — unsere deutschen Eisenbahn Verhältnisse zur Theorie 
des Verfassers ? Außer der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft 
steht ea mit dem „Unternehmergewinn" der übrigen deutschen Eisen- 
bahnverwaltungen nicht sonderlich gut. Diese Bahnen leben darum 
aber auch mehr oder weniger streng nach der Theorie des gerechten 
Preises. Die große norddeutsche Verwaltung dagegen ? — Man sieht : 
„Eine vollständige Theorie über den gerechten Preis für Eisenbahn- 
leistungen ist daher in allen Fällen auch für die Praxis von außer- 
ordentlicher Wichtigkeit. 

München. Ernst Müller. 

Uhlich, Theodor, Die Vorgeschichte des Sächsischen Eisen- 
bahnwesens. Abhandlungen aus dem volkswirtschaftlichen Seminar der 
Technischen Hochschule zu Dresden. 6. Heft. München und Leipzig 
(Duncker u. Humblot) 1913. Preis geh. 3 M. 

Es ist erklärlich, daß der Ged&nke der Schaffung von Dampf - 
bahnen, wie er um den Beginn des vorigen Jahrhunderts auftauchte, 
mit schier zahllosen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Nur langsam 
überwand er all die Vorurteile und Bedenken, die sich ihm entgegen- 
stellten. Einen Einblick in die damaligen Verhältnisse, wie sie dem 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 281 

Bau der ersten sächsischen Eisenbahnen voraufgegangen sind, gewährt 
die vorliegende Abhandlung. Obwohl sie kaum mehr als eine bloße 
Aneinanderreihung der aus zahlreichen Werken, Akten und Aufzeich- 
nungen entnommenen Tatsachen ist, gibt sie doch über wirtschaftliche 
und technische Verhältnisse der ersten Eisenbahnanfänge Sachsens manch 
interessanten Aufschluß. In dieser Hinsicht können beispielsweise die 
Erörterungen über das seinerzeit nicht verwirklichte Projekt einer 
Salzbahn von Dürrenberg nach Leipzig, einer Bahn, die vornehmlieh 
zur Beförderung des Salzes aus der preußischen Saline Dürrenberg 
nach Leipzig gebaut werden sollte, erwähnt werden. Auch die Kenn- 
zeichnung- der Stellung Friedrich Lists zu den sächsischen Eisenbahn- 
planen ist interessant. Der Verfasser gelangt zu dem Schlüsse, daß den 
Eisenbahngedanken nicht List nach Sachsen gebracht, wohl aber daß 
er ihm im richtigen Zeitpunkt praktisch gangbare Wege gewiesen habe. 
Wirkungsvoller wäre die Arbeit, wenn die zahlreichen, gewiß mit 
Fleiß zusammengetragenen Tatsachen vom Verfasser mehr als ge- 
schehen verarbeitet und dann um so flüssiger und für den Leser fesseln- 
der dargestellt wären. Einem Hauptzweck derartiger Abhandlungen, 
das allgemeine Verständnis für das Verkehrsmittel Eisenbahn zu fördern, 
wäre damit in erhöhtem Maße gedient worden. 

Halle (Saale). Paul Ritter. 

Ajam (Unterstaatssekretär), Maurice, Das deutsch-französische Wirt- 
schaftsproblem. Ein Weg zur Verständigung. Ins Deutsche übersetzt von Fr. 
Schubert. Berlin, Carl Heymann, 1914. 8. VIII— 128 SS. M. 3.—. 

Bildungswesen, Das kaufmännische, in der Schweiz. Dargestellt vom 
eidgenössischen Handelsdepartement und von den Handelslehranstalten für die 
schweizerische Landesausstellung in Bern 1914. Zürich, Orell Füßli, 1914. Lex. -8. 
VIII — 650 SS. mit Abbildungen und 2 farbigen Kartenskizzen .M. 12. — . 

Calwer, Eich., Das Wirtschaftsjahr 1909. Jahresberichte über den Wirt- 
schafts- und Arbeitsmarkt. Für Volkswirte und Geschäftsmänner, Arbeitgeber- und 
Arbeiterorganisationen. II. Teil. Jahrbuch der Weltwirtschaft 1909. Statistik über 
den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt. Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8. V — 403 SS. 
M. 21.—. 

Doerr (Handelsschul-Dir.), Alex, u. Johs. Buschmann, Der Kauf- 
mann in Beruf, Staat und Leben. Ausg. B. Leipzig, B. G. Teubner, 1914. 8. 
VIII— 438 SS. M. 3.—. 

Drahn, Ernst, Geschichte des deutschen Buch- und Zeitschriftenhandels. 
Hrsg. von der Ausstellungskommission des Zentral Vereins deutscher Buch- und Zeit- 
schriftenhändler aus Anlaß der „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und 
Graphik in Leipzig". Berlin, Geschäftsstelle des Zentralvereins deutscher Buch- 
und Zeitschriftenhändler, 1914. gr. 8. 80 SS. mit 5 Abbildungen. M. 1.—. 

Encyklopädie des Eisenbahnwesens. Hrsg. von v. Köll. 2. vollständig 
neubearbeitete Auflage. Wien, Urban u. Schwarzenberg, 1914. Lex. -8. 51. und 
52. Lieferung. 6. Bd. S. 1—96 mit Abbildungen. Je M. 1,60. 

Engelbrecht, Heinz, Die Dampfschiffahrt unserer Zeit. Berlin-Char- 
lottenburg, C. J. E. Volckmann, 1914. 8. 100 SS. mit 53 Abbildungen. M. 1,50. 

Großmann, Henryk, Oesterreichs Handelspolitik mit Bezug auf Galizien 
in der Reformperiode 1772—1790. (Studien zur Sozial-, Wirtschafts- u. Verwal- 
tungsgeschichte, hrsg. v. Prof. Dr. Karl Grünberg, Heft 10). Wien, Carl Konegen, 
1914. XVEI— 510 SS. M. 12.—. 

Hammerbacher, Die Konjunkturen in der deutschen Eisen- und Ma- 
schinengroßindustrie. Ein Beitrag zur Theorie und Praxis der Konjunkturen, unter 
hauptsächlicher Berücksichtigung der Zeit von 1892—1911. München, R. Olden- 
bourg, 1914. gr. 8. 120 SS. mit eingedruckten Kurven. M. 4.—. 



282 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Hammermann, Dr. Emil, Der Elbe-Trave-Kanal. (Probleme der Welt- 
wirtschaft Hrsg. von Prof. Dr. Bernh. Harms, Heft 20.) Jena, Gustav Fischer, 
1914. Lex.-8. IX— 106 SS. mit 1 färb. Karte. M. 3,50. 

Hartrodt, Dr. Georg, Die rechtliche und wirtschaftliche Bedeutung der 
Buchführung für den praktischen Gebrauch dargestellt. Berlin, Puttkammer u. 
Mühlbrecht, 1914. gr. 8. 70 SS. M. 1,60. 

Jastrow, Prof. Dr. J., Textbücher zu Studien über Wirtschaft und Staat. 
1. Bd. Handelspolitik. 2. verm. Aufl. Berlin, Georg Eeimer, 1914. kl. 8. X— 
193 SS. M. 3.—. 

Jüdel, Dr. Max, Der französische Getreidemarkt. (Volkswirtschaftliche 
Abhandlungen der badischen Hochschulen, hrsg. von Karl Die hl, Eberh. Gothein, 
Gerh. v. Schulze-Gävernitz, Alfr. Weber, Otto v. Zwiedineck- Südenhorst, Heft 26.) 
Karlsruhe, G. Braun, 1914. gr. 8. XI— 195 SS. M. 3,80. 

Jürgens, Dr. Adolf, Zur Schleswig-Holsteinischen Handelsgeschichte 'des 
16. und 17. Jahrhunderts. (Abhandlungen zur Verkehrs- und Seegeschichte. Im 
Auftrage des Hansischen Geschichtsvereins hrsg. von Dietr. Schäfer, Bd. 8.) Berlin, 
Karl Curtius, 1914. 8. XVI— 316 SS. M. 9.—. 

Kucklentz, Dr. Karl, Das Zollwesen der deutschen Schutzgebiete in 
Afrika und der Südsee. Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. gr. 8. VI — 
191 SS. M. 4,50. 

Kosemeyer (Ing.), Jos., Der Rheinseekanal. Vorschläge über die besten 
Ausführungsmöglichkeiten, erwachsenden Kosten sowie über die Vorteile dieser 
Seewasserstraße. Köln, J. G. Schmitz, 1914. Lex. -8. 77 SS. mit 1 Plan und 
4 Tafeln. M. 3.—. 

Rudorff, Dr. Eberh., Entwicklung und Aussichten des Stettiner Handels 
(1886—1912). Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. gr. 8. 64 SS. M. 1,60. 

Schär (Dir.), Prof. Dr. Joh. Friedr., Buchhaltung und Bilanz auf wirt- 
schaftlicher, rechtlicher und mathematischer Grundlage für Juristen, Ingenieure, 
Kaufleute und Studierende der Privatwirtschaftslehre. 2. stark erweiterte und 
völlig umgearb. Aufl. Berlin, Julius Springer, 1914. gr. 8. XVI— 299 SS. M. 7.—. 

Signer, Dr. Hans, Die treibenden Kräfte der schweizerischen Handels- 
politik. Zürich, Gebr. Leemann u. Co., 1914. 8. 269 SS. M. 5,10. 

Wegener (Handelshochschul-Doz.), Prof. Dr. Georg, Der Panamakanal. 
Seine Geschichte, seine technische Herstellung, seine künftige Bedeutung. (Volks- 
wirtschaftliche Zeitfragen. Vorträge und Abhandlungen, hrsg. von der volkswirt- 
schaftlichen Gesellschaft in Berlin, No. 282.) Berlin, Leonhard Simion, 1914. 
gr. 8. 36 SS. M. 1.—. 

Zollkompaß, 1. Bd., Rumänien. 3. Teil: Der Zolltarif. 2. Ausg. Red. 
und hrsg. vom k. k. Handelsministerium. Wien, Manz, 1914. Lex.-8. VII — 174 SS. 
M. 4,70. 



Borgeaud, Lucien, L'avenir du commerce francais au Maroc. Cou- 
lommiers, imp. Dessaint et Cie., 1913. 8. 35 pag. 

Lewin, Harry Grote, The British railway System: outlines of its early 
development to the year 1844. London, Bell. Cr. 8. 76 pp. 2/.6. 

Galli Angelini, dott. Gius., La politica commerciale italiana nei ri- 
guardi della Francia. Roma, tip. Concordia, 1913. 8. 52 pp. 

Luzzatto, Gino, Le recenti tendenze della politica commerciale e le loro 
ragioni storiche. Scansano, tip. degli Olmi, di C. Testori, 1914. 8. 26 pp. 

K i s t , J. G., Beginselen van handelsrecht volgens de Nederlandsche wet. 
's-Gravenhage, Boekhandel vrhn. Gebr. Belinfante. Deel III. Handels verbintenissen 
uit evereenkomst. 3e herz, en verm. druk. Bewerkt door L. E. Visser. 12 en 646 blz. 
fl. 10,50. 

7. Finanzwesen. 

Käding, Emil, Beiträge zur preußischen Finanzpolitik in den 
Rheinlanden während der Jahre 1815 — 40. (Studien zur rheinischen 
Geschichte. 8. Heft.) Bonn (Marcus und Weber) 1913. 

Die vorliegende Schrift strebt die Lösung zweier Fragen an, die in 
dem Zeiträume von 1816 — 60 die politische Diskussion in den neu für 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 283 

Preußen gewonnenen Kheinlanden wiederholt stark bewegt haben. 
Einmal, ob die staatlichen Lasten hier zur Zeit der Franzosenherrschaft 
niedriger waren als nach der Besitzergreifung durch Preußen, und 
ferner, ob nicht in dem neuen Staatsverbande die westlichen Provinzen 
zugunsten der östlichen eine höhere Steuerlast aufbringen mußten. 
David Hansemann vor allem war als scharfer Kritiker des preußischen 
Systems aufgestanden, und hatte in seiner bekannten Schrift „Preußen 
und Frankreich" (1834) mit Geschick den Standpunkt seiner Heimat- 
provinz vertreten. In einer sorgfältigen Analyse der beiden in Ver- 
gleich gesetzten Steuersysteme kommt Verf. hinsichtlich des ersten 
Punktes zu einer Ablehnung der Behauptungen Hansemanns. Der 
Steuerdruck des französischen Regimentes ist sogar stärker gewesen. 
Auch an den von Hansemann zur zweiten Frage beigebrachten Zahlen 
nimmt Verf., der seine Berechnungen auf einer breiteren Basis aufgebaut 
hat, einige Abstriche vor, pflichtet ihm aber doch der Hauptsache nach 
bei. Die Rheinlande sind in dieser Periode, vornehmlich wegen ihrer 
abweichenden, zum Teil aus der französischen Zeit stammenden Grund- 
steuerverfassung und der Exemtionen der Rittergüter des Ostens stärker 
belastet gewesen. Man wird den Berechnungen des Verf., zumal er 
sich über ihren nur approximativen Wert keinen Illusionen hingibt, 
zustimmen, und der in Aussicht gestellten Fortsetzung der Untersuchung, 
vor allem ihrer Ausdehnung auf die Grundsteuerverhältnisse der ganzen 
preußischen Monarchie, mit Interesse entgegensehen dürfen. 

Halle. Gustav Aubin. 

Desloges, Dr. Fei., Vergleichende Darstellung der Schuldentilgung in den 
deutschen Staaten. Diss. Erlangen, Palm u. Enke, 1914. 8. VIII— 91 SS. M. 1,50. 

Fernow (Geh. Ob. -Finanzrat, vortr. Rat), A., Ergänzungssteuergesetz. Text- 
ausgabe mit Anmerkungen und Sachregister. (Guttentags Sammlung preußischer 
Gesetze, No. 13.) 5. verm. und verb. Aufl. Berlin, J. Guttentag, 1914. kl. 8. 
365 SS. M. 4.—. 

Knebusch (Rechtsanw.), Dr., Die mecklenburgische Einkommen- und Er- 
gänzungssteuer. Systematisch dargestellt. Wismar, Felix Hedicke, 1914. 8. 168 SS. 
M. 1,75. 

Loeck (Reichsbevollmächt., Geh. Reg.-Rat), P., Reichsstempelgesetz vom 
3. Juli 1913. Mit den gesamten Ausführungsbestimmungen, unter besonderer Be- 
rücksichtigung der Entscheidungen der Verwaltungsbehörden und des Reichs- 
gerichts. 12. umgearb. und verm. Aufl. (Guttentags Sammlung deutscher Reichs- 
gesetze. Textausgaben mit Anmerkungen, No. 18.) Berlin, J. Guttentag, 1914. 
8. X— 658 SS. M. 8.—. 

Pensch, Rud., Das Gesetz vom 25. Oktober 1896, betr. die direkten Per- 
sonalsteuern samt den Nachtragsgesetzen, den Vollzugsvorschriften und sonstigen 
einschlägigen Gesetzen, Verordnungen und Erlässen. Mit Benutzung der Gesetzes- 
materialien und vornehmlich der Verwaltungsgerichtshofs-Judikatur erläutert und 
mit einem Inhaltsverzeichnisse, sowie einem alphabetischen Generalsachregister ver- 
sehen. Unter Mitwirkung von Franz Jaros hrsg. 4. vollständig umgearb. Aufl. 
Wien, Moritz Perles, 1914. kl. 8. 2. Lieferung. S. 81—159. M. 1.—. 

Siegfried, Dr. Bernh., Repetitorium der Finanzwissenschaft. Bern, 
Stämpfli u. Cie., 1914. 8. 98 SS. M. 3.—. 

Wolf (Geh. R.), Prof. Dr. J., Die Steuerreserven in England und Deutsch- 
land. Ein Beitrag zur Frage der ,, Richtungsgrenzen" beider Staaten. (Finanz- 
wirtschaftliche Zeitfragen, hrsg. von Reichsrat Prof. Dr. G. v. Schanz und Geh. 
Reg.-Rat Prof. Dr. J. Wolf. Heft 13.) Stuttgart, Ferdinand Enke, 1914. Lex.-8. 
56 SS. M. 2.—. 



284 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Bigwood (prof.), Georges, Les finances beiges en 1913. Paris, M. Giard 
et E. Briere, 1914. 25 X 16,5. 16 pag. fr. 1,50. 

Landry, A., et B. Nogaro, La crise des finances publiques en France, 
en Angleterre, en Allemagne. Paris, F. Alcan, 1914. 16. 272 pag. fr. 3,50. 

Marion (Marcel), Histoire financiere de la France depuis 1715. T. I. 
1715—1789. Paris, A. Kousseau. gr. in-8. fr. 12,50. 

Sei ig man (prof.) Edwin R. A., Essais sur l'impöt. Traduction francaise, 
d'apres la 8e edition americaine par Louis Suret. T. 2: Problemes fiscaux con- 
temporains; Evolution de l'impöt; Bevenus d'Etat et revenus locaux; Finances 
d'Etat et finances federales; Precision dans les impositions; Classification des re- 
venus publics; Beformes recentes; Ouvrages recents; rapports americains sur 
l'impöt; l'impöt federal sur le revenu de 1913. Paris, M. Giard et E. Briere^ 
1914. 8. VII— 619 pag. 2 Vol. fr. 30.—. 

B i 1 a n c i o (II) del regno d'Italia negli esercizi finanziari dal 1862 al 
1912 — 13. (Ragioneria generale dello Stato.) Roma, tip. Unione ed., 1914. 8. 
662 pp. 

Francisci (De), Gerbino Giov., Le imposte sul trasferimento della 
proprieta immobiliare per atti tra vivi e la deduzione dei debiti ipotecari, con 
speciale riguardo al diritto tributario italiano. Milano, F. Vallardi, 1914. 8. VII — 
182 pp. 1. 4.—. 

Ruggiero, Silvio, La imposta di ricchezza mobile nella teoria e nella 
pratica del credito. Milano, Societä editrice libraria (tip. Indipendenza), 1914. 
8. VI— 392 pp. 1. 9.—. 

8. Geld-, Bank-, Kredit- und Versicherungswesen. 

Lederle, K., Die Lebensversicherung, unter besonderer Berück- 
sichtigung ihrer rechtlichen Beziehungen zum ehelichen Güterrecht, 
Erb- und Konkursrecht, sowie ihrer Besteuerung. Heidelberg (Carl 
Winter) 1913. 228 SS. 

Der Titel des vorliegenden Buches ist trotz seiner Länge vielleicht 
etwas zu eng gefaßt, indem es sich nicht um eine allgemeine Dar- 
stellung der Lebensversicherung handelt, sondern um eine rein juristische 
Arbeit. Der Verfasser will dem in der Praxis stehenden Juristen das 
schwierige Gebiet der Lebensversicherung näher bringen und ihn über 
den Stand ihrer wichtigsten rechtlichen Probleme unterrichten. Diesem 
Zweck dient eine überaus eingehende Behandlung aller Rechtsfragen, 
die sich aus dem Lebensversicherungsvertrag ergeben. Der Verfasser 
geht allgemein vom VVG. als der Rechtsordnung für die Lebensversiche- 
rung aus und behandelt exakt den Inhalt dieses Vertrages nach den 
Bestimmungen des VVG., sowie die möglichen Begleiterscheinungen, 
wie Aenderung und Beendigung des Versicherungsverhältnisses; ferner 
besonders ausführlich die recht schwere Materie der Bezeichnung eines 
bezugsberechtigten Dritten. Von den übrigen Abschnitten ist die Be- 
ziehung der Lebensversicherung zum ehelichen Güterrecht von beson- 
derem Interesse, da hierüber noch wenig publiziert ist. Dem kurzen 
Abschnitt über die Besteuerung ist eine Uebersicht über die einzelnen 
Abgabengesetze angefügt. Die beigegebene Erklärung der Berechnungs- 
weise von Prämienreserven ist für den Juristen wohl unverständlich, 
zumal die Darstellung von der sonst üblichen Bezeichnungsweise der 
Versicherungsrechnung abweicht. Im übrigen sind aber die Ausfüh- 
rungen so klar und mit genauer Angabe der Literatur und Rechts- 
sprechung versehen, daß sie nicht nur eine willkommene Unterstützung 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 285 

in der Rechtspraxis sind, sondern überhaupt eine beachtenswerte Be- 
reicherung der Bearbeitung des Privatversicherungsrechts bilden. 
Mannheim. H. Meltzer. 

Beusch, Dr. Paul, Das Bankwesen. (Staatsbürger-Bibliothek. Heft 39.) 
M.-Gladbach, Volksvereins-Verlag, 1914. 8. 72 SS. M. 0,40. 

Bunzl (Bat), Otto, Der Wiener Eentenmarkt 1884—1914. Wien, Manz, 
1914. gr. 8. VI— 112 SS. m. 2 Tab. M. 2,10. 

Burckhardt, Dr. C. F. W., Zur Geschichte der Privatbankiers in der 
Schweiz. (Hrsg. aus Anlaß der schweizerischen Landesausstellung Bern 1914, von 
der Kommission der Abteilung „Bankwesen" der 38. Gruppe.) Zürich, Institut 
Orell Füßli, 1914. gr. 8. 35 SS. M. 1,60. 

Fäs, Dr. Emil, Die Berücksichtigung der Entwertung des stehenden Ka- 
pitals durch den Erneuerungsfonds bei den schweizerischen Hauptbahnen vor ihrer 
Verstaatlichung (aus „Archiv f. Eisenbahnwesen"). (Mitteilungen aus dem handels- 
wissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich, hrsg. von Prof. Dr. G. Bach- 
mann. Heft 24.) Zürich, Schultheß u. Co., 1914. gr. 8. 100 SS. M. 2.—. 

Forstreuter, Dr. Conr., Eine Reichsdepositenbank. (Volkswirtschaft- 
liche und wirtschaftsgeschichtliche Abhandlungen, hrsg. von Prof. Wilh. Stieda. 
III. Folge. Heft 9.) Leipzig, Veit u. Comp., 1914. gr. 8. VII— 162 SS. M. 5.—. 
Grigorovitza, Dr. Eudoxe, Der Betriebskredit der Großlandwirte in 
Frankreich und England. Berlin, H. Lonys, 1914. 8. 124 SS. M. 3.—. 

Helfferich, Emil, Die niederländisch-indischen Kulturbanken. (Probleme 
der Weltwirtschaft, hrsg. von Prof. Dr. Bernh. Harms. Heft 21.) Jena, Gustav 
Fischer, 1914. Lex.-8. IX— 223 SS. M. 7.— 

Hubert (Assist.), Dr. Hans, Technik des Versicherungswesens (Ver- 
sicherungsbetriebslehre). (Sammlung Göschen. No. 741.) Berlin, G. J. Göschen, 
1914. kl. 8. 157 SS. M. 0,90. 

Lindecke, Dr. Otto, Die Beschaffung der zweiten Hypotheken mit Hilfe 
der Gemeinden. Anhang: Städtische Grundrentenanstalten. Verfaßt im Auftrage 
des „Bhein. Vereins für Klein Wohnungswesen". 3. ergänzte Aufl. Düsseldorf, 
Schmitz u. Olbertz, 1914. gr. 8. IV— 216 SS. M. 4.—. 

Loosli, C. E., Die schweizerischen Hypothekenbanken. (Mitteilungen 
aus dem handelswissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich. Heft 26.) 
Zürich, Schultheß u. Co., 1914. gr. 8. 34 SS. M. 0,40. 

Lüscher-Burckhardt, B., Die schweizerischen Börsen. (Hrsg. aus An- 
laß der schweizerischen Landesausstellung Bern 1914, von der Kommission der Ab- 
teilung „Bankwesen" der 38. Gruppe.) Zürich, Institut Orell Füßli, 1914. gr. 8. 
165 SS. M. 4,80. 

Salings Börsenpapiere. Ein Handbuch für Bankiers und Kapitalisten. 
2. (finanzieller) Teil. Börsen-Jahrbuch für 1914/15. Bearb. von Ernst Heinemann, 
Dr. Georg Tischert, Joh. Weber, Th. Stegemann. 38. Aufl. Berlin, Verlag für 
Börsen- u. Finanzliteratur, 1914. 8. LXXIX— 2360 SS. M. 20 — 



d'Avout, Bernard, Vers la petite propriete. Le credit immobilier en 
Belgique et en France. Dijon, Darantiere, 1914. 24,5X16,5. 2 ff. -f 275 pag. 
fr. 5,90. 

Bechmann, Rene, La reforme bancaire aux £tats-Unis. Essai histori- 
que et critique. Paris, libr. Dalloz, 1914. 8. 237 pag. fr. 8.—. 

Gerard, Max-L., Les moyens financiers de l'industrie beige. Bruxelles, 
129, rue de la Victoire, 1914. 24 X 16, 1 ff. + 26 pag. fr. 1.—. 

Kaufmann, Dr. E., La banque en France (consideree principalement au 
point de vue des trois grandes banques de depöts. Traduit de l'allemand et mis 
ä jour par A. S. Sacker. Paris, M. Giard et E. Briere, 1914. 8. VII— 504 pag. 
fr. 14. (Bibliotheque internationale d'economie politique). 

Mayor, Andre, Le developpement des bourses en valeurs mobilieres de 
la Suisse francaise. (Mitteilungen aus dem handelswissenschaftlichen Seminar der 
Universität Zürich, hrsg. von Prof. Dr. G. Bachmann. Heft 25.) Zürich, 
Schultheß u. Co., 1914. gr. 8. IV— 72 SS. M. 1,20. 



286 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Sigrain, G., Les banques suisses. Paris, H. le Soudier. 8. fr. 1,50. 

Hart, Heber L., The law of banking. London, Stevens. 3rd ed. 8. 
1228 pp. 32/.—. . 

Falco, Alb., Corrispondenza bancaria. Milano, U. Hoepli, 1914. 24. 
338 pp. 1. 3.—. 

Eossetti, Car, II regime monetario delle colonie italiane. Roma, E. 
Loescher e C, 1914. 8. 143 pp. 1. 3.—. 

9. Soziale Frage. 

Dewavrin und Lecarpentier , La Protection legale des tra- 
vailleurs aux Etats-Unis avec expose oomparatif de la Legislation fran- 
caise. Paris 1913. 8°. 348 SS. 

Die Arbeitergesetzgebung der Vereinigten Staaten setzt dem Streben, 
sich mit ihr näher bekannt zu machen, die große Schwierigkeit ihrer 
territorialen Zersplitterung entgegen, da sie ganz überwiegend nicht 
vom Bunde, sondern von den Einzelstaaten ausgeht, diese aber (die 
auch für das gesamte bürgerliche und Verwaltungsrecht zuständig 
sind) einen quantitativ und qualitativ so verschiedenartigen Gebrauch 
von ihrer gesetzgeberischen Zuständigkeit gemacht haben, daß ein Bild 
von buntester Mannigfaltigkeit entstanden ist. Glücklicherweise be- 
schränkt sich die großindustrielle Entwicklung des Landes auf zehn 
Staaten, die 7 — 8 Zehntel der Gesamtproduktion und eine entsprechende 
Quote der Arbeiterschaft der Union repräsentieren. Dies erleichtert 
einigermaßen den Verfassern ihr Werk und auch dem Leser dessen 
Studium. Immerhin variiert der Entwicklungsgrad der sozialen Gesetz- 
gebung so stark, daß manche der Unionsstaaten darin noch auf dem 
Nullpunkt stehen, während andere hinter der gleichartigen Gesetz- 
gebung der großen europäischen Industrievölker keineswegs zurück- 
geblieben sind. Das hochentwickelte "Wirtschaftsleben der Union ver- 
dient es aber in reichem Maße, auch von der sozialpolitischen Seite 
näher betrachtet zu werden. Die Verfasser haben sich der nicht ge- 
ringen Mühe unterzogen, diesen Einblick von dem grundsätzlichen 
Standpunkt aus, daß eine praktische Sozialreform den wirtschaftlichen 
Fortschritt nicht hindert, sondern fördert, durch ihre erschöpfende und 
sehr sorgfältige, dazu gut gegliederte und übersichtliche Arbeit zu er- 
schließen. Sie umfaßt den außerordentlich ausgedehnten Bereich dieses 
gesetzgeberischen Problems in allen seinen wesentlichen Teilen, jeden 
zwar ausgiebig, aber doch in verhältnismäßig knappem Rahmen be- 
handelnd. So bildet es eine Art Fortsetzung des älteren Werkes „L'ouv- 
rier americain" von Levasseur, 1878, dessen Andenken es gewidmet ist, 
und eine Ergänzung zu Leroy-Beaulieus ,,Les Etats-Unis au 19 siecle", 
1909. Jedem Abschnitt ist am Schluß ein Vergleich mit der entsprechen- 
den französischen Sozialgesetzgebung beigegeben. 

Die Darstellung geht aus vom Arbeitsvertrag im allgemeinen, der, 
ganz wie bei uns, von den Gesetzgebern der Union nur unter dem Ge- 
sichtspunkte rein individueller Beziehungen zwischen dem einzelnen 
Arbeiter und Arbeitgeber geregelt ist. Namentlich stützt sich auch dort 
der sehr verbreitete Arbeitstarifvertrag lediglich auf die Kraft der beider- 
seitigen Organisationen. Weiter wird die Gesetzgebung über folgende 
Materien behandelt: die Arbeitszeit, den Arbeitslohn, die gesundheit- 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutsehlands und des Auslandes. 287 

liehe und sonstige Sicherheit der Arbeit, die Heimarbeit, die Gewerbe- 
aufsicht, die Berufsunfälle, den Frauen- und Kinderschutz, die Ein- 
wanderung und Verwendung ausländischer Arbeitskräfte, die Arbeit 
in gewissen besonderen Gewerben (Bergbau, Eisenbahnen, Öffentliche 
Betriebe), den Schutz der freien gegen die Gefangenen-Arbeit, die Or- 
ganisation des Arbeitsnachweises, den Schutz der moralischen und politi- 
schen Arbeiterrechte, die Wohlfahrtseinrichtungen, das gewerbliche Aus- 
bildungswesen, die Koalitionen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in 
ihrer vereinsrechtlichen Seite, ihrem Außen- und Innenleben, endlich 
die Arbeitskonflikte und ihre friedliche Beilegung. Im Schlußwort 
wird ein Vergleich zwischen der sozialen Gesetzgebung der Union nebst 
ihrer gerichtlichen Auslegung und derjenigen Frankreichs gezogen. 
Als Anhang ist ein Ueberblick über die neueste, die Jahre 1910 — 13 um- 
fassende Arbeitergesetzgebung des Bundes und der Einzelstaaten bei- 
gegeben. 

Aus dem reichen Inhalt sei das Folgende hervorgehoben. In 24 
Staaten ist ein Höchstarbeitstag, doch nur in einem von ihnen (Mon- 
tana) für die gesamte Industrie, sonst nur für einzelne Zweige derselben 
zwingend vorgeschrieben, während 17 Staaten zwar einen allgemeinen 
Höchstarbeitstag von 8 — 10 Stunden, doch gleichsam nur als frommen 
Wunsch festsetzen, da jeder Einzelarbeitsvertrag die Arbeitszeit ab- 
weichend festsetzen kann. Die organisierte Arbeiterschaft kämpft seit 
langem für die gesetzliche Einführung des allgemeinen obligatorischen 
Achtstunden-Arbeitstags. Einige Staaten stellen die böswillige Ver- 
weigerung der Zahlung geschuldeten Lohnes unter Geld- und sogar 
Gefängnisstrafe. Ja, in Kalifornien wird sie gegenüber Arbeitern, 
öffentlicher Betriebe sogar als Verbrechen behandelt. Die in Amerika 
sehr übliche Verpfändung von Lohnforderungen für Gelddarlehen ist 
begreiflicherweise vielfach mit wucherischen Mißbräuchen verknüpft, 
gegen welche die Gesetzgebung einschreitet. Ebenso originell wie 
praktisch ist dabei die Bestimmung in Kolorado, daß solche Verpfän- 
dung sich rechtsgültig nicht über die nächstfolgenden 30 Tage hinaus 
erstreckt und für einen verheirateten Mann von der Zustimmung seiner 
Frau abhängt. Außer den Lohnzahlungen in Warenbons werden auch 
diejenigen in Form von Anweisungen mit bestimmten Fälligkeitstagen 
sowio die Einbehaltung von Lohnteilen zu späterer Austeilung als 
„Gratifikationen" oder unter dem Deckmantel von allerhand Zwangsbei- 
trägen im Gesetzgebungswege bekämpft. Dagegen fehlt fast völlig die 
gesetzliche Regelung der strafweisen Lohnabzüge und der sonstigen 
Verhängung von Geldstrafen durch den Arbeitgeber. Das sweating- 
System und ebenso die eigentliche Heimarbeit sind auf Grund der 
Feststellung erschreckender Zustände und Mißbräuche zunächst in Mas- 
sachusetts und nach dessen Beispiele von den elf bedeutendsten industri- 
ellen Staaten auf der Grundlage der Konzessionspflicht und der gewerbe- 
polizeilichen Aufsicht geregelt worden. Am besten durchgeführt ist diese 
Regelung in New York und Pennsylvanien. Mehrere Zehntausend 
der übelsten Arbeitsstätten dieser Arten sind dank diesem Vorgehen 
geschlossen worden, das die Verfasser als vorbildlich für die französische 



288 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Gesetzgebung anempfehlen. Gelobt werden auch die sehr verschieden- 
artig organisierte Gewerbeaufsicht und ihre Erfolge. Die Eegelung 
der Unfallentschädigungen hat sich im Anschluß an das englische 
System der allmählich verschärften Haftung des Arbeitgebers, doch 
viel langsamer und schwächer als in England, bisher in 17 Staaten 
entwickelt. Im Staate New York ist die Haftung sogar noch vom 
Nachweise des Verletzten abhängig, daß er alle schuldige Sorgfalt auf- 
gewendet hat, und zudem auf bestimmte Verursachungsumstände be- 
schränkt. Im Schutze der arbeitenden Frauen fehlt wunderbarerweise 
überall und völlig der wichtige Wöchnerinnenschutz. Trotzdem und 
obwohl ferner das französische System in der Union nicht besteht, wo- 
nach die Arbeitszeit der Frauen auch auf „gemischte" Betriebe (in 
denen Frauen und Männer zusammen arbeiten) Anwendung findet, wird 
die Eegelung der Frauen- und Kinderarbeit im ganzen für besser als in 
den meisten Ländern Europas erklärt. Von besonderem Interesse, 
namentlich wegen des gegenwärtigen andauernden Konfliktes auf diesem 
Gebiete zwischen der Union und Japan, ist die Schilderung der Motive 
und der geschichtlichen Entwicklung der die Einwanderung fremder, 
namentlich rassenfremder Arbeitskräfte betreffenden Gesetzgebung. In 
der Darstellung des Verhaltens der Gesetzgebung gegenüber der organi- 
sierten Arbeiterbewegung, den Arbeitskämpfen und den Versuchen und 
Einrichtungen zu deren friedlicher Beilegung erreicht die Darstellung 
ihren Höhepunkt. 

Nach dem Gesamteindrucke vom Inhalt des Werkes kann man 
sagen, daß in zwei wichtigen Hinsichten die Gesetzgebung der Union 
ganz besonderen Anlaß zu ergiebiger Entfaltung gehabt hat und noch 
hat. Einmal durch die außerordentlich bunte Zusammensetzung der aus 
allen möglichen Ländern eingewanderten und nach Nationalität, Sprache, 
Sitte usw. nichts weniger als homogenen, vielmehr äußerst differen- 
zierten Arbeitermassen, die naturgemäß weit größere Gefahren auf 
allen Gebieten der Arbeitsbetätigung für deren einzelne Angehörigen 
in sich schließt als in national einheitlicheren und von Zuwanderungen 
weniger beeinflußten Volkswirtschaften. Sodann durch die große Bolle, 
welche die beiderseitigen Organisationen und die Konflikte zwischen 
ihnen, vor allem die Streiks, in der Union spielen. Die Schwere, wie 
die eigenartigen, oft grotesken Erscheinungsformen der letzteren und 
die vielen mit ihnen verknüpften Mißbräuche bedingen eine ent- 
sprechende vielseitige Stellungnahme und Spezialisierung der Gesetz- 
gebung. Je mehr in den alten Kulturländern die Arbeitskonflikte an 
Zahl, Umfang und Schärfe zunehmen, um so interessanter und um so 
wichtiger wird das Studium der gleichzeitigen und gleichartigen Er- 
scheinungen schwereren und raffinierteren Charakters in der neuen 
Welt, für das dieses Werk eine vortreffliche Unterlage darbietet. 
Marburg a. d. Lahn. H. Koppe. 

Meyer, Paul, Die Notstandsarbeiten und ihre Probleme. Jena 
(Gustav Fischer) 1914. 112 SS. 

Verf. behandelt zunächst die Arbeitslosenbeschäftigung historisch 
und theoretisch, um dann festzustellen, was in den letzten Jahren 



Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 289 

namentlich von den Städten durch die Inangriffnahme von Notstands- 
arbeiten geschehen ist, und welche Ergebnisse dadurch erzielt sind. 
Auch wer sich mit der Frage näher beschäftigt hat, wird namentlich 
in dem zweiten Teile manches Neue und Interessante finden. Es wird 
festgestellt, daß die größeren Städte bei uns in dem Notstandsjahr 
z. B. 1908/09 sehr umfassende Notstandsarbeiten unternommen haben, 
unter Zusetzung sehr beträchtlicher Summen, doch vermißt Verf. ein 
einheitliches, zielbewußtes Vorgehen und verlangt ein planmäßiges wohl- 
geordnetes System in der städtischen Verwaltungstätigkeit. Er geht aber 
hierüber noch hinaus und fordert das Eingreifen des Staates, was unserer 
Ansicht nach doch nur ganz ausnahmsweise verlangt werden kann. Auch 
die vom Verf. verlangten sozialen Kommissionen in den Industriezentren 
mit staatlicher Unterstützung scheinen uns über das richtige Maß 
hinauszugehen, doch müssen wir hervorheben, daß Verf. ein Recht auf 
Arbeit nicht anerkennt. J. Conrad. 

Anstaltsfürsorge, Die, für körperlich, geistig, sittlich und wirtschaft- 
lich Schwache im Deutschen Reiche in Wort und Bild. IV. Abteilung. Deutsche 
Krüppelheime. Hrsg. von (Dir. Pfr.) Hoppe. Halle a. S., Carl Marhold, 1914. 
Lex.-8. VII— 159 SS. M. 5.—. 

Armenwesen, Das gesetzliche und organisierte freiwillige, in der Schweiz. 
Hrsg. von der stand. Kommission der schweizerischen Armenpfleger-Konferenzen. 
2 Bde. M. 11,20. 1. Bd. Schmid, Dr. C. A., Das gesetzliche Armenwesen 
in der Schweiz. Das Armenwesen des Bundes, sämtl. Kantone und der schweizeri- 
schen Großstädte. Mit Sachregister X— 369 SS. M. 6,40. — 2. Bd. Wild (Pfr.), 
A., Das organisierte freiwillige Armenwesen in der Schweiz. Mit Sachregister. 
VII— 294 SS. M. 4,80. Zürich, Orell Füßli, 1914. gr. 8. 

Bittmann, Karl, Arbeiterhaushalt und Teuerung. Jena, Gustav Fischer, 
1914. gr. 8. XVII— 181 SS. M. 5.—. 

Fischer (Reichstagsabgeord.) E d m., Frauenarbeit und Familie. (Aus : 
..Annalen für Sozialpolitik und Gesetzgebung.) Berlin, Julius Springer, 1914. 
gr. 8. 41 SS. M. 1.—. 

Güttier, Dr. Gerh., Die englische Arbeiterpartei. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte und Theorie der politischen Arbeiterbewegung in England. Jena, Gustav 
Fischer, 1914. gr. 8. X— 211 SS. M. 5.—. 

Hanauer, Dr. W., Die hygienischen Verhältnisse der Heimarbeiter im 
rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet. Mit Unterstützung des Frankfurter Vereins 
für Hygiene, und einer Einführung von Prof. Dr. M. Neißer. Jena, Gustav Fischer, 
1914. 8. 56 SS. M. 1.—. 

Hey de, Dr. Ludw., Der Samstags-Frühschluß in Industrie und Handel des 
Deutschen Reichs. Bericht für die 8. Hauptversammlung der internationalen Ver- 
einigung für gesetzlichen Arbeiterschutz. (Schriften der Gesellschaft für soziale 
Reform. 52. und 53. Heft.) Jena, Gustav Fischer, 1914. 8. 201 SS. M. 1,30. 

Hörne k (Magistr. -Ober-Kommissär), Dr. Bad., Die Gewerkschaften und 
die öffentliche Arbeitslosenversicherung. Im Auftrag des Wiener Magistrats ver- 
faßt. Wien, Gerlach u. Wiedling, 1914. gr. 8. 51 SS. M. 0,50. 

Jahrbuch der sozialen Bewegung in Deutschland und Oesterreich 1913. 
Von Emil Lederer. (Aus: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik.) Tü- 
bingen, J. C. B. Mohr, 1914. gr. 8. IV— 234 SS. M. 4.—. 

Kundgebung, Oeffentliche, für Fortführung der Sozialreform. Ver- 
anstaltet am 10. Mai 1914 in Berlin von der Gesellschaft für soziale Reform. 
(Schriften der Gesellschaft für soziale Reform. 51. Heft.) Jena, Gustav Fischer, 
1914. 8. 66 SS. M. 0,50. 

Rusch (Reg.-Assess.), Dr. Max, Die gemeinnützige Bautätigkeit im König- 
reich Sachsen. (Freie Beiträge zur Wohnungsfrage im Königreich Sachsen, hrsg. 
von der Zentralstelle für Wohnungsfürsorge im Königreich Sachsen. Heft 2.) 
Dritte Folge Bd. XLVIII (CHI). 19 



290 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Dresden-A, Zentralstelle für Wohnungsfürsorge im Königreich Sachsen, 1914. 
Lex.-8. 128 und 27 SS. mit 2 färb. Taf. u. 1 Karte. M. 3,50. 

Totomianz, Dr. V., Theorie, Geschichte und Praxis der Konsumenten- 
organisation. Vom Verfasser bewirkte Umarbeitung des russ. Originals. Berlin, 
K. L. Prager, 1914. Lex.-8. V— 280 SS. und 1 Tab. M. 7.—. 

Wendt, Hans, Die Not des städtischen Grundbesitzes. Eine ernste Zeit- 
frage. Wismar, Hinstorffsche Verlagsbuchhandlung, 1914. 8. 82 SS. M. 1,20. 

Weyls Handbuch der Hygiene in 8 Bdn. 2. Aufl. Bearbeitet von (Kreis- 
arzt) Dr. Louis Ascher, Dr. ing. M. Berlowitz, (Dipl.-Ing.) Dr. W. Bertelsmann u. a. 
Hrsg. von (Geh. Med.-Rat) Prof. Dr. C. Fraenken. 26. Liefg. VII. Bd. 2. Abt. 
Gewerbehygiene. Bearb. von Agn. Bluhm, F. Curschmann, E. Günther u. a. 
Allgemeiner Teil. 3. Abt. Koelsch, Dr. Fr.: Allgemeine Gewerbepathologie und 
Gewerbehygiene. Leipzig, Johann Ambrosius Barth, 1914. Lex.-8. III und S. 205 
—424. M. 11.—. 



Kovalewsky (prof.), M., La Russie sociale. Paris, M. Giard et E. Briere, 
1914. 18. 180 pag. fr. 2,50. 

Waterkeyn, Jean, Le probleme de l'alcool en Belgique. La Solution: 
Une societe nationale concessionnaire du monopole. Suivi d'une consultation juridi- 
que, par Mre Alphonse Leclercq. Anvers, Aug. van Nylen, 1914. 22X15,5. 
136 pag. fr. 2,50. 

Levine, L., Syndicalism in France. 2nd revised ed. of „The labour 
movement in France". London, P. S. King. 8. 7/.6. 

10. Genossenschaftswesen. 

Bericht über das 19. Geschäftsjahr der preußischen Zentralgenossen- 
schaftskasse. Vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 (Etatsjahr 1913). Berlin, 
Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. Lex.-8. 83 SS. M. 2.—. 

Jahresbericht des General Verbandes ländlicher Genossenschaften für 
Deutschland, e. V., für 1913 mit Statistik der Baiffeisenschen Genossenschaften 
für 1912. Druckerei und Verlag in Neuwied, Landwirtschaftl. Zentraldarlehns- 
kasse für Deutschland, 1914. 31 X 23 cm. 96 und 368 SS. M. 8.—. 

Wuttig, Dr. Mart., Die Organisation des genossenschaftlichen Geldaus- 
gleichs. Ein Beitrag zur Zentralkassenfrage. Jena, Gustav Fischer, 1914. gr. 8.. 
III— 93 SS. M. 2,50. 

11. Gesetzgebung, Staats- und Verwaltungsrecht. Staatsbürgerkunde. 

Anderssen (Privatdoz.), Dr. Walt., Vergleichendes Verfassungsrecht der 
Gegenwart im Grundriß. Berlin, Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. 8. V — 114 SS. 
M. 3,60. 

Antoni (Oberbürgermeister), Dr. G., Landgemeindeordnung für die Provinz 
Hessen-Nassau vom 4. August 1897, nebst den Ausführungsanweisungen vom 
5. Oktober 1897 und 30. November 1897. Mit Erläuterungen versehen. 4. verb. 
Aufl. Marburg, N. G. Elwert, 1914. gr. 8. VIII— 359 SS. M. 4,40. 

Bergsträßer (Privatdoz.), Dr. Ludw., Geschichte der Reichsverfassung. 
(Archiv des öffentlichen Rechts, hrsg. von Paul Laband, Otto Mayer und Rob. 
Piloty. Heft 3.) Tübingen, J. O. B. Mohr, 1914. gr. 8. VII— 121 SS. M. 3.—. 

Cahn (Geh. Legationsrat z. D.), Dr. Wilh., Reichs- und Staatsangehörig- 
keitsgesetz vom 22. Juli 1913 erläutert mit Benutzung amtlicher Quellen und 
unter vergleichender Berücksichtigung der ausländischen Gesetzgebung. 4. völlig 
neubearb. Aufl. Berlin, J. Guttentag, 1914. gr. 8. XVIII— 608 SS. M. 13,50. 

Erler, Dr. AI fr., Fortschritte der Reichsversicherungsordnung. (Volks 
wirtschaftliche und wirtschaftsgeschichtliche Abhandlungen, hrsg. von Prof. Wilh 
Stieda. III. Folge. 10. Heft.) Leipzig, Veit u. Comp., 1914. gr. 8. VIII— 145 SS 
M. 5.—. 

Gemeinderecht, Berliner. Hrsg. vom Magistrat. 2. ergänzte Auf 1 
12. Bd. Gewerbeangelegenheiten. Berlin, Julius Springer, 1914. 8. VII— 221 SS 
M. 3,80. 

Goldstein, Dr. Hans, Grundzüge des Staats- und Verwaltungsrechts der 
südafrikanischen Union. (Arbeiten aus dem Jurist. -staatswissenschaftlichen Se- 






Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutachlands und des Auslandes. 291 

minar der Universität Marburg, hrsg. von Prof. Dr. W. Schücking. Heft 18.) 
Marburg a. L., Adolf Ebel. 8. 59 SS. M. 2.—. 

Graeffner, Ernst, u. Erich Simm (Magistrats- Assessoren), Drs., 
Das Armenrecht. Eine systematische Darstellung sämtlicher das Armenrecht 
betr. Eechtsmaterien (Handbücher des preußischen Verwaltungsrechts VI). Berlin, 
Carl Heymann, 1914. gr. 8. XV— 461 SS. M. 12.— , 

Heilfron (Amtsgerichtsrat), Prof. Dr. Ed., Das öffentliche Eecht des 
Deutschen Reichs. 1. Teil. Lehrbuch des Staats- und Verwaltungsrechts. 1. und 
2. Aufl. der Neubearbeitung. 8. und 9. Aufl. von „Deutsche Eechtsgeschichte, 
Staatsrecht, Kirchenrecht". Mannheim, J. Bensheimer, 1914. 8. XXII — 752 SS. 
M. 7.—. 

Heinze, Wolfg., Beform im Vollzug des Eeichstags Wahlrechts. Berlin, 
Puttkammer u. Mühlbrecht, 1914. 8. 141 SS. M. 2.—. 

Hövermann (Beg.-Bef.), Otto, Kiautschou. Verwaltung und Gerichts- 
barkeit. (Abhandlungen aus dem Staats-, Verwaltungs- und Völkerrecht, hrsg. 
von Proff. Drs. Geh. Justizrat Herrenhausmitglied Philipp Zorn u. Fritz Stier- 
Somlo. Bd. 13. Heft 2.) Tübingen, J. C. B. Mohr, 1914. gr. 8. XV— 118 SS. 
M. 4.—. 

Hue de Grais (Wirkl. Geh. Ober-Eeg.-Präs. a. D.), Graf, Gegenstand und 
Methode des staatsbürgerlichen Unterrichts auf der Grundlage des Staatsge- 
dankens. Berlin, Julius Springer, 1914. 8. 26 SS. M. 0,60. 

Kaufmann (Reichsversicherungsamts-Präs.), Dr. Paul, Schadenverhüten- 
des Wirken in der deutschen Arbeiterversicherung. 2. verm. Aufl. Berlin, Franz 
Vahlen, 1914. gr. 8. 214 SS. M. 5.— 

Keller (Wirkl. Legat.-Rat, vortr. Bat), Dr. F. v., u. (Amtsrichter) Dr. P. 
Trautmann, Kommentar zum Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. 
Juli 1913. München, C. H. Beck, 1914. gr. 8. XXVI— 848 SS. M. 20.—. 

Köhler (Ministerialdir., stellvertr. Bundesratsbevollm.), Dr. L. v., (Ober- 
Reg.-Rat) J. Biesenberger, (Ministerialrat) H. Schäffer, (Oberamtmann) 
Dr. W. Schall, Reichsversicherungsordnung nebst Einführungsgesetz mit Er- 
läuterungen. Erg. -Bd. I. Teil. Vorschriften für das Reich. 1. Liefg. Aus- 
führungsbestimmungen zur Unfallversicherung. Bearb. von (Ministerialdir.) Dr. 
v. Köhler. Stuttgart, W. Kohlhammer, 1914. 8. XII— 165 SS. M. 2.—. 

Krebs (Gerichtsassess.), Dr. Johs., Heimarbeit und Gesetzgebung in Frank- 
reich. (Münchener volkswirtschaftliche Studien, hrsg. von Lujo Brentano und 
Walther Lotz. 132. Stück.) Stuttgart, J. G. Cotta, 1914. gr. 8. VII— 96 SS. 
M. 2,80. 

Krukenberg, Dr. Siegfr., Die Konkurrenz von Verwaltungszwang und 
Strafverfolgung. Eine polizeirechtliche Studie auf der Grundlage des preußischen 
Verwaltungsrechts. (Arbeiten aus dem jurist.-staatswissenschaftl. Seminar der 
Universität Marburg, hrsg. von Prof. Dr. W. Schücking. Heft 19.) Marburg a. L., 
Adolf Ebel, 1914. 8. 117 SS. M. 2,80. 

Küppers, Dr. Paul, Kommunalverwaltung und Presse. Vortrag. Leipzig, 
Gustav Fock, 1914. 8. 70 SS. M. 1,20. 

Kuziatin, Dr. Witaly, Die Un Verantwortlichkeit der Abgeordneten 
rechtsvergleichend dargestellt. (Strafrechtliche Abhandlungen, begründet von Prof. 
Dr. Hans Bennecke, hrsg. von Geh. Hofrat Prof. Dr. v. Lilienthal. Heft 179.) 
Breslau. A. Kurtze, 1914. gr. 8. X— 123 SS. M. 3,20. 

Ledl, Art., Studien zur älteren athenischen Verfassungsgeschichte. Heidel- 
berg, Carl Winters, 1914. 8. VII— 422 SS. M. 10.—. 

Lüttich, Dr. Georg, Bundesrat und Reichstag bei der Kolonialgesetz- 
gebung. (Kolonialrechtliche Abhandlungen, hrsg. von Prof. Hub. Naendrup. Heft 5.) 
Münster, Franz Coppenrath, 1914. Lex.-8. X— 114 SS. M. 3.—. 

M a i e r , Dr. Hans, Die geistesgeschichtlichen Grundlagen der konstitutio- 
nellen Theorie. Tübingen, J. C. B. Mohr, 1914. gr. 8. VIII— 83 SS. M. 2.—. 

Mayer, Otto, Deutsches Verwaltungsrecht. 1. Bd., 2. Aufl. (Systematisches 
Handbuch der deutschen Rechtswissenschaft. Hrsg. von Prof. Dr. Karl Bindung. 
VI. Abtlg. 1. Bd.) München, Duncker u. Humblot, 1914. gr. 8. XIV— 401 SS. 
M. 10.—. 

19* 



292 Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes. 

Meyer (Sem.-Prorekt.), Dr. Friedr., Deutsche Staatsbürgerkunde auf ge- 
schichtlicher Grundlage. Verfassung, Verwaltung, Kecht, wirtschaftliches Leben, 
geistiges Leben. In geschichtlicher Entwicklung dargestellt. Halle a. S., Buch- 
handlung des Waisenhauses, 1914. 8. VI— 140 SS. M. 2,40. 

Neu ha us (Dir.), Dr. Georg, Uebersicht über die Verfassungsgeschichte 
der Stadt Cöln seit der Kömerzeit und über ihre Verwaltung im 20. Jahrhundert. 
Im Auftrage des Oberbürgermeisters bearb. Köln, Paul Neubner, 1914. Lex.-8. 
VII— 216 SS. mit eingedr