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Full text of "Die italienischen Handelscolonien in Palästina, Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge"

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1. Abhaudlungen. 



Die italienischen Handelscolonien in Palästina, Syrien und 
Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzöge. 



Von Bibliothekar Prof. W. Heyd in Stuttgart. 



Wir haben die Colonien der italienischen Handelsstaaten im 
byzantinischen Reich bis zu der entscheidenden Wendung ver- 
folgt, welche mit dem Sturz des lateinischen Kaisertums eintrat. 
Wie wir gesehen haben, stand diese Katastrophe im engsten 
Zusammenhang mit einem Kampfe, welcher in einem andern Colo- 
niallande entbrannte, mit dem Kampf um S. Saba in Accon. Dies* 
mahnt uns, ehe wir weiter gehen, die Handelscolonien 4er Italiener 
in Syrien genauer ins Auge zu fassen , welche gleichzeitig mit 
denen in Griechenland bestanden. 

Nicht erst die Kreuzzüge gaben diesen syrischen Nieder- 
lassungen ihr Dasein. Vielmehr erzählt uns Wilhelm von Tyrus, 
wie die Amalfi tarier schon zu der Zeit als Syrien noch in 
den Händen der Ungläubigen war, das Land als Kaufleute durch- 
wandert und auch Jerusalem theils des Handels l ), theils der 



1) Die Märkte Jerusalems waren seit alter Zeit berühmt und besucht, 
s. z. B. den Bericht Arculfs in den Act. SS. Ord. Bened. ed. Mabillon Saec. III. 
pars II. pg. 503. und den des Bernardus Sapiens ed. Franc. Michel im Recueil 
de voy. et de me"m. publ. par la sociale' de geographie T. IV. p. 789. 

1* 



4 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

geweihten Stätten wegen besucht haben ; es sei ihnen nun der Man- 
gel eines eigenen Besitz thums in dieser leztern Stadt, wo sie 
während der Zeit ihres Aufenthalts daselbst ihre Unterkunft finden 
könnten, immer empfindlicher fühlbar geworden um so mehr als 
sie in den syrischen Seestädten solche eigene Wohnungen be- 
sassen. So haben sie denn die Erlaubniss des Chalifen von 
Aegypten nachgesucht und erhalten, dass ihnen zu Jerusalem im 
Christenviertel ein Platz zur Errichtung von Gebäulichkeiten ein- 
geräumt werde. Auf diesem Platz sei sofort das Kloster Sancta 
Maria de Latina entstanden, welches zugleich zur Herberge für 
alle nach Jerusalem kommenden Amalfitaner dienen sollte; dem 
habe sich später ein Frauenkloster zugleich als Hospiz für amal- 
fitanische Pilgerinnen angeschlossen; endlich sei für das Unter- 
kommen armer, und kranker Pilger aus dem Abendland über- 
haupt durch ein eigenes Gebäude gesorgt worden. Alle diese 
Anstalten seien durch milde Beiträge, welche Bürger Amalfi's 
nach Jerusalem geschickt oder bei ihrem Aufenthalt in Jerusalem 
an Ort und Stelle niedergelegt haben, Jahre lang erhalten worden, 
ehe die Kreuzfahrer Jerusalem eroberten '). Weniger bekannt als 
diese Erzählung des Wilhelm von Tyrus ist die ganz zuverlässige 
Angabe eines gleichzeitigen normannischen Chronisten, des Mönchs 
Amatus, dass die genannten Stiftungen nicht sowohl der Ge- 
sammtheit der Amalfitaner, als vielmehr einem unermesslich reichen 
Palricier Amalfi's mit Namen Maurus ihre Entstehung und Unter- 
haltung verdankten 2 ). Mit Hülfe dieser und anderer Notizen 
lässt sich auch die Entstehungszeit jener amalfitanischen Colonie 
mit einiger Bestimmtheit festsetzen. Sie kann nämlich nicht nach 
dem Jahr 1071 angesetzt werden, weil um diese Zeit Maurus 
sich alt und lebensmüde ins Kloster Monte Cassino zurückzog, um 



1) Guil. Tyr. 18, 4. 5. (Jac. Vitr. bei Bongars I. p. 1082. Samito ibid. 
II. p. 178.) 

2) Es war der Vater jenes Pantaleon , ' welchen wir als Vorsteher der 
amalfitanischen Handelscolonie in Goustantinopel kennen gelernt haben. S. 
Aime' ystoire de li Normant ed. Champollion-Figeac p. 231. Noch Sanuto 
(im 14. Jahrh.) spricht von einem Grosshändler Amalfi's als Gründer der 
Kirche Sancta Maria de Latina (a. a. 0.) , nur weiss er den Namen nicht 
mehr anzugeben. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 5 

dort zu sterben, aber auch nicht vor 1063, denn in diesem Jahr 
wurde erst ein eigenes Viertel für die Christen in Jerusalem 
ausgeschieden, in welchem dann die amalfitanische Colonie ihren 
Platz fand '). Damit stimmt sehr gut, was uns eine kleine amal- 
fitanische Chronik *) erzählt, der ErzbischofF Johannes von Amalfi 
habe um 1080 Jerusalem besucht und sei von seinen dortigen 
Landsleuten mit allen Ehren empfangen worden, welche wenige 
Jahre vorher in dieser Stadt zwei Hospitäler für Männer und 
Frauen errichtet haben. 

Also seit den Sechziger Jahren des eiften Jahrhunderts be- 
stand eine Station für amalfitanische Kaufleute in Jerusalem 
und noch früher bestanden solche , wie aus dem mitgetheilten 
Bericht des Wilhelm von Tyrus hervorgeht, in den Seestädten 
Syriens. Mit ziemlicher Sicherheit können wir z. B. A n Ho- 
ch i e n als eine amalfitanische Handelsstation schon in jenen Zeiten 
bezeichnen, weil Maurus auch hier, wie in Jerusalem ein Hospital 
stiftete 3 ), was er wohl nicht gethan hätte, wenn nicht seine 
Landsleute dort vielfach und dauernd sich aufgehalten hätten. 

Freilich waren das nur erst schüchterne Anfänge, welche 
kaum den Namen von Handelscolonien verdienen. Es mussten 
die Kr«uzzüge kommen, um ihnen zu weiterer Entwicklung 
und Blülhe zu verhelfen. Wie wir so eben bei den Amalfitanern 
eine Verbindung von Pilgerfahrten und Handelsreisen beobachtet 
haben, welche uns an die Mekka-Caravanen des Orients erinnert, 
so waren bekanntlich auch den grossen bewaffneten Pilgerfahrten, 
welche wir Kreuzzüge nennen, Handelsinteressen nicht fremd. 
Nicht als wäre Gewinnsucht das eigentlich treibende Motiv bei 
denselben gewesen — diese Vorstellung von den Kreuzzügen 
hat ja längst der bessern geschichtlichen Einsicht weichen müssen 
und Hesse sich nicht einmal hinsichtlich der italienischen Handels- 
nationen, welche sich an denselben beiheiligten, aufrecht halten. 
Warum sollten auch die Venetianer, Genuesen und Pisaner allein 
der religiösen Begeisterung baar gewesen sein, welche damals 



1) Guil. Tyr. 9, 18. 

2) Bei Ughelli It. sacr. VII, 198. 

3) Aimc a. a. 0. 



(J Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

die übrige Welt erfüllte ? Schon lange ehe der französische und 
normannische Ritter das Kreuz zum heiligen Kriege nahm, strit- 
ten die Genuesen und Pisaner auf Coisica, Sardinien, Sicilien, 
auf der afrikanischen Küste gegen die Ungläubigen und man 
wird nicht sagen wollen, dass bei diesen Kämpfen, die man mit 
Recht als Vorläufer der Kreuzzüge auffasst, religiöse Ideen ganz 
aus dem Spiel blieben. Unsere Italiener waren überhaupt nicht 
so einseitige Handelsmenschen, dass die Speculation auf commer- 
ciellen Gewinn alle andern Regungen in ihnen ertödtet hätte; be- 
kannt ist namentlich, wie die Pisaner von jeher durch ein sehr 
lebhaftes religiöses Gefühl sich auszeichneten. Doch mag die 
Aussicht auf den unausbleiblichen neuen Aufschwung des Levante- 
handels im Fall der Besitznahme Syriens durch die Lateiner 
immerhin ein bedeutendes Motiv zur Betheiligung an den Kreuz- 
zügen für die italienischen Handelsnationen gewesen sein. Beim 
ersten Kreuzzug beschränkten sie sich allerdings anfangs darauf, 
dem Zug des Kreuzheers mit ihren Transportschiffen zu folgen 
und demselben, wo es die Küste berührte, Lebensmittel, Waffen, 
Belagerungsmaschinen, auch zerstreute Waffengenossen zuzu- 
führen. Diese Art von Thätigkeit entfalteten sie schon im Jahr 
1096, als das Landheer der Kreuzfahrer noch in Constautinopel 
war 1 ), dann im. Jahr 1097 — 1098, als dasselbe Antiochien be- 
lagerte 2 ), wieder im Frühjahr 1099, als das Kreuzheer an der 
syrischen Küste hin gegen Jerusalem vorrückte 3 ). Und als nun 
das Kreuzheer vor Jerusalem angekommen war, empfing es bald 
die Nachricht von dem Erscheinen befreundeter Schiffe in der 
nächstgelegenen Hafenstadt Joppe. Es waren neun genuesische 
Schiffe unter dem Oberbefehl des Guglielmo Embriaco, welche 
hier- Anker geworfen hatten. Die Mannschaft hielt sich jedoch 
in der ganz offenen Stadt nicht für sicher, sie wandte sich dess- 
halb mit der Bitte um Verstärkung an das Hauptheer und erhielt 



1) Baldricus bei Bongars I. p. 89. 

2) Hier waren es die Genuesen, welche dem Kreuzheer hälfreich an 
die Hand gingen. Raim. de Agiles bei Bong. I. p. 143. 147. 173. Guil. 
Tyr. V, 4. 

3J Hier werden venetianische Schiffe neben den gennesischen genannt. 
Raim. de Agiles p. 164. Guil. Tyr. VII, 21. 



Syrien nnd Kleinarmenien zur Zeil der Kreuzzüge. 7 

solche, aber als ägyptische Schiffe in Ueberzahl herankamen, 
blieb, den. Genuesen doch nichts übrig als ihre Schiffe im Stiche 
zu lassen und mit Allem, was sie aus denselben mitnehmen 
konnten, zu dem Hauptheer zu stossen. Sie schlössen sich, vor 
Jerusalem angekommen, an die Abtheilung des Grafen Raimund 
von Toulouse an und förderten als erfahrene Bauleute die Be- 
lagerungsarbeiten nicht wenig 1 }. So waren also Genuesen 
bei dem Haupt- und Schlussact des ersten Kreuzzugs, der Er- 
oberung Jerusalems, als mithandelnde Personen zugegen, 
die einzigen Repräsentanten der italienischen Handelsmächte und 
auch diese fast nur zufällig und durch die Noth darauf hinge- 
wiesen 2 ~). Im Uebrigen ist es ein blosser Zufall zu nennen, dass 
diepisanische Flotte, welche schon längere Zeit auf der 
Fahrt nach Syrien war, um einen Monat zu. spät (August 1099} 
dahin kam und somit an der Eroberung Jerusalems keinen -An- 
theil mehr nehmen konnte. Ganz verschieden von den bisher 
erwähnten Flotillen der Venetianer und Genuesen, welche vor- 
wiegend dazu bestimmt waren den Kreuzfahrern Proviant 
oder Waaren oder Kriegswerkzeuge zuzuführen, brachte diese 
nicht weniger als 120 Segel starke pisanische Flotte ein vollstän- 
dig ausgerüstetes Heer unter Anführung des Erzbischoffs von 
Pisa Daibertus nach Syrien und eröffnete so würdig die ansehn- 
liche Folge von eigentlichen Kreuzflotten, welche nunmehr nach- 
einander in einer Reihe von Jahren bald aus Pisa, bald aus 
Genua, bald aus Venedig eben darin abgingen. So gering näm- 
lich der Antheil der italienischen Handelsnationen 
bei der ersten Grundlegung der Kreuzfahrerstaa- 
ten war, so entscheidend wirkten sie mit beim Aus- 
bau derselben. Ja man kann sagen, die Behauptung dieser 



1) Hauptquelle hierfür ist Raimund von Agiles a. a, 0. S 175. 177. 

2) Wilhelm von Tyrus stellt die Sache etwas anders dar, indem er den 
Entschluss nach, Jerusalem zu gehen bei der genuesischen Schiffsmannschaft 
von Anfang an feststehen lässt und ihr Begehren nach Verstärkung Mos da- 
her leitet, dass sie sich nicht getraute, in so geringer Anzahl wie sie war 
dorthin aufzubrechen (VIII, 9. 10.). Aber der Zeitgenosse Raimund von 
Agiles, mit welchem auch Tudebod (bei Duchesne IV. p. 810) übereinstimmt, 
war hier ohne Zweifel besser unterrichtet. 



8 Die italienischen HnndeUcolonien in Palästina, 

Staaten von Seiten der Lateiner wäre eine Unmöglichkeit gewesen, 
wären ihnen nicht die italienischen Flotten zur Seite gestanden. 
Der Besitz der Seestädte an der ganzen syrischen Küste gehörte 
ja zu den ersten Lebensbedingungen für die Kreuzfahrerstaaten ; 
denn jene allein vermittelten die Verbindung mit dem Abendland 
d. h. mit den natürlichen Hilfsquellen dieser Staaten. Seestädte 
aber durch blosse Erschliessung mit einem Landheer zu erobern, 
ist nur in seltenen Fällen möglich. Die Beherrscher der Kreuz- 
fahrerstaaten verkannten auch keineswegs die Wichtigkeit der 
Dienste, welche ihnen die italienischen Flotten bei Eroberung der 
syrischen Seestädte leisteten, und bethätigten ihre Dankbarkeit 
durch eine Reihe von Verleihungen. Oder bedangen sich die 
italienischen Seemächte im Gefühl ihrer Unentbehrlichkeit schon 
vor Eroberung dieser oder jener Seestadt, um welche es sich 
eben handelte, die Einräumung bedeutender Besitzungen und 
Rechte in derselben und in ihrer Umgebung als Preis für ihre 
Hülfe aus. Auf diese Art entstanden die Haudelscolonien , von 
welchen wir hier zu handeln gedenken. Wir fassen, um den 
Stoff angemessen zu vertheilen, zunächst die Handelscolonien im 
Königreich Jerusalem ins Auge, um dann in der zweiten 
Abiheilung die in der Grafschaft Tripolis, in dem Fürstentum 
Antiochien und in dem mit den Kreuzfahrerstaaten immer aufs 
engste verbundenen Königreich Kleinarmenien zu betrachten. 

Die pisanischen Kreuzfahrer unter Daibert erreichten 
Jerusalem zu einer Zeit, wo der Kampf ruhte und die ersten 
Einrichtungen in den neu eroberten Gebieten von Seiten der 
Kreuzfahrer getroffen wurden (im Winter 1099 — 1100). Sie 
machten sich dadurch nützlich, dass sie an der baulichen Her- 
stellung der Städte Jerusalem und Jaffa arbeiteten'). Ihr Führer 
Daibert blieb als Patriarch von Jerusalem im heiligen Land und 
mit ihm wahrscheinlich manche einzelne Pisaner, welche unter 
seinem hohen Schutz sicher und glücklich zu sein hofften. Beson- 
ders mochte ihnen Jaffa als Ort der Niederlassung gefallen, da 
ein Viertel dieser Stadt durch Verleihung Gottfrieds von Bouillon 



1) S. die pisanischen Chroniken bei Murat. VI, 100. 168 und bei Ughelli 
X. p. 121. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 9 

dem Patriarchen, ihrem Beschützer, zugefallen war (2. Februar 
1100) ') und Jaffa als Hafenstadt von Jerusalem aufzublühen 
versprach. Wir werden später sehen, wie eine grössere pisa- 
nische Colonie dort erstand. 

Im Sommer 11 00 langten die Venetianer mit einer Flotte 
von ungefähr 200 Schiffen in Palästina an ; sie stiegen in Jaffa 
ans Land *) und machten sich dem König Gottfried von Bouillon 
gegenüber anheischig von dem Feste Johannis d. T. bis Himmel- 
fahrt Maria (24. Juni bis 15. Aug.) Kriegshülfe zu leisten. Dafür 
sollte den Venetianern in jeder Stadt, gleichviel ob See- oder 
Binnenstadt, welche die Kreuzfahrer im Besitz haben oder künftig 
in Besitz nehmen werden, eine Kirche sammt einem Platz, der sich 
zum Markt eigne, verliehen werden. Von den Städten aber, 
welche die Kreuzfahrer und Venetianer jetzt gemeinschaftlich 
erobern würden, sollen die Venetianer ein Drittel, die Stadt Tri- 
polis aber, falls sie erobert würde, sollten sie ganz bekommen 
gegen einen kleinen jährlichen Tribut. Die Venetianer sollten 
ferner in allen Städten des Königreichs Jerusalem Steuerfreiheit 
geniessen und kein Vasall des Königs sollte die Güter eines 
schiffbrüchigen venetianischen Schiffes antasten 3 ). Es war, wie 
es scheint, bei dieser Expedition auf Grosses abgesehen; man 
unternahm auch wirklich die Belagerung einer der bedeutendsten 
Seestädte Syriens, der Stadt Accon *), musste aber wieder davon 
abstehen 5 ) und sich mit der Eroberung des kleinen Chaifa am 
Fuss des Karmel begnügen 6 ). Fürst Tancred wurde Herr der 
Stadt. Obgleich er an dem vorangegangenen Vertragsschluss 
mit den Venetianern nicht betheiligt war, auch letztere, wenn 
wir dem Albertus Aquensis glauben dürfen, sich von der Belage- 



1) Guil. Tyr. IX, 16. 

2) Dandolo p. 258. Historia translationis S. Nicolai bei Flaminio Cor- 
ner, Eccl. Venet. IX, p. 19, wo statt inopem natürlich zu lesen in Jopem. 

3) So die Bedingungen nach der gleichzeitigen Hist. transl. 1. c. p. 19. 
20. Dandolo fasst sich hier sehr kurz : immunitatis obtento privilegio (p. 258). 

4) Hiefür ist jedoch die einzige Quelle die Hist. transl. I. c. p. 22 — 25. 

5) Sehr unhistorisch spricht hier Dandolo von einer Eroberung Accons 
(p. 258). 

6) Vgl. auch Alb. Aq. bei Bong. p. 299-301. 



10 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

rung- der Stadt missmuthig zurückgezogen und an der Eroberung 
derselben (mit Ausnahme eines einzigen Mannes} keinen Antheil 
gehabt hatten, scheint Tancred doch den Venetianern ein Quartier 
dort nicht vorenthalten zu haben. Wenigstens erwähnt eine 
spätere Urkunde vom Jahr 1165 (Tafel u. Thomas I. p. 146) ve- 
netianischen Grundbesitz in Chaifa. 

Weit glücklicher als die Venetianer waren die Genuesen, 
mit deren Hülfe den Kreuzfahrern 1101 die Einnahme von Arsu f 
und Cäsarea, im Jahr 1104 die von Accon gelang. Hier 
wie dort soll eine pisanische Flotte mit der Genuesischen ver- 
einigt operirt haben, allein die Quelle, welche dies meldet '), ist 
nicht ganz zuverlässig, die besseren Autoritäten schweigen da- 
von 2 ), auch kennen wir keine Diplome, welche auf eine solche 
Mitwirkung der Pisaner in grösserer Anzahl hinwiesen; wahr- 
scheinlich ist nur, dass ein einzelner pisanischer Patricier Namens 
Gandolfus mit seiner Sippschaft bei der einen oder andern Expe- 
dition sich der genuesischen Flotte angeschlossen und im Kampf 
ausgezeichnet hat, denn die Zollfreiheit, welche König Balduinl. 
auf jene Kriegsthaten hin den Genuesen gewährt, dehnte er auch 
auf die Familie des Pisaners Gandolfus aus 3 ). Den Genuesen 
fiel bei Eroberung jener Städte nicht blos ein reicher Beutean- 
theil zu *), sondern auch Quartiere in jeder derselben , welche 
ein Driltheil des ümfangs der Stadt befassten, sowie ansehnliche 
ländliche Besitzungen in der Umgebung derselben wurden ihnen 
vom König Balduin eingeräumt. Sehr einträglich mag ferner der 
Genuss des Drillheils aller in Accon eingehenden Hafenzölle ge- 
wesen sein, welches den Genuesen von jetzt an zugetheilt war, 
während sie selbst von allen Zöllen innerhalb des Königreichs 
befreit wurden. Ausserdem erhielten sie bei diesem Anlass nach- 



1) Alb. Aq. p. 310. 335. 

2) S. für das J. 1101 Caftaro bei Morat. VI. p. 248—252, für das Jahr 
1104 Fulch. Carnot. p. 415. Goil. Tyr. X, 28. Nur dass auch andere Italie- 
ner auf der genuesischen Flotte waren, die Arsuf und Cäsarea miteroberte, 
berichtet Fulch. Carnot. p. 407. 409 f. 

3) Lib. jur. reip. Gen. I. p. 16. 

4) Worunter das berühmte heilige Gefäss — il sacro catino — , welches 
in Caesarea erbeutet wurde. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. \{ 

fraglich Quartiere in Jerusalem und Jaffa, sowie Tür die Zukunft 
die Anwartschaft auf ein Drittel der Städte, welche noch weiter 
mit ihrer Hülfe erobert würden '). Um zu zeigen, welch hohen 
Werth er auf die von den Genuesen geleistete Kriegshülfe 
lege und wie er die ihnen eingeräumten Rechte und Besitztümer 
zu allen Zeiten respectirt zu sehen wünsche, Hess der König 
Balduin eine darauf bezügliche Inschrift mit goldenen Lettern 
an dem Altarumgang der hl. Grabkirche anbringen *). 

Noch ein weiteres Verdienst um das Königreich Jerusalem 
erwarben sich die Genuesen im Frühjahr HfO, indem sieBerytus 
erobern halfen 3 ), wo ihnen ohne Zweifel dem eben erwähnten 
Versprechen gemäss gleichfalls ein Quartier eingeräumt wurde. 

Es war hohe Zeit für die Ven et inner, ihrerseits sich zu 
rühren, wenn sie nicht von ihren Rivalen sich wollten über- 
flügeln lassen. An Gelegenheit zur Bestreitung der Ungläubigen 
und zur Erstrettung schöner Besitztümer in Syrien fehlte es 
auch nach der Eroberung der bisher genannten Städte nicht. 
Noch waren in den Händen der Ungläubigen Sidon, Tyrus und 
Ascalon, drei Städte, deren Besitz dem Königreich Jerusalem zu 
seinem Ausbau gegen Westen hin und zu seiner Sicherung gegen 
feindliche Angriffe von der Seeseite her unentbehrlich war. Sidon 
eroberte König Balduin den 11. December 1 1 1 0. Obgleich die 
Chronisten der Kreuzzüge blos einer norwegischen Flotte unter 
Sigurd Jorsalafar gedenken, welche den König von der Seeseite 
her wirksam unterstützt habe, ist es darum doch nicht minder 
gewiss , dass auch der venetianische Doge Ordelafo Falier mit 
ungefähr 100 Schiffen dabei war 4 ). Der Bericht Dandolo's, 
welcher dies mittheilt, wird trefflieh unterstützt durch zwei Ur- 
kunden aus späterer Zeit, welche auf die Verleihungen zurück- 
weisen, die Ordelafo Faliero bei der Eroberung Sidons (in acqui- 



1) Fulch. Cärnot. p. 409. Guil. Tyr. X, 14. 28. Lib. jur. I. p 16. 17. 
(Diplom, v. J. 1 104). 

2) Lib. jur. I. p. 228. 309. 334. 335. 

3) Fulch. Cärnot. p. 420 f. Alb. Aq. p. 362. Guil. Tyr. XI. 13. 

4) Von einer Betheiligung der Genuesen und Pisaner hingegen sprechen 
nur sehr späte und minder zuverlässige Quellen (Agostino Giustiniani, Paolo 
Tronci etc.). 



12 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

sitione Sidonis) aus der Hand König Balduins empfangen. Die 
Original -Urkunde, welche jene Verleihungen enthielt, ist nicht 
auf uns gekommen. Wir wissen blos durch jene spätem Diplome, 
dass damals der König Balduin einen Stadttheil in Accon mit 
Kirche den Venetianern zum Wohnen anwies, denselben eigenes 
Gewicht und Maass gestattete, ihrem Dogen die Hoheitsrechte 
(merum et mixtum imperium) über die Colonie überliess und 
noch andere Privilegien hinzufügte, welche die Venetianer in 
seinem ganzen Reich geniessen sollten '). Natürlich wurde ihnen 
aber vor allen Dingen in der eben eroberten Stadt Sidon selbst 
ein Quartier eingeräumt. 

Es verstrich nun über ein Jahrzehnt, in welchem keine 
italienischen Kriegs - Flotten dem Königreich Jerusalem Hülfe 
brachten. Unter der Regierung König Balduins II. kam aber 
eine Zeit schwerer Noth über dieses Königreich. Die Feinde 
bedrängten im Norden und Süden zugleich die syrischen Kreuz- 
fahrerstaaten und während Balduins Anwesenheit im Süden hoch- 
nölhig war, musste er das verwaiste Fürstenthum Antiochien im 
Norden vertheidigen. So liess er denn durch die Patriarchen 
von Antiochien und Jerusalem dringende Hülfegesuche nach 
Venedig, überbringen , welche bei dem Dogen Domenico Michiel 
und den Venetianern um so eher williges Gehör fanden als der 
Papst sie lebhaft unterstützte und glänzende Versprechungen für 
den Fall der Gewährung beigefügt waren *), Der Doge selbst 
stellte sich an die Spitze der Flotte, welche 200 Segel 3 ) stark 
im Jahr 1122 4 ) von Venedig auslief. Ihre Ankunft in Syrien 
verzögerte sich, da sie unterwegs eine Fehde mit dem griechi- 



1) Dandolo p. 264. Taf. u. Thom. I. p. 86. 91. 145. 

2) Chron. Altin. im Archiv, stör. it. VIII. p. 153. Dandolo p. 269 f. 
und aus ihm Sanuto bei Bong. p. 158. cf. Taf. und Thom. I. p 85. 

3) So nach den venetianischen Chronisten ; andere Zahlen haben Fnlch. 
Carnot. p. 431 und Guil. Tyr. XII, 22. 

4) So ist die Zeit nachFulch. Carnot I. c. zu bestimmen; die Notiz aus 
dem Cod. Ambros. zu Dandolo p. 269 hat als Datum VIII Augusti MCXVII, was 
nicht in MCXVIIII (wie Taf. und Thom. I, 78 wollen), sondern im MCXXII 
umzuändern ist. Zwischen der Ausfahrt und der Ankunft in Syrien im Jahr 
1123 lag blos ein Winter, welchen die Flotte vor Corfu zubrachte. 



Syrien und Kleinarmenien Kur Zeit der Kreuzzüge. {3 

sehen Kaiser aiisfochten und Corfu belagerten. Indessen wuchs 
die Bedrängniss in Palästina, König Balduin gerieth in die Ge- 
fangenschaft der Ungläubigen (April 1123) und von Aegypten 
her nahten Feinde zu Land und zur See, so dass man Eilboten 
abschickte, um die Venetianer zur Beschleunigung ihrer Fahrt zu 
mahnen. Sie brachen darauf alsbald von Corfu auf und bezeich- 
neten ihre Ankunft an der syrischen Küste gleich durch einen 
glänzenden Seesieg über die Aegypter auf der Höhe von Asca- 
lon '), welcher den Feind um so mehr schwächte , als ein Sieg 
der Kreuzritter über das ägyptische Landheer vorhergegangen 
war. Beide Siege ermuthiglen die Stellvertreter des gefangenen 
Königs so, dass sie beschlossen im Bunde mit den Venetianern 
eine der zwei festen Seestädte Syriens, welche noch in den 
Händen der Feinde waren, Ascalon oder Tyrus, zu belagern. 
Es wurde desshalb zwischen den Stellvertretern Balduins, dem 
Patriarchen Warmund und dem Connetable Wilhelm von Buris 
(sammt den übrigen geistlichen und weltlichen Grossen des König- 
reichs) einerseits und den Venetianern andererseits gegen das 
Ende des Jahres 1123 zu Accon , wo die venetianische Flotte 
vor Anker lag, ein Vertrag abgeschlossen , welcher theils die 
früheren Versprechungen König Balduins in Vollzug setzte, theils 
neue Verleihungen hinzufügte 2 ). Von den zwei Städten, welche 
zunächst zum Angriff ausersehen waren , sollten die Venetianer 
nach diesem Vertrag, sofern sie dabei mithelfen, ein Drittel, 
der König zwei Drittel erhalten, ebenso soll das Gebiet beider 
verlheilt werden , wobei übrigens von demjenigen Theil ihrer 
Umgebung abgesehen wurde, welcher schon vor der Belagerung 
den Christen gehörte, und nur derjenige in Betracht kam, welcher 



1) Pactum Warmundi bei Taf. und Thom. I. p. 84. Guil. Tyr. I.e. Min- 
der genau lassen das Chron. Altin. p. 154 und Dandulo p. 270 die Schlacht 
Angesichts der Stadt Joppe vor sich gehen. Dort hatte allerdings die feind- 
liche Flotte kurz vorher noch ihre Station , aber sie hatte sich nach der 
Niederlage des Landheers auf Ascalon zurückgezogen. 

2) Derselbe ist noch im Autograph und in alten guten Copien vorhan- 
den und aus diesen von Taf. und Thom. I. p. 79 ff. herausgegeben. Auch 
Wilhelm von Tyrus hat ihn in seiner ganzen Ausdehnung seinem Geschichts- 
werk (XII, 25) einverleibt, während Dandolo p. 270 einen Auszug gibt. 



14 Die italienischen Handelscolonien in Palfistina, 

jetzt noch den Saracenen gehörte ')• Ueberhaupt aber sollten 
die Venetianer in jeder Stadt, die dem König oder einem seiner 
Barone gehörte, eine ganze Strasse, einen Platz, eine Kirche, ein 
Bad und einen Backofen haben, ohne dafür irgend eine Zahlung 
zu leisten oder in irgend einer Weise abhängig zu sein. In 
Jerusalem sollte ihnen ein Quartier angewiesen werden, welches 
soviel Ertrag abwerfe, als der städtische Besitz des Königs 
selbst 1 ). In Accon sollten sie ohne Einrede der andern Bewoh- 
ner im eigenen Backofen backen, in eigener Mühle mahlen, im 
eigenen Bad baden dürfen; auch sollten sie beim Handel unter 
sich eigenes Maass in Anwendung bringen dürfen, die fremden 
Abnehmer ihrer Waaren sollten gleichfalls das venetianische 
Maass gebrauchen, nur wenn die Venetianer selbst von Nicht- 
venetianern einkaufen, sollten sie sich des königlichen Maasses 
bedienen , wofür sie dann eine Vergütung zu geben haben. 
Keinerlei Abgabe beim Eintritt ins Land des Königs oder seiner 
Vasallen oder beim Verlassen desselben, beim Einkaufen oder 
Verkaufen soll von ihnen gefordert werden können. Nur wenn 
sie auf ihren Schiffen Fremde ins Land bringen oder aus dem- 
selben fortführen, soll dem König ein Drittel des Fahrpreises 
entrichtet werden. Um aber für diese eine Steuer gleich wieder 
ein Aequivalent zu geben, versprachen die Stellvertreter des 
Königs aus den königlichen Einkünften vom Markt des zu er- 
obernden Tyrus jährlich 300 saracenische Byzantien an den Dogen 
zu zahlen 3 ). Weitere Bestimmungen , die wir später ins Auge 
fassen werden, betrafen den Rechtsstand der Venetianer. 



1) So scheint mir die etwas dunkle Stelle: tertiana partem lerrarum 
omniuro sibi pertinentium, a die S. Petri Saracenis tantum servientium, quae 
non sunt in Francorum manibus, gedeutet werden zu müssen. Dass ein be- 
deutender Theil des Gebiets von Tyrus schon vor 1123 in den Händen der 
Christen war, sehen wir aus Guil. Tyr. XIII, 13. 

2) Vgl. zu den betreffenden Worten des Vertrags (Taf. u. Thom. I. 
p. 85) die Stelle in der Altfranzösiscbea Uebers. des Guil. Tyr. : En la place 
de Jerusalem recevoient autant de rante en leur proprititd, com li roi i seut 
avoir. 

3) Nach späterm Beschluss wurde diese Summe nicht mehr aus lyrischen 
Revenuen, sondern aus dem Ertrag des Hafens von Accon gezahlt. Das Gut- 
haben wurde von einem, spatem Dogen an die Mareuskirche in Venedig 
abgetreten. Taf. u. Thom. I. p. 141. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. {5 

Nachdem dieser wichtige Vertrag abgeschlossen war, über- 
liess man dem Loos die Entscheidung darüber, ob Ascalon oder 
Tyrus zunächst belagert werden solle. Es entschied für Tyrus. 
Am 15. Febr. 1124 wurde die Belagerung dieser von Natur 
schwer zugänglichen und noch dazu wohlbefestigten Stadt in An- 
griff genommen, die Venetianer zogen ihre Galeeren mit Aus- 
nahme einer, die als Wachtschiff dienen sollte , ans Land , weil 
sie Tyrus vom Meere aus unzugänglich fanden, bauten aus dem 
auf denselben mitgerührten Werkholz Belagerungsmaschinen und 
kämpften wacker an der Seile der syrischen Franken ')» sie 
halfen aber auch dem drückenden Geldmangel der letztern ab, 
indem sie den Anführern 100,000 Goldbyzantien liehen *). Nach 
mehrmonatlicher Belagerung capitulirte die Stadt am 27. Juni. 
Der Vertrag wurde sofort vollzogen, die Venetianer erhielten ihr 
Drittel unverkümmert 3 ), ja man soll ihnen sogar wegen ihrer 
ausgezeichneten Dienste die Hälfte oder zwei Drittel geboten 
haben, was aber der Doge ablehnte 4 ). Der König Balduin, 
welcher bald darauf wieder frei wurde, ermangelte nicht den zwi- 
schen seinen Stellvertretern und den Venetianern abgeschlossenen 
Vertrag zu bestätigen. Diese Bestätigungsurkunde 5 ), datirt Accon 
Mai 1125, ist im Wesentlichen gleichlautend mit dem Vertrag; 
doch machen sich ein Zusatz und eine Auslassung bemerklich: 
der Zusatz, dass die Venetianer nach Maassgabe der Einkünfte 
ihres Drittels Mannschaft zur Vertheidigung von Tyrus auf den 
Beinen zu erhalten haben, und die Auslassung der Versprechung, 
welche die ursprüngliche Fassung unter Anderm auch enthalten 



1) Guil. Tyr. XIII. 1—14. Fulch. Carnot. p. 436—438. Chron. Allin. 
p. 154. Dandolo p. 271. 

2) Chron. Allin. ]. c. Die cenlum millia aureorum erklärt der Heraus- 
geber für Zecchinen. Es sind aber Byzantien s. die von Ducange s. v. 
aureus gesammelten Stellen. Die Summe macht ungefähr 60,000 fl. nach 
unserm Geld. 

3) Guil. Tyr. XIII, 14. Dandolo 1. c. 

4) Chron. Altin. I. c. Gewiss falsch ist die Angabe derselben Quelle, man 
habe den Dogen sogar zum König an der Stelle des gefangenen Balduin 
ausrufen wollen. 

5) Incorrect und mit dem falschen Datum 1130 bei Mural, ad calc. 
ßandul. p. 274 f., besser bei Taf. u. Thom. I. p. 90 ff. 



|g Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

hatte, dass der Zoll, welchen die mit den Venelianern handeln- 
den Völker im Königreich Jerusalem zahlen, nicht erhöht werden 
solle. Diese Auslassung ist gewiss so wenig zufällig und unab- 
sichtlich als jener Zusatz; der König wollte sich in Ansehung 
der Zolltarife die Hände nicht binden lassen '). 

So waren denn mit Hülfe italienischer Flotten sämintliche 
Seestädte Palästina's in ununterbrochener Linie von Jaffa bis 
Beirut dem Königreich Jerusalem einverleibt worden und nur 
Ascalon fehlte noch, welches erst im Jahr 1154 ohne die Mit- 
wirkung einer italienischen Flotte in die Hände der Christen fiel. 
Nach der Eroberung von Tyrus wird der italienischen Handels- 
mächle Seitens der Geschichtschreiber des Königreichs Jerusalem 
lange Zeit nicht mehr gedacht; wie es scheint, lebten die italie- 
nischen Kaufleute ruhig ihrem Handel und griffen wenig in 
das politische Leben des Reichs ein, welches in der ßinnensladt 
Jerusalem sich concentrirte. Sie brauchten wohl auch einige 
Zeit, um sich in der neuen Welt heimisch zu machen, welche 
ihnen hier aufgethan war, um die Producte des Landes wie seine 
Bedürfnisse kennen zu lernen, die Handelsgebräuche und die 
Handelswege, namentlich die Verbindungen mit den Hinterlanden 
bis in den tieferen Orient hinein zu studiren. 

Das Königreich Jerusalem wurde nicht unmittelbar berührt 
von den grossen uralten Yerkehrsstrassen, auf welchen 
die kostbaren Produkte Indiens und Persiens sich dem 
Occident entgegenbewegten. Die eine dieser Strassen ging be- 
kanntlich durch den persischen Meerbusen und dann den Euphrat 
hinauf, um sofort einerseits die pontischen Gebiete zu durch- 
ziehen, andrerseits mit einer westlichen Wendung über Aleppo dem 
mittelländischen Meer zuzueilen. Es waren die Häfen Ciliciens 
(Lajazzo) und Nordsyriens (Antiochien und Laodicaea), in wel- 
chen diese Strasse ausmündete. Die andere führte über das 
rothe Meer, dann Nilabwärts nach Alexandria und Damiette. Aber 
wir dürfen nur die Zolltarife von Accon aus dem Ende des 
12. Jahrhunderts in den Assisen von Jerusalem 2 ) oder die kauf- 



1) Dies gegen Wilken II. p. 501. 

2) Ed. Beugnot II. p. 173—181. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzuge. {7 

männischen Aufzeichnungen Pegolotli's '_) durchlesen, um uns zu 
überzeugen, dass Accon in den Jahrhunderten, von denen wir 
sprechen, wirklich lebhaften Antheil am indischen Handel nahm; 
denn an beiden Stellen werden als Gegenstände des Imports und 
Exports von Accon Producte, wie Pfeffer, Ingwer, Muscatnüsse, 
Gewürznelken, Elfenbein erwähnt, welche den indischen Regionen 
angehören. Nicht alle Waaren nämlich, die von Indien her an 
der Südspitze Arabiens anlangten, nahmen den Weg über Aegyp- 
ten, viele kamen auch, zumal mit den Mekka-Caravanen , durch 
das pelräische Arabien herauf und berührten in ihrem Weiter- 
zug entweder die Westgränze des Königreichs Jerusalem, indem 
sie jenseits des Jordans sich Damascus zu bewegten, oder durch- 
schnitten sie das Königreich, indem sie über Jerusalem der Küste 
zu strebten. Auf der andern Seite nahm das grosse Emporium 
Damascus einen Ableger des indischen Waarenzugs vom 
Euphrat her in sich auf und theilte wieder den nächstgelegenen 
Seestädten von Beirut bis Accon von seinem Ueberflusse mit. 
Es war überhaupt besonders günstig für diese Städte an der 
phönicischen Küste, dass eine Stadt so reich an Verkehr und so 
voll gewerblichen Lebens, wie Damascus mit seiner Seidenindustrie, 
seinen Waffenschmieden u. s. w. im Rücken derselben lag und 
die Absatzwege der Waaren dieser Stadt gegen den Westen zu 
durch die genannten Seestädte gehen mussten. Damascus stand 
auch in ausserordentlich regem Verkehr mit Aegypten und lieferte 
die dahingehenden Waaren bis Accon oder Sidon zu Land, um 
sie dort einzuschiffen; aber auch selbst in dem Fall, wenn diese 
Waaren ganz den Landweg einschlugen, berührten sie die süd- 
licheren Hafenstädte des Königreich Jerusalems. Für Chaifa 



1) Pratica della mercatura bei [Pagnini] della decima e delle altre gra- 
vezze dei Kiorentini T. 3 p. 48 f. Die beiden genannten Dokumente sind 
überhaupt wichtig für die Handelsstatistik Syriens in den Zeiten der Kreuzzüge. 
Interessant ist auch folgende Liste von Handelsgegenständen, die in Beirut 
auf den Markt kamen : bombatium, seta et opera sete, piper et incenso 
(Weihrauch) et cucaro et omnibus specijs (Specereien), indego et verzi 
(=verzino, Brasilienholi?) et omnia que fuerint tintura, lana et opera lane ; 
linus et opera lini; perle et petre, vitro et sabon (Seife). Privilegium des 
Herrn v. Berytus für die Venetianer vom J. 1222 bei Taf. u. Thom. 2, 233. 

ZeiUckr. t. SlanUw. 1860. ti Heft. 2 



{g Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

speciell war es von Werth, dass dasselbe der natürliche Hafen 
der Stadt Tiberias war, welche gleichfalls Industrie trieb und 
von Handelscaravanen belebt wurde'). Jerusalem, bedeutend 
als Mittelpunkt des Königreichs und als Ziel unzähliger Pilger- 
reisen, bezog arabische Waaren durch die Wüste, ägyptische 
über Gaza und Ascalon und hatte an Jaffa einen immer belebten 
Hafen für die Communication mit dem Abendland. 

Vorstehende Andeutungen mögen genügen, um den Antheil 
ins Licht zu setzen , welchen die Seestädte des Königreichs 
Jerusalem am grösseren Verkehr des Orients nahmen. Aber im 
Umkreis dieses Reichs selbst fanden sich Erzeugnisse der Natur 
und des Gewerbfleisses genug, welche sich unsern italienischen 
Handelsleuten als Ausfuhrartikel nach dem Abendland empfehlen 
mochten. Die nächsten Umgebungen jener Seestädte selbst brach- 
ten und bringen zum Theil noch jetzt eine Fülle von Südfrüch- 
ten aller Art : Citronen, Pomeranzen, Oliven, Feigen, Mandeln u. s. w. 
hervor l ) ; die künstlichen Bewässerungen und die Menge von zer- 
streuten Meiereien , Gehöften und Dörfern im Umkreis der Städte, 
welche die neuen abendländischen Besitzer meist schon antrafen 
und nun forterhielten 3 ), zeugen von ausgedehnter und sorgfältiger 
Cultur des Bodens. Die Syrer verstanden sich darauf nicht blos 
Zuckerrohr zu bauen 4 ), sondern auch in einer Art von Keltern 
oder Mühlen das Rohr zu zerquetschen und ihm den Saft abzu- 
gewinnen, den Saft selbst aber am Feuer zu verdichten 5 ). Die 
Lateiner, welche jetzt in den Besitz der meisten Ländereien der 



1) Edrisi I. p. 347. 348. 

2) Vgl. für die Zeit der -Kreuzfahrerherrschaft z. B. Edrisi trad. p. 
Jaubert. 1. p. 341. 348. 354. Ibn Batuta ed. Defremery et Sanguinetti I. 
p. 132. 133. Guil. Tyr. XIII, 3. Jac. Vitr. p. 1099 f. 

3) Um Ascalon her zählte man allein 72 grössere Gehöfte mit 200 
Bauernfamilien und ungefähr 20 kleinere. Taf. u. Tbom. 2, 398. Dasselbe 
Document nennt etwa 80 Gehöfte um Tyrus, womit nur ungefähr ein Drittel 
des ganzen Bestandes aufgeführt ist. 

4) Isstachri, Buch der Länder übers, von Mordtmann p. 37. Bist. Hieros. 
pars sec. bei Bongars p. 594 f. Alb. Aq., p..270. Fulch. Carnot. p 401. Jac, 
Vitr. p. 1075. 1099. 

5) Alb. Aq. 1. c. Jac. Vitr. I. c. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. {9 

Syrer kamen, Hessen die Zuckerplantagen keineswegs abgehen '), 
weil sie eine schöne Rente abwarfen 2 ), und die Zucker- 
fabrication kam unter ihnen so wenig in Vergessenheit, dass 
vielmehr der Hohenstaufe Friedrich II. im Jahr 1239 durch seinen 
in Tyrus residirenden Stalthalter Riccardo Filangieri Leute von 
dorther nach Palermo kommen zu lassen für gut fand, um die in 
Sicilien etwas in Abgang gekommene Zuckerbereitungskunst neu 
emporzubringen 3 ). Auch die Venetianer , welche sich in Tyrus 
niedergelassen hatten, cultivirten das Zuckerrohr und besassen 
eine Zuckermüble *). Ferner wurden in Syrien Baumwolle und 
Seide gezogen 5 ) und zu Stotfen der verschiedensten Art und 
des verschiedensten Werthes verarbeitet 6 ). Besonders waren 
die kostbaren Seidenzeuge von Tyrus berühmt und auch im 
Abendland verbreitet 7 ) ; die syrischen Weber, welche im venetia- 
nischen Quartier zu Tyrus wohnten 8 ), mögen manche Stücke 
gewoben haben, welche sofort auf venetianischen Schilfen nach 
Europa wanderten. Für Farbstoffe, um diese baumwollenen oder 
seidenen Zeuge zu färben, halte die Natur in reichem Maasse 



1) Die reichbewässerten Zuckerplantagen um Tyrus schildert Guil. Tjr. 
XIII, 3. Bei Tyrus und Sidon sah solche der Reisende Brocardus II, 4. 8, 
bei Passepoulaiq Joinville (im Recueil des historiens de France T. 20 p. 275); 
andere in der Gegend von Accon erwähnen die Urkunden bei Paoli Cod. 
dipl. I. p. 50. 209. 249. 

2) Nach Brocardus bezog der Herr von Tyrus jährlich immense Ein- 
künfte von den Zuckerplantagen. 

3) Registr. Friderici IL in den Constitutiones regni Siciliie Kap. 1786. 
p, 291. 

4) Taf. u. Thom. 2, 368, wo auch der arabische Name derselben Ma~ 
sera beigefügt ist; man vergleiche dazu die Stelle aus einer sicilianischen 
Urkunde: Molendinum unum ad molendas cannas mellis, quod saracenice di- 
citur massara, bei Pirri Sicilia sacra I. p. 454 und Fazello Decad. 1. Lib. 
VIII, p. 343. 

5) Jac. Vitr. p. 1099. 

6) Francisque- Michel, recherches sur le commerce, la fabrication et 
I'usage des «Joffes de soie etc. Paris 1852 — 1853 bietet reiches Material 
sur Kenntniss der mancherlei Arten und der grossen Verbreitung syrischer 
Seidenzeuge s. z. B. I. p. 347. 

7) Edrisi I. p. 349. Francisque-Michel 1. c. 1. p. 198. 

8) Taf. u. Thom. 2. p. 359. 

2* 



20 T>ie italienischen Handelscolonien in Palästina, 

gesorgt, indem das Land in der Gegend von Jericho Indigo, in 
der Gegend von Damascus und sonst die sogen. Färberrölhe 
(Fuah) erzeugte, das Meer aber an der Küste von Tyrus die 
altberühmte Purpurmuschel auswarf '). So war denn auch die 
Färberei ein blühender Industriezweig, welcher zur Zeit der 
Kreuzfahrerherrschaft hauptsächlich in den Händen von Juden 
sich befand 2 ). Ganz das Gleiche gilt von der Glasfabrikation. 
Das tyrische Glas behauptete noch immer seinen uralten Ruhm, 
wurde weithin verführt und warf eine bedeutende Rente ab 3 ). 
Nehmen wir zu dem bisher Genannten noch Seife *) , Oliven- 
und Sesam-Oel 5 J, Töpferwaaren von Tyrus und Jaffa 6 ) u. dgl, 
so haben wir so ziemlich die Hauptexportgegenstände beisam- 
men, welche von den italienischen Handelsleuten aus Syrien selbst 
bezogen werden konnten. 

Von den südlichen Nachbarländern sandte Aegypten seine 
Produkte wohl gewöhnlich direct von Alexandrien oder Damiette 
ab (gleichfalls durch Vermittlung abendländischer Kaufleute) nach 
Europa, während der Weihrauch, die Datteln, das Aloeholz Ara- 
biens meist ihren Weg über die syrischen Seestädte nahmen; 
diese 3 arabischen Produkte erscheinen wenigstens in den Zoll- 
tarifen von Accon 7 ). 

Wir sehen aus dem Bisherigen, wie reich an Produkten das 
Handelsgebiet war, dessen sich die Venelianer, Genuesen, Pisaner 
durch die Verleihungen der Könige von Jerusalem bemächtigten. 
Die Schiffe, welche die levanlinischen Waaren in Syrien holten, 
fuhren übrigens, wie sich von selbst versteht, nicht ohne Im- 
portartikel hin. Die Ritter und Damen des Abendlandes, Welche 



1) Edrisi I. p. 339. Ritter, Erdkunde 17, 1. p. 622. 17, 2. p. 1358. 
1391. Benj. v. Tudela h. v. Asher I. p. 63. 

2) Benj. v. Tudela a. a. 0. p. 63. 65. 69. 75. 78. 79. Carmoly, itine- 
raires de la terre sainte p. 129 u. sonst. Ritter, Erdk. 17, 1. p. 379. 

3) Edrisi I. p. 349. Benj. v. Tudela I. p. 63. Guil. Tyr. XIII, 3. Taf. 
u. Thom. 2. p. 385. 1. p. 168. 

4) Carmoly 1. c. p. 248. Taf. und Thom. 2. p. 367. 

5) Assises de Jerus. II. p. 175. Taf. u. Thom. ,2. p. 385. Carmoly 1. c. 

6) Carmoly l.'c. Edrisi I. p. 349. Assises I. c. p. 179. 

7) Assises p. 174. 175. 176. 



Syrien und Kleinarminen zur Zeit der Kreuzzüge. 21 

sich auf den Burgen Syriens elablirt halten, die Geistlichen, 
welche die syrischen Bischoffssitze uud Abteien eingenommen, 
die fränkischen Städtebürger in den syrischen Städten brauchten 
natürlich eine Menge Erzeugnisse der abendländichen Industrie, 
die Eingebornen selbst lernten durch sie europäische Zeuge und Ge- 
räthe kennen, Versuche, die Produkte des Abendlandes auf den 
orientalischen Märkten einzubürgern , wurden damals gewiss in 
grösserm Maassstabe gemacht, als wir jetzt nachzuweisen ver- 
mögen. Dazu kam ein ausserordentlicher Personenverkehr zwi- 
schen Europa und Palästina; Ritter und Geistliche, Pilger und 
Kaufleute, Abentheurer und Gewerbtreibende bevölkerten die 
Handelsschiffe der Italiener, welche daraus einen reichen Neben- 
gewinn zogen. 

Mögen wir die Ausfuhr oder die Einfuhr, den Waaren- 
oder den Personenverkehr ins Auge fassen , so war Syrien zur 
Zeit der Kreuzfahrerherrschaft einer der günstig- 
sten Punkte für Handelsstationen. Die Italiener waren 
nicht die einzigen, welche sich dies zu Nutze machten und 
Handelscolonien dort gründeten ; Proven^alen, namentlich Marseiller, 
Catalanen, Engländer setzten sich neben ihnen fest. Aber die 
italienischen Niederlassungen waren und blieben weitaus die be- 
deutendsten; unter diesen selbst nahmen die venetianischen und 
genuesischen die erste Stelle ein, weil diese beiden Mächte theils 
überhaupt die grössten Handelsmächte jener Zeit waren, theils 
die wichtigsten Verdiensie um die Eroberung der syrischen See- 
städte hatten ; die pisanischen standen ihnen ziemlich nach sowol 
hinsichlich des Umfangs als hinsichlich der commerciellen Bedeutung, 
dieamalfitanischen hatten am wenigsten zu besagen. Von allen Städ- 
ten der Königreichs ist Accon die einzige, wo wir eine Ansiedlung 
der A malfit an er nachzuweisen vermögen. Sie halten dort Be- 
sitzungen neben dem pisanischen Quartier i} un( j e j nen Platz für 
ihre Todten auf dem Nicolauskirchhof nebst einem Gebeinhaus, 
das ein edler Amalfitaner Manso hatten bauen lassen 2 ). Davon, 



1) Auszug aus einer Urkunde vom Jahr 126V bei Pansa istoria dell' 
antica repubblica d'Amalfi II. p. 53 f. 

2) Pansa I. c. I. p. 91. Camera storia dalla cittä e costiera d'Amalfi 
p. 206. Ughelli Ital. sacra VII. p. 203. 



22 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

dass sie besondere Privilegien und Rechte genossen hätten, fin- 
det sich nirgends eine Spur; auch bin ich in keiner Urkunde 
auf den Namen eines amalfitanischen Consuls oder ßailo in Syrien 
gestossen. Die Pisaner hatten so wenig als die Amalfitaner 
zur Eroberung der syrischen Seestädte mitgeholfen. Daher waren 
auch die Anfänge ihrer Ansiedlung im Königreich Jerusalem sehr 
bescheiden. Während König Balduin IL den Venetianern ver- 
tragsmässig ein Drittel von Tyrus einräumte, schenkte er den 
Pisanern fünf Häuser daselbst als steuerfreies Eigenlhum '); doch 
vermehrte sich ihr Besitz in dieser Stadt und um dieselbe her 
rasch ; eine Schenkung vom J. 1 156 fügte zu den 5 Häusern 5 ent- 
sprechende Grundstücke in der Nähe der Stadt und einen Back- 
ofen '), eine andere vom Jahr 1165 einen freien Platz am Hafen, 
worauf sie eine Loggia bauten 3 ); dazu kauften sie jedenfalls 
vor 1 187 *) vom König eine zu seinem Stadtantheil gehörige 
Waarenhalle und errichteten neben derselben an dem Stadtthor 
gegen den Hafen hin eine Kirche 5 ). In Joppe verlieh ihnen 
Graf Amalrich von Ascalon im Jahr 1157 einen freien Platz, um 
darauf einen Markt, eine Kirche und Wohnhäuser zu errichten, 
während er gleichzeitig auf die Hälfte der Gebühren verzichtete, 
welche ihm die Pisaner bisher beim Betreten oder Verlassen der 
Stadt und beim Kauf oder Verkauf bezahlt halten 6 > Ebenso 
wurde ihnen in den Jahren 1168 und 1182 in Accon Platz zum 
Ueberbauen eingeräumt '). Auf pisanischen Besitz in Jerusalem 
und Cäsarea lässt eine Urkundenstelle schliessen, welche von 
Streitigkeiten der Pisaner mit dem Patriarchen von Jerusalem, 
dem Kloster Santa Maria de Latina in Jerusalem und der Geist- 
lichkeit von Cäsarea spricht 8 ). Dies ist Alles, was wir in den 

1) Das Diplom, welches zwischen 1124 u. 1131 (Todesjahr Baidnins II.) 
fallen muss, ist nicht erhalten ; die angeführte Stelle daraus ist in ein späte- 
res Diplom eingerückt s. Dal Borgo p. 88. 

2) Dal Borgo p. 87 f. 

3) Ib. p. 90. 100. 

4) Ib. p. 100. 

5) Taf. u. Thom. 2. p. 385 f. 

6) Dal Borgo p. 89. 

7) Ib. p. 91 f. 96. 

8) Ib. p. 88. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 23 

ersten 80 Jahren seit der Gründung des Königreichs Jerusalem 
von Ansiedelung der Pisaner daselbst wissen. 

Viel stattlioher nehmen sich allerdings die Einräumungen 
ganzer. Drittheile von Städten aus, wie solche an die Venetia- 
ner und Genuesen gemacht wurden. Wir haben gesehen, 
dass die Genuesen ihren Drittelsantheil an Arsuf, Cäsarea und 
Accon, höchst wahrscheinlich auch an Berytus, die Venetianer 
ein Drittel von Tyrus erhielten. Ausserdem haben wir gefunden, 
wie die Venetianer in Chaifa, Accon, Sidon und Jerusalem, die 
Genuesen in Jaffa und Jerusalem mit Quartieren ausgestattet 
wurden. Nach dem Vertrag des Jahrs 1123 hatten sogar die 
Venetianer ein Recht auf ein vollständiges Quartier (mit Markt- 
platz, Kirche, Bad, Backofen) in jeder Stadt des Königreichs '). 
Diesem Versprechen kamen jedoch die Könige von Jerusalem 
und ihre Vasallen nicht nach, nicht einmal hinsichtlich Ascalons, 
von welchem ein Drittel den Venetianern speciell zugesagt war 2 ). 

In den Binnenstädten mochten die Venetianer wohl selbst 
gerne auf ein Quartier verzichten, aber in Ascalon ein solches 
zu missen, wurde ihnen bei der grossen Bedeutung dieser Stadt 
als Handelsstadt 3 ) und in Anbetracht ihrer fruchtbaren wohlbe- 
bauten Umgebung schwer 4 ). Auch die Genuesen hatten sich 
über den Undank späterer Generationen und vielfache Verletzung 
ihrer Privilegien zu beklagen ; ja der König Amalrich I., welcher 
im Jahr 1162 zur Regierung kam, liess jene Inschrift in der 
Kirche des hl. Grabes zerstören, welche an die Verdienste der 
Genuesen um das Reich erinnerte und ihre dadurch erworbenen 
Privilegien aufzählte; mit Grund fürchteten die Genuesen, dass 
ihr Besitzrecht allmählig werde vergessen- werden und Hessen 
durch befreundete Päpste wiederholt auf Erneuerung der Inschrift 
dringen 5 ), aber ohne Erfolg. 



1) Taf. u, Thom. I. p. 85. 90. 

2) Ib. I. p. 88. 92. 

3) Benj. Tudel. ed. Asher I. p. 79—80. Edrisi p. 340. 

4) s. die Klage des venet. Bailo Marsilius Georgius v.J. 1244 bei Taf. 
n. Thom. I. p. 398. 

5) Lib. jur. I. p. 228 f. 309. 33t ff. Ughelli IV. p 874 f. Conrad von 
Montferrat Herr von Tyrus gestattete zwar im Jahr 1192 die Herstellung der 



24 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Es war übrigens nicht blos Undankbarkeit, was die spätem 
Könige den Handelscolonien der Italiener entfremdete. Diese 
Colonien oder Communen, wie man sie hiess, bildeten wirklich 
ein fremdes Element in ihrem Reich, in welchem sich das Feu- 
dalwesen sonst so besonders rein ausprägte. Während aller 
sonstige Besitz abhängig war, war der ihrige frei, so frei wie 
der des Königs selbst 1 ). Das Einzige, was an Lehens Verbind- 
lichkeit erinnerte, war die Verpflichtung, die Balduin II. den 
Venetianern in Tyrus auferlegte, nach Maassgabe der Einkünfte 
ihres Stadtdrittels Mannschaft zur Vertheidigung ihrer Stadt zu 
stellen. Demgemäss erscheinen auch die Venetianer von Tyrus 
in dem Verzeichniss der Kriegsdienstpflichtigen des Königreichs, 
welches uns in den Assisen von Jerusalem 2 ) erhalten ist, und 
zwar sollten sie von den 28 Rittern, welche in Tyrus gestellt 
werden mussten 3 ) , drei ausrüsten *). Ob. sie auch zu den 
100 Sergeants, welche die Stadt aufzubringen hatte 5 ), ihr Con- 
tingent zu stellen hatten, wird nicht gesagt. In Accon scheint 
den Venetianern gleichfalls die Obliegenheit auferlegt worden zu 
sein, zu der Vertheidigung der Sladt Mannschaft zu stellen; 
Sanuto verzeichnet auf seinem den Secreta fidelium crucis bei- 
gegebenen Plan von Accon an der Umfangsmauer der Stadt 
(entfernt von dem venetianischen Quartier) eine Mauerstrecke 
mit Thurm, welche die Venetianer zu besetzen hatten (Custodia 
Venetorum). Von den Genuesen erfahren wir nicht, dass sie 
kriegsdienstpflichtig gewesen wären; sie kommen auffallender 
Weise in obigem Verzeichnis gar nicht vor. Abgaben ruhten 



Inschrift (üb. jnr. I. p. 401), dies half aber die Genuesen nichts, da die 
Stadt Jerusalem seit 1187 in den Händen der Ungläubigen war. 

1) Ab omni exactione libera sicut sunt regis propria. Taf. u. Thom. I. 
p. 85 libere et regaliter possideant. ib. p. 88. 

2) Le livre de Jean d' Ibelin bei Beugnot I. p. 425. 

3) s. auch Sanuto bei Bongars II. p. 174. 

4) Die Ausrüstung dieser drei Ritter übernahm, wie es scheint, in der 
ersten Zeit nach der Eroberung von Tyrus Rolando Contarini für die Com- 
mune und wurden ihm dafür von derselben Güter in der Umgebung ange- 
wiesen. Dies zur Erklärung der Stelle bei Taf. u. Thom. 2. p. 387: Ro- 
lando Contareno pro tribus militiis. 

5) s. Sanuto 1. 1. Assises I. p. 426. 



Syrien und Kleinarmenien' zur Zeit der Kreuzzüge. 25 

keine auf dem Grundbesitz der Communen. Aber diesen Grund- 
besitz zu vermehren d. h. zu dem Geschenkten noch Weiteres 
zu kaufen, wurde ihnen durch die Gesetze des Königs erschwert. 
Die Assisen von Jerusalem untersagen den Communen nicht blos 
den Kauf von Lehensgütern, sondern auch von freien städtischen 
Gütern (Häusern, Gärten), auf denen keine Lehensverbindlichkeit 
haftet 1 ). Das Motiv dieser Gesetzesbestimmung ist klar: die 
Feudalwelt, aus deren Kreis die Assisen hervorgingen, wollte den 
Besitz der Handelsnationen, welche ohnedies durch Schenkungen 
genug begütert waren, nicht allzu gross werden lassen, wie 
sie denn überhaupt der Anhäufung von Gütern in todter Hand 
vorzubeugen suchte ; denn was einmal die Communen hatten, war 
dem allgemeinen Verkehr entzogen Q ). Für die Geistlichkeit galt 
dieselbe Beschränkung. So gut es übrigens der Geistlichkeit 
gelang, trotzdem viele liegende Gründe zu erwerben, so gut 
werden auch die Handelscommunen Mittel gefunden haben, jenes 
Gesetz zu umgehen 3 ). 

Die Bezeichnung unserer Handelscolonien als Commu- 
nen 4 ) könnte zu der Ansicht führen, als hätten dieselben eine 
eigentliche Communalverfassung gehabt. Dazu fehlte schon die 
Hauptsache: Selbstwahl der Obrigkeit. Die Vorsteher der Colo- 
nien wurden von der Multerstadt gesendet 5 ), empfingen ihre 
Instructionen von dorther und mussten ihr Amt nach einer durch 
das Gesetz bestimmten meist kurzen Frist dem dorther eintreffen- 
den Nachfolger übergeben. Bei den Genuesen und Pisanern 
hiessen die Colonialvorsteher Consoli, bei den Venetianern 
B a i 1 i , neben ihnen kommen Visconti vor, deren Amt aber 
nicht selten mit dem Consulat vereinigt ist. Nach einer Notiz 



1) Ed. Beugnot I. p. 372. 399. II. p. 255. 

2) Beugnot II. Introduction p. LXIII. 

3) Beugnot II. p. 264. 361. 

4) So durchgängig in den Assisen von Jerusalem , aber auch bei den 
Fortsetzern des Wilhelm von Tyrus. 

5) Der Consul der Pisaner in Syrien wurde im 13. Jahrhundert von dem 
grossen Rath in Pisa gewählt. Breve Pisani Communis vom Jahr 1268 bei 
Bonaini, statuti Pisani inediti I. p. 335. Den venelianischen Bailo für Syrien 
ernannte der Doge. Taf. u. Thom. II. p. 174. III. p. 32. 



26 Di« italienischen Handelscolonien in Palästina, 

bei Marco Foscarini ') wäre der Venetianer Theofilo Zeno 
der älteste italienische Colonialvorstand in Syrien, den wir kennen; 
er soll nämlich einer Urkunde zufolge dort bereits im Jahr 1117 
als venetianischer Bailo fungirt haben. Ich fürchte aber sehr, 
dass hier eine Verwechslung vorgegangen ist und die angebliche 
Urkunde vom Jahr 1117 keine andere ist, als der gerade 100 
Jahre später, im Jahr 1217 ausgestellte Privilegienbrief des Herrn 
Guido von Biblion, in welchem ein Theophilus Geno bajulus in 
Suria vorkommt 2 ). Damit soll keineswegs gesagt sein, dass um 
1117 überhaupt noch keine venetianischen Baili in Syrien waren. 
Vielmehr versteht es sich fast von selbst, dass schon die ersten 
Einräumungen städtischer Quartiere in Syrien und namentlich eige- 
ner Gerichte über die in diesen Quartieren Wohnenden für die 
Handelsrepubliken Italiens hinreichende Aufforderung enthielten, 
Beamte dorthin zu senden, um die Verwaltung dieser Quartiere 
zu übernehmen, sodass also Genua mindestens seit 1 104, Venedig 
seit 1110 (in welchem Jahr den Dogen das merum et mixtum 
imperium über die Venetianer in Accon überlassen wurde) Colo- 
nialbeamte in Syrien hatten. Es scheint, dass im ersten Jahr- 
hundert des Bestehens unserer Handelscolonien die Mutterstädte 
sich damit begnügten, in jede einzelne syrische Stadt, wo sie 
Quartiere erhielten, Colonialbeamte zu schicken. Erst im. 13. Jahr- 
hundert finden wir, dass die genuesischen Colonien durch ganz 
Syrien efnen Gesammtvorstand erhielten in der Person von zwei „con- 
sules et vicecomites" 3 ), ebenso dass Ein bajulus aufgestellt Wurde 
zur Leitung sämmtlicher venetianischer Colonien in Syrien *) und 
endlich Ein Consul für sämmtliche pisanische 5 ). Diese einheit- 
liche Leitung war damals durch die Verhältnisse um so mehr 
gefordert, als die Handelscolonien eine Rolle im politischen Leben 
zu spielen anfingen und in Kriege verwickelt wurden. Sowol 



1) Della letteratura Veneziana ed. 2da p. 25. 

2) Taf. u.; Thom. % p. 196. 

3) Lib. jur. I. p. 665. 688. 942. Maslatrie hist. de Chypre IL p. 51, 
57 f. Taf. u. Thom. III. p. 40. 

4) Taf. u. Thom. II. p. 174. 196. 351 ff. III. p. 151 u. ». f. 

5) Dal Borgo p. 91. 92. Taf. u. Thom. III. p. 41. 151. Bonami statuti 
Pisani I. p. 334 f. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 27 

die genuesischen zwei Consules als der pisanische Eine Consul 
und der venetianische Bailo hatten neben sich als beständige 
Beralher bei allen Amtshandlungen zwei consiliarii ') welche 
ihnen für die Zeit ihrer Amtsführung von der Mutterstadt aus 
beigegeben würden ; die pisanischen Gesetze bestimmten, dass der 
eine derselben ein Jurist, der andere ein Kaufmann sein müsse. 
Bei wichtigen Fällen zog der Consul oder Bailo auch das Raths- 
collegium (senalus, consilium unterschieden von consiliarii), oder 
wenn ein grösseres und ein kleineres vorhanden war *) , die 
Rathscollegien bei, um sich der Zustimmung der Colonial- 
gemeinde zu versichern, welche in diesem Rath oder diesen zwei 
Bäthen ihre Vertretung fand 3 ). 

Während die genannten Consules oder Bajuli meist von 
Accon, mitunter auch von Tyrus aus 4 ) die gesammten syrischen 
Colonien ihrer Vaterstadt regierten und einerseits die mancherlei 
Verhandlungen mit den übrigen politischen und commerciellen 
Mächten des Königreichs Jerusalem nach Maassgabe def jeweiligen 
Politik ihrer Heimathrepublik leiteten , auch wohl die Colonisten 
im Kriege anführten , andererseits darüber wachten , dass die 
Rechte der ihrem Schutz befohlenen Communen nicht angetastet, 
ihr Besitz nicht verkleinert, ihre Einkünfte nicht geschmälert 
werden, waren andere Beamte nöthig, welche den venetianischen, 
genuesischen, pisanischen Communen in den einzelnen Städten 
vorstanden, die Communalverwaltung besorgten, die Polizei in 
die Hand nahmen, besonders aber den Communalgerichten 
präsidirten. 

Wir fassen zuerst die letzteren ins Auge. Wären die italie- 
nischen Colonisten den übrigen Bewohnern des Königreichs 
Jerusalem gleichgestellt gewesen , so hätten sie mit allen nicht 
Rilterbürtigen (Bürgern) ihr Forum für alle Civil- und Criminal- 
sachen in den Cours des Bourgeois gehabt, welche, von 12 Ge- 



1) Taf. u. Thom. III. p. 32. 40. 41. 151. Bonaini 1. c. p. 335. 

2) Majus et minus consilium Venetorum in Accon. Taf. u. Thom. HI. 
p. 37. 

3) Taf. u. Thom. III. p. 37. 39 ff. 

4) Taf: u. Thom. II. p. 174. 364. 386. 391. III. p. 32. 40. 41. Bonaini 
1. c. p. 334. Dal Borgo p. 91. 92. 



28 Die italienischen Handelscolonien in Palistina, 

schworenen aus dem Bürgerstand gebildet, von einem königlichen 
Vicomte präsidirt, in 37 Städten des Königreichs bestanden '), 
Nun erwirkten sich aber die drei italienischen Handelsmächte, 
von denen wir sprechen , frühzeitig die Erlaubniss , eigene Ge- 
richtshöfe (curiae) in den Städten, in denen sie sich nieder- 
liessen, zu bilden l ). Wie in den königlichen, so präsidirte auch 
in diesen Communalgerichtshöfen ein Vicomte, daher auch die 
Verleihung einer eigenen Curie zuweilen als Verleihung des 
Vicecomitats bezeichnet wird 3 }. Die eigentlichen Richter aber 
waren wie dort Geschworene. So genossen die Angehörigen 
jeder Nation das Privilegium, blos von Volksgenossen gerichtet 
zu werden. Da aber die Quartiere, welche den Venetianern, 
Genuesen, Pisanern angewiesen waren, als geschlossene Gebiete 
betrachtet wurden, hatten auch die im Bezirk derselben wohnen- 
den Angehörigen anderer Nationen ihr Forum bei dem Gerichts- 
hof eben der Handelscommune , in deren Quartier sie wohnten. 
So standen die Juden und Syrer, welche in dem venetianischen 
Drittel von Tyrus wohnten, dem Vertrag von 1123 gemäss unter 
venetianischer Jurisdiction und der Bailo Marsilius Georgius be- 
zeichnete es mit Grund als eine Widerrechtlichkeit, dass gewisse 
Könige von Jerusalem die Jurisdiction über jene an sich rissen *)• 
Die genannten Communalgerichtshöfe behandelten sowohl Civil - 
als Criminalsachen, beide übrigens innerhalb gewisser 



1) Beugnot, assises I. p. 421. Anm. II. p. XXXIII. 

2) Venetianische Curien in Tyrns, Accon und Berytus s. Taf. u. Thoin. 
I. p. 87. 92. II. p. 231. 233. 291 (?) III. p. 152. Pisanische Curien in 
Tyrus, Accon und Joppe s. Dal Borgo p. 88. 91. 97 f. 101. 109 f. Genue- 
sische Curien in Tyrus, Accon, Joppe, Berylus. s. Lib. jur. I. p. 347. 358. 401. 
406. 411. 665. 687. Olivieri, carte e cronache manoscritte per la storia 
Genovese p. 60. Lünig, Cod. dipl. Hai. I. p. 2459 f. 

3) Dal Borgo p. 88. 101. HO. Ein genuesischer und ein venetianischer 
Vicomte in Accon kommen bei Lünig 1. c. vor; der entsprechende pisanische 
Beamte heisst in dieser Urkunde Consul. Ein venetianischer Vicomte .in 
Tyrus II. p. 366. 377. 

4) Taf. u. Thotn. I. p. 88. 92. II. p. 358 f. Johann von Montfort, Herr 
von Tyrus, vindicirt übrigens in dem Vertrag vem Jahr 1277 sich ausdrück- 
lich die Jurisdiction über seine homines ligii et burgenses, soweit sie im 
venetianischen Quartier wohnen. Ib. III. p. 152. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 29 

Gränzen. Nur leichtere Vergehen urtheilten sie ab, nur leichtere 
(Geld- und Freiheits-) Strafen erkannten sie '). Ueber Ca- 
pitalverbrechen zu richten, behielten sich in der Regel die 
Könige oder ihre Vasallen vertragsmässig vor und es wurde 
auch zum Gesetz im Königreich erhoben, dass die Communal- 
gerichtshöfe keine peinliche Gerichtsbarkeit haben. Das Gesetz- 
buch ') zählt als Verbrechen, welche die Communen nicht vor 
ihr Gericht ziehen dürfen, folgende auf: coup apparent (Körper- 
verletzung, Verwundung), murtre (Mord), larecin (Raub), trayson 
(Verrath, Treubruch, Friedensbruch überhaupt), herezerie (Ketze- 
rei) 3 ). In den Verträgen werden am gewöhnlichsten Mord und 
Raub, manchmal auch Körperverletzung, Diebstahl, Verrath oder 
überhaupt Verbrechen, welche Abhauen eines Glieds oder Hin- 
richtung nach sich ziehen, den königlichen oder herrschaftlichen 
Gerichtshöfen reservirt 4 ). Eine solche Beschränkung des Com- 
munalgerichts auf Aburtheilung leichterer Verbrechen findet sich 
allerdings in dem auf die Niederlassung der Venetianer in Tyrus 
sich beziehenden Grundvertrag vom Jahr 1123 nicht und darin 
mochte der venetianische Bailo Marsilius Georgius einen Grund 
finden, dem venelianisclien Gericht in Tyrus auch die Aburtheilung 
von Capitalverbrechen zu vindiciren ; faclisch wurden auch wirk- 
lich zu der Zeit des Marsilius Georgius d. h. in der Mitte des 
13. Jahrhunderts venetianische Diebe und Mörder der venetiani- 
sehen Commune in Tyrus zur Fällung und Vollziehung des Er- 
kenntnisses überlassen und nur eine Zeit lang vor dieser Periode 
war die im Gesetzbuch vorgeschriebene Beschränkung üblich 



1) Assises de Jerusalem IL p. 100 f. 

2) Ibid. p. 101. 

3) Zu diesem Wort wird der erklärende Beisatz gefügt: si com est 
patelin ou herege. Patelin ist nicht sowol Renegat, wie Beugnot erklärt, sondern 
synonym mit herege und etymologisch abzuleiten von patarenus. Patarener 
waren eine bekannte ketzerische Secte im Mittelalter. Vgl. Assises I. p. 620, 
wo das Feminin, paterine vorkommt. 

4) Vgl. Dal Borgo p. 88. 91. Lib. jur. I. p. 358. 401. Taf. und Thom. 
II, 231 u. sonst. Höchstens wurde die Voruntersuchung bei solchen Ver- 
brechen den Communalgerichtshöfen eingeräumt. Lib. jur. I, 1, oder ihnen 
zwar die Fällung, aber nicht die Exemtion des peinlichen Urtheils zuge- 
standen s. Olivieri p. 60. 



30 Die italienischen Handelscolonicn in Palästina, 

gewesen. In Pr ocesssachen war das venetianische Gericht 
zu Tyrus zuständig, wo es sich um Händel der Venetianer unter 
einander oder um Klagen von Fremden gegen Venetianer handelte ; 
nur Klagen von Venetianern gegen Nichtvenetianer mussten vor 
das königliche (oder herrschaftliche) Gericht gebracht werden '). 
Ebenso wird die Praxis in andern Städten und bei andern Com- 
munen gewesen sein. Endlich wurden auch Acte der frei- 
willigen Gerichtsbarkeit vor den Communälgerichlshöfen 
vorgenommen. Die Assisen von Jerusalem beschränkten hier die 
Zuständigkeit der Communalgerichtshöfe auf Verträge r ) , Käufe 
oder Verkäufe, soweit sie bewegliche Güter betreffen ; Verkäufe von 
Häusern, Ländereien, Weingärten, Gärten, Gehöften gehören vor den 
königlichen Gerichtshof, wenn sie auf Gültigkeit Anspruch machen 
wollen. Graf Beugnot bemerkt zu diesem Satz der Assisen, der 
Uebergang unbeweglicher Güter von einer Person zur andern 
habe in den Feudalzeiten viel zu grosse Wichtigkeit gehabt, als 
dass man eine Exemtion in dieser Beziehung gestaltet hätte, es 
sei desshalb allgemeine Regel gewesen, dass solche Verkäufe 
vor dem königlichen Gerichtshof geschahen 3 ). So richtig die 
erstere Bemerkung ist, so muss ich doch die Allgemeinheit des 
in Frage stehenden Usus, für das Gebiet des Königreichs Jeru- 
salem wenigstens, bestreiten. Von dem Markgrafen von Mont- 
ferrat erhielt im Jahr 1188 eine aus Pisanern bestehende halb 
religiöse halb politisch - militärische Genossenschaft, die societas 
Humiliorum, Häuser und Grundstücke in Accon und Tyrus mit 
der Erlaubniss, sie in der pisanischen Curie zu verpfänden, zu 
verkaufen oder beliebig zu veräussern *). 

Ausser der Cours des Bourgeois bestanden in den See- 
städten des Königreichs Jerusalems eigene Gerichtshöfe, welche 
Streitigkeiten zwischen Schiffseignern und Capjtänen , Capitänen 
und Matrosen, kurz alle auf die Schiffahrt bezüglichen Processe 



1) Taf. u. Thom. I. p. 87. vgl. auch ■III. p. 152. 

2) Die Assisen von Jerusalem geben uns Kenntnis« von einer Verschiedenheit 
der Praxis bei den Communälgerichlshöfen und bei derCours desBourgeois, welche 
in Hinsicht auf Gültigkeitserklärung von Vertragsurkunden stattfand (II. p. 99 f.). 

3) Assises II. p. 101. 

4) Dal Borgo p. 106. 107. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzfige. 31 

zu behandeln hallen; sie hiessen Cours de la chaine '), was 
eigentlich besagen will: Hafengerichte; denn mit Kellen (Chaines) 
die zwischen 2 Thürmen ausgespannt wurden , wurden die Häfen 
des Nachts (sowie bei der Erwartung eines feindlichen Angriffs) 
geschlossen 2 ). Natürlich kamen bei unsern Handelscolonien Pro- 
cesse der bezeichneten Art sehr häufig vor, aber auch diese 
wurden von ihren eigenen Gerichtshöfen geschlichtet. Die Exemtion 
von der Cour de la chaine ist in einem Vertrag y. J. 1J95 den 
Genuesen in Accon ausdrücklich gewährt und war bei allen Han- 
delscolonien reeipirt. Als daher Graf Thomas von Acerra, wel- 
chen Kaiser Friedrich II. im Jahr 1226 als seinen Statthalter 
nach Syrien gesandt hatte, die aeconitanischen Pisaner vor die Cour 
de la chaine citirte , machten ihre Consuln Vorstellungen bei dem 
Kaiser, welcher diesen Eingriff in die Rechte der Pisaner im 
Jahr 1229 abstellte 3 ). 

Neben der Jurisdiction nahm die Sorge für die öffentliche 
Sicherheit und die Ueberwachung des Handels und Wandels die 
Thätigkeit eigener Colonialbeamlen in Anspruch. Denn auch die 
Polizei innerhalb der Handelsquartiere zu üben war den Colo- 
nien überlassen. Es war daher eine Verletzung der Rechte der 
Venetianer, als König Johann von Jerusalem (1205 — 1222) 
seinen Polizeibeamten in Tyrus auch im venelianichen Quartier 
die Marklpolizei üben liess , was erst um das Jahr 1240 wieder 
abgestellt wurde *). 



1) Ceber ihre Organisation s. Bengnot, Einleitung zu den Assises II. 
p. XXIII. 

2) z B. Benj. Tudel. I. p. 63. Ibn Batuta I. p. 131. 183. 

3) Dal Borgo p. 176. 

4) Taf. u. Thom. II. p. 359 f. Jener königliche Polizeibeamte hiess 
Mothasib: die ganze Institution war, wie schon der arabische Name des 
Beamten zeigt, aus dem arabischen Staatswesen entlehnt Unsere Urkunde 
ist die einzige, welche davon Kunde gibt, dass schon die Könige von Je- 
rusalem solche Mothasibs einsetzten. Die Könige von Cypern verpflanzten 
diese Institution auch dorthin s. Lusignano Corografna di Cipro p. 80. 
Haslatrie histoire de Chypre III. p. 206. 853. Abregö du livre des assiseg 
de la cour de Bourgeois (in Cypern im 14.. Jahrhundert abgefasst) bei 
Beugnot, assises de Jerusalem II. p. 237. 244. Was über den Mothasib im 
muselmännischen Staatswesen bei orientalischen Schriftstellern und bei Rei- 



32 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Noch musste dafür Sorge getragen werden, dass der Be- 
sitz der Communen an Gebäuden und liegenden Gründen im 
Stand erhalten bleibe und möglichst nutzbar gemacht werde, 
namentlich aber waren auch wachsame Hüter nöthig, um zu ver- 
hindern , dass von diesem Communalbesitz Nichts in fremde 
Hände übergehe. Es begab sich nicht selten, dass Privatperso- 
nen, welche Communalgüter zu Lehen erhalten, hatten, diese 
Güter nicht mehr herausgaben und sie allmählig in Privateigenlhum 
verwandelten ; auch die Könige entfremdeten öfters den Commu- 
nen ihr Gut. So wurde z. B. der Besitz der venetianischen 
Commune in Tyrus mit der Zeit bedeutend geschmälert; der 
Bäilo Marsilius Georgius machte um 1240 ihre Rechtsansprüche 
auf die verlorenen Güter wieder geltend ')> aber das Meiste mag 
in fremden Händen geblieben sein. 

Eine Handelscommune hatte in der Regel an öffentlichen 
Gebäuden eine oder mehrere Kirchen, ein Gerichtshaus, eine 
Kaufhalle, ein Schlachthaus, ein oder mehrere Bäder, einen oder 
mehrere Backöfen, dann Amtswohnungen für Beamte; die übri- 
gen Häuser, Läden und Buden, welche das Quartier umfassle, 
wurden vermiethet und warfen besonders in den Monaten, wo 
die Handelsflotten (caravanae) aus dem Abendland kamen, sehr 
viel ab '.). Die Handelsnationen des Abendlandes pflegten näm- 
lich hauptsächlich zwei Zeiten zu ihren Fahrten in die Levante 
zu wählen, die Osterzeit und die Zeit um den Johannisfeiertag 3 ); 
da sammelten sich jedesmal ganze Flotten von Kauffahrern und 
wenn diese in den Seestädten Syriens ankamen, war dort Mes- 
sezeil und die Nachfrage nach Wohnungen und Verkaufslocalen 
gross. Neben diesem städtischen Eigenthum hatten aber die 
Communen auch beträchtliche Ländereien im weiten Um- 
kreis um die Städte her. Man nannte solche ländliche Besitzungen, 



senden nach der Levante vorkommt, hat Quatremere zum Makrizi I. p- 114 
Beissig gesammelt. Wir sehen daraus , dass der syrische und cypriotische 
Mothasib zur Zeit der Frankenherrschaft ganz dieselben polizeilichen Func- 
tionen hatte, wie noch jetzt der Mothasib im Orient. 

1) Taf. u. Thom. IL p. 354 ff. 

2) ib. p. 391 B. 

3) Wilken VII., 354. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 33 

welche sich um eine Stadt oder ein Schloss herum grup- 
pirten, Casalien und begriff unter diesem Namen sowohl 
kleinere Gehöfte als eigentliche Weiler und Dörfer '). Casalien 
in diesem Sinne des Worts erscheinen schon in den grundlegen- 
den Verträgen von den Jahren 1104 (Genua) und 1123 (Vene- 
dig) l ) als stehende Beigaben zu den städtischen Quartieren und 
der Grundbesitz, zu welchem die Communen auf diese Art ge- 
langten , wurde später noch vermehrt 3 ). So waren den Genue- 
sen durch den Vertrag vom Jahr 1104 in der Umgebung von 
Accon Casalien mit einem jährlichen Ertrag von 300 Byzanlien 
zugetheilt worden, im Jahr 1249 berechnete man aber den Jah- 
resertrag der genuesischen Besitzungen um jene Stadt her be- 
reits auf 1003 Byzantien *). Eine hohe Vorstellung von der 
Ausdehnung des venetianischen Landbesitzes in Syrien bekom- 
men wir durch die ßelationen 5 ) des Marsilius Georgius , wel- 
cher von 1240 an mehrere Jahre lang Bailo in Syrien war 6 ). 
Wir lesen darin die Namen von gegen 80 Casalien, auf welche 
die Venelianer nur in der Umgebung von Tyrus ein Besitzrecht 
hatten. Es ist wahr, dass sie im Jahr 1243, aus welchem die- 
ser Bericht stammt, nicht mehr alle diese Casalien wirklich be- 
sessen, aber ursprünglich hatten sie dieselben und verloren sie 
nur durch die Habsucht der Nachbarn oder Lehensträger sowie 



1) Beugnot, memoire sur le regime des terres dans les principautes 
fondles en Syrie par les Francs a la suite des croisades. Bibl. de l'ecole 

des chartes, 3. Sene T. 5. (1854)) p. 252—6. 

2) Lib. jur. I. p. 16. Taf. u. Thom. I. p. 88. 

3) Vgl. was die Genuesen betrifft lib. jur. 1. p. 358. 401. Taf. u. Thom. 
2, 368 f. Ueber die Pisaner als Besitzer von Casalien in der Umgebung 
von Accon, Tyrus und Joppe s. Dal Borgo p. 97. 101. 107. 109. Taf. und 
Thom. 2, 377. 

4) Olivieri, carte e cronache manoscritte par la storia Genovese p. 60. 
Canale 2, 509. Seeva 4, 174. 

5) Durch die vollständige Herausgabe derselben haben sich Tafel und 
Thomas ein wahres Verdienst erworben , obgleich Wilken schon Man- 
ches daraus mitgetheilt hatte s. Wilken VII. p. 371 ff. Taf. u. Thom. II. p. 
351 ff. 

4) Wir sind demselben Mann schon einmal begegnet auf einer Mission 
nach Rhodus (s. vor. Abb.). 

Zeiljchr. f. Sluuw. 1860. 1s Heft. 3 



34 Di« italienischen Handelscolonien in Palästina, 

durch die Nachlässigkeit der eigenen Beamten. Der Grundstock 
dieses Landbesitzes stammte, wie schon die überall sich hin- 
durchziehende Dreitheilung unwidersprechlich zeigt , aus der Zeit 
der ersten Besitznahme der Stadt, wo den Venetianern ein Drit- 
tel sowohl von der Sladt selbst als von den zu ihr gehörenden 
Ländereien vertragsmässig angewiesen wurde '). Die venetiani- 
schen Güter um Tyrus zogen sich von der Küsle des Meers bis 
zum Plateau des nahen Gebirgs und begriffen Fruchtfelder, Ge- 
müsegärten , Zuckerplantagen, Weinberge, Oliven- und Feigen- 
pflanzungen in sich, dazwischen Bauernwohnungen zum Theil 
einzeln stehend zum Theil zu Höfen vereinigt. Die Venetianer 
scheinen sich mit der Bewirthschaftung derselben nicht selbst be- 
fasst zu haben; doch zeigen einzelne kleine Züge, dass sie diese 
Quelle der Bevenuen keineswegs vernachlässigten, so schössen 
sie z. B. den Bauern Saatfrucht vor, damit „die Güter besser 
eingesäet würden." Auf die grösseren Casalien setzten sie 
eigene Verwalter (gastaldiones). Syrische Bauern aber 
waren (schon nach den vorkommenden Namen zu schliessen) 
die eigentlichen Bebauer des Bodens. Sie gehörten nicht durch- 
gängig der untersten Gasse an, finden wir doch unter densel- 
ben solche, welche den Titel Beis führen und somit ein gewisses 
richterliches Ansehen bei ihren Landsleuten genossen *_)• Welch 
ein Loos halten nun diese syrischen Bauern unter der veneliani- 
schen Gutsherrschaft? hatten sie gar kein freies Eigenthum? und 
wie gross waren die Naturallieferungen , welche sie aus den 
Ihren Händen anvertrauten Gütern leisten mussten? Es ist sehr 
auffallend, wie wenig die übrigen Urkunden aas der Zeit der 
Herrschaft der Franken in Syrien gerade über die Zustände der 
landbebauenden Bevölkerung Licht verbreiten; fast nirgends wird 
uns etwas über das Maass ihrer Leistungen an die fränkischen 



1) Taf. u. Thom. 1, 88. 

2) Beugnot memoire a. a. 0. p. 413. Le titre de reis eHait donne' aux 
magistrats Syriens, dont les Franc» respecterent l'aDtoritd; maif le sei» pro- 
pre de ce mot arabe eHänt chef les Francs l'employaient poor designer de« 
Syriens, qui sans elre de rentables magistrats ou commandants exercaient 
sur leurs concitoyens n raison de leur naissance , de leur fortone et des 
anciennes traditions municipales une certaine autoritö. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzflge. 35 

Herren mitgetheilt , auch in den Gesetzbüchern des Königreichs 
Jerusalem weiden nirgends die Forderungen der Herren an ihre 
Bauern normirt. Man hat daraus den Schluss gezogen , dass die 
ersteren, deren Willkühr von keinem Gesetze beschränkt war, 
den letztern gegenüber von dein Eroberungsrecht den unbarm- 
herzigsten Gebrauch machten, sich auf eine verlragsmässige 
Festsetzung der Quote der bäuerlichen Leistungen gar nicht ein- 
liessen , vielmehr die Bauern zur Ablieferung des ganzen Ertrags 
der Güter zwangen, so dass denselben kaum etwas zum Leben 
blieb '). Wir sind nunmehr im Stand, auf Grund der Berichte 
des Marsilius Georgius versichern zu können, dass dieses Ge- 
mälde vom Zustand der syrischen Bauernschaft in den Kreuzfah- 
rerstaaten, wenn es auch immerhin möglicher Weise auf die 
Güter der Feudalbarone passen mag, doch jedenfalls zu trübe 
ist für die Güter der italienischen Handelscolonieii. Wenigstens 
war es auf den venelianischen Landgütern bei Tyrus Sitte, dass 
den Bauern zwei Drittel oder drei Viertel des Feldertrags gelas- 
sen wurde; die Commune nahm blos ein Drittel oder ein Viertel 
desselben in Anspruch, ausserdem war den Bauern gewöhnlich 
auferlegt an 3 Festen des Jahrs je für eine Hufe ein Huhn, 
zehn Eier, einen halben Käslaib und dergl. an den Bailo abzu- 
liefern, einmal werden auch Frohnen, die sie mit dem Zugvieh 
zu leisten haben (angariae), erwähnt. Wenn ferner von den 
Hufen , aus denen ein Casale besteht , gewöhnlich einige als frei 
bezeichnet werden, so scheint damit gesagt werden zu wollen, 
ein Bruchtheil des Guts sei den Bauern abgabenfrei überlassen 
worden. Was endlich die persönliche Freiheit oder Unfreiheit 
betrifft, so waren wenigstens nicht alle diese Bauern der Leib- 
eigenschaft verfallen, manche werden als „homliges" bezeich- 
net »), so dass wir also hier den interessanten Fall der Ueber- 
tragung der Feudalverhältnisse auf einen morgenländischen Stamm 

vor uns haben. 

Während die Handelscoinmunen nach dem Bisherigen Mieth- 
zins von ihren Häusern, Naturallieferungen von ihren Casalien 



1) Ansicht Beugnots in dem angeführten Memoire p. 421. 422. 

2) Darunter ehen jene Reis, von denen wir oben gesprochen haben. 
' 3* 



36 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

bezogen, hatten sie auch ihren Antheil an den Gefällen 
des Staats, welche in den St&dten, wo sie ihre Quartiere hat- 
ten, erhoben wurden, namentlich an den Hafenzöllen. So ge- 
nossen die Genuesen verlragsmässig ein Drittel des Hafenzolls 
in Accon und Tyrus '), ebenso die Venetianer 2 ) ein Drittel des 
Hafenzolls von Tyrus und 300 Byzantien vom Hafenzoll in Accon ; 
ausserdem zählt Marsilius Georgius eine Reihe von Revenuen in 
Tyrus auf, von welchen die Venetianer ein Drittel anzusprechen 
haben 3 ). Aber gerade in diesem Puncte beachtelen die geld- 
bedürftigen Könige von Jerusalem am allerwenigsten die An- 
sprüche der Handelsmächte. Schon König Fulco (1131 — 1143) 
entzog den Venetianern jene in Accon zu erhebenden 300 By- 
zantien und im Jahr 1243 klagte Marsilus Georgius, dass seine 
Landsleute von den öffentlichen Einkünften in Tyrus ihren Theil 
nicht mehr bekommen 4 ). Es erwuchs für die Könige von Je- 
rusalem und ihre Vasallen ein empfindlicher Ausfall an Zollein- 
künften schon dadurch, dass gerade die bedeutendsten Handels- 
nationen keinen Zoll zahlten. Venetianer, Genuesen, Pisaner 
waren, wie fast in jedem neuen Vertrag wiederholt wird, frei 
nicht nur vom Zoll, sondern auch von jeder Abgabe überhaupt. 
Diese Zollfreiheit, anfangs unbeschränkt zugestanden, wurde 
später durch die Könige in fiscalischem Interesse bedeutend mo- 
dificirt besonders in der Richtung, dass die italienischen Han- 
delsleute , wenn sie von saracenischen Ländern kamen oder 
dahin giengen , mit einem Zoll belegt wurden 5 ). Die jährlichen 
Einkünfte der italienischen Handelscommunen in Syrien in be- 
stimmte Summen zumal nach unseren jetzigen Geldwerthen zu 
fassen ist kaum möglich. Wir haben zwar durch Marsilius Ge- 
orgius 6 ) eine Liste der Miethzinse, welche die venetianische 

1) Lib. jur. 1. p. 16. 358. 401. 

2) Taf. u. Thom. I. p. 141, II. p. 384. 

3) ib. II.- p. 385. 

4) ib. I. p. 141. 384 f. 

5) siebe den 18. Punct des ersten der Zolltarife bei Beugnot , Assises 
II. p. 175, ferner den Vertrag von 1192 lib. jur. I. p. 406 f. und den Be- 
richt des Marsilius Georgius Taf. u. Thom. II. p. 398 , wo noch andere Be- 
schränkungen der Zollfreiheit erwähnt werden. 

6) Taf. u. Thom. II. p. 390 ff. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 37 

Commune in Accon im J. 1244 aus ihren Häusern und Läden 
bezog : die Summe derselben beläuft sich auf etwa 4000 Byzan- 
tien d. h. gegen 5000 Francs ')• Wir besitzen ferner ejne 
Uebersicht über die Einkünfte der genuesischen Commune in 
Accon aus Häusern und Casalien , wie sich solche im Jahr 1249 
gestaltet hatten: die Summe beträgt nach der von Olivieri fest- 
gestellten Lesart l ) 3886 Byzantien d. h. ungefähr 4850 Francs. 
Sonst aber gehen uns alle bestimmteren Notizen ab 3 ). 

Wir sind nunmehr zu dem Resultat gekommen, dass die 
italienischen Handels-Nalionen in jeder einzelnen Niederlassung 
Gericht, Polizei, Administration liegender Güter und Verwaltung 
eingehender Gelder durch ihre Beamten zu besorgen hatten. 
Ueber den Beamtenorganismus selbst aber sind wir schlecht un- 
terrichtet. An der Spitze jeder einzelnen Niederlassung scheint 
ein Bailo oder Consul gestanden zu sein, welchen wir vorwie- 
gend als Administrativbeamten zu denken haben; neben ihm als 
Vorstand des Gerichts der Vicecomes. Häufig war aber Consu- 
Iat und Vicecomitat mit einander vereinigt. Sonst werden als 
Colonialbeamte Gastaldiones und Marescalci erwähnt *), ohne dass 
wir jedoch über ihre Functionen etwas. Näheres erführen. 

Noch bleibt uns übrig einen Blick auf die kirchlichen 
Verhältnisse unserer Handelscommunen zu werfen. Den 
letzteren wurden nämlich theils gleich bei Eroberung der syri- 
schen Seestädte Kirchengebäude, die sich dort schon vorfanden, 
zugewiesen, theils Erlaubniss zum Bauen neuer Kirchen ertheilt. 
In der Regel weihte die Colonialgcmeinde ihre Hauptkirche dem- 



1) Ich folge hier dem Grafen Beugnot, welcher den Byzantius des 13. 
Jahrhunderts gleich 1 Fr. 20 — 25 cent. des heutigen Geldes nimmt s. das 
angef. Memoire p. 254 vergl. desselben Noten zu den Assisen von Jerusa- 
lem I. p. 213 485. II. p. 48. 

2) übrigens las schon Semini genau wie Olivieri, (1. c p. 60) und die 
andere Lesart Serra's (IV. p. 174), welche eine Summe von 14087 Byz. 
ergibt, ist zu verwerfen trotzdem dass Canale ihr den Vorzug gibt, weil 
ihm die Summe nach der ersten Lesart zu klein erscheint (II. p. 509 f.). 

3) Das Raisonnement Canale's II. p. 507—511 gibt sehr problematische 
Resultate. 

4) Taf. u. Thom. II. p. 392. Lib. jur. I. p. 401. 



38 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

selben Heiligen, welchem die Hauptkirche der Mutterstadt ge- 
weiht war. So finden wir denn venetianische Marcuskirchen in 
Tyrus , Accon und Berytus ') und genuesische Laurentiuskirchen 
in Tyrus , Accon und (wahrscheinlich) in Cäsarea *~). Am ge- 
nauesten sind wir Über die Marcuskirche in Tyrus und ihre Ge- 
schichte unterrichtet. Wie die Handelscommunen in Syrien Über- 
haupt und speciell das venetianische Drittel von Tyrus in den 
feudalen Organismus des Königreichs nicht eingefügt sondern 
allein von der Mutterrepublik abhängig waren, so stand auch 
die Marcuskirche, welche die Venelianer in ihrem lyrischen 
Quartier erbaut hatten, ausserhalb des kirchlichen Organismus 
jenes Reichs, vermöge dessen sie dem Erzbischof von Tyrus 
hätte untergeben sein müssen, sie war vielmehr einzig und allein 
von der Marcuskirche zu Venedig abhängig, welche als ihre 
Mutterkirche galt 3 ). Dabei hatte sie das volle Parochialrecht 
und der Dienst an ihr wurde von einem Leutpriester (plebanus), 
welcher von Venedig gesandt wurde, und andern Geistlichen 
gleichfalls Venetianern versehen *). So wenig die Könige von 
Jerusalem die politisch exemte Stellung der Handelscommunen 
gerne sahen , so wenig, konnten sich die Bischöfe des Reichs 
mit der exemlen Stellung ihrer Kirchen befreunden. Die Ge- 
schichte der Marcuskirche von Tyrus ist nichts als ein fortge- 
setztes Ringen mit den Erzbischöfen, welche auf ihre Unabhän- 
gigkeit ein Attentat um das andere machten. Der Streit blieb 
lange schwebend, der päbstliche Stuhl stellte sich bald auf die 
Seile der Erzbischöfe, bald erkannte er die Rechte der Marcus- 
kirche wieder an, bis endlich Papst lnnocenz IV. die letztere 
Kirche, welche zur Marcuskirche in Venedig gehöre, in den be- 
sonderen Schutz des päpstlichen Stuhls nahm und verbot, dass 
irgend Jemand ohne specielle päbstliche Ermächtigung über sie 



1) Taf. u. Thom. I. p. 140. 148. 281 ff. 425. IL p. 26. 126. 174. 362. 
424 f. 429 f. 445 ff. III. p. 31 ff. 153. 

2) Ughelii Kai. sacra T. IV. p. 882. Lib. jur. I. p. 412. Caffar. bei 
Mural. VI. p. 252. 

3} Taf. u Thom. I. p. 140. 425. II. p. 362. 
4) ib. I. p. 425. II. p. 362 f. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeil der Kreuzzüge. 39 

Jurisdiction ausübe '). Das Gleiche verfügte Innocenz Über die 
Marcuskirche in Accon , wo übrigens der Streit doch später wie- 
der ausbrach. Es gelang dem dortigen Bischof endlich, den 
venetianischen Leutpriester in eine gewisse Abhängigkeit vom 
bischöflichen Stuhl zu bringen ; jedoch Uberliess er ihnen gleich- 
zeitig die vom venetianischen Parochialbezirk umschlossene De- 
metriuskirche 2 ). Von da an waren also die Venetianer im Be- 
sitz von zwei Kirchen in Accon; in Tyrus hatten sie deren drei, 
die Marcus-, Jakobs- und Nicolauskirche, von denen die zweit- 
genannte dem Bischof von Torcello, die dritte dem Bischof von 
Jesolo übergeben war 3 ). 

Die Colonialkirchen der Genuesen und Pisaner scheinen von 
Anfang an den syrischen Bischöfen gegenüber weniger unabhän- 
gig gewesen zu sein ; dennoch halten auch sie mit der Herrsch- 
sucht und dem Uebelwollen derselben vielfach zu kämpfen*). 

Wir sind zu Ende mit der Schilderung der Zustände der 
italienischen Handelscolonien im Königreich Jerusalem. Es musste 
dabei der Geschichtserzählung vielfach vorgegriffen werden, um 
alles Zuständliche in Ein Gesamtbild zu vereinigen. Die Geschichte 
weiss wie gesagt in den ersten 70 bis 80 Jahren des Bestehens 
unserer Colonien so gut als gar Nichts von ihnen zu erzählen, 
Fern vom Schauplatz der Kämpfe, welche meist im Binnenland 
vor sich giengen , blühten sie stille fort. Aber die Katastrophe, 
welche mit der Schlacht bei Hittin (5. Juli 1187) über das 
ganze Königreich hereinbrach, hatte ausser dem für Alle verhäng- 
nissvollen Verlust Jerusalems auch die schwersten Schläge für 
die Handelscolonien im Gefolge. Accon ergab sich wenige Tage 
nach jener Schlacht (9. Juli) ohne Widerstand an Saladin, mit 

1) Taf. u. Thora. I. p. 282, 425. 281 ff. (zu welcher Stelle Dandolop. 
319 zu vergleichen) 425. II. p. 26 f. 174. 445 ff. 

2) ürk. v J 1?60. Taf. u. Thom. III. p. 31 ff 

3) Taf. u. Thom. II. p. 363. üeberhaupt hatten die kleinen Lagunen- 
bisthümer, zu welchen Jesolo ( — Equilio) und Torcello gehören, mancherlei 
Besitzungen in Syrien; so besass der Bischof von Caorle eire Waarenhalle 
in Tyrus , der von Castello die Marcuskirche von Berytus. Taf. u. Thom. I. 
p. 168. II. p. 126. 364. 424 f. 429 f. 

4) Ughelli IV, p. 876—883. Dal Borgo p. 102. ltO. Tronci p. 169. 



40 Die italienischen Handelscolonien in Palistina, 

dieser Stadt fiel einer der Hauptsitze der abendländischen Kauf- 
leute in Feindeshand, die kostbaren Waaren , welche in ihren 
Magazinen aufgehäuft waren , vertheilte der Sieger unter seine 
Emire und Soldaten '). Die Kaufleute selbst zogen es wohl mit 
den meisten Abendländern vor, die Stadt zn verlassen, obgleich 
Saladin ihrem Bleiben kein Hinderniss in den Weg gelegt hätte. 
Sofort geriethen nach einander Jaffa , Sidon , Berytus , Cäsarea, 
Ascalon in die Hände Saladins, von allen Städten des Königreichs 
Jerusalem erwehrte sich allein Tyrus mannhaft seiner Angriffe; 
es war eine Zufluchtsstätte geworden für viele Ritter, welche 
sich aus der Schlacht bei Hittin gerettet, auch Für viele Flücht- 
linge aus den von Saladin eroberten Städten des syrischen 
Landes 2 ). Doch wäre wahrscheinlich auch diese Stadt gefallen, 
hätte sie nicht an einem neuen Ankömmling, dem Markgrafen 
Conrad von Montferrat, einen Vertheidiger voll Muth und Energie 
gefunden. Nächst ihm nahmen sich die in Tyrus angesiedelten 
Genuesen und Pisaner 3 ) der Vertheidigung der Stadt eifrigst an'); 
letztere wagten sogar vor und während der Belagerung von 
Tyrus Expeditionen zur See bis nach Accon ; von denen sie 
reich an Beute und Lebensmitteln zurückkehrten 5 ). Später jedoch 
als die Belagerung der Stadt längst aufgehoben war, kam es zu 
einem Conflict zwischen Conrad von Montferrat und den tyrischen 
Pisanern, welcher in offene Spaltung überging. Als nämlich 
König Guido von Jerusalem aus der Gefangenschaft Saladins ent- 
lassen in die Stadt Tyrus Einlass begehrte und dieselbe als könig- 
liche Stadt ansprach, weigerte sich der Markgraf ihm die Stadt 
zu übergeben, auf seine eigenen Verdienste um die Erhaltung 
der Stadt pochend. Da erhoben sich die Pisaner für das gute 
Recht des Königs und als der Markgraf sie darüber feindlich be- 
handelte, verliessen sie die Stadt und stiessen zu dem Heer 



1) Ibn-al-AthirbeiMichaud(Reinaud) bibliotheque des croisades IV. p. 201. 

2) Bened. Petrobnrg. im Recueil des bistoriens de la Gaule T. XVII. p. 473. 

3) Unter diesen mit besonderer Auszeichnung die bereits früher er- 
wähnte Societas Humiliorum. 

4) Lib. jur. I, 347 oben. 357. 400. 405. Dal Borgo p. 97. 100. 102. 
105. HO. 

5) Sicard. Cremon. b. Murat. VII. p. 604 f. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 41 

Guido's '). Der König begann damals mit schwachen Streitkräften 
die denkwürdige Belagerung Accons, bei welcher sich 
während ihrer zweijährigen Dauer (Ende August 1189 bis 12. Juli 
1191) verschiedene grosse und kleine Kreuzheere aus Europa 
zusammenfanden. 

Das Abendland war durch den Fall Jerusalems und nahezu 
des ganzen Reichs, welches nach dieser Hauptstadt sich nannte, 
tief erschüttert worden, die italienischen Handelsstädte im Be- 
sonderen hallen den Verlust fast aller ihrer syrischen Colonien 
mit Schrecken vernommen. Unter den ersten , welche einen 
neuen Kreuzzug zur Wiedereroberung des Verlorenen in An- 
regung brachten, waren die Genuesen. Sie schrieben in dieser 
Richtung nicht blos an den Papst' 2 ), sondern schickten auch 
wiederholt Gesandte (1188 Ruffo della Volta, 1189 Ansaldo 
Bufferio und Eurico Diotisalvi) nach England und Frankreich 3 ), 
um die Könige Richard Löwenherz und Philipp August zu dem 
Kreuzzug zu bestimmen, welchen sie bekanntlich bald darauf 
wirklich unternahmen. Die Genuesen selbst waren damals in einem 
erbitterten Krieg mit den Pisanern begriffen und nur den ein- 
dringlichsten Ermahnungen der Päpsle Gregor 8. und Clemens 3. 
gelang es diesem ein Ende zu machen. Nachdem beide Mächte 
Frieden geschlossen 4 ), ging im Jahre 1189 eine genuesische 
Kriegsflotte unter dem Consul Guido Spinola 5 ) und noch früher 
im Herbst 1188 eine pisanische unter dem Erzbischof Ubaldo 
nach Syrien 6 ). Leztere stiess , nachdem sie in Messina über- 
wintert, unterwegs zu einer venetianischen Flotte, welche der 
Doge Aurio Mastropietro unter Aufbietung sogar aller im Aus- 
land wohnenden Venetianer gerüstet halte 7 ). So erschienen die 
Streitkräfte unserer drei Handelsnationen im Jahr 1189 auf dem 

1) Gaufr. Vinis. p. 267. Rad. Coggeshale p. 574. 

2) Bened. Petrob. I. I. p. 472 f. 

3) Oltobon. Scrib. b. Murat. VI. p. 361 f. 

4) Dal Borgo p. 114 ff. 

5) Ottobon. Scriba p. 362. 

6) s. die pisanischen Chroniken bei Murat VI. p. 191. XV. p. 976. 
Ranieri Sardo in Arch. stör. VI, 2. p. 85. Roncioni ib. VI, 1. p. 417. 

7) Sardolo p. 312 f. 



42 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Schauplatz des Kriegs'), lange bevor die Hauptheere Philipp 
Augusts und Richards eintrafen, was erst im April und im Juni 
1191 stattfand. Die Geschichtschreiber der Belagerung vonAccon 
erwähnen rühmend der stattlichen Kriegsmaschinen der Genuesen *) 
und Pisaner, des kühnen aber freilich unglücklichen Angriffs der 
lezteren auf den Fliegenthurm am Eingang des Hafens, ihrer Be- 
theiligung endlich an dem lezten Sturm auf die Stadt 3 ), welchem 
die Capitulation der Stadt unmittelbar folgte. 

Von der eroberten Sladt nahmen die Könige von Frankreich 
und England Besitz, wie wenn sie ihnen allein gehörte, auch 
ihre Soldaten waren rücksichtslos genug, die Häuser der Stadt 
sich anzueignen, ohne die historischen Rechte der Bürger zu 
achten, welche dieselben bis 1187 zu eigen gehabt hatten. Als 
nun die alten Bewohner Accons wieder herbeikamen, um ihr 
Eigenthum an sich zu nehmen, fanden sie französische oder eng- 
lische Soldaten darin, welche sich auf das Recht der Eroberung 
steiften. Die Bürger brachten nun die Sache vor die beiden 
Könige und diese gaben ihr Urtheil dahin ab, dass jedem, der 
durch gute Zeugen sein Eigentumsrecht auf irgend ein Gebäude 
nachweisen könne, dieses Gebäude wieder als Eigenthum zugestellt 
werden müsse ; doch solle er die Kriegsmänner, welche sich 
darin angesiedelt haben, als Mitbewohner darin dulden*)." 
So mögen auch viele einzelne Italiener in den Besitz ihrer 
alten Häuser zu Accon gekommen sein. Die Verkaufsiocale 
auf dem Markt wurden den Pisanern und andern Kaufleuten und 
Geldwechslern wenige Tage nach der Eroberung eingeräumt 4 ), 
Wie ging es aber mit dem Communaleigenthum unserer drei 



1) Murat. VI, 191. Sicard. Cremon. b. Mnrat. VII, 606. Gaufr. Vinis. 
p. 271. 

2) Die guten Dienste des genuesischen Consuls Spinota bei der Be- 
lagerung Accons erkennt auch der Markgraf Conrad von Montferrat schon 
im April 1190 an und belohnt sie durch Schenkungen. Lib. jur. I. p. 357. 

3) Bened. Petrob. I. c. p. 497. 523. Gaufr. Vinis. p. 267. 275. 287 f. 
338 f. Biblioth. des crojsades IV. p. 288. 

4) s. den Fortsetser des Wilhelm von Tyrus bei Guixot Collection des 
memoire» XIX. p. 183—5. 

5) Bened. Petrob. p. 524 f. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzuge. 43 

Handelsnationen im Ganzen ? Die Genuesen hallen bei Zeiten dafür 
gesorgt, dass ihnen nichts davon verloren gehe Es bestand 
nämlich schon seit dem 16. Februar 1190 ein Vertrag zwischen 
Genua und Philipp August, worin Lezterer, ehe er den Kreuz- 
zug antrat , den Genuesen durch seinen Gesandten Herzog Hugo 
von Burgund versprach, ihnen ihre alten Besitzungen, wo ihnen 
solche durch die Eroberungen Saladins entrissen worden, wieder 
einzuräumen , und zudem in allen weiter zu erobernden Städten 
Quartier und eigenes Gericht zu verleihen, auch überall in Syrien 
Zollfreiheit zu gewähren. Die Genuesen hatten sich dies aus- 
bedungen , als Herzog Hugo im Namen Philipp Augusts eine 
Flotte zur Uebersetzung des französischen Kreuzheeres nach 
Syrien von ihnen miethete, und der König bekräftigte jenes 
Versprechen seines Gesandten bei seiner persönlichen Anwesen- 
heit in Genua im August 1190'). Weitere Verträge mit König 
Guido von Jerusalem' 1 ) fügten neue Garantien hinzu. Aehnliche 
bestimmte Zusagen hatten die Pisaner und sie wurden auch erfüllt 3 ). 
Was endlich die Venetianer betrifft, so meldet Dandolo, dass sie 
nach der Eroberung Accons ihre dortigen Häuser samt der Mar- 
cuskirche wiederbekamen *) 

Auf die Eroberung Accons folgten noch andere mehr oder 
minder glückliche Unternehmungen und die Verhältnisse besserten 
sich soweit, dass die Christen im Frieden mit Saladin (2. Sept. 
1192) den ganzen Küstenstrich von Tyrus bis Jaffa, welcher 
ausser den zwei genannten Städten auch Accon, Chaifa, Arsuf 
und Cäsarea befasste, samt der Hälfte des Gebiets von Lydda 



1) Lib. jur. I. p. 355 f. 368 f. und dazu Ottobon. Scriba p. 362 f. 
Die Bestätigungsurkunde des Königs trägt kein Datum ausser der Jahreszahl ; 
doch kann sie kaum anders als in den August, höchstens in den Anfang 
Septembers fallen, s. Bened Petrob. p. 500. Ottob. Scriba p. 363. Wilken 
IV. S. 164. 

2) Lib. jur. I. p. 359 f. 380 f. d. d. Hai 1190 und Nov. 1191. 

3) Die Verträge, welche diese Versprechungen enthalten, sind zum 
Theil unedirt und Bonaini verspricht (Kote zu Roncioni p. 420) sie erst zu 
ediren; siehe übrigens auch die Urkunde bei Dal Borgo p. 105 f. Ferner 
i»t zu vergleichen Roncioni p. 419 f. Tronci p. 150. 157. 

4) Daodolo p. 314. 



44 Die italienischen Handelscolonien in Palistina. 

und Ramla behielten 1 )) und dass sie im Jahr 1197 auch Sidon 
und Berytus zurückeroberten 2 ). 

Bei alledem war das jetzige Königreich Jerusalem blos ein 
Schatten des früheren, nichts als ein langer aber schmaler Küsten- 
strich. Auch Tür die Handelscolonien der Italiener brachte dies 
den Nachtheil, dass nunmehr ihre nach dem Innern des Landes 
abgehenden Waarenzüge schon wenige Stunden von der Küste 
ab das befreundete christliche Gebiet verliessen ; wenn nun auch 
die Muselmänner in Zeiten des Friedens solchen ihr Land pas- 
sirenden Waarenzügen kein Leid anlhaten, so war doch in 
Kriegszeiten der Handel dorthin vielfach unsicher und gefährdet. 
Im Uebrigen kann man sagen , dass durch die jetzige Rcduction 
des Königreichs Jerusalem keiner der dortigen Machthaber weniger 
verlor als gerade unsere Handelsnationen. Waren ja doch alle die 
Hafenstädte des Königreichs, welche den Italienern vor der 
Katastrophe von Hittin zu Landungsstätten und Emporien gedient 
hatten, in die Hände der Christen zurückgekehrt. Und sie be- 
kamen dort nicht blos ihre alten Quartiere zurück, nein gerade 
diese Zeit der Wiedereroberung eines Theils des alten König- 
reichs ist besonders reich an umfassenden Privilegienbriefen, 
welche den Besitz und die Vorrechte der Italiener be- 
deutend mehrten. Den Inhalt dieser Urkunden , welche beson- 
ders ilie Colonien in Accon und Tyrus betreffen, haben wir 
schon früher in unsere Darstellung verwoben. 

Statt Jerusalem war jezt Accon der Mittelpunkt des po- 
litischen Lebens für das Königreich geworden. Hier war die 
Residenz des Königs oder seines Statthalters, hier wurden die 
Sitzungen des hohen Gerichtshofs gehalten, viele geistliche Wür- 
denträger , welche ihre alten Sitze , viele Ritter , welche ihre 
Burgen im Innern des Landes verloren hatten, zogen sich hieher 
Dadurch stieg der Bedarf an Luxuswaaren in dieser Handelsstadt, 
und der Gewinn der Italiener, welche diese Waaren grösstentheils 
lieferten , bedeutend. Accons Handel überhaupt blühte nach wie 



1) Bibliotbeque des croisades IV. p. 355. Wilken 4, 569 f. Weil, Ge- 
schichte der Chalifen 3, 426. 

2) Forts, des Wlh. v. Tyr. b. Goizot 1. c. p. 231—3. Jac. Vitr. p. 1124. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zelt der Kreuzzüge. 45 

vor. Die Mannigfaltigkeit der Waaren, welche hier zusammen- 
strömten, wird durch nichts besser ins Licht gestellt, als durch 
jene Zolltarife in den Assisen von Jerusalem, welche dem Ende 
des 12. Jahrhunderts angehören. Um den Umfang der Handels- 
verbindungen dieser Stadt einigermassen zu kennzeichnen, mögen 
zwei Notizen genügen , einmal dass Acconitanische Kaufleute 
gegen das Ende des 13. Jahrhunderts die Märkte der Champagne 
besuchten ') , dann dass das Monopol des Alaunhandels im tür- 
kischen Kleinasien um die Mitte desselben Jahrhunderts in den 
Händen eines Genuesers aus Accon und seines Geschäflslheil- 
habers, eines Venetianers lag 3 ). Tyrus stand auch in dieser 
Periode als Emporium Accon wenig nach. Berytus aber, 
welches vor dem Schluss des 12. Jahrhunderts wenig genannt 
wird, blühte eben jezt erst recht auf unter der Herrschaft Johanns 
von Ibelin, welcher die Stadt von Isabella und ihrem Gemahl 
König Amalrich 2. von Jerusalem zum Geschenk erhalten hatte 3 ). 
Bei diesem Herrn von Berytus bewarben sich die Venetianer und 
Genuesen wetteifernd um Besitztümer und Rechte und erhielten 
solche in den Jahren 1221 — 1223 reichlich 4 }, den Pisanern 
gönnten die Genuesen die Betheiligung am dortigen Handel nicht, 
sie wussten es im Jahre 1253 dahin zu bringen, dass diesen 
Rivalen die Häfen von Berytus und Chaifa verschlossen blieben 5 }. 
Einen Beweis, wie wenig der Handel unter der Beschrän- 
kung des Königreichs Jerusalem auf einen kleinen Strich Landes 
Noth litt, finden wir auch in dem Umstand, dass im 13. Jahr- 
hundert eine weitere italienische Handelsstadt neben Venedig, 
Genua und Pisa in Accon sich ein Quartier erwarb. Diese Stadt 
war A n c o n a , ein Emporium zweiten Rangs , welches aber 
commercielle Verbindungen mit Aegypten und dem byzantinischen 



1) Fortsetzer des Wilh. v. Tyrus bei Giiizot 1. c. p. 205. 

2) Rubruquis im Recueil de voyages et de meraoires de la sociale' de 
geographie T. IV. p. 392. 

3) Sanulo p. 212. Lignages d'Outremer bei Beugnot II. p. 448. 

4) Taf. u. Thom II, 231 ff. Lib. jur. I. p. 665 f. 687. (Maslatrie bist, 
de Chypre II. p. 43 f.) 

5) Olivieri p. 59 f. Serra IV. p. 175. In Cbaifa genossen die Genuesen 
weit 1234 vollkommene Abgabenfreiheit, s. lib. jur. I. p. 941 f. 



46 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Reich schon frühe unterhielt ') und auch am syrischen Handel 
schon bisher sich betheiligt hatte, nur dass die anconitanischen 
Kaufleule sich bis dahin an Yenelianer, Pisaner oder Genuesen 
anzuschliessen pflegten'). Bevollmächtigte dieser Stadt nun 
schlössen mit dem Connetable des Königreichs Jerusalem Johann 
von Ibelin Herr von Arsur am 10. August 1257 einen Vertrag, 
worin die Stadt ein Grundstück in Accon angewiesen bekommt, 
um darauf eine Kirche für ihre Nation, einen Palast für ihre 
Consularbeamlen , Wohnungen und Magazine zu bauen ; die neue 
Handelscommune sollte eigene Verwaltung und eigenes Gericht 
innerhalb ihres Gebiets haben, dafür aber gehalten sein 50 Be- 
waffnete zur Vertheidigung der Stadt, des Hafens und Stadtbe- 
zirks gegen den äussern Feind zu stellen 3 ). 

Die Geschichtschreiber des Königreichs Jerusalem beginnen 
von dem Ende des zwölften Jahrhunderts an mehr Notiz von 
den italienischen Handelscolonien zu nehmen. Je mehr nämlich 
das politische Leben des Königreichs sich in den Seestädten 
concentrirte, desto mehr wurden auch die Handelscolonien davon 
berührt und in dasselbe hineingezogen. Ihre Consuln und Baili 
erscheinen nunmehr bei vielen Staatsactionen als milberathend 
und mithandelnd. Wenn wir jedoch das politische Leben, wie 
es im dreizehnten Jahrhundert in Syrien war, ins Auge fassen, 
wenn wir in die Reihe von Thronslreitigkeiten , von Conspira- 
tionen der Feudalbarone gegen die königliche Gewalt, von Par- 
theiungen der Barone unter einander hineinblicken, so müssen 
wir eher wünschen, dass sie sich gar nicht daran betheiligt 
hätten. Die Theilnahme an den politischen Partheiungen in Syrien 
diente nur dazu neues Oel in die Flamme des Hasses zu giessen, 
welchen sie als Handelsrivalen längst gegen einander hegten. 

Zunächst treten St rei t i g k eilen zwischen den Pisa- 
nern und Genuesen schon während des dritten Kreuz- 
zugs und in den folgenden zwanzig bis dreissig Jahren in den 
Vordergrund. Als diese beiden Nationen, nach einem heftigen 



1) Boncouipagni de obsidione Anconae bei Murat. VI. p. 930. 

2) s. den gleichzuerwähnenden Vertrag. Paoli I. p. 158 unten. 

3) Paoli Cod. diplom. dell' Ordine Garosolimit. I. p. 157—161. 



Syrien und Kleinarmnnien zur Zeit der Kreuzzüge. 47 

Krieg nur oberflächlich versöhn! , nach Syrien kamen , um an 
der Belagerung Accons theilzunehmen , standen sich dort eben 
der König Guido von Jerusalem und der Markgraf Conrad von 
Monlferrat feindlich gegenüber; jener war bis jezt im Besitze 
der Königswürde gewesen, aber durch seine Niederlage bei 
Hitlin und seine Gefangenschaft im Ansehen gesunken, dieser 
gefeiert als Retter des Reichs durch die Verteidigung von Tyrus 
und grenzenlos ehrgeizig suchte ein Recht an den Thron als 
Gemahl von König Amalrichs jüngerer Tochter •) geltend zu 
machen. Auf die Seite des alten Königs waren, wie wir wissen, 
die lyrischen Pisaner getreten und alte ihre Landsleute ergriffen 
diese Parthei, auf derselben Seile stand auch König Richard 
Löwenherz; desshalb bildeten sich gleich besonders nahe Be- 
ziehungen zwischen den Pisanern und Richard; 
sie huldigten ihm förmlich und schlössen sich an ihn sawol bei 
der Belagerung von Accon als bei den nachfolgenden Feldzügen 
enge an'J, wogegen Richard sie mit Vorliebe zu Rathe zog 3 ), 
auch ihr Recht und ihren Besitz im heiligen Land in seine Pro- 
tection nahm*}. Andrerseits begünstigte der König von 
F r a n k r e i c h die Ansprüche des Prätendenten Conrad von Monl- 
ferrat und die Genuesen, deren Beziehungen zu Philipp 
August wir bereits kennen, entschieden sich gleichfalls für diese 
Partei. Darüber brach nun im Februar 1192 ein förmlicher 
Krieg zwischen den Pisanern und Genuesen aus. Die Pisaner in 
Accon hatten nämlich erfahren, dass die Genuesen diese Stadt 
in die Hände Conrads von Monlferrat spielen wollten. Sie er- 
hoben sich deshalb mit den Waffen gegen die Genuesen, warfen die 



I ) Die ältere war an König Guido- verbeirathet gewesen, aber gestorben, 
womit Guido'« Recht erloschen schien. 

2) Bened. Petroburg. p. 520. Gaufr. Yinis. p. 332. 338. 372 f. 393 
413. 416 f. 

3) Gaufr. p. 372 f. 

4) Bened. Petrob. 1. c. et rex concessit eis omnes libertales et consue- 
tudineS, quas habere solebant in terra Jerosolimitana , et Charta sua confir- 
mavit. Wirklich existirt noch ein Diplom K. Richards zu Gunsten der Pisaner 
in Syrien , dessen Publication durch Bonaini wir entgegensehen, s. dessen 
Anm. zu Roncioni p. 420. Vgl. übrigens auch Dal Borgo p. 113. 



4g Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Franzosen, welche den Ieztercn zu Hülfe kamen, zurück und 
leisteten dem Markgrafen, welcher kam um die Stadt in Besitz 
zu nehmen, drei Tage lang so lapfern Widersland, dass der 
Markgraf sowohl als die Franzosen für gut fanden sich nach 
Tyrus zurückzuziehen. Richard Löwenherz von den Pisanern 
herbeigerufen, traf erst ein, als beide schon abgezogen waren 
und brachte nun eine Versöhnung zwischen Pisanern und Ge- 
nuesen zu Stand '). 

Bald darauf wurde Conrad von Montferrat ermordet. Auf 
den Wunsch der syrischen Barone übernahm nun (auch von 
Richard Löwenherz anerkannt) sein Neffe der Graf Heinrich von 
Champagne die Regierung des Königreichs, während der unbe- 
liebte Guido von Lusignan mit Cypern abgefunden wurde. Die 
Pisaner aber fuhren fort Guido's Ansprüche zu unterstützen, 
luden ihn ein sich der Stadt Tyrus mit ihrer Hülfe zu bemäch- 
tigen und beunruhigten die syrische Küste durch Freibeuterschiffe. 
Zur Strafe dafür vertrieb der Graf Heinrich alle Pisaner aus 
Accon. Erst nach Guido's Tode (April 1194) versöhnte ersieh 
wieder mit ihnen, gestattete ihnen die Rückkehr in ihr altes 
Quartier in Accon und schenkte ihnen ein Bad und einen Back- 
ofen dazu 1 ). 

Die Streitigkeiten zwischen Pisanern und Genuesen kamen lange 
nicht zur Ruhe. Nachdem der Cardinallegat Peter v. S. Marcello, 



1) Gaufr. Vinis. p. 378 f. Es hattensich nämlich seither auch die Beziehungen 
Richards zu den Genuesen , welchen er Anfangs schroff entgegengetreten 
war (Bened. Petroburg. 1. 1.) gebessert ; wir finden picht nur die Genuesen 
später auch als Theilnehmer an den Kriegszügen Richards (Gaufr. p. 393. 
413. 416 f.), sondern Richard wirkte schon Ende 1191 Vergünstigungen für die 
Genuesen von König Guido aus (Hb. jur. I. p. 380 f.) und verabredete mit 
ihnen einen gemeinschaftlichen Kriegszug nach Aegypten, der aber unter- 
blieben ist (ib. p. 365, wo nur die Herausgeber zu dem Datum 11. Oct., 
welches die Urkunde selbst an sich trägt, die Jahreszahl 1190 beigesetzt 
haben , welche schon desshalb nicht richtig sein kann, weil Richard, in der 
Urkunde selbst sagt, er habe in Syrien gelandet, diese Landung aber erst 
im April 1191 stattfand) 

2) Diese Thatsachen theilt ein bisher unbekanntes Stück einer Fort- 
setzung des Wilhelm von Tyrus neuerdings herausgegeben von Maslatrie 
(Hist. de Chypre III. p. 595 f.) mit. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzuge. 49 

welcher im Sommer 1203 nach Aecon kam 1 ), Händel unter 
ihnen mit vieler Mühe geschlichtet 1 ), nachdem im Jahre 1212 
eine neue Fehde zwischen ihnen wegen einer städtischen Be- 
sitzung daselbst durch schiedsrichterlichen Spruch beigelegt wor- 
den 3 ), entbrannte im Jahr 1222 noch ein viel heftigerer Streit gleich- 
falls in Accon. Die Pisaner zogen damals im Anfang den Kürzeren, 
aber im Weichen legten sie Feuer an, welches einen ansehnlichen 
Theil der Stadt und darunter auch einen sehr schönen und hohen 
Thurm der Genuesen in Asche legte. Da die Genuesen im Kampf 
nachliessen , um ihre Habseligkeiten zu retten , auch der König 
die Pisaner unterstützte, konnten diese ihren Feinden wieder die 
Spitze tiefen und gewannen die Oberhand; die Genuesen schick- 
ten zwar darauf eine Flotte nach Syrien, konnten aber eine Ent- 
schädigung für die vielen durch den Brand verursachten Verluste 
nicht erreichen *). 

In den italienischen Städten, auch in den Mutterstädten unse- 
rer Colonien, wüthete um jene Zeit der Streit zwischen 
Weifen und Gibellinen heftiger als zuvor. Auch Syrien 
wurde der Schauplatz einer Episode dieses welthistorischen Streits, 
und die Colonien der Italiener in jenem Lande nahmen dabei 
ganz dieselbe Stellung ein, wie ihre Mutterstädte in Italien. Es 
ist bekannt, dass Kais er Friedrich IL, als Gemahl der Jolanthe, 
Tochter des Königs Johann von Jerusalem, Ansprüche auf den 
Thron von Jerusalem hatte, auch dass er nach langem Zögern 
einen Kreuzzug nach Syrien unternahm und am 7. September 1228 
in Accon landete. Mit dem Bann der Kirche beladen, wie er war, 
konnte er auf einmüthig günstigen Empfang im heiligen Lande 
nicht rechnen. Viele, namentlich die Geistlichen, stellten sich 
ihm feindlich gegenüber, Andere beobachteten wenigstens eine 
zurückhaltende Stellung gegen ihn. Was unsere Handelscommu- 
nen betrifft, so berichtet das Chronicon Urspergense 5 ), die Ge- 

1) Gesta Innocentii III. p. 96. Anro. 2. bei Bröquigny Dipl. T. 1. 

2) Epist. Innocentii ed. Baiuze T. I. p. 407. Taf. u. Tom I. p. 439. 

3) Lünig, Cod. dipl. Ital. I. p. 2459 f. 

4) Cont. Caff., p. 428. Ago«t. Giustiniani ed. Spotorno I, 329 f. Roncioni 
p. 491. Tronci p. 184. Ueber einen vergeblichen Vermittlungsversuch des 
venetianischen Bailo bei diesem Streit, s. Cauale 2, 504. 

5) ed. Basih 1569. p. 325. 

Zeibehr. (. Suauw. 1860. 1s U«ft. 4 



50 Die italienischen Haodelscolonien in Palästina, 

nuesen und Pisaner seien ihm treu zur Seite gestanden, die 
Venetianer aber haben geschwankt. Von den Pisanern als eifri- 
gen Gibellinen liess es sich nicht anders erwarten, als dass sie den 
Kaiser willig unterstützten, und er erkannte diess auch gerne an, 
indem er zu ihren Gunsten vor seinem Abgang aus dem hl. Land 
im April 1229 drei Diplome erliess. Durch sie schützte er einer- 
seits die Pisaner vor Eingriffen seiner Beamten in ihre Gerecht- 
same und Freiheiten, wie Graf Thomas von Acerra einen solchen 
sich erlaubt hatte 1 ), andrerseits gewährte er ihnen zu Accon 
Abgabenfreiheit für alle Pferde und Fuhren, mochten sie von der 
Land- oder von der Wasserseite in die Stadt kommen, und zu 
Jerusalem, welches auf eine Zeit lang in den Besitz der Christen 
zurückgekehrt war, völlig freien Ein- und Ausgang für ihre Per- 
sonen, freie Ein- und Ausfuhr ihrer Habe und Waaren, sowie 
einen Gerichtshof daselbst 2 ). Der Hauptact des Kaisers im hl. 
Lande war bekanntlich die Abschliessung eines Friedens mit dem 
Sultan von Egypten , welcher so günstig war als er eben unter 
den damaligen Verhältnissen zumal ohne eine vorangegangene 
kriegerische Entscheidung ausfallen konnte. Was die Küstenlinie 
betrifft, welche wir für unsern Zweck besonders im Auge behal- 
ten müssen, wurde den Christen gestattet, Joppe und Cäsarea 
wieder zu befestigen, auch bekamen sie Sidon zurück, das seit 
längerer Zeit wieder den Ungläubigen anheim gefallen war und 
ihnen als Zwischenstation zwischen Cairo und Damaskus für den 
Transport von Waffen und Anderem gedient hatte 3 ), jetzt aber 
wieder dem Handel der abendländischen Nationen zugänglich 
wurde. So war das Erscheinen Friedrichs IL in Syrien, so wenig 
es auch die Lage im Ganzen veränderte, in manchen Beziehun- 
gen für die dortigen Handelscolonien förderlich. 

Des KaisersEinfluss wurde auch nach seiner Entfernung durch 
Statthalter aufrecht erhalten, aber die Mehrzahl der Barone des heil. 
Landes und Cyperns, den Herrn von Berytus, Johann von Ibelin an 
der Spitze, widerstrebten diesem Einfluss und es kam zu bewaffnetem 



1) Wir haben davon oben schon gesprochen. 

2) Dal Borgo p. 176—181, auch Huillard-Breholles hist. diplom. Fri- 
derici II. T. III. p. 131-135. 

3) s. den Brief Friedrichs II. bei Pertz Leges II. p. 262. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 51 

Zusammenstoss. Die italienischen Handelscolonien nahmen anfangs 
eine vermittelnde Stellung ein, ihre Baili und Consuln vereinig- 
ten sich mit andern geistlichen und weltlichen Grossen zu einem 
Versuch, den Frieden zu vermitteln'). Als aber dieser Versuch 
misslang; traten die Genuesen offen zu der Ibelin'schen 
Parthei über, indem sie dieselbe mit Mannschaft und Lebens- 
rnitteln unterstützten 2 ). Dieser Umschwung, welcher im Jahre 
1232 erfolgte, stand einestheils damit im Zusammenhang, dass 
die Bevölkerung der Stadt Accon sich gleichzeitig in ihrer über- 
wiegenden Mehrheit für die Ibelin'sche Parthei aussprach, 
anderntheils damit, dass Friedrich II. unter Nichtachtung der ge- 
nuesischen Privilegien im Februar 1231 den Befehl an seihen 
Statthalter in Syrien hatte ergehen lassen, er solle von den Ge- 
nuesen, die in Accon landen, die Hafengebühr (drictum cathaniae 
seil, decenum) einziehen; der Statthalter halte zwar, weil die 
Genuesen die Zahlung entschieden verweigerten, bei der grossen 
Anzahl und Macht der Genuesen in Syrien die Forderung nicht 
durchzusetzen gewagt, allein die Stadt Genua konnte nicht um- 
hin, jenen Befehl Friedrichs als eine feindliche Maassregel anzu- 
sehen, und berief zum Theil von diesem Eindruck geleitet einen 
Mailänder, also einen Mann aus der Hauptstadt des lombardischen 
Bundes, an ihre Spitze als Podesta 3 ). So beharrten denn auch 
die Genuesen in Syrien in ihrem Widerstand gegen den Statt- 
halter Friedrichs IL, und gelangten durch Verstärkungen aus der 
Mutterstadt zu einem solchen maritimen Uebergewicht , dass die 
Schiffe des Statthalters sich nicht mehr in die offene See wag- 
ten*). Ein förmliches Schutz- und Trulzbündniss zwischen den 
Genuesen und der gegenkaiserlichen Parthei in Syrien wurde den 
2. Dezember 1233 auf fünf Jahre abgeschlossen 5 ). Den weiteren 
Verlauf des Ringens beider Partheieii mit einander können wir 

1) Forts, des Wilh. v. Tyrus bei Guizot 1. c. p. 463. 

2) ib. p. 465. 

3) Cont. Caff. p. 462 f. 466 vgl. auch Böhmer Regesten Friedrichs II. 
p. 154 f. 

4) Cont. Caff. p. 467. vgl. auch die Nachricht des Florio Bustron von 
der Theilnahme des grössten Theils der Genuesen in Accon an einer anti- 
gibellinischen Bewegung bei Beugnot Assises II. p. 399 not. d. 

5) Maslatrie hist. de Chypre II. p. 56—58. 

4* 



52 Die italienischen Handeigkolonien in Palästina, 

hier nicht verfolgen ') ; wir bemerken nur , dass Friedrich in 
Syrien immer mehr Boden verlor, namentlich in Accon. Diese 
Stadt war das Hauptquartier seiner Gegner, der kaiserliche Statt- 
halter nahm seinen Sitz in Tyrus und waltete, wie es scheint, 
um so gewalttätiger in dieser Stadt, je weniger er sonst seine 
Macht zu zeigen Gelegenheit fand. Mit offener Feindseligkeit 
behandelte er die in Tyrus ansässigen Venetianer, wohl nicht 
ohne Befehl seines Herrn, welcher seinen Zorn über den An- 
schluss Venedigs an den lombardischen Städtebund (1239) und 
über die Verabredung eines Angriffs auf Sicilien von Seiten die- 
ser Stadt und Pabst Gregors 9. an der Colonie auslassen wollte. 
Als nun im Jahre 1240 2 ) ein neuer venetianischer Bailo in der 
Person des Marsilius Georgius in Syrien eintraf, farnJ er, 
dass der kaiserliche • Marschall Riccardo Filangieri und sein An- 
hang (pessimi Longohardi) die den Venetianern innerhalb und 
ausserhalb der Stadt Tyrus zustehenden Besitzungen und Reve- 
nuen denselben genommen und sich zugeeignet hatte. Die Be- 
vollmächtigten, welche der Bailo an den Marschall absendete, um 
sich über diese Widerrechtlichkeit zu beschweren, wurden nicht 
einmal vorgelassen, der Marschall sagte vielmehr, ohne sich auf 
weitere Verhandlungen einzulassen, kurzweg den Venetianern den 
Frieden auf. Nun näherte sich Marsilius Georgius den Baronen 
des heiligen Landes, welche die antigibellinische Parthei bildeten 
und bereits im Bunde mit den Genuesen standen, stellte ihnen 
vor, wie schlimm es wäre, wenn der Marschall auch Accon in 
seine Gewalt bekäme, und brachte sie zu dem Entschluss, nicht 
blos ernstlicher als bisher auf die Erhaltung Accons bedacht zu 
sein, sondern auch Tyrus dem kaiserlichen Statthalter wieder zu 
entreissen. Die Barone sorgten dafür, dass ein weiterer Gegner 
Friedrichs II. auf den Schauplatz trat. Radulf von Soissons hatte 
die Königin Alix von Cypern geheirathet und erneuerte für seine 
Frau die Erbansprüche auf das Königreich Jerusalem, welche sie 



1) Wilken im 6. Band seiner Geschichte der Kreuzzüge und noch ein- 
gehender Huillard-Bröholles in der Einleitung zu seiner Bist, dipl. Fried. II. 
haben hievon gehandelt. 

2) Dass die nächstfolgenden Ereignisse diesem Jahr angehören, beweist 
Huillard-BrtSholles a. a. S. CCCLVI1. not. 2. 



Syrien und Kleinarmenien znr Zeit der Kreuzzüge. 53 

zu haben behauptete. Die Barone beschlossen sofort, die Rechte 
der Alix anzuerkennen. Man huldigte ihr und ihrem Mann, nach- 
dem sie die üblichen Versprechungen bezüglich der Aufrecht- 
haltung aller Rechte und Privilegien im Königreiche gegeben, 
und die neue Königin setzte sich zur ersten Aufabe, Tyrus wie- 
der zu gewinnen. Marsilius Georgius, welcher von ihr gleich- 
falls die bündigsten Zusagen in Bezug auf die Wahrung der 
Rechte und des Besitzstands seiner Nation im Königreich über- 
haupt und besonders in Tyrus erhalten hatte, stellte zu dieser 
Expedition eine Galeere und machte sie selbst mit 30 Mann mit. 
Die Stadt ward mit Hülfe der darin ansässigen Yenetianer bald 
erobert, auch die Burg capitulirte nach achtundzwanzigtägigem 
Widerstand '}. So halfen, die Venetianer einen Schlag herbeirüh- 
ren, welcher für die hohenstaufische Macht sehr empfindlich war 
und ihr eigentlich den letzten Stutzpunkt raubte. 

Die Pisaner hatten indess auch nach der Entfernung Fried- 
richs II. aus Syrien ihre alte gibellinische Farbe beibehalten. 
Sie lebten in Fehde mit den Baronen der gegenkaiserlichen Par- 
thei 2 ), ihr Consul nahm an jener Versammlung, welche die Rechte 
der Königin Alix anerkannte, keinen Theil 3 ), und zu eurer Zeit, 
wo der hohenstaufische Einfluss in Syrien schon völlig gebrochen 
war, wagten sie es noch, das Panier der Hohenstaufen auf ihren 
Schiffen, wenn sie nach Accon einliefen, aufzustecken, es auch 
wohl bei kirchlichen Feierlichkeiten in Accon voranzutragen 4 ). Es 
scheint, dass diese ausgesprochene gibellinische Partheistellung 
der Pisaner nicht bloss den alten Zwiespalt zwischen ihnen und 
den Genuesen noch verschärfte, sondern ihnen auch zeitweilig 



1) Quelle hiefür ist hauptsächlich die Erzählung des Marsilius Georgius 
im Anfang seiner ersten Relation bei Taf. u. Tom. II. 351 ff., wozu aber zu 
vergleichen die Erzählung Johanns von Ibelin des Jüngern in den Assises de 
Jerusalem ed. Beugnot II. p. 399 f. und der Fortsetzer des Wilhelm von 
Tyrus bei Guizot 1. c. p. 513—519. 

2) s. das bei Maslatrie histoire de Chypre II. p. 58 Note angeführte 
Document v. 24. Oct. 1233. 

3) Wir lesen bloss von den venetianischen und genuesischen Colonial- 
vorständen Taf. u. Tom. II. p. 355. 

4) s. die Stelle aus einem Brief Pabst Innocenz IV., welche Huillard- 
Btfholles 1 1. p. CCCLXV1II anführt. 



54 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

die Feindschaft der Venetianer zuzog. Im Jahr 1248 nahm der 
venetianische Seekapitän Domenico Sanuto im ägäischen Meer 
zwei pisanische Schiffe, auf welchen die Consuln der Pisaner in 
Accon waren, und führte die Mannschaft sammt den Consuln ge- 
fangen nach Venedig 1 ). Das Jahr darauf bekämpften sich die 
Genuesen und Pisaner in Accon 21 Tage lang mit Kriegswerk- 
zeugen aller Art , die ersteren zogen den Kürzeren und einer 
ihrer Consuln blieb. Endlich trat der Bailli des Königs von Cy- 
pern 2 ) ins Mittel, und es wurde ein Waffenstillstand auf 3 Jahre 
zwischen beiden Communen geschlossen 3 ). 

Alle diese bisher erzählten Fehden wurden in Hinsicht auf 
die Masse der Kämpfenden, die Heftigkeit des Zusammenstosses, 
die Dauer des Kampfes, die Wichtigkeit der Folgen weit über- 
boten durch den grossartigen Colonialkrieg, welcher im Jahr 
1255 begann und ganz Syrien in Mitleidenschaft ziehend meh- 
rere Jahre hindurch forlwüthete. In diesem Krieg spielten die 
Pisaner eine Nebenrolle, wenn auch, wie wir sehen werden, eben 
keine unbedeutende. In erster Linie fochten die Venetianer und 
Genuesen mit einander. Den Anlass für den Hader gab eine 
Klosterkirche in Accon , welche dem hl. S a b a s geweiht war. 
Sie wird sonst in der Geschichte nicht genannt, stand aber seit 
vielen Jahrhunderten, wie wir aus ihren Resten schliessen kön- 
nen ; solche sind uns nämlich merkwürdiger Weise erhalten in 
zwei marmornen Pfeilern, welche eben zur Zeit des nunmehr zu 
erzählenden Kriegs nach Venedig geschafft wurden und dort am 

1) Dandolo p. 357. Da Canale p. 415. 

2) Ein solcher war seit 1246 als Stellvertreter Heinrichs von Lusignan 
in Accon residirend s. Huillard-Breholles I. c. Indroduct. p. CCCLXVH. Der 
damalige war Johann v. Ibelin, Herr v. Arsuf s. den Forts, des Wilh. v. Tyrus 
1. c. p. 546. 

3) Dandolo p. 359. Sanuto bei Bongars II. p. 218. Forts, des Wilh. 
v. Tyrus p. 545 f. Roncioni p. 521. Tronci p. 196. Guill. de Nangis gesta 
S. Ludovici Rec. des histor. de France XX. p. 368, welch letzterer die Sache 
desswegen erwähnt, weil Ludwig d. Heil, damals in Cypern seine Expediton 
gegen Egypten vorbereitete und weitere Schiffe und Seeleute in Accon suchte, 
aber zum Theil eben wegen des obschwebenden Streites keine bekam. Das 
Schweigen der genuesischen Chroniken von diesem bedeutenden Kampf er- 
klärt sich leicht aus der Thatsache, dass die Genuesen im Nachtheil blieben. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 55 

Eingang des Baptisteriums der Marcuskirche noch stehen; die 
Symbolik ihrer Ornamente, die (griechische) Sprache und Schrift 
ihrer Monogramme, ihr ganzer Styl weist auf die altchristliche 
Zeit als die Periode der Entstehung der Kirche hin ')• Ohne 
Zweifel war der Standort der Kirche S. Saba auf der Grenze, 
wo sich das venetianische und das genuesische Territorium be- 
rührten*); das Terrain erhob sich dort zu einem Hügel, Mont- 
joie genannt 3 ). Die Venetianer und Genuesen nun bestritten 
einander gegenseitig das Eigenthums- oder das Mitbenützungsrecht 
dieser Kirche*), und jede der beiden Nationen suchte Diplome, 
die zu ihren Gunsten lauteten, beizubringen. Marco Giustiniani, 
welcher im Jahre 1255 als Bailo der Venetianer nach Accon kam, 
zeigte dem Patriarchen von Jerusalem ein päbstliches Schreiben 
vor, welches seiner Nation den Besitz der Kirche zusprach. Auf 
der andern Seite wiesen die Genuesen ein ähnliches Schreiben dem 
Prior 8 ) der Johanniter (denn diese versahen den Gottesdienst in 
der Sabakirche) vor, welches für sie günstig lautete. Wer dieses 
letztere Schreiben ausgestellt habe, sagt Dandolo nicht. War es, 
wie Serra und Cicogna die Sache ansehen, der Pabst, welcher also 
die Rechte beider in zwei gesonderten Schreiben anerkannt hätte 
in der Weise, dass sie die Kirche gemeinschaftlich sollten benützen 
dürfen? oder stammte das zweite Schreiben, wie Weber annimmt, 



1) siehe ihre Abbildung bei Cicogna, inscrizioni Veneziane T. I. Kupfer- 
tafel zu S. 251 , ihre Beschreibung in der Weber'schen Abhandlung delle 
colonne Akritane ibid. p. 371 — 3S0. 

2) Weber p. 375 unter Hinweisung auf die handschriftliche Chronik von 
Caroldo. 

3) s. den Plan Accons bei Sanuto d. Aelt., Da Canale p. 457 u. dazu 
die Anm. 177. 

4) Ganz klar wird die Sache ans den ältesten Quellen nicht; jüngere 
Quellen stellen es so dar, bei der Vertheilung der Stadt Accon nach der 
Eroberung durch die Kreuzfahrer sei diese Kirche den Venetianern und Ge- 
nuesen zu gemeinschaftlicher Benützung überlassen worden, später habe jede 
Nation sie für sich allein gewollt. Aber in Accon setzten sich ja die Vene- 
tianer und Genuesen nicht gleichzeitig fest, also kann eine solche planmässige 
Zutheilung der Kirche an beide zur Zeit der Eroberung nicht gedacht werden. 

5) Priori heisst es deutlich bei Dandolo p. 365 und bei Sanuto p. 220 
(ed. Bong.). Marin und Romanin machen den Prior zum Schreiber des Briefs, 
was ganz gegen den Wortlaut ist. 



56 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

von dem Grossmeister der Johanniter her, welcher somit in dieser 
Sache anders entschieden hätte als der Pabst ? Jedenfalls erhitzte 
sich der Streit der beiden Nationen durch diese beiderseitige Ver- 
weisung auf Documente geistlicher Autoritäten. Die nächste Ursache 
zum Ausbruch der Feindseligkeiten war die Ermordung eines Ge- 
nuesen durch einen Yenetianer '). Auf dieses hin griffen alle Genue- 
sen zu den Waffen, drangen in das venetianische Quartier ein und 
verfolgten die zurückweichenden Venetianer bis zu ihrer Marcus- 
kirche *). Später gab es einen Eigenthumsstreit wegen eines 
Schiffs. Räuber hatten den Venetianern ein Schiff genommen, 
ein Genuese kaufte es und brachte es nach Accon, die Venetia- 
ner bemächtigten sich sofort des Schiffs als ihres Eigenthums, 
die Genuesen aber entrissen es ihnen wieder und nahmen alle 
venetianischen Schiffe, die im Hafen von Accon lagen 3 J. Bei bei- 
den Angriffen auf das Quartier und auf die Schiffe der Venetia- 
ner standen den Genuesen die Pisaner als Bundesgenossen zur 
Seite 4 ) und der genuesische Berichterstatter Bartholomäus Scriba 
ist der Ansicht, dass es seiner Nation mit Hülfe der Pisaner leicht 
gewesen wäre, ihre Feinde vollends ganz aus der Stadt zu werfen, 
die Venetianer seien damals so in die Enge getrieben worden, dass 
sie sich unter den geistlichen Schutz des Patriarchen von Jeru- 
salem geflüchtet hahen 8 ). Nicht zufrieden damit die Venetianer 
in Accon zu bekämpfen, wussten die Genuesen auch den Herrn 
von Tyrus, Philipp von Montfort zu veranlassen, dass er die Ve- 
netianer aus dem Drittel von Tyrus vertrieb, welches sie inne 
hatten 6 ). Montfort war einer der Barone gewesen, mit welchen 
Marsilius Georgius sich im Jahr 1240 zum Sturz des hohenstau- 

1) Contin. Caffar. p 525. 

2) So Dandolo p. 365. Sanut. 1. c , der Forts, des Wilh. v. Tyrus bei 
Guizot p. 555. Usque ad palatium (Wohnung des Bailo oder Gemeindehaus, 
Curie) Venetorum, sagt der Fortsetzer des Caffaro a. a. 0. 

3) Contin. Caff. 1. c. Da Canale p. 453 f. Dandolo 1. c. Sanut. 1. c 

4) Dand., Sanut., Forts, des Wilh. von Tyrus a. a. 0. 

5) Contin. Caff p 526. 

6) Dandolo 1. c. Ganz falsch ist die Meinung Webers (p 3176) und 
Anderer, idass derselbe Philipp v. Montfort die Venetianer auch ans Accon 
vertrieben habe, wo er als Statthalter gewaltet. Statthalter in Accon war 
damals Johann von Ibelin, Herr v. Arsuf ; Philipp bekleidete dieses Amt nie. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeil der Kreuzzüge. 57 

fischen Statthalters in Tyrus verband, welche aber nach der ge- 
meinschaftlichen Eroberung der Stadt sich wenig geneigt zeigten, 
seinen rechtmäsigen Forderungen zu willfahren '). Damals nur 
Herr von Toron *), welches er erheirathet hatte 3 _), war er seither 
zum Herrn von Tyrus emporgestiegen, vielleicht durch den Ein- 
fluss König Ludwigs d. Heil., in dessen Umgebung er während 
des ganzen ersten Kreuzzugs dieses Monarchen sich befand*). 
Durch sein ganzes Leben zeigte er sich als Freund der Genuesen 
und that ihnen wohl gerne den Gefallen, die Venetianer aus sei- 
ner Stadt zu vertreiben. 

Die Erbitterung der Venetianer über den doppelten Schlag, 
welchen ihnen ihre Rivalen versetzt hatten, war ungeheuer. Die 
Machthaber in Genua, sei es, dass sie wirklich nicht billigten, 
was ihre Volksgenossen in Accon gethan, sei es, dass sie diess 
nur zum Schein desavouirten, um die Rache Venedigs aufzuhal- 
ten, schickten Gesandte nach Venedig, Hessen durch dieselben 
ihr höchstes Bedauern über das Vorgefallene aussprechen und 
Genugtuung anbieten. Aber die Venetianer verschmähten ihre 
Anerbietungen und behielten sich vor, sich selbst Genugthuung 
zu verschaiFen ä ). 

Das bisher Erzählte fällt in die Jahre 1255 und 1256. Nun 
trat aber mit dem Jahre 1257 eine entscheidende Wendung ein. 
Die Venetianer näherten sich nämlich den Pisanern, zogen sie von 
dem Bunde mit Genua ab und schlössen mit ihnen ein Schutz- und 
Trutzbündniss auf zehn Jahre 6 ). Auch in Accon wusste der thälige 
Bailo Marco Giustiniani nicht zu verachtende Bundesgenossen zu 



1) Taf. u. Tom. II. p. 357. 

2) ib. 354. Beugnot, assises II. p. 400. 

3) Seine zweite Frau war Marie von Antiochien, Erbin von Toron, 
s. Lignages d'outremer bei Beugnot I. c. p. 462. 445 f. Anselme, bist, ge- 
nial, et. chronol. de la mais. roy. de France T. VI. p. 79 f. 

4) Joinvilie I. c. .239. 276, in welch letzterer Stelle er zum ersten Mal 
als Herr von Tyrus erscheint. 

5) Da Canale p. 454. Dandolo 1. c. 

6) Der Vertrag, welchen Dandolo p. 365 kurz skizzirt, ist uns erhalten 
bei Dal Borgo p. 72-75; er trägt das Datum 15. Juli 1257 und wurde 
ratificirt am 13. August, desselben Jahres. Fälschlich sagt Sanuto, dass er 
auf 20 Jahre geschlossen worden sei. 



58 Die italienischen Handelscolonien in Palistina, 

werben. Er machte den dort residirenden Statthalter des Königs 
von Cypern, Johann von Ibelin, Herrn von Arsuf, den Genuesen 
abwendig, welchen er bisher geneigt gewesen '), ferner gewann 
er noch andere einflussreiche syrische Barone und durch sie 
später den Fürsten Boemund von Antiochien , die Königin Pia- 
centia von Cypern, und ihren Sohn Hugo (nachher Hugo II. von 
Cypern)*). Von den Ritterorden hielten sich zu den Venetianern 
die Templer und Deutschorden 3 ), während bloss die Johanniter 
die Genuesen begünstigten 4 ), Von den in Accon angesiedelten 
Handelsnationen ergriffen die Marseiller und überhaupt die Pro- 
vencalen die Parthei der Venetianer 5 ) , die Catalanen dagegen 
die der Genuesen 6 ). Der Patriarch fuhr fort, die Venetianer zu 
unterstützen 7 ) , während die Bürgerschaft von Accon mehr auf 
der Seite der Genuesen war 8 ). So nahm die ganze syrische 
Welt Parthie für die Einen oder die Andern. 

Den Genuesen entging es nicht, wie sehr sich die Venetia- 
ner durch Bündnisse verstärkten. Sie züchtigten zunächst die 
Pisaner für ihren Abfall, indem sie ihnen ihren alten Thurm (nach 
Anderen zwei Thürme) zerstörten 9 ), dann aber trafen sie ernst- 
liche Vorsichtsmassregeln, indem sie über der Kirche S. Saba 
ein festes Werk bauten , den Fliegenthurm am Hafen armirten, 
letzteren durch eine über seine Mündung gespannte Kette sperr- 
ten und zahlreiche Mannschaft aus Accon in ihren Sold nah- 
men l0 ). Sie hatten alle Ursache, sich so in Vertheidigungsstand 
zu setzen, denn es nahte sich eine beträchtliche venetianische 
Kriegsflotte unter dem Oberbefehl des Lorenzo Tiepolo. Die genue- 



1) Da Canale p. 460 verglichen mit Dandolo p. 366. 

2) s. ausser den in der vorigen Anmerkung angeführten Stellen auch 
das Chron. Pis. bei Mural VI., 192. 

3) Dand. p. 367. 366. Chron. Pis. I. c. 

4) Da Canale p. 460. Foglietta Hist. Gen. in Grävius Thes. Hai. I, 1. p. 364. 

5) Murat VI. p. 192; 526. 

6) Foglietta 1. c. 

7) s. ausser dem Obigen den Fortsetzer des Wilhelm v. Tyrus bei 
Guizot p. 558. 

8) Da Canale p. 460. Foglietta I. c. 

9) Dandolo p. 365 f. Cont. Caff. p. 526. 

10) Dandolo p. 365 f. Da Canale p. 454. 456. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 59 

sische Flotte zog derselben nicht entgegen, sondern hielt sich hinter 
der Kette im Hafen. Tiepolo sprengte in mächtigem Anlauf diese 
Kette , drang in den Hafen ein , nahm die genuesischen Schiffe 
und setzte sie in Brand, landete sodann, eroberte das feste Werk 
über S. Saba und zündete es gleichfalls an. Am andern Tag 
setzte er seinen Angriff auf das genuesische Quartier in Gemein- 
schaft mit den aeconitanischen Venetianern , weiche ihr ßailo 
Marco Giustiniani anführte, fort und eroberte eine bedeckte Strasse 
(rue couverte), welche die Genuesen im Anfang des Kriegs den 
Venetianern genommen hatten '). Sie beschränkten aber ihre 
Angriffe nicht auf das genuesische Quartier, sondern setzten sich 
mit gewaffneter Hand in Besitz eines grossen Theils der Stadt, 
bis zum Montmusart 2 ), ohne Zweifel desswegen, weil ein gros- 
ser Theil der Bevölkerung von Accon für die Genuesen Parthei 
nahm und in ihren Reihen stritt. Hierauf wurde auf kurze 
Zeit Waffenstillstand geschlossen. Nach Ablauf desselben suchte 
Lorenzo Tiepolo die Flotte der Genuesen auf, welche sich mittler- 
weile in Tyrus unter dem Oberbefehl des Pasquetto Malone ge- 
sammelt hatte , kam mit ihr vor Tyrus ins Gefecht , nahm das 
Admiralschiff sammt dem Admiral und drei weitere Galeeren. 
In Accon concentirte sich während dieser Zeit der Kampf um 
einen festen Thurm der Genuesen, welcher von den Venetianern 
mit Belagerungsmaschinen bestürmt wurde 3 ). 

Genua nahm nun alle Kräfte zusammen, um dem Feinde wie- 
der die Spitze bieten zu können, und selbst Frauen und Jung- 
frauen gaben ihre Mitgift daran, um Galeeren auszurüsten 4 ) zu 
der mächtigen Flotte, welche nunmehr unter dem Admiral Rosso 
della Turca 5 ) in See ging. Auf der andern Seite wurden auch 

1) Da Canale 1. c. Dandolo 1. c. Cont. Caff. p. 525 unten. 

2) Da Canale p. 456. Dandolo p. 366. Es war diess eine Localität in 
der Süssem Stadt, s. den Plan von Accon bei Sanuto und die Urkundenstelle 
Bei Paoli I. p. 254 : in suburbio civitatis Acconensis sive in loco qui vulga- 
riter dicitur Mons Musardus. 

3) Da Canale p. 456-460. Dand. p. 366. Cont. Caff. p. 526. 

4) Da Canale p. 462. 

5) Die della Turca sind ein gut genuesisches Geschlecht. Aus dem Rous 
de la Turqtiie, wie der Fortsetzer des (Vilh. v. Tyrus den Namen unseres 
Admirals wiedergiebt, einen Türken Barbarossa zu machen, der damals in 



60 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

von Venedig aus bedeutende Verstärkungen nach Syrien geschickt. 
Wir stehen mit diesen Begebenheiten bereits im Jahr 1258, der 
Krieg währte nun schon fast 3 Jahre und schien immer grössere 
Dimensionen annehmen zu wollen. Die Stadt Accon litt ausser- 
ordentlich unter demselben ') und die Besorgniss, dass der Be- 
stand der christlichen Golonien überhaupt dadurch gefährdet wer- 
den könnte, war nicht unbegründet. Geleitet von dieser Furcht 
wandten sich syrische Grosse, geistliche und weltliche, an den 
Pabst Alexander IV. mit der Bitte, den Frieden durch seine Ver 
mittlung herbeizuführen 2 ). Alexander IV. berief nunmehr Ab- 
geordnete der drei streitenden Handelsnationen nach Viterbo, wo 
am 3. Juli 1258 ein Document aufgesetzt wurde, das günstigen 
Austrag der Sache versprach. Jede der drei Handelsnationen 
machte sich durch ihre Abgeordnelen verbindlich, die Thürme und 
Castelle, welche sie in Accon hatte, in die Hände eines päbst- 
lichen Bevollmächtigten zu übergeben, bis der Streit durch den Pabst 
ausgeglichen sein würde, der zu erwartenden Entscheidung des 
Pabstes aber sich unweigerlich zu unterwerfen 3 ). Gleich nach Ab- 
schluss dieser Convention schickte der Pabst den Erzbischoff von 
Messina nach Pisa mit der brieflichen Mahnung an die dortigen 
Machthaber, die Feindseligkeiten gegen Genua alsbald einzustellen 
und spätestens mit der nächstbevorstehehden Augustmeerfahrt (pas- 
sagium Augusti) ihren Consuln und Admiralen sowie allen Pisanern 
in Syrien kundzuthun, dass der Kampf aufzuhören habe und dass ein 
päbstlicher Gesandter in Syrien mit Nächstem erscheinen werde, 
um einen definitiven Frieden herbeizuführen. Zur Beschleunigung 
des Friedensschlusses bat er zugleich die Machthaber Pisa's, sie 
möchten ihre Bevollmächtigten in Syrien frühzeitig mit Instructio- 
nen für die Verhandlungen versehen. Aehnliche Schreiben gin- 
gen nach Genua und Venedig ab 4 ). Päbstlichen Anordnungen 

genuesischen Diensten gestanden sei (vergl. die Guizot'sche Edition p. 554 f.), 
ist lächerlich. Der Vorname des Adinirals ist nach Contin. Caff. p. 526 Rubens; 
Dandolo's (p. 366) Robertus ist falsch. 

1) Forts, des Wilh. v. Tyrus bei Gnizot p. 558. 

2) Contin. Caff. p. 525. 

3) Lib. jur. I. p. 1271 -ff. Contin. Caff. p. 525. Da Canale p. 476. 
Dandolo p. 367. 

4) Raynaldi Annal. eccles. XXII. p. 30 f. Dal Borgo p. 184 « 



Syrien und KJeinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 64 

zufolge gingen zwei venetianische Abgesandte auf genuesischen 
Galeeren und ebensoviel Genuesen und Pisaner auf venetianischen 
Galeeren nach Syrien ab, um den Frieden zu verkündigen. Kaum 
hatten aber die venetianischen Galeeren mit den genannten Ab- 
geordneten an Bord die Fahrt angetreten, als in Zara die Nach- 
richt von einer Entscheidung sie erreichte, welche seither im 
Orient eingetreten war '). 

Die Venetianer in Accon hatten indessen, nachdem ein Theil 
ihrer Verstärkungen angekommen war, die von den Genuesen neben 
ikrem eigenen Quartier noch weiter besetzten Theile der Stadt alle 
erobert und den Montmusart selbst eingenommen ; sie konnten bei 
der Zahl der Schiffe, die sie beisammen hatten, ruhig der Ankunft 
der Flotte des Rosso della Türca entgegensehen, welche ihnen durch 
Freudengeschrei und Flaggenwehen vom grossen genuesischen 
Thurm herab angekündigt wurde. Della Turca segelte von Tyrus 
heran, während gleichzeitig Philipp von Montfort, Herr von Tyrus, 
mit einem zahlreichen Gefolge von Rittern zu Land gegen Accon 
vorrückte*). Es war der 23. Juni 1258 (vigilia S. Joannis), 
als der Admiral der Genuesen von Tyrus aufbrach ; am selbigen 
Tag kam er noch vor Accon ati 3 ). Die Venetianer liefen so- 
gleich, vom Hafen aus dem ankommenden Feinde entgegen, aber 
weil es schon Abend war (nach einem andern Berichterstatter 
weil ein „widriger Wind wehte), verschoben sie den Kampf bis 
auf den folgenden Tag *). Am Morgen des 24: Juni 5 ) nun ver- 



1) Dandolo p. 367. Da Danale p. 478. 

2) Da Canale p. 864— 8. 472. 

3) Cont. Caff. p. 526. Sanut. 1. c. p. 221. 

4) Dandolo p. 367. Da Canale p. 468. 

5) Dieses Datum der Schlacht hat die alte Pisanerchronik Mural VI. 
p. 192: in festivitate S. Joannis Baptislae. Auch der Fortsetzer des Caffarp 
bezeichnet offenbar den Johannistag als den Schlachttag. Dandolo p. 361 
sagt, die Venetianer seien in die Schlacht gegangen unter Anrufung des 
hl. Marcus, dessen Erscheinung (apparitio) an diesem Tage gefeiert wurde. 
Nun behauptet Wilken VII. S. 397 Anm. 37., dieser Marcustag falle auf den 
25. April und somit setze Dandolo die Schlacht um nicht weniger als zwei 
Monate früher an als die oben angeführten.. Hierauf ist zu erwidern: Aller- 
dings feiert die gesammte katholische Christenheit den Gedächtnisstag des 
hl. Marcus am 25. April, allein diess ist der Tag seines Martyriums. Dandolo 



62 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

Hessen die Venetianer, geführt von Lorenzo Tiepolo und Andrea 
Zeno, wieder den Hafen zum Slreit entschlossen, die Genuesen 
wichen dem Kampf nicht aus, und so entbrannte eine der hitzig- 
sten und folgenschwersten Seeschlachten , welche je zwischen 
Venedig und Genua ausgefochten wurden. Die Zahl der Galee- 
ren, welche ins Treffen kamen, kann kaum unter 90 bis 100 
beiragen haben. Ohne Zweifel war die genuesische Flotte schwächer 
als die ihrer Feinde, sie zählte mit dem Zugang in Tyrus bloss 
etwa 44 — 48 Galeeren, die Venetianer allein halten deren 38 — 39, 
nun fochten aber noch an ihrer Seite Pisaner unter dem Ober- 
befehl des Grafen Wilhelm von Capraria ') und Provencalen , so 
dass die gesämmte den Genuesen gegenüberstehende Flotte nicht 
bloss 40 Galeeren betragen haben kann, wie Sanuto schreibt, 
sondern eher der genuesischen Tradition Recht zu geben ist, 
nach welcher die Feinde zehn Galeeren mehr in den Slreit führ- 
ten als die Genuesen 2 ). Nach langem heftigem Kampf erlitten 
die Genuesen eine entscheidende Niederlage, nicht weniger als 
25 Galeeren wurden ihnen vom Feinde genommen 3 ) nicht weniger 
als 1700 Mann an Gefangenen und Todten verloren sie 4 ), und 

aber spricht ausdrücklich von der Feier der apparitio S. Marci. Diess war 
ein specifisch venetianisches Fest, der Gedfichtnisstag der wunderbaren Wie- 
derauffindung der Gebeine des hl. Marcus , welche bekanntlich von Alexan- 
drien nach Venedig verpflanzt worden waren, über deren Bergungsort man 
aber später in Ungewissheit gerathen war. Man feierte diese Begebenheit 
am 25. Juni (s. Dandolo p. 251. Da Canale p. 527. 742. Flamin. Cornel. 
eccl. Venet. X. p. 69 f. XI, 339. Kalend. Venet. sac. XI. et Stef. Borgia. 
Born. 1773. p 10.). So reducirt sich die ganze Differenz auf einen Tag. 
Auch was Wilken weiter sagt, die einen Berichterstatter versetzen die Schlacht 
ins Jahr 1258, die andern, welchen W. unglücklicher Weise Becht gibt, ins 
Jahr 1256, ist gänzlich unbegründet. Mit der grössten Bestimmtheit geben alle 
das Jahr 1258 an. 

1) Chron. Pis. b. Murat. VI. p. 192. 

2) Dand. p. 366. Da Canale p. 468. (Sanuto p. 221.). Serra Storia 
dell' antica Liguria e di Genova. Ed. Capol. II. p. 109. Die Angaben des 
Fortsetzers des Caffaro betreffen bloss die Flotte des Della Turca, wie sie 
aus Genua auslief; wie viel Schiffe in Tyrus dazu kamen, sagt er nicht. 

3) Da Canale p. 470. Dandolo (nach dem ambrosiattischen Codex) 
p. 367. Cont. Caff. p. 526. Die Zahl 24 haben der Forts, des Wilh. von 
Tyrus a. a. O. 557 und Sanuto p. 221. 

4) Forts, des Wilh. von Tyrus und Sanuto a. a. 0. Dieselbe Summe 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzfige. 63 

noch härter wäre der Schlag für sie ausgefallen, wenn nicht ein 
günstiger Wind ihre Flucht Tyrus zu gefördert hätte. Während diese 
Seeschlacht geschlagen wurde, wies der venetianische Ballo einen 
Angriff der Genuesen in der Stadt siegreich zurück, und als die 
letzteren vollends von ihrem hohen Thurm herab die Niederlage 
der Ihrigen zur See mitansahen , verzweifelten sie daran , sich 
noch länger in Accon halten zu können, auch Philipp von Mont- 
fort, welcher wie gesagt zu Land gegen Accon heranzog, gab 
ihre Sache nach dieser Seeschlacht verloren und trat den Rück- 
zug an l ). So gaben denn die Genuesen ihre Niederlassung 
in Accon ganz auf 2 }, verlegten sie sammt dem Consulat nach 
Tyrus , überliessen ihr Quartier und den festen Thurm auf dem 
Hügel Montjoie 3 ) ihren Feinden den Venetianern und Pisanern, 
welche den Thurm dem Boden gleich machten, die Häuser zer- 
störten'), das Areal aber, wie es scheint, unter sich verlheil- 
ten 5 ). Ganz sollte der Verkehr mit Accon den Genuesen freilich 
auch ferner -nicht verwehrt sein, aber wenn sie in den Hafen 
von Accon einliefen, durften sie ihre Flagge nicht aufziehen, was 
sie wohl veranlasste, Accon so selten als sie nur immer konnten 
zu besuchen. 

Nach, diesem entscheidenden Sieg der Venetianer war an 



ungefähr ergeben die 666 Gefangenen, über 400 Ertrunkenen und 600 in 
der Schlacht Getodteten, wie sie Mart. da Canale. p. 470 speeificirt. 

1) Da Canale p. 470. 472. 

2) Cont. Caff. p. 526.: Nostri qui erant in Accone, difflsi de Omnibus, 
terram dimiserunt. Dandolo p. 367 und Sanulo p. 221 sagen, von da an 
baben sie weder eine Curie (Consulargerichtshof), noch einen Präco in Accon 
gehabt. Der Forts, des Wilh. v. Tyrus drückt dasselbe so aus: ne avoir 
cort ne baston p. 556. ; das letztere Wort bedeutet nämlich nicht Commando- 
stab, wie es in der Guizot'schen Uebersetzung gedeutet wird, sondern den 
Stab, welchen die praecones (plazarii, nuncii rectorum) trugen , s. z. B. Dal 
Borgo p. 74. 

3) turrem munitissimam dietam Muzojam Dand. Auf dem Sanuto'schen 
Plan : ammonzoia. 

4) Das Material wurde theils «u Bauten in den Quartieren der Vene- 
tianer und Pisaner verwendet (s. den Forts, des Wilh. v. Tyrus bei Guizot 
p. 557), theils nach Venedig gebracht, wo noch jetzt Reste davon sich fin- 
den, s. darüber die genaue Untersuchung Webers a. a. 0. 

5) vergl. unten den Vertrag vom J. 1288. 



64 Die italienischen Handelscolonien in Palästina. 

einen Erfolg der päbstlichen Vermittlungsversuche vor der Hand 
nicht zu denken'). Zwar sistirten die Venetianer die weitere 
Sendung von Verstärkungen nach dem Orient, nicht sowohl weil 
es der Pabst verlangt als weil sie es nicht mehr nöthig hatten, 
auch gaben sie auf den Wunsch des Pabstes hin die genuesischen 
Gefangenen aus der Seeschlacht vor Accon frei 2 ). Aber sie 
waren wohl weniger als je zu Unterhandlungen geneigt, weil 
sie nach der gewonnenen Schlacht an Concessionen gegen ihre 
Feinde nicht entfernt dachten. Dennoch gab der Pabst den Ge- 
danken nicht auf, einen Gesandten zum Austrag der Streitigkei- 
ten nach Syrien zu schicken. Im Iahr 1259 erschien als solcher 
in Accon der Predigermönch Thomas Agni von Leontium, Titu- 
larbischof von Bethlehem 3 ). Sein Friedensgeschäft sliess aber 
auf grosse Hindernisse. Erst im Januar 1261 wurde es> ihm 
möglich, eine Verhandlung vor den geistlichen und weltlichen 
Würdenträgern des Königreichs Jerusalem zu veranstalten , wo- 
bei zuerst Gesandte von den genuesischen Consuln für Syrien 
aus Tyrus erschienen und den päbstlichen Legaten dazu auffor- 
derten, sich die Festungen und Thürme-j welche die Venetianer 
und Pisaner in Syrien inne haben, dem päbstlichen Auftrag ge- 
mäss überan worten zu lassen. Der päbstliche Legat kam dem 
Befehl seines Herrn sofort nach, indem er auf den 13. Januar 
den Bailo der Venetianer Johannes Dandolo und den Consul der 
Pisaner Johannes Drapperius vor sich und die Versammlung der 
Grossen beschied und an dem anberaumten Tag die Forderung 
schriftlich und mündlich an sie stellte, jene festen Plätze ihm zu 
übergeben. Beide Cousularbeamte erschienen, waren aber kei- 
neswegs Willens, Folge zu leisten. Am dreizehnten erklärte der 
Bailo, seine Räthe, ohne die er nichts beschliessen könne, seien 
abwesend, und so könne er nicht einmal die Urkunde, in welcher 
die päbstliche Forderung enthalten war, annehmen, geschweige 



1) Dand. 1. c. treguae ob hoc tolaliter cessatae sunt. 

2) Dand. I. c. Da Canale p. 474. 476. 

3) Forts, des Wilh. v Tyrus bei Guizot p 556. 558. Zur Feststellung 
seines Namens vergl. Le Quien Or. christ. HL p. 1281. Andere Acte von 
ihm während seines Aufenthalts in Syrien *. Tat n. Tom IH. p. 38 Paoli 
I. p. 173 ff. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 65 

denn eine Erklärung abgeben; ebensowenig könne diess der 
pisanische Consul thun, da sie beide durchaus gemeinschaftlich 
vorgehen wollen. Am fünfzehnten erklärte der Bailo für sich 
und seinen Collegen , sie können nichls thun ohne eine Mandat 
ihrer Herren, d. h. der höchsten Behörden in Venedig und Pisa, 
nahm übrigens die Urkunde entgegen unter der ausdrücklichen 
Protestation, dass sie dadurch in keiner Weise sich binden oder 
den Legaten als ihren Richter anerkennen wollen. Bei dieser 
Erklärung beharrten sie auch am siebzehnten; der Legat klagte 
darauf, dass sie die Sache unter dem Vorwand der Instruc- 
tionslosigkeit in die Länge ziehen, während doch der Gegen- 
stand der Verhandlung keineswegs neu sei, gab ihnen aber weitere 
Bedenkzeit ')• 

Ob die Verhandlung des Legaten mit den Häuptern der 
Venetianer und Pisaner damit ihr Ende erreichte oder ob es 
noch zu einer Entscheidung kam, wissen wir nicht, bezweifeln 
aber das letztere bei der Ungenergtheit der beiden genannten 
Handelsnationen zum Frieden. In keinem Falle dauerte die Waf- 
fenruhe lange, und als die Genuesen vollends in ihrem Unmuth 
über ihre Verluste in Syrien jenen Bund mit Michael Pol K .oIogus 
eingingen, welcher den Sturz des lateinischen Kaiserthums und 
somit das Ende des Uebergewichts der Venetianer in Byzanz her- 
beiführte, stieg die Erbitterung zwischen beiden Handelsnationen 
aufs höchste. In allen Meeren, wo sich nur genuesische und vene- 
tianische Schiffe oder ganze Flotten trafen, gab es blutige Kämpfe, 
keine Handelsflotte konnte ohne bedeutende kriegerische Bedeckung 
aus Genua oder Venedig auslaufen, sonst wurde, sie lauernden 
feindlichen Flotten zur sicheren Beute. Stapelplätze der Genue- 
sen wurden von den Venetianern, venelianische von den Genue- 
sen mit Wulh angegriffen, blokirt, niedergebrannt. 

Seit dem Verlust ihrer Niederlassung in Accon war für die 
Genuesen das Hauptquartier in Syrien Tyrus. Philipp von Mont- 
fort, welchen wir schon als Freund derselben kennen, fesselte sie 
an diesen Platz, indem er ihnen Privilegien daselbst ertheilte 

1) Die Urkunde über diese mehrtägige Verhandlung wurde zuerst her- 
ausgegeben von Sauli, colonia dei Genovesi in Galata II. p. 199—204; jetzt 
steht sie auch bei Tat. u. Thom. III. p. 39 —44. 

Zeitichr. t. Staalsw. 1860. I» Heft. 5 



ßß Die italienischen Handelscolohien in Palästina, 

unter der ausdrücklichen Bedingung, dass sie keinen andern 
Stapelplatz für ihre Handelsflotten besitzen sollten als eben Tyrus. 
In diesem Privilegienbrief bestätigte er ihnen ihre alten Besitzun- 
gen und Revenuen in und um Tyrus, bei deren Aufzählung wir 
bloss das neu und bemerkenswert!) finden , dass die Genuesen 
4 Wechselbanken in der Stadt hallen ; ihr Gerichtshof sollte Todes- 
urtheile über Genuesen aussprechen dürfen, der Fürst behielt sich 
bloss die Execution vor; beim Eintritt in die Stadt sollten sie 
weder für sich noch für ihre bewegliche Habe irgend eine Ab- 
gabe entrichten, von Waaren aber einen kleinen Eingangs- und 
Ausgangszoll, nämlich einen halben Carouble 'j von jedem Byzantius 
zahlen "J. Es musste unter diesen Umständen Tyrus, sofern es 
Hauptstapelplatz der Genuesen und Sitz eines mit 
ihnen eng befreundeten Herrn war, ein Gegenstand für die An- 
griffe venetianischer Flotten werden. Im Jahr 1264 erschien der 
venetianische Admiral Andrea Barocio vor Tyrus und nahm ein 
mit Baumwolle befrachtetes genuesisches Schiff, von dessen Ver- 
theidigung Philipp von Montfort selbst die Genuesen abhielt, indem 
er versprach, sie für den Verlust aus dem Eigenthum der Vene- 



1) Der Byzantius theilte sich in 24 Caroubles. Beugnot assises II. p. 173. 

2) Der Originaltext dieser Urkunde ist noch unedirt. Das Wesentliche 
ihres Inhalts geben Serra I. c. IV. p. 174 f. (unter dem falschen Datum 1262) 
Canale 11. p. 495 ff., Olivieri p. 60. Sie ist datirt vom 5 März 1264. Nach 
Paoli wäre freilich zu dieser Zeit Philipps Sohn Johann Herr v. Tyrus ge- 
wesen, denn Paoli theilt ein Diplom dieses letztern vom Januar 1260 mit 
(I. f. 168), worin Johann von seinem Vater Philipp als von einem Gestor- 
benen spricht. Glücklicherweise können wir jedoch den Philipp als lebend 
und herrschend nachweiset) in den Jahren 1261 — 1269 cf. Lib. jur. I. p. 1357, 
wo die Genuesen den Herrn von Tyrus Philipp von Montfort (Monforti, nicht 
Monferato, wie die Herausgeber lesen cf. Olivieri p. 70. Pagano delle im- 
prese e del dominio dei Genovesi nella Grecia p. 256) in ihren Bundesvertrag 
mit Michael Paläologus v. J. 1261 einschliessen , ferner den Fortsetzer des 
Wilh. von Tyrus bei Guizot p. 563, Da Canale p. 510., Cont. Caff. p. 537. 
Catel Mein, de.l'hist. deLanguedoc p. 705 f., Baluze hist. geneal. de la mai- 
son d'Auvergne II. p. 523. Es geht daraus hervor, dass Johann, Philipps 
Sohn, nicht vor Mitte 1269 die Regierung angetreten haben kann. In der an- 
geführten Urkunde bei Paoli I. p. 168 wäre also statt 1260 höchst wahr- 
scheinlich 1270 (setante statt soixante) zu lesen, wie es auch in der ganz 
analogen andern Urkunde Johanns ibid I. p. 191. richtig steht. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzuge. (J7 

lianer zu Tyrus, welches er wie wir wissen in Beschlag genommen, 
schadlos zu hallen. Hierauf belagerte der Admiral Tyrus, wozu 
ihm die acconitanischen Venetianer Hülfstruppen schickten. Aber 
die Tyrier vertheidiglen, von Seiten der Ritterschaft in Ptolemais 
unterstützt, ihre Stadt so, das» Barocio bald wieder die Blokade 
aufzuheben für gut fand '). Die Beziehungen zwischen Tyrus 
und den Venetianern blieben auch unter Philipps Sohn und Nach- 
folger Johann von Montfort 7 ) lange Zeit feindlich. Johann fuhr 
fort, die Venetianer in ihrem Besitz und Recht zu beeinträchti- 
gen und die Venetianer grollten ihm darob so , dass im Jahre 
1273 der venelianische Bailo in Accon Pietro Zeno gegen die 
Anwesenheit Johanns in Accon protestirte und bei seinem gros- 
sen Einfluss auch wirklich dessen Entfernung durchsetzte 3 ). 
Endlich im Jahr 1277 wurde zwischen beiden Theilen Frieden 
geschlossen. Der Herr von Tyrus setzte damals die Venetianer wie- 
der in Besitz des Drittels der Stadt und überhaupt aller der Güter, 
welche die Commune und einzelne Venetianer früher zu Recht 
besessen, versprach Kirche und Kirchlhurm von S. Marco sowie 
die Loggia der Venetianer in Tyrus auf eigene Kosten in den 
alten Stand zu setzen und alles Zerstörte wiederherzustellen, auch 
machte er sich anheischig, die Einkünfte, welche sein Vater und 
er seit der Beschlagnahme von diesen Gütern gehabt, in Raten 
herauszuzahlen. Zugleich bestätigte er den Venetianern die volle 
Civil- und Criminalgerichtsbarkeit und Abgabenfreiheit für ihre 
Habe und ihre Waaren. Für die Fortdauer der friedlichen Be- 
ziehungen wurde durch Hinterlegung bedeutender Pfandsummen 
und durch Bestimmung von Schiedsrichtern bei etwaigen Diffe- 
renzen Vorsorge getroffen 4 ). 

Wenn bis zum Jahr 1277 die Venetianer Tyrus als feind- 

1) Cont. Caff. p. 532. Da Canale p. 510. Dandolo p. 37t. Sanut. 
p. 221. Forts, des Wilh. von Tyrus p. 563. 

2) Paoli I. p. 531 glaubt zwei Johann von Montfort (Sohn und Enkel 
Philipps) nach einander als Herren von Tyrus annehmen zu müssen; seine 
genealogischen Gründe dafür werden aber durch Lignages d'Outremer p. 462, 
445, 446 beseitigt. Es ist derselbe Johann, welcher von 1269 bis 1283 
fortregierte, in welch letzterem Jahr er starb (Sanut p. 229). 

3) Forts, des Wilh. von Tyrus p. 595. Sanut p 225. 

4) Taf. u. Thom. III. p. 150 «F. Dandolo p. 381—386. 393. 

5* 



68 Die italienischen Handelscolonien in Palästina, 

liehe Stadt betrachteten und behandelten, so sahen die Genue- 
sen Accon als das Hauptquartier ihrer Feinde an. 
Aus gewissen dunkeln Aeusserungen des arabischen Geschicht- 
schreibers Ibu Ferat schliesst Reinaud '), dass die Genuesen und 
ihr Freund Philipp von Montfort in ihrer Feindschaft gegen diese 
Stadt sogar soweit gingen . einen gemeinschaftlichen Angriff auf 
Accon mit dem Sultan Bibars zu verabreden, und Wilken findet 
es nicht unwahrscheinlich, dass sie wenigstens den Bibars zur 
Unternehmung der Belagerung von Accon im Jahre 1263 be- 
wogen haben *). Wie dem auch sein mag, gewiss ist, dass im 
Jahre 1267 der genuesische Admiral Luca Grimaldi vor Accon 
erschien, den Fliegenthurm am Hafen eroberte, den Hafen selbst 
blokirte, Schiffe, die einlaufen wollten, nach Tyrus zu segeln 
zwang, auslaufende belästigte oder in Beschlag nahm, zwei pisa- 
nische Schiffe verbrannte und dergleichen , bis eine herbeikom- 
mende Flotte ihn zur Aufhebung dieser Blokade zwang 3 ;. 

Dieser erbitterte Kampf zwischen Venedig und Genua, unter 
welchem die Städte Tyrus und Accon viel zu leiden hatten, wurde 
im Jahr 1270 durch einen Waffenstillstand auf längere Zeit (zuerst 
auf fünf, dann auf zwei Jahre) zur Ruhe gebracht 4 ). Nun klagte 
zwar im Jahre 1272 der genuesische Consul und Vicecomes für 
Syrien Simone Guercio, dass die Venetianer die im Vertrag be- 
dungenen Sicherheiten nicht geleistet haben 5 ). Aber die Ge- 
nuesen kehrten um diese Zeit sicher wieder in ihr Quar- 
tier zu Accon zurück 6 ), jedenfalls vor 1276. Um diese 
Zeil stritt man sich nämlich in Accon darum, ob der König von 
Cypern vermocht werden solle, wieder einen Bailli in Accon ein- 
zusetzen , was er bei der Schwäche seines Einflusses daselbst 
längere Zeit unterlassen hatte : für eine solche Bitte erklärten 
sich die Genuesen und Pisaner, die Venetianer waren dagegen 

1) Bibl. des crois. IV. p. 489. 

2) Geschichte der Kreuzzüge VII., 436 f. 

3) Forts, des Wilh. von Tyrus bei Guizot p. 578. Dand. p. 374. Caff. 
Coiitin. p. 543. Sanut p. 223. Da Canale p. 543-553. 

4) Da Canale p. 631. 637. Dandolo p. 380. 389. 

5) Canale II. p. 506. 

6) Roncioni p. 582. 



Syrien und Kleinarmenien zur Zeit der Kreuzzüge. 69 

und mit ihrer Hülfe fasste im Jahre 1277 der Statthalter Karls 
von Anjou in Accon (festen Fuss '). 

Wir sehen daraus,, dass im Jahr 1276 eine der schmerz- 
lichsten Folgen , welche die Niederlage des Jahrs 1258 für die 
Genuesen gehabt hatte, nämlich die Verdrängung derselben aus 
Accon, wieder aufgehoben war. Doch gelangten damals die Ge- 
nuesen wahrscheinlich zunächst blos in den Besitz desjenigen 
Theils ihres Quartiers, welchen die Venetianer sich im Jahr 1 258 
zugeignet halten. Mit den Pisanern war eine besondere Abrech- 
nung nöthig und sie folgte bald darauf. Es entzündete sich nämlich 
im Jahr 1282 zunächst wegen der Insel Corsica ein neuer Krieg 
zwischen Genua und Pisa, welcher durch die bekannte 
furchtbare Seeschlacht bei der Insel Meloria (6. Aug. 1284) eine 
verhängnissvolle Wendung für Pisa nahm und die Kraft dieser 
Stadt auf immer lähmte. Bis nach Accon verzweigte sich dieser 
Krieg, welcher auch nach jener Entscheidungsschlacht noch einige 
Jahre sich fortspann : der genuesische Admiral Rolando Ascheri 
suchte nämlich im Jahre 1287 die Pisaner in Accon feindlich 
heim, ohne dass es jedoch zu einem bedeutenderen Zusammenstoss 
kam '). Der erniedrigende Friede, zu welchem sich end- 
lich die erschöpften Pisaner im Jahr 1288 verstehen mussten, 
schloss auch wichtige auf Accon bezügliche Concessionen in sich. 
Die Pisaner halten einst an der Zerstörung des genuesischen 
Thurms in Accon mitgeholfen ; ausgesprochenermaassen zur Wie- 
dergutmachung dieser Unbill mussten sie nunmehr den von ihnen 
in ihrem eigenen Quartier aufgeführten schönen hohen Thurm 
selbst niederreissen, mit welchem sie den Bau der Genuesen zu 
überbieten gesucht uud welcher desshalb seither eine Quelle der 
Zwietracht für beide Nationen gewesen sei ; auch sollten sie nie 
wieder in ihrem Quartier einen Thurm oder ein Castell bauen, 
noch einen Thurm von irgend einer Person oder Genossenschaft 
kaufen. Ferner hatten die Pisaner im Jahr 1258 einen Theil 
des genuesischen Quartiers, eben den, wo der Thurm gestanden, 
oecupirt und überbaut, namentlich auch eine Mau^r auf altem 
genuesischem Territorium aufgeführt. Alles das sollten sie nun- 

i) Sanut. p. 226. 228. Dand. p. 393. 
2) Cont. Caff. p. 592. 



70 D>c italienischen Hanrielscolonien in Palästina, 

mehr innerhalb anderthalb Jahren demoliren, den oecupirten ge- 
nuesischen Stadllheil in der Gestalt den alten Eigenthümern zurück- 
geben, wie er vor dem Jahr 1258 gewesen und nie mehr wieder 
auf genuesischem Grund und Boden ein Gebäude auffuhren '). 

Man kann sagen, dass mit diesem Frieden eigentlich erst 
der Krieg um S. Saba geendet war. Aber jetzt stand der äussere 
Feind drohend vor der Thüre und erlaubte nicht mehr die Früchte 
des Friedens zu geniessen. Schon im Jahr 1265 waren Cäsarea 
und Arsuf gefallen, im Jahr 1268 Joppe. Nun wurde am 18. Mai 
1291 die Hauptstadt Accon von den Ungläubigen erobert, sofort 
mussten auch Tyrus, Sidon und Berytus von den Christen auf- 
gegeben werden. Der Untergang des Königreichs Jerusalem, der 
längst gedroht, war eine vollendete Thatsache. Ueber die Ur- 
sachen desselben können wir uns hier nicht verbreiten , aber 
berühren müssen wir den Antheil an der Schuld, welchen die 
italienischen Colonisten unläugbar hatten. Jakob von Vitry, welcher 
mit den Zuständen des heiligen Landes im dreizehnten Jahrhun- 
dert wohl vertraut ist, hat darüber ganz das Richtige gesagt. 
So sehr er einerseits die grossen Vorzüge unserer Italiener an- 
erkennt, ihre Besonnenheit und Umsicht, ihren Eifer in der För- 
derung ihrer Staatsinteressen, ihr standhaftes Festhalten an ihren 
Rechten und Instituten , ihre Massigkeit in Speise und Trank, 
durch welche sie zum Leben im Orient vor andern abendländi- 
schen Nationen geeignet waren, so sehr er namentlich die Ver- 
dienste zu schätzen weiss, welche sich die Italiener durch ihre Tüch- 
tigkeit im Seekrieg und durch das Herbeischaffen von einzelnen 
Pilgern und ganzen Kreuzheeren, von Lebensmitteln und Waaren 
auf ihren Schiffen um die Kreuzfahrerstaaten erworben, hebt er 
doch stark hervor, wie sehr sie durch ihren Handelsneid und 
und ihre unersättliche Habsucht zu unaufhörlichen Fehden unter 
sich getrieben werden und in einem Zustand innerer Zerrissen- 
heit sich befinden, über welchen sich nur der Feind freuen 
könne 2 ). Es drangen auch sonst wiederholte Klagen über die 
Feindschaften der italienischen Handelsnationen, durch welche am 
Ende die christlichen Colonien in Syrien überhaupt zu Grunde 

1) Lib. jur. II, 135—138, vergl. auch 116 f. 

2) Jac. Vitr. bei Bongars I. p. 1085 f. 1089. 



Syrien und Kleinarmenien znr Zeit der Kreuzzüge. 71 

gehen, vom Orient nach Europa ■), namentlich an diePäbste, welche 
sich nicht selten, aber meist vergeblich bemühten, Frieden zwischen 
ihnen herbeizuführen. Wirklich trugen jene Fehden der Italiener 
viel zu der innern Auflösung und Anarchie bei, welche die Reste 
des Königreichs zu einer leichten Beute für den Feind machten. 
Freilich luden die, deren eigentlicher Berufes war, das heilige Land 
gegen die Ungläubigen zu vertheidigen, die Ritterorden mit ihrer 
gegenseitigen Eifersucht, die Barone mit ihrer Unbotmässigkeit 
gegen das Königthum noch grössere Schuld auf sich. 

Die Strafe, welche solcher Schuld auf dem Fusse folgte, war 
schwer. Auch von den italienischen Kaufleuten wurden bei der 
Eroberung der syrischen Seestädte durch den Feind viele getödtet 
und gefangen, andere konnten sich nach Cypern oder in andere 
Länder des Morgenlandes oder auch in die abendländische Hei- 
math zurückziehen*), aber ihre Habe und namentlich ihre Waaren 
mitzunehmen mag ihnen bei dem Mangel an verfügbaren Schif- 
fen 3 ) in vielen Fällen unmöglich gewesen sein. Ihre verlassenen 
Quartiere theilten das Loos der Zerstörung, welchem die erober- 
ten Städte anheimfielen. Doch waj es nicht auf immer vorbei 
mit den italienischen Handelscolonien in Syrien. Die Handels- 
verbindungen mit Damascus und Aleppo, welche die Italiener zur 
Zeit des Bestehens der Kreuzfahrerstaaten angeknüpft hatten, 
wurden nie ganz aufgegeben und bald erhob sich wieder Berylus 
zu einem bedeutenden Stapelplatz für die dorthin handelnden 
Italiener, ja zu einem Hauptziel für ihre Handelsflotten. 



1) g. z. B. Maslatrie hist. de Chypre II. p. 72. 

2) Dandolo p. 403. Reinaud bibl. des crois. IV. p. 573. Maslatrie histoire 
de Chypre II. p. 133. Ann». 2., p. 94 Anm. 1. 

3) Wilken VII. p. 759. 764.