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Full text of "Kunstgewerbeblatt"

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•BoL. O^ . I%Ä 



Sl^artarl) ColUge l^ibraru. 



CHARLES SUMNER, LL.D., 
OF BOSTON, 

[CUM iX 1830]. 



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KUNSTGEWERBEBLATT 



Herausgegeben 



ARTHUR PABST, 

Direktor des Kunstgewerbemuseums lu Köln. 



NEUE FOLGE 

Fünfter Jahrgang 



LEIPZIG 

Verlag von E. A. Seemann 




6'^^T-Ä ^ 









PA\i. 






Inhalt des fünften Jahi^angs. 



SaiM 

OrVBMre Artikel. 
PortugiesiBche FajenceHiesen (Aznlejoa). Von Tk. Bogge 1 
Die Eonat^werbe- und Hand werke rgchole ed Magde- 
burg. 1793—1893. Von F. Moser 4 

Hinterglasmalerei. Von F. LtUhm^ 17 

Aus dem deutgchen Haoee in Chicago 33 

Das badiscbe Kunstgewerbe in Chicago 57 

Bemaltes Schmiedeeisen. Von E. v. Oxikak .... 81 
Aus der kunstgewerblichen Abteilang de« groBherzog- 
lichen Hnseums in Schwerin. Von F. Schlü. IV. Alte 
mecklenbnrgitcbe Fayencen ans der Zeit der Arkaniaton 87 
Ein zweites Exemplar des QrKfl. Brühl 'sehen- Seh wanen- 

•ervices 97 

Flamen and Fahnen. Von Ed. Lor, Meyer .... 102 
Moderne Knnat in den Vereinigten Staaten Ton Amerika. 
Eindrflche von einem Besuche der Weltausstellung 
zn Chicago. Von W. Bode. 11. Die Architektur nnd 

das Kungthandwerk 113 137 

Ans der Werkstatt des Theatermalers. Von E. Quaglio 121 

Natur und Kunst Von Arlur Seernanti 128 

Amerikanische Beklamepaptere. Von M. Seliger. . . 153 
Bemerkungen über die Aufstellung von Sammlungs- 

gegenstBnden kunstgewerblicher Ari Von E. d, Uliüeh 158 
Zur Entwickelangsgeschichtc des muhammedanischen 

Ornaments. Von 0. c. Falke 169 

Ober echte Bronzen und Patina. Von A. Hausdittg . 185 
Das Hamburgische Museum fUr Kunst und Qewerbe. 

Von F. Schlie 191 

DiePorzellanfabrifc zu Kopenhagen wS,hrenddeB IS.Jabr- 
hunderts. Von E. v. UbUch 209 

Bflchsrseluta. 

Adressbnch des Vereins für deutsches Kunstgewerbe in 

Beriin 25 

Ausstellung von Kunstwerken aus dem Zeitalter Frie- 

rich's des OroBen zu Berlin 162 

Batike, B., Zeichen- Wand vorlagen 202 

Bisckoff, K, Schmiedeeisen 148 

Brand, F., Entwürfe für moderne Kunstsohlosser uad 

Knnstschmiedearbeitan 148 

Dohme, R. a. A., Geschichte der deutschen Kunst . . 4Ö 



Eißh, K.. nnd 3&yer, F. S., Das Halerbuch .... 

Ooethe's Benvenuto Cellini 

Oricse, It., Die Vierlande bei Hamburg 

Hammel, O., Omamentale Motive des Barock- und Ro- 
kokostils 

Heere, R., Stillehre für das Kunstgewerbe 1 

Heyl, Ä, Ornamentale Vorlagehlatter filr das Freihand- 
zeichnen ! 

Jessen, Dr. P., Farbige Entwürfe für dekorative Male- 
reien aus der Zeit des Kokoko 

Jessen, Dr. P., Oartenanlageu mit Qartendekorationen 

Jessen, Dr. P., Katalog der Omamentstichsammlang 
des Snnatgewerbemuseums zu Berlin ! 

Kunsigeu>erhcxeichner, Deutsche. Ein Adreesbuch deut- 
scher Künstler, die sich mit Entwürfen kunstgewerb- 
licher GegenstSjide befassen. I. II 23. 

KuiuUckätxe aus Tirol. I. Malerische Innenränme. . 

LeehUHner, F., Mnaterblltter fUr Holzbrand .... 

Lüdolff, Kunststickereien fQr Innendekoration . . . 

Luthmer, F., Blutenformen alü Motive ffir Flachomament 

Rösch, W., und Kick. W., Mustetgflitige plastische Mo- 
tive rar das Studium der kunstgewerblichen Praxis 
des Bildhauers 

Roth, GL, Neue Kerbschnittmuster 

Sammelmappe, Ornamentale nnd kunstgewerblicha 
Serie IV und V 

Scheiruxker, K., Gradlinige Omameute aus jiJlen Stil- 
arten 

Sehiceriner, F., Binf&bmng in das Omamentzeichnen . 

Syleius, B., Quatre suite« d'omement« 

Swcnigorodeki, A. c, Byzantinische Zellenemails . . 

Tuer, W., Buch reizender und merkwürdiger Zeich- 
nungen 

Vorbilderhefte des kgt. Kunstgewerbemuseums in Berlin. 
15. Heft: Thflren 

Warneekc, F., Heraldisches Handbuch fUr Freunde der 
Wappenknnst 

Weber, O., Katechismus du Dekorationsmalers . . . 

Wehr, C, Praktische Kerbschnittmuster 

Werke der Bildhauerkunst auf dem Friedhofe zu Genua 

Wohnrilume, Traute . 



IV 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Seite I 



Mnseeii. 



Berlin, Kunstgewerbemiiseam. VorlesaDgen im Winter 

1893/94 . . 11. 25. 68 
,1 „ Ausstellang der Neuer- 

werbungen .... 184 

Brunn y Das mährische Gewerbemuseum 204 

Düsseldorf, Gewerbemuseum 150 

Prag, Kunstgewerbliches Museum der Handels- und 

Gewerbekammer 204 

Straßburg, Kunstgewerbemuseum. Gräfl. Brührsches 
Schwanenseryice 150 

Ausstelliingen« 

Anttcerpen^ Weltausstellung 1894 94 

Berlin, Heraldische Ausstellung 1894 107 

,, Ausstell ung kunstgewerblicher Erzeugnisse Nord- 
amerikas im Lichthofe des kgl. Kunstgewerbemuseums 107 

Brüssel, Historische Spitzenausstellung 133 

Chicago, Weltausstellung 1893 14 

„ Konservator Kopp in München über die Welt- 
ausstellung in Chicago 52. 110 

Dresden, Ausstellang des sächsischen Handwerks und 

Kunstgewerbes 1896 224 

Erfurt, Thüringer Gewerbe* und Industrieausstellung 

1894 78 

Leipzig, Fachausstellung der Buchbinderinnung . 134 205 

London, Die Kunstgewerbeausstellung in der New G aller j 134 

Nürnberg, Bayerische Landesausstellung 1896 .... 52 

Vereine. 

Berlin, Ver. f. deutsch. Kunstgew. Besuch der Bildgiefierei 

von H. Gladenbeck u. 
Sohn i. Friedrichshagen 10 
Weltausstellung in Chi- 
cago ... 25. 26. 47 
Handstickerei ... 26 
Stiftungsfest .... 47 
Buchbinderei .... 50 
Bedruckte moderne 
englische Stoffe ... 68 
Schmiedeeisen seit der 
Renaissance .... 72 
I* it II „ Generalversammlung . 93 
}» )» t> » Berliner Gewerbeaus- 
stellung 1896 .... 106 
Stilformen seit der Re- 
naissance 106 

Juwelier- und Gold- 
Schmiedearbeiten . . 134 
Holz- und Marmor- 
intarsia 148 

Majolika 149 

Deutsche Renaissance 149 
Vergoldete Bronzen . 166 



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„ Schrift und Zeichnung 

im Kunstgewerbe . . 166 

„ Verein Herold 166 205 

Braunschweig, Kunstgewerbever. Generalversammlung 107 

Breslau, Kunstgewerbererein 11 73 

Halle a, S., Kunstgewerbeverein 73 94 

Hamburg, Kunstgewerbeverein 74 149 



Seite 

Karlsruhe, Badischer Kunstgewerbe verein .... 11 75 

Koburg, Kunst- und Gewerbeverein 78 

Köln, Kunstgewerbe verein 11 

Magdeburg, Kunstgewerbe verein .... 78. 107. 135 166 
Nürnberg, Hauptversammlung des deutschen Vereins 

für den Schutz des gewerblichen Eigentums ... 14 

Paris, Kongress der französischen Kunstgewerbevereine 52 

Stuttgart, Jahresversammlung des Kunstgewerbe Vereins 51 

Sehttlen. 

Berlin, Die Ünterrichtsanstalt des königlichen Kunst- 
gewerbemuseums 10 

Düsseldorf, Kunststickereischule. Jahresbericht . . . 149 

Frankfurt a. M., Jos. Kowarzik aus Wien, Lehrer für 

Ciselem-e an der Kunstgewerbeschule 25 

Wien, Kunstgewerbeschule des k. k. österr. Museums. 47 



Am Werkstiltteii. 

Der Niedergang der Porzellanmanufaktnr zu S^vres 



206 



ti 



II 



Teohnisctaes. 

Neues Bronzirungs verfahren 14 

Diebessicherer Garderobeuhaken 14 

Elektrischer Wecker 30 

Patinir verfahren des Bildhauers Max Fritze .... 52 

Wahl der Farben an Häuserfassaden 206 

Neue Holzbeizen 207 

Preisausschreiben und Wettbewerbe« 

Barmen, Pianofortefabrik Rud. Ibach Söhne .... 94 

Berlin, Allgemeiner deutscher Sprachverein .... 168 
Halle, Reklameblatt für die Firma Sachsse & Co., Hei- 

zungs- und Yentilationsanlagen 30 52 

Hamburg, Entwürfe zu Grabsteinen 52 111 

Diplomentwurf des Vereins für Feuerbestat- 
tung . 207 

Entwurf zu einer Tischkarte 207 

Koburg, Verband Keramischer Gewerke in Deutschland: 

Keramische Entwürfe 1894 80 

,, Entwürfe (Keramische Rundschau] 30 

Kulmbaeh, Monumentalbrunnen 52 183 

Lahr, Entwürfe zu Cigarrenpackungen 16 

Vom Kunstmarkt« 

Köln a. Rh,, Auktion der Sammlung B. Giersberg . . 135 

Notizen sn den Bildern. 

Weimar, Adressenmappe 112 

Härring, Hauschronik 168 

„ Begulatorgehäuse 112 

Tischplatte in Boulle-Arbeit 224 

Zu den Textbildem 16. 30. 54. 96. 135. 152. 168. 184. 207 

Verschiedenes. 

Medaille zur Erinnerung des Besuchs des deutschen 
Kaisers und der Kaiserin von der City Corporation 

in London gestiftet 14 

Erfindung des Prägestempels 16 

Die amerikanischen Beklameschriften 207 

Berichtigungen 54. 96. 112. 136. 168 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Verzeichnis der niustrationen. 

(Die mit f bezeichneten sind Einseiblätter.) 



Seite 
Fliesen; Muster aus der Kathedrale von Portalegre. . 1 
Fliesen ; System in der Kirche des Schlosses zu PaJmella 2 
Fliesen; System aas dem Palacio da Bacalhoa zu Azeitao 

(1565) 3 

Fliesen; Master aus dem Palacio de Bacalhoa. . . 4 10 
t Portugiesische Fayencefliesen; aufgenommen von Th. 

Bogge. Farbendruck von «7. Q. Früxsche in Leipzig. Zu 1 
Diplom der Kunstgewerbe- und Handwerkei-schule zu 
Magdeburg; entworfen und gezeichnet von Direktor 

Moser 5 

Umschlag zum Kunstgewerbeblatt; entworfen und ge- 
zeichnet von W. Weimar in Hamburg 8 

Einbanddecke einer Hauschronik; entworfen von Prof. 

A, Hildebrandt in Berlin; ausgef&hrt von A. Huibe in 
Hamburg 9 

Gotische Vorhalle zum Empfangsaal des kaiserl. Reichs- 
kommissars im deutschen Hause zu Chicago; ent- 
worfen und gezeichnet von Architekt W, Fleck in 
Berlin ; ausgeführt von C, Praechiel in Berlin (rechte 
und linke HfiJfbe) 12. 13 

Empfangsaal des Beichskommissara im deutschen Hause 
in Chicago; entworfen von Architekt W. Fleck in 
Berlin und unter dessen Leitung ausgeführt von 

B. Harrass in Bohlen in Th 15 

Aus dem Werke: Omamentale Motive des Barock- und 

Rokokostils. Von 0. Hammel 17. 20. 30 

Germaniagruppe von R. Begas für das Reichstagsge- 
bäude in Berlin; in Kupfer getrieben von H, Seüx 

in MOnchen. (Ausgestellt in Chicago] 21 

Oberlichtgitter; entworfen und gezeichnet vom Schlosser- 

meister Bühler in Offenburg 23 

*Ledertreibarbeiten. Entwurf von w^. O/o^er in München 24 

*Flächendekoration. Entworfen von P. Klmka in Berlin 24 

*Diplom. Entwurf von A, Wagen in Basel .... 49 

^Hochzeitskarte. Entwurf von W. Mösehlin in Basel . 49 

(* Aus dem Werke: Deutsche Eanstgewerbezeiolmer. I. 
Leipzig, Verlag von AmuR Seemann.) 

Haupteingang zur deutschen Abteilung der Weltaus- 
stellung in Chicago. (Schmiedeeisernes Gitter von 
Gebrüder Armhrüeter in Frankfurt a. M. .... 28/29 

fUmrahmung zu einem Aneroidbarometer im Besitze 
des Vereins fQr Kunst und Wissenschaft in Hamburg. 
Entworfen und in Bimbaumholz geschnitzt von 
A, Denoih^ nach der Natur auf Schabpapier gezeichnet 
von W, Weimar, beide in Hamburg .... Zu 31 

Das deutsche Haus auf der Weltausstellung in Chicago; 
erbaut von Baumeister J, Badke in Berlin (Ansicht 
von Süden) 33 

Dasselbe. Ansicht von Norden. (Aus dem Werke von 
Hillger f Geschichte der Kolumbischen Weltausstellung) 35 

Dasselbe. Ansicht von Westen 38 

Wand aus dem Zimmer des Reichskomnüssars im deut- 
schen Hause auf der Weltausstellung in Chicago. 
^ Entworfen von Architekt W. Fleck in Berlin und 
unter dessen Leitung ausgeführt von B, Harrass in 
Bohlen i. Th 36/37 

ühr aus dem Empfangszimmer des Reichskommissars 
im deutschen Hause zu Chicago (H5he 2,80 m). Mo- 



Seito 



dellirt von dem Bildhauer Eichhcrg in Berlin. (Aus 
dem HohenzoUern-Kauf hause von H, Hirschwald in 
Berlin 39 

Aus der gotischen Vorhalle im deutschen Hause in Chi- 
cago. Entworfen von Architekt W, Fleck in Berlin 
und unter dessen Leitung ausgeführt von O. Praeehtel 
in BerUn 40. 41. 44 

Aus den Praktischen Kerbschnittmuatem von C Wehr 42 

^Paraguay (Nanduti) Nadelarbeit, 19. Jahrhundert 42. 43 

^Irländische Häkelarbeit, 19. Jahrhundert 55 

(• Aus der Ornamentalen und knnstgewerbliohen Sammel- 
mappe. Serie IV.) 

Niederdeutsches Wohnzimmer auf der Weltausstellung 
in Chicago. Entworfen und ausgeführt von H. Sauer- 
mann in Flensburg 45 

Bronzetafel im Lokal des Hamburger Künstlervereins. 
Entworfen und ausgeführt von W, (Fetv/tor in Hamburg 51 

Adressenschrein; entworfen von Bauinspektor Neeker 
in Hamburg 53 

Kopfleiste aus dem Werke: Heiden, Motive. Verlag von 
Artur Seemann, Leipzig 57 

Äußere Fassade der badischen Kollektivausstellung nach 
der Columbian Avenue; nach dem Projekte von Pro- 
fessor H. Götx in Karlsruhe 58 

Grundriss dazu 59 

Äußere Fassade der badischen Kollektivgruppe in Chi- 
cago nach dem Ehrenhofe mit dem Gitter von F. K. 
Bühler in Offenburg; entworfen von Professor H Oöix 
in Karlruhe . . . . , 60/61 

Seitenansicht des Eckpavillons mit dem Tafelaufsatz 
S. K. H. des Erbgroßherzogs von Baden; nach dem 
Projekte von Professor H Oötx in Karlsruhe ... 62 

Inneres der Säulenhalle mit Erzeugnissen der badischen 
Möbel- und Silberindustrie; nach dem Projekte von 
Professor H, Q'ötx in Karlsruhe 63 

Anordnung der Vitrinenau&tellung in der Säulenhalle 
der badischen Kollektivgruppe 64 

Ehrenpreis des Großherzogs von Baden zum Mannhei- 
mer Mairennen. Entworfen von Professor H Q'ötx 
in Karlsruhe (Chicago) 65 

Fächer, gemalt von Professor H Götx in Karlsruhe. 
Festgabe Ihrer K. H. der Großherzogin von Baden 
zur Vermählung Ihrer K. H. der Prinzessin Margarete 
von Preußen (Chicago) 66 

Schwarzwälder Standuhr, Festgabe des Großherzogs von 
Baden zur Vermählung Ihrer K. H. der Prinzessin 
Margarete von Preußen (Chicago) 68 

Empire-Kassette in Ebenholz und Silber. Entworfen von 
Direktor H Qötx; ausgeführt von Bildhauer H, May- 
hoch und HoQuwelier L. Paar in Karlsruhe. (Besitzer 
Kommerzienrat 0. BaUy in Säckingen) (Chicago) . . 69 

Ehrenpreis S. K. H. des Großherzogs Friedrich von Baden. 
Entwurf von Direktor H, Qötx, Ausführung von Prof. 
Rud, Mayer in Karlsruhe (Chicago) 71 

Silberplatte in getriebener Arbeit; ausgeführt von Prof. 
Rud, Mayer in Karlsruhe (Chicago) 72 

Rokokostanduhr. Entworfen von Dir. H Qötx; Festgabe 
des badischen Militärverbandes an S. K. H. den Erl»- 
großherzog von Baden (Chicago) 73 



VI 



INHALTSVERZEICHNIS. 



Kntworfen ond ans^föhrt toiu HoQuwelier 
X Tr^iimtr ui H«idellieq? ^Chicago) TG 

lijMtilwk. Ktttvtwfe» von t IVofeseior F. BartA in Man- 
d^m« ifeoMlixt tob BüdliaiMr H, KanffmoHH in Hün- 
c^m. «KpelQikit TKWi HoQnwielier .V. TViibfer in Hei> 
WHwp v^'^iÄÄpo) 77 

rnnkiiwnfeer. Entvwfen Ton Alf bitokt EitHumei SfuU 
im MlM^M, «B9|E«lttrt TM d«r Finn ^i/x <^ StM 
vk M faA wi v^C^kfi^) 79 

;^:Vm^$okHaW. fiMtworte «nd «ug^vAhrt vom Hof« 
>«wi>er .V, TrtAmr in H«id«ll«ei|t ^Chicago) • . . ^J 

j«e«i TV«i JUki« :67\ Bemaltes ThQiband ans 
^c 4>mi f4 wii.vn a«$ Scblo» \>hhani$: nm Kv^iX Far- 
> >«( rfcfc^ TV« J !;. JViihjvyW in L^if«t^ . . . .Zn ^l 
^riifcll» nr^Mieiwiwiin Waftd)Mc^t«r. F^otontafel 
v«a .t. ;v, F>^«r^wiW in Lei{«%r, Zu Sl 

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Seite 


aoa^fuhrt von 


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der Gofham 


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Com|Huij in 


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ProTidenoe 


117 


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(Chicago) 


l 119 



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^i:«ir icr Car« T^ndaitalvici» in Lex^«^; «nt^rcvina 
T«tt AscidMicTn: T. cv<ikiuän/*-, an^|!e?^>^ ven^c^kesiM^ 



»t «rf*.!!«)!: S5 

liAiMi$*r»nB>r öic Knue^ ^^cil c%:^i<<)ch«(1£ :^ 

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FlaODMlSpfC rtapI?f!L 1 ift 

kü'.t^rsivJ vor ^. H-'M/tn 1 «» 

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.1 '". ?"-«*^«'^ n 4£^:**. 'C -i. ;" 



Silbernes Tbee- ond Kaffeegeschirr 

Silbernes Tablett 

Altarkrenm 

Weinkühler 

Terrine 

Bowle 

Theatennaler bei der Arbeit 122 

Palasi des ApoUa Entirorf ron Dr. Maroi vl'i^>-1712) 123 

Grondriss des Entwürfe Ton Dr. MinJ 124 

Orandriss der Dekoration warn Boigbof im II. Akte des 
Lohengrin 124 

Burghof dekoiation ans dem IL Akte des Lohengrin. 
Entworfen nnd filr das Kgl. Oj^raham in Berlin ans- 
geföhrt Ton £L i^htA^U» 

Schenke mm HoeeBhaiid im L nnd IL Akte de& FakUff. 
Entworfen nnd fir da» Kgl. Oi^mha» in Beriin 
geföhrt Ton JE. V** >;•••• 

Grandrist der Schenke mm H.>a«£l«aBde. L nnd IL Akt 
de* Falstajff 127 

Initial N ans: Fesloas nnd dekonÜre Graupen 

AI. iwrT^' % 

Attt dem Werke: F«<4<>9s nni dek^waüre Grci'i 

if. Orrijy^^ W:ea. GerlAci & Sd«:ik. 
-\a? d«m Werke: PÄasuetre:: msapÄ tcä J. Ssaf '^t 

L TeiL BrKdasL C F Wisic«. Ve!rk>Ärl . 

de^.Wrs: 1^ 

Oraas>ext r,-«! nat^l fbea MsÄrir-It it «ismt Auflage auf 



1-25 



126 



128 



129 



131 



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INHALTSVERZEICHNIS. 



VII 



Seite 
fEnWnrf zu einer Hanschronik von E, Eärring. . Zu 168 
(t Zweiter Preis der Uonatskonknrreiiz des Vereins 
für deutsches Kunstgewerbe in Berlin, April 1892). 

Kopfleiste von A. Lackner 169 

Altpersifiche Fayenceschlfissel. 13. Jahrh 169 

Türkische Fayencefliese mit persischem Rankenwerk . 170 
Persischer Buchdeckel in Lackmalerei mit naturalistischen 

Blumen. 19. Jahrh. (Kunstgewerbemuseum zu Berlin) 171 
Kanne und Becken, Eisen tauschirt, aus Ispahan. 19. Jahrh. 

(Kunstgewerbemuseum zu Berlin) 172 

Wasserpfeife, Kupfer gravirt. Persien. 19. Jahrh. . . 173 
Moscheelampe aus Fayence vom Jahre 1549, verziert 
mit Arabesken und sogenanntem chinesischen Wolken- 
band. (Kunstgewerbemuseum zu Berlin) 174 

Fayencevase aus Damaskus. 16. Jahrh. Mit Rankenwerk 

unter chinesischem Einfluss. (British Museum in London) 1 74 
Kassette mit Lackmalerei, Indien. 19. Jahrh. (Kunsi- 

gewerbemuseum in Berlin) 175 

Türkische Fayenceschüsseln mit Blumendekor. 16. Jahrh. 

(Kunstgewerbemuseum in Berlin) 176 

Türkische Fayencevase, Damaskus. (Kunstgewerbe- 
museum in Berlin) 177 

^Akanthusomament von Giulio Romano. Palazzo del 

T6 in Mantua 178 

^Christus am Kreuz. Entwurf von K, Eyth .... 179 
^Schablonen für Friese und Einfassungen (O. Woithe, 
Leipzig) 180 

(* Aus dem Werke: Etth und Meter, Das Malerbuoh, 
Leipzig, E. A. Seemann.) 

Madonna mit dem Kind. Hinterglasmalerei im Kunst- 
gewerbemuseum in Magdeburg. Qezeichnet von B. 
Dorsehfeldt 181 

Erztafel; entworfen von Direktor F. Moser, ausgeführt 
von Hofgraveur H. Held in Magdeburg 182 

fSpitzenfächer, gemalt von Ed. Moreau, (Aus dem Karls- 
ruher Fächerwerk. Verlag von Gerlach und Schenk 
in Wien) Zu S. 184 

fSegelregatta- Wanderpreis, gestiftet von Sr. Maj. dem 
Kaiser und König Wilhelm II. Entworfen und aus- 
geführt vom Giseleur G, Lind in Berlin . . Zu S. 184 

Schleichende Katze ; Bronze von Barb6dienne in Paris, 
modellirt von M, Thomas-Soyer. (Aus dem Hohen- 
zollemkaufhaus von H. Hirschwald in Berlin) . . . 185 

Pendant la veill^e. Modellirt von AngUs. Bronze 
von der Soci^t^ anonyme des Bronces in Paris . . 187 

PieiTctte. Modellirt von R, Allard, Bronze von der 

* 

Soci6t6 anonyme des Bronces in Paris 187 

Au bal. Modellirt von O, van der Straeten. Bronze 
von der Soci6t4 anonyme des Bronces in Paris . . 190 

Hirtenknabe. Bronze von P. Stotx in Stuttgart, mo- 
dellirt von Prof. Kühne in Wien 188 

Mignon. Bronze von Barb^dienne in Paris, modellirt 
von E. Aixelin. (Aus dem HohenzoUern-Kauihaus von 
H. Hirschwald in Beriin) 189 

*Küh]becken von DelfiPter Fayence mit fünffarbiger 
Scharffeuerbemalung. Werk .des Lmiuys Fiktoor 191 

* Bronzener Drache als Wasserspeier einer Quellen- 
leitung, Japan 192 

*Thürschlos8 mit geätzten Verzierungen 193 



Seite 
^Niederländische Leinenpresse der Spätrenaissanoe . . 194 
*Truhe der Anna von Freuden vom Jahre 1711 . . . 195 
^Dessertteller vom Service Friedrich's des Großen . . 196 
*Teller von DelSter Fayence mit vielfarbiger Scharf- 
feuermalerei 196 

^Schale aus rotem Steinzeug. Alte Arbeit .... 196 

♦Kleine Siegburger Schnelle 197 

*Krug von Fayence mit Blaumalerei 197 

♦Niederländischer Schrank mit der Geschichte Joseph's 198 

♦Vierländer Spange vom Jahre 1834. Natürl. GrOAe . 199 
♦Silberne vergoldete Hemdspange mit Granaten und 

türkisblauen Glasperlen, aus dem alten Lande. . . 200 
(* Aus dem Werke: Das Hamburgisehe Museum für Kunst 
und Gewerbe. Von J. Brinckmann. Leipzig, E. A. See- 
mann 1894.) 

Kopfleiste von Salembier, (18. Jahrh.) 201 

Bowle. Aus der kOnigl. Porzellanmanufaktur zu Ber- 
lin (Chicago) 201 

Vase. Aus der königi. PorzellanmanufJEiktnr zu Berlin 

(Chicago) , . 202 

Kassette. Aus der königl. Porzellanmanufiaktur zu 

Meißen (Chicago) 203 

Bowle. Ausgeführt von der Gorham Company in Pro- 

vidence R. 1 204 

Silbernes Tablett Ausgeführt von der Gorham Com- 
pany in Providence. R 1 204 

Nautilus. Ausgeführt von der Gorham Company in 

Providence. R. I. . 205 

Ofenkachel im Kunstgewerbemuseum in Karlsruhe, auf- 
genommen und gezeichnet von H, Ewerbeck . . . 206 
Schale aus der Zeit Foumiers (kgl. Sammlungen des 

Schlosses Bosenborg) 209 

Marke zur Zeit König Friedrich's (f 1766) 210 

Marke der Küniglichen Porzellanfabrik zu Kopenhagen 210 

Porzellanvase (Rosenborg) 211 

Terrinenfbrmiges Blumenge^ mit dem Namenszug der 

Königin Juliane Marie (Rosenborg) 212 

BiscuitbÜste der Königin -Witwe Juliane Marie, bez. 

Luplau fec. 1781 (Rosenborg) 213 

Ovale Schüssel aus dem Flora-danica-l^schzeug, gemalt 

von J. C Bayer (Rosenborg) 214 

Prachtvase mit dem Bildnis der Königin Juliane Marie, 
gemalt von J. Gamrathy die Blumen modellirt von 

S. Preuß (Rosenborg) 215 

Eiskühler und Fischschüssel aus dem Flora-danica-Tisch- 

zeug, gemalt von «7. C Bayer (Rosenborg) .... 216 
Tänzerin, angeblich von Luplau (Rosenborg) .... 217 
Stücke aus dem Monrad-Tischzeug, Fig. 13, mit dem 

sogen. Attrappendekor 218 

Sog. Muschelmuster der Porzellanfabrik 219 

Dame mit Hündchen, angeblich von Luplau (Rosenborg) 220 

♦Ornament von Nilson 222 

^Standuhr von Hoppenhaupt 224 

(* Aus dem Katalog der OmamentetichBammInng des 
Kunstgewerbemuseums zu Berlin. Leipzig, E. A. See- 
mann, 1884.) 
Tischgestell im Kunstgewerbemuseum zu Leipzig . . 223 
fTischplatte mit Boulle- Arbeit im Kunstgewerbemuseum 
zu Leipzig (Privatbesitz). Farbentafel von J. Ö.FritxscIie 
in Leipzig Zu 224 



Zfum Beschluss. 



Mit dem vorliegenden Hefte endigt der fünfte Jahrgang der neuen Folge des Kunst- 
gewerbebkUies , der zehnte seines Daseins, Die Hoffnungen auf weitere Fortsehritte, die 
der Verleger vor zwei Jahren aussprach , sind in Erfüllung gegangen. Zu den sedis 
deutschen Kunstgewerbevereinen, die damals das Blatt als Vereinsorgan bezogen, sind 
noch drei, in Hamburg, Magdeburg und Breslau hinzugetreten. Anfangs des Jahres 
hat sich aus der Zeitschrift noch ein Fachhlatt für die Edelmeiallifidustrie für die Kunst- 
getverbevereine in Pforzheim, Hanau und Schwab. Omünd abgezweigt. 

Die Tendenzen des Blattes sind dieselben geblieben; sie sind auf die praktischen 
Bedürfnisse des Kunstgewerbetreibenden gerichtet, zu denen unter anderem gehört, dass 
er die guten alten Werke nicht vergesse, sondern au^ ihnen Anregung zu neuem Schaffen 
schöpfe. Es bleibt auch weiterhin zu umnschen, dass die deutschen Kunstgewerbevereine 
alle dasselbe gleiche Ziel im Auge behalten und sieh ufiter einer Fahne zu kräftigem 
Vonvärtsschreüen versammeln. 

Die leider andauernde Erkrankung des Mitbegründers und seitherigen verdienst- 
lichen Leiters des Kunstgeiverbeblattes, Herrn Direktors Arthur Pdbst in Köln a. Mh. 
hat einen Wechsel in der Redaktion notwendig gemacht. Vom Beginn des nächsten Jahr- 
gangs ab unrd Herr Architekt Karl Hoffncker in Charlottenburg die Leitung 
des Blattes übernehmen. Durch die Wahl eines au^benden Künstlers, der von je mit 
dem Kunstgewerbe in Berührung gestanden hat, der als geborener Süddeutscher und seit 
längerer Zeit in Berlin thätiger Architekt die Bedürfnisse des gesamten deutschen Kunst- 
gewerbes kennt, hofft der Verleger den Wünschen der verbundenen Vereine zu entsprechen. 
Die künstlerische Begabung, das organisatorische Talent und die praktische Energie des 
Herrfi Hoffacker haben sich u, a, bei der Einrichtung und Dekoration der deutschen Ab- 
teilung auf der Weltausstellung in Chicago bewäJirt und zu ihrem Erfolge nicht wenig 
beigetragen. 

Die Verlagsbuchhandlung ersucht demgemäß die geehrten Mitarbeiter des Kunst- 
geiverbeblattes, Zuschriften und Sendungen, die die Redaktion betreffen, künftig an Herrn 

Architekten Karl Hojfacker 

Charlottenburg f Hardetibergstraße 4 u, 5. 
gelangen zu lassen. 

Leipzig, den L September 1S94. 

JE. A. Seemann. 



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Fig. 1. Muster aas der Kathedrale von Portalegre. 



PORTUGIESISCHE FAYENCE -FLIESEN (AZULEJOS). 




IE Fabrikation der Fayence- 
fliesen för Wand- und 
Bodenverkleidung — Azu- 
lejos — lässt sich in Por- 
tugal auf die Mauren zurHck- 
ftihren, und hat sich diese 
Industrie überall ausge- 
breitet, wo deren Herrschaft 
hingedrungen ist. ursprünglich zum Ersatz der 
byzantinischen Mosaiken bestimmt^ wurden dieselben 
nicht allein in maurischen, sondern auch in christ- 
lichen Bauwerken aller Art verwendet und war das 
Muster anfänglich auf einfarbige Stücke verschie- 
dener Form und Größe verteilt, ein System, welches 
aber bald verlassen wurde, um Plättchen gleicher 
Größe zu weichen. 

Die Fliesen scheinen im 11. Jahrhundert, wenn 
nicht noch später, in Aufnahme gekommen zu sein, 
jedoch gehören die bis jetzt bekannten ältesten der 
Lusitanischen Halbinsel^ in der Alhambra in Granada 
befindlichen Stücke bereits dem 14. Jahrhundert an. 
Ich glaube jedoch, dass die Fayencefliesen schon 
vor dem 11. Jahrhundert durch die Mauren ein- 
geführt worden sind und zwar aus dem Grunde, 
weil die Fayencefliesen am Grabe Mahomed's zu 
Medina und die der großen Moschee zu Jerusalem 
schon dem 8. Jahrhundert und die in Balbek, sowie 
ein Teil der in Ikonium — an den dem Sultan Kidjil 
Arslan zugeschriebenen Bauten — dem neunten an- 
gehören. Als die Araber um die Mitte des 7. Jahr- 
hunderts Syrien, Mesopotamien, Ägypten und Nord- 
afrika eroberten, fanden dieselben wohl allerwärts 
bereits die Mosaiktechnik, die bereits vom 5. Jahr- 
hundert ab sich von Byzanz aus verbreitet hatte, als 
Wand- und Bodenverkleidung im Gebrauch. Die 
kleinen kostspieligeren Mosaikwürfel sind wahrschein- 
lich von den Persern und demnächst von den Arabern 

Kunstgewerbeblatt. K. F. V. H. 1. 



durch Fayencefliesen ersetzt und wie in Centralasien, 
Syrien und Ägypten, so auch in Portugal zur archi^ 
tektonischen Dekoration herangezogen worden, da 
sich deren Spuren von den frühesten Bauten des Islam 
im Orient bis zum Westen Europas verfolgen lassen. 

Bezüglich der Farbengebung ist zu bemerken, 
dass in den früheren Jahrhunderten nur ganze Farben 
ohne Schattirung Anwendung fanden und dass das 
Vorkommen von Lüsterfarben auf Azulejos zu den 
Seltenheiten gehört. 

Nach der Einfährung der italienischen Fayencen 
der Renaissance machte sich bald deren Einfluss auf 
die Fliesendekoration geltend. Die schönsten Be- 
lege zu dieser veränderten Richtung zeigt der an 
schönen Azulejos reiche Palast da Bacalhoa zu Azei- 
täo, nicht weit von Lissabon, auf der anderen Seite 
des Tejo gelegen und von dem Sohn des berühmten 
indischen Helden, Affonso de Albuquerque, erbaut. 

Fig. 3 zeigt das System einer Wandverkleidung 
mit Azulejos in der gedeckten Galerie der Ostseite 
des Palastes, nach dem Garten zu gelegen. Das in 
Blau, Gelb, Grün und Braun auf weißem Grunde ge- 
haltene Muster, das von einem Eierstab als Bordüre 
umgeben ist, bedeckt die Wand bis zu einer Höhe 
von 1,72 Meter. Die in verschiedenen Farben ge- 
haltenen Kartuschen umrahmen Personifikationen der 
Hauptflüsse Portugals. Das Detail eines aus vier Fliesen 
zusanmiengesetzten Musters giebt die Farbentafel, 
das Quadrat rechts. Femer die Bordüren dazu, s. die 
Farbentafel unten links, Fig. 4 und auf Seite 10 die 
Kopfleiste. Die Verbindungen dieser Dessins in 
anderer Lage geben wieder zu erstaunlich vielen neuen 
Bildungen Anlass, die mit verschiedenartigen Bor- 
düren umrahmt sind. 

Weitere reiche Fayencedekoration tragen die 
Gartenpavillons, die Mauern und die Galerien des 
im Garten an der Südseite beflndlichen künstlichen 

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PORTUGIESISCHE FAYENCE-FLIESEN (AZÜLEJOS). 



Eine Anzahl auf große Raumverhältnisse be- 
rechnete Flieeen habe ich in der Kirche des zum 
Teil in TrUmmer gesunkenen SchlosBee zu Palmella 
getroSeu. Das großartige, auf einem Felskegel ma- 
lerisch gelegene Bauwerk stammt in einzelnen seiner 
Teile aas der Zeit der Manien, die sich da oben 
lange Zeit hindurch verzweifelt gewehrt haben. Von 
den Türmen und Plattformen des Schlosses hat 
man eine entzUckende Aussiebt nach Norden hin 
über den rio Tejo und Lissabon, nach Süden über 
Setubal und den rio Sado auf den Ozeau, der im 



und bestehen aus einer Kontur in Blau mit zwei 
Tonen derselben Farbe schattirt. Das in dem aus 
dem Vierpass konstruirten Teil enthaltene Ornament 
erinnert an romanische Vorbilder, die hier in dieser 
Kirche ganz gut angebracht erscheinen. Die Bor- 
düren jedoch werden zum Teil aus Blattreibungen 
gebildet, die echte Renaiasancemotive sind. 

Dasselbe Dessin habe ich noch an verschiedenen 
anderen Orten des Landes gefunden, so z B. auch 
in der Kathedrale von Portalegre in Alemtejo. Die 
Zusammenstellung ist hier eine etwas andere, wie man 



Fig. S. System aus dem F&lacoo dk BacklhOK za AzeitSo (isas). 



Sonneuschein wie flüssiges Silber aufleuchtet. Na- 
mentlich die Kirche ist arg zerfallen, von den Ge- 
wölben stehen nur noch einige Kreuzrippen und 
durch die offenen Fenster streicht der Wind, der 
unten am Abhang des Berges die Orangenhaine von 
Setubal geküsst. Die Kirche ist romanischen Ur- 
sprungs, sie vrurde augenscheinlich während der 
Renaissance restaurirt und die Wände im Innern 
der Kirche auf geschmackvoUe Weise mit Azulejos 
bekleidet. 

In Fig. 2 teile ich das über den Fenstern an- 
gewandte System der Verkleidung mit. Die Ornamente 
sind entweder auf blauem oder gelbem Grunde gemalt 



aus dem Quadrat links auf der Farbentafel ersehen 
kann. Noch ein anderes Muster erhält man, wenn 
je zwei Halbkreise des Vierpasses aneinandergefügt 
werden. Auf solche Weise ergeben sich unendlich 
viele Variationen, die jedoch von kundiger Hand her- 
gestellt werden müssen, da das Zusammenfügen, 
namentlich der Ecken, oft Schwierigkeiten bereitet. 
In Spanien, z. B. in Toledo, mussten nach den 
städtischen .ordenanzas" des 15. Jahrhunderts die 
betreffenden Topfer ein Examen in Bezug auf das 
Zusammeniftgen der Platten bestehen, ohne welches 
die Ausübung des Gewerbes nicht gestattet wurde. 
Einige andere hübsche Üessins aus der Katbe- 



DIE KÜNSTGEWERBE- UND HANDWERKEllöOHULE ZU MAGDEBURG 1793-1893. 



drale von Portalegre sind auf der Farbentafel unten 
rechts und in der Kopfleiste Seite 1 abgebildet Der 
Grundstein zu dieser Kirche wurde 1565 gelegt 

Im folgenden Jahrhundert treten mehr und 
mehr figürliche Darstellungen in den Vordergrund, 
umgeben von reichen architektonischen Umrahmun- 
gen, das Ganze herge- 
stellt in zwei Tönen blau 
und Kontur der gleichen 
Farbe. 

In der Sakristei der 
Kathedrale TonPortalegre 
nehmen Darstellungen 
aus dem Leben der hei- 
ligen Maria die ganzen 
WandflScben ein, eingerahmt von reichem Renais- 
sancedekor, Arat)eeken mit Hippokampen, Amo- 
retten und FruehtschnQren. Eine Anzahl dergleichen 
Wandbekleidungen finden sich in den Lissaboner 
Kirchen. Auch habe ich einige Fassaden mit Azu- 
lejos bekleidet in Lissabon aus dem 17. Jahrhundert 



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vorgefunden. Aus dem 16. Jahrhundert seien die 
prochtvoUen Aztiiejos von S. ßernardo zu Port&legre 
erwähnt, reiche figQrlicbe Darstellungen, dem Wunder 
der heil. Taufe gewidmet und mit der Jahreszahl 
1739 versehen. 

Die Fabrikation von Azulejos in Portugal hat 
eigentlich nie aufgehört 
zu ezistiren und dauert 
noch heute fort In 
Lissabon z. B. werden 
noch immer viele Fay- 
enceäiesen zur Beklei- 
dung der Häuserfassaden 
angewendet Auf kOnst- 
lerischen Wert können 
die heutigen Fabrikate kaum Anspruch machen, 
schon der Geschmacklosigkeit ihrer Dessins halber, 
die sich zum großen Teil auf bloße Scbablonen- 
malerei beschränken. 

IHEODOR BOQOE. 



JAMMM.. 



iH dem PalMco du Bftc&lhoa. 



DIE KUNSTGEWERBE- UND HANDWERKERSCHULE 
ZU MAGDEBURG 1793— 1Ö93. 



AS Bedürfnis, den jungen 
Handwerkern öffentlichen 
Zeichenunterricht zu bieten, 
war weder im Mittelalter noch 
der Renaissanceperiode 
vorhanden; rechnete man 
es doch schon zu den Aus- 
nahmen, wenn der für ein 
Handwerk bestimmte Knabe einen dürftigen Eleli- 
gionsunterricht und einige Unterweisung im Lesen 
und Schreiben zu erbalten in der Lage war. Somit 
war die Werkstätte fUr die jungen Handwerker eine 
universelle Bildungsanstalt, deren Leistungsfähigkeit 
selbstverständlich mit der Intelligenz und Geschick- 
lichkeit des Meisters in engstem Zusammenhange 
stand. Unsere Museen mit den Schätzen deutschen 
Oewerbefieißes vergangener Jahrhunderte stellen 
wahrlich einem großen Teile jener ersten „Gewerbe- 
lehrer" ein glänzendes Zeugnis aus, welcher Um- 
stand allerdings nicht zu dem Schlüsse berechtigt, 
dass es heute noch das Richtigste wäre, wenn die 



Meister auch die theoretische Ausbildung über- 
nehmen wollten. 

Dieser Werkstattunterricht blieb derselbe noch 
im 17. und 18. Jahrhundert und erst im letzten 
Viertel des vorigen Säculums entstanden schwache 
Anfänge öffentlichen Gewerbeunterrichts in Frank- 
reich, England und Deutschland. 

Gemeinnützig denkende Männer, welche das 
Bedürfnis erkannten, der praktischen Unterweisung 
in der Werkstatte den theoretischen Unterricht, ins- 
besondere im Zeichnen, hinzuzufügen, regten im 
Süden, Norden und Osten Deutschlands last alle 
gleichzeitig die Errichtung von , Kunstschulen" an, 
welche übrigens nicht etwa Künstler heranbilden, 
sondern lediglich zur Ausbildung von Handwerkern 
dienen sollten. 

Ähnlich wie Kefer in München, Kähnt in Brann- 
schweig u. s. w^ 80 griff auch in M!45debui^ ein 
Mann, dem das allgemeine Wohl mehr am Herzen 
lag als seine Bequemlichkeit, der damalige Geh. 
Justizrat Vangerou; die Idee zur Errichtung einer 



n der Konstgewerba- und Uuidwerkencbole zu ttagdebiiTg; entvorfiui Dsd gazeicbaM von DSraktor Hoser. 



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DIE KUNSTGEWERBE- UND HANDWERKERSCHULE ZU MAGDEBURG 1793 - 1893. 



Zeidienschule auf, um sie mit aller Energie und — 
dank seiner hohen Beamtenstellung — auch mit 
Erfolg zur Durchführung zu bringen. Mit der Ge- 
wissenhaftigkeit des preußischen Beamten ließ er 
sich vor der definitiven Einrichtung der Schule um- 
fassende Berichte aus anderen Städten über die be- 
scheidenen Anfange, welche dort mit solchen Schulen 
gemacht worden waren, einsenden, und es ist inter- 
essant, die oft treffenden Bemerkungen der Bericht- 
erstatter in den Akten nachzulesen. 

Es sei gestattet, hier aus einem Berichte über 
die 9 Kunstschule" zu Breslau, woselbst „sogar auch 
Adliche" den Unterricht besuchen, eine Kritik über 
die damaligen „Zeichenmeister'* zu citiren. „Unsere 
gegenwärtige Generation von Zeichenmeistern ist 
eine steife Ausgeburt von Albrecht Dürern, d. h. 
sie setzen das Wesen des Zeichnens in die Propor- 
tionen des menschlichen Gesichts und überhaupt des 
menschlichen Korpers, fangen mit den Augen an etc. 
und es vergeht Jahr und Tag, ehe ein Schüler ein 
ertr^liches Gesicht zusammenstümpem kann. Von 
eigener Komposition ist hiebei gar nicht die Rede, 
sondern nur von ewigem Copiren." Es folgt nun 
die Bemerkung, dass sich derartige Zeichenlehrer 
sehr schlecht für Handwerksschulen eignen. Pro- 
fessor Bach in Breslau beginne mit den geraden 
und krummen Linien, aber über seine sonstige 
Lehrmethode äußere er sich nicht, sondern ziehe 
sich „in die Künstlerverschwiegenheit — bald hätte 
ich gesagt — Verstocktheit" zurück. — „Wissen 
Sie nun einen Zeichenmeister der Art aufzutreiben, 
der, sowie er nur in eine Fayencefabrik tritt, sogleich 
in allen einzelnen Stücken den Mangel der schönen 
Form und diese mit Bleistift und Röthel staute pede 
hincroquiren kann — der sich weit und breit in 
der Handwerkswelt umgesehen und das schlechtere 
inländische durch das bessere ausländische be- 
schämen kann — der dabei zugleich so viel päda- 
gogischen Geist besitzt, um Zöglinge mit einleuch- 
tender Deutlichkeit zu instruiren, anderseits mit im- 
ponirender Autorität zu gouvemiren: dann, theuerster 
Freund, sind Sie einer Kunstschule nahe; wo nicht, 
so sind auch 1000 und mehr Thaler vergeblich an- 
gewandt." 

Wahrlich, ein Urteil, wie es heute nach 100 
Jahren kaum richtiger abgegeben werden könnte! 

Auf Grund der Berichte konnte bald an die 
Vorarbeiten für die Errichtung der Magdeburger 
Schule herangetreten werden. Am 6. Oktober 1793 
wmrde die Schule eröfihet. 

Man scheint nun allerdings in dem ersten 



„Zeichenmeister", Herrn Schmid, welcher für sechs 
Groschen pro Stunde unterrichtete, nicht ganz das 
gefunden zu haben, was der Breslauer Pädagoge 
als unerlässliche Voraussetzung dekretirt hatte, denn 
als ein Jahr nach der Eröffnung der Schule eine 
staailiche Subvention bewilligt wurde, da hielt man 
es für nötig, dem Herrn „ Zeichenmeister '^ etwas auf 
den Zahn zu fühlen, und schickte ihm vier leere, 
von der Direktion der Akademie unterschriebene 
Blätter mit dem Auftrage, auf dem einen eine 
architektonische Zeichnung, auf dem anderen eine 
Figur, auf dem dritten eine Landschaft, auf dem 
vierten Zieraten nach einer guten Auswahl von 
Vorbildern zu zeichnen und einzusenden. Doch 
mochte sich wohl der nachtrs^lich zum Prüfungs- 
kandidaten Gepresste nicht so recht sicher fühlen, 
denn er sandte die leeren Blätter mit der lakoni- 
schen Randbemerkung zurück, dass er sich auf 
solche Probearbeiten nicht einlassen könne und 
wolle, weil er seine Zeit zum Verdienen benötige. 
Übrigens fühlte man sich schon 1797 veranlasst, 
der Schule einen künstlerisch ausgebildeten Mann 
in dem fürstlichen Baukommissar Breysig aus 
Ballenstedt als ersten Lehrer zu verschaffen, welcher 
den Titel „Professor" und 300 Thaler Jahresgehalt 
erhielt. Die Schule hob sich rasch und entwickelte 
sich vorzüglich, bis durch den Tilsiter Frieden die 
Stadt Magdeburg zum Mbdepartement des König- 
reichs Westfalen kam, welche Veränderung selbst- 
verständlich die Staatszuschüsse in Wegfall brachte. 
Es folgte nun eine traurige Zeit, während welcher 
die Schule nur mit Mühe und nur durch die Energie 
Vangerows über Wasser gehalten werden konnte. 
Das Kriegsjahr 1813 bewirkte zwar eine vorüber- 
gehende Schließung der Schule, weil das Gebäude 
für militärische Zwecke verwendet werden musste, 
dagegen trat auch nach der Auflösung des König- 
reichs Westfalen die Schule wieder in das alte 
Verhältnis zum Staate Preußen ein und konnte einer 
ruhigen Entwicklung entgegengehen. Im Jahre 1816 
starb der hochverdiente Gründer und langjährige 
Leiter der Anstalt, v. Vangerow, als Präsident des 
Oberlandesgerichts in Magdeburg. 

Mit wechselndem Erfolge durchlebte die Schule, 
welche inzwischen die Bezeichnung „ Provinzial- 
Kunst- und Baugewerksschule" erhielt, die nächsten 
Jahrzehnte unter der Ägide der Kunst- und Bau- 
akademie zu Berlin, zu deren Ausstellungen all- 
jährlich die Schülerarbeiten eingesendet, und von 
welcher die Auszeichnungen für die Schüler, Me- 
daillen, lobende Erwähnungen u. s. w. verliehen wurden. 



DIE KUNSTGEWERBE- UND HANDWEKKERSCHULE ZU MAGDEBURG 1793 — 1893. 



Von 1840 an, za weichet Zeit auf YerfQgung 
des Oberpräsidiums die sonntägliche Unterrichtszeit 
im Interesse des Kirchenbesuchs der Schüler auf die 
ungünstigen Stunden von 6 — 8 Uhr vormittags und 
2 — 4 Uhr nachmittags verlegt werden musste, be- 
gann die Schule an Bedeutung zu verlieren, ob- 
gleich die finanziellen Yerhaltnisse sieb von Jahr 
zu Jahr besserten. Es mag zu diesem Niedergange 
der Leistungen vielleicht auch der heute unver- 
ständliche Mangel an Erkenntnis der Schwäche un- 
serer deutseben Industrie beigetragen haben; wurde 
doch von Berlin amtlich nach Magdeburg berichtet, 
die Industrieausstellung zu Berlin im Jahre 1844 
habe gezeigt, dass die einheimische Industrie mit 
jeder ausländischen den Vergleich aushalte. 

Sehr unangenehm musste daher fftr die Mc^de- 
bnrger eine unsanfte Aufrüttelung durch eine Denk- 
schrift des Ministers lizenplüx sein, welche mit 
dürren Worten besäte, dass es höchste Zeit sei, 
die gewerblichen Zeichenschulen zu reorganisiren. 
Es währte drei Jahre, ehe die gewünschte Umge- 
staltung der Schule endlich im Oktober 1871 zur 
Thatsache wurde. 

Die bedeutendsten Errungenschaften dieser Reor- 
ganisation waren für die Schule die Errichtung eines 
Neubaues, des heutigen Kunstschulgebäudes an der 
Brandenburger- Straße, sowie die Aufstellung eines 
fachmännischen Direktors, des damaligen Stadt- 
baumeisters Mareks. Die Frequenz der neuen Doppel- 
anstalt (Kunstschule und gewerbliche Zeicheuschule) 
stieg unter den Direktoren Slurmhofel und Jahn 



nicht unbedeutend, aber trotzdem wurde schon 1884 
aus verschiedenen Gründen vom Unterrichtsmini- 
sterium eine weitere Umgestaltung gefordert Die 
Verhandlungen zogen sich, teilweise infolge des 
Ressortwechsels (die Schule ressortirt seit 1885 vom 
Handelsministerium), teilweise wegen der Abneigung 
der städtischen Behörden sehr in die Länge und 
erst mit dem Oktober 1887 konnte an der „Kunst>> 
gewerbe- und Handwerkerschule" der Unterricht 
nach dem neuen Keorganisationsplan unter Leitung 
des Direktors Spieß begonnen werden. Seit dieser 
Zeit wurde die Schule außerordentlich erweitert, da 
ihr bedeutende Mittel zu Gebote standen, die Fre- 
quenz außerordentlich zunahm und von Seiten der 
Industriellen und Gewerbetreibenden ihr lebhaftes 
Interesse entgegen gebracht wurde. Ostern 1892 
folgte Direktor Spieß einem Rufe nach Basel und 
seit Oktober desselben Jahres wirkt Direktor Moser 
als Leiter der Anstalt, an welcher gegenwärtig 
durchschnittlich 1 1 00 Schüler von mehr als 40 
Lehrern vorzugsweise auf allen Gebieten des Zeich- 
nens unterrichtet werden. — Am 6. Oktober dieses 
Jahres wird die Schule die Feier ihres hundert- 
jährigen Bestehens durch Veranstaltung einer Jubi- 
läums- Ausstellung mit historischer Abteilung, Stif- 
tung eines Änerkennungsdiploms für Schüler (siehe 
Abbildung) und durch Aufführung eines Festspieles 
feiern. Außerdem erscheint eine Festscbriil mit 
ausführlicher Schilderung der Geschichte und Entr 
Wicklung der Schule, welcher vorstehende Zeilen zum 
Teil entnommen sind. F. MOSER. 



Chronik; entworfen von Prot. A. Bildsbkudt in Beilin. 



Kuiulgeweibsblatt. 



Fig. S. HoBl«! lu dem Palaclo dft BkCklhoft ei 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
ChwÜL«, Tail ZXVXH, Benvmulo Cellini (Deutwhe 

Nation ollitteratur, Stuttgarter üoioii); bearbeitet von Dr. 
Aifr. Ootthold Meyer in seinem koDstbiitoriichen nnd von 
Dr. Qeorg Wilkoicski in seinem littoratnrgwcbichtlicben 
Teil. Uns IntAreMirt an dieser Stelle nur der kunat- 
historieehe Teil, dieser aber in bohem Grade. Über 
Goetbe^i Arbeit bedarf es keiner weiteren Auseinander- 
Setzungen, Es ist bekannt, dasa Cellini'e Selbstbiographie, 
die bis 16C2 reicht, nahezu verschollen blieb, bis 1728 die 
erste Ausgabe nach einer nicht genOgenden Abschrifl erschien. 
Goethe's Cbergetzung eiBchien 1803 nnd machte mit einem 
Schlage in Deutschland den Namen Cellini zu dem berahm- 
teeten Tr&ger aller Qold- und Silberschmiedearbeit, um die 
man sich im übrigen zu jener Zeit wenig kümmerte. Bis 
in die Uitte unseres Jahrhunderte hinein wurde jedes bessere 
Stück alter Silberarbeit auf Cellini'« Namen getauft Erat 
nach Ooethe's Chereetzung tancht« das Originalmannskript 
Celliui's auf; seit 1829 liegt der Text gedruckt vor und 
wurde seitdem der Ausgangspunkt ftlr eingehende kritische 
Bearbeitung, die vomebmlich in Italien gepflegt und 1890 
durch Oucuti zu einem Abschluai gebracht ist; in Dentsdi- 
land haben wir die trefflichen Arbeiten von Briitckmann 
(1867) Ober Cellini's Traktate und die ansfOhrliche Studie 
von Artielk (1858) zu verzeichnen. Die Ergebnisse der 
neuesten Forschungen waren fOt Deutachland noch nicht 
zngfijiglich gemacht, der Umstand, dass Goethe's herrliche 
Obersetzung in jedermanns Hfinden war, hinderte vielleicht 
am meisten das Erscheinen einer neuen Bearbeitung. Wir 
haben es daher mit besonderer Freude zn b^rOBen, daas 
wir Goethe's Text in der oben erwähnten auBerordentlich 
g^t redigirten Ausgabe nunmehr in einem Gewände be- 
kommen, welches uns die Resultate der Forschungen in den 
italienischen Archiven mühelos unterbreitet An dem Text 
Goethe's ist pietätvoll festgehalten, soweit es sich nicht um 
Beseitigung direkter IrrtQmer and bischer Lesarten handelt; 
dass hierdurch einzelne LSngen und Wiederholungen des 
Original Werkes beseitigt sind, wollen wir nicht bedauern. 
Wenn in dieser ausgemerzten Spreu sich noch ein Körnchen 
von historischem Werte befand, so bringen es uns die 
Anmerkungen. Diese Anmerkungen, sehr biapp und streng 
aachlich bei größter Reichhaltigkeit, begleiten den Text vom 
Antang bis zum Schluss und machen diese Ausgabe für jeden 
Kiust&eund zu einem unvergleichlich lehneichen und an- 
ziehenden Buche. Cellini hat die e^ntücbe Blüte der Hoch- 
renaissance sowohl in Florenz als in Rom miterlebt, viele 
der von ihm genannten Namen waren dem Eunstgelehrten 



ohne weiterei bdannt, aber viele andere erscheinen ohne 
besondere Merkmale, nicht selten in verstümmelter Form, 
so dau wir in der alten Ausgabe gleichgültig Über sie hinweg- 
lesen. Jetzt aber bekommt alles Leben nnd Farbe, wir 
sehen, wie die Architekt«n, Bildhauer, Haler und Gold- 
schmiede im engsten Zusammenhange mit«nander, oft genug 
auch in grimmiger Fehde und Eifersucht gegeneimuider, 
arbeiteten. Die Nachrichten über das Verbleiben der erhal- 
tenen Werke Cellini's — allerdingt wenig genug — ergftnzwi 
das Bild. — Die Ausgabe ISut sich nicht darauf an, Dber 
den Goethe'schen Text hinaus eine vollständige Lebena- 
geechicfate Cellini's oder ein Verzeichnis seiner Werke zn 
geben, aber sie ikiizirt auch die bei Goethe fehlenden Par- 
tieen hinreichend und meist für die einzelnen Fragen aaf 
die SpezialUttetatnr hin. Wie die Ausgabe vorliegt, ist sie 
eine überaus dankenswerte Bereicherung nicht nur der 
GoeUie-Litterator, sondern auch der konsthistorisdien Litte- 
ratnr und speciell fSr das Studium des Eunsthondwerks 
eine hOchst ergiebige und zngleich ergCtzliche Qnelle, bei 
Leibe kein Vorbild für die Aufzucht ehrsamer Innungsmieister, 
aber ein erstaunlicher Beleg für die Schaffensfreudigkeit und 
den Oberachues von Lebenskraft in jenem Zeitalter der 
Renaissance, in dewen Wiederschein wir un* sonnen und 
das doch in seiner moralischen Weltanschauung von der 
unseren durch schier unübersteigbare Klüfte gebennt ist. 
J. £,. 

SCHULEN. 
Serlin. In der ünterriehttatietalt det Königlirhfn 
Sunttgeicerbemuseums beginnt das neue Schuljahr am 2. Ok- 
tober. An Stelle des verstorbenen Professors Schütz ist aU 
Leiter der Fachklasse f^ architektonisches Zeichnen (Kut- 
werfen von UObeln etc.) der Regierungsbaumeister Alfred 
Messel berufen worden, der bereits seit acht Jahren au der 
Technischen Hochschule als Lehrer wirkt Den Unterricht 
des verstorbenen Baumeisters Speer übernimmt der Bau- 
meister BUlenberg, den in der Anatomie nnd im Aktzeich- 
nen fttr Haler — an 8t«l1e des Malers Sohaefer — der Pro- 
fessor Boese. Erweitert ist der Lehrplan durch die EinfQgnag 
der Fachklasse für Holzschnitzerei unter Leitong des Holi- 
bildhaners Tauitrt sowie einer Abendklasse fttr FBaiueii- 
zeichnen nach Heurer'scber Methode unter Leitung des 
Haler« Homolka. 

VEREINE. 

— a— Berlin. Der Verein für deuUehea Kunatgetocrbe 

in Berlin erOfihete am Mittwoch den 13. September sein 

Wintorsemester mit dem Besuche der BildgieBerei der Aktäeu- 

gesellsohaft vorm. B. Oladenieek u. Sohn in Friedrichahagen. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



11 



Etwa 300 Mitglieder mit ihren Damen wurden von der Di- 
rektion im Fabrikgebäude empfiangen nnd mit allen Teilen 
der Fabrikation bekannt gemacht. Die Fühmng in den ver- 
schiedenen Abteilungen begann im Modellirsaale , woselbst 
sich auch eine Rednktionsmaschine befindet, auf welcher von 
größeren Originalmodellen kleinere in gleicher Feinheit in 
überraschender Weise hergestellt werden. In der Wachs- 
giefierei wurden an Wachsfonnen und Modellen die ver- 
schiedenen Stadien der Herstellung gezeigt und erläutert. 
Dies Verfahren wird erst seit etwa sehn Jahren in Deutsch- 
land geübt Daselbst waren Teile zu dem Lutherdenkmal 
und die Büste der Künstlerin Vilma Parlaghi im Wachs- 
modell fertig. In der Sandgießerei lagen große Gewand- 
stücke der Brema und in der Giselirwerkstatt die fast fertige 
kolossale Sockelgruppe des Neptun von Bärwald für das 
Kaiserdenkmal in Bremen. Auf dem Hofe der Gießerei 
standen fertig das Denkmal für Kaiser Friedrich III. von 
Professor Eberlein, welches am 18. Oktober d. J. in Elber- 
feld enthüllt werden soll, ein Standbild Kaiser Wilhelm's I. 
und dasjenige Melanchthon's von Otto für das Lutherdenk- 
mal auf dem neuen Markt in Berlin. In allen Werka^tätten 
wurden eingehend alle Arbeiten erklärt , zum Schluss fand 
vor den sämtlichen Anwesenden ein Bronzeguss statt Der 
Abend vereinigte die Gesellschaft in dem Restaurant Bellevue 
am Müggelsee zu einem gemeinschaftlichen Abendessen. 

JBerliiu Im Kunstgewerbemuseum werden in den Mo- 
naten Oktober bis Dezember 1893 folgende Vorträge ge- 
halten : 1) Dr. Max Schmidt Die dekorative Malerei der Re- 
naissance, 9 Vorträge, Dienstag abends 8V2 — 9V3 Uhr. Beginn: 
den 10. Oktober 1893. 2) A, O, Meyer y Oberitalienische 
Renaissancedenkmäler. 8 Vorträge Montag abends 8V2 — 9V2 
Uhr. Beginn: den 16. Oktober 1893. 

Breslau. Der Breslauer Kunstgewerbeverein hat in 
seiner kürzlich stattgefundenen Generalversammlung be- 
schlossen, sich dem Bezüge des Kunstgewerbeblattes vom 
I. Oktober d. J. ab anzuschließen; das Blatt ist jetzt Vereins- 
organ von neun deutschen Kunstgewerbevereinen: in Berlin, 
Karlsruhe, Frankfurt a/M., Düsseldorf, Hamburg, Hannover, 
Leipzig, Magdeburg, Breslau. 

KiKTlsrühe. Der Badiscke Kunstgewerbevereint der bereits 
so schOne und bedeutende Erfolge seiner Thätigkeit verzeichnen 
kann, hat in neuerer Zeit Schritte eingeleitet, um einen wich- 
tigen Beschluss zur Durchführung zu bringen. Der Vorsitzende 
des Vereins, Herr Direktor Oötx, stellte in der letzten Ge- 
neralversammlung den Antrag: .Der Verein möge die ersten 
Schritte einleiten, um die Grundlage eines Fonds zu beschaffen, 
aus dessen Zinsen dereinst befähigten nnd insbesondere jün- 
geren Kunsthandwerkern des Landes Aufträge erteilt und 
denselben Gelegenheit geboten werden kGnnte, durch tüch- 
tige Leistungen ihr bestes KOnnen zu zeigen.* Direktor 
Götz begründete seinen Antrag damit, dass bei der Ausbil- 
dung von Kunsthandwerkern sich häufig Kräfte entwickeln, 
die zu bedeutenden Leistungen befähigt seien, denen jedoch 
vielfach die Gelegenheit mangle, sich mit ihrem Können 
einzufahren, weil die hierzu geeigneten Aufträge fehlen. 
Gelinge es, alljährlich für einige dieser Kräfte solche Auf- 
gaben stellen und dieselben gut honoriren zu können, so 
wäre dies ein ei'freulicher Erfolg, weil damit für die Betref- 
fenden nicht allein eine aufmunternde Anregung und Em- 
pfehlung geboten würde, sondern mit der Zeit durch Samm- 
lung und Aufstellung dieser Arbeiten ein übersichtliches Bild 
der Leistungsfähigkeit des heimischen Kunstgewerbes geboten 
werden könnte. Dies würde gewiss manchen Kunstfreund 
und Gönner zu ähnlichen Aufträgen bestimmen und ihm 
nahe legen, dass auch in Deutschland Tüchtiges geleistet 



werden kann, wenn bei Bestellungen den Arbeiten der Heimat 
gegenüber jenen des Auslandes der Vorzug gegeben wird. 
Immerhin wird es nötig sein, dass bei der Wahl und Ver- 
gebung solcher Arbeiten der Rat bewährter Meister unter- 
stützend mitwirke und damit zugleich noch eine regere 
Wechselwirkung gleichstrebender Kräfte eintrete. Finde das 
Vorgehen des Vereins in weiteren Kreisen Nachahmung, so 
würde außer Zweifel für die fortschreitende Entwickelung 
des deutschen Kunstgewerbes ein großer Dienst geleistet 
sein. Der Antrag wurde in jener Versammlung freudig be- 
grüßt und fand einstimmige Annahme. — Als ersten Schritt 
zur Schaffung des angeregten Fonds hat nun der Badische 
Kunstgewerbeverein eine Silberlotterte eröffnet und es an 
seinen Bemühungen nicht fehlen lassen, für dieselbe gote, 
praktische und leicht verwertbare Gewinne anzukaufen. Wie 
die Großh. Regierung in entgegenkommendster Weise diesen ' 
Bestrebungen ihre Unterstützung und Förderung angedeihen 
lässt und von ihr ein namhafter Jahreszuschuss zu erhoffen 
ist, so dürfte zu erwarten sein, dass auch von Gemeinden 
und Privatkreisen Zuwendungen eintreten. Die in Stuttgart 
erscheinende „Deutsche illustrirte Gewerbezeitung*' begrüßt 
das Vorgehen des Badischen Vereins mit warmen Worten 
und sagt u. a.: Es wäre zu wünschen, dass auch andere 
Kunstgewerbevereine diesen Gedanken au&ehmen, denn wir 
würden dann einen Teil jener Erwartungen eriüllt sehen, 
die wir hinsichtlich der Kunstgewerbemuseen wiederholt an- 
regten, dass nämlich nebst dem Erwerbe alter Ei-zeugnisse 
auch das moderne Schaffen mehr Berücksichtigung finden ; 
möge. 

JBiöln» Kunstgewerbeverein, Im Jahresbericht 1891/92 
konnte der Kölner Kunstgewerbeverein auf eine erfolgreiche 
fünigährige Thätigkeit zurückblicken, in der er nicht weniger 
als 70 429,38 M. fOr die Zwecke des städtischen Kunstgewerbe- 
museums verwendet hatte. Im Anschluss an die großartige 
Stiftung von Wallraf und de Noöl, die den Stamm des Mu- 
seums an Werken der Kleinkunst vom Mittelalter bis zum 
ausgehenden 18. Jahrhundert bildeten, und die Stiftung von 
Carl Gilbert, die dem Museum eine große Kollektion orien- 
talischer Erzeugnisse zugeführt hatte, darf sich der Kölner 
Kunstgewerbeverein als vierter in der Reihe der großen 
Stifter betrachten. Aus seinen Mitteln konnten zunächst 
eine größere Anzahl Einrichtungsgegenstände beschafft wer- 
den, sodann eine Anzahl Sammlungen neu begründet, vor 
allem die Textilsammlung, im weitesten Umfang die Samm- 
lung der Fliesen, Kacheln, Geräte, Drechsel-, Flechtarbeiten, 
Bucheinbände, der Lederarbeiten, Teppiche, Ledertapeten, 
eines großen Teiles der Holzsammlung und Metallarbeiten, 
namentlich der Sammlung von Schmiedearbeiten. Dem 
Jahresbericht 1892/93 entnehmen wir folgendes: In den 
Vorstands- und Ausschusssitzungen, deren drei stattfanden, 
wurden verschiedene Ankäufe, u. a. von wertvollen Buch- 
einbänden und aus der Sammlung Spitzer (f&r 3000 M.) ge- 
nehmigt. Unter den Erwerbungen sind hervorragend eine 
Prachtschüssel 70n B. Palissy (Sammlung Spitzer, 3900 Frank), 
einige Meißener Porzellane (Sauci^re des Sulkowski-Geschirrs), 
ein italienischer Fayence-Kopf von Gaffagiolo, eine Wandfon- 
täne aus sog. faienee fine, Kölnische Arbeit, und Kölnische 
sowie Siegburger Krüge. Hieran schließen sich mittelalter- 
liche Fliesen, zwei zierliche mittelalterliche Gläser, verschie- 
dene Schmuckstücke zum Teil Kölnischer Herkunft, Silber- 
arbeiten, darunter ein silberner Buchdeckel mit Ornamenten 
in Flötner's Art, mit Lack ausgerieben. Auch die Geräte- 
sammlung fand neuen Zuwachs durch einen venezianischen 
Bronzekessel mit feinster Gravirung, Beschläge aller Art, . 
Schlüssel und Schüsseln von Eisen und Zinn. Ein säch- 



14 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



siBcher Einband von 1556 mit Hand- nnd StempelTergoldung 
und ciselirtem Schnitt, zwei Lyoner Bände von 1855 and 
alte italienische Einbände, hervorragende Holzarbeiten und 
Textilien kamen außerdem hinzu. Der Gesamtbetrag aller 
dem Musenm vom Eunstgewerbeverein überwiesenen Schen- 
kungen in diesem Jahr betiftgt 4388 M. 30 Pf. Die Mitgliederzahl 
betrug bei Ausgabe des letzten Jahresberichts 420. — An Vor- 
trägen wurde nur einer gehalten über Glasmalerei von Herrn 
Glasmaler Schneiders. Für das nächste Etatsjahr sind 500 M. 
f&r Vorträge bewilligt Mit Rücksicht darauf, dass im ver- 
flossenen Jahre verhältnismäßig wenig Mittel zu Anlaufen 
verwendet sind, gestaltet sich der Voranschlag für 1893/94 
besonders günstig. Er balancirt in Einnahme und Ausgabe 
mit 12400 M., wovon zu Ankäufen für die Sammlung des 
städtischen Kunstgewerbemuseums allein gegen 11 380 M. in 
Aussicht genommen sind und für Vorträge 500 M , während 
sich die gesamten Verwaltungs- und sonstigen Kosten auf 
etwa 550 M. belaufen. So darf man denn hofiPen, dass auch 
im künftigen Jahre ein besonders reicher Zuwachs der Samm- 
lung des Museums aus den Mitteln des Kunstgewerbevereins 
zufließen wird. 

Die Hauptversammlung des Deutschen Vereins für den 
Sehutx des gewerblichen Eigentumes wird am 16. und 
17. Oktober zu Nürnberg stattfinden (die Sitzungen werden 
in dem Saale des Bayerischen Gewerbemuseums gehalten). 
Eine Reihe interessanter Vorträge wird gehalten werden 
(Ingenieur Pieper -Berlin über die Staatenunion, Professor 
Kohler-Berlin über die Entwickelung des gewerblichen Rechts- 
schutzes in den letzten Jahren, Handelskammersekretär 
Wunder - Nürnberg über den Warenzeichengesetzentwurf, 
Handelskammersekretär Herrl-Chemnitz über Musterschutz). 
Am Abend des 16. Oktobers wird die Versammlung einer 
Einladung der Freiherrlich Tucher'schen Brauerei zu einem 
Kellerfest in der Wachsbleiche folgen 

AUSSTELLUNGEN. 

Aus dem deutschen Hause in Chicago. Wir führen 
unseren Lesern im vorliegenden Hefte die Aufnahme der 
gotischen Vorhalle zum Empfangszimmer des Reichskom- 
missars Geheimrat JVemmth aus dem deutschen Hause in 
Chicago vor. Der Urheber des reich dekorirten gotischen 
Raums ist Architekt Wilhelm Fleck in Berlin, aus Süd- 
deutschland gebürtig, seit längerer Zeit aber schon in der 
Reichshauptstadt ansässig. Der treffliche Künstler hat die 
Dekoration zunächst in kleinem Maßstabe entworfen und 
alle Detailzeichnungen mit Anspannung aller Kräfte in kür- 
zester Zeit ausgeführt. Auch das Empfangszimmer selbst, 
das neben den Münchener Prunksälen zu den besten Lei- 
stungen dieser Art gezählt wurde, hat Herr Fleck entworfen 
und die künstlerische Leitung der Herstellungsarbeiten ge- 
führt. Wir bringen von diesem Räume nach einer Photo- 
graphie eine perspektivische Ansicht, werden aber später 
künstlerische Aufnahmen von der Hand des Urhebers nach- 
folgen lassen. Kein Beschauer wird den überaus harmo- 
nischen Erfindungen ansehen, mit welcher fieberhaften Eile 
sie haben hergestellt werden müssen. Alle Hilfsmittel der 
modernen Technik sind dem Werke zu gute gekommen; ein 
Teil der eigentümlichen Wirkung der „Gediegenheit** bei 
dem Empfangszimmer kommt auf Rechnung der Holzpres- 
sungen von B. Harrass in Boehlen in Thüringen, die an 
Stelle von Holzschnitzereien verwendet worden sind. Unter 
Anwendung eines sehr starken Druckes werden mit Hilfe 
von siUhlemen Matrizen aus Holzbrettem Dekorationen ge- 
presst und diese Leisten zur Belebung von Holzdecken und 
Wandverkleidungen verwendet. Das geht viel geschwinder 



und ist weit billiger als die Herstellung von Originalskul- 
pturen. Die Bretter sind ziemlich stark und setzen dem Zahn 
der Zeit denselben Widerstand entgegen wie Handschnitze- 
reien. Eine genauere Beschreibung und Besprechung der 
künstlerischen Innenräume des deutschen Hauses wird im 
nächsten Hefte folgen. 

TECHNISCHES. 

Neues Bronxirungsverfahren. In der Revue chronom. 
wird ein Verfahren beim Bronziren galvanoplastischer Objekte 
mitgeteilt, welches alle FarbentOne von Barbedienne-Bronze 
bis zum antiken Grün ergiebt, je nachdem man die in Ver- 
wendung kommende Flüssigkeit kürzere oder längere Zeit 
auf das Kupfer einwirken lässt. Nachdem die zu bronziren- 
den Stücke vollkommen rein abgebeizt sind, trägt man auf 
dieselben mit einem Pinsel die nach der folgenden Formel 
zusammengesetzte Mischung auf: RicinusOl 20, Weingeist 80, 
weiche Seife 40, Wasser 40. Die mit dieser Flüssigkeit be- 
strichenen Stücke werden hierauf einfach ruhig bis zum fol- 
genden Tage liegen gelassen, die Bronzirung ist dann fertig. 
Lässt man die Flüssigkeit noch länger auf den Gegenstand 
einwirken, so erhält man nach und nach alle Farbenabstu- 
fungen in der eben bezeichneten Richtung. Die Gegen- 
stände werden nach dem Bronziren in warmen Sägespänen 
getrocknet und schliefilich mit einem durch Zusatz von 
Weingeist sehr verdünnten Lack Überzogen. 

(Aus „Neueste Erfahr, u. Erfind.'* 1893, H. 10.) 

Aus dem Reiche der Erfindungen, Diebessicherer Garde- 
robenhaken. Dem häufigen Diebstahl von Garderobenstücken 
zu steuern, sind schon die verschiedensten Vorkehrungen 
getroffen, jedoch stets ohne Erfolg, weil diese Leute stets 
neue Coups erdachten, um sich widerrechtlich in den Besitz 
fremden Eigentums zu setzen. Nach vielen Versuchen ist 
es einem gewissen Herrn H. Hinrichs, Berlin N., Kastanien- 
allee 12, gelungen, einen wirklich praktischen und absolut 
diebessicheren Garderobenhalter zu konstruiren, über den 
das Patent- und technische Bureau von Rieh. Bayer, Berlin SQ., 
Brückenstrafte 13, folgendes mitteilt: An der Rückseite des 
Halterbrettes ist ein Schloss angebracht, dessen Riegel durch 
einen Schlüssel verschoben wird. Dieser Riegel ist über die 
Schließkappe hinaus verlängert und mit einem, um einen 
Zapfen drehbaren Arm gekuppelt, welcher mit seinem freien 
Ende in einen Schlitz des Knopfes am Auf hängehaken ein- 
fällt. Beim Zurückziehen des Riegels legt sich der Arm an 
das Brett, so dass jetzt eine beliebige Anzahl Kleidung- 
stücke auf den Haken gehängt werden kennen. Durch Vor- 
schieben des Riegels legt sich der Arm in den Einscbnitt 
des Knopfes und verhindert das Abnehmen der Garderobe. 
Den Schlüssel erhält derjenige, dessen Garderobe auf dem 
zugehörigen Haken hängt. Es kann jeder Haken mit einem 
separaten Verschluss ausgestattet sein, ebenso können aach 
eine beliebige Anzahl Haken durch ein Schloss gegen Dieb- 
stahl gesichert werden. 

VERSCHIEDENES. 

S London. Die auf Veranlassung der,, City Corporation*' 
von London gestiftete Medaille xur Erinnerung des Besuchs 
des deutschen Kaisers und der Kaiserin ist vor kurzem dem 
„Guildhall Museum'* einverleibt und nunmehr auch privatin& 
käuflich. Die Medaille hat 2% engl. Zoll im Durchmesser 
und befindet sich auf der Aversseite das sehr gelungen ans- 
gefahrte Bildnis des Kaisers in Gardes du Corps -Uniform, 
das Bildnis der Kaiserin und die Umschrift: „Gulieltno II 
Imperator Rex.** Auf der Reversseite steht eine dracben- 






11 



-\ 



16 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



behelmte Figur, die City von London daniellend. Ihre 
rechte Hand ruht an einem Throne, anf welchem die Ger- 
mania sitzt , und der sie die Schiffe aaf der Themse weist> 
Bymboliflch den Handel Londons erklärend« An der Seite 
der stehenden Figur befindet sich ein Schild, auf welchem 
das Wappen der City angebracht ist. Die sehr schöne Figor 
der Germania hält in der einen Hand ein Schwert, während 
die andere Hand ein mit dem Wappen Deutschlands ver- 
sehenes Schild erfasst hat. Im Vordergründe ruht friedlich 
ein Löwe ' als Symbol englischer Macht. Am Fuße des 
Thrones sind zwei Tauben als weitere Bürgschaft des Frie- 
dens, sowie das Datum des kaiserlichen Besuches einge- 
zeichnet. Außerdem sind allegorische Figuren innerhalb 
einer Balustrade dargestellt und jenseits derselben zur rech- 
ten Hand werden die Masten von Schiffen sichtbar. Zur 
Linken sieht man die City und mehrere hervorragende Bau- 
lichkeiten Londons, so namentlich die Si Pauls-Eathedrale. 

Pierre Vbissüre, ein junger Archivar in Montpellier, 
machte vor kurzem eine interessante Entdeckung, welche 
das Datum und Nebenumstände der Erfindung des Präge- 
stempels feststellt Während der Gelehrte Manuskripte in 
der Nationalbibliothek durchsah, um über das Leben Charles 
de Morillac's, eines französischen Diplomaten des 16. Jahr- 
hunderts, zu schreiben, fand er eine Serie von Briefen, die 
auf obigen Gegenstand Licht verbreiteten. De Marillac war 
nämlich Gesandter am Hofe Karl's V. von 1550 bis 1551 und 
hielt sich zu dieser Zeit in Augsburg auf. Hier lernte er 
einen Mann, jedenfalls einen Deutschen, kennen, dessen 
Name aber nicht aus dem Dokument hervorgeht, der ihm 
für König Heinrich II. von Frankreich das betreffende Ge- 
heimnis um 3000 Kronen verkaufte. Die Erfindung und das 
Geheimnis wurde aber sehr bald verraten, und schon 1561 
war dasselbe in England bekannt und ausgenutzt. 

Preisausschreiben. Die Kunstanstalt von Moritx Schauen- 
bürg in Lahr (Baden) erlässt ein Preisausschreiben für Ent- 
würfe zu Cigarrenpackungen. Erster Preis 600 M., zweiter 
Preis 500 M., dritter Preis 400 M. Die aus vier Zeichnun- 
gen (Hauptbild, Aufleger, Außen- und Schlussetikett) be- 
stehenden Entwürfe müssen, da hauptsächlich für Amerika 
bestimmt, sich dem amerikanischen Geschmack möglichst 
nähern, in lebhaften Farben gehalten und mit einer Anzahl 
Medaillen versehen sein, welche vorläufig in der Zeichnung 
nur angedeutet zu sein brauchen, sie müssen sich femer den 
jetzt gangbaren Formaten anschließen. Die Arbeiten sind 
spätestens bis zum 1. Januar 1894 einzusenden. Der Künstler 
hat seine Arbeit mit einem Motto zu versehen und ein ver- 
schlossenes Couvert beizufügen, das die Adresse des Künst- 
lers enthalten und als Aufschrift das der Arbeit gegebene 
Motto tragen muss. Es kann sich auch ein Künstler mit 
mehreren Entwürfen an der Konkurrenz beteiligen. Die 
Anstalt behält sich außerdem vor, auch eine Anzahl von 
nicht prämiirten Entwürfen um die üblichen Preise zu er- 
werben, und ersucht die Einsender, den Preis der betreffen- 



den Packungen jeweils auf der beizulegenden Karte anzu- 
geben. 

ZU UNSEREN BILDERN. 

Die neue ümsehlagxeiehnung des Kunstgewerbeblattes, 
welche W. Weimar in Hamburg anf unseren Wunsch ent- 
worfen hat, kommt nur einer kleinen Zahl von Lesern als 
Umschlag vor Augen, da die Vereine, die sich dem Bezüge 
des Blattes angeschlossen haben, besondere Umschläge er- 
halten. Darum erscheint es wohl angemessen, den Entwurf, 
der zugleich das Muster einer Schabpapieneichnung ist, 
durch Aufiiahme ins Innere des Blattes allen zugänglich zu 
machen. Zunächst fällt daran gewiss jedem Betrachter an^ 
dass der Künstler darin völlig selbständig ist, dass er die 
üblichen, herkömmlichen Motive, wie sie an den Kunst- 
gewerbeschulen von Generation zu Generation weitergegeben 
werden, vermieden hat Kein Mäander, keine Grotteske, 
kein Akanthus, kein Renaissanoeknabe oder Mädchen, 
keine Cartouche mit den drei Schildern und was dergleichen 
mehr ist Aus dem Fuße wächst ein Rosenstrauch, der in 
seiner Stilisirung etwas an die heraldischen Rosenstöcke 
gemahnt, heraus. Er gilt als das Symbol des Glückes. 
Rechts und links streben Epheuranken anf — das Symbol der 
Dauer. Auf dem einfach gemusterten Grunde schwirren eine 
Anzahl Bienen als Symbole des Fleißes. Ober dem damas- 
cirten Schilde, das den Titel trägt, erhebt sich ein metalle- 
ner, mit Perlen und Steinen geschmückter Ring — dies soll 
wohl eine Mahnung sein, in der Neuen Folge nur „Gediegenes* 
zu bieten. Günstige Sterne scheinen Über dem „fünften 
Band*' und hoffentlich werden sie auch über den folgenden 
nicht verlöschen. Die stilisirten Flammenstrahlen, die die 
höchste Spitze bilden, züngeln empor, dem Feuer der Be- 
geisterung vergleichbar, mit dem am Fortschritt des deut- 
schen Kunstgewerbes gearbeitet werden soll. Die technischen 
Fortschritte, an denen unsere Zeit so reich ist, werden durch 
zwei Glühlampen versinnbildlicht, die das Dunkel erhellen. 

Die auf Seite 9 abgebildete Einbanddecke einer Haus- 
chronik ist entworfen von Prof. Äd, M, Hildebrandt in Berlin, 
von dem auch die Zeichnung der Beschläge herrührt; aus- 
geführt ist dieselbe in der kunstgewerblichen Anstalt von 
Oeorg Hulbe in Hamburg. 

ZEITSCHRIFTEN. 
Bayerisohe Gewerbeseitung« 189S. Nr. 17. 

Betrachtnngsii über die Veränderlichkeit des Uaasrats. 

Hltteilimgeii des k, k. Österrelohlselieii Masemns« 1898* 
Heft 9. 

Die Tiroler Landesaasstellung in Innsbruck. Von Dr. Ed. Lei- 
se hing. — Die antiken Gefäße mit Bleiglaaar in der arohäo> 
logischen Ansstellong. Von Dr. K. Masner. 

Zeitschrift des Barerisehen KanstgewerbevereiBs in Milm- 
oben. 1898. Heft 9/10. 

Die Sammlang Straub im Straßburger Kunstgewerbemuseum. 
Von Prof. Dr. A. Schricker. — Aus dem Alten Lande. Von. 
G. Schlotke. —Kunstgewerbliches von der Weltausstellung in 
Chicago. Von L Gmelin. — Die historische Abteilung der 
Tiroler Landesausstellung von 1893. Von Prof. Dr. Sem per. 



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Herausgeber: Arthur Pabst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipzig. 

Druck von August Pries in Leipzig. 



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{IN Aufsatz über obigen Gegenstand, 
mit welchem Emil Molinier die ent- 
sprechende, sehr reiche Abteilung der 
Sammlung Spitzer in der bei Quantin erschie- 
nenen Prachtpublikation begleitet (UI, p. 53 ff.), 
giebt Veranlassung, auf dies von mir in dem 
Aufsatz „Eglomisirte Glaser^ in dieser Zeit- 
schrift lU, p. 101 — 107 behandelte Gebiet noch- 
mals zurückzukommen. Bieten doch schon die 



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Aus dem Werke: Ornamentale Motive des Barock- und Rokokostils, von 0. Uamhel. (ä. S. 23.) 



Kunstgewexbeblatt. N. F. V. U. 8. 



3 



18 



HINTERGLASMALEREI. 



38 daselbst aufgezahlten und genau beschriebenen 
StQcke eine wichtige Ergänzung zu der in dem 
früheren Aufsatz versuchten Aufzählung. 

Wenn heute die früher gebrauchte Bezeichnung 
„egiomisirte Gläser" mit der in der Überschrift ge- 
wählten vertauscht wird, so giebt hierzu eine be- 
redte Philippika gegen die erstere in Molinier's Auf- 
satz Veranlassung. Thatsächlich ist nicht einzusehen, 
warum die Altertumswissenschaft an einem, wenn 
immer bequemen Ausdruck festhalten soll, sobald 
dessen uubeglaubigte Herkunft so zweifellos nach- 
gewiesen wird, wie es die Untersuchungen von 
A. Darcel und E. Bonnaff^ in diesem Falle gethan 
haben. Lassen wir den letzteren selbst sprechen: 
,,Alle Sammler von Gegenständen des vorigen Jahr- 
hunderts kennen Remj und Glomy, die beiden be- 
kanntesten Sachverständigen ihrer Zeit. Der letztere, 
der sich selbst nennt „Zeichner, Ecke der Rues de 
Bourbon und St. Claude* , war außerdem ein sehr 
geschickter Einrahmer. Die beiden Experten, die 
früher ein gemeinschaftliches Geschäft geführt, hat- 
ten sich in ziemlich schroffer Weise getrennt und 
verfehlten nun nicht, das Publikum bei Gelegenheit 
von ihren kleinen Häkeleien zu unterhalten. So, 
als Herr Glomy verraten hatte (im Katalog Bailly), 
dass die Thätigkeit seines früheren Geschäftsteil- 
habers nur darin bestanden habe, die Maße der Bilder 
zu nehmen, beeilt sich R^my zu erwidern (im Ka- 
talog Julienne): „Ich will Herrn Glomy nicht auf 
dieses Gebiet folgen; der Beweis, dass ich mit Ver- 
gnügen ihm Gerechtigkeit widerfahren lasse, ist, dass 
ich mit gleichem Vergnügen hier dem Publikum mit- 
teile, wie er einer der ersten war im Aufkleben von 
Zeichnungen und im Einfassen derselben mit Strei- 
fen aus Goldpapier.^ 

Li der That bestand die Spezialität des Glomy 
im Einfassen der Gläser mit Streifen, die auf das 
Glas selbst auf dessen Rückseite gemalt und ver- 
goldet wurden. Dieses neue Verfahren fand soviel 
Beifall bei den Liebhabern, dass man ihm den 
Namen seines Erfinders gab; man sagte: eine Zeich- 
nung, einen Stich glomisiren oder eglomisiren, d. h. 
denselben nach der Art von Glomy unter Glas ein- 
rahmen. A. Darcel führt eine Notiz aus einer gleich- 
zeitigen Zeitschrift „l'Literm^diaire^^ an: „Ich besitze 
eine Aquarelle unter Glas und Rahmen, welche mit 
einer schwarzen Einrahmung umgeben ist, die mit 
Goldstrichen eingefasst wird. Diese Striche sind auf 
der Rückseite der Gläser gemalt, ebenso wie die 
schwarze Umrahmung mit Goldfimis und schwarzem 
Firnis. Unten steht mit der Nadel eingeritzt: Eglo- 



mis6 par Hoeth ä Lyon.^' Da finden wir denn schon 
das Wort in den Sprachschatz der Händler aufge- 
nommen und den Weg von Paris nach Lyon nehmend. 
Und gerade am letzteren Ort hat es Garraud d. ä. zuerst 
gedruckt, wahrscheinlich 1825. Als er einen Katalog 
von mittelalterlichen, auf der Rückseite gemalten 
und vergoldeten Gläsern zu beschreiben hat, nimmt 
er ohne weiteres das ihm zunächst liegende Wort, 
welches zur Bezeichnung eines annähernd gleichen 
Verfahrens diente, und dessen ganz neuer Ursprung 
ihm selbst wohl unbekannt war. 

Unter der Autorität von Garraud hat das Wort 
dann Glück gemacht, es hat sich bei den Sammlern 
eingebürgert, der Katalog des Clunymuseums hat 
ihm eine offizielle Bedeutung gegeben und die Ita- 
liener, welche es «agglomizzato" schrieben, haben ihm 
ein gewisses archaistisches Mäntelchen umgehängt, 
das ihm wunderbar steht und seine Zukunft ver- 
bürgt 

Es liegt hiernach wohl keine Veranlassung vor, 
in dem bestrittenen Ausdruck den Namen eines un- 
bedeutenden Professionisten aus dem vorigen Jahr- 
hundert zu verewigen — wenn es auch abzuwarten 
bleibt, ob sich der Sammler -Jargon ein bequemes 
und eingebürgertes Wort so ohne weiteres wird ent- 
ziehen lassen. 

An die Spitze seiner geschichtlichen Untersuch- 
ung über ,JEinterglasmalerei" setzt Molinier die sog. 
Martyr- oder Blutschalen (Verres cimiteriaux), die 
in den Begräbnisplätzen der Katakomben von Rom 
(nach Demmin auch in Köln) in Bruchstücken ge- 
funden worden sind. Dieselben gehören der Zeit 
der Christenverfolgungen im 3. und 4. Jahrhundert 
an. Die bei denselben angewendete Technik ist fol- 
gende: Auf die Rückseite der Schale oder der Glas- 
scheibe wurde mit einem sehr dünn aufgetragenen 
Klebenuttel ein Goldblatt geklebt, und auf diesem 
mit der Nadel die Umrisslinien des darzustellenden 
Gegenstandes, sei es ein Heiliger, ein symbolisches 
Ornament, oder die Buchstaben einer Inschrift, leicht 
eingeritzt; hierauf alles außerhalb der Kontnrlinien 
befindliche Gold weggeschabt. In gleicher Weise 
wurden mit der Nadel die inneren Linien der Zeich- 
nung, Gesichtszüge, Gewandfalten, Haare etc., ein- 
geritzt. Gewisse Einzelheiten konnten dann noch 
mit Schmelzfarbe hervorgehoben werden, wie man 
es auf einem sehr merkwürdigen, vor wenigen Jahren 
in Rom ausgegrabenen Glase sieht, welches eine 
perspektivische Ansicht des Tempels zu Jerusalem 
darstellt. Endlich wurde, nachdem das Gold ge- 
trocknet war, eine Lage Glasstaub oder farbloser 



HINTERGLASMALEREI. 



19 



Emailsatz in Palverform mit dem Pinsel über das- 
selbe ausgebreitet; ein sehr leichter Brand genügte, 
um dieses Glas in Fluss zu bringen, und das Gold 
war hierauf zwischen zwei Lagen Glas fest einge- 
schlossen, von außen und innen gleich sichtbar — 
übrigens ein Verfahren, welches bekanntlich noch 
heute bei der Herstellung des Goldgrundes für das 
venezianische Mosaik angewendet wird. 

Wenn diese Technik allerdings in einem wesenir 
lichen Punkte, der Anwendung des Feuers, von der 
uns beschäftigenden abweicht, die durchaus auf 
kaltem Wege vor sich geht, so ist es doch nicht 
unmögUch, dass dieselbe nie ganz in Vergessenheit 
geraten ist und Anlass zu einer etwas veränderten 
Wiederaufnahme im Mittelalter gegeben hat. Jeden- 
falls kennt sie der ,J&Ionch Theophilus*^ noch und 
giebt in der Schedula die genaue Vorschrift, welche 
beweist, dass byzantinische Künstier um das Jahr 
1100 noch Gläser in der angegebenen Weise ver- 
goldeten und mit einer leichten, aufgebrannten Glas- 
haut schützten. Zwei Jahrhunderte später aber 
finden wir ein Beispiel, welches in seiner Technik 
den bisher sogenannten eglomisirten Gläsern noch 
mehr entspricht. Es sind gewisse omamentirte Glas- 
einsätze an dem prachtvollen Altaraufsatz von West- 
minster, den VioUet-le-Duc ins 13. Jahrhundert 
setzt imd im Dict rais. d. Mob. abbildet und ein- 
gehend beschreibt. Über die Anfertigungsart sagt 
er (a. a. 0.» ly p. 388): Man beginnt, indem man 
unter das Glas ein Blatt dünngeschlagenes Silber 
mit Gummi aufklebt, dem ein wenig Honig beige- 
mischt ist. Alsdann malt man auf die Oberfläche 
des Glases zarte Ornamente mit einer Mischung von 
Leinöl, Wachs, Terpentin und Rotel, die man zu- 
sammen bei sehr schwachem Feuer hat kochen 
lassen. Auf diese Malerei, solange sie noch weich 
ist, legt man ein Goldblatt, ist die Unterlage hart 
getrocknet, so stäubt man das Gold ab und es bleibt 
nur das Ornament übrig. Dies vergoldete Ornament 
der Oberfläche wirft durch das Glas einen Schatten 
auf das Silber der Unterfläche. In dieser Art ist 
der Altar von Westminster ausgeführt, der ganz 
mit einem in rote, grüne und goldene Felder geteil- 
ten Muster bedeckt ist, geschmückt mit einem Fries 
von Laub und Vögeln, wie man sie so oft bei den 
Emaillen der Zeit findet. Wahrscheinlich bezieht 
sich auch auf dies Verfahren ein Artikel in den 
Satzungen der Emailleure von Paris vom Jahre 1309. 
Diesen Handwerkern wird darin verboten, Glas mit 
Gold oder Farbe zu dekoriren, „auf dass diejenigen 
getäuscht würden, die solches kauften^. Ausnahmen 



sind nur bei Arbeiten für Kirchen und für den 
König gestattet. Und thatsächlich konnten für un- 
erfahrene Leute die solcherart dekorirten Glaser für 
echte Emaillen gelten. 

Für die Ausführung der eigentlichen Unterglas- 
malerei giebt Molinier die Vorschrift eines in den 
mittelalterlichen Techniken durch eigene Versuche 
besonders erfahrenen Spezialisten Alfred Andre: 

„Die sog. eglomisirten Gläser sind auf der Rück- 
seite der Glasfiäche ausgeftLhrt durch ein Verfahren, 
welches umgekehrt dasjenige der Emailmalerei ist. 
Die erste Operation besteht darin, dass die Platte, 
ob von Bergkrystall oder einfachem Glase, mit 
einem Goldblatt vermittelst Gummiwasser belegt 
wird. Nach dem Trocknen haftet das Gold sehr 
fest am Glase und erhält einen sehr lebhaft blanken 
Ton. Die zweite Operation besteht darin, dass man 
mit der Nadel, der Vorzeichnung entsprechend, die 
Einfassungen und die Motive zeichnet, die im blan- 
ken Golde stehen bleiben sollen. Darauf entfernt 
man alles überflüssige Gold und putzt die Glasplatte 
sauber ab. Dann erst kommt die mühsame Arbeit 
der Malerei. 

Der Künstler begann damit, unmittelbar alle 
Feinheiten auszuführen, die aufgesetzten Goldlichter, 
die hellsten Töne der Grau in Grau gemalten Stellen 
und die Fleischtöne. Dann kommen, in einzelnen 
übereinander gelegten Lagen, die Lasuren von ver- 
schiedenen Farben und verschiedenen Stücken nach 
Maßgabe der Tonwerte, welche man erreichen will. 
Stückchen von Silberfolie, sehr zart und geknittert, 
die man über gewisse Partieen legt, haben den 
Zweck, das Licht zurückzuwerfen und vde die Folie- 
Pailletten bei de( Emailmalerei zu wirken. 

Ein an den Rändern aufgebogenes Stanniolblatt 
schützte das Ganze. Was die Farbstoffe anbelangt, 
so waren sie mit Harz, sehr wahrscheinlich sogar 
mit Sandarak angemacht, denn sie sind nur in Al- 
kohol und Äther löslich.** 

Gegenüber der unendlich mannigfaltigen und 
erfindungsreichen Verwendung, welche die alten 
Unterglasmaler von den sich ihnen darbietenden 
Hilfsmitteln machten — ich erinnere nur an die 
Radirung in Gold, welche, mit schwarzem Lack 
hinterlegt, kräftige Schattirungen ergab — an die 
Färbung der reflektirenden Stanniolfläche durch Lack- 
farben auf der Hinterseite des Glases etc. — er- 
scheint diese Beschreibung ziemlich lückenhaft; auch 
vermisst man die Erwähnung der Stanniobnalerei, 
die wegen ihrer relativ bequemen AusftLhrbarkeit 
eine sehr beliebte Ergänzung der vorstehend be« 



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17 




HINTERGLASMALEREI. 

scbriebeneit Prozeduren bildete. Jeden- 
falls entepricht nach Molinier die Beschrei* 
bung den meisten nnter den 38 Stücken 
der Spitzersammlnng; eine Ausnahme 
machen einige Werke deutscher Herkunft^ 
bei welchen daa Gold eine weniger be- 
deutende Rolle spielt. Dagegen sind die 
Italiener dem beschriebenen Verfahr en 
offenbar stets trea geblieben. Eine Aus- 
nahme macht eine wahrscheinlich vene- 
zianische Tafel, die Mattergottes init dem Kinde und mehrere 
Heilige darstellend, bei welcher zuerst starke schwarze 
Konturen aufgezeichnet sind, doch scheint dieses StDck, schon 
wegen der Verwendung des auch im Mittelalter meist vor- 
enden blasigen Glases, geringwertiger zu sein, als die meist 
lergkrystall gemalten Arbeiten des 15. und 16. Jahrhunderts, 
laupt dürften die Venezianer, als die Spezialisten in der Glasbe- 
ung, am ersten der Hinterglasmalerei eine Verallgemeinerung 
ladt haben, indem sie dieselben nicht nur auf kleinen Flach- 
len, die zu Schmuckstücken oder Kusstafeln (paces) bestimmt 
, verwendeten, sondern auch bei Gefäßen aus Glas, besonders 
t- und Konfektschalen zur Anwendung brachten. Die Samm- 
Spitzer besitzt eine solche Schale, deren Rand mit Knollen 
>ns) verziert ist und welche auf dem Boden eine Kopie des 
ass" von Raffael enthält. Auf die beiden Schalen in den ver- 
einigten königl. Sammlungen in Stuttgart, sowie auf die auf silber- 
vergoldetem Fuß montirte Schale mit Venus und Amor im Museum 
zu Gotha habe ich in dem oben angefahrten Aufsatz aufmerksam 
gemacht. 

Auf die Frage, in welchem Teil von Italien man den Ursprung 
dieser Miniaturmalereien hinter Glas zu suchen habe, ist die Ant- 
wort nicht ganz leicht. Wie oben bemerkt, wird man geneigt sein, 
bei allen die Glastechnik berührenden Fragen zuerst auf Venedig 
zu verfallen; doch spricht der Stil einiger der frühesten und unbedingt 
sch&nsten dieser Arbeiten in der Spitzersammlung eher gegen als 
für diese Annahme. Die Architekturen (gewundene Säulen mit Spitz- 
giebeln, gelegenthche Anwendung farbiger Steine) wurden im Mittel- 
alter ziemlich in ganz Italien angewendet, und die sitzende Mutter- 
gottes auf einer der Tafeln entspricht nicht dem Tjpus, den in 
Venedig namentlich die Maler zweiten Ranges nach byzantinischen 
Traditionen festzuhalten pflegten. Jedenfalls war im 14. Jahrhundert 
die Unterglasmalerei in Italien noch nicht so allgemein verbreitet, 
dasB man nicht, um dies in Geheimnis verhüllte Verfahren nachzu- 
ahmen, gelegentlich ein Kunststück angewendet hätte: Miniaturen 
hinter Glasplättchen geklebt, konnten allenfalls einen wenig geübten 
Sammler täuschen; eine derartige Ornamentation findet man auf 
einem Reliquiar zu Charroux bei Poitiers. 

Auf einzelne Stücke der Sammlung, welche einen besonderen 
Kunstwert darstellen, eingehend, macht Molinier auf einen Hieronymus 
aufmerksam, dem im Mittelgrund eine heil. Magdalena in der Grotte 
beigegeben ist — ein Stück von kösthcher Zeichnung, dessen mit 



22 



HINTERGLASMALEREI. 



Email und Steinen geschmückte Fassung der nord- 
italienischen Goldarbeit vom Ende des 15. Jahr- 
hunderts angehört Dies Stück hat nichts mit der 
häufig vorkommenden Dutzendware zu thun; man 
sieht sich vor einem wirklichen Gemälde von 
durchgeführter Zeichnung, von reicher Farben Wir- 
kung, welcher die Krystallplatte den Glanz des 
herrlichsten Emails verleiht Einige von diesen win- 
zigen Malereien verleugnen nicht eine gewisse Ähn- 
lichkeit mit den Arbeiten der Mailänder am Ende 
des 15. Jahrhunderts; man kann bei ihrem Anblick 
an gewisse feine und manierirte Kompositionen von 
Bemardino Luini und seiner Schule denken. 

Dem 16. Jahrhundert gehören eine andere Pax 
mit Fassung in Ebenholz und Gold, ferner eine 
solche mit der ^agdalene vor Christus an. Die letz- 
tere fallt noch besonders durch ihre Einrahmung 
auf, die in der sogeiL Klosterarbeit ausgeführt ist 
Es ist eine Art Stickerei in ReUef; aus Goldfaden, 
der um schmale Iliemchen von Pergament gewickelt 
ist, wird eine kleine Architektur mit ornamentirten 
Pilastem, Friesen und Giebelaufsatz gebildet 

Außer den für kirchlichen Dienst bestimmten 
Stücken enthält die Spitzersammlung zahlreiche 
Unterglasmalereien kleinsten Formates, die zu aller- 
hand Geschmeiden verarbeitet sind; interessant sind 
dabei die Riechbüchschen aus dem 16. Jahrhundert, 
zwei ovale Scheiben in Goldfassung, zwischen welche 
ein Stückchen Moschus gelegt wurde. Die außer- 
ordentlich häufige Verwendung unserer Technik bei 
Schmuckgegenständen lässt es auffallend erscheinen, 
dass erstere in den zahlreichen Inventaren nirgends 
Erwähnung findet. Doch versichert Molinier aus- 
drücklich, dass er nie eine eigentliche Bezeichnung 
fQr die Unterglasmalerei gefunden habe. Die ein- 
zige Stelle im Inventar des königL Schatzes von 
Fontainebleau von 1560, welche die noch vorhan- 
dene aus der Kapelle vom Orden des heil. Geistes 
stammende Pax erwähnt, nennt sie „garnj de cristal 
peinct". — 

Einige Stücke deutscher Herkunft in der Samm- 
lung Spitzer geben noch Anlass, auf eine etwas ab- 
weichende Technik aufmerksam zu machen. Ein 



großes Triptychon von schöner Komposition ent- 
halt in der Mitte das Abendmahl, rechts und links 
die Donatoren mit Wappen. Hier ist die Ausfüh- 
rung auf einer radirten Goldfolie verlassen; viel- 
mehr sind hier die Konturen zuerst sehr scharf in 
Schwarz aufgetragen, darauf das Ganze mit einem 
grauen Ton gedeckt. Dieses Grau an bestimmten 
Stellen ausradirt hat als Mittelton für die unterge- 
legten Töne und auch für das Gold gedient, wel- 
ches nur an einzelnen Stellen durchschimmert und 
sehr sparsam angewendet ist Die Radirarbeit ist 
fast verschwindend, das Ganze ist gemalt. Wenn 
dies Verfahren auch nicht eine so große Feinheit 
erlaubt, so erzielt es doch eine starke Wirkung; 
jedenfalls ist der ganze Eindruck stumpfer, weniger 
glänzend als beim früheren Verfahren, was jeden- 
falls von dem Wegfall der Goldfolie herrührt, von 
der dies letztere auszugehen pflegte. 

Ähnlich ist ein Rundbild mit einer Jagdscene 
hergestellt. Zuerst wurde in Braun mit einem sehr 
durchsichtigen Firnis die ganze Scene gemalt, dann, 
nachdem die Malerei gut getrocknet war, wurden 
die höchsten Lichter ausradirt, endlich ein Goldblatt 
untergeklebt, welches durch die braune Malerei mit 
einem schönen roten Ton durchscheint, mit Aus- 
nahme der radirten Stellen, welche das Gold blank 
zeigen. 

Zum Schlüsse sei noch bemerkt, dass in der 
Aufzählung der Spitzer'schen Stücke 30 italienische 
Arbeiten, 3 spanische und 5 deutsche aufgeführt 
sind. Warum, entgegen der sonst in französischen 
Katalogen üblichen Gewohnheit, keinem der Stücke 
französische Herkunft zugeschrieben wird und ob 
der Verfasser die Kunstübung der Unterglasmalerei 
in seinem Vaterland überhaupt nicht für heimisch 
hält, erfahren wir nicht. LUTHMER. 

Anmerkung der Redaktion, — Das Kunstgewerbe- 
Museum zu Köln besitzt eine Anzahl größerer Tafeln 
mit Hinterglasmalerei von ungewöhnlicher Größe. 
Dieselbe deutet darauf hin, dass die Bilder in Köln 
selbst gemalt sind und zwar nicht als Curiosa, sondern 
als Erzeugnisse einer blühenden Kunstthätigkeit 



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Oberlichtglttar; entworfeD nad geulelmet vom SohloaBenn^ter BOklkb In Offeubnrg. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
Oxiuunwital« Kotiv« dm BKrook- und Bokokoitils 

mit RQcIiiicht auf die pmktiache Terweadung gezeichnet 
und her&nagegeben von Otio Bammel, Maler und Lebrer 
an der Haudwerker- und Kunstgewerbeachule zu Hannover, 
t. SamiuluDg. 38 Tafeln in Fol. Leipzig, B. A. Seemann. 
In Happe H. 12.&0. 
Seitdem fBr die Änastattung von InuenräamFU die De- 
korationeweisen des 18. Jahrhunderts nieder zu Ehren ge- 
kommen sind, hat der Verlagsbochbandel nicht gesäumt, 
dem steigenden Bedfirfniase nach etilgeiechten Vorlagen ent- 
gegenzukommen. Fast alle bedeutenderen Seh losebauten von 
1700 bia 1780 sind von den Photographen, wenn man so 
sagen darf, geplündert worden; auch an Tersucben, durch 
Farbendruck das Biid barocker and im Rokokoetil gehal- 
tener R&ume wiederzugeben, fehlt es nicht. Aber alle 
Bilderwerke dieser Art sind ihres hoben Preises wegen nur 
dem b^tert«n Architekten und Dekorateur zugänglich und 
leiden sadem nicht selten an einem zu kleinen Uafistabe, 
bei dem die Feinheit der Formen im einzelnen nicht ganz 
zum Ausdruck kommt £b ist darum als ein durchaus zeitr 
gem&Bes DntemehmeD zu begrüßen, dass ein geschickter, 
mitt«n in der Praxis stehender und durch seine Lehtthätig- 
keit besonders dazu befAhigter Eoiutlet wie Hammel eine 
große Anzahl von Einzelmotiven der in Rede stehenden De- 
korationsweisen mittels Federzeichnung und photolithogra- 
phischer Vervieimtigang veröffentlicht und um einen mäßi- 
gen Preis einen Formenechatz darbietet, mit Hilfe dessen 
sich jede dekorative Aufgabe innerhalb des fraglichen For- 
menkreises bequem lOsen IfiMt. Die erste Sammlung der 
Hammel'scben Zeichnungen besteht aus 38 Tafeln mit g^en 
hundert Einzelheiten, als Eckbildungen, KrCnungen, Huschel- 
omamenten, Masken, Amoretten, Hennen, Rahmenstflcken 
u. B. w., kurz allem, was dem Praktiker beim Entwerfen 



von Wand- und Deckenverziemngen dienlich ist. Das ein- 
gebende Studium der Barock- und Bokokoknnst sowohl auf 
deutschem wie auf französischem Boden, das sieb bei Durch- 
sicht der Tafeln knnd gicbt, hat den Verfasser vor Einför- 
migkeit und Einseitigkeit bewahrt, so doss neben dem feinen 
FormversULndnia auch die Mannigfaltigkeit der Motive Aaa 
Durchblättern der Mappe selbst fflr solche eine belehrende 
Dnterhaltnng ist, die nur theoretischen Anteil an dem Gegen- 
stände nehmen. Es ist nur zu wQnscben, dass der Erfolg 
dieser ersten Sammlung den Herausgeber tu baldiger Fort- 
setzung der b^fonnenen Arbeit anregt und ermutigt. 



DanteditfXniutgswerbMeiolutar. Ein Adressbuch deut- 
scher Kflnstler, die sich mit Entwerfen konstge werblicher 
Gegenstände befoasen, nebst beigegebenen ProbeentwOrfen. 
Herausgegeben von Artur Seemann. Erste Reihe. M. 4. 
Das vorliegende Werk verfolgt den praktischen Zweck, 
talentvolle Zeichner nachzuweisen, die fQr kunstgewerbUche 
Artikel irgend welcher Art in Frage kommen. Ohne Zweifel 
ist die Idee, neben den Adressen der Zeichner zugleich öne 
Probe des EOnnens eines jeden zu geben, gut, und dies Buch 
wird gewiss oft, wo es sich darum handelt, eine tflchtige 
Kraft f&r eine bestimmt« Aufgabe zu finden, zu Rate ge- 
zogen werden können. Das Kunstgewerbe unserer Tsge wird 
ja nicht allein durch die wenigen Genies auf diesem Gebiete 
gefordert, sondern dorch eine große Zahl fleißiger Talente, 
deren Namen in den seltensten fallen an den Objekten sicht- 
bar bleiben. Diese Talente nun wünscht der Becansgeber 
in dem Werke, das zunSchst auf 300 Teilnehmer berechnet 
ist, zu vereinigen. Der erste Teil umfsest 100 Namen und 
Entwürfe. Darunter finden sich die Leiter mehrerer Kunst- 
gewerbeachulen und deren Hilfskräfte (Goetz - Karlsruhe, 
Grafi'-Dresden, Moser-Magdeburg, Eofmann-PUuen, F. Lnth- 
mer-Fiankfurt, Theyer-Graz) und viele bekannte Namen, wie 



[ . 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



25 



F. Stuck in München, 0. Greiner in Leipzig, Th. KranÜi und 
F. S. Meyer in Karlsruhe, Offterdinger in Hanau, Fr. Reifi 
in Stuttgart, Weimar in Hamburg u. s. w. Die Art der Ent- 
würfe ist natürlich sehr verschieden. Man trifft eine Anzahl 
Vignetten (Nr. 1, 12, 14, 15, 54, 66. 74), Leisten (49, 74), 
Umrahmungen zu Titeln, Diplomen, Plakaten u. dergl. (Nr. 
6, 7, 10, 25, 27, 28-35, 37, 47, 56, 58, 61, 64, 65, 67, 77 etc.), 
Pflanzenstudien (Nr. 8, 55, 80), dekorative Malereien (Nr. 2, 
18, 19, 23, 26, 44, 57, 64, 65, 94, 96), Flachmuster für Tapete, 
Holz, Stoff (Nr. 5, 9, 11, 45, 68, 97, 98), MObel und Innen- 
dekorationen (Nr. 4, 22, 36, 40, 41, 43, 48, 50, 51, 63, 84 bis 
87, 91), Metallarbeiten, vornehmlich Edelmetall (Nr. 16, 17, 
39, 52, 53, 58, 60, 62, 75, 90, 92), Lederarbeiten, Keramisches 
etc., kurz für den Preis ein groAer Reichtum. Sehr interes- 
sant ist die Yergleichung der verschiedenen Techniken in 
der Darstellung, die von der tuet skizzenhaften Behandlung 
bis zur subtilsten Durchbildung geht. Gewisse Einflüsse ein- 
zelner Kunstschulen sind stellenweise deutlich sichtbar. Der 
Herausgeber hat in dem ersten Teile, dem noch zwei nach- 
folgen sollen, sich gegen die Kritiker im voraus gewehrt, 
die etwa an der Zusammenstellung und Auswahl der Teil- 
nehmer etwas auszusetzen hätten. Er hat dem Unternehmen 
keinen doktrin&ren Charakter geben wollen und nicht ge- 
fragt, ob die eingesandten Objekte gut oder schOn seien. 
Gleichwohl hat er nicht wahllos alles Eingesandte auf- 
genommen, sondern sich gefragt, ob es wohl mOglich sei, 
dass der betreffende Zeichner auf Grund der jeweilig ein- 
gesandten Probe wohl Auftr&ge erhalten könne. Wenn er 
diese Frage (und es ist die einzig praktische) bejahen zu 
können geglaubt, hat er die Aufnahme veranlasst. Erwftgt 
man, dass ein einziger guter Nachweis die geringen Kosten 
der Anschaffung (4 M.) reichlich bezahlt macht, so muss 
man das Werk allen denen, die jemals Zeichner gebrauchen, 
zur Anschaffung empfehlen. 



F. Luthmery EUUenformen ais Motive für Fhchomameni. 

10 Tafeln gr. FoL in Farbendruck. Berlin, E. Wasmuth, 

M. 12.— 
Rd. Der Herausgeber spricht sich in dem Vorwort selbst 
deutlich über die Zwecke und 2iele dieses Werkes aus: sie 
sollen als Vorlagen für das Omamentzeichnen in allen den- 
jenigen Schulen dienen, an denen graphische Vorlagen dem 
Unterricht zu Grunde gelegt werden, wo der Kontur der 
omamentalen Silhouette geübt werden soll. Der Heraus- 
geber nimmt die Motive aus verschiedenen Gebieten: er 
weist darauf hin, dass die Ornamente der antiken griechi- 
schen und etmskischen Vasen ein reiches Material fOr Orna- 
mente bieten und stilisirt in diesem Sinne die Blütenformen 
unserer einheimischen Flora. Es ist dies dem Herausgeber 
in überraschender Weise gelungen: man meint geradezu 
antike Formen vor sich zu haben. Auch die Farbenwirkung 
ist gut gelungen. AuBer aus der heimischen Flora entlehnt 
der Herausgeber seine Motive aus Ger&ten der BauemtÖpferei 
und fügt zur Ergänzung der Blütenformen einige Tierformen 
hinzu. In erster Linie dürften diese Vorlagen für den Zeichen- 
unterricht verwendbar sein, wozu ihre Größe sie besonders 
geeignet erscheinen Iftsst; aber auch für Dekorationsmaler, 
Tapetenfabrikanten, Dessinateure dürften sie brauchbare Mo- 
tive liefern, so dass wir uns dem Wunsche des Herausgebers 
anschließen, dieselben möchten eine freundliche Aufiiahme 
auch in weiten Kreisen finden. 



KuistgewerbebUU. N. F. Y. H. 2. 



Berlin* Der Verem fibr deutsekea Kunstgewerbe, der 
zur Zeit Über 1200 Mitglieder hat, hat nach dem Vorgange 
von München und Hamburg ein Adressbuch seiner Mitglieder 
mit Anzeigenanhang an Stelle seines jährlichen Mitgliederver- 
zeichnisses herausgegeben, das in einem stattlichen Bande 
vor uns liegt Dasselbe enthält ein alphabetisches Verzeich- 
nis seiner Mitglieder und dann ein gleiches nach Berufen 
geordnet; dieser Teil ist mit einer Reihe Vignetten von 
der Hand E, Eärring's geschmückt, deren einfache und 
doch originelle Erfindung außerordentlich ansprechend ist. 
Der geschmackvolle Umschlag ist von Professor E, Düpier 
d.j\ entworfen. 

SCHULEN UND MUSEEN. 

JBerUiu Von den Öffentlichen Vorlesungen, welche im 
Kunstgewerbemuseum auch in diesem Winter abgehalten 
werden sollen, wird der Gyklus über „dekorative Malerei 
der Renaissance*', welchen Dr. Max Sehmid übernommen 
hatte und welcher am Dienstag den 10. Oktober beginnen 
sollte, ausfallen, da Dr. Sehmid einen Ruf nach Aachen 
erhalten hat Es wird an seiner Stelle Herr Dr. von Falke 
sieben Vorlesungen Über „die Kunst des Morgenlandes und 
ihre Einwirkung auf das Abendland" halten; dieselben 
finden jeden Freitag abends von 8V3 bis 9V3 ^r statt und 
haben am Freitag den 20. Oktober begonnen. 

JFVonXq^UH a. M» Die an der hiesigen Kunstgewerbe- 
schule durch den Austritt des Herrn Prof. Widemann vakant 
gewordene Stelle des Fachlehrers für Ciseleure ist durch 
Berufung des Herrn Josef KotoarMk aus Wien neu besetzt 
worden. Der Genannte ist Schüler des k. k. österreichischen 
Museums (Prof. Schwarz) und der Wiener Akademie (Prof. 
Hellmer) und hat bei verschiedenen größeren Ausführungen, 
Ehrengeschenken des österreichischen Kaiserhauses und ähn- 
lichen Arbeiten Gelegenheit gehabt, sich als tüchtiger Gise- 
leur und Modelleur ftr Metallplastik zu bew&hren. 

VEREINE. 

-u- ß0rU$u In der Sitzung des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe am Mittwoch den 27. September machte Herr 
Ho^aveur R, Otto, der in Chicago als Preisrichter mit- 
gewirkt hatte, Mitteilungen über die WeÜausstelUmg, Er 
schilderte den Eindruck des Landes, der Stadt und der Aus- 
stellnngsgebäude und besprach insbesondere die Industrie- 
halle, welche das eigentliche Kunstgewerbe umfasst Der 
Eindruck des Inneren und die Wirkung der ausgestellten 
Gegenstände wurden durch die vielen eingebauten breiten 
Galerieen stark beeinträchtigt. Der Erfolg der deutschen 
Ausstellung sei besonders ein moralischer und sei dem Deutsch- 
tum in Amerika sehr zu gute gekommen; dagegen würde 
man auf geschäftliche Erfolge schwerlich rechnen düifen. In 
launiger Weise schilderte Redner sodann die etwas wunder- 
liche Arbeit der Preisrichter. Am 17. August waren alle 
Juroren in Chicago anwesend, aber die Amerikaner hatten 
noch nicht angefangen. Sitzung auf Sitzung wurde abge- 
halten, ohne dass mit der eigentlichen Arbeit begonnen 
worden wäre. Sodann wurde das amerikanische Englisch 
gesprochen, was die Engländer kaum verstehen, geschweige 
denn die übrigen Nationen. Endlich nach drei Wochen 
bekam jeder Preisrichter einen Zettel, auf dem die Firma 
stand, die er beurteilen sollte. Aber anstatt dass die Richter 
die Firmen bezeichnet hätten, die jeder in seinem Fache 
der Prämiirung für wert gehalten hätte, wurde ihm einfach 
die zu beurteilende Firma angegeben, auch wenn sie gar 
nicht in sein Fach gehörte. Es blieb den europäischen Ju- 
roren daher weiter nichts übrig, als sich zusammenzuthun, 

4 



26 



KLEINE MITTEILüNaEN. 



80 dass deijenige das Urteil abgab, der am meisten von der 
Sache veretaDd, w&hrend der eigentliche Preisrichter dann 
nur noch seinen Namen daruntersetzte. Die deutsche Aus- 
stellmig ist einfach als gelangen zu bezeichnen. Daher liest 
man jetzt auf vielen Waren, selbst wenn sie nicht ans 
Deutschland stammen, „made in Germanj". Das Vorurteil, 
dass nur Frankreich das Beste liefere, ist sehr gesunken. 
Aber so grofi dieser moralische Erfolg fQr Deutschland auch 
sein mag, an einen materiellen ist bei der augenblicklich 
in Amerika herrschenden schweren Geldkrisis vorl&ufig nicht 
zu denken. Redner war vor seiner Reise nach Chicago ein 
eifriger Förderer der nationalen Ausstellung für Berlin, aber 
dort ist er zu der Überzeugung gelangt, dass für Deutsch- 
land und speziell Berlin das Heil nur in kleineren Landes- 
ausstellungen zu suchen ist. Wir würden uns, was die Ele- 
ganz der Ausstattung und Güte der Waren betrifft, entweder 
blamiren oder ein noch größeres Defizit haben als Chicago. 
Dass Deutschland sich in so hervorragendem If afie an der 
Weltausstellung beteiligt hat, schreibt man drüben dem 
deutschen Kaiser zu, daher gehOrt er in Amerika zu den 
beliebtesten Personen. Zur VeranBchaulichung des Vortrages 
waren Plftne und Ansichten von der Ausstellung ausgestellt, 
welche das Reichsamt des Innern und Mitglieder und 
Freunde des Vereins freundlichst hergeliehen hatten. 

-u- Berlin* In der Sitzung des Vereina für deutsches 
Kunstgewerbe am Mittwoch den 11. Oktober wurde zu- 
nächst das Resultat über die Konkurrenz um einen Meister- 
brief bekannt gegeben, die der Verein auf Veranlassung der 
Innung „Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister in 
Berlin" zum 1. Oktober ausgeschrieben hatte. Es erhielten:' 
den 1. Preis (150 M.) Maler August Glaser in München, den 
2. Preis (100 M.) Maler Paul Klinka in Berlin. Lobende Er- 
wähnungen wurden zuerkannt den Malern Z. Steirowicz, 
Eduard Liesen, Otto Gussmann und John Schmidt, s&mtlich 
aus Berlin. Der Entwurf von Steirowicz wurde von der 
Innung außerdem noch für 50 M. angekauft. Darauf sprach 
Herr Ho£9ticker R, Thiele über die Tsekniken der Hand- ^ 
Stickerei. Die Handstickerei hat die Aufgabe, den Stoff zu 
verzieren, und in diesem Sinne ist sie schon in den ältesten 
Zeiten gehandhabt worden. Man kann annehmen, dass die 
Stickerei nur um so viel jünger ist als die Weberei, wie der 
erste Weber Zeit gebrauchte, um das erste Stück Stoff her- 
zustellen. Freilich war die Stickerei damals wohl anders 
beschaffen als heute. Blätter, Federn, Baststreifen, Muscheln 
u. dergl. bildeten das erste und älteste Stickmaterial. Wäh- 
rend aber dem Weber nur die Möglichkeit bleibt, seine das 
Muster bildenden Fäden senkrecht oder wagerecht anzu- 
ordnen, hat die Stickerei im allgemeinen völlige Freiheit für 
die Anordnung ihrer Fäden. Bei der Technik selbst be- 
gegnet man zwei Hauptgruppen, einer, welche mit einem 
Faden arbeitet, und der zweiten, in welcher zwei oder mehr 
Fäden zur Anwendung kommen. Der hauptsächlichste und 
älteste Vertreter der ersten Gruppe ist der Plattstich, Wahr- 
scheinlich haben die Chinesen ihn zuerst angewandt, wenig- 
stens handhaben sie ihn mit einer Vollkommenheit, die wir 
heute gar nicht oder nur mit dem grOßten Aufwand von 
Mühe und Sorgfalt unvollkommen erreichen. Unterarten 
davon sind der Bilderstich, der Haute-lisse-Stich, femer der 
Korbstich oder Flechtstich, Fächerstich, Quaderstich, per- 
sische Stich und Zopfstich. In diese erste Gruppe gehOrt 
femer der Stielstich, der Ketten- oder Tambourirstich, Stepp- 
stich, KnOtchenstich, Kreuzstich und Gobelinstich. Bei der 
zweiten Gruppe, dem Sticken mit zwei oder mehr Fäden, 
ist eigentlich nur der Heft- oder Oberfangstich zu nennen. 
Hier ist auch zu nennen die sogenannte orientalische Seiden- 



stickerei. Besonders zu Nutze gemacht hat sich den Über- 
fangstich die Applikationsstickerei, welche der Renaissance 
ihren Ursprung verdankt und auch heute wieder mit Recht 
viele Freunde gefunden hat Eine Fülle mustergültiger Ar- 
beiten meist großen Maßstabes waren zur Erläuterung dieses 
Vortrages aus der reichen Sammlung der Frau Baronin von 
Lipperheide ausgestellt. An älteren Stickereien des KOnigl. 
Kunstgewerbemuseums erläuterte Herr Sekretär Heiden die 
hervorragendsten Methoden der Vorzeit. Die vorgeführten 
Musterstücke werden von Dienstag den 17. Oktober ab im 
Lichthofe des Kgl. Kunstgewerbemuseums auf einige Zeit 
auch für das größere Publikum ausgestellt sein und durch 
eine weitere Auswahl modemer Stickereien ergänzt werden, 
-n- SerUfU In der Sitzung des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe am Mittwoch den 25. Oktob. sprach Herr Architekt 
Karl Hoffaeker über die Vorarbeiten und Arbeiten mit Welt* 
ausstellung in Chicago, Es ist etwas anderes, über die fer- 
tige Ausstellung zu berichten und die Eindrücke zu schil- 
dern, die das fertige Ganze macht, etwas anderes. Über die 
Entstehung derselben gleichsam hinter den Coulissen heraus 
zu sprechen, und gerade Redner war als bauleitender Archi- 
tekt der deutschen Reichskommission besonders dazu im 
stände. Nachdem bereits als Erster Regierungsbaumeister 
Radke nach Chicago abgereist war, dem im Dezember der 
Reichskommissar mit den übrigen Herren folgte, soweit sie 
nicht in Berlin zurfickblieben, um hier die Arbeiten zu Ende 
zu führen , traten am 20. Dezember Konsul a. D. Spieß und 
Redner als Letzte die Reise an. Aber noch die letzten acht 
Tage vor der Abreise gestalteten sich so schlimm, dass er 
tbatsächlich nicht aus den Kleidern kam. Alles stürmte 
auf das Reichsamt, und die Anfragen nach allem Möglichen 
und unmöglichen häuften sich derart, dass man sich genOtigt 
sah, die Thüren zuzuschließen. Waren doch noch die letzten 
Bestellungen für die Dekoration zu machen und mit Liefe- 
ranten Verträge zu schließen. Am 20. Dezember wurde von 
Bremerhafen aus die Seereise mit der „Lahn** angetreten. 
Der nasskalte Wintertag war nicht dazu angethan, die sor- 
genden Gedanken zu verscheuchen, wie das alles in Chicago 
noch ausfallen werde, denn vieles war vermOge der eigen- 
tümlichen Entwickelung der Beteiligung der deutschen Aus- 
steller so verwickelt gestaltet, und besonders war die Riesen- 
arbeit da drüben auf so wenig Schultern verteilt, dass man 
sich auf alles gefasst machen konnte. Am Sylvestermorgen 
landete die „Lahn" nach einer stürmischen Fahrt in New- 
York. Mit großer Mühe gelang es, die unvermeidlichen fünf 
Kisten mit Akten und Handzeichnungen dm-ch die Zollrevi- 
sion auf den Weg nach Chicago zu bringen, wo Redner bei 
grimmiger Efilte am 2. Januar eintraf. Während Baumeister 
Radke vollauf damit beschäftigt war, bei dem herrschenden 
Frost den Bau des deutschen Hausee zu fOrdem, das durch 
die besonderen amerikanischen Verhältnisse weit hinter dem 
programmmäßigen Stand der Arbeiten zurückgeblieben war, 
war es Redner daram zu thun, von den AusstellungsbehOrden 
die Bauerlaubnis für die deutsche Dekoration und Platz Ver- 
teilung in der Industriehalle so schnell wie mOglich zu er- 
wirken. Das war eine schwierige Arbeit, denn während 
man den Franzosen viel grOßere Hohen gestattet, ihnen sogar 
das Einreißen eines Teiles der lästigen Galerieen erlaubt 
hatte, mussten die Deutschen um jeden Zoll der Grundriss- 
anlage und der Höhenentwickelung kämpfen. Zu all diesen 
Kämpfen kam noch hinzu, dass der Generaldirektor Davis 
und der Chief ofconstruction Mr.Burnham gerade nicht besonders 
gut miteinander standen, so dass der eine verwarf, was der 
andere anordnete. Es bedurfte schließlich der ganzen Energie 
und des Ansehens des Reichskommissars, um die Sache 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



27 



in Gang zn bringen. Als Redner zum erstenmal die Ans- 
Stellung besuchte und in Begleitung des G ebei mratsWermuth die 
Bauten in Augenschein nahm und vor allem die große, deko- 
rativ so mächtig wirkende Bassinanlage mit dem Admini- 
stration Building im Hintergründe, der Industrie- und Elek- 
trizitätshalle zur einen, der Landwirtschafts- und Maschinen- 
halle zur anderen Seite erblickte mit dem herrlichen Pro- 
spekte der offenen vierreihigen Säulenhalle als Abschluss 
nach dem Michigansee, da konnte auch er der architekto- 
nischen Gesamtanlage seine Bewunderung nicht versagen. 
Weniger entzückt schon war er, als er das Hauptfeld seiner 
Thätigkeit, die Indnstriehalle besuchte. Hier war man 
gerade im Begriff, die so überaus lästigen Verbindungsgale- 
rieen in den Seitenschiffen zu errichten, und er war er- 
staunt darüber, weichen nüchternen Eindruck gerade diese 
Seitenhallen mit ihren mächtigen Holzkonstruktionen machten, 
während die große Eisenhalle des Mittelschiffes nicht den 
Überwältigenden Eindruck machte, den man nach der be- 
kannten Hohen- und Längsausdehnung sowie ihrer Spann- 
weite hätte erwarten können. Auch das Querprofil erschien 
nicht besonders schOn. Es gelang erst nach langen Käm- 
pfen, die Bauerlaubnis schriftlich in die Hände zu be- 
kommen; denn etwas Klares und Bündiges gab man da drüben 
nur sehr ungern ab, weil man schon damals die Schwierig- 
keiten fühlte, den Bedürfnissen voll gerecht zu werden. 
Man hatte geglaubt, die Amerikaner würden sich freuen, dass 
Deutschland so flott ans Werk ginge, al>er es sollte noch gar 
nicht angefangen werden, denn sie waren selbst Überhaupt 
mit ihren Vorarbeiten noch lange nicht so weit. Nachdem 
man schließlich nach langen Kämpfen sogar eine unbedeu- 
tende Überschreitung der Grenzlinien zugestanden erhalten 
hatte, wurde ein Bauzaun errichtet, damit nicht jeder un- 
befugte durch die Abteilung laufen könne. Aber kaum war 
die Arbeit begonnen, so wurde sie auch schon von den Aus- 
stellungspolizisten, welche den sogen. Columbian Guards an- 
gehörten, einer militärisch uniformirten Aufsichtstruppe von 
2000 Mann, inhibiri Die Polizisten waren Überhaupt dahin 
instruirt, gar nichts zu erlauben. Man drohte sogar mit 
Verhaftung bei dem ersten Versuch, weiterzubauen. Diese 
und noch manche andere seltsamen Verordnungen, Verbote 
und Gebote erklären sich daher, dass jeder Abteilungschef 
selbständig war. So blieb schließlich nichts anderes übrig, 
als zur Selbsthilfe zu greifen und sich daran zu erinnern, 
dass der Dollar in Amerika ganz besonders rund ist Hatte 
man doch zu Anfang sogar viele Schwierigkeiten, um über- 
haupt nur täglich in das Ausstellungsterrain gelassen zu 
werden, da weder der Reichskommissar noch einer der Archi- 
tekten eine Legitimationskarte oder ein Abzeichen hatten. 
Es blieb also wiederum nichts anderes übrig, als sich mit 
der Polizei auf dem üblichen Wege vertraut zu machen. 
Infolge der ganzen Kohlenverhältnisse in Chicago, durch den 
entsetzlichen Qualm der vielen Essen und Schornsteine war 
auch der Schmutz in der Ausstellung ungeheuerlich. Mitte 
Januar sollte die erste Sendung des Bauholzes eintreffen. 
Da kam der entsetzliche Winter den Amerikanern, die 
die Arbeiten gern hinhalten wollten, sehr zu statten, 
denn die Eisenbahnen waren gar nicht im stände, alle Güter 
zu verladen und zu befördern. Der Umstand, dass man es 
mit Privatbahnen zu thun hatte, von denen die eine der 
anderen möglichst viel von den zu befördernden Gütern weg- 
schnappen wollte, erschwerte und verzögerte den Transport 
ungemein. So kam es, dass die Güter drei Bahnen passiren, 
also auch dreimal verladen werden mussten. Auch hier 
konnte nur der Dollar wieder auf den Lademeister wirken. 
Stückweise kam alles an, vieles zerbrochen, vieles beschä- 



digt, denn in Berlin war alles fertig zum Aufbauen her- 
gestellt worden. So entstand eine Verzögerung von acht 
Wochen, die Verzweifelung der Architekten stieg höher 
und höher, denn die Stuckarbeiter meldeten sich schon 
und die Aussteller waren bald in Sicht. Und als man 
endlich mit der Holzkonstruktion fertig war, da kam 
der g^oße Schneefall und in Folge davon der Einsturz 
ganzer Dächer und Wände, unter solchen Verhältniuen 
angesichts des Todes, denn dicht neben den Arbeitern stürzte 
ein großes Stück Wand ein, musste weiter gearbeitet werden, 
und es gehörte die ganze Energie der Bauleit^den dazu, 
um die aus Deutschland mitgenommenen Arbeiter festzu- 
halten. Dazu kam außer der Kälte, dass kein Mensch etwas 
Warmes zu essen bekommen konnte. Nur für die hohen 
Herren aus Chicago gab es eine Restauration mit Preisen, 
die der Arbeiter nicht zu erschwingen vermochte. Endlich 
gelang es, in dem Restaurateur der inzwischen eröffneten 
Restauration der Elektrizitätshalle einen Deutschen zu ent- 
decken, der um 7 Uhr abends ein einfaches warmes Mittag- 
brot für die durchnässten und durchfrorenen deutschen Ar- 
beiter fertig halten musste. Dann ging es wieder an die 
Arbeit, die oft erst nach Mittemacht beendet wurde. An- 
zuerkennen ist aber, dass sämtliche Vertreter der ausstellen- 
den Firmen tapfer mitgeholfen haben, die Sache zu Ende 
zu führen. Es ist bekannt, wie unzureichend die Bahnver- 
bindungen zwischen den einzelnen Gebäuden selbst waren 
und man vielfach auf Fuhrwerke angewiesen war. Plötzlich 
wurde noch angeordnet, dass sämtliche Radreifen eine be- 
stimmte Breite haben mussten, um die festgefrorenen Wege 
durch schmale Radreifen nicht auszufiahren. So kam es, 
dass selbst die so notwendigen Kohlen, ehe sie in die Aus- 
stellung gebracht werden durften, erst umgeladen werden 
mussten. Selbst der Reichskommissar musste sich eines 
Tages gefallen lassen, mit seinem Wagen nicht in die 
Ausstellung fahren zu dürfen. Diese Schwierigkeiten wurden 
allen Nationen bereitet, aber da die Deutschen in dem Fort- 
schreiten der Arbeit am weitesten waren, so mussten sie 
natürlich immer alles zuerst durchkämpfen. Oft genug war 
man nahe daran, den Mut sinken zn lassen, aber die Pflicht 
forderte es, wenigstens rechtzeitig fertig zu werden, zumal 
man noch nicht absehen konnte, wie der Erfolg sein würde. 
Denn gewöhnlich kam man erst nachts um 2 Uhr zu Bett 
und morgens um 7 Uhr saß man schon wieder auf der Bahn, 
wo dann wohl einer den anderen verzweifelnd fragte: Geht's 
noch? In diesen Zeiten hat auch derjenige den Wert des 
mäßig genossenen Alkohols, besonders des Grogs, kennen 
gelernt, der sonst kein Freund davon ist; war er doch das 
einzige Mittel, um die Architekten mit ihren Arbeitern auf- 
recht zu halten und der Kälte entgegen zu wirken. So schwer 
wurde es allen, das zu erringen, was man schließlich errang. 
Der Bau des deutschen Hauses, der dem Baumeister Radke zu 
danken ist, sollte am 1. Mai fertig sein. Es ist massiv 
durchgeführt unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen; 
denn Glatteis lag auf allen Balken und Mauern und die 
amerikanischen Arbeiter waren nicht zu gebrauchen, da sie 
auf eine solide deutsche Bauart nicht eingearbeitet waren. 
Bei diesem Bau verloren die Deutschen einen ihrer beiden 
braven Fuhrleute, die mit aus Deutschland hinübergegangen 
waren, durch einen Sturz von einem mit Glatteis bedeckten 
Balken. Ausstellungspolizisten wollten, ohne einen Arzt zu 
holen, den noch schwache Lebenszeichen Gebenden fort- 
schleppen, und erst den Fäusten der Arbeiter gelang es, 
ihn den Polizisten zu entreißen. Die Beerdigung war ebenso 
traurig. Der Geistliche hatte zwar das Honorar erhalten, 
aber er kam nicht. So sprach denn der Reichskommissar 

4* 




Haupteingang zur dentschen Abteilu 

(SchmiedeeiBeme Qittor tob Gebrfld 



' der Weltausstellung in Gbioago. 
ArmlirDateT in Frankfurt a.M.) 






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KLEINE MITTEUUNGEN. 



31 



Kopfer getrieben und wird seine Aofttellung über dem 
Portal des neoen deatschen Reicbstagigeb&ndes erhalten. 
Die Abbildung ist nach einer Photographie, die Herr Seitx 
uns freandlichst zur Verf&gang stellte » von R. Berihoid in 
Leipiig in Holz geschnitten. — Als Tafel ist diesem Hefte bei- 
gegeben : Aneroidbarometer^ in Holz geschnitzt von iL Denoik in 
Hamburg. Ein Meisterstück modemer Holzschneidekunst 
ist hier von einem Meister der Zeichenkunst mit grOfiter 
Liebe wiedergegeben. Der Urheber der Zeichnung, die wir 
auf einem Doppelblatte in Zinkätzung nachgebildet tou 
Siebe it Co. in Leipzig darbieten, giebt uns zu dem Werke 
folgende Erläuterungen : Auf dem Rand unseres Barometers 
entwickelt sich ein buntes Leben in der Mannigfaltigkeit, 
wie sie den vielen Launen des Wetten entspricht. Der den 
Barometer umschliefiende omamentale Rand wird zunächst 
von einem ans stilisirter Wurzel nach links und rechts ent- 
wachsenden, kräftigen Stamm umfiust, von welchem Banken 
mit Blüten und Blättern der Sonnenblume abzweigen, gleich- 
sam als Sinnbild der Hoffnung, dass auf schlechtes Wetter 
stets wieder Sonnenschein folgt Betrachten wir uns die 
einzelnen Grappen von links anfiingend. Von zwei durch 
„S^urm^' geängstigten, über dem Erdboden fliegenden Schtrai- 
ben erhascht die eine eine ahnungslos daherschreitende HeU" 
schrecke am linken FlügeL Die Libelle mit ihren schillem- 
den Flügeln gesellt sich um so lieber zu den Schwalben, 
da Wasser in der N&he zu sein scheint. Der Sturm lässt 
nach. „Viel Regen** ist den Laubfröschen doch etwas zu 
unangenehm geworden, sie sind im Begriff", sich von einem 
Laubbaum ins Wasser zu flüchtoi, aber der Bewohner des 
Waldes, der Hirschkäfer, sucht den einen Laubfrosch am 
rechten Bein zurückzuhalten. Es hilft alles nichts; die 
Frösche sind nun einmal untrügliche Wetterpropheten, es 
zieht sie nach der Gesellschaft des Regenwurms und der 
Regensehneeke, die das Trockene — die Sonnenblume — ver- 
lässt und sich den Früschen zuwendet, denn ,f Regen oder 
Wind^* halten immer noch an. Das Wetter bessert sich aber 
etwas und „Veränderlichkeit** macht Vergnügen, das kann 
man am besten bei dem Chamäleon beobachten. Die beiden 
Vertreter dieser unter äufierem Einfluss die Farben wechseln- 
den Tiergattung sitzen auf unserem Barometer ganz an der 
richtigen Stelle. Eine Fliege wagte sich schon, nachdem der 
Regen oder Wind nachgelassen, hervor, wird, aber im Nu 
von dem einen Chamäleon mit seiner regenwurmähnlichen 
Zunge au%eschnappt werden und den Weg allen Fleisches 
gehen. Auch ein Schmetterling fühlte den Drang nach Frei- 
heit und sitzt, allerdings noch zusammengefaltet, auf einer 
geschlossenen Sonnenblume links der beiden Chamäleons. 
Sehr bezeichnend ist über den Chamäleons an einer Ranke 
eine Insektengruppe als Sinnbild der durchzumachenden Meta- 
morphose. Nur bei „schönem" Wetter bietet sich uns der 
Anblick des fliegenden prächtigen PfauenaugeSy welches hier 
der geöffneten Sonnenblume mit ausgebreiteten Flügeln zu- 
eilt Die Luft ist rein und klar und die Mücken lassen es 
sich ebenfalls nicht nehmen, ihr kosendes Spiel zu treiben. 
Das schöne Wetter dauert fort und wird sogar „beständig**. 
Die Eidechsen freuen sich Über ihr Dasein und genießen aus 
vollen Zügen die sonnige Freiheit Denn von der benach- 
barten Grille und der auf ihrem Netze sitzenden Kreux^ 
spinne brauchen sie keine Furcht zu haben. Nach allen den 
Witterungsphasen tritt schließlich „Trockenheit'* ein und mit 
dieser Erscheinung ist denn auch die Skala beendet An- 
schließend hieran hat der Künstler sehr sinnreich die Schluss- 



grappe au^efasst Die Arbeit ist vollendet Zeichenstifl 
und Sehnitxeisen ruhen. Der QetdbevM ist leer, denn Reich- 
tümer sind bei der Ausführung „wahrer^, „echter** Kunst- 
werke, speziell im Kunstgewerbe, ,Jeider*< sehr selten übrig. 
Eine fÜnfkOpfige Mäuseftnnilie treibt in dem trockenen 
Wetter ungestört ihr possirliches Spiel; Meister Denoth hat 
ja die mühevolle Arbeit glücklich vollendet — Der Verein 
für Kunst und Wissenschaft besitzt in dieser Hamburgisehen 
Arbeit eine der besten Schöpfungen Denoth^s und eine der 
hervorragendsten „deutschen'* Leistongen der Neuzeit auf 
dem Gebiete der Kleinkunst, welche «ich würdig den aller- 
ersten Arbeiten der italienischen Renaissancezeit an die Seite 
stellen kann, ohne eine Spitzer'sche Auktion durchgemacht 
zu haben. Geistvoll ist die Qesamtkompoeition, meisterhaft 
die Technik. Nicht mehr im Hochrelief, sondern meistens 
vollständig frei herauggearbeitet, wie ans der Abbildung er- 
sichtlich, tritt das Getier hervor. Die Durchbildung der 
Details »ist von so feiner Naturbeobaohtung durchdrungen, 
wie wir sie bei den naturalistischen Werken der Japaner 
so oft zu sehen und zu studiren gewohnt sind. Und un- 
zweifelhaft gab die in Deutschland einzig dastehende Samm- 
lung japamscher Gegenstände in dem Hamburgischen Museum 
für Kunst und Gewerbe unserem Denoth lebhafte Anregung 
zu seinem Schnitswerk. Der Barometer wurde im Jahre 
1888 in Bimbaumholz ausgeführt und schmückt seitdem das 
Gesellschaftslokal des Vereins für Kunst und Wissenschaft 
in Hamburg. — Die Abbildung ist direkt nach der Natur 
auf Schabpapier gezeichnet, als der einzig möglichen Technik, 
welche die Wiedergabe der Feinheiten im Original zuliefi. 

WILHELM WEIMAR, 

ZEITSCHRIFTEN. 
Baj;erisehe Gewerbeieltuig, 189S. Nr. 18 u. 19. 

Über die Yerbesaeniog der Glasur fttr Töpferware. Ton Dr. 
H. Stookmeier. — WesentUohe Handwerkerfiragea onserer 
Zeit. Von Dr. Th. Hampke. 

GewerbehaUe. 189& Heft 10 n. 11. 

Taf. 73. Kredenz; entworfen Tom t Baurat 0. Hieser. — Taf. 74. 
Föllimgen f&r einen feuerfesten Kaasensohrank; entworfen von 
Prof. A. Ortwein in Graz; ansgeltthrt von Q. Ueiie in Landa- 
hnt — Taf. 76. l. 2. Thfirklopfer ans Bologna, is. und 17. Jahr- 
hundert; anfi^ommen von Architekt A.Hesey in Budapest. 
S. 4. Sp&tgotische Thfirklopfer im NordbOhmisohea Gewerbe- 
mnseum in Reicbenberg: aiueenommen von A. Hofmann da- 
selbst. — Taf 76. Stucaver»ernngen von Qurtbögen ans der 
Kirche zu Garmisch (Oberbayern) um l7ao; aufgenommen von 
Eeg.-Baameister 0. Poetsch in Gharlottenburg. — Taf. 77. 
DoppelflOgelige eichene Thftr im Schlosse UrafenegR bei Krems 
(Niederöstenreich) : aufgenommen von J. Lahoda in Wien. — 
Taf. 78. Gescbäftskarten. Brief- und Rechnungsköpfe ; entworfen 
von H. Kaufmann in Manchen. — Taf. 79. Scmnledeeisernea 
Grabkreus. Deutsche Durchsteckarbeit vom Anfang des 17. Jahr- 
hunderts im Mordböhmischen Gewerbemuseum in Reichenberg; 
anfigenommen von A Hof mann daselbst. ~ Taf. 80. Italienische 
Applikationsstiokereien des 16. Jahrhunderts im k k. österrei- 
chischen Museum fttr Kunst und Gewerbe in Wien : aufgenommen 
von Jul. Hermann daselbst. — Taf. 81. Wandschrank im k. k. 
österreichischen Museum fttr Kunst und Gewerbe in Wien (Säd- 
deutschland, Mitte des 17. Jahrhunderts); aufgenommen von 
A. Kreiczik daselbst — Taf. 8S. Thfirklopfer aus Schmiede- 
eisen (ifiiö) am Rathaus in Nfirnberg; aufig^enommen von P. Eich- 
hol tz in Mfinchen. ~ Taf. 88. Fenster und Thfirumrahmung und 
WandffiUung; entworfen von H. Kaufmann in München. — 
Taf. 84. Maßbuch aus dem Klostersohatze der Kapuziner in 
Klausen; entworfen von Architekt H. Kirchmavr in Mfinchen. 
— Taf. 86 Konsoletisch; entworfen von L. Kugler in Wien. ~ 
Taf 86. Altes Treppengel&nder im Weokmann'schen Hause und 
andere Schmiedearbeiten in Ulm; aufgenommen von R. Knorr 
in Stuttgart. — Taf. 87. Stofflnuster von Gem&lden alter Meister 
in der Pinakothek In München; aufgenommen von Bildhauer 
£. Pfeifer daselbst. — Taf 88. Rosette im Schloss Bruchsal; 
aufgenommen von Fr. Hildenbrandt in Köln. 

Mltteilnngen des k. k« Osterreidüsehen Mnseiims fttr 
Kunst und Industrie. Oktober 1898« Heft 10. 

Jubelfeier der Kunstge werbeschale des k. k. Muiieams. ^ Die 
antiken Gefäße mit Bleiglasur in der archäologischen Ausstellung. 
Von Dr. K Masner. (Sohluss.) 

Monatsschrift fOr TextUindustrie. 1898. Heft 9. 

über die Organisation in der englischen Industrie. 



Herausgeber: Arthur Pabst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich; Artur Seemavm in Leipzig. 

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einen in Federzeichnung ansge^hrten Kotworf beteiligt, der die Eigentilmlicbkeit dea Eflnstlers, seine 
Spezialität kennzeichnen soll. Die 11. Reibe ist in Vorbereitung und wird AnfangB 1894 erscheinen. 
AuBerdeni werden die genauen Adressen der Urheber, nebst Angabe von SpeziaUtlUeu nnd etwaige Ana- 
zeichunngen aufgeoemmen. Die Aufnahme erfolgt ohito Kosten für den Künstler; jeder erhält den 
Teil umsonst, der einen Entwurf von ihnt enthält. Nähere Auskunft erteilt die Verlagsbuchhandlung von 




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; 2) von G. Hiiih's Kunstverlag in München, betr. Hirth a Formpn>:chat7 3) der Firtna G. Siemens in 
Berlin, betr. VerlHj^^weike; 4) der Verlags an stalt für Kunst und Wissenschaft m Huaohea, betr 1 Imann Sandro Botticelli 
nnd 5) der PhotOgrapfaiSChen Gesellschaft in Berlin, die wir der Aufmerksamkeit der Le'-er emifthltn. 



Druck von Aoi 




a d«ut8che Haus snf der WeltBaasMlIung In Chicago, erbaut von JoH. IUdKB, (Anilotat Von SSden.) 



AUS DEM DEUTSCHEN HAUSE IN CHICAGO. 



EC^j^AS deutsche Haus mChicagoistzu einem Wahr- 
^^^^ zeichen nnd Denkmal deutschen Geietee ge- 
ruiTiiiTTrii worden; ungeachtet seiner vielgliederigen Än- 
l^e macht daa Werk einen prächtigen malerischen 
Gesamteindruck und stellt der Erfindungsgabe und dem 
arcbitektonischen GefOhl seines Erbauers, Begienings- 
baumeisters ßo/^^, ein allenthalben gQltiges.gutes Zeug- 
nis aus. Wollte man den deutschen Baugeist in einem 
einzigen Werke darstellen, gewissermaßen die Quint- 
essenz dessen zur Erscheinung bringen, was in deutschen 
Landen zerstreut liegt, so musste wohl oder Qbel an ein 
zusammengesetztes Werk gedacht werden. Ein Nörn- 
berger Erkerhaus zu bauen wäre für das Beabsich- 
tigte nicht ausreichend gewesen; ein nordigcber Back- 
steinban hätte Alldeutscbland auch nicht repräsentirt 
Der romanische Stil durfte nicht ganz fehlen; und 
auch die Gotik musste ihr bescheidenes Plätzchen 
erhalten, da sie doch in der mittelalterlichen Zeit 
eine nicht nur architekturgeschichtlich, sondern auch 
KunitcevarbeblaU. N. F. V. U. B. 



kultui^escbichtlich so große Rolle spielte. Das wird 
jedem erinnerlich, der da bedenkt, wie sehr das Er- 
bauen der großen Dome den Deutschen Herzens- 
sache und Seelensorge war. Diese verschiedenen 
Elemente zu einem kOnstlerisch wirkenden Ganzen 
zusammenzufassen war gewiss keine leichte Aufgabe 
und die Gefahr 1^ nahe, dass das beabsichtigte Pot- 
pourri den Charakter eines architektonischen Appe- 
titsbemmchens annehmen wtirde. Kegieningsbau- 
meister Radke hat es nun vortreffhch verstanden, 
dem Bau, man mag ihn betrachten von welcher Seite 
man will, einen künstlerischen Schwerpunkt zu ver- 
leihen, zu dem das Auge immer wieder zurUckkehrt. 
Das Innere des Hauses birgt nun außer einer 
Anzahl Bureaus und einigen Sonderausstellungen, 
wie die des Buchgewerbes und die der kirchlichen 
Kunst in dem gotischen Eirchenchor, die Arbeits- 
und Empfangsräume des Reichskonunissars, Üeheim- 
rat Wermuth. Die Aufgabe diese Räume auszu- 



34 



AUS DEM DEUTSCHEN HAUSE IN CHICAGO. 



gestalten, und die Leitung der Ausarbeitung wurde 
dem Architekten Wilhelm Fleck in Berlin übertragen. 
Auch diesem Manne, der einen so wohldurchgebil- 
deten Geschmack bewiesen hat, gebQhrt vor allem 
der Dank derer, die an dem glänzenden Siege Deutsch- 
lands Anteil genommen haben und noch nehmen. 
Dies um so mehr als die Kürze der Zeit zur höchsten 
Eile trieb, die oft außergewöhnliche Maßregeln not- 
wendig machte. 

Die Ausführung der Dekorationspläne über- 
nahmen die Firmen C. Prächtelj Hoflieferant in Berlin 
(Vorhalle), und B. Harrass in Bohlen in Thüringen 
(Empfangs^aal). Dem Äußeren des Hauses entspre- 
chend — das lag auf der Hand — mussten auch 
die Innenräume in echter, guter deutscher Weise ge- 
halten sein. Die flüchtigen Skizzen, welche Archi- 
tekt W. Fleck zunächst für den Empfangssaal vor- 
legte, fanden vollen Beifall des Herrn Baumeisters 
Radke und des Reichskommissars. Über die Vorhalle 
stand bei der kurz darauf erfolgten Abreise der 
beiden Herren nur so viel fest, dass sie in einfacher 
(tiroler) Gotik gehalten werden sollte. Die Verhand- 
lungen mit den betreffenden Firmen verzögerten 
sich so, dass mit der Ausarbeitung der Zeichnungen 
für den Empfangssaal Mitte November 1892 erst be- 
gonnen werden konnte^ mit den Ausführungsarbeiten 
also erst Anfang Dezember; die Entwürfe und Details 
zur Vorhalle wurden Anfang Januar 1893 angefangen. 
Bereits Mitte März gingen die letzten Stücke der 
beiden Einrichtungen von Hamburg nach Chicago ab. 

Allen Beteiligten, insbesondere den ausführenden 
Firmen Prächtel und Harrass gebührt für die rasche 
und gediegene AusfGhrung hohes Lob, für die vater- 
landsliebende Opferfreudigkeit der wärmste Dank 
Deutschlands. Ohne Rücksicht auf die enormen Opfer 
an Zeit und vor allem an Geld haben die beiden 
Firmen die vorgeschlagenen kostspieligen Arbeiten 
unverkürzt ausgeführt und so ihr redlich Teil bei- 
getragen zu dem schönen, die Welt erfüllenden Er- 
folg, den deutsche Energie und Kunstfertigkeit im 
friedlichen Wettstreit jenseit des Ozeans errungen hat. 

Über die Einzelheiten der Räume, die wir zum 
Teil in eignen Aufnahmen des Herrn Fleck, zum Teil 
in Perspektiven veröflFentlichen, mögen den Lesern 
die nachfolgenden Bemerkungen dienen. 

Betritt man über die große Freitreppe des 
K deutschen Hauses *" das säulengetragene, prächtig 
ausgemalte Treppenhaus, so hat man zunächst vor 
sich den freien Durchblick in die große Halle, in 
der hervorragende deutsche Arbeiten zur Aufstellung 
gelangt sind; links zweigt die Treppe nach oben ab — 



rechts öffnet sich der Einblick zu den Räumen des 
Reichskommissars: die Vorhalle. 

Der Raum, ungefähr 12 m lang, 4,5 m breit bei 
einer Höhe von 4,5 m, ist überdacht mit einer vollen 
Balkendecke. Der vordere Teil, etwa 8,5 m lang, 
hat längs der festen Wände eine in den bekannten 
Formen der Tiroler Gotik gehaltene Vertäfelung in 
Manneshöhe — Kiefernholz hellbraun lasirt. Die oberen 
Friese haben reiches, flach gehaltenes Ornament, 
dessen Grund abwechselnd kräftig blau und rot ge- 
halten ist. In derselben Weise, nur farbenreicher, 
ist die Decke behandelt — die Mittelfelder einfach 
und flach, die beiden Endfelder reich kassettenartig 
ausgebildet; in den Mittelfeldern breitet sich ein 
farbiges Ornament frei Über die Fläche aus. 

Die Wände oberhalb der Vertäfelung sind mit 
bemaltem Stoff (heraldischer Adler, gelb und grünes 
Muster) bekleidet; Stoffdekorationen und Lambrequins 
in den offenen Durchgängen zwischen den Säulen, 
aus saftig -grünem Plüsch und rotbraunem Sammet 
mit reichsten Stickereien ergänzen den heitern, farben- 
frohen Eindruck dieses Raumes. Die Eingangsthüre 
zum Empfangssaal ist mit einem kräftigen, vorsprin- 
genden Portal umrahmt — ein breiter Spiegel teilt 
die Wandfläche, lässt all die Herrlichkeiten doppelt 
erscheinen und erweitert künstlich das Ganze; ein 
kräftiger Tisch mit «Hockerle* darum auf weichem 
Teppich bilden die Ausstattung dieses Raumes. 

Ein Schmuckkästchen „eigener Art*' bildet der 
Erker, der Abschluss der Vorhalle nach dem Fenster. 
Eine energische Holzbogenarchitektur trennt diesen 
um drei Stufen erhöhten Lauschewinkel vom vor- 
deren Raum, und wenn vorn die heiteren, hellen Töne 
maßgebend waren: Hier ist die Skala tiefer ge- 
stimmt! Kräftig in der Form und dunkelbraun in 
der Farbe — aus deutschem Eichenholz gebaut, 
hebt sich hier die reich und unregelmäßig, aber 
eigenartig ausgebildete Vertäfelung von den hüb- 
schen Gobelins ab. Eine „Schwarzwälder** in der 
Ecke, mit Eirchturmaufbau und dem Wetterhahn 
geschmückt, tickt fröhlich die flüchtigen Minut.en; 
neben dem eigenartig ausgebildeten Schreibtisch 
vor dem Fenster laden weiche, üppige Polster zum 
Ausruhen ein, zum „süßen ^chtsthun", und es mag 
wohl mancher in dieser farbenprächtigen, molligen 
Ecke mit ihrer reichen Dekoration, mit ihren prunk- 
vollen, kostbaren Stickereien befriedigt gerastet 
haben. „Befriedigt** nach allen mündlichen und 
Zeitungsberichten; es ist jammerschade, dass die ab- 
gedruckten Zeichnungen und Photographieen die 
Farbe-, die Gesamtstimmung nicht wiedergeben 



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n 

! 



^1 



AUS DEM DEUTSCHEN HAUSE IN CHICAGO. 



kSnnen. ImmerhiD ist das Geüamtbild ein so hübeches, 
daas man sich gewiss darüber freuen darf. 

Von der Vorhalle fOhrt einegroße Thür in den Em- 
pfangssaal, der ungefähr 8,9 m in der Länge, 6,6 min der 
Breite und 5,2 m in der Höhe misat; die Stirnwand 
hat ein großes Fenster von 4,26 m Breite und etwa 
3 m Höhe (ohne Berlistung). Der Saal sollte gleich- 
zeitig Empfangs- und auch Arbeitszimmer sein. Es 
galt daher, beiden Zwecken bei gleichzeitiger, miß- 
lichst großartiger Ausstattung zu entsprechen. 

Auf der vorigjährigen Berliner MübelnusstelluDg 



Nach Möglichkeit ist allen Anforderungen Rech- 
nung getragen: Auf der linken Wand steht ein 
Praektkamin , eins der schönsten StUcke seiner Art 
(von A. Wessely-Uambiirg) ' gegenüber rechts, ein 
großes Sofa, zwischen zwei Bücherschränken mit 
Überdachung eingebaut; davor ein großer Tisch (mit 
Auszügen) und bequeme Sessel. Am Fenster ein 
großer Schreibtisch mit „Lutb erst üblen", ein Blumen- 
tisch, und neben dem Kamin ist mit einem lluhehett 
und Tischchen noch eine kleine Plauderecke ge- 
schaffen. Die dekorative Ausstattung besteht in einer 




Das ilcutscbe Haua 



hatte die Firma D. üarrass yertfifelung und Decken- 
partie, mit ihren echten Bolzpressungen verziert, aus- 
gestellt. Die feine, vomehmeund reiche Wirkung dieser 
Arbeiten gab die Veranlassung, den Empfangssaal 
für Chicago ebenso ausfahren zu lassen. 

Zu einem gemütlich eingerichteten deutschen 
Wohnräume gehÖTen Holzverlü feiung und ffohdecke — 
Farbe und Stimmung. In einem Arbeitszimmer sollen 
Schreibtisch und Bücherschrank stehen und fUr einen 
Empfangssaal verlangt man freien Raum, großen 
Tisch, becjueme und reichliche Sitze, selbstverständ- 
lich eine wördige, vornelinie Uesamtausstattimg. 



2,12 ui hohen, reichen Vertäfelung, die BOcher- 
schränke mit denselben Motiven herausgebaut und 
mit einem Aufsatz bekrönt; die beiden ThOren sind 
mit Säulen, Gesimsen und Aufsätzen reich und 
kräftig hervorgehoben und die mächtige Holzdecke, 
d;is altbekannte Kassetten motiv, ist energisch ge- 
gliedert: die Kassette ufelder haben golden und blau ge- 
tönten Grund. Das große Mittelfeld ttillt eine tlott 
und licht gemalte Allegorie (Germania) von Erich Kips. 
Die Wände oberhalb der Vertäfelung sind durch 
profilirtp Rahmen in Felder geteilt und mit prächtigem, 
tiefrotein Seidenstoff (tierson & Comp., Berlin) ausge- 



AUS DEM DEUTSCgEN HAUSE IN CHICAGO. 



schlagen, während der Gnind- 
ton der Stoffdekorationen und 
MSbelbezQge entsprechend grün 
gehalten ist. Die Farbe des 
Holzes, eichen, ist ein tief- 
dunkles, warmes Braun. 

Frau Emma Demburg-Ber- 
lin hat fOr das große Fenster 
ein mit kostbaren Stickereien 
yersehenes Lambrequin gelie- 
fert, das die ganze Breite 
des Fensters fallt, und von 
derselben kuuBtfeu.gen Hand 
rühren die prachtrollen, rei- 
chen Tischdecken her. 

Dem breiten Fenster ge- 
genllber ist dann ein großer 
Spiegel angeordnet, der all die 
Pracht und Herrlichkeit ver- 
doppelt und wiedergiebt Die 
wirkungsvolle Kamingarnitur, 
teilweise vergoldet, stammt von 
Ed. i^'^Berlin und die stim- 
mungsvollen Teppiche hat das 
weltbekannte Würzen geliefert. 

Die ungemein reiche und 
vurnehme Geaamtwirkung hat 
ihren Grund indes vor allem 
in den reichen Holzarbei- 
ten, in der Verwendung der 
Harrass'aciiea Ornamente; es 
ist geradezu erstaunlich, zu 
sehen, welch reiche Effekte 
sich mit diesen gepressten Lei- 
sten erzielen lassen, und es 
wäre zu wünschen, dass — 
nachdem hier an maßgebender 
Stelle und im größten Maß- 
stabe die Verwendbarkeit dieser 
scbSnen Dekorationsweise be- 
wiesen ist, dieselbe allgemeiner 
und ^fter in Anwendung käme. 

Ausländische und deutsche 
Kritik haben sich einstimmig 
lobend im höchsten Grade 
darüber geäußert und der 
lieichskommissar schreibt: 

„ — dass diese im Cha- 
rakter der deutseben Spiit- 
renaissance gehaltene Aus- 
stattung sowohl mit RDok- 



39 

sieht auf die zur Verwendung 
gelangte technische Holzbe- 
arbeitung, als auch wegen 
ihrer einheitlichen, künstle- 
rischen Durchbildung den 
Gegenstand allgemeinsten 
Interesses und besonderer 
Bewunderung bei dem die 
Ausstellung heaucbenden 
Publikum gebildet hat." 
Ein andermal giebt er 
folgendes Urteil über das Zim- 
mer ab: 

„Dasselbe ist unzweifel- 
haft das schönst« Zimmer auf 
dem ganzen Ausstellungs- 
terrain." 

Die Zeitungen sind ja an 
Lob über die Pracht und 
Schönheit dieser Räume über- 
geflossen; Julius Lessing, der 
den Möbelhändlern unUngst 
so bittre Wahrheiten entge- 
gengehalten bat, nennt das 
Empfangszimmer des Beichs- 
kommissars nächst demPrunk- 
raume des bayrischen Pavillons 
das glanzvollste Ausstattungs- 
stück im Gebiete der Zimmer- 
einrichtung. Ein Bericht, der 
an die sächsischen Handels- 
kammern von Chicago aus 
gerichtet und von diesen verteilt 
worden ist, nennt das Em- 
pfangszimmer „eine Perle der 
Spätrenaissance". 

Wir haben also, soweit 
wir uns im Herzen deutsch 
fühlen und teilnehmen an dem 
i'riedlichen Siege Deutschlands, 
alle Ursache, den Schöpfern 
dieser ausgezeichneten Lei- 
stungen dankbar zu sein: also 
zunächst dem, der sie erdachte 
und entwarf und mit An> 
strenguQg aller Kräfte die not- 
wendigen Detailzeichnungen 
herstellte, und alsdann denen, 
die diese dekorativen Pracht- 
gedanken in greifbare Wirk- 
lichkeit umsetzten. 



Lhr aus dem KmptaDgzimnier des KeicbskommiBiiani 

Im dentacbeu Hbdb« eu Cbicago. (Hflbs l.m m.) 

u dam HobanzoUsni-KkuniftusB von H. Ulnchwald In BwUn. 



Aus der satiBchen Vorbslle im deutacbea Huiae In Chlosgo. 
Entworfen von Architekt W. Plick in Beclin und oncer dcaeen Ii«itung »aagenilut von C. Puchtel in Berlin. 



KuniilgciverbeblilU .N. l'. V. Jl ; 



Ans den Pikktliobsn Kmbwtanittniiutani Ton C. Wkbb. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



- BUCHERSCHAU. 
Both, Clara, Neue Kerbaehniltmwter (8 Lief, j« 10 Blatt). 

Leipzig, E. A. Saemanu. D. Lief. H. 2.00. 
Wthr, Cnrt, Praiititdu KerbschnUimwter (5 Lief, je 4 Blatt). 

Leipiig, B. A. Seemann. D. Iiief. M. 1. — . 
Der EerbschmU, eine der ältesten DekorationBkOuBte, 
der schon in vorgescliichtl icher Zeit ao^^übt noTde, als 
man mit dem Jagdmeager durch geometrische Einichnitte 
die FUchen des Holtgerät* zu beleben sacht«, ist aeit einer 
Rahe von Jahren immer mehr als Hanekunst in Liebhaber- 
kreiaen in AnAiahme gekommen, und das mit Recht; vor 
anderen Fertigkeiten zeichnet sich die Eerbschnitierei da- 
durch aoi, dass sie leicht erlernbar ist and der Hand eine 
anch noch anderer Bichtang hin verwertbare Geschicklich- 
keit Teileiht. Dieee Technik hat somit eine hohe pädago- 
gische Bedentnug vor den schwierigeren LiebhaberkBnaten, 
weil sie rascher Befriedignng verschafft und stets neue Lust 
und Liebe zur Sache erweckt. Welche reizenden kleinen 
Kunstwerke man mit ihrer Bilfe sich schaffen kann, das 
sieht man, wenn man die bekannte Vorbildersammlung von 
Clara Soth durchblättert, die in ihrer Anleitung zur Kerb- 
schnitzerei (3. Aufl., E. A. Seemann, 50 Pf.) sich ^s treffliche 
Lehrmeist«rin erwiesen hat. Sie legt auf den die^&hrigen 
Weihnachtatisch eine neue Serie von 40 Tafele , anf denen 



an 100 Qegenst&nde in NatargrOBe daigeslallt sind. Gegen 
dieee im altbewährten Oeleise sich bewegenden Vorlagen 
sehen die „Praktischen Seibschnittmnster" von Ourt Wehr 
etwas „fortschrittlich" ans; Wehr bat sich sichtlich bemüht, 
den Formenschatz der Eerbachnittomamentik zn bereichem; 
er hat durch geschickte Anleihen bei der Schwesterkunst der 
AusgrOndnngsarbeit (Flacbschnitt) manche uirnntige Kom- 
binationen geschaffen, die namentlich: bei grOBeren FISchen 
von vortrefflicher Wirknng sind. Beide Sammlnngen sind 
unmittelbar aus der Praxis hervoi^gangen, ein Vorzug, der 
bei derartigen Vorlagen, die auch dem angehenden Kerb- 
schnitzer an die Hand gehen sollen, nicht hoch genug ange- 
schlagen werden kann. 

Onuuumital« uulkiuuit(»w«rblioli* Sammaliiuiipp«, 

Serie IV und V. Spitzen des XVI. bis XiX. Jabrhundetts 
aus den Sammlungen des Kunatgewerbemaseuma zu Leipzig, 
ausgewählt von Prof. 'V. Zar Straßen. Leipzig, Verlag 
von K. W. Hiersemann. 2 Mappen. Fol. M. 50.— 
Die Hannig&ltigkeit und der Reichtum der Spitzen- 
Verwendung der letzten Jahre kann dem Spitzenluzaa des 
17. und 18. Jahrhunderts dreist vergleichend gegenüber- 
gestellt werden. Der unterschied zwischen jener Zeit nnd 
heute besteht darin, dass man damals nur „mit der Hand 
gearbeitete Spitzen" kannte und M&nulein wie Wnblein 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



d«iu Luxiu in gleichem Haße buidigten. wKhrend heate nur 
du weibliche Geeohlecht die duftigen Gebilde als Zierde 
de* Gewandes und der Qewandteite benntet, und die Spitten 
zumeiet „Mascbinenipitzen" sind, deren Haltbukeit dei Weii- 
■cfaUeung entspricht, welche die Mode der Spitzen Verwen- 
dung von heote anf moigen der Tifigerin geBtattet. Die 
Zeit l&Mt lieb nicht rückwSib drehen! Wenn man einer- 
aeib leafzt, doss die edle Industrie der Erzeugung von 
Nadel- und ElOppelBpitzen damiederliege und die Spitzen- 
arbeiterinnen das ideale feine Eunstwerk ihrer H&nde fOr 
wahren Hungerlohu dem Fabrikanten liefern, der Nutzen 
und Ehre daraus tiehe, so kann man sich auf der anderen 
Seite daran erfreuen, wie des Menschen Sinnen, wie des 
Menschen Geist das Metall gefDgig macht: die Maschine, 
als dos genauest gearbeitete Werk der Menschenhlbide 
schafft, auf leichten Fingerdmck in Bewegung gesetzt, 
in kurzer Frist meterlange, zum Teil bewun dem b wert 
gute Nachahmungen der echten, alten Spitzen. Der Be- 
darf nach den Erseugnissen der Maschine fachst und so- 
wohl ihretwegen als durch sie erh&lt eine ganze Kette von 
Arbeitern und Arbeiterinnen Verdienst — auf Kosten der 
Spitzenarbeiterinnen. So greift die Maschine hier stArend, 
dort fordernd ein; anf alle [%11e aber ist stets mit ihr eq 
rechneu und wäre es auch nur deshalb, weil im Q^^nsatz 
zu der Maaten Verwendung von Maschinenarbeit in allen 
Kreisen der Bevölkerung, ein kleiner Teil die kostbare Hand- 
arbeit erst recht schätzen lernt nnd, von dem starken 
Wunsch nach Wiederbelebung alter Arbeiteweisen nnd Muster 
beaeelt, die alte Kunst neu zu entwickeln sucht nnd that- 
s&chlich auch entwickelt. Hierzu trugen und tragen die 
Kunstgewerhemueeen mit ihren Sammlungen bei, die aber 
an Ort und Baom gebunden, deshalb nnr von räizelnen 
Sterblichen ausgiebig studirt und benutzt werden kOnnen. 
Um aber anch weiterhin Gelegenheit zu geben, sich mit den 
SammlungsgegensUlnden vertraut zu machen nnd sie als an- 
regendes Torbild zu neuem frischen Schaffen nahe haben 
zu kOnnen, ist in der Herausgabe von guten Abbildungen 
dae beste Mittel gegeben. So IKsst es sieb die Verwaltung 
des Leipziger Kanstgewerbemuseums angelegen sein, durch 
die Herausgabe von Mappen mit Abbildungen der im Laufe 
der Zeit zusammengebrachten Gegenstände den BedQrfniasen 
der Industrie entgegenzukommen. Die Serien IV und V 
bringen Spitzen des 16. bis 19. Jahrhunderts und zengeu 
von der Reichhaltigkeit der Spitzensammlong, Ober welche 
das eben genannte Mnsenm verfOgt Schon der flOchtige 
Blick in die Bl&tter belehrt darflber, does die verschiedenen 
Techniken der Spitzenarbeit und jener, die an das Gebiet 
streifen, in Art und Muster vorzflglich vertreten sind. Point- 
conpä, Beticeila und Reliefepitzen. die unzähligen Arten der 
KlOppelspitzen, geh&kelte und gestickte Spitzen, die beson- 
ders eigenartigen Spitzen Spaniens und SQdamerikas, die 
„Sols" — alle gelangen in den vortrefflichen Tafeln aus 
dem Verlag Karl W. Biersemaftn't zur vollen Geltung. Die 
Industrie wird ee ohne Zweifel durch eifrige Benutzung der 
Sammelmappen Herrn Professor M. %ur Strafen zu Dank 
wissen, dass er sich der nicht geringen Mühe unterzi^en 
hat, die Sammlung auszuwählen nnd zusammenznstellen. 
Die Lichtdrucke, die auf kräftigem, haltbarem Papier gebracht 
sind, bringen die Wirkungen der Spitze mit allen Feinheiten 
deutlich und erleichtern dadurch dem Zeichner und Fabrt- 
kant«n das Studium nnd die Benutzung auBerordentlicb. 
Anders freilich verhält sich die Sache fQr den, welcher die 
gnte Gelegenheit, die verschiedenen Spitzenarten auf dem 
kleinen Raum eines Tafelwerks, in guten Ahbildongen ver- 
einigt, nach der historischen und technischen Seite hin stu- 



Pzragunr (Kuidnti) Nidel zrbc it. 



I 



I 



Niederdeuuches Wuhnzimmer aar der W«ll>us9t«Unng In Cblcago Kntworfen und aD.tgtHibi't von H. 8au( 



46 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



diren möchte. Allerdings ist in dem Vorwort bemerkt: „Die 
hier TeröfPentlichten Spitzen erheben in der vorliegenden 
Darstellung nicht den Ansprach einer geschlossenen histo- 
rischen oder technischen Folge; es lag vielmehr im Sinne 
der Mnseumsverwaltung, darch diese Herausgabe vor allem 
der Industrie mit brauchbaren Vorbildern an die Hand zu 
gehen. Dabei ließ die umständliehe Behandlung dieses Ma- 
terials es zweckmäßig erscheinen, die einzelnen Tafeln gleich 
so zu geben, wie sie sich in der Ausstellung des Museums 
befinden. Die hierdurch gebotenen, allgemein gehaltenen 
Bestimmungen Über Technik, Herkunft und Zeit sind durch 
ein alphabetisches Sachregister erweitert" Die Bestimmung 
von Alter und Herkunft der Spitzen wird bei Prüfung ein- 
zelner Stücke, die nicht durch Bild und Schrift Über den 
Ursprung verbrieft sind, stets eine schwierige Aufgabe bleiben, 
deren Lösung in den meisten Fällen immerhin noch mit 
einem „wahrscheinlich" oder „vielleicht** versehen werden 
muss. Was demnach Daten darüber anbelangt, so wird 
keiner, der einmal der Frage näher getreten ist, zweifelnde 
Äußerungen machen, sondern Andere gerne auf ihren An- 
schauungen und ihrem Glauben belassen. Dagegen ist die 
Technik der Spitzenarbeit wie in allen anderen Handarbeiten 
etwas in den Grundzügen Feststehendes, und bei Fragen 
darüber sollte in dem Werke, welches der Industrie (wor- 
unter ja nicht nur die Maschinenarbeit zu verstehen ist) 
nützen soll und in seinem Reichtum der Spitzenarten ein 
vorzügliches Nachschlagebuch für jene sein könnte, die sich 
gerne rasch über Spitzen ins reine setzen möchten, rasch 
Auskunft geholt werden können. Das letztere ist aber nicht 
der Fall. So sind, um einige Beispiele anzufllhren, auf Taf. 
III, Serie FV unter der allgemeinen Bezeichnung: Italien 
(Venedig), Nadelarbeiten, vier Spitzen gebracht, von denen 
Nr. 559 (zum Teil führen die Spitzen die Inventamummem 
des Museums) eine Elöppelspitze ist. Das erweiternde Sach- 
register giebt dem Nachschlagenden unter I. «» Italien die 
Auskunft: Tafel I bis IV « Nadelarbeiten; unter N. «» Nadel - 
arbeiten wird auf Italien hingewiesen; unter V. <= Venedig 
heißt es: Reliefspitze Taf. I bis III. Der technisch nicht 
vollständig unterrichtete Laie muss, nachdem er die An- 
gaben der Tafel im Register nachgeschlagen hat, annehmen, 
die fragliche Spitze sei vnrklich eine Nadelarbeit, bis er 
von ungefähr unter E. — Klöppelarbeit sieht, dass im Druck 
eingerückt unter Flandern, Frankreich, Genua, Italien, 
Mecheln der Point d^Angleterre auf Taf. III Nr. 559 zu 
suchen ist und unter P. «s Point d'Angleterre Taf. III Nr. 559 
steht. Ähnlich geht es mit Tafel VI derselben Serie. Die 
allgemeine Bezeichnung ist: Italien, Nadelarbeiten. Nun ist 
Nr. 1 eine sogenannte irische Häkelarbeit, Nr. 2 Point coupe 
mit sehr interessantem Muster, Nr. 3 eine Borde in Point 
coup6 mit geklöppelten Zacken, Nr. 4 ist, wenn der Licht- 
druck nicht täuscht, eine Klöppelarbeit, desgleichen .Nr. 5, 
welche durch den beim Klöppeln mitgeführten Faden einer 
Reliefspitze ähnelt. Nr. 6 ist eine, vermittelst reihenweise 
gearbeiteter Schlingen hergestellte Nadelspitze. Beim Nach- 
schlagen im Sachregister erfährt man unter „Italien", dass 
„Tafel VI Nadelarbeiten" enthält. Unter „Nadelarbeit" steht 
im Druck eingerückt „Italien Taf. VI, Spanien Taf. VI 4, 
Venedig Taf. VI 2 u. 5". Bei S. — „Spanien« heißt es ein- 
gerückt: „Nadelarbeit Taf. VI 4". Der Laie würde sich, 
nachdem er auch hier in normaler Weise das Sachregister 
durchgesehen hat, zufirieden geben, fände er nicht die Taf. VI 
mit einer arabischen 1 bei England stehen mit der Bezeich- 
nung „Häkelarbeit". Misstrauisch gemacht sieht man nun noch 
unter H. » Häkelarbeit nach, wo es heißt „England Taf. VI 
1", und dann bleibt noch Übrig, sich bei „Point nou^ VI 6, 



Pento a groppo VI 6, Punto di vermicelli VI 5" und bei 
„Weißstickerei im Sinne des Point ooup^ VI 2" mit den 
fremden Bezeichnungen ins Einvernehmen zu setzen. — Es 
sei auch noch Taf. XIV herausgegriffen, um zu zeigen, wie 
es selbst bei dem einen Stück, welches sich darauf befindet, 
mühevoll ist, sich auszukennen. Allgemeine Bezeichnung: 
Spanien, Goldspitze, Nadelarbeit. Unter Spanien wird Metall- 
spitze aufgeführt, unter Metallspitze die Tafelnummer. Unter 
Nadelarbeit steht zwar Spanien, aber nicht Tafel XIV. Unter 
C. B „Casel mit Spitzenanflage" befindet sich wieder Taf. 
XIV, desgleichen unter G. «» „Guipurespitze". Was ist Gui- 
purespitze? fragt der Laie, denn die Bezeichnung lässt ihn 
vollständig im unklaren Über die technische Herstellung der 
Spitze und er wird auch nicht aufgeklärt, weil Tafel XIV 
weder bei Klöppelarbeit, wobei dieses Stück stehen müsste, 
noch bei anderen Namen zu finden ist Das Sachregister 
ist demnach etwas umständlich zu handhaben, und es 
sei die Frage aufgeworfen, ob es nicht viel einfacher ge- 
wesen wäre, statt alphabetisch mit den vielen Bezeich- 
nungen vorzugehen, die Tafeln in Reihenfolge aufzuführen 
und hinter der Tafelnummer jede einzelne Spitze kurz mit 
Technik, Namen und Herkunft zu bezeichnen, das würde 
leichter zu übersehen gewesen sein, und dem in der Vor- 
rede erwähnten Umstände, dass die Tafeln so gegeben 
seien, wie sie sich im Museum befinden, weil die Umständ- 
lichkeit der Handhabung des Materials eine Veränderung 
in der Aufstellung nicht gestattet habe, hätte auch auf 
diese Weise abgeholfen werden können. Doch, wie schon 
bemerkt, gilt ja das Werk in erster Linie als Vorlagenwerk ; 
die Industrie wird darin reichlich Anregung zum Weiter- 
schaffen finden und es ausgiebig benützen, ohne viel nach 
Daten, Herkunft und Technik der einzelnen Spitze zu fragen; 
denn für sie ist Zeichnung, Anordnung der abwechselungs- 
reichen Einzelheiten, welche einer Spitze den Reiz verleihen, 
kurz die „Wirkung*' die Hauptsache. In dieser Hinsicht sei 
auf die feinen Weiftstickereien mit dem Reichtum an Zier- 
stichen, und besonders auf die eigenartigen Spitzen Süd- 
amerikas aufmerksam gemacht, die von der Fabrikation 
noch nicht ausgenützt worden sind. t. F. 



OescMohte der deutsohen Kniuit. Herausgegeben von 
7?. Dohms, W, Bode, H, Janitschek, 0, r. LdUxoto und 
«7. r. Falke. Neue Lieferungsausgabe. 30 Lieferungen 
ä 2 M. Berlin, G. Grote, Sep.Kto. 
Wir machen die Leser unseres Blattes auf die soeben 
im Erscheinen begriffene neue Ausgabe der Grote'schen Ge- 
schichte der deutschen Kunst aufmerksam, da sie wesentlich 
billiger ist als die erste Ausgabe und ihre Anschafiung durch 
den Bezug in Lieferungen auch dem minder Bemittelten 
möglich ist. Auf die Vorzüge dieses in großartigem Mafi- 
stabe angelegten und noch umfassender durchgeführten 
Werkes noch im einzelnen aufmerksam zu machen, erscheint 
übei-flüssig; hinweisen möchten wir nur darauf, dass das 
Werk für Kunstgewerbetreibende ein weitgehendes Interesse 
hat, nicht allein durch die vortreffliche Schilderung des 
deutschen Kunsthandwerks durch Jacob v. Falke, sondern 
auch durch die zahlreichen Abbildungen der anderen Ab- 
teilungen, die, wo es nötig erschien, um ein vollständiges 
Bild des dargestellten Kunstwerkes zu geben, auch farbig 
ausgeführt wurden. Ein ausführlicher Prospekt des Werkes 
liegt diesem Hefte bei. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



47 



SCHULEN UND MUSEEN. 

Wien» Kufutgewerbesehule des k, k, Österr, Musetims 
Diese Lehranstalt beging am 9. Olrtober das Jubiläom ihres 
25j&hrigen Bestehens. Von Seite der Schale war ursprüng- 
lich die Absicht nicht vorhanden, mit diesem Anlasse eine 
Festlichkeit in Verbindung zu bringen. Einzig und [allein 
durch die Herausgabe eines Prachtwerkes wollte die Direk- 
tion der Anstalt einen neuanbrechenden Zeitabschnitt in- 
auguriren. Diese Festpublikation zeigt eine Reihe von Werken, 
welche seit der Gründung der Kunstgewerbeschule von An- 
gehörigen ihres Lehrkörpers geschaffen werden. Die bild- 
lichen Darstellungen dieser Objekte sind Radirungen, her- 
vorgegangen aus dem Spezialatelier des Professors William 
ünger, farbig hergestellt in der Art der „Kupferdrucke von 
der bemalten Platte**. Am 9. Oktober wurde das erste Heft 
dieses, dem Kaiser gewidmeten Werkes dem Protektor des 
Museums und der Kunstgewerbeschule, Erzherzog Rainer, 
überreicht und hierauf von demselben nach vorherigem Em- 
pfange mehrerer Deputationen die diesjährige Ausstellung 
der Schülerarbeiten in feierlicher Weise eröffnet. Nach dem 
Rundgange fand durch den Erzherzog-Protektor die Vertei- 
lung der von der Gesellschaft zur Förderung der Knnst- 
gewerbeschule gestifteten Diplome und Geldpreise an die 
hiermit ausgezeichneten Schüler statt Gegen 300 ehemalige 
Schüler, nunmehr Über den Erdball zerstreut als Lehrer oder 
Ausübende wirkend, richteten eine Adresse an den Erzherzog, 
desgl. der „Wiener Kunstgewerbeverein*'. So gestaltete sich 
dieser Ehrentag der Schule, deren Direktor Hofrat J. Storch 
die gleiche Stelle auch vor 25 Jahren bekleidete, zu einem 
Tage der Festfreude von erhebender Bedeutung. 

VEREINE. 

-u- Bertin* Der Verein für deutsches Kunstgewerbe 
feierte am Sonnabend den 4. November im großen Saale des 
Kaiserhofs sein 16, Stiftungsfest, Der Saal und die Tafel 
waren durch kunstgewerbliche Schaustücke ersten Ranges 
reich geschmückt, besonders mit silbernen und Bronzegeräten 
der Firmen D. Vollgold & Sohn, Arndt & Marcus und H. 
Hirschwald (Hohenzollem-Kaufhaus). Der Vorsitzende des 
Vereins, Geheimer Oberregierungsrat Busse feierte Se. Majestät 
den Kaiser als Schirmherm des deutschen Kunstgewerbes. 
Ein launiges Festspiel, vom Architekten B. Ebhardt gedichtet 
und vom Maler Hochlehnert u. a. aufgeführt, geißelte die 
Schäden der heutigen kunstgewerblichen Verhältnisse. Eine 
imposanten Anblick bot besonders die Bühne, auf der das 
Stück gespielt wurde, welche nach Entwürfen und unter der 
Leitung von Maler August Blunck und Bildhauer Bruno 
Kruse aufgebaut und von der Allgemeinen Elektrizitätsge- 
sellschaft durch wirkungsvolle Lichteffekte beleuchtet wurde. 

-u- 3erlinm In der Sitzung des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe am 8. November wurde zunächst das Er- 
gebnis der Monatskonkurrenx, (Entwurf zu einem Innungs- 
banner der Berliner Buchbinderinnung) bekannt gegeben. 
Es erhielten: den 1. Preis (100 M.) Zeichenlehrer Z. Stei- 
rowicx in Berlin, den 2. Preis (50 M.) Maler August Glaser 
in München; mit ehrenvoller Erwähnung wurden bedacht: 
Zeichnerin für Stickereien Hermifie Unterstein in Berlin, 
Maler Otto Hammel in Hannover und Lududg Sütterlin in 
Berlin. Sodann sprach Herr Baumeister Karl Hoffacker in 
Fortsetzung seines Vortrages vom 25. Oktober Über die De- 
korationder Weltausstellung ifi Chicago und die Beteiligung 
des deutschen Kunstgewerbes, Es ist schon erwähnt, welchen 
überwältigenden Eindruck die Ausstellung vom Michigansee 
auf den Besucher macht. Die Amerikaner hatten es ver- 



standen, mit großem Geschick das wüste Terrain auszunuteen 
und die ganze Anlage besonders durch die Benutzung des 
Wassers hOchst eigenartig zu gestalten. Laub- und Pflanzen- 
anlagen aber waren mit Ausnahme einiger von Natur aus 
vorhandener Partieen, insbesondere auf dem für die Zwecke 
der Gartenbauausstellung mit herangezogenen wooded isiand« 
für die dekorative Erscheinung nicht verwertet worden. Mit 
Ausnahme der Kunsthalle ist die dekorative Durchbildung 
des Innern der einzelnen Gebäude nicht versucht worden, ver- 
mutlich weil man die Unmöglichkeit voraussah, die Gebäude 
zweckentsprechend einzurichten. Hatte man doch sogar unter- 
lassen, nach dem Vorbild der letzten Pariser Ausstellung 
sich besonders die Eisenkonstruktioii zu Nutze zu machen. 
Vor allem den Übel berüchtigten Galerieen, für welche man 
eine besondere Vorliebe zu haben schien, ging jeglicher 
Schmuck ab, denn man hatte sich damit begnügt, die rohe 
Holzkonstruktion einfach unter Anwendung von Farbspritzen 
zu übertünchen. Vor allem kam es natürlich darauf an, 
die Industriehalle würdig zu gestalten. Hier hatte man 
in den Hauptportalen und den Eckpavillons die flachen 
Kuppeln und Lunetten mit allerdings vorzüglichen Ge- 
mälden von der Hand erster amerikanischer Künstler ver- 
sehen, welche jedoch leider durch die Höhe, in der sie an- 
gebracht waren, nicht so zur Geltung kamen, als sie es 
wohl verdient hätten. Sonst war die farbige Bemalung 
der Gebäude auf das Notwendigste beschränkt worden. 
Die Stuckarchitektur, welche im Laufe der Zeit einen altem 
Marmor nicht unähnlichen Ton angenommen hatte, wurde 
später durchweg der Haltbarkeit wegen mit einem einfachen 
hellen Olfarbanstrich versehen. Nur einzelne Wandfelder, 
wie beispielsweise am Laudwirtschaftsgebäude, erhielten aus- 
nahmsweise farbigen, zum Teil an pompejanische Vorbilder 
erinnernden Schmuck. Eine Ausnahme hiervon machte 
allein das Transportgebäude, das durch seine dunkelrote 
Grundfarbe, auf welche verschiedenfarbiges Ornament, an 
orientalische Motive erinnernd, aufschablonirt war, von allen 
andern Gebäuden abstach, während in den Bogenzwickeln 
zwischen den Fenstern streng symmetrisch gehaltene hell- 
getönte Engelsfiguren aufgeklebt waren. Die ganze dadurch 
etwas eintönig erscheinende Front war durch das große Ein- 
gangsportal, die goldene Pforte, unterbrochen, welche bis 
zum Dache reichend mit byzantinischem Ornament bedeckt 
und in verschiedener Nuancirung vergoldet und versilbert 
war. Neben dem malerischen Schmuck ist vor allem die 
dekorative Sculptur und diese im Gegensatz zur Malerei in 
hervorragender Weise zum Schmuck der Gebäude heran- 
gezogen worden. Ohne näher auf Einzelbeschreibung ein- 
zugehen, wäre noch zu erwähnen, dass man da und dort im 
Innern der Gebäude, insbesondere der Industriehalle, Fahnen- 
schmuck in der üblichen Art und Weise anbrachte, Banner, 
natürlich nur amerikanische, die von der Decke herab- 
hingen, Trophäen, die an den Pfeilern angebracht wurden. 
Es war sehr zu bedauern, dass man gerade im Innern die 
Dekoration nicht von höherem künstlerischen und vor allem 
einheitlichen Gesichtspunkte auffasste. Ebenso war von einem 
einheitlichem Bilde der Ausstellungsgruppen Abstand genom- 
men worden, das die unruhige Wirkung des Innern hätte ab- 
schwächen können. Jeder konnte sich so- einrichten, wie er 
wollte. Zu allem Übel hatte man noch einen riesigen Glocken- 
turm im Mittelpunkte errichtet, der dekorativ wirken sollte, 
aber durch seine absolute Unzweckmäßigkeit alles verdarb, da 
er jede freie Perspektive verhinderte. An den Mittelachsen des 
Gebäudes, mit der Front nach den zwei das Gebäude in der 
Längs- und Qaerrichtung durchziehenden Hauptwegen lagen 
die Ausstellungen von Amerika, Deutschland, England und 



48 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



FiHDkreich. Die Amerikaner hatten von jeglicher Dekoration 
Abetand genommen und nur der große amerikanische Gold- 
schmied Tiffany hatte an der Ecke ein niedriges Haus gebaut, 
an der Ecke mit einer hohen Säule mit vergoldetem Adler, 
rechts und links je eine niedrige S&ale mit vergoldeter Kugel 
als einziger bedeutender, wenn auch nicht schöner Dekora- 
tion. Daran schlössen sich Holzpavillons in jeder Ausf&hrung 
und hieran wieder schwarze Schränke für die Textilindustrie, 
die fast den Eindruck von Särgen machten und erst ganz 
spät durch eine willkQrlich vorgebaute Stuckfront ihren Ab- 
schluss nach dem Hauptweg zu bekamen. Überhaupt 
scheinen die Amerikaner, wenige Künstler vielleicht ausge- 
nommen, nicht über sd gutgeschulte dekorative Kräfte ver- 
fügen zu können, wie Deutschland und Frankreich, nach 
deren Auftreten in Chicago zu urteilen. Das einzige von 
ihnen geschickt ausgenutzte dekorative Element war die 
Reklame. Amerika gegenüber war die Ausstellung der Japa- 
ner sehr geschmackvoll aufgebaut, während bei der sich 
daranschlieflenden Osterreichischen Ausstellung infolge ge- 
meinsamer Verhandlungen mit Deutschland ungeHQir die- 
selben HOhenverhältnisse der im Barockstil gehaltenen Front- 
architektur eingehalten waren, wodurch der gute Qesamt- 
eindruck nur gesteigert wurde. England hatte für die 
dekorative Ausstattung aus Staatsmitteln so gut wie nichts 
gethan, wie die Ausstellung überhaupt einem großen Chaos 
glich. Bedeutendes hatte man von Frankreich erwartet, 
und so großartig auch die klare Anordnung der Platzver- 
teilung war, so war doch die Frontdekoration durch die 
etwas derbe Durchftlhrung weniger glücklich und verriet 
nichts von der Eleganz, die wir sonst bei den Franzosen 
gewöhnt sind. Da sie weniger Aussteller hatten als Deutsch- 
land, so konnten sie einen großen Teil der Galerieen nie- 
derreißen und erhielten dadurch einen großen Hof, von wo 
aus sie breite Treppen zum zweiten Geschoss emporf^hren 
konnten. Auch war die äußere Architektur sehr eintönig 
durch das Aneinanderreihen von Arkaden in Galeriehöhe, 
deren Pfeiler durch etwas schwere weibliche Karyatiden ge- 
bildet waren. Aber die F];^zosen hatten es verstanden, 
ihren Ausstellungsschränken einen einheitlichen Charakter 
zu geben, was von vorzüglicher Wirkung war. Die Platz- 
verteilung der deutschen Aussteller zeigte zu Anfang ein 
ziemlich zerrissenes Bild. Es musste mit der Thatsache 
gerechnet werden, dass einige der besten Plätze schon 
längst in festen Händen waren, um die schwierige Platz- 
verteiluDg dennoch übersichtlich und zweckentsprechend zu 
gestalten. Es ist zu bedauern, dass unser Kunstgewerbe 
nicht in dem Maße auf der Ausstellung vertreten war, dass 
ein vollständiger Plan möglich gewesen wäre, denn gerade 
das Kunstgewerbe wäre in allererster Linie berufen ge- 
wesen, das Können der Heimat im Auslande zu zeigen. 
Diese Einheit aber war nicht mehr zu erreichen, besonders 
da der Münchener Kunstgewerbeverein zunächst allein ge- 
schlossen aufgetreten war und so den Löwenanteil schon 
zu guter Zeit vorweg genommen hatte. So blieb nichts 
anderes übrig, als mit Rücksicht auf die vorhandenen Mittel 
zu retten, was zu retten war. Das Eisen hat uns mit heraus- 
reißen müssen. Im Einverständnis mit dem Reichskommis- 
sar wurde beschlossen, die Ausstellung nach der Mittel- 
straße hin durch hohe schmiedeeiserne Thore und Gitter 
abzuschließen , die von Armbrust er in Frankfurt a. M. ge- 
arbeitet wurden, während später auch noch Ed. Puls Berlin 
und Bühler in Offenburg (Gitter, entworfen von Hermann 
Götz) für einzelne Teile gewonnen wurden. Erst sehr spät 
konnte Berlin einiges bieten. Hier ist das Beste die Aus- 
stellung der Berliner Porzellanmanufaktur, die Überhaupt mit 



das Beste ist, was auf der ganzen Weltausstellung vorhanden 
war. Mit diesen beschränkten dekorativen Mitteln ausge- 
rüstet versuchte Redner die Dekoration so einzurichten, dass 
das Bessere und Beste in den Vordergrund, das weniger Gute 
in den Hintergrund kam. So wurde der bekannte Ehrenhof 
mit der Porzellanmann&ktur in die Mitte gelegt, nach rechts 
und links durch eine offene Säulenhalle begrenzt und durch 
die Eisengitter und Thore abgeschlossen. Redner giebt so- 
dann eine genaue Platzverteilung, aus der wir nor einige 
Punkt eher vorheben wollen. Die Möbelindustrie war vertreten 
durch ein sehrgutdurchgefQhrtes Renaissancezimmer im schles- 
wigschen Holzetil mit Kerbschnittverzierungen (siehe S. 45), 
durch einen von verschiedenen Münchener Firmen nachEmanuel 
SeidPs Entwurf ausgeführten Rokokosalon, ein dito Zimmer 
von Distelhorst in Karlsruhe. Diese alle waren an der Vorder- 
front gelegen, die Übrigen Zimmer von Münchener, Nürnberger 
und Berliner Firmen, sowie Harrass in Bohlen und zwei 
Dresdener Firmen unter den eisernen Trägem der Haupt- 
halle. Viele tüchtige Leistungen, doch auch vielfach zu 
spezifisch deutsch und altdeutsch gehalten, dabei für den 
Weltmarkt und speziell die amerikanischen Käufer weniger 
geeignet Besonders hervorzuheben sind femer die von 
G. Seidl erbauten Prunkräume, vor allem der eigentliche 
Prunksaal des deutschen Kunstgewerbes, und wenn es auch 
wieder Münchener waren, die ihn hierzu gestalteten, so 
war es doch immer Deutschland, welches den Ruhm für 
sich hatte. An diesen Pavillon schloss sich die Eisenkon- 
stmktion, die das Dach der Haupthalle trag. Vor die- 
selbe wurde ein großer Längsweg gelegt, und darunter 
Zimmerkojen gebaut. Diese letztere Anlage konnte erst in 
Chicago selbst entworfen, begonnen und ausgeführt werden. 
Und das hatte seine großen Schwierigkeiten, bis der Bau 
schließlich noch in letzter Stunde gerade von Berlin kräftig 
unterstützt wurde. Erich Kips^ der Bruder des Direktors 
Ä, Kips, und Professor Otto Lessing waren die treuen Helfer, 
und was die deutschen Arbeiter dabei geleistet haben, das 
ist des größten Ruhmes wert. So gelang es schließlich, die 
deutsche Abteilung doch noch so zu gestalten, dass sie einen 
möglichst klaren Durchblick gestattete. Nur die sächsische 
Textilindustrie, die den besten Platz hinter dem Ehrenhof inne 
hatte, konnte nicht mehr verlegt werden, obwohl der Gesamtplan 
dadurch wesentlich gestört wurde. So blieb nichts anderes übrig, 
als die Ausstellung der Berliner Porzellanmannfaktur vor die 
Textilindustrie zu bauen. Von diesem einen Fehler abge- 
sehen, gelang es, ein perspektivisches Bild zu geben, so zwar, 
dass alles in der Germaniagmppe gipfelte. Sie ist modeil irt 
von Professor R. Begas und in Kupfer getrieben von H. Seitz 
und bildet den Glanzpunkt unserer ganzen Dekoration. 
Hinter der Grappe beeintriU^htigten die großen Fenster die 
Wirkung in hohem Grade, und so entschloss man sich, den 
Abschluss nach dieser Seite hin durch ein großes Velarium 
herzustellen, was freilich seine großen Schwierigkeiten hatte. 
Denn obwohl Stoff genügend vorhanden war, so war einmal 
das Malen in dem schon ziemlich beschränkten Raum recht 
misslicb, sodann aber musste das Velarium noch in der 
letzten Nacht vor der Eröffnung heraufgebracbt werden, zu 
welcher Zeit die Ausstellung schon im wesentlichen fertig 
war. Da schb'eßlich auch das elektrische Licht ausging, 
80 gestaltete sich die Aufbringung des Velariums zu einer 
sehr gefährlichen und mühevollen Arbeit, die nur dank 
der Ausdauer der mitgebrachten deutschen Arbeiter ge- 
lingen konnte. Und es muss gerade gegenüber besonderen 
Verhältnissen Amerikas betont werden, dass den guten 
deutschen Arbeiter vor allem die Lust und Freude am 
Schaffen beseelt. Mit Recht hervorzuheben ist auch 



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50 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



die Sonneberger Spielwarenindobtrie, bei deren Aufbau der 
Architekt in sinniger Weise alles, was aus deutschen 
Märchen mitspricht, zur Anwendung gebracht hatte. Das 
ganze Arrangement wirkte so lustig, dass die ganze 
Ausstellung sofort in Bausch und Bogen verkauft wurde, 
denn sie hatte den großen Vorzug, weltmarktmäßig aufzu- 
treten, was leider nicht fiberall der Fall war. Ja man hatte 
den Eindruck, als ob manche unserer deutschen Aussteller 
der Ansicht gewesen wären, hier handle es sich um eine 
kleine Provinzialausstellung. Jeder suchte seine Ausstellung 
aufzubauen, wie es ihm beliebte, oft unter Anwendung 
von Holzbauten, die viel kosteten und nichts nutzten, und 
es wäre daher sehr zu wünschen, dass bei künftigen Aus- 
stellungen in dieser Beziehung etwas mehr Einheit und Ein- 
tracht unter den Ausstellern herrschen möchte, dass beson- 
ders verwandte Industrieen sich zu großen Gruppen vereinigen 
und einem tüchtigen Architekten die Sache übergeben wür- 
den. Von der Münchener Ausstellung ist besonders das Edel- 
metall, Schmiedeeisen, Kupfer und Zinn zu nennen. Dies ge- 
hörte zu dem Besten, was Überhaupt auf die Ausstellung 
gebracht wurde. Die Münchener hatten darin das Richtige 
getroffen, dass sie zuerst mit fertigem Plane an die Reichs- 
regierung herantraten, somit auch für ihre Pläne erfolg- 
reiche Unterstützung fanden, während man hier mit dem 
umgek^rten Wege ins Hintertreffen gekommen war. Auch 
für die Ausstellungen in den übrigen Gebäuden war dekorative 
Ausstattung vorgesehen, und obwohl die Mittel dazu 
vorhanden waren, so fehlten schließlich doch die -Kräfte, 
um alle Pläne auszuführen. Besonders in der Dekoration 
des deutschen Hauses kam das Berliner Kunstgewerbe noch 
einmal zur vollen Geltung und hat hier zum Teil wieder 
gut gemacht, was es in der Indnstriehalle dem Münchener 
Kunstgewerbe gegenCLber versäumt hatte. Von den anderen 
Hallen sei nur noch die Ausstellung in der Landwirtschafts- 
halle erwähnt. Mit Rücksicht auf den Charakter derselben 
war der Aufbau der deutschen Abteilung im Stile der Latten- 
architektur des vorigen Jahrhunderts durchgeführt und der 
Landschaftsgärtner Friedrich Maedker hatte besonders durch 
Fruchtgehänge und AiTangements, präparirt aus lebendem 
Ptfanzenmaterial , bronzirt oder naturfarben und belebt mit 
Käfern und Schmetterlingen eine sehr gute Wirkung er- 
zielt Oberall an allen Ecken und Enden stellten Deutsche 
aus, und ihrem reichen Auftreten ist es zu verdanken, dass 
Deutschland den Preis davongetragen hat, und es ist nur 
zu bedauern, dass so viele immer noch dies allgemeine Urteil 
abzuschwächen versuchen in der alten Tradition, nur ja immer 
das Fremde zu loben. Mögen die Deutschen bescheiden blei- 
ben, aber dem Auslande sollen sie frisch und frei sagen: 
„Wir Deutsche kOnnen etwas und stehen unsem Mann.'* Und 
wenn es wieder einmal darauf ankommt, so möge der Berliner 
Kunstgewerbeverein nicht den rechten Zeitpunkt vorübergehen 
lassen, sondern mit den anderen Vereinen fest zusammen- 
halten. Dann können auch der Staatsregierung feste Pläne 
vorgelegt werden und man wird auf ihre reichliche Unter- 
stützung rechnen können; der umgekehrte Weg wird aber 
stets irre führen. Ist erst einmal die Beteiligung an einer Aus- 
stellung beschlossen, dann muss auch die Sache tüchtig, 
energisch und gut durchgeführt werden. Nicht mit Akten 
und anderem Krame, mit frischer Arbeitskraft, mit tüchtigen 
künstlerischen Kräften den Plan durchgeführt, und der Er- 
folg wird auch nicht fehlen. 

-u- Berlin* Der Verein für deutsches Kunstgeicerhe 
veranstaltete am Dienstag den 21. November einen Fach- 
abetid für Buchbitiderei ^ an welchem zahlreiche tüchtige 
Buchbinderarbeiten von den Herren (ieorg CoUin, A. Demuth, 



F. Langhein, F. Vogt und Emil Zielonka und Lederaibeiten 
von den Herren Franz Burda, H. Hirschwald und Georg 
Hnlbe ausgestellt waren. Die Ausstellung der Konkurrenz- 
entwürfe zu einem Banner der Berliner Buchbinderinnung 
erläuterte Hofsticker R, Thiele; Hof buchbindermeister F. Vogt 
sprach Über die Buchbinderei auf der Weltausstellung in 
Chicago, die er als Preisrichter kennen gelernt hatte. Redner 
war überrascht, dass die Buchbinderei nicht besser und 
reichhaltiger vertreten war. Man kaim daher der Regierung 
nur Dank wissen, dass die Ehrengeschenke, besonders die 
Adressen, die bisher auf keiner Pariser Ausstellung zu sehen 
waren, in so reichem Maße ausgestellt waren » und gerade 
an derjenigen Stelle, wo die Kgl. Porzellanmanufaktur einen 
so hervorragenden Anziehungspunkt der ganzen Ausstellung 
bildete. Gerade diese Prachtadressen machten ein so bedeu- 
tendes Aufsehen, weil das Ausland derartige Arbeiten nicht 
kennt, sonst war Berlin auf diesem Gebiete nicht vertreten, 
denn für feine Einzelbände ist in Amerika kein Absatz- 
gebiet, und niemand würde Bücher nach Deutschland zum 
Binden schicken. Von einzelnen deutschen Meistern haben 
sich wieder die Münchener besonders ausgezeichnet und 
Hulbe in Hamburg mit seinen schön geschnittenen Leder- 
arbeiten. Ohne Scheu aber muss man zugestehen, dass wir 
besonders von den Franzosen und Engländern in dieser Be- 
ziehung noch sehr viel lernen können. Den Schlass des 
Vortrages bildeten interessante Aufschlüsse Über die Art, 
wie in Chicago das Preisrichteramt geübt wurde. — Im An- 
schluss an diesen Vortrag gab der Direktor des kgl. Kupfer- 
stichkabinetts, Geh. Rat Dr. Lippmann, interessante Mit- 
teilungen über amerikanische Buchbinderei und amerika- 
nische Bibliothekseinrichtungeti, Amerika war allerdings auf 
der Ausstellung fast gar nicht vertreten, das gilt nicht von 
der Buchbinderei allein, sondern von allen Zweigen des 
amerikanischen Kunstgewerbes, und man würde durch die 
Ausstellung selbst ein ganz falsches Bild hiervon bekommen. 
Es ist zuzugeben, dass viele amerikanische Bücher in Frank- 
reich und England gebunden werden, aber es giebt auch 
in Amerika selbst eine Reihe von Buchbindern, die nur für 
Privatleute arbeiten und vorzügliche Arbeiten liefern; sie 
binden etwa fünf bis sechs Bücher im Jahre zum Preise von 
je 250—500 Doli. Die Ausstellung hat also für Buchbinder 
nach keiner Seite das geboten, was man dort gesucht So 
benutzen die Amerikaner eine ganz vorzügliche Bnchbinder- 
leinwand, nach der man auf der Ausstellung vergebens ge- 
sucht hätte. Ausgezeichnet aber waren besonders in Bezug 
auf ihre Einfachheit die Arbeiten in geschnittenem Leder, 
die der große Juwelier Tiffany ausgestellt hatte. Diese 
Firma, die mit dem feinsten Geschmack arbeitet, hat in 
neuerer Zeit ihren Betrieb dahin erweitert, dass sie nicht 
nur Arbeiten in Gold und Email anfertigen lässt, sondern 
auch Luzuspapiere mit Gold- und Silberprägungen. Beson- 
ders aber verwendet sie das geschnittene Leder zu Gegen- 
ständen, wo dasselbe seine rechte Verwendung findet, zu 
Reisenecessaires und Reisetaschen, wobei mit Geschick jede 
Farbe vermieden wird, so dass die weißgraue Naturfarbe des 
Leders ohne Beize zur rechten Geltung kommt. Redner be- 
richtete dann, wie besonders das amerikanische Bibliotheks- 
wesen auf einer außergewöhnlichen Stufe der Vollendung 
steht. Zwar erreicht der amerikanische Bibliothekseinband 
noch nicht den englischen, aber was die Zettelkataloge und 
dergleichen anlangt, so hatte besonders das Smithsonian In- 
stitution in Boston eine Ausstellung veranstaltet, die außer- 
ordentlich viel Lehrreiches bot. Dies Institut ist eine vrissen- 
schaftliche Anstalt, die sich vorwiegend den Austausch 
wissenschaftlicher Arbeiten zur Aufgabe gemacht hat. Es 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



bat aber auch Tür die tecbniache Seite der 
Bibliotheken zu sorgen und hutt« daher 
eine Sammluiig van HuBtereinrichtungen 
auegeatollt, die so vortrefflich waren, doss 
es sehr tu wSuschen w&rp, diese ganze 
Sammlung einmal in Berlin zur AuBstellnng 
tu bringen. Besonders die Zettelkataloge 
für Tolkgbibliotheken waren mit einem 
RafSDement ausgenutzt, das sie beeondere 
lobeni- und nacbahmenswert macht. In- 
teresiant war namentlich eine Einrichtung, 
die m ermöglicht, Zettelkataloge vor dem 
Verderben durch vielei Durchbl&ttem zu 
schätzen. Der Kosten war mit einer Glas- 
platte versehen, w&hrend an einer Kette, 
die mittelst einer Kurbel in Bewegung 
gesetzt wird, bewegliche Blecbplatten be- 
festigt waren, in die die Zett«! mit den 
BQcbertiteln gesteckt werden. Auf diese 
Weise war es mOglicb, den ganzen Katalog 
zD sehen und zu lesen, ohne ihn zu be- 
rühren. Dem deutschen Buchbindei^werbe 
fehlen freilich die Besteller, denn bei uns 
hat niemand dos Geld Rlr kfinstleriscb 
ausgestattete Bucheinb&nde und die Zahl 
deijenigen Bibliophilen, die auf eine ge- 
diegen ausgestattete Bibliothek Wert legen, 
sind an den Fingern herzuzählen. 

Stuttgart. Am 23. Oktober d. Js. 
fand im großen Saale der Bürgergescll- 
Bchoft die Jabreeversammlung des Kunst- 
gewerbe rereins statt Der Verein zählt 535 
Hitglieder. Der Neueintritt von Mitgliedern 
(13) bat nicht völlig gleichen Schritt mit 
dem Verluste durch Tod, Wegzug u. 8.-W. 
(30) gehalten. Zum artistischen Vorstand 
wurde nach dem Ableben von Dir. Dr. 
V. Leins Fabrikant I^iul Stotx gewählt, 
dessen Stellvertreter Banrat Weigle wurde. 
AuBer den Mitgliedern sind laut Kassen- 
bericht 2580 Nichtmitglieder in die stän- 
dige Ausstellung zahlend eingetreten. Die 
Weibnachtsaasstellung von 1892 konnte 
am 22. Dezember eröffnet werden. Die 
geplante und in Vorbereitung begriffene 
Lotterie hat fUr den laufenden Etat ein 
vorgesehenes DeSzit von 1860 M. vemr- 
sucht Der Etat des Bericht^ahres I.April 
1892/93 ergiebt ein Defizit von wenig über 
400 M. Der Verein hat über ein Ver- 
mögen von etwas aber 70 000 M. zu ver- 
fügen. Bei der AusscbuBsergänzungswabl 
erhielten die meisten (30—19) Stimmen: 
Baarat Dolmetsch, Fabrikant A. Feucht, 
Präs- v. Paupp, Prof GieBler, Prof HCgg. 
Prof Kolb, Prof Dr. Lemcke, Geb. Kom- 
merzienrat v. PBanm, Fabrikant Max See- 
ger, KommerzieuratA Stotz, Baurat Weigte, 
Kommerzienrat W. Wirth. Im AnschluBs 
an die General veisammlung sprach Dr. 
Jensen, der Bibliothekar des kOnigl. Kun^t- 
gewerbemuseums in Berlin, über Walter 
Crane, de«sen Arbeiten seit längerer Zeit 
im Lokal des Vereins, KSnigsbau, in ziem- 
licher Vollständigkeit ausgestellt waren. 




52 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Paris* Ein nationaler französischer Kunstgewerbekon- 
gress soll, wie die „Guriositee universelle" mitteilt, im Früh- 
jahr 1894 abgehalten werden. Zweck des Kongresses wird 
es sein, eine Vereinigung s&mtlicher Kunstgewerbe vereine 
zu gründen, welche die Veranstaltung von Wanderaus- 
Stellungen von Modellen , Plänen u. s. w. in die Hand neh- 
men soll. 

AUSSTELLUNGEN. 

Chie€tgo, Aus einem vom Konservator Kopp in München 
erstatteten Bericht vom 25. Sept 1893 entnehmen wir nach 
der Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe Vereins folgende 
Bemerkungen über die wenig befriedigenden Verkäufe auf 
der Weltausstellung: Alle die schönen Aussichten und Ver- 
sprechungen, die man uns in Amerika gemacht, erweisen 
sich als trügerisch. Auch sind die Verhältnisse draußen 
völlig Überschätzt, der größte Teil der Leute ist verständnis- 
los, die wenigen Kenner und Reichen aber sagen sich: „Das 
kaufen wir draußen billiger!" Übrigens geht es uns nicht 
allein so! Frankreich, England, Russland etc. teilen sich in 
diesen Schmerz. Nur Italien und Japan, die eine Unmasse 
billiger Bazarware gebracht, machen gute Geschäfte! Meist 
kauft man überall eine Kleinigkeit und prahlt dann mit 
seinem Schrank voll Gegenständen aus allen Ländern der 
Erde. 

Ifürnberg* Bayerische Landesausstellung 1896. Wie 
verlautet, beabsichtigt das Bayerische Gewerbemuseum iti 
Nürnberg zur Feier eines 25jährigen Bestehens und der Er- 
öffnung seines neuen Heims im Jahre 1896 eine bayerische 
Landesausstellung zu veranstalten. Mit der Verwirklichung 
dieses Gedankens würde die für das gleiche Jahr geplante 
Berliner Ausstellung auf die Beschickung seitens des baye- 
rischen Kunstgewerbes verzichten müssen. — Die Zusagen, 
welche seitens des Bayerischen Kunstgewerbevereins gegen- 
über der Berliner Ausstellung halb und halb gemacht worden 
sind, werden natürlich hinfällig, wenn man jener Ausstellung 
keinen allgemein deutschen Charakter giebt und stets an 
dem bisherigen Namen „Berliner Gewerbeausstellung des 
Jahres 1896'' festhält. — Inzwischen hat der Vorstand des 
Bayerischen Gewerbemuseums, v. Kramer, bereits das Aus- 
stellungsprogramm entwickelt. Demnach soll die Ausstellung 
auf demselben Platze abgehalten werden wie die 1882 er; 
das einzuhaltende System wäre das von Kollektivausstellungen 
der verschiedenen Landesteile, gewissermaßen in Kombinirung 
von Kreisausstellungen, so dass etwa Oberbayem, Nieder- 
bayem und Schwaben in einem Gebäude, Rheinpfalz, Ober- 
pfalz und Unterfranken in einem zweiten Gebäude, Mittel- 
franken und Oberfranken in einem dritten Gebäude unter- 
gebracht würden, wobei wieder jeder Kreis seinen bestimmten 
Platz zugewiesen bekäme. Für das Kunstgewerbe soll kein 
eigenes Gebäude errichtet werden, dagegen für die Maschinen. 
Ein Hereinziehen der bildenden Kunst ist mit Rücksicht auf 
die Münchener Kunstausstellungen nicht in Aussicht ge- 
nommen. 

WETTBEWERBUNGEN. 

HaUe a. 8» Bei der vom Kunstgewerbe verein aus- 
geschriebenen Wettbewerbung zur Erlangung von Entwürfen 
zu einem Reklameblatt ftir die Firma Sachsse & Co. erhiel- 
ten den 1. Preis: Adolf JBeiJtfie in Kopenhagen (deutscher 
Reichsangehöriger), den 2. Preis: Ferd. Weit lieh in Berlin. 
Zum Ankauf wurden empfohlen die Entwürfe von: 1) Leh- 
mann db Wolfff Baumeister in Halle a. S.; 2) P, Ihichgräber, 
Maler in Halle a. S. Eingegangen waren 18 Entwürfe. 

Hamburg* Der Kunsigewerbeverein veranstaltet ein 
Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu Grab- 



steinen, auf Veranlassung eines Mitgliedes. Zur Teilnahme 
berechtigt sind die Mitglieder aller Vereine, welche dem 
Verbände deutscher Kunstgewerbevereine angehören. Es 
werden 2 Entwürfe verlangt, welche sich für 350 und 600 M. 
in Granit, Syenit oder einem verwandten, politurf&higem 
Material herstellen lassen. Für jeden Entwurf sind zwei 
Preise von je 100 und 50 M. ausgesetzt. Die Entwürfe sind 
bis zum 15. Januar 1894, nachmittags 4 Uhr, im Museum 
für Kunst und Gewerbe in Hamburg einzuliefern. Das Nähere 
ist aus dem Programm zu ersehen, das der Vorstand auf 
Wunsch einsendet. 

KtUmbach» Ein Preisausschreiften um einefi Monu- 
fnenialbrunnen für den Marktplatz erlässt der Magistrat. 
Aus den Programmpunkten heben wir hervor: Herstellungs- 
kosten 24000 M. (exkl. Fundamentirung sowie Zu- und 
Ableitung des Wassers); zur Beteiligung sind berechtigt 
alle in Bayern lebenden Künstler. Preise: je einer zu 500 
und 300 M. Die Ablieferung der wenigstens im Verhältnisse 
1:5 auszuführenden Modelle hat bei der kgl. Akademie der 
Künste in München spätestens am 1. Mai 1894 zu erfolgen'* 
das Preisgericht wird s. Z. vom kgl. Ministerium des Innern 
für Kirchen- und Schulangelegenheiten berufen werden. — 
Auf Verlangen werden Situationspläne des Marktplatzes sowie 
photographische Ansichten desselben vom Stadtmagistrat 
zugesendet, welcher auch sonstige Aufschlüsse erteilt; ein 
Exemplar der Situationspläne etc., sowie des Preisausschrei- 
bens ist im Sekretariat des Bayerischen Kunstgewerbevereins 
einzusehen. 

TECHNISCHES. 

Berliiu Das Patinirrerfahren des hiesigen Bildhauers 
Max Fritxe^ das sich an verschiedenen Denkmälern, wie an 
den Standbildern Gustav Adolfs, Willehad's und Seume's 
in Bremen, an dem Rauch'schen Schinkelbrunnen in der 
Technischen Hochschule in Gharlottenburg u. s. w., bestens 
bewährt hat, wird nun auch in Berlin in größerem Maß- 
stabe zur Anwendung gelangen. Herr Fritze behandelt 
gegenwärtig die figürlichen Darstellungen, die die ihrer 
Vollendung entgegensehende neue Friedrichsbrücke schmücken 
werden, nach seinem Verfahren und erzielt auch hier, wie 
wir Gelegenheit hatten, uns zu überzeugen, ganz vor- 
treffliche Resultate. Die vier von den Bildhauern Reinhold 
Begas und Carl Piper modellirten, von Knodt in Bocken- 
heim bei Frankfurt a. M. in Kupfer getriebenen Kandelaber- 
figuren, zwei männliche und zwei weibliche, die in einer 
Größe von 3,50 m die Bogenlichte tragen werden, wirken 
in dieser Patinirung überraschend malerisch. Die Körper 
sind mit feinem Verständnis für die Modellirung in oliv- 
' grünen und bräunlichen Nuancen abgetönt und die Gewan- 
dungen etwas heller in blaugrauen bis liehtgrünen Tönen 
gehalten. Diese Patinirung, die nicht etwa eine künstliche 
im gewöhnlichen Sinne, etwa im Sinne der aus essigsaurem 
Kupferoxyd bestehenden und in Wasser löslichen, sondern 
nur eine beschleunigte, dem natürlichen Verlauf genau ent- 
sprechende ist, dient übrigens nicht allein zur Verschönerung, 
sondern auch zum Schutze des Materials, da das kohlen- 
saure Kupferoxyd, das durch die Patinirung an der Ober- 
fläche hervorgebracht wird, in Wasser bekanntlich unlöslich 
ist imd so das Kupfer selbst vor allen schädlichen Witte- 
rungseinflüssen bewahrt und mit der Zeit nicht nur immer 
schöner, sondern auch dauerhafter wird. Der schwarze 
Scbmutzüberzug, der leider die meisten unserer Standbilder 
entstellt, weil die Bildung von kohlensaurem Kupferoxyd 
nur sehr langsam von statten geht und häufig genug in- 
folge störender Einflüsse verschiedener Art ganz ausbleibt, 



Adreasenscbrein ; entworfen von Bauinspektor Neckeb in äunburg. 



54 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



wird durch das Fritze'scbe Verfahren unier allen Umständen 
vermieden, ganz abgesehen davon, dass es dadurch auch 
dem Künstler ermöglicht ist, seinem Werke von vornherein 
die beabsichtigte malerische Wirkung zu verleihen, die sonst 
nur sehr sp&t oder gar nicht erreicht werden konnte. Über 
das Verfahren des Herrn Fritze ist in der „Post" bereits be- 
richtet worden. Wir wiederholen nur, dass Herr Fritze das 
Material mit einer von ihm zusammengesetzten Flüssigkeit 
überzieht, die schon nach einigen Tagen einen schönen, 
grünen Überzug, ganz der cJten Patina entsprechend, er- 
zeugt, und weder durch Abspülen mit Wasser, noch durch 
Abreiben oder Abbürsten entfernt werden kann. Er gleicht 
sowohl in seinem Aussehen, wie in seiner Standhafbigkeit 
ganz der alten Patina, kann aber durch Anwendung anderer 
Chemikalien bis zu einem gewissen Grade nuancirt werden, 
so dass der Künstler die Färbung der Patinirung immer in 
der Hand behält 

ZU UNSEREN BILDERN. 

Hamburg, Als die Gewerbe- und Industrieausstellung 
von 1889, verbunden mit einer reich beschickten Handels- 
ausstellung, einer Kunstausstellung und wechselnden Garten- 
bauausstellungen , zu einem glücklichen Abschluss gebracht 
war, wurde vom Ausstellungskomitee der einmütige Be- 
schluss gefasst, seinem verehrten Vorsitzenden, dem Herrn 
Albertus Freiherm v. Ohlendorfi', als Dank und Anerken- 
nung für sein verdienstvolles Wirken eine Adresse in einer 
kunstvoll gestalteten Kassette zu überreichen. Diese Kassette, 
welche vorstehend nach einer photographischen Aufnahme 
abgebildet ist, besteht im Hauptkörper aus einem 50 cm 
breiten und 35 cm tiefen Schrein, ruhend auf einem reich- 
gegliederten Sockel, welcher sich an den Schmalseiten ver- 
kröpfb und halbrund erweitert, wodurch Plattformen fQr 
zwei Grappen gebildet werden. Auf dem postamentartigen 
Unterbau oberhalb des Schreins thront die Figur der Ham- 
monia mit den symbolischen Figuren des Handels und des 
Gewerbes, während den gebrochenen Ecken des oberen Posta- 
ments originell gestaltete Wassermännchen vorgelagert sind 
und die halbrunden Plattformen des erweiterten Sockels 
durch reizvoll komponirte Gruppen belebt werden, welche 
auf die Kunstausstellung und die Gartenbauausstellungen 
Bezug nehmen. Der Innenraum der Kassette wird durch 
die an der Vorderseite des Schreins befindliche Thür oder 
Klappe freigelegt und verschlossen. Diese Klappe trägt auch 
das in Edelmetall hergestellte Widmungsschild, während in 
der Mitte des oberen Postaments das farbig emaillirte 
V. OhlendoriTsche Wappen und an den Schmalseiten dieses 
Postaments die Schauseiten der goldenen , Ausstellnngs- 
medaille angebracht sind. Der konstruktive Teil der Kassette 
ist in mattgeschliffenem Ebenholz hergestellt; nur zu den 
Füllungen der Klappe ist Ahomholz verwendet, welches in 
olivenfarbigem Ton gebeizt ist. Im Innern ist der Schrein 
mit gelbem Ahomholz foumirt. Die Tischlerarbeit wurde 
von C. OeselleTf die ornamentalen Schnitzereien an den 
Gliederungen und Ecken von Bildhauer Ziegler ausgeftlhrt; 
die prächtigen Gruppen (von denen die Hauptgruppe bei 
den photographischen Aufnahmen leider etwas verzeichnet 
ist) sind vom Bildhauer Denoth mit der ihm eigenen Meister- 
schaft aus Buchsbaumholz geschnitzt, welches eine warme 
braune Tönung erhielt und an einzelnen Stellen diskret ver- 
goldet wurde. Das Modell zu dem Widmungsschilde ist 
aus dem Atelier des Bildhauers E. Pfeiffer hervorgegangen, 
während die Ausfuhrung desselben wie der sonstigen Edel- 
metallarbeiten von dem Ciseleur Rothmüller in München in 
vorzüglichster Weise beschafft ist, insbesondere ist das zart- 



grünliche Gold der Lorbeer/.weige mit der grünen Patina in 
den Tiefen derselben und das Email des Wappens von vor- 
züglicher Wirkung. Mit der Komposition des Entwurfs zu 
der Kassette wurde von dem Ausstellungskomitee sein Mit- 
glied, der Bauinspektor Necker betraut. Die Kassette birgt 
die eingangs erwähnte Adresse, welche von WiUi. IVeirnar 
in meisterhafter Art auf Pergament gezeichnet ist; sie ist 
umrahmt von einem etwa 4 cm breiten Lederstreifen mit Hand- 
vergoldung, ausgeführt vom Buchbinder Jehsen und ein- 
gefasst von einem Deckel, welcher in der Werkstatt Htäbe^s 
hergestellt wurde. 

Zur Erinnerung an den Gründungstag am 19. September 
1832 wurde im Lokal des Hamburger KünsÜervereins im 
Patriotischen Hause, Zimmer Nr. 20, eine Bronzetafel ange- 
bracht und am 28. Oktober d. J. enthüllt. Der Entwurf, im 
Geiste der stets mustergültigen Grabbronzetafeln des Johan- 
nisfriedhofes in Nürnberg gehalten, zeigt in der Mitte des 
Eichbaumes das Künstlerwappen und am Stamm einen Schild 
mit Kleeblatt, dem Wappenbild der Künstlerbrüder Gensler, 
von denen der letzte im Jahre 1881 starb. Auch keiner der 
anderen angeführten Mitbegründer weilt mehr unter den 
Ijebenden. Es war deshalb ein schöner Gedanke des jetzigen 
Vorstandes, an dessen Spitze seit 11 Jahren in unermüd- 
lichem Eifer der Bildhauer Engelbert PfeiflFer steht, die 
Namen dieser für die Hamburger Künstlerschaft verdienst- 
vollen und unvergesslichen Männer der Nachwelt durch 
eherne Inschrift zu erhalten. Die 97 cm breite und. 40 cm 
hohe Tafel wurde nach einem von Bildhauer Maiiin Schmidt 
in Lindenholz geschnittenen Modell auf der Lauchhammer 
Hütte gegossen. h; W. 

ERWIDERUNG. 

Im 12. Hefte des letzten Jahrgangs des Kunstgewerbe- 
blattes befand sich eine Besprechung meiner Broschüre , Jlot- 
ruf des Kunstgewerbes", auf die ich, da das Blatt offizielles 
Organ des Kunstgewerbevereins in Breslau geworden ist, 
einiges zu antworten habe. 

Zunächst erftihrt mein Ausspruch: „Keine Methode ist 
besser, als eine schlechte, dann bleibt doch das Individuelle 
unverdorben" eine Verurteilung. Dagegen wird im allge- 
meinen wohl niemand etwas einzuwenden haben. Ich habe seit 
40 Jahren die Handwerker, deren Ausbildung mir am Herzen 
lag,» auf das Fachzeichnen hingewiesen, fand aber bei den 
Lehrern der Fachschulen wenig Entgegenkommen. Die über- 
wiegende Zahl dieser Lehrer hatte kein Fach Verständnis und 
ließ die Schüler Vorlagen mechanisch kopiren. Von einer 
verständnisvollen zeichnerischen Darstellung dessen, was die 
Handwerker später ausfuhren sollten, war aber keine Rede. 
Es war eine geistlose, geisttötende mechanische Arbeit, die 
den Schülern die Lust am Zeichnen eher verleidete als 
förderte. Was das Zeichnen der Kinder anlangt, die mein 
Gegner anfuhrt, so ist es nach meiner Ansicht richtig, darin 
die ersten Regungen der Individualität zu sehen, und jede 
solche Regung soll geleitet, aber nicht unterdrückt oder mit 
Zwang belegt werden. In der Zeichenlehre wurde und wird 
immer noch viel zu viel „verfügt"; man ordnet Methoden 
an, über deren Erprobtheit die Meinungen gar nicht im 
klaren sind. Die Stuhlmann'sche Methode ist in der Ham- 
burger Schule abgethan, und wenn sich das System noch 
hier und da erhalten hat, so beweist das nichts für ihre 
Güte. Mein größter Vorwurf, den ich den Behörden zu 
machen hatte (der den Hauptgrund zum Erscheinen der 
Broschüre abgab), betraf die Zeichenlehrer- und Lehrerinnen- 
fabrikation in den Seminaren, wovon wir eins in Breslau 
haben. Die hiesige Lehrmethode macht die Einrichtung 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



55 



gaot nutzlos und ea kOnnte bo auBBehen, aU ob es unr darauf 
auk&me, ein paar Anstellimgen mehr za haben, aber aieht, 
wie die Angestellten wirken und was sie leisteii. Der diri- 
girende Lebrer ist ein gewesener Elementarlebrer nnd hat 
in Berlin ewei Jahre zur Erlernung der „Methode" zuge- 
bracht. Jetzt bildet er Lehrer und Lebrericnen für höhere 
Schulen und Faehtehulen mit Einschluss der Kunstgewerbe- 
schulen. Die AiUBtellung der an dem Seminar auegeftlhrten 
Blätter bewies, dass die Schale und die dortige „Methode" 
nichts wert ist. Man muss sich fragen; Kann denn der be- 
treifende Lehrer selbst zeichnen? Ist er im stände. Formen 
zu verstehen und zu erlUntem? Kann er f^r den Lehrling 
denken und ihm raten? Hat er Oberhaupt eine Idee davon, 
dass Zeichnen ein geistiges Produziren sein soll? Was wir 
brauchen, sind Fereoneu, die das grflndlich verstehen, was sie 
ehren sollen; also soll man für Fnchgcfauten Lehrer anstellen, 
die ;)raA{MeAe Erfahrungen haben,Handwerker,Professionisten. 
Die paar Leute, die von dieser Art in Preußen angestellt sind, 
kommen kaum in Betracht; es muss mit dem Syatma ge- 
brochen werden. Oem gebe ich zu, dass der Staat in den 
letzten Jahren mit groDer Freigebigkeit Ausgaben zur Bebung 
des Handwerks gemacht hat, dass er manche nfltKÜche 
Orllndung und Reorganisation unternommen hat, die sich 
anch auf das Lehrpersonal manchmal erstreckte. Ob aber 
der bureaukratische Weg der richtige iet, mag sich jeder 
Reibst beantworten. Mein Gegner bestätigt selbst, dass es 
besser sei, wenn Fachleute den Fachunterricht erteilen, was 
sollen wir also in Breslau mit einem Zeichen lehrerseminar, 
Ana einen Theologen als Decernenten hat? Meine Darlegun- 
gen aber das Lehrlingswesen haben zwei Monate nach dem 
Erscheinen durch den Regierungaentwurf Über gewerbliche 
Fach genossen scbaften , Handwerkerkammem, Beaufsichti- 
gung des Lehrlings Verhältnisses n. s. w. Sanktionirung er- 
halten, und wenn mein Q^ner diesen Entwnrf durchliest, 
so wird er alles darin finden, was mir nOtJg erschien. Leider 
ist ein Hauptpunkt, dass nur der Lehrlinge annehmen solle, 
der Fähigkeiten und entsprechende Arbeit bat, dabei aus- 
geschlossen worden. In Bezug auf die Chicagoer Ausstellung 
darf man wohl sagen, dass nicht alles Gold ist. was glänzt. 
Wir haben zur Repräsentation deutschen Wohlstands und 
anch aus Oourtoisie große Summen ausgegeben; das schliellt 



aber nicht ans, daas unsere Industrie sehr schlecht vertreten 
gewesen ist. Berlin wirkte durch Maaaenproduktion und 
hfitte vielleicht besser gethan, Versuche in Qotisoh zu unter- 
lassen, die trot« sauberer AnsfQhrung die Kritik der Kenner 
arg herausfordert. SOddeutaehland brachte das Beate und 
wenn mein Gegner noch kurze Zeit eich getröstet, so wird 
er allmählich das oben Gesagte in f^chblättern bestätigt 

finden. u. KlMIIKl.. 

ZEITSCHRIFTEN. 

BayerlMhe Oewerbeieltnng. 1893. Nr. 80. 

Handwerliar- odei Oewsrbflkkmmem van Dr. Th. Ilampke. 
BajeriMjfae GeTrerbeieitniig. 1898. Kr, 81. 

Di« WiltBnsBtellune in Cbfcseo. Von Dr. Stockbaner. 

BncligewerbeblBtt 1898/91. Heft l/S. 

f'ber die EnCwlalieluiig und VarveoduDg farbiger Pftpler« in drr 
Buchbinderei. Von P. Adam. — Dje ornilellen CfaoralbGcher 
■ " .» dam HauBS Pub' 



— ._ _n NdmberK ; »nf- 

«inommen von Aichiukt L. TbUls io KSId &. Rb. — Tsf. M). 
mndrilllungeu, Fenster- und TbümmrmbmungeD ; eutwoifen von 
U. Kaurmann In HUnohen. — ToT. 91. HchmiedeeiBeme ältter 
lind Wetterfahne; entworfen von Architekt A Schahert in 
Hfliler. — Taf 9t. Italienischer SammetstfllT im k. k. Ostarrel- 
cblschen MuBBum Ri RunBt und IndnBtrie; aDfaeDommen von 
O. Hasse duelbat. — Tat. m. DrUckeipiatlen fBr Hanstele- 
erapben, Tbiitknoiif und Briefahlage; entworTen von H. Kauf- 



D Kilnc_ 
E und 2 



iik) ti 



- Tal 9 



Tiech 



>. Alte Verputz- 



Ornamente in Lim: anfganommen von it. Knorr in Stutliärl. 
— Taf 9«, Scbmiedeelsemes GrabkreuE (Deutschland , Anrang 
des IB. JahrhuDdart«) Im Nord b Ob mischen Oewerbemasenm zu 
Relchanberg; anfgenommeiuvou A. Erben daselbst. 

Mitteilungen des k, k. OBterrelehlHchen Mnaennis für 
Ennst nnd Indiutiie. Kovember 189S. Heft 11. 

Die AuBStellnng der Kunstgawerheschuls des k. k. OsteiTBicbi- 
achen MaBeumB. Von B. Bücher. — Über du Phaotaitisobe 
nod Satirische In der kirchlichen Kunst. Von Prof. Dr. A. W. 
Neumann. 
MonatSMhrin fHr Text! I Industrie. 1898. Heft 10. 

Deutsche Teitilerzeugniaae In Bulgarien — Dar wirtscbaailobe 
Aiifsobwung der Baum wo 11 Spinnerei im Künlgreloh Sachsen. — 
Veraloherung gegen Arbaitalosigkeit. 

SprechBMl. \li^. Nr. 44 t ' ■ 

Br Kolum 
gstetilicbe Schuta dea Fabrikgeheimnlsses. 

l&ärift fBr InnendekoraUon. 1898. Heft 11. 

Keramik von Prof. F. Luihmer. — Was bedeotat eine Volks- 
kunst Insbesondere für den Schmuck unseres Helms, Von 
K. Statsmann. — Einiges Bber englische Keramik und eine 
Ihrer Helmstütlen. 



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R. Blumenau, G. A. Closs, F. 
Czahran, L. Dettniann, M. FJas- 
har, VJ. Friedrich, "W. Cause, 
O. Gerlachu C. Grethe. H. Haase, 
W. Hasemann, H. G. Jentzsch, 
F. K.ilimor«fn, W. Kiihnert, E. 
L.oescli, A. Mandlictt, H. Nestel, 
R. Reinicke, A. Richter, A, Seder, 
C. Speyer, F. Stuhl. F. Stulten- 
ber«, O. Slrützel, E. Unger, J. R. 

WeJile, J. Wendel, C. Zopf, 
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2) Des Hwru G. Weise in Stuttflart betr. Holt.mroth , Hundbuch der Deutschen Tmcht. 'i) Der fi. Grote'schen Verlag 
bucbhandlung in tierlin betr. liKwbicbte der dciilactien KunKt. 4) Des Herrn E. A. Seemann in Leipiifl betr. Häuhliche Kunst- 
nrbeiUjQ. 5) De« Herrn A. W. Kafemafln itiDaniio betr. Kupfuibticbwetke, die wir der Aufnietkaauiliiiit der Loser empfehlen. 



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nUnrhrn in der FiliiLle J. HolTniMH, UaU- 



A US fuhrlich« Pro»! 
a a. H »ITmann ii 




Aus dem Werke: Heiden, Motive. Verlag von Artiir Seemann, Leipzig. 



DAS BADISCHE KUNSTGEWERBE IN CHICAGO. 




IE bei der deutsch -nationa- 
len Kunstgewerbeausstellung 
in München 1888 das ba- 
dische Kunstgewerbe eine 
im Verhältnis zur Größe des 
Landes hervorragende Stel- 
lung einnahm, so hat das- 
selbe auch durch sein letz- 
tes Auftreten bei der Weltausstellung in Chicago 
diesen ehrenvollen Platz aufs neue behauptet. Überall 
zeigte sich unter zielbewusster, tüchtiger Führung 
ein ernstes Vorwärtsstreben und eine Richtung, die 
frei von jeder Schablonenarbeit auf gesunder Grund- 
lage beruhend ihre eigenen selbständigen Wege geht. 
Schule und Praxis haben sich in Baden seit Jahren 
zu fmchtbarem Zusammenwirken vereinigt und damit 
auch so schöne Ergebnisse erzielt. Das badische 
Kunstgewerbe weist in Chicago 112 Aussteller auf. 
Sind viele derselben auch nur mit einzelnen Arbei- 
ten vertreten, so ist das Gesamte, was Baden zur 
Anschauung brachte, doch ein für das kleine Land sehr 
überraschendes Resultat. Vorherrschend sind hierbei 
die Gebiete der Silberschmiedekunst, die Bijouterie- 
fabrikation, Möbel- und Holzschnitzarbeiten, Schwarz- 
wälder Uhren und Glasgemälde, die alle der Haupt- 
sache nach in geschlossenen Kollektivgruppen ver- 
einigt und zum Teil in den schönsten Plätzen der 
deutschen Abteilung im Industriepalaste unter- 
gebracht werden konnten. Dazu konmien noch 
Stickereien, Kirchenparamente, Bucheinbände und 
sonstige Lederarbeiten, künstliche Blumen, Tapeten, 
Elfenbeinschnitzereien , Lithographieen , Majoliken, 
Bronzen und Kunstschmiedearbeiten. Gerade im 

Kunstgewerbeblatt. N. F. V. H. 4. 



letzteren Gebiete hat Baden mit den prachtigen 
schmiedeeisernen Gittern des Ehrenhofes rühm- 
lichen Anteil an der Dekoration desselben, nicht 
minder auch durch die schönen Gobelinmalereien, 
die innerhalb der Seitenhallen, sowie in den Nischen 
des Pavillons angebracht sind. Für die Beteiligung 
des badischen Kunstgewerbes hatte, wie seiner Zeit 
in München, so auch jetzt wieder der Direktor 
der Karlsruher Kunstgewerbeschule Prof. Oötx die 
bewährte Führung. Nebst der Organisation dieser 
Beteiligung leitete er persönlich in Chicago nach 
den von ihm entworfenen Plänen die Anordnung 
und Aufstellung der badischen Gruppen. Überdies 
hatte die Karlsruher Kunstgewerbeschule seitens des 
deutschen Reichskommissars die ehrenvolle Einla- 
dung erhalten, als einzige Schule den deutschen 
kunstgewerblichen Unterricht zu repräsentiren. Un- 
sere Illustrationen bringen einige Darstellungen der 
badischen Gruppen, wie sie auf Grund der von dem 
Ausstellungsarchitekten Herrn Hoffacker gegebenen 
Pläne verteilt werden konnten. Dieselben stimmen 
der Hauptsache nach mit der wirklichen Anordnung 
überein, wenn auch an Ort und Stelle manche 
Änderung vorgenommen werden musste. Der erste 
Pavillon rechts vom Haupteingange enthielt die 
Kunstwerke, welche von dem großherzoglichen 
Hofe zur Verfügung gestellt wurden. Es sind dies 
vorwiegend Silberarbeiten und Ehrengeschenke, die 
meist aus besonderen festlichen Anlässen entstan- 
den sind. 

Unter den Silberarbeiten sind in erster Reihe 
die prachtvollen Tafelaufsätze zu erwähnen, welche 
die badischen Städte dem erbgroßherzoglichen Paare 

8 




DAS BADISCHE KUNSTGEWERBE IN CHICAGO. 



59 



s 





CO 

CA 

c 



P 
oc 




zur Vermählung widmeten. 
Insbesondere ist es hier 
der große in Karlsruhe 
gefertigte Tafelaufsatz, der 
mit seinem künstlerisch 
vollendeten figuralen und 
omamentalen Schmucke 
mit zu dem Besten ge- 
hörte, was Chicago über- 
haupt an Silberarbeiten 
aufzuweisen hatte. Daran 
schließen sich eine Reihe 
weiterer Prunkgefaße, die 
meist als Ehrenpreise des 
Großherzogs von Baden 
zu Wettrennen oder zu 
sonstigen Festlichkeiten 
gespendet wurden. Alle 
diese Arbeiten haben in 
Prof. //. Götz ihren künst- 
lerischen Erfinder und Lei- 
ter, während bei der Aus- 
führung die Professoren 
IL Volx, Riid, Mayer und 
K, Weiblen, femer die 
Hofjuweliere L. Paar, L. 
Bertsch in Karlsruhe, K 
Heisler in Mannheim und 
N, Trübner in Heidelberg 
beteiligt sind. Von dem 
letzteren war überdies noch 
eine besondere Kollektion 
Silberarbeiten ausgestellt, 
die in ihrer vielseitigen 
Behandlung von tüchtigem 
Können Zeugnis giebt. 
Dass sich in Baden über- 
haupt die Silberschmiede- 
kunst zu solch erfreulicher 

Höhe emporschwingen 
konnte, ist ein Verdienst 
des kunstsinnigen Landes- 
fürsten Großherzog Fried- 
rich, der seit Jahren zur 
Entwickelung dieses Ge- 
bietes zahlreiche und in- 
teressanteAufgaben stellte. 
Die Ciselirfachklassen der 
Karismher und Pforzhei- 
mer Kunstgewerbeschulen 
haben wesentlich zur Er- 



ziehung tüchtiger Hilfskräfte, Modelleure wie Gise- 
leure, beigetragen. Auch einige reizende Fächer waren 
als Reminiscenzen der ehedem so gelungenen Karls- 
ruher Fächerausstellung (1891) hier vertreten. In 
Bronze enthielt dieser Raum nur eine einzige, dabei 
aber gute Arbeit, einen Ehrenschild, welchen der 
badische Militärvereinsverband seinem hohen Protek- 
tor zu dessen Regierungsjubiläum gewidmet hatte. 
Einige aus gleichem Anlasse entstandene Adressen 
waren in kostbaren Mappen untergebracht, welche von 
den Hof buchbindem E. Scholl in Durlach, K, Feigler 
und A' Schick in Karlsruhe ausgeführt wurden. Die- 
selben sowie mehrere Truhen, Ofenschirme etc. zeigen, 
dass in Baden sowohl die Lederpressung und der Leder- 
schnitt wie auch die farbige Ledermosaik mit Ver- 
ständnis gepflegt werden. Auch in farbiger Leder- 
tapete hatte /. A. Pechi in Konstanz wirkungsvolle 
Arbeiten ausgestellt. 

Originell waren zwei gemalte Adressen, die in 
zierliche Holzschreine gefasst eine sehr reiche Wir- 
kung erzielten. Sie haben Prof. Götz und die Möbel- 
fabriken A. Qehrig und Ä Grothnes in Karlsruhe 
als Urheber. Juwelier L. Bertsch in Karlsruhe zeigte 
durch einige reizende Figuren die wohlthuende Ver- 
bindung des Elfenbeins in Goldfassung. 

Unsere Illustrationen bringen zwei Ansichten 
dieses ersten Pavillons, die leider der Farbe ent- 
behren, welche eine sehr gelungene und noble war. 
Die Grundstimroungen sind lichtes und dunkleres 
Kupferrot und Schwarz, nebst Gold und Silber. 
Mit dem rötlichen Sammet der Wände steht das 
tiefere Rot der inneren Schrankbezüge, mit dem 
schwarzen Marmor der Pilaster die schwarze Farbe 
der polirten Schränke, mit dem Gold der Stuck- 
ornamente und Kapitale und den als Wandschmuck 
verwendeten Silberschilden das Edelmetall inner- 
halb der Schränke im harmonischen Einklänge. 
Diese Farbenwirkung wurde noch durch einige präch- 
tige persische Teppiche gesteigert, die in diesem 
Räume aufgelegt waren; dazu kam noch die An- 
wendung vergoldeter Palmen und Festons, die auf 
Rötlichem Hintergrunde eine sehr effektvolle Wirkung 
erzielten. 

Die nun folgende Koje, ein reizendes Rokoko- 
boudoir, wurde vom Hoflieferant J. L, Distelharst 
in Karlsruhe gefertigt. Wände und Möbelstoffe 
waren in rötlichem geblümten Damast, die Möbel 
selbst in licht polirtem Ahornholz, reich eingelegt 
und sämtliche Verzierungen in vergoldeter Bronze 
gehalten. Dazu kam eine transparent gemalte Decke 
mit Stuckfries, ein venetianischer Lüster sowie ver- 

s* 



ü _ _. J 



Äußere Fassade ^der badischen Kollektivgruppe in Chicago nach 
entworfen von ProfeM 



em Ehrenhofe mit dem Uitter von F. E. Büuler ia UfTeabui^; 
H. Oerz in Sarlsrube. 



62 



DAS BADISCHE KUNSTGEWERBE IN CHICAGO. 



Bchiedene kleinere Nippgegeostände, welche diesen 
Raum zu einem ebenso eleganten, wie heimliclien 
gestalteten. Bei der Vorliebe der Amerikaner fQr 
belle freundliche Stimmangen hat dieses Kabinett 
denn auch drüben seine Verwendung gefunden, in- 



ausgeetellt hatte. Auch diese Arbeiten sind von flot- 
tester Technik, wie überhaupt Deutechlanda Kuust- 
schmiedearbeiten unstreitig den eisten Platz behaup- 
teten. In dieser oSeneu Halle wurden vorwiegend 
die badischen Holzarbeiten, Möbel wie Holzschnitz- 



.'^elt^Ti ansieht den Kckpavillung i 



dem es angekauft wurde. — Eine weitere KoUektiv- 
gmppe Badens bildet die Seitenhalle rechts vom 
Ehrenhofe, welche mit drei reichen Thorgittem ge- 
schmückt ist. Letztere wurden vom Kunstschlosser 
F. K. Bübkr in OfFenburg augefertigt, der überdies 
noch zwei reiche Ofenschirme aus dem Besitze des 
deutschen Kaisers und des Oroßherzogs von Baden 



arbeiten gruppirt. Die Wände wurden mit meer- 
grUnem Plüsch überzogen, die Pilaster und Säulen 
in rötlichem Marmor, die Kapitale und Verzienmgen 
in Goldbronze gehalten. Drei an der Karlsruher 
Kunst^ewerbescbule gemalte Gobelinfrieae zeigten die 
Attribute von Kunst und Gewerbe. 

Die tüchtigen Leistungen der Karlsruher Möbel- 



,^^j^ DAS BADISGHE KUNSTGEWERBE IN CHICAGO. 63 

^ fabriken sind zur Genüge 

^- bekannt, wie auch die 80 

^^ trefflichen ßelieliDtarBien ab 

isdv eine Spezialität der Karls- 
ruher Holzschnitztechniksich 
^ nach außen einen Buf er- 
worben und ausgedehnteste 
Absatzgebiete errungen ha- 
ben. In der letzteren Tech- I 
nik hatte Bildhauer //. May- % 
li/i'li unter Mitwirkung von "^ 
li. .Si-Itaiipp eine größere s 

/ Gruppe ausgestellt, die in s 

den figuren reichen Reliefs * 

treffliche Arbeiten enthielten. ^ 

Die praktische Verwertung I 

(liescrfarbigenReliefszeigten 2 

einige Prunkmöbel der Fir- .s. 

men M. lieutlimjer <f- Cie. ^ 

und J. L. Distelhorst in Karls- x 

ruhe. Auch die Fabriken von 'S 

./. L. Peter in Mannheim und ° 

D. Krauth in Eberbach waren 'S 

durch gute Einzelmöbel ver- | 

treten, während die Möbel- J 

fabriken Oehr. Himmdheher. ''- 

A. Oelirig und B. Grotimes = 

Standuhren und Schreine in % 

reichster Arbeit ausgestellt w 

liatten. Eine Holzschnitt- | 

arbeit von geradezu virtuo- ^ 

ser Ausführung bildete der u 

geschnitzte Miniaturrah men "^ 

von Bildhauer O. van Venro;/ .1 

von Rüppnr bei Karlsruhe, = 

als eine Festgabe des Badi- | 

sehen Kuostgewerbevereiiis 'l 

an den Oroßherzog. ^ 

Ein großer Schrank ent- 'S 

hielt ausgewählte Stick- und 1 

Applikationsarbeiten der un- g 

ter dem Protektorate der b 

Großherzogin von Baden s 
stehenden Kunststickerei- 

il ^_' schule, geleitet voä Prof. 

1 ^'^ F. Baer. Diese farbenptäch- 

iefl"? tigeÜT '" vollendeter Technik 

irf"'^ hergestellten Decken, Läufer, 

igif^ Bordüren, Teppiche u. a, w. 

hatten keine Konkurrenz 

tH'' der ganzen Ausstellung zu 



64 



DAS BADISCHB KUNSTGEWERBE IN CHICAGO. 



schenen. Di« größte Anziehungskraft fibten jedoch 
in dieser Halle die großen Uhren, welche nach den Ent- 
wfirf^o von Prof. Qölx von verschiedenen Karlsruher 
und Schwarzwälder Meistern herrOhren. Darunter ins- 
besondere eine reich gemalte Standuhr, die mit einem 
Musikwerk »ersehen war. Wenn der «Trompeter 
von Säckingen" seine lustige Fanfare schmetterte, 
drängte sich die ganze internationale Gesellschaft iu 
diesen Raum. Die zweite ebenfalls bemalte Uhr 
war die Festgabe des Grollherzogs und der Groß- 



fehlte die größte Fabrik des badischen Schwarzwaldes 
die „AktiengesellBohafl Lenzkirch*, während die 
Fabriken L. Furiwängler Söhne und E. Wehrle in 
Furtwangen, Mauerer £ Höfler und Beha Söhne in 
Eisenbach, Winterhiüder und Hofmeier in Neustadt, 
Äug. Schwer und die Jabresuhrenfahnk in Triberg 
schöne Erzeugnisse ausgestellt hatten. 

Auch die Schwarzwälder Holzschnitzerei war 
durch die Großh. Schnitzereischule Furtwangen (Prof. 
A'ocÄ) und die Holzbildhauer Ph. Pombaeh und F. 



ADOrdsuiiKeii dar ViUiusBftn&UlluDg in der S&nlcnliBlIe dei badi^cheb Kollektlvgru|>p«. 



herzogin von Baden zum 90. Geburtstage an Kaiser 
Wilhelm T., während die dritte in reichster Holz- 
arbeit behandelte Standuhr von Qeirr. Himmeliuher 
för Amerika angekauft wurde. Die Qbrige Uhren- 
industrie des badischen Schwarz waldes, ffir welche 
der Hauptsache nach die unter Leitung von Architekt 
lUchweiler stehende Filiale der Großh. Landesgewerbe- 
halle Furtwaagen die Entwürfe heferte, befand sich 
in einer weiteren Gruppe in der Nahe der Galerie. 
Hier erregten insbesondere die herrlicheu Schlag- 
werke, die Kuckucks-, Singvögel- und Flötenbläser- 
uhren das besondere Interesse der Amerikaner. Leider 



P/ii/irpr vertreten, ebenso gute Schwarzwälder Majoliken 
durch J. Olatz in Villingen. Die rabmlichst bekannte 
Pforzheimer Bijouteriefabrikation mit 2S Ausstellern 
hatte sich mit den gleichen Industrieen von Hanau 
und Schwäb.-GmUnd zu einer Kollektivgruppe .ver- 
einigt, die in dem Ebrenhofe, direkt hinter den 
großen Eingangsthoren eine trefiFliche Wirkung er- 
zielte. Ab weitere Gruppe ist anzufahren die große 
Koje, in welcher das Eisenwerk Qaggenau seine viel- 
seitigen Metallarbeiten zur Ausstellung brachte. Hier 
sind insbesondere die großen Emailarbeiten auf Eisen 
hervorzuheben, die wohl in solchem Umfange 



DÜ^endB hergestellt v 
Anch &ix den PsTÜlon 
lieferte Qoggenau die fa 
Etnaileinl^en der Ärchi 
fasBsde. Wenn die weil 
kannte Industrie der bac 
Glasmaler nicht um&ng 
ausgestellt hatt«, so i 
nicht zu bekl^en, d< 
war«n in der That fOi 
Gebiet gar keine geei 
Plätze vorgesehen. Es 
Oberhaupt ein Kapitel 
welches sich sehr viel 
ließe, denn was nUtz« 
prächtigen und'monum 
AoBstellnngspaläste , wi 
wichtigsten BedQT&isi 
Aussteller, guter Plati 
tiges Licht, Schutz gegei 
und Regen etc. oft so 
Berücksichtigung findi 
Unter den Gla^emäld 
eine figurenreiche K< 
tiou nach Karton von 1 
Schurth .Wein, Weih, C 
Ton Han.t Drinneherg ii: 
ruhe das Bedeutendste 
hatten H Beiler in Hei< 
W. Scheu und Otto P^ 
Offenburg ebenfalls Tt 
geleistet, insbesondei 
letztere mit der groG 
ätzten Scheibe den 
daistellend. Unter de 
reichen Einzelausstelle 
badischen Kunstge- 
werbes, die noch im 
Industriepalaste aus- 
gestellt hatten, sind 
noch zu erwähnen: 
dieElfenbeinarbeiten 
von C. L. BlAUr in 
Bad en- B aden, die Er- 
zeugnisse der Rah- 
menfabrik von Meu- 
rer und Braun in 
Lahr, die Majolika- 
Sfen und Kamine 
von J. Nerbel in Mos- 
bach, die kUnsÜicben 



65 

und Kränze der Fa- 
QnBenttenmfiller& Cie. 
I»n und OtU> Speierer 
1, ein reichgestickter 
mit Elfenbeingriff von 
chrnm- in Karlsruhe, 
Izbrandmalereien von 
letAauer daselbst, die 
phieen von Pfisterer 
9er und M. S^auet^ 
Lahr, die kalligrapbi- 
rbeiten von M. Wach- 
i'reiburg, die Tapeten 
irik Qebr. Scherer in 
ithal, die Arbeiten in 
ippe der kirchlichen 
von den Bildhauern 
1 Freiburg und J. E3>erk 
Ungen und ecbließlicb 
ihtiges OrchestrioQ der 
ist bekaunten Musik- 
rik von M. Weite <£ 
1 Freiburg i. Br. 
1 Verlagswerken hatten 
feld'aeiie Hofbuchhand- 
Karlsruhe, die Berder- 
rlagshandlung in Frei- 
Sr., sowie die Architek- 
f. E. Biherle und Prof. 
meialer in Karlsruhe 
nusgestellt. Ebenso der 
e Kunstgewerbe verein 
en beiden Publikationen 
ntsche Kunstschmiede- 
mgl887"und„Diedent- 
icherausstellung 1891" 
in Karlsruhe. — Wer 
diese ausgestellten 
Arbeiten des hadi- 
sohen Kunstgewer- 
bes einer Betrach- 
tung würdigte und 
sie mit der auf der 
Galerie des Indu- 
striepalastes ange- 
ordneten Ausstel- 
lung der Karlsruher 

Kunstgewerbe- 
schule zum Verglei- 
che brachte, dem 
durftees nichtschwer 



i! 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



67 



fallen, za erkennen, weloh fruchtbare Wechsel- 
wirkung Schule und Praxis in Baden verbindet 
Überall macht sich diese gegenseitige Fühlung be- 
merkbar, denn sie kommt insbesondere auch dadurch 
zum Ausdruck, dass der Vorstand der Karlsruher 
Schule zugleich auch der Leiter des Badischen Kunst- 
gewerbevereins ist. Die Oroßh. Kunstgewerbeschule 
Karlsruhe darf es als eine besondere Auszeichnung 
betrachten, dass sie seitens des Herrn Beichskom- 
missars ausgewählt wurde, im Anschlüsse an die 
Unterrichtsausstellung des preußischen Kultusmini- 
steriums in Chicago, den kunstgewerblichen Unter- 
richt Deutschlands zu repräsentiren. Sie hat diese 
Aufgabe gut gelöst, denn die in den sieben Kojen 
untergebrachten Arbeiten der Anstalt hatten sich 
allseitiger Anerkennung seitens der Fachkreise zu 
erfreuen. In geschmackvoller Anordnung waren an 
Wänden und innerhalb Vitrinen und Schranken 
folgende Unterrichtsgebiete vertreten : Freihand- 
zeichnen, Figurenzeichnen, Aktzeichnen, Darstellen 



nach der Natur, Stilisiren, Ornamentik, Architektur, 
kunstgewerbliches Zeichnen und Entwerfen, Thon- 
und Wachsmodelliren, CiseUren, Graviren, Atzen, 
Lederplastik, dekoratives Malen und Kalligraphie. 
Dass mehr die Endergebnisse, als die eigentlichen 
Lehrgänge dieser Unterrichtsfacher ausgestellt waren, 
finden wir bei dem unzureichenden Baume begreif- 
lich. Nebst der Schule hatten Direktor Oötx, so- 
wie die Professoren und Lehrer F, S. Meyer, E, Bischoff, 
K Gagelf M. Länger zahlreiche Originalentwürfe, 
sowie sonstige Publikationen eingesendet Wenn 
Deutschlands Kunstgewerbe in Chicago einen be- 
deutenden Erfolg erzielt hat, so hat Baden an dem- 
selben einen redlichen Anteil, denn seine eingesen- 
deten Erzeugnisse bezeugten das ernstliche Bemühen, 
die besten Kräfte einzusetzen, um als ein tüchtiges 
Glied zum Erfolg des großen Ganzen beizutragen.^) 



1) Weitere Illustrationen von badiscben Erzeagnisaen 
in Chicago folgen in sp&teren Heften. D. Red. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 

Heraldisches Handbuoh für Freunde der Wappenkunst, 
sowie für Künstler und G e werbtreibende , bearbeitet und 
mit Beihilfe des Kgl. Preufi. Kultusministeriums heraus- 
gegeben von F, Wameeke. Mit 318 Abbildungen nach 
Handzeichnungen von £. DOpler d. j. und einer Lichtdruck- 
tafel. VII. Auflage. Verlag von Heinrich Keller, Frank- 
furt a/M. 1893. 
Der völlig andere Standpunkt, den die Heraldik der Jetzt- 
zeit einnimmt gegenüber der Heraldik der letztverflossenen 
Jahrhunderte, kann nicht besser gekennzeichnet werden, als 
durch die Thatsache, dass das obengenannte Werk jetzt 
bereits in siebenter Auflage erschienen ist. Mit dem Wieder- 
aufblühen des Kunstgewerbes, dem Zurückgreifen auf die 
Arbeiten unserer alten Meister, war auch eine Neubelebung 
des Wappenwesens verbunden, welches im Mittelalter und 
zur Zeit der Renaissance eine frische fröhliche Kunst bildete, 
an der Adel und Bürgertum gleich beteiligt waren und 
welche für so manche pr&chtige Schöpfungen der Plastik 
und Kleinmalerei die Motive bot. Freilich, den Lehrbüchern 
einer verknöcherten Heraldik, wie solche im vorigen und in 
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts mehrfach erschienen, 
voll halb unverständlicher weitschweifiger Regeln und illu- 
strirt mit geschmacklosen Zerrbildern, konnte kein vernünf- 
tiger Mensch Geschmack abgewinnen, um so weniger als sie 
das Wappenwesen des Bürgertums und der Korporationen 
(St&dtewappen, Zunftwappen u. s. w.) meist völlig ignorirten 



und von den Beziehungen der Heraldik zu Kunst und Kunst- 
gewerbe überhaupt keine Ahnung hatten. Kein Wunder, 
wenn infolgedessen die Heraldik überhaupt stark in Miss- 
kredit geriet und höchstens noch in den Siegelsammlungen 
weniger Liebhaber ein kümmerliches Dasein fristete. Das 
ist jetzt anders geworden. Abgesehen davon, dass die Be- 
deutung des Wappens an sich als eines wichtigen Familien- 
symbols beim Adel wie beim besseren Bürgertum wieder 
voll gewürdigt wird, hat man auch seinen dekorativen Wert 
von neuem schätzen gelernt. Nun ist es aber bekannt, dass 
fast nirgends der Stil sich so stark ausprägt als gerade an 
heraldischen Darstellungen; und eben dieser Stil mit seinen 
nach der Zeitfolge wechselnden Eigentümlichkeiten ist es, 
dessen Kenntnis man von jedem, der in heraldischer Kunst 
arbeitet, verlangen muss. Dass z. B. an einem Möbel im 
Stil von 1550 ein Wappen im Stil — oder richtiger Nicht- 
Stil — V. J. 1830 angebracht wird, gehört auch heute noch 
nicht zu dem ungewöhnlichsten; ebenso kommt es noch vor, 
dass ein Zeichner oder Bildhauer, der gerade über ein paar 
heraldische Muster verfügt, einen frühgotischen Schild, einen 
spätgotischen Helm und Benaissancelaubwerk zusammenkom- 
ponirt — was auf den Kenner etwa den gleichen unange- 
nehmen Eindruck macht, wie Antiqua-, gotische und moderne 
Lettern in einer Druckzeile. Früher konnte man es nun 
niemandem so sehr übel nehmen, wenn er derartige Fehler 
machte ; es gab kein geeignetes Werk, aus welchem der Kunst- 
handwerker Belehrung und Vorlagen hätte entnehmen können. 
Heutzutage ist das anders. Als erstes Vorlagenwerk für 

9* 



KLEINE MIITEILUNOEN. 



Wappen eiMshieu 1873 nnd in 2. Anflags 1885 Hild«bmiih'a 
HeniditchM Hntterbncb mit 46 Tafeln; ihm folgt« dai oben 
angekfindigte „Handbach" von Wamecke, welchei die th«o- 
retijcbe und praktbohe Wappenkunde in glüokliebiter Weite 
Tereinigt. I^im edt Eeiaiugabe deMelb«n eine itoatliche 
Beihilfe gew&brt Torde nnd daaa weiland der Kronprini dea 
Deutschen Reiche* die Widmung Annahm, i(t lohon ein roll- 
gflltiger Beweit fOr leine Tortrefflicbkeit; noch mehr spricht 
dafür der da* Encbeinen immer neuer Aoflagen veraulaa- 
lende Abuts. Da* Werk bringt gerade da«, waa dem Kllnatler 
und Kouithandirerker Ton der Heraldik %a wiswo not thuL 
Der gediegene, leicht ?er«t&ndliche Text, in welchem mit 
dem Wut der fiHheren Zopfheraldik grOndlich anfgerftnmt 
wird, bildet intammen mit den genialen Zeichnungen E. DBp- 
ler'a d. j. — welche lelbat einem Terftchter der edlen Heroida- 
kaut Bewnnderang abnOUgen müawn — ein in «einer Art 
einsiges Lehrbnch, deasen HauptTorcng der bleibt, daas es 
herrorragend praktiieh ist Wir empfehlen jedem, der in 
die Lage kommt, etwas Heraldisches arbeiten lu sollen, sieh 
SDVor das „Handbuch" ansuschaSen und lU studiren. Das 
wird ihn vor manchem Fehlgriff bewahreiL Au dem reichen 
Inhalt können wir hier nor knrs anfVhren, dasi denelbe su- 
n&chst eine Klarlegnng des Begriffes der Wappen und ihres 
Dtaprangea, ihrer Qescbichte und ihrer Anwendung bringt; 
dann wird die heraldische Kunstsprache and die heraldische 
Farbenlehre erOrtert Hieran ichlielen sich Einielabhand- 
lungen Über Schild, Helm, Helmdecken, Kronen nnd tonstige 
Bestandteile eine« Wappens, sowie technische BatschlBge. 
Die aafs sorgfUtigite geaeichneten Abbildangan sind genau 
dem Texte angepastt and werden einsein noch bMondeis 
eriftntert; sie sind teils genaue Kopieen aller mostergHltigen 
Originale, teils NeasohOpfongen DOpler** auf Qrund der besten 
Vorlagen. — Ab willkommene Vermehrung bringt die 
siebente Auflage Abbildungen der kaiserlichen Insigniea 
(Reichsadler, Kaiserkrone u. b. w.), sowie des Wappeu tod 
Ebass-Lotbringen nach den neuesten amtlichen Beetimmungen. 
Die Hoffnung des Herausgebers, dass das Handbuch auch in 
der neuen vermehrten Qestalt sich bew&hren, fOr Knnstbe- 
Sitsene und Wappenfreunde von Nutzen sein mOge, wird 
sicher nicht getäuscht werden. -M- 

SCHULEN UND MUSEEN. 
BerUtt. Im Kunstgewerbemoseam werden in den Mo- 
naten Januar bis Mtrz 1894 folgende Öffentliche Tortifige 
gehalten; 1) Dr. Jaro Springer: Über Glas und Olasmalerei, 
Donnerstag abends 8'/]— O'/i Hbr; Beginn den 4. Januar ISM. 

2) Dr. 0. V. Falke: Oeechitdite des deutschen Kunstgewerbes, 
Freitag abends 8Vi-9>/i tJhr; Beginn den 5. Janoai 1894. 

3) Dr. P. Jessen: Das Ornament der deutscheu Renaissance, 
Montag abends 8'/i— SVi ^hr; Be^nn den 8. Januar 18d4. 

VEREINE, 
-u- B^lin, Über die Sonderausattllung dea Egl. 
Kittttlgtutrbemtueumt bcilruekter, modemer, englücher Stoffe 
hielt der Direktor der Sammlung, Herr Professor Dr. Julius 
Legging am 7. Dezember einen Vortrag, dem wir folgendes 
entnehmen: Die Ausstellung, welche den ganaen Lichthof 
fallt, enthSlt ganz vorwiegend moderne bedruckte Stoffe eng- 
lischer Herkunft. W&hrend die gewöhnliche englische Fabrik- 
ware seit Jahrzehnten auf dem Kontinent verbreitet ist, 
waren die voraOglichen Hobelstoffe gleicher Herknnft bis 
vor kurzem nicht in Deutschland eingefUhit. Der Ankauf 
einer Mustersammlung, welche vor 3 Jahren im Museum 
auBgeetellt wurde, machte sie mehr bekannt, seitdem werden 



>iinzea«ln UargamlbB v 



ji 



70 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



sie von den größeren Gesch&ften geführt, aus den Lagern 
von Herrmann Gereon, Gebhard u. RöBsel, Hirsch wald (Kauf- 
haus Bohenzollem, Vertreter von Wardle), Moritz Busse 
(Liberty house) ist die reiche Ausstellung gebildet. Hinzu- 
gefügt ist historisches Material für die Geschichte des Zeug- 
drucks, älterer europäischer und vornehmlich orientalischer 
Herkunft. Will man sich nicht damit begnügen, den Stoff 
hinzunehmen in der Farbe wie die Naturfaser ihn giebt, so 
müssen wir ihn färben. Man ^bt den Faden und bekommt 
dadurch ein einheitlich gefärbtes Gewebe, oder man färbt 
den Stoff, nachdem er gewebt ist Will man den Stoff 
mustern, so muss man Fäden verschiedener Farbe in bestimm- 
tem Wechsel verarbeiten. Färbt man dagegen einen bereits 
gewebten Stoff, so hat man für die Musterung verschiedene 
Möglichkeiten. 1) Man deckt auf dem weißen Stoffe das 
beabsichtigte Muster durch aufgetragenes Wachs ab. In der 
Färberküpe erhält der Grund seine Farbe, alsdann schmilzt 
man das Wachs aus, und das Muster bleibt weiß stehen. 
Dieser Prozess lässt sich durch mehrere Farbenbäder wieder- 
holen. In dieser Art sind die indischen Batek's hergestellt 
Auch die Japaner arbeiten mit Schablonen in dieser Weise. 
Die Ausstellung ▼eranschaulicht diese Verfahren durch Ar- 
beiten in verschiedenen Stadien. Es ist selbstverständlich, 
dass man dadurch keine besonders scharfen Muster herstellen 
kann, die Farben können auch leicht durcheinander gehen 
und das Ganze unruhig paachen. Hierdurch entsteht auch 
das eigentümliche Schillern der Stoffe. Es ist eine eigen- 
tümliche Erscheinung, dass die Holländer diese Stücke zuerst 
nachdruckten, um sie dann in Indien zu verkaufen, aber da 
sie die verschiedenen Muster scharf von einander gehalten 
hatten, so waren die Stoffe natürlich viel schöner als die 
indischen. Es blieb den Holländern daher nichts anderes 
übrig, als ihre Maschinen in schlechten Zustand zu bringen, 
so dass die Farben ungleichmäßig herauskamen. Eine große 
Meisterschaft besitzen die Japaner darin, die Muster mit 
Wachs durch Schablonen aufzutragen, wodurch selbst die 
feinsten Linien haarscharf und klar hervortreten. 2) Einzelne 
Stellen des weißen Stoffes werden mit einer Beize getränkt, 
im z. B. roten Bade wird dann der Grund rot dagegen die 
gebeizten Muster gelb oder braun. Durch verschiedene 
Beizen lassen sich in einem Bade drei oder mehr Farben 
erzielen. Dies ist ein Verfahren, das Plinius von den Ägyp- 
tern als etwas ganz Wunderbares berichtet 3) Einzelne 
Stellen des Gewebes werden mit starken Fäden abgebunden, 
so dass beim Färben die Farbe nicht herandringt. Bei allen 
diesen Verfahren wird der Stoff mit der Farbe völlig durch- 
tränkt; es ist eine Art von Musterfärben, mit dem man 
nur beschränkte Wirkungen erzielen kann. Sehr viel reicher 
wird alles, wenn man sich mit dem Auftrag des Musters auf 
der Oberfläche beschränkt Man kann auf den Stoff malen, 
aber der weiche Pinselstrich lässt die Farbe wenig eindringen. 
Wir stellen auf diese Weise Fächer, gemalte Gobelins und 
Ahnliches her. Die Japaner verbinden die Stoffmalerei mit 
sehr reizvoller Stickerei. Kräftiger wird die Farbe, wenn 
man das Muster mittelst Schablonen einreibt. Schablonen 
aus Ölpapier zur Zeugmusterung sind jetzt in Japan außer 
Gebrauch gesetzt, weil ciie Japaner gegen die englischen 
Maschinen nicht aufkommen konnten. Diese Schablonen- 
malerei ist in Deutschland schon im Mittelalter angewendet 
worden. Zur eigentlichen Großindustrie aber hat erst der Druck 
geführt Dieser wurde bereits im hohen Altertum mittelst 
hölzerner Stempel, sogenannter Model ausgeführt, welche 
mit Farbe benetzt und dann mit der Hand auf den Stoff 
aufgedrückt wurden. In dieser Art stellte Italien im Mittel- 
alter billige gemusterte Leinenstoffe als Ersatz für die teuren 



Gewebe her. Mit solchen Modeln kann man auch mehrere 
Farben nacheinander drucken. Es ist ein ähnliches Verfiüiren, 
wie es auch aus den alten BlockbÜchem bekannt ist Im 
Orient blüht dieser primitive Modeldruck bis zum heutigen 
Tage. Der Drucker hat große Freiheit und kann mit einem 
Dutzend verschiedener kleiner Model sehr mannigfaltiges 
Ornament in beliebigen Farben herstellen. Die ünvollkom- 
menheiten haben hierbei einen so malerischen Beiz, dass 
bäurische Waren aus Indien und Persien noch heute ihre 
Geltung neben den hochentwickelten europäischen Waren 
haben. Die gedruckten indischen Kattune sind der Aus- 
gangspunkt des modernen Zeugdrucks. Im siebzehnten Jahr- 
hundert wurden sie von der holländischen Ostindia-Kompag- 
nie eingeführt, es gefiel ebenso sehr das schmiegsame Baum- 
wollengewebe, als die leichtverteilten phantastischen Blumen« 
muster. In Hermann und Dorothea rühmt der Vater seinen 
Schlafrock mit indischen Blumen von dem feinsten Kattun 
echt oetindischen Stoffes. Die Namen Indiennes, Calicos (Kal- 
kutta) etc. stammen aus jener Zeit Schon Ende des sieb- 
zehnten Jahrhunderts begann in Europa die Nachahmung, 
zunächst in Holland und England. Seit 1720 arbeitet Augs- 
burg, auf Menschenalter hinaus als Vorort der Technik, 1741 
lässt Friedrich II. von Duplantier eine Druckerei in Berlin 
errichten, die 1745 von David Simon weitergeführt wurde. 
Die Berliner Kattundruckereien in der Köpnickerstraße, an 
denen die Familien Dannenberg, Nauen, Goldschmidt etc. 
beteiligt waren, haben erst vor kurzem großen Speicher- 
bauten Platz gemacht. Jetzt sind das Elsass, die Schweiz 
und England die wichtigsten Stätten des Zeugdruckes. Ganz 
erstaunlich ist die technische Entwickelung dieses Gewerb- 
zweiges, der Jahrtausende lang mit dem einfetchen Hand- 
model arbeitete, während der letzten hundert Jahre. Der 
Handdruck wurde abgelöst durch den Plattendruck, der nach 
dem Prinzip der Buchdruckerpresse eine bestimmte rechteckige 
Fläche bedeckt Durch dieses Druckverfahren lassen sich 
Bilder u. dergl. herstellen, daraus entsteht auch in der Kat- 
tundruckerei die notwendige Wiederkehr in regelmässiger 
Folge. Jedoch geht durch diese Wiederholung des Musters, 
was man in der Weberei als Patronen bezeichnet auch seine 
Feinheit verloren. Die Platte wurde schließlich von der 
Walze abgelöst, unter welcher sich das Stück ununterbrochen 
abrollt Je nach Wahl der Farben hat der Stoff eine be- 
stimmte Zahl von Walzen zu durchlaufen. Je verfeinerter 
dieser Prozess ist um so mehr Einzelheiten sind zu beachten 
und entscheidend für das Gelingen. Model und Platte ar- 
beiten mit einem hochstehenden Muster, wie der Stempel 
und die Holzschnittplatte, die Model werden aus Holz oder 
Messing geschnitten oder aus Messinglinien und Stiften ge- 
bildet. Die metallene Walze dagegen enthält das Muster 
vertieft eingegraben, wie die Platte des Kupferstiches, es 
bedarf des Maschinendrucks, um den Stoff' fest in die Tiefen 
hineinzupressen. Der Stoff selbst muss besonders vorbereitet 
sein, geglättet oder auch geölt oder sonst getränkt, um die 
Farbe leicht aufzunehmen, die Farbe darf nicht laufen und auch 
nicht spröde sein, oft wird sie nur lose aufgetragen und erst 
nachträglich durch Dämpfen befestigt. Die Herrichtung der 
Walze, das Spannen des Stoffes, die Temperaturen etc., alles 
wirkt mit beim Gelingen. Aber so groß ist die Fertigkeit, 
dass jetzt eine Fabrik in einem einzigen Arbeitstage 300 Stück 
zu je 60 Meter herstellt, die Walze also, deren Muster in 
der Abwickelung etwa einen halben Meter beträgt, täglich 
gegen 40 000 mal ihr Muster abgiebt Dieses VerfiEkhren lässt 
sich in gleicher Weise auf Papier übertragen, man hat Cre- 
tons für die Vorhänge und Tapeten für die Wände in den- 
selben Mustern, von denselben Walzen. Hoch entwickelt 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



ist jetzt aaoh der Druck auf 
WoUe, besonders lichten HuMe- 
lin. Uan kannte die Stoffe wohl 
auch weben, aber das würde lu 
■chwierig sein. Die Seide war 
bisher fllr den Drack zu kostbar. 
jetit bedrackt man jedoch die 
billige indische Seide mit reizen- 
den Hustem als VorhKnge und 
auch B.U Kleiderstoff. Beaonders 
London hat jetzt diese Fabrika- 
tion angenommen und Dber- 
schattet damit die ganze Welt 
Der Sammet mit seinem hocb- 
stehenden TlieB eotsog sich 
frflbeT dem Drack verfahren, da 
die Schwierigkeiten", die durch 
den Druck herabgedrdcklen Stel- 
len wieder an heben, zu groO 
waren, jetzt arbeitet man in 
England einen sehr dichten und 
kurzen Banmwollensammet, der 
den Druck annimmt und die 
Krone der englischen gedruckten 
Stoffe bildet. Mit Aosnahme 
dieses letzten Fabrikats war die 
technische Seite schon nm 1840 
TflUig entwickelt und führte zu 
einem gewaltigen Änftchwung. 
Znn&chst fertigte man billige 
Hassenware, mit der man alle 
alte Handarbeit selbst aus den 
entlegensten Provinzen des 
Orients verdritngte. Man druckte 
jedem Volk die Huster, die es 
brauchte und an denen es seine 
Freude hat. In Europa aber, wo 
man bessere Muster haben wollte, 
suchte man den Zeugdmck künst- 
lerisch dadurch in veredeln, 
daes man die Master so reich wie 
mOglich machte, man schwelgte 
RSrmlich in der Sncbt, etwas 
recht Buntes herzustellen, ver- 
griff sich dabei aber, indem man 
wirkliche Malerei mit körper- 
licher Wirkung nachzuahmen 
■Qchts. Jeder Muat«rzeichn er war 
damals auch Blumenmaler. Je 
mehr dies der immer mehr ent- 
wickelten Technik gelang, um 
desto weniger entsprechen die 
bedruckten Kattune ihrer Be- 
stimmung als Tapeten oder 
Möbelstoffe. Nun trat etwas 
Eigentümliches ein, wenn man 
den grollen Erfolg der englischen 
Muster verstehen will. Qegen die 
am ISiSO beliebten, mit Virtuo- 
sitU dargestellten, aber schweren 
und aufdringlichen Bl umenmnater 
und Fruchtstocke wendete sich 
in erster Linie die Reform im 
Kunstftewerbe, welche um 1860 




71 

einsettte. Man verlangte stili- 
aiite Muster, welche den Cha- 
rakter der Fl&ohe wahren, and 
wies auf die Vorbilder hin, welche 
in den Kunstwebeteien des Mittel- 
alten nnd der Renaissance er- 
halten sind. Nunmehr begann 
man, diese alten Seidenstoffe 
nachzuahmen, nnd lebte geraume 
Jahre von der Aasbeote der 
Sammlungen. Aber anoh dieser 
W^, welcher su einer Verede- 
lung der Formen führte, war 
nicht der richtige. Man darf 
nicht vergessen, daas der Druck 
im Master reicheres und anderes 
sa leisten vermag, als die We- 
berei Der Druck ist nicht be- 
nötigt, die Formen in zwei sym- 
metrische H&lften aufzulösen oder 
seine FarbenBecke fQr t>estimmte 
Breitenlagen aufzusparen; der 
Druck kann sich frei entfiJten, 
kann jede Farbe in beliebigen 
Fl&chen anlegen und durch Über- 
druck abtönen, der Dmck wird 
daher leicht verteilte Blumen- 
muster mit groler Wirkung dar- 
stellen können und auf dieses 
Qenre nicht verzichten. Hier hat 
Frankreich zuerst eine Änderung 
und Besserung bewirbt. Die mo- 
dernen ElsOsser Kattune erzielen 
durch zarte AbtOnang bei natu- 
ralistischer Zeichnung schOne Er- 
folge. Die Engländer hatten bei 
derWendnngzastUiei rten Forme n 
nach ISÖO tun&chst eine streng 
geometrische Teilung und inner- 
halb derselben ganz flach ge- 
legte scbematiiche BlOten einge- 
fObri In den letzten Jahren 
haben sie sich freier bewegen 
gelernt, sie zeichnen jetxt Blflten 
und Bl&tter mit feiner Beobach- 
tung der Natur in frei bewegten 
Kontoren, aber ohne körperliche 
Wirkung. Hierdurch erzielen sie 
vollkommene Flachmnster. Sie 
haben vom Mittelalter, vom 
Orient, besonders von J^iau ge- 
lernt, die Zweige und Banken 
gefUlig Ober die Fläche zu ver- 
teilen nnd die scheinbare Will- 
kür in festen Rhythmus zu ban- 
nen. Aber sie haben diese alten 
Muster nicht einfach kopiit, son- 
dern sie in moderne Master um- 
gearbeitet und dem modernen 
Oeechmack angepaast Auf diese 
Weise ist es ihnen gelungen, eine 
erstaunliche Fülle von Mastern 
herzustellen. Hieisu kommt die 
groRe Feinheit der FarbentOne 



... . - B. H. des Qrofiherza|s 
Entwurf von D' " ' 
von Prof. Bud. Hftyer in K 



7ä 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



bei breiter noherer Beltandlung Dnd eine Tollkotnmea gute 
Technik, m daw die hier entotohendeii Stoffe allerdingi 
hochgeepannten Anfordernngen ea^rechen; aie wollen keine 
Bilder und keine Antiquitäten Bein , keine Reprodaktionen 
oder Surrogate fUr Seide und Brokat, Mndem geben lich 
klar und durcbdcbtig alg Druckware, erfDUen allei, wtu 
man von solcher verlangen kann, und befriedigen dadurch 
in ToUkommener Weite. Ton den neueren englischen Halem 
und Zeichnern bat hier beaonden Walter Crane bahnbrechend 
und vorbildlich gewirkt. 

'Q- Berlin, In der Sitzung des Vereins für daäicke» 
Kunalgeaerbe am 13. Dezember wurde zun&cbst das Ergeb- 



ner üuterechied erkennen «wischen den Qiliem in romani- 
■chen ond dentechen L&ndem, und zwar hemcbt beaonden 
in lUlien und Spanien die Neignng, lieh in architektoniecben 
Fonnen in bewegen, wie vor allem die Kapellengitter zeigen. 
Zur Verwendung kommt dort vorwiegend Bandeiaen, und 
die Technik hat in den Flacbmuitem reiivolle Motive ge- 
■cbaffien. Du denteche Qitterwerk dagegen ift mehr aot der 
Technik der Werkstatt lelbst hervorgegangen. Verwendet 
wird vorwiegend Rundeieen, da« all Ranke behandelt wird, 
wUtrend dieEndenplattaaegeechmiedet werden oder in Blomen 
aoilanfeu. In der Spfttrenaiisauce werden dieae Enden der 
Tolaten als runde Blatter anigebaucht. Um die Mitte dei 



.Sllberpl'tte in getriebener Arbeli; auBgefälirt von Prof. Rud, Uayer in Kkrierube (Chicago.) 



nie der Monaiako>üa»renx [Entwurf sa einem tchmiedeeiser- 
nen Bogenliehtkandelaber} bekannt gegeben. Da sich ein 
Wertuutenchied zwischen den beiden relativ besten Arbeiten 
nicht feBtatellen lieB, so hat dos Preitgericht die beiden 
ersten Preise [120 und 80 M.) tu zwei gleichen Preisen zu- 
sammengezogen. Eb erhielten demgemU je 100 M.: Arno 
KSmig, Kunitechlosser. nnd Paul Krüger, Fabrikant, gemein- 
sam mit Heinrieh Koeh, Bildhauer. Der 3. Preis [50 M.) 
wurde zuerkannt dem Zeichner Maz Sehönfeldl, Die ans- 
gestellten Wettarbeit«n besprach eingehend Herr R^.-Ban- 
meistei Alfred Meggei. Daraof hielt Herr Dr. P, Jetsat einen 
Vortrag Ober die Formen des Schmiedteitetu teil der Re- 
naisianee. In der Renaissance IKsst sich ein ausgesprocbe' 



IT. Jahrhundcits tritt in Frankreich eine wesentliche Wand- 
lung ein, indem jetzt nicht mehr die Schmiede, aoudera die 
Architekten die Formen tOi das Qitterwerk im Zusammen- 
hang mit den Bauten bestimmen. Eb werden jetzt Motive 
aus onderaa Formen und Linien auf dai Schmiedeeisen 9ber- 
tragen, Akantbusblattwerk eingefllhrt ond Flachwerk be- 
nutzt, wie sie in Stickereien nnd Wandftillungen verwendet 
wurden. Da man in dem Stil Louis XIV wieder auf die 
Antike inrQckgeht, so bUt sich auch das Schmiedeeisen in 
maftvollen Umrissen. Besonders aber wird das Flachmnster 
nach B^ratn's Vorgang zu einem eigenartigen Enrven- nnd 
Bandomament ausgebildet Diese strengen Louis XIV-Gitter 
haben zwar auch in DeutBchland zn Schl(lt«r's Zeit Nach- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



73 



fEwhe Blumen und Str&uBe 
mit Torliebe Terwenden. Die- 
len Fonuenkreii des Schoiie- 
deeigena schlielt der Loni« 
XTI-Stil ab, der wieder auf 
die rOtoiBche Antike tnrttck- 
geht. Anch hier liefert wie- 
demm der Architekt die 
Zeichnungen, welche sich in 
HOondem und strengen Stab- 

vertchlingnngea bewegen. 
Aber obwohl dadurch große 
Wirkungen erzielt werden, 
BO wird damit doch dem 
Schmiedeeisen gleicbinm Qe- , 
walt uigothau. Zum SchloM 
erl&nterfe Herr iDgenienr 
F. Spengler eine Beihe von 
ihm Torgelegter modemer 
Banbeachlfige, wobei er be- 
BOndera den unterschied 
zwischen deatBchen und ame- 
rikanischen Arbeit«n hervor- 
hob. 



ahmtiDg gefimden, aber du deutMbe Qitter bleibt der dent- Hans Buiuch, der erste VoraitEende de« Tereins, einen sehr 
•eben Art getren; alles ist wnehtigernnd mit breitem Akan- interessanten und beifällig aufgenommenen Vortrag Aber 
Ümsblattwerk durchsetzt. In der Zeit der lUgenoe Migt das Thema „^rafGto ond seine Anwendung für Fassaden- 
sich ein grOBerer Reicbtom in der TerBohliiigiing der Kurven, dekoration". ^rafEto ist, wie der Vortragende ausfQhrte, 
der im Louis XV-Stäl noch eine Steigerung erfahrt, obwohl eine schon im 15. und 10. Jahrhundert in Italien und Deutsch- 
die ZaÜiaten von Blattwerk etc. auch dort sehr bescheiden land bekanot gewesene DekorBtionstechnik, die bei uns in 
gehalten sind. Auch hier sind die deutschen Meister wieder Deutschland von Gottfried Semper wieder aufgenommen 
weiter gegangen, indem sie das Husohelwerk und mannig- wurde und unter Laufberger in Wien lur höchsten BlQte 

undVollendung gelangt«. Be- 
dauerlich sei es, dasa Sgraf- 
fite hentsutage füt die Fas- 
sadendekoration so wenig 
Verwendung finde, trots der 
billigen Herstellungsweise, 
der Dauerhaftigkeit und der 
bedeutenden dabei erreich- 
baren malerisohen Wirkung. 
Allerdings erfordert diese 
Technik einen tQchtigen Zeich- 
ner und einen leistnngs- 
ffthigen Architekten. Waadie 
Darstellungsart anlangt, ao 
bilden Kalk, Sand mit Erd- 
fu-ben und ein Schluckenzn- 
satz den Untergrund lam 
^raffito; durch einen helle- 
ren Cberputz mit Ealk- 
acblemme ersielt man die 
rur die Dekoration ge wUnachte 
Farbe. Durch Hinwegkrateen 
des Überputxes mit hierzu 
gebräuchlichen Sisen wirdao- 
dann die Zeichnung entweder 
hell auf dunklem Grund 
oder umgekehrt hervorge- 
rufen. Darob Kombination 
von verschiedenartig geerb- 
tem DnterputE lasien sich, 
wie die SgrafBt«n an unserem 
Museum beweiaen , interes- 
sante malerische Effekte er- 
zielen, und ferner bietet sich 
dabei durch Hiuzudehung der 
Malerei — Farbenaaftrag al 
Fresoo — Gelegenheit lO 
einer noch wirkungsvolleren 
farbigen Darstellung. Der 
Redner v erauschaulich te san e 
Darlegungen durch zwei von 
ihm aelbst für diesen Zweck 
angefertigte SgrafBtoproben 
aowie durch Materialproben, 
Kartons ausgefllhrter Sgraf- 
fito-Arbeiten und Ansl^ung 
von Vorlagewerken. Profes- 
sor Kühn nahm im Laufe 
des Vortrages Veranlaaeung , n&here AnbchlOsse über Lauf- 
berger zu geben und darauf hinzuweisen, dass an der Eyns- 
bnrg in Schlesien sehr gut erhaltene SgrafBto-Arbeiteu vor- 
handen sind, denen ein Alter von mindestens 150 Jahren 
zugeschrieben werden kann, (Schlesiache Zeitung.) 

BaUe a. B. Die Monats versammlong am 13. November 
eröffnet« der Vorsitzende, Herr RegiemngsbaumeiBter Knoch, 
indem derselbe verschiedene geschäftliche Hitteilungen er- 
stattete. Eingegangen ist u. a. ein Wettausschreiben des 



Breslau, In der am 
1. Deiemb. 1893 abgehaltenen 
Sitzung beriohteto der Direk- 
tor der Kunst- und Kunatge- 
werbescbnle, Professor Ktthn, 
über die Ergebnisse der für 
den Entwurf eines Vereina- 
wappena ausgeschrieben ge- 
wesenen Konkurrenz. Der 
Hedner betonte znu&chst^ dass 
die Au%abe zu kompUzirt 
gewesen sei; das Sanptmo- 
ment dabei bleibe die Schaf- 
fung einee geeigneten Ver- 
einsai^els. In BOckdcht dar- 
auf seien zwei der einge- 
laufenen sechs Arbeiten von 
vornherein auszuscheiden, da 
sie nichts Geeignetes zur 
Darstellung brSchten. Die 
anderen vier Arbeiten seien 

im wesentlichen gut und Bakoho-Stsndahr. EatnorTen vonDIr. H. Qörz. Festgabe des BadlBcfa. 
boten hinsichtlich des Prin- MillUrveibsades sn 8. E. H. den ErbgraBhenog Friedrlcb tod Baden, 
zips und der Anordnung (Chioago.) 

zweifellos Brauchbares, aber die verwendeten Motive konn- 
ten, da aie bereits ala Schutzmarken kunstgewerblicher Fir- 
men im Handel existirten, nicht ala passend für ein Vereina- 
wappen angesehen werden. Ana dieaem Qmnde habe sich 
die Jniy tHx eine bestimmte Arbeit nicht aussprechen kOnnen 
und mache daher den Torschlag, ffir die in der Aueschrei- 
bnng gestellten Aufgaben einzeln neue Ausschreibungen statt- 
finden zu lassen. Nachdem der zweite Voisitzende, Stiicca- 
tenr Wilbom, dem Redner gedankt hatte, hielt der Maler 
KnnatgewerbebUtt. N. F. V. H. i. 



10 



74 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Kunstgewerbevereins zu Hamburg behufs Erlangung von 
Grabsteinen. Den Vereinsmitglledem werden im Laufe dieses 
Winters wiederum eine Reihe Vorträge geboten werden: 
am 14. Dezember wird Herr Dr. Soetbeer, Sekretär des Kunst- 
gewerbevereins zu Magdeburg, im Januar Herr Dr. Alfred 
Meyer-Berlin, im Februar Herr Dr. v. Falke-Berlin sprechen. 
Herr Zimmermeister Werther hat der Yereinssammlung 40 
japanische Aquarellzeichnungen zum Geschenk gemacht. 
Nach dem Berichte über das Ergebnis des Preisausschreibens 
der Firma Sachse & Co. behufs Erlangung eines künstlerisch 
ausgestatteten Reklameblattes wurde der 1. Preis Herrn Adolf 
Päuhne in Kopenhagen, der zweite Herrn Ferdinand Weid- 
lich in Berlin zuerkannt. Die Thatsache, dass wiederum der 
1. Preis in das Ausland geht, gab Herrn Otto Veranlassung, 
die Frage aufzuwerfen, ob es nicht im Interesse der Ent- 
wickeln ng unserer heimischen Kunst angezeigt sei, die Aus- 
schreiben auf Deutschland und allenfalls auf im Auslande 
lebende deutsche Künstler zu beschränken. Der Vorstand 
wird diese Frage in weitere Erwägung ziehen und in Zu- 
kunft auf diejenigen, welche ein Preisausschreiben veran- 
lassen, im Sinne der Anschauungen des Herrn Otto einzu- 
wirken suchen. Ferner wurde angeregt, dass der Verein in 
nächster Zeit einen Preiswettbewerb ausschreibt, vielleicht 
behufs Erlangung eines Vereinsdiploms. Behufs Feststellung 
der Einzelheiten, insbesondere darüber, ob dieses Ausschrei- 
ben nur auf Vereinsmitglieder bezw. Hallesche Künstler be- 
schränkt werden soll, und über die Höhe der auszusetzenden 
Preise wurde ein Ausschuss eingesetzt. Einen Antrag, der 
Verein möge in diesem Winter ein Vergnügen, welches in 
einfacher Weise gefeiert werden könnte, veranstalten, wird 
der Vorstand in Vorberatung nehmen. (Hallesche Zeitung.) 

SanUnirg* Der Kunstgewerbeverein hatte am 21. Nov. 
unter dem Vorsitz des Herrn Bauinspektor Necker seine 
66. Versammlung. Auf der Tagesordnung standen Vorträge 
von drei Herren, welche über ihre Erfahrungen in der Welt- 
ausstellung zu Chicago referirten. Zunächst sprach Herr H. 
Christiansen über Malerei, Schrift und kunstgewerbliche Zeich- 
nungen in der Weltausstellung zu Chicago und anderen nord- 
amerikanischen Städten. Redner führte aus, dass seine Er- 
wartungen in Bezug auf die dekorative Kunst der Amerikaner 
übertroflen seien. Freilich habe die Ausstellung kein richtiges 
Bild von dem spezifisch amerikanischen Geschmack geboten, 
da sich hier meistens die Dekoration an das auch bei uns 
Moderne oder an das Klassische angelehnt hätte. Die echt 
amerikanische Art der Dekoration sei eigentlich in ihrer 
eigenen Art nur an dem Gebäude für Verkehrswesen hervor- 
getreten. Dennoch habe aber die Ausstellung auch dem Maler 
und dem Zeichner des Interessanten viel geboten. Am meisten 
Belehrendes bot der Industriepalast, weil in diesem jeder 
Staat durch besondere Dekoration seiner Ausstellung eine be- 
sondere Wirkung zu geben versucht hatte. So hatte Deutsch- 
land seine stattliche Architektur durch kräftige Barock- 
malereien, Frankreich durch französische Renaissanceformen 
in Freiluftfarben, Dänemark durch altmodische Ornamente, 
Russland durch solche im byzantinischen Stil verschönert. 
Die herrschende Geschmacksrichtung in der dekorativen 
Malerei der verschiedenen Länder trat am besten hervor bei 
den Porzellanausstellungen. Die Malereien, sowie der Kunst- 
wert der von Deutschland ausgestellten Sachen bewegten 
sich im allgemeinen in den Formen des Rokoko. Die Eng- 
länder haben sich auch in der Anwendung naturalistischer 
und stilisirter Pflanzenformen hervorgethan , ebenso die 
Franzosen. Doch war bei beiden eine individuelle Ver- 
schiedenheit in der Darstellungsweise zu erkennen, wenn 
auch aus beiden Ausstellungen der Geist Japans heraus- 



leuchtete. Die Delfber Fayencen waren in dem bekannten 
blauen Ton gehalten und hatten sich auch in Bezug auf 
die angewandten Bilder und Dekorationen nicht von dem 
früher Üblichen entfernt. Am eigenartigsten zeigen sich die 
Kopenhagener Sachen. Teils waren es getreue Nachahmun- 
gen von Formen des vorigen Jahrhunderts, teils aber auch 
Sachen, auf denen Naturformen in eigenartiger an Japan 
erinnernder Weise angewandt waren. Die Amerikaner hatten 
auf diesem Gebiete nichts Originales ausgestellt, das spezifisch 
Amerikanische fand sich leider in der Ausstellung viel weniger 
vor, als in den amerikanischen Städten. Zum höchsten Aus- 
druck kommt die Kunst in der Reklamemalerei, welche be- 
kanntlich in Amerika auf hoher Stufe steht. Man hat es ver- 
standen, auch die lateinischen Schriftzeichen malerisch wir- 
kend anzuwenden und zeichnet die Plakate selbst in Aquarell- 
manier. Man kann sagen, dass sich diese Art dekorativer 
Kunst ohne Rücksicht auf einen Stil mit alleiniger Rück- 
sicht auf das, was praktisch ist, entwickelt hat. — An eine 
Ausstellung von Arbeiten aus amerikanischen Materialien 
schloss sodann Herr K. Engelbrecht einen Vortrag Über 
Kunstverglasungen : Die Einrahmung von Bildern und Spiegeln 
geschieht in Amerika in einfacher Weise, es war daher auf 
diesem Gebiete von den Amerikanern nichts ausgestellt. Die 
Verwendung der Spiegel geschieht in reichem Maße zur 
inneren Ausschmückung von Läden. Wirtschaften und 
Barbiergeschäften u. zw. meistens zum Zwecke der Reklame. 
Auf hober Stufe steht die Anfertigung von Blei verglasungen, 
und das lebhafte farbenreiche Straßenbild wird durch die 
häufige Anwendung der Bleiverglasung in Wohnhäusern, 
Schaufenstern, Thflren etc. nicht wenig gehoben. Mit der 
Anfertigung von Kunstvei*glasungen und von Glasmalereien 
beschäftigen sich eine große Anzahl Fabriken, welche zahl- 
reiche deutsche Arbeiter angestellt haben. Diese Fabriken 
fertigen eine neue Art von Glas an. Opal- oder Opalessentglas 
genannt, welches sowohl der Glasmalerei, als auch der Kunst- 
verglasung dienen kann. Das Opalglas ist gewalztes Glas 
und hat seinen Namen von seiner opalisirenden Eigenschaft. 
Opalglas giebt auch bei mehrfarbiger Glasmalerei stets den 
Grund ab. Beim Walzen des Opalglases wird gleich darauf 
Rücksicht genommen, dass sich die verschiedenen Farben so 
verteilen, dass besondere Farbenwirkungen, sowie lichte und 
dunkele Stellen entstehen. Das Glas ist entweder auf beiden 
Seiten glatt, oder wellig und faltig. Ferner finden Glassteine 
in gepresster und geschliffener Form die verschiedenartigste 
Verwendung. Aus farbigen Glasklumpen macht man durch 
Zerschlagen Glassteine, in deren unregelmäßigen Kanten sich 
das Licht in wirkungsvoller Weise bricht. Effektvolle An- 
wendung finden diese Glassteine häufig bei Firnfenschriften. 
Eine Anzahl amerikanischer Glasmaler ist, so weit es Kirchen- 
fenster betrifft, dabei geblieben, Antik- und Kathedralglas 
zu verwenden. Die teilweise oder ausschließliche Verwen- 
dung von Opalglas hat aber einen eigenartigen freien Stil 
und eine besondere Technik in der Ausführung ausgebildet; 
denn das Opalglas eignet sich fQr ornamentale Wirkung ganz 
vorzüglich. Zur Herstellung des Faltenwurfs hat man be- 
sonderes Glas, welches Faltenglas heißt, ebenso das Feder- 
glas zur Nachbildung von Flügeln. Um femer bei einzelnen 
Teilen besondere Farbeneffekte und Abschattirungen zu er- 
zielen, schneidet man dieselben aus andersfarbigem Kathedral- 
oder Orgel glas nochmals aus und bleit sie an der Rückseite 
auf; so sind manchmal Teile dreifach plattirt; da die 
Schattirung im Glase nicht gemalt ist, so ist die Gesamt- 
wirkung bei Beleuchtung eine eigenartige, weiche, feurige. 
Alle architektonischen Motive oder Strukturgegenst&nde 
lassen sich mit Hilfe dieser Technik schön wiedergeben. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



75 



Die Anwendung des Opalglases hat die Glasmalerei in 
Amerika ziemlich zurückgedrängt und nahezu das ganze Feld 
der Dekoration Öffentlicher und privater Gebftude erobert. 
Als Motive findet man jede Art von Ornamentik, streng 
omamentale wie naturalistische. Die Blei verglasung wird auch 
in der mannigfachsten Form angewandt. Vor den Apotheken 
findet man Laternen in Form von Mörsern, vor Weinstuben 
solche in Form von Fftssem oder Trinkgläsern etc. Von be- 
sonders prächtiger und feiner Wirkung sind Bleiverglasungen 
aus hellem facettirten Spiegelglas, welche gleichfalls viel- 
seitige Anwendung finden und die Ursache sind, dass in 
Amerika die Glasschleiferei auf einer sehr hohen Stufe steht. 
Auffallend selten findet man geätzte Scheiben. Als besonders 
praktisch verdient erwähnt zu werden, dass die Straßen- 
namen, an hervorragenden Teilen der Straßenecken und 
die Tourenbezeichnung der Pferdebahnen im inneren Teil 
der Wagen auf farbiges Glas geätzt sind und sowohl bei 
Tage, als auch abends bei künstlichem Licht weithin leuch- 
ten. Redner beschreibt sodann eingehend eine große Werk- 
statt für Kunstverglasung , deren mannigfache Erzeugnisse 
und deren großartige Vorräte an verschiedenartigem Ma- 
terial das Erstaunen jedes Besuchers erregen musste. Bei der 
hohen Entwickelung. welche die Kunstverglasung in Amerika 
genommen hat, durfte man erwarten, in der Ausstellung be- 
deutende Werkstätten in ihren besten Leistungen vertreten zu 
sehen. Dass diese Erwartungen sich in heryon-agender Weise 
erfüllt haben, wies Redner zum Schluss durch Schilderung 
einiger Ausstellungsgegenstände nach. — Als dritter Redner 
sprach noch Herr C. Wolbrandt über das amerikanische 
Einzel Wohnhaus und seine Einrichtungen. Am Schluss der 
Versammlung brachte Herr Bauinspektor Necker das Gefühl 
des Dankes zum Ausdruck sowohl an diejenigen, welche den 
Herren die Reise nach Chicago ermöglicht haben, als auch 
an die Redner selbst, welche das Interesse des Vereins durch 
Berichte über ihre Beobachtungen in so hohem Maße ge- 
fordert hätten. (Hamburger Nachrichten.) 

Karlsruhe^ Der Badische Kunstgewerheverein hielt 
am 3. Dezember 1893 in Karlsruhe seine Jahresgeneralver- 
sammlung unter zahlreicher Beteiligung seiner Vertreter aus 
allen Gegenden des Landes. Außer den Karlsruher Mit- 
gliedern waren solche erschienen aas Mannheim, Heidelberg, 
Mosbach, Pforzheim, Durlach, Baden, Offenburg, Triberg, 
Furtwangen, Villingen und Freiburg. — Der erste Vorsitzende, 
Herr Direktor Götx^ eröffnet mit Punkt 1 „Satzungsgeroäße 
Ergänzungswahl des Vorstandes'' die Tagesordnung. Die 
vier ausscheidenden Vorstandsmitglieder Architekt Q, Bayer ^ 
Tapetenfabrikant 0. Kammerer, Professor B, Kossmann und 
Professor H. Volx wurden als solche wiedergewählt. Dem 
verstorbenen Ehrenmitgliede, Herrn Geh. Rat LÜbke, widmet 
der Vorsitzende einen ehrenden Nachruf. Alsdann folgte 
der Jahresbericht, erstattet durch den Vorsitzenden. Nach 
demselben beträgt die Mitgliederzahl 610, wovon 271 auf 
Karlsruhe, 306 auf die anderen Landesteile, 25 auf das 
übrige Deutschland entfallen. 8 gehören dem Auslande an 
und zwar St Petersburg 2, St. Gallen 2, Basel, Winterthur, 
Florenz, New York je 1. — Wir entnehmen dem Jahres- 
berichte femer, dass der Verein seitens Sr. K. H. des Groß- 
herzogs von Weimar mit der goldenen Medaille ausgezeich- 
net wurde. Den neuernannten Ehrenmitgliedern des Vereins 
Excellenz Dr. L. Turban y Präsident der Oberrechnungskam- 
mer, und Staatsminister Dr. L. Nokk wurden künstlerisch 
ausgestattete Ehrendiplome überreicht. Der Berichterstatter 
giebt ein ausführliches Bild über die vielseitige Thätigkeit 
des Vereins im abgelaufenen Jahre und zwar über die Monats- 
versammlungen, Vorstands- und Kommissionssitzungen, Ver- 



einsausflüge, Ausstellungen, Beteiligung am Delegirtentag 
der deutschen Kunstgewerbevereine sowie Über die erfreu- 
liche Entwickelung des Kunstgewerbemuseums. Mit beson- 
derem Danke wird derer gedacht, die in diesem Jahre dem 
Kunstgewerbemuseum so zahlreiche und wertvolle Stiftungen 
zugewendet haben, unter den Ausstellungen ist insbeson- 
dere jene des englischen Malers und Zeichners Waller Orane 
zu erwähnen, die in dem Lichthofe der Großh. Kunstgewerbe- 
schule angeordnet und sehr gut besucht war. — Über Punkt 3 
der Tagesordnung „Rechnungsn ach weis und Voranschlag'' 
berichtet der Schatzmeister Herr Bankier und Konsul R. Kölle. 
Nach dem ersteren betragen die Einnahmen 6192 M. 71 Pf., 
die Ausgaben 5524 M. 76 Pf., somit Vermögenszuwachs 
667 M. 95 Pf. Der übrige Vermögensstand beträgt außer 
Inventar 6047 M. 61 Pf. Der Voranschlag für das neue Ver- 
einsjahr wurde einstimmig gutgeheißen. Von besonderem 
Interesse war Punkt 4 der Tagesordnung : „Bericht über die 
Weltausstellung in Chicago", erstattet von Herrn Direktor 
Oötx, Zu demselben waren im Saale eine größere Anzahl 
trefflicher Photographieen der Ausstellungsbauten sowie 
Pläne und Grundrisse der deutschen und badischen Ab- 
teilung aufgestellt. In vierstündigem Vortrage gab Redner 
ein lebendiges Bild seiner interessanten Erlebnisse. Während 
die Sjeefahrt, der Aufenthalt in New York, der Besuch der 
Niagarafälle, Kanada, Buffalo und Detroit nur flüchtig ge- 
streift wurden, behandelte Redner eingehender die Verhält- 
nisse in Chicago während der Zeit seines dortigen Aufent- 
haltes und schilderte in drastischen Beispielen das Mühe- 
volle und Anstrengende jener Tage, die großen Schwierig- 
keiten, die nach jeder Richtung zu überwinden waren, um 
das gesteckte Ziel zu erreichen. Die noch unfertigen An- 
lagen, das Chaos innerhalb der Ausstellungsbauten, der 
trostlose Zustand der Straßen und Gehwege, die widerwär- 
tigen Verhältnisse des Bahnverkehrs, das anhaltend ungün- 
stige Wetter und die fortwährenden Erkrankungen des Hilfs- 
personals, die durch die Zollrevision verursachten Verzöge- 
rungen, alle diese Verhältnisse wirkten auf die Entwickelung 
der Arbeiten ungemein hemmend. Dazu traten die so un- 
liebsamen Arbeiterstreiks und die weiteren Störungen, welche 
durch das Fehlen, Verschleppen oder die ruinirte Ankunft 
so vieler Ausstellungsgüter herbeigeführt wurden. Die vor- 
bereiteten Pläne erwiesen sich oft als unbrauchbar, weil die 
zugeteilten Plätze mit den ursprünglich Überwiesenen nicht 
übereinstimmten und daher neue Dispositionen der Anord- 
nung und Gruppirung erforderten. Besonders anstrengend war 
die Zeit vor der Eröffnung, woselbst mit doppelter Kraft 
gearbeitet wurde, um die Hauptanlage der deutschen Fassa- 
den und des Ehrenhofes fertig zu gestalten. Die gemachten 
Anstrengungen führten denn auch zu dem Ergebnisse, dass 
die deutschen Abteilungen, sowohl im Industriepalaste, als 
im deutschen Hause in ihrer dekorativen Anordnung am 
Eröffnungstage, den 2. Mai, der Hauptsache nach beendigt 
waren und einen durchschlagenden Erfolg erzielten. Die 
weitere Anordnung der Ausstellungsarbeiten nahm noch den 
ganzen Monat Mai in Anspruch. Redner beschreibt nun 
die Eröffnungsfeier, den Besuch des Präsidenten Cleveland 
und schildert eine Reihe weiterer Momente, welche das Bild 
angenehmer gestalten. Es sind dies: das Fest bei dem Präsi- 
denten Higintothem zum Empfange des Herzogs von Vera- 
gua, die Feier im Lezington Hotel und im Germaniaklub 
zu Ehren der deutschen Presse, die Weihe des deutschen 
Hauses zu Ehren des deutschen Reichskommissars, der 
deutsche Kommers u. s. w. Er beschreibt femer die deut- 
sche und insbesondere die badische Abteilung und zieht 
mit einer Kritik der deutschen Grundrissanlage eine Paral- 

10* 



76 KLEINE MITTEILUNGEN. 

lele mit der franEOiiicheii Abteilung. In einem tod ihm bofe am den Zugang lu der dentaohen Qftlerie Termittelten 

gezeichneten Qnindriise giebt Direktor OötXf ein enchOpfen- und einen betseren Bemoh der letsteren berbeigefQbrt h&t- 

dee Bild einer anderen Anlage, die aoBer Zweifel für die ten. Dieie Freitreppen, lu beiden Seiten der Kgl. Fotsellui- 

dentache Abteilang eine noch weit gOnitdgere Wirkong er- manahktnr Berlin gedacht, h&tte rach &nBer«t dekorativ 

lielt hätte. Nach derselben w&re mit Beibehaltung der to anibilden lanen. Die«e ganze Anlage hätte ebenao wie die 

BChOnen nnd mächtigen Fasaadenarohitektar, die Herr AuBenfasiade groSarfig gewirkt, das Oewinkel dei dentKben 

Hoffadctr trefflich gelO«t habe, der sogenannte Ebrenhof Grundrinee wäre vermieden nnd manche gute dentacbe 



Theekune «ntworten and «ugetährt vom HoQnweller N. TrObhkb In Heidelberg, aaagestellt in Ch<ct^. 

um das vielfache vergrOSeit worden. Die sächsische TextiU Arbeit, die im Verboigenen glänite, cur Geltnog gebracht 

indnatrie hätte einen anderen, nicht minder guten Platz er- worden. Redner habe seine Ideen schon vor einem Jahre 

hulteo, die Kgl. Porselltuiaianufaktur Meißau, die Firmen an mafigebender Stelle entwickelt, als es noch hinreicheud 

Tilleroy nnd Boch, Glodeubeck nnd Stote, vor allem aber Zeit war, sie in berftcksiohtigen. Ferner bericfat«t Redner 

die trefflichen MQnchener Arbeiten wären mit in den Rah- Dber die Prftmürungafrage, Ober die Gnmdsätie bei Ter- 

men dieses Ehrenhofee eingeic^D worden. Wae jedoch teilong der Geichsbeiträge. Dankbar gedenkt er hente der 

beaonders einlenchten musste, waren die in dem Projekte Unterstützung seitens des Reiches nnd der GroSherzogUchen 

voi^eaehenea wirkungsvollen Freitreppen, die vom £hren- Regierung. Er hege keinen Zweifel, da« der Erfolg Dentach- 



H. KlUFFHlNK in 



78 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



lands von günstigster Nachwirkung fllr die Zukunft sei und 
unserem Schaffen neue und lohnende Absatzgebiete sichern 
werde. — Nach der Schilderung der Rtickreise und der Ankunft 
in Karlsruhe schliefit Redner mit dem poetischen Oruße, der 
ihm seitens seiner Kollegen und Freunde zu Teil wurde. 
Reichlicher BeifiEJl der Anwesenden folgte dieseth interes- 
santen Vortrage. — Bei Punkt 5 der Tagesordnung „Bericht 
Über den Stand der Silberlotterie'' gelangt der Wunsch zum 
Ausdruck, es mOge noch mehr als bisher der gemeinnfltzige 
Zweck des Unternehmens nach anfien bekannt gegeben 
werden. Der Vorsitzende erläutert nochmals eingehend den 
Zweck des Unternehmens, welches beabsichti'gt, einen Fonds 
zu begründen, aus dessen Zinsen tüchtigen und strebsamen 
Kunsthandwerkern Aufträge zugewendet werden sollen. Die 
im Oange befindliche Silberlotterie, welche den ersten Schritt 
bildet, das angestrebte Ziel zu erreichen, könne bei günsti- 
gem Verlaufe ja nur die erste Grundlage beschaffen, es be- 
dürfe ftUr die Zukunft noch weiterer Maßnahmen , diese 
Grundlage so zu mehren, dass sie ihren Zweck zu erfüllen 
im stände sein wird. Auf eine daraufbezügliche Eingabe an 
die Großh. Regierung sei bereits in das Budget 1894/95 als 
deren Beitrag die Summe von 2500 M. pro Jahr eingestellt 
worden und giebt Redner dem w&rmsten Danke gegenüber 
diesem Wohlwollen Ausdruck. Über den Stand der Silber- 
lotterie selbst berichtet Herr Hofuhrmacher F. Pecker, — 
Nach einer geschäftlichen Mitteilung, die sich auf die Mün- 
sterbaulotterie in Freiburg i. Br. bezog, und unter Dank für 
die zahlreiche Beteiligung wird die Generalversammlung 
geschlossen. — Das darauffolgende gemeinschaftliche Essen 
nahm einen Oufierst gemütlichen Verlauf. Den ersten Toast 
auf 11. KK. HH. den GroOherzog und die Grofiherzogin brachte 
Direktor Oötx; diesem folgte der Toast des zweiten Vor- 
sitzenden, Herrn Hoflichtdruckereibesitzer «7. Schober, auf 
Se. K. H. den Erbgroßherzog als Protektor des Vereins. Herr 
Bankier Kölle brachte der Grofih. Regierung den Dank des 
Vereins mit einem Hoch auf deren anwesenden Vertreter 
Herrn Ministerialrat Braun ^ worauf letzterer der erfolg- 
reichen Thfitigkeit des Vereins gedachte und auf dessen 
ferneres Gedeihen ^sein Hoch brachte. Es folgten noch eine 
Reihe anderer Toaste auf den Vorsitzenden und die Übrigen 
Vorstandsmitglieder, w&hrend Herr Fabrikant L, Ziegler 
aus Köln in humoristischer Weise eine kOstlich durchgebil- 
dete, künstlerisch ausgestattete Flasche Kölnischen Wassers 
überreichte, die er bei einem Kölner Antiquar als Beitrag 
für das Kunstgewerbemuseum erworben habe. 

Koburg* Kunst- und Oewerbeverein, Am 11. Dezember 
abends hielt der Kunst- und Gewerbeverein in der Bier- 
festung sein 69. Stiftungsfest ab. Der Kunst- und Gewerbe- 
verein zählt zur Zeit — 10 Ehrenmitglieder sind da mit ein- 
gerechnet — 506 Mitglieder. Dem vom Vereinssekretür, 
Herrn Lehrer Schneyer, gegebenen Jahresbericht entnehmen 
wir, dass im abgelaufenen Vereinsjahre 20 allgemeine 
Sitzungen stattfanden. Die Besucherzahl schwankte zvrischen 
40- und 300. In jeder dieser Sitzungen wurde ein größerer 
Vortrag gehalten; mit denselben waren zumeist Ausstellun- 
gen von technischen und Kunstgegenständen (besonders aus 
den Sammlungen des bayerischen Gewerbemuseums zu Nürn- 
berg], Neuheiten in gewerblichen Gegenständen, Arbeiten 
hiesiger Handwerker, Zeichnungen, Gemälde, Modellirarbei- 
ten etc. verbunden. Außerdem fanden noch eine Reihe öffent- 
licher Vorträge mit Vorführung von Skyoptikonbildem zum 
Besten des Baufonds statt. Femer wurde Erwähnung gethan 
der Lehrlingsarbeitenausstellung, des technischen Ausflugs 
nach Lichte am 20. Juni d. J., der Vorbereitungen für die 
geplant gewesene Jubiläumsausstellung, des gegründeten Ge- 



werbeansschusses , des Ausschusses für Neugestaltung des 
gewerblichen Zeichenunterrichtes in der Sonntagsschule, der 
ins Auge gefassten zeitgemäßen Umgestaltung der Gewerbs- 
witwenkasse etc. etc. Das Vereinsvermögen beträgt 6413 M. 
92 Pf.; der Baufonds ist durch die 640 M. betragenden Zu- 
wendungen des verstorbenen Geh. Justizrats Otto auf 928 M. 
60 Pf. angewachsen. 

Magd/tilnMrg. Der Kunstgewerbeverein veranstaltete 
am 24. November einen Fachabend, der sich mit der Kunst 
der Einlegearbeit in Holz befiisste. Nach einigen einleiten- 
den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Bild- 
hauer H. Habs, verbreitete sich Herr Dr. Volbehr Über die 
einzelnen Arten der Intarsiakunst, die verschiedenen Tech- 
niken vergangener Zeiten streifend, und erzählte dann in 
kurzen Zügen die Geschichte dieses kunstgewerblichen Spezial- 
gebietes von der antiken Welt bis zum Beginn des 19. Jahr- 
hunderts. Herr Heimster jun. berichtete dann an der Hand 
einer großen Anzahl von Originalen eigener und fremder 
Werkstätten von dem gegenwärtigen Stande der Einlege- 
kunst und charakterisirte die Absichten und die Wirkungen 
der wichtigsten Arten und Abarten dieser Technik. Die 
Herren Heimster sen., Köhler und Koch brachten noch eine 
Reihe von interessanten Mitteilungen zu diesem Thema ans 
dem reichen Schatz ihrer persönlichen Erfahrungen. 

(Mgdb. Z.) 

Magdeünarg. Der Kunstgewerbeverein veranstaltete 
am 1. Dezember abends einen öffentlichen Vortrag im un- 
teren Saale der „Freundschaft". Hen* Maler Retteibusek, 
Lehrer au der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule hier, 
sprach Über „Das Kostüm der Alten (Griechen und Römer)*\ 
Der Vortrag hub an mit einem kurzen Rückblick auf die 
Geschichte des Kostüms der asiatischen Völker und schil- 
derte dann in feinsinniger Weise den Gang des Kostüms 
nach dem Westen, nach Griechenland, und die Entwickelung 
desselben aus asiatischer Pracht, aus orientalischem Prunk 
zu hellenisch maßvoller Schönheit in plastischer und in ma- 
lerischer Beziehung. An der Hand der meisterhaften Kostüm- 
bilder. 50 Kartons von der Hand des Redners, die ringsum 
die Wände und Gestelle bedeckten, gab er ein überaus an- 
schauliches Bild von jedem einzelnen Stück der Gewandung 
und der Art seiner Benutzung, von den verschiedenen Arten 
der Fußbekleidung, der Haartracht und des Schmuckes und 
verbreitete sich eingehend Über die Entwickelungsgeschichte 
der griechischen Kriegsrüstung. Zu den Römern übergehend, 
charakterisirte der Vortragende den gegensätzlichen Charakter 
in dem Gange der Geschichte des griechischen und des rö- 
mischen Kostüms. Dort erwuchs aus orientalischer Üppig- 
keit allmählich ein weises, schönheitsvoUee Maßhalten, hier 
aus anspruchsloser Schlichtheit überladener Prunk. Die äußere 
Ähnlichkeit und doch Grundverschiedenheit der wichtigsten 
Kostümteile erfuhr ausführliche und anschauliche Würdigung 
und auch der ganze komplizirte Toilettenapparat einer Rö- 
merin der Kaiserzeit wurde den Hörern mit feinem Humor 
vorgeführt. Die Darstellung der Bekleidung und Bewaffnung 
des römischen Kriegers schloss diesen Abschnitt der Kostüm- 
geschichte und gab gleichzeitig Gelegenheit, auf die Über- 
winder Roms hinzuweisen, auf die Germanen, mit deren 
Herrschaft aach für das Kostüm ein neues Zeitalter ange- 
brochen sei. (Mgdb. Z.) 

AUSSTELLUNGEN. 

Erfurt. Thüringer Gewerbe- und IndueirieaussteUung 
XU Erfurt 1894, Mit der im nächsten Jahre stattfindenden 
Thüringer Gewerbe- und Industrieausstellung wird auch eine 
Abteilung für Kunst, Kunstgewerbe, kunstgewerbliche und 



80 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



knltnihiatorische Alteitflmer verbuudea mü. Die hierflir 
t>eeteh«nde Omppe hkt eine auBerord entlieh rege TUtigkeit 
entfiütet und d. a. aunichtoreicbe Terbftndlnugen mit dem 
Verbände der westlich der Elbe existirendeQ Ranitvereine 
angeknüpft, nm eine mit der Indiutrieausstelliuig organisch 
sn verbiadende EonabaimteUiing ins Lehen la rufen, welche 
den AuBBtellangHbesnchem w&hrend einer Dauer von sechg 
Wochen 000 Gem&lde in drei seitlich Mfeinanderfolgenden 
Abteiinngen vor Augen HUueD soll. Algdaon wird auch ein 
nach echten ThOringerwaldt^pen konitroirtes tbflringiichei 
Banemhaoa errichtet weiden, welche« in enter Reihe eine 
originelle Gaitstube enthUt, and an das sich NebecgelAade, 
Scheune d. b. w. anschließen sollen. Zur inneren Auischntük- 
IcuDg dieses Hauses mit Thüringer Volkstrachten und ethno- 
graphischem, der nBchsten Heimat entnommenem Material 
hat sich der Thüringer Waldrerein in hochhertiger Weise 
bereit erklär! Hier wird auch Raum vorbanden sein, um 
die geschichtliche Entwickelung einzelner ThQringer Gewerbe 
EU veranschaulichen. In Aussicht genommen sind bierfllr 
die Weberei, die Keramik, die Entwickelung der Werkienge 
und Waffen, vielleicht auch die Olasindustrie, und swar von 
der voi^eschichtlichen Zeit beginnend bis lum heutigen 
modernen Zeitabschnitt. Es wttrden t. B. in der Gochi^te 
der Weberei die charakteristischen Formen der Webe- 
gewichte, die Spinnwirtel, WebeetOble, vor allem aber die 
Gewebe selbst in den verscbiedeneu lYachteo und QewKn- 
dem vorgeführt werden. Die Keramik würde mit den alten 
Thonge^rn (Urnen) der vorgeschichtlichen Zeit in ihren 
eigenartigen Fomiea und Verzierungen beginnen, und bis 
za den formvollendeten Erzeagnissen der heutigen Thüringer 
Keramik sieb erstrecken. Die historiBche Darstellung der 
Waffen and Werksenge endlich würde mit den einfachen 
Feuersteinsplittem der Taubacber Funde anheben und sich 
fortaetzea durch die Steineeit, Bronzezeit und die Jahrhun- 
derte des Mittelalters bis zu der hochentwickelten thürin- 
gischen Waffenindostrie unserer Tage. 

WETTBEWERBUNG. 
Der Verband keramüeher Qeaerke in DeuttMand ver- 
öffentlicht in der Beilage zu Nr. 48 des „Sprechsaals" ein 
Preisausschreiben fOr keramische Entwürfe 1S94. Die Auf- 
gabe lantet: Einzureichen ist der in Wasserfarben aasge- 
fÜhrte, in natürlicher GrCBe gehaltene Entwurf fQr ein Kaffee- 
und Tbeegeschirr, in Porzellan oder Steingut herzustellen. 
Das GeKhirr soll bestehen aus Kaffee- und Theekanne, Rabm- 



kftnncbeu, groBer Milchkanne, Kaffee- and TbeetosM, Zucker- 
dose nod Znckerscbale, Eucbenplatte oder gioBem Eacben- 
teller, Teller, Spfllkumpen. Die OeffiSe sollen im Rokoko- 
stile der Regentacbaft, oder Lonii XT., oder Lonis XVI. ge- 
halten sein. Die Dekoratioa soll bestehen aus plaatiachen, 
reliefirten Ornamenten, welche fiirbig stafBrt werden kOnnen, 
und aus Haiereien. Für Prftmürong steht die Summe von 
M. 350. — zur Verfügung. Die Verteilung denelben aof 
die drei besten Arbeiten bleibt der Kommission vorbehalten. 
— Die Zeichnungen sind bis zum 31. Hai 1891 an ProfeMor 
Alei. Schmidt in Coburg postfrei — und mit der Bezeich- 
nung — „VIL Preisbewerbung" — einzusenden. Die ge- 
naueren Bestimmungen sind von der RedsJttion des „Sprech- 
saal" in Koburg kostenfrei zu beziehen. 

ZEITSCHRIFTEN. 

Ba;erlHhe eewerbeseltniig. 18D8. Nr. S8 a. 2ft. 

I)i< UsfniM de* orlenMltaoben Knilpfteppichi. Von Dr. Rieel, 
Du rBmlscb - esrniuilicbe CeattalmuBeiim in Hsliu. — Dia fia- 
deutung aenarbllclier FuHuchulsn. Von Prof. C. Th Pohllg. 

Bncbgewerbeblatt. l8«</04. Heft 4-8. 

Die ScbBeldemaschlnan. Von P. Sturm. — Dentsoliei Kmist- 

drnokpapler, — Wlake Air die Fapleiprüfniu in der Pnxb. 

YoD W.llerEbsrB. — Der Leipziger Baohhuiael IBM. Vob Dr. 

0. T. Hase. 
MlttellnngeB dei k. k. SaterreleUscIien Hümiiki fllr 
Kniut und Indiutrle. 18VS. Deiember. 

Die WeihnmcbUftaittellUDg Im k. k. OatarrBlcklicheB VnMiuii. 
Vop^J. T. Fklke. - FolnVhe WuMizeloben von B. Bneber. 
— Über du Pbantestlsche and Satirlsclie in der kirchLohen Koast. 
Von Prof. Dr. W. A, Nemnum. (Schlu»» J 

8pre«buutl. 1893. Nr. 47/62. 

Der neue Siemena-IUeenentivoren mit vollkommener Oawtnnuig 
der AbblTie und RilckvetwiiDdluDg der Kahleniiiare der Abnae 
in Breongu and der elCs Siemeas-RegaDBTBtivarxn mit gleieh- 
zsltiger \orwtlrmang, sowohl der VerbTeonnugeluft als Kaoh der 
Uenerslorgue. — H&gnetapparate zur HuierainigDUg IBr Per- 
zellän- nod Stein gnutbriken . sowie fUr SobluimereieB. — 
Die Keruuik aaf der KolumblacheD Weltauiitelluiig. (Fortsetziuc 
nnd Schlosi.) — Schutz der Wersawlcben. — Deutacbe und itiei'> 
nliche Arbeiuweise des FenstHrgtues, — Die Aaafiihr von ksnat. 
und Oluvsren bdi Kngland in den Jahres 16B8 bis ISil. — 
NBohdiuck von Pateotanmel dangen. — Bzry^arEallsu. — Die 
fietsnaichliche Arbeltarkrankenveraloberung. — Die PfttentAhig- 
kelt beetimmtar ElgenaDhafien eines bekuinten StofTei zd einem 
besonderen Zwecke. — Lotanatreltigkeitsn vor dem Oewerbe- 
gericbt 
ZeltMhrift d« Baftrlflohen KnnstgewerbeTereina. 189S. 
Hen 11/12. 

Konstgewerblichea von der WeltauBitelluUK in Chicngo. Von 
L. Omelin. (ForUetznng.) — Die liietorisohe Abteilang dar 
Tiroler Luideaausatellong von 1B8B. Von Prof. Dr. Sempttr 
ISchluaa) . 

Zeitschrift für InBendekonttioii. 18V8. Heft 12. 

Du Kanatgewerba Im Alltualeben. Von Dr. Tb. Volbehr. — 
Von dar WelMuutelloDg in Chicago. Ton U. SchllepmanB. 
V. Dl6 Gobellna. Von H. Botbmer. — Die Verwertnn« der 
Volkakunat In der Innendekoration. Von R. Mielke. — Daa 



Von L. Damw 



Eapete in 8ens. 



Heranq^ber: Artkur Pat>tt in KCIn. — Für die Redaktion verantwortlich: Arlur Seemann in Leipzig. 
Druck von Augutt Pries in Leipzig. 



KnB 8f gewerblicher 
Zeiehner. 

Junger Manii , flotter Zeichner, styl' 
kundig, Abtolv. der MOnchner Eunstge- 
werbMcbole, aeit Jahren in einer h&den- 
tenden Bronzevarenfahrik SDddeobch. 
lands beecbäftigt, sacht baldigst Stelle. 

Otferten nnter TT. 2604 diiKh Bndvlf 
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jdi^ner, fomte füc SUcttantcn. 

^lautgrgrbfn Hon 

Mai M^^tty 

Kii^lrflt un» Stf/Ia Br «unRonontt sn 

Hr emntlgtiDntirfituIc in SMti. 
3ftit rinem «tlnS, enl^. 8 tofdn 
mit 77 XbbUbunQen. itsc] 

(C. S. «<f . S Ifart SS WV. 

Bnrfltii In tut» BHi^lraklKngcM. 



Bemalter Ofen «m S ei miaiM i aaü T. J. t«7S. Bemaltes ThÜrband «u SdunMsciMn. ScbloM Velthmi tun ijSo- 

SDanccwarbabUn. Utb. AbM. tob J. □. TiitnAi lo Id 



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uviuoiici vicu Mt scnHWMUMD T. J. i»75. CcmaltCS i nurband t,v» iiclimiedcewtn. licbloa Vclthnm* mn 1580. 
Knasttnrarbabltn. Uth. Aut. tob 1. Q. VriliKh* in Ld 



ScbmledeelaemeB Obellicbtgltter. GeEcIcbnet v 



I A. Lacioier 



BEMALTES SCHMIEDEEISEN. 

VON K. VON CZIEAK 



ON Herrn Direktor Leseing 
ist in einem früheren Bande 
dieser Zeitschrift (3. Jabrg. 
1887 S. 41 ff.) die Ansicht 
angesprochen worden, daas 
die Mehrzahl unserer älteren 
Schmiedearbeiten nrsprUng- 
~ ■ - ■ lieh bnnt bemalt gewesen 

seien. Ich habe diese Beobachtung, die sich übrigens 
aus den Kunstanschauungen der früheren Zeiten voll- 
ständig erklärt, fast in allen FSUen bestätigt gefunden, 
in denen eine Prüfung möglich war, und bin heute 
in der Lage, einige weitere Beiträge zu diesem 
Kapitel zu liefern. Durch diese schiebt sich die 
Zeil^enze, in welcher die bunte Bemalung gepflegt 
worden ist, etwas weiter gegen unser laufendes Jahr- 
hundert herauf. 

Die Bestrebungen, das Material Gberall mög- 
lichst zu zeigen und äußerlich in der Erscheinung 
zur Geltung zu bringen, gehören einer Terbältiii.s- 
mäßig jungen Zeit an. Sie sind naturgemäß zuerst 
in der Baukunst zum Vorschein gekommen und 
bilden ein Hauptverdieust der Hannoverschen Ärchi- 
tektenschule , die unter Führung eines Hase, 
Oppler zuerst den Kampf gegen das eingerissene 
Ranittnw«rb«b1att. N. F. Y. H. G. 



Unwesen des Putz- und Blendbaus aufgenommen hat. 
Kamentlich in Norddeutschland hatte diese Bauweise 
in den kümmerhchen Zeiten nach den Freiheitskriegen 
unter der Not der Verhältnisse sehr um sich ge- 
griffen. Während noch bei den am Ende des IS- 
Jahrhunderts aufgeführten öffentlichen and größeren 
Privatgebäuden in der Regel zum wenigsten die 
Gliederungen, Gesimse und Fenstereinfa-^ungen aus 
natürlichem Stein hergestellt wurden, war ein SehinJcel 
genötigt, das Königliche Schauspielhaus im Patzbau 
aufzuführen. (Beiläufig sei bemerkt, dass dieser in 
der Neuzeit einer Sandsteinverblendung gewichen ist.) 
In der Folge ist jene in klassizbtischen Formen sich 
bewegende Stuck- und Gipsarchitektur erstanden, die 
als Typus des großstädtischen Mietshausbaus leider 
von Berlin aus in viele andere Städte der preußischen 
Monarchie übertragen worden ist. In Süd- und 
Sfidwestdeutschland hatten sich schon wegen des 
größeren Reichtums an natürlichen Steinen und des 
niemals ganz außer Übung gekommenen Werkstein- 
baus im allgemeinen gesündere Prinzipien erhalten. 
Dem Putzbau der Berliner Schule gegenüber 
vertrat die Uannöverschcj in Anlehnung an die 
mittelalterlichen Bauwerke der Mark und Mieder- 
sachsens, den Standpunkt, das Material unter allen 
11 



82 



BEMALTES SCHMIEDEEISEN. 



Umständen zu zeigen und jede Scheinkonstruktion 
grundsätzlich zu vermeiden. Der Backsteinrohbau, 
durch buntglasirte Steine belebt, herrscht in den 
Schöpfungen jener Richtung durchaus vor; ebenso 
ist ihr die Abneigung gegen jede Art von Putz eigen, 
selbst wo dieser berechtigt ist, als Flächenpräx. Wie 
der Stein, so musste auch das 
Holz seine Oberfläche unmit- 
telbar ohne jede Hülle sichtbar 
machen. Die Foumirung, der 
deckende Olanstrich oder gar 
die früher beliebte Nachah- 
mung wertvollerer Holzarten 
wurden nicht mehr geduldet. 
Thüren, Fensterrahmen, selbst 
wenn sie aus gewöhnlichem 
Tannenholz gefertigt waren, 
wurden mit Leinöl getränkt 
und erhielten höchstens mit 
Farben bunt abgesetzte Kanten 
und Fasen. Auch das Schmie- 
deeisen musste als solches 
kenntlich gemacht werden; da 
man des Rostes halber den 
schützenden Olfarbenanstrich 
nicht gut entbehren konnte, 
so wählte man entweder die 
schwarze Farbe (Asphalt- oder 
Eisenlack) oder die Silber- 
bronze als am passendsten und 
bezeichnendsten für das rohe^ 
geschmiedete und das blank 
bearbeitete Material. 

Den sehr gesunden Grund- 
sätzen dieser Bauweise kann 
man die Zustimmung nicht 
versagen. Die Forderung je- 
doch, dass an einem Bauwerk 
oder kunstgewerblichen Ge- 
genstand alles „echt' sein 
müsse, hat ihre Grenze in der 
Beschaffenheit des Materials 
selbst. Der sogenannte Rohbau 
ist nur dort berechtigt, wo die Oberfläche des Ziegels 
an und für sich so schön und gediegen ist, dass sie das 
Auge befriedigt und gleichzeitig den Einflüssen der 
Witterung auf die Dauer widersteht. TJngeputzte 
Häuser aus schlechten, unansehnlichen Backsteinen, 
wie man sie in Thüringen und Mitteldeutschland in 
kleineren Städten nicht selten antrifft, nebenbei 
schlecht oder gar nicht gefugt, sind ein wenig er- 




Heitenansicht des schmiedeeisernen bemalten Ofens 
in Schloss Rötheistein. 



freulicher Anblick. Das Holz in seiner natfirlichen 
Beschaffenheit zu zeigen, darf nur dort erlaubt sein, 
wo dieses ganz fehlerfrei und tadellos in der Be- 
arbeitung ist Dasselbe gilt von jedem anderen 
Material^ insbesondere auch vom Schmiedeeisen, Nur 
wo auf die Auswahl des Materials, auf dessen Her- 
richtung und Bearbeitung Sorg- 
falt und Mühe verwendet wor- 
den ist, kann zugelassen wer- 
den, dass dieses in seiner 
natürlichen Erscheinung ge- 
zeigt wird. Bei minderwertigem 
Material ist eine Verkleidung 
durch deckende Hüllen und 
eine Bemalung oder Färbung 
nicht nur erlaubt, sondern oft 
eine unbedingte Forderung. 
Ihren unansehnlichen Porös- 
baustein haben die Griechen 
ebensogut mit bemaltem Stuck 
überzogen, wie das Mittelalter 
seine Bauten aus geringwerti- 
gem Ziegelmaterial ; der parische 
oder pentelische Marmor d^ 
attischen Tempelbauten, die 
Sandsteinfassaden der gotischen 
Dome und das vorzüglich ge- 
brannte Material der Eorchen 
und Thorbauten der norddeut- 
schen Tiefebene waren an und 
für sich schon genug, um die 
äußere Erscheinung der Bau- 
werke zu zieren. Es ist der alte 
Gegensatz einerseits zwischen 
dem Verkleidungs- oder In- 
krustationsprinzip, das Semper 
in seinem nStil" mit bewunde- 
rungswürdiger Schärfe ausein- 
andergesetzt und auf die Be- 
kleidung vorübergehender Fest- 
bauten mit Teppichen und 
anderen Erzeugnissen der tex- 
tilen Kunst zurückgef&hrt hat, 
und andererseits dem in der gotischen Kunst herr- 
schenden, wo die Konstruktion stets ohne jede 
Hülle gezeigt wird. Jedenfalls gilt aber auch fGr 
die letztere Richtung der Grundsatz, dass das 
Material an und für sich einen gewissen Wert haben 
muss, um beanspruchen zu dürfen, an einem Werke 
äußerlich zu erscheinen, das für schon gelten soll. 
Für die gotische Kunst und die ihr nachstrebenden 



BEMALTES SCHMIEDEEISEN. 



83 



modernen Richtungen hat dies allerdings die Be- 
deutung, dass minderwertige Stoffe überhaupt nicht 
verwendet werden dürfen. Wie weit sich dies 
praktisch immer verwirklichen lässt, soll dahin 
gestellt bleiben. Ebensowenig soll über die künst- 
lerischen Erfolge der bis zum Äußersten getriebenen 
Forderungen dieses Prinzips geurteilt werden. Es 
scheint mir aber, dass eine gewisse Einförmigkeit 
sich manchen modernen Rohbauten nicht absprechen 
lässty namentlich, wo sie in größerer Anzahl oder 
gar in ganzen Stadtvierteln geschlossen auftreten; 
auch gegen die umgebende Landschaft wirken sie 
als völlig freistehende Bauwerke nicht immer günstig. 

Dass das uns hier beschäftigende Schmiedeeisen 
nicht zu den Materialien gehört, deren Oberfläche 
an und für sich schön ist und aus diesem Grunde 
zur Schau gestellt werden kann, wie beispielsweise 
die Edelmetalle und bis zu einem gewissen Grade 
die Bronze, ist ohne weiteres einleuchtend. Werden 
d«ch auch diese durch Beizen, Anlassen, durch die 
Verschiedenartigkeit der Legirung innerhalb einer 
begrenzten Farbenskala gefärbt, um in der Neben- 
einanderstellung lebhafter zu wirken! 

Aus dem Feuer kommt das Eisen unansehnlich 
und ungleichmäßig gefärbt infolge der verschieden- 
artigen Oxydation der Oberfläche; auch trägt es die 
Spuren der Hammerarbeit an sich. Durch eine Be- 
arbeitung mit Feile und Schmirgel lässt es sich 
zwar glätten und selbst bis zum höchsten Glanz 
poliren. Diese mühsame Bearbeitung erhöht natür- 
lich den Wert des Materials erheblich und würde die 
sichtbare Verwendung desselben genügend recht- 
fertigen. Blanke eiserne Beschläge in ausgesäter 
oder durch Meißelschläge verzierter Arbeit haben 
von jeher, besonders im Mittelalter und in der 
Renaissancezeit, vielfache Verwendung gefunden. 
Aber die Schönheit des blanken Eisens hat keinen 
Bestand; selbst dort, wo es vor Feuchtigkeit geschützt 
ist, muss es beständig geputzt werden, um blank zu 
bleiben; im Freien ist es unverwendbar. Die Gefahr 
des Röstens macht hier einen deckenden und 
schützenden Überzug unerlässlich, der dann natür- 
lich gleich auf das rohe unbearbeitete Schmiede- 
werk aufgebracht wird. Es ist unerfindlich, warum 
dieser Farbenüberzug, der nun einmal nicht, zu um- 
gehen ist, sich auf das unerfreuliche Schwarz, 
Schwarzgrau oder das nüchterne Silbergrau be- 
schränken soll? 

Wenn schon ein Überzug erforderlich ist, so 
muss auch jede andere Farbe ftir die Bemalung zu- 
lässig sein. Gerade beim Eisen ist ja kaum zu be- 



fürchten, dass man es für etwas anderes, etwa 
Minderwertiges, „weniger Echtes" halten könnte! 
Dass eine solche Besorgnis in unserer Zeit der 
Surrogate manchen von einer bunten Behandlung 
kunstgewerblicher Gegenstände abhält, habe ich 
mehrfach erfahren. Einer meiner Bekannten ließ 
sich ein Leuchterweibchen aus Eichenholz schnitzen, 
das recht gut ausfiel. Aufgehängt wirkte es, im 
Verein mit den zusammengestellten Hirschgeweihen, 
schwarzen schmiedeeisernen Tüllen und Ketten etwas 
nüchtern und unerfreulich. Auf meinen Rat, die 
Figur doch bunt zu bemalen, bekam ich die Ant- 
wort: „Unter keinen Umständen. Dann könnte sie 
ja ebenso gut aus Steinpappe sein.* 

In welchem Maße unsere Voreltern farbenfreudig 
waren, geht daraus hervor, dass sie selbst edle Me- 
talle und solche^ deren Äußeres heutzutage an und 
für sich für genügend schön gilt^ bemalten. Im 
Museum schlesischer Altertümer befinden sich zwei 
kupferne Innungsschilde, die ganz mit bunten Farben 
bemalt sind. Dass Eupferdächer im 16. Jahrhundert, 
wohl meist sofort nach ihrer Herstellung, mit grüner 
Ölfarbe gestrichen wurden, ist durch mehrfache ur- 
kundliche Nachrichten festgestellt Das vorhin ge- 
nannte Museum besitzt zwei silberne Schilde der 
Breslauer Weberinnimg, die, jedenfalls wegen ihrer 
Verwendung als Sargzierde bei Begräbnissen, schwarz 
angelassen oder oxydirt sind und auf dieser schwarzen 
Schicht noch deutlich erkennbare Farbenspuren 
zeigen; z. B. Grün an dem Blätterkranze, welcher 
den ovalen Rahmen bildet, Rot an den Gewändern 
der schildhaltenden Engel, Rot und Gelb bei den in 
den Weberschiffchen befindlichen Spulen. 

Herr Direktor Lessing hat in seinen erwähnten 
Mitteilungen über die Bemalung des Schmiedeeisens 
mehr auf die gotische und Renaissancezeit Bezug 
genommen; ich möchte einige, mir in der letzten 
Zeit vor Augen gekommene Beispiele hinzufügen, 
welche teils der letzteren Periode angehören, teils 
sich bis tief ins 18. Jahrhundert hinein erstrecken. 

Während bei den meisten erhaltenen Schmiede- 
werken die ursprüngliche Bemalung nur noch in 
Farbenspuren erhalten oder durch mehrfache, dicke 
Überstriche der folgenden Zeiten verdeckt ist, findet 
man sie fast ausnahmslos bei den kleinen schmiedeei- 
sernen Kästchen oder Kassetten in Truhenform, welche 
aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ziemlich häufig 
in unsem Sammlungen zu sehen sind. Die Bemalung 
zeigt meist Figuren im Zeitkostüm, oft auch 
Ornamentales und Ranken werk; die Ausführung ist 
verschieden; oft fein, oft erhebt sie sich nicht Über 

11* 



i| 
il 



ächmiedeeiserneB Gicterthoi im Suustgewerbemutieuiii zu Leiptig. 



86 



BEMALTES SCHMIEDEEISEN. 



das Handwerksmäßige. Ebenso häufig sind bemalte 
eiserne Wirtshaus- oder Zunftschilde, welche sich mit 
ihren mannigfaltigen Zuthaten in vielen Gegenden 
an der ursprünglichen Stätte ihrer Verwendung er- 
halten haben. 

In der 1692 erbauten Josephskirche zu Grüssau 
in Schlesien befindet sich über der Emporenbrüstung 
ein in hübschen Mustern aus Eisendraht hergestelltes 
Geflecht, dazu bestimmt, die dahinter befindlichen 
Mönche den Blicken der Laien zu entziehen. In 
diesem Drahtgeflecht sind, um eine noch bessere 
Deckung zu gewähren, in regelmäßigen Abständen 
aus Eisenblech ausgeschnittene Apostel- und Heiligen- 
figuren angebracht, welche vollständig bunt bemalt 
sind. Dass die Farbe hier notwendigerweise zu 
Hilfe genommen werden musste, um die gewollte 
Darstellung überhaupt zu ermöglichen, liegt auf der 
Hand. Ahnlich ist es bei den Gittern des 16. Jahr- 
hunderts, deren flache, in Türkenköpfe, Masken u.dergL 
auslaufende innere Volutenendigungen stets eine Be- 
malung erheischten, um der nur in den Umrissen 
gegebenen Bildung zu Hilfe zu kommen. Aber auch 
bei plastisch ausgebildeten Figuren, die sich, aller- 
dings viel seltener, an Schmiedewerken des 17. und 
18. Jahrhunderts finden, wurde die Bemalung an- 
gewendet. Ich habe sie z. B. bei der Reinigung 
eines dem Anfang des 18. Jahrhunderts angehörigen 
Grabkreuzes im Museum schlesischer Altertümer fest- 
stellen können; die zum Vorschein gekommenen Far- 
ben waren Rot, Grün und Gold. Bemalte schmiede- 
eiserne Grabkreuze finden sich mehrfach in Tirol 
und Steiermark, z. B. in Zell am See, auf dem Fried- 
hof zu Leoben. Überhaupt hat sich in diesen G^enden 
mehrfach bemaltes Schmiedeeisen in der ursprüng- 
lichen Verfassung erhalten. In dem Schlosse Velthums, 
der Sommerresidenz der Bischöfe von Brixen, das 
1580 bis 1587 von Fürstbischof Freiherm von Spaur 
erbaut wurde, sind schmiedeeiserne Thürbänder mit 
herrlicher Renaissancebemalung in größerer Zahl 
zu sehen. Bei einer Studienreise, welche die 
Studirenden der Wiener Kunstgewerbeschule im 
Jahre 1874 unter Professor Storck's Leitung dorthin 
machten, wurden von einem der Teilnehmer einige 
zwanzig verschiedene Thürbänder farbig aufge- 
nommen. ^) Ein besonders schönes Stück zeigt Rot, 
Grün und Gelbbraun als Bemalung der Blätter und 
Ranken sowie ein ungemein feines „maureskes* Linien- 



1) Diese, sowie einige der folgenden Angaben ver- 
danke ich der Güte des Direktors der Königlichen Kunst- 
und Kunstgewerbeachule zu Breslau, Herrn Professor K Kühn, 



Ornament im Geschmack P. Flötner s. (Siehe die TafeL) 
Zu Möbelbeschlagen dürfte die Verwendung bemalter 
Bänder auch heute noch zu empfehlen sein ; blanke, aus- 
geschnittene Beschläge haben bekanntlich den Übel- 
stand, dass sich das Putzmittel leicht in die Ver- 
tiefungen hineinsetzt und von dort schwer zu ent- 
fernen ist 

Einzig in seiner Art ist der bemalte schmiede- 
eiserne Ofen auf Schloss Rötheistein bei Admont in 
Steiermark. Das Schloss, dem Benediktinerstift Ad- 
mont gehörig, ist von Abt Urban 1655 erbaut worden. 
Der Ofen steht in dem sogenannten Prälatenzimmer; 
er ruht auf hohen Füßen und besitzt einen eigenarti- 
gen, gegliederten Aufbau, der oben in einen dampf- 
dom- ähnlichen Aufsatz endigt. Die Rundstäbe und 
Gliederungen sind teilweise rot und vei^oldet; die 
Gesimse zeigen ein aufgemaltes Blattschema. Das 
in Eisenblech ausgeschnittene Ornament und die 
Rippen des Aufsatzes sind vergoldet. Auf dem 
unteren Ofenkörper ist eine rote Gartouche, auf dem 
oberen Engelsköpfe mit Flügeln erkennbar. Braun 
ist bei der strahlenförmigen Endigung und den Buch- 
staben verwendet. 

Im Stift Admont selbst sollen noch zwei ähnliche 
Ofen sein, denen später der übliche Überzug mit 
weißer Kalkfarbe zu Teil wurde. 

In der Stadtkirche zu Graz haben sich früher 
Barockgitter mit Bemalung in Blau und Gold befunden. 

In Schlesien besitzt die Pfarrkirche zu Schömberg, 
Kr. Landeshuty ein 1682 errichtetes, der Josephskirche 
zu Grüssau verwandtes Bauwerk, einen schmiede- 
eisernen Kronleuchter von vorzüglicher Arbeit, eben- 
solche Wandarme und Abschlussgitter, alles in be- 
malten und vergoldeten Barockformen. Ein Wand- 
arm, jetzt im Museum schlesischer Altertümer zu 
Breslau (KaiNr. 294, 88), wird in einem der nächsten 
Hefte abgebildet werden. Die ungemein schwung- 
volle Linienführung und flotte Schmiedetechnik, die 
dieses Stück auszeichnet, wird durch die Bemalung 
mit einem zarten Rosa und Hellblau, sowie durch 
Vergoldung wirkungsvoll gehoben. Überhaupt ist 
gerade bei Beleuchtungskörpern die Bemalung des 
Schmiedeeisens früher als eine Notwendigkeit, zur 
Erhöhung der Lichtwirkung, empfunden worden. 

Im vorgenannten Museum befindet sich (Kat. Nr. 
9992 a bis fj eine Anzahl von Wandleuchtern die wohl 
erst um die Mitte des 18. Jahrhundert entstanden sein 
dürften. Bemerkenswert und für die Zeit charakte- 
ristisch sind die durchaus naturalistischen Bildungen 
der Blätter, Ranken und Blüten; ebenso naturalistiscb 
ist die Bemalung mit schimmernden Lackfarben. 



AUS DEM GKOSSHERZOGLICHEN MUSEUM ZU SCHWERIN. 



87 



Die Formgebung der allemeuesien Beleuch- 
tungskörper wendet sich unter dem Einfluss des elek- 
trischen Lichtes mit Vorliebe diesen naturalistischen 
Bildungen zu. Die elektrische Ausstellung zu Frank- 
furt am Main im Jahre 1891 bot eine Fülle der reizvoll- 
sten Anordnungen von Blumengewinden, Festons und 
Zweigen ähnlicher Art; jedem Beschauer musste es 
ohne weiteres klar werden, dass bei dem Anwachsen 
der LichtftÜle und der üngebundenheit in der Licht- 
yerteilung die Farbe neben dem Metallglanz ein un- 
entbehrliches Erfordernis dieser Gattung von Be- 
leuchtimgskörpem sein müsse. Hatte man doch schon 
bei der Gas- und Petroleumbeleuchtung die Not- 
wendigkeit eingesehen, die toten und reizlosen schwarz- 
lackirten eisernen Kronen durch blanke kupferne 
Knöpfe, Rosetten und Kugeln zu beleben, ohne je- 
doch dadurch der reizvollen Wirkung der messingenen 
Kronleuchter, Wandarme und Blaker des 17. Jahr- 
hunderts nahe zu konunen! Je mehr man aber den 
streng stilisirten Auf bau verlässt, um die ungezwungene 



Grazie der Rokokobildungen anzustreben, um so weni- 
ger wird man der Farbe entraten können, wenn diese 
auch vielleicht mit Vorsicht anzuwenden ist und ohne 
die Absicht, die Natur unmittelbar nachzuahmen. 

Von neueren Bestrebungen auf diesem Gebiet 
will ich mitteilen, dass sich auf der diesjährigen 
kunstgewerblichen Ausstellung zu Breslau ein aus- 
geführter Entwurf von Professor H, Kühn zu einem 
schmiedeeisernen, auf vollständige Bemalung be- 
rechneten Blumentisch befand. Die Wirkung bei 
diesem Stück war eine sehr glückliche; es dürfte sich 
vielleicht empfehlen, außer den Beleuchtungskörpern, 
gerade solche Gegenstande, Aquarienständer, Wasch- 
beckenträger, Handtuchhalter zu wählen, um das be- 
malte Schmiedeeisen dem Verständnis des Publikums 
nahe zu bringen. Das bei diesen Sachen jedenfalls 
nicht in Abrede zu stellende Bedür&is eines schützen- 
den Anstrichs dürfte die Wiederaufnahme der ab- 
handen gekommenen Verzierungsweise erleichtern. 

Königsberg i./Pr. 



AUS DER KUNSTGEWERBLICHEN ABTEILUNG 
DES GROSSHERZOGLICHEN MUSEUMS ZU SCHWERIN. 

VON FRIEDRICH SCHLIE, 
MIT ABBILDUNGEN. 

IV. 



Alte meoklenburgisohe Fayencen aus der Zeit der Aroanisten. 




N den nachstehenden Zeilen 
bringen wir zu den im 
ersten Jahrgang des Kunst- 
gewerbeblattes (1885) Seite 
1 2 gemachten Mitteilun- 
gen über Schweriner Fay- 
encen ein paar Zusätze. 
Das Großherzogliche Mu- 
seum hat seitdem einige weitere Erwerbungen ge- 
macht, unter denen an erster Stelle neben der 
früher bereits besprochenen und abgebildeten Ter- 
rine eine riesige Traube zu nennen ist, die ein 
Deckelgefäß darstellt. Jeder Teil derselben enthält 
die Bezeichnung 

A. Suevin 

" k. 



Das ist also die gleiche Signatur wie jene, die sich 
dreimal an der Terrine findet, die Generationen hin- 
durch als Hinterlassenschaft des Urgroßvaters Appel- 
städt in der Familie desselben geehrt imd gehütet 
worden ist und über deren Bezeichnung hinsichtlich 
des Buchstabens A kein Zweifel erhoben werden 
darf. Die Nachkommen^) haben es immer gewusst, 
dass ihr Vorfahr damit bezeichnet sein wollte. Frag- 
lich ist es freilich, ob K so viel wie Eunsttöpfer 
heißen soll, es ist ja möglich, dass sich damit ein 
Modelleur oder Maler angedeutet haben will, wie es 
in anderen Fabriken Brauch war. Als ein weiteres 
zweifelloses Stück ist eine Platte mit der Auf- 



1) Es sind die in einem Hause und einer Werkstatt 
th&tig gewesenen Familien Appelstädt, Malm und Pribbenow. 



88 



AUS DEM GROSSHERZOGLICHEN MUSEUM ZU SCHWERIN. 



achrift SOLI DEO GLORIA ANNO 1779 zu be- 
zeiclmea. Sie saß bis vor kurzem in der alt«n 
Appelstädt'scheu Werkstatt (Rostockerstr. 24) Ober 
einer NebenthQr und beweist, dass der alte Meist«r 
nber eine sehr schöne milchweiße Zinuglasur von 
großer Feinheit und Weiche verfügte und das Ko- 
baltblau unter derselben in allen Nuancen zu be- 
handeln wusste. Ein Qenkeltopf, eine Kanne und 
zwei Teller stammen gleichfalls aus den Händen der 
sehr wohlhabenden Nachkommen Appelstädt's und 
sind durch diese als Arbeiten aus der alten Werkstatt 
bezeugt. Kochst wahrscheinlich gehört auch eine klei- 
nere Platte dahin, welche dem Museum von anderer 



Außer dieser Platte ist der versinterte Tassen- 
satz von Qroß-Stieten bei Wismar, wovon früher 
bereits die Rede war, zu erwähnen und eine Butterdose 
in Form einer Ente, welche durch ihre doppelte Be- 
zeichnung (auf der Innenseite des Deckels und auf 
der Unterseite des Gefäße«) als Produkt der Fabrik 
zu Stieten beglaubigt ist. Die Inschrift lautet in 
Kursivschrift: 

V: H: 

Orof: Stitlen 

Chelij 



Butterdose, Fayence > 



I GroB- Stieten. 



Seite geschenkt ist, aus Schwerin stammt und mit 
ihrer Aufschrift Yon einem Brennversuch mit Kobalt- 
blau unter der Glasur Zeugnis giebt. Die Aufschrift 
lautet: 

Die glasur ist von den Kuchen da viel 
Meister gut drunter. Daaa Plau ist von 
den Pesten Gräfenauer Copolt 1764 
d 26 May 
welches oft vergliheL 
In der That ist auf den vier Ecken auch eine 
Probe von dem YerglUhen der Kobaltfarbe gegeben, 
die dort aufgemalten Kreuze sind (sicher mit Deckung 
des übrigen Teils der Platte) einem weiteren Scharf- 
feuer ausgesetzt gewesen und dadurch zum t bergan;; 
in ein schmutziges halbverbrannt erscheinendes Gelb- 
grUn gebracht worden. 



So auf der Unterseite. Die im Deckel unterscheidet 
sich nur dadurch, dass statt der arabischea Zahl 9 
die römische Zahl XVI gesetzt ist Das Stück ist 
kein Kunstprodukt ersten Kanges, aber doch recht 
gut Die Glasur ist manganviolett gefärbt und in 
den Tiefen dunkler gehalten, als auf den hervor- 
stehenden Flächen des Gefieders der Ente. 

Nachdem Dr. Crull in Wismar diese Ente schon 
in den Mecklenb. Jahrb. XXXII (1867), S. 155 £f. be- 
sprochen hat, giebt er jetzt in einem Briefe an den 
Verfasser dieser Zeilen weitere Nachrichten Qber 
den Arcanisten Ghelij. Ich teile sie hier wört- 
lich mit: 

.Am 31. März 1753 schloBs der Kammerherr 
von Bölow zu Gr.-Stieten bei Wismar einen Kon- 
trakt behufs Anlegung einer Porzellan fabrik da- 



Schmiedeslseniss QrebkreuE in Eftltern 1d Tirol; geieicimet von F. Paukert In Bozen. 



90 



AUS DEM GROSSHERZOGLICHEN MUSEUM ZU SCHWERIN. 



seibat mit einem Christoph Ludwig Chelü ab, welcher 
sich verbindlich macht«, derselben zehn Jahre vor- 
zustehen und so, dass von Bfilow und seine Frau' 
mit ihm zufrieden wären. Die erforderlichen Ar- 
beiter wurden verschrieben, das Unternehmen wurde 
begonnen. Aber bald kam es zu Differenzen, so 
dass Cbelij im Frühling 1754 das Weite suchte und 
sich nach Wismar begab, wo er jedoch, ohne Zweifel 
auf Balow's Antrag, arretirt wurde. Am 13. Mai 
des Jahres kam die Sache vor dem Bürgermeister 
zur Verhandlung, doch konnte Chelij dieselbe nicht 
7.ur Schlichtung mittelst Prozesses bringen, da er 
keine Bürgen stellen konnte, und wurde deswegen 
wieder auf die Hauptwaohe gebracht. Wie diese 
Angelegenheit dann schließlich ein Ende gefunden 
hat, darüber liegt nichts vor, doch scheint es mög- 
lich, dass beide Parteien am Ende mit dem Auf- 
hören jener Fabrik zu- 
frieden gewesen sind 
und Chelij in Wismar 
thätig geworden ist 
Hier erhielten nämlich 
unter dem 12. Septem- 
ber 1754 der Ratsapo- 
theker Franz Kindt, der 
Schiffs bäum eister Nils 
Ahsberg und deren Ge- 
nossen vom Rate ein 
Privil^um auf eine Fabrik von Porzellan und Fein* 
steinzeug, welches nicht geringer sein sollte als 
Delfter Ware, jedoch nur auf den Fall, dass die 
Fabrik binnen Jahresfrist in Betrieb gesetzt sein 
würde. Diese Bedingung ist, wie es scheint, erfüllt 
worden, da die Bauleute am 13. Juni 1757 sich be- 
schwerten, dass die Porzellanfabrik auf ihrer Weide 
vor dem LUbiscben Thor tiefe Löcher habe graben 
lassen, aber lange hat diese Fabrik jedenfalls nicht 
bestanden, da der Wismarsche Hat 1768 berichtete, 



XVI 

HonogTamme der Kot« 



es sei die Fajencefabrik , nicht zur Vollendung ge- 
kommen, sondern es sei damit bei einem bloßen 
Versuch verblieben. Ein Fabrikat des Wismarschen 
Unternehmens ist bisher nicht bekannt geworden.' 
Von der Stieten'schen Fabrik gab es bis vor 
Kurzem nur den versinterten Tassensatz und die 
Ente. Das Mnseum in Schwerin ist jetzt in den 
Besitz einer musizirenden Kindergrappe von Groß- 
Stieten gelangt, welche ganz genau dieselbe Be- 
zeichnung wie die Ente trägt. Letztere befand 
sich bis zum Jahre 1866 im Besitz einer Frau 
von Holstein geb. von Palthen. Aus ihrem Nach- 
lasa erwarb sie der Kaufmann David Thormann, 
mit dessen Kunstsammlungen sie jetzt ins Groß- 
herzogliche Museum gelangt ist. Die beiden Buch- 
staben V und H aber beziehen sich auf den unga- 
rischen Oberstlieutenant Otto von Hagen, welcher 
von 1743 bis 1759 Be- 
sitzer des Gutes GroS- 
Stieten war (vgl Jahrb. 
/■ rf CLLLt. •>■ V- f ™- Gesch. u. 

yrtf/r^DiiCte« Altert, xxxn, s. i56). 

,Es ist aber auffallend", 
schreibt Dr. CruU, .dass 
in dem Zerwürfnis mit 
Chelij der Kammerherr 
von Bülow als kläge- 
ri-scher Kontrahent er- 
scheint. Ob hier im Wismarschen Konsnlatsproto- 
koll ein Irrtum obwaltet, oder ob BOlow als Bevoll- 
mächtigter oder in sonst welcher Eigenschaft auftrat, 
muss dahingestellt bleiben.* 

Letzteres ist wahrscheinlicher als ersteres. Wenn 
etwa von Hagen seinen militärischen Diensten noch 
obl^, so muss er einen Administrator gehabt haben. 
Als solcher k&n von Bülow thätig gewesen sein. 
Bei seinem Tode hinterließ von H^en das Gut seinen 
Kindern, s^räter kam es in von Bülow'sche Hände. 






»llbeme Rchnalle von N. TrUdner in Heidelberg. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
G. Wcbsr, Kaiecliiamtts des Dekoralionsnialers. Leitfaden 
zar sicheren Auaftlhrnng der in der DekoratioDsinalerei 
vorkoDUDBoden praktischen Arbeiten. Zweite vermehrte 
Auflage. Leipzig. Jflatel und Qöttel, 18Ö3. 
Da« Taschenbuch beantwortet auf lö6 Seiten Kleinoktar, 
n 119 Abschnitten und einem Anhang 72 verschiedene Fra' 
gen in klarer, aogführlicher Weise. „Was ist Kilt?" lautet 
die erste, und die letzte heißt: „Wie bescbfiltigt man sich 
im Winter oder tu einer anderen Zeit unfreiwilliger Muße?" 
Die Fragen nnd deren Beantwortungen erstrecken sich auf 
das ganse Gebiet der dekorativen Malerei in seinem tech- 
nischen Teil. Ohne ein systematisch aufgebautes Lehrbuch 
schaffen zu wollen, sind der Praxis diejenigen Punkte entr 
oommen, welche dem Anf^ger den meisten Anlass zur Um- 
frage bieten. Der Verfasser steht mit seinen Auseinander- 
setzungen erzieh! icher weise auf dem Standpunkt von heute. 
Veraltetes ist fortgelassen und den neuesten Erscheinungen 
und Bezepten der Werkttätte ist Rechnung getragen, wie 
schon die Schlagwörter Kalkolith, Sternbindemittel, Kaut- 
BchnkOI u. e. w. darthun. Der Verfasser ist bestrebt, die 
physikalischen und cbemiachen Verfange zu erklären, ohne 
jedoch M weit zu gehen, dass der Belehrung Suchende aus- 
mfl: 

Hir wird von alle dem so dumm. 

Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum. 



Wark* Arne BildlmiiaTkiiiuit auf dam Friadhof xn 

CtamL 30 Photograph ieen. Artist Inst. Orell FOssIi, 

Zürich. 
Rd. Wir zeigen diese verdienstvolle Publikation hier 
nur kurz an, da das Kunstgewerbeblatt einen eingehenden 
Ansatz Über moderne Grabdeukmfiler bringen wird. Hier 
sei nur kurz auf folgendes hingewiesen. Die Bedenken, 
ganze Figuren im Kostüm plaatiscb darzustellen, sind durch 
die Mehrzahl der hier abgebildeten Denkmäler glänzend 
widerlegt. Eine ganze Reihe derselben stellen Männer und 
Frauen, zum Teil mit Kindern dar, Abschied von den teuren 
Abgeschiedenen nehmend, die meist schlafend dargestellt 
sind, trauernd an der GrabestliQr knieend, oft sogar in 
Verbindung mit Engeln oder allegorischen Figuren. Unser 
Mitgefühl wird gerade durch die Unmittelbarkeit, mit der 
der Abschied ans vor Augen tritt, im hSchsten Maße an- 
geregt. Allerdings gehOrt die unerhörte Meisterschaft der 
modernen italienischen Bildhauer in der Behandlung der 
plasÜBchen Formen dazu, um derartiges zu schaffen. 



Kostergflltige plaxtüdiB XotiTB für das StiuUiua 
d«r kmutgawerblioliflii Frazü d«s BUdluiaani. 

Nach ausgeführten Originalen von Bildhauer Wilhelm 
^(isc/i-Stuttgart. Photographisch aufgenommen und heraus- 
gegeben von Architekt Witlietm Eirk: 10 Lief, ä 2,50 M. 
FoL Stuttgart, Zimmer. 
Rd. Wenn man von einem Vorlagenwerk fOr Bildhauer 
sagen kann, dass es mustergOltig ist, so ist es das vorlie- 
gende. Der Bildhauer Wilhelm Rösch in Stuttgart war bereits 
durch eine reizende Figur eines „Knaben nach dem Bade" 
auf der MOnchener Ausstellung bekannt geworden. Es wur- 
den ihm dann die Kolossalfiguren am Museum in Stuttgart 
übertragen, zu dem er auch sonst einen Teil der dekorativen 
Ausstattung lieferte. Hundert hier auf den Tafeln ver- 
einigte plastische Motive sind sofort verwendbar: vom 
einfachen Gesims bis zur Einielfigur. In geschickter Weise 
hat der Künstler allegorische Figuren in Zwickel, KSpfe in 
FensterbekrOnungen komponirt; auch die Schlusssteine mit 
Werken aller Art, vor allem aber die Füllungen zeigen die 
verschiedenartigsten Motive oft in geistreicher Komposition. 
Besonders hervorzuheben sind die schOnen Statuen der Künste, 
die in Vornehmheit ihres gleichen suchen dürften. An grö- 
ßeren Arbeiten sind zwei Brunnen hervorzuheben mit reichem 
figürlichen Schmnck nnd endlich eine Anzahl Grabsteine 
nnd Grabsteinmotive. Besonders zu loben ist bei allen Ta- 
feln der klare Druck, der es ermöglicht, auch die kleinsten 
Einzelheiten zu erkennen und praktisch tu verwerten. So 
können wir das Werk allen denen warm empfehlen, die 
plastischer Motive bedürfen: Bildhauer, Stuckateurc, Model- 
leure, Architekten etc., zumal der überaus billige Preis die 
Anschaffung des Werkes wesentlich erleichtern dürfte. 



P. LMUeitnex's „Mimlerblätler für HoUliraiid". Verlag 
von Mey & Widmayer in Hünchen. 
Es sind dies 30 Vorlagen im Format von 43—57 cm, 
welche eine groBe Anzahl fertig ornamentirter Gegen- 
stände wie Kassetten, Wandleller, Thermometer, Truhen, 
Spiegelrahmen elc. darbieten. Auch dekorative Gestalten 
wie Ritter, Edeldamen, Landsknechte, Page mit Pferd 
u. a. m. sind in genügender Auswahl vorhanden. Die 
Ausführung kann im allgemeinen geschmackvoll und fllr 
den Holzbrand geeignet genannt werden. Die Konturen 
sind kräftig, die Schatten durch wenige flotte Striche mar- 
kirt, die Must«r ansprechend. Der grOßte Teil zeigt aus- 
gesparte Ornamente auf grünem oder braunem Untergrund. 
Einzelne sind auch vOllig polychrom ausgeführt, zeichnen sich 



12» 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



jedoch dnroh keine beaondcrH harmoniacbe Farbenziisammeii- 
stellong ans. Die dekorativen Figuren, die sich, nebenbei 
bemerkt, wohl nar zd Wanddekorationen eignen wlirdeo, sind 
aasschlieBlich mit hellbrauner Schattirang versehen. Wir 
mochten lowohl dem Herausgeber dieeer Vorlagea, ala aoch 
vielen anderen dringend empfehlen, den figürlichen Darstel- 
lungen nicht gar zu viel Platz in ihren Werken einzurAumen, 
sondern sich mehr an stiliairte PSanzen und Früchte zu 
balten. Dem Ch&raktei der Brandtecbnik entsprechen stili- 
girte dentsche Pflanzenomamente, sowie das sp&tgotische 
und das Bokokoomament, A:ei in Bewegung und Konzep- 
tion, bei weitem am meisten. Rein geometrische Ornamente, 
sowie das bereits viel mehr gebundene italienische lAub- 
weik eignen aioh, da ihnen die kr&ftigen Konturen und die 



omamentitter Gegenstände nur Motive zu Kreis- und Flachen- 
fllllungen, Friesverzierungen etc. gebracht bfttten, Alsdann 
wäre ein jeder im stände gewesen, sich selbst seine Haster 
ohne besondere Mflhe zu jedem beliebigen Gegenstand zu- 
aammenatellen zn kOnnen, ohne wie jetzt gezwungen zu sein, 
bei Auswahl der Gegenstände die Vorlagen eu Bäte ziehen 
zu müssen. 

VEREINE. 

-u- Berlin, Der Verein für deuttehe» Kunetgeirerbe 
nabm in seiner GenerBlrersammliing am 10. Januar Stel- 
lung xur Beteiligung des Vereins an der geplanten Aus- 
stellung des Verbandet deutscher Kunetgeirerbevereitie in 
Berlin 1898. Der Vorstand legte die Sache folgendermafien 



Trubsnschloss. Deutsche Arbelt In St Ulchael (£bb>u) in Tirol, gezelcbnet von Fr. Paukest. 



Treie Auffassung mangeln, bedeutend weniger hierzu. Zwar 
werden auch VOget, Amoretten, Genrebilder, Schmetterlinge 
u. s. f. bin und wieder fUr kleine Gegenstände recht gut 
verwendbar seini was aber zum Beispiel der in Vorlage 
Ni. 17 auf einem Bierseidel sitzende Kater und der ihm vis- 
i^'vis in einem Blütenkelch schwebende saure Häring auf einer 
Stuhllehne za Bu:;hen haben, wird wobl jedem unbegreiflich 
bleiben. Wir empfehlen dem Herauegeber Professor J. Trap- 
per'e „Entwürfe zu praktisch verwendbaren Objekten der 
Holzbrandtechnik", in denen er geeignetere Muster ror Stuhl- 
lehnen finden wird. Besonders schwierig sind die vorliegen- 
den Musterblätter nicht. Man kann annehmen, dass allen 
geübteren Dilettanten die Ausführung derselben gut gelingen 
wird. Fflr AnRinger eignen sie sich nicht, sind för dieselben 
wobl auch kaum bestimmt. Praktischer aber und ungleich 
empfehlenswerter wären sie gewesen, wenn sie statt fettig 



dar: Das Berliner Kunstgewerbe wünsche eine Auiwtellang 
in Berlin in jeder erreichbaren Form. Nachdem die Mög- 
lichkeit einer Weltausstellung gefallen sei, habe sich der 
Verein für eine große nationale Ausstellung ausgesprochen, 
obwohl eine solche fast den Umfang einer Weltausstellung ein- 
nehmen wflrde und nur unter tbatkr&ftiger Uitwirkung der 
ßeicberegi erungin An gciSgenommen werden kOnne.Neaerdings 
hätten die Leiter der Reichsregierung und des preuQischen 
Ministeriums zu verstehen gegeben, dass die Staatsbehörde 
zur Zeit auch eine nationale ADSst«llung zu unterstützen 
nicht in der Lage sei ; das Berliner Kunstgewerbe in weiterem 
Umfange sehe sich daher auf eine wesentlich auf Berlin be- 
scbräjikte Ausstellung augewiesen, welche durch private 
Initiative Wohl zu erreichen sei; der Vorstand bringe diesem 
Unternehmen seine volle Sympathie entgegen. Fflr das 
Kunstgewerbe insbesondere eei es aber mOglieh, mit Hilfe 



94 



KLEINE MITTEILUNUEN. 



des Verbandes der deotschen Kunstgewerbe vereine eine natio- 
nale Anniellong in Berlin zu stände zn bringen, und die 
Delegirten der Vereine hatten bekanntlich in Weimar nach 
warmer Befürwortung einstimmig den Beschloss geiasst, im 
Jahre 1896 in Berlin eine Kollektivaiustellong des Verbandes 
zn Teranstalten onter der Voraossetzang, dass die Ansstel- 
long wenigstens fIDr das Kunstgewerbe den Namen and 
Charakter einer dentschen Äosstellnng erhalte. Der Vorstand 
der Berliner Äosstellnng habe sich bereit erklärt, dieser 
Voraossetznng zuzustimmen, falls der Verband eine Ausstel- 
lung zn stände bringe, welche den Namen „Deutsche Kunst- 
gewerbeaosstellung'* verdiene. Man dürfe nicht voraussetzen, 
dass die Vereine ihrem in Weimar gegebenen Versprechen 
untren werden wfirden. und so sei es zu hoffen, dass auf diesem 
Wege der Verband aus eigner Kraft heraus zum erstenmal das 
deutsche Kunstgewerbe vereine. Wer die Schwierigkeiten 
kenne, mit denen das deutsche Kunstgewerbe als Ganzes 
erst jüngst bei der Ausstellung von Chicago habe kämpfen 
müssen, werde es als einen aufierordentlicben Gewinn ansehen, 
wenn dasselbe endlich einmal anfange, sich selbstth&tig und 
selbständig zu organisiren. Der Vorstand habe daher ein- 
stimmig beschlossen, dem Verein zu empfehlen, diesen Plan 
thatkräftig zu verfolgen und den für Dresden geplanten 
Del^rtentag zu beschicken. Aus dem Verein heraus wurde 
von allen Rednern dieser Plan mit großer Wärme befür- 
wortet, und die Generalversammlung nahm einstimmig fol- 
gende Resolution an: „Getreu den Beschlüssen des Weimarer 
Verbandstages befürwortet der Verein für deutsches Kunstge- 
werbe in Berlin einstimmig den Plan des Verbandes der 
deutschen Kunstgewerbe vereine, eine deutsche Kunstge- 
werbeausstellung im Anschluss an die Berliner Gewerbe- 
ausstellung 1896 zu veranstalten, und sichert der Berliner 
Gewerbeausstellung seine thatkräftige Unterstützung zu/* 
Die Versammlung nahm sodann die Jahresberichte des Vor- 
sitzenden Geheimrat C. Busse, des Schriftführers Bibliothekars 
Dr. P. Jessen und des Schatzmeisters L. P. Mitterdorfer ent- 
gegen. Der Verein ist wiederum um 212 Mitglieder ge- 
wachsen und zählt z. Z. 1220 Mitglieder. Auch der Rech- 
nungsabschluss zeigte einen erfreulichen Fortschritt. Der 
bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. 

SaUe €U 8» Am 18. Januar hielt Herr Dr. Ä. O. Meyer 
aus Berlin im Kunstgewerbeverein einen Vortrag über die 
„Hauptepochen der Thonbildnerei." Redner wies zunächst 
darauf hin, dass der Thon das älteste für die plastische 
Kunst zur Verwendung gelangte Material ist; sein Verhältnis 
zur Nässe und Wärme, seine Biegsamkeit und Haltbarkeit 
regten zum plastischen Schaffen an. Thon hat als Material 
für plastische Modelle alle Zeit eine große Rolle gespielt 
und auch beim Erzguss hervorragende Verwendung gefunden. 
Die Thonbildnerei als selbständige plastische Kunst dagegen 
hat drei Blüteperioden und zwar im griechisch-römischen 
Altertum, in der Zeit der italienischen Renaissance und in 
der Zeit des Rokofo. Die Antike verwandte den Thon am 
vollendetsten im Dienste der Kleinkunst, wie die Tanagra- 
figuren bezeugen; der monumentale Sinn der Renaissance 
bemächtigte sich in den Arbeiten der Robbia auch dieses 
Materiales, indem er es durch Glasur dem Marmor und Erz 
ebenbürtig zu machen suchte ; das Rokoko griff mit den köst- 
lichen Arbeiten eines Clodion wieder zur Kleinplastik zurück. 
Diese Blüteperioden, die in der Thonbildnerei hervortreten- 
den Meister und deren Werke schilderte der Redner ein- 
gehend, indem er seine Ausführungen durch eine reich- 
haltige Ausstellung von Abbildungen veranschaulichte, und 
besonders auf einige spezielle, der Natur des Thones ange- 
passte Typen hinwies, welche z. B. der Altar der italie- 



nischen Renaissance bei den Thonbildnem empfangen hat. 
— Auf eine Anfrage des Herrn Vorsitzenden bestätigte er, 
dass die Werke der gröftten Meister in der Farbengebung 
alle kleinlichen Details, als der dekorativen Gesamtwirkung 
schädUchi vermeiden. Die Versammlung bekundete ihren 
Dank für den Vortrag durch Beifall und Erheben von den 
Sitzen. —Auf dem letzten Delegirtentage des Verbandes Deut- 
scher Kunstgewerbe vereine zu Weimar ist, wie schon er- 
wähnt, einstimmig eine Resolution angenommen worden, in 
welcher die kollektive Beschickung der für das Jahr 1896 
in Berlin geplanten Ausstellung durch die Vereine befür- 
wortet wird, unter der Voraussetzung, dass die Ausstellung 
mindestens für das Kunstgewerbe den Charakter und den 
Namen einer nationalen Ausstellung erhält Auf Vorschlag 
des Herrn Vorsitzenden schloss sich der Verein dieser Reso- 
lution an, vorbehaltlich einer sjAteren IMifnng der finan- 
ziellen Tragweite einer Beteiligung an der Ausstellung. — Herr 
Bauer, Generalvertreter der Gaggenauer Emaillirwerke, gab 
hierauf eine Erläuterung zu einer Ausstellung von Proben 
eines neuen Emaillirverfahrens für Eisen. Nach den Aus- 
führungen desselben sind die genannten Werke jetzt in den 
Stand gesetzt, Emailleplatten bb zur Gröfie von 3 qm von 
reichster Farbenschönheit und allen Anforderungen entspre- 
chender künstlerischer Ausführung für die praktische Ver- 
wendung zu liefern. — Die Versammlung beschloes sodann 
die Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Erlangung eines 
Schildes, welches im Ausstellungsgebäude des Vereins (Post- 
straßenschule) als Wegweiser für die Besucher dienen solL 
Zu dem Wettbewerb werden nur Vereinsmitglieder zuge- 
lassen. Die Ausführungskosten sollen 50 M. nicht über- 
steigen. Als 1. Preis <dnd 70 M. für einen bereits ausgeführ- 
ten Entwurf, bezw. 30 M. für eine Zeichnung, als 2. Preis 
2() M. ausgesetzt. Der Vorstand hat beschlossen, zu einer 
Inventarisirung Hallischer Kunstdenkmäler beizutragen und 
zu dem Zwecke Aufnahmen und Darstellungen geeigneter 
Kunstwerke in Wort und Bild zu veranlassen. — In der näch- 
sten Vereinssitzung wird eine Ausstellung von Erzeugnissen 
einer neuen Erfindung eines Hallensers, des in Manchen 
lebenden Glasmalers Herrn Ule, vorgeführt werden; es sind 
dies Glasmosaiken, die sich an Mauern befestigen lassen 
und den Eindruck eines Mosaikgemäldes machen. 

AUSSTELLUNGEN. 

Antwerpen» unter Vorsitz des Prinzen Franx von 
Ärenberg hat sich in Berlin am 21. Dezember das Deutsche 
Centralkomüee für die WeltcMsstellung van 1894 konstitnirt 
Zum Vorsitzenden wurde Prinz von Arenberg, zu stellver- 
tretenden Vorsitzenden: Reichsrat und Kommerzienrat Hassler, 
Augsburg, Generalkonsul Goldberger, Berlin, Kommerzienrat 
Lanz, Mannheim, Generalkonsul Benger, Stuttgart, gewählt^ 
Zu Delegirten in das Centralkomitee: Geheimer Kommer- 
zienrat Michels, Köln, Geheimer Kommerzienrat Thieme, 
Leipzig, Generalkonsul de Bary, Antwerpen. In den ge- 
schäftsfuhrenden Ausschuss wurden gewählt: Freiherr von 
Asche, Hamburg (Harzburg), Kommerzienrat Lüdecke, Berlin, 
Kommerzienrat Mey, Berlin-Leipzig (Plagwitz), Geheimer Bau- 
rat Schneider, Harzburg. Zum geschäftsführenden Delegirten 
wurde Herr Carl Ramend Charlottenburg-Berlin, ernannt und 
sind an denselben alle auf die Ausstellung bezügHchen ge- 
schäftlichen Anfragen, Mitteilungen, sowie Anmeldungen 
u. s. w. zu richten. 

PREISAUSSCHREIBEN. 

Barmen. Der von der Pianofortefabrik Rad. Ibach 
Söhne ausgeschriebene Wettbewerb hat folgendes Ergebnis 



CredemtBchrank. 
n U. KJiCKEHHOFF, lu Nosabanm aiugefiLhrt voi 



B. SOUEMlLCH, beide In Hunburg. 



96 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



gehabt Es erhielten: 1. Preis: Professor N. Oysit, MOn- 
cben, Motto: „Accord", 2. Preis; Maler Maa; Läuger, Kath- 
ruhe, MoUo: .Ji-an Mosica"; 3. Preii: Maler Carl SchmiiU, 
Dresden, Motto: „Hundert Jahre Arbeit"; 4. Preis: Carl 
Adam, Kunsthandwerkerschule, Strattbnrg i. E., Motto: 
„Darnach sich einer schickt^ Darnach et ihm glQcki" 



dern: Wir bringen in dieser Nummer 
eine Anzahl Uterer and moderuer Schmiedearbeiten im An- 
schlau an den Artikel Ober bemaltes Schmiedeeisen, Daa 
Gitter an der Karl TanohnitibrÜcke in Leipzig S. 34 ist ron 
dem Architekten P, Schuster entworfen und von dem SchloBser- 
meister B. Kayser aasgefllbrt; die Brücke fttbrt von der Alt- 
stadt nach dem neuetsehloBsenen Westteile Leipiigs, in 
dem die großen Monumental bauten Leipzigs, das neue Ge- 
wandhaus, daa Konserratorinm derHoaik, die Kunstakademie, 
die DniveTBitStabibliothek in den leisten Jahren entstanden 
sind, und in dem das Beicbsgericbt seiner Tolleadnng ent- 
gegengebt; dementsprechend musste auch der BrOcke ein 
monumentaler Charakter gewahrt werden; es ist diee dem 
Architekten in vollem Mafle gelungen. Das Gitterthor anf 
S.85, aus der Sammlung des Kunst^werbemuseums in Leipzig, 
stammt von dem ehemaligen JohannisMedhof; ea ist vom 
Architekten M. BüeA«^ aufgenommen. Im Musenm befinden 
sich noch mehrere Gitter, Ober welche im 2. Jahi^ang der 
alten Folge des Ennstgewarheblattes S. 91 in einem Artikel 
von ProfssBor Wustmann ansführtich berichtet wird. — 
Das schmiedeeiserne Grabkreus S. 89 aus Kaltem ist ca. 
3 m hoch, vollständig vergoldet; an dem Original be- 
findet sich an der Spitxe angebracht die Figur des Heilands 
ans Blech geschnitten, wahrscheinlich eine neuere Zu- 
that Der steinerne Sockel ist rechteckig. — Das Bflgel- 
nsen auf 9. 92 befindet sich im Besitze des Herrn Dir. 
H. Eamanth in Bozen; der Kern und der Benkrecfate St!lii- 
der sind ans Schmiedeeisen, die Bandhabe aus Eols, die 
gravirte Uontiruug ans Messing. GrSSte Länge des EOrpers 
16,8 cm, Breite 7,6 cm. — Das Trubenschloss auf S. 93 ist 
deutsche Arbeit in 6t. Michael (Eggau)-, dasselbe ist jetzt 
im Besitze der k. k. Fachschule in Swietnicki in Galizien. 
Der Kasten des Schlosses ist durchbrochen, so daas der 
Mechanismus wenigstens teilweise ersichtlioh ist. Das Mate- 
rial ist blankes Eisen, nur die Rosetten an den Achsen der 
Federn sind von Kupfer. Gr^Bte Unge 31, grOßte Breite 
22 cm. Auf^ S.'95 befindet sich ein Kredensschrank , von 
H. KiUkailioff in Hamburg entworfen und von Ä. S0emihk 



ebenda in Nnssbaum auagefilhrt. Er war in der letzteo 
Weihnachtsaussteil nng dee Kunstgewerbevereins in Hambuij 
ausgestellt und erregte darch seine praktische Einteilung nnd 
beqaeme Einfachheit flberall gerechtes Interesse. Von der 
Ankaufskommissioo wurde er auch sofort Eur Verlosong an- 
gekauft. 

BERICHTIGUNG. 
In seiner „Erwiderung" (im Ennstgewerheblatt der Zeil- 
schrift für bildende Kunst, Dezember 1893) sagt Herr HutiD 
Kimbel: „Die Stnhlmajm'sche Methode ist ia der Hamburger 
Schule abgethan, und wenn sich das System noch hier imd 
da erhalten hat, so beweist das nichts Ar ihre Gfite." Diese 
AuBemng bedarf der Berichtigung. In der von mir geleite- 
ten Gewerbeschule (denn um diese handelt es sich, wesn 
ich Herrn Kimbel recht veretehe) und den damit verhandeDeii 
Filialen bildet die sogen. Stuhlmann'sche Methode des Frei- 
handzeichnens neben dem Zirkeheicbnen und der Projek- 
tJoDslefare nach wie vor die Grundlage des Fachieichneiu. 
Ober 40 Lehrer unterrichten an jener Schule noch der ge- 
nannten Methode im Freihandzeichnen nach HoltknrjienL 
An unserer Schule ist die Methode also nicht abgethao. 
Femer ist die „Stuhlmann'sche Methode" seit 1387 obligv 
toriach f&r die preußischen Volksschulen mit drei odermeht 
aufsteigenden Klassen (siehe die von Minister t. GomI« 
unterzeichnete „Anweisung Rlr die Erteilnng dee Zeichen- 
unterrichts" vom 20. Hai 1687, welche abgedruckt ist in dea 
Unterzeichneten Leitfaden für den ZeichennnterrichtJ, femei 
in den Hamburger Volksschulen, sowie in Schweden. Ke 
Methode bat sich somit auch nicht nur hier und da erbsltei. 
DR. Ä. STOHLViffN, 

Direktor der Allgemeinen Gewerbescfanle 
zu Hamburg. 
ZEITSCHRIFTEN. 
Bnehgewerkeblktt 1898/91. Heft 7 ■. 6. 

Dis BsIenchtnnK in Drockerelen. — Die Anweadang von Llsla- 
tänen in der Cbromollthognphi«. — Der CentrKlvcreln fit du 
«essmte Bucbgewsrbe nnd deaMn Zisle. — Die Pbotogntihle »d 
venchiedensitige pbotomecfauiiBCba PresseadraokverUiru] ui 
dar Wotids Columbiui Eipoiition In Cbicuo. Von O.ScimODi 

Spreehual. 18S4. Kr. 1, 2 n. S. 

Die dekorallve Knaat und du Nstuntadinm. Von Dr. F. P. Ereil. 
— Du tilu mr dsr bolBmbischiin WBlUusetellan«. — Fabrik 
tlon dea WusergUaes. Von H. v. Reiboldt. — Zu Fsaar 
(eatiirkellsbsstlmioDng von Tfaanen. — Die Beltrige Ar dl> In- 
valldlt&ts- und AlteravetaicberDDg. Von R. Rranaa. — Ted- 
nlacbe Verwendung dea Wasaergluea. Von K. v. Reiboldt 

Zeltaehrlft fltr InneDdekorfttion. 1884. Heft 1. 

Zorn Geleit für 1S91. Von H. Oütz. — Dsa Eanatgewerb« "i 
die EUnsller. Von Dr. Tb. Volbehr. — Zur OeachichW der 
Innendekorstlan beiw. der Möbel. Von 0. Wkldas. — DleHil- 
virkung dei Architekten bei der InnendekormtioB. Voa H 
SehlispDianD. — Dar Dekorateur. Von Prot. ¥. Lithner 



^ 



Heraoageber: Arthur Pahst in KOla- — Für die Redaktion verantwortlich: Arlur Seemi 
Druck von Augutl Pries in Leipzig. 



1894 



Jahresausstellung 

von S^m^wex^tn affer ^atiomn 

t)Otti 1. ^wni ßiö gnöc g>Rfc»6er. 



1.-20. »(«(. 



Hit metutentv 9ünltlrrgen0fmribaf>- 



Bewerbungsanssebrelben. 

Die AvU <)er technischen Staatslebranstalt«!! in Cbemnitz.soll mit 
4 Wandf emitldeil in Olwochsfarbe auf Leinnimd g:eeclimückt -werden. 
Zur Honotirnng (liewr Gemälde eteht der Betrag von 20OX1 il. zur Vor- 
fögnnR, 

Zur BeechaffuDg diwes malerieclien Schmuckes wird aaf Anordnung 
des Königlichen Mini^teriumü des Innern unt«r sächsischen oder doch in 
AuaühuDg ihres B«rufs in Sachsen lebenden KOnstlern eine Bewerbung 
eröffnet. 

Künstler, welche sich hieran beteiligen wollen, haben EntnUrfe zu 
diesen Gemälden in Ölwachsfarbe im MasMtabe von 10 : 100 sorgfältig 
dnrchgeßhrt, gehCrig fixirtund in itahmen mit eineca Kennworte bis sp^t«$teiis 
Sonnabena, den 30. Juni 1894, mittags 12 thr an den KasteUan 
der hiengen KCnig). Akndemtc der bildenden Kfinste (Brilhrsche Terrasse] 
während der (■ escb äfteütnoden gegen deesen E m pfangsbescheinigung abz.uliefein. 

£s wird dies hierdnrch mit dem Bemerlcen Dekanat gemacht, dass die 
näheren BewerbnngsbcdlnEnnren von dem cenaanten Akademiekaatellan 
nuentoeltlich zu bezieben sind, bei diesem auch Zeicbnnngeu det fr^lichen 
Wand- und BildSächen eingesehen werden künnen. 

Dresden, den lii. Dezember 1893. 

Der akademische Rat. 




Gustav Lind, Berlin, Wllhelmstr, 47, 

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Elureng««AeBke, Bmb- u. BeKattapretse, TafeMafsStze, Serrlcei Jardlniiren, 

Boirien, Pokale, Albim* und ■SbelbeMhUge, flgflrliehe FBlliugen, Hell- 

und Tentilatlonagitter, OfenacMrme, BcIenchtitBsggegreiigt»n d«. jwoi 

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Franrnirt a. X., KnnitanktioDe«resoh&fli, gexr. 186». [us] 



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XVI. und xvn. jhdib. Russische 
und Französische Bildnisse des 

XVII. und xvin. jhdts. Gold- 
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sirationen versenden wir franctf gegen 



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■«■ibars tm Hostarluat d«T Flnu : Lwlwtr I 

VTtiiel Akt.-OM., SotMptnit^l «1. _ 

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Ken. KoateDTorftDicbligaetc. benitvIUisat wmT 
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¥. H. EflU iD Berlla bei betr. 
etl{?aiiikeit der Leser eiiiplehlen. ■ 
U5t Prita in Lsirttg- 



Katalog der Werke Walter 



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Mappe aus Haroquinleder, in Handvergoldung mit Ledermosaik. 
Entwurf von Wilhelm Weimar, Ausflihnuig von G. Jebsen in Hamburg. Heh« 40 an. Breite 30 a». 

KaDttgewecbcblalt N. F. V. Lithsp. AuUU •an J. G, VritiKha In IMpOf. 



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HIN /'CriilT^ i::::,\;ri.AJ< 
I)F-) GRAlY. BRÜHL'SCHHN SCIIV^■A^'L;' — Li- \'1(':H^ 



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Entwurf von Wilhelm Weimar, Ausführung von G. Jebsen in Hamburg. Höhe 40 cm, Breite 30 cm. 



Kunstgewerbeblatt N. F. V. 



Lithogr. AniUlt von J. G. Vritxftch« in Leipnt* 



EIN ZWEITES EXEMPLAR 
DES GRÄFL. BRÜHL'SCHEN SCHWANEN -SERVICES. 



^M ersten Bande des von Herrn 
] E. A. Seemann in Leipzig im 
j Verein mit dem Unterzeich- 
i neten, damals Direktorial- 
j aesistent am kÖnigl. Eunst- 
gewerbemuseum zu Berlin, 
begründeten Kunstgewerbe- 
) hiattes befindet sich ein Auf- 
satz, betitelt: „Das gräflich Brührsche Schwanen- 
serrice." 

Das letztere befindet sich, ca. 3000 Stücke um- 
fassend, zu Schlofls Pforten in der Lausitz im Besitz 
des gräflich Brtthl'schen Hausfideikommisses und 
war damals nur wenigen bekannt; durch das Ent- 
gegenkommen des inzwischen verstorbenen Grafen 
BrOhl wurde eine Anzahl von Porzellanen aus dem 
Service unter Wahrung des Eigentumsrechte dem 
kgl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin zur dauernden 
Aufstellung Ubei^eben. Ein kurzer Hinweis auf die 
Geschichte des Services, nm das sich ein völliger 
Sagenkreis gebildet hat, mag hier genügen. 
KnnstgpwerbebUtl. K. P. V, H. «. 



Es steht fest, dass das kostbare Geschirr damiils 
auf Bestellung des Ministers Graf Brühl in Meißen 
angefertigt wurde und als größtes Meisterwerk der 
kgl. Porzellanmanufaktur zu Meißen angesehen wer- 
den muss, und scheint sich der Besteller erst nach 
längerer Wahl für das Schwan enmuster entschieden 
zu haben. In Schloss Pforten befinden sich nämlich 
zwei Dutzend Teller mittlerer Größe, alle verschieden 
in Dekor und Form, darunter Muster, die mir sonst 
nirgends vorgekommen sind, sie tragen sämtlich das 
Brühl'sche Wappen, teils auf dem Band, teils in der 
Mitte des Spiegels. 

Diese Teller wurden kurz vor und nach 1736 
angefertigt; unter ihnen befindet sich auch einer mit 
dem Schwanenmuater, nur etwas anders dekorirt als 
das Service. Den Namen verdankt das Service dem 
als ornamentales Motiv auf und an allen Stßcken 
wiederkelirenden Schwan. 

Durch einen großen GlQcksfall ist nun das 
städtische Kunstgewerbemuseum zu Köln in den 
Besitz eines zweiten Exemplars des Schwanenservices 



EIN ZWEITES EXEMPLAR DES GRAFL. BRÜHLSCHEN SCHWANEN -SERVICES. 



gelangt, welches allerdings in mehreren Punkten 
Ton dem Original abweicht, aber dennoch ein hervor- 
ragendes Erzeugnis der kgL Porzellanmanüfaktur zu 
Meißen ist, — Die figürliche Dekoration der Teller 
ist bei beiden Servicen ^eich, sie zeigen im Spiegel 
in flachem Relief ein Paar Schwäne auf Wellen 
schwimmend; zwischen dem Schilf sitzt ein Reiher 
verborgen, ober ihnen schwebt ein zweiter Reiher 
herab. Dieses Relief wiederholt sieb außen an allen 
Qefaßen, je nach der Form gemindert. 

Während das Originalservice leichte Vergoldung 



gehörende Service umfaest 54 Stücke, 15 flache nnd 
tiefe Teller (Fig. 1) mit dem oben erwähnten Dekor und 
eine Anzahl größere Gefäße, unter denen sich beson- 
ders eine große gehenkelte Terrine (Fig. 2) mit Deckel 
auszeichnet, den Knauf des Deckels bildet em Tri- 
ton, die FQße sind als Delphine dargestellt; die 
Terrine selbst ruht anf einer ovalen Platte, deren 
Griffe von Muschelwerk gebildet sind; die Abbildung 
zeigt neben derTerrine zwei hohe gedeckelte Kumpen 
Fig. 'iji, den GriEF des Deckels stellt ein Schwan dar, 
auf dem mehrere Putten reiten, den Hals des Schwans 



und Streablümchen am Rande der Teller von über- 
aus delikater Wirkung zeigt, sind bei dem neu er- 
worbenen Service in flotter Malerei in Purpur große 
Blumen und Blätter hingeworfen, die Spiegel und 
Rand bedecken, der schräg gerippten Form der 
Teller angepasst, nur das Schwanenrelief freilassend. 
Das hier überall fehlende Wappen dürfte ein Beweis 
sein, daas das vorli^ende Service kein Modell, wie 
man vermutet, sondern als Origioalarbeit für einen 
Besitzer, dessen tarnen wir nicht kennen, ange- 
fertigt ist. 

Das ganze, dem städtischen Museum zn Köln 



mit einer farbigen Blumenguirlftnde umwindend; 
auch die Eumpen sind auf ovale Platten mit Griffen 
gestellt; die Figuren zeigen im Gegensatz zu dem 
Originalservice, wo eine nur leichte StafBrung im 
Sinne der besten Meißener Zeit stattgefunden hat, 
eine vollständig naturalistische Bemalung. 

Als besonders hervorragendes Stück zeigt Fig. 5 
einen Wärmer in halbkugeliger Form nebst dazu 
gehöriger großer Schüssel, der Griff des Wärmers 
wird von einem Pufcto gebildet, der aus einem Füll- 
horn Blumen schüttet; daneben sind zwei Schwäne 
abgebildet anf Schüsseln Fig. 6/7; auch hier finden wir 



I 



I 

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EIN ZWEITES EXEMPLAR DES GRÄFL. BRÜHL-gCHEN SCHWANEN -SERVICES. 101 



dasselbe Motiv wie bei den Kämpen, den reitenden 
Putto mit Blumenguirlanden, die Schwäne dienen 
ab Saucierea und sind von feinster Auafübrung, mit 
wenig Benmlung, nur der Schnabel und die Ffiße 
sind von tiefem Schwarz bedeckt. — Unter den ein- 
zelnen Stücken betinden sich noch einige hervor- 
n^ende Kunstwerke; das Service in seiner Gesamt- 
aufstellnng ist von großartiger Wirkung, auch wurde 
dasselbe von Herrn Landrat Graf Brflhl durch die 
blaue Marke und einen eingepressten kleinen Stern 
mit zwei Strichen auf der ROckseite als echt an- 
erkannt! 

Was die Herkunft des Services angebt^ so ent- 
stammt dasselbe der Auktion Magniac zu London 
und wurde dort von den Gebrüdem Bourgeois aus 



Köln im Jahre 1892 erworben und umfasste ur- 
sprünglich 103 Stück. 

Dem Kölner Kunstgewerbemuseum wurde diese 
herrliche Erwerbung ermöglicht durch eine Stillung 
von 2000 Mark des verstorbenen Herrn Landgerichts- 
rat Nakatenus und einen Zuschnss von 300 Mark 
des Herrn Kommerzienrat GrQueberg zu Köln. Diese 
Gabe beweist wieder, welches Interesse die Kölner 
BOt^erschaft an der Kotwickelung des städtischen 
Kunstgewerbemuseums seit seiner Entstehung nimmt, 
denn gerade die Porzellansammlung konnte sich 
durch wiederholte Stiftungen und Ankäufe zu einer 
ungeahnten Höhe entwickeln, wie sie in einer Pro- 
vinziolhauptstadt schwer zu erreichen ist! 

A..P. 



I TOD BBhmen. (Vgl. ( 



Kopfleiste. Von JoBamk Hattbus Rager. 



FLAGGEN UND FAHNEN. 



S ist ein schöner Brancb in 
Hamburg, dass man bei fest- 
lichen AnlüsBen dort so viel 
Flaggen aufzieht ab mög- 
lich, nicht nur eine große 
I am Flaggenstocke , der fast 
auf keinem Hause in Harn- 
I bui^ fehlt, sondern, dassman 
von diesem ausgehend, auch Leinen mit aneinander 
gereihten Flaggen nach verechiedenen Teilen der 
Stirnseite des Hauses ausgehen laset; nicht die 
Flaggenscbiffe zu veigessen, welche wir mit Flaggen 
bedeckt vor am Wasser gelegenen Gebäuden liegen 
sehen, in denen Hochzeiten gefeiert werden. Die 
Flagge, eine echt germanische Erfindung, halten 
wir eben für besonders geeignet, dem Frohsinn Aus- 
druck zu geben, das bunte feine Tach, dem der 
Wind Leben giebt, dae mit dem lanen Windzuge zu 
kosen, gegen den Sturm sich zu wehren scheint 

Die RSmer besaßen keine Flaggen oder Fahnen. 
Ihre Feldzeichen waren aus Erz, nur vereinzelt fin- 
det sich ein kleines Stück Zeug au einer Querstange. 
Dies ist das Urbild der schweren steifen Kirchen- 
fahne, früher bis zur Hälfte, ja bis zu zwei Dritteln 
von unten nach oben in 3 Streifen gespalten. Aus 
der Kirchenfahne entwickelte sich das Banner, de.'^sen 
Ungelenkigkeit wir so oft auf dem Theater bedauern 
können, und welches sich leider als Norm für Ver- 
eine festgesetzt zu haben scheint. Damit sollte ge- 
brochen werden, worüber Weiteres unten folgt. 

Auf alten römischen Skulpturen b^egnen wir 
bei den germanischen Hilfstruppen den Vorläufern 
der Fl^ge, männlichen Tieigestalten, welche aus 
einem leichten Stoffe gefertigt, deren dünn gegerb- 



tes Fell, zu einer Art Sack zusammengenäht, durch 
den Wind aufgeblasen wurde, genau so wie die 
Japaner es noch heutigen Ti^es lieben. 

Dann sehen wir in der romanischen Periode 
die ersten Toumierf&hnen erscheinen, zuerst band- 
artige, am Ende betxanzte Tnchstreifeu, dann vier- 
eckige, mit Ein- oder Ausschnitten versehene Tücher, 
welche aber augenscheinlich noch keine Wappen 
trugen , sondern reich mit Gold durchschossene Ge- 
webe gewesen zu sein scheinen. 

Mit der gotischen Baukunst erscheint die Benn< 
fahne, ein mit der längeren Seite am Schalt befestig- 
tes Stück Tuch, oben mit einer dreieckigen Verlän- 
gerung verseben. Diese Rennfahnen zeigen zuerst 
die heraldischen Figuren, in Übereinstimmung mit 
dem Schilde des Reiters und dessen Pferdecouver- 
türe. Die schönen Reitersiegel der regierenden 
Herren, der Herzöge von Steiermark, Österreich, 
Sachsen u. s. w. zeigen sehr schöne Vorbilder solcher 
Fahnen (S.lOl). Sind dieWappenfiguren dem Tierreiche 
enÜehnt, so sind sie stets dem Stocke zugewandt 
darzustellen. Sehr schöne Fahnen zeigt die Sachsen- 
chronik, ein tncunabel mit herrlichen Holzschnitten. 
Die Fahnen haben sich aber im Laufe der Jahrhun- 
derte vergrößert, und zeigen in der Sachsenchronik 
schon eine ganz an-sehnliche Größe mit stark ent- 
wickeltem Wimpel. In der Schedel'schen Weltchronik 
kommen Fahuen verschiedentlich vor, so eine, in der 
Gruppe der zwei Ritter, mit einem Klunker am 
Ende, welclier das in Falten gelegte Fahnentuch 
abschließt. Die Dame aus der Zeit des Anfangs des 
16. Jahrh. mit dreieckiger Fahne ist aus Burck- 
mair's Triumphzug und findet sich als Schildbalterin 
auf einer anderen großen Fahne, älmlich der der 



FLAGGEN UND FAHNEN. 



103 



spätgotischen Zeit, aber aus schwerem Stoff gear- 
beitet, oben mit einer Stange Tersehen, um dos 
Fahnentuch auch bei Windstille offen und entfaltet 
zu halten. 

Die Fahnen des Fußvolks naren große Tücher 
ohne Wimpelenden, wie der berühmte Dürer'sche bur- 
gundische Fahnenträger zeigt, an kurzem Stil (S. 104). 
Sie wurden in schönen Schwingungen stete in Be- 
wegung gehalten und müssen ein farbenreiches Bild 
gewährt haben. Die Kunst des Fahnenach wenkens 



gebauten Mitgliedern zu schwenken wären, welche 
bei solchen Gel^enheiten möglichst auch einen far- 
bigen Anzug enganliegenden Schnitts zu trt^en 
hätten. 

Auf den Schiffeu hatte man Banner ähnlich jenen 
wie bei uns auf der Lombardbrücke, oder es wur- 
den auf dem Achterdeck und dem Vorderkastell Fah- 
nen aufgesteckt, noch keine Flaggen aufgezogen. 

Die aufgezogenen Flaggen, früher auch der 
FlUger genannt, ist somit erBt verhältnismäßig neue- 



Hambnrger Flaggen,') 



war sehr ausgebildet, sie wollte eigens gelernt sein 
und brachte dem, der sie vorzüglich ausübte, große 
Ehra Anstatt der langweiligen steifen Vereinsfahnen 
an langen Stangen, mit denen die Träger nichts an- 
fangen können als sie starr vorsieh hin zutragen, 
sollten bei allen Vereinen die alten kurzstieligen 
Fahnen mit den Vereins Wahrzeichen wieder einge- 
führt werden, die von ausgesuchten jungen wohl- 



1) Die heraldiechea Farben oder Tinktoren sind, wie 
üblich bezeichnet: Rot dnrch senkrechte, BUn dnTch wage- 
rechte, OrOn durch schrSge von rechts oben nach links unten 
laufende Striche, Qelb durch Punkte. 



ren Ursprungs, da die zusammengesetztere und hSbere 
Takelung die leichtere Beweglichkeit im Auf- und 
Niederholen der Flagge bedingte. Die Notwendig- 
keit der Deutlichkeit auf große Entfernungen hat 
dazu geführt, an die Stelle der Wappenfiguren ein- 
fachere Zeichnung zu setzen, und zwar meistens 
Streifen. Unsere deutsche Flagge, bekanntlich von 
dem Sekretär der Hambui^er Handelskammer Dr. 
So etbeer erdacht, der seinenÄrtikel aber in der Weaer- 
Zeitung erscheinen ließ, ist eine der glücklichsten 
Zusammensetzungen, denn man erkennt das Schwarz- 
Weiß-Rot schon sehr weit. Können wir uns so auf 



104 



FLAGGEN UND FAHNEN. 



See nichto Besseres wOnscben, als unsere Uaadeh- 
flagge, so ist die ausschließliche Verweodui^; der 
Landesfarben im Lande selbst kaum angebracht. In 
fremden Landen bezeichnet die Landesßagge das 
Schiff als Stflck der deutschen Heimat. In dieser 
selbst sollte daher der Individualit&t gr&ßerer Spiel- 
raum gelassen werden und die Privatpersonen daher 
Flaggen aufziehen oder Fahnen ansstecken, welche 
das Wappen des Geschlechts tragen, dem der Be- 
treffende angehSrt Erkundigongen bei den nam- 
haftesten hiesigen Juristen und Richtern haben er- 
gehen, dass dem durchaus nichts itn Wege steht, und 
warum soll man denn unnötigerweise die schon 
so wie so große Schsblonirung der Menschen noch 
dadurch Tei^ßem, dass alle dieselbe Fahne aus- 
stecken? Welch andern Eindruck würde es machen, 
wenn solch farbenprächtiges Bild, wie Wappen- 
flaggen es darzubieten im stände sind, Über unsem 
H&uBem sich entfaltet. Wir haben ja gerade in 
Hambui^ solche große Anzahl alt eingesessener 
Geschlechter mit angestammten Wappen, — und 
wer keine hat, kann zu jeder Zeit eins annehmen, so- 
fern es nur nach den Regeln der guten Heraldik 
geschieht — dass es sich wohl verlohnen wOrde, 
wenn Handwerker sich anf diesen Erwerbszweig 
würfen. An Vorbildern fehlt es ja nicht, doch soll 
man solche nicht einfach sklavisch nachahmen, son- 
dern in ihrem Geiste weiterschaffen, nachdem man 
sich in sie hineingedacht hat Auf umstehender 
Tafel ist dazu der eiste Versuch gemacht worden, 
Tesdorpf, Schlnter, Uoenckebeig, Versmann, Röscher, 
letsterer da.s Einhorn in einer Dreiecksfahne, dem 
Stocke zugewandt, wie es richtig, wenn auch etwas 



unbequem ist Die beifolgende Pause ist ein schö- 
ner Entwurf des Herrn Prof. Hildehrandt-BerÜn. 
Die Dreiecksform konnte dazu verleiten, das Einhorn 
mit dem Kopf nach der unteren Langseite gewandt 
zu zeichnen; das ist falsch. — 

An der Fahne mit dem Versmann'echen Wappen 
ist eine Vorrichtung angebracht, welche in Sien» 
sich häufig an den Häusern findet, ein FahnenbalUr. 
In der genannten italienischen Stadt befinden sich 
solche Fahnenhalter an den Mauern der Häuser zwi- 
schen den Fenstern an allen Stockwerken (s. Euost- 
gewerbeblatt, N. F. Bd. II, S. J58). Wie näzend 
mUssen die so au^esteckten Fahnen die Architektur 
heben und zugleich die Straßen beleben. Die dazn 
zu verwendenden Fahnen dürfen aber nicht die 
Landesfarben tr^en, denn dann würde wieder gleicli 
die uns jetzt anhaftende Monotonie den erworbenen 
Farbenzanber zu niclite machen. Diese Fahnenbalter 
verdienten wirklich, dass man sie wieder allgemein 
einfUhrte, zumal in den nach den schönsten R^eln 
der Baupolizei in geraden Linien angelegten Straßen 
und snfgef&hrten sc^enannten Gebäuden. 

Noch ein Wort Ober Flaggenstangen, welche 
häufig als bequeme ErSnong eines Hauses mit schwe- 
rem Knopf oder dicker Spitze hergestellt werden. 
Solcher Aufsatz widerstrebt dem Wesen der Flagge, 
welche selbst der oberste Teil desjenigen Gegenstan- 
des sein soll, den sie ziert, ohne noch anderes über 
sich zu haben. Dicke Spitzen der Fla^enstöckc 
vernichten die feine Wirkung der Bewegungen des 
Flaggentuchs und sollten daher fortfallen. 
Hamburg, im November 1893. 

DR. ED. MAYER. 



II Salehbieh. (18. JahrbuQdert.) 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
Balthwftc SjrlTiiu. Quairt auites d^omemenit. L» Haye, 
Uartiuns NijhofT. fl. 25. 
Im Verlage tod M. Niyhoff im Haag erschienen bereits 
Ewei B&nde von Nachbi) düngen von OmamenUtichen über 
hoUändiBcbe GoldBchmiedekunst von Adam van Vianen und 
Balthasar SylviuB; ala dritter Band reibt aicb ihnen eine 
Folge von vier Abteilungen von Ornamentatichen an, eben- 
falls nach den Entwflrfen von Baltbasar Sylvini. In drei 
Abteilungen dieses Werkes finden wir maurische Ornamente, 
die in mehr oder weniger reicher Fülle Bandvenchlingungen 
«eigen; önige dorchsetzt mit MenschenkOpfen, LOwenmasken 
u. ■■ w., sowie einzelne Blätter mit Cartouchen. Eine beson- 
dere Abteilang, welche ala die bervorragendst« gelten muss, 
enthält in reicher phantastischer Au^ettaltung Entwürfe 
XU Vasen, Schalen. Pmnkgeräten mit herrlichen Cartonchen 
des edelsten StUea um 15G8, Über das Leben dieses bedeu- 
tenden Künstlers der holl&ndiacbeD Omanentistenscbule ist 
bisher wenig bekannt; er soll in Antwerpen gearbeitet haben 
1550—1570, seine Werke sind überall zerstreut, in derBiblio- 
tböqne nationale in Paria befindet sich die erete Abteilung 
der Originale vorliegenden Werkes, die zweite iet im k. k. 
Osterreichiacben Hnseum für Kunst und Industrie in Wien 
aufbewahrt Daa einzige Eiemplar der dritten Folge be- 
findet sich im KapfersHchkabinett su HOnchen. Die vierte 
Folge ist zusammengesetzt ans Originalen, welche sich im 
Kunstgewerbemuseum zu Berlin und im Museum eu Wien 
befinden. Das Titelblatt, nach dem einzig bekannten Eiem- 
plar, welches sich im Kupferstichkabinett zu Amsterdam 
befindet. Der Herausgeber hat sich durch die mühevolle 
ZuBammenstelliing des Werkes ein bleibendes Verdienst er- 
worben und hofft dasselbe sogar noch zu vergrCIlern durch 
Sammeln einiger fehlenden BUtter; dem Werke ist nur die 
weiteste Verbreitung zu wQnschen, dessen gediegene Ans- 
■tattong und m&Biger Preis es auch nicht anders erwarten 



Tr»nt0 Wohnrftnine. 5 Lieferungen zu je 10 Tafeln. 
Imp.-Fol. Preis jeder Lieferung 18 M. Verlag von Ernst 
Wasmutb, Berlin. 
Ein Prachtwerk von vornehmster Ausstattung liegt jetzt 
vollendet vor uns; es gieht uns in schCnat^n photogra- 
phischen Aufnahmen eine Anzahl Berliner Wohnräume wieder, 
deren wohlhabende Beaitcer es verstanden haben, ihrem 
KonsIceweibebU» N. F. V. □. 6. 



dgenen Geschmack bei der Wahl der Ausstattung zu folgen; 
wir sehen diese Zimmer nicht mehr streng nach Pariser 
Geschmack, nicht in italienischer oder deutscher Renais- 
sauce, auch nicht mehr im Rokokostil; in herrlichster Zu- 
sammenstellung hat der Bauherr und Architekt die Kunst- 
erzeugnisee verschiedener Jahrhunderte benutzt-, um sein 
Heim zu verechSnem, es vollstHndig seinem Wesen, seinen 
LebenBgewohnheit«n anzupassen; die RAume haben eine in- 
dividuelle Gestaltung angenommen iu echt künstlerischem und 
wahrhaft vornehmem Geschmack. — Zu einem der vornehmst 
ausgestatteten Wohnhäuser zählt unzweifelhaft daa des Pro- 
fesBOra Dr, von Kaufmann, dessen Arbeitszimmer durch zwei 
Stockwerke gehend ein bOchst maleriech wirkender Raum 
ist, nach den Angaben des Besitzers ausgeführt, der sein 
kostbar kOnstleriscbea Gepr^a durch die Ausstattung mit 
zum Teil alten MObeln, Wand- und FuSteppichen, mit Ge- 
mälden und plaatischen Kunstwerken erhält. Aus der Villa 
vom Rath finden wir drei Zimmer wiedergegeben, zu deren 
Ausstattung überwiegend alte GegenetAnde aus verschiede- 
nen Sammlungen verwendet worden sind; das Speisezimmer 
umkleiden Paneele, welche der Sakristei des Domes zu Trier 
entstammen; die ganzen Räume sind ein Muster vornehmer 
Prat^t, bei der jede Oberladung vermieden ist! Von der 
Villa Ende in Wannsee werden vier Tafeln gegeben; der 
Besitzer und gleichzeitige Erbauer dieses Landhauses hat ea 
verstanden, mit einem fein ausgebildeten Sinn l^r das Hale- 
riache die Dekoration seiner Räume und den künstlerischen 
Inhalt vollkommen harmonisch zasammenzustimmen. Die 
herrlicbsten Kunstschätze, die Jatirzehnte hindurch gesam- 
melt wurden, sind dabei zur Verwendung gekommen. Von 
besonders malerischer, reizvoller Wirkung ist das Atelier 
der ungarischen Halerin Vilma Parlagh;, ganz nach ihren 
Anordnungen ausgescbmückt, ein echtes KOastlerheim. Ganz 
eigenartig ausgestattet sind die Räume des Architekten Hans 
Grisebach; die Decken sind in Kalkputz hergestellt, worin 
auch die Ornamente gleich au^etragen wurden, die innere 
Ausschmückung lehnt sich an gute Muster der deutachen 
Renaissance an, trägt aber einen modernen Charakter, der 
die gesamte Ausstattung zu einer völlig aelbständigen Schö- 
pfung macht'. — Ferner finden wir herrliche RAume ans 
dem Palais der bajerischen Gesandtschaft, deren Dekoration 
sich in den Grenzen eines maBvoUen, von den besten Hustem- 
abgeleiteten Rokokos hält; die ganze Ausstattung ist modern 
bis auf die Bilder. Mit groBem Geschick und feinem Ge- 
schmack hat Professor Otzeo es verstanden, die Stilformen 
14 



1 



lOG 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



des romanischen und gotischen Mittelaliers festzuhalten, 
wofür das Speisezimmer in seinem eigenen Heim ein herr- 
liches Beispiel giebt, ebenso die von ihm ausgeführten Innen- 
r&ume und die Gartenhalle der Villa Oppenheim. Eine 
Reihe anderer modemer Wohnräume geben uns den Beweis, 
wie wahrhaft schOn und künstlerisch das eigene Heim aus- 
zuschmflcken ist, nach freier Wahl, naph eigenem Geschmack, 
und mit Recht nennt der Herausgeber sein Werk „Traute 
Wohnrftume", traut zunftchst f&r die Bewohner — und, weil 
diesen entsprechend, auch für die Besucher. MOge dieses 
Werk sich recht viel Freunde erwerben, in seiner Reich- 
haltigkeit bietet es die herrlichsten Anregungen fQr Jedermann. 



Farbige Entwürfe fOr dekoraüTe Malereien ana 
der Zeit des Hokoka In Farbenlichtdruck nach- 
gebildet von Albert Frisch nach Originalzeichnungen aus 
der Bibliothek des Egl. Kunstgewerbemuseums zu Berlin, 
herausgegeben von Dr. P. Jessen. Berlin, Georg Siemens, 
1894. 12 farbige Tafeln. Fol. Preis M. 25. 
Es fehlt der Praxis an getreuen Farbenvorlagen f&r 
Rokokomalereien. Meist werden die Formen zu schwer, die 
Farben zu sflßlich behandelt Hier können die vorliegenden 
Nachbildungen alter Handzeichnungen helfen, deren an- 
mutige Zeichnung und sichere Färbung treu und feinfühlig 
wiedergegeben sind, so dass die wertvollen Originale nahezu 
ersetzt werden. Ein Teil der Blätter gehört der graziösen 
französischen Vorstufe des Rokoko an, der Zeit der Regence, 
und Iftsst sich auf den genialen Erfinder Claude Gillot, den 
Lehrer Watteau's, zurückfähren; die übrigen stellen den 
Fortschritt von dieser zierlichen Auffassung zu bewegteren, 
reicheren und schwereren Formen anschaulich dar. Es sind 
Wandfüllungen und Decken, Fftcherblätter, Klavierdeckel u. a., 
teils omamental, teils figürlich verziert. Es wäre erwünscht, 
dass die Architekten, Zeichner und Maler diese sorgfältig 
gewählten und zuverlässigen Beispiele höchst anmutiger De- 
koration recht ergiebig zu Rate zögen , um vor den nahe- 
liegenden Übertreibungen des Rokoko behütet zu werden. 



— Als fünfzehntes der vom König l. Kunstgewcrbemusewn 
Ml Berlin herausgegebenen Vorbilderhefte erscheint soeben 
ein Hefb umfassend „ThÜren". Es enthält die Abbildungen 
von zehn Thflren, sämtlich bis auf die letzte aus Indien 
stammend, aus dem Besitze des Kgl. Kunstgewerbemuseums 
entlehnt. Die meisten sind in Italien erworben, einige aus 
Holland, Berlin und der Schweiz. Ein erläuternder Text, 
von Julius Lessing* 8 Meisterhand geschrieben, giebt ein- 
gehende Beschreibungen der ThÜren mit Angaben ihrer Her- 
kunft und Maße; die erste Tafel ist in Farbendruck her- 
gestellt, und die letzte giebt Auskunft Über die Profile der 
Thüren. 

VEREINE. 

BerlifU Der Verein für deutsches Kunstgewerbe be- 
schäftigte sich am 14. Februar mit der Frage der Berliner 
Gewerbeausstellung, über deren organisirte Beschickung 
durch das gesamte deutsche Kunstgewerbe auf einem Abge- 
ordnetentag des Verbandes am 16. Februar entschieden wer- 
den sollte. Diese Beratung föllt, wie aus einem Schreiben 
des Vorsitzenden hervorgeht, jetzt aus, da von den auswär- 
tigen Vereinen zwar 19 für die Abhaltung waren, 10 aber 
nicht dafEbr oder dagegen, so dass die notwendige Zweidrittel- 
mehrheit für die Einberufring nicht erzielt ist. Da der für 



die Kunstgewerbeausstellung so wichtige Antrag damit ge- 
fallen ist, so lohnte es wohl, festzustellen, dass unter den 
direkt gegen die Berliner Ausstellung sich erklärenden Ver- 
einen diejenigen zu Hannover, Hanau, Stuttgart, Schwäbisch- 
Gmünd und München sich befinden. Architekt Hoffacker 
nahm aus dieser (offenbiar etwas partikolaristischen) Zerfah- 
renheit des „Verbandes" Gelegenheit, kurz auf die Verhand- 
lungen in Weimar zurückzugreifen, bei denen Professor 
V. Lange in München namens seines Vereins die Beteiligung 
bestimmt zugesagt hatte, falls die kuoitgewerbliche Abtei- 
lung der Berliner Ausstellung einen nationalen Charakter 
erhalte. Nachdem alles mögliche geschehen, das Berliner 
Komitee zu einem derartigen Zugeständnis zu bewegen, er- 
klärt der Münchener Verein mit Rücksicht auf eine weit 
später ins Leben gerufene kleinere Ausstellung in Nürnberg, 
dass er wegen offiziöser Wünsche an hbher Stelle zurück- 
treten müsse. Architekt Hoffacker bittat, über die von dem 
Vorort gemachte Mitteilung zur Tagesordnung überzugehen, 
da es nicht der Würde des Vereins entspreche, über die Be- 
teiligung oder Nichtbeteiligung der auswirtigen Vereine jetzt 
noch weiter zu verhandeln. Der Umstand, dass Berlin 
namentlich von Süddeutschland jetzt im Stich gelassen werde, 
müsse alle Kunstgewerbetreibenden anspornen, mit Aufbietung 
der besten Kraft die Ehre der Reichshauptstadt zu vertreten. 
Dann erst wird es aufhören, dass man, wie in München 
(1888) und in Chicago (1893), von dem Berliner Kunstgewerbe 
nur mit Achselzucken redet Nachdem diese Ausführungen 
unter dem lebhaftesten Beifall der zahlreichen Versammlung 
beendet waren, teilte der zweite Vorsitzende, Bronzefabrikant 
Otto Schulz, mit, dass der Vorstand in der nächsten Sitzung 
den Plan für die Beteiligung des Berliner Vereins an der 
Ausstellung vorlegen werde. 

-u- JBerlin^ Über die Stilformen seit der Renaissance im 
Anschluss an die Omafnentstiehsammlung des König l. Kunst- 
getcerbemuseums in Berlin sprach am Mittwoch den 31. Ja- 
nuar Herr Bibliothekar Dr. P. Jessen in der Vereinigung 
Berlhier Architekten. Die Omamentstichsammlnng, welche 
einen wertvollen Teil der Bibliothek des Museums bildet^ 
bietet das reichste Material für die Entwickelung der Kunst- 
formen seit der Renaissance. Was wir heute als Vorlage 
ftk Atelier und Werkstatt in Lithographie und Photographie 
kennen, fasste man seit dem 16. Jahrhundert im Kupferstich 
zusammen, und daher bezeichnet man diese ganze Litteratur 
mit dem Namen „Omamentstichsammlnng''. Diese Stiche, 
erfunden anfangs von Goldschmieden für die Werkstatt, er- 
schienen zunächst als Einzelblätter, und erst seit 1550 sind 
sie in kleinen Folgen von mehreren Blättern vereinigt, jetzt 
auch von Zeichnern und Architekten gezeichnet. Betonders 
zur Zeit der Hochrenaissance hat diese Litteratur einen 
breiten Boden gefunden. Ducerceau beschäftigte ein ganzes 
Atelier von Zeichnern und Stechern, und in den Niederlanden 
hat besonders Vredeman de Vries seine zahlreichen Stiche 
schon zu kleinen Heften vereinigi In Deutschland aber 
sind es immer die Goldschmiede, die mit dem Omament- 
stich die führende Rolle übernehmen. Zu sehr viel gröfierem 
Umfang kommt diese Litteratur in der Zeit des Barockstils 
im 17. Jahrhundert. Aber verhältnismäßig wenig stammt 
aus Italien, um so breiter jedoch fließt der Strom dieser Vo^ 
lagen aus Frankreich und die Geschichte der modernen fran- 
zösischen Stilarten liegt recht eigentlich in diesen Omament- 
stichen. So lässt sich das ganze französische Barock an der 
Hand der Omamentstichsammlnng am besten studiren. Und 
der Inhalt ist reich und mannigfaltig; denn diese Stiche ent- 
halten nicht nur das Ornament als solches, sondern ganze 
Entwürfe für Möbel, Gold und Silber, Schmiedeeisen und 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



107 



das ganze Gebiet der Dekoration, soweit es bei der Baukunst 
in die Erscheinung tritt Diese große und weite Litteratur 
besitzt dieOmamentstichsammlung des Kunstgewerbemuseums 
in so aufterordentlich weitem ümÜEinge, wie kaum eine andere 
derartige Sammlung, und sie bildet gerade für Lehrzwecke 
das beste Material. Den Grundstock dieser einzig dastehen- 
den Sammlung hat der französische Architekt Destailleur 
zusammengebracht, der auch das Palais Pless in der Wil- 
helmstrafie gebaut hat. Vor etwa fünfzehn Jahren gelang 
es, die ganze Sammlung zu kaufen, und nachdem sie durch 
ältere Best&nde aus dem königlichen Kupferstichkabinett 
und zahlreiche antiquarische Ankäufe ergänzt ist, ist man 
seit längerer Zeit mit der Katalogisirung und der Druck- 
legung des Kataloges beschäftigt, von dem bis jetzt etwa 
22 Bogen hergestellt sind und der etwa zu Ostern fertig 
vorliegen wird. Außer diesen Stichen besitzt die Omament- 
stichsammlung als kostbare Ergänzung eine große Reihe von 
Originalhandzeichnungen. Mit Hilfe des Projektionsappa- 
rates werden sodann die einzelnen Stilarten seit der Renais- 
sance durch eine Auswahl aus den bedeutendsten Meistern 
erläutert 

3raunschweig» Die am 18. Februar im Saale des Alt- 
stadtratfaauses abgehaltene allgemeine Mitgliederversammlung 
des Kunstgewerbevereins war leider nur recht schwach besucht 
Da der Vorsitzende des Vereins, Professor Dhde, verhindert war, 
eröffnete Fabrikant Boller die Versammlung, worauf Regie- 
rungsbaumeister Bock den Jahresbericht und Kassenschluss 
mitteilte. Danach wurden im verflossenen Jahre, dem 18. 
Vereinigahre, 5 ordentliche Sitzungen und mehrere VortrSge 
gehalten, sowie ein gemeinschaftlicher Ausflug unternommen. 
Bei letzterer Gelegenheit wurden dem Verein von unge- 
nannter Hand 100 M. gestiftet Gegenwäi-tig zählt der Verein 
373 Mitglieder. Die Einnahmen des vergangenen Jahres 
betrugen 5151 M., die Ausgaben 5082 M. Bei der nun fol- 
genden Vorstandswahl wurden die ausscheidenden Vorstands- 
mitglieder wiedergewählt, nämlich Maurermeister Baumkauff, 
Schlossermeister Behrens, Hof lieferant Nehrkom, Hoftischler 
Osterloh, Kaufmann Rimpau, Kaufmann Schmidt, Hofjuwelier 
Siebrecht, Rentner Solmitz und Landgerichtsdirektor Dr. jar. 
Tunika. (Braunschw. Landesztg.) 

Jlfagdeburg» Der „Fachabend für Holzschnitzerei" des 
Kunstgewerbevereins am 9. Febr. fand rege Beteiligung und leb- 
haftes Interesse. Die Bildhauer Koch, Kaiser und Schumann, 
Peitsch, Jacobs und Zempter hatten vortreffliche Arbeiten aus 
der eigenen Werkstatt zur Ausstellung gebracht und Dr. A. List 
hatte die Freundlichkeit gehabt meisterhafte Schnitzwerke der 
Vergangenheit aus seiner Sammlung für den Abend zur Ver- 
fügung zu stellen. Nach den begrüßenden Worten des stell- 
vertretenden Vorsitzenden, Bildhauer Habs, teilte Dr. Vol- 
behr zunächst mit, dass der Dresdener Delegirtentag des 
Verbandes deutscher Kunstgewerbe vereine, auf dem über die 
vorbereitenden Schritte zu einer Deutschen Kunstgewerbe- 
Ausstellung im Anscbluss an die Berliner Gewerbeausstellung 
beraten werden sollte , bis auf weiteres vertagt worden sei, 
da nur zehn Vereine sich zustimmend geäußert hätten. So- 
dann berichtete er an der Hand der ausgestellten Entwürfe 
für ein Rednerpult über die Vorgeschichte der ausgeschrie- 
benen Konkurrenz und über deren Ergebnisse. Zum Ein- 
tritt in das Hauptthema des Abends gab Dr. Volbehr in 
kurzen Umrissen ein Bild von der geschichtlichen Ent- 
wickelung der Holzschnitzerei. Bildhauer Koch sprach 
hierauf über die Holzschnitzkunst der Gegenwart, über ihre 
stilistische Entwickelung in Bezug auf den Schnitt, charak- 
terisirte eingehend die Technik, sowohl der zierlichen Ar- 
beiten für Innenräume, wie der kräftigen Schmuck formen 



am Hause selbst Überall müsse das Werkzeug dem künst- 
lerischen Willen folgen, dann gäbe es keine unüberwind- 
lichen Schwierigkeiten. Sodann äußerte sich der Redner 
über den inneren Gegensatz der italienischen und der nieder- 
deutschen Holzschnitzerei der Renaissance, der sich aus dem 
Yorlagenmaterial erkläre: dort Marmorskulpturen, hier Flach- 
schnitzereien in Holz. Im Anscbluss an diese Ausführungen 
sprach Regierungsasseesor Winkel über Kerbschnittarbeiten, 
seine Worte durch eine Reihe eigener Arbeiten illustrirend. 
Er hob die Bedeutung eigener kunstgewerblicher Thätigkeit 
für Nicht- Fachleute hervor, erläuterte die Technik unter 
Vorführung der Werkzeuge und sprach eingehend von der 
Mannigfaltigkeit des Kerbschnitts bei aller äußeren Be- 
schränkung. Die Betrachtang der prächtigen ausgestellten 
Schnitzarbeiten aus allen Gebieten der Holzschnitzkunst 
hielt die Versammlung noch lange beisammen. 

(Magdeburgische Zeitg.) 

AUSSTELLUNGEN. 

Berlin* EeraldtscJie Ausstellung 1894, Der Verein 
IJerokl zu Berlin beabsichtigt, aus Anlass der Gedenkfeier 
seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens, während des Monats 
November 1894 eine Ausstellung von Gegenständen aus dem 
Gebiete der Wappenkunde zu veranstalten, welche insbeson- 
dere die künstlerische und kunstgewerbliche Seite der Heraldik 
veranschaulichen soll. Rein genealogische Arbeiten sind 
ausgeschlossen. Die Ausstellung wird mit Genehmigung der 
Generalverwaltung der Königlichen Museen im Lichthofe 
des Königlichen Kunstgewerbemuseums zu Berlin stattfinden. 
Sie bezweckt, ein möglichst getreues Bild zu geben von der 
vielseitigen Anwendung der Heraldik und heraldischer Fi- 
guren auf Kunst und Kunstgewerbe. Demgemäß sind sowohl 
alte als moderne Kunstwerke dieser Art für die Ausstellung 
willkommen. In Bezug auf die auszustellenden modernen 
kunstgewerblichen GegenslAnde muss die Ausstellungskom- 
mission an der Bedingung festhalten, dass dieselben durch- 
aus den Regeln der Heraldik entsprechen und auch in tech- 
nischer Beziehung tadellos sind, sowie dass sie vorwiegend 
heraldische Darstellungen zeigen. Gemalte Scheiben (Glas- 
fenster) können leider nicht ausgestellt werden, da der Aus- 
stellungsraum nur Oberlicht hat Altere Kunstwerke mit 
heraldischem Schmuck sind besonders willkommen. Für die 
geschützte und gefahrlose Aufbewahrung derselben während 
der Dauer der Ausstellung bietet der Ausstellungsraum voll- 
kommene Sicherheit. Ausstellungsprospekte und Anmelde- 
scheine versendet auf Wunsch Prof. Hildebrandt, Berlin W., 
Derfflingerstr. 20 a, welcher auch zu jeder weiteren Auskunft 
stets gern bereit ist. 

JBerlin* Im Lichthofe des Königl, Kunstgewerbemuseums 
begann am Dienstag den 20. Februar die Ausstellung kunst- 
gewerblicher Erzeugnisse Nordamerikas, welche bei Gelegen- 
heit der Weltausstellung in Chicago von der Königlichen 
Staatsregierung angekauft sind. Die Ausstellung umfasst 
Möbel, vorzüglich Stühle, Silberwaren, Glas, Tapeten, Korb- 
waren, Handwerkszeuge, Eisenarbeiten, Schlösser und in be- 
sonders reicher Entfaltung Beleuchtungskörper für elek- 
trisches Licht Durch gütige Hilfe des Herrn Arnold vofi 
Siemens ist das Museum in den Stand gesetzt, diese Beleuch- 
tungskörper auch abends im Betrieb vorzuführen. Zu gleicher 
Zeit sind die Neuerwerbungen des Museums ausgestellt. Die 
Ausstellung wird bis Anfang April dauern. Die Galerie mit. 
dem brennenden Lichtkörper (aber nur diese) wird auch 
Dienstags und Freitags abends von 7 bis 9 Uhr zugäng- 
lich sein. 

14* 



n KDH'itgewerbaaiuneum Id Rarbruhe i. B. ; aufgenommen und gezeicbnet von H. EwerdeCK. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Berlin, Yod dem AmeriVaniecben HaoBe nnil seiner 
AnssUttung ere&hlt« Prof. Ju'i'im l/enting in einem Offent' 
liehen Vortrage, wel- 
ober diefeseelude Aqb- 
stelluDg der im Licht- 
hofe des Ennatgewer- 
bemuBeumB vereinig- 
ten Arbeiten ans Ame- 
rika illnstrirte und er- 
gUnzte. Daa dargebo- 
tene Bild tranaatlanti- 
Bchen Ennstgewerbes 
sei araerikaniBcher als 
das, wsa man jenseits 
des Ozeans an irgend 
einer Stelle zusammen 
finde. Denn die spe- 
zifiscb amerikanische 
Richtung gebe dort 
neben der StrOmung 
alter Kultur einher. Nac 
rer Richtung aber hat ( 
Stellung eine Lücke: i 
ihr der Rahmen, die ßes 
richtung in Form and Fai 
amerikanische kunstgev 
AuBstellung in Chicago 
ein keineawegs erfreulicl 
es war daher nOUg, va < 
k&nfen die Magazine von 
und nauentlich die v( 
York anfzDSUchen. Mao 
auch dort immer wieder 
massenhaften Importe ur 
ahtunngen eoTOpäisiAier 
hingewiesen. Diese Wa 
sprachen mit ihrer Qhei 
Yei^ldnng und Bema 
recht dem brOsken Gei 
amerikanischer ParvenuB. 
auch schon die Salons d 
pfer in den zn stark au^ 
neu Omamenton gehaltet 
bekommt zuerst in den 
nen den Eindruck, wie 
Brflssel, wo sich die Wai 
lieh zusammendrängen, 
dieser Schicht aber entde 
endlich eine ganz kolos 
brikation fOr den Masse 
die in die Millionen geht. 
L'egt nun der generelle 
schied der beiden Arten' 
ropa werden die Sacfa 
historischen Oberlieferun 
geleitet, die wir ja aoi 
diesen Perioden beneni 
sind , wie ein Blick au 
einfaasuogen, Mobel oU 
aus architektonischen Foi 
wachsen. Amerika hingegen oaui 
aas dem momentanen Bedürfnis 
heraus, nnd so entatehen Formen, 
die «irklich lebensf&hig sind < 
Einfachheit weit mehr unserer 



eine auch noch so geschickte Repetition Mherer Formen. 
Die scheinbare Schmucklosigkeit empfindet man als etwas 
Wertvolles und Woh- 
liges gegenQber der 

Schein .Architektur, 
welche die Forfnen 
des Pantheons nnd der 
all«n Patrizierhäuser 
ohne weiteres auf un- 
sere hleinhürgerlichen 
VerhELltnisse übertra- 
gen hat Als Ersatz 
tritt dafür in Amerika 
mit wunderbarer Kraft 
die Farbe ein. Hier 
ist besonders Japan 
Lehrmeisterin gewe- 
sen. Direktor Tjessing 
entwarf dann eine 
lebendige Schilderung 
amerikanischen Hauses, 
r bemerkenswert ist. dass 
t alles otfen geh alten 
d. Für unsere gut«n 
miedeeisemen Thören 
: kein Bedürfnis vorhan- 
■ Die Hausthflr ist 
pclt, und die KuQere be- 
;lich. Das Glas, das bei 
Thüren verwandt wird, 
die außerordentliche 
istvergloGUng gefbrdert. 
Inneren hat das ameri- 
lische Haus so gut wie 
keine Thören; infolge 
Durchblicke erscheint 
>9t ein kleines Haus als 
&umig; die Öffnungen, 
denen mau Vorhänge 
iringt, sind nicht großer 
nötig ist. Die TbUren 
len keine Bedach nng, 
dern eine einfache Ein. 
mung. In Amerika sind 
Fenster von verschiede- 
Breite, je nachdem man 
den einzelnen R&nmen 
\a oder weniger Licht 
ucht Die Fenster wer- 
nicht verhängt 1 die 
litte, durch solche De- 
ationen die Räume zn 
dunkeln, kommt hei uns 
Mich schon in Wegbll. 
nd nnd Decke werden 
lit bemalt, sondern ta- 
irt mit den durch Ma- 
inenarbeit bergerich- 
m Stoffen. In einem 



Ruidelaber filt Gas 



« P. Stotz 



ihen Zimmer sind fast 

gar keine KastenmObel und 

keine Schränke; man hat 

dadtr einen Alkoven oder 

ind hei aller konstmktiven bewahrt die Sachen hinter Verschlagen auf. Fast gar 

Gegenwart entsprechen, als keine Möbel gehen Ober Brusthöhe hinaus; auf Regale, 



und elektriscbea Licht ; itDaK«fi 
tn Stuttgart. (Chicago.) 



1 



110 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



mü ■eidciM« ZoggaidiiMn oder aaeh mit Thoien ge- 
whJoiWB nnd, wird aUes mt^cfae geitelli. Nor der 
Kamm uA fibetiiaiit. In tolehem Baom ftehen meist nur 
tttomSbe), aber in imglanblicher Yollkotnmenheü. Kein 
Mwiffh denkt dil&ben daran, eine komplette Gamitnr m be- 
mlsen; man bat eo viel ätflhle als man brancbt, aber so 
iwwtiigfaAh wie mtSg^ich, Ar jede CMAe, Ar die Arbeit und 
fast f&r jede Tagesseit^ Die Tische sind klein und werden 
hierbin ond dorthin geschoben. Zur Vervollstftndigung ge- 
hart als Wichtigstes die SteUwand, die in Amerika wunder- 
bar an^ebildet uit und doreh die man sich nach Gefiillen 
von den Haosgenoasen absondert. Besonders hob Profiossor 
Lcssini^ die unendliche Mannigfaltigkeit der Stöhle und 
ihrer Formen hervor, wovon auch die Ausstellung im Licht- 
hole Zeognis ablegt. Diese Stfihle sind mit einer erstaun- 
lieben Kenntnis des menschlichen Körpers angefertigt. Alles 
ist hier mit Wits und Geschmack beigestellt So hat der 
Stuhl in Biergftrten eine kleine Platte, die den Tisch un- 
uMag macht; die Stühle der Kinder sind so eingerichtet» 
dass man gleich die Sachen darauf ablegen kann; der 
l*heaterstuhl klappt nicht nur herunter, sondern auch nach 
hinten, so dass man recht bequem sitzt Prof. Lening ging 
besonders noch auf die Metallarbeiten ein. In erster Linie 
stehen die in Gold und Silber. Auch hiervon sind einige 
charakteristitche Proben ausgestellt, z. B. Vasen, Kannen und 
Schfisseln mit Schmelz, eingelegten Perlen, Aquamarinen und 
Muscheln. Die Bronze-Industrie steht drüben ziemlich tief. 
Dagegen leistet Amerika das Gl&nzendste in der Gestaltung 
der elektrischen Beleuchtungskörper. Auch hier ist freilich 
zwei drittel nach europftischen Modellen gearbeitet Da- 
neben aber findet man Konstruktionen ohne irgend einen 
Bflckhalt an die Ulteren Formen der Lustres; einfache Röhren 
von Draht und eingesetzte farbige Glasstficke geben hier 
reizvolle Kompositionen. Das wichtigste ist, dass man den 
centralen Belenchtungspunkt ganz aufgegeben hat und den 
elektrischen Draht anlegt» wo man will, sei es um den 
Spiegel herum oder sonst wo. Das glitzernde bunte Glas 
findet hier reiche, entzückende Verwendung und verleiht 
den Beleuchtungskörpern eine zauberische Wirkung. Nach 
dem mit großem Bei&ll aufgenommenen Vortrag besichtigten 
die Hörer, unter denen sich auch Geh. Bat Reuleauz befand, 
die eigenartige Ausstellung, in der, wie schon angedeutet, 
besonders die amerikanischen Stahle und die wunderbaren 
Lichtkörper Beachtung fanden. Hervorzuheben sind auch 
mehrere farbenprftchtig schillernde Stücke versteinerten 
Holzes aus Arizona. (Berliner Börsen-Kurier.) 

MUnehetu Der zurückgekehrte Herr Konservator Kopp 
hielt im Kunstverein einen hochinteressanten Vortrag über 
die Kindrücke, die er „drüben" bei den Yankees gewonnen; 
wir lassen einen Teil desselben folgen: £ine Weltaus- 
stellung von heutzutage ist nichts anderes als eine Muster- 
auswahlsendung nationaler Leistungen, und getrauen wir 
uns damit soweit wie diesesmal in ein uns gänzlich fremdes 
oder doch sehr schlecht gekanntes Land, um einer fremden 
Nation unser ganzes Mustersortiment vonculegen, so bleibt 
uns nichts als Abwarten, wie man dort unsere Erzeugnisse 
aufnimmt und was man nach Landessitten und Gebräuchen 
dort als geeignet zurückbehält oder in Zukunft sich zu eigen 
machen will. Das Bedauerliche ist nur, dass diesesmal das 
Frankiren dieser Mustersendungen ziemlich teuer war, be- 
sonders für diejenigen, die einen sofortigen Absagebrief be- 
kommen haben. Ich aber, meine Herren Aussteller, stehe 
vor Ihnen mit dem ruhigen Gewissen und dem angenehmen 
Bewusstsein, mehr als nur meine Pflicht getban zu haben, 
und es sind mir dafür Anerkennungen vielfacher Weise von 



einer Seite g e w o r d en, Ton der ich sie am wenigsten erwartet 
hätte. Wenn Sie mir nun die Fkage stellen, ob unser Kunst- 
gewerbe im en g et e a Sinne überhaupt ezpottfthig ist, dann 
stehe ich nicht an, Ihnen zu sagen, nein! £s werden nach 
wie vor so manche Stücke unseres Kunstgewerbes nach aller 
Herren Ländern und Tielleicht mehr als bisher auch nach 
Amerika wandern, aber ein Exportgeschäft im Sinne dieses 
Wortes, in handelspolitiscber und nationalökonomischer Be- 
deutung werden Sie nie erzielen. Export bedeutet Massen- 
konsnm! Nur was auf dem Vervielfältigungswege, sei es 
maschinell oder durch moderne Techniken, wie Galvano- 
plastik, hergestellt und zu entsprechenden Marktpreisen und 
in Mengen geliefert werden kann, ist exportfähig. Nun 
haben wir allerdings im Gefolge unseres heutigen Kuost- 
gewerbes manche Artikel, welche sich unter gewissen Be- 
dingungen für den Export ausbeuten lassen. Diese Artikel 
gehören aber mehr der Kunstindustrie an. Eine weitere 
Bedingung für überseeische Geschäfte ist die streng kauf- 
männische Einhaltung der abgeschlossenen Kaufii- und Ver- 
kauftkontrakte, sowohl hinsichtlich der Preise, wie insbe- 
sondere der Lieferungstermine. In diesem Sinne begrüfte 
ich mit Freuden die für unsere Zeitschrift beschlossene Er- 
weiterung der Rundschau auf dem nicht streng kunstge- 
werblichen Gebiete. Wir sollen veredeln und fördern, aber 
nicht in starren Rückblicken auf die Veigangenheit uns 
selbst begraben. Vorwärts lautet die Parole der Welt oder 
das Rad der Zeit geht über uns hinweg. Und in diesen 
Punkten wird drüben noch sehr über die guten Deutschen 
auch unseres Stammes geklagt, und leider nicht mit Un- 
recht, wie ich es aus Erfithrung weiU. Ich habe zwei Fälle 
gehabt, wo mir Engros- Aufträge wegen verspäteter Lieferung 
einfach zurückgeschlagen wurden, und ich hatte gut laufen, 
diese Kisten anderweitig zu plaziren. Wenn man am Platze 
ist, dann geht es ja zur Not noch, aber wie, wenn Ihnen die 
Ware mit allen daraufhaftenden Spesen einfach zur Ver- 
fügung gestellt wird, dann bleiben nur zwei Wege, denn 
der Amerikaner versteht diese Art Kontraktbruch, die ihn 
gesetzlich frei giebt, meisterlich auszunutzen, die Ware zu 
Spottpreisen loszuschlagen oder sie zurückkommen zu lassen. 
Beides ist großer Geldverlust statt des erhofften Gewinnes, 
und die kaum gewonnene Verbindung ist unwiederbringlich 
verloren. Eine weitere Lehre haben wir darüber erhalten, 
die darin besteht, dass man, ehe man eine überseeische 
Aussteilung beschickt, sich vorerst mit dem, was das be- 
treffende Land allenfalls gebrauchen kann, vertraut macht 
Das kostet zwar ein paar Tausend Mark, aber es werden 
noch viel mehr Tausende dabei erspart, die hinterher für 
alles das bezahlt werden müssen, was ohne diese Kenntnis 
^zlich zwecklos und nutzlos hinübergeschickt wird. Ein 
weiteres Moment sind die Preisforderungen. Manche Aus- 
steller haben in dem Wahne gelebt, dass sie jede Summe 
in Amerika fordern können, und haben sich damit nicht 
nur selbst, sondern auch anderen deutschen Ausstellern das 
Geschäft gründlich verdorben. Ich hatte Aussteller, die 100 
und 300 Prozent ihren Waren zugeschlagen hatten und die 
erstaunt sind, dieselben nicht verkauft zu haben. Was 
daraus entstehen kann, will ich Ihnen in folgendem Bei- 
spiel klar machen. Ich habe es dem Betreffenden auch be- 
reits in einem tSte-ä-t§te vorgehalten. Derselbe verlangte 
far einen künstlerisch ausgeführten Gegenstand die acht- 
fache Summe, also 800 Prozent, als er solchen schon ver- 
kauft hatte, und sagte vor meinem W^gehen, dass ich seinen 
Gegenstand lieber wieder heimbringen solle, als billiger 
geben. Zu Befehl! Dieser Preis und die dann scblieftiich 
dui-ch Kabel ei-folgte Keduzirung auf H« des Geforderten 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



hotte xnr Folge, das« mir der Liebhaber, mintraoüch ge- 
worden, weder diewn OegenMand, noch die 2 Zimmerein- 
ricbtangen, Rlr die er «ich lebhaft int«reMirt hatte, abknofle, 
ein^h weil er denselben HaBatab der Oberfordemng an 
ollea andere anlöte, was ich vertrat. Heine Herren, das 
find die Frenden eine« geecMftlichen Vertreter« aaf einer 
Ansstellang, dem, wie mir eines anierer sehr verehrten Hit- 
glieder nach Chicago schrieb, der Undank aller derer sicher 
ist, die nichts oder sn wenig verkanlt haben. Denn die 
meisten Annteiler glaubten, e« brauchte nichts, als irgend 
welche ihrer Erzengnisse nach Amerika zu senden, dort 
mflssten sie bleiben, Nein, meine Herren, Sie kennen den 
Amerikaner nicht; der weiß, was die Sachen kosten, der 



WETTBEWERBUNG. 
Zn dem vom Kunstgewerbe verein in Hatnburff ans- 
geschriebenen ITeHSewwft auf Entwürfe xu einfaekea Orab- 
ateifien waren von 32 Bewerbern 48 Blatt Zeichnungen ein- 
gesendet. Das aus den Herren Professor Dir. Dr. Lichtwark, 
Bildbaner Engelhart Feiffer und Baadirektor Zimmermann 
bestehende Preisgericht hat folgendes Urteil abgegeben: 
Nach sorgfältiger Prflfang wurden teils wegen ästhetischer, 
teils technischer Bedenken, oder wegen zn groBer Kostspielig- 
keit oder mangels besonderer VorzOge 40 Blatt Zeichnungen 
ausgesondert und Entwürfe auf 8 Blatt Zeichnungen zur 
engeren Wahl gestellt. Zar Erteilung ein6s ersten Preises 



Roastte Dkch dem Olpsmodell der Kirlimlisr KnnstKavarbsschnle Keielchnst v< 



. H. D*DB. 



kennt unser Land genau, während wir das seine nicht 
kannten. Darin lag der groBe Fehler. Wenn Sie mich 
aber fragen würden, ob ich unsere Beteiligung an dieser 
Weltausstellung auch fUr einen Fehler halte, so mOaste ich 
diese Frage mit einem entschiedeneu „Kein" beantworten, 
denn die Nichtbeteilignug an dieser grOBten aller Ansstol- 
Inngen wäre meiner ehrlichen Oberzeugung noch ein großer 
Fehler gewesen, wir wBrden damit nur Berlin in die Hand 
gearbeitet haben, und das wollen wir doch im Kunstgewerbe 
heute noch am allerwenigsten. Damit, meine Herren, habe 
ich Ihnen meine auf die Erfahrung gegründeten Ansichten 
aber die geschUUicbe Seite der Ausstellung skiiiirt." 
(Bajeriacher Kurier.) 



wurde keiner dieser Entwflrfb fljr geeignet gehalten, weil 
keiner derselben die flbrigen durch originelle Erßndung oder 
wesentliche Vonfige Qberragte, dagegen boHchloss das Preis- 
gericht auf Grund des ihm programmgemUl cnstehenden 
Rechte, die ni Preisen au^eeetzte Samme von M. 300 in 
sechs zweite Preise zu zerlegen und an folgende Entwflrfe 
zu erteilen : 1. Dem Entwurf II mit dem Kennwort; Friede; 

2. dem Entwarf 1 auf Blatt A mit dem Kennwort: Hans; 

3. dem Entwurf I mit dem Kennwort: Tod, wo ist dein 
Stachel?; 4. dem Entwarf 1 mit dem Kennwort: Gedenket 
mein!; 5. demEntwurfl mit dem Kennwort; In Eile; 0. dem 
Entwurf I mit dem Kennwort: GlOckauf! Bei ErOfihong der 
betreffenden Umschläge ergaben sich als Verhseer vorbe- 
zeichneter EntwDrfe folgende Herren: 1, H. Oroth in Berlin; 
2. Otto Hasslinger in Weinheim i 3. Th. Necker in Hamburg; 



112 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



4. A. Yiol in Hamburg; 5. Leopold Sirelow in Hamburg; 
6. Val. Hultssch in Hamburg. jv; 

ZU DEN TAFELN UND BILDERN. 
Die im Sonderdruck beigefügte Tafel: Regulator in 
reicher Holsschnitzerei, ist von E. Bärring, jetzt Lehrer an 
der Kunstgewerbeschule in Berlin, entworfen. — Die Abbil- 
dungen auf S. 108 und 111 stammen aus der Großherzog- 
lichen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Die diesem Hefte 
beigegebene farbige Tafel zeigt eine in blauem Maroquin- 
leder von Meister Jebeen in Hamburg in Hand Vergoldung 
ausgeführte Mappe, welche bestimmt war, eine von dem 
dänischen Dichter Holger Drachmann verfasste poetische 
Widmung und das Namensveneichnis der Schenker einer 
Ehrengabe aufzunehmen, die die d&nische Kolonie in Ham- 
burg ihrem KOnigspaare zur goldenen Hochzeitsfeier am 
26. Mai 1892 überreichte. — Der Entwurf der Mappe 
weicht wesentlich von den herkömmlichen Formen der 
handvergoldeten Buchebb&nde ab. Die GrOfie der Fläche, 
30x40 cm, verlangte eine entsprechend grofie Linienfüh- 
rung, um wirksame Formen zu erzielen. Zur Belebung der 
Zeichnung sind einige Felder mit rotem und gelbem Leder 
ausgelegt — Die Technik der Handvergoldung ist in wah- 
rem Sinne des Wortes eine individuelle zu nennen, da es 
ganz und gar auf die Geschicklichkeit des Handvergolders 
ankommt, die auf Pausleinwand befindliche Zeichnung durch 
die Handstempel tadellos wiederzugeben. So z. B. wird 
eine Spirale durch das Aneinanderfügen vieler Bogenstempel 
aus Segmenten der verschiedensten Radien hergestellt; dabei 
dürfen aber die Ansätze der einzelnen Handstempel nicht 
sichtbar sein, sondern eine reine, schOne, stetige Linie muss 
sich dem Auge nach der Ausführung darbieten. Es ist des- 
halb schon im Entwurf auf geschmeidige, wohlgefällige Ge- 
staltung der einzelnen Linien unter sich, wie auf geschickte 
und bescheidene Gesamtverteilnng im ganzen Ornament zu 
achten. Denn in keiner anderen Technik treten UnschOn- 
heiten und Unreinheiten der Formen so sehr hervor, wie 
bei der Handvergoldung, wo jede Linie, Blume, jeder Punkt 
u. 8. f. für sich spricht und zur Geltung kommt Leider 
findet aber in Deutschland die Handvergoldung seitens des 
Publikums nicht das erwünschte Verständnis, obgleich es 
durchaus nicht an tüchtigen Meistern in diesem Fache fehlt 
Es wäre zu wünschen, dass auch dieser Technik eine grd- 
fiere, gebührende Beachtung geschenkt würde. Können denn 
unsere Kunsthandwerker an etwas anderem ihre Kräfte er- 
proben, als an den ihnen erteilten Aufträgen? w. W, 

ERKLÄRUNG. 

In der «Jirwiderang** des Herrn 3L Kimbei „Zeitschrift 
für bildende Kunst'^ V 3, & 54. 55 sind thatsächliche Irrtümer 
wiederholt in verletzender Weise zum Abdruck gelangt Zur 
Richtigstellung erkläre ich zunächst» dass das Zeichenlehrer- 
seminar nicht die Angabe hat, gewerblichen oder kunst* 
gewerblichen JbrAunterrricht zu erteilen, oder dafür auszu- 
bilden, sondern dass das Seminar den Unterricht $o einrich- 
ten muss, wie ihn die neuesten PrÜfungsinstruktionen und 
der im Anschluss an dieselben 1^^ erlassene Lehrplan er* 
fordern: ,J>er Lehrstoff hat sich nach Inhalt und Form 
durchaus den Bedingungen ansuschlieOen, welche für Gym- 
nasien und Realschulen maßgebend sind. (Dass diese in 
vielen Ihinkten von den Anforderungen eines künstlerischen 
Fi4chunt<>rrichtes abweichen, bedarf keiner Krwähnung.'-'' — 

Der von Herrn Kimbei in seinem ,,Notruf*\ wie auch 
in dieser ««Erwiderung** angegriffene Lehrer der mir unter- 
stellten Anstalt ist nicht ««dirigirender I^ehrer** des Seminars, 



sondern er hat von 48 Unterrichtsstunden wöchentlich nur 
in 8 Stunden zu unterrichten, kann also für die Gesamt- 
leistungen des Seminars durchaus nicht allein verantwortlich 
gemacht werden. £r war in seiner Jugend allerdings kurze 
Zeit „Elementarlehrer"*, ist aber bereits am 1. Oktober 1868. 
also vor 25 Jahren, an einer Königlichen Realschule 1. Ord- 
nung angestellt worden und seitdem stets an höheren Lehr- 
anstalten thätig gewesen. Er hat nicht in Berlin „zwei 
Jahre zur Eriernung der Methode" zugebracht, sondern er 
hat Studien abeolvirt, wie sie die akademische Prüfung er- 
forderte. Innerhalb der Zeit von 41/2 Jahrui hat er als 
Hospitant an der Königlichen Kunstschule in Berlin unter 
M. Gropius' Leitung, femer bei Professoren der König- 
lichen Kunst- und der Gewerbeakademie, sowie in Ateliers 
anerkannter Künstler (Steffeck, A. Dressler, Haun) stodirt, 
zu einer Zeit, als von der jetzigen „Methode*' noch keine 
Rede war. Im übrigen ist er ein ganz ausgezeichneter 
Lehrer, mit dessen Unterrichtserfolgen ich in hohem Grade 
zufrieden bin. 

Breslau, im Februar 1894. 

Prot H. Kuhn, 
Direktor der Königlichen Kunst- und Kunstgewerbeschule. 

DANK. 

Der jüngst verstorbene Herr Professor Carl Werner hat 
dem Kunstgewerbemuseum aus seiner Sammlung kunstgewerb- 
licher Gegenstände einen wertvollen orientalischen Schöpf- 
krug, eine persische Metallschale und ein Juwelenkästchen 
vermacht. Wir sprechen dafür wie für den warmen Anteil, 
den der verewigte Meister auch sonst an unseren Bestrebun- 
gen bethätigt hat, ihm und seinen Erben unseren wärmsten 
Dank aus. 

Leipzig, den 3. Februar 1804. 
Der geschäftsführende Ausschuss des Kunstgewerbemuseums. 

Dr. Gensei, Vorsitzender. 

ZEITSCHRIFTEN. 
Bayerische €^wei%eseltng. 1894. Kr. 2 3. 

Die Bedeatniic der Erwerbs- and Wirtsehaftseenosseiiscliafteii. 

— KoBstgesclitelite und KnnstbAadwerk. Von Dr. J. P. B6e. 

Bmehgewemblatt. 189894^ HefIdlo. 

HersteUnBg uid Prüfmig von Lein. — Bnum k Sdiaeider in 
MöndieiL — Ans dem deatschen Bacfagewerbeaiiuieiun. ~ loter- 
aatioaaler ^rmpthiacher Xasteraastanach des Deatschen Baob- 
dmckervereins. Von O. Bohnie. 

Mitteilugea 4m k. k. OsterreichiMheft Msseums für 
Kust ud iMdutrie. 1894. Heft 8. 

Gnf Edmnnd Zichy t. — Hannscli- Feier. — Antiker Goldachmack. 
Ton J. Folnesics. 

«•■atssdurift f«r TextiÜBtutrie. 1898. Heft 12. 

Französische Citefle über die dentaeke Wolllndnstiie. — Eine 
amerikaaiscke Stimme über das ameiikaniaehe Konsnlatswesen. 

— Die Borvegische Textilindnstrie. — Die Lage der Stickerei- 
indnstrie in der Schweiz. 

Si^reehsanL 18M. Nr. 4-7. 

Handels- nnd Zollvertrag nwischen dem Deotaeken Reich nnd 
Serbien. — Das Glas anf der Eolnmbiseken Weltansstellnng. — 
Handels- nnd Zollrertrag xwiseken dem DentsekeB Reich nnd 
Ramanien. — Die HexsteUong sQberkaltiiger Laster auf Glas. 
Ton Dr. R. Zsigmondy. — Die Glasnuderei auf der Weltans- 
stellong in Chicago. Ton L.Wosecxak. — Znr Fenerfestig- 
keitsbestimmong von Thonen. — Znr Lage des Beleuchtangs- 
glasgeschiftes. — Der swischen dem Deotaehen Reich nnd Rnss- 
land vereinbarte Handelsvertrag. — Über Csrbiga Glasuren. 

Zeitschrift des Bayer. Kustgewei^Tereiu. 1894. Heft 1. 

Fassadenmalerei der Renaissance in Italien nnd Deutschland. 
Ton U. Pfeifer. - Der Friedenssaal in Osnabrnok. Ton Dr. 
A. Kisa. — Englische Hobel. Ton Prof. Dr. A. Schrioker. — 
i'ber Bneheinbände. Ton Dr. J. Stockbaner. 

Z^lBckrift fir UaeBdetenttM. 1894^ Februr. 

Die moderne Zimmereoük Ton R Mielke. » Zur Geschichte 
der Innendekoration bexw. der Xdbel mit besonderer Bernckaieh- 
tiirung Frankreichs. Von O. Waldan. (Fortaetnng.) — För 
eine deutsche Aosstellani?. Von H. Schliepmann. — Ansstel- 
luuff dt» Vereins Bienenkorb. Ton L. Dann war dt. — Prak- 
tische Ästhetik im Uaase. Von Dr. Th. Volbehr. — Die Ans- 
bildang der Dsmen fiEir hiusliche Knnst. Ton G. ▼. Brann- 
muh 1, — U^«r Möbel im gotischen StiL Ton K. Kimbei. 



Henuls$^^b«^: A'i^t*r Ptihst in Köln. — Fttr die Redaktion ver«ntwoitlich: Artur Seemaim m Leipaig. 

Drack von Angnst lYies in Leipajg. 



Rt^ulatoigehäuee in reicher Holzsclmitzerei, entworfen und gezeichnet von E. Uäbsihq. 



I 



I 



Akademische Kunstausstellung 
Dresden 1894. ! 

Nack FertisstelluQf; des hiesigen ueuen KuDstausstellungsgebäudes 
soll die erste akademische EnnstaDSstellnDg in demselben in der I 
Zeit vom 1. Angast bis mit b. KoTember diesem Jahres abgehalten 
werden. 

Zn Ankäofen von Ölgemälden deutscher lebender Künstler stehen , 
lOSOüO M. aas der PrSll-Hener-Stiftnng zur Verftigung. 

FOr diese Ausstellung bestimmte Originalwerke der bildenden 
Kunst sind bis zum 15. Juni bei der unterzeichneten Auestellnnge- ! 
konunission anznmeiden und vom 25. Jnnl bis spätestens 14. Jali i 
einzusenden. j 

In Betreff alles Näheren wird auf das Ausstelluagsregulativ hin- { 
gewiesen, welches durch die Lokalvereine der Allgemeinen deutschen 1 
KuQStgenossenscbaft, sowie von der unterzeichneten Ausstellungs- ' 
kommission bezogen werden kann. I7g,j 

Dresden, den 2. Februar 1894. 

Die Ausstelluli ^kommissiou. 



I^eo S. Olschki's 
Antiquariat^ Venedig. 



Cät. XXXII, Beaux-Arts. 





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H6M), clDHlDar Holi- nndPoli 
mSlwl, DKortkUoiMii, TaitU*niBg«n, 
ThÖRD n. FiiketUn la hoctiMdu, 
:nt»ch«r n. bllBam 



Klebt, leimt, kitt«t AUes. 

Modell Irbo BSD, BNrlu.SDlulIbüchgra. JUppen, 

LanbE^e-Arbelten, abgebrocta. MÖbeltsIl«, Eer> 
! trilmmerta Sptdsachcn. EeracUafana Teller 
[ und Tasa«!!, LBmpengloeBes,'Vutn, Nippikshai 
, elc. Zd faBben in Fluchen mit katkllkBpBÜ 
: nebst Pinsel h 50 Pf. in den meiitan Drogen-, 

SclireibtaaUria]' und GKlanterlevaren-Huidl. 

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Otto RlDg & Co., BoTlIs,' BlomeDtlialslr. 17. 
ftegTBndet 1838. 




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timen Tormittu^B 8—12, nachmittags 

T «JektriBcbw Licht im Betriebe ge- 

Dadurch beste Effektbenrteilimg ermöglicht, [ns] 



y«rli^ TOB B. h. SaeKDi iB Lalpil^ 
Das 

Stäiscbe Hisem 

Leipzig 

TOti leinen Anfingen bis edt 
Gegenwart. 

Von 
Dr. JaUns Yoge). 

Mit U h«Tu«M, » EulkrUebldnekem 
■. 10 Abbll*. la Text. IBH. «ab. ■. n.— 



IZ^etie von £ttbi9« ({ttc^^^t, 

9Xl9 bem Serlage üon Jlfp|#BS i^irr is «^ifilf. 

lR<4>pc &0I10. ?R. 8.—. 

Sttir0 Satt0L 00 ^al\fd)nittc mib ben 4 3afire«seiten gfcrbnet. ^olio. Cteg. 
in ennipanb gebunben mit (dolbfd^nitt 91. 20 —. 

^3)ad$e{6e in 4 Abteilungen o^art: 

a) Wtotrr. 15 fiotjfd^nittc in 3R^pe. 3R. 6 — . 

b) ttübltei. 15 fiotifd)nitte in ^oppe. ^. 6.—. 



15 ©olMdjnttle tn vcoppe. iw. ü.— . [7243 

c) Ü^mitcr* 15 ipoliidbnitte in SKoppe. W. — . 
d\ 9rrk|IU 15 ^o4t«^mnc in HRoppe. 91. 6.—. 

9tir JtottntOS in 9iltent. lO «olaMnitte in stoppe. Vi. TJ30. 

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fiitntV ^ttranl fftm 9^ltt0« 15 C^oUf^nitte in 92appe. ^olto. 9i. 7.50. 

flefnntttielte»* 15 »über für« ^auil. 3n SKo^pe. golio. 92. 7.50. 

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Geschichte der Plastik 



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Leinwand geb. 2G If.; in 2 Halbfranzbände geb. 3i} M. 



Dritte verbesserte and Termebite Auflage. Mit 500 Holzschnitten. 971 S. «r. Lex.-8^ 2 B&nde. Brosch. 22 IL; in 

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^ Raffael und Michelangelo. 

J^ Von Anton Springen 

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!^ Mit vielen Illustrationen. Enffl. kart. 21 M. ; in Halb- 

jS^ franz 25 M. ; in Liebhaberbanden 30 M. 

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'^ Dürer. 

Geschichte seines Lebens and seiner Kunst 

^ Von Moritz Thansing. 

^ Zweite verbesserte und vermehrte Auflage, gr. Lex.-S^. 

'*5?* Mit vielen Illustrationen. Engl, kart 2») M.. in Halb- 



Der Cicerone. 

£ine Anleitung zum Genuss der Kunstschätze 

Italiens. 

Von Jacob Bnrekhardt. 

Sechste vermehrte und verbesserte Auflage^Ünter Mit- 

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Pf.; geb. in Kaliko 



decusie vermenrte una veroesserw _ 

f wirkuni? des Verfassers herausgegeben von Vttk. Beje. 
1S03. 3 Bände, brosch. 13 M. 50 




16 M. 






•% 
^ 



franz 24 M., in Liebhaberbänden 28 M. 



Holbein und seine Zeit. 



äulhir 5cr 2^cnatf[ance in 3taUcn. 

%on ^#1 ^nrAfcfM. 

Vierte ücrbcffeTte Auflage, bcfotgt uon SL 9etger. 
®r. S«. engl. Icrt, 11 SR., in fetnfn ^bfronjWnbcn 14 ^ 




Von Alfk^ed Woltmann. 

Zweite verbesserte und vermehrte Auflage, Mit Illu- 
strationen. Brosch. 13 M., geb. in ensjrl. Leinwand M. 15.5*.\ 

I>«r twQite Teil diese« Werke,^ (Exkni^e. Katalog der Werket 

ist gänzlich vergriffen. 



V?? 




2Hc ^ett <£onftanttns hes <5rof en. 

':i^on ^el 9n»lfatlt 

äircitc, t«rbeHcrtc "Äuüagc ®r. S». broftft, 6 SL, defi. 

geb. S i^. 





Druck voa Aagnat Pries in Leipzig 



r WeltausstellDDg in Cblcago. 



MODERNE KUNST 
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 

EINDRÜCKE VON EINEM BESUCHE DER WELTAUSSTELLUNG ZU CHICAGO, 
n. Die ArohitektuT und das EunBthandwerk. ■) 
ER Erfolg der Ausstellung 
in Chicago in künstlerischer 
Richtung ist den Ameri- 
kanern selbst eine Über- 
raschung gewesen. Er hat 
sie alle — auch die, welche 
dem jungen Chicago den 
Triumph missgönnteu und 
die der Ausstellung dort eher entgegengearbeitet als 
sie gefördert hatten — mit gerechtem Stolz erfGUt. 
Auf die Fr^e, die jedem Amerikanei auf der Zunge 
schwebte, wenn er einem fremden Besucher der Aus- 
stellung gegenüberstand: was denken Sie über die 
Ausstellung? wie gefielen Ihnen die Bauten? konnte 
jeder von uns fast ohne Einschränkung seiner Be- 
wunderung Ausdruck geben. Im Century Club zu 
New York, in dem wohl die meisten europaischen 
Künstler und Gelehrten, welche die Stadt auf dem 
Wege zur Ausstellung oder auf der Rückreise pas.sirten, 
eine gastliche Aufnahme gefunden haben, wurde mit 
einigen Fremden, die von Chicago zurDckkamen, da» 
gewohnte Thema erörtert; alle waren voll Bewun- 
derung, nur ein bekannter franzosischer Architekt 
hielt mit seinem Urteil zurück. Als man ihn des- 
halb nach seiner Ansicht Ober die Bauten der Aus- 
stellung und über die amerikanieche Architektur im f 
allgemeinen fragte, war seine trockene Antwort: er 
habe in Amerika eine Reihe mehr oder weniger ge- scbickter Studien nach den verschiedensten Bauten 

Europas gesehen, von einer amerikanischen Archi- 

1) Nr. I Malerei und Plasük vgl. Zeitschrift filr bild. tektur habe er aber nichts entdecken können. Die 
Kunst N. F. V. Heft u. 7. unerwartete Antwort, welche die Amerikaner mit 

KmulgewarbeblMt. N. F. V. H. 1. 15 



114 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



dem ihnen eigenen Takte hinoshmen, kann nur aus 
einer sehr oberflächlichen Kenntnis der modernen 
Bauten in den Vereinigten Staaten oder aus einer 
großen Überschätzung der eigenen Leistungen in 
Frankreich henroi^egangen sein. Gewiss kann man 



nicht YOQ einem amerikaDischen Stil reden im 
Sinne, wie wir von einem griechischen, einem goti- 
schen oder Rokokofitil in der Architektur sprechen. 
Aber ebenso wenig kann selbst der eingefleischteste 
Franzose einen französischen Stil in den modernen 
Bauten in Frankreich entdecken wollen. Wenn wir 



den Franzosen auch den Ruhm lassen müssen, dass 
sie die verschiedenen Stile ihrer Vergangenheit mit 
besonderer Treue und feinem Geschmacite kopiren 
und den modernen Bedarinisseu anzupassen wisseu, 
so sind sie doch da, wo sie hiervon abgehen, wo sie 
Neues zu schafl'en suchen, ebenso stillos als alle Na- 
tionen hentzutage. Ja, ich gestehe, dass mir ge- 
feierte Bauten, wie die Große Oper in Paris, nomeutr 
lieh in ihrem Inneren, wie der Saal der iranz&sischen 
Meister im Louvre und ähnliche auf Selbständigkeit 
Anspruch machende Architekturen, hinter manchen 
bescheidenen Bauten in England und vor allem in 
Amerika weit zurQckzu stehen scheinen. Die meisten 
Besucher der Ausstellung werden ihren Eindruck 
dahin zusammenfassen können, dass die Wirkung der 
Bauten in der Ausstellung in Anlage, Architektur 
und Farbe geradezu eine Überwältigende war, und 
dass die neuesten Bauten in den Vereinigten Staaten 
im allgemeinen gerade eine ausgeprägte amerika- 
nische Eigenart, hohe technische Vollendung und 
feinen Geschmack aufweisen. Mir selbst war der 
Eindruck der modernen Bauten in ihrer Architektur 
wie ihrer Ausstattung die grSßte Überraschung, die 
mir die leider zu kurz bemessene Reise in den öst- 
lichen Staaten von Nordamerika gebracht hat Von 
den Leistungen des Kunsthandwerks hatte ich auf deD 
Pariser Ausstellungen und in einzelnen amerikanischen 
Häusern in Europa schon treffliche Proben gesehen; 
von den Sammlungen an Kunstwerken verschiedenster 
Art kannte ich gar manches Bild, manches Stück chine- 
sischen Porzellans, manches französische Möbel, da ich 
sie im Handel gesehen und auf Versteigerungen an 
Amerikaner hotte zuschlagen sehen: aber von der 
Bauart, von der Einrichtung der Bauten hatte ich eine 
sehr ungenügende und vielfoch falsche Vorstellung. 
Ich hatte sie bei weitem unterschätzt, hatte vor allem 
allerlei abenteuerliche Untugenden und Übertreibun- 
gen erwartet; um so größer war mein Erstaunen, 
hier — trotz einzelner Ausschreitungen, die Vor- 
wiegend den Bauherren und dem Raummangel in 
den großen Städten zur Last fallen — eine maß- 
vollere Anwendung älterer Formen, ein feineres Ver- 
ständnis derselben, eine selbständigere Disposition 
und Einrichtung zu finden, sUb sie uns regelmäßig 
in Europa begegnen. 

Das moderne amerikanische Stadthaus, von dem 
die Architektur in den Vereinigten Staaten ausgebt, 
ist dem englischen Hause nahe verwandt. Die eng- 
lische Herkunft der Mehrzahl ihrer Bewohner ver- 
rät sich auch in den Gewohnheiten und Anforde- 
rungen an ihr Heim. Der Stil der Bauten in der 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



115 



letzten Zeit der engliscbea Herrschaft und in den 
ersten Jahrzehnten der Selbständigkeit, der „colonial 
style", ist dem eigenartigen englischen Stil aas der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts im wesentlichen ent- 
lehnt. Bauten, wie die City Hall in New York, das 
Staatenhaus in Boston, ein Privathaus, welches in einer 
Nachbildung in der Ausstellung aufgestellt war, sind 
einfache, durch gute Verhältnisse und bescheidene 
Dekoration wirkende Bauten im Zopfstil Sie sind 
nicht ohne Einfluas auf die neueste Richtung der 
Architektnr gewesen und werden gemde jetzt mit 



Stil entlehnt sind, charakteristische Beispiele ftlr das 
städtische Bauhaus kurz vor dem Bürgerkrieg. Be- 
zeichnend ist für dieselben schon der Umstand, dass 
nicht der einzelne nach eigenen BedQrhiissen und 
Oeechmack sich das Haus bauen ließ, sondern dass 
ein Bauunternehmer sämtliche Häuser der Straße 
nach seiner Schablone erbaute und innen aus- 
schmückte, um sie dann einzeln zu verkaufen. Selbst 
die Reichsten begnügten sich damals meist mit 
diesem von einem Dritten aufgezwungenen Schema. 
Gerade das Gegenteil sehen wir heute: soweit der 





BrnaUohnmoli. Von TilTui; & Co. la New York. 



Eifer studirt und publizirt; aber für die Entstehung 
des modernen amerikanischen Hauses waren sie, wie 
mir scheint, von verhältnismäßig untei^eordueter Be- 
deutung. Die Zeit der französischen Revolution hat 
auch in Amerika dem alten Stil und jedem Stil ein 
Ende gemacht, und in der ersten Hälfte unseres 
Jahrhunderts, bis zum Bürgerkriege, sehen wir hier 
ausschließlich europäischen Einfluss in talentloser, 
handwerksmäßiger Nachahmung sich breit machen. 
In New York bieten die älteren Straßen, die auf die 
Fifth Avenne münden, in ihrer Einförmigkeit und 
ihren Ornamenten, die einem schlechten Schreiner- 



einzelne im Stande ist, mit Anspruch auf künst- 
lerische Wirkung sein Heim zu gestalten, versucht 
er dies in individueller Weise, indem er es mit Hilfe 
seines Architekten seinen Bedürfnissen und seinem 
Geschmack entsprechend einrichtet. 

Das moderne amerikanische Haus ist ganz von 
innen heraus gebaut und entspricht nicht nur den 
einzelnen individuellen Anforderungen, sondern vor 
allem in vollem Maße den eigenartigen Gewohnheiten 
und Bedürfnissen des Amerikaners. Dass die.'ie be- 
stimmt und scharf ausgepr^t .sind, ist der große Vor- 
zug, den die Privatarchitektiir in den Vereinigten 



:9 Thee- und KklTeegescbirr; ausgftübrt vod der liorfakin Coin|«iiy in Proviilence, R.I. (Cbiugo.) 



•s Tabli'tl; auHKeflibrt vod der (iorliam Company in Proviilence, R.I. (Oblcago.) 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. in 

Staaten namentlich vor unserer deutschen Architektur voraus hat. 
Diese Anforderungen an bestimmte Verhältnisse, Einrichtungen 
und Komfort der Wohnung haben sich langsam aber stetig 
herausgebildet; sie sind zunächst rein praktisch entwickelt und 
haben ihre knnstlerische Form erst erhalten, nachdem sie prak- 
tisch in jeder Weise erprobt und technisch vollendet durchge- 
bildet waren. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, den die 
amerikanischen Architekten vor den nnserigen voraus haben, sind 
freilich auch die Mittel, welche ihnen vielfach zur Ausföhrnng 
ihrer Pläne zur Verfügung gestellt werden. Doch pflegt man 
diesen Vorteil meist hSher anzusehlagen als berechtigt ist. 

Der Grundriss des amerikanischen Hauses lässt seine Her- 
kunft vom altenglischen Stadthaus noch immer herauserkennen, 
wie ja auch die Gewöhnung, dass selbst in den größten Städten 
jede Familie ihr eigenes Haus hat, auf altenglische Sitte zurück- 
geht. Die Front ist daher schmal, aber hoch; die Treppe mit 
dem Treppenliaus , die rhali", bildet den Mittelpunkt, von dem 
alle Wohnräume direkt zugänglich zu sein pfl^en. Die hall 

wird daher jetzt meist so geräumig als möglich aneeleet, wird Woinkühiw; MBgemhrt von der GoA«m Compiny 
OD a a -ts ' in Proyidenc«, R.I. (Chicago.) 

wohnlich eingenchtet und erhält durch die geschickt darin an- 
gebrachte Treppe (bequem, aber bescheiden in den Formen und 
mit zierlichem Geländer) eine reizvolle malerische Wirkung. (Vgl. 
N. F. Jahi^. ni, S. 96.) Nach der hall und ihren Einbauten 
öffnen sich die Wohnräume in weiten ScbiebethQren, nahezu 
von halber Wandbreite, die zumeist offen stehen, so dass man 
vom Treppenhaus aus den Einblick in die verschiedenen Zim- 
mer hat. Die Räume sind nicht besonders hoch, nach unseren 
Begriffen eher niedrig, sind nicht UberfUUt mit Möbeln und hell 
in der Wand- und Deckenfarhe; auch die Ausstattung strebt 
mehr eine behagliche und freundliche als prächtige Wirkung 
an. Das Landhaus hat den Charakter der Sommerwohnung; 
daher sind Grundriss und Einrichtung wesentlich verschieden 
von denen des Stadthauses. Es liegt ringsum &ei, ist leicht 
und schlicht gebaut, meist aus Holz und mit Holzschindeln 
belegt, und ist an verschiedenen Seiten von einer geräumigen 
Veranda umgeben, die zu jeder Tageszeit irische Luft und 
Schutz gegen die Sonne bietet. 

Weder das Stadthaus noch das Landhaus pflegt in Amerika 
palastartig gestaltet zu werden; selbst die Milliardenkönige 
ziehen eine behagliche hQrgerliche Existenz dem fürstlichen 
Auftreten vor. Um so kolossaler und prächtiger suchen sie 
ihre Geschäftshäuser zu bauen; hier gilt es, Reklame zu 
machen nicht nur durch Größe des Baues, sondern auch durch 
Eigenarligkeit, vornehmes Material und kOnstlerische Durch- 
bildung. Die großen Kaufhäuser, die Paläste der Zeitungen 
und Zeitschriften, die Hotels, die Theater, Konzerthänser, 
Storehouses,' seihst Missionshäuser fallen in den amerikanischen 
Städten meist mehr ins Auge als die öffentlichen Bauten, die 
bisher nur vereinzelt und in zweiter Linie im großen monumen- 
talen Stile errichtet werden. 

n der öorham compsny fast alle diese Bauten haben ihren eigenen Charakter 

.1. iinilcaco.l * 



118 



MODEBNE KUNST IN DEN VEREINIOTEN STAATEN VON AMERIKA. 



und sind zum großen Teil von wirklich kttnst- 
leriBchem Interesse. Jene Häuserriesen, die (nament* 
lieh in Chicago, in neuester Zeit leider auch in New 
York) bis zu ftlnfzelm und selbst zu fUiifundzwanzig 
Stockwerken in die Loft wachsen, sind daneben doch 
beinahe Ausnahmen, und sind nicht etwa der Aus> 
Süss eines prahlerischen geschmacklosen Sinnes, wie 
wir Europäer ihn den Amerikanern zutrauen, sondern 
ein Notbehelf, zu dem die Beschränktheit des Rau- 
mes im Inneren der großen Städte gefuhrt hat. In 
zahlreichen dieser Bauten wird der Architekt eine PUlIe 
für uns neuer trefflicher Gedanken finden, nament- 
lich in Bezug auf die Zweckdienlichkeit derselben. 
Wie in den Theatern der Aufbau des Zuschauer- 
r^imes darauf berechnet ist, dass jeder Besucher an 
jedem Platze gut sehen und hören kann, wie in den 



das Madison Square Theatre, das Imperial Hotel, 
Waldorp Hotel, Holtand House und eine Reihe ähn- 
licher Bauten geben ihre Bestimmung auch äußer- 
lich treffend und wirkungsvoll zu erkennen. Selbst 
jene Häuserkolosse, die in turmartige Hohe hinauf- 
gebaut sind und gelegentlich (namentlich in Chic^o, 
wo neuerdings die Überschreitung von zehn Stock- 
werken unters^ ist) ganze Straßen viertel einneh- 
men, zeigen nicht selten das Talent ihrer Architekten, 
s^bst eine so undankbare Aufgabe zu lösen, indem 
eine Reihe von Etagen architektonisch zusammen- 
gezogen und dadurch glückliche und wirkungsvolle 
Verhältnisse erzielt werden, und durch den Absehluss 
mit einer schlanken Kuppel in der Mitte (wie bei 
dem höchsten Bau in New York) oder einem minaret- 
artigen Aufbau (wie im Deck er- Building) eine tiirni- 



Teirine; miiBgatBhrt von du OoiliMa Company in Pnividetice, B.I. (Chicago.) 



Warenhäusern die Sicherheit und Zugänglichkeit zu 
jedem einzelnen Sttlck gewahrt ist, wie die Dispo- 
sition und Einrichtung in den Hoteb auf den größ- 
ten Komfort des Fremden berechnet ist, alles das 
ist in Amerika hesser, ja meist weit besser erreicht 
und auch kQnstlerisch in originellerer Weise gelöst, 
als bei uns oder in Frankreich und selbst in England. 
Die Außenarchitektur bringt den Charakter der 
einzelnen Bauten nicht selten wirkungsvoll zum Aus- 
druck. Die Warenhäuser der Manhattan-Store Com- 
pany, namentlich der Backsteinbau im StU einer ita- 
lienischen ßocca auf Lexington avenue versinnbild- 
lichen den Zweck eines festen, feuer- und diebessiche- 
ren M^azine in schlichter und zugleich großartiger 
Weise; einen passenderen und wQrdigeren Scbau- 
laden wie das Haus des Wagenbauers Demarest in 
der Fifth Avenue wtlsste ich nicht zu 



artige Form gegeben und die übertriebene Höhe da- 
durch geschickt versteckt wird. 

Die öffentlichen Bauten, die in Europa von alters 
her in monumentaler Weise errichtet werden, be- 
ginnen eist jetzt auch in Amerika größere Bedeutung 
zu erlangen. Die Kirchen hatt« man, wohl auch 
aus rituellen OrUnden, im Anschluss au die alten 
kontinentalen Stile bald gotisch, bald romanisch er- 
baut; fast alle diese Bauten sind nKcbt«me und stil- 
lose Nachahmui^en. Die Stadthäuser und Regierungs- 
bauten sind der Mehrzahl nach nicht aus kOnst- 
lerischeo Intentionen, sondern zum Nutzen und 
Frommen des Rings, welcher gerade an der Spitze 
der Regierung seine MitbQrger ausbeutet, errichtet 
worden. Flir Bibliotheken, Konzerthäuser, Museen 
und ähnliche Bauten für die höheren geistigen Be- 
dürfnisse eines Volkes wird in den Vereinigten Staa- 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



119 



ten erst seit v. snigeti Jahren eine moDumentale Ge- 
aUItung angestrebt, seitdem der glänzend entwickelte 
öffentliche Sinn der Amerikaner durch großartige 
Stiftungen an den verschiedensten Orten die Gelegen- 
heit dazu geschaffen hat. Dabei haben die ameri- 
kaniRchen Ai...iitekten ihre Aufgaben gleich in so prak- 
tischer und kUastleriacher Weise angegriffen, dass 
schon jetzt die Boston -Library Ton White und das 
Camegi-Concerthouae in New York auch unseren 
europäischen Bauten dieser Art ein glänzendes Vor- 
bild sein könnten. 

So zweckentsprechend, so praktisch und ge- 
BcbmackToll die neneste Architektur in Amerika ist, 
eines wird niemand, der von unserer modernen Kunst 



New York maßgebend. Für das Privathans erscheint 
dieser Stil leicht zu schwerfällig und selbst triste in 
der Wirkung, die noch durch die trnbe violette 
Färbung des im Osten der Vereinigten Staaten sehr 
viel verwendeten Sandsteins befördert wird. Der mo- 
derne klassische Stil, dessen erste Vertreter nament- 
lich die Firmen Mc Kim, Acton und White sind, 
stellt sich schon von außen ganz verschieden dar: 
wie im Inneren, so sucht er auch außen hell und 
freundlich zn wirken; ein feiner graulich -weißer 
Granit, heller Backstein (von so vorzüglicher Arbeit, 
dass er dem altrömischen nahe kommt) und selbst 
weißer Marmor sind die bevorzugten Materiale, aus 
denen die Bauten in diesem Stil errichtet sind. Was 



Bowle; ansgefOhrt tos der Oarbam Company in Pravidenc«, R.I. (Chicago ) 



uud Kultur einen vollen Begriff hat, von ihr er- 
warten: dass sie einen einheitlichen oder gar einen 
eigenen Stil aufweisen solle. Auch drKben finden wir 
eiue beinahe ebenso reiche Mueterkarte aller Stile, 
wie bei uns; nur dass man sich in der Regel keine 
Mfihe giebt, den einen oder anderen älteren Stil 
rein anzuwenden, sondern weit freier mit den Ele- 
menten desselben schaltet. Zur Zeit sind zwei Rich- 
tungen die herrschenden: die eine, ältere, im An- 
scbluss an die romanisch-maurische Kunst und die 
neueste, die sich die FrQhrenaissance und die grie- 
chische Kunst zum Vorbild nimmt Die erstere, 
hauptsächlich durch den verstorbenen Architekten 
Richardson entwickelt und verbreitet, ist in Chicago, 
Boston und den meisten Städten des Westens noch 
die vorherrschende und ist auch noch iüi den ka- 
sernenartigen Massenbau an den Außenseiten von 



diese wie Überhaupt die neuere amerikanische Archi- 
tektur auszeichnet, ist die Mäßigung in omamen- 
talen Details wie die feine Durchbildung derselben; 
jede Übertreibung, jedes Zuviel ist dem Amerikaner 
in der Kunst ganz besonders verhasst. 



Beiner und eigenartiger noch als in der Archi- 
tektur kommt der amerikanische Geschmack in der 
künstlerischen Einrichtung de^ Hauses und im Kunst* 
gewerbe Überhaupt zur Geltung. Wer nach dieser 
Richtung, fQr welche die Ausstellung besonders 
wenig ergiebig war, bei den Kunstfreunden Chicagos 
und in den westlichen Städten vorurteilsfrei und mit 
offenem Bück sich umgesehen hat, mnss einen ganz 
außerordentlichen Eindruck von drUben zurtlckgebracht 
haben. Während in Europa, namentlich bei uns in 



120 



MODERNE KUNST IN DEN VEKEINIÜTEN STAATEN VON AMERIKA. 



Deutschland, die Ansicht, dass für Amerika die ordi- 
närste Dutzendware noch immer gut genug sei^ noch 
die allgemeine ist, erfuhren wir dort zu unserem Er- 
btaonen und zu unserer Beschämung, dass selbst 
unsere besten Arbeiten neben denen der Amerikaner 
nur zu oft als Dutzendarbeit bezeichnet werden 
mufisten, dass sie in ihrer missrerstandenen und meist 
nicht einmal guten Nachahmung alter Formen neben 
den eigenartigen und phantasievollen Schöpfungen 
des amerikanischen Kunstgewerbes unverstanden und 
banal erschienen. Wenn man sich bei uns, auch 
▼on Seiten derer, welche offen diese YorzQge aner- 
kennen, damit zu trösten sucht, dass „auch drüben 
mit Wasser gekocht werde*^, dass dort nur einzelne 
Zweige des Kunstgewerbes überhaupt kultivirt wür- 
den, dass die große Masse der Erzeugnisse noch 
immer Ton Europa importirt werde, und dass jene 
hervorragenden Leistungen nur einigen wenigen 
grofien Künstlern zu danken seien, so ist dies meines 
Erachtens ein trügerischer Trost Die Amerikaner 
stehen erst in den Anfangen und werden von Jahr 
zu Jahr ihren künstlerischen Sinn auf neue Grebiete 
ausdehnen. Was sie importiren, fallt leider zumeist 
unter den Begriff «billig und schlecht**, und die 
Ajnerikaner sind mit Recht stolz darauf, dass sie 
sich mit dieser Ware nicht abgeben, f&r deren Her- 
stellung obenein die Arbeit drüben zu teuer ist Jene 
Abhängigkeit des Kunsthandwerks von einzelnen 
ganz herronagenden Meistern, die sogar gewisse 
Zweige desselben so gut wie monopolisirt haben, 
erweist sich aber bei genauerem Studium der Verhält- 
nisse gerade ab einer der Vorteile des Kuusthand- 
werks in Amerika. 

Es ist gewiss berechtigt, wenn von englischer 
Seite betont wird, dass das Kunstgewerbe in den 
Vereinigten Staaten vom englischen Handwerk ab- 
stamme; ja man kann sogar zugeben, dass es noch 
jetzt in einzelnen Zweigen davon abhängig ist, wie 
es andererseits von Frankreich die klassischen Vor- 
bilder för ^stilvolle* Einrichtungen im Louis XV-, 
Louis XVI-Stile u. s. w. entlehnt Aber es ist sehr 
irrtümlich, wenn man das amerikanische Kunsthtmd- 
werk etwa als einen kolonialen Zweig des englischen 
hinzustellen sucht: wo in Amerika ernstlich der 
Versuch gemacht ist« das Handwerk in künstlerischer 
Weise auszubilden, ist dies in eigener, echt amerika* 
nischer Weise und auf Grund amerikanischer Gewohn- 
heiten und Erfahrungen geschehen. Alle Arten des 
amerikanischen Kunstgewerbes haben ihren gemein- 
samen Charakter, der sie sofort als Si»lohe kenntlich 
macht: sie haben jode ihre bt^oniicrtMi Eigentümlich- 



keiten, die ebenso national sind wie die Verhältnisse, 
aus denen sie erwachsen sind. Und gerade das macht 
ihre Erzeugnisse so reizvoll und originell; gerade 
daraus dürfen die Amerikaner mit Zuversicht auf 
eine gedeihliche und eigenartige Weiterentwickelung 
ihres Handwerks rechnen, während in Europa fort- 
während die Nachahmung eines alten Stils nach 
dem anderen sich folgt, die jede Regung der Eigeu- 
artigkeit, jede freie Ent Wickelung aus den Bedürf- 
nissen heraus von vornherein unterbindet oder doch 
rasch wieder unterdrückt. 

Worin liegen die Vorzüge des Kunsthandwerks 
in den Vereinigten Staaten, und worin ist das rasche 
Entstehen und Aufblühen derselben begründet: das 
sind die Fragen, die sich uns Kindern des alten 
Kontinents gelegentlich der Ausstellung immer 
wieder aufdrängten. Daneben ist uns Deutschen in 
unserer lemwütigen und lehrhaften Art sofort die 
dritte Frage nahegetreten: was können wir von dem 
amerikanischen Kunstgewerbe lernen und uns daraus 
aneignen? Diese letzte Frage mochte ich vorw^ 
dahin beantworten, dass das Beste, was wir von den 
Amerikanern in dieser Beziehung lernen könnten, 
gerade darin bestünde, dass wir möglichst wenig von 
ihnen nachzuahmen suchen, dass wir uns hüten, zu 
allem Überlieferten und allem Fremden, das wir uns 
in Kunst und Kunsthandwerk schon angeeignet haben, 
ohne Rücksicht darauf, ob es f&r uns passt oder 
nicht, auch noch amerikanische Art auf unsere Kunst 
aufzupfropfen. 

Wie wichtig eine Beschränkung in dieser Rich- 
tung ist, erkennen wir am besten, wenn wir den 
Bedingimgen nachgehen, unter denen das amerika- 
nische Kunstgewerbe groß geworden ist Denn deut- 
lich zeigt sich als die eigentliche Grundlage, auf der 
dasselbe erwachsen ist, die Ausbildung und das Aus- 
reifen selbständiger nationaler Bedürfnisse. Wenn 
von Seiten unserer Handwerker auf die Vorteile hin- 
gewiesen wird, die Amerika durch das treffliche 
Material der verschiedensten Art und teilweise auch 
durch die größere Billigkeit desselben vor uns vor- 
aus hat. so ist das freilich richtig: die zahlreichen 
feinen Holzarten, die trefflichen Steine, Halbedel- 
steine und Metalle« die mannigfS^hen feinen Leder- 
sorten u. s. w. kommen dem Bau- und Kunsthandwerk 
drüben sehr zu statten. Aber das ist ein Vorteil, 
den z. B. auch Russland hat, und doch weiß man 
denselben dort ebenso wenig auszunutzen, wie man 
es noch vor weir.iren Jahrzehnten in den Vereinig- 
ten Stallten getban hat Erst als man drüben genau 
wusste^ was man wollte und wie man es wollte, sind 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



121 



solche Schätze des Landes bekannt und ausgebeutet 
worden. Die langsame Besiedelung Nordamerikas 
und die ganz allmähliche Entwickelung aus den 
primitivsten Eolonistenverhältnissen während des 
vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts hat 
in Bauart und Einrichtung des Hauses die Beschrän- 
kung auf wenige Bedürfnisse zur Folge gehabt; diese 
konnten sich aber gerade deshalb um so schärfer 
und eigenartiger ausbilden. Auch die Beschränkt- 
heit älterer Vorbilder (eine bescheidene Zahl mittel- 
mäßiger englisch-holländischer Arbeiten des vorigen 
Jahrhunderts) musste nach derselben Richtung günstig 



einwirken. Anfangs wurden diese Bedürfnisse in 
der einfachsten Weise befriedigt; mit dem wachsen- 
den Reichtum um die Mitte unseres Jahrhunderts 
begann man auf die technische Durchbildung und 
die Benutzung guten Materials Wert zu legen, und 
als allmählich • das Bedürfnis künstlerischer Durch- 
bildung sich geltend machte, war das amerikanische 
Handwerk schon nach verschiedener Richtung im 
VoUbesitz einer technischen Fertigkeit, wie wir sie 
in Deutschland, ganz wenige Zweige ausgenommen, 
heute noch nicht entfernt erreicht haben. 

(Fortsetzung folgt) 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



VON EUGEN QU AQUO. 




17 den letzten Jahrzehnten 
sind die Ansprüche an die 
Kunst des Theatermalers so 
sehr gewachsen, wie früher 
kaum in Jahrhunderten. Soll 
diese Kunst gedeihen, so 
bedarf sie eines Publikums, 
das ihre Aufgaben und Lei- 
stungen versteht Es wird daher in Folgendem vom 
praktischen Standpunkt eine gedrängte Übersicht 
über das Wesen und die Entstehung einer Dekora- 
tion gegeben. 

Wenn von Theaterdekorationen die Rede ist, 
spricht der Laie meist nur von Coulissen; außer 
diesen gehören aber zu einer Dekoration der Hinter- 
grund, die Soffitten, die Bögen , und nach Bedarf 
Wände und Versetzstücke. Alle diese Dekorations- 
teile sind bekanntlich auf Leinwand gemalt, die 
Hintergründe, Bögen und Soffitten werden an Seilen 
aufgehängt, die Coulissen, Wände und Versetzstücke 
auf Rahmen gespannt und aufgestellt 

Der Hintergrund bildet den Hauptbestandteil 
der Dekoration und giebt dem ganzen Bilde den 
Charakter. Die Coulissen , zu deutsch „Flügel% die 
je nach der Tiefe des Raumes zu mehreren hinter- 
einander an beiden Seiten der Bühne aufgestellt 
sind, dienen dazu, dem Beschauer den Einblick in 
die seitlichen Bühnenräume zu verwehren, das auf 
dem Hintergrunde dargestellte Bild zu vervollstän- 
digen und bei den sogenannten „offenen" Dekora- 
tionen, bei Straßen, Wäldern und Sälen die Zu- und 

Konstgewerbeblatt. N. F. V. H. 7. 



Abgänge für die Darsteller zu bilden. Die Coulissen 
werden in sog. „Karren" eingehängt, ^geladen'', d. h. 
in Lattengestelle, welche durch den Bühnenboden 
bis in die Untermaschinerie reichen und dort auf 
Rollen in Schienen laufen. Der Bühnenboden hat 
an dieser Stelle einen 3—4 cm breiten Schlitz, die 
sog. Coulissenfahrt, die über die ganze Bühne pa- 
rallel mit dem Proscenium geht; darin bewegt sich 
der Karren. 

Soffitten, zu deutsch Gebälk, heißen diejenigen 
niederen aber breiten Dekorationsteile, welche, über 
die ganze Breite der Bühne weghängend, je zu zwei 
gegenüberliegenden Coulissen gehörig, den oberen 
Raum der Bühne abschließen und die Decke dar- 
stellen sollen. Sie sind notwendig, um dem Zu- 
schauer die für die Bewegung der Dekorationen an- 
gebrachten Vorrichtungen und die Beleuchtungs- 
körper zu verbergen. Die Soffitten sind namentlich 
bei äußerer Architektur malerisch schwer zu be- 
handeln und meist würde das Bild ohne Decken 
gefalliger sein. Man hilft sich, wo es tingeht, mit 
über die Straße hängenden Velarien, Sonnentüchem, 
um die kahlen Luftdecken zu vermeiden. Die Bögen 
sind eine Verschmelzung von Coulissen und Soffitten; 
der Name bleibt, auch wenn die Form gar nicht 
bogenförmig ist, z. B. auch wenn ein horizontaler 
Balken den Abschluss nach oben bildet. 

Statt der Coulissen werden bei den sog. ge- 
Bchlossenen Zimmern Seiten wände aufgestellt, die 
den Raum völlig abschließen, so dass die Auftritte 
und Abgänge der Darsteller nur durch in den 

16 



122 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALEltS. 



Wänden angebracht« Thfiren zu bewerkstelligen 
sind. VersetzstDcke im allgemeinen heißen alle die 
größeren and kleineren, ebenfalls aiif Rahmen ge- 
spannten Dekorationastflcke, welche je nach Bedarf 
als einzelne Häuser, Feleen, GebQsche etc. auf der 
Buhne aufgestellt werden und teils zur Verschöne- 
rung, teils zur Verkleidung von Treppen und Po- 
desten dienen oder durch die Handlung bedingt sind. 
Bis in das zweite Drittel unseres Jahrhunderts 
waren die Dekorationen fast nur aus dem Hinter- 
grund, Coulissen und Sofßtten zusammengesetzt; 
auch die heutige Dekoration beruht noch auf diesem 



mittelbar darauf folgenden Dekoration zu decken. 
Weit mehr als frOher bilden aber jetzt Bögen und 
Versetzstacke, sowie bei Zimmern and Sälen die 
Wände die Hauptbestandteile der Dekoration. Über- 
haupt ist die Tendenz, auf der Dekoration nicht 
mehr wie frQher alles nur zu malen, sondern es 
wird zum großen Teile auch plastisch „gebaut", wie 
der technische Ausdnick Uutet. Eine Straße, die 
früher nur aus dem Hintergrund und den Coulissen 
bestand, hat jetzt ein ganz anderes Anesehen. Die 
Häuser, sonst nur auf die gerade Fläche der Cou' 
lissen gemalt, bestehen ans mehreren Teilen, die in 



Tbektcmalsr bei dra Arbelt, 



Prinzip, allerdings mit einigen Abändernngeu. Die 
noch erhaltenen Entwürfe der großen Meister des 
17. und 18. Jahrhunderts geben uns einen Begriff 
von der damaligen Zusammensetzung einer Dekora- 
tion. Ab Beispiel ist nebenstehend ein Entwurf von 
Daniel Marot, ausgefQhrt in Holland um 1700,- re- 
produzirt und durch die Grundrissskizze erläutert. 
Heutzutage ist die Sache nicht mehr ganz so 
einfach. Durch das Bestreben, mehr Naturwahrheit 
in die Dekoration zu bringen, bt deren ganze Zu- 
sammenstellung weit komplizirter geworden. Die 
ältere, einfache Zusammenstellung ist höchstens noch 
für kleinere, minder wichtige Scenen gebräuchlich 
und dient hauptsächhch dazu, den Aufbau der un- 



verschiedenen Winkeln aneinanderstoßen; sie haben 
„praktikable", d. h. vom Darsteller benutzbare Thüreo 
und Fenster, Balkone und Erker. Soll die Straße 
nach dem Hintergründe zu ansteigen, so ist das 
nicht mehr wie früher auf den Hintergrund gemalt, 
sondern es werden wirkliche gangbare Erhöhungen, 
Treppen, schräge Aufgänge, Pl^«aus eto. angebracht. 
Ebenso ist bei der Landschaft die sog. „Bauerei" 
oft die Hauptsache; sie ermöglicht es dem Regisseur, 
bei Volks- und Massenscenen durch wirkungsvolle 
Gruppirungen seiner Scharen ungleich höhere Effekte 
zu erzielen, als dies früher möglich war, wo sich 
alles nur auf dem ebenen BUhnenboden abspielte. 
Selbst der Fußboden der Bühne wird jetzt oft durch 



124 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



bemalte Lemwandääctieii fiberdeckt;, auf welchen 
z. B. bei Straßen nnd Wäldern die Licht- und Schat- 
tenpaitieen, der fibr^en Dekoration entsprechend, 
gemalt sind. 

Bis Ende der dreißiger Jahre unseres Jahr- 
hunderte war bei der deutschen BOhne das „ge- 
schlossene Zinuner* noch nicht angewendet worden. 
Erst im Jahre 1839 hat der Hoftheatermaler Simon 
Quaglio in Uttnchen das geschlossene Zimmer von 
Paris her am MOnchener Hoflheater eingefllbrt, au 
dem man sich his dahin, wie allerwärts, stete mit 



Schränken, Borten mit darauf geatetttem Geschirr, 
Fenster- nnd Thflrgardinen u. a w. auf die Leinwand 
gemalt wurden, wird jetzt meist vermieden, im Zim- 
mer etwas anderes zu malen, als was direkt zur 
Wanddekoration gehört und sozusagen niet- nnd 
nagelfest ist; zur Qbrigen AussobmQckung werden 
nur plastische Qegenstände verwendet. Öfen, Ka- 
mine, Bc^enlaibungen, Dickungen an Fenstern und 
ThOren, Nischen und Erker, alles wird plastisch 
dargestellL Das berühmte Ensemble der nMeininger" 
hat an diesen Neoerungen einen großen Anteil, 



;v..a,.,^^ 




1 ,'^H^nM^A^ u*-*4-,-/«ä™^-.:j— Ä»^. 

QroDdxlu dM ButwuifeB von D. Hasot. 



Graudclu dar Dekoratloa iiua Bnrsbat Im U. Akte des Lohsugrin. 



dem Couüssenzimmer b^ntlgt hatte. Heute kann 
man sich im Konversationsstficke eine Dekoration 
ohne geschlossene Wände gar nicht mehr den^ken. 

Bei Zimmern wird in vielen Fällen statt der 
So^tten der geschlossene Plafond angewandt. Leider 
aber bietet derselbe immer noch zu große Schwierig- 
keiten, um allgemein verwendet zu werden, schon 
wegen des Transportes und der Aufbewahrung dieser 
großen Rahmen und der misslichen Beleuchtungs- 
verhältnisse. 

Während frtlher in den Zimmerdekorationen 
eine Menge von Ausstattungsgegenständen, Bildern, 



allerdings zum Leidwesen derer, die nun alle diese, 
meist ziemlich umfangreichen InveutarstQc^e in den 
ohnehin meist (IberfQllten Magazinen unterzubringen 
haben, während sie frQher, so hfibsch auf die Lein- 
wand gemalt, gar keinen besonderen Raum bean- 
spruchten. 

.Durch das Streben nach größerer Naturwahrheit 
der Handlung und der Dekoration haben die Schwie- 
rigkeiten auch beim Entwürfe der letzteren bedeu- 
tend zugenommen. 

Zuerst müsseu die scenischen Erfordernisse in 
Betracht gezogen werden; die für die Darsteller er- 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



125 



forderlichen Ab- und Zugänge, Tbüren, Fenster, bei 
LandschafteD Hfigel, Felsspitzen, Wasser etc. mUssen 
bestimmt werden. Daza kommt die Bücksicbt Baf 
die übrigen Dekorationen derselben Vorstellung, die 
unter TJmstSnden so schwer aufeustellen sind, dass 
sie zu Beginn des Aktes schon ganz oder teilweise 
stehen mtlssen. Ist dies alles so weit klargelegt, 
dass Stdningen im Auf- und Abbau nicht zu be- 
fQrchten sind, dass auch eine Qbermäßige Ausdeh- 
nung der Zwischenakte Termieden werden kann, dann 
erst tritt an den Maler die Aufgabe heran, den 
künstlerischen Entwurf der Dekoration zu machen. 



bemalenden Leinwandfl&chen unm^Iich ist, eine 
ganze Dekoration sofort im Großen zu entwerfen, so 
geht der Ausfnhmng stets die Herstellung einer 
Skizze voran. Ee wird ein genaues Abbild der De- 
koration mit allen ihren Teilen in kleinem Maßstäbe 
aus Karton angefertigt und ebenso aufgestellt, wie 
später die Dekoration stehen eolL 

Nun erst kann mit der Ausführung der Dekora- 
tion auf der Leinwand bef^onnen werden. Die Lein- 
wand, meist zweieinhalb Meter breit, wird auf die 
nötige OrSße zugeschnitten und mit Hand- oder Ma- 
Bchinennaht an den Webekanten zusammengenäht. 



Burghol- DekontioD aiu dem II. Akte dc8 LotaenKrin. Untnorfen und für du kgl. OpcTnluus in Berlin KUSgetUlirt vi 



Bei den Entwürfen sind dann vorerst die R^eln 
der Perspektive zu beachten, zumal es sich in 90 
von 100 Fällen um Architekturbilder, teils äußere, 
teils innere handelt, während rein tandschafUicbe 
Dekorationen weit seltener vorkommen. Die Buhnen- 
perspektive baut sich im al^emeinen auf den Prin- 
zipien der gewöhnlichen malerischen Perspektive 
auf, weicht aber besonders dadurch wesentlich von 
ihr ab, dass das Bild nicht auf einer Fläche, sondern 
auf verschiedene Flachen verteilt darzustellen ist. 
Es wBrde zu weit nihren, die einzelnen Gesetze hier 
dar^ul^en. 

Da e» bei den kuIuBäaleu Dimensiuuen der zu 



Diese oft gewaltigen Leinwandflächen werden nun 
im Maleraaal flach am Boden ausgelegt und an den 
vier Seiten mit kurzen Drahtstiften aufgespannt. 
Jetzt folgt das Grundiren ; die Grundirungsfißssigkeit, 
mit starkem al^kochten Leim versetzte Kreide, 
kurzweg „Grund" genannt, wird in heißem Zustande 
mittelst einer großen, an langem Stiel befestigten 
Bürste aufgetragen. Es erfordert ziemlich viel Krall 
und Gewandtheit, den Grund gleichmäßig auf der 
Fläche zu verteilen; ffir den ferneren Fortgang der 
Arbeit kommt es sehr darauf an, da« der Grund 
gut auegefalleu ist Ein zu wenig oder zu viel ge- 
leimter, zu dUuner oder zu dicker Grund hat auf 



126 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



das weitere Moleo und auf die Haltbarkeit der Ma- 
lerei großen Einfluss. 

In zwölf Stunden ist der Grund getrocknet und 
nun beginnt das Anfifeicbnen. Mit Btramm gespann- 
ter, kohlegeschwärzter Schnur wird die ganze Fläche 
in metergroße Quadrate geteilt und nach dem Modell 
jedes StUck der Dekoration ins Große auf die Lein- 
wand Dbertragen. Der Künstler muss dabei stehen- 
den Fußes arbeiten, seine Zeichenkohle und seine 
Pinsel sitzen an Stäben von etwa einem Meter Länge. 
Auch die fUr gerade Linien nötigen Lineale und die 
Maßstäbe haben in dei* Mitte einen meteilangen, 



die weitere AusfBbning die Zeichnung uocli genau 
erkennen lassen. 

Zum Malen verwendet man in Wasser ange- 
riebene Farben, welche mit Leimwasser so weit als 
nötig verdOnnt werden. Sie werden so d&nn ge- 
halten, als irgend thimlich ist, oft nur als Lasuren, 
denn je weniger Farbkörper auf der Leinwand sitzt, 
desto dauerhafter ist die Malerei, an deren Haltbar* 
keit durch das ofte Auf- und Zurollen und den 
häufigen Transport bedeutende Anforderungen ge- 
stellt werden. Aus diesem Grunde ist ein pastoses 
Malen, wie bei Ölbildern, ganz unstatthaft, denn 



Schenke Enra BoaeiibaBd im I. n. II. Akte dei F>lHta(r. Knlwoifen und für dsu kgl. OpemLsus id BeiliD ausKeflibrt vod E. QctQLio. 



beweglichen Stiel. Sie werden mit der linken Hand 
regiert, während die rechte Kohle und Pinsel fQhit. 
Falsche oder ttberflOssige Kohlenlinien werden mit 
dem „Abklopfer", einem gleichfalls an einem Stab 
befestigten Leinwaudstßcke, entfernt. Ist die Zeich- 
nung mit Kohle richtig aufgetragen, so wird sie, da 
die Kohle zu leicht verwischt, mit stark geleimter 
oder einer tintenartigen dunklen Farbe angezogen. 
Beide Farben haben nicht nur den Zweck, die Zeich- 
nung augenblicklich füstznhalten, sondern sie biet«n 
auch gleichzeitig den Vorteil, dass sie, mit nicht 
zu dicker Farbe überlegt, nach dem Trocknen dieser 
ersten Anlage deutlich durchscheinen und somit fUr 



dick aufgesetzte Farben würden beim erstmaligen 
Rollen, noch ehe die Dekoration auf die Bühne 
käme, zum größten Teile abblättern. Das Betreten 
schon bemalter Stellen ist natürlich nicht zu ver- 
meiden; daher tragen die Maler backeulose, mißlichst 
glattsohlige Schuhe, um das Sichtbarwerden der 
Fußtritte thunlichst zu verhindern. 

Da natürlich eine aus vielen Teilen zusammen- 
gesetzte Dekoration nicht auf einmal aufgespannt 
und gemalt werdeu kann, auch selten von einem 
Maler allein fertiggestellt wird, so ist vor Beginn 
der AusfUhruug als Ergänzung des, meist nur die 
Zeichnung und die Verhältnisse gebenÜea Modelles 



AUS DER WERKSTATT DES THEATERMALERS. 



127 



die Anfertigung einer Farbskizze erforderlich. Nach 
dieser Skizze werden die Haiiptanlagefarben, die 
„Lokaltone'', in größeren und kleineren irdenen 
Topfen gemischt Diese Töpfe setjst man in niedere 
hölzerne Kasten, welche mittelst eines Handgriffes, 
der zugleich zur Aufnahme der während der Arbeit 
benQtzten Pinsel dient, an jede erforderliche Stelle 
getragen werden können. 

Ist mit den Lokaltönen das Anlegen beendet, 
so kommt zur weiteren Ausarbeitung und Vollendung 
die „ Palette '^ an die Reihe. Diese hat mit ihrer 
bekannten Nameasschwester, welche an den Daumen 
der linken Hand gesteckt wird, nur den Namen ge- 
meinsam. Sie besteht aus einer einen Meter breiten, 
eineinhalb Meter laugen hölzernen Tafel, an drei 
Seiten von einem niede- 



\Ji**tt*Ut •fntUMLj 



ren Holzrand umgeben, 
an der vierten Langseite 
offen. Rings am Rande 
stehen 24 gleich große 
emaillirte Töpfe, in denen 
alle gebrauchlichen Töne 
der Farbenskala enthal- 
ten sind. Die freie Fläche 
der Palette, der Haltbar- 
keit wegen mit Blech aus- 
gelegt, dient zum Mischen 
der Farben, und das Ganze 
ruht auf vier großen, be* 
weglichen HoIzrollen,mit- 
telst deren man die ganze 
Palette leicht an jeden 
Punkt hinfahren kann. An einer Schmalseite der 
Palette ist das Qestell zum Auf l^en der Pinsel be- 
festigt. 

Die Übermalung beschränkt sich meist auf das 
Durcharbeiten mit Schatten und Aufsetzen der Lich- 
ter und muss die Untermalung schon so zielbewusst 
ausgeführt sein, dass völliges Übermalen ganzer 
großer Stellen ausgeschlossen ist, denn je mehr Farb- 
lagen auf die Leinwand kommen, desto geringer ist 
die Haltbarkeit. Die Vollendung geht demnach meist 
ziemlich rasch von statten, nur bei reich ornamen- 
tirten Lmenarchitekturen ist die Ausarbeitung müh- 
sam und zeitraubend und hier muss auch oft in 
den Details mit dem kleinen kurzen Pinsel nach- 
geholfen werden. Dabei sitzt der Maler auf einem 
Schemel, so dass er, ohne sich tief zu bücken, mit 
dem. Pinsel leicht die Leinwand erreichen kann. Er- 
fordern einzelne Stellen Vergoldung, so wird ent- 
weder heißer Leim, besser aber eine Wachsmasse in 



,^^tM*v^ *^^ <^W/'i^ 




Jl^i^UÜ - - •'C^//«. 




Grundriss der Scbenke zum Hos^nband. I. u. IT. Akt des FallstafT. 



heißflüssigem Zustande mit einem feinen Pinsel auf- 
getragen. Darauf wird nun Blattmetall fest auf- 
gedrückt, und wenn es genügend festsitzt, das über- 
schüssige mit Finger oder Bürste abgerieben. 

Qanz große Flächen, wie z. B. Lufthintergründe, 
bei welchen es darauf ankommt, die Farbe in sehr 
kurzer Zeit, da die Leimfarbe rasch trocknet, gleich- 
mäßig über die ganze Fläche zu verteilen', werden 
nicht mit dem Pinsel, sondern mit einer langgestiel- 
ten Bürste behandelt. Die Farbe wird dazu in allen 
nötigen Abstufungen in hölzernen Eimern gemischt. 
Ein Hintergrund des Berliner kgl. Opernhauses 
misst 222 Quadratmeter, und ist ein Maler allein 
nicht im stände, das Ganze zu bewältigen; es müssen 
mindestens zwei, besser noch drei zusammenar- 
beiten, um störende Fle- 
cken, Ansätze etc. zu ver- 
meiden und die Übergänge 
der verschiedenen Töne 
in einander weich zu ge- 
stalten und Wolken ins 
Nasse darein zu malen, 
denn ein Lufthintergrund 
von solchen Maßen muss 
in längstens einer Stunde 
fertig sein. 

Die Farben erschei- 
nen in nassem Zustande 
sehr viel dunkler, als sie 
später auftrocknen; man 
kann deshalb während des 
Trocknens kein Urteil 



'Sn^HÜ IntA/io 



darüber abgeben, ob die Farbe gleichmäßig auftrocknet. 
Ein nochmaliges Übergehen halb angetrockneter Stel- 
len ist ganz ausgeschlossen; man muss abwarten, wie 
die „Luft^ auftrocknet. Erst nach dem Trocknen 
können etwa sich ergebende Schäden oder Mängel 
beseitigt und verbessert werden. Viel ist aber keines- 
falls mehr zu machen; wenn eine Luft nicht das 
erste Mal gelungen ist, so wird sie bei noch so oftem 
Überarbeiten kaum viel besser. 

Sind die Dekorationsteile fertig gemalt, so 
haben sie noch verschiedene Prozeduren durchzu- 
machen. An allen Hängesachen, Hintergründen, 
Bögen, Decken etc. werden die äußeren Kanten mit 
Leinenband eingefasst, um das Einreißen zu ver- 
hüten. Die Ober- und Unterkanten werden 15 cm 
breit nach rückwärts umgenäht, und so eine Scheide, 
die sog. „Tasche'' gebildet, in welche starke Latten 
eingeschoben werden. An der Oberlatte werden auf 
der Bühne die Taue befestigt, die Unterlatte spannt 



NATUR UND KUNST. 



doreb ihr Gewicht die Leinwand ttnmm nkch 

Bei Bögen nnd Decken werden die sich durch 
die Zeichnung nach anten und innen ergebenden 
AnaUdongen anageschnitten, was besonden bei Watd- 
decken nnd B^en eine sehr mQhssnie Arbeit ist 
Diese ansgeachnittenen Leinwandteile wOrden sich 
aber im Hängen nielit so, wie sie am Boden gemalt 
sind, ansgeapannt frei tragen. Sie mOsaen dadarch 
nntoatOtxt werden, daae Ton der oberen festen Lein- 
wand ans schräg nach nnten aog. Laub- oder Netz- 
gase ge^Mnnt wird, aof welcher man die Ausladun- 
gen ansbreitet nnd festnäht Die Netzgaze ist aas 
feinem Lemoigain in etwa 3 cm weiten Haschen 
nach Art der Fiscbemetze geknBpft und dnnkelblan 
ge&rht, nm m^ichst onsichtbar zu bleiben. 

Die VenetzstSeke wandern nach Fertigstellung 
der Malerei in die inschlerwerkstätte, wo die Rah- 
men angefertigt werden, aaf welche man die Lein- 
wand spannt. MäBig vorspringende Ausladungen 
werden auf dünne Pappdbretter aufgezogen und mit 



der Schwaisige ausgeschnitten. Bei stark dorch- 
brochenen QebOsehen und Bäumen werden kompli- 
zirte täae AoaUdongen, denen mit Hob nicht bei- 
znkommen ist, mit Eisenblech ausgesteift, während 
durchbrochene Stellen im Inneren der Versetxst&eke 
durch ein Netz ans feinem Easmdrsfat untnsUttzt 
und TOn illckwärts mit Uehlkleister angeklebt werden. 

Besondere An%aben erwachsen dem Theater- 
maler in den Transparenten, welche zu den bdieb- 
ten Belenchtungseffekten dienen und trota ihrer sehr 
ein&chen Berstellungsweise dem Publikum meist 
mehr Eindruck machen, als die beatgemaltoi De- 
korationen. 

Die beigcfBgten lUnstiationen und Qmndrisse 
sollen anch im Bilde einen Einblick in die Arbdt»- 
Btätte des Theatermalera gewähren and den Unter- 
schied zwischen der früheren und der jetzigen Zeit 
darthon. Es wäre erwRuscht, wenn die Torstehai- 
den AosfQhnifagen dazu beitragen würden, den Sinn 
ftir die echte Kunst der Tbestermalerei zu heben. 



NATUR UND KUNST. 



ATURAM eipelhu fun», 
tarnen usque recarret, d. h. 
die Natnr kommt immer 
wiederzum Durchbruch, so 
sehr man sie aach zu ver- 
treiben sncht, diesen alten 
Spruch darf man füglich 
dtiren, wenn man das heu- 
tige Kansttreiben mit sei- 
nen rielfachen Experimen- 
ten betrachtet. Welch eine unendliche Folle von 
aufgesammeltem Material fiüherer Jahrhunderte haben 
bienenfleifiige Gelehrte und BnchhSndler seit der 
Erfindung der Photographie und der von ihr ab- 
hängen Techniken der Nachbildung Ober unser 
kunstgewerbliches und knnstindastrielles Zeitalter 
au^egossen und alle Lücken des Wissens in dieser 
Beziehung zugeschflttet, ja zum Überflüsse auf- 
gehäottl Und doch will der so lang ersehnte neue 
Stil des wandln ngsreichen Jahrhunderts nicht er- 
scheinen. Der Boden ist doch nun reichlich gedOngt, 
aber die erwartete Saat zeigt noch immer nicht die 
hundertfaltige Frucht, es wächst allerhand Unvor- 



heigesehenes. Unliebsames, ein krauses Durcheinan- 
der TOn'Qntf UittelmäBig und Schlecht, viel Unkraut, 
wenig Weizea So verschieden wie die Produkte 
sind auch die Strömungen unserer Zeit: die lauda- 
tores temporis acti, die Lobredoer der guten alten 
Zeit, weisen noch immer daraaf hin, wie herriieh 
weit es die Alten mit einer kärglichen Zahl von 
Torlagen brachten; die Freunde der kunstgewerb- 
lichen Zukunftsmusik dag^en verwerfen «lies Alte 
an d«n der Staub der Jahrhunderte haftet, schelten 
es die KKinderklapper, mit der man uns nicht mehr 
behelligen sollte", nnd was dergleichen mehr ist. 
Der eine sieht darin, dass die Alten immer be- 
stimmte Ponnen jahrelang variirteuj die Uraache, 
dass jeder auf kleinem Gebiete sehr handfertig und 
schließlich zum Meister wurde; der andere weist 
ans nicht mit Unrecht daratif hin, dass auch in 
alten Zeiten viel Schlechtes produzirt wurde, das 
aber längst verschwunden, und dass nur noch das 
Treffliche flbri^eblieben sei. 

Auch in unserer Zeit wird viel Gutes, ja Vor- 
zügliches geschaffen. Auch das Altertum hatte nur 
einen Homer, die Renaissance nur einen Michd- 



130 



NATUR UND KUNST. 



angelo; was wir in den glänzenden Gruppen früherer 
Zeit sehen, ist nur die Auslese, die durch schöpfe- 
rische Urkrafb aus der Finsternis der Vergangenheit 
noch hindurchleuchtet. In Wirklichkeit hoben sich 
damals diese sichtbar gebliebenen Lichter alter Kunst- 
Übung nur wenig von einer wahren Milchstraße von 
kleineren Individualitäten ab, die inzwischen Vater 
Sjronos längst wieder verspeist hat. Und soviel ist 
sicher, dass ein ungeborenes Auge dereinst, wenn 
es die Großen des 19. Jahrhunderts mit rückwärts- 
schauendem Blicke prüfen wird, ebenfalls nur die 
höchsten noch vom Licht des Ruhms erglänzenden 
Spitzen zählen wird, während es die Unzahl derer, 
die heute noch das licht des Tages sehen, alsdann 
nicht mehr, erblickt, weil sie hinter der unaufhalt- 
sam vorrückenden Zeitgrenze, die das Gestern von 
Heute scheidet, sich nach und nach verlieren und 
in das Nichts rascher ziuücksinken, dem auch 
schließlich ein Homer, ein Raffael, ein Mozart an- 
heimfaUen müssen. 

Die alten Vorlagen wollen wir ja doch nicht 
verachten. Sie sind die Konservenbüchsen, aus denen 
in sterilen Zeiten Nahrung geschöpft wird, bis die 
Kunst wieder im stände ist, sich von dem alten 
Beigeschmack, der jenen Proviantmitteln trotz ihres 
Nährwerts innewohnt, frei zu machen, und ihre 
Früchte vom Weltenbaume selbst brechen kann, um 
sie so frisch und saftig, wie sie sind, zu verspeisen. 
Wir, die wir Kinder der Natur sind, saugen nirgends 
bessere Nahrung, als an ihrer Brust, wo der kräf- 
tigste Stoff stets für uns bereit isL Freilich oft 
sehr kräftig: und wenn die Lebenslinie der Kunst 
statt aufzusteigen wieder fällt, schwindet oft den 
Individuen die Fähigkeit, die unmittelbare lautere 
Quelle der Natur zu erschließen; dann geht ihnen, 
was sie umgiebt, nicht mehr in Fleisch und Blut 
über, dann ist das, was die Natur bietet, zu kräftig 
für die geschwächten Organe. Dann bedarf es ver- 
dünnten Stoffes, dann kommen auf die Zeiten der 
Unmittelbarkeit, der Ursprüngliohkeit die der Nach- 
ahmung, der Reflexe. Dann wird nicht der Baum 
im Walde, sondern der gemalte im Bilde als höch- 
stes gepriesen; dann ahmt man nicht die Natur, 
sondern Kunst nach; dann weicht dem Stile die 
Manier, und statt künstlerischer Vollreife macht sich 
das Virtuosentum breit. 

Die ganze Kunstgeschichte sowohl wie der £nt- 
wickelungsgang jedes tüchtigen Künstlers beweist, 
dass die Beherrschung der Natur eine unsägUch 
mühevolle Arbeit voraussetzt, ohne die noch kein 
Kunstzeitalter herangeblüht, noch kein Meister sich 



bethätigt hat. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der 
schließlich das Genie die letzten Staffeln bis zum 
Gipfelpunkte erklimmt, ist schon das Produkt einer 
bedeutenden Anstrengung, die dem gewöhnlichen 
Beobachter selten deutlich wird. Man betrachte 
aber die Unablässigkeit, mit der ein Dürer sich 
beim Zeichnen, ein Michelangelo beim Meißeln, ein 
Rembrandt beim Radiren zeigt, so wird man er- 
kennen, dass es auch diesen Künstlern nicht leicht 
geworden ist, die Meisterschaft, die vor der Nach- 
welt besteht, zu erringen. Und auch sie müssen 
auf wohlvorbereiteten Boden treten, auch in ihnen 
lebt und wirkt noch die ganze Arbeit früherer Ge- 
schlechter, ohne die sie die Stufen bis zur Höhe 
niemals hätten erklimmen können. Denn in ihrer 
Jugend durcheilen sie in wenigen Jahren kraft der 
angeborenen, vererbten Fähigkeit mit großer Ge- 
schwindigkeit den langen, langsam aufsteigenden 
Weg, den die ganze Menschheit vor ihnen in Jahr- 
hunderten hat zurücklegen müssen. Die Quintessenz 
der Arbeit ihrer Vorfahren wird ihnen von Natur 
mitgegeben und unsichtbare angeborene Kräfte heben 
die Nachgeborenen bald auf die von der Menschheit 
errungene Höhe, von der aus sie weiter schreiten. 
Und das, was der Künstler alsdann in steter Arbeit 
der Natur abringt, kommt wieder der ganzen Mensch- 
heit zu gute; es strebt zum Ganzen, auch als Sonder- 
arbeit 

Aus diesem Grunde scheint es uns unrecht, die 
alten Vorbilder, das Erzeugnis der emsigen Arbeit 
der Vorfahren, gering zu schätzen. Freilich dem 
Werte der unmittelbaren Natur, die nicht erst durch 
das Medium eines menschlichen Sinnes und Herzens 
gegangen ist, sind sie nicht gleichzustellen. Aber 
mit der Natur wird nur der Kräftige fertig. Schon 
Dürer sagte, dass man die Kunst aus der Natur 
herausreißen müsse; aber ohne geschulte Kraft ist 
das Herausreißen eine schwierige Sache. An den 
alten Vorbildern, den Herbarien der Kunstgeschichte, 
schult sich am besten die unentwickelte Fähigkeit 
Wohl dem Zeitalter, in dem das natürliche Ver- 
langen, die Natur direkt anzupacken und aus ihr 
die Kunst herauszureißen, unbezwingUch erwacht: 
es ist ein Zeitalter der aufsteigenden Entwickelung, 
ein Zeitalter der Jugend, der gesunden Kraft 

Von diesem Gesichtspunkte aus begrüßen wir 
jede Bestrebung mit Freuden, die geeignet ist, den 
Kunstjünger aus dem Museum, der Schule, in der 
er der Erwerbung dar Technik obgelegen, hinaus- 
zufahren an den Born, der in der Natur unversieg- 
lich rinnt. Ein solches Bestreben zeigt sich in dem 



LS dem Werke: PtiuizenzeiohDQligeii von J. Stadffach&ii. I. Teil. Bie*Uu, C. T. Wiikott. (VerUeiliert.) 



132 



NATUR UND KUNST. 



Ton Martin Gerhch herwoBgegeheoen WeiiLe: Feetoiis 
und dekontire Grappen. *) Der Henumgeber hat sich 
sehon dareh einige auagezdclinete und rerdienter- 
maßen riel Terbreitete Werke am die Hebung des 
Gescbmaeki « die Förderung des Kunstgewerbes weit- 
hin bekannt gema^cht, wie die AUegorieen und Em- 
bleme, 6tuek*s Karten und Vignetten, die Pflanze 
in Kunst und Gewerbe, das Karismher Facherwerk. 
Er gab darin Phantasieschöpfnngen meist modemer 
begabter Künstler , von denen viel zu lernen war 
und gelernt worden ist. Was er nun in dem vor- 
liegenden Werke unternimmt, ist der Versuch, der 
Natur direkt zu Leibe zu gehen, sie nicht erst durch 
das Medium einer Kfinstlerseele gehen und ihr Licht 
dort brechen zu lassen. Freilich hat er sie auch nicht 
mafilos zusammengerafft: sein kQnstlerischer Sinn, 
der sich in der Anregung, Anordnung und Ausfbh- 
rang der eben genannten Werke schon vielfach be- 
thStigt hat, spricht in dem neuen Werke noch deut- 
licher. Er hat 9 wo er konnte, dem alten Wahr- 
sprache Dürers getreu, ein Stück Kunst aus der 
Natur unmittelbar herausgerissen. Zweige mit Blüten 
und Früchten, Blumen, Blatter und Banken, Schmet- 
terlinge, Vögel und Vierfftßler verschiedener Art hat 
er zu künstlerischen Ghruppen zusammengefügt und 
in Bezug auf Auswahl und Anordnung nur so viel 
gethan, als nötig ist, diese Naturelemente zu einem 
angenehm wirkenden Ganzen zu vereinen. Die Ein- 
zelheiten sprechen aber, durch die Photographie ver- 
vielfältigt, mit unmittelbarer Wahrhaftigkeit der 
Form zum Beschauer. Das Hauptgewicht ist dabei 
auf die Pflanze gelegt. „Die Pflanze in ihrer leben- 
digen Frische und natürlichen Erscheinung bildet 
das Thema des Werkes,'' sagt der Herausgeber. Er 
will es als eine Art Ergänzung zu dem großen 
Farbendmckwerk „Die Pflanze^ aufgefasst wissen 
und legt darin neues Material vor, sei es zu treuer 
Verwertung der natürlichen Form, sei es zu einer 
ornamentalen Stilisimng im Sinne jenes Werkes, 
oder zu selbständig neuer , dekorativer Erfindung. 
Das Inhaltsverzeichnis zählt 146 Blätter auf, von 
deren überreichem Material sich schwer eine Vor- 
stellung geben lässt. Das Titelblatt schon zeigt 
eine senkrechte und zwei wagerechte Leisten mit 
Nadelhölzern, Musikinstrumenten, Maske, Lorbeer, 
Kürbissen, Wein, Früchten, Vögeln. Das erste Blatt 
ist eine Komposition aus Nadelholzzweigen mit einem 



1) M, Q er lach: FestonB und dekorative Gruppen. 146 
Tafeln in Lichtdruck. Wien« Gerlach & Schenk; in Mappe 
M. 180.— 



toten Auerfaahn, Geweih, Jagdgeräien o. s. w. Das 
zweite Blatt dagegen bringt einige Lorbeercweig« 
in natürlicher Größe, scheinbar zufillig hingeworfen, 
in Wirklichkeit aber mit großer Kunst in dem vier- 
eckigen Baom (22 x 30 cm) veiteilL Weitere Blatter 
bringen Gruppen, emblematische Motive, Festons, 
Friese, Füllungen, Stillleben, Bankengewinde o- dergi. 
ans dem Terschiedenariägsten Material Alleriei de- 
koiatires Getier ist dazwischen bemerklich, Vögd 
so gut wie Wild, Fische, Krebse, Lurche, Muscheln, 
femer Instrumente, Gerate, Gefiße, Fächer, sogar 
Kruzifixe sind zur Erzielung bestimmter Wirkungen 
oftmals mit Hinblick auf einzelne Zweige mensch- 
licher Thätigkeit zusanomengesteUt. Eine sehr wir- 
kungsToUe Tafel f&hren wir in Abbildung den Leson 
▼or. Solcher Blatter nun enthält das Werk 122, als- 
dann folgt, ein glücklicher Gedanke, ein Zieialphabet, 
richtiger deren zwei, je zwei Buchstaben mit Blüten- 
zweigen und Früchten ähnlich ausgeziert, wie es der 
zu Anfang dieser Zeilen stehende (stark rerklein^te) 
Initial zeigt 

Die Ausstattung des Werkes ist wiederum, wie 
man dies bei den Gerlach'schen Werken gewohnt 
ist, vortrefflich. Die Lichtdrucke sind gleichmaßig 
klar bis in die Tiefen und ihre einzelnen Teile sind 
häufig, der besseren Gliederung wegen, durch leichte 
untergelegte Töne, bläulich, grünlich, gelblich, Ton 
einander geschieden. AJs Papier ist das sog. Pjra- 
midenkornpapier verwendet, das nicht den unange- 
nehmen Glanz des glatten Kartons hat Eine feste 
elegante Mappe, in der eine eigenartige Spannvor- 
richtung den ganzen Inhalt kräftig zusammenhält, 
umschließt die Tafeln. 

Wir mochten wünschen, dass das Werk recht 
vielfach benützt würde, und schließen uns der Em- 
pfehlung völlig an, die Dr. R. Graul dem Werke in 
einer Einleitung mitgegeben hat: 

„Der Umgang mit der Natur hat noch keinem 
geschadet, der den Funken künstlerischer Empfin- 
dung in sich spürt und den die Kraft beseelt, aus- 
zusprechen, was er in der Natur sehend empfand. 
Hat er Sinn für die Feinheit des Linienspiels in der 
Bewegung der belebten Pflanze, dann wird er, gerade 
je aufrichtiger sein Studium gewesen ist, je tiefer 
er in den Geist der Naturgestaltung eingedrungen 
ist, von selbst die Grenzen finden, innerhalb deren 
ihm die technischen Bedingungen seiner Kunst den 
mehr oder minder treuen Anschluss an das natür- 
liche Vorbild gestatten. Ausgehend von einer naiven 
Naturbetrachtung, die auch das Detail berücksich- 
tigt und acht hat auf die Kombinationen, die der 



J 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



133 



Pflanze nach dem Charakter ihrer Formengebung 
und ihres Wachstums mit anderen, natürlichen oder 
willkürlichen Dekorationsobjekten einzugehen ver- 
mag, wird der kunstgewerbliche Zeichner sich fern 
halten von nüchterner Kopie, und zu weit freierer 
Herrschaft über die dekorativen Mittel gelangen, 
als derjenige, dem die Rücksicht auf die Vorbilder- 
weit ausgelebter Stile die Unbefangenheit des Blickes 
für den dekorativen Reichtum der natürlichen Pflan- 
zenform getrübt hat.* 

Das praktische Beispiel für die theoretischen 
Bemerkungen zu Anfang dieser Zeilen bildet die 
Thätigkeit eines Mannes, der schon seit bald zwanzig 
Jahren seinen eigenen Weg verfolgt und durch 
Lehre in Wort und Vorbild manchem Kunstgewerbe- 
beflissenen die Wege gewiesen hai Es ist Jean 
Stauffacher, Lehrer an der Zeichenschule für Industrie 
und Oewerbe in St. Oallen, der sich durch meister- 
hafte „Studien und Kompositionen^ in dem gleich- 
namigen Tafelwerke weithin bekannt gemacht hat 
und heuer ein neues Werk, betitelt: „Pflanzenzeich- 
nungen* darbietet.^) Die Studien dieses neuen Wer- 
kes sind wie die des älteren FrQchte einer emsigen 
jahrelangen Arbeit, einer Unsumme sorgfaltigster 
Beobachtung der charakteristischen Formen und einer 
immer wiederholten Wiedergabe der Kinder Floras 
in den verschiedensten Gruppirungen. Und wie ein 



1) Pflanzenzeichnungen von J. Staufifacher. I. Teil. 40 
Tafeln in Lichtdruck. Breelau, C. T. Wiskott. 30 Mark. 



Geiger viele Saiten zerreißt, ehe er Meister wird, 
so muss auch der Dessinateur Berge von Studien 
aufhäufen, ehe seine Leistungen die vollendete An- 
mut der natürlichen Formen annehmen. Der Zeich- 
ner muss die Formen einzeln beherrschen, wie der 
Sprachkenner die Vokabeln; ohne unablässiges Aus- 
wendiglernen geht es dabei gar nicht ab. In dem 
Vorwort zu den Pflanzenzeichnungen weist Stauf- 
facher auf die treffenden Bemerkungen hin, die M. 
Quost 1891 in der «Gaz. des B.-Arts'' über die Blu- 
menmalerei äußerte. Sie ist — sagt der genannte 
Autor — durchaus nicht ein Zeitvertreib fttr Mäd- 
chen und Frauen . . ., sondern das Werk rüstiger 
und ausdauernder Arbeiter. Quost meint, das Eom- 
poniren von Gemälden, Mustern und Dekorationen 
sei eigentlich nur ein fröhlich fließendes, graziöses 
Erzählen dessen, was wir in mühevollen Jahren 
durch gewissenhaftes Beobachten und unermüdliches 
Nachzeichnen imserem Gedächtnisse an Formen, Pro- 
portionen, Farben und Stinmiungen eingeprägt haben. 
Das Gerlach'sche Werk sowohl wie die aus 
einer bunt wechselnden Fülle prächtiger Naturstudien 
und eigenartiger Stilisirungen bestehende Stauffacher- 
sehe Mappe sind sehr empfehlenswert: aber nicht 
der bloße Ankauf ist es, den wir empfehlen wollen. 
Wer nicht mit dem Stift oder dem Pinsel in der 
Hand darüber Herr zu werden sucht, fttr den wür- 
den in den meisten Fällen diese wie andere gute 
Werke ein totes Kapital, ein brachliegender Boden 
sein. ARTUR SEEMANN. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



AUSSTELLUNGEN. 

ßrüsseL Historiscke Spitxcnatisstellung» Die Ausstel- 
lung war von der societö d'archeologie in den Monaten 
Januar und Februar veranstaltet worden. Die äußerst ge- 
schmackvolle Vorführung einer großen Zahl hervorragender 
Stücke machte das alte Hotel Ravestein zum Sammelpunkte 
aller Bevölkerungsschichten des Landes. Da die Spitzen- 
manufaktur seit Jahrhunderten die wichtigste Industrie des 
Landes ist, so dürfte sich nirgends so viel Verständnis und 
Teilnahme hierfür finden, als gerade in Belgien. Eine eini- 
germaßen umfassende Orientirung, beziehentlich die LOsung 
vieler die Geschichte und Provenienz der Spitzen betreifenden 
Fragen konnte die Ausstellung jedoch nicht geben. Das Mate- 
rial an Spitzen war unvollständig, die Organisation der Aus- 
stellung, welche neben den Spitzen selbst die für eine histo- 
rische Ausstellung dieser Art unentbehrlichen Hilfsmittel an 



Spitzenbüchem, an Bildnissen und Litteratur geben muss, 
nicht ausreichend. Da im wesentlichen nur Brüsseler Spitzen 
aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts ausgestellt waren, 
so war nicht einmal ein Bild Über die Entwickelung der 
belgischen Spitze zu gewinnen. Die Erzeugnisse von ca. 1750 
sind zudem zwar in technischer Hinsicht hervorragend, nicht 
aber in künstlerischer vorbildlich. Da sich die alten Fami- 
lien des Landes, sowie die reichen Kirchen und Klöster bei 
der Ausstellung nur ganz vereinzelt beteiligt hatten, so ist 
kein Zweifel, dass Brüssel eine weit umfassendere Ausstel- 
lung hätte machen können. Eine technisch und historisch 
geschulte Kraft scheint bei der Zusammenbringung und Or- 
ganisation der Ausstellung gefehlt zu haben. Die Veran- 
staltung im Hotel Ravestein machte den Eindruck einer von 
kauftnänniBcher Hand sehr geschickt hergerichteten Schau- 
stellung. Eine historische Spitzenausstellung bleibt uns das 
Spitzenland par excellence also noch schuldig. u. 



134 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Leipzig» Über die Fachaussiellung der Leipziger Buch- 
binderinnung, die vom 5. bis 12. Augast d. J. im Leipziger 
KiystaUpalast stattfinden soll, hat KOnig Albert von Sachsen 
das Protektorat übernommen. Wie das Bachbindergewerbe 
selbst, so hat sich in Deutschland die Fabrikation von Hil£B- 
maschinen ftir die Buchbinderei großartig entwickelt Diese 
werden, mit den für das Gewerbe geschaffenen elektrischen, 
Gas- und Petroleammotoren verschiedenster Konstruktion 
vereint, in einer solch hervorragenden Weise vertreten sein, 
dass sie allein eine Spezialausstellung bilden. Hieran reihen 
sich die verschiedensten Werkzeuge von Holz and Metall, 
vom einfachsten Handwerkszeug bis zu den kunstvollsten 
Gravuren zum Prfigen, Vergolden und Bedrucken der Buch- 
decken. Aber auch die vielfachen Übrigen Materialien zur 
Herstellung der Bucheinbände: Leder, Sammet, Seide, Lein- 
wand, Galico, Bunt- und Luzuspapier, Blattgold, Leim, son- 
stige Klebstoffe, Band, Leinenzwim, Heftdraht, kommen bei 
der Ausstellung in Betracht, femer die so unendlich mannig- 
faltigen Gruppen der Gegenstände des Papier- und Schreib- 
warenhandels, dessen Betrieb von alters her in den H&nden 
der Buchbinder liegt. 

Die Kunstgtwerheauastelltmg in der New Qallery in 
London, Gegenwärtig ist eine hOchst eigentümliche, vielleicht 
noch nie dagewesene Erscheinung in England und Frankreich 
bemerkbar. Die Kritik in der Tages- und Fachpresse beider 
L&nder lobt nicht etwa als Vorbild die Kunstindustrie des 
eigenen, sondern umgekehrt und wechselseitig, die des an- 
deren Landes. So setzt Frankreich seine Hoffnung auf eine 
thatsfichlich originelle Erneuerung der französischen Kunst- 
industrie in das enge Anschliefien an dasjenige, was zur Zeit 
auf diesem Gebiet in England geschieht Daselbst zeige sich 
der zuerst verspottete Einflnss der Präraphaeliten immer sieg- 
reicher, nicht nur in Kunst und Litteratur, sondern auch in 
der Industrie. William Morris, Bume Jones, Walter Grane 
und der unl&ngst verstorbene Albert Moore seien maBgebend 
in ihrem Einfluss auf die gesamte Ästhetik der Dekoration 
und Wohnangseinrichtung. Diese sei durchdrungen von Ge- 
schmack, Farbenharmonie^ omamentalen Motiven von über- 
raschender Originalität und einem Anklang, der das Alter- 
tümliche mit einem ausgesprochenen GefQhl fILr das Modeme 
verbindet „Die ganze englische Konstindustrie", so sagt die 
französische Kritik, „wurde auf diese Weise verjüngt.*' Die 
Franzosen loben sogar die englische Buchdrackerkunst, welche 
durch Zusammenwirken kunstvoll ausgeftihrter Buchstaben, 
durch eine neue Art Seitenbezeichnung und phantasievolle 
Gestaltung des Einbandes eine neue Kunst der Buchherstel- 
lung gestalte, während Frankreich sich darin abarbeitet, 
den Eindrack alter Ausgaben hervorzurufen, und die Werke 
neuer Schriftsteller mit altertümlichen Lettern drackt. Um- 
gekehrt sagen die Engländer: weil in Paris Künstler das- 
jenige machen, was man anderswo Handwerkern überlässt^ 
ist Paris der bedeutendste Markt für kunstgewerbliche Gegen- 
stände geworden. Wer auf diesem Gebiete etwas Gates und 
Originelles zu schaffen versteht, hat keinen Grand zur Klage, 
dass seine Kunst nach Brot gehen muss. Für gute Sachen, 
mOgen sie noch so teuer sein, sind in Paris immer Käufer 
vorhanden. Die Soci^t^ des Beaux-Arts, die Veranstalterin 
des exklusiven Salon du Champ de Mars, hat mit allen Vor- 
urteilen gebrochen, als sie „objets d*art'', kunstgewerbliche 
Gegenstände, Kunstwerken vOllig gleichstellte. Ein Tisch, 
eine Vase, eine Lampe können nicht nur ausgestellt werden, 
sondern ihrem Aussteller auch die höchste künstlerische Aus- 
zeichnung, die es in Paris giebt, die Mitgliedschaft der Ge- 
sellschaft mit dem Titel „Societär*' eintragen. -— In Bezug auf 
die Ausstellung in der New Gallery muss konstatirt werden, 



dass sich viele ausgezeichnete Arbeiten daselbst befinden, 
aber im ganzen macht es den Eindrack, als ob keine neuen 
Ideen und kein rechter Fortschritt bemerkbar seL Höchste 
technische Geschicklichkeit ist wohl vorhanden, jedoch ab- 
gesehen von den Werken der bereits genannten ersten eng- 
lischen Künstler ist nicht viel Eigenuiiges vorhanden. Ja 
der ganze Genius und Hauch der Ausstellung ist merkwür- 
diger Weise gar nicht englisch und männlich, sondern weib- 
lich im allgemeinen, d. h. berechnet zur ErftUlung des weib- 
lichen Luxus. Nächstdem bleibt die Nachahmung des 
Mittelalters der schwächste Punkt — Das Hauptstfick in 
der Ausstellung bleibt jedenfalls der Arras-Gobelin, von Bume 
Jones gezeichnet und von Morris ausgeführt, die größte Ar- 
beit, welche beide bisher gemeinschaftlich unternommen 
haben. Das Siiget bildet eine Serie von Bildern aus der 
Graals-Sage. Walter Grane ist mit Kartons, die Jahreszeiten 
darstellend, vertreten, welche ab Muster für die Tapeten 
eines Schulzimmers bestimmt sind. Von Bossetti befindet 
sich eine Zeichnung aus dem Jähre 1862 hier ausgestellt, die 
Geschichte des h. Georg, welche als Vorbild für Glasmalerei 
dienen soll. Die Präraphaeliten beherrschen vollständig die 
Situation. Bume Jones gilt als der Reformator in der Be- 
handlung der Malerei der Kirchenfenster. In unzähligen 
Kirchen und Kapellen Englands ist sein Einfiuss bemerkbar. 
In der Gentralhalle sind die von B. Richmond gezeichneten 
Kartons, die für die St Paurs-Kathedrale in Mosaik ausge- 
führt werden sollen. Alma Tadema hat die Zeichnung für 
einen Atelierstahl geliefert Einzelne Arbeiten in Metall, 
Email und Holz verdienen lobend anerkannt zu werden. Im 
Südsaal sind die Bücher ausgestellt, meistens durch einen 
Künstler illnstrirt, durch einen andern Künstler gedrackt und 
durch einen dritten gebunden. Aber der geringste Preis für 
ein solches Buch beträgt 63 M.! So prachtvoll diese Werke 
sind, so liegt doch eine gewisse Atmosphäre der Unwahr- 
scheinlichkeit um sie heram. Als Hauptillustrator beg^nen 
wir hier abermals Bume Jones in den Werken: „The Re- 
cuyell of Troye", „The Golden Legend" und „The Order of 
Chirvaly" nach Caxton. Schliefilich muss bemerkt werden, 
dass die meisten Gegenstände auf der Ausstellung so teuer 
sind, dass nur die reichsten Leute sie erwerben können. 
Außerdem wiederholen sich für di^enigen Arbeiten, die 
wirklich eine hervorragende Originalleistung bekunden, stets 
dieselben wenigen, bereits anerkennend erwähnten Namen. 
Dies ist das charakteristische Merkmal in der gesamten 
Industrie Englands, namentlich im Gegensatz zu Frankreich, 
woselbst zahlreiche Künstler mit dem Kunstgewerbe und 
den breiten Schichten eines verständnisvollen Publikums in 
gegenseitiger, dauernder Wechselwirkung stehen. i 

VEREINE. 

-u- Berlin* In der Sitzung des Vereins für deutsches 
Kunstgewerbe am Mittwoch den 14. März wurde zunächst 
das E^ebnis der Monatskonkurrenz für Entwürfe zu einem 
Holzpostament bekannt gemacht Es erhielten: den 1. Preis 
(80 M.) Zeichner Emil Rockstroh, den 2. Preis (60 M.) Zeich- 
ner Eduard Liesen, den 3. Preis (40 M.) Zeichner R. Wis- 
niewski. Mit ehrenvoller Erwähnung wurden außer den 
beiden ersten Siegem bedacht: Architekt Rob. Rittmeyer, 
Zeichner Friedr. Leuning, Zeichner Herm. Groth, Zeichner 
Heinr. Bendixen. Zur Diskussion stand ein vom Hofkunst- 
schlosser Paul Markus im Namen von 15 Yereinsmitgliedem 
eingebrachter Antrag: Der Verein möge in geeigneter Weise 
energische Schritte gegen die drohende Beschränkung des 
gewerblichen Sonntagsunterrichts thun. Ho^gpraveur R. Otto 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



135 



schlug folgende Resolation vor, welche von der Versamm- 
lung einstimmig angenommen wurde: „Der Verein Ar deut- 
sches Kunstgewerbe in Berlin sieht in dem gewerblichen 
Zeichen-, Mal-, Modellir- und Fachunterricht, der in Berlin 
seit vielen Jahren am Sonntag ftr Lehrlinge, Qehilfen und 
Meister besteht, das wesentlichste Hilfsmittel f&r das schwer 
kämpfende Handwerk und für die Kunstindustrie. Diesem 
Unterricht verdanken viele Mitglieder und ihre Mitarbeiter 
das Wissen und Können, welches sie bef&higt, sich in dem 
Wettbewerb des In- und Auslandes zu behaupten. Da sich 
zur Zeit ein Ersatz f&r diesen Sonntagsunterricht nicht schaffen 
l&sst, so würde der Verein in der Beschränkung dieses un- 
entbehrlichen Bildungsmittels eine schwere und nachhaltige 
Schädigung des Handwerkes und besonders des Kunstgewer- 
bes erblicken. Er hofft, dass es den maSgebenden Stellen 
gelingen werde, den gewerbliche^ Sonntagsunterricht in dem 
bisherigen Umfang zu erhalten, und beauftragt den Vorstand, 
in diesem Sinne geeignete Schritte zu thnn". Die Tagesord- 
nung bildete ein Fachabend für Juweliere und Ooldschmiede, 
HoQuwelier Egon Friedeberg sprach über Edelsteine und 
Perlen und führte die verschiedenen Arten der Juwelen an 
einer reichen Sammlung gefasster Stücke vor, welche die 
Gebr. Friedländer ausgestellt hatten. Über die Technik der 
Goldschmiedekunst sprach Goldschmied Louis Schluttig. Aufier 
zahlreichen Schmucksachen waren Silberarbeiten der Gise- 
leure Gustav Lind und Otto Bohloff ausgestellt 

M. Mngdeburg* Kunstgewerheverein, Am 23. Februar 
hielt Direktor F. Moser der Kunstgewerbe- und £[andwerker- 
schule zu Magdeburg einen Öffentlichen Vortrag über „Die 
vervielfältigenden Künste als FGrderungsmittel des Kunst- 
gewerbes". Der Vortragende betonte einleitend die Wich- 
tigkeit der reproduzirenden Techniken für die Forderung des 
Kunstgewerbes neben den beiden anderen bedeutenden Fak- 
toren, den Museen und kunstgewerblichen Schulen und wies 
darauf hin, dass die kunstgewerblichen Publikationen den 
Vorzug hätten, nicht an große Städte gebunden zu sein, 
sondern überall hin ihren nicht zu unterschätzenden Einfluss 
auf die Geschmacksbildung ausüben zu kOnnen. Redner ge- 
dachte sodann der Omamentstiche, der Vorlagenwerke des 
17. und 18. Jahrhunderts und der kunstgewerblichen Litte- 
ratur, wie sie sich seit den sechziger J^ren unseres Jahr- 
hunderts auch in Deutschland entwickelt habe. Heute stehe 
dieselbe auf dem Standpunkte, dass sie sich hinsichtlich 
des Lihalts wie der Reproduktion mit den Erzeugnissen 
Frankreichs und Englands messen kOnne. Auf gleicher Stufe 
ständen auch die kunstgewerblichen Zeitschriften, welche 
jetzt in vortrefflicher Wiedergabe Mustergültiges aus dem 
Gebiete des Kunstgewerbes veranschaulichen, wovon die Mit- 
glieder des Kunstgewerbevereins allmonatlich bei der Be- 
trachtung ihrer Vereinszeitschrift, des „Kunstgewerbeblattes*', 
sich Überzeugen konnten. Sodann führte der Vortragende 
den Charakter und die Technik der einzelnen Verfahren an 
der Hand von Druckplatten und Abdrücken, welche zum 
Teil von der £. A. Seemännischen Verlagsbuchhandlung zur 
Verfügung gestellt waren, vor. In der Gruppe des Tief- 
drucks wurden Kupferstich, Badirung, Punktir-, Schab- und 
Aqnatintamanier, farbiger Kupferstich, Stahlstich, dann die 
Photogravüre und der Naturselbstdruck, sowie einige andere 
weniger gebräuchliche Techniken besprochen; in der Abtei- 
lung des Hochdrucks wurden die Holzschneidekunst, Zink- 
hochätzung, Autotypie und verwandte Verfahren vor Augen 
geführt; in der dritten Gruppe, der des chemischen Druck- 
verflEihrens, endlich wurde aller Manieren der Lithographie 
und des Lichtdrucks gedacht Zum Schlüsse betonte Redner, 
dass die guten alten Künste des Kupferstechens und Holz- 



schneidens mehr und mehr auf das ihnen kaum zu raubende 
Gebiet der hohen Kunst beschränkt würden» weil sie für 
unsere raschlebige Zeit zu langsam und zu teuer arbeiteten, 
schilderte den mächtigen Einfluss der Photographie auf alle 
vervielfältigenden Künste, welche dadurch freilich zu Tech- 
niken herabsänken, und hob die Wichtigkeit der Vermittler- 
rolle der Reproduktions verfahren zwischen Künstler, Hand- 
werker und Publikum ganz besonders hervor. 

VOM KUNSTMARKT. 

Köln o. Bh. Vom 16. bis 20. April 1894 kommt 
durch J. M, Heberle (EL Lempertz Söhne) die reichhaltige 
Kunstsammlung aus dem Nachlasse des Kunsthändlers B. Giers- 
berg zur Versteigerung. Dieselbe enthält Töpfereien, Fay- 
encen, europäische und orientalische Porzellane, Arbeiten 
in Glas, Elfenbein, Email, Stein, Perlmutter und Wachs; 
Arbeiten in Gold und Silber, in Bronze, Kupfer, Messing, 
Eisen und Zinn; Textilarbeiten, Arbeiten in Holz, Möbel, 
Gemälde, Miniaturen und Kupferstiche. Der ülustrirte Ka- 
talog ist soeben erschienen und wird auf Wunsch von ge- 
nannter Firma kostenfrei zugesandt 

ZU UNSEREN BILDERN. 
Amerikanisehes SQber. 

Die Qorham Company in Providenee, R, L 

Die auf Seite 113 abgebildete Kolumbusstatne ist von 
dem französischen Bildhauer Bartholdi entworfen und mo- 
dellirt. Sie ist die größte Figur, die jemals in Silber ge- 
gossen ist; sie ist etwas über Lebensgröfie, reichlich 6 Fuß 
hoch, und steht auf einem 6 Zoll hohen silbernen Sockel. 
Dreißigtausend Unzen Sterling Silber, d. h. *^/iooo l'oil® f<din> 
sind zum Guss verwendet worden. Die Fabrik legte bei der 
Herstellung hauptsächlich Gewicht auf tadellosen Guss, ohne 
Nachhilfe des Ciseleurs, und hat in dieser Richtung Vollende- 
tes geleistet Die Kunstfertigkeit des Modelleurs sowohl, als 
die des Gießers sind zu bewundern. Der Preis für dieses 
Kunstwerk beträgt 50000 Dollars. 

Ein weiteres bedeutsames Stück ist das auf S. 116 
abgebildete Tafelservice, aus '64 verschiedenen Stücken be- 
stehend. Aufier einem darin enthaltenen kompletten Thee- 
service gehören dazu vier Braten-, zwei Suppen-, zwei Salat-, 
sechs Aufschnittschüsseln, zwei Saucieren, zwei Weinkühler, 
zwei Wasserkrüge, vier Kandelaber, eine Jardiniere, eine 
Bowle, ein Brotkorb und andere größere und kleinere Ge- 
schirre mehr. Sämtliche Gegenstände zeigen das gleiche 
Muster und zwar eine reiche Komposition wilder Rosen, 
deren Stengel, Blätter, Knospen und Blüten die ganzen Flä- 
chen bedecken und in meisterhafter Weise getrieben und 
ciselirt sind. Die Bewegungen der Zeichnung, die Formen 
der Blüten und Blätter wiederholen sich in keinem Stück, 
behalten aber den Charakter der wilden Rose; nur der Fuß 
der einzelnen Gegenstände ist einheitlich gehalten, so dass 
hierin sofort die Zusammengehörigkeit des Ganzen erkannt 
werden kann. — Ein Prunkstück derselben Gesellschaft ist das 
Altarkreuz, abgebildet auf Seite 115; es ist eins der schönsten 
Stücke in der Ausstellung der Kirchengeräte. Zeichnung wie 
Ausführung desselben sind ganz ohne Rücksicht auf die 
Kosten, nur um die Leistungsfähigkeit der Gorham Com- 
pany zu beweisen, gemacht Das ganze Kreuz ist mit dem 
Sockel 42 Zoll hoch; der Hauptteil besteht aus Bronze, ist 
mit Feingold plattirt, mit vielfarbiger Emaille geschmückt 
und mit BergkryRtall, Amethisten, Karfunkeln, Topasen, Gra- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Daten und polirtem Mklaehit beaetzt. Die Batäa hat die 
Form eioes halben Dekagon und zeigt anf der mittleren 
Torderfl&cbe das Lamm Gottes in bunter Emaille, welche 
in ihrem Farbenreichtum fast den Eindrack von Mosaik 
macht. Das Kreaz dee Lammes ist mit BergkrjBtall and 
Karfunkelatein ansgefaMt und darüber stehen die Worte: 
„Oloria in Eicelais". Zwei Flfichen in beiden Seiten des 
„Agnus Dei" tragen die InscbrifteD Alpha und Omega und 
Bind mit polirtem Achat und Malachit gescbmückt. Die 
ganze Basis ist meisterhafl ausgefQhit and das reichlich Ter- 
wendete Qold gilt als Sinnbild der Reinheit. Über dem 
Sockel am Fuß des Kreuze* erhebt sieh zu jeder Seite eine 
Figur aus oiydirtem Silber: die Jungfrau Haria und Johannes. 
In deren Mitte steigt das Kreuz empor in herrlichen Farben- 
eSekten durch da« verwendete Gold und die vielfarbigen 
Steine. An den HuBersten Enden dei Kreuzes sind die Em- 
bleme der vier Evangelisten angebracht, ebenso wie das 
Lamm in farbiger Emaille ansgefllhrt und die Ecken ab- 
wechselnd mit Kristall and Karfunkeln besetzt. Die Pig^r 
des Erlösers ist wiederum aus oxydirtem Silber; an den 
H&ndeo und FOBen sind fflnf hängende Karfankel ange- 
bracht, welche Blutstropfen darstellen. Cber dem Kopf auf 
einer kleinen Rolle stehen die Buchstaben J.N.R.J. Das 
Kreuz selbst ist in schönster kfins tierisch er ÄuafDhrang reich 
mit Krystallen und Edelsteinen besetzt. 

BERICHTIGUNG. 

Der Verfasser des Aufsatzes über Flaggen und Fahnen, 
im letzten Hefte des Kunstgewerbeblattes, HerrEd.Lor. Hejer, 
ist infolge eines Satzfehlers als Dr. Ed. Mayer angegeben. 
Die auf S. 101 Sp. 2 Zeile 1 u. 2 angefahrte Bemerkung, 
dam die Abbildung noch einer Skizze des Herrn Prof. Ad. 



Hildebrandt angefertigt sei, ist dabin zu berichtigeD, dati 
die im Text abgedruckte Fahnenabbildung von Herrn Ed. 
Lor. Mejer selbst entworfen und ausgeführt wurde. Die er- 
w&bnte Skizze des Herrn Prof. Hildebrandt ist der Verlags- 
buchhandlung nicht zugegangen. 

ZEITSCHRIFTEN. 
BnchgewerbeblatL 1898/94. Heft 11/12. 

kpfaiCft. Von G. Kann. — Aintlicha ODticbten aiu der 
._-i_B._, — _.„^ n._n. "- — «, er (t, ~ Elektrische 

Jm KftrteDScbaeid«n 

iDilLslBt KrelsscDerc. — Zur tieschichte der BücbanuistBltanK. 
Mltteilnngfln des k, k. ÖBtcrrelcUMhen Hnsenins für 
Kunst and InduHtrie. 1894, H«ft 8. 

Die Entwlckelnns der Uedkllle. Ton J. v. Schlosser. — Der 

HeliMr jer Eraterogrspbie. Von F. Ritter. 
L«lprlgerKoiiat«BchrinfBrTextill]idnBtri<>. 1894. Heftl. 

Der Bimet^llsmDB und die Banimrollindiistrie in England, 
Spreohiul. 1894. Nr. 8-11. 

Die Herstellong sflb^rhsltiser LBster *nr_GIu. Von Dr. R^^Zsi 

lunass dar Za 

;e pbysiksUiolui Elgi 

edlennng der OasnotoreD. - 



tlon. — E „ „ . „ _ 

einige pbysiksUielifl Elgenscbsftan dersalben. Von Dr. H. Hecl 
— Bedienung der OasnotoreD. — AbindemDg der Patentgsael 
gebDDg In lM«rieieb-Cngani. — Einige Beobachtungen ml< «im 



— Ein neaei Pressglss. 
Zeltsehrift d« BftjcrtsDheB KunstgeTrerbeTerelna. 1894. 
Uett 2 D. r 



md Deatechland. 
in Prof. I)r P. F. 
- Ferdinand Barth. Von P. F. Krell. - KunalBewerb- 
~ r Weluasslelinng in Chicago. Von L. Omelin. — 



Singhaleilacl 

Keitsehrift fOr iBnendekoraüoB. 1894. tieft 8. 

Die Bedantnng der dekorativen Haleni der Fläoha im 
Von O. Sobalza. — Die uisamslerel anf der Wtltauui 
In Cbicago. Von L. Wksecxek. — Harmonie von 8<olT( 
Hobeln im modamen bürgerlichen ZimmeT, Vos J Wats 




Silberner StockgrllT: SDXgerübrt von N. ThCbner in Huidelbere 



Herausgeber: Arthur Pabsl in KCIn. — FQr die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipzig. 
Dmck von August Pries in Leipzig. 



.■1 
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Stuttgart. 

H. (i. (jntekunst'ü Kunst-Auktion ür. 46. 

Am '^3. April und fT. Tage VerateigeruDg einer reichen SammluDg 
von Kapftrsticlieii, Radinu^eD, HolEsebiiltKii nid ZelcbDun^n alter 
and neaer Meister aus dem Besit?ie eines BDddeutschen Kunnt freundes, 
dabei viele kostbare und seltene Blätter von Altdorfe r , DB^CFf 
LncmB von Lejden, Ralmondi, Rembrsndt, Bidlnser, 
Liod. TOM Sieben, üSchoncaner etc. und eine reiche AusTkabl 
von Blättern der englischeu und tranzösiachen Schale des 18, Jahrhun- 
derta, ca. 220U Kuramer.i. 



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Laabs«Ka-Arbeltaii.abgabn>ch. MöbdteUa, set- 
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UBd Tuaeu. Liiiii«nglocken,V.BenjNtppMcbMl 
no. Za hkben &■ FiMchra mit llat.llkftpMl 
nebit Plnial fc IM Pf. in den meiatMi Droieu-, 
3otarBibMt«rl.l- nud Gkluitui.wkTao-HMid). 
ftllerorta oder dliakt 4 PUMbam Ilr > Ku-k 

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Oegrllndet 1878. 



J 






Bewerbungsausschreiben betreffend« 

Im Anschlösse an das Bewerbun^ausschreiben des akademischen Rates 
vom 16. Dezember v. J., Wandgemälda für die Aula der teolmisaheii Staats- 
lehranstalten in Chemnitz betreuend, wird hierdurch bekannt gegeben, dass 
beschloasen worden ist, die Maße der Bewerbungsentwürfe von Vio 
auf Vs der natürlichen GrOße zu erhöhen, demnach auf 42 cm Breite und 
50 cm Höhe für die Skizzen zu den beiden Gemälden für die Langwand und 
für die eine Schmalseite und auf 42 cm Breite und 40 cm üöhe für die 
Skizzen zu dem Gemälde für die andere Schmalseite (Kathederwand]. 

Dresden, den 19. März 1894. 

[809] , Der akademtsche Hat* 



Königliche Akademie der Künste zu Berlin, 

Die Wettbewerbe um den großen Staatspreis finden im Jahre 1S04 
auf den Gebieten der Bildhaaerei und der Architektur statt 

Ausführliche Programme, welche die Bedingungen der Zulassung zu 
dicBen Wettbewerben enthalten, können von der unterzeichneten Akademie 
der Künste, dem hiesigen Küostlerverein, sowie von den Kunstakademieen 
zu Dreaiteii, Diiaseldorf, Karlsrahe, Kasael, Kdnio^bferg i. Pr., MUnehen und 
Wien, den Kunstschulen zu Stuttgart und Weimar, dem Staedel'schen Kunst- 
institut zu Franl(furt a, M., endlich auch von den Technischen Hochschulen 
Deutschlands bezogen werden. 

Berlin, den 23. Oktober 1893. 

Der Senat der Königlichen Akademie der Kflnste, 
Sektion für die bildenden Künste. 



C Becker. 



1810] 






Verlag yoii E. A, SEEMANN in Leipzi 

Kunsthlstoriselie Bilderbogen 

Hand ausgrabe I. Cyklus 

I. u. IL Abteilunff ä M. 2.5U, (gebrochen) ^eb. M. 3.50. — 
III. u. IV. Abt. ä 3 M., geb. 4 M., zusammen m einen Band flaoh 
geb. 15 M,, in Halbfr. 16 M.; — ferner zu eingehenderem Studium: 

IL Cyklus: Erganzungs tafeln. 

I. Altertum: 17 schwarze und 7 polychrome Tafehi 5 M. 
U. Mittelalter: 15 schwarze und 3 polychrome Tafeln 2 M. 
III. N&iizelt: 53 schwarze und 13 polychrome Tafeln 5 M. 

Der XL Cykliui (ErgänzuoQstafeln) kostet in zwei Bände gebrochen 
oder in einen Band flach geb. 15 M., in Halbfranz flach geb. 1(3 M. 




Zur Handausgabe d^r „KDRStbUtorltohen Bilderbogen'* gehören als 
Textbuch die 

Grundzüge der Kunstgeschichte 

von Anton HprLuei*« Dritte vermehrte und verbesserte Auf- 
lage. Brosch. 5 M., geb. in Leinwand 6 M., in Halbfranzband 7 M. — 









Jaceb Barekhardt's 

Cicerone. 

= 6. Auflage. = 

Auf verschiedentlich geäußerten 
Wunsch habe ich mich veranlasst 
gesehen, das alphabetisch nach 
Städten geordnete, eine bequeme 
Übersicht bietende 

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zum 2. Teile, Mittelalter und Neue 
Kunst, des , Cicerone* auch 

mit Papier dnrchscliossen 

herstellen zu lassen. 

Der Preis eines .durchschossenen 
Exemplars des Registers ist 4 Mk., 
der Preis des ganzen Werkes er- 
höht sich bei durchschossenem 
Register um 1 Mk., also geb. von 
16 auf 17 Mark. 

Das Register ist bei dieser neuen 
Auflage mit den zur Orientirung 
in Museen, Kirchen und Kunst- 
sammlungen größeren Umfanges 
nötigen Vermerken versehen und 
kann als bequemer Führer in der 
Brusttasche mitgeführt werden. 

E. A. Seemanii in Leipdg. 



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Zu dem am 1. Oktober 1893 abgeschlossenen Jahrgang der ^Zeitschrift Itx bildende 
KnilSt und des KlUlStfleWerbeblattes" hat die unterzeichnete Yerlagshandlung neue ge- 
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MODERNE KUNST 
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 

EIHDROCKE von einem BESÖCBE der WELTAUSSTELLUNG ZU CHICAGO. 

VON WILHELM BODE. 

n. Die Arohitektur und das EanBthandwark. >) 

(Forteetseang und Schlara.) 



lES sind die unscbätzbaren 
Vorteile, welche daa Kunst- 
handwerk iu den VereiDig- 
ten Staaten vor uns voraus 
hat und die ihm einea Vor- 
spniQg gaben, der nar sehr 
schwer einzuholen ist; denn 
nationale Eigenart und na- 
tionale Gewohnheiten, die die notwendige Grund- 
lage sind , können sich nur langsam ausbilden, 
wenn sie überhaupt klar zum Ausdruck kommen. 
Die jetzige rasche und zum Teil schon so glänzende 
EntwickeluDg beruht aber noch auf verschiedenen 
wichtigen Faktoren. So auf dem Umstände, dass 
das riesige Territorium , einschließlich der Haupt- 
städte Canadas, fast die gleichen AnsprQche und Be- 
dQrfnisse hat und von dem Ö&tlichen Kunstcenlrum 
seine ganzen Kunstprodukte bezieht. Von gUnstiger 
Einwirkung ist auch, was auf den ersten Blick wohl 



t) Nr. I Malerei and Plastik < 
Konrt N. F. V. Heft 8 u. 7. 

KuD8tg«wsrbeblatt. N. F. T. U. 8. 



.. Zeitschrift filr bild. 



als ein Nachteil angesehen wird, die echt ameri- 
kanische Concentration gewisser Zweige des Kunst- 
handwerka (und gerade der wichtigsten) in einigen 
wenigen Personen. Denn diese bervorn^nden Künst- 
ler, die sich aua dem Bandwerk von klein auf herauf- 
gearbeitet haben, bilden in ihren Ateliers eine große 
Schule, die weit strenger und sachlicher erzogen 
wird als es auf den Akademieen und Kunstschulen 
möglich ist ; sie haben eine umfassende Kenntnis der 
Bedürfnisse und der Aufnahmsfähigkeit ihres Absatz- 
gebietes und sind durch die zahlreichen und großen 
Aufträge im stände, viel mehr zu bieten und mehr zu 
leisten als selbst fast alle großen kunstgewerblichen 
Geschäfte von Paris und London, von Deutsehland 
gar nicht zu reden. 

Das amerikanische Kunstgewerbe steht im engsten 
Zusammenhang mit der Architektur; es hat sich 
namentlich als Bauhandwerk oder sonst zum Schmuck 
und Ausstattung der Architektur, insbesondere des 
Wohnhauses herausgebildet. Erst in der Verbindung 
mit der Architektur wird uns die Bedeutung, 
werden uns die Vorzüge des amerikanischen Kunst- 



138 MODEBNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 

haDdwerks ToIIständig klar. Dasselbe hat einen ganz eigenen 

Charakter; ee bat in gewissem Sinne auch schon seinen eignen 

Stil. Nicht im Sinne des älteren Kunsthandwerkes, denn eine 

eigene durchgehende Formensprache finden wir hier ebensowenig 

wie in der Architektur der Vereinigten Staaten; aber gemeinsam 

ist dem amerikanischen Kunsthandwerk das Bestreben, die Form 

aus dem Bedürfnis heraus zu finden, sie ganz dem Zweck ent- | 

sprechend zu bilden; jedenfalls eines der wesentlichsten Erforder- 
nisse des Stils, wenn auch noch kein eigentlicher Stil. Weil die 

amerikanischen Mdbel so .praktisch* sind, weil ihre Silberserriee, 

ihre Eisenarbeiten u. 8. f. so zweckmäßig sind, darum erscheinen sie 

uns achSn, darum sind sie schön. 

Ein anderer allen Zweigen des amerikanischen Kunstgewerbe» 

gemeinsamer Vorzug ist der feine Farbensinn, der sich darin 

bekundet. Die harmonische und reiche Farbenwirkung ist dem 

Amerikaner eines der Tomehmsten Erfordernisse fQr die kfinst- 

lerische Ausgestaltung des Inneren seiner Wohnung; die ganze 

Ausstattung muss dazu mit beitragen und erhält dadurch einen 

Teil ihres Charakters. Von Buntheit hält sich derselbe aber 

ebenso fem wie von Farblosigkeit oder Eintönigkeit; ist es ja. wie 

ich bereits herroi^ehoben habe, ein durchgehender Zug der ame* UandbeieuchtuDE mit drei Fiammsn. 

rikaniaehen Kunst, dass sie vor aller Übertreibung zurOckscheut. 

Die feinen Profile, die mäßigen Ausladungen an den MSbeln der Amerikaner fallen 
uns Deutschen ebenso sehr auf wie die zarte Farbenwirkung ihrer Wände und 
Decken, die delikate Farbenstimmung ihres Schmucks. Am deutlichsten be- 
kundet sich ihre Überlegenheit, wo sie vor die Aufgabe der kttnatleriscben Ge- 
staltung ganz neuer BedQrfiiisse gestellt sind. Ihre Leuchtkörper für elektrisches 
Liebt und die Anbringung derselben, die Dekoration ihrer Fahrstühle, die Ver- 
wendung und Behandlung des farbigen Glases für verschiedene Zwecke sind 
durchaus neu und eigenartig, selbst gegenQber der aJten Kunst; und gerade 
hierin zeigen sich der Sinn tut Zweckmäßigkeit und farbige Wirkung wie die 
Phantasie der Amerikaner am gl&nzendsten, während gleichzeitig bei uns in 
Europa solche aus neuen Erfindungen erwachsene moderne Bedfirfnisse nur eine 
ungenügende Lösung im Anschlusa an altere, als Vorbilder nicht geeignete 
Kunstformen gefunden haben. 

Unter den verschiedenen Zweigen des Kunsthandwerks, die sieb bisher in 
I den Vereinigten Staaten eigenartig entfaltet haben, steht nach Alter und Bedeutung 

die Kunsttischlerei wohl obenan. Konnte sie doch aus der Entwickelung des 
Banhandwerks Nutzen ziehen ; auch fand sie in dem Bedürfnis des Amerikaners, das 
eigene Heim sich möglichst praktisch und behaglich einzurichten, eine besondere 
Förderung. Die Täfelungen der Wände, von den Blockhäusern der Kolonisten 
her alte Sitte, sind wie die Thtlren, Fen.sterlaibungen, Geländer u. s. f. in ihren Ver- 
hältnissen, in der Profilirung, in der Farben wirkung der sehr verschiedenartigen 
vortrefflichen Hölzer von einer Feinheit und in der technischen Behandlung von 
einer Vollendung, welche sie den japanischen und chinesischen Holzarbeiten ver- 
gleichen lässt. Die Möbel fallen uns in ihrer Eigenartigkeit ganz besonders in 
die Augen. Einzelne Gattungen von Möbeln, die wir aus alter Tradition noch 
immer im Gebrauch haben und weiter anfertigen lassen, obgleich sie unseren 
heutigen Anforderungen nur ungenügend entsprechen, wie Schränke, Tische, 
Ampel Kommoden, hat der Amerikaner fast ganz aus seiner Einrichtung verbannt^ dafHr 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



hai BT einen oder mehrere eigene Räume mit Wand- 
sohrÜDken, die allen aeiiien Bedürfnissen gerecht 
werden. Die Wohnzimmer sind jedes mit Terschie- 
denen Gruppen von Sitzgelegenheiten, um kleine 
od^r größere Tische herum, ausgestattet, in denen 
der Amerikaner die größte Mannigfaltigkeit liebt. Zu 
keiner anderen Zeit und in 
keinem anderen Lande hat 
man es so verstanden, dem 
K5rper in jeder Lage die 
richtige Unterstützung, die 
angenehme Erholung zu ge- 
währen. Das ist das erste 
Erfordernis fär jeden ameri- 
kanischen Stuhl, vom Ar- 
beitssessel bis zum Schaukel- 
stuhl; danach richtet sich 
die Konstruktion, richtet sieb 
die Form desselben, welche 
dem Zweck entsprechend 
ebenso mannigfach als ori- 
ginell gestattet ist. Wieder 
Schaukelstuhl, so sind die 
Ehrensessel, die das Ehepaar 
Fielbst an der Tafel beuntzt, 
eine spezifisch amerikanische 
Erfindung; letztere freilich 
nach dem Vorgang der alt- 
französischen und italieni- 
schen Sitte. Ebenso originell 
sind die Tische und allerlei 
kleinere M&bel, die zur Be- 
quemlichkeit des amerika- 
nischen Lebens wesentlich 
beitragen. 

Im Anschluss an die 
Holztäfelungen hat die üb- 
rige Wand- und Deckende- 
koration des modernen ame- 
rikanischen Hauses einen 
durchaus originellen Charak- 
ter. Die Räume sind regel- 
mäßig hell, aber (mit Aus- 
nahme der Kammern,w eichen 
man helle, weiße oder weißlich polirte Stu ck wände giebt 
und aus denen man aus hygienischen Orfinden alle Gar- 
dinen oder sonstige Staubfanger fortlässt) dabei doch 
auf eine feine mannigfaltige farbige Wirkung berech- 
net Am kräftigsten ist die Farbenwirkung regel- 
mäßig in der ^Hall". In den reicheren neuen Privat- 
häusern wie in den großen Hotels pflegt hier neben 



der Holztäfelung ein Wandbelag von farbigem Marmor 
oder von prachtigen Halbedelsteinen aufzutreten, Ober 
dem die Wand mit Goldmosaik bekleidet ist, das 
nicht selten auch die Decken schmQckt. Zusammen 
mit dem großen, meist tieffarbigen Kamin aus den 
prächtigsten Steinen, mit den Treppen mit ihren 
Marmorstufen und dem 
zierlichen Holz- oder 
Marmorgeländer, mit 
den farbigen Glasfen- 
stem und den bunten 
Leuchtkßrpern macht 
dieser Raum, namentlich 
abends bei Licht einen 
überraschend glänzen- 
den Eindruck, an den 
wir in Europa nicht ein- 
mal in einem SfTent- 
licben Prachthau ge- 
wöhnt sind. In den 
Wohnzimmern pflegt die 
Wand jetzt aus einer 
Stuckbekleidung von 
heller Färbung mit zier- 
lichen kleinen, flachen 
Mustern zu bestehen, 
über der ein breiter Fries 
den Abschluss gegen die 
Decke bildet. Diese ist 
entweder gleichfalls aus 
Stuck und dann regel- 
mäßig in ähnlicher Weise 
wie die Wand mit einem 
bescheidenen Muster de- 
korirt, oder (in einfache- 
ren Häusern) mit einer 
anspruchslosen Papier- 
tapete bedeckt, die ein 
kleines sternenartiges 
oderblumigesStreumus- 
ter zeigt Die Tapete so- 
wohl wie die Stoffbe- 
kleidung findet im mo- 
dernen amerikanischen 
Hause als Wand Bekleidung eine weit weniger all- 
gemeine Verbreitung als in Europa. Wo sie vor- 
kommen, sind helle Töne und blumige Muster in 
reinen oder matten Farben die Regel. Die kräf- 
tigste Farbennote giebt auch in den Zimmern der 
Kamin' an, der aus den seltensten Steinen gebildet 
und, namentlich im Esszimmer, nicht selten zu 



BelenchtungskörpfiT mit 7 Lichtpunkten. 



Ameriknilgche Waadtapete, Fries UDd DechenUipet«. 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA, 141 

man in Europa sich dabei &8t ausnahms- 
los, entgegen der Natur des GlDhlichts, 
durch die Tradition der aUen Lichtk5rper 
für Qas und Kerzen hat irre leiten lassen, 
Kronleuchter, Armleuchter oder Lampen da- 
für adaptirt oder neu komponirt bat, hat 
man in Amerika von Tomberein den Cha- 
rakter des Qlühlicbts richtig erfosst und 
daraus in der mannigfachatenundphantasie- 
vollsten, oft Reibst phantastischen Weise die 
Lampen angebracht und gestaltet. Tolles, 
ruhiges und gleicbmäßiges Licht allen Teilen 
des Zimmers zuzuftihren und zugleich das 
Auge vor der Blendung zu scbtltzen, diese 
Aufgabe erftÜlt der Amerikaner in der aus- 
giebigsten und vielseitigsten Art DieLämp- 
chen sind regelmäßig vereinzelt oder in 
kleinen Gruppen angebraobt, vomebmlicb in 
der Stuckdekoration der Decke und in den 
TbOrstürzen, die etwas vertieft li^en, um 
die Lichter nicht sofort sehen zu lassen. 
Bald bilden sie die Blumen in den Rosetten 
der Stuckomamente, bangen als Früchte, 
als Büschel, ab Tropfen, als kleine Korb- 

„ , ^ t- ,. , , . L. .. D 1 . chen von der Decke herunter, bald sind 

Amerikanischer Eicbeiibo1zi4l.iihl mit PoutemDg. ' 

sie hinter schwebenden Vögeln oder großen 
stattlichem Umfang entwickelt ist. 
Die Tageszeit, in der der Amerikaner 
sein Haus besonders benutzt und recht 
eigentlich genießt, ist der Abend ; denn 
von früher Morgenstunde an ist er 
außerhalb im Bureau beschäftigt. Da- 
her ist die Dekoration der Innen räume 
vornehmlich auf den Abend berech- 
net, und die Beleucbtungsfrage und 
die Beleuchtungskörper spielen eine 
hervorragende Rolle dabei. In den 
meisten amerikanischen Städten hat 
nun da.s elektrische Liebt schon die 
Überhand, in einzelnen hat es das Gas 
schon ganz verdrängt; die neueren 
Bauten, namentlich die, welche auf 
künstlerische Durchbildung Anspruch 
machen, werden wohl ausnahmslos 
durch Elektricität und zwar durch 
Glühlampen beleuchtet. In der An- 
bringung derselben, in ihrer Form 
und Farbenwirkung haben die Ameri- 
kaner ihren praktischen Sinn eben- 
so glänzend bewährt wie ihren Ge- 
schmack und ihre Phantasie. Während Amarikanischec stuhl in Rohnteiieuht. 



142 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



Schmetterlingen aogebracht oder in den Körpern 
Siegender Drachen versteckt oder sitzen hinter den 
Blättern eines Zweiges von Bronze und Glas oder 
hinter einer echildartigen Glasdekoration an den Wän- 
den. Immer neu und immer ganz eigenartig zu 
sein in der Ausfiudung von Plätzen und Körpern 
für die elektrischen Lichter und die reiche farbige 
Wirkung der Raiune durch dieselben m^lichat 
zu steigern, ist bei den neuen Prachtbauten in 
New York und Ghic^o eines der vornehmsten 



Abtönung des Lichtes benutzt, das eine ganz eigen- 
artige Erfindung der amerikanischen Kunstindustrie 
ist und auch in ganz eigener Weise verwendet wird. 
Die Glaafenster und Qlasdekorationen aus solchem 
opalisirenden Qlas auf der Ausstellung haben daher, 
obgleich nur von Einer Firma in genügender Weise 
angestellt, mehr als alle anderen Erzeugnisse des 
amerikanischen Kunsthandwerks die Aufmerksamkeit 
der Besucher auf sich gelenkt. Ihre Berstellung, 
Form, Farbe und Verwendung ist eine ganz neue 



AmerikuilBcber Scbaukelatubl mit ii 



n Omamsaten. 



Ziele, das gelegentlich (namentlich in einzelnen der 
neuen Luxushotels) in abenteuerlicher Weise, in der 
Regel aber mit großem Geschmack und außerordent- 
licher Wirkung erreicht wird. 

Bei der Dekoration der Körper für das elektrische 
Licht und hei der Abtönung desselben spielt das 
Glas die hervorr^endste RoUe. Die Glashülle der 
Flamme ist bei einfachen Anlagen in der Regel aus 
dickem Kristallglas mit tiefgeschliffenen geometri- 
schen Mustern, die das Licht stark brechen und ver- 
vielfachen; häufig, namenthch bei reicheren Dekoratio- 
nen, wird ein undurchsichtiges opalisireudes Glas zur 



und eigenartige. Angeregt in der Farhenwirbung 
sind die Künstler, welche diesen Kunstzweig gefun- 
den und zu seiner hohen BlQte entwickelt haben — 
voran der Maler John Lafarge und nach ihm Louis 
TifiFany in New York, wohl vornehmlich durch an- 
tike Gläser, die in der Erde jene prächtige opali- 
sirende Farbe angenommen haben, um derentwillen 
sie von den amerikanischen Sammlern so bevorzugt 
werden; auch die Farbenwirkung der Marmor- und 
Alabasterscheiben der antiken Fenster haben ihre 
Phantasie dabei heeinflusst, wie sie filr die mosaik- 
artige Technik der Ausführung ihre Vorbilder wohl 



MODEttNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 



143 



in den kleinen arabbchen Glasfenstem gefunden 
haben. Aber das sind alles doch nur Anregungen; 
was wir hier vor uns sehen, ist in seiner Art eine 
ganz neue Kunstgattung, der unser Jahrhundert in 
stilvoller Behandlung und Pracht der Farbe wohl 
keine zweite an die Seite stellen kann. 

Nach einer Reihe noch mehr oder weniger un- 
vollkommener Versuche, deren früheste erst etwa 
sechzehn Jahre zurückgehen, hat sich hierin eine 
ganz bestimmte Technik ausge- 
bildet Das Glas, welches man 
verwendet, ist ein ganz eigen- 
artiges und kunstreiches. Es ist 
lichtdurchlassend aber nicht 
durchsichtig, ist dick und eigen- 
tümlich gewellt und gezwickt, 
erstarrtem Lavaflusse ähnlich. In 
den Farben werden, je nach der 
Bestimmung, die verschieden- 
artigsten Wirkungen angestrebt 
Bald werden Platten von Achat, 
orientalischem Alabaster, gold- 
forbigem Marmor, Onyx oder 
dgl. nachgeahmt, deren Pracht 
und Leuchtkraft womöglich noch 
Obertroffen werden ; solche Stücke 
werden mit Vorliebe als große 
Platten für Oberlichter, ftr Fen- 
ster, die nur Licht aber keine 
Aussicht gewähren sollen, und 
ahnliche Zwecke verwendet Bald 
sind die GlaspUtten von kräf- 
tigeren, reicheren Farben, Edel- 
steinen oder Halbedelsteinen 
gleichend oder mit den herr- 
lichsten Blumen, mit den farben- 
prächtigstenSchmetterlingen und 
V5geln wetteifernd: aus solchen 
Tafeln werden die kleinen StQcke 
geschnitten, die mosaikartig zu 
Bildern, Ornamenten oder geometrischen Mustern 
zusammengestellt werden. Durch die Vollendung in 
der Herstellung des in der mannigfachsten Weise ge- 
färbten und abgetönten Glases, durch die außerordent- 
liche Kunstfertigkeit in der Auswahl und im Zer- 
schneiden des Glases, in ihrer Zusammenstellung und 
in ihrer Befestigung in Blei- oder Drahtfassung, bei 
der jede kleine Falte in der Gewandung und jede 
Nuance der Farbe berücksichtigt wird, haben Künstler 
wie Lafarge und Louis G. Tiffany es erreicht, fast 
ganz ohne Beihilfe der Malerei (sie beschränkt sich 



Aiii«Tik(Uitsehe Wudbelaaebtiiiig. 



auf die durchgeführten Fleiscbteile bei figürlichen 
Darstellungen) rein in Mosaiktechnik Glasbilder 
von der Feinheit eines Ölgemäldes und von einer 
ganz ungeahnten Pracht der Farbe herzustellen. Je 
weniger dieselben die Konkurrenz mit der moder- 
nen Ölmalerei anstreben, je mehr sie der Mosük- 
technik und der ornamentalen Bedeutung Rechnung 
tragen, um so stilvoller, um so edler wirken sie. 
Als Kirchenfenster, auf den Vorplätzen, als Ober- 
lichter, gegen Höfe oder Räume, 
die man verstecken will, und zu 
ähnlichen Zwecken finden diese 
Mosaikfenster die mannigfachst« 
Verwendung in Amerika. Sie 
tragen ganz besonders bei zu der 
reichen farbigen Wirkung der 
amerikanischen Innenräume, in 
denen dieses farbige Glas auch 
sonst noch in der verschiedensten 
Weise angewandt wird: als Kup- 
peln der Lampen, für Ampeln 
und elektrische Beleuchtungs- 
körper, zur Herstellung der Mo- 
saiken an den Wänden und 
Decken u. s. f. 

Die ersten Proben solcher 
amerikanischen Glasfenster, die 
öffentlich in Europa gezeigt 
wurden, waren m. W. auf der 
Pariser Ausstellung 1889. We- 
sentlich früher, schon auf der 
Ausstellung 1878 und in viel 
weiteren Kreisen hat sich eine 
andere amerikanische Kunstin- 
dustrie, die Goldschmiedekunst, 
bei uns bekannt gemacht. Ihr 
hervorragendster Vertreter und 
eigentlicher Begründer, der alte 
Tiffany, hat si^ar schon seit 
mehr als einem Jahrzehnt sein 
Lager auch in Paris und in London. Die Vorzüge der 
amerikanischen Juwelier- und Gold- und Silber- 
arbeiten liegen vornehmlich, wie bei ihrem „stained 
glass", in der stilvollen Behandlung des Materials 
und in der feinen farbigen Wirkung. Der Schmuck 
eines Tiffany oder Gorham ist bescheidener in der 
Form, aber feiner und reicher in der Farbe (die 
Wahl farbiger Edelsteine ist in Amerika jetzt fast 
die Regel) und gewählter und eigenartiger in der 
Fassung als die Arbeiten der berühmtesten Pariser 
Goldschmiede. Ihre Gold- und Silberarbeiten sind ganz 



OlttarUior. KntwarreD und ansgeltthrt TOD ED. PULS in Beclin. (ChlogO.) 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA. 145 

aus der Technik des Treibens herans ge- 
dacht, daher ohne feste architektonische 
Oliedenmg und reich mit Blattwerk oder 
phantaa tischen Tiergebilden bedeckt. In der 
gewöhnlichen Ware (die nur zu oft deutwhe 
Importware ist!) wie in den Spori^ewinnen 
n. dgl. macht sich leicht eine störende Über- 
fälle Ton krausem Blattwerk und selbst eine 
barocke Formbehandlung geltend; in den 
feineren Arbeiten, die auf kGnstlerische 
Durchbildung Anspruch machen, bewundem 
wir die Phantasie in der Erfindung, den Ge- 
schmack in der Anbringung von Steinen, 
das Geschick Im Nielliren wie im Tönen des 
Silbers, worin sich die Amerikaner als glDck- 
liche Nachfolger der Japaner kennzeichnen. 
Die Billigkeit des Silbers legte es nahe, t 
Gebrauchgegenstände aus verschiedenem M: 
in Silber zu fassen: so feinere Glaswaren, mei 
starkem gescbliffenen Kryatallglas von kräftiget 
und wirkungsvollem Dekor ; dann Arbeiten aus 1 
Leder der verschiedensten Tierhäute, Schlange 
dechsen, Krokodile u. s. f., deren Tönung und 
Wendung von großem Reiz ist; die Fassuns 
Thongefäßen, namentlich von der tiefbraun 
Rookwoodware, auf denen in mattgoldigen 
verschwimmende Zeichnungen mit phantn^l 
Wirkung angebracht sind. 

Alles andere Metall, das zu künstlerischem 
verwendet wird, pflegt regelmäßig mit dem gl 
Stilgefühl behandelt zu werden. Das Mei^sinj 
der Amerikaner mit Vorliebe für Geländer, 
ThQrangeln u. s. f. verwendet, wird dem M 
gemäß gedreht und polirt, nicht — wie bei i 
Deutschland — in falscher Nachahmung von 1 
mit zackigen Ornamenten Qberladen oder wie 
guss behandelt Die Bronze ist in den ne 
Bauten mit Vorliebe angewendet: als Goldbrot 
Dekorationen im Anscbluss an Louis XVI- ode 
pirestil; weit häufiger nnvergoldet, wo die I 
an Stelle des Messings tritt und dann r^el 
durch eine feine der Färbung des einzelnen Zii 
oder Möbels entsprechende Patina abgetönt 
Auch hier, wie in der Technik der Bronze Qbei 
zeigen sich die Amerikaner wieder als die gelel 
Schüler der Japaner, ohne ihre Nachahmer zu w 
Auch das Eisen behandeln sie in durchaus < 
artiger Weise, wobei nicht der Rundstab, wie 
deutschen Renaissance, sondern das einfachen 
Schmiedetechnik stilgemäßere Bandeisen das 

motiv für die Behandlung abgiebt. Die neben unserer t» >.^ i. » , i. ^. 

>* " Elektrischer BeJeuchtmipikbrrsr: entworfen imd aUBeetUbn 

KonstgewerbebUtt. N, F. V. H. 8. i"»" P- Stotz id Sruttgart. (iSilcago.) 



146 



MODERNE KUNST IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA- 



deutachen Prachtarbeit in R«naisBance- oder Rokoho- 
stil auffallend einfachen und bescheidenen Schmiede- 
arbeiten der Amerikaner zeichnen sich durch die Hau- 
nigfaltiffkeit der Moti- 
ve, durch die geschickte 
Unterordnung unter die 
Architektur und die 
Zweckmäßigkeit der 
Verwendung gerade 
vor jener prahlerischen 
undtechnischhoch voll- 
endeten Arbeit sehr 
vorteilhaft aus. Ebenso 
kräftig wie ihr Schmie- 
deeisen im Anscbluss 
an die Außenarchitek- 
tur ist, ebenso zierlich 
ist ihr Gitterwerk im 
Innern, namentlich in 
den Elevators, deren 
regelmäßige Dekora- 
tion leichtgedrehte und 
geschlagene Eiaenstäb- 
chen und Drähte von 
der Terscbiedenartig- 
eten,anmutig8tenZeich- 
nang bilden. 

Diese Übersicht 
über das Kunsthand- 
werk in den Vereinig- 
ten Staaten konnte nur 
eine kurze, zum Teil 
iQckenbafte sein, da 
sie nur auf einem kur- 
zen Beaach Amerikas 
beruht. Doch war es 
mir vergönnt, gerade 
mit verschiedenen der 

h er vorr^en dsten 
Künstler in ihrem Fa- 
che, den eigentlichen 
Leitern der modernen Bestrebungen nach die«er 
Richtnng, bekannt zu werden und unter ihrer Füh- 
rung auch die bedentendsten und eigenartigsten Leis- 



S^carablisii-Splegel v 



langen abseits der Ausst«llung kennen zu lernen. 
Ihnen verdanke ich es, daas ich in den Qeist der 
modernen amerikanischen Kunst, in den Zusammen- 
hang ihrer einzelnen 
Zweige und ihrer kur- 
zen Entwickelung bes- 
ser eingeweiht worden 
bin, als es ein längerer 
führerloser Aufenthalt 
ermöglicht haben wür- 
de. Mag auch nacb 
mancher Hichtung dns 
amerikanische Hand- 
werk noch unentwik- 
keltsein, mag es hier 
und da dem europäi- 
schen noch nicht ge- 
wachsen sein, mag auch 
hier (wie in allen ame- 
rikanischen Dingen) 
Unfertiges und Rohes 
neben Überfei nerung 
nebenhergehen, so hat 
es doch durch deokünst- 
lerischen Sinn, der es 
beherrscht, durch die 
Frische und Eigenar- 
tigkeit der Erfindung 
und die stilvolle und 
technisch vollendete 
Ausführung schon jetzt 
einen wesentlichen Vor- 
sprang vor unserem 
Handwerk. Vor diesem 
hat es obenein durch 
die Entwickelung fes- 
ter nationaler Gewohn- 
heiten die Basis einer 
gesunden Weiterbil- 
dungvoraus. M5gedie 
_ . o ■ ., ^ -^ Erkenntnis dieser Tbatr 

nny ft Co. in New York. 

Sachen mit dazu bei- 
tragen, für unser nationales Handwerk eine gesundere 
Entwickelung, als wir sie in den letzten Jahrzehnten 
durch gelebt haben, einzuleiten. 



Die Rlobter. Von W, Dbake. (Au Amerlou Ait:It«riew, Bd. I 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
KaiuticUt>e ans TiroL I. Äbte 
rtsche Innenräume. Heliogravüren 
graphischen Aufnahmen von Ollo 
Wien mit Teit von Prof. Jok. W 
Architekt, Direktor der k. k. 8ts 
echnle in Innsbruck. Wien, 1S91. 
70n Anton Schroll & Co. 30 Bli 
Mappe M. 40.— 

0. S. Was Franz Paukert in Boze 
in seiner fleißigen, gewissenhaften i 
rischen Publikation: Die Zimmei^otil 
Tirol zeichnerisch festgehalten hal 
hier in einem StQckchen Wirkliohk€ 
wie sie malerischer und poesievollei 
die kalt«, nackte Phot^raphie, i 
durch die warmUnige HeHograrQr« 
ferlicbtdrnck, wiedergegeben werden 
recht alt sogar sind die meisten 
Eäcken, Gänge, Zimmer, Ge- 
wClbe und Säle — man denkt 
anEnlen, Plederm&use, Spinnge' 
webe und Stanb — überwiegend 
prunklose, jeglichen Geräte ent- 
behrende Interienrs, aber sie 
zeigen uns, dass hier eben alles 
alt, ursprünglich, fast verwahr- 
lost ist. Kanm sind Spuren be- 
merkbar, die dem gänzlichen 
Verfall ein Halt geboten; es iit 
das ünmi tt«lbare derTergangeu- 
heit. Ober welche moderne Re- 
prodaktionsfindigkeit den Reiz 
des rein malerischen, künstle- 
rischen Empfindens gelegt hat 
— festgehalten mit einer Inner- 
lichkeit, einer Licht- und Staub- 
Bchwingnng, wie sie nar die 
Badimng, als Surrogat dieser 
nur die Heliogravare zum Aus- 
druck sn bringen vermag. Viel- 



Amsrikaulsche Deoksnbolauohtiuig mit & Flunmeu. 



es nur kleine Perspektiven, die sich 
-Offnen; ein StOckchen Wand end FnB- 
inige Deckenbalken, ein Fensterohen 
[, Tisch mit wenigem Geschirr, eine 
eine Schlafzimmer wand mit dem Him- 
oder Wandpartieen mit geschlossenen 
beten ThQren, letztere teiztolle Durch- 
rährend. Wanderbare Kreuzgänge, durch 
jlengalerieen die Sonne Hütet; Inneres 
11 en, in denen ein Hauch von der Hei- 
■a Oit«s, Andacht nnd Frömmigkeit zu 
beint. Dann wieder ganz ausgestattete 
len, in welchen sich modernes Leben 
mt, Prunksäle, überladen mit Pracht 
t, in denen noch bente fürstliche Feste 
soiglosen Menschenkindern gegeben 
dir ist es, als kOnnte ich aus den wun- 
Einblicken die Geschichte und Ge- 
er Räume herauslesen oder hineindich- 
ten, so ganz nehmen mich diese 
an sich oft sehr anspruchslosen, 
aber gehaltreichen Blätter mit 
ihrem köstlichen Duft und ihrer 
ehrlichen Belehrung Qber das 
Wirkliche, das Wesen des Alten 
gefangen. — Der beigegehene 
Text, mit geschichtlichen Daten 
durchsetzt, ei^&nzt trotz seiner 
bündigen Kürze in erwünschter 
Weise die Blätter. Die Auf- 
nahmen umfassen: Teile des 
Kreuzgangee am Dom zuBrixen, 
bäuerliche Wohnstuben hei 
Klausen, die Halle der alten 
'' Künstlerherberge „beim Kan- 

tioler" in Klausen, Interieurs 
aus den SchlOsaem: Velthums 
bei Brixen, Burg Reiffenstein 
bei Sterzing, Enn bei Montan, 
Trostburg bei Weidbruck, lan- 
desfüistliche Burg in Heran, 
Dornsberg im Vint«chgau ; ferner 
Qrahkapelle zuinnichen, Wohn- 
stube aus Si Michael in Eppan, 
ans dem Rathause in Hall, aus 



148 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



dem Caatell baon cODsigüo in Trient, aus dem Stifte Status 
im Oberinnthale. Neben den hochmateri«chen Wirkungen 
()er Bl&tter mit ihrem faat RetDbrandt'scben Helldunkel 
treten die arcbitektonieclien Kintelbeiten der gotiscben lllfel- 
werke , Balkendecken , ThDtumnihmungen und -laibungen 
und ibre reichen Schnitzereien, dieselben Arbeiteo der Re- 
naiesancezeit mit ihren monumentalen Losungen in Decke 
und Wand, feinprofilirten Rahmen, Lesinen, S&ulen und 
Füllanj^D und dann die jirunkhaflen Stuckdekorationen dei 
17. und 18. Jahrhundert« in schärfster Treue hervor. Das 
herrliche Werk ist Geschäften, vielseitiges Intoresse zu wecken, 
vorbildlich , anregend und erbauend zu sein. Seine Vor. 
nebmheit wirdesindieSalouH 
einrahren, nicht zuletzt aber 
wird es in Werkstätten. Ate- 
lier«, Schulen und Bibliothe- 
ken eine freudige Aufnahme 
finden und besonders denen 
ein treuer und gewissenhafter 
Berater und Helfer sein, wel- 
che die Paukert'scben Einzel- 
heiten bereita beaitten. Der 
sehr mfißige Preis für den 
so überaus kostbaren Inhalt ' 
wird hoiTentlich weitest« Ver- 
breitung sichern. 



Kunslsdckereien 

für Innaiilekoratioit. I. u. 

II. Serie ä lü H. Leipzig, 

im Selbstverlag. 

Die Hefte enthalten Ent- 
würfe zn Kurbel maschine- 
stickereien und Abbildungen 
solcher Arbeiten, unter wel- 
chen hier und da auch ein- 
mal eine Handstickerei mit- 
läuft. Die Huster, welche die 
verschiedensten Stile vertre- 
ten, umfassen Fenster- und 
Thttrvorhauge, Decken, Be- 
hAoge, Wandschirme, Sofa- 
und SesaelbezOge und der- 
gleichen zur AusBchmOckoDg 
des Hauses dienender texÜler 
U^nstände mehr. Zum Ver- 
stehen der vorliegenden Helle 
und der Art der Herausgabe 
muss man sich auf den Stand- 
punkt des Kaufmauus stellen. 
FQr diesen mag es sehr erspriefilicb sein, die im Verlaufe 
mehrerer .lahre angeaammelten, tQchtig ausgenützten Huster 
zum letztenmal gewinnbringend in Mappen zu vereinigen 
und durch die Veröffentlichung zur allgemeinen Ausnutzung 
freizugeben Guter Hinzufügen der Fahrikatsnummer und 
der MaO Verhältnisse wird es außerdem etwaigen Liebhabern 
dieseg und jenes Stückes bequem gemacht, dasselbe bei der 
lier ausgebenden Firma zu bestellen. Von diesem Gesichts- 
punkt aus betrachtet, bleibt einem bezUglich der Heraus- 
gabe solcher illustrirter äesch&tlskataloge nur übrig, dem 
Herausgeber, viel Glück nu wflnscheu, dase er sowohl Klufer 
der Hefte wie Besteller der Fabrikate finden mOge. 



ttamlacbe Punsobbowle. Von 



Entwfirft fllr modtm« KiuutaoUoMi*r- und Knust- 
acluili^dau'büt«!. herausgegeben von F. Branit, Archi- 
tekt II. Serie, mit Beitrflgen von E. HOniog, Br. Habring 
und Konrad Hoffmann (t). 15 Tafeln in rbotoliUtographie. 
4». Preis M. C— . Berlin 18!}4, Geoig Siemens' Verlag. 
A. P. Hat e« auch in letzter Zeit nicht an reichlichem Vor- 
bild ennaterial für Kunstschlosser gefehlt, so kann man doch 
die vorliegenden Entwürfe mit großem Danke willkoanueu 
heißen. Man empfindet, dass die Entwerfer mit dem Eisen 
gut verlraut dnd, alle diese charakteristischen Arbeiten sind 
von tüchtiger DurchrübruDg und vor allen Dingen direkt 
ausführbar. Hierbei kommen dem Fachmann die ungenbr 
angegebenen Gewichte und 
Arbeitslöhne der StAcke bei 
seiner Kalkulation zu stalten. 
Das Heft enthält.' Kamin- 
gitter, Front- und Balkon- 
gitter, Eingangsthore, Kande- 
laber, Laternen, Grabkrenze 
und Grabgitter, Treppenge- 
länder und altdeutecbc Bän- 
der (Beschläge). Material ge- 
nug für M. C— , welcher Preis 
für diese Darbietung ein 
mäfliger zu nennen ist. — 
Eine weitere Sammlung von 
verwendbaren Uotiveu fQr 
Kunstschlosserarbeiten gab 
Prof. E. Bückoff im Verlage 
voutT. T'eifA-Karlsruhe heraus 
12 autographirte Foliotafeln 
unter dem Titel „Sekmiede- 
cüen", enthaltend hervor- 
ragende Schmiede werke aus 
dem 16. bis zum 18. Jahr- 
hundert aus Deutechland, Ita- 
lien, Spanien und Frankreich, 
welche mit wenigen Ausnah- 
men bisher nicht publizirt 
waren. Hier ist ein Überaus 
wertvolles und schOnee ge- 
Bchtchtliches M oti ven w erk ge- 
bcten, welchem die au^e- 
reifte Fertigkeit und glän- 
zende Technik unserer heu- 
tigen Meister gewachsen ge- 
genübertteht. Darum werden 
unsere Bisenküustler diesen 
neuen VorbildertchatztuwQr- 
TllTany & Ca. in Ks« York. digeu wissen und durch ent- 

sprechende Anlehnung und 
Umgestaltung erprobter Einiielheiten ans dem Alten Nea- 
icbOpfuogen gestalten, die auch streng stilistischen Anfor- 
derungen gerecht werden. Die Bott autographirten Dar- 
stellungen zeigen uns Leuchter, Gitter, Wetterfahnen, Wand- 
arme, Glockenbacke und Beschlagteile, letztere meist in 
natürlicher Größe. Wo es notwendig erschien, erläutern 
Detailskizzen die Aufnahmen. Der Preis dieser Sammel- 
mappe beträgt ebenfalls M. G.~, billig genug, um auch 
ihre AnschatTung warm zu empfehlen. 

VEREINE, 
-u- Berlin, In der Sitxung tU» Verems für deutsche» 
Kunstgewerbe am Mittwoch den 28. Märt gab Herr Dr. 
F, Back einen Oberblick Über die geschichtlich« Entwicke- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



149 



loDg der Holz- und MormoriDtarsia und deren Stilgeeetze. 
Zur VeranBcb&ulichuDg des Vortrage« waren auBer einigen 
Alteren Stücken aus dem Egl. Eunstgewerbernuaeum eine 
Reihe von modernen Arbeiten der Herren Emat Nast, W. 
Boggenbau, 0. Schröder, G. Wenkel Nachf, C. G. Odorico 
und der Aktiengeiellachaft {Ür MannorinduBtrie Kiefer aus- 
gestellt, worunter besonders die für den Reichstag an^e- 
ftlhrten Intarsien and Mosaikarbeiten Interesse erweckt«n. 
Verlesen wurde femer ein Rundschreiben Aea Vorortes der 
deutschen Eunstge Werbevereine, worin der Bayerische Kunst- 
gewerhererein in Manchen die GrQude angiebt, die ihn be- 
wogen haben, seinem in Weimar gegebenen Versprechen 
betr. die Berliner Ausstellung 1896 „untreu" zu werden. 

-u- BerUn, Der Verein 
für deuUehea Kurutgetcerbe 
veranstaltete am Mittwoch 
den 11. April einen Fach- 
abend für Mi^olika, an wel- 
chem hanpts&chlich die Fir- 
ma Villeroy & Boch eine Aus- 
wahl ihrer mannigfachen 
keramischen Arbeiten ausge- 
stellt hatte. Der bekannte 
Eeramiker Professor Akxan- 
der Sehmidi ans Eobarg 
sprach im Anscblnas an diese 
Ausstellung über die ver- 
schiedenen Techniken der 
H^olika, der Fayencen nnd 
des Steingutes nnd erUuterte 
besonders die Versuche, ein 
daaerbaites und wetterfeste« 
Ftiesenmaterial fQrFnßbCden 
und Wandbekleidnngen zu 
schaffen. Es sei der Fabrik 
gelungen, ein solches Mate- 
rial auch für Uonumental- 
mal ereion herzustellen .wovon 
ein großes Wandbild, für 
Stuttgart bestimmt, Zeugnis 
gab. RegiernngsbanfDhrer £. 
Dümmler gab Mitteilnngen 
Ober keramische Arbeiten am 
Amerika. 

-u- Berlin. Im Verein 
für detliichea Kunslgeicerbe 
hielt am Mittwoch den 25. . 
April Herr Bibliothekar Dr. 
P. Jessen einen Vortrag„2uTn 
Verständnis der deutschen Magnolii 

Raiaissemee". An zahlrei- 
chen Abbildungen wurden die verschiedenen Stufen geschil- 
dert, in denen sieb der Formenkreis der deutschen Renais- 
sance ausgepr&gt hat Die Nachwirkung der blühenden spät- 
gotischen Richtung herrsche während der ersten Generation, 
die es meisterlich ventanden habe, die neuen Motive der 
Renaissance für die heimischen Oebraucheformen , die Tech- 
nik und das künstlerische EmpSnden zn verarbeiten. Die 
zweite Generation während der Hochrenaissance habe vor 
der schwereren Aufgabe gestanden, die strenger aofgefaasten 
antiken Sänlenordnungen und die vom Auslande eindringen- 
den nenen Omamentrootive , besonders das Rollwerk, zu 
verwerten und habe dabei einen Teil der mittelalterlichen 
Frische eingeböBt. Die dritte Generation habe keine neuen 
Aufgaben gehabt und sei daher rasch dem Verfall zugeeilt. 



Als Grundlage für unser heutiges Kunstgewerbe eigne sich 
die vielseitige deutsche Renaissance, wenn sie richtig verslan- 
den werde, besser als iigend eine ältere Stilart, und wir 
würden uns schwer sohtldigen, wenn wir sie für Modelaunen 
und Aosländerei preisgeben wollten. Mittelst eines Projek- 
tionsapparates der Herren Franz Schmidt & Hänscb wurde 
der Vortrag durch ausgezeichnete Wandbilder von vier Meter 
Durchmesser erläutert 

Hamburg. Der Kunstgewerbe verein hatte am Diens- 
tag seine 71. Versammlung unter dem Vorsitze des Herrn 
Bauinspekter Necker. Der Vorsitzende berichtet, das« von 
dem derzeitigen Verbands vorort Dresden ein Schreiben ein- 
gegangen sei, in welchem auf die Bitte des Bajeriscben 
Kunstge werbe veroins verwie- 
sen wird, die Gründe für 
das Zurücktreten des genann- 
ten Vereins von dem Berliner 
Ausatellungninteniehmen zur 
Eenntnis der Verbands vereine 
bringen zu wollen. Der Vor- 
sitzende berichtet ferner der 
Versammlung Über die dies- 
i&hrige Verleihung von Prei- 
sen aus der Stiftung nnd ver- 
weist onf die im Saal ausge- 
stellten, von den Lehrlingen 
ai^fertigten Arbeiten. Auf- 
genommen sind 7, angemel- 
det 4 neue Mitglieder. Dor 
neue Statntcnentwnrf wurde 
nach vorhergegangener Be- 
ratung und Abstimmung über 
die einzelnen Paragraphen 
von der Versammlnng in der 
voi^legten Fassung ange- 
nommen. Eine grOBere An- 
zahl von Entwürfen und 
Skizzen 4ea Malers de Bruy- 
cker war in der Versammlung 
ausgestellt nnd wurde von 
Herrn Bauinspektor Necker 
besprochen. Von hervorra- 
gender Bedentung seien die 
Studien über Flügel und Mas- 
ken, die in der dritten Ab- 
teilung der Ausstellung vor- 
geführt seien und deren Pu- 
blikation jedenfiüls den Ar- 
chitekten manche befruch- 
tende Anregung geben würde. 
Einige dieser Blätter werden 
Kunstgewerbeblatt veröffentlicht 
(Bamb. Eorresp.) 



TilTuiy & Cd. tn New York. 



in der nächsten Zeit i 
werden. 



SCHULEN UND MUSEEN. 
DüM^^mrf, Kunst stickereischule. Aus dem der Ge- 
neralversammlung vorgelegten 3. Jahresberichte ist zu ent- 
nehmen, dasa die Provinzial Verwaltung von Rheinland und 
Westfalen ihre Beihilfen anf ein weiteres Jahr gewährte, 
mehrere Ereise und Städte einmalige ZuachOBse bewilligten 
und 10 neue Mitglieder beigetreten sind, so dass trotz Mehr- 
auslagen ein kleiner Überschuss erzielt wurde. Die Kunat- 
stickereischaLe war von 72 Schülerinnen besucht, von denen 
57 aus der Stadt Dasseldorf, 8 aus dem übrigen Rheinlaml, 
6 aus Westtalen, 1 aus Nassau, 1 aus Holland stammte. 



150 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Von den Schülerinnen wurden 7, welche die yollst&ndige 
Ausbildung erlangt hatten, nach vorgenommener Prüfung 
entlassen. Als neue Arbeitszweige wurden im abgelaufenen 
Arbeitsjahre die Herstellung einfacher und feiner Ziemfthte, 
das Kunststopfen, die Figurenstickerei und das Restauriren 
von GobeUns eingeföhrt, für das laufende Jahr die Einrich- 
tung eines Lehrgangs in der Herstellung knotenloser Netz- 
geflechte (s. Kunstgewerbeblatt N. F. IV, S. 57), die Restau- 
rirung von Knüpfteppichen und das Sticken mit der Nfth- 
maschine genehmigt Durch einige kleine Änderungen kann 
man mit der Original Singer-N&hmaschine auch sticken und 
bedarf es dazu keines weiteren Appajrates. Die Bewegung 
der Maschine, welche viel langsamer gemacht werden muss, 
als beim N&hen, wird mit dem Fuß besorgt, die Arbeit der 
Hand mit Nadel und Fingerhut besorgt die Maschine und 
die Arbeiterin hat beide Hftnde frei, um die kreisrunden 
Rtthmchen, in welches der zu bestickende Stoff eingespannt 
ist, in beliebiger Weise zu führen. Eine geschickte Stickerin 
arbeitet leichter, angenehmer und rascher und kann damit 
prächtige Flachstickereien und Durchbrucbarbeiten selbst 
auf dem feinsten indischen Gazestoffe ausführen. Die von 
der Singer Manufacturing Comp, in New York ausgeführten 
Arbeiten waren zur Zeit der Generalversammlung im Ge- 
werbemuseum ausgestellt, die vielseitige Verwendung der 
Arbeit wurde allgemein bewundert und die Anmeldung zu 
den beiden Unterrichtskursen, von denen der eine auf drei 
Monate (zugleich mit Zeichnen), der andere auf zwei Monate 
bestimmt wurde, war eine recht lebhafte. 

JDüsseldorfm Qewerbemuaeum. Das in Errichtung be- 
griffene neue G^b&ude dürfte in diesem Jahre im Rohbau 
fertiggestellt werden und für die umfangreichen Sammlun- 
gen, die seit Jahren in Depoträumen fast unzugänglich sind, 
reichen. Auf den Bau und die innere Einrichtung konzen- 
triren sich augenblicklich die sämtlichen Kräfte und Mittel; 
die Ausbildung der Sammlungen und die praktische Ver- 
wertung tritt zur Zeit etwas zurück. Gleichwohl können 
einige Erwerbungen der letzten Zeit als für weitere Kreise 
interessant hervorgehoben Verden. Die gesteigerte Verwen- 
dung größerer Mittel zur Herstellung kunstvoller Paramente 
hat mehrere Grefelder Fabriken, nicht bloß die älteren, wie 
Casaretto und Dantzenberg, sondern auch die jüngeren, wie 
Gotzes, Ferlings und andere, zu einem regeren Wechsel von 
Mustern, zur Aufnahme von Dessins aus den alten mau- 
rischen, palermitanischen und lucchesischen Webstoffen des 
Mittelalters und zur Ausführung schwerer und kostbarer 
Goldbrokate veranlasst, um diese Thätigkeit zu unter- 
stützen, hat das Gewerbemuseum eine sehr große Kollektion 
mittelalterlicher Stoffe erworben. . Weil diese, meist von 
Reliquienhüllen stammend, ofb nur in unvollständigen Frag- 
menten zu beschaffen sind, sind durch den Zeichner des 
Museums farbige, den Originalzustand zeigende Zeichnungen, 
welche den vollständigen Rapport zeigen, angefertigt wor- 
den. Die prächtige Sammlung von persischen, türkischen 
und firühvenetianischen Goldbrokaten wurde um ein hervor- 
ragendes Stück vermehrt. Die Spitzensammlung wurde durch 
ein vollständig erhaltenes Haarnetz einer vornehmen Dame 
aus dem 14. Jahrhundert bereichert. Dieses Filet zeigt 38 
gestickte Wappen, von denen die zwei mittleren die Wappen 
des Grafen von Namur und des Grafen von Berg, die übri- 
gen verschiedene damit verwandte Geschlechter darstellen. 
Mit der Feststellung der Familien, welche bei der Kleinheit 
der Wappen und der frühen Zeit sehr schwierig ist, sind 
mehrere gelehrte Heraldiker beschäftigt. Ein österreichischer 
Bildhauer in Paris, der, früher Goldschmied, einen vorzüg- 
lichen Blick über die praktisch gut verwendbaren plastischen 



Metallarbeiten besitzt, hat sich der Mühe unterzogen, von 
Beschlägesammlungen in Paris und Orleans eine Auswahl 
für das Gewerbemuseum zu treffen, welche in hervorragen- 
den Proben die Entwickelung der MObelbeschläge Frank- 
reichs von Fran^ois I. bis zu Louis XVI darstellen und von 
der Beschlägefabrik Mackmann & Petersmann in Düsseldorf 
mit Erfolg nachgemacht werden. Auch wurde eine inner- 
halb mehrerer Jahrzehnte von einem hervorragenden ägyp- 
tischen Archäologen zusammengebrachte Kollektion von Glas- 
mosaiken , welche die hochentwickelte Glastechiiik der Pha- 
raonenlandee in der Zeit von 3000 v. Christo bis 1000 nach 
Christo in den köstlichsten und zierlichsten Proben zdgt, 
erworben und wird von dem hervorragendsten Glastechniker, 
Herrn Direktor Ranter (Ehrenfelder Glasfabrik) zur Zeit be- 
hufs praktischer Verwertung studirt — In den provisorischen 
Ausstellungsräumen wechselten in der letzten Zeit Bestecke, 
Möbel, Werkzeuge, Schmuckkästchen, amerikanische Be- 
schlfige, Glas und Tapeten, Rokokoporzellanfiguren, orien- 
talische und occidentale Bucheinbände. Im April wurden 
in einem Saale 205 Kunststickereien mit der Original Singer- 
Näbmaschine ausgeführt, von G. Neidlinger in Hamburg 
ausgestellt. Diese Ausstellung, welche vorher im Hambur- 
gischen Museum für Kunst und Gewerbe war und von Düssel- 
dorf zur Ausstellung nach Berlin gegangen ist, hat wegen 
der Bedeutsamkeit des Vorgangs, der Schönheit und dem 
Geschmack der Objekte bei der Frauenwelt * sehr großes 
Au£Behen erregt und war während der zehntägigen Aus- 
stellungsdauer von 11 693 Personen besucht. 

Zum „Oräflieh BrÜkV sehen Schwanen8ervi4:&^ (Kunst- 
gewerbeblatt März 1894). Das Kunstgewerbemuseum in Köln 
hat von seinen Doppelstücken des genannten Services an 
andere Museen abgegeben, und so sind auch drei Stücke 
desselben an die Sammlung des Kunstgewerbemuseums in 
Straßburg gekommen. Bei der Vergleichung mit einem ans 
dem Besitz weiland des Königs Ludwig II. von Bayern 1887 
an die Strafiburger Sammlung gekommenen Kaffeeservice, 
bestehend aus zwölf Stücken, welches das Schwerterzeichen 
von Meißen trägt, fand sich, dass dieses Service nach dem 
Muster, wahrscheinlich nach den alten Formen des Brühl- 
schen Services und des zweiten Kölner Exemplars gearbeitet 
ist. In einer Brotscbale und der Platte zeigt die figürliche 
Dekoration „im Spiegel im flachen Relief ein Paar Schwäne 
auf Wellen schwimmend; zwischen dem Schilfe sitzt ein 
Reiher verborgen, Über ihnen schwebt ein zweiter Reiher 
herab'*. In einem Kumpchen unseres Besitzes zeigt sich 
dieses Relief an der Außenseite, ebenso wie an den Kaimen, 
Tassen und Dosen. Während im Kölner Exemplar das Relief 
hier und da leicht, mit Purpur angetuscht ist und diese' Art 
von Malerei sich in Blumen und Blättern auf Rippung und 
Rand fortsetzt, ist an dem modernen Strafiburger Exemplar 
eine naturalistische Bemalung des Wassers, des Schilfes, der 
Schwäne und Reiher gewählt Die Blumendekoration ist 
weggelassen, was der Gesamtwirkung nicht zu statten kommt. 
Interessant ist ein Vergleich zwischen dem milden milchigen 
Ton der alten Stücke mit dem scharfweißen Glänze des mo- 
dernen Exemplars, der nicht zu Gunsten des letzteren aus- 
föUt. Ob das Service auf Bestellung des Königs Ludwig II. 
angefertigt und in welchem Jahre es in seinen Besitz gelangt 
ist, vermag ich nicht festzustellen. Die Vorliebe des ver- 
storbenen Königs für das Sohwanenmotiv ist bekannt. 
Straßburg i. E. a, SOHRICKER, 



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SegrSndet 1878. 



Bewerbungsausschpeiben betrefffeiul. 

Im Abschlösse an das Bewerbua^aasschreiben des akademischen Rates 
vom 10. Dezember v. J., Wandgemälde für die Aula der teehnischen Staats- 
lehranetalten in CbemnitE betretfend, wird hierdurch bekannt gegeben, dass 
beschlossen worden ist, die Maße der Bewerbtingsentwürie von Vio 
auf Vs ^^^ natürlichen Gröfie zn erhöhen, demnach auf 42 cm Breite und 
90 cm Höhe für die Skizzen zu den beiden Gemälden ftlr die Langwand und 
für die eine Schmalseite und auf 42 cm Breite uud 40 cm Höhe für die 
Skizzen zu dem Gem&lde für die andere Schmalseite (Kathederwand). 

Dresden, den 19. März 1S94. 

(809J Der akademische Bat. 



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Entwurf zu einer Hauschronik von Ernst Härriag. 

Zweiler Preii der MonitikonkaneDi d«* Vetcini fltr dentMhe« KuottEewerbe In Berlin, April 189a. 
KuDSteeverbeblatt N. F, V. Utkatr. Amtalt na I. G. IWötch» ™ Ltlsäf. 



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Entwurf zu einer Hauschronik von Ernst Härring. 

Zweiter Preis der Monatskonkurrenz des Vereins fllr deutsches Kunstgewerbe in Berlin, April 189 a. 



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Amerikanische Plakatochrift 



AMERIKANISCHE REKLAMEPAPIERE. 







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IE amerikanisclien Reklame- 
papiere haben eine außer- 
ordentlicheEntwickelung er- 
fahren entsprechend dem 
Charakter unserer Zeit des 
Verkehrs^ der Schnelligkeit, 
der Allgegenwärtigkeit. Der 
abgelegenste Produzent will 
auch im Vordergründe an der Heerstraße sich zeigen 
und seine flüchtigen Zeitgenossen an seine Leistung 
erinnern. Er erreicht dies am besten durch die 
Reklamemittel, unter denen die Reklamepapiere mit 
ihren Schriften und Bildern wohl die ausgebildetsten 
und mächtigsten sind. 

Es versteht sich von selbst, dass die ftir diesen 
Zweck gearbeiteten Druckschriften und Bilder so be- 
schaffen sein müssen, dass sie eine mögUchst unver- 
gessliche Wirkung in der kürzesten Zeit, nur für 
einen flüchtigen Blick, auf die Yorübereilenden üben 
können. 

Mit diesem Verständnis haben die Amerikaner 
ihre Bildmotive und Schriften in der denkbarsten 
Einfachheit und Klarheit gebildet Ihre Reklame- 
schriften sind Ton der Art der lateinischen Lettern, 
wenige sind deutsche Muster. Allen eigen ist die 
freie, schonbewegte Eonturlinie, die flüssige glatte 
Pinselkurve, die durch Zeichnen mit dem ganzen 
vollen Arm sich gestaltet. Fem also liegt diesen 
Schriften der Charakter der Konstruktion, der geo- 
metrischen Einteüung mit Zirkel und Lineal und 
Centimetermaß. Darum haben diese mit der freien 
Hand geschaffenen Werke ein angenehmes, künst- 
lerisches, freies Aussehen und sind ihre Darsteller 
eine sehr geschickte Künstlerzunft, die auch andere 
Dinge in ihrem Repertoire behandelt, die ohne Vor- 

Knnstgewerbeblatt. N. F. V. H. 9. 



bilder ausübt, permanent neue Muster erfindet, welche 
die vorhandenen an Schönheit und Klarheit über- 
treffen. Leider giebt es eben noch nicht eine Zu- 
sammenstellung dieser freien Pinselschriften. Es 
wäre verdienstvoll, solche Muster zu sammeln, um 
sie zu uns zu importiren. Dort bedarf man ihrer 
nicht, weil die Muster überall im Großen existiren. 

Der Amerikaner ist im Maßstab sehr verwegen. 
Der Kaufmann^ welcher eine Seitenwand eines hohen 
Gebäudes für seine Reklame gemietet hat, befiehlt 
dem Schriftmaler, jene mit zwei Reihen Schrift zu 
bemalen, seinem Namen und seinem Artikel So 
muss der Maler von seinem Hängegerüst Riesen- 
kurven schwingen, wozu ihm weder Zirkel noch 
Lineal nützt. 

Klug ist die Beschränkung in der Fülle des 
Textes. Nur das Notigste, um den Zweck auszu- 
drücken^ wird genommen. Die wenigen Worte ge- 
statten natürUch eine sehr viel größere und wirkungs- 
vollere Darstellung, welche auf ungeheuere Entfernung 
schon lesbar ist. 

In diesem Punkte wird bei uns viel gesündigt. 
Es wird zu viel Text gegeben und derselbe daher 
auch nicht gelesen, weil keiner Zeit dazu hai Bei 
bildlichen Darstellungen soll alles Mögliche darauf 
sein und angebracht werden, was nachher wie ein 
reiches kleines Staffelbild, aber auch wie ein fleckiger 
Teppich natürlich unentwirrbar und unverständlich 
9a einen schnellen, kurzen Blick wirkt 

Eigentümlich ist, dass die amerikanischen Schrift- 
maler meist negativ arbeiten, d. h. auf einem lich- 
ten Grunde aufreichnen, dann mit der definitiven 
Hintergrundfarbe konturiren, die Buchstaben aus- 
sparen und den Grund znstreichen. 

Man wählt kräftige, reine Urfarben, vielfach 

20 



^pcciaL^cenei^ 

CONNECTICutl10nE3TORY 



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if* 



AmeTikanisehe PlakaUchriltBii. 



AMERIKANISCHE REKLAMEPAPIERE. 



155 



Ultramarin und englisch Rot auf Weiß, d. h. also 
die Landesfarben. Überhaupt ist die Absicht immer: 
weithin sichtbar und deutlich. Daher einfache, 
schnörkellose y meist recht fette Schriften, kraftig 
farbig auf lichtem Grunde und umgekehrt. 

Man ist bisweilen r&cksichtslos in der Erreichung 
des Reklamezweckes und kümmert sich nicht um 
die ästhetische Wirkung. So giebt es Bahnlinien, 
auf welchen man bei jedem Kilometer beim Blick 
aus dem Fenster die Riesenworte weiß auf blau 
liest: .Ghildren cry for Pitohers Gastoria^ (Sander 
schreien nach Pitchers Castoria), was dem Reisenden 
den Genuss der Landschaft gründlich verdirbt, oder 
ganze Dörfer und Yorstadtteile sind mit schwarzer 
Ölfarbe zugestrichen, und in jeder Perspektive liest 
man auf den Dächern und Wänden die lichtgelben 
Buchstaben «Hoods Sarsaparilla*. Die Wirkung ist 
so ungeheuer krass, dass man nicht Fenster und 
Thüren, sondern nur diese teuflischen Lettern sieht. 
Dieses Prinzip ist nicht zur Nachahmung zu em- 
pfehlen. 

Von sehr künstlerischer Ausbildimg sind die 
Theaterzettel Die Theater haben in der Stadt ge- 
mietete Flächen mit einem feststehend geschriebenen 
Kopf, in welche sie die nach deren Maßen gedruck- 
ten Zettel hineinkleben lassen. Auch giebt es Kom- 
pagnieen, welche solche Reklamestände längs den 
Straßenbahnen, an geringeren Häusern und unbe- 
bauten Gbrundstücken im Verkehrscentrum bauen 
und vermieten. Die Anzeigepapiere sind bisweilen 
6:4 m groß und werden dann natürlich in etwa 
24 Teilen gedruckt und nachher nebeneinander ge- 
klebt. Die Illustrationen sind meist lebensgroß, bis- 
weilen überlebensgroß, namenüich behebt ist dieser 
manchmal zehnfache Maßstab für Porträtköpfe her- 
vorragender Theaterkünstler. 

Man giebt ganz realistische farbige Darstellungen 
auf weißem oder sehr lichtem Grund, wodurch eine 
lebendige klare Wirkung weithin entsteht. Es ist 
Brauch, die Theaterkünstler als Porträts in ihren 
Rollen teils allein, teils in ganzen Scenenporträts zu 
geben. Über dem Bilde ist in kurzen Worten das 
Stück und der Künstler angezeigt, die anderen Mel- 
dungen bringt ein besonderer, darunter geklebter 
farbiger Zettel Diese Porträtreklame, die so in- 
teressant und anziehend wirkt, ist natürlich mit der 



Hilfe der Photographie nach dem Leben so ausge- 
bildet worden; der Lithograph zeichnet diese Mo- 
mentphotographieen von dem spielenden Schauspieler 
lebensgroß auf den Stein und ebenso die Farben- 
platten. 

Alle diese Papiere zeigen wieder die bewusste 
Beschränkung, Einfachheit und Klarheit. Kräftige 
wirkungsvolle Kontraste, farbige dunkle Darstellungen 
auf weißem Grunde. 

Neben dieser Reklame im größten Maßstabe 
blüht jene Miniaturart von unzähligen gedruckten 
imd reich illustrirten Geschaftsanzeigen, die beson- 
ders durch die eminenten Leistungen der modernen 
mechanischen Darstellungsmittel, der Photographie 
und Druck- und Reproduktionsverfahren so gewaltig 
entwickelt ist. Sie arbeitet rasend schnell, leistet 
ungeheures und dieses billig, darum bedient sich 
jeder derselben. 

Diese Kunst ist sehr fruchtbar, wechselt fortwäh- 
rend und bietet trotz dieser flüchtigen Vergänglich- 
keit ganz entzückende Erscheinungen. Das Streben 
nach der Abwechslung, dem Neuen, herrscht bei ihr 
besonders stark, und es wird wirklich sehr Origi- 
nelles geboren. 

Hierher gehört jene gewaltige Farbendruckin- 
dustrie, welche sich mit Glückwunschkarten, Erinne- 
rungsblättem, Albums, Karten u. s. w. beschäftdgt. 
Wundervoll ausgestattet sind die Reklamekarten, 
welche die Eisenbahnen zur Empfehlung ihrer Linien 
gratis verteilen; sie bringen reizende Landschaftsbilder, 
Vignetten', Text, Bahnkarten, Fahrpläne, Tabellen, 
Annoncen u.s. w., das Ganze in praktischem klein- 
gefaltetem Format Die Reproduktionen nach Pho- 
tographieen landschaftlicher Sehenswürdigkeiten sind 
vortrefflich. 

Humoristisch und wirkungsvoll sind jene An- 
zeigen von Geschäftsleuten, welche ihr kleines Em- 
pfehlungsheftchen schon am Umschlag in seiner Be- 
deutung charakterisiren. So hat man Büchlein mit 
einem steifen, bunt gepressten Umschlag in Brot- 
form, in dem sich em Bäcker, in Hutform, in dem 
sich ein Hutmacher empfiehlt u. s. w. 

Bedeutende Reklamemittel sind das elektrische 

Licht und die Musik, über welche zu erzählen nicht 

hier der Ort ist. 

MAX SELIGER, Maler, 




20* 



ÖDMB.01I^M3 



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ACADEMY OF MUSIC 



ONE WEEK 



NONDlT.iaO 

iBH AM SATIIIAr. 1^^ V^^^^^ 



OPENING 

MATIHEEI WEHEIBir All SATIIIAf. 



Amerikauiachea KekItiDG- Plakat. 



Ameiikuiuohei Rekluns- Plakat. 



BEMERKUNGEN 
ÜBER DIE AUFSTELLUNG VON SAMMLUNGSGEGEN- 
STÄNDEN KUNSTGEWERBLICHER ART. 



VON £. tr. VBISCE. 



IE nacbfolgenden Bemerkun- 
gen wurden von dem Ver- 
fasser bei der DurcLarbei- 
tung einer Sammlung älte- 
rer kunstgewerblicber Eiv 
Zeugnisse auf Orund seiner 
bereits in anderen Saomi- 
lungen gemachten Erfah- 
rungen zusammengestellt. Dr. W. r. Seidlitz bat 
dazu den Abschnitt a sowie die Anmerkungen zu 
den übrigen Abechnitten auf Grund der in der nen- 
aufgestellten Skulpturen Sammlung zu Dresden und 
dem zoologischen Museums daselbst getroffenen Ein- 
richtungen, sowie der in den neueren englischen und 
franzSsischen Sammlungen gemachten Erfahrungen 
beigesteuert. 

Vollständigkeit wurde dabei nicht angestrebt, 
da ja jede Sammlung je nach ihrer Zusanuuensetzung 
und ihrem Zwecke besondere Einrichtungen zu treffen 
hat; doch läest sich hoffentlich auf diesem Wege 
wenigstens eine Einigung über die bei der Aufstel- 
lung zu befolgenden Grundsätze anbahnen. 

a) Sammlungsschränke. 
Da ein Hauptzweck der Schränke und Pulte in 
der Abhaltung des Staubes besteht, so ist vor allem 
auf guten Verschluss zn sehen. Deshalb eignet sich 
Eisen (unter Anwendung der nötigen Verdichtungen) 
am besten fOr deren Konstruktion. Die Form des 



Qestelle muss nicht zu mager, aber in den Profilen 
mßglichstBchlichtsein. Ein dunkelgrauer, wieschwarz 
wirkender Anstrich ist am meisten zu empfehlen. 
Soll das Innere keine ausgesprochene Farbe er- 
halten, so eignet sich dafQr ein heller schiefergrauer 
Anstrich, 

Vor allem ist bei den Schränken eine zu große 
Tiefe und eine zu große Höhe zn vermeiden. FQf 
Gegenstände mittlerer Größe kann eine Höhe bis zn 
2 Vi m und eine Breite bis zu l'/i m etwa ange- 
nommen werden. Der größte und beste Luxus be- 
steht in möglichst großen nnd reinen Glasscheiben, 
höchstens mit nur einer möglichst dOnnen Horizon- 
talteilung etwas über Augenhöhe. Für besonders 
feine Gegenstände ist, wenn möglich, Spiegelglas zu 
verwenden. Vorkehrungen gegen das Kippen der 
Schränke mGssen dabei selhstvers^ndlich getroffen 
werden. 

Die Abteilungen innerhalb des Scbrankes sind 
nicht feststehend zu machen, sondern auf verstell- 
baren Eisenschienen ruhend und so, dass die ein- 
zelnen Heiben nach Bedarf bald mehr bald weniger 
vorgerückt werden können. Die Verwendung von 
(an der Schnittfläche matt geschliffenen) Glasplatten 
empfiehlt sich dabei, damit das Licht durchfallen 
kann. Bisweilen ist damit freilich der Nachteil ver- 
bunden, dass die Gegenstände nicht auf ihrem Platze 
fest stehen. Der ganze Inhalt eines Schrankes bezw. 
einer Schrankseite mnss mit einem Blick Übersehen 



BEMERKUNGEN ÜBER DIE AUFSTELLUNG VON SAMMLUNGSGEGENSTANDEN. 159 



werden können. Flache Gegenstande werden daher, 
namentlich in den unteren Reihen, mit Vorteil auf 
schrägen Flächen anzubringen sein. Der Unterteil 
der Schränke und Pulte ist zu Depotzwecken zu ver- 
wenden. Stoßen zwei Schränke mit der Rückwand 
an einander, so macht sich die Anbringung einer 
festen Scheidewand nötig. Der Oberteil wird, wo 
die Lichtverhältnisse dies gestatten, am besten mit 
Milchglas abgedeckt, sonst mit gewöhnlichem Glas. 
Auf dem Sims können größere, dekorativ wirkende 
Gegenstände mit Vorteil ihre Aufstellung finden. 

Freistehende schmale hohe Glasschränke haben 
leicht abgeschrägte, mit Stoff überzogene Gestelle 
aufzunehmen, an deren vier Seiten die Gegenstande 
befestigt werden. Auf der Oberkante dieser Gestelle 
können, etwas unter Augenhöhe, diejenigen Stücke 
Aufstellung finden, die von allen Seiten gesehen wer- 
den sollen. 

Die Pulte sollen an allen Seiten verglast sein 
und einen sanft ansteigenden Boden haben. Werden 
steil ansteigende Pulte, die eine beträchtliche Aus- 
nutzung des Raumes gestatten und den Gegenstän- 
den gutes Licht sichern, mit dem Rücken an einan- 
der gestellt, so können über ihrer Berührungslinie 
noch Rahmen für Stoffe, Bilder oder dergL ange- 
bracht werden. 

Abbildungen solcher Sammlungsmöbel, mit 
Maßen, sind im Jahre 1886 unter dem Titel: Glas- 
schränke und Ausstellungsvorrichtungen im Kgl. 
Kunstgewerbemuseum zu Berlin (Verlag von E. 
Wasmuth) von der Generalverwaltung der KgL Mu- 
seen veröffentlicht worden (Preis 12 M.). Nur em- 
pfiehlt es sich nicht, die Schrankthür, wie dort, an 
die Seite zu verlegen, da das Herausziehen der Bret- 
ter oder Gestelle große Schwierigkeiten bereitet, ja 
gefahrlich ist. — Fernere sehr eingehende Angaben 
über Schränke und sonstige Einrichtungen bieten die 
beiden von vielen Abbildungen b^leiteten Berichte 
des Direktors des kgL zoologischen und anthropolo- 
gisch-ethnographischen Museums in Dresden, Hof- 
rat Dr. A. C. Meyer, in den «Abhandlungen und 
Berichten^ des genannten Museums, Jahrgang 1886/87 
und Jahrgang 1892/93 (in gr. 4^). 

b) Unterbringung in Schränken. 

1. Die einzelnen Stücke werden, je nach der 
Natur der Sammlung,, entweder in chronologischer 
oder systematischer Weise angeordnet Der nicht 
gewählte Gesichtspunkt wird innerhalb der Haupt- 
gruppen zum maßgebenden. Also z. B. wenn Fayen- 
cen zusammengestellt werden, so sind sie nach Län- 



dern zu gruppiren und innerhalb dieser nach der 
Zeitfolge anzuordnen. 

2. Aus den so erhaltenen Gruppen sind die- 
jenigen Stücke auszuwählen, die der öffentlichen Aus- 
stellung wert befunden werden, während der Rest 
deponirt bezw. verschlossen wird. 

3. Die Unterbringung der ausgewählten Stücke 
hat in den Schränken und Pulten unter Hervor- 
hebung besonders ausgezeichneter Stücke in mög- 
lichst gefälligem Aufbau zu erfolgen. Alles schema- 
tische Nebeneinander ist als die Wirkung der ein- 
zelnen Stücke beeinträchtigend und für das Auge er- 
müdend zu vermeiden. Ebenso alles Hintereinander.^) 

4. Von größter Wichtigkeit ist es, bei Auf- 
stellung der Gegenstände zu prüfen, ob diese nach 
ihren Profilen, ihrer Farbe, dem Lüster u. s. w. für 
eine Betrachtung von Oben, in Augenhöhe oder 
von Unten gedacht sind. Bei einem alten Messing- 
leuchter hängt z. B. die ganze Wirkung davon ab, 
ob er hoch oder niedrig aufgestellt ist 

5. Die Anbringung, Aufstellung und Befestigung 
der einzelnen Gegenstände in den Schränken u. s. w. 
muss bei vollkommener Zuverlässigkeit doch derartig 
beschaffen sein, dass dabei mechanische Verletzungen 
ausgeschlossen, ein Abnehmen der Gegenstände auch 
jederzeit leicht und mühelos möglich ist. Sollen 
Gegenstände an den Wänden befestigt werden, so 
sind sie mittelst Drahtgestellen oder Drahtösen an- 
zuhängen. 

6. Zur Erzielung der günstigsten Wirkung ist 
es notwendig, das Innere der Schränke mit einem 
dunklen Stoff zu bekleiden. Auch ein matter Wachs- 
£Eu:bengrund wirkt gut; Olfarbengrund di^egen ruft 
zu viel Befiexe hervor.^ 

1) Damit die Gegenst&ude gat gesehen werden kOnnen, 
ist es erforderlich, de so nali als möglich an die Glasfläche 
zn stellen. Stücke, die ein individuelles Geprftge tragen, 
müssen möglichst isolirt und dadurch hervorgehoben werden. 
Eine vorteilhafte Grappirung wird durch Verwendung von 
Etageren verschiedener Qröße, die auch aufeinander gestellt 
werden können, sowie von quadratischen Holzklötzen ver- 
schiedener Größe, die entweder mattschwarz zu halten oder 
mit Stoff zu beziehen sind, erleichtert. Auch wo es die 
Gmppimng nicht gerade erfordert, wirkt die Au&tellong 
eines Gegenstandes auf einem, wenn auch nur niedrigen und 
nur ganz einfach profilirten Untersatz gQnstig. Kleine Stücke 
sind auf schwarz gestrichenen metallenen St&tzen anzubrin- 
gen, die auf kleinem runden Fufi ruhen, oder an ebenso 
behandelten einfachen, dünnen Galgen aufzuhängen. Bei 
verschiedenfarbigen Gegenständen sind die in der gleichen 
Farbe gehaltenen möglichst zusammenzustellen, nicht aber 
symmetrisch mit anderen Farben wechselnd zu gruppiren, 
da dadurch das Auge zu sehr von dem einzelnen Objekt 
abgezogen wird. 

2) In den meisten F&llen erweist sich ein dunkelroter 



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ACADEMY OF MUSICl 

lONEWEEK 

OPENING 

MWmE« WtlllEIMr INI ÜTUÜMT. 



lONDlTJ 




AmerlktniadheB Beklonte - PlakM. 



BEMERKUNGEN ÜBER DIE AUFSTELLUNG VON SAMMLUNGSGEGENSTÄNDEN. 161 



c) Äfibringung der Inventarntimmern. 

Vor allem ist anzustreben, dass jedes Stück, be- 
züglich jeder lose Teil eines Stückes seine feste In- 
ventamnmmer habe, die mit ihm so fest za verbin- 
den ist, dass nur besondere absichtliche Maßnahmen, 
nie der Zufall sie beseitigen kann. Somit muss jeder 
Gegenstand seine Nummer selbst tragen, sei es dass 
dieselbe ihm aufgeschrieben oder, wo dies nicht 
möglich ist, mittelst eines kleinen, mit unauslösch- 
licher Tinte beschriebenen Pergamentblättchens an- 
gebunden wird. 

Dies ist um so notwendiger, als jede plötzlich 
einmal erforderlich werdende Bewegung der Samm- 
lung unfehlbar zu einer Unordnung führen müsste, 
welche den Vers\ich einer späteren Feststellung der 
Nummern, der späteren Feststellung des Vorhande- 
nen, sowie den sicheren, juristischen Nachweis des 
Fehlenden fast zur Unmöglichkeit machen müsste. 
Aber auch bei einer mit Muße vorgenommenen Um- 
stellung würde die bloß provisorische Anbringung 
der Inventamammern doch nicht die erforderliche 
vollkommenste Sicherheit bieten. 

Die Arbeit kann von jedem Zeichner, der mit 
dem Spitzpinsel zu schreiben versteht, leicht und in 
wenig Zeit ausgeführt werden. Am geeignetsten 
dazu ist gute chinesische Tusche, kurz vor der Be- 
nutzung mit Siccativ gemischt Die Zusammenstel- 
lung ist einfach, die schnell getrocknete Lischrift 
nur durch chemische Mittel zu beseitigen. Schwarze 
Farbe bleibt für solche Numerirung erfahrungsgemäß 
die günstigste. Bei dunklem Grund, z. B. Eisen, wo 
-die Bezeichnung in schwarzer Farbe nicht die er- 
forderliche Deutlichkeit haben würde, kann Saturn- 
rot mit Siccativ angewendet werden. 



(sang de boeiif) BaümwoUenstoff (da Wollenstoff von den 
Motten leidet) als der beste Hintergrand. Auch Dunkelreseda 
wirkt günstig. Für besonders kostbare Stficke ist dunkel- 
blauer oder auch dunkelbrauner Sammet zu empfehlen; für 
kleine Gh>ld8achen schwarzer oder weißer Sammet als Unter- 
lage. Schreiende Farben sowie andererseits die ins Braune 
gebrochenen sind durchaus zu vermeiden. Soweit es sich 
um den Hinter- oder Untergrund fGir einzelne Stücke handelt, 
sind die beiden folgenden Regeln zu beachten: 1) dass helle 
Gegenstände von dunklem Grunde sich abzuheben haben 
und umgekehrt; 2) dass f&r den Grund möglichst die Eom- 
plementärfarbe zu der des Gegenstandes zu w&hlen ist, also 
f&r einen roten Gegenstand grüner, fär einen blauen gelber 
Grund und umgekehrt Weiße Gegenstände heben sich gut 
von mattem Schwarz ab, das seinerseits eine grau -blaue 
Einfassung erhalten kann. 



Aus praktischen Gründen empfiehlt es sich wei* 
ter, der Nummer an jedem Gegenstände immer mög- 
lichst denselben Platz zu geben, z. B. unten rechts. 
Als die deutlichste Schrift ist die Rundschrift zu 
empfehlen, welche auch möglichst kleine Zahlen 
gestattet 

Unpraktisch, ja gefahrlich ist es, eine doppelte, 
etwa noch eine Eatalognümmer an den Gegenständen 
selbst anzubringen. Stücke, die zusammengehören 
und namentlich aufbewahrt werden, erhalten eine 
und dieselbe Nummer und werden nur durch einen 
hinzuzusetzenden Buchstaben unterschieden, also 
632 a, 632 b, 632 c u. s. w. 

d) Bexeüekmg, 

Jeder ausgestellte Gegenstand oder jede Gruppe 
gleichartiger Gegenstände hat ein Etikett (ein Er- 
läuterungstafelchen) zu erhalten. Darauf ist anzu- 
geben: Name und Zweck des Gegenstandes oder der 
Gruppe, Name des Verfertigers, des Entstehungs- 
ortes, Material, Dekor und Technik, Entstehungszeit 
und etwaige historische Beziehungen zu früheren 
Besitzern. Endlich auch etwa auf den Gegenständen 
befindliche Bezeichnungen wie Namen, Jahreszahlen, 
Marken u. s. w. 

Auf diese Weise wird der Beschauer am besten 
für das Betrachten und Studiren der Gegenstände 
gewonnen. Namentlich der einfachere Mann, der 
mit Katalogen nicht umzugehen weiß und gewöhn- 
lich auch schon die Ausgabe für den Katalog ver- 
meidet, wird dadurch zum Studium angeregt werden, 
während er jetzt der Masse von Gegenständen teil- 
nahmslos gegenübersteht und nur für besonders ins 
Auge fallende Merkwürdigkeiten mehr ein naives 
Erstaunen als wirkliches Interesse empfindet. *) Vor- 
bildlich ausgefOhrt ist eine solche Bezettelung an 
dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. 



1) Zu Etiketten, auch Aufschriften in allen GrOften eig- 
nen sich am besten mattschwarze T&felchen von Karton 
oder Blech, die mit mattem Gold beschrieben und durch 
eine ebensolche schmale Linie eingefasst werden. Bei un- 
günstigen Lichtverhältnissen bleibt freilich nichts anderes 
übrig, als die schwarze Schrift auf weißem Grunde beizu- 
behalten. Die Täfelchen kOnnen auf kleinen pultförmigen 
metallenen Ständern oder auch auf dreiseitigen schwarzen 
Holzklotzchen befestigt werden, die neben den Gegenstand 
zu stellen sind. Am besten ist es, wenn sie gleich an der 
Vorderseite des Gestells, die dann abzuschrägen ist, befestigt 
werden kOnnen. 



Knnstgewerbeblatt. N. F. V. H. 9. 



21 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



bOcherschau. 

Dfo AuvUUBBg TOB Kma aiwrkm m aiam dam Zcit- 
attar TUadzieVs daa Or o — » sb BartiB. Berlin. 
O.arMieheVerUgibatbbaitilaiig.ltm. 4°. Mit22Iicht- 
dmc^en nnd TexUnUern. 

Die SaiutgeMäüchtUche Oeaellacbaft in Berlin veiui- 
italtete im April, Hai und Joni 1892 eine Anwtelliing von 
KnmtweAen ao« dem Zeitalter Friedrich*! dei Oroten in 
Berliner PriTBtbentt. Die AoMtelliiDg wv dorcb mancberlei 
Beitfftge au den Scbfitzen der königlichen SchlOaHX und 
aot Prirataammlnngen reich beacbickt worden nnd bot ein 
vielteitige* Bild der fremden nnd heimiiclien Arbeiten, die 
unter dem groSen KOnig in Berlin entstanden nnd oder 
•einem Oetobmack flue EinfBbrang verdanken. Ober die 
einielnen Gmppen der Anntellong haben Mitglieder der 
Oeeellscbaft in dem .^ahrbnch der königlich prenBischen 
Rnntteammlnngen" Bericbte geliefert, nnd am die Anregung 
der Aomtellnng oneh aof weitere Kreiae wirken zn Innen, 
hat der Toratand der QesellKhaft diese AnMtxe la einer 
ErinnernngMchrift vereinigt. Der'gedic^en aiugeatattet« Band 
enthalt 22 Lichtdracktafeln nnd eine Reihe von Abbildun- 
gen in ZinkBisang nach den hervorragendsten O^enständea 
der Anntellang. Noch einer Einleitung von W. Bode giebt 
P. Seidel nach grflndliehen archivoliichen Foncbnngen zwei 
Stadien fiber Friedrich den OroSen als Sammler von Ge- 
mälden nnd Sknlptaren and Ober das Bildbaaerafelier Fried- 
rieh's des OroBeu nnd seine Inhaber. Das Mobiliar behandelt 
R. Qraal, Silber- nnd Ooldschmiedelninst Fr. Sarre. Gehei- 
mer Rat K. LOders hat langjährige Beobachtmigen in einem 
Aaftatz fiber die Berliner Forzellanmannßiktnr niedergelegt. 
Die anagestellten Poraellane der MeiSener Hana&ktnr be- 
bandelt W. von Seidlitz, die franzOaiBcfaett Porzellane, welche 
in einigen guten Beispielen von Vincennes and S^vree ver- 
treten waren, bespricht R. Stettioer, der auch an der Ent- 
stehung des ganzen Werkes verdienstlichen Anteil bat. Mit 
Erlaobnis der Terlagabncb handlang kSnnen wir einige der 



Texlillastrationen beifolgend reprodosiien. Man darf der 
KanstgtBchichtlicben Geeellecfasft fllr ihre ferneren TMVDcbe 
cor Hebung des Verrt&nduissee für Utere Knut besten Erfolg 
wünschen. 

Dia 'VladBBd* bd Kambo^. 50 Uchtdracke von Sari 
Ortete. Mit einer geecbichtlichen Eiuleitnng nnd erläa- 
teradem Text von Dr. F. Voigt. 18M. Drtick nnd Verlag 
von Karl Griese, Hamburg. 
Daa allea, was einst deoteche Gane and St&mrae an Elei- 
dang nnd Hanstat, au Bauart der HDtten, Sprache, Sitten 
and Oebrfiachen charakteristisch von einaader schied, in 
Absterben nnd Enlachwinden b^priffen ist, wer von den Fteon- 
den dee Vaterlandes hitto dies nicht scbmerclich bedauert? 
unaufhaltsam, rückhaltlos vollzieht neb dieser Prozeea. und 
mit ihm geht ein gut StOck deutscher Kulturgeechichte, 
deutschen Gemflta verloren. So mancher, der, gedankenlos 
oder geldbungrig, das letzte „Altertum" hingiebt, ahnt nicht, 
das« damit auch ein StOek Oeechichte, «n Stack Seele seines 
Hanses für immer dahingeht. Was nicht in Museen nnd 
Knnstsammlnngen wandert, das nimmt gewöhnlich — und 
auch das ist eine Satire auf unsere Zeit! — in jene Pmnk- 
wobnongen seinen Weg, wo alles andere eher, als dentscbe 
Art and Sitte gepBegt wird. Das treue kernige Bajemvolk 
des Hochlandes ausgenommen, ist heute jeder Gan ängstlich 
bestrebt, es den St&dtern gleich eu thnn. Oberall in Deutsch- 
land tritt ans diese betrübende Eischeinuiig entgegen. Ob 
man Ober die nordfriesischen Inseln oder durch den alten 
Wasgan wandert. Ober die Ode Eifel oder durch den grünen 
Spessart sieht, im Riesengebirge oder Tbürii^er Wald, RfaOn 
oder Schwarcwald — es bleibt sich gleich. Alles drängt 
gleichem nach Eintönigkeit, nach Aufhebung jeder Eigen- 
art. Man ist nicht mehr stolz auf der Väter Eibe. Darin 
liegt die Waczel alles Obels. Späteren Zeitgenossen noch 
ein getrene« Bild dessen zn geben , was einst die Vierlande, 
dieser Gemüse-, Obet- and Blamengarten Hamburgs, dem 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



163 



Besucher boten an, SoDderart, an Reichtum de« Kanathand- 
werkii in der Aontattniig der Häuser, Kirchen, ans dieiem 
Wunsche heraiu iit obigM Werk jüngst erschienen. Aach 
da« echte Vierlandeu geht in seiner Eigenart dem Unter- 
gänge entgegen. Am Membei^ eq Hamburg konnte man 
■ich noch vor einigen ilahren an den schmnckeD lYachten 
der Frauen und M&dchen freuen. Heute f^lt die Tracht 
schon auf, nnd noch ein paar Jahre weiter, dann wird die 
Bmnnengestalt die eintige Vierifinderin am Hessbe^e sein, 
welche noch die Tracht der Vorfahren zeigt Der Teit des 
Werkes giebt eine eingehende Schilderung der Oeechichte 
der merkwürdigen Eolonieen der Yterlande, der Entstehang 
der einzelnen Deiche, der Rechts rerhAltoisse nnd politischen 
Wandinngen bis in die Neuzeit. Auch Herr Voigt läest die 
Frage offen, ob die erste Beaiedeinng der fetten Harschen 
von Niederländern oder Friesl&ndern erfolgte. Es bleibt 
auch nicht aasgeschlosseo, dass aus dem alten Bardengan, 
insbesondere der Bardowiker Gegend, ön Zuzug erfolgte. 
Vielleicht hat sogai Bardowik selbst, nachdem Heinrich der 



dem Hamburger wird es Ton Interesse sein, jedem, der fttr 
das Wesen dentachen Volkstums QefDlil nnd Verständnis 
besitzt, wird es eine rechte Herzensfrende beruten. 

(Tgl. Rdachao.) 

I>*iitaoli* KTmotgawerlieieiohiier, Ein Adressbuch 
deutocher EOnstler, die sich mit Entwerfen kunstgewerb- 
liober Gegenstände befassen. Nebst beigegebenen Probe- 
entwürfen, herausgegeben von Artw Seemann. Zureite 
Rede. Leipzig, Artnr Seemann. M. 4. — . (Teil I und II 
geb. M. 9.-.) 
Dem ersten Teile dieses nOtzlichen Werkes, der im Ok- 
tober erschien, ist der zweite nunmehr gefolgt nnd wird 
wohl allen Besitzern der I. Reihe willkommen sein. Er 
umfasst eben&lla 100 Entwürfe der verschiedensten Art. 
Die Urheber sind in allen Teilen Deutschlands verstreut von 
Breslau bis Crefeld, von Bozen bis Itzehoe; aacb answfirtige 
Deutsche, in Moskau und Kopenhagen, haben zu dem Werke 
beigetragen. Aus München haben sich diesmal 10 Teil- 



LOwe es bis in den Qrund zeratOrt nnd Über das Portal der 
MQustermine sein „Veatigia leonis" einmeiSeln lieä, einen 
Teil der Ansiedler geliefert. Fflr die Auswahl der Auftiahme 
der Lichtdmckbilder ist Wilhelm Weimar, der kunstsinnige 
Assistent am Hamburgischen Museum fflr Kunst und Ge- 
werbe. Berater nnd Führer gewesen. Ihm verdankt dieses 
Werk aach die originelle ^cbnong des Titelblattes, sowie 
eine Reihe Abbild nngen von Schmuckgegenst^den und Haus- 
rat der Vierlande. Zur Zeit ist Weimar vielleicht der beste 
Kenner der Vierlande, der in jedem Hanse dieser Marsch- 
dOrfer bekannt ist unt) schon manchen mtbekaunten Schatz 
daselbst den Sammlungen des Hamburger Museums über- 
mittelte. So fthrt er nns denn auf die Dielen, in die Wohn- 
räume nnd Scheunen der Bauernhäuser und Käthen, in die 
finSerlich so schlichten Kirchen, die im Innern eine so köst- 
liche Fülle von Werken der Schmiedekunst, Holzschnitzerei 
und Intaisienarbeit bergen. Er zeigt uns das Volk in seinem 
Feierstaat, beim Einbringen der Ernte, bei Arbeit und Qe- 
sang. Dazwischen sind stimmungsvolle Landsehaftsbilder 
eingestreut, 'den Reiz des Werkes zu erhöhen. Nicht nur 



nehm er gemeldet, dabei bekannte Namen, W, LinderuckmOU, 
B. Unger u, a.; aus der Reicbsbanptstadt 6guriren 14 Künst- 
ler; auch hier finden wir wohlbekannte GrOBen, E. Dotier 
d.j., Max Koch und einige vortreffliche jüngere Künstler, 
von denen wir zwei Entwürfe als Proben hier beigeben. 
Die einzelnen Entwürfe werden wohl verschiedenartige Be- 
urteilung finden, doch soll das Werk ja keine Vorlagensamm- 
Inng mustergOmger Leistungen, sondern ein Nachschlage- 
werk fflr allerlei Geschmacksrichtungen sein, in dem jeder 
Suchende einen branchbaren Nachweis findet. Wie sich har- 
aosstdlt, hat der 1. Teil des Werkes bereits manchem Künst- 
ler Aufträge zugeführt, und dieser Umstand dürfte allein 
schon hinreichen, die Verdienstlichkeit des Werkes sn er- 
weisen. — Bemerken müchten wir aber noch, das« nna bei 
der Durchsicht des II. Teils mitunter der Gedanke ange- 
stiegen ist, als hätten die Künstler nicht eben das aus- 
geführt, was ihnen leicht fällt, sondern das, was ihnen viel 
Mühe macht. Es ist ja eine bekannte Erscheinung, daos die 
Dinge, die dem Urheber besonders schwer fallen, von diesem 
gerade als anfterordentUche Leistung angesehen werden, So 
21* 



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166 



KLEINE MITTEILUNÖEN. 



hielt z. B. Richard Wagner bekanntlich seine Musik fiir 
viel weniger bedeutend als die Dichtungen, die er dazu 
schrieb, während Mit- und Nachwelt anders dachte, und 
so kann, wie es scheint, der Teztilz eichner, dem die Dar- 
stellung der Pflanze leicht fällt und der daher nur solche 
Proben seines Könnens geben sollte, es nicht lassen, Figuren 
zu zeichnen, die ihrem Urheber gewiss viel Mühe gemacht 
haben. Man sieht ihnen aber die Mühe an und das dient 
nicht zur Empfehlung des Künstlers. Nur mit dem, was er 
völlig' beherrscht, was er alle Tage zeichnet, sollte der 
Künstler hier erscheinen. Im allgemeinen befolgen die 
Künstler, die den Zweck des Werkes wohl eing^esehen haben, 
diese Regel. Darum kann auch dieser Teil denen, die die 
Hilfe von Zeichnern in Anspruch nehmen, warm empfohlen 
werden. 

VEREINE. 

-u- Bei*lin» Der Verein fUr deutsches Kunstgewerbe 
veranstaltete am Mittwoch den 9. Mai einen Fctchahend, an 
welchem besonders vergoldete Bronxen zur Besprechung und 
Vorlage gelangten. Die verschiedenen Techniken der galva- 
nischen und Feuervergoldung erläuterte Herr Fabrikant 
W. Quehl unter Hinweis auf die Ausstellung, älterer und 
neuerer Gegenstände. Darunter bewiesen die Arbeiteii« na- 
mentlich der Herren G. H. Preetz und Otto Rohloff, dass 
auch in Berlin vergoldete Bronze bester Art hergestellt wer- 
den kann, die sich mit Ehren neben den Proben ausländi- 
scher Industrie behaupten, welche die Herren R. Bellair 
& Co., H. Hirschwald und Adolph Növir ausgestellt hatten. 
In der Diskussion wurde der Wunsch laut, das Publikum 
möge die ernsthaften Versuche der heimischen Kunstindustrie 
besser würdigen und es dadurch Fabrikanten und Künstlern 
ermöglichen, auch durch Schaffung neuer Formen unfler 
Kunstgewerbe eigenartig und selbständig zu machen. — In 
der Konkurrenx des Vereins um Entwürfe zu einem Firmen^ 
Schild (uts Metall oder Eolx haben erhalten: den 1. Preis 
(80 M.) Zeichner Ludwig Sütterlin, den 2. und 3. Preis (60 
und 40 M.) SSeichner Eduard Liesen, einen Zusatzpreis (40 M.) 
Zeichner Heinrich Kieser. Mit ehrenvoller Erwähnung wur- 
den bedacht die Zeichner: Ferdinand Breucha, Anton Gerber 
und Emil Rockstroh. 

-u- BerHfu Im Verein für deutsches Kunstgewerbe hielt 
am Mittwoch den 23. Mai Professor E, Doepler d. j, einen 
Vortrag „Schrifl und Zeichnung im Kunstgewerbe'*. Schrift 
und Zeichnung im Buchdruck entstanden aus den Formen 
der Handschriften des späteren Mittelalters; die Formen so- 
wohl der Schrifb, wie auch der ausschmückenden Teile stamm- 
ten zumeist aus einer Hand und verliehen dadurch alten 
Druckwerken den einheitlichen Charakter, der in der Folge 
mit den Stilformen zwar wechselte, aber immer noch die Zu- 
sammengehörigkeit bewahrte. In unserer Zeit kranken die 
für den Buchdruck hergestellten Schmuckteile zumeist daran, 
dass sie nicht in der OriginaJgröfie gezeichnet werden, son- 
dern auf mechanischem Wege nach großem Originale in 
jede beliebige Kleinheit gebracht mit der Größe und Wir- 
kung der Typen selten übereinstimmen, eben jene Einheit- 
lichkeit der alten Werke vermissen lassen. Eine Reihe neuerer 
engHscher Buchdrucke aus der sehr interessanten modernen 
Bewegung in England lagen nebst einer Auswahl alter Drucke 
zur Veranschaulichung aus. 

BerUn. Der Verein Berold wird sein 25jähriges Stif- 
tungsfest voraussichtlich am 3. November d. J. begehen. 
Die Grundzüge der Feier sind bereits festgestellt; u. a. wird 
eine Festschrift unter Redaktion des Prof. Ad. M. Hilde- 
brandt erscheinen, für welche eine Reihe Abhandlungen und 



Illustrationen von hervorragenden Gelehrten und Künstlern 
auf heraldisch -genealogischem Gebiete zugesagt sind. Am 
2. November soll ein Begrüßnngsabend, am 3. eine öffent- 
liche Festsitzung und die Eröffnung der geplanten Heraldisch- 
kunstgewerblichen Ausstellung stattfinden. — Der im Jahre 
1869 von sieben Mitgliedern gestiftete Verein Herold ist 
gegenwärtig nicht nur Über ganz Deutschland, sondern auch 
in £&st allen übrigen Staaten Europas, sowie in Amerika, 
Asien und Afrika verbreitet; er zählt zu seinen Mitgliedern 
Angehörige regierender Häuser, des Adels, des Künstler-, 
Gelehrten- und Kaufmannstandes, sowie zahlreiche Kunst- 
gewerbetreibende. — Zu der Eeraldischen Ausstellung, welche 
der Verein im Lichthofe des Königl. Kunstgewerbemuse- 
ums veranstaltet, sind bereits zahlreiche ältere und neuere 
Kunstgegenstände angemeldet, darunter solche von sehr 
hohem Werte. Unter anderem werden hervorragende Stücke 
aus dem Besitz bedeutender Privatsammler dort zum ersten- 
mal besichtigt werden können. Von modernen Arbeiten sind 
besonders gemalte und geschliffene Gläser, sowie Lederschnitt- 
arbeiten zahlreich angemeldet — Für die Ausstellung ge- 
eignete Gegenstände können noch fortwährend bei Prof. Ad. 
M. Hildebrandt, Berlin W., DerffUngerstr. 20a, angemeldet 
werden. 

Magdeburg» Der Kunstgewerbeverein feierte am 4. Mai 
unter lebhafter Beteiligung sein 25jähriges Jubiläum. Der 
Oberpräsident der Provinz Sachsen, Excellenz von Pommer- 
Esche, der Landeshauptmann Graf Wintzingerode, der Ober- 
bürgermeister Magdeburgs Geheimrat Bötticher, zahlreiche 
Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversamm- 
lung, die früheren Vorsitzenden des Vereins und Vertreter 
auswärtiger Vereine nahmen an der Feier teil, die durch 
Gesang und orchestrale Musik, durch reichen Schmuck des 
Festsaales in besonderer Weise gehoben wurde« Der I. Vor- 
sitzende, Stadtrat Dnvigneau, begrüßte die Gäste und be- 
richtete in anschaulicher und launiger Weise von der 25 jäh- 
rigen Thätigkeit des Kunatgewerbevereins. Seine Rede gipfelte 
in einem Hoch auf den Kaiser. Nach kurzen musikalischen 
Einlagen folgte ein von dem Schriftführer des Vereins, Dr. 
Th. Volbehr, dem Vorsteher des städtischen Museums für 
Kunst und Kunstgewerbe, ver&sstes Festspiel. Die Spieler 
brachten ihre Rollen in trefflichster Weise zur (Geltung und 
ernteten reichen Beifall. Es folgten die Begrüßu^ des 
Oberpräsidenten durch den stellvertretenden Vorsitzenden, 
Stadtrat Voigtel, die Antwort Sr. Ezcellenz, die in einen 
Toast auf das Gedeihen des Vereins ausklang. Sodann er- 
folgte die Ernennung des Oberbürgermeisters von Magdeburg 
und des Landeshauptmanns der Provinz Sachsen zu Ehren- 
mitgliedern durch Überreichung künstlerisch ausgeführter 
Pergamenturkunden von der Hand des Malers Bemardelli, 
sowie die Begrüßung der beiden älteren anwesenden Ehren- 
mitglieder, der früheren Vorsitzenden: Kaufmann W. Schmidt- 
Braunschweig und Medizinalassessor Dr. Hartmann-Magdeburg. 
Das dritte der bisherigen Ehrenmitglieder, Geheimer Kom- 
merzienrat Grusen, war leider durch Krankheit femgehalten, 
hatte aber durch die Stiftung eines reich geschnitzten Red- 
nerpultes von neuem sein lebhaftes Interesse für den Verein 
an den Tag gelegt Graf Wintzingerode dankte in warmen 
Worten ftlr das überreichte Ehrendiplom und trank auf 
Magdeburgs WohL Nunmehr gruppierte sich der Gesamt- 
vorstand des Vereins um eine Staffelei, die eine Widmungs- 
tafel in Erz trug. Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, 
Bildhauer Habs und Stadtrat Voigtel traten vor und letzterer 
überreichte im Namen des Vereins dem Stadtrat Duvigneau 
als Zeichen unauslöschlicher Dankbarkeit für vieljährige be- 
geisternde Führung die Erztafel, deren knapp gehaltene 



168 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Widmung er yerlas. Cbeirascht, erfreut und ergrifiPen dankte 
der I. Vorsitzende. Von der fiberreichten Erztafel, die von 
Ferd. Moser, dem Direktor der Kunstgewerbeschule entworfen, 
vom Hofgraveur H. Held ausgeführt worden, wird die Juli- 
Dummer des Eunstgewerbeblattes eine Abbildung bringen. 
Der nächste Redner war der Oberbürgermeister, Geheimrat 
Bottichen Sein Hoch galt dem Vorstande des Kunstgewerbe- 
Vereins. Ihm folgte der frühere I. Vorsitzende, Medizinal- 
Assessor Dr. Hartmann, um in gebundener Rede, der Ver- 
gangenheit und der Gegenwart gedenkend, auf die Zukunft 
zu toasten; diesem der eine der beiden Vertreter, die der 
Hallesche Kunstgewerbeverein entsandt hatte, v. Brauchitz, 
der auf die guten Beziehungen der Kunstgewerbevereine 
trank. Zwischen verschiedenen anderen Rednern ergriff der 
Landeshauptmann Graf Wintzingerode nochmals das Wort, 
um auf die Frauen und Jungfrauen sein Glas zu leeren. Als 
der offizielle Teil zu später Stunde geschlossen wurde, er- 
hielt der Humor sein Recht und hielt noch lange, bis in die 
Frühstunden hinein, einen großen Teil der Festgenossen zu- 
sammen. . 

PREISAUSSCHREIBEN. 

Der allgemeine deutsche Sprachverein wünscht eine 
künstlerisch ausgestattete Wahlspruchtafel, welche geeignet 
ist, durch Druck vervielfältigt, in den Versammlungssälen 
der Zweigvereine oder auch in der Öffentlichkeit den Haupt- 
grundsatz des Vereins vor Augen zu stellen. Der Grundsatz 
lautet: „Kein Fremdwort für das, was deutsch gut aus- 
gedrückt werden kann" und muss so klar und in solcher 
Größe dargestellt sein, dass er auch in einiger Entfernung 
lesbar bleibt Außerdem hat die Bezeichnung „Allgemeiner 
deutscher Sprachverein" auf der Tafel Platz zu finden, und 
es ist ein leerer Raum zu lassen, auf dem in etwa 25 Druck- 
worten über die Beitrittsbedingungen bei den einzelnen Zweig- 
vereinen Aufklärung gegeben werden kann. Es werden 
Skizzen in beliebiger Größe verlangt, über deren Umarbei- 
tung für das Vervielfältigungs verfahren der Ausschuss sich 
vorbehält, mit dem Sieger im Wettbewerbe weitere Verein- 
barung zu treffen. Die Bildgröße der Vervielfältigung soll 
etwa 40 zu 50 cm betragen. Die Darstellungsart ist frei 
gegeben , die Wahl von mehr als zwei Farben jedoch aus- 
geschlossen. Die Entwürfe sind spätestens bis zum 1. August 
d. J. mittags 12 Uhr bei dem Schatzmeister Verlagsbuch- 
händler Eberhard Ernst, Berlin W., Wilhelmstraße 90, unter 
Kennwort nebst beigefügtem verschlossenen Briefumschlage, 
der den Namen des Urhebers enthält, einzureichen. Für 
den dem besten Entwürfe zu erteilenden Preis von 500 M. 
ist der Verfasser verpflichtet, auch die Zeichnung für die 
Vervielfältigung in der erforderlichen Größe herzustellen. 
Außerdem behält sich der Ausschuss vor, fernere Arbeiten 
zum Preise von je 100 M. anzukaufen. 

ZU DEN BILDERN. 

Die geätzte Steintafel auf Seite 164/5 ist wieder ein hüb- 
sches Beispiel von omamentaler Schrift. Wir möchten auch 
hierzu das im Kunstgewerbeblatt 1893, Seite 127, über „Schrift" 
Gesagte aufrecht erhalten und zur Beachtung empfehlen. 



Die Amberger Tafel ist 36 Jahre älter, als die im J. 1898 
Seite 124/125 abgebildete Schrifttafel aus der Rochuskapelle 
in Nürnberg und zeigt einen strengeren Charakter in den 
kleinen Buchstaben. Die Initialen bieten, wie bei allen alten 
ornamentalen Schriften, eine anregende Mannigfaltigkeit der 
Linienführung. Von Interesse dürfte auch das umkränzte 
Wappen der Stadt Amberg als Vorbild für Hochätzung sein. 
Größe der Tafel: 66 cm hoch, 47 cm breit w. W. 

In trefflicher Reproduktion aus der lithographischen 
Anstalt von J. G. Fritzsche in Leipzig bringen wir den Ent- 
wurf zu einer Hauschronik von E. Bärring in Berlin, die 
bei der Monatskonkurrenz des Vereins für deutsches Kunst- 
gewerbe in Berlin im April 1892 mit dem zweiten PreiK 
ausgezeichnet wurde; das Urteil bezeichnete den Entwarf 
als „hervorragend wegen origineller Zusammenstellung der 
Beschläge unter sehr gelungener Benutzung eines Flecht- 
motivs .und wegen maß voller Verwendung des Zierats über- 
haupt^'. 

BERICHTIGUNGEN. 

In EL 8 haben sich einige Irrtümer eingeschlichen, die 
wir in folgendem berichtigen: Das Gitterthor auf Seite 144 
ist vom Architekten Herrn Rockstroh in Berlin für den 
Neubau des Dienstgebäudes für das Reichsversicherungsamt 
in Berlin entworfen und von Ed. Puls ausgeführt. — Der 
Leuchtkörper für elektrisches Licht auf Seite 145 ist von 
dem Bildhauer Max. Levi, z. Z. in Rom im Jahre 1890 ent- 
worfen und von P. Stotz in Stuttgart ausgeführt worden. — 
Der Preis des auf Seite 151 abgebildeten Prunkschranks ist 
nicht, wie auf Seite 152 angegeben, 5000 M., sondern nur 
3000 M., was wir auf Wunsch des Künstlers, Herrn Fr. 
X. Weinzierl in München, noch nachträglich berichtigen. 

ZEITSCHRIFTEN. 
Bayerisehe Ctowerbeseitmig. 1894. Nr. 8/9. 

Die markffr&Oiche Porzellanfabrik Brackberg bei Ansbaoh. 
(Sohlugi.) Von Dr. J. Meyer. — BavemB bedeutendste Industrie- 
nnd Kanstanatalten : Die mathematisch -meofaanlsohe Weikstätte 
yon Albert Ott in Kempten. 

Baohgewerbeblatt. 1894. Heft 15/16. 

Benton's Maschine zum Schneiden oder Graviren von Schrift- 
Btemj^eln. — Ostermessfachansstellong des Mitteldeutschen Papier^ 
Vereins za LeipBi|:. — Neuerungen an Tiegeldruckpressen. Von 
C. Müller-LeiBzig. — The Printers International Specimen Bz- 
change. XIY. Band 189S. — Die Hauptversammlung des Börsen- 
vereins der deutschen Buchhändler su Leipzig. Kantate 189S. — 
Über Rotationsmaschinen. — Die Glührohrzundung bei Gas- nnd 
Petroleammotoren. — Reklamesohriften. 

Mittellimgeii des k« k. österrelohlflelieii Musemns für 
Knust und Industrie. 1894. Heft 5. 

Wiener Kongressausstellung im österreichischen Museum. — 
Das Rankenomament. Yon A. Riegl. — Eine Preisausschreibnng 
der Union centrale. 

Spreohsaal. 1894. Heft 18—20. 

Die Rechnungsergebnisse der Krankenversicherung in Österreich 
im Jahre 1898. — Der russische Vertragstarif. — Steingntthon. 
— Zur Geschichte der Schwarzwälder Glasindustrie. — tfber 
Plussblau auf Steingut. Von Dr. M. Heim. — Vorrichtungen 
zum Schleifen der Maßb&nder auf Becherglas. — Neue Brwer- 
bangen des kgl. Kunstgewerbemuseums in Berlin. — Die Heimat 
der Gehilfen und Arbeiter. — Zur Konstruktion der Brenndfen 
mit rücksohlagender Flamme. Von G. Steinbrecht. — Emails 
lür Metall. — Noch einige Bemerkungen über das Calciumplumbat. 

Zeltsolirift des Bayerischen Knns^ewerbeyereins. 1894« 
Heft 5. 

In Vergessenheit geratene keramische Spezialitäten. Von Dr. 
J. S t o c k b a u e r . — Des Handwerks gute alte Zeit. Ein Bild aas 
der Kulturgeschichte. Von H. GlUcksmann. 




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Herausgeber: Artkur Pabst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipzig. 

Druck von August Pries in Leipzig. 



Unter der Fresse befindet sich oud erscheint binnen kurzem im unterzeichneten Verlag: 
WOGVSBy Hermann, Professor, Direktor der Euostgewerbeschule Karlsruhe: 



Meine Reise nach Chicago # H # 
% H und die Kolunibische' 



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»UaJscr BaobMhtcr htkftHali TsrCuHr in vorerwähnter Broscbäre ein «tBfckndH, In kriltlgen Zügen bahandeltes Bild der kmnit- 
^cnerblliAm Abteilan^en Jener Wsltachatistellniiif , du dem Lasar eine ^rtart«^ »bei rallitiBd&a VbeisUkt and in atraog ob- 



Stnerblldm Abteilangen Jener Wsltadntistellnilg, au aem Lissur eine nurui», B _.._ .. ^ __ 

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gleiot en, <rM bei kBntligen AaMtellBDESB vermieden nnd Terbassert werden kann. — Der Brotcliüre sind » PUne beisefitgt. 

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!• par E. ilü>iiz, Bd. III. den wir der AufmerkBamkeit der Leser empfehlen. 



ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE 
DES MUHAMMEDANISCHEN ORNAMENTES. 



MIT ABBILDDNGEN. 



(Nachdruck verboten.) 



El der HerknnftabestimmuDg 
muslimischer Kunstwerke 
älterer Arbeit muss man 
sich noch Öfter, als erwDnscht 
sein kann, auf zeitlich und 
geographisch sehr allgemein 
gehaltene Bezeichnungen be- 
schränken. Der Eindruck 
der Fremiiartigkeit aller orientalischen kunstgewerb- 
lichen Arbeiten gegenüber den abendländischen und 
der Gleichartigkeit ihrer Ornamente untereinander 
ist ein so auffallender, dass das an europ^cben 
-Formen geschulte Aage darüber leicht die stilisti- 
schen Unterschiede Obersieht, die zwischen den Er- 
zeugnissen der einzelnen Eunstvölker des Islam, 
der Araber, Perser, Inder und 
Osmanen vorhanden sind. 

Der Aufgabe, innerhalb 
derGleicbartigkeitdermuhatn- 
medanischen Ornamente die 
Spuren nationaler Eigenart 
aufzusuchen, stellen sich er- 
hebliche Schwierigkeiten in 
den Weg. Dazu gehört in 
erster Linie die Seltenheit 
sicherer historischer Anhalts- 
punkte, jiie sie aus genau da- 
Irrten Kunstwerken sich er- 
geben. Die Moscheen, deren 
Bauzeiten bekannt Bind, könn- 
ten ein reiches Material zur 
Entwickelungsgeschichte des 

Flachomamentes bieten, aber Abb. i. Aitpeniiche FsysnoBsoiifli 

Krastcswerbablatt. N. 7. V. H. 10. 



ein großer Teil der bisher rorliegenden Publikationen 
orientalischer Bauwerke genügt nicht, um die Art 
ihrer Flächendekoration erkennen zu lassen. Nur 
wo die Verschiedenheit technischer^Verfahren maß- 
gebend mitspricht, wie in der Kunsttöpferei, gewinnt 
man rasch feste Kennzeichen und Merkmale der 
Unterscheidung. Ist man aber auf das Ornament 
allein angewiesen, so steht man häufig auf recht 
schwankendem Boden; denn die internationale Gleich- 
artigkeit des Ornamentes im Kulturbereicb des Islam 
ist, wenn auch vielfach überschätzt, doch eine un- 
leugbare Thatsache: einzelne Arten der Flächen- 
verzierung, wie die Arabeske, die geometrischen 
Linienmuster, kommen ohne für uns merkbare Unter- 
schiede im Osten wie im Westen, im Kunstgewerbe 
der Araber wie der Perser 
und Türken zur Anwendung. 
Und sie wiederholen sich nicht 
nur bei den verschiedenen 
Völkern, sie erhalten sich 
auch im wesentlichen unver- 
ändert durch Zeiträume von 
mehreren Jahrhunderten. 

Auf Grund dieser gesamt- 
islamitischen und konserva- 
tiven Zierformen allein kann 
man daher unmöglich zu lokal 
und zeitlich enger umgrenzten 
Bestimmungen gelangen. Mit 
der Arabeske und den geome- 
trischen Mustern, einen so 
breiten Raum sie auch in der 
.hrh. orientalischen Ornamentik ein- 



170 ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MüHAMMEDANISCHEN ORNAMENTES. 



nebmen , ist diese keineswegs encbSpft. Neben 
ibnen, Tielfach mit ihnen verbunden, finden sieb 
ornamentale Formen, die bestimmten Völkern und 
bestimmten Perioden eigentümlich sind. ' 

Es ist TOD hoher Wichtigkeit, diese Kennzeichen 
selbständiger Richtungen im Islam nnd den Zeit- 
punkt ihres Auftretens mit Hilfe der datirbaren 
Denkmäler festzustellen, auch wenn das Ergebnis 
□och ein Iflckenhaftes bleibt. Nur auf diesem Wege 
wird sich in das Dunkel, das bisher die Oeschichte 
des muhammedanischen Kunstgewerbes umhollt, eini- 
germaßen Licht und Ordnung brin- 
gen lassen. 

Ans einer breiten Übersicht des 
einschli^gen Denkmäler Vorrates, 
welchedie lokalen Ubergangaformen 
unbeachtet lasst und Hypothesen 
Aber die noch unbekannten Par* 
tieen vermeidet, ergeben sich vor- 
erst zwei große nationale Rich- 
tungen in der islamitischen Kunst, 
die zugleich ihfe zwei Hauptperi- 
oden bezeichnea 

In der ersten, die ungefähr die 
Zeit des Mittelalters umfasst, steht 
die eigentlich arabische oder besser 
gesi^ die weetaarazenische Ennat 
im Vordergründe. Die orientalischen 
Schriftsteller des Mittelalters ent- 
halten zahlreiche und tiberschwäng- 
liche Berichte über die BlUte des 
Kunstgewerbes in Mesopotamien, 
Syrien, Ägypten und Spanien; über 
die Zustände in Vorderasien da- 
gegen sind die Nachrichten dieser 
Zeit überaus spärlich. Der Eindruck 
der Vorherrschaft der westsaraze- 
nischen Kunst wird verstärkt durch 
den Umstand, dass fast alle mittelalterlichen kunst- 
gewerblichen Gegenstände, deren Herkunft bestimmt 
werden kann, sich als westsarazenische Arbeit er- 
weisen. 

In der zweiten Periode, der Neuzeit, tritt Vor- 
derasien an die Stelle der westlichen Hälfte des is- 
lamitischen Kulturgebietes; seit dem 16- Jahrhundert 
geht die Führung in der orientalischen Kunst von 
den Arabern auf die Perser, Inder und Türken 
über. 

Die Trennung zwischen der westsarazenischen 
und der vorderasiatischen Kunstrichtung ist keines- 
wegs eine plßtzliche. Sie wird äußerlich markirt 



einerseits durch die Vertreibung der Muhammedaner 
aus Spanien im 15. Jahrhundert nnd die Elroberung 
Ägyptens und Syriens durch die Osmanen im An- 
fang des 16. Jahrhunderts, andererseits daroh das 
gleichzeitige Aufstreben der drei selbständigen Reiche 
der Osmanen, der Perser unter der Dynastie der 
Sefeviden und der Inder unter den Qroßm<^uln, 
Die Anfönge künstlerischer Eigenart auf persischem 
und indischem Boden reichen zwar weit Über diese 
Zeit der deutlichen Scheidung zurKck. Aber während 
des Mittelalters griff der Levantehandel wenig über 
das westsarazenische Gebiet hinaus, 
stand die arabische Kunst noch in 
so hellem Glänze ihrer BlQte da, 
dass die nationalen Abweichungen 
im Osten überstrahlt wurden und 
unbemerkt blieben. 

Im 16. Jahrhundert brachte die 
Festigung der politischen Macht- 
stellung in den drei neuen Reichen 
Vorderasiens eine NeublDte der im 
Westen verfallenden muhammedani- 
schen Kunst mit sich. Durch das 
Obergreifen der Türken auf euro- 
päischen Boden nnd durch die An- 
knüpfung direkter Handelsverbin- 
dungen mit Persien und Indien von 
Seiten der Portugiesen und Holländer 
wurden die Länder des Ostens für 
Europa aufgeschlossen. Die groß- 
artigen Bauten der Türken, Perser 
und Inder aus der Zeit vom 16. 
Jahrhundert an sind zum großen 
Teil noch erhalten und die Erzeug- 
nisse ihrer Kunstindustrie gelangten 
in wachsender Menge nach dem 
Abendland. Deshalb treten von da 
an erst die nationalen Konstformen 
der Perser, Inder nnd Türken deutlich in die Er- 
scheinung. 

Für das Studium der nationalen Verschieden- 
heiten lässt unter diesen Umständen das mittelalter- 
liche Denkmälermaterial keine Resultate erwarten, 
es giebt nur ein Bild der arabischen oder westsara- 
zenischen Flächendekoration. Diese aber ist das Ge- 
meingut aller mnhammedanischen Volker geworden; 
die gleichmäßige Verwendung der von den Arabern 
ausgebildeten Omamentformen im Osten wie im 
Westen ist es eben, die der ganzen orientalischen 
Kunst den Stempel der Gleichartigkeit aufgedrückt 
und die Unterschiede verwischt hat 



ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MÜH AMMEDAN ISCHEN ORNAMENTES. 17! 

Die Araber haben, obwohl sie noch vielfach als und dea ammalischeD oder figUrlicheo Mustern. In 

die freien Schöpfer der istamitiscbeti Kunst gelten, ihrer späten Ausbildung, wie sie an den kunatgewerb- 

doch wirkliche Umbildungen nicht geschaffen, wenn liehen Arbeiten und in der Baudekoration vom 

man von ihrer Schrift absieht, die zwar in ihrer 12. Jahrhundert ab auftreten, machen diese Zier- 



Plächendekoration eine große RoUe spielt, zu den formen eben durchaus eigenartigen und autochthouen 

eigentlichen Ornamenten aber nicht gerechnet werden Eindruck. Nur in den Darstellungen der anima- 

kann. Ihr Ornament setzt sich aus drei Elementen lischen Natur, in den Tierfiguren und J^dscenen 

zusammen; den vegetabilischen, den geometrischen erkennt man unschwer die altpersischen und spät- 



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174 DIE ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MUH ÄMMED ANISCHEN ORNAMENTES. 



mentik Überhaupt — eine au^eaprochene Hinnei- 
gong EU Datural isirenden Formen. Sie äußert sich 
einerseits in einer Vorliebe iüi animalisclie Motive 
und in einer freieren Behandlung der Tiere und der 
menschlichen Gestalt, andererseits in der Ausbildung 
der vegetabilea Muster. Schon in den ältesten da- 
tirten persisch -islamitischen Denkmälern ist diese 
Richtung zu erkennen. Es sind dies die Fajence- 
äieeen und Gefäße mit Verzierung in GoIdlDeter, 



Ducane Qodman", London 1891 , von demselben 
Autor. Die Tiere auf diesen Fliesen zeigen bei aller 
Flltchtigkeit der Zeichnung doch eine treue Natur- 
beobachtung in ihren Bewegungen. Die Arabeske 
ist nur vereinzelt und sehr spärlich verwendet; an 
ihrer Stelle steht ein regelloses Blattwerk oder aus 
einer Wurzel aufstrebende Stauden mit BUttem und 
Bluten, fluchtige aber unverkennbare Nachbildungen 
lebender Pßanzen in ihrer natürlichen Erscheinung. 



Abb. 




Abb. 7. FtyencsTue u 




utmi 










(KunBl«Bwerb«DiUB«nm in Berlin.) 


(British MuiKium in 


1 London.) 



welche durch Inschriften und Fundort als persische 
Arbeiten des 13. und 14. Jahrhunderts gekennzeich- 
net sind (Abb. 1). Ein großer Teil dieser Fay- 
encen ist besprochen und publizirt von Henry Wal- 
lis in drei Abhandlungen ') und in dem glänzend 
ausgestatteten Katalog der Godman Collection in 
London „Persian ceramic Art in the Collection of 



1] Notes on some eiamplea of earl; penian luBtreware. 
PondoD, (joaritcb, 18B9. 



In einzelnen Fällen ist die Schwertlilie wiederge- 
geben, die auch späterhin ein beliebtes Motiv der 
persischen Pflanzenomamentik bleibt. 

Zur Entfaltung von Rankenwerk mit regelmäßi- 
gem Rapport bieten die Stemfliesea und die Lflater- 
gefäße keine genügende Fläche. Wir finden die 
ersten datirten Beispiele daftir in den zinnglasirten 
Fayencefliesen der grUnen Moschee in Brussa (AV 
bildnngen bei Parvillee, Architecture et dicoration 
tart^ues au ZV* si^cle. 1874) und in den Mosaik- 



ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MUHAMMEDANISCHBN ORNAMENTES. 175 



fliesen der blauen Moschee von Tebris, beide wäh- 
rend der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut. 
Die größte Sammlung von Mosaiken aus der blauen 
Moschee besitzt das Berliner Eunsi^ewerbemuseum; 
mehrere Fragmente beEnden sich ferner in den Samm- 
lungen Ton Sferres und des South Kensington Museums 
in London. In dem System der FlächenfÖllung, in der 
LinienfQbrung der Ranken gleicht dieses persische 
Pflanzenomament der Arabeske, denn es ist wie diese 
eine in orientahsch-dekoratiTem Sinne angeführte 
Umwandlung des antiken Pflanzenrankenwerkes. Die 



Teppiche auf europäischen Büdem und besonders 
die Fliesen der osmanischen Bauten. Das Berliner 
Eunstgewerbemuseum besitzt gegen 15 große Fliesen- 
panneaui mit persischem Rankenwerk allein oder 
mit diesem und Arabesken vermischt dekorirt, die 
alle auf wenige Jahrzehnte genau durch die Bau- 
zeit der meist Stambuler Moscheen und Turbes, 
welchen sie entnommen sind, datirt werden. Be- 
stimmte hotauiscbe Vorbilder sind in den gezackten 
BUttem, deii Rosetten und Palmetten der persiechen 
Ranke nicht zu konstatiren, wie es bei ihrer an- 



Abb. 8. Euaette mit Lacluaslerel, Indien. IB. Johih. (KusaCgewerbemaBeum in Berlin.) 



Neigung der Perser, diesem Ornament — im Gegen- 
satz zu den Arabern — einen naturalistischen Inhalt 
zu geben, hat sich durch die Blätter, BiUten und 
Palmetten bereits erfolgreich bethätigt. Das ist deut- 
licher an den frei gemalten Brussafliesen, als an den 
durch die Schwierigkeit der Technik auf einfachere 
Formen angewiesenen Mosaiken zu sehen. Diese 
Richtung erreicht ihre Vollendung in dem persi- 
schen Rankenwerk, wie es die Luxusteppiche der 
Sefevidenzeit, die tOrkischen Fhesen und die ge- 
pressten Ledereiubände vom 16. Jahrhundert an auf- 
weisen (Abb. 2). Anhaltspunkte für die Datirung 
dieses Materials ei^eben die Abbildungen persischer 



tiken Abstammung b^eiflich ist. Dagegen sind 
zuweilen naturäbnliche BlQtenzweige und blühende 
Bäume damit verbunden, die einer durchaus selb- 
ständigen iranischen Erfindung ihre Entstehung ver- 
danken. Ihr Auftreten weist schon auf die spätere 
Entwickelung des persischen Pflanz enomaments. Da 
die engere Datirung der Teppiche des 17. und 18. 
Jahrhunderts bisher kaum durchführbar ist, ist diese 
Entwickelung im einzelnen nicht zu verfolgen. Im 
allgemeinen wird sie bezeichnet durch ein Zurtick- 
treten und Degeneriren der einheitlich und groß 
entworfenen Rankenmuster und durch ein beständi- 
ges Fortschreiten auf der Bahn des Naturalismus. 



176 ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MUHAMMEDÄNISCHEN ORNAMENTES. 

Die Blumen werden das bevorzug- 
teste Ornament in allen Zweigen 
des Kunstgewerbes. Für ihre Stili- 
sirung sind im 18. Jahrhundert dos 
chinesische Porzellan der Periode 
Kien-Iung und besonders stark das 
europäische Porzellan von Einfluss. 
Die persischen Porzellane des IS. 
und 19. Jahrhunderts, die Seiden- 
brokate und Yesder Sammete, die 
älteren Buchdeckel in Lackmalerei 
und die Fayenceflieses im den 
Bauten Kerim Khans in Schiras 
z«ugen deutlich für den Si^ der 
Naturalistik (Abb. 3 u. 4). 

DiemenachlicheFigur ist schon 
an den Denkmälern des 16. Jahr- 
hunderts toaerbslb der dekorativen 
Grenzen vollkommen frei behan- 
delt, soweit die auf diesem Gebiete 
geringe Fähigkeit der Orientalen 
es erlaubt. Datirte Beispiele dafür 
sind die Fliesen an Ispahaner Pro- 
fanbauten aus der Zeit Abbas' I., 
um 1600. (Die Kopte einer großen 
Fignrenfliese aus Dscbolfa bei Is- 
pahan im S. K. Uns. in London, ein 
verwandtes Original im Bayr. Gew.- 
Mus. in Nfirnbei^, zwei Fr^mente 
im K. Gew.-Mu8. in Berlin.) 

Die Tierdarstellungen sind im 
16- Jahrhundert, wahrscheinlich 
schon im MitteUIter, ein wichtiger 
Bestandteil der persischen Teppich- 
muster. Die Motive sind im wesent- 
lichen dieselben geblieben, wie schon 
in sassanidischer Zeit; sie haben 
sich, wenn auch verkQmmert, bis 
in das moderne Kunsthandwerk in 
den gravirt«n Kupferarbeitea von 
Kaschan in Persien erhalten (Abb. 5) 
Ein charakteristisches Kennzeichen 
der ostmnhammedauischen Orna- 
mentik ist die Verwendung chine- 
sischer Motive. Sie finden sich vor- 
nehmlich io den Luxusteppichen 
und in der Keramik. Ihr erst«s 
Auftreten Usst sich mit Sicherheit 
Qber das 15. Jahrhundert nicht zu- 
rück verfolgen. Einzelne teztileZeng- 
nisse, die schon für das 11. und 13. 



ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DES MOHAMMEDANISCHEN ORNAMENTES. 177 



Jalurliaiidert aprecheo wOrdeo, sind Ton mangel- 
bafkr Beweiskraft. So wurde ein Seidengewebe mit 
chinesischen Tieren (Khilins) und arabischer Inschrift 
TOD dem Orientalisten Karabacek dem Ghazneviden 
Ibrahim (11. Jabrb.) zugewiesen; die Lesung der In- 
schrift ist aber Ton orientalistischer Seite fflr un- 
richtig erklärt worden. Die Anordnung des Musters 
spricht für das 15. Jahrhundert (Abb. bei Fischbacb, 
Tafel 13). Eine Gruppe von Geweben im Berliner 
Museum tr^ außer chinesischen 
Tieren und Rankenmustem ara- 
bische Inscliriften mit Namen und 
Titeln mamelukischer Sultane aus 
der Zeit um 1300; bei diesen 
Stoffen ist aber die Möglichkeit 
keineswegs ausgeschlossen, dass 
es sich um chinesische, auf Be- 
stellung gelieferte Arbeiten han- 
delt So bleiben als älteste Bei- 
spiele ein Teppich nomadischer 
Arbeit im Berliner Kunstge- 
werbemuseum mit Drachen und 
Vogel aus dem Anfang des 15. 
Jahrhunderts, und die Mos^k- 
fliesen von Tebris und Samar- 
kand mit dem sog. Wolkenband, 
dessen chinesische Herkunft Qb- 
ligens nicht Ober jeden Zweifel 
erhaben ist (Abb. 6). In dieser 
Zeit erklärt sich das Vorkom- 
men chinesischer Formen in 
Persien durch die Beziehungen 
der mongolischen Nachfolger Ti- 
murs mit dem Reich der Mitte. Tili" wirklich häufiger 
Bestandteil des vorderasiatischen Ornaments werden 
sie eist im 16- Jahrhundert, in der Zeit der Sefeviden. 
Das vermittelnde Element ist jedenfalls das chinesische 
Porzellan gewesen, dessen Massenexport damals be- 
gann und das seit Schah Abbas I. in Persien imitirt 
wurde. In der Porzellanindustrie haben die Perser 
die chinesischen Vorbilder bis zur T&uschung genau 
nachgeahmt; dasselbe wurde auch in der Fayence- 
tSpferei yersucht (Abb. 7). 



Abb. 11. TDrkiBBliB PftyenraTue, DunMknB (!). 
in Betlin.) 



Üit das tOrkiscbe und das muslimisch -indische 
Ornament hat im großen und ganzen Persien die 
Grundlage geboten. Doch haben beide Völker ge- 
nügende Spuren ihres eigenen Geschmackes hinza- 
gefSgt, um bei der Mehrzahl ihrer Arbeiten die 
Unterscheidung von persischen zu ermSgÜchen. Doch 
ist der ältere indische Denkmälerbestand noch nicht 
genügend gesichtet, um sichere Resultate geben zu 
können (Abb. S). 

Die Ornamentik der Osma- 
nen unterscheidet sich von der 
persischen negativ durch die 
Vermeidung flgOrlicher Darstel- 
lungen. Die erheblichste Zu- 
gabe der Tfirken zu den von 
Sarazenen und Persem Qber- 
nommenen Ornamenten sind die 
aus den sog. Bhodusfajencen, 
d. h. den Fliesen und Gefäßen 
in Halbfayence aus Konstanti- 
nopel und Kleinasiea seit dem 
16. Jahrhundert allgemein be- 
kannten Blumen (Abb. 9, 10, 
11), speziell die Tulpen, Hya- 
zinthen und Nelken, Man ist 
wenig geneigt, den Osmanen 
irgend welche künstlerische Leis- 
tungen zuzugestehen. Aber die 
enge Verwandtschaft der sog. 
Rhodusgeschirre und Fliesen 
untereinander, das aneschließ- 
liche Vorkommen solcher Flie- 
sen an osmanisohen Bauten des 
16. und der folgenden Jahrhunderte, das gänzliche 
Fehlen der genannten Blumenformen in den nach- 
weislich persischen Teppichen, Stoffen, KunsttÖp- 
fereien und Arbeiten aller Art, alles das giebt 
einen festen Beweis der Entstehung und Verwen- 
dung dieser Blumenmuster auf türkischem Boden. 
Mit Hilfe dieses sicheren Kennzeichens ist es mög- 
lich, auch verschiedene Gruppen von Teppichen 
und Seidengeweben der osmanischen Industrie zuzu- 
weisen. 

O. V. FALKE. 



Kimit«eweibebl>U. N. V. V. 



AkutthnsoniMiisiit von Olulio Romano. Palizzo dd TA in Huittu. (Am dam Werke ; Eytli nnd Ueja, du Halcrbnch. Leipdg. B. A. S< 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
Das XalArbucli; Die Dekorati ouBmalerei mit beBonderer 
Beraokaichtigimg ihrer kaiufge werblichen Seite, von Sari 
Eytk, Haler und Professor an der Kuiut^werbescbale in 
EarUmhe, nnd Franx, Saie» Meyer, Architekt nnd ProfesBOr 
OD der Kunstgewerbescbole in Karlsruhe. Mit 100 Tafeln 
und 453 Abbildungen im Text. 2 BSnde gr, 4". Leipzig, 
E. A. Seemann, gab. 23. 50 M. 
Der Name des in sweiter Linie auf dem Titel dieses 
Werke« genannten Verfassers hat Oberall, wo das Kunst- 
gewerbe gepflegt und durch Lehre nnd Unterricht gefördert 
wird, einen guten Etang. Franz Sales Uejer ist vielleicht 
der popalUrste Schriftsteller auf kunstgewerblichem Qebiete, 
sedt er mit seinem „Handbuch der Ornamentik" nicht nur 
in Deatscbland, sondern auch im Anstände ■] einen durch- 
schlagenden Erfolg erzielte. Die praktische Lehrbegabong, 
die verst&udige Methodik Mcjer's trat darin zuerst eq Tage. 
Kanm geringeres Verdienst erwarb »ich Meyer anf dem Ge- 
biet« der Kunsttiechlarei dnrcb sein mit Theodor Kratttk 
gemeinsam verfasstes „Schreinerbnch", dem in verhältnis- 
mäßig kurzen Fristen das „Schlosser-" und das „Zimmer- 
mannsbuch" folgten. Wenn man die einschlägige Wtere 
Litteratur, die dem Handwerksmeister tum Selbstunterricht 
zu Gebote stand, durchmustert, .wird man auf den ersten 
Blick des großen Fortschritt« inne, der sich in diesen anf 
grOndlicher Sachkenntnis beruhenden und durch meisterlich 
geieicbnete Abbildungen erläuterten Arbeiten kundgiebt 
In systematischer Anlage erstreckt sich die Unterweianng 
auf alle Gebiete des beireffenden Faches. Mit dem scÜrifV 
stellerischen Geschick und der Belesenheit des einwi Ver- 
feasers paart sich die zeichnerische Sorgfalt und das feine 
Form Verständnis des anderen ta einem wohlgelangenen, trotz 
der Teilung der Arbeit wie aus einem Quss hervorgegangenen 
Werke. Das Malerbucb folgt in Anlage und Ausstattung 
dem Beispiel seiner Vorgänger. An Stelle Kranth's ist als 
Mitarbeiter der ebenfalls in Karlsruhe ein Lehramt beklei- 
dende Ualer Karl Eyth getret«n, von dem die tlberwii^nd 
größte Zahl der 100 Tafeln, die den Text begleiten, in Feder- 
zeichnung ausgefQbrt worden sind. Einige Beisteuern lie- 

1) Vom „Huidbnoh dn OrauDBiiUk" eracbeint soebeii alae «Dg- 
liicbe fJbertragvDg in zweiter Auflage bei B. T. Batarord In London 
und HesslJDK k Spielmeyei in New lork. 



forte daneben der Dekorationsmaler W. Lang. Die mit 
kunstgeObter Hand trefflich ausgeführten Zeichnungen sind 
meist tonig gehalten, sodaie die Farbenwerte leicht abzu- 
wägen sind; durch erläuternde ZuAtze zu dem Verzeichnis 
der Tafeln werden dem Leser anBerdem belehrende Hinweise 
gegeben, wie dos Schwais nnd WeiR in ein farbiges Bild 
umzusetzen ist Der 6L Bogen starke Teitband ist fiut 
Überreich mit Abbildungen (453 Nm.) ausgestattet, die inm 
Teil aus dem groBen Vorrat der Verlagshandlnng stammen. 
Dies gilt namentlich von dem die Geschichte der Dekora- 
tionsmalerei behandelnden Abschnitt, bei welchem Heyer 
sich verständigerweise der Führung Woennanns [Geschichte 
der Malerei) anvertraute. Das reiche Anschannngsmaterial 
wird dem praktischen Dekorationsmaler gewiss gut« Dienst« 
leisten, zumal wenn es sich um „stilgerechte" AnssidunQckang 
von kirchlichen nnd anderen Öffentlichen Gebäaden handelt. 
Selbstverständlich konnte in dem Teste nicht alles gebracht 
werden, was iÜr den Dekorationsmaler lu wissen oder zu 
kennen von Nutzen ist. Diese Lücken bat Heyer mit Be- 
dacht durch Hinweiee anf andere Werke gefüllt, die in 
grOSeren Städten, wo sich Ennstgewerbemuseen und Öffent- 
liche Bibliotheken befinden, dem Dekorationsmaler zugänglich 
sind. Der Text beginnt mit der ErOrtemng der allgemeinen 
B^piffe, der Daistellongsmittel nnd Darstellnngsweisen, üm- 
riss, Farbe, Belenchtong etc. Dann folgt der schon er- 
wähnte Überblick Ober die Geschichte der Dekorationsmalerei, 
bei dem auch der Orient nicht vergessen worden ist. Das 
Material nnd seine Eigenschaften, die Werkstatt, Werkeenge, 
und Geräte, die haupt^ehlich in Betracht kommenden Tech- 
niken bilden den Inhalt der folgenden drei Kapitel. An 
Wichtigkeit nnd demgemäB auch an Umfimg bedentendei 
erscheint der sechste Abschnitt, der die verschiedenen Ge- 
biete der Dekorationsmalerei in eingehender Weise vorftlhrt, 
zuerst die dekorative Ausschmückung von GottAshänsem, 
dann die Zimmermalerei [Säle, Hallen, Wohnräame, Trink- 
stuben, Treppenhänser etc.), die Fest- nnd Theatermalerei, 
die Scbilderei, einschlielllicb des Schrift- and Wappenwesens, 
die Fassadenmalerei. Den Scbluss dieses für die praktische 
Benutzung Rat und Auskunft in Fülle bietenden Kapitels 
bildet eine Übersicht über die am häufigsten in Frage 
kommenden Sinnbilder und Symbole. In dem siebenten und 
letzten Abschnitt bietet Ueyer ebe' Zusammenstellung von 
Sprüchen und 8ent«nzeu, wie sie am Äußeren und Inneren 
des Hauses, namentlich aber in Festcäomen und Trinkstaben 



Chtiitiu un Kreoz. 

(Aus dem Werke: Eytb und Ueyer, du Maler- 

bnoh, LeipilK, E, A. 8«em&nii.) 



^:^ 




ISO 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



■iir tt^rflSung odpr tur nriitigm Anregang dei OutM tm- 
IK>lim<>ht tu wpnlen |ifl<ift«n. Wi« bracheiden die Henns- 
IfoWr »olWr von ibrer Leittung denk«», bekflndet d^Schlnn- 
Mtta (Im Vorwort«, der lui Jan ran Ejcks ^li ich kkoti" 
i>riimpTl: ..Oowjm hat da» Malerbuch »eine Mängel. Zwei 
Kuiutgvwfrlilpr. «n Maler und ein Schriffateller haben ea 
gi>t»ai'lit, *o gut «in konnten, Sie siod für alle auf eine 
VoTlii<M«rung abiielentUn Mitteilungen dankbar und werden 
gwn« «nUwlich einer NeHkuHage darabw qoittiren". 



Die Tafeln und den grofien Fracbtwerken der Omaineiit 
stichsainmliiDg des Berliner KanitgewerbemoBeDnu eutleliDt, 
Der Heraoegeber fOhrt noB an der Hand dieser Täfeln nebat 
einem erlKatemden Text von groBer Qrflndlichkeit dnrch 
die verachiedenen Perioden der kOnitlerieehen A.iubildnng 
de« Gaiteng bindarch. Die enten groften atchitektoniiebeii 
Anlagen von gewaltigen Analehnnngen finden wir in Ita- 
lien im 16. und IT. Jahrhundert; de fOgen nch der Land- 
tchaft ein und sind von groBaitiger malerischer Wirkung: 
in Dnd nm Rom «ind ea die VQla d'Este nnd Borgbeae, die 
Faniemnisclien G&rten n. ■. m. Nach Nonlen dringt Über 
die Alpen dieser anhitektoniKfae Gaitmatil nnr langmm tot: 
die Giften schliefen üch in ibei« geometrischen Formen 
an die Wohnhfinser an, mit gesduititenen Bkimm, Laub- 
gingen, it^ImUigen Beeten imd Spalieren. Kne besondere 
Ausbildung eHai^t^n die BIumenbe(4e, Ober deim Her- 
stellong eine Aniahl ■oiteibBeha' aichiei>en; dieselben ent- 
halten)! oster aller Aii BbnBaDdTmchlingangen,geametriKhe 
Mmternngen. die so allgemaa gehaltoi nnd, das* de ancfa 
fBi andere Zwecke, x. B. PaikcttbSden. GUsfenater n. a. dienen 
kOuten. Auch die lAbjrintbe oad Ingtrten als Torlagen 
fSr Sttc k min tg wann in jener Zeit bebebt m>d xsblreiche 
LehrbOcber geben dafSr Ba^öele. Cnter den eifialtenen 
G&rten jeaCT Perioden dBrften der Garten des Lmenboorg 
.nnd do Grottnibof in HBnchcn die bekanntesten Bei*inele 
sein. Za etwa* Neoem ward da ihliennide Garienatil onter 
Lonii XIT. in Psri« «osgetüldet: nach d^ Geschmack des 
gT\<A«i K^if? wurden die Giften nnd ScUOser von den 
Befgra in die Ebecen vntegl. Vor vbUige StAKnrr 
legten Kch breite TerrMScn. die Ansl>lkke Mdi allen 
S^'itea gestatten. Hecken and Lnabninde ■ ■ ■ iebe n die To-- 
ranra. )lanD<<rp:upp<n nrd Stator »u J en iber dieeelbea 
Twvih. !>■> VMtiwtei ditws f ■iliaitHi wnten die Gebrid« 
Lefktatre. Lciw^'t SIV. g->«ie Gartenaichitekten : dieselben 
hshn e-la J-itHsaCiietl 'uag den fiiiiihiaaik in gnnx Earopn 
Väemriit. In tab'jekbt« Ka; fei ■ e il en snd nna dieie An- 
'.u?es anfW wa&n. Dm pt:4*rrx!*K Bwpri äma ilctailigen 
A-'.A» JijAf V«n^l>s * " " " ~ 

('•> .;#a *».-it Be9i.''oi<n ««c&t^ rieie ■ 
.v.ysfB V«fa;""« tMsic±=iK'k xb.'^ 
A- .«;(• tnbintsi^a : 

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182 



ELEIKi: MITTEILITNOEN. 



FrAnkreich ein, wofSr wir dos beste Beispiel in dem be- 
rahmton Ouf«u von Malmaigon finden; fllr den bildnerischen 
Schmock sind Andcbten von Uä^rille labrreicb. In Deatscb- 
lond wurden am Ende des Torigen Jahrhunderts die meisten 
symbolischen Kfinsteleieu im Oari^a an^ebildet, wof&r das 
Werk des Kieler Profenors Hirschfeld „Theorie der Oarten- 
knnat" Belege giebt Unser Jahrhundert hat dieses alles 
abgertreifl; ein groBee Verdienst bat sich besonden der 
FSrst PBckler-Moskan erworben; sein Park mit den herr- 
lichen Anlagen ceigt die ruhige Haltung als Kennseichen 
der Nenieit Mit der Abbildung dieses Parkes schließt das 
Werk, dessen reicher Inhalt von der eingehenden KenutniB 
des VerfaMera Zeagnis ablegt a. F. 



der hl. Petras, der hl. Panlns; der hl. UsUhäus, Johannes 
der Theologe, der bl. Lucas, der hl. Oeorg, der hl. Demetrins, 

der hL Theodor Tfron. Femer EmaiUtreifen und kleine 
Medaillons: Ein Evangelist, Jesas Christas, ein Engel, 
Emmanuel, Johannes Cbrj'sostomns, der hl. Petrus, Nikolans 
der WnnderthBiter. Endlich ornamentale Emails und Nimbeu. 
Sie alle stammen aus der Zeit von 900-1050, sind Perlen 
bftantini scher Qoldschmiedekunst, technische Meisterstücke 
des ZellenschmelEes auf Gold und flberdies durch die Por- 
trfitdarstellnngen wichtige Dokumente frOher christlicher 
Kunst Rheinischen Gelehrten war diese herrliche Samm- 
lung durch eine knrze Ausstellung bekannt geworden, und 
in weitere Kreise drang die Kenntnis dieses UDgewObnlicben 



Eratafel; entworfen von Direktor F. Uosbk, »lusenijirt von Bo%rsvBnr H, Held In Uagdeborg. 



A. Ton Swenigorodskol, Byxantinüche ZdUnejnaiU. 

Außerordentlich selten sind, wie bekannt, Schmelzarbei- 
ten auf Gold aus der Blütezeit der byzantinischen Kunst, 
und viele hervorragende Kunstsammlungen dee Westens ent- 
behren eine Probe oder sind stolz anf ein Fragment Sr. 
Eicellenz, dem russischen Wirklichen Staatsrat a. D., Ale- 
xander von Swenigorodskdi, ist es gelungen, freilich erst nach 
jahrelangen Bemühungen, nach vielen Reisen in entl^ene 
griechische Klöster oder andere frOhe Sitze bTiantinischer 
Kultur, durch eine mit der steigenden Kennerschaft ent- 
wickelte SammelluBt und durch den Besitz von Geldmitteln, 
welche vor ungewChnlich hohen Preisen nicht lurOcktu- 
schrecken brauchten, eine grCßere Zahl solcher überaus sel- 
tenen Kunstwerke zu erwerben. Es sind dies Portr&tme- 
daiüons: Jeans Christus, Mutter Gottes, Johannes derTorlKnfer; 



Kunstschatzea durch eine (leider unvollendet^ Abhandlung, 
welche Exe. von SwenigorodsVoI von dem 1889 verstorbenen 
Pfarrer Johannes Schulz in Aachen schreiben, anf eigene 
Kosten drucken, mit gl (nicht farbigen, im übrigen aber 
vorzi]gHchen) Tafeln ausstatten, pietlltvoll mit dem Bildnis 
des Pfarrers Schulz schmücken lieB und in einer Auflage 
von 300 Eiemplaren an Gelehrte und Kunstfreunde ver- 
schenkte. Schon in dieser Schrift wurde auf ein Prachtwerk 
hingewiesen, das nach Verlauf einiger Jahre mit einem Texte 
des ersten Kenners der byzantinischen Kunst, dem Dniver- 
ait£teprofessor und Oberkonservator der Kais. Eremitage in 
Petersburg, N. KondakoiB und mit Tafeln in Farbe und Qold 
aufs sorg^tigate ausgeführt, auf Kosten des Besitzers der 
byzantinischen Goldemails herausgegeben werden sollte. 
Dieses Prachtwerk, an dessen Herstellnng nahezu 8 Jahre 



KLEINE MITTEniUNGEN. 



183 



lang gearbeitet wurde, ist dem Kaiser Yon Rassland gewid- 
met und wird jetzt nach Annahme dieser Widmung ausge- 
geben. Es ist in 600 Exemplaren gedruckt, je 200 in rassischer, 
französischer und deutscher Sprache und wird, obwohl die 
Herstellung, wie man sagt, eine halbe Million Mark gekostet 
hat, Yon dem Herausgeber verschenkt. ,,£inigen Exemplaren 
meiner Ausgabe", schreibt Exe. von Swenigorodskoi in der 
Vorrede, „die für meine Freunde und g^ten Bekannten und 
für hochverehrte Personen bestimmt sind, ist mein Porträt 
beigefügt, was ich erwähne, weil es eine nach der Natur 
ausgeführte Radirung Gaillard's in Paris ist, der allgemein 
für den ersten Radirer der Gegenwart gilt*^ So suchte aber 
auch der Herausgeber die hervorragendsten Gelehrten, die 
gewandtesten Künstler, die leistungsfähigsten Firmen zur 
Herstellung dieses Prachtwerkes zu gewinnen, behielt bis 
zum völligen Abschluss die Leitung in der Hand, verfolgte 
mit mächtiger Willenskraft und zäher Ausdauer sein Ziel, 
diese herrlichen, weihevollen Kunstwerke in dem schönsten 
Gewände wiederzugeben, unbekümmert um die Kosten, die 
dies verursachte. Schon oft sind von Fürsten oder auf 
öffentliche Kosten reich ausgestattete Prachtwerke ausgegeben 
worden; nicht wenige auf Befehl des Kaisers von Russland. 
Allein dann ist zumeist der Kredit bemessen und beschränkt 
und die Hofbeamten, welche Künstler und Gelehrte zu be- 
stimmen und zu kontroUiren haben, widmen diesen Aufgaben 
selten die erfordediche Liebe, haben selten das notwendige 
Verständnis. Beide sind an diesem Prachtwerk reichlich 
verwendet. Dazu kam, dass sich der Herausgeber nicht 
bloß auf die Mitwirkung seiner russischen Landsleute be- 
schränkte, sondern auch Deutsche und Franzosen an dieser 
herrlichen Leistung Anteil haben, die Deutschen noch dazu 
in hervorragendem Maße. Schreiber dieser Zeilen ist der 
glückliche Besitzer von Nr. 10 der deutschen Ausgabe mit. 
dem Porträt des Herausgebers. Diese deutsche Ausgabe ist 
aus dem Russischen von Ed. Kretschmann in St. Petersburg 
übertragen, Text und Tafeln sind von Aug. Osterrieth in 
Frankfurt a. M. gedruckt, der Bucheinband von Hübel & 
Denck in Leipzig hergestellt, die Entwürfe zum Einband- 
deckel, zum Titelblatt, zur Widmung u s. w. sind vom 
russischen Architekten J. P. Ropet, die besten Holzschnitte 
von Matt^ in St. Petersburg, die seidene Umhüllung und 
die Lesezeichen in Goldbrokat von Ssaposhnikow in Moskau 
ausgeführt. Und dies alles von gleich vorzüglicher Qualität! 
In der Vorrede giebt der Herausgeber eine Schilderung von 
der Erwerbung seiner Sammlung bis zur Vollendung des 
Werkes. Prof. N. Kondakow teilt seinen Text (388 Folio- 
seiten), der den Gesamttitel „Geschichte und Denkmäler des 
byzantinischen Emails" führt, in vier Kapitel. Das 1. Ka- 
pitel führt den Titel „Einleitung und Geschichte d^ Zellen- 
emails'', giebt ein von gründlicher Kenntnis des Gegenstandes 
zeugendes Bild der Entwickelung des Schmelzes in Ägypten, 
in Vorder- und Centralasien, in Griechenland und Rom und 
weist für den byzantinischen Zellenschmelz den Ursprung aus 
Persien und Centralasien nach. Im 2. Kapitel werden die Denk- 
mäler des byzantinischen Zellenemails, die erhalten sind, 
namentlich die bekannteren, besprochen und einige, so na- 
mentlich die pala d'oro, einer scharfen Kritik unterzogen, 
welche eine von der Auffassung westeuropäischer Gelehrten 
wesentlich abweichende Anschauung bringt. Durch dieses 
Kapitel wird recht klar gemacht, welche Unzahl der herr- 
lichsten Kunsterzeugnisse des 1. Jahrtausends im 2. Jahr- 
tausend verwüstet und zerstört worden sein muss. Im 3. Ka- 
pitel wird bei der Besprechung des byzantinischen Zellen- 
emails der Sammlung A. von Swenigorodskoi nebst einer 
Fülle von Beob^htung^ und Schlüssen über den Charakter 



der Schmelzkunst von Ostrom um die Wende des Jahrtausends 
dargestellt, wie ein russischer, seit Jahrzehnten mit byzan- 
tinischer Kunst vertrauter Gelehrter diesen Stil, seine Be- 
handlung von Figuren und Ornament auffasst, und das 
4. Kapitel beschreibt die späteren russischen ZellenemailB, 
die sich im Besitze des Herausgebers befinden, knüpft daran 
Bemerkungen über die Entwickelung, welche das email 
cloisonn^ in Russland genommen hat und ermahnt die 
russischen Gelehrten, ebenso eingehende Studien über den 
Einfluss der byzantinischen Kunst auf die russische zu machen, 
als seit langer Zeit die westlichen Gelehrten üben, um den 
Zusammenhang zwischen der Kultur von Byzanz und der 
später entstandenen Kulturcentren, namentlich Frankreichs 
und Deutschlands, festzustellen. In allen seinen Ausführungen 
bleibt Kondakow auf der Höhe, auf welche ihn sein berühmtes 
Werk Über byzantinische Kunst gehoben hat; es geht aufs 
deutlichste hervor, dass er alle besprochenen Denkmäler 
selbst gesehen, viele davon gründlich studirt hat und weil 
er außer der französischen, deutschen, englischen und ita- 
lienischen Litteratur über diesen Gegenstand auch noch die — 
wie aus den Oitaten hervorgeht, nicht unbedeutende — 
rassische Litteratur kennt, ist es immer ein Kampf mit un- 
gleichen Waffen, wenn man es unternehmen würde, an dem 
Überaus inhaltsreichen Texte Kritik zu Üben. Übrigens ist 
es zweckmäßiger, sich Über die gründliche Belehrung zu 
freuen, die in dem umfangreichen Werke geboten wird. Von 
den Tafeln genügt es zu sagen, dass die Arbeit eine so täu- 
schende ist, dfuss man glaubt, die Originalstücke liegen auf 
dem Papier. — Gab Kondakow in dem Texte eine voll- 
ständige Ot>ersicht über die Zellenemails, Osterrieth eine 
vollkommene Vervielfältigung der im Besitze von Exe. von 
Swenigorodskoi befindlichen Denkmäler, so hat es der Ar- 
chitekt Ropet verstanden, seine Kompositionen zu einem 
Motivenschatz byzantinischer Ornamentik zu gestalten, aus 
dem der deutsche, nach Russiand exportirende Kunstin- 
dustrielle überaus viel zu lernen hat. Denn in Russland 
hat sich vom byzantinischen Stil bis auf den heutigen Tag 
noch sehr vieles erhalten, während in Westeuropa seit den 
Tagen KarPs des Großen eine ganze Reihe von Geschmacks- 
umwälzungen stattgefunden haben, die bis auf sehr wenige 
Denkmäler alles Byzantinische aus der Vergangenheit zer- 
stört und in der Bildung des Ornamentes kaum mehr eine 
Erinnerung an diese Zeit einer bis an die Überladung 
grenzenden Prunksucht und Gold Verwendung zurückgelassen 
haben. Wie jeder Mitarbeiter, hat der Herausgeber die große 
Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, glücklich gelöst und 
die wissenschaftliche Welt zu steter Dankbarkeit verpflichtet. 
Es wäre ganz besonders zu wünschen, dass dieses Beispiel 
Nachahmung fände. Auch in Deutschland ist an Fürsten- 
höfen und beim Adel manche Sammlung, die in einer ähn- 
lich vortrefflichen Vervielfältigung und Erklärung den Ge- 
lehrten zugänglich gemacht zu werden verdiente. An 
Gelehrten zum Erklären ist in Deutschland kein Mangel; 
dass aber auch die deutschen Offizinen in der Reproduktion 
das Beste leisten können, wenn es bezahlt wird, zeigt 
aufs deutlichste das Prachtwerk über die byzantinischen 
Zellenemails in der Sammlung Swenigorodskoi. 
Düsseldorf. Fbg. 

PREISVERTEILUNG. 

Die Wettbewerbung um den Kulmbacher Monumental- 
brunnen ist von etwa 16 Preisbewerbem beschickt worden; 
der 1. Preis und damit die Ausführung ist dem Bildhauer 
Beyrer und dem Architekten Dülfer zugefallen. Den 2. Preis 
in der Konkurrenz erhielt Bildhauer (?. Albertskofer und 



184 



KLEINB MITTEILUNGEN. 



den 3. Preis Bildhauer Netxer mit dem Architekten Pfann; 
sämtlich von München. 

SCHULEN UND MUSEEN. 

JBerHn* Im Königlichen Kunstgewerbemuseum sind 
zahlreiche Neuerwerbungen ausgestellt Die erheblichste 
Gruppe ist eine Schenkung des Herrn von Schröder an die 
Königlichen Museen, an welcher das Kunstgewerbemuseum, 
die Gem&ldegalerie und das Antiquarium beteiligt sind. Die 
Schenkung umfasst Gemälde, Möbel, griechische und rOmische 
Antiken, Miqoliken, Gläser, Metallwaren, Stoffe, Stickereien 
und Handzeichnungen, eine Sammlung, die vorzugsweise in 
Italien zusammengebracht ist. Dieselbe ist jetzt vor ihrer 
Verteilung im Zusammenhang aufgestellt. Von den Gemäl- 
den sind einige in vorhandene, reichgeschnitzte Rahmen 
eingepasst. Ein Teil der Sammlung ist zur Abgabe an an- 
dere Museen bestimmt. Ferner ist ausgestellt: Die Kopie 
der Transfigurätion von Raffael, welche S. Kgl. H. Prinz 
Georg als Geschenk für eine hiesige Kirche in Rom von 
einem jungen neapolitaner Künstler Girolamo Palumbo hat 
malen lassen. Die Kopie ist in voller GrOfie des Originals 
und ein sehr gelungenes Werk. Die Ausstellung der Neu- 
erwerbungen des Museums ist um wichtige und wertvolle 
Stücke vermehrt, hierunter Porzellane deutscher, französi- 
scher und italienischer Herkunft, u. a. eine Schüssel des 
Porzellans, welches die Medici im XVI. Jahrhundert in Flo- 
renz anfertigen ließen, französische Möbel und Schnitzereien 
des achtzehnten Jahrhunderts, eine Majolikaschüssel von 
Faenza, mit herrlichem blau- weißen Ornament, Eisen und 
Lederarbeiten. Diese Ausstellung füllt die Hälfte des großen 
Lichthofes. In der anderen Hälfte des Lichthofes ist einst- 
weilen noch der größte und wertvollste Teil der amerikani- 
schen Ankäufe belassen, ebenso die Beleuchtungskörper in 
der vorderen Galerie. 

ZU DEN BILDERN. 

Das Original der diesem Hefte beigegebenen Zeichnung 
des Herrn Rieh. Dorschfeldt, die Hinterglasmalerei einer 
Rottenhammer'schen Madonna auf der Mondsichel, befindet 
sich in dem kürzlich eröffneten städtischen Museum zu 
Magdeburg. Es ist durch Herrn Geheimrat Dr. W. Bode, 
dessen liebenswürdigem Interesse das Museum einen großen 
Teil seiner Schätze dankt, vor etwa Jahresfrist in England 
erworben worden. Die zierlichen Arabesken der Umrah- 
mung, das Gewand der Madonna und die Mondsichel sind 
durch Radirung in dem auf die Rückseite des Glases auf- 
geklebten Goldblatt und durch Hinterlegung einer purpurn 
gefärbten Zinnfolie entstanden und zwar derartig, dass die 
Arabesken und die Schatten rot erscheinen, alles andere 



aber in lichtem Gold leuchtet Gemalt sind die Fleisch- 
teile, die Haare und femer die weißen, von rotem Bande 
gehaltenen Windeln des Kindes, femer der Lüfthintergrund 
und die Wolken und zwar in ziemlich breiter Manier, wäh- 
rend Köpfe und Hände in der bekannten überaus gewissen- 
haften Weise behandelt sind. Die Größe des Bildes beträgt 
29,5 zu 23,5 cm. Über alles Technische und Historische der 
Hinterglasmalerei hat Herr Direktor Luthmer schon wieder- 
holt im Knnstgewerbeblatt so ausführlich berichtet, dass es 
genügen wird, auf jene Ausführungen zu verweisen. — Über 
die Erztafel auf Seite 182 ist bereits in Heft 9 auf Seite 166 
berichtet worden; sie ist das Ehrengeschenk des Kunst- 
gewerbevereins in Magdeburg an seinen langjährigen Vor- 
sitzenden, Heim Stadtrat Duvigneau, zur Feier des 25 jäh- 
rigen Bestehens des Vereins. — Der Spitzenfächer auf bei- 
liegendem Sonderblatt, gemalt von Ed. Moreau, gehört zu 
dem Werke über die Karlsruher Fächerausstellung (Verlag 
von Gerlach & Schenk in Wien), über die im IV. Bande 
der Neuen Folge, S. 10 und 11, ausführlich berichtet wor- 
den ist. — Der Segel-Regatta- Wanderpreis auf beiliegendem 
Sonderblatt, gestiftet von Sr. Majestät dem Kaiser und König 
Wilhelm IL, ist entworfen und ausgeführt vom Ciseleur 0, 
Lind in Berlin und gehörte zu den im deutschen Ehrenhofe 
der Weltausstellung in Chicago aufgestellten Ehrengeschenken. 

ZEITSCHRIFTEN. 
Bayerlsehe Oewerbezeitimg« 1894. Kr. 10—12. 

Die Handwerkerbewegung in alter Zeit. — Die Goldschmiede 
der deutschen Renaissance. Von Dr. P. J. B6e. 

Bachgewerbeblatt. 1894. Heft 17/18. 

Mainz und seine Drueker bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. 

— Volontfirkurse an der Papierprüfangsanstalt in Charlotten- 
borg. — C. W. Allers und sein neuestes Werk .Unser Bismarck**. 

— verfahren zur Herstellung photographie&hnfioher Bilder durch 
Druck. — Die Ausstellung in Antwerpen. Von P. Adam. — Die 
Harmonie der Farben. — Apparat zum Aufziehen der Leder- 
beztige auf Druckereiwalzen. ~ Über die Verwendbarkeit der 
fetten Linie beim Inseratei^atz. 

Mitteilmigen des k. k. Osterreidüsehen MnseiimB fftr 
Knnst und Industrie. 1894. Heft 6. 

Die AusBtellungsflut. — Das Bankenomament von A. Biegl. 
(Schluss.) 

Sprechsaal. 1894. Heft 21—25. 

Zur Konstruktion der Brennöfen mit riickschlagender Flamme. 
Von O. Steinbreoht. (Fortsetz, und Schluss.) — Die Dekor!- 
runc des emaillirten Eisenbleches. — Verband keramischer Ge- 
werbe in Deutschland. — Zur Messung hoher Temperaturen. — 
Die Verhandlungen über die Sonntagsruhe in den keramischen 
Fabriken. — Gesetz zum Schutz der Warenbezeichnungen. Vom 
18. Mai 1894. — Die Leipziger Messen und die keramische Branche. 

— Der neue Warenbezeiohnungsschutz. Von B. Krause. — 
Emailfarben für Glasdekor. — Englische Aktiengesellschaft deut- 
scher Glashütten. — Zum Bau eines Ofens mit rnokschlagender 
Flamme. — Die Massemühle. ~ Die Bechnnngsergebnisse der 
Unfallversicherung der Arbeiter in osterreich im Jahre 1888. 

Zeitschrift des Bayerischen Knnstgewerbeyereiiis. 1894, 
Heft 6. 

Kunstgewerbliches aus Dalmatien. Von H. E. v. Berlepsoh. 

— Des Handwerks gute alte Zeit. Bin Bild ans der Kultur 
geschichte. Von H. Glück sm an n. (Schluss.) — Kupferplastik. 




Herausgeber: Arthur Pahst in Köln. — Für die Redaktion verantwortlich: Arhvr Seemann in Leipzig. 

Dmok von August Pries in Leipaig. 



II 



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Segel-BegsttarWanderpreis, gestiftet tod Sr. M%j. dem Kaiser und König Wilhelm U. 
Entworfsn nnd aoigefahrt Tom Cüelenr 0. Lud in BctUd. 



^r 



Soeben enoMan: 

B. Forrer, Die Zeugdmohe der 

byzaniinisi^en, romaniichen, go- 
tischsn u. späteren Kunstepochen. 

57 Tafeln in reicliBteia Gold-, SUlwr- 
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mOtHÜmIm Tom TI.-XIX. JtliTh. 
iraMkMTf 1. B-, 8t«IailBCi. 

B. rarrer. 



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WOCHEN - BERICHTE 

nr Kunst, Kunsthandel und 

Kunstgewerbe. 

[Bd« lifcrnntniMnl «Uli bei Vanutbt- 

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Zubeziehenv.JlinslM'Allirthap4H(B«rllnW^Behreiutr-S9b. 

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Von oben (Preisradirung) 
Hohe Pniiiik .... 
Helene Fourment . . 

Sdbstporträt .... 
Ralhaua zu Brieg . . 
L'vpresscnallce (Prcisradin 




t Pries luLdrilg. 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 

VON A. HAÜSDINQ IN BERLIN.') 



Nachdruck verboten. 



CHTE Bronzen sind heutzu- 
t^e anerkanntes BedQrfnis 
für jeden besseren Zimmer- 
schmuck, ohne dass mit dem 
allgemeineren BedQrfnis auch 
das Verständnis ftlrden Wert 
oder Unwert derselben ein 
allgemeinereegewordenwäre; 
in vielen Fällen genGgt für die Erwerber die Ver- 
sicheriing des Verkäufers, das» der Gegenstand, die 
Bronze, .wirklich echt", , Original", .Barbedienne", 
.italienisch*, „fein ciselirt" oder dergleichen sei; der 
wirkliche .Kunstwert* bleibt aber, vml nnverst/mden, 
Nebensache und nngeprUft. Nachstehende Mitteilun- 
gen Bollea daher das Wesentliche der' Bronzekunst 
zusammenfassen und da;iU beitragen, irrige Änschau- 
ongen über das Ciselireu und Patisiren von Bronzen 
za klären. 

Das Bronxemetall, bekanntlich eine Zusammen- 
Bchmelzifng von Überwiegend Kupfer mit geringeren 
Mengen von Zinn und Zink (für Denkmäler im Freien 
mit Ausschluss des letzteren) hat den Vorzug, im 
geschmolzenen Zustande viel dtinnäüssiger zu sein 
als reines Kupfer, Zinn oder Zink und beim Guss 



1) Die von dem Verfaeser im Verein far deutachee 
KnnBtgewerbe in Berlin gemachten Mitteilungen sind in 
einer umfaseenden, in der Zeitschrift dee Vereins zur Bef&r- 
derang dee GewerbefleiBes in PreuQeu abgedruckten Abband- 
lang zDBammeDgefaset worden, der wir das Vorateheude 
auBZUgaweiu entnehmen. 

EuistgewerbcbUtt. N. F. T. B. 11. 



die Formen vollständig auszufüllen; nach dem Er- 
kalten lässt es sich bei einem gleichmäßigen und 
feinen GefQge gut bearbeiten, während es selbst fest 
und zähe und gegen Stöße, infolge seiner Zähigkeit, 
fast unempfindlich ist. Die Bronze gewährt daher 
wie kein anderer bildungsfähiger Stoff die Möglich- 
keit feinster Formengebnng, welche bei großer Halt- 
barkeit mit ihrer schonen goldgelben bis braunroten 
Farbe in Verbindung mit den durch die Patinirung 
zu erzielenden Metalltönen die daraus hergestellten 
künstlerischen Gebilde vor allen anderen Herstellungs- 
weisen wert- und reizvoll erseheinen lassen. 

Vorbedingung einer wertvollen Bronze ist dabei 
zweifellos: 1. das VorJiandensein eines künstlerisch 
iverlwlkn Modell», 2. die kunstgerechte, formengetreue 
Wiedergahe desselben. 

Hierin lassen nun sehr viele .echte Bronzen* 
meist nicht wenig, ja mitunter alles zu wKnschen 
übrig; entweder waren kQnstlerische Feinheiten schon 
im Modell nicht vorhanden oder die vorhandenen 
Feinheiten sind beim Formen, beim Guss und bei 
der Bearbeitung (Giselirnng) der Bronze verloren 
gegangen. Im ersteren Falle ist die Wiedergabe des 
Modells schon an sich unberechtigt, und es ist schade 
um die Aufwendung des edlen Metalls dafUr. Den- 
jenigen, welche nicht seihst urteilsfähig genug im 
Kunstwerte derartiger Bildwerke sind, muss, um sie 
so weit als möglich vor Erwerbung wertloser Bron- 
zen zu schützen, der Name des ' Bildhauers, des Ur- 
hebers jenes Modells, einigermaßen Ersatz ihres man- 
24 



186 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 



geladen Kunstverständnisses in der Annahme bieten, 
dass ein Modell, das auf die Bezeichnung eines 
Kunstwerkes nicht Anspruch erheben kann, die Werk- 
statt eines als tüchtiger Künstler bekannten Bild* 
hauers überhaupt nicht Terlässt. 

Für die Herstellung der Bronzen kommen zweierlei 
äussweisen in Betracht. Für gewöhnlich werden 
die zum Bronzeguss bestimmten Modelle in Sand 
geformt und in diesen Sandformen gegossen; sehr 
feine und vielfach unterschnittene Modelle dagegen 
in den besseren Kunstgießereien mittelst des soge- 
nannten Wachsausschmelz -Yerfahrens, Das erstere 
Verfahren, bei welchem meist Gips- oder Metall- 
modelle zur Anwendung gelangen, unterscheidet sich 
nicht wesentlich von der auch bei Eisenguss bekann- 
ten Sand- und Masseformerei; bei der Wachsaus- 
Schmelzung wird das Modell selbst in Wachs gebildet, 
und zwar entweder als Urbild (Original) oder auch 
in besonderen Formen nach einem Gipsmodell, als 
Wachsabguss, der dann in den Feinheiten nachge- 
arbeitet wird. 

Dieses Wachsmodell wird mit einer breiigen 
Formmasse umgeben, vollständig dicht umschlossen 
mit derselben eingebettet (eingeschlämmt) und das 
Ganze getrocknet. Darauf wird das eingebettete 
Wachsmodell, also das Wachs, in einem Ofen aus- 
geschmolzen und in den dadurch entstehenden, dem 
Modell entsprechenden hohlen Raum die flüssige 
Bronze eingegossen. Auf diese Weise kann man, 
weil die breiige Formmasse das Modell in allen 
Teilen dicht umläuft, hervorstehende Teile, wie Arme, 
Beine u. s. w. mit dem Hauptkorper in einem Stück 
gießen, ohne sie abschneiden, für sich gießen und 
dann an das Hauptgussstück wieder ansetzen zu 
müssen, wie bei der Sandformerei, bei welcher die 
Modelle naturgemäß aus der zwei- oder mehrteiligen 
Form wieder herausgehoben werden müssen, daher 
in zusammenhängenden Teilen nicht wesentlich 
unter- oder durchsichtig gestaltet sein dürfen. 

Das von einem Bronzeguss höchste Erreichbare 
wäre nun, wenn das Bildwerk, das Modell, in dem 
schönen, dauerhaften Bronzemetall so erhalten wer- 
den könnte, dass es ohne jede weitere Nacharbeit 
genau die Feinheiten der Formen und der Oberfläche, 
wie sie der Künstler seinem Werke gegeben, wieder- 
giebt, denn der Zweck der Bronzen «ist nichts an- 
deres und soll nichts anderes sein, als ein bloßer 
Stoffwechself ein Ersatz des infolge seiner Natur leicht 
vergänglichen, wenig widerstandsfähigen Modells aus 
Thon, Gips, Wachs oder Holz, in zäher, durch ge- 
wöhnliche äußere Einflüsse unverwüstlicher, und mit 



den schon oben erwähnten vorzüglichen Eigenschaf- 
ten behafteter Bronze" 

Die ,,Mache" des Künstlers, die Art der Be- 
handlung seiner Formen und Flächen, seine Fein- 
heiten der Darstellung werden nur unter dieser Vor- 
aussetzung in dem Bronzeguss vollständig getreu 
erhalten. 

Ist also, wie es heutzutage fast durchweg der 
Fall, der Bronzearbeiter (Ciseleur) nicht gleichzeitig 
der Modellkünstler und umgekehrt der Bildhauer 
nicht gleichzeitig Bronzearbeiter, so erhellt, dass in 
der vielfach gepriesenen nachträglichen Bearbeitung 
der Bronzegüsse (der vollständigen Bearbeitung oder 
Ciselirung) der Kunstufert derselben nicht liegt. 

Diejenige Bronze, deren Guss die geringste Nach- 
arbeit oder Überarbeitung erfordert, ist, ein kunst- 
volles Modell vorausgesetzt, auch die beste und wert- 
vollste. 

Die Bedingung möglichst geringer Bearbeitung 
der Bronzen hat selbstredend die Anfertigung und 
Beschaffenheit des Modells in solcher Weise , mit 
allen den Feinheiten, wie sie die fertige Bronze 
zeigen soll, zur Vorbedingung, und es ist falsch, 
wenn gewisse Bildhauer, meist aus Bequemlichkeit, 
die sogenannte „letzte Hand", d. i. die gewünschten 
Feinheiten des Haares, des Gewandes, der Glieder, 
der Augen, der Finger und Zehen und dergl., dem 
Bronzearbeiter vorbehalten. 

Letzterer ist heutzutage in der Regel kein 
schöpferischer Künstler mehr, er soll daher an Stelle 
des Bildhauers nicht bildnerisch, nicht formengebend 
auftreten, er soll nur Mängel des Gusses beseitigen 
und die dabei berührten Stellen mit der übrigen 
Gussfläche in Form und Farbe «zusammenbringen*. 
— Dass in allen Fällen die Gusshaut an etwa po- 
rösen Stellen gedichtet, von anhaftendem ForoQsand 
befreit werden und dass sie eine reine metallische 
Oberfläche erhalten muss, versteht sich von selbst, 
und von dieser in jedem Falle notwendigen Nach- 
arbeit ist hier nicht die Rede. 

Dieses geringste Maß von Nacharbeit führt aber 
keineswegs zu den glatten, in den Kunstformen ver- 
wischten, glänzenden Bronzen, wie sie die billigen 
landläufigen Stücke des Kunstmarktes und nicht 
minder die gewöhnlichen Pariser Bronzen zeigen. 
Diese glatten, glänzenden (der Laie nennt sie «voll- 
ständig ciselirten") Stücke sind eitel Trug, sie sind 
die notwendige Folge eines mangelhaften Gusses, 
eines oberflächlichen Modells^ durch Überfeilen und 
Überschleifen ohne Mühen und Kosten erzielt; durch 
eine derartige glatte Oberflächenbearbeitung gehen 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 



^- iCl.^, 



nocti die wenif^en FeiaheiteD des BroDzegnsses und 
des Modells verloren. 

Man vei^leiche doch mit diesen glänzenden, ge- 
schliffenen Bronzen diejenigen Bronzen erster Meister, 
welche bei Vermeidung einer gänzlichen Überarbei- 
tung und infolge eines ronüglichen Bronzegusses 
noch die beim Quss sich eigebende Oberfläche des 
Modells zeigen, in welchen man den KQnstler und 
seine Eigennii noch mit Sicherheit erkennen kann, 
und man wird mit einigem Knnstyerstandnis keinen 
Augenblick im Zweifel sein, welches die reiz- und 
wertvollere Darstellung ist Nicht bloß in der For- 
mengruppe im großen und ganzen, in der GeBatnt- 
anordnung des Bildwerkes, sollen und wollen wir 
den Künstler sehen, sondern auch in seiner Dar- 
stell nngsweise, in der verschiedenen Oberflächen- 
bebandluug zum Zweck der verschiedenen Fleisch- 
und Stoffwirkung. 

Diesen Reiz kann in hohem Orade auch ein 
durcbana skizzenhaft behandeltes Modell eines Künst- 
lers aufweisen, welches in seiner Eigenart und der 
Darstellung der kfinstlcrischen Gedanken seines 
Schöpfers bisweilen sehr viel wertvoller ist als 
manche bis in die kleinsten Einzelheiten ausgeführ- 
ten Bildwerke vieler DnrchschnittakUnstler; gerade 
bei solchen Meisterschöpfongen ersterer Art ist es 
Aufgabe der .Bronze*, die Eigenarten des Vorbildes 
(des Originals) mSglicbst getreu wiederzugeben, was 
um so besser geschehen kann, je weniger eine Über- 
arbeitung der OuBSoberfläche stattfindet, weshalb 
man sogar in besonderen Fällen auf jede Nacharbeit 
verzichtet und lieber kleine Oussfebler oder stehen- 
gebliebene feine Gussnähte eines Sandgusses mit in 
den Kauf nimmt, als sich der Gefahr aussetzt, mit 
diesen kleinen Mängeln auch Feinheiten des Modells, 
der Modellskizze, zu beseitigen. FOr solche Arbeiten 
eignet sich die Wachsausschmelzung ganz besonders, 



187 

namentlich dann, wenn der Kttnstler sein Gebilde 
vmmittelbar in Modellirwachs gearbeitet oder einen 
nach einem Gipsmodell genommenen Wachsabguss 
pers5nlidi nachgearbeitet hat 

Wegen des bei der Wachsformerei (durch das 
Ausschmelzen) verloren gehenden Modells nennt 
man das Verfahren auch: Guss mit verlorener Form. 

Hat schon an sich die reine natürliche Bronze 
einen dem Auge wohlthuenden, warmen, goldgelben 
bis braunroten Farbenton, so wird derselbe infolge 
der oz;direnden Einwirkung der Luft und ihrer Bei- 
mischungen durch die Bildung von Rost auf der 
Oberfläche, dem sogenannten JCdelrost oder der 
Patina, noch vorteilhaft verändert. Diese soge- 
nannte .schöne Patina* oder der Edelrost einer Bronze 
ist .die durch Zeit und äußere Einflüsse eintretende 
chemische und physikalische Veränderung der reinen 
Metalloberfläche unter Übergehen des ursprünglichen 
gelhroten reinen Metallbronzetons ins Grüne oder 
Braune, hei gkickxeiHga- allmählicher Entstehung 
einer glatten, eigentümlich reizvollen, matt glänzen- 
den, durchscheinenden, fast speckigen Oberfläche, 
welche über das darunter befindliche echte Metall 
keinerlei ^weifel lässt.'' 

Diese glänzende, durchscheinende Patinaober- 
fläcbe ist also nicht das Ergebnis einer vorausgegan- 
genen gUtten Bearbeitung der BronzeoberSäche, 
sondern die Folge der Patinahildung; ebensowenig 



t ananyme dea Bronc«" in Paria, 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 



188 

wie eÖD etwa TolktSiidiges Überarbeiten nnd eine 
glatte bearbeitete Oberfläche Vorbedingong fOr die 
allm&hticbe Bildung einer gaten PaHna ist. Dem 
Ansetzen von Rnll- und Schmutzteileu bei Denk- 
mälern im Freien iat die nicht aberarbeitete Bronze- 
oberfläche, wie sie ein guter Denkmalgusa in ge- 
treuer Wiedergabe des Kunetmodells bieten soll, 
nicht förderlicher als eine glatt bearbeitete Metall- 
Bäche, da auch im letzteren Falle ein eigentliches 
Glätten oder Poliren auegeBchlossen ist Dsa allmäh- 
liche Fortschreiten der Patinabildung nennt man 
das „Wachsen* der Patina. Jede Auftragung von 
Farbstoff, soweit es sich um die allein Wert habende 
„echte Patina' handelt, ist dabei ausgeschlossen und 



n P. Stotz )d StuMgaft. modelUrt von Professor Kühne 

1d WiBD. 



ZU verurteilen. — Es ist ein Iniam, zu glauben, 
dass die namentlich bei alten Bronzen so gerühmte 
.schöne Patina* nur in einer ffrünen Tönung der 
Oberfiäcbe bestände, die gelb- oder rotbraonen Tö- 
nungen sind mindestens ebenso reizvoll und bewahren 
meistens noch eine glattere Oberfläche als erstere; 
für Bronzen neuerer Kunst ist die braune Patina in 
der Regel die schönere nnd beliebtere^ 

Die ausgegrabenen Bronzen der Alten sowie 
die aus gutem Metall hergestellten Denkmäler im 
Freien zeigen, wahrscheinlich durch das an der Ober- 
fläche infolge des Eohlensäuregehalts der Luft ge- 
bildeten kohlensauren .Knpfero^ds", meistens eine 
grüM Tönung; bei den im Freien stehenden Denk- 
mälern indee nur dann, wenn die Luft des Anf- 
stellungBortes nicht zu sehr durch Schwefel- und 
KohlendOnste etwa benachbarter großer Feuemnga- 
anlagen oder sonstige Ablagerungen verunreinigt ist, 
Dei^leicben Einflüsse bewirken leider in den meisten 
milen der Neuzeit die Abl^erung von feinen Ruß- 
und Schmutzteiten auf der Bronzeoberfläcbe , ver- 
hindern dadurch die natürliche Entwickelung des 
schönen braunen oder grQnen Edelrostes und ver- 
leihen dem ganzen Bildwerke ein mattes, stumpfes, 
fast Schwanes Ansehen. 

Welche äußeren Einflüsse außer ein^ reinen, 
aber etwas feuchten Atmosphäre der Bildung einer 
schönen Patina besonders förderlich sind, hat mit 
Sicherheit noch nicht festgestellt werden können, 
doch das steht fest, dass die Bildung eines schönen 
Edelrostes bei den im Freien aufgestellten Bronzen 
von vornherein dann verhindert wird, wenn der Bronie- 
schmelzung zum Zweck des leichteren Gießens nnd 
Bearbeitens Zink beigesetzt wurde; alle derartig ver- 
setzte BroDzemischungen erhalten unter den Witte- 
rungseinflOssen im l<Veien erfahrungsmäßig bald eine 
matte, schwarze, fast rauhe Oberfläche. Es wird 
daher in neuerer Zeit durchweg die Forderung ge- 
stellt, dass fOr im Freien aufzustellende Bronzedenk- 
mäler nur eine xinkfreie Brouzeschmelzung zu ver- 
wenden ist In der Regel besteht solche Denkmal- 
bronze aus 90 bis 95% Kupfer und 10 bis 5% Zinn. 
Etwaige andere Zusätze, wie z. B. Mangan, Selen, 
Aluminium, Phosphor u. s. w., haben nur den Zweck, 
die Festigkeit oder Dichtigkeit der Bronze zu er- 
höhen. Das Schwarzwerden von Denkmälern im 
Freien verhindert die sogenannte Phosphorbronze 
nicht; bei Aluminiumbronze sind die Versuche noch 
nicht abgeschlossen, doch scheint diese von etwas 
günstigerem Einfluss zu sein. (Für kunstvolle Bron- 
zen ist nur die Erhöhnng der Dichtigkeit, d. h. die 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 189 

VermeiduDg Bchwammiger Stellen von Wert; für die mit der Zeit noch zunehmende und immer reizvoller 

diesen Zweck pflegt man der Schmelzung unmittel- werdende, die Freude am Besitz stetig erhdhende Ver- 

bar im Ofen oder im Tiegel eine gewisse Menge änderung der natQrlichen Metalltönung wirklich ech- 

Pbosphor zuzosetzen, um beim Guss die Bildung ter Bronzen ist bei ihnen ganz ausgeschlossen. 

von Metalloxyden zu vermeiden.) 
Für kleinere in geschloBseni 

stellende Bronzen ist eine Zinl 

jeden Nachteil; die z. B. in Nea^ 

liehen, sogenannten italienischen u 

Bronzen, desgleichen die meiste 

sind sogar in der Regel nur in ( 

sing gegossen und kOnstlich, d. 

von Farbstoffen (Wachs- und La< 
Bei derartig kUnetlich, unter V 

der FarbenstofFe patinirten Bron 

des „Echten" vollständig verlot 

Stoff ist unnütz verwendet, jede 

lose, wenn nur bildsame Stoff (Zin 

leistet genau dasselbe; er läsat 

Deckfarben, wie jene Bronzen, 

zeigt er dem Sachverständigen LD 

heit, und von einem wahren Kuc 

wie dort keine Rede mehr. 

Zur Bildung einer schönen n 

liehen Patina lediglich durch Eit 

knng der Luft ist meistens eine 

lange, oft nach Jahrhunderten zähl 

Zeit erforderlich; man unterstützt 

ersetzt daher diese natQrliche Bild 

namentlich bei kleineren Eunstbro 

mit Hilfe von Beizen, teils aus Säv 

und Salzlösungen, teils aus Pflan 

saften bestehend, mit welchen 

nach Belieben die Bildung von brai 

oder grflnen Tönen beschleunigen k 

Haupterfordernis dabei bleibt aber, 

diese Bronttetönung eine wirklich ei 
natürliche, auf chemischer Verandei 
der Bronzeoberflächenschicht beste 
de ist, und dasa dabei jede 
Anwendutig von aufgetrage- 
ner Farbe ausgeschlossen 
bleibl; die modernen Pari- 
ser Bronzen mit den tief 
braunen nnd roten Tönnn- i 

gen sind meist mit aufge- - , 

horsteten Farben getönt, 
daher in der Farbe nicht 
echt und widerstandsfähig 
und das sogenannte „ 7Vi»rA- 

I. " J _ D.,f;„~ J l, Mignon. Bronie von Bu-bCdieoDe id Paria, modellirl von K. Aikelin. (Au« dem HoheiiEolIgni- 

wachsen der fatma, d. h. Kaafh.u. von H Iliraobw^ld in Berlin.) 



190 



ÜBER ECHTE BRONZEN UND PATINA. 



Dieses .NacbwacbseD" der Patina kanti bei allen 
Bronzen durcb Abwaschen derselben mit Waaser 
und Seife und nacbberiges Überwiscben mit einem 
Tropfen Ol, bei kleineren Bronzen in vorteilhailer 
Weise dnrcb 5fleres Überwischen mit der flachen 
Hand oder dem Daumen gefordert werden. Deshalb 
zeigen auch alle im Freien aufgestellten Bronzedenk- 
mäler, soweit deren Teile der Berührung durch die 
menschliche Hand (dem Anfassen der Beschauer) 
zugänglich sind, die schöne braune, durchscheinende 
scbmalzartige Patina, und aus gleichem Grunde sind 
die unvermeidlicbenWamungstafeln: .Das Berühren 
dieser Gegenstände ist verboten' in den Bronzeab- 
teilungen unserer Museen und Kunstausstellungen 
nicht am Platze. An den auf dem Becken des Scbloss- 
brunnens lagernden Frauengestalten zeigt sich die 
Mitwirkung der Beschauer auf eine rasche und reiz- 
volle Patinabildung (von der Wirkung ^er sandigen 
Stiefelsohlen abgesehen) schon jetzt in vorteilhaftester 
Weise, und dieselben Gruppen zeigen, dass diePatina- 
hildung nickt, wie vielfach in Unkenntnis der Vor- 
gänge behauptet worden, glatt und sauber bearbei- 
tete Bronzeoberflächen zur notwendigen Voraus- 
setzung hat, sondern dass die glatte, durchscheinende, 
scbmelzartige Bronzeoberfläcbe die Folge der Patina- 
bildung ist Den schlagendsten Beweis fOr diese 
Thatsache giebt auch das Denkmal des Großen Eur- 
ftlrsten auf der Langen BrQcke in Berlin , welches 
bis in die siebziger Jahre als Muster schöner Patina- 
bildung angesehen wurde und thstsäcblich auch an- 
gesehen werden konnte. Die Ursache davon wurde 
auch hier (irrigerweise) in der bei seiner Herstellung 



vorgenommenen glatten Bearbeitung der Bronze- 
oberfläche gesucht Inzwischen aber (und nament- 
lich seit der letzten Abwaschung) ist auch hier 
die schSne Patina vollständig verschwunden; an dem 
Standbilde, mit Ausnahme der von den Vorttber- 
gehenden Öfter angefassten Kniescheiben, Finger und 
Zehen der Sklavengestalten, ist keine Spur davon 
mehr zu finden; es ist ebenso schwarz und stumpf 
wie alle Dbrigen Bronzedenkmäler Berlins, in wel- 
chem die rauch- und scbmut^eschwängerte Atmo- 
sphäre der Bildung schöner Patina nicht mehr fSr- 
derlioh ist Die frflher fttr die Patinabildung geeig- 
nete Metalloberfläehe dieses Denkmals bat doch 
inzwischen Niemand geraubt, ebensowenig wie 
die bei Aufteilung des Scbloashrunnens unverstan- 
denermaßen bemängelte .raube Gnssoberfläche* der 
Becken-Frauengestalten, auf der sich mittlerweile 
durch die erwähnten günstigen Umstände eine schöne 
glatte Patina gebildet hat, nachtr^lich von niemand 
geglättet oder gedichtet worden ist Bei erste- 
rem Denkmale ist also trotz der vermeintlichen 
glatten Bearbeitung der Oberfläche die bereits ge- 
bildete Patina infolge der ungQnstigen atmosphä- 
rischen Einflüsse verschwunden, und bei den Schloss- 
brunnenfiguren hat sieb innerhalb kurzer Zeit, trotz 
der, vom künstlerischen Standpunkte übrigens nur 
zu billigenden, .rauhen Gnssoberfläche" (genau dem 
künstlerischen Modelle entsprechend), infolge der 
äußeren günstigen Umstände eine schöne branne 
Patina und damit eine durchscheinende glatte Metall- 
haut gebildet. Man muBS hier nicht Ursache und 
Wirkung mit einander verwechseln. 



DAS HAMBURGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 



AS vorliegende Boch') ist eine 
reife Frucht tod einem fiinf- 
nndzwanzigjtUirigren Banm, den 
der Verfasser selber gepflanzt, 
mit nneDdlicher Liebe, Sorg- 
falt und Mühe gepflegt imd zu 
einer vollen und herrlichen 
Krone emporgefUhrt hat Kaist 
die Lebensarbeit eines Hannes, 
der an seine Schßpfhng sein Herzblut gesetzt hat 
Wenn Briockmann mit guter üoflbung anf die Zukunft 
S. V der Einleitung den Satz ansspricht, es sei dem 
Wirken der Kunetgewerbernnseen , nicht einzelner An- 
stalten, sondern ihrer gesamten, mit litterarischen, 
wissenschaftlichen nnd Werkstattverfuchen verknüpften 
Arbeit gelangen, eine Fülle technischer Verfahren, die 
fiist oder ganz verloren gewesen waren, dem Kunst- 
gewerbe and jedem wieder zagftnglich za machen, der 
nur den ernsten WiUen mitbringe, sich ihrer za be- 
dienen, so wissen die Fachgenossen gut genng, dasa dem 
Hamburger Hnseum nnd seinem erfahrenen Leiter ein 
wesentlicher Anteil daran gebGhrt Und nnn kommt 
znr silbernen Jubelfeier, die der Qrttnder mit seinem 
Institut in diesem Jahre begeht, ein „Ffihrer" hinzu, 
wie ihn bis jetzt kein kanstgewerbliches Hoseum besitzt. 
Beide gewinnen damit einen der Stadt Hamburg za 
großer Ehre gereichenden Primat, der ihnen nie wieder 
streitig gemacht werden kana 



1) Das hambnigiache MDBenm flli Kunst und Gewerbe. 
Ein FObrer durch die SaamlDngeD, zugleich ein Handbuch 
der Geecbicbte des Eunatgewerbes, ron Jttstju Brinekmann, 
Hamburg. Verlag des Moieums für Knnst und Gewerbe. 
Leipzig, E. A. Seemann 18M. 



DaBs die Aufgab« and der Nutzen knnstgewerb- 
licher Anstalten nicht darin bestehe, Knust- nnd Knnst- 
handwerk mit diesen und jenen Stilnachahmungen einem 
llusserlichen ElekticismuB in die Arme zu treiben, dass 
der Künstler den Inhalt der Museen nicht bloß als eine 
Sammlung von Vorbildern zu eigener bequemer Wirt- 
schaft mit ihnen ansehe, sondern dass er vor allen Dingen 
ihrer knlturgescbichtlichen Bedeutung sich hewnsst 
werde nnd daraus die Erkenntniss schöpfe, dass das 
Nene, was er macht, nur dann einen Wert gewinne, 
wenn es nicht eine leichte Äußerliche Nachahmung von 
etwas Altem sei, sondern wenn es, in lebendigem Ver- 
hältnis zu den Bedürfnissen der Gegenwart stehend 
und aus diesen erwachsen, selbständiges Denken, Er- 
fassen nnd Schaffen verrate, nnd dass er zu diesem 
Zwecke genau ebenso, wie es in den vergangenen Stil- 
perioden von Seiten der Besten nnd Kräftigsten geschah, 
seine Aufmerksamkeit in erster Linie unbedingt dem 
unerschöpflicben, immer wieder neu belebenden Formen- 
schatz der Natur zuwende: das ist es, was nicht genng 
betont werden kann, und dem auch Brinekmann in seiner 
Einleitung beredten Ausdruck leiht In diesem höheren 
Sinne durchaus selbständiger Beherrschung von Natnr- 
formen nnd verständiger, dem Bedürfnis etatsprechender 
Stilisierung derselben, nicht aber zum Zwecke sklavischer 
Nachahmung von Einzelheiten, ist aaf das große Bei- 
spiel der beiden luselvölker, der praktischen Griechen 
des nahen Mittelmeers nnd der ebenso praktischen Japaner 
des fernen Ostens, hinzuweisen; in diesem Sinne erst 
werden diese klugen nnd flndigen Leute unsere wahren 
Lehrmeister werden. 

Wie nun dieser kulturgeschichtliche Standpunkt, 
der in einem Kunstgewerbemuseum als höherer und 



DAS HAMBURGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 



192 

herrschender durchweg; zar Geltung zu gelangen hätte, 
auch dazu führen könnte, die so sehr beliebten Ord- 
nnngen nach technologischen Gesichtspunkten immer 
mehr schwinden zu lassen und dafür, nach dem Vorbilde 
ethnographischer Museen, die treibenden und schaffenden 
KTSSta eines Volkes auf irgend einer Stufe seiner Knltnr 
für die Aufstellung technisch verschiedener Denkmftler 
zn Grunde zu legen, das fuhrt Brinckmann an einigen 
sehr hübschen Beispielen auf Seite Vll der Einleitung aus. 
Was uns betrifft, so sind wir der Ansicht, dasa* 



Das ist es auch, was Brinckmann gewiss mit berück- 
sichtigt wissen will, wenn er der Scheidung von Kunst 
nnd Kunstgewerbe entgegentretend und den Schwerpunkt 
in mSglichst lebendige Wirkungen legend, sagt: „Han 
wird sich nicht begnügen, leere Bahmen als Vorbilder an 
die Wände zu b&ngen, Bondem man wird sich sagen, dass 
ein Rahmen ein Bild enthalten mnss, am richtig gewür- 
digt zu werden; man wird nicht mehr nur die Reste 
alter Seiden nnd Sammete bewahren, wie der Botaniker 
Pflanzen im Herbarinm, sondern man wird sich sagen, 



Bronzener Drache a 



wo es geht, es so zn geschehen hat. Es kommt dabei 
ebensosehr auf den vorhandenen Bestand wie anf die 
gegebenen Räumlichkeiten an. Vorläufig, meinen wir, 
braucht jedoch weder die eine noch die andere Anschauung 
konsequent durchgeführt zu werden; es wird z, Z. in 
den meisten Museen genügen, wenn nur an der einen oder 
andern Stelle in der Aufstellung das kulturgeschichtliche 
Prinzip vor dem technologischen den Vorzug bekommt. 
Aber in dem einen wie dem anderen Falle bleibt 
eine Hauptsache die , dass der Aufstellende bemüht sei, 
einen dem Auge künstlerisch wohlgefälligen Aufbau zu 
erzielen. Ein Museum soll mit seinen Schätzen nicht 
bloß den Geist belehren, sondern anch das Auge erfreuen. 



dass erst die Verwendung eines Gewei>eB in der Tracht, 
für die es bestimmt war, dasselbe verständlich macht, 
und man wird den Geweben alte Kostüme oder docli 
alte farbige Trachtenbilder hinzutligen". 

Gewiss: Leben nndSchÖnheit müssen in einem Hnseum 
herrschen, sie allein sind im Stande, es vor dem schon 
so oft getadelten Cbarakter eines unwirtlichen Magazins, 
eines Ladens, einer Trödelbude, nnd wie diese liebens- 
würdigen Ausdrücke sonst noch heißen mögen, dauernd 
zu bewahren. 

Gleich das erste Kapitel des Buches beginnt mit 
einem Gebiet, das im Museum einen Glanzpunkt dar- 
stellt und unter den Händen des Direktors seit Jahr 



DAS HÄMBÜRGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 



and Tag zu einer Sanunlniig allerersten Banges beran- 
gewachsen ist. Es sind die Fayencen, za denen ihr 
Pfleger, wenn er zeitweise anderen Zweigen des Kunst- 
gewerbes angewandt war, immer wieder mit besonderer 
Wärme des Herzens zurückkehrt, und die ich daher als 
seine erste Liebe bezeichnen möchte. Welche Freude 
masBte es nnn für ihn sein, gerade in seiner Vaterstadt 
eine Fajenceknust des vorigen Jahrhanderts anfzu- 
sporen, die, wenn anch wesentlich anf Blanmalerei für 
Scharfliener begrenzt, Leistungen anf^weisen hat, welche 
hinter dem allerbesten, was irgend wo gefunden wird, 
nicht zurückstehen. Man sehe nur diese zum größten 
Teil ans den niedrigen vierlandischen Banemstnben 
mit vieler Uülie bmchstück weise wieder zosammen- 
gesncbten, prächtig anfgebanten Öfen der hambnrgischen 



nnd anfs nene Ihre gerechte Wördignng herbeigeführt 
zn haben. Sie stehen jetzt teils im ersten Zimmer, 
in welches der Besncher vom Veetibül her eintritt, teils 
in dem gegenfiberliegenden letzten Zimmer, durch welches 
er die Samrolnng wieder verlElsst (vgl. S. 1—9 n. S. 816), 
and finden als griJßere Hnseumsgrappe eine Ergänzung 
durch andere treffliche Öfen von Lüneburg, Kiel, Stockels- 
dorff bei Lübeck nnd Steckenbom in der Schweiz, die 
in verschiedenen Zimmern anfgestellt sind (S. 299). 
Um nun in unserer Besprechung bei einer Sache 
zu bleil>en, machen wir einen Sprung vom ersten zum 
letzten Zimmer. Von hier an bis zum 11. Zimmer auf 
der S&dseite des Gebäudes beginnt die Keramik eine 
Reihe ihrer reichsten und ^tzBckendsten Bilder za ent- 
falten. Vergleicht man das Museum einem vie^liedrigen 



Tapfer J. H. Volgrath, B. D. Hennings und Hein- 
rich Camp mit ihren nach Vorbildern älterer und 
zeitgenössischer Künstler het^steUten ausgezeichneten 
Kachelmalereien von Cord Michael Höller, Johann Ottc 
Lessel und anderen, deren Namen zum Teil noch unbe- 
kannt sind. Heute begreift man es kaum, wie diese 
Öfen, womit in der Bokoko-Zeit die Patrizierhänser 
sich schmückten, dem klassifizierenden Zopf mit seinen 
farblosen weißen Öfen zum Opfer fallen and zu den 
Bauern aub Land wandern konnten, von denen sie, die 
ehedem stolz aufgebauten Architekturen glichen, der 
niedrigen Stnben haiber nicht selten zu unförmlichen 
Hissgeburten zusammengezwängt wurden. Es ist 'ein 
besonderes Verdienst des Direktors, diese ganz vortrefF- 
lichrai Erzengniase alter Zeit als solche seinen Ham- 
burger Mitbürgern wieder zum Bewusstsein gebracht 
[. r. V. H. 11. 



Bundesstaat, so stellen diese lieblichen Kinder der Erde — 
denn das sind sie ja im eigentlichsten Sinne des Worts — 
den größten zur Herrschaft bernfenen Staat dar. Das 
beweist auch der Banm, den sie im Buche einnehmen, 
wo sie uns von S. 235 bis 560 vorgeführt werden. 

Nach einer kurzen geschichtlichen Übersicht von 
prähistorischen Formen ans freier Hand bis zam modernen 
,^inselreHef' und nach beherzigenswerter Zurückweisung 
der höchst unbegründeten, aber im Handel immer noch 
beliebten Unterscheidung zwischen „gemeiner" und „feiner" 
Fayence, wofür einfach Fayence und Steingut zn setzen 
wäre, beginnt dieser Abschnitt mit den griechischen und 
römischen Thongefäßen, Indessen lässt es die Entwick- 
lung, welche das Sammeln und Bergen dersell>en seit dem 
Ende des vorigen Jahrhunderts genommen hat, begreiflich 
erscheinen, wenn die jüngeren Kunstgewerbemuseen—^ 
25 



194 



DAS HAMBFRGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE 



und dazD zählt ja auch das Hambni^r — diesen Zweig 
der Keramik den in erster Reibe anf die Pfiege klassi- 
scher Archäologie nnd Philologie gerichteten Hnseen 
und Verwaltungen fiberlassen. Demgemäss ist anch der 
Bestand griechischer nnd römischer Thongeßße im 
Hambnrger Mnsenm nnr klein, jedoch sind immerhin 
die Uanptgattnngen der edlen griechischen Formenwelt 
daselbst vertreten. Besooders 
anziehend ist, bei dieser wie bei 
allea nachfolgenden Onippen, 
die Jedesmalige eingehende 
Schilderung des technischen 
Verfatirens nnd der Darstellang 
ihrer Beziehnngen zn Vorlagen 
aus andern Gebieten der Ennst. 
Man merkt, wie sehr der Ver- 
fasser darin bewandert ist, and 
es wird kanm einen Abschnitt 
geben, in welchem nicht Laie 
nnd Fachmann immer noch et- 
was heransfinden, das ihnen 
nen nnd lehrreich sei. In dieser 
Beziehnng gewinnt der Brinck- 
mannsche Fährer in der That 
die Bedentnng eines weit über 
den Bahmen des Hamburger 
HnaenrnB hinausgehenden ans- 
gezeichneten Handbaches, anf 
welches nicht nachdrücklich ge- 
nug hingewiesen werden kann. 
So anch bei dem nachfolgenden 
Steinzeng, dem sog. „gras de 
Flandres", das aber, wie man 
weiß, in weitaus fiberwiegen- 
der Mehrheit nicht flandrischen, 
sondern niederrheinischen und 
dentschen Ursprunges ist. Nie- 
derrheinisches Steinzeug von 
Siegbarg, Frechen, Höhr, Grenz- 
hausen, Eaeren, femer das von 
Ereassen im Fichtelgebirge, 
ging über die ganze Welt, nnd 
der Name Ullner oder Eullner, 
wie man von römischer Zeit 

her die fabri Ollarii in den Klederländiache LeiDentresae 
rheinischen Landen hieß, soll boJ^^WKin- und Auf lagen aus 
' (Abb dem Mmeiini nir Kuns 

dort noch heute nicht vergessen 

sein. Es ist von besonderem Interesse, zu erfahren, dass das 
Hambnrger Mnsenm ans einem sog. „Ullnerwerk für 
den hambargiachen Zng" eine kleine Schnelle mit dem 
Wappen und der Unterschrift tDER ■ ENGELANDES ■ 
FARER . GESELSCHOP . IN ■ HAMBORCH . . ans dem 
Jahre 1595 erlangt hat (s. S. 197 oben). Die Ableitung des 
Wortes Uliner vom lat. Ollarina h&tte S. 252 Erwähnung 
finden können. Wichtiger aber ist der Vorschlag Brinck- 



manns, ffir den jedes knltnrgeschichtlicben Grandes ent- 
behrenden Namen „Erensaener Trauerkrag" den Namen 
„Kerbschnittkrug" einzuführen, welcher der herkömm- 
lichen Verzierang aufs beste entspricht. Der Name 
wird hoffentlich allgemeinen Eingang finden. 

In der Behandlung der deutschen BanemtÖpferei 
mit Bleiglaaur ist die Abweianng der bisherigen An- 
nahme von farbigem Zinn- 
Email auf dem Grabdenkmal 
eines 1290 verstorbenen scble- 
sischen Herzogs in der Ereoz- 
kirche zn Breslau von allge- 
meinem Interesse. Koch mehr 
aber fesselt in der Besprechung 
der italienischen Fayencen, an 
denen das nach Piccolpasso's 
Beschreibung gegebene Ver- 
fahren des Brennprozesses nnd 
der Bemalnng wieder mit jener 
Gründlichkeit, Klarheit nnd An- 
schaulichkeit geschildert wird, 
welche wir in nnsem gebränch- 
lichen Handbttchem so oft ver- 
missen, der Widerspruch gegen 
die sog. Hezza- Majolika, wel- 
che Brinckmann als eine Fabel 
hinstellt, die sich in unsere 
keramische Litterat ur einge- 
drängt hat, zu deren gründ- 
licher AuBtreibnng es aber wohl 
noch längerer Zeit bedürfen 
wird (S.266). Findet hier nun 
ein Strich durch ein kerami- 
sches Kapitel statt, so giebt es 
anderswo anch wieder eüie Be- 
reicherang mit neuen Kapitehu 
Ein solches stellen z. B. die, 
wie ans scheint, mit triftigen 
Gründen als Hamburger Fa- 
brikat nachgewiesenen gut 
emaiUirten und wirkungsvoll 
omamentirten großen schlan- 
ken Kannen und Zweihenkeligen 
Kummen für „Kaltschale" dar, 
ler SpätreDsiasance aus EichsD- die Sich in Hamburg selbst 
t''Sd"'ot,.'5,.TEÄ",M°'- «»'1 "■ «"«•' Nachtanohafl 
öfter gefunden haben, nnd von 
denen u. a. anch das Schweriner Kunstgewerbemnsenm 
einige treffliche Exemplare, zwei Kannen aus dem 
Jahre 1634 und eine nicht datirte Kumme, besitzt 
. Einen Glanzpunkt des Museums wie des Buches 
bilden die Fayencen von Ronen und Delft So aas- 
gezeichnete Zusammenstellungen beider, wie sie im Ham- 
burger Museum erreicht sind, findet man sonst nicht in 
Deutschland und kann man anch anderswo lange suchen. 



DAS HAMBÜRGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 



195 



Man sehe nnr diese Prachtstücke des „style rayonnaat" 
nnd „dteor ferronnerie", sowie die herrlichen Leistungen 
eines Loawys Flctoor", Samnel van Eenhom, Adriaan 
Pynscker n. a. m. Aber dennoch ist der Verfiisser, der 
hier den Text seines Buches mit einer Fülle feinsinniger 
Bemerkongen dnrchwebt hat, nicht blind gegen Keime 
des Niederganges in der Dekoration nnd gegen Miss- 
Terstftndnisse bei der Nachahmimg asiatischer Motive. 
Die Besprechni^ der Behang-, Spitzen- nnd Fadenmneter 
von Konen, mit denen so viel Beizendes geschaffen 
worden ist, schließt z. B. mit den Worten: „Der Keim 
des Todes, welchen die Ornamentik der Bonener Fay- 
encen in sich trag, beruhte in der ansschließlichen An- 
wendung fertiger, rein konventioneller Motive, denen 
kein frisches Leben durch die Ableitung nener Motive 
aus Natorformen zagefOhrt wurde". Sehr beachtenswert 
ist femer ein Teller ans der Delfter Fabrik „de Paanw", 
bei welchem darauf hingewiesen wird, dass der Dekor 



wähnt sein mßge, das D in der Bezeichnung D P nicht 
als Dominiun oder Domäne, sondern als Dietrichstein 
gedeutet wissen zu wollen. Femer halten wir es für 
richtiger, bei der Harke von Münden von Mondsicheln 
und nicht von Balbmonden zu sprechen. 

unter den nordischen Fayencen spielen die aus den 
schleswigholsteinischen Städten Schleswig, EckemfSrde, 
Eiel, StockeUdorf^ Kellinghosen, Bendsborg, Flensburg, 
Plön, Oldesloe und Altena eine besondere Rolle. Bier 
gelangte man an einigen Stellen, besonders in Eckem- 
förde, Kiel und Stockelsdor^ zu ganz hervorragenden 
Leistungen, die es mit dem Besten dieser Art in Europa 
an&unehmen vermochten. Bei dem ungemeinen Eifer 
und Gescliick, womit nnn Brinckmann die Bamburger 
Fayencensammlnng ins Leben gerafen nnd in die Höhe 
gebracht hat , ist es deshalb kein Wnnder, wenn die 
große alte See- nnd Bandeisstadt Bamburg, zu deren 
n&chsten Binterlanden die meemmschlungenen Herzog- 



„an tennerre" (Blitze ans Wolken mit Blutenständen) 
aus miss verstandenen Darstellungen von Zickzackbrücken 
japanischer Jristeiche abzuleiten ist. Ber vorragend 
schöne Gmppen des Museums sind anch die Fayencen 
von Moustiers, Sceaux, Marseille, Straßboig und Nieder- 
willer, S. 335 ff. 

DasB neuere Forschungen überall die eingehendste 
Berficksichtignng gefunden haben, ist Belbstverständlicli. 
Was z. B. in dieser Beziehung Professor von Drach in Mar- 
burg aus Archiven ans Licht gezogen hat, ist bei den 
Kapiteln über Banau, Fulda, Böchst, Frankfurt a. M. und 
Kassel, Münden u. s.w. in ergiebigster Weise znr Geltung 
gelangt. Bei der Besprechung von Proskau hätte freilich 
die Fürst Dietrichstein'scbe Periode von 1769 bis 1783 
Erwähnung finden können, an deren Erforschung Alwin 
.Schultz, Weraicke und von Czüiak beteiligt sind. Vgl. 
Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift III, S. 419 S. IV, 
S. 175 and V, S. 8G. Dort scheint man, was hier er- 



tümer gehOren, zum ersten nnd bedeutendsten Eonzen- 
trationspunkt ihrer Fayencen nnd somit, wie es scheint, 
für alle Zeiten zum Hauptarcliiv dieser oft durch feinsten 
Schmelz nnd zarteste Bemalung ausgezeichneten nord- 
deutschen Thonnrknnden des vorigen Jahrhunderte ge- 
worden ist Es wird scbwerlich sonst irgend wo noch 
gelingen, es hierin dem Hamburger Museum gleich zu 
thun. Dem enteprechend haben denn auch die seit Jahr 
und Tag auf diesen Gebieten betriebenen archivalischen 
Forschungen zu umfangreichen neuen Kapiteln der 
Keramik geführt, deren die Handbücher in Znknnft 
nicht mehr werden entraten können, und in denen neben 
vielem, was lehrreich ist, auch manches Ergötzliche vor- 
kommt. Man lese z. B. in dem Kapitel Über Stockels- 
dorff die Erzählung von den Schicksalen des Peter 
Grafifschen Ofens in Lübeck und von der Bartnäckigkeit 
des damals bemntergekommenen dortigen Töpferamts 
gegen das Eindringen einer Konkurrenz in die Hanem 
25" 



n SeiTlce Friedrich'» des QtoBsii. ') 



DAS HAMBURGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 

der alten Hansastadt. Lehrreich nnd aDschanlich iBt 
anch der Rückblick fiher die Geschichte der deutschen 
Fayence auf S. 390 geschrieben. Der Entwicklangsgang 
der Fayence ist im ganzen und großen mit dem 
Jahre 1800 zn Ende. Zwei jOngere Kinder, Porzellan 
nnd Steingut, sind der Matter — denn so kann die 
Fayence in mehr als einer Beziehung, onbeschadet der 
Uteren Vaterrechte, welche das chinesische Porzellan 
besitzt, genannt werden — über den Kopf gewachsen, 
nnd eine Wieder&nferstehnng hat sie bis jetzt nicht bei 
nns erlebt. 

Was die Meißener Porzellanfabrik betrifft, so hOrt 
man, dass noch eine Fülle nngehobener DrknnduiBcb&tze 
in den sächsischen Archiven mben, die anf ihren 
Bearbeiter warten. Der wird sich hoffentlich finden. 
Wie sehr aber trotzdem der Bestand nnseres Wissens 
dnrch die Brinckmann'scben Darlegungen von S. 391 his 
416 bereits gewonnen hat, das wird jeder erkennen, der 
sie mit dem fiberans dürftigen Material nnserer Hand- 
bücher re^lelcht. In dieser Beziehnng mfissen aber den 
archivalischen Stadien in Znknnfl noch genaue Beschrei- 
bungen nnd Katalogisimngen der in den Schlössern unserer 
deutschen Njvten nnd viel&ch auch in den Händen wohl- 
habender Privater sich befindenden zahlreichen und wert- 
vollen Schätze aus den beiden ersten großen Perioden 
der Meißener Fabrik vor Marcolini mehr als bisher zn 
Hülfe kommen. Wer irgend einmal so einen Mei- 
ßener Schatz nnvermutet unter die HELnde bekommen 
hat, der wird wissen, wieriel auf diese Art zu gewinnen 
ist. Wer hat z. B. nur einmal die zahlreichen Fflnf- 
Bätze alter Vasen mit Herold'scben Chineserieen gründ- 
licher angesehen, die, anderer Schätze aas Heißen zn 
schweigen, in den SchlSssem zu Berlin, Potsdam nnd 
Charlottenburg aufgestellt sind? Auch die ScUiJsser der 
Bächsischen Herzogtümer, besonders die in Weimar nnd 
Eisenach, sollen eine Fülle köstlichsten Materiales ent- 
halten. Es wird kaum ein Fürsten- nnd Grafenschloss 
in Dentschland geben, in dem nicht darnach zn fi-agen 
und gewiss auch Antwort zu bekommen sein wird. Was 
aber von Meißen gilt, das gilt anch für die im Privat- 
besitz sich befindenden Schätze ans anderen Porzellan- 
fabriken, wie Wien, Höchst, Nymphenburg, Lndwigshnrg, 
Frankenthal, Fürstenberg u. s. w. Arbeiten der oben an- 
gedeuteten Kategorie sind jetzt um so mehr am Platz, 
I als, wie es die trefflichen Einleitangen des Brlnckmann- 
schen Buches zn den einzelnen Fabriken darthnn, in 
archivalischer Beziehung vielfach bereits aufs beste vor- 
gearbeitet worden ist. Übrigens bietet die Geschichte 
dieser zum größten Teil an Entkr&ftnng gestorbenea 
Fabriken bisweilen ein eigenartiges, halb Instiges, kalb 
trauriges Bild, das, bei aller Teilnahme für Hissverständ- 
nisse und nnaasgesetztes Tappen klassischer Geister in 
ägyptischer Finsternis, doch auch den Humor herans- 
SchaiB »na rotem steinzeog Aiiä^Ärtait! ') fonlert, den der Autor in nüchterner und trockener Er- 

Huseum fdr Suuat und Gewerbe in Hamburg Zählung der Thatsachen wirksam und oft zwischen den 



Teller von Delffter Fayence mit vielfarbiger Sclurfteuenualerei. i) 



DAS HAMBURGISCHE MUSEUM FÖB KUNST UND GEWERBE. 



Zeilen znr Gtoltnngr za bringen weiß. Ein 
anziehendes Kapitel dieser Art iat das von 
Nymplienbnrg. Die einzige Fabrik, wel- 
che die lebensgemhrliclken Sandb&nka des 
klassizirenden Zopfes nnd des darans her- 
vorgehenden, an sich selbstverständlich 
nicht gering zu achtenden Neohellenisinna 
mit Hülfe bedentender Kräfte nnd Kittel 
glficklich überwunden nnd sich zn wirklich 
ganz hervorragenden Leistungen wieder 
empor geschwungen hat, ist die König- 
liche Porzellan-Uannfactnr zn Berlin, um 
so weniger wird es die verdienten Leiter 
derselben verdrießen, wenn anf S. 441 
ein paar anf gewisse Farbenakkorde und 
besonders anf Znsammenstellnngen des 
feinen alten Berliner Eisen- nnd Bosen- 
rot gerichtete Wfinsche aasgeeprochen 
werden, deren ErfüUnng nur dazn bei- 
tragen wird, alte Lorbeeren im Rnhmes- 
kranze der Fabrik wieder anfzn&ischen. 
Dass übrigens anch fremde Verdienste 
allerjüngster Zeit nicht vergessen werden, 
beweist die WUrdlgnng der Leistungen 
Salvetats in S^vres mit einer neuen kaolin- 
haltigen Masse, welche bei weicher Glasnr 
eine der alten pftte tendre ähnliche Far- 
benbehandlnng zeigt, sowie der seit eini- 
ger Zeit ebendaselbst erzielten pracht- 
vollen farbigen Glasnren im Charakter 
chinesischer „porcelaines flamb^es". 

Ein interessanter Bestand des Ham- 
burger Hnsenms sind sechs Modelle ans 
rotem Wachs auf Scbieferplatten, die 
der Hand des Louis Simon Boizot zu- 
geschrieben werden nnd die, wie man 
an einem Dutzend solcher (anch die 
Nachbildnngen nach den Hamburger 
Originalen in sich schließenden) SSvres- 
platten im Schweriner Mnseum sehen 
kann, dazn bestimmt waren, in Weiß 
auf blanem Grunde ansgefohrt zn wer- 
den nnd damit etwas in äußerer Er- 
scheinnng der Jasper-Masse Wedgwoods 
Entsprechendes hervorzubringen. Doch 
fehlt, wie es ja beim Porzellan über- 
haupt nicht erreicht worden ist, die 
Färbung in der Masse, welche Wedg- 
WOOd seinem Steingut zn gehen wusste. 
Dagegen überbietet die Feinheit und 
Schönheit dieser französischen Reliefs 
alles, was jemals von Flaxman und 
anderen Modelleuren in der englischen 
Etmria geleistet worden. Dennoch ge- 
lang es dieser Etmria nnd ihren Schwes- 



Kleiae Siegburger SobneUe. 



197 

ter&briken, mit jenen im klassizirenden 
Zopfstil hergeetellten nnd durch größere 
praktische Brauchbarkeit ausgezeichneten 
Erzeugnissen aller Art, besonders mit der 
verhältnismässig zn billigen Preisen ab- 
gegebenen „Cream Ware", wie bekannt 
ist. den ganzen europäischen Markt zn er- 
obern und damit allen älteren Betrieben 
von Fayence mit Zinnglasur den Todes- 
stoß zu versetzen. Sie waren freilich 
anch wieder die Ursache, dass allerorten 
in Deutschland und anderswo die Stein- 
gntfabrikation aufkam, zn deren alteren 
Produkten auch ein gut Teil jener aus- 
gezeichnet dekorirten roten Ware ans 
Flaue a. d. Havel und aus Bayreuth zn 
rechnen sein möchte, die sich im Anschlnss 
an das in Heißen leider bald wieder fallen 
gelassene rote Böttger'sche Steinzeug ent- 
wickelte. Das hierüber geschriebene Ka- 
pitel (S. 489 ff.) ist von besonderem In- 
teresse. Von den eindringendsten Studien 
zeugen endlich auch die schwierigen Ma- 
terien der persischen und kleinasiatischen 
Fayencen sowie der chinesischen Porzel- 
lane, bei deren Behandlung einigen der 
herkömmlichen, immer noch nicht abge- 
thanenen irrtümlichen Annahmen, z. B. 
denen über die Rhodos- oder Lindos- 
Teller, das sog. Mandarinenporzellan 
nnd das für Slam gearbeitete chinesische 
Exportporzellan, gründlich ins Gesicht 
geleuchtet wird. Einen eigentümlichen 
Trost gevAhrt eine über die jüngere 
verwilderte chinesische Porzellan Indus- 
trie gemachte Bemerkung, die darauf 
hinweist, dass sie neuerdings im Dien- 
ste der Fälscherindustrie an der Nach- 
ahmung alter Seltenheiten wieder et- 
was zn erstarken anfange. Nirgends 
aber ist der Verfasser besser zu Hanse, 
als in der wundervollen japanischen 
Keramik, die, wie man weiß, seit vielen 
Jahren eines seiner Lieblingsgebiete ist. 
Das darüber geschriebene Kapitel, in 
welchem die für die Entwickelaug der 
japanischen Täpferkunst so überaus 
wichtig gewordenen Vereinigungen der 
Männer zn gemeinsamem Theetrinken 
nnd gebildeter Unterhaltung, die sog. 
Cbanojn, ausführlich geschildert werden, 
ist voll feinsinniger Bemerkungen über 
die Unterschiede japanischer nnd euro- 
päischer Kunst- nnd Lebensanschannngen 
e] (man lese nur die Bemerkungen über Sat- 



1% 



Dä5 HAMBCBGISCHE MT^ETll FCE KCX?! CXD GEWEE3E. 



frr **Kr h^iii y-.-.'f «wü^». C-T^£«« ia »ai, 4uk 



4er »äl 4»n. fi^.>ta:B&=:VK üi'i iiialiil fv ü^ ^vffAcT. 



Wk a da- EossiL w ^äüt J^is ^Kk ^tf vidn 



kommen der Haml/urger Bevölkernng, der durch den See- 
verkehr so manclies ans erster Hand zuströmt, nnd die 
ffir ihre üffint liehen Inj^titnle za allen Zeilen den Sinn 
der Freigebie^k'-it bi-thätigt hat, das Hamburger Hnsenm 
im Pnnkt« J3p.ini»:ben Enostbesitzes das reichste in 
Deutschland. Keins hat soviele feine kleine, ^ den 
einheimischen Gebraach der höheren ond h5cltBt«D Kreise 
in Japan ond dem^mäß von den bedentendsten, im Vater- 
lande hoch geehrten „Amatenrtöpfem'- hergestellte Por- 



andem Gebieten ^r Ennst md d«s Handw^ks im Ham- 
burger Uosenm eine hervorragende Bolle, ao x. B. in der 
Sammlung von Korbflechtereien <S. 15 ff.'i. von Geweben 
<S. 37 ffA Sückereien (S. 44 £>, nrberachab!<uieD iS. 
166 flt). Metallarheiten >S. 135 ff.1. SduBelzen iS. 230 S.\ 
Klein Schnitzereien iS. 726 fL\ nnd Lackarbeiten (S, 
731 ff.l Und überall bewährt der Aotor dieaelb« an- 
regende Gründlichkeit ond Gewissenhaftigkeit, die wir 
eingehender in der Behandlung der Keramik verfolgt 



PAS HAMBURGISCHE MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE. 



haben. Wie reizend liest eich z. B. die Schildening der 
köstlichen Brokat^webe, ood wie hübsch ist die von 
warmer Liebe zur Sache zeugende Bescbreibnng eines 
großen Wandschirms, der zn den schönsten Erzengnissen 
japanischer Stickerei ans nenerer Zeit gehört (S. 46). 
Und wie die Leichtigkeit, Schönheit, Eleganz, Mannigfal- 
tigkeit nnd Zweckmäßigkeit der Formen Japan isclier Korb- 
flechtereien in der Welt abendländischer Knnsterschei- 
nnngen kanm eine Parallele findet, ea sei denn, dass 
man, so paradox auch der Vergleich Im ersten Augen- 
blick erscheinen mag, die griechische Vasenwelt als etwas 
Terhältniamäßig Ähnliches herbeiziehen dürfte, so eigen- 
artig und überraschend ist andererseits die Fülle Ton 
oft höchst hnmoristischer Natorpoesie, die das asiatische 
InselTolk in der Behandlung seiner Bronzen und sonstigen 
KetaUarbeiten aller Art ent- 
wickelt hat. Nach der tech- 
nischen Seite hin interes- 
sirt besonders der bis zur 
höchsten Vollendung ge- 
brachte GasH ans verlore- 
ner Form, der Eeichtum 
mannigfaltiger Legierung 
nnd die hohe Kunst des 
TauBchirens, überhaupt die 
durchweg nur auf kaltem 
Wege erfolgende Einlege* 
arbeit. In dieser Beziehung 
gewährt die in ihi'er Art 
einzig dastehende Samm- 
lung von japanischen 
Schwertzierraten , beson- 
ders Stichblättern, die In 
sehr übersichtlicher Weise 
in nicht weniger als acht- 
nndzwanzig Schaukästen 
mit zusammen über fünf- 
zehnhundert Nummern ge- 
ordnet sind, ein jeden znm ersten Mal an die Dinge heran- 
tretenden Europäer geradezu in Erstaunen setzendes Bild. 
Und Brinckmann bat Becht, wenn er dieses Bild einem 
die ganze Kultur und Natur Japans umfassenden Orbis 
pictns nennt, ans welchem — ' vielleicht mit guten 
Gründen (s. S. 150) — nur die Darstellungen der Hand- 
werker, Künstler und Kanflente und außerdem die der 
geschichtlichen Kaiser, sowie der Shognne aus den letz- 
ten beiden Jahrhunderten fortgeblieben sind. Höchst be- 
lehrend nnd anziehend ist die lieschreibung aller dieser 
kleinen reizvollen Wunderwerke, die uns so viel von den 
zahlreichen eigenartigen Anschauungen nnd Schönheiten 
des fernen asiatischen Volkes nnd Landes zu erzählen haben. 
Anf gut Glück seien ans diesem Füllhorn des Segens nur 
die acht Schönheiten des Omi- oder Biwasees herausge- 
grifFen: Das Einfallen der Wildenten bei Katada, nächt- 
licher Regen sn Karasaki, das Abendglockeulänten zu 



Miidera, der Abend schnee am Hiraberge, der Herbst- 
mond über den Felsen von Ishiyama, die Heimkehr der 
Fiscberbote zn Yabase, dos Abeudlüftchen bei den Brnk- 
ken zu Seta am Ausfluss des Sees, leichter Wind bei 
heiterem Himmel bei Awadjn. Und alles das anf kaum 
handgroßen eisernen Stichblättern mit köstlichen Ein- 
lagen von Gold, Silber nnd anderem farbigen Metall. 
Wer alle diese Leistungen feiner und feinster Knnst voll 
Poesie nnd Humor eingehender prüft, dem wird zuletzt 
das Herz warm, er spürt etwas von der großen Liebens- 
würdigkeit nnd Tüchtigkeit des japanischen Volkes, das 
in der mongolischen Rasse den höchsten Gipfel darstellt. 
Der Inhalt des großen, 816 Seiten Text zählenden 
Bnches ist zn reich nnd zn vielfältig, um anf jede Ab- 
teilung näher einzugehen ; auch ist es nicht die Aufgabe 
einer Besprechung, diese 
Fülle zu erschöpfen. Daher 
wollen wir nur darauf hin- 
weisen, dass die übrigen 
Kapitel, die ober Holz- 
schnitzereien, Möbel, Ge- 
webe, Stickereien, Spitzen, 
Bildwirkereien, Fächer. 
Bucheinbände, Lederarbei- 
ten,Zinn-,Kupfer-,Guld-und 
Silberarbeiten, Schmucksa- 
chen, Schmiedeeisenarbei- 
ten, Ornamente aus Stein 
und Terrakotta, Banschrei- 
nereien, ebenso wie die bis- 
her besprochenen Abschnit- 
te, mit stets sich gleich 
bleibender klarer und ge- 
schmackvoller Darstellung 
nnd mit einer sowohl anf 
gründlicher katalogischer 
Durcharbeitung der einzel- 
nen Mnsenmsschätze als 
auch auf sonst! gen nmfassenden Studien beruhenden Tüchtig- 
keit und Gediegenheit durchgearbeitet nnd behandelt sind. 
Dem Kataloge ist so in jedem Teil der Charakter eines 
praktischen Handbuches gewahrt geblieben, in welchem 
kein Gebiet zn kurz kommt Überall aber tritt auch, 
trotz mancher Lücken, anf die jedes Mal gewissenhaft 
hingewiesen wird, der Reichtum des Museums zn Tage, 
der die Grundlage des Buches bildet. Sehr gerne wären 
wir auf das große Kapitel der Möbel, Bauschreiner- 
arbeiten, Holzschnitzereien nnd der ungewöhnlich reichen 
Sammlung von Kerb seh nittarbeiten eingegangen, wenn 
wir niclit fürditeten, es zu lang zn machen. Die Dar- 
stellung der von Lan^ zn Land verschiedenen Entwicke- 
lung von Schränken nnd Truhen mit ihren sorgföltigen 
Beschreibnngen zahlreicher interessanter Einzelobjekte, 
z. B. der spätgotischen BrÖmsen'schen Hochzeitstmhe 
aüa Lüneburg (S. 636), des prächtigen Aktenschrankes 



DAS HAMBDRGISCHE MUSEUM FUß KUNST UND GEWEBBE. 



ans Buxtehude im aaBgesprochensten Charakter der Früh- 
renaissance (S. 647) und des „Hamhurger Schapps", 
dessen Bnf nud Bnhm im 18. Jahrhundert bis nach 
Leipzig gedmogeu war (S. 655); ferner die Beechrei- 
bangen des Getäfels aas dem sog. „WaUensteinziiumer" 
zu Rendsburg {S. 659), des Saale« ans dem Hanse Jenisch 
zu Hamburg (S. 664 ft), der hübschen Gruppe der Mangel- 
bretter aus Niederdeutscbland (S. 680 ff.), der seit zwei 
Jalirzehnten besonders im nördlichen Deutschland, in 
Dänemark und Schweden wie- 
der za Ehren gebrachten und 
in Norwegen niemals ansge- 
storbenen Kerbschnittarbeiten, 
denen auch die anter Leitung 
verdienter Mllnuer wie Neuber, 
StrUve ttnd Magnussen entstan- 
denen neueren, besonders ans 
den Hamburger Enabenhorteu 
hervorgegangenen Arbeiten die- 
ser Art angeschlossen sind: alle 
diese größeren und kleineren 
Kapitel von kunstreicher Verar- 
beitong des Holzes sind Glanz- 
punkte des Baches und bieteo 
des Neuen nnd Anregenden 
außerordentlich viel, unter den 
Holzschnitzereien im Dienste 
kirchlicher Kunst ist der Seli- 
qnienbebälter des Andrea BruB- 
tolone vom Anfang des 18. Jahr- 
hunderts ein Werk allerersten 
Ranges (S. 712). Unter den 
Arbeiten der Edelachmiede he- 
ben wir die köstlichen Servatias- 
platten hervor, deren bildlichen 
Darstellungen eine ausführliche 
Schilderung zu teil geworden 
ist, nnd unter den profanen 
Gefäßen den hSchst originellen silbernen Willkomm 
der Scblossergesellen in Gestalt eines riesigen Schlüs- 
sels, dessen Rohr eine ganze Flasche Wein zu fassen 
im Stande ist Eine der reizendsten und zugleich auch 
vollzähligsten Abteilungen in ihrer Art ist die Samm- 
lung niederdeutschen Bauemsehmuckes , in welcher die 
Vierlande und das sog. Alte Land bei Hamburg am 
reichsten vertreten sind. 

Ein anderes sehr wertvolles Gebiet des Museums ist 
das der Textilien, der Gewebe, Bildwirkereien Stickereien 



Silberne vsrgoldate Hudapuise mftOnaateD und tdrkb- 
blanenQUaperlen. ans dem Alten Lande. Uitta des IS. Jslirh. 
Nat.Qr (Aus dem HaaenlnRlrKuDsta. Gewerbe In Hunbnrg.) 



und Spitzen, deren ausführliche BeBchreibongen von einer 
Menge der ausgezeichnetsten Abbildungen begleitet sind. 
Unter letzteren, den Spitzen, bildet die großartige Schen- 
kung der Frau Dr. Marie Meyer einen Haoptbestand, itr 
von der Stifteriu nahezu ganz und gar in der holsteini- 
schen Frobstei gesammelt ist Aber wo anfangen und 
wo aufhören? Wir scheiden von diesem ausgezeichneten 
Buche, wovon wir gewiss wissen, dass wir es noch 
tausendmal zur Hand nehmen werden, mit dem Aus- 
spruch lebhaften Dankes dafür, 
dass der Verfasser sein an die- 
sen von ihm selbst gesammel- 
ten Schätzen gewachsenes gro- 
ßes nnd reiches Wissen nicht 
für sich behalten, sondern in 
den Dienst der Allgemeinheit 
gestellt hat, und machen zuletzt 
nur noch darauf aufmerksam, 
dass es dem, welcher nicht gleich 
das ganze Buch erwerben will, 
möglich gemacht wird, Einzelab- 
teilungeu zu erhalten. Als solche 
sind fünf Gruppen ausgeschieden 
worden: 1. Möbel und Holz- 
schnitzereien; 2. europäisches 
Porzellan nnd Steingut; 3. euro- 
päische Fayencen; 4. die St Ser- 
vatinsplatten und die kirchli- 
chen Geräte und Gefäße; 5. ja- 
panische Schwertzierraten. 

Wir können aber nicht 
schließen, ohne auch noch die 
vortreffliche Ausstattung des 
Buches aus der Senats-Bucbdmk- 
kerei der Herren Lütke und 
Wulff hervorzuheben. Ein be- 
sonderer Schmuck sind die zahl- 
reichen, ohne photographische 
Hülfsaufnahmen gemachten Zeichnungen des Herrn Wil- 
helm Weimar, der seit Jahr and Tag mit Herstellung 
von Abbildungen aus dem Hamburger Museum beschäf- 
tigt ist Es ist eine wahre Freude, diese wirklich künst- 
lerisch ausgeführten, schönen Darstellungen zu prüfen, 
und wir unterschreiben mit voller Überzeugung das 
Lob, welches Brinckmann auf S. I der Einleitung 
seinem verdienten Mitarbeiter spendet 
Schwerin, 8. Juli 1894. 

SCHLIE. 







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Eopflaiste von Sai.Bmbier (le. Jahrh.). 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



BÜCHERSCHAU. 
Vvoe Werk» fBr den Zeicbenniiterrioht. 

Unter dem Titel Slillchre für das Kunstgewerbe i«t eiue 
allgemein fasaliche Eiafilhnmg in Aaa VerBtändnis der deko- 
rativon Kunst nnd deren StiUrten von lieinhold Heere 
verfasBt, im Verlage von W. H. Kühl in Berlin erschienen. 
{1893, 135 Seiten. 8«. Mit 240 niostraÜonen. M. 2.—.) 
Der Verfasser hat hier durch ein anareichendes und viel- 
seitiges Quellenstudium eine FQtle von BelebruDg in Bild 
und Wort znBammen getragen , deren Gesamtwert 
zwar nicht über ein t ' "" -~ ■ . ■.. 

maß hinausgeht, mir i 
scheint, den beabsichtig 
Werkchen ist ein Leitf 
und Gewerbetreibende, 
ohne viel Zeit- und 1 
Einblick in das groBe Ge 
und ihrer stiliati sehen 
len. Damit ist aber au< 
erfüllt! sie Utto höhe 
wenn der ohne Zweife 



belehrende Terfasaer seiner Arbeit eine gewisse Nach- 
feilung hätte angedeihen lassen. 120 IlluBtrationeo, dann 
besser anagewUhlt nnd weniger verbtaucht, h&tten ee aach 
gethan — fQr 2 M. Ifisst sich kein Ornamenten schätz schaffen. 
Die Zeitbestimmung ist oft recht schwankend, gachliche und 
technische Bezeichnungen verraten mehrfach Dnsicbetheit 
iBr die richtigen Angaben. Ich glaube, der Verfasser thut 
gut, sich seiner SchCpfung nochmals mit Liebe anzunehmen, 
die Schwnchen rückhaltslos zu beseitigen und bei einer Neu- 
auflage seineu Verleger nir eine bessere illustrative Aus- 
stattung zu verpflicbtau. Jeden&lls kann 
e 80 verbraucht 
«wendeten 2 M. 
stiften. — Dem 
mdwerker - und 
rd auch in der 
!o Monarchie eine 
erung gewidmet 
L. Pichler's Wit- 
Leipzig, liegen 
sich diese Auf- 
iu weitreichen- 



Kuiul«enrerbebl*tt. N. 7. V. U. 1 



Bowle. Aus der kgl. PorzelUnfitbrik za Berlin. (Chicago.) 



202 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



der [AdagofpKCh- methodischer St«fffaearbeitDiig mit ziem- 
lichem Geschick lOsen. Architekt FVajix Schireriner, Pro- 
fessor an der k. k. StaatagewerbeBchule zu Czernowitz, bat 
iD sanberBt«r und korrektestei DarstelluDg 100 Tafeln 4° Vor- 
lagen (lithograph. Drack, täefBchwarz] fQr die Einführung 
in daa Omamerttzeieknen geflchftffeQ, welche es wohl ver- 
dieoen, auch an deutschen gewerblichen UnterrichtBanstalten 
Beachtung und EinfQbrung za finden. Ton Blatt zu Blatt 
schwieriger werdend, ist hier besonders der strengen Bogen-, 
Knrven- und Spirallinie ein weites Feld eingeiAumt; anschlie- 
Send hieran sind griechische, 
römische und Renaissancebei- 
spiele gegeben, die an sehe- 
matisch aufgerissenen Natnr- 
foriuen, wie Blutern und Ran- 
ken, weitereRrklftrang finden. 
Es ist bei diesem Lehrgang 
beabsichtigt, die Steifheit der 
praktisch arbeitenden Hand 
zu beseitigen, das Ange zu 
schulen und das GefSbl für 
achOne LinienfQhrungen und 
strenge Omamentfbnuen za 
wecken. Welche groBe Bedeu- 
tung trotx aller Gegenströ- 
mung heute immer noch dem 
Btilisirt«n Akanthuablatt, der 
Ranke und -Blüte beigelegt 
wird, mag aas der Thataache 
gekennieichnet werden, dass 
nicht weniger als zwanzig 
Vorlagen dieser Stilpflanze ge- 
widmet sind, daneben sind 
natürlich LotoBblnme, Palmet- 
t« und Blütenrosette ausrei- 
chend vertreten. Sicher sind 
diese mit groDem FleiB zusam- 
mengestellten Vorlagen für 
die Unter- und Mittelstufe eine 
gute Grundlage fBr daa Oma- 
mentzeichnen. — Der Preis 
dieser 100 BlaU in Mappe he- 
trilgt M, 12.—, wofflr sich die 
Anschaffung von selbst em- 
pfiehlt. — Das geometrische 
Gegenstück zu vorstehendem 
Werke lieferte Karl Sekei- 
tueker, Bürgerschul- nnd Ge- 
werbeschul - Fachlehrer in 
Wien, in seinen „12t gerad- 
linigen Ornamenten ait» alieti 
Stilarten" (in gleichem Ver- 
luge erschienen), auf 100 Ta- v 

felnkl. 4° verteilt, denen ein be- 
schreibender Text auf 64 Seiten 

beigegeben ist Auch bei diesem Werke ist Druck und Aus- 
fQhmng tadellos, Aufgabe und Wert desselben jedoch dem 
ersten Werke nicht gleichkommend. Ich habe vlelfoch die 
trübe Erfahrung gemacht, dass ein Übermittiges geometri- 
sches Zeichnen, daa Zeichnen von Mfiandem und sonstigen 
Flechtmustem und Bindern in Netzen, also da« forcirte 
Zeichnen mit Schiene und Winkel, die Hand verdirbt und 
damit das Freihandzeichnen schSdigt- Nun erstrebt aller- 
dings der Verfasser hierbei Vermeidung jeglichen Hil&ntittels 
wie Schiene, Winkel und Zirkel, wodurch meines Erachtens 



das Obel jedoch nicht beseitigt wird. Man sollte hier gani 
besonders Mau und Ziel halten und steh mit den notwendig- 
sten Obuugen zufrieden geben. Unstreitig ist das Gebiet 
sehr erschöpfend behandelt und haben Huster aller Stilarten 
vollste Würdigung gefunden. Für die kleinen Flächen er- 
scheint die Schraffur etwas hart, wodurch die Zeichnung un- 
ruhig wird) auch die NetzUnien h&tten schwacher sein 
können. Das Werk dürfte in erster Linie Webeschnlen und 
technischen Lehranstalten neben dem eigentlichen Fachzeich- 
nen nützen. Der Preis von M. 6. — ist nun aber ein so 
auSerordentlich billiger, dass 
schon eine bescheidene Aus- 
wahl — der Stoff Usst sich 
auf eine ganze Reihe von Klas- 
sen verteilen — die Anschaf- 
fung lohnt. — Im Verlage von 
Georg Siemens, Berlin 1S93, 
erschien gleichfalls ein Werk, 
welches dem Zeichenunter- 
richt gewidmet ist: „Oma- 
mentale Voriagihlälter für 
daa Freihandxeichnen" , ent- 
worfen und geteicbnet von 
Heinrieh Beyl, Haler und 
Zeichenlehrer in Berlin. Heft 
I, 20 Tafeln in 4«. M. 4,50 
in Mappe. In braunem VoU- 
dmck bieten die Tafeln Fladi- 
mueter in Blatt- nnd Ranken- 
werk, Kompositionen von Fin- 
zelgebilden in klarer und 
ziemlich großer Wiedergabe, 
alten Mustern nachempfunden 
in gefUliger Zeichnung und 
Formengebuug. Sie kOunen 
fortgeschritteneren Schülern 
in Volks-, Mittel- nnd Forlr 
bildungsBchulen von grotem 
Nutzen sein, weil gerade die 
Ausführung der Muster den 
ersten Farbeuübungen, An- 
legen schwieriger Flachen mit 
einer Farbe, viel Yorechab 
leistet — Ein sehr praktisch 
nnd vielseitig angelegtes 
Werk ; Zeichen ~ [Panthor- 
lagen, eine Formensammlong 
in swanglosen Heften, liet 
soeben Herrn. Bani», otdentl. 
Lehrer an der k&nigl. Kunit- 
und Knnstgewerbeschule iu 
Breslau, im Verlage der Schle- 
n Berlin. sischen Bnchdruckerei, Kunst- 

und Yertagsanstalt, Akt-Gec 
vorm.S. SchoUI&nder-Breskn, 
erscheinen. Eb liegen bereits vor: Heft I mit 5 Wandtafeln 
90 X 12Ü cm in Schwarzdruck sovrie 5 Tafeln Ermuterungi- 
skizzen in 4° für Lehraufgaben zum Preise von M. 5. — ; Heft II 
mit 6 Wandtafeln in gleicher GrOBe, zum Teil in Zweifarben- 
druck und ebenfalls G Tafeln Erlüuterungsakizzen zum Preise 
von M. 7.!}0. Eb handelt sich hier um streng gezeichnete Natur- 



formen und ihre stilistische Verarbeitung in der Antike, i 
Mittelalter und in der Renaissance, denen zum Teil künst- 
liche Formen wie Lyra, Krone, Schild und Dreizack er^n- 
zend beitreten. Bebandelt sind folgende Blattformen: Hanf, 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



203 



Chrytantbemom, ZauorDbe, Epfaea, Sinngrfin, Oeorgina und 
Stechpalme, von der Faana der Delphin. Da« und die Mo- 
tive, die gnmdlegenden Einzelheiten, aaa denen Binder, 
freie Gndignngeii, bc^^ntte FlachoruMnente oder FOUoDgen 
und anb^renite oder endlose Flachomamente gebildet wer- 
den. Von gani berTOrragendem Wert sind die Erl&aterangi- 
Bkiiien zn den Wandvorlageo, weil sie dem phantanevolten 
lohtet die HOglicbkeit an die Hand geben, da« Unterrichta- 



P. Das Buch reifender und merkuürdiger Heiehnungen, 
bestehend in einhundert Falitiniilereproduklionen von Kunst- 
werken japanischer Schablonenmnster, mit welchen den 
Treundlichen Leser ein gewisser W, Titer. F. S. A., der aber 
nichts von alledem versteht, bekannt machen will. Gewidmet 
der laoniscbsten, stets unverstandenen, wetterwendischen, 
ewig unveibesaerlicben und doch absolut notwendigen Pereon 
dea freundlichen Leaere, — So lautet der Titel und die Wid- 



Ksssette. Aas der tgl. ParzellanmaimfaktDr za MaiSen. (Chicago.) 



material ed verswanzigfachen. Das ganze Werk ist von 
vorzQglicher systematischer Dnrchfllhrung nnd 1^ beredt«s 
Zengnii ab von der grflndlicben Schulung seines Verfassers 
nnd seiner FeinfQhligheit und [Adagogiscben Fähigkeit, den 
Zeichenunterricht in gesündere Bahnen zu lenken. Die Vor- 
lagen eignen sich fttr alle humanistischen Lehranstalten, 
Zeichen-, Fach-, Handwerker- nnd Fortbildnngsschulen. Ich 
wDnscbe groBe Verbreitung nnd erhoffe davon segenareichca 
Einwirken auf eine kfinflige bessere Wertnng der hohen 
Anfgat» des Zeichenunterrichtes. 0. s. 



mnng des Buches, die, wie auch der Text, gleichzeitig in fran- 
zösischer und englischer Sprache heig^^eben ist. Das Buch 
enthalt auf 100 Tafeln in vortrefflicher Reproduktion fast die 
doppelte Anzahl japanischer Papierschabloneu. Ers&he man 
aus dem Inhalt des Teil«B nickt, dass man es mit einem 
ganz verständigen und kenntnisreichen Menschen zu thun 
hat, so würde man aus dem oben wiedergegebenen Wort- 
laut zn der Annahme nicht ganz unberechtigt sein, dass der 
Herausgeber nicht ganz richtig sei. Die Herausgabe einer 
derartigen Sammlung von Schablonen ist als ein sehr erfrea- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



AiugefilhTt v< 



n ProTidenee B 



lichea Unternehmen zu begrüßen, da nicht alle Maseea in 
der Lage sind, eine derartige Sammlung anzulegen: und 
auch nicht alle haben die Zeichen der Zeit erkannt, um iu 
dem wunderbaren NatorempGndeu der japanischen Eunat. 
neue Anr^UDg fUr unser in den alten Formen omamentaler 
Kunst erstarrtes Eunsthandwerk neues Leben luzufQhren. 
Der Verfasset giebt viele eingebende ErU&mngen der 
Darstellungen, was ßr viele von Interesse sein wird, denen 
die japanieche Kunst aus dem trefflieben Werk von Brinck- 
mann oder dem Prachtnerk von Qonse nicht näher bekannt 
ist. Auch die Mitteilangen über die Verwendung der Scha- 
blonen und der Hinweis auf die praktische Ausnutzung fOr 
unsere moderne Industrie dürften von Wert sein. Hier finden 
Dekorationsmaler, Sattundrucker, Tapet«nfabri kanten, Sticker 
etc. ein reiches Material zur Anregung und direkter Verwen- 
dung. Die FDlle der Motive ist last nnerschOpflicb und der 
frische Zug, der durch alle geht, l&sst hier eine uaer- 
echöpfliche Qnelle dee Studiums fließen. Das Buch ist bei 
F. A. Brockhaus in Leipzig erschienen und kostet M. 6. — . 
Einer beschränkten Anzahl Exemplare ist eine Original- 
schablone beigegeben. So sei dies originelle Büchlein allen 
Freunden japanischer Kunst warm empfohlen: sicherlich 
wird jedermann, der nur sucht, reiche Anregung finden. 



qutUen des Museums sind durch einen Zuwachs von 5000 fl. 
durch die bObmische Sparkasse und durch ca. lOOO fl. Ein- 
nahmen aus der Museumspublikation [Auswahl von kunst- 
gewerblichen Gegenständen der retrospektiven Ansatelinng, 
100 Lichtdmcktafeln in Folio) verstÄrkt worden. Der Er- 
folg der Publikation wird wohl neue Veröffentlichungen 
hervorrufen. Der Baufond» fQr ein neues Gebäude belief 
sich Ende 18(13 auf 20319 fl. 98 Er. Die Frage der Be- 
schaffung neuer Lokalitäten bat Anfang 1B91 ihre Erledi- 
gung dadurch gefunden, dass der Landtag 300000 fl. zum 
Bau eines neuen Hauses bewilligte. Der Recbnongsabflchlais 
des Museums ergiebt außer dem Easienreet von 4355 fl. 
10 Er. eine Einnahme von 27 182 fl. 35 Er. Ein ausfUhr- 
licherei Verzeichnis der Schenkungen nnd Ankäufe, einige 
statistische Tabellen über den Besuch der Sammlungen und 
der Bibliothek beschlieSen den Bericht 

Briittn. Dag MährUche Oewerbemuteum erstattete un- 
längst seinen Jahresbericht Ober das Verwaltungsjabr 1893, 
aus dem sich folgendes ergiebt; Die Sammlungen waren 
von 21244 Personen besucht, die Bibliothek von 23G9, die 
Vorlesungen von 2 998 Personen. Die Abnahme, die sich 
gegen früher geteigt hat, ist auf den Ausfall grCfterer Spe- 
cialausstelluugen zurückzufahren; zum Teil auch auf die Ein- 
stellung des Heizens der Räume während des Winters; ancb 
war das Museum schon einen Monat früher geschlossen. Es 
sind 14 Vortrag gehalten worden. Die Sammlungen er- 
fuhren durch Ankäufe nnd Schenkungen Vermehrung, erstere 
betrugen ca. 400 fl. 0. W., letztere gegen 800 fl. Der Ge- 
samtwert der Kunstgegenstande betrug Ende 1803 98429 B. 
98 kr. An einzelnen Ansstellongen fanden statt: eine 
von orientalischen Teppichen, mit Unterstützung des Han- 
delsmuseums in Wien, eine von kunstgewerblichen Hetall- 
arbeiten des Orients, ebenfalls vom Handelsmuseum be- 
stritten, und eine von mährischen Volksstickereien. Die 
geplante and haapt«ächlich von dem mährischen Gewerbe- 
verein betriebene , permanente Ansstellung verkäuflicher, 
mährischer Erzeugnisse kunstgewerblicher Art ist wegen zu 



SCHULEN UND MUSEEN. 
Prag. Das kunstgewerbliche Museum der Handels- 
nnd Gewerbekammer hat kOrzIich seinen Bericht über das 
Verwaltungsjabr 1893 veröffentlicht, aus dem sich ergiebt, 
dass die Sammlungen sich um 260 Hummern vermehrt 
haben; davon wurden 38 geschenkt, der Beet, 222, gekauft, 
Tiir den Gesamtbetrag von 11014 Gulden 8 Kr. Es hat 
1893 eine Spezi alausstellung von modernen Glaswaren fran- 
zösischen und englischen Ursprungs und von orientalischen 
Fliesen, chinesischen Überfanggläsem, und Hotzarbeiten aus 
Österreichischen Pachschnlen stattgefunden. Sie wurde von 
8535 Personen besucht. Die Besucherzahl des Moseums 
stieg ohne die der Spezial au «Stellung auf 49050 Personen. 
Die Bibliothek bat Bereicherung durch Geschenke [besonders 
Buchausstattung und Ornamentstiche) erfahren und für Neu- 
erwerbungen 2757 fl. aufgewendet. Sie umfaest nun 1623 
Werke in 3414 Binden; die Vorbildersammlung ist von 
liOOO auf 19000 Blatt gestiegen. Vorträge wurden sechs 
gehalten, davon drei in böhmischer Sprache. Die Ftnanx- 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



205 



iMier Beteiligung erat in kleinem Umfange verwirklichL 
Doch bt die KommisBioa bemfiht geweaen, die Angelegen- 
heit za f&rdem; der Erfolg wird bei den lebhaften Be- 
mObnngen für die gnt« Sache dch wohl bald zeigen. Die 
Bibliotbek hat sich durch Kauf und Schenkung 1 158 &. 73 kr. 
vermehrt; ihr Wert benifiert neb jetzt auf 21 213 fl. 45 kr. Die 
WQnache inbetreff der BenntEung dee mit dem Huieum ver- 
bundenen knnatgewerblichen Ateliers (billigere Tarife, rasche 
Lieferfrist) fanden nach Thunlicbkeit Entg^enkommen ; die 
Tarife wurden auf die Hälfte erm&Bigt. Das Atelier sah im 
ganeen 168 Zeichnungen entstehen, und es wurde daselbst 
noch verschiedentlich aachknodiger Rat ert«ilt. Im Jahre 
1883 wurden gegen 
das Voijabr mancher- 
lei Erspamisse ge- 
macht und die Hilfe- 
mittel des Muaeuma 
sind durch zam Teil 
erhöhte Subventionen 
gealärkt worden. An 
Stelle des früheren, 
noch Wien an die 
Technische Eocbachii' 
le berufenen Direktors, 
Prof. Äug. FYokop trat 
Architekt Julius Lei- 
»eking. Interimistisch 
leitete nach der Ab- 
bemfung des seitheri- 
gen Direktors der 
Kustos Cea-i Schirek 
die Angel^enbeiten 
des Mnseuma. 

AUSSTELLUNGEN. 
Leipzig. Für die 

Fachansstellung sur 
Jubiläumsfeier des 350- 
jährigen Bestehens der 
Leipziger Buchbinder- 
innung, welche vom 
8. bis 12. August un- 
ter dem Protektorat 
des EönigB von Sach- 
sen stattfindet und die 
alle Erzeugnisse der 
Buchbinderei und der • 
ihr verwandten Ge- 
werbe, sowie alle ftlr 

dieselben zu vetwen- AmgeTiihrt v 

denden Maschinen, 
Werbzeuge, Rohstoffe nnd Materiahen nrnfaseen wird, werden 
Amtliche Räume des Krystallpalastes einschließlich der A1- 
bertfaalle in Anspruch genommen werden. HSchst interessant 
verspricht die Gruppe zu werden, welche die Arbeiten des Ge- 
werbes aus ftlterer und neuerer Zeit enthalt. Sie soll ein 
ZnsammenQuss feinster Werke sein. Dnrch die dankens- 
wert« Vermittelung der dem Ehrenkomitee angebOrigen 
Herren Professor zur Straßen and Conrad Burger, Kustos 
am Bucbgewerbemaaeum in Leipzig, haben bereits zahl- 
reiche deutsche Bibliotheken und Huseen die Beschickung 
der Ausstellung mit seltenen nnd wertvollen Stocken ihrea 
Besitzes an gediegenen Einl^nden bereitwilligst zugesagt: 
so die üniversttätabibliothek in Königsberg (SilberbBode und 
KOnigsberger Arbeiten), das städtische Kunstgewerbemuseum 



in EQln, die kßnigl. Bibliothek in Dresden, die kOnigl. Biblio- 
thek in Berlin, die Umversität«bib1iothek in Leipzig, das Kunst- 
gewerbemuseum in Dresden, die Landesbibliothek zu Kassel, 
das Bayerische Gewerbemnseum in Nflrnberg, Hess & Co., UtJn- 
chen (Bnchbindenirbeiten aus dem 13. bis 18. Jahrhundert), 
die Universit&tahibliothek in Balle, das Bucbgewerbemuseum 
und das Kunstgewerbemuseum zu Leipzig. Dazu trat neuer- 
dings die bereitwillige Überlassung eines in den Bänden 
des herzoglichen Uuseums zu Gotha befindlichen kostbaren 
Besitzes an venetianischen Bänden (von drei Lederfiligran- 
lAnden, einem Grolierband, einem gepresaten venetianiachen 
Lederband, PrachtUnden aus dem 16. und 17. Jahrhundert 
und UeisteratQcken 
der Gothaer Buchbin- 
derinnung), welcher 
allein einen Wert von 
70000 H. repräsentirt 
Eine Berliner Firma 
bringt mehrere Eo- 
pieen interessanter 

Merkwürdigkeiten, 
beispielsweise den er- 
sten Adler dea neuen 
Reiches, der bei der 
Kaiserproklamation in 
Versailles benutzt, auf 
Terantaseung des da- 
maligen Kronprinzen 
Friedrichwilhelm, dea 
Kaisera Friedrich, vom > 
Grafen Harrach ge- 
zeichnet worden war. 
Ebenso stehen von 
Seiten der deutschen 
Buchbinderinnungen 
der Ausstellung viele 
anziehende Gegen- 
stände in Anssicht, 
nicht minder von ein- 
selnen Werkstätt«n 
nnd bedeutenden Heis- 
tern. Eine alte Buch- 
binderwerkstatt ana 
dem 16. Jahrhundert 
soll femer den Ver- 
gleich zwischen einst 
nnd jetzt erläutern 
helfen. 

(Leipz. Tagebl.) 



VEREINE. 

Das Berliner Stadtwappen und eine etwaige Änderung 
desselben im Hinblick auf Berlins jetzige Stellung als Reichs- 
hauptetadt ist in letzter Zeit mehrfach Gegenstand Öffent- 
licher Besprechung gewesen. Auch die Festschrift, welche 
der Verein Herold zur Feier seines 25jälmgen Bestehens 
herauszugeben beabsichtigt, wird eine längere Abhandlung 
über das- Wappen unserer Stadt bringen, unter Beifügung 
einer Buntdmcktafel mit Professor Hildebrandt's Entwürfen 
för eine etwaige Umgestaltung desselben. 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



AUS WERKSTATTEN. 
Der Niedergang der PonellartmanufaJUur xu Sfrrea. — 
Herr Auseher, der eehn Jahre all Ingenieur bei der For- 
zelUnmanafaktur zn S^vres aiige«tellt geweaea iat, bat kfin- 
lich in einer Kingabe an den Miniiter fUr Sffentlicben 
Unterricht und bil- 
dende KQnBte den 
Stab Aber diese 
weltberühmte An- 
stalt gebrochen. In 
einem vemichlen- 
den Uri«ite weist er 
nach, dasa nicht 
alles in der Natio- 
natakademie fUr ke- 
ramiiche Kan«t eo 

te. Viele Lente ha- 
ben diese Thateache 
allerdings schon vor 
Jahren erkannt and 
£Dm Teil aafgedeckt, 
aber die Kritiken, 
welche gegen diese 
berflhmte Staatsan- 
stalt laut geworden 
sind, sind niemals 
so rQckhaltlos, so 
streng nnd so be- 
stimmt ausgedrückt 
worden, als es ge- 
geowtrtig durch 
Auicher geschehen 
ist Gestützt anf 
amtliche Urknnden, 
bebt dieser als ganz 
besonders schädi- 
gend den verwickel- 
ten Betrieb hervor, 
dann die zahllosen 
Einrichtungen und 
Verfagnngon, deren 
Mängel nnd deren 
Za sammenhan gs- 
tosigkeit nicht we- 
nig dazu mit bei- 
getragen haben, den 
raschen Niedergang 
der Manufaktur xu 
fördern. Äuscher 
kommt zu dem Er- 
gebnis, dass der 
Staat in der Erzen- 
gung von Eunst- 
gegenstftnden eben 
nicht glOcklich ist. 

Hier ein typisches Beispiel fOr das finanzielle Gebahren, 
das in S^vres herrschend ist Ein Artikel, in der Manu- 
faktur zu 2r> Frank geschätzt, kostet dem Staat« aber in 
Wirklichkeit 65 Frank, nnd würde er in einer Privat- 
fabrik gekauft, so würde er bei gleicher Güte nngetUhr 
nur 4 — 5 Frank kosten. Es ist dies wohl ein bedeutsames 
Ergebnis. Man konnte nun vielleicht einwenden, dass die 
Leistungen der Manufaktur im allgemeinen besser seien! — 



Nieht ein JofaL, sagt der RritikeT, und während er den wirk- 
lich feinen Arbeiten einiger bedeutende Heister volle Ge- 
rechtigkeit wider&faren llect, kann er andererseita nur die 
Erkl&ning abgeben, dass die meisten der dortigen Künstler 
an groRer Erfindungsarmnt leiden. In Ktlne, seit Anfang 
des gegenwärtigen Jahrhnnderfs, haben die an die Uano- 
faktar von Sines 
TOD dem Staat ge- 
währten ZuBcbOsse 

insgesamt Ober 
47000000 Frank be- 
tragen. Angesicbia 
der Schwäche dn 



wohl nach QnalitU 
wie nach Quantitfit 
— nimmt Aoicber 
an, dass '^^^ Land 
die Leistmigen dn 
Mannfaktnr nicht 
im Verhältnis tn 
den aafgewendetcn 
Sammen finden kSn- 
ne nnd ea brancbe 
kaum versichert in 
werden, dass sehr 
T)«l Leute in Frank- 
reich d ie«er Heinang 
sei«D. Das Fortbe- 
atehen derManobh- 
tair sn Sdvres ist 
lauge bedroht ge- 
wesen; dieser letzte 
Schlag kann mOg- 
licberweiee derGoa- 
denstoB lUr die alt- 
berühmte AnstsJt 
werden , die aber 
altersschwach ge- 
worden ist nnd sich 
flberlebt hat 
(Leipziger Tage- 
blatt) 

TECHNISCHES. 
Wahl der Farben 
an Bäiuerfaisaden. 
In den im Verlag« 
von A. Hartleben in 
Wien erscheinenden 
, Jjenesten ErSndun- 
gen und Erfahron- 
gen" giebt S. Kora- 
mann einige piak- 
tische Winke für die 
Wahl der Farben od 
HäuserfassadeD, 
denen wir folgendes entnehmen: Es ist wohl bekannt 
dass, je heller ein Objekt, dasselbe desto dentlicber erkenn- 
bar ans der Feme ist; alle hellen Farben follen mehr im 
Auge als dnnkle nnd rücken die Gegenstände scheinbar 
näher und lassen sie graOer erscheinen. Der Ansbrich der 
meisten neuen Hänser ist entweder zu hell oder zu düster; 
dann sollte man in den höheren Etagen in einem anderen 
Tone oder auch Farbe ausführen. In diesem Falle ermOdet 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



207 



das Auge nicht beim Bewundem des Objekts, die 
Gesimse und Dekorationen kommen mehr zur Geltung, und 
das Ganze macht einen freundlichen Eindruck. 

Ganz zu verwerfen ist der Farbenwechsel in der ver- 
tikalen Richtung, indem man die Fassade eines und desselben 
Gebäudes mit zwei verschiedenen Farben durch sämtliche 
Stockwerke anlegt. Verfasser hält Gelb und seine Schatti- 
rangen für die dankbarste Farbe, weil sie ein freundliches 
Aussehen giebt, sie empfiehlt sich bei Fassaden die vom 
Sonnenlicht minder gut beleuchtet sind, sowie auch in 
schmalen Straßen. Während dunkelbraun und dankelgrau 
einen düsteren unfreundlichen Eindruck machen, auch den 
architektonischen Schmuck nicht deutlich hervortreten lassen, 
eignet sich hellbraun sehr gut. namentlich wenn man in den 
Etagen mit dem Ton wechselt Liegen die Fassaden im 
Grünen, so empfiehlt sich gelb, rot oder grau mehr als grün- 
liche oder bläuliche Farben, in der Nähe vom Gebirge oder 
Hügeln ist die braune Farbe zu vermeiden. Für die Wahl 
der Farben ist aber vor allem anderen der Charakter des Ge- 
bäudes ausschlaggebend. Ein Bahnstationsgebäude wird daher 
einen anderen Anstrich erhalten, als ein Schulgebäude, die 
Fassade eines Zinshauses wird anders angestrichen werden, 
als die eines Postgebäudes. Im Allgemeinen lassen sich aber 
keine bestimmten Regeln aufstellen, nur der Geschmack ver- 
mag das Richtige zu treffen. 

Netie Eolxbeixen, Einer Lösung von 50 g des käuflichen 
Alizarins in 1 1 Wasser, tropfenweise Salmiakgeist zugesetzt, 
bis der scharfe Geruch desselben bemerkbar war, und damit 
ein vorher gut getrocknetes Holz zweimal gestrichen, ergab 
für Tannen- und Eichenholz eine Färbung von gelbbraun, 
für Ahomholz rOtlichbraun. Wurde das Holz jedoch vor 
dieser Behandlung mit einer Lösung von 10 g Ghlorbarium 
in 1 1 Wasser bestrichen, so färbten sich Tannen- und Eichen- 
holz braun, Ahomholz dunkelbraun. Wird jedoch das 
Ghlorbarium durch 10 g krystallisirtes Chlorcalcium ersetzt, 
so wurde Tannenholz braun, Eichenholz rötlichbraun und 
Ahomholz dunkelbraun, während bei Anwendung von 20 g 
schwefelsaurer Magnesia Tannen- und Eichenholz dunkel- 
braun und Ahomholz dunkelviolettbraun wurden. Mit Alaun 
und schwefelsaurer Thonerde wurde Tannenholz liochrot, 
Ahorn- und Eichenholz blutrot, während Chromalaun Ahom- 
und Tannenholz rötlichbraun, Eichenholz havannabraun 
färbte. Tannen- und Ahomholz werden dunkelviolettbraun 
und Eichenholz nussartig- dunkelbraun durch Anwendung 
von schwefelsaurem Mangan. (Mitteilung des technologischen 
Gewerbemuseums in Wien.) 

VERSCHIEDENES. 

Die amerikanischen Reklameschriften, von denen uns 
M. Seliger im Maihefb d. J. Kunde und Proben gab, haben 
nicht allenthalben Beifall gefunden. Das Jourftal für Buch- 
druckerkunst, welches unlängst einen beachtenswerten Auf- 
satz über die Decadence der Antiqua veröffenÜichte, pole- 
misirt lebhaft gegen die Ausführungen unseres Mitarbeiters. 
Wir wollen dagegen nur erinnern, dass ein großer unter- 
schied besteht zwischen gedrackter und gemalter Schrift. 
Die gedruckte Schrift muss konstruirt, streng, rein, schön, 
sein. Die Plakatschrift braucht das nicht, unter den Proben, 
die wir zur Schau brachten, waren gewiss Abnormitäten, 
die sich zum geregelten Schriftbild der Druckschriften ver- 
halten, wie die Karikatur zum Original. Aber das Kari- 
katurartige ist es ja gerade, was auffällt, stört, vielleicht 
erschreckt. Und das vor allem will ja die Reklame, also 
auch die Reklameschrifi Sie wegen mangelnder Schönheit 



tadeln, ist ebenso, wie wenn man die Karikaturen der Witz- 
blätter wegen mangelnder Anmut tadeln wollte. Die ame- 
rikanische Reklame ist kostspielig. Zur Befriedigung des 
Schönheitsbedürfnisses ist sie nicht da. Sie hat nur einen 
Zweck: aufzufallen. Mitunter — selten freilich — fällt sie 
auch durch Schönheit auf, aber das ist nur zufällig. Die 
amerikanische Reklame bildet ihre Schriften also so, dass 
sie vor allem dem einen Zwecke dienen, den Gleichgültigen 
irgendwie zu packen, ihn, wenn es möglich ist, zu zwingen, 
entweder bewundernd einen Augenblick aufzusehen, oder 
zum KopfsehiÜteln zu veranlassen. Das letztere ist natürlich 
leichter, bequemer, — billiger. Wenn nur das Schriftbild, das 
Wort, der Name, der Artikel haftet! Das ist dem praktischen 
Amerikaner die Hauptsache. Was der Verfasser über den 
Verfall der Antiqua sagt, mag zum großen Teil richtig sein; 
für die Plakatschriften gilt es aber durchweg nicht, diese 
sind vom rein praktischen Gesichtspunkte des Geldbeutels 
aus zu beurteilen. Ebenso gut könnte man fordem, dass Lo- 
komotiven, Schiffskrähne u. dergl. den Schönheitssinn be- 
friedigen sollen: die Zahlenden werden sich schwerlich da- 
nach richten. 

PREISAUSSCHREIBEN. 

Der Vorstand des Vereins für Feuerbestattung in Ham- 
burg sucht auf dem Wege eines Wettbewerbes Entwürfe zu 
einem Diplom für Ehrenmitglieder genannten Vereins zu 
erlangen. Die Entwürfe sind für Zinkätzung, Lichtdruck 
oder Photolithographie und etwa ein Drittel größer als die 
Reproduktion zu zeichnen. Das zu vervielföltigende Diplom 
soll auf eine Papiergröße von 40 X 50 cm gedmckt werden. 
Ein kurzer Text ist anzubringen, in welchem Namen und 
Datum nachgetragen werden. Das Diplom soll femer durch 
Embleme, Allegorieen oder Ansichten auf den Zweck des 
Vereins und auf Hamburg als den Sitz desselben hinweisen. 
Die Entwürfe sind bis zum 1. Oktober 18d4, nachmittags 
5 Ühr, an den Kunstgewerbeverein zu Hamburg, Adresse: 
Museum für Kunst und Gewerbe, verschlossen einzusenden. 
Es sind ein erster Preis von M. 300 und ein zweiter Preis 
von M. 200 ausgesetzt, welche im G^amtbetrage von M. 500 
zur Verteilung kommen, sofern nicht durch Beschluss der 
Preisrichter eine andere Art der Verteilung bestimmt, oder 
von einer Zuerkennung von Preisen abgesehen werden sollte. 
Das Preisrichteramt wird ausgeübt von zwei Herren des 
Vereines für Feuerbestattung und von drei Herren des Kunst- 
gewerbevereins. Das ausführliche Programm ist durch den 
Kunstgewerbeverein zu Hamburg unter obiger Adresse zu 
beziehen. 

Anlässlich des am 1. Juli in Hamburg stattgefundenen 
Festmahls des deutschen Journalisten- und Schriftstellertages 
veranstaltete der Kunstgewerbeverein zu Hamburg unter 
seinen Mitgliedern einen Wettbewerb zur Erlangung von 
Entwürfen zu einer Tischkarte. Von den 11 eingegangenen 
Entwürfen erhielt einstimmig den 1. Preis von 200 M. der 
Maler H. de Braycker, dessen Entwurf auch in Lichtdrack 
ausgeführt wurde; die zwei 2. Preise mit je 50 M. erhielten: 
Maler A. W. Eckhardt und der Zeichner E. Eickhoff. 

ZU UNSEREN BILDERN. 

Wir bringen heute noch einige Pmnkstücke der Ber- 
liner und Meißener PorzellanmanufELkturen , die in Chicago 
ausgestellt waren. Über die Ausstellung dieser beiden An- 
stalten entnehmen wir dem Bericht, den der Direktor des 
Straßburger Kunstgewerbemuseums Herr A. Schricker, an 
das Kaiserliche Ministerium für Elsass- Lothringen erstattet ^ 
hat, folgendes : Die Anfänge der Berliner Porzellanmanufaktur 



208 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



gehen auf das Jahr 1763 und die InitiaÜTe Friedrich des Grotoi 
zorflck. Seii dem Jahre 1700 hatte eine Anxahl gröfterer 
und kleinerer HOfe darnach getrachtet, in den Besitz des 
Ponellangeheimniaseg en kommen, Ton dem man sich, wie 
etwa Ton der Goldmacherknnst, nngeheore Schitie versprach. 
Die schweren politisehai Schlftge, welche Preofien am An- 
fange dieses Jahrhunderts erlitt, waren auch f&r die Mann- 
faktor yerhftngmsTolL Ein neoer Antehwong begann mit 
der Mitte der achtziger Jahre, seit das Dreigestim, Kips der 
Zeichner, Schley der Modelleor and Heinecke der Chemiker 
in die Leitong der Anstalt sich teilten. Mit der Geechichte 
des An&chwonges eng rerknüpft sind die Erfindmigen des 
Professor Seeger, der eine nene Art der Stoffmischung er- 
fimd, and die Behandlang der Kupferlösong and der Cra- 
qoelearbeit ansbfldete. Alle in der Königlichen Berliner 
Mana&ktar angefertigten Arbeitoi sind ansschlieSlich Hand- 
arbeiten, and es wird Druck oder sonstige YervielfUtignng 
nicht in Anwendung gebracht Die Maler sind alle mit ge- 
ringer Ausnahme in der Anstalt selbst anagebBdet, sowohl 
diejenigen, welche bei größeren dekorativen Arbeiten oder 
der feinen Malerei an kleineren Gegenstftnden, als auch die, 
welche in den plastischen Werkstätten arbeiten. Beschäf- 
tigt sind an der Anstalt ungefähr 500 Personen, unter diesen 
etwa 100 Maler, 20 Bildhauer, 5 Chemiker. In der Aus- 
stellung der Manufaktur in Chicago wird eine mächtige 
Wand mit einem Mittelbilde an den im rechten Winkel vor- 
springenden Seiten durch je ein Bild begrenzt, Malereien 
aaf Fliesen aus gesintertem Material in Email zwischen 
Glasur. Zwei Treppen f&hren auf ein Podium, in dem ein 
geschlossener Raum untergebracht ist An der Vorderseite 
des Podiums stehen vier gewundene ISLulen , die ans je vier 
Trommeln bestehen, von denen jede 0,40 m breit und 0,80 
m hoch ist Die Postamente zu beiden Seiten der Treppe 
schliessen ab mit Vasen in Eiform von 1^0 m Höhe und 
4% Coitner Schwere. So ungeheure Stöcke Porzellan wur- 
den unseres Wissens nur in der ersten Zeit der Begrfindung 
der Dresden^ Manufaktur unter August dem Starken be- 
wältigt Ein ebenso mächtiges Stock ist die Badewanne in 
Hartporzellan aus einem Stock, 1,75 m lang. Der Brunnen 
mit den stark bewegten Figuren in Hartporzellan ist ein 
hervorragendes Stück der Skulptur und der Feuertechnik. 
Die Geiäfie mit den chinaroten und fliederfarbenen Glasuren 
gehen auf eine Erfindung des Professor Seeger zurück , die 
vor etwa 7 Jahren gemacht wurde. Professor Seeger war 
angeregt durch die eigentömliche Färbung gewisser Näpfe 
und Vasen der Chinesen und Japaner, und seine Erfindung 
wirkte wiederum zurück auf Sevres, welches einige Jahre 
später dieselbe Technik aufaahm. Bemerkenswert ist, dass 
diese Berliner Glasuren mit Kupferlöeung zum unterschiede 
von anderen Arbeiten derselben Art mit Gold und Email 
behandelt werden können. Von hervorragenden Einzelheiten, 
welche den kundigen Betrachter entzücken, nennen wir die 
Vasen aus HartporzeUan mit Craqueleglasnr und aufgeleg- 



tem Gold. Dann eine Vase mit einer Fassung von 
niederschlag, wie wir sie bei der Firma Gorfaam (Metallo- 
technik) erwähnen werden. Eine Spezialität sind die TTi«|uii 
figurea, die ans einem unübertrefllichen plastischem M*trnii 
das Direktor Heinecke erfand, gebildet sind. Feinoes md 
Leichteres, als den Kopf der Flora mit dem Blumenkranz 
und die Folge der neun Musen hat der Moddlintift aoch 
nicht hervorgebracht Eine leichte Tönung auf dem 
Körpern verleiht den Gestalten den Beiz der 
Figuren. 

Meifien und Berlin waren von Anfang an Bivalen. Die 
Brandenburger suchten den Sachsen am Anfange des Torigen 
Jahrhunderts die Gdieimnisse abzulauschen und die Arbeiter 
wegzunehmen. Heute ist ein friedlicher Wettkampf an die Stdle 
des damab mit allenMitteln geführten Streites getreten, in' 
chem Berlin die Stelle des rastlos voranschreitenden, 
Materien und Dekorationsarten erfindenden 
nimmt, während Meißen in vielleicht etwas zu 
Beharrlichkeit sich seines reichen Musterschataes erfirent, and 
nur hie und da in einem neuen Stücke ankfindet, dass es 
im Besitze seiner ganzen Tradition geblieben seL MoCoi 
ist in Chicago durch die grofie Handelsfirma Gillmann k, 
Kolamoor, New York 5 Ave, vertreten. Die Hanptstgrke 
dieser Ausstellung sind: eine ThÜr mit Füllungen in pote 
sur päte, überragt von einem Thürsturz, auf dem sieh die 
Burg von Meißen im Rahmen von Rosenranken zeigt ; dann 
eine Kassette besten Entwurfes, vollendeten pate sor pafce 
Stücken, herrlichem Email an den inneren 
flotten plastischen Arbeiten an den Ecken und dem o1 
Abechluss. Zwei große Vasen zeigen uns die Technik des 
Platindekors, ebenso zwei kleinere Vasen derselben Vende- 
rungsart mit einem Abschlussstreifen nach unten, wacher 
den Effekt eines Halbedelsteines, des Tigeranges, narhahmt 
Eine Fülle von Servicen in Königsblau und Mandarinengelb 
vervollständigen das glänzende Bild dieser Ausstellong. 

ZEITSCHRIFTEN. 
Bajerische Gewerbeieitiu. 1894. ffr. 18. 

Die Thüringer Gewerbe- und IndustrieAUsateUaBg in Erfnt. — 
Kenmi«die Plandereien. 

Backgewerbeblatt. 189S94. Hefl 19. 

Johann Engel. Ein Pionier auf dem Oebiete des Einbände» n 
Aaslande. Von P. Adam. — Eni Wickelung der SUnotjfim^ 
Von C. Maller. — Die Nachahmang der lithographischen Ata- 
teehnik. — Uölxeme Biemscheiben. 

Mlttellugem des k. k* ÖsterreiiAisdeB Maseou flr 
Kust wd iBdBstrie. 1894. Heft 7. 

über Zeichenfertigkeit aod ihre Anwendung in der Praxis. I. 
Von EL Macht. — Ornamentstlche von Jaeqaes Androoet D« 
Cercean. 

SpreehsaaL 1894. ffr. 2«. 

über Sodaschlicken. Von Dr. C. Oöts. 

Zeitselulft für InBendekoratloii. 1894^ Hefl 8. 

Grandprinzipien für farbige Wirkung bei Dekorationea. V 
Ch. Mertslafft. — Ein Pariser Palais. Von 0. Wal da«. 
Die Heraldik im Konstgewerbe. Von Fr. Minkas — 
rikanischer Palastwagenxog. Von H. Sehliepmann. 




Herausgeber: Arthur Pabst in KOln. — Fär die Redaktion verantwortlich: Artur Seemann in Leipiig. 

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in Abdrilcken «»f chbe». P»pier b. Folio-Fonaat 


Seemann in Leipzig 


■ftler Oder Blldluuff j Sttdur | Gegeiutand 








Udmcbgittn« | PnU 


Tb. Alphon 

Donatello 

M. Klineer .... 

A. Krüger 

M. Liebertnann . . . 
Matlrlto-Olgysy, V. . . 
Meyer-Basel, C. Tb. . 

P. P. Rubens '.'.'.'. 
Fr. Simm 


Origi nalradiruDg 
A. Krüger . . 
A. Krüger . . 
Original rad irung 
Holiogravüre . 

R. RauJner . . 


HaidemoÜv f 2 farbig) . . . 








vor d. Schrift : 3 Mrf( 








Am Stramle »on Göhren . . 
Ci^ihaid Hauptmann . , . 








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Von oben (Preisradirung) . , 


















SUuffer-Bern . . , . ! „ 


Selbilporträt 






F. Völlmy 


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Cypiessenallee (Preisradirung) 






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Diesem Hpfte lie^ ein Prospekt der Vprlatr^btichhiinillun" von Schuster & Bufleb in Berlin, betr.: ZMs(rvcA«o» 
und Miinthe. die Hokbuiikuiist Kürwegens, bei, die wir der Aufiutrlisamkeit unserer I.ener empfchleti. 
Drnck von Auguat Pries in Leipzig;. 



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DIE PORZELUNFÄBRIK 
ZU KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 



VON E. p. UBISOE. 



lEkÖnigliche Porzellanfabrik 
zu Kopenbagen ist unter al- 
len derartigenScliÖpfuii gen in 
Europa fast zuletzt fertig ge- 
worden. Die dänieche Haupt- 
stadt war zu abgelegen, die 
Gewinnung tQchtiger Arbei- 
ter zu sehr erechwert, um 
schneller zum Ziele zu gelangen. Wie oft man aber 
auch unzuverlässigen Porzellanadepten und Betrü- 
gern in die Hände fallen mochte, immer von neuem 
setzte der nie erkaltende Eifer der dänischen For- 
sten, Staatsmänner und Gewerbetreibenden an. Selbst 
die Erkenntnis, dass die Fabrik dem Lande zu viel 
koste, venuochte gegenQber der populären Forderung 
nach einer eigenen Fabrik jene Bestrebungen nicht 
einzuschränken. Wie die epochemachende Erfindung 
Böttger's zunächst in Deutschland die Hdfe und die 
Gebildeten ergriff und der Wunsch, Porzellan zu 
machen, die volkstEUnlichste Idee durch viele Jahr- 
zehnte des vorigen Jahrhunderts gewesen ist, so 
wirkte diese Bewegung nach außen weiter, bis sie 
jedes Land ergriffen hatte. Alle Mühen, Hoffnungen 
und Enttäuschungen, wie sie die Geschichte jeder 
Porzellanfabrik erzählt, finden sich kurz und. dras- 
tisch, einem Epilog gleich, 
zum letztenmale bei dem Be- 
strehen, in Kopenhagen eine S 
Fabrik zu begrKndeQ, wieder- 
holt. Darum ist der Versuch, 
die Geschichte der Fabrik hier 
kurz darzustellen, ebenso lok- 
kend als er andererseits da- 
durch erleichtert wird, dass ^^ ^ h,»,.i„ .„. 
deren Erzeugnisse in großer (kc: 
SimatgewaibebUU. N. F. V. B. U. 



Haohdraok verboten. 
Vollständigkeit in den Sammlangen der Hauptstadt 
zu finden und in den trefflichen Arbeit«n C. Xyrop's 
und E. Madsen's') reiche, auf archivalischen For- 
schungen beruhende Materialien für eine solche Ar- 
beit vorhanden sind. 

/. Qeachichte der Fiibrik. 

Der Anfang der keramischen Eunst Dänemarks 
fällt in das Jahr 1722. Damals erhielt ein Porzel- 
lanmacher J. Wolff ans Holstein, früher angeblich 
in Sachsen, später zu Roerstrand in Schweden thä- 
tig, ein Privileg zur Errichtung einer Delfler Por- 
zellan- und „holländischen Steinzeugfabrik*. Die 
Erzeugnisse der Fabrik, die bei wechselnder Leitung 
bis 1772 fort^eftlhrt wurde, waren sehr bescheidene; 
die blau gemusterten Stücke waren mangelhaft gla- 
sirt; verschiedene daran vorkommende Monogramme 
sind noch nicht erklärt. 

Mit ähnlichen Anlagen vrnrde nach und nach 
auch in der Provinz vorg^angen, ohne dass sie sich 
für lange gebalten hätten. Neben Fayence war 
die Herstellung des echten Porzellans das ausge- 
sprochene oder heimliche Bestreben aller dieser Fa- 
briken. Daneben ließ die B^erung zur Herstellung 
des Porzellans unermüdlich noch besondere Versuche 
machen, von denen die haupt- 
sächlichsten hier wenigstens 
kurz erwähnt sein mögen. 



1) G. NjTop: Den danske 
PorMllaeDH&brikatiODB Tilbllren 
1878; Danake F^ence- og Porcel- 
lainamaecker 1881. — K. Madien: 
Den kgL Porc«llaenafabrik i for- 
rige Äarhnntlrede in der Tidscbrift 
for Eunstinduatri 1893, Heft 2 



210 DIE PORZELLANFABRIK ZU KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 



Im Jahre 1731 erhielt Elias Vater, angeblich 
aus Sachsen, den Auftrag, die ersten Anlagen für 
eine Porzellanfabrik zu machen. Man war jedoch 
einem Schwindler in die Hände gefallen, welcher 
mit den vorgestreckten Geldern bald verschwun- 
den war. 

Besonders abschreckend scheint diese Erfahrung 
nicht gewirkt zu haben. Zwar wurde 1737 ein An- 
erbieten des Porzellanmachers Hunger, ein dem 
sächsischen gleichwertiges Porzellan herzustellen, 
nicht angenommen, aber in demselben Jahre erhielt 
der dänische Gesandte in Wien den Auftrag, dort 
geeignete Werkleute für Kopenhagen zu gewinnen. 
In diesem Falle scheint es sich namentlich um die 
Herstellung sogen, falscher Porzellanöfen gehandelt 
zu haben, durch welche die berühmten Hamburger 
Ofen verdrängt werden sollten. Da die Wiener Werk- 
meister den gehegten Erwartungen nicht entspra- 
chen, so wurde später der Porzellanmacher N. Fer- 
dinand aus Schweden herangezogen. Jene Versuche 
endigten ohne Erfolg im Jahre 1747. 





Fig. 2. Harke bot Zeit König 
Friedricb'B V. (f 1765.) 



Fig. 8. Marke der kgl. Porzellan- 
fabrik sn Kopenhagen seit 1776. 



In derselben Zeit erhielt ein Justizrat v. d. Maase 
ein Privileg zur Errichtung einer Porzellanfabrik. 
Als Marke sollte ein Sjreuz mit zwei Sternen dienen, 
ein Zeichen, das bei Grässe, Guide de TAmateur, 
1875, Seite 121 mit drei Sternen als Kopenhagener 
Marke, in der Ausgabe von 1880 Seite 147 aber als 
Marke des späteren Begründers der Porzellanfabrik 
F. H. Mtiller's ohne Grund aufgeführt ist Von dem 
Unternehmen Maase's haben sich keine Spuren er- 
halten. 

Die Hochflut der Versuche begann seit der Re- 
gierung Königs Friedrich V. (1746—1766). Von 
1752—1757 macht J. C. L. v. Lücke Versuche, die nach 
Aufwendung von 4000 Rdl. ergebnislos endigten. 
Seit 1753 wurden an einen Porzellanmaler J. Gyl- 
diug Zahlungen für Porzellanproben geleistet und 

1754 erhielt der Sachse J. G. Mehlhom eine feste 
Anstellung als Porzellanmacher. Mehlhom machte 
mit mehreren Arbeitern kleineres Speisegerät und 
Figuren, die aber nicht befriedigten. Da im Jahre 

1755 auch der Steinwarenfabrikant J. Fortling Ver- 



suche machte, so wurde um diese Zeit an vier 
verschiedenen Stellen im Auftrage des Staates gear- 
beitet. Und doch sind damit die Versuche der von 
den verschiedensten Seiten herbeigerufenen Arbeiter 
keineswegs erschöpft; kein Wunder, dass bereits 1752 
gegen diese großen Ausgaben von selten eines hohen 
Beamten, glücklicherweise vergeblich, gewarnt wurde. 
Alle jene Versuche hatten um 1761 ihr Ende gefunden, 
doch war man inzwischen mit einem französischen 
Porzellanmacher, L. Foumier, in Verbindung getre- 
ten. Foumier, der sich wieder neue, zum teil firan- 
zösische Arbeiter verschafft hatte, scheint indes nur 
weiches Porzellan zu stände gebracht zu haben. Ob 
die ihm zugeschriebenen Stücke wirklich von ihm 
herrühren, oder ob sie Mehlhom oder Lücke gemacht 
haben, ist nicht klar. Da sie als Marke die Chiffre 
des Königs Friedrich V. tragen, so ist nur ihre Ent- 
stehungszeit sicher erwiesen. 

Diese ungeregelten, aber für die Porzellanleiden- 
schaft der Zeit so überaus charakteristischen Bestre- 
bungen fanden mitdem Regierungsantritt Christian VII. 
(1766—1808) ihren Abschluss. Die ersten Regie- 
rungsjahre dieses Königs waren für neue Arbeiten 
zu ungünstig, doch war vielleicht grade diese er- 
zwungene Ruhe von größtem Vorteil ftür die späte- 
ren Arbeiten. Auch der Strom der Porzellanmacher 
aller Art, denen man immer wieder mit der größten 
Leichtgläubigkeit zum Opfer gefallen war, nament- 
lich, wenn sie aus Sachsen zu konunen vorgaben, 
hatte sich verlaufen; als dann die Verhältnisse im 
Lande nach dem Sturze Struensee's bessere gewor- 
den waren, trat im Jahre 1772 ein fleißiger und 
tüchtiger Mann, der Apotheker und Chemiker F. H. 
Müller, mit einer Probe selbstgefertigten Porzellans 
hervor und bat um 3—400 Rdl. zur Herstellung eines 
brauchbaren Ofens. 

Müllers Versuche fanden in allen Ejreiseji, ins- 
besondere bei der Witwe Friedrich's V., Juliane Marie 
größte Unterstützung, und er konnte bald zur Er- 
richtung einer Fabrik schreiten. Zwar schlug der 
erste Versuch, die Mittel dafür durch Ausgabe von 
Aktien zu gevrinnen, vollständig fehl, man kam aber 
bei einem zweiten zum Ziele. Auch ein Haus wurde 
zur Anlage der Fabrik überwiesen. Nachdem sich 
dann aus den angesehensten Männem ein Direkto- 
rium gebildet hatte, verlieh die Regierung dem jun- 
gen Untemehmen im Jahre 1775 ein Privileg auf 
50 Jahre. Drei Wellenlinien, das Sinnbild der drei 
dänischen Meeresarme, sollte als Marke dienen. Diese 
Marke, gewöhnlich blau unter Glasur gemalt, sel- 
tener rot oder schwarz oder auch eingedrückt, ist 



DIE PORZEXLANFABRIK ZU KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 211 

bis Iiente als die einzige Fabrikmarke in Gebraucb gefragt, wies dieser auf den FOrstenbeiger Mo- 

geblieben. delleur A. C. Luplan hin, der info^edessen 1776 

Wiewohl einzelne Stacke bereits vor Er&finnng fflr die Fabrik gewonnen warde. Indess hatte Malier 

der Fabrik entetanden sind, kam die iabrikmäßige schon vorher sein Augenmerk auf die Meißener 

Herstellung des Porzellans doch nur allm^ch in Gang. Fabrik gerichtet und dem dänischen GeschäFta- 

Die Anlagen wEiren erst zu schafTen, die Versnobe träger in Dresden waren die entsprechenden Auf- 

znr Herstellung der Masse, der Farben u. s. w. erst tri^e gegeben worden. Bald fanden sieb flinf Ar- 



weiterznfUhren. Vor allem galt es, ein sachTerstän- 
diges Personal zusammenzubringen. Mit Thatkrafl 
und Verständnis trat der zum Leiter der Anstalt 
ernannte Inspektor Maller an diese Aufgaben heran. 
Eine Reihe von Abhandlungen hat er darDber ge- 
schrieben; in verbfUtnismäßig 
kurzer Zeit waren alle jene 
Fragen unter schwierigen Ver- 
hältnissen gelöst 

Die Rohmaterialien fOr die 
Massenbereitung wurden zuerst 
Ton der Insel Bomholm bezo- 
gen; nur dos Kaolin scheint 
später von Sachsen gebracht 
worden zu sein. Das gefer- 
tigte Porzellan schilderte Mül- 
ler in der ersten Freude des 
Gelingens zwar dem altjapani- 
schen ähnlich, durchscheinend 
obwohl matt im Bruch, auch 
sollte es st&kere Hitze als jedes 
andere europäische Porzellan 
Tertrt^en, dabei im Brande an 
Volumen und Glasur verlieren; 
aber die graue Farbe des Pro- 
dukts und andere Fehler mach- 
ten immer noch neue Ver- 
suche nStig. Statt der eäob- 
sischen Porzellanerde gab man 
später der von Limoges den Vorzug. Als Bomholm 
nicht mehr genügenden Feldspat lieferte, wurde dieser 
TOD Arundel in Norwegen bezogen. 

Überaus schwierig war die Beschaffung der nö- 
tigen Arbeitskräfte. Bei Eröffnung des Betriebes 
hatte der Inspektor zwei Former und zwei Dreher zur 
Verfngung, während die Übrigen Arbeiter einfach 
vom Militär kommandirt wurden. Eine künstlerische 
Kraft wurde zwar in dem Bildhauer A. Tvede ge- 
wonnen, aber die militärische Hilfe konnte fOr die 
Dauer doch nicht genDgen, und es galt nun, aus dem 
Auslände zuverlässige Arbeiter zu gewinnen. 

In Kopenh^en befand sich damals der Ober- 
ji^ermeister von Langen, welcher von 1749 — 1763 
die FOrstenbei^er Fabrik geleitet hatte. Um Rat 



heiter der sächsischen Fabrik zur Übersiedelung nach 
Kopenhagen bereit 

Über die Arbeiter der Fabrik, ihre Leistungen 
nnd Schicksale soll später berichtet werden. Bezfig- 
lich dieser sächsischen Arbeiter sei somit hier nur 
bemerkt, dass sie 1776 in Ko- 
penhagen mit einer Freude 
empfangen wurden, der nur 
zu schnell die Emachterung 
folgte; sie entsprachen nicht 
den Qbertriebenen Erwartungen 
und wurden der Anlass zu er- 
bitterten Streitigkeiten in der 
Fabrik. 

Übrigens f&hrte die Ab- 
reise der Arbeiter von Meißen 
beinahe zu diplomatischen Ver- 
wickelungen. Diee hinderte 
aber den dänischen Gesandten 
nicht, sieh, während er die un- 
freundlichsten Noten aus dem 
sächsischen Ministerium em- 
pfing, einegenaue Beschreibung 
der ganzen Meißener Fabrik, 
sowie ihrer Betriebs- und Ar- 
beiterverhaltnisse zu verschaf- 
fen. Gleichzeitig mit diesem 
PoizeiiuiTu«. (BoBenbo^.) Aktenstück sandte er aber auch 

die Warnung nach Kopenh^en, 
dass dort nun der sächsische Gesandte alles dar- 
ansetze, seine Landslente zur Rttckkehr zu bewegen. 
Da die Sachsen stets zu Veränderungen geneigt 
seien, so wären solche Einwirkungen sehr gefähr- 
lich; und wirklich kehrten zwei Arbeiter, daninter 
der Modellmeister Matthäi, den man als einen 
ganz besonders guten Fang bezeichnet hatte, in 
kürzester Zeit nach Meißen zurück. In demselben 
Jahre wurde indes schon wieder Ersatz angeboten; 
diesmal waren es der junge, sehr tüchtige Maler 
Ehrlich, der mit Anlage und Behandlung der 
Ofen auf das genaueste vertraute Dreher Kl&gel 
nebst Sohn und der berOhnite Schlachtenmaler Groß- 
mann, von dem besonders herrorgehoben wurde, dass 
er im Auftrage der Meißener Fabrik sechs Monate 



212 DIE PORZELLANFABRIK Zu KOPENHAGEN WÄHREND DES t8. JAHRHUNDERTS. 

in S^vres geftrbeitet und von dort mit Arbeitern für einen Ankauf war nicht ungOnstig, da das Lager 
und einem Plan der Fabrik zurQckgekebrt sei. Auf den fOr die EröfFnung des Verkauf nötigen Dmfang 



dieses neue Anerbieten wurde indes nicht weiter 
eingegangen. 

Da während der VerhandlungeiL mit jenen fDnf 
Sachsen aach der Maler J. C. Ba^er von Nfimberg 
gewonnen worden war, so hatte man einen festen 
Stamm von Arbeitern zusammen; MttUer war von 
nun an darauf bedacht, durch Aufnahme ron Lebr- 



erreicht hatte. Der Wert der fertigen Ware betrug 
18 438 Rd., außerdem könnt« monatlich fOr 3000 Rd. 
gebrannt werden, was nach Abrecbnnng der Betriebs- 
kosten einen monatlichen Cberschoss von 763 Rd. 
ergeben sollt«. 

Der KSnig Dbemahm die Fabrik. Das Direk- 
torium wurde mit geringen Veränderungen beibe- 
lingen den späteren Ersatz fSr die Fabrik selbst halten, die Leitung des Betriebs verblieb dem In- 



heranzubilden. 

Neben so rielseitigen Bemflhungen hatte die 
Herstellung des Porzellans selber nicht geruht. Alles 
war jedoch noch im Zustande der Entwickelung als 
sich Geldmangel einstellte. 

Im Jahre 1778 war von den Einzahlungen der 
Aktionäre, den Staatsbeihilfen 
von jährlich 9000 Rd.<) und 
den Beiträgen der königlichen 
Familie, sowie Privater nichts 
mehr vorhanden. Eigene Ein- 
nahmen von Belang fehlten, 
da bisher kein Stüek ver- 
kauft war. Um der drohenden 
Not vorzubeagen, war schon 
1777 beschlossen worden, eine 
Anleihe von 10000 ßd. auf- 
zunehmen. Damit hatte man 
sich freilich nur fQr den 
Augenblick geholfen. 

Ein Bericht von 1778 gab 
von dem Stande der Sache folgendes Bild: Die Fabrik 
war auf gutem Wege, brauchte aber noch Zeit zu 
ihrer VoUeudung. In Betrieb standen drei Ofen, wäh- 
rend ein vierter im Bau begriffen war; doch auch die 
Öfen bedurften noch der Verbesserung. Da die nötigen 
Kapseln zum Brennen fehlten, so litt die Glasur und 
die meisten Stücke worden Mittelgut oder Ausschuss. 
Am empfindlichsten sei aber die drohende Geldnot, 
und man war, um vorwärts zu kommen, auf die 
Gnade des Könige angewiesen. — Da die mehrfach 
gewährten Hilfen nie für lange reichten, so kam 
man aus der Geldnot gar nicht mehr heraus. 

Im Jahre 1779 erkannte die Verwaltung, welche 
bisher 123 552 Rd. verausgabt hatte, die Unmöglich- 
keit, weitere ausreichende Geldmittel zu beschaffen, 
und der Entschluse wurde gefasst, die Fabrik dem 
Könige zum Verkauf anzubieten. Der Augenblick 



1) Der alte däniaobe Rigsdaler betrog ii 
«twa 3 H. 70 Pf. 



Gelds 



spektor Malier. Allen Beteiligten wurde durch Gna- 
denbeweise der verdiente Lohn zuteil Als der Vei^ 
kauf des Porzellans beginnen sollte, erschien 1780 
das Verbot der EioRlhrung fremden Porzellans mit 
Ausnahme des chinesischen, ßr dessen Verkauf eine 
Gesellschaft in Kopenhagen ein älteres Privileg be- 
saB. — 

Die ganze Bevölkerung 
feierte die Eröffnung des Ver- 
kaufs als nationalen Festtag. 
Es erregte großeB Meisterung, 
dass das Land nun seine eigene 
Fabrik besitze. 

Die Folgen dieser Ver- 
änderungen waren sehr gOn- 
stige, und die Blütezeit der 
Fabrik kam schnell herbei. 
Da der vergrößerte Be- 
trieb neue Arbeitskräfte nötig 
machte, mnsste man sich wie- 
der an das Ausland wenden. 
Im Jahre 1780 wurden drei Arbeiter aus Berlin 
gewonnen. Diesmal empfing man die Fremden 
nicht so vertrauensvoll, war aber vom GlQcke 
begünstigt. NsmenUich war in dem Maler Leh- 
mann eine ausgezeichnete Kraft gewonnen. Als 
Anerkennung erhielten die drei Berliner Arbeiter 
schon im nächsten Jahre das Bürgerrecht, auch 
wurde deren Frauen eine Witwenversoi^ng zuge- 
sichert. 

Die vorhandenen LShnungsbtlcber pp. lassen er- 
kennen, wie sieh mit dem guten Gange des Verkaufe 
die Zahl der Arbeiter stetig mehrte. Im Jahre 1781 
hatten 200 Arbeiter ihr gutes Auskommen. Um 
diese Zeit hatte die Fabrik aber ihren Höhepunkt 
bereits erreicht Das Land kannte vollständig mit 
Porzellan versehen, solches auch ins Ausland, na- 
mentlich nach Holland, ausgeführt werden. Das 
Porzellan wurde an Schönheit und Feinheit den riel- 
begehrten Erzeugnissen von Meißen und Sevres nicht 
mehr nachstehend gefunden. Trotz nötig geworde- 



DIE PORZELLANPABRIK ZU KOPENHAGEN WÄHREND DBS 18. JAHRHUNDERTS. 213 

ner kostepieliger Bauten waren die bisher veraus- mit so viel Mfihe und Eosten erzogenen Arbeiter 
gabten Mittel vollständig gedeckt ins Ausland treiben, sondern bei zu großer Ein- 

In diesem blühenden Zustande konnte sich die schränkung des Lagers den Verkauf noch mehr ver- 
Fabrik nur wenige Jahre erhalten. Die Ungunst riugem. — SchlieSlich sollte auch die Leitung der 
der Weltlage machte sich auch hier filhlbar; in Fabrik selbst Terbessert werden. Müller behielt 
den netinziger Jahren gelang es nicht mehr, Über- hinfort nur die technisch -künstlerische Leitang, 
schlisse zu erzielen; bald waren die Ausgaben gr&ßer während das Rechnungswesen einem kauftnannischen 
ab die Einnahmen. NSchstdem wirkten aber auf Mitdirektor fibertragen wurde. Das Yerhältnis der 

beiden Direktoren zu einander 
war von Anfang an ein 



den Verkauf die im Verlaufe 
weniger Jahre mehrfach wech- 
selnden Geschmacksänderun- 
gen höchst ungünstig ein. 
Wiederholt klagte Müller, 
dass die alten, schönen For- 
men, welche von den besten 
Künstlern der Fabrik herge- 
stellt waren, verdtet und un- 
verkäuflich seien. Die gro- 
ßen Bestellungen und An- 
käufe hätten aufgehört, und 
das Interesse für die Fabrik 
sei erkaltet. Selbst der Hof 
wäre nicht einmal im Besitze 
eines einzigen von der Fabrik 
hergestellten Speisezeugs. Da- 
mals wurde last nur noch die 
gewöhnlichere Gebranchsware 
gekauft. Man wusste mit- 
unter nicht, womit die Bunt- 
maler zu beschäftigen seien. 
Zur Beseitignng dieser 
drohenden L^e wurde eine 
Untersucbungskommission 
eingesetzt Im Jahre 1793 
berichtete diese, dass das La- 
ger zu groß wäre. Zur Räu- 
mung schlug Müller Auktio- 
, neu vor, die dasselbe zu Zei- 
ten zwar gute, im ganzen 
aber ebenso angünstige Er- 
gebnis wie anderswo hatten. Damals befanden sich 
128 Arbeiter, darunter ein achtel Fremder, bei 
der Fabrik. Den Baup^rund der gedrückten Lage 
schien die Kommission in der zu großen Bevor- 
zugung der künstlerisch ausgeführten Porzellane 
zu sehen. Die von AnfEuig an erhobene Forderung, 



schlechtes, auch fühlte sich 
Müller vermutlich gekränkt 
Im Jahre 1796 wurde ihm 
dann in der Person des spä- 
teren Direktors der Fabrik, 
Professor L. Manthej, ein 
künstlerischer Beirat gegeben. 
Diese Maßregeln konnten 
den Verfall nicht aufhalten. 
Eine trübe Zeit war Über das 
ganze Land gekommen. Im- 
mer mehr sank dabei auch 
die Fabrik herab. Als sie im 
Anfange des neuen Jahr- 
hunderts einen kleinen mate- 
riellen Aufschwung nahm, war 
von der früheren künstleri- 
schen Blüte nichts mehr vor- 
handen. 

2. Die Arbeiter. 
Ans der großen Zahl der 
bei der Fabrik thätig gewe- 
senen Arbeiter sollen die- 
jenigen hier Erwähnung fin- 
den, welche durch ihre Leis- 
tungen oder aus anderen 
Gründen hervorgetreten sind. 
Über manchen bereits bekann- 
ten Arbeiter fanden sich neue 
Nachrichten, und das kleine Verzeichnis der bisher be< 
kannten PorzellankOnstler des vorigen Jahrhunderts 
erscheint nicht unwesentlich vermehrt; vor allem 
er^nzen diese Nachrichten das merkwürdige Eultur- 
bitd, welches infolge dieser letzten großen kunst- 
gewerblichen Erfindung entstanden war. Von der 
dass der Hauptwert auf gutes, blaugemaltes Ge- allgemeinen Bewegung für das Porzellan ergriffen, 
brauchsgeechirr zu legen sei, müsse jetzt durchge- verließen viele Künstler ihre bessere und lohnen- 
führt werden; Luxusgegenstände seien möglichst dere Thätigkeit, um eich der nenen geheimnisvollen 
nur auf Bestellung herzustellen. Müller wider^ Kunst zuzuwenden, wodurch sie, da sie meist nichts 
sprach lebhaft: man würde nicht nur die besten, oder zu wenig verstanden, vielfach zn Abenteurern 



214 DIE POBZBLLANFABEIK ZU KOPENHAGEN WAHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 



herabeanken. VoolTÖO— 1757maobteJ.Oh^istophLtld- 
wigT.Lücl[e, richtiger Lfick, aas Dresden vei^ebliche 
Anstreagungen, fOr den KSnig Friedricli V. Porzellan 
herzostelleD. Die GrOnde, welcte diesen Elfenbein- 
schnitzer zur Herstellung von Porzellan geführt 
haben, liegen zweifellos in den oben berührten Ver- 
hältnissen. Lack, Aber den die Nachriohien bei Nag- 
1er ganz unrichtig sind, ist 1728 kurze Zeit ab Mo- 
dellmeister in Meißen, später bis 1751 als Hofbild- 
hauer in Dresden thätig gewesen. <) Es muss kurz 
vor seinem Aufenthalt 
in Kopenhagen gewesen 
sein, dasB er nach Für- 
steobei^ kommen wollt«. 
Während seiner Ver- 
suche in der dänischen 
Hauptstadt erhielt er 
1755 ein Privileg zur 
Herstellung von echtem 
und unechtem Porzellan 
io Schleswig, wo er in- 
des seit 1758 auch nicht 
mehr genannt wird. ^ 
Dass der ausgezeichnete 
Künstler von der Her- 
stellung des Por7,ellans 
nichts verstand, geht 
unter anderem daraus 
hervor, dass er im Jahre 
1753 den Höchster Ar- 
kanisten Benckgraff 
nach Kopenh^en zie- 
hen woUte.») Eine El- 
fenbeinfigur, im Rosen- 
borg- Museum zeigt, dass 
er dort auch als Bild- 
haner thätig gewesen 
ist. Das in Kopenhagen 
wie vorher in Fttrstenbei^ geftthrte Adetsprädikat 
und die großen Titel, mit denen er sich in letzterer 
Fabrik, bei der er später noch einmal auftauchte, 
einführte, lassen den einstigen sächsischen Kunst- 
kabinettbildhaner in bedenklichem Liebte erscheinen. 
Der bald nach LUck eingetroffene Joh. Gottlieb 
Mehlhom war 1728 Inspektor bei der sächsischen 

1) H. Stegmann: Die Fürstlich Braanachweig^sche Por- 
zellanfabrik la FftrelAnbeTg. BnuinBchweig 1893. 

2) J. firinckmann: Ftihrer diiroh die Sammlangen des 
Hamburgischen HnseamB fQr Eanat und Qewerbe. 1894. 

3) E. Zai*: Die kannainzische PoTzelUnmanafaktar zti 
HOdut. Huns 1887. 



. Ovale Schüssel a 



gemalt tob 3. C. Batbr. (RossDboi^.) 



Fabrik, die er bald darauf, vermutlich nach Wien ge- 
lockt, heimlicb verließ. Da das von ihm in Kopen- 
h^en zu stände gebrachte Porzellan die erforder- 
liche Vollkommenheit nicht hatte, trat er 1760 znr 
äteinzeugfabrik zu Kastrupp Ober und erhielt 1762 
eine Pension von 300 Rd. Meblhom hat mit Hilfe 
des früheren Meißener Gipsarbeiters und späteren 
Büdbauers Job. Grund und vier anderen Arbeitern 
Figuren und Gruppen, außerdem Tassen, Stock- 
kn&pfe, Messei^ffe n. s. w. gefertigt Vielleicht 
rühren die schlechten 
Stücke aus hartem Por- 
zellan und in Meißener 
Geschmack, welche in 
der Periode Foumiers 
vorkommen, von Mehl- 
hom her. 

Unter Foumier hat- 
te ein anderer Sachse, 
der Miniaturmaler Georg 
Seiptius gearbeitet Die. 
ser bat später, im Jahre 
1785, um Anstellung bei 
der inzwischen errich- 
teten Fabrik, wurde je- 
doch wegen der von ihm 
gestellten zu hohen For- 
derungen abgewiesen. 

Noch eines ur- 
sprünglich säcbsiscben 
Arbeiters, der wenig- 
stens seine Dienste in 
Kopenhagen angeboten 
hatte, m5ge gedacht 
werden. Es ist der Ma- 
ler Konrad Christoph 
Hunger. Dieser hatte 
Meißen 1717 auf die 
Aufforderung des österreichischen Gesandten hin 
verlassen, um die Wiener Fabrik zu begrttnden, 
was im Jahre 1720 durch die Hilfe anderer säch- 
sischer Arbeiter, unter denen sich der oben genannte 
Mehlhom befand, gelungen war. Von Wien ent- 
wich Hunger, jetzt einer Einladung des venetia- 
nischen Gesandten folgend, 1720 nach Venedig. 
Dann nach Meißen zurückgekehrt, finden wir ihn 
1729 in Stockholm, 1737 in Kopenhagen. Nir- 
gends lange aushaltend, vod hochstehenden Personen 
umworben und verdorben, suchte Hunger überall 
Fabriken einzurichten und ist nebst Lflck eine für 
die Geschichte des europäischen Porzellans überaus 



n PIora-danlca-TiscbEeng, 



DIE PORZELLAN FABRIK ZU KOPENHAGEN WAHREND DES 18- JAHRHUNDERTS. 2IS 



obarakteristiaclie Figur. Kurz nach der Grandung 
der Fabrik war der Bildbaaer Job. Tvede aus 
Kopenhagen für dieselbe gewonnen. Seine Tbätig- 
keit umfassi« die Zeit von 1775 — 17S3. Die be- 
deutendste Leistung Tvede's war die Biscuitstataette 
des Erbprinzen Friedrich nach L. Gboasi in der 
Bioaenbo:^. Ausserdem modellirte er eine große An- 
zahl kleiner Figttrchen, die zwar fleißig gemacht 
sind, aber des Reizes entbehren. Sie wurden das 
Stück mit 3 Rd. bezahlt, wäh- 
rend Trede fßr jene Statuette 
des Erbprinzen 32 Rd. erhielt 
Diese Arbeit, wie manche 
jener kleinen Figuren tragen 
Qbrigens das Zeichen des 
Formers A. Hald. 

Im Jahre 1776 kam der 
bisherige Modelleur an der 
F&rsten berger Fabrik, Anton 
Carl Loplan, in Kopenb^en 
an. Um ihn zu gewinnen, 
war Maller persönlich uich 
Deutschland gegangen. Lup- 
lau war mit 400 Bd. Gehalt 
und 60 Rd. Wobnungsgeld 
angestellt Um Luplau's For- 
derung zu befiriedigen, hatte 
Müller zu dem auf 300 Rd. 
festgesetzten Gehalt aus eige- 
ner Tasche die fehlenden 100 
Rd. zugelegt. Außerdem er- 
hielt Luplau eine Wohnungs- 
einrichtung. \ach dem Kon- 
trakt sollte jedes StQck, das 
er heferte, besonders bezahlt 
werden. Als Modellmeister * 
war er der eigentliche künst- 
lerische Leiter der Fabrik, 
um die er sich große Ver- 
dienste erwarb. Von seiner Tachtigkeit ist die große 
gleichfalls in der Rosenborg befindlichen Biscuitbüste 
der Königin- Witwe, bez. Luptau fec. 1781, ein Beweis. 
In FOrstenberg hatte er keineswegs zu den besten 
und zuverlässigsten Arbeitern gehört In Kopen- 
hagen war er fleißig und für das Wohl der Fabrik 
besorgt, strebte VerbesseruDgen einzuführen und 
machte über seine eigentliche Aufgabe hinaus Ver- 
suche mit neuen Thonarten. Das Receptbuch, sowie 
eine Handschrift: „Alle Geheimnisse einer echten 
Porzellanfabrik aus den hinterlassenen Schriften wei- 
land Modellmeifiters A. C. Luplau, gesammelt von 



dessen Sohn L. Laplaa 1795' ist noch vorhanden. 
Auf ihn werden die schönsten Figuren unter deu 
&Qhen Erzeugnissen der Fabrik zurückgeführt Haupt- 
sächlich fertigte er Reliefbilder, die das Stück mit 
30 Rd. bezahlt wurden. Als Luplau 1795 starb, 
versorgte der Staat seine Hinterbliebenen. Mehrere 
seiner Nachkomm^i sind als Künstler th&tig ge- 
wesen. 

Keben Luplau wird der Modelleur G. Kallehei^ 
vielfach genannt Er scheint 
von Müller, der sich mit Lup- 
lau bald überworfen hatte, 
geflissentlich g«^ea diesen in 
den Vordergrund geschoben 
zu sein. Als man später aus 
Ersparnisrttcksichten die Lup- 
lau zugesicherte stückweise 
Bezahlung scheute, machte 
Kallebet^ die meisten For- 
men. Müller giebt ihm das 
Zeugnis eines fleißigen und 
geschickten Arbeiters; doch 
werden seine Figuren von an- 
derer Seite steif genannt, auch 
sei er ganz unselbständig, ja 
sich selbst Überlassen, ziem- 
lich unbrauchbar. 

Auf gleichem Gebiete 
thätig war Job. Koren Bljrt, 
aus Beiden in Norw^en ge- 
bürtig und seit 1779 bei der 
Fabrik angestellt Auch er 
wurde von Müller gegen Lup- 
lau ausgespielt, doch war bei 
Blyt's geringen Leistungen an 
einen Vergleich mit dem Mo- 
dellmeister nicht zu denken. 

» .,, «.A-«,™, a.H .»um«. Biua«un. Gleichzeitig mit Luplau 

S. PBEÜ8B. (Äoeenbarg.) ^^ ^^^ ^^^ j^j^ pj^^ 

tian Bayer an die Fabrik gekommen. Bayer war 
in Kürnbei^ 1738 geboren, hatte den Unter- 
richt des Malers Job. Chr. Dtetsch erbalten und 
war dann mehrere Jahre in Leipzig gewesen. Bei 
der Fabrik mit 200 Bd. angestellt, erhielt er bald 
Zul^e und außerdem, wie wohl alle besseren Künst- 
ler, stückweise Bezahlung. Er war der beste Blumen- 
maler der Fabrik und hat als solcher Ausgezeich- 
netes geleistet. In dem durch Feuer zerstörten 
Schlosse Ghristiansborg befanden sich auch gute 
Blumenstüoke von seiner Hand. Von ihm sind 
außerdem die Zeichnungen für ein in Kopenhagen 



216 DIE PORZELL&NFABBIK ZD KOPENHAGEN WAHREND DES IS. JAHRHUNDERTS. 



encfaienenee groBee Werk Aber Pilze. Bayer, der 
Boeh als Stecher genannt wird, starb 1812; »eine 
Familie ist im Lande einheimisch geworden. 

An den Namen Bajer's ksfipft sich der Rohm 
des Flora-Daaica-Serrices, welches ron ihm gemalt 
wurde. Er hat diesem Oeacbirr den gröfiten Teil 
seiner Tbfitigkeit bei 
der Fabrik gewidmet. 
Seine Arbeit erregt 
Staanen. Im Jahre 
1804 erhielt er wegen 
gesdiwächter Augen 
eine Penäon, 

Von den 1776 ge- 
wonnenen fünf sSch- 
nschen Arbeitern war 
dem Modellear Joh. 
Qottlieb Mattböi ur- 
Bprfinglich die Stelle 
Laplan's zi^edacht 
gewesen. Erwarl753 
geboren, hatte in Dres- 
den unter Dietrich 
Malerei, unter Bor- 
mann Banknnst sta- 
dirt nnd war dann in 
Meißen unter Acier 
Tomehmlich mit der 
Modellimng nach An- 
tiken beschäftigt ge- 
wesen. Fast unmittel- 
bar nach snner An- 
kunft kehrte er mit 
seinem Gehilfen, dem 
Modelleur Schmahl, 
nach Meißen zurück. 
Hatthäi wurde später 
Inspektor der AbgusB- 
sammlong in Dresden 
und starb 1832. 

Die drei zurück- 
gebliebenen Arbeiter 
waren die Dreher J. 
0. H. Eiehme und J. C Wiemer, sowie der 
Maler J. A, Schlegel. Sie waren mit einem Ge- 
halt Yon je 360 Rd. angestellt Die unfertigen Ver- 
hältnisse an der Fabrik, das untereinander fremde, 
auf Orund sehr Terachiedenartiger Kontrakte ange- 
stellte Personal, sowie endlich der zwar tttchtige aber 
leidenschafUiche und zur Schlichtung tou Gegen- 
sätzen angeeignete Leiter der Fabrik fQhrten nach 



Fig. «a. 



dem Eintritte der drei sächsischen Arbeiter zu rieles 
VerwirruDgen. Aufleboiuig der Arbeiter, '^Kontrakt- 
bmch Ton selten der Direktion, gewaltsame Aus- 
treibung der drei Arbeiter und ein langwieriger Pro- 
zess folgten, den Streitigkeiten. Endlich kam es 
1777 zu einem Veigleich, wonach Schlegel and 
Kiehme wieder in die 
Fabrik eintraten, Wie- 
mer dieselbe reriiefi. 
Übo- das weitere 
Schicksal d^ drei 
Sachsen ist noch fol- 
gendes zu berichten: 
Wiemer ging nach 
Bendsbu^ an die 
Ctar'sche Steiozeag- 
fabrik. Im Jahre 1780 
bat er um Wieder- 
anstellung beiderPor- 
zellan&brik. Diese 
wurde ihm unter Be- 
dingungen gewährt, 
die gegen die firOhe- 
ren erheblich angSn- 
stiger waren. Im Jahre 
1800 wurde er ar- 
beitsunfähig and er- 
hielt eine Pensioo. 

Der Dreher Eieh- 
me bnd sich bald in 
die Verhältnisse hin- 
ein und erwarb sich 
dann schnell eine ge- 
achtete Stellung in 
der Fabrik. Im Jahre 
1790 wosste MOUer 
ihn nicht genug zu 
loben. Als er 1798 
starb, wurde seiner 
Witwe eine Pension 

gewährt. Höchst- 
wahrscheinlich ist das 
gegen Ende des Jahi^ 
hunderte öfter vorkommende K, geschrieben oder in 
einem Dreiecke eingekratzt, die Formermarke Kiehme'a. 
Am schlechtesten erging es Schl^eL Im Jahre 
1780 verlor er wegen Faulheit sein Jahresgehali 
and arbeitete nur noch gegen Stücklohn. 1783 
wollte er nach Sachsen zurGckkehren, erhielt das 
Reisegeld, reiste jedoch nicht ab. Der sehr b^abte, 
aber haltlose Mann geriet darauf in schnellen Ver- 



ElikiUdsr nnd Fischicbflaul »■ dem FIoTiHl«ale»-TiscbienK> 
gemalt von J. C. Bayer. (Oastinboig.) 



DIE POBZELLANFABRIK ZU KOPENHAGEN WAHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 217 



fall, wurde Stncksrbeiter, dann Tbeaterstatist und 
starb znletzt Temrmt und Terkommen. 

Im Jahre 1780 gewann man die drei Bnntmaler 
der Berliner U&nufaktur für die Fabrik. Nur acbwer 
scheint man sich nach den bisheiigen Erfobrangen 
zn dieser notwendig gewordenen Bemfnng ent- 
achlossen zu haben. Die drei Maler sollten bei stfick- 
weiser Bezahlung ihrer Arbeiten und ft'eier Reise 
einen monatlichen Lohn von 6 Lonisd'or gleich rund 
100 Mark erhalten. 

Als der tOchtigste von den Berlinern, ja als 
einer der besten Künstler der Fabrik ernies sich 
' bald der Maler Peter H. B. Lehmann. In kurzem 
war er der Vertrauensmann des Yorstandea wie der 
Arbeiter, und 1792 wurde er mit Rück- 
sicht auf seine Kenntnisse in der rich- 
tigen Verwendang der Farben und seine 
sorgfaltige Arbeit zum Aufseher Aber 
die Übrigen Maler gestellt, 1795 auch 
zum Zeich eomeister ernannt. Damit war 
ihm die Leitung der künstlerischen Be- 
malong des Porzellans abertr^en; aoßer- 
dem hatte er die Lehrlinge zu unter- 
weisen undEntwOrfe fOr die Beeteliangen 
von KnnstUebhabem zu machen. Mit 
470 Rd. jährlich bezog er spater von 
allen Kttnstlem das gr&ßte Clehalt 
Sein besonderes Fach waren Landschaf- 
ten mit Figuren und Vögeln, doch malte 
er auch Blumen and Ornamente. Leh- 
mann war 1752 in Hambni^ geboren 
und starb 1800. Ein Sohn wnrde Mi- 
niatormaler, zwei Enkel waren gleich. 
CaUs Maler. 

Der zweite Berliner Maler, C. Friedrich Thoma- 
sfihefsky, arbeitete nnr kune Zeit bei der Fabrik, 
während der letzte, Martin Cadewitz, bis knrz vor 
seinem 1791 eingetretenen Tode daselbst verblieben 
ist. 

Seit dem Jahre 1784 arbeitet« noch der Bei^ 
liner Maler J. H. Kunitz in der Fabrik. FUr ihn 
wurde unter den Arbeitern 1792 das Reisegeld ge- 
sammelt, als er wegen unzureichenden Erwerbes in 
die Heimat zurDckkehren wollte. Er kam bis Kiel, 
wo er verschollen ist. — tJber die Bedeutung der Ber- 
liner Maler wird in dem letzten Abschnitte noch 
zu sprechen sein. 

Im Jahre 1779 wird ein Maler Job. Ludwig 

Werner aus Deutschland erwähnt Als einer der 

treuesten und äei&igsten Arbeiter wird 1796 der 

dänische Maler Job. Arentz genannt. In dem gleichen 

Kaost^swerbeblatt. N. F. v. H. is. 



Flg. 11. Die TbuMdn, 

kngebUota von Lnplu. 

(Bosenborg.) 



Jahre stirbt der irOhere Sch&Ier und spätere Maler 
der Fabrik Joh. Clemens Rokkendahl, dem kein 
guter Nachruf gewährt wird. Genannt werden femer 
der Blumenmaler Klamer und die zwei Staffirer 
A. Bentzon Lehn, bis 1803 bei der Fabrik thätig, 
sowie N. Ch. Fazoe, geboren 1762, als Lehrling in 
die Fabrik getreten und dort bis zu seinem Tode 
im Jahre 1800 verblieben. Dieser letztere bat auch 
als Bildnismaler Ruf erworben. 

Wie aus einem 1796 eingereichten Gesuche her- 
vorgeht, war zwanzig Jahre ftrfiher ein Blumenmaler 
Heinrich Holm angestellt worden, der nun infolge 
langen Siechtums von allen Mitteln entbI56t war. 
Ein anderer Holm war 1780 Modelleur, blieb jedoch 
nnr kurze Zeit bei der Fabrik. End- 
lich ist noch ein dritter dieses Namens, 
der k&nigl. Münzmedailleur J. Joh. Holm, 
Mitglied der Akademie , zu nennen. 
Dieser wird nach Lnplau's Tode im 
Jahre 1796 unter dem Widerstreben 
Müller's als Modellmeister, zunächst 
provisorisch, angestellt 1798 werden 
auf einer Auktion Gegenstände nach 
Holm's Erfindung Ober den Taxpreis be- 
zahlt Er lebte von 1748 bis 1828. 

Aus den anfangs zur Fabrik kom- 
mandirten Militärarbeitem war der Blan- 
maler Lars Hausen hervoi^egangen. Er 
wurde einer der besten Arbeiter und 
starb im Jahre 1800. Von den froheren 
Lehrlingen der Fabrik modellirte der 
Ponssirer Loren Prens seit 1784 den 
feinen Blnmendekor. 

Eine große Zahl von Arbeitern ist in 
den LShnnngslisten aufgezählt, ohne dass diese sonst 
erwähnt werden. In betreff des 1780 auigefOhrten 
Modelleurs Schulze wurde 1782 Bericht gefordert, 
wie es sich mit einer angeblichen Aufforderung, 
nach Berlin zu kommen, verhalte. Ein anderer Mo- 
delleur, Tönder, erhielt 1783 die kleine goldene Aka- 
demiemedaille &a die Lösung einer Preisaufgabe; 
er starb 1809. 

Manche Erzeugnisse der Fabrik führen neben 
den drei Wellenlinien auch Formermarken. Die 
Buchstaben A. H. gehören dem Former A. Bald. 
Mitunter finden sieh Stücke, die mit Hald's Namen 
und Jahreszahl bezeichnet sind. Im Jahre 1795 er^ 
hielt er Bezahlung fOr das Abformen zahlreicher 
Figuren. Häufiger als Hald's Marke findet sich der 
Buchstabe S, welcher dem Former Jacob Schmidt 
gehört Obwohl Schmidt auch modellirte, so können 



218 DIE PORZELLÄNFABRIK ZU KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 



ihm alle so bezeichnetes StDcke nicht gehSren. Er 
miiBS um 1784 angestellt worden seu und wird 
noch 1795 genannt. 

Es scheint, daae nur ein einziger Maler der Fa- 
brik seine Arbeiten mit Namen gezeichnet habe. 
Auf kleineren Stacken finden sich die An&ngsbuch- 
Stäben oder der ganze Name 
des Malers H. Chr. Ondrupp, 
Ton' Jännicke fälschlich On> 
drijp genannt Die Malereien 
dieses tüchtigen Künstlers be- 
weisen, dass die Fabrik in 
dieser Beziehung keinesw^ 
alles den Ausländern zu dan- 
ken hatte. Ondrupp erwarb 
sich durch seine Thätigkeit 
bei der Fabrik sogar Ver- 
mögen, was sonst selbst den 
am besten bezahlten Künst- 
lern nicht gelangen ist Als 
er 1787 die Fabrik verließ, 
wurde er Baumeister. 

Die sonst 
vorkommenden, 
übrigens sehr 
seltenen Maler- 
marken sind bis 
jetzt unaufge- 
klärt geblieben. 
Drei rote Punk- 
te neben der 
schwarz oder rot 
gemalten Fab- 
rikmarke be- 
zeichnen einen 
der ältesten Ma- 
ler der Fabrik. 
Gel^entlich 
wurden anch 
von Künstlern 
aus der Stadt 
Arbeiten für die 
Fabrik geliefert. 
Unter diesen 

wird der Maler Camrath der ältere besonders ge- 
rühmt. Seine Malereien an den großen Vasen, 
sowie grau in grau gemalte Bildnisse der könig- 
lichen Familie wurden sehr geschätzt Er lebte von 
1738—1814. Camrath der jUngere (1779— 1849) war 
bis 1797 Lehrling bei der Fabrik und hat dort 
Fracht- und Blumen stücke gemalt. 



Fig. la u. I 



Wegen seines Rufes im Dessin war ein Maler 
Mejer lobend erwähnt Es wird vermutlich Elias 
Meyer gemeint sein, 1763 in Kopenhagen geboren, 
in Dresden ausgebildet und als fruchtbarer Land- 
schalls* und Blumenmaler, namentlich aber wegen 
seiner Gouachebüder sehr geschätzt. Meyer wird in 
den Jahren 1784—1792 gleich 
Camrath d. ä. mit sehr wech- 
selnden Summen aufgeführt 
wodurch seine nur gelegent- 
liche Thätigkeit für die Fab- 
rik erwiesen ist. Er starb 1809. 
Schließlich m5ge hier 
noch des bereits vielfach er- 
wähnten Inspektors F. H. 
Müller gedacht werden. Er 
war ein tüchtiger Chemiker 
und als Begründer der Fab- 
rik von größter Thatkraft. 
Die künstlerische Seite des 
Betriebes m^ ihm femer ge- 
legen haben als die tech- 
nische ; seinen 

Bemühungen 
ist aber doch die ' 
Gewinnung der 
besten künstle- 
rischen Kräfte 
zu danken. Der 
Fall mit Luplau 
zeigt, dass er 
hierfür auch 
persönliche Op- 
fer zu bringen 
wusste. Das Ver- 
hältnis zu den 
Künstlern wur- 
de dann freilich 
meist ein sehr 
unfreundliches, 
wozu Beine hef- 
tige und zum 
Misstranen ge- 
neigte Natur das 
meiste beigetragen haben mag. Dadurch wird jedoch 
die Anerkennung dafür, wie er die Fabrik geschaffen 
und zu wirkhcher Bedeutung geführt hat nicht ab- 
geschwächt. Müller hat die Fabrik bis 1801 geleitet 
Es scheint fast ^ ^^ "^^i^ i^n* ein^e Schuld an dem 
schnellen Verfalle derselben gegeben, was nicht be- 
rechtigt gewesen wäre. Er lebte von 1732—1820. 



DIE PORZELLANFABßlK ZU KOPENHAGEN WAHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 219 



Die Thätigkeit seines tQchtigen Naclifolgers 
L. Uantbey liegt außer dem Bereiche dieser ArbeiL 
Erwähnung jedoch verdient ein Bericht, den dieser 
im Jahre 1799 als Ergebnis einer langen Studien- 
reise aber Terschiedene fremde Porzellanfabriken ver- 
fasst hat. Manthej ging zuerst nach Paris, wo er 
viele blähende Fabriken vorfand und Aufschluss 
über die wichtigeren neuen Erfindungen erhielt In 
Wien, das er der dort verwendeten Ofen w^en 
aufsuchte, gelang es ihm, die Uodelle derselben 
zu bekommen. Die Berliner Fabrik fand er in be- 
wunderungswürdigem Zustande. Die dort verwandte 
Porzellanmasse war dieselbe wie in Heißen, wo man 
gc^en IrOher nicht mehr so kleinlich in dem Verheim- 
lichen der Einrichtungen war. Die Fabriken zu 
Gotha, FOrstenbei^ u. a. gaben Gelegenheit zu ndte- 
liehen Vergleichen, auch 
war dort manches zu be- 
obachten, was jene großen 
Fabriken nicht sehen *aF^ 



3. Die Erxeu^isse, deren 
Formen und Verzierung. 

Die Fabrik fertigte in 
dem hier behandelten Ab- 
schnitte die gleichen Ge- 
genstände, wie die Übri- 
gen europäischen Fabri- 
ken. Es sollte zwar immer 
der Hauptnachdruck auf die 
Herstellungeines möglichst 

vollkommenen und dabei ganz wohlfeilen Gebrauchs- 
geschirrs gelegt werden, aber das eigentliche Luzus- 
gerät, Figuren und Gruppen, Vasen und größere 
PraohtstQcke scheinen zur Zeit der Blüte doch Über- 
wiegend gemacht worden zu sein. Der Geschmack 
jener kapriziösen Zeit, mit ihrem Sinn für leichten 
Schmuck und zärtliche Tändelei, forderte hier eben 
auch sein Recht. 

Unter den Erzeugnissen dänischen Eunstfieißes 
nimmt das Porzellan unbedingt die erste Stelle ein. 
Nicht alle aus der Fabrik hervorgegangenen Ar- 
beiten waren von gleichem Werte, aber die besten 
Erzeugnisse stehen keineswegs gegen die Leistungen 
der übrigen europäischen Fabriken zurück. Dieses 
Urteil wurde schon damals von Sachverständigen 
geföUt. 

Durch die Akten der Fabrik sind wir über die 
L^erbestände in den Jahren 1780 und 1784 unter- 
richtet Als im Jahre 1777 einer Dame des Hofes 



. Sogeuatiiites HoBchelcaiut«!' 



das erste Porzellan Überreicht wurde, bestand das 
Geschenk aus einer kleinen Kaffeekanne mit Sabne- 
töplbhen, einer Thee- und einer emaillirteo Büchse, 
zwei Tassen und einem Bauemjungen in Biscuit. 
Mit ähnlichen bescheidenen Dingen fÜÜte sich das 
Lager bis zu dem 1780 eröffneten Verkaufe. Früh- 
stücks- und Tafelgeschirre, Lampen, Flaschen, Kin- 
derbecher und Schreibzeuge, dazu Stockknöpfe, Nadel- 
büchsen in Beinform oder als Wickelkinder, Finger- 
hüte, Pfeifen in Form von Türken-, Neger- und 
Judenköpfen bildeten die Hauptgegenstände. Ganz 
Überwiegend hatten diese Stücke blaue Bemalung. 
Dass daneben aber schon große Stücke gemacht 
wurden, zeigt unter anderem das Verzeichnis der 
Darbietungen an die königliche Familie. Beispiels- 
weise wurden im Jahre 1778 dem Könige und dem 
Kronprinzen zum Geburts- 
tage je sieben große Vasen, 
dem Erbprinzen zwei Va- 
sen überreicht. Noch rei- 
cher wird die Köuigin- 
Witwe, die stets hilfreiche 
Gönnerin der Anstalt, be- 
dacht 

Von eigentlicher Por- 
zellanplastik scheint aber 
um 1780 noch kaum die 
Rede zu sein; anders in 
dem L^erverzeichnis von 
1784. Zahllose figürliche 
der PoraeUanfabrik. Arbeiten siud dort aufge- 

führt: Handwerker aller 
Art, dänische, norwegische und deutsche Bauern, 
Matrosen und Krämer, Richter, Türken und Chinesen; 
die Elemente, die Weltteile, die Tages- und Jahres- 
zeiten sowie Allegorieen der Geduld, der Vorsicht, 
der Zeit, des Ruhmes und anderer; biblische Figuren 
und ovidisahe Gruppen, antike Götter und bacchische 
Darstellungen; Tiere aller Art; endlich Büsten und 
Reliefbilder. Am zahlreichsten und mannigfaltigsten 
sind mit 250 Stück, worunter 50 buntbemalten, die 
Cupidofigürchen des Bildhauers Tvede vertreten. 

Die besten Arbeiten der Fabrik und den ihr 
eigentümlichen Charakter findet man jedoch weder 
in diesen plastischen Werken noch in den damals 
ofl gepriesenen Riesenvasen, Ihre feinsten und ori- 
ginellsten Leistungen sind die Tischgeschirre, vor 
allem das große Tischzeug mit dem Flora-Danioa> 
Muster. 

Dieses Geschirr verdankt seinen Ruhm dem 
Blumendekor Bayers. Die künstlerische Vollendung 



220 DIE PORZELLANFABBIK Zu KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 



und die einzige Feinheit dieser nach einem Pflanzen- 
buche in der Art botanischer Lehrbücher mit Staub- 
gefäßen Q. s. w. ausgeführten Malereien ist ebenso 
bewunderungswürdig, als diese eigentümliche Bema- 
lung, dank Bayer's naiver Arbeit, originell und höchst 
geschmackroll wirkt Das Service wurde um 1776 
in Auftrag gegeben und soll anfanglich für die Kai- 
serin Ejitharina II. bestimmt gewesen sein. Ur- 
sprünglich auf 80 Gedecke berechnet, sollte es 1797 
auf 100 vervollständigt werden. Die bedrängte Lage 
der Fabrik veranlasste aber um 1802 die Einstellung 
der Arbeit. Im Jahre 1797 fiemden sich 2528 fer- 
tige Stücke verzeichnet. 
Das Service ist dann für 
die königliche Tafel in Ge- 
brauch genommen worden. 
Der Wert desselben war 
mit 24 224 Rd. berechnet 

Ursprünglich sollen 
noch die von Tvede mo- 
dellirten Figuren in den 
Volkstrachten aller Lan- 
der der dänischen Krone 
als Beigabe für dieses 
Tischzeug bestimmt ge- 
wesen sein, doch werden 
diese wohl nicht genügt 
haben. 

Wegen der originellen 
Bemalung möge hier auch 
das später zu betrachten- 
de Monrad'sche Tischgerat 
Erwähnung finden. 

Im Ganzen haben selbst 
die anspruchsvollsten 
Stücke der Fabrik einen 
gut bürgerlichen Charak- 
ter. Die Tafel- und Frühstücksgeräte, die Vasen 
und Potpourris haben etwas sehr behagliches. Die 
raffinirte Schönheit der Porzellangebilde aus der 
Mitte des Jahrhunderts geht diesen Erzeugnissen 
ab, wie sie auch die vornehme Eleganz der fran- 
zösischen und deutschen Fabrikate der späteren 
Zeit nicht besitzen; von deren feinem Duft ist 
hier wenig vorhanden und mit Altmeißen ver- 
glichen, erscheinen die Figuren oft plump und 
fast barbarisch. Aber es giebt auch unter ihnen 
glänzende, ja einzige Arbeiten. Die nach einem Ver- 
gleich mit Luplau's sicheren Arbeiten diesem zuge- 
schriebenen Figuren der Tänzerin, des Flötenspielers 
und anderer sind von feinstem Beiz, würdig eines 




Fig. 16. Dame mit Handchen, angeblich Yon Laplau. 

(Bosenborg) 



Moreau und Gravelot, und zu jener Zeit kaum irgend- 
wo anders so schön gemacht 

Die Formen haben in dem kurzen Zeiträume ron 
1776 — 1800 dreimal gewechselt. Man hatte mit den 
von Meißen und Fürstenbei^ übernommenen Bokoko- 
formen begonnen, musste dann zu dem klassizirenden 
Stil Ludwig*s XVL übergehen, um kurz darauf den 
Empirestil anzunehmen. Die Folgen dieses häufigen 
Wechsels machten sich sehr fühlbar: die Master 
wurden namentlich zuletzt immer weniger durchge- 
bildet und veralteten, bevor sie eingeführt waren. 
Die Elisen darüber hörten nicht au£ 

Die Hauptstarke der 
Fabrik scheint aber doch 
in der Bemalung gelegen 
zu haben. Des originellen 
Flora -Danica- Musters ist 
bereits gedacht worden. 
Das Monrad-Service war 
so reich dekorirt, dass je- 
des Stück sein besonderes 
Verzierungsmotiv aufwies. 
Bei diesem TLschzeug sind 
die Malereien von wunder- 
schöner Farbe, namentlich 
die Ränder in Königsblau 
und Gold. Auch findet 
sich hier jenes der Fabrik 
eigentümliche und mit ent- 
schiedenem Erfolge ge- 
pflegte sc^en. Atrappen- 
dekor. Wenn dieses Mo- 
tiv auch nicht als beson- 
ders stilvoll angesehen 
werden kann, so ist es 
doch liebenswürdig, unter- 
haltend und von ganz aus- 
gezeichnet dekorativer Wirkung. Wo sich in Aus- 
stellungen solche Stücke gezeigt haben, sollen sie 
vor jeder anderen Bemalung als die frischesten und 
lustigsten aufgefallen sein. Übrigens findet sich 
dieser Dekor später auch in anderen Fabriken. 

Am allgemeinsten ist die Streublumenmalerei 
angewandt. Die behagliche und dabei festliche Ver- 
zierung erfreute sich ja bei aUen Fabriken der glei- 
chen Beliebtheit. Bei den in Kopenhagen vor 1780 
entstandenen Stücken sind die Streublumen eine 
ziemlich ungeschickte Nachahmung der Meißener 
Blumen. Erst die Berliner Maler brachten hier Ge- 
schmack und Selbständigkeit herein. Die Blumen- 
malereien zeigten ein Naturgefühl, das einen Teil 



i 

i 



DIE PORZELLANPABRIK ZU KOPENHAGEN WÄHREND DES 18. JAHRHUNDERTS. 221 



der Maler der Berliner Fabrik Yor allen anderen 
Fabriken auszeichnet Die besten unter diesen Ma- 
lereien finden kaum ihresgleichen; von wunderschöner 
Wirkung ist eine gestreifte Nelke, sind Tulpen, Au- 
rikehi und andere in klaren und prachtvollen Farben 
gemalte Blumen. Diese Blumenmalerei machte in 
der Fabrik Schule, die sich bis in die Gegenwart 
vererbt hat. 

Für die billigeren Gegenstände waren blaue 
Blumen am meisten beliebt. Die schone blaue Farbe 
der Fabrik hatte Müller anfangs sehr viele Mühe 
uud Sorgen gemacht, bis die Berliner Maler kamen, 
die sie zu verwenden verstanden. Von vortrefflicher 
Wirkung sind auch die einfarbigen grünen Blumen, 
am feinsten und teuersten die purpurroten oder 
violetten, welche namentlich ftir Kaffee- und Thee- 
gerät sehr beliebt waren. Viele der feinsten Male- 
reien finden sich an Spielgerät für Kinder. Diese 
kleinen Stücke kommen auch mit sehr feinen Land- 
schaffcen vor. — Auf vielen der besten Stücke sehen 
wir endlich die Namen der Empfanger, Bildnisse, 
Gedenk- und Geburtstage, Sinnbilder und dergleichen 
gemalt. 

Neben den blauen natürlichen Blumen waren und 
blieben die chinesischen, das sogen. Muschelmuster, 
sehr beliebt Sie wurden Meißener Mödel oder säch- 
sische Muster genannt, womit deren Herkunft er- 
wiesen ist. Die Fabrik hat dieses Muster jedoch 
so eigenartig entwickelt, es ist in Dänemark bis in 
die neueste Zeit so beliebt und allgemein verbreitet, 
dass es mit Recht als national angesehen werden 
darf. Das dänische Muschehnuster besteht gewöhn- 
lich aus einem jungen Blütenstamme mit vollent- 
wickelten Blumen, aus denen ein dünnerer Zweig 
mit halberschlossenen Blüten hervorwächst; da- 
zwischen stehen gebogene Zweige mit symmetrisch 
gegenüberstehenden Blättern. Häufig wird das Muster 
auch in roter Farbe angetroffen und ist dann dem 
französischen, mehr noch dem Meißener Dekor ziem- 
lich nahe verwandt 

Außer den Blumenmalereien finden auch die 
plastischen Blumen insbesondere an Prachtvasen 
reiche Verwendung. Es scheint jedoch, als ob dieser 
Schmuck gewöhnlich etwas schwer ist Bei Tellern 
und allem übrigen Tischgeschirr waren zierliche, 
omamental behandelte Rokokoschweifungen der 
Ränder sehr beliebt. Der Tellerrand mit dem sogen. 
Osiermuster, dem Weidengeflecht, erfreut sich bis 
auf den heutigen Tag besonderer Gunst — 

Die Erzeugnisse der Fabrik wurden auch von 



Ausländem sehr günstig beurteilt In der Voyage 
de deux Fran^ais eu AUemagne, Danemarc etc. be- 
schreiben de Piles und Boisgelin eingehend die Ein- 
drücke, die sie bei ihrem Besuche im Jahre 1790 
empfangen haben. Die Fabrik war damals in bestem 
Zustande. Einzelne Erzeugnisse werden selbst den 
sächsischen Porzellanen vorgezogen. Das Flora- 
Danica-Tischzeug wird wegen der wunderbar schönen 
und feinen Bemalung großartig genannt; es sei wohl 
das schönste, was die Fabrik je hervorbringen werde. 
Nicht genug können die herrlichen Biscuitfiguren 
gerühmt werden, sowie Camrath's Malereien. Über 
das Porzellan selber wird geurteilt, dass es weniger 
glasig sei, als das chinesische, und in der Masse 
leichter und fester als das sächsische; sehr schön 
und haltbarer ak bei anderen Fabriken seien die 
Farben. 

Nicht ganz so günstig lautet das Urteil des 
deutschen Kunstkenners B. von Rämdohr, der die 
Fabrik 1791 besuchte. Auch er erwähnt vor allem 
das große Tischzeug mit der Flora- Danica, dessen 
Malereien der höchsten Anerkennung wert seien, 
wenn der tein wissenschaftliche Dekor auch etwas 
befremdend wirke. Von den Farben wären grün und 
blau sehr schön, weniger das Rot In Masse und 
Farben, in Formen und Dekor stände die Fabrik 
gegen die Berliner doch zurück. Die Formen seien 
im ganzen nicht fein genug, die Masse sei etwas 
blasig; auch die Zeichnung zeige Mängel, was bei 
der Nähe der Kunstakademie, die hier so gut 
hätte aushelfen können, zu verwundem sei Aber 
die Erzeugnisse wären billig und ein Filihstück- 
service, das in S^vres 500 Rd. koste, sei hier ftir 
300 zu haben. Besondere Erwähnung finden noch 
die 4 — 5 Fuß hohen Vasen, — 

Die bedeutendste Sammlung dänischen Porzellans 
besitzt die Chronologische Sammlung der dänischen 
Könige im Schlosse Rosenborg, vor allem den größ- 
ten Teil des Flora-Danica-Tischzeuges, die Pracht- 
vasen und Bisouitbildnisse. Schöne Stücke haben 
auch die übrigen Sammlungen zu Kopenhagen; 
auch in Norwegen fanden wir die Fabrik sehr gut 
vertreten. Im Lande selbst sind Stücke ersten Ranges 
selten geworden. Vieles ist ins Ausland gewandert, 
wo das Verständnis dafür mehr verbreitet, auch 
firüher geweckt war, als in Dänemark. Wenn indes 
in neuerer Zeit hervorragende Stücke vorgekommen 
sind, vnirden sie dem Lande, dank dem Patriotis- 
mus einzelner Bürger, meistens erhalten. 

R V, UBISCR, 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



Kfttidt^ der Omamenttlichsammlung des Kunslgeietrbe- 
muamm» xu Berlin. Hit 200 Abbildungen. Leipzig, 
E. A. Seemum, 1894. IV, 450 3. gr. & Preis geb. M. 7.D0 
Wenn in UDsereT rasch leb enden Zeit ein organisa- 
torischer Gedanke mehr all zwei Dezennien überdaaert, 
macht das seinem SchOpfei alle Ehre. — Franx Seheatag 
war ea, der vor 23 Jahren als Knetofl am österreichischen 
Unsevm in Wien das erste Beispiel gegeben, wie ein den 
Anforderungen der WisaenBchaft und der Praxis in gleicher 
Weise entsprechender Katalog einer Omameutstichsammlang 
eingerichtet sein mnes. Frana, Riiler konnte in seiner 1889 
erschienenen Fortsetsnng dieses Kataloges anf dem von sei- 
nem Toi^&nger eingeschlagenen Wege mit Erfolg fortschrei- 
ten, und fWer Jetten, der Direktor der Bibliothek des Knnst- 
gewerbemnsflDms in Berlin folgt in allem Wesentlichen den- 
selben Spuren, Wm der Terfosser Neues bringt, giebt sich 
als sorgfältige Umbildung nnd zeitgemfifie Entwickelung 
jener zwei wegweisenden Arbeiten im Verein mit von Ubiacht 
Eatali^ der Leipziger 
Ornantentetiohsammlnng 
■o erkennen. Eigene und 
fremde Erfahiung, wie 
sie sich erst im Laufe der 
Zeit als wertvolles Resul- 
tat aus der beatandigen 



Onuunent ' 



Blieben, wurde somitver- 
wertet, um die innere 
Organisation des Eata- 
li^es weiter aossugestal- 
ten. Wer dabei gewon- 
nen, das sind in erstet 
Linie die KDnsÜer und 
EuDsthandwerker, denn 
ihnen wird ein SchtQssel 
Eur Benützung der Samm- 
lang in die Hand gege- 
ben, so einlach nnd leicht 
zu gebrauchen, wie sie 
sich nur einen wünschen ' 
mOgen. Die Anordnnng 

schreitet vom allgemeinen zum besonderen vor. An der Spitze 
Bnden wirdie groSenSaromelwerke und Oesamtwerke einzelner 
Ueistei, wie Le Pantre, B&ain, Marot, Scbtlbler, Oppenort, 
Meissonier, Covilliäa, Boucher, Piraned etc. Dann folgen die 
Omamentieten, femer die Kompositionen fUr QefMe und Qe- 
rfi,te, Schlosseraxbeiten, Instrumente und Maschinen, MObel, 
Wagen und Schiffe, die Stickmuster u. s. w. — Man siebt, 
das Semper'sche System, das mit der Teiülkunst als der 
ältesten beginnt, ist aufgegeben. Die Reihenfolge der Grup- 
pen weicht auch sonst hier und da von der bisher Üblichen 
ab. Das ist aber unwesentlich- Die Oruppen selbst sind 
dieselben geblieben, nur ab und zu wurde hier etwas ver- 
ändert Für die TJnterabteilnngea macht sich das fibliche 
lokale und chronologische Einteilongssystem geltend, wo- 
durch die durch das OrDppensjstem geatJtrte wissenschaft- 
liche Anordnnng wieder hergestellt und mit dem praktischen 



Bedtlrfhis in Einklang gebracht wird. Die Beschreibung 
der einzelnen Blätter und Werke enthält die nOtigen biblio- 
graphischen Notizen, die wichtigsten Litteraturangaben , bei 
Einzelbl&ttern FlattenmaAe oder QrOBe der Zeichnmig, end- 
lich Qberoll, wo es nicht ohnehin ans dem Texte deutlich 
hervorgeht, eine kurze, detaillirende Inhaltsangabe. Diew 
Neuerung wird namentlich von Seiten der Praktiker dank- 
bar begrOBt werden, denn sie erleichtert und beschleunigt 
das Auffinden des OewOnschten in hohem Grade. Bbenso 
wie der Text hat auch der Begisterteil Bereicherungen er- 
fahren, die im Publikum vollen Beifall finden werden. Im 
alphabetisch angeordneten Namenregister sind den Meister- 
namen die biographischen Daten beigesetzt, worauf in Schlag- 
worteu eine Übersicht dessen folgt, was die Sammlung von 
dem betreffenden Etlnstler besitzt Der Nachschlagende kann 
sich also nach Jahreszi^l und Land den Stücharakter der 
Bl&tter im allgemeinen leicht verg^enwärtigen, anch wenn 
er den Etlnstler selbst nicht kennt. Nach denselben Ge- 
sichtspunkten wurdeanch 
das Sachr^ister ausge- 
staltet. Hier erleichtert 
namentlich eine weit- 
gehende Spezialisirang 
der Gruppen das rasche 
AufBnden der geeigneten 
Blätter, und eine weitere 
Handhabe zu ihrer Be- 
urteilung ist dadurch 
gegeben, dass auch hier 
Künstlername und Blflte- 
zeit in chronologischer 
Folge angefhgt erscheint. 
Sucht z. B. jemand An- 
hänger oder Broschen, 
so hat er nicht die groBe 
Gruppe „Qoldschmiede- 
fcnnst" durchzusehen , 
sondern findet unter dem 
Schlagworte Broschen 
sämtliche vorhandenen 
Vorbilder chronologisch 
und nach Meistern geordnet, übersieht also mit einem 
Blick, was fQr ihn Brauchbares vorhanden ist. Ein weiterer 
Torteil dieser Art von Spezialisirung liegt in dem Umstände, 
doss der Nachschlagende, wenn er nur einigeimafien ge- 
schult ist, die Blätter, deren er bedarf, direkt aus dem 
Kataloge heraus zu bestimmen vermag, ohne sie vorher gesehen 
zu haben, dass also der Katalog anoh auBerhalb der Samm- 
lung, in Ateliers, Schulen nnd Fabriken auf das bequemste 
nutzbar gemacht werden kann. — Ob eine solche Detail- 
lirung des Stoffee nach allen Richtungen bei Samminngen 
grOBeren Umfange« durchfBbrbar ist, ist eine Frage, die 
wir hier nicht erOrt«ni wollen , dass aber in vorliegen- 
dem Falle das ÄuBerste geschehen ist, was man in Be- 
zug auf £!rleichterung der Beuutzbarkeit zu thuu vermag, 
wird nach dem Gesagten kaum beetritten werden kannen. 
Der Kunsthistoriker allerdings bedarf solch weitgehender 






itolog dar OmamentstloliBsmmlDiig das Kanstgaverbamuseoms 



KLEINE MITTEILUNGEN. 



223 



Hiifsmitt«! nicht, er iflt es aber auch nicht, fQr den die 
Skmmlang in erster Linie angelegt worden ist. Berlin be- 
sitzt in seinem kOnigl. Eapfersticlikabinett ein Institut ersten 
Ranges (üi wissentchafUicbe Zwecke. Die Omamentstich- 
tammlang dM EonstgeweTbeninseams legtfl von vornherein 
das Schwergnwicbt auf ihre Bedentang als Vorbildersamm- 
lang fllr das Kunstgewerbe. Anf Erwerbong von Selten- 
heiten sowie auf BepTftsentation der historuchen Bntwicke- 
lang war es also nicht abgesehen. Die deotsohen Formen- 
Schneider and Stecher des 15. nnd 16. Jahrhunderts sind 
achwach vertreten. Von DBTer'e LehriDeist«r Wolgemut be- 
ntist die Sanunlnng unr ein Blatt, von Dflrer selbst hat 
sie wenig anfzaweisea, von Lacas Cranach d. &., Borgk- 



17., namentlich aber des 18. JahrbtindeTtB. Dnter letiteren 
finden wir fast alle Namen, die berflhmten nnd onberflbm- 
ten. Bier aacb nur annähernd eine Obersicht ta geben, 
würde den Rahmen dieser Besprechung weit flbersohreiten. 
Es genügt daranf binEuweisen, dam die feanzOaiBchen nnd 
deutschen Stecher des 18. Jahrhonderts insammengenommeD 
nnge^br den dritten Teil der gansen Sammlnng ausmachen. 
— An der Spitze der stattlichen Grappe „Banknnst" finden 
wir nicht weniger als achtzehn Vitra raosgaben, hieranf folgt 
eine glBjizende Reprfisentation der Werke V^piolas, Serlios, 
FalladioB, ihnen icbliefien sich Dacercean, Le Pautre, Le 
Blond, Blonde), SchQbler, Kleiner d. a. sji, wObrend Meist«r 
zweiten nnd dritten Ranges das Bild nach allen Seiten ab- 



Tischgeatall In Bonllcu'balt ans den Knnstgen 



n LslpzlK. (FrivktlwsltE.) 



mair, dem jBngeren Eolbein, Vogtherr, Urs, uraf Amman, 
Brosamer, Pencz, Bebam, Aldegrever, Stimmer, ZOndt, G., 
H. and Th. Bang, Zan etc finden wir nur einzelne Blatter. 
Virgil Solls, ebenso Sibmacher, Hirsvogel und Wächter sind 
besser vertreten, dagegen fehlen Arbeiten von Dörer's Schü- 
ler SchSufelin, von Springinklee, Galdeumondt, Lanton- 
sack, Altdorfer, N. Manuel Dentach, L. Cranach d. j., Binck, 
Fljnt, Woeneam u. a. gan«, w&hrend die Hopfer bloß in 
einem späten Neudruck vorhanden sind. — Von den Nieder- 
iRndem des 16. Jahrhnnderts finden wir Ober ein Dutzend 
der besten Namen, aber auch grCBtenteils nur in wenigen 
Bl&ttera. Ähnlich «teht es mit den Italienern. Die Hanpt- 
s:ffirke der Sammlung beruht anf Werken architektonischen 
Inhalts im weitesten Sinne sowie anf Sammelwerken und 
BinzelbIBttom deutscher und französischer Omamentiaton des 



runden nnd verTollat&ndigen. Wir konnten in diesen wenigen 
Zeilen den Charakter der Berliner Omamentstichsammlung 
nur kurt andeuten. Der trefflich gearbeitete Katalog, der 
in allen Teilen die fachkundige Hand des Verfassen erkennen 
lässt, kann allein ein richtiges Bild von dem ansehnlichen 
Besitz nnd dem fllr die KansUndusbrie ungemein anr^enden 
Inhalt der Sammlung geben. Eine groBe Zahl von Ab- 
bildungen führt die Ffllle und Mannigfaltigkeit der Tor- 
bilder auf den verschiedensten Gebieten in charakteristischen 
Beispielen vor Augen nnd ladet Kttnsüer nnd Knnatfrennd 
ein, sich mit dnem Schats anr^ender Formen nnd künst- 
leriacher Gedanken vertraot zn machen, der seinen Wert 
anch dann nicht verlieren wird, wenn das mit der Konst 
verbundene Gewerbe, zn voller Selbstfindigkeit erstarkt, in 
Bahnen weiter schreiten wird, die es sich selbst geschaffen. 



KLEINE wrreojcsQKS. 



AUSSTELUINGeM. 

und Kuiutf/KK«rfim wird wffamd Aa Ham-metmoaait UM 



liMtÜMMtmi v»i| tn il^r Baoft- vnd BendemtaUM Arm LwMlei 
alfMih>lt«)»l'M AiiMt«l)miff d«a b«natadie (bewerbe grMcre 



I gcverbUcbn ""iftiftfit nr die Aagea ge- 

•tellt nd laelir gevfirdigt, ak <Im ia gnCa TTiHi^ril 

In^fs mOglidi nL Zorn Gdinga dv 1—lini^ M ab« 

oMi«, da« all« Ficande da rtrhMKhM Haadvcria i> ge- 

wabliebco KrÖMa auf da« lYojdt iiiraMitiiiii maA^ Kkd 

e Bcacbieknng der AoMtdlBBg «azm ^ipfahbB. i— lii»ia 

xe, daM die InsBiigeB ood Taoae One im ^J^^rr wAoa 

tot enaefaen, mA aat dai ÜBtendnaea Tonaberattea and 

I ihrer wie tn da* Gdamtheit Ehre das Beate, dai ne ra 

itien TenoOgCB, mr AoMtellnng m laingai . IKgoi^en, 

ridie die AnwteUmig beachiekoi wollen, inSgea wäi ndit 

ild iduifUich oder mDiidlieli aamelden. Die Mitglieder 

K geachUWBhrenden Anthnwci, Geheimer Hofirat At^er- 

anu, Stadtrat Wetalieh, Hofrat ProfeMor Graff, GebeiiDer 

oaDinU Bfi^teniieü(«r Bentler, Hofrat Dr. Hehnat, Ge- 

ffbekammerroraitaendg Stadtial Scfaröo', StAdtrotndnefer 

•chlermeüteT Longwiti, inageaanit in Dreadeu, und sn jeder 

nteren Amkanfteerteüang gern bereit. 



Zu der Farbaiiafü. Der Tisch, dewen Platte die dieaent 
ifte beig^ebene Farbentafel wiedergiebt, ist seit lingeter 
lit im EaMtgewerbemoMoiii n licipsig anageetellt. Br 
i. eine Unge ron l^m and ist 80 cm hoch. Die Be- 
ichnnng Bonlleai-beit irt nicht so ca rerstehen, als wenn 
B Arbeit dem Gbenisten Ch. A. Bonlle mgeachrieben werden 
lle. Da« Ornament der Platteneialage und die Bronse- 
Dotinuig denten Tielmehr auf eine Nachahmong der Ar- 
liton de« genannten Meisters. Wahrscheinlich sbunmt der 
Bgenstand aus nnserm JahrhonderL Das Material der 
atte ist roUr Stein und Bronze. Wir wollen an dieser 
eile nicht wiederholen, was Jacob von Falke in dieser 
litacfarift Aber verzierte Tischplatten geftoßert hat [Alte 
■Ige V, 1) and verweisen im übrigen auf die Bemerfcnngen 
. (irauh Ober BoullemSbel (Alte Folge III, 44) und ein- 
legte Arbeiten dieser Art (IV, 49). 

ZEITSCHRIFTEN. 

lyertaehe Geirerbeieltanr. 1894. ffr. 11 ■. 16. 
DIs Narnbsrgsr Fayenoehbrik. — Ein Btrebiugar BftndwcTker. 
Oeorg Obfli-hiaier in Ansbich. - Veit 8toB, VOB Dr. F. J. E* e. 

lehrewerbeblatt. 1894. Heft 80—28 n. Sonderheft. 

wrnka für die P.plerprUfniiR In der Pruis. Von W. Heriborg. 
— Bnobblcder- und Verlegenaitden. ~ Die Kellehrftgeubeiten. 
()ber BoUtlonsm&BDblDeii — Hat der venobTUkte Zailenhll 



(Fort!.) 



- ModBi 



I Hl^l 



laatsoha Badibinder und denD 



[pKtsei 1 
nd denn 



Duenhbtikfttlan. — BnobbindermMehinei Kr deo Elelnbatiieb. 
— Dls Qrob'acben PBtrolsnmmDtoren. — Zur Dn(UUt»tiiitlk fm 
Bnobdrnoksewerbe. — Die ssoJUirigs Jnbilinmsfeiet dar Lelp- 
■iger Bmohlilnderlnnntig und der 16. Verbudstag der dsnUeh«!! 
BnabbiDdeTiDDongan. 

Itteilniireii des k. k. OgteireleUBdiea Hueuu flr 
KuMBt and Industrie. 1894. H«ft 8. 
Die nliilsobe LudeaauBStelluiiK <n Lemberg ISH. Von H. 
HerdtH. — Ober ZelobeDrertlekelt nad Ibre AnweDdniig 1> 
der Praxii. Von U. Hscbt. (Forts.) 
Zeltsckritt les Bayerisohen Knngtre werfe eTerela». 
1894. Heft T/8. 
Kungteewerblfohes am Dslmstien. Von E. K. t. Bar- 
IspaDb. t.>«ohlou.) — WobnnDg: und BeiB. — Koaatite- 
vecbltche wettbewerbniigeii in Puis^ — PsTisar Haahajtea 



M BarUa. Lol)wl|t, K A. Mpnaisnn. ISM. 



webten neogTiasblsoben InacbritlaD. I. .Pallinn litler 
mit KlepbanteBmnBter Im KaliqaiaDschreiiia Kari'a dei 
Ben dei Aanbener MUniten. Von Dr. Fi. Boek. - 
KoDgresa dai dakarallven KaosM in Paria. 



HpntuatiolH'r: Arihwr l\thal ii 



Kain. ~ Fflr die Redaktion ventntwortlich : Arttir S e em a mn in Lapzig. 
Pnick von ÄHfpuil /Vüu) in Leipsig. 



Grossh. Technische Hochschule zu Darmstadt |S: Kunstmaler H 



Abteilungen für Architektur, iDeenieurwesen , MsBchinenbau, Elektrotechnik, ' ., -r, . ,ft. _, 

Chemie (einechließlich Elektrochemie und Pharmacie). Allgemeine Abteilung i t"^ Sf^ »^^^,1"^. ?L,. 

,- . . 1. ,-.. ...i.1 . ,■. . -.T . ■ . .1 . ft .' 1 B. = ^ ^ . ° , tut», iBr ForzeUultbruni 

— lersiM etc. (iefl. Offert < 
■_^ 8041 an HuMUtetB 



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I, Klasse, Wiuterkarstis fQr Konaolidatic 

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macenten, DiplomprSfüiig, beBOcdare Prflfimffen fQi Ausländer. ZuliissanK der 
Studirenden zu den Staat^rüfau^en tflr Hochbau-, Ingenieur- und Maschinen- 
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