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Full text of "...Petronio Arbitro [microform]; ricerche biografiche"

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MASTER 
NEGA TIVE 

NO. 91-80123-15 



MCROFILMED 1991 
COLUMBIA UNIVERSITY LBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservatìon Project" 



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would involve violation of the copyright law. 



AUTHOR: 



MARGARITORI, MARIO 



TITLE: 



...PETRONIO ARBITRO; 
RICERCHE ... 

PLACE: 

VERCELLI 

DA TE : 

1897 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 

RTRT.TOnRAPHTC MICRQFORM TARGET 



Master Negative # 

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Originai Material as Filmed - Existing Bibliographic Record 



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Margaritori, Mario, 

...Petronio Arbitro; ricerche biografiche. 

Vercelli, Gallardi, 1897. 
87 p. 23 cm. 

At head of title : Dott . Mario Margaritori . 



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DIE 



PLAUTINISCHEN LUSTSPIELE 



IN 



SPATEKEN BEAEBEITUNGEN. 



i. 



AMPHITRUO 



VON 



m CARL YON REINHAHDSTOETTNER, 

DOCENTBN AN DER K. V. 'hOCHSCHULE ZU MONCHEN &c. 



LEIPZIG 1880. 
WILHELM FRIEDRICH 

VERLAG DES «MAGAZIN FOR DIE L1TERATUR DES AUSLANDES». 



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1 



Vorwort. 






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1-5 

^ 
^ 



Portugal feiert soeben den dreihundertjàhrigen Todestag 
seines grossen nationalen Dichters Luiz de Camòes. Der 
Wunsch, eine Meme Gabe zu diesem Feste beizusteuern, ver- 
anlasste die Yeroffentlichung vorliegender Studie, welche sich 
auch mit dem Dichter der Lusiaden beschàftigt. Sie bildet 
einen kleinen (einleitenden, darum anfangs etwas eingehender 
gehaltenen) Theil zu einer umfassenden Arbeit, deren Aufgabe 
sein soli, die hervorragendsten Bearbeitungen sàmmt- 
licher Lustspiele des Plautus zu beleuchten, und mag als 
solcher zugleich die Frage beantworten , ob die fiir die ver- 
gleichende Litteratur- und Culturgeschicbte hier gewonnenen 
Resultate dem darauf verwendeten Studium so zerstreut 
liegender Quellen auch entsprechen. 



Mlinchen, Juni 1880. 



Dr. R. 



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I. Amphitruo. 



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Reinharclstoettuer, plautiDÌsche Lusispiele. I. 



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tJnter den plautinischen*) Lustspielen ist der «Am- 
phitruo» nach mehr als einer Seite hin bemerkenswerth. 
Die Koinòdie, welche sich stets unter den acht^) bekannten 
fand, ist die einzige dieses Dichters „mit mythologischem 
(komisch-wunderhaftem) Stoffe, der etwas ethisch bedenkUches 
hat, aber mit formeller Meisterschaft und heiterster Laune 
behandelt ist." 3) „Bedenkiich ist nur das frevle Spiel, das 
mit der Tugend der treuen und edlen Alkmene getrieben 

wird."*) 

Der Dichter ist sich der Eigenart seines Stùckes selbst be- 
wusst; er bezeichnet es im Prolog (V. 50—63) als «T r ag ikomo - 
di e » wegen der Mischung gottlicher und menschlicher Charaktere : 



i) T. Maccias Plautus aus Sarsina in Umbrien, nm 254 v. Chr. 
geboren, 184 v. Chr. gestorben, war von niederem Stande, jedoch 
ein Freier. Nachdem er in Geldspekulationen sein Vermògen ver- 
loren batte, lebte er von der Bearbeitung griecbischer Lustspiele far die 
romische Btìbne. S. W. S. Teuffel, GescMcbte der ròmiscben Literatur. 
2. Anfl. 1872. (Lpz. Teubner). pag. 141. 

2) Amphitruo, Asinaria, Aulularia, Captivi, Carculio, Casina, Cistel- 

laria, Epidicus. 

3) Teuffel 1. e. pag. 143. — S. Dagegen Bernhardy, Grandriss 
der ròmiscben Litteratur. 2. Bearbeitung. Halle 1850. pag. 386. „An 
der Grenze dieser Komik steht die etwas gezerrte Posse Amphitruo." 

*) Teuffel a. a. O. 

1* 



l 



— 4 — 

50 Nunc quam rem oratum hnc ueni, primnm proloquar: 

Post argumentum huius eloquar tragoediae. 

Quid contraxistis frontem? quia tragoediam 

Dixi iutuvam hanc, si uoltis, faciam ego ex tragoedia 
55 Comoedia at sit omnibus isdem nersibns. 

Vtram sit an non uoltis? set ego stultior, 

Quasi nesciam uos nelle, qui diuos siem; 

Teneo quid animi nostri super hac re siet. 

Faciam ut conmixta sit haec tragicomoedia: 
60 Nam me perpetuo facere ut sit comoedia y 

Reges quo ueniant et di , non par arbitror. 

Quid igitur? quoniam hic seruos quoque partii habet, 

Faciam sit, proinde ut dixi, tragicomoedia.^) 

Der Stoff des plautinischen Lustspieles ist gewiss der 
neueren Komodie entnommen.^) Es ist ein dem Alterthume 
gelàufiger Yorwurf, dessen Bearbeitung mehreren alten Dich- 
tern (Euripides, Epicharmos) zugeschrieben wurde; auch pla- 
stische Darstellungen aus der Amphitruosage fehlen nicht,^) 
indessen ist es kein Stuck der alten attischen Komodie, weder 
des Archippos, noch des Rhinton.*) 

Mit ganz wunderbarer Kunst hat es Plautus verstanden, 



») Nach T. Macci Plauti Amphitruo. Ex recognitione Alfredi 
Pleckeiseni. Lipsiae (Teubner) 1860.- Vgl. F. Martius, Quae- 
stiones Plautinae. De captivorum, Amphitruonis, Poenuli, Rudentis pro- 

logis. Berol. 1879. 

2) S. Fr. V. Fritzche, De graecis fontibus Plauti I. Rostock 1846. 

— Frd. Schultz, Plautus in seinem Verhàitnisse zur mittleren und 

neueren griechiscben Komodie. Neustadt in Pr. 1866. — Bit se hi, 

Parerga S. 271. „ , v a r 

3)Winkelmann, Gesch. d. K. S. 187. W. Ausg. - Vgl. auch Annali 
dell' Istituto 1872. - 5-18. (Engelmann) in abweichender Auflfassung. 
<) Vgl. J. Vahlen, Rhein. Museum XVI, S. 472, wo vermuthet 
wird, dass vielmehr Atellanen mit mythologischem Stoffe Rhintonicac 
seien, possenhafte Travestirungen mythisch-tragischer Gegenstande. - 
Die Rhintonicae sind so genannt von dem Phlyakographen Rhinton aus 
Tarent, der tragische Stoffe Iftcherlich machte (auch IkaQorQayvSia oder 
haXixT]), wogegen Amphitruo xco/ncpSoxQaycpSia. (Teuffel, pag. 29.) 



* 



— 5 - 

griechische Stoffe zu lokalisirea *) ; bei der Wahl derselben 
„zog ihn, den komischen Yolksdichter , Philemon mehr an, 
als der feinere Menander^'^). Caecilius Statius verfolgte mit 
Plautus dasselbe Ziel, die Griechen in Eom einzufuhren; aUein, 
der Weg, den er einschlug, war ein anderer. Obwohl auch 
Caecilius aus gemeinem Stande war und sich zunàchst in den 
Kreisen und Redeweisen der Plebejer bewegte, batte er doch 
„mehr gebildete Mànner im Auge, wàhrend Plautus aus dem 
Yolksthumlichen Idiome ein reines, durchsichtiges Latein zog 
und in alien seinen komischen Mitteln ein dem gemeinen 
Manne geniessbares Lustspiel bezweckte."») So wurde es 
des Plautus besonderes Yerdienst „in der fabula palliata*) 
den Romern ein ziemlich reiches Repertoire geliefert zu haben." 
Bei ali diesen Stiicken erwies sich Plautus stets aJs ^en 
originalen Genius, selbstàndig trotz der fremden Quellen, 
als einen Meister in Kunst und Form, „erfindsam und voli 
feiner Anlage"^), mit eigenem Witze, wenn auch oft lose 
und unwahrscheinlich. Ausgezeichnet ist „seine leichte, feine 
Umgangssprache , selbst auf Kosten der Metrik."») 

Als ein Dichter von so gewaltigen Vorzligen hat Plautus 
den spàteren Buhnendichtem aller Jahrhunderte als YorbUd 
gedient und verdient in der Geschichte des Dramas cine her- 
vorragende Stellung.^) Seine Komodien erhielten sich bis 

1) G. Boissier, Quomodo Graecos poétas Plautus transtulerit. Paris 
1857. — W. Hahn, Scaenicae quacstiones Plautinae. Greifsw. 1867. 

2) Teuffel, 1. e. pag. 152. 

3) Bernhardy, 1. e. pag. 189. 

*) Komodie nach griechischem Stoffe nnd griechischem Originale, ins- 
besondere der neuen attischen Komodie. Sie beherrscht das ganze sechste 
Jahrhundert der Stadt; zu ihr gehòren Andronicus, Naevius, Plautus, 
Ennius, Terentius (Teuffel, pag. 21). 

5) Bernhardy, 1. e. pag, 385. 

6) Teuffel a. a. 0. pag. 152. 

7) J. L. Klein, Geschichte des Dramas (Lpz. 1865). II. Bd. S. 492 

bis 566. 



- 6 — 

ins siebente Jahrhundert*) und vnirden wohl im vierten und 
fiinften Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung noch auf- 

gefùhrt. *) 

Der Text des plautinischen Amphitruo ist verstiimmelt 
auf uns gekommen ^). Nach der zweiten Scene des vierten 
Aktes (Y. 1034) findet sich eine ziemlich bedeutende Lucke, 
verursacht durch das Fehlen einer Blàtterlage, die etwa vier 
Scenen von ungefàhr dreihundert Yersen vermissen làsst. 
Als das Stlick im fiinfzehnten Jahrhundert in Kom und 
Florenz gespielt wurde*), versuchte Hermolaus Barbarus 
(1464—1493), ein Freund Angelo Polizianos, aus einem alt- 
edlen venetianischen Geschlechte stammend, die fehlenden 
Scenen zu ergànzen. Diese Nachdichtung ist nach Form 
und Inhalt nichts weniger als gelungen zu nennen ; Barbarus 
selbst thut, als ob er den Yersuch fiir nicht vorzliglich balte. ^) 
Diese bei Plautus fehlenden Scenen haben der Phantasie 
nachfolgender Bearbeiter freien Spielraum gelassen. 

Der Inhalt des plautinischen Amphitruo fàllt in manchen 
Stiicken mit jenem der Menaechmi zusammen; nur ist in dieser 

») Bernhardy, a. a. 0. pag. 189. 

2) Arnob. advers. g. IV, 35. VII, 33. — Prudent. perist. X, 226. 

Angastin. Epistol. 202. 

3) Eni. H off marni, De Plauti Ampbitruonis exemplari et fragmentis. 

Vrat. 1848. — An Ausgaben sind zu nennen: F. Ast (Landshut 1818). 
Th. Verwaijen (Utrecht 1827) nebst einem Specimen litterarium in 
M. A. Plauti Ampbitruonem. F. Lindemann (Lpz. 1834). F. W. Holtze 
(Lpz. 1846). — An Uebersetzungen: Danz (Lpz. 1806—11). Kuffner 
(Wien 1807). Kòpke (Berlin 1809, 1826). Rost (Lpz. 1836). M. Rapp 
(Stuttg. 1838). W. Binder (Stuttgart 1862). Donner (Lpz. Hdb. 1864). 
— Franzòsiscbe : J. B. Levée und Le Mounier, augmenté etc. 
par Amaury Duval et Alexandre Duval (Paris 1820—23). De 
Belloy (Paris 1870). 

4) Oeuvres complètes de Molière. Nouvelle édition etc. par M. Louis 
Moland. Paris (Garnier frères 1864). (Der fiinfte Band der Chefs-d'oeuvre 
de la littérature franyaise.) Notice prélimiuaire , pag. 7. 

») Vgl. Politian. Epistol. XII, 26. 



i 



- 7 — - 

Komòdie der freie Zufall das herrschende Element, wàhrend 
der Amphitruo eine Wunderkomòdie, eine gòttUche Intrigue 
ist. Gewiss liegt im Amphitruo eine beabsichtigte Per- 
siflage des Juppiterglaubens, es ist nicht mehr dieNaivetàt 
des Dichters und seines Zeitalters, Es ist kein erhabenes Bild, 
das Mercurius von dem Yater der Gotter und Menschen 
(Y. 26—31) entwirft: 

„Etenim iUe, quoius bue iussu uenio, luppiter 
Non minus quam nostrum quiuis formidat malum: 
Humana matre natus, humano patre, 
Mirari non est aequom , sihi si praetimet. 
Atque ego quoque etiam , qui louis sum fllius , 
Contagione mei pairis metuo malum."' 

odor, wenn er ihn (V. 138) als Ausfluss seiner Allmacht 

stehlen làsst: 

,Ea dona, quae illic Ampbitruoni sunt data, 
Apstulimus: facile meus pater quod uolt facit.' 

Die Fabel an sich ist nicht gerade sehr viel werth, vor 
allem ist sie sicher nichts weniger als poetisch ; die Gesammt- 
arbeit aber zeichnet sich durch Feinheit des Dialogs und 
durch eine wohlgefeilte Diktion aus. Ganz besonders sind 
die Situationen einzelner Scenen von hochkomischerWirkung.*) 

Wir haben nun den Gang der Handlung und die Ge- 
stalten des plautinischen Lustspieles nàher zu betrachten, um 
zu ersehen, was die einzelnen der spàteren Bearbeiter der 

Quelle verdanken. 

Merkur tritt auf und giebt im Prologo (Y. 1-153) den 
Inhalt der Komodie. Amphitruo , der Gatte der Alcumena 
und Feldherr der Thebàer ist abwesend im Kriege mit den 

1) F Osann, Ueber den Amphitruo des Plautus (Rhein. Museum 
von Welcker und Nàke. II, S. 305-335.) - Welcker, Griech. Trag. 
S. 1478—1481. — Steinhoff. Prolegomena zu Plautus' Amphitruo. 
Jahresbericht iiber das herzogl. Gymnasium zu Blankenburg. Halber- 
stadt 1879. 



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- 8 - 

Teleboern. Juppiter, der von Liebe zur schonen Alcumena 
entbrannt ist, benutzt diesen Umstand zur Befriedigung seines 
Yerlangens. Er nimmt die Gestalt dos femen Ampbitruo 
an, sowie Merkur in jener des Sklaven Sosia auftritt, und 
tàuscht auf diese Weise Alcumena. 

Mit dem ersten Akte tritt Sosia auf. Ampbitruo hat ibn 
abgesandt, seiner Gattin Alcumena seine siegreicbe Riickkebr 
anzukiindigen. Merkur, in der Gestalt des Sosia, bewacbt 
das Haus, in welcbem sicb Juppiter in einer eigens ver- 
làngerten Nacht Alcumenas freut; er tritt dem Sclaven ent- 
gegen, wehrt ibm den Eintritt ia Amphitruos Wohnung, jagt 
ibn mit Scbimpfen und Scblàgen von dannen und macbt ibn 
voUstàndig verwirrt, da Sosia in dem Fremden unleugbar 
sein Gegenbild erblickt. — Juppiter tritt mit Alcumena auf; 
er nimmt mit dem Grauen des Tages zàrtlicben Abscbied 
von ibr; er babe sicb, sagt er, nur vom Lager zu ibr ber- 
gestoblen ; niemand darf seine Abwesenbeit merken. Scbeidend 
scbenkt er ibr die Trinkscbale des Konigs Pterelas, die er 
nacb dessen Besiegung als Lobn seiner Tapferkeit erbalten 
batte. Es wird Tag und zwar ein viel kiirzerer, auf dass 
die lange Nacbt ausgeglicben werde. (V. 550.) 

Am Beginne des zweiten Aktes erzàblt Sosia seinem 
Herrn Ampbitruo, was ibm begegnete. Ein anderer Sosia, 
sein Ebenbild, babe ibn geprugelt und nicbt in das Haus 
gelassen, (V. 632.) Indessen Ampbitruo die Erzàblung nicbt 
begreifen kann, tritt Alcumena auf, in einem sebr btibscben 
Monologo die wiederbolte Trennung von ibrem Gatten be- 
klagend, docb des Rubmes seiner Tapferkeit sicb freuend. 
Plotzlicb erblickt sie Ampbitruo. Da sie seine Fragen nicbt 
versteben, vielmebr ibm nur versicbern kann, dass er diese 
Nacbt bei ibr gewesen und soeben erst gescbieden sei, kommt 
es zu einer beftigen Scene, in welcber Ampbitruo seiner 
Gattin scbwere Yorwurfe macbt. Diese zeigt ibm den Becber 
des Pterelas, den nuQ Ampbitruo vergeblicb in seinem Etuis 



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- 9 - • 

sucbt, da ibn Merkur gestoblen batte. In bòcbster Aufregung 
verlàsst Ampbitruo Alcumena, um ibr durcb das Zeugniss 
ibres Yerwandten Naukrates zu beweisen, dass er diese 
Nacbt mit ibm verbracbte. (Y. 860.) 

Der dritte Akt fubrt Juppiter ein, bedacbt Alcumena 
keinen Scbaden zuzufiigen; denn (Y. 871): 

Nam mea sit culpa, quod egomet contraxerim, 
Si id innocenti (inmerito damnosam) expetat. 

eine Gerecbtigkeitspflicbt, der scbon friiber (Y. 492) Merkur 
mit den Worten Ausspracbe verlieb: 

nemo id probro 
Perfecto ducet Alcumenae: nam deum 
Non par uidetur facete, delictum suum 
Suamque ut culpam expetere in mortalem sinaL 

Juppiter besànftigt als Ampbitruo die scbmoUende Alcu- 
mena, indem er ibr fòrmlicb Abbitte leistet fiir seine friiberen 
Reden , worauf sie sicb versòbnen. Sosia , der dazu kommt, 
siebt mit Staunen diesen Friedensscbluss. (Y. 957): 

lam pax est (facta) nos inter duos ? 

Nam quia uos tranquillos uideo , gaudeo et volup est miW 

Er gebt mit ibnen ins Haus. Merkur aber, als Sosia, be- 
wacbt wieder das Haus. Ampbitruo bat vergeblicb den Nau- 
krates ùberall gesucbt; er will in seine Wobnung, um weiteres 
von Alcumena zu erfabren ; Merkur aber ziebt ibn vom Dacbe 
berab auf. (Y. 1034) Hier ist die Lticke. 

In dem Fragmente des vierten Aktes boren wir von Ble- 
pbaro, dass Alcumena eben entbunden werde. Erregt und mit 
alien Drobungen will Ampbitruo ins Haus ; ein Donnerscblag 
erfolgt; er stiirzt zusammen. (Y. 1052.) 

Beim Beginne des funften Aktes findet die Amme Bromia 
ibren Herm Ampbitruo am Boden liegend «sepultust quasi 
sit mortuos». (Y. 1074.) Sie bericbtet ibm, der langsam zum 
Leben erwacbt, von Alcumenas scbmerzloser Entbindung, und 






- 10 - 

dass sie zwei Knaben zur Welt gebracht habe , deren einer 
ein ihn bedrohendes Schlangenpaar getodtet habe. Juppiter 
sei der Vater des einen Knaben, worauf sich Amphitruo mit 
den Worten trostet (Y. 1124) : 

Poi me bau paenitet, 
Si licet boni dimidium mihi diuidere crnn Ione. 

Zur Bestàtigung des Gesagten erscheint noch Juppiter 
selbst. Alcumena ist schuldlos, denn (Y. 1142): 

Mea vi subacta est facero! 

Auch Amphitruo ist zufrieden ; denn begriisste er schon 
bei der ersten Kunde die Geburt von Zwillingen als giinstiges 
Zeichen (Y. 1089), so ist er mit Juppiters Yersicherung, dass 
der eine wirklich sein Sohn sei, (Y. 1135-1140) und der 
andere ihm Ruhm und Ehre bringen werde, vòllig beruhigt; 
und das Stiick schliesst mit einer Aufforderung an die Zu- 
schauer, Juppiter zu Liebe zu klatschen (Y. 1145): 

Spectatores , nnnc louis summi causa dare plaudite ! 
Die Handlung ist gewiss keine vollig befriedigende *), in- 
dem der deux ex machina dieselbe gewaltsam lòst. Andrer- 
seits ist nicht zu leugnen, dass selbst ein so wichtiger mytho- 
logischer Yorgang wie die Zeugung des Herkules nicht be- 
deutsam genug ist, die gllickliche Ebe zweier liebenden Gatten 
so gewaltsam aufzuopfem. Mehrfach hat man daraus auf die 
niedrige Anschauung jener Zeit vom Weibe geschlossen 2). 



») Vgl. indessen, wie Mercurius der abgedroschenen Motive spottet, 
wie sie im Trimuniniis nnd der Mostellaria gebraucbt sind (V. 986). 
Nam mibi quidem hercle qni minus liceat deo minitarier 
Popolo, ni decedat mibi, quam seruolo in comoediis? 
lUe nauem salnam nnntiat aut irati aduentnm senis. 
*) Vgl. Benoist, de personis mnliebribns apndPlantum. Mara. 1862 
und ancb den Vorwnrf, dass das Weib den Scbwur nicbt acbte (V. 836). 

Mnlier es, audacter iuras, 
den in gleicber Weise ancb Celedrus im Miles gloriosus der Comasion 
macbt. 



s 



— 11 - 

Die Feinheit jedoch, welche im Dialogo herrscht, und die 
herrliche Komik, vor allem die ùberraschende Aehnlichkeit der 
beiden Amphitruo und der beiden Sosia, auf welche in der 
Komòdie wiederholt hingewiesen wird*), und welche dem Zu- 
schauer nur durch die Fltigelchen (pinulae) des Mercurius 
und das goldene Hutband (torulus aureus) des Juppiter etwas 
aufgeklàrt wird «), muss des Erfolges auf der Buhne sicher 
sein. Sie fiihrt zu so trefflich ausgebeuteten Situationen, \ 
dass man geme auf einige Zeit vergisst, wie bedenklich vom \ 
moralischen Standpunkte aus dieses Quiproquo ist. 

DerYergleich derArbeiten derNachfolger 
nòthigt uns die Hauptziige der plautinischen 
Charaktere, wenn auch in Kiirze, zu betrachten. Sie 



*) V. 120. Nam pater meas none intus eccnm Inppiter 
In Ampbitruonis nortit se imaginem, 
Omnesqne eum esse censent semi qui vident. 
V. 441. Certe edepol, quom illum contemplo et formam cognosco 

meam, 
Quem ad modum ego som (saepe in speculom inspexi): 

nimis similist mei. 
Itidem babet petasum ac uestitum: tam consimilist 

atqne ego. 
Sura, pes, statura, tonsus, oculi, nasum, uel labra, 
Malae, mentum, barba, coUus : totus. quid verbis opust? 
Si tergum cicatricosum, nihil boc similist similius. 
V. 467. Nam bic quidem omnem imaginem meam, quae antebac 

fuerat, possidet. 
y gQQ Tum formam una apstulit cum nomine. 

Ncque lac lacti magis est simile quam ille ego similis 

est mei. 

2) V. 142. Nunc internosse ut nos possitis facilius, 

Ego has habeo usque bic in petaso pinulas: 
Tum meo patri autem torulus inerii aureus 
Sub petaso: id Ampbitruoni signum non erit. 
Ea signa nemo borunce familiarium 
Videre poterit, uerum uos uidebitis. 
Siebe hiertiber Steinboff II, 7 Note 22. 



— 12 — 

sind insgesammt scharf ausgepràgt. Juppiter, der «Amphitruo 
subditiuos> (Y. 497) ist nach den Darstellungen seines eigenen 
Sohnes locker in seinen Anschauungen (V. 104): 

Nam ego uos nonisse credo iam ut sit meus pater, 
Quam liber harum rerum et multarum siet 
Qaantasqne amator, si ei quid conplacitumst semel. 

Seine Gottheit giebt ihm zu allem, auch zum Stehlen, 
wie wir sahen, volle Macht. Er ist ein abscheulicher Ltigner 
(V. 506): 

Nimis hic scitust sucophanta, qui quidem sit meus pater. 

In seiner Liisternheit theilt er des Sclaven Sosia An- 
sicht (Y. 287): 

Ubi sunt isti scortatores, qui soli inuiti cubant? 
Haec nox scitast exercendo scorto conducto male. 

worauf Mercurius sagt: 

Meus pater nunc prò huius uerbis recte et sapienter facit, 
Qui conplexus cum Alcumena cubat amans, animo opsequens. 

Noch klingt uns, wenn er in der letzten Scene pathetisch 
sich als (luppiter supremus Y. 1127) den Gott Juppiter zeigt 
(«quom sum luppiter» Y. 1134 «ego in caelum migro» Y. 1142), 
sein Monolog vom dritten Akte «qui interdum fio luppiter, 
quando libet» (Y. 864) nicht ohne argo Beeintràchtigung seiner 
Gòttlichkeit im Ohre. 

Auf derselben Stufe steht Mercurius , der sich schon im 
Prologo als den Gott nicbt gerade des schònsten Handels und 
Gewinns und als Helfer «in rebus omnibus» einfiihrt. Er hat 
mit der Sclavengestalt den niederen Sclavensinn angenommen: 

V. 266. Et enimuero quoniam formam huius cepi in me et statum, 
Decet et facta moresque huius hàbere me similis item. 
Itaque me malum esse oportet, caUidum, astutum admodum 
Atque hunc telo suo sibi, malitia, bis a foribus pellere. 



— 13 - 

Gegen diese beiden Gottergestalten heben sich Alcumena 
und Amphitruo durch besondOTe_Reinh<wLdes Chaxrt^ 
ab^ Amphitruo („der unermiidliche Kriegsmann") ist ktìhn 
und tapfer als Feldherr (Y. 191): 

Id ui et uirtute militum uictum atque expugnatum oppidumst, 
Imperio atque auspicio mei eri Amphitmonis maxume^ 
Qui praeda agroque adoreaque adfecit popularis suos 
Regique Thebano Creoni regnum stabiliuit suum. 

Milde gegen seinen Sclaven will er ihn nicht mit Arbeit 
iiberlaste^n~(V. bV4)l ~ 

Alium ego isti rei adlegabo: ne time! 

Wahrheitsliebe ist ein^Grujidzug-eemes Charakters (Y. 687): 

„Quia nera didici dicere" 

und so bringt er seiner Gattin, von der er ùberzeugt ist, dass 
Theben kein besseres Weib hat, aufrichtige Ldebe und Yer- 
ehrung entgegen (Y. 676.): 

Amphitruo uxorem salutat laetus speratam suam, 
Quam omnium Thebis uir unam esse optimam diiudicat, 
Quamque adeo ciues Thebani nero rnmificant probam. 

Gewiss ein Gegenstiick zu Juppiter! 

Die verfiihrte Alcumena („die Starke") ist nicht minder 
mit alien guten Ztigen ausgestattet. Diese «uxor usurarla» 
Juppiters (Y. 498) ist eine vortreffliche Hausfrau, die sich 
der «res communis» (Y. 499) annimmt, voli Liebe zu ihrem 
Gatten. 

(V. 640). „Sola hic mi nunc uideor, quia ille hinc abest, quem amo 

praeter omnis. 
Plus aegri ex abitu (mei) uiri quam ex adnentu uoluptatis 

cepi." 

Sie ist auch voli Theilnahme an seinem Ruhme, und dies ist ihr 
einziger Trost, den sie in jenem wunderschònen Monologo des 



-^ 14 — 

zweiten Aktes, den alle Nachahmer von Geschmack sich an- 
geeignet haben, fiir sein Scheiden hat (V. 642): 

Set hoc me beat saltem, qnoniam (ille) nicit 
Perduellis et domum laudis conpos reuenit 

und SO welter. 

Sie ist sittsam (proba Y. 678), keusch und treu, wie ihr 
Schwur (Y. 831) bezeugt: 

Per supremi regis regnum iuro et matrem familias 
Innonem, qaam te nererì et metaerest par maxame, 
Vt mi extra nnnm te mortalis nemo corpus eorpore 
Contigit, quo me inpudicam faceret. 

und darin sucht sie ihre einzige Ehre (V. 839): 

Non ego illam mihi dotem esse duco, qnae dos dicitur, 
Set pudicitiam et pudorem et sedatnm cupidinem, 
Deum metum et parentum amorem et cognatum concordiam, 
Tibi morigera atque ut munifica sim bonis, prosim probis. 

Beleidigt in ibrer weiblichen Ehre , nichts sich bewusst 
(V. 885: «Quae neque sunt faeta neque ego in me admisi, 
arguit»), will sie das Haus Amphitruos verlassen, und ein 
Muster weiblicher Denkart tritt sie mit dem ganzen Selbst- 
bewusstsein der Unschuld auf, als Juppiter sie versohnen will 

(V. 926) ALC. Ego istaec feci nerba uirtute inrita. 

Nunc quando factis sum inpudicis apstinens , 
Ab inpudicis dictis auorti nolo. 
V^aleas, tibi babeas res tuas, reddas meas. 
Juben mihi comites? IV. Sanan^ es? ALC. Si non 

iubes, 

Sinito: Pudicitiam egomet comitem duxero. 

u. s. w. in einer meisterhaften Scene. 

Noch bleibt uns die Figur des Sosia, fur die Nachfolger 
eine der bedeutsamsten. Er ist das Muster eines Sclaven, 
wie ihn Y. 266—269 schildert. Kòstlich ist sein Auftreten. 
Er raisonnirt tiber das Sclavenleben und die Befehle des 
Herrn, der nicht weiss, was ihr Yollzug verlangt. 



— 15 — • 

(Vgl. 172) Non reputat quid laborist. 

Als echte Bedientenseele formt er sein Gesicht nach dem 
des Herrn (Y. 959): 

Atque ita seruom par uidetur frugi sese instituere: 
Proinde eri ut sint, ipse item sit: uoltum e uoltu comparet: 
Tristi s sit, si eri sint tristes; hilarus sit, si gaudeant. 

Feige wie kein zweiter, schneidet er gewaltig auf: 

(V. 199) Nam quom pugnabant maxume, ego tum fugiebam maxume. 
Verum quasi afuerim tamen simulabo atque audita eloquar. 

Mercurius meint (Y. 293): 

NuUust hoc meticulosus aeque. 

und er weiss beim Anblick des Gegners nur den Schreckens- 
ruf : Perii, dentes pruriunt! auszustossen. So wird er zu einer 
hochst wirksamen komischen Figur, und die Scene der ersten 
Begegnung mit Mercurius und vor allem die zweite Scene 
des zweiten Aktes sind pràchtige Stiicke. 

Das also ist das Yorbild der kommenden Bearbeitunge 
des Amphitruo, einer ziemlich weitverbreiteten Sage des 
Alterthums,*) welche nach der Anschauung einzelner Forscher') 
in verschiedenen Sagen des Mittelalters wieder spielen soli. 
Wie oben bemerkt wurde, erhielt sich Amphitruo in der 
plautinischen Gestalt ziemlich lange. Ed. Duméril glaubt') 
zwar, gestùtzt auf eine Stelle im Carmen paschale des Sedulius, 
eines Dichters des fiinften Jahrhunderts, der sich stark ùber 
die profane, heidnische Btihne beschwert und dabei von 
„R-idiculove Geta^' spricht, dass es schon seit dem fiinften 
Jahrhunderte lateinische Bearbeitungen des plautinischen 
Amphitruo gab, wie uns eine solche in dem Amphitryon 




1) Moland, 1*. e. pag. 3. 

') Moland, 1. e. pag. 8. 9. 

») Ed Duméril, Orig. lat. du théàtre moderne, pag. 15. 



— 16 — 

(oderbesser dem Geta und Byrrhias) des YitalisBlesensis*) 
(Yital de Blois) aus dem zwòlften Jahrhunderte vorliegt. 
Richtig indessen hat A. C h a s s a n g ') die Unhaltbarkeit dieser 
Ansicht aus dem Umstande nachgewiesen , dass Geta einer 
der gewohnlichsten Sclavennamen war. Der genannte Vital 
d e B 1 i s nun ist einer der hervorragendsten Klassicisten jener 
Zeit, in der man viel nach klassischen Mustern und besonders 
nach Plautus arbeitete. ^) 

Der Amphitryon des Yital de Blois verdankt allerdings 
nur dieHauptidee dem Lus tspiele des Plautus. * ) Seine 
Tendenz ist gegen die um sich greifende Seholastik 
gerichtet *). 

*) Vitalis Blesonsis Amphitryon et Aulalaria Eclogae. Edidit 
Fridericus Osannus. Darmstadii (HeU 1836). — Th. Wright, 
Popular latin stories, pag. 192 und 208. — Wright, Early mysteries 
and other latin poems, pag. 66. — Haupt, Poes. lat. medii aevi exempla, 
pag. 18. — Ed Duméril, Orig. lat. da théàtre mod. Append., pag. 285. 
^) A. Chassang, Des essais dramatiqaes imités de l'antiquité an 
XlVe et au XVe siede, Paris (Durand 1852), pag. 7. 

*) M. Magnin, Conrs inédit. Conf. Journal de l'instruct. pubi, vom 
8 Février 1835. — Beachtenswerth war auch unter diesen Mànnern 
Matthieu de Vendòme am Ende des zwòlften und Anfange des drei- 
zehnten Jahrhunderts, von dem wohl der Miles gloriosus stammt. 

4) Chassang L e pag. 23. Le Geta de Vital ne conserve de 
l'Amphitryon que l'idée generale. 

*) Chassang, 1. e. pag. 24. Ce n'est plus comme dans Piante le 
tableau des inquiétudes d' Amphitryon trompé puis averti et apaisé par 
Jupiter. Les maris ne sont pas en cas dans cette oeuvre, dirigée tout 
entiere contre le goùt de la scolastique qui cornen^ait à se répandre. 
(Diese Tendenz beweisen vornehmlich V. 463 — 460; 
Byrrhia subridens: accepit Graecia sanos 
Hos, ait, insanos illa remisit eos. 
Insanire facit stultum di alectica quemvis , 

Ars ea sit nunquam, Byrrhia, nota tibi. 
Arte carere bonum est, quae per phantasmata quaedam 

Aut asinos homines, aut nihil esse facit. 
Sic logicus quivis, tu Byrrhia sis homo semper: 
His studium placeat: uncta popina tibi.) 



I 



^ 17 — - 

Den Hauptinhalt giebt uns der Dichter in seiner Ein- 
leitung. *) 

Qraecorum studia nimiumque diuque secutus 
Amphitryon aberat, et sibi Geta comes. 
Intrat ad Alcmenam fìcto Satumius ore, 

Cui Comes Arcas erat. Credidit esse virum. 
6 Geta redit tandem praemissus ab Amphitryone. 

Arcadis ille dolis se putat esse nihil. 
Se dolet esse nihil, et ab Arcade lusus abibat; 
Visa refert domino ; vir dolet ; arma parat. 
Laetus abit socio Pater Arcade; quaeritur illis 
10 Moechus: abest, gaudent, lis cadit, ira tepet. 

Schon der Prolog zeigt die Tendenz. Dem Geta soU 
nicht bewiesen werden, dass der andere Geta sei, sondem 
durch Schliisse und Seholastik, dass er nichts ist. 

Das Gedicht beginnt mit Juppiters Pian, seine Liebe zu 
Alkmene zu kiihlen, indessen der Gatte Amphitryon zu 
Athen (nattirlich Paris) Philosophie treibt. 

31 Juppiter Alcmenae studeat thalamo, vir Athenis 

Philosophetur: amet Juppiter, ille legat. 
Disputet Amphitryon, et faUat Juppiter; artes 
Hic colat, Alcmenam Juppiter ipse suam. 

Alkmene hòrt, dass ihr Gatte zuruckkehre, freudig schickt 
sie ihm den Byrrhia, ihren Sklaven, ans Ufer entgegen, der 
murrend den Befehl voUzieht. Unterdessen kòmmt Juppiter 
als Amphitryon, Mercurius als Geta heim. Nach herzlichster 
Begrtissung Alkmenens werden die Thore geschlossen, vor 
welchen Arkas als Geta Wache hàlt (Y. 106). Indessen der 



Amphitryon et Alcmène, relégués sur le second pian, sont effacés 
par leurs esclaves; et tonte la pièce est dans le contraste entro le bon 
sens un peu lourd de l'nn et la sottise de l'autre, pauvre esprit infatué 
de dialectique.^ 

*) Vgl. ùber Hdsch. und Texte u. s. w. Osann, 1. e. pag. V — XVIII. 
auch Klein, J. L., Geschichte des Dramas (Lpz. 1866, III, pag. 638). 

Beinbardstoettner, plaatinische LoBtspiele. I. 2 




. — 18 - 

faule Byrrhia «lento pede claudus» dahin zieht und iiber den 
Weg murrt, sieht er den Geta herankommen, der vor seinem 
Herrn Amphitryon ber eine gewaltige Last von Bùchern 
schleppt. Da er voraussichtlich dieso mit ihm theilen miisste, 
versteckt er sich in eine Hohle, um diesen voriibergehen zu 
lassen. Aber Geta hat ihn erblickt; er setzt sich vor die 
Hohle und beginnt so laut fiir sich zu sprechen, dass Byrrhia 
es horen muss , er kònne als Logiker beweisen , • dass ein 
Mensch ein Esel ist: 

Y. 167. Sam logicns , faciam qaaevis animalia cnnctos : 

Byrrhias, qui nhais est lentus, asellas erit. 

Diese Logik des Geta entsetzt den Byrrhia in der Hohle: 

V. 169. qui Byrrliia fiat aseUus? 

Qnod natura dedit, anferet iste mihi? 
Byrrhia sic Getae qaaecnnqae problemata solvet; 
Respondebit, erit Byrrhia semper homo. 

ruft er, so dass Geta es hòrt: quid in hoc strepit et sub- 
murmurat antro? ruft er und wirft so lange Steine in die 
Hohle, bis Byrrhia herauskriecht , sein Plaudern bedauernd. 
Er muss nun alle Biicher heimschleppen, indessen Geta davon- 
eilt, Stolz, der Schrecken der Logiker zu werden (V. 36): 

Terrebit cnnctos nominis nmbra mei. 

Zu Hause aber ist die Thiire verschlossen. Geta und Amphi- 
tryon, heisst es, sind làngst zu Hause. Es folgt ein langes 
logisches Raisonnement zwischen Mercurius und Geta, wobei 
ihn ersterer streng logisch tiberzeugt, dass er Geta sei; so 
geht Geta als „Nichts" fort ; denn, sagte ihm der Gott (Y. 279) : 

Omne qnod est, nnnm est; sed non som qui loqnor nnns. 
Ergo nihil Geta est, nec nihil esse potest. 

So klagt denn Geta (Y. 413): 

Cam didicit Geta logicam , tnnc desiit esse. 



f 



— 19 — 

Web den Logikern, wenn es so alien ergeht!'' ruft er 
aus,'da naht Amphitryon mit Byrrhia. Ist er wohl auch 
Nichts? Er erzàhlt seinem Herrn den Yorgang, dieser be- 
wafFnet, voli Zom ùber seinen Stellvertreter , sich und die 
beiden Sclaven. Geta will dadurch beweisen, das er doch 
vorhanden sei. Unterdessen hat Juppiter Alkmene verlassen; 
Amphitryon dringt bewaffnet ein und fràgt um den Ehe- 
brecher. Da aber Alkmene sieht, dass ihr Gatte emstlich 
bòse wird, sagt sie gewandt : Es war ein Traum ; ich glaubte 
nur, dich zu sehen. 

V. 525. Vos equidem vidi, vel vos vidisse videbar; 
Lnsemnt animos sompnia saepe meos. 

Mit einer witzigen Bemerkung Byrrhia's endet das Gedicht. 

Dieses 532 Yerse umfassende Gedicht in ziemlich unge- 
nugendem Latein geschrieben, ausgezeichnet jedoch durch 
satirische Schàrfe *), brachte bis zum Ende des vierzehnten 
Jahrhunderts Plautus fòrmlich in Yergessenheit. Die Schrift- 
steller des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts sind 
reich an Anspielungen und Citaten aus Yitals Amphitryon 
und von seiner grossen Beliebtheit zeugen vielfache Hand- 
schriften. 2) Im Jahre 1421 noch tibersetzte ihn Eustache 
Deschamps^) ins Franzosische ; in Italien druckte man 



1) Zn weit geht doch Chassang, wenn er 1. e. pag. 27 es ^sans 
contredit plus ingénieux que celai de Piante et de Molière» nennt. 

2) Wrightkenntihrersiebenzehn; davonvier in der Pariser National- 
bibliothek (Early mysteries. Praef. p. XVI sqq.) - Osann, 1. e. p. XI sqq. 

3) Nach P. Tarbé, geboren zwischen 1345—1350. Eecherches sur 
la vie et les oeuvres d'Eustache Deschamps. p. I-XLI in Oenvres inédites 
d'Enstache Deschamps. Paris (Techener) 1849. - Die neneste Ansgabe 
des Dichters ist: Oenvres complètes d' Enstache Deschamps, pnbhées 
d'après le manuscrit de la bibliothèqae nationale par le marqnis de 
Qnenx de Saint-Hilaire. Paris (Firmin Didot 1878), als erster Band der 

Société des anciens textes franpais. 

2* 



— 20 — 

noch im fiinfzehnten und sechzehntea Jahrhunderte das Ge- 
dicht in eber fàlschlich dein Boccaccio zugeschriebenen 
Uebersetzung. *) Erst spàter verlor der Geta scine Yerbreitung 
allmàhlig >) , niemals aber im ganzen Mittelter fehlte 
es an Nachahmungen des Plautus und TerentiusJ) 

Die Berichte aus alien romanischen Litteraturen fiihren 
Beispiele von Nachahmungen des Plautus an. Der bekannte 
Marquis de Santillana erzàhlt, dass ein angesehener Bitter 
aus der Zeit D. Fedro des Grausamen (1357-1367), Namens 
Don Pedro Gonzalez de Mendoza, scenische Gedichte 



») Filippo A r gè la ti in seiner «Biblioteca degli volgarizzatori, o 
sia Notizia dall' Opere volgarizzate d'autori che scrissero in lingue morte 
prima del secolo XV.« Tomi IV. Milano (Federico Agnelli) behandelt im 
drittenBand (1767) Seite 229 die Antorschaft des Boccaccio eingehend. 
Man hielt die Uebersetzung fur Boccaccios Arbeit, weil sie die Verse 
entbielt : 

Incliti e venerandi cittadini 

Miser Zuano hochazo buom luminoso 

In fra li altri poeti Fiorentini 

Quest' Opera compose il viro famoso 

Vulgarizzando di versi latini 

Con l'aiuto dapoUo glorioso 

Et io Lorenzo Amalagiso Frate 

Stampare lo fatta perchè piacer n' abbiate. 

nnd auch Antonio Maria Salvini ein geschriebenes Exemplar mit dem 
Titel hatte: Liber Gietae & Birriae traductus de Latino in vulgare per 
Dominum Joannem Bochatium poètam Florentinum, eine An^be 
die der Abschreiber auch am Schlusse (am 9. Dez. 1443) wiederholt. 
Vermuthungen uber den Uebersetzer siche a. a. 0. 

») Chassang, L e. pag. 33. Le Geta avait fait oublier Plaute; 
bientòt le triomphe de la scolastique de mystères, de moraUtés flt oublier 
en France le Geta. 

3) Chassang, 1. e. pag. 61. Au XV- siede Sénèque n^est pas oublié, 
mais les imitations de Plaute et de Térence sont les plus nombreuses. 



^ 21 — 

in der Weise des Plautus und Terenz schrieb^); Juan de 
Timoneda bearbeitete die Menaechmi») (Comedia de los 
Menecmos. Valencia 1559); im Jahre 1515 imitirte Fran- 
cisco de Yillalobes (bei Sulzer III, 704 YiUabolos), 
der Leibarzt Ferdinands des Katholischen und Karls Y., den 
Amphitruo des Plautus in spanischer Prosa, wobei er es 
fiir nòthig fand , einige Scenen zu kurzen , andere nicht auf 
die Bùhne zu bringen. ') 

Einschneidendere Aenderungen erlaubte sich der Pro- 
fessor der Theologie und Philosophie zu Salamanca, Fernan 
Perez de Oliva aus Oliva, der im Jahre 1530 mehrere 
Stiicke der Antike ins Spanische iibertxug. Yon den Tra- 
godien, die er bearbeitete, ist des Sophokles «Elektra* (hier 
unter dem Titel „Der geràchte Agamemnon") und die «Hekuba» 
des Euripides am bekanntesten ; ferner gab er den Amphi- 
truo des Plautus heraus, der bei ihm vielfach von der Arbeit 
des Yillalobes abweicht. Zahlreiche Kiirzungen des Originales 
ersetzen mancherlei Einschiebungen, welche meist unglucklich 
gerathen sind. Sie schaden fast uberall dem Fortschritte der 
Handlung und sind vor allem durch ihren Stil hòchst be- 
denklich. Es ist jene unnatiirliche , in alien Figuren sich 
bewegende Sprache , welche , durch die Celestina veranlasst, 
damals als besonders schon galt.*) 

Die kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu Mtinchen besitzt 
dieses ziemlich scitene Exemplar von OUvas Amphitruobear- 
beitung. (A. lat. a. 235), Es umfasst vierzig Seiten und 
ist in deutschen Lettern gedruckt, ohne Angabe des Yer- 
fassers, der Jahreszahl, des Druckortes. Der Titel ist: 



') Ad. Fried. von Schack, Geschichte der dramatischen Literatur 
und Kunst in Spanien. Berlin 1845. I, S. 125. 
2) Schack I, 236. 
8) Schack I, 207. 
<) Schack I, 207. 



— 22 — 

q4 a^ueflra be la leu 

gtto caflrKana en 

ci nafcimiento 

be l^etcttled. 

O (Somebia be 



• « • 



Im Vorworte, das El maestro Eernan perez de oliua an 
seinen Vetter Augustin d'oliua richtet, sagt er, er habe diese 
Geburt des Herkules geschrieben, um zu zeigen, dass Spanisch 
nicht hinter dem Lateinischen stehe. «He te pues escrito el 
nasci miento de Hercules: que primero escriuiero. griegos : y 
despues Plauto en latin: y he lo hecho no solamente a imi- 
taeion de aquellos auetores : pero a conferencia de su inuencion 
y sus lenguas: porq tengo yo en vestra castellana cofia9a: 
q no se dexara uencer.» 

Das ganze Stuck ist nicht in Akte und Scenen getheilt; 
es ist fortlaufende Prosa. Mercurio tritt als Prologo auf. Vor 
langer Zeit habe sich Juppiter, ein machtiger Mensch, als 
Gott anbeten lassen: «muchos tiempos ha, que Jupiter, hom- 
bre muy poderoso, entre gente vana se hizo adorar por dios : 
este fué mi padre.» Auch er war ein Gott, und ihre Macht 
dauerte, solange die Menschen ohne religiose Unterweisung 
waren; jetzt aber sind sie soweit gekommen, dass sie nur 
mehr zur Bufane «por las fiestas» passen. Bine der droUigsten 
Geschichten sei die Geburt des Herkules. Sodann erzahlt er 
den Inhalt der Komodie. 

Natiirlich ist es nur die Furcht vor der Inquisition, die 

ihn zu dieser Erklarung nothigt, wie die Venus des Camòes 

in den Lusiaden ') von sich sagt, sie sei nur ein Trugbild. 

Alcumena tritt auf und klagt um ihren femen Gatten. 



1) Camòes, litis.X, 82istderselbeGeaanke.— Vgl. Reinhardstoettner, 
Lniz de Camoens, der Sanger der Lnsiaden. Bine biographishe Skizze. 
2. Anfl. (Leipzig 1879), pag. 64. 



— 23 — 

Sie begreift nicht, wie die anderen Frauen heiter sein konnen 
da ihre Manner abwesend sind. „Zeige dich, Vater", raft 
Mercurio , worauf Juppiter vortritt. Nach einer kurzen Be- 
CTUSSung findet sie ihn schwarz und bartig (q fiero : qua negro 
y qua barbado). Sie erblickt auch Merkur als Sosia^ (aqui 
estes Sosia? seas bié venido. no te auia uisto !) Juppit«r 
berichtet ihr vom Tode des Konigs Ptherela und schenkt ihr 
seinen Becher (su ta?* con que el beuia). Das ubnge v,Jl 
er ihr drinnen erzahlen; sie treten em. „ , «. 

Merkur phUosophirt nun , man konnte seinen Vater fur 
«indigno de su magestad. halten, weil er menschliches Ge- 
schlecht annahm , alJein das Menschengeschlecht ist ja der 

Schmuck der Welt. • -tr„, 

Um sich die Langeweile zu vertreiben, sucht er em Ver- 
gnugen, da naht Sosia mit der Laterne. Das Dunkel, meint 
Ir ist schUmm, und v.ohl hat die Natur gethan, uns Nachts 
den Schlaf zu geben. Er betrachtet die Sterne und macht 
sich den Bericht zurecht, den er Alcumena erstatten will; 
dies zunàchst nach Plautus. Nach dieser langen Rede tntt 
ihm Mercurio in den Weg, so ziemlich nach dem Vorbilde 
des lateinischen Dichters. Sosia geht, das Erlebte semem 

Herm zu erzahlen. . . . 

Juppiter scheidet von Alcumena und spncht hiebei uber- 
massig viel uber einen wohl organisirten Staat. 

Imphitrion und Sosia treten auf. Der Herr schenkt ihm 
keinen Glauben; denn wena jemand die Macht batte sich m 
anderer Gestalt zu verwandeln, so vrurde er eme andere 
wahlen. Alcumena tritt auf in einem auf Plautus fussenden 
Monologo. (Todos los plazeres desta vida no son sino aparejo 
u s vf ) Sie erbUckt ihren Gatten. Die Verwirrung begmnt. 
Hochst eigenthiimUcher Weise erzahlt Sosia als Interniezzo 
eine «gar wunderbare Geschichte» (hystoria muy mara^osa) 
von flst zwei Seiten , bis Alcumena den Becher als Beweis 
bringt Der weitere Verlauf der Scene stiitzt sich auf Plautus. 



— 24 - 

«To ynocète soy>, wicderholt sie mit Nachdruck. Amphitrion 
geht, mn Naukrates zu holen. 

Juppiter kommt, Alcumena zu versòhnen. (»a deshacer 

las injurias q le dixo àphitrion.) Sie weist ihn anfànglich 

ab, Juppiter wird (fast wie Molières Juppiter) sentimental ; 

er will sterben und wenn einst sein Sohn (que en ti encerrado 

queda) um seinen Yater fràgt, solle er erfahren, dass ibn 

ihre Grausamkeit getodtet hat. Dem kann Alcumena nicht 

widersteben. Sie treten ein. Mercurio bewacht das Haus. 

Ampbitrion bat vergeblicb Naukrates gesucbt; er will 

ins Haus, Mercurio biilt ibn ab. „Du bist nicbt Ampbitrion"^ 

ruft er ibm zu, „sondern irgend ein Zauberer. Klopfe weiter 

nicbt, sonst macbe icb es mit deinem Kopfe, wie du mit 

der Thiire." 

Sosia und Blefaron besprecben den Yorfall. Blefaron 
wendet sicb an Ampbitrion , der ibn zu Tiscbe lud ; dieser 
klagt, dass sein Haus ibm und seinen Freunden verscblossen 
sei; Sosia webre ibm den Eintritt. Blefaron erwidert. Sosia 
konne es nicbt gewesen sein, da er bei ibm war. Juppiter 
zeigt sich: „Valasme Bios del cielo: o duermo o estoy velando: 
dos ampbitriones", ruft Blefaron, worauf sicb Sosia sofort fiir 
Juppiter entscbeidet: «blefaron aquel que sale de casa: es el 
verdadero : estotro es algù encatador !» Juppiter ruft Sosia 
und Blefaron zu sicb, Ampbitrion erbitzt sicb, Blefaron warnt 
wiederbolt vor Injurien ; da sie sicb so àbnlicb sind, dass «de 
quien las oye: a quien las dize: recudiran las injurias.» 
Sie treten ins Haus ein. Ampbitrion, bocblicb erzurnt, will 
alle Freunde zusammenrufen, das Feuer, das in ihm brennt, 
kann nur Blut lòscben ; er will sein Haus anziinden, um alle 
zu vernicbten. Da kommt Naukrates ; er bàlt von der Ferne 
Ampbitrion fiir wahnsinnig. (ciertamente en sus meneos 
muestra que està loco.) Amphitrion erzàblt seine Gescbicbte. 
Naukrates verlangt Eintritt und wird eingelassen. Ampbi- 
trion klagt liber seine jetzige Lage, da kebrt Naukrates ent- 






- 25 — 

setzt zuruck. Er hat Alcumena zwei Knaben gebàren seben; 
derVater des ersten ist Juppiter, der des zweiten, Amphitrion, 
rief eine unbekannte Stimme: „Y nascido el primero oymos 
una boz Clara de no se quien: que nos dezia: Jupiter es 
el padre , del q es nascido , nascerà otro luego : que sera de 
Ampbitriò. El vno manifestara su padre en el gesto : y el 
otro en la virtud." Es wird nun in wenig Worten die Er- 
wiirgung der zwei Scblangen berichtet. Ampbitrion ist nicht 
befriedigt. Er fàllt, wieder der Inquisition zur Liebe, 
aus der Bolle und sagt : «Naukrates, icb glaube, diese Lente 
beteten Juppiter an, weil sie an ibren Gòttern YorbUder des 
Lasters haben wollten, um sicb zu entschuldigen ; denn unter 
den Guten wird er mit solcben Thaten fiir einen Tyrannen 
gebalten werden, da er seine Macht benutzt, um seinen 
schnoden Listen zu dienen. Geben wir zu Alcumena , die 
icb nicbt fiir verdorben sondern fiir betrogen balte.» «Und 
nun wird es gut sein, dass wir davon nicbt weiter sprechen,» 
meint Naukrates, und das Stùck scbliesst : Hispania Plaude ! 

Yom Dialoge des Plautus bat Oliva wenig benutzt, nur 
ein paar der citirten Scenen beruben auf Plautus, So hat 
er aus der beiteren, lebenskràftigen ròmischen Komòdie einen 
matten Abklatscb geschaffen , der poetisch tendenzlos 
d och eine Tendenz - die Yerbobnung der alten Gottheiten — 
in sicb scbliesst, eine Idee, die mebrere Dichter jener Jahr- 
hunderte — man denke an Francesco Bracciolini's «Scherno degli 
Dei» - zu schauderbaften Werken verìeitete. In der ganzen 
Arbeit Olivas ist nicbt ein Fùnkchen jenes reichen 
Witzes, den die plautiniscbe Komòdie spriibt. 

Die Frage, ob diese Stiicke auch wirklicb gespielt wurden, 
ist vielfacb aufgeworfen worden. Wenn sie auch die Btibne 
nicht geseben bàtten, so wàren immerhin des Yillalobes und 
Oliva und ibrer nàcbsten Nacbfolger Bestrebungen schon „als 



! 




^ 26 — 

blosse litterarische Vermittler der Bekanntschaft mit dem alien 
Brama" *) nicht ohne Bedeutung. 

Zur Zeit, da der grosse Epiker Luiz de Camoes, der 
unsterbliche Dichter der Lusiaden (geb. 1524; gest. 10, Juni 
1580) an der Universitàt Coimbra studiiie , schrieb er unter 
dem Titel «Os AmphitriHes» ein Lustspiel, das eine Nach- 
ahmung des plautinischen Amphitruo ist, und erst spàter im 
Jahre 1587 mit den Autos von Prestes aufgefunden wurde.^) 
Es ist in der Art des Gii Yicente (gest 1536) geschrieben. 
Eine alte Sitte verband mit den akademischen Festlichkeiten 
in Coimbra die Auffuhrung irgend eines Autos, allerdings 
oft nur einer Tragedie des Seneca oder irgend einer an- 
deren lateinischen Scene. Gewiss ist es ein unbestreitbares 
Yerdienst des jungen Dichters , dass er in dieser Komodie zu 
seiner Muttersprache und zu einem volksthiimlichen Metrum 
griff, selbst wo es die Yerherrlichung eines gelebrten Festes 

galt. 

Gegenùber dem plautiniscben Originale bat sich der Dicbter 
bemtiht einiges zu mildern, was seinem Zeitalter denn doch 
zu derb sein musste. Diese Rucksicht hat ihn zu mancher 
Aenderung veranlasst, die jedoch nicbt immer dem Stiicke 
zum Vortheile gereichte. 

Hòren wir den Inhalt.') 

I. Akt. Alkmene klagt der Bromia iiber die lange Ab- 
wesenheit ihres Gatten Amphitruo, ein Motiv, das Camòes 
wohl aus Oliva nahm, und befieblt ihr, nach Feliseo zu 
schicken, um von ihm zu erfahren, ob im Hafen keine 
Neuigkeiten eingelaufen sind. FeUseo naht, und nach einigen 

1) Schack I, 208. 

») Theophilo Braga, Camoes. - Braga, Mannal, pag. 245. 

Reinhardatoettner, Luiz de Camoens, pag. 11. 

3) Obras completas de Luiz de Camoes , correctas e emendadas pelo 
cuidado e diligencia de J. V. Barreto Feio e J. G. Monteiro. 
Pamburg (Langhoff) 1834. III. Bd. pag. 299-382. 



' 



^ 27 — 

neckischen Gespràchen mit Bromia geht er nach dem 
Hafen. (1—5.) Juppiter tritt mit Merkur auf und erzàWt 
ihm von seiner hoffnungslosen Liebe zu der keuschen Alk- 
mene Da giebt ihm Merkur den Eath, sich in Amphitruos 
Gestalt zu verwandeln und sie auf diese Weise zu ùberlisten. 
Er folgt diesem Yorschlage. Unterdessen berichtet Kallistho 
von der noch diese Nacht zu erfolgenden Rtìckkehr des sieg- 

reichen Amphitruo (5. 6). 

II. Akt. Juppiter als Amphitruo, Merkur als Sosia treten 
auf. Die Nacht soli verlàngert werden. Nach herzlicher Be- 
grussung Alkmenens treten beide ins Hans und Merkur hàlt 
vor demselben Wache. Sosia, Amphitruos Diener, tritt 
singend auf; Merkur tritt ihm entgegen, geberdet sich als 
Sosia und jagt den wahren Sosia, verwirrt Iiber seine eigene 
Identitàt, von dannen. (1—7.) 

III. Akt. Juppiter nimmt von Alkmene Abschied. 
Amphitruo und Sosia treten auf. Letzterer erzàhlt seinem 
Herrn, was ihm widerfahren sei (1-3). Klagend Iiber ihres 
Gatten friihes Scheiden erscheint Alkmene; sie gewahrt 
Amphitruo und Sosia, und da sie sich iiber ihr Hiersein 
wundert, beginnt die Yerwirrung; sie erzàhlt von der Be- 
gegnung in dieser Nacht und làsst zur Bestàtigung den ihr 
geschenkten Becher des Pterelas durch Bromia holen. Amphi- 
truo geht ab , um den Belferrào als Zeugen zu holen , dass 
er nicht bei seiner Gattin gewesen sein kann, indessen 
Alkmene um ihren Yetter Aurelio schickt. (3—6.) 

lY. Akt. Juppiter versohnt Alkmene und geht mit ihr 
ins Haus ; Mercurius halt vor demselben Wache. Er hàlt 
den herankommenden Amphitruo in sehr grober Weise ab 
einzutreten. Belferrào und Sosia kommen herbei, was eine ko- 
mische Situation veranlasst, da Sosia von einem unehrerbietigen 
Benehmen gegen seinen Herrn nichts weiss. (1—4.) 

Y. Akt. Die beiden Amphitruo stehen einander gegen- 
ùber. Beide berichten von ihren Siegen, beide zeigen die 



^ 28 - 

gleichen Wunden , so dass sich Sosia fiir die Echtheit Jup- 
piters entscheidet und dieser wieder ins Haus geht, indessen 
es fiir Amphitruo verschlossen bleibt. (1—3.) Aurelio ist 
herbeigeeilt und trifPt den jammernden Amphitruo vor seinem 
Hause. Um sich klar zu werden , dringt er ein (4—7) und 
kommt alsbald wieder heraus, um von einer uberirdischen Er- 
scheinung zu berichten. Die Stimme Juppiters làsst sich von 
innen vernehmen. Er sei der in seinen Werken grosse Gott ; 
er habe Amphitruos Gestalt angenommen, um das Geschlecht 
desselben zu ehren. Alkmene werde den Herkules gebàren, 
von dessen zwòlf Arbeiten ruhmreich die Geschichte berichten 
werde. Mehr sagt er nicht. 

Enfim a razao me obriga 
Que tao pouco deUe diga, 
Porque o tempo dirà muito. 

Ohne ein Wort der Erwiderung von Seiten Amphitruos 

endet die Komodie. 

Es hat sich Camoes, wie bemerkt bemiiht, das Derbe des 
Plautus nach Kràften zu mindem. AUein Plautus stund auf 
dem Boden der Sage. Ist auch Juppiter, den Tendenzen des 
Lustspieldichters entsprechend , bei Plautus mehrfach nicht 
gerade von der Wiirde des hochsten Gottes umstrahlt, so war 
sein ganzes Abenteuer doch gewissermassen ein grosses 
Werk, das er beabsichtigt und ùberlegt ausfùhrte 
(vgl. Y. 387. Nunc memet — 879) -- namlich die gewollte 
Zeugung des gròssten Heroen der antiken Welt, zu der 
sich Juppiter nach der alten Mythologie eine dreimal làngere 
Nacht wàhlte, wodurch symbolisch schon die Bedeutung dieses 
Werkes und des Herkules selbst angezeigt wurde. *) Da die 
Geburt des Herkules selbst ùberdies zur Losung des plau- 



») L.Pr elle r, Griecliisclie Mythologie. 3. Aufl. von E. Plew. Berlin 
1875. II. Bd. pag. 177. - J. S. Ersch und J. G. Grnber. AUgemeine 
Encyclopàdie der Wissenschaften nnd Kiinste. Lpz. 1819. Ili, 403. 



I 



— 29 - 

tinischen Lustspiels fuhrt, so kònnte dies geradezu „Die 
Geburt des Herkules" heissen. Jones gewaltige mythologische 
Ereigniss wird bei Camoes nur die Folge von Juppiters liebes- 
drang,ohne dasshiebei des Heroen gedacht wùrde. 
Juppiter, ernstlich in Alkmene verUebt, klagt, dass der Pfeil 
des kleinen liebesgottes màchtiger als er selbst sei, und ihn 
den hochsten Gott zwinge, der zu dienen, welche ihn als Gott 
anbetet. (I. v.) 

Oh grande e alto destino! 
Oh potencia tao profonda! 
Qne a setta d' nm menino 
Fa(?a que meu ser divino 
Se perca por cousa hamana ! 
Que m' aproveitam os céos, 
Onde minha essencia mora 
Com tanto poder, se agora 
A quem me adora por deos, 
Sirvo eu comò a senhora? u. s. w. 

Yergeblich hofft er die «tugendhafte Frau» fur sich zu 
gewinnen; da ràth ihm Merkur Amphitruos Gestalt anzu- 

nehmen. 

Es ist also das Ganze nicht Juppiters Werk 

und Erfindung. 

Merkur sagt ihm bei seiner Liebesqual (1. e): 

Senhor, tndo póde ser; 

Que para quem muito quer, 

Sempre a affei<?ao é manhosa. 

Seu marido està ausente 

Na guerra longe daqui. 

Tu qu'es Juppiter potente, 

Tomaràs sua forma em ti; 

Que faràs mui facilmente. 

E eu me transformarei 

Na de Sósea, criado seu. u. s. w. 

Freudig ergreift er den ihm gebotenen Ausweg und gè- 



— 30 — 

steht spater, dass einzig Amor wirke (H, 1), indem er auf 

Merkurs Worte: 

Mnito mais faras, senhor 

erwidert: 

Nào faz senào o Amor 
Que n'isto póde mais que'ea. 

Merkur ist es auch, der ihn (1. e.) uber die Vorgànge 
im Lager unterrichtet , der somit alles ins Werk setzt, und 
dem Juppiter dies auch mit den Worten zugesteht: 

Pois tudo tene ordenado 

Por tao nova e subtil arte . . . 

Niir der Befehl an Phoebus, die Nacht auszudehnen (II, 1) 

Que fa<?a mais devagar 

Seu carso neste Hemispherio 

geht direkt von Juppiter aus. 

Merkur ubemimmt nun die Rolle des plautinischen Mer- 
kurs, nachdem beide in ihrer Yerwandlung genauestens ihrem 
Originale gleichen. *) Er wacht auf Juppiters Geheiss vor 
der Thure des Hauses und hat mit der Gestalt des Sosia 
auch dessen spanische Sprache») angenommen. Wie dieser 
prahlt er bei dessen Heimkehr (II, 2): 

Pues tambien yo no crei 
Que en mi vida te viese, 
Segun las muertes que vi. 



>) Mercurio: Quem tao proprio se transforma, 

Tenho por opiniào, 

Que na tal transforma9ao 

Lhe prestou natura a forma, 

Com que fez Amphitriào. 
Juppiter: Pois tu no gesto e na cor 

Estàs Sósea escravo seu. 
1) So sprachen in den Komòdien jener Zeit das niedere Volk, 

Diener u. s. w. 



— 31 — 

Amphitruo ist, wie bei Plautus, der tapfere, siegreiche 
Held (II, 2). Wehmùthig stimmt ibn der ganze Yorgang ; 
seine Ehre hàlt er fiir verloren. Er klagt (Y, 2): 

Porque é roubada 
Minba honra sem temor, 
E minba cara tomada, 
E vossa prima enganada 
Por um grande encantador. 

Sein Schicksal riihrt ihn zu Thrànen; weinend gedenkt er 
(Y, 6) seines einstigen ehehchen Gliickes: 

E quando vejo a verdade 
Do nosso amor e amizade 
Desfeita com tanta màgoa 
Enchem-se-me os olbos d' àgoa, 
E a alma de saudade. 

Das ist der letzte Monolog, den er spricht, und (die 
Fragen que vai là? que cousas vào? ausgenommen) die 
letzten Worte. So sehen wir ihn erschiittert und innerlich 
vemichtet, bis Juppiter spricht und sich als Gott zeigt. 

Auch der Amphitruo des Plautus ist tief erschiittert 
durch die Stòrung seines hàuslichen Gliickes; er ist bemit- 
leidenswerth, wenn er (Y. 1082) Bromia fràgt: 

Scin me tuum esse erum Ampbitruonem ? 

aber wir sehen ihn langsam wieder aufleben und zufrieden, 
ja nicht ohne Stolz, des Yorganges gedenken. Ob wohl der 
Amphitruo des Camoes àhnlich mit Juppiters Schlusswort 
zufrieden ist? Er spricht es mit keinem Worte aus, und der 
Leser hat nach seiner Stimmung in der vorletzten Scene 
kaum einen Grund, dies anzunehmen. Der Schluss bringt 
eine Yersòhnung nicht zum Ausdrucke. 

Wie im Originale ist auch hier Alkmene das edle Weib. 
Ihr Gatte ist ihr Alles. 



— 32 — 

Ah Senhor Amphitriào 
Onde està todo mea bem 

seufzt sie (I, 1); er wohnt in ihrem Herzen; sie spricht 

co* cora(;ào 
Que dentro n* alma vos tera. 

Sie fragt, ob er im Felde oder sie zu Hause mehr ge- 
duldet habe. Sie hat ihn stets geliebt und war seine treue 
Gattin : 

Sempre de mi foi amado , 

Tanto quanto em mi se sente, 

Co' coraQao liado, 

Qae se de mi era ansente, 

Nelle via fignrado. 

E pois mulher, que cumprisse 

Melhor qu'eu fidelidade, 

Nào a vi, nem qnem me visse 

Que dos limites sahisse 

Um pouco da honestade. 

Als besonders tugendhaft riihmt sie auch Juppiter (I, 5): 

Mas que remedio hei de ter 
Contra mulher tao terribil, 
Que se nào póde vencer? 



Tu nào vès qu' està mulher 
Se preza de virtuosa? 

Ihre innige Liebe zu ihrem Gatten leuchtet besonders 
beim Wiedersehen hervor (II, 2) : 

Oh presenta mais querlda 
Que quantas formou Amor! 
Isto é verdade, Senhor? 
Acahe-se aqui a vida. 
Por nào ver prazer maior. 

Der Sclave Sósea, der spanisch spricht, ist bei weitem nicht 






I 



A • 



- 33 — 

so fein durchgearbeitet wie der des Plautus. Das Prahlen 
und die Feigheit hat er mit jenem gemein (II, 5) : 

Yo comò muerto le vi, 
Juro à mi fé, que le di 
Mas de dos mil cuchillazos. 

Gerade in dieser Scene ist er ganz und gar eine Gestalt 
der damaligen Bùhne geworden. 

Die ùbrigen Personen des Stiickes, der dichtende^) 
Feliseo, der Belferrào, Alkmeneus Yetter Aurelio, endlich 
Callisto sind zum grossten Theil Zuthaten des Dichters. 
Bromia hat im AUgemeinen dieselbe Aufgabe wie bei Plautus, 
nur berichtet bei Camòes Aurelio von der gòttlichen Er- 

scheinung. 

Hat somit der portugiesische Dichter im grossen Ganzen 
manches àndern zu miissen geglaubt, anderes, wie die gewiss 
wirksame Gegentiberstellung der beiden Amphitruo in der 
ersten Scene des funften Aktes nach den Supposita zu Plautus 
glucklich verwerthet, wobei stets eine verschiedene 
Grundidee vorlag — bei Plautus die beabsichtigte Zeugung 
des Herkules, stets (vgl. z. B. auch Y. 479, sqq.) hervor- 
gehoben, bei Camòes das Quiproquo der beiden Amphitruo, 
was schon der Titel (Os Amphitriòes) sagt — so hat er sich 
doch wieder in vielen Stucken enge an das Originai ange- 

schlossen. 

Wir sehen die Scene nicht, wo Juppiter Alkmenen den 
Becher des Kònigs Pterelas iibergiebt, aber der Yorgang ist 
beibehalten. Er erhielt ihn als Ehrengeschenk (II, 1): 



I 



») Derartige Dichter, welche ihre Liebespoesien jedem, der des Weges 
kommt, zum Besten geben mit der Versicherung, dass sie selbst ohne Bei- 
hiilfe dieses Gedicht verfertigten, wie Feliseo auf Kallisthos Frage „Senhor, 
vós so fizestes!'' emphatisch erwidert: „Si que ninguem me ajudou'* 
(I. 6) waren stàndige komische Figuren der damaligen Biihne. — Vgl. die 
hòchst gelungene Farce „De quem tem Farelos" des Gii Vi e e ut e, 
Beinhardstoettner, plautinische Lustspiele. I. 'ó 



r 



- 34 - 

Como em sinal da Victoria, 
Està copa Ihe foi dada, 
Por ella bebia el Rei .... 

Bei Plautus (V. 534): 

Nunc tibi hanc pateram , qnae dono mi illi ob uirtutem datast, 
Pterela rex qui potitauit .... condono. 

Der Abschied Pseudoamphitruos von Alkraene (III, 1): 

Vós me vereis ca, Senhora, 
Primeiro do que cuidais. 

erinnert an Juppiters Wort (Y. 455): 

Prius [enim] iua opinione adero. 

Die treffliche Scene, in welcher der plautinische Mercurius 
den Sosia in Angst versetzen will, hat sich Camoes gut an- 
geeignet. Dem (V. 309): 

Quisqnis homo hnc profecto nenerit, pngnos edet 

entspricht des Camoes (II, 6): 

No veo pasar ninguno, 

En qnien yo me pueda hartar. 

Dem (V. 321): 

Olel homo quidam malo ano. 



35 — 



das: 



La carne de algun humano 
Me seria mui sahrosa 



Dem (V. 325) : 

Vox mi ad auris aduolauit 

genau: 

Una voz de hombre ahora 
A la oreja me volò. 

So auch die Weigerung seinen Namen zu sagen: 



34.S. M. Seruosne es an liber? S. 
Vtqaomque animo conlubitnmst 

meo. 
M. Ain ta aero? 

362. M. Quis erns est igitur tibi? 
S. Amphitruo, qui nunc The- 
banis praefectust legionibus. 

364. M. Quid ais? quid nomentibist? 
S. Sosiam nocant Thebani. 

366. M. Ne tu istic hodie malo tuo 
compositis mendaciis 
Aduenisti . . . 



370. 



Nunc profecto vapula ob 
mendacinm. 



390. S. Non loquar nisi pace facta. 
M. Non nocebo. S. Tuae fide 

credo? M. Meae. 
S. Animnm aduorte . . .: Am- 
phitrnonis ego sum senios 
Sosia. 
M. Etiam denuo? 



M. ^Quién? ^quieres hablar? 
S. Soi quien mi voluntad quiere. 

M. ^Piensas que puedas hablar? 

M. i Di! ^Quién eres? 
S. Un criado 

Del Seiìor Amphitrion. 

M. ^Cómo te llamas, mal hombre? 
S. Sósea soi , se non me oiste. 

M. Con tan nueva falsedad 
Andais por està ciudad. 
Pues, si sois Sósea, tomad. 



S. Tregoas me has de prometer 

Dirtelohé sin profia. 
M, Prometo. 

S. ^No me daras? M. No . . . 
S. Pues, hermano, tu sabràs 

Que mi amo Amphitrion . . . 
M. ^Tu amo? ^Pues Uevaràs? 



und die Erzàhlung von seinen kriegerischen Erlebnissen und 
seiner Weinprobe: 



427. S. Legiones quom pugnabant 
mà,xame, 

Quid in tabemaclo fecisti? 
M. Cadus erat nini; inde im- 
pleui hirneam. 



S. ^Empero, tu que hacias, 
cuando la batalia vias? 

M. Cuando mi Seiìor andaba 
Peleando y derramaba 
La sangre de algun mezquino; 
Con una bota de vino 
Yo la mia acrescentaba. 



11. S. W. 



Der Monolog Alkmenens (III, 3) ist nach dem des 
Plautus (V. 633 sqq.) gearbeitet, doch stark zusammen- 
gezogen ; ebenso die Scene mit dem Becher, die Schilderung 




— 36 - 

wie der Pseudoamphitruo zu Hause that, diese letztere nur 
ctwas verhuUter u. dgl. mehr. 

Es hat Camòes in dieser Komodie schon im Aeusseren 
die Schule des Gii Vicento vertretcn, was, wie Braga treffend 
bcmerkt') an einem Manne Wiinder nehmen muss, welcher 
die klassische Renaissance kannte und sicli an der italienischen 
Litteratur begeisterte. D e s C a m óe s A r b e i t i s t v o n h o h e m 
poetischen Werthe»); die Redondilhenform ist 
prachtig gel unge n; es ist ein klassisches Produkt, aber 
echt national, antik, aber vòllig dem Geiste und Ge- 
schmacke seiner Zeit angepasst. Von alien Amphitruobear- 
beitungen ist an Formvollendung die des Camòes die einzige, 
welche sich MoUères Metrik an die Seite stellen kann. Es 
ist reine Musik, was diese Verse aussprechen. 

Unter den romanischen Volkern haben sich besonders 
die Italiener fiir Plautus interessirt. Plautus und Terenz 
wurden zuerst in Rom gespielt;') Paolo Cortese benchtet 
von einer Auffuhrung der Asinaria auf dem Quirinalischen 
Hugel.*) Dem Herzoge Herkules I von Ferrara besonders 
war unendlich viel daran gelegen, diese Auffuhrungen in 
seiner Residenz mit gleichem Glanze zu sehen; er reiste mit 
seinem ganzen Gefolge nach Mailand, nur um den Aufluh- 

<) Mannal da Historia da litteratara portngneza. Porto 1875. pag. 246. 

Admira por certo vèr Camòes, qne conhecia intimamente a Benascen?a 

classica, e que se inspirava da poesia italiana, segair no theatro a eschola 

de Gii Vicente." ^ v* •-«- 

5) Ibid. „Bastaram estes tres Antos de Camòes (se. Os Amphitnoes, 
El Rei Selenco, Filodemo) para revelarem um grande poeta, em nada 

inferior a Gii Vicente. , 

3) Primomm antistitam atriis prò theatris nsus, in quibus Pianti, 
Terentii" recentiornm etiam quaedam agerentar fabnlae.« Marcantonio Sca- 
MUCO im Leben des Pomponio Leto. - Vgl. Storia della letteratnra ita- 
liana del cav. Abate Girolamo Tiraboschi. Nuova edizione. Firenze 
(Molini, Landi e Co.) 1809. Tom. VI. Parte III. pag. 872. 
«) Tiraboschi VI, 873. 



— 37 — 

rungen des dortigen Hofes beiwohnen und sich ein Yorbild 
machen zu konnen. Er liess mehrere plautinische Stiicke'), 
darunter am 26. Januar 1487 den Amphitruo*) aufPiihren, 
der am 12. Februar 1491 bei der Hochzeit seines Sobnes 
Alfonso I. mit Anna Sforza wieder auf die Biihne kam. ') 
Diese Uebersetzung des Amphitruo ist von dem 1500 
im Gefàngniss erdrosselten *) Pandolfo Collenuccio^). 
Die Uebersetzung des Colenuccio «Commedia di Plauto inti- 
tolata l'Amphitriona, tradotta dal latino al uolgare, per Pan- 
dolfo Colonnutio, & con ogni diligentia corretta & nuoua- 
mente stampata» 1530. (in Yinegia per Nicolo d'Aristotile detto 
Zoppino fi. 64.) ist in leichter Form in terza rima und im 
engenAnschlusse an Plautus gearbeitet ; z. B. Alcmenas 
Monolog (pag. 24): 

Tatti i piacer che' n qnesta nita s'anno, 

Son poca cosa in comparatione 

De fatiche infinite e molto affanno, 
Nel qnal esser si tronan le persone, u. s. w. 



*) Z. B. am 25. Januar 1486 die Menaechmen. Il Duca Ercole da Este 
fece fare ana festa in suo cortile; fu una facecia di Plauto, che si chia- 
mava il Menechio. (Script, rer. ital. Tom. XXIV. pag. 278.) 

*) Il Duca Ercole fece fare in dicto cortile a tempo di notte la 
festa di Amphitrione e di Sosia con uno paradiso di stelle et altre rode 
che fu una bella cosa, ma non si potè finire, perchè comminciò a piovere ; 
bisognò lasciare stare a bore V di notte, dovea durare fino a le IX. 
(Script, rer. ital. Tom. XXIV, pag. 279.) 

3) In meggio de la Sala ghe era un Paradiso, e dopoi dieta festa 
feceno la Commedia di Amphitrione. (Script, rer. ital. Tom. XXIV, 
pag. 282.) 

*) Fabritii Biblioth. lat. rned. aevi T. /, pag. 1120. 

*) U Anfitrione fu opera di Pandolfo CoUenuccio da Pesaro che fu 
per qualche anno in Ferrara, e si ha in fatti alle stampe questa commedia 
da lui tradotta in terza rima e stampata poi in Venezia nel 1530. (Dram- 
maturgia di Leone Allacci, diuisa in sette indici. In Roma (Per il 
Mascardi 1666.) pag. 28. — Argelati, Bibl. degli volgarizzatori, Tom. Ili, 
pag. 228. IV, 357. 358. Fontan. Bibl. colle note del Zeno. Tom. I. 



- 38 .- 

Das ganze Scenarium stimmt mitPlautus iiberein; 
nur in den Supposita waltet er freier. Mit dem Beginn des 
funften Aktes liegt Amphitruo nicht vor seinem Hause, viel- 
mehr klopft er an die Thliren: 

Aprite, aprite, aprite o uni di drente. 

Se non eh' io steUo l'ascio in un momento. 

Bromia erzàhlt die Geburt u. s. w. nach dem Originale. Die 
Rede Juppiters (Bono animo es): 

Statti di buona uoglia, o Ampbitrione, 
Ch' io son qua per aiutar li tuoi u. s. w. 

ist, um die Thaten des Herkules zu erzàhlen, auf 123 Verse 
(vonl3 desOriginales)ausgedehnt worden. Eigenthlimlich 
ist der Schluss. Amphitruo erwidert Juppiter wie bei Plautus 
(Y. 1143, 44.), <iann aber, man hat wohl anzunehmen, als 
Juppiter Verschwunden ist, spricht er etwas anders« Der Gott 
batte ibm, seine Gnade anders, als durch Umgang mit 
seiner Frau beweisen kònnen, wohl ein Apart an das PubU- 
kum (fol. 64): 

Di tanta humanita, che l'immortale 

Gioue m'ha usata, contento seria 

Se pur fatto m'hauesse altro signale 
D'amor, che usar con la mogliera mia: 

Che tal domestichezza manifesta 

Non mi uà molto per la fantasia, 
E a dire il nero, non me piacque in testa 

Portar l'insegna de la come mai. 

Ma pur la sorte mia dogliosa e mesta 
Portaro in pace, e gli miei affanni e guai 

Ch'io non son solo eletto a tali honori 

Et ho per tutto de i compagni assai. 



pag. 202.) Vgl. Tiraboschi VI, pag. 878. — Dr. E. Ruth, Geschichte 
der italienischen Poesie. (Lpz. 1847.) U, 116.) 



-- 39 — 

Ma uui, presenti e chari spettatori 

Ridendo e giubilando fate segno. 

Se la comedia piace a nostri cuori 
Dio uè conserui ne lo eterno regno. 

Ohne Zweifel zàhlt die Uebertragung des Collenuccio zu 
den vollendetsten der Komòdie. 

Auch unter dem Nachfolger Herkules I., seinem Sohne 
Alfonso I.,') wurden die antiken Lustspieldichter gepflegt ; es 
fehlt nicht an Uebersetzern und Nachahmern bis in die 
spàteren Zeiten. 2) Agnolo de Firenzuolo^) (geb. 1493, 
gest. vor 1548) entnahm seine «Lucidi» und die «Trinuz ia» 
plautinischen Lustspielen (Menaechmi), die er jedoch in sehr 
geschickter Weise lokalisirte und den Zeiten anpasste. Bib- 

') Unter Feiner Regierung kam der Miles gloriosus des Celio Cal- 
cagni ni. (Tiraboschi VII. 858). Gasparo Sardi, Storie di Ferrara. 

2) Man spielte z. B. la Cassina und Mostellaria (in terza rima) von 
Girolamo Berardo (J501; gedruckt Yen. 1530. Tirab. VI, 878); die Au- 
lularia von Paride Ceresara (Tirab. VII, 479); Battista Guarino (Tirab. 
VI, 879) tibersetzte (1497) plautin. Stiicke ; im Februar 1499 wurde Tri- 
nnmmus und Poenulus und des Terenz Ennuchus in Ferrara anfgefiihrt 
(letzteres die erste Komòdie des Terenz) Die Bacchidc nach Plautus 
kam auf die Biihne (Tirab. VII, 1294). Aber die Cefalo des Nicolò da 
Correggio (in Ferrara am 21. Januar 1487 gespielt) ist nicht nach Plautus, 
sondern ein Pastoralstùck. (Tirab. VI, 884.) TIeber die angezogene Auf- 
fiihrung des Trinummus und Poenulus berichtct Bembo in einem Briefe 
an Angiolo Gabbrielli (fam. epist. 18 cai. mart. 1499): „Tres fabulae 
actae sunt per hos dies ; Plautinae duae : Trinummus et Poenulus, et una 
Terentii : Eunuchus." . . . Ueber spàtere Uebersetzungen sagt Tiraboschi 
(VII, 1329) Di Terenzio e di Plauto ancora non vennero in luce tai tra- 
duzioni che si possano rammentare con lode; ma molte particolari com- 
medie ne furono tradotte da diversi poeti. — Vgl. Ruth II, 496. — Spàteren 
Datums ist die Uebersetzung von P. Don Mauro Sellori (anagrammatisch 
Romolo dal Seri) (Rom, Orazio Campana 1702.) Auch erwàhnt Fabri- 
tius (Bibliotheca latina medii aevi I, S. 6) einer anderen von Pietro 
Pi areta; und weitere zwei Manuscripte, ein anonymes, und eines von 
Nicolò Fortiguerra nennt Argelati III, p. 230, 231. 
3) Tiraboschi VII, 1197. Ruth III, 499, 683. 



- 40 ~ 

biena riihmt sich, seine «Calandra» nach dem Vorbilde 
des Plautus (Memaechmi) bearbeitet zu haben '); eine aus 
286 Stanzen bestehende Novelle «Geta e Birria» (Vened. 
1560)2) beruht auf dem Geta (Amphitruo) (vgl. pag. 16), 
und die àusserlich von Amphitruo imabbàngig scheinende 
Komòdie «Il marito» des Lodovico Dolce (Ven. 1545» 
1560.)') ist ganz nach ihm geschrieben. 

Lodovico Dolce ist im Jahre 1568 in gròsster Armuth 
zu Venedig gestorben. Er hat vcrschiedenes aus ròmischen 
Classikern (Ovid, Cicero, Seneca, Catull, Horaz) iibersetzt. 
Von seinen zahlreichen Arbeiten berichtet vielfach Argelatis 
Bibliothek (z. B. Ili, 55, 92, 124, 125, 126, 159, 195 u. s. w.) 
Sein «Il Ruffiano»*) (Yenedig 1560) ist dem Rudens, 
sein «Il Capitano» (Yen. 1560) dem Gloriosus^) nach- 
geahmt; Il Marito (der Gatte) ist der Amphitruo des 
Plautus, wie uns der Prolog sagt, in dem er zugleich 
die Grunde auseinandersetzt, welche ihn zur Ausarbeitung 
veranlassten. 



») Gin guené, P. L. Histoire littéraire d'Italie. Paris 1813. Tom. VI, 
part. II. chap. 22. pag. 181. — Ruth II, 519. 

2) Angezeigt bei J. G. Sulzer, Allgemeine Theorie der schonen 
Kiinste. 2. Aufl. Lpz. 1793. Ili, 704 b. und bei Argelati, B. d. Volg. 
Ili, 229 als „Gieta e Birria" Novella tracta dall' Anphitrione di Plauto 
(senza luogo, nome dello Stampatore, ed anno) in 8. 

3) Il Marito. Comedia di M. Lodovico Dolce. Di nuouo cor- 
retta e ristampata. In Vinegia appresso Gabriel Giolito dei Ferrari 1660. 

^) Was wobl denselben Sinn hat, wie das spanische Wort {Schack. 

I, 228). 

5) Dies driickt der Prolog aus: 

Mi uolgo a dir ch'io u'appresento Plauto. ^ 



Vedrete comparerai innanzi il Milite , 

Ma con altra diuisa, e fatto giouane. 
So auch Zen in den Annotaz. zu Fontanini T. I. p. 371. — Argelati 
IV, 361. Questa commedia, dice il Zeno, esser tolta intieramente dal- 
l'Anfitrione di Plauto. — Ruth II, 499. u. 585. 



V 



__ 41 ~ 

Poi, che 'l mondo ha cangiato aspetto, et medesi 

Ogni di uariar costami, & huomini, 

E leggi, e Signorie, e linguaggi, & habiti; 

Marauiglia non è, se le Comedie 

Si fan diuersamente al nostro secolo, 

Qual con noci legate, e qual con libere. 

E se r Autor, che già ut diede il Milite 

Di Plauto] hora ni da quest' altra fauola 

Fatta con altri uersi & altri numeri 

Da 1' uso de' moderni assai dissimili. 

Hor, se grato u* è ognihor ueder si nane 
Mutationi; e renonar effigie 
Saria a ciascun di noi, penso, gratissimo, 
S' ei si potesse: spettatori piacciui 
Veder VAnfìtrio trasformato in Mutio, 

Sehen wir nun, wie Dolce, dem als Uebersetzer *) und 
als Lustpieldichter 2) Biihnengewandtheit nicht fehlte, diese 
Umgestaltung zu Stando brachte. 

I. Akt. Die erste Scene des ersten Aktes klàrt uns die 
Situation. Mutio, der Gatte Yirginias, ist nach zehn- oder 
zwòlfmonatlicher Abwesenheit im Kriege mit den Tiirken mit 
seinem Diener Nespilo zuriickkehrt. Unterdessen hat bereits 
einige Menate lang Fabritio bei Virginia die Stelle ihres 
Gatten vertreten. Er sieht dem abwesenden Mutio vòllig 
àhnlich, und sein Diener Roselo gleicht aufs genaueste dem 
Nespilo, so dass sie niemand unterscheiden kann: (I, 1). 

come è simile 
Il mio padrone a questo Messer Mutio: 
Et io del tutto m' assomiglio a Nespilo. 
Non nider mai tutte le età de gli huomini 



J) Vgl. Tiraboschi VE, 1326, und die Notizen oben aus Argelati. 

2) Tirab. VII, part. III. S. 1301. Più altre (se. commedie) ne 
abbiamo ... di Sforza degli Oddi ... del Dolce ... Ma a me basU 
accennarli. — Allacci (pag. 448) ftihrt 5 Lustspiele und 18 Tragòdien 
von ihm auf. 



— 42 — 

Aspetti pia conformi; ne miracolo 
Uguale a questo.*) 

Der Diener Roscio hat ihn landen sehen. Nespilo tritt 
auf, um seiner Herrin die Ankunft ihres Gatten zu melden; 
vor dem Hause jedoch jagt ihn Roscio mit Schliigen fort und 
sagt, er sei selber Nespilo, was bei der grossen Aehnlichkeit 
diesen ganz verwirrt macht. Fabritio nimmt von Virginia 
Abschied, da er auf des Kaisers Geheiss zu Felde ziehen muss. 

IL Akt. Nespilo erzàhlt seinem Herrn Mutio, dass ein 
Doppelgànger ihn abhielt seinem Befehle gemàss seiner Gattin 
die Botschaft zu tiberbringen. Dieser schenkt seinen Worten 
keinen Glauben; da tritt Virginia auf klagend tiber die so 
schnelle Trennung von ihrem Gatten. Sie erblickt Mutio. 
Dieser eilt ihr entgegen und begriisst sie; sie aber versiehert 
ihm, dass er soeben erst von ihr weggegangen sei, sonst ja 
bei ihr gelebt habe, und dass sie gesegneten Leibes sei, was 
zu allgemeiner Verwirrung veranlasst. 

III. Akt. Fabritio ist zuruckgekehrt, um Virginia zu 
beschwichtigen. Er erzàhlt ihr, er sei so sehr erregt ge- 
wesen, weil hier in Padua sich ein Nekromant aufhalte, dem 
es moglich sei, sich in alle Gestalten, besonders in jene von 
Ehemànnern, zu verwandeln und die Weiber zu berticken. 

<) Dolce findet diese Voraussetzung selbst so unwahrscheinlich, 
dass er nochmal (III, 2) darauf zuriickkommt ; 

è tanto simile 
Il mio Fabritio a Mutio che fu ageuole 
A lei condursi del marito in cambio 
(Il che pare ad udir cosa impossibile) 
E goderla più mesi in pace e in ocio: 
S'aggiunge che'l famiglio di Fabritio 
È simile al famiglio di quel Mutio 
Per modo tal, che non fé Michel Angelo, 
Titian, e Rafael, ch'è tanto celebre, 
Ritratto mai, ch'ai nino più assomiglisi, 
Di qnal , che fan tra lor. 



^ 43 -- 

Er geht alsdann mit Virginia ins Haus, Roscio erhàlt Auf- 
trag zu schliessen und niemand einzulassen. Emilio, der 
Freund Fabritios, und Celio treffen sich, sprechen uber Fa- 
britio, der nun doch, da Mutio zuruckgekehrt ist, von Virginia 
werde lassen miissen. 

IV. Akt. Mutio kòmmt zu seinem Hause zuriick und 
findet es verriegelt. Roscio wehrt ihm den Eintritt, da Mutio 
eben gespeist habe und mit Virginia der Ruhe pflege. In- 
dessen Mutio laut klagt, kommt Nespilo mit Giulio uber die 
Vorgànge im Hause seines Herrn sprechend. Mutio zieht 
ihn wegen seiner soeben bewiesenen Unart gegen ihn zur 
Rechenschaft; doch Giulio beweist fiir den staunenden Diener, 
dass dieser schon seit einer Stunde bei ihm sei, also hier 
nicht gewesen sein kònne. Auf Mutios weiteres Klopfen 
treten Fabritio und Roscio aus dem Hause. Giulio eilt ab; 
denn es ist ihm unmòglich, die rechten beiden zu bestimmen. 

V. Akt. Fabritio beklagt dem Emilio gegeniiber, dass 
leider die Stunde gekommen sei, um fiir immer von Virginia 
zu scheiden. Wie soli es sich losen? Emilio erzàhlt ihm 
nun, dass Fra Girolamo da Pesaro, ein schlauer Monch, es 
auf sich genommen habe, Mutio zu beschwichtigen. Bald 
tritt auch der Mònch mit Mutio auf. Er berichtet dem stau- 
nenden Mutio, dass ein Poltergeist (Spirito Folletico), deren 
es in der Luft cine Million gebe, scine Stelle vertreten habe ; 
dass sei aber kein Teufel; denn diese konnten kein Weib 
befruchten : 

Che i Demoni non possono concipere; 
O, per dir meglio ingrauidar le femine : 
Perchè non hanno seme: ne 1' altissimo 
Permetterla, che Donna con battesimo 
Ingranidata fosse dal Dimonio. . 



Das wollte er ihm, wenn er gelehrte Studien hinter sich bàtte, 
(se hauessi lettere), im Scottus und Lactantius beweisen. Auf 



-^ 44 — 

Mutios kritische Frage, ob seine Fraii von einem solchen 
Geiste gesegneten Leibes sei 

Dunque; mia moglie è d' un FoUeto grauida? 

erfàhrt er die Antwort, sie es sei von ihm, was er zwar gern 
bàtte, aber doch nicht glauben kann. 

F. G. È di te stesso. M. È di me stesso? F. G. Mutio, 
M' intenderai, se m^ odi con patientia. 
M. Caro V haurò: ma mi par impossibile. 

Bruder Girolamo erwidert ihm, das komme davon, dass 
er von Theologie nichts verstehe. Ein solcber Spirito FoUeto 
habe ihn eines Nachts vom Lager nach Padua im Schlafe 
getragen : 

Cosi avien che tua moglie è di te grauida. 

Mutio glaubt dies zwar nicht geradezu: 

Padre, lasciamo andar si fatti termini: 

Ch' io non so quel che me ne dica, o credami. 

Es làsst sich nicht mehr àndern ; so will er wenigstens 
in sein Haus zurùck. Bruder Girolamo nimmt ihm den Eid 
ab, dass er das Kind seiner Frau anerkennen wiirde, und so 
tritt er zum Schlusse anscheinend versohnt mit seiner Gattin 
ins Haus ein. 

Ohne Zweifelist dieses Stuck eine schamlose Karri- 
katur der plautinischen Komòdie, die erbàrm- 
lichste Entstellung derselben. Je weiter wir uns 
eben von dem mythologischen Hintergrunde entferaen, desto 
sittlich bedenklicher wird der Stoff. Dazu kommt noch Dol- 
ces brutale, derbe Durchfuhrung, so gewandt auch die 
Sprache sein mag. Ein zufàllig dem Gatten aufs Haar 
gleichender Wtistling, dessen Diener jenem des Gatten nicht 
minder àhnlich ist, bertickt die ehrsame Ehefrau des im 
Kriege weilenden Kàmpfers. Das schnòdeste Motiv des 



— 45 -^ 

ganzen Stiickes ist der Umstand, dass der Verfiihrer triumphirt. 
Den tragischen Schmerz und die innere Folter des ungliick- 
lichen Mutio findet Fabritio komisch (III, 3): 

Hai uisto e inteso il tutto; a pena possomi 
Bitener da le risa. 0, come arrabbia 
Il pouerin; per certo non fu fauola 
Giamai si bella d'ascoltarsi, o legger 
Quanto parrà a ciascun si fatta historia. 

Der Beschwichtigung des bethòrten Gatten durch den 
Namens der Keligion handelnden Monch hort 
Fabritio mit seinem Freunde Emilio zu, und dieser sagt, als 
sie voriiber ist, in cynischer Weise (V, 4): 

Hor uedi, come il Bue lasciato ha uolgersi 
Dal santo Padre. 

Und nicht minder frech sind die Worte, mit welchen 
sich Fabritio an die Zuschauer wendet und sie fràgt, ob unter 
ihnen nicht auch welche sind, die àhnUches ruhig dulden: 

Ne ui marauigliate : che ben trouansi 
Molti tra noi, che tal costume seguono 
Senza noia o disturbo. 

Gerade der Umstand, dass die Religion Mutio be- 
schwichtigen soli, dass ein Mònch, so heilig wie Giro- 
lamo (V, 1) 

in tutta Padoua 
Non e' è frate più santo , ne più pratico 
Ne la scrittura ... 

aber zugleich nicht minder schlau (ibid.) 

e fra Girolamo 
È ghiotto, & ha a le man tutte le astutie,. 
Che puote hauere un frate dotto e pratico 
De le cose del mondo. 

die Religion benutzt, um einen so unsauberen Knoten zu 



— 4C) — 

losen, dem getiiiischten Ehemann die HOlle androht, falls er 
anders als versohnlich handle (Y, 2): 

Che in uerità tu ti uedresti misero 
E in uita e dopo morte 

dass er ihn schwòren làsst und als àchter Jesuit sogar den 
Fall der reservatio mentalis vorsieht: 

ciò dico; perche gli huomini 
Spesse fiate con la bocca giurano, 
Ma il cuor parla altramente, 

dass er ihm Geld fttrs St. Antoniuskloster abnimmt und ihn 
den andern Tag zur Beichte citirt, ist das Schàndlichste an 
der ganzen Komodie. Allein Dolce gesteht ja im Prolog zu 
seinem Ragazzo zur Charakteristik seines Auditoriums, dass, 
um zu gefallen, , jedes Wort und jede Handlung unanstàndig 
sein muss". Er scbrieb also mit Berechnung fiir den Kitzel 
des Publikums ! *) 

Man vergegenwàrtige sich Mutios schreckliche Lage, 
seinen wahren Schmerz, die Schilderung, welche (III, 3) Celio 
von ihm giebt: 

io r ho ueduto, e uditolo 
Per istrada doler, gridar, distruggersi 
D' hauer trouata la mogliera grauida: 
E uuol saper chi è quel, che con V imagine 
Sua, come mostra hauere inteso, gli habbia 
Tolto l'honor. Tu sai , comò per picciolo 
Sospetto i Padouani amazzar sogliono 
Gli huomini e le mogliere. 



») Bekannt und ofter citirt (Giung. VI, 293. Ruth II, 509) ist ja 
Dolces Prolog zu seiner Komodie II Ragazzo , wo er (Asg. von 1550) 
S. 4 schliesst. „Ma se forse parrà ad alcuno, che in lei (se. commedia) 
si esca alcuna uolta fuore de' termini della honestà, donerete pensare, 
che a noler bene esprìmere i costumi d'hoggidi, bisogiì crebbe , che le 
parole ^ gli alti interi fossero lascinia,'^ 



- 47 - 



wie er selbst daran denkt, sich den Tod zu geben (lY, 3) 

Che tardi pia? che non f amazzi? 

und stelle dagegen den Triumph des sittlich verkommenen 
Fabritio, so haben wir das Yorbild jener schàndlichen Komodie, 
die spàter in verschiedenen Làndern Sitte wurde, und deren 
Witz einzig darin bestund, dass jeder ehrliche Mann dem 
Gelàchter der Zuschauer preisgegeben wurde, jeder Schurke 
als Sieger von dannen gingJ) 

Auch die Charaktere des Sttickes sind nicht ausgepràgt 
Dem leichtglàubigen, dummen^) Mutio, der seine Gattin iiber 
Alles liebt^), dem auch persònlicher Muth nicht in ali zu 
grossem Masse verliehen ist*), steht die keusche^), ùberaus 
schone®) Virginia gegenùber, das unschuldige"^) Spielzeug 

*) Ueber die grenzenlose Unsittlichkeit der damaligen italienischen 
Biihne, siche bei Ruth II, 505~òl5. 

2) V, 1, Questo Mutio 

È sciocco, & ama la consorte. Facile 
Cosa sarà, eh ogni nonella e frottola 
Del frate creda come il Credo: massima 
Mente, e' ha in lui diuotion plenaria, 
Come dimostra hauerla. 

3) Er nennt seine Frau (IV, 1) ^- 

Mutio, la moglie tua, la tua Virginia; 

Ch' era il tuo bene, il tuo cuor, la tua anima. 

III. 4. Mutio, 

Ancor eh' ei sia soldato e nato in Padoua 

È . . . più sciocco e timido 

Che non fu '1 Calandrin di Gian Boccaccio. 

*) I, 4. s' io credessimi. 

Signor mio caro, eh' in noi qualche dubbio 
Fosse de la mia fé, eh' è chiara e lucida, 
Hora io farei quel che già fé Lucretia. 

6) III, 4. Virgìnia è bella . . . 

7) L' innocentia 
Difenda Dio di questa bella gionane: 
Che, s' ha meco peccato in adulterio 



— 48 — 

Fabritios. Ein Anlauf zu etwas Charakterdarstellung ist im 
ersten Akte in der Figur des furchtsamen *) Nespilo gemacht 
worden, wo dieser iiber die Fiirsten als die Anstifter der 
Kriege schmàht und seiner Philosophio vom ewigen Frieden 
Worte verleiht^); aber es ist nur ein Anlauf, eine Reminis- 
eenz des vom Kriege heimkehrenden plautinischen Sosia, 
der tiber Herren und Knechte philosophirt. 

Hat nun Dolce so das Stiick wesentlich geàndert und 
aus dem mythologischen Faktum der plautinischen Komòdie 
ein abscheuliches Gemàlde sittlicher Verkommenheit ge- 
macht 3), so sind doch der Anklànge an Plautus zu viele, 
um einen kurzen Yergleich mit dem Originale gànzlich ab- 
zuweisen. Insbesondere die ersteren Akte sind, wie schon 
die Inhaltsangabe zeigt, auf Plautus aufgebaut, oft mit wòrt- 
licher Benutzung des Originales. So z. B. Merkurs Bramar- 
basiren. 

V. 302. Agite pugni: iam diast quom uentri nictam non datis 

lam pridem uidetur factum, beri quod homines qnattnor 
In soporem conlocastis nndos. 



Col corpo suo, non peccò già con 1' animo, 
Giacer credendo col marito proprio. 
') I, 2. Non è huom più timido 
Di questo sciocco. 

2) I, 2. Maledette sian V armi, i Duchi, e i Prencipi, 

Che' 1 mondo spesso sottosopra uolgono. 

che uiuer saria dolce e pacilìco, 

Se ognun si stesse nel suo stato a godersi 

Ciò che possedè; e non cercasse togliere 

Quel, che è d' altrui, spingendo a morte gli huomini. 

3) Vgl. Ginguenés Urtheil flber die Komòdie VI, 291. „L'exacte 
ressemblance de Juplter avec Tépoux d'Alcmène, et de Mercure avec Sosie, 
étant Teflfet d'un pouvoir surnaturel, est mythologiqnement vraisemblable : 
celle de deux bourgeois italiens et de leurs deux valets, si entière que tonte 
une ville s'y méprend, et qn'une femme honnète, mais sensible, y est 
trompée de jour et de nnit, est hors de tonte ressemblance.^ 



f 



— 49 — 

I, 2. pugna mie durissime 

Più che diamante; perche state a cintola? 
Parui egli si gran tempo che a quattr' huomini 
La terza notte noi faceste correre 
La ceruella in sugli ochi? 

V. 306. Quattuor uiros sopori se dedisse hic autumat: 
Metuo ne numernm augeam illum. 

I, 2. Ei dice, eh' a quattr* huomini 

Ha spezzato la testa. Io resto in dubbio 
Che me non faccia il quinto, e accresca il numero. 

V. 843. M. Seruosne es an Iiber? S. Utquomque animo conlubitumst meo. 

I, 2. Io son quello che mi piace d' essere. . . . 

Sei famiglio o huomo libero? 

V. 389. M. Immo indutiae parnmper fiant, siquid nis loqui. 
S. Non loquar nisi pace facta. 
M. Die siquid nis: non nocebo. S. Tuae fide credo? M. Meae. 

I, 2. R. Tregua facciasi 

Fin che tu parli. N. Pace io chieggio, domine. 
Altrimenti io non parlo. R. Parla che licentia 
Ti do di dir, senza eh' io t' habbia a offendere. 
N. Io credo a la tua fede. R. Le poi credere. 

V. 394. Amphitruonis ego sum seruos Sosia. 

• I, 2. Nespilo io sono, e seruitor di Mutio. 

V. 402. Hic homo sanus non est. 

I, 2. Infine, tu sei pazzo. 

V. 403. S. quod mihi praedicas uitinm, id tibist. 

Quid , malum , non sum ego seruos Amphitruonis Sosia ? 
Nonne hac noctu nostra nauis huc ex portu Persico 
Venit .... 

Nonne ego nunc sto ante aedis nostras? ^ 

Non loquor . . . 

Quid igitur ego dubito? aut quor non intro eo in nostram 

domum? 
Reiuhardstoettuer, plautiDìsche Luatspiele. I. 4 



- 50 



— 51 — 



V. 411. M. Omnia ementitu's : eqnidem sum Amphitruonis Sosia, 
u. s. w. 

I 2. N. Questo nitio 

È tuo. Hor non son^ io seruo di Mutio? 
Non son uenuto io seco di Vinegia? non è » 

Questa la casa nostra? . . . 
... io pur parlo . . . 
. , . perche rimango adunque e dubito 
D' entrar in casa? 

R. . . Non pensar d'entraruici, 

Ch^ ella è mia casa: mio padrone è Mutio: 
Io Nespilo suo seruo . . . 

So der Beginn des zweiten Aktes: 

V. 551. Am. Age i tu secnndum. Sos. Sequor, subseqnor te. 

Am. Scelestissumum te arbitror. Sos. Nam quamobrem? 

Am. Quia id quod ncque est, ncque fuit, ncque futurumst 

Mihi praedicas .... 

Am .... iam quidem hercle ego tibi istam 

Scelestam, scelus, linguam, apscidam. Sos. Tuua sum 

Proinde ut commodumst et lubet, quicque facias. 

Tamen quin loquar haec uti facta sunt hic, 

Nunquam ullo modo me potes deterrere. 

Am. Scelestissume, andes mihi praedicare id, 

Domi te esse nunc, qui hic ades. Sos. nera dico u. s. w. 

II, 1 Mut. Camina pur. N. Camino. M. Temerario! 
N. Perche mi dite temerario? M. Bestia, 
Ardisci tu di raccontarmi fauole 
Mai non più intese al mondo & impossibili? 

M se tu non taci, Asino, cauoti 

Quella linguaccia. N. Uoi padron potetemi 

Amazzar, se uolete: ma il contrario 

Non dirò mai s' ho detto il uer. M. Tristissimo, 

Ancor uai replicando; e affermi d'essere 

Ne la mia casa: e tuttauolta ueggoti 

Su questa strada innanzi gli occhi proprii ? 

N. S' io dico uer . . . 

Ganz àhnlich ist auch Yirginias Monolog (II, 2) dem der 
Alcumena. (Y. 633): 



Satin parua res est uoluptatum in uita atque in aetate agunda 

Praequam quod molestumst . . . 

Nam ego id nunc experìor domo atque ipsa de me scio . . . 

Certo tutti i diletti, che si godono 

Nel mondo, a paragon de le molestie 

Si ponno addimandar pochi e breuissimi. 

In me ueggo 1' esempio, e sento, e prouolo . . . 

Alcumena glaubt, als sie ihren Gatten wieder erblickt, er 
woUe ihre Liebe priifen. (Y. 661): 

An ille me temptat sciens 
Atque id se uolt experiri, suum abitum ut desiderem? 

ebenso Yirginia. (II, 2): 

Forse uole ispiar, s' io mi ramarico 
De la partita sua. 

Solcher Reminiscenzen ergeben sich im Stiicke noch viele 
z. B. (Y. 1031): 

Me. Prodigum te fuisse oportet olim in adulescentia. 

Am. Quidum? Me. Quia senecta in aetate a me mendicas malum. 

Io uogUo creder che sii stato prodigo 
Quand' eri giouanetto: e' hor limosina 
Cerchi da me di pugna e calci. 

Sie zeigen, wie sehr Dolce sein Originai stets vor Augen 
schwebte; was zugleich den Unterschied jener so oft geriihm- 
ten klassischen Unbefangenheit gegentiber jenem beabsichtigten 
Kitzel spàterer Zeiten — Natur und Raffinirtheit — in ihren 
Gegensàtzen deutlich zu erkennen giebt. 

Die ungeheuere Yorliebe fiir Plautus erlosch in Italien 
im sechszehnten Jahrhunderte nicht. Ariosi ahmt in seinen 
Suppositi die Captivi des Plautus*) (und den Eunuchus 
des Terenz) nach, die Clizia des Machiavell ist des Plau- 
tus^) Casina, Giammaria Cecchi in seiner La Dote ver- 



«) Ginguené VI, pag. 195 ff. Ruth II, 523. 524. 
2) Ibid. VI, 238. 



4* 



f 



— 52 - 

setzt den Trinummus einfacb nach Florenz ') und holt aus 
den Menaechmi den Stoff zu «la Moglie»,^) seine Incan- 
tesimi sinddie Cisteliaria, 3) die Stiava der Mercator,*) 
Ercole Bentivoglio (f 1572) macht aus dcr Mostcllaria 
sein Liistspiel II fantasma, •'^) Giambattista Gelli schreibt 
TErrore nacb der Casina und La sporta (Korb) nacb der 
Aulularia/) Trissino nacb den Menaecbmi seine Si- 
millimi"^) — alles nacb Plautus, den man oft einfacb tiber- 

trug. ^) 

Wieder auf den Ampbitruo, docb in gar eigentbum- 
licber Form griff Luigi Groto Cieco di Hadria zuriick in 
seinem Pastoraldrama La Calisto,^) einem bòcbst lasciven 
Werke, das seit 1561 gespielt und in umgearbeiteter Gestalt 
am 24. Februar 1582 aufgefubrt wurde. Die Grundidee ist 
aus Ovid (Metamorpb. II. 400 sqq.), jedocb die Inscenirung 
nacb dem Ampbitruo. Juppiter, brennend von Liebe zu 
Kaliistbo nimmt die Gestalt Dianas an, Mercurius jene der 
Isse, jener Nympbe, welcbe Diana nacb Kaliistbo am meisten 
liebt. Mercurius bat zu wacben, damit die Dazwiscbenkunft 
Dianas oder Junos Juppiter nicbt iiberrascbe, Mercurius 
benutzt gleicbfalls seine Maske, um die Nympbe Seluaggia 
zu gewinnen. Es folgen alsdann dieselben Yerwecbslungen 



') Ibid. VI, 273. Ruth II, 583 (auch in Frankreich von Desto n- 
clies nachgeahmt, und in Lessings „Schatz"). 

2) Ibid. VI, 276. Ruth II, 583. 

3) Ibid. VI, 276. Ruth, ib. 
*) Ibid. VI, 277. Ruth, ib. 

») Ibid. VI. 294. Ruth II, 687. 

6) Ibid. VI, 304. Ruth II, 583, 84. 

7) Ibid. VI, 306. Ruth III, 588. 

8) Ibid. VI, 312. Lea anciens étaient allors l'objet d'une étude assidue 
et d'une imitation constante. . . . On copia Piante et Térence. . . . 

9) La Calisto, nona fauola pastorale di Luigi Groto Cieco di Hadria. 
Nouamente stampata. In Venetia (appresso Fabio e Agostin Zoppini 
fratelli 1583). 



- 53 - 

wie im Ampbitruo und Missverstàndnisse aller Art, da Apollo 
als Scbàfer der Nympbe Isse seine Gefiible ausdriicken will 
und bald diese bald Mercurius in ibrer Gestalt vor sicb bat. 
Endlicb entdecken sicb die drei Gotter vor einander, und das 
Scbàferspiel endet zu aller Zufriedenbeit. Die Nympben konnen 
zwar nicbt mebr als solcbe Dianen dienen, sondern sie er- 
balten jede einen ibrer fruberenYerebrer(Silu io undGemulo), 
die trotz dessen was vorberging, iiberglucklicb sind, àbnlicb 
dem Ampbitruo, der mit dem Gotte sicb tbeilte. *) 

An EigentbiimUcbkeitenist bierallerlei zusammengetragen. 
Die Scene ist «in Parrasia, cbe si cbiamò poi Arcadia». Scboa 
der Prolog weist auf Plautus bin: 

Qui parleran gli Dei, come già in Plauto. 

Am Scblusse des ersten Aktes singen die drei Grazien, 
am Scblusse des zweiten vier Scbwàne, am Scblusse des 
dritten alle Bàume, am Scblusse des vierten die Wolken. 
Am Ende (V. 3) lost Juppiter gewaltsam die Yerwicklung, 
Tvie im Ampbitruo: 

Horsù Diana per trarti di dubbio, 

Io son Gioue ino padre, ^ è Mercurio 

Questi .... 

La cagion del uenir nostro in Parrasia 

Fu l'amor verso due de le tue uergini, 

Ver Calisto, e Seluaggia. A queste pouere 

Ninfe ingannate dal uiso, e da 1' habito , 

Indi da noi con forte uiolentia 

Sforzate, da perdon. Verso lor placati, 

Poich' elle non ne han colpa, anzi ramarico. 

Aebnlicb ist seine Favola pastorale «Il Pentimento Amo- 
roso» (gespielt 1575, Asg. 1585). — Ausserdem scbrieb er 
Tragodien La Hadriana (Asg. 1583), La Dalida (Asg. 1583) 
und Lustspiele La Emilia (gespielt 1. Màrz 1579, Asg. 1583); 



') Ginguené VI, 363. Ruth II, 615. 



- 54 - 

Il thesoro (Asg. 1583), in dessen Yorrode an Alfonso de Este 
er des Plautus Aulularia gedenkt. Allacci nennt acht Stucke 

von ihm. 

So gaben die Stiicke des Plautus lange den Italienern 
eine unversiegbare Quelle. Eine spàtere Bearbeitung des 
Amphitruo von Parlati erwàhnt Vapereau. *) Es ist dies 
wohl nur ein Operntext, wie scine ùbrigen «tragicommedie 
per musica». 

Auch in Frankreich fehlte es an Plautusimitationen nicht. 
Der Amphitruo war seit dem Jahre 1500 durch die Ueber- 
setzung von J. Meschinot in seinen Poésies diverses (Brug. 
1500) bekannt. Im Jahre 1636^) erschien die erste Be- 
arbeitung des Amphitruo fur die franzòsische Biihne von 
Jean Rotrou (geb. den 19. August 1609, gest. 1650) unter 
dem Titel «Les Sosies». Rotrou hat sich mehrfach mit Plautus 
beschàftigt und auch die Menaechmi und die Captivi (1638) 
bearbeitet. Besonders riihmend erwàhnt Rotrou als sein Vor- 
bild^) den Italiener Sforza d'Oddi — Sforza degli Oddi*) 



*) Va p e reali , dictionnaire universel des littératures, Tom. I. pag. 83. 
„Ainpliitryon, comédie de Piante , imitée sous le méme titre par Molière, 
Dryden et Parlati. Es ist der bei G. Maffei Storia della letteratura 
italiana (Milano 1825) III, 163 genannte „PietroPariati, poeta di medio- 
crissimo merito''^. Er war einer der Gelegenheitsdichter am kaiserlichen . 
Hofe zu Wien, wo sein „Creso" (1723), und Munchen, wo seine „La 
pubblica felicità^ (1722) erschien. Der Amphitruo war mir nicht zu- 
ganglich. 

2) Nach der Ausgabe Paris 1820 (Th. Desoer) III, 352—456; nach 
andern 1638 mit dem Titel: les deux Sosies. So bei Moland V, 9. 

') Vgl. M. Guizot, Corneille et son temps. Étude littéraire. Paris 
(Didier 1873) pag. 381. „Les poètes dramatiques de l'antiquité étaient 
tradnits et S f o r z a d'O d d i , antenr italien, dont Rotrou a imité une comédie 
(la Clarice) et qu'il vante pour ses imitations de Piante (voyez la préface 
de Clarice) pourrait bien Vavoir aidé dans celles des Sosies et des 
Ménèchmes. 

4) Ginguené VI, pag. 305. 309. Ruth II, 595. — Allacci fùhrt 
(pag. 484) drei Koniodien von ihm an. 



!• 



— 55 - 

aus Perugia (t 1610), den er in der Clarice (1641) nachahmte, 
woruber er in der Yorrede zu diesem Stucke spricht. ») 

In der Reihe der Scenen, im Dialogo, kurz durchweg 
folgt Ptotrou wòrtlich dem Plautus, nur einige Zuthaten 
sind von ihm, so der etwas steife Prolog der Juno, in welchem 
sie ihrer gluhenden Eifersucht Luft macht und ihrem Gatten 
in Herkules einen gefàhrlichen Nebenbuhler prophezeit. 

Lui-méme contre lui servirà ma colere. 

Der erste Akt stimmt Scene fiir Scene mit dem Originale 
iiberein. Mercurius hàlt vor dem Hause als Sosia in der 
dreifach langen Nacht Wache und jagt den Sosia verwirrt 
von dannen. Juppiter scheidet von Alkmene. Ebenso ist 
der zweite Akt ùbereinstimmend mit Plautus; die Thessala 
ancUla heisst hier CéphaUe. In den dritten Akt ist als sechste 
Scene ein Gespràch Merkurs mit Céphalie eingeflochten. Der 
vierte Akt fiihrt zum Streite Amphitryons mit Merkur. Sosia 
kommt mit dem Hauptleuten , die er auf Jùppiters Geheiss 
zum Mahle geladen hat. Er behauptet Amphitryon gegeniiber, 
der ihn zur Redo stellt, dass er ja so befohlen habe, woriiber 
dieser in heftigen Zom geràth. Unterdessen tritt Juppiter 
aus dem Hause und begriisst die Hauptleute. Beide Amphi- 
tryone stehen sich gegeniiber und berichten in sehr gelungenen 
Erzàhlungen von ihren Heldenthaten (lY, 4). Die Hauptleute 
vermogen nicht, den richtigen zu unterscheiden , sie folgen 
aber Juppiter, der sie zur Tafel làdt, der erste meint (lY, 4): 

^Die von Guizot angefiihrte Stelle in der Vorrede (Au lecteur) 
zur Clarice (IV, 343) lautet: Je ferois tort à l'auteur Italien Sforza 
d'O d d i, si je dérobois à sa réputation la gioire de cet ouvrage. Je n'en 
suis que le traducteur , non plus que des pièces de Piante que ce docte 
homme a parfaitement imitées. Es folgt nun ein langes Loh des Plautus. 
Spàter (S. 344) nennt er Sforza degli Oddi nochmal ,.un des plus 
rares esprits d'Italie". - Dass auch der Stoff von Rotrous Komòdie La 
soeur (1645) von Sforza degU Oddi sei , wird (in der Notice historique 
et littéraire sur la soeur IV. 642) in Frage gesteUt. 



\ 



— 56 — 

L'avis où je m'arréte 
Est de snivre celai chez qui la table est prete, 

und der zweite: 

Point, point d'Amphitryon où Ton ne dine point. 

Amphitryon wird aus seinem Hause hinausgesperrt. 

Im fiinften Akte priigelt Merknr den Sosia aus dem Hause, 
weil er sich in die Kiiche gewagt batte. Diese schmàhliehe 
Behandlung veranlasst ihn, sich in einein làngeren Monologe 
fiir seinen Herrn, den wirklichen Amphitryon, zu entscheiden. 
Mit dem heroischen Entschlusse (Y, 1): 

Cherchons le malhenreux et suivons sa fortune; 
Compagnon de son sort partageons son souci; 
S'il périt, périssons; s'il vit, vivons aussi 

geht er ihn zu suchen. Juppiter nimmt von Alkmene Ab- 
schied, um zum Kònige Kreon zu geben. Er sagt abnungs- 
voU seiner Gattin, ibr kunftiger Sobn kònnte einmal fiir einen 
Sobn Juppiters gelten (V. 2): 

Adieu, conserve-toi pour ce fruit précieux 
Qui va naitre à la terre à la honte des cieux, 
Et dont j'osois predire et non sans connoissance, 
Que Jupin sera cru Tiuteur de sa naissance. 

Indessen die drei zuruckgebliebenen Hauptleute iiber 
das Wunder der beiden Amphitryone sprechen, nabt Amphi- 
tryon mit Sosia und den Wachen des Kònigs Kreon, um 
gewaltsam in sein Haus zu dringen. Ein màchtiger Donner- 
schlag wirft die Eindringenden zu Boden. Céphalie tritt aus 
dem Hause und berichtet die schmerzlose Geburt zweier 
Knaben. Unter neuem Donner offnet sich der Himmel, 
Juppiter klàrt alles auf. Amphitryon, der Anfangs noch wenig 
erfreut ist und (Y, 5) àusserte: 

„Je plaindrois mon honneur d'un affront glorieux, 
D'avoir eu pour rivai le monarque des Dieux! 



— 57 — 

Ma conche est partagée, Alcmène est infldèle, 
Mais l'affront en est doux, et la honte en est belle. 
L'outrage est obligeant; le rang du suborneur 
Avecque mon injure accorde mon honneur." 

fugt sich, trotz des bedenklicben Wortes (Y, 6) : 

Alcmène . . . 

Peut entre ses honneurs conter un adultere ; 

Son crime la relève, il accroìt son renom ... 

wozu adultere und crime spitzig genug kHngen ; auch der erste 
Hauptmann sagt ihm: 

Vous partagez des biens avecque Jupiter 
nur Sosia meint, wohl im Einklang mit dem Zuschauer: 

Cet honneur, ce me semble, est un triste avantage : 
On appelle cela lui sucrer le breuvage. 

Wie schon der Inbalt zeigt, hat Rotrou den Plautus vo li- 
st and ig copirt; man kònnte den franzosischen und lateinischen 
Text neben einander stellen; der erstere ist eine poetische 
Uebertragung des Originals. Selten dass er eine etwas zu derbe 
Stelle des Urtextes (z. B. Q&^ fF.) unterdriickt oder einige 
Worte des Dialoges halber einflickt; stets schliesst er sich 
aufs engste an Plautus an, selbst in minder leicht verstànd- 
lichen Ausdriicken wie z. B. (I, 3): 

Toi qui portes Vulcain en cette come esclave . . . 

nach Y. 341 : 

Tu qui Volcanum in cornu conclusum geris 
mit Hinweis auf die Hornlampe, welche Sosia tràgt. *) 



*) Diese Hornlampe gehorte zu den unentbehrlichen Reqnisiten der 
Amphitryonauffùhrnngen. In der Bibliothèque nationale zu Paris findet 
sich (Man. fl. 24, 330) ein Register mit demTitel: Mémoire de plnsieurs 
décorations qui servent aux pièces contenues en ce présent livre, commencé 



^ 58 — 

Freier waltet Rotrou da, wo die Liicke des Originales ihm 
dasRecht zu selbstàndiger Arbeit gab, in den einleitenden 
Worten der Juno, und wo er einige Zwischenreden Merkurs, 
wie die Einfiihrung in der ersten Scene, die vierte Scene des 
ersten Aktes u. a. m. wesentlich zusammen zog imd aus den 
erlàuternden Prologen des plautinischen Merkur zum grossen 
Theile buhnengerechte Monologe machie. So ist es Rotrou 
gelungen ein ganz vortremiches modernes Buhnenstuck zu 

schaffen. 

Amphitryon hielt sich auf der Biihne und vornehmhch 
als Ballet. ìm Jahre 1650 kurze Zeit vor seinem Tode ') setzte 
Rotrou selbst ein grossartiges Maschinenstuck «La Naissance 
d'Hercule^ in Scene, dessen Beschreibung sich bei René 
Baudry »)findet, und in welchem dem Originale zuwider einige 
Erweiterungen der Handlung vorkommen. Im vierten Akt 
macht Juno Làrm unter den UnsterbUchen , und im fùnften 
kommen statt der mythologischen zwei Schlangen em ganzer 
Schwarm gegen das Kind Herkules, dem Juppiter seinen Adler 
zu Hiilfe schickt, welcher die Schlangen vernichtet. Man sieht 
die Absicht, Maschinen zu verwenden. 

Am 23. Februar 1653 wurde das grossartige «Ballet de 
la Nuit> von Benserade,^) in Scene gesetzt von Torelli, 



par Laurent Mahelot e continue par Michel Laurent en l'année 1673. 
Dort finden sich als Requisiten zu (Molières) Amphitryon : ,.Amphitry o n. 
Le théàtre est une place de ville. Il faut un halcon, dessous une porte; 
pour le prologue. une machine pour Mercure. un char pour la Nuit Au 
troisième acte. Mercure s'en retourne. et Jupiter sur son char. Il faut 
une lanterne sourde, une batte/' S.Despois, Le théàtre fran9aìs sous 

Louis XIV. (Paris 1874) pag. 414. 

M Guizot (ComeiUeetsontemps), pag. 373. On a àussi le dessein du 
poème de la grande pièce des machines de la „Naissance d Hercule 
dernier ouvrage de M. Rotrou, représenté sur le théàtre du Marais et 
imprimé en 1649. C'est probablement un ballet d'Amphitryon. 

2) Moland, V, 9. 

») Moland, V, 10. lì. 



— 59 — 



vor dem Hofe aufgefiihrt. In diesem findet sich die Panto- 
mime (comédie muette) des «Amphitryon» als sechste entrée 
der zweiten velile. 

Die Pantomime hat vier Akte. Der erste behandelt den 
Abschied des Amphitryon, der mit seinem Diener Sosia ab- 
reist. Der zweite Akt erinnert vollstàndig an CamÒes. Hier 
klagt Juppiter dem Merkur scine Liebe zu Alkmene und er- 
hàlt von ihm den Rath, sich in Amphitryons Gestalt zu ver- 
wandeln. Alles ùbrige ist nach Plautus gearbeitet. Yerwick- 
lung und Lòsung ist in den vierten Akt gelegt. 

Die, wie es scheint, geme gesehenen «deuxSosies» des 
Rotrou hat Molière (1622 — 1693) von der Biihne verdrangt, 
der am 13. Januar 1668 scine Neubearbeitung unter dem 
Titel Amphitryon brachte, welche neunundzwanzigmal nach 
einander mit dem gròssten Beifalle aufgefiihrt wiirde. *) Ueber 
das Yerhàitniss MoHères zu Plautus kann man sich kùrzer 
fassen, da es vielfach schon Gegenstand der Erorterung ge- 
worden ist*). 

Das Lustspiel umfasst drei Akte. Mercure und die Nacht 
fiihren den Zuschauer in die Situation ein. Sosia tritt auf, 
um seiner Herrin Alcmène Kunde von ihrem Gatten zu 
bringen. Mercure entfernt ihn mit Schlàgen. Juppiter nimmt 
von Alcmène Abschied. Den Schluss des Aktes bildet die 
Begegnung Mercures mit Cléanthis, einer Gesellschafterin 
Alcmènes, welche an Sosia verheirathet ist. Sie hàlt Mercure 
fiir ihren Gatten und ist stark erziirnt ùber scine Kàlte. 

Mit dem Beginne des zweiten Aktes erzàhlt Sosia seinem 
Herrn Amphitryon , was er erlebte. Dieser ist zomig ùber 
den Bericht. Indessen er ihn schilt, naht Alcmène. Sie 
kònnen sich nicht verstàndigen und scheiden aufgebracht von 
einander. Dieselbe gelungene Scene wiederholt sich zwischen 



1) Moland, V, 16. 

') Vgl. z. B. die plautinischen Lustspiele im Trimeter iibersetzt von 
K. M. Rapp, (Stuttgart 1844.) VI, pag. 810—816. 



— 60 - 

Sosie und Cléanthis, welche ihrem Manne in derselben Weise 
sein Benehmen von vorhin und den kalten Gruss bei seiner 
Ankunft vorwirft. Juppiter naht, um Alcmòne zu versòhnen, 
was ihm gelingt. Weniger Erfolg hat Clóanthis bei Sosia, 
der sich nicht beschwichtigen làsst (II, 7): 

Je veux étre à mon tour en colere 

ruft er aus. 

Im dritten Akte hàlt Merciire den Amphitryon in grober 
Weise von seinem Hause ab, indem er ihm wiederholt, Am- 
phitryon sei bereits drinnen bei Alcmène, Unterdessen hat 
Sosia auf Juppiters Befehl die Offiziero des Heeres eingeladen , 
von denen zwei — Naucratòs und Polidas — eben recht 
kommen, um Sosia vor dem gegen ihn wlithenden Amphitryon 
zu schiitzen. Juppiter tritt aus dem Hause und steht so dem 
Amphitryon gegenùber. Die Offiziere gehen mit Juppiter zurTafel, 
Amphitryon eilt ab, um seine Freunde zu versammeln. Eine 
Scene zwischen Mercure und Sosia giebt ihm hierzu Gelegen- 
heit. Er kòmmt alsbald mit Offizieren des Heeres — Argati- 
phontidas und Pausiclòs — zuriick. Cléanthis, die aus dem 
Hause kommt, sieht zu ihrem Entsetzen Amphitryon, den sie 
eben drinnen sah. Endlich giebt sich Mercure zu erkennen, 
worauf auch Juppiter auftritt und die Geburt eines Hercule 
verspricht. 

Die Worte, die Juppiter gebraucht (ITI, 11): 

Un partage avec Jnpiter 

N'a rien qui deshonore; 
Et, sans doute, il ne peut étre que glorieux 
De se voir le rivai du souverain des dieux 

sind eigentlich dasselbe, was Mercure dem Sosia als Trost 
fiir seine ausgestandenen Prtigel sagt (III, 10): 

Et les coups de bàton d'un dien 
Font honneur à qui les endure. 

Der ganze Yorgang verdient die witzige Bemerkung des 



- 61 — 

Sosia , die spriichwortlich geworden ist und bei fast alien 
Zeitgenossen wiederkehrt: 

Le seignenr Jnpiter sait dorer la pilule 

und sein Schlusswort: 

Sur telles aflfaires, toujours 

Le meilleur est de ne rien dire. 

Hat Molière auch das Sujet desPlautus beniitzt, so hat er 
doch etwas vollstàndig Modernes geschaffen. Yiel- 
fach hat man in Juppiter den Konig Ludwig XIY., in Ale- 
mòne die Madame de Montespan und in Amphitryon ihren 
Gatten sehen wollen ^) , wogegeA allerdings die letzte Scene 
zu sprechen scheint. ^j 

Bei dieser Modernisirung des alten StofFes ist Molière 
mit allerFeinheit undBiihnenkenntnisszu Werke 
gegangen. Sein Juppiter ist der galante, feine Franzose, der 
Mann seines Zeitalters, so zwar, dass er sich den Tod geben 
wollte, gelànge es ihm nicht, Alcmòne zu versòhnen (II. 6): 

He bien! pnisque vous le voulez, 
Il faut donc me cbarger du crime. 



S'il n'est point de pardon, que je doive espérer, 
Cette épée aussitót, par un coup favorable, 
Va percer à vos yeux le coeur d'un misérable. 

Einige Zwischenreden des plautinischen Merkur mussten 
gekurzt werden, andere Scenen erforderten eine Erweiterung; 
an Stelle des Bechers des Pterelas erscheinen hier 

Cinq fort gros diamants en noeud proprement mis, 
Dont leur chef se paroit, corame d'un rare ouvrage. 



') Roederer, Mémoires pour servir à l'histoire de la société polle 
en France, 1835. — Moland, Bd. I, pag. 202. 
*) Moland, V, 123. Anmerk. 1. 



- 62 - 

(1, 2. n, 1). 

Jedenfalls die glùcklichste Idee Molières war 
es,auchdeinSosiainCléanthiseine Frau zu geben, 
ein Punkt, uni welchen aiich Shakespeare in seiner «Comedy 
of Errors» die Menaechmi des Plautus erweiterte. Zweifel- 
haft mag es allerdings bleiben , ob , wie Rapp ^) und Anger 
vermuthen,*) hiezu der Vers des Plautus: 

Qttid? me exspectatum non rere amicae venturum meae? 

dem Dichter Yeranlassung gab. Solite einem so biihnenge- 
wandten Lustspieldichter wie Molière nicht vor Augen ge- 
/ schwebt haben , wie drastisch das Yerhàltniss des Dieners 
Sosia zu seinem Weibe sich von dem des Herrn abheben 
wiirde ? Besonders wo so htibsche Gegensàtze wie die feurige 
Cléanthis und der kalte Sosia den liebesglùhenden Gatten 
Amphitryon und Alcmène sich gegentiberstunden. 
Zur Klage der Cléanthis ùber Sosia (II, 3): 

Enfin ma fiamme ent beaa s'emanciper, 
Sa oliaste ardeur en toi ne tronva rien que giace; 
Et dans un tei retour, je te vis la tromper 
Jusqn'à faire refas de prendre au lit la place 
Que les lois de l'hymen t'obligent d'occuper. 

(und àhnlich I, 4) passt der feurige Juppiter, und die Yer- 
sohnung Juppiters und Alcmònes (II, 6), die Folge leiden- 
schattlicher Liebe, hat ihr Gegenbild bereits in der nàchsten 
Scene (II, 7) an dem Trotze des Sosia. 

Ebensowenig wie Rotrou konnte Molière nach den Er- 
fordernissen seiner Bùhne einiges auf die Biihne bringen. 
Eine «Alcumena satura» (Y. 666) entsprach den àsthetischen 
Anforderungen jener Tage nicht mehr. 

L'hymen ne les a joints que depuis quelques jours 



») Rapp, VI, S. 812. 
») Moland, V, 57. 



i 



— 63 — 
erzàhlt Mercure im Prologo der Nacht; und da es galt: 

sans cesse 
Garder le decornm de la divinité, 

wie die Nacht meint, so durfte die Handlung an sich keinen 
Anstoss geben. 

Molière hat mit Plautus und Rotrou frei gè- ^ 
schaltet. Die wòrtlich aus Plautus entnommenen Reden/ 
sind sehr wenige, wie z. B. 

V. 388. S. Opsecro ut per pacem liceat te adloqui, ut ne vapnlem. 
M. Immo indutiae parumper fiant. 
(I, 2) S. Mais promets-moi, de gràce, 

Que les coups n'en seront point. 
Signons une tréve. 
M. Va, je t'accorde ce point. 

die bekannte Scene mit dem Weine mit der Aeusserung: 

y. 431. Mira sunt nisi latuit intus illic in illac himea. 
(I, 2) Et l'on n'y peut dire rien, 
S'il n'étoit dans la bouteille 

odor 

V. 603. Prius multo ante aedis stabam, quam ilio adveneram. 
(I, 2) J'étois venu, je vous jure, 
Avant que je fusse arrivé 

und dergleichen. 

Dagegen dankt Molière seinem Yorgànger Rotrou fast 
den ganzen Auf bau und die Scenerie, ja segar den Dialog 
des Sttickes. Der Herausgeber Rotrous (1820) vermuthet 
segar, Molière habe seinen Amphitryon in freiem Metrum 
geschrieben, um sich des Yorwurfes des Plagiates zu er- 
wehren. *) 



*) Oeuvres de Jean Rotrou, III. 357: Ces imitations seroient encore 
plus remarquables, si la pièce de Molière eùt été écrite en grands vers 
comme celle de Rotrou. Peut-étre méme Molière n'a-t-il écrit son Am- 
phitryon en vers libres qu'afin de pouvoir s'emparer plus facilement 
des idées de son prédécesseur sans se faire accuser de plagiat. 



— 04 — 

Es ist in der That viel von Rotrou benùtzt, und besonders 
witzige Worte hat Molière passend verwerthet. ^) 

Allons, mais qne les conps, s41 se peat, n'en soient plas 
meint Sosia (II. 1.) 



*) Gnizot (Corneille et son temps) pag. 381. On a beanconp parie 

de ce qne l'Amphitryon de Molière avait dù anx Sosies de Rotrou, mais 

sans faire attention , qne les principanx traits de la ressemblance qn'on 

aper(;oit entre les denx onvrages se trouvent également dans l'originai de 

Piante. Ce qne Molière a pu emprnnter à Rotron , on , comme Ini , à 

qnelqae antenr plns moderne, se home à denx on trois vers*) et A l'idée 

de la scène où Mercnre cbasse de la maison Sosie, qni s'est Mitrodnit 

ponr diner. Dans le reste de la pièce, Rotron snit pas à pas le poète 

latin, en elaguant qnelqnes détails sans interét ponr nons et en rendant 

d'nne manière assez plaisante, ceox qni penvent nons convenir; mais il 

ne se les approprio point, comme Molière, par ce tonr de plaisanterie 

vif et natnrel, et par ces henrenses additions qni font d'Amphitryon nn 

onvrage originai qn'on ne pent dispnter h la scène franQaise; Rotron 

s'est coutente de traduire, avec assez de goùt , ce qne Molière a depuis 

imité avec genie. 



*) Tels qne celuì-ci : 
Si l'on mangeoit des yenx, il m'anroit devoré (Les Sosies IV, 2.) 
Si des regards on ponvoit mordre. 
Il m'anroit déjà devoré. (Amphitryon III, 2.) 
et celui-ci qne Rotron met dans la benché de l'nn des capitaines invités 
par Jnpiter, au nom d'Amphitryon: 

Point, point d'Amphitryon où Ton ne dine point (Les Sosies IV, 4.) 
c'est qni est beanconp plns convenablement dans la bonche de Sosie: 

Le véritable Amphitryon 

Est l'Amphitryon où l'on dine. (Amph. Ili, 5.) 
La réflexion du Sosie de Molière: 

Le seigneur Jnpiter sait dorer la pilnle (III, 11.) 
est encore imitée de celle-ci dn Sosie de Rotron, qui ne l'a point tronvée 
dans Piante: 

On appelle cela lui sucrer le brenvage. (Sosies V, 6.) 
Vgl. auch Moland, V, 26. 38. 118. — 



— 65 — 



Point, point d'Amphitryon où l'on ne dine point 

ist die Entscheidung des Hauptmanns (lY, 4) 

On appelle cela lui sucrer le brenvage (V, 6) 

was wiederkehrt bei Molière: 

Mais promets-moi, de gràce, 

Qne les coups n'en seront point (I, 2). 

Le véritable Amphitryon 

Est l'Amphitryon où l'on dine (III, 5.) 

Le seigneur Jnpiter sait dorer la pilule (III, 11.) 

Ditì ausserordentlichen Yorziige des Molièreschen Amphi- 
tryon haben ihn bis auf den heutigen Tag der Biihne er- 
halten. Die Yersifìkation Molières in diesem Stticke ist ein 
Meisterwerk ohne Gleichen *) ; die Zeitgenossen sahen im 
Amphitryon eine hervorragende Biihnenleistung ^j ; bald folgten 
Uebersetzungen desselben in fremde Sprachen'). 

») A. Vi net, Poètes du siede de Louis XIV. (Paris 1861) nennt 
(pag. 387) den Amphitryon Molières „une mervellle sons le rapport de 
la versification." 

2) de Vi sé, ein Freund des Thomas Corneille, riihmt von seinem 
„Bacchus et Ariadne" „d'avoir su joindre le comique au sérieux : ce qu'il 
n'etait vu qne dans Amphitryon." M. HippoL Lncas, Histoire philo- 
sophique et littéraire du théàtre francjais. (Paris 1862.) 

3) Dr. Heinr. Schweizer, „Molière und seine Buhne" I. Heft. (Lpz., 
Thomas 1879). pag. XXXV. „Den Rnhm, znerst die einzelnen Stucke 
ubersetzt zu haben, theilen wir allerdings mit den HoUàndem. Von 1670 
datirt auch ihre Uebersetznng des Amphitryon von Abr. Peys, der 
auch den Corneille und den Rotrou ubersetzt hat." — Die HoUànder 
scheinen indessen den Amphitruo nie imitirt zu haben. W. J. A. 
Jonckbloet (Geschichte der niederlàndischen Litteratur; deutsche Aus- 
gabe von W. Berg. 2 Bd. Lpz. Vogel 1870. 1872) fuhrt nur Hoofts 
(1581—1647) Bearbeitung der A nini ari a des Plautus (Warenaer) (II, 
19, 131) ans dem Jahre 1616 an, welche durch Gerbrand Adriaanse 
Brederoos (1585 geb.) Nachahmung des Eunnchns des Terenz (Moortje 
1615) hervorgerufen wurde. Jonckbloet zeigt indessen (II, 133 ff.), warum 
diese lateinischen Komòdien den Niederlandern nicht anstnnden. 

Beinhardstuettuer, plaiitinische Lustapiele. I. 5 



L 



^ ee — 

Die Frage, ob Plautus, ob Molière Bedeutenderes geleistet 
habe *), hat viele beschàftigt. Madame Dacier und nach dem 
Zeugnisse des MonchesDay auch Boileau ^) traten fiir Plau- 
tus ein, Bayle und Auger fiir Molière. Treffend beraerkt 
J. Naudet, der Uebersetzer des Plautus, iiber die beiden Lust- 
spiele : «Ce sont deux spectacles tout divers sur un seul fond 
comique. Les deux auteurs ont bien fait, chacun pour le 
goùt de son temps et de son pays.»') 

Bei Plautus steht oben an die religiose Mythe ; er glànzt 
durch mehr, wenn auch derberen Witz. Molière hat ein treff- 
liches Intriguenstuck geschaffen, wenn auch der Schluss viel- 
fach seltsam bertihrt. Ohne dem Originale etwas zu ent- 
ziehen, ohne irgend welche einschneidende Aenderung schuf 
Molière eine feine Komodie, deren Stoff nur unter der Hand 
eines solchen Meisters so biegsam und geschmeidig werden 
konnte. 

Erhielt sich Amphitryon so als Lustspiel bis zum heuti- 
gen Tage in Frankreich, so sah ihn die Btihne auch als 
Oper. Der bekannte Componist des Richard Lòwenherz 
André-Erneste-Modeste Grétry (geb. den 11. Febr. 
1741, t 1813) liess zum ersten Male am 15. Juli 1788 auf- 
fiihren: Amphitryon, opera en trois actes. Der Text hierzu 
ist von dem bekannten Dichter Sedai ne (1719—1767), der 
auch den Text zur Oper Richard Lòwenherz lieferte. Sein 
Amphitryon ist indessen den Ausgaben seiner Werke nicht 
beigegeben. Die schwache Arbeit Gretrys*) errang wenig 



1) Siehe dariiber anch M. Hipp. Lncas, 1. e. pag. 190. 

2) Moland, V. 11. 

8) Moland, V. 124. 

*) F. Crozet, Revue de la muaique dramatiqae en France. (Gre- 
noble, Paris 1867.) pag. 44. C'est une des faibles prodactions de Grétry; 
elle contieni cependant plasienrs airs remarqnables, notamment l'air: „C'est 
au plus grand des immortels" et celui-ci ,,Juppiter dans le ciel mème". 
(s. auch pag. 469). 



— 67 — 

Erfolg*) und zahlt langst zu den vergessenen Tondich- 
tungen. 

Auch England hat seinen Amphitruo. Im Jahre 1690 
erschien John Drydens (J631— 1700) «Amphitryon or 
the two Sosias», a comedy. 2) Die Widmung (The Epistle De- 
dicatory to the honourable Sir William Levison Gower, Bart.) 
ist vom 24. Oktober 1690. Er sagt in derselben die Namen 
des Plautus und des Mohère seien mit derselben verknùpft. 
„T is true, were this Comedy whoUy mine, I should cali 
it a Trifle, and perhaps not think it worth your Patronage; 
but when the Names of Plautus and Molière are join'd in 
it, that is, the two greatest Names of ancient and moderni 
Comedy, I must not presume so far on their Reputation to 
think their best and most unquestion'd Productions can be 
term'd little," Er sagt ferner iiber die von ihm gemachten 
Aenderungen und Zusàtze : „I will not givo you the Trouble 
of acquainting you what I bave added, or alter'd in either 
of them, so much, it may be, for the worse, but only that the 
Difference of our Stage from the Roman and the French did 
require so, But I am afraid, for my own Interest, the World 
will to easely discover, that more than half of it is mine ; and 
the rest is rather a lame Imitation of their ExceUencies^ than 
a just Translation. 'T is enough, that the Reader know by 
you, that I never deserve, nor desire any Applauso from it." 
Im weiteren spricht er von Plautus und Molière und wiinscht 
„at least not to compare him (se. Amphitryon) too strictly 
with Molière's." 

Englische Uebersetzungen des Plautus, speziell des Am- 



( 



*) Crozet, 1. e. pag. 413. Ces ouvrages ont en peu de succès et 
n'ont rien ajouté à la reputation de leur auteur. 

2) Enthalten im I. Bande ,,the Engliscb Theater in eight Volumes, 
containing the most valuable Plays wbich bave heen acted on the London 
Stage. London 1765. pag. 157—239. 

5* 



— 68 — 

phitruo, lieferten spàter Ecchard (L. 1694) und Th. 

Coocke (1746.) 

Der Inhalt der Dryden'schen Komodie ist folgender: 
I. Akt. Mercury imd Phoebus treten auf. Ersterer 

erzàhlt von einem Strette (a devilish quarrel), den soeben 

Juppiter mit Juno gehabt, und von den Absichten, welche 

der Gott auf ein Weib habe: 

Some Mortai, we presume of Cadmus' Blood: 
Some Theban Beauty; some new Semele, 
Or than Europa. 

wie Phoebus vermuthet. Juppiter tritt auf und schilt die 
beiden, dass sie iiber seine Handlungen Kritik uben. Er 
liebe, weil es das Fatum verlange: 

I love, b ecause 't was in the Fates I should. 

Nach einer breiten Auseinandersetzung ùber das Fatum, 
gegen iiber dem moralisirenden Phoebus, theilt er ihnen mit, 
dass diese Nacht zum Besten der Menschheit Herkules erzeugt 
werden soli: 

yet, thus far know, 
That, for the good of human Kind, this Night 
I shall beget a future Hercules; 
Who shall redress the Wrongs of injur'd Mortals, 
Shall conquer Monsters, and reform the World, 

worauf Mercury witzig bemerkt: „Ay Brother Phoebus; and 
our Father made ali those Monsters for Hercules to con- 
quer, and contriv'd ali those Yices on purpose for him to 
reform too, there's the Jest on't." 1. Da nun der tapfere 
Thebanerfeldherr Amphitryon morgen friih ankommen soli, 
erhàlt Phoebus den Auftrag , die Nacht zu verlàngern , Mer- 
cury den, sich in Sosias Gestalt zu hiillen. Die Nacht er- 
scheint . auf ihrem Wagen und hàlt ein hòchst langweiliges 
Zwiegespràch mit Mercury. 2, Der iiber die lange Abwesen- 



-- 69 — 

heit ihres Gatten klagenden Alcmena bringt Phaedra die Nach- 
richt von Amphitryons Heimkehr. 3. Juppiter als Amphi- 
tryon begriisst Alcmena. Die Weiber besttirmen ihn mit 
Fragen. Alcmena will Nachrichten vom Kriege, Bromia von 
ihrem Gatten Sosia, Phaedra von ihrem Geliebten Gripus. 
Aber er hat nur Liebe fiir Alcmena und betritt mit ihr das 

Hans. 

II. Akt. 1. Sosia tritt mit der Laterne auf; sein Monolog 
ist genau nach Plautus; er beklagt den Dienst bei einem 
grossem Herm: «the greatest Piagne of a Serving-Man, is 
to be hir'd to some great Lord» (vgl. Y. 166 Opulento ho- 
mini dura hoc magis seruitus est u. s. w.). Mercury vor dem 
Hause tritt ihm entgegen; die ganze Scene entfaltet sich 

nach Plautus. 

2. Juppiter nimmt Abschied von Alcmena in einer Mo- 
lière nachgebildeten Scene. Mercury macht nun der Phaedra 
cine Liebeserklàrung, woriiber ihn Bromia, die ihn fiir ihren 
Gatten Sosia hàlt, ertappt. Da sie ihn priigeln will — type 
of June — beriihrt er sie mit seinem Caduceus, worauf sie 
in Schlaf verfàllt, und Mercury mit den Worten abgeht: 

For two such Tongues will break the Poles asunder; 
And, hourly scolding, make perpetuai Thunder. 

III. Akt. 1. Sosia berichtet seinem Herrn Amphitryon, 
was er erlebte. Dieser glaubt es nicht und schilt ihn heftig 
aus. — Alcmena mit Phaedra tritt auf, sie woUen zum Tem- 
pel gehen. Das Missverstàndniss zwischen ihr und Amphi- 
tryon hat zur Folge, dass sie mit den Worten scheidet: 

Oh! Nothing now can please me: 
Darkness and Solitude, and Sighs, and Tears, 
And' ali th' inseparable Train of Grief, 
Attend my Steps for ever .... 

Phaedra fordert nun von Sosia das ihr (von Mercury) ver- 
sprochene Geschenk, den goldnen Becher (Gold Goblet), wo- 



— 70 — 

von er natiirlich nichts weiss; ebenso kòmmt Bromia, ihn zu 
schelten , dass er sie in Schlaf versetzt habe. Juppiter naht 
in der Absicht Alcmena zu versohnen; er schickt den Sosia 
ab, um die Kriegsgefàbrten Polidas, Tranio, Gripus u. a. 
zum Festmahle zu laden. Alcmena erscheint auf dem Balkon. 
Juppiter winkt der Musik; es folgt Gesang und Tanz. Alc- 
mena zieht sich diisteren Blickes zurlick. 

IV. Akt. 1. Juppiter besànftigt Alcmena und geht mit 
ihr; ebenso begùtigt Mercury die Phaedra, indem er ihr den 
versprochenen Becher, den er unterdessen dem Gripus stahl, 
iiberbringt. Mercury sieht Amphitryon naben; er steigt auf 
den Balkon und schmàht von oben, obwohl er selber sagt: 
Tbis is no very charitable Action of a God , to use him ili, 
who has never ofPended me, but my Planet disposes me to 
Malico ; odor wie sich der Molièresche Mercure ungleich feiner 
ausdrtickt (III, 2): 

Ce n'est pas d'nn dien bien plein de chaiité; 
Et je me sens, par ma planète, 
A la malice nn peu porte. 

Amphitryon geràth in heftigen Zorn. Polidas, Gripus 
und Tranio naben mit Sosia, der seinem Herrn gegentiber 
aufrecht erhàlt, er habe den Befehl sie einzuladen. Zornig 
eilt er ab, um Soldaten zu holen, welche ihm das Thor ge- 
waltsam offnen sollen. Da erscheint Juppiter auf dem Balkon. 
Obwohl die unten Stehenden nicht begreifen kònnen, wie er 
hinaufkam, treten sie doch zum Mahle ein. Da auch Sosia 
hinein will (My Ticket is my Hunger, sagt er), tritt ihm Mer- 
cury in den Weg. Sie streiten, da tritt Phaedra auf, entsetzt 
die beiden Sosia zu sehen. (What bave we bere? a Couple 
of you, or do I see doublé?) Mercury jagt Sosia fort und 
giebt Phaedra auf ein Stampfen auf den Boden ein Ballet mit 
Gesang und den Basterai Dialogue betwixt Thyrsis and Iris. 

Y. Akt. 1. Phaedra zeigt dem staunenden Gripus den 



— 71 — 

Becher, welchen sie von seinem Kivalen bekam; er erkennt ihn 
als den seinigen. Mercury kommt und zwingt ihn, scine An- 
spruche an Phaedra aufzugeben. Amphitryon naht mit Waffen 
und befiehlt der Phaedra Alcmena zu holen ; diese sagt ihm, 
der rechte Amphitryon sei im Hause. Yoll Zorn will dieser 
ins Hans dringen, da tritt Juppiter mit Tranio und Polidas 
auf; beide sind nicht zu unterscheiden. (Two Amphitryons — 
both shine out alike — two Drops of Water cannot be more 
like — They are two very sames.) Amphitryon zieht sein 
Schwert und will Juppiter niederstechen, Tranio und Polidas 
halten ihn zurùck. Niemand wagt es zu entscheiden. Alc- 
mena kòmmt hinzu, Juppiter gewinnt sie fiir sich. 

Thy Words, thy Thoughts, thy Soni is ali Amphitryon; 
Th' Impostor has thy Features, not thy Mind. 

ruft sie. Juppiter làdt nun alle zu einer Aufklàrung ins Hans. 

Come in, my Friends: and thou who seemest Amphitryon; 
That ali who are in Doubt, may know the trae. 

Unterdessen giebt sich Mercury der Bromia und Phaedra 
und dem Gripus und dem hinzukommenden Sosia zu er- 
kennen als den Gott Merkur. Donnerschlàge erfolgen. Am- 
phitryon und Alcmena eilen aus dem Hause, Juppiter er- 
scheint (in a Machine) und lòst das Ràthsel, alles nach 
MoKère. 

Our Sovereign Lord Jupiter is a sly 
Companion; he knows how to gild a bitter Pili 

sagt Sosia. Alle begliickwiinschen Amphitryon , nur Mercury 
enthàlt sich dessen ; « 'T is a nice point ! » meint er. Amphi- 
tryon wird Juppiters Gunst geme dulden — he's a good 
Heathen ! 

Noch fiigte Dry den einen Epilog, von Phaedra gesprochen, 
bei, welcher die schone alte Zeit preist. Wie schòn hatten 
es die Heidendamen! 



— 72 — 

Adult'ry was no Sin; 
For Jove the good Example did begin. 

Dryden hat in seiner Yorrede Recht; seine Arbeit 
ist halb Molière, halb Plautus. Molière ist aber 
immerhin seine Hauptquelle; er ist meist wòrtlich iiber- 
setzt. Dem Plautus nàhert er sich darum an jenen Stellen 
zunàchst, wo ihm Molière am treuesten blieb, so z. B. II, 1 
in dem ersten Auftreten des Sosia, in seiner Begegnung mit 
Merkur und die ganze Scene durch. Was Molière kiirzte, 
nahm auch Dryden nicht auf; dagegen hat er die Dialoge 
iibermàssig erweitert und die ganze Fabel entsetzlich ge- 
dehnt, besonders einzelne Scenen mit ganz scbalen nichts- 
sagenden Reden ausgestattet und eine Unmasse seichter 
Witze tiber mythologische Dinge eingeschaltet. ') Darum hat 
er gerade von dem frischen Dufte der MoHèreschen Komodie 
gar nichts in sich. Wàhrend bei Molière gerade in diesem 
Werke die bobe Kunst der Yersification Bewunderung er- 
zwingt, hat Dryden sein Lustspiel viel mit Prosa durchzogen 
und eine grosse Zahl sehr derber, vom moralischen Gesichts- 
punkte hòchst zweifelhafter Stellen in das obnehin ja freie 
Sujet eingelegt. 2) 

Solch prickelnde Beisàtze zeigen genau den Geist jener 
Zeit, dem Dryden so sehr nachgab, Dryden, der ja noch stark 
inficirt ist von jenem sittenlosen Lustspiele seiner Yorlàufer, 



») Bisweilen auch mit satirìscher Fàrbang, wie V, 1 gegen die Prie- 
ster: „Our Jupiter is a great Comedian, he counterfeits most admirably: 
Snre bis Priests bave copy'd their Hypocrity from their Master." 

^ Man vergleicbe z. B. Phaedras Bemerkung I, 2: My Lady's Eyes 
are pinking to Bedward too ; now is sbe to look very sleeply counterfeiting 
yawning . . . Juppiters Wort II, 2. TeU me and sooth my Passion, ere 
I go . . . und dann No no, that very Name of wife and Marriage is Poison 
to the dearest Sweets of Love u. s. f. Dies findet sich aUerdings (T. 3) 
auch bei MoUère, aber in wie unendlich feiner Wendung. Vgl. hiezu die 
Bemerkong bei Moland, V, 53. 



— 73 - 



von dem sich loszumachen er sich spater allerdings bemiihte. *) 
Ganz nach dem Geschmacke jener Zeit sind auch die von ihm 
neu geschaffenen Gestalten, so z. B. die beiden Schwàtzerinnen 
Phaedra und Bromia, steif, mit einer Art von Witz, die, da 
sie nicht aus dem Herzen kommt, nicht zum Herzen spricht, 
man mochte sagen voli akademischen Geredes, wàre es nicht 
zum gròssten Theile recht inhalts- und geschmacklos. 

Noch in diesem Jahrhunderte hat Deutschland einen 
/ Amphitruo erhalten. 1608 batte Wolf Spangenberg 
den Amphitruo des Plautus ùbersetzt. Gegen das Ende 
des vorigen Jahrhunderts verlegte sich Job. Mich. Rein- 
hold Lenz (1750 -1792), der bekannte Freund Goethes, auf 
Nachahmungen plautinischer Lustspiele. Im Jahre 1774 er- 
schienen in Leipzig seine fùnf Lustspiele nach Plautus: 
Das Yàterchen (Asinaria), die Aussteuer (Aulularia), die Ent- 
fiihrungen (Gloriosus), die Buhlschwester (Truculentus) , die 
Tiirkensclavin (Curculio). ') 

Der deutsche «Amphitryon» ist von Heinrich von 
Kleist (1776—1811) und erschien 1808 in Dresden 8., die 
neue (wohlfeilere) Ausgabe stammt von 1818 (Dresden, Arnoldi) 
von Adam H. Mtiller mit einer schwer verstàndlichen 
Yorrede des Herausgebers. Adam H. Mtiller sagt (II): 
„Eigenthumlich und im edelsten Sinne des Werks (Wortes?) 
originai ist dieso Bearbeitung des Molière . . . (Y.) Mir scheint 
dieser Amphitryon weder in antiker noch moderner Manier 
gearbeitet: Der Autor verlangt auch keine mechanische Yer- 
bindung von beiden, sondern strebt nach einer gewissen 
poetischen Gegenwart, in der sich das Antike und 
Moderne — wie sehr sie auch ihr untergeordnet sein mòchten, 
dereinst, wenn gethan sein wird, was Goethe entworfen hat — 
dennoch wohlgefallen werden." 

*) Vgl. Hettner,Ge8chichte derenglischenLitteratur.3.Afl.l872.pag.94. 
2) S. Gesammelte Scbriften von J. M. R. Lenz, beransgegeben von 
Tieck, Berlin (Reimer 1825) Bd. II pag. 1 ff. 



^- 74 — 

„Erwàgt man," fàhrt Mtiller fort, „die Bedeutung des 
deutschen und die Frivolitàt des Molièreschen Amphitryon, 
erwàgt man die einzelnen von Kleist hinzugefugten, komischen 
Zuge, so muss man die Gutmùthigkeit bewundern, mit der 
die komischen Scenen dem Molière nachgebildet sind: der 
deutsche Leser hat von dieser mehrmaligen Rlickkehr zu dem 
franzòsischen Vorbilde den Gewinn, kràftìg an das Verbàlt- 
niss des poetischen Vermogens der beiden Nationen erinnert 

zu werden." 

Im ersten Akte tritt Sosias auf. Merkur, in der Gestalt 
des Sosias, jagt ihn unter Prligeln weiter. Juppiter nimmt 
von Alkmenen Abschied, nicht ohne durchblicken zu lassen, 
wer er sei. Er sagt (I, 4): 

Versprich mir denn, dass dieses heit're Fest, 
Das wir jetzt frohem Wiedersehn gefeiert, 
Dir nicht ans dem Gedachtniss weichen soli; 
Dass Da den Gòttertag, den wir durchlebt, 
Geliebteste, mit Deiner weitern Ebe 
Gemeinen Taglauf nicht verwechseln willst. 
Versprich, sag' ich, dassDu anmich willst denken, 
Wenn einst Amphitryon zuriickekehrt — ?*) 
Àlk. Nun ja. Was soli man dazu sagen? 

Japp. I^a«^ ^^^• 

Es hat mehr Sinn nnd Deutung als Du glaubst. 

Charis, welche bei Kleist die Rolle von Molières Cléanthis 
spielt, bespricht sich mit Merkur, den sie fur ihren Gatten 
Sosias hàlt. Sie scheiden, ohne sich zu verstàndigen. 

Am Beginne des ersten Aktes erzàhlt Sosias dem Am- 
phitryon, was ihm begegnete. Alkmene tritt mit Charis aus 
dem Hause; es folgt die Scene der Yerwicklung. Alkmene 



>) Weniger bedeutsam bei Molière nach dem Gespràche iiber Ebe und 

Liebe (I. 3). 

J. Mais, belle Alcmène, au moins quand vous verrei l epoux, 

Songez à Vamant, je vons prie. 
A. Je ne séparé point ce qu'unissent les Dieux. 



— 75 — 

zeigt zum Beweise der Wahrheit das Diadem des Labdakus, 
den er erschlug, das er ihr schenkte. Alkmene hàlt Amphi- 
tryons Benehmen fiir Verstellung (II, 2), wie auch bei Molière 
ai, 2): 

Abschenlich ist der Kunstgriff, er emport mich. 

Wenn Du Dich einer Andern zngewendet, 

Bezwungen durch der Liebe Pfeil, es bàtte 

Dein Wunsch, mir wtirdig selbst vertraut, so schnell Dich, 

Als diese feige List zum Ziel gefiihrt. 

Eine àhnliche Scene entwickelt sich zwischen Charis und 
Sosias. Die vierte Scene gehort Kleists Erfindung. Alkmene 
kommt mit Amphitryons Diadem, auf dem sie den Buch- 
staben J statt A findet. Sie wird dariiber sehr verwirrt: 

Nicht nur entblòsst bin ich von jedem Zengniss , 
Ein Zengniss wider mich ist dieser Stein. 

Da naht Juppiter. Er sagt ihr: 

Es war kein Sterblicher, der Dir erschienen. 
Zeus selbst, der Donnergott, hat Dich besucht. 

Juppiter sagt* ich, 
Und wiederhol's. Kein anderer, als er, 
Ist in verflossner Nacht erschienen Dir. 

Diese Mittheilung veranlasst Charis auch in ihrem Sosias 
einen Gott zu suchen (II, 6.): 

Und der sich fiir Sosias hier mir giebt, 
Der wàre einer der Unsterblichen , 
Apollon, Hermes, oder Ganjrmed? 

eine Vermuthung, welche der plumpe Sosias endlich mit den 
Worten enttàuscht: 

Apollon, ich? bist Du des Teufels? — Der Eine 
Macht mich zum Hand, der Andre mich zum Gott? — 
Ich bin der alte, wohlbekannte Esel 
Sosias. 



~ 7G — 

In der ersten Scene des dritten Aktes klagt Amphitryon 
uber sein Loos, doch glaubt er noch an seine Gattin. Merkur 
auf dem Altan beschimpft ihn und warnt ihn „das Gluck 
der beiden Liebenden" drinnen nicht zu stòren. Sosias 
kommt mit den Feldheirn, die er zu Gast geladen, worùber 
Amphitryon heftig schilt. Juppiter tritt aus dem Hause, die 
Feldherrn entscheiden sich fiir ihn , wie Sosias sagt (III, 5) : 

Der ist der wirkliche Amphitryon, 
Bei dem zu Mittag jetzt gegessen wird. 

Amphitryon eilt ab , um „eine Schaar von bewaffneten 
Ereunden" zu holen. Juppiter geht mit den Feldherrn zu Tische, 
den hungrigen Sosias jedoch hàlt Merkur heraussen, ihm er- 
zahlend, dass ihm sein Weib Charis ein pràchtiges Mahl be- 
reitet habe, das er fiir ihn einnehmen werde. — Amphitryon 
ist mit Obersten und Volk zuriickgekehrt, sie stehen zu ihm 
Ebenso bittet Sosias (III, 10) um Schutz: 

Und kurz ich bin entsosiatisirt, 

Wie man Euch entam phitryonisirt. *) 

Wieder tritt Juppiter ihm entgegen, und auch Alkmene 
entscheidet sich fiir den Gott; doch will sie gehen, denn ihre 
Ehre ist verletzt. Da nimmt Juppiter seine wahre Gestalt 
an; er lòst die Yerwirrung und verspricht die Geburt des 
Herkules, nachdem ihn Amphitryon bat: 

Was Du dem Tyndarus gethan, thust Da 
Aneli dem Amphitryon: Schenk einen Sohn; 
Gross wie die Tyndariden, ihm. 



») Das Wortspiel hat schon Molière (II, 8): 
Et l'on me des-Sosie enfln, 
Gomme on vons des-Amphitrt/onne, 
wobei Herausgeber auf den Trinummus des Plautus (V. 977) 

Proin tute itidem ut charmidatu's, rursum [te] decharmida. 
hinweisen. — Auch Dry den (III, 1): and also Unsosiated me. 



— 77 - 

Alle sind zufrieden und sprechen von Kuhm und Triumph. 
Nach keiner Seite hin fàllt, wie bei den ùbrigen Bearbeitern, 
ein spottisches Wort, wenn man der friiheren Worte des Sosias 
iiber diese Himmelsehen (II, 6) nicht mehr gedenken will: 

Sos. Dergleichen Heirath war mir stets zuwider. 
Char. Zuwider ? Warum das ? Ich wiisste nicht — 
Sos. Hm! Wenn ich Dir die Wahrheit sagen soli, 

Es ist, ein Pferd und Esel. 
Char. Pferd und Esel! 

Ein Gott und eine Fiirstin I 

Kleist ist wieder auf den rein mythologischen StofP zuriick- 
gegangen und hat ihn in vielen Stiicken veredelt und ver- 
feinert. Er hat sich von Molière nur da losgesagt, wo er 
glaubte einzelnes mildem zu konnen, darum besonders im 
zweiten Theile. Alkmene ist hier thàtiger und selbstàndiger 
bis zum Schlusse, als in alien ubrigen Bearbeitungen , weil 
sie seit dem zweiten Akte den ganzen Yorgang ahnt So 
ist also besonders II, 4, 5 Kleists eigene Arbeit; in allem 
andern hat er sich enge an Molière angeschlossen. 



Drnnk von Hiìtliel A Uerrmann iu Leipr.ig. 



Verlag von WILHELM FBIEDRICH in Leipzig. 

La Fontaine 

seine Fabeln und ihre Gegner. 

Von Wilhelm Kulpe. 
in a» Mark 3.60. 

«Dìese erste dentsche Biographie dea Verfassers der „ample comedie 
en cent actes divers" schildert in anziehender Sprache und unparteiischer 
Weìse die Lebensumstànde dea Dichters und wùrdigt sodann diesen 
ala Menachen, ala Fabeldichter, ala Moraliaten und ala Phi- 
loaophen, uberai! Licbt und Schatten gleichmàsaig hervortreten laasend 
und namentlich zur Appretiation der Fabeln und deren Mora! lehrreiche 
Beitràge liefernd, die aich fiir einzelne dereelben zu einem faat vollatàndigen 
Sachcommentar gestalten. Der letzte Abschnitt handelt von den lite- 
rarischen Gegnern La Fontaines, von denen Lamartine gebùhrend 
abgefertigt wird, wàhrend der Gegensatz zwiHchen der Lesaingschen 
und La Fontaineachen Fabel auf cine Charakter-Antithese beider 
Personlichkeiten zuriickgefuhrt wird. Daa Buch verdient alien Freunden 
der Literaturgeachichte beatens erapfohlen zu werden." 

Zeitschrift fdr Realachulweaen V, 3. 

Maximilian Kobespierre. 

Ein Lebensbild nach zum Theil noch unbenutzten Quellen 
von Prof. Dr. Karl Brunnemann 

Director der fiealschale in Elblng. 
In gr. 80. Preia Mark 4.50. 

Der bereita in weiteren Kreiaen durch aeine Specialstudien zur franzo- 
aischen Geachichte und namentlich der groaaen Revolution vortheilhaft 
bekannte Verfaaaer giebt auf Grund aeiner 30jahrigen Forachungen aua 
meistena noch unbenutzten Quellen die erste den Gegenatand erachopfende 
Arbeit, die mit den vielen Vorurtheilen , welche wissenachaftlich gegen 
Robeapierre verbreitet aind, griindlich aufràumt. Daa Werk wendet aich 
nicht nur an Hiatoriker vom Fach, aondern an daa groaae gebildete Pu- 
blìkum, dem ea beatene empfoblen aei. 

In Vorbereitung befindet aich: 

Molière's 

versificirte Lustspiele in Auswahl in fùnffùssigen paarweis 
gereimten Jamben, ins Deutsche ùbertragen 

von 

Adolf Laan* 

In 80. ca. M 6.— 
Prof. Dr. A. Laun iat ala grundlichater Kenner Molièrea bekannt. 
Diese Auswahl der 6 bedeutendsten Luatopiele (Die gelehrten Frauen, 
Misanthrop, Die Schule der Mànner, Die Schule der Frauen, Sganarelle, 
Tartuflfe) ist die erate lesbare deutsche Auagabe Molièrea. Sie sei alien 
Freunden Molièrea bestena empfohlen. 



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