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Full text of "Wie kann Gott Gebete erhören? [microform]"

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»ottb IV. ^ctt 6. 






Äfe tann ö^irtt betete erliJm? 






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Dr. li, iBrümel) 

ßonftjlortalrot]^ unb ©ut)erintcttbent für SouenButg. 






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iDerlog von ffißbr. •^ßnntngßr. 
1879. 






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ailte «Reeste öot5el)alten. 



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®g ift ttid^t meine 2lbfi(it getoefett, über ^a^ @ebet fo pt 
reben, wie in ben feitl^erigen ©d^riften darüber gerebct njorbcn 
ift; man ^at nur immer bit factifd^e Sefd&affen^eit unb ^errlid^feit 
be)8 ©ebeteS im Sluge gehabt. 2öie aber ber SlUgegentoart ©otte« 
gegenüber baS ©ebet at^ toirKid^e @intoir!ung auf ©Ott unter 
SSorauSfe|ung ber menfd^lid^en greil^eit ju benfen ifi, barüber 
"^at man fid^ nur fpärlid^ au^gelaffen. Staubertl^ l^at ganj ^t^t, 
»enn er in feiner d^rifttid^en Seigre üom ©ebete fagt: id^ getraue 
mir §u betoeifen, ba^ man mit feiner Se^re ber biblifd^en ^eo* 
logie eg fo leidet genommen l^at, toie mit biefer. 2(ber aud^ 
5£aubert^ begnügt jtd^ bamit ju fagen, t)a& ©ebet fei baS SSer* 
langen, feinen SBiffen mit ©otteS Sitten @in0 ju ma#en. 

2Ber bom ©ebete in feiner ))ra!tifd^en 2Bid^tig!eit l^ören toitt, 
ber toirb genug anbere 93üd^er flnben. 2(m tiefften l^at nad^ 
meiner 3Jleinung babon gerebet ber bänifd^e ^ifd^of Dr. 21. 3Äon* 
rab in feinem 93ud^e: au« ber SBelt bei? ©cbeteS, beutfd^ öon SIL 

ajlidjelfen. 



9la|eburg, ben 10. mäti 1879. 



Dr. 31. m&meh 









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Sim Fimmel tft bet Sag, im SXBg*»«*» ifl *>« %a$i, 
$iet ifl bte S)Stninexung : too^ bem, bex'S redgt "bebaut 

flttgel. @ilefiu8. 

(^ettbem ©pinoja öerfünbtgt |)at, bte Sflaturgefe^e feien bie 

2Bilten<Sbefd^lüf[e ©otte^, ift eS m^^x unb tne^r 3Wobc gettjorben, 

nt(i^t me^r an bte ©rprung be^ ©ebetcg p glauben. Sitte föl«»^ 

genben ^'^ilofo^'^en unb 3:i^eDlogen, toenige ausgenommen, l^abcn f 

bie ÜWajeftät ber 5Raturgefe^e unb beten Unabänberlid^feit in ben 

SSorbet^grunb gefteßt. @g ift alles öon ©toigfeit an georbnet, 

SQSunber finb unmöglld^, ©ebete lönnen nid^ts änbetn an bet 

t>on @toig!eit an feftgefe^ten 5Ratutorbnung, baS ^at fid^ toie eine 

auSgema(3^te ©ac^e toon einem jum anbem tueiter toeretbt. S)arum 

lebrt ber grofee fpinosiftifc^e i^colog ©d^teiermad^er im S^iamett 

SSieler, eS fei ein ^tiä^m großer ?^römmigfeit, ttjenn baS SSitt" 

gebet in unferem Seben nur feiten öorfömmt; eS fei loa^rlid^ !eitt ' 

©d^abcn für baS S^riftentl^um, toenn biefe ©etool^n^eit.abnei^me, y 

er tootte fie mit leidstem ^erjcn üerfd^ioinben fe'^en atte biefe 

©tuttbengebete unb Formulare, ©oetl^e fingt baju: 

Santatc frcirt bcS SWenfd^cn ^itrn, 
Stogatc bringt ntc^t toiel ©cioinn. 

@S liegt auf ber ^anb; bat ^i^f« S^^^^ ^^¥ ^«^ ^«^ ^ibel, 
nid^t aus bem Sefenntnife ber Äird^e, nid^t aus bem ©lauben ber 
S^rijlen flammt. ©Triften ^aben tro^bem toeiter gebetet I ; •'- 
, ^aSBa'^r freiließ ift eS, toenn bie 3^aturgefe^e toir!lid^ bie Steigen 
SBittenSbefd^lüffe ©otteS finb, bann jtnbet ftd^ für baS 93etett 
feine ©tätte mel^r. S)ie ^laturgefe^e ioirfen bann in unabänbet«' 
lid^er f^olge. SBenn ©Ott unb bie Sfiatur im pant^eifiifd^en ©Inne 
@i«S finb, bann fann nur, toie man gefagtj^at, ein felbftifd^ auf^ 



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geregter 3Renf(ä^ fo irreligiös uttb fo ut^ppoföpW<^ f«i«j ift- 
feinen ©unjien eine Slbänberung ber Sßettorbnung px üertmtgen. 
Urfad^e unb SBirfung jinb bann bie einzigen regterenben M<i^; 
einen ^erfönlid^en (BoU gicbt cS nic^t. S)ie 3Kenfd^en l^aben fl«* 
freilid^ einen @ott gentad^t m^ il^rent Silbe, obex tuenn ein 
©rcied reben fönnte, meint <S)piva^a, toürbe eS l&el^oupten, @ott 
fei ein 2)reie(I, ein ÄreiS toürbe fagen, @ott fei ein Ärei«. @o 
entfe|li(S^ eiS ift, immer hur in ben etoigen Ur* ober Ungrunb 
'^y^ ber Sfiatur l^inabsuf^auen, o^nmäd^tig fidii feiner bunfeln Wta^t 

•- Eingegeben su fe^cn, nid^tiS ju ^aben, als bie rafiloS arbeitenbe 

l 3Kdf(ä^ine beS UhiöerfumS, in beren ^acfen unb 3läbem man 

^ cnblid^ jermalmt toirb, fo l^at man bo(^ ni($t aufge^rt, in biefen 

i- . bunfeln 5Raturgrunb ftd^ anbäij^tig ju öerfenfen unb cS als bie 

^ toal^re ffteltgion ju ^jreifen, nid^ts gu fein, nid^tS fein ju tooEen, 

^ als ein oerfd^toinbenbeS St^eild^en beS gro§en unbefonnten Sßelt' 

'. ^ geijieS. @S fei beffer, meint man, biefe SBa^rl^eit anjuerfcnnen, 

als in einem religiösen Traumleben an einem ))erfönlid^en ®iptU 
;> f eftgul^alten , ber bod^ nun einmal nid^t ejijiire unb barum oud^ 

^ • um ber 3:Eori^eit ber 3Renfd^en toitten bie etoigen ©efe^e ber 

i' JlBeltorbnung nid^t abänbem !önne. ©tatt beS d^riftlid^en ©lau* 

^ benS unb §offenS mufe man, nad^ biefer Seigre, an ©rJenntnife 

»ad^fen: baS ift bie loal^re SfteligionI ÜRögen bie S3ubbl^iften il^e 
©re'Etoaljen in i^ren ©ebetSmül^len 2:ag unb ^Rad^t »äljen, um 
fo öiele ©ebete su probuciren, als üKenfd^en möglid^ ift, ober 
mag man mit Sftouffeau baS immer toieberl^olte „^V für baS 
bejie ©ebet l^alten: baS ©ine ift fo unnü|, toie b.aS Slnbere. i . 
Säud^ nid^t einmal ber %xo^ bleibt bem ^antl^eifien, ben ber 
3)eift bod^ nod^ l^at, baB ©Ott bie ®tUtt beim SBcltplane oor- 
auSgefe^en unb mit georbnet l^at. ©S bleibt nid^ts übrig, als 
ber 3(lot^ö)enbig!eit ber ^Raturgefe^e, bem ©d^ic^alc ftd^ ju ergeben. 
S)aEer fagen fd^liefelid^ alle, toie jener ©toifcr: boS ©d^idffal 
fü^rt unS; »ie ein jeber leben muB, boS ^at il^m fd^on bie erflr^'" 
©tunbe beftimmt. Urfad^e l^ängt üon Urfac^e a:b. ®al^er mu| 
4--man atteS tapfer ertragen, »eil nid^tä öon uns abl^ängt, fonber«; 
aöeS Sefi\mmung ift. SBorüber bu bid^ freujt, worüber bu »einj|v; 
baS ift längft im aSorauS beftimmt. S)aS ifi ein to^jferer 3»<9t«ü 



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bet n$ b^in Qä^maU t)Qmm. -©roB ifi ber 3;rofi , mit bem 
Untocrfum ju ftetbett. . 

@« leud^tct ein: »enn e^ feinen perfönlid^en ©Ott giebt, toenn 
bie pantl^eiftifd^e Seltorbnung SBal^rl^eit ift; bann ift bieg aßet^ 
bing« bie einjige Sößa'^rl^eit; »orbei ift eg mit allen (ä^riftlid^en 
Seigren, öorbei mit bem ©ebete. 

2)ie pant^eiPifd^e SGBeltorbnung ijt aber nid^ti? (d2 ein ©e^ 
bid^t, ein ^l^antom, eine ^p^tofel S33o ift bcnn bicfe SBittorbnung? 
^f:Ka ber red^t fpärlid^en Drbnung l^errfd^t überall ^anbgreiflid^ 
eine red^t fpürbate Unorbnung. ©jS giebt ein 9leid^ ber ^nftetni^, 
ber unauflöiSlid^en Sßiberfprüd^e , ber bitterjten 3lot^ , beS den/ 
be^en ©terben«! SQBo ifi ba bie Sdaturorbnung ? 3flur »er in 
feinem ^^ife, fem »on ber SBirf lid^feit , über bie Drbnung ber 
Sdatur in „geometrifd^er" SBeife i3]^ilofo^)^irt, fann fid^ eine SBelt* ^ 
orbnung erbid^tcn. 

Sllbert Sänge fagt, bie ^latur l^abe eine ^^ütte öon SebenS* 
feimen, bie fic »erfd^toenberifd^ »erfd^ütte. S)ie Statur toirfe gang 
anberg, aU 3Jienfd^en. 3Jiit bem menfd^Ud^en SSerjtanbe gemeffen, 
fei bei il^r atteS nur blinber 3ufaII. SBenn ein äKenfd^, um einen 
§afcn ju fd^iefeen,- 3Kittionen ©etnel^rläufe auf einer großen 
ipaibe nad^ aßen beliebigen üiid^tungen abfeuerte; toenn er, um 
in ein üerfd^loffene^ Stinwier ju fommen, ftd^ ge^ntaufcnb beliebige 
©d^lüffel faufte unb att^ toerfud^te; toenn er, um ein ^aoä ju 
l^aben, eine ©tobt baute, unb bie überflüffi^en Käufer bem SBinb 
Unb SBettcr überliefe: fo »ürbe tool^l niemanb bergleid^en jtoedE« 
mäBig nennen xmb noc^ öiel »eniger !önnte man irgenb eine 
^öl^ere SBeiS^eit, verborgene ©rünbc unb überlegene Älug^eit 
l^inter biefem SSerfal^ren »ermutigen. SBer aber in ben neueren 
^flaturtoiffenfd^aften ÄenntniB nehmen tootte »on ben ©efe|en ber 
@rl^altuttg unb gortpflanjung ber Slrten, felbft fold^er Slrten, bereu 
BtoedE toir überl^oupt nid^t einfe^en, toie 5. S. ber ©ingetoeibe* 
»ürmer, ber toürbe attenti^alben eine ungcl^eure SSerfd^toenbung 
ber ßebeniSfeime finben. 3)er Untergang ber ßebeniSfeime, baS. 
^|lf dalagen beiS S5cgonnenett fei bie iftegel. 2)ie naturgemäße 
©ttttoidElung fei ein ©pecialfatt untej: taufenben. ©old^en ^u2* 



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fagett gcgettfiber % eS unBcgretTO , feie man öott Ättoi^tmttg, 
toom 3ttfatnmen^ang bet ^flaturgefe^, rebett fann. :^^/j 

^ 5Jlatt müJ5 gcrabep fiaune«, tDctm man bie ^ntl^eiflen, Ä 
j. 8. ©traufe, fagen prt: ^n bem Untoerfum finben totr §arf 
monie, ©nttoidKung, ^ortfd^ritt. S)erglei(j^ett nennen »ir, loenn 
tDtr'^ im Äreife be^ menfd^lid^en SebenS antreffen, uemünftig unb 
gut. S)ag @ntfpre(i^enbe, toaS toir in ber SBelt um ung »al^r*' 
ne'^men, !önncn xoxt nid^t uml^in, ebenfo ju nennen. 2)ag Uni* 
üerfum ift bemnad^ bie Urrjuette oHeil Sßernünftigen unb @uten. 
S)aSjenige, tootoon toir ung abhängig fül^len, ift mit nid^ten eine 
ro^^e Ueberma#tr-fonbern sugleid^ Drbnung, ®efe|, SSemunft unb 
©Ute, bcr toxx uujS mit liebenbem SSertrauen ergeben. ,6: 

©nttoeber l^aben bie ^'^itof op'^en öon ber Unorbnung in ber Silatur 
geftiffentli(^ gar feine ^l'lotis genommen unb ibr luftige^ ©ebäube 
fem öon ber SSirRid^feit aufgebaut, ober fte l^aben oon S)i!8^ar* 
monie gefprod^en, bie notbtoenbig fei gur Harmonie, ober fie baben 
mit 2Ka(^tfprild^en ftd^ geholfen, ioie 5. S. 3Jlalebrand^e unb 
©artefluS, bie meinten, bie Sibtcrc feien feine lebenbigen @efd^tl>))fe, 
fonbem nur aJJafd^inen, bie ni^ltg fü'^lten, ober bie §ßert|eibiger 
ber SBeltorbnung finb oft ^lö|lid^ »or Slngft in bosS fd^nurgerabe 
©egentbeil verfallen, l^aben bie 2Beltorbnung-.alg fd^redEU<|e 9Belt^ 
unorbnung erfannt unb fid§ in bie Söeltorbnung ber fatl^oUfd^en 
Äird^e geflüd^tet, b^ben ^eilige angerufen unb flnb in ber Äapuje 
geftorbenl So aber, fragen mir, toenn bod^ alleiS nur au« Sßir- 
fung unb llrfa^e befielet, ift benn in biefer S5ejiel^ung bie Ätarl^eit - 
in bem ©pfteme? SBober !ömmt bie erfte Urfad^e? Siegt biefe 
toicber rüdEtoärtg in ber erften SBirfung , ober Jiegt fie jenfeit« 
ber erften SBirfung? JSiJ^ 

SBcnn bie erfle Urfad^e aber nid^t erfannt toirb , toie fann 
man gebieten ober »erbieten, toaS biefer erften Urfad^e gegenüber 
getl^an ober unterlaffen ioerben foE! S)arin, 'i)o,^ bie Seit ibren 
©runb in fid^ felbft ^abe, in bet causa sui, liegt ber ganje Htt'» 
finn bc« ©pinogigmu«. S)afe Urfad&e unb Sirfung julelt @in« 
fein, ber SSater fein eigner ©ol^n unb ber ©ol^n fein eigner 
Sßater fein foU, boS ift gegen alle «Ratur, fagt Hamann, ©j^iito* 
ji^mu« ift nad^ Hamann, toie ber SOflaterialiiSmug, lebiglid^ eine : 






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3vtonfufe Qftituittott, bte ha2 3>ett!cn f<|>eut, ein beptoöitter SBilfe 

^ixlfycit SSetflanb, >et ba« ©ebäc^tnife öerlorett l^at, iöie es bei be«? 

!^^ücrlomctt ©ol^ne ber ?5ött toar. Bol^tm ^jontl^etfHfiJ^ett Unfumel 

gegenüber ruft Hamann au^: / , ' 

'^ SBtc mag bcr @(i^8i)fcr ntd^t in feinet Wimaäft l(i€)tn, 

SSScnn fl(^ bo« iKid^t« gu S33a8 unb tl^n ju 9H(^t§ Jöttt m(i(S}m\ 

S)ie Bitten ©pinojaS unb feiner S^iad^folger, too man mit 
blofeen ^Begriffen baS Uniberfum p berfte'^en glaubte, ge^en 
aber glüdlid^er SBeife borüber. S)ie Sflaturtoiffenfd^aft felbft ber* 
ntd^tet biefe p^^ilofop^ifd^en S^fteme. Wlan !ann eg bal^er nid^t 
^06) genug greifen, baB eine ^laturforfd^ung aufgefommen ift, 
bic, unbefilmraert um ))'^ilofopl&ifd^e unb tl^eologifd^e Formeln, bie 
«Ratur felbft erforf<$t SSor bem 3incommenfurablen ber 5Jlatur 
öerfd^toinben atte leeren gormein, ^n SSejug auf ba« innere 
ber 9latur ^aben fid^ bie iRaturf orfd^er , tt?i e S)uboig 0le^monb 
fagt, längfi mit männlid^er ©ntfagung gewöhnt, il^r „toir toijfen eS 
nic|t, »erben e^ niemals tciffen" figaora mus^ ignorabimus) aug^ 



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§ufpred^ett. 3Kit bem bloBen ©aufalität^princi^j unb ber unab* 
änberli(3^en SQSeltorbnung ifl, ber l^eutigen 9laturtt)ijfenfd^aft gegen^ 
über, nid^t« me'^r au^surid^ten. hinter ber Sßelterfd^einung fielet 
eine Söelt beg SBiffenS , bie niemanb fennt, bor ber aud^ ber 
sRaturfbrfd^er ftiff fielet. 2Bie fatin ber ^'^ilofop^ fid^ anmaßen, 
bon jener 2Belt ju reben, ouS ber bie fid^tbare Seit l^erouiS* 
geboren tt)irb, toenn bie Sflaturforfd^cr befennen, ba§ fie nid^t ein* 
mal bie S)inge biefer fld^tbaren SSelt begreifen! 3Wan fann nid^t 
bie i^lnbibibualitcit einer S3lume berjiel^en, nid^t tjoä eigne SSeiouBt- 
fein erKären, bie Sßorgängc im eignen ©el^im, bic ol^ne alle (Sau* 
falitätsgefele fid^ abfptelen; tro^ biefer UntDiffenl^eit foll aber 
verboten fein, an. einen ^)erfönlid^ett ®ott ju glauben. 

2lbgefe^en aber babon: ber ^ant^eift fann gar nid^t beten, 
toenn er oud^ toottte. _3l!i w ^< ^^<** ^ Q^ f }^r* ^^^^^f^*, gr^t^ott n 
l^at ber ^ant^etft nic^t @r iji nur ein bon Sirhmgen unb Ur* 
fad^en bebtugte« 3:i^cild^en beS IXniberfum^; er toirb befUmmt bon 
attetlei ©itttoirhingen äußerer Siinge ober eigner unabänberlid^er 
S:riebe. S)ie 3Renfd^en bilben fid^'i? nur ein, frei ju fein, weil fte^ 
nur bie ^^anblungen fe'^en, aber nid^t beren SKotibe. ©otoenig 






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tote eine ©d^aube in ber 3Jlaf(3^tne frei ifi, fo toenig iji c3 b^ j^#t 
tl^eiji. 2)03 fagen oud^ ganj offen biefe ^pi^ilofop^en. „©er^JJ^ 
4ei3niu3," fagt ^ortmann, „vtna^i ben S)taIog mit @ott b. $..^a« 
@ebet, toeld^eS bei bem ^eiiSmiuS ber traurige ^lotl^bel^elf für bie 
mangelnbe ©inbeit tft, tiöHig überflüfftg, inbem er bie beim ©eten 
üoraujSgefe|te ^xotx^ixi ber 5Perfonen in eine reine ©inl^eit 
»erbietet, bie über bog ©tabium be« 2)ialogeS toeit binauS ift 
unb bem religiöfen ©efü'^k unenblid^ öiel mel^r bietet, ate jener." 
%xni^ beS angeblid^ ^'ti^txtn ©tanbpunfteg, ben ^artmann cinju* 
nebmen ft(^ einbilbet, toirb ju conftatiren fein, bafe er, au^ »enn 
er beten tooHte, bod^ nid^t beten fann. @r ifi gar nic^t fo frei, 
beten ju !önnen ; er ift nid^tS als ein ©urd^ganggpunft bej8 
^jant^eiftifd^ i!^n betoegenben UniöerfumS. ©ein Unbetou§te3 ifi 
fo toenig frei jum ©rbören, tüie er frei ift ^um 53eten ; bo« Un* 
betoufete ift fo wenig gJerfon, »ie er felbjt. SSom ©ebet fann 
abfolut feine Sflebc fein, ©d^toeigen toäre baS aßein 9iid^tigc. 
SSon ©pinoja toirb aber erjä'^U, er ^di>t gemeint , ba§ er nid&t 
\)Qbt beten fönnen unb «Sd^leiermad^er \)oX tro| feine« ^PantbeiiS«- 
mu« eine ganje ^Rad^t einmal gebetet. ' 

©iebt'S aber aufeer ber ©aufalität ber S^laturgefe^e Hid^t 
aud^ nod^ anbere principe? ©iebt'S nid^t aud^ eine ^age nad^ 
bem 3toed£ be« gangen Uniüerfumg, nad^ @ut unb S3öj8? S5He 
ioitt ber ^atitbeiSmuS auf biefe ^agen antworten? SBenn ftian 
aber loeber anf biefe, nod^ auf aße anberen fjragen eine 2lntt»ort 
befommt, toqrum fott man nid^t bie ?5^eibcit b^ben, an einen 
auBer ber Säbelt feienben @ott ju glauben, ben ©d^öpfer aßer 
Singe, ber toitt, bafe man an ibn glaubt, ibm banft, ibn on* 
rufti 3Wit öjeld^em ©runbe toitt ber ^ant^eüSmuS 'titn ©lauben 
an ben perföiklid^en @ott, bai8 @ebet ju i^m verbieten? ' . 

Äein pbtiofopbif<3^ci8 @^fiem aber '^aX fo febr ba« ©ebet'^aö 
unnü^ bargefi^eßt, als boS pantbeiftifd^e. Äein Stl^eolog l^at bartiw 
fo febr baiS ©ebet »eräd^tlid^ gemacbt als ©d^leicrmad^er burd^ 
I feine pant^eiflifd^cn Sieben über Sleligiott unb feine pattt^eijltfd^e 
©laubenslebre unb feinen offen auSgefprod^enen SBunfd^, bol^baS 
@ebet üerfd^tolnben möge. ^ 

SlnberS, aber nid^t beffer ift eS bei benen mit bem @ebet§ 









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bejicÄt ; bie ber 3)?elnung "finb , )ial W Seit ol^ne ,perfÖnIt($en 
©Ott gar nid^t gebadet toetben fönne. @ott mu^ fein, fage 
bie giften: e t ift ^oftulat ber ti^eoretifd^eit unb praftifd^en SBer 
nunft. S)ag igöd^fte aber, too« 3Äenfd^en benfeit fönnen, ift 1(5et^ 
föttlid^feit; ©Ott raufe ballet ein ))erfönliö^cr ®ott fein. ©Ott 
übet bie ^etfönlid^!eit l^inou^ jieUen, Reifet, i^n untet bie ^et^ 
fönlid^feit ftellen, b. 1^. i^n jum blofeen «Raturfcin cmiebrigen. 
®iebt eS ,abet einen petfönlid^en ©Ott, fo ift aud^ ansune^men, 
bafe et aUeS gefd^offen ^aU, nut nidbt loie ein 3Kenfd^, ber feinem 
aSerfe ^elfenb unb au^beffernb jut 6eite fielet. S)et öottfom«» 
raene ®ott !ann nut eine öoUfornmene ©d&ö^jfung l^etüotgebtad^t 
:^aben. geft unb unabänbetUc^ fielet biefe ©d^öpfung üot ©otteiS 
Slugen ba; ©ottfelbft fann nitgenbs me^t in biefelbe eingteifen. 
«Sie ift bet öetttjitflid^te SSeltplan, ber ftd^ feiner :3fbee gemäfe in 
unöerrttdEbarer Drbnung fortbetoegt. 2)ie fucceffioe Wtoidflung 
ber SBelt-ifl bal^er nid^tiS, al« bie notl^toenbigc Sluj^gejialtung 
be« üor ©ott fettig baftel^enben SBcltplanei?. Sin biefe öoü* 
foramene 5Jlatutotbnung, biefen bi0 in'S Äleinfte geregelten SBelt* 
plan, ift ©Ott gebunbcn; er l^at fid^ felbft an i^n gebunbcn, fo 
lange bi« t& ii^ra ettoa gefällt, benfelben p bcfeitigen. ©Ott ^at 
fld^ toie ein Äönig eine SSerfaffung, eine ©onftitution gegeben, bie 
äu l^alten fein SGBiUe ift. 2ln biefe ©onftitution ift aber aud^ un^ 
abänberlid^ bie SQBelt gebunben. ©Ott unb ÜJJenfd^en finb iMter» 
t^an biefer @»igfeit3üerfaf[ung. 

2)ie 513l^ilofopl^cn raad^en üon biefera ©tanbpunfte au«, toie 
fid^ oon felbji öerfte^t, toenig Umftänbe mit bera ©ebete. ©ott 
\)at atte« georbnet; bie ®a^t ift überall fiy unb fertig , bie SJlafd^ine 
arbeitet nad^ längft feftgeftellten ©runbfci|en, ba« ©ebet l^at babet 
ni^t bie attergeringfte Sebeutung ©ott l^at bei @nttt>erfung feinest 
2Beltplane3 bie SWenfd^en überbauet nid^t gebraucht, er f)at alfo 
aud^ nid^t auf i^te SSünfd^e unD i^te ©ebete SÄüdfid^t ju nel^raen 
nötbig gehabt. 2)e«balb aber braud^cn fid^ bie 3Renfd^en aud^ 
nid^t iDeiter mit Sßünfd^en unb mit bitten aufpl^alten. @iS l^eifet 
n id&t; bete "«h arbeite, ^ß 'pfeifet: b<>nffi unb arbeite. _ 

2lnberjS aber ift e« bei ben 2:beologcn biefer 0lid^tung. @ie 
muffen »om ©ebete (Stioa« ju fagen toijfen, toeil fte S^eologen 












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fittb, unb. fte ttjtffcn aud^ @ttoa« su fagen. 5Rad& i]|>tten l^oL^ott 

ttemli(^ bfe®ebete öon Anfang cm mit geotbnet; er ^at biepett- 

orbnung nur be^'^alb fo unb ntd^t anber^ eingerid^tet, weil e« bei 
\@ntiDerfuttg bej8 SBcltplaneg auf bte üon i^m öotamSgetou^tcrt 
©ebete Slüdftd&t genommen f)at. 

SBte matt aber mit ^^euben beten foll im Setoufetfein , "ba^ 
"oaä ©ebet nid^t^ ift, al^ eine öon Slnfang an üon ©Ott getDufete 
unb beftimmte SHtion, al3 eine ^Raturorbnung, toie ba^ Slü'^ett 
ber Säume unb baS «Singen ber SSögel, ba^ ift nid^t gu oerfie^en. 
@^ ift unbegreiflid^, toie man nid^t enttoeber, toie bie Subbl^tficn 
ober SRu'^amebaner, glauben mu^, baB man fo t>iel aljl.nur 
irgenb möglid^ gu beten J^a'b^, toeil ©Ott toietteid^t gerabe bie 
^öienge ber ©ebete mit georbnet "^at, ober, toie man fid^ nid^t 
ganj furj entfd^lieBt, gar nid^t me'^r §u beten, toeil ©Ott e5 ja 
aud^ üieUeid^t o'^ne unfere ©ebete auf'5 93efte eingerid^tet i^abcn 
toirb, jebenfall^ 3:^ränen, Sitten unb ?^lei^en tjiele^S bei SWenfd^en 
Stoar auSrid^ten !önnen, toeil bie 3Jienfd^en fd^toad^ ftnb, ntd^tiS 
aber au^rid^ten fönnen bei bem ©Ott, ber in etoiger Siebe unb 
SBei^'^eit längft mit ober o^ne unfere ©ebete atte^S georbnet ^l^ot 

®ie :£^eologen fommen auf biefem ©tanbpunfte offenbar in 
gro^e SSerlegen'^eit. ©ie fönnen nid^t entrinnen: S)aS ©cbet 
foUen fie aufred^tl^alten , t)a2 fte^t nun einmal in ber Slbel^ 
haß lafet fid^ bie d^riftlid^e ©emetnbe nid^t nel^men unb bod^ ifi 
atteg üon @toig!eit georbnet I 2ßaS fott ba ta^ ©ebet? §lm Uöfictt 
müfete e§ biefen S^^eologen fein, toenn in ber 93ibel nid^tg öom 
©ebete gerebe^ toäre l ^x 

9)?an mufe fid^ ba'^er ^elfetv\fo gut c« ge'^t. ÜWau be'^au^jtct 
t)on t^eologifd^er Seite bie Unabänberlid^feit ber S^laturgefe^e 
gerabe fo, toie bie ^^tlofop'^en unb toei§ bod^ bie 5Rot^toenbigfeit 
ber ©ebete ju betoeifen. aJlan tjerlegt nemlid^ ben SBert^ ber 
©ebete au« ber ^^ilofop^ie unb 2:^eologie in bie ^äbagogÜ. 
2)aS ©ebet, fagt man, toirft Sufee, ©elbftbemütl^igung, @r!ettttitti|. 
©otte« unb ©^rifii. 3Kog^eim, ber unter allen l^ierüber am att8* 
fü'^rlid^ften ^anbelt, streift fogar t>a& ®tUt, aber nur al« ^ugenb* 
mittel; er t^ut eS um fo eifriger, unb mit fo öiel me^rSBorten, 
je toeniger er an bie ©ri^örung be« ©ebete« glaubt, dt fagt: 



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Dor t>cTn Si^rone be2 liel&reid^en SSatetiS foöen ber SOlenfiSett 
Ätnbet ftd^ einfictten, feine Dbetl^ertfd^aft butd^ tl^r SBeten l&e* 
femten unb fid^ feinem Söitten, feiner ©rbtttmung, feiner ©ngbe 
unt Siebe untetioerfen. 

Db auf biefe SBeife baiS @ebet gerettet »irb, ba« barf too^ 
faum gefragt »erben. Sin bie ©teile beg ©ebeteg- fe|t man fo 
ben äRonolog , bie Slefleyion, bei bem blog ber SWenfd^ attio ift, 
nid^t aber (Sott. 3Bo bleibt benn baiS SBittgebet, »enn man »eiter 
nid^tg barf, aU anbetenb üor ©ottel Z^xon in iönfee unb ^anU 
bar!eit'ftel^en? ^oSi)tm toei^ baSunb fü'^rt felbfl ben ©intoanb 
ber ©egner an. S5ag S5ittgebet, läfet er bie ©egner fagen, ftettt 
ben SlHer^öd^ften als ein SBBefen »or, bem mit @:^ren, mit53itten, 
mit Sob, mit S)an!fagung gebient fei, al2 ein SSBefen, ba§ f o lange 
trag unb f^lafrig fei, big t& burd^ bag @ef(|rei unb baS ©ebet 
ber armen Äinber SlbamsS ermuntert toerbe; bie emige Urfad^e 
atter 2)ittge ioerbe fid^ nid^t nad^ bem SÖitten ber 3Jienfd^en in 
i'^ren 3fleigungen bequemen, fie »erbe ftetS il^ren Sßiffen, ber 
nötl^ig unb »eife ift, erfüllen, ber SJlenfd^ Utt ober Utt nid^t. 

SßoS erioibert TloSf^dm l^ierauf? ®ar 3fiid^tS, er fo toenig, 
iüie feine 3fiad^f olger I (i fagt fd^liefelid^ felbft ganj offen, bai 
baS ©ebet, öon ©eiten srotteg angefel^en , unnöt^ig fei, nur üon 
©eiten beS 3Kenfd^en fei e« ttötbtg, al« SKittel, fid^ ju befefligen 
im ©lauben, in ber Siebe, in ber ©ottfetigfeit. 3Roi81^eim fagt 
aber nur ebrlid^, ioaS feine 9Jtad^folger in ber ©t^ü, benn nur bie 
et^ifer i^aben »om ©ebete gerebet,. nid^t bie S)ogmatifer, eben* 
falls meinen. 2)a man aber aud^ o§he baS ©ebet, ha& auf ©ott 
bod^ nid^t einwirft, im ©lauben, in ber Siebe unb in ber ©ott«* 
feligfeit ebenfo weit !ommen !ann, fo ifi aud^ eigentlid^ Dom 
„SSorti^eite" be« (3tUU2, um mit SHein^arb p reben, nid^t weiter 
p fpred^en. 3Rufe man aber olS ^^eolog bod^ üom ©thttt fpred^en, 
bann bürfte e« genügen, mit Stein^arb ju fagen, t)a^ ©ebet fei 
ein mit @mpfinbung unb Sflübrung »erbunbeneS Slnbenfen an ©Ott. 

:3fft man aber l^eut ju 2;age in ben Greifen biefer ^eo«* 
logen weiter gefommen? gitfdbl ^um nur ®inen anjufüi^ren, ber 
fid^ l^ierüber beutlid^ auHJri^tTfagt in feiner d^rijttid^en Seigre 
öon ber Sfled^tfertigung unb SSerföl^nung , «Sd^leiermad^er'S S)ar* 




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ftettung beiS ©ebetc^ (atö SSerbinbung be3 auf bog beftriSe^O 
liegen gerichteten SBunfd^eS mit bem ©ottejSbetouM^t«) f^ciM 
in naiver SSertuanbtfd^aft §u bet SJeöorjugung bcg Sittgebcte« ju 
fte^en, toeld^e« in pietiftif(j^en Äreifen ^eimifd^ iji unb ftd^ Hx^ 
ein tel^r'^afteS ^ntercffe an bcr ©ebet^er^ßrung !unb giebt, 
»eld^e man burd^ ja^lreid^e SSeifpiele empirifd^ ju erhörten fbebt. 
iRitfd^l meint ferner, ju biefer ©infeitigfeit toirfe »ermirt^lid^ 
neben bem beutf(i^en ©^rad^gebraud^e ber llmftanb , -M ^2 ft<^ 
in ben Sieben i^fefu über bie ©ad^e faft au^fd^lieBli$ unl boi8 
iBittgebet unb beffen ©rprung burd^ ©Ott i^anbelt. ©^ fcä^eint 
bemnad^, \>a^ !Ritf(ä^l annimmt, bafe ^efu« felbji bie pietiftifd&e 
^infeitig!eit im Seten üerfd^ulbet l^abe. iBon ber ©r'^rung be3 
^ebete^ »eife Slitfd^l nid^t^ ju fagen; er übertäjst ba^ ber Stimmung 
ber „miferablen* ©Triften, toie er mit R insenborf fid^ au^brüdft. 
©ein eigner ^o^er ©tanbpunft befielt Sarin, baf ha& ©ebct bie 
^reube be^ SSerfö'^nten ift, bie in allen pllen unb unter allen 
IXmftänben ©Ott banfen. Unter biefen Sebingungen, fäMJ|iffi&l^ 
fort, ift baiS ©ebet bie ©rfd^einung ber ©emuf^, ber ©ebutb unb 
iaS Wliiid t)a^u, 'oa^ man fid^ in biefen 5£ugenben befejlige. 
mifo aud^ ^ier ift )>a$ ©ebet nid^tS al& Stugenbmittell 

©old^en tl^eologifd^en Se'^ren oom ©ebete gegenüber fann 
man e^ begreifen, hjenn bie ^P'^ilofo^j'^en nur ©pott barüber ^aUxt, 
S)ie „miferablen"^ ©l^riften aber trerben baüon gar nid^t berül^rt. 

Sttbel, toaä ^älfe eS, fld^ gegen fold^e Se^ren über ha& ®thtt 
«ufjulel^nen, .toenn e^ bod^ Söa^r^eit toäre, toaä bie S)eifitett öon 
©Ott unb feinen unabänberlt^iett Slaturgefe^en unb feinem biil in'iS 

^injelnfte hinein georbnetcn SS4sjteÖ222li-^!!!.i^^^^ 

@§ ift aber feine SBa^r^eit ^?a3r^lßfeOe|rrr»äfe toeber 
bie ©d^rift, nod^ bie X^atfad^e beg- d^riftUd^en ©lauben« unb 
^ebenjg, nod^ bie 2:i^atfad^e beg ©ebete^S irgenb toie erKärt. @g 
toirb nid^t einmal ber SSerfud^ bagu gemad^t; nur eine ^^potl^efe 
.^~^irb ung angepriefen, bie aber um Vit 3:^atfad^en ftd^ nid^t ein*» 
mal fümmert, gefd^toeige, \>a^ fie biefelben erflären fönnte, gc^ 
rabe tt)ie c3 in ber 5Raturtt)iffcnfd^aft ^^potl^efen giebt, bie nid^t« 
al« SBermut^ungen finb. spie aber in ber 9(laturtoiffenfd^aft ®r* 
fal^rung bie ipauptfad^e ift, fo ift e« aud^ in ber Geologie, ©ine 












15 



ß:f^at \a^ei r xifffi ^rfUr m fonnctt. tft attemal feeffer. atg eine falfd^e 
^pjotjefe. @o Jüenig toie bte S^latur jtc^ a priori erfläten lä^t, fo - 
toenlg lä^t jid^ bcr d^riftlid^e ©laube, in specie ba« ©ebet, a 
priori ei^ären. @in 3;auber fattn überall ßt(^t feigen, aber er l^at 
feine (grfal^tung tjon fingen, bie man nur burd^ §ören öerflel^en 
fann. 2Bir totffen nun einmal n\^t&, al& »oiS toir burd^ bie äußern 
©inne enn)fangen, ober mit ben innem ©innen erfal^ren l^aben. 
©I^riften ftnb 3Jienf(J^ett mit ©rfa'^rungett; fte glauben an SBunber, 
weil fte jum ©lauben an bie Sibel ge'^ören, toeil fic Söunber 
in ber Mx^tn» unb SBeltgefd^id^te feben, unb felbft Erfahrungen, 
j. 33. in Setreff ber ©r^örung beS ©ebeteg, l^aben. SGßer fte be^ 
le'^ren toiU, ber mUfe bod^ aud^ ettoa^ au^ Erfahrung toiffen öon 
bem, bag fie erfal^ren l^aben ; ober !ann ein SCauber aud^ üJhifü»« 
ftunben geben, ein S3linber in ber ^^arbenlebre unterrid^ten? Sßenn 
man ben S)ei)8mu8 aber nur auf bie äußeren SBunber l^in*- 
toeift, bie im öereid^ beS d^riftlid^en ©laubenS bafteben, j. ö. 
baS Seben ©bi^fti ""^ f^i^e SBirfung in ber @efd^id^te, bie ^i^ 
!el^rung 3luguflin'S unb Sutber'5, toic WS ftebt berfelbe 
fold^en ^atfad^en mit feinen ipppDf^efen gegenüber! Sßer in ber 
©b^^ftenbeit nimmt ^oü^ üon f old^en ©rflärungcn I 

®er ©eijien ®ptt fann feine 2öunber tbun, barum giebt eS 
aud^ feine I ©Ott fd^au't nad^ biefen Sebren nur immer in ben 
georbneten SBeltplan mit feinen unabänberlid^en S^laturgefe^en, 
hjie bie ^btlofo^b^w i« ben ©tetnenbimmel. fd^auen. SBie bie 
gried^ifcben ©öttcr unb ©öttinnen ausfeilen »ie gried^ifd^e äJ'Jännet 
unb i^rauen, fo flebt ber beiftifd^e 2Beltorbnungg='®ott auS ioie 
ein ^bt^ofopb- SGBa3 t^ut benn biefcr ©Ott, nad^bem er bie SQSelt 
gefd^affen "ffdt? @r fd^aut in fie bi«ein, lieft barin feine eignen 
©ebanfen toie ein ^^ilofop^ , in feinem 8ud^e lieft. 3)er 
2)eiften ©Ott ifi gleid^ ben ©öttem ©pifur«: er ift^ ßufd^auer. 
S)ajS S)rama fpielt ft(^ ah, nad^bem er e« gebid^let, obne feine 
3Rittoirfung. S)ie ÜWenfd^en be« S)rama3 fennen ibn nid^t, er 
tbut aber aud^ nid^ts, baB fie ibn fennen lernen; er lä^t fte 
ibre 3loIIe fpielen unb toirft fie beg, »enn fte auiSgef^Jielt l^aben. 
©Ott ift auf biefem ©tanbpunfte, tro^bem bafe er ^erfon fein 
fott, bod^ feine «perfon. @r ift blofee« ^ein, ©ubftanj, unbefannte«. 



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un^nämte^, üttetmeBliö^ör^cfen, al<8 yi)el(3^« er cittett S%öitf ^^ ' 
afcer üonßiiS, tote ber S^eufel in S5ante'j8 divina comedia. 3fiiemaTÜ) 
fann SU i^m beten, metnanbeti !ann er er'^örett, er iatm fi^ 
feine« aWenf(|en erbarmen, ^on ber Sflof^ ber a^^enfd^cn fü^lt, 
biefeS abfolute ©ein nt<|t0; biefer ©Ott toiU fogar bie ?lpt]^, 
ben 2;ob, er ^at bie ginftemife mit gcorbnet, fie gel^ört mit jum 
fü&dtßlam, toic bie S)ig{)arraonie gur Harmonie, ber ©Rotten 
jum ©emälbe. 3öo§u aber, mu^ man fragen, ^at biefer @ott 
über^au^t eine 2BeIt gefd^ajfen? Dl^ne lebenbigc SKenfd^en l^ätte 
er fi^ an ber bloßen ©onn}ofition feineiS Dramas in feinen ©e* 
banfen genügen laffen fönnen! ©r l^ätte ebenfot»iel baöon ge|>abt, 
als er je^t ^at beim 3uf<^<iwßi^ ^^^ tDixtl\6)m 2)ramaS, bie 
SKenfd^en aber ioären beffer baran gewefen, toenn fie nie gleifd^ 
unb/S8lut befommen :^ätten! -l 

3Jlögen bie SDeiften aber i^ren @ott nennen, toie fie tootteu, barin 
finb fie aUe einig, ba^ er, bur(S^ bie 3flaturgefe|e gebunben, fein 
freier ©Ott ift, feine ®^b^tt. erl^ören fann. Sitte Reiften »erroerfen 
ta^ ©ebet ^flur bie Reiben, bie Don ©Ott nid^t« toiffen, oer* 
fud^en toenigfienS ju beten. ©ofratcS, ^lato, ^ß^t^agorag J^aben 
gebetet, ©ofrate« fagt: eS ift grofee SSorfic^t nötl^ig, bafe 
man fid^ nid^t felbft täufd^e, bafe man nid^t, inbem man um ©üter 
5U bitten glaubt, um gro^e Uebel UtUt Sin alter ©id^ter ^at 
beten gelehrt: Äönig i^uptterl ©d^enfe ung bagSöefte, »ir mögen 
barum bitten ober nid^t, ba§ Hebel aber la§, toenn toir aud^ 
barum bitten, ferne oon uns feini ®ie ©toifer, obfd^on fie il^rer 
Se'^re nad^ 'oa^ ®^bti öernjerfen mußten, fonnten bod^ baS ®thtt 
ni(^t laffen. ©ie beteten : be^anble mid^ ©Ott nad^ beinem W&vif)h 
gefatten, i^ ftimme bir M, x6) bin bein, id^ toeigere mid^ nid^t, 
fü^re mid^ ^n, too^in bu toiUft; lege mir baS Äleib an, tD^ld^eS 
i(^ tragen fott. 3Bittfi bu, baB id^ ein 2lmt üertoalte, ein ?Prit>at* 
leben fii:^re, t>a% i^ bleibe ober fliel^e, arm ober reid^ fei? gd^^ 
toiff bid^ in atten biefen Ratten red^tfertigen unb mid^ jeber Se* 
fiimmung gemä§ betragen. 

Jant^ iH bie 5;^or^eit ju beten barauS betoeifen, bafe man 
fid^ fd^äme, toenn ©iner ben Slnbern laut beten pre, ber $eibe 
©eneca aber nennt eS 3:^or^it ber ÜRenfd^en, bafe fie fd^meigen, 






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toernt einer fte Beten ^rt unb ^^l^gotoS foll feinen ^fö^^B^tn öOi*-^ 
gef(j^ttebcn ^aben, laut ju beten, bamit fic ber ©efal^r entgingen, Vi<0 
IXnjiemlid^eg, »oö nid^t jeber ^ören bürfte, ü^bie ©ottl^eit ju 
bringen. Unferc beifltfd^en SBetttoeifen fd^öpfen, ime Saaber »on 
gant fa gt, atte3 nur aug bem öerf(j^ütteten SBrunnen t^reS ^^ä 
unb verbieten bag ©ebet gerabe^u aU Unfinn u nb ^abnfinn. 
Äant fdgt, ai?ge)e^en üon ^etnen lontttgen läfterlid^en SBorten über • 
bog @cbet, man !önne fid^ niä)t anniaBen, bag S)afein ©otteS 
als toöllig getoiB betl^euem ju fönncn, babei aber fönnenian im 
©eijte bcg ®tUU^ üöttig richtig beten. 'SDer @eift be§ ®tUtt& 
ober, fogar haß SSaterunfcr tft, nad^ ^ant, ber l^erglid^e SBunfd^, 
©Ott in allem unfern S^l^un unb Saffen too^^lgefällig'^u fein. 3)er 
moralifiä^e SebenStoanbel alfo ift ber ©eift be« ©ebcteS; fo leiert 
ber @ine unb fo le^rt ber Slnbere. ©te ^aben eben alle feinen 
©Ott, ber bog Seben ift unb Seben fc^afft. Q^r ©Ott ift baS 
©ein unb cogit o, ergo sum. 

Dr. Ä^m fagt in leinen metap^^fifd^en Unterfuc^ungen , Öl^ne 
Slnt^ropomorpl^igmug oermöd^te ber 9leligiöfe fein SSer^ältnife ju 
©Ott ttjeber tl^eoretifc^ nod^ praftifd^ §u beftimmen , eS ioäre i:^m 
fomit aller J8er!e^r mit biefem abgefd^nitten. S)er ©ottl^eit SBefen, 
fagt er, erfd^liefet fid^ bem religiöfen ©emütl^e nur in einer 
3^ätig!eit, bie eg fld^ aU oon einer ?)3erfönlid^!eit auSgel^enb 
benfen barf. ©o bringt ber ^leligiöfe nur ant^ropomorpl^ifi^ in 
baS Söefen ber ©ottbeit ijor unböermag er bcren Sßer^ältniB ju 
ii^m iu beuten. 2)ie ^]^iIofo^)!^ie bagegen, foU fie genetifd^e 
Sßiffenfd^aft fein, mufe fid^ jebeS Stntbropomor^jl^iämuS entfd^lagen, 
nid^t toeil er falfd^, fonbern toett er unjureid^enb ift. 

S)ie Sftetigion toirb bemnad^ auf il^rem untergeorbneten 
©tanbpunfte beten leisten, bie ^'^itofop'^ie bei i'^rer genetifd^en 
Söeife oXitn SSerfel^r mit ©Ott abbred^en. 9lur baB man b^ei 
immer feji^atten mu^, bofe in ber genetifd^en Söeife ber ^^ito* 
fopl^ie ©Ott aud^ nur oon ?p^ilofop^en auä il^ren eigenen @e* 
banfen l^erauS antbropomorpl^ifirt toirb, loäbrenb ber ß^rift nur 
beSl^lb ©Ott antl^ropomorp^ifirt, ioeil, toie ^(äobx fagt, ®ott 
bie SRenfd^en juoor t^eoraorpbifitt bat. 

S)ie d^riftlid^e SCl^eologie l^at e« nie oerleugnet, baB ^^ 

Bettfraflen bb c^ffL Sßomitbaa. TV. 6. ^fi 2 



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d^riftlid^e ©laube ®ott atttl^riypomorp'^ifd^ auffaßt-, »eil ©Ott betl 
j 3)fJen[(ä^ett nad^ feinem Silbe gefd^affen ^at, batum fanii unb 
/muB ber 3Jienfd^ nur nienf(^li(^ »on ©Ott reben. S)er C^mjlt 
/ toeiB, ba| aufeer bem Slntl^ro^omorp'^iSmu^ nid^tä ifl; als S'lil^i- 
liSmuS. ©Ott ift ben jS^riften nid^t loa^ ©ein, ber Urgrunb, bie 
©ubftan§, ber UnemieBli(^e , fonbern bie abfolute ^erfönlid^feit, 
^beren Seben bie Siebe ift. 3Bie er aber bie Siebe ifi, fo offen«* 
bart er aud^ bie Sieb^; barura uragiebt i^n aud^ feine ftarre 
Sßeltorbnung. @r felbft, nid^t feine Söeltorbnung, ifi gegentoär* 
tig^ bei feiner ©d^öpfung*; er ift nid^t bloS über il^r, fonbern aud^ 
mitten in i'^r. SBie er gefc^affen l^at, fo ift er fd^affenb aUe Q^xt 
feinen ©efd^öpfen gegenioärtig. ©otoo^l ©otteS Slbfolutl^eit, tüie 
©otteS fcrttoäl^renbe^ ©d^affen "^at hit Äird^e attejeit gleid^mä^ig 
behauptet. ©Ott aber ift untoeränberlic^ berfelbe tro^ feinet 
ftetcn ©d^öpfung. J^n Jidl^ ift_er_ unbe rnl^rt t>on jebem Söerben 
jyibJBed^feli au|er fid^ aber J^at er eine 9ßeit gefd^affen, bie 
toerben unb lüad^fen muBte, an beren SBed^fel er S^^eil tiitnmt. 
®ie Siebe, bie in i'^m tft, l^at er burd^ bie ©d^öpfung nad^ auBen 
manifeftirt; er ^at ein StebeSöer'^ältniB mit feinem ©efd^öpfe 
'^ergeftettt, baS nur baburd^ mögli(^ toar, bafe er menfd^ttd^ mit 
ben 5IJJenfd^en umging. SBä'^renb bie Segriffe ber ^'^ilofop'^cn 
üon ©otte^ Unenblid^feit, üon feinem ©ein, üon feiner absoluten 
ßaufalität nid^tS finb, alg gebanfenleere unfrud^tbare Söorte, bie 
'^öd^ftens als afla'^men bienen für ha§> fe'^lenbe, faßbare SSefcn, 
rebet ber (5!^rift menf($lid^ öon ©ott, als bem Urquell attcr 
Siebe unb aßen ©eifteS. ©Ott offenbart fid^ als ©ott ber Siebe, 
benn auS ftd^, auS ber SSernunft !ann ^Riemanb ©ott in feinem 
unjugänglid^en Sid^te erfennen. ®ie Vernunft ift fe'^r fd^ioanfenb, 
fie bebarf eines Qn'^alteS, ioenn fie gu Sßerftanbe fommen foll. 
Sd^etting fagt, bie ^ftanje ift vernünftig gebaut, baS ^^ier 
folgt nur öemünftigem ^^nfltwcte, aber biefelbe Vernunft ift 
anberS im ajtenfd^en, anberS im S^inefen, Sebuinen, Europäer, 
anberS unter ben (Europäern, in ben ©enieS, anberS in ©ott. 

5ßo^er foII benn, aber bie Vernunft t)it SBal^r^eit belommen? 
2luS fid^ nid^t, fie ifl o'^ne aEen ^n^alt, gän§li(^ leer, ©ott, 
fagt ber ß^rift, mufe ben ;3n^alt geben, mit göttlid^en SBa'^rl^eitS* 






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19^ 



Oebartfeit bte Seere^au^fütten. ©ott affein !ann c<8, ®ott tottt eg. 
@r tft baä Scben, bic ^etoegung/ bte Siebe; er ift m<3^t bloS 
abfolute ©aufalttät, "fonbern Std^t unb ßebcn fd^affenber ^err ber 
3ßelt. 2ia fein 2;^un tft Dffenbarung , n td&t totber bte SSemunft, 
f onbem über bie ^erm m£t4oett t% auiS einer SBelt !ommt, tool^in bie. 
SSemunft nid^t bringt, aber feine« 2:^un« ^n^alt ift lauter Sßernunft. 
Slm meiften aber ift ©Ott ber 2öeÜ na'^e geforamen babur(3§, 
ba|sba«3ort_^l[ei^^ »leibenb ift ©oft fo ©ins geioor^ 
ben mit ben 3Renf(i^en. §ier ift bie gülle ber ©ottl^eit l^erein* 
getreten in bie leere 9Jienfd^'^eit. SfBie ©briftu« aber ^rabge= 
fommcn ift unb in i'^ra bie ^ülle ber ©ott^eit, ttiie er burd^ fein 
SBort, SBerfunb ©eift bie 3Jlenf(^en erleud^tet "^at, fo ift er in 
bie $D^e gefahren, ^at bie 3Jlenfd^'^eit mit |)inauf genommen in 

©otteg 3öefen, ift nun im ^inimcl unb ioitft auf ©rben in feinem 

aSorte unb ©acramente. Sut^er fagt: ©|rtftui8 ift in bte göl^e 

gefa'^ren, b. i. er ft|t nid^t attein ba oben, f onbem ift aud^ l^ic* 

nieben, unb ift eben ba^in gefahren, ba^ er l^ienieben toäre, 'ti^^ er 
alle S5inge erfüllte unb an atten Orten !önnte fein, toeld^eS er 
nid^t !önnte t^un auf ©rben, benn ba Ißnnten il^n nid^t SlUe mit 
teiblid^en Slugen feigen. 2)arum ift er ba'^in gefa'^ren, ba i^n 
^ebermann fe^en !ann unb er mit ;3ebermann ju fd^affen l^abe, baB 
er alle ©reaturen erfüllte, ba er überaß gegentoörtig ift unb finb 
alle S)ingc feiner tooll. Sl^riftuS ift über allen Kreaturen in 
allen unb aufeer allen. S)ie 9ted^te ©otte«, fagt Sutl^er, ift 
an allen Orten toefentlid^ unb gegentoärtig, aud^ in bem geringften 
S5aumblatt, benn ©Ott iff«, ber atte ;iDinge fd^dfft, toirft unb er^ 
füllt burd^ feine aumäd^tige ©eioalt unb redete ^anb. 

©Ott ift bemnad^ nad^ bem ©tiangelio ni(^t ba« iDirfuttg«^ 
lofe ©ein ber ^'^ilofop'^en, fonbem bie alle« burd^toaltenbe l^öd^fte 
^erfon, bie nid^t müfftg, nur ftd^ felbft genie§enb, l^inter bem 
SBelt^lane bem S)rama jufd^aut, baS fie üon Enfang bi§ §ura 
@nbe fennt, ba^er aud^ nid^t« tl^ut, nid^t« !ann, nid^tä ioill. S)er 
^l^ilofopl^en ©Ott ^oX fid^ erfd^öpft mit feiner Söeltorbnung; ber 
©Ott ber ©'Triften ift lauter fortfd^affenbe Siebe unb Slttmad^t. 
@r emiebrigt fid^ unb erl^ö^t fi(^, nur um ju fd^affen. ©o tief 
©Ott aber aud^ in bie ©reaturen eingeigt, fo Wirb er bod^ felbft nid^t 
• - 2* 






p^^j^ tion fftanm unb 9,&\t ht\äfTänl\. SRnr i^m gie^t e2 Ü&etl^aU^tÄ 
feine Qdt unb fernen SRaum; bte 33efd^änfung im ffiaumt unb 

t)ie Weinanberfolgc in bet 3eit ftnb nur für bie aRenfd^ctt. "^^ 

©al^er giebt e« für ©Ott feine SSetgangenl^eit, feine ©egenmort 

unb feine ^uhn^t @r ift ollen Srcaturen gleid^ gegentoärtig:|-^' 
bcnen, bie ioaren unb benen, Ui fommen »erben imb jc|t finbr^f^i: 

__^.ÄtJL,nuiLJine etotge ©egentoart. ©ott fte'^t^|% 

aaes mit einem sSale ganj unb öoöforanien. SÖenn nun ©^rijien '}ct 
aufgeforbert toerben, ^u beten, ift benn ni(^t atte^Joa, tt>cu8 baj» 5;% 

gehört, um bem ©ebete SGßa^r^eit unb Seftanb V^^i^i^^ti? '.c 

ÜRnfe man e^ nid^t ganj natilrlid^ finben, tocnn ©Triften unab* 

läffig ben naiven, jii^affenben ©Ott anrufen? S)ürfen fie ni{]^t in ber :.';.-,. 

3;^at, um mit ©criöer ju reben, baS ©ebet unferer ©eele Sltl^em, . ;;' 

ben @(i^lüf[el gum ßimmel, bte ©äule ber SBelt unb Äird^e, ben. : / 
^ulsfd^lag beS gctngen (J^rifilid^en 2t^tn& nennen? SBBenn ©Ott ':■■ 
felbji toiß, bafe er angerufen toerbc, toenn ©ott fo nabe fommt, : 5^" 
©eift unb SSeri^eifeung giebt, aWenfd^en ju feinen Äinbem mad^t,, 91 
bie ber ^eilige ©eift f elbft vertritt alä SWittler, öor ©ott, nad^bem - ::^. 
bag ©Ott gefaßt, Siönt. 8, 27, foba^ fie nun nid^t me^r attein, "^^? 
fonbem in feinem ©eifte ftel^en, nicj^t öor bem unbefannten Un= / 
enbli(|en, ber erften Urfad^e, fonbem »or bem lebenbigen ©ott, ^ ^f 
il^rem 33ater, — toer toiH ßl^riften übergeugen, t)a^ i^r ©ebet \;7 
nid^tS nü|e? Unumftöfeli(^ l^ält jeber 6'^rift feft an ber ©r^örung ; /• 
beg ©ebete«, »eil e« in ber Sibel fte^^t, toeil t2 bie ©rfa^rung" J ]^ 
ber gangen 6'^riftenl^eit ift, toeil er f elbft feine gctoiffe ©rfal^rung ■ ijj 
^at in ber (Sr^örung beS ©ebete& SBenn l^eute ber erfte ©l^rifit ^iä^ 
entfiänbe unb tt>enn er nod^ nid^tg erfahren Vtte »on ber @r* ^^ 
/ l^örung be« ©ebete«, fo toürbe er bo(^ beten unb glauben, bafe Hv 
fein ©ebet erhört toirb, fo getoiB er glaubt, ba| ©Ott attcn feinen 3^ 
Äinbern in Siebe na'^e ift. @r toürbe aufhören ein g^rift gu fein , ^-Jt 
toenn_erjauf|iörte gu glaubett, ba| fein ® Ott ©ebete erl^ört So J- ^; 
unerprt e« ift für etncn^'^r aufeer ßl^rijio iji, an^r^öriutg bc«^ Äf^ 
©ebete« gu glauben, fo einfad^ unb natürlid^ ift e« für einen . f-^ 
©Triften, ju glauben, ba§ ©Ott ^tbttt erl^ört. .tinber fennen v^*^ 
ben SSater unb ber Später fennt bie ^nber unb '^ört auf fie, ein ^■ 
Äned^t aber, ein ^l^ilofopl^, fennt feinen iperrn nid^t, ioei^ nid^t, U^ 



^4#^ 













21 



»er fein ^ert ifi utib »o« fein §ert tl^ut, er l^at bal^er tpeoer 
ßuft noä} Äraft, gu Beten; . er fielet brausen, toeil et ein Änec^t 

iji, bem ber §err ni(j^tö »erteilen |iat, bem er alfo auc^ ni(j^fö 

©0 m^t bo^ 9ltte5 aber anä) tft, fo jetgt 'fi(^ ho^ auä^ 
^^x ein §emmni|, boS aller ^reubigfett im ^eten »ieber ©in* 
Mt tl^ut. 

* ©(Jaut ©Ott nml\6) aM in jettlofcr ©egentüart, bann l^at f 

er aud^ tjon @H)igfcit an erfannt, tt»er beten mürbe, ja er '^at l 

t)on @tDtg!ett bor^er gefe^en niiä^t blo^ bte Sitten, erTie^t aud^ j 
t)on (Stt>ig!eit l^er bie @r^örung ; er fielet ja alle0 mit einem 3JlaU, 
jetttoS, öon oben l^erunter. ©d^eint baS-benn aber nt(j^t auc^ 
bie Seigre ber ©d^rift^gu fein? @ott, fagt^auluS, ift ber Äönig 
ber ®ö)tgfetten, 1 ^Ctmot^. 1, 17, alle feine 9öer!e ftnb tl^m be* 
teufet bon ©pigfeit an, ^poftel^@ef(J^. 15, 18, er ift 21 unb 0, 
Offenbarung 1, 8, er ift größer als unfer ^erj unb erfennt \{ 
atte S)inge, 1. ^ol). 3, 20, ®ott ^at bon @toigfeit an au^erttjä^lt, P< 
e^jl^ef. 1, 4. 5, t>or ber 3cit ber SBelt, 2. SCim. 1, 9, »elij^e er " Sv 
jubor berfei^en ^at, bie ^at er aud^ berorbnet, bafe fie gleid^ fein j i 
follten bem ©benbilbe feine« öol^nes, Stöm. 8, 29, euer l^irara* \ \ 
lifd^er SSater toeife, toag i^r bebürft, el^e i^r bittet, 9Katt^. 6, 8. ] ] 

3Benn ba§ aber aUeiS fo einfad^ l^injune^men ifit, »oju foH 
id^ bann überl^aupt nod^ beten, öjo bleibt bann bie grcubigfeit 
. ju beten, ber ©laube an ©rl^örung ? S)er ®ott ber Siebe l^at ja 
allein, aud^ meine ©ebete unb i'^re Erfüllung Idngft erfannt, e^e 
i^ geboren toar. 2Benn meine ©ebete mit georbnet finb in bem 
grofeen SiebeSratl^fd^lufe ©otte«, iuenn öieHeid^t aud^ ol^ne meine 
©cbete alles georbnet ift, toie fann id^ bann nod^ beten in bem 
©lauben, bafe meine ©ebete erft nod^ erhört toerben fotten? ©ie *^ 
ftnb enttoebet gar nid^t mit toerorbnct, id^ bilbe mir baS tiietteid^t ' 
mir ein, ober roenn fie mit berorbnet finb, bann ioerben fie nid^t 
erfi erfüllt, fie finb ja öon @h)igfeit an fd^on erfüllt I 

^ 2Bo ift benn l^ier ein Untcrfd^ieb jtoifd^en ©i^rifien unb bcnen, 
bie pantl^eifiifd^ unb beifiifd^ am SBeltplane, an ber Unabänber* 
iid^feit ber 3flatut^efe|e fefi^alten? 2)ie Wlofopi^en glauben an 



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22 






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iittabänbcrli(]^e 9laturgefe|e, beiSl^alb beten fie nid^t, bie ©^ttjiea- 
gtauben freilid^ nid^t an bie UnabänberÜd^feit ber S'laturgefele, 
iDOl^l aber an bie unüorben!li(ä^en ßiebeSratl^fi^lüffe ©otte«. S3cibc 
aber finb gleid^niä^ig gebunben: öon ber 9latur bie ©inen, üpn ber 
Sixibt (^i>iit§> bie Slnberen, aber gebunben finb beibe, f^eil^eit ift 
^für SSeibe nid^t ba. ®ie ©inen brauchen nx^i ju beten, benn 
e§ ift atteg ol^ne i|>r @ebet georbnet, bie 2lni)em aber muffen 
beten, benn ibr @ebet ift öon ©ioigfeit geteuft unb georbnet, i^r 
(§)^h^t gel^ört mit jum SBeltplane ©otte«. 2Bag ift bamad^ ba^ 
^t^ti ber ©'^riften? @ine Drbnung ©otte^, bie man im Sfleid^e 
©otte^ beobachten mu§, lüie im Sleid^e ber 3flatur baS ©ffen unb 
2;rinfen. ^6^ mufe beten, ba§ gel^ört mit sum 9öelt^)lane ©otteS ; 
freilid^ gioingt mid^ baju fein ©d^idfal, ttio^l aber bie etoigen 
S3eftimmungen' beS 9lei(^eg ©otte^. ;3ft hierbei ber ©d^ritt öom 
d^rifilid^en ©ebete big §um Unterlaffen jebeS ®i\)tit§> toirflid^ un* 
möglich? SBenn id^ nun nid^t bete, aber ©Ott liebe unb feinen 
äSiHen f^ue, bann gehöre id^ bod^ aud^ jum 9leid^e ©otteg, unb 
ioenn ii^ mic^ betounbemb in bie ©e'^eimniffe beg Siebe^meere^ 
©otteg üerfenfe, toäre, um mid^ m^ftifd^ au^gubrücfen , tiaS» se 
perdre dans cet ocean immense nid^t ebenfo gut, alg öiele ©e* 
bete? SGBaS fann ©Ott awö^ an meinen ©ebeten liegen I 2öenn er 
bod^ atteg i)or|)er geteuft unb georbnet bat, teenn er überbau^jt 
nid^t an meine 3Ber!e gebunben ift, fonbem nur an feine S3arm* 
berjigfeit, toarum foH überbauet fo öiel auf meine ®tbtU an« 
fommen? 

^Dber aber,, f Ott id^ öorber feben unb üorber öerorbnen trennen? 
^at ©Ott bie ^thtit öorbergefeben, aber fpäter erft bie ©rbörung 
angeorbnet, toeil ©Ott fid^ nur nac^ feiner Slllmad^t bef^ränft ^oX, 
nid^t aber nad^ feiner 2tIItt>iffenbeit, ba ©Ott ioiffcn mufe, Xoa& 
fommen toerbe, bamit nid^t^ unöerrautbet b^^^einbred^c in feinen 
ßiebeSratbfd^luB? ^a^ aber ift bajg für ein ©Ott, ber fid^ ^al\) 
befd^rän!t unb b^l^ nid^t? SBäre er nid^t einem Spanne gleid^, 
ber ein furgeS unb ein langet S3ein b^t? 2Bte fott man fid^ ba« 
benfen? SBenn man fold^e (fenotifd^e) ©miebrigung ©otteS aud^ 
beut ju ^ge nod^ fo febr entpfoblen b^t, fo »irO fie bod^ toegen 
ibreg inneren SBibcrfprud^eS niemals ©ingang finben. 2)iefc 



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Slrt, M bte ©mtebrfguttg ©ottcS ju bcnfen, tft gerabe fo tocmg 
§u üetftel^en, tote bie focinianifd^c Se^auptung, ®ott toijfc übet« 
l^aupt ntd^t aütä auS bet ißetgangen^eit , ©egcntoart unb S^ 
fünft, fottbem nur einiges, ^cibemale toirb in ®ott eine Se* 
fd^ränfting gefe|t, bic feinem SBefen iDiberfprtd^t. 

S)iefe Äli^)pen »ermeiben freilid^ biejenigen, bie babei bleiben, 
®ütt l)ai)t nad^ feiner etoigen ©egentoart bie ©ebete üor'^er ge«* 
toufet unb il^re ©r^örung mit beftimmt unb fomit Sitten unb 
©rl^örung l^inein üerorbnet in feinen Siebe^ratl^fd^lu^; toenn @ott 
nid^t befd^ränft gebadet toerben !ann, bann freilid^ ift bieS bog 
einzig 3lid^tigc. 2)ag ift aud^ too^^l bie allgemeine äJieinung. 
3Kan ^öre nur, toaS üerfd^iebene dprifllid^e äßänner in öerfd^iebenen 
Reiten über t)a& ©ebet gefd^rieben l^aben : aUe meinen, bie ©ebete 
feien toorl^er toerorbnet unb in ©ottes SiebeStoitten üon Slnfang 
an l^inein öerflod^ten. 

IXnfer ®ibtt, fagt ber l^eilige SBern'^arb, ift im ipimmel an» 
gcfd^rieben, el^e toir nod^ SSorte öorbringen fonnten. S;|>oma« 
öon 2lc{uin l^ält \)a^ ©ebet für nü|lid^ unb notl^toenbig , nid^t um 
ülatl^fd^tüffe gu änbem, fonbem um baS su erlangen, ioag ©Ott 
burc^ fromme ©ebete gu erfüllen befd^loffen ^at. ©benfo fiprid^t 
man ft(^, toenn über^au^jt öom ©ebete nad^ biefer Slid^tung ^in 
gefprod^en toirb, aud^ '^eute nod^ auS. Sßutt!e, in ber (Stl^ü, fagt, 
©Ott })oi>t bie ©ebete in feinem SQ3eltplane mit georbnet. Söber, 
in feiner Se^re öom ©ebete, fagt: bie ©r^ßrung unb bie SSor^^er«« 
beftimmung ©otteS ftel^en fo toenig mit einanber in SBiberfprud^, 
bafe bie . ©rl^örung im einzelnen f^alle öielme^r ber burd^ unfere 
SRittoirfung mit üeranlafete lebenbige SSoIIjug ber SSorberbeftim= 
mung genannt toerben mu^. SÖa§ bebeutet eS, toenn Söber aud^ 
fagt: üermöge beS gel^eimni|öotten ^neinanber toon g'rei'^cit unb 
Sdof^toenbigfeit l^at ©Ott bem ©tUU eine 3Kad^t gegeben, burd^ 
toel^e er fid^ übertoinben laffen toiül Söber fagt fd^lie^lid^ bod^ 
gang einfad^: unferc ©ebetStoirfung mu§ mit jur SSor'^erbeftim* 
mung gcred^net toerben. 

0lad^ folgen Slusf^rüd^en ift aber ©otteS unb ber SKenfd^en 
^eil^eit gleid^mäfeig aufgel^oben üpn einem beterminirten unb fid^ 
beterminirenben ©Ott. ©Ott ift abl^ängig unb jtoar öon ben öon 










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0' ^; il^ felbrt georbtteten ©ebctcn uttb bte S3etenben ntüffcn eben au# 

;/ nut baä tl^un, too^ ©Ott »otl^er geotbnct ^at. 3llfo natura . 

:y naturata aud^ ^ier, nur im ]^ö^eren ©t^le, abermals fatum, tote 

boiS ber ©toücr, tiur temperlrt burd^ bie Siebe @otte3. '- 

■>^ ®ie %xaQi fe'^rt bcmnad^ aucS) ^ler toieber: iote fann ©Ott 

(BtUtt erhören, fo ta^ feine unb ber Setenben ^retl^eit babei' 
. befte'^en !ann? S)a§ Sluguftin üon einer §eitlofen ©egentoart 
©otteS rebct, bei ber eS feine SSergangen^eit unb ßw^unft giebt, 
bog ift freilid^ ganj rid^tig, aber e« fel^lt nur bie »eitere praftifd^e 
SItttoenbung aufg ©ebet, ober allgemein auSgebrüdt: toie foH man 
fid^ bie ^rei^eit beS ^nbiüibuuraS ber göttlid^en caufatioen ©egen* 
ioart gegenüber toirffam benfen? S)er SWenfd^, ber ©l^rift !ann 
niemals al0 äKafd^ine gebadet toerben, bie grei^eit mufe i^m ge* 
toal^rt bleiben, fonft ift atteiS nur Sd^einl \ 

©d^eHing fagt nit Dled^t: eS ifi nid^t einjufe^en, ioie baS 
aUerüoHfowmenfte SQSefen aud^ an ber möglid^fl üottfommenen 
2)?af(^ine feine Sufi fänbe. SBie man aud^ bie 2lrt ber golge 
ber SBefen auS ©Ott fid^ benfen möge, nie !ann fie eine med^a= 
nifd^e fein, fein blo§eg SJ^toirfen ober ©infteUen, toobei bog Se* 
»irfte nid^t« für ftc^ ijU 

SBcnn ber ©l^riffaud^ fd^liefeUd^ betet unb fid^ um nid^tsS 
fümmect , al§> ba^ er mit bcm ©ebete ^inbe^red^t gebraud^t 
nad^ ber ©d^rift unb ©rfabrung, tocnn eä aud^ einem ß^riften 
freiftel^t, §u fagen, baB ba^ ©ebet ein ©el^eimnife ift, toie anbere 
d^riftli(^e Seigren aud^, toorüber er feine Sded^enfd^aft ju geben 
» braud^e, fo toirb eg bod^ aUejeit bie ?^eubigfeit fiören, toenn man 

baS ©el^eimni^ flar mad^en toitt burd^ eine ©rflärung, bie nid^tS 
erflärt, bie üielme^r bem ©ebete bie SBurjel abfd^ncibet, toeil fie 
bog ©ebet jur präftabilirten Orbnung im 3fleid^e ©otteS mad^t 
Sieber gar feine ©rflärung, al« eine falfd^el Sieber beten, toeil 
id^ beten mufe, beten totff, ol^ne jegliche ©rflärung, aU t>aS ®e* 
^tt äu einem 3:^eile be0 9leic^«med^ani8muj8 ju mad^en, ju einer 
alle i^reubigfeit beS SetenS toernid^tenben Sflatumot^enbigfeitl 
. greili(^ toirb baä' «ebürfni^ über bie «IRöglid^fcit ber ®e< 
VbetSerl^örung jur Marl^eit ju fomraen, immer toieberfc'^ren. ÜBemt 
man aber nur mit ben bogmatifd^en ©cbanfen, bie anbcttoeitig 


















:^ >7;< - .-, 'J^ •'Y'^ - — =^1^ — * y C^- 5 ^^- 

' bet Mx^ angel^ten/ @t:nfi ma<i^t in bet aCntoetibung berfelbctt ^ <' ' /^M 
Ottf bo« @ebet, botttt toirb aud^ über btefe Seigre ftd^ Si(i^t »et* ''"''-^'^ 
btciten unb ber 3:i^eolog toirb fo toenig in feinem @ebete geftött ^- ^ 
»erben, toie ber einfädle ©l^riji. ' ' . v ? - . X^ 

Um aber pr Älarl^it l^ierübcr ju fommcn, muffen toir jurütf*- ' -c 

fc^ren ju bem, toas bie lut^erif(3^en S)ogmati!er neben i^rer Se^re ' .- _ C 

t)on ber seitlofen ©egcntoart ©otte«, bie fle ebenfo toie Sluguftin 7 •; 

leisten, nod^ aufeerbem fagen. S3aier j. S. (de deo) leiert, bafe ©Ott ' ' v 

feine ctoige ©egentoart befd^ränft l^abe. ©ein erfter, 'attem üorl^er^ } 

ge^enber SBitte rul^e in fid^ fetbji, toolle ol^ne 3lüdE|id^t auf bie 
Umftänbe ausS fid^ felbft, aber biefen feinen SBiUen lajfe er fid^ 1 

befd^ränfen aU jtoeiten SBitten^mit MdEfid^t auf bie IXmftänbe, ; 

bie SSerl^ältniffe ber ©reatur. Saier rebet bamad^ t)on einem - '^ 

abfoluten beeret ©otte^, um auj8jufd^tieBen bie StüdEftd^t^na^me 
©otteg auf eine Urfad^e au^er i^m, unb öon einem nid^t abfo^ ^;- 

luten S)ecret burd^ \>a2 ©Ott auf aif^^r i'^m ©elegene« Slüdffid^t * '^, 

nimmt, bem ©Ott eine i^^n beflimmenbe Ujfäd^lid^feit äufd^reibt. ,,; 

S3aier toeiftl^ierbei auf 6^r^fofiomu3 l^in, ber ebenfalls einen erften ' • .. * 
unb 5toeiten SBitten ©otte« leiert. 

SefonberS aber toirb l^ierbei auf bie ©d^rift l^ingetoiefen, .i 

bie !lar oon biefem boppelten SBitten ©otte« fprid^t, einem ur* . ' " 

. fprünglid^en SBitten ©otte« unb einem SöiHen, ber feine ©d^an*. ' ¥ 

!en fid^ fe|t an bem SBSiUen ber 3Kcnfd^n. J3ierufalem, ^f^ötem ^ 

toie oft l^abe id& beine Äinber fammeln tootten, toie eine ^enne ' ■ , /^. 

i^re Äüd^leitt unter i^re %VXQd unb il^r l^abt nid^t getoolftl * " 

gWatt^. 23, 37. ©Ott alfo ^at getoottt, fte aber ^aben nid^t ge«» j \. 

toottt, toorauS ba« anbere folgt: id^ ^obe getoottt unb il^r ■^abt 
aud^ getoottt, barum finb toir jufammen gefommen. ^ ' ^ ^ 

©Pitt toitt alfo ber ÜRenfd^en SQSitten refpectiren unb jtoor fo , . 
fe^r, baB, toenn fle tootten, S3erge in'S aWe« ftd^ toerfen fotten '/ , -' 
unb im ^immei gelten foff, toaS fie tl^n auf @rben, SÄattl^. 18, \ . 

' 18. ©Ott toitt, bat atten SWenfd^en gei^olfen toerbe unb pa^ fte / j^^^S 

jur ®r!enntniB ber SGBabrl^eit fommen, 1 2:im. 2, 11. ©ged^. 18, ^£^ 

23. ©Ott toitt nid^t, baB S^manb oerloren 'toerbe, fonbem, baB ^; 
fid^ ^ebermann jur SuBe feiere, 2. ^tr. 3, 9. ©iefer SBitte ©otte« ; ' 
leibet aber SBiberjlanb an bem SBitten ber 3»enfd^en. ©Ott l^at \f I;;:.^ 






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alfo einen Doppelten SSillcn, ehten urfprüngli^en , ' auf baS ^ctL 
Sitter gcrt(|teten, unb einen anberen SBiffen, ber öor bem Söitten 
ber 3Kenf(S^ett jQalt ma^t, \\xi refpectirt, ©ebulb l^at, temporifttt, 
aber immer auf ben SBiüen beS 3Kenfd^en toartet, toeil er ol^ne 
benfelben nid^tg tl^un tottt. ©ott, fagt Slnguftin, ^at xaxi^ fd^affen 
iDptten ol^ne mid^, aber er toitt mid^ ni^t neu fd^affcn ol^ne mid^T 
@g giebt, toie S3aier anberiDärtS fagt, einen urfprünglid^en SSitten 
©otteS unb einen conbitionetten, ber üon geiüiffen ßonbitionen 
ber HJienfd^en abfängt, ober furj gefagt: einen toirffamen unb 
einen nid^t toirffamen. 

SGBaS aber bie alten S)ogmatifer mel^r fummarifd^ lehren, 
ba^ toirb öon neueren 2)ogmatt!em nä'^er au^einanbergefe^t unb 
angetoanbt. 3Kan mad^t neuerlich me^r ©mft mit ber ^^erfönltd^* 
feit ©otte^ im SSerpltni^ gur menfd^lid^en grci^eit. '^vm S3e= 
griff ber $erfönli(^!eit ©otteg gehört eS aber, 'tia^ biefelbe abfo* 
lut frei ift unb in golge baöon fid^ befd^ränfen fann. SGBenn 
©Ott ba^ SSermögen mangelte, fid^ felbft p befd^ränfen, fo ioäre 
feine abfolute ^erfönlic^feit aufgehoben. @r toäre, um mit 
Detinger ju reben, einem gu'^rmanne gleid^, ber feine ^Pferbe 
nic^t me^r galten fann, ber fie laufen laffen muB. ©Ott loäre 
ntd^t mcl^r feiner felbft mäd^tig. ©ine Sfiotl^ioenbigfcit aber in 
®ott §u beulen, nad§ ber er aUe^ ioirfen muB, maS bie Slttmad^t 
T fann, ift abfolut unmöglid^. ©Ott toäre jur f darauf enlofen Wlaä^i 
l^erabgefunfen unb „fid^ felbft im SSege" . @r bebürfte eineg anbem, 
ber il^n toon feiner eigenen ungezügelten 5Ratur befreien mü^te. 
2Benn ein SWenfd^ loollen unb nid^t toollen, fid^ in Slction fe|en 
unb fid^ befd^ränfen fann, fo toäre offenbar ©Ott unter bie menfd^* 
lid^e ^erfönlid^feit l^erabgefunfen unb pr bloßen Jlaturmad^t ge*= 
»orben, toenn i'^m baS SSermögen jur ©elbftbefd^ränfung ob* 
gefprod^en toürbe. SQBenn ber ©dbleicrmad^er'fd^e ^antl^ciSmug 
hierin eine 93efd^ränfung be^ abfoluten ©otteg fe'^en toitt, fo mu^ 
man bebenfen, ba^ ©Ott in ber pantl^eiftifd^en X'^eologie auf- 
l^ört, ber ©Ott ber, Siebe jujein. @r ifi nur bie abfolute IXr^ 
fad^lid^felt, in ber atteg oerfd^toinbet; aug bem freien perfönlid^en 
©Ott toirb ein ©l^ao^. S)iefer abftracte ©aufolität^gott l^at feinen 
Äopf, fein ^erj unb feinen Söitten, ba^er feine Siebe unb fein 



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3iel; er- tfi ein wnbenfbare^ S)ing, üon bcm man ntd^ts bitten, 
. nid^tg l^offen fann. 

3Bag ber S)ampf in ber ma\^u ift, bag ift bicfet. @ott im 
SSBeltaH; er regiert nid^t im Uniüerfum, er fpuft nur barin l^erum. 
Sin fold^cr göttUd^en 3lIIraad^t !ann man nid^t hci2 geringfte 
^ntereffe !^aben. 0lur bie Siebe ifi ber 3)üttelpunft ber göttlichen 
?Perfönltd^ieit', iDeit@ott aber bie Siebe ift, barum !ann unb mu§ 
er fi(^ erniebrigen. ©Ott bringt bie ?ßelt nid^t l^eröor, bamit 
nur überhaupt eine SBelt fei, eine unbegränjte göttlid^e SOJad^t*, 
fpl^äre ol^ne Qtotä', nur toeil ©Ott liebt, barum ^at er bie Söelt 
erfd^affen; bie 3Belt fotl feine Siebe fennen lernen. Um aber feine 
Siebe ju bet'^ätigen, mufe er fid^ @^ran!en [efeen. 
' ^5ur5~bie ©elbftbefd^ränfung ©otte^ aber in ber ©d^öpfung, 
©rlöfung unb @r^altung ift in ©Ott fein SQBed^fel gefe|t unb feine 
Slbna'^me feiner ^errlid^!eit, fo toenig toie ein SSater üon feiner 
üäterlid^en ^crrli(|!eit etioa^ einbüßt, toenn er Ünblid^ mit feinen 
^inbem umgel^t. S)ie S3efd^rän!ung ©otteg ber Seit gegenüber 
ift »ielme'^r für ©Ott eine Steigerung feiner Siebe unb iperrlid^» 
feit, toeil er buri^ fie taS erreid^t, toaS er fid^ al3 3iel fe^t: bie 
3Jlenfd^en nemlid^ in feine Siebe^gemeinfd^aft ju führen. S'lur 
burd^ Siebe , b. 1^. ©miebrigung unb ©elbftbefd^ränfung fann 
©Ott fein 9leid^ bauen unb meieren. 3Hur burd^ ©ucceffion b. ^. 
burd^ Sefd^ränfung in 3eit unb Sftaum, burd^ menfd^lid^eS SSer= 
feieren mit ÜWenfd^en fann ©Ott fld^ offenbaren. 

aSon ben gried^ifc^en bis ju ben mobemen SBeifen ^at man 
baran nid^t gebadet Zxo1§ ber Dielen 0leben ü5er Sdeligion j. ^3. 
6d^letermad^er'0 fommt auf bem pl^ilofoipl^ifd^en SBege niemanb 
jur 9leligion b. f). in bie ©emeinfd^aft mit bem ©Ott ber Siebe. 

SBeld^eg aber ift baS 3iel, ba« ©Ott fid^ bei feiner ©elbji«' 
befd^ränfung gefegt ^at, unb toie fommt namentlid^ bie Se^re t>om 
©ebet babei JU i^rem Siedete? 

S)ie neueren STl^eologen jeigen l^ierin ben 2öeg, ben man ein- 
juf dalagen ^at. ^ofmann fagt : ©egenftanb biefciS etoigen SBittenS 
©otteS finb nad^ ber ©d^rifT nid^t bie a^enfd^en al3 einzelne, 
fonbem ber 3Uenfd^ ift eä, ober, n>ag gleid^öiel fagen toitt, bie 
aKcnfd^l^ei!. ©ntfd^ieben falfd^ toirb eS nur fein, öom ©rioäl^lt* 



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toetbcn ju fageit, c« f>^tx^m tie einige ©efttnimung gemiffei; ^n*^ 
bbtbuen jur ©eltgfdt, ba e« bieltnel^r sunäc^ft bte ©emeinbe 
ift unb stoar bie ganje ©emeinbe ß^rifli ober eine eingeln? ate 
©lieb betfelben, üon toeld^er eS l^eifet, er l^be fte erlefen. ©benfo 
flnbe l gm^drbt ben ©tunbfel&Ier ber Intl&erifd^en gej regon ber 
©ttabcrttod^Xbarin, ba^ üon STnfang an bic unniitteIüäre~S5^ 
lIepfitg~aürWlmprt!5ff 

-itr©iJtrin"C||i|rinrtII7 itT bieten ^emcinf^^^^ bann eben nitr bte 
^njefiten bur(| ben ©lauben eintreten. 3)iefe einzelnen '©tau* 
bigen finb aber- bann jitd^t ©egenf tanbjtner^ciellen unb par» 
tifularen ^rä beftinati on , fonbern an i^nen öertoirHid^t ft# eben 
nur gef$i(i^tlid^ ber^ne unb attgemeine ^latl^fd^luB ber Siebe 
©otteg. ©benfo fprid^t fid^ ^C^oraafiuS aus, ber ebenfattg bie 
Sejie'^ung beS göttlid^en 9lat^f(i^luf[ei8 auf bie @in§elnen leugnet, 
unb nur ben 9latl^fd^luB auf ß^riftulm l^in gefaxt fein lä^t, in 
93ejug auf bie ©ingelnen aber ben 9lat^f(3^lu& ntd^t für abgefd^loffen 
l^ält, unb jtoar be^balb nic^t, »eil eS mit i^m auf baS SSeri^alten 
ber Wltn\6)m abgefe'^en ift. 

3Bir fe^en in ben Se'^ren biefer S)ogmati!er eine Slnfnüpfung 
an bie alten Ürd^lid^en ©ebanfen üom boppelten Sßillen @ottc3. 
9lur toirb man nid^t babei fielen bleiben fönnen, ba§ man mit 
biefen S)ograatifern behaupten barf, ©btt ^abe bie ©injelnen bo(J^ 
juglcid^ öon @toig!eit an gctou^t, benn in S3etreff ber Slllmijfenl^eit 
fei bei ©Ott eine @infd^rän!ung nid^t anjune^men. aj?an toirb 
üiclmel^r tooUen (Srnft mit ber ©elbftbefc^ränfung ©otteS mad^en 
unb bemnad^ bel^aupten muffen, bafe ©Ott, um feinen SBeltpkn ber 
©d^öpfung unb ©rlöfung burd^^ufül^ren , fid^ nad^ feiner gangen 
göttlid^en $erfönlid^!eit ber 2Belt gegenüber befd^rän!t '^abe, unb 
jtoar ebenfo gut in 53etrcff feiner 2llltt)iffenl^eit, toie in betreff 
feiner Slttmad^t. S)ie ^auptfad^e ifi, ba§ ©Ott einen SQBeltplan 
in e^rifto Sefu entworfen unb, um benfelben freien aWenf(|ett 
gegenüber burd^jufül^ren , fid^ befd^räitft l^at. 3)icfer Sdatl^fd^lu^ 
©otteS ift unabänberlid^ präbeftinirt. @benfo ioie bai8 3tcl'bie' 
fe« SRat^fd^luffe« fte^en üor ©otte« 2lugen bie ^uptfiufen, $aupt* 
perioben unb ^auptd^araftete oon 9Söl!em unb ^erfonen, lui^ 
bie ©runb^üge be« Slal^meng, feft, innerl^alb beren bie ^ei^eit 






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i^' ber @tnjclnen ^ ju bctoegen unb ju ^etDetfen |at 2)0« Icl^t 
|:^ bie ©d^ttft g. 33. in ben ^Skiffagüngcn. SBie toeit aber ^ottesl 
r ■ ©elbiptbefdptäTihmg ftd^ erfhcrft »te toeit ©Ott fid^ iuMi)&lt unb 
f ; »ie toeit er eingreift in'g @injelne §ur Sftealifirung be« ©onjen, 
^■^ ta& ift freiltd^ fo toenig ein ©egenfianb unferer ÄenntniB, toie 
I bie @r!enntniB ber Siebe unb Sllhnad^t Ootte« übcrl^aupt. SGBir 

toerben uns begnügen muffen ju fagen: D toeld^ eine Siiefc be« 
H 3fiei(j^tl^um3; beibe«, ber 2Beig^eit unb @r!enntniB-@otte«I Söie 

gar unbegreiflid^ finb feine ©erid^te unb unerforfd^lid^ feint SGßegel' 
J S)enn toer ^at be<8 ^erm @inn erfannt ? Dber, toer ift fein Uat^* 
~ gebergetoefen, benn öon tl^m unb bur(^ i!^n unb in i]^m finb alle 

S)ingc. mm. 11, 33 — 36. 9flur haS fielet f eft :, -^ S)ttgjfteid^ 
_^ttei_J^üt--ßittiL@elötC7_beren beibe J|acJtorctL®ott.. unb Ä 

_^enfd^ ftnb, bie aber, toenn fie ^actoren finb, aufeinanber ein- 

toiffeTunuffen. '^er eigenen S3efiimniung ber ^erfönlid^en ©cfd^öpfe 
- ' ift ntrgenbS burd^ göttlid^eS SSor^ertoiffen unb SSorl^erorbnen 

vorgegriffen. g)er 3 Ke nfd^ '^at eine toir!lid^ fr eie @nttoi(ftun g 
. innerhalb beS 'gM^^^ei^teiir"^ — ' 

fc^rät^TTbäntit atteg ©insetne toirHid^ frei ftd^ enttoiU ein fann. 

2)ie SBcltenttoidlung ift feine big in'« (Sinjelne hinein präbeftinirte. 
:' ©Ott l^at au« freiem SBitten fid^ befd^ränft bei ber ©d^öpfung, bei 

ber ©rlöfung unb ebenfo hti ber ©r^altung, bamit bie ©reatur, 
. , infonberl^eit bie. 3Rcnfd^en au« bem in fie gelegten fd^öpferifd^en 
c ©eifie unb ©efe|e '^erau« fid^ enttoidEeln unb fo au« innerem 
:■[ Xriebe in bie göttUd^e äßeltibee eingeben fönnen. Quenjtcbt 

fagt: mit t^eien concurrirt ©Ott frei, mit SRot^toenbigem not^* 

' toenbig ; mit (Sd^toad^en fd^toad^ , mit ©tarfen ftarf ; nad^ feiner 

: lieblid^en ^igpofition toir!t er in 2lttem. SDlit bem ^euer concurrirt 

^ ©Ott, ba§ e« brennt, mit ber Sonne, ba& fie leud^tet. ,^ier toirft 

T ©Ott nur auf bie eine not^toenbige Slrt ÜRit ben ^rei'^anbelnben . ä||: P 

: " ^ toirft er vielfältig, giebt ©eifie«*- unb ßeibc«Mfte, le^rt unb toerfprid^t. ; ,?/J|;^ 
SGBic in S^rifto öoUfommener ©Ott, aber aud^ ooHfommcner '^g^P: 

? : 3Renfd^ ift, fo ift au$ in ber fortlaufenben ©d^öpfung toa^r^aftig ^i^^?|^ 
C: ©Ott, aber aud^ toa:^r^aftig ber SWenfd^ im 3ttfÄwmen=unb2luf«' 
if: einonbertoirfen ju ben!en. ©röfeer al« bo« ©el^eimni§ ber 
p @inl^eit ber beiben Staturen in ber ^erfon ©l^rifii ift aud^ bo« 



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©e^eimntB ber ein'^eit @ottcj8 unb bet aJlenfd^^it in ber fort*- 
laufenbert Schöpfung ntd^t. -; ' \_^-;^ 

Man J)at cingeitianbt, tote eg mögUd^ fei, ba§ @ott bei feinem 
3Belt))tatte feine Sltttoiffen'^eit '^at befd^ränfen unb bo(3^ ^auptfad^en, 
5. S. ben fßtxxatf) be§ ^uba« unb bie breimalige Sertäugnung 
beS ^etruS ^be üorl^ettoiffen !önnen? S)atauf ift §u ertoibem, 
t>CL^ , ioie ber ^err ß^riftuS in feiner ©miebrtgung über'^aupt 
3eid^en feiner ©rliö'^ung in feinen SBunbem {^oX unb bod^ ein 
iua^rer 3Jlenfd^ blieb, er unb ber SSater ju befbnbern SMS^^iXotdtn 
auc^ bie Soleier ber Sefd^ränfung in S3etreff beS SSor^ertoiffenS 
lüften konnte, o'^ne bamtt bie göttlü^e SSefc^ränfung überl^aupt 
auf§u^eben. SBarum fott ein in Sibil unfd^einbar ein^erfd^reitenber 
^önig nii^t au6) ba ober bort »erraffen bürfen, baB er ber 
^önig fei, o'^ne baburd^ gleid^ in öotter SJiaieftät §u ftra^len? 
^arum fott ein i8ater fein oäterlid^ befd^ränfteg ^auSregiment 
ablegen, ioenu' er 'üa unb bort ^um SBefien be§ ^aufeg mit feinem 
\^ennen unb können felbftänbig eingreift? ^eber ^o'^e, ber fid^ 
erniebrigtrum feine '^totdt burd^jufül^ren, loirb unbefd^abet feiner 
?Riebrig!eit eiS toeber oer^tnbern fönnen nod^ toollen, 'tio.% atfd^ 
einmal oon fetner ^ö'^e ettoa^ burd^leud^tet. ®erabe au3 ben 
einjelnen 33li|en"^ber göttlid^en Sltttoiffen'^eit unb 3lllmad^t in ber 
©rlöfung, toie in ber €r!^altung n}irb' bie @miebrigung unb Se* 
fd^ränfung ©otte^ conftatirt. ©ie Slu^na^mebejiätigt aud^ l^ier 
bie 3ficgel. 

3u feiner ©elbflbefd^rän!ung ift @ott allen Sreaturen nal^e 
unb stoar als ber anregenbe, als ber^bfolut @rfte. 2113 fold^er 
concurrirt er überatt. ©ott ift überafl bie erfte Hrfad^e, bie 
^toeite Urfad^e aber ift ber ^Jlenfd^, bie ©reatur; an fle fniipft 
©Ott an. ©Ott concurrirt mit ben jioeiten Urfad^en, bie in ber 
ßireatur liegen. , ^n biefer feejie'^ung finb il^m aHe feine 2Ber!e 
beiou^t oon ©toigfeit an, 2lct. 15, 18, ©Ott ift 21 unb O^ ber 
Anfang unb ba§ ßnbe, ber ©rfte unb Se|te, Offenbarung 1, 8. 11. 
21,6. 22, 13. ! ^ - ^ 

%§> ifi felbftoerfiänblid^ , ba§ . l^ierbei bie Slnregung oon 
©otte^ ©eite unb ba« ©inge'^en -ber aRenfd^en auf biefe 
göttlid^ 2lnregung nid^t äußerlid^ aujSeinanberliegenb ju benfen 



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flttb. ^n ble gc^eiimttBtooIIe 2öer!ftätte bcg göttl^en unb menfd^* 
lid^ert 3ßoIIeng unb SöirfeitiS, ido alle3 nur geiftig unb tief 
tnncrlid^ Sufantmentoirfenb ju ©tanbe !omntt, !ann man nur mit 
ben @cban!ett eingel^en. ^n ber 2Birflid^!ctt aber toirb biefer 
SSorgang fo toentg auSetnanber fallen, tote ber ^^roje^ beS @e* 
fammtiuerbeng im ©ebiete ber 5Ratur unb be« ©cifleg überhaupt 
@S ö3trb öon biefer X'^ätigfeit ©otteg unb ber 3Renf<j^en nid^t 
einmal gefagt »erben fßnnen, toaS l^au^}tfäd^lid^ ©Ott ober'^aupt= 
fäd^lid^ ben 3Kenfd^en §u§ufd^reiben ift. @g ift audb genug. t>a^ 
tpirjpif fen, \)a^ ber WltrHj^ ttid^ tjfeJiptt.jntL^tt Jti(^t ol^ne 
ben aKenfd^en toirfen fann, ba§ ©Ott aber alB ber Slnfang unb 
tia^ @iibe dIer~5Dinge,"äII~'bte alleS betoegenbe Urfäd^lii^feit, 
überaO, atfo aud^ ^ter, als ber ®rfte gebadet toerben mu% 

^^kiS üon bem erften ©d^öpfungSacte ©otteS unb ber 3Jlenfd^* 
toerbiittg ©otteg in ©^rifto im Slffgemetnen gilt, t)a& gilt aud^ 
topn ©otteS fortlaufenber @d^ö^)fung unb ©rlöfung im, eingelnen 
©'Triften. ©Ott :^at nur fid^ felbji befd^rän!enb eine erjie unb 
jtoeite ©d^öipfung l^erüorgebrad^t, ebenfo aber tragt er nur fid^ 
felbft befd^rän!enb aUeg, toaä er gefd^affen l^at, mit feinem 
- fräftigen SBort, ^ebr. 1, 3. S)ag „Siaeg" aber lä^t ftd^ aud^ nur 
tragen burc^ feine ©ott cntgegenfommenben Gräfte. 

S)ie ©efd^öpfe iDürben ^)ant^eiftif(^ vergottet toerben, ober 
§u bloßen ©tiolutionen ,ber ^laturgefe^e l^erabfinfen, toenn man 
nid^t annehmen müfete, bafe ©Ott, ber ©d^öpfer aller Singe, aud^ 
ber ©r'^atter aller 2)inge ift, ber Seben unb Dbem allen Singen 
giebt, bamit fie nad^- i^ren Drbnungen fein unb bleiben gönnen, 
baä, ttjosu fte am Slnfang gefd^affen finb. • 

S)er aHmäd^tige unb attiDtjfenbe ©Ott aber lann nur ber 

lebensvolle ^intergrunb aller Singe fein, toenn er in bie @r* 

niebrigung «eingeigt unb ftd^ felbft befd^ränft; nur fo lönnen auc| 

bie ©reaturen i^^r urf^jrünglid^ il^nen gegebene^ SDafein bel^alten 

"^inb ertoeitem. ' ^ ' 

^tt il^m leben, »eben unb finb tt>ir nid^t blo3, fonbem aud^ 
bag ganje Söeltatt lebt, fbebt ünb.ift in i^m. Sitten ift ©efd^ö^f, 
befd^ränft, ©otteS bebürftig. 
giebt il^nen ^aft, belebt unb l^ält fie in Drbnung. 






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/ % ,@ott tfl immer öor äffen, aber eg befielet au(ä^ affe^in il^- 
tote ^ouluS fagt ©oloff. 1, 17. S)ie ^imrael erjä^Ien bte ei^re 
' ©ottcg, ^falra 19, 2, unb bag %f)m auf bera ffelbe greifet ©Ott, 
^ef. 43, 20; ttO(ä^ üielmei^r fretlid^, ai& in ben S)ingett, ift ©Ott 
in ben aWenf(|en, bie nad^ feinem S3Ube gefd^affen finb, belebenb, 
toeil ^erfon btlbenb unb jur grei'^eit erjie^enb, gegcntoärtig. 2lra 
aUertiefjien unb üollften aber lebt ©Ott in ben ß^riften, bie 
burcä^ eine jtoeite ©(^öpfung, burd^ eine neue ©eifteSmitt^eilung 
in bie ©emeinfd^aft mit il^m au& bem 3i?aturbe[d^ränftfein oerpflangt 
finb. SGBenn in i^m boiS Söeltall nur befielt auf natürlid^e 
SQSeife, fo ift bie ß^riftenl^eit, feine ©emeinbe, fein Seib, bie ptte 
befe, ber atteS in allera erfüllt, ©pl^ef. 1, 23. 

2Bie ©Ott aber in ß^riften'^erjett nur gekommen ift al& ber 
affmäd^tige ©Ott ber Siebe burd^ @elbftbefd^rän!ung, fo bleibt er 
in i^nen aud^ nur aU ber fteS' fid^ befd^ränfenbe teirffam. 

^n ber S^aufe, toie im Slbenbma'^le unb im Sßorte, ifl ©Ott 
nur in ber ©miebrigung unb ©elbftbefd^ränlung gegentoärtig. 
^Rid^t raagifc^ übertoältigenb toirft er in ben lebenfpenbenben 
©nobcnmitteln, nid^t gtoingt er in göttlid^er 3Jtajeftät bie SJienfd^en, 
il^n aufsune'^men; barait er fei aEeg in allem, fonbern in oer-- 
l^üHter, erniebrigter ©efialt forbert er bag SQSoflen ber SWenfd^en 
• auf, a^m @inlaB ju geftatten. , 

©erabe fo aber, toie ß^rijien burd^ bie ©nabenmittel ent» 
. ftel^en, bleiben fte aud^ befielen. ©Ott toirft forttoäl^renb in 
i^nen nid^t anberS, aliS er üon Slnfang an in il^nen getoirft l^at, 
atö fid^ felbft befd^rdnlenber, ber menfd^lid^en f^eil^eit 9laum 
unb ©elegeni^eit barbietenber ©Ott unb ^err. @r bleibt freilid^ 
immer ber alltoaltcnbe, belebenbe, ober nid^t anberS, al^ bafe bie, 
bie an il^n glauben, eingeben auf fein SBirfentooffen, 3Kittoirfen 
unb 3Kitfd^affen. 

©Ott toiU unb mu^ regieren, aber er toitt nid^t anber^ regieren, 
als mit ÜRcnfd^en. ©ie follen, fo üiel fie bon i^m aufgenommen 
unb er in il^nen ©eftalt getoonnen^at, nun oud^ mit il^m toirfen, 
mit il^m lel^iren, mit il^m nerföl^nen, mit il^m regieren. " >• 

S)ie il^ätigfeit ©otteg in unb an ber SBelt ift nie eine 
anbere getoefen unb !ann feine anbere fein, als eine burd^ 



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^ 3Kenf(i^cn fid^ raanifeftirenbe. 2lud^ auf bcm ©ebiete ber 3flatur toirft 
©Ott mit unb burd^ aKcnfd^en ; im erl^öl^ten, ^etl* unb Icbcnfpenbcn« 
ben aWa^e aber toirft ®ott, tote er felbft an ß^riiien getoirft, nun 
töieber burd^ ©Triften, ©ein 3Sol! ift ba^cr ein !önigli(^e§ ^riefter* 
t^um, ein 3Sol! beS ©igenf^um^, "i^a^ öerfünbigen fott feine SCugen^ 
' ben ; fo fagen bie ^ropl^eten unb bie 3lpoftel, 2 3Jiof. 19, 6. 
unb 1 ^etr. 2, 9. 

Sllg Könige unb ^Jriefter aber auf ®rben toalten, bag !ann 

fein SSol! nur bur(^ ben ©kuben unb burd^ baS ©ebet @ott 

toitt geglaubt unb gebeten fein; er l^at, toie bem ©lauben, fo 

' bem ©ebete bie SSer^ei^ung gegeben, baB er fd^öpferifd^ eintreten 

tootte, toenn er gefu($t toerbe. 

@r toill bem ©ebete ftd^ erfd^lie^en aU ber ftetS fc^affenbe, 
in Siebe §ur §ilfe bereite ©Ott; er »iE auS feiner «Selbfibefd^rän«* 
!ung jur 2Bir!fam!eit |)erau^treten , bamit bem Sftufenben gc* 
l^olfen, unb er felbft gee'^rt toerbe, ^fafm 50, 15. 

i^m ©ebete toirb bemnad^ _Jbeibeg erlannt: bie Dbnmadbt. 
be& ÜKenf d ^en unb bie .f )ilfe ©otteg. 8eibe^ aber ü)ill ©Ott ge^ 
rabe §ur ©rfenntniB beg 2Jienf(^ett bringen; fie fottcn fid^ erfennen 
als ©efd^öipfe unb i'^n als ©d^i^^jfer. S)arum tritt er in ^olge 
ber ©ebete l^erauS auS feiner 3urüdge5ogen!^eit unb verborgenen 
3l!tiöität, inbem er f^ut, toaS bie ©otteSfürd^tigen begehren. 

Äeine SBeiSl^eit ber Seit ift im ©taube, ©Triften l^ierin irre 

§u mad^en. :3m ©egentl^eil: toaS bie Selttoeifen fud^en, "oa^ 

"^aben bie ©Triften, ^ic «jj^iiofop^en fd^toanfen forttoä^renb l^in 

unb l^er stoifd^en bem beiftifc^en, :perfönlid^ctt ©Ott unb bem ^Jan»» 

•tl^eiftifd^en 2lII»'@inem. ©ie fud^en ©Ott, aber fie finben t!^n nic^t. 

SBenn ß^rifien aber aud& ben Seigren ber 2öelttt?eiS^eit feinen 

©influfe geftatten auf i^ren ©lauben, fo fel^lt i^nen bod^ nid^t 

\)a& SSerfiänbnife für 'üo^ pl^ilofopl^ifc^e ©ud^en nad^ Söal^rl^eit. - 

'SBenn biefeS ©ud^en aufhörte, toürbe tiit aufeerd^riftlid^e SKenfd^ 

|>eit in ©eiftlofigfcit erftarrcn. @S rul^t biefeS ©uc^en auf einem 

tiefen ^ersenSbebürfnife. ®aS ^erj, bie innerfte ^erfönlid^feit 

ber 3Kenfd^en, »erlangt nad^ einem perfönlid^en ©Ott, oor bem ber 

Sßcnfd^ fid^ beugen, bem er öertrauen, ben er lieben, bem er 

toenigftenS banfen !ann. S)al^er mad^t fi(^ ber S)eiSmuS, fo gut 

Seitfragen beS d^rifH. »o»SIe6en§. IV. 6. §eft. .3 













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et fatin, einen petfönttd^en ©ott ünb üetfe|t tl^n über ble SeUf 
ahtx in betSGSelt l^at bief er ®ott itid^tö ju fajjen, ba ift et übet" 
'^aupt gat nid^t p finben, l^tct l^ett^d^t nur fein ®efe|. S)atatt 
abet f)at bet ^opf, unb öot aUem baS^et}, fein ©enüge : S)et SKenfiJ^ 
toiU ©Ott felbft, toie feOiS Äinb ben SSatet ^aben; nid^t au^ blo^t 
SSetfiattbeSfi?tbctting btaud^t bet 3Jlen|d^ einen petfönlid^en @ott, 
et toill ganj iii i^ni leben. ^ ^] * 

S)ätttm ftöBt bet ^antf ei^mu^ ben ^■motfd^en X'^ton be3 
auBettoeltlid^en beiftifd^en ©ßtte§ um, öetfe^t i^n in'jS SBeltatt,^ 
unb nennt boS -SBeltan feinen ®ott. ^iefei^ ®ott abet l^ot bet 
^Jantl^eift : et fie'^t, l^ött unb fül^tt il^n. ■ 

2Ba^ abet ift biefeS ©ud^en bet SBelttoeigbeit anbetjS, aU 
ein ^etumtaften in bet S)un!el^eit? ©ennod^ abet ift eä ®ott 
felbft, bet aud^ l^iet bie 3J?enfd^en gebeiranifetooH ju ftd^ jie'^en toitt, 
bamit fie an il^n glauben, ju i^m beten letnen. 

SBir toärcn ia ntnraier fud^cn gegangen, 
§ättcfi bu bic^ nm an un8 gegangen. 

Sßa'^r aber bleibt bicfem ©ud^en gegenüber, toaä 3lugufiin 
ben SßSelttbeifen jutuft: @ud^t nur, toa^ i^r fud^t, aber e« ift 
nid^t, iüo i'^t'^ fud^t. 3Kag bie SBelttoei^l^eit il^ren ®ott nennen, 
tüie fie toiH : abfolute ©ubftanj, abfolute ^bee, obet gat boiS IXnbe* 
n^u^te, iraniet ift'g bet alte, unbefannte ®ott. 2lpoftel'®efd^. 17, 23. 

2ßa^ bie Söelttoet^b^it abet auiSeinanbet teifet babutd^, ba§ 
fie enttoebet nut einen au^ettoeltlid^en, obet nut einen innettoelt» 
lid^en ®ott l^at, ba§ bot ®ott felbft in abfolutet, ^atmonifd^et SBa^t* 
l^eit offenbart. ©Triften ^aben i^ren ®ott aufeer berSSeltunb in 
bet SÖelt. g5et ®ott ber Sbrijltett ift ber §err bet SEBclt, bet attetn 

Unfterblid^feit ^at, ber in einem Sid^te tool^nt, ju bera niemanb 

foninien fann, 1. Ximot^. Q, 16, ber fid^ aber aud^ offenbart 

^at in ber SBelt, fo 't)a^, bie i^n aufnel^men, in il^m leben 

unb ftrtb. 

S5ei biefem biblifd^en ®lauben ift aber aud^ ju bleiben. ©asS 
ijt bog 5£tautige , ba^ ©Stiften fo oft il^ten ©laubenSboben »et* 
laffen, öon ben Stodfen leben, bie toon htm 3:ifd^c ber ^bilo* 

fopi^en fatten, bie ©lauben^lel^ren ber ©d^ft öcrfälfd^en, obet 

gar bie SSemunfttociSbcit be0 natürlid^en 3Jlenfd^en an bie ©teile 






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:^bct üon ©Ott geoffenBatten SBa^rl^ett fc|ett. 3)a]^cr fomwcn bie; 

; 3teittergefialtctt ber t^eologif(j^tt ©^fietne, bie nici^t gottj SBelt* 
toetÄl^eit unb nid^t ganj SibeUe^te finb. bie. äffe« nur. l^alb. 

/ l^gben, . l^alb g^tiftttm unb balb ©^)tnoj^a ober ^<m L-2tn ber .^onb 

/ W^r SKifd^Mtcme l^aben bie ©briilen ju attenBeiten i^w^aft 
t)erloren,;;^aben aufgel^ört ^u glauben unb angefangen, jid^ b^ 
@ebete^ ju fd^ämen, unb glauben nod| obenein, bafe fie ©l^uberi 
unb SBiffen »erfö'^nt ^aben, . ^ / 

SRan fel^e ttur bie Seiten fo mand^er ^eotpgen an, bie 
übet baS ©ebet gefd^rieben ^aben. SßBeld^et aüfridltige ,.€^ii 

' raut nid^t Befenne^i, bafe tias, nid^bie Seigre ber ©d^rift Ifi. S3ittef) 
fo JDirb eud^ gegeben, bog ®tbet beS ©ered^ten öermög öiel, 
toenn eS emftlid^ ift, rufe mid^ an in ber IRof^, fo loitt id^ bi<^. 
erretten, — toenn bog alleS nid^t bud^fiäblid^ ju toerfte'^ett ift, fo 
ifi eg über^^aupt nid^t ju üerftel^en. 2Ber lox^x^. freubig unb emft^ 
lid^ beten, tocnn bod^ atte^ längfi üoraug bcftimmt unb iicrorbnet 
ifi, teenn boiS %^ti nur nod^ al« untoerftänbiger ^ei^en^trieb, 
al^ ©d^toad^l^eit, bie !aum ju üergeil^en ift, betrad^tet ioirb — 
ober gar oS& 2:ugenbraittell S)ie oölligc ?^eubig!eit jum @ebet 
tnufe toieberle^ren, toenn üom %<^^X über^^aupt nod^ bie 9lebe fein 
foll. S)a« ©ebet, bog bie SBelttoeiiSbeit in ben Sann getrau bat,. 
'tio^ eine glaubenSlofe St^eologie nur matt, ja nur be^ Slttjianbeg 
bttlber nod^ concebirt, am liebften aber gänjUd^ ignorirt, \iQ& mufe 
toieber in feiner botten UeberjeugungSfraft gerabe fo bie ^erjen 
ber ©briften beleben, ioie e« in ber ©d^rift gelehrt toirb. W\i ber 
Sa^mlegung ober gar SSerad^tung bcS ©ebeteg ift ber ganje 
©b'^fißwg't^iMbe abgcfd^afftl j ■^--■■ 

S)arum mu§ jeber fid^ befinnen unb Kar barüber toerben, . 

ob er an bie »irfUd^c ©tl^örung be0 (SebeteS nod^ glaubt. ®aS 

toirb ber untrüglid^e ^rüfftein fein, ob er überl^au^t nonj^ ein 

S)er ^v^i !ennt brei Sfleid^e nad^ bem SSaterunf er : baS ^inintel* 
reid^, bag ©rbreid^ unb bag 3leid^ ber ginftemi^*, atten brei 
»Sdetd^en ftebt er ganj bi^^f^S gegenüber. S)aruni lebrt ber igeilanb v 

m^ bera SSaterunfer bitten um '^a^ Äoramen beg einen/ um 

^ilfe in bem jnjeiten unb um ©d^u^ t)or bem britten. 5DeS 

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€'^tiften befter Xxo^ tfi aber bcr, ba^ er 'mt einen ®ott glatt&t, 
bcr ©ebete er'^ßrt unb Söunber t|)ut ds ^crr über aUe brei 

9fleid^e. ^ü 

Slber fxdliä) bie 2Bunber finb glet(3^niä§tg, mit bem (^tbtt ..J 

in Ut toiffenfci^aftlid^e üteid^^ad^t get:^an unb ber SSerad^tung unb l|^ 

htm ©ipotte ^rci^ gegeben, obfc^on eS lebigli($ sunt Slberglauben -_§ 

ber SBeltn)eig:^eit gehört, @ott bie 3Jlac^t abjuf^red^en, in bie J 

^atut einzugreifen, h)ic unb too er toill. Dber fott @ott, tt>ie - ;^ 

ein irbifd^er ^önig, tPtrflii^ toor feinen eignen @efe|en ftttt fte^en, ; ^ 

erbarmungslos feine ^inber Herberben laffen, »eil er bie Sl^or= ; ;; ^ 

l^eit begangen l^at, fid^ unb bie 3Jlenfd^en burd^ ^flaturgefe^e gu |; 
befd^ränfen, bie gu nid^tS bienen , als ba§ fie i^m bie f^reil^eit .;$ 
rauben unb SKenfd^en ha^ Seben unerträglid^ ntad^en? ' ^; 

S)ie ^^ilofop'^ie aber, obfd&on fie auf aUe tiefem SebenS» ; '^ 
fragen fo gut, ioie gar feine Slnttoort ^at, berjineifett bod^ ntd^t ) v. 
an fid^ felbft. ^a§> alte Sieb beginnt fie getroft üon S'leuera, ob« : /:^ 
fd^on bie ©ad^en, bie fie üorbringt, nur immer toieber bie alten *■ 
finb. SSor i^ren 3Jiira!eln '^at bie ^'^ilofop^ie nie ein ©raufen -Kj 
gel^abt, nur üor ben Söunbem beS lebenbigen ©otteS l^at i^r ,? 
allezeit gegraut, toie, um mit, Hamann ju reben, einem atabbincr • ' 
t)or bem Slute. 

S)er ©Ott ber ß'^riften ift aber toon Slnfang an ein (Sott '"■ 
ber Sßunber. f^reilid^ toirft er immer mit unb butd^ bie Sfiatur, ' 
aber er läfet fid^ üon" 3)lenfd^ett nid^t üorfd^reiben, toa0 ^Jlatur ift. ' ■ 
hinter ber S^latur, bie »ir feben, unb nid^t begreifen, bcren @e* ■ ;• 
fe|e ttJir fo »enig tennen, toie i'^re Slbtpeid^ungen t)on ben @efe|en, : 
beren Jßcrtt)irrung unb 3erriffeii^ett unS überaE üor Slugcn tritt, / ' 
fielet ber ^err ber S^latur, ber attmäd^tige ©Ott, ber Äönig ber r.>:^v 
@ti)igfeiten, um ju tl^un, toaS il^m gefaßt; toaä il^m aber gefaßt, 'IC* 
boS ift aud^ Sflatur, aber toa^re SÜatur, toie fie fein foß unb 
toerbcn toirb. ^aä) ber aCBclttoeiSl^eit fott a\x& ber S)un!ell^eit ba« 
Sid^t fommen, auS bem UnbetouBten ha& S5etouBte, fd^liefelid^ aber 
fott atteg ioieber in bie ©unfell^eit be« Unbetoufeten üerfinfen. 
S)er d^rifilid^e ©laube bagegen le^rt baS ganj ©ntgegengefe|te: 
üom SSater beS Sid^te« ftaramt atteS bieffeitige, er fte^t hinter 
attem, er felbfi, nid^t bie 3fiaturgefe|e , unb er greift ein^, toie er 



















37 



tüCtl, um in bie biinfie, »crjtjtrrte ©reatut ©ebanfett unb %f)atin 

beS 2i^tt8 SU bringen uttb enblid^ aUe^ m, feinem Sid^te jurüdf 

3U filieren. 
* ^ ^^ ' ©Ott fie^t atteS anberS an, als ber SJlenfd^; ®ott fic^t aug 

bent Si(ä^te üon oben l^erab, 3Kenf(^ett aber fe^en au§ ber S5unfel^ 
1 |>ett öon unten l^inauf. SBa^ SJienfd^en 5Ratitt nennen, nennt 

, @ott Unnatur. Sutijicr fagt : baS 3illägbleintftöoratter3}UnWen 

Slugen tobt^ aber t>or meinen Singen , f^rid^t ©l^riftuS , lebt fte 

uttb f(j^läft. ®abib tft t»or feinen unb atter 2BeIt Slugen.ein 

atmet ©d^af^itt, abct toot mit ift et ein Äßnig. ^^x aHe, bie 

tl^r an mx^ glaubt, feib bor eud^ unb aller 3öelt Slugen @ünber, 
dbtx i)Ot mit nut gto^e ^eilige, toie bie ®ngel ©otteg. 

S)aB ©Ott aber eine anbete, bie toa^tt 9latur fie^t, bie er 
,burd^ fein tounberbareg Eingreifen §ettn}eiUg manifeftirt, enbU(3^ 
abet bottfommen l^etftetten toitt, baS §eigt ftd^ in ben* SRatut* 
gefe|en überl^au^t, gerabe ebenfo aber aud^ in ber SBcltgefd^id^te, 
in bet ^itd^e unb in bem Seben beS ©injelnen. S)ag llnöetmut^ete, 
bog: Unbered^enbare gefd^ie^t am pufigften ; bie SSelltDeig^eit 
nennt eg S^f^ßf ©btifien abet feigen batin bie ^anb ii^te^ ©otteä^ 
unb nennen es SQ5unber. S)er ben ©türm beS 3KeereS befd^toid^tigt, 
bie 95linben fel^enb, bie Säumen gel^enb gemad^t, XohU auf et«» 
tD^dü l^at, ber '^at nid&t gegen bie 0latur Q ^^MnMt^ fnnhpnt htf. 
toal^te ^atut toiebet betgefteflt , — unb betfelbe §ett unb ©Ott 
lebt nod^ unb t^ut tm©roBen unb kleinen, toöS unb ioie t& i^m 
gcfäat 

@g gel^ört bie boHe ©td^erl^eit be« p^ilofo))l^ifd^en Slber* 
glaubend baju, bet göttlid^en Slllmad^t butd^ 3'latutgefe|e, tit 
3fliemanb iennt, toeber in il^rem SBefen, nod^ aud^ in il^ren @r* 
fd^eittungen, bie l^eut ttiol^l, aber raotgen fd^on nid^t mel^t gelten^ 
■ @d^tatt!en ju fe|en. ©Ott l^at fid^ nid^t etfd^öpft mit feinet etfien 
©d^öpfettl^at. ^ 

S)ie 5Ratut abet, ift fie ettooS anbetet, als SWagb beS 
^erm, ©etoanb, SftüdEfeite ber ©ott^eit? Unb über biefe3,@eti)anb, 
«Kittel, SQäetfseug, Dtgon bet ©ottl^cit foUte biefe ©ott^eit feine 
toeitere 3Jiad^t unb Söittfilr W&^n, bergletd^en bod^ ber 2;ö))fet 
l^/^toeld^et fein einmal mit 5pian unb Slbfid^t auS Sel^m g«^' 



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bilbeteS @ef(3^öpf naä) ^Belieben unb ©utbcfmben änbcnt iib^ 
gar jerfd^mci^en- fann , fagt ^^ranj üon Saaber in feiner $pi^ilo^ - 
fO))]^te de la pri^re. 

SJar^m aber Idfet bcr ß^rift, tote ber SBanb^beder öote., 
fagt, getrojl bte ^orfiügel in il^ren Slngctn l^ängcn, läBt bett 
^ufammcnl^attg ber ©inge (nexus rerum) unberü'^rt unb trägt 
bod^ baS %'^ox auf ben S3erg. 

Ser ©i^riften ©ebet ru^t auf bem ©^riftenglauben unb ber 
©loube befennt: x^ glaube an @ott ben 5ßater, aUntäd^tigen 
©(ä^öpfer §immel5 unb ber @rbe. S)arutti lüirb in ber öon ber 
SöelttueiS^eit unbeirrten e^riften^eit ta^ SSort bcr 6(|rift feji 
ftel^n bleiben: fud^t ben ^erm, metl er §u finben ift, ruft i^n 
an, h?eil er na^e ift, ^cf. 55, 6. « 



5ßterer'f$e §of6u*bruÄeret. ©tet)ftan &tibtL & 60. in aitetiJutß. 





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