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Full text of "Rede für Sex. Riscius aus Ameria; mit den Testimonia veterum und dem Scholiasta Gronovianus"

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L5684prroL 

Ciceros Rede 

fiir 8ex. Rosciiis aus Ameria. 



Mit deii 

Testimonia veteriiin unrt (lem Sclioliasta Gronovianus 

heraiisgegeben imd erklart 



Dr. GustaY !Landgraf, 

k. Stuclieulehrer aiu Gymuasium in Schweinfurt. 



II. Halfte: Kommentar. ' ' ^^^BNt^ > 



-©SSSS- 



Erlangen. 

V e r 1 a g v o n A n d r e a s D e i c li e r t. 

1884. 



Druck voii Junge & Sohn in Erlangen. 



Einleitiiiig. 

Die Rosciana ist fiir die historische Betrachtung des 
ciceronischen Stiles von grosser Wichtigkeit, denn sie bildet 
den theoretischen Abschluss der ersten und altesten Stilperiode 
Ciceros. Ausser durch unsere Rede (geh. 80 v. Chr.) wird 
dieselbe reprasentiert durch die im Jahr zuvor (a. 81) gehal- 
tene Rede p. Quinctio und die etwa im J. 84 abgefassten 
Bucher de inventione. Bei der Verschiedenheit der Litte- 
raturgattung, der die genannten Schriften angehoren, wird die 
folgende Erdrterung es allerdings zumeist mit einer stilistischen 
Wiirdigung der beiden Reden zu thun haben, doch soll schon 
hier darauf hingewiesen werden, dass eine Aehnlichkeit in 
der sprachlichen Darstelhing und besonders in der Auswahl 
des Wort- und Phrasenschatzes zwischen den Reden und der 
Schrift de inventione besteht und dass diese Aehnlichkeit zu- 
riickzufiihren ist auf den den drei Schriften gemeinsamen Eiu- 
fluss der Rhetorica des Cornificius. 

Die genauere Erforschung und Feststellung dieses einheit- 
lichen Stil-Charakters der Jugendwerke Ciceros, der Verwandt- 
schaft derselben unter sich und mit der Schrift des Corni- 
ficius ist eine Frucht der iu den letzten Jahren mit so emsigem 
Fleiss betriebenen und mit mehr oder minder grossem Ge- 
schick jetzt schon auf die Sprache fast aller romischen Schrift- 
steller ausgedehnten historischen Untersuchungsmethode. 
Die Abhandlungen, welche vou diesem Gesichtspunkte aus 
den Nachweis einer historischen Entwicklung des ciceronischen 
Stiles versucht haben, sind in der Litteratur-Uebersicht der 
Rosciana p. 9 angegeben. An der Hand derselben unternehme 
ich es im Folgenden eine kurze Skizze der Spracheigentiim- 
lichkeiten der Rosciana im Zusammenhange zu geben; die 
Ausfuhrung der einzelnen Punkte musste Aufgabe des Kom- 
mentars bleiben. 

Cicero kam bald zu der Einsicht, dass von den zwei 
Wegen, auf denen der junge Rdmer zu den hdchsteu Stellen 

Landgraf, CiCt llode f. Sex. Kosc. U. Illilfte. Q 



120 Einleitung. 

im Staate zu gelangen pflegte, im Lager oder auf dem Forum, 
der letztere flir ihn der eiuzig zum Ziele fuhrende sei. 
Aber auch hier gab es eine doppelte Bahn, sieh einen Namen 
zu machen, entweder als Ankliiger oder als Verteidiger. Er 
wiihlte die letztere, die er fiir die ehrenvollere hielf^), und 
verteidigte im Jahre 81 als 26jahriger Jiingling (s. d. testim. 
p. 13) den P. Quinctius in einer Privatklage, uachdem er zu- 
vor einige Male in gleicher Eigenschaft vor Gericht aufgetreten 
war; doch sind uns diese Reden nicht erhalten. In dem Prozess 
des P. Quinctius staud dem Cicero als Auwalt Hortensius 
gegeniiber, damals der erste und gefeiertste Redner, so dass 
Cicero mit Recht diesen Handel eiue iuiqua certatio (p. Qu. 
§ 73) nennen kounte. Quiutus Hortensius war es, der jene 
iippige und schwiilstige Redeweise, die nach dem Tode Alexan- 
ders des Grossen besonders in Asien gepflegt wurde und als 
Asianum geuus dicendi in der Litteraturgeschichte bekannt 
ist, in Rom einfiihrte (a. 95) uud ihr eine wenn auch kurze 
Bliite daselbst zu verschaflfen wusste. Wie stellte sich nun 
Cicero zu diesem zu seiner Zeit dominierenden Asianismus? 
Ich habe in meiner Abhandlung de Ciceronis elocutione 
in orationibus pro P. Quinctio et pro Sex. Roscio Amerino 
conspicua mit anderen Gelehrten ^) die Ansicht vertreten, dass 
jene beiden Reden dem genus Asianum angehoren und war 
dabei von der Stelle im Orator § 107 (s. Teil I, p. 14) aus- 
gegangen, wo Cicero selbst an der Rosciana die iuveuilis 
redundantia tadelt. Da namlich reduudantia neben 



1) Cf. Oflfic. II § 49: Sed cum sint plura causarum genera, quae 
eloquentiam desiderent, multique in nostra re publica adulescentes et 
apud iudices et apud populum et apud senatum dicendo laudem asse- 
cuti sunt, maxima est admiratio in iudiciis; quorum ratio dupiex 
est. Nam ex accusatione et ex defensione constat; qua- 
rum etsi laudabilior est defensio, tamen etiam accusatio pro- 
bata persaepe est; ibid. § 51, s. Teil I p. 14. 

2) Klotz in d. Anm. zur Rosc. p. 590 f. : „Dass die Rede mit 
Asiatischer Abundanz (Asiaticum dicendi genus) geschrieben war, 
bekennt Cicero selbst im Orator. Dies ist um so eher zu entschuldigen, 
da Cicero noch ziemlich frisch von der Rhetorenschule war". — Euss- 
ner in den Fleckeis. Jahrb. 1873 p. 521. ,Quanta cum cura Cicero in 
hac, quae ad Asianum dicendi genus pertinet, oratione et verba 
et verborum ambitus inter se opposuit ita, ut singula singuh's accurate 
respondeant, satis constat; cf. §. 1.3. S8'. 



T. 

Die Handschrifteu der Rosciana. 

Zu den Schriften der romischen Literatur, deren gliick- 
liche WiederauffinduDg- wir dem rastloseu Eifer Fr. Poggios^) 
(1380 — 1459) verdauken, gehort auch die Rosciana Ciceros. 
Die Handschrift, die zugleich die Rede pro Murena enthielt, 
brachte Poggio 1418 aus Deutschland oder Frankreich nach 
Italien. Ein Zeitgenosse ^) , der den Kodex in Florenz sah, 
schildert ihn als einen von Alter und Schimmel verdorbenen, 
teilweise kaum mehr lesbaren. Die uns bekannten Haud- 
schrifteu der Rosciana sind spate Kopien dieses jetzt ganz- 
lich verschwundenen exemplar Poggianum; sie zeigen samt- 
lich dieselben Schreibfehler, Liicken, Interpolationen (so die 
Liicke nach § 132, vgl. ferner den kritischen Anhang zu 
§21 und 30). Zwar machte in neuester Zeit H. Wrampel- 
meyer den Versuch, den codex Wolfenbuttelauus No. 205 
(= G) als die direkte (noch in Gallien gemachte) und ein- 
zige Abschrift jenes Urkodex des P. und als alteste Quelle 
aller bis jetzt bekannten Handschriften hinzustelleu, allein 
Iwan Miiller (im Bursianschen Jahresbericht 1874/75 



1) Die Rede war schon Petrarca bekannt, vgl. S. A. Hortis Cic. 
nelle opere di Petr. Triest 1878. 

2) Die expositio Guarini Veronensis (1370— 14G0) in or. p. 
K. A. (cod.Paris. 7832) bemerkt zu der Liicke nach § 132 folgendes: 
jlterum non parva textus pars deest. Quod factum est situ et 
exemplaris vetustate decrepita, quod vir doctissimus Poggius ex 
Gallis ad nos reportaverat, qui et huius orationis et alterius pro 
Murena repertor hac aetate fuit Ut autem Fr. Barbarus dicere 
ac deplorare solet , occaecatum adeo exemplaris codicem , unde haec 
exarata est oratio, Florentiae viderat, ut nullo modo inde transcribi 
verbum potuerit'. 

Laudgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. ^ 



2 1. Die Handschriften der Rosciana. 

S. 686 ff. u. 1878 p. 211 ff.) bat die Unzulanglichkeit die- 
ser Ausfiihrungen griindlichst dargelegt, wobei er jedoch ein- 
raumt, daB dieser Kodex unter denen, die mit ihm (wie M, E, v) 
auf einen gemeiusamen Stammkodex zuruckgehen, der be- 
achtenswerteste sei, ja, dass er als Quelle fiir einige, aber 
nicht fiir samtliche Handschriften angesehen werden diirfe. 

Das Verzeichnis dieser Handschriftcn, unter denen die 
Oxonienses undParisini nachst dem erwahnten Wolfen- 
buttel. die am sorgfaltigsten verglicheneu sind, gibt Halm 
in der Ziiricher Ausg. vor dem Text der Rede. DaB wir in 
ihnen nicht den reinen ciceronischen Text suchen diirfen, 
zeigen uns die abweichenden Lesarten eines leider nur das 
I. Kapitel enthaltenden Palimpsestes, den Niebuhr mit 
den Fragmenten der Rede fiir Fonteius und C. Rabirius ver- 
offentlicht hat (Rom 1820, p. 82 ff.). Wir erwahnen hier 
nur Beispiels halber, dass das Schlusswort des I. Kapitels 
vitant im Pal. entschieden das richtigere ist gcgeniiber 
der Lesart unserer Handschriften metuunt: zumal dieses 
vitant auch noch durch das Zeugnis eines Rhetors, das 
wir bei Halm in der adnotatio vermissen, bestatigt wird 
(s. den Text und den krit. Anh.) Ebenso treffend zeigt 
uns die Verderbtheit wie den gemeinsamen Ursprung un- 
serer Handschriften § 21, wo einige Worter aus dem 
Text geschwunden sind, die uns die Graramatiker Diomedes 
und Charisius iibereinstimmend iiberliefern. Im iibrigen darf 
man auf die Citate der Grammatiker und Rhetoren nicht 
allzugrosses Gewicht legen, da sie meist aus dem Gedachtnis 
citieren: ebenso wenig endlich darf man in den Lemmaten 
des Gronovischen Scholiasten den reinen Text finden wollen, 
da diese grossenteils nur mit Initialen geschrieben sind, (s. d. 
nachsten Abschnitt). Bei diesen Verhaltnissen kann die fak- 
tische Verderbtheit unseres Textes der Rosciana nicht be- 
fremden : trotz der vielfachen und zum Teil gelungenen Ver- 
besserungen harrt doch noch eine grosse Anzahl Stellen 
ihrer endgiiltigen Heilung, mauche vielleicht fiir immer ver- 
gebens (so § 11). 

In der Konstituierung des Textes, den die vorliegende 
Ausgabe bietet, habe ich mich in der Hauptsache an die be- 
sonnenen Grundsatze, von denen sich der neueste Heraus- 
geber C. F. W. Miiller leiteu liess, angeschlossen, wobei 



II. Der scholiasta Gronovianus. 3 

natiirlich sowohl seine wie der anderen Gelehrten Emenda- 
tionen eigener griindlichcr Priifuug unterzogen wurden; an 
einigen Stellen versuchte ich selbst die Besserung: ob mit 
Gliick, mogen Sachverstandige entscheiden. 



II. 

Der scholiasta Groiioyiaims. 

Der einzige Kommentar zur Rosciana, der uns aus dem 
Altertum erhalten ist, ist der sogenannte Gronovische 
Scholiast. Die Handschrift, die ihn enthiilt, betindet sich 
jetzt in Leyden (Voss. Lat. Quart. 130) und besteht aus 
54 schon geschriebenen Blattern ^), deren luhalt sich auf fol- 
gende Reden Ciceros bezieht: in diviuationera, in Verrem 
act. I und II, 1 , in Catilinarias II, III, IV, in orr. pro Li- 
gario, pro Marcello, pro Deiotaro, pro S. Roscio, pro lege 
Manilia, pro Milone (jedoch nur den Anfang). Zur Zeit des 
J. F. Gronovius (1611 — 1671) war die Handschrift, wie 
wir aus der praefatio des Jac. Gronovius (1645 — 1716) 
entuehmen, ira Besitz des beriihmten Philologen Is. Vossius 
(1618 — 1689), der sie sowohl andern leihweise liberliess 
z. B. dem Graevius (1632 — 1703), als auch dem J. F. Gro- 
novius, letzterem mit der Aufforderung den Scholiasten her- 
auszugeben. Allein der Tod verhinderte diesen an der Aus- 
fiihrung seines Vorhabeus; sein Sohn Jacob Gr. war es, 
der nach einer nochmaligen Vergleichuug der Handschrift 
den Kommentar zum ersteumal drucken lieB in s. Ausg. des 
Cicero, Leyden 1692. Die Ausgabe ist gut und sorgfaltig 
gemacht, wie Th. Mommsen aus der Nachvergleichung einiger 
Blatter bestatigt, so dass eine neue Kollation uberfliissig er- 
schien. In den darauf folgendenCiceroausgabeu vonGraevius 
(1699) und Verburg (1721) ist der Scholiast mit abge- 



1) Ueber die Blatterfolge der Handsclirift handelt ziim Zwecke 
der Ermittlung, wie die Sammlung ciceron. Reden geordnet gewesen 
ist, welche dem Scholiasten vorlag, Tb. Mommsen im Rhein. Mu- 
seum XVI. 1861. p. 140 ff. 

4 « 



4 11. Der scholiasta Gronovianus. 

druckt. Doch war die ExistcDZ unseres Scholions schon vor 
diesen Ausgaben den Gelehrten bekannt und zwar hielt mau 
fur dessen Verfasser den Vulcatius Gallicanus, densel- 
ben, von welchem wir noch eine Kaiserbiographie besitzen 
(cf. Teuffel R. L. 392, 6), cf. Is. Vossius ad Catull. p. 318 
(London 1684) : ,ut sciamus quid apud Cic. sit authepsa, 
operae pretium fuerit verba antiqui interpretis, Vulcatii, 
ut puto, Gallicaui adscribere'. — P.Pithoeus(1539— 1596) 
ad CoUat. p. 88: ,Servo solus domiuus pro arbitrio nomen 
imponit et ad voluptatem quidem, ut in Orat. pro Roscio" 
Amerino (s. § 124) notavit Vulcatius Seius aliusve vetus 
interpres, cuius fragmenta quaedam vespillonum aliquando ma- 
nibus pretio extorsimus'. — Dion. Gothofredus (1549 — 1621) 
ad tit. de lege Cornelia de falsis ad 1. 13: ,servo solus 
dominus pro arbitrio nomen imponit et ad voluptatem qui- 
dem, ut in Orat. pro Roscio Amerino notavit Volcatius 
Gallicanus'. Man ging dabei von einer Stelle des Hiero- 
nymus in Rufin. I (T. II p. 472 Vall.) aus, an welcher ein 
Vulcatius als Kommentator ciceronischer Reden genannt wird: 
,puto quod puer legcris Aspri in Vergilium et Sallustium 
commentarios, Vulcatii in orationes Ciceronis . . .' 
Ja J. Gronov. erwahnt in seiner praefatio eine Note, die 
sich auf der ersten Seite der Handschrift befinde und, wie 
er glaube, von Pithoeus oderPetavius (1583 — 1652) herriihre: 
,Veteris Grammatici in aliquot M. Tullii orationes fragmenta' 
und dazu war die oben mitgeteilte Stelle des Hieronyraus 
citiert. J. Gronov. jedoch wagte nicht Vulcatius ais Ver- 
fasser unsers Kommentars zu nennen, sondern beginnt seine 
praefatio mit den Worten: ,Scholiasten anonymum, quem 
voco, is patris beneficii est'. Verburg nannte ihn Anonymus 
vetus. Heutzutage ist der Kommentar unter den Gelehrten 
und in der Literaturgeschichte unter dem Namen des scho- 
liasta Gronovianus bekannt, den ihm Orelli gegeben. 
Wenn er auch an Wert bei weitem nachsteht dem Asconius 
und auch den scholia Bobiensia, so ist er doch schon des- 
wegen fiir unsere Rede wichtig, weil er der einzige auf uns 
aus dem Altertum liberkommene ist; zudem gibt er neben 
vielen ungereimten Bcmerkuugen doch manches Brauchbare. 
So wissen wir nur durch unsern Scholiasteu, dafi die Worte 
,quis ibi non est vulneratus ferro Phrygio' ein Vers des 



II. Der scholiasta Gronovianus. 5 

Ennius seien (s. § 90), iind dass Cieero in § 55, wo noch 
Hotomannus und Manutius legem Memmiam lasen, sich auf 
die lex Remmia beziehe, ist erst durch des Scholiasten 
ausdriickliche Erwahnung- dieses Gesetzes ausser Zweifel ge- 
setzt. Anch darf nicht vergessen werden, dass die Fragmente 
in der grossen Llicke § 132 nur durch unser Scholion er- 
halten sind. Freilich ist es hier schwer die Worte Ciceros 
von denen des Scholiasten zu scheiden. Dagegen mufi man 
sich hiiten, in diesen Lemmaten sichere Zeugnisse fiir den 
ciceronischen Text zu sehen ; in der Handschrift namlich 
(cf. Mommsen 1. 1. p. 141) sind die Lemmata grossenteils 
nur mit den Initialen angegeben uud Gronov, hat diese in 
seiner Ausgabe erst aufgelost. 

Was die Zeit anlangt, in welche wir den Scholiasten 
zu setzen haben, so sagt Orelli: ,grammaticus saeculi, ni 
fallor, quarti vel quinti' — und diirfte damit das Rich- 
tige getroffen haben. Der beste Anhaltspunkt ist dieSprache, 
und diese weist durchaus spatlateinisches Geprage auf. Es 
geniigt hier auf eiuige wenige Erscheinungen hinzuweisen, 
die in den Noten ausfiihrliche Behandlung finden : novi und 
scio mit folgendem quod oder quia (z. B. § 8. 17); sic 
in der Aufzahlung = deinde (s. §50); sui fiir suus (s. zu 
§ 4); primo =: imprimis (im argument. s. f.) ; Briseida 
spatlat. Nebenform (s. z. §90); quanto-tanto mit Positiv 
(s. z. § 37); ipse = hic ipse, idem (s. z. § 132). Viele 
seiner sprachlichen Harten werden durch eine verniinftige 
Kritik geboben , die von einer genauen Kenntuis des Spat- 
lateins ausgehen muss. In diesem Punkte wurde von deu 
Gelehrten, die sich mit ibm beschaftigt haben, viel gefehlt. 
So hat Schiitz (Cic. Ausgabe 1814 — 23) seine geistreiche, 
aber zu gewaltsame Kritik auch hier angeweudet — nicht 
immer zum Vorteil des Scholiasten. OreUi (Bd. V, 2. 1833, 
p. 424 — 437) reinigte den Text wieder von den Auswiichsen 
der Scbiitzischen Kritik, allein er selbst hat wenig fiir den 
Scholiasten gethan. Biichner endlich in seiner Ausgabe der 
Rosciana (p. 116 — 134, das argumentum p. 6 — 8) 1835 folgte 
meist Orelli, doch hat er neben abgeschmackten Aenderungen 
(s. z. §§ 41 u. 49) auch einiges Gute geleistet. Bei weitem 
am meisten von meinen Vorarbeitern verdanke ich den 
Eberhard'schen Konjekturen (in Lectionum Tullianarum 



6 H. Der scholiasta Gronovianus. 

lib. I, 1872, p. 18 ff.). Sie kamen mir erst in die Hand, 
als ich meine Reeension bereits absolviert hatte. Um so 
mehr Ireutc es mich, dal.i uusere Vermutungen in cinigen 
schwierigcn .Stelleu zusammengetroffen siud. Manches fand 
er, was ich nicht gefunden; doch darf ich auch den umge- 
kehrten Fall flir mich in Anspruch nehmen , vgl. in der 
praefatio Note 8, zu § 4 N. 8, z. § 50 N. 2, zu § 60 N. 2. 

Bemerken will ich noch, daC unser Scholion fUr mittel- 
alterliche Glossare ausgezogen wurde. Wenigstens habe ich 
die Beobachtung gemacht, daC zwei Glossen, die L. Muller 
in den Fleckeisenschen Jahrbb. 1866 p. 397 aus einem 
Leydener Glossar der Vossiana (M. L. V. 0. 88) mit- 
teilt, aus der ja ebenfalls in Leyden betindlichen Hand- 
schrift unseres Scholiasten genommen sind. Es sind dies fol- 
gende: ,Cissis genus vehiculi Gallici und ,Fruges 
(iiber e steht i) dicuutur iufames'. Erstere Glosse geht 
zuriick auf die Erlauterung unseres Scholiasten zu § 19 der 
Kosciana, letztere auf § 90. — Was die Quellen unsers 
Scholiasten eudlich anlangtj so will Hildesheimer (de L 
qui inscribitur de viris illustribus quaest. hist. 1880) aus 
einigen Aehnlichkeiten des liber de viris illustribus mit dem 
Gronov. Scholiasten schliessen, daC auch dieser wie der 
anonyme Autor des liber de vir. ill. aus Hygin geschdpft 
habe. 



Appendix. 
Literatiir der Rosciana ^). 

I. Ausgabeu. 

1) Iiidem wir fiir die Recension der Rede in den iilteren Ge- 

samtausgaben der ciceronisclien Werke auf die Uebersicht bei 
Teuffel R. L. G.* § 177, 5 ('Hiibner, Grundriss zu Vorl. iiber die 
R. L. G.* § 47, I) verweisen , beginnen wir mit der fiir die mo- 
derne Kritik grundlegenden Recension von Halm im *I(. Band 
der Umarbeitung der Orellischen Gesamtausg. des Cic, Ztirich 
1854 p. II vol. I p. 29 — 72 *Recognovit R. Klotz, in der Bi- 
bliotheca Teubneriana (edit. II emendatior 1863 — 1871), p. II 
vol. I p. 29 — 70. — *Edd. J. G. Baiter et C. L. Kayser 
(Lips., B. Tauchnitz 1861—1869) v. III, p. 28 — 68. — *Neue 
Ausg. d. Bibliotheca Teubneriana, recognovit C. F. W. Miiller 
(noch unvollstandig) ; pars II. 1880 enthalt die Reden, vol. I, 
p. 33 — 81 die Rosciana; vgl. hiezu die Besprechungen von 
Rubner in den bayer. Bl. XVIL 188! p. 272; Luterbacher 
im Jahresber. des philol. Vereins zu Berlin VIII. p 74 flf. ; Adler 
in der Philolog. Rundschau II. 1882, p 556 flf. 

2) Gesamtausg. der Reden mit Erlauterungen von *R. Klotz, Bd. I, 

1835, Text der Rosciana p. 166-217, Anmerkungen p. 589— 606. 

3) Textausgaben ausgewahlter Reden fiir den Schulgebrauch. 

Wir erwiihnen die von Mad vig (12; Kopenhagen 1830. 1841. 1848. 
*1858. 1867), e quinta recognitione J. N. Madvigii ed. 0. Siesbye 
(*1879), p. 1-42; ex recognitione C. Halmii (18; 2 voll.) Berlin, 
Weidmann 1868), *edid. A. Eberhard et W. Hirschfelder 
(19; ed. II. Leipzig, Teubner) p. 1—48. — Mit Anmerkungen 
begleitet in den Schulausgaben ausgewahlter Reden vonWeiske 
(13; Lips. 1807); Matthia (13; Lips. 1830 f.); *Mobius (I. Bd. 
p. 1—110, 3. Aufl. Hannover 1831), *5. Auflage bearbeitet von 
Crusius, 1851. p. 1 — 69; *Steinmetz (13; Mainz 1832, 
p. 1-78). 



1) Die von mir benutzten Aiisgaben, Erlauteruugsschriften etc. sind mit 
cinem Sternchen (*) versehen. 



8 Literatur der Rosciana. 

4) Spezialausgaben: 

a) Text ohne Komnieutar: *deniio emendata et in usum lectionum 

edita ab Jo. Casp. Orellio (Ziirich J837. 4). 

b) Text und Kommentar in den Ausgaben von: 

*Jac. Facciolati, exercitationes in M. T. C. orationes pro P. Quinctio 
et pro Sex. Roscio Amerino, Patav. 1723, p. 75—189. 

*G. Biichner, rec. em. etc. Lips. 1835, Text mit kritischen Noten 
S. 6 — 115, schol. Gronov. S 116-134, annotationes S. 138-344, 
eine Art Sammelkommentar, da auch die Noten alterer Gelehrten, 
bes. des Manutius, Hotomannus, Garatonius u. a. mitgeteilt sind. 
Angezeigt ist die Ausgabe von *Klotz in Jahns Jahrbb. Bd. 15 
S. 422 ff. und von *Osenbriiggen in Zimmermanns Zeitschrift 
f. d. Alterthumswissenschaft 1836, Nr. 123 — 125. 

*Mit Einleitung und Kommentar von Ed. Osenbriiggen, Braun- 
schweig 1844. Vorziigllcher Kommentar, bes. fiir juristische 
Dinge. Angez. v. *Jordan, Zeitschr. f. Alterth. 1845 S. 659 ff. 

*ed, W. G. Gossrau, Quedlinburg 1853 Die zu Scbulzwecken be- 
stimmte Ausg. enthalt nur einen sachlichen Kommentar, der 
mit in die Einleitung verschmolzen ist. 

*Cic. ausgewahlte Reden erklart vonK.Halm, L Bandchen, *4. Aufl. 
Berlin 1863, *8. Aufl. 1877, *9. Aufl. 1881. 

Cic. Rede fiir Sex. Roscius. Fiir den Schulgebrauch herausgeg. von 

F. Richter, 1. Aufl. 1864, Leipzig; *2. Aufl. durchgesehen 
von A. Fleckeisen 1877. 

*Cic. Rede fiir Sex Roscius. Fiir den Schulgebrauch erklart von 

G. Landgraf. Gotha 1882. 

11. Erlaiiteningsschriften nnd Abhandlungen. 

*Joannis Saxonii Hattestedii Commentarius ad Orationem Cice- 
ceronis pro Sexto Roscio Amerino, Basileae 1546, p. 1 — 85. 
Dieser Kommentar des Wittenberger Professors zur Rosciana ist 
den Literaturhistorikern ebensowenig bekannt als der am Schluss 
dieses Buches, das ausserdem noch 2 in der academia Vuitem- 
bergensi gehaltene Reden des Saxonius enthalt, befindliche 
(p. 120—192) commentarius Philippi Melanchthonis in pri- 
mam, praecipuam et diflficiilimam partem Oratoriarum Par- 
titionem Ciceronis ^). 

•A. Nickl, abundantiam iuvenilem in Cic. or. p. R. A. apparentem 
notavit, Kempten 1836. 4. (Gymn.-Pr.), 



2) Der Merkwiirdigkeit halber enviihnen wir hier noch , dass auf den 
beiden letzten Seiten 2 Gedichte M. Luthers abgedruckt sind, das eine 
iiberschrieben Martini Lutheri de vita beata versiculi hendecasyllabi , das 
andere M. L. Sarcasmiis in Epicureos. 



Literatur dor Rosciana. 9 

*Beitrage zur Textkritik: T. Baaden, Studien iiber Cicero, Jahns 
Jahrbb. Supplem.-Bd. II, 1833, p. 338 flF.; Fleckeisen in den 
Jahrbb. 1866 S. 548 flf.; Kruger ebenda 1868 S.207; Eussner 
ebenda 1873 S. 519; M. Haupt, Hermes Bd. 3, 1868 S. 208 
(= opusc. 3, S. 411); Lehmann, Hermes Bd. 14 S. 212 — 218 
quaestiones Tullianae I, ib. S. 451 — 456; Vahlen, Rhein. Mu- 
seum Bd. 13, S. 296; Weidner, Philologus Bd. 10, S. 718; 
Pluygers u. Cobet in d. Mnemosyne N. F. VIII (1880) p. 370 if.— 
H. J. Miiller, symbolae ad emendandos scriptores Latinos, 
part. II (in der Festschrift zu der II. Saecularfeier des Friedrich- 
Werderschen Gymnasiums zu Berlin 1881) p. 34— 36. — Luter- 
bacher undAdler in den bereits erwahnten Besprechungen der 
neuen Cic. Ausgabe von Miiller. 

*A. Eberhard, Lectionum Tullian. lib. I. Lips. 1872, p. 5—18. 

*H. Wrampelmeyer, Codex Wolfenbuttellanus Nr. 205 . . ad com- 
plures, quas continet, Ciceronis orationes collatus. Pars II, 1874, 
62 p. Vgl. hiezu Iw. Miiller im Bursianschen Jahresb. 1874/75, 
S. 687 flf. 

Beitrage zur S p r a c h e der R. : 

*E. Woelfflin, „Bemerkungen iiber das Vulgarlatein" im Philologus 
1875, Bd. 34, p. 142 flf. 

*H. Hellmuth, de sermonis proprietatibus , quae in prioribus Cice- 
ronis orationibus inveniuntur in den acta seminarii philologici 
Erlangensis L (1878), p. 101-174. 

*G. Landgraf, de Ciceronis elocutione in orationibus pro P. Quinctio 
et pro Sex. Roscio Amerino conspicua, Wiirzburg 1878 (die 
beiden letzten Schriften sind angezeigt von Wolfflin in den 
Fleck. Jahrbb. 1878 S. 481 flf.) 

*Ph. Thielmann, de sermonis proprietatibus, quae leguntur apud 
Cornificium et in primis Ciceronis libris, diss. inaug. Argent. 1879, 
auch in den acta Argent. Bd. II S. 379 — 463 (angez. vonLand- 
graf in der Zeitsehr. f. d. Gymnasialw. 1879, Bd. 33, S. 593 flt". 
und vonWoelfflin im Philolog. Anzeiger 1880 Bd. 10, S. 51 ff.). 

*Ph. Thielmann, Stilistische Bemerkungen zu den Jugendwerken 
Ciceros in den Blattern f. das bayer. Gymnasialw. 1880 Bd. 16, 
S. 202-213 und 352—859. 

III. Soiistige Hilfsmittel fiir Cicero. 

*H. Merguet, Lexikon zu den Reden des Cicero, I. Bd., Jena 1877, 
A — C, II. Bd. 1880 D— J, III. Bd noch unvollstandig. 

*NieIander, der faktitive Dativus in den Ciceronianischen Schriften, 
Progr. des Gymn. Krotoschin 1874. 

*Hoppe, zu den Fragmenten und der Sprache Ciceros, Progr. des 
Gymn. Gumbinnen 1875. 



10 Literatur des Hosciaria. 

*Ciceronis de finil)us bon et mal. libri V. rec. ct em. Madvig, 

ed. III 1876. 
*M. Tullii Ciceronis Laelius erklart von Sey ffert - Miil ler, 

2. Aufl. 1876. 
*F. Heerdegen, de fide TuIIiana, Erlangen 1876. 
*M. Wetzel, de consecutione temporum Ciceroniana capita duo, 

Lips. 1877. 
*A. Stinner, de eo, quo Cicero in epistolis usus est, sermone, 

Oppeln 1879. 
*E. Opitz, quo sermone ei , qui ad Ciceronem litteras dederunt, usi 

sint, Progr. des Domgymuasiums zu Naumburg 1870. 
*(t. Landgraf, Bemerkungen zum sermo cotidianus in den Briefen 

Ciceros und an Cicero, Blatter f. d. bayer. Gymnasialw. Bd. 16, 

1880 S. 274—280 und 317—331. 
*J. H. Schmalz, iiber den Sprachgebrauch der nichtciceronischen 

Briefe in den ciceronischen Briefsammlungen I. , Zeitschr. f. d. 

Gymnasialw. Bd. 35, 1881, S. 87 — 141. — II. Ueber die Latinitat 

des P. Vatinius, G.-Pr. von Mannheira 1881 (vgl hiezu und 

zu I die Anzeige von K. E Georges in der Philologischen Rund- 

schau 1881, I. p. 1302 ff.). 



I. 

Text der Rosciana 

* 

nebst den 

testimoiiia veterum iiud dem sclioliasla Gronovianiis. 



Sammlung der auf die ganze Rede bezuglichen 
testimonia veterum 

und zwar: 

a) betreffend die Zeit und die die Rede begleitenden 
Umstande. 

Gell. 15, 28, 2 sq. Atque is (Cornelius Nepos) ta- 
men in librorum primo, quos de vita illius (Ciceronis) 
composuit, errasse videtur, cum eum scripsit tres et viginti 
annos natum primum causam iudicii publici egisse Sextum- 
que Roscium parricidii reum defendisse. Dinumeratis quippe 
annis a Q. Caepione et Q. Serrano, quibus consulibus ante 
diem tertium Nonas lanuarii m. M. Cicero natus est, ad 
M. Tullium et Cn. Dolabellam, quibus consulibus causam pri- 
vatam pro Quinctio apud Aquilium Gallum iudicem dixit, 
sex et viginti anni reperiuntur. Neque dubium est, quin post 
annum, quam pro Quinctio dixerat, Sex. Roscium reum 
parricidii defenderit, annos iam septem atque viginti 
natus, L. Sulla Felice II. Q. Metello Pio consulibus. 

In qua re etiam Fenestellam errasse, Pedianus As- 
conius animadvertit, qiiod eum scripserit sexto vicensimo 
aetatis anno pro Sex. Roscio dixisse. Longior autem 
Nepotis, quam Fenestellae error est, nisi quis vult in 
animum inducere, Nepotem, studio amoris et amicitiae 
adductum, amplificandae admiratiouis gratia quadrienuium 
suppressisse, ut M. Cicero orationem florentissimam dixisse 
pro Roscio admodum adulescens videretur. 



14 Testimonia veterum. 

Quintil. 12, 6, 4sq.: Si quid desit operi, supplet aetas, 
et si qua sunt dicta iuveniliter pro iudole accipiuntur, ut totus 
ille Ciceronis pro Sexto Roscio locus (§ 72): ,quid enim 
tam commune quam spiritus vivis, terra mortuis, mare fluc- 
tuantibus, litus eiectis?' Quae cum sex etviginti natus 
annos summis audientium clamoribus dixcrat, defervisse tem- 
pore et annis liquata iam senior idem fatetur. 

Cic. orat. 30, 107: Quantis illa clamoribus adulescentuli 
diximus, quae nequaquam satis defervuisse post aliquanto 
sentire coepimus : ,quid enim etc. — conquiescant' — et quae 
sequuntur; sunt enim omnia sicut adulescentis non tam re et 
maturitate quam spe et exspectatione laudati .... Ipsa 
enim illa iuvenilis redundantia multa babct attenuata, quae- 
dam etiam paullo hilariora. 

Cic. Brut. 90, 312: Itaque prima causa publica pro Sex. 
Roscio dicta tantum commendationis habuit, ut non ulla esset, 
quae non digna nostro patrocinio videretur. 

Cic. offic. 2, 14, 51: Maxime autem et gloria paritur et 
gratia defensionibus, eoque maior, si quando accidit, ut ei 
subveniatur, qui potentis alicuius opibus circumveniri urgeri- 
que videatur, ut nos et saepe alias et adulescentes contra 
L. Sullae dominantis opes pro Scx. Roscio Amerino feci- 
mus: quae, ut scis, exstat oratio. 

Senec. suas. VII, 2 (p. 50, 13 K. ff.) ,quid consulatum 
salutarem urbi, quid exilium consulatu honestius, quid pro- 
vocatam inter initia adulescentiae libertate tiro- 
cinii tui Syllanam potentiam' etc. 

Anonym. de vir. illustr. c. 81 ,adulescens Rosciano 
iudicio eloquentiam et libertatem suam adversus Sullanos 
ostendit: ex quo veritus invidiam Athenas studiorum gratia 
petivit' etc. 

Plut. Cic. 3: ^Avade^diisvoq ovv r^v (TvvijyoQCav xal 
xaTOQd^ooffag id^avfidff&t]. 

b) Die testimonia veterum, sovsreit sie sich auf die rheto- 
rische Technik der ganzen Rede beziehen: 

Mar. Victorin. p. 204, 4 sq. H.: At in narratione cum 
causa omnis fuerit explicata, tunc crimen aut ab accusatore 



Testimonia veterum. ^5 

proponitur post narrationem quasi intentio, aut a defensore 
quasi quaestio, ut purgetur: ,Sextus Roscius occisus 
est'. Accusator dicit a filio, TuUius negat: binc esse crimi- 
natio potest et defensio. Insinuatur iudici per narrationem totum 
negotium, ubi, quando, quo modo Sextus Roscius sit occisus. 
Hoc utraque pars dicat necesse est: buic singuli subtiliter 
interiaciunt id, quod parti suae prodesse possit, non pugnae 
modo, sed adiuncta veri similitudine, ut ita narret, quasi et 
adversarius eodem raodo narrare possit. Explicito negotio 
causaque cognita incipit adversarius dicere, quod Sextum 
Roscium lilius interemit, et baec est criminatio. Si autem 
defensor est, proponit crimen quasi quaestionem ,occidisse 
patrem Sextus Roscius arguitur', et adfert argumenta quibus 
hoc possit dissolverc. Ibid p. 229, 16 sq. H. : Quotiens autem 
de genere quaestio est, ex specie faciendum est argumentum, 
ut Cicero, cum pro Roscio ageret, id est speciem susce- 
pisset (Roscius enim ad tilium species est) argumentum fecit 
ex genere, cum dixit tam feros mores in filium cadere non 
potuisse; filius enim genus, Roscius species est. 

Martian. Capell. p. 454, 17 sq. H. (p. 142, 24 sq. E.): 
Quaestio ipsa aut finita est aut infinita. Finita est, 
cum nascitur de certo facto demoustratque personam, ut in 
Rosciana quaeritur Ciceronis, utrum interfecerit patrem 
Roscius. 

ibid. p. 463, 30 sq. H. (p. 155, 21 sq. E.) : Duplex (sc. 
quaestio) tum ex rebus fit, ut pro Caelio de auro et de ve- 
neno: tum coliatione, ut proRoscio, filiusne patrem an ini- 
mici iugulaverint. 

Quintil. 7, 2, 23: Et sive invicem accusant, sive cri- 
men reus citra accusationem in adversarium vertit, ut Ros- 
cius in accusatores suos, quamvis reos non fecisset. 

C. Jul. Vict. p. 377, 11 H. Secunda species (sc. con- 
iecturae) est, in qua reus eligit aliquem facinoris auctorem, 
tamen citra accusationis periculum, ut M. Tullius removendi 
a Sexto Roscio criminis causa Capitouem et Magnum et 
Glauciam designat facinoris auctores. 



16 Argumentum Scholiastae 



c) Argumentum Scboliastae Gronoviani. 

G. = Gronovius, Gr. = Graevius, Sch. = Schuetz, Or. = Orelli, 
B. = BUchner, E. =: Eberhard. 

Sex. Roscius Amerinus locuples fuit. Hic quum habe- 
ret Roscium filium rigidioris naturae in paternis praediis 
commorantem et baberet duos inimicos municipes suos, Ros- 
cium Magnum et Capitonem, Sulla dominante et iam pro- 
scriptione finita ad balneas Pallacine ^ rediens a cena occisus 
est. De morte eius primus nuntiavit Ameriam Glaucia qui- 
dam Rosciorum diens. Delatum est ad Sullam uomen; oc- 
cisi bona venierunt; empta a Chrysogono Suliae liberto in 
societate cum Rosciis possideri coepta sunt, filio expulso. 
Amerini legatos ad Sullam miseruut, qui dicerent bona Roscii 
non debuisse veuire, obreptumqne ipsi esse, quum esset Ros- 
cius iniuriam passus. Inducti a Chrysogono suut promittente 
emptionem remissurum. Interim Sex. Roscius adulescens par- 
ricidii accusatus est ab Erucio quodam ex novis accusatori- 
bus et absolutus. — Duplicis coniecturae causam dispositione 
naturali persequitur: ^ nam quum defeudit filium, regerit cri- 
meu in Roscios comparando personas, causas ceteraque, quae 
aut oriuntur ex illis aut ad illa referuntur.^ Et tuetur reum, 
ut intellegi facile possit accusatori supposito periclitandum. 
Multum * itaque circa Erucium terrorem calumniae movet ur- 
banissimis salibus. Insignis actio iibertate patroni, quam 



1) Hier und § 132 hat der Scholiast Pallaciue; vgl. die testim. 
zu § 18. — 2) Vulg. prosequitur, B. persequitur; vgl. Sulp. Victor 
inst. orat. p. 332, 35 H., wo von der duplex coniectura die Rede ist: 
,ergo persequemur hanc causam'. — 3) ad ilia mit Gr. , aut 
illa G. — 4J Vuig. : ut intellegi facile sit accusatore supposito peri- 
clitantem. B.: f. sit, accusatori supposito periclitandum (esse) multum. 
Itaque . . . movet urbanissimis salibus. Inaignis actio libertate pa- 
troni etc. (vulg. patrono) ; E. p. 18 schlagt vor: ,multum itaque . . . 
movens (sc. actio) urbanissiuiis salibus insignis actio, lubrica (i. e. 
periculosa: hoc vocabulum supplevi) libertate patrono'; multus = 
magnus ist nicht selten in der spateren Latiniiiit, so bei lul. Val. 
reb. g Alex. M. II, 9. 16; ilf, 1 Par. (multo labore) u. 6. 



Argumentum Scholiastae. 17 

evitari ^ non potuisse publicis ^ temporibus apparet Sulla do- 
minante. Plaeet igitur Ciceroni ' excursus ille iuvenilis de 
suppliciis parricidarum ad annos suos. 

Ad existimationem tam floridae artis inter medias haec 
oratio ponitur. ^ Status coniecturae; ^ transfusio per avnxa- 
tviYOQlav.'^^ ,Non egk feci parricidium, sed vos'. — Genus 



5) evitari lasst man wohl am besten stehen ira Sinne von ex- 
stingui. Das Wort ist vulgiir und findet sich schon bei Ennius und 
Plautus, dann bei Apul. met. 3, 8 und lul. Valer. I, 17 Par. , custo- 
dibus evitatis, welche Stelle Georges (7. Aufl. des Worterbuchs) 
nicht kennt. — 6) publicis gibt lieinen Sinn , man erwartet etwa 
illis rei publicae temporibus oder suppliciorum temporibus. — 

7) Der Schol. meint Cic' Worte im orat. § 107, s. oben S. 12. — 

8) Den an dieser Stelle bei den Herausgebern ganz sinnlosen Text 
glaube ich einigermassen entwirrt zu haben. Vulg. : tam floride par- 
tes inter m. h. or. ponitur. Sch.: .... ad existimationem, tum floride 
partes intermedias h. o. p. ; Or, schlagtvor: ad annos suos, ad ex. tam 
floridae partis. Inter med. h. o. ponitur. B. : Placet igitur Ciceroni ex- 
cursus ille .... ad annos suos, ad existimationem tam floride partes 
inter medias huius orationis positQs. — Inter medias haec oratio ponitur 
erkliirt Or. : i. e. neque praestantissimis adnumeratur neque inter minus 
illustres . . refertur. Meiner Ansicht nach will der Schol. damit sagen, 
dass die Rede dem genus medium (elocutionis) angehtire, das bei 
Quintilian XII, 10, 58 auch floridum genannt wird. — 9) Or. und B. 
status coniectura, doch schon Gr. richtig coniecturae, wie auch der 
schol. p. 421, 31 Or. sagt. — Ueber den status und seine verschie- 
denen Arten geniige hier folgendes: ,Der status ist die Frage (d. h. 
das Thema) in der Art, wie sie sich aus dem ersten Zusamraenstoss 
widerstreitender Behauptungen ergiebt'. Volkmann, Rhetorik der 
Griechen und Romer, 2. Ausg. 1874 S. 24. Der status ist ein vier- 
facher: status coniecturalis, st. definitivus, st. qualitatis 
und die translatio. Beim status coniecturalis, dem unsere 
Rede angehort, wird gefragt nach dem an sit d. h. der That- 
bestand steht nicht fest und ist aus dem vorhandenen Material erst 
durch Konjektur zu ermitteln. — ,Dem st. coniecturalis gehoren die 
meisten der aus dem Altertum iiberlieferten Gerichtsreden an. — Ge- 
rade aus den Reden vom st. coniecturalis kann man denn auch am 
besten die Kunst der antiken Beredsamkeit studieren, wobei diese 
allerdings nicht selten als dreiste Ueberredungskunst von zweifelhaf- 
ter Ehrlichkeit und Sittlichkeit erscheint', Yolkmann S. 34, 35. — 
10) Ueber die cli/TixcarjyoQuc vgl. Fortunat. p. 91, 1 H. : Quae est chn- 
xKTr]yoQia? mutua accusatio, id est, cum aliqui se invicem accusant. 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. 2 



18 Argumentum Scholiastae. 

causae admirabile. ^^ Nata piimo ^^ admiiabilitas ex adverso 
tempore, ex potentia Sullaua, ex magnitudine parrieidii. 



11) Die Rhetoriker unterscheiden fiinf genera causarum: 
genus honestum, humile, dubium, adrairabile (TTKndSo^oy)^ 
obscurum. Ueber das genus admirabile vgl. Mar. Victorin. 
p. 196, 14 H. (zu Cic. de inv. 1, 15, 21); Admirabile est causae 
genus, cum is defenditur, quem ob magnitudinem criminis defendi 
nullus posse credebat. Itaque hic iudices benivoli faciendi sunt. — 
Sulpit. Vict. inst. or. p. 316, 32 sq. Admirabilis enim causa est (quare 
est a ,mirari' dicta), quae talis facie ipsa videtur talisque apud 
opinionem iudicum coepit esse, ut admirentur quemquam ad defen- 
sionem eius accedere. — Ex Grill. commento p. 600, 34 H. : In 
admirabili genere causae animi iudicum abalienati sunt, id est ira- 
scuntur, sicut in Rosciana. Quis enim non moveatur, ubi audierit 
occisum a filio patrem aut cum viderit ad defensionem causae 
tironem accedere defensorem? vgl. den Kommentar zu § j. — 
12) Primo, das E. p. 19 fiir sinnlos erklart und wofiir er enim 
lesen will, steht hier, ganz angemessen dem Sinne der Stelle, in der 
Bedeutung = imprimis wie Arnob. p. 25, 10 R. 



M. TULLII CICERONIS 

PRO SEX. ROSCIO AMERINO ORATIO AD lUDlCES. 



I. Credo ego vos, iudices, mirari, quid sit quod, cum toti 
summi oratores bominesque nobilissimi sedeant, ego potissi- 
mum surrexerim, qui neque aetate neque ingenio neque auc- 

Testim. vet. 

§ 1. Diomed. ars gramm. I p. 389, 9 K. credo vos, iiidices, 
mirari; ib. p. 393, 23 credo ego vos, iudices , miraii quid sit quod 
ego potissimum surrexerim ; ib. p. 395 , 18 ,credo ego vos , iudices, 
mirari quid sit quod, cum tot summi oratores hominesque nobilissimi 
sedeant, ego potissimum surrexerim' ; non dixit credo vos mirari quid 
sit quod surrexi, quod est idiotismos. — Dosith. ars gramm. VII 
p. 420, 16 K. credo vos mirari, quid sit quod ego potissimum sur- 
rexerim. — Schemata dianoeas p. 73, 17 H. (rhet. min.) Ahio- 
koyitt est, cum causam alicuius rei et rationem subicimus, ut est apud 
Ciceronem pro Roscio : ,Ita fit ut adsint propterea, quod officium se- 
quuntur, taceant autem, quia periculum vitant.' 

Schol. Gronov. 

Kap. I § 1 Credo ego] Pleonasmos est in eloeutione, nam 
quum dixisset credo, adiecit ego. 

Mirari] Modo eandem partem recurat; quod nullus oratorum cete- 
rorum ad defensionem accessit, potissimum ipse surrexit. Sed dum vult 
eostimoris excusare, quod sciat eos timuisse, se damnavit audaciai). 

Ego potissimum surrexerim] Duo sunt, quae quaeruntur 
in oratore, auctoritas et eloquium. Auctoritas ex nobilitate, eloquium 
ex doctrina. Ut ait Virgilius: ex auctoritate: tunc pietate gra- 
vem ac meritis; ex eloquio: ille regit dictis animos.^). 

Omnes hi, quos videtis] Debet conciliare orator causam, 
quasi non solus defendat^). 

1) E. p. 19 macht hiezu die Note: ,videtur et audaciae gcribendum, 
quod V. timoris respoudeat, et post sciat supplendum Sullam. Nam 
vel coniunctivus ,sciat' ostendere videtur, causam additam fuisse cur timereut. 
— 2) Verg. Aen. 1, 151. 1.53. Servius bemerkt dazu: Et bene servat circa 
hunc rhetoricam definitionem , cui dat et iustitiam et peritiam diceudi, 
ut ,tum pietate gravem' et ,ille regit dictis auimos': orator enim est vir 
bonus, dicendi peritus. — 3) B. orator, causam. 

0* 



20 ' Pro Sex. Roscio c. 1 § 2-4. 

toritate sim cum his, qui sedeant, comparaudus. Omnes hi, 
quos videtis adesse, in hac causa iniuriam novo scelere con- 
flatam putant oportere defendi, defendere ipsi propter ini- 
quitatem teniporum non audent. Ita fit, ut adsint propterea, 
quod officium sequuntur, taceant autem idcirco, quia pericu- 

^lum vitant. Quid ergo? audacissimus ego ex omnibus? Mi- 
nime. An tanto officiosior quam ceteri? Ne istius quidem 
laudis ita sum cupidus, ut aliis eam praereptam velim. Quae 
me igitur res praeter ceteros impulit, ut causam Sex. Roscii 
reciperem? Quia si quis horum dixisset, quos videtis adesse, 
in quibus summa auctoritas est atque amplitudo, si verbum 
de re publica fecisset, id quod in hac causa tieri necesse 

3est, multo plura dixisse quam dixisset putaretur: ego autem 
si omnia, quae dicenda sunt, libere dixero, nequaquam tamen 
similiter oratio mea exire atque in vulgus emanare poterit; 
deiude quod ceterorum neque dictum obscurum potest esse 
propter nobilitatem et amplitudinem neque temere dicto con- 
cedi propter aetatem et prudentiam; ego si quid liberius 
dixero, vel occultum esse, propterea quod nondum ad rem 
publicam accessi, vel ignosci adulescentiae poterit; tanietsi 
non modo ignoscendi ratio, verum etiam (!oguoscendi con- 

4suetudo iam de civitate sublata est. Accedit illa quoque 
causa, quod a ceteris forsitan ita petitum sit, ut dicerent, ut 

Testim. vet. 

§ 2. Charis. p. 206, 4 K. multo plura dixisse putaretur. 

§ 3. Charis. p. 203, 30 ego omnia quae dicenda sunt libere 
dixero. 

Schol Gr. 

§ 2. Quid? ego audacissimus] Antiptosis *). 

An tanto officiosior] Officiosiores dicuntur proprie ') , qui 
volunt ad suum ofticium pertinere, ut rapiant causas defendendas. 

§3. Ignosci adoiescentiae] Inter ignoscere et cog- 
noscere hoc interest. Ignoscere est: erravi, da veniam. Cognoscere 
est: non erravi, audi me. Modo vero in hac civitate non modo ig- 
noscendi ratio sublata est, sed etiam cognoscendi. 



4) Antiptosis ist hier wohl iinrichtig ; man versteht sonst jene 
grammat. Figur darunter, wenn ein Casus statt des andern steht, cf. Serv. 
Verg. Aen. 1, 120. — 5) officium proprie pertinere, Gr. , B. hat das 
Wort eingeschlossen, Or. ganz weggelassen. Ich habe es nach dicimtur ge- 
setzt nach einer ahnlichen Stelle des Scholiasten p. 384, 35 Or. discrimen 
autem est proprie, quod etc. ; cf. Serv. ad Verg. Aen. 2. 683 ,apex' 
proprie dicitur etc. 



Pro Sex. Roscio c. 2 § 4—5. 21 

utrumvis salvo officio facere se posse arbitrarentur ; a me 
autem ii contenderunt, qui apud rae et amicitia et beneficiis 
et drgnitate plurimum possunt, quorum ego nec benivolentiara 
erga rae ignorare nec auctoritatera aspernari nec voluntatem 
neglegere debebam. 

II. His de causis ego huic causae patronus exstiti, non^ 
electus unus, qui maxirao ingeriio, sed relictus ex oranibus, 
qui rainirao periculo possem dicere, neque uti satis firmo 
praesidio defensus Sex. Roscius, verura uti ne oranino deser- 
tus esset. 

Forsitan quaeratis, qui iste terror sit et quae tanta for- 



Testim. vet. 

§ 4. Charis. p. 212, 4 a me i d contenclerimt, qui apud me et 
amicitia et dignitate plurimum possunt. 

Schol Gr. 

§ 4. Accedit 11 la causa] Anadiplosis. 

Quod a ceteris forsitan] Si quis amicus petat a me defen- 
sionis officium, si praestitero , habeo gratiam salvo officio^); si no- 
luero, habeo officium salvum sine gratia; ergo, utrum velim, in pote- 
state mea est. Si quis vero frater petierit , quamquam '') propter 
potentiam sui *) Sulla satis timebatur, tamen frater est, cui omni- 
modo^) praestandum est. Non ^^) possumus hic dicere : iu potestate 
habemus, utrum velimus an nolimus. Omnimodo necesse est velle. 
A ceteris ergo sic petitum est, ut in potestate habeant, utrumvelint; 
a me autem hi petiverunt. 

Kap. II §5 Maximo ingenio] Messalam maxime significat, cuius 
exstant orationes *). 

Forsitan quaeratis] Particularis narratio loco principiorum 
succedit^). Narranda causa fuerat. Admirabilitas summa fuerat, 
quia nullus alter erat defensor, quare nullus ^) accessit. Et quia 



6) habeo gratiam; salvo officio] si uoluero etc. Or. — 7) Vulg. 
quia, Sch. u. B. quamqiiam; E. quamvis timeatur. — 8) Die Aen- 
derung B.' von sui in suam ist unnotig, tla es Sprachgebrauch des Spat- 
latein ist das pronomen personale fiir das possessivum zu setzen , cf. lul. 
Val. I, 31 Par. ad sententiam sui u. o. ; ebenso tui fiir tuus ibid. I, 40 
omnem tui iniuriam; fiir mei =: meiis vgl. Ronsch Ital. u. Vulg. p. 418. 
E. p. 19, der diesen Sprachgebrauch vei'kennt, tilgt siu ganz, das aus den 
drei ersten Buclistaben des folgenden Wortes Sulla entstanden sei; vgl. 
meine Bemerkung in Fleckeis. Jahrbb. 1881 p. 416. — 9) Or. B. tamen 
omnimodo frater est, cui etc. ; ich setze mit Sch. omnim. vor praestan- 
dum,- wie es auch unten omnim. necesse est heisst. — 10) non hat Or. 
nach Sch. eingesetzt, wilhrend B. ein Fragezeichen nach nolimus macht, 
ebenso E. — 1) Vxilg. cuius maxime exstant or. — 2) Vulg. principio- 
rum cedit, B. cadit. Principia = exordium. — 3) Sch. u. B. quave nullus 
alter. 



22 Pro Sex. Roscio c. 2 § 5—6. 

mido, quae tot ac tales viios impediat, quo minus pro capite 
et fortunis alterius, quem ad modum cousueverunt, causam 
veliut dicere. Quod adhuc vos iguorare non mirum est, 
propterea quod consulto ab accusatoribus eius rei, quae con- 
^flavit hoc iudicium, meutio facta non est. Quae res ea est? 
Bona patris huiusce Sex. Roscii, quae sunt sexagiens, quae 
de viro clarissimo et fortissimo, L. Sulla, quem honoris causa 
nomino, duobus milibus nummum sese dicit emisse adulescens 
vel potentissimus hoc tempore nostrae civitatis , L. Cornelius 
Chrysogonus. Is a vobis, iudices, hoc postulat, ut, quoniam 
in alienam pecuniam tam plenam atque praeclaram nullo 
iure iuvaserit, quoniamque ei pecuniae vita Sex. Roscii ob- 
stare atque officere videatur, deleatis ex animo suo suspi- 



Testim. vet. 

§ 5. Arusi an. Mess. VII p. 470, 5 K. emit de me Cic.p. Rosc. 
,quae de viro clarissimo et fortissimo sese dicit emisse L. Cornelius 
Chr}'SOgonus', emit a me idem de suppliciis (Verr. V, 22,56) ,quod 
a malo auctore emit'. 

§ 6. Charis. p. 115,15 vel potentis simu-s (ubi autem super- 
latione utimur, non potest adici deque magis neque valde, quoniam 
ipsa superlatio omnia significat, quamquam ait Cicero vel poten- 
tissimus, quod est valde potentissimus). 

Probi de nomine excerpta IV p. 212, 23 K. hunc sibi scrupu- 
lum, qui se dies ac noctes pungit, ut evellatis postulat. 

Sdwl. Gr. 
praeparandus estiudexin principio benignitate et benevolentia. Causae 
vero redditio particularis narratio est. 

Quae tot] ex numero. 

Ac tales viros] ex persona. 

§ 6. Quae res ea est?] Hic non narratio incipit, sed est quae- 
dam excursatio *). 

L. SuIIa] Debet servare dignitateni; est enim magna persona. 

Potentissimus] Ideo hic eflfert, ut eludat; ideo adiecit postea 
Cornelius. Hoc dixit irrisione, quia libertini homines interposito ferme 
patronorum nomine gloriantur^). 

In alienam pecuniam] Id est, in alienum patrimonium. Pe- 
cuniam dicit universitatem rei familiaris. 

Suspicionem omnem] Vide, quemadmodum ad iuvidiam et 
odium ducit verba ipsius et postulationem nequissimam. 



4) excursatio ist eine gute Emeudation E.' p. 19 fiir das hand- 
schriftl. excusatio. — 5) qiiia — gloriantur Sch. Or. B. ; G. Gr. : qua liber- 
tintmi hominem interposita ferme patronorum nomina gloriantur. 



Pro Sex. Koscio c. 3 § 6-8. 23 

cionem omnem metumque tollatis; sese hoc incolumi non 
arbitratur huius innocentis patrimonium tam amplum et co- 
piosum posse obtinere; damnato et eiecto sperat se posse, 
quod adeptus est per scelus, id per luxuriam eflfundere atque 
consumere. Hunc sibi ex animo scrupulum, qui se dies noc- 
tesque stimulat ac pungit, ut evellatis, postulat, ut ad hanc 
suam praedam tam nefariam adiutores vos profiteamini. Si'' 
vobis aequa et honesta postulatio videtur, iudices, ego contra 
brevem postulationem adfero et, quo modo mihi persuadeo, 
aliquanto aequiorem. 

III. Primum a Chrysog-ono peto, ut pecunia fortunisque 
nostris contentus sit, sanguinemetvitam nepetat; deinde avobis, 
iudices, ut audacium sceleri resistatis, innocentium calamitatem 
levetis et in causa Sex. Roscii periculum, quod in omnes in- 
tenditur, propulsetis. . Quodsi aut causa criminis aut facti* 
suspicio aut quaelibet denique vel minima res reperietur, quam 



Testim. vet. 

§ 7. Schem. dian. p. 74, 18 H.: ZvyxoKXig est, quae collatio 
dicitur, cum comparatione quadam iustiorem causam nostram quam 
adversarii demonstramus, ut Cicero in Rosciana: ,Ego contra bre- 
vem postulationem adfero et, quomodo mihi persuadeo , aliquanto 
aequiorem (cod. Par. velociorem). 

Schol. Gr. 

Damnato et eiecto^j] Modo movetur quaestio: Si parricida 
in culeum suitur, quare dicit eiecto? Quia oratoris est minus di- 
cere poenam rei, ut dicat exsilium''). 

§ 7. Ego contra brevem p o stula tionem affero] Illius 
postulatio *), quia indignanter posita fuerat, invidiose locutus est. 

Kap. II r. Primum a Chrysogono] Ostendit potentiam Chry- 
sogoni et in magnam invidiam adducit adversarium supplicando ipsi. 

§ 8. Quod si aut causa criminis] ludicium bonae causae 
esse voluit, quod sponsionem quandam apud iudices facere ausus est, 
ut vel tenui argumento convictus damnationem criminis non recuset '). 
Item tria considerantur in coniectura, causa, persona, factum. 



6) Vulg. damnatum et eiectum , doch hat B. mit Recht nach dcm 
folgenden eiecto auch das Lemma geandert. — 7) B. ut hic eat in exsi- 
lium. — 8) Vulg. postula tionem] Aftert illius ; affero] Illius Sch. — 
1) recuset habe ich emendiert nach den Woiten Ciceros non recusamus, 
quin etc. , Vulg. excuset. E. p. 19: ,quod' non est mutandum in quare, 
sed ita explicandum, id ex eo apparet, quod .. ., pro excuset autera re- 
stitutum oportuit recuset. 



24 Pro Sex. Roscio c. 4 § 8—10. 

ob rem videantur illi non nihil tamen in deferendo nomine 
secuti, postremo, si praeter eam praedam, quam dixi, quicquam 
aliud causae inveneritis, non recusamus, quin illorum libidiui Sex. 
Roscii vita dedatur. Sin aliud agitur nihil, nisi ut iis ne quid 
desit, quibus satis nihil est, si hoc solum hoc tempore pugnatur, 
ut ad illam opimam praeclaramque praedam damnatio Sex. 
Roscii velut cumulus accedat : nonne cum multa indigna, tum 
vel hoc indignissimum est, vos idoneos habitos, per quorum 
sententias iusque iurandum id adsequantur, quod antea ipsi 
scelere et ferro adsequi consueverant? Qui ex civitate in 
senatum propter dignitatem, ex senatu in hoc consilium de- 
lecti estis propter severitatem, ab his hoc postulare homines 
sicarios atque gladiatores, non modo ut supplicia vitent, quae 
a vobis pro maleticiis suis metuere atque horrere debent, 
verum etiam ut spoliis ex hoc iudicio oruati auctique discedant? 

9 IV. His de rebus tantis tamque atrocibus neque satis 
me commode dicere neque satis graviter conqueri neque satis 
libere vociferari posse intellego. Nam commoditati ingenium, 
gravitati aetas, libertati tempora sunt impedimento. Huc 
accedit summus timor, quem mihi natura pudorque meus 
attribuit, et vestra dignitas et vis adversariorum et Sex. 
Roscii pericula. Quapropter vos oro atque obsecro, iudices, 

10 ut attente bonaque cum venia verba mea audiatis. Fide sa- 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

In deferendo] In accusando, quoniam nomen ad praetorem 
detulit. 

§ 8. Qui ex civitate] Laus^) iudicum, ut benevolentiam ca- 
piat. Novimus, quia^) a Sulla senatus electus fuerat, ut iudex esset. 
De civitate ergo fit senatus, de senatu iudices. 

Kap. IV § 9. Nam commoditati] Proantidosis. Tribus enim 
superioribus totidem infra retulit. Commode autem dicere nunc hoc 
signiiicat: pertinenter, utiliter, ornate. 

Summus timor] Ostendit, quantus ') sit timor. 

Pudor] morum. 

Veniaj Prompta benignitate, auxilio, ut Virgilius ^) : orantes 
veniam. 



2) G. laudem iudicium, Gr. laudein iudicuni; laus iudicum nach der 
Vermutiing Gr.' Sch. Or. B. — 3) quia nach novimus anstatt des acc. 
c. inf. wie § 17; cf. Serv. ad Verg. Aen. 1, 219 Th. novimus cnim, 
quod etc. — 1) Vulg. quantum. — 2) Aen. 1, 519. 



Pro Sex. Roscio c. 5 § 10 — 11. 25 

pientiaque vestra fretus plas oneris sustuli, quam ferre me 
posse intellego. Hoc onus si vos aliqua ex parte adlevabitis, 
feram, ut potero, studio et industria, iudices; sin a vobis, id 
quod non spero, deserar, tameu animo nou deficiam et id, 
quod suscepi, quoad potero, perferam. Quod si perferre non 
potero, opprimi me onere officii malo, quam id, quod mihi 
cum fide semel impositum est, aut propter perfidiam abicere 
aut propter infirmitatem animi deponere. 

Te quoque magno opere, M. Fanni, quaeso, ut, qualemi^ 
te iam antea populo Romano praebuisti, cum huic eidem 
quaestioni iudex praeesses , talem te et nobis et rei publicae 
hoc tempore impertias. V. Quanta multitudo hominum convene- 
rit ad boc iudicium, vides : quae sit omnium mortalium exspec- 
tatio, quae cupiditas, ut acria ac severa iudicia fiant, intellegis. 
Longo intervallo iudicium inter sicarios hoc primum committitur, 



Testim. vet, 

% 11. Martian Capell. p. 470, 9 H. (164,3 E.) ut qualem te 
antea populo Romano praebuisti , cum huic eidem quaestioni iudex 
praeesses, talem de nobis et populo Romano hoc tempore imper- 
tias. — Arusian. Mess. VII p. 481, 6 K. Cic. p. Rosc. ,talem te et 
nobis et rei publicae impertias'. 

Schol Gr. 

Hoc onus] Permansit in translatione propter SuUanum tempus, 
et quod subaudimus: perferam'^). 

Me onere malo] Melius est, ut opprimat me invidia Sullani 
temporis, quam taceam *). 

§ 11. Te quoque maximo opere, Fanni] Fannius praefuit 
aliquando huic quaestioni de sicariis. Excitat etiam in hac quaestione 
ad antiquum severius ') exempUim. 

Kap. V. Quanta multitudo] Est') hoc in rhetoricis prae- 
ceptum et [hoc^)] ad virtutem principii pertinet, quod appellatur. 

Longo [item')] intervallo] Quoniam post tempora belli ci- 
vilis restitutis iudiciis haec prima causa acta est. 



3) G. Or. Et quod siibaudimus perferam me oneremalo. Von 
den an dieser Stelle vorgeschlagenen Verbesserungen scheint mir die oben 
aufgenommene B.' immer noch die beste zu sein. Sch. : Et (eiusmodi) quid 
subaudimus (in verbis) perferam — — me onere o. malo. Melius 
est. E. : ad quoad subaudimus perferre ex perferam. opprimi me 
onere malo] melius est . . . — ■ 4) Unnotig ist die Einfiigung von ut 
nach quam bei B. — 5) Or. venmitet severitatis. — 1) et G. Gr. Or. ; 
est B. — 2) hoc habe ich eingeschlossen. — 3) item ist entweder durch 
Dittographie aus dem folgenden intervallo entstanden und zu streichen, 
oder mit Hahn iterum zu lesen, 



26 Pro Sex. Roscio c. 5 § 11-13. 

cum interea caedes indignissimae maximaeque factae sunt; 
omnes banc quaestionem te praetore manifestis maleficiis 
cotidianoque sanguini remedium esse sperant futuram. 

^^ Qua vociferatione in ceteris iudiciis accusatores uti con- 
sueverunt, ea nos hoc tempore utimur, qui causam dicimus. 
Petimus abs te, M. Fanni, a vobisque, iudices, ut quam acer- 
rime maleficia vindicetis, ut quam fortissime bominibus auda- 
cissimis resistatis, ut boc cogitetis, nisi in bac causa, qui 
vester animus sit ostendetis, eo prorumpere bominum cupidita- 
tem et scelus et audaciam, ut non modo clam, verum etiam 
hic in foro ante tribunal tuum, M. Fanni, ante pedes vestros, 

^^iudices, inter ipsa subsellia caedes futurae sint. Etenim quid 
aliud hoc iudicio temptatur, uisi ut id fieri liceat? Accusant ii, 
qui in fortunas buius invaserunt: causam dicit is, cui praeter 
calamitatem nihil reliquerunt; accusaut ii, quibus occidi patrem 
Sex. Roscii bono fuit, causam dicit is, cui non modo luctum 
mors patrisattulit, verum etiam egestatem ; accusant ii, qui bunc 
ipsum iugulare summe cupierunt: causam dicit is, qui etiam ad 
hoc ipsum iudicium cum praesidio venit, ne hic ibidem ante 
oculos vestros trucidetur; denique accusant ii, quos populus 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

Quum interea caecles indigniasimae] Ergo inulta*) fue- 
runt peccata. 

Omnes hanc quaestionem] Hoc vult dicere: sicarii isti ho- 
mines occidebaut multos; ut vitarent invidiam, haec ^) sibi suaserunt^) 
continuare scelera. 

Dimisso] Id est prae contempto, relicto habitorum ■>). 

§ 12. M. Fanni, ante pedes vestros] Anticategoria. Hic 
illuminat genus causae , quod et defensionem habeat pro reo *) et 
accusationem in adversarios. 

4) Vulg. nulla, welche sinnlose Lesart E. trefl'lich durch inulta ge- 
bessert hat. — 5) haec habe ich fur hoc Vulg. geschrieben. — 6) sil)i 
suaserunt wie lul. Val. 1, 44 Paris. vobisque suadete. — 7) Or. lege di- 
missorum. E. p. 19: Interpres opinatur Roscium ideo e sanguine dimissum 
(i. e. ei parsum) esse, quod ignotus atque contemptus fuerit. Fortasse igitur 
scripserat ,pro contempto, relicto habitum iri'; h. iri vermutete iibrigens 
schon B. p. 164: ,Si Graevio fides, veteris Scholiastae verba haec sunt: 
dimisso i prae contemto — habitorum. Verburgius edidit i. e. 
eumque secutus est Garatonius. Veri atitem est simile interpretem dedisse 
dimissui i. e. demissius, eamque multorum codicum scripturam explicasse 
sic: prae contemto — habitum iri. Sed nil ausim affirmare'. — 
8) Vulg. eo, Sch. reo. 



Pro Sex. Roscio c. 6 § 14-17. 27 

poscit: causam dicit is, qui unus relictus ex illorura nefaria 
caede restat. Atque ut facilius intellegere possitis, iudices, ^* 
ea, quae facta sunt, indiguiora esse, quam haec sunt, quae 
diciraus, ab initio res quem ad modum gesta sit, vobis expo- 
nemus, quo facilius et huius hominis innocentissimi miserias et 
illorum audaciam cognoscere possitis et rei publicae calamitatem. 

VI. Sex. Roscius, pater huiusce, municeps Amerinus ^^ 
fuit, cum genere et nobilitate et pecunia non modo sui muni- 
cipii, verura etiam eius vicinitatis facile priraus, tum gratia 
atque hospitiis Horens hominura nobilissimorum. Nam cura 
Metellis, Serviliis, Scipionibus erat ei non modo hospitium, 
verura etiam doraesticus usus et consuetudo, quas, ut aequura 
est, farailias honestatis amplitudinisque gratia nomino. Atque 
ex omnibus suis commodis hoc solura filio reliquit: nara pa- 
trimonium domestici praedones vi ereptura possident, fama et 
vita innocentis ab hospitibus araicisque paternfs defenditur. 
Hic cura omni terapore nobilitatis fautor fuisset, tura hoc ^^ 
turaultu proximo, cura oranium nobilium dignitas et sahis in 
discrimen veniret, praeter ceteros in ea vicinitate eara partera 
causamque opera, studio, auctoritate defendit. Etenim rectum 
putabat pro eorum honestate se pugnare, propter quos ipse 
honestissiraus inter suos nuraerabatur. Posteaquam victoria 
constituta est ab arraisque recessiraus, cura proscriberentur 
horaines atque ex omni regione caperentur ii, qui adversarii 
fuisse putabantur, erat ille Eomae frequens atque in foro et 
in ore omniura cotidie versabatur, magis ut exsultare victoria 
nobilitatis videretur quam timere, ne quid ex ea calamitatis 
sibi accideret. 

Erant ei veteres iniraicitiae cura duobus Rosciis Araeri- !■? 



Testim. vet. 

§ 15. Sulpit. Victor p. 323, 11 H. (rhet. min.) : Etiam illud aper- 
tam narratiouem facit ferme, si insitum habeat casum nominativum, 
id est rectum, quam Graeci ooO^onTioaiv vocant, ut ferme narratio- 
nes sunt Tullianae: .Sextus Roscius pater huius municeps Ame- 
rinus fuit' . . . nec facile apud Ciceronem est ulla aliter coepta 
narratio. 

§ 17. Fortunatian. p. 112, 24 H. : Quid? Ixcpwvrjaiv possumus 
interponere? possumus, ut plerumque M. Tullius facit: ,quas inimi- 
citias si tam probibere potuisset quam metuere solebat, viveret'. 

ScJwl Gr. 

Kap. VI § 17. Erant ei veteres] Usque ad istam narrationis 



28 Pro Sex. Roscio c. 7 § 17—18. 

iiis, quorum alterum sedere in accusatorum subselliis viiieo, 
alterum tria huiusce praedia possidere audio; quas inimicitias 
si tam cavere potuisset, quam metuere solebat, viveret. Neque 
enim, iudices, iuiuiia metuebat. Nam duo isti sunt Titi Roscii 
— quorum alteri Capitoni cognomen est, iste, qui adest, Magnus 
vocatur — homines eius modi: alter plurlmarum palmarum 
vetus ac nobilis gladiator habetur, hic autem nuper se ad 
eum lanistam contulit, quique ante hauc pugnam tiro esset, 
quod sciam, facile ipsum magistrum scelere audaciaque supera- 
^•^vit. VII. Nam cam hic Sex. Roscius esset Ameriae, T. autem 
iste Roscius Romae, cum hic [tilius] adsiduus in praediis esset 



Testim. vet. 

§ 18. Victorinus p. 269, 35 H. Ergo omnia argumentis pro- 
banda sunt: quorum argumentorum genera duo sunt, unum proprium, 
commune illud. Proprium est, quod ipsius causae et negotii est, ut 
,Sextu8 Roscius, cum caedes facta est, Romae non fuit: non ergo 
patrem interfecit' ; liber das argumentum commune vgl. Vict. zu § 63. 

ScJwl. Gr. 
partem fuit narratio pertinens ad bona, quia non debuit proscribi. 
Modo ad caedem. 

Alterum] Magnum dicit. 

Homines eius modi] Novimus, quia gladiatores ex factis no- 
men accipiunt. Si facili ictu caput percusserit, Capito dicitur; si 
multos vicerit, Magnus. 

Ad eum lanistam] Lanistam ') describit, quia gladiatorum no- 
mina dixit. 

Ante eara^) pugnam] Sive ante caedem Sex. Roscii, sive 
ante bellum civile. 

Kap. VII § 18. Nam quum hic Sex. Roscius] Praeparatio 
a loco vel argumentum ex facultate: non potuisse '). 

Quum h i c] Dixit ante rem'^) Causa inimicitiarum naturae con- 
veniens. Ergo quia accusatio illorum ad defensionem istius pertine- 
bat, per comparationem facit caput. 



1 ) L a n i s t a m hat Or. mit Recht eingesetzt ; E. p. 1 9 will ideo scri- 
bit leseu. — 2) Vulg. antea in, Or. ante hanc, Halm ante eam. — 

1) Vulg. et facultatem non potuisse; Sch. ad argumentum eum fa- 
cultatem non habtiisse; B. ei facultatem non fuisse, ebenso E. p. 19. — 

2) Vgl. hiezu Albin. de art. rhet. p. 539, 4 H. : Ante rem causa facti 
consideranda est, id est. an spe lucri vel causa inimicitiarum vel me- 
tus vel amici occiderit hominem. 



Pro Sex. Roscio c. 7 § 18—20. 29 

cumque se voluntate patris rei familiari vitaeque rusticae 
dedisset, iste autem frequens Romae esset, occiditur ad bal- 
neas Pallacinas redieus a cena Sex, Roscius. Spero ex hoc 
ipso non esse obscurum, ad quem suspicio maleficii pertineat; 
verum id, quod adhuc est suspiciosum, nisi perspicuum res 
ipsa fecerit, hunc adfinem culpae iudicatote. 

Occiso Sex. Roscio primus Ameriam nuntiat Mallius ^^ 
Glaucia quidam, homo tenuis, libertinus, cliens et familiaris 
istius T. Roscii, et nuntiat domum non filii, sed T. Capitonis 
inimici: et cum post horam primam noctis occisus esset, 
primo diluculo nuntius hic Ameriam venit. Decem horis noc- 
turnis sex et quinquaginta milia passuum cisiis pervolavit, 
non modo ut exoptatum iuimico uuutium primus adferret, sed 
etiam cruorem inimici quam recentissimum telumque paulo 
ante e corpore extractum ostenderet. Quadriduo, quo haec^o 
gesta sunt, res ad Chrysogonum in castra L. Sullae Vola- 



Testim. vet. 

§ 18. Non. p. 194, 8 occisus est ad balneas Pallacenas rediens 
a ceua S. Roscius; Priscian. III p. 37, 26 H. ,ad balneas Palla- 
cinas' hoc est ,iuxta balneas' ; Procae ars V p. 426, 24 K. Tullius, 
ad balueas Pallacinas'; Serv. comm. in Don. IV p. 431, 30 K. occi- 
sus est ad balneas Pallicias; Pompei comm. V p. 162,24 K. occisus 
est a balneis Pallaceni a cena rediens Romae Sextus Roscius. 

Schol. Gr. 

Rei familiari] Hoc ideo, quia dicebant illi, abiectum hunc 
fuisse a patre, idcirco iUum interfecisse, dicit: ,voluntas patri aequa- 
lis circa filium fuit'. 

§ 19. Primus Ameriamj Ipsum vult videri immissum^), qui 
occideret ') Roscium. , 

Quidam] Duplex causa necessitatis. Nam tenuis corrumpi po- 
tuit; libertinus ^), qui etiam metuebat offendere^). 

Cliens] Hoc nimirum''), ut ab inimicis *) ad caedem suborna- 
tus sit, quibus sine dubio debebat obsequium. 

Cisis] genus vehiculi Gallici^b), 

Volaterrana civitas dicitur, quae praecisis undique lateribus 



3) E. p. 19 will missum fiir immissum lesen, mit Unrecht; immit- 
tere ist wie subornare vocabulum proprium fiir unser „anstiften zu etwas". 
— 4) Sch. occiderit. — 5) Alle Herausgeber interpungieren : nam tenuis 
corrumpi potiiit libertinus , qui etc. ; allein es ist otfenbar , dass der Scho- 
liast die von Cic. gebraiichten Worter tenuis u. libertinus erlatiteru 
woUte, wie auch das folgende cliens. — 6) sc. patronum. — 7) Vulg. 
mire, E. p. 19 nimirum. — 8) sc. eius. — 8b) s. hiezu Einl. p. G, 



30 Pro Sex. Roscio c. 8 § 20-21. 

terras defertur; magnitudo pecuniae demonstratur; bonitas 
praediorum — nam fundos decem et tres reliquit, qui Tibe- 
rim fere omnes tangunt — , huius inopia et solitudo comme- 
moratur; demonstrant, cum pater buiusce Sex. Roscius, bomo 
tam splendidus et gratiosus, nullo negotio sit occisus, per- 
facile bunc bominem incautum et rusticum et Romae 
ignotum de medio tolli posse ; ad eam rem operam 
suam pollicentur. Ne diutius teneam, iudices, societas coi- 
2itur. VIII. Cum nulla iam proscriptionis mentio fieret, cum 
etiam, qui antea metueraut, redirent ac iam defunctos sese 
periculis arbitrarentur, nomen refertur in tabulas Sex. 
Roscii, bona veneunt bominis studiosissimi nobilitatis; 
manceps fit Cbrysogonus; tria praedia vel nobilissima Capi- 
toni propria traduntur, quae bodie possidet; in reliquas omnes 
fortunas iste T. Roscius nomine Cbrysogoni, quem ad modum 
ipse dicit, impetum facit. [Hacc bona sexagiens HS emuntur 
duobus milibus nummum.] Haec omnia, iudices, imprudente 



Testim. vet. 

% 21. Charis. p. 264, 5: Cum nulla etiam proscriptionis me- 
moratio fieret, cum etiam, qui antea proscripti erant sederent*), 
nomen refertur in tabulas Sexti Roscii-; Diomed. p. 390,17: 
cum nulla proscriptionis mentio fieret, cum et iam omnes, qui antea 
metuerant redirent ac iam defunctos se*) periculis arbitrarentur, 
nomen refertur in tabuias Sexti Roscii (vgl. hiezu den lcri- 
tischen Anhang). 

Seliol. Gr. 
ad omnes motus") alto se monte suspendit. Haec civitas i") cum 
Mario senserat; victis etiam Marianis partibus in eadem constantia 
perseveravit. Ad ipsara oppugnandara * * * Liicke bis XII § 34. 



*) H. J. Miiller symbol. 1. 1. p. 35, n. 5. ,apud Charisiiim sederent 
non scriptoris, sed librarii culpa legitur, quod Keilius meo iiidicio in re- 
d i r e n t corrigere debuit ; scscenties enim r ct s inter se mutatae sunt, velut 
ia hac Rosciana § 104 isti credere traditum est pro istic sedere; 
atque in Diomedis verbis scribendum est defunctos sese, id quod indi- 
cant codices, ciun esse pro sese exhibeant. 

9) motus scheint verdorben zu sein, E. will aditus verbesseru, ich 
mochte impetus vorschlagen ; vgl. Strabo V p. 305 Mein. (p. 223 C.) 
T(ov Jf OvolttTiQQ(t)V — y.ria/iin h' (fdQayyi ^afff{(c ).6(fog lailv vijjt}- 
log TT e o ix Q rj iivog TTaurr], t>)v xoQV(firjV ^Tjintiog' . . . IvTavOa 
avvtarrjattV Tiveg Tcoy TvQQrjvdiv xttl tojv TtQoyeyQtt/u/ulvcov vnb 2vlXa- 
ni.r]Q(6att>'Tgg 6t T^TTttQtt TdyfXKTa aTQmi(ag , (^ifTrj )^q6voV lnoXioQxri~ 
^riaav, fi^^ vnoanovdoi naQf/ojQr^aav tov Tonov. — 10) civitas in 
der Betleutung von urbs gehiJrt dem Spiltlatein an, vgl. Wiiltnin, Latinitiit 
des Cassius Felix 1880 p. 401 tt'. 



Pro Sex. Roscio c. 9 § 22-25. 31 

L. Sulla facta esse certo scio. Neque enim mirum, cum^^^ 
eodem tempore et ea, quae praeterita sunt, sanet et ea, quae 
videntur instare, praeparet, cum et pacis constituendae ratio- 
nem et belli gerendi potestatem solus habeat, cum omnes in 
unum spectent, unus omuia gubernet, cum tot tantisque ne- 
gotiis distentus sit, ut respirare libere non possit, si aliquid 
non animadvertat, cum praesertim tara multi occupationem 
eius observent tempusque aucupentur, ut simul atque ille 
despexerit, aliquid huiusce modi moliantur. Huc accedit, 
quod, quamvis ille felix sit, sicut est, tamen tanta felicitate 
nemo potest esse, in magna familia qui neminem neque ser- 
vum neque libertum improbum habeat. Interea iste T. Kos- 23 
cius, vir optimus, procurator Chrysogoni, Ameriam venit, in 
praedia huius invadit, hunc miserum, luctu perditum, qui non- 
dum etiam omnia pateruo funeri iusta solvisset, nudum eicit 
domo atque focis patriis disque peuatibus praecipitem, iudices, 
exturbat, ipse amplissimae pecuniae fit dominus. Qui in sua 
re fuisset egeutissimus, erat, ut fit, insolens in aliena; multa 
palam domum suam auferebat, plura clam de medio remo- 
vebat, non pauca suis adiutoribus large effuseque donabat, 
reliqua constituta auctione vendebat. 

IX. Quod Amerinis usque eo visum est indignum, ut-* 
urbe tota fletus gemitusque fieret. Etenim multa simul ante 
oculos versabantur, mofs hominis florentissimi Sex. Roscii 
crudelissima, filii autem eius egestas indignissima, cui de tanto 
patrimonio praedo iste nefarius ne iter quidem ad sepulcrum 
patrium reliquisset, bonorum emptio falsa, flagitiosa pos- 
sessio; furta, rapinae, donationes. Nemo erat, qui non audere 
omnia mallet quam videre in Sex. Eoscii, viri optimi atque 
honestissimi, bonis iactantem se ac dominantem T. Roscium. 
Itaque decurionum decretum statim fit, ut decem primi pro-25 
ficiscantur ad L. Sullani doceantque eum; qui vir Sex. Ros- 



Testim. vet. 

§ 23. Schol. Lucan. Phars. IX, 67 (p. 686 Weber) ,qui non- 
dum omnia paterno funeri iusta solvisset'. 

Arusian. Mess. VII p. 486, 14 K. : Cic. p. R. ,qui in sua re fuisset 
egentissimus, erat. ut fit, insolens in aliena'. 

§ 24. lul. Rufinian. p. 47, 10 H. Cicero pro Roscio: Nemo erat, 
qui non ardere illa omnia mallet quam videre in Sex. Roscii bonis 
dominantem. 



32 Pro Sex. Roscio c. 10 § 25—28. 

cius fuerit, conquerantur de istorum scelere et iniuriis, orent, 
ut et illius mortui famam et filii innocentis fortuuas conser- 
vatas velit. Atque ipsum clecretum, quaeso, cognoscite. DE- 
CRETUiM DECURIONUM. Legati in castra veniunt. Intelle- 
gitur, iudices, id quod iam ante dixi, imprudente L. Sulla 
scelera haec et flagitia fieri. Nam statim Cbrysogonus et 
ipse ad eos accedit et homines nobiles adlegat, ab iis qui 
peterent, ne ad Sullam adirent, et omnia Chrysogonum, quae 

26vellent, esse facturum pollicerentur. Usque adeo autem ille 
pertimuerat, ut mori mallet quam de his rebus Sullam doceri, 
Homiues autiqui, qui ex sua natura ceteros fingerent, cum 
ille confirmaret sese nomen Sex. Roscii de tabulis exemptu- 
rum, praedia vacua filio traditurum , cumque id ita futurum 
T. Roscius Capito, qui in decem legatis erat, appromitteret, 
crediderunt: Ameriam re iuorata reverterunt. Ac primo rem 
differre cotidie ac procrastinare isti coeperunt, deinde ali- 
quauto licentius nihil agere atque deludere, postremo, id 
quod facile intellectum est, iusidias vitae huiusce Sex. Roscii 
parare neque sese arbitrari posse diutius alienam pecuniam 

27domino incolumi obtinere. X. Quod hic simul atque seu- 
sit, de amicorum cognatorumque sententia Romam con- 
fugit et sese ad Caeciiiam, Nepotis sororem, Baliarici 
filiam, quam honoris causa nomino, contulit, qua pater 
usus est plurimum; in qua muliere, iudices, etiam nunc, 
id quod omnes semper existimaverunt, quasi exempli causa 
vestigia antiqui officii remaneut. Ea Sex. Roscium inopem, 
eiectum domo atque expulsum ex suis bouis, fugientem la- 
tronum tela et minas recepit domum hospitique oppresso iam 
desperatoque ab omnibus opitulata est. Eius virtute, fide, 
diligentia factum est, ut hic potius vivus in reos quam occi- 
sus in proscriptos referretur. 

28 Nam postquam isti intellexerunt summa diligentia vitam 
Sex. Roscii custodiri ueque sibi ullam caedis facieudae pote- 
statem dari, consilium ceperunt plenum sceleris et audaciae, 
ut nomen huius de parricidio deferrent, ut ad eam rem ali- 
quem accusatorem veterem compararent, qui de ea re posset 
dicere aliquid, in qua re nulla subesset suspicio, denique ut, 
quoniam crimiue non poterant, tempore ipso pugnarent. Ita 
loqui homines: ,quod iudicia tam diu facta non essent, con- 
demnari eum oportere, qui primus in iudicium adductus esset; 



Pro Sex. Eoscio c. 11—12 § 29-32. 33 

huic autem patronos ptopter ChrysogODi gratiam defuturos: 
de bonorum venditione et de ista societate verbum esse fac- 
turum ueminem; ipso nomine parricidii et atrocitate criminis 
fore, ut hic nullo negotio tolleretur, cum ab nullo defensus 
esset'. Hoc consilio atque adeo hac amentia impulsi, quem29 
ipsi, cum cuperent, non potuerunt occidere, eum iugulandum 
vobis tradiderunt. 

XI. Quid primum querar aut unde potissimum, iudices, 
ordiar aut quod aut a quibus auxilium petam? deorumne 
immortalium, populine Romani, vestramne, qui summam po- 
testatem habetis hoc tempore, fidem implorem ? Pater occisus 3o 
nefarie, domus obsessa ab inimicis, bona adempta, possessa, 
direpta, tilii vita infesta, saepe ferro atque insidiis appetita. 
Quid ab his tot maleficiis sceleris abesse videtur? Tamen 
haec aliis nefariis cumulant atque adaugeut, crimen ineredi- 
bile confingunt, testes in hunc et accusatores huiusce pecunia 
comparant; hanc condicionem misero ferunt, ut optet, utrum 
malit cervices T. Roscio dare an insutus in culleum per sum- 
mum dedecus vitam amittere. Patronos huic defuturos puta- 
verunt: desunt; qui libere dicat, qui cum fide defendat, id 
quod in hac causa satis est, non deest profecto, iudices. Etai 
forsitan in suscipienda causa temere impulsus adulescentia fe- 
cerim; quoniam quidem semel suscepi, licet hercules undique 
omnes minae et terrores periculaque impendeant omnia, 
succurram atque subibo. Certum est deliberatumque, quae 
ad causam pertinere arbitror, omnia non modo dicere, verum 
etiam libenter, audacter libereque dicere; nulla res tanta ex- 
sistet, iudices, ut possit vim mihi maiorem adhibere metus 
quam fides. Etenim quis tam dissoluto animo est, qui haec32 
cum videat, tacere ac neglegere possit? Patrem meum, cum 
proscriptus non esset, iugulastis, occisum in proscriptorum 
numerum rettulistis, me domo mea per vim expulistis, patri- 
monium meum possidetis. Quid vultis amplius ? etiamne ad 
subsellia cum ferro atque telis venistis, ut hic aut iuguletis 
aut condemnetis Sex. Roscium? 

XII. Hominem longe audacissimum nuper habuimus in 33 
civitate C. Fimbriam et, quod inter omnes constat, nisi inter 
eos, qui ipsi quoque insaniunt, insanissimum. Is cum curas- 
set, in funere C. Marii ut Q. Scaevola vulneraretur, vir sanctis- 
simus atque ornatissimus nostrae civitatis, de cuius laude 

Landgiaf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. Q 



34 Pro Sex. Roscio c. 13 § 34. 

neque hic lociis est ut multa dicantur neque plura tamen dici 
possunt, quam populus Romanus memoria retinet, diem Scae- 
volae dixit, posteaquam comperit eum posse vivere. Cum ab 
eo quaereretur, quid taudem accusaturus esset eum, quem 
pro dignitate ne laudare quidem quisquam satis commode 
posset, aiunt hominem, ut erat furiosus, respondisse: ^quod 
non totum tclum corpore recepisset'. Quo populus Romanus 
nihil vidit indignius nisi eiusdem viri mortem , quae tantum 
potuit, ut omnes cives perdiderit et adflixerit: quos quia ser- 
vare per compositionem volebat, ipse ab iis interemptus est. 

34Estne hoc illi dicto atque facto Fimbriano simillimum? Ac- 
cusatis Sex. Roscium. Quid ita? Quia de manibus vestris 
effugit, quia se occidi passus non est. Illud, quia in Scae- 
vola factum est, indignum videtur, hoc, quia fit a Chryso- 
gono, num est magis ferendum? Nam per deos immortales! 
quid est in hac causa, quod defeusionis indigeat? qui locus 
ingenium patroni requirit aut oratoris eloquentiam magno 
opere desiderat? Totam causam, iudices, explicemus atque 
ante oculos expositam consideremus; ita facillime, quae res 
totum iudicium contineat, et quibus de rebus nos dicere opor- 
teat, et quid vos sequi conveniat, intellegetis. 

35 XIII. Tres sunt res, quautum ego existimare possum, 
quae obstent hoc tempore Sex. Roscio, crimen adversariorum 



Testim. vet. 

Dieses dictum atque factum Fimbrianum erzahlt auch 
Valer. Max. in seiner Sammlung ,Factorum et dictorum memorabi- 
lium' 9, 11, 2 und zwar in ziemlich engem Anschluss an Cicero (vgl. 
den Kommentar zu dieser Stelle und zu § 64). 

§ 34. lul. Rufinian. p. 44, 22 H. Cicero pro Roscio : Estne 
hoc illi dicto atque facto Fimbriano gimillimum? — Priscian. III 
p. 366, 17 Nam, per deos immortales, quid est in hac causa, quod 
defensionis indigeat? 

Scliol. Gr. Kap. XII § 34 *** patitur a servo [ex eo, qui facit, 
id est, Chrysogonus] 1). Ergo modo nata est indignitas non ex eo, 
qui patitur, quia Roscii persona est vilis, sed ex eo, qui facit, id est 
Chr3'sogonus. 



1) Die von mir eingeklammerten Worte betrachte icli als Dittographie 
der folgenden. Der Scholiast kniipft offenbar an (lie AYorte Ciceros an : 
,qiua se occidi p a s s u s nou est. Illiul , quia iu Scaevola factum est , 1 n- 
dignum videtur: hoc, quia fit a Chrysogono' i. e. a sei-vo. E. p. 20 
glaubt , dass in ,servo' das Wort Scaevola stecke. 



Pro Sex. Roacio c. 13 § 34—37. 35 

et audacia et potentia, Criminis confictionem accusator Eru- 
cius suscepit, audaciae partes Roscii sibi depoposcerunt, Cbry- 
sogouus autem, is qui plurimum potest, potentia pugnat. De 
hisce omnibus rebus me dicere oportere intellego. Quid igi- ^s 
tur est? Non eodem modo de omnibus, ideo quod prima illa 
res ad meum ofiicium pertinet, duas autem reliquas vobis 
populus Romanus imposuit. Ego crimen oportet diluam, vos 
et audaciae resistere et hominum eius modi perniciosam at- 
que intolerandam potentiam primo quoque tempore exstinguere 
atque opprimere debetis. 

Occidisse patrem Sex. Roscius arguitur. Scelestum, di^"^ 

Testim. vet. 

Fortunatian. p. 114, 11 H. Cicero pro Sexto Roscio: ,tres 
sunt res, de quibus me dicere arbitror oportere'. Victorin. p. 210, 
4 H. : Item pro Sex. Roscio, cum unum crimen sit parricidii ac prop- 
terea unum negotium, partitur tamen TuUius non causam, sed oratio- 
nem dividendo in crimen, audaciam et potentiam: ,criminis confic- 
tionem accusator Erucius suscepit, audaciae partes Roscii sibi depo- 
poscerunt, Chrysogonus autem potentia pugnat'. 

§ 37. Victorin. p. 221, 25 H. In hoc de ipsis nominibus, de 
pronuntiatione fiet argumentum, si cum quadam admiratione dicamus : 
.occidisse patrem Sextus Roscius dicitur.' — Priscian. II p. 568, 2 
jMulta — ex huiuscemodi verbis inveniuntur apnd antiquissimos par- 
ticipia praeteriti temporis, tam activam quam passivam siguificatio- 
nem habentia, ut meditor fxikeTcj, meditatus 6 fxs).€T>j<xag xcu 6 
fx6XerT]9^fis. — Et sic amplector, amplexus 6 naQinlaxBig xal 
6 nfQtnlsx^eig. — Cicero pro Roscio ,quo uno maleficio scelera 
omnia videntur conplexa esse'; ib. I p. 381, 7 ,quo uno maleficio 
scelera omnia conplexa esse videantur'. — Quintil. 9, 2, 53 : ,Interim 
hoc ipso fidem detrahimus illis (criminibus) , quod sint tam gravia: 
ut pro Roscio Cicero, cum immanitatem parricidii, quanquam per 
se manifestam, tamen etiam vi orationis exaggerat; vgl. hiezu den 
Schol. Gr. zu § 37 u. 40. 

ScJiol. Gr. Kap. XIII § 35 Tres sunt] Partitio causae. In tres 
partes dividitur; prima est defensio Roscii, secunda accusatio Ros- 
ciorum; tertia ad invidiam Chrysogoni pertinet, quae ex potentia 
nascitur. 

§37 Occidisse patrem] ExtolUt magnitudinem criminis , ut 
fides derogetur. Quanto enim quaeque magnaij gunt, tanto in cre- 



1) Quanto quaeque magna sunt, tanto — difficilia: Dies ist die 
einzig mir bekannte Stelle , wo in beiden Gliedern der Positiv fiir den 
Comparativ eingetreten ist, vgl. iiber diese Verschiebung der Comparations- 
grade Wolfflin lat. und rom. Compar. S. 72 u. 81. 

3* 



36 Pro Sex. Roscio c. 14 § 38—39. 

immortales, ac nefarium faciuus atque eius modi, quo uno 
maleficio scelera omnia complexa esse videantur! Etenim si, 
id quod praeclare a sapieutibus dicitur, vultu saepe laeditur 
pietas, quod supplicium satis acre reperietur in eum, qui 
mortem obtulerit parenti? pro quo mori ipsum, si res postu- 

38laret, iura diviua atque bumana cogebant. In boc tanto, tam 
atroci, tam singulari maleficio, quod ita raro exstitit, ut, si 
quando auditum sit, portenti ac prodigii simile numeretur, 
quibus tandem tu, C. Eruci, argumentis accusatorem censes 
uti oportere? nonne et audaciam eius, qui in crimen vocetur, 
singularem ostendere et mores feros immauemque naturam et 
vitam vitiis flagitiisque omnibus deditam, [et] denique omnia 
ad perniciem profligata atque perdita? Quorum tu nibil in 
Sex. Roscium ne obiciendi quidem causa contulisti.. 

^^ XIV. Patrem occidit Sex. Roscius. Qui bomo? adules- 



Testim. vet. 

Arusian. Mess. VII p. 495, 20 K. Cic. p. Rosc. ,annos natus 
maior LX.' 

Schol. Gr. 
dendo difficilia. Hoc in defensionibus recte facimus ante probatio- 
nem ; in accusationibus autem probato crimine debemus augere. Item 
dixit principia; dixit narrationem, excessus; nunc summam dicit; summa 
autem dicitur criminis collectio. 

§88 Nonne et audaciam] Argumentum a persona, sitne ido-: 
nea ad parricidium. 

Kap. XIV § 39 Patrem occidit] Congessit schemata oratoria. 
Nam per quaestionem ^) argumentatur; responsionem facit, quotiens- 
cumque quid obiectum '^) est; summa ponitur, incipiens a genere 
criminationis, naturae conveniens. Causa lucri, causa inimicitiarum ^) 
patrem occidit [naturae conveniens] *). Erucius voluit ^ aptam sceleri 
designare personam; descripsit feram quandam fuisse naturam Roscii, 
dicens: miramini, si iste homo, qui in agro et solitudinibiis cum nullo 
vixerit . . .? Cicero arripuit luxuriae partes, expugnavit obiectionem 
Erucii : si enim solus in silvis fuit, luxuriosus esse non potuit. 



1) Vulg. quaestum, Sch. quaestionem. — 2) Vulg. coniectum 
est , Or. coniectura est ; ich habe q u i d eingeschoben und obiectum ge- 
schriebeu, wie unten obiectio steht uud auch Cic. in unserm § sagt: ut 
ipse accusator obiecit. — 3) Die Bemerkung Or.' hiezu: ,Sic posterio- 
r e s aetate hjquebantur pro lucri causa' etc. ist unrichtig, deun nicht uur 
Terent. Eun. 202 sagt causa virginis, sondern Cicero selbst Lael. 57 causa 
amicorum, cf. Madvig Emendatt. Liv. p. 474. — 4) naturae mcouv. habe 
ich eiugeklammert. — 5) Gr. Erucius] Vellet; Or. E. vellet; B. E. 
voluit. 



Pro Sex. Roscio c. 15 § 40—41. 37 

centulus corruptus et ab hominibus nequam inductus? Annos 
natus maior quadraginta. Vetus videlicet sicarius, homo au- 
dax et saepe in caede versatus? At hoc ab accusatore ne 
dici quidem audistis. Luxuries igitur hominem nimirum et 
aeris alieni magnitudo et indomitae animi cupiditates ad hoc 
scelus impulerunt? De luxurie purgavit Erucius, cum dixit 
hunc ne in convivio quidem ullo fere interfuisse. Nihil autem 
unquam debuit. Cupiditates porro quae possunt esse in eo, 
qui, ut ipse accusator obiecit, ruri semper habitarit et in agro 
colendo vixerit? quae vita maxime disiuncta a cupiditate et 
cum officio coniuncta est. Quae res igitur tantum istum*** 
furorem Sex. Roscio obiecit? ,Patri' inquit ,non placebat'. 
Patri non placebat? quam ob causam? necesse est enim 
eam quoque iustam et magnam et perspicuam fuisse. Nam ut 
illud incredibile est, mortem oblatam esse patri a filio sine 
plurimis et maximis causis, sic hoc veri simile non est_, odio 
fuisse parenti filium sine causis multis et magnis et neces- 
sariis. Rursus igitur eodem revertamur et quaeramus, quae^i 
tanta vitia fuerint in unico filio, quare is patri displiceret. 



Testim. vet. 

ScJiol. Gr. § 40. Quae res igitur tantum] Auget rem, ut 
incredibile videatur crimen. Non dixit sceliis, sed furorem. Et 
bene dixit furorem. Declaravit, nisi perdita mentis sanitate non posse 
de parricidio cogitari. 

Necesse est enim] Quae causa est, quare occidit patrem? 
Quia non placebat patri. Incipit alia causa. 

§ 41. In unico filio] Eleganter hoc intulit, quod naturale sit 
ut unicis liberis quamvis i mpotentibus '^) promptius indulgeamus. 

Omnium constan tissimus] Manifeste namque, quid esset 
constantia, hic ostendit, quum contrariam posuit amentiam. 

Neque odii causam] Dicendo neque odii causam patri neque 
sceleris filio^) fuisse, expedita facilitate conclusit et prlncipalem et 
incidentem **) quaestionem. 



6) Vulg. potentibus, J. F. Gron. petulantibus oder impotentibus, 
Or. peccantibus, B. potantibus (sic) ; E. p. 20 insolentibus. — 7) filio 
setzte B. mit llecht aus Cic. ein. — 8) vgl. hiezu Mart. Capell. p. 455, 
12 H. (p. 143, 29 E.): Quaestionum vero duplex species: aliae sunt enim 
principales, aliae incidentes. Principales sunt status, ex quibus nas- 
citur causa, quas Tullius constitutiones appellat : incidentes vero, quae, dum 
tractatur causa, nascuntur, dum argumenta vel scripta refutando in plures 
causa diducitur quaestiones: ut si principalis ,utrum Clodiiun iure occiderit 
Milo', incidens ,uter uti-i insidias compararit'. 



o8 Pro Sex. Roscio c. 15 § 42-44. 

At perspicuum est nullum fuisse. Pater igitur amens, qui 
odisset eum sine causa, quem procrearat? At is quidem fuit 
omnium constantissimus. Ergo illud iam perspicuum profecto 
est, si neque amens pater neque perditus filius fuerit, neque 
odii causam patri neque sceleris tilio fuisse. 

*^ XV. jNescio' inquit ,quae causa odii fuerit ; fuisse odium 
intellego, quia antea, cum duos filios haberet, illum alterum, 
qui mortuus est, secum omni tempore volebat esse, hunc in 
praedia rustica relegarat.* Quod Erucio accidebat iu mala 
nugatoriaque accusatione, idem mihi usu venit in causa op- 
tima. Ille quo modo crimeu commenticium confirmaret, non 
inveniebat, ego res tam leves qua ratione infirmem ac di- 

^^luam, reperire non possum. Quid ais, Eruci? tot praedia, 
tam pulchra, tam fructuosa Sex. Roscius filio suo relegationis 
ac supplicii gratia colenda ac tuenda tradiderat? Quid hoc? 
patres familias, qui liberos habeut, praesertim homines illius 
ordinis ex municipiis rusticanis, nonne optatissimum sibi pu- 
tant esse filios suos rei familiari maxime servire et in prae- 

** diis colendis operae plurimum studiique consumere ? An 
amandarat hunc sic, ut esset in agro ac tantum modo alere- 
tur ad villam? ut commodis omnibus careret? Quid? si con- 
stat hunc non modo colendis praediis praefuisse, sed certis 
fundis patre vivo frui solitum esse, tamenne haec vita a te 



Testim. vet. 

§ 43. Agroecii ars de orthogr. VII p. 119, 17 K, : ,Relegationi8 
ac supplicii gratia colenda et fruenda tradiderat.' 

§ 44 Arus. Mess. VII p. 451, 23 K. Cic. p. Rosc. ,ac tantum 
modo aleretur ad villam, Ter. Ad. (4, 1, 1) apud villam est', 

Schol. Gr. Kap. XV § 43 Quid ais, Eruci] Qualitatem prae- 
diorum eam fuisse declarat, quae non magis poenae quam voluptati ') 
esset, quia dicebat pro poena ^). 

Tot] a numero, tam pulchra a qualitate, tam fructuosa 
ab utilitate, 

Illius ordinis] illius fortunae, 

§ 44 Quodsi constat] Nampraefuit, ut dominum et ut patrem 
decet, non tamen relegatus a patre suo. 



1) Sch. voluptati, Vulg. voluntati. — 2) Vulg. Die Brachylogie tles 
Ausdnicks ist verstandlich , daher alle -weiteren Zusatze unnotig: B. pro 
poena data esse, E. p. 20 will rus missum Erucius oder ruri datum Eru- 
cius anfiigen. Orellis: quia dicebat pro poena duos ist mir tmverstandlich. 



Pro Sex. Roscio c. 16 § 45—46. 39 

rusticana relegatio atque amandatio appellabitur? Vides, 
Eruci , quantum distet argumentatio tua ab re ipsa atque a 
veritate. Quod consuetudine patres faciunt, id quasi novum 
reprehendis; quod benivolentia fit, id odio factum criminaris; 
quod honoris causa pater filio suo concessit, id eum supplicii 
causa fecisse dicis. Neque haec tu non intellegis, sed usqueis 
eo, quod arguas, non habes, ut non modo tibi contra nos 
dicendum putes, verum etiam contra rerum naturam contra- 
que consuetudinem hominum contraque opiniones omnium. 

XVI. At enim, cum duos filios haberet, alterum a se 
non dimittebat, alterum ruri esse patiebatur. Quaeso, Eruci, 
ut hoc in bonam partem accipias ; non enim exprobrandi 
causa, sed commonendi gratia dicam. Si tibi fortuna non^e 
dedit, ut patre certo nascerere, ex quo intellegere posses, 
qui animus patrius in liberos esset, at natura certe dedit, ut 
humanitatis non parum haberes ; eo accessit studium doctri- 
nae, ut ne a litteris quidem alienus esses. Ecquid tandem 
tibi videtur, ut ad fabulas veniamus, seuex ille Caecilianus 
minoris facere Eutychum, filium rusticum, quam illum alterum, 
Chaerestratum? — nam, ut opinor, hoc nomine est — alterum 
in urbe secum honoris causa habere, alterum rus supplicii 



Testim. vet. 

§ 46 Schem. dian. p. 71, 13 K. Iniuriosum vero dictum apud 
eundem Ciceronem: ,Quaeso, Eruci, ut hoc in bonam partem acci- 
pias — si tibi natura non dedit, ut patre certo nascerere, ex quo 
intellegere posses, qui animus in liberos esset.' 

Schol. Gr. Kap. XVI § 46. Etenim si tibi natura conces- 

sit] Constabat hunc Erucium incerto patre natum. Hic autem dicebat 

propter odium Eoscium ruri relegatum. Modo Cicero alludit. Nam 

dicebat ille: Vis nosse, quia hunc odio pater habuit? Quum duos 

haberet filios, quem amabat, secum habebat, quem oderat, ruri de- 

derat. Dicit Cicero: ,Agnosce, Eruci, quid dicturus sum. Si tu de 

incerto patre natus es, uescis, quid sit amor in tilios pareutum ; ta- 

men vel litteris scire potuisti, a quibus alienus non es, quem ad mo- 

9,^0 dum diligunt patres.' Et dat exemplum : ,Apud Caecilium comoedio - 

»^^fV>* gra^hum inducitur pater quidam, qui habebat duos filios ; et ilhim, 

' «• quem odio habebat, secum habebat; quem amabat, ruri dedit. Ergo 

'(^^) vides, quia amavit Roscium, si quidem hunc agris dederat. 



40 Pro Sex. Roscio c. 16 § 47-48. 

47causa relegasse? ,Quid ad istas ineptias abis?' inquies. Quasi 
vero mihi difficile sit quamvis multos nominatim proferre, ne 
longius abeam, vel tribules vel vicinos meos, qui suos liberos, 
quos plnrimi faciunt, agricolas adsiduos esse cupiunt. Verum 
homines notos sumere odiosum est, cum et illud incertum sit, 
velintne ii sese nominari, et nemo vobis magis notus futurus 
sit, quam est hic Eutychus, et certe ad rem nihil inter- 
sit, utrum hunc ego comicum adulescentem an aliquem ex 
agro Veienti nominem. Etenim haec conficta arbitror esse 
a poetis, ut effictos nostros mores in alienis personis ex- 
pressamque imaginem [nostrae] vitae cotidianae videre- 

*8mus. Age nunc, refer animum sis ad veritatem et con- 
sidera, non modo in Umbria atque in ea vicinitate, sed 
in his veteribus municipiis quae studia a patribus familias 



Testim. vet. 

Schol. Gr. § 47 Quid ad istas nugas abis? inquies]^) 
Coepit dicere adversarius : quamdiu me, inquit, ad fabulas vocas? 
Dicit Tullius: ego quidera habeo multorum exempla, quae proferam, 
vel amicorum ^) ; sed forsitan isti se nominari nolunt. Quamquam 
quos magis debemus ad exempla proferre, quam comicos? qui ideo 
a poetis inducuntur, ut alienorum^) actibus vitae nostrae vide- 
amus imaginem. 

Vel tribules] Qui de una tribu sunt, tribules dicuntur. 

§ 48 Age nunc, refer animum*)] Adhuc in quaestione illa 
versatur, quia dicebat adversarius, ideo occisum a fflio patrem fuisse, 
quod ruri semper dedisset operam. Hic dicit omnibus placere vitam 
rusticam. 

Inopia criminum] Id est, quum non habet, quod obiciat Eru- 
cius Roscio, id obicit, quod ad laudem Eoscii proficit. 



1) Die friiheren Herausgeber gaben diesen Absatz quid ad istas etc. — 
iraaginem zusammenhiingend mit deni vorigen. B. hat zuerst diese Worte 
als neues Lemma erkannt, ohne jedoch seine Aenderung niiher zu begriinden. 
Mich hat ihm zu folgen vor allem der Umstand bestimmt, weil ofienbar 
die Worte ,quam diix me ad fabulas vocas' eine Erliiuterung des eicer. 
Textes sein sollen. Dass der Scholiast n u g a s fiir ineptias hat , darf uns 
nicht befremden, da derartige Abweichungen vom cie. Texte sich iifters bei 
ihm finden, vgl. z. B. den Anfang des vorigen Lemmas. Bemerken wir 
nim noch , dass G. u. Gr. habes fiir abis lasen und inquit (in Assimi- 
lation zu dem folgenden) fiir inquies , so darf es uns nicht wundern , wenn 
sie in diesen Worten nicht den Anfang eines neuen Lemnias snchten. — 

2) Nach vel amicorura will E. p. 20 vel vicinorum aus Cic. einfiigen. — 

3) Vulg. illorum, was ich in alienorum verbessert habe nach Ciceros 
Worten: ut effictos nostros mores in alienis personis . . videremus. — 

4) Vulg. refer ad animum. 



Pro Sex. Roscio c. 17 § 49. 41 

maxime laudentur: iam profecto te intelleges inopia cri- 
minum summam laudem Sex. Roscio vitio et culpae dedisse. 
XVII. Ac non modo hoc patrum voluntate liberi faciunt, 
sed permultos et ego novi et, nisi me fallit animus, unus 
quisque vestrum, qui et ipsi incensi sunt studio, quod ad 
agrum colendum attinet, vitamque hauc rusticam , quam tu 
probro et crimrni putas esse oportere, et bonestissimam et 
suavissimam esse arbitrantur. Quid censes hunc ipsum Sex. « 

Testim. vet. 

ScJiol Gr. Kap. XVII Sed permultos ego novi] Sensua 
huius capitis talis est: Non modo parentes filios suos volunt studio 
agri colendi') detineri, sed ^) in tantum putant vitam rusticam opti- 
mam, ut et ipsi studio agri colendi operam dent. 

§ 49 Tu callidior quam hic] Diversa quidem artificia sunt, 
sed, quotiens ad finem veuiunt, similia sunt, antiqnarius et advoca- 
tus^). Ars quidem dissimilis est, sed tamen ars. Est *) in sua 
quisque arte melior illo, quum peritus in meliore arte est [positus]. 
Erucius accusator obiciebat rusticam vitam Roscio. Dicit TuUius, in 
hoc meliorem esse Roscium Erucio, quod melior sit ille agricola, quam 
ille accusator, illa scilicet condicione, qua superius diximus. 

Et artificium oblivis cat ur] Sensus talis est: quoniam 
Chrysogonus vituperavit vitam rusticam, desinat ipse exsequi curam 
colendorum agrorum, quos Roscio tulit'^). Nam licet doleat Roscius, 
quod amisit agros, tamen contentus est, si vel vitam habeat; ut osten- 
dat crudelem esse Chrysogonum, qui ne inopia quidem aliena conten- 
tus est. 

Hoc vero est, quod ferri nullo modo potest] Sensus 
huius capitia talis est. Causa, inquit, totius periculi agrorum posses- 
sio est: nam ^) ideo accusatur Roscius, quia dives fuit. Argumentum 
falsi criminis cultura: id est inventum argumentum criminis, qiioniam 
agros coluit: idcirco dicitur ocfidisse patrem, quia in agro fuit. Sed 
tamen, inquit, liberatus est omni suspicione, nam ipsos agros aliis 
coluit, scilicet Chrysogono. 



1) Vulg. hier und unten: agendi, E. p. 20 arandi. — 2) sed habe 
ich aus Cic. eingesetzt. — 3) Fiir antiquarius las schon Sch. nach Gr. Ver- 
mutung agricola, E. p. 20 meint, es stehe ,exenip]i tantum loco', aber 
dann miisste mau wenigstens ein vehxt oder sicut vor antiqu. erwarten, was 
vielleicht auch in deni zweiten iiberfliissigen sunt steckt. — 4) Dieseu Satz 
habe ich, wie ich glaube, lesbarer gemacht, als es bei B. der Fall ist: ,sed 
tamen ars est. lu sua quisque arte melior illo , qui est imperitus , in me- 
liore parte est positus'. — 5) Ueber ferre = auferre und tuli als Per- 
fekt zu tollo im Bibellatein s. Thielmann ,iiber den Apolloniusroman' 1881 
p. 36. — 6) Vulg. ,causa - possessio est ; argumentum — cultura ; nam 
ideo — fuit. Id est inventum' etc. Obige Umstelhing der Siitze von mir 
diirfte wohl die urspriingliche sein. 



42 Pro Sex. Roscio c. 18 § 50. 

Roscium quo studio et qua intellegentia esse in rustieis re- 
bus? Ut ex his propinquis eius, hominibus honestissimis, 
audio, non tu in isto artificio accusatorio callidior es quam 
hic in suo. Verum, ut opinor, quoniam ita Chrysogono vide- 
tur, qui huic nullum praedium reliquit, et artificium oblivis- 
catur et studium deponat licebit. Quod tametsi miscrum et 
indignum est, feret tamen aequo animo, iudices, si per vos 
vitam et famam potest obtinere; hoc vero est, quod ferri non 
potest, si et in hauc calamitatem venit propter praediorum 
bonitatem et multitudinem, et, quod ea studiose coluit, id erit 
ei maxime fraudi, ut parum miseriae sit, quod aliis coluit, 
non sibi, nisi etiam, quod omnino coluit, crimini fuerit. 
' XVIII. Ne tu, Eruci, accusator esses ridiculus, si illis 
temporibus natus esses, cum ab aratro arcessebantur, qui 

Testim. vet. 

§ 50. Charis. p. 189,2 Ne tu, Eruci, accusator ridicuhis esses; 
ib. p. 228, 20 ne tu Eriici accusator esses ridiculus, si illis tempori- 
bus natus esses. — Diomed. p. 394, 25 ne tu, Eruci, accusator esses 
ridiculus; ib. p. 404, 18 ne tu Eruci accusator ridiculus esses. — 
Dosith. ars gr. VII p. 421, 17 ne tu, Eruci, accusator esses ridi- 
culus. 

Schol Gr. Kap. XVIII §. 50 Ne tu, Eruci, accusator esses] 
[Circa Chrysogonum ^)] Apud antiquos ante dabant ruri adulescen- 
tulos, sic militiae 2). Dat autem exemplum, unde vulneret Erucium. 
M. Atilius Serranus semper ruri dabat operam. Hic dum terrae se- 
mina mandaret, missi sunt ad eum legati; factus est consul. Arato- 
rium pulverem palma detersit ^). Ergo hoc dicit Tullius: Tu, Eruci, 
qui vituperas vitam rusticanam, valde stultus esses illo tempore, quo 
Serranus consul factus; si quidem tanta innocentia agrorum est, ut 
civitati leges referant. 

§50 Cupideappetebant] Hic SuIIam tangit, sub quo multi 
agros suos perdiderunt. 

1) Die eingeklammerten Worte stehen hier am iinrichtigen Platze und 
passen am besten in das Lemma zu § 60, s. dort d. N. — 2) An dieser 
Stelle bildete fiir viele sic den Stein des Anstosses. Allein sic ist nicht 
zu andern: es wurde im Spiitlatein = tum, deinde gebraucht, bes. gern in 
der Aufzahlung nach primum, dem hier a n t e entspricht wie Serv. ad Verg. 
Aen. 1, 257 Th. ,quotiens in causis arguimur, ante nos purgare debemus 
et sic ad actionem descendere: quod et hoc loco Juppiter facit; ante enim 
obiecta purgat et sic venit ad promissionem' ; vgl. meine Bemerkung in 
Fleckeis. .Jahrb. 1881 p. 416; adulescentulos schrieb ich fiir das sinn- 
lose aliquos, das wohl durch das vorhergehende antiquos verdorben wurde, 
E. p. 20 liest: dabant ruri adulesceutes : secuta railitia. — 3) Vulg. pal- 
mata tersit, die aufgenommene Lesart riihrt von B. her. 



Pro Sex. Roscio c. 19 § 51—52. 43 

consules fierent. Etenim qui praeesse agro colendo flagitium 
putes, profecto illum Atilium, quem sua manu spargentem 
semen, qui missi erant, convenerunt, hominem turpissimum 
atqueinhonestissimumiudicares. Athercule maiorcs nostri longe 
aliter et de illo et de ceteris talibus viris existimabant itaque 
ex minima tenuissimaque re publica maximam et florentissi- 
mam nobis reliqnerunt. Suos enim agros studiose colebant, 
non alienos cupide appetebant; quibus rebus et agris et ur- 
bibus et nationibus rem publicam atque hoc imperium et po- 
puli Romani nomen auxerunt. Neque ego haec eo profero, si 
quo conferenda sint cum hisce, de quibus nunc quaerimus, 
sed ut illud intellegatur, cum apud maiores noslros summi 
viri clarissimique homines, qui omni tempore ad gubernacula 
rei publicae sedere debebant, tamen in agris quoque colendis 
aliquantum operae temporisque consumpserint, ignosci oportere 
ei homini, qui se fateatur esse rusticum, cum ruri adsiduus 
semper vixerit, cum praesertim nihil esset, quod aut patri 
gratius aut sibi iucundius aut re vera honestius facere posset. 

Odium igitur acerrimum patris in filium ex hoc, opinor, 52 
ostenditur, Eruci, quod hunc ruri esse patiebatur! Numquid 
est aliud? ,Immo vero' inquit ,est; nam istum exheredare in 
animo habebat'. Audio; nunc dicis aliquid, quod ad rem 
pertineat; nam illa, opiuor, tu quoque concedis levia esse 
atque inepta: ,Convivia cum patre non inibat.' Quippe, qui 
ne in oppidum quidem nisi perraro veniret. ,Domum suam 
istum non fere quisquam vocabat.^ Nec mirum, qui neque in 
urbe viveret neque revocaturus esset. XIX. Verum haec tu 
quoque intellegis esse nugatoria; illud, quod coepimus, vide- 
amus, quo certius argumentum odii reperiri nuUo modo potest. 



Testim. vet. 

Schol. Gr. §51 Neque haec profero, quo conferenda sint] 
Quasi hoc accusator obiciat: ,Ergo tu confers Roscium et illi Serrano 
et ceteris nobilissimis viris'. Dicit Cicero: Non ego confero cum his 
Roscium, sed volo ostendere tantum posse agros, ut maiores nostri, 
quum semper reipublicae darent operam, tamen semper agros co- 
luerint. 

§ 52 Patiebatur] Bene dicit patiebatur, quasi magis volenti 
obtemperaverit pater, quam ipse eura voluerit ruri esse *). 



4) So liest E. p. 20 , Vixlg. qiium ipse eum noluerit esse. 



44 Pro Sex Roscio c. 19 § 53-54. 

53,Exheredare pater filium cogitabat.' Mitto quaererc, qua de 
causa; quaero, qui scias; tametsi te dicere atque enumerare 
causas omnes oportebat, et id erat certi accusatoris officium, 
qui tanti sceleris argueret, explicare omnia vitia ac peccata 
filii, quibus incensus parens potuerit animum inducere, ut na- 
turam ipsam vinceret, ut amorera illum penitus insitum eice- 
ret ex animo, ut denique patrem esse sese oblivisceretur: 
quae sine magnis huiusce peccatis accidere potuisse non ar- 

^^ bitror. Verum concedo tibi, ut ea praetereas, quae cum taces, 
nulla esse concedis; illud quidem, voluisse exheredare, certe 
tu planum facere debes. Quid ergo adfers, quare id factum 
putemus? Vere nihil potes dicere; finge aliquid saltem com- 
mode, ut ne plane videarls id facere, quod aperte facis, huius 
miseri fortunis et horum virorum talium dignitati illudere. 
Exheredare filium vohiit. Quam ob causam? ,Nescio^ Ex- 
heredavitne? ,Non'. Quis prohibuit? ,Cogitabat^ Cogitabat? 
cui dixit ,Nemini'. Quid est aliud iudicio ac legibus ac maie- 
state vestra abuti ad quaestum atque ad libidinem, nisi hoc 
modo accusare atque id obicere, quod planum facere non 

55modo non possis, verum ne coneris quidem? Nemo nostrum 



Testim. vet. 

§ 53 Eutycb. V p. 471, 4 K. Cic. pro Sex. Roscio: ,Exheredare 
filium pater cogitabat.' 

Schol. Gr. Quisquam vocabat] Id est, ad cenam. Severi- 
tatem iudicis risu relaxavit, quoniam ille obiecerat: cum nullo convi- 
vium iniit. Dicit Cicero: Quis eum pasceret^), qui et in agro esset 
semper et nunquam invitantem invitaturus esset? 

§ 55. Nemini vestrum est, Eruci^)] Apud antiquos elo- 
quentia nullo praemio laudabilior fuit, si quidem omnis ars ex 
pretio vilior efficitur. Ergo nec accusator nec defensor accipiebat 
pecuniam. Modo vult ostendere orator, quia accepit pecuniam Eru- 
cius, ut accusaret Roscium. Nam ostendit cum eo inimicitias nullas ') 
fuisse Roscio. Ergo restat*), ut hoc quadruplatione fecerit. Nam si 



5) Vielleicht ist fiir pasceret: posccret zu lesen = vocare ad cenam. 
— G) So J. Gr. ( )r. ; B. nach Cicero: nemo nostruni. — 7) nullas hat 
B. aus Cic. richtig eingefiigt, E. p. 20 non. — 8) Vulg.: Socia ergo 
res cst, ut: es freut niich, dass ich unahliiingig von E. auf die obige Ver- 
besserung gekomnien bin; nur liest E. Erucio fiir Roscio, doch mochte 
Roscio dem verdorbcnen socia niih(jr kommen. VicUeicht schwebte dem 
Scholiasten die ahnliche Stelle § 87 vor : inimicitias tibi fuisse cum Sex. 
Boscio — concedas necesse est. Restat ut etc. — 



Pro Sex. Roscio c. 20 § 55-56. 45 

est, Eruci, quin sciat tibi inimicitias cum Sex. Roscio nullas 
esse; vident omnes, qua de causa huc inimicus venias; sciunt 
huiusce pecunia te adductum esse. Quid ergo est? Ita tamcn 
quaestus te cupidum esse oportebat, ut horum existimationem 
et legem Remmiam putares aliquid valere oportere. 

XX. Accusatores multos esse in civitate utile est, ut 
metu contineatur audacia; verum tamen hoc ita est utile, ut 
ne plane illudamur ab accusatoribus. lunocens est quispiam, 
verum tamen, quamquam abest a culpa, suspicione tamen 
non caret; tametsi miserum est, tamen ei, qui hunc accuset, 
possim aliquo modo ignoscere. Cum enim aliquid habeat, 
quod possit criminose ac suspiciose dicere, aperte luditicari 
et calumniari sciens non videatur. Quare facile omnes pati-se 
mur esse quam plurimos accusatores, quod innoceus, si accu- 
satus est, absolvi potest, nocens, nisi accusatus fuerit, con- 
demnari nou potest; utilius est autem absolvi innocentem 
quam nocentem causam non dicere. Anseribus cibaria publice 

Testim. vet. 

Auct. Aululariae sive Queroli p. 30, 21 Peiper: De istis quon- 
dam magnus dixit Tullius: ,Anseribus cibaria publice locantur et 
canes aluntur in Capitolio'. 

Schol Gr. 
accusasset *) aliquis reum et vicisset, quartam partem bonorum eius 
accipiebat. 

Legem Remmiam] Qua qui calumniabatur damnabatur si 
crimen approbare non poterat. 

Cap. XX. Accusatores esse] Semper vitia vicino timore 
vilescunt. Ergo in his capitibus hoc dicit Cicero: in civitate semper 
debent plures accusatores esse, ut timeant improbi vel ') innocentes. 
Nam et nocentes damnari non possunt, nisi accusati fuerint, et si qua 
erit suspicio innocentibus, dum accusantur, purgari possunt. Ergo 
non sunt reprehendendi accusatores. 

§ 56 Anseribus^) cibaria] In Capitolio canes et anseres 
cibaria solebant accipere, propterea quod anseres nuntii sunt hostium, 
canes ultores; quod enim illi clamoribus nuntiant, hi ^ morsibus vin- 
dicant. 



9) Den Coniuuctiv Plusquamperf. im Bedingungssatze bei der Wieder- 
holung in der Vergangenheit hat der Schol. auch zu § 125. — 1) Vel = 
et, wie oft in der spateren Latinitiit, so z. B. Jul. Valer. IIL 31 Francof. 
albi colore vel rufi = ot /utv }.ev%ot ot cTf nvQooi Ps. - Callisth. , ibid. 
vel api'i vel pardi =: xuC-xnC. — 2) Vulg. Si anseribus, im codex steht 
wahrscheinlich die Initiale s (cf. Emleitung) , die avis dem Schluss s des 
vorhergegangenen Wortes entstanden ist. — 3) Vulg. illi. 



46 Pro Sex. Roscio c. 21 § 57—58. 

locantur, et canes aluntur in Capitolio, ut significent, si fures 
venerint. At fures internoscere non possunt, significant ta- 
men, si qui noctu in Capitolium venerunt, et, quia id est suspi- 
ciosum, tametsi bestiae sunt, tamen in eam partem potius 
peccant, quae est cautior. Quodsi luce quoque canes latrent 
cum deos salutatum aliqui veneriut, opinor, iis crura sufifrin 
gantur, quod acres sint etiam tum, cum suspicio nulla sit 
3"Simillima est accusatorum ratio. Alii vestrum anseres sunt 
qui tantum modo clamant, nocere non possunt, alii canes 
qui et latrare et mordere possunt. Cibaria vobis praeber 
videmus; vos autem maxime debetis in eos impetum facere 
qui merentur. Hoc populo gratissimum est. Deinde, si vo 
letis, etiam tum, cum veri simile erit aliquem commisisse, in 
suspicione latratote; id quoque concedi potest. Sin autem 
sic agetis, ut arguatis aliquem patrem occidisse neque dicere 
possitis, aut quare aut quo modo, ac tantum modo sine su- 
spicione latrabitis, crura quidem vobis nemo suffringet, sed, 
si ego hos bene novi, litteram illam, cui vos usque eo ini- 
mici estis, ut etiam Kal. omues oderitis, ita vehementer ad 
caput adfigent, ut postea neminem alium nisi fortunas vestras 
accusare possitis- 

58 XXI. Quid mihi ad defendendum dedisti, bone accusa- 
tor? quid hisce autem ad suspicandum? ,Ne exheredaretur, 
veritus est.' Audio, sed qua de causa vereri debuerit, nemo 
dicit. ,Habebat pater in animo/ Planum fac. Nihil est; 
non, quicum deliberarit, quem certiorem fecerit, unde istud 
vobis suspicari in mentem venerit. Cum hoc modo accusas, 
Eruci, nonne hoc palam dicis : ,Ego quid acceperim, scio, 
quid dicam, nescio; unum illud spectavi, quod Chrysogonus 
aiebat, neminem isti patronum futurum ; de bonorum emptione 
deque ea societate neminem esse qui verbum facere auderet 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

§ 57 Litteram illam] Quotienscunque aliquem damnabant iu- 
dices, K litteram faciebant, A absolvebant. Hoc ergo dicit Cicero 
,Si aliquem sine suspicione accusaveritis, vobis crura frangantur I Lit- 
teram *) K sic odistis, ut etiam per ipsam fugiatis Kalendas'; prop- 
terea quod Kalendae per K scribuntur. 



4) etiam G. Gr. , litteram Sch. Or. B. 



Pro Sex. Roscio c. 22 § 59-60. 47 

hoc tempore?' Haec te opinio falsa in istam fiaudem im- 
pulit; non mehercules verbum fecisses, si tibi quemquam re- 
sponsurum putasses. 

Operae pretium erat, si animadvertistis, iudices, negle-^» 
gentiam eius in accusando considerare. Credo, cum vidisset, 
qui homines in hisce subselliis sederent, quaesisse, num ille 
aut ille defensurus esset; de me ne suspicatum quidem esse, 
quod antea causam publicam nullam dixerim. Posteaquam 
invenit neminem eorum, qui possuut et solent, ita neglegens 
esse coepit, ut, cum in mentem veniret ei, resideret, deiude 
spatiaretur, nonnunquam etiam puerum vocaret, credo, cui 
cenam imperaret, prorsus ut vestro consessu et hoc conventu 
pro summa solitudine abuteretur. XXII. Peroravit aliquando, '^^ 
adsedit; surrexi ego. Kespirare visus est, quod non alius 
potius diceret. Coepi dicere. Usque eo animadverti, iudices, 
eum iocari atque alias res agere, antequam Chrysogonum 
nominavi; quem simul atque attigi, statim homo se erexit, 
mirari visus est. Intellexi, quid eum pupugisset. Iterum ac 
tertio nominavi. Postea horaines cursare ultro et citro non 
destiterunt, credo, qui Chrysogono nuntiarent esse aliquem 
in civitate, qui contra voluntatem eius dicere auderet; aliter 
causam agi, atque ille existimaret, aperiri bonorum emptio- 



Testim. vet. 

% 60 Diomed. p. 368, 1 Cicero ,intellexi, quid eum pupugis- 
set'. — Priscian. III p, 72, 22: ,postea homines cursare ultro et 
citro non destiterunt ' 

Auf cap. XXII bezieht sich Quintil. 4, 2, 19 Ficta interim narra- 
tio introduci solet vel ad concitandos iudices, ul^ pro Roscio circa 
Chrysogonum etc. 

Schol. Gr. 

Kap. XXI § 59 Publicam] Bene dixit publicam. Ceterum 
privatas dixerat, ut Quintianam et ceteras. 

Ut vestro consessu pro summa] Hoc vel ad notionem iu- 
dicum dixit, quos dicit ita contemptui ductos M ab Erucio, ut etiam 
hoc potuerit cogitare ; vel certe ad irrisionem dixit. 

Cap. XXII § 60 Simul atque attigi] Bene dixit attigi 
circa Chrysogonum ^) potentem et qui se nollet nominari. 



1) G. Gr. habere Erucio, Or. B. haberi Eracio; E. p. 20 ,mihi emen- 
dandum videtur ductos ab Erucio: syllabae enim ere natae sunt ex 
primis u. Erucio litteris'. — 2) Die Worte circa Chrysogonum habc 
ich von ihrer unpassenden Stelle im Lemma zu § 50 hieher versetzt. 



48 Pro Sex. Roscio c. 22 § 61-63. 

Bem, vexari pessime societatem, gratiam potentiamque eiiis 
neglegi, iudices diligenter attendere, populo rem indignam 

61 videri. Quae quoniam te fefellerunt, Eruci, quoniamque vides 
versa esse omnia, causam pro Sex. Roscio, si non commode, 
at libere dici, quem dedi putabas, defendi intellcgis, quos 
tradituros sperabas, vides iudicare, restitue nobis aliquando 
veterem tuam illam calliditatem atque prudentiam coniitere 
huc ea spe venisse, quod putares hic latrocinium, non iudi- 
cium futurum. 

De parricidio causa dicitur; ratio ab accusatore reddita 

62non est, quam ab causam patrem filius occiderit. Quod in 
minimis noxiis et in his levioribus peccatis, quae magis cre- 
bra et iam prope cotidiana sunt, vel maxime et primum 
quaeritur, quae causa maleficii fuerit, id Erucius in parrici- 
dio quaeri non putat oportere; in quo scelere, iudices, etiam 
cum multae causae conveuisse uuum in locum atque inter se 
congruere videntur, tamen uon temere creditur, neque levi 
coniectura res penditur, neque testis incertus auditur, neque 
accusatoris ingenio res iudicatur. Cum multa antea commissa 
maleficia, cum vita hominis perditissima, tum singularis au- 
dacia ostendatur necesse est, neque audacia solum, sed sum- 
mus furor atque amentia. Haec cum sint omnia, tamen ex- 
stent oportet expressa sceleris vestigia, ubi, qua ratione, per 
quos, quo tempore maleficium sit admissum. Quae nisi multa 
et manifesta sunt, profecto res tam scelesta, tam atrox, tam 

esnefaria credi non potest. Magua est enim vis humanitatis; 
muhum valet commuuio sanguinis ; reclamitat istius modi 
suspicionibus ipsa natura; portentum atque monstrum certis- 
simum est esse aliquem humana specie et figura, qui tantum 
immanitate bestias vicerit, ut, propter quos hauc suavissimam 



Testim. vet. 

% 63 Victorin. p. 269, 38 (cf. §18): Commune est, quod trans- 
ferri in similes causas potest: ,tilius patrem interfecit : reclamat istius 
modi suspicionibus ipsa natura.' 

Schol. Gr. §61 Quaequoniam] Erucium irridet. 

§ 02 De parricidio causa dicitur]: Cecidit ■') locus com- 
munis de parricidio, quemadmodum superius, non potuisse parrici- 
dium fieri sine causa. 



3) Fiir cecidit ist vielleicht incidit oder incipit zu schreibeu. 



Pro Sex. Roscio c. 23—24 § 64—66. 49 

lucem aspexerit, eos indignissime liice privarit, cum etiam 
feras inter sese partus atque educatio et natura ipsa conciliet. 

XXIII. Non ita multis ante annis aiunt T. Caelium quen- e* 
dam, Tarracinensem, bominem non obscurum, cum ceuatus 
cubitum in idem conclave cum duobus adulescentibus filiis 
isset, inventum esse mane iugulatum. Cum neque servus 
quisquam reperiretur neque liber, ad quem ea suspicio per- 
tineret, id aetatis autem duo filii propter cubautes ne sensisse 
quidem se dicerent, nomina'filiorum de parricidio delata suut. 
Quid poterat tam esse suspiciosum quam neutrum sensisse? 
ausum autem esse quemquam se in id conclave committere eo 
potissimum tempore, cum ibidem essent duo adulescentes tilii, 
qui et sentire et defendere facile possent? Erat porro nemo, in 
quem ea suspicio couveniret. Tamen, cum plauum iudicibuses 
esset factum aperto ostio dormientes eos repertos esse, iudi- 
cio absoluti adulescentes et suspicione omni liberati suut. 
Nemo enim putabat quemquam esse, qui, cum omnia divina 
atque humana iura scelere nefario polluisset, somnum statim 
capere potuisset, propterea quod, qui tantum facinus commi- 
serunt, non modo sine cura quiescere, sed ne spirare quidem 
sine metu possunt. 

XXIV. Videtisne, quos nobis poetae tradiderunt patris^G 



Testim. vet. 

§ 64 Diomed. p. 402, 10: Cenatus cubitum cum duobus filiis. 

Die Geschichte von T. Caelius erzahlt auch Valer. Max. 8, 1, 13 
und zwar, wie oben § 33, in engem Anschhiss an Cicero, s. d. Kom- 
mentar. 

Schol. Gr. Kap. XXIII § 64. Non ita multis annis] Caelius 
quidam Terracinensis fuit; hic habuit adulescentes filios. Quum in 
uno conclavi essent, mane pater occisus est '). Quum ageretur causa, 
argumentabantur accusatores filiorum, quod ipsi fecissent parricidium. 
,Poterat, inquiunt, aliquis alius occidere, quum ibidem essent duo 
filii adulescentes, qui possent defendere'. Quum paene vincerentur 
filii, interrogarunt iudices, quo modo eos invenissent iuvenes? Dixe- 
runt: dormientes. Tunc pronuntiaverant iudices innocentes iuvenes ; 
nunquam enim tale facinus habere quietem. Ostendit autem, tantum 
valere parricidium, ut statim prodatur conscientia. 

Kap XXIV §66 Videtisne eos] Orestes et Alcmaeon. Bonum 
in parricidio piae mentis exemplum. Isti, si credendum est, matres 
suas bona mente percusserunt. 



1) B. vmd E. p. 20 sclilagen vor zii lesen: occisus inventias est. 
Landgraf, Cic. Kede f. Se!>. Rosc. ^ 



50 Pro Sex. Roscio c. 25 § G7— 69. 

ulciscendi causa supplicium de matre sumpsisse, cum prae- 
sertim deorum immortalium iussis atque oraculis id fecisse 
dicantur, tamen ut eos agitent Furiae neque consistere un< 
quam patiantur, quod ne pii quidem sine scelere esse potue- 
runt? Sic se res habet, iudices: magnam vim, magnam neces- 
sitatem, magnam possidet religionem paternus maternusque 
sanguis: ex quo si qua macula concepta est, non modo elui 
nou potest, verum usque eo permanat ad animum, ut summus 

c' furor atque amentia consequatur: Nolite enim putare, quem 
ad modum in fabulis saepenumero videtis, eos, qui aliquid 
impie scelerateque commiserunt, agitari et perterreri Furia- 
rum taedis ardentibus. Sua quemque fraus et suus terror 
maxime vexat, suum quemque scelus agitat amentiaque ad- 
ficit, suae malae cogitationes conscientiaeque animi terrent; 
haec sunt impiis adsiduae domesticaeque Furiae, quae dies 
uoctesque parentum poenas a consceleratissimis filiis repetant. 

68Haec magnitudo raaleficii facit, ut, nisi paene manifestum 
parricidium proferatur, credibile non sit, nisi turpis adules- 
centia, nisi omnibus flagitiis vita inquinata, nisi sumptus effusi 
cum probro atque dedecore, nisi pracrupta audacia, nisi tanta 
temeritas, ut non procul abborreat ab insania. Accedat huc 
oportet odium parentis, animadversionis paternae metus, amici 
improbi, servi conscii, tempus idoneum, locus opportune cap- 
tus ad eam rem ; paene dicam , respersas manus sanguine 
paterno iudices videaut oportet, si tantum facinus, tam im- 

63mane, tam acerbum credituri sunt. Quare hoc quo minus est 
credibile, nisi ostenditur, eo magis est, si couvincitur, vindi-. 
candum. 

XXV. Itaque cum multis ex rebus intellegi potest maio- 



Testim. vet. 

§ 67. Servius in Verg. Aen. 3, 331 Cicero in Rosciana: Agi- 
tari et perterreri furiarum taedis ardentibus. 

Nolite putare sq: Ueber das griechische Original (Aeschin. 
in Tim. 180), das hier Cicero vor Augen hat, s. d. Kommentar. 

§ 67. Schol. Lucan. Vir, 784 p. 584 W. Cicero pro Roscio: 
Suae malae cogitationes conscientiaeque animi terrent. Haec sunt 
impiis assiduae domesticaeque Furiae. 

Schol Gr. 

Kp. XXV § 69. Quantum prudentia pr aestiterint his] 
Athenienses dicit, unde leges latae sunt. 



Pro Sex. Roscio c. 2G § 70—71. 51 

res nostros non modo armis plus quam ceteras nationes, ve- 
rum etiam consilio sapientiaque potuisse, tum ex hac re vel 
maxime, quod in impios singulare supplicium invenerunt. 
Qua in re quantum prudentia praestiterint iis, qui apud ce- 
teros sapientissimi fuisse dicuntur, considerate. Prudentissima 7o 
civitas Atheniensium, dum ea rerum potita est, fuisse traditur; 
eius porro civitatis sapientissimum Solonem dicunt fuisse, 
eum, qui leges, quibus hodie quoque utuutur, scripsit. Is cum 
interrogaretur , cur nullum supplicium constituisset in eum, 
qui parentem necasset, respondit se id neminem facturum 
putasse. Sapienter fecisse dicitur, cum de eo nihil sanxerit, 
quod antea commissum non erat, ne non tam prohibere quam 
admonere videretur. Quanto nostri maiores sapientius! qui 
cum intellegerent nihil esse tam sauctum, quod non aliquando 
violaret audacia, supplicium in parricidas singulare excogita- 
verunt, ut quos natura ipsa retinere in officio non potuisset, 
magnitudine poenae a maleficio summoverentur. Insui vo- 
luerunt in culleum vivos atque ita in flumen deici. 

XXVI. singularem sapientiam, iudices ! Noune viden- ^i 
tur hunc hominem ex rerum natura sustulisse et eripuisse. 



Testim. vet. 

Schol. Gr. Solonem dicunt] Solon quidam Atheniensis fuit; 
hic legum inventor. 

§ 70. Insui in culleum vivos] Hic locus a criticis repre- 
hensus est; hunc autem locum alibi laudat Cicero. Sciendum tamen 
est, quia in hoc capite genus dicendi altum est; tractat enim de sup- 
plicio parricidarum. 

Kap. XXVI § 71. Ex quibus omnia nata esse dicuntur] 
Qui parentem persequitur i), naturae iura solvit. Constat nos a paren- 
tibus nutrirl. Si qui autem parentes necant, parentibus debent carere. 
Ex quattuor elementis constare omnia notum est, aere, igni, aqua, 
terra; his etiam nutrimur. Ergo ideo vohiere maiores parricidas^) 
insui culleis, ut carerent aere, terra, igui, aqua, quae nutrirent homi- 
nem, quem ad modum parentes. Nam qui parentes necat, debet va- 
care^) parentibus, id est elementis, quae nos nutriunt. 



1) Persequi = verfolgen steht hier im euphemistischen Sinne fiir necare. 
B. verkennt deu Sinn dieses Satzes, wenn er schreibt prosequitur und er- 
kliirt: sermo autem de fimere parentis ducendo est. Fiir persolvit, das G. 
und Gr. haben, schrieb Sch. mit Recht solvit. — 2) parricidas wurde vou 
Sch. eingefiigt. — 3) Vulg. negari oder necari, offenbare Verschreibung 
durch das vorhergehende necat veranlasst. Ich habe vacare geschrieben, 
das dem ,necari' palaeographisch ara nachsten stehen diirfte. 

4* 



52 Pro Sex. Roscio c. 27 § 72-73. 

cui repente caelum, solem, aquam terramque ademerint, nt, 
qui eum necasset, unde ipse natus esset, careret iis rebus 
oninibus, ex quibus omnia nata esse dicuntur? Noluerunt 
feris corpus obicere, ne bestiis quoque, quae tantum scelus 
attigissent, immanioribus uteremur; non sic uudos in fiumen 
deicere, ne cum delati essent iu mare, ipsum polluerent, quo 
cetera, quae violata sunt, expiari putantur; denique nihil tam 
vile neque tam vulgare est, cuius partem ullam reliquerint. 

'2 Etenim quid tam est commune quam spiritus vivis, terra mor- 
tuis, mare fluctuantibus, litus eiectis? Ita vivunt, dum possunt, 
ul ducere animam de caelo non queant, ita moriuntur, ut 
eorum ossa terra non tangat, ita iactantur fluctibus, ut nun- 
quam abluantur, ita postremo eiciuntur, ut ne ad saxa qui- 
dem mortui conquiescant Tanti maleficii crimen, cui male- 
ficio tam insigne supplicium est constitutum, probare te, Eruci 
censes posse talibus viris, si ne causam quidem maleficii pro- 
tuleris? Si hunc apud bonorum emptores ipsos accusares 
eique iudicio Chrysogonus praeesset, tamen diligentius para- 

73tiusque venisses. Utrum, quid agatur, non vides, an apud 
quos agatur? Agitur de parricidio, quod sine multis causis 
suscipi non potest; apud homines autem prudentissimos agi- 
tur, qui intellegunt neminem ne minimum quidem maleficium 
sine causa admittere. 

XXVII. Esto, causam proferre non potes. Tametsi sta- 
tim vicisse debeo, tamen de meo iure decedam et tibi, quod 
in alia causa non concederem, in hac concedam fretus huius 
innocentia. Non quaero abs te, quare patrem Sex. Roscius 
occiderit, quaero, quo modo occiderit. Ita quaero abs te, 



Testivi. vet. 

§ 72. Cic. Or. § 107. Qiiid enim tam commune — conquiescant, 
cf. p. 14. — Quintil. 12, 6, 4 quid enim tam commune — eiectis, 
cf. p. 14. — Senec. contr. 7,2, 3 (p. 314, 28K.) quid tam commune 
quam spiritus vivis, terra mortuis, mare fluctuantibus, litns eiectis? — 
Arus. Mess. VII p. 462, 16 K.: idem pro Ros. ,quid est tam com- 
mune quam spiritus vivis, terra mortuis?' — Serv. Verg. Aen. 1, 540 
nam quid est tam commune quam spiritus vivis, terra mortuis, mare 
fluctuantibus, litus eiectis? — Martian. Capell. p. 477, 17 H. (p. 173, 
23 E.) illud Tullii: ,mare fluctuantibus litus eiectis.' 

ScJiol. Gr. Expiari putantur] Sic hoc dixit, quasi omnia 
scelera mari expientur. 



Pro Sex. Roscio c. 28 § 74-76. 53 

C. Eruci: quo modo, et sic tecum agam, ut meo loco vel 
respondendi vel interpeliandi tibi potestatem faciam vel etiam, 
si quid voles, interrogandi. Quo modo occidit? ipse per- 74 
cussit an aliis occidendum dedit? Si ipsum arguis, Romae 
non fuit; si per alios fecisse dicis, quaero, servosne au libe- 
ros? Si liberos, quos homines? indidemue Ameria an 
hosce ex urbe sicarios? Si Ameria, qui sunt ii? cur non 
nominantur? si Roma, unde eos noverat Roscius, qui Romam 
multis annis non venit neque unquam plus triduo fuit? ubi 
eos convenit? qui collocutus est? quo modo persuasit? ,Pre- 
tium dedit'; cui dedit? per quem dedit? unde aut quantum 
dedit? Nonne his vestigiis ad caput maleficii perveniri solet? 
Et simul tibi in mentem veniat facito, quem ad modum vi- 
tam huiusce depinxeris ; hunc hominem ferum atque agrestem 
fuisse, nunquam cum homine quoquam collocutum esse, nun- 
quam in oppido constitisse. Qua in re praetereo illud, quod''^ 
mihi maximo arguraento ad huius innocentiam poterat esse, 
in rusticis moribus, in victu arido, in hac horrida incultaque 
vita istius modi maleficia gigni non solere. Ut nou omnem 
frugem neque arborem in omni agro reperire possis, sic non 
omne facinus in omni vita nascitur. In urbe luxuries creatur, 
ex luxurie exsistat avaritia necesse est, ex avaritia erumpat 
audacia, inde omnia scelera ac maleficia gignuntur; vita au- 
tem haec rustica, quam tu agrestem vocas, parsimoniae, dili- 
gentiae, iustitiae magistra est. 

XXVIII. Verum haec missa facio ; illud quaero, is homo, ve 
qui, ut tute dicis, nunquam inter homines fuerit, per quos 
homines hoc tantum facinus, tam occultum, absens praeser- 
tim, conficere potuerit. Multa sunt falsa, iudices, quae tamen 
argui suspiciose possunt; in his rebus si suspicio reperta erit, 
culpam inesse concedam. Romae Sex. Roscius occiditur, cum 
in agro Amerino esset fiiius. Litteras, credo, misit alicui 
sicario, qui Romae noverat neminem. Arcessivit aliquem. 



Testim. vet. 

§ 74. Priscian. III p. 75, 2: indidemne Ameria. 

§ 76 Priscian. II p. 534, 25: arcessivit aliquem. Quem aut 
quando ? 

Schol. Gr. § 75 Frugem neque arborem] Quia de rustici- 
tate loquitur, exempla ponit arborum. 



54 Pro Sex. Roscio c. 28 § 77—78. 

Quem aut quando ? Nuntium misit. Quem aut ad quem? 
Pretio, gratia, spe, promissis induxit aliquem. Nihil horum 
ue confingi quidem potest ; et tamen causa de parricidio 
dicitur. 

Keliquum est, ut per servos id admiserit. 0, di immor- 
tales, rem miseram et calamitosam, quod in tali crimine 
innocentibus saluti solet esse, ut servos in quaestionem 
polliceantur, id Sex. Roscio facere non licet! Vos, qui hunc 
aceusatis, omnes eius servos habetis; unus puer victus coti- 
diani [adjminister ex tanta familia Sex. Roscio relictus non 
est. Te nunc appello, P. Scipio, te M. Metelle; vobis advo- 
catis, vobis ageutibus aliquotiens duos servos paternos in 
quaestionem ab adversariis Sex. Roscius postulavit; memi- 
nistisne T. Roscium recusare? Quid? ii servi ubi sunt? Chry- 
sogonum, iudices, sectantur; apud eum sunt in honore et in 
pretio. Etiam nunc, ut ex iis quaeratur, ego postulo, hic 
iorat atque obsecrat. Quid facitis? cur recusatis? Dubitate 
etiam nunc, iudices, si potestis, a quo sit Sex. Roscius occi- 
sus, ab eone, qui propter illius mortem in egestate et in in- 
sidiis versatur, cui ne quaerendi quidem de morte patris po- 
testas permittitur, an ab iis, qui quaestionem fugitant, bona 
possident, in caede atque ex caede vivunt, Omnia,' iudices, 
in hac causa sunt misera atque indigna; tamen hoc nihil ne- 
que acerbius neque iniquius proferri potest: mortis paternae 
de servis paternis quaestionem habere filio non licet. Ne 
tam diu quidem dominus erit in suos, dum ex iis de patris 
morte quaeratur? Veniam, neque ita multo post, ad hunc 
locum; nam hoc totum ad Roscios pertinet, de quorum au- 



Testim. vet. 

ScJiol Gr. Kap. XXVIII § 77. Te nunc, Scipio, Metelle] Scipio 
urgebat, ut servi Roscii torquerentur et ex his quaereretur, a quo 
pater esset occisus. 

§ 78 Veniam neque ita post ad hunc locum] Hunc 
locum Cicero dilfert, ut contra Erucium i) respondeat. Nam modo 
se dicit impediri persona Erucii; modo, inquit, respondeam Erucio, 
post ad Roscios veniam. Vult autem quaerere, quomodo factum sit 
parricidium. 

1) Vulg. ut contra Roscios respondeat ; B. ubi contra Roscios respon- 
det. Erucium habe ich in den Text gesetzt. 



Pro Sex. Roscio c. 29 § 80—81. 55 

dacia tum me dicturum pollicitus sum^ cum Eruci crimina 
diluissem. 

XXIX. Nunc, Eruci, ad te venio. Conveniat mihi tecum "^^ 
necesse est, si ad hunc maleficium istud pertinet, aut ipsum 
sua manu fecisse, id quod negas, aut per aliquos liberos aut 
servos. Liberosne? quos neque ut convenire potuerit neque 
qua ratione inducere neque ubi neque per quos neque qua 
spe aut quo pretio, potes ostendere. Ego contra ostendo 
non modo nihil eorum fecisse Sex. Roscium, sed ne potuisse 
quidem facerc, quod neque Romae multis annis fuerit neque 
de praediis umquam temere discesserit. Restare tibi videba- 
tur servorum nomen, quo quasi in portum reiectus a ceteris 
suspicionibus confugere posses; ubi scopuhim oflfendis eius 
modi, ut non modo ab hoc crimen resilire videas, verum 
omnem suspicionem in vosmet ipsos recidere intellegas. Quid 
ergo est? quo tandem accusator inopia argumentorum con- 
fugit? ,Eiusmodi tempus erat', inquit, ,ut homines vulgo im- ^" 
pune occidereutur ; quare hoc tu propter multitudinem sica- 
riorum nullo negotio fucere potuisti'. Interdum mihi videris, 
Eruci, una mercede duas res adsequi velle, nos iudicio per- 
fundere, accusare autem eos ipsos, a quibus mercedem acce- 
pisti. Quid ais? vulgo occidebantur? Per quos et a quibus? 
Nonne cogitas te a sectoribus huc adductum esse? Quid po- 
stea? Nescimus per ista tempora eosdem fere sectores fuisse 
collorum et bonorum? li denique, qui tum armati diessi 
noctesque concursabant, qui Romae erant adsidui, qui omui 
tempore iu praeda et in sanguine versabantur, Sex. Roscio 
temporis illius acerbitatem iniquitatemque obicient et illam 
sicariorum muhitudinem, in qua ipsi duces ac principes erant, 



Testim. vet. 

ScJiol. Gr. Kap. XXIX § 80 Quid ais, Eruci? Vulgo oc- 
cidebantur] Dum quaereret Cicero, per quos Eoscius patrem suum 
occidere potuisset, dicebat adversarius: Vulgo occidebantur'). 

Sectores] Dicuntur, qui^) bona proscriptorum emunt. Hic ut 
adversarios tangeret, hoc dixit: ,Nescis, Eruci, hoc tempore esse 
sectores collorum et bonorum.' Nam adversarii occiderant Roscium 
et bona eius emerant tamquam proscripti. 



1) Vulg. dicebat adversarius . . . Liicke ; B. dicebat ab adversariis (eum 
esse occisum). Die Worte vulgo occidebantur habe ich als die wohl natiir- 
lichste Erganzung in den Text aufgenommen. — 2) Vulg. quia, Sch. qui. 



56 Pro Sex. Roscio c. 30 § 81—84. 

biiic crimiui putabunt fore? qui non modo Romae non fuit, 
sed omnino, quid Romae ageretur, nescivit, propterea quod 
ruri adsiduus, quem ad modum tute confiteris, fuit. 

82 Vereor, ne aut molestus sim vobis, iudices, aut ne inge- 
niis vestris videar diffidere, si de tam perspicuis rebus diutius 
disseram. Eruci criminatio tota, ut arbitror, dissoluta est; 
nisi forte exspectatis, ut illa diluam, quae de peculatu ac de 
eius modi rebus commenticiis inaudita nobis ante hoc tempus 
ac nova obiecit; quae mibi iste visus est ex aliqua oratione 
declamare, quam iu alium reum commentaretur ; ita neque 
ad crimen parricidii neque ad eum, qui causam dicit, perti- 
nebant; de quibus quouiam verbo arguit, verbo satis est ne- 
gare. Si quid est, quod ad testes reservet, ibi quoque nos, 
ut in ipsa causa, paratiores reperiet, quam putabat. 

83 XXX. Venio nunc eo, quo me non cupiditas ducit, sed 
fides. Nam si mihi liberet accusare, accusarem alios potius, 
ex quibus possem crescere ; quod certum est nou facere, dum 
utrumvis licebit. Is enim mihi videtur amplissimus, qui sua 
virtute iu altiorem locum perveuit, nou qui ascendit per alte- 
rius incommodum et calamitatem. Desiuamus aliquando ea 
scrutari, quae sunt inania; quaeramus ibi maleticium, ubi et 
est et inveniri potest; iam intelleges, Eruci, certum crimen 
quam multis suspiciouibus coarguatur; tametsi neque omnia 
dicam et leviter unum quidque taugam. Neque enim id fa- 
cerem, nisi uecesse esset, et id erit signi me invitum facere, 
quod non persequar longius, quam salus huius et mea fides 
postulabit. 

84 Causam tu nullam reperiebas in Sex. Roscio; at ego in T. 
Roscio reperio. Tecum enim mihi res est, T. Rosci, quoniam istic 
sedes ac te palam adversarium esse profiteris. De Capitone 
post viderimus, si, quem ad modum paratum csse audio, testis 



Testim. vet. 

ScJiol Gr. 

Kap. XXX §83. Desinamus aliquanclo ea scrutari] Modo 
translationem facit a furtiva re. Proposuerat Cicero , ut de Chryso- 
goni potentia diceret. Sed quia vidit superfluum, lioc dixit: desina- 
mu3 ea quaerere, quae sunt inania; ad crimen veniamus , quod in- 
veniri potest, id est, qui potuerit occidere Roscium, 



Pro Sex. Roscio c. 31 § 84—87. 57 

prodierit; tum alias quoque suas palmas cognoscet, de quibus 
me ne audisse quidem suspicatur. L Cassius ille, quem po- 
pulus Romauus verissimum et sapientissiraum iudicem putabat, 
identidem in causis quaerere solebat, ,cui bono' fuisset. Sic 
vita hominum est, ut ad maleficium nemo conetur sine spe 
atque emolumento accedere. Hunc quaesitorem ac iudicem 85 
fugiebant atque borrebant ii, quibus periculum creabatur, 
ideo quod, tametsi veritatis erat amicus, tamen uatura non 
tam propensus ad misericordiam quam implacatus ad severi- 
tatem videbatur. Ego quamquam praeest buic quaestioni vir 
et contra audaciam fortissimus et ab innocentia clementissi- 
mus, tamen facile me paterer vel illo ipso acerrimo iudice 
quaerente vel apud Cassianos iudices, quorum etiam nunc ii, 
quibus causa dicenda est, nomen ipsum reformidant, pro Sex. 
Roscio dicere. XXXI. In hac enim causa cum viderent illos «e 
amplissimam pecuniam possidere, hunc in summa mendicitate 
esse, illud quidem non quaererent, cui bono fuisset, sed eo 
perspicuo crimen et suspicionem potius ad praedam adiun- 
gerent quam ad egestatem. Quid, si accedit eodem, ut tenuis 
antea fueris? quid, si utavarus? quid, si ut audax? quid, si 
ut illins, qui occisus est, inimicissimus? uum quaerenda causa, 
quae te ad tantum facinus adduxerit? Quid ergo horum ne- 
gari potest? Tenuitas hominis eius modi est, ut dissimulari 
non queat atque eo magis eluceat, quo magis occultatur. 
Avaritiam praefers, qui societatem coieris de municipis cogna- s^ 
tique fortunis cum alienissimo. Quam sis audax, ut alia 



Testim. vet. 

§ 86. Martian. Capell. p. 467, 25 H. (p. 161, 4 E.) ,quid si 
accedit ut tenuis antea fueris? quid si ut avarus? quid si ut audax? 
quid si ut eius, qui occisus est, inimicus?'' 

Schol. Gron. 

Alias quoque suas palmas] Translationem fecit ') pugnae 
gladiatoriae ; nam et superius hoc dixit. Palmas enim dicimus vic- 
torias gladiatorum. Sensus autem talis est: Capito si voluerit contra 
nos testimonium dicere, demonstrem flagitia ipsius, quae me scire non 
putat. 

Kap. XXXI § 86. Quid ergo horum negari (non ') 
potest?] Modo probat omnia quae dixit. 



1) fecit G. Or. B. ; facit Gr. Sch. — 1) Non habe ieh einge- 
klammert nach dem Vorgang von Or. 



58 Pro Sex. Eoscio c. 32 § 87—89. 

obliviscar, hinc omnes intellegere potuerunt, quod ex tota 
societate, hoc est ex tot sicariis, solus tu inventus es, qui 
cum accusatoribus sederes atque os tuum non modo osten- 
deres, sed etiam oflferres. Inimicitias tibi fuisse cum Sex. 
Roscio et maguas rei familiaris controversias concedas necesse 
'est. Restat, iudices, ut hoc dubitemus, uter potius Sex, 
Roscium occiderit, is, ad quem morte eius divitiae venerint, 
an is, ad quem mendicitas^ is, qui autea tenuis fuerit, an is, 
qui postea factus sit egentissimus, is, qui ardens avaritia 
feratur infestus in suos, an is, qui semper ita vixerit, ut 
quaestum nosset nullum, fructum autem eum solum, quem 
labore peperisset, is, qui omnium sectorum audacissimus sit, 
an is, qui propter fori iudiciorumque insolentiam non modo 
subsellia, verum etiam urbem ipsam reformidet, postrcmo, 
iudices, id quod ad rem mea sententia maxime pertinet, utrum 
inimicus potius an tilius. 

' XXXII. Haec tu, Eruci, tot et tanta si nanctus esses in 
reo, quam diu diceres! quo te modo iactares! tempus hercule 
te citius quam oratio deficeret. Etenim in singulis rebus 
eius modi materies est, ut dies singulos possis consumere. 
Neque ego non possum; non enim tantum mihi derogo, 
tametsi nihil adrogo, ut te copiosius quam me putem posse 
dicere. Verum ego forsitan propter multitudiuem patronorum 
in grege adnumerer, te pugna Cannensis accusatorum sat 



Testim. vet. 

§ 89. Schol. ad Lucan. II, 161 (p. 127 W.): Cum congesta 
essent ad Servilium lacum capita peremptorum, haec iussit Sulla pro- 
poni; unde ait Tullius: ,Multos caesos ad Trasimenum lacum et ad 
Servilium vidimus'. — Arnob. adv. gent. V , 38: ,numquid bellum 
Iliacum in Socraticam verti condemnationem potest? aut pugna illa 
Cannensis proscriptio fieri crudelitasque Sullana? potest quidem 
proscriptio, quem ad modumTullius ludit, pugna dici appellarique 

ScJiol Gr. 

§ 88. Restat, iudices, ut hoc dubitcmus] Ibi^) accusa- 
vit; modo comparat et dicit, quia magis Roscius Capito potuerit oc- 
cidere quam filius. 

Kap. XXXII § 89. Pugna Cannensis accusatorem] Non 



2) E. p. 20 ,ibi accnsavit' nisi forte significare putas i. q. hucusque, ita 
niutandum videtur: istuc accusavit. 



Pro Sex. Roscio c. 32 § 89-90. 59 

bonum fecit. Multos caesos non ad Trasumennum lacum, 
sed ad Servilium vidimus 

Quis ibi non est vulneratus ferro Phrygio? ^^ 



Testim. vet. 
Cannensis.' — Aurel. Augustin. de rhet. p. 149, 24 H : ,quae (eius 
modi exordia) dicentem profecto M. Erucium aut aliquem ex Can- 
nensi caterva nemo ferret". 

Schol. Gr. 
intelligebant iudices, quid esset pugna Cannensis; sed emendavit*) 
et praesens exemplum protulit. Multos, inquit, caesos vidimus accu- 
satores [non apud Trasimenum, sed] apud Servilium lacum ^) 
caesos. Quia dixerat pugna Cannensis, dicit caesos, quod est 
pugnae. 

Trasumenum] Fluvium dicit, ubi Hannibal Romanum peremit 
exercitum. 

Servilium vidimus] Ubi Sulla inimicos suos occidit. 

§ 90. Ferro Frugio] In Ennio haec fabula inducitur Achil- 
lis •'), quo tempore propter Briseidam''^) cum Graecis pugnare noluit: 
quo etiam tempore Hector classem eorum incendit. In hac pugna 
Dlixes vulneratus inducitur et fugiens ad Achillem *) venit, Cum in- 
terrogaretur ab Aiace ^) , cur fugisset , ille ut celaret dedecus vitio- 
sum^): Quis enim vulneratus ferro Frugio? Et quo tendit haec 
fabula? Scimus Sullam in pueritia turpissimum fuisse: unde Sallu- 



1) Sch. u. Eb. p. 12 vermnten enodavit, Or. enucleavit. — 2) Die 
eingeklammerten Worte fehlen bei G. iind sind von Sch. eingesetzt. — 
3) E. p. 21: inducitur: Achilles. — 3b) Briseida spatlatein. Nebenf. 
Hygin. fab. 106, Dar. Phrj-g. 13. — 4) Or. ad Aiacem, Eb. ad val- 
lum. — 5) ab Achille Bei'gk im Sommerlektionsplan von Marburg 
1844 p. XII; cf. Ribbeck tragici ' p. 273, 274: .itaque apud Achillis naves 
scenae illae agebantur, quando quidem temere Orellius scholiastae verba 
ad Achillem mutavit ad Aiacem, nec probabiliiis pro U 1 i x e Berg- 
kius Eurypyli nomen substitueudum projjosuit , cuius constantia admira- 
bilis, quomodo tandem dedeeus potest appellari? Nec id recte fecisse Berg- 
kium, quod legendum censuit ab Achille pro schoHastae verbis ab Aiace, 
suspicari possis propter eos versus, quibus inritas legatomm, quos ad Achil- 
lem Agamemno miserat, preces significari perspexit Welkerus p. 993'. Der- 
selbe in der II. Ausg. der trag. p. 60: .referunt ad Achillem fabulam: 
niihi monenti etiam in Herculis lutris (wohl Schreib- oder Druckfehler 
fiir Hectoris 1.) haec locum habere potuisse adsensit Vahlenus'. — 6) Vuig. 
vitium, Sch. vermutet virium, Or. suum, B. hiilt vitium fiir ein Glos- 
sem, E. p. 21 schliigt vor subicit = vnohi^^uvsi. Meine Aenderung 
ist wohl die einfachste ; die Verbindung eines Substantivs mit einem syno- 
nymen Adjektiv ist im spateren Latein, bes. im afrikanischen , sehr haufig, 
z. B. exigua brevitas , aerumnosa miseria , vgl. meine Abhdlg. de fig. ety- 
molog. im II. Bd. der acta Erlang. p. 46 ff. , ^Yolftlin Cassius Felij; 
p. 429, 



60 Pro Sex. Roscio c. 33 § 91-92. 

Non necesse est omnes eommemorare Curtios, Marios, de- 
nique f Mammaeos, quos iam aetas a proeliis avocabat, po- 
stremo ,Priamum ipsum senem', Antistium, quem non modo 
aetas, sed etiam leges pugnare prohibebant. lam quos nemo 
propter ignobilitatem nominat, sescenti sunt, qui inter sica- 
rios et de veneticiis accusabant; qui omnes, quod ad me 
attiuet, vellem viverent. Niliil enim mali est canes ibi quam 
plurimos esse, ubi permulti observandi multaque servauda 

9isunt. Verum, ut fit, multa saepe iraprudeutibus imperatoribus 
vis belli ac turba molitur. Dum is in aliis rebus erat occu- 
patus, qui summam rerum administrabat, erant interea, qui 
suis vulneribus mederentur; qui, tamquam si otfusa rei pu- 
blicae sempiterna nox esset, ita ruebant in tenebris omnia- 
que miscebant; a quibus miror, ne quod iudiciorum esset 
vestigium, non subsellia quoque esse combusta; nam et accu- 
satores et iudices sustulerunt. Hoc commodi est, quod ita 
vixerunt, ut testes omnes, si cuperent, interficere non posscnt; 
nam, dum hominum genus erit, qui accuset eos, non deerit; 
dum civitas erit, iudicia fient. Verum, ut coepi dicere, et 
Erucius, haec si haberet in causa, quae commemoravi, posset 
ea quamvis diu dicere, et ego, iudices, possum; sed in animo 
est, quem ad modum ante dixi, leviter transire ac tantum 
modo perstringere unam quamque rem, ut omnes intellegant 
me uon studio accusare, sed officio defendere. 

^2 XXXIII. Video igitur causas esse permultas, quae istum 



Testim. vet. 

§ 91. Arusian. Mess. VII p. 485, 17 Illud TuUianum p. 
Rosc: ,qui tamquam si oflfusa reip. sempiterna nox esset, ita ruebant 
in tenebris omniaque miscebant' id est non in tenebras de illustri 
aliquo loco ruebant, sed veluti in tenebris conversarentur ruebant 
oflfusa, quippe circumdata, nocte reip. 

Sdiol. Gr. 
stius ^) dixit: ,mox tanta flagitia iu tali viro pudet dicere'. Frugies 
autem dicuntur infames*). 

Curtios, Marios] Isti omnes accusatores. 

Suis vulnerlbus mederentur] Qui debebant illo tempore 
pecunias et in ipso tumultu occidebant creditores suos. 



7) hist. I frgm. 29 U. — 8) Ebendieselbe Erklarung von Frugies 
gibt ein Glossar aus dem XII. Jhd. (mitgeteilt von L. Miiller, Jahrbb. 1866 
p. 397): Fruges (iiber e steht i) dicuntur infames. 



Pro Sex. Hoscio c. 33 § 92-94. 61 

impellerent; videamus nunc ecquae facultas suscipiendi male- 
(icii fuerit. Ubi occisus est Sex. Roscius? — Romae. — 
Quid? tu, T. Rosci, ubi tunc eras? — Romae. Verum quid 
ad rera? et alii multi. — Quasi nunc id agatur, quis ex 
tanta multitudine occiderit, ac non hoc quaeratur, eum , qui 
Romae sit occisus , utrum veri similius sit ab eo esse occi- 
sum , qui adsiduus eo tempore Romae fuerit, an ab eo, qui 
multis annis Romam omnino non accesserit. Age nunc ce-^^ 
teras quoque facultates consideremus. Erat tum multitudo 
sicariorum, id quod commemoravit Erucius, et homines im- 
pune occidebantur. Quid? ea multitudo quae erat? Opinor, 
aut eorum, qui in bouis erant occupati, aut eorum, qui ab 
iis conducebantur , ut aliquem occidereut. Si eos putas, qui 
alienum appetebant, tu es in eo numero, qui nostra pecunia 
dives es; sin eos, quos qui leviore nomine appellant, per- 
cussores vocant, quaere, in cuius fide sint et clientela; mihi 
crede, aliquem de societate tua reperies ; et quicquid tu contra 
dixeris, id cum defensione nostra contendito; ita facillime 
causa Sex. Rosci cum tua conferetur. Dices: ,Quid postea, 9* 
si Romae adsiduus fui?' Respondebo: ,At ego omnino nou 
fui.' — Fateor me sectorem esse, verum et alii multi. — At 
ego, ut tute arguis, agricola et rusticus. — Non contiuuo, si 
me in gregem sicariorum contuli, sum sicarius. — At ego 
profecto, qui ne novi quidem quemquam sicarium, longe absum 
ab eius modi crimine. Permulta sunt, quae dici possunt, 
quare intellegatur summam tibi facultatem fuisse maleficii 
suscipiendi; quae non modo idcirco praetereo, quod te ipsum 
non libenter accuso, verum eo magis etiam, quod, si de illis 
caedibus velim commemorare, quae tum factae sunt ista 



Testini. vet. 

% 93. Victorin. p. 226, 13 H. : Ita Cicero in Rosciana ,non 
potuit' inquit ,occidere patrem Eoscius, quia absens fuit': hic argu- 
mentum a loco fecit. Deinde ait ,age nunc videamus reliquas fa- 
cultates'. 

Schol Gr. 

Kap. XXXI'I § 93. Aut eorum, qui in bonis] Id est qui 
volebant alienas res sibi vindicare. 

§ 94. Fateor me sectorem] Modo quasi obiectio inimici est 
et responsio Ciceronis; ut ille negat se potuisse occidere, hic con- 
firmat. 



62 ^ro Sex. Roscio c. 34 § 94—96. 

eadeni ratione, qua Sex. Roscius occisus est, vereor, ne ad 
plures oratio mea pertinere videatur. 

95 XXXIV. Videamus nunc strictim, sicut cetera, quae post 
mortem Sex. Roscii abs te, T. Rosci, facta sunt; quae ita 
aperta et manifesta sunt, ut me dius fidius, iudices, invitus 
ea dicam. Vereor enim, cuicuimodi es, T. Rosci, ne ita hunc 
videar voluisse servare, ut tibi omnino non pepercerim. Cum 
boc vereor et cupio tibi aliqua ex parte, quod salva fide 
possim, parcere, rursus immuto voluntatem meam; venit enim 
mibi in mentem oris tui. Tene, cum ceteri socii tui fugerent 
ac se occultarent, ut boc iudicium non de illorum praeda, 
sed de huius maleficio fieri videretur, potissimum tibi partes 
istas depoposcisse, ut in iudicio versarere et sederes cum 
accusatore? Qua in re nihil aliud adsequeris, uisi ut ab om- 
nibus mortalibus audacia tua cognoscatur et impudentia. 

^^Occiso Sex. Roscio quis primus Ameriam nuntiat? Mallius 
Glaucia, quem iam antea nominavi, tuus cliens et familiaris. 
Quid attinuit eum potissimum nuntiare, quod, si nullum iam 
aute consilium de morte ac de bonis eius inieras nuUamque 
societatem ueque sceleris neque praemii cum homine uUo 
coieras, ad te minime omnium pertinebat? — Sua sponte 
Mallius nuntiat. — Quid, quaeso, eius intererat? An, cum 
Ameriam non huiusce rei causa venisset, casu accidit, ut id, 
quod Romae audierat, primus nuntiaret? Cuius rei causa 
venerat Ameriam? ,Non possum*, inquit, ,divinare^ Eo rem 
iam adducam, ut nibil divinatione opus sit. Qua ratione T. 
Roscio Capitoni primo nuntiavit? Cum Ameriae Sex, Roscii 
domus, uxor liberique essent, cum tot propiuqui cognatique 
optirae convenientes, qua ratione factum est, ut iste tuus 



Testim. vet. 

§ 95. Priscian. III p. 7, 19 ,Cuicuimodi' pro ,cuiiiscuiusmodi' Cic. 
p. S. Roscio: ,vereor enim, cuicuimodi es, T. Rosci, ne ita hunc 
videar servare, ut tibi omnino non pepercerim'. 

Schol. Gr. 

Kap XXXIV § 95. Oris tui] Impudentiae. 

Huius maleficio fieri videretur] Multi, inquit, sicarii con- 
scii scelerum de medio fugerunt, ut, quum in iudicium adductus esset 
Roscius, dum hic causam dicit, illorum scelera celarentur. Sed tamen 
nemo eorum Roscium accusat; tu, quum ex ipsorum numero sis, 
Eoacium, ut videaris innocens solus, accusas. 



Pro Sex. Roscio c. 35 § 97-98. 63 

cliens, sceleris tui nuntius, T. Roscio Capitoni potissimum 
nuntiaret? Occisus est a cena rediens; noudum lucebat, cum^' 
Ameriae scitum est. Quid hic incredibilis cursus, quid haec 
tanta celeritas festinatioque significat? Non quaero, quis 
percusserit; nihil est, Glaucia, quod metuas; non excutio te, 
si quid forte ferri habuisti, non scrutor; nihil ad me arbitror 
pertinere; quoniam, cuius consilio occisus sit, invenio, cuius 
manu sit percussus, non laboro. Unum hoc sumo, quod mihi 
apertum tuum scelus resque manifesta dat: Ubi aut unde 
audivit Glaucia? qui tam cito scivit? Fac audisse statim; 
quae res eum nocte una tantum itineris contendere coegit? 
quae necessitas eum tanta premebat, ut, si sua sponte iter 
Ameriam faceret, id temporis Roma proficisceretur, nuUam 
partem noctis requiesceret? 

XXXV. Etiamne in tam perspicuis rebus argumentatio 98 
quaerenda aut coniectura capienda est? Nonne vobis haec, 
quae audistis, cernere oculis videmini, iudices? non illum 
miserum, ignarum casus sui redeuntem a cena videtis, non 
positas insidias, non impetum repentinum? non versatur ante 
oculos vobis in caede Glaucia? non adest iste T. Roscius? 
nou suis manibus in curru coUocat Automedontem illum, sui 



Testim. vet. 

§ 97. Diomed. p. 393, 24: ,Non est quod inetuas, Glaucia, non 
te scrutor, si quid forte ferri habuisti'. — Dosith. a. gramm. VII 
p. 420, 18 ne quid metuas, Glaucia, non te scrutor, sr quid forte ferri 
habuisti. 

§ 98. Aquil. Rom. § 13, p. 26, 9 H.: ^iiarv nwaig, de- 
scriptio vel deformatio, ubi rebus subiectis personisque et 
formas ipsas et habitus describimus et exprimimus, ut Tullius — pro 
Eoscio de Glaucia: ,Nonne vobis haec, quae audistis, oculis cer- 
nere videmini, iudices? Non positas insidias, non impetum repen- 
tinum? non versatur ante oculos ipse Glaucia? — Anonym. schem. 
dian. p. 75, 17 H. Cicero: ,nonne vobis haec quae audistis cernere 
oculis videmini — non positas insidias? non impetum repentinum? 
non versatur ante oculos in caede Glaucia?' — Arusian. Mess. VII 
p. 462, 23 Cic. pro Ros. ,iu curru coUocat Automedontem'. 

Schol. Gr. 

Kap. XXXV §98. Automedontem] Automedon Achillis au- 
riga fuit. Posteaquam Achiiles Hectorem vicit, posuit aurigam suum 
in curru, ut iret et nuntiaret occisum Hectorem. Modo alludit Cicero; 



64 Pro Sex. Roscio c. 36 § 98—102. 

sceleris acerbissimi nefariaeque victoriae nuntium? non orat, 
ut eam noctem pervigilet, ut bonoris sui causa laboret, ut 
^^Capitoni quam primum nuntiet? Quid erat, quod Capitonem 
primum scire voluit? Nescio nisi hoc video, Capitonem in bis 
bonis esse socium; de tribus et decem fundis tres nobilis- 

loosimos fundos eum video possidere. Audio praeterea non hanc 
suspicionem nunc primum in Capitonem conferri; multas esse 
infames eius palmas, hanc primam esse tamen lemniscatam, quae 
Roma ei deferatur; nullum modum esse hominis occidendi, quo 
ille non aliquot occiderit, multos ferro, multos veneno; habeo 
etiam dicere, quem contra morem maiorum minorem annis 
sexaginta de ponte in Tiberim deiecerit; quae, si prodierit 
atque adeo cum prodierit (scio enim proditurum esse), audiet. 

loiVeniat modo, explicet suum volumen illud, quod ei planum 
facere possum Erucium conscripsisse; quod aiunt illum Sex. 
Roscio intentasse et minitatum esse se omnia illa pro testi- 
monio esse dicturum. praeclarum testem, iudices! o gra- 
vitatem dignam exspectatione! o vitam honestam atque eius 
modi, ut libentibus animis ad eius testimonium vestrum ius 
iurandum accommodetis! Profecto nou tam perspicue nos 
istorum maleticia videremus, nisi ipsos caecos redderet cupi- 
ditas et avaritia et audacia. 

102 XXXVI. Alter ex ipsa caede volucrem nuntium Ame- 
riam ad socium atque magistrum suum misit, ut, si dissimu- 
lare omnes cuperent se scire, ad quem maleficium pertineret, 
tamen ipse apertum suum scelus ante omnium oculos poneret. 
Alter, si dis immortalibus placet, testimonium etiam in Sex. 
Roscium dicturus est; quasi vero id nunc agatur, utrum, is 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 
Roscium Achillem dicit, Glauciam Aiitomedontem , posteaquam, in- 
quit, occisus est Roscius ^). 

§ 101. Suum voluraen] Quia testimonium contra Roscium se 
dicturum pollicebatur. 

Kap. XXXVI § 102. Alter ex ipsa caede] Roscium Magnum 
dicit. 

Alter, si dis immortali bus] Capitonem dicit. 



1) E. p. 21 will nach dcu letzten Worten anfiigen: ,m curm conloca- 
tur Glaticia'. 



Pro Sex. Eoscio c. 37 § 102-105. 65 

quod dixerit credendum ac iion, quod fecerit, vindicandum 
sit. Itaque more maiorum comparatum est, ut in minimis 
rebus homines amplissimi tcstimonium de sua re uon dice- 
rent. Africanus, qui suo cognomine declarat tertiam partem^o^ 
orbis terrarum se subegisse, tameu, si sua res agerctur, 
testimonium non diceret; nam illud in talem virum non audeo 
diccre: Si diceret, non crederetur. Videte nunc, quam versa 
et mutata in peiorem partem sint omnia. Cum de bonis ct de 
caede agatur, testimonium dicturus est is, qui et sector est 
et sicarius, hoc est qui et illorum ipsorum bonorum, de qui- 
bus agitur, emptor atque possessor est et eum hominem oc- 
cideudum curavit, de cuius morte quaeritur. Quid tu, virio* 
optime? ecquid habes quod dicas? mihi ausculta: vide, ne 
tibi desis; tua quoque res permagna agitur. Multa scelerate, 
multa audaciter, multa improbe fecisti, unum stultissime, pro- 
fecto tua sponte, uon de Erucii senteutia: nihil opus fuit te 
istic sederc; neque enim accusatore muto neque teste quis- 
quam utitur eo, qui de accusatoris subsellio surgit. Huc ac- 
cedit, quod paulo tamen occultior atque tectior vestra ista 
cupiditas esset. Nunc quid est, quod quisquam ex vobis 
audire desideret, cum, quae facitis, eius modi sint, ut ea de- 
dita opera a nobis contra vosmet ipsos facere videamini? 

XXXVII. Age nunc illa videamus, iudices, quae statim los 
consecuta sunt. Ad Volaterras iu castra L. Sullae mors Sex. 
Roscii quadriduo, quo is occisus est, Chrysogono nuntiatur. 



Testim. vet. 

§ 104. Priscian. III p. 7G , 28 Fortis, forti , fortiter; utilis, 
utili, utiliter; felix, felici, feliciter; audax, audaci, audaciter, sed per 
syncopam in usu est frequentiore audacter. Sallustius tamen Histor. H 
audaciter protulit secundum analogiam; et Cicero pro Sexto 
Roscio: jMulta scelerate, multa audaciter, niulta improbe fecisti'. 

Schol. Gr. 

Ita more maiorum comparatum est] Nemo in sua re testi- 
monium dicit; ergo lioc dicit: si Africanus, potentissimus vir, aliquid 
ageret, in iudicio testimonium ') non diceret. 

Kap. XXXVII § 105. Chrysogono nuntiatur*)] Roscium 
vult significare nuntiasse, qui etiam nuntium misit Ameriam. 



1) testimonium setzte Sch. mitRechtein; tlerselbe wolltc noch wciter 
einfugen in sua re, was ich nicht fiir nijtig halte. — 1) Viilg. nuntinsset, 
wohl durch das folgende nuutiassc veraulasst. 

Lanclgi-af, Cic. Rede f. Sex. Uo.=c. [j 



66 Pro Sex. Roscio c. 37 § 105-108. 

Quaeritur etiam nunc, quis eum nuutium miserit? nonne per- 
spicuum est eundem, qui Ameriam? Curat Chrysogonus, ut 
eius bona veneant statim; qui non norat hominem aut rem. 
At qui ei venit in mentem praedia concupiscere hominis 
ig-noti, quem omnino nunquam viderat? Soletis, cum aliquid 
huiusce modi audistis, iudices, continuo dicere: ,Necesse est 
aliquem dixisse municipem aut vicinum; ii plerumque indi- 

loGcant, per eos plerique produntur.' Hic nihil est, quod suspi- 
cioni locum detis. Non enim ego ita disputabo: ,Veri 
simile est Roscios istam rem ad Chrysogonum detulisse; erat 
enim iis cum Chrysogono iam antea amicitia; nam cum mul- 
tos veteres a maioribus Roscii patronos hospitesque haberent, 
omnes eos colere atque observare destiterunt ac se iu Chryso- 

loTgoni fidem et clientclam contulerunt.' Haec possum omnia 
vere dicere, sed in hac causa couiectura nihil opus est; ipsos 
certo scio non negare ad haec bona Chrysogonum accessisse 
impulsu suo. Si eum, qui indicii pretium acceperit, oculis 
cernetis, poteritisne dubitare, iudices, quis indicarit? Qui 
sunt igitur in istis bonis, quibus partem Chrysogonus dederit? 
Duo Roscii. Num quisnam praeterea? Nemo est, iudices. 
Num ergo dubium est, quin ii obtulerint hanc praedam Chry- 
sogono, qui ab eo partem praedae tulerunt? 

108 Age nunc ex ipsius Chrysogoni iudicio Rosciorum factum 
cousideremus. Si nihil in ista pugna Roscii, quod operae 
pretium esset, fecerant, quam ob causam a Chrysogono 
tantis praemiis donabantur? si nihil aliud fecerunt nisi rem 
detulerunt, nonne satis fuit iis gratias agi? denique, ut per- 
liberaliter ageretur, honoris aliquid haberi? Cur tria praedia 
tantae pecuniae statim Capitoui dantur? cur, quae reliqua 
sunt, iste T. Roscius omnia cum Chrysogono communiter 
possidet? Nonne perspicuum est, iudices, has manubias 
Rosciis Chrysogonum re cognita concessisse? 



Testim. vet. 

Scliol. Gr. 

§ 108. Si nihil in ista pugna Roscii] Recurat. Ex ma§ni- 
tudine praemii ostendit istos caedis auctores; non enim pro solo nun- 
tio tantum praemium accepissent. 

Manubias Rosciis] Manubias dixit quasi devicto hoste spolia, 
id est, Roscio. 



Pro Sex. Roscio c. 38 § 109—111. 67 

XXXVIII. Venit iu decem primis legatus in castra Ca- loo 
pito. Totam vitam, naturam moresque hominis ex ipsa le- 
gatione cognoscite. Nisi intellexeritis, iudices, nullum esse 
officium, nullum ius tam sanctum atque integ-rum, quod non 
eius scelus atque perfidia violarit et imminuerit, virum opti- 
mum esse eum iudicatote. Impedimento est, quo minus de ^o 
his rebus Sulla doceatur, ceterorum legatorum consilia et 
vohintatem Chrysogono enuntiat, mouet, ut provideat, ne palam 
res agatur, ostendit, si sublata sit venditio bouorum, illum 
pecuniam grandem amissurum , sese capitis periculum adi- 
turum ; illum acuere, hos, qui simul erant missi, fallere, illum 
identidem monere, ut caveret, hisce insidiose spem falsam 
ostendere, cum illo contra hos inire consilia, horum consilia 
illi enuntiare, cum illo partem suam depecisci, hisce aliqua 
ficta mora semper omnes aditus ad Sullam intercludere. 
Postremo isto hortatore, auctore, intercessore ad SuIIam legati 
non adierunt; istius fide ac potius perfidia decepti, id quod 
ex ipsis cognoscere poteritis, si accusator voluerit testimo- 
nium iis denuntiare, pro re certa spem falsam domum rettu- 
lerunt. In privatis rebus si qui rem mandatam non modo m 
malitiosius gessisset sui quaestus aut commodi causa, verum 
etiam neglegentius, eum maiores summum admisisse dedecus 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

Kap. XXXVIII §. 109. Venit [in')] decem primis] Modo ita 
ad Capitonem redit et omnia repetit, quae in argumento dixiraus, 
quomodo ad Chrysogonum venerit, quomodo legatos induxerit^) , quo- 
modo non permiserit Sullam adire^). 

§ 110. Chrysogono nuntiat] Idem Capito. 

Illum pecuniam grandem] Illum, Chrysogonum. 

§ 111. In privatis rebus] Mandati iudicium *) iufamem facit; 
ut puta : dedi alicui centum libras argenti , ut emeret mihi possessio- 
nem; ille emit sexaginta et dixit se emisse centum et XL"*) rapuit, 
Hoc quum cognitum fuerit, infamis fit. Simile crimen est pro socio, 
ut puta: duosunt'') socii ; si quis alteri fraudem fecerit, condemuatus 
erit infamis. 



1) in hat Or. eingesetzt. — 2) Vulg. venit — iuduxit — per- 
miserit. — 3) adire ergiinzte Scli. — 4) Vulg. iu privatis rebtis 
mandat iudicium] lufamem etc. ; da.s Lemma hat richtig hergestellt B. — 
5) XL erganzte Or. mit Recht. — 6) Vulg. duo socii si; B. hat sunt 
eingcfiigt, 

5* 



68 Pro Sex. Roscio c. .^9 § 111—114. 

existimabaiit. Itaque mandati coustitutum est iudicium uon' 
minus turpe quam furti, credo, propterea quod, quibus in 
rebus ipsi interesse uon possumus , in iis operae nostrae vi- 
caria fides amicorum supponitur; quam qui laedit, oppugnat 
omnium commune praesidium et, quantum in ipso est, distur- 
bat vitae societatem. Non enim possumus omnia per nos 
agere; alius in alia est re magis utilis. Idcirco amicitiae com- 
parantur, ut commune commodum mutuis officiis gubernetur. 

112 Quid recipis mandatum, si aut neg-lecturus aut ad tuum com- 
modum conversurus es? cur mibi te offers ac meis commodis 
officio simulato officis et obstas? Eecede de medio; per 
alium transigam. Suscipis ouus officii, quod te putas sustinere 
posse: quod minime leve videtur iis, qui minime ipsi leves 
sunt. XXXIX. Ergo idcirco turpis haec culpa est, quod duas 
res sanctissimas violat, amicitiam et fidem. Nam neque man- 
dat quisquam fere nisi amico neque credit nisi ei, quem fide- 
lem putat. Perditissimi est igitur hominis simul et amicitiam 
dissolvere et fallere eum, qui laesus nou esset, nisi credidisset. 

^^^ltane est? in miuimis rebus qui mandatum ueglexerit, tur- 
pissimo iudicio condemnetur necesse est, in re tanta cum is, 
cui fama mortui, fortuuae vivi commendatae suut atque cou- 
creditaC; ignominia mortuum, egestate vivum adfecerit, is 
inter honestos homines atque adeo inter vivos numerabitur? 
In minimis privatisque rebus etiam neglegentia mandati iu 
crimen iudiciumque infame vocatur, propterea quod, si recte 
fiat, illum neglegere oporteat, qui mandarit, non ilhim, qui 
mandatum rcceperit: in re tauta, quae publice gesta atque 
commissa sit, qui non ueglegentia privatum aliquod commo- 
dum laeserit, sed perfidia legationis ipsius caerimoniam pol- 
hierit maculaque adfecerit, qua is taudem poena adficietur 

ii^aut quo iudicio damnabitur? Si hanc ei rem privatim Sex. 
Roscius mandavisset, ut cum Chrysogono transigeret atque 
deeideret, inque eam rem fidem suam, si quid opus esse 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

Aliiis in alia re] Modo voluntateni tractat, quare nostra ami- 
cis mandemus negotia, vel quia, quod nos ag-ere non possumus , alii 
possunt. vel quia sic amicitiae comparantur, dum nostras res amici 
quasi suas agant. 



Pro Sex. Roscio c. 40 § 1 14-117. 69 

putaret, interponeret, illeque sese facturum recepisset, Dounc, 
si ex eo negotio tantulura in rem suam convertisset, damnatus 
per arbitrum et rem restitueret et houestatem omnem amit- 
teret? Nunc non hanc ei rem Sex. Roscius mandavit, sed, ^i^ 
id quod multo gravius est, ipse Sex. Roscius cum fama, vita 
bonisque omnibus a decurionibus publice T. Roscio mandatus 
est; et ex eo T. Roscius non paulum nescio quid in rem 
suam convertit, sed hunc funditus evertit bonis, ipse tria 
praedia sibi depectus est, voluntatem decurionum ac munici- 
pum omnium tantidem quanti fidem suam fecit. 

XL. Videte iam porro cetera, iudices, ut intellegatis ^^^ 
maleficium nullum fingi posse, quo iste sese non contaminarit. 
In rebus minoribus socium fallere turpissimum est aequeque 
turpe atque illud, de quo ante dixi; neque iniuria, propterea 
quod auxilium sibi se putat adiunxisse, qui cam altero rem 
communicavit. Ad cuius igitur fidem confugiet, cum per eius 
fidem laeditur, cui se commiserit? Atque ea sunt animadver- 
tenda peccata maxime, quae difficiliime praecaventur. Tecti 
esse ad alienos possumus, intimi multa apertiora videant 
necesse est; socium cavere, qui possumus? quem etiam si 
metuimus, ius officii laedimus. Recte igitur maiores eum, qui 
socium fefellisset, in virorum bonorum numero non putarunt 
haberi oportere. At vero T. Roscius non unum rei pecunia- ^i^ 
riae socium fefellit (quod tametsi grave est, tamen aliquo 
modo posse ferri videtur), verum novem homines honestissi- 
mos, eiusdem muneris, [legationis] officii mandatorumque so- 
cios, induxit, decepit, destituit, adversariis tradidit, omni 
fraude et perfidia fefellit; qui de eius scelere suspicari nihil 
potuerunt, socium officii meluere non debuerunt, eius malitiara 
non viderimt, orationi vanae crediderunt. Itaque nunc illi 
homines honestissimi propter istius insidias parum putantur 
cauti providique fuisse; iste, qui initio proditor fuit, deinde 
perfuga, qui primo sociorum consilia adversariis enuutiavit, 
deinde societatem cum ipsis adversariis coiit, terret etiara nos 
ac minatur tribus praediis, hoc est praemiis sceleris, ornatus. 



Testim. vet. 
Schol. Gron. 

Kap. XXXIX §. 114. Damnatus per arbitruin] Id est iiidicio 
omnium. 

§ 115. Tantidem] Id est, nulla. 



70 Pi-o Sex. Roscio c. 41 § 117-120. 

4 

In ciusmodi vita, iiidices, iii bis tot tantisque flagitiis hoc 
iisquoque malcficium, dc quo iudicium est, rcpcrietis. Etcnim 
quacrere ita debetis : ubi multa avare, multa audacter, multa 
iniprobe, multa perfidiose facta videbitis, ibi scelus quoque 
laterc inter illa tot flagitia putatote. Tametsi hoc quidem 
minime lalet, quod ita promptum et propositum est, ut non 
cx illis malcficiis, quae in illo constat esse, hoc intcllcgatur, 
veriim ex hoc etiam, si quo de illorum forte dubitabitur, con- 
vincatur. Quid tandem, quaeso, iudices? num aut ille lanista 
omnino iam a gladio recessisse videtur aut hic discipulus ma- 
gistro tantulura de arte concedere? Par est avaritia, similis 
iraprobitas, eadem impudentia, gemina audacia. 
^^^ XLI. Etenim, quoniara fidera magistri cognostis, cog- 
noscite nunc discipuli aequitatcm. Dixi iara antca saepe 
numero postulatos esse ab istis duos servos in quaestionera. 
Tu semper, T. Rosci, rccusasti. Quaero abs te: ,Iine, qui 
postulabant, indigni erant, qui impetrarent, an is te non com- 
movebat, pro quo postulabant, an res ipsa tibi iniqua vide- 
batur?' Postulabant homines nobilissimi atque integerrimi 
nostrae civitatis, quos iara antea nominavi; qui ita vixerunt 
talesque a populo Roraano putantur, ut, quidquid dicerent, 
uerao esset, qui non aequura putaret. Postulabant autera pro 
horaine miserrimo atque infelicissimo, qui vel ipse sese in 
^-^ cruciatum dari cuperct, dum de patris morte quaereretur. Ees 
porro abs te eiusmodi postulabatur, ut nihil interesset, utrum 
eam rem recusares an dc malcficio confitcrcrc. Quac cum 



Testim. vet. 

Scliol. Gr. 

Kap. XL §117. In eius modi vita, iudices] Modo ') ostendit 
vitani turpissimam Capitonis, quia et apud quem praemium invenitur 
et apud quem perfidia et cetera maleficia, ipsum "^) potuisse occidere 
Roscium. 

§ 118. Lanista] Omnino Capitonem^j dicit. 

Aut hic discipulus] Magnum '') dicit. 

1 ) Vulg. Capitonis, m o d o qiiia sq. : au dieser Stelle gibt luodo keincn 
Sinn. Der Schol. gebraucht haufig modo = nunc jetzt, hier und stellt 
es gerne mit dicit, ostendit zusammen, vgl. zu § 55 Modo vult ostendere 
orator, quia etc, § 88 modo comparat et dieit, quia etc. Nach diesen 
Stellen habe ich modo vor ostendit gestellt. — K p. 21 schlagt vor zu 
lesen: ,vita turpissima C. modo quia . .' ,quia' autem esti. q. quippe. 
— Ib) iiber ipse = idem s. d. Note 6 auf Seite 76. 77. — 2) Vulg. 
Magnum. — 3j Vulg. Capitonem. 



Pro Sex. Roscio c. 42 § 120-123. 71 

ita sint, quaero abs tc, quam ob causam recusaris. Cum oc- 
ciditur Sex. Koscius, ibidcm fuerunt. Servos ipsos, quod ad 
me attinet, neque arguo neque purgo; quod a vobis oppug- 
nari video, ne in quaestiouem dentur, suspiciosum est; quod 
vero apud vos ipsos in honore tanto sunt, profecto necesse 
est sciant aliquid, quod si dixerint, perniciosum vobis fu- 
turum sit. — In dominos quaeri de servis iniquum est. — 
At neque in vos quaeritur: Sex. enim Roscius reus est; 
neque in dominum, vos enim domiuos esse dicitis. — 
Cum Chrysogono sunt. — Ita credo; litteris eorum et ur- 
banitate Chrysogonus ducitur, ut inter suos omnium dc- 
liciarum atque omnium artium puerulos ex tot elegantissimis 
familiis lectos velit hos versari, homines paene operarios, ex 
Amerina disciplina patris familiae rui^ticani. Nou ita est pro- ^-^ 
fecto, iudices; non est veri simile, ut Chrysogouus horum lit- 
teras adamarit aut humanitatem, non ut rei familiaris negotio 
diligentiam cognorit eorum et tidem. Est quiddam, quod oc- 
cultatur; quod, quo studiosius ab istis opprimitur et abscon- 
ditur, eo magis eminet et apparet. XLII. Quid igitur? Chry- 122 
sogonus suine maleficii occultandi causa quaestionem de iis 
haberi non vult? Miuime, iudices: non in omnes arbitror 
omnia convenire. Ego in Chrysogono, quod ad me attinet, 
nihil eius modi suspicor; neque hoc mihi duuc primum in 
mentem venit dicere. Meministis me ita distribuisse initio 
causam: in crimen, cuius tota argumentatio permissa Erucio 
est, et in audaciam, cuius partes Rosciis impositae suut. 
Quidquid maleficii, sceleris, caedis erit, proprium id Eosciorum 
esse debebit. Nimiam gratiam potentiamque Chrysogoni di- 
cimus et nobis obstare et perferri nullo modo posse et a 
vobis, quoniam potestas data est, nou modo intirmari, verum 
etiam vindicari oportere. Ego sic existimo, qui quaeri veliti23 



Testim. vet 

Schol Gr. 

XLl § 120 Cuin Chrysogono sunt] Ironia. Rusticos enim 
vult significare, ut ostendat Roscium semper ruri deditum, et Chryso- 
gonum hos servos non tam elegantiai) eorum apud sc habere, quam 
propter facti conscientiam. 

Kap, XLII § 123. Ego sic existimo, qui quaeri v ell et] Sen- 



1) Sch.: prupter elegautitini. 



72 Pro Sex. Roscio c. 43 § 123—125. 

cx iis, quos constat, ciim caedcs facta sit, adfuisse, cum cu- 
pere verum invcniri; qui recuset, cnm profecto, tametsi verbo 
non audeat, tamen re ipsa de maleticio suo contiteri. Dixi 
initio, iudices, nolle me plura de istorum scelere dicere, quam 
causa postularet ac necessitas ipsa cogerct. Nam et multae 
rcs adferri possunt, et una quaeque earum multis cum argu- 
mentis dici potest. Verum ego, quod invitus ac necessario 
facio, neque diu neque diligenter facere possum. Quae prae- 
teriri nullo modo poterant, ea leviter, iudices, attigi, quae 
posita sunt in suspicionibus , de quibus si coepero dicere, 
pluribus verbis sit disscrendum, ca vestris ingeniis coniectu- 
raequc committo. 

^'■^^ XLIII. Venio nunc ad illud nomeu aureum Chrysogoni, 
sub quo nomine tota societas latuit; de quo, iudices, neque 
quo modo dicam neque quo modo taceam, reperire possum. 
Si enim taceo, vel maximam partem relinquo; sin autem dico, 
vereor, ue uon ille solus, id quod ad me nibil attiuet, sed 
alii quoque plures laesos se esse putent. Tametsi ita se res 
habct, ut mihi iii communem causam sectorum dicendum nihil 
magnopere videatur; haec cnim causa uova profecto et sin- 

i25gularis est. Bouorum Sex. Roseii emptor est Chrysogo- 
uus. Primum hoc videamus: eius hominis boua qua ratione 
veuierunt aut quo modo venire potuerunt? Atque hoc non 
ita quaeram, iudices, ut id dicam esse indignum, hominis 
inuocentis bona venisse (si enim haec audientur ac libere 
dicentur, non fuit tantus homo Sex. Roscius in civitate, ut de 
60 potissimum conqueramur); verum ego hoc quaero: qui 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 
sus talis est: Qui vult verum quaeri , necesse est, ut illos servos ad 
quaestionem postulet, qui dicuntur aifuisse, quuni caedes facta sit. 
Qui autem non vult ex his quaeri, necesse est, ut ipse hoc sciat'J. 

Kap. XLIII §. 124. Venio nunc ad illud nomen aureum] 
Modo dicturus de potentia Chrysogoni alludit Cicero de nomine ipsius. 
Soiemus enim nomina ad voluptatem servis imponere, ut Smaragdum, 
Chrysogonum ') Sic et modoCicero, ut ostendat eum servum fuisse. 



1) Vidg. faciat, man ehvartet aher fecerit, weshalh ich die Enien- 
dation E.' p. 21 sciat aufgenommen. — 1) Vgl. hiezu Einl. p. 4, 



Pro Sex. Roscio c. 4i § 125-128. 73 

potuerunt ista ipsa lege, quae de pvoscriptione est sive Va- 
leria est sive Cornelia — non enim novi nec scio — verum 
ista ipsa lege bona Sex. Roscii venire qui potuerunt? Scrip- i^e 
tum enim ita dicunt esse: UT EORUM BONA VENEANT, 
QUI PROSCRIPTI SUNT; quo in numero Sex. Roscius non 
est: AUT EORUM, QUI IN ADVERSARIORUM PRAESI- 
DIIS OCCISI SUNT. Dum praesidia uUa fuerunt, in Sullae 
praesidiis fuit; posteaquam ab armis recessimus, in summo 
otio rediens a cena Romae occisus est; si lege, bona quoque 
lege venisse fateor; sin autem constat contra omnes non 
modo veteres leges, verum etiam novas occisum esse, boua 
quo iure aut quo modo aut qua lege venierint, quaero. 

XLIV. In quem boc dicam, quaeris, Eruci. Non in eum, 1-^ 
quem vis et putas; nam Sullam et oratio mea ab initio et 
ipsius eximia virtus omni tempore purgavit. Ego haec omuia 
Chrysogonum fecisse dico, ut ementiretur, ut malum civem 
Sex. Roscium fuisse fingeret, ut eum apud adversarios occi- 
sum esse diceret, ut his de rcbus a legatis Amerinorum do- 
ceri L. Sullam passus non sit. Denique etiam illud suspicor, 
omnino haec bona non venisse; id quod postea, si per vos, 
iudices, licitum erit, aperietur. Opinor enim esse in lege, 128 
quam ad diem proscriptiones venditionesque fiant: [nimirum] 
Kalendas lunias. Aliquot post menses et homo occisus est 
et bona venisse dicuntur. Profecto aut haec bona in tabulas 
publicas nulla redierunt, nosque ab isto nebulone facetius ehi- 
dimur, quam putamus, aut, si redierunt, tabulae publicae cor- 
ruptae aliqua ratione sunt; nam lege quidem boiia vcnire non 
potuisse constat. Intellego me ante tempus, iudices, haec 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

§ 125. Proscriptione 2)] Valerius Flaccus praetor Siillanis tera- 
poribus fuit Hic tulit legem : quidquid Sulhi dixisset, le.x esset. Si 
quid ergo ad populuin tulisset-') Sulla, valebat leg-e Corneiia;si quid 
voluisset facere et non tulisset ad populum, hoc valebat lege Valeria. 

Kap. XLIV § 128. Intelligo, iudices, me ante tempus] 



2) Vulg. Pi'oscriptione — Vaieria] ; ihi mir eine derartige Citicrweise 
bei einem antiken Scholiasten nicht znliissig erscheint, so glaube ich, dass 
die Initiale (cf. Einleitung p. 5) V aus <lem Anfangshnchstaben des crsten 
Wortes der Glosse ,Valerius' durch Dittographie in das Lemma geraten ist 
und von Gronov. in Valeria aufgehJst wurde. — 3) Cf. pa.^. 45, Note 9. 



74 Pro Sex. Koscio c 45 § 128-130. 

scrutari et prope moduni errarc, qui, cum capiti Sex. Roscii 
mcdori dcbeam, reduviam curem. Non enim laborat de pe- 
cunia, non ullius rationem sui commodi ducit; facile egestatem 
suam se laturum putat, si hac indigna suspicione et ficto 

^-^crimiue liberatus sit. Verum quaeso a vobis, iudices, ut haec 
pauca, quae restant, ita audiatis, ut partim me dicere pro 
me ipso putetis, partim pro Sex. Roscio. Quae enim mihi 
ipsi indigna et intolerabilia videntur, quaeque ad omnes, nisi 
providemus, arbitror pertinere, ea pro me ipso ex animi mei 
sensu ac dolore pronuntio; quae ad huius vitam causamque 
pertinent, et quid hic pro se dici velit et qua condicione 
contentus sit, iam in extrema oratione nostra, iudices, audietis. 

130 XLV. Ego haec a Chrysogono mea sponte remoto Sex. 
Roscio quaero, primum quare civis optimi bona venierint, 
deinde quare hominis eius, qui neque proscriptus neque 
apud adversarios occisus est, bona venierint, cum in eos so- 
los lex scripta sit, deinde quare aliquanto post eam diem 
venierint, quae dies in lege praetinita est, deinde cur tantulo 
venierint. Quae omnia si, quem ad modum solent liberti 
nequam et improbi facere, in patronum suum voluerit con- 
ferre, nihil egerit; nemo est enim, qui nesciat propter 
magnitudinem rerum multa multos impie imprudente L. 



Testim. vet. 

Scliol. Gr. 
Dicebatur Ciceroni: ,De capite omne eertamen est, et tu de bonis 
Roscii dicis'. Intellexit hoc Cicero. Recurat: ,Scio, inquit, iudices, 
ut, quum pro capite mihi Roscii dicendum sit, reduviam curem'. Stul- 
titia autem medici est, ut pro capite panaricium') curct. Notandum 
autem est, quia bona defendenda sibi dat, capitis periculum Roscio. 
Sed dicit, haec bona non concupiscere Roscium, sed tantum, ut in- 
famia parricidii careat. 

Reduviam curem] Reduvia est vulnus ex ungue, quod Graece 
panaricium dicitur. 

Kap. XLV § 130. Cur tantulo^) venierint] Hic ostenditur 
furtum. Tanta res parvum pretinm habuit. 



1) Graev. : ,F. rrccQoyvxiov. Sic ad marginem Vossiaui Cod. erat a 
qiiodam emendatum'. — ,Panariciura eine Krankheit an den Niigelu, 
vernuitlich z= paronychium der Wurm am Finger Apul. hcrb. 42' 
Georges lat.^deutsch. Ilandworterb. ■> s. v. — 1) So Ur. ; Gr. Verb. : cur- 
ffvtum vengrunt, 



Pro Sex. Roscio c. 46 § 131-132. 75 

Snlla commisisse Placet igitur in his rebus aliquid im- i^^i 
prudcntia praeteriri? Non placet, iudices, sed necesse est. 
Etenim si luppiter optimus maximus, cuius nutu et arbitrio 
caelum, terra mariaque reguntur, saepe ventis vehemeutiori- 
bus aut immoderatis tempestatibus aut nimio calore aut in- 
tolerabili frigore hominibus nocuit, urbes delevit, fruges per- 
didit, quorum nihil peruicii causa divino consilio, sed vi ipsa 
et magnitudine rerum factum putamus, at contra commoda, 
quibus utimur, lucemque, qua fruimur, spiritumque, quem du- 
cimus, ab eo nobis dari atque impertiri videmus, quid mira- 
mur, iudices, L. Sullam, cum solus rem publicam regeret 
orbemque terrarum gubernaret imperiique maiestatem, quam 
armis receperat, legibus confirmaret, aliqua animadvertcre 
non potuisse? nisi hoc mirum est, quod vis divina adsequi 
non possit, si id mens humana adepta non sit. Verum uti32 
haec missa faciam, quae iam facta sunt, ex iis, quae nunc 
cum maxime fiunt, nonne quivis potest intellegere omnium 
architectum et machinatorem unum esse Chrysogonum? qui 
Sex. Roscii nomen deferendum curavit, cuius honoris causa 
aecusare se dixit Erucius . . . 

Desunt non pauca 
XLVI aptam et ratione dispositam se habcre existi- 



Testim. vet. 

§ 131. lul. Rufin. p. 45, 10 H. Et Cicero pro Roscio com- 
parat occupationes lovis optimi maximi Sullae rebus gestis propius. 

Gell. 9, 14,19 M. quoque Tullins in oratione, qua Sextum Ros- 
cium defendit, pernicii scriptum reliquit. Verba haec sunt: ,Quo- 
rum nihil pernicii causa divino consilio, sed vi ipsa et magnitudine 
rerum factum putamus'. — Charis. p. 69, 10 .pernicies causa 
genetivum extulit; cf. excerpt. ex Cbaris. p. 547, 26. — Non. p. 486, 
27 Pernici pro perniciei M. Tull. p. S. R. ,quorum nihii pernici causa 
divino consilio et ut (lege : sed vi) ipsa ac magnitudine rerum factum 
putem'. 

Scliol, Gr. 

§ 131. Quid miramur, iudices] Venit ad Sullam et tacuit. 
Noluit servare comparationem , quia scit figuratam ' a) esse. 

In vico Pailacine] Locus, ubi cenaverat Roscius'^). 



la) Vulg. figiirata; figiiratus = ,verstellt, anders gemeint' gebraucht 
der Schol. auch p. 419, 13 Or. — Ib) lordan Hermes II p. 80: ,Nuv 



7G Pro Sex. Rosciovc. 4G § 132. 

mant, qui in Sallentinis aut in Hruttiis hnbent, undc vix tcr 
in anno audire nuntium possunt. 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

Maxime metuit] SuUam scilicet^). 

Derivat crimen et ait se]^) id est suspicionem suam iu alium 
deducit. Hoc enim dicebat Ciirysogonus : ,Non quia timui , ne mihi 
tollerentur bona Roscii, ideo eius praedia dissipavi, sed quia aedifi- 
cabam in Veientana'), ideo de his transtuli'. 

Manu praedia praediis] Praediis, occasione, quem ad mo- 
dum dicimus: ,fac ad manum illum codicem'^). 

Hic ego audire istos cupio] In hoc capite de potentia Chry- 
sogoni invidiam facit, ut enumeret singula deliciarum genera, quod 
habeat plures possessiones, mancipia, quae omnia dicit de rapinis 
ipsum^) habere. 



einen Verdacht will ich noch ansspi-echen , dass das Citat ans dem verlor- 
nen Teil der Rede ,in vico Pallacine' nicht genau Ciceros Worte wiedcr- 
geben und der Scholiast hier die zu seiner Zeit iibliche Form des Orts- 
namens der echten substituirt haben miJchte. Bedenkt man namlich dic 
Weise der spiitern Zeit zu sagen vico caput Africae statt vico capitis 
Africae (Nuove Memorie dell' Inst. S. 231 ft") die sich auch in dem Na- 
men der fiinften kirchlicheu Rcgion der Stadt wiederholt (de regione 
caput tauri lib. pont. Bd. I S. 10. 170 Vignoli), so ist es -wohl moglich, 
dass zur Zeit des SchoHasten de vico Pallacinae (balneae) gesagt 
wm-de fiir de vico Pallacinarum xmd dass auch in dem besprochenen 
Citat des Pompeius (s. d. Testim. zu § 18) vielmehr steckt ad balneas 
Pallacine. Oder soll man gar auf dieses einzige Citat gestiitzt die Ueber- 
lieferung unserer Hss. ad balneas Pallacinas au dieser Stelle iindern 
und Cic. hier ad balneas Pallacinae sagen lassen, wie er weiterhin in 
vico Pallacinae sagte? Allein dagegen spricht wieder das Fortleben 
der pallacinischen Biider in dem Namen des Klosters in Pallacinis'. — 
2) Vulg. Maxime metu ut Sullani scilicet] Sch. iinderte metu ut richtig in 
mctuit ; das Lemma stellte richtig her zuerst B. — 3) Vulg. Derivat ta- 
men. Et ait se , id est etc. als Worte des Scholiasten. Halm schlug vor 
deridebat tamen etc, Eb. p. 18 derivat crimen et expedit se (fort. 
sufficit derivat crimen a se); CL F. W. Miiller gibt die Worte derivat 
tamen et ait se dem Cicero und liisst mit id est das Lemma heginnen. 
Ich bin ihm hierin gefolgt, nur habe ich nach dem Vorschlag E.' fiir tamen 
crimen geschrieben, wie auch Cic. Mil. § 29 sagt: non derivandi cri- 
minis causa und Verr. II, 49 te tuam culpam . . derivare iu aliquem . . . 
posse. — 4) Vulg. aedificabam, in Veientanam; Eichter-Fleckeisen aed. in 
Veientana, ideo etc. — 5) Die Worte, die hier d. Schol. erliiutert, schei- 
nen in der ihm vorliegenden Handschrift fehlerhaft geschrieben gewesen zu 
sein. Cic. hat vennutlich an dieser Stelle mit den Worten manupretia und 
praedia gespielt; eine lihnliche Vcrschreibung des Wortes manupretium 
bictcn d. Hss. Varro de I. I. VI §85. — 6) Eb. p. 18 will istum lesen in 
Vei-kennung eines Sprachgebrauchs der spiitcren Latinitiit, wornach ipse hier 
(wieoben§ 117) im Sinne von idemoder hic ipse,gerade, eben dieser. 



Pro Sex. Roscio c. 46 § 133-134. 77 

Alter tibi desceiidit de Palatio et aedibiis suis; habeti33 
animi eausa rus amoenum et suburbanum, plura praeterea 
praedia neque tamen ullum nisi praeclarum et propinquum; 
domus referta vasis Coriuthiis et Deliacis, in quibus est 
authepsa illa, quam tanto pretio nuper mercatus est, ut 
qui praetereuutes, quid praeco enuutiaret, audiebant, fun- 
dum venire arbitrarentur. Quid praeterea caelati argenti, 
quid stragulae vestis, quid pictarum tabularum, quid sig- 
norum, quid marmoris apud illum putatis esse? Tantum sci- 
licet, quantum e multis splendidisque familiis in turba 
et rapinis coacervari una in domo potuit. Familiam vero 
quantam et quam variis cum artificiis habeat, quid ego di- 
cam? Mitto hasce artes vulgares, coquos, pistores, lecticarios: i34 
animi et aurium causa tot homines habet, ut cotidiano cantu 
vocum et nervorum et tibiarum uocturnisque conviciis tota 
vicinitas personet. In hac vita, iudices, quos sumptus coti- 



Testim. vet. 

Schol Gr. 

Kap. XLVI § 133. Authepsa illa, quani ta n to p re tio] Au- 
thepsa vas aquarium, quod interieeta lammina fabricatis arte forna- 
cibus compendium portat; portati simul igiiis et contrarii elementi 
infen sa vicinitas '). 

§ 134. Lecticarios] Lecticarii dicuntur, quimaiores^i nobiles 
portant , ut in Vcrrinis legimus. 

Animi et aurium] Animi est, ut pantomimum spectemus, au- 
rium citharoedum. 



steht, vgl. Minuc. Fel. c.4, 4 ipsius sectae homo z= ,als ein Anhiinger 
eben dieser llichtung', wo Halui istius zu schreiben vorschlug — cin 
Vorschlag, der den Beifall H. Sauppes (Gott. gel. Anz. 1867 p. 199G) 
fand; August. civ. D. vol. II p. 103, 19 D. nam ter quaterni et quater 
terni ipsum = idem faciunt; vgl. Dombart im Anh. seiner Ausg. des 
Minuc. Fel. (Erlangen 1881) p. 126, 127. — 1) Vulg. portati simul ignis 
contrarii elenienti defensa vicinitas; Is. Voss. ad Catull. p. 318 (cf. Einl. 
p. 4) citiert ,portat; insimul ignis etc.', vielleicht ist insimul richtige 
Lesart (cf. Kijnsch Ital. p. 234). Die Stelle selbst ist sinnlos iibei^liefert inul Eb. 
hiilt sie p. 18 fiir luiheilbar. Ich glaube sie jedoch dm'ch eine leichte Aen- 
derung wiederhergestellt zu haben. — 2) Eb. 1. 1. ,qui sunt maiores 
nobiles ? mihi in eo vocabixlo videtur latere gestatorio sive octaphoro'. 
Wenn iiberhaupt maiores verdorben ist, sclieint es mir naher zu liegen 
in demselben imd dem folgenden Worte nobiles ,baionolas' (oder b a i o - 
lonas, cf A. Deuerling in der philog. Rundschau 1881 p. 253) zuvermuten, 
welches Wort in den glossographischen Werken mit .lectns , qui in itinere 
portatur' erklart wird. Vielleicht sehrieb der Schol. qui maiores baionolis 
portant; maiores wiire dann, wie oft im Spiitlatein , = dignitate prae- 
cipui, proceres, nobiles zu fassen, s. hieriiber Paucker Scrutarium p. 11. 



78 Pro Sex. Roscio b. 47 § 134—137. 

dianos, quas effusiones fieri putatis, quae vero convivia? 
honesta, credo, in eius modi domo, si domus haec habenda 
est potius quam officina nequitiae et deversorium flagitiorura 
i^jomnium. Ipse vero quem ad modum composito et delibuto ca- 
pillo passim per forum volitet cum magna caterva togatorum, 
videtis, iudices, [et iam videtis, iudices,] ut omnes despiciat, 
ut hominem prae se neminem putet, ut se solum beatum, 
solum potentem putet. Quae vero efficiat et quae couetur, 
si velim commemorare, vereor, iudices , ne quis imperitior 
existimet me causam nobilitatis victoriamque voluisse laedere; 
tametsi meo iure possum, si quid in hac parte mihi non pla- 
eeat, vituperare; non enim vereor, ne quis alieuum me ani- 
mum habuisse a causa nobilitatis existimet. 

136 XLVII. Sciunt ii, qui me norunt, me pro mea tenui in- 
firmaque parte, posteaquam id, quod maxime volui, fieri non 
potuit, ut compoueretur, id maxime defendisse, ut ii vinee- 
rent, qui vicerunt. Quis euim erat, qui non videret humili- 
tatem cum dignitate de amplitudine contendere? quo in cer- 
tamine perditi civis erat non se ad eos iungere, quibus in- 
columibus et domi dignitas et foris auctoritas retineretur. Quae 
perfecta esse et suum cuique houorem et gradum redditum 
gaudeo, iudices, vehementerque laetor eaque omnia deorum 
voluntate, studio populi Romani, consilio et imperio et feli- 

137 citate L. Sullae gesta esse intellego. Quod animadversum 
est in eos, qui contra omni ratione pugnarunt, non debeo 
reprehendere; quod viris fortibus, quorum opera eximia in 
rebus gerendis exstitit, honos habitus est, laudo. Quae ut 
fierent, idcirco pugnatum esse arbitror meque in eo studio 
partium fuisse confiteor. Sin autem id actum est et ideirco 



Testim. vet. 

Sehol. Gr. 

§ 135. A causa existimet] Id est a parte Sullana. 

Kap. XLVII § 136. Me pro illa tenui iufirmaque] Pro Ma- 
riana, pro equitibus RocQanis. 

quum maxime voluerim] Id est, bella civilia. 

§ 137. Animadversum est in eos] Id est, in Marianos. 

Si id actum est idcirco] Sensus talis: non, inquit, idcirco 
putamus Sullanas partes contra Marianos arma tulisse, ut restituere- 
tur omnibus libertas? Sin autem id actum est hoc bello, ut liberti 
bomines aliena occupent bona, non est boc bello data libertas, verum 



Pro Sex. Roscio c. 48 § 137—140. 79 

arma sumpta sunt , ut homines postremi pecuniis alienis locu- 
pletarentur et in fortunas uuius cuiusque impetum facerent, 
et id non modo re prohibere non licet, sed ne verbis quidem 
vituperare, tum vero isto bello nou recreatus neque restitutus, 
sed subactus oppressusque populus Romanus est. Verum i^s 
longe aliter est; nihil horum est, iudices. Non modo non 
laedetur causa nobilitatis, si istis hominibus resistetis, verum 
etiam ornabitur. Etenim qui haec vituperare volunt, Chryso- 
goDum tantum posse queruntur; qui laudare volunt, con- 
cessum ei non esse commemorant. Ac iam nihil est, quod 
quisquam aut tam stultus aut tam improbus sit, qui dicat: 
jVellem quidem liceret; hoc dixissem'. Dicas licet. ,Hoc 
fecissem^ Facias licet; nemo prohibet. ,Hoc decrevissem'. 
Decerne, modo recte; omnes approbabunt. ,Hoe iudicassem'. 
Laudabuut omnes, si recte et ordine iudicaris. Dum necesse i39 
erat resque ipsa cogebat, unus omnia poterat; qui posteaquam 
magistratus creavit legesque constituit, sua cuique procuratio 
auctoritasque est restituta. Quam si retiuere volent ii , qui 
reciperarunt, in perpetuum poterunt obtinere; sin has caedes 
et rapinas et hos tantos tamque profusos sumptus aut facient 
aut approbabunt — nolo in eos gravius quidquam ne ominis 
quidem causa dicere, unum hoc dico: nostri isti nobiles nisi 
vigilantes et boni et fortes etmisericordes erunt, iis hominibus, 
in quibus haec erunt, oruamenta sua concedant necesse est. 
Quapropter desinant aliquando dicere male aliquem locutum iw 
esse, si qui vere ac libere locutus sit, desiuaut suam causam 
cum Chrysogono communicare, desinant, si ille laesus sit, de 
se aliquid detractum arbitrari, videant, ne turpe miserumque 
sit eos, qui equestrem splendorem pati non potuerunt, servi 
nequissimi dominationem ferre posse. Quae quidem domi- 
natio, iudices, in aliis rebus antea versabatur, nunc vero 
quam viam mtinitet, quod iter adfectet, videtis, ad 

Testim. vet. 

ScJiol. Gr. 
longe aliter. Non, inquit, quisquis vituperat Chrysogonum, iara Sul- 
lam vel nobilitatem vituperat , sed malum^); iiam qui vult vituperare 
partem SuUanam, dicit, quia Chrysogonus multum potest; qui lau- 
dare, dicit, quia^) tantum posse non debet. 



1) malum ist unverstandlich. — 2)quia = dass, •wic oft beim 
Scholiasten nach spatlateinischem Sprachgebrauch. 



80 Pro Sex. Roscio c. 49 § 140-144. 

fideui, ad iusiurandum, ad iudicia vestra, ad id, quod solum 

1*1 propc in civitate sincerum sanctumque restat. Hicine etiam 
scse putat aliquid posse Chrysogonus? bic etiam potens esse 
vult? rem miseram atque acerbam! Neque mebercules boc 
indigne fero, quod verear, ne quid possit, verum quod ausus 
est, quod speravit sese apud tales viros aliquid posse ad per- 
niciem innocentis, id ipsum queror. XLIX. Ideircone ex- 
perrccta nobilitas armis atque ferro rem publicam reciperavit, 
ut ad libidinem suam liberti servulique nobilium boua for- 

li'-^ tuuasque nostras vexare possent? Si id actum est, fateor 
me errasse, qui boc maluerim, fateor insanisse, qui cum illis 
senserim; tametsi inermis, iudices, sensi. Siu autem victoria 
nobilium ornamento atque emolumento rei publicae populoque 
Eomauo debet esse, tum vero optimo et nobilissimo cuique 
meam orationem gratissimam esse oportet. Quodsi quis est, 
qui et se et causam laedi putet, cum Chrysogonus vituperetur, 
is causam ignorat, se ipsum probe novit; causa enim splendi- 
dior fiet, si nequissimo cuique resistetur, ille improbissimus 
Chrysogoni fautor, qui sibi cum illo rationem communicatam 
putat, laeditur, cum ab hoc splendor causae separatur. 

143 Verum haec omuis oratio, ut iam ante dixi, mea est, qua 
me uti res publica et dolor meus et istorum iniuria coegit; 
Sex. Roscius horum nihil indignum putat; neminem accusat, 
nihil de suo patrimouio queritur; putat homo imperitus mo- 
rum, agricola et rusticus, ista omnia, quae vos per Sullam 
gesta esse dicitis, more, lege, iure gentium facta; culpa libe- 
ratus et crimine nefario solutus cupit a vobis discedere; si 

mhac indigna suspicione careat, animo aequo se carere suis 
omnibus commodis dicit; rogat oratque te, Chrysogone, si 
nihil de patris fortuuis amplissimis iu suam rem convertit, si 
nulla in re te fraudavit, si tibi optima fide sua omnia con- 
cessit, adnumeravit, appendit, si vestitum, quo ipse tectus 
erat, anulumque de digito suum tibi tradidit, si ex omnibus 
rebus se ipsum nudum neque praeterea quidquam excepit, ut 



Testim. vet. 

§ 144. Aquil. Eoai. p. 25, 8 H. Invidiose et M. Tuliius cnm 
saepe alias tuni pio Roscio convertit orationem ad Chrysogonum ab 
illo ioco: llogat oratque te , Clirysogone. — Jul. Rufiuian. p. 43, 
8 II. Pro Roscio i^tin tiQwvting: Rogat oratque te, Clirysogone. 



Pro Sex, Roscio c. 50 § 144—147. 81 

sibi per te liceat innocenti amicorum opibus vitam in egestate 
degere. L. Praedia mea tu possides, ego aliena misericordia **^ 
vivo; concedo, et quod animus aequus est, et quia necesse 
est. Mea domus tibi patet, mihi clausa est; fero. Familia 
mea maxima tu uteris, ego servum habeo nullum; patior et 
ferendum puto. Quid vis amplius? quid insequeris, quid 
oppugnas? qua in re tuam voluntatem laedi a me putas? ubi 
tuis commodis officio? quid tibi obsto? Si spoliorum causa 
vis hominem occidere, spoliasti; quid quaeris amplius? si 
inimicitiarum , quae sunt tibi inimicitiae cum eo, cuius ante 
praedia possedisti, quam ipsum cognovisti? si metus, ab eone 
aliquid metuis, quem vides ipsum ab se tam atrocem iniuriam 
propulsare non posse? sin, quod bona, quae Sex. Koscii fue- 
runt, tua facta suut, idcirco hunc illius filium studes perdere, 
nonne ostendis id te vereri, quod praeter ceteros tu metuere non 
debeas, ne quaudo liberis proscriptorum bona patria reddantur ? 

Facis iniuriam, Chrysogone, si maiorem spem emptioniswe 
tuae in huius exitio ponis quam in iis rebus, quas L. SuUa 
gessit. Quodsi tibi causa nulla est, cur hunc miserum tanta 
calamitate adfici velis, si tibi omnia sua praeter animam tra- 
didit nec sibi quicquam paternum ne monumenti quidem causa 
clam reservavit, per deos immortales, quae ista tanta crude- 
litas est, quae tam fera immanisque natura? Quis umquam 
praedo fuit tam nefarius, quis pirata tam barbarus, ut, cum 
integram praedam siue sauguiue habere posset, crueuta spolia 
detrahere mallet? Scis hunc nihil habere, nihil audere, uihili47 
posse, nihil umquam contra rem tuam cogitasse, et tamen 
oppugnas eum, quem neque metuere potes neque odisse debes 
nec quicquam iam habere reliqui vides, quod ei detrahere 
possis; nisi hoc iudignum putas, quod vestitum sedere in iu- 
dicio vides, quem tu e patrimouio tamquam e naufragio nudum 
expulisti. Quasi vero uescias huuc et ali et vestiri a Caecilia, 
Baliarici filia, Nepotis sorore, spectatissima femina, quae cum 
patrem clarissimum, amplissimos patruos, oruatissimum fratrem 
haberet, tameu, cum esset mulier, virtute perfecit, ut, quauto 
honore ipsa ex illorum diguitate adficeretur, uon miuora illis 
ornamenta ex sua laude redderet. 



Testim. vet. 

% 145. Arusian. Mess. VII p. 493, 5 K. Cicero pro Roscio ,ab 
eone aliquid metuis?' 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. Q 



82 Pro Sex. lloscio 0.51-52 § 148-150. 

1*8 LI. An, quod diligenter defenditur, id tibi indignum fa- 
cinus videtur? Milii crede, si pro patris liuius hospitiis et 
gratia vellent omnes huic hospites adesse et auderent libere 
defendere, satis copiose defenderetur; sin autem pro magui- 
tudiue iniuriae proque eo, quod summa res publica in huius 
periculo temptatur, haec omnes vindicarent, consistere me- 
hercule vobis isto in loco non liceret. Nunc ita defenditur, 
non sane ut moleste ferre adversarii debeant, neque ut se 

i-»9potentia superari putent. Quae domi gerenda sunt, ea per 
Caeciliam transiguntur, fori iudiciique rationem M. Messalla, 
ut videtis, iudices, suscepit; qui si iam satis aetatis ac robo- 
ris haberet, ipse pro Sex. Roscio diceret; quoniam ad dicen- 
dum impedimento est aetas et pudor, qui ornat aetatem, cau- 
sam mihi tradidit, quem sua causa cupere ac debere intelle- 
gebat, ipse adsiduitate, consilio, auctoritate, diligentia perfecit, 
ut Sex. Roscii vita erepta de manibus sectorum sententiis iu- 
dicum permitteretur. Nimirum, iudices, pro hac nobilitate 
pars maxima civitatis in armis fuit; haec acta res est, ut ii 
nobiles restituerentur in civitatem, qui hoc facerent, quod fa- 
cere Messallam videtis, qui caput innocentis defenderent, qui 
iniuriae resisterent, qui, quantum possent, in salute alterius 
quam in exitio mallent ostendere; quod si omnes, qui eodem 
loco nati sunt, facerent, et res publica ex illis et ipsi ex in- 
vidia minus laborarent. 

150 LII. Verum si a Chrysogono, iudices, non impetramus, 
ut pecunia nostra contentus sit, vitam ne petat, si ille adduci 
uon potest, ut, cum ademerit nobis omnia, quae nostra erant 
propria, ne lucem quoque hanc, quae communis est, eripere 
cupiat, si non satis habet avaritiam suam pecunia explere, 
nisi etiam crudelitati sanguis praebitus sit, unum perfugium, 
iudices, una spes reliqua est Sex. Rocio, eadem quae rei pu- 
blicae, vestra pristina bonitas et misericordia. Quae si manet, 
salvi etiam nunc esse possumus; sin ea crudelitas, quae hoc 
tempore in re publica versata est, vestros quoque animos (id 
quod fieri profecto non potest) duriores acerbioresque reddi- 
dit, actum est, iudices; inter feras satius est aetatem degere 



Testim. vet. 

§ 150. Arusian. Mess. VII p. 4G8, 1 K. Cic. pro Roscio ,intcr 
feras satius est aetatem desrere'. 



Pro Sex. Roscio c. 53 § 151—153. 83 

quam in hac tanta immaDitatc versari. Ad eamue rem vos m 
reservati estis, ad eanme rcm delecti, ut eos condemnaretis, 
quos sectores ae sicarii iugulare non potnissent? Soleut hoc 
boni imperatores facere, cum proelium committunt, ut in eo 
loco, quo fugam hostium fore arbitrcntur, milites collocent, 
in quos, si qui ex acie fugeriut, de improviso incidant. Ni- 
mirum similiter arbitrantur isti bonorum emptores vos hic, 
tales viros, sedere, qui excipiatis eos, qui de suis mauibus 
effugerint. Di prohibeant, indices, ne hoc, quod maiores 
cousilium publicum vocari volueruut, praesidium sectorum 
existimetur! An vero, iudices, vos non iutellegitis nihil aliud ^^^ 
agi, nisi ut proscriptorum liberi quavis ratione tollautur, et 
eius rei iuitium in vestro iure iurando atque in Sex. Roscii 
periculo quaeri? Dubiumne est, ad quem maleficium perti- 
neat, cum videatis ex altera parte sectorem, inimicum, sica- 
rium euudemgue accusatorem hoc tempore, ex altera parte 
egentem, probatum suis filium, iu quo non modo culpa uulla, 
sed ue suspicio quidem potuit consistere? Numquid hic 
aliud videtis obstare Sex. Roscio, uisi quod patris bona ve- 
nierunt? 

LIII. Quodsi id vos suscipitis et ad eam rem operam 153 
vestram profitemini, si idcirco sedetis, ut ad vos adducautur 
eorum liberi, quorum boua veuierunt, cavete per deos im- 
mortales, iudices, ne nova et multo crudelior per vos pro- 
scriptio iustaurata csse videatur. Illam priorem , quae facta 
est iu eos, qui arma capere potueruut, tamen seuatus susci- 
pere noluit, ue quid acrius, quam more maiorum comparatum 
est, publico cousilio factum videretur, hauc vero, quae ad 
eorum liberos atque ad iufantium puerorum iucuuabula per- 



Testim. vet. 

Schol. Gr. 

Kap. LII § 152. An vero, iudices] Modo dicit hoc tantiim 
agere Roscios, iit hoc iudicio omnium proscriptorura interimantur filii. 
Deinde dicit, quia accusant innocentem, cum ipsi criminosi sint"). 



1) Vulg. Dicit, ut hoc iudicio ut omniura p. i. f. Deinde d. hoe t. a. 
R. ,quia etc.' Die Stelle ist kormpt, wie aus dem dopi^elt {j;esetzten ut zu 
ersehcu ist. Ich habe sie nach dem ciceron. Text herzustcllen versucht. 
Vor dem ei'stcn dicit habe ich modo cingesetzt. dem das folgende deiude 
entspricht. Or, und B. haben vor dicit das Zeiclien der Liicke. Deinde 
dicit, q u i a = dass, wie oft bei deni Schol. 

6* 



84 Pro Sex. Roscio c. 53 § 153—154. 

tiuet, nisi hoc iudicio a vobis reicitis et aspernamini , videte, 
per deos immortales, quem in locum rem publicam perven- 
turam putctis! 
'5* Homines sapientes et ista auctoritate et potestate prae- 
ditos , qua vos estis, ex quibus rebus maxime res publica 
laborat, iis maxime mederi convenit. Vestrum nemo est, 
quin iutellegat populum Romanum, qui quondam in hostes 
lenissimus existimabatur , hoc tempore domestica crudelitate 
laborare. Hanc tollite ex civitate, iudices, hanc pati nolite 
diutius in hac re publica versari; quae non modo id habet 
in se mali, quod tot cives atrocissime sustulit, verum etiam 
hominibus lenissimis ademit misericordiam consuetudine in- 
commodorum, Nam cum omnibus horis aliquid atrociter fieri 
videmus aut audimus, etiam qui natura mitissimi sumus, adsi- 
duitate molestiarum sensum omnem humanitatis ex animis 
amittimus. 



Testim. vet. 

% 154. Arusian. Mess VII p. 492, 10 K. Cic. pro Rosc: 
,hoinines sapientissimos iud , quibus rebus * me mederi convenit.' 

Schol. Gr. 

Kap. LIII § 154. Homines sapientes] Sapientis viri est ei 
rei, qua') laborat, afferre remedium. 

Verum etiam hominibus] Semper vicinitas ex aliena rubigine 
livorem trahit^). Monet autem iudices Cicero, ne crudeles sint et 
incassum interficiant. Quamvis, inquit, aliquis mansuetus sit, tamen 
visa crudelitate fit crudelior; et praesens crudelitas omittenda est et 
superior delenda. 



1) G. Gr. qui. — 2) ,proverbii haec speciem habent.' Or. 



Kritischer Anhang. 

§1. His qui Palimpsest. Vatic, M.^ iis codd. alii. — sim 
cum his qui sedeant comparandus: die Worte qui se- 
deant halt H. Mtiller symb. p.34 fiir eingeschoben (cum statim 
sequatur omnes bi quos videtis adesse). — omnes hi 
Pal , Schol., omnes enim hi codd. alii. — adesse, in 
hac causa: so interpung-ieren nach J, M. Heusingers Vorgang 
) alle neueren Herausgeber, Osenbriiggen setzt das Komma 
sj nach caiisa. — defendere ipsi autem Pal. — vitaut Pal., 
auct. schem. dian p. 73, 17 H. (welche wichtige Belegstelle 
zu citieren Halm in der adnotalio iibersehen); metuunt alle 
iibrigen codd. x" 

j § 2. an tanto Schol, Eberh , Halm II, Fleckeis., C. W. 

Mliller; ac Pal. , at die meisten codd., Halm I, Kays. — 
sum fast alle Handschriften und neueren Heransgeber, sim 
Pal., Halm I (sum Halm II), Kays. , Eberh. — si quis 
horum Kays., Halm II, Eberh. (cf. H. Muller, symb. p. 34); 
si qni istornm Pal., Halm I, Fleclieis., C. W. Miiller, si 
quis istorum die iibrigen codd. — quos videtis adesse 
hat Fleckeisen (Jahrbb. 1866 p. 548) getilgt, C. W. Miiller 
eingeklammert, mit Unrecht, s. d. Kommentar z. d. St. 

§3. ego autem si Pal., Eberh., Halmll, Miiller ; Halm I 
(u. Kayser) liest ,ego etiam si' nachden iibrlgen codd., indem 
er hiuzufiigt, er habe dem Pal. nicht folgen wollen ,propter 
Charisii auctoritatem', allein Char. p. 203, 30 K. hat au un- 
serer Stelle nicht, wie H. angibt, etsi, sondern gar keine 
Konjunktion (ego omnia quae etc. ); ego si Fleckeis. (Jahrbb. 
a. a. 0. p. 549). — deindequod: Eberb. lect. Tull. p. 5 
schlagt ideo quod zu lesen vor. 

§ 4. a me autem ii contenderunt: ii cod. Mon. 2, Halm, 
Miiller; ei Kayser (so stiindig), Eberh., hi mit eiuigen codd. 
Fleckeis., Charis. p. 212, 4 a me id contenderunt. — beni- 



86 Kritischer Anhang § 4—11. 

volentiam habe icb mit MUller nacb den besseren codd. 
geschrieben, vgl. desseu Note. — debebam statt des band- 
scbriftlicbcn debeam (Osenbr., Halm I, Kayser) baben allc 
neueren Editoren. 

§ 5. possim Pal., der mit diesem Worte aufbort. 

§ 6. qnae vor de viro hat Weiske getilgt, nach ihm 
Fleckeis. Diese Streichung balt C. F. W. Miiller fur wabr- 
scbeinlich, sein Rezensent Adler in d. pbilolog. Rundschau 
1882 p. 559 fiir uotwendig, ,deun auf die Frage: quae res 
ea est? kann nicbt das folgeude boua patris huiusce Sex. 
Roscii die Autwort eutbalten, soudern der Satz bona — dc 
viro clarissimo — duobus millibus nummum sese dicit emisse 

— Cbrysogonus'; allein scbon Eberb. lect. Tull. p. 6 bemerkt 
ricbtig ,quare hactenus adsentior Weiskio alterum pr. quae 
expuugenti, ut emeudationem, qua strnctura fit expeditior, 
sententia magis perspicua, dicam esse veri simiUimam, 
necessariam negem.' Dazu kommt, dass das zweite 
quae nicht nur handscbriftl. iiberliefert, soudern auch durcb 
den Grammatiker Arusian. Mess. (s. d. testim.) bezeugt wird. 

— suspiciouem omnem metumque die meisten codd., 
Halm II, Fleckeis., Mtiller; suspicionem omnemque 
metum Lag. 26, Halm I, Kays., Eberh. — Ftir damnato 
et eiecto will Schmidt Fleckeis. Jahrbb. 1874 p. 742 dam- 
nato et enecto lesen, s. den Kommentar z. d. St. 

§7. nisi vobis cod. G. , Halm 11, Weiduer Philol. 
XXXV p. 718; si vobis . . . houesta postulatio etc. 
die iibrigen codd.; honesta ista Richter, Fleckeis., hon. 
ea Eberh. (lect. p. 6), quae si vobis Bake. — An dem 
Worte brevem stosst sicb Eberh. lect. p. 6 mit Recht und 
schlagt daflir alteram oder itidem vor, allein es wird 
durcb den scbol. Gr. und den auct. scbem. dian. p. 74, 18 H. 
gestiitzt. — ut inuoceut. cal. lev., ut in causa Weiduer Phil. 
XXXV 719, Eberb. 

§ 8. vel hoc iudignissimum codd.: vel hat Halm 
n^ eingeklammert, IP liest er boc vel. — consueverant 
Ernesti; Kays., Eberb., Halm II, Fleckeis., Miiller; con- 
sueverunt (oder cousueruut) codd., Halm I. — Ueber die 
Scbreibung von dilecti oder delecti s. Miillcr adu. p. IX. X. 

§ 9. periculum: Stauger, Fleckeisen. 

§ 11. [iudex] Halm; Lag. 26 hat das Wort nicht, 



Kritischer Anbang § 11-13. 87 

dagegen Martiau. Capell. p. 470, 9 H. — factae sint Kays., 
verteidigt von Draeger H. S. H § 498, 3 uud Luterbacher 
in d. Jahresber. des philolog. Vereins zu Berlin VHI p. 74: 
alle besseren Handschrifteu bieteu suut. — Eiue der 
schwierigsten Stellen uuserer Rede ist die folgende, die 
in den Handschrifteu also liberliefert ist: manifestis male- 
ficiis quotidianoque sauguiue dimissius (so die meisteu 
codd., audere habeu: dimissuis, dimissui, demissius, 
dimissm; dimisso Schol.). Vou deu uuzahlig-en Ver- 
suchen die Stelle zu heileu, erwahneu wir nur: dignissi- 
mam Madvig, Halm; severissimam Osenbr. ; bac quae- 
stione . . populum Romauam e manif. . . . sauguine di- 
missum sperant futurum, Richter, Fleckeis.; e manif. . . 
remissionem sperant laturam Eberhard; ad amussim 
Wex iu Jahus Jahrbb. Bd. 83 S. 275; Lehmanu Herni. XIV 
p. 213: manif. maleficiis cotidiauoquc sauguine impuue di- 
missis severam sp. futuram. Keine dieser Emeudatioueu hat 
den Beifall der Kritil^er gcfuudeu, uud so hat der ueueste 
Herausgeber C. F. W. Miiller die Stelle fiir uuheilbar erach- 
tend das handschriftliche dimissius, mit dem Zeichen der 
Liicke davor, in seiueu Text gesetzt. Nachdem ich uusere 
Stelle einer griindlichen Erwagung unterzogen, kam ich auf 
eine Emendation, die ich zwar durchaus nicht flir die allein 
richtige, aber doch fiir viel natiirlicher und einfacher halte 
als alle zuvor angefiihrten, namlich: omnes hanc quaestionem 
. . . manifestis maleficiis cotidiauoque sauguini remedium 
(oder remedio) esse speraut futuram. Nachtraglich ersah 
ich aus den lect. Tull. von A. Eberhard p. 6, dass dessen 
Vater E. F. Eberh. vor rair auf dieselbe Aeuderung gekom- 
men, nur hat er nicht auch noch esse hinzugefiigt, das ich 
iu der zweiteu Halfte des verstiimmelten Wortes dim-issi 
versteckt glaube. Dass sich Cic. gern des Wortes reme- 
dium im bildlichen Sinne bedient, dafiir sind die Belege ge- 
sammelt im Kommentar z. d. St. — Luterbacher 1. 1. schlagt 
vor jSanguini iam finem sperant facturam'. 

§12. ostendetis codd., Halm, Fleckeis., Miiller; 
ostenderitis Kays., ostendatis Madv., Eberh. — clam 
ex insidiis: Zusatz vou Weidner philol. Auz. (1875) VII 
S. 240, Fleckeis. 

§ 13. huuc ipsum: ipsum hat cod. G. nicht; Halm 



88 Kritischer Anhang § 13-18. 

will es tilgen oder dafiir i p s i schreiben ; fiir letzteres ist 
Miillcr: Halm II^ ipsi; Luterbacher 1. 1. ,bunc ipsum 
(diesen selbst d. h. auch diesen) stellt den Sobn Roscius dem 
ermordeten Vater gegeniiber. Daher ist ipsum wedcr zu 
streichen noch durcb ipsi zu ersetzen.' 

§ 14. [qno facilius — calamitatem] Fleckeis., s. d. 
Kommentar z. d. St. 

§ 15. atque ex oranibus suis commodis: atque 
habe icb mit Halm uud Eberhard geschriebeu fiir das band- 
schriftlicbe itaque (Plalm: atque haud raro in itaque 
corruptnm inveni). — omnibus suis Lag. 26, Halm I, 
Kays., Eberh., Miiller; suis omuibus die iibrigen codd., 
Halm II, Fleckeis., cf. d. Komm. — bic cum omni t.: codd., 
Halm I, Eberh., Fleckeis., Miiller; is: Halm II, Kays. 

§16. recessimus: codd., Halm I, Kays. , Fleckeis., 
Miiller; recessum Halm II, Eberb. — Fiir b o m i n e s schlug 
Eberb. (lection. p. 7) omnes zu leseu vor, Fleckeis. nahm 
ee in den Text auf. — atque nach frequens fehlt in drei 
codd. Oxon. und drei schlecbteren codd. Lagg., ed. Asc, 
Kays., Eberb.; cf. die aduot. crit. bei Miiller p. X. 

§ 17. buius modi lesen nach Reisig Kays., Eberh., 
Halm II, Fleckeis.; Miiller verteidigt eius modi in d. Note 
p. X. XI. — quique: que fiigte Halm II hinzu, nach ihm 
Kays., Eberh., Fleckeis., Miiller: et qui Madvig. — [quod 
sciamj Halm I, Kays. 

§ 18. Bis auf Eberhard (lect. Tull. p. 7) las man nach 
den Handschriften iste und bezog es aufMaguus. Eb. hat 
die ganze Stelle von cum hic filius bis Romae esset 
als spateres Einschiebsel eingeklammert, aenderte aber iste 
in ipse, womit der betreflfeude Interpolator den Vater des 
Roscius gemeint babe, von dem es in § 16 heisse ,erat ille 
Romae frequens'. Fleckeisen hat ipse in den Text aufge- 
nommen (auch Miiller), aus der Note aber geht hervor, dass 
er den Magnus unter ipse verstanden haben will (?). Halm 
bebalt das handschriftl. iste bei, das er auf M. bezieht, halt 
aber den ganzen Satz cum hic filius . . . Romae esset 
ebenfalls fiir eine Interpolation. Geht man mit unbefangenem 
Blicke an die Stelle heran, so muss doch sofort in die Augen 
springen, dass Cic. bier die beiden Personen, den jungen Ros- 



Kritischer Anhang § 18. 89 

cius und Magnus, in der Absicht einander gegeniiberstellt, 
um schon durch ihren Aufenthalt sowobl in der kritischen 
Zeit der Mordthat als auch durch ihren gewohnlicben 
Aufenthalt zu zeigen, dass nicht Roscius, sondern Maguus 
der Morder sein konnte. In dera ersten Satze mit cum wird 
das Alibi des jungen Roscius, dagegen die Anwesenheit des 
Magnus in Rom in der Zeit jenes blutigen Vorfalles konsta- 
tiert; der zweite Satz mit cum ist nun nicht die liberfliissige 
Wiederholung des ersten, sondern hier ruht der Gegensatz 
auf adsiduus (in praedio) und frequens (Romae) : jener 
war iiberhaupt nie iu Rom, sondern immer auf seinen Gii- 
tern, wahrend dieser bestandig in Rom war. Ebensowenig 
ist das Satzchen ,cumque se voluntate patris rei famili- 
ari . . dedisset' iiberfliissig, weil Cic. gleich hier die Behaupt- 
ung der Gegner entkraften will f§ 42) ,hunc in praedia 
relegarat': nicht zur Strafe, sondern nach dem Wunsche 
des Vaters widmete sich der junge Roscius der Landwirt- 
schaft. — Lesen wir aber ipse und beziehen es auf den 
Vater, so haben wir erstens keinen richtigen Gegensatz, 
zweitens wiirde das so wirkungsvoll an den Schluss ge- 
stellte Sex. Roscius auffallend nachhinken, ja geradczu 
iiberfliissig sein; drittens passen dazu nicht die unmittelbar 
folgenden Worte ,spero ex hoc ipso (namlich aus der 
stiindigen Anwesenheit des Magnus in Rom und der stan- 
digen Abwesenheit des jungen Roscius) non esse obscurum, 
ad quem suspicio maleficii pertineat.' Wenn etwas an den 
iiberlieferten Worten des Textes iiberfliissig ist, so ist es das 
Wort fllius, das auch Halm und Fleckeisen als Randglosse 
eingeklammert haben. — Mit Freude habe ich aus deu 
Jahresber. des phil. Vereins zu Berlin ersehen, dass Luter- 
bacher (VIII p. 74) beziiglich des iste vollstandig meiner 
Ansicht ist. Derselbe sagt: ,Die Verauderung des iste au- 
tem zu ipse autem, welche Miiller nach Eberh. und Fleck. 
vorgenommen hat, empfiehlt sich nicht. Unter ipse miisste 
der Vater Roscius gemeint sein. Dass aber dieser zu Rom 
war, ist iu § 16 schon gesagt und ergiebt sich aus der Orts- 
angabe ad balneas Pallacinas zur Geniige. Sowie hic filius 
adsiduus . . dedisset nur Erweiterung des vorhergeheuden 
cum hic . . Ameriae ist, ebenso ist iste autem frequens 
Romae esset Wiederholung des T. autem iste Roscius Romae ; 



90 Kritischer Anliaug § 2U. 21. 

vgl. § 92 ab eo esse occisiim, qui adsidiuis eo tcmpore 
Komac fuerit, sowie § 81.' 

§ 20. in castra L. Sullae Volaterras, codd.; ad 
Volaterras nach dem Vorschlag E. Eberhards (lect. Tull. A. 
Eberh. p. 7) in dcn Text aufgenommen von Siesbye; Biich- 
ner liest uach dem Schol. Gr. Volaterrana. 

§ 21. cum nulla iam . . . Sex. Roscii: diese Worte 
iiberliefern uns Diomedes uud Charisius mit kleinen Ab- 
wcichungen, s. die testim. zu § 21. ,cum iam prosc. 
mentio nulla fieret' codd., Osenbr., Miiller; cum nulla 
iam etc. Halm , Kays., Eberh.; cum iam nulla pr. m. f. 
Fleckeis. Die letzten Worte uomen refertur in tabulas 
Sex. Roscii fehlen in unsern Handschriften, indem wohl 
das Auge des Schreibers von nomen auf hominis iiber- 
sprang. Allein die nun folgenden Worte manceps fit Chr. 
scheinen darauf hinzudeuten, dass der ausgelassenen Worte 
noch mehr sein mussten. Des der Proskription folgenden 
Verkaufes ist nicht Erwahnung gethan, wahrend die Worte 
hominis stud. nobil. als Apposition zu Roscii ziemlich 
iiberfliissig erscheiuen. Setzt man dagegen boua veneunt 
ein mit Richter, Halm II, Fleckeisen, (bona proscri- 
buntur Eberh. nach Hotman's ,bona eius proscribuntur'), 
so entsprechen sich die beiden Glieder ,nomen refertur 
in t. S. R'. und ,bona veneuut hominis st. n.' sehr gut. Da- 
gegen will H. Miiller (symb. p. 34) die Worte ,hominis 
studiosissimi nobilitatis' nicht von Roscii getrennt 
wissen, uud erganzt vor manceps ,bonorum', worin ihm 
Luterbacher 1. 1. p. 75 beistimmt. Phiygers schreibt Mnem. 
N. F. VIII (18S0) S. 370 (in den unter dem Titel ,"Atio^ivij- 
Ijbovsvnara G. Pluygers" von Cobet veroflfentlichten Emen- 
dationsversuchen seines verstorbenen Freundes): nomen r. in 
t. S. Roscii, hominis stud. nob.; bona veneunt; mauceps 
fit Chr. — sexagiens HS (fehlt in alleu von Lagomarsini 
verglichenen Handschriften), Vulg., Fleckeis., Miiller-, HS se- 
xagiens Halm II; als Glossem aus § 6 gestrichen von 
Madvig, Orelli, Osenbr., Eberh. — haec bona emuntur 
sestertiorum duobus mil. num. codd., im cod. Oxon. 
T fehlt diescr Satz. Osenbriiggen hiilt ihu mit Rccht fiir 
ein putidum glossema (aus § 6), der allenfalls hinter 
manceps fit Chr. stchen konnte, aber nicht hier. Halm II 



Kritischer Aiih;iiig § 21—24. 91 

teilt diese Ansicht, ebenso Kays., Ebeih. und Pluygers 1. 1., die 
ibn einldamnQern. Mir scheint fiir die Uuachtheit dieses Satzes 
auch der Umstand zu sprechen, dass er wie der folgende 
mit haec beginnt, was doch etwas hart lautet. 

§ 22. Hotraan glaubte, nach praeterita sunt sei 
reputet ausgefallen, Lambin reparet, Ernesti curet 
aufgenommen von Madvig-Siesbye , Rinkes Mnemosyne VIII 
p. 445 (1859) sanet (das nach sunt leicht ausfallen konnte), 
ebenso Paul in Stud. Ciceron. 1875 p. 20, aufgenommen von 
Halm II, Fleckeiseu, C. W. Miiller; Halm I und Osenbr. 
haben gar nichts eingefiigt, Kayser macht das Zeichen der 
Liicke; Eberh. nach Ernesti curet, aber mit chiastischer 
Stellung et ea curet. Die palaeographisch einfachste Ver- 
besserung ist die Einfiigung von sanet, vgl. Mil. § 68. — 
H. Miiller symb. p. 35 halt die Worte si aliquid non ani- 
madvertat fiir eine Randbemerkung eines Lesers aus 
§130 sq. ,quid miramur, . . L. Sullam aliqua animad- 
vertere non potuisse.' Es ist allerdings richtig, dass 
diese Worte an der Stelle , wo sie jetzt stehen — mitten in 
einer langen Kette von zusammengehorigen Gliedern — sich 
schwer in ihrer Abhangigkeit vou neque enim mirura 
erkennen lassen. Doch mochte ich sie dera Cicero nicht ab- 
sprechen, ara wenigsten mit Berufung auf die ahnliche Stelle 
in § 130. Denn gerade in dieser Jiingliugsrede greift Cic. 
oft an verschiedenen Stellen bei derselben Sache zu denselben 
Ausdriicken, vgl. z. B. § 29 de bonorum venditione et 
de ista societate verbum esse facturum neminem 
mit § 58 de bonorum emptione deque ea societate 
ueminera esse qui verbum facere auderet. Eher 
raochte ich daher vorschlagen , die fraglichen Worte gleich 
nach neque enimmirum einzusetzen, um dann die Glie- 
der mit cum ununterbrochen folgen zu lassen. — in tanta 
felicitate codd.: in haben Osenbr., Halm I, Miiller ein- 
geklamraert, Madvig, Richter-Fleckeis., Halra II, Eberh. 
gestrichen. 

§24. bonorura eraptioflagitiosapossessio furta 
rapinae donationes, codd. Diese Worte sind von den 
Herausgebern verschieden interpuugiert; die meisten schreiben 
bonorum emptio flagitiosa, possessio, furta etc. 
Lambin nahra aus einem zweifelhaften codex Meramii ein zweites 



92 Kritischer Anhang § 24. 

flagitiosa auf, Eberh. scbreibt: b. emptio flagitiosa, 
flagitiosior possessio etc. , Fleckcisen: bonorum 
emptio" flagitiosa possessio und meint die Konzinnitat 
der Glieder erfordere ein Adjektiv zu emptio, etwa irrita 
(ungesetzlich , ungiltig). Diese Bemerkung ist sehr richtig. 
Cic. fasst hier gewissermassen die eiuzelnen Akte des Dramas, 
das sich vor den Augen der ergrimmten Ameriner abspielte, 
in wirkungsvoller Weise zusammen: mors Sex. Roscii crude- 
lissima, lilii egestas indignissima; bonorum emptio* 
flagitiosa possessio; furta, rapinae, donationes. 
Die drei letzten Substantiva entsprechen den Verben am Schlnss 
des § 23 multa auferebat, plura de medio remo vebat, uon 
pauca donabat. Ebenso entsprecben sich im ersten Gliede 
unsers Satzes mors crudelissima und egestas indiguis- 
sima. Das in der Mitte stebende Glied besteht ebenfalls aus 
2 Substantiven, von denen aber nur eines mit einem Adjektiv 
versehen ist. Dass Cic. aucb dieses Glied, wie die beiden 
anderu konzinn gebaut haben wird, diirfen, ja mllssen wir 
annebmen. Deswegen hat scbon Lambin ein zweites flagi- 
tiosa eingefiigt, Eb. flagitiosior. Ohne zu leugnen, dass 
eine derartige Erganzung am einfacbsten ist, halte ich sie 
dennocb nicbt fur die richtige, weil icb nicbt glaube, dass 
Cic. bier, wo er das Charakteristische jedes einzelnen Aktes 
bervorbeben will, zweimal zu demselben Adjektiv gegriffen 
habe. Die Besitzergreifung (possessio) war schmablich 
(flagitiosa) , insofern die beiden Roscier wie Rauber itber die 
Giiter berfielen, was Cic. nicht miide wird mit den starksten 
Ausdriicken immer wieder zu betonen, alspraeda, prae- 
dones, in vadere, impetum facere. Das Gravierende der 
eraptio bestand darin, dass sie in Wirklicbkeit gar nicbt 
stattgefunden baben mochte, ja gesetzlicb iiberhaupt nicbt 
mebr stattfindeu konnte. Denn der Schiusstermin — 1. Juni 81 — 
der Proskriptionen und der damit verbuudenen Giiterver- 
kiiufe war langst voriiber, als Roscius ermordet wurde. Der 
Kauf ist also nur ein vorgeblicher. Cic. spricht davon 
§ 6 dicit emisse (vgl. aucb § 60 qui Cbrysogono nuntiarent 
. . . aperiri bonoru=m emptionem) und § 127 suspicor 
omnino baec bona non venisse. An der letzteren Stelle 
erklart aucb Cic, dass er spater auf diesen Punkt naher ein- 
gehen werde, docb ist dieser Teil der Rede verloren gegangen. 



Kritischer Anhang § 24. 25. 93 

Ich glaube demDach das zu emptio passende Adjektiv in 
falsa gefunden zu haben, das wegen des ahnlichen Wortan- 
fanges wie das folgende flagitiosa leicht aus dem Text 
schwinden konnte; vergl. Verr. IV § 134 acerbiorem scitote 
esse civitatibus falsam istam etsimulatam emptionem, 
quam si quis clam surripiat etc, nachdem es in § 133 ge- 
heissen (wie in § 6 u. R.) ,licet iste dicat emisse se'; 
Flacc.74emptiones falsas praediorum proscriptiones fecisti. 

ibid. nemo erat qui non ardere illa omnia mal- 
let etc. schreiben alle neueren Herausgeber, indem sie illa 
aus dem Citate des Rhetors lul. Rufinianus (siehe d. testim.) 
entnehmen. Die tiberlieferte Lesart ardere etc. ist ohne das 
illa des Rhetors zu hyperbolisch ; nimmt man aber illa in 
den Text auf, so kann man nur bona Roscii erganzen, 
das im folgenden steht und dann anstossig wird. Ich lese 
deswegen audere fiir ardere, wofiir auch der Anfaug des 
nachsten Satzes mit itaque spricht: Sie wollen lieber alles 
versuchen als . . . daher schicken sie Gesandte an Sulla. 
Cic. hat hier die Phrase omnia audere (malle) fiir die 
haufigere omnia experiri (malle) gewahlt, um das Wort- 
spiel audere-videre zu erhalten. Schon Cornelissen 
machte Mnemosyne N. S. VI, 307 diesen Vorschlag, ohne 
ihn jedoch naher zu begriinden; die Belege fiir die Formel 
omnia experiri s. im Kommentar z. d. St. Auf das durch 
den Rhetor Rufiainian bezeugte ,illa' ist nicht viel Gewicht 
zu legen, da ja bekannt ist, wie ungenau und meist nur aus 
dem Gedachtnis die Grammatiker und Rhetoren citieren. 

§ 25. adlegat iis qui peterent codd. (allega- 
tus Lag. 13 m, pr.). Lambin, der in einer Handschrift alle- 
gabat fand, schrieb adlegat, ab iis qui p., worin ihm 
Halm II und Fleckeisen folgten (auch von Adler in d. Philol. 
Rundschau H p. 550 empfohlen). Eberhard und Miiller schlies- 
sen iis ein; Biichner, Ossenbrgg., Halm I, Madvig-Siesbye 
behalten die handschriftliche Lesart bei und verweisen fiir 
den Gebrauch von adlegare alicui auf Plaut. Amph. 2, 
2, 42 alium ego isti rei adlegabo. Allein der ciceronische 
Sprachgebrauch weist durchgangig nur adlegare ad 
aliquem auf, Verr. I, 139; Phil. V, 14 quem ad modum ad 
hunc rens adligetV quo modo accedat? ep. fam. 15, 4, 
16; 10, 2. Zudem geht an u. St. ad eos accedit voraus, so 



94 Kritischer Anhang § 25—28. 

dass dies lcicht auch zu,adlegat' ergiinzt werden kaun, vgl. auch 
Verr. I § 149 petit a nie Habonius et amicos adlegat. 

§ 26. differre cotidie ac pro crastiuare, eodd. 
Krliger (Jahrbb. 1868 p. 207) stellt um: ac cotidie procr. 
(,eine augemessene Steigeruug'), ebeuso Fleckeisen. Dage- 
gen macht C. W. Mliller geltend, dass Cic. nur sehr selten 
ac vor c, g, q gesetzt habe. — aliquanto lentius codd., 
nihil agere codd. : licentius Richter, Fleckeisen, [ni- 
hil] Halm, Kayser. Eberhard lect. Tull. p. 8 ,qui seclusc- 
ruut nihil, non cogitaverunt utrumque, cum omniuo nihil 
hucusque ex voluntate legatorum fecisset, nou potuisse ali- 
quauto lentius agere. Anteaquidem se summauti industria 
simulaveruut, deinde securiores facti iam apertius atquc fi- 
dentius nihil agebaut, denique ad summam audaciam pro- 
gressi Roscio iusidias parabant, Suspicor igitur a Cicerone 
profectum esse ,aliquauto insolentius uihil agere'. — id 
quo facile iutellectu est statt intellectum est Eberh. 
p. 8. — Sex. Roscii, eingeklammert von du Rieu, Kays., 
Halm II, Fleckeisen, Siesbye. 

§ 27. [Nepotis filiam] Passerat., Kays., Ebcrh., Halm H, 
Fleckeis., Madvig-Siesbye; Halm I und Miiller machen das 
Zeichen der Liicke vor Nepotis. — Luterbacher 1. 1. p.75: 
Es ist unvvahrscheinlich , dass Cic. diese Caecilia nirgends 
durch eiuen Zusatz vou andern Damen dieses Namens untcr- 
schieden habe. Ebeuso ist nicht anzunehmen, dass er eiuen 
solchen Zusatz nicht vor § 147 gemacbt haben soUte. Da- 
gegen ist es wohl glaublich, dass ein solcher Zusatz von 
ihm zweimal gemacht wurde ; solche Wiederholungen von 
schon Gesagtem sind in dieser Rede nicht selten. Also sind 
die Familienbezeichnuugeu dcr Caec. in §. 27 und 147 zu be- 
lassen, aber zu berichtigen. Nun war nach Cic. div. I, 4 u. 
99 Caec., die Tochter des Balearicus, somit dic Schwester 
des Nepos (Cons.98), an den ein Interpolator uicht so leicht 
gedacht hiitte, im Jahre 90 eine hochangesehene Personlich- 
keit, auf welche § 147 unserer Rede voUkommen passt. Dass 
sie im J. 80 noch lebte, ist uicht zu bezweifeln. Demnach 
emeudiere mau in §27Nepotis <sororem, Balearici> 
filiam'; iibrigens vgl. sohon Drumann R. G. V p. 236 N. 79 
,p. Rosc. 10 zu verbessern nach cap. 50 fin.' 

§ 28. [cum a uullo defensus essetj, Fleckeisen. 



Kritischer Anhang § 30—34. 95 

§ 30. iufesta codd., Halm in friilieren Auflagen infe- 
stata, infesta in Scbutz genommen von F. W. Scbmidt in 
Fleckeis. Jabrbb. 1874 p.743. — T. Ros.: T. fiigte zuerst Ernesti 
hinzu. — in culleum supplicium parricidarum codd., 
das offenbare Glossem bat Hotman getilgt. Ein weiteres 
Glossem findet sicb in allen Handscbriften nacb satis (est 
feblt in den codd.): quoniam quidem suscepi aus § 19 
und wurde zuerst von Heusinger als solcbes erkannt. 

§ 31. minae Pal. 3. 8. ;j; mine G M. ; in me v a c; 
mibi minaeBaiter, Kays.; Halm II immineant, aufgenom- 
men von Eberb.,Fleckeis.,Muller. AlleindieVerbindungminae 
et terrores ist so konstant nicbt nur bei Cic, sondern aucb 
in der ganzen Latinitiit (vgl. die zablreicben Belege im Kom- 
mentar), dass wir sie aucb bier, zumal sie durcb die besse- 
ren Haudscbriften gesicbert ist, beibebalten miissen. Mit 
Madvig babe icb zwiscben minae und terrores ein et ein- 
gescboben: ,apparet in bac geminatione adiectivi ferri non 
posse primo substantivo additum sine copula alterum terro- 
res; itaque scripsi, geminatis duabus litteris, minae et 
terrores.' 

§ 32. Sex. Roscium feblt bei Lambin (1584) und ist 
nacb dem Vorgang Madvigs vom Halm II getilgt wordeu; 
wobl mit Uurecbt, wie aucb Miiller meint, 

§ 33. Codd.: quae tantum potuit ut omnes cives 
(suos V c) perdiderit et afflixerit: [tantum po- 
tuit ut] Garatoni und Halm I, welcbe tantum potuit! eine 
adscriptio admirautis nennen. Heusiuger scbloss deu ganzen 
Satz ,quae tantum . . . afflixerit' eiu, aucb Hotman balt ut om- 
nes cives suos perdid. etc. flir verdorbeu. Steinmetz nacb 
cod. Par. 1 u. 4 liest (ebenso Osenbriiggen, Orelli), ut omnes 
occisus perdiderit et afflixerit; quos quia etc; BUcbner 
schlagt vor: quae tantum potuit, ut omnes occisus percu- 
lerit et afflixerit, (ebenso neuerdings Lebmann im Hermes 
XIV p. 213) quia, quos etc; Ricbter-Fleckeiseu mortem: 
qui tantum potuit, ut omnes cives occisus perd. etc; allein 
occisus erscbeint nacb mors iiberfliissig , darum sind alle 
neueren Herausgeber wieder zu der von der Mehrzabl der 
Haudscbriften iiberlieferten Lesart zuriickgekebrt. 

§ 34. Fimbriae non simillimum codd., s. testim. vet. 
— magis indignum videtur . . . num est ferendum codd.: 



96 Kritischer Anliang § 34—38. 

,alterum indignum videtur, altcrum non ferendum. Sed in 
membro priore si additur ,magis', comparatione iam instituta 
sententiae vis infringitur. Nam si illud facinus ,magis' est 
indignum, patet hoc minus quidem indignum , attamen in- 
dignum dici. Atqui quod indignum est, utique non est fereu- 
dura. Qua de causa W. Hirschfelder et ego v. magis ex 
priore in alterum membrum transponendum censuimus' Eber- 
hard lection. Tull. p. 9. Die Transposition ist aufgenommeu 
von Fleckeisen. 

§ 35. Codd. und Mar. Victorin. accusator Erucius; 
accusator gestrichen von Ilalmll, eingeklammert von Eber- 
hard; Erucius eingeklammert von Madvig-Siesb., Kays. — 
poposcerunt codd., depoposcerunt Mar. Victorin. (§95 
haben die Handschriften depoposcisse); den Ilandschriften 
folgen Halm I, Madvig-Siesbye, Eberhard, Miiller, dem Zeug- 
nis des Mar. Vict. Halm II, Fleckeisen. — Chrysogonus 
autem [is qui plurimum potest] etc. Pluygers 1. 1. p. 370. 

§ 37. Die Lesart der codd. quo uno maleficio sce- 
lera omnia complexa esse videantur ist zu halten 

1) nach dem doppelten Zeugnis Priscians (s. d. testimonia); 

2) durch Vergleich mit Verr. IV § 60 venio nunc ad eius- 
modi facinus, in quo omnia nefaria contineri mihi atque inesse 
videantur. Daher zu verwerfen Backes Emendation (Mnem. 
VIII, 114) quod uno maleficiosceleraomniacom- 
plexum esse videatur, ,welche Halm II in den friiheren 
Auflagen aufgenommen, wiihrend er in der neuesten wieder 
zu der handschriftl. Lesart zuriickgekehrt ist. Eberhard hat 
an maleficio Anstoss genommen und es eingeklammert, 
nach ihm Fleckeisen. Wir halten uns auch hier an die durch 
Priscian gesicherte Ueberlieferung. Es soll die magnitudo 
criminis dem Zuhorer recht in die Ohren klingen, wie 
auch Quintilian und der Scholiast bemerken, und darum setzt 
Cic. hier so reichlich synonyme Worter, vgl. iibrigens § 72 
tanti maleficii crimen, cui maleficio tam insigue suppli- 
cium est constitutum. Endlich ist Eberh.' Behauptung, auf 
die er seine Einklammerung stiitzt, unrichtig, wie wir im 
Koramentar zu d. St. nachweisen. 

§38. auditumest Halra II, Fleckeisen; die liberlie- 
ferte Lesart aud. sit verteidigt C. W. Miiller in der adnot. 
crit. p. XII. — numeraretur Richter, Fleckeisen. — qui- 



Kritischer Anhang § 38—40. 97 

bus tandem te, C. Eruci cotld.; quibus taudeni, Eruci, 
Madvig-Siesbye, Halm, C. W. Miiller; quibus tandem tu, 
C. Eruci Klotz, Kayser, Eberhard, Fleckeisen. — et deni- 
que codd., et gestrichen nach Madvlgs Vorgang vou Eberh., 
Halm H, eingeklammert von Miiller, s. den Kommen. z. d.St. 

§ 39. anuis [natusj maior quadraginta verlangt 
Cobet (Muem. N.F. VHI p. 372) uuter Hinvveis auf seine Cornel- 
Ausgabe S. 14. — hixurie cod. G,HalmH, Fleckeis., Mliller; 
hixuria die iibrigen Herausgeb. — Nach unquam fiigen 
cuiquam ein Backe (Mnemo. VHI, 114), Kays., Fleckeis. 
— coniuncta est cod. M (allein), Eberh., Halm II, Miiller, 
couiuncta fehlt in 3IIandschriften, cupiditate est et cum 
officio coniuncta Vulg., Madvig-Siesbye, Halm I, Kayser, 
Fleckeisen, 

§40. patri, inquit, non placebat. Patri nou 
placebat? haben alle codd. mit Ausnahme von G uud xp. 
Seitdem Madvig (praefatio p. XI = opusc. acad. I p. 120 sq.) 
die Regel aufgestellt ,Cicero enim cum ex adversariorum 
persona aliquid dicit aut eorum sententiam tauquam veram 
ponit, ut statim vehementer redarguat, nunquam illa verba 
repetit per interrogationem, ut huic cum admiratione prolatae 
argumenta subiungat contrariae sententiae, ut nos fere in no- 
stro sermone facimus, sed statim confutationem subicit, 
sive per interrogationem sive per particulam at sive alio 
modo. Atque huius generis exempla ubique sunt, contrarii 
uulla nisi in hac oratione (haec duo aperte falsa)' — haben 
fast alle neueren Herausgeber die Worte ,patri non placebat' 
und ebenso § 54 das wiederholte ,cogitabat?' gestrichen; cf. 
Seyfifert schol. Lat. I § 65. Dagegen hat schon Orelli iu 
seiner Spezialausgabe (1837) Folgendes mit Recht erwiihnt 
jVerum meminisse debemus et facillime unum alterumve scrip- 
torem librarium huiuscemodi repetitionem omittere potuisse 
nec facile perspici, quam ob rem interpolator haec vv. iutru- 
serit, praeterea nos versari in opere iuvenili, quod, ut ceterae 
orationes Tullianae ante Verrinas conscriptae, subinde habet 
formulas atque clausularum conformationes in posterioribus 
non iam recurrentes.' Der neueste Herausgeber, C. W. Miil- 
ler, hat den durch den Madvigschen Schiedsspruch aus allen 
neueren Ausgaben verbannten Worten wieder zu ihrem Rechte 
verholfen, iudem er vergleicht Rosc. Com. §. 48 dic nunc 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. »7 



9(S Kritischer Anhang § 40—47. 

Cluvium esse mentitum. Mentitus est Cluvius? har. 
resp. § 50 volo, inquiunt, esse, qui in contione detrahat 
de Pompeio. Detrahat ille vituperando? Verr. III § 126 
reiiquos, inquit, aratores. Reliquos? und die Bemerkung 
hinzutugt, die ich vollstandig unterschreibe ,Mihi si nullum 
extaret simile exemplum, eiusmodi leges ipsa ingenii natura 
respuere videretur'. — necesse est enim eam quoque 
iustam codd., enim causam eamque iustam Richter, 
Fleckeis ; Eberh. schlagt eam utique vor. Es ist nichts 
zu andern, s. d. Komment. 

§43. quidhoc? Vulg. Kayser, Eberhard, Fleckeisen ; 
quid? hoc Madvig, Halm, Muller; s. d. Komment. 

§ 44. Die codd. haben teils haec a te vita et rust. 
teils haec attente vitaetrust. ; Halm I: haec a te vita 
rust; nach Vahlen Rhein. Mus. XIII, 296 sq. lesen Kays,, 
Eberh., Fieckeis. haec a te vitaeiusrust. ; Halm II, Mul- 
ler: haec vita a te rust. — videsue? Halm II, Fleck- 
eisen. — averitate, a nach codd. G M gestricheu von 
Eberh., Fleckeis. 

§ 45. quid arguas codd. G M, Kays., MUller; quod 
arguas Oxon, R, Halm, Eberh., Fleckeis., Madvig-Siesbye. 

§ 47. Flir homines notos (codd.) vermutete Jeep 
(Jahrb. 1857 S. 297J natos = ,wirkliche Personen' im Ge- 
gensatz zu den von der Phantasie des Dichters geschaffenen. 
Aber in dieser Bedeutuug tindet sich natus nicht. Hatte 
Cic. hier diesen Gegensatz ausdriicl^en wollen, so hatte er 
sich wahrscheinlich des Adjektivs verus bedient, wie er in 
einer ganz ahnlichen Stelle Lael. § 70 die ,veri patres' den 
,patres in fabulis'. eufgegenstellt und wie er auch in un- 
serer Rede § 48 vou der Abschweifung ad fabulas zu- 
rlicldiehrt mit den Worten ,refer animum ad veritatem.' 
Uebrigens hatte schon das folgende magis notus Jeep von 
seiner uugliicklichen Konjektur abbringen sollen, die Fleck- 
eisen sogar iu den Text gesetzt hat. Der Zusammenhang ist 
doch klar der: Was soll ich Leute aus unserm Bekanntenkreise 
nennen — nomina sunt odiosa — ist ja doch niemand uns 
mehr bekannt als der juuge Eutychus bei Caecilius? — 
Ebenso kann ich die Konjektur Eussners (Jahrb. 1873 p. 520) 
otiosum fiir odiosum nicht billigen, abgesehen davon, dass 
sich die Wendung otiosum est = es ist Uberflussig erst 



Kritischer Anhang § 47—55. 99 

in der nftcbklass. Latinitat findet (Lact. 2, 4, 28; Min. Fel. 
23,1). — Veiente codd., Veienti Halm]I, Fleckeis., Eberh. 

— a poetis esse nacb der ed. Asc. und Ven. Kays., Eberb. 

— nostruni GM, eingeklammert von Eberbard, Milller; 
nostrae Hotomanni libri veteres, gestricben von Madvig, 
Halm H (Halm I in Klammern), Fleckeis. Dem Scboliasten 
scbeint in seinem cic. Text nostrae vorgelegen zu baben, 
s. denselben zu d. §. 

§ 48. familiis codd., Fleckeis.; familias Lambin; s. 
den Kommentar. 

§00. rem publicam Pluygers Mnem. VH, 1858, 
S. 201, Fleckeis. ; re publica codd. 

§51. sederedebebant: der Vorscblag Eberb.' (lect. 
p. 10) flir sedere debebant sedebant zu schreiben hat viel 
fiir sich. — quod ruri Siesbye. 

§ 52. uoii ostenditur Ricbter, Fleckeis.; Eberb. macbt 
am Scblusse dieses Satzes ein Ausrufezeicben. 

§ 53. cauti accusatoris Eberh., certe Pluyg., Kays. 

— atque peccata Klotz, Kays., Eberb., et cod. G. — quod 
sine etc. Pluyg., Kays. 

§ 54. iUum quidem codd, Madvig, Osenbr., Halm I; 
iHud qu. Pluygers Mnem. 7, 361, Kays. , Eberb., Halm H, 
Fleckeis. , Siesbye, C. F. W. Miiller. — vere nibil potes 
se dicere haben einige codd., in welcbem se C. F. W. 
Miiller scilicet vermutet; Pluygers liest si vere nihil potes 
dicere, finge etc. — cogitabat? von allen neueren Editoren 
ausser C. W. Miiller gestricben, cf. zu § 40. 

§ 55. huc inimicus codd., Osenbrgg., Halm I, Madvig- 
Siesbye; buic ed. Crat. und Lambin., von Jordan (Zeitscbr. 
f. d. Altertb. 1835 p. 725) fiir notwendig gebalten, hat bei allen 
neueren Herausgebern Aufnabme gefunden, dagegen vertei- 
digt H. Miiller symb. p. 35 das bandscbriftlicbe huc: ,mibi 
buc necessarium videtur et scribendum adsumpta prima se- 
quentis vocabuli littera : qua de causa buc ei inimicus ve- 
nias', doch vgl. Verr. H § 149 quod eos infenso animo atque 
inimico venisse dicatis, wo ebenfalls die Ortsbezeicbnung bei 
venio fehlt; Luterbacher 1. 1. p. 75 und Adler 1. 1. p. 557 
verteidigen buc, letzterer unter Vergleichung vou § 61 buc 
ea spe venisse und § 80 huc adductum. — inuocens est 
quispiam, at idem, quamquam etc. liest Fleckeis. statt 

7* 



100 Kritischer Anhang § 55—64. 

des hdschrftl. verum tamen. — possim alle Hdschr. aus- 
ser G, Halm I, Kays., Eberh., Siesbye, C. W. Mliller, pos- 
sum G, Halm U, Fleekeis. — videtur statt des hdschrftl. 
videatur liest Fleckeis. nach der Vermutung Kays.'. 

§ 56. accusatus est (statt sit der codd.) Halm n, Eber- 
hard, Fleckeisen, Madvig-Siesbye. — si qui noctuinC. ye- 
ueriiit codd., Halml, Kays., venerunt Madvig (s. d. Komm.), 
Eberh., Halm H, Fleckeis., C. W. Muller. — Im Folgeuden 
schlagt Kriiger (Fleckeis. Jahibb. 1868 p. 207 ft". zu lesen vor: 
venerint, quia id est suspitiosum, et [tametsi be- 
stiae sunt, tamen] in eam partem etc. In der Transpo- 
sitiou von et ist ihm Fleckeisen gefolgt, in der Einklammerung 
von tametsi b. s. t. niemand, uud das auch mit Recht. 

§ 57. aHquem commisisse codd., aliquem aHquid 
comm. Hotman. — in suspicione und sine suspicione 
haben als erklarende Randbemerkung eines Lesers einge- 
klammert Halm II, Fleckeis., wahrend Eberh. nur sine susp. 
eiuklammert; doch scheint mir gerade letzteres dem Cic. zu 
gehoren, da der Scholiast in der Note zu §. 57 den Ansdruck 
sine suspicione accusabitis gebraucht, den er doch 
vpohl aus seinem Cicero-Texte nahm. 

§ 58. II ou quem certiorem fec. Richter, Fleckeisen. 

§ 61. aut confitere te uach Hotmau's Verbesserung 
Halm I, Kayser. 

§ 62. id maxime codd., id gestrichen vonHalm I, Kays., 
Madvig-Siesbye, et Klotz, Fleckeis., vel Eberh., Halm II, C. 
W. Miiller. 

§ 63. reclamitat codd. , reclamat Victorin. p. 269, 
38 H. (s. d. testim.), Fleckeis. 

§ 64. quid poterat iam esse (sane, sa e, sa . . . 
est, satis est) suspiciosum autem ueutrum (om. 
Oxon. H) ne (se), codd. Die meisten Herausgeber haben 
die Emendation Madvigs augenommen: quid poterat tam 
esse suspiciosum? neutrumne, Halm I, Kays., Eberh., 
Miiller; suspiciosum autem? neutrumne Halm H; quid 
post? (quid postea Manutius) erat sane susp. "*^au- 
tem neutrum nec sensisse Richter, Fleckeisen, welche 
die Liicke also erganzen wollen: <caedes cum fieret, 
utrumquefuisse somno sopitum, excitatum>; der 
neueste uud wie mir scheint einfachste Vorschlag ist der von 



Kritischer AnhaDg § 64—73. 101 

Vitelli (Publicazioni del r. istituto, vol. 11. Firenze 1877) 
,quid poterat tam esse suspiciosum quam ueutrum 
s e n s i s s e' etc. — Erat porro nemo in quem ea sus- 
picio conveniret, diese Worte hat Fleckeisen getilgt, 
Eberh. eingeklammert. 

§ 65. posset schreiben flir potuisset nach Ernestis 
Vorgang Fleckeis., Halm II, Siesbye; s. die Verteidigung des 
hdschr. potuisset im Kommentar. 

§ 66. usqnam schreiben mit alten Ausgaben Kays., 
PLberh. 

§ 67. haec sunt cod. G, schol. Lucau. , Klotz, Fleck- 
eisen, Mliller, alle ubrigen Herausgeber schreiben hae, s. 
dariiber den Kommentar. — parentium Halm H. — re- 
petunt flir repetant lesen Eberh., Halm II, Fleckeis., eine 
ganz unnotige Korrektur, s. Miiller adn. crit. p. XV. 

§ 68. si paeneWeidner Phil. 35, 719. — nisi sit tur- 
pis adulescentia Pluygers, Mnem. VIH p. 370. — prae- 
rupta cod. Lg. 26, ed. Ven., Kays., Eberh. , Halm II, Miil- 
ler, Siesbye, prorupta mit den iibrigen codd. Osenbrgg., 
Halm I, Fleckeis. — tam acerbum, tam immane Fleck- 
eisen. 

§ 70. scripserit codd., Halm I, Siesbye, scripsit 
Halm II und die librigen neueren Herausgeber; Adler 1. 1. 
p.558will scripserit halten. — posset las Halm II in deu 
friiheren Aufl. nach Ernesti, vpahrend er iu der 9. Aufl. zum 
hss. potuisset zuriickkehrt. — Vor magnitudine haben 
mitLambin ii eingeschoben: Orelli, Biichner, Osenbrgg. und 
Eberh., Halm II in den neueren Aufl. — ita in flumen 
deici: ita lassen cod. G und Oxon. T aus, nach ihneu Kays. 

§71. in mare, mare ipsum polluerent Richter, 
Fleckeisen. 

§ 72. tam est, codd , Halm II, Fleckeis., Siesb., Miil- 
ler; est tam Lamb., Halm I, Kays., Eberh. — terram non 
tangant liest Siesbye, wie die besten Hss., vom cod. Vite- 
berg, abgesehen, in dem Citat bei or. § 107 bieten. — ab- 
luantur codd., Eberh., Fleckeis., Siesb., Miiller; adluan- 
tur Halm, Kays. mit cod. Oxon. C; cf. die adn. bei Halm I. 

§73. itaque quaeram statt des hss. ita quaero 
Urs., Fleckeis. — in eo loco codd., verteidigt von Jordan 
in d. Rezens. der Oseubrliggen'scheu Ausg. p. 662 und von 



L02 Kritlscher Anbang § 73-77. 

Fleckeisen, meo luco Madvig, Halm, Kayser, Eberhard, 
Muller. 

§ 74, ipse percussit codd., ipseue perc. Fleckeis. — 
queros quos cod. G, was nicht verderbt ist aus quaero, 
per quos wie G. Krltger meint Jahrbb. 1868 p. 208 [ebenso 
schon Halm in der Zuricher Ausgabe 1854] , sondern aus 
quaero s'uos i. e. servos (Vahlen, Ehein. Mus. XHI, 
297). — si per liberos von Halm H, Kays. und Fleckeis. 
erganzt, letzterer macht vor diesen Worten das Zeicheu der 
Liicke; si liberos Madvig, Halm I, Eberh., Miiller. Luter- 
bacher 1. \. p. 75 bemerkt zu d. Stelle: ,Wenn im Vorher- 
gehenden per alios richtig ist, so erwartet man auch si 
per liberos, freilich aber auch per servos an per liberos? 
Es scheint am einfachsten, das erste per zu streichen; die 
Worte si aHos fecisse dicis konnen nicht missverstan- 
den werden. Nach an Hberos? hat Muller mit Recht die 
von Richter und Fleckeisen angenommene grossere Liicke 
verworfen, da die Unmoglichkeit, dass der Mord durch Skla- 
ven im Auftrag des Sohnes Roscius veriibt wurde in § 77 
erortert wird'. — qui sunt hi Vulg., Kays., ilHalm, Eberh., 
Fleckeis., Siesb., Mliller. — noverat Sex. Roscius Siesb. — 
qui conlocutus est G. Kriiger (1. 1. p, 209), Eberh., 
Halm H, Fleckeis., Siesb., Muller; quicum locutus codd., 
Halm I, Kays. — ,Pretium dedit' Halm I, Kays., Eberh., 
Siesb., Miiller; pretium dedit? Halm H, Fleckeis. 

§ 75. luxurie cod. G, Fleckeis., Miillor; die iibrigen 
Herausgeb. luxuria. 

§ 76. occulte Kays. — per quem aut quando 
Eberh,, Fleckeis., quem aut quando lesen die besten Hss. 
bei Priscian, s. d. testim. 

§ 77. codd.: o di immortales! quod in tali cri- 
mine quod innoceuti saluti solet esse ut servos in 
quaestionem poHiceantur. Eberhard lect. Tull. p. 11: 
,post exclamationem Cicero non solet adhibere coniunctionem 
causalem quod sive quia, sed novum incipere enuntiatum; 
vitium autem inesse in his ,quod innocenti' verba opposita 
,id Sex. Roscio facere non licet' efficiuut. Atque horum loco 
certe requiri ,innocentibus' perspexit Car. Halm^ sed enuntia- 
tum causale non immutavit. Itaque potius v. ,quod' vitio labo- 
rare arbitratus reposui omni, quod post v. ,crimine' facile 



Kritischer Anhang § 77—83. 103 

potuit excidere^ Hirschfeldero autem siuidente pro v. qiiod 
scripsi reo. Quod quidem factum uollem. Nam v. innoceus 
saepe substantivi partes tenet (6. 15. 56. 141. 149) . . . sic igi- 
tur scriptum velim ; quod in tali crimine omni innocenti 
s. s. e. ut . . polliceatur'. In dem Streichen des zweiten 
quod stimme ich Eberh. volikommen bei, um so mehr als 
es in cod. G und Pal. 1 fehlt, weshalb auch kein Ersatz flir 
dieses quod gesucht zu werden braucht. Dass durch diese 
Streichung die Periode viel konzinner und natiirlicher wird, 
ist leicht einzusehen, innocenti (codd.) ... polliceatur 
lesen Halm I, Kays., Fleckeis. , Siesb. ; innocentibus .. . 
polliceantur (codd.) Halm H, Miiller. — minister Lg. 26, 
Kays., Eberh., HalmH; administer d. iibrigen Hss., Halra I, 
Fleckeis. ; (ad)minister Miiller. — in honore et in pre- 
tio codd., das zweite in haben gestrichen Kays. und Eberh. 

§ 78 quid facitis? recusatis Pluygers I I. p. 370. — 
in insidiis, in wurde hiuzugefiigt von Halm, nach ihm Kays., 
Fleckeis., Siesbye. — neque ita multa post: multa bei 
Miiller ist stehen gebliebener Druckfehler fiir multo. 

§ 80. quid ergo est (cod. M.), est ergo (d. iibrigen 
Hss.); quid tamen est G; confugerit codd.: quid ergo 
est? quo-confugit? Madvig-Siesb., Halm II, Kays., Eberh., 
Miiller, quid estergo, qu o-confugerit? Fleckeis., quid 
ergo est, quo-confugerit? Halm I, Adler I. I. p. 558. — 
interdum Ursinus, Kays., Eberh., Halm II, Fleckeis., Miil- 
ler; interim codd, HalmJ. — iudicio perfundere codd., 
Halm I, Eberh , Siesb., Miiller, pervertere Halm II, pes- 
sundare Trojel, Fleckeis., percutere schlagt vor G. Krli- 
ger 1. I. p. 209. — non cogitas Ernesti, Halm I, Osenbr., 
8. d. Kommentar. — nescisne Halm II (cf. schol. Gr.). 

§ 81. iidemque statt des hdschrftl. ii denique Rich- 
ter, Fleckeis. — in praeda et in sanguine Lg. 26, Halm II, 
Kays., Eberh., Fleckeis., Siesb., Miiller; et sanguine Halml 
mit den iibrigen Hss. 

§ 82. aliqua oratione Eberh. lect. Tull. p. 11, HalmH, 
Fleckeis., Miiller; alia codd., Halm I, Kays., Siesb. 

§ 83 will Lehmaun Herm. XIV, 451 sed oder tamen 
vor desinamus einfiigen; uunotig, cf. Schol. Gr. u. Komm. — 
codd. : maleficium ubi oder ubi maleficium oder 
ubi maleficium ubi; maleficium ibi, ubi HalmH; die 



104 Kritischer Anhaiig § 84-89. 

llbrigen Hsg. ibi malef. ubi. — persequar Lambin., 
Halm I, Kays., Eberh., Siesbye, Muller; prosequar codd., 
Halm H, Fleckeis. 

§ 85. atque iudicem Lg. 26, Halm H, et iud. cod. 
G. — implacatus Graev., Madvig, Eberh., HalmH, Fleck- 
eisen, Miiller; implicatus codd., Halm I, cum cruceKays.; 
incHnatus Konjektur des Manutius, von Siesbye aufge- 
nommen. — eo perspicuo Verbesseruug des Puteanus, d. 
Hss. haben ei (eo) perspicuum. 

§86. quaerenda causa G M c, om. c a u s a Parr. 
Oxx. — ; quaerenda causa est Richter, Fleckeis. ; quae- 
renda, quae-adduxerint Osenbrgg,, Madvig-Siesb. — elu- 
ceat codd., elucet lesen nach Heumanns Emendation 
Halm H, Kays., Eberh., Fleckeis. 

§ 88. reformidet Lambin., Halm I, Kays., Eberhard, 
Miiller, Slesbye: reformidat codd., reformidarit nach 
Biichners Konjektur Halm H, Fleckeis. 

§ 89. posses Siesbye nach Weseuberg ,cuius verba 
haec sunt: possis, si verum esset, infinite positum esset = 
man kann: sed secunda persona eundem dici, qui supra in 
illis: esses . . diceres . . iactares . . te oratio defi- 
ceret, facile cum ex proxime eequentibus: te copiosius 
quam me dicere . . te accusatorem fecit intelligitur 
tum ex §91 haec si haberet ... posset . . dicere'. — 
accusatorem codd. et schol. Gron., Halm I, Kays., Mad- 
vig-Siesb. ; accusatorum Buttmann, Eberh., Halm H, Fleck- 
eisen, cf. Eberh. lect. Tull. p. 11 sq.: „pugna Cannensis ni- 
hil aliud est quam pugna apud Cannas commissa, nisi aut 
adiecto aliquo vocabulo, sive prouomine (vehit ille^ sive 
adiectivo sive genetivo (velut nequitiae) definitur, aut 
praedicati loco est (,pugnam Cannensem diceres')- Hoc vero 
loco cum ne antecesserit quidem quo referri possit, nihil est 
unde allegoriam esse cognoscas. Ph. igitur Buttmannus 
antc hos sexaginta annos facillimo usus remedio genetivum 
restituit ,te pugna Cannensis accusatorum sat bonum (sc. 
accusatorem) fecit'. Quod membrum iam accurate respondet 
alteri ,ego propter multitudinem patronorum in grege (pa- 
tronorum) adnumerer\" — Trasumennum Fleckeis., Trasu- 
menum schol. Gr., Vulg., cf.Georges Worterb.'': ^Die Schreibart 
Trasumenus oder Trasumennus ist iiberall die der be- 



Kritischer Anhang § 89—99. 105 

steu Hss. und wird durcb Quiutil. 1, 5, 13 (wo auch die alte 
Nbf. Tarsumennus) und Strabo 5, 2, 9 (woKraner nacb den 
Spuren der Hss. ^ TQaaovixtvva bergestellt bat) ausdriick- 
lich beglaubigt.' 

§90. Mammeos oderMameos haben die Hss., Mem- 
mios scblug Ursinus vor mit Riicksicbt auf Cic. Brut. c. 36 
init. ,tum etiam C. et L. Memmii fuerunt, oratores mediocres, 
accusatores acres atque acerbi'; allein Caius M. war scbon 
ira J. 100, als er sich um das Konsulat bewarb, von den 
Rotten des Saturninus und Glaucia erschlagen worden. — 
Priamum ipsnm, senem Antistium Halm H: Pria- 
mum ipsum senem, Antistium Mliller; Eberb. und Fleck- 
eisen halten die Worte Priamum ipsum senem noch filr 
Citat aus der Tragodie des Ennius. 

§ 92. quid tu, T. Rosci Halm, quid tu? T. Rosci 
Eberh.; quid tu, T. Rosci, ubi — ? Fleckeisen; quid? tu, 
RosciKays. ; quid? tu, T. Rosci Miiller; T nur cod. G. 

§ 93. quicquid cod. M., edd. Asc, Ven., Crat., Kays., 
Eberh. , Miiller (cf. dessen adn. p. XVH), quidquid Halm, 
Fleckeis. 

§95. videamus, quae-facta sunt codd. , Halm I, 
Eberh. , Fleckeis. , Miiller; sint Halm H, Kays. — qua tu 
re nihil aliud adsequeris Ernesti, Halm H. 

§ 96. Qui primus codd : quis primus schreiben seit 
Halm I alle Ausg.; das handschrftl. qui verteidigt Kiihuer 
ausf. Gramm. d. lat. Spr. H p. 482. — [qua ratione] 
Rosc. Cap. primum nuntiavit. Cum Ameriae etc. 
Pluygers 1. 1. p. 370. — T. Roscio Capitoni, T. haben 
nacb Ricbter hinzugefiigt Halm H, Eberhard, Fleckeisen, 
Miiller; primo nuntiavit (codd. primum) Biicbner, Eber- 
hard, Halm H, Fleckeis., cf. Eb. lect. Tull. p. 12. 

§97. capiendasit codd., cap. est Madvig uud alle 
ueueren Hsgbr. 

§ 99. quid erat, quod voluerit codd. und die mei- 
sten Ausgaben: ,mendum animadverterat Ernesti, cum suspi- 
caretur scr. esse vellet; sed forsitan Cic. scripserit est: 
quo tempore per totam narrationem usus est' Eberh. lect. 
p. 12, docb schrieb er im Texte erat; Miiller quid erat 
quod voluit, wozu er in der adn. p. XVHI bemerkt ,vo- 
luit scr. dubit. (fort. melius erat quid est quod voluerit); 
Adler in d. Anz. p, 557 billigt die Konjektur M,': ,quid erat 



106 Kritischer Anhang § 99— 1U5. 

quod volucrit'? wlirdc glcicb sein nihil erat, quod voluerit, da 
dcr Siun verlangt: welcbes war der Gruud, aus dem er den 
Cap.zuerst bcnacbricbtigte'. quid est causae, quod... vo- 
luerit Weidner pbil. Anz. VII (1875) S. 240, quid causaeest 
etc. Fleckeisen. — [fundos] Halm II, video streicbt Madvig, 
wabrend es Siesbye einklammert; Halm I-, ,at videtur fcrri 
posse, si statuas oratorem figura conduplicationis et interpre- 
tationis (v. auct. ad Her. IV c. 28) coniuncta usum esse*. 

§ 100. Romae deferatur codd., Osenbr. ; Roma def. 
(,alios legere ait Lamb. in marg.*) Madvig-Siesb. ; Romae 
ei def. mit Garat. und Ernesti alle neueren Herausgeber. — 
[in Tiberimj Kays., Fleckeis. 

§ 102. atque ad magistrum codd., Halm I, Kays., 
atque adeo m. Eberb., Muller; ad gestrichen von Madvig- 
Siesb., Halm II, Fleckeis. — testimonia etiam . . dic- 
turus est Klotz, Kays. — utrum, is codd. G M, Halm I, 
Kays., Eberb., Fleckeis., Siesb., Muller- utrum id mit eini- 
gen codd. Halm II. — quasi vero uon id nunc agatur 
Madvig (opusc. I p. 123 sq.), Halm I, Siesb. ; non feblt im 
cod. 0, an quod . . . maiorum im cod. G. ; ac uon Jeep 
(Jahrb. 1860 S. 613), Kayser, Eberh., Halm H, Fleckeisen, 
MuIIer. — itaque codd., Kays.,'FIeckeis., Miiller; ita scbol. 
Gr., Halm, Eberb., Madvig-Siesb. — ut vel in minimis re- 
bus: vel hat Halm II eingesetzt, Kays. , Eberh. (docb s. 
lect. Tull. p. 13 ,nescio autem an non recte ,vel' quod adie- 
cit Halm retinuerim : neque enim semper additur si ex rerum 
nexu quae sit sententia intellegitur'). 

§ 103. si diceret, ei non crederetur, Pluygers. — 
videte, nunc quam etc. Fleckeis. 

§ 104. quid tu, vir opt.? Halm, Kays., Eberh., Fleck- 
eisen, Madvig-Siesb., quid? tu vir opt. Miiller. 

§ 105. Pluygers: curat Chrys., ut eius bona vene- 
ant statim. Qui non norat bominem aut rem, [at] qui 
ei venit in mentem etc. — audistis cod. G, Eberh., Fleck- 
eis,, Siesb., Miiller; s. Eberh. lect. p. 13, der ebenda fiir quem 
m n i n zu lesen vorschlagt quae omnino: ,quodsi hominem 
ipsum non cognovit ueque vidit, quidni bona eius coucupiverit, 
si modo illa cognoverit? itaque qua de causa illum ipsum 
Cbrysogono ignotum fuisse tanto opere extollitur ut addatur 
„quem onmino nunquam vidcrat" ? Neque commode extollitur: 
uam dici debcbat „de quo omuino nunquam quicquam au- 



Kritischer Anhang § 105-107. 107 

diverat". Scribeudum igitur suspicor „quae omnino nuu- 
quam viderat". Plane autem haec concinunt cum eis quae 
paulo ante legimus „iion norat hominem aut rem".' 

§ 106. quod suspicionem hoc putetis codd. 
Die Verderbtheit der Stelle ist offenbar, ihre Heiluug un- 
sicher. Halm I und Miiller schreiben mit dem Zeichen 
der Korruptel ,quod f suspicionem hoc putetis'. An Ver- 
besserungsvorschlagen erwahnen wir suspicione conti- 
neri Eberhard, suspiciosum hoc esse Halm H, suspi- 
cione hoc computetis Richter-Fleckeisen, suspicione 
opus esse putetis Baiter, Wesenberg, Siesb.; andere ver- 
muteten suspicionemhabere, suspicione hoc, sus- 
picioni esse locum; Miiller adn. p. XVHI fiihrt als 
weitere Vorschlage an: in suspicione positum oder col- 
locatum, suspicioni locum detis, von deneu mir letz- 
terer am besten gefjillt, cf. Cael. § 9 quoad aetas M. Caelii 
dare potuit isti suspicioni locum, Balb. 16 cuius . . 
virtus dubitationi locum non daret. 

§ 107. indicii partem codd., pretium Eberh. lect. 
p. 13: ,indicium' nemo ut rem indicatam significaret adhibuit. 
Est quidem id quod merces indicii: quam totam T. Roscius 
accepit, non partem. Atque haec quidem habeant quo com- 
mendentur: num vero credibile est fuisse qui interpretarentur 
,partem praedae ut praemium indicii ^''Hoc vero non est explicare, 
sed implicare. Pater meus igitur in v. ,partem' latere censuit 
,praemium': sed dudum scriptum oportuit pretium. Vitiuminde 
natum puto quod sequitur ,quibus partem Chrysogonus de- 
derit'. — acceperit codd., accepit Whitte (enarrationes 
etc. aliquot locorum scriptorum Romanorum in opusc. phil. 
ad Jo. N. Madvigium Hauniae 1876, S. 91), Fleckeis. Whitte 
sagt am citierten Orte : „Neque enim de re incerta et futura 
loquitur Cicero, quid futurum sit vel fieri possit, si quis ac- 
ceperit, sed de eo, qui partem praedae iam accepit. Itaque 
•interrogat: ,Qui sunt-dederit?' Respondet: ,duo Roscii^" Die 
hss. Lesart verteidigt trefflich Mtiller adu. p. XVHI: ,Quod 
qui statuerit, § 113 quoque laesit-poUuit-adfecit scri- 
bere debet; nam non minus certum est, quis laeserit. Hoc 
loco non certum eum hominem intellegi, qui accepit, T. Ros- 
cium, multa poterant docere, particula si (dubium non est, 
quiu cernaut), futurum cernetis (iam tum cernebant, qui 



108 Kritischer Anhang § 107-110. 

aderant), singulavis eum; neque enim unus accepit, sed ,duo 
Koscii*. Apparet Ciceronem sic argumentari : ,Si eum, quis- 
quis erit, qui acceperit, cernetis, non dubitabitis; atquc ii 
sunt Roscio (soll wobl heissen Roscii); ergo dubium non 
est); cf. § 116 und p. Rose. Com. § 45, ubi certum est, quem 
iudicem probarit, et tamen recte scribitur; eumne testem 
improbabit, quem iudicem probarit? ... crediderit? 
... compararit?^ — quis indicarit Halm II, Kays., 
Eberh., Fleckeis., Miiller; qui codd., Halm I, Madvig-Sies- 
bye. — qui suntigitur in istis bonis? quibus partem 
Chrysogonus dedit Siesbye, cf. dessen adn. p. II ,viam mon- 
strante Wesenb., qui ,,Prava" inquit „vulgata distinctio: qui 
sunt igitur in istis bonis, i. e. possident ista bona, qui- 
bus partem Chrysogonus dederit? Recte Garatonius: 
qui sunt igitur, in istis bonis quibus etc. ; praecedit 
de eadem re: qui partem acceperit, etsequitur: qui ab 
eo partem praedae tulerunt. De illo: in bonis, 
sc. possideudis, partem dare cfr. §99: in his bouis 
esse socium." Haec Wesenb. ; ego cum nec partem in 
re aliqua dare loco ab eo citato defendi putarem nec 
coniunctivi rationem in seutentia relativa intelligerem, eodera 
emendandi genere usus sum, quo Madvigius in § 80, ut duae 
sententiae interrogativae fierent ex aequo positae, dederit 
in dedit mutato.' — uumquisquam3 codd. Oxou., Halm II. 

§ 108. T. hinzugefiigt von Richter, Eberh. , Halm II, 
Fleckeis. , Miiller. 

§ 109. venit in decem primis [legatusj in castra 
Capito, Pluygers. 

§110. [cum illo ... enuutiare] Fleckeis. — fretus 
mora, hora, fretum ora oder aura lesen die codd., fretus 
moraHalml, Kays., arte et moraMadvig, Siesb.; Eberh. 
lect. p. 13: ,v. mora quin restituendum sit inde a Manutio 
nemo erat qui dubitaret. Ex fretu autem — nam fretus 
iam de coniectura scriptum videtur — ut incredibile illud 
,arte et mora' omittam, M. Haupt Herm. 3, 208 eruit vafre: 
at nimis artificiose adverbium inter v. ,aliqua' et ,mora' in- 
terponitur; oniuibus vero numeris absolutam, quippe quae non 
solum a sententia commeudetur, sed etiam litterarum ductus 
presse sequatur, emendationem puto Graevii et Fr. Gronovii 
,aliqua ficta mora' (so schreiben ausser Eberh, auch Halm II, 



Kritischer Anhang § 111 — 113. 109 

Fleckeis., MUller). Quam a Madvigio, Hauptio, Kaysero 
spretam esse mirari satis non queo.' 

§ 111. in iis Lg. 26, Halm H, Kays., Eberh., Miiller; 
his die Ubrig-en Editoren. 

§112. quod te putas sustinere posse codd.;Kays. 
schiebt vor posse ,non' ein, Eberh. lect. p. 14 schreibt quod 
te desperas sustinere posse; Eichter - Fleckeisen machen 
vor posse das Zeichen der Lucke und ergiinzen einen Ge- 
dauken wie ,nun so trage die Burde auch — * oder ,und doch 
willst du sie als zu schwer ablegcn'. Der neueste Heilungs- 
versuch H. J. Mullers in den symbolac p. 35 sq. dUrfte als 
gelungen zu betrachten sein: ,mihi non verba quod te pu- 
tas sustinere posse dubitationem movent sed sequentia; 
neque enim de non gravi re sermo est, sed de gravissima, 
ut idemtidem Cicero dicit in § 113 et 115. Itaque veram 
sententiam , ut mihi videntur , restituerunt Dobraeus et Klot- 
zius, cum maxime pro minime scriberent, (so auch 
Halm H*), sed legibus palaeographicis non satis fecerunt. 
Non ego possum non suspicari glossema (grave) explicatio- 
nis causa verbis minime leve superscriptum in textum in- 
repsisse , quo deleto paronomasia comparet in hoc verborum 
ambitu: quod minime leve videtur iis, qui minime 
ipsi leves sunt'. 

§ 113. inopia vivum von Halm eingesetzt, cf. H. J. 
Muller symb. p. 36 ,duo deesse vocabula loci sententia evin- 
cit. Quorum de altero (vivum) non dubitatur; altero quid ex- 
pressum sit, manifestum est, non aeque, quo vocabulo Cicero 
usus sit. Nec potest hac de re constare, cum plura inventa sint, 
quae ad locum bene quadrarent. Ernestius damno vivum 
proposuit, Halmius , quem omnes editores secuti sunt, ino- 
pia vivum, Janoctius olim egestate vivum. Atque hoc 
hominis Itali sup})lementum esse recte fortasse Orellius mo- 
nuit, quod tamen non male illum excogitavisse crediderim, 
cum Cicero § 24 filii ,egestatem' indignissimam esse et §. 128 
facile ,egestatem* suam filium laturum dicat.' Auch Mad- 
vig-Siesb. lesen egestate; s. uber den Gebrauch von ege- 
s t a s bei Cic. auch d. Note zu §24. — in crimen mandati 
cod.G, in crimen [mandati] Fleckeis. ; infamiae (infa- 
mia, infama) codd., Klotz; Halm lasst dasWort aus, [infa- 
mia] Kays., infame Lambin, Eberh., infamia rei Richter, 



110 Kritischer Anhang § 113-120. 

Fleckeis. ; Madvig-Siesbye streichen mand. und infam.; 
Mliller gibt die hdschr. Lesart negligeutia raandati iu 
crimen iudiciuraque infamiae. — ratione lesen 
eiuige codd. Oxon. statt recte, nach ihuen hat es Kays. 
aufgeuommen. — commissa est Richter, Fleckeis., asper- 
serit fUr adfecerit Lambiu , Kays. 

§ 114. illeque Madv., Kays., Eberh., Halm II, Fleck- 
eis., Madvig-Siesb., Miiller; ille, qui codd. , Halm I. — T. 
vor Roscio fiigte Schiitz eiu, Richt., Fleckeis. , Miiller; 
[Roscio] Halm I, Kays. , Madvig-Siesb. ; gestrichen vou 
Eberh.; Halm IL 

§ 115. T. hinzugefligt von Schiitz, Richter-Fleckeis., Miil- 
ler; [RosciojHalm I, Kays.,Madvig-Siesb., getilgt vonEberh., 
Halra II. 

§ 116. fingi malef. nullum stellen nach den alten 
Ausg. Kays. uud Fleckeis.; fiugi fehlt ira cod. G. — cora- 
misit statt commiserit Whitte, Fleckeis., s. z. § 107 
acceperit. — atque ea sunt etc. G M, atqui die iibri- 
gen codd., Fleckeis.; cf. Halm I ,non assuraitur h. 1. conclu- 
sionis propositio rainor, sed uovum argumeutum adnectitur.' 

§ 117. honestissimos codd. G M a c; fortissimos 
T V, Eberh. — legationis habeu Eberh. und Halm II rait 
Recht eingeklammert, da es nur eiue beigeschriebeue Erklar- 
uug zu eiusdem rauueris ist. — cuiusraalitiara statt 
eius raalitiam verrautet Miiller, unwahrscheinlich. 

§ 118. constant schrieb Halra I nach G M. — si quo 
de Guilielraius, Halm II, Eberh., Fleckeis., Miiller; si quod 
codd., Halm I, Kays., Siesb. — hic discipulus Schol. 
Grou., dem alle Herausg. folgen mit Ausuahme Kaysers, der 
nach der Vulg. iste liest, die codd. habeu is, hiis, id. 

§ 120. eam [rem] Halm II. — oppugnari codd., hoc 
pugnari Nauger., Kays. — at ne quaeritur; Sex. euim 
Roscius reus est; neque enim, cum de hoc quaeri- 
tur (die Worte cura de hoc qu. fehlen ira cod. G); vos 
enim dominos esse dicitis, codd. Den richtigeu Weg 
zur Eraendation dieser schvvierigen Stelle hat Madvig einge- 
schlagen, indera er erkanute, dass zwei Glieder einander mit 
neque ... neque gegeniibergestellt seien, und sonach schrieb : 
at neque in vos quaeritur: Sex. enim Roscius reus 
est; ncque est iniquum de hoc quaeri: vos enira 



Kritischer Anhang § 120—121. 111 

dominos esse dicitis (Siesb., Fleekeis.; Eberh. schreibt 
statt in vos: in dominos nnd statt de hoc: de illis, 
Kays. : neqne est iniqnum in hunc quaeri). Die erste 
Halfte der Madvigschen Verbessernng hat Mliller angenom- 
men; gegen die zweite aber aussert er folgende Bedenken: 
,magis litterarum similitudine vendibile quam sententiae 
concinnitate probabile ; quo modo enim aut omuino ,ini- 
quum' est de hoc quaeri aut propterea, quod vos domi- 
nos esse dicitis?' und liest nequeindominum, cum 
de boc quaeritur, wozu er bemerkt ,dominum per com- 
pend. scribi solere constat'. Diese Verbesserung des hdsch. 
enim in dominum scheint mir richtig; auch die hdschr. 
Worte cum de hoc quaeritur stehen nach in domi- 
num passend, wenn sie uberhaupt von Cic. geschrieben 
sind. Dagegen aber scheint mir hauptsachlich das zu 
sprechen, was auch Fleckeis. geltend macht, namlich dass 
de hoc = de huius maleficio hier in anderem Sinne stehe 
als oben de servis. Deswegen kann ich auch dem nene- 
sten Heilungsversuch Adiers in der phil. Rundschau H p. 560 
nicht beistimmen, der als das Urspriingliche vermutet: at ne 
[quaeritur quidem. Sex. enim Roscius reus est, neque cum 
de hoc , in dominosj quaeritur, vos enim dominos esse dici- 
tis, wozu er bemerkt: „die eingeklammerten Worte wurden 
wegen des zweimaligen quaeritur libersehen, und so entstand 
die Verwirrung. Die eingeklammerten Worte fehlen im cod. 
G." Diese Bemerkung ist ungenau ; vielmehr feblen nach 
Halm im cod. G die Worte Sex. enim .... de hoc quae- 
ritur. Ich halte die Worte cum de hoc quaeritur flir ein 
Uberfiiissiges erklarendes Einschiebsel uud werfe sie deswe- 
gen aus dem Text aus. Durch diese Art der Emendation 
glaube ich dem ursprliDglichen Texte naher zu kommen, als 
es der radikale Heilungsversuch Halms thut, welcher in d. 
edit. II schreibt ,at si quaeritur de Sex. Roscii servis , non 
in dominum quaeritur'. Denn die in der Handschrift ohne 
Variante iiberlieferten Worte ,Sex. enim Roscius reus 
est, und ,vos enim dominos esse dicitis' weisen 
doch zu deutlich auf einen gleichen Bau zweier Satzglie- 
der hin. 

§ 121. ab istis opprimitur Halm II, Eberh., Fleckeis., 
Siesb., Miiller; ipsis codd., Halm I, Kays. 



112 Kritischer Anhang § 122— 12G. 

§122. quaestiouem de his codd., Eberb., Siesb., iis 
Halm II, Fleckcis. , Miiller. 

§ 123. cum caedes facta sit codd., Fleckeis., Siesb., 
Miiller, welcher vergleicht Verr. III § 129 Dioclem suspen- 
disse se constat, quo die sit ei nuutiatum Apronium decu- 
mas redemisse, uud dazu bemerkt adn. p. LXXVIII ,non quid 
factum esse constet quodam tempore magis dicit Cic. quam 
quo tempore, i. e. qua de causa coustet factum esse'. Da 
auch der Schol. mit den Worten ,qui dicuutur afifuisse, quum 
caedes facta sit' sich ziemlich genau an den ciceron. Text 
anlehnt , so habe ich mich fiir Beibehaltuug des hdschriftl. 
sit eutschiedeu ; est Halm und die iibrigeu Herausg. — in- 
veniri Pluygers, Kays., Eberh., Halm II, Fleckeis., Miiller; 
i n V e n i r e codd., Halm I, Siesb. — de una quaque Halm II, 
aber iu der 9. Aufl. schreibt er una quaeque. — coepe- 
rim Eberh. nach Weiske, cf. d. Belege ftir das handschriftl. 
coepero bei Miiller adn. p. XX. 

§ 124. i 1 1 u d n m e n a u r e u m [C h )■ y s o g o n i] Weid- 
ner Phil. XXXV, 719; Kays., Fleckeis. Richtig Ibemerkt 
dagegen Miiller: quasi vero nomen aureum Chrysogoni 
non sit ,Cbrysogouus cum aureo nomine'. 

§ 125. Si enim haec audientur ac libere dicen- 
tur (et libere G, dicuutur M.) codd., Halm II, Fleckeis., 
Siesb. ; audaciter statt audieutur las Richter und nach 
ihm Miiller; prudenter (,oder noch lieber audenter*) ac 
libere iudicentur Eberh. Mit Miiller uehme ich die Worte 
si conqueramur als Pareuthese. Was die Worte selbst 
angeht, so siud sie vielleicht vou Cic. absichtlich dunkel ge- 
halteu, doch vermisst man vor audieutur einen irgendwie 
dem libere bei dicentur eutsprechenden Zusatz , etwa 
libenter, welches Adverbium Arch. 20, div. Caes. 39, Planc. 
44, Phil. 13, 36 mit audire verbunden ist: cf. parad. 5, 1, 
34 nihil dicit ... nisi libeuter ac libere. 

§ 126. recessimus (wie §16) Richter, Fleckeis., Miil- 
ler; recesserunt codd., Siesb.; recessum est Vulg., 
Halm II, Eberh. — more fiir modo Ernesti, Kays., Eberh. 
(lect. Tull. p. 15: ,non negabo igitur Ciceronem miuus accu- 
rate v. more scribere potuisse : sed agitur more iu rebus 
minus gravibus, cum boua publicantur, credo, iure tautum 
et lege. Morem enim quominus arcte cum iure coniunctum 



Kritischer Anhang § 127—130. 113 

putemus impedit icpetitiuii illud aut quo . . . Suspicor igi- 
tur V. quo modo ex versu antecedenti (,rion modo') huc 
perperam relata esse. Itaque deleverim). 

§ 127. Im Muller'schen Text ist omnia als Druckfehler 
in omni zu iinderD. — crimen ementiretur Koch progr. 
Port. 1868 p. 1 ; neuerdings zur Aufnahme in den Text em- 
pfohlen von Adler 1. 1. p. 558 ,crimen konnte vor dem ahn- 
lichen Anfang emen — ausfalleu'. Pluygers klammert die 
Worte ,ut ementiretur' ein. — Sex. vorRoscium hat einge- 
fiigt Ernesti, uach ihm Eberh., Halm II, Fleckeis., Siesb., Miil- 
ler. — ut his... passus non sit hat Eberh. eingeklammert 
,coni. perf. ferri non potest', lect. p. 16. 

§ 128. nimirum hat als manifestum glossema Halm 
getilgt, Mtillcr eingeklammert. — haec bona iii publiruui 
nulla redierunt Pluygers. 

§ 129. quae enim mihi ipsi indigna etc. ipsi 
fehlt im cod. G, Lg. 26, Kays., Eberh. — vitam causam- 
que Richt., Eberh., Halm II, Fleckeis., Miiller; vitae ca- 
sum causamque codd., Halm I, Madvig-Siesb., v. discri- 
men casumque cod. G; vitae [casum] causam [que] 
Kays., cf. Ruhnken ad Rutil. Lup. I § 10 ,casus et causa 
centies commutantur; lege: ,quae ad huius vitae cau- 
sam pertineant'; nam casum ex variante lectione in tex- 
tum irrepsit.' — pertinent Lg. 26, Eberh., Halm II, Fleck- 
eis., Miiller, pertineant die iibrigen codd., Halm I, Kay- 
ser, Siesb. 

§ 130. neque proscriptus fehlt in allen codd. , von 
Hotm. eingesetzt. — deinde cur etc. codd., denique cur 
Halm II, Fleckeis., Siesb.; doch findet sich die dreimalige 
Wiederholung von deinde ohne nachfolgendes denique 
auch ep. fam. 3, 7, 4; cf. den Komm. — multa multos 
partim imprudente L. Sulla etc. codd ; im Paris. 4 steht 
das Kompendium ptim. Cratander las partim conivente, 
Garatoni privatim, RinkesMnemos. VIII, 445 praesertim; 
Madvig fiigte partim invito vorpartim imprudente ein, 
was Halm II, Fleckeis., Miiller aufnahmeu. Allein mit Recht 
bemerkt Eberh. p. 16; dass an unserer Stelle sowohl als §21 
nur von der imprudentia Sullas die Rede ist. Er liest 
deswegen nach einem schou friiher gemachten Vorschlag 
,furtim', ebenso Kays. Auch ich glaube, dass in dem ver- 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. Q 



114 Kritischer Anhang § 130—135. 

derbten partim ein Adverbium der Art uad Weise zu com- 
misisse stecke , aber nicht furtim, das neben impru- 
dente etwas uberflussig erscheint, sondern impie (oder 
improbe? vgl. § 104) wie § 67 qui aliquid impie scele- 
ratcque commiserunt und bes. Verr. I, 6 multa enim 
ct in homines impie nefarieque commisit. Der gleiche 
Anfang- von impie vor dem folgenden imprudente erklart 
leicht die Veranlassung der Verdcrbnis. 

§ 131. quid miramur Sullam etc. , iudices hat der 
schol. Gr. nach miramur, Eberh., Halm II, Fleckeis., Mliller. 

§ 132. hoc iudicium, cf. Madvig. op. I p. 139 sq. 
,nihil est apertius quam cuius eodem modo referri ad 
Chrysogonum, quo qui, euumcrarique per relativae sen- 
tentiae formam ea, e quibus id intellegatur, quod intelligi 
Cieero dixit (sequebantur enim plures eiusdem generis scuten- 
tiae ubi nunc lacuna excipit); itaque turbant orationem alioquin 
plane integram illa verba hoc iudicium, ex quibus Lam- 
binus, qui orationis formam viderat, interpolando effecit in- 
utilem superioris sententiae repetitionem (qui hoc iudi- 
cium conflavit). Sed illis verbis continetur adnotatio 
alicuius moneutis nominis delati mentiouem ad hoc ipsum iu- 
dicium pertinere.; [hoc iudicium] Miiller; getilgt haben die 
Worte mit Madvig : Eberh. , Halm II, Fleckeis. — Ueber 
die folgende Liicke und die von dcm Scholiasten Uberliefer- 
ten Rrucbstucke s. den Text. — Vor aptam hat Eberh. 
in Klammern hi possessionem gesetzt. — Sallentini 
bicten die meisten codd., Halm II, Fleckeis., MUlIer; 
Bruttiis Eberh., Halm II, Fleckeis., MUIIer. 

§ 133. praetium enumerare oder qui preconum 
numerare und ahnl. bieten die codd.; quid praeco 
enumeraret Steinmetz, Osenbrgg., Madvig, Halm I, Kays.; 
praeconem enuntiare Mommsen, Muller; quid praeco 
cnuntiaret Eberh , Halm II, Fleckeis. 

§ 134. conviciis, schone Verbesserung des hand- 
schriftl. conviviis von Paul, Progr. des Sophiengymn. in 
Berliu 1875 p. 20; aufgenommen von MUlIer, Halm II ^. 

§ 135. composito codd.: compto Buecheler Jahrb. 
1872 p. 571, Fleckeis. — etiam videtis, iudices, ut etc. 
die meisten codd., et unum videtis cod. Par. 1. 4., ct 
iuvidetis et unum videtis cod. G; Madvig strich dic 



Kritischer Anhang § 135 — 141. 115 

Worte (wie schon die ed. Manut. 1540), ebenso Halna II; 
[etiam videtis, iudices] Eberh., [et iam videtis/ 
iudices] Miiller; etiam [videtis, iudices] Adler p. 559; 
et invidetis Fleckeis. 

§ 136. me pro illa . . parte codd., Schol. Gr., 
Halm I; me pro mea parte Madvig und alle neueren 
Herausg. — [dignitate de] Kays., Eberh., nachdem Madvig 
es ganz gestrichen; cf. dagegeuHalm: codd. lectionem tueor, 
ex qua dicit orator: homines infimos cum viris digni- 
tate conspicuis (quo nomine honesto nobiles significantur) 
de summis in re publ. honoribus (quibus amplitudo 
pariebatur) contendere. 

§ 137. existit Eberh., wohl Drnckfehler fiir exstitit. 

— in isto bello bieten die meisten codd., Kays. ; isto 
bello cod. G, dem alle Herausgeber gefolgt siud. 

§ 138. Pluygers Mnem. 7, 204 qui hauc (i. e. causam 
nobilitatis) vituperare volunt. — EussnerJahrb. 1873 p. 520 
schlagt vor zu lesen ,qui concessum ei non esse com- 
memorant, laudare volunt.' — vellem quidem codd.: 
V. equidem Siesbye. 

§ 139. volunt codd., Halm I, MUlIer, Madvig-Siesb.; 
volent Riehter, Ebcrh., Halm II, Fleckeis. Pluygers will 
zwischen in perpetuum poterunt obtinere und sin 
has caedes eine Liicke annehmen ,in qua dixerat Cicero, 
quibus artibus nobilitas recuperatam armis dignitatem perpe- 
tuo obtinere posset quibus oppouit: Sin has caedes' (Cobet in 
den ^Anoiivrifiovsv^aTa G. Pluygers Muem. N. F. VIII, 372). 

— nostri isti uobiles codd., illi Halm II. 

§ 140. et quod iter codd., et quo Fleckeis., Miiller; 
quod iter Halm, Kays., Madvig-Siesb.; einen kretischen 
Tetrameter nehmen an Halm II, Eberh. In d. 9. Aufl. schreibt 
Halm II quo; quod verteidigt neuerdings Adler 1. I. p. 557 
mit Verweisung auf Plaut. Aul. 3, 6, 37 eam affectat viam. 

§ 141. hicne codd., Mliller; hicine alle iibrigeu neue- 
ren Herausgeber. — aliquid yalitunini ad etc. Halm II, 
posse codd., die iibrigen Herausgeb. — experrectaed. 
Cratandr. , Vulg., exspectata codd., Kays. — fortunas 
vestras atque nostras lesen die meisten codd., Fleckeis. ; 
fortunasque nostras Garatoui, Halm, Eberh., Siesbye, 

8^' 



ILG Kritischer Anhaiig § 141 — 151. 

Muller; fort. vestrasque nostras cod. G; fortuuas 
possessiouesque nostras Kays. 

§ 142. probe novit Madvig und alle neueren Edit.; 
prope non novit codd. — splendore codd,, splendor 
Richter-Fleckeisen, gebilligt auch von Luterbacher 1. 1. p. 74 
,da sonst der Wechsel des Snbjekts hart ist'. 

§ 143. coegit. Sed Roscius codd.; coegit Sex. 
Roscius Madvig und alle Edit. 

§ 144. de digito suum R.. Boemoraeus u. Lamb.; 
dedit os suum codd. 

§ 145. spoliasti fehlt in einigen codd. Oxon., weshalb 
es Kays. nicht in den Tcxt gcnommcu hat. — sin metuis 
codd., si metus Madvig und alle neueren Edit. — quae 
Sex. Roscii fuerunt: Sex. haben eingefiigt Richter, Halm II, 
Eberh., Fleckeis., Siesb., Mliller. 

§ 147. nihil audere will Eussner Jahrb. 1873 p. 521 
als erklarendes Einschiebsel auswerfen, da ihm nicht — 
wie den drei andern Infinitiven — im Folgenden ein Satz- 
glied entspreche. Obwohl diese Inkonzinnitat von E. richtig 
bemerkt wurde, ist ihm doch kein Herausgeber in der 
Streichuug dieserWorte gefolgt. — clarissimum patrem 
cod. G, Halm I, Kays., Eberh. — Ueber die als Glossem 
verdachtigten Worte Baliarici filia, Nepotis sorore 
s. z. § 27 — quanto quanto honorc Pluygers mit Beruf- 
ung auf ep. Att. 12, 23, 3 (quanti quanti) uud auf Plautus 
und Terenz. 

§ 148. huius hospites codd., Halm I, Kays., Madvig- 
Siesb.; omnes [huius hospites] adesse Pluygers; huic 
Eberh., Halm II, Fleckeis,, Miiller. Die hssl. Lesart nimmt 
in Schutz Adler 1. 1. p. 558. 

§ 149. Die codd. schreiben den Namen beide Male 
Messala; Eberh., Halm II, Fleckeis., Siesb,, Mliller Mes- 
salla, — aetatis ac roboris codd., atqueKays., Eberh, 
— uti codd., ut ii Madvig. 

§150. crudelitate sanguinis praeditus codd., 
crudelitati sanguis praebitus Madvig u. alle Edit. — 
reddit codd., Halm; reddidit Kays., Fleckeis., Siesb., 
Miiller; reddiderit Eberh. 

§ 151. di prohibcant ut codd., Halm, Eberh., ne 
Whitte 1. 1. p. 89 (,ut, ne, vel non ita raro in codd. com- 



Kritiseher Anhang § 151 — 153. 117 

mutata sunt'), Fleckeis., Siesb., Miiller (cf. desscu aduotat. 
p. XXII). So las man auch vor Nipperdey Caes. bell. Gall. 
7, 56, 2 ut bei impedire statt ne. 

§ 152. dubiumne cod. G, Kays., Eberh., Ilalm II, 
Fleckeis., Mliller; dubium die iibrigen codd., Halm I, Mad- 
vig-Siesb. — hic codd., Halm, Eberh!, Fleckeis., Siesb., 
Miiller; huic .mit Tilgung des folgenden Koscio Madvig, 
Kays. ; Sex. vor Roscio fiigte Halm ein, nach ihm Eberh., 
Fleckeis., Siesb., Miiller. 

§ 153. eam ad rem Guilielm., Halm I, Kays., Eberh., 
Siesb. ; ad eandem (eadem) rem, eadem re (rem^ 
eandem rem codd.; ad eam rem Halm II, Fleckeis., 
Miiller. — Fiir potuerunt der codd. schliigt Kriiger Jahrbb. 
1868 p. 211 zu lesen vor voluerunt. — comparatum 
est codd., esset Rinkes Mnemos. VIII, 449, Kays., Eberh., 
Siesb. — perventuram codd., venturam Halm II, 
Fleckeisen. 



Druckverselien : 

Seite 48, Z 11 quam ob causam statt quam ab c. 
51, Z. 17 submoverentur statt summov. 

55, Z. 1 Erucii statt Eruci. 

56, Z. 6 ,, „ „ 

60, Z. 2 Mammeos statt Mammaeos, 

61, Z. 19 Roscii statt Rosci 



Einleitung. 121 

abundantia speziell von der asianischen Abundanz 
im Ausdruck sowohl von Cicero in seinen rhetorischen Schrif- 
ten als auch von anderen Schriftstellern gewissermassen als 
Schlagwort gebraucht wird, so glaubte ich daraus (vgl. auch 
Brut, § 816 is — Molo — dedit operam^ ut nimis redun- 
dantes nos et superfluentes iuvenili quadam diceudi 
impunitate ac licentia reprimeret) schliessen zu diirfen , dass 
Cicero damit audeuten wollte, er habe in seinen friiheren Reden 
dem Asianismus gehuldigt. Die Einwande, welche Iwan 
Muller im Bursian'schen Jahresbericht XIV (1878. II) p. 201 
gegen diese Behauptung erhoben hat, haben dazu beigetragen; 
meine Ansicht llber das Verhaltnis Ciceros zum Asianismus 
in jener altesten Stilperiode einigermassen zu modifizieren. 
Es ist richtig, dass Cicero — so viel wir wisseu — zum Lehrer 
in der Rhetorik keinen Anhanger des Asianismus hatte; von 
ihm selbst erfahren wir nur (Brut. § 307), dass er im J. 87 
voriibergehend den Unterricht des Rhodiers Molon genoss, 
der als der Hauptvertreter der in der Mitte zwischen Asianis- 
mus und Atticismus stehenden Redegattung genannt wird. 
Blass in seinem Buche „die Griech. Beredsarakeit in dem 
Zeitraum von Alexander bis auf Augustus" p. 4.89 5". bestreitet 
die Berechtigung der rhodischen Beredsamkeit als einer 
dritten Gattung neben der attischen und asianischen und glaubt, 
dass sie erst und zumeist durch Cicero Ruf und Ansehen be- 
kommen habe. Wie dem nun sei, die auf Rhodus gellbte 
Redeweise hatte jedenfalls einen von den beiden andern Rich- 
tungen abweichenden, jedoch dem Asianismus sich mehr als 
dem Atticismus annahernden Charakter'). Denselben Molon 
horte Cicero auch im J. 81 (oder 80), wo jener als rhodischer 
Gesandter nach Rom gekommen war (Brut. § 312). Molon 
ist es endlich, deu Cicero auf seiner Studien- undErhol- 
ungsreise*) durchGriechenland undAsien, welche 



3) Vgl. Blass 1. c. p. 127, „Cicero entzog sicli ebensowenig wie 
seine Lehrmeister, die rhodischen Redner, den Einfliissen des 
Asianismas vollstandig". S, auch p, 89. 

4) Cicero trat diese Reise, wie er im Brut. § 313 versichert, zur 
Starlsung seiner geschwachten Gesundheit an, nicht, wie einige Schrift- 
steller berichten, aus Furcht vor Sulla; Plutarch vit. Cic, c, 3 SeStchg 
Sh jov I^vllav (iTrsdijfirjaev sig ttjv 'ElXaSu SiuGnelQag koyov ^ (og tov 
aufxaTog avr^ x^sQansiag SiofjLivov, Anonym. de vir. illustr. c. 81 
(s. Teil I p, 14). Vgl, Drumann G. R. V, p. 246 „der angebliche 

9* 



122 Einleitung. 

er einige Zeit uach der Verteidigiing des Roscius antrat, in 
Khodus aufsuchte und dem er jenen miissigenden und lautern- 
den Einfluss auf seine iiberschwangliche und ungebundene 
Ausdrucksweise zuschreibt, welcher bewirkte, dass er, wie er 
im Brutus § 316 sagt, von dort biennio post non modo exer- 
citatior; sed prope mutatus^) nach Rom zuriickkehrte. 
Dieser langere Uuterricht hatte jedenfalls die Folge, dass 
Cicero seit dieser Zeit sich zu der Richtung der Rhodier be- 
kannte, die man auch mit Blass 1. c. p. 123 die eklektische 
nennen kann, und als deren erster Vertreter in Rom er den 
Kampf mit der asianischen uuter Hortensius und spater 
mit der attischen unter G. Licinius Calvus aufnahm. 

Gehen wir nun wieder auf die Zeit vor dieser fiir den 
ciceronischen Stil so eiuflussreichen Reise zuriick, so ist ge- 
wiss die Frage sehr nahe gelegt, worin die von Cicero selbst 
anerkannte mutatio seiner Redeweise bestehe, mit andern 
Worten, inwiefern sich der ciceronische Stil vor der Studien- 
reise von jenem uach der Reise unterscheide. Wir miissen mit 
Cicero zur Autwort geben, hauptsachlich darin, dass er iu deu 
spateren Reden seine schwiilstige und wortreiche Art zu reden 
beschraukte und massigte. Der Wortreichtum allerdiugs lag 
iiberhaupt iu Ciceros Natur (cf. ep. Att. XII, 52 tin. verba 
tantum aflero, quibus abundo) und wir fiudeu es begreif- 
lich, dass er als Jiingling viel leichter dazu verleitet werden 
konnte, in dieser Beziehuug des Guten zu viel zu thuu als im 
gereifteren Mauuesalter. Wenu uun dem Asianismus als cha- 
rakteristisches Merkmal die Wortfiille und Schwiilstigkeit bei- 
gelegt wird, so konnen wir es uns psychologisch aus der dem 
jugendlichen Aiter iiberhaupt iuuewohneuden Neiguug zum 
potenzierteu Ausdruck leicht erklaren, wenn einerseits — wie 
Cicero berichtet — Hortensius als Jiingliug durch die asia- 
nische Redeweise das meiste Lob eiuerntete, andererseits die 



Vorwand seiner Reise, eine schwache Gesundheit, ist als der wahre 
Grund anzusehen, und das Verlangen sich weiter auszubilden" ; Wester- 
mann, Rom. Beredsamkeit II S. 152: „Nicht also wohl Furcht vor dem 
Gewalthaber, wie die Missgunst ihm andichtete, sondern, wie er selbst 
versichert, die Sorge fiir seine geschwachte Gesundheit war es etc." 

5) Cf. Quintil. XII, 6 extr. ,Apollonio Moloni, quem Romae 
quoque audierat, se rursus formandum ac velut recoqueudum dedit'. 
Ueber die irrtiimliche Identifizieruug der beiden verschiedenen Redner 
Apollonius und Molou s. Biass 1. c. p. 90. 



Einleitung. 123 

rom. Junglinge seine grdssten Bewunderer waren, wahrend 
die Greise bedenklich den Kopf schiittelten iiber dieseu mani- 
rierten Stil. Cf. Brut. § 326: ,haec . . genera dicendi aptiora 
sunt adulescentibus . . . . non probabantur haec seni- 
bus . . . sed mirabantur adulescentes^ multitudo moveba- 
tur'. Was aber Cicero betrifift, so meine ich, dass ihn sein 
ganz besonders auf Wort- und Redefiille angelegtes Naturell, 
auch wenn er den theoretischen Unterricht eines Asianers nicht 
genoss, in der Praxis, vielleicht sogar unbewusst, zum Nach- 
ahmer des — zumal damals in der Bliite stehenden — asiati- 
schen Stils machte. Auch kann nicht gelaugnet werden, dass 
in den beiden Erstlingsreden mancher rhetorische Aufputz, der 
zu den spezitisch asianischen Effektmitteln gehort, reichlich 
verwendet ist. Ich weise hier nur auf die Beispiele der 
nccQlcrwmg und naoonoiuxjig, sowie jener ,assiduitas in eodem 
semper genere numerorum' hin, dieaufS. 8 — 13 meiner Schrift 
aufgefiihrt sind. Mein Endurteil in diesem Punkte geht also 
dahin, dass Cicero in der altcsten StilperiodC; seiner Sturm- 
und Drangperiode, zwar nicht in der Theorie, aber seinem 
Naturell nach zum Asianismus hinneigt, diese Neigung aber 
in der Schule dcs Molon iiberwiudct und sich fortan der ein- 
facheren und natiirlicheren Sprache der rhodischen oder eklek- 
tischen Richtung zuwendet ^). 

Aber auch in andercn Punkteu zeigt sich eine Wandhing 
des ciceronischen Sprachgeprages. Wie man bei Tacitus nach- 
gewiesen hat, dass das, was man taciteischen Stil nennt, erst 
in seinem letzten Werke, den Anualeu, voll und rein zum Aus- 



6) Vgl. Oetling iiber Ciceros Qiiiuctiana (Gymn. Pr. Olclenburg 
1882) p. 23: „Die haulige Anwendung von loci communes, die angstliche 
naQiacoais und nago/Lioioiaig und die vielen auf das netdog bei'echneten 
rhetor. Figuren beweisen, dass Cicero bes. in der Jugend nicht frei 
ist von den Fehlern des damals in Rom herrschendeu genus d i- 
cendi Asianum"; Harneclcer in den Fleckeis. Jahrb. 1882 p. 603: 
„Nach dem Tode des Qu. Hortensius war der zum Asianum dicendi 
genus in der Beredsamkeit hinneigende, freilich nur irrtiimlich oder bos- 
willig ihm als ganzlich ergeben betrachtete Cicero vereinsamt. Er hatte 
sich in seiner Jugend, der er die Berechtigung fiir diese wortreiche 
und schwlilstige Redeweise ausdriicklich zuerkeunt , von den Asianern 
abgewendet uud bes. unter Molons Leitung seine jugeudliche Fiille und 
Ungebuudenheit beschrankt und sich der mittleren Richtung, dem sog. 
Rhodium genus, zugewendet", 



\2A EinleitUDg. 

druck kommt, wahrend er in seinen alteren Schrifteu mehr 
oder minder von seinen sprachlichen Vorbildern abhangig 
ist, so zeigen auch die Jugeudwerke Ciceros, wenn man sie 
mit den spiiteren vergleicht, eine Reihe von Abweichungen 
von dem sog. ciceronischeu Stil. Und das darf nicht Wunder 
nehmen. Als Cicero mit den Erstlingen seiner litterarischen 
Thatigkeit hervortrat, befand er sich uoch ganz in dem Sta- 
dium der Receptivitat. Er studierte mit Eifer die griechische 
Litteratur, iibersetzte ausgewahlte Stiicke aus den grossen 
griechischen Rednern (cf. de Or. I § 155), desgleichen 
Platos Protagoras, Xenophons Oeconomicus und die 
Phainomena des Aratus. Letztere Arbeit war eiue gute 
Uebung seines Sprachformtalentes , denn oft musste hier der 
harte, sprode lateinische Ausdruck mit dem leichteu, gewandten 
griechischen ringen — zumal in den Fesseln des Hexameters — 
ja manchmal war Cicero gezwungen erst das lateinische Wort 
zu schaffen (wie antecanem = nQoxvcov 222). Auch ist 
klar, dass dabei dem color poeticus Rechnung getragen 
werden musste. Aber auch die einheimische Litteratur zog 
er in den Kreis seiner Studien. uud besonders waren es die 
Dichter der Tragodie und Komodie, die er fleissig las. Wie 
sehr er vor alleu den Ennius hochschatzte, ersehen wir aus 
den zahlreichen Stellen seiner samtlichen Werke, an deuen er 
ihn citiert, und aus den uicht minder zahlreichen, an denen 
er bewusst oder unbewusst Enuianische Ausdriicke einflicht; 
cf. Seneca bei Gell. XII, 2, 6 ,apud ipsum quoque Ciceronem 
invenies etiam iu prosa oratione quaedam, ex quibus iutelligas, 
illum non perdidisse operam, quod Ennium legit'. 
Und wenn er de Orat. I § 154 den Crassus erzahlen lasst, 
er habe in seiner Jugeud als rhetorische Uebuug ausgewahlte 
Partien aus Eunius parapbrasiert, so diirfen wir wohl an- 
nehmen, dass auch der Jiingling Cicero solche Uebuugen be- 
trieben habe. In seine Jugeudzeit fallt eudlich auch der Plan, 
ein grosses rhetorisches Werk zu schreiben, von dem je- 
doch nur die zwei Biicher de inventione fertig wurden, die 
sich bekanntlich uach Inhalt und Form eng an die Rhetorica 
des Cornificius auschliessen. 

Weun wir nun schon aus diesem gedrangten Ueberblick 
ersehen haben, wie verschiedenartigen Studieu Cicero als 
Jiingling oblag, so darf man wohl daraus den Schluss zieheu, 
dass auch die Sprache in seinen Jugendarbeiten, die ein festes, 



EinleituDg. \2b 

vollendetes Geprage noch Dicht hat und nicht haben konnte, 
Spuren des Einflusses jener Studien an sich tragen werde. 
Und so ist es in der That, Wir treffen in den beiden Reden 
offenbar dichterische Wendungen (s. m. Abhdlg. p. 14 ff.) 
z. B. nuntius volucer Qu. § 80, R. A. § 102; R. A. § 113 
cui fama mortui, fortunae vivi concreditae klingt au an 
Lucil. 702 L. vitam ac fortunas cui concrediderim meas; 
ibid. § 130 propter magnitudinem rerum multa multos 
commisisse hat Aehnlichkeit mit Plaut. M. Gl. 1287 multos 
multa admisse propter amorem. Wir begeguen ferner 
§ 67 der Rosciaua eiuer Schilderung des durch die Furien 
verfolgten Verbrechers, die fast wortwortlich dem Aeschines 
entlehnt ist; vgl. auch p. Quinct. § 12 ,tit magua mutatio loci, 
non ingenii' = Aeschin. iu Ctes. § 78 ov ydo rbi' tqottov, 
dkXd rbi' Tonov fjbovov iJbsrriXXa^sv. Viel weitgehender aber ist 
die Einwirkung der Diktion des Cornificius, und hierin stehen 
die Biicher de inventioue mit den beiden Reden auf gleicher 
Stufe. Nicht nur kehren einzelne Worter und Wendungen aus 
Cornificius bei Cicero wieder, sondern sogar ganze Satze; s. 
d. Noten zu § 18. 24. 84. 135 etc. Wahrend nun diese imi- 
tatio Cornificiana in den drei alteren Schriften eine deut- 
lich erkennbare ist, tritt sie in den spateren mehr und mehr 
zuriick, s. d. Note iiber adaugere § 30. 

Doch nicht uur diese auf fremdem Boden gewachsenen 
Blumen geben den alteren Produkten Ciceros eine von den 
spateren abweichende Farbung, sondern auch der Umstand, 
dass Cicero in jenen sprachliche Neuerungen einzufiihren 
versucht, die er in der Folge selbst wieder aufgiebt, wie z. B. 
den von ihm in den beiden Reden festgehaltenen Unterschied 
von vetus und antiquus (s. z. § 17) und der Konstruktionen 
von quaerere ab, de, ex aliquo (s. z. § 33). Anderes aller- 
dings kam allgemein in Aufnahme, wie das R. A. § 33 ge- 
neuerte longe statt multo vor dem Superlativ. Eben diese 
Unsicherheit und das Suchen nach dem richtigen, lieber star- 
keren und volleren, als schwaeheren und einfacheren Ausdruck 
(s. z. § 5) erklart uns die Thatsache, dass in den beiden 
Reden sich eine betrachtliche Anzahi von archaisch-vulgaren 
Wortern und Redensarten findet (s. z. § 13, m. Abhdlg. p. 19 fl'-). 
Wir erwahnen hier nur aus der Rede p. Quinctio consuasor 
§ 18, ingratiis § 47, captio § 53; aus der Rede p. R. A. 
inorata re § 26, fugitare § 78, mihi ausculta § 104, 



126 Einleitung. 

non novi nec scio § 125. Schon die friiheren Heraus- 
geber ^) uncl Erklarer haben aiif manchen volk«massigen und 
gegen den sonstigen Sprachgebrauch Ciceros verstossenden 
Ausdruck hingewiesen. Mit Nachdruck betont und durch Ana- 
loga bes. aus den Komikern belegt hat deu vulgaren Charak- 
ter einer Reihe solcher Singiilaritaten zuerst Wolffliu in den 
„Bemerkungen zum Vulgarlatein" Philologus Bd. 34 S. 142 fi". 
Dieser Aufsatz wurde grundlegend fUr eine Reihe von Ab- 
handlungen, welche sich mit der Untersuchung der vulgaren 
Elemente in der Sprache der einzelnen rom. Schriftsteller be- 
schaftigen. Von den unseren Autor behandelnden Arbeiten 
umfasst die von Hellmuth die Sprache der alteren Reden 
bis zum Jahre 69 (or. p. Caecin.), die meinige beschrankt 
sich auf die beiden altesten Redcn, welche vor jener Studien- 
reise gehalten wurden, die von Thielmann endlich be- 
leuchtet von dem Vorbild Cornificius aus die Erstlingsschriften 
Ciceros, bes. die Blicher de inventione; eine Erganzung hiezu 
bilden seine „Stilistischen Bemerkungen zu den Jugendwerken 
Ciceros". 

Durch diese Abhandlungen wurde viel neues Material zur 
Kenntnis lateinischer Sprachgeschichte iiberhaupt und speziell 
der ciceronischen gesammelt. Mein Bestreben im vorliegenden 
Kommentar ging dahin, die dort gewonnenen Resultate mog- 
lichst zu verwerten und weiter auszubauen. Dabei ergab sich, 
dass die Aehnlichkeit der Quinctiana und Rosciana*) eine 



7) S. Osenbriiggen z. § 83 derRosc. id erit signi: „Unsere Rede 
enthalt manches, was man nach Ciceros spateren Schriften nicht 
ciceroniauisch nennen mochte". Klotz adnott. ad Cic. or. Quinct.. 
(1862) p. 7: jitaque eos errare, qui in his primae aetatis orationibus 
eandem verborum elegantiam requirerent, quae appareret posteriore 
tempore in orat. Tullianis'; s. auch d. Noten z. § 83 und z. § 145. 

8) Richtig erkannt und zur Aufrechthaltung der hss. Lesart minae 
terrores in § 31 beniitzt hat diese Aehnlichkeit Btichner p. 199: 
,Maxime autem arridet iocus, quem ex orat. p. Quinct. § 47 excitavit 
Garatonius. Certum enim est atque exploratum Ciceronem his elo- 
quentiae suae primitiis non tanta instructum fuisse et inveniendi facul- 
tate et copia dicendi, quantum in provectioris aetatis operibus licet 
deprehendere. Unde factum est, ut in hac pro Sex. Roscio oratione 
multa ex superiore repeteret multaque paullisper tantum commutata 
pronuutiaret. Consectarium igitur est, non pauca, quae in liac nostra 
leguntur oratione, ex superiore pro Quinctio posse explicari. Ergo 
libris minae exhibentibus fidem noluimus derogare", 



Einleitung. 127 

noch grossere sei, als in jenen Schriften angenommen, ja dass 
manche Partien in beiden wie nach dem namlichen Schema 
gearbeitet erscheinen. Man vergleiche z. B. den Uebergang 
zur Narratio in der Quinct. § 11 und der Rosc. § 14 oder 
den Anfang von § 82 der Quinct. mit § 97 der Rosc. Eine 
kurze Zusammenstellung dieser Aehnlichkeiten giebt die Note 
zu § 24 fin. 

Wenn so der Kommentar durch genaues Eingehen auf die 
Unterschiede zwischen alterer und spaterer Diktion ein Bild 
des werdenden; nicht des vollendeten Redners Cicero 
zu gebeu versucht — eiu Punkt, den die friiheren Kommen- 
tare dieser Rede wenig oder gar nicht ins Auge gefasst — so 
will er dadurch einen Beitrag liefern zur Illustration jener, 
vielleicht etwas zu strengen, Kritik unseres Redners im Dialogus 
de orator. cap. 22: ,Primus enim excoluit orationem, 
primus et verbis delectum adhibuit et compositioni 
artem, locos quoque laetiores attentavit et quasdam sententias 
invenit, utique in iis orationibus, quas iam senior et 
iuxta finem vitae composuit, id est postquam magis 
profecerat usuque et experimentis didicerat, quod 
optimum dicendi genus esset. Nam priores eius orationes 
non carent vitiis antiquitatis: lentus est in principiis, 
longus in narrationibus, otiosus circa excessus'. 



Kommeiitar. 



Kap.I— V. Exordium jtQooii^iiov ausgehend von 
der iniquitas temporum wie die Miloniana. 

Kapitel I. 

Credo ego vos luirari]. Das genus unserer Rede ist das g. § 1. 
admirabile, naQcido^^ov. Ueber die funf genera causarum s. d. 
Note 11 zum Argumentum schol. Gron. p. 18, wo die Stellen 
aus den Rhetoren mitgeteilt sind. Nach dem genus der Rede 
richtet sich die ganze Anlage des Prooemiums (vgl. Cic. Inv. I, 21 
qui bene exordiri causam volet, eum necesse est genus suae 
causae diligenter ante cognoscere), wie denn das Wort mirari 
am Anfang unserer Rede recht deutlich auf das g. admirabile 
hinweist; cf. Sulpit. Vict. p. 316, 32 H. .admirabilis enim 
causa est (quare est a ,mirari' dicta), quae talis facie ipsa videtur 
talisque apud opinionem iudicum coepit esse, ut admirentur, quem- 
quam ad defensionem eius accedere'; ex Grill. comm. 
p. 600, 34 H. ,in admirabili genere causae animi iudicum 
abalienati sunt, id est irascuntur, sicut in Rosciana. Quis 
enim non moveatur, ubi audierit occisum a filio patrem aut cum 
viderit ad defensionem causae tirouem a c c e d e r e defensorem r" 
Den Ausdruck ,ad defensionem accedere^ gebraucht auch der 
schol. Gr. zu § 1. — Zu den Anfangsworten credo ego vos, 
iudices, mirari vgl. Liv. 21, 21, 3 credo ego vos, socii, 
et ipsos cernere und Dict. Cret. II, 21 (p. 30, 38 M.) credo 
ego vos, Troiani principes, satis compertum habere. Ueber das 
schwach betonte ,ego' in Redeanfangen nach scio, credo, 
saepe, iam, cur u. a. s. Weissenborn zu Liv. 2, 15, 5. So 
sagt schoD Cato in einer Rede p. 33 Jord. ,[Scio] cgo atque 
iam pridem cognovi atque intellexi' und am Anfange seiner 
Schrift de re militari p. 80, 1 ,scio ego quae scripta 
sunt si palam proferantur, multos fore qui vitilitigent, 
sed ii potissimum qui' etc. ein Anfang, an deu jener der 
Schrift Cic. de fin. erinnert ,non eram nescius, cum, quae 
. . philosophi . . graeco sermone tractavissent, ea Latinis litteris 
mandaremus, fore ut hic labor noster in varias reprehen- 



132 Kapitel I § 1. 

siones incurreret'. Ueber ein anderes vielgebrauclites Muster 
von Einleitungsformeln s. z. § 67. — Ernesti hat nicbt un- 
passend den Eingang der Rosciaua verglicben rait dem der Rede 
des jugendlicben Arcbidamos bei Isocrates: ,?'(7ft)5 Tii^sg Vfxdai^ 
d^avfia^ovmv, ozc xov aXXov xqovov ifjipSfjbevTjxcog roTg Tfjg 
TToXtcog voi^iifioig, wg ovx oid el Tig aXXog twv f}?uxio)zcov, to- 
(TavTrjv nSTiolriyiat ttjv [JSTa^olijv, m(Tts neql mv oxvovtTiv ol 
nQScr^vTSQOt Xiysiv, nsQi tovtmv vsohsQog wv naosXiiXv&a 
(Tvn^ovXsvGoyv'-. — credoj Nacb SeyflFert-Miiller zu Laelius^ p. 173 ff. 
bedeutet credo bei Cicero abgeseben von der Bedeutung „an- 
vertrauen" und speziell „creditieren" 1) ganz allgemein „Zutrauen 
scbenken" z. B. Tuscul. V, 58 Diouysius eorum credebat nemini 
(s. z. § 112), 2) speziell „Glauben scbenken" mit dem Dativ der 
Person oder Sacbe, die etwas aussagt, resp. der Aussage selbst 
z. B. testi, epistulae, iis quae dicuntur, am baufigsten 
mit folgendem Accus. c. inf. oder obne jeden Zusatz z. B. in mibi 
crede, endbcb boc, id, nibil, omnia credere, 3) berubt 
das Glauben nicbt auf fremdem Credit, sondern auf eigener An- 
sicht, so kann es nacb ciceronischem Spracbgebrauch nur dann 
durcb credere gegeben werden, wenn diese Ansicbt nicbt Griin- 
den, sondern blosser Willklir oder Einbildung zugescbrie- 
ben werden soll, also a) entweder in das Gebiet des „Glaubens" 
gebort, wie nat. d. II, 7 si ea ficta credimus oder b) wenn 
sie mit eiuem Anflug von Ironie geradezu als eine Art Wahn 
oder Aberglauben cbarakterisiert werden soll, „sicb einbilden, sich 
traumen lassen", z. B. Tuscul. I, 99 nisi quod mibi (Socrati) 
nocere se crediderunt oder c) als auf so subjektiver 
Vermutung beruhend, dass fiir ein solches credo die Uebersetz- 
ung „ich glaube" ganz unpassend sein wiirde und nur ein „vermut- 
lich, wabrscheinlicb, ich denke" am Platze ist, wie an 
unserer Stelle : „Ihr findet es wahrscheinlicb auffallend". — 
iudices] Wie aus § 8 zu erseben , bestanden die Ricbter in dem 
iudicium Rosciani;m aus S enatoren. — sedeailt] namlich in bisce 
subselliis (cf. § 59, s. iiber die subsellia zu § 12). Ge- 
meint sind die advocati (RechtsbGistande) des reus, zu denen sich 
die Freunde und Bekannten gesellten, oft auch hocbangesehene 
Manner, wie hier die Meteller, Scipionen, um durcb ihre An- 
wesenheit die Sache des Angeklagten zu unterstiitzen ; cf. Te- 
rent. Phorm. 312 inde ibo ad forum atque aliquot mibi Amicos 
advocabo, ad hanc rem qui adsient, Hor. sat. I, 9, 38 si me 
amas, . . paulum bic ades. — aetate] Cic. stand im 27. Lebens- 



Kapitel I §. 1—2. 133 

jahre, vgl. die Belege Teil I S. 13; iugenioj = dicendi facultate; 
auctoritatej cf. § 3 nondum ad rempublicam accessi. — nOVO scelere] 
= inaudito, mit dem es oft verbunden erscheint, vgl. Phil. XI, 29 
omnia .. iura novo, inaudito, iuexpiabili scelere polluerit und 
die Note zu § 82. — iniuriani defendere] Cic. gebraucht hier de- 
fendere in seiner urspriinglichen (seltenen) Bedeutung = arcere, 
abwehren , vgl. Offic. III § 74 qui nou defendit iniuriam neque 
propulsat, Plaut. Most. IV, 2, 19 maxumam qui his iniuriam 
foribus defendat (,foribus' ist Dativ nach dichterischem Sprach- 
gebrauch, vgl. Lorenz zu d. St., aber Bacch. 443 steht te defen- 
sare iniuria) ; die Substantiva defeusio (z. B. Mil. § 6 def. 
criminis) und defensor (ibid. § 58 def. necis) werden so selten 
gebraucht. 

Quid ergo] Ueber quid ergo? und quid igitur? als Formen § 2. 
der ratiocinatio s. SeyfPert, Schol. Lat. I p. 97 ; zu unterschei- 
den davon sind die Fragen mit quid ergo estV quid igitur 
est, s. zu § 36. — tanto ofticiosior quam ceteri] tanto ohne Kor- 
relat, quam vom Komparativ abhangig wie Quintil. Inst. X, 2, 3 
quod tanto facilio rem nobis rationemrerum omnium facit quam 
fuit iis , ibid. § 28. — praereptani Telim] cf. § 25 conservatas 
velit. Diese Konstruktion (der inf. perf. pass. „meist ohne 
esse" flir den inf. praes. pass.) erscheint bes. stark bei Cicero 
ausgebildet, wahrend sie bei Casar und Sallust fehlt. Sie findet 
sich am haufigsten iu den Verb. mit velle, weniger haufig mit 
cupere, sehr selten mit nolle, cf. Drager H. S. II, § 441, 4. 
— Nach Ziemer, Junggrammatische Streifzlige 1882 p. 79 steht 
so der Infin. perf. pass. bei Plautus 5, bei Terenz 4, bei Cicero 
26, bei Livius mindestens 5mal. Ebenda werden auch Analogien 
aus anderen Sprachen, wie aus dem Griechischen (Herod. II, 173 
ed-iXoi xaTSCnovdda&ai) und Mittelhochdeutschen (Iwein: er 
wil sich an iu gerochen hS,n) gegeben. Bemerkenswert ist 
endlich die ebenda vom junggrammatischen Standpunkt der Aus- 
gleichung aus durchgeflihrte Unterscheidung von 5 Arten solcher 
Perfekt-Infinitive. — Was schliesslich die von einigen Grammatikern 
gemachte Unterscheidung in der Bedeutung des Infin. Praes. 
oder Infin. Perf. Pass. anlangt, jener habe den Sinn des 
Wunsches, dieser den des Befehles, so hat H. Anton im 
Naumburger Progr. 1878 „die Deutschen phraseol. Verba im 
Latein." p. 48 ff. durch besonnene Priifung einer Reihe von 
Beispielen nachgewiesen , dass dieser Unterschied in der That 
nicht bestehe. Als Kegel, meint er S. 50, kiJnue man vielleicht 



134 Kapitel I § 2. 

aufstellen : „„Je nachdem etwas als in der Zukunft vollendet oder 
bevorstebieud gedacht wird, steht neben velle der Infiuitiv Perfecti 
oder Praesentis; uiit der einzigen Beschriinkung, dass, wenn im 
Hauptsatz der Infinitiv Futuri steht, velle nur mit dem Infinitiv 
Praesentis verbunden wird"". Cf. Caes. b. g. 1, 44 se . . quae- 
cunque bella geri vellet (Beziehung auf die Zukunft!) sine 
ullo eius labore et periculo confecturum. — qiiae nie igitiir resj 
Die Pronomina werden gerne zusammengestellt, vgl. §. 6 hunc 
sibi ex animo scrupulum. — caiisam reciperem] c. recipere und 
c. suscipere gebraucht C. ohne Unterschied, c. accipere, wie 
er einmal Pis. § 13 sagt, steht vorklassisch fiir suscipere bei 
Plautus und Terentius, cf. m. Abhdlg. de Cic. eloc. p. 22 und 
Langen Beitr. p. 313, der nachweist; dass Plautus das Verbum 
suscipere abgesehen von der religiosen Formel Amph. 229 
vota suscipere nur fur das klassische concipere in der 
spez. Bedeutung „empfangeu" von der Frau gebraucht, Terentius 
aber, der klassischen Latinitat entsprechend , von dem Vater. — 
si quis lioriim dixisset, qiios videfis.ailesse, iii qiiibiis etc.] Fiir den 
Lateiner bildet die Wiederholung der relativen Ver- 
bindungsform keinen Anstoss, vgl. Se^Jfert. zu Laelius^ 
p. 198: „In diesen Fallen macht das erste qui nur das Subjekt 
vollstandig, welches das zweite erst naher bestimmt, sei es in 
konklusiver („also"), adversativer („aber'') oder explikativer 
(„namlich") Form, so dass also das erste qui das wesentliche, 
das zweite das accidentielle Merkmal enthalt". An unserer Stelle 
haben wir die explikative Form „u n d die, die niimlich"; 
cf. Orat._§_^ eiuscjue totius generis, quod graece inideixTixov 
nominatur, quod („und das") quasi ad inspiciendum delectationis 
causa comparatum est. Oft fiihren aussere Griinde zur Bildung 
des ersten Relativsatzes, wie im letzten Beispiel: „die sogenannte 
epideiktische Gattung". — aiiiplitudo| mit Hinblick auf die Sena- 
toren gesagt, deren Staud xar' i^oxfjv der ordo amplissimus ist. — 
si verl)um de re pujilica fecisset] „wenn er nur mit einem Worte die 
offentlichen (politischen) Verhaltnisse beriihrt hiitte" (Halm). Der 
Nebenbegriff „auch nur mit einem einzigen Worte" liegt in 
dem Singular verbum f . | cf. § 82 de quibus quoniam verbo 
arguit, verbo satis est negare. — si dixisset . . . si verbum . . 
fecisset etc.] Ueber diesen Periodenbau (ein doppelter Vordersatz 
in Kondicional- Kausal- Relativsatzen) vgl. Nagelsb. Stil. § 149: 
„Gar nicht selten haben beide Vordersatze die namliche Konjunk- 
tion, wobei dann aber nicht ein et als ausgelassen betrachtet 



Kapitel I § 3. 135 

werden darf; tlas Eigentumliclie dieser Struktur ist vielmebr, 
dass ein et gar nicht eingeschaltet werden kbnnte"; vgl. auch 
Madvig de fin.3 p. 328. 

Ego autem si omuia • . . dixero, nequaquam tameii etc.] si = § 3. 

etiamsi bei negativem Hauptsatz wie oft^ vgl. die Stellen, 

welche Du Mesuil beibringt zu Leg. I § 7, seltener bei affirma- 

tivem. — exire] Das Verbum gebraucht Cic. bes. gern von dem 

raschen Umlauf wichtiger Briefe, so Att. 13, 13, 1. 21, 5, s. 

Slipfle-Bockel in der Einleit. zu epist. sel. Cic. p. 41. — temere 

dido] Nagelsb. Stil. § 28. — concedi . . ignosci] Synonyma, cf. 

Orat. III § 198 ,sed poetae non ignoscit, nobis concedit^; 

concedere mit dem Dativus der Sache, wie Hor. Sat. I, 4, 140 

,cui (vitio) si concedere nolis', aber mit dem Accusativ, wenn 

noch die Person dabei steht, Hor. Ep. II, 2, 142 ,pueris con- 

cedere ludum'. — ego si quid liberius dixero] Cf. Hor. Sat. I, 

4, 103 ,Liberius si dixero quid'. — quod nondum ad rem 

pui)licam accessi] Cic. bekleidete erst im Jahre 75 die Quaestur, 

das erste Staatsamt. — tametsi non modo ignoscendi ratio, verum 

etiam cognoscendi cousueludo iam de civitate sublata est] ,obwohl es 

in unserem Staate nicht nur kein Verzeihen, sondern auch kein 

Untersuchen mehr gibt' (Nagelsb. Stil. ' p. 94). Von diesen 

Worten^ die allerdings im Muude des jungen Cic. etwas kiihn 

klingen, glaubt Drumann R. G. V p. 244, dass sie, wie auch 

noch manche andere, erst spater nach Sullas Tode bei der Ver- 

offentlichung der Rede hinzugefiigt worden seien. Zur Sache 

vgl. Cicero im Brut. § 306 ,in quo (sc. in philosophiae studio) 

hoc etiam commorabar attentius, quod . . . sublata iam esse 

in perpetuum ratio iudiciorum videbatur', wozu Piderit be- 

merkt: „insofern damals in den blutigen Parteikampfen der 

Sullaner und Marianer an die Stelle des Rechtsweges und eines 

ordentlichen Gerichtsverfahrens die Willkiir des Siegers und rohe 

Gewalt trat". — ignoscendi ratio] Periphrase fiir das mangehide 

Verbalsubstantiv von ignoscere (Nagelsb. Stil. "^ p. 94); der 

Konzinnitat halber steht in Folge dessen cognosc. consuetudo 

fiir cognitio. „Vom Richter, der vou einer Sache Kenntnis 

nimmt, ein Vergehen untersucht, sagt man cognoscere; wer 

gefehlt, bittet daher den andern ignoscas d. h. richte nicht, 

erlass mir die Strafe (cf. ep. Brut. I, 15, 10 sed sceleris poenam 

praetermittere — id enim est quod vocatur ignoscere). . . Die 

Bildung des Wortes ist abnorm, denn die negative Partikel wird 

im Latein. ebenso wenig wie av im Griechischen zur Bildung 

Landgraf; Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Iliilfle. \Q 



136 Kapitel II § 4 u. 5. 

zusammengesetzter Verba verwendet (Bergk Philolog. 28 p. 466); 
wahrscheinlich liat man zuerst das Partizipium gebildet igno- 
scens (sis, fuas)^ was so wenig dcr Regel widerstrebt wie in- 
sciens, infans, indicente u. a. ; dann erst ging man weiter 
und sagte auch ignosce , ignosco u. s. w. ; geradeso hat indecens 
zu indecet gefiihrt", Bergk, Jahns Jahrb. 1873 p. 43. — Die 
durch die Verbindung der beiden Worter cognoscere und 
ignoscere herbeigefiihrte Paronomasie war bei den Romern 
beliebt. Wir begeguen ihr zuerst bei Terent. Heaut. II, 1, 6 ,et 
cognoscendi et ignoscendi dabitur peccati locus^ und Eun. 
prol. 42 ,f[uare aequomst vos cognoscere et ignoscere', wo 
der technische Gebrauch des Wortes cogn. vom untersuchen- 
den Richter auf den privfend e n Zuschau er iibertragen ist. 
Cicero, der iiberhaupt, bes. aber in seinen Erstlingsreden diese 
Ait von Wortspielen liebt (vgl. m. Abhdlg. de Cic. el. p. 12 
und 22) , wendete es zuerst Invent. II § 105 an ,magis in 
hoc (juidem ignoscendi quam cognoscendi postulatio valuit' 
und danu an unserer Stelle. Wie Cicero manches in den ersten 
Reden aus dem Sprachgebrauch der Komiker heriibernahm (vgl. 
m. Abhdlg. S. 19 fif.}, so hat man auch hier von einer imitatio 
Terentiana gesprochen, z. B. Verburg, der dazu noch quid 
postea in § 80 vergleicht. Doch ist diese Paronomasie auch 
der spateren Litteratur nicht fremd, cf. Apul. mag, 65 ,idque eos 
arbitror non tam ignoscendi quam cognoscendi causa de- 
siderare'; Ausou. 299,1 ,ignoscenda istaec an cognoscenda 
rearis^ Ueber non modo — verum etiam s. z. § 138 non 
modo non — verum etiam. 

§ 4. Forsitan petitiim sit] Forsitan hat bei Cic. immer den 

Konjuuktiv bei sich; iiber die scheinbar abweichenden Stellen s. 
Krebs - Allgayer Antib. s. v. — nt (licerent] sc. causam; iitrumvisj 
vel dicere vel tacere. — salvo officio] vgl. § 95 salva fide und 
Flor. 1, 6, 6 ,eam veram esse victoriam, quae salva fide et 
integra dignitate pareretur'. — igDorare] igu. im Sinne von 
unserem modernen „ignorieren" ist selten, cf. Krebs - Allgayer 
Antib. s. V. — debebam] Das handschriftliche debeam, das alle 
neueren Editoren verworfen haben, verteidigt neuerdings Luter- 
bacher im IX. Jahresbericht des Phil. Vereins zu Berlin damit, 
dass der zweite Relativsatz die Folge des ersten enthalte. 

Kapitel H. 

§ 5. His de causis (Ursachen) ego liuic causae (Rechtsfall) patromis 

exsliti] Die Wiederholung desselben Wortes in verschiedener 



Kapitel II § 5. 137 

Bedeutuug wurde in der Rhetorik zu den lumiua orationis 
gerechnet (Cic. Or, § 135 ,cum continenter unum verbum non 
eadem sententia ponitur'). Uiese Figur hat bei den Rhetoren 
verschiedene Namen; Cornif, IV § 20 nennt sie traductio. 
Quintilian. IX § 68 avtapdxlacrig (,eiusdem verbi contraria 
significatio'), die meisten nXox^, vgl. Volkmann p. 408. Ausser 
dem Wortspiel mit causa (s. noch § 149 und Tereut. Heaut. 
prol. 41 mea causa causam hanc iustam esse auimum indu- 
cite) ist bei Cicero haufig das mit res, so iia unserer Rede § 28, 
Verr. II § 36. Dass Cic. in seinen Erstlingsreden einen etwas 
zu uberschwanglichen Gebrauch von den rhetor. Kunstmitteln 
macht, zeigt auch unsere Stelle; denn ausser der nkox'^ finden 
wir noch dxe drei Paronomasien : electus-relictus, maximo- 
minimo; defensus-desertus. — non electns unns] Ueber 
,unus' = „vor anderen ganz besonders", das nicht nur zu Superla- 
tiven, sondern auch zu Verbis oder Phrasen hinzutritt, die super- 
lative Bedeutung haben, vgl. Seyffert-Muller zu Laelius ^ p. 9 ff. 
— vernui] Richter und Hellmuth 1. c. p. 152 machen die rich- 
tige Bemerkung, dass Cic. in dieser Rede iiberaus haufig verum 
(und verum tamen), bes. in der Formel non modo-verum 
etiam (s. z. § 138) gebrauche. Die neueren Untersuchungen 
ilber die Sprache Cic.'s in der Rosciana haben ergeben, dass der 
jugendliche Redner in dieser seiner ersten causa publica es iiber- 
haupt darauf abgesehen hat, moglichst kraftige und volltouende 
Worter zu gebrauchen, um dadurch grosseren Eindruck auf die 
Richter zu machen. So weist Thielmann B. G. XVI p. 204 
nach, dass sich in der Rosc. auffallend haufig sese (15mal, in 
der Quinctiana nur 4mal, ebenso wie in der Schrift de inv.) und 
die mit dem deiktischen ce zusammengesetzten Formen von hic 
finden, so huiusce nur einmal p. Quinct. § 7, dagegen in der 
Rosc. § 6, 15, 17, 20, 22, 30, 53, 55, 74, 96, 105; hisce 35, 
51, 58, 59, 110 bis; hosce74; hasce 134, Auf diese Neig- 
ung zu breitem Ausdrucke ist auch zuriickzufuhren der Gebrauch 
von quem ad modum und quo modo in Zwischensatzen fiir 
ut. In den spateren Schriften Cic.'s ist dieser Gebrauch selten, 
so dass man zu der Annahme berechtigt ist, dass er mehr der 
Umgangssprache angehore; vgl. p. Quinct. § 31 qmadm. solent, 
§80 qmadm. putatis, Rosc. § 5 qmadm. cousueverunt, § 7 quo 
modo mihi persuadeo, § 21 quemadm. ipse dicit, § 81 quem- 
adm. tute confiteris, § 91 quemadm. ante dixi. Aus den 
Briefen habe ich notiert: Att. 1, 17, 4 quemadm. spero, ib. 

10* 



138 Kapitel II § 5. 

14, 18 qiiemadm. tute scribebas, Qu. fr. II, 12, 3 quemadm. 
scribis, fam. 3, 9, 4 quemadm. ostendis. Eudlich ziehen wir 
hierber die volleren Formeln propterea quod, idcirco quod, 
ideo quod (quia) und tametsi tamen, liber welche ausfiihr- 
lich gehandelt Hellmuth p. 157 u. 160, Landgraf p. 42, Thiel- 
mann p, 15 ff. Besonders charakteristisch flir das Ueberwuchorn 
dieser breiten Ausdrucksweise in unserer Rede sind Stellen wie § 1 
ita fit ut adsint propterea quod officium sequuntur, taceant 
autem idcirco quia periculum vitant und § 55. 56, wo in kurzen 
Zwischenraumen verum — tamen, verumtamen, quamquam- 
tamen, tametsi — tamen einauder fulgen. — llti ne] Ueber ut ne 
s. z. § 54. — qui iste terror et quae tanta formido] Die lat. Sprache 
liebt es zur Verstarkung des Begriffes des Schreckens zwei 
Synonyma (auch Verba s. z. § 8) zusammenzustellen. So hat 
Livius oft terror ac pavor (26, 25, 2; 26, 41, 12) oder 
terror pavorque (8, 9, 11; 26, 37, 4); auch allitterierende 
Verbindungen wurden gebildet, wie tumultus ac terror (27, 
42, 3), trepidatio et tumultus 27, 47, 9 u. a. m. s. Wolfflin 
„Ueber d. allitt. Verb. d. lat. Spr." in den Sitzungsberichten der 
bayr. Akademie 1881 Bd. II Hft. I S. 86 und Thielmann „Ueber 
Sprache und Kritik des lat. ApoIIoniusromanes" Speyrer G. Pr. 
1881 p. 22. 23. — pro capite et fortunis] ,caput et fortunae' 
ist eine stehende Formel, die zunachst der Rechtssprache 
angeh(3rt, vgl. Paul. s. r. 5, 23, 10 in caput fortunasque. 
Die geAvohnliche Stellung ist caput et (ac) fortunae oder 
caput fortunaeque, so Verr. III, 131. 133; Cluent. 67; div. 
Caec. 71; Cael. 67; Deiot. 1; ep. fam. 5, 1, 1; die umgekehrte 
ist selten z. B. fam. 14, 4, 2 periculum fortunarum et ca- 
pitis, Val. Max. 6, 5, 3 fortunis et capite. Gern tritt 
diese Formel in Verbindung mit der allitter. Formel fama for- 
tunaeque, so Quinct. 8 caput alterius, famam fortunasque 
defendere ; Rab. 1 in defensione capitis, famae, fortunarum- 
que, ib. 5 in dimicatione cap. f. f. que. Derartige formelhafte 
Verbiudungen sind oft gleichsam zu einem Korper zusammenge- 
wachsen, so dass man die eigentliche Bedeutuug ihrer einzelnen 
Bestandteile gar nicht mehr fiihlt und sie daher auch da setzt, 
wo sie genau genommen nicht ganz passen ; z. B. an unserer Stelle 
kann von einer Verteidigung der fortunae keine Rede sein, weil 
ja das Vermogen des Angeklagten schon verloren war; s. mehr 
dariiber zu§6 damnatuseteiectus. — causam dicere] causam 
dicere sagt mau sowohl vom reus als von seinem patronus. 



Kapitel II § 6. 139 

Hniuscej s. zu § 5. — emere de] Ebenso lianfig ist die Phrase § 6. 
emere ab aliquo, cf. Arusian. Mess. z. u. St. — queui liono- 
ris causa uomiuo] Man bediente sicli dieser Formel gewissermas- 
sen zur Entschuldigung bei der Nennung der Namen hochge- 
stellter, nicht direkt bei der Verhandlung beteiligter Personen; 
von deuen man nicht wusste, ob sie iiberhaupt genannt werden 
wollten. Der Gegensatz ist contumeliae causa nominare, 
wie ersichtlich sms Verr. act. prima § 18 ,Curio, quem ego ho- 
minem h o n o r i s potius quam contumeliae causa nominatum 
volo'; wozu Pseudo-Ascon. (p. 133 Or.) bemerkt: ,uon solebant 
precari veniam veteres de eorum compellatione nuda, quos nego- 
tium tangeret'. — quae suut sexagieus] sc. centenis milibus sester- 
tium = 250 Talente (was mit der Angabe des Plutarch vit. 
Cic. 3, s. d. St. am Schluss des Kommentars, stimmt), = c. 1052500 
Mark. — uumuium] = sestertium, 350 Mark, allerdings ein Spott- 
preis. Plutarch 1. 1. sagt dia/iXkoi' dQax/iiioy, in offenbarem Missver- 
standnis des cicer. Ausdrucks numm um. — Die Form ,nummum' 
gebraucht C. konstant in Verbindung mit einem Zahlwort: Verr. II, 
§ 56. 119. III, 118. 140. 201. Cluent. 87; sonst steht ebenso 
konstant nummorum Inv. II, 14. Quinct. 16. Verr. III, 117. 
118. 195. Vgl. Thielmann B. G. XVI p. 211. — vel poteutissimus] 
„wohl, vielleicht", nicht „sogar", denn vel beschranlit 
und schwacht die Aussage. Im alten Latein wird so vel sehr 
selten gebraucht; Wolfflin lat. Komparat. p. 40 citiert nur Lucil. 
741 L vel bellissimum (oder steht das Adverb der Allittera- 
tion zuliebe, wie einmal Plaut. Most. 3, 3, 8 sagt longe longis- 
suma? s. z. § 33). In die Prosa scheint es Cicero in seinen 
ersten Keden eingefuhrt zu haben, denn in der Schrift de invent. 
fehlt es noch. Vgl. § 8 der Rosc. vel indignissimum, § 69 
vel maxime, § 124 vel maximus, Verr. IV § 3 vel op- 
tima, wo auch Halm iibersetzt „vielleicht", — L. Coruelius 
Chrysogouusj Chrysogonus war ein gewohnlicher Sklavenname, 
vgl. z. B. Verr. I § 92; iiber sein praeuomen und no- 
men s. den Schol. Gr. und Lactant. div. inst. IV, 3, 17 ,servus 11- 
beratus patroni nomen accipit taraquam filius'. Die Stellung des 
Namens an den Schluss der Periode hinter das Pradikat soll die 
Spannung der Zuhorer erregen. — pecuuia] = universitas rei fa- 
miliaris, wie der Schol. Gr. sich ausdriickt. Ueber diese nicht 
seltene (juristische) Bedeutung von pecunia und den Unter- 
schicd zwischen pecunia tind familia s. Wirz zu Cic. Mil. 
§ 76. — tam pleuam atque praeclaram] Wenn Stanger an u. St. 



140 Kapitel II § 6. 

pleuain iu amplam andern will , weil plenus iu ilcr Bedeut- 
uug ,reichlicli vorlianden^ singular sei, so konnen wir ihm hieriu 
uicht beipflichteu ; vielmehr musseu wir das Wort schon aus dem 
Grunde halten, weil es von Cic. der Allitteration wegen absicht- 
lich hier gewjihlt zu sein scheint. — qaouiam . . . iiivaserit] Cic. 
lasst damit boshafter Weise den Chr. seine Forderuug selbst be- 
grlinden, vgl. Verr. IV § 16 ,primo dixit se istum publice lau- 
dare, quod sibi ita mandatum esset.' — obstare atque officerej Die 
beideu Synonyma erscheiuen verbundeu noch § 112 und 145. 
Aiisser diesen 3 Stellen findet sich das Verbum officere nur 
noch Imal in den Keden, Rab. Post. § 43. — deleatis . . . tolla- 
tis] Cic. stellt die beideu Verba gerne zusammen , um eine Pa- 
ronomasie zu gewinneu, cf. C^uiuct. § 70, Verr. act. pr. § 49 
d e 1 e r e a c t., ib. IV §80 delendum tollendumque^ Vatiu. 
23 tollere ac d.; Rep. III, 23 tollitur, deletur. — hoc iu- 
columi non arbitratur huius . . patrimouium .... posse obtinere] Es 
steht hier der ablat. absol. hoc neben huius, obwohl beide 
Pronomina dieselbe Person bezeichnen, wie haufig in den Brie- 
fen, z. B. Att. 7, 9, 2 ,haberi Caesaris rationem illo exerci- 
tum obtinente' verglichen mit ib. 7, 9, 3 ,ut ratio habeatur re- 
tiueutis exercitum', Asin. Poll. ep. fam. 10, 30, 4 ,invito illo 
per illius proviuciam' uud daz. die Stellensammlung von Schmalz 
Asiu. Poll. p. 90; Sall. Cat. 48^ 7 ,quo facilius appellato Cr asso 
per societatem periculi reliquos illius poteutia tegeret' ; vergl. 
Weissenborn uud Frey zu Liv. 1, 28, 10 und Drager Synt. 
Tac. 3 p. 87. 88, H. S. II § 586. An unserer Stelle ist diese 
Sonderung des ablat. absol. vom Hauptsatze durch deu Gegensatz 
,damnato et eiecto' gefordert. — damuato et eiecto] Man hat an 
dem Worte eiectus Anstoss genommen, weil den parricida uicht 
die Strafe des Exils, sondern die poena cullei trefie. Osen- 
brliggen will deswegen eicere hier allgemeiuer fassen im Siune 
von tollere = aus dem Wege raumen. Halm ubersetzt: ,ist 
cr verurteilt uud so gauz aus dem Besitze verdrangt^ Richter 
will den „scheinbareu Widerspruch" dadurch aufheben, dass er 
zwar eicere im Sinne von in exilium eicere fasst, aber 
darin uur den Ausdruck des dem Roscius zustehenden Rechtes 
freiwillig ins Exil zu gehen findet, falls er seine Verurteilung 
voraussah. Nach raeiner Auff^assung kaun mau iu derVerbinduug 
damuare atque eicere ,eicere' nur im juristischeu Sinne = 
iu exilium eicere uehmen, wie Liv. 35, 50, 4 zeigt: ,auctor de- 
fectionis damnatus atque in exilium est eiectus^ Eine 



Kapitel II § 6. 141 

andere Frage ist es, ob au unserer Stelle das Wort iu die- 
ser Bedeutung streng gefasst werden will — und das glaube icli 
verneinen zu mussen. Alle Bedenken losen sich sehr einfach, 
wenn wir den Wortlaut dieser formelhaften Verbindung — und 
das ist sie thatsachlich, vgl. Verr. a. pr. § 13 indicta causa dam- 
nati et eiecti, ib. I § 98 condemnato et eiecto, Sest. § 30 
damnabit atqne eiciet — ebensowenig auf die kritische 
Wagschale legen, wie in § 5 die Phrase caput et fortunae. 
Will dort Cic. seiner Verwunderung Ausdruck geben, dass Nie- 
mand es wage fiir die Existenz des Roscius einzutreten und 
bedient er sich dazu der gelaufigen Formel ,pro capite et fortunis', 
ohne weiter zu iiberlegeu, dass diese eigeutlich hier nicht ganz 
am Platze ist, weil der Angeklagte faktisch kein Vermbgen mehr 
besitzt, so diirfen wir es ihm auch an u. St. nicht nachrechnen, wenn 
er, um einen moglichst drastischen Gegeusatz zu incolumis zu 
bekommen , zu der ebenfalls juristischen Formel ,damnatus et 
eiectus^ greift. Ein lehrreiches Beispiel fiir diese rhetorisierende 
Ausdrucksweise ist Liv. 21, 44, 5 ,tantum itineris per tot montes 
fluminaque . . emensos'. Liv, gebraucht hier die haufige Ver- 
bindung ,montes fluminaque' (s. die Beispiele in m. Abhdlg. de 
figuris etymologicis linguae Latinae in den acta Erlaug. II 
p. 3. 510), obwohl „bei dem Plural flumina nur an den Ebro 
gedacht werden kann und m onti um gar eine inhaltslose rhetorische 
Floskel ist" Wolfflin z. d. St. Vgl. auch das iiber die Formel 
doraus uxor liberi in § 96 Bemerkte, wo liberi von einem 
Kinde steht. — An unserer Stelle lag es iiberhaupt in der Ab- 
sicht Cic.'s, der incolumitas nur die damnatio gegeniiber- 
zustellen uud nicht auch die Strafe der ev. Verurteilung. Denn 
wollte er dieses, so durfte er nur zu der an anderen Stellen von 
ihm gebrauchten Formel damnatus et mortuus greifen (Verr. 
IV § 33 ,cum iam pro damnato mortuoque esset^; Cluent. 10 
,contra damnatum et mortuum pro incolumi et vivo 
dicere'). Allein er wollte ofifenbar nicht gleich am Eingang 
seiner Rede durch einen so starken Ausdruck an die auf den 
Vatermord gesetzte Todesstrafe erinnern. — huiic sibi ex aDimo 
scrupulura, qui se . . stimulat ac pungitj Vgl. Plaut. Truc. 4. 3, 79 
,ne ista stimuliim longum habet, quae usque ilHnc cor pungit 
meum, Trin. 4, 2, 158 ,meum pectus pungit aculeus', Ter. Andr. 
940 ,at mi unus scrupulus etiam restat, qui me male habet'. 
— qui se . . stimulat ac puugit] Dieser der Umgangs- uud Volks- 
sprache augehorige Gebrauch, das Pronomen reflexivum fiir das 



142 Kapitel III § 7. 

Pronom. clemoustrativum zu setzen, findet sich bei Cic. nur iu 
den Jugeudwerken. Vgl. Drager H. S. § 30 und die Erganzuugeu 
vou Hellmuth p. 130, Landgraf p. 37, Thielmaun p. 70, Kohler 
auct. belli Afr. et Hisp. Latinit. in deu acta Erlang. I p. 415 
(b. Hisp. 22, 6 principibus([ue, qui sibi contrarii essent, inter- 
fectis), Schmalz zu Sall. Jug. 61, 1, Lorenz und Brix zu Plaut. 
Mil. 182. Eberhard verkennt vollstandig den Charakter der mit 
vielen volkstUmlicheu Wortern und Wendungeu versetzten Ros- 
ciana, weun er au u. St. se einklammert. — dies uoctesque] ebenso 
§ 67. 81 Deiot. 38; noctes diesque Verr. act. pr. § 52, V 
§ 112; noctes et dies Or. I, 260; Brut. 308, Tuscul, V, 70. 
113; et dies et noctes ad Att. XII, 46; uoctesque dies- 
que dichterisch bei Cic. fin. I, 51 u. dazu Madvig und Holstein 
(auch in seiner Uebersetzung der Aratea Nat. deor. II § 104); 
dies atque uoctes fiudet sich bei Cic. nicht mehr im Text^ 
wie auch Livius die ac nocte (4, 22, 5; 5, 19, 11 etc.) und 
dies noctesque (24, 38, 2; 27, 13, 4 etc.) sagt, aber nirgends 
die atque nocte, cf. J. H. Miiller, Zeitschr. f. d. G. W. 1881 
p. 683 Note. — adintores] .HelfershelferS cf. Nagelsb. Stil. § 54. 

Kapitel III. 
§ 7. Ego contra breTem] brevis iu der Bedeutung ,kurz^ ist hier 

kein richtigerGegensatz zu ,postulatio aequa et honesta', s. deu 
krit. Auh. Besser passt es zu ,honestiorem', weun wir ihm die 
Bedeutung „kurz und buudig" beilegen, wodurch die postulatio 
Ciceros im Einklaug mit ,aequiorem^ eine weitere lobende Eigeu- 
schaft erhalt. Ueber diese Bedeutuug spricht C. F. W. Miiller 
zu Seyfferts Laelius p. 9 und Fleckeis. Jahrb. 1864 p. 134; vgl. 
Nat. deor. II § 65 ,Euripides ut multa praeclare, sic hoc bre- 
viter', wo eiuige Editoreu ,breviter' gestrichen haben, Inv. I 
§ 33 ,partitur apud Tereutium breviter et commode senex 
in Andria, quae cognoscere libertum velit', Cornif. IV § 35 ,di- 
lucide et breviter^, ebenso Cic. Cluent. § 8 ,dum multorum 
anuorum accusatioui breviter dilucideque respoudeo, ut me 
attente audiatis'; Offic. II § 31 ,si est simpliciter breviterque 
dicendum' u. daz. C. F. W. Miiller. — quo Diodo mihi persnadeo] 
s. z. § 5. - A Chrysogoiio peto . . . saiiguiiiem et vitam ne petat] 
Ueber die Figur der ttAoxjJ, die hier durch die verschiedene 
Bedeutung des zweimaligeu peto gebildet wird (wir konnen das 
Wortspiel mit ,begehren' oder ,verlangen' wiedergeben), s. z. § 5. 
— nostris] s. z. § 150. — sanguiuem et vitara] Die Redensart 
sanguis et vita fiudet sich uur iu den altereu Reden : p. Quiuct. 



Kapitel III § 8. 143 

§39 s. vitamque eripere, § 46 vitara et s. petere wie a. 
u. St. ; Verr. III 56 vitae et sanguinis tantum relictum esse, 
ib. V 139 ad unius cuiusque nostrum vitam et sanguinem 
pertinet (fehlt bei Hellmutli p. 164). In demselben Sinne ge- 
braucht Cic. die Formeln caput et sanguis Verr. V 13 und 
caput ac vita Caecin.63 (anbeidenStellen mit pertinere), Verr. 
V 157capitis vitaeque discrimen. — resistatis, leTetls, propulsetis] 
Es finden sich zahlreiche OfiiOiOTsXsVTa in itnserer Rede, so § 8 
dignitatem, severitatem, § 9 commoditati, gravitati, 
libertati u. a. m. (s. m. Abhdlg. Cic. el. p. 13). — etj „et zur 
Ankniipfung des dritten Satzgliedes ist selten, findet sich aber 
in allen Zeiten. Bei Gicero dient ein solches abschliessendes 
et fast niemals zur blossen Anreihung, sondern das letzte Glied 
hat eine spezielle Bedeiitung" Drager H. S. § 310, 2. An u. St. 
steht das dritte Glied (et propulsetis) den beiden ersten, die 
als Einheit betrachtet werden, als Resultat gegeniiber =: und so. — 
qiiod iii onines intenditnr] vgl. § 129 ,quae enim mihi ipsi indigua et 
intolerabilia videntur quaecjue ad om nes nisi providemus, arbitror 
pertinere'. Es ist ein rhetorischer KunstgriflF, den Cic. gerne 
anwendet, im Interesse seines Klienten die diesem drohende Ge- 
fahr als eine solche hinzustelleu, in die alle guten Biirger ver- 
vvickelt werden konnten; cf. Inv. I§23: ,Attentos autem faciemus 
(auditores), si demonstrabimus, ea quae dicturi erimus magna 
nova incredibilia esse aut ad omnes aut ad eos qui audient 
. . . aut ad summam rem publicam pertinere', womit zu vergl. 
§ 148 u. R. : ,s u m m a r e s p u b 1 i c a i n h u i u s p e r i c u 1 o temptatur'. 

Q,uodsi aut causa criminis aut facti suspicio etc.] Die chiastische § 8. 
Stellung dient hier dazu den zweiten Satzteil vor dem ersten 
hervorzuheben „und wenn sich entweder ein Grund zu einer Be- 
schuldigung oder auch nur ein Verdacht der That finden wird" 
etc. Der Lateiner ist hier dem Deutschen insofern voraus, als er 
durch die rhetorische WortstelliTng den Gegensatz der beiden 
Glieder zu einander scharf pracisiert, was der Deutsche nur durch 
Zuhilfenahme von Partikeln erreichen kanu; vgh Lael. § 23 
,illorum beata mors videtur, horum vita laudabilis' 
und dazuSeyffert-Miiller^ p. 159. — res . . • quani ol) rem ] Ueber diese 
Wiederholung des Beziehungsnomens beim Relativpronomen han- 
delt Drager II § 471 ; vollstandiger Thielmann Cornif. p. 25 ff. 
In der Gesetzessprache, die wohl als die Quelle dieses Sprach- 
gebrauches anziTsehen ist, finden wir so wiederholt die Substau- 
tiva ager, locus, ius, bes. lex; iiberhaupt Wurter von allge- 



144 Kapitel III § 8. 

meiner Bedeutung wie res, clies, locus. Von den Schriftstellern 
der klassischen Zeit liebt bes. Casar diese Wiederholung des Be- 
ziehuugswortes , andere lassen sie nur in den gebrauchlichsten 
Formeln zu oder setzeu im Relativsatze dafilr ein Synonymum 
(eine Art der permutatio, liber die wir zu § 37 ,nefarium faci- 
nus, quo uno maleficio' handehi) , andere endlich, wie Nepos 
verschmahen sie ganz. Uebrigens verschwindet dieser Usus in 
der spatern Latinitat nicht , wie Drager meint; er findet sich 
z. B. an zahh-eichen Stellen bei Apuleius, vgl. Koziol Stil des Apul . 
1872 p. 12. — iiou iiihil tameu iii defereiido iioiiiiiie secuti] tamen = 
saltem , vgl. § 104 c|Uod paulo tamen, — secuti] „Es ist ein 
recht eigentlich ger i chtl ich er Ausdruck : ,sec[ui alic[uid', von 
denen, welche bei ihrer Angabe des Schuldigen gleichsam nur 
einer Sache folgen, der sie auf der Spur sind" Klotz; wir konnen 
iibersetzen: „wenigstens einige Spuren (Anhaltspunkte) vor sich 
gehabt haben". — in defereudo uouiiue] = in accusando, cf. Schol. Gr. 
Die einzelnen Akte des Quastionenprocesses sind 1) die postu- 
latio d. h. die Bitte des Anklagers um Zulassung (cf. Cic. ep. 
fam. VIII, 6, 1 inter postulationem et nominis delatio- 
nem uxor a Dolabella discessit). Hierauf erfolgte 2) die nominis 
delatio d. h. die eigentliche Anklage und 3) die nominis 
receptio von Seiten des Prators, welcher den Namen des reus 
in die Liste der rei eintrug (nomen recipere,'iu reos referri, 
s. § 27). — illorum libidiui Sex. Roscii vita dedatur] Cf. p. Quinct. 
§ 59 ne cum bonis , . Sex. Naevii cupiditati . . dedatur, 
Ubertragen Cael. 45 animus libidiui deditus. — siu ah'ud agitur 
nihil . . . si hoc solum . . . puguaturj Ueber aliud agitur uihil 
nisi s. z. § 108 si nihil aliud fecerunt nisi und z. § 152. 
Pugnare wird gern als Synonymum dem agere zugesellt, vgl. 
Phil. X, 22 ,f|ui idpugnant, idagunt', ep. fam. 3, 10, 3 ,illud 
pugna et enitere' (pugna ut ep. Att. 3, 22, 3). Ueber 
das nach griech. Weise gebildete personliche Passiv eines 
intransitiven Verbums vgl. Drager, H. S. I § 99; Kiihner II 
§ 27, 3 und z. § 103 crederetur. — opiiuaiu praedam| Dagegen 
steht Verr. I § 132 opimus praeda; cf. Hor. epod. 10, 21 
opima praeda, ebensoPhaedr.il, 6, 8; Oros. Hist. 3, 23, 6. — 
vel hoc iudiguissimuiu] ,pronomen inter superlativum et v. vel videtur 
iutcriectum esse ut magis etiam debere indignationem omnium com- 
moveri siimmam signiflcetur', Eberhard k^ct. Tull. p. 6. Uebervel 
s. z. § 6. — per quorum seiitentias iusque iurandum] ev dia dvoiv, wie 
§ 9 natura pudor(|ue. Die liichter wixrden, bevor das con- 



Kapitel III § 8. 145 

silium in Funktion trat, vereidigt, daher iurati iudices, iurati 
homiues genannt Verr. act. pr. 40, ibid. V, 19, Cluent. 122, 
leg. agr. I, 12, Rabir. 7; cf. Pseudo Ascon. in Verr. act. 1,6,17 
(p. 132 Or.J jiurabaut in leges iudices, ut obstricti religione 
iudicarent'. — qui ex civitate in senatuni] Sulla erganzte und ver- 
mehrte die Zalil der Senatoren durcli 300 Ritter, liber vvelche er 
das Volk stimmen liess (Appian. b. c. I, 100, Tac. ann. XI, 22 ; 
andere nehmen an , dass die Gesamtliste der neuen Mitglieder 
den Tributkomitien zur Annahme unterbreitet wurde). Der Senat 
hatte friiher ungefahr 300 Mitglieder gezahlt; in der Zeit der 
Biirgerkriege und Proskriptionen vvar derselbe sehr gelichtet, 
und diese neuen Senatoren scheinen bei vveitem die Mehrzahl ge- 
bildet zu haben. — ex senatu in hoc consilium delecti] Nachdem 
C. Gracchus im J. 122 das Richteramt dem Ritterstande iiber- 
tragen hatte, gab es Sulla den Senatoren wieder zuriick, allein 
schon im J. 70 vvurde es durch die lex Aurelia unter Senatoren, 
Ritter und Aerartribunen geteilt. .Die Richter waren fiir die ver- 
schiedenen quaestiones in Dekurien eingeteilt, deren Zahl wir 
jedoch nicht kennen. Eine Dekurie umfasste etwa 45 — 50 Ge- 
schworene (s. iiber diesen Punkt die orientierende Abhdlg. von 
H. Fritzsche, die Sullanische Gesetzgebung, G. Pr. von Essen 
1882 p. 27 f.), Die Verteilung in die Dekurien erfolgte alljahr- 
lich durchs Los unter Leitung der PrJitoren. Jede Dekurie rich- 
tete das ganze Jahr hindurch iiber dieselbe Kategorie von Ver- 
brechen. Da nun fiir den einzelnen Fall die Bildung des Rich- 
terkollegiums (consilium) ebenfalls durch sortitio aus der 
betreffenden Dekurie erfolgte, so ist die Erklarung der Worte ,ex 
s. in h. cons. delecti estis propter s everitate rn^ _se hr schwierig. 
Vielleicht fand eine derartige Auswahl bei der Aufstellung der 
jahrlichen Richterliste (album iudicum) und ebenso bei der Ver- 
teilung in Dekurien statt (Richter-FIeckeisen) oder die Quaesi- 
toren wahlten sich in bestimmter Reihenfolge ihr consilium, und 
der , dem die quaestio inter sicarios zugefallen war , hatte zuerst 
oder iinter den ersten die Wahl, so dass er die durch strenge 
Gerechtigkeit hervorragenden Richter erhielt (Halm). Ich teile 
die Ansicht Osenbriiggens , wornach in ahnlicher Weise , wie es 
wenige Jahre spater in dem Incestprocess des Clodius die Ab- 
sicht des Senates vvar, extra ordinem das consilium iudicum nach 
der freien Wahl des Prators zusammensetzen zu lassen (Cic. ad 
Attic. I, 14, 1), auch iu unserm Processe zu diesem aussergewohn- 
lichen Verfahren gegriffen wurde, um wegen der Schwere deg 



146 Kapitel IV § 9. 

Falles einen strcngen unparteiischen Urteilssprucli zu erlaugen. — 
homiiies slcariosj „Unter dem Ausdruck ,sicarios' sind nicbt nur 
gewerbsmassige Morder zu verstehen , sondern er ist von Sulla, 
und zwar wohl im Titel des Gesetzes, gebraucht in der Bedeut- 
ung jMbrder', an Stelle des erst spater ubllchen ,homicida', 
das sich ubrigens schon bei Cic. Phil. II, 30 findet" Fritzsche 
Sullan. Gesetzg. p. 20; s. auch Quintil. 10, 1, 12: ,per abusiouem 
sicarios etiam omnes vocamus qui caedera telo quocunque commise- 
runt*. An unserer Stelle allerdings soll durch die Zusammenstelluug mit 
gladiatores und die Hinzufligung von homines das Erwer bs- 
massige bezeichnet werden, aber zugleich auch der ganze Aus- 
druck eine verachtliche Farbung erhalten; ebenso Orat. II § 193 
,ut ex persona mihi ardere oculi hominis histrionis videren- 
tur', wo die Erklarer bemerken, dass die Hinzufugung von homo 
bei Standesbezeichnungen Eegel sei ; vgl. auch § 120 u. 
R. homines operarios, Verr. III § 91 servi homines, wie 
schon bei den Komikern servus homo Plaut. Epid. 1, 1, 60, 
Ter. Phorm. 292, homo servus Plaut. Mil. 563, homo adu- 
lescentulus Plaut. Bacch. 88, Ter. Andr. 828. 910, Phorm. 
1041. Ueber den adj ekti vischen Gebrauch der Substantiva 
in diesen Verbindungen s. zu §64 ,cum duobus adulescentibus 
filiis^ — mehiere afqiie horrere] Wie die Substantiva (s. z. §.5), 
paaren sich auch gerne die Verba zur Verstarkung des Begriffes 
„Furcht und Schrecken", vgl. Ter. Eun. 84 tremo horreoque, 
Plaut. Mil. 1348 metuoque et timeo. — ornati anctiqne] Cic. 
verbindet haufig die beiden Verba: Verr. I, 56 urbem . . om- 
nibus rebus auctam et ornatam, ibid. IV, 124 omnia . . 
augere atque ornare; Phil. V, 48 imperium auxerint, 
nomen ornarint; Quir. 5 augere et ornare oratione; Planc. 
22 regio se huius honore ornari, se augeri dignitate arbitra- 
batur; ep. fam. 7, 17, 2 te augendum atque ornandum 
semper putavi. — discedaut] s. z. § 143. 

Kapitel IV. 
§ 9- Commode dicere] ,Der Sachlage angemessen', ebenso im 

folgenden commoditas ,der angemessene Vortrag*. — 
snmmus timor] Aeusserungen der Furcht und der Besorgnis sind 
bei Cic. bes. im Anfange seiner Reden nicht selten und oft nur 
als rhetorische Phrasen zu beti-acliten, vgl. Or. I § 121 ,equidem 
. . in me ipso saepissime experior, ut exalbescam in prin- 
cipiis dicendi et tota mente atque avtubus omnibus contremi- 
scam' und Piderit z. d. St. ; vgl. den Anfang der Rede p. Deiot. 



Kapitel IV § 10. 147 

jCiim in omnibus causis gravioribus — initio commovcri vebe- 
mentius soleam', Div. in Caec. § 41, Cluent. § 51 seraper equi- 
dem magno cum metu incipio dicere'. — liatura pildorque] ,natur- 
licbe Schucbternbeit^, vgl. Nagelsb. Stil. § 73, b: ,Cicero 
konnte sagen insitus, innatus, ingenitus, ingeneratus, 
wobl aucb naturalis pudor, aber er sagt aucb Rosc. Am. 9 
n. pudorque'. In der 7. Aufl. der Stilistik gibt J. Mliller p. 225 
ein Verzeicbnis der Litteratur dieses Spracbgebraucbs. — vos oro 
atque obsecro] Diese allitterierende Formel ist in allen Perioden 
der latein. Spracbe beliebt, bei Plautus vorwiegend asyndetiscb, 
bei Cicero unter den 21 Stellen, an denen sie sicb findet, 16 mal 
durcb atc[ue verbunden und zwar immer in den Reden. Ueber 
die abnlichen Verbiudungen orare obtestari, rogare orare, 
orare petere u. a. m. s. Wolfflin Allitterat. p. 73 u. Anm., 
bes. Heerdegen „Untersuchungen zur lat. Semasiologie" 1881 
III. Heft (das speziell eine Cescbicbte des Verbums ,oro' gibt) 
p. 43 ff. ; vgl. aucb unsere Noten zu § 11 te magno operc 
quaeso und § 144 rogat oratque te. 

Flus oneris sustuli, quam ferre rae posse iiitellego. Hoc onus § 10. 
. . . feram ut potero . . . id quod suscepi quoad polero perferam. 
Uuod si perferre nou potero opprimi me ouere ofticii malo etc.] Die 
Metapber der beiden Worte onus und fero ist sehr scbon durcb- 
gefiihrt. Onus bat metaph. die Bedeutung = scbwierige 
Aufgabe wie bei Vatin. ep. fam. 5, 9, 1 ,c[uidquid est oneris 
ac muneris sustinendum puta^, vgl. Schmalz die Latinitat des 
P. Vatinius p. 17, wo das Citat unserer Rede in § 10 und das 
aus Livius in 22, 54, 8 zu verbessern ist. Zu feram ut potero 
vgl. Ter. Andr. 5, 3, 27 ,quidvis oneris impone . . ut potero 
feram^, ep. Att. 5; 15, 1 ,sed feram, ut potero', Cat. M. § 7 
jfaciam ut potero' (so gut icb kann) ; Lucret. III, 261 ,sed 
tamen utpotero summatim attingere, tangam^ ,P e r f er r e' bat bier 
die der klass. Prosa sonst fremde Bedeutung von ,durchfiihren, 
bis zu Ende tragen', welche durch das Wortspiel mit dem 
Simplex ,fero' bervorgerufen wurde; vgb Verg. Aen. IV, 419 f. 
,Hunc ego si potui tantum sperare (Hss., Kvicala: Neue Beitr. 
p. 121 superare) dolorem, et perferre, soror, potero'. — 
adlevabitis] Cic. gebraucbt das Verbum ,adlevare' nur bier in den 
Reden, in den Briefen ep. Att. 7, 1, 1; 12, 38, 4 (var. lect.) und 
Brutus § 12 (im Gespracb) ; dafiir tritt levare und sublevare 
ein. — id quod non spero] ,was icb nicbt hoffen will'. In dieserBedeut- 
ung = etwas unglinstiges erwarten gebraucht Cic. sperare 



148 Kapitel IV § 11. 

nur iu negativeu Satzen; cf. Metellus ep. fam. V, 1 fin. ,te tam 
mobili . . esse animo non sperabam', Afran. 293 R. ^ ,Sin, 
id quofl non spero, ratio talis sequius ceciderit'. OhneNegation 
z. B. in der oben citierten Stelle aus Vergil ,tantum sperare 
dolorem', wozu man vgl. Quintil. VIII, 2, 3 ,id apud nos in- 
proprium, ccxvqov apud Graecos vocatur, quale est tautum 
sperare dolorem' und Servius ad h. 1. ,sperare dolorem 
pro timere: et est acyrologia, superflua dictio: nam speramus 
bona, timemus adversa^ Mebr Stellen gibt Nipperdey zu Tac. 
ann. II, 46. Ebenso im Griech. iXnl^Qsiv z. B. Soph. Trach. 110 
xay.av dixTravov iXnlL^ovdav alcav. — aninio iiou deficiam et . . 
perferainj ,et' steht hier wie auch manchmal nach vorangegangener 
Negation ,ac' ira Sinne eines Adversativpartikel. Dieser Gebrauch 
von ,et' ist bei Cic. in den Reden seltener als in den philosophi- 
schen Schriften, vgl. Drager H. S. II § 311, 10. Durch das 
Setzen der kopulativen Partikel sollen die beiden SJitze nicht 
als geschiedene, sondern als fiir sich bestehende Momente ver- 
bunden erscheinen. — cnm fide] ,mit Vertrauen'; vgl. Heer- 
degen de fide Tulliana p. 22 flf. 
§11. Te maguo opere quaeso] Die Verbindung von magno, tanto 

und maximo opere mit den Verben des Bittens ist bes. dem 
Plautus eigentumlich, so tanto opere orare Cas. 3, 2, 2, 
Epid. 5, 2, 56, opere maximo orare Most. 2, 1, 73; 3, 2, 65; 
Mil. 1, 75; Cas. prol. 21 orare opere magno; Ter. Eun. 
3, 3, 26 maxumo op. orare, doch begegnet sie auch an eini- 
gen Stellen bei Cicero, wie p. Planc. § 56 ilhid unum vos 
magno op. oro atque obsecro, ep. fam. 3, 2, 1 a te 
maximo opere . . etiam atque etiam quaeso et peto. 
In der spateren Latinitat sind diese adverbiellen Verbindungen 
selten, doch werden sie von dem Archaisten Gellius wieder her- 
vorgeholt, z. B. 16, 13, 5 maximo op. petisse orasseque. 
Eine andere bei Casar und Cicero beliebte Formel zum Aus- 
druck der dringenden Bitte ist omnibus precibus orare 
od. petere, Cic. Att. 9, 11 A 3. Cjis. b. G. 7, 78, 4; 5, 6, 3; 
7, 26, 3, worliber ich in den acta Erlang. vol. II p. 27 ft'. ge- 
handelt. — Heerdegen in seiner Abhandhing iiber ,oro' p. 15 
sagt iiber das Verbum ,quaeso': „Wahrend Plautus unter 146 
Fallen noch in etwa 40 quaeso als regierendes Verbum mit 
einem Satz mit ut oder dem blossen Konjunktiv gebraucht, ist 
dies bei Cicero in den Briefen ad Att. unter 61 Beispielen nur 
noch 4 Mal der Fall, und wahrend nocli bei Ter. die Objekt- 



Kapitel V § 11. 149 

verbindung cleos qnaeso, xit — nicht unbeliebt ist, hat Cic. 
bei quaeso nirgencls mehr einen Accusativ irgend 
welcher Art. Quaeso ist also bei Cic. durchaus ein gealter- 
tes Wort; wir seheu, wie es bei ihm auch die letzte Kraft ver- 
liert, einen abhangigen Accusativ und einen abhangigen Satz zu 
regieren". Dass diese Behauptung unrichtig ist, zeigt unsere 
Stelle, wo quaeso mit dem Objekt te verbunden ist ; vgl. noch 
Brut. et Cass. ap. Cic. ep. fam. 11, 3, 4 deos quaesumus, 
Liv. 40, 46, 7 quaesumus vos universi. — M. Fanui] Der Vor- 
sitzende einer quaestio war der quaesitor, gewJjhulich einer 
der Pratoren oder in Erganzung derselben ein vom Prator durchs 
Los erwahlter iudex quaestionis, vgl. Schol. Bobiens. ad 
orat. in Vatin. p. 323 Or. , wo es von den iudices quaestio- 
num heisst: ,eosdem et quaesitores nominabant, praepositos 
scilicet ipsis iudicibus, quorum certus numerus de causa pronun- 
tiare debebat^ Ein solcher iudex quaestionis war unser 
Fannius bereits frliher d. h. vor den sullanischen Wirren und 
zwar ebenfalls in einer qixaestio de caede (inter sicarios). 

Kapitel V. 
Qaanta multitiido horainum convenerit ad hoc iudicium, vides] Cf. 
p. Cael. § 21 ,quae sit multitudo in foro . . . videtis'. — 
Longo iutemllo iudicium inter sicarios hoc primum commiftitur] Wjih- 
rend der Sixllanischeu Schreckenszeit ward die quaestio inter 
sicarios lange ausgesetzt. Ueber den Ausdruck quaestio, 
iudicium inter sicarios vgl. Halm in der Eiuleitung Note 69, 
welcher ihn als entstanden erklart aus ,ita deferre ixt nomen 
alicuius inter sicarios referatur*. — iudicium committere] Xach Aua- 
logie von ludos, puguam, spectaculum committere nur 
hier; cf. Gell. 5, 19, 5 adrogationes . . committuntur. 
,Iudicium dimittitur' steht Verr. II, 70. — omnium morta- 
linm] Cicero gebraucht mortales = homines nur mit vorgesetztem 
multi, omnes und cuncti. In den Reden finden sich nur die 
beiden ersten Verbindungen ( Cluent. 202 plurimis m.). Casar 
vermeidet uberhaupt diesen Gebrauch von mortalis, wahrend 
Sallust u. a. ohne jeglichen Zusatz mortales im Sinne von 
homines anwenden, vgl. Schmalz zu Cat. 1, 5. Bei Livius steht 
es besonders gern in Schlachtberichten, s. Nagelsb. Stil. § 25, 1. 
— omnes hanc quaestionem . . . manifestis maleliciis cotidianoque san- 
guiui remedium esse sperant futurum] So habe ich diese schwie- 
rigste Stelle der Rosciana zu heilen versucht; uber die Emen- 
dationeu anderer s. den kritischen Anhang. Hier ist es mtn 



150 Kapitel V § 11. 

unsere Aufgabe den metaphorischen Gebrauch von reraedium 
mit Stellen zu belegen. Zunachst verweise ich auf den Schluss 
unserer Kede, wo Cic. bei einem ahnlichen Gedanken das Verbum 
mederi anwendet ,homines sapientes . . . ex quibus rebus maxime 
res publica laborat, iis maxime mederi convenit', ebenso 
Sest. 31 ,ut adflictae . . rei publicae quantum posset medere- 
tur', ib. 135 ,ei medentur rei p.' und leg. Man. 26 ^qui tamen 
aliqua ex parte iis incommodis mederi fortasse potuisset'. 
In gleicher Weise verbinden sich gern mit ,incommodum' die 
Substant. medicina und remedium, vgl. zwei ahnliche Stellen 
aus der div. in Qu. CaeciL § 9 ,in hac libidine . . . in populi Ro- 
mani cotidiana querimonia, iudiciorum infamia . . . cum 
hoc unum his tot incoramodis remediura esse arbitrarer, 
T;t horaines idonei atque integri causam rei publicae . . susciperent, 
fateor me . . . ad eam partem accessisse rei publicae sublevandae, 
quae maxime laboraret* und § 70 ,aut hoc remedium est 
aegrotae ac prope desperatae rei publicae iudiciisque cor- 
ruptis .... aut . . profecto nuUa unquam medicina his tot 
incommodis reperietur^ Weitere Belegstellen sind ep. fam. 
5, 12, 4 ,in remediis inco mmodorum' und bes. Liv. 26, 3, 3 
,qui autera solura se restantem prodesse rei publicae, nisi si mors 
sua remedio publicis cladibus f utura esset, potuisse'? — 
Der Siun unserer Stelle entspricht durch diese Aenderung dem 
von Halm u. a. verlangten ,hanc quaestionem . . manifestis male- 
ficiis quotidianoque sanguini finem et modum tandem spe- 
rant facturam*. Uebersetze: „Alle hoffen, dass unter deiner 
Pratur diese Untersuchung den ofifenkundigen Verbrechen und 
dem taglich wiederkehrenden Blutvergiessen Abhilfe schaffen 
werde". — Daraus, dass ich lange zwischen remedio und 
remedium schwankte, bitte ich zu entschuldigen, wenn in den 
beiden Ausgaben futurara stehen geblieben ist, wofiir es natiir- 
lich, nachdem einmal reraediura ira Texte geblieben, futurora 
heissen muss. Uebrigens hat nebenE. F. Eberhard aucliKayser schon 
remedium emendiert, wie ich jetzt aus den Addenda Halms 
p. 1432 ersehe. Schliesslich sei hier noch eine der unsrigen 
ahnliche Stelle aus Cic. Verr, V § 167 angefiihrt, wo alle neueren 
Herausgeber lesen: ,hanc sibi rem praesidio sperant esse futu- 
ram', obwohl Gellius I, 7 liest ,sperant futurura' und der festen 
Ansicht ist, dass diese archaische Ausdrucksweise (cf. Kiihner 
ausf. Gr. II § 17) hier von Cicero wirklich gebraucht wordeu 
sei ,in oratione Ciceronis quinta in Verrera, libro spectatae 



Kapitel V § 12. 151 

fidei, Tironiana cura atqiie disciplina facto', wie er 
zur Rechtfertigung liinzufugt. Meiner Ansiclit nach miissen die 
Worte nach Gellius hergestellt werden^ wie ich keinen Augen- 
blick anstehen wiirde dem Gellius Glauben zu schenken, wenn 
er auch a. u. St. (zumal in dieser Jugendrede Ciceros) iiber- 
liefern wiirde ,hanc f|uaestionem . . . remedio sperant [esse] fu- 
turum'. Ja Matthia hat sogar a. u. Stelle futurum mit Be- 
ziehung auf quaestionem konjiciert; vgl. zu der ganzen Frage 
Reisig-Haase § 145. 

Petimus abs te etc.] Im Folgenden gibt Cicero mit kurzen § 12. 

Strichen ein Bild der Folgen, welche eine zu wenig energische 

Willensausserung der Richter nach sich ziehen wiirde. In der 

Rhetorik heisst eine solche Schilderung descriptio, cf. Cornif. 

IV § 51 ,descriptio nominatur, quae rerum consequentium 

continet perspicuam et dilucidam cum gravitate expositionem, hoc 

modo: Quodsi istum, iudices^ vestris sententiis liberaveritis, statim 

sicut e cavea leo emissus . . volitabit et vagabitur in foro . . iu 

omnes . . . incursans. Quare, iudices, eicite eum de civitate, liberate 

omnes formidine ; vobis denique ipsis consulite. Nam si istum 

impunitum dimiseritis in vosmet ipsos, feram et truculentam 

bestiam,.iudices, immiseritis^ — ut quam acerrime . . vindicetis, ut 

quam fortissime . . . resistatisj Die beiden Adjektiva acer und 

fortis finden sich oft bei Cicero gepaart, Sest. 45, Phil. XII, 7, 

Verr. V, 8, Catil. III, 13 u. o. — nisi . . qui yester animus sit 

ostendetis] ,euere Gesinnung'. Ueber diese Uraschreibung der 

Substantiva abstracta durch einen Relativsatz, wenn sie als Objekte 

der Verba sentiendi und declarandi steben — einen Hauptunter- 

schied des deutschen und lateinischen Jdioms — handelt sehr 

klar Seyffert Pal. Cic.'' p. 80; vgl. § 14 res quem ad modum 

gesta sit . . exponemus ,den Hergang der Sache auseinander- 

setzen'. — prorumpere] Nach dem Futur im Bedingungssatze 

ostendetis erwartet man flir das Praesens prorumpere das 

Futurum oder prorumpere posse, weshalb verschiedene Ge- 

lehrte flir ,ostendetis' ostendatis oder ostenderitis lesen 

wollen, vgl, den krit. Anhang. — eo prornmpere, ut futurae sint] 

So regiert das konsekutive ut nach is, eo, ita, sic und huius- 

modi (beide nur in den Briefeu an Atticus) an 20 Stellen bei 

Cic. den periphrastischen Konjunktiv ; cf. Off. III, 85 ,ea condicio, 

ut qui illam eripuerit, in maxima et gratia futurus sit et gloria'; 

vgl. die erschopfende Untersuchung iiber das Participium futuri 

activi bei Cicero von Hoppe in der angef. Schrift p. 20 ff. — 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. H. Halfte. ^^ 



152 Kapitel V § 13. 

hic iii foro aiite tribuiial tunm] vgl. § 13 bic ibidem ante oculos 
vestros. Ueber deu Ort der Jurisdiktion vgl. Osenbrliggeu in 
d. Eiul. p. 32 flf., Eein rom. Civilproz. p 882 flf.: „Das Ver- 
fahren war oflfeutlich und unter freiem Himmel, iu Kom stets auf 
dem Forum oder geuauer, auf dem Teile desselben, welcher 
comitium biess. Allmahlicb verlegte mau die Gericbtssitzungen 
bei ungunstigem Wetter in die Basiliken (Quintil. 10, 5, 18) uud 
zog eudlich in geschlossene Gericbtssale (Tac. dial. 39 auditoria), 
obwohl daneben uoch ein Tribunal unter freiem Himmel fort- 
bestand, welches erst im 5. Jabrh. in das gescblossene secre- 
tarium verpflanzt wurde. Die OeflFentlicbkeit dauerte aber fort, 
deun die Thureu mussten oflPen steben". Der Prator sass auf 
seinem Tribunal, einer Art Emporbuhne, welche beweglich war 
(cf. Caes. b. civ. 3, 20, 1). In der Mitte stand der Amtssessel, 
die sella curulis. Die Ricbter und die zu beiden Parteien 
gehbrigen Persouen sassen auf uiedrigen Banken (subsellia), 
und zwar standen die subsellia der Richter und die der Auklager 
und der Rechtsbeistande des Angeklagten getrennt von einander. 
Die Zuhorerschaft endlich, die corona, die bei unserm Pro- 
zesse, wie aus Cic.'s Worten hervorgeht, eine sehr zahlreicbe war, 
stand im Kreise herum. 
^ 13. Etenim quid aliud sqq.] Das Folgende ist eine (von den Stoikern) 

sogenaunte Proekthesis d. h. ein vor der Narratio zur Auf- 
hellung des Gegenstandes angebrachter Exkurs oder richtiger eine 
Einlage ; cf. Fortunatian. p. 110, 20 H. ,c[uid est proekthesis? 
cum ante narrationem aliquid causa docilitatis adferimus, iit fecit 
Cicero p. Rosc' — temptatur • . ut] ,zu bewirken versucht^; 
vgl. noch Rep. H § 23 ,cum senatus temptaret, ut ipse regeret 
sine rege remp.'; Liv. 4, 49, 6; Suet. Jul. 11. In der nach- 
ciceronischen Latinitat folgt nach tentare gewbhnlich der Infinitiv, 
s. Drager H § 403. — accusaut ii — causam dicit is] Ein glanzen- 
des Beispiel fortgesetzter Antithesen mit doppelter Anaphora und 
Homoioteleuton ,iuvaserunt — reliqueruut, fuit — attulit; 
vgl. m. Abhdlg. p. 13. — bouo fuitj Diese von Cic. 7 Mal, aber 
immer in juristischen Dingen und stets von Sachen gebrauchte 
Formel findet sich nacb Nielander H p. 17 sonst nur bei Liv. 
7, 12, 4 ,quin etiam bono fuisse Romanis adventum eorum 
constabat'. — egestatem] Ueber egestas und egens s. z. § 23 
egentissimus. — iugulare] Das Verbum ,iugulare' hat einen 
vulgaren Beigeschmack, wie schon Nipperdey bemerkt in den 
seiuer Ciisar-Ausgabe vorgeschickten Quaestiones p. 25. Es fiudet 



Kapitel V § 13. 153 

sich haufig bei dem aiictor bel!. Ilispan , cf. Kohler act. Ei-l. 1,466, 
uud ira Sprichwort bei Ter. Ad. 958 sno sibi gladio huuc 
iugulo. Doch beruhren sich in diesem Worte Volks- und Juristen- 
sprache. Es wird namlich nicht selten iugulare vom Justiz- 
morde gebraucht d. h. der unrechtmassigen Verurteilung, in- 
sofern die ganze Existenz des Verurteilten vernichtet ist; so 
in unserer Eede § 29 ,eum iugulandum vobis tradiderunt', 
ep, Att. 1, 16, 2 ,phimbeo gladio iugulatum iri^ Endlich 
steht ii^gulare besonders gern von den unschuklig hingemorde- 
ten Opfern der sullanischen Schreckenszeit, so § 32; vgl. Sall. 
Cat. 51, 34 ,neque prius finis iugulandi fuit quam Sulla omnes 
suos divitiis explevit'; Vell. Pat. II, 28; 3 iugulati civis auctora- 
mentum ; Oros. Hist. V, 21, 5 ,namque alios quos proscripse- 
rant iugulabant, alios autem postquam iugulabant pro- 
scribebant^ — sumiue cupieruiitj Die Steigerung von Verbis wie 
Adjektiven durch summe ist fur die erste Stilperiode Ciceros 
charakteristisch. So fiudet sich nach dem Vorgang des Cornif. 
IV § 3 summe tenere in der Schrift de inven. I § 61 s. fre- 
quentare, s. augere ib. II, 20; s. constat Quinct. 61; s. 
cupere (wie an unserer Stelle) ib. 69; s. contendere ib. 77; 
s. laudare div. in Caec. 57; s. exspectare Verr. II, 187; 
vereinzelt auch spiiter, z. B. Brut. § 276 duo summe tenuit. 
Fur die Umschreibung des Superlativs von Adjektiven durch 
summe vgh Wolfflin Lat. u. roman. Comparation p. 8: „summe 
hat Cic. namentlich in seinen alteren Schriften nicht selten gebraucht, 
de inv. 1, 50 s. necessarius, 2, 134 s. inutitis; Acta sem. 
Erl. I, 134: es ist aber spater zuriickgetreten, Sen. epist. 85, 20 
beatus, Quintih 12, 1, 23 disertus, Gellius praef. 12 n obili s, 
Fronto p. 18 N. optabilis, Apul. met. 3, 16 decorus^ Hiezu 
macht der anonyme Recensent im Philolog. Anz. 1881 , N.' 1, 
p. 2 folgenden Zusatz, der aber leider durch grobe Druckfehler 
ganz entstellt ist. ,,Beisumma p. 8 verdieute Erwahnung summa 
calor (!) Lucret. IV, 252 Bern. um so mehr, da das nicht eben 
haufige summa sonst zur Steigerung geistiger Eigenschaften 
verwendet zu werden pfiegt". Fiir summa ist zu lesen summe 
und fur calor bei Lucrez celer. Ich selbst habe noch aus 
Lucrez notiert : IV, 1133 summe secundus (Ggs. adversus). 
Bei dieser Gelegenheit sei hier noch auf die auffallende That- 
sache hingewiesen, dass Cic. in primis zur Steigerung von Ad- 
jektiven und Verben erst in den Eeden nach der Rilckkehr von 
seiner Reise gebraucht, zuerst Qu. Rosc. 9 ,quod nomen erat i n- 

11* 



154 Kapitel V § 13. 

primis magnum';' dieses inprimis tritt an die Stelle von cnm- 
primis, das nur den frliheren Reden angeliort, Qiiinct. 24. 58. 
Verr. I, 137. U, 68. III, 200. Caecin, 10; in den librigen (spii- 
teren) Schriften selten, z. B. Brut. § 205 cumpr. honestus 
(die beliebteste Verbindung) und ibid. §224 cumpr. ridiculus, 
welche beide Stellen bei Wolffliu Compar. p. 18. 25 fehlen. — 
CUUi praesidioj ,Praesidium, opinor, advocatorum consessum significat, 
quos antea summos oratores hominesque nobilissimos appellavit'. 
Hotmann. — hic ibidein ante oculos vestros trucidetur] Vgl. Cornif. 
IV §48 jillos omnes ante oculos vestros trucidatos esse^ 
Uie Nebeneinanderstellung synonymer Adverbia wie hic ibidem 
oder ibi tum Ter. Andr. 106 u. daz. Meissner (auch Cic. Quinct. 
16, Verr. III, 139, Caec. 27) ist der Volkssprache angehorig. Am 
vollstandigsten aufgefiihrt findet man sie jetzt in der Abhandlung 
von S. Preuss ,de bimebris dissoluti apud scriptores Romanos usu 
sollemni' 1881 p. 64 ff". Preuss neigt der Ansicht zu, dass der- 
artige Verbindungen als asyndetisch zu betrachten seien, eine 
Ansicht, die auch Wblfflin in seiner Abhdlg. iiber die Latinitat 
des Cassius Felix (Sitzungsberichte der bayr. Akademie 1880 
p. 427) teilt *). Das Pleonastische dieser vulgaren Ausdrucks- 



*) Gegen diese Auffassung wendet sich Dombart in der Anzeige 
der Abhandhmg von Preuss (bayr. Gymn. Bl. 1882 p. 149) . . „0b wir 
ubrigens in plerique omnes ein Asyndeton zu erblicken haben, 
scheint mir trotz der S. 50 angefiihrten Steilen, in welchen die Worte 
durch disjunktive Partikeln geschieden sind, immer noch fraglich. Wir 
haben es eben doch wohl, was vom Verf in Abrede gestellt wird, hier 
mit einem vulgaren Pleonasmus zu thun , wie man auch bei uns 
unter dem Volk nicht selten den Ausdruck hort „meistens alle". Auch 
die Wortverbinduugen tum deinde, post deinde, deinde porro, 
denique tandem, sed autem, quoque etiam, ergo igitur 
fasse ich nicht als Asyndeta, da von diesen zusammengesteHten Paaren 
die einzelnen Glieder nicht immer synonym sind, noch auch unter sich 
in naher Bestimmung stehen oder, wo dies der Fall ist, zusammen einen 
Pleonasmus bilden . . . Der Herr Verf ist iibrigens selbst im Zweifel, 
ob er Ausdriicke der eben bezeichneten Art unter das Asyndeton zah- 
len soll (S. 62), entscheidet sich aber schliesslich doch dafiir (S. 63 f), 
weil sich fiir das Plinius dem Aelteren gelaufige hinc deinde bei 
Ammian. Marcellin. an zwei Stellen auch hinc ct deinde finde, 
woraus die parallele Stellung der beiden Partikeln abgeleitet wird. 
Aber auch angenommen, dass hier wirkHch hinc und deinde Synonyma 
sein sollten, scheint mir diese Basis doch zu schwach, um die Annahme 
darauf zu grunden, dass ein ahnlicher Parallehsmus auch bei den iibrigen 
anscheinend synonymen Partikeln vorhanden sei". Ich fiir meinen Teil 
billige Dombarts Ausfiihrungen vollstiindig. 



Kapitel V § 14. 155 

wcise wird iiocli erliolit, weun — wie aii luiserer Stelle — zu 
den syuonymeu Adverbieu eiue weitere adverbiale Bestimmuug 
liiuzutritt. Bei dem Afrikaner Apuleius (cf. Koziol Stil des 
Apul. 1872, p. 133) treffeu wir ausser dem alleiu stelienden 
h i c ibidem Metam. I, 22, Flor. IV, 18, einige der unsrigeu 
ganz ahnliche Stelleu: namlich Met. IV, 17 ,ipsi parati sumus hic 
ibidem pro cavea ista excubare noctes' ; Mag 44 ,iam in media 
quaestione hic ibidem pro tribunali oculos trucis in te in- 
vertisset'; ib. 101 ,hasce tabulas . . hic ibidem pro pedibus 
tuis adicio^ Aus Plautus filhre ich an hic ante aedes Men. 
4, 2, 68, Cist. 4, 2, 6, Most. 1, 1, 6; hinc ex hisce aedibus 
Cist. 2, 3, 4; foris illic extra scenam Capt. prol. 50, mehr 
bei Brix zu Capt. 327. Uusere Stelle ist deswegen von nicht 
geringem Interesse, weil sie die vielen auffallende Erscheinung 
erklaren hilft, dass gewisse Vulgarismen, die mau bei den Ko- 
mikern trifft, in der folgendeu Litteratur aber vergeblich sucht, 
plotzlich uach vierthalb Jahrhuuderten bei Fronto oder Apuleius 
wieder auftaucheu. Stellen wie die unsrige legeu Zeugnis dafllr 
ab, dass derartige volkstumliche Ausdrucksweisen auch in dem 
Zeitalter Ciceros nicht aufhorten zu existieren, sondern nur durch 
die klassische Sprache iu den Hintergruud gedrangt wurden. Dass 
aber gerade iu unserer Kosciana sich diese vulgare Wenduug 
findet, beweist eben auch wieder, dass der junge Cicero in ihr, 
als in einer seiuer altesten Reden, seine Sprache noch nicht voll- 
kommen rein zu halten wusste von deu Schlacken der Volks- 
sprache (s. Eiul. S. 125). — quos popnhis poscitj sc. ad poenam, 
supplicium , cf. p. Flacc. 5 ,huuc etiam si tota Asia deposcit 
ad supplicium'; poscere wie deposcere in dieser Bedeu- 
tung sind selten, vgl. fiir deposcere Sest. 46 ,cum alii me uuum 
desposcerent'; Ernesti clav. Cic. s. v. ,ductum e ludis gladia- 
toriis, in quibus populus interdum flagitare gladiatores notos ab 
editore ludorum solebat^ — qni iiniis relictns . . restat] Eine abuu- 
daute Redeweise, wie sie bes. dem sermo communis eigentiimlich 
siud, vgl. Plaut. Cist. extr. ,nunc quod ad vos, spectatores, reli- 
quum relinquitur' etc, Petron 109 ,ue residua in animis . . 
ira remaneret', aber auch bei Liv. 10, 16, 6 ,unam sibi spem 
reliquam in Etruscis restare', Rutil. Lup. II § 7 ,quid in hoc 
arbitrer bonae spei reliquum residere^, (s. dazu Ruhnkeu) ; 
ahulich griech. Xomov xaTaXetnsffd^ai, vTioXsmsffS^at., s. auch 
die Anm. zu § 153 uova . . . proscriptio iustaurata. 

Atque ut facilius intellegere possitis . . . ab initio res quem ad § 14. 
moduui gesta sit vobis exponemus, quo facilius .... cognoscere pos- 



156 Kapitel VI § 15. 

sitis] Dieser Uebergang zur narratio kehrt fast mit den namlichen 
Worten in anderen Reden wieder, vgl. p. Quinct. § 11 ,id quo 
facilius facere possitis, dabo operam ut a principio 
res quem ad modum gesta et contracta sit cognosca- 
tis*^. Wie diese beideu Uebergange sich sehr ahnlich sehen, so 
wiederum die zweier anderer Reden, p. Mil. § 23 ,quod quo 
facilius perspicere possitis argumentis, rem gestam 
vobis dum breviter expono, quaeso , diligenter attendite* 
und p. Tull. § 13 ,nunc rem ipsam ut gesta sit dum bre- 
viter vobis demonstro attendite^ Zu der weiteru Aus- 
fiihruug des Uebergangs in unserer Rede ,quo facilius et huius 
hominis innocentissimi miserias et illorum audaciam cog- 
noscere possitis et rei publicae calamitatem' vgl. p. Scaur. § 7 
,quo facilius hi . . et Scauri innocentiara et testium tuorum 
audaciam cognoscere possint et eorura quae facta sunt 
indignitatem^ Richter- Fleckeisen haben den letzten Satz als 
lastige Wiederholung des vorigen Gedankens eingeklammert ; mit 
Unrecht, s. Madvig zu de fin. p. 10 ,Sunt aliae cognatae formae, 
in quibus post primariam sententiam distinctius explica- 
tur, quod ante generatius et brevius dictum est , velut in consilio 
significando', wozu er unsere Stelle anfuhrt. 

Kapitel VI. 

Narratlo, cap. VI— X. 

^ 15. Wie die Uebergange zur Narratio in den Ciceronischen 

Reden einauder sehr ahnlich sind, so auch die Einleitungen dieser 
selbst. Schon der Rhetor Sulpicius Victor (s. das testimonium zu 
diesem §) macht die Bemerkung, dass Cic. die Narrationes in den 
Reden mit dem Nominativ der Person beginne. Dem Eingang der 
Narratio unserer Rede ist am ahnlichsten der der Narratio in der Cluen- 
tiana (cap. V), welche wir hier einander gegenliber stellen wollen. 
Sex. Roscius , p a t e r h u i u s c e, 

municeps Amerinus fuit, cum 

genere et nobilitate et pecu- 

uia non modo sui muni- 

cipii, verum etiam eius 

vicinitatis facile primus, 

tum gratia atque hospitiis flo- 

rens hominum nobilissimorum. 

Nobililatej Der Ursprung der nobilitas d. h. des Amts- 
und Verdienstadels (im Gegensatz zum Geburtsadel der 



A. Cluentius Habitus fuit, pater 
h u i u s c e , iudices, homo n o n 
solum municipii Larinatis, 
ex quo erat , sed etiam re- 
gionis illius et vicinitatis 
virtute, existimatione, nobilitate 
facile princeps. 



Kapitel VI § 15. 157 

patricii) fallt zusammeu mit der Zulassung der Plebeier zu den 
kurulisclien (friiher nur patricischen) Aemtern und bedeutet dem- 
nach nobilitas vorzugsweise die Abkunft von solchen, die ein 
kurulisches Amt bekleidet haben. Es kann das .Wort aber auch 
seiner Grundbedeutung nach jede Abkunft bedeuten, sofern sie 
sich in irgend einer Weise abhebt von einer gewohnlichen Her- 
kunft, so a. u. St.; der Gegensatz ist dann ignobilis und igno- 
bilitas. — AmeriQUsJ Ameria eine alte Stadt in Umbrien, jetzt 
Amelia; cf. Plin. H. N. 3, 14, 114 ,Ameriam Cato ante 
Persei belkim conditam annis DCCCCLXIV prodit^ (Jordan 
fragm. Cat. p. 12, 5).' — vicinitatis] vic. bezeichnet im Lat. nicht 
bloss die nachste Umgebung mit ihren Bewohnern, sondern auch 
allgemein die engere Gegend, in welcher man sich befindet, vgl. 
§ 16. 48, p. Tull. § 22; Nep. Ale. 10, 4; ebenso vicinia Ter. 
Andr. 70. — hospitiis florens] Die Bedeutung des hospitium im 
Altertum wird uns begreiflich , wenn wir bedenken , dass der 
Fremde rechtlos war und man ferner das Institut der Gasthofe 
nicht kannte (hotel von hostis = peregrinus im alten Latein). 
Das eingegangene Verhaltnis der Gastfreundschaft verpflichtete 
nicht nur zu gegenseitiger gastlicher Aufnahme, sondern auch zu 
Schutz und Beistand in verschiedenen Lebensverhaltnissen z. B, 
zur Vertretung bei Gericht. Als Denkzeichen des geschlossenen 
Gastbundes gab man sich tesserae hospitales, welche sich 
wie das hospitium selbst auf Kind und Kindeskinder vererbten, 
s. § 106. — omuibus suis comraodis] in anderer Wortstellung § 144 
suis omnibus c, cf. Verr. II, 9 omnia sua c, Cluent. 155 
omnia c nostra, dom. 145 c meis omnibus, Pomp. 71 
meis omnibus c — ab hospitibus amicisque] eine haufige Ver- 
bindung im Lat., hospites et amici Mur. 89 , Verr. IV, 32; 
Coriiif. III, 5 hospitibus amicis; Oros. VI, 23; amicum 
atque hospitem Verr. II, 107. 117; V, 20; Tac Agr. 31; 
amicis hospitibus(|ue Cluent. 186, Verr. II, 91, Partt. orat. 
§ 80; amicis vicinis hospitibus Cluent. 202; h'ospita- 
lissimus amicissimusque Verr. I, 65, hospitii et amici- 
tiae ius fam. 14, 4, 2; Caes. b. c 3, 103, 4 pro hospitio 
atque amicitia; amicalis-hospitalis Apul. mund. 37. 
Gerne tritt als drittes Wort im Buude cliens hinzu, so Cat. M. 
§ 32 amici clientes hospites; (Qu. fr. I, 2, 15 amicos, 
clientes), fam. V, 8, 5 amicorum, hospitum, clientium: 
Ter. Ad. 4, 1, 13 cliens amicus hospes. Diese Nebenein- 
anderstellung vun cliens und hospes erklart sich wohl daraus, 



158 Kapitel VI § 16. 

dass nacli romischer Anschauung dic Pflichten gegen den Gast- 
freund denen der Klientel gleichgestellt wurden. Die genaue 
Stufenfcdge dieser Pflichten gibt uus Cornif. III §4 ,si hospitia, 
clientelas, cognationes, adfinitates caste colenda esse 
dicemus', wozu z. vgl. Gell. V, 13, 2 ,conveniebat facile consta- 
batque, ex moribus populi Romani primura iuxta parentes locnm 
tenere pupillos debere, fidei tutelaeque nostrae creditos; secundum 
eos proximum locum clientes habere, qui sese itidem in fidem 
patrociniumque nostrum dediderunt; tum in tertio loco esse ho- 
spites; postea esse cognatos adfinesque'. An derselben 
Stelle § 5 teilt Gellius noch mit ,Masurius autem Sabinus in 
libro iuris civilis tertio antiquiorem locum hospiti tribuit quam 
clienti'. 
§16. Ciim omui tempore . . fuisset, tum hoc tumnltu proximo . . . 

defendit] Ganz so ep. fam. 4, 4, 2 ,consilium tuum cum semper 
probavissem, tum multo magis probari lectis tuis proximis 
litteris' und ib. 12, 23 fin. ,Tratorium nostrum cum semper pro- 
bassem, tum maxime in tuis rebus summam eius fidem . . 
cognovi', s. Drtiger II § 499, 2; liber omni tempore s. z. 
§ 51. — uobilitatis fautor] Ueber nobilitas s. z. § 15. — Was 
Haase Vorlesungeu iiber lat. Sprachwiss. 11 p. 136 liber die Ver- 
bindung der Worter amicus, vicinus u. iihnl. mit dem Genetiv 
und Dativ sagt, kann man auch bei fautor wenigstens fiir den 
ciceron. Sprachgebrauch als zutrefTend beobachten: ,,Beim Dativ 
spricht man das Urteil, die Wahrnehmung einer Eigen- 
schaft aus, beim Genetiv bezeichnet man das daraus hervor- 
gegangene Verhaltnis gegenseitiger Verbindung". In 
der Verbindung mit dem Dativ hat dann fautor die Bedeutung 
„Gonner, Beschii tzer", in der Verbindung mit dem Genetiv 
die Bedeutung „Anhanger", vgl. flir den Dativ Planc. § 1 
,cum tam multos eiushonori viderem esse fautores' ib. ,cum 
audirem meos partim inimicos, partim invidos huic accusa- 
tioni esse fautores', Scaur. § 17 ,qui (di) semper exstiterunt 
huic generi nominique fautores', dagegen flir den Genetiv 
ausser unserer Stelle nobilitatis f. (cf. Corn. Nep. Alcib. 5, 3 
optimatium f.) und § 142 ille Chrysogoni f., Verr. III, 224 
,quis erit tam cupidus vestri, tam f. ordinis', Phil. XII, 2 ,hic 
etiam fautores Antonii tristiores videbam'. Dass dieser Unter- 
schied jedoch nicht durchgangig festgehalten wird, zeigt uns der 
Umstand , dass wir in der Verbindung mit dem namlichen Sub- 
stantiv beide Kasus treff^en, so Phil. VII, 6 ,non modo salutis, 



Kapitel VI § 16. 159 

secl etiam cliguitatis meae (eum) fuisse fautorem', ep. fam. 
12, 25, 3 ,consiliorum auctor dignitatique fautor, ep. Att. 
9^ 11 A. 2 ,non modo ipse fautor dignitatis tuae fui, verum 
etiam ceteris auctor ad te adiuvandum^ (beachte in den beiden 
letzten Stellen die Paronomasie von auctor und fautor, die 
auf die Aussprache von autor schliessen lasst); Or. § 140 ,fau- 
tores mearum laudum^, Planc. § 55 ,multi cupidi tui, multi 
fautores laudis tuae' mag die Konzinnitat mit dem voran- 
gehenden cupidi tui Cicero zur Wahl des Genetivs bestimmt 
haben. — tumiiltn] Zur Bedeutung von tumultus vgl. Phil. VIII, 3 
,quid est enim aliud tumultus nisi perturbatio tanta, ut maior 
timor oriatur? itaque maiores nostri tumultum Italicum, 
quod erat domesticus, tumultum Gallicum, quod erat Italiae 
finitimus, praeterea nullum nominabant^ und dazu 0. Keller in 
Fleckeis. Jahrb. 1868 p. 485: „Die in meinem Worterbuch ver- 
zeichneten Stellen fuhren das Wort tumultus fllr folgende Kriege 
an: 1) fur Burgerkriege, 2) flir Sklavenkriege , 3) fur Kriege 
mit den gallischen und namentlich mit den germanischen Barbaren. 
tumultus ist zunachst ein Tinregelmassiger Krieg, ein plbtzlich 
ausbrechender, wobei die heiligen Fetialceremonien nicht in An- 
wendung kommen, ein Ueberfall durch Barbaren, durch emporte 
Sklaven, durch eine feindliche Partei unter den Mitburgern selbst. 
Seit dem Ueberfall durch die Gallier ,dem gallischeu Larm oder 
Schrecken' — denn das wird doch tumultus Gallicus zu- 
nachst bedeuten — seit dem Tag an der Alia, den die Cimbern 
und Teutonen zu wiederholen drohten, blieb dieser Ausdruck 
der stehende und, wird man sagen konnen, schrecklichere, wo- 
durch man stets an jenen Ungluckstag erinnerte und an die Ge- 
fahren, welche immer noch von einem Einfall der Vblkermassen 
hinter den Alpen drohten. Daher steigert Cicero in Cat. III § 4 
seinen Ausdruck bellum transalpinum durch tumultus 
Gallicus. Nimmt mau also den urspruuglichen BegriflF von 
tumultus „Larm, Schrecken und Verwirrung", man kbnnte mit 
einem Worte sagen „Panik", zusammen mit dem des unregel- 
massigen Kriegs, so wird man leicht entdecken , dass man damit 
die wirkliche Bedeutung des Wortes richtiger erfasst hat, als 
weuu man behauptet, tumultus sei ein Krieg innerhalb der 
Grenzen Italiens. Die Kriege mit Tarent, den Samniten und den 
Puniern waren regelmassige Kriege, der Eauberkrieg hat keine 
Panik verursacht, wohl aber der Sklavenkrieg, die Biirgerkriege ; 
und mehrere Kriege gegen die Gallier und Germanen waren da- 



160 Kapitel VI § 16. 

iiacli angethan, dass der Name tumultus Gallicus selbst fiir 
minder bedeutende oder im Keim erstickte Eraporungsversuche 
in Geltuug geblieben ist". — rechiin jmtabat etc.] cf. Phil. VII 
§ 12 ,aequum putavit vitam pro libertate populi Romani in 
discrimen adducere^ — propter quos] ,denen er es verdankte', cf. 
§ 63 propter quos adspexerit, vgl. Drager I § 258, 2, 
wo hinzuzufiigen p. Quinct. § 70 propter eos periit, quos 
diligebat, Mil. § 93; Ter. Andr. 271 u. daz. Meissuer, Eiin. 999, 
Hec. 833, Heaut. 190. 259; iiber denselben Gebrauch von dia 
im Griech. vgl. Frohberger zu Lysias XIl § 77. — hoiiestissiiuus 
inter suos] Ebenso steht inter suos im Sinne des haufigeren 
domi suae Verr. I § 65 ,ut erat inprimis inter suos copiosus' 
Planc. 32 ,princeps inter suos', Chient. § 11 ,adulescenti in 
primis inter suos et honesto et nobili', Flacc. § 8 ,homo ne 
inter siios quidem notus', ibid. § 52 ,ceteri homines apud nos 
noti, inter suos nobiles'; noch Oros. Hist. II § 9 sagt ,vir 
generis nobilitate inter suos clarus^ Fiir domi suae (seltener 
domi allein) vgl. Verr. II § 68 ,homo domi suae cum primis 
locuples atque honestus^, Caecin. §10 ,qui domi suae cum pri- 
mis honestus existimatus est'. Besonders haufig ist die Verbind- 
ung homo domi suae nobilis (nobilissimus): Verr. I, 
45; II, 35. 128; III, 80. 200; IV, 16. 38. 51. 86; V, 110. 
111. 112, vir d. s. n. Cluent. § 23, Milo § 16; Sallust. Cat. 
17, 4 domi nobiles; Liv. 8, 19, 4 ,vir non domi solum, sed 
etiam Romae clarus'. „Der Zusatz domi nobilis soll besagen, 
dass die bezeichnete Persbnlichkeit in dem beschrankten Kreis 
der Provinzialstadt eine angesehene Stelluug einnahm; der Ver- 
gleich mit der Hauptstadt, vvo' der genannte keine Rolle spielen 
konnte, ist dabei meist stillschweigend angenommen". — ai) armis- 
qiie recessimus] ebenso § 126, obwohl Cic. selbst nicht am Kampfe 
sich beteiligt hatte, cf. § 142 taraetsi inermis, iudices, sensi 
(sc. cum illis); zum Ausdruck vgl. Phil. V § 41 ,cum Sextus 
Pompeius huius ordinis auctoritate ab armis discesserit', 
ep. Att. 11, 6, 2 ,me discessisse ab armis uunquam paeni- 
tuit'; das Gegenteil ist ad arma ire, so Asin. Poll. ep. fam. 
10, 31, 1 ,posteaquam itum est ad arraa'. — caperentur] „aufge- 
grifien wurden", cf. Appian. b. c. 1, 95 inl de xovQ triq noXsoiq 
ixffVYovraq ^riTrjTal ndvta ixaaxEvovtsg dii&eov, xal ocrovg 
avTMv Id^oisv f dvrjQovv. — adversarii] vgl. das Proskriptious- 
gesetz in § 126 ,aut eorum qui in a d vers ar i oru m praesidiis 
occisi sunt^ — frequeusj hat hier wie § 18 die Bedeutung „be- 



Kapitel VI § 17. 161 

standig" = adsiduus , cf. Liv. 3, 24, 5 ,nec liis temporibus . . 
Caesouem Romae visum, adfirmantibus, qui una meruerant, secum 
eum tum frequentem ad signa sine ullo commeatu fuisse'. 
Wie an dieser Stelle ,sine ullo commeatu' so weist an der unsrigen 
die nahere Bestimmung ,cotidie' auf die Bedeutung von frequens 
= bestandig hiu. — iu foro et in ore] Der Gleichklang der 
Schlussilben scheint nicht unbeabsichtigt zu sein. Eiue Art 
Reim der vollen Endungen der Substantiva auf or, oris war 
uberhaupt in der romischen Poesie wie Prosa beliebt; vgl. 
Cic. in einem Fragment der Rede de aere alieno Milonis 
(p. 279 Miiller) ,sed quid pudeat hominem non modo sine pu- 
dore verum omnino sine ore', ep. Att. IV, 1, 1 ,qui primis tem- 
poribus erroris nostri aut potius furoris partieeps . . fuisses; 
bes. oft bei Plaut., so Pseud. 665 in labore atque in dolore 
(also in der Koordination, wie auch a. u. St.), s. dazu Lorenz, ib. 
674 scis amorem, scis dolorem; Ter. Andr. 831 ,eius la- 
bore atque eius dolore gnato ut medicarer tuo^ 

Iiiimicitiae] Inim. ist Plurale tantum uach Caesar bei Gellius § 17. 
19, 8, 4, Charisius, Diomed. und Phoc. , s. die Stellen bei Neue 
Formenlehre P p. 386 u. 391; vgl. Reisig, Vorl. I p. 189 (ed. 
Hagen) : ,inimicitia bedeutet erst im Plural die Feindschaft als 
gesellschaftliches und biirgerliches Verhaltnis, eigentlich feind- 
schaftliche Aeusserungen und Gesinnungen; iuimicitia sagt man 
nicht fUr ein reales Verhaltnis dieser Art. Gleichwohl gebraucht 
Cicero den Sing. einmal iu den philosoph. Schriften (Tuscul. IV, 
7, 16 = 9, 21), jedoch zeigt es hier deu abstrakteu Begriflf 
an als Gattungsvorstelluug, woruuter die einzelnen Falle gehoren". 
Die iibrigen Stellen fiir deu Siug. s. b. Neue I, p. 468. — ill 
accusatorHUl subselliis] Dieser Vorwurf kehrt an verschiedeuen Stellen 
der Rede (§ 84. 87. 95. 104) wieder. Cic. will dadurch vou 
vornherein die Glaubwiirdigkeit des T. Roscius Magnus, der ja 
spater als Belastungszeuge auftreten wollte, beeintrachtigen. — 
andio] Das Faktum soll dadurch nicht an Glaubwiirdigkeit ver- 
liereu; denn audio ist rein formell als dem video entsprechend 
hinzugefiigt. Umgekehrt hat Cic. so v i d e o gesetzt Verr. V 
§ 69 u. daz. Halm. — si tam cavere potnisset quam metuere 
solebat] Die Lesart des Grammatikers (s. d. testim.) Fortunatian. 
prohibere fiir cavere empfiehlt sicli schon deswegen nicht, 
weil die Verba cavere uud metiiere gern verbunden erscheinen, 
cf. p. dom. § 28 ,cum iidem illum ut me metueret, me ca- 
veret monerent'; Sest. § 133 ,ille Cn. Pompeium monebat ut 



162 Kapitel VI § 17. 

moam (lomiiin metueret atquc a me ipso cavcret'; ep. fam. 
11, 21, 4 ,neque metuam quidquam et cavebo omnia', Mil. 
§ 66 jVerum cavebat magis Pompeius quam timcbat'. — 
Capitoui cognoiuen est] Cic. bat bei nomen und cognomen den 
Nominativ an folgenden Stellen (zur Erganzung von Drager I 
§ 193 u. Kilhner ausf. Gramm. U p. 308). Inv. 2 § 144 uxor, 
cui Tbebe nomen fuit, Verr. IV §118 cui nomen Aretbusa 
est, ib. § 119 cui nomen Acbradina est, Brut. § 225 cui 
saltationi Titius nomen esset, Caecin. § 27 cui cognomen 
est Pbormio; Nat. deor. II § 91 cui nomen est aer, Tuscul. IV 
§ 24 ei morbo nomen est avaritia; den Dativ ausser an der 
unsrigen nocb Verr. III §74 cui Pyragro cognomen est (wo 
aber die Lesart unsicber ist), ib. V § 16 cui Gemino cogno- 
men est. Die Konstruktion mit dem Dativ ist jedenfalls die 
altere und eigentlicb romiscbe Auffassungsweise, wie die Beispiele 
aus Plautus, z. B. Rud. prob 5 nomen Arcturost mibi u. a. 
beweisen; doch findet sicb aucb der Nominativ, z. B. Pseud. 4, 
2, 21. 32. „Als die Rbmer aber gelebrter wurden", bemerkt Haase 
(Vorles. II p. 163 und dazu Peter in d. N.) treffend, „aucb viele 
fremde Namen kennen lernten und so den Namen strenger von 
der Sacbe unterscbieden, ist denn auch der Nora. in der Redensart 
gebraucblich geworden, zumal bei fremden und weniger gelaufigen 
Namen und wenn nicht von Personen die Rede war, sondern von 
Dingeu und Begriffen". Bei Sallust (lug. 5, 4 ,cui Africano 
cognomen fuit^, ibid. 79, 5 ,quibus uomen Pbilaenis erat' Hist. 2, 
40 D. ,C r e t i c cognomen inditum', ib. 4, 35 cui C 1 o d i an o cogno- 
mentum fuit) und bei Livius ist der Dativ baufiger (cf. Drager 
1. c), ebenso bei Curtius (s. Vogel, Einl. z. Curt, S. 24), bei 
Tacitus dagegen der Nominativ, daneben der Genetiv, nur 
bei Adjektiven der Dativ, s. Nipperdey zu Ann. 2, 16. — eins- 
luodij eiusm. verdachtigt von Reisig Vorles. p. 355, verteidigt 
von Madvig zu de fin. IV, 6, 14 (p. 500) ,unum eiusmodi 
vivere adbibentem scientiam earum rerum' etc. : ,cum demonstretur 
explicatio, quae statim adiungitur, non sine causa Ernestius scri- 
bendum iudicasse videtur buiusmodi; nam eiusmodi aut ad 
superius aliquid referri videtur aut relativam orationem postulare. 
Sed ipsa iHa explicatio relativae orationis locum tenere videtur 
(quasi sit: unum eiusmodi, ut sit viverc etc), quem ad 
modum pro Rosc Am. 17 ,nam duo^ etc et in Verr. II, 187 
,aspicimus lituras eiusmodi quasi quaedam volnera tabularum 
i"ecentia'. Zu dieser letzten' Stelle, wo eiusmodi ebenfalls ver- 



Kapitel VI § 17. 163 

daclitigt wnrde, bemerkt C. F. W. Muller adn. crit. LXII : ,coniun- 
gendum e i u s m o d i q u a s i ut alibi talis, tantus, item, ita, 
sic, tam' etc. ; vgl. ebendenselben zu Cic. Off. I § 61 , wo auf 
ein ,si i^uid tale dici potest' folgt ,et si quid eius modi^ — aiter 
pluriiuarnm paimarum] Diesen Ausdruck ahmt nach der anonyme 
Verfasser der unter dem Titel Auhilaria oder Querolus bekannten 
Komcidie p. 58, 23 Peip, ,multarum palmarum hic est'. Der- 
selbe citiert auch p. 30, 21 P. eiue Stelle der Rosciaua aus 
§ 56, s. d. testim. — Nagelsbach Stil. '^ p, 326 bemerkt zu 
unserer Stelle : „Die Klirze des Ausdrucks im Gebrauch des 
Genetivs der Eigenschaft zeigen Beispiele wie pl. palm. etc. 
„ein alter, beriihmter Klopffechter, der so manchen Sieg erfochten"; 
Fam. 9, 26, 4 ,non multi cibi hospitem accipies, multi ioci' = einen 
Gast, der nicht viel isst, aber viel scherzt". Der geuetivus quali- 
tatis tritt in der klass. Sprache geradezu flir mangelnde Adjek- 
tiva ein, besonders fiir zusammengesetzte, wie denn iiberhaupt die 
lat. Sprache auf dem Felde der Wortkomposition der griechischen 
bedeutend nachsteht, Wenn auch die Volkssprache manches zu- 
sammengesetzte Adjektiv, besonders mit multus (vgl, bei Plautus 
multibibus Cist, 1, 3, 1, bei Varro multinummus und aus der 
spateren, besonders afrikanischen Latinitat multinomiuis , multis- 
cius bei Apuleius, cf, Koziol p. 275) oder mit dem negativen 
in (bei Gellius inceleber, insincerus) gebildet hat , so vermied 
doch die KLassizitat derartige Zusammensetzungen und grift' lieber 
zu andern Mittehi, Ein solches nun ist der geuetivus quali- 
tatis, der im Lat. oft einem griech, zusammengesetzten Adjektiv 
entspricht. So entsprache a. u, St, multarum palmarum dem 
griech, nokvcisffrjg, wie Cic. Att. 13, 29, 1 Cornificia vetula sane 
et multarum uuptiarum = nokvyafjbogj Hor. od. 3, 9, 7 
multi Lydia nominis = TcoXvMvviiog'-, mehr Beispiele gibt 
Fritzsche zu Hor. Sat. 1, 1, 83 und Ebert syntax, Fronton. im 
H. Bd, der acta Erlang, p. 312, — Die Sitte, den Siegern Palm- 
zweige zu gebeu, stammt aus Griechenland, cf. Liv, 10, 47, 3 
,eodem anno (uaml, 293 v. Chr.) coronati primum ob res bello 
bene gestes ludos Romauos spectarunt, palmaeque tum primum 
translato e Graecia more victoribus datae'. — vetus ac uobiiis gla- 
diator] gladiator figiirlich fiir sicarius, wie lanista flir magister. 
— In meiner Schrift de Cic. elocut. p. 27 ff. habe ich die Be- 
obachtung gemacht und ausfiihrlich auseinandergesetzt, dass Cic. 
in seiner ersten Stilperiode den Versuch machte, die Adjektiva 
antiquus und vetus beziigUch ihrer Bedeutung streng ausein- 



164 Kapitel VII § 18. 

anderzuhalten. Schon die altere Sprache gebrauchte antiquus 
vorwiegend im guten Sinne, wie Att. 585 antiquam castitudinem, 
Ter. Ad. 442 cives antiqua virtute ac fide u. a. St. zeigen. 
Doch wurde im Gegensatz dazu vetus nicht ausschliesslich in 
malam partem gebraucht, wie Donats Bemerkung zu Ter. Andr. 
prol. 7 jVeteris poetae* beweist : ,vetus plerumque ad laudem, 
interdum ad vituperationem ut hic et alibi'; im schlechten Sinne 
z. E. Plaut. Asin. 254 ingenium vetus, versutum. Den 
ausgepi-agten Gegeusatz im Gebrauche der beiden Adiectiva zeigen 
die Stellen in den beiden Erstlingsreden Ciceros, p. Qu. 29 
vetulus gladiator, R. A. 17 vetus gladiator, ib. 28 v. accusa- 
tor, 39 V. sicarius, 61 v. calliditas, dagegen p. Qu. § 59 anti- 
quam officii rationem dilexit, 72 hominem antiqui officii, R. 
A. 26 homines antiqui, 27 vestigia antiqui officii. Doch 
hat Gic. diesen Unterschied in der Folge nicht beibehalten, 
denn p. Planc. § 22 lesen wir ,retinens veterem illum officii 
morem'' und Phil. VII, 14 ,repetenda vetus illa severitas' 
u. s. w. Unter den spateren Schriftstellern hat Tacitus anti- 
quus gern im lobenden Sinne verwendet, so antiqua parsimonia 
Ann. III, 52, XII, 53; antiquo cultu victuque ib. III, 55. Eben- 
derselbe Schriftsteller hat aber auch vetus in der Bedeutung 
„ergraut, gewiegt" mit dem Genetiv verbunden , wie Annal. 
1, 20 jvetus operis ac laboris* und dazu Nipperdey. — 
Iiobilisj nob. bezeichnet deu Virtuosen in einem Eache, so nobilis 
gladiator noch Quinct. 69 und Phil. III, 35, medicus nobi- 
lissimus p. Cluent. 57. — ipsnui magistrum] Es gab ein griech. 
Sprichwort, das nach Cic. fam. 9, 7, 5 lautete ^noXXoi fjua&riTai 
xQeiTToveg didaaxdXuiv'. 

Kapitel Vn. 
18. Iste autem frequens Romaej namlich Titus Roscius, s. d. aus- 
fuhrliche Erklarung d. St. im kritischen Anhang ; frequens „be- 
standig", wie §16; vgl. §92 .ab eo esse occisus, qui adsiduiis 
eo tempore Romae fuerit^ — rei familiari] „Wirtschaft, Oekono- 
mie". — balueas Pallaciuas] „Die balneae Pallacinae lagen hart am 
circus Flaminius, dessen Reste noch Andreas Fulvius und Ligorius 
in der I. Halfte des 16. Jahrh.' bewunderten. Was die Form 
Pallacinae angeht, so hat man ein analoges Beispiel in den balneae 
Saeniae (Cic. Cael. § 61): beides sind adjektivische Formen und 
man wurde also zunachst wie auf einen Saenius, so auf einen 
Pallacius (als nomen) oder Pallacinus (als cognomen) schliessen, 
welche fiir die Unternehmer oder Erbauer dieser fiir Geld zu- 



Kapitel VII § 18. 165 

gangliclien Badeanstalten gelten ralissten" Jortlan im Hermes II, 
p^79. — pertiiieat] ^triflft-', ebenso. § G4. 102, Liv. 31, 12, 1 ,nec 
ad quos pertineat facinus, vestigia ulla exstare'. — saspiciosiiin 
. . . perspicuam] Diese Paronomasie hat Cic. mit Cornificius gemein- 
sam, der sie an zwei Stellen gebrauclit: II § 11 ,rem perspi- 
cuam, non suspiciosam vicleri oportere und IV § 53 rem 
videntur perspicuam facere, non suspi ciosam'. Derartige 
Anklange an die Diktion des Cornificius begegnen sehr haufig 
in den Erstlingsschriften Cic.'s, s. Einl. S. 125. — adfiHeni calpae] 
Haase Voi'les. II p. 143 lehrt: „affinis in der Bedeutung „ver- 
schwjigert" wird wie propinquus, cognatus, amicus kon- 
struiert; dann in iibertragener Bedeutung, bei einem Vergehen, 
einer Schuld, „der Sache nahestehend, also nicht uuver- 
dachtig" mit dem Dativ. Mit dem Genetiv ist es mehr und 
bedeutet das Verwickeltsein in die Sache, Theilhaben 
daran ; s. Cic. Sull. § 17 huius affines suspicionis, ib. 70 huius 
affines sceleris; mit dem Gen. Ter. Heaut. 215. In lokalem Sinne 
Cic. Tull. 14 cui fundo erat affinis M, Tullius". Die Beispiele, 
die ich fur adfinis im iib ertrage nen Gebrauche gesam- 
melt habe, bestatigen , was die Verbindung mit scelus, 
c u 1 p a und ahnlichen Begriffen anlangt , die Observation 
Haases. Plaut. Trin. 331 ,publicisne adfinis fuit an maritumis 
negotiis' (doch will Langen , Beitrage zu Plaut. p. 272 diesen 
Vers tilgen , teils aus andern Griinden, teils auch deswegen , weil 
adfinis sonst bei Plaut. nur als Substantivum „der durch Heirat 
Verwandte, Schwager" vorkommt), Pacuv. 23 R. ,qui sese ad- 
fines esse ad causandum volunt' (sonst nicht bekannte Kon- 
strnktion), Ter. Heaut. 215 ,adfines esse rerum', Lucret. 3, 
731 corpus his vitiis adfine laborat, Cornif. 4 § 12 huius 
sceleris (naml. patriam hostibus prodere) qui sunt adfines, 
Cic. Inv. II § 33 ,aliis adfinem vitiis es&e doceas^, ib. § 129 
,adfinem esse alicuius culpae', Catil. IV § 6 huic faci- 
nori adf., Sull. § 17 huius adf. suspicionis, ib. § 70 huic 
adf. sceleri, Scaur. § 3 huic culpae adf., Verr. II § 94 
rei capitalis adf. , Cluent. 127 ei turpitudini adf., Liv. 39, 
14, 4 adf. ei noxiae, 43, 16, 2 adf. eius conductionis, Val. 
Max. 3, 7, 8. 8, 4, 2 ei adf. culpae. Cornel. Nepos, Sallust, 
Tacitus und Curtius kennen diesen Gebrauch von adfinis nicht. 
Sallust bedient sich im Catilina eines andern (mehr vulgaren) 
Adjektivs popularis (cf. unser „Spiessgeselle"), so sceleris 
22, 1, couiurationis 24, 1. 52, 14. Im lugurth. kommt es 



166 Kapitel VII § 19. 

nicht mehr in diesem Sinne vor, vgl. Kraut „das vulgare Element 
in der Sprache des Salhistius" Blaubeuren 1881. 
§19. Ameriam unntiat] nuntiare absohit, wie § 96 5mal, § 98, 

gewohnlich mit dem Accusativ des Orts verbuuden, sekeu rait in 
und dem Ablativ, vgl. res domum nuntiatur Verr. II § 48, Pompeio 
in hortos nuntiavit Mil. § 65. — temiis] s. den Schol. — et nnntiat] 
rhetorische Wiederhohing flir et cjuidem oder idque, cf. Catil. 
I § 4 jvivis, et vivis uon ad deponendam , sed ad confirman- 
dam audaciam', Ligar. §24 ,prohibiti estis in provincia vestra 
pedem ponere et prohibiti summa cum iniuria', Deiot. § 13 ,ad 
eum rex Deiotarus venit . . . et venit rogatus'; Or. § 42 ,at 
ea de seniore scribit Plato et scribit aequahs^ — primo 
diluculo] cf. Censoriu. de die natal. c. 24 ,suut etiam phira noctis 
et diei tempora aliis subnotata propriisque discreta nominibus, 
quae apud veteres poetas passim scripta inveniuntur. Incipiam 
a nocte media, quod tempus principium et postremum est diei 
Romaui. Tempus quod huic proximum est vocatur de media 
nocte: sequitur gallicinium (Petron. 62 circa gallicinia) cum 
galli canere incipiunt; dein conticinium (conticinio Plaut. 
Asin. 685), cum conticuerunt ; tunc ante lucem, et sic (liber 
sic = tum s. meine Bemerkg. zum Schol. Gron. § 50, S, 42 
N. 2) diluculum, cum sole nondum orto iam lucet (diluculo 
noch Cic. ep. Att. 16, 13, 1, Afrau. 70 R, Fronto p. 6 u. 118, 
cum diluculo Ph Amph. 2, 2, 111, primulo diluculo, ib. 2, 
2, 105). Secundum diluculum vocatur mane . . post hoc ad 
meridiem; tunc meridies . . inde de meridie; hinc su- 
prema. Post supremam sequitur vespera . . inde porro cre- 
pusculum (primulo erepusculo Plaut. Cas. proL 40) . . . post 
id sequitur tempus quod dicimus luminibus accensis (auct. 
belh Afr. 56, 3. 89, 5); antiqui prima face (cf. Gell. 3, 2, 11 
post primam f.) dicebant; deinde concubium (auch concubia 
nocte Cic. de div. I § 57); exinde intempesta id est multa 
nox (uocte intempesta Cic. Verr. IV, 94. V, 92. 186. Piso 93) 
jtunc ad mediam noctem dicitur, et sic (= tum) media 
nox'^; cf. ausserdem Varro hng. Lat. VI, 4 ff. und VII, 77 und 
bei Serv. zu Verg. Aen. II, 268, Macrob. 1, 3, 12. — nocturnis] 
Das Adjektiv ist hinzugefiigt, um die Schnelligkeit des Boten noch 
mehr hervorzuheben. Denn da die Romer den natiirHchen Tag 
tind die Nacht nach Sonnen- Aufgang und Untergang in je 12 
Stunden teilten, so waren dieselben je nach den Jahreszeiten von 
verschiedener Lange, also im Sommer (wo der Mord vorfiel, 



Kapitel VII § 20. 167 

cf. § 128 aliquot post menses — uach dem 1. Juui — homo 
occisus est) die Nachtstundeu klirzer als die Tagesstuudeu. — 
sex et quiuquagiuta milia passuum] etwas iiber 11 geograph. Meilen. 
— cisiisj s. deu Schol. uud Nou. p. 86 fiu. cissium ,vehiculi 
biroti geuus^ Eberhard lect. Tull. p. 7 ,plurali cisiis Cicero 
callide usus est, quasi Mallius Glaucia vehicula mutaverit. Omuia 
igitur tam diligenter praeparata — uoctu enim proficiscebatur — , 
ut certis intervallis equos iam iunctos inveuiret, finguutur*. Deu 
Singular hatCiceroPhil.il; 77 ,inde cisio celeriter ad urbem 
advectus'; Senec. ep. 72, 2 ,quaedam euim sunt, quae possis et 
in cisio scrlbere' deutet auf eine sprichwortliche Redensart hin. 
Das Wort cisium ist gallischen Ursprungs, vgl. deu Schol. z. 
u. St. uud Siiss Catull. (act. Erlang. I p. 46); sehr viele Aus- 
drucke, welche auf Ross uud Wagen Bezug haben, staramen aus 
Gallien, so esseda, covinum, petorritum, raeda, benna, 
gewiss auch caballus, frauz. cheval, welches selbst Horaz adop- 
tiert, wahrscheinlich auch carrus, zuerst bei Sisenna, carra, car- 
ruca. — Kulturgeschichtlich interessant ist die Note des Sa- 
xonius zu u. St. : ,illorum loco nunc utimur veredis sive dispo- 
sitis equis (d. h. Kurierpferd). Cisium Germanice ein gutschen, 
genus vehiculi velocissimi, quale hodie in Pannonia in usu est'. — 
cruorem inimici . . . telumque osteuderitj cruor bedeutet bes. als 
jui'istisch-technischer Ausdruck die Blutspureu, Blutflecken, 
vgl. Cornif. II § 8 ,si telum, si vestiraentum, si c[uid eiusmodi 
relictum aut si vestigiixm repertum sit, si cruor in vestimen- 
tis' ; Cic. partit. orat. § 39 ,est etiam genus argumentorum, quod 
ex facti vestigiis sumitur, ut telum, cruor, clamor' etc.j 
Tull. §24 ,cruorem in locis pluribus se vidisse dicunt'; Caecin. 
§ 76 ,nisi cruor appareat, vim non esse factam^; cf. Doderleiu, 
Handbuch der lat. Syuonymik p. 205: „sanguis ist die Be- 
dingung des physischen Lebens, cruor das Symbol des Mordes". 

Quadriduo quo haec gesta sunt| „ara vierten Tage uach dem §20. 
Ereignis der Ermprdung". Der Ablativ bezeichuet also hier den 
Endpunkt des Zeitraums, innerhalb dessen etwas geschehen ist. 
Kenntlich ist dieser Ablativ dixrch das gewohnlich folgende 
Relativ oder die Konjunktion cum; vgl. § 105, ebenso Caes. 
b. c. 1,48,1 ,accidit etiam repentinum incommodum biduo, quo 
haec gesta suut', Plauc. ap. Cic. fam. 10, 23, 3 ,c[uem triduo 
quum has dabam litteras exspectabam' (d. ixbrigen Stellen s. 
Drager H. S. I § 223. 8). Bei Livius findet sich dieser Ablativ 
gewohnlich mit vorausgeheuder Ordinalzahl uud folgendem quam, 

Landgraf, Cic. Kede f. Sex. Uosc. II. Uiilfte. 12 



i()8 Kapitel VII § 20. 

so 3, 8, 2 ,P. Valerius Publicola tertio die quam interregnum 
inierat, constiles creat*; cf. ib. 33, 1; 4, 7, 3. 47, 6. 21, 15, 3 
u. o. Sallust bat ibn obne folgendes Relativ z. B. Jug. 35,9 paucis 
diebus profectus est, ibid. 38, 9 ut diebus decem Numidia 
decederet „binnen d. b. nacb Ablauf von 10 Tagen". Selten sind 
die Stellen, an denen der Anfangspunkt einer Zeit durch 
diesen Ablativ bezeicbnet werden soll, wie Cic. Verr. IV § 39 
,responderet illud argentum se paucis illis diebus misisse 
Lilybaeum' d. b. vor wenigen Tagen. — in castra L. Sullae Vola- 
terras] Genauer beisst es § 105 ,ad Volaterras in castra L. 
Sullae mors . , Cbrysogono (nicbt ad Cbrysog. , wie a. u. St.) 
nuntiatur', docb vgl. Liv. 1, 59, 12 ,Ardeam in castra est pro- 
fcctus^ u. daz. Weissenb. — Volaterrae (jetzt Volterra) stand 
auf Seite des Marius gegen Sulla iind wurde von diesem erst 
nach zweijahriger Belagerung im J. 79 erobert, vgl. den Schol. 
Gr. und die dort citierte Stelle aus Strabo V, 2, 6. — fuildos] 
Unter fundus war im XII Tafelgesetz Grund und Boden ohne 
Gebaude verstanden (Cic. Top. 23); spater jedoch bedeutete 
das Wort wie unser „Grundstuck" sowohl Landgrundstlick als 
Gebaude, vgl. Dig. lib. 59, 16, 211 ,fundi appellatione omne 
aedificium et omnis ager continetur ; sed in usu urbana aedificia 
aedes, rustica villae appellantur : locus vero sine aedificio in 
urbe area, rure autem ager appellatur, idemque ager cum aedi- 
ficio fundus dicitur'. — decem et tres] ebenso § 99 de tribus 
et decem statt tredecim, weil Cic. die drei Gliter, die dem 
Capito zufielen, auseinanderhalteu will von den zehn ubrigen, die 
T. Roscius Magnus sich aneignete. Uebrigens ist diese Art 
der Zusammensetzung von Zahlwbrtern ziemlich selten, wiewohl 
Priscian. de fig. numer. 4, 19 bemerkt ,licet tamen et praepostere, 
maxime coniunctione interposita, haec proferre, decem et unum, 
decem et duo', am haufigsten bei Livius, vgl. ebendens. Inst. 
gramm. 18, 21, 172 ,Livius frequenter etiam sine coniunctione 
septemdecem et decemseptem' ; cf. Neue Formenl. II p. 150, Krebs 
Antib. s. V. decem et septem und fiir Livius Klihnast liv. 
Synt.^ p. 37 und Richter, Beitrag zum Gebrauche des Zahl- 
wortes im Lateinischen I, p. 2, G. P. Oldenburg 1880. — qai 
Tiberiin fere oinues tangunt] cf. Plin. ep. V, 6, 5 ,medios ille (sc. 
Tiberis) agros secat, navium patiens, omnesque fruges devebit in 
urbem'; Columell. I, 2 ,c[Uod si voto fortuna subscripserit, agrum 
habebimus . . . salubri caelo . . . nec procul a mari aut navi- 
gabili flumine, quo deportari fructus et per quod merces 



Kapitel VII § 20. 169 

invehi possint^ — inopia et soliludo] Diese Verbindung hat Cic. 
nach Cornif. I § 8 (s. z. § 18 suspi ci osum-per s picuiim) 
zuerst angewenclet Inv. I §109 inopia, infirmitas, solitudo, 
dann p. Quinct. § 5 und an unserer Stelle ; spater nur selten, 
z, B. ep. Qu. fr. l, 1, § 25. Inopia bedeutet in dieser Ver- 
bindung gleich dem griech. dnoQia^ die inopia consilii „Rat- 
losigkeit", wie Cic. ep. Att. 6, 3, 2 sagt ; doch findet sich inopia 
in dieser Bedeutung auch alleinstehend, so Cornif. 11 § 7, Quinct. 
§ 84, Cluent. § 57. — taiii spleiididus] als eques Eomanus, vgl. 
Phil. XIII, 23 ,quasi vero ignotus nobis fuerit splendidus eq[ues 
Romanus, Trebonii pater', § 140 der Rosc. equestrem splen- 
dorem und Planc. § 12 ,cj[ui ne equestrem quidem splen- 
dorem . . retinere potuisset', ep. fam. 12, 27 ,Sex. Aufidius 
splendore equiti Romano nemini cedit'. Daneben finden sich 
auch die Epitheta illustris und insignis; cf. Marquardt hist. 
equit. Rom. p. 81. Ueber tam bei Adjektiven, um einen vor- 
ziiglich hohen Grad der betr. Eigenschaft zu bezeichnen, s. 
Krebs (gegen Zumpt) Antib. s. v. tam p. 1123. — uullo uegotio] 
„mit leichter Miihe", noch § 28 (fehlt bei Merguet s. v. nullus 
n p. 382) uud § 80, Cael. § 22, Asin. Poll. ep. fam. 10, 31, 6; Bell. 
Afr. 18, 5. 69, 3 (vgl. Minuc. rel. c. 5 nullum negotium est 
patefacere) ; dieselbe Bedeutung hat sine negotio Corn. Ages. 
5, 4. Dagegen ist nachklassisch facili negotio Aur. Vict. de 
Caes. 39 § 38 und levi negotio oder labore Ammian. 18, 1, 
2720, 10, 2. 26, 6, 10. 27, 10, 10. 31, 8, 5. Den Gegeu- 
satz dazu bildet magno negotio Bell. Alex. 8, 4; Cels. 7, 5 
init.; cf. sine magno negotio Boeth. comm. in Cic. top. p. 359, 
38 B.; Thebanis minimo negotio vincentibus Oros. H. 3, 1, 17 
und gleich darauf §18 nullo negotio. — de medio tolli] Cornif. 
IV cap. 30 in. sagt e medio tollere, ebenso Liv. 24, 6, 1. 
Die bei Cic. gebrauchlichsten Redensarten mit medius sind: 
ponere in medio div. Caec. 33, Verr. I, 29 u. o., procedere 
in medium Verr. 11 190, ib. V, 94 (recedere de Rosc. A. 
§ 112), proferre in medium Verr. IV, 115. V, 179 u. b., 
removere de medio Rosc. 23, Verr. U, 175 u. b. — operaiu 
suam polliceutur] „ihre Mitwirkung", ebenso div. Caec. 21, Phil. 
XIII, 50; dagegen Rosc. § 153 operam vestram profitemini, 
Verr, II, 85. — ue diutius teueam] ebenso Verr. I § 34; ahnliche 
Formeln sind nemultis morer Verr. IV § 104, Petron. 76; 
ne multis sc. morer (neben ne mvilta Verr. I, 140 u. b.) Or. 
§ 159; quid multis moror Ter. Andr. 114; ne diutius 

12* 



170 Kapitel VIII § 21. 

verbis morer Oros. Hist. 2, 2, 11; non obtundam diutius 
Verr. IV § 109, Cornif. IV § 52. Letztere Formel ist bes. bei 
deu Komikern haufig, Ter. Andr. 348 u. daz. Meissner, Pliorm. 
515, Eun. 554, Heaut. 879. — societas coitur] cf. § 87. 96. 117 
„stehender Ausdruck der rbmischen Rechtssprache" Osenbrgg. 

KapitelVni. 
§ 21. Niilla proscriptioiiis mentio] Das Eude der Proskriptionen war 

auf den 1. Juni 81 festgesetzt, vgl. § 128. — uomeii refertur in 
tabulas] in die Proskriptionstafeln, die offentlich ausgehangt waren. 
Die nachste F(jlge der Proskription war, dass das Vermogen vom 
Staate eingezogeu und als Ganzes (als universitas) auf dem 
Forum durch die Quastoren sub hasta verkauft wurde. Ein 
solcher Verkauf hiess sectio, der Kaufer sector; cf. Gaius IV, 
146 sectores vocantur, qui publice bona mercantur. In der 
altesten Zeit fand die sectio statt, wenn die Kriegsbeute iu 
Geld verwandelt werden sollte, cf. Cic. Inv. I § 85 ,reprehen- 
ditur , si dici possit ex hostibus equus esse captus , c u i u s 
praedae sectio non venierit'; Caes. B. G. U, 33. Hier- 
aus erklart sich auch der Ausdruck sub hasta d. i. mit auf- 
gestellter Lanze als dem Symbol der Beute und sodann des 
Eigentums; Rein rom. Priv. p. 230. Die etymolog. Erklar- 
ung des Wortes ,sectio' ist durchaus noch keine sichere. Wahrend 
die alten Grammatiker, so Pseudo - Asconius, Festus p. 337 M. 
und Nonius p. 404 das Wort mit sequi und sectari in Ver- 
bindung bringen (letzterer sagt: ,secare sequi, unde et sectatores 
bonorum sectores dicti sunt') , leitet man es jetzt von secare 
ab, ohne jedoch uber die Art des „Schneidens" einig zu werden. 
Osenbruggen in d. Einl. S. 15 ff. sagt: „Es ist wohl anzunehmen, 
dass die sectores, eine eigene Klasse gewinnsuchender Handels- 
leute, denen die Gutermassen selbst zu behalten nicht bequem 
war, regelmassig das augekaufte Gesammtvermogen secierten 
oder distrahierten : daher ihr Name. Von ihrem Geschjiftsnamen 
weiter gehend zu ihrem Geschaft, konnen wir uns leicbt vor- 
stellen, wie das Hervorstechende desselben, das secare bona 
dem ganzen Geschaft den Namen sectio gab und wie dann wei- 
ter der Aukauf selbst, dann auch der Verkauf und sogar das zu 
verkaufende Vermbgen sectio genannt wurde. Wie leicht solche 
Worte des Geschaftslebens in den Bedeutungen variiren , zeigt 
unter andern unser von den Rbmern entlehntes Concurs". Mir 
scheiut diese Erklarung imnier noch natiirlicher zu sein als die 



Kapitel VIII § 21. 171 

von Moramsen (bei Halm in der Einleituug Anm. 26), dass 
die Kaufer, weil sie aucli die auf dem Vermogen hafteuden 
Schulden ubernahmen, Procente boten und die anderen Procente 
von den Schulden abstrichen oder abschnitten. Heraeus 
hat diese Erklarung Tac. hist. I, 20 angenommen, Georges aber 
in seinem Worterbuch (7. Aufl.) halt sie mit Recbt fiir eine 
„hochst gesuchte". Ebenso Rein rbm. Privatr. p. 229, Anm. 
„Gegen diese Vermutung M.'s spricht aber der Umstand, dass 
die zu verkaufenden Guter der Verurteilten und spater dcr 
Proskribierten doch nicht immer liberschuldet waren, denn wie 
sollte man so etwas annehmen durfen und wie hatte von den Aus- 
nahmen der regelmassige Name entlehnt werden konnen? . . 
Anstatt von Nebendingen den Namen abzuleiten, erklaren wir 
denselben in seinem urspriingl. Sinn als Zerschneidung, Zerschlag- 
ung, und glauben, dass der alte Beuteverkauf deshalb so ge- 
nannt wurde, weil nicht die ganze Beute als Gesamtheit, sondern 
die Hauptpartieen als einzelne Gssamtheiten verkauft wurden, 
z. B. die Hausgerathschaften, das Vieh, die Sklaven". — manceps 
fit Chrysog.] Clir, schliesst fiir die societas den Handel ab; cf. 
Fest. s. V. manceps p. 151 M. : ,manceps dicitur, qui quid a 
populo emit conducitve, quia manu sublata significat se auc- 
torem emptionis esse'. — praedia nobilisslma] ebenso § 99 tres 
nobilissimos fundos, Verr. III, 104 agros optimos ac no- 
bilissimos, Scaur. § 25 campus ille nobilissimus et fera- 
cissimus; cf. Bell. Alex. 60, 1 nobilissimae possessiones. 
Das Adjektiv nobilis wurde wohl hauptsachlich im Munde 
der Landleute so gebraucht, vgl. Varr. r. r. U, 1 nobiles 
pecuariae. — Capitoni propria tradunturj Capitoni ist mit tra- 
duntur zu verbindcn. „Die Bedeutung von proprius ist nach 
dem Gebrauch der rbm. Rechtssprache von dem Gegensatz be- 
dingt; es wird der dominus proprietatis dem usufructuarius ent- 
gegengestellt, es drlickt auch, wie an uuserer Stelle, das alleiuige 
Eigentum aus im Gegensatz von condominium, wie die Neueren 
sagen" (Osenbrliggen in d. Zeitschrift f. d. Altert. 1836, p. 995). — 
hodie] = etiam uunc, wie Orat. II § 95, Rep. II § 16 u. b., 
daflir hodie quoque § 70 u. R. ; auch etiam hodie findet 
sich bei Cicero (Orat. I § 235). Dagegen wird hodieque in 
dieser (nicht kopulativen) Bedeutung dem Cicero und auch 
Livius von Georges und Krebs im Antibarb.^ p. 523 abgesprochen; 
es findet sich erst bei Velleius und bes. bcim alteren Plinius , s. 
d. Stellen bei Krebs. — nomine Chrysogonij als dessen Prokurator 



172 Kapitel VIII § 21 

(§ 23) oder, wie Cic. § 108 sagt, als dessen Miteigentllmer. — 
quem ad moduni] im Zwischensatze flir ut, s. z. § 5. — impetum 
facit] wie wirkliclie Rauber, vgl. invadere §6 (ebenda pr aed a) 
13. 23. — certo scio] Haase, Vorles. I p. 114 (vgl. denselben zu 
Heisig, Anm. 249) lehrt: „certe scio: es ist sicher, dass ich 
weiss ; also die Existenz des Wissens wird versichert, wie in dem 
Deutschen: sicherlich; certo scio: ich weiss mit Sicherheit; also 
es wird nicht die Existenz des Wissens versichert, sondern diese 
wird vorausgesetzt, und ihm nur ein Accidens beigelegt, von dem 
es begleitet ist, das hier nicht eine Zeit, sondern eine temporal 
begleitende Qualitat ist; certum scio: als etwas Gewisses 
wissen, was mit certo ziemlich auf Eins hinauslauft, aber sel- 
tener ist". Cicero verbindet (in den Reden) das Adverbium certo 
nur mit scio und zwar steht dieses an samtlichen 14 Stellen immer 
in der 1. Person Sing. Indic. Activ. An allen Stellen ferner (denn 
Caecin. 55 ,veniunt in mentem mihi permulta; vobis plura, certo 
scio' ist in mentem venire zu erganzen) ist davon ein Acc. c. 
Infin. abhangig. Die Verbindung certum scire findet sich in 
den Reden nur einmal, Sull. § 38 respondit, se nescire certum; 
haufiger in den Briefen, Attic. 12, 23, 2 certum nescio, ib. 
7, 13, b 7 scribam ad te cum certum sciam, ib. 12, 42, 3 cum 
certum sciero, scribam ad te, fam. 9^ 23 cum certum sciam, 
faciam te certiorem, Attic. 12, 17 scire certum velim, fam. 
9, 10, 3 antequam certum scierit. An allen diesen Stellen 
steht certum scir e (nescire) absolut im Sinne von „Sicheres 
wissen", so dass die noch ilbrige Stelle Leg. I § 52 ,quae...quam 
diu adfutura sint certum sciri nullo modo potest' wegen des 
hier davon abhangig gemachten Fragesatzes verdachtig erscheint; 
auch hat hier der cod. Leid. A m. pr. certe. Die Stelle, die 
zur Stlitze dieser Konstruktion angefiihrt wird (auch bei Mesnil) 
fam. 9, 9, 1 ,certum scio iam convaluisse eam', ist des- 
wegen nicht besonders beweiskraftig, weil sie erstens nicht dem 
Cicero, sondern dem Dolabella gehort, und dann, weil hier ein 
Acc. c. Inf., nicht ein Fragesatz abhangig gemacht ist (wie noch 
Valer. Max. 11, 7, 6 ,oculos tuos certum scio ingens animi opus 
intueri uequivisse'). Die Stellen aus Terenz stimmen mit dem 
ciceron. Sprachgebrauch, Phorm. 148 non certum scio (irrtiim- 
lich vindiciert Georges Worterb. diese Stelle dem Cicero), Eun. 111 
certum non scimus, ib. 921 de cognitione ut certum sciam. 
Die Belege flir certo scio bei Plautus und Terenz gibt Langen 
Beitr. p. 23, aus welcheu man ersieht, dass beide Dichter nicht 



Kapitel VIII § 22. 173 

bloss scio, sondern auch andere Modalformen mit certo ver- 
binden, so Plaut. Ampb. 271 certo sciam, Merc. 1012 certon 
scis; fur certe scire vgl. Neue Formenl. II p. 650. 

Neque euim niirumj SeyfFert-Muller zu Lael. ^ p. 226: „Es gibt §22. 
gewisse Formeln, die der familiaren Spracbe entlebnt sind, in 
welchen das Verbum ,est' gewobnlicb ausgelassen wird. Dabin 
geboren nec mirum, minime mirum, nihil mirum; ferner 
nihil ad hoc tempus, nihil ad rem, nibil ad me u. s. w. 
Bei nec mirum ist diese Kurze daraus namentlich zu erklaren, 
weil die Worte den emphatischen Sinn eines Adverbium , wie 
quippe, haben". — sauetj Konjektur von Rinkes; zum metapbor. 
Gebraucb vgl. Mil. § 68 ,omnes tibi rei publicae partes aegras et 
labantes, ut eas sanares et confirmares, esse commissas'. — 
praeparet] l)as Wort findet sicb nur bier in den Reden. — pacis 
constitneudae rationem] „Verfugung, Anordnung"; gemeint ist die 
von SuUa durchgefubrte Eeform in der Verfassung, vgl. § 131 
,cum solus imperii maiestatem legibus constitueret'. — omues iu 
unum — uuus omuia| Zur chiastischen Wortstellung vgb Pseudo 
Apul. Asclep. 279, 1 ,omnia unius esse aut unum esse omnia' 
ib. 281, 2. — disteutus] vgl. ep. fam. 12, 30, 2 distinebar 
maximis occupationibus, Att. 2, 23, 1 ex eo colligere potei"is, 
quanta occupatione distinear, Pbil. XI, 6 nos alio bello disti- 
neri putat. — respirare libere non possitj Das Verbum respirare 
wendet Cic. bes. gern in den beiden ersten Reden an, denn von 
12 Stellen , an denen es sich in den Reden findet, fallen 6 auf 
die beiden ersten: p. Quinct. 39 t{uem nunc respirare libere 
non sinis, § 53 respirasset cupiditas atque avaritia pauhim, 
§ 87. 94. R. A. § 60 respirare visus est. — si aliquid non 
auimadrertat] bangt von den Anfangsworten neque enim mirum 
ab; vgl. bieriiber den krit. Anhang. — si aliquidj Madvig: ,Ple- 
nior forma vim quandam babet significatque raro id et praeter 
consuetudinem factum'; vgl. noch Haase zu Reisig p. 341. — 
Ueber den Indikativ oder Konjunktiv nach non mirum ist die 
feine Unterscbeidung von Miiller zu Seyfferts Laelius in d. 2. Aufl. 
p. 206zu ervvabnen: „Wie nach miror si, so steht nach den formel- 
baften Ausdrucken non, nihil, quid mirum, si der Indikativ, 
um schlechthin auszudrlicken, dass ein solcber Fall nichts Wunder- 
bares bat, ohne jede Reflexion darliber, ob er in der Wirklich- 
keit vorliegt oder ■w-abrscbeinlicb oder vorausgesetzt ist oder nicht. 
Will der Redeude sein Interesse an der Verwirklichung andeuten, 
deutsch: „Es sollte micb nicbt wuudern; weun dies geschahe", 



174 Kapitel VIII § 22. 

so sagt er: mirum uon sit, si fiat, womit weclcr gesagt wird, dass 
es seiner Meinung nach nicht geschehen wird, uoch, dass es gc- 
schehen wird, wenn er sich auch noch so klar uber eine von 
beiden Eventualitaten ist, sondern dass er aus dem Gebiete der 
reinen Abstraktion mit seiner Vorstellung sich auf das Feld der 
Realitat begibt und uber die Verwirklichung und ihre Folgen 
sich Gedanken macht". — OCClipatiouem etc.] „um so mehr, als so 
viele die Zeit ablauern, wo er beschaftigt ist, wortlich : sein In- 
Beschlaggenommensein, Beschaftigtsein" Nagelsbach Stil.' p. 180, 
wo ausfuhrlich gehandelt wird iiber den passiven Gebrauch der 
Verbalia auf io. Dass occiipatio und occupatum esse vor- 
zugsweise die Thatigkeit des Staatsdienstes bezeichnen, bemerkt 
Seyffert in der Pal. Ciceron.'' p. 188. — despexerit] ungewohnlich 
hier im Sinne von oculos deicere (cf. Verr. V, 181 si tantu- 
lum oculos deiecerimus, praesto esse insidias ; ibid. IV, 33; 
Phil. I, 1) gebraucht; wir sagen: „sobald er den Riicken gekehrt 
hat". — felix] Cf. §. 136. Nach dem Tode des jiingeren Marius nahm 
Sulla den Beinamen Felix an (cf. Vell. Paterc. 2, 27, 4: occiso 
enim eo [sc. C. Mario] Felicis nomen adsumpsit), und man errich- 
tete ihm auf der Rednerbiihne eine vergoldete Statue zu Pferde 
mit der Inschrift: Cornelio Sullae Imperatori Felici. Sein Sohn 
hiess Faustus Sulla, seine Tochter Fausta. — sicut est] Krebs 
Antibarb.^ p. 1172 erbrtert diesen Gebrauch richtig, wenn er 
sagt : „Wird etwas zuerst hypothetisch oder als blosse Vorstell- 
ung, als abstrakter Gedanke ausgesprochen und hinzugesetzt, dass 
die Wirklichkeit dieser Annahme entspreche, so wird im Lat. ut, 
sicut nach den eine Annahme bezeichnenden Worten mit Wieder- 
holung des Verbums sehr oft eingeschaltet; am haufigsten ge- 
schieht das nach si, sin autem, etiamsi, quamvis". Aus 
seiner reichlichen Sammlung (aus Lactantius gibt Beispiele Biine- 
mann zu Inst. 1, 8, 4) fiihreu wir hier an Lig. 5, 13 ,si in ex- 
silio est, sicuti est, quid amplius postulatis'; Phil. 10, 9, 18 
,quorum etiamsi amplecterer virtutera, ut facio, tamen. . .' 
Hieher gehort auch posse als Verbum der blossen Mbglichkeit, 
Sull. 9, 28 ,horum ego faces eripore de manibus potui, sicuti 
feci'; ebenso nach dem Konj. de leg. 1, 5, 17 ,sit ista res magna, 
sicut est', in Absichts-, in Imperativ-, in Infinitiv- 
satzen und beim Part. Fut. Pass. z. B. Phil. 4, 5, 12 ,incumbite 
in causam Quirites, ut facitis*; Attic. 10, 4, 1 ,epistulam accepi 
saepe legendam, sicuti facio', Kiirzer spricht iiber diesen 
Gebrauch Seyffert Lael. ^ p. 169, der nur noch das bemerkt, dass 



Kapitel VIII § 23. 175 

das (leiitsche „wirklicli" in diesem Falle sclion in esse, dcm 
Vcrbum cles realen Seins, liegt und hochstens durcli die Partikehi 
der Versicherung sane, certe ausgedrlickt werden darf, wic 
Brut. §76 ,sit Ennius sane, ut est c e r t e, perfectior'. Stattutoder 
sicut steht sehr selten quem ad modum, wie ep. Att. 10, 4, 2 
,quodam modo postulat, ut, quem ad modum est, sic etiam appel- 
letur tyrannus'. Cicero mag hier absichtlich ut nicht gewahlt habeu 
wegen des unmittelbar vorhergehenden ut, und sicut nicht wegen 
des folgenden sic. — id uiagiia faniilia] Vgl. eine ahnliche Stelle 
bei Oros. Hist. VI, 1, 26 ,nec igitur mirum est, si in magna 
familia inveniuntur aliqui servi, qui consuetudine lasciviaque 
seductorum adsuefacti patientia domini sui ad contemptum ipsius 
abutantur'. 

Tir optimiis] ironisch, wie haufig bei Cic. , vgl. Quinct. § 16 §23. 
vir optimus Sex. Naevius, ibid. § 19 iste v. opt., §104 u. R. 
quid tu, vir optime; Tuscul. 11 § 44 vel potius vir optimus, 
ib. I § 6 ab optimis illis quidem viris, ib. III §50 Epicurei, 
viri optimi. Dagegen ist optimi viri in der Aurede stets 
als Ausdruck der Hochachtung zu fassen. Wie optimus wird 
auch bonus ironisch gebraucht, haufig im Vokativ und danu 
immer dem Substantiv voraugestellt, so in ims. R. § 58 
bone accusator, Verr. V § 12 quid ais, bone custos; Orat. III 
§ 64 sunt enim (sc. Epicurei) boni viri, ep. Qu. fr. 3, 2, 2 
bonus imperator (ebenso Liv. 21, 10, 6). Aus den Komikern 
habe ich notiert Plaut. Capt. 951 bone vir (cf. das griech. coyad^e), 
Bacch. 774 bone serve, Cas. 3, 65; Ter. Andr. 616. 846 bone 
vir, Eun. 850, Ad. 556, ib. 476 ille bonus vir, ib. 722 boni 
adulescentis, Phorm. 287 bone custos, ib. 258 bonas nuptias. 
Ueber praeclarus ira irouischen Sinne s. z. § 101. Tacitus 
gebraucht egregius in ironischer Bedeutung und setzt es dann 
ebenfalls vor das Substantiv, s, Nipperdey und Drager zu Annal. 
I, 42. — prociirator] Ulpianus Dig. III, 3, 1 ,procurator est, qui 
aliena negotia mandatu domini administrat'. — Inctll perditum] Vgl. 
Verr. V §24 ,Apollonius iam maerore ac miseriis (eine ahn- 
liche Allitteration wie ep. fam. 14, 2, 2 nec miror sed maereo 
casum eiusmodi) iam perditus', Mur. § 86 ,nunc idem . . lacri- 
mis ac maerore perditus, vester est supplex'. Als Synonyma - 
von perditus (s. z. § 33 und 38) verbinden sich mit luctus 
und maeror adflictus und profligatus, so Catil. H § 2 
,quanto illum maerore esse adflictum et profligatum putatis', 
Phil. IX § 12 ,qui quamquam adflictus luctu uon adest^ — 



176 Kapitel VIII § 23. 

nondum etiam] Dic temporale Bedeutung vou etiam „uocli" (vgl. 
bes. Anton „die deutsche Partikel ,uoch' im Lat." Halberstadt 
1869, S. 23) wird iu alleu Zeiteu , nameutlich aber in der vor- 
klassischeu LatiuitJit, sehr haufig gebraucht, s. Meissner zu Ter, 
Audr. 116, ibid. 503 nou satis me peruosti etiam qvialis sim := 
uoch immer uicht, cf. Cic. Tuscul. I § 12 uon dico fortasse 
etiam, quod seutio. Noudum etiam sagt Ter. nicht selten, so 
Audr. 201. 807, Heaut. 596 Fl., Hec. 192, 745 nondum etiam 
dixi id quod vohii. Wie Cic. nur hier iu den Reden noudum 
etiam gebraucht, so auch vixdum etiam nur Catil. I § 10 
vixdum etiam coetu vestro dimisso; uihildum etiam Verr. 
IV § 9 juihildum etiam istius modi suspicabantur' (dagegen 
Catil. III § 6 uihildum suspicantem), wahrscheinlich auch 
ep. fam. 10, 12, 2 uihildum etiam sciebat (statt des hdschr. 
nihildum enim) nach C. F. W. Mullers Vermutung, Fleckeis. 
Jahrb. 1866 p. 491 N. 7. Ebeuderselbe weist fur nondum 
etiam noch folgende Belege uach: Frouto p. 18, 6. 214, 8. 
209, 15 N. (u e c d u m e t i a m. Verg. Georg. H, 529) uud be- 
merkt schliesslich: ,uondum, uecdum, nihildum etiam, 
nec etiam, nihil etiam finden sich bei deu Komikeru haufig, 
sonst meiues Wisseus nur noch bei Varro, Cicero, Casar, Sal- 
lustius, Catullus, Propertius, Vergilius, Gellius uud Apuleius'. — 
iusta solvissetj Gewohnlicher ist der Ausdruck iusta facere, wie 
er sich z. B. fiudet bei Festus p. 223 M. : ,praecidauea porca, 
quae Cereri mactabatur ab eo, qui mortuo iusta non fecisset, 
id est, glebam uou obiecisset, quia mos erat iis id facere, 
priusquam novas fruges gustareut'. Au dieser Stelle hat iusta 
facere die eugere (jedenfalls altere) Bedeutuug „ein Stuck Erde 
auf den Leichnam werfeu". Im weitereu Siuue aber versteht 
man uuter iusta die samtlichen Ceremouieu, welche die Hiuter- 
bliebeuen dem Toten schuldig siud ; vgl. hieriiber Serv. Verg. 
Aen. V, 64 ,scieudum, quia apud maiores ubiubi quis fuisset 
exstiuctus, ad domum suam referebatur, et illic septem erat 
diebus, octavo iuceudebatur; inde etiam ludi qui iu honorem 
mortuorum celebrabautur u o vendiale s dicuutur' ; Porphyr. Hor. 
epod. 17, 48 (p. 176, 2 M.) ,uovendiaIe dicitur sacrificium, 
quod mortuo fit noua die, qua sepultus est'. Gewohnlich war 
mit diesem Opfer eiu Leicheuschmaus (siliceruium zsg. aus 
silis (v. sil-ere schweigend uud cerua = ccsna, ceua, also 
ein stillschweigend eingeuommeues Mahl) verbuuden. — domo atque 
focis patriis disque peuatilius] di pen. steht metouymisch fUr deu 



Kapltel VIII § 23. 177 

Ort, daher fehlt die Praposition; vgl. p. Sest. 145 ,ego pulsus 
aris focis deis penatibus' (fur die beliebte Haufung dieser 
Synonyma ist bezeiclinend die Stelle dom. § 143 ,hic est enim 
reditus . . in domo, in sedibus, in aris, iu focis, in dis 
penatibus reciperandis^, ib. § 106; cf. Phil. II § 75 ,Pompei 
liberi repetebant deos patrios, aras, focos, larem suum 
familiarem, in quae tu invaseras'). Dagegen steht die Pra- 
position in dem einen der beiden Glieder Rutil. Lup. I § 13 
jSimonemdomo sua, ab suis dis penatibus esse exturbatum', 
in beiden Gliedern p. Quinct. § 83 ,iam de fundo expulsus, 
iam a suis dis penatibus praeceps eiectus^, welche Stelle 
der unsrigen uberhaupt sehr ahnlich ist, s. z. § 24 fin. — prae- 
cipitem exturbat] Cf. Cornif. IV §12 praecipitem proturbetis 
ex ea civitate etc. Andere bei Cic. sich findende Verbindungen 
sind praecipitem agere (Caecin. § 60), deicere (Verr. IV 
§ 86), eicere (Quinct. § 83, Sest. 9). — egentissiums] Wir 
konstatieren hier die noch nicht beobachtete Thatsache, dass Cic. 
das Adjektiv pauper nur 3mal in den Reden gebraucht (Verr. 
n, 35. Vatin. 29. Phil. V, 22: darunter 2 mal im Superlativ), 
das Substantiv paupertas nur einmal (leg. agr. 11, 64). Wie 
ist nun diese auffallende Erscheinung zu erklaren? Varro 1. 1. V 
92 sagt ,pauper a paulo lare': pauper ist also ein solcher, 
der zwar nicht viel, aber doch so viel besitzt, um noch davon 
leben zu kbnnen, vgl. Porphyr. ad Hor. ep. 2, 2, 199 ,paupertas 
etiam honestae parsimoniae nomen est et usurpatur in for- 
tuna m e d i o c r i' (s. auch Pfitzner zu Tac. Annal. I, 75 fin.). 
Damit stimmt z. B. Tibull. 1, 1, 5 ,me mea paupertas vita tra- 
ducat inerti', was gleich darauf durch ,contentus vivere parvo' 
erlautert wird. Das unserm Deutschen „arm" entsprechende Ad- 
jektiv im Lateinischen ist also streng genommen nicht pauper, 
sondern egens (egenus), inops und mendicus (= bettelarm). 
Ersteres Adjektiv und zwar egens (denn egenus findet sich 
in den Reden an keiner Stelle) ist es denn auch, das uns in 
Cic.'s Reden 37mal begegnet, und dem entspricht das 32 malige 
Vorkommen des Substant. egestas, Ein Redner spricht ebeu 
weniger vom Kleinbiirger, als vom „armen" Manne im modernen 
Sinne (besonders in der commiseratio), abgesehen von seiner Neig- 
ung zum Uebertreiben iiberhaupt (das seltene mendicitas hat 
Cic. in den Reden 7mal, meudicus 2mal). Bei der mehr 
rhetorischen Sprache Sallusts wird es nicht befremden, wenn er 
ebenfalls paupertas nur 2mal, pauper gar nicht, dagegen 



178 Kapitel VIII § 23. 

egestas lOmal, iuops 3 raal gebraucht. (Auffalleud ist iu den 
Reden Cic.'s auch das Missverhiiltnis von dives und locujiles; 
fiir ersteres habe ich nur 14 Stellen gezahlt, flir letzteres da- 
gegen c. 65)*). Die librigen Prosaiker gebrauchen meist pauper 
und p a u p e r t a s im weiteren Sinne, wie z. B. Cornelius Nepos und 
Curtius, bei denen egens und egenus ganz fehlen. So stellt 
auch Cic. in seinen andern, bes. iu seinen philosophischen Schriften 
paupertas und divitiae eiuauder gegeuuber z. B. Leg. I §55, 
Tuscul. V § 30 (ebenso dives und pauper Acad. 11 § 92), so 
dass man sagen kann, egestas ist das rhetorische , paupertas 
das phih)Sophische Wort fur „Armut". Dass egestas die poten- 
zierte paupertas ist, sieht mau am deutlichsten Paradox. VI 
§ 45 jitaque istam paupertatem vel potius egestatem ac 
mendicitatem tuam obscure tulisti'. Als spater egens uud 
egenus uutergingeu, trat pauper im volleu Sinne uuseres „arm" 
iu die Lucke eiu. — Noch eiue Vermutung liber die Etymologie 
des Adjektiv egeus sei hier mitgeteilt. Bei Livius (2, 6, 2) fin- 
det sich die asyndetisch-allitterierende Pormel extorris egeus 
neben der haufigeren exul extorris (Liv. 5, 30, 6, Tac. Hist. 
5, 24; Gellius 2, 12, 1, wo er die Gesetzesspraclie uachahmt: 
exsul extorrisque esto, siehe Preuss de asynd. p. 115). 
Eiue dritte lautet egens exul, Sen. Med. 20, Oros. Hist. 4, 5, 5 
exules egentesque. Wir durfen wohl anuehmen, dass diese 
drei, wie schon das Asyndeton und die Allitteratiou beweisen, 
der alteu, vielleicht sakralen oder Gesetzes - Sprache angehoren. 
Ich glaube nun, dass in der alten Sprache egens dem extorris 
entsprechend eutweder die Form und Bedeutung von e x - g e n s, 
oder wenigstens letztere gehabt hat. Die Bildung e x - g e n s 
hatte ihre weiteren Analoga in e x o s bei Lucrez (einmal) , e x - 
sanguis, exspes. Diese Bedeutung wurde in der Folge 
vou der anderu = egeuus zurlickgedraugt, die Formel selbst 
aber erhielt sich, wenu sie auch nicht mehr richtig verstaudeu 
wurde, vgl. z. B. Cic. fin. V § 84 exsul, orbus, egens, Sall. 
lug. 14, 17 ,nuuc vero exul patria, domo solus at-que omnium 
honestarum rerum egeus' (cf. ibid. § 22 fugam exilium 
egestatem). Besouders die letztere Stelle zeigt uns, meine 



*) Casar und seine Fortsetzer gebrauchen pauper und dives 
an keiner Stelle; nur ditissimus findet sich B. G. 1, 2. Dagegen 
ist interessant B. c. 3, 59, 2 locupletes ex egentibus fecerat; 
vgl. Cic. Planc 86 egentes in locupletes armabantur. 



Kapitel IX § 24. 179 

ich, wie dera Sallust, nacbdem er das eine Glied der allitterieren- 
den Formel gebraucht batte, das andere so im Obre lag, dass er 
es nolens volens nicbt abweisen konnte; vgl. aus der spatesten 
Latinitat Oros. Hist. VII, 42, 5 ,Maximus exutus purpura . . . 
nunc inter barbaros in Hispania egens exulat'. Wenn eudlicb 
Ovid. Ib. 113 exul inops sagt, so baben wir jedenfalls nur 
eine permutatio von exul egens darin zu erblicken ; vgl. eiec- 
tus egens Verg. Aen. 4, 373, ignotus egeus ibid. 1, 384; 
Oros. H. 1, 11, 1 profugum egentemque exceperat. — 
iusolens] verschwenderiscb, cf. Orat. II, 342, ,est sumraa laus . . 
nou fuisse insolentem in pecunia'; Phil. IX, 13 ,mirifice enim 
Servius maiorem continentiam diligebat, buius saeculi inso- 
lentiam vituperabat', ep. fam. 9, 20, 1 ,in Epicuri nos castra 
coniecimus, nec tamen ad hanc insolentiam' = „bis zu der 
jetzt berrschenden Verschweudung". — de medio removebat] s. z. 
§ 20. Beachte die o^ioiotiXsvTcc. 

Kapitel IX. 

Fletus gemitiisqne] cf. Verr. IV, 110 tanti gemitus fletus- §24. 
que fiebant; flens gemens Sen. Med. 958, flens et gemens 
Val. Max. 3, 8 ext. 4, Seu. cons. ad Marc. 2, 4 nullum finem 
flendi gemendique fecit. — multa simulj cf. ep. fam. 3, 8, 3 
hic ego multa simul cogitavi, Sall. Cat. 27, 2 interea Romae 
multa simul moliri, Rutil. Lup. I § 2 sed multa simul e;;m 
perturbant. Das Adverbium an zweiter Stelle wie bei omnes 
semper § 27 und multa saepe § 91. — tloreutissimij Ueber 
den tropischen Gebrauch von flos, florere, florens zum Aus- 
druck jeglicber Art von Gluck und Wohlstand vgl. Nagelsb. 
Stil.^ p. 427. In der Note ist auf meine Beraerkung (de Cic. 
eloc. p. 17) hingewiesen, dass das tropisch gebraucbte florens 
haufig adflictus zum Gegensatz habe; zu den dort citierten 
Stellen ep. Att. 3, 10, 2, Quinct. § 93, Tac. Ann. IV, 68 fiige 
ich bier noch bei Cornel. Nep. Att. 11, 4 ,quod non florenti- 
bus se venditavit, sed adflictis semper succurrit', Senec. de 
tranqu. 8 ,in adflicta re publica et in florenti'. — cui de tauto 
patrimonio . . . reliquisset] Nachahmung von Cornific. IV § 67 (cf. 
Thielmann Stil. Beitr. p. 202) ,hic de tanto patrimonio tam 
cito testum, quo sibi petat ignem, non reliquit'. — ne iter 
quidem] cf. § 146, Osenbriiggen : „Die RomeK bauten haufig auf 
ihren eigenen Landereien fiir sich und ihre Familie Grabraaler 
und pflegten bei dem Verkauf dieser Liindereien sich den freien 



180 Kapitel IX § 24. 

Ziigaug zu den sepulcra auszubedingen. Oline eine solche Klausel 
in dem Kaufkontrakt (lex praedii vendendi) felilte dem Verkaufer 
jedes derartige Recht. Dig. 42, 12, 5 ,utimur eo iure, ut dominis 
fundorum, in quibus sepulcra fecerint, etiam post venditos fundos 
adeundorum sepulcrorum sit ius ; legibus namque praediorum 
vendundorum cavetur, ut ad sepulcra, quae in fundis sunt, iter iis, 
aditus, ambitus funeri faciendi sit'. Vgl. Dig. 19, I, 53, § 1. 
Das Eigenthum war ein ausschliessliches Recht, der Eigenthumer 
konnte jeden andern und jeglichen Gebrauch seiner Sache aus- 
schliessen, und alle andern hatten insofern zu ihm eine absolut 
negative Stellung. Aber der Gebrauch der Sache, die praktische 
Seite des Eigenthums, konnte durch Privatdisposition beschrankt 
werden. Eine materielle Beschrankung des Eigenthums, wie die 
in Rede stehende, nannten die Romer servitiis (fundus servit), 
und zwar haben wir hier hingedeutet auf die servitus itineris 
oder iter, d. h. der Eigenthiimer raumt dem Nichteigenthlimer 
(bisherigen Eigenthlimer oder sonst dabei Interessierten) die Fuss- 
steigsgerechtigkeit oder das Recht ein , iiber ein Grundstiick (zu 
dem sepulcrum) zu gehen, zu reiten oder sich tragen zu lassen 
(viae servitus oder via ist die Fahrwegsgerechtigkeit und 
schliesst das iter ein). Der junge Roscius konnte, bei den ob- 
waltenden Umstanden, sich auch das nicht von seinem patrimo- 
nium reserviren, was allgemein reservirt wurde, das iter ad 
sepulcrum patrium (in fundo alieno)". — sepnlcruni patrium] 
Nach der Unterscheidung , welche Krebs Antibarb. s. v. patrius 
zwischen patrius und paternus macht, sucht er an unserer 
Stelle sep. patrium dadurch zu verteidigen, dass er sagt, 
patrius soll hier nicht nur soviel als paternus ausdriicken 
(also das was der Vater ausserlich besessen hat), sondern zu- 
gleich auch noch das Moment des dem (rechten) Vater Eigen- 
tiimlichen, Gebiihrenden, ihu Ehrenden hervorheben. In der 
Schulausgabe folgte ich Krebs in dieser Erklarung, allein ich 
halte es jetzt fiir einfacher und besser mit Schmalz (Rec. der 
Schulausg. p. 1422) patrius von patres und paternus non 
pater abzuleiten und demnach ,sepulcrum patrium' = Grab- 
stiitte der Ahnen, Familiengruft zu fassen; vgl. Hor. Sat. 2, 3, 196 
,per quem tot iuvenes patrio caruere sepulcro*. — Vgl. auch 
Georges in der Rec. der Schulausg. p. 364 „patrius ist auch 
dasjenige, was den Vateru, Vorfahren oder dem Vaterlande ange- 
hort ; dah. § 24 sepulcr um patrium = dieFamiliengruft; ebenso 
bona patria = Familiengiiter, vou deu Vorfahreu herriihren- 



Kapitel IX § 24. 181 

des Vermbgen Ter. Eua. 235; res paternae = bona paterna, 
vom Vater besessenes Vermbgen, besessene Guter, Gegens. res 
materuae Hor. ep. 1, 15, 26, oder bona avita Cic. Cael. 34". — • 
emptlO falsa] Die Rechtfertigung dieser meiner Emendation befindet 
sich im krit. Anhang p. 91 ff. — Auf diese Art der emptio 
passt das Wortspiel Ciceros Verr. IV, 10 ereptionem esse, 
non emptiouem; ein ahnliches ware im Vergleich mit § 30 
bona adempta, non empta; vgl. uberh. die Darstellung in 
§ 30 mit der in diesem §. — omiiia aiidere mallet] Auch Uber 
diese Aenderung, welche vor Cornelissen schon andere Gelehrte, 
z. B. Scheller Observ. p. 42 gemacht haben, gibt der krit. An- 
hang Aufschluss; vgl. noch Bloch in einem seiner Programme: 
,nihil erat, cur h. 1. de ardendo Cicero loqueretur aut bona 
sua incendio potius absumi cuperet S. Rosc. ; contra vero , quid 
ausi sint Amerini, patet e seqq. : Itaque decurionum' cet. (Der 
umgekehrte Fall ist Verg. Aen. 11, 347, wo man statt des liber- 
lieferten auderein proelia konjizierte ardere i. p., s. Kvicala 
Neue Beitr. p. 19). Fiir die Formel omnia (prius) experiri 
(statt dessen es hier audere heisst des Wortspiels mit videre 
halber) malle, die, wie Stallbaum zu Ter. Eun. 4, 7, 19 be- 
merkt, sprichwbrtlich gewesen zu sein scheint , habe ich folgende 
Belege gesammelt: Ep. Att. 7, 2, 6 itaque omnia experiar; 
ep. Brut. 1, 16, 9 experiar et tentabo omnia. Caes. B. G. 
7, 78, 1 constituunt ut omnia prius experiantur quam ad 
Critognati sententiam descendant; vgl. 4, 4, 4; 7, 26, 1; 
B. civ. 2, 31, 8 omnia prius experienda arbitror, Lentul. 
ep. fam. 12, 15, 3 omnia prius experiri malui; Sal- 
lust. Cat. 26 fin. extrema omnia experiri; Liv. 4, 44, 10 
omnia expertis patribus; Flor. 1, 40, 24 o m n i a ex- 
pertus; Ter. Eun. 4, 7, 19 omnia prius experiri quam etc, 
Andr. 2, 1, 11 omnia experiri certumst prius quam pereo; 
cf. Ad. 497 (citiert zu § 26). Wie fiir experiri Brutus ten- 
tare sagte, so findet sich auch in demselben Sinne bei Cic. Lael. 
§35 omnia se facturos und an unserer Stelle audere. Ver- 
wandt mit unserer Formel sind die mit quidvis perpeti malle 
und mori malle. Ueber letztere s. z. § 26 init., iiber erstere 
vgl. Verr. I, 68 quidvis esse perpeti satius quam in tanta 
vi atque acerbitate versari, ibid. III, 45 tanta vis erat iniuriarum, 
ut homines quidvis perpeti quam non de istius improbitate 
deplorare et conqueri mallent. — bonis . . domiuaiitem] „den 
Herren spielen", vgl. die ahnliche Stelle p. Quinct. § 98 quum 



182 Kapitel IX § 25. 

illum in suis paternis bonis dominari videret. Dass die beiden 
altesten Reden Cieeros, p. Quinctio und p. Kosc. Am., die beide 
vor seine Reise nacb Asien fallen, sebr viel Gemeinsames im 
spracblichen Ausdruck besitzen, babe icb in meiner Scbrift de 
Cic. elocut. nacbgewiesen, s. bes. S. 45. Vgl. ausserdem nocb 
die Bemerkungen zu § 14 (Uebergang zur narratio) 23. 96. 97. 
98. 123. 139. 140. Einleitung S. 126. 
§ 25. Decurioniim decretum] Der Gremeinderat der italieniscben, be- 

sonders Latinischen Municipieu, ordo decurionum genannt, 
welcher gewohnbch aus 100 Mitgliedern (nach dem Muster 
des altesten romischen Senates) bestand, war in 10 Dekurien 
eingeteilt, deren Vorsteher decem primi biessen. Sie wurden 
hauptsacblicb zu Gesandtschaften verwendet; cf. Verr. 11 § 162 
jMetellus evocat ad se Centuripinorum magistratus et decem 
primos'. In gleicben Vei'haltnissen kommen auch quinque 
primi, sex primi, quindecim primi vor, cf. Verr. III § 68, 
Nat. deor. III § 74. „Diese Einrichtungen dauerten lange fort 
und ubten noch Einfluss auf die Stadteverfassung im Mittelalter, 
man vgl. v. Savigny^s Gescb. des rfjm. Rechts im Mittelalter 
Bd. 1 S. 18 flg., S. 70 flg. S. 319. 385 flf." Klotz in den Anm. 
z. Rosc. p. 595. — decretum fit] ' stebender Ausdruck wie senatus 
consultum fit, z. B. ep. Att. 2, 24, 3. — mortiii famam et filii 
innocentis fortunas] Die allitterierende Eormel f ama f ortu n aeque 
ist eine der beliebtesten der latein. Sprache. So findet sie sich in 
der Quinctiana allein 6 mal, in unserer Rede noch § 113; s. d. 
Stellensammlung in !m. Abbdlg. de Cic. elocut. p. 10 und bei 
Wolfflin allitter. Verb. p. 54; ilber das Auftreten der Formel in 
Verbindung mit caput s. z. § 5. — conservatas yelitj s. z. § 2 
praereptam velim. — ipsiim decretum] ebenso im Griech. a^ro, 
Demosth. de cor. 115 Xsys xa iprjcplfffjiaTd [xoi ccvtcc Xa^coi^, 
wozu Westermann bemerkt „sie selbst, im Gegens. zu der schon 
gemachten allg. Inbaltsangabe derselben" ; cf. ibid. § 120 Xiys 
d^avtov (loi Tov vdfjbov la^Mv. Fur deu Uebergaug mit 
quaeso, cognoscite vgl. Verr. I § 106 quam aequum edictum 
conscripserit, quaeso, cognoscite, ib. III § 106 id, quaeso, 
ex ipsorum testimonio cognoscite. Recita. Dieses ,recita' 
ist in der Regel beigefiigt; vgl. ib. § 45, 74. 83, dagegen fehlt 
es § 87. — decretum dec.] Das Dekret, das Cic. seiner Rede 
nicbt einverleibt hat, wurde hier von einem Schreiber verlesen. — 
Hingewiesen sei nocb auf den in vieler Hinsicht interessanten 
Aufsatz E. Miillcrs im I. Band des Westermann'schen Demostbenes 



Kapitel IX § 26. 183 

(7. Aufl.) S. 405: „Ueber rlie Verlesung von Aktenstucken in 
der Athenischen Volksversammlnng" (Anhang II). — intellegitur] 
namlich aus der Art, wie Chrysogonus mit den Gesandten ver- 
fuhr. — aute] In der alten Latinitat ist ante als Adverbium 
haufiger als antea; Plautus hat antea gar nicht, Terenz nur 
Andr. 1, 1, 25. Wie nahe Cornificius in vielen Punkten der 
alten Sprache steht, zeigt sich auch darin, dass er antea in den 
ersten 3 Buchern niemals, iui vierten nur zweimal, dagegen 
in dem namlichen Buche ante 15raal gebraucht. Auch in den 
Erstlingsschriften Ciceros finden wir ante ziemlich hjiufig neben 
antea, wahrend es in den spateren mehr und mehr zuriicktritt. 
Doch nehmen auch hierin die philippischen Reden eine Sonder- 
stellung ein, vgl. Thielmann Cornif. p. 32 ff. — acUegat] Ueber 
die hier abweichenden Lesarten s. den krit. Anhang S. 93 j 
adlegare lieisst „senden" in Privat-, legare in Staats-Ange- 
legenheiten „als Gesaudten", cf. Vatin. § 35 ut legati ex eius 
oi*fiinis auctoritate legarentur. 

Mori uiallet] Ein der gerne iibertreibenden Volkssprache eigen- § 26. 
tiimlicher Ausdruck, so bei Plaut. Asin. 121 moriri sese misere 
mavolet quam non perfectiim reddat quod promisserit; ib. 810 
emori me malim quam haec non eius uxori indicem; Rud. 684 
certurast moriri quam hunc pati ; Ter. Ad. 497 quapropter 
nitar, faciam, experiar, denique animam relinquam potius 
quam illas deseram ; cf. Cic. Verr. II § 88 commoti animi sunt 
omnium ; repertus est nemo qui non mori diceret satius esse^ 
ibid. I § 81 tanta vis sceleris, ut Lampsaceni moriendum sibi 
potius quara perpetiendura putarent. Noch naher koramen diese 
Wendungen dera Volkstone, weun, wie einige Male, railiens dazu 
tritt, so ep. Att. 14, 9, 2 mori miliens praestitit quam haec pati; 
p. C. Rab. 15 sed moreretur prius acerbissima morte*) 
miliens C. Gracchus, quara etc. Oflf. I § 113 Aiax mi- 
liens oppetere raortem quara illa perpeti maluisset; Phil. II 
§ 112 non miliens perire est raelius quara etc. (cf. Plaut. 
Pseud. 1057 R ego periurare rae mavellem miliens) ; Liv. 4, 2, 8 
miliens raorituros potius quara etc. Bei Livius tindet sich an 
zwei Stellen statt des sonst bei ihra ublichen potius und prius 



*) Dieses schone Beispiel der fig. etymolog. iiti Ablativ aus Cicero 
habe ich leider iibersehen in m Abhdlg. de figur. etym. in den act. 
Erlang. II, p. 30. Ich trage hier noch nach morte propria mori 
Firm. Mat. 8, 20; 8, 28; 8, 31; morte sua mori ib. 8, 25. 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Halfte. J^3 



1,S4 Kapitel IX § 26. 

quam in diesen Formeln citius qnam, namlich 5,24,9 mori- 
turos se citins quam uncl ebenso 24, 3, 12. Ueber den 
Konjunktiv in solchen Satzen nach quam mit oder ohne ut vgl. 
ftir Cicero Madvig zu de fin. IV § 20, flir Livius Weissenborn 
und M. Muller zu 2, 15, 2 (auch im Anhang z. d. St.); fiir Sal- 
lust Schmalz zu lug. 106, 3. Ziemer Junggramm. Streifz. p. 136 
in d. N. glaubt, dass diese „stereotype Phrase" seit Cicero 
unendlich oft im ganzen Latein wiederkehre und so augenschein- 
lich beweise, wie oft Satze nach einem typischen rhetorischen 
Muster gebildet wurden. Aus den Stellen, welche ich aus den 
Komikern beigebracht habe, wird man eher auf einen Ursprung 
dieser Formeln in der Volkssprache schliessen diirfeu, welche 
derartige hyberbolische Ausdriicke besonders liebt. — houiines ailti- 
qui] Zur Bedeutung von antiquus vgl. § 17. — vacua] „Vacua 
possessio (vacuum praedium, vacuus fundus) wird von den 
Jnristen definirt : quaea nemine detinetixr (Dirksen, Manuale 
lat. V. vacuus § 2). Chrysogonus verspricht den Besitz 8er 
unbeweglicheu Giiter des getoteten Sex. Roscius aufzugeben (sie 
vacua zii machen) und dem Sohue zn iibertragen (tradere). Im 
Augenblick des Erwerbs ist die Sache, die in Besitz genommen 
werden soll, ohne Besitzer (vacua). Chrysog. wollte nicht nur 
seinen Besitz aufgeben, sondern dem Sex. Roscius die " paterna 
praedia ganz frei von allem auch anderweitigen Besitz, etwa 
des T. Roscius Capito, tradiren. L)igg- XIX, 1, 2 § 1 ,vacua 
possessio emtori tradita non intellegitur, si alius in ea legatorum 
fideive comraissorum servandorum causa in possessione est, ant 
creditores bona possideant'. Vacuam possessionem tradere 
und ahnliches kommt nicht nur haufig in den juristischen Quellen, 
besonders in der Hauptquelle, den Pandekten, vor, sonderu auch 
nicht selten bei Cicero und andern Schriftstelleru, s. Cic. p. TuII. 
§ 17, de orat. III § 122, Cornif. IV § 40, Liv. 30, 28" Osen- 
briiggen. — appromitteret] dna^ elQtjfjo. „Dazu versprechen" d. h. 
er verstarkte das Versprechen des Chrysogonus, denn dieser hatte 
allein zu leisten ; dah. heisst es auch ,id ita futurum'. Dagegen 
hat das Substantivum appromissor in der Juristensprache eine 
engere technische Bedeutung, cf. Ulpian. XLV, tit. 3 , I. 53 ; die 
Note bei Paul. ap. Festus p. 15 M. ,adpromissor est, qui, 
quod suo nomine promisit, idem pro altero quoque promittit' ist 
in dieser Form offenbar falsch, Festus konnte, wie Miiller richtig 
bemerkt, nur geschrieben haben : ,adprom. est, qui, quod alter 
promisit, idem pro eo suo nomine quoque promittit'. — re iuorata] 



Kapitel IX § 26. 185 

Die Stellen, an denen Cic. das Verbum orare in selner Grund- 
bedeutung = agere, dicere gebraucht (cf. Festus p. 198 M. 
,orare antiquos dixisse pro agere, testimonio sunt . . . ora- 
tores, qui nunc quidem legati, tuuc vero oratores etc), 
sind folgende 1) in der Formel causam orare p. Quinct. § 43 
und Brut. § 47; 2) in der Formel litem orare Orat. II, 43 
und Offic. III, 43; 3) de leg. III, 11 „in den dort von Cicero 
entworfenen ar cliais ier en den Mustergesetzeu" loco senator 
et modo orato, was § 40 crklart wird mit ut loco dicat, id 
est rogatus; ut modo, ne sit infinitus ; 4) p. red. in sen. § 1 
complecti orando; 5) an unserer Stelle in der archaiscben 
Formel re inorata, wo Cic. seine Zuhorer jedenfalls an einen 
Vers des von ihm vielgelesenen und citierten Ennius eriunern will: 
jincerta re atque inorata' (fragm. trag. 4 R.). „Bemerkens- 
wert ist, dass sicb bei Cic. oder andern vorcbristlichen Autoren 
[Ambros. ep. 6 n. 1 inoratam causam] nicht auch einmal ein 
inorata causa findet, welches als Seitenstiick zu causam orare 
zu erwarten ware; aber nur indicta causa kommt vor" Heer- 
degen in seiner sorgfaltigen Studie Uber das Verbum ,orare*, 
III. Heft der seraasiol. Unters. p. 39. — priiuo reiu differre . . istl 
COeperUttt] Uusere Stelle ist eine Probe dafiir, wie man friiher mit 
dem Text umging aus Unkenntnis des lat. Sprachgebi*auchs. Biichner 
klammerte coeperunt ein ,iure suspectum co ep er un t Weiskio; 
nos uncis inclusimus, cum procul dubio glossatori debeatur'. Beide 
nahmen an coeperunt Anstoss, weil es nach dem vorausgehen- 
den primo iiberfliissig erschien und sie den Cic. lieber im Infini- 
tivus historicus sprecheu lassen wollten. Allein dass dieser Pleo- 
nasmiTs bei Cic. und andern Autoren geradezu beliebt ist, be- 
weisen uns folgende Stellen: Verr. 11,55 primo neglegere coepit 
et contemnere, deinde etc. ; ibid. V, 178 cum primo agere 
coepimus; Catil. III, 12 cum primo impudenter respondere 
coepisset, ad extremum nihil . . . negavit; Cluent. § 69 
primo gravari coepit; cf. noch Quinct. 46, Cluent. 66, Qu. 
Rosc. 48 initio coepit (vgl. Thielmann , Stil. Bem. p. 205). 
Aus Sallust fiihre icb eine der unsrigen sehr ahnlicbe Stelle an 
Cat. 51, 29 ,ei primo coepere pessumum quemque necare; 
. . . Post ubi paulatim licentia crevit, iuxta bonos et malos 
lubidinose interficere'. Gegen Weiske und Biichner sprach Orelli 
,in oratorem . . . infinitivos historicos ex mera coniectura invehi 
vix licet^ Wenn wir weiter nichts zur Verteidigung des verdach- 
tigten ,C()eperunt' vorzubringen wiissten, ware es freilich bald um 

13* 



186 Kapitel X § 27. 

seine Existenz geschehen , denu auch in dei* § 111 wiederholten 
Schildernng der Gesandtschaft steht ja der Infinitivus historicus 
und Verr. IV § 66 deckt sich geradezu mit der unsrigen, wenn 
man ,coeperuut' weglasst, ,rex primo nihil metuere, nihil 
suspicarij dies unus, alter, plures; non referri, Tum mittit 
si videatur, iit reddat. lubet iste posterius ad se reverti. Mirum 
illi videri; mittit iterum; uon redditur' etc. Man vgl. end- 
lich auch Tacit. Agric. 42 ,ac primo occultius quietem et 
otium laudare, mox operam suam in approbanda excusatione 
offerre, postremo non iam obscuri (= licentius) suadentes 
simul terrentesque pertraxere ad Domitianum'. Ueber den Unter- 
schied von primo und primum handelt Krebs-Allgayer p. 920. — 
aliqiiauto liceiltius| Ueber diese kritisch unsichere Stelle s. d. krit. 
Anhang; ,lentius', was die codd. bieten, findet sich als Ad- 
verbium sonst an keiner Stelle in den Reden, das Adjektiv ,len- 
tus' nur Cat. II, 21; ebenso findet sich das von Fleckeisen und 
auch von mir aufgenommene licentius nur noch Cael. § 57. 
Dagegen wlirde dem ciceronischen Sprachgebrauch am ent- 
sprechendsten ,p etulan tius' sein, das auch palaeographisch keiue 
Schwierigkeiten macht. Das Adverbium petulanter fiudet sich 
in den Reden 6mal. 

Kapitel X. 

27. De auiicorum cognatorumqiie seutentia] Cf. Verr. II, 91 de arai- 

corum hospitumque suurum sententia Thermis Sthenius Romam 
profugit. Es war Sitte der Romer fur alle wichtigeren Ange- 
legenheiten im Interesse der Eamilie z. B. bei Anwendung der 
patria potestas gegen den Sohn oder bei Eheschliessungen (cf. 
Val. Max. II, 9, 2 quod quam virginem in matrimonium duxerat, 
repudiasset nullo amicorum consilio adhibito, Rein rom. 
Privatr. p. 415. 483) ein consilium cognatorura (pro- 
pinquorum) et amicorum zu berufen. Ebenso pflegte man 
in andern wichtigen Fallen (ausserhalb der Familie) den Kreis 
der Freunde zur Beratschlagung zu berufen. „Solche Privatcon- 
silia der amici waren sehr allgemein und die Bedeutung der 
amici ist in solchen Fallen die der Zeugen (z. B. bei der 
manmnissio inter amicos) ; Bekannte und Freunde wurden zu 
solchen aussergerichtlichen Zeugnissen aufgefordert", Osenbriiggen 
in der Miloniana p. 114. — Zwischen de und ex sententia 
besteht kein Unterschied der Bedeutung in diesen Formeln, doch 
scheint der Usus dahingegangen zu sein, dass man mit Vorliebe 



Kapitel X § 27. 187 

de amicorum (Gaeciu. 20, ib. 95, Clueut. 176, ib. 184), d e 
am. coguatorumque (a. u, St.), de am. et propinquorum 
Verr. II, 41, de am. hospitumque (Verr. II, 91) sententia 
sagte und ebenso de consilii sententia („d. h. nach dem 
Gutachten des Beirats von Sachverstandigen und Rechtskundigen"), 
wie Cic. immer in den Reden, ep. Attic. 16, 16, 11; Brut. § 86. 
Dagegen gebrauchte man sowohl die Formel ex senatus sen- 
tentia dom. 102, Balb. 19, Phil. I, 12; als de senatus sen- 
tentia Sest. 50, Balb. 55, de div. I § 4, doch nur ex senatus 
consulto (Mommsen im Hermes I, 431 A.). — ad Caeciliam, 
Nepotis sororem, Baliarici filiam] Ueber diese Aenderung nach § 147 
s. d. krit. Anhang. Uebrigens schlug schon Hotmann diese Ver- 
anderung vor, doch in umgekehrter Reihenfolge Caec, Baliar. fil., 
Nep. sor. Man nimmt jetzt allgemein an, dass Caecilia die Toch- 
ter des Qu. Caecilius Metellus Baliaricus war, welcher im Jahre 
123 als Consul die balearischen Inseln unterwarf. Ues Baliaricus 
Sohn war Qu. Caecilius Metellus Nepos, Consul des Jahres 98. 
,Et haec ipsa est Caecilia, cuius fides et religio tantum in civitate 
valuit, ut ex eius somnio Marsico bello templum Senatus sententia 
lunoni Sospitae restitutum fuerit'. Hotman. Die Sache erzahlt 
Cic. de div. I § 4, wo Caecilia ausdriicklich als Baliarici 
filia bezeichnet wird, vgl. § 99 Caeciliae Qu. filiae somnio etc. — 
honoris causa] wie § 6. — iisiis erat plurimiim] ebenso ep. Att. 
16, 5, 3 Cn. Lucceius, qui multum utitur Bruto, Verr. I, 139 
quod eo sum usus plurimum; Planc. 25 quia huius parente 
semper pliirimum essem usus; gewohnlich ist ein Adverb hin- 
zugefiigt, wie familiariter Verr. IV § 43, valde familia- 
riter ep. fam. 1, 3, 1, fam iJ iar issime Cluent. §46. 61. 172, 
familiarius ibid. 175, intime Nep. Att. 5, 4. — omiies seiiiper] 
semper an zweiter Stelle wie § 24 multa simul, cf. Mil. § 30 
omnem semper vim; Or. II § 201 omnia me semper 
deprecatum. Doch finden sich auch Beispiele der uragekehrten 
Stellung, so Rosc. § 110 semper omnes aditus. Siehe auch 
zu § 91 multa saepe. — exempli causa] „um als Muster zu 
dienen", wie Cornif. IV § 65 ,huiusmodi notationes, quae descri- 
bunt quid consentaneum sit unius cuiusque naturae, vehementer 
habent magnam delectationem. Totam enim naturam cuiuspiam 
ponunt ante oculos aut ghjriosi, ut nos exempli causa coepera- 
mus' etc. Dass exempli causa fiir unser „zum Beispiel", in 
der klassischen Latinitat wenigstens, nur in vullstandigen Satzen 
von einem Verbum begleitet gefunden wird (Phil. XIII § 2 



188 Kapitel X § 27. 

exempli causa paucos nominavi) bemerken Krebs - Allgayer 
im Antib.^ p. 437 (wo auch iiber verbi causa oder gratia, 
exempli gratia gehandelt wird) und Seyffert - Miiller zu Lael. 
p. 276. — aiitiqui officii] Zur Bedeutung von antiquus vgl. 
§ 17. — tela et iniliae] beliebte Verbindung bei Cicero, cf. Sest. 
§ 53, p. red. in sen. § 7 (nec minac nec tela) ; eine andere ist 
vis et minae Phil. III, 23, Catil. II, 14, Sest. 101; cf. § 31 
minae et terrores. - desperato ab oninibus] Die Stelle fehlt 
bei Merguet s. v. desperare. — opitulata est] Unter den lat. Verbis 
des Helfens sind zwei mit entschieden viilgarem Anstrich, nam- 
lich suppetiari (suppetias ire) und auxiliari*). Beide 
tinden sich nur Imal bei Cicero, ersteres ep. Att. 14, 18, 2 (doch 
ist die Lesart nicht sicher), letzteres ep. fam. 5, 4, 2. Fiir 
auxiliari, das Wolfflin mit Kecht fiir einen Soldatenausdruck 
halt, gibt Krebs Antibarb. p 187 die Stellen, fiir suppetias 
ire (Plaut. Auctor bell. Afr. Apul. Arnob ) Kohler Act. Erlang. I 
p. 401 ft. , fiir suppetiari, das besonders bei Apuleius beliebt 
ist, Koziol Stil des Apul. 311. Ein drittes , seltenes Verbum ist 
opitulari. Dass es alt ist, beweist sein Vorkomraen bei Liv. 
Andr. trag. 20 als Activum ,opitula'^, Pacuv. trag. 287 und Plau- 
tus Curc. 332; Cas. 160; Ter. Andr. 210; Phorm. 786. Die da- 
von abgeleiteten Substantiva opitulatio und opitulatus be- 
gegnen uns erst bei deu Afrikanern Apuleius und Arnobius, 
bes. im Bibellatein (cf. Ronsch It. u. Vulg. p. 76, lexikal. Eigen- 
tiimlichkeiten des sog. Hegesippus p. 261 ff. ; opitulari steht in 
der Vulgata nur einmal, Deut. 32, 38; ebenso bei Orosius nur 
5, 19, 16), und wie wiirden sie, wie auch opitulator, fiir spa- 
tere vulgare Bildungen halten, wenn nicht im Exzerpt des Paulus 
aus Festus . p. 184 die kurze Notiz erhalten ware ,Opitulus 
Juppiter et Opitulator dictus est, quasi opis lator'. Wie mit 
einem Schlage erhellt sich uns dadurch der Zusammenhang des 
spaten Volkslatein mit dem archaischen, denu die sonst fiir ,opitu- 
lator^ bekannten Stellen sind Hier. in Jesai. 7, 17 § 10, Augustin. 
d. Nat. et Gratia 26 und 2 mal bei Apul. Gehen wir nun wicder 
zuriick zu opitulari, so hat es sich zwar nicht so vollig wie 
seine substantivischen Stammesbriider aus dera Sprachgebrauch ver- 
drangen lassen, doch erscheint es nur von Zeit zu Zeit auf der 



*) Auch subsidiari diirfte hieher zu rechnensein; es findet sich 
einmal bei Hirtius B. G. 8, 13, 3; vgl. Dosith. 61, 5 K.: ,sub8idior, 



Kapitel X § 28. 189 

Obe.rflficlie. In der Prosa trelifen wir es, wie viele andere 
archaische Wiirter, zuerst bei Cornif*. IV § 53. Diesem Umstand 
hat es wohl auch das Verbum zu verdanken, dass es von Cicero 
aufgenommen wurde und so eine kurze Bliitezeit erlebte : de 
invent. steht es 4mal: 1, 4. 2, 7. 112. 154. In den Reden be- 
gegnet es uns 7mal, so dass ihm Thielmann Stil. Bem. p. 219 
Unrecht thut^ wenn er aus den zwei Stellen, welche er anzugeben 
weiss, den „vorsichtigen" Gebrauch Cic.'s folgert; ausser an der 
unsrigeu Stelle findet es sich Verr. V, 50, Caecin. 36, Arch. 1, 
Rab. Post. 46, Milo 94, Marcell. 23. Aus den Briefen citiert 
Thielmann fam. 4, 13, 3. 12, 30, 4; endlich aus den philos. 
Schriften Off. I § 154, aber est steht auch schon ibid. § 49 ,ut 
quisque maxunie opis indigeat, ita ei potissimum opitulari'. 
Sallust hat das Wort (wie auxiliari nur lug. 24, 3) an einer 
cinzigen Stelle Cat. 33, 2. Kbenso vereinzelt taucht es in der 
spateren Latinitat auf bei Sueton (Tit. 8), Val. Max. (9, 14, 3), 
einmal bei Plin. N. h. nach Kraut „uber das vulgare Element in 
d. Spr. des Sallustius" p. 5, der noch bemerkt, dass es bei Caes. 
Nep. (doch fragm. XII § 2), Liv. Curt. Vell. Tac. Flor. Frontin. 
Eutrop. Aur. Vict. Veget. fehle Dass opitulari in der silbernen 
Latinitat ein fast verschollenes Verbum war, mag auch der Um- 
stand beweisen, dass Seneca in einem seiner Briefe, wo er eine 
Stelle aiis Ciceros Hortensius dem Sinne nach mit seinen Worten 
wiedei'gibt, nur dieses Verbum als hier von Cic. gebraucht in 
eigentumlicher Weise hervorhebt: ep. 17, 2 ,necdum scis, quantum 
utique nos adiuvet (philosophia), quem ad modum et in maximis, 
ut Ciceronis utar verbo, opituletur et in minima descendat^ — 
iii reos . . . referreturj cf. z. § 8. Der Ausdruck ist brachylogisch 
fiir in reorum album luid in p r os cr ip tor um tabulas. 

Coiisilliim pleuiiiu sceleris et audaciae] Cf. p. Cael. § 51 plenum § 28. 
sceleris consilium, pleuum audaciae. Ueber diese Um- 
schreibung des Substantivs mit plenus als stellvertretendes Ad- 
jektiv handelt Nagelsb. Stil. " p. 212, wo er mit Recht bemerkt, 
dass die bekannte Regel, dass Adjektiva, welche nach ihrer eigent- 
lichen Bedeutung nur Eigenschaften lebender Wesen bezeichnen, 
nicht zu leblosen Gegenstanden gesetzt werden sollen, in dieser 
Allgemeinheit nicht richtig sei. Man vgl. fiir consilium nur 
Stellen wie p. Quinct. § 81 hoc consilium . . tara cupidum, 
tam audax, tara temerarium; Verr. V, § 101 consilium capit 
primo stultum, verum taraen clemeus; ep. Att. 10, 8, 2 con- 
silium istud tuuc esset prudens. Mehr Beispiele gibt Krebs 



190 Kapitel X § 29. 

Antib.5 p. 276. Scelus et audacia stand auch schon § 12 
und 17, vgl. auch ep. Qu. fr. 1, 2, 14. — ut deferrent] epexege- 
tisch. wie § 77. 136, ne § 145. — ad eaiii rem] „zu dem Be- 
hufe"; iiber die traductio von res s. z. § 5. — veterem] Zur Be- 
deutung vgl. § 17. — denique] ohne vorhergehende Partikeln wie 
p. Mil. § 100, fin. V § 7. — crimine] d. h. sie konnten eine 
wirkliche, begrlindete Beschuldigung nicht vorbriugen, deshalb 
bauten sie lediglich auf die damals fiir sie giinstigen Zeitverhalt- 
nisse (,tempore ipso pugnarent') ; zur Stelle vgl. Verr. act. prim. 
§ 8 ,ut quoniam criminum vim subterfugere nullo modo poterat, 
procellam teraporis devitaret'. — ita loqiii homines] cf. Wetzel 1. 1. 
p. 43 ,Infinitivum historicum consecutioneni habere praeteritorum 
apparet ex loco p. R. A.'; Verr. act. prim. § 20 sagt Cic. ,etiam 
sic ratiocinabantui', sic honestissimi homines 1 oqueban tur'. Der 
Infin. historicus, der zur Schihlerung von rasch aufeinanderfolgen- 
den Handlungen dient, tritt zu allen Zeiten gewbhnlich in gros- 
serer Anzahl, selten vereinzelt auf (bei Apuleius ilber 12), vgl. 
§ 110 u. R. Fiir den vereinzelten Inf. hist. vgl. noch Verr. 
I § 66 instare Rubrius, ib. §67 iste cupere evolare, siposset; 
ep. Att. 2, 12, 2 ego negare, ib. 14, 19, 1 ille exilium medi- 
tari. Auch bei Livius finden sicli solche vereinzelte Infinitivi 
hist., vgl. Weissenborn zu 35, 49, 1. — de bonorum venditione . . 
neminem] vgL die ganz ahnlichen Worte § 58; ebenso fiir patro- 
nos defutixros § 30. Cic. war der Verteidiger des Roscius, 
der patronus causae; patroni im weiteren Sinne sind „Rechts- 
beistande", d. h. hochangesehene Preunde der Familie, die durch 
ihr Erscheinen allein die Sache des Angeklagten unterstiitzen ; 
freilich scheinen nicht alle — propter iniquitatem temporis — ge- 
kommen zu sein. — uullo negotio] s. z. § 20. — fore ut . . toUe- 
retur] Der Infin. Futur ist auch oft bei s^olchen Verbis umschrieben, 
welche den Infin. Fut. bilden kbnnen, vgl. Neue II ^ p. 384. 
29. Hoc consilio atque adeo hac ameiitia| Cf. Verr. III, 173 ,quae est 

ergo ista ratio aut quae potius ista amentia frumentum 
improbare id, quod' etc, ibid. IV, 40 ,hanc excogitat rationem, 
si haec ratio potius ([uam amentia nominanda est'. — cum 
cuperent] Cic. sagt ebenso haufig — und zwar immer einge- 
schaltet — ,cum cuperent' als ,si cuperent', vgL § 91 i;nd 
damit Verr. I § 46 ,ut . . proficisci cum cuperet Dolabella 
non posset'. Selten sind Wendungen wie si maxime cupias div. 
Caec. 29 oder ne si cupiam quidem possumPi.s.68. — occidere... 
iug;ulandum] Dieselbe variatio wie § 32. Ueber iugulare s. z. § 13. 



Kapitel XI § 30. 191 

Kapitel XI. 

Wie vor der Narratio eine kleine Einlage eingeschaltet wurde 
{rcQoixd-ijaig , s. z. § 13), um in knappen Satzen das Verlialtnis 
des Angeklagten und seiner Anklager einander gegenliberzustellen, 
so liebt die Rhetorik, auch vor der Partitio eine kleine Ab- 
schweifung (egressio, TxaQSxSc^Jig), die fur den vorliegenden Fall 
von Nutzen ist, einzuschieben, sei es nun die Beschreibung einer 
Gegend, oder die Mitteilung einer interessanten Fabel, oder die 
Erzahlung eines historischen Ereignisses , wie hier (in cap. 12); 
vgl. Quintil. 4, 3, 14 ,7TaQ£x^a(ng est . . alicuius rei , sed ad 
utilitatem causae pertinentis , extra ordinem excurrens tractatio'. 
Dieser Erzahlung schickt Cicero ein wirkungsvolles Resume der 
Sachlage voraus. Man vergleiche auch den Uebergang der 
Proekthesis zur Narratio mit dem der Egressio zur Partitio (§ 14 
atque ut facilius intellegere possitis etc. = § 34 ita facil- 
lime . . intellegetis). 

Quid primum querar] Figur der dubitatio, dnoQia, diarto- 
QricTig, cf. Quintil. 9, 2, 19 ,adfert aliquam iidem veritatis et 
dubitatio, cum simulamus quaerere nos, unde incipiendum, 
ubi desinendum, quid potissimum dicendum, an omnino dicen- 
dum sit'; J. Straub, De tropis et liguris quae inveniuntur in 
orationibus Demosthenis et Ciceronis, G. Pr. Aschaffenburg, 1883, 
p. 99 f. Beispiele sind Verr. V § 83 quid primum aut ac- 
cusem, aut querar? Ter. Eun. 1044 quid commemorem pri- 
mum aut laudem maxumeV iHumne qui mihi dedit consilium 
ut facerem, an me qui ausus siem incipere? An u. St. sind die 
Fragen anaphorisch an einandor gereiht ohne Gegensatz, s. 
Kiihuer ausf. Gramm. II p. 1003. — unde ordiar] cf. fragm. B. 
VII, 17 unde igitur ordiarV ebenso Tuscul. II § 42, ib. V, 
§ 37 unde igitur ordiri rectius possumus? 

Pater occisus uefarie: domus obsessa ab iuimicis] Ueber die hier § 30. 
von Cicero verletzte Koncinnitat (u e f ar ie — ab inimicis) macht 
eine Bemerkung Kvihnast liv. Synt. 2. Aufl. p. 328, N. 193; cf. 
Cat. 3, 1, 2 ignes circumdatos restinximus . . gladios 
destrictos rettudimus — mucrones a iugulis vestris deiecimus. 
— iufesta] „gefahrdet, bedroht", cf. Gell. 9, 12, 1 ,infestus' anci- 
piti significatione est. Nam et is ,infestus' appellatur^ qui malum 
infert cuipiam, et contra, cui aliunde impendet malum , is quoque 
,infestas' dicitur. Gellius vergleicht fur diese passive Bedeutung 
noch die Adjektiva formidulosus, invidiosus , suspiciosus, ambi- 
tiosus, gratiosus, laboriosus und fuhrt als Beleg an Cic. p. Planc. 



102 Kapitel XI § 30. 

§ 1 dolebain iudices et acerbe ferebam , si huius salus ob eam 
ipsam causam esset infestior etc. : vgl. noch Rab. 10 qui vestram 
libertatem non acerbitate suppliciorum infestam . . esse volue- 
runt, prov. cons. 4 ut via ilUi nostra excux'sionibus barbarorum 
sit infesta; Philipp. XII, 25 itineri tam infesto tamque peri- 
culoso; Cael. § 10 illud tempus, quod aliorum libidine in- 
festum est; Liv. 24, 8, 16; 26, 46, 1. ~ abesse videtur] Eber- 
hard lect. p. 8 ,hexametri clausulam ne in extremo qiiidem ora- 
tionis membro Ciceronem tam anxie vitasse, ut indicativus in 
coni. videantur, qui quidem frequentior in tali re adhibetur, 
mutandus sit, post Garatonium Heindorf ad 1. de n. d. p. 114, 
Zumpt ad Verr. p. 66, Madvig ad 1. de iin. p. 485 observave- 
runt. Velut in hac oratione leguntur 71 nonne videntur, 128 re- 
cessisse videtur. Verr. IV, 47 egisse videtur, 71 fuisse putatis 
cett'. — aliis liefariis] Zum substantivischeu Gebrauch von nefaria 
vgl. Nagelsb. Stil. '^ p. 84; noch Verr. IV §60 omnia nefaria, 
Offic. II § 28 multa nefaria, im Singular Liv. 9, 34, 19 eo 
nefario. Unserer Stelle ahnlich ist Catil. I, 14 nonne etiam 
alio incredibili scelere hoc scelus curaulasti? — adaugeilt] In der 
rom. Volkssprache finden wir zahlreiche Verba, die mit den 
Prapositionen con, ad, de zusammengesetzt, aber in ihrer Be- 
deutung durchaus nicht vom Siraplex verschieden sind , so dass 
in ihnen die Kraft der Praposition vijllig erloschen ist. Eine 
reiche Sammlung bietet Lorenz in der Einleitung zum Pseudulus 
Anm. 36. Die aus Cicero , bes. in deu Briefen , hiehergehbrigen 
Verba habe ich gesammelt in meinen Bemerkungen zum sermo 
cotid. in den Briefen Cic.'s p. 321. In unserer Rede treflPen wir 
zwei derartige Verba, namlich adaugere a. u. St. und con- 
credere § 113. Die Stellen fur adaugere (und exaugere) 
aus Plautus und Terenz zahlen auf Kijhler 1. 1. p. 382 und 
Thielmanu Cornif. p. 7. Cicero scheint aus der LektUre des 
Cornificius sich adaugere angeeignet zu haben, wahrend er das 
bei ebendemselben vorkommende exaugere verschmahte. Das 
Medium flir den Uebergang aus Cornif. in die ciceronische Dik- 
tion bildet auch hier die Schrift de inveutione. Nachdera er aber 
adaugere in dieser Schrift 4mal gebrauchte (I, 4. II, 55. 75. 101), 
findet es sich in allen seinen ubrigen Werken uur 3 mal, namlich 
R. A. § 30, post red. in sen. 36, Acad. post. I, 5, 21. Von andern 
Schriftstellern wird es ebenfalls nur vereinzelt gebraucht, so von 
Caesar b. civ. 3, 58; auct. b. Alex. 12, auct. b. Afr. 1, 5; Liv. 
10, 23, 6; Vitruvius 6mal. — pecuuia comparant] Cic. pro Clueut. 



Kapitel XI § 30. 193 

§ 18 ,boc enim ipsum iudicium, lioc periculum, illa accusatio, 
omnis testium copia, quae futura est^ a matre iuitio est adornata, 
a matre hoc tempore instruitur, atque omnibus eius opibus et 
copiis comparatur'. Osenbriiggen bemerkt biezu: „Es war die 
Sacbe der Parteien sicb die Beweise zu verscbaffen und die 
Zeugen zu stellen , daraus crklaren sicb die Ausdriicke testes 
parare, comparare, dare, exbibere, producere, pro- 
ferre, co nst i tuer e". — optet] „wable", cf. Plaut. Rud. 852 
opta ocius, Rapin' te obtorto collo mavis an trabi : Utrum 
vis opta^ dum licet. Fiir optio „Wabl" vgl. bei Oic. die 
Redensarten optionem dare und optionem facere; ersteres 
Quinct. § 32; Oaecin. 64 mihi opt. detur^ utrum malim defen- 
dere etc; fragra. B II, 14 optio vobis datur, utrum veli- 
tis etc. ; letzteres div. Caec. § 45 quotiens ille tibi potestatem 
optionemque facturus sit, ut eligas, utrum velis, factum esse 
necne. Vgl. bieriiber aucb Krebs Antib. s. v. optio. — cervices 
dare] „sicb niederstossen lassen will". Aus Cod. IX, 19, 4 (Oor- 
nelia de veneficis, sicariis, parricidis) wissen wir, dass Sulla 
in seinem Gesetze der Vatermorder bes. Erwahnung gethan, uud 
aus unserer Stelle bat rnan geschlossen, dass diese Erwahnung 
darin bestand, dass Sulla fiir parricidae eine bartere Strafe fest- 
setzte, als fiir gewobnliche Morder, namlich die althergebrachte 
Einsackung. Diese Ansicht hat Zumpt das Kriminalrecht d. rom. 
Rep. II, 2, 53 verworfeu. Da namlicb Suet. Aug. 83 erwabnt 
ist, dass nur gestandige parricidae eingesackt wurden, damals aber 
die lex Pompeia de parricidis galt , welcbe beziiglicb der Strafe 
die Bestimmungen der lex Oornelia beriibergenommen babe, so 
glaubt Zumpt, dass Sulla in seinem Gesetze die Strafe der Ein- 
sackung auf die gestandigen oder auf der Tbat ertappten Vater- 
morder beschrankt habe. Er fasst deswegen a. u. St. cervices 
dare auf = den Mord leugneu und sich vom Schwurgericht zur 
Verbannung verurteilen lassen und i n s u t u s i u c u 1 1 e n m = 
deu Mord eingesteben und gesackt werden. Dass diese Auffass- 
ung unmoglich ist, beweist allein der Urastand, dass der Ange- 
klagte auch im zweiten Falle , wenn er namlich den Mord ein- 
gestande, dem Roscius,cervices dare' wiirde. S.Fritzscbe Sullan. Ge- 
setzgebung p. 22. — Der Plural cervices war nacb Varr. 1. 1. 
8, 5, 14 berrschend bis auf Horteusius (doch mit Ausnahmen, s. 
Neue^ I p. 449), welcher zuerst cervix sagte. Oicero gebraucht 
konstant den Plural, auch wo, wie bier, nur von einer Person 
die Rede ist, Ebenso Sallust ; dagegen gebraucht Livius von 



194 Kapitel XI § 31. 

einein Menschen (ocler Thier) den Singular, von einer Mehrheit 
steht cervices, bes. auch im libertragenen Sinne, wozu zu vgl. die 
Bemerkung des Servius zu Verg. Aen. 2, 707: ,cervix cum 
numero singulari dicitur, coHum significat; si plurali utamur, 
superbiam ostendimus, ut in Verrinis (V § 110) irange 
cervices'. Quintilian wendet ausschliesslich den Singular an (vgl. 
die namliche Vorschrift fUr den Kedner bei Cic. Or. § 59 ,nulla 
mollitia cervicum' und Quintil. 11, 3, 82 ,cervicem rectam 
oportet esse'), wie denn dieser Numerus in der silbernen Latinitat 
uberhaupt der gebrauchlichere ist. Die Redensart cervices dare 
findet sich bei Cic. noch Sest. 89, Phil. V, 42; XU, 15; cf. Tac. 
Ann. I, 53 cervices obtulit; die gleichbedeutende iugulum 
dare Mil. §31; daiugulum Tuscul. II §33, ein Ausdruck 
der Fechtersprache wie ferrum recipe, s. z. § 33. — T. Ros- 
cio] dem ,vetus gladiator' Magnus, der anwesend war. — insutus 
in culleuui] s. z. § 70. Lactantius spielt div. inst. 3, 14, 9 (und 
5, 9, 16) auf unsere Stelle an : ,nos ergo, M. Tulli, parricidae 
sumus, et insuendi te iudice in culleum, qui philosophiam 
negamus parentem esse vitae?' Ueber diesen - tropischen Ge- 
brauch von parricida bes. vom proditor patriae siehe 
Osenbrliggen - Wirz zu Cic. Mil. § 17. — profecto] Gegen 
Anton, Studien II p. 6 und 12 fgg., Wichert, Stilistik p. 36 
u. a. , die profecto als Versicherungspartikel ansehen , weudet 
sich C. F. W. Muller im Komment. zum Laelius (2. Aufl. 
p. 14) mit Recht. „Es bekraftigt nie das Gesagte, sondern be- 
zeichnet im Gegenteil wie im Deutschen „jedenfalls, sicherlich, 
bestimmt", besouders ^gewiss", dass der Redende die Sache nur 
als seine personliche Ueberzeugung oder sehr wahrscheinliche 
Vermutung hinstellen will", z. B. Nat. deor. II, § 78 si dii sunt, 
ut profecto sunt, heisst uicht „wie es wirklich" oder „wahr- 
lich welche gibt", sondern „sicherlich"; d. h. „meiner festen 
Ueberzeugung nach". 
§ 31. Quouiaiu quideni] quoniam quidem = quando quidem findet 

sich bei Cicero an folgenden Stellen: Verr. I § 60, Font. 21, Flacc. 
68, Pis. 63, de dom. 69. 110, Phil. II, 101, fragm. Or. A. XV, 
4 M., Brut. 42, Or. II, 122, Top. 95, Part. or. 89, Tuscul. III, 
66 (V, 117), Rep. III, 45, Leg. III, 1, Parad. 41, ep. Att. II, 
1, 3. Bei Sallust nur Cat. 31, 9. Ueber die adversative 
Kraft des quidem a. u. St. s. Reisig Vorl. p. 454, Njigelsbach 
Stil. § 195c, Kiilmer latein. Gramm. II p. 605. — semel| Wie 
wir ini Deutschen sagen ,da doch einmal', so tritt auch im 



Kapitel XI § 31. 195 

Latein. semel in abgeschwachter Numeralbedeutiing zii quo- 
niam, quando, quando quidem, ut, si, ciam, ubi; so 
quoniam semel Lucret. I, 569; Cic. Phil. XII, 18, Orat. II 
§ 121, ep. Att. 14, 13, 6, Liv. 40, 13, 7, Lactant. Inst. div. 6, 1, 7; 
q u a n d s e m e 1 Liv. 10, 14, 8; quando quidem semel 
Plaut. Mere. 619; ut semel (= ubi s.) Turpil. 161 R., Lucrez 
I, 1030, Cic. Brut. § 51, ep. Att. 1, 19, 6, Caes. B. G. 1, 31, 
12; Liv. 9, 39, 10; si semel Plaut. Truc. 1, 1, 22, Mil. gl. 
700. 916, Ter. Heaut. 478, Cic. fin. I § 22, Liv. 5, 20, 5-, cum 
semel (= ut, si) Cornel. Att. 15, 2, Verg. Aen. 12, 208; ubi 
semel Ter. Heaut. 208. 392. — herculesj Ueber die Beteuer- 
ungsformeln ,hercules, hercule, hercle, mehercules, mehercule' bci 
Cicero handelt Helhnuth act. Erh I p. 121 ff . ; Schmalz, Asin. 
Poll. p. 83. Hercules findet sich nur hier und Phil. XII, 4 
in den Reden ; ausserdem noch Brut. § 62; s. z. § 58. Zur Stelle 
vgl. Verr. III § 145 ,licet hercle (al. lect. hercules) omnes 
omnia dicant' und zu § 130 der Rosc. multa multos. — iniuae 
et terrores periculaque] Ueber die verschiedenen Lesarten an d. St. 
s. d. krit. Anh. Die Verbindung minae et terrores ist eine 
stehende der latein. Sprache, bes. haufig bei Cicero; cf. Mur. 
§ 43 accusandi terrores et minae sunt fortis viri , Font. 33 
ii vagantur . . . toto foro cixm quibusdam minis et barbaro 
atque immani terrore verborum, ib. § 34 ne . . . eorum minis 
et terrore commoti esse videremini; dom. 131 cum absentis 
exercitus terrore et minis . . . servitute oppressam civitatem 
teneres; Flacc. 19 nihil praeter . . . terrorem ac minas re- 
perietis; leg. agr. II § 40 terrorem damnationis et minas 
non quanti volet aestimabit? har. resp. § 2 se ex curia repente 
proripuit cum quibusdam inanibus minis et cum illius Pisoniani 
temporis terroribus. Auch die Verba finden sich verbunden, 
so in der Rosciana § 117 terret ac minatur, Flacc. § 36 
terrenti ac minanti. Aus der spateren Latinitat citiere ich 
Liv. 3, 9, 6 ut nihil relictum minarum atque terroris sit; 
Tacit. Annal. 1, 29 negat se terrore etminis vinci; Valer. 
Max. 5, 4, 3 minis ac terrore compulsus; aus der spatesten 
Oros. Hist. VI, 18, 28 terrore minis ac superbia vindicantem, 
Passio VII Martyr. hinter Vict. Vit. ed. H. p. 61, 12 neque for- 
midetis minas atque terrores praesentium tribulationum; aus 
der mittelalterlichen libell. de Constant. p. 23, 25 ipsam minis 
et terroribus coartante. Auch das Substantiv periculum ver- 
bindet sich gern mit minae, cf. p. Quinct. § 47 minae iactenturj 



190 Kapitel XI § 31. 

p er i cii 1 a intendantur, f o r m i d i n e s (= terrores) oppoiiantur (vgl. 
Einleitung p. 126), Verr. II, 156 omnium rainas atque omnia peri- 
cula prae salute sua levia duxerint; Rutil. Lup. I § 15 non vereri 
periculum . . non minas extimescere. Was endlicli Eberhard 
p. 9 gegen die handschriftl. Lesart bemerkt ,minae non irapen- 
dent*, so ist darauf zu antworten, dass impendeant an unserer 
Stelle zunachst bei pericula steht, mit welchem Worte es am 
haufigsten bei Cic. verbunden erscheint. Es findet sich aber auch 
terror impendet, so Tuscul. V, 62 cui semper aliqui terror 
impendeat, Phil. V, 37 quantus rei publicae terror impen- 
deret und leg. agr. I, 9 quid putatis impendere . . terroris 
et mali? (Dagegen terror imminet — die halmsche Lesart — an 
keiner Stelle). Haben wir endlich aus den zahlreichen oben 
angefuhrten Stellen die Haufigkeit der Verbindung von terror 
mit minae ersehen, so kann fiir uns das Verbum impendere 
keinen Anstoss erregen , zumal es zunachst zu ,pericula* ge- 
hort. — succurram atque subibo] FUr das ungewbhnliche ,succurram* 
sagt Cic. Sest. § 46 ,suscipere' : ,depugnarem potius . . . quam id 
quod omnibus impendebat, unus pro omnibus susciperem ac 
subirem'; ebenso Cornif. IV § 55. — certum est deliberalumque] 
„ich bin fest entschlossen". Die Formel certum est findet sich 
haufig bei den rbmischen Komikern (s, Holtze II p. 28, Spengel 
zu Ter. Andr. 209, meine Abhdlg. de Cic. eloc. p. 23) neben 
certa res est (Brix zu Plaut. Trin. 270) und zwar fehlt der 
zu erganzende Dativ mihi hier gewbhnlich. Cicero ahmt also 
den Sprachgebrauch der Komiker und wohl auch den der Volks- 
sprache nach (vgl. auct. bell. Afr. 44, 4), wenn er an unserer 
Stelle und § 83 das Pronomen weglasst. Dagegen irrt Tischer 
(Zeitschr. f. d. Gymnasialw. 13. Jahrg. S. 935), wenn er daraus 
schliesst, dass dies ,plerumque' bei Cicero der Fall sei ; vgl. Vorr. 
act. pr. § 53 mihi certum est, ebenso Caecin. 24, Cluent. 1, 
^ Orat. II, 144. Fiir die Briefe, in denen Cic. sich auch in dieser 
Wendung des Komparativs (ep. Att. 1, 8, 3 mi autem abiurare 
certius est quam dependere) und des Superlativs (ibid. 10, 1, 3 
cum illi certissimum sit exspoliare exercitu Pompeium) be- 
dient vgl. Stinner 1. 1. p. 49. — Die Verbindung certum est 
deliberatumque findet sich ausser an unserer St. nur noch 
bei dem Komiker Turpil. 180 R.; deliberatum est sagt Cic. 
noch Rosc. Com. §44 si tibi d. est und ep. Att. 15, 5, 3 mihi 
d. est wie Afran. 274 R. ; ahnliche Wendungen sind decretum 
est bei Plautus Mil. g4. 77 u. b,; iudicatum est ep. fam. 7, 
33, 2; doliberatum et constitutum est leg. agr. I, 25, 



Kapitel XI § 32. 107 

del. et statutum Verr. III, 95 (cf. ibid. I, 1 quod iste sta- 
tuerat ac d eli b eraver at). Flir Livius vgl. 2, 15, 5 cer- 
tum atque obstinatum est u. daz. M. Miiller, ib. c. 45, 13 
certum atque decretum est uon dare signum ete. — uoil 
inodo dicere, Terinu etiam libenter . . . dicere] Vgl. div. in Caec. 39 ,non 
solum audiaut, verum etiam libenter studioseque audiant'; doch 
hat an u. St. libenter die seltene Bedeutung „nach freiem Be- 
lieben, ungenicrt'*; ebenso Mil. § 78 ,non timeo, ne . . . liben- 
tius (mehr uach Herzenslust) haec in illum evomere videar quam 
verius', Parad. 5, 1 ,qui nihil dicit, nihil facit, nihil cogitat deni- 
que, nisi libenter ac libere'; Hor. sat. 1, 3, 63 ,qualem me 
saepe libenter obtulerim tibi Maecenas^ — vini adhibere] findet 
sich in den Reden ziemlich haufig neben vim adferre; adhi- 
bere ganz parallel mit adferre^Or. 3 § 50 ut oratio, quae 
luraen adhibere rebus debet, et obscuritatem et tenebras ad- 
ferat; liber die Strukturen von adhibere handelt Nagelsbach 
Stil.7 p. 357 ff. 

Dissoiuto] d. ist Synonymum von neglegens, mit dem es §32. 
oft verbunden erscheint, bezeichnet aber, wie Halm bemerkt, einen 
hoheren Grad der neglegentia : „zerfahren, 1 ei cht sinnig" ; 
vgl. p. Quiuct. 38 ,quis tam dissolutus in re familiari fuisset, quis 
tam neglegens'? Verr. III, 143 ,dissoIutior in iudicando, 
legum, ofticii . . . n eglegen t i or', ib. § 162 ,quoniam pater tam 
neglegens ac dissolutus est', ib. IV § 115 ,nunc vero in 
communi omnium gentium religione inque eis sacris . . neglegen- 
tes ac dissoluti esse qui possumus'? — patrem meiim etc.] Cic. 
bedient sich hier und § 145 der wirksamen Figur der nQOOoono- 
noucc , fictio personarum; vgl. Quintil. 9, 2, 29 ,mire cum 
variant (sc. fictiones pers.) orationem tum excitant^ Dem ,quid 
vultis ainplius' a. u. St. entspricht § 145 ,quid vis am- 
plius'. — iugulastis, occisum] Ueber diesen Sprachgebrauch ist 
sowohl in den grosseren VVerken iiber latein. Grammatik und 
Stilistik als in den Kommentaren zu lat. Autoren sehr wenig zu 
finden. Kiihner z. B. in der ausfiihrlichen Grammatik II p. 588 
gibt nur einige wenige Beispiele aus Casar und Livius. Wie in 
vielen andern Punkten, ist es auch hier Haase, der in einer Note 
zu Keisig p. 754 zuerst diesen Gebrauch im Zusammenhang er- 
lauterte und beleuchtete. In umfassenderer Weise hat dann 
Fritzsche im Kommentar zu Hor. sat. II, 3, 104 iiber diese 
Wiederholung des Verbums im Particip gehandelt. Mit Recht 
geht derselbe zuriick auf Hom. II. I, 595 cog (faxo, (i€idT}(T€v 
di &ia XevxmXevog 'Hqi^, MetdrirTafTa J^ nuiduq idt^^uto 



198 Kapitel XI § 32. 

XSiQt xvneXXov , wo H. mit epischer Breite durcli die Wieder- 
holung V. fieid. das Lachcln der Gottin ausmalt. Ebenso bei 
Plato im gemiltlichen Gesprache, so Phaed. p. 114 A i [ineffsiv- 
ifjkn €<t6 VT ag 6e, xaXovcn-xaXeo avreg de; auch attische 
Dichter (s. Schneidewin zu Soph. Oed. tyr. 60. 1191) und griech. 
Redner bedienen sich dieser Wendung. Ja bei diesen war sie 
sogar, wenn sie in mehreren Gliedern fortgesetzt war, ein Gegen- 
stand rhetorischer Kunst und fiihrte als Figur den Namen Epi- 
ploce, vgl. Rutil. Lup. 1, 13 ,quem ad modum catenam multi 
inter se circuli coniuncti vinciunt, sic huius schematis ixtilitatem 
complures sententiae inter se conexae continent'. Als Beispiel 
ubersetzt er eine Stelle aus Lysias : ,constat igitur, iudices, Sirao- 
nem domo sua, ab suis dis penatibus, vi cum summa iniuria esse 
exturbatum. Nam Chaeremenes cum hominibus armatis ad eum 
venit. Cum venisset (= iXd^dav di) , sine ulla religione 
domum eius expugnavit: expugnata vi domo, familiam ab- 
strahit: abstractam tormentis omnibus excruciavit: cru- 
ciatam vinxit; vinctam in publicum proiecit praedo , ne 
suum maleficium tacitum lateret etc. , vgl. Coruif. I § 14. Mit 
einer Kette vergleicht auch Isidorus in seiner Rhetorik c. 21, 4 
(p. 517, 28 H.) diese Figur, fur welche er folgende Stelle 
citiert: (sic et apud Scipionem): Vi atque ingratis coactus cum 
illo sponsionem feci, facta sponsione ad iudicera ad- 
duxi, adductum primo coetu damnavi, daranatura ex vo- 
luntate diraisi (Verwandt damit sind die zu § 75 fUr die Climax 
beigebrachten Stellen). VVas den Gebrauch dieser Art des Aus- 
drucks in der latein. Sprache betrifft, so sagt Fritzsche, dass 
unter deu rijm. Historikern nachst Casar uamentlich Livius 
sich derselben bedient habe „teils um die Darstellung iiberhaupt 
knapper zu raachen als es durch einen neuen rait et, tura 
oder dem Pron. is, ea, id eingeleiteten Satz hatte geschehen 
konnen, teils um die rasche Aufeinanderfolge der Hand- 
lungen anzuzeigen oder noch ofter, um das Nachhaltige oder 
die Wichtiglveit der durch das Verbum bezeichneten That dem 
Leser recht nahe zu bringen". Die Stellen bei Casar sind: B. G. 
5, 12, 2, B. C. 1, 28 fin. naves cum militibus . . reprehen- 
dunt, reprehensas excipiunt; 41, 2: ibi paulisper sub armis 
raoratus facit aequo loco pugnandi potestatera; potestate 
facta Afranius copias educit (cf. Xen. Cyr. 3, 1, 37 vvv [lev 
deinveTre, detnv^ffavteg 6s dTieXavveTe)] 76, 3; 2, 11,2. 
Fiir Livius vgl. Weissenborn zu 1, 5, 3, Fabri zu 24, 1, 8, 



Kapitel XI § 32. 199 

Kuhnast Liv. Synt. p. 329. Bemerkenswert ist 35, 19, 4 ,sub 
hoc sacramento sex et triginta annos militavi, hoc me in pace 
patria mea expulit, hoc patria extorrem in tuam regiam 
adduxit', weil hier extorrem fiir expulsum eintritt — eine 
Art permutatio wie bei der figura etymologica aetatem 
vivere fiir vitam vivere. Diese Permutatio, um mich kurz 
auszudriicken , ist nun nach Fritzsche bei Cicero Regel ; als 
Beispiel hiefiir citiert er unsere Stelle iugulastis-occisum; 
ein zweites findet sich in § 34 ,totam causam explicemus atque 
ante oculos expositam consideremus^, vgl. noch Or. II § 176 
,iam illud videmus nequaquam satis esse, reperire quid dicas, 
nisi id inventum tractare possis'. Dem gewohnlichen Gebrauche 
folgt Cic. nur an einigen Stellen, so Caec. § 23 ,coegit arma- 
vit: coactis armatisque', wo wir jedoch eine stehende 
juristische Formel haben, wie ibid. § 59. 60 zeigt (vgl. die 
Stellen bei Merguet I, p. 293), Cat. M. § 4 senectus, quam ut 
adipiscantur omnes optant, eandem accusant adeptam. In- 
dem nun Fr. zu der Betrachtung des Gebrauches bei den rom. 
Dichtern iibergeht, vergisst er zu bemerken, dass auch schon die 
rom. Komiker denselben gekannt haben; so Ter. Andr. 298 ac- 
cepi : acceptam servabo. Weder Meissner und Spengel z. d. St. 
noch Holtze synt. prisc. II p. 235 geben eine weitere Stelle aus 
Plautus oder Terenz. Aus einem ungenannten rom. Palliaten- 
dichter gibt uns Cornif. I § 14 ein Beispiel der eigentl. Epi- 
ploce, Athenis Megaram vesperi advenit Simo , Ubi advenit 
{iX&cop de) Megaram, insidias fecit virgini, Insidias post- 
quam fecit, vim in loco attulit (wozu Cornif. bemerkt: caven- 
dum . . ne id quod semel diximus, deinceps dicamus). Aehn- 
lich ist Plaut. Cist. 2, 3, 73 sqq. : ,est gravida facta, priusquam 
peperit filiam. Eam postquam peperit iussit parvam proici. 
Ego eam proieci et alia miilier sustulit'. Bei den rom. Dich- 
tern, welche sich des Hexameters bedienen, hat sich diese Epi- 
ploce eine geradezu stereotype Stelle im Verse erworben , indem 
namlich das Participium nach der Caesur im Anfang des zweiten 
Hemistichiums steht, wie Lucret. U, 266. 67 

Omnis enim, totum per corpus, materiai 
Copia conciri debet, concita per artus 
Omnis ut studium mentis conixa sequatur. 
ib. II, 566 Et res progigni et genitas procrescere posse. 
ib. VI, 355 Quae facile insinuantur et insinuata repente 
Dissolvont nodos omnis et vincla relaxant. 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Halfte. l^ 



200 Kapitel XII § 3r>. 

Ilor. sat. 2, 3, 104 si quis emat citliaras , emptas comportet 
in unum, oline Kopula wie Ov. Met. 6, 656 atque ubi sit quae- 
r it : quaer e n ti iterumque vocanti; aber auch mit Kopula, so- 
wohl et als que (letzteres bes. bei Ovid), vgl. Hor. sat. 1, 3, 54 
haec res et iungit, iunctos et servat amicos, Ov. Met. 13, 189 
nunc equidem fateor fassoque ignoscat Atrides. Mehr Bei- 
spiele aus Horaz uud Ovid gibt Fritzsche a. a 0. Nach diesen 
Gesiclitspunkten diirfte eine eingehendere Untersuchung der Epi- 
ploce bei den Dichtern und Prosaikern auch der spateren Latini- 
tat nicht ohne Interesse sein. Notiert sei hier aus der nach- 
khassischen Latinitat Tac. Ann. 1, 68 sinerent egredi egressos- 
que . . circumvenirent; aus der spaten Oros. H. p. 81, 9 Z qui 
et facienda providit et provisa perfecit, ib. 97, 11 Oroesum 
cepit captumque vita donavit, 370, 7 bis vicit victosque 
ad deditionem coegit. — condeiiinetisj „Die Verurteilung erwirkt''. 
FUr diese Bedeutung vgl. Cluent. § 9 corrupisse dicitur A. Cluen- 
tius iudicium pecunia, quo iuimicura suum innocentem Statium 
Albium condemnaret, Caec. § 35, div. in Caec. § 30; Suot. 
Tib. 8 Faunium Caepionem . . reum maiestatis apud iudices fecit 
et condemnavit, Vit. 2 Cn. Pisonem . . accusavit condem- 
navitque. — Sex. Rosciumj steht wirkungsvoll statt me; sehr 
fein handelt hierliber Fritzsche zu Hor. sat. H, l^ 18: „Wenn 
der Sprechende seiueu eigenen Namen setzt, wird das Wesen, 
die charakteristische Eigentiimlichkeit, Klugheit, Tapferkeit u.s. w. 
scharf hervorgehoben" ; an unserer Stelle die jammervolle Lage, 
in der sich Sex. Roscius befindet. Es darf deshalb der Name 
nicht gestrichen werdeu, s. d. krit. Anhang. Ueber die Stellung 
am Schlusse des Satzes vgl. § 6 L. Cornelius Chrysogonus. 

Kapi tel Xn. 
§ 33. Hominein longe audacissimum . . . C. Fimbriam] C. Flavius 
Fimbria, homo omnium audacissimus, wie Orosius hist. 6, 2, 9 
sagt, war ein wiitender Anhanger des Marius (Marianorum scele- 
rum satelles, Oros. 1. 1.), der in dem von Marius und Ciuna im 
J. 87 angerichteten Blutbade eine gewigse Beriihmtheit erlangte. 
Im J. 86 begleitete er den Consul L. Valerius Flaccus, den die 
mariauische Partei an Sullas Stelle nach Asien geschickt hatte, 
als Legat; s. Mommsen R. G. II, 301. 305, Peter H, 116 ff. 
Liv. perioch. lib. 82: L. Valerius Flaccus consul, collega Cinnae, 
missus, ut Syllae succederet, propter avaritiam invisus exercitui 
suo a C. Fimbria, legato ipsius, ultimae audaciae homine, 



Kapitel XII § 33. 201 

occisus est et imperium acl Fimbriam translatum ; per. 83 : Flavius 
Fimbria in Asia fusis proelio aliquot praefectis Mitbridatis urbem 
Pergamum cepit obsessumque regera non multum afuit quin ca- 
peret. Urbem Ilium , quae se potestati Syllae reservabat, expug- 
navit ac delevit et raagnam partem Asiae recepit .... Sylla, 
cum in Asiam traiecisset, pacem cum Mithridate fecit . . . Fira- 
bria desertus ab exercitu, qui ad Syllam trausierat, ipse se per- 
cussit impetravitque de servo suo praebens cervicem, ut so occi- 
deret. — Der Vorfall, den hier Cic. erzahlt, spielte im J. 86 bei 
dem Leichenbegangnis des beruhmten C Marius, und wird auch 
von Valerius Maximus 9, 11, 2 anter sichtbarer Aulehnuug an 
Cicero (wie § 64) so berichtet: ,non tam atrox C. Fimbriae est 
factura et dictum, sed si per aestimetur, utrumque audacissimum. 
Id egerat, ut Scaevola in funere C. Marii iugularetur. Quem 
postquam ex vuhiere recreatum comperit, accusare apud populum 
instituit. Interrogatus deinde, quid de eo secus dicturus esset, 
cui pro sanctitate moriim satis digna laudatio reddi nou 
posset, respoudit obiectunim se illi quod parcius corpore telum 
recepisset. - Q. Mucius Scaevola, durch den Beinamen 
Pontifex maximus von dem gleichnamigen Augur unterschieden, 
war wie alle Mucier durch seiue Rechtskunde ausgezeichnet und 
gleich beruhmt als Keduer wie als juristischer Schriftsteller. Cicero 
genoss seinen Unterricht nach dem Tode des Augur Scae\'ola, s. 
Brut. 306. Im J. 82 wurde er mit vielen andern Anhangern der 
aristokratischen Partei auf Befehl des jungern Marius ermordet, 
cf. Nat. deor. III § 80 cur temperantiae specimen ante simulacrum 
Vestae pontifex maximus est Qu. Scaevola trucidatus ? Velh Pat. 
II, 26, 2 Damasippus praetor . . . Scaevolam etiam, pontificem 
raaximum et divini humanique iuris auctorem celeberrimum . . . 
trucidavit; Liv. Per. 86 L. Damasippus praetor ex voluntate C. 
Mari consulis, cum senatum contraxisset, omnem , quae in urbe 
erat, nobiUtatem trucidavit; ex cuius numero Qu. Mucius Scaevola 
pontifex raaxiraus fugiens iu vestibulo aedis Vestae occisus est. — 
/' joug^ audacissiraus] Die vorklassische Latinitat und selbst Cic. noch 
in deu Buchern de inventioue, gebraucht nur multo zur Steiger- 
uug des Superlativs. An unserer Stelle hat Cic. zum erstenmal 
gewagt, longe statt multo zu setzen. Die Neueruug wurde an- 
genommen von Casar und Livius, doch behielten sie, wie Cic. 
selbst an einigen Stellen, in Verbinduug mit maximus das alte 
multo bei. Ueberhaupt vermochte longe den alten Ausdruck 
bei den iibrigen Autoren nicht zu verdrangen (so hat Sallust 

14* 



202 Kapitel XII § 33. 

multo 4mal, longe nur 1 mal) „unrl die romanisclien Sprachen 
haben multo vor rlem Superlativ erhalten, womit ausgesprochen 
ist, (lass die rom. Volkssprache dem plautinischen multo treu 
geblieben ist", Wolfflin Gomparation S. 38, Thielmann Cornif. 
p. 68. — iiitei' omues ulsi inter eos] Dass hier nisi ohne Bezieh- 
ung auf eiue Negatiou gebraucht ist, ist noch wenig oder gar 
nicht bemerkt. Dieser Gebrauch gehort der altereu Latinitat an 
und findet sich bei Cato und den Komikern, cf. Cat. r. r. 48, 3 
,nuces pineas ad eundem modum nisi tamquam alium serito'; 
ib. 77 ,quantam voles pro ratione, ita uti placenta fit, eadem 
omnia facito^ nisi alio modo fingito'; ib. 89 ,eodem modo anserem 
alito, nisi prius dato bibere et bis in die'; Caecil. com. 144 R. 
,quae nisi dotem omnia, quae nolis, habet'. Eine kurze aber 
gute Note gibt C. F. W. Mliller in SeyfF. Lael. p. 406 zu § 62 
,et iudicare difficile est sane nisi expertum', wo Cic. nisi 
,ausser' gesetzt hat wegen des in difficile liegenden negativen 
Sinnes. Den von Miiller fiir diesen Fall aus andern Schriftstellern 
beigebrachten Stellen fiige ich aus Cic. bei Leg. U § 45 
tincta vero absint (= ne adhibeautur) nisi a bellicis insignibus 
(vgl. Mesnil daz.) und drei Stellen aus den Reden, wo nisi auf 
quisquam oder ullus folgt: Caecin. 102 magis illam rationem 
omnes boni quaereremus . . . quam uti nunc . . quisquam 
existat, nisi tui similis; Planc. 36 si est aequum ulla in re 
nisi in hac tribuaria; Phil. XI, 24 si quicquam aliud a uobis 
nisi de instanti bello cogitatum putabunt; vgl. Orat. 11 § 36; 
Liv. 2, 59,7. Als eine Ausnahme des Gebrauches von nisi — in 
der guten Latinitat — ohne Beziehung auf eine Negation 
bezeichnet C. F. W. Miiller die Satze mit nisi quod, nisi cum, 
nisi ubi, nisi quantum, nisi quoad, nisi qua und nisi 
qui (letzteres ist am haufigsten). Am bekanntesten ist nisi quod, 
(iiber nisi quod bei Plautus handelt Langen Beitr. p. 57 &.), 
bei Cic. z. B. Or. § 67. 80. 83; fur nisi cum vgl. Cic. Phil. 
XI, 16 quia semper nisi cum est necesse, periculosam (senten- 
tiam) arbitror, Or. § 126. 184. 217, Tuscul. I § 88, Varr. 1. 1. 
V, 165 ut sit aperta (sc. poi'ta) semper, nisi cum bellum sit 
nusquam, Sallust. lug. 44, 4 plerumque milites stativis castris 
habebat nisi cum pabuli egestas locum mutai*e subegerat; fiir 
nisi quantum: Liv. 22, 12, 8 castris, nisi quantum usus 
necessarii cogerent, tenebatur miles; nisi qua: Sallust. Hist. 
II, 31 D n i s i qu a flumen Clurda Tauro monte defluens ; n i s i qui : 
haufig bei Plautus z. B. Capt. 916, Cic. ep. Att. 11, 7, 2 pro- 



Kapitel XII § 33. 203 

biberique omnes Italia, nisi quorum ipsc causam coguovisset, 
Ligar. § 33 nos omnes adversarios putare nisi qui uobiscum 
essent; Sallust. lug. 17,6 plerosque senectus dissolvit nisi qui 
ferro aut bestiis interiere. Wcnn wir nun bei Sallust aucb eine 
Stelle treffen, wo nisi weder in einer dieser Verbindungen nocb 
nach einem scbeinbar positiven , aber dem Sinne nacb negativen 
Satze stebt, also ganz in der altertiimlicbcn Wcise, so darf das 
bei seinen sonstigen Archaismen uicht befrcmden ; sie steht lug. 75, 3 
,omnia iumenta sarcinis levari iubet nisi frumento dierum deccm*. 
Kommen wir jetzt auf unsere Stelle zuriick, der einzigen iu den 
Redeu, wo nisi nach einem positiven Satze steht, so ist aller- 
dings nisi nach arcbaiscber Sprachweise gebraucht, aber Cicero 
war bier durcb einen ausserlichen Grund dazu gezwungen : er 
wollte und musste das Zusamm en tr ef fen zweier Praposi- 
tionen vcrraeiden, denn (vgl. Krebs Antib. p. 967) aus der guten 
Prosa ist uns kein Beispiel bekannt, dass praeter unmtttelbar vor 
eine Praposition gesetzt erscbiene, sondern dafiir wird stets nisi oder 
praeterquam gesagt. An allen Stellen, die Krebs hiefiir bei- 
bringt, ist librigens der Satz negativ, so Sall. Cat. 33, 4 ,consul 
negare tribuno ius esse in quernquam nisi iu plebeium^ Fiir 
nisi nacb positivem Satze kenne ich aus Cicero nur noch eine 
einzige Stelle Acad. post. I § 25 ,sed enitar , ixt Latine loquar, 
nisi in huiusce modi verbis, ut pbilosophiam aut pbysicam aut 
dialectieam appellem', wo also derselbe Grund wie an unsercr 
Stelle fiir Cic. bestimmend war nisi zu gcbraucben. — Man vgl. 
mit unserer Darstellung die unzureichende bci Kiihner ausf. 
Gramni. II p. 937, wo die Falle durcbaus nicht auseinander ge- 
halteu werden und Kiihnast liv. Synt. p. 374, der wenig und 
tcilwcis nicht hieber geboriges Material bietet. — yir saactissinilisj 
Ueber das Epitbeton sanctus bei personlichen Objekten bandelt 
sehr sclibn Seyffert im Laebus p. 280. „W^enn rbmische Staats- 
manner als solche sancti heissen, so sind es immer diejenigcn, 
welcbe die die durch Sitte, Recbt und Gesctz gehciligten politi- 
scben Grundsatze mit der grbssten Gcwissenhaftigkeit beobachten, 
qui fidem et iusiurandum colunt in Bcziehung auf dic res publica 
und die menschliche Societat iiberhaupt, insofern sic mit diescr 
res publica iu Beriibrung kommen". — locus est ut] locus pragn. 
der gceignete, rechtc Ort wic Offic. I § 33 cum ad locum 
venisset = an die ricbtige Stelle , s. daz. C. F. W. Miiller. 
Die Konstruktion locus ut findet sicb uach Drager H. S. II 
§ 405 nur uocb Tuscul. IV, 1 ncc vero hic locus est, ut de 



204 Kapitel XII § 33. 

moribus maiovum loquamur. Vgl. tempus est ut bei Plaut. 
Mil. 72 videtur tempus esse ut eamus ad forum, ib. 1101. — 
dieill dixit] „Das diem dicere (ad populum) ist nur die Ein- 
leitung zur Anklage in einem Volksgerichte und bedeutet: einen 
Tag zum Erscheinen vor dem Volko bestimmeu (dem 
Anzuklagenden)". Osenbriiggen. Darum heisst es auch bei Val. 
Max. ,accusare apud populum instituit' und a. u. St, weiter 
ixnten accusaturus esset (Willens war anzuklagen), Ob 
es zur Klage selbst gekommen ist, wird uns nicht berichtet, — 
coiuperit euui posse viFere] vgl. Serv. ep. fam. 4, 12, 2 sperare tameu 
eum posse vivere. Schmalz zieht Zeitschr. f. d. Gyranasialw. 
Bd. 35 S. 125 aus diesen beiden Stelleu die Folgerung, dass 
eine stehende Antwort auf die Frage nach dem Befinden 
eines Schwerkrankcn war entweder ,comperi eum vivere posse' oder 
auch ,spero (spes est) eum vivere posse'. — ab eo quaereretur] Ueber 
die Neologismen Ciceros in dieser Rede vgl. Einleitung p. 125. 
Dass er niclit mit allen durchdrang, noch auch selbst in seinen 
spateren Schriften beibehielt , ist ebendort bemerkt. So unter- 
scheidet er (nach Thielmann Stilistisclie Bemerkungen p. 204) 
uur in dieser Rede die drei Konstruktionen des Verbiims quae- 
rere „fragen" ab, de, ex aliquo in der Weise, dass von 
einfachen Fragen ab, vou der peinlicheu Befragung der Sklaven 
aber de oder ex gesetzt wird : vgl. fiir ab aliquo noch § 73 
bis, 119, 120 abs te (wie Cic. in den alteren Reden gewohn- 
lich sagt statt a te, s. z. §44) 130; dealiquo 120, ex aliquo 
77. 78. 123. — houiiuem] Ueber homo und vir (auch mulier) als Er- 
satz fiir das Pronomen is (ea) s. Krebs Antib. p. 525. — teluni re- 
cepisset] vgl. Sest. § 80 ipsum vero quid accusas? . . . num ut 
gladiatoribus imperari solet, f er r um non r ecepit?=: „er bat 
sich doch nicbt geweigert den Todesstoss zu empfangen?", wozu 
Halm bemerkt „Ferrum recipe rief man iiberwundenen Gla- 
diatoren zu , die das Volk, znmal wegen Mangels an Bravour, 
uicht begnadigte". Derartige Ausdriicke aus dem Fechterwesen 
bat die Schrift- und bes. Volkssprache nicht wenige aufgeuommen, 
vgl. oben § 17 die fortgesetzte Metapher mit tiro, lanista, 
(auch ep. Att. 1, 16, 3) gladiator plurimarum palmarum, 
§ 30 cervices dare; ep. Att. 2, 22, 2. 16, 3, 1 manus dare 
„nachgeben, sich fugeu", s. SeyflPert zu Lael.^ p. 540 (dede 
manus Lucret. II, 1043), in statu stare „fertig zum Aus- 
fallen" Plaut. Mil. 1389, eludere „parieren" Caes. b. c. 1,58, 1, 
Cic. opt. gen. orat. § 17 ,non enim in acie versatur et ferro, sed 



Kapitel XII § 34. 205 

quasi rudibus (vgl. Tac. dial. 34) eius eludit oratio. A me 
autem gladiatorum par nobilissimum inducitur', wozu 
Jahn bemerkt, „der techniscbe Ausdruck von deu Gladiatoren, 
welche iu die arena gefuhrt werden" ; de sententia deici 
Tuscul. II § 14 u. daz. Tischer. In der Div. in Caec. wendet 
Cic. hochst kunstvoll durch mehrtre Paragr. hindurch (§44 — 48) 
eine Reihe bildlicher Ausdi'licke aus dem Fechterwesen an; be- 
merkenswert sind pervertere ,eiu Bein uuterschlageu' und peti- 
tiones ,Angriffsweisen , Gauge' ; s. Hahn a. d. St. uud Straub 
im citierten Programm p. 61. — qno] sc. dicto atque facto. — 
perdiderit et adflixeril] Die beiden Verba sind als Synonyma 
haufig bei Cic. verbunden (s. z. § 23 luctu perditus), vgl. 
Verr. III, § 37. 77. 212; imp. Pomp. 23, Phil. III, 25, 
Sest. 31. Daher ist die Koujektur Buchners und Lehmanns 
(s. d. krit. Anh.) ,perculerit et adflixerit^ unnbtig. Der Aus- 
druck ist allerdings etwas stark und erinnert an den haufigeu 
Ausruf jperdidisti^ sc. me bei den Komikeru, vgl. meine Abhdlg. 
de Cic. elocut. p. 32, wo auf das (wahrscheinlich) griech. Vor- 
bild hingewieseu wird , z. B. bei Soph. El. 808 OQSara (flX- 
tad^ Sg fi an (6 ke (Ta g d^av(av\ auch bei den Kednern wie Dem. 
Phil. III § 39, v(p cbv dnoXbaXs xai vevocrrjxsv t} '^ElXccg^ s. z. St. 
Westermaun. — Hingewiesen sei auch noch auf den hyperbolischen 
Gebrauch vou perdere und occidere vom patronus, der seinen 
Prozess verloren und dadurch sich und seinem Klienten eineu 
Schlag versetzt hat, vgl. Cic. Orat. II § 282, perdam, inquit, 
vocem, si id fecero'. Melius est, inquit, quam reum, ib. § 302 
,Occidit' Adversariumne? Immo vero, aiunt, se et eum, quem 
defendit u. daz. Ellendt. — quos quia] vgl. iiber diese Art der 
Periodologie Xagelsbacli Stil.' p. 534. — qiios • . ab iis] Unter 
qui ist die Burgerschaft, unter ii nur die Anhanger des Marius 
zu verstehen ; Halm vergleicht Tac. Ann. IV, 14 Coi cives Rom. etc. ; 
Eberhard lect Tull. p. 9 Xen. Hell. II, 1, 16 oi ^A^^valoi 
7iaQ€(Tx€V<xQovTO nQog vavfiax^av (qui erant in Asiae ora) xai 
(TtQaTtjyovg noog roTg vnccQxovcri nQO(TeiXovto (qui erant Athe- 
uis). — per conipositiouem] vgl. § 136 uud Phil. II § 24, wo Cic. 
von sich sagt .pacis, concordiae, compositionis auctor esse non 
destiti'. — Uebrigens ist von einer durch Scaevola angebahnten 
Versohnung der Volks- und Optimatenpartei nichts bekannt. 

Estne] ne ist hier = nonne wie oft bei den Komikern, be- § 34. 
sonders bei Plautus, der nach A. Spengel ,die Partikel nonne 
im Altlatein' Munchen 1867 nonne noch nicht kennt, s. Loreuz 



206 Kapitel XIII § 35. 

zu Pl. Pseud, 340. Bci Cicero findet sicli so ne ofters in rhe- 
torischeu Fragen, vgl. § 123 itane est? Catil. I §8 sensistine? 
bes. stehend in den Formehi videsue, videtisne und vide- 
musne, s. z. § 66. — hoc] „Der vorhegende Fall". — qiiid ita?| 
Figur der ratiocinatio, s. Cornif. IV § 23 ,ratio cinatio 
est, per quam ipsi a nobis rationem poscimus, quare quidque 
dicamus, et crebro nosmet a nobis petimus unius cuiusque pro- 
positionis explanationem. Ea est huiusmodi : . . . bene maiores 
nostri hoc comparaverunt, ut neminem regem, quem armis cepis- 
sent, vita privarent. Quid ita? Quia quam nobis fortuna facul- 
tatem dedisset, iniquura erat in eorum suppHcio consumere, quos 
eadem fortuna paullo ante in amplissimo statu collocarat'. Die 
griech. Rhetcu-en nennen diese Figur anocfaffiq oder ahioXoyla 
und Cornif. sagt am a. 0. von ihr : ,haec exornatio ad sermonem 
vehementer accommodata est et animum auditoris retinet attentum 
cum venustate sermonis, tum rationum exspectatioue'. Vgl. Volk- 
mann, Rhet. p. 419, Seyffert schol. Lat. I § 46. — de manibns] 
vgl. § 149 de manibus erepta. — qnia se occidi passus non est] 
entspricht dem ,quod non tekim corpore recepisset' in dem von Cic. 
angefuhrten Beispiel. — qiii jocus ingeuium patroui requirit etc.] vgl. 
Rabir. § 9 crimina, quae patroni diligentiam desiderant; 
wio a. u. St. maguo opere mit desiderare verbunden ist, so 
Verr. a pr. § 44 und ib. IV § 17 tanto opere. — explicemus- 
expositam] s. z, § 32 iugulastis-occisum. — ita facillime] 
Ueber den Uebergang zur argumentatio s. die Bemerkung 
am Anfang des XI. Kapitels. — coutiueat . . . oporteat . . . cou- 
veuiat] '^Oiioiotalevza. — coutiueat] vgl. § 5 eius rei quae 
conflavit hoc iudicium, also „die Veranlassuug zur An- 
klage". — sequi] s. z. § 8 und Nagelsb. Stil. p. 350 ff. 

Kapitel XIII. 
§ 35. Tres suut res] Die sog. Partitio. Eine eigentliche Partitio 

gibt Cic. nur in den Reden p. Quinct., p. Rosc. Am., in Verr. II, 
de imp. Cn. Pomp., p. Cluentio, pro Mur. und iu der 7. philip- 
pischen. ,Im ganzen weiss Cic. die Spuren des eigentlich Tech- 
nischen geschickt in der Koutinuitat der Darstellung zu ver- 
wischen', Westermanu, Gesch. d. rom. Beredsamkeit S. 176. Die 
Zahl der Teile betrug gewbhnlich, wie auch heutzutage bes. bei 
Kanzelredeu, drei, vgl. Cornif. I § 17 ,enumeratione utemur, 
qvium dicemus numero , quot de rebus dicturi sumus. Eam plus 
quam trium partium numero esse non oportet'. Vgl. p. Quinct. 



Kapitel XIII § 35. ' 207 

§ 36 ,haec tria cum docuero , perorabo', Mur. § 11 intellego, 
iudices, tres totius accusationis partes fuisse, et earum unam in 
reprehensione vitae, alterara in contentione dignitatis, tertiam in 
criminibus ambitus esse versatam. Mehr Ixber die Partitio s. bei 
Volkmann, Rhetorik p. 125 ff. — COllfictioj belegen Georges und 
Thielmann de Cornif. p. 90 nur noch aus Aquil. Rom. § 3 und 
Cael. Aurel. acut. 1, 11, 81. — acciisator] Das Wort wurde von 
Halm und Eberh. gestrichen, mit Unrecht; s. Luterbacher IX. 
Jahresber. d. Phil. V. p. 18: ,Der Sinn der Worte crimiuis 
confictionem suscepit ist nicht ganz bestimmt. Zur Erklar- 
luig dient das keineswegs uberflussige accusator. Es deutet 
an , dass Erucius das crimen zwar nicht selbst erfand, aber 
eine Argumentation dazu, d. h. die Anklage flihren sollte (§ 122)". 
— ErnciusJ Den C. Erucius nennt Cic. in der Rede p. Vareno 
(vgl. Priscian. III, 7, 40 p. 112, 20 H., Quintil. 8, 3, 22) Anto- 
niaster, womit er ihn als Nachaffer des beruhmten Redners 
M. Antonius bezeichnen will. Ueber den Namen Erucius han- 
delt Fleckeisen in s. Jahrb. 1868 p. 208 Anm. „Der Eigen- 
name Erucius hat mit der Pflanze ertica (Rauke) nicht das 
mindeste zu schaffen, sondern er ist die lateinische Form des 
griechischen ^Egvxiog^ von "Eov^ EQVxog gebildet. Der An- 
klager des Sex. Roscius stammte wahrscheinlich aus Unteritalien ; 
denn hier finden wir den Namen Erucius noch mehrfach in 
Inschriften erhalten — Mommsens Index zu den IRNL. weist 
ihn 7mal auf, 2mal den weiblichen Namen Erucia — und dass 
er wirklich mit dem Namen des sicilischen Berges zusammen- 
hangt, ist mir darum wahrscheinlich , weil er unter jenen 7 malen 
2mal in der Form Herucius auftritt, gerade so wie die Venus 
Erucina inschriftlich auch als Herucina erscheint. Also ist 
Erucius ein proceleusmatischer Wortfuss und man hat den 
Vokativ Eriici (nidht Eruci) zu lesen". — partes depoposcisse] 
ebenso §95; cf. Scaur. §31 qui has sibi partis depoposcit. — 
Ciirysogoims . . potentia pugaatj Zu dem Ausdruck des Scholiasten 
jtertia ad invidiam Chrysogoni pertinet, quae ex potentia 
nascitur' vgl. Cic. de inv. I § 22 ,benivolentia quattuor ex 
locis comparatur: ab nostra, ab adversariorum, ab iudicum per- 
sona, ab ipsa causa . . . Ab adversariorum . . . si eos aut in 
odiura aut in invidiam aut in contemptiouem adducemus . . . 
In invidiam (adducentur), si vis eorum, potentia, divitiae, cog- 
natio, pecuniae proferentur . . . ut his rebus magis vide^ntur 
quam causae suae confidere'. 



208 Kapitel XIII § 36. 

§ 36. U«id igitur est] Wie SeyfFert schol. Lat. I § 48 beincrkt 

siud von den Fragen mit qtiid igitur? und quid ergo? 
(s. z. § 2) wohl zu unterschoiden die mit quid igitur est? 
und quid ergo est?, welche letztere nicht sowohl der ratio- 
cinatio, als vielmehr der percontatio angehoren und bedeuten: 
wie steht es also? Es wird damit nach dem wirklichen Sach- 
verhaltnis gefragt und so die Erwartung des Horers gespannt. 
Quid igitur est findet sich sehr selten , in den Reden nur 
hier, dagegen quid ergo est I2raal, wovon 5 Stellen auf die 
Rcde p. Quinctio treffen, namlich §§ 6. 11. 57. 73. 94 und 2 auf 
die Rosciana, § 55 und 80. Halten wir mit diesem Zahlen- 
verhahnis die Schhissbeme.rkung Seyfferts zusammen: „Man wird 
leicht erkennen, dass zu einer vox libera diese Formel beson- 
ders geeignet ist", so wird diese dadurch insofern bestatigt, als 
eben der Jungling Cicero in seinen ersten Reden sich einer 
freieren Sprache bediente, als in den spateren des reifen Mannes- 
alters. Auch ist bemerkenswert , dass der Briefstil die Frage 
quid ergo est? gerne auwendet, so Cael. ep. fam. 8. 12, 2. 
Plancus fam. 10, 23, 1, Vatin. fam. 5, 10, a 2 ; Cic. selbst fam. 
9, 15, 5. Jedenfalls bediente sich auch die Umgangssprache 
dieser Formel haufig, vgl. Hor. ep. ad Pis. v. 353, Petron. 4 
und 31 ; vgl. auch Vulg 1 ad Cor. 14, v. 15 und 26 = xl ovv 
iffrlv. — non eodeni modo] erklart Facciolati richtig ,quia ratio 
defensiouis unum id postulat, ut Sex. Roscium purgem a criminc. 
Ceterum de audacia et potentia adversarioruni obiter dicam et 
vestra causaS — prinio quoqne tempore] ,so bald als moglich = je 
eher, je lieber', vgl. Verr. IV § 58 ut is anulus ad se primo 
quoque tempore adferretur, Phil. III, 39. IV, 4. V, 4. 
XI, 31; primo quoque die Phil. Vill, 33. Bei Sallust findet 
sich die Redensart nicht, dagegen bei Corn. Nepos und Livius. — 
exstinguere atque opprimere] Wahrend exstinguere das allmah- 
liche oder uatu rli chc Ausloschen bezeichnet, bedeutet oppri- 
mere das gewaltsame und plotzliche Erdrucken, vgl. Lacl. 
§ 78 (u. daz. Seyffert p. 475) quam ob rem primum danda opera 
est, ne qua amicorum discidia fiant; sin tale aliquid eveuerit, ut 
exstinctae potius quam oppressae videantur; Cat. M. § 71 
adulesccntes mihi mori sic videntur, ut cum aquae raultitudine 
vis flararaae opprimitur; senes autcm sic , ut cum sua sponte, 
nulla adhibita vi, consumptus ignis exs t i n guitur. 



Kapitel XIII § 37. 209 

I. Hauptteil, § 37-82: Refutatio accusationis. 

An die Spitze des I. Hauptteiles stellt Cic. die propositio 
des Anklagers: ,occidisse patrem Sex. Roscius arguitur', vgl. 
§ 39 .patrem occidit Sex. Roscius'. In ahnlicher Weise wieder- 
holt Cic. in der Quinctiana den ersten der drei Punkte, ilber 
welche er in seiner Verteidigung zu sprechen gedenkt. Deun 
nachdem er die Partitio (in § 39) mit folgenden Worten ge- 
schlossen: ,nego fuisse causara , cur postularet, nego ex edicto 
possidere potuisse, nego possedisse. Haec tria cum docuero, pero- 
raro' fahrt er in § 37 (auch in unserer Rede beginnt der Be- 
weis mit § 37) fort ,uon fuit causa, cur postulares^ 

Argnitnr] Die Verba des Anklagens werden in der Regel mit § 37. 
dem kausalen quod verbundeu mit Ausnahme von arguere 
und insimulare, welche beide bei den Komikern sowohl wie 
bei Cic. den Acc. c. Inf. (im Passiv den Nom. c. Inf.) nach sich 
haben. Tacitus konstruiert nach diesen Mustern auch accusare 
und incusare mit dem Infin., s. Drager zu Annal. II, 27, Stil. 
des Tac. p. 61, H. S. U § 440, 6. — quo nno maleficio scelera 
omnia complexa esse v.] Ueber das hier passivisch gebrauchte ,com- 
plexa' s. d. testimonia und deu krit. Anhang (Neue, Formenl. II 
p. 313). Hier haben wir nur das Wort ,maleficio' als die Wieder- 
holung von ,nefarium facinus' im Relativsatze gegen Eberhard 
lect. p. 9 zu verteidigen ,saepissime post pron. rel. idem repeti- 
tur substantivum, velut postridie eius diei, quo die, non 
vero substituitur alterura. Recte igitur dicitur nefarium 
facinus, quo uno facinore . . ., offendit facinus quo . . . 
maleficio'. Eine derartige permutatio, d. h. das Eintreteu 
eiues synonymen Substantivs im Relativsatze findet sich noch an 
mehreren Stellen, s. Cic. Cat. III § 22 homines ex civitate 
male pacata, quae gens etc. (wozu Eberh. selbst in der neuesten 
Ausgabe bemerkt: am haufigsten wird beim Relativum dasselbe 
Wort wiederholt, bisweilen aber auch ein verwand ter B e- 
griff); Phil. 1, 1 in aedem Telluris convocati sumus: in quo 
templo^ Liv. 29, 18, 3 fanum est apud nos Proserpinae, de cuius 
sanctitate templi etc, Verg. Aen. 1, 187 sagittas Corripuit, fidus 
quae tela gerebat Achates. — esse videantur] Ueber die bei Cic. be- 
liebte Klausel esse videatur s. z. §124. — vnltu laeditur pietas] 
vgl. Vulg. Proverb. 30, 17 oculum, qui subsannat patrem et 
qui despicit partum matris suae, eflfodiant eum corvi de torrenti- 
bus etc. — a sapieutibus] Obwohl Cic. das Fremdwort philo- 
sophus auch in den Redeu nicht so angstlich meidet, wie Tacitus 



210 ' Kapitel XIII § 38. 

(s. Wolfflin Philol. 26, 141), so greift er doch zuweileu lieber 
zu sapiens oder doctus iind fiir philosophia zu doctrina 
iiud sapientia, Nagelsb. Stil. p. 18. — mortem obliileritl auch 
§ 40, Sest. § 48, Vatin. § 24, Serv. ep. fam. 4, 12, 2. Die 
Phrascu mit offerre statt afferre sind bei deu Dichtern, bes. 
Tercnz hauliger als bei den Prosaikern, so vitiiim offerre 
virgini Ter. Ad. 296. 308. Hec. 383, ib. 740 iniuriam off.; 
molestiam off. Lucil. 603 L. , luctum Catull 64, 247. Fiir 
Cic. vgl. noch metum off. Verr. II, 135, fiir Tacitus exitium 
off. Anual. IV, 11. — si res postularet] ,uotigeufalls', cf. § 114 
si quid opus esse putaret, Sall. lug. 12, 3 ceterum, ubi 
res postularet, se ipsum . . venturum. — iura diviua atque 
liumaDaj wie § 65. 
§ 38. Wie in § 37 Cic. die synomymen Substantiva (nefarium 

facinus, maleficium, scelera omnia) haufte, um das Un- 
geheuerliche des parricidium recht auszumalen, so in diesera 
Paragr. die Adjektiva ,in hoc tanto, tam atroci, tam singu- 
lari maleficio'. Den rhetorischen Zweck dieser exaggeratio be- 
spricht Quintil. 9, 2, 53 (s. d. testim. vet.) und der Schol. Gr. 
zu § 37 uud 40; vgl. auch Nagelsb. Stil. ' p. 302 zu Or. III 
§ 124 in hoc igitur tanto tam immensoc|ue campo u. d. Note. — 
ita raro] Nach Liv. Epit. 68 war ein gewisser Publicius Malleolus 
zur Zeit des Cimbrischen Krieges der Erste, der matre occisa in 
culleo insutus in mare praecipitatus est, vgl. Plutarch Eomul. 
c. 22 fin. ovdelg tdQuoe zoiovToy (uaml. das parricidium) ovdev 
fv '^Po)jiirj o/tdoy hfuy iiaxoakov 6taytvof^ivio%> , alXu n^corog 
utroc Tov ^Avvil-iiay.ov noXi/iiov loxoQtTrai Jtvxiog 'Ooxiog nar qo- 
y.Tovog ytvioS-ai. S. aucb z. § 70 med. — portenti ac prodigii] 
Fiir diese allitteriereude Formel gibt Wolfflin „iiber d. allitt. 
Verb." p. 77 folgeude Belege : qiie Cic. Pis. 9, Aurel. Vict. 
Caes. 28; atque Sall. Cat. 30; ac Pacuv. 82 R., prodigiis atque 
portentis Cic. Phil. 4, 10. — Zum Ausdruck prodigii simile 
vgl. Lig. § 11 prodigii simile est, quod dicam. — et deilique] 
Das kopulative et vor deuique habe ich in der Schulausgabe 
weggelassen, in der grosseren eiugeklamuiert. Es findet sich 
eben et im dritten Gliede vor denique erst bei den spateren 
Schriftstellern , bes. Juristen, Cf. Dirksen Manuale lat. s. v. 
§ 2. Aus Quintilian citiert C. F. W. Muller (adu. p. XU) III, 2 
fin., doch setzt auch er et in Klammern. Verteidigt habeu et 
Jordau in d. Receusion der Oseubriigg'schen Ausg. p. 661 durch 
das Polysyudeton et-et in diesem Satze und neuerdings Fleckeisen 



Kapitel XIII § 38. 211 

durch die Analogien et etiam, et rursiim, et autem, et 
vero im zweiten Gliecle, Iw. Mliller iu Burs. Jahresb. XXII 
(1880, 11) p. 224 fiigt nocb et vero etiam aus Mur. § 45 bei. 
Wie mit denique verbiilt es sicb aucb mit postremo, s. Seyf- 
fert zu Lael. ^ p. 503. — omnia ad pernicieni profligata atque per- 
dita] „eine ganz bodenlose Versunkenbeit''. Die allitterierende 
Formel bat Cic. auch Verr. act. prim. § 8 usque eo iudicia 
perdita profligataque esse arbitratur; ib. lil § 65 tu om- 
nium mortalium p r o f ligat i ssime ac p er d i tis si me; Phil. 
III, 1 ab bomine profligato ac perdito^ s. aucb zu § 23 
und 83. Ueber den ricbtigen und unricbtigen Gebraucb des 
Verbums ,profligare' handelt Gellius im V. Kap. des XV. Euches, 
welcbes iiberscbrieben ist: ,Verbum profligo a plerisque dici 
iuproprie insciteque/: Sicut alia verba pleraque ignoratione et 
inscitia improbe dicentium, quae non intellegant, deflexa et de- 
pravata sunt a ratione recta et consuetudine, ita huius quoque 
verbi, quod est ,profligo', significatio versa et corrupta e«t. Nam 
cum ab adfligendo et ad perniciem interitumque deducendo 
inclinatum id tractumque sit semperque eo verbo, qui diligenter 
locuti sunt, ita usi sint, ut ,profligare' dicerent ^prodigere' et 
jdeperdere', ,profligatasque' res quasi ,proflictas' et ,per- 
ditas^ appellarent, nunc audio, aedificia et templa et alia fere 
multa, quae prope absoluta adfectaque sunt, ,in profligato 
esse' dici ipsaque esse iam ,pr ofligata'; vgl. dazu Non. Marc. 
p. 160, der an dieser Stelle den Gellius ausscbreibt: ,profIigare 
verbum pessimum ad usum trabi coeptum est. Nam cum sit 
profligatum perditum et ad interitionem adductum, nuuc per- 
fectum, solutum aut aedificium aut aliquod utile iuceptum dicen- 
dum putant; cum adfectum dici debeat, non profligatum. M. Tul- 
lius tamen Tusculau. lib. V (§ 15): ,profligata iam et paene 
ad exitum deducta quaestio est'; vgl. nocb prov. cons. § 35 nos 
tamen oporteret ab eodem illa omnia, a quo profligata sunt, 
coufici velle. Besonders beliebt ist die Verbindung bellum 
profligare, Cic. ep. fam. 12, 30, 2 profligato bello ac paene 
sublato, renovatum bellum gerere cogamur ; Liv. 9, 29, 1. 21, 
40, 11. 35, 6, 3; cf. Friedersdorff" zu 28, 2, 11; Tacit. Germ. 
13 fin., Hist. 2, 4. 3, 50. 4, 73; Ann. 14, 36 (proelia). — quorum 
nihil] = quarum rerum nihil. Nacb Schmalz iiber den 
Sprachgeb. d. nicbtcic. Briefe p. 116 gehort der genet. neutr. 
horum abhaugig von einem pron. neutrum der Umgangsspracbe 
an; er citiert Ter. Andr. 58; Phorra. 132. 150; [fiir Lucrez vgl. 



212 Kapitel XIV §. 39. 

1, 188 quorum nil, ib. 853 quid horum, 5, 868 nil horum 
u. 0.] aus Cic. Rosc. § 75 (statt 76), 79 (nihil eorum) , 86. ad 
Att. 9, 7, 5. 12, 4, 2. Casar sagt quarum rerum nihil 
b. G. 3, 4, 3 u. daz. Kraner; b. c. 1, 7, 5 u, daz. Kraner- 
Hofmann, nihil earum rerum b, G. 1, 32; 5, 1; aber b. c. 
1, 85 (im Gesprache mit Afranius) auch nihil horum. Nach 
den zahlreichen Belegstellen, die M. Miiller zu Liv. TI, Anhang II 
p. 159 gibt, zu schliessen ist von Livius an nihil horum, 
eorum ete. regelmassig und allgemein gewordeu. Doch hat 
auch schon Cic. in den Reden diese Formeln haufiger gebraucht, 
als Schm. glaubt: aliquid horum Vatin. 36, nihil h. Quinct. 
75. Sex. Rosc. 76. 138. 143. div. Caec. 42. Verr. D, 107. V, 43. 
Tull. 24. Muren. 36. Planc. 93. Rab. Post. 15, Phil. II, 56. 67. 
V, 6. XI, 24; quid h. Sex. Rosc. 86. Verr. II, 79. 161. Arch. 8. 
Mil. 54; num quid h. Verr. V, 147; utrum h. ib. I, 124; 
III, 106; Phil. IV, 8; utrumque h. Caecin. 86. leg. agr. 1, 14. 
Mur. 37. Vielleicht war auch hier es Cornificius (II § 8 horum 
nihil, ibid. § 5 nihil eorem), dem Cicero diese Formeln ent- 
lehnte. — iie obicieiidi qiiidem causa] ,auch nicht als unerwiesenen 
Vorwurf vorgebracht', nach der Gewohuheit der Auklager, vou 
der Cic. Mur. § 11 spricht ,trium partium (sc. accusationis) prima 
ita fuit infirma et levis, ut illos lex magis quaedam accu- 
satoria quam vera maledicendi facultas de vita L. Murenae di- 
cere aliquid coegerit'. 

Kapitel XIV. 
§ 39. Uui (= qualis) homo] Es beginnt das Probabile ex vita; 

vgL Curnit. II § 3 ,Probabile est, per quod probatur expedisse 
peccare et ab simili turpitudine hominem nunquam afuisse (= ve- 
tus videlicet sicarius etc). Id dividitur in causam et in vitara. 
Causa est ea , quae induxit ad maleficium commodorum spe aut 
incommodorum vitatione, ut quum quaeritur, num quod commodum 
maleficio appetierit*, nura honorem, num pecuniam. . . . Defensor 
negabit fuisse causam, si poterit . . . deinde vita hominis ex 
ante factis spectabitur . . . Defensor primum demonstrabit vitam 
integram etc. — annos natus maior quadraginta] Die Stelle ist eine 
der vielumstrittenen. Frliher las man annos natus magis quadr., 
und Reisig p. 397 fiihrt sie als Soloecismus an , er selbst schlagt 
maxime vor. Haase in der Anm. 399 verteidigt die Lesart 
annos natus maior quadr., die durch die Citation bei Arusian. 
Mess. (s. d. testim., wo XL zu schreibeu ist) gestiitzt sei. Nach- 



Kapitel XIV § 39. 213 

dem nun alle neueren Editoron dem Grammatiker gefolgt sind, 
verlangt Cobet annis [natus] niaior quadr., s. d. krit. Anhang. 
Doch ist kein Grund vorhanden ihm zu folgen. Denn wenn auch 
die von Cob. verlangte Konstruktion die gebrauchlicliste ist (vgl. 
Rosc. §100 minorem annis LX), so werden doch auch die mit 
uatus nicht selten angewendet. Es sind deren drei : 1) annos 
natus maior (minor) viginti nach Analogie von natus 
viginti annos, wozu maior (oderplus) tritt an Stelle des man- 
gelnden Komparativs von natus, so z. B. ausser a. u. St. noch Corn. 
Nep. reg. 2, 3 Diouysius . . maior annos sexaginta natus 
decessit, Front. Strat. 4, 1, 10 minor quinqu. annos natus, (aus 
Gesetzen geben 2 Stellen Osenbriigg. und Klihner ausf. Gramm. 
II p. 978); 2) maior quam vig. annos natus, wenn maior 
in einem andern Kasus als ira Nom. steht, so Liv. 45, 32, 3 cum 
liberis maioribus quam quindecim annos natis; 3) maior 
viginti annis natus, nur belegt aus Cic. Verr. II § 122 und 
Nep. Hann. 3, 2 (vgl. auch Hellmuth act. Erl. I p. 145). — 
saepe iii caede versatus] vgl. § 98 und Sull. § 10 hominem a pueri- 
tia in omni flagitio, stupro , caede versatum. — Diinirum] Fiir 
die Verbinduug igitur und nimirum vgl. Cic Acad. II § 113 
itaque incognito nimirum assentiar. Mit Unrecht nahm Biichner 
Anstoss und schlug nimia vor statt nimirum — luxurie] Die 
Handschriften schwanken hier und an andern Stellen bei Cicero 
zwischen luxurie und luxuria; ebenso auch in andern Kasus, 
s. Neue Formenl. I, p. 370 flF. — in couvivio interfuisse] Unter 
elf Stellen, an denen Cic. in den Keden interesse mit in kon- 
struiert, steht 6mal die Verbindung interesse in rebus (der 
Dativ rebus nur 2mal), 1 mal in quo ego interfui, 4mal ein 
anderes Substantiv als res, namlich a. u. St. in convivio (da- 
gegen Sest. 111 is interfuit epulis . . parricidarum), in caede 
Tull. § 27, in testamento faciendo Cluent. § 162; in con- 
siliis Verr. act. prim. §48. Der Dativ findet sich in den Reden 
an 19 Stellen. — ullo fere] Krebs - Allgayer Antib, p. 468 lehren 
„fere steht in Verbindung mit negativen Wortern nur nach den- 
selben, nicht vor ihnen; daher non fere, nihil fere, nemo 
fere, nullus fere, nun quam f ere u. a." Bei non quisquam, 
das Cic. nicht gerne zusammenstellt (s. z. § 52), tritt fere eut- 
weder hinter non oder hinter quisquam, vgl. § 112 neque 
mandat quisquam fere, Verr. V, 182 non fere quisquam, 
Sest. 51 non fere quemc|uam. — uihil autem unquam debuit] 
Die Antwort auf die zweite Beschuldigung : aeris alieni mag- 



214 Kapitel XIV § 40. 

nitudo, eingefiihrt durcli autem wie die nachste durch porro. 
C. F. W. Mliller zu Seyfferts Laelius p. 339 : ,sed bezeichuet den 
innern Gegensatz, autem stellt ausserlicli gegenliber ohne 
Rucksicht auf die inn ere Beziehung, die gar nicht gegensatzlich 
zu sein braucht*. — disiuiicta a cupiditate] Gemeint ist die avaritia, 
vgl. Cat. de re rust. praef. 2 ,Virum bonum quom laudabant (sc. 
maiores nostri), ita laudabant, bonum agricolam bonumque 
colonum. Amplissime laudari existimabatur qui ita laudabatur. 
Mercatorem autem strenuum studiosumque rei quaerendae existimo, 
verum, ut supra dixi, periculosum et calaraitosum. At ex agri- 
colis et viri fortissimi et milites strenuissimi gignuntur, maxime- 
que pius quaestus stabilissimusque consequitur, minimeque 
male cogitantes sunt, qui in eo studio occupati sunt (vgl. Plin. 
h. u. 18, 26 principium autem a Catone sumemus : Fortissimi 
viri et milites strenuissimi ex agricolis gignuntur minimeque male 
cogitantes); Varr. de re rust. III praef. ,qui eam (sc. Cererem) 
piam et utilem agere vitam credebant^; s. die allgemeine Be- 
merkung uber das Lob des Landlebens zu § 75. — disiuncta . . . 
'J^ COlliunctaJ zur Paronomasle vgl. § 3. 

§ 40, Mit § 40 (in der Schulausgabe steht als ubersehener Druck- 

fehler § 48) beginnt das Probabile ex causa und zwar wird 
zunachst das erste Argument des Erucius ,patri nou placebat' 
widerlegt. Doch kehrt Cic. bereits im nachsten Paragr. wieder 
zum Probabile ex vita zuriick (rursus eodem revertaraur), 
weil er aus der Betrachtung des Verhaltnisses von Vater zu Sohn 
erweisen muss, dass kein Grund zu einem odium vorlag. Cic. 
gibt sich zwar (iu cap. 15 — 18) alle Miihe, dieses Verhaltnis 
miiglichst freundlich darzustellen, allein es will ihm, wie rair 
scheint^ nicht recht gelingen, uns zu iiberzeugen. Denn auf der 
einen Seite bleibt es doch immer auffallend, dass der Vater eine 
Beriihrung mit seinem einzigen Sohn so selten suchte, wahrend 
ein verstorbener Bruder des Angeklagteu immer bei dera Vater 
sich aufhielt. Oftenbar stiess also den Vater das bauerische Wesen 
seiiies Sohnes ab. Auf der andern Seite ist auch das Benehmen 
des Sohnes nach dera Tode seines Vaters nicht ein derartiges, 
dass es von inniger Zuneigung sprache. Denn ist es nicht 
hochst befremdlich, dass er als Sohn die beideu Sklaven, die 
seinen Vater an dem kritischen Abend begleitet hatten (s. § 123), 
nicht sofort als die beiden einzigen Zeugen der That nach ihrer 
Kiickkehr genau iiber den Hergang ausforschte, sondern sich da- 
rait begniigte, ihra das gebiihrcnde Begrabnis zu Teil werden zu 



Kapitel XIV § 41. 0[5 

lassen? Vielleiclit bildeten also die feinen Sitten des Vaters und 
das in seinen Augen verschwenderische Leben desselben den 
Grund zur Abneigung bei dem Sohne, der zwar ein richtiger, 
tiichtiger und sparsamer Landmann war, aber selhst fiir einen 
Rijmer zu wenig Sinn fiir feinere Lebensart und Bihluug hatte. 
Dazu pfiegte er wie mit dem Vater , so auch mit den Freunden 
der Familie keinen Umgang — alles Punkte, aus denen die 
Gegner den zwischen Vater und Sohn bestehenden Zwist ableiteten. 
Ja es scheint, dass sie gerade auf Grund dieser in Wahrheit 
vorhandenen und nicht nur — wie Cic. uns glauben machen 
will — erdichteten Feindschaft den jungen Roscius des parricidium 
beschuhligten und dabei auf seine Verurteilung von Seiten der 
Richter sicher rechneten. — furorem obiecit] ,eingeben' (manchmal, 
wie hier, mit dem Nebenbegriff des Verblendens), vgl. Liv. 29, 8 
fiu. ,illa pecunia omnibus contactis ea violatione templi furorem 
obiecit', Verg. Aen. 7, 479 rabiem obic. , Liv. 27, 1, 6 plus 
terroris obic. ; Cic. Tuscul. 2, 4, 10 metus et dolor obicie- 
batur; errorem Caecin. § 5 u. 71 ; Hyg. Astron. II, 28 timo- 
rem; Ter. Heaut. 186 laetitiam (Ad. 610 tantum mali). — 
patri nou placebatVJ Ueber diese Wiederholung in der Frageform 
s. d. krit. Anh. — eaiu quoque iustaiu] Man hat an quoijue An- 
stoss genommen und verschiedene Aenderungen vorgeschlagen. 
Allein es steht an seiner richtigen Stelle, wenn wir den folgeuden 
Vergleich in Betracht ziehen. Wenn iiberhaupt, meint Cic, 
eine solche unnatiir 1 ich e That — die causa parricidii — uur 
aus einer grosseu Reihe bedeutsamer Motive erklart werden kann, 
so muss, wenn man den Hass des Vaters gegen seinen noch dazu 
einzigen Sohn als Motiv geltend macht, erst auch dieses 
ebenso unnatiirliche Verhaltnis zwischen Vater und Sohu 
— die causa odii — aus einer hinreichenden Anzahl von zwin- 
genden Ursachen bewiesen werden. Ebenso erklart die Stelle 
Luterbacher im Jahresbericht des phil. Vereins IX p. 20 „c[uoque 
dient haufig zur Verkiirzung des Ausdrucks. Der Sinn ist : necesse 
est enim nou solum causam , cur patrem occideret Sex. Roscius, 
sed eam quoque causam, cur patri filius displiceret, iustam et 
magnam fuissc ; vgl. z. B. Liv. 21, 26, 5 quem ut (erganze : 
non solum superasse Pyrenaeos montes, sed) de Rhodani quoque 
transitu agitare animadvertit'. — incredibile] incred. wie das spa- 
tere non verisimile entsprechen dem technischen Ausdruck im- 
pr b abil e. 

Rursus revertaniur] Dieser abundante Gebrauch von rursus §41. 

Laiidgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. H. Hiilfte. J5 



216 Kapitel XV § 42. 

findet sicli nicht nur bei dcn Dichtern (cf. Lucret. 4, 308 inde 
retro rursum redit) bes der rom. Komodie, s. Brix zu Plaut, 
Mil. 701, sondern auch bei Prosaikern, so bes. bei Livius (vgl. 
(Kuhnast liv. Synt. p. 274) und nocli mehr bei Apuleius (s. Becker 
stud. Apul. p. 25). Ebenso verbreitet ist der pleonastische Zusatz 
von ante oder prius zu Verbis, wie praemittere, praedi- 
cere, und perge porro sagt nicht nur Plaut. Mil. 387, sondci-n 
auch Cic. Pis. 33 und Caecin. 59. Dass besonders die Umgangs- 
und Volkssprache solche Abundanzen liebt, ist leicht einzusehenj 
man vergl. die Sammlung solcher Redeweisen bei Kohler act. ErL I, 
p. 446 ff. — unico] s. § 42. Ueber den Gebrauch von unicus 
sagt Krebs Antib. s. v. „in guter Prosa niir in Verbiudung mit 
filius [dazu wohl auch nepos, Tac. Annal. 1, 3], filia und 
maritus, spes (vgl. Verr. 1 § 104 is cum haberet unicam 
filiam, Liv. 3, 26, 8 spes unica imperii)"'. In der spateren 
Prosa findet es sich nach Anahjgie von spes auch mit solatium, 
auxilium, opem, remedium, votum verbuuden, so bes. bei 
Curtius. Ausserdem hat es, wie das Adv. unice die Bedeut- 
ung unseres einzig = vorzuglich, ausserordentlich in 
seiner Art (bes. im gutou Sinne) ; vgl. p. Quinct. § 41 unica 
liberalitas, Cornif. 111 § 11 unica malitia, ib. § 37 unica tur- 
pitudo ; mehr Belege, auch flir unice, s. in m. Abhdlg. de Cic. 
elocut. p. 29. — quare] Ueber quare adverbiell auf einen Plural 
bezogen s. z. § 94. — at . . . pater igitur] wie oben § 39 at 
hoc ab accusatore ne dici quidem audistis. Luxuries igituretc. — 
coustautissiuius] Die constantia, die unentwegte Festigkeit und 
Besonnenheit des Charakters steht hier im Gegeus. zur amentia, 
vgl. Tuscul. 111 § 9 sanitatem animorum positam in tran- 
quillitate quadam constautiaque ceusebant sc. philosophi*, 
his rebus mentem vacuam appellarunt insauiam. Cf. p. Rosc. 
Com. § 49 quem hominem ? levem? immo gravissimum. 
MobilemV immo constantissimumj Catil. 11 § 25 hinc 
constantia (pugnat), illinc furor. 

Kapitel XV. 
§ 42. Fuerit : fuisse] Ueber den durch den Chiasmus ausgedriicktan 

Gegensatz s. z. § 8 init. — praeciia rustica] „Hier buchstablich 
zu nehmen = LaudgrundstUcke, Landgliter, im Gegens. zu prae- 
dia urbana = Grundstilcke in der Stadt gelegen. Auf leichte, 
natiirliche Weise bildete sich der Gebrauch in der rom. Rechts- 
sprache, unterpraedia urbana Gebaude zu verstehen, gleichviel 



Kapitel XV § 43. 217 

ob iii der Stadt oder auf dem Lande, mit ihrem Zubehor, als 
Garten, Stallung u. dgl., unter praedia rustica landwirth- 
schaftliche G r un dstii cke , auch mit den zugehorigen Ge- 
bauden. Bei jenen ist das Gebaude die Hauptsache, bei diesen 
Nebensache. Diese Unterscheidung tritt bes. in den Lehren von 
den Servituten hervor (s. z. § 24) und hat sich bei diesen ge- 
bildet. Man unterscheidet daher servitutes praediorum rixsti- 
coriim (z. B. iter, via) undserv. praediorumurbanorum 
(z. B. stillicidium)" Osenbruggen. — relegarat] Das bekaunteste 
Beispiel dieser Verweisung aufs Land (relegatio) als Strafe fiir 
missratene Kinder ist das des Diktators L. Manlius Imperiosus 
(a. 363 V, Chr.), cf. Liv. VII, 4, 4 crimini ei tribunus (M. Pom- 
ponius) dabat, quod filium iuvenem, nullius probri compertum, 
extorrem urbe domo penatibus, foro luce congressu aequalium 
prohibitum, in opus servile, prope in carcerem atque in ergastulum 
dederit; Cic. Oflf. III, 112 criminabatur etiam, quod Titum filium, 
qui postea est Torquatus appellatus, ab hominibus relegasset 
et ruri habitare iussisset; Valer. Max. VI, 9, 1, Sen. de 
benef. lil, 37, 3, Oros. V, 16. — coiumeutichim] = fictum, cf. Mur. 
§ 28 quae (scientia) tota ex rebus fictis commenticiisque 
constaret; dieselbe Verbindung hat Cic. Nat. deor. II § 70. — 
confirmaret . . iiifirmemj Paronomasie, s. z. § 3. 

Quid ais?] Quid ais? und sed quid ais? ist eine sehr §43. 
haufige Wenduug im Dialoge, um die Aufmerksamkeit des An- 
geredeten auf die folgende Frage hinzulenken „Hor' mal, sag' 
mal, a propos". Der Angeredete antwortet gewbhnlich quid vis? 
(vgl. Plaut. Most. 614 R., Truc. 1, 2, 85) oder quid est?, und 
dann folgt die Frage selbst, zuweilen aber auch unmittelbar nach 
quid ais? z. B. Trin. 196 sed quid ais, quid uunc virgo? Die 
eigentliche Bedeutung der Formel ist: „aber was meinst du zu dem, 
was ich noch fragen will?" Diese vollere Formel findet sich 
Trin. 931 quid ais? quid hoc quod te rogo? ebenso Pseud. 
459 L.; dagegen folgt ibid. 1162 quid hoc quod te rogo? 
erst zwei Verse nach quid ais? zur Einleitung einer ueuen Frage. 
Ebenso ist es an unserer Stelle, nur dass auf quid ais? das 
abgekiirzte quid hoc? folgt (vgl. Tuscul. I § 25 quid h o c, 
dasne etc). Es zeigt also von Nichtkenntnis dieser Formeln der 
Umgangssprache, wenn einige Herausgeber an unserer St. lesen 
wollten: quid? hoc etc. — fructuosa] Den Unterschied der Be- 
deutung von fertilis und frugifer zeigt Tuscul. II § 13 ager 
quamvis fertilis sine cultura fructuosus (d. i. ertragreich) 

15^' 



218 Kapitel XV § 43. 

esse nou potest; Apul. Flor. p. 128 ed. Bip. magis fructuosa 
insula est quam fertilis. — tlieilda] ,zur Beaufsiclitigung*, was 
sonst Sache des vilicus war. — illius ordiiiis] Es ist der Stand 
der Gutsbesitzer gemeint, wie Cic. Verr. II § 17 von einem ordo 
aratorum, pecuariorum, mercatorum spricht. — ex munici})iis rusti- 
canis] aus den Ackerbau treibenden Munizipien Umbriens, zu 
denen Ameria gehorte; vgl. Verr. I § 127 an vero dubitamus, 
quo ore iste ceteros homines inferiores loco, auctoritate, ordine, 
quo ore homines rusticanos ex municipiis solitus sit 
appellare? — rei faiuiliari seryire] = rei fam. se dare § 18. Die 
Redensarten mit servire sind im Lat. beliebt, so gloriae, 
Catil. I, 23, Sest. 143, pecuniae Tusc. V § 9, vectigalibus 
Orat. II § 171; valetudini et tranquillitati animi ep. 
fam. 5, 20, 5; dignitati Sest. 23, Nep. Att. 6, 5. — operae 
plurimum studiique] cf. Font. 11 plus ego in hac causa laboris 
et operae consumo. Der Gebrauch des Superlativs plurimus 
im Singular attributiv zu Substantiven gesetzt ist in der klas- 
sischen Prosa selten und fast ausschliesslich auf die Verbindung 
salutem plurimam dicit in den Briefilberschriften beschrankt 
(s. m. Bemerkuug in d. BI. f. d. bayr. Gym. W. 1881 p. 177). 
Bei Cicero habe ich nur gefunden de inv. I §8 plurimo cum 
1 a b r e , leg. agr. II § 16 plurimo sudore (als Superlativ zu 
der haufigen Verbindung multo labore et sudore div. Caec. 72, 
Font. 12), ep. fam. 6, 63 plurimo studio, Verr. 11 § 176 
plurimam vestem, plurimam stragulam (wo jedoch die 
Rilcksicht auf die Konzinnitat massgebend war); de orat. I § 193 
plurima est in omni iure civili . . antiquitatis effigies, womit 
zu vergl. Verg. Aen. 2, 269 utique pavor et plurima mortis 
imago. Auch bei den Dichtern der vorklassischen und klassischen 
Latinitat ist dieser Gebrauch selten und fast nur die Verbindung 
salus pluruma zu finden, Plaut. Curc. 429, Ter. Eun. 270, 
Lucil. 633 L. ; ausserdem habe ich nur notiert pluruma praeda 
Plaut. Rud. 909, per laborem plurimum Hor. carm. 4, 2, 29. 
In der silbernen Latinitat jedoch werden die Verbindungen mit 
plurimus haufiger, und zwar scheint Velleius hierin voranzu- 
gehen mit plurimo igne, excidio, sanguine (bis), s. H. Georges 
de elocutione M. Vellei Paterc. 1877 p. 34. Der gleichzeitige 
Valer. Max. hat 4, 4 plurimo cum sudore wie Cicero, Tac. 
Ann. 1, 65 plurimus labor, Hist. 2, 88 plurima strages, 
Dieser Gebrauch nimmt in der spateren Latinitat immer mehr zu, 
umso mehr als man angefangen hatte multus = magnus zu setzen, 



Kapitel XV § 44. 219 

s. Bd. I S. 16 Note 4. So ist bei Orosius die Verbindung plu- 
rima pars (= maxima pars) ungemein beliebt, man vergl. z. B. 
p. 449, 12 Zang., wo er in den von ihm citierten Worten aus Suet. 
Claud. 17 plurimam vor partem einschiebt. Bei ganz spaten 
Autoreu, bes. bei Cael. Aurelianus, begegnet uns nicht selten 
plurimus als entwerteter Superlativ statt multus, z. B, Cael. 
Aurelian. morb. chron. 3, 8, 149 parvo humore collecto sive 
plurimo, s. hierliber Wolfflin lat. u. rom. Komp. p. 60. 

In agro . . ad Tillam] Sclimalz, Latinitat des Asin. Poll. p. 99 § 44. 
vergleicht Poll. ep. fam. 10, 33, 5 ,aut in agris aut in villis', 
Plaut, Rud. prol. 33 ,illic habitat Daemones in agro atque 
villa proxuma propter mare' und will hieraus auf eine Redensart 
der Umgangssprache schliessen. Man vgl. noch Sall. lug. 44, 5 
agros vastare, villas expugnare, Tac. Hist. 4, 46 agros vil- 
lasque, ebenso 5, 23; Frontin. strat, 2, 5, 11 vastari suos agros 
et incendi villas imperavit. Die Hinzufiigung von villa zu 
ager ist sehr erklarlich und in manchem Falle (wie z. B, a. u. St.) 
notwendig, da ja nach Ulp. 1. 27 pr, ,ager est locus qui sine 
villa est'; vgl, daz. Cic. Rosc. Com. § 3.3 qui ager neque 
villam habuit neque ex ulla parte fui cultus . . . tum erat ager 
incultus sine tecto, nunc est cultissimus cum optima villa. 
Villa ist znnachst (nacli Varr. 1. 1. V, 35) der Ort ,quo fruc- 
tus con veheb antur', — ad villani] Aeltere Herausgeber wie 
z. B. Facciolati erklarten ad villara falsch =: ,ad villae 
curam quasi vilicus futurus esset'. Richtig aufgefasst hat den 
Ausdruck Arusianus Messius (s. d. testim.), der die Stelle citiert, 
indem er ihn zusammenstellt mit apud villam bei Ter. Ad. 
4, 1, 1. Dieser Gebrauch der Priipositionen ad und apud fiir 
in c. ablat. gehort der Umgangssprache an und findet sich bes, 
in den Formeln ad, apud forum und ad, apud villam, vgl. 
Brix zu Mil. 930, Petron. 61 huius contubernalis ad villam 
supremum diem obiit; Apul. mag. 87 apud villam nupsisse. 
Bei Cic. findet sich nur noch ad villam Tull. § 20 und apud 
villam Verr, IV § 48, in den spatereu Reden sagt er in villa 
Pis. 89, Mil. 51 ; Phil. I, 8, U, 42, 104. Ausserordentlich haufig 
ist apud von Lander- und Stadtenamen bei Tacitus in den 
Annalen gebraucht, vgL Nipperdey zu Aun. H, 5 apud urbem 
Nolam; Draeger, Synt. d. Tac. p. 38. Cf. Non, 522, 22 ,Error 
consuetudinis apud pro in utitur. Itaque vitiose dicimus, cum 
nos in foro fuisse dicamus, apud aut ad forum fuisse , cum 
apud iuxta significat'. — qiiid? si coiistat . . . taineuiie] Die 



220 Kapitel XV § 44. 

Widerlegiing eines Einwurfs wird haufig durcli quid? si ein- 
geleitet, um der gegnerischen Behauptung einen Fall entgegen- 
zusetzen, welcher dieselbe umstosst, s. Seyffert schol. Lat. I § 65, b. 
Unserer Stelle ist sehr ahnlich Nat. deor. I § 81 quid, si etiam 
falsum illud omnino est . . . tamenne ista tam absurda defendesV 
vgl. auch Caeciu. § 16. 18. — a te] In den alteren Reden (bis 
zum Jahre 62) gebraucht Cicero mit weuigen Ausnahmen die 
altere Form abs te; diejlingere a te steht in der Quinctiana nur 
§ 57, in der Rosc. nur a. u. St. Vgl. Wolffiin Philolog. 34 
p. 144, llellmuth 1. 1. p. 120. 121. — certls fuiulis friiij ,Die Nutzniess- 
nng bestimrater Grundstiicke haben'. Kein, rbm. Privatr. p. 493 
„Eine besondere Modifikation erlitt die Bestimmung, dass die 
Sohne nichts fiir sich, sondern nur fiir den Hausvater erwerben 
konnteu , in dem alten Institut des Peculium (= Sondergut). 
So nannte man das Vermogen oder die Vermogenstiicke, welche 
der Hausvater seinem Sohn oder seinem Sklaven zur eigenen 
Verwaltung in die Hande gab (concedere, donare), aber zu 
jeder Zeit zurlicknehmen konnte" (vgl. z. B. Liv. H, 41, 10). 
Das Wort ist, wie pecunia, von pecus abzuleiten (cf. Festus 
p. 249 M. ,peculium servorum a pecore item dictum est, ut ex 
. . . Liicke . . . pecunia patrum familiae) und verdankt somit 
seine Entstehung jener Zeit, wo das Vieh das circulierende Ver- 
mbgen reprasentierte; cf. Isidor. Origg. V, 25, 5 ,peculium 
autem a pecudibus dictum, in quibus veterum constabat uni- 
versa substantia'. Ueber die verschiedenen Formen des peculium 
s. Rein 1. 1. p. 494 ff. — riisficana relegalio atqne amaiidatio] rele- 
gare und amaudare sind voces mediae. Doch gebraucht Cic. 
letzteres Verbum haufiger und zwar in der Regel in malam par- 
tem (Quinct. 49, dom. 66, Scaur. 42, SuU. 57, Quir. 10). Aiis 
diesem Grunde mag wohl a. u. St. Cic. zu relegatio noch 
amandatio hinzugefiigt haben, ein Wort, das er vielleicht zu 
diesem Zwecke erst an dieser Stelle bildete, wenigstens findet es 
sich sonst nicht. Derartige erliiuternde Zusatze sind bei Cicero 
und auch bei andern Schriftstellern nicht seltenj vgl. die oben 
§ 38 citierten Stellen aus Tuscul. V § 15 und ep. fam. 12, 30, 2, 
wo das in einer selteneren Bedeutung gebrauchte profligatus 
das eine Mal durch paene ad exitum deductus, das andere 
Mal duich paene sublatus erklart wird; vgl. auch § 91 leviter 
transire. Fiir Caesar vgl. 3, 15, 3 tanta subito malacia 
(i. e. ^aXaxla) ac t r anq u illitas exstitit; 5, 12, 6 animi 
volu p tatisque causa. Aus den Komikern gibt hiefiir Belege 



Kapitel XVI § 45. 221 

Hauler Tereiitiana, Wien 1882, p. 24 fF. Cicero hat wie Corni- 
ficius (cf. Tliielmann Cornif. p. 89 ff.) mehrere aua^ eiQrjfxiva 
auf tio gebildet, s. clie reiche Sammlung der ciceron. aTV. €10. 
bei Ellendt zu de or. II § 94. — al) re ipsa atque mitatej ,von 
dem wirklichen Sachverhalt'; vgl. uber diese Formel die Bem. 
zu § 48. 

Neqiie iiaec tw non intellegis] Die beiden Negationen heben sich § 45. 
auf wie de fin. I § 55 nec ob eam causam non multo maiores 
esse et voluptates et dolores animi quam corporis. Krebs Allgayer 
s. v. nec non lehren; ,nec non in der Bedeutung und, wie 
auch dient (ausser bei Varro) klassisch nicht zur Verbindung 
zweier eiuzelner Worter, sondern wird nur zur nachdriick- 
lichen Hervorhebung eines positiven Begriffes gesetzt, wenn ein 
neues Verbum folgt, mit dem es zu verbinden ist, cf. Reisig 
Vorl. p. 826. Selten ist bei Cic. nec non zusammengestellt ohne 
ein dazwischentretendes W^ort, s. Drager H. S. II § 318, 4. Bei 
Varro steht es ohne Trennung und zwar fiir das einfach ver- 
bindende et, nuch gesteigert durch etiam, so II, 1, 22 laboraut 
propter aestus aut propter frigora nec non etiam propter nimium 
laborem etc. So gebrauchen nec non mit hinzugefiigtem et 
oder etiam Vergil, Plinius d. altere. Sueton, bes. aber die afri- 
kanische Latinitat, s. Koziol, Stil des Apul. p. 142, Wblfflin 
Cassius Felix p. 427; vgl. meinen Aufsatz in der osterr. Zeitschr. 
iiber Julius Valerius 1882 p. 433. — contra rernm naturam] ,gegen 
den natlirlichen Lauf der Diuge', weist zui-lick auf ab re ipsa 
atque veritate in § 44, vgl. auch § 48. — coutraqne consuetu- 
dinem] geht zuriick auf die Worte quod consuetudine patres 
faciunt, id quasi novum reprehendis. — COntraque opluiones om- 
nium] weil nach allgemeiner Ansicht eine solche relegatio nicht 
als Strafe zu betrachten ist; cf. § 43 nonne optatissimum 
sibi putant esse etc. 

Kapitel XVI. 

Nachdem Cic. im vorhergehenden Kapitel das Verhaltuis 
zwischen Vater und Sohn in Hinblick auf die relegatio betrachtet 
hatte, um die Behauptung des Anklagei-s zu widerlegen, dass 
diese relegatio als eine Verbannung vom Vater iiber den Sohn 
verhangt worden sei, wendet er sich jetzt zur Antwort auf den 
(von ihm fingierten) Einwurf des Erucius : at enim (= aXXa yccQ), 
cum duos filios etc. und widerlegt diesen durch das Beispiel 



222 Kapitel XVI § 46. 

aus einer Komodie des Caecilius. — hoc] naml. das Folgende. — 
in bouam partem] vgl. Arch. § 32 ea a vobis spero esse in bonam 
partem accepta, Phil. VII, 5 in optimam partem; ep. Att. 3, 25 
bonam in partem accipies. 
§ 46. Si libi forhiiia iion dedit, iit] ,dedit' steht hier im Sinne von 

concessit (wie aucli der Scholiast liest), daher folgt ut, vgh 
die ahnliche Stelle Quinct. § 35 (juod tibi natura dat ut sem- 
per possis, id mihi causa concedit ut hodie possim. — patre 
certoj boshafte Anspielung auf den iiblen Ruf der Mutter des 
Erucius (vgl. auct. schem. dian. ,iniuriosum dictum'); flir die Be- 
deutung von certus = rechtmassig vgl. Ulpian fragm. IV § 2 
qui matre quidem (certa), patre autem incerto nati sunt, 
spurii appellantur. ^ So auch Lael. § 70 in veris patribus 
certisque u. daz. Seyffert p. 442. Ebenso sind certi liberi 
die in legitimis nuptiis erzeugten, de inv. I § 2 nemo nup- 
tias viderat legitimas; non certos quisquam adspexerat 
liberos; Tac. annal. 11, 73 scd hunc . . . uno matrimonio, 
certis liberis egisse. — animiis patriiis] s. z. § 24 sepulcrum 
patrium und Krebs Antib. s. v, patrius. — studiuiu doctriuae] 
Cic. mach,t dem Erucius das Zugestandnis einer feineren Bildung, 
um damit die Berufung auf die Komodie zu motivieren. — a lit- 
teris alienus] Cic. verbindet alienus bei Personen (= abge- 
neigt einer Person oder Sache) mit a, vgl. Rabir. 15 alienum 
a commodis vestris; bei Sachen 1) mit dera Ablativ mit 
oder ohne a {= unpassend fiir Jem. oder etwas), z. B. prov. 
cons. § 18 alienum sibi videri dignitate imperii, ib. § 36 
quo mihi nihil videtur alienius a dignitate raaiorum, ib. §42 
non quo alienura mea dignitate arbitrarer, Jahn zu Or, § 88; 
2) rait dera Genetiv (= non proprius) fin, I § 11 quis alienum 
putet eius esse dignitatis, Acad, I § 42 orania quae essent 
aliena firmae et constantis assensionis, sonst 
selten bei Cicero, in den Reden nicht; 3) mit dem Dativ 
Caec. § 24 id dicit, quod illi «ausae maxime est alienum 
(=• non convenit). Diese bei Cic. sehr seltene Konstruktion ist 
in der Kaiserzeit die allein gebrauchliche oder wenigstens durch- 
axis vorherrschende, vgl. Tac. Hist. 4, 68 Domitiani aniraura 
Varo haud alienura mitigaret ; dial. 31, 30 ne Epicuri qui- 
dem exclamationes assumere . . alienum erit oratori. — 
Caeciliauus] Statius Caecilius, zeitlich in der Mitte stehend zwischen 
Plautus und Terenz (c. 166), bearbeitete Komodien nach neu- 
attischen Orginalen, bes. nach Menander. Die Komodie, welche 



Kapitel XVI § 46. 223 

Cic. hier im Auge hat, ist wahrscheinlich die Hy p o bolima exis 
[sive Siibditivus] betitelte entsprechend der menandriscben 
Wno^oXina7o(; r^ '^yQOixog, liber deren lulialt zu vgl. Varr. r. r. 
n, 11, 11 ,neque non cjuaedam nationes harum (sc. capi-arum) 
pellibus sunt vestitae . . . cuius usum apud antiquos quoque 
Graecos fuisse oportet, quod iu tragoediis senes ab hac pelle 
vocantur di(fd^€oiai , et in comoediis qui in rustico opere 
morantur, ut apud Caecil^iim in Hypobolimaeo habet 
adulescens'. Nach den Ausfuhrungen von Grauert Anal. 81 
sind die drei bei den alten Grammatikern sich findenden Titel 
von derselben Komodie Hypobolimaeus zu verstehen , namlich 
Hypobolimaeus (Subditivus, z. B. bei Gell. 15, 9), Hypo- 
bolimaeus Chaerestratus bei Festus p. 174 M. und Hypo- 
bolimaeus Rastraria bei Nonins p. 40, 3 u. b. Dagegen 
ist eine vierte, Hypobolimaeus Aeschinus betitelte, von 
diesen zu unterscheiden. Die erhaltenen Fragmente des Hypob. 
finden sich bei Ribbeck com. ^ p. 47 sq. Beziiglich der Bemerk- 
ungen des Scholiasten llber den Inhalt der Kombdie urteilt Rib- 
beck 1. 1. p. 48 in d. N. richtig, wenn er sagt ,id magis ex 
ingenio commentatoris quam ex certa scientia fluxisse videtur'. 
(Ebenso ist die Bemerkung zu II § 5 llber die Reden des Mes- 
sala eine erlogene Phrase.) Alles, was wir ilber den Inhalt des 
Stuckes vermuten kbnnen, ist, dass ein Alter darin auftrat, der 
zwei Sbhne hatte, einen achten, Namens Eutychus und einen 
untergeschobenen , Namens Chaerestratus. Den ersteren liess er 
auf dem Lande erziehen (vgl. Quintilian, I, 10, 18 ,et apud 
Menandrum in Hypobolimaeo senex, qui reposcenti filium patri vehit 
rationem impendiorum, quae in educationem contulerit, exponens 
psaltis se et geometris multa dicit dedisse'), den letzteren behielt 
er bei sich iu der Stadt. Den Namen Eutychus = EvTVxri^;, 
dessen seltene Nebenform Evxvxog ist, hat auch ein JUngling in 
dem Mercator des Plautus. — iit opilior] vgl. Verr. IV § 4 idem, 
opinor, artifex eiusdem modi Cupidinem fecit etc, ib. § 5 is 
(Hercules) dicebatur esse Myronis, ut opinor; ep. fam. 15, 6, 1 
,Laetus sum laudari me* inquit Hector, opinor apud Naevium etc. 
Flacc. § 65 namque ut opinor Asia vestra constat ex Phrygia, 
Mysia, Caria, Lydia; Mil. 98 centesima lux est haec ab interitu 
P. Clodii, et, opinor, altera, Ich habe diese Beispiele mit Ab- 
sicht so zusammengestellt, damit man daraus ersehc; dass Cicero 
durch diesen Zusatz bei Angabe von Details sei es in Fragen 
der Kunst oder Wissenschaft, der Geographie oder Chronologie 



224 Kapitel XVI § 47. 

den Scheiu eiues pedautisch-genaueu Wissens vermeiden will. Als 
parenthetischer Zusatz erscheint opiuor mit und ohne ut, credo 
immer ohne ut, dagegen spero ohue ut sehr selten, so im Diahjg 
Leg. II § 69 pergam equidem et . . . hodierno sermone conficiam, 
spero uud ep. Qu. fr. 1, 4, 3 de novis tribuuis plebis est ille 
quidem in me ofticiossimus Sestius et, spero, Curius, Milo etc. 
Auch hier beruhren sich also Briefstil uud Umgangssprache , cf. 
Plaut. Asin. 2, 5, 67, Ter. Ad. 3, 3, 57. 
§ 47. Ad istas ineptias] jineptiae' steht hier im Sinne von nugae 

= Possen (wie auch der Schol. Gron. liest, s. daz. ra. N.), cf. 
Tuscul. II § 29 ad ineptias redis. Sonst findet es sich auch 
in der Bedeutung ,Redensarten, Phrasen*, bes. in der Formel 
verba et ineptiae, so Flacc. 12 quibus iusiurandum iocus 
est ... existimatio verba et ineptiae (cf. Hor. Epist. 1, 
6, 31 virtutem verba putas „und die Tugend , sie ist kein 
1 e e r e r S c h a 1 1"), Piso 65 existimatio, dedecus, infamia, 
turpitudo verba atque ineptiae, vgl. iiber diesen 
Gebrauch von verba d. N. z. §123. — qiiaiDvis milltos] ,beliebig 
viele', cf. Verr. II § 102 hac actione quam voletis multi 
dicent, ib. § 142 quam volent magna hoc nomine pecunias 
capere possint; ebenso § 91 der Rosc. quamvis diu. — uoilli- 
Datilil proferre] Cic. sagt in diesem Sinne auch nominatim ap- 
pellare, z. B. Sest. § 141 qitos nominatim appellari non 
est necesse. Ebenso sagt er aliquem aliquo nomine appellare 
(s. z. § 93), aber nicht nomine nominare. Es zeigt sich 
also in diesen Wendungen das Bestreben Ciceros etymologischen 
Figuren auszuweichen uud dafiir die permutatio eintreten zu 
lassen, vgl. m. Abhdlg. de fig. etym. p. 30. — ne longius abeaui] 
,um nicht weiter zu suchen', cf. Caeciu. § 95 ut ne longius 
abeam. — tribules] lu der besseren Latinitat findet sich weder 
contribulis noch concivis, sondern erst spat auf Inschriften 
und im Kirchenlatein, s. die Belege im Wbrterbuch von Georges. 
Auch condiscipulus (und condiscipulatus) hat mehr einen 
vulgaren Beigeschmack, wie sein Vorkommen bei den Komikern, 
Petron und Apuleius beweist, vgl. Nipperdey- Lupus iu d. gross. 
Ausg. zu Nep. Att. 5, 3. Fiir condiscipulus fehlt bei Georges 
eine Stelle aus dem pseudo-boethiauischeu Traktat de dis et 
p raesensionibus p. 392, 7 Baiter ,coauditor et condis- 
cipulus'; ersteres Wort kennen die Lexika nicht; s. Staugl 
Fleckeis. Jahrb. 1883 p. 206. Arpinum gehbrte der tribus 
Cornelia an, vgl, Liv. 38, 36, 9 rogatio perlata est, ut in 



Kapitel XVI § 47. 225 

Aetnilia tribu Formiani et FundaDi, in Cornelia Arpinates 
ferrent; Orelli Inscr. lat. sel. i, 572 M. Tullio M. f. M. n. M. 
pn. Cor(nelia) Ciceroni etc. — hoiuiues uotos siiniere] Ueber 
die Lesart natos s. d. krit. Anhang; fur sumere ,anfuhren' vgl. 
Sest. § 27 quid enim quisquara potest ex omni memoria sumere 
inlustrius? — ex agro Yeieuti] Nach Niebuhr rom. Gesch. 11 
(2. Ausg.) p. 694 ist ,ager = die Mark' die Gesaratheit des einer 
Staatsgeraeinde eigeutumlichen Bodeus, im Gegensatz von terra, 
Land, welches viele solcher Eigentumsbezirke nebeu einander be- 
greift: terra Italia, Graecia. Der ager Veiens war grosser 
als der ager Romanus, cf. Liv. 5, 24, 5 cur enira relegari plebem 
in Volscos, cum piilcherrima urbs Vei agerque Veien- 
tanus in conspectu sit, uberior ara pliorque Rora ano agroV 
Mit der Eroberuug von Vei war auch der Glanz und die Macht 
dieser Stadt vernichtet, vgl. Florus 1, 6, 11 hoc tunc Vei fuere: 
nunc fuisse quis meminitV quae reliquiae? quod vestigium ? 
laborat annalium fides, ut Veios fuisse credaraus. Die 
Stelle des Florus hat Amraian, 23, 5, 20 vor Augen: ,Roma 
Faliscos ita oppressit et Veios, ut suadere nobis laboret monu- 
mentorura veterum fides, ut has civitates aliquando valuisse 
credamus*. — Interessant in mancher Beziehung ist auch die 
Bemerkung des Wittenberger Professors Saxonius in s. Komm. 
z. d. St. „Ubi olim Vei siti fuerunt, ibi nunc oppidum est Ca- 
strura Italice dictura: unde fuit Paulus Castrensis, nobilis iure 
cousultus : et ante paucos annos Tertius Paulus pontifex Romauus 
filium fecit ducem Castri, id est Veientum" (naml. seinen natur- 
lichen Sohn Pietro Luigi Farnese). Von den kyklopischen Mauern 
der alten Stadt finden sich auf dem steilen Berge beim Flecken 
Isola Farnese (= Insula Farnesiorum, wie Facciolati angibt) 
noch Spuren. — Eteuim haec] Vgl. hiezu Donatus de tragoedia 
et comoedia, p. 8 Reiffersch. ,comoediam esse Cicero ait (de rep. 
fragm. IV, 11) iraitationem vitae, speculum consuetudinis, imaginem 
veritatis, ibid, v. 16 ,ut intenti speculo veritatis lineamenta facile 
per iraagines colligimus, ita lectione comoediae imitationera vitae 
consuetudiuisque non aegerrirae aniraadvertimus'. — couficta • , . 
efficta] Paronomasie — expressamque imagiuem] ,naturgetreues Bild'; 
,expressus ist technischer Ausdruck von den runden, die volle 
Korpergestalt ausdriickenden Formen, welche die plastische Kunst 
schafft, im Gegensatz zu den flachen Schattenrisseu (imagines 
adumbratae) der zeichnenden Kunste'. Halm; vgl. Rosc. Cora. 
§ 20 ,nam Ballionem illum improbissimum et periurissimura lenonem 



226 Kapite! XVI § 48. 

cuin agit (sc. Roscius), agitChaeream : personailla lutulenta, impura, 
invisa in liuius moribus, natura vitaque est expressa. 
§ 48. Age liunc] Haufige Uebergangsformel bei Cic, wie auch age 

allein und age vero (vgl. Seyffert schol. I § 26), mit einem 
Imperativ oder Konjunktiv verbunden, in welchem der speziellere 
Inhalt der Aufforderung enthalten ist. Wie hier mit dem Imperativ 
auch p. Sull. § 72 agedum conferte nunc cum illis vitam 
P. Sullae. Dagegen heisst es § 93 unserer Rede age nunc . . 
c o n s i d e r e m u s , § 105 a g e n u n c i 1 1 a v i d e a mu s , § 108 
age n un c . . . consid eremus, nachdem Cic. in § 92 angefaugen 
hatte mit videamus nuuc. Die Dichter sagen nunc age, so 
Lucrez I, 265 nunc age . . accipe, ib 921 nunc age . , cog- 
nosce; ib, 953 nunc age . . evolvamus. — sis] = si vis, cf. 
Or. § 154 libenter etiam copulando verba iungebant, ut ,sodes' 
pro ,si audes', ,sis' pro ,s i v i s^ Diese kontrahierten Formeln, 
wozu noch sultis = si vultis (z. B. Plaut. Capt. 453) kommt, 
gehoren der Umgangssprache an und geben dem Imperativ, zu 
dem sie treten, einen gemlitlichen Beisatz. Sis lindet sich bei 
Cic. noch p. Mil. § 60, dagegen steht si vis Planc. § 23, aller- 
dings beim Konjunktiv adiungamus; sodes ep. Att. 7, 3, 11; 
Fritzsche zu Hor. Sat. 1, 9, 41. — ad Teritateni] ,zur Wirklich- 
keit' im Gegens. zu den personae fabularum, wie Lael. § 70 
die veri patres denen der fabulae entgegengesetzt sind. Diese 
Bedeutung hat veritas bei Cic. haufig, so p. Mur. § 60 doc- 
trina paulo asperior et durior quam veritas aut natura patitur, 
Fin. IV § 55 sensus enim cuiusque et natura verum atque 
ipsa veritas clamabat etc. (cf. Hor. sat. 1, 8, 97 cum ventura 
ad verum = veritatem est: sensus moresque repugnant), Tusc. 
V § 14 quum autem animum ab ista pictura imaginibusque vir- 
tutum ad rem veritatemque traduxeris, de orat. I § 77 videa- 
mus ne phis ei tribuas, quam res et veritas ipsa concedat. 
Einen gewissen Gegensatz zu dieser Formel bildet die oben § 47 
besprochene verba et ineptiae. — in Unibria] wo Ameria lag. — 
IH llis nmnicipiis] in Latium ; durch his wird der Gegensatz zu den 
fernereu in Umbrien angedeutet. — patribus fauiilias] Die Iland- 
schriften lesen hier und Verr. III § 183 patribus familiis. 
Von neueren Herausgebern hat nur Fleckeisen a. u. St. die 
seltsame Lesart aufgenommen. Diese monstrose Form ist, wie wir 
im Folgenden zeigen, bervorgerufen worden durch ein Missver- 
stJindnis der Nebeuformen patres familiae (wo man familiae 
als Nom. Plur. ansah) und des Gen. Plur. patrum familiarum 



Kapitel XVI § 48. 227 

(vomNomin.: patres familiarum), welcbePluralform seitSisenna 
beim Plural gesetzt wurde^ cf. Varro 1.1. 8, 38, 73 plures patres 
familias dicere non debuerunt, sed ut Sisenna scribit, patres 
familiarum, Charis. p. 107, 14 K. ait enim eum qui diceret 
pater familiae etiam pluraliter dicere debere patres fami- 
liarum et matres familiarum. Damit steht nicbt in Wider- 
spruch, was Charis. an einer andern Stelle sagt p. 120, 10 K. 
Sisenna, inquit, eum qui diceret pater familiae, patrum 
familiaruTn opoi'tere dicere, wenn man als Nom. patres fa- 
miliarum nimmt. Charisius fahrt dann fort ,Itaque patrum 
familiarum cum consuetudinis taedium respuerit, et pater 
familias dici perseveratum est'. Damit stimmt ferner, dass die 
dem Sisenna folgende Litteratur Formeu mit dem Genetiv fa- 
miliarum nur abhangig von den Pluralen patres, matres 
patrum, filios etc. kennt (s. d. Belege bei Neue I p. 8). Eine 
Form patribus familiis kann sonach dem Cicero nicht zuge- 
schrieben werden, sondern wenn sie uberhaupt je ausser in dem 
Hirn eines bornierten Grammatikers existiert hat, erst der sinken- 
den LatinitJit. Denn wenn Servius Verg. Aen. 11, 801 bemerkt: 
,multi volunt in numero plurali nomen utrumc|ue declinari, ut di- 
camus hi patres familiae, horum patrum familiarum, 
so folgt daraus noch nicht, dass man auch wirklich his patri- 
bus familiis sagte, sonderu gerade das Verschweigen des Dativs 
zeigt, dass Servius nur die beiden genannten Formen aus der 
Litteratur kannte, wobei er falschlich familiae als Nom. Plur. 
fasste, austatt als Genet. Sing. (Gracchus sagte nach Charis. an 
d. ersten Stelle patres familiae). Wie steht es nun mit dem 
Zeugnis des Priscian 6, 1, 6 p. 199, 6 H. fiir die Form patri- 
bus farailiis bei Cic. Verr. 3 § 183? Nachdem er dort iiber 
die Genetive escas, Monetas etc. gesprochen, fahrt er fort: 
Cicero in IV. Verrinarum (II § 136) liberos, matres familias, 
bona fortunasque omnes. Dicitur tamen et pater familiae et pa- 
tres familiae et familiarum etfamiliis. Man sieht, Priscian 
spricht hier nicht von einer Gleichmachung der Kasus bei der Dekli- 
nation von pater familias im Plural, sonst wiirde er die Formen 
patrum familiarum und patribus familiis namhaft machen. 
Er geht vielmehr von der gewcihnlichen Form pater familias aus 
und fiigt zunachst hinzu, dass man auch dafiir pater familiae 
sage. Indem er nun auf die Deklination im Plural iibergeht, 
nennt er zuerst die Forra patres familiae (wo farailiae als 
Gen. Sing. steht), dann als 2te die von Sisenna eingefiihrte patres 



228 Kapitel XVII § 48. 

familiarum; als 3te kann Priscian nur patres familias an- 
gefiihrt haben. Und wie ist die Falschung entstanden? Sehr 
wahrscheiulich durch das Missverstandnis des Abschreibers, der 
in patres familiae letzteres als Nom. Phir. auffasste, wozu 
der Genetiv familiarum stimmte uud wozu er familiis in wohl- 
meinendster Absicbt als Dativus fiigte. Ebenso wird an den 
beiden Cicero-Stellen die Form familiis auf Kosten eines ge- 
dankenlosen Abschreibers zu setzen sein. Dabei wollen wir in 
Beriicksichtigung der Serviusstelle die Moglichkeit nicht laugnen, 
dass in der spateru Zeit patribus familiis gesetzt worden sei, 
wiewohl uns dafiir kein Beleg erhalten ist. Die Produkte der 
verfallenden Latinitat sind zu reich au ahnlicher Monstruositaten, 
als dass sie nicht auch diese fertig gebracht hatten. Was war 
auch natiirlicher als dass, wenn man die Formen patres fami- 
liae (fam. als Nom. Plur.), patrum familiarum (z. B. Sueton 
Aug. 59 nonnulli patrum familiarum) und patres fami- 
lias (wo farailias als der Accusativ Phir. genommen wurde) vor- 
fand, eine Form patribus familiis sich mit Notwendigkeit fiir 
den Dativ Phir. ergab? — iam ilitellegesj Bei der imperativi- 
schen Form der Protasis eiues Bedinguugssatzes, wird die Apo- 
dosis entweder ohne eine kopulative Partikel eingeleitet oder ge- 
wohnlicher mit iam, zuweilen mit tum; archaisch- vulgar ist in 
diesem Falle et, so bei Cat. r. r. 6^ 3 ulmos serito . . . et 
materies, siquo opus sit, parata erit. Petron. 137 quodvis opta, et 
veniet. Siehe hieriiber Nagelsbach-Miiller^ 7. Aufl., p. 638 und 
die dort citierte Litteratur. 

Kapitel XVII. 
Nisi ine fallit aniiuusj Gebrauchlicher ist die elliptische Formel 
nisi me fallit, Die vollei'e Phrase findet sich nur hier bei 
Cicero und gehort mehr der alteren LatinitJit an, so bei Plaut. 
Men. 5, 9, 23, Ter. Heaut. 614. 668; Phorm. 735. Sallust, der 
solche Archaismen liebt, sagt Cat. 20 fin. nisi forte me ani- 
mus fallit. Lucrez setzt an 3 Stellen (I, 136. 922, V, 97) 
nec me animi fallit; vgl. m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 41. Eine 
ahnliche Wendung ist nisi me opinio fallit Fronto p. 23 N. — 
permiiltos uovi, qui . . iiicensi sunt] Der Indicativ wie Off. I § 43 
sunt multi, qui eripiunt u. daz. C. F. W. Miiller. — et ipsij 
steht mit dem folgenden vitamque in Korresponsion. Der Ge- 
brauch von et-que ist bei Cicero selten (vgl. Drager H. S. II 
§ 322) , darf aber nicht mit Madvig (zu fin. V § 64) als Nach- 



Kapitel XVII § 49. 229 

lassigkeit des Verfassers aiisgelegt werden, der am Schlnss die 
erste Partikel vergessen. Cic. liat, wie mir scheint, gerade an 
unserer Stelle mit Absicht zu dieser Variation gegriffen, da er 
et-et schon einmal zuvor verwandt hatte (et ego-et unusf|uisque 
vestrum) und gleich darauf noch einmal gebraucht (et honestis- 
simam et suavissimam). Es darf also a. u. St. nicht et mit 
ipse verbunden werden (vgl. ep. fam. 3, 9, 2 etsi et ipse ita 
iudicabam et fiebam certior) = ipsi quoque (wie Richter- Fleck- 
eisen erklaren) , zumal et ipse in dieser nach Livius iiblich ge- 
wordenen Weise bei Cicero nirgends unangefochten steht, s. den 
Nachweis iiber die einzelnen in Frage kommeuden Stellen bei 
Iwan Miiller in der 7. Aufl. der Nagelsbach'schen Stil. p. 292 
Anm., der daselbst zuletzt die Ansicht ausspricht, dass „in Stellen 
wie Cluent. § 141 und Caes. § 58 et nach dem spateren Sprach- 
gebrauch, den ja auch Caesar und Sallust nicht kenuen, inter- 
poliert wurde". In derselben Weise, wie von uns, wird die Stelle 
auch von Madvig (a. a. 0.), Drager (a. a. 0.), Halm, Hellmuth 
act. Erlang. I p. 152 und C. F. W. Miiller erklart. Letzterer 
sagt in der adnot. crit. p. XIV ,et ipsi non recte mihi videntur 
quidam interpr. explicare; est enim : „et ipsi pro sua parte incensi 
sunt eo studio et omnibus hominibus honestissimum esse arbitran- 
tur". — et hoiiestissiniani et suavissimam] Wie man zur Zeit Colu- 
mellas iiber die Beschaftiguug mit dem Landbau dachte, zeigen 
dessen Worte in der Praefatio s. Schrift de re rust. p. 1 Bip. 
^nec post haec reor intemperantia caeli nobis ista, sed nostro 
potius accidere vitio, qui rem rusticam pessimo cuique servorum, 
velut carnifici, noxae dedimus, quam maiorum nostrorum 
optimus quisque optime tractaverit' und p. 16, 11 ,nunc 
et ipsi praedia nostri colere dedignamur et nullius momeuti duci- 
mus peritissimum quemque villicum facere . . . sed sive fundum 
locuples mercatus est, e turba pedisequorum lecticariorumque 
defectissimum annis et viribus in agrnm relegat'. 

Quid censes hunc ipsum] Mitquid censes (censetis, cense- §49. 
mus) wird haufig eine im Acc. c. Inf. folgende spezielle Frage ein- 
geleitet, cf. Orat. III § 34 quid censetis, si omnes oratores am- 
plecti voluerimus, nonne fore ut etc. Dabei wird manchmal 
durch eine Art Prolepsis das Subjekt dieser Frage als Objekt zu 
censes heraufgenommen. Der Ursprung dieser Art der Frage- 
stellung ist wohl zuruckzufiihren auf die in der Umgangssprache 
beliebten Formelu ,quid censes oder quid putas illum?' was 
denkst du von ihm ? Plaut. Trin. 811 ; Ter. Andr. 853, Ad. 656. 



230 Kapitel XVII § 49. 

Vgl. noch aiis Cic. Offic. II § 25 ,f[uicl censemus superio- 
rem illum Dionysium, quo cruciatu tiraoris angi soli- 
tum?' und gleicli darauf quid Alexandrum Pheraeum 
(sc. censes), quo animo vixisse arbitramiir, \vo zu dem Acc. c. 
Inf. das Verbum arbitramur noch hinzugefligt ist wie Hor. ep. 
1, 6, 5 quid censes munera terrae . . . quo spectando modo, 
quo sensu credis et ore? Cic. div. II § 23 quid Caesarem 
putamus si divinasset fore ut . . . trucidatus iaceret . . . quo 
cruciatu animi vitam acturum fuisse? — ut ex his propinquisj 
Die Verwandten waren als advocati vor Gericht zugegen. — in 
isto artificio accusatorio] ,in deinem Handweik als Anklager', vgl. 
p. red. in. sen. § 9 nec enim eguissem medicina consulari = 
,der heilenden Hand eines Konsuls^ Siehe hieriiber Niigelsbach 
Stil. § 20, 2 p. 66. Es ist klar, dass Cic. diesen Vergleich 
selbst fingiert. — caliidior] callidior ist wie artificium vox 
media; cf. Cic. nat. deor. III § 25 callidos appello, quorum, 
tamquam manus opere, sic animus usu concalluit= ,gerieben'; 
Scaur. § 24 atqui homines prudentes natura, callidi usu, doc- 
trina eruditi; nicht selten mit peritus verbunden, so p. dom. 
§ 47 quid tulit legum scriptor peritus et callidus, Orat. I 
§ 48 in his rebus satis callide versari et perite potest. — 
verum ut opinorj ironisch ,aber freilich'; ohne ironischen Sinn haufig 
bei Lucrez 1, 684 verum, ut opinor, itast; 5, 330. — fraildi] 
In den juristischen Formeln ,fraudi esse' und ,sine fraude' 
hat fraus die Bedeutung ,Schaden', cf. Serv. zu Verg. Aen. 
X, 12 ita euim in iure lectum est: fraudi erit illa res i. e. 
periculo , wo es richtiger hiesse damno statt periculo. Cicero 
gebraucht die Wendung ,fraudi esse' haufig in seinen Schriften 
gegeuiiber anderen Autoren ; nach Nielander 1. 1. p. 28 in den 
Reden 12mal, in den Briefen 4mal. Sonst belegt er sie (im II. 
Programm iiber d. faktitiv. Dativ. p. 19) uur noch aus Livius 
3mal, aus Sueton 1 mal. Die audere Wendung sine fraude 
(altertiimlich se fraude Cic. Leg. II § 60, Gell. 20, 1, 49 aus 
den XII Tafeln) findet sich hjiufig in Gesetzen und Vertragen, 
so in der citierten Stelle bei Cicero, Liv. 1, 24, 5 iu eiuer Biindnis- 
formel, Sall. Cat. 34, 2. Ausser in diesen formelhaften Wend- 
ungen hat fraus bei Cic. selten die Bedeutuug = damnum, so 
ep. Att. 7, 26, 2 id mihi fraudem tulit: zweifelhaft ist Leg. 
III §'11, s. Mesnil z. d. St. — at parurn miseriae . . . nisi 
etiam] Cf. Hand Turs. IV, 400 ,additur exceptio per ui, nisi 
(cum coniunctivo) ita ut ascendat oratio ad id quod uiraium 



Kapitel XVIII § 50. 231 

est'. Ebenso nach den Ausdrlicken non satis habere, non 
sufficit, non contentus est, vgl. § 150 si non satis habet 
avaritiam suam pecunia explere , nisi etiam crudelitati sanguis 
praebitus sit; lustin. 1, 7, 15 non contentus voluptatum suarum 
tacita conscientia, nisi etiam matrimonii reticenda publicaret, 
Oros. H. 3, 5, 3 (ivl. Curtius) iniecit crudeli terrae inopimam 
satietatem, cui parum esset quod ex tanta pestilentia mortuos 
per sepulchra susciperet, nisi etiam vivos scissa sorberet. — 
Mehr Beispiele gibt Paucker Rhein. Mus. N. F. 37 , p. 562 ; Z. 
f. d. oster. Gymn. 1881 p. 493. — crimiui] Gerade sein standiger 
Aufenthalt auf dem Lande bildete ja einen Hauptstiitzpunkt der 
Anklage, s. d. Bemerkuug zu § 40. 

Kapitel XVIII. 

Ne tn] Die Versicherungspartikel ne schrieb man seit Lauren- §50. 
tius Valla nae (vgl. Haase zu Reisig § 169, N. 312). Allein 
diese Schreibung findet sich in weniger guten Handschriften, vgl. 
bes. Fleckeiseu im Phihjhjg. II p. 62 s(j[., Xeue Formenl. II 
p. 816. Ueber den Gebrauch der Partikel s. Reisig § 219 und 
daz. d. Note Haases, Krebs-Allgayer p. 740. — ab aratro arcesse- 
bantur] Die Stelle hat jedenfalls Val. Maxim. IV, 4, 4 im Ge- 
dachtnis, wenn er schreibt ,illi etiam, qui ab aratro arcesse- 
bantur ut consules fierent', denn iu § 5 spricht er auch 
von Atilius mit ahnlichen Worten ,Atilium autem , qui ad eum 
arcessendum a senatu missi erant ad imperium populi Komani 
suscipiendum, semen spargentem viderunt'. — Man nimmt ge- 
wohnlich an, dass jener C. Atilius Kegulus gemeint sei, der den 
Beinamen Serranus hatte und in den Jahren 257 und 250 Konsul 
war, cf. Cic. Sest. § 72 alter vero^ nou ille Serranus ab 
aratro; Enuod. Pan. 4 Serranum scipionibus aratra pepereruut: 
qui dum grandia sulcis semina commendaret, honorum ei messis 
oborta est. Im Altertum leitete man den Naraen vou serere 
ab, so Plin. H. N, 18, 20 ,serentem iuvenerunt dati houores 
Seranum, unde ei et cognomen' ; Schol. in Pers. I, 74 ,c[ui a 
serendo Serranus appellatus est, ut Virg. (VI, 844) nec te 
sulco Serrane serentem'. Da sich jedoch auf Inschriften und 
Miinzen der Name Sa(r)ranus findet, so ist es wahrscheinlicher, 
denselben von der umbrischeu Stadt Saranum abzuleiten; cf. 
Orelli Onomast. Tull. II, p. 86. — qui missi erant] Diese Boten 
hiessen viatores, cf. Columell. praef. p. 18, 16 Bip. ,illis eniui 
temporibus proceres civitatis in agris morabantur et cum consilium 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Halfte. \Q 



232 Kapitel XVIII § 50. 

publicum desiderabatur, e villis arcessebantur. Ex c|uo 
qui eos evo cabant, viatores norainati sunt'. Diese Worte 
stimmen so auffallend mit Cic. Cat. M. § 56 iiberein ,a villa 
in senatum arcessebatur et Curius et ceteri senes, ex quo 
qui eos arcessebant viatores nominati sunt^, dass man 
aunehmen muss, Columella habe Cicero ausgeschrieben oder beide 
eine altere Quelle, vielleicht Cato. Vgl. Festus p. 371 M ,via- 
tores appellantur, qui magisti-atibus apparent. Eo quia initio, 
omnium tribuum cum agri iu propinquo erant urbis atque assidue 
homines rusticabantur , crebrior opera eorum erat i n v i a , quam 
urbe, quod ex agris plerumque homines vocabantur a magistrati- 
bus'. — G. Schneider in der Berliner Zeitschr. f. d. Gymnasiahv. 
1882 p. 432 ff", spricht die Ansicht aus, dass Cato an obiger Stelle 
bei Cicero viator von villa ableite, also viatores aus villa- 
tores entstanden sei. Hierzu will ich noch eine interessante 
Stelle aus Varro de re rust. I, 2 geben, welche zeigt, dass die 
Volkssprache sowohl via wie villa von dem namlichen Stamm 
ableitete : ,Villicus agri colendi causa constitutus atque appella- 
tus a villa, quod ab eo in eam convehuntur fructus et eve- 
huntur, cum veneunt. A quo rustici etiam nunc quoque 
viam, veam appellant propter vecturas, et vellam, non 
villam, quo vehunt et uude veliunt. Item dicuntur, qui vec- 
turis vivunt, velaturam facere'. — at hercule] Die Verbind- 
ung dieser beiden Partikeln hat Cicero in den Keden noch imp. 
Pomp. § 54 at hercule aliquot annos continuos populus Roma- 
nus maxima parte imperii caruit; ausserdem Tuscul. V § 12 A. 
,Non mihi videtur ad beate vivendum satis posse virtutem'. M. 
,At hercule Bruto meo videtur'. Auch bei Spateren treffen 
wir at hercule wieder, besonders bei Livius (aber immer in 
Reden, ausser der Rede nur 9, 18, 16, s. die Stellen bei Erieders- 
dorff im Anhang zu Liv. 28, 32, 8, p. 124) und bei Tacitus, 
vgl. Nipperdey zu Annal. I, 3, 4 „die Hinzufugung des Schwurs 
hercule bezeichnet jeden heftigen Affekt, hier die Freudigkeit 
des Schriftstellers iiber dies Ereignis". Colum. I pi-aef. p. 17, 30 
Bip. at mehercule vera illa Romuli proles etc. — longe aliter] 
Am besten ausgesprochen hat diese Ansicht der maiores Cato in 
der praefatio seiner Schrift de agr. § 2; die Stelle ist citiei-t 
§ 39, vgl. § 48 fin. und zu § 75. — de ceteris talibns] wie z. B. 
von L. Quinctius Cincinnatus, M.' Curius Dentatus, C. Fabricius. 
Ueber ersteren vgl. Liv. 3, 26, 7 ff. und dazu Plin. H. N. 18, 
3, 20 aranti quattuor sua iugera in Vaticano, quae prata Quintia 



Kapitel XVIII § 51. 233 

appellaiatur , Cincinnato viator attulit dictaturam et quidem, ut 
traditur, nudo plenoque pulveris etiam tum ore. Ueber die beiden 
letzteren s. Colum. I praef. p. 17, 4 Bip. C. Fabricius et Curius 
Dentatus, alter Pyrrho finibus Italiae pulso, domitis alter Sabinis, 
accepta, quae viritim dividebantur , captivi agri septem iugera, 
non minus industrie coluerit quam fortiter armis quaesierat. — 
ex miuinial Osenbrliggen vergleicht passend p. Cael. § 39 ,ex hoc 
genere illos Fabricios esse arbitror, Caraillos Curios omnesque 
qui haec (vgl. liber dieses oft so gebrauchte haec = rempubli- 
cam Romauam Nagelsb. § 50 fin.) ex minimis tanta fece- 
rvint' und Salhist. Cat. 52, 19 ,nolite existumare raaiores nostros 
arrais rempublicam ex parva magnam fecisse .... alia fuere, 
quae illos magnos fecere . . . domi industria, foris iustum 
imperium' etc. — quiblis rebus] ,Durch diese beiden Eigenschaften^ — 
anxenmt] Zum Ausdruck vgl. Sall. Cat. 6, 3 ,sed postquam res 
eorum (sc. Romanorum) civibus moribus agris aucta, satis 
prospera satisque pollens videbatur^ 

Neque eo . . quo] Diese vollere Form statt non quo hat Cic, § 51. 
uoch Quinct. § 5 non eo dico, quo und ep. Att. 3, 15, 4 
neque haec eo scribo, quo; cf. Ter. Heaut. 554 ,neque eo 
nunc dico, quo^, vgl. auch m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 42. — 
suiuiui viri clarissimique homines] Ungewbhnlich ist hier clarus 
mit homo verbunden, um Manner zu bezeichnen, die durch 
moralische Vorzilge hervorragen, vgl. R. Com. § 42 ,quem 
tu si ex censu spectas, eques Romanus est, si ex vita, homo 
clarissimus est', Orat. III § 13 ,casus clarissimorum ho- 
minum atque optimorum virorum'. Denn homo steht sonst ge- 
wbhnlich bei schlechten Charaktereigenschaften (h. nequam, 
improbus), oder bei den Eigenschaften der Geburt (h. nobilis, 
novus, Romanus), wahrend vir nur bei guten Eigenschaften des 
Charakters und zwar besonders vom Staatsmann sich findet, 
wie auch an unserer Stelle durch summi viri Manner bezeichnet 
werden sollen, welche einen hohen Rang im Staate bekleiden; 
vgl. § 6 vir clarissimus et fortissimus. Ein schbnes Beispiel fiir 
diesen Gebrauch von vir und homo ist p. Sest. § 89: ,Cervices 
tribunus pl. privato, praes t antis si m u s vir pr ofli gatiss imo 
homini daret?^ — omui teiupore] Es ist bemerkenswert, dass 
Cic. den umschreibenden Ausdruck ,omni tempore', der doch 
offenbar den Begriff ,immer^ noch mehr hervorheben soll, in 
unserer Rede 5mal gebraucht, namlich ausser a. u. St. § 16. 42. 
81. 127, wahrend er in den samtlichen iibrigen Reden nur 3mal 

16* 



234 Kapitel XVIII § 52. 

ersclieint. Wir erblicken darin wiedcrum einen Beweis fur die 
zu § 5 ausgesprochene Beliauptung, dass Cic. in dieser Jugend- 
rede absichtlich sich mehr volhonender und krattiger Worte und 
Ausdriicke bedient habe. Uebrigens greifen diese Umschreibungen 
mit tempus in der spateren Latinitat immer mehr um sich und 
dienen teilweise dazu, verloren gegangene Adverbia zu ersetzen, 
so tretan multo, plurimo, longo tempore (longtemps) flir 
diu ein, nullo tempore fiir nunquam (so schon Cicero p. 
Caecin. § 4 quod nullo tempore iure fieri potest), uno tem- 
pore fiir simul (s. FriedersdorfF zu Liv. 28, 9, 4); vgl. hier- 
iiber Kbhler in den Act. Erl. I p. 460, Wolfflin Latin, des Cass, 
Felix p. 412. — ad gflbernacula] In der bihllichen Bedeutung 
steht gubernaculum sehr selten im Singular, so Vell. 2, 113, 2 
und Lactant. Inst. 1, 1, 14 gubernaculum reipublicae 
etiam senex teneas, obwohl hier Lact. den Cicero nachahmt, 
wie Biinemann angibt (div. 11 § 3) ; vgl. noch Liv. 4, 3, 17 ad 
gubernacula reipublicae accedere eum patiemur und Cic. 
rep. I § 11 ad gubernacula se accessuros profiteantur, 
adsiduns seinper] ist kein Pleonasmus, sondern semper bcdeutet 
,zu allen Zeiten'; adsiduus aber bezeichuet das anhaltende 
und ununterbrochene Verweilen (Halm); vgl. Orat. U § 182 ,his 
potius tradam adsiduis uno tempore eandem incudem diem 
noctemque tundentibus^ Liv. 34, 9, 5 ,porta, cuius adsiduus 
custos semper aliquis ex magistratibus erat' u. dazu Weisseu- 
born. Hieraus geht hervor, wie uurecht Ernesti daran that, sem- 
per fiir ein Glossem zu erklaren, und Biichner, es aus dem 
Texte zu tilgen. 
§ 52. Uebergaug zum zweitenPunkt des Probabile ex causa, 
dessen Thesis an der Spitze von §53 steht (wie §37) ,exhere- 
dare pater filium cogitabat*. — ruri esse patiebatur] Der- 
selbe Ausdruck wie § 45. — nuniquid est aliud) Die Frage hat 
verneinenden Sinn „es ist doch nicht sonst noch etwas ?" ; 
daher heisst immo vero ,j a doch'; vgl. Offic. III § 90 non 
igitur patria praestat omnibus officiis? immo vero. Abweichend 
vom Deutschen wiederholt der Lateiner in der Antwort die Kopula, 
vgl. § 107 numquisnam praeterea? nemo est, Plaut. Merc, 642 
numquid est quod dicas aliud de illo? tantumst quod sciam ; 
Ter. Eun. 549 numquis est? nemost; s. m. Abh. de Cic. elocut. 
p. 23. — in aniuio habebat] in animo habere mit Infin. steht 
nach DrJiger H. S. U § 417, 7 f. zuerst bei Cicero. Die dort 
augefiihrten Stellen fiir in animo habere und das seltenere in 



Kapitel XVIII § 52. 235 

animo est konuen vermehrt werden durch Merguet, Lexicon zu 
Cic.'s Reden Bd. 1 p. 235; s. auch zu § 91 in animo est . . 
leviter transire hc tantum modo perstringere unam quam- 
que rem. — aU(lio| ,das lasst sicli horen' z= ,das lasse ich mir 
gefallen'. Dieser Gebrauch von ,audio' gehbrt der Umgangs- 
sprache an und findet sich nicht nur bel den Komikern, (Ter. 
Phorm. 160), sondern auch in der spjiteren LatinitJit , z. B. bei 
Lactant. Inst. 7, 3, 13. Ebenso heisst ,non audio' (und nil 
audio Ter. Andr. 863) ^davon will ich nichts horen', so Verr. III 
§ 79 negabant illi quidquam tibi esse mandatum. Non audio. — 
aliquid] nicht ,,wirklicli etwas", sondern „wenigstens etwas, mag 
es sonst sein, wie es will", cf. Tuscul. IV § 47 plane dicunt, 
quod ad rera pertineat; Fin. I § 15 dicit plane, quod intellegamj 
s. C. F. M. Mliller zu Seyff. Laelius p. 144. — ^nippc] allein- 
stehend, wie p. Slil. § 47 und dazn Osenbruggen-Wirz , Orat. 11 
§ 218 leve nomen habet utraque res! quippe; leve enim est 
totum hoc risum movere: ^"'estus p. 257 M. ,quippe' significare 
,quidni^ testimonio est Ennius : ,quippe solent reges omnes in 
rebus secundis*. — noii fere quisquani] ,nicht leicht Jemand'; uber 
die Stellung von fere s. z. § 39. — Erwahnt werde hier die 
Bemerkung von Schmalz in s. Abhdlg. liber Asin. Poll. p. 93, 
dass bei Cic. non quisquara immer getrennt erscheine; seinen 
Belegen flige ich bei Invent. I § 2 nemo nuptias viderat legitimas; 
non certos quisquam adspexerat liberos. Dagegen sagt non 
quisquam auch Columell. I p. 19 Bip. und Plin. ep. 6, 25, 4. 
— TOCabat] vocare und revocare stehen haufig so absolut sc. 
ad cenam wie das griech. xaX€7p> imd dvTixaXsTy, cf. Plaut. Stich. 
4, 2, 20 solus cenabo domi? — Non enim solus: me vocato; 
Phaedr. 1, 26, 3 vulpes ad cenam dicitur ciconiam Prior invitasse. 
Quae vulpem cum revocasset, intrito cibo Plenam lagenam 
posuit. Martial. 3, 27, 1 Nunquam me revocas, venias cum 
saepe vocatus. Doch steht ad cenam manchmal auch dabei, 
so Ilor. sat. 2, 7, 29 si nusquara es forte vocatus ad cenam. — 
nec niirniu] Ueber die Ellipse von est s. z. § 22. Wie nach 
quippe folgt auchnachnec mirum ein Kausalsatz, vgl. Quinct. 
§ 32 ,conturbatus sane discedit Quinctius; neque mirum, cui 
haec optio . . daretur'; Cluent. § 28 ,itaque nubit Oppianico 
continuo Sassia . . . nec mirum, quae se . . esse deleuitam 
videret'. — reYOCaturus esset] ,in der Lage war eine Einlad- 
ung erwidern zu konnen'. Uober den Coniunctiv Imperf. der 
periphrastischen Koujugation, den Cic. an 21 Stellen hat, s. Hoppe 
zur Spr. Cic.'s p. 24 ff. 



236 Kapitel XIX § 53. 

Kapitel XIX. 
Quod coepiinus] Man erganzt aus dem folgenden videaraiis 
leicht videre zu quod. Docli kann man aucli quod als Objekt 
zu coepimus fassen, was allerdings selten und mebr in der vor- 
und nacbklassischen Latinitat sicb findet. Cicero gebraucbt coepi 
als Transitivum nur im Passiv uud nur mit dem Neutrum 
eines Pronomens, so 3mal in den Reden : Verr. V § 174 
illa quae temptata iam et coepta sunt ab isto, Catil. IV 
§ 17 est id quidem coeptum atque temptatum; Cael. § 54 
id in urbe . . coeptum esse leniter ferret? 
§ 53. Mitto quaerere] Wie mit aufer, fuge, parce, comperce 

wird aucb mit mitto bei den Dichteru der negative Imperativ 
umschrieben (s. m. Abbdlg. de Cic. elocut. p. 40). Aber auch 
sonst wird mitto mit dem Infinitiv verbunden (statt omitto, 
remitto), allerdings mebr in der Volksspracbe, so bei Plaut. 
Aul. 4, 4, 24 scrutari mitto, Ter. Heaut. 900 mitto osculari, 
Eun. 528 misit orare, Lucret. 4, 688 mitto dicere, ib. 2, 1029' 
mittant mirarier; Apul. Flor. III, 17, 18 mitto dicere^ ebenso 
de mag. c. 12. Bei Cicero findet sich diese Verbindung nur in 
den beiden Jugendreden p. Quinct. § 53 mitto quaerere, 
a. u. St. und ausserdem p. Sull. § 22 mitto quaerere (anders 
ist Pis. § 50 ausus esset — mitto exire de provincia, educere 
exercitnm etc). — qua de causa] Von 30 Stelleu, an denen Cic. in 
den Reden de mit causa verbindet, steht an 27 de zwischen 
Pronomen (oder Adjektlv) und Substantiv uud nur 3mal de vor 
dem Pronomen oder Adjektiv, Verr. II § 90 de his c. , Tull. 
§ 35 de simili c. , Cluent. § 120 de quibus c. , s. auch zu 
§ 118. — certij erklare ich mit C. F. W. Mliller in der adnot. 
crit. p. XIV = verus, iustus, non dubius accus., der noch ver- 
gleicht Plaut. Pers. 582 inimicus cortus, Flor. II, 16,1 certi 
hostes, Cic. Pis. § 62 nullo certo hoste, ep. Att. XV, 21, 1 
ex. certior nebulo; vgl. auch Pleerdegen, de fid. Tull. p. 25 
in d. N. — parens] wechselt mit pater ab, wie § 37. Man kanu 
auch vergleichen Tac. Annal. I, 9, \vo jedoch Tacitus vielleicbt 
mit Absicht variiert, um mit pater den eigentlichen Vater des 
Augustus, den Octavius, undmitparens den Adoptivvater, JuHus 
Casar, zu bezeichnen. Wenigstens spricbt dafiir auch der Ura- 
stand, dass man in der Regel parentis loco sagte, seltener 
patris loco = ,an Vaters Statt^ — potuerit] „Hier soll wohl 
das Missverstiindnis eines irrealen Verhaltuisses (potuisset, si 



Kapitel XIX § 54. 237 

voluisset) verhlitet werden' Drager H. S. I § 125 B. , vgl. aucli 
Wetzel de cousecut. temp. p. 38. — aiiimuiii iiiducerej mit folgen- 
dem ut hat Cic. nur hier und ep. Att. 3, 9, 1 , wahrend er cs 
sonst immer mit dem Infinitiv konstruiert. An u, St. wie ep. Att. 
3, 9, 1 steht der Infinitiv inducere und mag Cic. ut gewahlt 
haben^ damit nicht mehrere Infinitive zusammenkommen. Vgl. auch 
m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 44 und flir Livius Mor. Miiller im 
Anhang zum II. Buch p. 145. — penitus iusitnm] Das Adverbium 
penitus ,ganz tief^ verbindet sich gern mit den Adjektiven ab- 
ditus, abstrusus, reconditus, absconditus, occultus: 
Cf. fab. incert. trag. 154 R., Cic. Nat. deor. I § 49, H 151, leg. 
agr. n, 49, de dom. § 25, Lucret. 1, 145, Cornif. IV § 9 (Tac. 
Ann. 1, 12 penitus abdere), Ael. Lamprid. vit. Heliog. 7, 1 
sacra penitus condita. Fiir penitus insitus vgl. noch leg. 
agrar. II, 14, har. resp. § 55, Verr. V § 139 causa penitus 
affixa et i n s i t a (in animo) ; Tac, Annal. 2, 76 amor p e n. i n f i x u s, 
ib. 15, 5. Bei Plautus koramt penitus nur als Adjektiv, nie 
als Adverbium vor^ cf. Langen Beitr. p. 80. — eiceret ex auimo] 
„Die natiirliche Liebe zum Sohne aus dem Herzen verbannen" 
Nagelsb. Stil. p. 425, der dazu bemerkt: „Ein schon den Komodien- 
dichtern gelaufiger Tropus : Ter. Heaut. 5, 2, 2 itane est , ut 
pater omnem de me eiecerit animum patris ? Euu. 2, 1, 16 
eicienda hercle haec est mollities animi; Plaut. Cas. Prol. 23 
eicite ex auimo curam". Diese Bemerkung bedarf der Rekti- 
fizierung, denn Plautus wie alle vorterenzischen Schriftsteller 
brauchen eicere nur im eigentlichen Sinne (s. Langen : 
d. Metaphor im Latein. von Plautus bis Terentius, Fleckeis. 
Jahrb. 1882 p. 692), der Casina-Prolog aber ist unplautinisch. 
Vgl. mit unserer Stelle Lucilius 1048 L. e i c e r e istum abs te 
quam primum et perdere amorem. Ebenso wird evellere 
gebraucht, vgl. die der unsrigen sehr ahnliche Stelle Cluent. § 4 
evellam ex animis hominum tantam opinionem, tam penitus 
i n s i t a m V 

Coucedo . . coucedis] Ueber die traductio s. z. §7; iiber den §. 54. 
Unterschied der Konstruktion concedere ut und des Acc. c. 
Inf. vgl. Drager H. S. § 393. — uullas essej ,Du gibst die 
Nichtigkeit dieser Dinge zu'. — plauum facere] Diese Redeusart 
findet sich zwar schon bei Plautus und Lucrez (s. m. Abhdlg. de 
Cic. elocut. p. 20), doch wird sie Cicero wie so mauche andere 
Wendung zunachst aus der Lektiire des Cornificius in seine Dik- 
tion heriibergenommen haben. Bei Cornif. lesen wir sie II § 5. 46, 



238 Kapitel XIX § 54. 

IV § 37 und bei Cic. de iuveat. 1 § 92. 98. 100. Von da ging 
sie in die Eeden iiber: p. Quiuctio § 78. 86, Rosc. Am. § 54 
bis. 58. 65. 101; Rosc. Com. § 11. 39. 41. 42, in den Verrinen 
16mal, in den spateren Reden im ganzen nocU 7mal; die letzte 
Stelle ist aus der Rede p. Rab. Post. § 37 (aus dem Jahre 54). 
Aus den iibrigen Schriften Ciccros kenne ich keine Stelle fiir 
jplanum facere'. Auch die andern Schriftsteller scheinen den 
Ausdruck sehr selten gcbraucht zu haben. Interessant ist 
eine Stelle bei Val. Maximus, wo er in Nachahmung Ciceros 
(s. z. § 64. 65) jplanum factum est' sagt, wahrend sein Epi- 
tomator Julius Paris statt ,planum factum est' schreibt ,cogni- 
tum est', oflFenbar, weil er jenen Ausdruck nicht mehr verstand. — 
ut ne plane] Ueber ut ne s. d. folgenden Paragr. — yiroruni 
taliuml wie § 141 pragnant = von solcher Qualitat; vgl. zu 
diesem Gebrauch die bei Georges s. v. talis 11 citierte Literatur ; 
ausserdem Jacobs zu Sall. lug. 10, 8; Tacit. Annal. 1, 13 fin. 
nef|ue tamen periculo talis viri mitigatus est. — non] non iu 
der Antwort ohne Verbum = ,nein' ist selten. Xach Drager 
H. S. I § 84 ist der Gebrauch in der Umgangssprache jeden- 
falls haufig gewesen, aber der Klassizismus liat ihn vermieden 
und die Spatern sind ihm darin gefolgt. Die von Dr. beige- 
brachten Belege sind zu vervollstandigen durch Holtze synt. prisc. 
II p. 285 fiir Plautus und Terenz und durch Hellmuth 1. 1. 
p. 136, Thielmann Cornif. p. 71 fiir Cornificius und Cicero. Ausser 
unserer Stelle citieren beide noch Rosc. Com. § 41, Verr. a. pr. 
20; II, 116, Cluent. § 92; aus Cornif. IV § 33 credo inimicum 
si nocentem putabas , in iudicium adduxisti? non: indemnatum 
necasti. — COgitabat?] Ueber das wiederholte cogitabat s. d. 
krit. Anhang zu § 40. — abuti ad quaestum] cf. Verr III, 61 
istum decuraanorum nomine ad suos quaestus esse abusum, 
ibid. V, 142 sic etiam fortunis hominum abutebatur ad nocturna 
vota cupiditatum suarum. — ad lihidinem] ,nach Belieben', cf. § 141, 
Verr. a. pr. 30 ita . . . maguara iudicii exspectationem ad uostrum 
arbitrium 1 ibid i nem qiie eludemus, de fiu. I § 19; iiber dic 
neulateinischen Phrasen ad libitum uud pro libitu s. Krebs 
Antib. p. 659. — maiestate vestra] „Haufiger wird deu Richtern 
dignitas, aucto ri tas uud p o t es tas zugeschrieben ; maiestas 
kann ihuen nur als ReprJisentauten des populus Romanus 
beigelegt werden" Osenbriiggen ; fiir die maiestas populi 
Romani vgl. folgende Stellen: Phil. V § 25 cogitant tjuid populi 
Romani maiestas postulet; Sest. § 83 si maiestas p. R. revixisset; 



Kapitel XIX § 55. 2o9 

leg. agr. II § 79 contemui maiestatem populi Rom. patiemiui? — 
nisi Loc luodo] = si lioc nou est, wie Cic. Verr. III g 71 quitl 
est aliud capere conciliare pecuuias, si boc uon est, vi atque 
imperio cogere invitos lucrum dare alteriV 0£f. III § 56 quid 
est enim aliiid erranti viam non monstrare, si hoc non est, 
emptorem pati ruere. Manclimal ist nisi ausgelassen, so Pis, 
§ 47 quid est aliud furere? non cognoscere homines, 
non cognoscere leges etc. Dieselbe Wendung wie a. u. St. ge- 
braucht Cic. Cat. M. § 5 quid est enim aliud Gigantum 
modo bellare cum dis nisi naturae repugnare? und Verr. I 
§ 128 quid est aliud omuibus omnia peccata concedere nisi 
hoc, . . testimoniis . . non credere? — uon modo DOll . . . ve- 
rUDl ue . . . quidem] Diese Formel findet sich uur noch 3mal in 
den Ciceronischen Schriften : leg. agr. I, 17; ep. Att. I, 11, 1; 
rep. III § 42; vgl. auch § 65 fin. 

Iniuiicitias] Feindschaft ware doch noch ein edleres Motiv zur § 55. 
Anklage als die schnode Gewinnsucht. — huc] vgL § 61 huc ea 
spe venisse, § 80 huc adductum; andere lesen huic, s. d. krit. 
Anhang. — inimicus] = animo inimico wie Verr. II § 149 steht 
quod eos infenso animo atque inimico venisse dicatis. — 
huiusce pecunia] Vgl. § 30; Hotmann u. a. bezogen huiusce auf 
Roscius Magnus. — quid ergo est?] s. z. § 36. — ita] beschran- 
kend, wie gleich hoc ita est utile. — horum existimatiouem] naml. 
was die Richter von dir denken, cf. Verr. I § 87 si te magnitudo 
maleficii, si hominum existimatio non movebat. — legem 
Remmiam] vgl. hiezu den Schol. und Eiuleitung p. 5. „Fur die 
lex Remmia ist unsere Stelle verglichen mit dem Schluss von 
cap. 20 die Hauptquelle uud wohl mit Sicherheit anzunehmen, 
dass dieselbe auf calumnia die Strafe der Brandmarkung setzte, 
indem dem calumniator ein K (Kalumuia) vor die Stirn ge- 
brannt werdeu sollte [s. d. Note zu § 57]. lu Bezug auf diese 
Strafe nennt Papinian in Digg. XXII ,5,13 einen Menschen, 
der sich von cah;mnia frei gehalten hat: integrae froutis 
homo, und Plin. Paneg 35, 3 schreibt: ,neque , ut antea, ex- 
sanguem illam et ferream frontem nequidquam convubierandam 
praebeant punctis et notas suas rideant^. Digg. 48, 16, 1 § 2 
Calumniatoribus poena lege Remmia irrogatur. Vgl. Brencmanu 
. de lege Remmia (in Ottonis Thes. iur. T. III). Calumnia ist 
iu der Rechtssprache uberhaiapt die Rechtsverdrehung, besonders 
aber vom boswilligen Auklager gebraucht. Pauli S. R. I, 5 § 1 : 
Calumuiosus est q^ui s c i e n s p r u d c n s q u e negotium alicui com- 



240 Kapitel XX § 55. 

parat. Wie an dieser Stelle sciens prudensque, so stelit im 
folgenden Kapitel u. R. aperte ludificari et calumniari sciens 
zur Hervorliebung der bosen Absicht. Der Anklager musste zu 
Anfang des Prozesses das iusiurandum calumniae (= Eid 
vor Gefahrde) leisten, calumniam iurare (Cael. in Cic. ep. 
fam. VIII, 8, 3, Liv. 33, 47), de calumnia iurare (Ulpian 
Digg. 39, 2, 13 § 3). Nach Freisprechung des Angeklagten er- 
folgte, wenn boswillige Anklage erkannt war, ein eignes iudi- 
cium calumniae. Ascon. in Cic. pro Scaur. (p. 30 Or., p. 25, 
17 K) : ,Cato cum vellet de accusatoribus in consilium mittere, 
multique e populo manus in accusatores intenderent, cessit impe- 
ritae multitudini ac postero die in consilium de calumnia accusa- 
torum misit'. Cic. divin. in Caecil. § 71 [Rein in der Realencycl. 
s. V. calumnia und im rom. Privatr. p. 929, Note 1.]" Osen- 
brliggen. 

Kapitel XX. 

Cicero schiebt zwischen der Untersuchung der Frage ,quare 
patrem occiderit', die er mit cap. 19 beschlossen, und der anderen 
,quo modo', die erst im cap. 27 beginnt, eine Reihe der ver- 
schiedenartigsten Digressionen ein, die nur lose unter einander 
und mit diesem Teile der Rede zusammenhaugen. Auch sind sie 
meistenteils zu weitschweifend angelegt und in zu breiter, ja 
manchmal schwulstiger Sprache (wie uber das parricidium in 
§ 66 tf.) durchgefuhrt Mit cap. 20 beginnt zunachst die Digres- 
sion iiber die Anklager (§ 55 - 57). Wie in allen demokratischen 
Staaten der Anklageprozess die einzige oder vorwiegende Form 
gewesen (im Gegensatz zum Inc|uisitionsprozess der monarchischen 
Staatsform), so kannte auch das rom. Kriminalrecht anfanglich 
nur den Anklageprozess und erst in der Kaiserzeit entwickelte 
sich daneben der Inquisitionsprozess, vgl. Osenbrliggen z. d. St. 
und Os.-Wirz in d. Einl. zur Mil. p. 23. Und so war es in der 
republikanischen Zeit kein ungewiihnliches Mittel fur empor- 
strebende Junglinge durch eine Aufsehen erregende Anklage sich 
den Weg zu den hijlieren Staatsaratern zu bahnen, vgl. Cic. Offic. 
II § 49 ff.; s. d. Einleitung p. 125 Note 1 und zu § 83, Frei- 
lich gab es — und es wird die Mehrzahl gewesen sein — auch 
solche Anklager, welche um des Gewinnes willen ein forraliches 
Geschaft aus dem Anklagen machten, vgl. Quintil. Inst. 12, 7, 3 
accusat(jriam vitam vivereetad deferendos reosprae- 
mio duci proximum latrocinio est und die Schilderung 



Kapitel XX § 55. 241 

solcher handwerksmassiger Anklager bei Horat. sat. I, 4, 65. 
Allein auf cler andern Seite war auch die Zahl der gewissenlosen 
Advokaten, die jede, auch die schlechteste Sache, zur Verteidig- 
ung ubernahmen, eine nicht geringe. Und wie Cicero im Folgen- 
den die Thatigkeit der Anklager mit der der Hunde vergleicht, 
so spricht auch Columella de r. r. praef. p. 15 Bip. von dem 
caninum studium der advocati: ,sed ne caninum quidem, 
sicut dixere veteres (vgl. Appius bei Salhist. hist. fragm. H, 37 
Dietsch ,canina, ut ait Appius, facundia exercebatur' u. daz. 
Dietsch), studium praestantius, locupletissimum quemque 
allatrandi, et contra innocentes ac pro nocentibus neglectum 
a maioribus , a nobis etiam concessum intra moenia et in ipso 
foro latrocinium^ — contiueatur] = coerceatur, cf. Tull. § 9 
apud maiores nostros, cum . . . familiae non magnae magno metu 
continerentur. — veruintamen] iiber die in diesem und im fol- 
genden § gehauften Konzessivpartikeln s. z. § 5. — ita ut nej 
Ebenso steht ut ne nach voraufgehendem beschrankendem ita ep. 
fam. 16, 9, 3 scio te omnia facturum, ut nobiscum quam primum 
sis; sed tamen ita velim, ut ne quid properes. In ahnlicher 
Weise geht an 3 der von Drager H. S. § 542, 2 angefuhrten 
Stellen ein demonstrativer Ausdruck dem ut ne voraus: Ter. Hec. 
105 ea causa, Cic. Eabir. § 9 eo, auct. bell. Afr. 9 idcirco. 
Vgl. Seyffert - Laelius 2 p. 305: „Durch ut ne wird die Absicht 
als ausdrlickliche, g efliss entli che, unumwundene uud 
direkte bezeichuet, die mit dem einfachen ne eine zufailige, 
ausservvesentliche, nicht entschieden als direkter Wille ausge- 
sprochene sein kann. Diesen feinen Unterschied hat Cic. t!org- 
faltig beobachtet". In u. Rede steht ut ne §§ 5. 8. 54. 150. — 
quispiam] Im Gegensatz zu der schon oft gemachten Beobachtung, 
dass Cic. in seinen ersten Schriften, bes. de inventione eine weit- 
gehende sprachliche Anlehnung an Coruificius zeigt^ miissen wir 
hier bemerken, dass quispiam, welches Pronomen Cornificius 
20mal gebraucht, von Cicero in seiner Schrift de invent. gauz 
vermieden und in den beiden ersten Reden nur 4mal, in den 
spateren Reden aber, bes. in der Formel dixerit quispiam 
wieder haufiger verwendet wird. — abest a culpa] Dieselbe Aus- 
drucksweise § 94 longe absum ab eiusmodi crimine, Verr. 
II§60a qua suspicione ille ab erat plurimum, Cornif. IV§49 
illi, qui audient, a culpa absint. Die uragekehrte, wie sie auch 
der Deutsche hat, steht Cic. Sull. § 27 longe abest a me regni 
suspicio, Caesar bei Cic. ep. Att. 9, 16, 2 recte auguraris nihil 



242 Kapitel XX § 56. 

a 111 e abesse longius crudelitate. — possilllj s. C. F. W. MUllex* 
adnot. crit. p. XIV, Avelcher vergleicht Nat. deor. I § 43 qui 
consideret, debeat. Georges in der Rec. p. 366 ubersetzt 
„konnte man verzeihen" und bemerkt dazu : „So unser man 
bfters, wenn der Redende sich selbst mit einschliesst, vgl. Klotz 
Cic. Tusc. 1, 82 und daz. Cic. de fin. 2, 104; de divin. 2, 37; 
de sen. 67". — criniiiiose ac suspiciosej ,in einer Weise, dass eine 
Beschuldigung und ein Verdacht erweckt wird'; cf. Brut. § 131 
,non fecissem hominis paene infimi mentionem, nisi iudicarem, qui 
suspiciosius et criminosius diceret, audivisse me neminemj 
Rutil. Lup. II § 20 ,nam vehementer eorum vitiis invehi non 
licebat, reticere omnino non expediebat : suspiciose loqui 
potissimum placebat', wozu Ruhnken bemerkt ,suspiciose loqui 
dicitur, qui ita loquitur, ut auditor plus suspicetur quam audiat'; 
Senec. ep. 114, 1 suspiciosae sententiae_, in quibus plus 
intelligendum esset, quam audiendum. — llldificari| ludificare 
und ludificari gehoren mehr der Umgaugs- und Volkssprache 
an; ersteres gebraucht Cic. nur p. Quinct. § 54, letzteres nur an 
u. St. Vgl. m. Abhdlg. de Cic. elociit. p. 32, (fiir Plautus) 
Langen Beitr. p. 17. — scieiisj ,wissentlich' ; haufig erscheint 
sciens verbunden mit prudens wie in der oben citierten Stelle 
aus Paulus. Die Formel sciens prudeusque war jedenfalls 
zunachst eine juristische, wie ich nachgewiesen in Bayr. BI. 1880 
p. 318 Anm. (wo noch hinzuzufugen Suet. Nero 2, Paul. s. rec. 
1, 9, 6; 4, 7, 3; Lactant. Inst. 2, 3, 3; 6, 12, 13; die Stellung 
prudens sciensque ist selten , so Senec. consol. ad Marc. 
17, 5). Sprichwortlich gebrauchte man die Formel von dem, 
der mit oflfenen Augen in sein Ungluck stlirzt, wie Ter. Euu. 71, 
Cael. ep. fam. 8, 16, 5, Cic. Marc. § 14 und in einem Dichter- 
fragment ep. fam. 6, 6, 6. 
§ 56. Facile patiiniir] Ein sehr beliebter Ausdruck bei Cicero (fur 

die Reden vgl, Merguet s. v. facile, ep. fam. 1, 9, 21; 7, 15, 1) 
und den iibrigen rom. Prosaikern und Dichteru, cf. Ter. 
Audr. 62, Sall. Cat. 52, 35 etc. — nisi accusatus fiieritj und zwar 
von einem Pr i va tanklager, denn einen vom Staat besoldeten 
Anklager („S t a a t s a n w a I t") gab es im republikanischen 
Rom nicht; vgl. die Bemerkung zu Anfang des Kap. 21. — 
causani non dicerej = reum non fieri , s. z. § 5. — anseribusj cf. 
ITui. H. N. 10 § 51 cst et anseri vigil cura, Capitolio testata 
defenso, per id tempus canum silentio proditis rerum. Quam ob 
causam cibaria anserum censores inprimis locantj vgl. 



Kapitel XX § 56. 243 

deii Bericlit des Livius uber die Rettung des Kapitols a. 390 
V. Chr. bei Livius 5, 47 (Plutarch. Camill. 27, der jedoch den 
Ausdruck des Livius in summa iuopia cibi tamen ab- 
stinebatur falsch versteht), Florus I, 7. — Obwohl mit Recht 
bemei'kt wurde, dass die Ganse uicht zur Bewachung, sonderu 
zunachst als sacri lunonis (Liv. 5,47), spater aber hauptsach- 
lich wegen der bewieseuen Wachsamkeit auf dem Kapitolium ge- 
halten und gefiittert wurden, und insofern der Vergleich Ciceros 
rait den Anklagern hinke, so muss doch auch darauf hingewiesen 
werden, dass die Gans im Altertum, besonders nach griechischer 
Vorstellung, als wachsarae Hiiterin des Hauses iiberhaupt galt, 
vgl. dariiber V. Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere 3. Aufl. 
p. 324 „auf dem Grabe einer guten Hausfrau war unter andern 
Emblemen eine Gans abgebildet, um die Wachsamkeit der 
Verstorbenen auszudriicken, Anth. Pal. 7, 425, 7: ^^v ds dofxoiv 
(pvXaxag iieXedriiiova'-'-. — locailtur] ,locare ist das technische 
Wort von Verdingung der Lieferungen au uud fiir dcn Staat, 
die den wenigstnehmenden zugeschlagen wurden'. — caiies ahllltui'] 
Die Hunde wurden fiir ihren Mangel an Wachsamkeit strenge 
bestraft, indem jahrlich in einem feierlichen Aufzuge gekreuzigte 
Hunde, dagegen eine oder mehrere Ganse iu einer prachtigen 
Siinfte herumgetragen wurden, cf. Plin. H. N. 39, 4 ,de anserura 
honore, quem meruere Gallorum iu Capitolium ascensu deprehenso, 
diximus. Eadem de causa supplicia auuua canes pendunt inter 
aedera luventutis et Suramani, vivi in furca sambucea arbore fixi'. 
Plutarch. de Fort. Roraanor. 12 med. no}in£vei ds ju£'x§* i^vv 
ini fivrjfii] tmv tots crv^mMfjidrcov ri Tvxri> '^i'^^*' t^^^' aveoTav- 
Qcofievog, xri^ de iiaXa ffefjiVMg enl (TTQO}[xvTjg noXvTeXovg xai 
(fOQelov xad^rjijevog-i Aelian. H. A. XH, 33; Servius ad Verg. 
Aen. VHI, 652. Wenn nun Manutius und Hotomannus die An- 
gabe Cic<a-os ,canes aluutur in Capitolio' in Folge dessen be- 
zweifelt haben (Manutius sagt: ,hoc nulla traditur historia'), so 
ist es schon an und flir sich uicht glaublich, dass die Romer auf 
diesen eineu Fall hiu die Bewachung des Kapitoliums nicht mehr 
Hunden anvertraut hatten , dann haben wir aber auch Zeugnisse 
bei den Alten selbst, aus denen wir entnehmen kounen, dass auch 
in den spateren Zeiten sich Huude auf dem Kapitolium befanden, 
so bei Gellius 7 (6) 1, 6, Aurel. Victor de vir. illustr. 49, 2 in 
Capitolium intempesta nocte euntem (P. Corneliura Scipionem 
Africanum) nunquam canes latraverunt; Arnobius adv. gentes 
VI, 20, — siguificant tanieu] Die Antwort auf den Einwurf rait a t, 



244 Kapitel XX § 57. 

den sich Cic. selbst maclitj man erganze vor significant ,f'ateor', 
cf. Or. § 31 at laudatus est ab omnibus. Fateor; sed ita ut etc. — 
significare] absolut, wie unser ,melden, anschlagen'. — si qai 
veiicrunt] zum Tempus vgl. Madvig fin. ^ p. 679 ff. — in eam 
parlem] Auffallend ahnlich unserer Stelle ist Terenz Ad. 174 ,non 
innueram : verum in istam partem potius peccato tamen' 
(„nach der Seite des Zuviel" Spengel). Ueber den mehr vulgaren 
Gebrauch von in • . . partem s. Schmalz, Latinit. des Vatin. 
p. 23. — sahitatum] = veneratum, cf. Ter. Phorm. 311 ,Ego 
deos penates hinc salutatum domum Devortar^; Cat. r. r. 
II, 1 ,pater familias ubi ad villam venit, ubi larem familia- 
rem salutavit, fundum . . circumeat^. — crura suflfriugantur] 
Anspielung auf die oben erwahute Sitte der Kreuzigung. Uebrigens 
war der Ausdruck in der Volkssprache als Formel der Verwiinsch- 
ung sehr beliebt^ vgh Plaut. Rud. 4, 4^ 15 ,homini ego isti 
talos suffringi volo', Truc. 2, 8, 8 ,ego his suffringam 
talos^, Mil. II, 2, 1. 
§ 57. Simillima ratio] ,Ganz so verhalt es sich'. Was Cic. im Folgen- 

den uber die cibaria der accusatores sagt, will insofern nicht 
recht in das Gleichnis mit den Gansen, welche publice unter- 
halten wurden, passen, als es erst in der Kaiserzeit publici 
accusatores gab. Nur in einigen Kriminalprozessen, wie de 
repetundis und de ambitu wurden den Anklagern praemia 
gegeben. Ob aber Cic. sich darauf bezieht, ist zweifelhaft. Vgl. 
Osenbriiggen in der Zeitschr. f. d. Alterthumswisseusch. 1836, 
p. 1005. Erucius bekam, wie aus mehreren Stellen der Rede 
hervorgeht, sein Geld von der anklagenden Partei. Mit Recht 
sagt Buchner zu unserer Stelle ,sed tamen iuvenem Ciceronem, 
ut derideret Erucium, salse magis quam vere dixisse manifestum 
est*. — commisisse] Zum absoluten Gebrauch von committere 
vgl. Nagelsb. Stil. p. 378. — litteram illam] namlich K., was so- 
wohl Kalumnia als Kalendae bedeutete, vgl. Diomed. p. 424, 27 
K:K littera notae tantum causa ponitur, cum calumniam aut 
clades aut Caesonem aut caput significat; Dosith. ars gramm. 
p. 385, 8 K littera muta notae tantum causa ponitur, cum aut 
Kalendas sola significat aut Kaesonem aut Kaput aut 
Kalumniam aut Karthaginem: Terent. Maur. de orthogr, 
p. 14, 12 K quidam supervacuam esse litterara iudicaverunt, 
quoniam vice illius fungi satis c posset. Sed retenta est, ut qui- 
dam putant, quoniam notas quasdam significaret, ut Kaesonem 
et Kaput et Kalumniam et Kalendas; Vel. Long. p. 53, 6 



Kapitel XXI § 58. 245 

,qui K expellunt notam dicunt esse magis quam litteram, qua 
significamus Kalumniam, Kaput, Kalendas, hac eadem 
nomen Kato notatur. Die Kalendae waren die Zahlungstage, 
daher tristes Kalendae bei Horat. Sat. I, 3, 87; vgl. Cic. 
ep. Att. 12, 5, 4. — iiemiiiem] Um das Wortspiel richtig zu 
verstehen, muss man wissen, dass die, lege Remmia verurteilten, 
Anklager das Recht verwirkt hatten, fernerhin anzuklagen (cf. 
Ulpian Digg. 48, 2, 4 calumnia notatis ius accusandi ademptum 
est) und zweitens, dass fortunas accusare sprichwortlich ge- 
sagt wurde von dem , der durch eigene Schuld ins Ungluck ge- 
raten ist. Die Belege fur die hautig vorkommenden Formeln 
fortunas accusare, queri, conqueri, deplorare und die 
gegensatzliche fortunas laudare habe ich gesammelt in meiner 
Abhdlg. de Cic. elocut. p. 18 , wo noch hinzuzufilgen Senec. 
consol. ad Polyb. 4 accusare fata possumus , mutare non possu- 
mus, Sen. rhet. p. 253, 2 K. facilius potes accusare fortunam, 
Lactant. instit. 5, 10, 13 consolantur se tamen accusatione 
fortunae. — Der Phiral fortunae hat in klassischer Sprache 
weit haufiger die Bedeutung „Glucksguter" als „Schicksal", wah- 
rend umgekehrt bei Plautus ,fortunae' nie „Glucksguter" be- 
deutet, sondern immer „Schicksal", vgl. Langen Beitr. p. 293. 

Kapitel XXL 
Zwischen der ersten und zweiten Digression, die § 59 be- § 58. 
ginnt, steht als Jiusserliches Vermittlungsglied § 58, Lidem nam- 
lich Cic. in diesem Paragraphen auf cap. 19 zurlickgeht, um 
dessen Inhalt in der Form der altercatio (s. Volkmann Rhe- 
torikp. 149) zu wiederholen und dabei die Nichtigkeit der beiden An- 
klagepunkte ,ne exheredaretur veritus est' und ,habebat 
pater in animo' noch einmal scharf zu betonen, lasst er sich 
in einer zweiten (§ 59 — 61), sprachlich wie sachlich besser ge- 
lungenen Digression iiber das leichtsinnige und nonchalante Ver- 
fahren des Erucius bei der Anklage iiberhaupt in beissend- 
humoristischem Tone aus. — dedisti] ,als Stoflf zur Verteidigung^ ; 
cf. p. Scaur. § 14 dedisti mihi Triari, quod diluerem. — bone] 
Ueber bonus in ironischer Bedeutung s. z. § 23. — autem] Zur 
Stellung von autem vgl. p. Quinct. § 44 quid a nobis 
autem, C. Aquili, refertur? Cluent. § 143 quis tam improbus 
fuit? cui ego autem narravi? Flacc. §23 quidegoautem 
defensor rogem ? — aiidio] verschieden von audio in § 52; hier : 
,ja, so sagst du wohl^ — uiliil est] erkliirt Halm, dem ich in der 



246 Kapltel XXI § 58. 

Scliulausgabe gefolgt bin ,es liegt nicbts vor^ Es fragt sicb aber, 
ob nicbt ,uibil est' bes. in der Umgangsspracbe formelliaft ge- 
braucbt wurde im Sinne von : ,umsonst, es gebt nicbt'. Ver- 
gleiclien wir namlicb mit unserer Stelle die ganz jibnlicbe § 54, 
wo es beisst: ,illud volnisse exberedare certe tu planum facere 
debes. Quid ergo adfers, (j^uare id factum puteraus? Vere nibil 
potes dicere' so werden wir darauf gefubrt, dass ,nibil est' 
dem ,nibil potes dicere' der Eedeutung nacb wird entsprecben 
sollen. Dass aber nibil est im Umgangstone so gebraucbt 
wurde, scbliesse icb aus der der unsrigen sebr verwandten Stelle 
Hor. sat. 2, 3, 5 Sobrius ergo Dic aliquid dignum promissis, 
Incipe. Nil est. Culpantur frustra calami etc. , wo icb nil 
est erklare: ,du kannst es nicbt und scbiebst vergeblicb die 
Scbuld auf das scblecbte Scbreibmaterial' etc. lu dem namlicben 
Sinne gebraucbt Plautus nibil est niit Infinitiv, so Capt. 341 at 
nibil est iguotum ad illum mittere : operam luseris („ver- 
lorene Mlihe"), wo Brix erklart : „es nutzt nicbts, ist zweck- 
los" und nocb aufubrt Cas. 2, 4, 7 nibil est me cupere factum, 
nisi tu factis adiuvas. Aucb Truc. 4, 3, 77 wird man besser das 
bandscbriftbcbe nibil est in dicsem Sinne fassen und nicbt mit 
Spengel uibili est (= improba est) lesen, Endlicb erwabne 
icb aus Ter. Andr. 341 ,Laetus est nescio quid'. Nibil est; 
uoudum baec rescivit mala; Ad. 233 Nunc si boc omitto ac tum 
agam ubi illinc rediero, Nil est; refrixerit res. Wir baben also 
nacb meiner Auffassuug iu nibil est eine Formel der Umgangs- 
spracbe zu erkeuuen, welcbe der Bedeutung nacb der bekaun- 
teren nibil agis gleicbkommt. Eine vollgUltige Beweisstelle 
fiir diese Auffassung ist Ter. Heaut. 674, wo Syrus meditiert: 
quid si boc nunc sic iucipiam ? nil est. quid, sic? tantundem 
egero (= nibil egero). at sic opinor. non potest etc. Mebr uber 
die Formel uibil agis s. z. § 130. — iioil] ergjinze ,planum facere 
potes^ — uiule] konsekutiv: ,so dass aus solcben Handluugen'. — 
iiemliieiii] Vgl. die abnlicben Worte in § 28. — iii islam fraudem 
impulit] Die Pbrase iu fraudem impellere ist bei Cic. be- 
liebt, Pis. § 1, Mil. § 32, Deiot. § 32, Lael. § 89. Docb ist 
fraus an diesen Stelleu nicbt immer bloss als „Betrug", soudern 
pragnant zu fassen, wie an unserer Stelle und Mil. § 32 = fa- 
cinus fraudulentum (s. aucb § 67). Zu Lael. § 89 bemerkt Mliller 
„fraus bezeicbuet bier wie baufig nicbt nur „der Betrug, die 
Tauschung" („Selbstbetrug, Selbsttauscbung" libersetzt SeyfFert), 
„sondern aucb den dadurcb angericbteten Scbaden" (vgl. oben 



Kapitel XXI § 59. 247 

zu § 49. — meherciiles] noch § 341. In dcn spatereu Schriften 
zieht Cicero die urbane Form ,mehercule' vor uach seinen 
eigenen Worten im Orat. § 157 ,mehercale libentius dixerim 
quam mehercules'. Zu den Stellen, die Neue U, 815 aus Cicero 
fiir mehercules beibringt, fligt Schmalz Vatin. p. 11 noch hinzu : 
fam. 6, 5, 3; 7, 16, 2; 7, 32, 3; 10, 19, 2; 18, 1, 4; vgl. auch 
Hellmuth acta Erl. p. 121. Die Stelluug von mehercule an- 
langend , sei bemerkt, dass dasselbe in mustergiltiger Prosa nie 
am Anfange des Satzes steht (cf. Heumann, Vereinzelte Beitrage 
zur Kenntnis der mustergiltigen lat. Prosa ; Muuchen 1860, p. 20). 

Credo] Ueber credo s. z. § 1. — iu hisce subselliis] als ad- §59. 
vocati des reus, s. z. § 1. — qnaesisse] Die Auslassung des Sub- 
jektsaccusativs beim Infiuitiv gehort der nachlassigereu Umgangs- 
sprache an und findet sich uicht nur bei deu Komikern (vgl. 
Holtze I, 266), Historikeru und im Briefstil, sonderu auch in 
den Reden Ciceros, so in u. It. noch § 61. 74. 84. 97. 100. 126. 
Eingehend darliber handelt mit Augabe der Litteratur fiir die 
einzelnen genera dicendi Schmalz, Latinitat des Pollio p. 91 ff". — 
llle aut ille] Sehr selten in klassischer Prosa fiir hic et ille, wie 
Cic. Verr. I § 53 hoc et illud signum, leg. agr. II, 55 hoc 
aut illo ex loco; vgl. de fin. 1 § 32 vel eum . . . vel illum, 
Cat. M. § 83 is animus . . . ille autem. Wir geben hier die 
erschopfende Behandluug dieser Frage bei Wolfflin, die Gemina- 
tion im Latein. , p. 434 in d. Note: „Wahrend die klassische 
Latinitat zur Bezeichnung verschiedener Personen auch verschie- 
dene Pronomina anwendete, also hic et ille, dieser und jener, 
finden wir seit Cornificius (vgl. Thielmaun, de serm. Cornif. 
p. 69) hic et hic [namlich U §. 40 hoc et hoc, Cic. Inv. I 
§ 99 u. 100 hoc aut hoc], der und der, Hor. Sat. 1, 1, 112 
hunc atque hunc als Nachbildung des Kouversationsstiles, und 
bei Cic. epist. 9, 16, 4 eine Aeusserung des Servius ,hic versus 
Plauti non est, hic est', entsprechend hinc atque hinc Verg. 
Aen. 12, 431, Hor. Epod. 2, 31. 5, 97; huc et huc ibid. 4, 9, 
und mehr bei Forbiger zu Verg. Buc. 4, 56, vou welchem den 
Gebrauch Livius angenommen zu haben scheiut, z. B. 21, 8, 8 
hiuc spes, hinc desperatio, wornach Drager § 330, 2 zu 
berichtigen ist. Es mag dazu auch die Analogie von alibi . . 
alibi oder von eV^a ftfiv, kvd^u ds u. a. verfiihrt haben, wo 
[xsv und de den Gegensatz bezeichneu. Mit gleichem Rechte 
konnte auch ille (et) ille im Sinue von hic (et) hic oder 
alter . . alter, alii . . alii gebraucht werdeu, so schon bei 

Landgraf, Cic, Rede t'. Sex. Rosc. U. nUlfte. J^7 



248 Kapitel XXI § 59 

Ter. Phorm. 2, 2, 18 in illis frnctus est, in illis opera luditnr; 
dann bei Cic. Rosc. Am. 59. Aixgustin. civ. d. 13, 24 ille aut 
ille; ille et ille [schon bei Lucret. IV, 1090 ille . . et ille] 
bei Gaius Dig. 40, 7, 31. Fulgent. Kusp. serm. 45 (col. 911 
b Migne) ; ille atque ille Cassiodor. epist. 11, 7, ille vel 
ille Aug. civ. d. 12, 10. Als Vorlaufer des franzosischen tel 
et tel mogen noch angefiihrt sein Tertull, adv. Hermog. 81 
scaena erat talis et talis, und bei Augustin talis vel talis, 
wie Uberhaupt die Afrikauer nicht selten vel fiir et setzen", 
s. auch Stangl Boethiana 1882, p. 89. — prilliaiu| s. die testi- 
monia in Bd. I p. 13. — spatiarefur] „Die Romer gestatteten sich, 
wie noch heutigen Tages die Italiener, eine viel lebhaftere Gesti- 
kulation als unsere Redner. Nicht bloss Kopf und Arm , der 
ganze Korper war in Bewegung. Sie stampften mit dem Fusse, 
traten vor und zuruck, schritten das Tribunal entlang bald rechts- 
hin, bald linkshin. So sagt Cicero von dem grossen Redner 
Antonius Brut. § 141 : gestus erat non verba exprimens, sed cum 
sententiis congruens, manus, umeri, latera, supplosio pedis, status, 
incessus omnisque motus; dagegen vou desseu Zeitgenossen 
L. Crassus § 158: nou multa iactatio corporis, nulla inambu- 
latio, non crebra supplosio pedis. Erucius, der sich den Anto- 
nius zum Muster genommen (s. d. Bem z. § 35), mag dessen 
lebhaftes Wesen liberboten und sich Freiheiten erlaubt haben, 
vor denen Quintilian 11, 3, 126 — 136 seine Schiiler warnt" Rich- 
ter. Die Hauptstellen aus Quintil. fiir uns sind § 126 ,Procursio 
opportuna, brevis , moderata, rara. Conveniet etiam ambulatio 
quaedam propter immodicas landationum moras, quamquam Cicero 
(Orat. § 59) rarum incessum neque ita longum probat^; § 130 
,ambulantem loqui ita demum oportet, si in causis publicis, in 
quibus multi sunt iudices, quod dicimus^ quasi singulis inculcare 
peculiariter velimus'; § 131 ,unde moneor . . . ineptissime fieri, 
cum inter moras laudationum aut in aurem alicuiv;s loquuutur aut 
cum sodalibus iocantur aut nonnunqixam ad librarios sixos ita 
respiciunt, ut sportulam dictare videantur'. In ahnlicher Weise 
schildert Cicero im Brutus § 200, wie ein Richter der auf den 
langweiligen Vorti-ag des Redners nicht hbrt, sich die Zeit ver- 
treibt: „(intelligens dicendi existimator) videt oscitantem iudicem, 
loquentem cum altero, nonnunquam etiam circulantem, mit- 
tentem (sc, puerum) ad horas, quaesitorem ut dimittat rogantem. 
Dagegen heisst es ebenda von einem Redner, der zu fesseln weiss : 
,idem si adspexerit erectos intuentes iudices etc. — iniperarelj 



Kapitel XXII § 60. 249 

malitios: Er bildete sicli wolil ein, die Sitzung sei bald beendigt. — 
prorsus ut] ,so dass durcliaus', vgl. p. Tul]. § 18 prorsus ut 
qaivis intelligeret; Flor. 1, 5 fin. prorsus ut festinasse dictator 
ad relictura opus videretur; Gell. 2, 23, 2 prorsus ut melius 
posse fieri nibil censeas. Bei Apuleius u, a. findet sicb aucb 
prorsus ut im Sinne von prorsus ita, quasi gebraucht, vgl. 
hiezu Becker stud. Apul. 1879 p. 39. — consessu] der Kichter, 
conventu = corona (s. z. § 1); cf p. Mil. § 1 etsi vereor, 
iudices . . . non enim corona consessus vester cinctus est, 
ut solebat; p. Arcb. § 3 ,apud severissimos iudices tanto con- 
ventu hominum ac frequentia'. — pro SUUima solitudine] = quasi 
esset summa solitudo, cf. p. Quinct. § 99 ,ne ornamentis eius 
omnibus Sex, Naevius pro spoliis abutatur', ep. Att. 7, 13, 6 
nisi forte bic sermone aliquo arrepto pro mandatis abusus est. 

Kapitel XXII, 
Auf dieses Kapitel bezieben sich die Worte Quintilians 4; 2, 19 g go. 
Ficta interim narratio introduci solet vel ad concitandos iudices, 
ut pro Roscio circa Chrysogouum etc. In § 17 nenut er derartige 
narrationes ,pertinentes ad causam , sed non ipsius causae narr.* 
In der Rhetorik fuhren sie deu Namen uaQadirjyrjrrig, cf. Volk- 
mann Rhet, p. 112 „Die naoa6iriyi^(Ttg stebt eigentlich mit der 
Sache selbst in keiner direkteu Verbindung, sie liegt extra cau- 
sam, aber tragt dazu bei den Richter fur uusere Darstellung des 
Sachverbalts zu gewinnen. . . . Sie konnen aus verscbiedenen 
Griinden angebracht werden, teils dienen sie Amplifikations- 
zwecken, teils wollen sie die Richter erregen (wie a. u. St.), 
oder sie durcb irgend eine witzige Wendung beiter stimmen, 
teils endlich beabsichtigen sie bloss eine angenebme Digression", 
Bemerkenswert ist fiir die vorliegende narratio die asyndeti- 
sche Erzahlung, „welcbe sobald sie detaillirt, die Ereig- 
nisse auf einander folgen lasst, obne sich mit vermittelnden Kon- 
junktionen aufzuhalten", Xagelsbacb Stil. p. 635. Man vergleicbe 
die ahnlicbe Schilderung Chient. § 58 ,Citatur reus ; paucis verbis 
accusat ut de re iudicata Cannutius. Incipit longo et alte petito 
prooemio respondere maior Caepasius. Prirao attente auditur eius 
oratio, Erigebat aniraura iam deraissum et oppressum Oppianicusj 

gaudebat ipse Fabricius; Posteac[uam (Wendepunkt 

wie a. u. St. postea) de re coepit dicere . . . Itaque cum illa 
verba gravissima ex intimo artificio deprompsisset: Respicite 
iudices, bominum fortunas, respicite dubios variosque casus, respi- 

17* 



250 Kapitel XXII § GO. 

cite C. Fabricii senectutem; cum boc respicite . . saepe 
dixisset (cf. a. u. St. iterum ac tertio nominavi) re- 
spexit ipse. At C. Fabricius a subselliis demisso capite dis- 
cesserat. Hic iudices ridere etc. — surrexi ego] ,ego' bedeut- 
ungsvoll nacbgestellt ,meine Wenigkeit'. — alias res agere] ,andere 
Sachen treiben (Allotria) = unaufmerksam sein'. Diese Bedeut- 
ung hat die Phrase bes. in der Umgangs- und Volkssprache. Cic. 
bedient sich derselben in den Reden (doch vgl. Cluent. § 179 
aliud agentem ac nihil eius modi cogitantem) nur hier, ausser- 
dem Orat. III § 51, Brut. § 233. Die Stellen aus den Komikern 
s. bei Hellmuth p. 172, Landgraf p. 23. Ebenda babe icb auch 
erwahnt, dass die im Gegensatz zur unsrigen stebende Redensart 
boc age = darauf merke" aus der Opfersprache stamme; s. auch 
Osenbrliggen zu u. St. und Peter zu Tac. Agr. 43 bic aliud 
agens populus „dieses unachtsame, gedankenlose Volk". — 
usque eo . . antequani] An dieser Vermischung zweier Konstruk- 
tiouen (man erwartet entweder usque eo . . dum oder antea 
quam) nahmen altere Gelehrte Anstoss, wie z. B. Ernesti, der 
eo einklammerte und usqiie im Siune von perpetuo, assidue 
auffasste. - pupugisset] Gellius bandelt 6 (7), 9 von den Perfekt- 
formen pepugi uud pupugi etc. und bericbtet, dass die mit 
der Silbe pe die alteren seien; aber aucb Cicero und Caesar 
hatten mordeo ,memordi', pungo ,pepugi', spondeo ,spepondi* ge- 
sagt (§ 15). Dazu bemerkt Neue Formenl. II ^ p. 465: ,Was 
Gellius liber den Gebrauch solcher Formen bei Cicero und Casar 
sagt, wird durcb die gegenwartige Gestalt der Scbriften derselben 
im allgemeinen nicht bestatigt; docb ist bei Cic. Rosc. 
Amer. § 60 im Helmst. Salzb. und Oxf. c und in codd. Lamb. pepu- 
gisset; aus der namlicben Stelle gibt Diomed. I p. 364 pupugisset als 
Beispiel eines reduplizierteu Perfektum, nacbdem er mehrere Per- 
fekta solcher Form , und darunter cucurri, didici, pupugi auf- 
gezablt bat". Vgl. aucb Jacoby, die Reduplikatiou im Lateini- 
schen, Danzig 1878 p. 17. Die Herausgeber, bes. die neueren, 
sind dem Zeugnisse des Diomedes gefolgt. — oltro et citro] Mit 
Unrecht hielt man frliber (Beier zu Oftic. I § 56) die asyndetische 
Form ultro citro fiir die allein ricbtige bei Cicero uud wollte 
deswegen an unserer St. et streicben. Sie findet sich vielmehr 
gut beglaubigt nur einmal bei Cic. , nJimlich Nat. deor. II § 84 
in Verbindung mit einem zweiten Asyndeton ,sursus deorsus'. Die 
kopulativen Formeln u 1 1 r o c i t r o q u e und u 1 1 r o e t c i t r o 
finden sich je 3mal bei Cic. Sehr sorgfjiltig bandelt bieriiber 



KapitelXXII § 61 u. 62. 251 

Preuss, (le bimembris dissoluti apud scr. Rom. visu sollemni, 
1881 p. 17 — 22. — vexari pesshne] = v. maxime. Ueber die 
Steigerung von Adjektiven und Verben durch male, peins, 
pessime ist zu vergl. Wolfflin Kompar. p. 15 ff. und dazu 
Schmalz, Lat. des Asin. Poll. p. 96. 

Vides yersa] vgl. de invent. n § 129 sin causam adferet is, § Gl. 
qui a sententia stabit, primum erit contra dicendum . . . deinde 
conversa esse omnia: ante solitos esse accusatores iudicibus 
persuadere . . . nunc ipsum reum causam adferre quare deli- 
querit. — libere dici] cf. § 30. 31. — qnam dedi pntabas etc.] In 
unabhangiger (parenthetischer) Form folgt die weitere Ausflihr- 
ung des vides versa omnia. Durch die ahnlich klingenden 
Verba dedi . . . defendi, tradituros . . . iudicare will Cic. 
seinen Zuhorern den Gegensatz, das vides versa omnia, auch 
ansserlicli ins Ohr fallen lassen. — veterem calliditatem] s. z. § 17 
,vetus^ — coniitere] Malitios meint Cic, nur dadurch, dass Erucius 
selber eingestehe, er habe deswegen seiue Anklage auf so schwachem 
Grunde gestiitzt, weil er geglaubt habe, niemand werde sich er- 
kiilmen, dem machtigen Chrysogonus entgegen — und fiir Ros- 
cius aufzutreten, konne er sein altes Renomee als gewiegter An- 
klager aufrecht erhalten. Ueber den ausgelassenen Subjekts- 
akkusativ s. z. § 59. — latrocinium] „Akt der Rauberei" ; die 
Stelle ahmt Ammian. Marcell. 14, 9, 5 nach: ,latrocinium 
illud non iudicium clamans, vgl. § 85. Der Nachahmung 
Ciceros durch Ammian. Marc. ist die Dissertation von H. Michael, 
de Amm. M. studiis Ciceronianis, Breslau 1874, gewidmet. 

Es folgt die dritte Digression. Anknlipfend an die un- §62. 
geniigende Beweisfiihrung des Erucius bei einem so schweren Ver- 
brechen wie dem vorliegenden, verbreitet sich Cic. iiber die Wider- 
natiirlichkeit und Unglaublichkeit des Vatermordes iiberhanpt 
(§ 62. 63) und erzahlt zu dem Behufe den Richtern einen Vor- 
fall, der sich vor nicht gar langer Zeit in Tarracina abgespielt 
hatte (§ 64. 65). 

De parricidio cansa dicitnr] Beispiel einer sogenannten d^soig. 
Man unterschoidet in der Rhetorik Fragen allgemeiner Art 
(f[U a es ti o nes infinitae, &e(T8ig) und Fragen, die sich auf 
bestimmte Falle beziehen (quaestiones finitae oder causae, 
VTioS-iaeig) \ cf. Or. § 46 ,quaestio a propriis personis et tem- 
poribus ad universi generis orationem traducta appellatur ^fiOTg'. 
Vgl. die ahnliche Durchfiilirung einer thesis de imp. Cn. Pomp. 
§ 28. Mehr bei Volkmann Rhet. p. 21 ff. — noxiis] noxia 



252 Kapitel XXII § 62. 

ist ein altes, juristisclies Wort, wie sein Vorkommen im Zwolf- 
tafelgesetz (si servus noxiam nocuit) beweist. Cicero gebraucht 
es nur liier in den Reden, ausserrlem Leg. III § 11 in einem 
Gesetze und in einem Fragment der Schrift Hortensius (bei Non. 
p. 438, 25); vgl. m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 27. — his] Durch 
his will Cic. alltagliche, naheliegende Dinge bezeichnen, cf. § 134 
haec artes vulgares. — iQCertns] s. z. § 53 certus accusa- 
tor. — ingenio] nach der Fahigkeit des Anklagers seine Anklage 
gut oder schlecht zu begrunden ; vgl. §34 ,qui locus ingenium 
patroni requirit aut oratoris eloquentiam desiderat? — cuin — 
cum — tuni] Ein viermaliges cum steht Rabir. § 2 me cum 
amicitiae vetustas, cum dignitas hominis, cum ratio humanitatis, 
cum meae vitae perpetua consuetudo — tum etc, ; als Gegen- 
stiick — ein dreimaliges tum — naag Verr. I § 151 dienen : 
jfilius, quem pater moriens cum tutoribus et propinquis, tum 
legibus, tum aeqtiitati magistratuum , tum iudiciis vestris com- 
mendatum putavit'. Doch sind beide Falle der Wiederhohing 
ziemlich sehen. — neque audacia solum] Cic bedient sich hier der 
sog. xXtfJ/a^ oder gradatio (cf. Volkmann Ehet. p. 403), 
welche Figur darin besteht, dass das Gesagte, bevor man zu 
etwas anderem ubergeht, wiederholt wird, Quintilian sagt von 
ihr 9, 3, 55 ,gradatio: quae dicitur xA/)ua^, apertiorem habet 
artem et magis affectatam, ideoque esse rarior debet'. Ein durch 
mehrere Glieder fortgesetztes Beispiel dieser Figur steht § 75; 
mit der unsrigen vgl, man Mil. § 61 neque vero se populo 
solum, sed etiam senatui commisit, neque senatui modo, sed 
etiam publicis praesidiis et armis, ueque his tantum etc, Verr. 
III § 66 non solum per agros, sed etiam per reliquas for- 
tunas aratorum, neque solum per bona, sed etiam etc. In seiuen 
beiden ersten Reden p. Quinct. und p. Rosc Am, sagt Cic, nur 
an unserer Stelle neque solum sed , welche Formcl jedoch, wie 
es scheint, die gewohnliche bei dieser Art der rhetorischen xXlfia^ 
war, In der Stelle p. Mil. sagt Cic. nur der AbwechsUing halber 
neque tantum, was er sonst ausserst meidet; es findet sich 
nur noch Vatin. 36 neque tantum ipse es improbus, sed etiam 
alios docere voluisti und Scaur, c, 1 § 4 non enim tantum 
admiratus . . , sed etiam praecipue dilexi. Darnach zu bericli- 
tigen Drager H. S. II § 332, 8, c, Casar und Sallust meiden 
es ganz. Die Liebliugsformel Ciceros in dieser Rede und iiber- 
haupt iu seinen alteren Schriften ist non modo . . verum 
etiara, welche er in der Rosciana 15mal anwendet. S. z. § 5 



Kapitel XXI [ § 63. 253 

uncl 138. — sumiiins fiiror atqiie anieiitia] Dieselben Worto stehen 
§ 66. — sceleris vesli|^ia] Im Gegensatze zu den argumenta, 
den inneren Griinden (causa, vita, mores), sind vestigia die 
ausseren = signa, indicia. Zu den nicht seltenen Wieder- 
holungen in u, Rede gehbrt auch die an verschiedenen Stellen 
wiederkehrende Aufzahlung der argumenta und signa fiir das 
parricidium, vgl. §38 und 68 mit unserm Par. ; bes. die gleichen 
Ausdriicke singularis (praerupta) audacia: furor atque 
amentia = temeritas et insania; vita \itiis flagitiis- 
q u e o m n i b u s d e d i t a = v i t a h o m i n i s p e r d i t i s s i m a = 
omnibus flagitiis vita intj^uinata etc. — per qiios] ,durch 
welche Helfershelfer (Mittelspersonen)^, cf. § 74. 79. — lam] Zur 
exaggeratio vgl. § 38. 

Magna est] vgl. Mil. § 61 ,magna vis est conscientiae §63. 
. . et magna in utramque partem', wo , wie an unserer Stelle 
(multum valet etc), der allitterierende Anfang des zweiten 
Satzgliedes viel zur Steigerung des schwunghaften Ausdruckes 
beitragt (vgl. auch Cat. III § 27 magna vis conscientiae , Cael. 
§ 63 o magna vis veritatis). Dass unsere Stelle ein Beispiel 
jener asianischen ,assiduitas in eodem semper genere numerorum' 
(Orat. § 231) ist, habe icli in raeiner Schrift de Cic. elocut. 
p. 13 bemerkt und dort verglichen aus p. Quinct. § 47 extor- 
quendum est invito atque ingratiis: de fortunis omnibus Quinc- 
tius deturbandus est : potentes, diserti, nobiles omnes advocandi 
sunt: adhibenda vis est veritati'. — reclamitat] ,straubt sich'; cf. 
Nagelsb. Stil. p, 435. Das Verbum reclamitare ist an. eiorjfx., 
weshalb wohl Richter- Fleckeisen reclamare schreiben^ dem 
Zeugnis des Rhetors Victorinus folgend. — porteutuni atque inou- 
strum certissiraum] ,eine geradezu unnatUrliche und ungeheuerliche 
Erscheinung' ; vgl. § 38. — esse aliquem] ,\venn es gibt'. — prop- 
ter quos] s. z. § 16. — hauc suavissimam lucem] vgl. § 131 lu 
cemque qua fruiinur und Chient. § 31 fratris , . liberos 
prius vita privavit, quam illi hauc a natura lucem accipere 
potuerunt. — educatio] cf de fin. III § 62 etiam in bestiis vis 
naturae per.spici potest, quarum in fetu et in educatione labo- 
rem cum cernimus, naturae ipsius vocem videmur audire'; Offic, 
I § 11 jCommune animautium omnium est . . cura quaedam eorum, 
quae procreata sint'. 



254 Kapitel XXIII § 64. 

Kapitel XXIII. 

§61. Zur bosseren Vergleiclniiig mit der Erzahlung Ciceros geben 

wir (len Bericht iiber denselben Vorfall bei Valer. Maxini. 8, 1, 13. 
Dass derselbe hier wie § 33 sich zienilich enge an Cic.'s Worte 
halt, fallt sofort in die Augen: ,Cum parricidii causam fratres 
Caelii dicerent, splendido Tarracinae loco nati, quorum pater 
T. Caelius in cubiculo quiescens, filiis in altero cubantibus lecto, 
erat interemptus, neque aut servus quisquam aut liber in- 
veniretur, ad quem suspicio caedis pertineret, hoc 
uno nomine absoluti sunt, quia iudicibus planum factum 
est illos aperto ostio inventos esse dormientes. Somnus 
innoxiae securitatis certissimus index miseris opem tulitj iudicatum 
est enim rerum naturam non recipere nt occiso patre supra vul- 
ncra et cruorem eius quietem capere ])otuerint'. — Tarracinensem] 
Tarracina, eine Stadt in Latium, jetzt Terracina, das alte Anxur 
der Volsker, cf. Liv. 4, 59, 4 Anxur fuit, quae mmc Tarracinae 
sunt, ui'bs prona in paludes; Porphyr. ad Ilor. sat. I, 5, 24 — 28. — 
cenatiis cubituin isset] vgl, de inv. II § 14 cenati discubue- 
runt; Plaut. Most. 485 postquam redit a cena domum, abimus 
omnes cubitum. — adulescentibus filiis| So braucht Cic. auch 
adulescentulus, virgo, senex, femina, mas, servus 
(s. z. § 8), serva, tiro, artifex, advena, alienigena, 
optimas, plebicola adjektivisch. Uie Belege hiezu gibtJ. Mliller 
in der 7. Aufl. d. Nagelsb. Stil. p. 221, wo auch die Literatur fiir diese 
substantivischen Attributivverbindungen aufgefiihrt ist. Vgl. auch 
Schmalz Lat. des Vatin. p. 20. — semiS quisquam] quisquam 
wird adjektivisch mit Substantiven verbunden, wenn diese Per- 
sonen sind (so besonders homo quisquam in der alten Komodie 
und Tragcidie, s. Holtze, synt. I p. 402) oder personliche Kol- 
lektivbegriffe einschliessen, wie Cic. Verr. II § 17 si cuiquam 
generi hominum, si cuiquam ordini aratorum probatus 
sit, ep. fam. 3, 10, 6 ubi cuiquam legationi fui impedimento. 
Bei Sachen steht quisquam sehr selten adjektivisch. Wir geben (in 
Erganzung von Haase zu Reisig N. 361 und Neue Formenl. II 
p. 245) folgende Stellen. Aus Plautus: Men. 447 quicquam 
facinus, Most. 590 L. quemqtiam beluam, Mil. Glor. 1060 
quemquam porcellam; aus Lucrez gibt 3 Stellen Neue; die 
aus Cic. von Manchen beigebrachte Stelle ep. Att. 5, 10, 4 ru- 
mor quisquam ist unsicher, s. dort Wesenberg; cardine quo- 
quam Manil, II, 841, cuiquam dono Val. Max. 4, 3, 14, 



Kapitel XXIII § 65. 255 

quisquam ager Colum. 2, 6, 4; quisquam modus Val. Fl. 
8, 272; cuiusquam rei Quintil. 10, 2, 6; a quoquam in- 
cepto Suet. Caes. 59 (samtlich bei Neue); clazu kommt Tac. 
dial. 29, 3 cuiquam ministerio u. daz. Peter. — reperiretur] 
Bucbuer las nacb einigen codd. r eperiebatu r ; vgl. dagegen 
Madvig fin.3 p. 246 flf., s. z. § 81. — perliiieret] Dieselbe Phrase 
schon § 18. — id aetatis] ist hervorgehoben, weil Erwacbsene 
keinen so festen Scblaf als wie Kinder baben. Halm. — Von 
den Verbindungen pronominaler Neutra mit dem Gen. eines Sub- 
stantivs (vgl. auch § 83 id erit signi) , sind die meisten vorzugs- 
weise archaisch und vulgar. Nur einige fanden Aufnahme in der 
guten Prosa, so id temporis (s. z. § 97), id noctis, id ae- 
tatis. Letzteres bat Cic. nocb Verr. I § 66, II § 37 u. 91, p. Chient. 
§ 51 cum id aetatis filio, de inv. II § 92. Die Komiker 
sagen neben id aetatis (Asin. 1, 1, 56) aucb boc aetatis 
(Trin. 787), illuc aetatis (Mil. 657 R) und istuc aetatis 
(Mil. 618, Ter. Heaut. 110). Die vulgare Diktion des Auct. bell. 
Afr. zeigt sicb auch darin, dass er dieses ,istuc aetatis' c. 22, 2 
gebraucht, cf. Kobler p. 414. — propter] Das adverbiale prop- 
ter = prope hat Cic. an 4 Stellen der Reden; dazu kommt 
noch de inv. II § 14 gladium propter appositum eduxit; vgl. 
Hellmutb act. Erl. I p. 147. — aiisum esse . . se committere] Der 
Ausdruck ist etwas schwulstig, da se committere allein scbou 
die Bedeutung ,sich bineinwagen' bat; cf. de inv. II § 27 cer- 
tum in periculum se committere; Verr. IV § 26 in po- 
puli Romani quidem conspectum quo ore vos commisistis? 
ep. Qu. fr. 3,2, 2 in senatum se non committebat; ebenso 
mit Dativ p. Sest. § 116 ecquis se theatro populoque 
Romano commiserit. Beide Konstruktionen hat auch Livius, 
so 23, 11, 10 se in aciem nunquam commiserit und proe- 
lio se committere 4, 59, 2; 5, 32, 4. — defendere] absolut 
,Gegenwehr leisten'. 

Polhlisset] ,Rechte mit Fiissen treten* Nagelsb. Stil. p. 419^ § 65. 
vgl. Phil. XI, 29 qui omnia deorum hominumque iura 
novo . . scelere polluerit. An andern Stellen sagt Cicero 
iura convellere Verr. III, 15, dissolvere Phil. XI, 14, 
exstinguere Sest. § 17. — potuisset] Ernesti und einige neuere 
Herausgeber nacb ibm halten das handschriftl. potuisset fur 
unmbglich und schreibeu posset. Wetzel I. I. p. 32 verteidigt 
potuisset, da der Satz in der oratio recta hiesse: ,nemo est, 
qui cum . . . polluisset (vel polluerit), somnum . . . capere 



256 Kapitel XXIIT § 65. 

potuerit', s. aucli desselben Ablullg. „Zur latein. Tempuslehre" 
im Gymnasium Jahrg. 1 (1883) p. 1 ff. Mit Reclit liat schon 
Bergk im Philolog. Bd. 28 p. 466, wo er gegen Fleckeisens (krit. 
Miscellen p. 44) Vorschlag a. u. St. und § 70 die altertumliche 
Form potisset = posset einzusetzen polemisiert, bcmerkt „Es 
ist wahr, potisset steht der handschriftliclien Ueberlieferung 
potuisset weit njiher als posset, aber wenn man beriicksich- 
tigt, dass polluisset unmittelbar vorhergeht, so sieht man auch, 
wie leicht posset in potuisset iibergehen konnte. . . Im Ge- 
brauch der Modi ist sowohl im Griech. und auch im Latein. vieles 
noch dunkel; mit den traditionellen Regeln kommt man oft nicht 
aus". Man vgl. damit Ziemer in den junggramm. Streifz. p. 82 
„Cic. wfihlt iiberhaupt, wie Drager H. S. I p. 318 d. 2. Aufi. 
(p. 292 d. 1. Aufi.) durch eine Fiille von Belegen klar macht, 
ahnlich wie die Modi^ so auch die Tempora oft ohne Riicksicht 
auf das grammat. Verhaltnis, sondern nur stilistischer Gleich- 
formigkeit wegen nach einem in der Nahe stehenden Verbal- 
ausdruck. Ueberhaupt konnen wir bereits friiher Gesagtes hier 
nur wiederholen, dass man es endlich aufgeben sollte, 
fort und fort nach logischen Griinden fiir die bunte 
Mannigfaltigkeit des Tempuswechsels zu spjihen''. 
Unter den von DrJiger 1. 1, beigebrachten Stellen steht mit der 
unsrigen auf gleicher Stufe leg. Mau. § 9 qui postea, cum maxi- 
mas aedificasset ornassetque classes exercitusque permagnos, 
quibuscunque ex gentibus potuisset, comparasset „wo auch die 
Konjektur p^jsset unniitz ist". Trefflich verteidigt ,potuisset' auch 
Luterbacher im IX. Jahresber. des phil. Vereins p. 19 in der Recens. 
d. 9. Aufi. des Halraschen Kommentars : ,potuisset verdient den 
Vorzug, da es auf die fiir die Richter entscheidende Thatsache 
Bezug nimmt, dass die Angeklagteu wirklich geschlafen hatten. 
Denken wir si statt cum, so haben wir einen abhangig gemach- 
ten Koiidizionalsatz, gegen welchen nichts einzuwenden ist'. Ziehen 
wir endlich noch in Betracht, wie sehr Cicero gerade in dieser 
Rede zu Paronomasieen neigt, so wird uns die Assimilation von 
potuisset zu polluisset durchaus nicht mehr wunderbar vor- 
kommen. Letzteren Punkt habe ich in meiner Schrift de Cic. 
elocut. p. 36 bereits hervorgehoben und WolfHin in der Recension 
derselben (Fleckeis. Jahrb. 1878 p. 484) erkennt das beifallig 
an. — iion modo . . sed iie qiiidein] Im ersten Gliede fehlt die 
zwoite Negation , weil das beiden Gliedern gemeinsame Pradicat 
,possunt' nachfolgt; vgl. dagegen § 54 und 137. Die altere 



Kapitel XXIV § 66. 257 

Litteratur ubcr diese Formeln noii modo (uon) — sed ne 
quidem oder sed vix gibt Haase zu Reisig p. 436. Besser 
als Reisig weiss Zumpt § 724 b die verscbiedenen Arten zu 
scbeiden. Ueber die Abweicbungen vom gewohnlicben Gebraucb 
dieser Partikebi spricbt gnt Ellendt de orat. I § 136, cf. Seyffert- 
Laelius p. 515. Nacb der Vorarbeit von Wolff (Progr. Ratibor 
1856) ,de formularum non (modo) et non modo non — sed 
(etiam) et ne — quidem usu Ciceroniano^ bietet eine histori- 
sche Uebersicht des Gebrauches Drager H. S. H § 332, 8, vgl. 
auch Kiihuast Liv. Synt, p. 352 ff. — Offenbare Anklange an 
§ 65 u. 67 u. R. zeigt Curtius 6, 10, 14 ,unde et parricidae et 
proditori tam alti quies somni? Scelerati conscientia obstrepente 
condormire non possiint : agitant eos furiae , non consummato 
modo, sed etiam cogitato parricidio'. 

Kapitel XXIV. 

In der v i e r t e n und letzten D i g r e s s i o n (§ 66 — 72) entwirft § 66- 
Cic. mit stark aufgetragenen Farben das Scbreckbild des von 
den Furien verfolgten Vatermorders, um dann auf die gottliche 
vmd menschliche Strafe dieses Verbrechens uberzugehen. Cic, ge- 
stand in seiner spateren Schrift Or. § 107 (cf. I p. 14) selbst 
zu, dass diese Partie seiner Rede, wenn sie auch mit lauten 
Beifallsrufen aufgenommen wurde, doch seinem jugendlichen Alter 
entsprechend etwas zu iiberscbwenglich gehalten gewesen sei, 

Videsne] Mit videsne werden die exempla zum Beweise 
der mala vis conscientiae eingefiihrt ; vgl, Seyffert schol. 
Lat. I § 79 „Insofern niit videre auf die eigene Anschauung der 
Sache deutlich hingewiesen und zugleich die lebendige Vergegen- 
wartigung derselben der eindringlicheren Demonstratiou wegen 
beabsichtigt ist (daher Pritsens) , ist es natiirlich, dass gerade 
hier das der imoTvnuiCjiq dienende ut statt des abstrakten Ac- 
cusat. c. Intin. folgt" 5 cf. Cat. M. § 31: Videtisne, ut apud 
Homerum saepissime Nestor de virtutibus suis praedicet? d, h. 
Wisst ibr z. B. nicht, wieV — qiios] Cic. meint den Orestes und 
Alcmaeon, welche den Romern aus den Tragodien des Q. Ennius, 
M. Pacuvius und L. Attius bekannt waren; cf. Nep. Epani. 6, 2 
Argivos fuisse Orestem et Alcmaeonem matricidas; Verg, Aen. 
IV, 471 scenis agitatus Orestes. — cum praesertimj ,da noch dazu' 
= was um so merkwlirdiger ist als. Vgl. zu diesem Gebraucb 
von cum pr aeser ti m und praes. cum, welches in diesem Falle 
scheinbar die Bedeutung ,trotzdem, dass* gewinnt, Nagelsb. Stil. 



258 Kapitel XXIV § 67. 

p. 595, Madvig zu Fin. H § 25, Jalm zu Orat. § 32, Anflresen 
und Peter zu Tac. Dial. 24. — deoruiu immortalium] zunachst des 
Apollo, der durch das Orakel ihuen den Befehl seines Vaters 
Zeus verkiindete, Rache fiir die heimtUckisch verratenen und ge- 
toteten Vater zu nehmen; cf. Aeschyl. Eum. v. 206 flf., Eurip. 
Orcst. V. 279 ff. — Hliqnaml Ueber den Gebrauch von unquam 
bei Cicero in negativen Satzeu und solchen mit negativem 
Sinne vgl. Hoppe, zu den Fragm. Cic. p. 9 ff. — pii] erklarte 
Hotmann ,deorum iussis atque oraculis parere'. Aber es wird 
richtiger sein die pietas auf das patrem ulcisci zu beziehen ; 
cf. Oros. Hist. 2, 13, 6, wo Verginius, der seine 'J'ochter getotet, 
ein pius parricida genannt wird. — sic se res habet] „So wird 
oft, indem das Vorhergehende in sic oder ita zusammengefasst 
erscheint, mit diesen Partikehi auf eine auszusprechende Wahr- 
lieit hingewiesen, welche sich darstellt als ein Resultat des Ge- 
sagten oder Geschehenen: ,Ja, so ist es, ihr Richter'; Nagelsb. 
Stil. p. 629. — religioiiem] bedeutet hier den Charakter der 
Heiligkeit, den etwas hat; s. Nagelsb. St. p. 199. — ex quo] 
sc. profuso. — permanat ad auimum] ,dringt so tief ins Herz'; vgl. 
zu dieser Metapher Nagelsb. Stil. p. 447. 
§ 67. IVoh'te enim putare] Simile per contrarium, cf. Cornif. IV, 

cap. 46 ornandi causa (similitudo) sumitur per contrariura, sic: 
Non enim, quem ad modum in palaestra, ([ui taedas canden- 
tes accipit etc. Die folgende Schilderung von der Macht des 
bosen Gewissens, die an verschiedenen Stellen Ciceronischer 
Schriften wiederkehrt, ist gleichwohl nicht des jungen Redners 
geistiges Eigentum, sondern , wie zuerst Hotmann nachgewiesen, 
ist das Vorbild Aeschines in Tim. 180 Sch. Wir diirfen viel- 
leicht noch weiter gehen und behaupten, dass Aeschines, als ge- 
wesener TQtTayoovl(jTi](; an jenen Stellen einen griechischen 
Tragiker nachahmte. Wenigstens spricht dafiir der Umstand, 
dass der bei ihm sich findende Ausdruck ,dccd€g ^fifxsvat' sich 
mit einem Fragment bei Ennius deckt, der wiederum seinem 
griech. Original folgte, fiir diese unsere Ansicht ,caeruIeo incinctae 
angui incedunt, circumstant cum ardentibus taedis' (bei Cic. 
Acad. II, 89 = Ribb. 28). Wenn wir nun den Ansdruck taedis 
ardentibus bei Cic. auf die Lektiire des Ennius zuriickfiihren, 
welcben Dichter er mit Vorliebe in seinen Schriften (nach Hoppe 
1. 1. p. 5 an c. L60 Stellen; vgl. auch Seyffert-Laelius^ p. 146) 
citierte uud die librige Schilderung auf Rechnung des griechischen 
Redners setzen, so habcn wir in der vorliegenden Probe seiner 



Kapitel XXIV § 67. 259 

jugendliclien Stilperiode die Bestatigung jener Worte zu finden, 
die er in seiner Schrift de Orat. I § 154 ff. dem Crassus in den 
Mund legt, dass es fiir ihn eine Jugendlibung gewesen sei, einer- 
seits Verse aus Ennius zu paraphrasieren und andrerseits die Meister- 
werke der griech. Beredsamkeit zu studieren und ihs Lateinische 
zu iibersetzen , um sich in einem dem Griechischen moglichst 
homogenen latein. Ausdruck zu iiben (vgl. meine Schrift de Cic. 
elocut. p. 15. 16). Wir geben nun zur besseren Vergleichung 
das griech. Original und die in den spateren Schriften Cic.'s 
wiederkehrenden Ausfiihrungen dieses Gedankens. 

Aeschin. in Timarch. 180 Sch. (j,f} ydg ol'€(T&€ zag rmv 
aTvx^fj^ciTMy aQxccg «tto d-^wv , ciX}^ ovx vn dvd-Qcon(av aceX- 
y€iag yiyvecrd^cti, [jbrjde zovg ^(i^^rjxoTag xad^dn€Q iv tatg 
Toayfadlaig Iloivdg ikavv^iv xat xo?.dt,€iv dcxalv ^fi^^vaig' dX?^ 
al nQon8T€ig tov (Tcof/aTog ridovai xal t6 firidev Ixavov ^y€iod^ai, 
TavTa nlrjQoT Ta XrjrrTi^Qia — TavT €(Ttiv €xd(fT(a Jlotvrj. — 
Cic. Pis. § 46 juolite enim putare ut in scaena videtis 
homines consceleratos impulsu deorum terreri furialibus 
taedis ardentibus. Sua quem(|ue fraus, suura facinus, 
suum scelus, sua audacia de sanitate ac mente deturbat. Hae 
sunt impiorum Furiae, hae flammae, hae faces. — de 
leg. 1 § 40 ,eos agitant insectanturque Furiae, non arden- 
tibus taedis, sicut in fabulis, sed angore conscientiae frau- 
disque cruciatu*. Man vgl. endlich noch die schone poetische 
Einkleidung dieses Gedankens bei Lucrez III, 1009 ff . : 

Cerberus et Furiae iam vero et lucis egeuus 

Tartarus horriferos eructans faucibus aestus, 

quid? neque sunt usquam nec possunt esse profecto: 

sed metus in vita poenarum pro male factis 

est insiguibus insignis, scelerisque luella, 

carcer et horribilis de saxo iactu' deorsum, 

verbera, carniiices, robur, pix, lammina, taedae; 

quae tamen etsi absunt, at mens sibi, conscia factis 

praemetuens adhibet stimulos terretque flagellis, 

nec videt interea qui terminus esse malorum 

possit nec quae sit poenarum denique finis, 

atque eadem metuit magis haec ne in morte gravescant. 

hic Acherusia fit stultorum denique vita. 

Wie wir aus diesen Stellen wohl schliessen dllrfen, dass die 
Furien wirklich auf der Buhne erschienen sind (cf. liibbeck 
p. 269 d. 1. Aufl. der Trag. : Furias ipsas in sceua coraparuisse 



260 Kapitel XXIV § 67. 

non inepte conicias), so werden wir andrerseits aucli in den Stel- 
len aus Cic. und Lucrez die echt roraische Ansicht erhlicken 
mussen, wornach die Furien nicht als Gottheitcn (wie in Griechen- 
land), sondern als „ethische Begriffe" aufgefasst wurden. 
Vgl. dieMonographie v. A. Rosenberg (Ber]inl874) „Die Erinyen. 
Ein Beitrag zur Keligion und Kunst der Griechen". — saepe 
llliniero] Die HinzufUgung von numero zu saepe gibt dem Aus- 
druck etwas gravitatisch-feierliches. Die Verbindung ist nach 
Wolffliu (Cassius Felix p. 431) archaisch- vulgar und der Vor- 
laufer der spateren pleonastischen Hinzufiigung von numero zu 
Zahlwortern; vgl. die Belege hiefiir a. a. 0., zu denen noch kommt 
lul. Obsequens 46 corvi duo numero „zwei an der Zahl", 
Gell. 14, 3, 2 tot numero. Doch kennen diesen Gebrauch 
schon Cicero und SaHust, vgl. Verr. I § 48 mille numero; 
lug. 53, 4. 93, 8. Cicero hat die Formel in den Reden 
12mal, s. d. Stellen bei Merguet HI, p. 893. Ausserdem de 
inv. I § 71, wie Cornif. I § 43. In Casars B. G. findet sich 
saepe numero 5mal, namlich 1, 33. 39. 40. 6, 8. 7, 62. Die 
beiden letzten Stellen sind einander sehr ahnlich, da sie beide 
Worte des Labienus an seine Soldaten enthalten; und Peters- 
dorff im Belgarder Progr. 1879, S. 17 hat sehr wahrscheinlich 
gemacht, dass Casar diese Worte aus einem Bericht seines Legaten 
einfach in seine Kommentarien herlibergenommen. Ebenso stehen 
sich die drei librigen Stellen ausserlich wie innerlich sehr nalie. — 
Besonders beliebt und gewissermassen stereotyp war — nach 
meiner Beobachtung — saepe numero in einigen formelhaf- 
ten Anfangen von Schriften , Reden und Gesprachen. So fangt 
Cic. seine Schrift de Orat. mit den Worten an ,cogitanti 
milii saepe numero et memoria vetera repetenti' etc. (Vgl. 
ibid. § 6 ac mihi quidem saepe numero .. intuenti.) In Nach- 
ahmung dieser Stellen beginnt Minuc. Felix seinen Octavius mit 
den VVorten: ,cogitanti mihi et cum animo meo Octavi 
. . memoriam recensenti^ und Lactantius das 4. Buch seiuer 
Institut. ,cogitanti mihi et cum animo meo saepe repu- 
tanti priorem illum generis humanl statum'. Das eigentliche Ge- 
sprach im Cat. M. § 4 beginnt ,saepe numero admirari soleo'. 
Die Schi'ift des Columella liber den Landbau hat folgenden An- 
fang: ,saepe numero civitatis nostrae principes audio culpantes' 
und M. Porcius Cato beginnt einen neuen Abschnitt sainer be- 
riilnuten Rede bei Sall. Cat. 52, 7 mit: ,saepe numero, patres 
conscripti, multa verba in hoc ordine feci; saepe de luxuria... 
c[uestus sum' (Sallust, der ja bekannt ist wegen seiner Vor- 



Kapitel XXIV § 67. 2G1 

liebe fiir Cato, scheint mir in der im folgenden Kap. 53 angestellten 
Betrachtung den Cato nachgeahmt zu haben, wenn er § 2 sagt: 
jSciebam saepe numero parva manu cum magnis legionibus 
hostium contendisse; cognoveram parvis copiis bella gesta cum 
opulentis regibus , ad lioc saepe fortunae violentiam toleravisse'. 
Nur an diesen beiden Stellen steht bei Sallust saepe numero). In 
derselben Schablone bewegen sich noch folgendeBucheranfange: ,de 
inv. I § 1 saepe etmultum hoc mecum co gita vi ; das IJ. Buch 
de inv. ,quaerenti mihi multumque et diu cogitanti'; vgl. 
auch Lactant. de ira dei c. 1 animadverti saepe nach Cic. 
Parad. 1: auimadverti, Brute , saepe Catonem. — taedis 
ardeutibus| ist mehr der poetische und speziell von den Fackeln 
der Furien gebrauchte Ausdruck; vgl. Suet. Neron. 34 exagitari 
se materna specie, verberibusque furiarum ac taedis arden- 
tibus. Sonst sagt Cic. u. a. Schriftsteller faces ardeutes, 
wie Verr. IV § 74, Liv. 7, 17, 3, Frout. p. 197 N., Plin. H. N. 
n, 24 (22), 90. — Aeschylus hat zuerst von allen Dichtern die 
Furien in einem Drama handelnd aufgefiihrt und wahlte sich fiir 
ihre Gestalt auf der Biibne im allgemeiueu die Gorgoneu, vgl. 
Roseuberg 1. L p. 10 S. Ob sie schon bei Aeschyhis brennende 
Fackeln in der Hand trugen, ist nicht ausgemacht; Wieseler 
(adnot. ad Eum. p. 16 183) schloss es aus drei Stellen der 
Eumeniden (1004. 1011. 1021), aber Rosenberg a. a. 0. p. 13 
glaubt, dass in jenen Versen nur von den Fackelu der IlQonoiinoi, 
der Geleitsmanner, die Rede sei, welche den Furien vorangehen. 
Allein aus der Stelle bei Aeschines und den beiden Stellen bei 
Cic. (vgl. auch Liv. 7, 17, 3, Suet. Ner. 34) darf man doch wohl 
sicher darauf schliessen, dass zu ihrer Zeit „brennende Fackeln'' 
ein notwendiges Attribut der Furien auf der Biihne ausmachten. — 
frans] = scelus, s. z. § 58. — terror] = angor conscientiae, wie es 
in der obeu aus de leg. citierten Stelle heisst ,die mit Schrecken 
lahmende innere Angst, Gewissensangst' Halm. — agitat] Die 
Allitteration dient hier und im Folgenden in ,cogitationes cousc' 
als wirksames Mittel zur Ausmalung des auf Schritt und Tritt 
von seinem bosen Gewissen Gepeinigten. — conscieutiae] ,Die Reg- 
ungen des Schuldbewusstseins', ebenso Parad. II § 18 te con- 
scientiae stimulant maleficiorum tuorum , te metus exanimant 
iudiciorum, dagegen p. Cluent. § 56 „an etiaYn consilia con- 
scientiasque eiusmodi facinorum supplicio dignas iudicarent" 
bedeutet conscientiae „dieFalIe der Mitwissenschaft". Ueber 
den Plural der Abstrakta vgl. Nagelsb. Stil. § 47, wo die Literatur 



262 Kapitel XXIV § G8. 

verzeichnet ist, untl bes. Neue I ^ p. 419 ff. Erwahnt sei hier 
noch eine sonst nicht bekannte Stelle fiir den Pkiral con- 
scientiae aus der Vulg. II Cor. 5, 11 spero autem iii con- 
scientiis (= (Tvvsidri(Te(Tiv im griech. Original) vestris mani- 
festos non esse. — haecj Mit Kecht ist die altere Form haec 
aus dem cod. G von den neueren Uerausgebern aufgenommen wor- 
den. Sie steht ausser bei Plautus und Terenz (siehe Spengel zu 
Andr. 328) auch bei Casar und Livius. In den Handschriften 
findet sich an den betreffenden Stellen entweder hae/// mit 
Rasur eines Buchstabens oder haec mit durchstrichenem c, vgl. 
Neue II ^ p. 207 ff. — domesticae] ,Die in der eigenen lirust 
wohnenden inneren Qualgeister', Vgl. zur Bedeutung von do- 
mesticus Iw. Miiller in d. Note p. 248 der Nagelsb. Stil. 
7. AuH. — dies iioctesque] s. z. § 6. — pareutum poenas] ,Siihne 
fiir', vgl. Verr. V, 121 quos ad illorum innocentium poenas 
fortuna . . reservavit, ep. Att. 9, 14, 2 Cn. Carbonis, M. Bruti 
se poenas persequi omniumrjue eorum, in quos Sulla crudelis 
hoc socio fuisset. — repetaut] Osenbriiggen: „Fast alle Staaten 
habeu eine Zeit, in der noch nicht das gesamte Strafrecht in den 
Hiinden des Staats ist, sonderu wo der Verletzte oder dessen 
Angehorige Selbstrache iiben oder fiir diese eine Siihne nehmen. 
In dieser Periode besteht die Strafe mehr in einem Gebeu als iu 
eiuem Leiden". Rubino Untersuchungen iiber rom. Verf. u. Gesch. 
I, p. 460: „Poena, spater vorzugsweise fiir Leibesstrafen ge- 
braucht, ist wie das griechische jioiv^ zunachst das Siihne- 
geld; wer sie erleidet, gibt sie (dat, solvit, pendit), wer sie 
zufiigen will, fordert sie ein(petit, repetit, expetit, exigit), 
wer sie vollzieht, nimmt sie an (sumit, capit, habet poenas), 
wer durch das damnare die Verurteilung bewirkt, fiigt einen 
Vermogensverlust (damnum) zu". 
§ 68. Rekapitulation von § 62; vgl. die dortige Schlussnote. — 

mauifestum par.] „Die Bedeutung des manifestum tritt am deut- 
lichsten in der Lehre des romisclien Rechts vom Liebstalil her- 
vor. Die XII Tafeln unterschieden schon furtum mauifestum 
und nec mauifestum (offner oder handhafter Diebstahl, 
opp. heimlicher Diebstahl, im deutschen Recht), und furtum 
manifestum wird vou den Romern definiert: quod deprehen- 
ditur dum fit, also iri avT0(f6Q(a, s. Gell. XI, 18, Gaius III 
§ 184. Justin. Inst. IV, 1, § 3" Osenbriiggen. Vgl. auch Rein, 
Civilpr. p. 737 ff. Eine sehr hautige Verbindung ist im Latein. 
tenere aliquem iu manifesto maleficio, tlagitio, furto, peccatu oder, 



Kapitel XXV § 69 u. 70. 263 

wie die gewolmliche Stellmig ist, manifesto in maleficio, so 
z. B. Verr. II 99, IV 104. — praeriipta] In § 38 u. 62 hiess es 
dafiir singularis audacia. In libertragener Bedeutung findet 
sich praeruptus bei Cicero nur hier gebraucht; Tacit'. Ann. 
V, 3 sagt praerupta dominatio, Oros. Hist. VII, 7, 7 ava- 
ritia praerupta. Man vgl. den ahnlichen Tropus Cluent. §183 
quorum aiulacia proiecta est, dom. § 115 videte hominis auda- 
ciara cum proiecta quadam cupiditate. — procul] Spater sagt 
Cic. lieber louge abhorrere, so Verr, II, 10, Cael. § 10, 
Piso § 62, Deiot. § 17. ^ — credihirl siint] ,glauben sollen^ Siehe 
die vollstandige Beispielsaramlung zum ciceron. (jlebrauche der 
periphrastischen Fovmen in Bedingungssatzen bei Hoppe 1. I. 
p. 16 ff. 

OsleiKlitlir] = manifestum profertur. § 69. 

Kapitel XXV. 

Ilaqiie CUin luullis] In den Schriften Ciceros begegneu uns 
nicht selten Stelleu, an deneu er sowohl die roraische Sprache ira 
Vergleich zur griechischen als auch romische Eiurichtungen und 
Gesetze gegeniiber den griechisclien in ubertriebener National- 
eitelkeit (uud oft geradezu rait Unrecht) preist. Bezliglich des 
ersten Punktes vergleiche man seine Aeusserungen uber den 
Wortreichtuin der lateinischen Sprache in den Tuscul. H § 35, 
III § 16. 23, Fin. I § 10 (s. Reisig Vorles. § 36). In ahuliclier 
Weise wie an unserer Stelle lasst er de Oratore I § 197 deu 
Crassus sprechen ,quantnm praestiterint nostri maiores prudentia 
ceteris gentibus, tura facillirae intellegetis, si cum illorum Lycurgo 
et Dracone et Solone nostras leges conferre volueritis^ — Zu 
itaque gehoren als logische FoIgei"ung eigentlich die Worte 
,maiores nostri singulare suppliciiim invenerunt'. Aber dadarch, 
dass sich in der Seele des Redenden der Vergleich mit Athen 
vordrangt, tritt dieser urspriingliche N eb engedanke an die Stelle 
des eigentlich erwarteten. Ueber diese logische Anakoluthie 
bei enim und itaque vgl. Madvig zu Fin. I § 18 und Nagelsb. 
Stil. § 160, 3, wo die librige Litteratur verzeichnet ist. — cuiu 
multis ex rebus] „wie aus vielen and em Dingen". Der Lateiner lasst 
alins in diesen Weudungen weg, vgl. Fin. I § 18 cum multa 
non probo , tura illud u. dazu Madvig, Seyffert zu Lael.^ p. 12. 

Prudeiltissiiua civitasj Der athenische Staat scheint im Altertura § 70. 
im unbestrittenen Besitze der prudentia gewesen zu sein. 
Wenigstens habe ich eiue Anzalil von Stellen gesaramelt, an 

Lan(lgv.af, Gic Reiln f. Sex. Rosc. II. Ilalfte. Jg 



204 Kapitel XXV § 70. 

denen clas Adjektiv wie in einer stereotypenFormel mit civitas Athen. 
verbunden ist, so Liv. 28, 41, 17 Athenienses, pru d entissima 
civitas, Quintil. 5,11, 38 pr ud en tis s i ma civitas Athenien- 
sium, Valer. Max. 8, 9 ext. 1 pr udentis s im a civitas scil. 
Atheniensium ; vgl. auch Cic. Or. § 25 Athenienses, ((uorum 
semper fuit prudens iudicium. — reniiu potita est| nJiml. der 
Hegemonie ; cf. ep. fam. 5, 17, 3 ut cogitares et iii nostra civi- 
tate et in ceteris, quae rerum potitae sunt, multis optimis 
viris iniustis iudiciis tales casus incidisse. Ueber die seltenere 
Bedeutung von potiri „im Besitze von etwas sein" vgl. Halra 
z. u. St., Heraeus zu Tac. hist. 3, 74. — hodie quoquej s. z. § 21. 
Obwohl Griechenland seit dem Jahre 146 v. Ghr. dem romischen 
Keiche einverleibt war, so blieben doch mehrere Stadte, wie 
Athen und Sparta liberae civitates d. h. sie genossen die 
Autonomie. Das Nahere liber die liberae civitates siehe bei 
Becker Marquardt lU, 1, p. 247 ff . , Pauly Reall. s. v. socii 
und foedus; vgL auch du Mesnil zu de leg. p. 249. — scripsit] 
Leges scribere oder constituere ist im Lat. das Gebrauch- 
lichere fur unser ,Gesetze geben^; selten findet sich leges dare, 
vgl. Krebs Antib. s. v. dare, der bemerkt, dass es mit Unrecht 
von vielen verworfen werde, da es sich an einigen Stellen finde. 
So in Cic.'s Reden an acht, wovon 5 auf die Verrinen treffen, 
s. Merguet s. v. dare, H p. 143. — interrogaretur] Diogen. Laert. 
I, 59: ^EQCOTi^d-sig did xl xaxa nazqoitTovov vofiov ovx ed^ijx€] 
did t6 aTieXnlGai, eifr]. Cf. Oros. Hist. V, 16, 23 Publicius 
Malleolus (cf. zu § 38) servis adnitentibus matrem suam inter- 
fecit; damnatus parricidii insutusque in culleum et in mare pro- 
iectus est ; inpleveruntque Roraani et facinus et poenam, unde et 
Solon Atheniensis decernere non ausus fuerat, dum 
fieri posse non credit, et Romani, qui se oi'tos a Romulo 
scirent etiam hoc fieri posse intelligentes supplicium singulare 
sanxerunt. Auch die Perser hielten den Vatermord fiir unmiJg- 
lich, vgh Herod. I, 137. — non tani prohibere] Den Gedanken, der 
an zwei weiteren Stellen bei Cicero wiederkehrt und an unser 
Sprichwort „Man soll den Teufel nicht an die Wand malen" 
erinnert, erklart ara besten Senec. de clement. I, 23 ,Pater tuus 
(Claudius) plures intra quinquennium culleo insuit, quam omnibus 
saeculis insutos accepimus. Multo minus audebant liberi nefas 
ultimum admittere, quamdiu sine lege crimen fiiit. Summa 
enim prudentia altissimi viri et rerum naturae peritissimi mahxe- 
runt, v(dut incredibile scehis et ultra audaciam positum praeterirc^, 



Kapitel XXV § 70. 265 

quam rl u m vinclicant, (istendere posse fieri. Itaque 
parriciflae cum lege coeperunt et illis facinus poena 
monstravit. Pessimo vero loco pietas fuit, postquam saepius 
culleos vidimus quam cruces'. Damit vgl. man Cic.'s eigeue 
Worte p. Tull. § 9 ,quod enim usu non veniebat, de eo si quis 
legem aut iudicium constitueret, non tam prohibere (|uam 
admonere videretur^; de dom. § 127 ,ne(|ue enim id fieri 
fas erat neque quisquam fecerat neque erat causa, cur prohi- 
b e n d n o n t a m d e t e r r e r e v i d e r et u r q u a m a d m o n e r e. — 
nostri maiores] Die von Krebs im Antib. s. v. noster gegebeue 
Kegel (nach Klotz zu I^ael. § 18) , dass man in umgekehrter 
Ordnung nostri maiores (statt des gewbhnlichen maiores 
nostri) nur dann sage, wenn d-ese im (jregensatze der Vorfahren 
eines fremden Volkes stehen, trifft fiir unsere Stelle zu (vgl. 
auch har. resp. § 28), fiir andere weniger z. B. sen. § 11. — 
llihil esse tani sanctuni] Ein oft von Oic. und andern Schriftstellern 
ausgesprochener Gedanke, vgl. Verr. act. prim. § 4 nihil esse 
tam sanctum, (|uod non violari . . possit; Sen. sap. 3, 4 
nihil in rerum natura tam sacrura est quod sacrilegum 
non inveniat. Vgl. auch p. Quinct. § 26 nullum esse officium 
tam sanctum atque solemne, quod non avaritia comminuere ac 
violare soleat. — siippliciuui in parricidas singulare] Es ist hier 
der Ort, iiber das Wort ,parr ici d i um' sowohl wie iiber die 
auf dieses Verbrechen gesetzte Strafe eingehender zu handeln. 
Parricidium hedeutet zur Zeit Ciceros (wie aiTS unserer Rede 
hervorgeht) im engeren Sinne ,Vatermord', im weiteren Sinue 
jVerwandten m ord' (vgl. das unteu angefiihrte Gesetz des 
Pompeius aus dem Jahre 55) und wird tropisch auch auf 
patria als deu parens omnium nostrum (cf. Catil. I § 17) 
iibertragen, so Sull. § 6 patriae parricidium, uud von da auf 
respublica (Sall. Cat. 51, 25) und cives (Cic, Cat. 1, 29; 
s. auch d. Stelle aus Lactanz z. § 30). Schon aiis diesem tropi- 
schen Gebrauche crhellt, dass die Alten ,parricida' von pater 
und caedere ableiteten, dass also die engere Bedeutung die 
altere und urspriinglich die alleinige war (cf. Rein Kriminah-echt 
p. 450). Diese einfache und auf der Hand liegende Etymologie 
,parricidium vermittelst der Assimilation statt p at rici d iu ra' 
gibt Quintilian. 8, 6, 35 u. a. Gramraatiker, wahrend er an einer 
andern Stelle 5, 11, 56 die Ableitung von parens und caedere 
erwahnt (parric. statt parenticidium). Eine dritte Ableitung ist 
die von par und cacdere bei Priscian. I p. 26, G 11. (par, 

18* 



26(> Kapitel XXV § 70. 

])aris, parricifla, quod vel a ,pari' compoiiitur vel, ut alii, a 
,patre' ; ergo, si est a ,pari', r euphoniae causa additur, sin a ,patre', 
t ia r coiivertitur, cf. I p. 177, 20), der trotz ihrer Unwahrschein- 
lichkeit uoch neuere Gelehrte wie Klotz zu Cic. Eeden I p. 522 
folgten. Die Unhaltbarkeit dieser letzten Etjmologie hat Osen- 
briiggen in seiner Schrift liber das altromische Parricidium (Kiel 
1841) p. 8 ft". dargethau, aber auch die'erste Ableitung versuchte 
er dort zu widerlegen, indem er selbst eine neue aufstellte, nam- 
lich von TiaQcc (aus dem sanskritischen para entsprungen , das 
Arge nnd Verkehrte bezeichnend). Parricidium ware sonach 
,der arge Mord' d. h. dolo sciens, nicht der Verwaudtenmord. 
Aus dieser ursprlinglich weiten Bedeutung des Worts hatten 
sich in spaterer Zeit mehrere Arten des Verbrechens herausent- 
wickelt, niimlich homicidium, veneiicium, parricidium im engern 
Sinne (Vater - und Verwandtenmord), vgl. auch Osenbr. in der 
Einl. zur Rosc. p. 22 ff. Gegen diese Ansicht ist aufgetreten 
Rein in der Recension des Buches N. Jenaische Allgem. Lit. 
Z. 1844 S. 410 und in seinem Kriminalrecht p. 450 Note, wo 
er folgende drei Griinde dagegenhiilt : Ij den durcb kein Bei- 
spiel bestJitigten Umlaut des Endbuchstabens in der Partikel 
para (paricid. statt paracid.), 2) dass das sanskrit. para im Lat. 
immer in per iibergegangen ist, z. B. in perperam, perfuga (s. z. 
§ 116), 3) dass sich aus allen Stelleu der rijm. Autoren die Be- 
deutung des Vatermords als urspriingliche und einzige ergibt, 
wjihrend, wenn 0.'s Hypothese richtig wjire, die Bedeutung parricid. 
als Mord iiberhaupt in den juristischen Quellen noch immer vor- 
k^l^men miisste. lu neuerer Zeit ist man insofern zu der von alteren 
cTelehrten vertretenen, aber von Rubino, Kostlin u. Rein widerlegten 
Ansiclit zuriickgekehrt, als man die weitere Bedeutung von parrici- 
dium als (arger) Mord iiberhaupt fiir die urspriingliche hiilt, so 
Mommsen in der rom. Gesch. I * p. 151, Wirz zu Cic. Mil. § 17, 
Lange, R A. 1 ^, S. 332, welcher sagt : ,p a r r i c i d i u m mag in vor- 
romischer Zeit Elternmord bezeichnet haben, obwohl dies etymo- 
logisch zweifelhaft ist; in Rom bezeichnete dieser Begriff von 
den altesten Zeiten an nur den Mord^ Die Vertreter dieser An- 
sicht stiitzeu sich auf den Wortlaut eines alten Gesetzes des 
Koenig Numa, welches wir aufbewahrt finden bei Paul. ex Fest. 
p. 221 M. s. v. parrici(di) quaestores appellabantur, qui 
solebant creari causa rerum capitalium quaerendarum. Nam 
parricida non utique is, qixi parentem occidisset, dicebatur, sed 
([Uah'inc\nique hoininem indemnatum. Ita fuisse indicat lex Numae 



Kapitel XXV § 70. 207 

Pompilii reg-is, liis composita verbis : ,Si qiii hominem liberum 
(lolo sciens morti dnit, paricidas esto'. Aber aus diesen 
Worten braucht man nicht notwendig auf die allgemeine Bedeut- 
ung des Wortes parricidium = Mord zu schliessen, wenn man 
mit Rein das Gesetz so orklart: ,,jeder vorsatzliche Morder soll 
als parricida angesehen und bestraft d. h. nach demselben Gesetz 
und von derselben Behorde gerichtet werden (Kriminah-. p. 402)''. 
Diesen Gerichtshof bihleten in der altesten Zeit die ([uaestores 
parricidii, vgl. die oben citierte Stelle aus Fest. p. 221 M. 
und Pomponius de origine iuris (Dig. 1, 2) § 22 et (|uia . . cie 
capite oivis Rom. iniussu populi non erat lege permissum consuli- 
bus ius dicere, propterea quaestores constituebantur a populo, 
(j^ui capitalibus rebus praeessent ; hi appellabantur quaestores 
parricidii, quorum etiam meminit lex XII tab. u. daz. Rein 
1. 1. p. 453. Als SuUa im J. 82 die nach ihm benannte lex 
Cornelia de sicariis et veneficis erliess, gab er darin be- 
ziiglich des parricidium keine besondere Bestimmung (s. z. § 30), 
sondern der parricida fiel unter die fur Totung aller Art eben- 
falls von Sulla eingesetzte quaestio (perpetua) inter sicar- 
ios (s. § 11 u. R ). Auch die von den Vorfahren Uberkommene 
Strafe fiir parricidium wurde unverandert beibehalten. Erst 
Pompeius erliess im J. 55 , wo er zum zweitenmal Konsul war, 
iiber das parricidium ein besonderes Gesetz, cf. Paul. V, 25 lege 
Pompeia de parricidio tenetur, qui patrem matrem, avum aviam, 
fratrem sororem, patr^num patronam occiderit (vollstandiger Dig. 
48; 9; 1, s. Rein, Crim, 456). — Die Strafe des parricida 
war von Alters her die poena cullei „der Einsackung", v^^ 
das Gesetz, das Coniif. I § 23 erwahnt : ,Qui parentem necasse 
iudicatus erit, ut is obvolutus corio devehatur in profluentein'. 
Ebendaselbst und bei Cic. de inv. II § 149 belindet sich auch 
die interessante Beschreibung der Vorbereitung zur Exekution : 
jMallcolus iudicatus est matrem necasse. Ei damnato statim folli- 
cuhis hipinus in os et soleae ligneae in pedibus inductae sunt 
(„damit er die Erde durch seinen Fusstritt nicht entweihe"), in 
carcerem ductus est (,,wo er bleibt, bis der culleus angefertigt 
ist")'. Die Strafe des culleus selbst wird am genauesten ge- 
schildert Dig. 48, 9, 9 ,poena parricidii more maiorum haec 
instituta est, ut parricida virgis sanguineis verberatus („wie 
gewohnlich, und zwar nicht mit bluttriefenden, sondern mit roten 
Ruthen") insuatur cum cane („als eineiai von Griechen uud 
Romern verachteten Thier" sagt Rein p. 457), gallo gallinaceo 



268 Kapitel XXV § 70. 

(^wcil (lieser wie der parricida aller Pietat ermangelt") et vipera 
(„auch serpens genannt, einem ini allgenieinen verabscheuten 
Tliier, welches durch den Tod der Mutter an das Tageslicht 
kommen sollte" Aristotel. hist. aniui. 11,8) et simia („wahrschein- 
lich nur als widrigem Zerrbihl des Menschen"), deinde in mare 
profundum culleus iactetur^ Wenn Cic. a. u. St. von 
diesen Thieren nichts erwahnt, so darf man daraus nicht schliessen, 
dass zu seiner Zeit die Strafe ohne jene Attribute vollzogen 
wxirde, denn die Strafe selbst ist uralt und wurde in derselben 
Weise und unter Beigabe derselben Thiere auch bei andern 
Volkeru, z. B. auch den Germanen (s. Grimm , deutsche Rechts- 
altertiimer p. 685 fiP.) exekutiert. Die symbolische Bedeutung 
jener Thiere wird dem Cicei-o und seinen Zeitgenossen bereits 
ebenso unverstandlich gewesen sein wie uns, und Cic. hat wohl 
mit Absicht diese Einzelheiten weggelassen; erscheint ihm doch 
schon ohne dieselben jene ganze Deklamation spiiter als ein etwas 
zu wortreicher Auswuchs seiner jugendlichen Phantasie. Zudcm 
erwahnen ja auch andere Schriftsteller nicht alle vier Thiere, 
sondern nur einige oder nur eines derselben, so z. B. Sen. contr. 
V, 4 nur serpens. Die Symbolik dieser Strafe ist, wie gesagt, 
bei ibrem hohen Alter schwer zu verstehen. Doch will uns 
Kein's Deutuug des Hundes und Hahnes durchaus nicht befrie- 
digen, eher noch die der Schlange und des Aifen. Richter ver- 
gleicht (p. 15 der Einl. N. 50) damit die Kreuzigung der Hunde 
fiir ihren Mangel an Wachsamkeit auf dem Kapitol und weist 
beziiglich des Hahnes darauf hin, dass dieses Thier der Gottin 
Nacht und den Lareu geopfert wurde (Ov. Fast. 1, 455). Ich 
glaube bei einer so alten, den indogermanischen Volkern gemein- 
samen Strafe miissen wir die Geschichte der Bedeutung dieser 
Thiere nicht nur bei den Rbmern uud Griechen, sondern auch 
bei den iibrigen, bcsonders den altern iudogermanischen Volkern 
heranziehen. Da begegnet uns nun der Hahn als ein speziell 
persischer Vogel, wie er bei Aeschylus in den Vogehi an 
eiuigen Siellen genannt wird , s. Kock zu Av. 276; vgh Cratin. 
bei Athen. 9 \). 374 mctttsq 6 uSQcrixd g MQap naaav xava- 
XMV bX6<f(avOQ dXixz 0) Q. Uud allerdiugs stammt der Haushahn 
urspriinglich aus Indien, wahrend die semitischen Kulturvolker 
ihn nicht gekannt haben. Ja in der Zoroaster-Religion spielt der 
Hahn in Gesellschaft — was fiir iinsere Stelle von grosser Be- 
deutung ist — des Hundes eine wichtige Rolle. Beide sind 
heilige Thiere, der Hund als der treue Hiiter des Hauses und 



KapitelXXV §70. 269 

cler Ilerden, der Hahn als Verkuiuliger des Morgens und als 
Symbol des Lichts und der Sonue. „Der Hahu ist", sagt Hehn . 
in seinem lehrreichen Buche uber Kulturpflanzen und Hausthiere 
3. Aufl. p. 280, „dem (^'raosha geweiht, dem himmlischen Wjich- 
ter, der, voni Feuer geweckt, selbst wiederum den Hahn weckt, 
dieser vertreibt dann durch sein Krahen die Daevas, die bosen 
Geister der Finsternis". Wir teilen noch einige Satze aus 
den bei Hehn citierten (.^uellen mit: „Halka, der Hahn, ist den 
Dews und Zauberern feind. Er unterstutzt den Hund, wie im 
Gesetze steht: Unter den Weltgeschbpfen , die Darudsch plagen, 
vereinigen Hahn und Hund ihre Krafte. — Durch ihn werden 
alle Feinde des Guteu uberwunden; seine Stimme zerstbrt 
das Bbse. — Der Hahn ist zur Vertilgung der Dews und 
Zauberer geschafifen ; mit dem Hund siud sie Gehillfen , wie ge- 
sagt ist in der Din : von den irdischen Geschbpfen sind diese zura 
Schlagen der Drukh's zusammen Gehulfen, Hahn und Hund". 
Ich glaube also , dass wie der Sack mit dem parricida in das 
Meer geworfen wurde, weil man dem Wasser reinigende und 
siihnende Kraft zuschrieb (s. z. § 71), so auch Hahn und 
Hund beigegeben wurden nacli uralter Anschauung — als 
Feinde und Ueberwinder des Bbsen. Daraus endlich, dass 
bei der Aufzahlung dieser Thiere immer Hund und Hahn un- 
mittelbar neben einander stehen, andrerseits aber, wenn jene 
fehlen , Affe und Schlange als vereinigt erscheinen (z. B. luven. 
3, 8, 214) mag geschhjssen werden diirfen, dass wie jene die 
s y m b o 1 i s c h e n V e r t r e t e r d c s G u t e n , s o d i e s e d i e d e s 
B b s e n s i n d u n d d i e V e r e i n i g u n g d i e s e r z w e i P a a r e i n 
e i n e m S a c k e d e u K a m p f d e s G u t e n m i t d e m B b s e n a n- 
deuten soll. — officio . . llialelicio] vgl. Coruif. II § 32 omnes 
f|ui in paupertate sunt, mahuit malcficio parare divitias, quani 
officio paupertatem tueri. — culleiim] culleus halten Tuch- 
handler und Saalf(dd fiir ein griecliisches Lehnwort = xoXsog 
(jon. yovXsog). Doch ist es eiu acht lateinisches Wort uud wie 
cullearis, culliula, cucullus, cuculla, cucullio, cu- 
culio von der VVnrzel cul in oc-culo abzuleiten; cf. Rassow, 
de Plauti substautivis, 1881 p. 634. - in flumen] wie es in dem 
oben (aus Cornific.) mitgeteilten Gesetze hiess in profluentem 
statt des gewbhnlicheu Ausdrucks in mare. Bei grosser Ent- 
ferniuig des Meeres wurde der parricida in einen Fluss oder 
uach einer spatern Verfiigung Hadrians den wilden Thieren hiu- 
geworfen. 



270 Kapitel XXVI § 71. 

Kapitel XX Vr. 
§ 71. Ex reniiu nalura] ,au8 der Welt'^; aiulcr.s als §45. — caeluiu, 

soleni etc.] die vier Elemente, zuerst von Empedokles aus Agri- 
gent (geb. um 490 v. Chr. ) in seineni Lelirgedicht iiber die Na- 
tur aufgestellt (tsffffaQa xwv navTO)v biCwnaxa „\Vurzeln" der 
Dinge). — ex quibus ouiiiia nata| Diese heidnische Ansicht, wornach 
die Welt nicht von Gott aus dem Nichts geschaffen, sondern aus 
der vorhandenen Materie gebildet worden sei , bekampft Lactant. 
div. inst. II, 8, 10, wo er ein auf diesen Glauben bezligliches 
Fragment ans Cic. de nat. deor, mitteilt (= II p. 141 C. F. 
W. Mliller) ^primnm igitur non est probabile eam materiam rerum, 
unde orta snnt omnia, esse divina providentia effectam, sed 
habere et habuisse vim et naturam suam. Ut igitur faber, cum 
quid aedificaturus est , non ipse facit materiam , sed ea utitur, 
(|uae sit parata , fictorque item cera , sic isti providentiae divinae 
materiam praesto esse oportuit, non quam ipse faccret, sed tjuam 
haberet paratam. C^uodsi non est a deo materia facta, ne terra 
quidem et aqua et aer et ignis a deo factus est.' — Uoluerunt| 
wie es seit Hadrian geschah, s. z. § 70. „Es liegt in diesen 
Worten ein indirektes Zeugnis, dass schon zur Zeit der Republik 
die harte , zur Kaiserzeit sehr gevvolinliche damnatio ad be- 
stias nicht ohne Beispiel war, was auch aus Cic. in Pis. § 89, 
Asin. Poll. ep. fam. 10, 32, 3 crhellt." Osenbrllggen, — scehis] 
personlich, wie namentlich bei denKomikern sehr haufig =„Scheu- 
sal" ; vgl. Thielmann, Stil. Bem. p. 358. — utereiuur| ,sie beka- 
men^, vgl. ep. Att. 1, 17, 9 perfectumque, ut frequentissimo se- 
natu et liberalissimo uterentur; de fin. I § 2; ebenso im Grie- 
chischen ^gjjff&at , cf. Deransth. ^tSQi xwv iv Xsqqov. § 50 
6(7w av TiXsiovotv eacTMfjbSv ixsTvov yevicr&ai xvqioVj togovtm 
XccXsTioyteQM xai lcrxvQOTeQO) xQV^^fie&a ixd^Qco, Olynth. I § 9. 
— non sic nudos] Auffallend ahnlich, weil auch die Situation einc 
ahnliche, steht Liv. 2, 10, 11 Horatius Cocles sic armatus in 
Tiberim desiluit; cf. Mosbach in d. Anzeige von Braune Obser- 
vationes gramm. ad usum ,ita, sic, tam, adeo' particularum Plau- 
tinum ac Terentianum spectans 1882 (Philolog. Wochenschr, 1882 
p. 1032): ,S i c bezeichnet, so wie etwas eben ist, ohne jede 
Veranderung des augenblicklichcn Zustandes, ohne jede Massre- 
gel, Zuriistung u. dergl., wie das griech, avrojg. Ganz wie wir 
sagen „man wirft ihn nicht so ins Wasser" d. h. wie er eben ist 
Hteht (Jic. Rosc. 71 sic, zu dessen Erklarung nudus ix naQaX- 
ktiXov hiuzugefiigt ist.' — violata suill] pnignant fiir facta sunt 



Kapitel XXVI § 72. 271 

cum aliquaviolatione, ebonso (jff. 2 § 68, Lael. § 65 und dazu 
Mliller p. 423; ep. Att. 1, 17, 7 illa , quae violata, expia- 
buntur; s. Naegelsb. Stil. p. 312. — expiarij Dem Meere wurde 
reinigende Kraft zugeschrieben. So befiehlt schon bei Homer 
Agaraemnon dem Heere sich wegen der Pest von der Befleckung 
zu reinigen, II. I, 314 ol d^ aTrsXvfialvovTO xal elq aXaXviiax 
e^aXXov. Ebenso will Ipliigenia bei Kurip. Ipli. Taur. 1193 (1159) 
ihren Bruder Orestes mit Meerwasser reinigen, denn : &aXa(jaa 
xXv^Si navra % dv&QMTiU)v xaxd. Uebrigens gilt nicht nur bei 
den Griechen und Romern, sondern ilberhaupt bei den meisten 
alten Volkern das Abwaschen im fliessenden Wasser als Symbul 
der Reinigung von der Sunde. Es sei hier nur an die alttest. 
Art der Taufe , das Eintauchen in Flusse, bei den Juden erin- 
nert. — Tlle] Die allitterierende Verbindung viHs vulgaris fln- 
det sich noch an einigen Stellen bei romischen Scbriftstellern, so 
Paneg. Mamert. 6 (p. 106 B.) nihil tam vile tamque vul- 
gare est, wohl in Nachbildung u. St. ; Colnm. 7, 1 vilis 
vulgarisque aselh;s. Eine ahnliche Formel ist viHs vulga- 
tusque Curt. 3, 2, 14; Fronto p. 18 N; cf. Woelfflin, Ueber d. 
allitt. Verb. p. 90. 

Quid tam est comiuuue| Die Stelle gehort zu den am oftesten §72. 
von den Grammatikern citierten u. E., s. I, p. 52. Wir geben 
hier eine interessante Parallele aus den Quintilian. Deklamatio- 
nen, decl. 299, die in einzelnen Worten so an die ciceronische 
anklingt^ dass man wohl ainiehmen darf, jener anonyme Verf. 
habe die ciceron. vor Augen gehabt : ,Sepulti crgo essent et ae- 
terna quiete conditi iacuissent parricidae. Manes iuxta patris la- 
tus, ut quod diis hominibusque videatur indignum, tumulo tectus 
videretur, cui leges terram negant .... cuius statini ora, ocu- 
losque a iudicio lex iussit obduci, ne hunc iucundum caeli ad- 
sjicctum polluerent taetri oculi : cui lucem vivo, fluctuanti 
mare, naufrago portum, morienti terram, defuncto sepul- 
crum negat? quem in poena sua iubet vivere, huic tumulum et 
exsequias persolvi fas fuit?' — Ueber das beliebte Hyperbatun 
bei tam und seinem Adjektiv oder Adverb handelt Madvig de 
fln. p. 651 ^. Ueber ahnlicbe Sperrungen Schmalz Lat. des Asin. 
PoU. p. 100. — comuiune] Aehnlich lautet eine Stelle in den Dig. 
47, 10, 13 ,et quidem mare commune omnium est et litora 
sicuti aer^ — ita vivuut etc.] Man vergleiche mit der poetischen 
Deklamation Cic.s die Worte Justinians Inst. 4, 18, 6 ,ut omni 
elementorum usu vivus carere incipiat, ut ei caelum superstiti, 



272 Kapitel XXVI § 72. 

terra mortus auferatur/ — uoii qiieailf] In der Scliulausgabe folgte 
ich Tliielniauu Stil. Bem. p. 213, wenn ich sagte: ,,Cic. ge- 
braucht die Formen von queo nur in negativen Satzen oder 
solchen mit negativem Sinne." Aber sie finden sich auch an ei- 
nigen Stellen bei Cicero in positiven Satzen, so Cat. m. §32, 
Lael. § 71, Tuscul. V § 108. Flir die erste Pers. Sing. sagt 
Cic. immer noii queo (nicht nequeo). lu den Reden gebraucht 
er das Verbum n e q u i r e nur einmal in der Form n e q u e a m u s 
Verr. III § 21, in den iibrigen Schriften hanfiger, s. Krebs- 
Allg. s. V. quire. — abluantur] Die Lesart abluantur ist der 
des cod. Oxon. C. adluantur, welche Halm aufgenommen hat, 
vorzuziehen. Denn ,,letzteres wird sonst nur von Landstrichen 
gebraucht und scheint hier auch sonst nicht passend, da das 
Wasser doch wohl durch den Sack eindringen und den Vcrbre- 
cher beriihren konnte. Dagegen war eine reinigende Abwasch- 
ung unmoglich, da der Culleus die Entfernung des Schmutzes 
hinderte." Luterbacher im IX. Jahresber. p. 19. — ad saxa] An 
den Klippen zerschellt derLeichnam und findet so nirgends Kuhe. 
Man vergleiche die Verwunschung, welche Thyestes bei Ennius 
(frag. 309 K) gegen Atreus ausstosst: 

Ipse summis saxis fixus asperis, evisceratus, 
Latere pendens, saxa spargens tabo , sanie et sanguine atro. 
Neque sepulcrum, quo recipiat, habeat portum corporis, 
Ubi remissa humana vita corpus requiescat malis. 
cili lualeficio] Ueber die Wiederholung des Beziehungsnomens beim 
Kelativpronomen ist z. § 8 gesprocheu. — diligentius paratiusque] 
Gewohnlicher sagt Cic. paratus venire (,,schlagfertig"), Verr. 
II, § 37, 91: Lig. 1; ep. fam. 10, 12, 4 etc. und zwar erscheint 
es haufig in Verbindung entweder mit meditatus (Quinct. §39, 
Verr. II § 17) oder instructus (Verr. act. pr. 7, auch bei Sallust 
und Livius), s. iiber diese Formelu m. Abh. de Cic. elocut. p. 23. 
34. An unsi'rer Stelle wurde Cic. veranlasst parate zii sagen 
mit Kiicksicht auf das vorausgehende diligentcr, ahnlich Brut. 
§ 241 is tamen ad diccndum veniebat magis audacter quam 
parate, Phil. II, 79 invectus est copiosius multo in istum et 
paratius Dolabella quam nunc ego. — Yeuisses] nicht „du wa- 
rest gekommen", sondern „du hattest kommen sollen". Ueber die- 
sen sogenannten Coniunctiviis iussivus spricht Madvig zu 
de fin. II § 12, Kiihner ausf. Gramm. II, 1 p. 141. Besonders 
baufig ist derselbe bei Plautus und Teren/. , aber nur im Imper- 
fektum, nie im Plusquamperf. ; cf. Holtze II p. 73 fF. Plaut. 



Kapitel XXVII § 73 u. 74. 273 

Triii. 133 Non ego illi argentum redderem? — Non redde- 
res Neque de illo quicquam neque emeres neque venderes 
Nec qui deterior esset, faceres copiam, Cic. Sest. § 45 resti- 
tisses, repugnasses, mortem pugnans oppetisses. — ad- 
luittere] findet sich bei Cic. mit und ohne in se wie bei den Ko- 
mikern, vgl. Langen Beitrage p. 149 ff. 

Sliscipil vgl. dc, inv. I § 45 nam sine causa maleficium § ^*^- 
susceptum non potest esse. — ne luiiiimum qiiidem] ,aucli 
nicht das kleinste^, vgl. Tuscul. V, 16 nulla ne minima (^ui- 
dem aura fluctus commovente = kein Luftchen, auch niclit das 
kleinste; s. Krebs Antib. s. v. etiam p. 425. 

Kapitel XXVn. 

Nach Beendigung der Digressionen geht Cic. von dem Pro- 
babile ex vita und ex causa zur Betrachtiing der naheren 
Umstande der That, den argumenta und signa im engeren 
Sinne Uber. Und zwar beschaftigt er sich hauptsachlich mit Be- 
antwortung der Frage quo modo occiderit = unter welchen 
naheren Umstanden (§ 73 — 82), wahrend er die Frage nach Zeit 
und Ort unberiihrt lasst. Den Uebergang bildet esto = siei^ 
(,gut*) zur Einkleidung der rhetor. Form der concessio, woi*- 
auf auch das Wortspiel mit den Verbis decedere und conce- 
dere hindeutet, vgl. Deiot. § 30 esto: concedatur haec quo- 
que acerbitas etc. — debeo] ,musste' oder ,sollte'. — de ineo inre 
decedain] ebenso Offic. II § 64, ep. fam. Brut. et Cass. XI 3, 3; 
vgl. de iure concedere Ter. Ad. 217. — sic tecum agam] For- 
mel der Umgangssprache ,ich will es so mit dir haltcn^ Entwe- 
der folgt wie hier der abhangige Satz mit ut, cf. Sull. § 47, 
oder noch haufiger wird direkt mit dem Verbuni im Futurum fort- 
gefahren, so Verr. V § 164 sic tecum agam : Gavium osten- 
dam, Cael. § 36 sic agam tecum : removebo. Aehnlich ist die 
Formel der Komiker sic dabo oder sic dedero, iiber welche 
spricht Langen Beitr. p.216 ff. — meo loco] Madvig : ,meo loco, 
id est, nunc etsi meus est dicendi locus, quo modo frequenter 
Graeci oratores : Xeye iv tm if^ioi vdazt.^ — si quid voles] For- 
mel des taglichen Verkehrs, cf. Plaut. Merc. 1, 2, 74 si qui d 
vis, roga; vgl. ep. Att. 7, 2, 3, Hor. sat. 2, 7, 39. 

Qno fflodo occidit?] „Der Armut der Argumentation des Anklii- §74. 
gers gegeniiber (s. § 80) stellt Cic. in den folgenden Fragen bis 
quantum dedit alle Moglichkeiten in dilemmatischer Form zu- 
sammen, und zeigt damit, wie § 62. 68, die rechte Art der Be- 



274 Kapitel XXVII § 74. 

weisflihiuiig" Kicliter. — ipsHlu] sc. percussisse. — si liberosj Ueber 
il, felilende Praposition vgl, d. krit. Anli, z, d. St. — Hier be- 
ginnt der erste 'J'eil fles Dilemma: per liberos, der zweite folgt 
§ 77. — iiidideiu Aiueriaj Das Arlverbium indidem steht nur 
hier bei Cicero; es nimmt meist nocli einen Ortsnamen zu slch, 
cf. Nep. Epam. 5, 2 indidem Thebis, Livius 39, 12, 1 Ilispalam 
indidem ex Aventino libertinara u. o., (iell, VII (VI) 10, 4 
(|ui indidem Megaris erat. Die Bezeichnung der Herkunft 
bei einem Namen oder Substantiv (wie a. u. St. Roma, 
Ameria) durch den Ablativ eines Stadtcnamens, ein Ortsadverb 
oder durch ab, ex und den Ablativ eines andern Wortes ohne 
weitern Zusatz ist ziemlich selten , s. d. Stellensammlung bei 
Nipperdey in d. gr. Ausg. Cornel. Nep. Epam. 5, 2. Hinzuzu- 
fiigen ware hier' noch Casar B. Gr. V, 27, 1 Quintus Junius ex 
Hispania (^uidam und dazu Petersdorff im Belgarder G. Pr. 
1879 C. Jul. Caes. num in bello gallico enarrando non nulla 
fontibus transscripserit p. 7. — libi eos COUveilit] cf. Cornif. II 
§ 8 ,argumentum est, per r|uod reus coarguitur certioribus argu- 
mentis et magis firma suspicione. Id dividitur in tempora tria: 
praeteritnm , instans, consequens. In praeterito tempore oportet 
consid erare , ii b i f u e r i t , u b i v i s u s s i t , c[ u i c u m v i s u s s i t ; 
n u m ( [ u i d a d p a r a r i t , n u m ([ u e m c o n v e n e r i t'. — qui 
collociltus est] wie d. h. auf welchem VVege, ob direkt oder durch 
Zwischenpersoneu hat er mit ihnen Verhandlung gepflogen? — 
pretiuni] = merces, mit dem es haufig verbunden erscheint, 
Verr. V § 50 isto , . , pretio atque mercede minuisti maie- 
statem rei publicae, Sest. § 104 pretio acmercede perficiunt. — 
Ullde] = a quo (cf. § 71), bes. haufig bei den Koraikern, so 
Plaut. Most. 531 L. conveni illum , unde hasce aedis eraeram 
u. dazu Lorenz. Fiir Cic. vergl. man noch p. Quinct. § 34 neque 
praeter te quisquam fuit, ubi = apud quem (cf. Nagelsb. 
Stil. § 85 tin.), Verr. IV § 29 ut eas per illum ipsum insjji- 
ceret, ubi erant depositae , wo Halm nachzusehen ; fiir Sallust 
Catil. 20, 8 divitiae apud iUos sunt aut ubi (^= apud quos) 
illi volunt, lug. 14, 22 unde (= a quo) rainume decuit vita 
erepta est. — nnde dedit heisst ,von welchem Bankicr liess er 
das Geld auszahlen' naml. auf Anweisung; s. hieriiber Rein, rom. 
Privatr. p, 686 in d. N, : „Diese Zalilungea auf Anweisung wur- 
den sehr haufig durch die Bankiers oder Wechslei-, argentarii, 
meusarii, trapezitae gemacht. Manche Personen hatten ihr 
ganzes baares Vermogeu bei dem Bankier stehen oder wenigstens 



Kapitel XXVII §.74. OTo 

einen Teil desselben als dcpositmn. Eine scbriftliche Zablungs- 
anweisung an den Bankier leseii wir Plaut. Curc. III, 59 - 66. 
Die Zablungen fiir andore macbten die Wecbsler aucb von ibrem 
eigenen Gelde, indem sie ibren Kunden kredidierten, sowie sie 
Uberhaupt Geld auf Zinsen auslieben. Ueber alle diese Gescbafte, 
sowie liber die gesamte Einnahme und Ausgabe fiihrten die 
Wecbsler genaue Recbnung in ihren Biicbern, welcbe , wie alle 
riim. Hausbiicber zwei Seiten batten . . . X)a diese Biicber mit 
der bochsten Gewissenbaftigkeit und genauesten Zeitangabe ab- 
gefasst wurden, so verdienten sie allen Glauben (daher sogar 
fides piiblica) und dienteu in fremden Angelegenbeiten als wicb- 
tige Beweismittel. Sie galten ohne Scbwur und durften den Be- 
teiligten nicbt vorenthalten wordeu". • — capatj „ Ausgangspunkt" 
wird metaphorisch oft so mit fons verbiiuden, Cael. §31 horum 
criminum video fontem, video certum nomen et caput, Planc. 
§ 18 ad caput et ad fontem utriusque generis veniamus; de 
orat. 1 § 42 pbilosopborum greges iam ab illo fonte et capite 
Socrate, ib. § 195 legum fontes et capita; Lactant. inst. V, 
17, 2 caput ipsum fonteraque iustitiae. Ueber deu metapb. 
Gebrauch von caput, Ilerd, Seele^ Centrum (bes. gern in Verb. 
mit arx, wie Liv. 28,42, 16 ubi Hannibal sit, ibi caput arcem- 
q n e buius belli esse) s. Friedersdorff zu 26, 7; 3. — faciloj Der 
melir volkstiimlicbe Jussiv ,facito' (cf. Holtze U p. 135} iindet 
hauptsachlich seine Anwendung zur Umsehreibung der Verba des 
Wissens und sieh Erinnerns. So bei Cic. a. u. St. wie Pl. Pers. 388 
facito ut veniat in men tem tib i (dagegen Cic. Verr. a. pr. 51 
fac tibi . . veniat in mentem) ; ebenso formelhaft ist facito ut 
sciam ep. Att. 2, 4, 4 (dagegen fam. 7, 16, 3 fac plane sciam) ; 
facito sciam Symmacb. ep. 10, 2; vgl. noch facito sis 
m e m r Vergil . Aen . 12, 438 , f a c i t o u t m e m i n e r i s Plaut. 
Aul. 257 und facitote ut mei meraineritis Rutil. Lup. 11 
§ 4 (dagegen Cic. p. Cluent. § 111, Flacc. § 57 facite ut re- 
cordemini). In einer andern Verbindung ep. Att. 2, 20, 5 ex- 
peditus facito ut sis. — agrestera] ,baueriscb', cf. Or. § 148 
quis se tam durum agrestemque praeberet. — liunquaiu| Zur 
Reduzierung dieser Uebertreibungen vgl. § 52 u. 76. — quoquainj 
Ueber den adjektiv. Gebraucb von quisquam, bes. bei bomo, 
s. z. § 64. Der Ablativ quoquam ist selten, bei Cic. noch 
Verr. V § 178 a quoquam vestrum , ep. Att. 9, 15, 5 quae 
mihi a quoquam facta sit. Livius hat quoquam nur 3, 57, 6 
und 34, 35,9 ne quam societatem cum uUo Ci-etensium aut cum 



27() Kapitel XXVII § 75. 

(juoqiiam alio institneret; sonst braucht L. den Abl. vou ullus 
substantivisch; Suet. Caes 20 nec quofjuam reperto, ibid. 59 
a quoquam incepto. — constifisse] = moratum esse, cf. Verr. 
1 § 101 qui Komae post quaesturam illam uefariam y\x triduuni 
con s t itis s e t, ib. § 46 ut non modo proticisci cum cuperet 
Dolabella non posset, sed vix in oppido consisteret 
§ ^^' Praetereo illudj In der Form der praeteritio fiihrt Cic. schliess- 

lich den locus communis iiber die Vorziige des Landlebens ein, 
in welchem er das Hauptargument fiir die Unschuld seines Klien- 
teu sehen will, wahrend er in Walirheit doch uur als ein ziem- 
licli schwacher Beweisgrund gelten kann. Wenn auch zur Be- 
urteilung des dem Landleben in § 39 (auch 51) u. a. u. St. ge- 
speudeten Lobes anzumerkeu ist, dass die Romer in der That das 
Landleben viel hoher schatzten als die Griechen, so darf doch 
nicht vergessen werden, dass dei-artige Lobpreisungen, wie am 
Schlusse unseres Paragr., in dcr damaligen Litteratur nicht nur 
bei Dichtern, sondern auch bei don Rednern sehr beliebt waren. 
Wenn mau zudem erwagt, dass in der Zeit Ciceros wohl kein 
Konsul mehr selbst zum Pfluge griff, so wird man nicht mit Un- 
reclit einen Einfluss derartiger Schilderungen bei den griech. 
Komodiendichtern der neuen Komodie, sowie der griech. Dichter 
in der alexandr. Periode wie auch der Rhetoren auf die romische 
Beredtsanikeit annehmen diirfen. Man vgl. hieriiber Rohde, Gesch. 
des griech. Romans S. 504 : „Die Liebe zum Landleben ist alt 
unter den Griechen, auch in mannigfaltigen Seufzern der in ihren 
engen Mauern eingezwangten Stadter schon in friiher Zeit z. B. 
beim Aristophanes laut geworden. Einen sehnsiichtigen und wie- 
wohl nur ganz leise anklingenden, sentimentalen Ton nimmt 
diese Liebe zur landlichen Natur und Lebensweise erst in der 
hellenistischen Zeit an, in welcher das anspruchsvoUe Treiben der 
Stadt deren Angehorige um so fester halten mochte, je weniger 
es doch bei dem Verfall des altgriech. Begriffs der noXig das 
innere Leben derselben ganz auszufiillen und wie aus einem leben- 
gebenden Mittelpunkt zu bestimmen vermochte. Nnn horen wir 
in den Lustspielen der „neuen Komridie" immer wiederholt den 
Preis des „Landes", seiner Ruhe und friedlichen Einsamkeit". — 
liorridaj Die Verbindung der Adjektiva horridus und incultus 
ist bei Cic. beliebt, so Brut. § 117, Fin. I § 8, vgl. auch vixit 
inculte atque horride p. Quinct. § 59 uud ebenda § 93 
mit u. St. : „vitam omnino semper horridam atque aridam 
cordi fuisse", Ueber diese allittericrende Formel horridus atque 



Kapitel XXVI 11 § 76. 277 

haridus habe ich gehandelt in m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 24 
und ira Anschhiss hieran Wolffiin allitt. Verb. p. 22. — maleficia 
glglli] Vgl. die § .39 citierten Worte Catos aus seiner Praefatio. — 
nt lion oninem etc.J In gleicher Form und Metapher bewegt sich 
Cic. Tuscul. II § 13 ,nam ut agri non omnes frugiferi sunt, 
(jui cohmtur . . sic animi non omnes cuhi fructum ferunt'. — 
ex hixnrie] Ueber diese xllfia^ (gradatio) s. d, Bemerkung 
zia § 62; formell und inhalthch kommt unserer Stelle nahe Oros. 
Hist. 1, 5. 8 ex abundantia enim luxuria, ex luxuria foedae 
libidines adoleverunt. Isidorus in seiner Rhetorik c. 21, 4 
(p. 517 H.) gibt alsBeispiel der xliixa^ illud Africani : ,ex i nnocen- 
tia nascitur dignitas, ex dignitate honor, ex honore imperium, 
ex imperio libertas'. — agrestem] wie § 74. — diligentiae (Wirt- 
schaftUchkeit) iustitiae magistra) vgl. den Ausspruch Menanders 
(ap. Stob. Tit. 56) ,<xq' IgtIv dgeT^g xal ^lov diddcy.aXog 
il8vd-€Q0V TOtg ndcnv dvd^QOonoiq dygog. Auch Aristoteles 
(Oeconom. 1343a, 28) spricht von der y€0)Qyixfj dixala. Colu- 
mella endlich praef. p. 14 Bip. sagt ,res rustica, quae sine 
dubitatione proxima et quasi consanguinea sapientiae est*. 

Kapitel XXVIII. 

Missa facio] Von den mit facere umschriebenen Verbis ist §76. 
missum facere = mittere, dimittere das gebrauclilichste ge- 
blieben und zwar nicht nur in der Uragangssprache bei den Ko- 
mikern, sondern auch in der besseren Latinitat. Die Stellen aus 
Cicero (bes. in den alteren Reden bei ihm vorkomm.end) gibt 
Hellmuth 1. I. p. 141; vgl. auch Thielmaun Cornif. p. 28, der 
zu der fiir den Gebi-auch des Wortes interessanten Stelle aus 
einem Briefe des Pompeius (ep. Att. 8, 12 B) cohortes ad me 
missum facias beraerkt: ,hoc enim exemplo plane demonstratur 
hanc dicendi formulam adeo pervulgatam fuisse in sermone coti- 
diano et castrensi, ut duo ex quibus constat verba interdum quasi 
in uuum coalescerent". Cicero erlaubt sich diese Freiheit der 
Volkssprache nicht, sondern sagt Phil. V § 53 regelrecht eas 
legiones bello coufectas missas fieri placet, s. m. Aufs. in 
den BI. f. d. b. G. W. 1880 p. 326 flf. — tam occnltnm] dass 
nicht eiumal der Anklager Naheres darliber zu berichten weiss. — 
snspiciosej s. z. § 55. - si suspicio] vgl. § 8 ,quodsi . . . facti 
suspicio reperietur . . non recusamus, quin illorum libidiui 
. . dedatur^. — pretio gratia] cf. Caecin. § 16 partim gratia, 
partim pretio. Eine besonders bei Sallust beliebte Verbinduiig 



27(S Kapitel XXVIIT § 77. 

Cat. 49, 1, lug. IG, l; 29, 3. Dieselbe Berleutunj^ hat die 
allitterierende Formel pretio precibus, Uber welche Wolfflin 
allitt. Verb. p. 77 nachzuseheu. Man vergleiche auch die flort 
augetuhrte Verbindung pretio p oll i citat i o ui bu s aus B. 
Afric. 40, vvofilr es an uuserer St. promissis heisst , denn das 
Wort pollicitatio gebraucht Cic. uie. — proillissis illdlixit] ,ver- 
lockte', cf. Ter. Andr. 399 vide quo me inducas, Hcaut. 723 
me Syri promissa huc induxerunt. — iiihil honilll] s. z. § 38. 
§ 77. Reliqiiiiiu estj Zweiter Teil des Dilemma, s. z. § 74. — o di 

iiumortales] Die Interjektion o gehiirt zu di inunortales, nicht 
zu dem Akkusativ r e m m i s e r a m e t c a 1 a m i t o s a ni , wie die 
meisteu Herausgeber wollen, da o di immortales alleinsteheud 
sich fiudet Verr. V § 84, Cat. 1 i^ 9, Sull. § 40. Unserer Stelle 
am ahnlichsten ist Verr. I § 87 o di immortales, incredibilem 
siugularemque audaciam. — quod . . idj Zur korrelativen Satz- 
stellung vgl. p. Quinct. § 38 Itane est? quod viri optirai faciunt 
. . id Sex. Naevius non faceret? Verr. II § 122 fin. — saluti] 
Die Verbindung saluti esse alicui ist im Gemeiugebrauche 
der lat. Sprache. Cicero verwendet sie 19mal, s. Nielander, d. 
faktitive Dativ I p. 26, H p. 17. — iu quaestioueiu polliceantur] 
Zum peiulichen Verhor hergeben, d. i. zur Folteruug, cf. Ulpian. 
in l^igg- 47, 10, 15 § 41 ,quaestionem intellegere debemiis tor- 
menta et corporis dolorem ad eruendam veritatemj — quum igitur 
per vim et tormenta habita quaestio est, tuuc quaestio intellegitur'. 
Dem Zeugnis der Sklaven wurde nur Glauben geschenkt , wenn 
dasselbe durch die Folter entlockt war.. Es war zwar Grundsatz 
der Romer, dass Sklaven nicht auf die Folter gespaunt wurden^ 
um gegen ihren auf Leib und Leben angeklagten Herrn auszu- 
sagen (s. z § 120 ,in dominos quaeri de servis iniquum est'), 
allein dieser konnte in seiner Sache freiwillig Sklaven zur Folter- 
ung hergeben. Cf. Plaut. Most. 1074 Servos pollicitust dare 
Suos mihi omnis quaestioni und dazu Lorenz | ibid. 1081 Ne 
enim illi (sc. servi) huc (sc. aram) confugere possint, quaesti- 
oni quos dabit: die Sklaven suchten namlich oft der Folterung 
zu entgehen, indem sie in irgend ein Asyl flohen. — UUHS puer 
. . relictus nou est] Ubersetzt Putsche: ,auch nur ein Diener zur 
Besorgung und Darreichung des taglichen Lebensuuterhalts ist 
nicht gelassen worden^ Die Wendung ist gewahlt, um das auf 
diese Weise vorangestellte unus in scharferen Gegensatz zu 
omnes zu setzen, ebenso de prov. consul. § 7 uiium signum 
Byzantii ex maximo numero nullum liaberent, Florus 1, 34, 17 



Kapitel XXVIII § 78. 279 

uniis vir Numantiiius non fuit, qui in catenis duceretui'. — 
P. Sclpio] Wer dieser Scipio sei , ist ungewiss. FrUher nahra 
man an (z. B. Osenbriiggeu), es sei darunter P. Corneliits Scipio 
Nasica zu verstehen, der Enkel des P. Cornelius Scipio Nasica 
Serapioj der im Jahre 94 Priitor gewesen. Ebenso ist die Per- 
siinlichkeit des anderen hospes paternus, Metellus, nicht zn 
ermitteln, da in den Handschriften das Pranoraen fehlt. Ist die.ses 
— wie am wahrscheinlichsten — M., so kann man an M, Me- 
tellus, den Bruder des Qu. Metellus Creticus denken, der im J. 69 
Prator gewesen ist. — vobis agentibiis . . . postulavit] Osenbriiggen : 
„Der junge Roscius hatte sich in den Schutz seiner vaterliclien 
Gastfreunde (s. § 15) begeben ; auf ihren Antrieb und indera sie 
ihm zur Seite standen, hatte er die Auslieferung von zwei Sklaven 
seines Vaters, die als Theil des Vermbgens mit an Chrysogonus 
gekommen waren, zur peinlichen Frage verlangt| er wollte 
also im Beisein von Freunden und Zeugen privatim eine 
qiiaestio servorum anstellen , wie wir sie Cic. pro Cluent. 
c, 63 geschildert iinden''', — T. Rosciuiu] sc. Magnum, als pro- 
curator des Chrysogonus, vgl. § 119. — sectantur] hier vora 
Lakai, der auf einige SchrittEntfe.rnung seinem Herru folgt, cf. Plaut. 
Epid. 486 servom misi, qui illum sectari solet, meum gnatum, 
Hor. sat. 1, 3, 139 te . . stipator sectabitur. — in honore] 
ebenso § 120. Steht ein Adjektiv oder Pronomen dabei, so kann 
die Praposition stehen und fehleu, vgl, Tnscul. I § 5 in summo 
apud illos honore georaetria fuit, aber Verr. II § 87 et est et 
fuit (Stesichorus) tota Graecia suramo propter ingeniura honore 
et nomine, Gaes. b. G. 6, 13, 1 in omni Gallia eorura homi- 
nura, q^ui aliquo sunt numero atque honore, genera sunt 
duo. Ebenso verhalt es sich rait der Kedensart iu honore habere 
aliquem , cf. ep. Att. 7, 2, 8 Chrysippum i n h o n o r e habui, 
Caes. B. G. 5, 54, 4 Remos praecipuo seraper honore 
Caesar habuit, B. C. 1,7, 2 quos ille postea magno in honore 
liabuit. Hingewiesen sei noch darauf, dass an der Mehrzahl 
dieser Stellen das Hyperbaton des Adjektivs und Substantivs 
offenbar absichtlich gesucht ist, vgl. noch Offic. H § 65 surarao 
semper in honore. — in pretio] Die Sklaven sind dem Chrys. 
so wertvoll, dass er Bedenken tragt, sie einer etwaigen Beschadig- 
ung bei der Folteruug auszusetzen. — orat atque obsecrat] s. z. § 10. 

Dubitate etiam nunc, si potestis] cf. § 88. 152. Das hinzuge- § 78. 
fiigte si potestis gibt der Wendung eine gewisse Bitterkeit, 
vgl. Verr. III § 86 vos etiam nunc dubitate, si potestis, 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Ilalfte. \Q 



280 Kapitel XXVIII § 78. 

utrum etc; ibid. II § 109 dubitate etiam, si potestis, 
([iiiu etc; ibid. III § 71 dissimulate, si potestis; ep, 
Att. 10, 10, 5 dubita, si potes. — al) eone] Diese Art der 
Antitliese wendet Cic. wiederbolt iu dieser Rede an, so bes. 
iu melireren Gliedern durchgefllhrt § 13 und 88, — iu insi- 
dlis] lu § 26 spricht Cic. von insidiae der Roscier gegen das 
Leben des juugen Roscius, Als er gegeu diese durch die Auf- 
nahme bei seinen Gastfreunden in Rom geschutzt war, klagten sie 
ihn des Vatermordes an und bereiteteu ihm so aufs neue Nacb- 
stellungen. — Die Praposition vor insidiis durfte hier sonach 
nicht fehlen, weil zwei verschiedene Begriffe mit et verbunden 
werden, cf. § 81 qui omni tempore in praeda atque in san- 
guine versabantur, dagegen hatte sie § 77 bei in honore et 
in pretio entbehrt werden konnen. Die Hss. Lesart in ege- 
state et insidiis will Luterbacher im iX. Jahresber. des phil. 
Ver. p. 19 dadurch halten, dass er iu versatur nur ein Moment 
sieht und insidiis allgemeiner auffjisst : „jetzt (wahrend der 
Anklage) ist der Sohn Roscius in Not und Bedrangnis", Ueber 
die Wcglassung der Praposition bei der kopulativen Konjuuktion 
s, Nagelsb.-]\Iuller Stil. § 121, 1, wo die hielier gehorige Litteratur 
verzeichnet ist. — fugitaut] Das vulgare Verbum findet sich uur 
bier bei Cicero, s. m. Abhdlg, de Cic, elocut. p. 31. Die Stellen 
aus Plautus, Tereuz, Lucrez und aus der spatern Latinitat gibt 
Thielmann Cornif. p, 102, wo nachzutragen ist Tac dial. 22, 25 
fugitet foedam et insulsam scurrilitatem. Peter macht zu ,fugitet^ 
die Bemerkung: „Dieses Frequentativum kommt ausser an eincr 
kritisch nicht ganz sicheren Stelle Ciceros (a. u. St. hat nur 
cod. M. fugiant, oder ist auct. ad Her. IV, § 55 gemeint, wo 
Klotz fugitem liest, die neueren Texte aber fugi?) nur noch 
bei Plautus, Terenz uud Lucrez vor". Aber Thielm. gibt am 
angefiihrten Orte weitere Belege aus Valer. Max. 6, 8, 1 ; Phaedr. 
1, 2, 26; Mart, 7, 15, 2; Ammiau 15, 9, 5 etc — in caede] als 
sicarii; ex caede] als sectores, cf. § 81 ,qui omni tempore in 
praeda atque in sanguine versantur^ — erit] ,solI er sein', — dlim] 
,bis dass' mit Konjunktiv zur Bezeichnung des b eabsi chtigt en 
und gewunschten Zieles, cf, de or. I § 265 nunc Scaevola 
pauluiu requiescet, dum se calor frangat; s. Kilhner ausf. 
Gramm. § 210, 7, — neque ita lunlto post] s. Kap. 41. Ueber 
neque ,\ind das nicht' vgl. Nipperdey zu Coruel. Pelop. 2, 4 
quorum imperii maiestas neque ita multo post Leuctrica 
pugna . . concidit und zu Tac. Ann. 6, 13, Aus Cicero vgl. mau 



Kapitel XXIX § 79. 281 

p. Quinct. § 15 qno mortuo nec ita multo post in Galliam 
proficiscitur, p. Clucnt. § 12 primo neque id ipsum d i u in 
illa cupiditate continebatur. Vgl. iiber diese explikative Be 
deutung von nec und ueque aucb DrJiger H. S. II § 318, 6. 

Kapitel XXIX. 
Veuio] ,Jetzt komme ich auf dich'. Cic. sagt venio, nicht §79. 
redeo im Gegensatz zu dem kurz vorhergehenden veniam, vvie 
auch § 8 (vgl. § 12. 62. 63. 73) adsequantur adsequi das- 
selbe Wort wiederholt ist. iJagegcn steht § 83 u. 124 venio 
nunc bei dem Uebergange zu einem neuen Teile. — COliyeilial 
mihi] Ehe Cic. zur Widerlegung der Behauptung des Gegners in 
§ 80 iibergelit, rekapituliert er seine liJeweisfiihrung von c. 27 an. — 
pertiuet] s. z. § 18. — id quod negas] Eigentlich konute Cic. nur 
sich eines Ausdrucks bedienen, wie id quod probare non 
potes. Nachdem aber Erucius von der ihm in §73 eingeraumten 
Erlaubnis ,interpellandi tibi potestatem faciam^ bei Stellen wie 
,si ipsum arguis, Romae non fuit' keinen Gebrauch gemacht hatte, 
durfte Cic. in der Rekapitulation daraus den Schluss zichen, Er. 
negiere selbst die Annahme ,ipsum sua manu fecisse^ — illducere] 
wie § 76. — nihil eorura] s. z. § 38. — seryorum uomen] sagt Cic. 
statt u t n m i n ar e s s e r v o s , weil sich an das Substantiv n o m e n 
das folgende ,quo quasi in portum'^ und ,ubi scopnlum offendis' 
besser anschliesst. — iu portumj vgl. die ahnliche Stelle p. Tullio 
§ 33 ,hic mihi isti singulari ingenio videntur esse, qui et id, 
quod mihi contra illos datum est, ipsi adripiunt et scopulo 
atque saxis pro portu stationeque utuntur'. — suspiciouihnsj 
Cic. vcrgleicht in einera schonen Bilde die von Erucius gegen 
Roscius vorgebrachten Verdachtsgriinde mit Landungsplatzen, aus 
denen ihn Cicero vertrieb. Es blieb ihm schliesslich nur noch 
ein Hafen iibrig, wo er landen konnte, aber dieser zeigte sich als 
so gefahrlich, dass er die Hoffnung, dort eine Zuflucht zu finden, 
aufgeben musste. Dieser letzte Zutluchtsort war — nicht bild- 
lich gesprochen — die Behauptung des Anklagers, Roscius habe 
den Mord durch seine Sklaven vollziehen lassen. Aber diese als 
letzte Zuflucht und Ausflucht ausgesprochene Behauptung schlagt 
fiir euch selbst zum Verderben aus. Denn dadurch, dass ihr die 
Sklaven des Rtiscius nicht zum peinlichen Verhor ausgeliefert 
habt, ffillt der Verdacht von uns auf euch selbst zuriick. — 
offeudis] offendere wird proprie vom Anprallen eines Schiffs an 
ein Felsenriff' gesagt. 

19* 



282 Kapitel XXIX § so. 

§ 80. Uuid ergO est] s. z. § 36. — TUlgo] ,insgemein'; wie wir 

sagen : „Das Morden war an der Tagesordnung, etwas ganz G e - 
wohnliches. Cf. de inv. 1 § 43 evenire viilgo soleat an 
insolenter et raro. — hoiuilies OCcidereutui'] ,gemordet wurde*, 
denn ,morden^ absolut beisst nicht occidere, sondern hominem 
occidere. Dass dies eine stereotype Phrase aus der Gesetzes- 
spracbe war, ersieht man aus ilirem baufigen Vorkommen ; so in 
den Reden Cic.'s 30mal, bes. in der Formel esse cum telo 
liominis occidendi causa, cf. Mil. § 11 quae (lex) non 
bominem occidi, sed esse cum telo bominis occidendi 
causa vetat. 0. Keller, der in den Fleckeis. Jahrb. 1868 
p. 487 gegen Halms Note zu § 145 ,b o m i u e m occidere 
nicbt einen Menscben, sondern den Roscius, den Cic. 
eben redend eiugefubrt hatte' mit Recbt polemisiert, vergleicht 
noch Hor. ep. 1, 16, 48 uon hominem occidi ^ icb habe 
keinen Mord auf dem Gevvisseu , ibid. 1, 2, 32 ut iugulent 
hominem, surgunt de nucte latrones = um einen Mord zu 
veriiben. Demnacb ist § 128 unserer Rede aliquot post menses 
h m o c c i s u s e s t zu iibersetzen = f i e 1 d e r M o r d v o r, 
§ 100 nullum modum esse bominis occidendi = zu morden. — 
nullo ueg-otio] s. z. § 20. — iuterduni] Die Handscbrifteu lesen 
interim, dessen Gebrauch im Siune von interdum erst der 
spateren Latinitat angebort, s. Rebling, Versucb einer Cbarak- 
teristik d. rom. Umgangsspr. 2. Abdr. S. 41 ff., Ruhnken-Frotscber 
zu At|uil. Romau. c. 27 non indecore interiiu et prioris verbi 
postremitas similitudine posterioris excipitur'; vgl. die z. § 82 aus 
Quintil. V, 13, 22 citierte Stelle. Aber interim hat — wie es 
scheint vorwiegend in der Volkssprache — aucb die Bedeutung 
= tamen , nihilominus, fiir welcbe Hand Turs. III p. 428 Bei- 
spiele aus Plautus, Quintilian, Plinius anfiibrt, Rebling a. a. O. 
aus Senec. Suasor. H fiu. interim non dubito, quin nunc vos 
ipsa quae offensura sunt vitia delectent. Fiir diese adversative 
Eedeutung entschied sich Ricbter a. u. St. und Kratz (Fleckeis. 
Jahrb. 1866 p. 551) will es ebenfalls in diesem Sinne halteu. 
Ohne in Abrede stellen zu wollen, dass in dieser Jugendrede 
Cic.'s ein solcber Vulgarismus nicbt auffallend ware, so scheint 
uns docb unsere Stelle weniger ein i n t e r i m im Sinne von 
nihilominus, als vielmehr von interdum zu verlangen. 
Und da i n t e r i m diese Bedeiitung erst in der silbernen Lati- 
nitat gewinnt, wird man wobl hier (wie Plaut. Truc. 4, 4, 29, 
wo die Hss. ebenfalls i n t e r i m bieten , Spengel aber interdum 
liest) gut tbun an dir jetzt allgcmein aufgenommenen Aenderung 



Kupitel XXIX § 80. 283 

jiuterduin' festzulialteu ; cf. die abul. Stelle Clueut. § 58 ad ea, 
quae eraut iu causa , addebat etiam ipse nova (_[uaedaui vuhiera, 
ut quamquam sedulo faciebat, tameu interdum uou defen- 
dere, sed praevaricari [accusatioui] videretur. In der 
spatereu Latiuitat, bauptsacblicb in der Volksspracbe, scbeinen 
uberbaupt die beiden Partikelu iuterim und iuterdum pro- 
miscue flir eiuauder gebraucbt wordeu zu seiu, deuu wie iuterim 
im Sinue von interdum gebraucbt wird , so aucb interdum 
flir interim, interea. Becker in den Studia Apuleiana (1879) 
p. 50 fi'. bat nacbgewiesen, dass Apul. in deu ganz im Volkston 
geschriebenen Metamorpboseu interdum fin alleu Stelleu =: 
iuterim auwende, dagegeu iu deu pbibjsopbiscbeu Scbriften iu 
seiner gewijbnlicben Bedeutung. — iiua mercede diias res adsequi] 
Dem lateiu. Spricbwort entspricbt das uusrige ,zwei Fliegeu mit 
eiuer Klappe scblagen^ Aehnlicbe spricbwortlicbe Redeusarten 
sind aus Plautus iam ego uno in saltu lepide apros capiam 
duos Cas. 2, 8, 40 und pater curabit, uno ut labore ab- 
s 1 va t aeru mnas d uas Ampb. 488. DenselbenSinn hat auch das 
von Curius ep. fam. 7, 29,2 gebraucbte Spricbwort duo parietes 
de eadem fidelia dealbare und dazu Schmalz in den Jabrb. f. 
d. G. W. 1. \. p. 140. — iudicio perfuudere] So lesen alleHandschriften. 
Die Erklarung der Stelle selbst bat eine kleine Litteratur bervor- 
gerufen. Von den alten Erklarungsversucben (s. bieruber Biich- 
ner z. d. St.) bat am meisten Beifall gefunden der Hotmans: 
,Perfundi proprie dicimur liquoribus — elegauter autem ad 
animum trausfertur , ut cum dicitur perfundi voluptate, 
suavitate, maestitia. Cic. ad Att. 8, 6 § 3 dii immortales, 
qui mi borror perfudit. Eadem figura dictum puto iudicio 
perfundere pro metu et formidine perfundere, qua qui in 
iudicium vocati sunt, afficiuntur'. Von neueren haben OsenbrUggeu, 
Klotz und Heinicben diese Erklarung aufgenommen. Letzterer 
bemerkt in seinem Scbulworterb. (2. Aufl.) zu d. St. : „mit kuhnerer, 
jedoch durcb den Gegensatz verstandlicber uud das barte Zu- 
sammentreflFen zweier Ablative (iudicio borrore p.) umgebender 
Kurze gesagt: ,uns durch deiue (gericbtliche) Auklage (einen 
blinden) Schrecken einjagen , (iu Wabrheit) aber diejenigen an- 
klagen'. Eine zweite ebenfalls vielfacb verbreitete Deutung vou 
perfundere bat Manutius gegeben, der es auffasst im Sinne 
von ,]eviter adspergere, aUqua nos iudicii molestia afficere', 
ebeuso Facciolati : ,i. e. speciem quaudam iudicii nobis offun- 
dere, revera autem eos accusare etc, Est enim boc in loco 



284 Kapitel XXIX § 80. 

p e r fu n d e r e quasi leviter adspergere ; qua significatioue usurpatur 
perfusorius a Seneca Epistola XXIII: ,haec quibus delectatur 
vulgus, tenuem habeat ac perfusoriam voluptatem*, Species 
igitur exterior iudicii hiiius offendebatur Sexto Roscio, ratio et 
vis interior tota videbatur in adversarios conversa^ Matthiae 
brachte flir diesen Gebrauch von perfundere noch eine Stelle 
aus Cic. Brut. § 38 bei : ,suavis, sicut fuit^ videri maluit, quam 
gravis , sed suavitate ea, qua perfunderet animos, uon qua 
perfringeret (s, dazu Piderit). Von neueren Gelehrten, die sich 
dieser Auffassung angeschlossen , erwahnen wir Nagelsbach, der 
in seiner Stilistik § 138 im Kapitel „Die dem deutschen wider- 
sprechende Metapher" unsere Stelle also iibersetzt: „Uns scheinst 
du mit dem Prozesse nur nass machen, nur pro forraa in ihn 
verwickeln, wirklich anklagen aber diejenigen zu wollen, welche 
dich bezahlt haben". Georges beraerkt in der Recension meiuer 
Schulausgabe Phil. Rundschau 1883 p. 365 hiezu : Aber perfundere 
heisst nicht einfach ,,nass machen", sondern „uber und uber nass 
machen", also ist iudicio perfundere ,,tief in den Pr. verwickeln, 
tief bineinbringen (ins Ungluck)". Einen andern Weg die 
Schwierigkeit unserer Stelle zu heben schlugen unabhangig von 
einander Trojes und Fleckeisen ein, welche beide fur perfun- 
dere ,pessundare' zu lesen empfahlen (s. Fleckeis. Jahrb. 
1866 p. 549 ff.). Auch Halm hatte iu den drei ersteu Auflagen 
der Weidmannschen Ausgabe unserer Rede ,perfundere' als ,wahr- 
scheinlich korrupt' bezeichnet, aber erst in der 4. Aufl. 1863 die 
Fleckeis. Emendation in den Text gesetzt. Das Wort ,pessundare' 
kommt nur einmal in einera Fragraent einer der friihesten ciceron. 
Reden bei Quintil. 8, 6, 47 vor, und deshalb mag Halm in der 
5. Auflage (1867) nach eigeuer Konjektur anstatt desselben 
,pervertere' gesetzt haben, das er bis in die neueste beibe- 
hielt und mit folgeuder Note begleitet : ,Cicero sagt : andere klagst 
du an, wir aber sollen biissen, d. h. uns aber suchst du durch 
die Gerichtsverhandlung ins Verderben zu bringen^ Fleckeisen 
seinerseits schrieb in der 2. Aufl. d. Richter'schen Ausgabe (Rich- 
ter las: ,i n dicio perfundere') iudicio pessundare, das er er- 
kliirt ,durch den Ur teil sspr u ch zu Grunde richten'. Damit 
hat er seine Konjektur mit der Halfte der Kratz'schen Erkliir- 
ung (Fleckeis. Jahrb. 1. I. p. 550 ff.) korabiniert. Kratz nara- 
lich glaubt „das Rathsel dieser bis jetzt noch nirgends geniigend 
erkljirten Stelle einfach zu losen, wenn wir iudicium vou dem 
letzten entscheidenden Akte, dem Urteilsspruche, 



Kapitel XXIX § 80. 285 

verstehen". Den sonst „so allgemein fllr uupasseud erklarten 
Ausdruck perfundere" erklart er von dem Urteilsspruch, der, 
weil vollig unmotiviert und uuvermittelt , deu Augeklagteu wie 
ein Blitz aus heiterer Hohe treffe oder — welches Bild Cic. ge- 
brauche — wie ein plotzlicher Guss aus eiuer Traufe oder eiu 
Platzregen. Dieser neuen Rettung der Lesart perfundere trat 
G. Krliger in denselbeu Jahrb. 1868 p. 209 fi". entgegen, der 
— llbrigens i u d i c i u m wie Kratz fassend — zu lesen vorschlug 
iudicio percutere als den besten Ausdruck fiir eine Verur- 
teihing, die „den Angeklagten wie ein Blitz aus heiterem Himmel 
triff^t". Weder die Erklarung von Kratz noch die Emendation 
von Kriiger hat Aufnahme iu den neueren Texten gefundeu. 
C. F. W. Miiller hat die handschriftliche Lesart beibehalten, ohne 
sich iiber deren Deutung in der adnotatio zu aussern. Auch ich 
habe in meiue beiden Texte die handschriftliche Lesart auf- 
genommen und beziiglich der Deutung mich in der Schulausgabe 
an Manutius , resp. Nagelsbach augeschlossen. Wenn man ,per- 
fundere' fiir richtig halt, scheint mir diese Erklarung — so kiihu 
auch die Metapher sein mag — imraer noch die grosste Wahr- 
scheinlichkeit fiir sich zu haben. Halt man aber ,perfundere* fiir 
korrupt, so erwartet man — nach meiner Ansicht — am natiir- 
lichsteu einen Gedankeu wie „uns willst du durch die Gerichts- 
verhandlung nur verwirren, ausser Fassung bringen, in Wahr- 
heit aber deine Mandanten anklageu". Suchen wir eineu dem ent- 
sprechenden Ausdruck, der zugleich deu iiberlieferten Buchstaben 
nahe kommt , so diirfte dieser confundere sein. Kann nicht 
die Verderbnis eben so gut in dem ersten wie iu dem zweiten 
Teil des Wortes stecken ? Vielleicht war auch confundere 
mit einem Synonymum, etwa perturbare verbunden, da ohuehin 
das erste Glied gegeniiber dem zweiten, gegensatzlichen etwas 
zu kurz ist. Belege fiir coufundere in der Bedeutung ,ausser 
Fassung bringen' gibt jedes Lexikon. Fiir die Verbindung der 
beiden Verba vgl. man de dom. § 127 au tu haec ita confundis 
et perturbas, ut etc. — per quos et a quibus] vgl. § 67 iiuo- 
niam cuius consilio occisus sit invenio , cuius manu sit per- 
cussus uon laboro. — uoune cogitasj „Die Regel, dass uonne nur 
bei Fragen stehe, auf die man eine affirmative Antwort erwartet, 
erleidet manche Beschrankung, da sich ofters ein nonne findet, 
wo man non erwarten soUte, wie Tuscul. I, 17: jCjiiid , si te 
rogavero aliquid, noune respondebis? Superbe id quidem est 
(das non respondere), sed, nisi quid necesse erit, malo non 



286 Kapitel XXIX § 81. 

roges; de fiii. V, 86 uoiiDe igitur tibi vidciitur; inquitj niala ,sie 
scheincn dir also niclit (d. i. keine) Uebel? in Catil. I, 27 etc' 
llalm. Siehe auch Madvig /ai Fin. II § 10, Holstein zu Fin. V 
§ 86, C. F. W. Miiller in der adnot. z. d. St. und zu Parad. 
p. 209, 10. lu der Zllricher Ausgabe schrieb Halm non flir 
das handschriftliche nonne nach einer Koujektur Frnestis, die 
auch Blichner und Osenbriiggen in den Text setzten. — (|Hi(l 
posfea?! ist wie quid tum? Forrael des Uebergangs und dient 
der Aufzahlung ,was weiter, was soll daraus folgen ?', s. Seyffert 
schol. Lat. I § 49. Die Formel ist bes. bei Tereutius (docli 
auch bei Plautus Pseud. 4, 6, 30. Triu. 768 (|uid tum postea?) 
haufig, s. Spengel zu Ter. Ad. 529, weshalb man bei Cicero von 
einer imitatio Terentiana sprach, s. z. § 3. Doch findet sie sich 
nicht nur bei Cicero (in den Reden noch 7mal, li. A. § 94, Mur. 
§ 26 cedo quid postea? Verr. IV § 90, Tull. §54, leg. agr. 
II § 29, Rab. Post. § 34, Deiot. § 19), sonderu aucli bei andern 
Prosaikern, z. B. Liv. 4, 4, 1. — sectores colloruin et honoruiw] 
Das Wortspiel ist im Deutschen nicht gut wiederzugebeu , etwa 
mit Putsche: ,dass ebendieselben an Halsen und in Giitern ihren 
Schnitt gemacht haben'. 
§81. li deuique] Denique steht hier, wie unser ,am Ende^ zum 

Ausdruck der Ironie und des Unwillens, vgl. Phil. 13 § 35, Liv. 
4, 40, 8 etc. Richter- Fleckeiscn lesen mit Bezugnahme auf das 
vorhergehende eosdem /lidemque', 0. Heine nach Hcraeus 
jiidem denique'. Vgl. uber denique Hand Tursell. II p. 267 
,sicuti Germanorum am Ende, etiam denique ironiae inservit 
et indignationi. Supponitur quod vix cogitari possit, extremum'. — 
COUCUrsabant] = circumcursabant, wie Verr. V § 93 concur- 
sabat urbe tota maxima multitudo. — ouini teuipore] s. z. §51. — 
acerbilateiu] vgl. de dom. § 43 omnis acerbitas Sullani tem- 
poris quid habet quod maxirae sit insigne ad memoriam crude- 
litatis? — uescivit] Die Handschriften haben nesciret; den 
Indicativ stcllte Madvig zu Fin. ^ p. 246 her, wie § 64 den Kon- 
junktiv reperiretur gegen die meisten Handschriften. Madvig 
sagt a. a. O. im Auszuge: ,quaeritur num duo verba copulative 
coniuncta eidem coniunctidni, quae propter ipsam copulatioucra 
necessario eandem principalera vim rctineat, diverso modo subici 
possint. Id ab eo poeta, qui duritiem non fugeret, versus causa 
fieri poterat . . prosae orationis scriptores nunquam id fecerunt'. — 
uou niodo uou . . sed oiuuino| vgl. p. Quinct. § 77 ,diccbam . . 
mihi ])erdif'ficile essc contra tales oratores nou modo tantam 



Kapitel XXIX § 82. 287 

causam perorare, sed omniuo verbum facere couari'; cf. Flacc. 
§ 52; Pis. 29, ib. 64. Ebenso findet sicb non modo — verum 
omuino Verr. II § 161. — qHeni ad modiiiu] = ut, s. z. § 5. 

Vereor etc. . . . verbo satis est negare] Ueber die revocatio §82. 
ohue sed oder verum s. SeyflFert schol. lat. I § 41. Uebrigeus 
ist unsere Stelle Beispiel einer iudirekteu Widerleguug, (jie&odog. 
Mau uuterscheidet iu der Khetorik drei Arteu : 1) fxid^odoc; xaxa 
nSQiTQOTcrji^, iudem das, worauf der Geguer sich am meisteu 
stiitzt, gegen ihu selbst gekehrt wird, 2) (jbid^odog xard (TvyxQOV- 
ffii^ , wo man die gegnerischen Behaujituugen, ohue sie eiuzehi 
zu widerlegen, zusammeustellt uud zeigt, dass sie sich wider- 
sprecheu (Cic. p. Sull. § 31, p. Lig. §9), 3) [ii&odog oder 
XtKTig xara (xeiaxTiv , bei der man — wie Cicero an unserer 
Stelle — die gegnerische Behauptuug zu verkleineru sucht. „Der 
Kedner kauu raanchmal etwas als uubedeuteud uud nicht zur 
Sache gehorig mit Erfolg verachteu, so dass er es , wie in einer 
beilauiigen Egressiou, uur mit wenig Worteu berlihrt". Dass diese 
[i€lo)(Tig von den Reduern oft als Kuustgriff beuUtzt wurde, mit- 
tolst desseu sie um deu wundesteu Puukt ilu-er Verteidiguug her- 
umzukommeu suchteu, ist leicht eiuzuseheu, vgl. Quintil. V, 13, 22 
Nonnunquam f^uaedam bene et contemuuutur vel tamquam levia 
V(d tamquam ad causam uihil pertiueutia. Multis hoc locis fecit 
Cicero: et haec simulatio iuterim hucusque procedit, ut quae 
diceudo refutare uon possumus quasi fastidieudo calcemus. 
Cicero bedieute sich dieses Mittels z. B. uoch p. Caeciu. § 94. Siehe 
mehr hierliber bei Volkmanu Khetorik p. 195 ff. — dissohlfa est| 
dissolvere ist vox propria vom Auflosen von TrugschlUsseu, 
vgl. Acad. pr. II § 46 fallaces et captiosas interrogationes dis- 
solvere, doch wird es auch, wie bes, diluere (vgl. § 36) vom 
Auflosen uud Zerreisseu eines Truggewebes und voui Widerlegeu 
der crimiua gebraucht, vgl. Verr. II § 68, Sull. § 69, de Orat. 
11 § 236 hilaritas . . odiosas res saepe, quas argumeutis dilui 
uou facile est, ioco risuque dissolvit. — exspeclatis ut] Nach 
exspectare steht selteu der Acc. c. Infin. , sondern entweder 
dum mit dem Konj , weun im Verbum der Begriff der Zeit liegt, 
oder ut mit dem Kouj., wenn in demselbeu der Begriff des 
Wiinscheus liegt; vgl. Caes. B. c. 1, 6, 5 iu reliquas provin- 
cias praetores mittuutur neque exspectant, quod superioribus 
annis acciderat, ut de eorum imperio ad populum referatur. Siehe 
Drager H. S. II § 398 fin., Kuhuer ausf. Grammatik II p. 515; 
Brix zu Plaut. Trin 735. — de pecillatuj Peculatus ist ein 



288 Kapitel XXIX § 82. 

furtum publicum d. li. ein Uiebstalil in Saclien tles Staates. 
Der junge Roscius hat sich einen peculatus wahrscheinlich da- 
(lurch zu Schuklcn kommen lassen, dass er von den bona 
publicata seines Vaters Einiges fiir sich zurlick behalten hat. 
Dass man peculatus in dieser Weise auffassen muss, dafiir 
spricht einmal die Anspiehxng in § 144 ,si nihil de patris fortu- 
nis amplissimis in suam rera convertit, si nulla in re te fraudavit, 
si tibi optima iide sua omnia concessit' etc. und dann der Um- 
stand, dass Cicero gerade iiber diesen Punkt, der eine Achilles- 
ferse seines Klienten bilden mochte, durch den von ihm so be- 
liebten Kunstgriff der fjbslcocig hinwegzuschliipfen sucht. Gegen 
diese Auffassung, die auch Klotz in seiuen Erlauterungen p. 600 
ausspricht, wendet sich Osenbriiggen in d. Einl. p. 37. jjWie 
konnte der junge Sex. Koscius, der Baaer, sich peculatus zu 
Schuklen kommen lassen? oder wie ist dies nach der Schilder- 
ung, die Cicero von dessen Lebeusweise macht, wahrscheinlich? 
Peculatus ist Diebstahl in Sachen des Staats und wurde am 
haufigsten von denen begangen, welche Beute unterschlugen oder 
entwendeten". Osenbriiggen sieht daher in lanserer Stelle eine 
Probe der Rabulisterei des Erucius, der viel seltsam Unge- 
hbriges in seine Rede hineinbrachte. Uns diinkt, die oben 
citierten Worte aus § 144 kounen dariiber nicht in Zweifel lassen, 
dass der dem jungen Roscius von seinem Anklager vorgeworfene 
peculatus als eine Entwendung von den vaterlichen boua publicata 
zu verstehen ist. Ob diese begriindet war oder nicht , muss 
dahingestellt bleiben; jedeufalls ist der Gebrauch der schlecht- 
beleumundeten fjbed-oSog xard fi8i(t)(TiP an unserer Stelle Verdacht 
erregend. — iuaiidita aiite hoc tempus ac uova] Die Formel novus 
et inauditus ist selir beliebt bei Cicero, z. B. Orat. § 30. 
Dabei wird inauditus hiiufig gesteigert durch omnino, so 
Caecin. § 36 novum est, uon dico inusitatum, verum omnino 
inauditum, leg. agr. II §26, Sest. § 30. 85, Pis. § 48, 
Quinct. 56, Phil. XI, 29. Wie an unserer Stelle setzt Cic. gerne 
noch ante hoc tempus zu inauditus hinzu, so noch Quinct. 
§ 81 aute hoc tempus utrumque inauditum, Rab. Post. 
§ 10 hoc vero novum est et ante hoc tempus omnino 
inauditum. Aus Tacitus vgl. Annal. 4, 34, 1 uovo ac tunc 
primum audito. — ex aliqua oralioue] Cf. div. Caec. § 47 ,si 
ab isto libro^, (|uem tibi magister ludi nescio qui ex alienis 
orationibus compositum dedit, verbo uno discesseris' etc. — 
(leolainare . . couiiueutaretur] Declamarc uud commentari sind 



Kapitel XXIX § 82. 289 

teclinisclie Aiisdrucke. Ersteres bedeiitet zunaclist ,mit lauter 
Stimme vortrage n', dann aber auch ,sichim rednerischeu 
Vortrag iiben', bes. von den Uebungsreden angehender Red- 
ner in einer causa ficta, s. Brut. § 310 ,commentabar decla- 
mitans (sic enim nunc lo(|uuutur) saepe cum M. Pisone' und 
dazu Piderit: „Bebufs praktischer Vorbereitung auf das klinftige 
offentliche Reden hielt Cicero rait gleichgesinnten Altersgenossen 
mundliche Uebixn gs vo rtr age. . . Was llbrigens zu Ciceros 
Zeiten bloss zur praktischen Uebung dient, wird spater in der 
Verfallzeit der Beredsamkeit unter den Kaisern Selbstzweck und 
bedeutet dann demgemass declamitare Kunstvortrage ilber ein 
beliebiges Thema halten, um sich horen zu lasseu". Ueber die 
causae fictae vgl. de Or. I § 149. An unserer Stelle steht 
declamare in Beziehung auf die hausliche Einubung einer Rede, 
die demnachst offentlich gehalten werden sollte. Commentari 
heisst wie meditari ,fi\r sich meditieren, einstudieren*, vgl. Brut. 
§ 301 (Hortensius) memoria tanta . . . ut quae secum com- 
mentatus esset, ea sine scripto verbis eisdem redderet, 
quibus cogitavisset. — yerbo arguit, verbo satis est uegare] 
verbo hat wie unser ,mit einem Worte' die Bedeutung = ,,mit 
kurzen Worteu, ohne weitere Auseinandersetzung", vgl. die 
Formel verbo adsentiri alicui Sall. Cat. 52, 1, Liv. 27, 34, 7 
u. daz, Weissenborn. Ebenso ist zu fassen Tuscul. II § 28 at 
tu . . rogatus . . verbo de senteutia destitisti. Die Komiker 
gebrauchen in ahnlichem Sinne die sprichwortlichen Formehi 
uno verbo uud tr i bus verbis, s. Spengel zu Ter. Andr, 45, 
welche Cicero jedoch nur in buchstablichem Sinne vou einem, 
re.sp. drei Wortern anwendet ; vgl. hiezu die Belege in Krebs 
Antib. s. V. verbum. — ad testes] Die Zeugen der anklagen- 
den Partei traten erst uach Ciceros Rede auf. 

II. Hauptteil: gegen die Roscier. § 83 — 123. 

Im Folgenden tritt Cic. den Beweis daflir an, dass Titus 
Roscius mit grosserer Wahrscheiulichkeit der Morder des Sex. 
Roscius war als dessen Sohn und sucht so die Schukl von seinem 
Klienten ab auf dessen Gegner zu walzen. Allein wir dilrfen 
hier den Schkissfolgerungen Cic.'s uur mit Vorsicht Glaubeu 
schenken, denn wenu auch der Sohn der Morder nicht war, so 
waren doch auch kcine evident iiberzeugenden AnhaUspunkte 
dafiir da, dass Magnus den Mord begangen. Es konnte ja auch 



290 Kapitel XXX § 83. 

eiu Dritte.r dcr Tliater seiu. S. aiicli die Beinerkuiig zu § 84 
cui buuo. 

Kapitel XXX, 

§ 83. Glipidiiasj = studium accusandi , vgl. § 91 fin. ut onmes 

iutellegant nie non studio accusare, sed ofticio defendere. — 
ex cjuibus possem crescere| ,auf Kosteu derer icli sieigen konute*, 
namlicli durcli die Anklage eines einflussreiclien Mannes , s. d. 
Bemerkung zu cap. 20 init. ; cf. p. Cael. § 73 (Caelius) voluit 
vetere instituto, eorum adulescentium exemplo, (jui post in civitate 
summi viri et clarissimi cives exstiterunt, industriam suam a populo 
Romanu ex aliqua illustri accusatione cognosci. — Cres- 
cere ex steht im Sinne des folgenden in altiorem locum 
pervenire, ebenso Cluent. § 77 oblatam sibi facultatem puta- 
vit, ut ex iuvidia senatoria posset crescere, haufig bei Livius, 
wie 27, 35, 8 timentis ne cr es cen d i e x s e inimico collegae 
potestas fieret; 29, 37, 17 crescendi ex his ratus esse occasio- 
nem; 35, 19, 5 aliam materiam crescendi ex me quaerant 
Dagegen sagt Cicero Verr. V § 173, wo es sich ebenfalls um 
eine Anklage iu einer causa publica handelt : ,denic[ue si 
videor hic, id quod ego non quaesivi, de uno isto voluisse 
crescere, isto absoluto, quod sine multorum scelere fieri non potest, 
de multis mihi crescere licebit'. — certuiu est] s. z. § 31. — 
asceuditl ,sich emporschwingt', cf. Chient. § 110 idem quanto 
in odio postea suis ipsis fuit, per quos in altiorem locum 
ascenderat. — desiuaiUUS aliquaudoj Lehmann will Hermes XIV, 
p. 451 sed vor desinamus einfugen — ein ganz unniitzer Zu- 
satz, denn das Lemma des Scholiasten beginnt mit desinamus, 
wie anch Cic. in der Regel mit desinamus, desinant, desi- 
nite den Satz anfangt. Zur Verstarkuug der Aufforderung setzt 
er entvveder ali(|uando wie hier und § 140, odcr tandem 
aliquando hinzu z. B. Catil. I § 18 : einmal bedient er sich 
aucli zu diesem Zwecke der Gemination de dom. §27 desinant, 
desinant liomines . . . sperare me posse labefactari, vgl. hier- 
iiber Wolfflin, d. Gemination im Lat. p. 436. — (juaerauiUS . . iam 
iutelleges] s. ■/.. § 48. — crinieu certuiu] ,eine in sich begriindete 
Anschuldigung'. — l)a altere Gelelirte crimen = scelus auf- 
fassten, so suchten sie der Stelle durch Aenderung einen besseren 
Sinn abzugewinnen, wie denn Lambin ,incertum' zu leseu vor- 
schhxg, s.. Biichner z. d. St. Aber crimen bedeutet bei Cicero 
— wie OrelH richtig dem gegeniiber liervurgehoben — stets die 
Anschuldi gung = criminatiu, auch p. Sest. § 80, wo Halm 



Kapitel XXX § 84. 291 

zu vgl. mifl p. Cael. § 61. Erst seit Livius bekommt crimen 
flie Bedeutung Ve rbrecli eii, vgl. Weissenborn zu Liv. 40, 12, 10, 
der irrtumlich (Jic. p. Cael. § 61 beizieht. Mehr hierilber s. bcu 
Krebs-Allgayer Antib. s. v. crimen. — Slispicionibusi erlilart 
Saxonius richtig = argumentis coniecturalibus , vgl. leg. agr. 1 
§ 17 ,atc|ue haec a me suspic i o n i b us et coniectura coar- 
guuntur'. — lamelsij restringierend = quamquam lindet sich 
einige JMale bei Cicero, in u. Rede noch § 118. 124, Verr. I 
§6, ep. fam. 2, 7, 21, cf. Driiger H. S. § 564, Ebert act. 
ErLang. II p. 345. — id erit sigui] Las Ungewohnliche dieses 
Sprachgebrauchs verleitete schon Weiske zu dem Vorschlag signo 
zu lesen, und Buchner und Orelli billigten es (s. d. Noten). 
Klotz iu der Kecension der Orelliana Jahns Jahrb. B. 22 S. 173 
verwarf mit Recht diesen Vorschlag unter einfachem Hinweis auf 
Ter. Eun. 4, 1, 14 ,hoc est signi. „Wenn Herr 0. bemerkt, 
dass Cic. sonst bloss sage li o c signum tibi erit [ep. Att. 4, 
16, ll, so mag das seiu, weil er vielleicht absichtUch jene Wend- 
ung der gemeinen Spraclie vermied. Alleiu in unserer Rede aus 
der frllhesten Lebensperiode hat er auch audere Dinge nicht so 
genau genominen". Die Belege fur diese ixnd ahnliche Eormehi 
der Umgangssprache habe ich gesammelt in meiner Abhdlg. de 
Cic. elocut. p. 39, zu denen ich noch hinzufuge Lucrct. V, 915 
nil tamen est signi, dagegen schreibt Nep. Att. 17, 2 (|Uod 
est signum; iiber signo esse und dare s. Nielander II 
p. 31. — perseqnar] Die Handschriften haben prosequar, alhnn 
prosequi Ubernimmt erst in der nachklass. Prosa die Bezeicli- 
nung: des weiteren Ausflihrens einer Sache. Auch Cornif. I ij 14 
und ib. § 15, wo man frliher prosequamur las, liest Kayser 
perseq. Vgl. aucli die Note Iw. Mlillers zu Nagelsb. Stil. ^* 
p. 351; Krebs- Allgayer s. v. prosequi; Kvicala Neue Beitr. 
zur Erklarung der Aeneis p. 7 (zu Aen. II, 105 f.). 

Causam] Cic. beginnt sogleich mit dem Probabile ex §84. 
causa (jCausa est ea, quae induxit ad maleficium commodorum 
spe* Cornif. II § 3, s. z. § 39) und zwar untersucht er an der 
Hand des Cassianischen ,cui bono', welchen Vorteil die Ermord- 
ung des alten Roscius fiir Titus Roscius mit sich brachte. Vgl. 
p. Mil. § 32. — istic] = in accusatorum subselliis, s. z. § 17. — 
post viderimus] Von dem freieren absoluten (also in Haupt- 
satzen, Uber den Gebraucli im Nebensatze s. z. §130) Gebraucli 
des Futur. exact, in der Umgangssprache haben sich in der 
klassischen Sprache zwei Arten eidialten. Ein Beispiel des ersteu 



292 Kapitel XXX § 84. 

Falles ist p. Sull. § 90 libenter re fl rli rl er it, wo Halm be- 
merkt, rhetoriscb statt reddet, um die zur raschen Volleudung 
drangende Bereitwilligkeit starker bervorzuheben : „gei'n wird er 
augeublicklicb sein Leben biugeben"'; vgl. ep. Att. 3, 19; Fin. 3 
§ 14, Cacs. b. G. 4, 25; Liv. 25, 38, 17. Die zweite An- 
wendung fiudet das Futur exact. statt des Fut. I zur Bezeichnung 
eines Aufschubes, wo gerue mox, post, alias hinzugefiigt ist, 
wie an unserer Stelle. Wahrend aber die Komiker in diesem 
Gebrauch keine Beschrankung auf gewisse Verba kennen, erlaubt 
sich die klassische Sprache nur das Verbum videre in dieser 
Weise anzuwenden. Die Briefe Ciceros raachen auch hier eine 
Ausuahme, denn ep. Att. 14, 16, 1 leseu wir perpaucis diebus in 
Fompeianum, post in haec Puteolaua et Cumana regna rena- 
vigaro, wie Plaut. Capt. 190 ad fratrem, (j[ito ire dixeram, mox 
ivero. In beiden Fallen soll der bestimmt eintretende 
Erfolg eiuer kiin f ti gen Handlung bezeichnet werden, nicht 
aber liegt, wie Kiihner ausfiihrl. Gramm. II p. 115 am Schlusse 
seiner Ausfiihrungen mit Recbt bemerkt „der Begriff rler Schnellig- 
keit oder Eile, der dem Fut. ex. , weun es statt des eiufachen 
Futurs steht, haufig zugeschriebeu wird, in demselben, soudern in 
dem Zusammenhange der Rede oder iu eiuem beigefligten Adverb, 
wie iam, cito u. s. w.". Uebrigeus ist der Gebrauch besonders 
der Formeln mit videre in der spatern Latinitat nicht so selten 
wie Klihner und Drager § 138 meiueu, denn nicht nur Apuleius, 
sondern auch Cjprian bedient sich ihrer mit Vorliebe, s. Hartel 
im Index p. 458. Flir die Komiker vgl. bes. Lorenz zu Plaut. 
Most. 573. — paratuin esse] ohne eum, s. z. § 59. — pahiias] 
= flagitia, wie der Scholiast erklart ; liber palma s. z. § 17 
und bes. § 100. 101, wo einige seiner Frevelthaten angedeutet wer- 
den. „Das Verhbr der Zeugen (interr ogatio), das nach der 
actio stattfand, gab den Rednern Gelegenheit, sie nicht bloss in 
Widerspriiche zu verwickehi, sondern auch durch Vorhaltung 
ihres Lebens und ihrer Vergehungen zu verdachtigen" Richter; 
vgl. Osenbrliggen in der Einl. p. 38. — L. (lassilis] Gemeint ist 
jener L. Cassius Longinus, welcher a. 137 Volkstribun war 
und als solcher die zweite lex tabellaria einbrachte, er war 127 
Konsul und 125 Censor. Im Jahre 113 wurde er iu eiuem 
Incestprozesse ausserordentlich zum Richter eruanut, vgl. Val. 
Max. 3, 7, 9, wo sein Tribuual die Klippe der Angeklagteu ge- 
nannt wird ,cuius tribunal propter niraiam severitatem 
scopulus reorum dicebatur^ Dass dieser Cassius rait dem 



Kapitel XXX § 84. 293 

Volkstribiin vom J. 137 identisch ist, gebt bervor aus Cic. Brut. 
§ 97 L. Cassius . . . bomo non liberalitate . . . sed ipsa tristitia 
et severitate popularis, cuius quiclem legi tabcllariae 
M. Antius Briso diu restitit. Dcrselbe Cassius endlicb, der wegen 
seiner Strenge bekaunt war, war aucb der, welcber ,cui bono' 
fragte^ vgL Ascouius ad Mil. § 32 (p. 40 K) L. Cassius fuit summae 
vir severitatis. Is quotiens quaesitor iudicii alicuius esset, in 
quo quaerebatur de bomine occiso, suadebat atque etiam praeibat 
iudicibus, ut quaereretur, cui bono fuisset perire eum, de 
cuius morte quaeritur. Aeltere Gelebrte wie Manutius und Ernesti 
bestritten, dass der Volkstribun Cassius vom Jabre 137 und der 
Ricbter im Incestprozesse a. 113 die namlicbe Ferstinlicbkeit 
seien , s. dagegen Drumann 11. G. II p. 113 ff. — Ueber das 
sjDriohwortliche ,cui bono' s. z. § 13 und p. Mil. § 32 itaque 
illud Cassianum ,cui bono fuerit' etc. — verissiiHUin] So steht 
ofters (allerdings mehr bei Dicbtern) verus im Sinne von verax 
oder veridicus, also dem mendax entgegengesetzt, Plaut. 
Mil. 1369 dicant te mendacem nec verum esse, fide nulla esse 
te u. daz. Brix, Ter. Andr. 423 u. daz. Meissner, Hor. ars poet. 
425 si sciet internoscere mendacem verumque beatus amicum. 
Ov. epist. 16, 123. Zumpt scblug vor zu lesen se veris s imum, 
gegen welchen Osenbriiggen in d. N. das bandschriftlicbe veris- 
simum sehr schon verteidigt. — cili boiio] Beacbtenswert ist die 
Bcmerkung Richters zu d. St. : „Dnrch Berufung auf dies be- 
riihmte Wort will Cic. seine Beweisflibrung stlitzen ; aber man 
libersehe nicbt, dass Magnus, auch ohne selbst der Tbater zu 
sein, aus der Ei-mordung Nutzen gezogen haben kann , und dass 
ohne die Dazwiscbenkunft des Chrysogonus aller Gewinn aus der 
That dem Sextus zugefallen ware". — sic vita koiuiiuim est] Nach 
dem Muster von res ita est (Plaut. Amph. 569, docb auch ea 
res est Asin. 55) nnd ita res sunt nostrae (in den Briefen 
Cic.'s, s. Stinner 1. 1. p. 25) finden sicb in der Umgangsspracbe 
die alinlichen Formehi ita vitast bominum Ter. Ad. 4, 7,21, 
sic hominum genus est Lucret. 3, 307, ita sunt Persarum 
mores Plaut. Pers. 4, 6, 25 und bei Cic. nocb p. Rosc. Com. 
§ 29 sic est ivulgus, dagegcn sagt er Vatin. § 19 est enim 
res eius modi, Lael. § 52 baec est tyrannorum vita ; mebr 
bierliber s. in m. Abbdlg. de Cic. elocut. p. 38 fi". — ad uiale- 
ficiuin accedere] Auch wir sagen „an eine 1'hat heranschreiten". 
Der Ausdruck, der besonders der ersteu Stilperiode Cic.'s ange- 
hort, ist aus Cornif. berubergenommen, welcber II, 30 sagt ,qua 



294 Kapitel XXX § 85. 

inductus accesserit a cl maleficium, IV § 50 accessit ad 
maleficium; Cic. de inv. II § 44 <j[uemqnarn tam temcre ad 
maleficium accessisse etc, p. Clueut. § .31 uud 8ulla § 60 
sagt Cic. ad hoc nefarium facinus accedere, Pliil. II §64 
qui ad illud scelus auderet accedere. Uebrigens ist nicht nur 
der Ausdruck ,ad maleficium accedere' dem Cornificius eigentlim- 
lich, sondern unsere ganze Stelle ist dem Gedanken nach aus Cornif. 
II, 29 entnommen, wo es heisst ,omnes enim cum minima peccata 
cum causa suscipiunt, tum vero illa^ quae multo maxima sunt 
maleficia, aliquo certe emolumento inducti suscipere co- 
nantur', vgl. auch p. Mil. § 32 ,boni nullo emolumento 
impelluntur in fraudem, improbi saepe parvo'. 
§ 85. (iHaesitorein] s. z. § 11. - fiigiebant atcjiie horrebaut] s. z. § 8 
metuere atque horrere. — pericnluiQ creabaturj ,periculum ist bei 
Cic. ein stehender Ausdruck fiir die Gefahr der rei in den 
oflPeutlichen Gerichten (iudicia publica), oder wie man in den 
meisten Fallen sagen kann . Kriminalprozessen (periculum 
capitis, oft bei Cic. ), uud fiir ein solches Gericht selbst, s. p. 
Sull. § 2, de imp. Pomp. § 2 etc' Osenbriiggen. Cf. Quintil. 
VI, 1 § 36 ,de accusatoribus et reis sum locutus, quia in peri- 
culis maxinie versatur affectus, Sed privatae quoque causae 
utrumque habent perorationis geuus'. — Creare = inferre scheiut 
der alten Sprache anzugehoren. Es findet sich in einer Formel 
der haruspices bei Cic. de har. resp, § 40 ausser mit periculum 
noch mit caedes verbundeu: ,Ne per optimatium discordiam 
dissensionemque patribus principibusque caedes periculaque 
creentur^ — implacatns] =^ implacabilis. Die Hss. haben im- 
plicatus. Nach Graevius und Ernesti haben fast alle neueren 
Texte implacatus geschrieben , ein Wort, das allerdings sonst 
nur bei Dichtern sich findet, z. B. Vergil. Aen. 3, 420 impla- 
cata Charybdis, aber doch dem Sinne unserer Stelle von allen 
Aenderungsvorschlagen noch am besten entspricht. Die Worte 
ad severitatem sind nur der Konzinnitat zu liebe hinzugefiigt 
(entsprechend dem ad misericordiam), wie § 17 audio nur 
aus formellen Griinden hinzutritt mit Riicksicht auf das vor- 
hergehende scio. — praeest virj s. z. § 11. — coutra audaciam 
. . ab inuoceutia] j,Von der lokaleu Verwenduug ausgeheud ent- 
wickelt die Prapositiou a die Bedeutung fiir, zu Gunsten, auf 
Seite jemands, die Cic. , offenbar nach dem Vorgange des 
Cornificius, besonders in seinen ersten Werken ofters braucht: 
Cornif, 2, 9 ab testibus contra testis etc, 2, 10. 11, 12. 13. 14. 



Kapitel XXXI § 86. 2913 

4:, 4. 33. Cic. Inv. 1, 4 a meiiflacio contra verum stare, 1, 81. 
90. 2, 128. 129. 142. 143. Rosc. Am. 85. 104. Cluent. 93. In 
spateren Scbriften habe icb diese Bedeutung nur 3mal gcfunden: 
de Or. 1, 55 (im Gespracb), Brut. 273; fam. 2, 16, 2. Hand 
Turs. I p. 55, Drager § 285, 3-' Tbiehiiann, Stil. Bem. p. 354 ff. — 
facile paterer] s. z. § 56. — iiidice quaereute] d. b. wenn er iudex 
quaestionis oder quaesitor wiire ; vgl. den Anfang dieses 
Paragr. — CassiauOS iudices] spricbwortlicbe Bezeicbnung fiir 
strenge Ricbter, vgl. Verr. III § 137. 146. In Nachabraung 
unserer Stelle (vgl. § 61) sagt Ammian. Marcell. 26, 10, 10 
,Catonianae vel Cassianae sententiae fuco perliti resident iudices', 
wahrend er 22^9,9 ,iudicibus Cassiis tristior et Lycurgis' die 
Stelle aus Brut. §97 vor Augen hat ,Cassius . . ipsa tristitia 
et severitate popularis'. 

Kapitel XXXI. 

Cum Tiderentj Temporaler und kondizionaler Konjuuktiv. — § 86. 
pecuuiaiuj s. z. § 6. — eo perspicuo] Die Handscbriften lesen teils 
ei perspicuum teils eo perspicuum und die alteu Ausleger 
liaben zu allen moglicben geschraubten Aenderungen ibre Zu- 
flucht genommen, s. d. Note bei BUcbner, welcher zu leseu vor- 
scblagt: sed, reor, ut perspicuum ciimen etc. Zu verwundern 
ist, dass die scbone Verbesserung des Puteanus ,eo perspicuo' 
nicht scbon frliber den allgemeinen Beifall gefunden bat, den sie 
als die einfachste und natiirlicbste verdient. Erst Mattbiae wagte 
,eo perspicuo' in den Text zu setzen, welchem seit Osenbriiggen 
die neueren Herausgeber (mit Ausnahme von Gossrau) gefolgt 
sind. Cic. allerdings kenut sonst diesen freieren Gebraucb eines 
Adjektivs im Ablat. absolut. nicbt, vielmebr finden wir erst Ana- 
loga bei Livius ,baud cuiquam dubio' 28, 17, 14 und Tacitus 
,iuxta periculoso' Ann. 1, 6 (s. Driiger H. 8. § 585, 2), allein 
Formeln wie ,d em on str ato Inv. II § 34, optat o ep. Att. 13, 28, 3, 
peroptato de Or. H § 20 beweisen immerbin, dass dem Cic. 
der freiere Gebrauch des Ablat. absol. nicbt fremd war. Hell- 
muth spricbt act. Erl. I p. 162 iiber unseren Ausdruck und 
notiert die Wendungen , deren sicb Cic. an andern Stellen im 
gleicben Sinne von ,eo perspicuo' bedient, namlicb div. in Caec. 15 
,cum id ita perspicuum sit', Verr. II, 91 ,quod cum esset persp.', 
III, 119 ,cum sit perspicuum^ Hingewiesen sei uocb auf die bei 
Cic. beliebte Paronomasie der Worter perspicuus und suspi- 
cio, von der wir z. § 18 gesprocben. — ad praedaui adiuugereut 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Iliilfte. 20 



290 Kapitel XXXI § 87. 

qiiam ad egestatein] = confen-ont, s. § 120. Die Abstrakta stehen 
fUr (lie Konkrcta. — quid hoi'Ulu| = quid harum rerum, nam- 
lich tenuitas, avaritia; s. z. § 38. — uou queal] s. z. § 72. 
§ 87. Praefers] Cic. sagt sonst in diesem Sinne prae se ferre, doch 

liest Halm p. Plancio § 77 mit den Hss. praeferam, andere 
prae me feram. Aus der gleichzeitigen Litteratur wird uur uoch 
citiert Plauc. ep. fam. 10,8, 4 cum praeferremus sensus aperte. 
In der nachklassischen Latinitat findet es sich haufig, so bei Liv. 3, 
12, 9; 37, 37, 3; 42, 14, 5; Curt. 7, 2, 24 u. o.; Tac. Ann. 
16, 22 u. o.; Quintil. 10, 1, 113 etc, s. Bunemann zu Lact. 
Inst. 6, 18, 1 ; m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 33 N. 4. — muui- 
cipis] = eiusdem miinicipii civis s. z. § 47. — cum alieiiis- 
simo] mit Chrysogonus, s. z. § 20. „Uebrigens ist der Beweis, 
der fiir die avaritia beigebracht wird, unlogischj weil, was als 
Grund angegeben wird, erst durch das ludicium zu erweiseu ist" 
Halm. — ut ah'a obliviscarj — silentio praeteream, vgl. p. Rosc. 
Com. § 50 obliviscor euim Roscium et Cluvium viros esse pri- 
marios. — solus inveiitns es, qui . . . sederes] ,hast dich alleiu bei- 
gelassen': eine haufige Wendung, cf. Phil. H § 64 uuus inven- 
tus est, qui id auderet, ib. § 85 tu ergo unus inventus 
es, qui . . . temptares, dagegen Verr. I § 111 solus tu 
inveutus es, cui non satis fuerit. — os tuum nou niodo osten- 
deres, sed etiam offerres] Sehr wirksam ist das allitterierende o: 
„Du liessest dein freches Gesicht nicht nur sehen, soudern trugst 
es zur Schau". Os = impudentia gebrauchten schon die Komiker 
s. Brix zu Mil. Glor. 190. Aus Cic. vgl. man noch Verr. IV 
§ 66 os hominis insignemque impudentiam cognoscite, ib. H 
§ 48, Kab. Post. § 34; Orat. I § 175, II § 29; fi\r Livius s. 
Friedersdorflf zu 26, 32, 4. — Besonders gern verbindet sich das 
Adjektiv durus mit os, vgl. Ter. Euu. 4, 7, 36 os durum, 
Lucil. 350 L ore duro, Cic. Quinct. § 77 mihi videri ore 
durissimo esso, qui etc, Ovid. Metam. V, 451 duri oris puer. 
Wird man schon aus diesen Stellen auf einen mehr vulgaren Ge- 
brauch dieser Formel schliessen diirfen (de dom. § 26, Phil. II 
§ 68, ib. V § 20 sagt Cic os imp urissimum) , so wird 
diese Annahme bestatigt, wenn wir bei Petron. 43 leseu 
durae buccae fuit, denn bucca ist das acht vulgare Wort 
fiir s (vgl. die Redensart quod in buccam venerit u. daz. 
meine Bemerkungen zum scrmo cotidianus in den Briefen Cic.'s, 
Bayr. Gyran. Bl. 1880 p. 317 flf.). Ebenso gebraucht Cic, be- 
souders in der Rede iu Pisonem, frons von der frechen Stirn, 



Kapitel XXX FT § 8S u. 89. 297 

cf. § 68 is cum istura adulescentem hac dis irata fronte virlisset. — 
os ostendere findet sich noch Verr. I § 1, Phil. II § 68. 
Schon diese Stellen geben ein Bild von dem ausgebreiteten Ge- 
brauch von os = impudentia. Unrichtig ist es also, wenn Schmalz 
Latin. des Vatin. p. 16 bemerkt_, dass die Stellen, wo os so ge- 
braucht werde, merkwlirdiger Weise nicht besonders haufig seien. 
Denn wenn Manutius zn Cic. ep. fam. 9, 8 nur 3 Stellen aiis 
Cic. citiert, so ist dies nur eiu sehr geringer Bruchteil der Stellen, 
die sich hieflir bei Cic. finden. 

Restat llt hoc dubiteiniis] = cum aliqua dubitatione perpen § 88. 
damus, Ellendt zu Orat. II § 134. Die Wendung ist vme ganz 
ahnliche wie oben § 78 dubitate etiam nunc . . a qii o si t Sex. 
Roscius occisus: worauf Antithesen folgen (ab eone qui etc.) 
wie an unserer Stelle. — is ad queiu diFJtiae veneriut] Gangbarer 
Ausdruck von eiuer Erbschaft, cf. Cornif. IV § 53 et commodum 
ad istum ex illius morte veniebat, p. Quinct. § 14 ut ad 
quem summus maeror morte sua veniebat, ad eundem summus 
honos quoque perveniret, Chient. §52 nullum ad Scamandrum 
morte Habiti venturum emolumentum fuisse, Verr. II § 88. — 
ardens avaritia feratur iufestus iu suos sc. cognatos] Das Ungestiime 
der Leidenschaft wird trefflich gemalt durch die AUitteration der 
Buchstaben aundfund denGleichklaug derSilben feratur infestus 
in suos . .,^ vgl. p. Quinct. § 38 qui usque eo fervet fertur- 
que avaritia. Das dichterische der Worte erhellt aus Att. trag. 
450 R cor ira fervit caecum, amentia rapior ferorque, Hor. 
ep. 1, 1, 33 fervet avaritia. — quaestus] qu. ist oft der 
schnode , schmutzige Erwerb aus lukrativen Spekulationen. Den 
Unterschied von fructus zeigt Tuscul. V § 86 ,quaestuosa 
mercatura, fructuosa aratio dicitur'. — fori iudlcioruinque insolentiain] 
wie p. Deiotar. §5 moveor etiam loci ipsius insolentia=: loco 
insolito; cf. Pis. § 24 non insolentia rerum secundarum tantam 
personam (sustinet). 

Kapitel XXXII. 
Quo te inodo iactares] Vgl. §24. Doch steht hier se iactare §89. 
mehr im eigentlichen Sinne von der zu lebhaften Gestikulation 
des Korpers beim Reden, in der Erucius als NachaflPer des Anto- 
nius besonders stark gewesen sein soll , s. z. § 35 und 59. — 
tempus te citius quaiu orafio deficeret] Die Formel ist bei griechischen 
und romischen Rednern haufig; aus Cic. vgl. man Verr. II § 52 
,nam me dies, vox, latera deficiant, si hoc nunc vociferari 
velim, ibid. IV § 59 ,dies mo citius defecerit quam nomiua^; 

20* 



298 Kapitel XXXII § 89. 

Cael. §29 dies iam me deficiat si . . coner expromere; Nat. 
deor. III § 81 dies deficiat, si velim luimerare; Tuscul. V 
§ 102 dies deficiat, si velim paupertatis causam defeudere 
und dazu Kuliner; Sall. lug. 42 de studiis partium si singillatim 
aut pro magnitudine parem disserere, tempus f|uam res matii- 
rius me deserat. Demosth. de cor. 296 iuiXeilpei ^ie Xeyovd^ 
1] rjfisga ra twp nQodoxojv ov6[jaTa. tsocrat. Arcliidam. 81 
,iniXlTioi d'av t6 Xoin6v ixtQOC t^$ rjfieQag, ei Tag nXeovel^iag 
Tug iffofjievag Xeyeiv inixeiQTjffaifjev'. — neque ego nou possuni] 
Uebor nerjue . . non s. z. § 45. — Terum ego etc.] Der Ge- 
danke, den Cic. hier zunachst aussprecheu wollte^ wird zuriick- 
gedrangt durch die uun folgende Digression Uber die durch die 
Sullanischen Proscriptionen zusammengeschmolzene Zahl der An- 
klager und erst Ende des § 91 mit verum ut coepi dicere wie- 
der aufgenommen. Vielleicht ist diese Digression — wie Drumann 
R. Gr. V p. 244 meintj s. auch zu § 3 — erst spater nach dem 
Tode Sullas von Cicero eingeschoben worden, Die Worte ,multos 
caesos non ad Trasumennum lacum, sed ad Servilium vidimus' 
enthalten anerdings ein sehr bitteres auf Sulla gemlinztes Wort- 
spiel. Osenbriiggens Bemerkung zu unserer Stelle ist erwahnens- 
wert: „Es finden sich in diesera Kapitel manche Gedankenspriinge, 
aber der Redner konnte durch die leiseste Andeutung seine Horer 
au fait setzen, da ihnen alle schrecklichen Begebnisse der neuesten 
Tage vor Augen standen. „Wegen der Menge der Patroui" sagt 
Cicero, „werde ich vielleicht in dem Haufen nur so mitgeziihlt". 
Der multitudo patronorum steht gegenliber die paucitas accusa- 
torum; diese ist eine Folge der SuUanischen Proscription und hat 
zur Folge, dass Erucius ein ertraglicher Anklager ist. . . . Ein 
grosser 'l'eil der Sullaner waren Leute, die unter der Decke des 
politischen Kampfes ihre Privatinteressen verfolgten ; sie mordeten 
lcdiglich aus diesem Interesse und bedachten dabei auch ihre 
Zukuuft, indem sie die Feinde der Anarchie uud der blutlgen 
Gewalt, von denen sie fiirchteu mussten, nach Herstellung von 
Ordnung, Recht und Gericht angeklagt zu werden, aus dem Wege 
raumten". — in grege adnunierer] Diese Lesart einiger codd. ver- 
warf Stuerenburg zu Cic. p. Arch. p. 66 als nicht lateinisch : 
,quo loco etsi codices aliquot hanc verissimam scripturam (nam- 
lich i n gregem) tuentur, tamen plerique editores cum ceteris 
codicibus scripserunt in grege adnumerer, quod v i x L a t i- 
num esse optime iam perspexerunt Garatonius et Beckius, viri 
doctissimi, horumcjue ratiouem suo iure commendarit etiam Orellius 



Kapitel XXXII § 89. 299 

(s. auch Haase zu Keisig, Note 572). Uass es abor docli lateinisch 
ist, beweisen die von Steinmetz und Osenbriiggen beigebrachten 
Stellen aus Cic. Brut. § 75 ,quem in vatibus et Faunis 
adnumerat Ennius'; Ovid. Trist. V, 4, 19 ,saepe refert, sit 
quanta dei clementia, cuius se quoque in exemplis adnumerare 
solet', Ovid. Heroid. 16, 328 ,quartus in exemplis adnumera- 
bor ego'; s. auch Jahn zu Cic. Brut. 1. 1. — puglia Canueiisis] 
p. C. war ein sprichwortlicher Ausdruek fiir einen bkitigen Akt, 
so hier von den suHanischen Proskriptioneu , vgl. die in Bd. I 
z. d. St. abgedruckten Belege aus Arnobius und Aurel. Augustiu. 
In der Verr. V §28 sagt Cic. von einem convivium: ,ut quivis 
, . . non se praetoris convivium, sed Cannensera pugnam 
nequitiae videre arbitraretur'; siehe auch hiezu deu krit. An- 
hang. — sat boflUlu] Friihere Gelehrte wie Goerenz zu Acad, H 
14, 45 (s. Ellendt, Comm. zu Cic. de orat. p. 393) wollten dem 
Cicero den Gebrauch von sat fiir satis absprechen ; ihnen trat 
entgegen Dodcrlein in d. Synonymik Bd, I p. 110. Ich habe in 
m. Schrift de Cic. elocut. p. 38 (vgl, Wolfflin, Comparation p. 23) 
die Bemerkung gemacht, dass sat bei Cicero besonders in der 
(auch sonst beliebten) Verbindung mit bonus erscheine und dafiir 
ausser der unsrigen Stelle als Bek'ge noch beigebracht: Orat. III § 84 
sat bonus orator, ep. fam. 7, 24, 2 sat bonus unctor, ep. Att. 
14, 10, 1 laetantibus omnibus bonis^ etiam sat bonis, dagegen ep. 
Att, 2, 19, 4 lesen wir ,exercitus bouorum omninm, etiam satis 
bonorum', Ofiic. II § 89 bene pascere, satis bene pascere, 
male pascere, womit zu vgl. Plin, h. n. 18, 29 idemque Cato 
interrogatus, quis esset certissimus quaestus, respondit : si bene 
pascas , qui proximusV si sat bene (bei Columell. VI praef. 4 
heisst es si mediocriter pasceret). Doch linden wii- sat bei 
Cicero auch niit andern Adjektiven verbunden, so sat multa 
ep. Att. 6, 8, 5, sat fatuus ep. fam. 7, 16, 1. Fiir sat bonus 
sei hier noch notiert Plaut. Curc. 243, Vidul. 1, 7 Studemund, 
(satis boni Most. 827 R, satis bono Cato r. r. 136). An 
sonstigen Formeln mit sat habe ich gesammelt sat dives Plaut. 
Most. 228 R, sat pulcher Stich. 738: sat es beatus Catull. 
23, 27, sat beatus Apul. Met. 4, 11; sat liber — sat 
frugi - sat honestus Plaut, Pers. 841. - uou ad TrasHmeuiiuiu 
lacuiU; sed ad Serviliuiu] Ueber die Schreibart Trasumcnnum s. 
d, krit, Anhang. Cicero springt von der pugna Caunensis zu 
der am U'rasimen. See iiber, um dadurch das Wortspiel mit lacixs 
herbeizufiihrcn , welches Wort auch die Bassins oder Wasser- 



300 Kapitel XXXII § 90. 

belialter in Rom bezeichnete, in welehe das Wasser durch Rohren 
aus den Wasserleitungen gefiihrt wurde. Das Servilisclie Bassiu 
lag in der Nahe des Forum, vgl. Festus p. 290 M ,Servilius 
lacus appellabatur ab eo, qui eum faciendum curaverat in prin- 
cipio vici lugari, continens basilicae Juliae, in quo loco fuit 
effigies hydrae posita a M. Agrippa'. Am Servilius lacus so- 
wohl wie auf der Rednerbuhne wurden die Kopfe der Proskri- 
bierten ausgestellt, vgl. unter den testim. vet. die Worte des 
Schol. ad Lucan. II, 161 und des Schol. Gron. Ausserdem er- 
walmen die Sache noch Seneca de provid. 3 ,videant largum in 
foro sanguinem et supra Servilium lacum (i d enim pro- 
scriptionis Sullanae spoliarium est) senatorum capita' 
und lul. Firmic. Maternus Astronom. I, 3 ,visne aliquid tibi, 
quia in Sullauis temporibus immoramur, de lacu Servilio 
referam? in quo multorum senatorum capita ad ostentationem 
immanissimi facinoris sectis cervicibus pepeuderunt'. 
§ 90. ftuis ibi etc] Ein unvollstandiger trochaischer Vers aus einer 

Tragodie des Ennius ; mehr hieriiber s. in der Note zum Scholion. 
Der Scholiast liest Frugio, ebcuso Ribbeck fragm trag. 313, 
Vahlen 597 Brugio. — Cnrlios, Marios] Uubekanute Anklager. — 
Mammeos | s. hiezu den krit. Anhaug. — a ppoeliis sc. forensibus 
aTOCabat] Cic. meint, Leute wie Curtius, Marius u. a. wareu schou 
zu alt, um als Anklager noch etwas leisten zu konnen* daher 
brauchte man sie nicht zu schouen. Diesen Gedanken drllckt er 
im Ansclduss an die zuvor gebrauchteu Kampfbilder (pugna 
Caunensis, lacam Trasumennum, Vers des Ennius) mit aetas a 
proeliis avocabat (,abzurufen anfing') aus , dcnn die seniores 
(von 45 — 60 Jahreu) und dis senes (iiber 60 Jahre alt) waren 
nach der Servianischen Militarverfassung, erstere vom Felddienst, 
letztere von allera Kriegsdienst befreit. Vgl. auch Osenbriiggen 
z. d. St. und in der Einl. S. 56. — Priamum ipsum senem] Kayser 
hat ,senem' eiugeklammert, Madvig uud Siesbye haben es ge- 
strichen. Orelli machte dagegeu gelteud : ,mihi v. senem sic 
defendi posse videtur, ut dicamus Priami vehiti perpetuum fuisse 
enld-eTov apud Tragicos Latinos, ex quibus paullo aute per iocum 
comparationem desumpsit'. Dass Orelli Recht hat, beweist mir 
eine Stelle, die niemand beigezogen, namlich Ovid. jNIetam. XII, 
607 ,quod Priamus gaudere senex post Hectora posset, Hoc 
fuit'. Es scheiut iiberhaupt, dass die Worte noch dem Ennius 
gehoieu, vgl. Eberhard lect. Tull. p. 12 ,v. senem non est 
delendum, sed poetae verbis tribuendum: Epitheton frequens est; 



Kapitel XXXII § 90. 301 

ab Ennio ipso Priamus dicitui* vetei-'. Derselbeu Meinung ist 
Ricbter-Fleckeisen. — Antistiuni] Das Pranomen feblt in den Hand- 
scbriften. Man nabm gemeiniglicb daflir den von Cicero im Brutus 
§ 226 ervvabnten Publius Autistius. Allein dagegen bat Halm 
folgende 3 Puukte geltend gemacbt. ,,Der (von Cic. im Brutus) 
gescbilderte Antistius war der erste Scbwiegervater des Cn. Pom- 
peius Magnus, ob welcber Verbindung er im J. 82 von Dama-- 
sippus als Sullaner gemordet wurde ; vgl. Mommseu R. G. H, 
329 f. Diese Lebensumstande macben es wenig wabrscbeinlicb, 
dass derselbe Antistius bier von Cic. genannt sei. Denn 1) er- 
wabnt er solcbe Anklager, welcbe durcb die Sullaniscben Pro- 
skriptionen, wie der lacus Serviliiis zeigt, den Tod gefunden baben; 
2) wird P. Antistius in der Stelle des Brutus ausdriicklicb unter 
den patroni eius aetatis genannt; aucb ward er uicbt als Maria- 
ner, sondern als Sullaner getotet; 3) passen auf ibn nicbt die 
Worte etiam leges pugnare probibebant, die auf einen 
Anklager anspielen, welcber der Strafe der Calumnie verfallen war 
(s. unten). P. Antistius erscbeint aber gerade nocb vor seinem 
Tode als Redner tbatig. Will man daber nicbt annebmen, dass 
Cic. Personen und Zeitverlialtnisse verwecbselt babe, so mlissen 
wir uns bescbeiden, von dem geuannten Antistius so wenig als 
von den iibrigen Namen zu wissen". Zu demselben Scblusse war 
aucb scbon Blicbner aus den namlicben Argumenten gekommen: 
er scbliesst seine Beweisflibrung (p. 278) mit den Worten : ,Quae 
cum ita sint nostrum Antistium ab rabula isto (ira Bratus) distin- 
guendum esse, nobis est persuasissiunim'. — leges prohibebant] Cic. 
bleibt zunacbst im Bilde, wenn er sagt, Antistius sei durcb seine 
aetas d. li. als senex vom Kriegsdienste befreit gewesen. Daber 
kann leges probibebant nicbt das namlicbe sagen (wie Ricb- 
ter meint) , sondern wird mit grosserer Wabrscbeinbcbkeit darauf 
bezogen, dass den wegen falscber Anklage lege Remmia mit 
Infamie belegten Anklageru das Recbt fernerbiu auzuklagen ge- 
nommen war, s. z. § 57. Hotmann bat zuerst diese Deutung 
aufgestellt: ,Fortasse aut ignominia aifectum aut turpi iudicio 
damnatum' nacb einer Stelle des Ulpian. in Digg. 48, 2, 4 ,is 
(|ui iudicio publico damnatus est, ius accusaudi non babet. — 
Sed et calumnia notatis ius accusandi ademptum est'. Ueber andere 
Erklarungsversucbe s. Biicbner z. d. St. — inter sicarios] Zur 
Forracl s. § 11. Dass diese Sorte der Anklager besonders ge- 
uaunt wird, erklart sicb daraus, dass sie fiir die Scbergeu Sullas 
die besonders zu flircbtende war. — quod ad me attinet] cf. 
§ 120. 122. 124. — canes] Vgl. cap. 20. 



302 Kapitel XXXII § 91. 

§91. ■ Veruill ut fit] Es ist uichts ausgefallen, wic mau friilier anzu- 
uclimeu geueigt war, sondern Cic. springt absichtlicb ab und 
unterdrlickt einen Gedanken, der etwa lautete: „Aber nicht bloss 
Ankliiger von Profession , sondern auch Unschuldige fielen Sullas 
Henkeru zum Opfer, deun" etc. — inulta saepe] Kine pleonastische 
Verbiudung, ahulich der griechischen rtoXXa noXXaxiq. Sie fiudet 
sich schon bei PLautus, s. Brix zu Capt. 44. An den von ihm 
augefiihrten Stellen findet sich dreimal eine offenbar der Um- 
gaugssprache gelaufige Formel , namlich Capt. 995 vidi ego 
multa saepe, Mil. 885 uam ego multos saepe vidi fugere, 
Cas. 245 vidi ego dis fretos saepe multos decipi. Wie hier 
bei Plautus (cf. Lucil. 569 L superatus proeliis saepe est 
multis), so wechselt auch in der folgeudeu Latinitat die Stell- 
ung der beiden Worter. Doch ist im allgemeinen haufiger das 
Adverbium nach- als vorgestellt, wie auch in der Formel 
omnes semper, worliber Avir zu § 27 gesprochen. Fiir Cicero 
vgl. mau Klihner zu Tuscul. I § 74, Seyffert zu Laelius^ p. 12. 
Aus Sallust notiere ich Cat. 20 multa saepe egerat, ib. 25 
multa saepe facinora. Filr Livius sei auf M. Mliller zu 2, 35,8 
und Friedersdorff zu 26, 14, 1 verwiesen. Noch in der spaten 
Latinitat begegnen wir der Formel, so Oros. Hist. 6, 11, 9 
multis saepe eruptionibus. — ut fit] cf. p. Quinct. § 39 saepe, 
ut fit etc, Mil. § 24. — yis belli ac turba] Dieselbe Verbindung 
steht Cluent. § 103 nec|ue vis uec turba (iu iudicio) versata 
est. Ein alter Grammatiker, Mar. Victorinus de definitiouibus 
LXIV, 904, 39 Migne, bezieht sich auf unsere Stelle, wenn er 
sagt: „Cavendum est ne aut longe petita sit translatio aut turpis. 
Longe petita est : ,turba reipublicae chaos est legum', quod 
Tullius pro Sestio Koscio temperavit: ,qui quasi sempi- 
terna uox esset', inquit ; iu quo etiam temperamentum accipiens 
ex particula similitudinis". Ditse Stelle, welche mir bei der 
Sammlung der testim. vet. der Eosciaua entgaugen ist, verdanke 
icli der brieflichen Mitteilung des Hrn. Dr. Stangl in Miinchen. — 
(lum| Bei dum mit dem Imperf. lud. bezeichnet der Nebensatz 
den Zustand, der wahrend des Stattfindens der Handlung des 
Hauptsatzes fortdauerte. Die Konstruktion ist selten, s. die 
Stellen bei Drager H. S. H § 507, l^, Kiihner H p. 909, Hand 
Turs. H p. 304, Krebs Antib. s. v. dum, p. 388, Thielmauu 
Coruif. p. 80. — interea nimmt das vorausgehende dum (wie 
haufiger in der gcwbhnlichcn Sprache) auf, vgl. p. Quinct. § 28 
haec dum Romae geruntui-, interea etc. ; Ter. Heaut. 833 dum 



Kapitel XXXII § 91. 3()3 

eximus, interea opperibere; vgl. m. Ablirllg. de Cic. elocut. 
p. 43. In ahnliclier Weise entsprechen sich gleich daraut' tam- 
quam — ita. — siimmam renim] Cf. Cic. de rep. I, 42 cum 
penes unura est omnium summa rerum, regem illum uuum 
vocamus. — qui suis vulHerihus medereutur] Der Ausdruck bezielit 
sich nicht nur, wie der Schol. meint, auf solche ,qui debebaut illo 
tempore pecunias, et in ipso tumuhu occidebant creditores suos', son- 
dern ist allgemeiner zu fassen , vgl. aiTch Osenbriiggeu z. d. St. : 
,Man darf wohl Cic.'s Ausdruck uicht zu sehr spezialisieren, der 
eben im allgemeinen andeuteu soll, dass iu den Wirren des Staates 
viele diese beniitzten, um ihre Privatiuteressen wahrzunehmen ; 
jeder wusste am besten , wo es ihn driickte und verschaffte sich 
deragemass Hillfe. In welcher Weise die Eoscier dies vollfiihrten, 
gibt besonders cap. 8 an, wo Cic. ahnlich redet, wie hier". — 
offusa rei publicae uox esset] Die Substantiva nox und tenebrae 
gebraucht Cic. geru metaphorisch , bes. auch von der hoffnungs- 
losen Lage des Staates, vgl. de dom, § 137 quod in naufragio 
rei publicae tenebris offusis . . . dirueris aedificaris. lu 
Nachahmung dieser Stelleu sagt Valer. Max. 3, 8, 3 tantis 
tenebris offusam esse rempublicam; cf. auch Cassius ep. 
fam. 12, 13, 1 id quod maximis rei publicae tenebris com- 
peristi. Den Gegensatz zu nox, tenebrae bildet lux, so in 
der Phrase lucem adferre rei pxiblicae „Gli\ck uud Heil"' 
imp. Pomp. 33, Pliil. XIII, 44; Nat. deor. I § 6 philosophiam, quae 
lucem eriperet et quasi noctem quandam rebus offunderet. 
Vgl. noch zu dem metaphor. Gebrauch von lux und bes. von sol 
Seyffert zu Lael.^ p. 324. - ruel)aut] = caeco furore ferebautur, 
toben, vgl. Phil. 3 § 31 nec ruere demens nec furere desinlt, 
ibid. 2 § 68, wo A. Eberhard (cf. lect. Tull. p. 12) ruere liest 
statt des Hss. furere, Fin. I § 34 at id ne ferae quidem faciunt, 
ut ita ruaut itaque turbent; ep. Att. II, 14, 1 nihil est iam 
quod magis timendum nobis putem, quamne ille(Pompeius) . . ruere 
incipiat; Val. Max. 3, 8, 3 nec deerat consternatae multitudiui fu- 
rialis fax tribunalis, quae temeritatem eius et ruentem comi- 
taretur et langueutem actiouibus suis inflammaret. — omuiaque 
miscebaut] Ein besonders den Historikern sehr gelautiger Ausdruck, 
vgl. Sall, Cat. 2, 3 mutari ac misceri omnia, ibid. 10, 1 
fortuna miscere omnia coepit, lug. 12, 5 strepitu et tumultu 
omnia miscere; Liv. 1, 29, 2 omnia ferro fiammaque 
miscet; Tac. hist. 3, 73, 9 cuncta sanguiue ferro tlammisque 
miscent; Ammian. Marcell. 31, 8, 6 rapinis et caedibus sanguine- 
que et inceudiis omnia permiscere; Oros. hist. V, 24, 3 cum 



304 Kapitel XXXIII § 92. 

caedibus inccndiis rapinis stuprisque oniuia miscerent. Die 
dabei stehenden allitterierendon Verbindnngen ferro flammis- 
que und caedibns incendiis gehoren zu den haufigsten, 
s. Wolfflin, iiber d. allitt. Verb. p. 49 u. 55. — noil . . qiioque] 
statt ne — quidera, s. Drager H. S. II § 319, 2; Syntax des 
Tacitus^ p. 49. — hoc COnilUodi est] ,Dabei ist das gute' ; zur 
Struktur vgl. §83 id erit sigui ; s. auch z. § 142 emolumento 
esse. — si ciipereiit] s. z. § 29 cum cuperent. . — iit . . . non 
possentl Zugleich kondizional ,dass sie nicht liiitten konnen^ — 
yeriiin , nt coepi dicere] dient zur Aufnahme des oben § 89 abge- 
brochenen Gedankens = ,wie ich oben gesagt'. Die Formel ist 
sehr haufig in der Umgangssprache, vgl. m. Abhdlg. de Cic. 
elocut. p. 22, z. B. bei Petron. 75 sed ut coeperam dicere, 
ibid. 62 quod coeperam dicere. In den spateren Schriften 
sagt Cic. ,ut institui dicere', so Verr. II § 41. Griechisch 
aXX ScTrceQ rJQ^O) Plat. Theaetet. 146 B. S. auch K. E. Georges 
in d. Pliil. Rundschau I p. 1306. — qnaniTis diu] s. z. § 47. — 
quein ad nioduin dixi] s. z. § 5. — in aniino est] mit folgendem 
Intinitiv ist seUen, s. z. § 52. — leviter transire] = leviter attin- 
gere § 123, cf. Gell. 9, 4, 5 libros omnes duabus proximis nocti- 
bus cursim transeo. Das ungewohnlich gebrauchte tran- 
sire erklarend fligt Cic. tantummodo perstringere hinzu, 
s. d. Bemerkung z. § 44. — studio] erklaren nach Nagelsb. Stil. 
§ 83, 1 Halm u. Fritzsche zu Hor. sat. 1, 4, 79 = de industria, 
consulto. Kichtig erklart die Stelle Krebs Antib. s. v. studium 
fin. p. 1100 ,hingegen bei Cic. R. A. § 91 kann studio im 
Gegensatze vou officio nicht absichtlich, gef I iss e n tl ich 
bedeuten. Der Reduer will sagen , er mache nicht aus Neig- 
ung, Liebhaberei den Anklager, soudern aus Ehr- und 
Pfl i ch tgef iihl den Verteidiger. Diese Erklarung hat zur 
Hauptstiitze die Aufangsworte von cap. 30 ,veuio nunc eo, quo 
me non cupiditas ducit, sed fides' etc. 
Kapitel XXXIII. 
§ 92 Video . . videaiuus nunc] Eine beliebte Form des Uebergangs, 

vgl. § 119 quoniam cognostis, cognoscite nunc etc, 
Weniger deutlich erkennbar ist sic p. Mil. § 52 u. 53 uiid dazu 
Richter- Eberhard. — impeilerent] Drager H. S. I § 152, 1 
„Hier ist i m p e 1 I e r e n t Potentialis der Vergangenheit (,an- 
treiben mochten, konnten^), uicht dadurch zu erklarcu, dass 
mit Madvig und Peters esse als Infinitiv des Imperfects betrachtet 
wird, aucli nicht zu stiitzen auf memini c. infiu, praes. oder 
Cic. Off. I, 108. Deun jener Potentialis steht noch in direkter 



Kapitel XXXIII § 92. 305 

Abhangigkeit vom Praesens indicat. , wie Cic. Verr. IV, 11 veri 
simile non est, ut ille — pecuniam anteponeret. Noch deutliclier: 
in Vatin. § 5 quaero a te, cur C. Cornelium non defenderem 
(warum hatte ich ihn nicht verteidigen sollen?)". Vgl. auch 
Wetzel de consecutione temporum Cic. p. 28 ,non pendente ora- 
tione dici potest: sunt causae permultae, quae istum impellerent', 
und in d. adn. 2 ,non multum interest inter fuerunt quae 
impellerent et sunt quae impellerent. Illo simpliciter refertur, 
hoc causas illas actionis praeteritae praesenti tempore patere vel 
expositas esse signifieatur. Quamquam apud neminem adhuc hanc 
temporum coniunctionem aut probatam aut satis excusatam inveni. 
Confer tamen de Or. II, 341 ,sed et quia multa sunt genera, de 
quibus nemo fere praeciperet^ — facilltas] Cf. Cic. de inv. I 
§41 facultates sunt, aut quibus facilius fit aut sine quibus 
aliquid confici non potest; Quintil. V, 10, 49 ,intuendae sunt 
praecipiieque in coniecturis (d. h. beim statas coniecturalis, s. 
Bd. I p. 17 Note 9) et facultates: credibilius est enim occisos 
a pluribus pauciores, a firmioribus inbecilliores, a vigilantibus 
dormientis, a praeparatis inopinantis: quorum contraria in diversum 
valent. Haec et in deliberando intuemur et in iudiciis ad duas 
res solemus referrc, an voluerit quis, an potuerit'. Siehe 
hiezu Volkmann, Rhetorik p. 374; vgl. auch § 68 amici . . 
servi , . tempus locus. — verum quid ad rein] sc. id pertinet; 
gewohnlich fehlt id, so noch Phil. II § 72 ius postulabas; sed 
quid ad rem?, Hor. ep. 1, 6. 12 quid ad rem, dagegen 
p. Quinct. § 79 sed quid id ad rem? — et alH multi] Ueber 
et = etiam im allgemeinen und besonders bei Cicero ist viel und 
oft von Gelehrten gehandelt worden, ohne dass die Frage zur 
befriedigenden Lbsung gebracht worden ware, s. Haase zu Reisig 
Anm. 419, Bllchner z. u. St. lu neuester Zeit hat die Sache ins 
richtige Licht gesetzt C. F. W. MuIIer in einer trefflichen Note 
zu Cic. Off. I § 133, die wir hier, da sie zwei Stellen der Ros- 
ciana betrifft, gauz wieder geben : „Die oft aufgeworfene und ver- 
schieden beantwortete Frage, ob et bei Cic. ,auch' heisse und 
fur etiam stehe, ist falsch gestellt. Dass die klass. Sprache et 
setzt, wo der Deutsche ,auch' sagt, ist richtig, dass es fur etiam 
stehe, ist falsch. Wie Plautus sagt bei Personenwechsel z. B. 
Spero. Etego spero, Vale. Etvos etc. neben Et quidem, 
niemals z. B. Et ego hoc feci, so Cic. neben dem gewohn- 
lichen et quidem dc sen. 25 multa quae non volt, videt. Et 
multa fortasse quae volt, SuIIa 48 Inimicum ego, iuquis, accuso 



3()G Kapitel XXXIII § 93. 

meum. Et amicum ego defendo meum, Qu. Rosc. 32 At enim tix 
tuum negotium gessisti bene. Gere et tu tuum bene, S. Rosc. 92 
uti tunc eras? Romae. Verum quid ad rem V et alii multi, 
d. b. tu Romae eras ot alii Romae erant, wie Rlaut. 
Curc. 607 Libora ego sum nata. Et alii multi, qui nunc 
serviunt. Dann in unmittelbarer Verbinduug mit einer Adversativ- 
konjunktion S. liosc. 94 fateor me sectorem esse; verum 
et alii multi, Att. XI, 23; 3, Off. I § 133 sed et alii, aber 
nirgcnds selbstandig ,et alii fecerunt' fiir alii quoquc 
fec. odcr ,n o n m o d o h i c , s e d e t a 1 i i f e c.'. 
§ 93. Age UHUc] s. z. § 48. — facnltates] libersetzt Ilalm „Thuu- 
lichkeiten, (Telegenheiten etwas aiiszutuhren". — comiuenioravil] 
§ 80. — mnltitudo . . eoniui] Gen. epexegeticus, cf. Verr. V § 156 
quid de ilia multitudine dicemus eorum (j^ui . . . produ- 
cebanturV Wie an dieser StelU'. illa multitudo steht fiir illorum 
multitudo (das folgende eorum also hatte fehlen konnen), so ist 
im Folgenden in eo numero = in eorum n. Diese Aus- 
drucksweise ist bei numerus, genus, multitudo u. a. die 
gewohnliche, vgl. die feine Auseinandersetzung uber die Entwick- 
lung und Ausbreitung dieses Spracligebrauclies bei C. F. W. 
ivliiller zu Cic. Oft'. I § 3. — (|ni iu bouis eraiit occupati| ,Die in 
Giiterkaufen (ihr Geschaft) machten', cf. § 80 ,sectores colhn-um 
et bonorum' und den Schol. z. u. St. — - alieiiuiu adpetebaut] vgl. 
§ 50. Die Substantivierung von alienum in iibertragenem Sinne 
ist zuriickzufiihren auf die in dem Prapositionalausdruck in alieno 
liegende ortliche Vorstellung, wie p. Mil. § 74 aedificium ex- 
struere in alieno (cf. Liv. 5, 55, 4 in vacuo aedificant, da- 
gegen 39, 55, 2 in alieno solo acdihcare oppidum) ; vgL ep. fam. 
3, 8, 8 largiri ex alieno, welcher Ausdruck sich bei Livius 
als Formel fiir Antriige auf Verteihing von Staatsland findet; 
3, 1, 3 largiendo de alieno, 4, 60, 4 ex alieno aliis 
largitos; Sall Cat. 5, 4 alieni appetens, sui profusus, Liv. 
5, 5, 3 ilh)s . . . necessitate inposita cx alieno praedandi, cum 
sua amiserint agrum nostrum iuvasuros; 8, 34, 3 faciles de 
alieno; Plin. ep. 4, 13,8 de alieno negligentes, certe de suo 
diligentes erunt. Ueber die ganze Materie haudek am besten 
Nagelsbacli-Miiller Stilistik § 21 ff. Zu der din-t angefiihrten 
Litteratur kann noch liinzugefiigt werden die umfangreiche Samm- 
lung substantivierter Neutra ini Singuhir, abhaugig von Praposi- 
tionen, welclie Friedersdorff im Anhang seiner xVnsg. des 28. Buchs 
des Livius p. 114- 118 gibt. — leviore uomiue] ,mit einer mildereu 



Kapitel XXXIII § 93. 307 

Bezeiclnuing'; cf. Tuscul. I § 95 quod enim levius huic levitati 
nomen iniponam ; ep. fam. 3, 6^ 3 alieni hominis ut levissime 
(andere lenissime) dicam ,um raich ganz milrl auszudrlicken^ — 
percnssores] „Cic. deutet hier an, dass percussores noch ein milder 
Name war gegen den verhassten sicarii; es war etwa ein Unter- 
schied wie zwischen Morder und M euch el mo rd er. Es hat 
im alteu uud im neuen Italien immer viele percussores ge- 
geben, die sicarii waren eine Ausgeburt jener Schmerzenszeit 
Roms und so sehr gefiirchtet wie verabscheut". — iu culus fide el 
clientela] ,Schutz und Gefolge'; fides und clientela sind gerne 
verbunden, so noch Ter. Eun, 5, 8, 9 in clientelam et fidem 
nobis dedit se; Livius 26, 32, 8; Florus 1, 36, 3 ([uorura in fide 
et clientela regnum erat. — quaere . . reperies] s. z. § 48. — 
luilli crede] Ueber die Formeln crede mihi und mihi crede 
hat das endgliltige Urteil ausgesprochen Schmalz, Zeitschr. f. d. 
Gymn. 1881 p. 115, durch welches die Klotzischc Ansicht (zu 
Cic. Tusc. p. 100) gegen die von Drager (H. S. II, 210) als 
die richtige anerkannt wird , dass namlich crede mihi die 
Wendung war, die im gemeinen Leben vorkam, wahrend mihi 
crede die feinere Ausdrucksweise ist. Als Beweise fiihrt Schmalz 
an: 1) In Cic,'s Reden und philosophischen Scln-iften findet sich 
nur mihi crede; 2) crede milii wird vorzngsweise in den 
Briefen ad Atticum gebraucht , nur e i n mal ad familiares j 3) in 
samtlichen nichtciceronischen Briefen steht nur crede mihi, nie 
mihi crede; 4) in den epistulae ex Ponto Ovids, welche viele 
Anklange an die Sprache des gemeinen Lebens enthalten, liest 
man 9mal crede mihi , nur einmal mihi crede, wahrend die 
Metamorphosen nur einmal crede mihi bieten, und zwar in der 
formlosen Rede des Deucalion an seine Gattin Pyrhha I, 361 • 
5) die Satiren und Episteln des Horaz, in welchen ,der Ton 
herrscht, den wir bei Plato und in den besten Dialogen Ciceros 
finden*, haben nur mihi crede; 6) die plebeiische Sprache des 
Petronius kennt nur crede mihi; es findet sich dies an 6 Stellen; 
ebenso die saturae Menippeae des Varro, wo 513 Blich. crede 
mihi vorkommt. — Durch den Einfluss Cic.'s wurde milii crede 
mustergiiltig, ohne dass jedoch crede mihi ganz verdrangt wor- 
den ware| letzteres erhielt sich namentlich bei den Vertretern 
des sermo plebeius. Die Epistolographen der spateren Zeit, 
welclie ganz unter der Eiuwirkung Cic.'s stehen, bevorzugen 
mihi crede. K. E. Georges in der Rec. dieser Abhandluug I. 1. 
p. 1306 bemerkt dazu : ,Mahne Miscell. 1 p. 41 ff". hat sumtlicbe 



308 Kapitel XXXIII § 94. 

Stellen mit crede milii und mihi crcde in Cic.'s Schriften 
gesammelt, und seine Angaben bestatigen die des Hrn. Schmalz'. — 
aliqneni] Der unbestimmt gehaltene Ausdruck weist deutlich genug 
auf Chrysogonus hin. — conteudlto] hierauf d. h. auf die folgende 
Vergleichung beziehen sich wuhl die Worte Quintil. Inst. VII, 2, 
23 (ci'. Bd. I p. 15): ,Sive invicem accusant, sive crimen reus 
citra accusationem in adversarium vertit, ut Roscius in accusa- 
tores suos, quamvis reos non fecisset . . , utriusqi;e partis 
argumenta inter se comparantur. 
§ 94. Dices . . respondebo] Ueber die hier angewendete Form der 

altercatio s. z. § 58. — (jnid postea'?] s. z. § 80. — verum 
et alii multi] s. z. § 92. — non continno etc.] „I)araus, dass ich 
mich unter die Banditen begeben habe, folgt nicht ohne 
Weiteres, dass ich ein Bandit bin". Mit dieser Formel und 
ahnlichen warnt derLateiner vor einem voreiligen Schluss. Nagelsb. 
Stil. § 185, 1. So steht besonders in lebhafter Rede continuo 
zur logischen Folgerung in negativen Satzen oder in Fragen mit 
negativem Sinne. Aus Cic. habe ich noch folgende Stellen ge- 
sammelt: Or. II § 199 ac, si illae seditiones saluti huic civitati 
fuissent, non continuo etc, Tuscul. III § 40 in eo igitur, qui 
non est, si malo careat, continnoue fruitur summo bono ? Fin. II 
§ 24 ex quo illud efficitur, qui bene cenent, omnes libenter 
cenare, qui libenter, non continuo bene. Ebenso wird ilico, 
aber nicht statim gebraucht; fiir jenes vgl. Fat. § 28 nec si 
omne enuntiatum aut verum aut falsum est, sequitur ilico esse 
causas immutabilis. Haufiger als continuo und ilico gebraucht 
Cic. in diesen Formelu idcirco, s. d. Belege bei du Mesnil 
zu Cic. leg. I §32; dafur setzt er manchmal auch ideo z. B. de 
Or. II § 302, propterea Or. 68; ob eam causam de Or. I 
216; Fin. IV, 30; II, 49. Dass continuo hauptsachlich in der 
lebliafteren und dringlicheren Umgangs - und Volkssprache so 
gebraucht wurde, beweist auch sein Vorkommen bei Varro r. r. 
1, 18 sed si hoc in Sasernae fundo in Gallia satis fuit, non 
continuo idera in agro Ligustico montano, ib. II, 6 non enira, 
si muraenae optimae flutae sunt in Sicilia, continuo hi pisces 
in omni mari similes nascuntur und besonders in den Satiren des 
Horatius, wie II, 3, 161 quid, si quis non sit avarus, continuo 
sanus? — (jueiuquam sicarium] s. z. § 64. — longe absum ab] s. z. 
§ 55. — (juarej ,quare' adverbial auf einen Plural bezogen 
findet sich nicht selten (vgl. § 41), so noch Caes. B. G. 5, 31, 5 
omnia excogitantur, quare nec sine periculo maneatur et lan- 



Kapitel XXXIV § 95. 309 

guore miHtum et vigiliis periculum augoatur uud rlazu Kraner, 
Plancus bei Cic. ep. fam. 10, 21, 1 omnia feci , quare minorc 
sollicitudine vestra pcrditis resisterem ; Nep. Cat. 2, 3 multas 
res novas in edictum afldicit, quare luxuria reprimeretur und 
dazu Nipperdey in d. gross. Ausg, — eo . . qiiod] In Abwechs- 
lung mit dem voraufgegangeuen i dc ir co . . quo d ; s. z. §51. — 
de illis caedibus velira coraiiiemorare] I)er Gebrauch transitiver Verba 
mit de ist besonders iu der Volkssprache haufig (s. Kohler de 
Latin. auct. bell. Hisp. p. 438 ff.), findet sich aber auch bei den 
besseren Schriftstellern, so commemorare de bei Cic. in den 
Reden noch 3 mal Verr. II, 102, Font. 40, Rabir. 24, ausserdem 
Or. III § 75, ep. ad Qu. fr. 1, 1 § 37 omnes de tua virtute com- 
memoraut. Bei Casar, der sonst diesen Sprachgebraiich liebt, 
s. Kraner zu B. G. I, 42, findet sich commemorare de nicht, 
ebensowenig bei Salhist, obwohl gerade bei ilim derartige pra- 
positionale Wendungen an Stelle des Akkusativobjekts am zahl- 
reichsten begegnen , s. Badstiibner de Sallustii dicondi genere, 
Berlin 1863 p. 12. — Bei commemorare findet sich die pra- 
positionale Redeweise hauptsachlich in eingeschalteten Relativ- 
satzen nach dem Muster von de quo antea dixi, so an den 
samtlichen Cicerostellen rait Ausnahme dt-r unsrigen und ep. ad 
Qu. fr. 1, 1 § 37 ; vgl. auch Nep. Dion 6, 2 in filio, de quo com- 
memoravi supra u. dazu Lupus, dagegen bell. Afr. 26; 2 de 
adversariorum eius crudelitate acer bi tateque commemo- 
rare coeperunt. 

Kapitel XXXIV. 
Nachdem Cicero im Vorhergehenden dargeh^gt^ welche causae § 95, 
und facultates auf den T. Roscius Magnus als den muthmass- 
lichen Thater hinweisen, beginnt er in diesem Kapitel den Be- 
weis der consecutio d. h. er beleuchtet das Benehmen des 
T. Roscius nach der That (cf. Cornif. II, 8 consecutio, cum 
quaeritur, quae signa nocentis et iunocentis consequi soleant, 
Volkmann Rhetorik p. 319 ff.) und entnimmt diesem weitere Ver- 
dachtsgrlinde fiir seine Person als Thater. Es handelt sich hier 
hauptsachlich um die Art und Weise, wie und an wen zuerst in 
Ameria dieNachricht von derErmordung des altenRoscius kam, Der 
Ueberbringer der Nachricht war Mallius Glaucia, ein berllchtigtes 
Individuum, der Empfanger T. Roscius Capito. Die Fahrt selbst 
geschah in einer tinglaublich kurzen Zeit; muss diese eigentum- 
liche Schnelligkeit nicht Verdacht erregen? — Die Durchfiihrung 
der einzelnen Punkte ist vou den scharfsten Angriffen auf die 



310 Kapitel XXXIV § 95. 

Roscier bogleitet. — stricliin| cf. § 91 fiii. ,taiitnm moflo per- 
stringerc'. — videamus . . qnae facla siiiitj ;wir wollen das Gc- 
schehene betrachten'. cf. § 105 nunc illa videamus, quae 
statim consecuta sunt; Verr. I § 86 illud quod neque taceri 
villo modo neque dici pro dignitate potest, cognoscite ; ib IV 
§ 116 ea, quae coniuncta cum illis rebus sunt . . cognoscitc; 
cf. C. F. W. Miiller in der adnot crit. p. XV 11 und Luterbaclier 
IX. Jahresber. p. 19 : „Zu cetera ist zu erganzen v id imus. Dieses 
ist also mit dem Accus. konstruiert, wie § 125, und deshalb darf 
man sehr wohl vor quae ein ea deuken als Objekt zu videa- 
mus. Halm schreibt sint. Er verbindet also videre zuniichst 
mit dem Accus. (cetera) und dann mit einem abhangigen Frage- 
satz. Doch passt die Weiterflihrung q\iae ita aperta et mani- 
festa sunt nicht zu der Frage, was geschehen sei; vielmehr 
will der Redner nur die bekannten Thatsachen durchmustern, 
um sicli klar zu werden, ob durch dieselben auf T. Roscius ein 
Verdacht der Teihiahme an dem Morde falle". — clilis Fidius] s. 
iiber diese umbrisch -sabinische Gottheit Georges im Handworter- 
bnch 7. Aufl. s. v. Fidius ; Mommsen R. G. I, 164. — cuicui- 
modi es] = quamvis sis homo nequam. Ueber die W^ortform 
vgl. Klihner zu Tuscul. 3 § 83 cuicuimodi est li. e. quod- 
cunque est. Ouicuimodi rarius vocabuhim est, saepe a librariis 
depravatiim. Ouicui est forma genetivi pronominis pro cuiuscuius, 
quod nunquam in usu fuisse videtur; neque forma cuicui usitata 
erat nisi in locutione cuicuimodi est, es, sunt. Cic. ad 
Attic. 3, 22 fin. : tu ad me velim orania cuicuimodi suut 
scribas. — Est forma genetivi pronominis quisquis'. Vgl. Neue 
Formenlehre IP p. 246. — quod possim] wie § 17 quod sciarn, 
Kllhner ausf. Gramm. H p. 862, 8. — rursus immuto voluutatem] 
,ich bereue es wieder', cf. Oornif. II § 45 posterius immu- 
tata voluntate. So findet sich iu der Umgangssprache haufig 
mnto und demuto absolut gebrauclit, s. Meissner zu Ter. Andr. 
40 liaud muto. Ebenso Oic. ep. fam. 16, 1, 1 adprobavi tiium 
consilium neque nunc muto und Brut. 1, 4, 2 illud qui- 
dem non muto. — oris tuij = impudeutiae, s. z. § 87. — 
socii tui] Wie aus unserer Stelle im Zusammenhalt mit § 87 her- 
vorgeht, bestand die societas ausser aus Chrysogonus, der nach § 60 
gar nicht anwesend war, und Oapito, der als Zeuge anftreten 
wollte, noch aus mehreren Mitgliedern. Diese aber hatten das 
Forum gemieden (fugerent) , so dass T. Magnus allein die Un- 
verscliamtheit hat, nicht nur der Gerichtsverliandhmg einfach 



Kapitel XXXIV § 96. 311 

beizuwolmen, sondern sogar als Anklager. — illoruiu] Cf. Drager 
H. S. I § 29, b „Trotz der oratio obliqua tritt ausnabmsweise, 
oft wobl der Deutlicbkeit balber [an unserer Stelle , um mit 
illorum den Gegensatz zu buius mebr hervorzubeben] , das 
Pronomen is, seltener ille an die Stelle des Refiexivums". Folgt 
unsere Stelle: „bier erwartet man sua, aber der Redner gibt in 
dem Finalsatze sein eigenes Urteil und verlasst den Standpunkt 
der indirekten Rede". Ausfubrlicb bandelt liber diesen Spracb- 
gebraiicb Nipperdey im Spicileg. in Corn, Nepote II, 4, 4 — 15 
(= ed. maior^ Excurs VI; Lupus Spracbgebraucb p. 103 ff.), 
wo er aucb gegen Haase zu Reisig Anm. 388 mit Recbt polemi- 
siert, der bebauptet, an unserer Stelle sei durcb ut nicbt die 
Absicbt, sondern die Folge ausgedruckt: ,q[uo loco falso Haasius, 
qui similiter de aliis erravit, non finem, sed consequentiam signi- 
ficari contendit (neque enim profecto Cicero boc re vera ita visum 
esse dicere voluit) : ut non pro ne propter sequens sed ponitur'. — 
partes istas depoposcisse] vgl, § 35. — qua iu re . . adsequeris] nicbt 
qua tu re, wie Hahn liest, vgl, Mil. §81 cum praesertim in ea 
confessione . . . bonores adsequeretur amplissimos. Corn. 
Nep. Ages. 2, 5 iusiurandum servabat multumque in eo se con- 
sequi dicebat. — oumil)HS niortalibus] s. z. § 11. 

Autea] § 19. — quid attimiit?] starker als ein einfacbes cur § 96. 
,warum musste gerade etc.'. So findet sich ofters quid attinet 
mit folgendem accus. c. inf. konstruiert, so p. Quinct. § 60 neque 
quemquam attinebat id recusare, quod etc, Verr. V, 169 
quid enim attinuit, cum Mamertini . . crucem fixissent . ., 
te iubere in ea parte figere, quae . .'? — ad te Uliuime] weil 
du sein Feind warst; aber oft interessiert gerade der Tod des 
Feindes. — qua ratioue] ebenfalls = cur w^ie § 125, vgl. auch 
p. Quinct. § 76 qua ratione susceptum negotium non transe- 
gerit, hoc est, cur boua non vendiderit? ib. § 88 deinde illud 
quoque requisivi, qua ratione ex tot creditoribus nemo neqiie 
tum idem fecerit neque nunc contra dicat. — Capitoui priuio] i. e. 
nemini priori. — potissiuium] i. e. non alii. — domus uxor 
liberique] Nacb § 42 hatte der alte Roscius nur einen Sohn 
binterlassen ; aber liberi stebt bei Dicbtern wie Prosaikern haufig 
aucb von einem Kinde. Ausfiibrlicb iiber diesen Spracbgebraucb 
handelt J. H. Scbmalz in d. Zeitschr. f. d. G. W. p. 121 zu 
Sulpic. ep. fam. 4, 5, 3, Cass. ep. fam. 12, 13; „Wir lesen bei 
Gellius n, 13 : antiqui oratores bistoriaeque aut carminum scrip- 
tores etiam uuum filium filiamve ,liberos' multitudinis numero 

Landgraf, Cic, Rede f. Sex. Rosc. II. Halfte. 21 



312 Kapitel XXXIV § 96. 

appellarunt; ebenso sagt Servius zu Verg. Aen. X, 532 ,nam 
liberos dicimus etiam unum filium adeo ut Terentius etiam filiam 
liberos dixerit'. Somit wurde allgcmein im Altlateinisclien liberi 
von einem Kinde gebraucht, wle auch bisweilen parentes von 
einer Mutter (so sagt nach dem Zeugnis des Charisius C. Gracchus 
jsuos parentes amat' cum dicit in significatione matris, cf. Meyer 
oratt, Eom. frgm. p. 239) cf. auch Meissner zu Ter. Andr. 891, 
Wagner zu Ter. Heaut. 151. Aber auch bei Cicero und seinen 
Zeitgenossen hatte liberi diese Bedentung; vgl. ausser den von 
Meissner zu Ter. Andr. 891 notierten Cicerostellen noch R. A. 96, 
Cat. 1, 4 in Vergleichung mit Cat. 4, 13 ; cf. auch Hahn zu den 
Cicerostellen, ferner Zumpt Verrin. p. 155, Tisclier zu Cic. de 
prov. cons. § 35. Fur Vergil gilt das Gleiche bezuglich des 
Wortes nati . . .; fiir Tacitus vgl. Nipperdey zu Annal. 1, 42; 
Drager ib. ; ferner DrJiger zu Tac. Ann. 14, 1. In offenbarer 
Nachahmung Ciceros schreibt auch Vell. Paterculus II, 58, 3 
(vgl. damit Cic. Phil. 1, 2) liberos von dem einen Sohne des 
Antonius. Auch im Griechischen wird 7ia7d€g von e i n e m Kinde 
gebraucht ; Frohberger zu Lysias 1, 4 ; Klussmann im Z f. G. 
W. 1880 p. 326". Zu der hier angefiihrten Litteratur fligen wir 
zur Vervollstaudigung noch hinzu Seyffei't-Mliller zu Lael.^ p. 269, 
die auch Stellen aus Plautus bringen , namlich Truc. II, 4, 33 
auctus liberis (wo Spengel bemerkt: dictio sollemuis etiam 
de uno filio), ib. H, 6, 35. Fiir Livius vgl. Weissenborn zu 
3, 44, 2. 50, 5. Es scheint, dass dieser Gebrauch sich besonders 
an einige in der Umgangssprache sehr gebrauchliche Formeln 
kniipfte. Eine solche war auctus liberis, eine zweite uxor 
oder coniux et liberi (wo wir umgekehrt sagen : ,mit Weib 
und Kind', auch wenn die Zahl der letzteren iiber eins hinaus- 
geht), eine dritte die a. u. St. von Cic. gebrauchte domus uxor 
liberi. Sie findet sich Ter. Andr. 891 domus uxor liberi 
inventi invito patre, Lucret. III, 892: lam iam non domus 
accipiet te laeta, neque u x o r Optima nec dulces occurrent oscula 
nati Praeripere et tacita pectus dulcedine tangent. In Ciceros 
Rede pro Quinctio steht sie an drei Stellen , von denen 
die erste § 54 der unsrigen auch inhaltlich vollstandig ent- 
spricht: ,an cum R o m a e d o m u s e i u s , u x o r 1 i b e r i 
sint, domum potius d e n u n t i e m'? ib. § 85 ,cui Romae 
domus uxor liberi^; 86 praesertim cum Romae domus eius, 
uxor, liberi essent. Ueber die sprachliche Verwandtschaft der 
beiden Reden s. z. § 24 fin. In den spateren Reden wie iiber- 



Kapitel XXXIV § 97. 313 

haiipt in der ganzen folgenden Latiuitat herrscht die Formel 
coninx (coninges) et liberi vor, daher auch Oic. Phil. 
XII, 5 sagt: ,maestam, inquit, doraum offendi, coniixgem, 
liberos und ebenso der Nachahmer Ciceros Minuc. Felix Oct. 
c. 2 ,relicta domo coniuge liberis^ Filr Sallust vgl. Hist. 
IV, 61, 17 domum coniuges, ib. I, 48, 19 coniuges et 
liberos; sehr hjiufig bei Tacitus, so Ann. 1, 42, 3 coniugem 
etliberos meos. Wie man an dieser Stelle bei Tacitus zur 
Erklarung des Plurals liberi zu abgeschmackten Deutungen 
griff (s. Nipperdey dazu), so dachte man auch an unserer Stelle 
daran, dem alten Roscius einige Tochter unterzuschieben, so be- 
merkt Osenbrliggen: ,Wahrscheinlich hatte der ermordete Sex. 
Roscius Tochter^ — propiiiqiii . . optinie convenieiitesj ,aufs beste 
harmonierend'; vgl. Offic. I § 58 principes sint patria et parentes 
. . . proximi liberi totaqne domus . . . deinceps bene con- 
venientes propinqui (Verr. IV, 147 sororis virum, quicum 
optime convenisset = mit dem er aufs beste au sgeko m m en)^ 
Afran. com. 53 R adulescentis optumas beue convenientes 
cum viris. 

A cena rediens] Die nahere Zeitangabe steht § 19 post horam § 97. 
primam noctis. — scitani est] Der Lateiner beabsichtigt mit 
der Anwendung des Passivs die Vorstellung „einer ausnahms- 
los allgemeinen Handlung, bei welcher der Gedanke 
a n d i e I n d i v i d u e n v e r s c h w i n d e n s o 11" Nagelsbach 
Stil. § 115, b; cf. Or. 3, 18 cum placuisset idem ceteris, in 
silvam venitur = begibt sich die ganze Gesellschaft in den 
Wald. — qnid liic incredibilis cnrsns] ,unglaublich rasche Fahrt', 
cf. de imp. Cn. Pomp. § 40 unde illam tantam celeritatem et 
tam incredibilem cursum inventum putatis? — quid haec 
tanta celeritas etc.] Ganz ahnlich sind die Worte p. Quinct. § 80 ff., 
wo ebenfalls von einem ,nuntius volucer' die Rede ist (s. § 102 
der Rosc.) ; § 82 der Quinctiana heisst es : ,Cj[uid haec amentia, 
c[uid haec festinatio, quid haec immaturitas tanta signi- 
ficat? — non excutio te] Donat. ad Ter. Heaut. 1, 1, 125 er- 
klart e X c u t e r e durch commovendo aliquid eicere; s. auch 
Dziatzko zu Ter. Phorm. 586. Vgl. Val. Max. 5, 4, 7: ,aditum 
ad eam (matrem captivam) filiae, sed diligenter excussae, ne 
quid cibi inferret, dedit^ — si quid forte ferri halmisti] ebenso 
p. Caecin. § 64 ,qui neque ferri quicquam neque scutum 
ullum habuerint'. — audissej Ueber das ausgelassene eum s. z. 
§59. — tantiim itinerisj namlich LVI milia passuum, § 19. — 

21* 



314 Kapitel XXXV § 98. 

fontendere] = conficere ,einc so grosse Strecke Wegs zuruck- 
legen'. Zur seltenen Konstruktion vergleicht Halm Horat. Ep. 
1; 1, 28 non possis oculo quantum contendere Lynceus. — 
id lemporis] ist nicht = eo tempore, sontlern heisst ,in dieser 
Tageszeit, in dieser Stunde^, also hier ,zn so spater Stunde*, 
ebenso Mil. § 54 praesertim id temporis = vesperi, dagegen 
de fin. V, 1, 1 locus ab omni turba id temporis vacuus ist der 
Nachmittag gemeint; vgl. auch Liv. 1, 50, 8 qui silentio facto 
monitus a proximis, ut purgaret se^ quod id temporis veuisset. 
Ebenso bedeutet Liv. 40, 9^ 12 quid hoc noctis . . venisV = 
so tief in der Nacht. Der Lateiner gebraucht also id temporis 
und hoc noctis zur Angabe eines bestimmten Zeitpunktes, 
aber nie einer Zeitdauer (dagegen war id diei nicht gebrauch- 
lich). In der spateren Latinitat allerdings, wie bei Tacitus, wer- 
den diese Schrankeu nicht mehr eingehalten. Vgl. Kijhler 1. 1. 
p. 428. 

Kapitel XXXV. 

« 98. Coniedura capieuda est?J Die Komiker sagen nur coniecturam 

facere und zwar Plautus 5mal, l'erentius 4mal. Auch Cicero 
gebraucht in den Reden haufiger coniecturam facere (nam- 
lich llmal) als coniecturam capere (nur 3mal), s. m. Abhdlg. 
de Cic. elocut. p. 21, Hellmuth p. 142. Ebendort wird auch 
nachgewiesen, wie sowohl facere als capere mit Substantiven 
verbunden zur Umschreibung des einfachen Verbums dienen z. B. 
medicinam facere = mederi p. Quinct. § 8, ep. fam. 14,7, 1 
ita sum levatus, ut mihi deus aliquis medicinam fecisse videa- 
tur, wo Cic. den umschreibendeu Ausdruck wegen des fehlenden 
Perfekts von medeor gewahlt hat. — IVoniie vobis haec . . cernere 
OClllis videniini?] Cicero bedient sich der rhetorischen Figur der 
diaTVTKOGiq oder vnoTvncocrig, um den Zuhbrern das blutige 
Schauspiel, in dem T. Magnus die Hauptrolle gespielt, recht leb- 
haft vor die Augeu zu fiihren. Wieweit das von ihm bis ins 
Einzelne ausgemalte Bild dem wirklichen Vorgang entsprach, der 
ja in tiefes Dunkel gehiillt war — nicht ohne Schuld des eigenen 
Sohnes desErmordeten (s. z. §40) — istfreilich eineandereFrage. — 
Die alten Rhetoren haben unsere Stelle gerne als Beispiel der 
diccTVTiMaig, descriptio beniitzt, s. d. testim. Cornificius IV, 68 
nennt sie demonstratio und erklart sie in folgender Weise: 
„dem. est, cum ita verbis res exprimitur, ut geri uegotium et res 
aute oculos esse videatur; Cic. de orat. IH § 202 nennt 



Kapitel XXXV § 98. 315 

sie ,rerum, quasi gerantur, sub aspectum paeiie subiectio'. Hierauf 
bezieht sich Quintil. 9, 2, 40, wenn er sagt : ,illa vero , ut ait 
Cicero, sub oculos subiectio tum fieri solet, cum res uon 
gesta indicatur, serl, ut sit gesta, ostenditur: nec universa, sed per 
partes . . ab aliis v7TOTV7i(a(jig dicitur, proposita quaedam forma 
rerum ita expi-essa verbis, ut cerni potius videantur quam 
audiri. S. auch Volkmann Rhet, p. 217 ff. Ein schones Beispiel 
gibt Cornificius a. a. 0. vom Tode des Tib. Gracchus, Cicero in 
der Miloniana § 54 ,si haec non gesta audiretis, sed picta 
videretis' etc. Es kommt also vor allem darauf an, dem Zu- 
horer den betr. Vorgang in lebendiger Schildernng vor das geistige 
Auge zu fuhren, daher a. u. St. der Ausdruck ,haec cernere 
oculis videmini', vgl. Cluent. § 66 ,omnia sic aperiam, ut ea 
cernere oculis videamini', Mil. §6 ,nisi oculis videritis 
insidias Miloni a Clodio factas' etc. — nonne . . non . . non] cf. 
Krebs Antib. s. v. nonne. Wenn sich an eine erste Frage mit 
nonne andere ahnliche anreiheu, so folgen sie meistens mit dem 
kurzen n o n , nur selteu mit n o n n e ; wie a. u. St. noch Sull. 
§ 7, Cat. I § 27. Dagegen steht Caes. B. C. 2, 32, 7 nonne 
auch in den weiteren Fragesatzen. — Autoniedoutein illnm] Aut. 
ist des Achilles Wagenleuker, s. Hom. 11. 17, 429. 459. 19, 392. 
Bemerkenswert ist die Note Klotzens hiezu p. 603 : ,Wie iiber- 
haupt diese Rede die jugendliche Fiille und die rhetorische Kunst 
noch ofters durchblicken lasst^ so hat auch hier Cicero eine freiere 
Uebertragung gewahlt, indem er Glaucia mit dem Wagenlenker 
des Achilles vergleicht, dessen Schnelligkeit nach der Darstell- 
ung bei Homer wohl sprichwbrtlich sein konnte. Ob vielleicht 
irgend ein romischer Dichter den Automedon als Verkiindiger 
des Sieges iiber Hektor zu den Argeiern kommen liess und ob 
sich in Ciceros Worten dem romischen Zuhbrer noch ein anderer 
Erinnerungspunkt darbot, wie man nach dem alten Scholiasten 
zu dieser Stelle vermuteu kbnnte, wissen wir nicht^ Wenn es 
— nach der Beobachtung Volkmanns Rliet. p. 362 — iiberhaupt 
eine gerade bei den lateinischen Dichtern beliebte Art der 
Metonymie ist, homerische Helden, wie besonders Helena, Paris, 
Menelaus als typische Reprasentanten fiir ihre Fertigkeiten, Eigen- 
schaften, Tugendeu uud Laster zu setzen, so diirfen wir auch 
a. u. St. eine Reminiszenz Ciceros an eine Dichterstelle fiir 
wahrscheiulich halten, zumal wir fiir diesen raetonymischen und 
sprichwbrtlichen Gebrauch von Automedon zwei — wenn auch 
spateren Dichtern angehbrige — Belege haben; der eine findet sich 



316 Kapitel XXXV § 98. 

luveual. Sat. I, 60 dum pervolat axe citato Flamiuiam puer 
Automedou, der andere Ovid. ars amat. II, 737 Quantus erat 
Calchas extis, Telamonius armis, Automedon curru, tantus 
amator ego. Haben wir also oben § 90 die Worte ,Priamum 
ipsura senem', die sogar eiue ganz ahnlicbe Metonymie ent- 
halten, als ein Dichtercitat aufgefasst, so werden wir auch hier 
die Reminiszenz an ein dem romischen Publikum bekanntes Stllck, 
vielleicht ebenfalls des Ennius (wie § 90), erblicken dUrfen. Als 
Stlitze fiir diese Behauptung dient auch der § 102 stehende Aus- 
druck jvolucrem nuntium', dessen dichterisches Geprage un- 
verkennbar ist (s. m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 17). Cic. wendet 
ihn in einem ahnlichen Zusammenhang uur noch in der Quinc- 
tiana § 80 an ,0 nuntium volucrem! Administri et satellites 
Sex. Naevii Roma trans Alpes in Sebaginos biduo veniunt. 
hominem fortunatum, qui eius modi nuntios seu potius Pegasos 
habeat^ Uebrigens muss noch bemerkt werden, dass die Worte 
des Scholiasten, weun anders sie nicht fingiert sind, sondern wirklich 
auf den Inhalt einer alten Tragodie Bezug nehmen, im Widerspruch 
stehen mit der Erzahlung bei Homer 22, 395 &., wo Achilles selbst 
denWagenlenkt. — pprTigilet] Auch dieses Wort ist vorwiegenddich- 
terisch; bei Cic. stelit es nur hier. Vgl. Plaut. Aul. 72 pervigilat 
noctes totas, dagegen Sen. ep. 47, 7 tota nocte pervigilat. — 
honoris sui caiisaj ironisch statt des einfachen sua causa. 
§ 99- Quid erat, (juod . . . voluitj s. hiezu den kritischen Anhang. 

Luterbacher Jahresber. IX p. 19 halt an dem hss. voluerit 
fest, da man nach quid erat quod den Konjuuktiv erwartet, 
das Perfekt aber, wie es im Hauptsatze steheu wlirde (cur . . . 
voluit), im abhangigen Satz beibehalten werden konnte, weil 
dies fiir Konsekutiv- und nicht finale Relativsatze Regel sei. — 
nescio uisij In dieser der Umgangssprache angehorigen Formel 
steht nisi im Sinne einer Adversativpartikel; bei Cic. nur noch 
in einem Fragment eiues Briefes an Hirtius bei Non. p. 450. 2, 
wo jedoch tameu beigefligt ist: ,nescio, nisi tamen erat 
mihi iucundum^. Wie a. u. St. findet sich bei Plaut. Rud. 751 
nescio nisi scio, Ter. Eun. 827 nescio nisi credo. Die 
abgeklirzte Formel erscheint Phorm. 474 nescio nisi cessavit. 
Aehnlich wird ira Griechischeu nlrjp gebraucht, vgl. Soph. El. 426 
nXeio) ov xuroida nX^i^ oti nsfinei [is aalvri. Ueber nescio 
nisi quia s. Langen Beitriige p. 58. Die spjitere Latiuitat ver- 
meidet, wie es scheint, diese Formel ; wenigsteus sagt Sen. con- 
trov. 1, 3; 4 nescio, hoc unum scio. Vgl. ra. Abhdlg. de 



Kapitel XXXV § 100. 317 

Cic. eloc. p. 23, Hellmuth p. 159. — de tribiis et decem] s. z. 
§ 20. — nobilissiinos fundosj uber nobilis s. z. § 21. — fuudos] 
Halm schliesst fundos ein, mit Unrecht, clenu solche Wieder- 
hohingen aind nicht selten, vgl. Cat. I § 14 alio scelere hoc 
scelus cumulasti, ib. HI § 15 quae supplicatio si cum ceteris 
supplicationibus conferatur (Eberhard tilgt sup pl i ca ti oni- 
bus, Halm schliesst es ein) , Verr. V § 28 nam scitote oppi- 
dum esse in Sicilia nulhim ex iis oppidis, in quibus consistere 
praetores . . soleant, quo in oppido non isti . . ad libidinem 
mulier esset, ib. § 178 de veteribus iudicibus novi iudices 
erunt constituti ; de orat. H § 17 ex omnibus verbis Latinis 
huius verbi vim vel maximam semper putavi. Mit Stangl (bayr, 
Gymn. BL 1883 p. 283) ist wohl auch de orat. IH § 175 (cf. 
Rufin. Rhet. Lat. p. 580, 37 H.) zu lesen : ,nec|ue est ex multis 
rebus res una, quae magis oratorem ab imperito dicendi ignaro- 
que distinguat^ — yideo] Das wiederkehrende video hat zuerst 
den Anstoss des Manutius erregt (,abundare arbitror video'), 
Madvig liat es gar gestrichen. Einen trefflichen Verteidiger fand 
es an Halm, der hier die Figur der sog. condupli catio sta- 
tuierte, von der Cornificius IV cap. 28 sagt: ,vehementer audi- 
torem commovet eiusdem redintegratio verbi et vuhius maius 
efficit in contrario causae, quasi aliquod teh;m saepius perveniat 
in eandem corporis partem'. Als Beispiel gibt er u. a. : ,nunc 
audes etiam venire in horum conspectum^ proditor pa- 
triae, proditor inc[uam, patriae venire audes in horum 
conspectumV Dass ubrigens das namliche Verbum von Cicero 
auch ohne rhetorische Grlinde nicht selten kurz nach einander 
wiederholt wird, zeigt C. F. W. Mliller an einer Reihe von Bei- 
spieleu zu Offic. H § 57. 

Non] ist zu verbinden mit ,nunc primum' ; hauc suspicioueui] § 100. 
= huius rei, caedis susp. ; cf. Eberharcl lect. p. 6. — paluiHs] 
s. z. § 17. — leniuiscata] p. K ist ein mit bunten Bandern (lem- 
uisci) geschmuckter Palmenkranz, cf. Paul. Fest. p. 115, 1 M, 
,fasciolae coloriae, dependentes ex coronis, propterea dicuntur, 
quod antiquissimum fuit genus coronarum lanearum'. Diese Bander 
waren spater aus Gold und Silber verfertigt, s, Plin. h. n, XXI, 
3, 4 § 6; Capitol. Ver. 5; Lorenz zu Plaut. Pseud. 1249. Dass 
eine palma lemniscata flir ehrenvoller galt als eine gewohn- 
liche und als Preis fiir einen ausserordeutlichen Sieg geht aus 
unserer Stelle liervor, doch sagt es auch mit kurzen Worteu eine 
Glosse des Placidus 64^ 5 D. Lemuiscata, maior palma 



318 Kapitel XXXV § 100. 

gladiatorum, vgl. ausserclem Auson. Epist. 5, 20 ,et quae iam 
dudum tibi palma poetica pollet, Lemnisco ornata est, quo mea 
palma caret, Serv. ad Verg. Aen. 5, 269: ,lemniscatas coronas, 
quae sunt de frondibus et discoloribus fasciis, et sicitt Varro dicit, 
magni honoris sunt^ — primam etc.] Buchner las ,hanc pri- 
mam esse tamen, lemniscata quae' etc. und erklarte pri- 
mam mit ,omnium maxime infamem^ Ellendt zi; Or. III § 116 
(p. 406) nahm diese geschraubte Deutung an. Offenbar wollen 
doch diese Worte sagen: Der gewohnliche Schauplatz der Thaten 
des Capito war Ameria und Umgegend. Die vorliegende Mord- 
that aber ist die erste in Rom ausgefiihrte und deshalb der 
palma lemniscata wiirdig, weil bei der Menge der Mord- 
Virtuosen in Rom der Sieg scliwieriger war als anderswo. — 
homiuis occidendi] ,zu morden', s. z. § 80. — habeo dicere] «/m 
XsysiP. Cic. verbindet habeo nur mit dicere an folgenden 
Stellen: Balb. 33, Nat. deor. III, 93, Part. orat. § 27, Acad. II, 43, 
Divin. n, 136. Dagegen in deu Briefen sagt er auch habeo 
scribere Att. 2, 22, 6 und habeo polliceri fam. I 5a, 3. 
Cf. Hellmuth p. 138. — qiiem . . . deiecerit] Die Worte beziehen 
sich nach der Annahme der Mehrzahl der Interpreten auf die 
romische Sitte, 60jahrige Mjinner (sexagenarii) nicht mehr 
zur Abstimmung zuzulassen. Die Abstimmung geschah iu der 
Weise, dass jede der 193 Centurien iiber eine schmale Brlicke 
(pons, ponticulus) sich in das hierzu bestimmte ovile oder 
saeptum begab, einen mit Brettern verschlagenen Platz. So er- 
klart sich der Ausdruck, dass die sexagenarii von deu (Stimm) 
Briicken z uriickgewiesen wurden, was raan tropisch dei- 
cere nannte, Cic. aber hier mit bitterer Anspieluug auf T. Capito 
im eigentlichen Sinne vom wirklichen Herabwerfen in den Tiber 
verstauden wissen wollte, Diese Erklarung geht zuriick auf 
Verrius Flaccus, dessen Worte Festus p. 334 M. im Auszug 
wiedergibt: ,quo tempore primum per pontem coeperunt comitiis 
suffragium ferre, iuniores conclamaverunt, ut de pontc deice- 
rentur sexagenarii, qui iam nullo publico munere fungeren- 
tur, ut ipsi potius sibi quam illi deligerent imperatorem. Cuius sen- 
tentiae est etiam Sinnius Capito: vanam autem opinionem 
de ponte Tiberino confirmavit Afrauius in Repudiato^; vgl. 
Paul. p. 75 M. ,Depontani seues appellabantur, qui sexage- 
narii a ponte deici eb an t ur^ Ein dritter Gewahrsmann aus 
dem Altertum ist Varro bei Non. p. 523, 20 ,sexagenarios 
per pontem mittendos male diu popularitas intellexit, 



Kapitel XXXV § 100. 319 

cum Varro de vita P. K. lib. 11 honestam causam religiosamque 
patefecerit: ,cum in quintum gradum perveneraut atque habebant 
sexaginta annos, tum denique erant a publicis negotiis liberi atque 
otiosi. Ideo in proverbio quidam putant venisse ut diceretur 
sexagenarios de ponte deici oportere, id est, quod suf- 
fragium non ferant, quod per pontem ferebant'. Aus diesen Stellen 
ersehen wir, dass es noch eine andere Erklarung des sprichwbrt- 
lichen ,sexagenarios per pontem mittere' gab, welche 
den Ausdruck in seiner eigentlichen Bedeutung auffasste. 
Dies war die populare Auffassung, welche zurlickging auf eine 
alte Sage, die sich im Volke erhalten hatte, dass namlich in 
grauer Vorzeit es Sitte gewesen sei einen Mann von, 60 Jahren 
dem Dis Pater zu opfern, s. Festus 1. 1. ,sexagenarios de 
ponte olim deiciebant, cuius causam Manilius hanc refert, 
quod Romam qui iucoluerint primi Aborigines, aliquem hominem, 
sexaginta annorum qui esset, immolare Diti Patri qur)tannis soliti 
fuerint. Quod facere eos destitisse adventu Herculis. Sed religiosa 
veteris ritus observatione scirpeas hominum effigies de ponte in 
Tiberim antiquo modo mittere instituisse', cf. Lactant. Instit. 
1, 21, 6 ff. Es trat also an die Stelle der Menschenopfer als 
Surrogat die Sitte, alljahrlich an den Iden des Mai Binsenmanner, 
Argei, von dera pons sublicius in den Tiber zu werfen, s. Mar- 
quardt rbm. Altert. IV p. 187. Wir haben sonach zwei Erklar- 
ungen jenes Ausdrucks, deren eine zurlickgeht auf jene grausige 
Sitte der Menschenopfer , von denen jedenfalls als Rest bei den 
Rbmern das Hinabwerfen der Argei sich erhalten hat. Osen- 
brliggen hat in der Einleitung p. 52 ff. auch Analogieen bei 
andern Vblkern beigebracht, zu denen ich noch hinzuflige Fortu- 
natian. art. rhet. p. 92, 23 H. ,mos apud Scythas fuit, ut 
sexagenarii per pontem mitterenturj Scytha Athenis 
sexagenarium patrem per pontem deiecit, reus est parricidii. 
Hic enim se dicit gentis suae more fecisse'. Dieser popularen 
Deutuug traten bei Manilius, Afranius in seiner Kombdie ,Repu- 
diatus' und, wie es scheint, auch Varro in einer Satura Menippea, 
betitelt Sexagesis, wo es heisst 493 B. ,acciti sumus, ut de- 
pontaremur; murmur fit ferus' und 494 ,vix effatus erat, cum 
more maiorum ultro carnales (= casnares, casci) arripiunt, 
de ponte in Tiberim deturbant'. Wir diirfen wohl an- 
nehmen, dass jene oben von Varro und Verrius Flaccus vorge- 
tragene Interpretation die wissenschaftlich - histori sch e, 
diese hier in der volkstumlichen Kombdie und Satura die p o p u- 
lare war. Welcher vou beiden schloss sich Cicero an? Nach der 



320 Kapitel XXXV § 101. 

Meinung der meisten Gelehrten der ersteren, wahrend Osenbrliggen 
mit grosser Gelehrsamkeit fur die zweite plaidiert. Der Zuwatz in 
Tiberim allerdings spricbt vielleicht eher flir die volkstumliche 
Auffassung, denn, wie Osenb. p. 45 ricbtig bemerkt: ,der Zusatz 
in Tiberim ist im hochsten Grade matt in einem Satze, der 
ein witziges Wortspiel enthalt, falls pons hier eine der Stimm- 
briicken bedeuten soll; er ist aber vortrelflich , wenn pons der 
pons sublicius ist, der lange Zeit die einzige Briicke der 
Tiber und daher xaz' ^?o/. der pons war'. Kayser, Fleck- 
eisen, Rinkes haben auch in Tiberim eingeklammert, wahrend 
Cobet Mnem. N. S. VIII, 372 die Worte gegen seine eigene von 
Pluygers gebilligte Athetese verteidigt. Allein andrerseits muss 
man fragen, ob Cic. den Zusatz ,in Tiberim' hatte weglassen 
konnen, ohne befiirchten zu mlissen, seine Zuhorer konnten die 
Anspielung auf einen konkreten Fall aus dem Vorleben des 
T. Eoscius nicht verstehen, wo dieser Jemand durch Herabstossen 
von einer Eriicke in den Tiber ums Leben gebracht hatte. — 
iiioreiu inaiorura] An keiner Stelle findet sich more maiorum 
nostrorum; vereinzelt sagt Liv. 24, 8, 17 exemplo maio- 
rura nostrum. — miuoreui auuis] s. z. § 39. — si prodierit 
atpe adeo cum prodierit] ebenso mit folgender Parenthese Verr. 
III, 70 si damnatus eris atque adeo cum damnatus 
eris — nam dubitatio damuationis illis recuperatoribus quae 
poterat esse? — virgis te ad necem caedi necesse erit. — atqiie adeo] 
wie § 29. — audiet] Cic. will hier wie § 84 den Zeugen Capito 
durch die in Aussicht gestellte Aufdeckung seiner Schandthaten 
bei der interrogatio testium (s. Kein Civilprozess p. 922, 
Quintil. V, 7, 26 ff.) einschuchtern und zugleich seiner Glaub- 
wiirdigkeit Abbruch thun. 
§ 101. Plauum facere] s. z. § 54. — couscripsisse] (.^uintiliau erzjihlt 

V, 7, 11 ff., wie die Zeugen von ihren Sachwaltern vor der Ver- 
haudlung gewissermassen „eingepaukt" werdeu, damit sie sich 
nicht von den j)atroni der gegnerischen Partei in die Enge treiben 
lassen : ,turbantur enim et a patronis diversae partis iuducuntur 
in laqueos et plus deprensi nocent quam lirmi et interriti pro- 
fuissent. Multum igitur domi ante versandi, variis percontatiouibus, 
quales haberi ab adversario possunt, exploraudi sunt. Sic fit 
et aut coustent sibi aut si quid titubaverint, oportuna rursus 
eius, a quo producti sunt, interrogatione velut in gradum repo- 
uantur'. Wenn also hier Cicero dera Erucius fiir Eoscius Capito 
das testimouium sogar schriftlich abfassen lasst, so soll damit 



Kapitel XXXVI § 102. 321 

dieses von vornherein als ein falsches hingestellt werden , weil 
jener bei einer m li n d 1 i c h e n Aussage gefiirchtet habe, sich leicht 
eine Blosse geben zu konneu. Vgl. div. Caec. § 46. 47. — pro 
testimODio] cf. ep. Att. 1, 16, 2 neque dixi quicquam pro testi- 
monio = ,als, in der Form eines Zeugnisses' ; ,in forma' ist 
unlateinisch, s. Krebs Antib. s. v, forma. — o praeclaruiu testem] 
praeclarus im ironischen Siune gebraucht (uud dauu vor das 
Substantiv gesetzt) findet sich nicht selten bei Cicero, vgl. Verr. 
V § 93 huius aixtem praeclari imperatoris (Verris) ita erat 
severa domi disciplina etc, de orat. 1 § 38 ista praeclara 
gubernatrice , Laelius § 47 o praeclaram sapientiam (vgl. 
hiezu Beier und SeyflPert) , Tuscul. I § 49 praeclarum autem 
nescio quid adepti sunt (sc. Epicurei), quod etc. u. daz. Klotz. 
Ueber bonus, optimus, egregius in der irrisio s. z. § 23. — 
gravitatem] Cic. meiut: „Wahrlich, unser Zeuge Capito ist eine so 
gewichtige Persoulichkeit, ein so ehrenwerter Charakter, dass ihr, 
Richter, nichts besseres thuu kount, als sein Zeugnis flir euer 
richterliches Urteil zur Richtschnur zu nehmen". — accommodetis] 
Cic. konstruiert accommodare iu tropischer Bedeutung regel- 
massig mit ad aliquid, nur de orat. II, 159 steht der Dativ 
,haec oratio multitudinis est auribus acc ommo dan d a', s. Krebs 
Antib. 5 p. 64. Zur Stelle vgl, p. Font. § 31 ,cum his vos 
(iudices) testibus vestram religionem coniungetis ?' — caecos 
redderet cupiditas et avaritia] cf. § 83 ita te caecum cupiditate 
et avaritia fuisse. Zum Ausdruck caecos reddere ,ver- 
b 1 e n d e n' vgl, § 150 d ii r i o r e s a c e r b i o r e s q u e r e d d e r e ,v e r- 
harten und verbittern', Verr. 11, 84 quod domum eius , . 
iste reddiderat nudam atque inanem ,entblossen und 
ausleeren^, Caecin. § 28 ita eum placidum moUemque 
reddidi ,besanftigen und beruhigen^ 

Kapitel XXXVI. 

Alter] T. Roscius Magnus. — ex] von der unmittelbaren § 102. 
Zeitfolge ,sogleich nach^, Drager H. S. I § 287, 2, — volucrem 
mmtium] wie Quinct. § 80, s. z, § 24 fin, und 98 Automedon- 
tem, — socius] Capito ist socius bei der Teilung (s, § 20), 
magister beim Morde (§ 17). — si . . cuperent] Ueber si = 
etiamsi vgl. § 91 und zu § 29. — apertum suum scelus] gehort 
zusammen, wie § 97 apertum tuum scelus. — poueret] ,ge- 
legt hatte', wie § 91 ,ut non possent^ — alter] T. Roscius 
Capito. — si dis placet] ,leider Gottes' (Nagelsbach, Stil. "' p. 275), 



322 Kapitel XXXVI § 102. 

eine besonders bei deu Komikern baufige Formel, mit der eiue 
unervvartete , meist Uuvvilleu erregeude Sache bezeicbuet werdeu 
soll, cf. Douat zu Ter. Eun. 5, 3, 10. Dombart bat iu d. Bl. 
f. d. bayr. G. W. 1880 p. 39 vvabrscbeinlicb gemacbt, dass si 
in dieser Formel wie in den abnlicben sic visum superis 
(Ovid. Met. I, 366) uud sic di voluistis (Vergil. Aeu. V, 50) 
nicbt Koujunktiou, sondern die alte Form des lokativen Adverbs 
obne das spater biuzugetretene deiktiscbe c ist. Vgl. aucb Jacoby 
in den Fleckeis. Jabrb. 1881 p. 364 f. — quasi Tero . • ac nou] 
nacb der Verbesserung vou Jeep , s. z. § 92. Madvig- Siesbye 
leseu ,quasi vero non id nunc agatur . . an, quod fuerit . .'; uou 
feblt iu den codd. (im krit. Aubang stebt irrtlimlicb ,feblt im 
cod. 0.'). — credendum] erganze: uecne. Sinu : ,seine Scbuld ist 
so offenbar, dass das Gericbt eber au seine Bestrafuug als an 
Prlifung seines Zeugnisses deuken muss'. — niore maiorum compa- 
ratum est] eiu formelbafter Ausdruck = iustitutum est (§ 153) 
„es ist die Einricbtung getroffen" d. b. „es gilt der Gruudsatz". 
Gewobnlich stebt ein Adverbium dabei, wie Cornif. IV § 23 
bene maiores nostri boc comparaverunt, ut nemiuem 
regem, quem armis cepisseut, vita privareut. So besonders aucb 
zur Einfuhrung allgemeiu gUltiger Sentenzen uud Wabrheiteu : 
Plautus Ampb. 634 Ita quoiquest in aetate hominum com- 
paratum: Ita dis est conplacitum voluptatem ut maeror 
comes consequatur. (Ist nicbt gewissermasseu die deutscbe 
Uebersetzung biezu, was Scbeffel im Trompeter vou Sakkingeu 
p. 220, 86. Aufl. Juug Werner siugen lasst? „Das ist im Leben 
hasslicb eiugericbtet, dass bei den Rosen gleicb die Dorneu 
steh'n"); Ter. Heaut. 502 ,di vostram fidem , Ita comparatam 
esse homiuum uaturam omnium , Alieua ut melius videaut et 
diiudiceut Quam sua'? Pborm. 41 ,Quam inique comp ar atumst, 
ei qui miuus habent, ut semper aliquid addant ditioribus' ! Gauz 
so Cic. Clueut. cap. 21 ,Iam boc prope iuiquissime com- 
paratum est, quod iu morbis corporis, ut quisque est difficilli- 
mus, ita medicus nobilissimus atque optimus quaeritur, in periculis 
capitis, ut quaeque causa difficillima est, ita deterrimus obscurissi- 
musque patrouus adbibetur'. - ul in rainimis rebus] Halm bat vel 
eiugesetzt (s. d. krit. Anbang), mit Uurecbt, wie C. F. W. MuUer 
in d. Fleckeis. Jabrb. 1864 p. 277 uud Madvig de fiu.» p. 344 
dargetbau. Letzterer bemerkt zu III § 4 uemo mediocriter 
doctus: jErnestius malebat nemo uec mediocriter aut nemo 
vel mediocriter. Oppouit Gzius Rbet. ad Herenu. IV, 7 



Kapitel XXXVI § 103. 323 

quivis mediocriter litteratus. Eodem modo dicitur omnis miui- 
mus, et nullus, quisquam minimus, ubi exspectet quispiam 
vel minimus, ne minimiis quidem; vide ad Fam. I, 8, 6 
nullam rem esse minimam (Lamb. vel minimam), Cluent. 
137 neque id ulla ten uissima suspicione. Addi potest de orat. 11 
§162 ,qui omnes tenuissimas particulas in os inserant^, 
eodemque raodo, non praecedente omnis, recte dici p. R. Am. 
§ 102 in miuimis rebus coufirmatur loco orationis p. Flacc. 12 
vos in privatis minimarum rerum iudiciis testem diligenter 
expenditis^ — dicerent] Ueber diesen Recbtsgrundsatz vgl. Dig. 
XXII, 5, 10 ,nullus idoneus testis in re sua intelligitur' und Cod, 
lust. IV, 20, 10 ,omnibus in re propria dicendi testimonii facul- 
tatem iura submoverunt^ Auch im attiscben Recht galt dieser 
Satz, s. Meier u. Schoeraann Att. Proc. p. 668. 

Africanus] Es kann nur P. Cornelius Scipio Aemiliauus Afri- § 103 
canus minor gemeint sein, da nach der Zerstorung Karthagos ein 
Teil der Nordkiiste Afrikas unter dem Namen Africa roraische Pro- 
vinz witrde. Daraus leuchtet von selbst ein, welche starke rhe- 
torische Uebertreibung es ist, wenn Cic. den Africanus den Uuter- 
jocher des dritten Erdteiles nennt. — tertia pars orbis terraruni] 
Vgl. Oros. Hist. I, 2, 1 maiores nostri orbem totius terrae . . 
triquetrum statuere eiusque tres partes Asiam Europam et 
Africam vocaverunt, quamvis aliqui duas hoc est Asiam ac deinde 
Africara in Europam accipiendam putarint, ibid. § 83 Africam 
ut dixi cura tertiam orbis partem maiores nostri accipiendam 
descripserint etc. — orbis terrarum] Krebs-Allgayer stellen p. 1136 
s. V. terra die Regel auf, dass orbis terrae proprie das Erd- 
ganze bedeute, orbis terrarum das romische Weltreich. 
Die Regel trifft zu auf unsere Stelle, die sich uur auf das 
romische Reich bezieht und uragekehrt fur Liv. 38, 8, 4 
Antiocho prope extra orbem terrae ultra iuga Tauri exacto 
quam spem esse sustiuendi belli?, wo der ganze Erdkreis 
gemeint ist. Doch wird dieser Unterschied nicht durchgaugig 
beobachtet, wie Krebs-Allg. selbst bemerken, besonders aber steht 
orbis terrae fiir orbis terrarum bei Cicero gar nicht selten 
auf rijmische Personen und Verhaltnisse angewendet, um mit ab- 
sichtlicher Uebertreibung in desto glanzeuderen oder schwarzereu 
Farben zu malen. So sagt er von Catilina, seine Absicht sei ge- 
wesen Cat. 1 § 3 orbem terrae caede atque incendiis vastare, 
oder Phil. VIII § 10 uos nostris militibus . . imperium orbis 
terrae pollicemur. — sua res ageretur] = iu sua re; cf. Verr. IU 



324 Kapitel XXXVI § 103. 

§ 115 ,quoflsi tua res non ageretur, a te potius postularent'. — 
si diceret, iiou crederetiir] Potentiale rler Vergaugenheit : „er liatte 
gesagt", „\viirfle keinen Glauben gefunden haben". — crederellir] 
credor = mihi creditur fiudet sich sonst nur bei Dichtern, wie 
Ovid. Trist. 3, 10, 35 vix equidem credor, Met. 7, 98 credi- 
tus accepit . . . herbas. Bei Drliger I § 99 und Kiihner ausf. 
Gramm. U p. 75 fehlt unsere Stelle. — videte, quam versa . . 
sillt onillia] vgl. § 61 vides versa esse omnia und die dort 
citierte Stelle aus de inv. II § 129. — sector et sicariiis] Die 
allitterierende Verbind. sector et (ac) sicarius findet sich nur 
hier und §151. — occideudiim curavit] vgl. §97 cuius consilio 
occisus sit invenio. 
§ 104. Qaid tu? Tir optiuie] Cic. wendet sich an den anwesenden 

T. Koscius Magnus, der bei den letzten scharfen Worteu Cic.'s 
(eum hominem occidendum curavit) durch ein Gerausch oder Ge- 
murmel sich die Miene gegeben hatte, als wollte er Cic. unter- 
brechen. Die folgenden kurzen Satzchen sind ganz im Konver- 
sationston gehalten, daher auch nur lose unter sich verbunden. 
Cic. liebt es in ahnlicher Weise wie hier auf Blick und Beweg- 
ung seiner Gegner eiuzugehen, so p. Mil. am Schlusse von cap. 12 
et adspexitmeillisquidemoculis, rjuibus tumsolebat 
cum omnibus omnia minabatur und dazu Wirz vt. Richter, 
Phil. II §76 adspicisme etquidem, ut videris, iratus. — 
mihi ausculta] auscultare (franz. ecouter) ist ein sehr beliebtes 
Wort der latein. Komodie und Tragcidie, sowohl in der Bedeut- 
ung ,anhoren, zuhoren' (mit Accusativ) : ausculta modo 
Plaut. Pseud. 991 L, Most. 474. 1124 L, ausculta quaeso Mil. 
glor. 495, hunc ausculto hibens Aul. 496, als iu der Bedeutung: 
,auf Jemaud horen, ihm folgsam sein' (mit Dativ), bes. in der Formel 
ausculta mihi Most. 570. Pers. 574. ausculta mihi modo 
Stich. 602, wobei in der Regel ein Imperativ vorhergeht oder 
nachfolgt, so z. B. Aul. 237 tu coudicionem hanc accipe: aus- 
culta mihi. Unsere Stelle ist die einzige in der klassischen 
Prosa, an der sich diese familiare Formel fiudet und zwar in 
Verbindung mit eiuem folgeuden Imperativ: vide ne tibi desis 
wie Enn. 247 R raihi ausculta, nate . . . pueros cremari 
iube. Vgl. Brix zu Trin. 662, Lorenz zu Pseud. 407. In der 
Prosa findet sich das Wort nur bei Cato fragm. p. 58 Jord. bis 
und dem archaisierenden Fronto p. 192 und 237 N. ; vgl. m. 
Abhdlg. de Cic. eloc. p. 33. — vide ne tibi desis] Ebenfalls eine 
Formel der Umgangssprache, cf. ep. fam. 7, 9, 2 tibi deesse 



Kapitel XXXVI § 104. 325 

uoli; Hor. Sat. 1, 9, 56 haurl mihi deero, ib. 1, 4, 134 non 
desum mihi = ich thue was zu meiuem Bcsten dient. ich Lasse 
es nicht an mir fehlen. Cic. sagt zu Magnus; ,Wenn ich dir 
einen guten Rat geben soll , so ist es der: Schweige fein stilll 
und sei lieber auf deine Stelluug bedacht als auf die des Capito, 
denn tua quoque res permagna (= capitalis) agitur. — andaciter] 
Nach dem Zeugnis des Priscian, s. d. testim., steht hier gegen 
die Handschrifteu audaciter statt des gewohnlichen synkopier- 
ten audacter. Quintilian 1, 6, 17 sagt iiber diese seltene 
Form: ,inhaerent ei (aualogiae) quidara molestissima diligentiae 
(Pedanterie) perversitate ut audaciter potius dicant quam 
audacter. Neue Forraenlehre U^ p. 658. 661. 662. — nnuill 
shlltissime] Einen dummen Streich. sagt Cicero, hat jMagnus darait 
gemacht, dass er sich auf die Anklagebank gesetzt hat. Denn 
entweder musste er dauu offen als Anklager wie Erucius auftreten 
oder er darf uicht hintendrein den Zeugen spielen wollen. Da- 
durch dass er nebeu Erucius stumm sitzt, schadet er seiner Partei 
nur, denn er bekeunt sich offeu dadurch als Feind des Angeklag- 
ten. Andrerseits aber ist seine Eigenschaft als Zeuge eine wenig 
Vertrauen erweckende, wenn er von der Anklagebauk aus sein 
Zeugnis abgibt (s. z. § 17). Vgl. mit u. St. p. Flacc. cap. X 
init. Quid? si testium studium cum accusatore sociatum est, ta- 
menue isti testes habebuntur? ibid. § 22 uua sedent, ex accu- 
satorum subselliis surgunt, non dissimulaut, non vereutur; 
ib. cap. XI init. deprecarer, ne ignotis testibus, ne accusatoris 
consessoribus . . . civem vestrum dederetis. - — paillo tamen] 
z= saltem, wie § 8, vgl. auch Verr. I, 152 ut eum . . paulo 
tamen obsoletius vestitum videret, ib. V, 82 non liberius 
quam antea, sed paulo solutiore tamen auimo secum illara 
haberet; iiber tectior s. z. § 116. — vestra ista cupiditas] ,Par- 
teilichkeit', cf. p. FLacc. cap. X (Fortsetzung der oben citierten 
Stelle) : ,ubi est igitur illa exspectatio, quae versari in iudiciis 
solet? nam antea, cum dixerat accusator acriter et vehementer 
cumque defensor suppliciter demisseque responderat, tertius ille 
erat exspectatus locus testium, qui aut sine ullo studio 
dicebant aut cum dissimulatione aHqua cupiditatis. — 
esset] ,Si non essetis tam impudeutes, tu Magne sedendo cum 
accusatoribus , Capito minando testimonium' Saxonius. — nunc] 
stellt die Wirklichkeit dem gedachten Falle gegenuber ,so aber'; 
auch nunc vero, nunc autem (griech. vvv de) werden so ge- 
braucht. Dass in diesem Falle auch das einfache sed uud autera 



326 Kapitel XXXVII § 105. 

stelien k<3nne, bat Seyfiert Pal. Cic. p. 71 uncl zu Lael. '^ p. 219 
bemerkt, dagegen 0. F. W. Muller bezuglicb autem iu der 
2. Aufi. des Laelius p. 234 bestritten. — dedita opera] = de 
industria stebt nur bier in den Reden^ dagegen an 4 Stellen in 
den rbetoriscben Scbriften (de or. I § 91, IIl § 17. 193 opera 
dedita, Brut. § 33) und an 4 Stellen in den Briefen (ep. Att. 
VIII, 14, 1; X, 3; XI, 8 fin.; XV, 4, 4 stebt elliptiscb dedita). 
Vgl. Cornif. H § 47, ep. Anton. ad Cic. X, 8 A. 2. Wie Cicero 
in der Regel dedita opera stellt, so Livius konstant, s. M. MUl- 
ler zu Liv. 11, 29, 2 und im Anbang p. 156. Colura. 12, 4, 5. 
Besonders beliebt war die Formel bei den Dicbtern der latein. 
Komodie und Tragodie, s. d. Stellen in m. Abbdlg, de Cic. 
elocut. p. 25, Tbielmann Coruif. p. 41. Bemerkenswert ist bei 
Naev. 8 fragm. com. der Zusatz ,(]^uasi', der ebenso bei Cic. 
de or. I § 91 u. Apul. mag. c. 80 zu der Formel tritt. Eine sel- 
tenere Nebenformel ist data opera bei Cael. ep. fam. 8, 1, 1, 
Plin, ep. VII, 12 fin., Porphyr. comm. in Horat. p. 237, 28 M, 
Viele Scbriftsteller vermeiden die altertiimlicb angebaucbte Formel 
ganz , so Sallust und Tacitus. Bei Gellius treten zwei neue auf, 
opera consulta und consulto consilio, welcbe beide Am- 
mian. Marcell. nacbabmt, s. m. Abbdlg. de fig. etym. p. 48. — 
a nobis] = pro nobis, s. z. § 85. 

Kapitel XXXVII. 

§ 105. Yideamiis, quae statiui . . coiiseciita simt] namlicb die Ein- 

ziebung, der Verkauf und die Teilung der Gliter; vgl. § 20 fi". 
Ueber den Indikativ s. z. § 95; iiber age nunc z. § 48. — 
quadridno qiio] s. z. § 20. — in castra L. Siiliae] scbliesst Kinkes, 
Veris. p. 10 ein. — audistis] Das Perfekt von der Wiederbolung 
wie § 56 significant, si qui noctu in Capitolium veneruut. — 
necesse est] ,es ist gar nicbt anders moglicb'. — ii pleruiuque 
iudicant: per eos plerique produiitur] Der zweite Satz sagt das nam- 
licbe, wie der erste, wie das gewobnlicb ist bei der sog. inter- 
pretatio, von der Cornif. IV c. 28 bandelt ,interpretatio est, quae 
non iterans idem redintegrat verbum, sed id commutat, quod 
positum est, alio verbo, quod idem valeat, boc modo: ,Patrem 
nefarie verberasti, parenti manus scelerate attulisti^ Docb scbeinen 
unsere Worte weniger die Anwendung einer rbetoriscben Figur 
als die Anfiibrung einer spricbwortlicben Redensart zu ent- 
balten, worauf aucb die Wiederkebr von plerique nacb plerum- 
que deutet. Cic. gibt ja obnebin die Worte gewiJbnlicber Leute 



Kapitel XXXVII § 106. 327 

wieder, clie mit ihrcm Verdacbte gleicli fertig siiid. Aucli der 
alte Saxonius liat diese Ansiclit vou unserer Stelle, denn er be- 
merkt dazu: Hic locus babet proverbium, quod aliis verbis 
refertur in Cbiliadibus ab Erasmo et nobis vulgo est in ore: 
„Lantzman, scbantzman (= Landsmann, Scbaudsmann), weyst du 
etwas, so schweyg". Heutzutage ist dieses Spricbwort^ so viel icb 
weiss, nicht mebr im Volksmuud gebraucblich, — miinicipem] s. 
^. § 47. 

Siispicioui lociim detisl Die von C. F. VV, Mllller in der adnot. § 106, 
p, XVIII vorgescblagene Aenderung babe ich in den Text auf- 
genommen nach Cael. § 9 quoad aetas M. Caelii dare potuit 
isti suspicioni locum und Balb. 16 cuius , . virtus dubitationi 
locum non daret, — noii enim etc.J Cic. sagt: Es ist so iiber 
allem Zweifel erhaben, dass Chrysogonus die Nachricbt von der 
Ermordung des alten Roscius durcb die T, Roscii erhalten bat, 
dass es unnotig ist, den Wabrscbeinlicbkeitsbeweis dafiir bier 7A\ 
liefern; docb werden in diesem Paragrapben (erat enim ctc.) 
die einzelnen Punkte des probabile ex causa in der Form dcr 
praeteritio kurz angedeutet, — a maioribus patrouos] Wie das 
bospitium, vererbte sich aucb das patrocinium auf Kind und 
Kindeskinder. Wabrscheinlicb hatten die beiden Roscier die nJim- 
licben patroni gebabt wie ihr Gentil Sex. Roscius. Die Pflicbten 
der Klientel standen denen des hospitium gleicb, s. z, § 15. — colere 
atque obserFare destiterunt] „sie vergassen die Pflicbten der 
Acbtung und Auf merksamk eit". Ueber dieso bcidcn Verba 
bemerkt Seyffert izu Lael.^ § 26 (p. 190 f.) amicitiae coluntur 
et observantur: „Beide Worter, uamentlicb das erste, slnd flir 
den Romer bocbst cbarakteristisch* der colens sucht durch ge- 
bcirige Pflege (Aufwartung), d, i. durcb thatsacbliche Beweise 
ebrender Gesinnung, durcb Dienste und Gefalligkeiten aller Art, 
Jemandes Neigung imd deren Friicbte, tanrjuam ab culto agro, 
zu gewinnen , so dass also schon durcb das Bibl selbst auf den 
materiellen Profit oder den ausseren Nutzen hingewiesen ist. Der 
observans zeigt seine Aufmerksamkeit (observare) in einem 
respektvollen Benehmen, in der genauen Beobacbtung der lius- 
sercn Zeicben der Ebrerbietung, ein reiu ausserlicber Begriff dcr 
ceremonicllen Iloflicbkeit. Bcide Verba cliarakterisieren treffend 
das romiscbe Verbaltnis der Klienten zu ibren Patronen imd um- 
gekebrt. Beide sind desbalb sebr oft mit eiuander verbunden ; 
s. Kritz zu Sall, lug, 10, 8 [aucb Scbmalz z. d. St.]. Wenn 
das Verbliltnis zwiscben Patrou und Klicnten als ein Pietjits- 

Landgraf, Cic. Reao f. Sex. Rosc. II. Ilalfto. 22 



328 Kapitel XXXVII § 107 u. 108. 

verlialtnis betraclitet wurde, so bat mau eben an die romiscbe 
IMetiit zu denken, die durcbaus uicbt in naturlicbeu VerbaUnissen 
der Liebe^ sondern in dem starren Formalismus bestimmter Willens- 
zwecke wurzelte". lu den Kedeu findet sicb diese Verbindung 
nocb Mur. § 70 a f[uibus si domus nostra celebratur . . diligeuter 
observari videmur et coli, wo Halm ubersetzt: ,so erkennen 
wir dariu eineu Beweis sorgfaltiger Aufraerksamkeit und Acbt- 
ung^ Aus deu Briefen vgl. Fam. 9, 16, 2 ,sic enim color, 
sic observor ab omnibus'. — fideiu et clientelam] s. z. § 93. 

§ 107. Cerlo scioj s. z. § 21. — iiulicii pretiuin] Die IIss. geben 

iudicii partem, was man meist mit Facciolati =i bonorum 
iudicatorum partem erklarte, s. dagegen Eberbard lect. p. 13 im krit. 
Anbang, deraucbeinzusebeuistubcrdieLesarten ,accepit', (Wbitte, 
Fleckeisen) und ,qui sunt igitur iu istis bonis? quibus partem Cbr. 
dedit' (Siesbye). — uumquisiiam] Das iudefiuite Prouomen quis- 
nam fiir aliquisnam wird in der Umgangsspracbe briufig gebraucbt 
mit vorausgebendem num, so Ter. Heaut. 3, 1, 20 numquid- 
nam de meo gnato audivisti? (cf. Holtze synt. pr. 1 p, 397, 
Not. 75 ,masculiuum buius pronomiuis apud priscos scriptores 
nusquam potui invenire). Bci Cicero uocb Pbil. VI § 12 ,uum- 
quisnam est vestrum, qui tribum nou babeat? Certe nerao', dc 
leg. agr. I § 11 ,numqiiisnam tam abstrusus usquam nummus 
videtur, quem nou arcbitecti buiusce legis olfecerint?' fin. I § 39 
,inimquiduam manus tua sic aflPecta, quem ad modum aflfecta 
nunc est, desiderat?' Partit, orat, § 26 ,numquidnam de oratore 
ipso restat? Nibil sane'; bes. beliebt aber iu dcr Begriissungs- 
formel numquidnam novi? Orat, H § 13 (cf. Brut. § 10 
uumquid tandem novi?), ep. fam. XI, 27, 1. — nemo est] 
Ueber die Wiederbolung der Kopula in der Autwort s. z. § 52. — 
obtulerillt . . . tuleruulj Die Parouomasie konnen wir wiedergeben 
durcb : „diesen Kaub augetrageu . . Auteil am Kaube davou- 
getrageu". 

§ 108, Chrysogoni iudicio] Cic. sagt, wir wolleu eiumal die Tbat der 

Roscier vom S t a u d p u n k t des Cbrysogonus aus wiirdigen. 
Welcbe Veranlassung bjitte dieser gebabt, jenen so stauneuswert 
grossartige Gescbenke zu macbeu, wenn sie nicbt etwas Neuneus- 
wertes dafiir geleistet biitten? Also geradc durcli diese Gescbenke 
bat er sein Urteil dafiir abgegebcn, dass sie als die Austifter 
des Mordes zu betracbteu siud. Der Ausdruck ist, wie Halm 
bemerkt, sai'kastiscb gebalteu, gerade wie der ara Scblusse des 
§ 108 ,bas manubiasRosciis Cbrysogonum re cognita coucessisse', 



Kapitel XXXVII § 108. 329 

wo Chiys. mlt dem Ricliter vergliclien wird, der, nachdem er 
deii vorliegX'nden Fall genau untcrsucht (zum term. cognitio 
vgl. § 3), das Strafmass fur die einzelnen Delinr[uenten austeilt. — 
si iiihil aliud feceriiiit, iiisij Cic sagt immer nihil alind iiisl: 
„alle Stellen, die man filr den ciceronischeu Gebraucli von nihil 
aliud quam angefuhrt hat, siud nicht bloss verdiichtig, sondern 
entweder selbst der Ueberlieferung nach schlecht beglaubigt oder 
evident verdorben". Die einzelnen in Frage kommenden Stellen 
besprechen C. F. W. Miiller zu Lael.^ p. 128 ff., Krebs-Allgayer 
Antib. s. V. alius, p. 122. Umgekehrt sagt Livius sehr selten 
nihil aliud nisi statt nihil aliud c|uam. Was die HiuziifUgung 
der Verba facere und agere in dieser Formel anlangt, so 
stehen auch hier Cicero und Livius im Gegensatz zu einander. Denn 
wJihreud beijenem die voUe Plirasediegewohnliche ist, ziehen Livius 
und die Nachklassiker mit ihm die adverbiale (elliptische) 
vor, s. Krebs- Allgayer 1. 1. p. 123, Haase zu Reisig Xote 610, 
in seinen Vorlesungen I, 209. H, 107 (wo Peter die Monographie 
von G. T. A. Krliger citiert : De formulae nihil aliud facere 
quam vel nisi cognatarumque formularum usu tam pleno quam 
clliptico G. Pr. Braunschweig 1838), Nipperdey zu Corn. Nep. 
Agesil. 2, 4 (ed. mai.) uud zu Tac. Ann. 4, 34, M. MUller zu 
Liv. 2, 29,4.— (leuiqiie] „am Ende" (cf. § 81) d. h. hochstcns, 
im (iussersten Falle. — perliberaiiter] in den Reden uur hier; 
noch ep. Att. 10, 4, 10. — houorisj honos hat wie das spiiterc 
honorariixra auch die Bedeutung das freiwillige Ehren- 
gcschenk = Honorar; vgl. § 137 viris fortibus . . . honos 
habitus est, Verr. I § 38 ei postea praemia liberaliter tribuit: 
bona cjuaedam proscriptorum in agro Beneventano diripienda 
concessit: habuit honorem ut proditori , nou ut amico fldem 
u. daz. Zunipt; ep. fam. 16^ 9, 3 Curio misi, ut medico honos 
haberetur et tibi daret quod opus esset; Curt. 9, 1, 6 ceteris 
quoque pro portione aut gradus, quem in amicitia obtinebaut, 
aut navatae operae honos habitus est. Sehr hautig hat houos 
diese Bedeutung in den romischen Rechtsquellen , s. Dirksen 
Manuale s. v. — tautae pecuuiae] i. e. nobilissima ,von so gros- 
sem Geldwerte', Verr. IV § 88 signum pecuniae magnae und 
dazu Halm; N.igelsb. Stil. § 48 fin. — coiniuuuiler] s. § 23. — 
inaiiuhias] Das Wort wird verschieden erkljirt. Gell. N. A. XIU, 
25(24), 26 sagt: praeda dicitur corpora ipsa rerum, quae capta 
sunt, manubiae vero appollatae snnt pecunia a quaestore 
ex venditione praedac redacta, ibid. § 28 itaque haec 

22^ 



330 Kapitel XXXVIII § 109. 

iuscriptio . . ex manubiis non res corporaqiic ipsa praedae 
dcmoustrat . . sed facta esse liaec conparataque ,ex manubiis', id 
est ex pecunia praedaticia, declarat. Dagegeu Pseudo- Ascon. ad 
Cic. Verr. I, 60 manubiae sunt praeda imperatoris pro por- 
tione de hostibus capta. Dazu bemerkt Osenbriiggen : ,Beide Er- 
klarungen sind zu eng. Manubiae (manuviae, vgl. e x u v i a e) 
ist das, was der Einzelne von der gemachten Beute in seine 
manus (d. i. rechtliche Gewalt) bekam, entweder einen ge- 
fangeuen Feind , deu cr als Sklaven mit sich fortfuhrte (manci- 
pium), oder Sachen. Im Verlauf der Zeit wurde es allgemeine 
Sitte, dass alle Beute durch den Quaestor verkauft und zu Gelde 
gemacht wurde. Vou diesem Gelde kam der grosste Teil ins 
Aerarium, doch hatten die Feldherreu Freiheit sich eiueu Teil 
auzueigueu uud zur Belohnung der Tapferkeit uud zur Auf- 
munterung den Soldaten zuzuwendeu (concedere manubias, 
Liv. X, 46). Die Feldherren verwendeteu ihre Portion haufig 
zur Errichtung von offeutlichen DeukmKleru, die sodann die lu- 
schrift bekameu EX MANUBIIS etc. Cicero, der die Ermord- 
uug des Sex. Roscius als eine pugna bezeichnet hat, fjihrt in 
diesem Bilde fort und bezeichnet das, was die beideu Roscii von 
den Giitern des Ermordeten bekommen hatten, teils als praeda, hier 
als ihnen von Chrys. zum Lohue ihrer Tapferkcit bewilligte 
manubiae-'. Vgl. auch Hermes I, 176, Aum. 3. 

Kapitel XXXVIII. 

§ 109. Cicero gibt iu diesem Kapitel eiueu eiugehenderen Bericht 

iiber die Gesandtschaft der decem primi an SuIIa als Kap. 9, 
wobei das verraterische Doppelspiel des Capito im einzelnen vor- 
gefiihrt uud sowohl als Mandatsverletzung (§ 111 flf.) wie als 
Societatsbruch (§ 116 ff.) hingestellt wird. 

lu decem primis] s. z. § 25. — yitam iiaturam moresque] Die 
drei Substautiva siud ebeuso verbuudeu Eosc. Com. § 20 in huius 
moribus, uatura vitac[ue. Besonders beliebt aber ist die 
Verbindung von vita und mores, cf. de inv. II § 37 de vita 
eius et de moribus, Mur. 74, Tull. 3, Phil. 1, 27, Sull. 69 
•ut uunc . . de vita homiuis ac de moribus dicam, ib. 71| 
Liv. 40, 16, 3 vitam ac moresj Ammian. Marc. 20, 6, 1 vita 
moribusque; bekauut ist sie auch als Biichertitel z. B. des 
Taciteischen Agricola : ,d e v i t a e t m o r i b u s I u 1 i i A g r i c o I a e^, 
s. AValch Einl. zu Tacit. Agric. p. XXXV ff. Sehr fein behandelt 
Seyffert Lael. ^ p. 219 ff. das Verhaltuis der romischen virtus 



Kapitel XXXVIII § 110. 331 

zii mores. „Wabrencl die romische virtus sowie jede andere iu 
dcn morcs ihre Quelle hat, wcrden doch mores voa virlus untcr- 
schieden. Naturlich : die romische virtus hat nur Geltung in Be- 
ziehung auf das Objektive, den Staat, und hat deshalb nur einen 
allgemeinen Typus. In ihr gebt der Begriff der romischen Sitt- 
lichkeit auf; die mores dagegen treffen die persbnliche Seite des 
Individuums schlecbtbin, den homo als solchen in seinen rein 
menscblichen Verbaltnissen ira Privatleben und in seinen gc- 
selligen Tugenden. Es bezeichnet also mores gauz eigentlich 
„die ludividualitat, die Personlichkeit", d. i. die durcb den sub- 
jektiven Geist vermittelte natura [daber auch der nicht scltene 
Zusatz von natura zu mores, vgl. bes. Rosc. Com. §. 20 per- 
sona illa lutulenta, impura, iuvisa in buius moribus natura 
vitaque est expressaj, die eben der Rbmer kaum als virtus an- 
erkanute, wenn sie nicht dem Handeln [TTQcc^ig) eigentumlicbe 
Farbe gab. Daher auch die Verbindung vita moresque, worin 
die vita die TiQci^ig des Staatsbiirgers, mores den Charakter 
{^&og) des Individuums bezeicbnen". Cbarakteristisch ist fur 
rbmische Denkungsart das Vorantreten von vita in dieser Formel, 
wie in der andern gleicbbedeuteuden facta moresque Plaiit. 
Amph. 266, Tac. Agricol. 1 „Thaten und Cbarakter, Tbuu uiul 
Wesen, ausseres und inneres Lebeu". Cf. Heuricbsen iu d. BI. f. 
d. bayr, G. W. 1873 p. 33: ,Dem Rbmer Tacitus sind die 
Thateu das Wesentlicbe, aus denen erst der Charakter ge- 
wissermassen rcsultiert. Daber facta voran uud mores mittelst 
que deu factis innigst angereibt. Ein Cbarakter, der sich uicht 
iu Thatcn manifestiert , ist dem Tacitus kein Charakter, uud die 
Gesinuung bat ihm iiberall nur da Wert, wo sie sich iu eut- 
sprecbenden Tbatcu bewabrbeitet. Das ist des Tacitus Ebmer- 
sinn, dcr dem Kundigen scbon deutlicb in diesen scheinbar so 
einfachen Worteu eutgegeutritt*. — i«s saiictiim atipie iiitegriim] ,eiu 
unverletzliches, unantastbares Recht' Nagelsb. Stil. § 72, 2, wo 
er iiber diejonigen einfachen Adjektiva und Participia haudelt, 
welcbe die mit un zusammeugesetzten Adjektiva auf licb uud 
bar vertreten. — sceius atqiie perfidia] Eine ebenso haufige Ver- 
biudung (Pis. 38. Sest. 58. Verr. V, 189. Sall. lug. 107, 2) wie 
scelus atque audacia R. A. § 12. 17. 28 ff. — iiidicatote] 
Irapcrativus permissivus; iudicatote heisst es statt putatote 
(§ 18), weil die Anrede au die Ricbter gerichtet ist. 

Ne palam res agatiir] Um dies zu verhiiten, rauss den Ge- § 110. 
saudteu die Mbglicbkeit eiuer Audienz bei Sulla abgescbnitten 



332 Kapitel XXXVIir § 110. 

wcrtlcu. — peciiiiiam giandem] Uas Adjcktiv graudLs, der Erbo 
dcs untcrgcgangcncn niaguus in deu romauisclicu Spraclieu 
(s. Kijbler 1. 1. p. 397, Wolfflin Cassius Felix p. 403), bat in 
den ciceroniscbeu Reden cine dreifacbe Verwenduug : 1) als Alters- 
bestimmuug, bes. in der Formel grandis natu, abcr aucb bei 
puer, filius, filia, cf. Verr. III, 159 tune in Siciliam tecum 
grandcm practextatum filium ducebas? 2) bei Gewicbt- und 
Geldaugabcn, bes. bei den Wortern pecunia, wie a. u. St., 
poudus z. B. Caecin. 12 uxori grande pondus argeuti . . 
legavit (bei poudus liat gr. raaguus fast voUstaudig vcrdrangt), 
faeutis Flacc. 51; 3) aber ausscliliesslicb iu der IV. Verriua 
liei Kunstgegeustanden als patella § 46, simulacrum § 110, 
V a s § 47 , b y d r i a e § 97 , 1 i 1 1 e r a c § 74 in fiua (basi) g r a u- 
dibus litteris P. Africani nomen erat iucisum. — pericullllU 
capitis adilurumj cbcnso Verr. n §33 seque capitis pcriculum 
ad iturum. — ideutideiu] steht ausser § 84 uur uocb Kab. Post. 34 
und de dom. § 140 in deu Eeden. Ueber den sonstigcn Ge- 
braucli des Wortes s. Wolfflin Geminatiou p. 470. — aliqua ficta 
mora] s. d. krlt. Anbang. — semper omues] zur Stellung s. z. 
§ 27. — postremo] fasst das Vorbergcbeude zusammen uud gibt 
das Endrcsultat des lutigrueuspieles an ,kurz''. Hauflg stclit 
so postremo bei den Komikern, s. Lorenz zu Plaut. Most. 198, 
Brix Triu. 662, Spcngel zu Ter. Andr. 521, aucb bei Sallust 
Catil. 14, 6 uam uti cuiusque studium ex aetate flagrabat, aliis 
scorta praebere, aliis caues atque equos mercari, postremo ueque 
sumptui ueque modestiae suae parcere, dum illos obuoxios fidos- 
que sibi faceret; lug. 3, 1. — iutercessore] Mit Hotnian uabmeu 
die friibercn Erklarer und aucli Kicbter-Fleckeiscu intcrcessoro 
= impedieute, pr o li i ben te', deuu weil Capito zwiscbeu 
SuUa uud seiue Mitlegateu trat, biudcrte er, dass sic zusaramen- 
kamen. Oseubruggen jedocb lint intercessor mit Bczng auf 
§ 26 adp rommitter et iu sciuer juristiscbeu Bedeutuug gefasst 
als den, welclicr sicb fiir eine fremdc Scliubl verpflicbtct. „Cbrys. 
war dcr eigentlicbe Scbulduer (reus principalis), iudcra er ver- 
spracb, die fraglicbe Sacbe, dic Hcraiisgabe der Guter des Sex. 
Roscius, bei Sulla zu erledigen. Flir Cbrys, verburgte sicb, 
iutercedierte, bci den 9 legati T. Koscius Capito (cf. § 114 
fidem suam iuterponit). Von einer wirklichen Verbiirgung 
stebt iutercederc Phil. II § 45 ,orabat iit te contra suum 
patrem, si sestertium sexagies peterct, defenderem, tantnm enim 
se pro te iutercessisse dicebat', Paradox. VI, 2, 46 iu tcr cessio ues 



Kapitel XXXVIII § 111. '333 

pccuiiianim". Halm Iiat sicli dieser Intei'pretatiou augesclilosseri, 
die ieli auch als die allein ricbtige anselie. — noil adierillit] „ver- 
langten keiue Audienz". — fide, perfidia] ,Wort, Wort- 
b r ucliigkeit^, vgl. zu § 116 per eius fidem laeditur. — de- 
iniiiliare] Man unterschied testes necessarii uud voluntarii. 
Jene batten ibren Namen davon, weil sie in Kriminalprozesseu ge- 
zwungen werden konuten, Zeugscbaft abzulegen, wabreud es inCivil- 
sacben diesen Zwang nicbt gab. Docb batte nur der Anklager 
das Keclit der deuuntiatio d. b. den Zeugen durcb das Gericbt zur 
Zeugscbaft auffordern zu lassen, vgl. aucb Halm z. St. und Quiutil. 
5, 7, 9 duo genera sunt testium aut voluntari or u m aut 
eorum, quibus in iudiciis publicis lege denuutiari solet, quorum 
altero (= voluutariorum) pars utraque iititur, alterum accusa- 
toribus tantum concessum est. — pro re certa] ,statt eines 
sicberen E rgeb nis s es*^, vgl. § 26 re inorata. 

Rem mandatam] Das maudatum (d. b. Bevollmacbtiguugs- g 111. 
Vertrag) ist der Vertrag, wodurcb die Besorgung von Gescbafteu 
fiir eiueu audern u nentgel tli cb ubernommen wird. Der, welcber 
den Auftrag gibt, beisst in der Juristenspracbe mandans, mau- 
dator (Cic. a. u. St. qui mandat) — Maudant; der ibn 
uberuimmt qui mandatum suscipit, aucb procurator (Cic. 
cui maudatur) — Mandatar. Der Mandatar baftete flir jeden 
Scbadeu, uud zwar nicbt bloss fur den absicbtlicb zugefiigten, 
d. b. dolo malo (Cic. m ali t io s i u s), sondern aucb fur den 
durcb Fabrlassigkeit bewirkten, d. i. cuIpa(Cic. u egle g e nti u s). 
Die Vcrurteilung iu einem iudicium mandati sc. malitiose 
aut neglcgenter gesti zog fiir deu Maudatar Infamie nacb sicb 
und stand als ein ividicium turpc oder summae existima- 
tionis auf glcicbcr Stufe mit dcm delictum furti; vgl. Cic. 
pro Caecin. § 7 ,qui per tutelam aut societatem aut rem mau- 
datam aut fiduciae x'ationera fraudavit quempiam, in co quo 
delictum maius cst, eo poeua est tardior. Est enim turpe 
iudicium' uud dazu Klotz Cic. Redeu I p. 474 u. 604. Osen- 
briiggen verweist bczuglicb der iufamia auf Gaius IV § 182 
,quibusdaui iudiciis damnati iguominiosi fiunt : ,vclut furti, vi 
bouorum raptorum, iniuriarum, item pro socio, tutelae, mandati, 
depositi' uud Dig. III, 2, 1 ,praetoris verba dicunt: infamia 
notantur, qui furti, vi bonorum raptorum , iniuriarum . . qui pro 
socio, tutelae, mandati, depositi .. damuatus erit^ Vgl. aucb 
Reiu rom. Privatrecht p. 725 ff. — malltiosius] stelit fiir mali- 
tiose aus KUcksicbt der Konziunitat mit dem folcreudem uegle- 



334 Kapitel XXXIX § 112. 

gcntius. — uoii motlo . . veniui eliaui] ,iuclit ctwa bloss (claiiu) 
— sonfleru auc.h scliou ,uou fieri illud (|uod facile quis sumat, 
sed alterum, quod magis admirationcm raovcat, hac diccudi formula 
siguificatur* Eberbard lect. Tull. p. 14 mit Belegeu. Hiiufiger 
stelit so uou modo . . sed mit febleudem etiam, z. B. Vcrr. 
IV, 90, bes. bci Livius, s. AVeisseuborn zu I, 10, 1 ; auders Kiibnast 
Liv. Synt. p. 353 uud darnacli Drager H. S. § 333, 8, e. — 
maiores] ohue den gewohnlichen Zusatz nostri, der immer felilt 
iu der Formel more maiorum; vgl. § 100, — exisiimabaiitl Das 
Iraperfect bezeicbuet, dass diese Anschauuug die stiindigc war. — 
vicaria fides snppoiiitHr] cin ahulicher Pleonasmus wie die zu § 13 
uud 26 bcsprocheneu; s. Thielmaun Stil. Bem. p. 205. — guber- 
uctur] ,gebaudhabt werdc^ 
§ 112. Quod recipis maudatum] Man brauchte das Maudat ja nicht 

zu Ubernclimen, cf. Inst. 3, 27 Mandatum non suscipere 
(dies ist der haiifigere Ausdruck in den Rechtsquellcu) cuilibct 
liberum est: acceptum autcm cousumniandum aut quam priraum 
reuuntiaudum ut per semetipsum aut per alium eaudem rera man- 
dator exscquatur. Nam nisi ita renuutietur nihilominus raandati 
actio locum habet. Cicero gebraucht hier sebr wirksam die Figur 
der sog. artoffTQOfpi^i um die Grijsse der Schuld ciues fabrlassigen 
odcr biiswilligen Maudatars dcn Zuhljrern recht drastisch vorzu- 
fiihren, cf. Quintil. 9, 2, 38 ,aversus quoquc a iudicc serrao, 
qui dicitur ano(TTQO(frj, mirc movet' etc. uud dazu Volkmann Rhet. 
p. 426. — offers ctc.] Der iu den folgenden Worten allitteriercnde 
0-Laut ist liicr von Cic. ebensoweuig unabsichtlich verweudet 
als vou Lucret. I, 336 nam officium, quod corporis exstat, 
officerc atquc obstare ctc. , s. ra. Abhdlg. de Cic. elocut. 
p. 11 ff. — recede de medio] s. z. § 20. — jjuod miiiime leve etc.] 
Dic IIss. lcseu ,quod raiuimc videtur gravc ctc^, s. d. krit. 
Auhaug, Zu dcu dort aufgefilhrteu Emcudationsvei'suchen kommt 
noch der von Riukes Veris. p. 14 nimirum grave. 

Kapitel XXXIX. 

Ergo idcirco etc] Koziol Stil dcs Apuleius p. 145 sieht au 
unserer Stclle in deu beideu Koujuuktionen irrtumlich eine pleo- 
uastischc Zusammenstcllang, wic sie in dcr vulgareu Sprache 
hiiufig sind (s. z. § 13 bic ibidcm), dcuu crgo zieht aus dem 
Vorhergcheudeu ciuen Schluss uud idcirco korrespondiert mit 
dem folgendeu quod. — uisi amicoj cf. Dig. 17, 1, 1 § 4 ,man- 
datum nisi gratuitum uullum cst, nam originem ex officio 



Kapitel XXXIX § 113. 335 

atque amicitia traliit ; coutrariiim ergo est ofticio merces'. — 
credit] stelit absolut wie kurz zuvor mauflat. Die Bemerkuug 
Tischers zu Tuscul. V § 58 credebat eorum nemiui: ,creclebat 
ohue Objekt = fidem habebat; sonst nicht bei Cicero' wird durch 
unsere und viele audere Stellen widerlegt, s. z. § 1. — siunil el 
. . et] Diese bei et-et etwas abundante Hiuzufugung von simul 
ist nicht so haufig bei Cic. zu finden, als man vielleicht auzu- 
uehmen geneigt ware; sie findet sich in den Reden nur noch 
Cluent. § 43 ex quo (sc. faciuore) simul utrumque et huic 
accusare et illi condemnari necesse fuisse intellegetis, Phil. X, 5 
simul enim et rci publicae consules et propoues illi exempla 
ad imitandum; cf. Tac. Agr. 5 simul et anxius et intentus agcre. 
Das korrespoudierende simul — simul fehlt bei Cicero uud 
erscheint zuerst einraal bei Caesar B. G. 4, 13 simul, ut dice- 
batur, sui purgandi causa, simul ut etc, s. Drager H. S. 
§ 329, 6. 

Itaiie est] Ueber ne = npune s. z. § 34. Ganz Jihnlich § 113. 
sagt Cic. p. Quiuct. § 38 itane cstV quod viri optimi faciuut, 
si qui suos propinquos . . honestos esse atque haberi volunt, id 
Sex. Naevius uou faceret? — iudicio tiirpissiino] s. z. § 111. — 
faiua mortui, fortuuae vivij wie § 25 mortui famam et filii 
innocentis fortunas; wo auch liber die allitterierende Verbind- 
uug gesprochen ist. — commeudatae atque coucreditae] Um in stiir- 
kerer Form die oben gebrauchten Verba mandare und credere 
zu wiederholeu, sagt Cic. hier fiir maudare commendare und 
mit Riicksicht darauf fiir credere concredere, obwohl dieses 
Verbum — wie viele mit con zusammengesetzte, s. meineu Auf- 
satz in d. bayr. G. Bl. XVI (1880) p. 321 und zu § 30 adau- 
gent — hauptsJichlich der Umgangssprache augehort. Es findet 
sich bei Plautus an ITStellen, Catull. 64, 213; Hor. Sat. 2, 6, 43 etc, 
s. Thielmaun Coruif. p. 10 £F. Auffallend ist, dass Cic. das 
Wort uur noch in der der unsrigen vorausgehenden Rede p. 
Quinct. § 62 in einem ganz ahnlichen Zusammenhaug gebraucht 
,cui tu et rem et famam tuam commendare proficisceus et 
concredere solebas' und dass beide Stellen wiederum an cine 
dritte bei dem Dichter Lucilius 702 L. stehende erinnern ,vitam 
ac fortunas cui concr e diderim meas'. Bei der frappanten 
Aehnlichkeit dieser drei Stellen mit einander darf man wohl an- 
nehmen, dass entweder Cic sich in diesen beiden Stelleu seiner 
Erstlingsreden in bewusster Weisc an Lucilius anlehnt oder dass 
famam ct fortunas coucredere eiue gaugbare, vielleicht 



336 Kapitcl XXXIX § 113. 

sprie.hwurtliclie Kedeiisart war; s. aucli m. Bemerkung ubor der- 
artigc licmiiiiszenzeu an Dichterstcllen bei Cic, bcs, in .sciucn 
iiltcren Rctlen, in den Fleckeis. Jahrb. 1882 p. 421. 422. — 
alqiie adeo] Ja auch nur'. Dicse Uebersetzung wird durch die 
Forni der rhctor. Frage notig^ ohne welche es hiesse : ,is indignus 
est, qui intcr hun. homines, atque adeo, qni inter vivos numere- 
tur. — iiiter vivos niiiuerabitiii'] ,er sollte unter den Lebcndcu 
g e d u 1 d e t w e r d e n' sprichwortliche Redensart von einem Ehrhxsen, 
dcr als burgcrlich tot gilt; vgl. p. Quinct. § 43 ,quid igitur 
pugnas? an . . nc locum suum; quem adhuc honestissime dcfcndit, 
obtiucat, nc numcretur inter vivos? vgl. ebcnda § 49 cuius 
buna vcnicrunt, cuius non modo illac amplissimae fortunae, scd 
ctlam victus vestitusque neccssarius sub praecouem cum dcdccore 
Bubicctus est, is non modo ex numero vivorum exturbatur, 
scd, si ficri potest, iufra etiam mortuos amandatur; p. red. 
ad Quir. § 10 cum is iuimicus spiritu dumtaxat viverct, re quidem 
infra omnes mortuos amand.atus esset. Dic Konstruktion 
numerare inter findet sich bei Cic. nur in dicser sprichwort- 
lichcn Form(d ixnd Font. § 38 intcr viros optimos esse 
numcrandus (denn § 16 u. R. gehort inter suos enge zu 
hun es t issimu s domi suae), sonst sagt cr numcrare in mit 
Ablativ, wie Vcrr. V § 124 nos in septendecim jiopulis Siciliae 
numeramur. Die Konstruktion rait intcr ist bei den Nach- 
klassikcrn sclu- hauiig, s. Krebs Antib. s. v. numerarc. ■ — ili 
criineii TOfatnr] ,fiihrt zu einer Anklage'; s. Uber crimen z. 
§ 83. — iiidiciiMU iufame] = turpissimum iudicium und zu § 111; 
dic Lcsart ist unsichcr, s. d. krit. Anhang. Zum Ausdruck vgl. 
Vcrr. III §217 avaritiam in crimeu et in iudiciura voco, 
ibid. V, 133 tc idcirco a me in criraen et in invidiam vo- 
cari. Aus diescn Stellen schon gcht hcrvor, dass das liand- 
schriftliche revocatur von Lambinus und Puteanus mit Kecht 
in vocatur gcandert wurde. — neglegere] = non curarc. Cic. 
mcint, bci dcr Ucbertragung eines Gescliaftes an eincn andcrn 
braucht sich wohl dcr Mandant nicht mehr um scine Sache zu 
ls.ummeru (i. e. neglegerc), wohl aber der Mandatar, dessen Flir- 
sorge dieselbe anvertraut wurde. — jniblice] Die Gesandtschaft 
kam ja mit einem oftizicllen Auftrag ins Lager zu Sulla| cf. § 25 
dccurionum decretum statim fit etc. § 115. — legatiouis caeriuio- 
uiaiu] Cic. ubcrtreibt hicr, insofcrn er dcn Charakter der Heilig- 
kcit, welchcr uach volkerrcchtlichem Brauche dcn Gesandtschaften 
frcmder Volkcr zukommt, auch der hier in Rede stchenden zu- 



Kapitel XXXIX § 114. 337 

teilcn will. — macubunie adfecerit] Sonst sagt Cic. allcrdings gc- 
wbliulicli maciila adspergere Plauc. 30 odcr conspergcro 
Flacc. 5, abcr es ist kein Grund die liaudscliriftliclic Lcsart zu 
iindcrn, zumal hier absichtlich adfccerit gewiihlt zu sein scheint, 
um ein Wortspiel mit dera folgeuden poena adficietur hcrbci- 
zufllhrcu. Der Ausdruck ist nach der Analogie von iguominia 
adficere Quinct. § 49, Verr. II, 140; IV, 18 gebihlet; vgl. auch 
p. Quinct. § 99 dcdecore, macula turpis sira a c[ue igno- 
m i n i a n o t e t u r. 

Traiisigerct atque decideret] ,e i n e n V e r gl e i c h u n d e i n A b- § 114. 
k m m en tr e f f e'. Die beiden Verba sind Synonyma und bezeichnen 
vorzugsweisc das Abmachcu durch einen Vergleich. Transactio 
ist t. t. in der Juristensprache flir Vcrgleich, s. Kcin, rJtm. 
Civilproz. p. 735. — inque eam rem] statt des haufigcren in 
eamf[uc rcm ist selten (cf. § 137 raeque in eo studio), dcnn 
fiir die Latinitat vor Livius gilt ira allgemeincn die Regel , dass 
que nur dann eincr Praposition angehangt werden kaun, wcnn 
dieselbe schon voraufgegangen ist, vgl. Vcrr. IV, 115 in com- 
muni religione inque eis sacris, Caec. 64 sine scutis sineqne 
ferro. DrJiger II. S. II, § 314, 1 gibt Belegt; fur angehjiugtcs 
quc ohne voraufgegangcne glciche Praposition, doch ist samt- 
lichen ciceronischeu Stellen gegenubcr dcn phautinischen das gc- 
meinsara, dass der Praposition nnraittclbar ein pronoraen d e- 
monstrativura folgt. Cicero mag diesen Usus dcra Cornificius 
entnommcn habcn, der II § 43 schreibt inque eiusraodi vitio. — - 
si (juid ops esse putaret] ,nutigenfalls', wie §37 si res postu- 
larct. — fidem suain iiiterponeretj erklarcn llalra und Kichtcr: 
,seiucn Kredit einsetze, flir Sex. Koscius cinstehe'. Diesc Erkliir- 
uug hat lleerdcgen de fide Tulliana p. 27 zuruckgcwicscu nnd 
dagegen rait Kccht Folgendes geltend geraacht: ,at priraura Chry- 
sogonus non creditor erat Sexti Roscii ncc omnino quidquam 
inest in tota sententia, quod cogitare de credenda pecunia cogat. 
Reddenda potius erat Sexto filio hcreditas patris a Chrysogono 
avcrsa, id qnod ut fieret, T. Roscius apud illam opcram dare 
debebat quam diligentissime. Porro fides a T. Roscio interpoucnda 
non potest alia essc nisi ea ij)sa quam insequenti paragrapho (115) 
tantidem T. Roscius fecisse dicitur, quanti voluntatem dccurionum, 
i. e. nihili. Denique i n t erp on ere f id em apnd Ciccronem Brut.89 
et frg. or. I p. Cornel. 25 idem significat quod fidem dare 
(Ilecrdegen liiitte sich auch auf Ciisar berufcn kounen uud be- 
sonders auf b. G. V, 36, 2, wo Casar ganz geuau dieselbea 



338 Kapitel XXXIX § 114. 

Worte gebraucht, wie hier Cic. : ,ipsi vero nihil nocitum iri inquo 
oam rem sc suam fidem interponere; vgl. auch Sall. 
Iiig. 32, 1 eumque interposita fide publica Romam duceret 
u. dazu Schmalz). Quae cum ita siut, sic iuterpretandum esse 
censeo: si hanc ei rera privatim Sex. Eoscius maudavisset, ut 
cum Chrysogono transigeret inque eam rem (h. e. iu transactionem 
dccisionemque cum Chrysogono faciendam) tidem suam interpo- 
neret (h. e. proniitteret) , si quid opus esse putaret (sc. hoc sese 
pro Sexto facturum), illetjue (T. Roscius) sese facturum recepisset 
(h. e. fidem suam Sexto interposuisset sive dedisset) et q. s. ; 
. . . nunc ipse Sex. Roscius a decurionibus publice (T. Rus- 
ciu) inandatus est; et T. Roscius vohiutatem decurionum tantidein 
cjuanti (h. e. nihili) fidem suam (sc. interpositam vel datam) fecit 
(h. e. et Sextum et decuriones per fidem datam nec servatam 
decepit)^ — recepisset] recipere uud in se recipere gebraucht 
Cic. nach dem Vorgang der Komiker — Plaut. Mil. 230; Ter. 
Phorm. 903, Heaut. 1056 ad me recipio — bes. in den Briefen 
als Synonymum von polliceri, promittere und spondere, 
jcdoch mit potenzierter Bedeutung, vgl. e|). fam. 6, 12, 3 Pansa 
quidem mihi, gravis homo et certus, non solum contirmavit, verum 
etiam recepit pcrccleriter se abhaturum diploma, ep. Att. 13, 
1, 2 quouiam de aestate polliceris vel potiixs recipis. Wie 
au u. St. lasst Cic. den Acc. c. Inf. auf das Verbum folgen ep. 
Att. 5, 13, 2 omnino omnia se facturum recepit. Manchmal 
steht auch der Dativ der Persou dabei , wie ep. Att. 5, 17, 5 
mihi iu Cumano diligeutissime se, ut aunui essemus, defensurum 
receperat. Auch in den nichtciceronischeu Briefeu liudet sich das 
Verbum hautig, s. Stinner 1. 1. p. 62. 63. — (lamuatus per arbilruiii] 
Ueber den arbiter habe ich in m. Abhdlg. de Cic. clocut. p. 45 ge- 
handelt, wo ich die StcUe p. Quinct. § 13 emendiert habe ,per 
arbitrum pro socio^ Dort heisst es uber den arbiter und die 
actio pro socio (s. z. § 116): ,Socii (== naudelskompagnons) ad 
mutuum iuter se patrocinium utebantur actione pro socio 
contractaeque lites iudicabantur per arbitrum. Arbiter autem 
hac re ab iudice discrepat, qiiod nullis legum et formularum 
vinculis adstrictus est, sed ex aeqiiitate iudicat, inde etiam 
arbitrium dicitur sententia, quae ab arbitro statuitur' (cf. Fest. 
p. 15 M.)'. Sowohl die actio pro socio wie die actio mau- 
dati gehorten zu den sog. bonae fidei actiones (Gegens. 
actiones stricti iuris), d. h. solcheu Khigen , welche aus 
deu Gcschafteu des gewohnlicheu Lebens eutspringen , bei deuen 



Kapitel XXXIX § 115. 339 

es auf Treu iincl Glauben ankam. (Ueber die Grundbedeut- 
ung und weitere Eutwickelung diescs juristisclieu Terminus s. 
A. Beclimann , Geschichte des Kaufs im romischen Recht 1876 
p. 619 ff.; Iw. Muller zu Niigelsb. Stil.'' p. 185). Vgl. Cic. 
Offic. III § 70 Q. Scaevola, pontifex maximus, summam vim 
esse dicebat in omnibus iis arbitriis_, in quibus adderctur EX 
FIDE BONA, fidei(j[ue bonae nomen existimabat manare latissime 
idque versari iu tutelis societatibus^ fiduciis mandatis, rcbus 
emptis venditis, conductis locatis, fjuibus vitae societas coutinere- 
tur. Eine vollstandige Aufzahlung der bonae fidei actioues gibt 
nach Gai. IV, IG, Instit. IV, 6, 28 f. Eein rom. Civ. p. 903, 
Note 1. — rein restitueret] ist im weiteren Sinne zu fassen ,er 
musste Schadenersatz leisten^; s. auch Osenbriiggen : ,Bei 
denactiones inpersonara, dieaufein dare, facere, prae- 
stare gingen, druckt das Verbum restituere jede Leistung 
aus, die dem Verurteilten aufgelegt wurde, nicht bloss das Zu- 
rilckgeben^ — liouestafem omiieiu amilteret] = iufamis fieret. 

Nuue] = nuuc autem, s. z. § 104. — a (lecuriouibus] s. z. § 115. 
§ 25. — publice] d. h. im Auftrag des Munizipiums. — T. Roscio] 
Die unmittelbare Wiederholung des Namens — repetitio, con- 
duplicatio bei Cornif. IV § 38, s. z. § 99 — verleiht dem 
Ausdruck eine grtissere Wirksamkeit; daher wurde der Name 
mit Unrecht von einigen Editoren gestrichen. — uou pauluiu uesclo 
(juld) ,niclit etwa eine Kleinigkeit, Bagatelle'; paulus 
erscheint hier als Adjektiv wie Or. I, 95 paulum huic aliquid 
poterit addere, — couvertit . . evertlt] Paronomasie. Cic. verbindet 
f u n d i t u s uberaus haufig mit e v e r t e r e, t o 11 e r e, d e 1 er e, bes. in 
der Formel fortunis oder bonis alifjuem funditus evertere. 
Mit bonis z. B. Verr. II, 54 nihilominus hunc everti bonis 
posse; fortunas f. evertere sagt Cic. nur p. Quiuct. § 53 te 
consilium cepisse hominis propinr[ui fortuuas funditus ever- 
tere. — tautldem, quauti] ,;ebensowenig als, uur so viel als" ; 
vgl. d. richtige Bemerkung von Mosbach philolog. Wochenschrift 
1882 p. 1033 Anm. 7 (in der Anzeige von Braune Observatioues 
grammaticae ad usum ,ita, sic, tam, adeo', particularum Plau- 
tinum ac Terentianum spect.) : „In tam liegt an sich keineswegs 
die Bezeichnung eiues hohen Grades, sondern der Zusammeu- 
hang erst gibt darliber Auskunft. Cic. Cat. III, 16 tam diu 
= nur so lange. Ebenso hcisst auch tantus nicht ,so gross', 
sonderu „so gross" und kann , da es immer nur auf die im fol- 
genden Satze rait ut oder quantus sich ergebende Bestimmung 



340 Kapitel XL § 11G. 

der Grosse hinweist, aucli besclirUnkende Bedeutung habeu (vgl. 
tantum = nur, tantiim quod [non] = nur dass [niclit], cf. Cic. 
Verr. I § 13, imp. Pomp. 14; dc sen. 3-3. 63. Sull. 22. 30. 
Sest. 91. Liv. 24, 34, 3; 25, 18, 12. Ueber tantum ,nur so 
viel', ita ,nur insofern' spricht auch C. F. W. MuUer zu Olfic. 
1 § 11. 

Kapitel XL. 
§ llb. Vom mandatum geht Cicero auf ein anderes bonae fidei 

negotium (s. z. § 114) uber, die societas = Gesellschafts- 
vertrag. Man versteht darunter jenen Vertrag, durch welchen 
sich mehrere Personen (socii, Handelskompagnons) zur Errcich- 
ung eines gemeinsamen Zweckes (bes. behufs Gelderwerbes, s. z. 
§ 117) verbinden. Die Verurteilung wegen Betrug (dolus) in 
einem iudicium pro socio hatte , wie bei der MandatGverletz- 
ung, die lufamie zur Folge, s. die zu § 111 citierten Stellen aus 
Cicero und den romischen Kechtsc|uelleu; ausserdcm vgl. p. Rosc. 
Com. § 16, welche Rede eine Hauptquelle ist filr die Kenntnis 
der rechtlichen Natur der societas: ,Si qua sunt privata iudicia 
summae existimationis et paene dicam capitis, tria haec sunt, 
fiduciae, tutelae, societatis. Aeque enim perfidiosum et 
nefarium est fidem frangere, quae continet vitam, et pupillum frau- 
dare, qiii in tutelam pervenit et socium fallere, qui se in 
negotio coniunxit* ; s. aach Rein rom. Civilpr. p. 724. 

Tidete] statt audite, wie cifter, wenn die Handlungen 
Jemandes in lebendiger Schilderung vor die Augen gefiihrt wer- 
den. — aeqiieque turpe atque[ Die Kakophonie aec^uecjue hat 
auch Lucrez I, 849. Cic. sagt an andern Stellen et aeque 
Mur. 28, dom. 123. Aehnliche Kakophonieen findeu sich iibri- 
gens auch in den gefeilteren Reden und Schriften Ciceros, s. Uber 
C|uoniam iam, cj^uamcjuam iam Eberhard zu Cic. Cat. IH 
fin., Orat. § 45 cj^uibus ut uti possit orator. Drager Syntax u. 
Stil des Tacitus' p. 120 vergleicht mit aequeque . . atque 
a. u. St. Tac. Ann. 4, 34 uterque opibusque atque etc. — 
rein eonimuuicarit] als socius, s. Rosc Com. 1. 1., Verr. III, 50 
socii putandi sunt quos inter res communicata est. — confugiet, 
fnni . . laeditur] cum ,wenn'; das Prasens bezeichnet hier die 
mit dem Futurum des Hauptsatzes gleichzeitige Handlung, 
s. Drjiger H. S. H § 494 B, 1. — per eius fidem laeditur] Frliher 
erklarte man den Ausdruck per fidem hochst geschraubt durch 
p. f. datam nec servatam. H. Usener Fleckois. Jahrb. 1878 
p. 74 flp. hat in ciner scharfsinnigen Untersuchung nachgewiesen, 



Kapitel XL § 116. 341 

dass iii clieser wie in einigen andern alteu Formeln per von 
derselben Wurzel wic sanscr. para und griecl). neqcc = contra 
zu fassen ist (vgl. per-iurius, per-egre, per-en-die, per-per-ani, 
Jordan krit. Beitr. p. 96). Diese Auffassung wird bestatigt diirch 
Brut. § 89 Lusitanis a Scr. Galba contra interpositam fidem 
interfectis. Ebenso erklareu Stellen wie Har. resp. § 34 oratores 
contra ius fasque interfectos undOros.bist. 5, 21, 1 SuUatria milia 
liominum . . contra fas contraf|ue fidem datam interfecit 
die alte Formel bei Liv. 1, 9, 13 p er fas ac fidem decepti = 
widerrecbtlich und treulos. Die fiir sich selbst sprecbende Er- 
klarung baben angenommen H. J. Miiller zu Liv. 1. 1. und Iw. 
Miiller in Nagelsb. Stil.'^ p. 185: wahreud C. F. W. Miiller zu 
Offic. 3 § 70 an der alten festhalt: ,Ueberall steht hier mit per 
resp. propter dasjenige, woran die Schuld der Tauschung liegt'. 
Im Anschluss an Usener habe ich iiber diese Formeln ausfiihr- 
licher gebandelt de Cic. elocut. p. 49, Anhang II. — atqiie] = 
accedit quod ,auch^ — auliniulFertenda maxiuie] „Cic. spricht liicr 
einen Rechtsgrundsatz aus, der aucb der Unterscheidung von fur 
nocturnus und fur diurnus nach den XII Tafeln und der starke- 
ren Bestrafung des ersteren zu Grunde liegt" Osenbriiggen. 
S. auch Rein rcim. Kriminalrecht p. 322. — tecti ad] ^verschlossen 
bei Fremden', d. h. wenn v/ir es mit Fremden zu thun habeu, 
eigentlich : in der Richtung gegen Fremde, s. Nagelsb. Stil."^ 
p. 400. Dieser Gebrauch von ad fiir apud oder in mit Abl. ist 
in der nacbklassischen Latinitiit haufiger, so bei Livius tutus ad 
[a(j(paXwg TiQog) 25, 38, 14, cautus ad [ivXa^rjg TiQog ti) 
24, 32, 3, s. Kiihuast Liv. Synt. p. 129. Das Adjektiv tectus 
(terminus technicus der Gladiatorensprache) ,wohl gedeckt = 
behutsam, vorsichtig' findet sich bei Cic. Pliil. 13, 6 est 
omni ratione tectior, fin. II § 54 qui occultus et tectus dicitur 
(vgl. § 104 u. R.), Deiot. § 16 quis consideratior illo? quis 
tectior, quis prudentior? Orat. 146, de orat. 11 § 296 u. dazu 
Ellendt; = verschwiegen, verschlossen wie a. u. St. 
ep. Att. 14, 21, 2 et nosti virum quam tectus: sed tamen 
Antonii consilia narrabat. — qui |)OSSllinus] Bei weitem am haufig- 
sten findet sich dieses adverbiale Fragepronomen bei Cicero mit 
dem Verbum posse verbunden (s. auch § 125), nachstdem mit 
den unpersbnlichen Verbis licet und evenit, vgl. das boraziscbe 
qui fit? (Cic. Scaur. 14 qui id factum est?) und Fritzsche zu 
Sat. 1, 3, 128, wo er bemerkt, dass das Wort in den Oden fchlc. 
Die Verbiuduug qui scivit stebt nur § 97 (und 53) der Rosc. 



342 Kapitel XL § 117. 

in deii Reden, qui ei vcnitiumentem § 105, nocli Cluent. 122, 
Phil. II, 40. Zur Stelle vgl. Verr. I § 39 Nullae sunt occul- 
tiores insidiae qiiam eae, quae latent in siraulatione ofticii aut in 
aliquo necessitudinis nomine. Nam eum, qui palam est adversarius, 
facile cavendo vitare possis ; hoc vero occultum intestinum ac 
domesticura raalum non modo exsistit, verum etiara opprimit, anto- 
quam prospicere atque explorare potueris. — etiani si metuimiis] 
d. h. auch uur der Schein von Misstrauen gegen ciuen Kom- 
pagnon ist eiue Pflichtverletzung. — iu viroruu) bouoruui uumero] 
Umschreibeuder Ausdruck fUr notari infamia, vgl. oben §114 
honestatera amittere. 
§ 117. At vero] Cic hat diese Partikelverbindung in den Redcn sehr 

hjiufig (doch auch in deu philos. Schriften^ so z. B. Cat. M. § 17), 
ixm iu lebhafter Redeform auf den Gegensatz hinzuweisen; vgl. 
§ 50 at hercule und § 131 at coutra. Bei Livius lindet sich 
at vero uur 2, 24, 3, dagegeu iu den Redeu haufig at herculc, 
s. z. § 50. — rei pecuuiariaej Wie schon oben zu § 116 bemerkt 
wurdc, war eiue societas in der Regel auf gemeinschaltliche Geld- 
gcschiifte gerichtct, societas lucri, quaestus. — legatiouis] 
s. d. krit. Anhang. — iuduxit; decepit, destituit . . fefellit] ahnliche 
Haufuug synonymer Verba des Tauschens in Pis. § 1 hic (vultus) 
eos, quibus erat ignotus, decepit, fefellit, iuduxit. Wie 
iuducere gebrauchcn die Komiker ducere, ductare und 
circumducere ira Siune von ,anfuhren, au der Nase 
hcrurafiihren, foppcn^, s. Lorenz zu Plaut. Most. 832. — 
omui fraude . . fefeliit] fraude fallere bildet eine ahnliche 
allitteriereude Verbindung wie flagitiis fl agr ar e Verr. IV § 71 
oder sauguine saginantur Sest. §78; s. mehr Beisp. bei 
Ebrard, die Allitteration in der lat. Sprache G. Pr, Bayreuth 
1882 p. 82 ff. — uou videruut] ,konnten nicht merken'; credi- 
deruut] ,mussten Glauben schcukeu' ; s. iiber die hier notigc 
Ergauziuig dcutscher phraseologischer Verba H. Auton im Naum- 
burger Programra 1878 Die deutschen phras. Verba im Latcin. 
p. 44. — paruui putautur cauti providiqne] cf. Phil. XII, 25 possumne 
igitur satis videri cautus, satis providus, si rae huic 
itiueri . . comraiseroV — sociorum cousilia adversariis euuutiavit, 
deiudc societatem cum ipsis adversariis coiit| Drastisch wirkt hicr dic 
Zusararaenstcllung der Wijrter socii und societatem von ganz 
vcrschiedeucn Personcn gesetzt. Die socii, dercn Plane er 
verrJit, sind die socii lcgatiouis; walu'end die socii, mit 
deucu cr eine societas geschlossen, die Foinde von jenen und 



Kapitel XL § 118. 343 

eigeiitlich von ihm selbst sind, s. § 20 fin. — etiam] ,auch noch 
=: noch obendrein', wofilr in der mehr gevvohnlichen Sprache 
insuper oder insuper etiam steht, so Plant. Merc. 693, 
Cornif. IV § 33, Liv. 21, 1, 5, s. Haase zu Reisig Vorl. p. 431. 
Cicero und Casar brauchen das Adverbium in dieser figiirlichen 
Bedeutung nicht. — terret ac rainaturj Wie die Substantiva terror 
ac minae, verbinden sich auch die Verba terrere ac minari 
gerne, s. z. § 81. — miliatur] uaml. mit seiuem Zeugnis, s. z. 
§ 101. — oriiatus] konzessiv; zum Ausdruck vgl. § 8 fin. — 
flagiliis] ,Schand thateu^ bezieht sich auf seine schimpfliche und 
ehrlose Handkingsweise iu den beiden bouae fidei negotia; male- 
ficium „Missethat" auf die Ermordung des Roscius. 

Mnlta avare . . facta] Cf. § 104 multa scelerate, multa § m 
audaciter, multa improbe fecisti und Verr. act. prim. 
§ 56 dicimus C. Verrem, cum multa libidinose, multa 
crudeliter in cives Romanos atque socios, multa in deos 
hominesque nefarie fecerit^ tum praeterea . . abstulisse. — 
ibi scelus quoque latere] Zu dlesem Schlusse und dem umgekehrten 
,ex hoc etiam, si quo de illorum forte dubitabitur, convincatur' 
s. Cic. de inv. 11 § 32 ff". nam causa facti parum firmitiidinis 
habebit, nisi animus eius , qui insimulatur, in eam suspicionem 
adducitur, ut a tali culpa non videatur abhorruisse . . . Quare 
vitam eius quem arguit ex ante factis accusator improbare debebit 
et ostendere, si quo in pari ante peccato convictus sit . . . Si 
avaritia inductum arguas fecisse et avarum eum, quem accuses, 
demonstrare non possis , aliis adfinem vitiis esse doceas et ex ea 
re non esse mirandum, qui in illa re turpis aut cupidus aut 
petulans fuerit, hac quoque in re eum deliquisse . . . Si nulli 
adfinis poterit vitio reus ante admisso demonstrari, locus inducetur 
ille, per quem hortandi iudices erunt, ut veterem famam hominis 
nihil ad rem putent pertinere . . quare non oportere hanc rem 
ex superiore vita spectari, sed superiorem vitam ex hac re 
improbari . . etc. — putatote] vgl. § 18. — tametsi] Ueber das 
restringierende tanietsi s. z. § 83. — hoc quidem] namlich das 
yorliegende scelus des Mordes. — quodj adversativ, „welches 
im Gegenteil so zuTage Hegt und vor Augen". — 
promptum et propositum] Diese allitterierende Forrael scheint nicht 
weiter vorzukommen, da sie bei Wolfflin allitt. Verb. p. 78 nicht 
aufgefuhrt ist. p. Caecin. § 78 sagt Cicero fidem suam populo 
Romano promptam expositamque praebuerit. [Dagegen 
steht die bei Wolfflin 1. h nur mit Cic. Off". 2, 17 belegte Ver- 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Rosc. II. Halfte. 23 



344 Kapitel, XL § J18. 

binduDg promptus ac paratus nocli ep. fam. 5, 8, 2, rliv. 
Caec. 41]. — si quo de] = si de aliquo. Die Anastrophe der 
Priiposition ist bier zunachst herbeigefiihrt durch den von quo 
erstrebten Anschhass an si, vgl. Lael. § 83 quae si quos inter 
societas etc. und dazu Seyftert: „Die Anastrophe der Praposition, 
die sonst meist nur nach Eelativis stattfindet. hat ofiFenbar ihren 
Grund darin, um das Pronomen infinitum als solches durch die 
unmittelbare Verbindung mit si kenntlich zu machen". Doch steht 
die Praposition de uberhaupt dem Pronomen bes. dem Relativ 
gerne nach, bei Cic. am haufigsten in der Jugendschrift de in- 
ventione. Es findet sich hier quo de (nach dem Vorgang des 
Cornif. II § 40) 6 mal, qua de (Cornif. I, 8 etc.) 7mal, quibus 
de Imal^ s. d. Stellen bei Thielmanu Cornif. p. 79 (Hellmuth 
p. 147). Die Quelle dieses Sprachgebrauches scheint die juristische 
Sprache zu sein, in der Formehi wie ea res qua de agitur 
sehr beliebt waren, s. Neue Formeulehre^ p. 789. Auch audere 
Prapositiouen stellt Cic. dem Kelativum nach, so quem contra, 
Verr. I § 24, V § 153, quibus sine de inv. 11, 40, quos ad 
Nat. deor. II, 10, quem ultra Tuscul. IV, 38, selten hinter das 
Demonstrativ wie hunc post Tuscuh II, 15 (cf. hoc de Petron. 
62, 38, de hoc Bucheler). Der Gebrauch der Anastrophe der 
Prapositionen bei Cicero ist an ein voi"hergehendes Pronomen ge- 
bunden, wahrend die ubrigen Prosaiker sich viel mehr von dem 
freieren Gebrauch der Dichter leiten lassen, s. z. B. iiber die 
Anastrophe der Prapositionen bei Tacitus Drager Syntax u. Stil 
des Tac. ^ p. 92 fi". , der von ihm bemerkt, dass kein Prosaiker, 
auch der spatern Zeit, darin so weit gegaugen sei. Die Jiltere Litte- 
ratur dieses Gegenstandes gibt Kilhner zu Tuscul. II, 15 und Haase 
zu Reisig Anm. 260, die neuere Kiihuer ausf. Gramm. II § 113; 
fur Cicero bes. Thielmann u. Hellmuth 1. 1. Durch die Untersuch- 
ungen der letzteren ist die frllherhin gemeiniglich angenommene 
Behauptuug Zumpts Gramm. § 324, dass die Anastrophe namentlich 
von d e nicht leicht anders als in juristischen Formehi sich fiude, 
wie quo de agitur und res qua de iudicatum est, widerlegt, 
denn bei Cic. inv. II, 71 steht qua de ante dictum est, ib. 
§ 150 qua de quaeratur, ib. § 141 quibus de scriptum est. 
Dass jedoch der Gebrauch aus der Juristensprache herrlihren mag, 
haben wir obeu schon bemerkt. — qnid taudera?] Zu erganzen 
ist aus dem Folgenden videtur vobis. — lauista . . discipulns 
magistro] cf. § 17. Der Vergleich soll den Uebergang zum 
Roscius Magnus vermitteln. — a gladio recessisse] nach Analogie 



Kapitel XLI § 118. 345 

von § 16 und 126 ab armis recedere. Vielleicht aber ist 
der iiur hier sich findende Ausdruck gewahlt, urn eine Paronomasie 
zu erhaUen mit dem folgeuden de arte concedere; vgl. Caecin. 
§ 58 ut longius a verbo recedamus, ab aequitate ne 
tantulum quidem. — taiitulnm de arte coiicedere] In der klassi- 
schen Sprache hat concedere meist den Quantitiitsakkusativ bei 
sich; cf. Ter. Ad. 217 si nunc de tuo iure concessisses paul- 
luliim, Cic. Off. 2 § 64 paulum noununquam de suo iure de- 
cedere. Von Livius an ist concedere de aliqua re im neu- 
tralen Sinn = nachgeben, den Vorzug einraumen das 
Gewohnliche , s. Krebs- Allgayer 5. Aufl. p. 257 [wodurch die 
Bemerkung von Heraeus zu Tac. Hist. 3, 64 rektifiziert wird, dass 
bei den aheren Klassikern der Quantitatsakkusativ nie fehle, 
denn Cic. ep. Att. 12, 47, 2 heisst es etsi de cupiditate nemini 
concedam]. Auch concedere in sagt Cicero, z. B. ep. Att. 14, 18, 3 
neque ei quidquam in desperatione concedo. — par . . simiiis 
. . eadem . . gemiua] Diese und ahnliche Variationen scheinen 
bei den lat. Autoreu beliebt gewesen zu sein. Ich habe folgende 
Parallelen gesammelt: Pacuv. trag. 174 par fortitudo, gemina 
confidentia; Tac. Ann. 2, 25 eadera virtute, pari ferocia; Agric. 16 
fin. eadem inertia erga hostes, similis petulantia castrorum; 
Cic p. Quinct § 10 non ius par, non agendi potestas eadem, 
non magistratus aequus; Apul. Flor. 1, 38, 9 gemino voto, 
pari studio, simili stilo; Lucret. V, 894 nec simili Veuere 
ardescunt nec moribus unis Conveniunt , neque sunt eadem 
iucunda per artus ; Lactant. de mortib. per. c. 8, 1 iu utroque 
mens una, eadem cogitatio, par voluntas, aequa seutentia. 
Dagegen steht bei Oros. Hist. p. 87 Z. eine achtmalige Anaphora 
von similis. — gemina] Ueber den metaphor. Gebrauch von 
geminus s. Langen Fleckeis. Jahrb. 1882 p. 758: „Plautus hat 
geminus nur im eigentlichen Sinne von Zwillingen. Bei Terentius 
finden wir die Anwendung auf Sachen iu der zunachst liegenden 
Metapher ,doppelt'. Die andere in der klassischen Sprache ge- 
brauchliche, etwas weiter liegende Metaphcr ,wie Zwillinge ahn- 
lich' lasst sich zuerst bei Pacuv. 174 nachweisen". 



Kapitel XLI. 

Nachdem Cic. sich durch eine feine Wendung den Ueber- 
gang zum T. Roscius Magnus gebahnt, wendet er sich jetzt speziell 

23* 



34G Kapitel XLI § 119. 

gegen ihn und stellt seine Weigeruug die zwei Sklaven zur pein- 
liclien Befragung lierauszugeben als im hochsten Grade verdachtig 
dar; s. Saxonius p. 66: ,Coniectux*a specialis, quo animo Magnus 
duos servos S. Roscii, tjui cum occideretur, adfuerunt, in quae- 
stionem dare recuset, et quare tanto illi in honore sint apud 
Chrysogonum. Hanc coniecturam suspiciose disputat orator et 
per eam probat duos Titos Roscios esse auctores caedis'. 
§ 119. Etenini quoniam etc.] Cornif. IV cap. 26 in. /rransitio 

vocatur, quae quum ostendit breviter, quid dictum sit, proponit 
item brevi, quid consequatur, hoc pacto: In patriam cuiusmodi 
fuerit, habetis, nunc in parentes qualis exstiterit, considerate. 
Item : Mea in istum beneficia cognostis; nunc quomodo iste 
mihi gratiam rettulerit, accipite'. J)ie Uebergangspartikel ist in 
solchem Falle quoniam (in Verbindung mit et, sed, nam, 
igitur), nicht postquam, s. Seyffert schol. Lat. I § 34 und 
zu Laelius p. 93. Vgl. Cornif. II § 27 quoniam satis osteu- 
disse videmur, quibus argumentationibus in uno quoque genere 
causae iudicialis uti conveniret, consequi videtur ut doceamus, 
quemadmodum etc. , Cic. de imp. Pomp. § 20 quoniam de 
genere belli dixi, nunc de magnitudine pauca dicam. Ueber die 
Wiederholung des gleichen Verbums s. z. § 92. — dixi iaiu antea] 
§ 77. — saepe nnmeroj § 77 sagte Cicero nur aliquotiens. — 
ab istis] Frllher erklarte man ab istis =. ab advocatis Roscii filii, 
Metellis Serviliis Scipionibus. Dass dies falsch ist, zeigt die Ver- 
gleichung mit § 77, wo es heisst ,vobis agentibus ... ab 
adversariis Sex. Roscius postulavit'. Speziell ist T. Roscius 
Magnus hier gemeint „1) weil dieser der Prokurator des Chryso- 
gonus war, in dessen Besitz die Sklaven gekommen waren ; 2) weil 
der Redner, nachdem er dem Capito die Treulosigkeit in dem 
mandatum und der societas vorgeworfen hat, auch von dem 
Magnus etwas besonderes sagen wollte, um seinen Charakter zu 
verdachtigen" Halm. — qni postiilabant] Die in § 77 genann- 
ten P. Scipio und M. Metellus. — Donatus zu Ter. Andr. 
2, 5, 11 unterscheidet : ,p e t i m u s aliquid precario (v e r I a n g e n), 
poscimus imperiose (fordern), postulamus iure (beau- 
spruchen)^ — res ipsa] sc. quae postulabatur ,die Forderung 
an und fur sich*. — talesque putautur] Au andern Stelleu bei Cic. 
stehen statt des Pronomens auch die Adverbieu ita und sic, z. B. 
p. Arch. § 31 qui sancti sunt habiti itaque dicti (u. daz. Halm), 
Or. III § 84 ita me existimari scio- s. z. § 84 sic vita hominum 



Kapitel XLI § 120. 347 

est itnd m. Abhrllg. de Cic. eloc. p. 39. — dicereut] ,sagen 
mochten'. — esset] ist zngleich bedingter Konjunktiv, wie Mil. 
§ 38 fin. und dazu Wirz. — in cniciatuill darij starkerer Ausdruck 
fiir in quaestionem, s. z. § 77. 

De maleficio confiterere] cf. § 123 de maleficio suo confiteri. § 120. 
Uiese Konstruktion von confiteri ist bei Cicero haufig ; vgl. 
commemorare de in § 94. Georges libersetzt: „die Sache ver- 
weigern heisst ebensoviel als ein Gestandnis ablegen". — recnsaris] 
Man erganzt leicht aus dem Vorhergehenden rem. — cum occidi- 
tur Sex. Roscius, ibidem fHeruiit] Diese Satzform, das praes. histor. 
im Temporalsatz mit cum (= dum), im Hauptsatz das perf. hist. 
ist sehr selten, s. Drager H. S. II § 494 B, 2. — 0|ipuguari ue] 
oppugnare ist hier wie Ligar. § 13 mit ne konstruiert nach 
Analogie von repugnare und obsistere. — iu houore tauto 
suut] s. z. § 77. — peruiciosum] Das gleiche Ausklingen der bei- 
den einander gegeniibergestellten Glieder suspiciosum — per- 
niciosum ist von Cic. wohl ebenso beabsichtigt wie die bei 
ihm beliebte Paronomasie von perspicuus und suspiciosus 
s. z. § 18. — iu domiuos quaeri de servis iniquum est] quaerere 
de von der peinlichen Befragung der Sklaven , s. z. § 83. Wie 
zu § 77 bemerkt, durfte.n die Sklaven nur (als Entlastungs- 
zeugen) fur ihren angeklagten Herrn vernommen werden (durcb 
die Folter) , welcher sie selbst hiezu anbieten konnte. Dagegen 
war es ein Grundsatz des Gewohnheitsrechts, der auf dem Pietats- 
verhaltnis des Sklaven zura Herrn beruhte, dass jener nicht 
(als Belastungszeuge) gegen seinen Herrn vernommen wer- 
den durfte, vgl. p. Mil. § 59 maiores nostri in dominum de servo 
quaeri noluerunt, non quin posset verum inveniri, sed quia vide- 
batur indignum esse et domini morte ipsa tristius. Eine gesetz- 
liche Ausnahme erlitt dieser Grundsatz nur bei dem Verbrechen 
des iucestiis (s. p. Mil. § 59 de servis nulla lege quaestio est 
in dominum nisi de incestu , ut fuit in Clodium) und in beson- 
deren Fallen, wie bei der Katilinarischen Verschworung, cf. Partit. 
orat. § 118 qui (sc. maiores nostri) in dominos de servis quaeri 
noluissent, de incestu tamen et couiuratione, quae facta me con- 
sule est, quaerendum putaveruut. In unserem Prozesse konnte es 
fraglich sein , ob eine quaestio in dominiim stattfinden diirfe. 
Capito und Magnus natlirlich suchten durch deu Hinweis auf 
jenen Rechtsgrundsatz ,in dominos quaeri de servis iniquum est' 
einer Herausgabe der Sklaven des Angeklagten aus dem Wege 



348 Kapitel XLI § 121. 

zu gehen. Cicero aber macht dagegen geltend , dass dieser Satz 
deswegen hier nicht zur Anwendung kommen konne, weil die 
Sklaven faktisch jetzt ja niclit mehr dem Sextus Roscius gehoren, 
sondern dem Capito und Maguus. Die Worte^ welche diesen 
Einwand enthalten, siud in den Handschriften sehr verdorben. 
Meine Emendation macht nicht deu Anspruch auf Evidenz, son- 
dern will nur eiu Versuch seiu die Stelle lesbar zu machen, s. 
d. krit. Anhang. — Ita credoj ironisch ,ja freilich'; cf. Verr. III 
§ 8 Verrem amatis? Ita credo: si non virtute, non industria, 
nou iunocentia, non pudore, uou pudicitia, at sermone, at litteris, 
at humanitate eiiis delectamini. Nihil eorum est | p. Quinct. 
§ 39 ita credo: hominem propinquum . . . nok^bas aut non 
audebas appellare . . . id er at p r o fe cto. — ducitur] = delec- 
tatur, vgl. die oben citierte Stelle ans Verr. III, 8 und ibid. II 
§ 143 ,quodsi quem statuae magno opere delectant, et si quis 
earum honore aut gloria ducitur'. — omuiuui deliciaruni . . puerulos] 
„Burscbcheu zu Ergotzlichkeiten aller Art gescliickt''. Zum Demi- 
uutiv vgh § 141, zum Geuetiv leg. agr. II § 36 adiuugetur etiam 
illa via vendibilis Herculanea, multarum deliciarum und §17 
d. Rosc. plurimarum palmarum vetus gladiator, zur Bedeutung 
p. Mil. § 28 muliebri ac delicato ancillarum puerorumque 
comitatu, wo delicati pueri = Pagen. — ex tot elegaulissimis 
familiis lectos] uamlich aus den Dienerschaften der Proskribierten, 
s. § 133. Unter el egau tissimi sind bes. die servi litterati 
zu versteheu, welche ganze Partieen aus Klassikern ex tempore vor- 
tragen konnten, und die pueri symphoniaci, welche die Haus- 
kapelle bildeten, vgl. § 134. Sie stammten meist aus Griechenland 
oder Asien. — paeue operarios] ,fast uur an Taglohn erar beit 
gewohut'; vgl. Cic. Parad. V § 37 sed ut in magna familia sunt 
alii lautiores, ut sibi videutur, servi, sed tamen servi, ut atrienses, at 
qui tractaut ista, qui tergent, (|ui uuguut, qui verrunt, qui 
spargunt, uon honestissimum locum servitutis teuent, sic etc. — 
patris familiae] Bei Cicero ist die Form familias die gewohnliche, 
familiae selten. Nach Schmalz Vatin. p. 8 war die Form 
familiae, welche Casar, Livius und Salkist ausschliesslich ge- 
brauchen , die von den hoheren Stauden bevorzugte, wahreud 
jener etwas altertumlich Volkmassiges anhaftete. S. auch zu § 48. 
§ 121. Nou ita est profecto, iudices: non est veri simile] Sehr wirksam 

ist hier die rhetorische Wiederliolung vou non est, vgl. Mil. 
§ 21 uon fuit ea causa, iudices, profecto, nou fuit, cur etc. 



Kapitel XLI § 121. 349 

,nein, das nicht — das uiclit'. Wie im Dentscben findet sich 
auch ira Lateinisehen zur Steigerung des Affekts die unmittelbare 
Aufeinanderfolge (im engeren Sinne die Gemination) von 
non non und minume minume. Letzteres z, B. p. Mil. 
§ 104, fiir ersteres vgl. Sulpic. Sever. epist. 2 non deerit, mibi 
crede, non non deerit; s. Wolfflin, die Gemination im Lateini- 
schen p. 438. Krebs - Allgayer machen im Antib. s. v. certe 
darauf aufmerksam , dass die affirmierendeii oder beteuernden 
Adverbien als certe, profecto und sane im Latein. nicht wie im 
Deutschen doppelt gesetzt werden konnen , dass man also statt 
certe, certe non fuit zu sagen habe entweder certe non 
fuit oder non fuit, certe non fuit. — veri simile est ut] 
Veri simile est mit folgendem ut findet sicb bei Cicero an 
4 Stelh'u (ausser u. St. noch Verr. IV § 11, SulL § 57, Sest. 
§ 78) und zwar immer in negativen Satzen oder Fragen mit 
negativem Sinn, ebenso Plaut. Most. 13 und Lactant. de ira dei 
10, 44; cf. Drager II § 404, Thielmann Curnif. p. 85. Haase 
bringt zu Keisig Vorles. p. 555 noch eine Stelle aus Senec. de 
benef. IV c. 12 deos veri simile est, ut alios indulgentius 
tractent propter parentes avosque, alios propter futuram . . . 
posterorum indolem, wozu er in der Aum. 483 bemerkt: „Die von 
mir beigebrachte Stelle des Seneca zeigt, dass die Negation hiebei 
nicht wesentlicli notig ist; aber dass sie sich haufig findet, hat 
seinen naturlichen Grund darin, dass von einem angenommenen 
Falle die Rede ist . . . Der Unterschied von der Konstruktion 
mit dem Acc. c. Inf. ist der, dass dieser die Unwahrscheinlichkeit 
der Sache iiberhaupt ausdrlickt, mit ut aber selbst die Moglich- 
keit der Annahme der Sache in Zweifel gestellt und dann zu- 
gleich noch die Sache fiir unwahrscheinlich erklart wird. Ilierin 
liegt demnach ein weit hoherer Grad der Unwahrscheinlichkeit". 
Vgl. noch Seyffert zu LaeL^ p. 85. — adainarit] adamare ist 
in der klass Sprache fast ausschliesslich nur im Perf. und PIus- 
([uamperf. ini Gebrauch; bei Cic. findet sich nur einmal Fin. I 
§ 69 der Infin. praes., s. Krcbs Allgayer s. v. — litteras adamarit 
aul hiimanitatem . . diligeiitiam cognorit et fidem] Durch die Zwischen- 
stellung der Verba zwischen die beiden Substantiva werden diese 
selbst hcrvorgehoben und der Rhythmus der beiden Satzglieder 
ein gefalligerer ; vgl. § 95 audacia tua cognoscatur et impu- 
dentia; Nat. deor. II § 151 cibi etiam varietas invenitur et 
copia. — abscouditur] Cicero gtibraucbt sonst das Verbum nur 



350 Kapitel XLII § 122. 

in der Form cles Part. perf. pass. , Casar uud Livius vermeideu 
es ganz. Ebenso fiudeu sicli von recondere bei Cic. nur das 
Part. perf. pass. uud die damit zusammengesetzten Tempora. Die 
von Cic. gebrauchten Verba fur ,verbergen' sind abdere und 
bes. occultare. 

Kapitel XLII. 

§ 122. Mit dem locus communis ,non in omnes arbitror omnia con- 

venire' trennt Cic. die Person des Chrysogonus von der Gemein- 
schaft der Eoscier in Bezug auf den Akt der Ermordung 
und vermittelt dadurch unter Hinblick auf seine in § 35 ge- 
machte Partitio den Uebergang zum dritten Teil seiner Beweis- 
filhrung, der gegen die nimia gratia potentiaque des Chry- 
s g n u s gerichtet ist. 

Quid igitur] s. z. § 2 quid ergo. — suine] im Gegensatz zu 
Rosciorum ; hierauf bezieht sich die Antwort minime. — non 
vult] = recusat. — non in ouines arbitror oninia convenire] vgl. de 
inv. n § 16 non omnes in omnem causam convenire 
und das Wort Gothes „Eines schickt sich nicht flir alle". — 
nihil eiusniodi] d. h. was auf eine Beteiligung an dem Morde 
selbst schliessen liesse. — meministis me distribuisse] Man erwartet 
den Inf. Praes. , da das Publikum , welches die Einteilung der 
Rede gehort, noch anwesend war; aber Cic. will ohne Rlicksicht 
darauf die Einteilung bloss als eine zu Anfang der Eede ge- 
machte, also als eine in der Gegenwart vollendete bezeichnen ; 
s. Haase zu Reisig Vorl. Anm. 454, Kiihner ausf. Grammatik H 
p. 518, 3, Drager H. S. II § 438, 2, der bemerkt, dass die vor- 
klassische Sprache nur memini mit dem Inf. Praes. kennt. — 
in crimen] Die Ausdrucksweise ist sehr gedrungen. Wie in cri- 
men steht fiir in criminis refutationem, so gleich darauf 
in audaciam fiir in audaciae impugnationem. Auffallend 
ist in diesen Satzen auch das Fehlen jeder Verbindungspartikel, 
in welchem Punkte Cicero in den spatern Reden sehr sorgfaltig 
verfahrt. So vermisst man in § 121 vor est quiddam eine Kon- 
klusiv-, in §122 vor meministis eine Explikativ-, vor nimiam 
gratiam eine Adversativpartikeh Desgleichen in § 123 vor 
ego sic existimo und dixi initio. — argumeutatio] cf Cic. 
invent. I § 74 argumentatio nomine uno res duas significat, 
ideo quod et inventum aliquam in rem probabile aut necessarium 
argumentatio vocatur et eius inventi artificiosa expolitio; Partit. 
orat. § 45 (argumentatio) est argumenti explicatio. — quidquid 



Kapitel XLII § 123. 351 

nialeficii . . erit] Der partitive Genetiv nacb quidquid ist be- 
sonders bei den Dichtern und in der Prosa bei Livius haufig, 
s. M. Mliller und VVeissenborn zu 2, 6, 7 ; Drager H. S. I 
§ 199, 2, Avo die Stellen aus Cicero fehlen: imp. Pomp. 69 
quidquid est in me studii, Verr. IV, 76 quidquid erat 
oneris in nautis remigibusque exigeudis, ebenso Vatin. ep. fam. 
5, 9, 1 hoc , q u i d q u i d est o n e r i s a c m u n e r i s , pro mea 
dignitate tibi tuendum ac sustinendum puta; Verr. II, 46. 135. IV, 51, 
OflT. III §59. Gut handelt liber diese Gebrauchsweise Haase zuReisig 
Anm. 530 und in seinen Vorlesungen li p. 28 ff. ; iiber unsern 
Fall p. 30: „Hieraus erklart es sich auch, dass zuweilen der 
Genetivus partitivus von einem Wort abhangt, das gar nicht einen 
Teil, sondern vielmehr das Ganze bezeichnet; das Ganze ist nam- 
lich ein doppeltes, einmal das real vorliegende wirklich gegebene; 
dann das Ganze des Begriffs, der ganz allgemein ist ohne Riick- 
sicht auf Eealitat. Vgl. quidquid patrum plebisque est Liv. 8, 
17, 5 Alles was ausgeht von diesem Begriff, was diesen 
Namen tragt". — uimiani gratiam etc.] Das dritte Glied, das 
den beiden abgethanen Teilen den neuen entgegenstellt, erscheint 
deswegen auch in abweichender Form : ,Von Chrysogonus aber 
behaupte ich nur, dass er' etc. — perferri] In der Komposition 
mit per liegt der Gedanke ,auf die Dauer, fiir die Lange 
ertragen^; cf. Catil. I, 3 nos consules perferemus = fort und 
fort ertragen; s. auch z. § 10. 

Ego sic existimol Man fasst diese Worte wohl am besten mit § 123. 
Halm als im Gegensatz zu ,non in omnes arbitror orania con- 
venire' gesprochen auf, wahrend Richter in ihnen die Zusammen- 
fassung des § 119 ff. Erwiesenen erblickt. — yerbo . . . re ipsa] 
Res bedeutet im Gegensatz zum Sagen verba und Denken 
cogitatio iiberhaupt die faktische Wirklichkeit : verba bezeich- 
net dann entweder a) den blossen Namen einer Sache im 
Gegensatz zu ihrem wahren Wesen oder b) den Schein im 
Gegensatz zur Wir kli chkeit. Im Griechischen hat man den 
namlichen Gegensatz von Xoyog und eQyoi^] s. auch Seyffert 
zu Lael.2 p. 166 und 449 verbis — opere. Fiir a) vgl. raan 
Ter. Ad. 164 neque tu verbis solves unquam quod mihi re 
male feceris, Andr. 824, Eun. 741 usque adeo illius ferre possum 
ineptiam et magnifica verba, Verba dum sint: verum enim 
si ad rem conferentur, vapixlabit (vgl. z. § 47 verba et inep- 
tiae) ; Cic. p. Quiuct. § 56 (ganz ahnlich unserer Stelle) ,haec 
ille si verbis non audet, re quidem vera palam loquitur, 



352 Kapitel XLII § 123. 

Sall. Cat. 52, 35 facile paterer vos ipsa re corrigi, quoniam 
verba contemnitis u. daz. Kritz; Friedersdorff zu Liv. 28,40,11. 
Flir b) vergleiche: Cic. Verr. III, 133 cum . . verbo ac simu- 
latione Apronio, re vera tibi obiectum esset, Tac. Ann. 1, 81 
lin. jSpeciosa verbis, r e inania aut subdola'. — dixi iDitio] § 83. — 
una quaeque] = de una quaque, wie man auch sagt disserere, 
disputare rem und de r e. — inritus ac necessario] Die Ver- 
bindung des Adjektivs mit dem Adverb ist auch sonst beliebt^ 
so Offic. I § 27 consulto et cogitata fiat iniuria, ib. § 136 
ad hoc genus castigandi raro invitique veniemus, p. Quinct. 
§ 47 invito atque ingratiis, eine vulgare Wendung wie die 
Vergleiehung mit Plaut. Cas. 2, 5, 7 zeigt ,vobis invitis atque 
ingratiis'. Ueberhaupt liebt der Lateiner wie der Grieche eine 
Haufung des Ausdrucks, um das Gezwungensein ixnd Gezwungeu- 
werden zu etwas auszudriicken. Bekannt sind aus Homer Weud- 
ungen wie ov ydg rlq f/s ^lrj ye excov cc sxovza dlrjtai 
(II. 7, 197), Soph. Oed. C. 935 /S/» ze x ovx exwv. Ganz 
dieselbe Flille zeigt sich uns im Lateinischen bei Ter. Andr. 632 
tura coacti necessario se aperiunt, aber auch bei Cic. de 
dom. § 93 coactus ac necessario dicerem ; Ter. Phorm. 214 
scio : vi coactum te esse invitum, Cic. p. (^uinct. § 51 vi 
ac necessitate coacti inviti; Plaut. Mil. 449 vi atque 
invitam ingratiis rapiam te. Vgl. m Abhdlg. de Cic. eloc. 
p. 19. Hieher gehort auch die pleonastische Ausdrucksweise 
necessario cogi (z. B. Verr. III, 101) und die Hinzufugung 
von necessario zum Gerundiimi und Gerundivum, worliber ich 
im H. Band der acta Erlang. p. 62 und 513 gehandelt. Cicero 
hat sich dieser letzteren Redeweise nach dem Vorgang des Corni- 
ficius in seiner Schrift de inventione 2 raal bedient, in der Quinc- 
tiana § 71 dicendum necessario est, besonders haufig aber 
in den Verrinen, wahrend die spateren Reden den Pleonasmus 
nicht aufweisen. — Ueber invitus als Ersatz fiir nolens, 
welches Partizip, so viel ich sehe, zuerst Senec. Controv. VIII, 5 
im Titel gebraucht, s. Wolfflin Rhein. Mus. N. F. Bd. 37 S. 87. — 
diligenter] ,genau' d. h. indem ich auf die einzelnen Piinkte aus- 
fuhrlich eingehe. — si coepero . . sit disserendum] C o e p e r o , das 
Weiske und nach ihm Eberhard in coeperim andern wollten, 
haben verteidigt und mit Beispielen belegt Matthiae und C. F. 
W. Miiller in der adnot. crit. p. XX, von denen hier angeflihrt 
sei Div. II § 131 vide ne, etiamsi diviuationem tibi esse con- 
cessero, quod nunquam faciam, neminem tamen divinum reperire 



Kapitel XLIII § 124. 353 

possinius. — sit dissereiiduia] im Sinne des griechischen Optativs 
mit av ,zu sprechen sein durfte', s. Anton, Die deutschen 
phraseol. Verba im Latein. p. 34. — vestris ingeniis . . committo] 
cf. § 82 ingeniis vestris videar diffidere. 

III. Hauptteli: gegen Chrysogonus, §124—142. 

In diesem Teile wendet sich Cicero direkt gegen Chrysogonus, 
der seine einflussreiche Stelhing insofern gemissbraucht habe, als 
er die Hand dazu geboten, der nichtswlirdigen Handhuigsweise 
der Roscier den Stempel der Gesetzlichkeit aufzudrlicken; freilich 
ein gefahrhcher Boden, auf dem sich hier der junge Redner be- 
wegte ! Denn musste er nicht beflirchten^ dass Chrysogonus aufs 
tiefste beleidigt von Ciceros schonungslosen Angriffen, seinen 
ganzen Einfluss bei Sulla aufbieten wlirde, um Rache an dem 
verhassten Gegner zu uehinen, oder dass Sulla selbst, wenn ihn 
auch Cicero moglichst aus dera Spiel zu lassen sucht, dennoch 
aus des Redners Worten einen Vorwurf fiir sich und scine Regime 
berauslas V 

Kapitel XLIII. 

Nomeu aureum Chrysogoui] Die Anspielung mit aureus be- § 124. 
zieht sich zunachst auf die Etymologie des Namens; zugleich 
will aber auch der Redner darauf hindeuten, dass jener Name 
erst zu seiner rechten Bedeutung gekommen sei, seitdem die 
Proskriptionen des Chrys. Tasche mit Gold gefliHt. Die Periphrase 
ad illud noraen aureum Chrysogoni = ad illum Chry- 
sogonum cum aureo noraine ist gewahlt wegen des folgenden sub 
quo nomine. Ueber die Wiederholunir des Substantivs s. z. 
§ 8. — sub quo nomiue] ,u n t e r w e 1 c h e r F i r m a' Georges ; flir 
die Redensart vergleichen Blichner und Osenbrliggen irrtiimlich ep. 
Att. Xn, 17 statt Phil. XII, 17 quoniam sub nomine pacis 
belhim lateret; leg. agr. IH, 12 non mediocris res neque parvura 
sub hoc verbo furtum, Quirites, latet. — latuit] Die Lesart 
einiger codd. ,statuit' (Vulg. statuitur) haben Biichner und 
Madvig (op. I p. 184) in latuit gebessert; s. Buchners Note: 
sic reposuimus de coniectura pro vulg. statuitur . . . dixit 
autem orator latuit pro latet, quia societas ista revera non 
amplius latet, sed iamdudum in aperto posita est, cf. § 20 sq. 
Latuit igitur, antequam ad Sextum Roscium defendendum Cicero 
sese accingeret. Simihter locutus est Tullius pro Cluent. § 66 
jRepetam paullo altius, iudices, et omnia, quae in diuturna obs» 



354 Kapitel XLIII § 125. 

curitate latuerunt, sic aperiam, ut ea cernere oculis videamini' : 
ubi latueriint orator scripsit, quod sibimet ipsi omnia sunt ita 
aperta et extra omnem posita dubitationem, ut eadem non lateant 
amplius sed potius latuerint. — quo modo dicaiu . . reperire possuiuj 
vgl. die ahnliche Wendung oben § 42 iste quomodo crimen 
confirmaret, non inveniebat: ego, res tam leves qua ratione 
irifirmem . . reperire non possum; Quiuct. § 63 quid aliud 
dicere possit, non reperio; Rosc. Com. § 13 quem ad modum 
certam pecuniam petere possit non reperio. — relinquo] = prae- 
tereo, cf. de prov. cons. § 6 omitto iuris dictionem . . caedes 
relinquo, libidines praetereo. - id quod ad me nihil atlinetj 
,was mich nicht kummert*; cf. p. Quinct. § 71. — tametsij restrin- 
gierend wie § 118 — ita se res liabet] aber Cic. Fin. I § 25 
erscheint die Formel in anderer Wortfolge: si ita res se habeat 
und dazu Madvig, Eberhard lect. Tnll. p. 15. — in communem 
causam sectorum] periphrastisch statt ,gegen die sectores iiberhaupt, 
insgesamt^ — diceudum . . videatur] Cicero vermeidet hier durch 
Auslassung von esse die sonst so sehr bei ihm beliebte Schluss- 
forrael esse videatur, wie z. B. imp. Pomp. § 59 reliquum 
est, ut mihi . . dicendum esse videatur und noch 9mal in 
dieser Rede. Uebertrieben war jedenfalls der Tadel von Ciceros 
Zeitgenossen, dass sich jene Formel in seinen Reden tertio 
quoque sensu finde, s. Tacit. Dial. 23 u. daz. Peter. Denn 
in der Quinctiana habe ich nur gefunden § 68 praeteritum esse 
videatur und in der unsrigen nur §37, wo Backe emendierte 
quod uno maleficio scelera omnia coraplexum esse videatur, 
wahrend die Hss. lesen quo , . . complexa esse videantur 
(s. d. krit. Anh.), und § 153 instaurata esse videatur. In 
anderen Reden, z. B. in der Ligariana findet sich die Formel 
gar nicht; vgl. auch Zumpt lat. Grarara. § 751. Dass die Nach- 
affer cicerouischer Sprachmanier bis zum Ueberdruss Gebrauch 
von dieser Klausel machten, erwahut Quintil. 10, 2, 18 noverara quos- 
dam, qui se pulchre expressisse genus illud caelestis huius in dicendo 
viri sibi viderentur, si in clausula posuissent: ,esse videatur^ 
§ 125. Qua raliouej „worauf fussend" d. h. auf welchera rechtlichen 

Grund; quo niodo „auf welche Art" iiberhaupt, da ja der 
Vater des Roscius nicht proskribiert war. — esse indi»;uum etc.] Cic. 
gibt sich hier den Anschein, als lege er auf dieseu Punkt kein 
Gewicht, wahrend er ihn in § 130 als ersten VorAvurf eiufuhrt : 
,primum quare civis optimi bona venierint'. — si enini haecj 
Den Sinn dieser vielfach angefochtenen Worte haben fast alle 



Kapitel XLIII § 125 355 

Herausgeber , die deu Hss. folgen, ubereinstimmend angegeben, 
s. d. Noten von Facciolati , Osenbrliggen, Halm, Fleckeisen und 
die in meiner Schulausgabe : „Ich will jetzt gar nicht davon 
sprecheu, wie empcirend der Verkauf der Giiter eines Unschuldigen 
ist. Denn wenn einmal in spiiteren , ruhigeren Zeiten man ein 
williges Ohr fiir solcbe Fragcu haben und andrer.seits auch der 
Mund sich freimiitiger dariiber aussern darf, so wird man in erster 
Linie nicht jenen unbedeutendeu Roscius bedauern, sondern hoch- 
stehende und angesehene Manner im Staate , die dasselbe Los 
traf". Dort wie im krit. Anhang habe ich aber darauf hinge- 
wiesen, dass Cic. vielleicht absichtlich sich dunkel und zweideutig 
ausgedriickt hat, um den aHmachtigen Diktator nicht zu reizen. 
Denn dass jene Zeit, in der solche Frageu freimiitig besprochen 
werden konnen, eine solche sein miisse, wo ein anderes Regime 
als das Sulias ans Ruder gekommen, war den Worten Ciceros, 
wenn wir sie iu dieser Weise auffassen, unschwer zu entnehmen. 
Dieselbe Aeusserung aber entbehrt jeder gegen Sulla gerichteten 
Spitze und ist eine ganz harmlose, wenn wir h aec nicht auf das Vor- 
hergehende, sondern auf das Nachfolgende beziehen, welche Bezieh- 
ung allein fiir die richtige hjilt Luterbacher im IX. Jahresbericht des 
phil. Ver. p. 20: „Unter haec scheint der nachfolgende Satz 
gemeint zu sein. Sinn : Wenn man dies anhoren und offen 
sagen will, so sind viele bedeutendere Manner als Roscius un- 
schuhlig umgebracht worden". Ich fiir meinen Teil glaube, dass 
Cicero mit haec das Vorhergehende verstanden wissen wollte 
und verweise hiefiir auf die ganz ahnlich gebrauchte Wendung 
in § 106: Non enim ego ita disputabo : verisimile est Roscius 
istam rem ad Chrys. detulisse etc. haec possum omnia vere 
dicere sed in hac causa coniectura nihil opus est. — verum] dient 
wie verum tamen, sed tameu zur Wiederaufnahme der Rede 
nach der eingeschalteten Bemerkung si . . . contjueramur und 
gleich darauf ebenso nach non enira novi nec scio, wo wir 
im Deutschen gewohnlich „sage ich" gebrauchen. — sive Yaieria 
est sive Cornelia] Sulla begann seine Proskriptionen auf eigene 
Faust ohne Zuziehung eines der Magistrate mit dem Rechte, welches 
der Sieg dem Sieger iiber den Besiegten gibt. Allein bald fand 
er es fiir gut, das was er sich genommen hatte, vom Volke ge- 
setzlich sich bestatigen zu lassen. Dies geschah durch die von 
ihm verlangte Ernennung des L. Valerius Flaccus zum Interrex 
am Ende des Jahres 82 v. Chr. Flaccus namlich stellte in einer 
rogatio, welche als lex Valeria in den Centuriatkomitien be- 



356 Kapitel XLIII § 125. 

statigt wiTrde, den Antrag, Sulla zum Diktator auf unbestlmmte 
Zeit zu ernennen und ihm die Staatsvervvaltung, die gesetzgebende 
und die oberste ricliterliche Gewalt zu ubertragen ; alle seine bis- 
herigen wie zukiinftigen Verfiigungen soUten gultig sein und 
bleiben, cf. de leg. agr. III § 5 ut omnia c|uaecunque ille fecisset 
essent rata. Dadurch waren also auch die bisherigen Proskrip- 
tionen als gesetzlich anerkannt. Nach Cic. de dom. § 79 scheint 
es nun, dass Sulla als Diktator eine lex Cornelia de proscrip- 
tione gab, welche in den Centuriatkomitien bestatigt wurde und 
die im wesentlichen sich an die Bestimraungen der lex Valeria 
anschloss, woraus es sich erklart, wenn Cic. a. u. St. nicht zu 
wissen vorgibt, ob es das Valerische oder Cornelische Gesetz zu 
nennen sei ; cf. § 126 u. 128. Dies nehmen Drumann R. G. II 
p. 478 und Osenbrliggen Einl. p. 11 flF. an, anders Halm in der 
Einl. Anm. 24 nach Mommsen R. G.^ p. 343 ff. Die Haupt- 
bestimmungen (s. auch die Monographie von Fritzsche „die Sul- 
lanische Gcsetzgebung" p. 7) dieser lex de proscriptione gibt Cic. 
a. u. St. Weitere Bestimmungen waren : 1) jede Hilfe gegeniiber 
Proskribierten ist verboten, cf. Verr. I § 123 contra legem 
Corneliam, quae proscriptum iuvari vetat und 2) die 
Sohne und Enkel der Geachteten sollen das Recht verlieren, ihre 
Vater zu beerben und zu Ebrenstellen zu gelangen, cf. Vell. 
Paterc. II, 28 adiectam etiam, ut bona proscriptorum venirent, 
exclusique paternis opibus liberi^ etiam petendorum 
bonorum iure prohiberentur, simulque quod indignissimum 
est, senatorum filii et onera ordinis sustinerent et iura per- 
derent, Quintil. XI, 1, 85 ,mollienda est in plerisque aliis colore 
asperitas orationis, ut Cicero de pr oscri ptor um liberis 
fecit (cf. § 145. 146). Quid enim crudelius quam homines honestis 
parentibus ac maioribus natos a re publica summoveriV 
Itaque durum id esse summus ille tractandorum animorum artifex 
confitetur, sed ita legibus SuUae cohaerere statum civitatis ad- 
firmat, ut iis solutis stare ipsa non possit. Adsecutus itaque est, 
ut aliquid eorum quoque causa videretur facere, contra quos 
diceret^ Die Ausdehnung der Strafe auf die Kinder war zwar 
in Griechenland gebrauchlich, aber nicht in Rom (wenigstens nicht 
im republikanischen), wo sie zuerst von SuUa gegeu die Proskri- 
bierten angewendet wurde. Seine Massregel wurde von einzelnen 
grausamen Kaisern wieder erneuert (gegen Majestatsverbrecher), 
aber gesetzlich wurde sie erst durch die.Konstitution des Arcadius, 
s. Rein Kriminalr. p. 538. — non enim novi nec scio] Diese Eormel 



Kapitel XLIII § 126. 357 

gebort der Uragangssprache an. Cic. bedient sicb ibrer nur bier, 
um so baufiger die Komiktr, vgl. Plaut. Mil. 452 neque uovi 
neque scio, Epid 4, 2, 7 neque scio neque novi, Pseud. 
1211 neque novi neque scio; Aul. 4, 10, 36 neque scio 
nec novi (und in Naebahmung dessen auct. Aulul. sive Querol. 
p. 41, 19 Bip. novi et scio), Ter. Eun. 374 neque novit 
neque scit (ibid. 351 nostin' et scis ubi siet?); auch im 
Griech. Soph. El. 181 oidd t€ xal ^vylrjfii. Eine Reibe von 
synonymen Substantiven und Verben tritt uns in einigen alten 
Ritualformeln in festen Verbindungen entgegen, so in den Formeln 
der devotio 1) die Substantiva terrore formidine morteque 
adticiatis Liv. 8, 9, 7, ibid. 10, 28, 16 prae se agere sese for- 
midinem ?c fugam (Wolffbn allitt. Verb. p. 59) caederaque 
ac cruorem (Wblfflfin 1. 1. p. 49); Macrob. Sat. 3, 9, 7 metum 
formidinem oblivionem iniciatis, ebenso Serv. Aen. U, 
244; Macrob. sat. 3, 9, 9 fuga furmidine terrore compleatis ; 
2) die Verba precor, veneror, vcniam peto feroque, ut 
Liv. 8, 9, 7 und Macrob. 3, 9, 7 precor veneror veniam- 
que a vobis peto; 3} am Schlusse der Formel ,si haec ita 
faxitis ut ego sciam^ sentiam, intellegam que', Macrob. 
3, 9, 11, ib. § 8 ut sciamus intellegamus que. Mit der 
Sakralsprache teilt nuu die Volkssprache die ausgesprochene Neig- 
ung zu mbgUcbst vollem und breitem Ausdruck. Man vgb mit 
den oben sub 3 mitgeteilten Formebi bei Plaut, Truc. 2, 6, 64 
sentio atque intellego, Pers. 118 me mi n i et scio, ib. 176 
memini et scio et calleo et commemini, ib. 187 memini 
omnia et scio und die Eingangs besprocheneu Verbindungen 
neque scio neque uovi. Dass mancbe dieser Formeln direkt 
aus der Sakralsprache in die Umgangsspracbe ubergingen, bes. 
die allitterierenden, leuchtet von selbst ein ; vgl. bieriiber aucb 
Wblfflin allitt. Verbindungen p. 27. — venire qui potueniut] Die 
Worte sind in veranderter Wortstelhmg wiederholt nach Art der 
sog. conduplicatio , cf. Cornif. IV cap. 28 und zu § 99. 

Quo iu uuuiero] s. z. § 93. — iu adyersariorum praesidiisj in § 126. 
praesidiis oder wie Livius sagt intra praesidia (s. Weissen- 
born zu 24, 48, 10) bedeutet eig. = „innerbalb der von einer 
Armee besetzten Platze und Linien", dann „unter den Besatz- 
ungen", also in ad vers ar ior um praesidiis ,in den feind- 
licben Linien'| endlicb allgemein ,in dem Heere, auf Seiten 
Jemandes^ Vgl. Lig. § 28 tantum modo in praesidiis eratis, 
animi vero a causa abhorrebant, ib. § 30; ep. fam. 13, 19, 1 



358 Kapitel XLIII § 126. 

Lyso fuerat in nostra caiisa nostrisque praesidiis; § 127 und 
130 sagt Cic. einfach apud ad v^ers ar io s. (Jsenbrilggen be- 
merkt noch, dass jeder romische Biirger, der in feindliche Ge- 
fangenschaft geriet, seine BiJrgerrechte verlor, sobald er intra 
praesidia hostium geflihrt war, sie aber nach romischen 
Rechtsgrundsatzen wieder erwarb (iure postliniinii) in dem Augen- 
blick, wo er wieder intra praesidia Romana kam, cf. Dig. 
49, 15, 5 ,postliminii ius competit aut in bello aut in pace. In 
bello, quum hi, qui nobis hostes sunt, aliquem ex nostris ceperunt, 
et intra praesidia sua perduxerunt; nam si eodem bello is 
reversus fuerit, postUminium habet, id est, perinde omnia resti- 
tuuntur ei iura, ac si captus ab Ijostibus non esset; antequam in 
praesidia perducatur hostium, manet civis ; tunc autem reversus 
intelligitur, si aut ad amicos nostros perveniat, aut intra prae- 
sidia uostra esse coepit'. — praesidia ulla] „iiberhaupt irgend 
welche". Fiir den Gebrauch von quis und ullus sind be- 
zeichnend ep. Att. 12, 23, 1 enitar, si quo modo potero — p o- 
tero autem — ut praeter te nemo dolorem meum sentiat, si 
ullo modo poterit, ne tu quidem und ep. Att. 15, 9, 1 o rem 
miseram! primum ullam ab istis, deiu, si aliquam, hanc . . , 
provinciam. Vgl. C. F. W. Miiller zu SeyflF. Laelius p. 42 ff. 
und Schmalz Z. f. d. G. W. Bd. 35 p. 137. — ab arniis recessi- 
mus] vgl. § 16. — ili sumino otio] ,im tiefsten Frieden'; otium 
steht cifters gleichbedeuteud mit pax, cf. Caec. § 43 quae vis 
in bello appellatur, ea in otio non appellabitur ? ibid. § 33 
qui in pace et otio ,. homines inermos . . armis, viris, terrore 
periculoque mortis reppulerit, fugarit, averterit. — si legej sc, 
occisus est, Mit Recht bemerkt Richter hiezu: „Auffallig ist es, 
dass Cic. nicht auf den Widerspruch im Verfahren der Gegner 
aufmerksam macht. Entweder ist Sex. Roscius proskribiert ge- 
weseu, dann kann der Mbrder^ selbst wenn es der Sohn ware, 
gerichtlich nicht belangt werden , da die lex Cornelia den Mbr- 
dern der Proskribierteu sogar Belohnungen verspricht, *a,v dov- 
Xog dsdnoTijv, xav naxiQa inog dveXrj (Plut. Sull. 31); oder 
er ist nicht proskribiert gewesen, dann durften seine Giiter nicht 
verkauft werden". — veteres leges] Nach den alten Gesetzen wurde 
der Mbrder bestraft, weun er einen homo liber nicht bloss sciens 
d. b. wissentlich, sondern auch dolo d. h. in bbser Absicht ge- 
tbtet hatte. Zu den Tbtungen, welche sciens ohne dolus be- 
gangen werden und mit Strafe nicht belegt werden, gehbren 
nach Rein rbm. Kriminalrecht p. 402 : 1) die Tbtung des adulter. 



Kapitel XLIV § 127. 359 

2) die Totiing des nacbtlichen Diebs, Raubers und des Stuprator, 

3) die von Staats- und Religiouswegen erlaubte Tbtung der Ver- 
fuhmten a) des sacer, b) des dem aqua et ignis untersagt ist, 
c) der Feinde des Vaterlandes, 4) die dem Hausvater mit Zu- 
ziehung des Agnatenkonsilium zustehende Totung seiner Familien- 
mitglieder. Zu diesen iure caesi fligte nun Sulla, indem er 
seine politischen Gegner zu Feinden des Vaterlandes hatte er- 
klaren lassen, die proscripti hinzu d. h. er liess nach seiner 
Erfindung sog. Proskriptionstafeln anfertigen, auf welche die 
Namen der als hostes patriae zu ermordenden gesetzt wurden; 
das Vermogen der Proskribierten wurde uach Analogie der Ver- 
fehmten und Vogelfreien konfisziert. Vgl. Rein 1. 1. p. 138: „die 
proscripti waren zuerst (d. h. bei Sullas erstem Siege) vom Senat 
als Feinde und als vogelfrei erklart worden, Liv. epit. 77, bis 
darauf Sulla diese Senatserklarung als uberflussig verwarf uud 
nur nach Belieben und persbnlichen Riicksichten die Proskriptions- 
listen aufsetzte. Die andern Machthaber folgten darin seinem 
Boispiel und hielten es fiir unniitz, die zu Proskribierenden vorher 
vom Senat als Feinde achten zu lassen. Ein proscriptus war so 
vogelfrei, wie der sacer; Niemand durfte ihn bei sich aufnehmen, 
und ihre Mbrder erhielten sogar Belohnungen", cf. Vell. Pat. 
II, 28, — (jiio modo] wollte Ernesti in quo more andern : ,scri- 
bendum puto quo more: ius, mos, lex bene coniunguntur. Quid 
modus inter ius et legem ?■ Die Konjektur wurde aufgenommen 
von Matthiae, Biichner, Kayser und Eberhard, s. d. krit Anhang. 
Doch kann die hss. Lesart gehalten werden, wenn man mit Hahn 
die Frage „auf welche Weise V" darauf bezieht: ob als proskribiertes 
oder als feindliches Eigentum , oder in welcher andern Eigen- 
schaft V 

Kapitel XLIV. 

Qoem yis] Wcnn im demonstrativen Glied die einsilbige Pra- § 127. 
position vorausgeht, so lasst sie Cic. haufig beim Relativ weg, 
cf. Tuscul. I § 94 fin, in eadem propemodum, qua illae bestiolae, 
reperiemur und dazu Kiihner, wo die altere Litteratur zu finden, 
ebenso bei Haase zu Reisig Anm. 575. Ein genauerer Nach- 
weis iiber- die Ausdehnung dieses Gebrauchs beziiglich der ein- 
zelnen Prapositionen bei den massgebenden Schriftstellern fehlt 
noch- fiir Cornel. Nepos vgl. Lupus Sprachgebrauch S. 83 und 
zu Attic. 9, 5 ed. mai., fiir Livius Kiihnast S. 369. Nagelsbach- 
Miiller Stil. § 121, 2: „Nach Wichert S. 31 fallt am haufigston 

Landgraf, Cic. Rede f. Sex. Uose. II. Illilfte. 24 



360 Kapitel XLIV § 128. 

in aus, zuvveilen aucli ad^ cum, ex, de; sclion jetzt aber steht 
so viel fest, dass nacli jMadvig zu Fin. 1, 10, 32 der Wegfall 
der PrJipositiou vor dem Relativum nur bei der Identitat des Verbs 
in beiden Satzeu gestattet ist (ubcr scheinbare und wirkliche Aus- 
nahmen s. Wichert S. 33 — 35) und dass in Folge des nunmehrigen 
engen Zusammenschlusses der beiden Satzglieder die Interpunktion 
vor dem Relativ als naturwidrig wegfallen muss". Dass diese 
Auslassung sich auch im Griech. findet, bemerkt Kllhner 1. 1,, cf. 
Xen. Sym.p. 4, 1 ip xm x^orw w vn(Zv axovo). — oratio mea] 
,meine ausdruckliche Erklarung'. — al) iuitio] cf. § 21 haec 
omnia imprudente L. Sulla facta esse certo scio. — ut enieil- 
tiretur] exegetisch : ,dass er nJimlich lligenhafte Aussagen machte', 
niclit final, wie Nagelsb. StiL § 116, 2 will. Fiir den absolnten Ge- 
braucli von ementiri vgl. de dom. § 125 ementiri, fallere 
voluisti?, Part. or. 50 dolorem fugientes multi in tormentis emen- 
titi persaepc sunt; es ist also unnotig ein Objekt wie crimen 
einzufligen, s. d. krit. Anh. — passns non sit] Man hat zur Kecht- 
fertigung des Tempuswechsels zu verschiedenen Erklarungen seine 
Zuflucht genommen. Halm sagt (nach I\Iatthia und Osenbriiggen) : 
„Von den wiederholten Behauptungen des Chrys. (ut ementire- 
tur — fingeret — diceret) ist das einmalige Faktum von 
Volaterrae durch dieVerschiedenlieit derZeitengeschieden" ; Richter- 
Fleckeisen: „Durch den Wechsel des Tempus wird von den wie- 
derholten Handhmgen ihr Resultat geschieden". Welche von 
diesen Ei-klarungen die richtige, ist wohl schwer zu entscheiden; 
denn vielleicht hat Cicero sich durch einen lediglicli formellen 
Grund zur Wahl des Perfekts bestimmen lassen, namlich den, 
einen hexametrisclien Schluss des Satzes zu vermeiden : non pa- 
teretiir; cf. Luterbacher IX, Jahresber. p. 17. — oninino haec 
bona noii venisse] s. z. § 6 ,dicit emisse' und z, § 24 emptio 
falsa im krit. Anh. — postea] Die Erorterung Uber diesen Gegen- 
stand scheint in der Llicke § 132 gestanden zu haben; s. dort 
die Bemerkung. 
128. Kalendas Jtinias] d. h, der 1. Juui 81 war als Schlusstermin 

flir die Proskription und Konfiskation in jenem Gesetze bestimmt. — 
nimiruni] ist mit Unrecht verdaclitigt worden ; vgl. p. Quinct. 
§ 85 rjuid est possidereV nimirum in possessione esse. — homo 
occisus est] s. z. § 80. — haec bona in tabnlas publicas nulla redierunt] 
Der Ausdruck ist nicht ganz genau, denn der Erlos aus dem 
Verkauf der Giiter floss in das aerarium und musste daher in 
die Staatsrecbnungsbiicher (tabulae publicae) eingetragen wcrden, 



Kapitel XLIV § 128. 361 

jenes ist redire, dieses referre. — uulla] ,gar niclitj iu keiner 
Woise'. Diese der familiareu Spraclie angeliorige Ausdrucksweise 
findet sicli bes. bei den Verbeu des Geheus und Koiumeup, 
so cp. Att. 15, 22 quia (Sextus) ab armis uullus discoderet, 
ib. 11, 24, 4 Pliilothimus nou modo nullus veuit, ib. 15, 29, 1 
ad M. Aelium nullus tu quidem domum sc. ito, und iu nhn- 
licber Wcise a. u. Stelle bei redire. Gut haudelt ilbcr nullus 
= nou Nagelsbach -Miiller Stih " p. 262 f. , wo auch der noch 
in vielen Grammatiken und Worterbiicheru sich fiudende Irrtum, 
dass nullus dubito bei den Koraikorn uud Cicero vorkomrae, 
berichtigt wird. — facetins] heisst hier uicht ,witziger^, sondern 
,feiner, pfiffiger^, wie Plaut. Men. 131 si huic decet dari facete 
verba custodi catae. — tabiilae piiblicae corruptae] Wie die Namen 
der uach dem 1. Juni Gemordeteu uur durch eine Falschung auf 
die tabulae pros cript ionis gesetzt werden konnten, so kounte 
auch der Erlos aus den koufiszierten Giitern, weuu er wirklich in 
die Staatskasse geflossen war, nur unter eiuem falschen Datum 
nachtraglich in die tabul ae publi cae eingetragen sein. Cf. Oros. 
Hist. V, 21, 5 Sed ne iu ipsis quidem tabulis fides ac finis lua- 
lorum videbatur. Namcjue alios r|uos proscripserant iuguhabant, 
alios autem postquam iugulaverant proscribebant. — 
aute tempus] ,vor der Zeit' d. h. zu bald, zu friihzeitig. Die 
lateinische Schriftsprache hat kein eigeues Adverb fiir unser: ,zu 
bald^ Deun das im archaischen Lateiu, bes. bei den Komikeru, 
so verwendete numero verschwindet iu der spateren LatiuitJit 
vollig, cf. Ribbeck im Corollar. p. XV f. fragm. trag. ed. II. 
Mature aber kann wohl auch jene Bedeutung anuehraen , wie 
Nep. Att. 2, 1 mat. decessit, alleiu es hat uoch zwei audere 
Bedeutungen, namlich ,vor der Zeit' im Sinne vou friih, bald 
uud ,zur rechten Zeit', wie z. B. Plaut. Curc. 380 mit diesen 
drei Bedeutungen spielt: ,qui homo mature (= bald, schnell) 
quaesivit pecuniam, nisi eam mature (= zur rechteu Zeit) parsit, 
mature (= zur Unzeit) essurit. Praemature findet sich nur 
Plaut. Most. 500, Afran. 385; immature erst seit Velleius, s. 
d. Stellen bei Georges de Vell. p. 53. Um also dem doppel- 
deutigeu mature auszuweichen, griff man zu dem hestimmteu : 
ante tempus. Aehnlich sagen die Komiker post tempus ,zu 
spat' Plaut. Capt. 4, 2, 90, Asin. 2, 2, 28 uud per tempus 
,zur rechten Zeit', vgl. Brix zu Plaut. Mcu. 143, Speugel zu 
Ter. Audr. 783. Fiir das letztere gebrauchte die klassische 
Sprache tempore und \n tempore, fiir das erstere sero, doch 

24" 



362 Kapitel XLIV § 129. 

findet sicli auch das melir volkstumliclie post tempus an einigen 
Stellen, bcs. im Gegensatz zu antc tempus oder in tempore, 
s. unten d. Bcispiele. Dic Rcdensart post tempus erinncrt an 
eine bei uns sprichwortliche : ,post festum', die sich aber bei 
kcincra lateinischen Schriftsteller findet, vielmehr auf das griech. 
xaroniv eOQT^g bei Plat. Gorg. c. 1 zurlickzufuhren ist. — An 
Belegen flir ante tempus und post tempus habe ich ge- 
sammelt: Cic. p. Cael. § 64 quos quidem tu quara ob rem te- 
mere prosiluisse dicas atque ante tempus, non reperio; Verr. III 
§ 44, dc orat. II § 180 sed tamen mihi videris antc tempus 
a me rationera ordinis refjuisisse; Senec. ep. 13, 4 ne sis miser 
ante tempus; ib. 22, 6 si nec properemus antc tcmpus nec 
cessemus in tempore (vgl. auch Gothe Egraont 5. Aufzug : 
„0 Sorge, SorgC; dic du vor der Zeit den Mord beginnst, lass 
ab"); Cic. de inv. I § 90 lcve est quod aut post tempus dici- 
tur, hoc modo: si in mentem venisset, non comraisisset ctc, p. 
C^uinct. § 54 cgo pro tc nunc hos consulo post tempus et in 
aliena re, quoniam tu in tua re, quum tempus erat (= in 
tcmpore) consulere oblitus est; Liv. 9, 18, 14 post tcrapus ad 
bella ierunt, ante tempus comitiorura causa revocati sunt; 
Phaedr. 4, 19, 1: Qui fert malis auxilium, post terapus dolct, 
Publih Syr. 506 Ribb. : Qui cum dolet blanditur, post tempus 
sapit. Die zwei letzten Stellen zeigen uns recht deutlicli den 
sprichwortlichcn Gebrauch von ,post tempus^ — haec scrularij 
Cic. meint, es ist eine verfrlihte Sorge an die RUckgabe der Giitcr 
des Sex. Roscius zu denken, wo es sich zunachst um desscn 
caput d. i. scin Leben handclt. — rediiviam cureni] Einc sprich- 
wortliche Ausdrucksweise flir: ,sich mit einer Kleinigkcit auf- 
halten'; rcduvia ist eig. der Niednagel oder Neidnagel 
d. h. Nagelsplitter am Finger. — iion ullius] statt nullius wegcn 
der Anaphora, vgl. Chient. § 39 non illc honorem a pucritia, 
non studia virtutis, non ullum cxistimationis bouao fructum 
unquam cogitarat'. Ucber non ullus bei Cicero s. Haasc zu 
Reisig Anm. 361 fin., Hellmuth ]. I. p. 131, Schmalz Asin. Poll. 
p. 93 f. 
§ 129. Pro me ipso] Dem Sinnc nach glcich mea spontc (rcmoto 

Sex. Roscio) in § 130, der Form nach dem folgenden pro Sex. 
Roscio angepasst. — ail omues . • pertinere] Cic. macht das 
Interesse seines Klienten nicht bloss zu dem seinigen (raea 
sponte), soudern auch zu dem aller guten Biirgcr, s. dic Bc- 
mcrkung zu § 7. — seusu ac (lolore| Hendiadys : ,sclnucrzlichcs 



Ka-pitel XLV § 130 3G3 

Gefulil'; cf. Verr. I § 69 haec cum omnes sentireiit et cum in eam 
rationem pro suo quisque sensu ac dolore lofj^ueretur etc. — 
proimnfio] = proloquor, noch cle orat. I § 66. 88. Besonders bc- 
liebt bei Casar, so B. G. 7, 20, 8 haec ut intellegatis a me sincere 
pronuntiari, ib. cap. 5, 6. 38, 4. 5 u. o., wahrend Salhist clas 
Wort liberhaupt nicht gebraucht. — et (jilid . . et (jlia etc.] Er- 
hauterung zu fj u a e a d h u i u s v i t a m c a u s a m q u e p e r t i n e n t. — 
(jiia coiulicione contentus sit] Der junge Roscius ist mit der Frei- 
sprechung ziifrieden, moge auch Chrysogonus mit dessen Hab 
und Gut zufrieden sein, vgl. § 7 primum a Chrysogono peto, ut 
pecuuia fortunisque nostris contentus sit, sanguineui et vitam 
ne petat. — in extrema oratioiie] § 143 fif. 

Kapitel XLV. 

Mea sponte] s. z. § 129. — prinium quare civis oplimi] s. z. § 130. 

§ 125 dicam esse indignum hominis innocentis bona ve- 
nisse. — veuierint] Durch die viermalige Wiedcrholung des 
Wortes venierint am Schlusse der einzehien Satzteile bildet 
Cic. dic Figur der sog. Antistrophe , conversio bei Cornif. IV 
§ 19: ,Conversio est, per quam non primum repetimus verbum, 
sed ad postremum continenter revertimur, hoc modo: Poenos po- 
puhis Komanus iustitia vicit, armis vicit, liberalitate vicit'. 
Vgh § 135. — aIi(|uanlo] = aliquot post menses § 128. — 
(liem (juae diesj s. z. § 8. — praefiuila esl] vgh Verr. II l 
§ 16 exiguam diem praefinire (te memini) operi ; prov. 
cons. § 36 praefinit successori diem. Diem praestituere 
sagt Cic. Verr. I § 148; III § 37, Vatin. § 37 steht praesti- 
tuta die in eincr Formel. — deinde] wie ep. fam. 3, 7, 4 an 
ego tibi obviam non prodirem? primum Ap. Claudio? deinde 
impcratori"? deinde more maiorum? deinde, quod caput est, 
amico?, wo Siipfle-Boeckel bemcrkt: ,die dreimalige Wiederhol- 
ung von deinde ohne uachfolgendes denique ist nicht selten 
uud dient dazu, um die rasche Aufeinanderfolge der einzelnen 
Satze nachdrucksvoll zu bezeichnen^ — tanlulo] s. § 6. Die Aus- 
flihrung auch dieses Punktes hat wohl in der verloren gegangenen 
Partie § 132 gestanden. — si voluerit . . uiliil egeritj Durch die 
beiden Fut. exact. werden zwei aus der Vollendung der zukiinf- 
tigen Handlungen hervorgehende Zustande bezeichnet. Der 
deutschen Sprache ist diese Ausdrucksweise fremd ; wir setzen im 
Vordersatz das Perfekt oder Futur I und im Ilauptsatz das Futur 
oder Prasens. Beispiele finden sich hiefur zahh'cich bci den 



364 Kapitel XLV § 130. 

Komikern, so Plaut. Poen. 81 f. argeutuni nisi ([ui dederit, 
nugas egerit; Cic. ep. fam. 16, 1, 2 quocl valetudiui tuae maxime 
conducct, si feceris, maxime obtemperaris voluntati raeae, 
vgl. bes. Cur. ep. fam. 7, 29, 1 quod quidem s i inter senes 
coemptionales venale proscripserit, egerit non multum; 
s. Kiibner ausf. Gramm. II p. 112, 2. — nihil egerit] Eine baufig 
in der Umgangsspracbe gebraucblicbe Formel ist nibil agis 
oder nil agis, vgl. Rubnken zu Rutil. Lup. IT § 11 nibil 
agis: non dicam : ,nibil agis legitima formula est de inani 
opera'. Aus den Komikern ist zu vgl. Plaut. Trin. 917. 976, 
Caecil. 66 R nil agit, ib. 130 nibil egisti, Pomp. 77 nibil 
egi, Ter. Ad. 935, Heaut. 676 tantundem egero; ebeuso 
Cic. Verr. II § 148 nibil egero (cbarakteristiscb ist in beideu 
Stellen das Fut. II wie a. u. St. und iu der biezu citierten aus 
Cur. ep. fam. 7, 29, 1), Tuscul. II § 61 nibil agis, dolor, 
Cat. I § 15, Matius ep. fam. 11, 28, 3 uibil agunt, Galba 
fam. 10, 30, 4 nec egit quidquam. Den Gegensatz bildet 
nonnibil agere, z. B. Cic. Planc. § 83 nonnibil egisti 
boc loco, Propert. I, 10, 20. — propter uiagnitndiQem rerum] ,wegen 
des grossartigen Umfangs seiner Gescbafte'. — raulta multos] Die 
lateiniscbe Spracbe liebt die Verdoppelung (geminatio) der Ad- 
jektiva omnis und miiltus, und zwar werden dann die ver- 
scbiedenen Formen dieser Adjektiva in der Regel unmittelbar 
neben einander gestellt. Bei den Dicbtern treteu uus — scbon 
aus Streben nacb Allitteration — diese Parataxen sebr baufig 
entgegen; aber aucb in der Prosa und besonders bei Cicero 
treffen wir sie nicbt selten. Eine kleine Sammlung moge die 
Mannigfaltigkeit dieser Verbindungen zeigen: Ter. Andr. 1, 1, 69 
omnes omnia bona dicere, Ad. 299. 978, Hec. 867, Cic. Fin. V 
§ 6 nos omnes omnia ad buius adulescentiam conferamus, Or. 
§ 4 par est omnes omnia experiri (dagegeu mit Sperruug in 
u. R. § 122 non iu omnes arbitror omnia convenire) , ep. Att. 

1, 16, 8 omnem omnibus . . TKXQOTjdiau eripui, p. Wi\. § 33 
cum omnibus omnia minabatnr, Verr. III § 145 licet bercle 
omnes omnia dicant, cf. § 31 u. R. licet bercules undique 
(=: ab omuibus partibus) omnes minae . . impendeant; ep. Att. 

2, 24, 4 ita sunt omnia omnium miseriarum plenissima; ep. 
fam. 12, 6, 2 omnis omnium cursus (vgl. nocb Seyffert Laelius ^ 
p- 147). Fiir die geminatio vou multus vgl. Plaut. Capt. 328 
aurum multa multis saepe suasit perperam , Mil. glor. 1287 
verum quom multos raulta admisse acceperim . . propter 



Kapitel XLV § 131. 365 

amorem, eine Stelle, au welclie die unserige anzuklingen scheiut 
(s. m. Bem. in Fleckeis. Jalirb. 1882 p. 422) ; bes. liaufig bei 
Lucrez, so I, 814 Nimirum quia multa modis commuuia multis 
Multarum rerum in rebus primordia mixta sunt etc. Aus Cic. 
sei hier verzeichnet Offic. II § 64 multa multis de suo iure 
cedentem, dagegen mit Sperrung ibid. I § 49 multi enim faciuut 
multa temeritate quadam etc, Verr. III § 156 raultos et per se 
et per alios multa ludibundos apud Verrem effecisse vidit^ Phil. 
I § 17 multis multa promissa non fecit, Sest. § 45 multi ex 
multis locis praedones, ep. Att. 11, 9, 1 multaefjue (sc. 
littcrae) multorum ad illum, Pis. 71 multa a multis lecta ct 
audita recitarem. Aus der spateren Latinitat mogeu folgendo 
Stellen geniigen: Suet. Tib. 2 multa multorum Claudiorum 
egregia merita; Plin. ep. 4, 4 fin. multa beneficia in multos 
contulisti; Cyprian p. 628, 18 H multa multorum vocibus 
vcntilantur. — multa . . iuipie . . coramisisse] vgl. zu dieser meiner 
Emendation d. krit. Anhang uud die zu § 118 init. citierten Stellcn. 

Placet] ,Scheint es recht und gut?", vgL Nat. deor. III § 11 § 131. 
placet igitur tantas res opinione stultoriim iudicari? — praeteriri] 
,ubcrgaugen, libersehen werde', cf. Verr. III § 51 quod erat 
imprudentia p r aetermissum. — Cllins nilta] erinnert an die 
beriihmten Verse Hom. II. 1, 528 sq. . . ,^ xal xvupsrjffii' in 
difQvot, vevae Koovlo^v . . fjoeyav dilsXt^sv 'OXviniov^ und Verg. 
Aen. 9, 106 ,adnuit et totum nutu tremefecit Oljmpum^ — 
caeium terra raariaqne] Die zwei letzten Glieder gehoren zusammen, 
so dass nur zwei BegrifFe gedacht sind ,Himmel uud Erde' ; an- 
ders Apul. Met. XI, 1 ipsa corpora terra caelo marique nunc 
incrementis consequenter augeri. — nocuil, delevit, perdidit] Die 
Perfekta stehen uach Art des griechischen Aorists fiir die Fra- 
sentia, wie besonders in dcr Dichtersprache iu allgemeineu 
Satzen, die eine aus der Erfahrung entnommene Thatsache 
ausdrilcken und bei V ergleichungen. Siehe Klihner ausf. 
Gramm. II p. 100. Auch unscre Stelle enthalt einen Vergleich, 
s. Jul. Rufin. z. d. St. in den testim. vet. — pernicii] Die H.ss. 
lesen pernicie, Gellius und Nonius pernicii, Charisius per- 
nicies, s. d. testim. vet. Blicheler, Grundriss der latein. Deklin. 
p. 34: ,Dies ein Beitrag, um die sekundare Bedeutung der Codices 
fiir die Feststellung grammatischer Formen zu charakterisieren^ 
Gellius und Nonius bringen als weiteren Beleg fiir die alte 
Genetivform pernicii noch Sisenn. hist. VI: Romanos inferendae 
pernicii causa venisse. — vi ipsa et maguitudine rerum] ,Durch 



366 Kapitel XLV § 132. 

(lie blosse Gewalt imd die Grossartigkeit der Naturkrafte^ Der Aus- 
druck, dem oben § 130 gebraucbten ,propter m a gni tud in em 
rerura' entsprecbend, soll dic Wirksamkeit des Vergleicbes erbobon. 
Uebrigens ist der Vergleich zwiscben Sulla und Juppiter — wie Halm 
u. Ricbter bemcrken — insofern nicbt zutreffend, als letzterer nicbt 
in Folge des grossen Umfangs seiner Regierungsgescbafte verbindert 
ist dem wilden Ungestiim der Elemente Eiubalt zu tbun, sondern 
viehiiebr nacb dem Glauben der Alten selbst deu nacb ewigen 
Gesetzen waltenden Naturkrjiften unterworfen ist. — at COQtraJ 
Uie Zusammenstellung dieser Adversativpartikelu findet sicb in 
deu Reden Ciceros nur nocb Quinct. § 75, Verr. V § 66, Pis. 
§ 95. Bei den Dicbtern begegnet sie uns baufiger, Attius trag, 
310, bes. oft bei Lucrez I, 366. 570; 11, 235 u. s. w. — utimur 
. . fruimur] uti bezeicbnet den materiellen Gebraucb, meist in 
Bezug auf einen bestimmten Zweck, frui den froben, bebaglicben 
Genuss, vgl. bes. Flor. U, 6. 21 (I, 22, .21) Hannibal cum vic- 
toria posset uti, frui maluit; Senec, vit. beat. 10, 3 tu volup- 
tate frueris, ego utor. — orbemque terrarum] ,Das romiscbe 
Weltreicb', s. z. § 103. — quid miramur etc.] Vgb damit die 
ganz lihnlicbe Auseinandersetzung iu § 22. — maiestatem receperatj 
nacbdem sie iu der vorbergegangenen Anarcbie unter Marius und 
Cinna verloreu gegangeu war. — uisi Iioc mirum] = nisi forte; 
wie § 147. — adseqni non possit . . adepta uou sit] Die Synonyma 
adse(|ui und adipisci wechsehi mit einauder wie Balb. § 54 
an quod adipisci poterant dicendo, id eis pugnando adscqui 
non hcebat? 
§ 132. Missa faciam] s. z, § 76. — uunc cum maxime] nunc, tum 

und tunc werden nicbt selteu durcb cum maxime gesteigert, 
imi das Moment der Zeit scblirfer bervorzubeben; cum maxime 
stebt sowobl von Gegenwart als Vergangenheit, docb ist im letz- 
teren Fall tum maxime gewbbnhcber, s. Krebs Antib. s. v. 
maxime. Scbon die Komiker gebraucben die Formel nunc 
cum maxime: Plaut. Mil. 4, 4, 17, Ter. Andr. 823, Ad. 518, 
Pborm. 204; Cicero nocb de sen. § 38, Cluent. § 12; Livius 27, 
9, 4. 29, 17, 7; dagegen feblt sie bei Ciisar und Salhist. — 
quivis potest inteilegere] Die Verwendung von quivis bes. in deu 
Formehi quivis intellegere (perspicere) potest, quivis 
perspicit und abnhcben ist cbarakteristisch fiir die I. Stilperiode 
Ciceros : man vergleicbe p. Quinctio § 30 quoniam . . q u i v i s 
intellegere })Otuisset, § 84 quivis ut perspicere possit, 
§90 quivis potest perspicere, in d. Rosciaua a. u. St., Verr. I 



Kapitel XLV § 132. 367 

§ 116 iit quivis intellegere posset, ebenso V § 17; dazu 
kommen ibid. act. prim § 6 ut perspicuum cuivis esse 
posset, ibid. I § 110 ut quivis intellegat, ib. V § 70 ut 
quivis perspiceret, Tull. § 18 ut quivis int elle ger et. 
Daneben findet sich p. Quinct. § 6Q , Verr. 11 § 74, Vatin. 29 
ut omnes intellegere possent. Docli sollte nicbt omnes 
in diesen Formehi an die Stelle des in der I. Periode verbrauch- 
ten und dann nicht mehr so beliebten quivis (wenigstens nicht in 
den Reden ; aber auch in den ubrigen Schriften Avird es nur selten 
so verwendet; so steht quivis de nat. deor. nur Imal, namlich 
I, cap. 19 und zwar iu einer solchen Formel: haec sunt dicta 
subtilius ab Epicuro, quam ut quivis ea possit agnoscere) 
treten, sondern passivische Wendungen wie ut intellegi posset 
oder ex quo (inde, unde) intellegi potest. Der Uebergang 
zu diesen vollzog sich schou in den Verrinen. Die erstere Formel 
findet sich Verr. IV § 65, Rab. Post. 37, Mur. § 68; letztere 
Verr. III § 8. 120. 142. 178, Font. 38, Chient. 138, leg. agrar. 11 
102; in den philippi'schen Reden 2mal hinc intellegi potest 
VIII, 3. XIII, 29. Cicero scheint auch bezilglich dieser Formeln 
mit quivis in die Fusstapfen des Cornificius getreten zu Sijin: 
II § 7 quivis posset iudicare, ib. § 11 quivis possit 
criminari, § 12 quivis possit rumorem proferre, der sie wie 
manches andei*e Archaische aus Liicrez III, 158 facile ut qui- 
vis hinc uoscere possit heriibcrnalun. Nachdcra sie von 
Cicero verschmaht wurden, scheinen sie in der spateren Latinitat 
nur ganz sparlich gebraucht worden zu sein, so von dem 
Panegyriker Mamertinus p. 99, 27 B. ,facile quivis intellegit^. — 
architectiim et macMiiatorem] Die beiden Substantiva gehoren zu 
den wenigen von Cic. gebrauchten Fremdwrjrtern, vgl. Xagelsb. 
Stil. § 1; architectus findet sich an zahlreichen Stellen bei 
Cicero in bildlicher Bedeutung (s. Holstein zu Fin. I § 32), da- 
gegen machinator nur noch Catil. III § 6 horum omnium 
scelerum inprobissimum machinatorem Cimbrum Gabinium 
statim ad me vocavi und leg. agr. I § 16 istis tuis harum 
omniura rerura m a chinatorib us totam Italiam inermem 
tradituros existimasti. Auch die Verba architectari und 
machinari werden bildlich bei Cic. gebraucht, ersteres Fin. II 
§ 52, letzteres Verr. a. pr. 15; leg. agr. II, 23, dom. 54, Sest. 
133, Catil. I, 2; vgl. Cornif. III § 32 cogitatio . . situm loci 
cuiusdara ad suura arbitrium fabricari et ar chite ctari. — 
nomeu (lefereiulom] s. z. § 8. — ciiius honoris causa] irouisch wie 
§ 98. 



368 Kapitel XLV § 132. 

Ueber tlen Inlialt der folgenden Lilcke in unsern Hss., 
aus welcber uns der Gron. Scholiast nur einige wenige zu- 
sammeuhangslose und offenbar aucb verstummelte Worte mit- 
teilt, die er mit zum Teil unverstandHchen Bemerkungen be- 
gleitet (s. l^eil I p. 75. 76), sind die Ansichten der Interpreten 
geteilt. Nacb der gewobnlicben Ansicht, der von Neueren Klotz, 
Halm und Ricbter beigetreten sind, stand in der Lucke der § 127 
angekiindigte Beweis , dass die Giiter des Sex. Roscius gar nicht 
zum wirklicben Verkauf gekommen seien. Habn scbliesst dies 
insbesonderc aus den Bemerkungen des Scboliasten iiber die Zer- 
splitterung (dissipatio) der Giiter. Auf der andern Scite be- 
haupten Blocb und bes. Osenbriiggen, weil Cic. mit den VVorten 
alter tibi descendit etc. den Chrysogonus wieder anfiihre, so 
sei es niclit unwabrscbeinlich, dass im Nacbstvorbergebenden von 
den beiden Rosciern die Rede gewesen, und zwar sei wobl die 
Ermordung des Sex. Roscius bei den balneae Pallacinae und die 
schnelle Botschaft (nuntius) an Capito erwahnt worden. Aber 
Osenbriiggen liiilt sich dabei viel zu sehr 'an das erste Lemma 
,in vico Pallacine] locus ubi cenaverat Roscius', wiibrend doch 
der bei weitem grossere Teil der Worte des Scboliasten deutlicb 
darauf binweist, dass von den Giitern des Ermordeten und deren 
Zersplitterung und darum eben aucb von deren Nichtverkauf die 
Rede war. Wie hatte Cic. auch in diescm Teile von der Er- 
mordung des Sex. Roscius sprechen konnen, nacbdem er zu Be- 
ginn desselben (§ 122) ausdriicklicb erklart hatte, dass er den 
Clnysogonus nicbt fiir mitschuldig an dem Morde selbst halte? 
Die Worte in vico Pallacine — wenn sie iiberbaupt richtig 
vom Scboliasten iiberliefert sind, s. d. Note — miissen also hier 
in irgend einem andern Zusammenbang gestanden haben. Be- 
merkenswert ist iibrigeus aucli, dass der Scholiast das Lemma 
erklart durch locus ubi cenaverat Roscius, niclit durcb occisus 
erat, was man erwarten muss sowobl im Anschluss an Cicero 
(vgl. § 18 und den Scbol. selbst im Argumentum) als aucb ins- 
besondere dann, wenn — wie Osenbriiggen annimmt — in der Liicke 
von der Ermordung des alten Roscius gesprochen war. Dass 
nach dieser Erorterung (iiber den Nichtverkauf der Giiter) Cic. 
zu der Scbilderung des prunkvollen und verscbwenderischen Lebens 
des Cbrysogonus iiberging und es mit dem bescbeideneren andercr 
Emporkbmmlingo verglicb, sagt uns deutlich der Scboliast mit 
den Worten: ,in boc capite de potentia Cbrysogoni invidiam 
facit' etc. und damit stimraen aucb vortrefflicb die Anfangswortc 
Vinserer Hss. nacb der Liicke. 



Kapitel XLVI § 132. 369 

Kapitel XLVI. 

Das Kapitel begann nacli dera Sclioliasteu mit clen Worten ,11 i c 
eg.o audire istos cupio'. Niclits ist baufiger in den ciccro- 
nischen Eeden als die Hinzufligung von ego zu bic in der crsteu 
und von tu in der zweiten Person. Die deiktiscbe Kraft dieses 
Adverbium wie der Affekt der Rede wird durcb den enklitiscben 
Zusatz dieser Pronomina nocb gesteigert. Man vgl. filr bic ego: 
Sest. 12 bic ego quid praedicem ? Verr. IV, 149 bic ego 
postulare coepi, Balb. 8 bic ego nunc cuncter, Cluent. 51 liic 
ego tum surrexi; leg. agrar. II, 65 bic ego iam illud . . ne 
disputo quidem etc, fiir bic tu: Arcb. § 8 bic tu tabulas desi- 
deras Heracliensium; Verr. V, 136 bic tu etiam dicere audebis; 
dom. 92 bic tu me etiam gloriari vetas ; Balb. 51 bic tu Cn. 
Porapei beneficiura , . infirmare conaris, bes. dom. § 7 liic tu 
me . . bostem Capitolinum appellare ausus es = und da bast 
du gewagt etc. Verwandt damit ist die im unwilligen Affekt 
gerne gebraucble Formel bic mibi, z. B. Pbib VIII, 11 bic 
mibi Qu. Fufius . . pacis commoda commemorat (cf. Sallust. 
Catil. 52, 11 bic mibi cjuisquam mansuetudinem et misericordiam 
nominat u. dazu Kritz). — aptani] Man erganzt leicbt villam 
oder possessionem. — ratione dlspositam] ,auf veruunftige Weise 
d. b. okonomiscb eingericbtet'. — iii Sallentiuis aut iu Bruttiis] Dic 
Sallentiner wobnten auf der Slidspitze Calabriens, um das Vor- 
gebirge Japygium berum, die Bruttier an der Siidspitze Italiens. 
Die Landscbaft beisst nicbt Bruttium oder Bruttia*) (wie in 
der Scbulausgabe irrtiimlicb stebt), sondern Bruttius ager, 
cf. Liv. 27, 12, 6. 51, 13 (,extremus Italiae angulus^j; 
Plin. 3, 71. 86. Mela 2, 115 oder man sagte bloss Bruttii 
wie Cic. a. u. St., vgl. Liv. 32, 1, 11; Varr. r. r. II, 1 
nara is magister C. Lucili Hipri generi tui, cuius nobiles pe- 
cuariae in Bruttiis babentur. Letztere Stelle kann aucb zur 
Erklarung der unsrigen dienen. Wir erseben namlicb daraus, 
dass die woblbabenden Eomer ausgedebnte Besitzungen ira Bruttier- 
lande batten (rait denen bes. grosse Viebbaltereien — pecuariae — 
verbunden waren), die von einem villicus verwaltet wurden. Bei 
der grossen Entfernuug solcber Grundstucke von Rom konnten 
sie bocbstens dreimal im Jabre Nacbricbt vou dortber erbalten. 



*) Georges in d. Phil. Runclschau III p. 365 bemerkt, dass er 
die Form Brutia erst aus der ganz spaten Junior orb. desc. 29 
(= Mythogr. Lat. ed. Bode tom. 2 p. XVI) nachweisen konne. 



370 - Kapitel XLVI § 133. 

Chrysogonus aber begnligt sicb nicht mit solcben weitabliegenden 
Lanrlgutern, er wiinscbt solcbe in der Njibe Roms — suburbana — 
zu besitzen. — haheilf] babere beisst bier absohit ,Eigentuni, 
Besitzungen baben, ansassig, beglitert sein', cf. Verr. V 
§ 45 ex iis hjcis , in quibus te habcre nibil licet, ep. Cic. fih 
fam. 16, 21, 7 babes. Ueber die vorkhissiscbe Bedeutung von 
babere r=L habitare s. Brix zu Plaut. Trin, 193. 390. — ter iu 
aiiuoj In diesen Wendungen bleibt das Zablwort unus weg, vgh 
Plaut. Bacch. 1127 ter in anno; Liv. 39, 13, 8 tres in anno 
statos dies habuisse; ib. 44, 16, 5 bis in die; Cic. ep. fam. 
15, 16, 1 ternas in hora darem. Selteu feblt die PrJiposition, 
Avie Quintih 10, 3, 8 Vergihum paucissimos die composuisse versus 
auctor est Varius. 
§ 133. Alter] Cbrysogonus dagegen hat sein Haus auf dem Palatin, 

dcm vornelimsten Viertel lloms und seine Landgiiter befiuden 
sich ganz in der Nahe dcr Stadt (suburbanum, propin- 
(j^uum), — lihi] dativus ethicus wie in den zu hic mihi in 
§ 132 citierten Stellen; s. Kiihner ausf. Gramm. II p. 239 ,der 
Gebraucli des cthischen Dativs findet sich im Deutschen, Griecbi- 
scben und ohne Zweifel in allen Sprachen und scbeint ganz eigent- 
lich in der Volksspracbe zu wurzeln'. — auiiui causa] cf. § 134; 
dic Phrase ist sclion den Komikern geliiufig, so Plaut. Epid. 1, 
1, 44; animi gratia ibid. 275. In Cic.'s Reden noch Pis. 66 
plane animi sui causa, Phih VII, 18 qui illud animi causa 
fecerit, hunc praedae causa quid facturum putatis? — (louius referta] 
Der Noniinativ steht iu leichter Anakoluthie (veranhasst durch 
die zweidcutige Form praedia), als hiessc es ei est (sunt) und 
nicht habet. Eine abnliclie Anakohithie (bei denselben Wortern) 
findet sich p. Mih § 64 und dazu Wirz. — vasis Coriuthiis et 
Deliacis] Zu den vasa pretiosa gehorten bes. 3 Arten, namHch 
1) vasa Corintbia d. h. aus korinthischem Erz, einer Misch- 
uug aus Gold, Silber und Kupfer; von der Liebbaberei der Komer 
fiir die vasa Corinthia spricht PHn. N. H. 34, 2, 6 ; s. aucb 
Beckers GaHus^ p. 39; 2) vasa Deliaca Gefasse aus deHschem 
Erz, ebenfalls sebr gescbjitzt, cf. PHn. h 1. § 9 autiquissima aeris 
gloria Deliaco fuit, mercatus in Delo cclebrante toto orbe etc. ; 
3) caelatum argentum ,ciseHertes Silbergeschirr' d. h. Ge- 
fiisse mit erliabener Arbeit, cf. Quintil. II, 21, 8 caelatura, 
quae auro, argento, aere, ferro opera efficit; nam sculptura 
etiam lignum, ebur, marmor, vitrum, gemmas . . complectitur. 
Meist werden von den Alten zwei dicser Arten aufgezahlt, vgh 
Verr. II, 83 supellectilem ex aere elegantiorem et Deliacam 



Kapitel XLVI § 133. 371 

et Corinthiam, Verr. IV § 1 ; Paracl. 1 § 13 qui signis, qui 
tabulis, qui caelato auro et argento, f[ui Corinthiis 
operibus abundant, ibid. V §36 quos signa, quos tabulae, quos 
caelatum argentum, quos Corinthia opera, quos aedificia 
magnifica nimio opere delectaut. — ailthepsa] ,Selbstkocher', eine 
Kochmaschine mit doppeltemBoden, der Vorliiufer unserer modcrnen 
Thee- und Kaffeemaschinen, s. den Schol. Gron. z. d. St. Lamprid. 
vit. Heliogab. 19, 3 primus authepsas argenteas habuit. 
Aehnlich wie bei uns franzosische Benennungen bei Luxusgegen- 
stiindeu beliebt sind, so bei den Romern griechische, s. Bijttiger 
Sabina I, 21 ff. Tnteressant in manchem Hinblick ist die Note 
des Saxonius iiber diese authepsa: ,Tale quiddam , si recte 
memiui, Lazarus Bonamicus, clarus artis oratoriae professor, anno 
MDXLI cum ego Gallia et Italia, insigniores elegantiorum literarum 
et iuris civilis professores audiendi gratia peragratis, Patavii eadem 
de causa versarer, hunc locum Ciceronis publice exponens, de 
lebete sive olla, sive vase liomae viso, narravit, idque non omnino . 
dissimile huic authepsae fuisse putavit. Sed tamen hoc ipsum 
non asseveranter confirmavit. Nonnulli homines eruditi authepsam 
eius generis vas fuisse opinantur, quali nunc passim in mensis 
candentes carboneSj ne edulia, praescrtim iurulenta, refrigercntur, 
patinis supponuntur^ — enuntiarel] ,ausrief' bei einer Auktion. 
Der gewohnliche Ausdruck ist pronuntiare Verr. II, 75. III, 4.0. 
V, 88 oder praedicare Verr. III, 40. — stragulae vestis] Tep- 
piche und Decken, welche bes. uber die Polster der lecti tricli- 
niares gebreitet wurden. — signonini] = statuarum. — marmorisj 
zur Bekleidung von Wanden und zur Belegung der Fussboden. — 
pntatis esse] Von der Uebersetzung dieses putatis (ceusetis) durch 
,mUssen' in Verbindung mit einer Negation handelt Halm z. u. St., 
Seyffert zu Lael.^ p. 82. 83 und Schol. lat. II p. 240; vgl. auch 
Anton die phraseol. Verba p. 46 ff. — scilicet] ^begreiflicherweise'. 
Ueber scilicet bei Cicero verbreitet sich ausfiihrlich Stueren- 
burg lat. Kommentar z. R. p. Archia p. 69 ff., auch Krebs Antil). 
s. V. — splendidis familiis] Aus dem Attribut ,splendidus' kann 
man auf proskribierte Familien aus dem Kitterstande schliessen 
(cf. § 140 equestrem splendorem), der im Krieg gegen 
Sulla grosstenteils auf Seite des Marius gestanden hatte. Viele 
Augehorige dieses Standes hatten sich, so lange die marianische 
Partei am Ruder w^ar, auf Kosten ihrer Gegner bereichert, muss- 
ten aber nach dem Sicgc Sullas schwer dafiir biissen, vgl, Ascon. 
p. 80, 12 K. ,equester ordo pro Cinnanis partibus contra Syllani 
steterat, multique pecunias abstulerant: ex quo saccularii 



372 Kapitel XLVI § 134. 

erant appellati, atque ob eiixs rei invidiam post Syllanam victoriam 
crant interfecti'. — in turba et rapillis] in turba ist ein in rom.Recbts- 
quellen liaufig gebraucbter Ausdruck = in tumultu^ cf. Dig. 47 
tit. 8, 4 jPraetor ait: Cuius dolo malo in turba clamni;m quirl 
factura csse dicetur' ctc. § 1 Hoc edictum de eo damno proponi- 
tur, quod quis in turba dedit. § 2 Turbam autem appellatam 
Labeo ait ex genere tumultus. § 3 Turbam autem ex quo numero 
admittimus? Si duo rixam commiserint, utique non accipiemus in 
turba id factum, quia duo turba non proprie dicentur; enim 
vero si phires fuerunt, decem aut quindecim bomines turba dicetur 
. . . rectissime Labeo inter turbam et rixam multum interesse 
aitj namque turbam mnltitudinis bominum esse turbationera et 
coetura, rixam etiam duorum^. Cf. Cic. Verr. I § 67 Rubrius in 
turba sauciatur, Chient. § 36 inire enim consihura facihus in 
solitudine, perficere rem eius modi commodius in turba arbitrati 
sunt. — curn arlifieiis] ,Kunstfertigkeiten'. 
§ L34. Hasce..Tulgares] Hic wird gern mit vul garis, cotidianus und 
abnhcben BegriflPen verbunden, p. z. § 62 und Halm zu Verr. IV 
§ 62. — auinii et auriuui causa] als sog. axood^ctTa, s. Uber die 
pueri sympboniaci z. § 120 fin. — uoctnruisque couTiciis] L)ie 
Verbesserung von conviciis statt des bss. conviviis (s. d. 
krit. Anb.) empfieblt sicb scbon desbalb, weil von den convivia 
erst im Folgenden die Rede ist, wabrend a. u. St. von dera 
wiisten Larm gesprocben wird , mit dem das Heer der Sklaven 
des Cbrysogonus bei Tag durcb Gesang und Spielen und nacbts 
durcb Scbek- und Scbimpfworte die ganze Nacbbarscbaft erfiiht, 
Aber aucb ein ausserer Grund spricbt fiir conviciis. Das Wort 
convicium namhcb verbindct sicb mit clamor zu einer sebr 
behebten ahitteriereuden Formel, vgh Pbaut. Baccb. 4, 8, 33 ut 
ne clamorera bic facias neu couvicium und fiir Cicero ep. 
fam. I, Vb, 1 cLamoro couvicioque, Verr, I §158, IV § 141, 
V § 28 erant autcm couvivia . . cum maximo clamore atque 
convicio, bes. aber in einem Fragment der Rede pro Gallio 
(bei Aquil. Rom. § 2 und dazu Rubnken) : ,fit clamor, fit con- 
vicium muherum, fit sympboniae cantus'. An u. St. ist cantu 
gewabh, weil es fiir die drei folgendon Substantiva passt ; cantu 
vocum ahein aber deckt sicli mit clamore, so dass wir also 
an uusercr Stehe nur eiue Abart jener beliebten Verbindung 
clamor atque conviciura vor uns baben. — si douius Iiaec 
habeuda est] bericbtigend wie p. Quinct. § 50 funus ducitur, si 
fuuus id babendum est; Pbib XIII, 2 nibil igitur boc cive, 
nibil boc bomine taetrius, si aiTt civis aut borao babendus 



Kapitel XLVI § 135. 373 

est, c|ui civile bellum concupiscit^ cp. faui. 11, 8, 2 Romae delec- 
tus habetur totaque Italia, si liic delectus appellandus est 
cum ultro se offerunt omnes. — qiiae vero conyivia] Wie es bei 
einem so lclien Gelage zuging, moge man aus zwei kurzen, abor 
lebendigen und wahrheitsgetreuen Schilderungen bei Cicero ent- 
nehmen. Die eine steht Verr. V § 28 ,nonnullae (sc. mulieres) 
ex eo nuraero in convivium adliibebantur palam ; si quae castiores 
erant, ad tempus veniebant, lucem conventumque vitabant. Erant 
autem convivia non illo silentio praetorum populi Romani atque im- 
peratorum neque eo pudore, qui in magistratuum conviviis versari 
solet, sed cum maximo clamore atque convicio j non nunqiiam etiam 
res ad pugnam atque ad manus vocabatur. Iste enim praetor severus 
ac diligens, qui populi Roniani legibus nunquam paruisset, illis legi- 
bus, quae in poculis ponebantur, diligenter obtemperabat. Itaquc 
erant exitus eius modi , ut alius inter manus e convivio tamquam 
e proelio auferretur, alius tamquam occisus relinqueretiir , pleri- 
que ut fusi sine mente ac sine ullo sensu iacerent, ut quivis, cum 
adspexisset, non se praetorls convivium, sed Cannensem pugnam 
nequitiae videre arbitraretur'_, die andere p. Gallio iu dem oben 
citierten Fragment: ,Fit clamor, fit convicium mulicrum, fit sym- 
phoniae cantus. Videbar mihi videre alios intrantes , alios autem 
exeuntes, partim ex vino vacillantes, partim hesterna potatione 
oscitantes. Versabatur inter hos Gallius unguentis oblitus, redi- 
mitus coronis. Humus erat lutulenta vino, coronis languidulis et 
spinis cooperta piscium'. — In welchem Masse der]>uxup, dieVollerei 
und Unsittlichkeit bei derartigeu Gelagen in der Kaiserzeit zu- 
nahm , lehrt uns am besten die bekannte cena Trimalchionis in 
dem Sitteuroman des Petronius. — officiiia neqnitiaej Nequitia be- 
zeichnet hier, wie haufig, die liederliche Lebensart, wie denn auch 
officina nicht selten ein liederliches Haus bedeutet = lupanar, 
so Mil. glor. 880 opificina. Aiich deversorium wurde wohl 
ebenso in anruchigem Sinne gebraucht wie das verwandte Wort 
d everticulum, das bei Tac. Ann. 13, 25 in Gesellschaft von 
^lupanaria'' angetroffen wird. 

Coiuposito capilloj Bucheler schrieb nach Pis. § 25 ,erant illi § 135. 
compti capilli et madentes cincinuorum fimbriae' an unserer 
Stelle compto, ebenso Fleckeisen und Heine. Allein das hss. 
composito wird hinlanglich gesichert diirch or. p. red. in scn. 13 
madenti coma, composito capillo. — passini per forum voh'tet] 
griech. itvXivdsiG&ai iv dyoqa, xvXi€(T&ai neql tt]v dyoodv: 
,herumstolzieren, herumflaukieren , sich herumtreiben auf etc.' 
Dieser metaphorische Gebrauch von volitare (cf. Nagelsbach 



374 Kapitel XLVI § 135. 

Stil, § 132, 2) ist den lateiu. Schriftstellern selir gelaufig, vgl. 
Cornif. IV § 51 volitare et vagari in foro, Cic. Catil. II 
§ 5 lios quos video volitarc in foro, dom. § 49 cum tu 
florens . . per medium forum volitares, Mil. 91 qui cum 
gladiis toto foro volitaruut, Die beiden Verba — vagari 
uud volitare — liaben bei diesem metaphor. Gebrauch haufig 
den Nebenbegriff" des kecken und ubermutigen sich Ilerum- 
treibens (wJihrend versari in foro ,res est honestissima', s. 
Ebcrhard in s. Ausg. der Katilinar. Reden p. 114), wie a. u. St., 
vgl. noch Phil. XI § 6 nuuc tota Asia vagatur, volitat ut 
rex, Sest. § 1 qui omnia divina et humana violarint . . alacres 
laetosque volitare (u, dazu Halm) , Font. § 33 hi vagantur 
laeti atque erecti passim toto foro; Liv. 3, 35, 5 ipse medius 
inter tribunicios in foro volitare. Wahrend an diesen Stellcn 
volitare eine Bewegung bezeichnet, welcher der Charaktcr 
einer zuweilen absichtlich mit Ruhe zur Schau getragenen Keck- 
heit auhaftet, zeigt cs an andern Stellen die Bedeutung einer 
ungestiimen und hastigen Bewegung, welche nicht sowohl den 
Nebenbegriff der Frechhcit an sich tragt als zuweilen den der Un- 
feicherheit oder Tollkiihnheit, so Cic, ep. Att. 2, 22, 1 volitat, 
furit, nihil habet certi, Liv. 28, 44, 10 cum victor tota volitaret 
Italia Ilannibal u. daz. Friedersdorfif; 39, 32, 10 Claudius consul 
sine lictoribus cum fratre toto foro volitando; 4, 19, 2 v o- 
litantem tota acie. Von ihm iibernehmen diesen Gebrauch 
Florus 1, 40, 27 (3, 5, 27) Gneus interim Magnus rebellis Asiae 
rcliquias sequens per diversa gentium terrarumquc volitabat 
und besondcrs Tacitus, s. Heraeus zu Hist. II, 88 fin. quin 
ct tribuni praefectiquc cum tcrrore et armatorum catervis voli- 
tabant, vgl. Ann. II, 21 tota volitantcm acie; Sil. Ital. 
15, 41 per mcdias volitarc acies. — togatoruni] sarkastisch 
statt civium, weil sie es unter ihrer Wiirde haltcn sollten, in ihrem 
Ehrenklcidc, dcr Toga, einem Freigelassenen das Geleitc zu 
geben, „Es kontrasticrte also bei den togati, dic Cic. hier be- 
riihrt, die aussere Wiirdc mit der inueren Unwiirde". Oseu- 
briiggcn. — nt homineui prae se nemliieiu putet] Nachahmung von 
Cornif. IV § 28 ncmiuem prae se ducit hominem (s. z. 
§ 18). Dic in der Umgangssprache so beliebte Formcl nemo 
homo (s. d. Stellcn aus den Komikcrn bei Holtze Sjnt. I, 
343. 409) crscheint bei Cicero in der Regel durch cin odcr 
mehrere dazwischcntretende Wcirter gesperrt; so stehen an 9 
Stcllen iu den Reden nur Sull, § 25 die bciden Worte uumittel- 
bar nebcn einander ,ut non modo homini ncmini, sed' etc. ; 



Kapitel XLVII § 136. 375 

vgl. ep. fam. 13, 55, 1 ut liominem ueminem pluris faciam. — 
beatuill] liier vom ausseru Gliicke: ,mit Gliicksglitern geseguet'; 
cf. Nat. deor. II § 95 (domicilia) quae essent ornata siguis atque 
picturis instructaque rebus iis omnibus, quibus abundant ii, qui 
beati putantur. Zu der Stelle selbst d. b. zu dem Ausdruck ut se 
solum beatum, solum potentem putet babe ich in meiner 
Abhdlg. de fig. etymol. p. 39 bemerkt, dass sie eine gewisse 
Aehnlicbkeit habe rait jenen, in denen das Ideal des stoischen 
Weisen bei den alten Schriftstellern uns vorgefilhrt wird, vgl. 
z. B. Cic. Acad. 11 § 136 sapientes solos reges, solos divites, 
solos formosos, Fin. V § 84 at Zeno eum (sapientem) non bea- 
tum modo, sed etiam divitem dicere ausus est. — putet, patetj 
Ueber die conversio s. z. § 130. — meo iiire] Ich konnte mir 
einen Tadel gegen die Nobilitatspartei mit Fug und Recht er- 
lauben, da ich ja selbst dieser Partei angehore (in hac parte). 

Kapitel XLVII. 

Zu seiner Rechtfertigung, als seien die von ihm gegen Chry- § 136. 
sogonus erhobenen Vorwiirfe gegen die Optimatenpartei und deren 
Haupt Sulla gerichtet, fiihrt Cicero hier weiter aus, dass er immer 
auf Seite der Nobilitiit gestanden (cf. Acad. 11 § 125 semper . . 
ut scitis, studiosus nobilitatis fui) und fiir sie im letzten Kampfe 
wenn auch nicht mit dem Schwerte, so doch mit dem Worte ein- 
getreteu sei. Als wahre Parteigenossen betrachte er aber nur 
diejenigen, welche die verflosseuen blutigen Tage als notwendig 
zur Herbeifiihrung des jetzigen Zustandes angesehen und in diesem 
Sinne dem SuUa ihre KrJifte zur Verfiigung gestellt, nicht auch 
iene After- Optimaten vom Schlage des Chrysogonus, welche die 
Proskriptionen nur zu ihrer Selbstbereicherung beniitzt haben. 
Diesen konne man nicht deutlich genug zu verstehen geben, dass 
zwischen ihnen und der causa nobilitatis durchaus keiue Gemeiu- 
schaft bestehe. 

Sciunt ii etc.] „Die Geschichte weiss es nicht, sondern nur, 
dass er in der Zeit sich fiir dio Rednerbiihne vorbereitete". 
Drumann G. R. V p. 241, 18. — pro mea teuui parte . . defendisse] 
Die Hss. pro illa tenui parte^ vom Scholiasten erklart durch: 
,pro Mariana, pro equitibus Romanis' und so von der Mehrzahl 
der alteren Interpreten bis auf Steinmetz und Biichner, obwohl 
bereits Lambin die richtige Deutung gegeben hatte: ,pro mea 
illa virili parte, pro illa virium mearum infirmitate', die auch 
Matthiae annahm. So langc man aber illa im Texte beibehielt, 

Landgraf, CiCi Rede f. Sex. Rosc. H. IlJilfte. 25 



376 Kapitel XLVII § 136. 

und erst durch mea erkliirte, war die Scliwierigkeit der Stelle 
immer nur halb erledigt. Madvig war es auch diesmal, der den 
gordischen Knotcn mit dem Schwerte durchhieb, indem er flir 
illa raea einsetzte^ eine Verwechselung, die an sich leicht ist 
und wahrscheinlich, wie Osenbriiggen richtig bemerkt, durch jene 
unrichtige Deutung des illa in den Hss. fortgepflanzt wurde. Zur 
Stelle vgl. p. Sest. § 138 ,haec qui pro virili parte defen- 
dunt, optimates sunt'. — ut componeretlir] ,Dass namlich eine 
Beilegung stattfande', cf. § 33 per compositionem. Dieser un- 
persiinliche Gebraucli von componere ist in der klass. Prosa 
selten, vgl. noch Caes. b. civ. III, 16, 4 Pompei summam esse ac 
fuisse semper voluntatem, ut componeretur (alii compone- 
rentiir, s. Held z. St.) atque ab armis discederetur. Haufiger 
ist er in der spateren Rechtssprache, vgl. Plin. ep. V, 1 ,appete- 
bat iudicii dies: coheredes mei componere atque transigere 
(s. z. § 113, Rosc. Com. § 35) cupiebant, non diffidentia causae, 
sed metu temporum'. — huiuilitatem cum diguitate de amplitudiue] 
Madvig halt dignitate fiir ein Einschiebsel, vgl, Opusc. acad. 
p. 140: ,quum . . . humilitas et dignitas ita ponantur, ut 
partes ipsae, quae certabant, notentur, plane eiusdem generis 
vocabulum, amplitudo, vitiosissime ita additur, ut prorsus alio 
modo dicatur. Deinde perverse inter se referuntur humilitas 
et dignitas, quae contrariae non sunt, neque enim dignitas ita 
absolute ponitur, nec homines sunt digni, ut humiles ; nec humi- 
litas de amplitudine certare poterat; neque enim unquam habere 
eam potest. Contrariae sunt humilitas et amplitudo, humiles 
homines et amplissimi; ii certabant, utri plus possent. Tollenda 
itaque erat dignitatis vox, adscripta ad amplitudinis nomen 
barbare interpretandum, deinde illata in oratiouem'. Obwohl man 
zugeben muss, dass durch die Streichung von dignitate de 
der Satz durch die scharfere Hervorhebung des Gegensatzes ge- 
winnen wurde, so lasst sich doch die hss. Lesart halten, die vor- 
trefflich verteidigt Halm in d. adnotatio d. Zuricher Ausg. (s. d. 
krit. Anh. z. St.) und im Weidmannschen Kommentar: ,humili- 
tatem, nicht bloss vom Range, sondern im Gegensatz von 
dignitas auch von der Gesinnung; dignitas ist die person- 
liche Wiirdigkeit, die einem Manne durch Geburt und Verdienste 
zukommt; de amplitudine, um Hoheit, der Sache nach um 
den Besltz der hochsten WUrden und Ehrenstellen im Staat'. — 
dorai dipitas et foris auctoritas] Der Gegensatz domi — foris 
ist im Lateinischen sehr beliebt, besonders um durch hinzutretende 



Kapitel XLVII § 137. 377 

lobende Adjektiva die Tucbtigkeit eines Mannes sowobl in internen 
als in auswartigen Staats-Angelegenbeiten zu bezeicbnen. Da diese 
letzteren bei dem Romer bauptsacblicb in der Kriegfubrung be- 
steben, so erklart sicb daraus die baufige Bedeutung der Formel 
domi forisque = domi militiaeque = in pace belloque, 
vgl. aucb Seyffert Lael. ^ p. 88 f. Als Belege fiir unsere Formel 
mogen bier Platz finden: Cic. Pbil. II § 69 vir cum foris 
clarus tum domi admirandus; neque rebus externis magis 
laudandus quam institutis domesticis, Sall. Cat. 20, 13 at 
nobis est domi inopia, foris res alienum, ib. 52, 21 domi 
industria, foris iustum imperium, lug. 85, 3 domi forisque 
omnia curare, Tac. Annal. 13, 25, 1 otium foris, foeda domi 
Lascivia, Flav. Vop. vit. Tac. 16, 6 vir domi forisque con- 
spicuus, ebenso Ael. Spart. vit. Pescenn. 6, 10. — gandeo Yehe- 
meuterque laetor] Das starkere Wort stebt an zweiter Stelle wie 
Sall. Cat. 48 gaudium atque laetitiam agitabat (wo Scbmalz zu 
vgl.) und Cic. Lael. § 14 ,quem tamen esse natum et nos gau- 
demus et baec civitas, dum erit, laetabitur', wo Seyffert liber- 
setzt: „uber dessen Geburt gleicbwobl nicbt bloss wir uns inner- 
licb freuen, sondern aucb die ganze Stadt, so lange sie existiert, 
ibre Freude zu erkennen geben wird". Ebenso unter- 
scbeiden sicb gaudium und laetitia; jenes ist die innere, 
gemlitlicbe Freude, dieses die laute, ausgelassene, vgl. 
Cic. Tuscul. IV § 13 ,cum ratione animus movetur placide 
atque constanter, tum illud gaudium dicitur; cum autem 
inaniter ct effuse animus exsultat, tum illa laetitia gestiens 
vel nimia dici potest'; cf. ibid. III § 23 laetitia, quae est 
voluptas animi elata et gestiens, ib. §24, Fin. III §35. Aus 
diesem Unterscbied der Bedeutuug erklart es sicb zur Geniige, 
wenn Cicero in den Reden, wo er mit gesteigertem Affekte spricbt, 
haufiger zu laetitia und laetari als zu gaudium uud gau- 
dere greift: wabrend sicb namlicb laetitia an 31, laetari 
an 38 Stellen der Eeden findet, gebraucbt er gaudium nur an 
11, gaudere an 26 Stellen. (Aucb bei Sallust treffen wir das 
Vorberrscben von laetitia und laetari.) Wir macben also bier die- 
selbe Beobacbtung wie oben §23 bei egestas und paupertas: 
dass namlicb die rbetoriscbe Spracbe in Folge ibrer natiirlichen 
Anlage zu byberboliscbem und potenziertem Ausdruck von zwei 
synonyraen Wortern das starkere vorziebt. 

Aniniadversura est] Durcb Proskriptionen und Konfiskationen. — § 137. 
COutra pugnaruut] nocb p. Quinct. § 47 cum qui contra pugnent 

25* 



378 Kapitel XLVII § 137. 

video und Verr. II §107 si contra omni ratione pugnavit. 
Bei weiteni am haufigsten vcrbindet Cic. in den Reden dicere 
mit dem adverbialen contra (18 Stellen) ; an je 3 Stellen mit 
disputare, facere uud pagnare. — repreheiidere] Seine 
wabre Meinung spricbt Cicero in den Offic. II § 27 aus : Secuta 
est bonestam causam (d. i. der Aristokratie) non bonesta victoria; 
est enim ausus dicere (scil. Sulla) , basta posita cum bona in 
foro venderet et bonorum virorum et locupletium et certe civium 
jpraedam se suam vendere^ — viris fortibusj d. b. den Soldaten 
Sullas; vgb Drumaun G. R. II p. 480 ,Er entzog den feindlicb 
gesinnten Muuicipien uud anderen StJidten das Blirgerrecbt und 
verlieb ibre Hauser, Aecker, Seen und was sie ausserdem be- 
sassen , seinen Kriegern , s i e z u b e 1 o b n e n (cf. bonos babi- 
tus est, s. z. § 108) und in ibnen der Verfassung, von deren 
Erbaltung die ibrige abbing, ein Stutze zu sicbern. So entstanden 
Militar-Kolonieen neuer Art; die Bevolkerung eines grossen Teils 
der Halbinsel verauderte sicb; 120000 siedelten sicb an, nicbt als 
Kolonisten im bisberigen Sinne des Wortes, sondern im vollen 
Genusse des Burgerrecbts , welcbes von den Italern im Bundes- 
genossen-Kriege erkampft worden war und nun auf sie liber- 
ging^ — ia eo sfudio partiumj ,Dieser Parteiricbtung ange- 
bort babe'. — hoiniues postremij Dem Range uud sittlicben Werte 
nacb d. i. freigelassene Sklaven vom Scblage des Cbrysogonus. So 
braucbt Cic. postremus nur bier, vgb jedocb Graccbus bei 
Gell. XV, 12, 3 si ulla meretrix domum meam introivit . . . 
omnium natiouum p o s t r e m i s s i m u m n e C[ u i s s i m u m q u e exi- 
stimatote; SalL Hist. 1, 48, 3 D. M. Aemilius, omnium flagitiosorum 
postremus, ibid. IV, 61, 12 incepta mea postremus ser- 
vorum Arcbelaus impedivit; ep. Brut. 1, 16, 3 quodsi Romanos 
nos esse meminissemus, non audacius dominari cuperent postremi 
bomines etc. — re . . verbis] s. z. § 123. — uon modo uon . . 
sed ne quidemj s. z. § 65. — tum rero] Ueber tum im Nacbsatze 
ist zu vgb Drager H, S. H § 554. In der altcn Spracbe wurde 
dieses tum vorzugsweise in feierlicben Formeln angewendet und 
so an einigen Stellen bei Livius. Vgl. aucb de orat. H § 141 
ia einer Testaraentsformel : ,Si mibi filius genitur, isf[ue prius 
moritur . . tum mibi ille sit beres, wabrend Cic. de iuveut. II 
§122 in einer ebensolcben Formel tum weglasst. Belege fiir 
tum im Nacbsatze nacb cum aus Cicero gibt Mesnil zu de leg. 
p. 145. — reereatusj ,wied ergcboren^ 



Kapitel XLVIII § 138. 379 

Noii inodo nou . . . verum etiaui] Sclion oben zu § 5 vvurcle § 138. 
tlarauf aufmerksam gemacht, wie Cic. in seinen friiheren Reden 
und bes. in dieser aus Vorliebe zu vollerem Aiisdruck verum 
sehr haufig setzt statt sed. Dies geschieht hauptsachlich in der 
Formel non modo . . verum etiam, die sich in unserer Eede 
15mal, in den Verrinen 22mal, in den spateren Reden sehr selten 
findet. Weniger haufig sind non modo non . . verum R. A. 
§ 6Q , Deiot. § 38, non modo uon . . verum etiam, ausser 
u. St. noch Verr. IV, 133; Arch. 4, Flacc. 103; prov. cons. 88, 
Phil. XI, 20, Tull. 53, und non modo non . . verum ne . . 
quidem, s. z. § 54. Eine Zusammenstelluug der hieher gehorigen 
Formeln mit ziemlich vollstandiger Stellensammlung aus Ciceros 
Reden gibt Hellmuth 1. 1. p. 153 f. luteressant ist es zu beob- 
achten, dass Cic. schon in der Schrift de inventione die 
Formeln mit verum auffallend bevorzugt (es fiudet sich non 
modo . . verum etiam 5mal, non solum .. verum etiam 
2mal, dagegen non modo . . sed etiam und non modo . . 
sed nur 1 mal) , wahrend Cornificius, in vieler Beziehung das 
sprachlichc Yorbild Ciceros in seiner ersten Periode, sie durchaus 
vermeidet. Diese Abneigung gegen verum etiam teilt er mit 
Casar, Livius und Tacitus ; aber zuweit geht Stuerenburg ad Arch. 
§ 3 (p. 35), wenn er diesen Gebrauch fast ausschliesslich auf 
Cicero beschranken will. Haase zu Reisig Anm. 426 hat nach- 
gewiesen, dass auch andere Schriftsteller, besonders Plinius in 
deu Briefen uud Suetonius „dieses nachdriicklichere verum etiam" 
lieben. Aus Sallust sei hier noch notiert lug. 89, 4, Hist. H, 
96, 9 D. — ornabitiir] = § 142 causa enira splendidior fiet, 
si ncquissimo cuique resistetur. 

Kapitel XLVIII. 

Die machtige Stellung im Staate, welche Chrysogonus der 
Gunst Sullas verdankt, darf nicht zu dem Glauben verleiten, als 
habe dieser jenem gewisse faktische Befugnisse verliehen: und 
wenn die Gegner der jetzigen Verfassung an dem Uebergewichte 
jener Libertinen Anstoss nehmen, so muss man ihnen entgegnen, 
dass Uebergriffe von jener Seite einer rechtlichen Autorisation 
entbehren. Nachdem iiberhaupt Sulla dem Staate Ordnung und 
gesicherte Verhaltnisse zuriickgegeben , ist es nicht am Platze, 
mit ,Wenn' und ,Aber' dieses iind jenes zu tadeln, sonderu viel- 
mehr offen uud mit Freimut seine Meinung auszusprecheu ; be- 
sonders wenn es sich um Personen handelt, die unter dem Aus- 



380 Kapitel XLVIII § 139. 

liangeschild der Nobilitat die nichtswiirdigste Gesinnung und 
Ilandluugsweise an den Tag legen. Solchen Individuen mit 
Wort und That energisch auf den Leib zu rlicken, ist die Pflicht 
des wahren Freundes der bestehenden Verfassung. 

Improbns] ,unverschamt', wie § 130 u. 142 und oft bei Cicero, 
cf. Rosc. Com. § 20 nam Ballionem illum impr obissimuiu et 
periurissimum lenonem cum agit, agit Cliaeream. — qui dicat] cf. 
Saxonius hiezu: ,Prosopopoiia. Introducit enim personam incertam, 
conquerentem de oppressa libertate per Syllam'. — decerne] von der 
Abstimmung des Senators zu verstehen bei der Umfrage | vgl. 
Mil. § 14 itaque ego ipse decrevi etc. — iudicasseui] als Rich- 
ter. — recte et ordine] Eine formelhafte Verbindung bes. der 
publizistischen Sprache (die umgekehrte Stelhmg findet sich sel- 
ten, z. B. Valer. Max. 3, 8 ordine ac recte). Vgl. Brisson. 
de formulis 11, 80: ,c[uorum facta comprobabat et laudabat se- 
natus, eosrecte atque ordineviderifecisse decernebat'. Cf. 
Liv. 30, 17, 12 Scipionem recte atque ordine vid er i fecisse 
quod eura regem appellaverit ; et quidquid aliud fecerit, quod 
cordi foret Masinissae, ea patres comprobare ac laudare ; ibid. 
28, 39; 18 ist der Formel et ex voluntate senatus hiuzu- 
gefugt. Haufiger ist der Zusatz exque re publica, so Cic. Verr. 
III § 194, Phihlll §38, V § 36, X § 26 Qu. Hortensium pro consule 
recte et ordine exque re publica fecisse, senatuique pla- 
cere Qu. Hortensium etc. Schmalz SalL Catih 51, 4 libersetzt die 
Formel ,in durchaus korrekter (un tadeliger) Weise^ 
§ 139. Magistratus creavit] Als die beiden Konsuln des Jahres 82 

umgekommen waren, liess sich Sulla durch den Interrex Valerius 
Flaccus zum Diktator wahlen (vgl. zu § 125). Aber schon fiir 
das uachste Jahr gestattete er die Wahl von Konsuln, um seine 
Verfassungsreformen auf gesetzlichem Boden durchzufiihreu, cf. 
Appian. belh civ. I, 100 6 {'^vXlcxq) d^iq f-iev nqoaxrina Tii<; 
naTQlov noXixetag vuaTovg avrotg inezQSipsy dnocffivai. Av- 
rd(; d^oCa d^ ^acjiXevwv dixtdvcoQ inl ro7g vndroig ^v . . v6(A0vg 
T8 i^eXvs xai iTSQOvg iTi&STO. — legesque coiistituit] Die von 
Sulla in den Jahren 82 — 80 beantragten uud in den Ceuturiat- 
komitien bestatigten Gesetze (leges Corneliae) bezogen sich 
teils auf die Staatsverfassung (das wichtigste ist die lex de tribu- 
nicia potestate) und Staatsverwaltung (lex de provinciis), teils 
auf das Strafrecht und Strafgerichtswesen (lex de maiestate, de 
repetundis, de sicariis et veneficis etc); ausserdem gab er eine 
lex sumptuaria und ein EhegesetZ; von dem nichts weiter bekannt 



Kapitel XLVIII § 139. 381 

ist. Vgl. clie Monographie von H. Fritzsche ,die Sullanische 
Gesetzgebung', G. Pr. Essen 1882. — procuralio] ,Wirkungs- 
kreis'; s. Nagelsb. Stil. § 48. Dass nicht nur curatio, sondex-n 
auch procuratio zu Ciceros Zeit von einer dem Staate geleisteten 
Muhewaltuug gebraucht werde, beweist Osenbruggen z. u. St. aus 
mehreren Stellen gegeniiber der von Orelli ad Cic. or. pro Sest. 
§ 66 aufgestellten Regel : ,Ciceronis aetate procuratio raagis 
est inter homines privatos'. Vgl. bes. Acad. I § 11 ,rei publi- 
cae non modo cura, sed etiam procuratio': procuratio ist die 
ins Handeln ubergehende cura. — restiluta] Dies gilt nicht von 
allen Magistraten, denn das Tribunat machte er zu einem wesen- 
losen Schattenbilde (imaginera sine re, wie VelL Paterc. H, 30 
sagt), indera er ihm das ius legum ferendarum und wahr- 
scheinlich auch das ius accusandi nahm, das ius inter- 
cedendi aber jedenfalls beschrankte. Sehr empfindlich traf er 
endlich das Tribunat durch die Bestimmung, dass die gewesenen 
Tribnnen von der Bekleidung kurulischer Aemter ausgeschlossen 
werden sollten. Vgl. Fritzsche a. a. 0. p. 8 £f. — retinere vo- 
lont . . poteruut obtiuere] Dieselbe Paronomasie (im Deutschen : 
.sich erhahen . . behalten') hat Cic. in d. Kede p. Quinct. §75: 
,ita se graves esse, ut si veritatem volent retinere, gravitatem 
possint obtinere. — volnnt] Mit Eichter-Fleckeisen, Eber- 
liard, Halm II habe ich hier gegen die Hss. volent geschrieben. 
Durch die Note C. F. W. Mullers jedoch zu Offic. I § 106 habe 
ich mich zur Beibehaltung der hss. Lesart bekehren lassen. 
MilUer sagt a. a. 0.: ,volumus ist nnnotig nach schlechten 
Hdschr. in volemus geandert. Allerdings steht in Nebensatzen 
regelmassig das Fut., wenn das Verb. des Hauptsatzes im Fut. 
steht , meist auch , wenn dasselbe einen futurischen Sinn hat, in 
Befehlen etc, notwendig aber nur dann, wenn die Zeit des Neben- 
satzes ebenso ausschliesslich die Zukunft ist wie die des Haupt- 
satzes. Si volumus, fiet ali(|uid hingegen ist gar nicht 
ungewbhnlich , wenn das Wollen als schon vorhauden angenom- 
men wird^ — profusos suinptus] vgl. § 134 quos sumptus, 
quos effusionesV, p. Quinct. § 9.3 non profusis sumptibus 
vivere, Clueut. § 36 quam profusis sumptibus (vixerint) 
. . . longum est dicere mihi. — nolo] ,so . . . doch ich will 
nicht' dnoCKanriffiq. — ominis causa] Manutius bemerkt: ,ne 
ut ominari quidem male in eos videar, nedum quod iis grave 
aliquid imprecer'. — uuum hoc dico] Es fulgt die direkte Rede 
wie in der sehr ahnlichen Stelle p. Quinct. § 70 tametsi nolo 



382 Kapitel XLVIII § 139. 

eam rem comraemorando renovare , cuius omnino rei memoriam 
omnem tulli funditus ac dcleri arbitror oportere; unum illud 
dico: Si propter partium studium potens erat Alfenus, potentissi- 
mus Naevius; ep. Att. 3, 9, 2 tantum dico: nos invidi perdi- 
derunt, ib. XV, 2, 2 tantum video: non videmur esse 
victuri. Ein abliangiger Satz folgt z. B. Verr. I § 34 unum 
hoc dico . . . statuere te debuisse. S. m, Abhdlg. de Cic. 
elocut. p. 41 f. — nostri isti nobiles] ,unsere Herren von der 
Nobilitat', die sich so sicher fiihlen und die Hande in den Schooss 
legen, anstatt vigilantes (,ruhig') und fortes (,mutig, ener- 
gisch') zu sein. Denn mit Recht bemerkt Saxonius zu den Worten 
,nisi vigilantes' etc. : ,ostendit breviter, quibus in rebus vera 
sita sit nobilitas'. Mit ahnlichem Unwillen und Sarkasmus 
spricht Cic. an andern Stellen seiner Schriften von dem aufge- 
blasenen, nichtigen Wesen dieser vornehmen Herren , vgl. Verr. 
act. prim. § 15 proponit inania mihi nobilitatis, hoc est 
hominum arrogantium, nomina, qui non tam me impediuut, 
quod nobiles sunt, quam adiuvant, quod noti sunt; ib. V § 180 
sed non idem licet mihi , quod iis, qui nobili genere nati sunt, 
quibus omnia populi Romani beneficia dormientibus deferun- 
tur; ep. fam. 3, 7, 5 ista vestra nomina (sc. Appietatis aut 
Lentulitatis und anderer nobiles) nunquam sum admiratus. — 
yigilantes etc.] vig. und fortes gegen die Uebelthater, boni und 
misericordes gegen ihre Opfer^ vgh § 150 vestra bonitas 
et mis ericor dia. Ist die Zusammenstellung von fortes und 
misericordes wegen des Reimes (in der Koordination, vgl. zu 
§ 16) von Cic. beabsichtigt? — haec] i. e. hae virtutes. — 
ornamenta] ,Auszeichnungen'; gemeint sind die ihnen von SuUa 
gewahrten Standesvorrechte, wie das des Richteramtes, s. z. 
§8. — necesse est] Die Prophezeihung traf bald ein; denn schon 
im Jahre 70 wurde durch die lex Aurelia iudiciaria das Richter- 
amt unter Senatoren, Ritter und Aerartribunen geteilt. In dera- 
selbcn Jahre — dem 1. Konsulate dcs Pompeius — gab Pora- 
peius dem Volkstribunat seine friihere Macht wieder zurlick; s. 
Pe.ter R. G.3 H p. 164 flP. ; Drumann G. R. bemerkt V, p. 242, 
Note 21 zu diesen Worten Ciceros : ,Eine wahre Prophezeihung 
und unter andern Verhaltnissen auch auf andere Jahrhunderte 
anwendbar. Das Vorrecht ohne hohere Befabigung und Wiirdig- 
keit verletzt, wo nicht Herren und Sklaven mit Sklavensinn neben 
einander stehen. Schon die alten Plebejer in Rom sagten: Be- 
gehrt ihr Patricier die Ehren und die Vorteile des Krieges allein, 



Kapitel XLVIII § 140. 383 

so fechtet aiicli allein; ihr spreclit vom Vaterlande, wenn jeue 
durch deu Feind bedroht werden, fiir ein solches Vaterland kampfen 
wir nicht. Oft kommt Cicero darauf zuriick, dass nur das personliche 
Verdieust jedem im Staate die Stelle anweisen solle ; freilich muss 
dann oben ein Magnet sein, der zwischen beraucherten Ahnenbilderu 
und vergilbten Pergamenten hindurch das Eisen an sich zieht'. § 140. 

Desiiiant aliquaudoj ,Man hcire endlich einmal auf, von Riick- 
sichten auf Chrysogonus zu sprechen'. Zum Ausdruck vgl, § 83. 
Sehr wirksam ist hier die Anaphora von desinant, wie de dom. 
§ 27 die Gemination desinant, desinant homines sperare etc. 
Ueberhaupt macht Cic. in unserer Eede besonders reichlichen Ge- 
brauch von der Anaphora, vgl. § 13. 66. 67. 86. 88. 98. 104. 
118. 142. — male locntum esse] = male dixisse, male ist im 
politischen Sinn zu fassen. Cic. wahlt hier die archaische Wend- 
ung, weil er unmittelbar zuvor dicere gebraucht; vgl. Plaut. 
Pers. 207, Ter. Andr. 873, Phorm. 372 pergin ero absenti male 
loqui, impurissime? — videant, ne turpe etc.] Drumann R. G. V 
p. 244, 33 glaubt, dass dieser Gedanke vor Gericht von Cicero 
wohl auders ausgedriickt wurde. Vgl. zu § 3. — causaui cum 
Chrysogono commuuicare] i. e. causam cum Chrysogoni causa com- 
mun. — equestrem splendorem] = equestris ordinis splendorem. 
Splendor und splendidus wareu Ehrenpradikate des ordo 
equester, wie amplitudo und amplus des ordo senatorius, s. z. 
§ 2 und 20. Die Mitglieder des Ritterstandes reprasentierten ge- 
wissermassen den Geldadel Roms, da erst ein Vermogen von 
400,000 Sest. zur Aufnahrae in denselben berechtigte. In den 
Biirgerkriegen zwischen Sulla und Marius standen sie zum gross- 
ten Teile auf Seite des Letzteren und als Strafe hiefiir nahm 
ihnen Sulla das Richteramt, das sie sich seit C. Gracchus (122 
V Chr.) im steten Kampfe mit der Nobilitat gewahrt hatten, und 
gab es dem ordo senatorius zuriick. — seryi] sagt Cic. mit Bitter- 
keit von Chrysogonus statt liberti, vgl. § 141 liberti servuli- 
que. — in aliis rehus] Das Feld der Thatigkeit des Chrysogonus 
waren bisher Proskriptionen und Giiterkaufe; jetzt wagt er einen 
noch groberen Missbrauch seiner i\Iacht : er will euch, Geschworene, 
dazu verleiten, eurem Gewissen und eurem Eide (s. z. § 3) un- 
treu zu werden dadurch, dass ihr den (unsehuldigen) Roscius 
verurteilt. — quam viam etc.] Dass die Worte einen Vers bilden, 
sah zuerst Gruter (,videntur esse verba alicuius poetae, nam 
pedes aperte apparent Trochaici versus'), dass es ein katalektisclier 
kretischer Tetrameter sei, zuerst E. F. Eberhard (cf. A. Eber- 



384 Kapitel XLIX § 141. 

Iiard lect. Tull. p. 12) uud Halm. Richter dagogeu erkennt 
keinen Vers an , sondern sieht in dem eiueu Glied eiu Glossem 
des andcrn. Dass wir es mit einem Dichterfragment zu thun 
haben, dafiir spricht das Verbum munitare, das nur hier sich 
findet. Die gleichbedeutende Phrase adfectare iter mag aber 
gerade deswegen hinzugefiigt sein, um das ungewohnliclie Wort 
zu erklaren ; s. iiber solche erlauternde Zusatze zu § 44. Die 
Redensart iter (viam) ad aliquid adfectare steht zwar bei 
Cic. noch leg. agrar. I § 5 videte nunc quo adfectent iter, 
ist aber vorzugsweise der Sprache der Komiker eigentiimlich, 
cf. Plaut. Men. 686, Aul. 575, Ter. Heaut. 301, Phorm. 964 
(s. auch m. Abhdlg. de Cic. elocut. p. 17). — ius iiirauduni] ,quod 
dedistis, cum deligeremiui iudices, vos iuste iudicaturos esse. 
Cupit vos in suam gratiam periuros fieri, inique iudicando' Saxo- 
nius. — siucerum sauctumquej ,hehr und heilig'. Diese allitte- 
rierende Formel wendet Cic. auch in der Rede p. Quinct. § 5 an : 
,nihil est iam sauctum atque siucerum in civitate^ 
§ 141. Hicine etc.] Zum Gedauken vgl. Verr. act. prim. § 42 ,quo 

maiore etiam, si fieri potest, apud vos odio esse debet, quam est 
apud populum Romanum, cum in avaritia, scelere, periurio vos 
sui similes esse arbitreturS — niiseram atque acerbam] Dieselbe 
Verbindung Tull. § 22 omuibus acerba res et misera videba- 
tur. — hoc] ist wohl mit Halm und Richter = eo, idcirco zu 
fassen (vgl. § 51), obwohl es die einzige Stelle in den Reden 
ist, wo hoc so gebraucht ist. Merguet zahlt dic Stelle im Lexikon 
II p. 467, a uuter dem Accus. Neutr. auf. Ueberhaupt ist es 
auffallend, wie selten hoc als selbstJindiger Ablativ. Neutr. in 
den Redeu vorkommt, nlimlich ausser nach Komparativen nur 
4mal: hoc omisso Mur. 22, utar hoc prov. cons. 44, hoc 
me consolabar Thil. VIII, 21, hoc sequitur, ut TuII. 54. — 
quod ausus estj Erganze: ,einen Unschuldigen anzuklagen'. — 
posse] Die Aenderung Halms ,valiturum' hat den Beifall keines 
Herausgebers gefuuden. Luterbacher bemerkt iu der Recension 
der 9. Aufl. im Philolog. Jahresbericht p. 19: ^ln der Bedeutuug 
vermbgen kanu posse hicr ohne Zweifel ebensogut bei spe- 
ravit stelien, wie unmittelbar vorher bei putat'. 

Kapitel XLIX. 

Experrecla] wie aus tiefem Schlafe; vgl. Pis. § 27 exper- 
recta taudcm virtus clarissimi viri. — armis alque ferro] Die Zu- 
sammenstelluug beider Worter ist in der latein. Sprache beliebt. 



Kapitel XLIX § 142. 385 

cf. Verr. IV § 121 ut forura et iuris dictionem cura ferro et 
arrais conferatis, Phil. V, 39 armis et ferro rem in discrimen 
adducere; Deiot. § 18, Caec. § 93, dom. § 5, red. in sen. § 34; 
Tac. Hist. IV, 76, 19 adulescentulus verba et contiones quam 
ferrum et arraa raeditans. Noch haufiger ist bei Cicero die 
Formel vis et arraa, cf. Sest. § 78 cura orania vi et arrais 
egeris, Phil. I § 26 deuuntio vim, arraa: reraovete ! Verr. I 
§ 78, Tull. 42, Phil. II, 107, Sull. 71, Caecin. 37 etc. Darait 
verwandt ist die der Recbtssprache angehorige Forrael ,vi horai- 
nibus arraatis^, die gewohnlich asyndetisch erscheint (vgl. Preuss 
1. 1. p. 84 f.) und die allitterierende vi violentia Plaut. Rud. 
839 (cf. Wolfflin, allitt. Verb. p. 89). — reni publicam] ,Die 
Regierung', cf. Sall. Cat. 11, 4 ,sed postquara L. Sulla arrais 
recepta re publica bonis initiis malos eventus habuit' etc. — 
ad libidiuem] wie § 54. — servuli] Ueber die dera Derainutivura 
innewohnende Kraft ebensogut etwas Behagliches und Wohl- 
gefalliges wie etwas Ironisches und Verachtliches auszudriicken, 
s. Nagelsb. Stil. § 46. An unserer Stelle dient es zur Bezeich- 
nung der Verachtlichkeit, wie Pis. § 88 quid? per tuura s e r- 
vulura ordines assiguatos? Nicht so sehr das Verachtliche, als 
das Feine, Zarte und Weichliche der Sklaven des Chrysogonus 
soll § 120 das Deminutiv ,pueruli' ausdrllcken ira Gegensatz 
zu den rohen und abgeharteten Sklaven (,horaines paene opera- 
rios') auf den Landgutern des alten Roscius. — bona fortnnasque] 
Dieselbe Verbindung p. Mil. § 100 ,bona, fortuuas raeas ac 
liberorura raeorum in communionem tuorura teraporura contuli'. 

Fateor . . fateor] Wir geben die Anaphora besser wieder rait: § 142. 
,dann, ja dann will ich' etc. In der Rede p. Caecin. § 66 ist 
fateor 4mal wiederholt. — hoc] = victoriam nobilium, wie aus 
dem Gegensatz ,sin autem victoria nobiliura' ersichtlich. — in- 
sauisse] Steigerung von ,errasse', cf. Verr. III § 113 erravit 
aut potius insanivit Apronius? Rab. Post. § 25 ,in quo 
aequi sperasse Posturaura dicunt, peccasse iniqui, ipse etiara 
insanisse se confitetur. — iuermis sensi] ,Das Schwert in der 
Scheide mitkampfte'; vgl. zu § 136. — omamento atque emolu- 
mento] Sehr beliebt ist im Lateinischeu die Zusammenstellung der 
Begriffe decus und ornamentum einer- und praesidium, 
eraolumentura, adiuraentura andrerseits; manvgl.Lucret.il, 
643 pr aesidioque parent decorique parentibus esse, Horat. 
Od. I, 1, 2 et praesidium et dulce decus meura! Sall. lug. 
19, 1 eaeque (urbes) . . pars originibus suis praesidio, aliae 



386 Peroratio. 

decori fuere; Cic. de inv. I § 5 eloquentia, fjiuae et his rebus 
ornamento et rei publicae praesidio esset; Verr. V § 124 
a uobis populo Koniano semper et belli adiumenta et pacis 
ornamenta minlstrata sunt ; p. red. in sen. § 27 ad haec non 
modo adiumenta salutis, sed etiam ornamenta diguitatis 
meae i-eliqua vos idem addidistis. — Geradezu formelhaft ist die 
Phrase ornamento, adiumento (usui) esse in Empfehlungs- 
schreiben, wie ep. fam. 13, 34 magno opere abs te peto, cures, 
nt is intellegat raeam commendationem maximo sibi apud te et 
adiumento et ornamento fuisse; vgl. hieriiber Nielander; 
der factitive Dativ I, p. 21. — emolumeiito] Dass die in violen 
Grammatiken und Uebuugsbuchern aufgeflihrte Redensart com- 
modo esse aus keinem latein. Schriftsteller nachzuweisen ist, 
habe ich in der Recension des Menge'schen Repititoriums der lat. 
Syntax, Philolog. Rundschau H p. 412 bemerkt. Es hat daflir 
emolumento oder usui (utilitati) esse einzutreten. — tum 
TCro] s. z. § 137. — quod si quis etc.] flihrt den in § 138 ange- 
deuteten Gedankeu naher aus : Wer glaubt, dass ein gegen 
Chrys. ausgesprochener Tadel ihn selbst und die Sache der Nobilitat 
mittreflfe, der weiss die Person nicht von der Sache zu trennen. 
Beide haben durcliaus nichts mit einander gemeinsam. Im Gegen- 
teil, die Sache der Nobilitat gewinnt nur, wenn dieser Sorte von 
Parteigenossen energisch entgegengetreten wird. Wer alsc» durch 
einen Tadel des Chrys. sich mitgekrankt fiihlt, legt dadurch an 
den Tag, dass er zu eben dieser Sorte gehbrt (se ipsum probe 
novit), die sich darliber argert, wenn man sie nicht als An- 
hanger der Nobilitat ansehen will (cum ab hoc scil. Chrysogono 
splendor causae separatur), — rationem commuuicatam plat] 
= § 140 suam causam cum Chr. communicare. 

PeroratJo. 

Die peroratio, iTilXoyog besteht nach Cornif. II § 47 aus 
drei Teilen, enumeratio, amplificatio et commiseratio 
(= Cic. de inv. I § 98 enumeratio, indignatio, con- 
qixestio), nach der gewbhnlichen Einteilung nur aus zwei, nam- 
lich der amplificatio und enumeratio (Cic. Partit. orat. 
§ 52). Da jedoch die amplificatio hauptsachlich in der Erregung 
der Aflfekte besteht (cf. Partit. orat. 1. 1. est igitur amplifica- 
tio gravior quaedam adfirmatio, quae motu animorum con- 
ciliet in dicendo fidem), so ware filr diesen Teil die passendere 
Bezeichnung commiseratio gewesen. Die enumeratio soll 



Peroratio. 387 

dem Ricbter iioch einmal knrz die Haiiptpuukte vor clas Auge 
fuhren, daher awch dpdiJbvri(Tig genannt. Niclit alle perorationes 
haben eine enumeratio, z. B. nicht die Miloniana, § 92 ff., 
dagegen steht eine sehr eingehende in der Quinctiana § 86 ff. 
Ein besonderes Augenmerk richteten die Kedner darauf, diese 
dpdfi/VrjCig hinter rhetorischen Figuren und ahnlichen Eiukleid- 
ungen zu verstecken, wie auch Cic. in der peroratio unserer 
Rede dm-ch eine hochst wirkungsvolle Gegenuberstellung des An- 
gekhagten und des Chrjsogonus, der mit frecher Hand jenen von 
seinem Besitztum vertrieben und es an sich gerissen, sich Ge- 
legenheit verschafft, ein gedrangtes Bild der seinem Klienten zu- 
gefiigten Ungerechtigkeiten zu entwerfen und dadurch zugleich 
das Mitleid der Richter filr diesen zu erwecken (vgl. § 145 u. 152). 
Die commiseratio ist das Hauptstiick der peroratio, und wenn 
CicerO; wie wir aus QuintiL XI, 1, 85 wisseu (,summus ille trac- 
tandorum animorum artifex'), Meister in der Kunst des Perorierens 
genannt wird, so verdankt er diesen Ruf weniger der rhetorischen 
Technik der enumeratlones, als vorzugsweise den sorgfaltigst aus- 
gearbeiteten commiserationes seiner Perorationen. Es mag des- 
wegen gerade bei ihm einen grosseren Reiz haben im Einzelnen 
zuzusehen, in welchem Grade er sich an die von ihm selbst an 
verschiedenen Stellen seiner rhetorischen Schriften aufgestellten 
Regeln in der peroratio unserer Rede halt. Und das um so mehr, 
als gerade diesem Punkte in den neixeren Kommeutaren ciceron. 
Reden zu wenig Teilnahme geschenkt wird, wahrend z. B. die 
Auslegung des Saxonius, also des Reformationszeitalters, sich fast 
ausschliesslich auf die rhetorische Wlirdiguug beschrankte. 

Die Hauptstelle liber die peroratio ist Partit. orat. § 52 ff . ; 
wir heben die Hauptpunkte heraus: ,Verba ponenda sunt, quae 
vim habeant illustrandi (die lumina, also Figuren und Tropen) 
nec ab usu sint abhorrentia a) j gravia, plena, sonantia d. h. 
voll- und wohltonend b) • iuncta (d. h. Komposita), facta (neuge- 
bildet), cognominata (Synouyma) c) ; non vulgata, superlata 
(Hyperbeln) d) ; in primisque translata (Metaphern) e) ; nec in 
singulis verbis, sed in continentibus, soluta, quae dicuntur sine 
coniunctione (Asyndeta) f) ; ut phara videantur. Augent etiam 
relata verba {IdoxuiXa, ndqiGa) g); iterata, duplicata (d. sog, 
Duplicatio) h) ; et ea, fjuae ascendunt gradatim ab humilioribus 
ad superiora (gradatio, zA?^a5) 0- Rerum amplificatio sumitur 
eisdem ex locis omnibus, quibus illa, quae dicta sunt ad fidem 
(hinsichtlich der Beweisfiihrung); maximec^ue definitiones valent 



388 Peroratio. 

conglobatae . . . et contrariarum et dissimilium . . . maximeque 
siniilitudines et exempla k) ; ... Proprius locus est augendi 
iu liis rebus aut amissis aut amittendi periculo ; nihil est enim 
tam miserabile quam ex beato miser. Et lioc totum f|uidem 
moveat; si qua ex fortuna quis cadat, et, a quorum caritate divel- 
latur, quae amittat aut amiserit, in quibus malis sit futurusve sit, 
exprimatur breviter. Cito enim arescit lacrima, praesertim in 
alienis malis. Vergleichen wir damit die Peroratio der Rosciana 
und belegen die einzelnen Punkte durch ausgehobene Stellen : 
a) Unter den Figuren ragt besonders dio zahlreich gebrauchte 
Anaphora hervor, man vgl. § 143 nihil — neminem — nihil; 
§ 144 si nihil — si nulla in re — si — si — si| § 145 
quid — quid — quid; si — si — sin; § 146 quae — 
quae — quis; § 147 nihil — nihil — nihil — nihil; 
§ 149 qui — qui — qui — fjui; § 150 unum — una; 
§ 151 ad eamne rem — ad eamne rem; § 154 hanc — 
hanc. Von den Tropen ist besouders schon durchgefiihrt die 
Ironie (elQOOvsla) in § 144 rogat oratque te Chrysogone etc. 
ut sibi per te liceat innocenti amicorum opibus vitam in 
egestate degere, und § 150. Auf andere Figuren und Tropen 
kommen wir bei den einzelnen Nummern zu sprechen. b) Ein 
volltonender Ausdruck ist z. B. § 153 nova proscriptio instau- 
rata esse videatur; als wohltonend wurde von Cicero wohl auch 
ebenda die beliebte Klausel esse videatur gebraucht. Hieher 
zu rechnen sind daun auch die verschiedenen Arten und Figuren 
der Klanggebilde, als Allitteration, Paronomasie, Homoeoteleuta, 
Traductio, wie § 144 careat — carere, § 147 potes — debes 
— vides, § 147 e naufragio nudum, § 151 boni impe- 
ratores — bonorum emptores^ § 154 hanc tollite, hanc 
pati nolite. c) Haufung von Synonymen begeguet uns § 144 
omnia concessit, adnumeravit, appendit; § 150 durio- 
res acerbioresque. d) Als Hyperbeln zu betrachten sind 
§ 144 si vestitum, quo ipse tectus erat . . tibi tradi- 
dit, si ex omnibus rebus se ipsum nudum neque praeterea 
quicquam excepit, u. § 146 si tibi omnia sua praeter animam 
tradidit, § 150 inter feras satius est aetatem degere, § 153 
quae (sc. proscriptio) ad iufantium puerorum incunabula 
pertinet. e) Bemerkenswerte Metaphern sind § 147 e nau- 
fragio nudum, § 150 u. 153 ad infantium puerorum incuna- 
bula pertinet, in hac tauta immanitate versari. f) Beispiel 
fiir Asyndeta ist ausser der oben sub c aufgefiihrten Stelle aus 



Peroratio. 389 

§ 144 iioch § 149 adsiduitate, consilio, auctoritate, 
dignitate perfecit. g) Ein schones Beispiel filr nccQKTa bietet 
§ 147 scis hunc nihil habere, nihil audere, nihil posse, 
nihil unquam contra rem tuam cogitasse, et tamen oppugnas 
eum, quem neque metuere potes neque odisse debes nec 
quicquam iam habere reliqui vides, quod ei detrahere possis. 
Den mit dem anaphorischen nihil verbundenen 4 Infinitiven 
entsprechen chiastisch 3 solche mit dem anaphorischen neque. 
Es dlirfte sich empfehlen, um die Konzinnitat ganz rein herzu- 
stellen, mit Eussner nihil audere als Einschiebsel auszuwerfen. 
h) Ganz nach dem Muster, das Cornificius IV §38 flir die inter- 
pretatio, eine Abart der conduplicatio, aufstellt (,quae non 
iterans idem redintegrat verbum, sed id commutat, quod positum 
est, alio verbo, quod idem valeat, hoc modo : rempublicam 
radicitus evertisti, civitatem funditus deiecisti') sagt 
Cic. § 154 hanc tollite ex civitate, hanc pati nolite 
diutius in re publica versari; vgl. auch § 150. i) Der 
xXifJbce^ bedient sich der Redner § 144 si tibi optima fide 
omnia concessit . . si vestitum . . anulumque de digito 
tibi tradidit, si ex omnibus rebus se ipsum nudum etc. , bes. 
aber § 150. k) similitudines wendet Cic. § 146 an ,quis 
praedo fuit tam nefarius quis pirata tam barbarus'? etc. und 
§ 151, wo er die bonorum emptores mit boni impera- 
tores vergleicht. Dass beide, Vergleichung und Kontrast, in je- 
der amplificatio eine Hauptrolle spielen, bemerkt Volkmann Rhet. 
p. 220. Besonders kunstvoll durchgefiihrt ist der Kontrast § 145, 
wo die Figur der subiectio (coucedo — fero — patior 
et ferendum puto) und der Prosopopoiia die Wirkung des- 
selben noch erhbht. Klirzer gehalteu ist der § 152 gegebene 
Kontrast. 1) Der proprius locus endlich der am pl if i catio, 
die commiseratio im eigentlichen Sinne, die durch Vorfiihrung 
der schon erlittenen und noch in Aussicht stehenden Verluste das 
Gemiit der Richter zum Mitleid bewegen soll, ist vorziiglich mit 
kunstvoller Mischung mannigfacher rhetorischer Hilfsmittel als 
der Ironie, Klimax , Anaphora, Interpretatio, Parisa § 150 be- 
handelt: ,verum si a Chrysogono non impetramus, ut pecunia 
nostra contentus sit, vitam ne petat, si ille adduci non potest, 
ut, cum ademeritnobis omnia, quae nostra erant propria, 
ne lucem qiioque hanc, quae communis est, eripere cupiat; 
si non satis habet avaritiam suam pecunia explere, nisi etiam 
crudelitati sanguis praebitus est; unum perfugium, una spes 



390 Kapitel XLIX § 143 u. 144. 

reliqua est Sex. Roscio' etc. — Anf manclie audere hiebergehorige 
Punkte wird in den Noten die Sprache kommen. 

§ 143. Baec omuis oratio mea esf] ^Diese ganze Auseinandersetz- 

ung geht bloss von mir aus'. Cic. wiederholt (s. § 129) hier 
dieseErklarung, um alle etwaigenFolgen seiuesFreimutes vou seinem 
Klienten ab- und auf sich zu laden. — res publica] ,Das Interesse 
des Staates^ Wie Cic. §7 (s. dort die Bem.) die Sache seines 
Klienten zur gemeinsamen aller Burger macht , so hier zu der 
des Staates, vgl. § 148. — putat . . putat] Auch diese Wieder- 
holung in der sog. conquestio bezweckt rhetorische Wirkung. — 
imperitus morum] ,nicht weltklug^ An andern Stellen sagt Cicero 
indoctus ignarusque rerum Phil. 11, 37, rerum omnium rudes 
ignarique Flacc. 16 (vgl. Ter. Phorm. 79 scisti uti foro ,du 
liast gelernt dich in die Welt zu schicken'). Es ist deswegen 
aber nicht notig an unserer Stelle rerum zu schreiben, vielmehr 
scheint Cic. in feiner Ironie mit Rucksicht auf das folgende more 
absichtlich morum gesagt zu haben von dem biederen, einfachen 
Landbauer, der die Weltsitten nicht kennt und deshalb in seinem 
harmlosen Sinne glaubt, alles was man ihm gethan, sei rnore 
d. h. im Einklaug mit jenen ihm unbekannten Sitten nnd Ge- 
brauchen geschehen. — discedere] discedere, ein militarischer 
Ausdruck, wurde, wie viele audere auch auf die militia urbana, 
den Kampf der Parteien vor Gericht iibertragen. Hier steht 
discedere vom freigesprochenen Angeklagten, ebenso Nep. Phoc. 
2, 3 ab eodem in iudiciis cum capitis causam diceret, defensus 
aliquotiens, liberatus discesserat. Dagegeu oben § 8 vom 
obsiegenden Anklager. 

§ 144. Careat . . carere] Ueber die traductio s. z. § 5. Wir konnen 

das Wortspiel durch ,nehmen' wiedergeben. — rogat oratque] Die 
Stelle wird von spateren Rhetoren gerne angezogen (s. d. testim. 
z. St.), so vou Aquil. Rom. p. 25, 3 H. als Beispiel einer Apo- 
strophe: ,Apostrophe, aversio, necessaria plerumque figura, ubi 
quae ad alios dicta volumus, ad alios dicere videmur. Sic plerum- 
que convertimus orationem in reum ab iudice, cum illa tameu, 
quibus adversarium alloquimur, iudici allegentur^ und Julius Rufin. 
p. 43, 6 Jirjcng, obsecratio vel obtestatio, qua deos oramus 
aut homiues. — Die Verbinduug der Verba rogare und orare 
ist eine Spielart der beliebteren orare obsecrare, iiber welche 
zu § 9 gesprochen ist. Sie findet sich noch div. in Caecil. § 3, 
Verr. H § 96. 103, ep. fam. 5, 18 etc. — si iiihil etc.| Saxonius: 
Eniimeratione sive distributione expouit crudelitatemChrysogoni, 



Kapitel L § 145. 391 

mirifice atque artificiosissime attemperala acl commovendum iu 
alterum odium, in alterum raisericordiam. Odium commovet in 
Chrysogonum, depingenda eius immanitate, qua et antea usus fuit 
in Koscio spoliando et nunc itidem utitur in petenda insuper vita 
et sanguine eiusdem. Misericordiam movet erga Roscium; ex eius 
simplicitate, innocentia, indigna egestate'. — iu suam rem] vgl. 
§ 114 in rem suam con ver tisset. Zur Sache s. z. § 82 
peculatus. — anulum] Jeder freie Komer trug einen Siegeh-ing, 
der gewohnliche Blirger einen eisernen, die Senatoren und Ritter 
einen goldenen (s. Friedersdorff zu Liv. 26, 36, 5, Fritzsche zu 
Hor. Sat. II, 7, 9). Ob der King des jungen Koscius eiu eiserner 
oder silberner war, worllber fruhere Interpreten stritten , ist irre- 
levant, da ja die ganze Stelle als eine starke rhetorische Ueber- 
treibuug aufgefasst werdeu wilh Die Bedeutung der Abliefernng 
des Siegelringes ist die, dass sein Trager damit auf alle Familien- 
rechte und Anspriiche Verzicht leistete. Die Geschichte des Rings 
bei den Romern gibt Plin. Hist. Nat. 33, 1, 4. — se uudum] Hier 
und § 146 stellt Cic. die Sache rhetorisch dar, als habe Roscius 
freiwillig Alles dem Chrysogonus gegeben, wahrend dieser ihn 
doch gezwungen Haus uud Hof zu verlassen, cf. § 147 quera tu 
e patrimonio tamquam e naufragio nudum expulisti. 

K a p i t e 1 L. 

Praedia mea etc.] Die Stelle ist nach ihrer rhetorischen Seite be- § 145. 
reits oben p. 389 gewiirdigt. Saxonius : ,Prosopopoiia (cf. § 32) 
per contentionem et subiectionem (d. i. Antithesen), ad 
duas res diversissimas, invidiam et commiserationem augendas 
usurpat^ — homiuem occidere] ,einen Mord begehen', s. z. § 80. 
Das Formelhafte des juristischen Ausdrucks erhellt aus vielen 
Stellen der rom. Rechtsquellen, vgl. z. B. Paul. s. r. 5, 23, 1 
Lex Cornelia poenam deportationis infligit ei, qui horainem 
occiderit, ibid. 3 qui hominem occiderit etc. — si iuimi- 
citiarum etc.] Vgl. § 17 und de inv. I § 45 ,necesse est aut ini- 
micitiarura causa ab hoc esse occisum aut raetus aut spei 
.aut alicuius amici gratia' etc. — metus] Die Hss. bieten die archaische 
Genetivform metuis, welche jedoch Madvig und rait ihni alle 
ueueren Herausgeber getilgt haben. Neuerdings trat Fleckeisen 
krit. Miscellen S. 43 fiir sie ein; vgl. jedoch Bergk im Philolog. 
vol. 28, p. 462: „Cicei'o ist, wenn er auch namentlich in seinen 
alteren Reden manches Volksmassige noch beibehalten hat, was 
er spater fallen lasst, niemals ein so fanatischer Liebhaber der 

Landgraf, Cic, Rede f. Sex. Rosc. H. Ilalfte. 26 



392 Kapitel L § 146. 

Aixhaismen gewesen, dass er dieser LeidenscLiaft die Deutlichkeit 
der Rede, die ihm liberall das erste nnd wichtigste ist, geopfert 
hatte". — alrocem iiiiuriaui] Was wir ,schreiendes Unrecht' neu- 
nen, ist bei den Lateiuern entweder atrox iniuria (Verr. I, 84), 
oder acerba iniuria (Verr. IV, 68. V, 17, leg. agr. III, 6) 
oder bes. hJiufig insignis iniuria (Quiuct. § 28, Verr. a. pr. 7, 
ib. n, 110, Caecin. 36, ep. fam. 4, 13, 2; 5, 2, 8; Cato sagt bei 
GelL 10, 3, 17 insignitae iniuriae, Plautus gebraucht gerne 
die Formel tam iusignite iniuria, z. B. Mil. 560; vgl. m. 
Abhdlg. de Cic. elocut. p. 37). — non debeas] Wenn auch viel- 
leicht Sulla in spaterer Zeit eine versohulichere Stimmuug den 
Kindern der Proskribierten gegenuber an den Tag legt, so brauchst 
doch du, sein Gunstliug, nicht zu fiirchten , dass dir dein Raub 
wieder entrissen werde. 
§ 146. Facis iniuriain] iniiiriam facere ohne beigefiigten Dativ ist 

archaisch-vulgar. Die Formel steht auf gleicher Stufe mit frau- 
dem, furtum, convicium facere uud findet sich wie diese 
schon im Zwolftafelgesetze , tab. VIII, 4 si iniuriam faxsit. 
Dass es eiu juristischer Ausdruck ist, zeigt auch das Vorkommen 
in den Dig. 47, 10, 17 § 4 quum servus iniuriam facit, ib. § 7 
si iussu domini servus iniuriam fecerit. Ausserdem begeguet 
uns die Formel Plaut. Rud. 1050 quoniam ego adsum, faciet 
nemo iniuriam, Ter. Hec. 692 (var. lect.) facis iniuriam, 
quum fingis; bei Cicero noch Quinct. § 31 Dolabella iniuriam 
facere fortissime perseverat, ep. fam. 3, 8, 3 iam non tantam 
mihi videntur iuiuriam facere ii, qui etc. (an den iibrigeu 
Stellen steht ein Dativ dabei), Gell. 6 (7), 3, 32 ut idcirco prior 
iniuriam facere debeas, Vulg. ep. ad Col. 3, 25 qui enim 
iniuriam facit. In der Umgangssprache scheinen die Formeln 
iniuriam facis, convicium facis (cf. Senec. Controv. p. 251, 
28 K. cum rogare debeas, c o n v i c i u m f a c i s) haufig gewesen zu 
sein. Die elegautere Wenduug war es jedenfalls, wenn Cic. p. 
Flacc. § 41 sagt ,facis iniuste, siputas' wie auch Donat. facis 
i n i u r i a m bei Ter. Hec. 692 erklart mit = f a c i s i n i u s t e. Osen- 
briiggen bemerkt fein z. u. St. : „Es liegt eine grosse Bitterkeit darin, 
dass Cicero mit eiuer anscheinend leichten vertraulichen Wend- 
uug einen Satz einfiihrt, der zugleich als Sicherung und Stiitze 
der traurigen Uuterdriickung und Vernichtung Eiuzeluer die Thaten 
uud die Macht des Sulla bezeichuet, zugleich die Unsicherheit 
derer, welche in der gegenwartigen Staatsumwalzung nur auf 
ihreu eignen Vorteil bedacht gewesen waren. Es ist zwar nicht 



Kapitel L § 147. 393 

notwendig zu facis iniuriam zu supplieren L. Sullae, allein 
diese Bezieliung liegt nicht fern". — spem emptionis] kurz flir: 
„auf die dauernde Gultigkeit des Kaufes" Putsche. — iu iis 
rebus etc.] Es ist nicht zu erwarten, dass die Reforraen Sullas 
in nachster Zeit umgestossen und dir dein uurechtmassig erwor- 
benes Besitztum genommen werde. Wurde ja doch, um die Ruhe 
im Staate zu erhalten, von Sulla verfiigt, dass die Sohne der 
Proskribierten vom vaterlichen Erbe und Staatsamlern ausge- 
schlossen werden sollten, s. z. §125 p. 356. — causa nulla] Nach- 
dem wir alle Motive, die sonst zu einem Morde zu treiben pflegen, 
als fiir Chrysogonus nicht zutreffend erwiesen haben, bleibt nur 
noch seine Mordlust crudelitas iibrig. — omnia sua praeter 
animamj Diese hyberbolische Wendung ist bei den latein. Schrift- 
stellern beliebt, vgl. Sall. Cat. 20, 13 denique quid reliqui habe- 
mus praeter miseram animam (lug. 14, 15 pauci, c|uibus 
relicta est anima), Oros. Hist. 6, 18, 13 quibus praeter vitam 
nihil reliquit. — ne monumeuti quidem causa] ,als Andenken^; 
vgl. Liv. 8, 11, 16 equitibus Campanis civitas Romana data, 
monumentoque ut esset, aeneam tabulam in aede Castoris 
Romae fixerunt. — quae ista tauta crudelitas est? quae iam fera etc] 
Vgl. zu diesem Sprachgebrauch Nagelsb. - Miiller Stil. ' p. 302 
(§ 93, 3). Unserer Stelle ahnlich ist Phil. 11, 38 quod eorum 
tantum fastidium est, quae tanta arrogantia; in iudirekter Frage 
Deiot. § 15 ut enim omittam, cuius tanti sceleris fuerit . . cuius 
tam inhumani et ingrati animi. 

Nliiil liabere etc.] Vgl. die Bemerkung z. d. St. oben p. 389. — § 147. 
contra rem tuam] = contra commodura tuum, vgl. Phil. 11 § 3 
contra rem suam me nescio quando venisse questus est. — 
nisi lioc iudiguum etc.] Uebergang zum Lobe der Caecilia. — 
e naufragio nudum] Dieselben allitterierenden Worte gebraucht 
Cicero in einem Fragment einer Rede (B, XIII, 1, 6) ,ut ille e 
iudicio tanquam e naufragio nudus emersit'. Orosius Hist. 
2, 11, 3 scheint diese Stellen nachzuahmen, wenn er schreibt: 
jMardonium velut e naufragio nudum cum paucis fugere 
compulerunt' (s. z. § 75 fin.). In der spateren Latinitjit findet 
sich hie und da die Verbindung nudus naufragus, so Apollon. 
Hist. p. 15, 19 R. und Aulul. p. 44, 24 P. o me nudum et 
naufragum. — CaecUia] s. z. § 27. — patruos] Die Oheime 
der Caecilia, Sbhne des beriihmten Qu. MeteUus Macedonicus, 
waren L. Metellus Diadematus, Konsul 117 v. Chr., M. Metellus 
Konsul 115, C. Metellus Caprarius, Konsul 113. — mulier virtute] 

26* 



394 Kapitel LI § 148 u. 149. 

Schon clie Zusammeustellung dieser beiden Worter zeigt, dass 
Cicero das Lob der Gunnerin seines Klienten in eine mijglichst 
schmeichelhafte und dabei pikante Form kleiden wollte. Ob- 
wohl sie ein Weib ist, legte sie doch Mannhaftigkeit an den 
Tag. Ebcnso will im Folgenden das leichte Anakohith non 
minora statt tanta schou durch die Jiusserliche Ungleichmassig- 
keit andeuten, dass der Euhm und die Verdienste denen ihrer 
mannlichen Verwandten nicht ganz ebenburtig sind und sein 
konnen , durch die Litotes jedoch macht sich diese Verschieden- 
heit fast als eine zum Vorteil der Caecilia ausgeglichene fiihl- 
bar. — essetj Die Imperfekta geUen von der Gegenwart nnd 
stehen nur wegen der folgenden Prateritaj cf. Drager H. S. I 
§ 151, 4. 

Kapitel LI. 

§ 148. Au qiiod etc.J Uebergang zum Lobe des M. Messalla. — luihi 

credej s. z. § 93. — hospitiisj z. § 15. — copiosej d. h. von einer 
liinreichend grossen Zahl patroni und advocati. — proque eo] 
jdemnach, dass', vgh p. Cluent. § 43 Habitus . . pro loco, pro 
antiquitate generis sui, pro eo, quod se non suis commodis 
. . natum esse arbitrabatur, tantae vohiutati universorum Larina- 
tium deesse noluit. Ueber die Ausdrlicke ex eo, de eo, in e o, 
pro eo, cum eo, quod s. Kuhner, ausf. Gramm. H p. 836. — 
suiuma res publica] ,Das Staatsinteresse' vgl. p. Planc. § 52: 
denuntiasti homo adulcscens^ c[uid de summa re publica sen- 
tires, ib. § 66; Sull. § 67 epistulam ad Cn. Pompeium de meis 
rebus gestis et de summa re publica misi; Catil. I § 14 ad 
illa venio, quae . . . ad summam rem publicam atque ad 
omnium nostrum vitam sahitem(|ue pertinent u. daz. Halm. Zur 
Sache vgl. § 143 und bes. § 7. — periculoj s. z. § 85. — cou- 
sisterej ,Verbum sollemne in iudiciis' Steinmetz. Cf. Plaut. Curc. 502 
,nec vobiscum quisquam in foro frugi consistere audet' und 
Cic. p. red. in sen. § 14 ,cum hoc homine an cura stipite in foro 
constitisses, nihil crederes interesse'. — uuuc] wie § 104. 

§ 149. Quae doiui gerenda suutj ,seine hliuslichen Angelegen- 

heiten^, cf. § 147 huuc et ali et vestiri a Caecilia. — fori 
iudiciique ratioueiuj = res iu foro gerendas; ilber ratio ,Gebiet, 
Bereich' s. Nagelsb. Stil. § 63, 1.— M. Messalla] Hotmann und Orelli 
nahmen an , dass der Konsul vom Jahre 61 (also nur 2 Jahre 
spjiter als Cicero) gemeiut sei. Allcin Drumann G. R. V 
p. 237, 84 hat mit Recht die Ansicht aufgestellt, dass raan an den 



Kapitel LI § 149. 395 

Konsul des Jahres 53, M. Valerius Messalla, zu denkeii liabe : 
„Dieser war jetzt, die Zeit bereclinet, wo man gewolinlicb das 
Amt erbielt, etwa 16 Jabre alt und batte erst vor kurzem die 
Toga gewecbselt". Damit stimmt aucb, dass nacb romiscbeu Recbt 
(Ulpian. Dig. 3, 1, 3) niemand unter 17 Jabren zur Anklage 
zugelassen wurde. — satis aetatis ac roborisj ^alt und kraftig ge- 
nug', vgl. p. Sull. § 47 ,nondum statuo te virium satis babere, 
ut ego tecum luctari et congredi debeam. Quodsi esses usu 
atc[ue aetate robustior, essem idem qui soleo, cum sum 
laccssitus'; Liv. 25, 2, 7 satis annorum babeo. — ad diceii- 
diim iinpediineiito estj Wie bei impedire, dicnt aucb bei impedi- 
mentum und impedimento est die Praposition ad ,an' dazu, 
den Begriff der Verbinderung in Beziebuug zu setzen mit dem 
Gegenstand, welcber als Ziel eines Strebens zu denken ist; Held 
zu Caes. bell. civ. 1, 62, 2 ad transeundum impediri, Nagelsb. 
Stil. § 123, 1. Die Stellen fiir impedimento est ad gibt 
Nielander, der faktit. Dativ I p. 38, II p. 31 ff. Vgl. mit u. St. 
bes. Cornif. IV § 2 quare pudor inprimis est ad eam rem 
i m p e d i m c n 1 , ne nos solos probare, nos amai-e, alios contemnere 
et deridere videaraur. — aetas et pildor] Jugendlicbe Scblicb- 
ternbeit', «V did dvotp wic § 9 natura pudorque. — cau- 
sam mihi tradidit, quem sua caiisa ciipere ac debere iiitellegebatl Ueber 
die TcXoxri s. z. §5. Die Redensart alicuius causa velle oder 
cupere bedeutet eigentlicb ,im Interesse jemands gunstig sein^ 
= ,jemand giinstig sein' cupere alicui, vgl. nocb div. Caec. § 21 
qui te neque velle sua causa nec^ si cupias, posse arbitrantur, 
ep. Qu. fr. I, 4, 5 credo tua causa velle Lentulum, qui erit 
consul. ; ep. fam. 1, 1, 1 regis causa si qui sunt qui velint; 
ib. 7, 17, 2 si me velle tua causa putas. Gesteigert Avird 
die Formel durcb den Zusatz von omnia, wic Verr. II § 180 
qui istius causa cupiunt omnia, ib. § 64 se orania 
Verris causa velle. Diese Ausdrucksweise wurde aucb auf 
debere und laborare iibertragen, vgl. ausser u. St. nocb ep. 
fam. 3, 7, 6 tu autera si id agis, ut minus mea causa, dum ego 
absim , debere videaris, quam ego tua laborarim etc. , ib. 
13; 75, 1 cuius causa orania cura cupio tum etiam debco 
(= bin verpflicbtet) ; ib. 9, 24, 1 cum te tanto opere viderem 
eius causa laborare*, div. Caecil. § 23 ut is absolvatur, 
cuius ego causa laboro. Aus dem baufigen Vorkoraraen 
dieser Redensavt in den Briefen Ciceros kann man scbliessen, 
dass sie dem feineren Umgangstone angeborig ist. Saxonius, 



396 Kapitel LII § 150. 

der soust in spraclilichen und stilistisclien Noten selir sparsam ist, 
tindet es docli der Miihe wert die adulescentes auf sie aufmerksam 
zu machen : ,Formula elegans sermonis Latini, usitata saeculo Cice- 
ronis : ideoque observanda adulescentibus studiosis elegantiae La- 
tinae^ — adsidiiilate] ,bestandige Gegenwart, unermiid- 
liche Teilnahme' Georges. Messalla hatte also dem juugen 
Roscius bei der Voruntersuchung vor dem Prator Aviederholt 
durch seine Gegenwart Beistand geleistet. — auftorifate] Durch 
das Ansehen und den Glanz seines Namens. — pro hac uobilitate] 
d. h. fiir Manner solchen Adels nicht nur der Geburt, sondern 
auch der Gesinnung wie z. B. Messalla; s. auch z. §139 nostri 
isti nobiles. — iii cintatem] ,in ihre biirgerlichen Rechte'. 
Zur Sache bemerkt Hotman : ,Sulla namc^ue in bellum Mithridaticura 
profecto, Marius et Cinna vi in urbem cum hostili exercitu 
regressi et consulem utrumrjue, Octavium et Merulam , et omnes 
adversae partis nobiles partim occiderunt, partim, f|ui eflfugere 
potuerunt, proscripserunt'. Das war im Jahre 87, s. Peter R. G. 
n^ p. 104 ff.; Vell. Paterc. II, 22 bemerkt liber das von Marius 
und Cinna angerichtete Blutbad ,uihil illa victoria fuisset cru- 
delius, nisi mox Sullana esset secuta; nefj^ue licentia in medio- 
cres saevitum, sed excelsissimae quoque atque erainentissimae clari- 
tatis viri variis suppliciorum generibus adfecti'. — in salute alterius 
quani in exitio] Derselbe Gegensatz in einem Fragment der Rede 
pro Oppio (bei Ammian. Marc. 30, 8, 7) : ,eteuim multum posse 
ad salutem alterius, honori multis ; parum potuisse ad exi- 
tium probro nemiui unc[uam fuit*. 

Kapitel LII. 

§ 150. Veruni si a Chrysogono etc.] Die rhetorische Wiirdigung dieser 

ganzen Stelle s. oben S. 388 f. — pecunia nostra conteutus sit, vitam 
ne petat] Vgl. die iihnlichen Worte in § 7 primum a Chrysogono 
peto, ut pecunia fortunisque nostris contentus sit, 
sanguinem et vitam ne petat. An beiden Stellen macht 
Cicero die Sache seines Klienten durchaus zu der seinigenj nur 
tritt an der unsrigen diese Gemeinschaftlichkeit der beiderseitigen 
Interessen noch deutlicher hervor (bis salvi esse possumus). — 
si non satis habet . . nisi etiam] Eine ahnliche W^endung wie § 49 
ut parum miseriae sit . . nisi etiam etc. — cmdelitati sanguis 
praehitus sit] Die evidente Textverbesserung stammt von JNIadvig 
nach de nat. deor. III § 80 cur Poenorum crudelitati Reguli 
corpus est praebitum? — duriores acerhioresque reddidit] Zum 



Kapitel LII § 151. 397 

Ausdruck s. § 101. Die Metapber von clurus findet sich bereits 
bei Plautus und Terenz. Langen iu seineni Aufsatz uber die 
Metapber von Plautus bis Terenz (Fleckeis. Jabrb. 1882 p. 689) 
weist die fixr die Spracbe beider Dicbter cbarakteristiscbe Tbat- 
sacbe nacb, dass das Adjektiv bei Plautus im eigentlicben Sinne 
2mal stebt, metapboriscb 5 (oder 6) mal; bei Terentius feblen 
Beispiele der eigentl. Bedeutung, wabrend es metapboriscb in den 
6 Komodien 12 mal sicb findet. Die metapbor. Bedeutung zer- 
gliedert fein C. F. W. Miiller zu Offic. I § 23. — actuitt est] mit 
und obne de nobis ist eine aus der Juristenspracbe kommende 
Formel und bedeutet eigeutlicb: ,die Verbandluug ist gescblossen'; 
von da erbielt sie die ubertragene Bedeutung: ,es ist alles aus' ; 
vgl. Donat. zu Ter. Andr. 3, 1, 7 ,actum est: in summa despera- 
tione ponitur actum'st, ilicet, periisti'. Sie findet sicb baufig 
bei den Komikern (s. m. Abbdlg. de Cic. elocut. p. 22) , in den 
Keden Ciceros nur bier, dagegen in den Briefen 3mal, ep. Att. 
5, 15, 1 si prorogatur, actum est; ib. 9, 12, 4, ep. fam. 14, 3,3 
nam si inveterarit, actum est. Dieselbe Bedeutung bat trans- 
actum est ep. fam. 14, 4, 3, oft in den Tragbdien Senecas. • 
Die Griecben sagen iibnlicb niuqaxxai ^ z. B. Eurip. Hipp. 680. 
778. — in liac tauta immauitatej ,unter solcben Unmenscben'. 
Das Abstraktum flir das Konkretum wie Pbil. V § 37 ,non solum cum 
exercitu suo sed etiam cum omni immanitate barbariae', welcbe 
Stelle, nebenbei bemerkt, Valer. Max. 9, 11 ext. 4 nacbabmt: 
,efFeratae barbariae immanitate truculentior^ Zum Gedanken 
vgl. Verr. I § 68 quod si boc iure legati populi Romani in socios 
. . uterentur, ut pudicitiam liberorum servare ab eorum libidine 
tutam non liceret, quidvis esse perpeti satius quam in tanta 
vi atque acerbitate versari^ 

A(l eamne rem etc.] Mit demselben Unwillen drlickt sicb Cicero § 151. 
Verr. V § 157 in einer der unsrigen inbaltlicb uiul formell abn- 
licben Stelle also aus: ,parumne multa mercatoribus sunt neces- 
sario pericula subeunda fortunae, nisi etiam bae formidines ab 
nostris magistratibus . . impendebuntV Ad eamne rem fuit baec 
suburbana ac fidelis Sicilia plena optimorum sociorum . . ut qui 
usque ex ultuma Syria atque Aegypto navigarent , . . qui e x 
praedonum insidiis, qui ex tempestatum periculis profugis- 
sent, in Sicilia securi ferirentur, cum se iam doraum venisse 
arbitrarentur ? — delecti] s. z. § 8. — sectores ac sicarii] s. z. 
§ 80. — I)oni imperatores] Die Wirksamkeit des Vergleicbs wird 
nocb geboben durcb das Wortspiel mit den abnlicb klingenden 



398 Kapitel Ul § 152 

Wortern boni imperatores — bonorum emptore?. Im 
Deutschen kiinnen wir es niclit wieclergeben. — de iiiiproyiso] Nur 
hier in den Reden gebraucht Cicero de improviso, ebenso 
ex improviso nur Verr. I, 112. Haufiger findet sich 
improviso und die synonymen Adverbia subito und beson- 
ders oft repente. — excipiatisj excipere ,auffangen, ein- 
fangen* ist ein Ausdruck der Militar- und Jagdsprache^ vgl. Caes. 
bell. Gall. 6, 35, 6 multos ex fuga dispersos excipiunt, Cic. 
Verr. V § 151 ex Hispania fugientes se excepisse et sup- 
plicio adfecisse dicit; Caes. B. G. 6, 28 sed mansuefieri ne 
parvuli (sc. uri) quidem excepti possunt; Hor. carm. 3, 12, 16 
excipere aprum, wo Dillenburger das griech. daxsffd^ai ver- 
gleichtj Senec. Provid. 5 uobis interdum vohiptati est, si adule- 
scens constantis animi feram venabulo excepit'. — di prohibeant, 
ut] Die Hss. ne, s. d. krit. Anhang. — cousilium publicum] Unter 
consilium publicum ist zwar iu der Regel der Senat zu ver- 
stehen [so § 153, s. Wirz zu Mil. § 90, Cat. M. § 19 quae (sc. 
consiliura, ratio, sententia) nisi essent in senibus, non summum 
consilium maiores nostri appellassent senatum], an unserer 
Stelle jedoch das Richterkollegium , das consilium iudicum, als 
Vertreter des Volks und des ofientlichen Interesses. „Wie die 
quaestio inter sicarios, so sind alle quaestiones perpe- 
tuae als Kommissionen zu betrachten, denen das Volk fiir die 
bestimmte Verbrechenssphare seine Machtvollkommenheit iiber- 
tragt". Osenbrliggen. 
152. IVihil aliud agi, nisi] vgl. § 8 sin aliud agitur nihil nisi 
ut etc. Ueber nisi in dieser Formel s. z. §108 si nihil aliud 
fecerunt nisi rem detulerunt. — proscriptorum liberij Aus 
Furcht, es mochten ihuen entweder durch Sulla selbst oder in 
Folge einer Reaktion ihre Rechte und Giiter wiedergegeben wer- 
den, s. z. § 145 fin. — quavis ratione] ,gleichviel auf welche 
Weisc'; in den Reden noch p. Quinct. § 85 si qui unum aliquem 
fundum quavis ratione possideat etc, — iuitium in vestro iure 
iurandoj Man will die Kinder der Proskribierten auf jedmbgliche 
Weise unschadlich machen, und das erste Opfer dieses nieder- 
trachtigen Planes soU Sex. Roscius sein , dessen Verurteilung sie 
von eurem Urteilsspruch erwarten. Um den Richtern znm 
Schlusse noch einmal vor die Seele zu fiihren, welche Verant- 
wortung sie auf sich liiden, wenn sie in Widerspruch mit ihrem 
abgelegten Eide (s. z. § 8) , nach bestem Wissen und Gewissen 
zu richten, den Roscius verurteilteu, bedient sich Cic. des etwas 



Kapitel LIII § 153. 399 

kurzen, aber verstandlichen und bestimmteren Ausdrucks ,cius 
rei initium in vestro iure iurando . . quaeri' = den ersten Versuch 
zur Ausfiihrung ihres schandlichen Vorhabens machen sie bci 
eurem Eide d. h. euer den Sex. Roscius verurteilender Spruch 
soll die Einleitung und Aufmunterung fur sie sein, das Werk der 
Vertilgung der liberi proscriptorum fortzusetzen. — pericilloj wie 
§ 148. — dabiuiime est etc.] Nachdem Cicero im Vorhergehenden 
die Richter in prononcierter Weise an ihren Eid erinnert hat, stellt 
er mit kraftigen Strichen noch einmal den Angeklagteu und seineu 
Gegner, T. Roscius Magnus (vgl. § 84. 104), einander gegenuber; 
die Rolle, die dieser bei der ganzen Angelegenheit gespielt und 
die l-iagc, in die er jenen bemitleidenswerten gebracht, konnten 
so strengrechtliche Richter keinen Augenblick im Zweifel dar- 
uber lassen, auf welcher Seite sich die Schixld befinde. Vgl. 
Saxonius z. u. St. : ,Cum sint duae partes epilogi, conquestio 
(= commiseratio) et avaxs^aXaicacng (= enumeratio), est haec 
s u m m a r i a r e p e t i t i o p r a e c i p u o r u m c a p i t u m , sive argu- 
mentorum in causa'. — proljadim siiis] Wie hoch den Roscius seine 
Verwandten schatzen, geht aus deren Anwesenheit vor Gericht 
(s. § 49 ut ex his propinquis eius, hominibus honestissimis, 
audio) sowie aus ihrem frliheren Beirat hervor (s. § 27 de 
cognatorum sententia Romam confugit). — coiisislerc] ,Platz 
greifen, haften', cf. Cluent. § 78 similis in Bulbo, in Gutta, in 
aliis nonnullis suspicio consistebat. 

Kapitel LIII. 

Q,Uodsi id etc.] Der Redner fiihrt den zu Anfang des § 152 § 153. 
angedeuteten Gedanken, die Richter mbchten doch ja bedenken, 
von welchcr Tragweite ihr Urteilsspruch sei, in diesem § weiter aus 
und weist auf die Folgen hin, welche die Verurteihiug des Roscius 
nach sich ziehen wurde. — profitemiui] s. z. §20 operam suam 
pollicentur. — nova . . . proscriptio iustaurata] Ein ahnlicher 
Pleonasmus wie § 13 fin. unus relictus restat oder § 111 
vicaria lides amicorum supponitur. Noch voller wie an unserer 
Stelle ist der Ausdruck bei Liv. 37, 19, 5 instauremus novum 
de integro bellum. Bei Livius ist liberhaupt die pleonastische 
Zusammenstellung novus de integro keine Seltenheit, s. die 
Stellen bei FriedersdorfF im Anhang zu Buch 28, p. 115; Klihnast 
Liv. Synt. p. 274. — esse videatur] zur Klausel s. § 124. — ariua 
capere potuerunt] Der Ton liegt auf potuerunt: jene waren 
Manner, diese sind wehrlose Kinder. — suscipere noluit] 



400 Kapitel LIII § 153. 

Die Proskriptioneu crfolgten auf Grnud der SuUaniscbeu lex de 
proscriptione oline Mitwirkung des Senats oder Zuziehung von 
Magistraten, s. z. § 125. Plutarch. Sull. 31 o 6' ovv 2vlla(; 
€v9vg oydoTjxoPTa TiQoeyQaipsp ovdevi tcov ivTsXsi xotvo)(Td[jievog. 
Appian. bell. civ. I, 95. — iiiore luaionim] Cic. p. dom. § 43 
jproscriptionis miserrimum nomen illud et omnis acerbitas Sullani 
temporis quid habet, c[uod maxime sit insigne ad memoriam cru- 
delitatis ? Opinor, poenam in cives Komanos nominatim 
sine iudicio constitutam^ Nach einer schou in den XII Tafeln 
entlialtenen Bestimmung kounten nur die Centuriatkomitien auf 
Tod oder Aechtung erkennen ,de capite civis nisi comitiis 
centuriatis rogari ne liceat^; p. Sest. § 65, cf. de leg. III 
§ 11. — piibh'co cousilio] vom Senate zu verstehen, s. z. § 151. — 
iiifaiitiuiu puerorum] pueri findet sich nicht selten in der Bedeut- 
uug ,Kinder' beiderlei Geschlechts, Hellmuth 1. 1. p. 168 citiert 
fiir diese Formel noch p. Sull. 19 ,cum mihi patriae . . . cum 
puerorum infantium, cum matrouarum ac virgiuum veniebat 
in mentem' und fjihrt dann fort: ,de significatione vocis puer 
Chai'isius haec scribit': „puer et in feminino sexu antir|ui dicebant, 
ut Graeci 6 na7g xai ^ nalq etc". Itaque in duobus his 
locis prisca formula deprelionditur'. Inwiefern Hellmutli aus 
der Bemerkung des Charisius auf das Archaische unserer Formel 
schliessen will, ist mir unerfindlich. Von einem Archaismus konnte 
man unter Hinweis auf jene Stelle des Charisius sprecheu, wenn 
Cic. puer als Femininum gebrauchen wUrde, wie z. B. Xaev. 
bell. Pun. 2 fr, 6 V. sagt Proserpina puer Cereris; dagegen 
der Gebrauch von pueri = liberi ist jedem Zeitalter der Latinitat 
eigentumlich. Georges in seinem Handwbrterbuch ' gibt Belege 
dafiir von Plautus bis Seneca und Plinius. Die Formel infantes 
pueri steht bei Cicero noch de orat. H § 162; ausserdem Plaut. 
Poen. prol. 28. Lucil. 412. 492 L. — asperuamini] aspernari 
als Synonymum von reicere wie dieses konstruiert findet sich 
bei Cicero nur noch Cluent. § 194 cuius ego furorem atque cru- 
delitatem deos inmortales a suis aris atque templis asper- 
natos esse confido und de fin. I § 15 ego a philosopho, si 
adferat eIof[uentiam, non asperner. — videte, quem iu locnm . . 
perveuturam putetis] Dieser beinahe pleonastische Gebrauch der 
Verba des Meinens (dem Sinne nach = dem griech. av) in 
indirekten Fragesatzen ist nicht uur dem Cicero eigentumlich, 
sondern findet sich schon in einem Fragment des RednersC. Gracchus 
(cum a servis eorum tam caste me habuerim, iude poteritis con- 



Kapitel LIII § 154. 401 

siderare, quo modo me putetis cum liberis vestris vixisse). 
Er ist, wie Seyffert Pal. Cic. p. 73, 5 bemerkt, ein sehr wesent- 
liches Mittel zur periodischen Abrundung, Beispiele fiir diese 
Ausdrucksweise finden sich nicht nur in deu Reden (s. Halm zu 
imp. Pomp. § 11); sondern auch in den ubrigen Schriften Ciceros. 
vgl. ep. Att. 2, 22, 6 non provideo satis, quem exitum futurum 
putem. — Dass ubrigens schon den Komikern derartige Wend- 
iingen mit locus gelaufig waren, zeigt Plaut. Epid. 81 quo in 
locohaecres sit, vides; Ter. Phorm. 473 locjuere obsecro, 
quo nam in loco suat res et fortunae meae. 

Lenissinilis] Die Eomer nehmen gerne flir sich die lenitas, § 1^^- 
mansuetudo und clementia als Nationaleigenschaft in An- 
spruch. Man vgl. ausser der tinsrigen Stelle nocb Cic. Verr. V, 115 
indigne ferunt illam clementiam m ansu etudin emque nostri 
imperii tantam in crudelitatem esse conversam (vgl. auch die 
im nachsten Lemma citierte Stelle aus Verr. IV^ 73), Liv. 3, 2, 5 
si paeniteat, tutum receptum ad expertam clementiam fore 
und Sall. Cat. 51, 5 ff., wo Casar Beispiele fiir die Grossmut und 
Milde des rom. Volkes aufflihrt: ,bello Macedonico, quod cum 
rege Perse gessimus, Rhodiorum civitas magna atrjue magnifica 
. . infida atqne advorsa nobis fuit; sed postquam bello con- 
fecto de Rhodiis consultum est, maiores nostri, ne quis divitiarum 
magis quam iniuriae causa bellum inceptum diceret, impunitos 
eos dimisere. Item bellis Punicis omnibus, cum saepe 
Carthaginienses et in pace et per indutias multa nefaria facinora 
fecissent, nunquam ipsi per occasionem talia fecere etc.'. In welch' 
intriguanten Weise damals die Romer gegen die Rhodier (a. 169) 
vorgingen, moge man bei Peter R. G. P p. 490. 491 nachlesen. 
Ebendort wird man auch darliber aufgeklart, dass jener gross- 
miitige Strafnachlass darin bestand, dass man ihnen Lycien nnd 
Carien, spater auch die Stadte Kaunus und Stratonica nahm „So 
waren sie", schliesst Peter diesen Abschnitt, „bis zum Jahre 164 
aller Einkiinfte vom Festlande beraubt, deren sie wegen des un- 
zulanglichen Ertrags ihrer Insel fiir die zahlreiche Bevolkerung 
so sehr bedurften, und der Abwurf ihrer Zolle war von 1,000,000 
Drachmen auf 150,000 herabgesunken; kurz Macht und Wohlstand 
der Insel waren vollstandig zerstbrt. Nun erst gewahrte man auf 
weitere demiitige Bitten das Blindnis". Dies moge zur Illustration 
der rbmischen lenitas und clementia dienen. Dass auch die 
von ihren Schriftstellern gerlihmte fides Romana (Liv. 5, 27, 11. 
33^ 2, 5) durchaus nicht ohne Flecken war und manchmal nicht 



402 Kapitel LIH § 154. 

viel besser als die den Karthagern und vor allem dem Hannibal 
imputierte perfidia Punica (Liv. 21, 4, 9; 30, 32, 7; 42, 20) 
beweist so manches Blatt ihrer Geschichte. — domestica crudelitatej 
= iu cives wie Verr. IV § 73 (a P. Scipione) suut reddita tum 
alia Gelensibus, alia Agrigentinis, in quibus etiam ille nobilis 
taurus, quem crudelissimus omuium tyrannorum Phalaris habixisse 
dicitur, quo vivos supplicii causa demittere homines et subicere 
fiammam solebat. Quem taurum cum Scipio redderet Agrigentinis, 
dixisse dicitur aequum esse illos cogitare, utrum esset Agrigentinis 
ntilius, suisne servire anne populo Romauo obtemperare, cuin idem 
monumentum et domesticae crudelitatis et nostrac man- 
suetudinis haberent. — haiic tollite etc.] S. oben p. 388. 389. — 
onuiibns horisj Eine ahnliche Umschreibung von semper wie omni 
tempore = ,stund]ich, alle Augenblicke', vgl. Cat. M. § 74 
mortem omnibus horis impendentem tiniens qui poterit animo 
cousistere?, Phil. III § 18 quem . . . amamus omnibusque 
horis oculis, auribus, complexu tencmus; vgl. Plaut. Mil. 212 
quoi bini custodcs semper totis horis occubant (u. daz. Brix). — 
adsidnitate molestiaruiu] ,uuablassiges Ungemach^ — seusum 
omnem humauitatis] Nagelsb. Stil. § 17, Krebs Antib. s. v. scusus, 
Seyflfert Lael.^ p. 194 lehrcn, dass das deutsche „Gefuhl" iu 
Verbindung mit Atfekten, wie Freude, Schraerz, Scham, Lust u. s. w. 
oder iiberhaupt mit abstrakten Gemiitszustanden, wie Daukbarkeit, 
Menschlichkeit u. s. w. nicht ausgedriickt zu werden pflege (vgl. 
R. A. § 63 magna vis est humanitati s). Statthaft ist die Ver- 
bindung von sensus mit solchen Genetiven nach Haacke Stil. 
p. 5 in zwei Piillen. Entweder siud die Genetive Worter nicht 
subjektiver Bedeutung, wie Liv. 33, 32, 10 adeo unum gaudium 
praeoccupaverat omnium sensum voluptatium; oder sie siud 
subjektiver Bedeutung: dann wird der Begriff des Gefiihls und 
der Empfindung als wesentlich hervorgehoben (cf. Seyffert Lael. 
1. 1.), so an u. St., vgl. noch prov. cons. 2 quo animo unus quis- 
que vestrum debet esse in illus, hoc ero ; praecipuum illum et 
proprium sensum doloris mei a sententia dicenda amovebo; 
Verr. I § 47 tametsi nullus in te sensus humanitatis, nulla 
ratio unquam fuit religionis. 

Einige liltere Herausgeber vermissen den Schluss der Rede, 
doch haben Drumaun G. R. V p. 243, 27 und Halm mit Recht 
dagegen bemerkt, dass man uiclit wisse, was Cicero noch hatte 
hiuzufiigen sollen. Er schliesse vielmehr schr passend mit dem 
Wunsche, dass durch die Freisprechung des Roscius kuud werdeu 



Kapitel LIII § 154. 403 

moge, dass clie Zeit der blutigen Thaten endlich verschwunden und 
noch nicht alles Gefiihl in deu Herzen der Menschen erstorbeu sei. 

Dass Ciceros Klient freigesprochen wurde, ist aus den, Teil I 
p. 14 angefiihrteu, Belegen^ bes. aus Plut. Cic. 3 ersichtlich. Da 
dieses fiir unsere Rede wichtige Kapitel ganz abzudrucken dort 
versaurat wurde, moge es hier nachtraglich geschehen. 

Plut. Cic. 3 Xov(j6yoi'og , cmsXsvd^sqog ^vlla, TiQOcrayyei- 
XavTog Tivoq ovGiav wq ix TiQoyQa(f^g dvaioe&evrog, avTog io)vij- 
(jaxo di<yxiXi(iov dQaxiimv (s. z. § 6) ' inel de '^Pco^T/.ioc, 6 viog 
xal xXrjQOvoixog zov Ted^vTjxoTog riyavcixTei , xat Trjv oixjtav 
dnedelxvve uevTrjxovTa xal diaxocricov TaXdvTcov ovcrav d^iav, 
6 T8 ^vXXag iXeyx6[Jievog iyaXenaive , xal dixriv naTooxToviaq 
inijye T(p '^PoxTxio) , tov Xov(Toy6vov xaTacrxevdaavToq i(iotjd^ei 
6' ovdeig, dlX^ dneTqenovTo, tov 2vXla Trjv xf^XenoTrjTcc dedoi- 
xoTeg. OvTco 6fj 61 iQrmiav tov (xeiQaxiov tw KixeQOivi nQOCf- 
(fvyovToq, ol (fiXoi crvfjinaoowfjioov ., (ag ovx dv avTO) XctfxnQO- 
TSQav avd^ig aQxrjv nqdg 66^av eTeQccv ov6e xaXXiu) yevrjcrofievrjv. 
Z4va6s'^df.ievog ovvTrjv crvvrjyoQiav xcci xaTOo&oocrccg id-avfidcrd^ij' 
6e6i,(rtg 6e Tov ^vXXav, dne6i]firj(Tev sig Triv'EXXd6a., 6ia(TneiQag 
Xoyov, cog tov (TcofxaTog avT(p d^eQaneiccg ^eofxevov. 

Zum Schlusse moge hier das Nachwort Platz finden , das 
Drumann G. E. V p. 243 unserer Eede widraet: „Roscius wurde 
freigesprochen. Er verdankte es der Klugheit und Beredsarakeit 
des Verteidigers, der Scheu der Senatoren, sogleicli bei der ersten 
peinlichen Klage den Ritternj welche vou