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Full text of "Thymiateria"

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Thymiateria. 



Inaugural-Dissertation 

zur 

E r 1 a n g u n g d e r D o k t o r w ü r d e 

genehmigt 
vin der Philosophischea Fakultät 

der 

Rheinischen Friedrieh -Wilhelms - Universität 

zu Bonn. 

Vorgelegt von 



Karl Wigand jf? & * l -J^ ' 

aus Ziegerlhain i. H. ; ' ■*■> « 

Promoviert am 6. März 1912. 



Sonderabdruck aus „Bonner Jahrbücher" Heft 122 



Bonn 

Carl Georgi, Universitäts-Bucfekdruckerei und Verla» 



1912. 



Berichterstatter: 
Professor Dr. Georg Loeschcke. 



Mit Genehmigung der Fakultät kommen hier nur Kapitel I— XI zum Abdruck. 
Die ganze Arbeit wird in den „Bonner Jahrbüchern" Heft 122 erscheinen. 



Dem Andenken 

meines Vaters und meines Grossvaters 

Ferdinand und Albert Wigand, 



Thymiateria. 

Von 
Karl Wigand. 



Hierzu Taf. I— VI. 

Zu den Doch heutigentags im Gebrauch befindlichen Geräten, deren 
Entwicklung wir auf ihrer Wanderung von Volk zu Volk, von Religion zu 
Religion durch die Jahrtausende verfolgen können, gehören die Räuchergefässe. 
Nicht eine Geschichte des Räucherkultus will ich hier zu geben versuchen 
(dies mag späterer Zeit vorbehalten bleiben . sondern es gilt nur die formale 
Entwicklung der Räuchergeräte in historischer Abfolge zu schildern, freilich 
auch dies nicht vollständig; denn um die Form des Räuehergerätes zu erfassen, 
würde es notwendig sein, gleichzeitig die für Beheizung und Beleuchtung 
gebrauchten Geräte zu untersuchen, denn vielfach wird ein Räuchergerät nichts 
wesentlich anderes sein, als ein verkleinertes transportables Kohlenbecken. 
Bereits diese Aufgabe übersteigt vielleicht die Kraft des einzelnen, namentlich 
die eines Anfängers. 

Da ich die Sprachen Ägyptens und des Orients nicht verstehe, bin ich 
in besonders hohem Grade von der Hilfe sachkundiger Fachmänner abhängig 
gewesen, die mir auch in reichstem Maasse durch die Herren Proff. Fischer, 
Guthe, SteindorfT und Zimmern in Leipzig, Dr. Möller und Prof. Schäfer in 
Berlin, sowie durch Herrn Dr. Unger in Konstantinopel zuteil wurde. Für 
Überlassung 70n Material und für freundliche Auskunft bin ich zu aufrichtigem 
Dank verpflichtet den Herreu Behn, Bezold, Brenner, Brugsch, Burchardt, 
Buschor, Hackebeil, Ed. König, Kühner, Lehner, Lidzbarski, Siegfried Loescheke, 
Messerschmidt f, Walter Müller, Pohl, Pfuhl, Regling, Schröder, Sieveking, 
Treu. Watzinger, Weege, Wiedemannn, Winnefeld, Wulff. Für die Zeichnung 
der Tafeln schulde ich meinem Bruder Albert Wigand herzlichen Dank. Die 
Anregung zu dieser Arbeit verdanke ich meinem Lehrer Prof. H. Thiersch in 
Freiburg i. Br., bei ihrer Durchführung unterstützten mich meine Lehrer Prof. 
Studniczka und Loescheke. Ihnen allen, besonders auch Herrn Geheimrat 
Loescheke, sei nochmals mein herzlichster Dank ausgesprochen. 



2 K a ) - 1 W i g ;i 11 (1 : 

Kap. I. 

Ägyptische Räuchergeräte 

Eine kurze Zusammenstellung- von ägyptischen Räuchergeräten gibt Wilkinson-Birc\ 
Manners and Custoois of ancieni Egypt. London 1878 2 , Band III. S. 398, Abb. 599. 

A. Die Räuchergeräte des Alten Reichs ca. 3000—2200) nnd ihre 
Entwicklung bis in <lie römische Zeit. 

1. Die Räuchergeräte des Alten Reichs. 

Die einfachste Art zu räuchern zeigt ein der 4. Dynastie (2840 bis 
2680 v. Clir.) angehörendes Relief an der Sclieintür vom Grab der Hetepet in 
Berlin: J.-Nr. 15416— 18 (Taf. I, I . Ein Diener hält in der flachen Hand und mit 
dem emporgestreckten Daumen eine balbkugelige Schale, über der nach ägyptischer 
Weise der Inhalt, das Räuchermaterial, als rundliehe Masse angegeben ist. I ber der 
linken oberen Keke wird mit zwei Fingern der linken Hand ein glockenförmiger 
Deckel an einem Knopf gehalten, der bei der wenig sorgfältigen Arbeit nicht 
angedeutet ist. Dass hier wirklich geräuchert wird, geht noch deutlicher aus 
einem Relief der 5. Dynastie ca 2680 2540) hervor, das aus einer Mastaba 
bei der Cheopspyramidc stammt und sich jetzt in dem Leipziger archäologisch- 
ägyptologischen UniversitätsMusenni befindet 1 ). Hier Fassl der Sohn der Ver- 
storbenen (Abbildung 1) an dem nach unten gerichteten Griff die Schale an, über 
der sechs Körner und über diesen die als dünne Linien gezeichnete Flamme 
wiedergegeben sind. Der Deckel ist durchfocht. 

Auf diesen Reliefs halten wir die beiden gewöhnlichsten Räuchergefässe 
des Alten Reichs vor uns. In der runden Schale, die in der Hand getragen 
wird, räuchert man am häufigsten in der I. und in der <>.■ Dynastie. In 
der 5. Dynastie dagegen herrscht entschieden die Räucherschale mit stiel- 
förmigem Griff 4 ), dw etwa 10 cm lang, senkrecht am Boden befestigl ist. 



1) Steindorff, Illustrierte Zeitung Nr. 3301 4. X. I9C6), S. 555; Abbildung 1 nach 
einer Photographie, die Herrn Hackt-beil, dem Konservator des Leipziger Univ.-Museuins, 
verdankt und mit frdl. Erlaubnis Steindorffs und Studniczkas publiziert wird. 

2) Relief vom Grab der Hetepel in Berlin, siehe Fig. 1. De Morgan, Fouilles ä 
Dahchour en 1894 — 95, Wien 1903, S. 23. Fig. 53. Lepsius' Denkmäler Ergänzungs 
band 27 b oben rechts. 

3 Catalogue des monuments et inscriptions de l'ßgypte ant. I 146 (Gral) des 
Mekhu und Sabni bei Assuan), I 160 (Grab des Khunes, Hauptdarstellung oben rechts. 

4) Murray-Gurob-Loat, Saqquara Mastabas I 1905, Tafel 21 und 23: 4 Beispiele, 
die die Wiedergabe der Räucherkörner und der Klammen zeigen. Mariette, Les 
Mastabas >\r l'ancien empire 1889, S. 287. Brugsch, Thesaurus 1485, Nr. 142. Die 
Stele, befindet sich übrigens nicht in Berlin, wie dort angegeben. Flinders-Petrie, 
DesVxasheh 1898, Taf. 9 unten. Grebaut, Le Musee fegyptien I. Taf. 22, Nr. 34568. 
A. Guide to tlic Egypt Galleries fBritish Museum) Sculpture 1909, Taf. 4, S. 25. 
Maspero Steindorff, Ägyptische Kunstgeschichte S. 113, Fig. 123. Lepsius' Denkmäler II 14 b; 
57a; 58b; 64 bis 3 Beispiele); 83; 85; 104 c Lepsius' Ergänzungsband 22b; 31; 33. 
s. auch Anni. 1. 



Thymiateria. 3 

Diese Form kommt jedoch schon in der 4. Dynastie vor, wie aus der Haltung 
der unter der Schale wiedergegebenen Hand auf einem Relief in einer Mastaba 
bei Gizeli ersichtlich ist 1 ). In der 6. Dynastie wird der Griff etwa doppelt 
so lang 2 ) wie der Durchmesser der Schale, und dieser Typus hält sich auch 
noch im ganzen Mittleren und Neuen Reich. Doch findet sich noch auf einem 
Sarkophag des Mittleren Reichs ein Räuchergerät mit kurzem Stiel 3 ). Nur 
ungenau datiert in die Zeit der 3.-6. Dynastie ist das tönerne Räuchergerät 




Abbildung 1. 

das sieh in einem Grab in Denderah gefunden hat 4 ). Griff und Schale sind 
nicht abgesetzt, sondern gehen ineinander über, der tellerartige, durchlöcherte 
Deckel trägt in der Mitte einen durchbohrten Knopf. Danach dürfte sieh 



1) Lepsius a. a. 0. II 23; 27. 

2) Catalogue des monum. ei inscr. I. Photogr. S 165. 

3) Lacau, Sarcophages anterieurs au nouvel empirc (Band X des Catal. gener. 

des Aut. Kirypt, du Mus. de Caire) Taf. 25 und ::;;. Nr. 60. 

4) Flinders Petrie, Dendereli, London 1900, Tal. !•;. 6. 



4 Karl Wigand: 

das Stück als ein jüngerer Typus der Schale mit angesetztem Griff darstellen, 
ein Typus, in dem der Ansät/, organischer mit der Schale verbunden ist. 
Allerdings hat dieser Typus nicht vermocht, den alten zu verdrängen, wie ja 
auch jener neben d^r einfachen Schale, der wohl ältesten Form, einhergeht. 

Neben diesen beiden Formen gibt es im Alten Reich noch eine dritte 
Art von Räuchergeräten, die die Form eines modernen Blumentopfes mit Deckel 
hat 1 ) (Fig. 4). Aus der Zeit des Alten Reichs mir nur durch dies eine Bei- 
spiel bekannt, wird diese Form im Mittleren und besonders im Neuen Reich 
eine der beliebtesten; hier tritt sie aber stets ohne den Deckel auf, der für das 
Alte Reich charakteristisch ist (vgl. unten „Räuchertöpfe"). Dieses topfförmige 
Räuchergerät erscheint in einem Relief vom Grab des Prinzen Mer-eb*), das 
wie das vorige Stück der 4. Dynastie angehört, sowie auf der Stele des Hesesi 
im Kairener Museum, mit einem Stiel versehen. Ein roh gearbeitetes, tönernes 
GefäSS dieser Art, nach Sehlicmann „ein rohes Räucherfass aus der ö. Stadt", 
über dessen einstige Bestimmung nichts auszusagen ist. hat sich in Troja 8 
gefunden, findet sich aber nicht in Berlin unter den Schliemannschen Funden, 
Die Frage, <>b hieraus wirklich auf Beziehungen /.wischen Troja und Ägypten 
zu schliessen ist, möchte ich offen lassen. 

Die Räuchergeräte des Alten Reichs haben, wie gesagt, durchweg einen 
Deckel. Dieser fehlt natürlich, wenn gerade der Moment des Aufstreuens von 
Weihrauchkörnern dargestellt ist, wie es einige Reliefs der 6. Dynastie 1 /eigen. 
Er ist, wie das Leipziger Relief und das erhaltene tönerne Räuchergerät be- 
weisen, von einzelnen Löchern durchbrochen. Wenn die übrigen Darstellungen 
einen undurchbrochenen Deckel zeigen, so ist darauf hinzuweisen, dass unsere 
Hauptquelle, die alte Publikation von Lepsius, trotz ihrer grossen Vorzüge doch 
in derartigen Details nicht den modernen Anforderungen entspricht. Es erklärt 
sieh das Fehlen der Löcher teilweise auch nur aus dem Fehlen der Bemalung; denn 
es liegt im Wesen des Räucherg-efässes, dass die Luft nicht ungehindert Zutritt 
haben kann, damit das Verbrennen nicht zu schnell vor sich geht, dass 
andrerseits die Luft nicht abgeschlossen werden darf, damit die Glut nicht 
erstickt wird. Ein durchbrochener Deckel genügt beiden Anforderungen am 
besten. Die Wand des bald höheren, bald niedrigeren Deckels ist bisweilen 
geschwungen nach Form einer (Hocke 5 ). Bisweilen wurde auch statt des 
Knopfes ein Griff an den Deckel gesetzt, so dass das Kohlenbecken und sein 
Deckel fast dieselbe Form zeigen ). Diese Art, mit zwei einander entsprechenden 



1) Lepsius ;t. a. 0. II ."»0. (I. Dynastie). 

2) Katalog der Berliner ägyptischen Altertümer Nr. 1107, S. 48, abgebildet 
Lepsius a. a. (). 11 20; ähnliches Räuchergeräl Lepsius a. a. ( >. II 83 und auf der Grab- 
stete des Hesesi (5. Dyn.), publ. Grebaut, Le Musee egyptien 1. Taf. 22, Nr. :!4;V,s. 

3) Schliemann, llios S. (!47, Nr. 1321. 

4) Catalogue des mon. et inscr. de l'Egypte ant. S. 198; 160; 145. 

5) Lepsius a. a. O. II 85. 

(i) Relief aus dem Grab des Prinzen Mer-eb aus Gizeb, jetzt in Berlin Nr. 1107 
(Katalog S. 48), ungenau bei Lepsius a. a. <>. II 20. 



Thymiateria 5 

gestielten Gefässen zu räuchern, hat sich mehrere Jahrhunderte hindurch ge- 
halten, wie die Darstellung in einem Felsengrab aus Berscheh 1 ) zeigt, das 
der 12. Dynastie angehört. 

Wir kennen noch eine zweite Form des Deckels, bei der die Wandung 
nicht vielfach durchbohrt ist, sondern die Spitze in eine ölten offene, etwa 
3 cm weite Röhre ausgezogen wird, die genau wie ein Schornstein funktioniert. 
Zwei tönerne Deckel dieser Art aus der 10. Dynastie finden sich im Berliner 
Museum 2 ), ein ähnliches glockenförmiges Gerät ist in Turin 3 ). Der Gebrauch 
dieser Geräte lässt sich nicht mit Sicherheit auf den Denkmälern nachweisen; 
es kommt hier nur in Betracht die Darstellung an einer der 4. Dynastie au- 
gehörigen Mastaba bei Gizeh *) (Fig. 4), weil hier der Räuchernde die flache 
Hand über den Deckel hält, er also im Begriffe ist, mit der flachen Hand 
den Deckel zu schliessen. Ähnliche Form zeigen die Deckel zweier bronzenen 
Räuchergefässe ö ) in Berlin, die im Kunsthandel erworben sind und in koptische 
Zeit gesetzt werden (Fig. 5). 

2. Räuchertöpfe. 

Eine für mich im Alten Reich nur in einem Beispiel nachweisbare Art 
des ungestielten Räuchergefässes (s. o. S. 4) ist der Räuchertopf. Diese Ge- 
lasse haben die Form eines umgestülpten, abgestumpften Kegels und ähneln 
so unsern Blumentöpfen. Die Seiten sind gerad 6 ) oder kurvenförmig 7 ) Fig. 
15 — 17); nur selten ist die Höhe wesentlich grösser 8 ) als der Durchmesser 
des Topfes (Fig. 16), bisweilen erweitert sich das Gefäss noch kurz vor 
seinem oberen Abschluss 11 ) (Fig. 23). 

Dass diese Gefässe zum Räuchern benutzt wurden, lehren die Darstel- 
lungen. Oft schlägt die Flamme aus ihnen empor, oder ein Räucherkorn 
liegt zu jeder Seite der Flamme (Fig. 19 u. 23) — wie in diese gerade Körner 



1) Newberry, Berscheh (Engl. Survey- Publikation) I, Taf. 15; Breasted-Ranke 
Geschichte. Ägyptens Abb. 79, S. 149; Lepsius a.a.O. II 134a. 

2) Königl. Museen zu Berlin, Mitteil, aus den orientalischen Sammlungen, 
Heft IX, 2, Berlin 1901, S. 31. 

3) Petrie Photographs Turin 412. 

4) Lepsius a. a. 0. II 30. 

5) Berlin luv. Nr. 17323 und 17324. Die Seiten der Räucherschale messen 1:2 
bzw. 5.7 em, die des Deckels 4,5 bzw. 7,5 cm. 

6) Lepsius a. a. < ). IV 1; 15. luv. Nr. 18544. Grabstein des Ptahmose in Berlin 
Im. Nr. 7321, Katalog S. 168. 

7) Schäfer-Lange, Grab- und Denksteine des Mittleren Reichs (Kairener Katalog) 
Nr. 980 (20376); Lacau, Sarcophages anter. au uonvel empire Kairener Katalog 
Taf. 33: Nr. 28027, S. 69, Nr. 35 = fig. 68, Nr. 28034, S. 90, Nr. 5 = Hg. 70. \. 

S. 103, Nr. 10=fig. 72: Lepsius a.a.O. IV 22. 

8) Lacau a. a. O. Nr. 28036. S. 103, Nr. 10=- fig. 72 

9) Schäfer-Lange a. a. 0. Nr. 979 = 2047»;. Edgar, Graeco egj ptian coffins, masks 
and portraits 1905 (Kairener Katalog X Mitte, Nr. 33129. Bin solches Gerät umgedeutet 
zeigt ein äthiopisches Denkmal (s. Fig. 20): Lepsius V 18. 



6 Karl Wigand 

geworfen werden, ist in der späteren Zeil bisweilen dargestellt 1 Fig 22 
oder eine Reihe Körner sind über der Öffnung des Gefässes 2 angebracht, um 
dessen Inhal! anzudeuten (Fig. L6 u. 21 . Ausserdem finden sich einige Stucke. 
bei denen eine Inschrift beweist, dass es sich hier um Räuchern handelt ' . 
Die Räuchertöpfe dieser Form sind auf Ägypten beschränkt, linden sich aber 
dort vom Alten Reich bis in die römische Kaiserzeit 4 hinein. Die äthiopische 
Kunst hat sie auch übernommen und sie meist ganz deutlich 5 ), bisweilen 
aber auch recht missverstanden 6 ) wiedergegeben. 

3. Entwicklung der gestielten Räuchergefässe. 

a) Im Mittleren und Neuen Reich, 
(ca. 2000- 1ÜÜÜ v. ihr. . 

Wie im Alten Reich ungestielte und gestielte Räuchergefässe nebenein- 
ander hergeben, so finden sich im .Mittleren und Neuen Reich neben den 
Räuchertöpfen auch Räuchergefässe des Typus: Schale mit unten angesetztem, 
langem Griff, und /.war im Mittleren Reich ziemlich selten, im Neuen Reich 
dagegen recht /.abireich. Wir können jetzt beobachten, dasa siefa am Griff 
eine wichtige Wandlung vollzieht: aus dem Griff wird cm Fuss, aus der in 
der Hand gehaltenen Räuchersehale ein steheudes Räucherbecken. Diese Um- 
wandlung wird erreicht durch eine Verlängerung de- Griffes, wie sie Bich 
schon gegen Ende des Alten Reichs bemerkbar machte Fig. 3 . und durch 
-eine Verbreiterung am unteren Ende /um Fuss. Zum erstenmal lässi Bich < i i < -«• 
Änderung in der 11. Dynastie auf einer Grabstele aus Deir el BahrP fest- 
stellen (Fig. <*> . Doch hat sich auch die Schale mit stabförmigem Griff noch 
bis in die 18. 1 »vn.istie erhalten B . 

Im Neuen Reich werden die Räucherschalen mit überstehendem Rand 
ausgestattet, und die- Gerät linden wir auch ausserhalb Ägyptens vgl. unten 
Räuchergeräte hei den Hethitern und in Palästina. Die Geräte mit breitem 
Fuss sind recht häufig in thebanischen Gräbern <\r> Netten Reichs, worauf 
zuerst Erman „Die ägyptische Religion" 2 S. 59 Anm 8 hingewiesen hat. Auch 
in Deir el Bahri, der klassischen Stätte de- Weihrauchs m Ägypten, findet 
sieh dies Gerät an verschiedenen Stellen 9 ), >" Ihm der Opferdarstellung an 



li I.ep-in- a. a. 0. IV 51; 71. 

2 Lacau a. a. <>. Nr. 28036, p. L03, Nr. 10 fig 72, Nr 28091, p. 102 = ti_ 71 
Lepsius a. a.O. 111 22; 23, IV 15; 68. 

3 Lepsius a. a 0. III 68 18. Dyn.); III 253 b 22. Dyn . 

4) Lepsius a a.»>. IV 7;> Zeit de.- Augustus ; IV st'> (Zeit des Hadrian I 
a a. i». 

f) Lep-ius a a. (>. V 7, 11, 31, 69. 

6) Lepsius a a.O. V L8. 

7 Ball-Ayrton, l>eir el Bahri XI. Dynast} Tafel25,F. 

8 Catalogue des monum. et iuscr. de l'Eg. ant. I S 10. Nr 171. S. 27, N; 

9) Mariette Bey, Per el Bahri Tafel 12 und s. 23, Anm. 3. Naville a.a. <>. Tat. IM 



Thymiateria. 7 

der Ostterrasse 1 . wo rechts ein Mann mit zwei Räuchergeräten in beiden 
Händen an einen Altar herantritt, neben dem zwei Ständer stehen, die als 
Brandopfcrallärchen dienen und sieh von unsern Geräten nur durch die Grösse 
unterscheiden. Sie sind etwa viermal so gross wie die Räuchergefässe 2 ). 

Besonders Läufig finden sich Räucherszenen mit diesen Geräten auf den 
Grab- und Denksteinen des Neuen Reichs, von denen sieh eine grosse 
Zahl in süd- und westdeutschen Museen befindet 3 ). Sie stellen in geringer 
Arbeit sieh stets wiederholende Szenen aus dem Totenkult dar, wie sie sieh 
auch, freilieh in weit besserer Arbeit, im Grab der Graveure finden. Während 
hier an der einen Wand ganz rechts dargestellt ist,, wie vor dem Grab die 
Zeremonie der Mundöffnung und Reinigung vorgenommen wird, stehen links 
in mehreren Ädikulen Diener, die in einem auf einem Tischchen stehenden, 
aufflammenden Räuchergefäss wohl Weihrauch 4 ) verbrennen Fig. 7). Viel 
weniger sorgfältig sind die Räuchergeräte in andern Gräbern 5 jener Zeit 
wiedergegeben. Darstellungen aus der 20. Dynastie 6 ) und aus ptolemäischer 
Zeit 7 /eigen, dass das Gerät in der Folgezeit seine Form nicht geändert hat. 

Als Räuchergefäss wird wohl auch das Gerät aufzufassen sein, das auf 
einem Relief" Augustus vor Harsomtus hält. Die Schale hat hier die Form 
einer fünfspitzigen Lotosblume, was dem ägyptischen^Geschmack so recht 
entspricht. 

Auch auf den äthiopischen Denkmälern 9 ) findet sich diese Form von 
Räuchergeräten Fig. 8). 

b In der römisch-ägyptischen Zeit. 

Der Kaiserzeit gehört die Darstellung einer ägyptischen Kultszene mit 
stark landschaftlichem Hintergrund auf einem Rundaltar im Museo Pio-Clemen- 
tino 10 ) an. Wir sehen rechts zwei Männer, die beide ihre Räuchergeräte 



1) Mariette-Bey, Der el Bahri Tafel 11, Reihe b, rechts = Naviilf, The Temple 
of Der el Bahri (Publikation des Egypt. Exploration Fand) VI, Tafel 155. 

2) Über diese Brandopferaltäichen, vgl. Recueil de travaux XXXII, S. 167 und 
die demnächst erscheinende Berliner Lizentiatenarbeit von Lohmann über die Altäre 
im vorderen Orient. 

3) Spiegelberg, Ägyptische Grab- und Denksteine aus süddeutschen Sammlungen 
I, 1902. II, Taf. 11. Nr. 16; Taf. 13, Nr. 20. Wiedemann-Pörtner, Ägypt. Oral.- und Denk- 
steine aus verschied. Sammlungen, herausgeg. v. W. Spiegelberg Bd. III, Strassb. 1906, 
Taf. VIII, Nr. 20. M. A. Murray, Saqquara Mastabas (Egyptian Research Account) 
I, London 1905, Taf. 15, 4 = T. 17. 2. 

4) Memoires de la Mission fraucaise an Caire V, 4 Tombeau des Graveurs, 
Taf. 8. 

5) Memoire, V. 1 fig. 8, S. 26S (Grab des Amenemheb), S. 320 (Grab des Min- 
nacht). 

6) Lepsius a.a.O. III 217. 

7) Lepsius a. a. O. IV 57. 

8) Bissing'-Bruckmann, Denkmäler der äpypt. Skulptur T. 118. 

9) Lepsius a.a.O. V, 21. 30, 31. 

10) Visconti, Museo Pio Clementino VII, Taf. 14. 



Karl Wigand: 

emporbalten. Der eine schwingt ein sich nach oben und unten erweiterndes, 
hohes Gefäss, aus dem Flammen schlagen, und das den ägyptischen Räucher- 
geräten dieses Typus einzuordnen ist (Fig. 9 , Bei dem /.weiten ist der Fubs 
Dach der Abbildung nicht zum Stellen eingerichtet, sondern hat die Form einer 
dreispitzigen Lotosknospe. 

Charakteristisch für diese Art Räuchergeräte (Fig. 7) ist neben dem sich 
verjüngenden Schaft der herabhängende obere Rand dw Schale. Diese Eigen- 
tümlichkeiten linden sich auch an dem Thymiaterion auf einem Silberbecher der 
römischen Kaiserzeil (Fig. 1 (| . der sich in den Schwefelquellen von Vicarello 
gefunden hat 1 ), und beweisen das Fortleben oder Wiederaufleben dieser Form. 
Gegenüber den glatten Füssen der Räuchergeräte <\<-+ Neuen Reichs i>i fest- 
zustellen, dass sich liier griechischer Art entsprechend, etwa in ein Drittel 
Schafthöhe ein Doppelwulsl und weiter oben eine einfache Verdickung findet. 
Die Deutung dieses Gerätes als Thymiaterion ist durch den Zusammenhang 
(dionysischer Kreis. Priapeion vollkommen gesichert. Nach seiner Form möchte 
ich vermuten, dass die Vorbilder für diesen Becher aus Ägypten stammen, und 
er in die von Drexel (Bonner Jahrbücher 118, 1909 als alexandrinisch luv.. 'ich 
neten Silbergefässe <\v\- Kaiserzeil einzureihen ist. Ein ähnliches Gerät, als 
Ornament zwischen zwei Greifen verwandt, findet sich in Pompeji an einer 
Wand der Casa dei Capitelli colorati 2 . 

Aus Ägypten stammte auch sicherlich das Vorbild für ein Wandgemälde 
in Herkulaneum 3 ) : Links steht ein bärtiger Mann mit helmartiger Kopfbedeckung 
und streckt in der Linken eine Schlange empor, während rechts ein andrer 
mit Geierkopf in dw linken Hand einen Stab hält. Die Schlange in der Hand 
eines Mannes erinnert an die Exodus VII, 11 und öfters erwähnten ägyptischen 
„Weisen und Zauberer" und auch an ein pompejanisches Wandgemälde dritten 
Stils'. Wir werden darum wohl nicht fehlgehen, wenn wir auch auf dem 
Bild von Herkulaneum zwei Magier erkennen denn Wirksamkeit in hellenisti- 
scher und römischer Zeit ja einen erschreckenden Umfang angenommen. Dass 
zwischen ihnen ein Thymiaterion Fig. 11 steht, wird uns nicht wundern, 
wenn wir an die häufigen Erwähnungen der Thymiateria m den griechisch- 
ägyptischen Zauberpapyri, die allerdings ersl aus späterer Zeit stammen. 
denken 5 ). Aul' drei niedrigen Füssen ruht der Schalt des Räuchergeräts, 
wodurch es sieh von den bis jetzt besprochenen Thymiaterien dieses Typus 
unterscheidet. Das obere Ende des Schaftes, in das sonst, z. 15. Fig. 9a, die 
Räucherschale eingelassen zu werden pflegt, i-t geschlossen und auf der Ober- 
fläche der mit zwei kleinen Henkeln versehene Räucherkelch aufgesetzt. Über 

l Archäol. Zeitung 1867, XXV. 79, Abb. 225,2. 

2) Zahn, Die schönsten Ornamente II. 73. 

3) Le Antichita di Ercolano 1, S. 2<;:i, Tal'. »0. Heibig, Wandgemälde 1094. 
I Springer-Michaelis, Handbuch 8 S 476, Abb. 878. 

5) z. B. Ä.gypt. Urkunden ans den kgl. Museen zu Berlin (Griech. Urkunden 
2. Band] II. Nr. 387, Col. II. Z. 8 u. 20; Nr. 388, Col. II. Z 22; Nr. 488, Z. 11. Grenfell 
Hunt. Oxyrrh. Papyri III. Nr. 521. Z. 19. 



Thymiatevia. 9 

ihm sitzt ein gewölbter Deckel mit vier Aasschnitten, dnrcfa die Luft zum Feuer 
treten kann, Derartige Geräte kommen auch sonst bei Altären in der Kaiserzeit 
vor 1 ). Dass diese Form von Thymiaterien sicher aus Ägypten stammt, be- 
weisen auch die Reliefs-, die au der Westwand des Hofes in dem durch 
Ptolemaios Neos Dionysos zwischen 80 und 52 v. Chr. erbauten Tempel von 
Ombos angebracht sind. Der Wandschmuck ist der „Hathor, der Herrin von 
Byblos und Herrscherin von Punt" inschriftlich gewidmet und zeigt ver- 
schiedene Formen von Räuchergefässen, zu Unterst spitzauslaufende, niedrige 
Gefässe, die auf schlanken, eingezogenen (lesteilen sitzen Fig. 12), so dass 
das ganze Gerät dem Thymiaterion auf dem herknlanensischen Wandgemälde im 
wesentlichen entspricht. Ähnliche Geräte finden sich auch sonst in der gleich- 
zeitigen 3 ) und früheren 4 ägyptischen Kunst, und sind, wie es scheint, be- 
sonders beliebt in der griechisch-ägyptischen Kunst der Kaiserzeit . 

Während die zuletzt erwähnten .Stücke auf dem zu einem Fuss ver- 
breiterten Schaft ruhen, steht ein bronzenes Räuchergerät dieses Typus, das 
sich als Leihgabe der Berliner Königl. Museen im Bonner Akademischen Kunst- 
museum (Nr. 7797 befindet Fig. 13), auf drei Füssen auf. Der 42 cm hohe 
Schaft verbreitert sich oben zu einer Platte, die einen Durchmesser von 10 cm 
hat. Über ihr ruht auf einem 3,5 cm langen und oben abgeplatteten Stift 
das 8,5 cm hohe Feuerbecken, das unten spitz ausläuft und oben 6 cm breit 
ist. An seinem Rande sind noch Reste eines Scharniers für den Deckel er- 
halten. 

Die allgemeine Verbreitung dieser Thymiateria in der Kaiserzeit zeigen 
die zwischen 130 und 150 n. Chr. geprägten Münzen der älteren Faustina ). 
Pietas spendet hier auf ein schlankes Altärchen (Fig. 14), das in seinen Details, 
besonders in dem spitz auslaufenden und mit Henkeln versehenen Feuerbecken, 
aus dem die Flamme emporschlägt, and in dem Wulst in der Mitte des Unter- 
satzes genau mit dem Thymiaterion auf dem herknlanensischen Wandgemälde 
übereinstimmt. 

B. Räucherarnie. 

1. Räucherarme im Mittleren Reich. 
Neben die aus dem Alten Reich übernommenen Räuchergeräte tritt im 
Mittleren Reich eine ganz neue Form, die vorher nicht nachweisbar ist. der 



1) Daremberg-Saglio, Dictionnaire I 352, Abb. 427— 428. 

2) Catalogaie des monuments et insc de l'Eg. am. II. 1900, S. 94. Nr. 116. 

3) Lepsius' Denkmäler IV, 18 und 38. 

4) Davies, The Rock Tombs of el Amarnah London 1903, Tat'. 18. 

5) Theodor Schreiber, Ernst-Sieglin-Expedition Textband I. S. 133. vgl. auch 
Springer-Michaelis a.a.O. Abb. 972. S. 536. Münzen des Domitian und des Eadrian: 
Zoega, Nummi Aegyptii Imperator« Rom 1787, Tat'. 4 und 6. Original im Berliner Münz- 
kabinett. Brit Mus. Münzkatalog Band Alexandria Taf. 17. Nr. 766 und 4^2. 

6) Stevenson, Smith, Madden, Dictionary nf Roman Coins 1889, S. 1. s. v. acerra. 
Originale im Berliner Münzkabinett (Ausstellung Nr. 3503 und in Köln im Wallraf- 
Richartz-Museum. Nach dem Kölner Original i-t Figur 11 gezeichnet. 



10 Karl Wigand: 

Räucherarm. Eine Zusammenstellung von Räucherarmen aus dem Mittleren Reich 
halten Schaler Lange: „Grab- und Denksteine des Mittleren Reichs" Tal'. 1 15 16 
und Lacau: „Sarcophages anterieurs au nouvel empire" Taf. 33 in den betreffen- 
den Bänden des Kairener Katalogs gegeben. Da sich nun der Räucherarm bis 
in die römische Zeit hält, lohnt es sich, -einer Entwicklang während dieser 
langen Zeitdauer nachzugehen. 

Der Räucherarm ist ein Gerät, das die Form eines menschlichen Armes 
auf mehr oder weniger natürliche Weise Dachbildet 1 ). In der Hand ruht ent- 
weder eine halbkugelige Räucherschale (Abb. 24- 26), oder von der Faust 
wird eine Schale mit stielförmigem Griff Fig. 21 30 gehalten, der entweder 
senkrecht- am Hoden der Schale Fig. 27 ansetzt oder an der Lippe der- 
selben und schräg 8 ) hinunter Fig 3 ler wagerecht 4 Fig. 29 verläuft. Die 

Tatsache, dass diese, wie es scheint, vom gestielten Flaschenkürbis abgeleitete 
Schalenform sieh in Ägypten nicht selbständig findet, wohl aber bei bethitischen, 
kretisch m\ kenischen ■ ' und cyprischen Gefässen, zwingt ans, wenigstens die 
Frage aufzuwerfen, ob der Räucherarm wirklich in Ägypten entstanden und 
nicht vielmehr aus einem Weihrauchlande nach Ägypten eingeführt Bei. 

Beim Räucherann ist die eigentliche Räucherschale zu einem Detail 
degradiert, und die Verzierung erhält das Übergewicht. Meist ist der Arm 
grad ausgestreckt, stets ohne Andeutung des Ellenbogens. Aber es finden sich auch 
Formen, wo der Arm die Form eines aufgebogenen Stieles zeigt, und wo der 
so gebogene Stiel dem Arm angeähnelt ist, indem man der Attache die Form 
der Hand gab 7 ) (Fig. .".1 . 

ohne unterschied, wie es scheint, gab man unserm Gerät bald die Form 
eines rechten, bald eines linken Armes, vgl. auch die aus der Spätzeit erhaltenen 
Stücke m London 8 und in Kopenhagen ' . Bei den Darstellungen von Räucher- 
armen kann man in den zwei Jahrtausenden, wahrend deren ne gebraucht 

1 Schäfer-Lange, Grab- und Denksteine de. Mittleren Reichs IV Nr 

987 20544), 990 20331,20748), 991 20331 - »2 Lepsius' Denkmäler II 

Newberry, Beni Hasan 1, Tafel 12, 17. 18, 19 und 25 ungenau Lepsius' Denkm. II 
128). Grosse und farbige Wiedergabe eines Räueherarmes IV Taf. 17. Grabstein in 
Berlin luv. Nr. 7311, Katalog - 

2 Newberry, Beni Hasan II. Taf 17 11. Dynastie). 

3 Lacau, Sarcophages auterieurs au nouvel empir< 
66 (28094, II). 

1 Lacau a.a.O. Nr. 63 (28027,30); 65(28024,27); 67 28023,91). Lepsius a.aO. 

11 117 (danach Fig. 29). Schäfer-Lange a a.O. Nr. 983 20017). 

."> 6) Humann-Puchstein, Reisen in Kleinasien und Nordsyrien S. 376, A.b 
Annual of the Brit. School VI. S. 1"."». Fig. 35; XIII, S. 172, Fig. 2F. Sd.on weiter 
entwickelt ist in dieser Richtung der Stiel l>ei gewissen cyprischen Vasen, \ 
Cesnola [1,2, Taf. 92, Nr. 786; Y.c 93 Nr. 7:'- 

7) Schäfer-Lauge a.a.O. Nr. 984 20515), Nr 982 20088 mit Rudiment des 
Weihrauchkästchens. Nr. 988 20346 und Berliner Grabstein aus Samml. Athanaai 
luv. Nr. 7311, Katalog S. 92 

s |\ <;. Piice, A Catalogue of the Egypt. antiquitiea. London 1897, Nr. 2918 

9 Arndt, Glyptothek Ny Carlsberg, Tat. 213. 



Thymiateria, 11 

werden, durchgängig folgende Beobachtung machen: wird das Gerat nach 
rechts hin gestreckt, so hat es die Form eines rechten, wenn nach links hin, 
dann die eines linken Annes. Diese Tatsache findet ihre Erklärung in dem 
besonders deutlich in der ägyptischen Plastik hervortretenden Restreben des 
ügypters, alle charakteristischen Teile eines Gegenstandes wiederzugeben, wozu 
bei der Hand grade der Daumen gehurt. Hierdurch wird auch die einzige 
Ausnahme 1 ) verständlich. 

Auf der Oberseite des Armes ruht ein verschliessbares Kästchen, das bis- 
weilen auch fehlt 2 ). Den Abschluss des Armes gleicht der Künstler öfters 
der menschlichen Schulter an, der man die Form eines nach aussen blickenden 
Falkenkopfes : ' I Fig. 24 u. 28) gibt. Bei anderen Exemplaren endet der Arm 
mit einfacher Verdickung 4 ) (Fig 29:, manchmal verläuft er auch in gleich- 
massiger Dicke bis zum Ende 5 ) (Fig. 26 — 27 . 

2. Räucherarme im Neuen Reich. 

Die Räucherarme des Neuen Reichs, deren Herstellung im Grab des 
Reehmere 6 . der unter Thutmosis III. oberster Minister war, veranschaulicht 
wird, zeigen eine noch weitere Stufe der Stilisierung gegenüber denen des 
Mittleren Reichs. 

Was das eigentliche Käue hergefäss betrifft, so herrseht in der 
18. Dynastie noch die schon im Mittleren Reich übliche runde Schale. Für 
gewöhnlich schliesst sie oben glatt ab; nur auf einem Relief aus der 
20. Dynastie 7 ) hat sie einen profilierten Rand. Selten ist auch die Form des 
Gefässes, wie sie die Hand des Räucherarmes zeigt, der in dem aus der 
18. Dynastie stammenden Tempel von Kummeh 8 ) dargestellt ist: das Gefäss ist 
unteü bauchig und kurz vor dem Rande eingezogen. Ähnlich, doch mehr in 
die Breite gezogen ist die Schale in der Hand des Räucherarmes, den der 
König auf einem Relief im Tempel von Abydos trägt'. In der Mitte des 
Neuen Reichs fängt man au, mit dem Räucherarm statt der runden Räucher- 
schale den Räuchertopf zu verbinden. Aus der 18. Dynastie kenne ich nur ein 

1) Lacau a. a. 0. Nr. 63 (28027,30). 

2) Vgl. die Zusammenstellungen bei Lacau und Schäfer-Lunge in den betr. 
Bänden des Kairener Katalogs. 

3) Ich spreche hier absichtlich von einem Falkenkopf, nicht nach dem gewöhn- 
lichen Sprachgebrauch von einem Sperherkopf, da Loret im Bulletin de l'Institut Fr. 
d'archeol. Orient. III 1 ff. nachgewiesen hat, dass die Ägypter eine bestimmte Falkenart 
dargestellt. Lacau a. a. 0. Nr. 62 und 64. Schäfer- Lange a. a. 0. Nr. 989, 990, 991, 986. 
De Morgan. Fouilles ä Dahchour S. 86, Fig. 129. 

4) Lacau a. a. 0. Nr. 63. 65, 67. Lepsius' Denkmäler II 127. Newherry, Beni 
Hasan IV, Taf. 7. 

5) Schäfer-Lange Nr. 981, 985. Newherry a.a.O. Taf. 12. 18, 19 

6) Newherry, The, life of Rehkmara Taf. 18. 

7) Lepsius a. a. 0. III 2. 

8) Lepsius a. a. 0. III 64 b. 

9) Steindorff, Die Blütezeit des Pharaonenreiches 1900, Abb. 2. 



12 Karl Wigand: 

Beispiel 1 ). In der ID. und 20. Dynastie kommen beide Formen nebenein- 
ander vor; freilich überwiegt in den genau datierten Kunstwerken die neue Form 2 ). 

Der Weihrauchbehälter, der bei den erhaltenen, allerdings aus der 
ägyptischen .Spätzeit stammenden Stücken, mit dem Ann aus einem Stück 
gegossen, bei den meisten Räucherarmen vorhanden ist, feldt auch jetzt noch, 
wie im Mittleren Reich, bei verschiedenen, auf Reliefs dargestellten Bei- 
spielen 11 ). Auf demselben Relief sitzt der Behälter bisweilen auf «lern einen 
Räucherarm, während er auf dem andern fehlt 4 ), was wohl aus Nachlässigkeit 

zu erklären ist. Ko ich doch auch sonst bei der Wiedergabe der Räucher- 

arme Verschen vor; so sind z. li. bei einem Stink ' sowohl auf dem Räucher- 
gefäss als auch auf dem Weihrauchbehälter Flammen angegeben. Auch der 
Weihrauchbehälter erhält im Neuen Reich die Form dvs Räuchertopfes Fig. 33), 
wie es der erhaltene Räucherarm 6 ) aus Denderah zeigt. Dass der Behälter 
abnehmbar war, geht hervor aus einem Relief im Chonstempel zu Karnak 7 ), 
auf dem er mit einem hohen Henkel versehen ist. Die Form eines unten 
spitz auslaufenden Topfes hat der Behälter bisweilen auf Grabsteinen 8 ) der 
19. und 20. Dynastie. 

Die Räucherarme des Neuen Reichs sind weil mehr stilisier! als die des 
Minieren Reichs; denn meist sil/.t die flache, kurzgestielte Hand an einem 
langen, fast immer in eine offene Papvrusbliite endenden Griff 9 ) (Fig. 33), 
wenn auch bisweilen noch die Hand die unmittelbare Fortsetzung des Stiel.- 1 " 
ist. Die Papyrusblüte ist bekanntlich besonders beliebt in der Dekoration der 
ägyptischen Kunst 11 ). Die Räucherarme gleichen auch im Abschluss denen 

1) Lepsius a. a. 0. III 71h. 

2) Belege aus «1er 19. Ihn.: Lepsius a. a. 0. III 206d (Priester räuchert vor 
Sokaris, bei dem Rauchopfer vor Amnion ist die runde Schale angegeben ; III 206e; 
III 150, 17:». 184, 201. 19-20. Dyn.: Lepsius a.a.O. III 174, 178, 240a, d 20. Dyn.: 
Lepsius a.a.O. III 207, 212, 233. 21. Dyn.: Lepsius a. a. 0. IN 247 e. 30. Dyn.: 
Lepsius a. a. o. IM 287. 

3) Belege aus der ls. Dyn.: Lepsius a.a.O. III 64b, 71. 121. Davies, Bock 
Tombs of Kl Amarnah 1903, Taf. 25 u. 27. Oral, stein des Sc und der Beti in Berlin. 
Inv.Nr. 7272 (2 Beispiele). 19. Dyn.: Lepsius a. a. O. 111 174, 178, 189. 21. Dyn.: 
Lepsius a. a. 0. III 247 c. 

4) Grabstein des Sc und der Beti in Berlin. Lepsius a. a. 0. III 217 c. 

5) Lepsius a. a. 0. III 206 d. 

6) Flinders-Petrie, „Denderah 1898" 1900, Taf. 24, Nr. 9. 

7) Lepsius a. a. 0. III 243 (21. Dyn.). 

8) Spiegelberg, Agypt. Grab- und Denksteine aus süddeutschen Sammlungen, 
Land II (München) Nr. 26. Grabsteine in Berlin Nr. 7269, 7271, 7281, 7305,7307: 
Katalog S. 164 168. Nr. 7278: Katalog S. 118; Nr. 12412: Katalog S. 153. Grabstein 
des Achpet im Kestner-Museum zu Hannover Inv. Nr. 18. 

9) Lepsius a. a. 0. III 91, 171. 1 17. 150, 219. 

10) 18. Dyn.: Lepsius a.a.O. Hl 71. Berlin. Grabstein Nr. 7272. 10.-20. Dyn. 
Lepsius a.a.O. 111 306 e. v. Anm. 20. Spiegelberg a.a.O. Berlin Grabstein Nr 7271. 
7281, 7:10;"), 7307. 22. Dyn.: Naville, Bubastis. London 1891, Taf. 40, i— k. 

11) ■/.. B. Maspero-Steindorff, ägyptische Kunstgeschichte S. 308, Fig. 304: vgl. 
auch die ägyptische Säule. 



Thymiateria. 13 

des Mittleren Reichs, nur blickt der Falkenkopf, bei dem auch der Halsansatz 1 ) 
angegeben ist (Fig. 34), nach dem Gerät zurück. In dieser Form kommt er 
auch sonst noch in der ägyptischen Kunst vor, z. ß. als Abschluss von Stangen 
auf einem Schiff-). Seit dem Ende der 18 Dynastie und besonders in der 
19. Dynastie tritt über dem Falkenkopf noch der Sonnendiskus (Fig. 32 auf 3 . 
In einen Menschenkopf endend 4 ) oder spiralig eingerollt 5 ), kommt der Räucher- 
arm nur einmal vor, einige Male schneidet er auch, wie schon im Mittleren 
Reich, ohne Verdickung ab. 

Eine auffallende Einrichtung ist es übrigens, dass mehrere Räucherarme 
zusammen ein Gerät bilden, was wohl erst gegen Ende des Neuen Reichs auf- 
gekommen ist. So bringt im Chonstempel zu Karnak (s. S. 12, Anm. 7 der König 
Hri-hor eine Räucherung auf einem vierfachen Räucherarm dar, während er 
in der linken Hand drei Libationskannen hält. Eine ähnliche Darstellung 
findet sich in Ombos 6 j. Dass derartige Geräte wirklich existierten, zeigt der 
Stiel eines doppelten Räucherarmes im Berliner Museum 7 ; (Fig. 35). 

3. Räucherarme der Ptolemaer- und der Kaiserzeit. 

Neben den Räucherarmen des Neuen Reichs, die sich auch noch in 
späterer Zeit 8 ) halten, sehen wir auf Reliefs der Ptolemaer- und der Kaiserzeit 
noch Räucherarme mit Details, die in dieser Zeit zum erstenmal auftreten, 
und die wir durch verschiedene erhaltene Stücke kontrollieren können. 

Der Weihrauchbehälter ist jetzt umgestaltet und hat wieder die Form 
eines Kästchens angenommen, wie dies in dem Mittleren Reich der Fall war, 
nur ist er jetzt viel niedriger. Sicher ist dies in der 30. Dynastie 9 ) nachzu- 
weisen. In ptolemäischer Zeit hat er auf den Denkmälern fast durchgängig 
die Form einer Kartusche 10 ), die meist von dem hinter ihr knieenden König 
gehalten wird (Fig. 36); denn durch die Mitwirkung des Königs erhält nach 



1) Bronzener Falkenkopf mit Halssatz befindet sieh im Privatbesitz des Herrn 
Prof. Wiedemann in Bonn. 

2) Mariette, Deir el Bahri 1877, Taf. 9. 

3) Belege aus der 19. Dyn.: Lepsius a. a. 0. III 189: 206 d; 150; 180. 20. Ihn.: 
Lepsius a. a. 0. III 212. 

4) 19.— 20. Dyn.: Lepsius a. a. 0. III 240 d. 

5) Davies, The Rock Tombs of el Amarnah 1, Tat. 25 und 27. 

6) Catalogue des monuments et inscriptions Nr. 959, S. 313. 

7) Inv. Nr. 9025, Katalog- S. 252. 

8) Lepsius a. a. 0. IV 28, 42. 

9) Lepsius a. ,->. 0. III 287. 

10) Lepsius a. a. 0. IV IG und 53: Ptolem. Edgar, Graeco-egyptian eoffins, masks 
and portraits Taf. 16, Nr. 33130. Behälter ohne Figur. Falkenkopf mit Diskus und 
Uraeus. Doch kommen auch in dieser Periode Räucherarme ohne Weihrauchkästchen 
vor, bes. auf Denkmälern der Kaiserzeit: Lepsius a. a. 0. I \' 21 (ptolemäischj; IV 69. 
87, 66—67 ; 75. IV 75 liegt ein Versehen vor. entweder des Zeichners oder des ägypt. 
Künstlers, der, da das Szepter die Hand überschnitt, das Räuchergefäss einfach vorne 
auf den Arm setzte. 



14 Karl Wigand: 

ägyptischer Anschauung das Rauchopfer besondere Kraft vgl. auch das Reliel 
in Deir el Bahn 1 ), wo der zweite in einer Prozession von Männern nichl den 
Räucherarm, sondern das Bild des räuchernden Königs vor sich hält . Wann 
die Sitte, hinter den Behälter die Figur dr* räuchernden Königs zu setzcn 3 
aufgekommen ist, haben die Ägyptologen noch nichl festgestellt. Die mir 
bekannten Denkmäler zeigen sie ersl in ptolcniäischcr Zeit, und es scheint 
mir kein Grund, den Räucherarm in einer englischen Privatsammlung 5 . mit 
Price bereits der l ; i>. Dynastie zuzuschreiben. 

Kamen im Neuen Reich noch Räucherarmc mit gebogenem Fig. 33 Griff 8 
vor, so fehlen diese jetzt ganz. Die in verschiedenen Museen, so in Berlin ' , 
in Rom*), im Britischen Museum 6 ), in der Glyptothek Ny Carlsberg 7 , in Kairo 
und im Kestner .Museum 8 zu Hannover erhaltenen Räucherarme lehren uns 
nichts Neues über dies für Ägypten s.. charakteristische Gerät, das auch 
nicht ohne Einfluss auf die Kunsl fremder Völker gewesen i-t . Sie zeigen, 
dass die Räucherarrae aus Bronze bestanden und etwa 50 cm lau-- waren. 

Als Erzeugnisse später „Kunst" weisen sich durch ihre Details auch die 
Räucherarmc auf äthiopischen Denkmälern au-, die ans einer Zeit nach 
dem Verfall der ägyptischen Kultur stammen, in der sich afrikanische Negerfürsten 
als Beschützer altägyptischen Wesens ansahen. So hockt /. I). auf einem 
Relief in Bcgerauieh statt des Königs ein schakalköpfigcs Wesen hinter dem 
Weihrauchbehälter 10 ). Ohne irgendwelches Verständnis werden die altägypti- 



1 i Mannte Bey, Dm- p] Rahari 1877, Tat. I. 1. 

2 I'". <;. Price, A Catalogue of tho Egyptian Antiquitics London 1897, Nr. 

S. 348. Abbildung axich, The art of ancient Egypt Burlington fine arts club) London 
1895, Tat. 14 unten. 

3) Erman, Die Ägyptische Religion 1905, Abb. S. 81. Spicgelberg a. a. O. I 
Tat. 16, Nr. 29. 

4) Katalog der Berliner ägyt. Altertümer L899, ^> 251, Abb. 52, tnv. Nr. I 
Grösser abgebitdel „Ägypt. und Vorderasiatische Denkmäler aus den Königl. Museen 
in Berlin" Taf. 51 unten. 

f>) Mir bekannt durch Photographic der ägypt. Abteilung der Berliner Kgl. 

Museen Nr. 2398. 

(}) A Guide to the third and fourth Egyptian Rooms 1904 S. 184, Nr. 109, luv. 
Nr. 4100G und 38209. Das letztere Stück zeigt statt der Hand eine flache Schaufel, 
wie der erhaltene R-Arm aus Denderah. Er ist nur ca. Wem lang, endigl nicht in 
den Palkenkopf. (Ob vollständig? 

7) Arndt. Glyptothek ny Karlsberg Taf. 213. 

8) Kleiner Katalog des Kestner Museums (vergriffen S. 36*. Nur der hintere 
Teil mit dem 1,2 cm hohen Weihrauchbehälter isl noch vorhanden und misst 35cm. 
Der Palkenkopf trägt keinen Diskus. 

0) Die etruskischen Feuerschaufeln sind den ägyptischen Räucherarmen ganz 
ähnlich. Der in die Hand endigende Griff, der bei einem Exemplar im Kestner- 
museum zu Hannover [nv. Nr. 221 am Handansatz mit „Armbändern" geschmückt 
ist, wird meist von einer Hand gehalten. Andere solcher Feuerschaufeln finden sieh 
im Musen Gregorianp (I 14 (1 d, 2c) = Monument! dell Inst 11 12, Heibig Führer 11 
S. 379 Nr. 1391 2 und im l'.rit. Museum. Das eine Stück im Brit. Museum Nr. 782 bat 
noch einen Elfenbeingriff. 10 Lepsius a. a. O, V 51c. 



Thymiateria. lö 

sehen Szenen übertragen. Selbst auf den noch mit einigem Geschick aus- 
geführten Reliefs, auf denen man in dem dargestellten üerät noch den ägyptischer 
Räucherarm erkennt 1 ), werden bisweilen einige Teile desselben missverstanden, 
wie z. B. der Sonnendiskus über dem Falkenkopf an einer Pyramide in Barkai 2 ). 
Teilweise sind jedoch die Geräte in ganz sinnloser Weise entstellt'. 

Unterschiede in der Verwendung der verschiedenen Räuchergeräte 
lassen sich nicht feststellen und scheint es auch nicht gegeben zu haben: denn 
im Grab der Königin Thiti ' /.. 15. sind an zwei Seiten gleiche Szenen mit 
gleichen Inschriften wiedergegeben, das eine Mal wird jedoch mit dem Räucher- 
topf, das andre Mal mit dem Räucherarm geräuchert. Beide Geräte finden 
sich auch auf einem Grabstein in Berlin 5 ) (J.-Nr. 12412) und auf einer 
griechisch römischen Totenbahre, die sich jetzt ebenfalls in Berlin (J.-Nr. 12441) 
befindet. 



Kap. II. 

Arabische Räuchergeräte. 

Arabien, das Land, aus dem das Altertum sein Haupträuchermaterial, 
den Weihrauch, das Harz einer Boswellienart 6 . bezog, hatte auch schon Thymia- 
teria. Zwar haben sich keine Räuchergeräte erhalten, aber die Inschriften 
beweisen ihre Existenz. Iiis in welche Zeit in Arabien die Sitte, der Gottheit 
zu Ehren Rauchopfer darzubringen, reichte, lässt sich nicht feststellen, ver- 
mutlich aber in recht hohe. Ebenso müssen wir die Frage offen lassen, ob 
die arabischen Räuchergeräte auch ausserhalb des Landes Verbreitung gefunden 
haben, oder ob etwa die Araber diese Kultgeräte von ihren Nachbarn, etwa 
von den Ägyptern oder den Babvloniern, übernommen haben. 

Die betreffenden Inschriften sind sabäiseh und gehören wohl dem ersten 
vorchristlichen Jahrtausend 7 an. Als den sabäischen Namen der Thymiateria 
geben sie das Wort mqtr an, eine Bezeichnung, die genau dem im Alten 



1) Lepsius a. a. 0. V 4:3. 45, 48. 41, 19. 

2) Lepsius a. a. 0. V 20—21. 

3) Lepsius a. a. 0. V 25; 51 a. 

4) Memoires de la Mission franc. en Caire V. Tat'. 3. 

5) Katalog- der Berliner ägypt. Altertümer S. 153. 

6) Flückiger, Pharmakognosie des Pflanzenreiches, Berlin 1883 2 , S. 37 ff. Engler, 
Die natürlichen Pflanzenfamilien III. Abt. 4, S. 246 ff. v. Bissing, Prähistorische Töpfe 
aus Ägypten und Indien (Sitz. Ber. d. Bayer. Akad. 1911, philol.-hist. Klasse G. Abh.) 
S. 7, Anm. 1. Martin Hartmann, Der islamische Orient II v I)ie arabische Frage mit 
einem Versuche der Archäologie Jemens) 1909, S. 414. 

7) Hartmann a.a.O. S I3öff. Diesen Hinweis verdanke ich Prof. Augnsl Fischer, 
der sich Hartmanns Datierung anschliesst. Einige Jahrhunderte später datiert das 
Sabäerreich 0. Weber. Deutsche Literaturzeitung 1909, Sp. 2892. 



16 Kn rl Wigand: 

Testament, so l ; Chron. 26,19 vorkommenden und in der griechischen Über- 
setzung <ln- Septuaginta mil Thymiaterion wiedergegebenen Worte miktaerel 
entspricht. 

Über die Form der Gefässe geben uns die [nschriften keine nähere Aus- 
kunft, wohl aber über ihre Bestimmung. Danach sind Bie von Privatpersonen 
verschiedenen göttlichen Schutzpatronen zum Dank für empfangene Wohltaten 
gestiftet worden. Gerade diese Stiftung hat ein Abu' amfr 1 ) mit seinen Söhnen 
neben anderen beträchtlichen Weihgeschenken dem Gott geweiht. Eine .Mutter. 
Abnna 'am mit Namen 2 ), hat dem Wadd Sahir ein Räuchergerät geschenkt 
„we^en ihrer Söhne". Aul' einef andren [nschrifl weihen zwei Leute ihrem 
göttlichen Schutzpatron Talabus 3 ) ein ßäuchergerät, damil er ihnen Glück- 
seligkeit, reichlich Früchte und die Gunsl ihrer Herrn verschaffe. Eine andre 
I nseh ril't'j lässt erkennen, dass es bei den Sabäern staatliche Thymiateria 
gab; denn sie erzählt, dass ein Mann namens Muahir Strassen, Wasserleitung, 
den Mauerumgang und die Thymiateria de- ßaidischen Gaues repariert habe, 
ferner zwei Kohlenbecken, einen Altar und zwei weitere Thymiateria, die einem 
andern Privatmann gehören. 

Jedenfalls geht klar aus den sabäischen Inschriften hervor, da— die 
Thymiateria zu dem Inventar der Heiligtümer in Arabien gehörten. Die- wird 
bestätigl durch die Weihung des c Abd Asdak ') und seines Sohnes, der die 
[nschrifl und ein Thymiaterion geweihl bat an Stelle eines Räuchergerät 
uns dein Sakrarium geraubl worden war. Diese I berlieferung legi den Schluss 
nahe, dass dieses Stück - und das dürfen wir wohl auch bei den andern 
arabischen Thymiaterien voraussetzen aus wertvollem \\\M leicht transpor- 
tierbarem Material, d.h. au- Metall hergestelll war. Daher empfiehl! es ßich 
nicht, diese sabäischeu Thymiateria mit den steinernen Altärehen' 
deren mehrere erhalten haben, zu identifizieren. 



Kap. III. 

Altbabylonische Thymiateria. 

Wahrend bei den Vgyptern die Typen der Räuchergeräte: 1 der Fus>. 
bzw. Griff mit darauf sitzender Schale, _ der Räuchertopf, •"• der Räncherarm 
waren, bat das altbabylonische Thymiaterion die Form einer flachen Schale 
auf hohem, Bäulenartigem Fuss. 



I Corpus Fnscr. Semit. IV. 1, Nr. 26. 

2) ebenso Nr. 194. 

3) ebenso Nr. 354. 

t ebenso Nr. 338, Zeile 9 ff . 

5) ebenso Nr. 30. 

6 Corpus [nscr. Semit. IV. l Tafelband Nr. 285, Taf. 26. 



Thymiäteria. 1 . 

Die älteste ganz erhaltene Darstellung eines Tbymiaterions findet sich 
auf dein Kudurru-Melisihu 1 ), der in die Zeit um 1300 v. Cbr. zu setzen ist. 
Hirn- sehen wir oben die Symbole der Nanuai-Istar, des Sin und des Sama§, 
unter ihrem Symbol sitzend die Göttin Nannai und vor ihr ein Thymiateriön 
Fig. 39;. Dies besteht aus einem sich mudi oben verjüngenden Schaft, an 
dessen oberem Teil ein vertikal gerippter, ringförmiger Wulst sitzt zum 
besseren Angreifen des Gerätes, und einer flachen Schale, über der ein Drei- 
eck angegeben ist. Ein gleiches Gerät zeigt die eine Seite eines aus Susa 
stammenden Kudurru 2 ) neben dem auf dem Stier dahersprengenden Blitzgötl 
Ramman, der Schlange und der heiligen Ziege; die andere Seite stellt die 
Bedienung des Opfergerätes dar. das hier allerdings nur in seinem Oberteil 
erhalten ist. Das Thymiateriön hat nach dieser Darstellung etwa balbe 
Manneshöhe und steht hier, wie fast immer, auf dem Boden. Ein Priester 
trägt in der Linken eine kleine, runde Schale, während er die Rechte über 
das Dreieck hält. Man kann hieraus schliessen, dass der Künstler das Aulstreuen 
des Räucherzeugs und mit dem Dreieck die Flamme :i ) wiedergeben wollte. Das 
Relief stammt aus der Zeit Xebuchadrezzars L, der um 1130 v. Chr. gelebt hat. 

Etwa ein Jahrtausend älter, aus der Zeit Hammurabis, ist ein ebenfalls 
in Susa gefundenes Relief im Louvre 4 ), auf dem vor dem durch die Hörner - 
mutze charakterisierten Gott ein Thymiateriön gestanden haben muss. Freilich 
ist nur der grösste Teil der dreieckigen Flamme und über der vonleisten 
Zehenspitze des Gottes ein kleiner, auf der Photographie nur schwer zu 
erkennender Rot de- Unterteils vorbanden. Doch finden sich in der gleichen Zeit 
auch vollständige Schäfte von Thymiaterien mit doppeltem Wulst, so links oben 
auf einem Siegelzylinder der Sammlung Pierpont Morgan 5 ), aber auch ganz glatte, 
dünne Schäfte mit sich verbreiterndem Fuss auf Siegelzylindern der South- 
esk Collection ,; (Fig. 38) und der Colleetion de Clercq 7 . Dass wir in dem 
glatten, dünnen Schaft eine ältere Stufe vor uns haben, dürfte auch hervor- 
gehen aus der assyrischen Bezeichnung des Räuchergerätes als masabbu 8 ); 
denn dies Wort wird mit dem Ideogramm „Rohr" geschrieben, eine Schreib- 
weise, die nach der Ansicht von Herrn Prof. Zimmern von dem Material des 
Gerätes genommen ist. Hiernach wird man geneigt sein, in dem Gerät auf 
einem dem Beginn des 3. Jahrtausends angehörigen Siegelzylinder im Louvre 9 ), 



1) Delegation en Perse, Memöires Tome X. Paris 1908, Tat'. 13, 1. 

2) Delegation en Perse, Memöires, Tome 1, S. 176, Fig. 382 = Hilpreclit. The 
Babylonian Expedition of the University of Pennsylvania, Series D, Researches und 
Treatises Volume IV. Philadelphia 1907 Hinke Fig. 17-18. 

3) Diesen Hinweis verdanke ich Herrn Prof. Studniczka. 

4) Photogr. Giraudon 2974. 

5) Catalogue of the Pierpont-Morgan-Collection Tafel 29, Nr. 213. 

Ü) Catalogue of the Southesk Collection of antique -eins II, 1908, Taf. 6, Q b 43. 
7) Collection de Clercq Taf. 10, Nr. 93. 

- Meissner, Seltene assyrische Ideogramme 1910, S. 280, Nr. 4872. 
9) Maspero Histoire ancienne, I S. 681 ; hesser bei Heuzey-Sarzec, Decouvertes 
en Chaldee Taf. 30 bis, 17b. 



1H Karl Wigand: 

«Ins die Baumgottheit der vor ihr knienden Person hinreicht, ein transpor- 
tables Thymiaterion zu erblicken. Ks wäre dies das älteste auf babylonischen) 
Boden nachweisbare Räuchergerät. Der gleichmässig breite Schaft ist ohne 
Fuss, so dass das Clcrät nicht hingestellt weiden konnte. Ein Zwischenglied 
zwischen dieser Form und dem grösseren, schwereren und als Immobil behau 
(leiten Thviniaterion der späteren Zeit zei^t Figur 38 vgl. S. IT Anm. 6). 
Eine andre Bezeichnung der babylonisch-assyrischen Räuchergeräte ist 
niknakku l ). Diese ist von dem Becken genommen und wird ebenfalls durch 
die Denkmäler erläutert. Geräte, die nur aus einer Schale und einem kleinen 
Fuss bestehen, für die also das Becken das Charakteristische ist, finden sieh 
auf zwei Siegelzylindern (h-^ 3. Jahrtausends Fig. 40), und zwar auf Altären 
stehend, so dass ihre Verwendung als Kult -.rat gesichert ist. Die vertikalen 
Zickzacklinien über der Schale wird man nach Analogie der anten aus dem 
Besitz des Bonner Akad. Kunstmuseums abgebildeten rotfigurigen Vase Frauen 
mit Schale und Thymiaterion an einem Altar Btehend lieber als Rauch, als als 
Flamme deuten. Diese Geräte dürften wohl Räucbergefässe \"ii einem Typus 
sein, der in späterer Zeit nieht wieder vorkommt, wie ja auch in assyrischer Zeil 
die beiden Worte masabbu und niknakku ohne unterschied gebrauch! werden. 



Kap. IV. 
Thymiateria bei den Assyrern. 

Wie bei den Babyloniern, bo spielten auch bei den Assyrern Rauche 
rungen eine wichtige Rolle. Die assyrischen Bezeichnungen für Thymiateria 
sind die ebenerwähnten Worte masabbu und niknakku, die häufig erwähnten 
„Räucherbecken" 3 der assyrischen Texte, ferner noch qutrinnu 4 . ein Wort 
das mit Räucheraltar libersetzl wird, das jedoch wühl kein anderes Gerät 
bezeichnet; denn lautlich entspricht es der hebräischen Bezeichnung des Thy- 
miaterions, dem 2. Cliron. XXVI 19 genannten miktaeret. Hier/u stimmt auch, 
dass in einer langen Opfer Vorschrift 5 das Aufstellen verschiedener solcher 
Geräte verlangt wird, was die Vermutung nahelegt, dass es sich am handliche 
Geräte von der Form unsrer Figuren 41- ■!."> handelt. 



L) Zimmern, Ritualtafeln S. 94, Nr. 3. 

2) Curtiss, Ursemitische Religion L9l S I 40. Abbildung des 

einen Siegelzylinders bei Maspero, Histoire ancienne des peuples de l'orienl classique 
Band 1 1895, S. 681. Abbildung des Altars mil Feuerbecken auch bei Jakobsthal, 
Her Blitz (danach Fig. 40). 

3 C. Bezold, Die Kultur des alten Orients (Ullsteins Weltgeschichte Band Orient 
S. 110, Z. 2 unten; S. 112, Z. 20. C Bezold, Ninive und Babylon 1903* S. 107, Z. 8. 

4) Zimmern, Ritualtafeln S. 94. Nr. 3. 

.''i A. Ungnad, Die Deutung der Zukunft bei den Babyloniern und Assyrern 
(Der alte Orient X. 3) 1909, S. 33. 



Thymiateria. 19 

Von den assyrischen Thymiateria hören wir ausser in den assyrischen 
Texten noch durch die fremde Literatur. So ist bei Diodor II, 9 nach 
Ktesias überliefert, dass bei einem assyrischen Feste zu Ehren der drei höchsten 
Gottheiten ungeheuer wertvolle Thymiateria benutzt wurden. Doch auch noch 
ältere Nachrichten sind uns erhalten. Im Alten Testament werden oft Rauch- 
opfer für heidnische Gottheiten erwähnt, die sich zum Teil deutlich als babylo- 
nisch-assyrische Gottheiten zu erkennen geben ' . 

Die gewöhnlichen assyrischen Räuchergeräte weichen nicht wesentlich 
von den babylonischen ab. Wir haben wiederum den sich nach oben ver- 
jüngenden, etwa meterhohen runden Schaft, der entweder ganz glatt 2 ) (Fig. 41 
u. 44) ist oder nach oben hin ein 3 ) oder zwei 1 ringförmige Wulste (Fig. 45 
u. 46) zeigt. Über dem Schaft steht die Räucherschale mit Deckel. Bei der 



1 So ist es nach Jeremia 44, 17 — 19 und 25. (Septuag. 51, 17—19 und 25) eine 
verbreitete Sitte, dass der Himmelskönigin, der Istar, geräuchert und gespendet wird, 
während nach Hosea 2, 15 und nach Jeremia 7, 9; 11, 13 und 17: 32, 29 dieselben 
Opfer den Baalim oder dein Baal dargebracht werden. Jeremia berichtet uns eben- 
falls (19, 13), dass auf den Dächern der Häuser allem Heer des Himmels geräuchert 
wurde, eine Nachricht, die durch 2. Reg. 23, 5 bestätigt wird. Auch die „Greuel des 
Götzendienstes", die der Prophet Hesekiel (Kap. 8) im Tempel von Jerusalem sieht, 
dürften wohl ihr Vorbild im babylonisch-assyrischen Kultus haben: denn der Prophet 
hört am Südtor des Tempels Weiber über Thammuz klagen (Vers 14. und im Yorhof 
sieht er die Wände mit Tierbildern bekleidet — diese erinnern an die assyrischen 
Wandverkleidungen — und davor 70 Männer mit Thymiaterien stehen, von denen 
dicker Rauch emporsteigt. 

2) Birch and Pinches, The bronze ornements of the palacegates of Balawat 
1890—1903, Taf. N und B = Maspero, Histoire ancienne despeuples de l'orient classique 
II, 1897, S. 657. = Perrot Chi piez II, Taf. 12. Gressmann, Altorientalisehe Texte und 
Bilder zum alten Testament II, S. 4!), Nr. 78. Der Umriss eine- solchen Thymia- 
terions mit glattem Schaft ist nach freundlicher Mitteilung von Herrn Unger noch 
auf einem Bas-Relief aus dem Palasl Sargons in Kujundschik, das sich jetzt im Louvre 
befindet und aus der Zeit um 710 v. Chr. stammt, zu erkennen. Die alte Publikation 
des .Stückes bei Place, Niniveh et l'Assyrie III. Taf. 41 zeigt keine Spuren des Thymia- 
terions. — Nur wenig jünger, aus der Zeit des Sanherib, i-t ein gleiches Thymiaterion : 
Layard, Monuments of Niniveh II. Tat'. 24.= Gressmann a.a.O. S. -i4. Abb. 52. 

3) Das andre Thymiaterion von den Bronzetoren von Balawat. s. Beginn der 
vorigen Anmerkung. Journal of the American Oriental Society V, S. 191: Siegel- 
zyiinder aus Mosul aus der Zeit um 7<>0 v. Chr. Thymiaterion auf einem Relief aus 
Kujundschik (Fig. 45): Phot. Mansell 494. = Bezold, Ninive und Babylon 2 , Abb. 60, 
S. 79. = Gressmann a. a. O. S. 50, Abb. 80 = Maspero, Histoire annienne II. Abb. S. 624. 
Menant, Reeherches sur la glyptique Orientale II, S. 69, Fig. 65; II Taf. 9, Nr. 3 = Layard- 
Zenker: Niniveh und Babylon Taf. 18 U. Lajard, Culte de Mithra Taf. 34,5; 32,ll(?). 
Berlin: Siegelzylinder in d. Vorderasiat. Abteil. Nr. 3413. Catalogue of the South esk 
Collection II, 1908, Taf. 7. Qc6. 

4) Quaterly Statement of Palestine Exploration Fund 1907, S. 130, Fig. 9: Siegel- 
zylinder aus Palaestina aus der Zeit um 800 v.Chr. Collection de Clercq I, Taf. 39, 
Nr. 343 bis. Relief mit Assurbanipal unter der Weinlaube: Phot. Mansell 497: Bezold, 
Nin. und Babyl. 3 S. 124 — 125, Abb. 95— 96. Otto Puchstein, Die jonische Säule 1907, 
Abb. 43 und 45. Lajard, Culte de Mithra Taf. 44 a 9 = Ohuefalsch- Richter, Cypern, 
Homer und die Bibel Tat. 87, 15. 



20 Karl Wigand: 

Darstellung einer Opferszene *) des Königs Aü&urnazirpal (um 870 v. Chr., 
Fig. 4.')j und auf einem Relief aus Khorsabad 2 ) Fig. V2) aus der Zeit um 
705 v. Chr. finden wir eine wesentliche Neuerung in der Bildung des Thy- 
miaterion-Schaftes. Zwei Teile sind an ihm zu unterscheiden: ein unterer kegel 
förmiger 'Feil, der mit einem kugeligen oder kelchfürmigen Glied abschliesst, 
und ein oberer stabartiger, der die Räucherschale trägt. Vermutlich steckte 
der obere Teil in dem unteren und war wohl zum Herausnehmen eingerichtet, 
vielleicht um die Handhabung zu erleichtern. 

Ein weiterer Unterschied find ei sich in der Gestalt <lcs Räucherbehälters 
Während die einen, wie die der babylonischen Geräte, die Form einer flachen 
Schale halten, so sind die andern fast kugelig gestaltet. Die Letzteren Beispiele 
stammen aus der Zeit yon 800 700. Wie ein Räuchergeräl dieser Ar! bedient 
wird, zeigt ein Siegelzylinder aus Beisan in Palästina 4 ). I>as Thymiaterion 
ist last mannshoch, wie auch das Räucberbecken auf einem Relief aus Knjund- 
schik (Fig. 45). Über ihm ist eine Flamme, bzw. Rauch dargestellt, wie dies 
z, I). auch Fig. 43 zeigt. 

Über dem Räucherbehälter sehen wir ofl einen mehr oder weniger spitz 
zulaufenden Kegel (Fig. U, 42, 15,46) dargestellt und müssen uns fragen, als 
was wir ihn anzusehen haben. Man kann dabei erstens an Rauch, zweitens 
an Keuer, drittens an zusammengehäuftes Rauehwerk oder Räucherkuchen 
denken. Wenn auch der assyrische Kün8tler ofl -ein sti lif und stilisiert dar- 
stellt, so nniss man ihm doch zutrauen, dass er Rauch oder l'eiier anders als 
durch einen glatten, regelmässigen Kegel wiedergibt. Auf den Bronzetoren 
von Balawat findet sich neben einem Thymiaterion mit Kegel ein andere-. \<m 
dessen oberem Abschlags gerade, oben bogenförmig untereinander verbundene 
Linien ausstrahlen. Mögen diese flammen oder Rauch darstellen sollen, auf 
jeden fall muss der Kegel etwa- anderes bedeuten Fig. II . her Ansieht. 

dass er als „Räucherkerze" anzusehen sei. widersprich! seine Grösse. Ausser 
dem ragt er auf dem Relief von Balawal sogar Über den fand des Behälters 
hinaus. Wir gehen darum kaum fehl, wenn wir in dem kegelförmigen Aufsatz 
einen Deckel erkennen, den man zum Dämpfen, bzw. Löschen des Feuers 
verwandte. Kr sass offenbar ohne Befestigung auf dem Rand des Raucher 
behälters. Aus diesem kegelförmigen Aufsatz einwickelt sich dann später der 
Deckel, der seihst bei griechischen and römischen Exemplaren nicht immer 
einen Knopf zeigt. 

Etwas Singuläres sind zwei niedrige Thymiateria Fig. t6 von gleichem 
Aussehen auf einem Relief aus Kujundschik vgl. Anm. l.s. 1 9 , das den schmausen- 



1) Gressmana a.a.O. Abb. Nr. 79 = Jeremias, l>as alte Testament im Lichl des 
alten Orients 8 S. 430 = 11. Rassam, Assur and the land of Nimrud 1897, S. 10 11. 

2) Botta, Monuments de Niniveh II, Tat. 140 = Menanl a.a.O. 11. S. 70. Pig 
Ohnefalsch-Richter a.a.O. Taf. 87, 14. 

\\) Layard a.a.O. (s. Anmerkung 14 Schluss), Journal of the American Oriental 
Society V. s. 191, Collection de "leren '• Taf . 39, Nr. 343 bis 
4) Qual. Si.u. Pal. Expl. Kund 1007. S. 130, Fig. 9. 



Thymiateria. 21 

den König Assurbanipal (668-626 v. Chr.) mit seiner Gemahlin in der Weinlaube 
darstellt. Beide Geräte stehen hinter König und Königin, denen durch dies Rauch- 
opfer wohl göttliche Ehren erwiesen werden sollen, wie sie auch der König 
Nehukadnezar dem Daniel nach der Überlieferung des Alten Testaments 
(Daniel II 46) erzeigen Hess. Diese beiden Räuchergeräte unterscheiden sich 
von den bei den gewöhnlichen Opferszenen dargestellten durch ihre Niedrigkeit 
und durch ihre reiche Ausstattung. Die wagerechten Kannellüren des unteren 
Teils und die senkrechten des Mittelteils zwingen fast zu der Annahme, dass 
das Gerät aus Metall hergestellt war, wenn auch in Mesopotamien und in 
Ägypten die Bearbeitung des harten Steins auf einer kaum wieder erreichten 
Höhe stand. Da nun in den assyrischen Texten sehr wertvolle Räuchergefässe l ) 
erwähnt werden, so sind wir berechtigt anzunehmen, dass auch diese beiden 
Prachtstücke aus Edelmetall hergestellt waren. 



Kap. V. 

Thymiateria im neubabylonischen Reich 
7. — 6. Jahrhundert. 

Über eine babylonische Sitte, bei der wir mit Sicherheit den Gebrauch 
vou Thyraiaterien voraussetzen können, berichtet Herodot I, 1Ü8. Hiernach 
setzten sich Mann und Weib, bevor sie den Beischlaf vollzogen, neben das 
brennende Rauchwerk, über das wir nichts Näheres erfahren. Dagegen ist 
in dem sogenannten Briefe Jeremiä, dem sechsten Kapitel des apokryphen 
Buches Baruch (Vers 42), überliefert, dass die an den Wegen sitzenden Hiero- 
dulen mit Kleie, „einem Liebe erweckenden Zaubermittel" 2 ), räuchern. Im eigent- 
lichen Kultus wurde nach Herodot 1, 183 der aus Südarabien bezogene, aber 
nicht von dort stammende Weihrauch verwandt, der in der älteren Zeit nach 
Ausweis der assyrischen Texte im Tal des Euphrat und Tigris unbekannt 
war 3 ). 

Der Typus der neubabylonischen Räuchergeräte ist derselbe wie (lei- 
der assyrischen. Er ist uns nur durch geschnittene Steine bekannt, und hier 
finden sich die Thymiateria teils bei sakralen, teils bei mythologischen Dar- 
stellungen. 



1) Craig, Religious Text. S. 12„ Zeile 17. 

2) Abicht, Herodotos, Buch 1, 1871 3 S. 219, Anm. 3. 

3) E. Schrader, Die Keilinschriften und das alte Testament 1903 3 , S. 600: Jeremias 
a. a. 0. S.586. Als Räuchermaterial dienten den Assyrern Kalmus. Zedern- und Zypressen- 
holz und Myrthe, vgl. Gressmann, Altorientalische Texte zum Alten Testament S. 54, 
Z. 159. Der dort S. 69, Z. 140 erwähnte Weihrauch ist nicht die bekannte Droge, sondern 
gleich Räucherzeug. 



22 Karl Wigand: 

Die Verwendung eines Thymiaterions als Kultgerät 1 zeig! eine neu 
babylonische Gemme in Berlin (Fig. 17, J.-Nr. 262 2 ). 




Viel zahlreicher dagegen sind die neubabylonischen Siegelzylinder, auf 
denen sich Thyraiateria der gleichen Form zwischen zwei Skorpionenmenschen 
(Abbildung 2) finden, eine Gruppe, die vielleicht ? auch schon auf einem assj 
rischen Siegelzylinder vorkommt 4 ). 



Kap. VI. 

Räuchergeräte bei den Hethitern. 

Die ägyptischen Thymiateria, die auf einem Schaft oben eine Schale 
mit tiberfallendem Rand tragen Fig. 7), blieben schon im zweiten vorchristlichen 
Jahrtausend nich! allein auf Ägypten beschränkt; vielmehr zeigen die ägyp- 
tischen Darstellungen, dass sie schon Früh nach Nordosten bin vorgedrungen 
und dort festen Fuss gefassl haben. Im syrisch-palästinensischen Gebiel wird 
dies Gerät, wie bei uns die weisse Flagge, als Zeichen der Ergebung von den 
Belagerten auf den Zinnen der Stadtmauer den siegreichen Eroberern entgegen 
gehalten 5 ) (Fig. 48). Man darf vermuten dass dadurch die Besiegten die 
Herrschaft der Sieger anerkennen, indem sie ihnen zu Ehren räuchern, bo wie 
es der Mensch gegenüber dem Gott, der Diener vor dem Herrn tot; vgl. 



I vgl. auch den Siegelzylinder der Collection de ( Üercq : Publikation I, Tai 34, Nr. 373. 

2) I >i •■ Erlaubnis zur Publikation der beiden geschnittenen Steint- (Fig. IT und 
Abb. 2) verdanke ich dem Direktor der Vorderas. Abteilung der kgl. Museen, Herrn 
Geheimrat Prof. Delitzsch. 

3) Lajard, Culte de Mithra Taf.28,U = Ohnefalsch-Richter a.a.O. Taf. 109 S 
Menant a.a.O. I. S. 97, Fig. 56. Pierpont-Morgan-Collection Taf. 37, Nr. 291. Siegel 
zylinder der VA. in Berlin Nr. 2111, schon publ. bei Ohnefalsch-Richter a i 

Nr. 18. 

•1) Oatalo-'ue <>!' the Soutlicsk Collection II. Taf. 7, Q 

5) W. Max Müller, Asien und Europa 189 Die Deutung als Räucher- 

gerät hat, ohne etwas anderes dafür eingesetzt zu haben, von Bissing in Zweifel 
gezogen, vgl. Text zu v. Bissing-Bruckmann Taf. 95, Anm. 2. Pen Hinweis auf diese 
Räuchergeräte verdanke ich Herrn Dr. Burchardt in Berlin. 



Thymiateria. 23 

Assyrien, Persien und das älteste griechische Thyiniaterion auf einer klazo- 
menischen Vasenscherbe. Leider sind jedoch die hier heranzuziehenden alten 
Publikationen völlig- unzulänglich, wie sich bei einem Relief in Abu-Simbel, 
publiziert bei Champollion, Monuments de l'Egypte et de la Nubie I, 12, danach 
bei Rosselini I, 80 durch Vergleich mit einer Photographie des Leipziger 
ägyptologischeu Instituts feststellen Hess. Während nach den Publikationen 
zwei Männer je ein Räuchergefäss über die Mauern halten, tut dies nach 
Ausweis der Photographie, nach der Fig. 48 hergestellt ist, nur ein bärtiger 
Mann. Dieser hält mit der Linken das Räuchergerät, die Rechte bat er 
erhoben, um so die Gnade der Eroberer anzuflehen. Ganz ähnlich ist die 
Situation auf einem Relief aus Bet el Wali 1 ), das ebenfalls die Belagerung 
einer syrischen Festung zeigt und aus der neunzehnten Dynastie, also aus dem 
14. — 13. Jahrhundert, stammt. Der Name der Hethiterstadt Dpr ist uns von 
einem Relief mit der gleichen Darstellung aus dem Tempel Ramses' II. (1324 
bis 1258) in Theben bekannt 2 ). Die Benutzung des Gerätes bei der Übergabe 
einer syrischen Stadt in der zwanzigsten Dynastie (12. Jahrhundert) _ kennen 
wir von einem Relief aus Medinet Habu 3 ). 

Da Thymiateria ägyptischer Form sich nur auf ägyptischen Bildwerken 
in Händen von Hethitern finden, ist es in hohem Grade wahrscheinlich, dass 
die ägyptischen Künstler in diesem Punkte ägyptisiert haben; denn auf den 
einheimisch-hethitischen Siegelzylindern zeigen die Thymiaterien einen dem 
grösseren babylonisch-assyrischen Geräten verwandten Typus. Sie haben im 
Gegensatz zu den hethitischen Thymiaterien auf ägyptischen Darstellungen am 
oberen Schaft eine starke Verdickung und sind etwa doppelt so gross als diese. 
Ihre sakrale Verwendung beweist die ganze Umgebung, in der wir sie hier finden. 
Siegelzylinder mit solchen Thymiaterien sind in die zweite Hälfte des zweiten 
Jahrtausends zu setzen und finden sich in Paris 4 ) (zwei Exemplare), in der 
Collection de Clercq 5 ) und in der amerikanischen Sammlung Pierpont Morgan 6 ) 
(zwei Exemplare). Wie stark der babylonisch-assyrische Einfluss auf die 
Hethiter gewirkt hat, beweist auch das Vorkommen der Thymiateria mit ein- 
gesetztem oberen Schaft (Fig. 42—43) auf einem andern Siegelzylinder der 
Sammlung Pierpont Morgan 7 ). Da dies Stück jedoch älter als die betreffenden 
assyrischen Darstellungen ist, so müssen wir auch noch mit der Möglichkeit 
rechnen, dass diese Abart der assyrischen Thymiaterien auf hethitischen Einfluss 
zurückzuführen ist. Eine Entscheidung dieser Frage ist bei dem dürftigen 
Material nicht möglich. 



1) Champollion, Monuments Tal'. 65. 

2) Lepsius' Denkmäler III 166. 

3) Champollion, Monuments Tat'. 227—228, v. Bissing-Bruckmann Tat'. 95 (Tat'. 
86 b zeigt nur die untere Hälfte eines Räuchergerätes). 

4) Lajard, Culte de Mithra Taf. 31, 2 und 36, 11. 

5) Collection de Clercq I, Taf. 35, Nr. 388. In den Details zeigt dieser Siegel- 
zylinder viel Ägyptisches. 

6) Pierpont-Morgan-Collection Taf. 28, Nr. 204. 

7) Taf. 31, Nr. 233. 



04 K a ri W i - and; 

Vielleichi gehen wir nichl irre, wenn wir in gewissen Schriftzeiehen der 
Hamath -Inschriften 1 ), die den Hethitern zugeschrieben werden, die Wieder^ 
dieses Thymiaterions zu sehen glauben. 



Kap. VII. 

Thymiateria in Palästina. 

Palästina zeigl eine Mischkultur, wie «lies Dach Beiner geographischen 
Lage auch aichl anders zu erwarten ist. Dies beweisen auch .-eine Räucher- 
geräte. 

Sowohl die ältesten literarischen Nachrichten als auch die Denkmäler 
weisen darauf bin, dass die Einwohner Palästinas in Vgypten das Räuchern 
kennen -'elend und von dorl wohl diese Sitte übernommen haben. Jedenfalls 
ist durch die Monumente die vonNowack* and danach von \. Fritze vertretene 
Ansicht, dass man in Palästina ersl im 7.— F>. Jahrhunderl geräuchert habe, 
widerleg! ' . 

Nach dem Aufenthall in Ägypten, auf dem Zug durch die Wüste wurden 
gemäss der jüdischen Überlieferung 5 die Räucberungen im jüdischen Kultus 
eingeführt, wenn sie auch nicht regelmässig in der Folgezeil dargebracht 
wurden. Zu ihrer Einführung vgl. Exodus 30, 1 9; 23 25,34 38; Kap. 37, 
25 29. Auf dun goldnen Räucheraltar wurde aichl seil. st geräuchert, sondern 
auf Wiesen wurden die brennenden Kohlenpfannen, die zum Brandopferaltar 
gehörten (cf. Ex. 38, •">: Lev. 10, l Ff. oder die bandlichen Thymiateria, von 
denen sieh eins nach Hebr. 9, l im Allerheiligst en befand, gestellt; vgl. bes. 
2. Paralip. 26, 16 20 Dsia), dazu die verschiedenen Bibelwörterbücher. 

Im Allerheiligsten wurde jährlich einmal vom Hohenpriester geräuchert 
am grossen Versöhnungstag, dessen vorexilische Existenz Grimme, Archiv für 
Religionswissenschaft 1911, nachgewiesen bat 1 Die verschiedentlich erwähnten 
dvtaxai, bebr. cajih ..Imhlo Hand", gehören zum Schaubrottisch Exodus 25, 29; 
1. Makkab. 1. 23; ."». Mose 24, T . Sie dienen Dicht zum Räuchern, sondern 
nur zum Aufbewahren des Weihrauchs, wie aus den zitierten stellen und aus 

li Quaterly Statement of Palestine Exploration Fund 1873/74, Beiblatt tu - 
== Our Work in Palestine bj the Comitee of the l'l F 1873, Beiblatt zu S. 329. Ähn- 
liche Zeichen: Quat. Stat. Pal. Expl. F. L881, Beiblatt zu S. 121. 

2) Nowack, Hebräische Archäologie II 246. 

3) v. Fritze. Das Rauchopfer bei den Griechen, Berlin L894, S 

4) Hierauf wies schon hin Benzinger, Hebr. Archäologie 19t 

5) Die betreffenden Stellen des Pentateuchs gehören dem sogen. Priester-» 

an, der von der modernen theologischen Forschung für jung angesehen wird, i ber 
altes Material, das im PC enthalten ist, vgl. Eduard König, Geschichte der alttestament- 
lichen Religion kritisch dargelegt 1912, S. 11. 

6) Besprochen von Eduard König a. a. 0. S. 516, 



Thymiateria. 25 

Hesyeh s. v. (htoxr) hervorgeht. Daher ist es falsch, diese Gefässe mit den 
ägyptischen Räucherarmen, für die nicht die hohle, sondern die ausgestreckte 
Hand charakteristisch ist, zu identifizieren. „Das Wert crt/j7j, eigentlich die Höhlung 
der Hand oder des Fusses, ist dann auf verschiedene Geräte übertragen, auf die 
Kelle der Maurer, auf den krummen Griff eines Werkzeuges, auf einen Löffel, 
auf die Höhlung des Schädels oder der Schulter, auf eine Schale." Aus dem 
Talmud (Traktat Tamid, Kap. 5, §4, Ausgabe von Surenhusius V, 303. Über- 
setzung der Mischnah von Joh. Jak. Rabe Onolzbach 1T6U, S. 172ff.) geht 
hervor, dass der Kaph ähnlich gewesen ist „einem Tharkab (oder Tharkof), 
einem (iet'äss. das drei Kai) enthielt (ein Kab = etwas mehr als zwei Liter, 
Benzinger, Archäologie 2 193, drei Kab wäre ein Hin = etwas mehr als 6 Liter 
oder V 2 Sea) u . In der Mitte des caph war eine patera, „hebr. bäzikh, eine 
kleinere Schale, ein kleinerer Behälter, der mit Rauchwerk angefüllt war. 
Wenn also aus dem kleineren Behälter etwas von dem Ranchwerk hinausfiel, 
><i fiel es nicht auf die Erde, sondern in die grössere Schale, die hier caph 
genannt ist. Die n patera u = bäzikh war also der eigentliche Weihrauchbehälter, 
vgl. das tat. acerra. Auf diesem Behälter lag ein Deckel mit einer Art Schleife 
oben; nach einigen Auslegern handelt es sich bei letzterem um einen Ring, 
mit dem man den Deckel aufheben konnte" 1 ). 

Wie bei den Hethitern, so wurde auch in Palästina als Zeichen der 
Ergebung vor dem Sieger geräuchert. Verwendet wurde dabei nach den 
ägyptischen Darstellungen das ägyptische, niedrige Räuchergerät mit Schale und 
sich nach unten verbreiterndem Fuss. Diese Sitte ist durch die ägyptischen 
Reliefs für Askalon-). Dapour in Galiläa'"' und Gades 4 ) in der zweiten Hälfte des 
2. Jahrtausends bezeugt. Über das tatsächliche Aussehen dieser Geräte gibt uns 
der Türsturz aus Abde 5 ) genaueren Aufschluss. Auf breitem Fuss ruht ein gleich- 
massig breiter Schaft, und dem Fuss entsprechend bildet den oberen Abschluss 
ein breiterer Teil, der auf dem Räuchergerät an der linken Seite des Tür- 
sturzes Fig. 49), unten mit einem ausgezackten Rand verziert ist. Ein Gerät 
der gleichen Form (Fig. 50) mit viereckigen Öffnungen am Schaft, die Thiersch 
näher behandelt hat, hat sich bei den palästinensischen Ausgrabungen in Teil 
Taannek 6 ) gefunden. Dass das Gerät für gewöhnlich auf dem Kopf stehend 
in modernen Publikationen wiedergegeben ist, vermutet Thiersch und wird 
bestätigt durch das vorhin erwähnte Thymiaterion vom Türsturz aus Abde 



1) Die letzten Mitteilungen verdanke ich Herrn Prof. Guthe in Leipzig. 

2) Lepsius' Denkmäler III U5 c. Gressmann, Altorientalische Texte und Bilder 
zum alten Test. II S. 129, Abb. 261. Guthe, Bibelwörterbuch S. 78. Maspero, Histoire 
ancienne des peuples de l'orient classique II S. 696. Champollion, Monuin. de l'Egypte 
et de la Nubie II, S. 149 ff. 

3) Maspero a. a. II S. 128. 

4) Champollion a. a. 0. 295. Bissing-Bruckmann, Denkmäler Taf. 86 b. 

5) Gressmann a. a. 0. S. 32, Abb. 47 nach Revue biblique 1905, S. 88. 

6) Sellin, Teil Taannek S. 66. Abb. 81. Areb. Anzeiger 1907, Sp. 312. Abb. 19 
(Thiersch). Benzinger a. a. 0. S. 371. Abb. 253. 



:<; 



Karl Wisrand: 



(vgl. Fig. 49 u. 50;. Die gleichen Geräte haben wir wohl vor ans in den 
Eckdarstellungen eines palästinensischen Frieses vom Karmel 1 ). 

Doch auch Einflüssen von Mesopotamien her stand Palästina offen. So 
wird als Beutestück aus Ladies von Kriegern ein Thymiaterion (Fig. 51 
getragen auf einem Relief des 7. Jahrhunderts im Palast des ASSurbanipal in 
Kujundschik *). In der Mitte des schlanken Schaftes sit/.t der uns von den 
Assyrern her bekannte Blattüberfall, darüber eine wulstartige Verdickung und 




Abbildung 3. 

eine tiefe, kesselartige Schale, wie sie sirli auch an mehreren assyrischen 
Räuchergefässeu jener Zeil findet. Ein tönerner Untersatz eines Bolchen Tliy- 
miaterions, nach cyprischer Art mit Strahlenornament verziert, fand Bich bei 
den Ausgrabungen in Gezer 8 . Das stück ist nach Freundlicher Mitteilung 
von Thiersch nichl vor dem 7. Jahrhundert verfertigt. Ein reich bemaltes 
Oberteil 4 ) und von einem /.weiten Stück der Resl des Schaftes fand sich 
bei den deutschen Ausgrabungen im alten Megiddo. Abbildung 3 nach diene 1 des 



1) Quat. Stat. Pal. Kxplor. Fund 1S84, Abb. S. 32. 

2) Layard, Palast of Niniveh Taf. 22. 

3) Arch. Anzeiger 1909, Sp. 388, Abb. 23 iThiersch). 

1) Bunt und gross publiziert auf der Tafel vor dem Titelblatt bei Schuhmacher, 
Teil el Mutessellim 1 S. 126. Ullsteins Weltgeschichte, Band Orient, Abb. S. 127 
(Bezold). Arch. Anzeiger 1907, S. 300, Abb. 18. Gressinann a.a.O. Nr. 61. Abbildung 
auch bei Thomsen, Palästina (Natur und Geisteswelt Nr. 260) S. 75, Abb. 30. 



Thymiateria. 27 

Deutschen Palästina- Vereins; Mittl. u.Nachr. 1904, Fig. 17). Darin ein ägyptisches 
Käuebergerät zu erkennen, wie dies Vincent 1 ) und Dussaud wollen, ist wohl 
nicht richtig ; denn dies verbietet sowohl die Form des Gefässes als auch seine 
Ornamentik. Dies Gerät, das seinem Typus nach zu den assyrischen Thymia- 
terien gehört, ist vielmehr ein Erzeugnis heimischer Keramik, wie die Elemente 
seines Schmuckes zeigen. Ganz ünägyptiseb sind zunächst die beiden Blatt- 
verzierungen am Schafte, die sich aber wohl an assyrischen Räuchergeräten 
des 7. Jahrhunderts (Fig. 46) finden. Der Lotos ist durchaus nicht speziell 
ägyptisch, sondern findet sich vielmehr in derselben Form auf dem bekannten 
Fussboden aus dem Palast Sanheribs im Britischen Museum 2 ). Die Bemalung der 
Blätter ist cyprisch, wie der erwähnte Thymiaterion-Untersatz aus Gezer zeigt. 
Auf cyprischer Keramik 3 ) findet sich ebenfalls das Rautenmuster, mit dem 
der Rand der Schale verziert ist, Es ist überhaupt in Vorderasien verbreitet 
und scheint von den Hethitern, wie die in Boghazköi gefundene Keramik 
zeigt, ausgegangen zu sein 4 ). 

Auf die im jüdischen Kultus gebrauchten Thymiateria, die sich auf den 
Münzen des Herodes I. (Fig. 110) finden, und auf ein Thymiaterion, das am 
Eingang eines'palästinensischen Grabes des 3. Jahrhunderts in den Fels gehauen 
ist Fig. 115), wird weiter unten eingegangen werden. 



Kap. VIII. 

Thymiateria bei den Phöniziern. 

Sowohl im zweiten, als auch besonders in der ersten Hälfte des 1. Jahr- 
tausends wurden wiederholt Invasionen von den Assyrern in die westlichen 
Länder gemacht 5 ). Wie die mesopotamische Kultur bei den Phöniziern Ein- 
lass fand, beweisen auch die Ptäuchergeräte, die diese von deiK Assyrern ent- 
lehnt, Das älteste phönizische Thymiaterion (Fig. 52) findet sich auf einem 
Skarabäus aus grünem Jaspis im Britischen Museum"), der aus Tharros auf 
Sardinien stammt und von Furtwängler ins 7.-6. Jahrhundert gesetzt wird. 
Es ist offenbar ein sakrales Gerät; denn es steht vor einem sphinxflankierten 
Thron, auf dem ein bärtiger Gott sitzt. Die Herkunft dieses Thymiaterions 



1) Revue biblique V 1908, S. 583; S. 584, Anin. 2 (Vincent). 

2) C. Bezold, Ninive und Babylon 1903*, Abb. 84, S. 104 nach Phot. Mansell. 

3) Z. B. auf cyprischem Tongefäss in Louvre (Springer-Michaelis a. a. 0. Abb. 
191, S. 81; Perrot-Chipiez III S. 669, Abb. 478), das aus Jerusalem stammt. Slg. Ces- 
nola II, 2, Taf. 87 u. ö. 

4) Vgl. L. Curtius bei Hugo Grothe, Meine Vorderasienexpedition 1906 und 1907, 
Leipzig 1911, S. 275, Taf. 15. 

5) R. Pietschmami, Geschichte der; Phönizier S. 144, 267, 293, 298. C. Bezold, 
Ninive und^Babylon 1903 3 , S. 42, 46, 52. 

6) Furtwängler, Gemmen Taf. VII, 12. 



28 Karl Wi-an.l: 

aus Assyrien zeig! der sich nach oben verjüngende Schalt, oben mit einem 
doppelten Blattornamenl geschmückt; auf ihm sitzt eine flache Schale, über 
der nach ägyptischer Weise das Räuchermaterial angegeben ist, aus dein die 
Flammen emporschlagen. Bei der Kleinheit der Darstellung ist die Deutung 
der Details nicht ganz sieher, doch bieten die Thymiateria auf andern jüngeren 
phönizischen und karthagischen Reliefs für ihre Richtigkeil Gewähr. 

Zwei ähnliche Thymiateria zeigen die in die Zeit /wischen .TT* und 
372 v.Chr. datierten Münzen des Datames von Tarsos 1 ). Hier sitzt der in- 
schriftlieh als „Baal von Tarsos" bezeichnete Gott über den Ed. Meyer, Ge- 
schichte des Altertums I, 2, 1 909 8 , S. 641 gehandelt hat, und bei ihm steht 
auf dem Boden, im unteren Teil verdeckt, ein Thymiaterion, von dem der 
Blattkranz, der letzte Teil dv<^ Schaftes, die Schale und der Deekel mit Knopf 
sichtbar sind. Die Rückseite zeigt das Räuchergerät, das zwischen zwei als 
Anon und Baaltars erklärten Männern steht, vollständig Fig. 54 . 

Die übrigen von phönizischen und karthagischen Reliefs*) stammenden 
Thymiateria aus der hellenistischen Zeit weisen einen besonders reichen Schmuck 
(\v^ Schalles auf. Am Schaft sitzen regelmässig drei Kränze vom überfallenden 
Blättern, ein Schmuck, der in der phönizischen Kunst besonders beliebt war; denn 
er findet sich auch an den Säulen einer ädikulaförmigen Grabstele aus \<.ra 3 ). 
Über ihnen finden sich zwei bis drei breitere, mehr (»der weniger sieh nähernde 
ringförmige Verzierungen. Der Räucherbehälter hat die Form einer teller- 
förmigen Seheibe 1 ). Da die meisten Thymiateria im Gebrauch dargestellt 
sind, fehlt der Deckel, und wir sehen in der Schale entweder das 
Rauchwerk oder die aufsteigende flamme. Auf einer Votivstele aus Lilvhaetim ') 
ist das Rauchwerk als ein spitzer Haufen gebildet. Der Rand, auf dem der 
aufgestülpte Deckel gesessen hat. ist hier angedeutet. Die sorgfältige Arbeit 
dieses Reliefs, besonders auch in der Wiedergabe des Thymiaterions, und der 
umstand, dass «las Räuchergerät mit dem auf der Münze des Datames genau 
überein stimmt, verweisen die Arbeit in das I. Jahrhundert. 

Diese phönizischen Thymiateria dienten dem Kult: denn wie auf den 
Münzen von Tarsos, so steht auch auf einem aus der (legend von Tyros 



i Brit. Mus. Münzkatalog, Cilicia Tat'. :?!>. Nr. 11 - l.Y Revue numismatique IV. 2, 
1898, Taf. II, Nr. 4569—70. 

2) Perrot-Chipiez, Bistoire III S. 134, Fig. 82 83. Ohnefalsch-Richter, Kypros, 
Bibel und Homer, Taf. 82, 4—5. Corp. [nscr. Semit. I 1. S. 179. Tal. 29, Nr. L576. 

3) Monum. antichi dei Lincei XIV, Tat'. 25, Nr. 1. 

4) Hierhin gehörl auch «las Thymiaterion auf einem für mich nur noch in der 
allen Publikation von Caylus, Kecueil d'Antiquites V Taf. 12, Nr. 1 erreichbaren 
Skarabäus. Singular ist hier, dass es auf einer Parke steht. Welchem Land der 
Skarabäus Caylus a.a.o. Tai. 36, Nr. 5 mit Darstellung eines Kandelabers angehört, 
vermag ich nicht zu entscheiden. 

5) CLL. I. Tal. 29, Nr. 138. Gressmann, Altorient. Texte und Bilder II. S. 13. 
Abb. lt. Benzinger, Hebräische Archäologie S. 183. Ohnefalsch-Richter a. a. II. 
Taf. 82, 1. 



Thymiateria. 29 

stammenden Relief im Löuvre 1 ) ein in seinem Oberteil besonders reich aus- 
gestattetes Räuchergerät Fig. 53) vor der thronenden Gottheit, die in der 
Linken eine Geissei hält. Ähnliche Darstellungen zeigen auch mehrere Skara- 
bäen 2 ). Die Verwendung der phönizischen Thymiateria als Kultgeräte macht 
auch ihr häufiges Vorkommen auf den karthagischen Votivstelen sehr wahr- 
scheinlich. 



Kap. IX. 

Thymiateria auf Kypros. 

Den cyprischen Namen des Räuchergerätes hat uns Hesych aufbewahrt 
in der Glosse y.r/y]rög. 

Die Hauptgottheit der Insel, der Weihrauchopfer dargebracht wurden, 
war die mit der griechischen Aphrodite identifizierte semitische Astarte, die 
wir auf den Münzen des 4. Jahrhunderts als &vjLudCovoa s ) erblicken. Daneben 
wurde noch dem Resef-Apollon viel nach Olmefalscli-Richter ' auf Cypern 
geräuchert. Das Aussehen der räuchernden Priester veranschaulichen im Apollon- 
heiligtum zu Voni gefundene Statuetten" . 

Die älteste Kunde von einem cyprischen Thymiaterion erhalten wir durch 
Herodot IV 162. Er berichtet uns, dass in der zweiten Hälfte des 6. Jahr- 
hunderts der König Euelthon von Salamis ein sehenswertes Thymiaterion nach 
Delphi gestiftet habe. Wie dieses ausgesehen haben mag, veranschaulicht 
ein auf einer graeeo-phönizischen Amphora im Bonner Akademischen Kunst- 
museum gemaltes ) Gerät (Fig. 56). Auf mehreren stabartigen Füssen ruht 
der schlanke Schaft, der in der Mitte zwei Kränze von blattartigen Ver- 
zierungen zeigt. Über ihnen findet sich eine um den Schaft geschlungene Tänie, 
ein Schmuck, der für sakrale Gegenstände ganz üblich ist. Am Ende des 
Schaftes sitzt eine unten spitz zulaufende Schale mit einem spitzen Deckel, der 
in einem Ring ausläuft. Das Thymiaterion muss seinem Typus und seiner 



1) Perrot-Chipiez III, Fig\ 81. Renan, Mission en Phenicie II, Tat". 4, S. 6f>4. 
Ohnefalsch-Richter a. a. 0. Taf. 82. 6. 

2) Furtwängler, Gemmen XV 2 und 4. Lajard, Culte de Mitlira Taf. 68, Nr. 
24—27. Ohnefalsch-Richter a. a. 0. Taf. 82. 2—3. Catalogue of the Collection of Antique 
g-ems. formed by James Ninth Earl of Southesk I 1908, Taf. 16. 5. S 199 (Tliym. 
steht vor einer sperberköpfigen Gottheit), de Vogue, Melanges d'archeol. Orientale. 
Paris 1858, Taf. V, 14, S. 47. Katalog des Cypfus-Museum Taf. 8. Nr. 4603. 

3) Cat. of greek coins in Brit. Mus. Cyprus Taf. VIII, 7, S. 43. 

4) Kypros, Bibel und Homer I S. 337—38. 

5) Kypros, Bibel und Homer Taf. 41. Cesuola-Stern, Cypern Tat'. 22, 2:», 26. 

6) Margarete Bieber, Das Dresdner Schauspielerrelief Abb. 16c. Merkwürdig ist, 
dass hier auf einer Amphora des 5. Jahrhunderts unter beiden Henkeln ein Thymiaterion 
aufgemalt ist. Wir haben hier wohl den Fall vor uns, wo dem Verstorbenen ein 
Gegenstand nicht in natura, sondern in effigie mit ins Grab gegeben würde. 



30 Kar) Wigand 

Dekoration nach zu den phönizischen gerechnet werden (vgl. bes. Fig. 54 . wie 
Cypern in der ersten Hallte des 1. Jahrtausends überhaupt stark von den 
Phöniziern beeinflusst ist. 

Niedrige Füsse sind charakteristisch für die alteren cyprischen Thymia- 
teria; denn diese finden sich auch an den Räuchergeräten auf den Münzen 
von Cypern (Fig. 57), die etwa 70 Jahre jünger sind als die Bonner Amphora 
und aus dem Beginn des 4. .Jahrhunderts stammen 1 ). Hier schließet der gleich- 
massig dicke, in der Mitte mil einer Verzierung geschmückte Schaft oben und 
unten mit einer Platte ab und trägt eine runde Schale. Wie die blattartigen 
Verzierungen an den Schäften der cyprischen und phönizischen Thymiateria 
genauer aussahen ; zeigen Teile von erhaltenen Kandelabern, von denen einer 
aus Cypern 2 ) stammt und in das Ende des f). Jahrhunderts gesetzt wird. Ein 
völlig intakter Kandelaber, der mit dein vorigen Stück genau übereinstimmt 
und aus Sidon stammt, befindet sieh in der Vorderasiatischen Abteilung der 
Berliner Kgl. Museen (luv. -Nr. 2518). Oberhalb der beiden Blätterkränze teill 
sich der Schaft in drei Teile, von denen jeder in eine Spirale ausläuft, wie 
die Füsse der Stabdreifiisse. Der obere Abschluss fehlt, er dürfte vielleicht 
die Form einer Sehale gehabt haben, so dass das ganze Gerät als Thvniiaterion 
aufzulassen wäre. Hierzu passen auch die einfachen. ( .t cm hohen Kusse. Das 
Stück ist wohl cyprisch und in Sidon importiert, da es einerseits mit dem 
Fragment im Britischen Museum genau übereinstimmt, und andrerseits sich 
Thymiateria auf mehreren Küssen bei den Phöniziern nicht nachweisen lassen. 

Die Kichetoi der hellenistischen Zeit lernen wir durch ein erhaltenes 
Räuchergerät kennen, das bei Cesnola, Salaminia 3 ) veröffentlicht ist. Auf 
einem breiten, sich nach oben verjüngenden niedrigen Fuss ruht ein flacher 
zylindrischer Räucherbehälter, den ein breiter Rand umgibt. Auf diesen wird 
ein kunstvoll gearbeiteter, durchbrochner Deckel mit länglichem Knopf gestülpt. 
Dieses tönerne Thymiaterion gehört einem weiter unten zu besprechenden Typus 
von Räuchergeräten (Fig. 109 118) an. 

Cyprische Münzen 4 ) aus der Zeit des Pins bis Caracalla, die den Aphro- 
ditetempel zu Paphos darstellen, /eigen in der Mitte des Gebäudes den konischen 
Stein, das Kultidol der Göttin, in den beiden Seitenschiffen auf einer doppelten, 
runden Hasis einen in der Mitte verdickten und sich nach oben hin verjüngen- 
den Ständer, auf dem oben eine runde Schale sitzt, ob wir hier Thymiateria 
des Typus von Fig. 121 zu erkennen haben oder altertümliche Kultgeräte, ist 
bei der Kleinheit der Darstellung nicht zu entscheiden. 

1) S. S. 29, Amii. 3. Springer-Michaelis a. a. 0. S. 2«7, Fig. 17»;. Revue numis- 
matique 111 S. 1, 1883, Taf. (i. 13, S. 287. 

2) Smith, Murray, Walters, Excavations in Cyprus, London 1900, S. <i7. Fig 88 
Ohnefalsch-Richter a. a. 0. Tai'. 43, Nr. 8 10. Oberteil eines solchen Schaftes aus 
Curium in New-York, siehe Perrot-Chipiez, Eistoire 111 S. S63, Abb. (130. 

3) Cesnola, Salaminia 1882, S. 274, Fig. 268. 1884 2 , S. 249. Geräte desselben Typus 
noch in der Slg. Cesnola 1, 2, Taf. 10_\ Nr. 595, 606 608. 

4) Catalogue of greek coins in Brit. Mus. Cyprus Taf. 17. Vergrösscrt in Kypros, 
Bibel und Homer Tat. 82, 8. 



Thymiateria. 31 

Kap. X. 

Thymiateria bei den Persern. 

Eine Folge des Sieges des Kyros über Babylon (540) war die Annahme 
der babylonischen Kultur durch die Sieger. Hierfür liefert uns auch die per- 
sische Kleinkunst den Beweis; denn die persischen Siegelzylinder 1 ) zeigen 
häufig dieselbe Darstellung wie die neubabylonischen: zwischen zwei ge- 
flügelten Skorpionenmenschen steht ein Thymiatcrion, das im wesentlichen dem 
chaldäischen und assyrischen entspricht, und zwar sitzt hier stets auf der 
Schale ein Deckel mit Knopf, der durch eine Kette mit dem Schaft verbunden 
ist. So erinnert dies persische Räuchergerät stark an das griechische mit 
mit seinem „eichelförmigen" oberen Abschluss. Die Kette begegnet uns bei 
dem Thymi aterion an der „ludovisischen Thronlehne". Da nun die persische 
Kunst als unselbständig bezeichnet werden muss und durch die literarische Über- 
lieferung feststeht, dass gerade griechische Erzgiesser, z. B. der Phokäer 
Telephanes (Plin. N. H. XXXIV 68), in persischen Diensten gearbeitet haben, 
so ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Griechen die Erfinder dieser prak- 
tischen Deckel waren und die Perser sie von diesen übernommen haben. Auf 
einem Relief im Kairener Museum -) (Nr. 438), das in persische Zeit gesetzt 
wird, und das dem semitischen Lokalgott von Thachpanches geweiht ist, sehen 
wir, wie ein dauebenstehender Mann den Deckel mit der rechten Hand ergreift. 

Auf zwei Siegeln der Collection de Clercq 3 ) finden wir bei dem Thy- 
miaterion unterhalb des Räucherbehälters eine nach unten gerichtete reiche 
Blattverzierung, die an die Schuppen am Stengel unserer Schachtelhalme 
erinnert. Das Becken selbst, ebenso wie der Deckel, zeigen Querstreifen 
(Fig. 58). 

Wie in Assyrien, so wurde auch in Persien nicht nur den Göttern, sondern 
auch dem König geräuchert. So trägt auf einem Relief 4 ) aus dem Südpalast 
von Persepolis, der von Xerxes erbaut worden ist, ein Diener des Königs in 
der Linken ein Henkelgefäss, in der Rechten ein Thymiaterion (Fig. 59), das 
gegen 40 cm hoch gewesen sein mag, dessen oberer stark zerstörter Abschluss 
aber ähnlicher Fig. 58 gedacht werden muss, als die Zeichnung angibt. Auf 
einem Basrelief des „Hundertsäulenpalastes" r '), der wohl in die erste Hälfte 

1) Lajard, Culte de Mithra Taf. 49, 2. Pierpont-Morgan-Collection Taf. 37. Nr.290. 
Siegelzylinder im Brit. Museum Nr. 89704: Phot. Mansell 1647. 

2) W. Max Müller, Egyptological Researches, Results of a journey in 1904, 
Washington 190G, Taf. 40, Text S. 30 = Gressmann, Altorientalische Texte und Bilder 
zum alten Testament II, Nr. 132. 

3) Collection de Clercq I, Taf. 34, Nr. 385 (Menant a. a. 0. II, Taf. 9, Nr. 2); II, 
Taf. 3, Nr. 61. 

4) Flandin et Coste: Perse ancienne III, Tal'. 135 l>is und 154. Perrot-Chipiez V. 
S. 810, Abb. 479. Vgl. eine ähnliche Darstellung im Palast des Darius: Stolze, Perse- 
polis I 36. 

5) Dieulaf'oy, L'art antique de la Perse III. Tai'. 1!». Stolze. Persepolis I 57. 



K a rl W igand: Th> miateria. 

des 4. Jahrhunderts zu setzen ist, stehen vor einem König, dem von hinten 
Luft zugefächelt wird, zwei Räuchergeräte, die sich von dem vorigen stück 
nur durch reicheren Schmuck unterscheiden. 

Dass nach den griechischen Vorstellungen Thymiateria zu den Erforder- 
nissen eines reichen persischen Hauses gehörten, beweist die unteritalische Perser- 
vase 1 ), wo auf dem unteren Streifen hinter dem Tribute empfangenden Schatz- 
meister zwei Thymiateria stehen. 



Kap. XI. 

Thymiateria bei den Etruskern. 

Eins der ältesten Beispiele von etruskischen Thymiaterien zeigt ein 
Wandgemälde in Chiusi 2 ), das aus stilistischen Gründen noch dem 6. Jahr- 
hundert zugewiesen weiden muss. Es sind hier dargestellt Spiele zu Ehren 
(\<'v Verstorbenen. Vor ihr steht ein Altar, bei dem ein Flötenspieler bläst, 
nehen ihm auf einer plattenförmigen Stufe eine Frau mit kurzem Falbelrock, 
die auf ihrem Kopf ein Thymiaterion trägl Fig. 60). Es besteht ans einem 
ausgeschweiften, sich verjüngenden zylindrischen Untersatz, i\rv oben durah 
eine Platte abgeschlossen wird, einem sich verbreiternden .Mittelteil, der in 
dem Fuss Festsitzt und oben ein in der Mitte eingebuchtetes rundes Schälchen 
trägt, über dem oben die Flamme sichtbar wird. Dies Thymiaterion erscheint 
also wie eine Weiterentwicklung assyrischer Räuchergeräte von der Art unserer 
Fig. 43; denn auch hier sehen wir das Feuerbecken wie hineingesteckt in 
einem hohen Untersatz. Die merkwürdig gezeichnete Schale mit Flamme erklärt 
sich wühl aus einem .Missverständnis des Zeichners. Dieses Stück ist der ein 
zige Beleg für das Vorkommen des babylonisch-assyrischen Thymiaterion Typus 
bei den Etruskern 3 ). 

Schon im 6. .Jahrhundert linden wir in Etruiien Thymiateria mit 
dreiseitigem Untergestell (Fig. 62). Auch dieses isl im Osten /u Hau-: 
denn auf einem archaisch-assyrischen Siegelzylinder der Collection de Clercq 
(I, Tal', i".*. Nr. 308) sehen wir ein Gerät mit dreiseitigem Untergestell, da- von 
einer dünnen, überstehenden Platte abgeschlossen wird, ("her ihr erhebl sieh 
auf einem kurzen Zwischenglied ein rundes, zylindrisches Gefäss, aus dem die 
Flammen emporschlagen Fig. 61). Dieser dreiseitige Untersatz komml Behr 
häufig in der etruskischen Kunst des 6, Jahrhunderts vor und wird auch als 



1) Furtwängler-Reichhold Tat. 88. 

2) Monumenti dell Institute) V, Taf. L6, dazu Annali XXII 1850, S. 272 Harem- 
berg-Saglio 11. 2, S 1386. Ephemeris arch. 1897, Sp. 167. 

3) l'as bei Gori, Museum Etruscum 11, Taf. 199, Nr. 1 abgebildete Thymiaterion 
von einem Karneol ist griechisch, nicht etruskisch, wie die anderen Darstellungen 

Mänade, Tln sos) zeigen. 



Thymiateriä. 33 

Untersatz für Kessel verwandt, vgl. besonders die Stücke im Museum zu 
Cambridge (Massachusetts) 1 ). In der attischen Kunst wird er nach Ausweis der 
Keramik erst gegen 400 bei den Tlivmiaterien üblich, hier im Westen da- 
gegen schon zwei Jahrhunderte früher. 

Zu den ältesten etruskischen Räuchergeräten dieses Typus gehört das 
Thymiaterion auf einem archaisch-etruskischen Relief 2 ) im Antiquarium zu 
München, das von Furtwängler in das 6. Jahrhundert gesetzt wird. Der 
Schaft ist mit fünf ringartigen Wülsten verziert. Ein genau entsprechendes 
Thymiaterion {Fig. 62) findet sich auf einem modern überarbeiteten Terrakotta- 
Sarkophag im Britischen Museum 3 ). Es hat, wie auch das vorige Stück, seinen 
Platz in der Darstellung eines Gelages, wodurch feststeht, dass die Etrusker 
im 6. Jahrhundert bei den Symposien räucherten, was für dieselbe Zeit in 
Griechenland durch Xenophanes bezeugt ist. Derselben Stilstufe entsprechen 
etwa von erhaltenen Stücken vier reich verzierte Thymiateriä im Museum 
Gregorianum 4 ), die aber nach Furtwänglers Mitteilung 5 „viel ergänzt", zum Teil 
„ganz ohne Gewähr" sind. Ein am Schaft ebenfalls ergänztes Thymiaterion aus 
der Zeit um 500 v. Chr. befindet sich in der Glyptothek in München 6 ), ein 
gut erhaltenes Prachtstück ohne Schale in Mainz 7 ). Drei pyramidale Geräte, 
die Furtwängler als Untergestelle von Thvmiaterien auffasst. sind in München 8 ) 
(Fig. 63). 

Dass der Typus weiter gelebt hat, ergibt sieh aus einem Wandgemälde 
aus dem Grab Golini bei Orvieto H ). Während links Pluton und Persephoue 
thronen, wird rechts vor den auf der Kline liegenden Ahnen musiziert. Zwischen 
diesen beiden Gruppen steht ein dreibeiniger Tisch, auf dem neben Misch- und 



li American Journal of Arch. XII 1908, Taf. 8— 18, S. 287 ff. 

2) Christ, Führer durch das Antiquarium 1901 S. 59. I.-Nr. 1065. A. Furtwängler, 
Das Kgl. Antiquarium zu München, Kurze Beschreibung München 1907, S. 43. 

3) A. S. Murray, Terrakotta-Sarcophagi greek and ecruscan in the British Museum, 
London 1898, Taf. 10. Walters. Catalogue of the Terracottas in the Departement of 
greek and roman antiquities. Brit. Museum. London 1903, B 630, S. 182. 

4) Museo Gregoriano, Ausg. A, Taf. 75, 5; 76.3; 77,2; 78,3. Heibig, Führer- II. 
S. 369, Nr. 1358; S. 370, Nr. 1365. 

5) Furtwängler, Bronzen von Olympia S. 100, Anm 1. 

6) Furtwängler, Beschreibung der Glyptothek 1900 Nr. 462. 

7) Behn, Mainzer Zeitschr. VI S. 4 ff. Auf dieses Stück, das Beim, freilich ohne 
zwingende Gründe, für griechisch erklärt hat, wird weiter unten Kap. XII, c im An- 
fang näher eingegangen werden. 

8) Zwei im Antiquarium: Furtwängler a. a. O. (s. Anm. 2) S. ">0. Eine Zeich- 
nung des einen Stückes verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Dr. Buschor. 
Der eine Untersatz (Fig. 63), bei dem sich nur au einer der drei Seiten unten ein 
Ring befindet, ist 40 cm, der andre 25 cm hoch. Ein dritter derartiger Untersatz (mit 
Darstellung der Juno Lanuvina) befindet sich in der Glyptothek : Furtwängler. Be- 
schreib, der Glypt. München 1900, Nr. 60: Koscher, Mythol. Lexik. II 1 Sp. 608; ab- 
gebildet Micali, Storia Taf. 29, 7-8. 

9) Oonestabile, Pitture murali Florenz 1865, Tat. 11. Springer-Michaelis, Hand- 
buch 9 , S. 429, Abb. 794. Original-Aquarell von Stephani im Bonner Akadem. Kunst- 
museum, danach Fig. 64. 

Jahrb. d. Ver. v. Altertafr. im Rht-inl. 122. 3 



34 Karl Wigand: 

Trinkgefässen der verschiedensten Art ein brennendes Thyiniaterion (Fig. 64) 
steht. An seinem Schaft sind drei nach unten geöffnete »Schalen und zwischen 
ihnen zwei etwa halb so breite, aus drei dünnen Scheiben zusammengesetzte 
Wulste angebracht, oben sitzt eine niedrige Sehale mit zwei Henkeln auf. 

Im 5. Jahrhundert war dieser Typus im Westen über die Grenzen Etruriens 
hinaus in Gebrauch; denn in der Handelsstadt Kroton erseheint er auf Münzen 
des 5. Jahrhunderts neben einem Dreifuss 1 ;. Dieses Thvmiaterion besteht aus 
dem dreiseitigen Untersatz und dem durch zwei Wulste gegliederten und oben 
von einem Dreieck (Schale mit Deckel) abgeschlossenen niedrigen Schaft. Bei 
unsrer dürftigen Kenntnis der archaischen Kunst in Unteritalien muss vorläufig 
die Frage offen bleiben, ob die etruskischen und unteritalischen Thymiateria 
auf eine gemeinsame Vorlage zurückgehen, oder ob Unteritalien oder Etrurien 
die Form erfunden haben. Mir scheint am wahrscheinlichsten, dass bei den 
Etruskern, den Meistern der Erzschmiedekunst, dieser Typus heimisch war und 
sich von Etrurien aus nach Süditalien und nach Griechenland verbreitet hat. 

Ein weiterer Typus von etruskischen Thymiaterien wird repräsentiert 
durch ein niedriges Altärchen auf einer Gemme 2 ) in Wien Fig. 6.")). Eine 
geflügelte Frau, nach der Beischrift Elina, ist im Begriff, aas einem vier- 
eckigen Kästchen Körner zu nehmen und auf das Altärchen zu legen. Dieses 
erinnert an die Räuchergeräte vom Türsturz von Abde (Fig. 49), weicht nur 
darin von ihnen ab, dass am Schaft vier ringartige Verzierungen angebracht 
sind, ein Schmuck, den dieses junge Stück von den andern etruskischen Thy- 
miaterien übernommen haben wird. 

Ein etruskisches Thvuiiateiion von ganz anderem Typus (Fig. 60) findet 
sich auf einem Stinksteinsarkophag 8 ), der früher im Museo Campana war 
bei einer Opferzene. Auf dem Altar schlägt eine fünffache, mächtige Flamme 
empor, neben der links ein armlanges Gerät steht. Es ruht auf drei niedrigen 
Löwenfüssen, die sich gleich zu einem von zwei Wülsten unterbrochenen Schaft 
vereinigen, der von einer kugeligen, mit einem kräftigen Band versehenen Schale 
bekrönt wird. Die Art des Vorkommens und die Beschaffenheit des Gerätes 
weisen darauf hin, dass wir auch hier ein Räuchergefäss vor uns haben. Als 
Analogie mag hier die altschwarzfigurige Vase 4 ) im Louvre angeführt werden, 
auf der dargestellt ist, wie Polyxena vor Achill auf einen aus Ziegeln 
errichteten Stufenaltar flüchtet. Am linken Ende des Altars ist über dem 



1) Hill, Coins of ancient Sicily 1903, Taf. 4. 9, S. 71. Bullet. Napol. NS 1856, Taf. 1, 
Nr. 9. Carelli-Cavedonius, Nununi Ital. Veter. Taf. 183, 14. Das beistehende Da bedeutet 
übrigens nicht Zankle, sondern den Beamtennamen, woran! mich Dr. Regung freund- 
lichst aufmerksam machte. 

2) Furtwängler, Gemmen Taf. 18, Nr. 32. S. Reinach, Pierres gravees Paris 1895, 
Taf. 4, Nr. 40. Vergrössert bei Fabretti: Corpus inscr. ital. 1867, Glossarium italicum 
S. 361. 

3) Monumenti dell Inst. 1864, YT1T. Taf. 2. dazu Heibio- Annali 1864, S. 28 ff. 
Daremberg-Saglio II, 2, S. 1385, Fig. 3355. Springer-Michaelis a. a. 0. S. 435, Abb. 809. 
Martha, L'art etrusque S. 384 IT. 

4) Daremberg-Saglio I S. 348. 



Thymiateria. 35 

reich profilierten oberen Abschluss ein kurzer, dünner Schaft zu sehen, der 
sieh zu zwei spiralartigen Polstern verbreitert, auf denen ein bauchiges, oben 
stark eingezogenes Gefäss ruht. Der Vasenmaler zeigt uns nur den oberen 
Teil des Gerätes, der untere ruht auf dem Altar und ist durch dessen Rand 
verdeckt. Nach der Erklärung bei Darein berg-Saglio haben wir vor uns „un 
bassin qui servait sans doute a brüler de parfums". 

Dieser Tvpus des etniskisch-italischen Thymiaterions hat sich mehrere 
Jahrhunderte hindurch gehalten, wie u. a. die Darstellung auf einer Praenestiner 
Ciste im Berliner Antiquarium 1 ) beweist. Hier spendet aus einer Schale 
ein siegreicher römischer Feldherr auf ein Thymiaterion (Fig. 67), das dem 
altetruskischen verwandt ist, aber infolge des neuen griechischen Ein- 
flusses in hellenistischer Zeit seine Plumpheit abgelegt hat. Auf drei 
dünnen, zweimal fast rechtwinklig gebogenen Füssen ruht ein etwa doppelt 
so hoher Schaft, an dem die beiden dicken Wulste zwei bandartigen Verzie- 
rungen Platz gemacht haben, und an dem oben ein einfacher Griff angebracht 
ist. Oben sitzt eine flache Schale auf, über der die Flammen in derselben 
Art wie auf dem Altar des Sarkophages von Chiusi und auf einem assyrischen 
Relief mit Darstellung der Einäscherung einer Stadt aus der Zeit Assur- 
banipals*) emporschlagen. An dem Kohlenbecken hängt rechts eine Schaufel, 
mit der wohl die Kohlen bewegt wurden. 

Diese Geräte unterscheiden sich nur durch die eingetiefte Schale am 
oberen Ende von den Kandelabern oder Lampenträgem, die sich öfters dar- 
gestellt 3 ) finden und von denen sich eine grosse Anzahl erhalten hat. In den 
drei meist als Tierbeine gestalteten Füssen 4 ), auf denen diese Geräte ruhen, 
könnte man ein Nachwirken des dreiseitigen Untersatzes erblicken wollen. 
Doch dürfte sich diese Anschauung nicht empfehlen, da Lampenträger, die auf 
drei Füssen stehen, sich schon in älterer Zeit (8.-7. Jahrh.) im Orient finden, 

1) Monum. dell Inst. 1876, X, Taf. 2!> : dazu Michaelis Annali 1876. S. 121. Röscher 
Mythologisches Lexikon s. v. Jupiter Sp. 745. 

2) Bezold, Ninive und Babylon-', S. 109, Abi). 87. Die ähnliche Bildung der 
Flammen mag- Zufall sein, doch vgl. die adlerköpf igen, geflügelten Dämonen, die 
bei den Assyrern und den Etruskern vorkommen: Bezold a a. S. 95, Abb. 75 und 
Springer-Michaelis a. a. 0. S. 429, Abb. 796. Die etruskischen dürften wohl eine Weiter- 
bildung der assyrischen sein. 

3) Deckel einer attisch-rotfigurigen Büchse in Berlin (Furtwängler, Berliner 
Vasenkatalog Nr. 2517), Darstellung auf einem Cameo (S. Reiuach, Pierres gravees 
Taf. 28, Nr. 55, 3), auf zwei Berliner Gemmen (Furtwängler. Berliner geschn. Steine 
Taf. 21, Nr. 2349: aus Samml. Stosch: Bonner Abdrücke Nr. 82 u. 87); Passeri, Lucernac 
fictiles 1, prolog. S. II, Nr. 6. 

4) Bisweilen zeigen diese Kandelaber unter den Tierklauen noch kleine vier- 
eckige Untersätze, so das Berliner Gerät (Friederichs, Geräte und Bronzen Nr. 687, 
S. 166) und ein Stück im Münchener Antiquarium (Fig. 70 . Diese Sitte stammt sicher 
von Ägypten, wo stets unter den Tierfüssen bei Möbeln noch ein viereckiges Klötzchen 
angebracht ist, vgl. z. B. Steindorff, Blütezeit des Pharaonenreiches Abb. 137. Über 
die Feuerschaufel, die ägypt. Einfluss zeigt, -. Anm. !>. S. 14. 



36 Karl Wigand: 

so z. B. auf dein Labartu-Ainulell ' I (Fig. 68). Ein solches Gerät aus Bronze, 
das etwa ins 7. Jahrhundert zu setzen ist, ist in Armenien 2 ) gefunden worden 
und gleicht den etruskiselien auch darin, dass an seinen Füssen Vögel an- 
gebracht sind. Die zuerst nur oben auf die Platte gestellte Schale verschmolz 
mit dem Schaft, und so entstanden diese Thvmiateria im Kandelabertypus, die 
ausser in Italien auch auf Cypern vorkommen (Fig. 56—57, S. 29 — 30). Etrus- 
kische Exemplare dieser Art haben sich in grosser Anzahl erhalten. Der hohe 
Schaft ist abgeschlossen mit einer flachen Schale, auf deren Rand meist mehrere 
Tauben sitzen. Diese dürften entweder, wenn die Geräte für den Totenkult 
bestimmt, als Bilder, der Seele, wenn sie profanem Gebrauch dienten, als Tauben 
der Aphrodite aufzufassen sein, der ursprünglich in erster Linie die Räuche- 
rungen 3 ) galten. Die Anwesenheit der Tauben führt dann zu weiterer künst- 
lerischer Ausschmückung des Gerätes: der Schaft wird empfunden als ein Baum 
(vgl. ein Thyniiaterion im Mus. Gregorianum 4 ) und Kandelaber aus Ilercula- 
neum 5 )), auf dessen Gipfel die Vögel nisten. Ein Tier klettert am Schaft empor, 
um sie zu beschrieben. Bald ist es eine Schlange, bald ein katzenartiges Tier, 
das bisweilen unter der Schlange auftritt, also diese zu verfolgen scheint. 
Von den vier Ecken der Schale hängen bisweilen ,; ) Kettchen mit kugeligem 
Abschluss herunter, die wohl apotropäisch aufzufassen sind. 

Thymiateria im Kandelabertypus. 

a) Ohne Tiere: 

1. Vier Exemplare im Mus. Gregorianum in Rom: Taf 50, 1 (oben 
links und rechts); Taf. 53, 1—2. 

2. Ein Stück in München (Antiquarium) 7 ), erwähnt als eines der „vier 
später etruskischen Thymiaterien" bei Furtwängler, Das Kgl. Anti- 
quarium in München, Kurze Beschr. S. 50 (Schrank 46). 

b) Mit Tauben an der Schale: 
1. Mus. Gregor.: Taf . 55, 1. 



1) C. Bezold, Die Kulturwelt des alten Orients Abb. S. 106; C. Frank, Babyl. 
Beschwörungsreliefs (Leipz. Semitist. Stud. III, 3) Leipzig 1908, Taf. 1: Gressmann 
a. a. O. II Abb. 183. 

2) Lehmann-Haupt, Materialien zur älteren Geschichte Armeniens und Meso- 
potamiens (Abh. d. Gott. Ges. d. Wiss. N. F. 9, 1S97) S. 95. 

3) Studniezka, Arch. Jahrb. XXVI 1911, S. 117, Anm. 8-9. 

4) Taf. 49, 4. 

5) Antichita di Ercolano VIII Taf. 72. 

6) Babelon-Blanchet, Catal. des bronzes antiques de la Bibl. nat. Paris 1895. 
Nr. 1481; Walters, Catalogue of bronzes (Brit. Mus.) Nr. 781, abgebildet im Guide to 
the exhibition illustrating Greek and Roman Life, London 1908, S. 117, Fig. 103. 

7) Die Kenntnis dieses und der anderen Thymiateria im Antiquarium verdanke 
ich der Freundlichkeit des Herrn Dr. Sieveking und den Bemühungen des Herrn Dr. 
Buschor. In liebenswürdiger Weise verschafften sie mir Photographien der Stücke, 
nach denen Fi»-. 69— 71 hergestellt sind. 



Thymiateria. 37 

2. München, Antiquarium, erwähnt bei Furtwängler a.a.O. Fig. 70). 
Das Männchen, das den Tauben Futter streut, scheint nicht antik 
zu sein. 

3. Slg. Niessen in Cöln: Besehreibnng röm, Altertümer, dritte Be- 
arbeitung, Cöln 1911, Nr. 3808, Tat'. 121. 

c Mit Tieren am Schaft, ohne Tauben an der .Schale: 

1. Fünf Exemplare im Brit. Museum: Walters, Catalogue of the bronzes, 
London 1890, Nr. 774, 77(5. 777, 778, 779. 

2. Zwei Exemplare in München (Antiquarium): Fnrtwängler a. a. 0. 

3. Zwei Exemplare im Museum Gregorianum: Taf. 48, 1 und 3. 

4. Ein Exemplar im Louvre: Phot. Giraudon Nr. 190 links). 

d) Mit Tauben an der Schale und Tieren am Schaft: 

1. Sieben Exemplare im Mus. Gregor.: Taf. 48, 4 und 6: 49, 1: 51, 
1 und 2; 55, 2 und 5. 

2. Zwei Exemplare im Kestnermuseum in Hannover: Führer durch das Kest- 

nermuseum 1900, 1 . Abt. S.68, Nr. 644— 645. Publ. auf Ansichtskarten. 

3. Drei Exemplare im Brit. Museum: Walters a. a. 0. Nr. 775. 780, 781. 

4. Je ein Exemplar in Berlin: Friederichs, Kleinere Kunst und Indu- 
strie im Altertum Nr. 691. 

5. Neapel: Phot. Alinari 11273; nach Ruesch, Guida del museo uazio- 
nale di Napoli 1908, Nr. 1689 ist das Gerät sieher etruskisch. 

6. Villa di Papa Giulio in Rom: Genaue Beschreibung- in den Notizie 
degli Scavi 1886, S. 358 ff. Publ. auf Ansichtskarte Anderson 
6320). 

7. Aus Servigliano: Notizie degli Scavi 1888, S. 413. 

8. Louvre: Phot. Giraudon 190 'rechts). 

e) Mit Tieren — ursprünglich wohl auch Tauben, wie auf dem einen 
obenerwähnten Kandelaber aus Armenien — auf den Füssen. Ursprüng- 
lich scheinen dann auch die Tauben an der Schale gefehlt zu haben. 

1. Drei Exemplare im Mus. Gregorianum: Taf. 49, 2, 4, 5., 

2. Je ein Exemplar in Paris: Babelon-Blanchet a. a. 0. Nr. 1481, 

3. und in Florenz: Notizie degli Scavi 1877, S. 244 (Telamone Nr. 7 . 
Einen altertümlicheren etruskischen Typus stellt vielleicht das kandelaber- 

förmige Thymiaterion dar, dessen Schaft eine männliche oder weibliche Sttitz- 
fignr eingefügt ist. Auch die Anwendung dieser Stützfiguren, über die u.a. 
Ernst Curtius, Arch. Zeitung XXXIX, 1881, S. Uff. gehandelt bat, scheint 
im Orient zu Hause zu sein. Sie findet sich wenigstens bei einem in Megiddo 
'Palästina) gefundenen Beckenständer 1 ), der wohl noch dem 2. Jahrtausend 
angehört. Dass Geräte dieser Art, wie der schöne Kandelaber in München 



1) P. Thomson, Palästina und s. Kultur in ü Jahrtausenden 1909 [Samml. „Ans 
Natur und Geisteswelt" Nr 260) Abb. 22, S. 56 (nach Schumacher, Tell-el-Mutesellim I); 
H. Thierse!). Arch. Anzeiger li'07. Sp. 289-292, Abb. 9. 



Karl Wigand: 



(Fig. 71, in Vorderansicht: Abbildun 




Abbildung 4. 
ist. Seinen oberen und unteren Teil 



4) 1 ), die Stützfiguren archaischen Stils 
zeigen, als Räuchergeräte gedienl haben, 
kann wohl als sicher gelten 2 ). Der 
von Schumacher erwähnte Dorn im 
Karlsruher Exemplar 8 ) darf allerdings 
nicht irre machen, denn es seheint der 
Rest des Nagels nicht von einem Dorn 
zum Aufspiessen der Kerze herzurühren, 
sondern das Ende des durch den ganzen 
Schaft laufenden Eisenstabes zu sein, 
den Behn a. a. <). S. 4 bei dem Mainzer 
Exemplar nachgewiesen hat. Hei dem 
Berliner Exemplar (Friederichs a.a.O. 
Nr. 687) erscheint es fraglich, ob alle 
Teile wirklich zusammengehören. Jeden 
falls zeigen die jüngeren etraskischen 
Thymiateria im Kandelabertypus häufig 
Stützfiguren vgl. z. B. die unter d6, 
e 2 aufgeführten Geräte und Mus. Gre- 
gor. Tal'. 55, l, 2, 5). Besonders ori- 
ginell muten einige Geräte an, vmi 
denen sieh eins in der alten Slg. PoUT- 
tales' befand; ein ähnliches ist im 
Mus. Gregorianum . Auf dem aus drei 
Füssen bestehenden Untergestell steht 
ein nackter Jüngling, der in der erho- 
benen Linken den Schaft des Thymia 
terions von sich weghält, während hei 
dem zweiten Stück nur in der Mitte 
ein Stück (\q> Schaftes übriggeblieben 
bilden wiederum Jünglinge, von denen 



1) Furt wängler a. a. ( >. = Micali, Storia 10. T). 

2) Archaisch- etruskisch ist z.B. auch der niedrige Kandelaber im Müuchener 
Antiquarium, dessen untere Schafthälfte von einer auf einem „dreibeinigen Speise- 
tische (Furtwängler a. a. 0.) stehenden Tänzerin eingenommen wird. In der Schale 
ist noch der liest des Nagels zu sehen, an dem vielleicht die Kerze aufgespiesst war. 
Doch wird dieser auch wohl als Verbindung von Schale und Schalt gedient haben, 
so dass das Gerät als Thymiaterion aufzufassen ist. 

3) K.Schumacher, Beschr. d. Sammlung antiker Bronzen, Karlsruhe 1890, Nr. 419, 
Taf. 5, 3; Wagner. Grossh. Altertümersammlung Karlsruhe Tai'. 16 (Photogr. Wie- 
dergabel. 

I Panofka, Antiques du cabinet du Comte de Pourtales-Gorgier, Paris 1834, 
Taf. 40. Die untere Hälfte eines genau entsprechenden Gerätes befindet sich in Berlin: 
Friederichs a. a. 0. Nr. f>'.>4. 

5) Taf. 55, 7. 



Thymiateria. 39 

denen der obere in der linken Hand die Räucherschale trägt; in ähnlicher 
Haltung- kommen auch solche Jünglinge beim Kottabos 1 vor. 

Diese Thymiaterien im Kandelabertypus sind in hellenistischer Zeit ver- 
breitet, da sich eines auf der Berliner Ciste des Triumphators findet, und es 
liegt kein Grund vor, ihre Entstehung' wesentlich früher zu setzen 2 ). In 
Herculaneum und Pompeji sind sie nicht nachweisbar, in Rom dagegen scheinen 
sie sieh länger gehalten zu haben. Denn sie kommen mehr oder weniger reich 
ausgestattet auf Münzen des Domitian 3 ) und auch auf alexandrinischen Münzen 
des Hadrian 4 ) und des Antoninus Pius'j vor, ausserdem auf römischen Gemmen 1 . 
die Furtwängler als spät bezeichnet. 

Andre Formen etruskischen Räuchergeräts kennen wir nur durch Original- 
funde. Ganz eigenartig ist z. B. ein etruskisches Bronzegerät im Louvre T . 
bei dem eine nackte mit Armbändern und Halskette geschmückte Frau an 
die Stelle des Schaftes getreten ist. Sie steht nicht auf dem dreibeinigen 
Untersatz, sondern auf einem vierrädigen Wagen, dessen Platte an den Ecken 
mit vier gelagerten Löwen verziert ist. So konnte dies Gerät, das an zwei 
auf Cypern gefundene fahrbare Kessel 8 ) erinnert, leicht fortbewegt werden. 
üie nächste Analogie zu diesem Stück bildet der Bronzewagen von Strettweg 9 ), 
der vielleicht auch als Räuchergrerät gedient hat. 



1) Rom. Mitteil. I 1886 Taf. 12a und 12h; Daremberg-Saglio, Dictionnaire Ili 1, 
S. 868, Fig. 4307. 

2 Die Thymiateria auf zwei attisch-rotfigurigen Vasen aus der 1. Hälfte des 
5. Jahrhunderts in Florenz (Milani, Monum. scelti Taf. 2) und in London Catal. of 
gr. vases in Brit. Mus. III E 88, publ. von Raoul-Rochette in den Memoires de l'Institut 
Royal de France, Academie des inscr. et belies lettres XIII 1838, Taf. IX Nr. 1, endigen 
nicht, wie es scheinen könnte, in drei niedrige Füsse, was für jonische Herkunft dieses 
Typus gesprochen hätte, sondern in einen niedrigen, sockelartigen Fuss. Dass mir 
dessen Umrisslinien angegeben sind und der Raum dazwischen nicht mit Firnis aus- 
gefüllt ist, zeigt auch die weiter unten abgebildete Vase im archäologischen Lehr- 
apparat der Universität Berlin. 

3) Cohen, Medailles imperiales I Taf. 17, Nr. 315. Viel reicher ist die Verzierung 
auf einem andern Stück in Berlin: Ausstellung im Kaiser-Friedrieli — Museum Nr. 3786. 

4, Münzausstellung im K.-Friedrichs-Museum Nr. 2332. 

5) Cat. of greek coins in Brit. Mus. Alexandria Nr. 1132—33. 

6j Furtwängler, Beschreibung der geschnittenen Steine im Antiquarium, Berlin 
1896, Nr. 378 (Abdruck im Bonner Akad. Kunstmuseum Nr. 26L; Nr. 2536 (Taf. 23; 
das Gerät ruht sicher auf drei Füssen, wie ich am Bonner Abdruck feststellen konnte); 
Nr. 2766 (Taf. 24); Nr. 7456 (Taf. 55); vgl. ferner die mir durch Abdrücke in Bonn 
(Nr. 112 u. 206) bekannten Berliner Gemmen aus den Sammlungen Gerhard und Stosch; 
Furtwängler. Gemmen Taf. 17, Nr. 41. 

7) Phot. Giraudon 189 (rechts) = Micali, Storia degli antichi popoli italiani, 
Mailand 1835-36, Taf. XI, 4 = Zeitschrift für Ethnologie XXII 1890, S. 73. Fig. 13. 

8) Furtwängler. Sitz. Ber. d. Münch. Ak. d Wies., phil. und bist. Kla>s, 
S. 411 ff.: Grcäsmann a. a. 0. II ALI». 66-67, S. 42-43. 

9) Beste Abbildung bei Much. Prähistorischer Atlas Wien 1889 Taf. 41, danach 
bei Börnes, Urgeschichte der bildenden Kunst in Buropa Wien 1898, Taf. s . Fig. 11. 
S. 449. Erwähnt hei Furtwängler, Meisterwerke S. 262. w<> auch die zusammenfassende 
Arbeit über die sogen, Kesselwagen von Undset, Zeitscbr. f. Fthnol. 1890. S. 56 ff. 



40 K a r 1 W i g a n d : 

Nicht näher zu datieren sind zwei andere , wohl als Thymiateria anzu- 
sehende Geräte in Berlin 1 ) und in Bonn 2 ). Sie gehören beide einem in 
Darstellungen unbekannten Typus an, der sich durch geringe Höhe (0,24 
bezw. 0,18 m) auszeichnet. Beide Geräte zeigen einen sich nach oben ver- 
jüngenden Schaft, der sich über einer Platte erhebt. Diese ist bei dem 
Berliner Stück rund und ruht auf 3 niedrigen Löwenfüssen, bei dem Bonner vier- 
eckig und als Standfläche gedacht. Die Sehaleu haben einen Durehmesser von 
11,3 bezw. 12,2 cm. Die des Bonner Stückes hat einen 11 mm breiten Rand, 
auf dessen Innenseite abwechselnd niedrigere und höhere, meist noch vollständig 
erhaltene Zacken sich erheben. Auf dem Rand sass offenbar ein Deckel auf, 
der unten mit entsprechenden Öffnungen versehen war, so dass man durch 
diese Vorrichtung das Zuströmen der Luft an das in der Schale befindliche 
Rauchwerk regulieren konnte. 

zitiert wird. Kleine Abbildung auch bei Börnes, Kultur der LTrzeil 111. Leipzig 1912, 
Fig. 14, 5, S. 47. 

1) Friederichs a. a. 0. Nr. 19."». 

2) Akad. Kunstmuseum J.-Nr. 52. 



Inhalt. 



Seite 

Kap r. Ägyptische Räuchergeräte 2 

A. Die Räuchergeräte des alten Reiches und ihre Entwicklung bis in 

die römische Zeit 2 

B. Räucherarme 9 

„ II. Arabische Räuchergeräte 15 

„ III. Altbabylonische Thymiateria 16 

„ IV. Thymiateria bei den Assyrern 18 

„ V. Thymiateria im neu-babylonischen Reich 21 

„ VI. Räuchergeräte bei den Hethitern 22 

„ VII. Thymiateria in Palästina ■ 24 

„VIII. Thymiateria bei den Phöniziern 27 

„ IX. Thymiateria auf Kypros 29 

X. Thymiateria bei den Persern 31 

„ XI. Thymiateria bei den Etruskern 32 

„ XII. Thymiateria bei den Griechen und Römern — 

a) Thymiateria mit schlankem, sich nach unten verbreiterndem Schaft — 

b) Thymiateria, bei denen der runde Schaft sich über einer drei- 
seitigen Pyramide erhebt — 

c) Thymiateria mit dreiseitigem Untergestell, auf dem der Schaft 
aufsitzt — 

d) Griechische Thymiateria auf Totenmahlreliefs — 

e) Thymiateria von kurzer, gedrungener Form aus der hellenistischen 
und der Kaiser-Zeit — 

f) Balusterförmige Thymiateria — 

g) Räuchergerät mit Lampen aus römischer Zeit — 

„ XIII. Frühchristliche Thymiateria — 

Annans - : Das Denkmal des Hercules Saxanus aus dem Brohltal . . — 



Tafelverzeichnis. 

Tafel I-IV. Übersicht der Formen von Thymiaterien zu Kap. I— XII. 

Tafel V. Thymiaterion aus dem Silberschatz von Toukh el Garmous in Kairo 

zu Kap. XII e. 
Tafel VI. Felsendenkmal des Hercules Saxanus aus dem Brohltal im Museum 

in Cöln (Anhang). 



Lebenslauf. 



Geboren wurde ich, Karl Wigand, evangelischen Bekenntnisses, am 
28. Juni 1888 zu Ziegenhain (Reg.- Bez. Cassel) als Sohn de* Apothekers 
Ferdinand Wigand und seiner Gemahlin Bertha geb. Pabst. 

Nachdem ich 3 x / 4 Jahre die Volksschule meiner Vaterstadt besucht hatte, 
wurde ich in die Sexta des Ratsgymnasiums zu Osnabrück aufgenommen. Em 
Jahre 1900 siedelte ich mit meiner Grossmutter, bei der ich schon in Osnabrück 
gewohnt hatte, nach Darmstadt über, wo ich nach drei Jahren auf dem Neuen 
Gymnasium das Einjährigen-Zeugnis erhielt. Wegen Uberfüllung des Bonner 
Kgl. Gymnasiums machte ich noch ein Jahr die Untersekunda des Evgl. Päda- 
gogiums in Godesberg durch, wohin meine Eltern inzwischen gezogen waren, 
und trat dann in das Kgl. Gymnasium zu Bonn ein, das ich Ostern 1907 nach 
bestandenem Abiturientenexamen verliess. 

Auf Grund des Reifezeugnisses wurde ich im April desselben Jahres an 
der Universität Bonn immatrikuliert, der ich bis Ostern 1909 angehörte, um dann 
mein Studium der klassischen Philologie und Archäologie auf den Universitäten 
Freiburg i. Br. (0. 1909—0. 1910) und Leipzig (0. 1910-0. 1911) fortzusetzen. 
Von Ostern 1911 ab widmete ich mich hauptsächlich meiner Dissertation, eine 
Zeit, die Ende Oktober durch den Tod meines Vaters unterbrochen wurde. 

Meine akademischen Lehrer waren in Bonn die Herren Boehmer, Brink- 
mann, Elter, Erdmann, Hashagen, Jäger f, Loeschcke, Marx, von 
Mess, Nissenf, Solnisenf, Wiedemann, in Freiburg die Herren Aly, Baum- 
garten, Hense, Rickert, Sauer, Schwartz, Thiersch, Thurneyssen, 
Üb in g er, Voege, in Leipzig die Herren Bethe, Jeremias. Schmarsow, 
Steindorff, Studniczka, Graf Vitzthum von Eckstädt, Volkelt, 
Zimmern. 

Allen meinen Lehrern bin ich zu grossem Dank verpflichtet, besonders 
den Herren Bethe, Brinkmann, Loeschcke, Marx, Studniczka und 
Thiersch, dessen freundlicher Anregung die vorliegende Arbeit ihre Entstehung 
verdankt. Vor allem bin ich Herrn Geheimrat Loeschcke für das mir stets 
entgegengebrachte Wohlwollen und seine mir jederzeit gewährte Unterstützung- 
dankbar. 

Die mündliche Doktorprüfung fand am 20. Dezember 1911 statt. 



Erläuterung zur Typentafel I. 



Nr 


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Ägyptische Räuchergeräte. 

I: Räuchergeräte des Alten Reichs 

Räuchergerät unbestimmter Zeit (koptisch?) in Berlin 
Räuchergerät von einem Relief der 11. Dynastie . . 

Räuchergerät des Neuen Reichs , 

Räuchergerät von einem äthiopischen Relief .... 
Nr. 9—14: Räuchergeräte römischer Zeit. 
Räuchergeräl von einem Rundaltar im Museo Pio-Clementino 
Räuchergeräl von dem Silberbecher von Vicarello .... 
Räuchergeräl von einem herkulanensischen Wandgemälde . 
Räuchergeräl ans dem ptolemäischen Tempel von Ombos 
Räuchergerät im Akademischen Kunstmuseum in Bonn . . 

I ieihgabe der Berliner Museen l 
Räuchergeräl stark vergrössert) von einer Münze der Kaiserin 
Faustina < »riginal in l öln 

—23: Räuchertöpfe ans verschiedenen Zeiten 

-.'51: Räucherarme des Mittleren Reichs 

— 34: Räuchcrarme des Neuen Reichs 

: Stiel eines doppelten Räucherarmes im Berliner Museun 
— :i7: Räucherarme der ptolemäischen und der Kaiser-Zeil 



Seite 

2—4 



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12-13 

13 
13-14 



Jahrb. d. Ver. v. Altertsfr. im Rheinl. Heft 122. 



Tafel I. 




Thymiateria. 



Erläuterung zur Typentafel IL 

Seite 

Nr. 38-40: Alt-Babylonische Thymiateria 17-18 

Nr. 41—46: Assyrische Thymiateria 19—20 

Nr. 47: Neubabylonische Gemme in Berlin (VA Nr. 262 22 

Nr. 48: Räucherung auf hettitischer Stadtmauer nach einem ägyptischen 

Relief in Abu-Simbel 23 

Nr. 49-51: Palästinensische Räuchergeräte (siehe auch Text-Abbild. 3) 25-26 

Nr. 52— r>5: Phönizische Thymiateria 27 — 29 

Nr. 56—57: Cyprische Thymiateria 29 30 

Nr. 58-59: Persische Thymiateria 31 

Nr. 60: Thymiaterion von einem etruskischen Gemälde 32 

Nr. 61: Altärchen von einem alt-assyrischen Siegelzylinder 32 

Nr. 62: Thymiaterion von einem etrusk. Sarkophag im Brit. Museum 32 

Nr. (;:>: Untersatz eines Thyiniaterions (Antiquariuni in München) . . 33 

Nr. 64—67: Etruskische Thymiateria 

Nr. 68: Kandelaber von einein assyrischen Bronze-Relief des v . — 7. Jahrh. 36 
Nr. 69—71: Etruskische Thymiateria im Kandelabei'typus aus dem Anti- 

quarium in München 36—38 



Jahrb. d. Vor. v. Altertsfr. im Kheinl. Heft L22. 



Tafel II. 




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Thvmiateria. 



Erläuterung zur Typentafel III. 



Tbymiateria auf griechischen Denkmälern. 

Nr. 72 — 7.'!: Thymiateria von Vasen des 6. Jahrhunderts. 

Nr. 74, 76, 77: Thymiateria auf attisch-rotfigurigen Vasen des 5. Jahrhunderts. 

Nr. 75: Thymiaterion auf einem lokrischen Tonrelief. 

Nr. 78: Thymiaterion auf einer lukanischen Vase des 4. Jahrhunderts. 

Nr. 79—80: Thymiateria auf attischen Vasen aus der Zeil des Meidias. 

Nr. 81—83: Thymiateria auf attischen Vasen des 1. Jahrhunderts. 

Nr. 84 *'<: Thymiateria von griechischen Terrakotten. 

Nr. 86— 89: Thymiateria auf apulisehen Vasen. 

Nr. 90: Thymiaterion vom Gewandfragment aus Lykosura. 

Nr. 91: Thymiaterion von einem Fries aus dem Königspalasl In Pergamon Berlin), 

Nr. i)2: Thymiaterion von einer arretinischen Vase in Boston (nach Abguss in 

Mainz). 
Nr. 93: Thymiaterion von einem Campana-Relief. 
Nr. 94: Thymiaterion von Scherben einer arretinischen Vase im Kestner-Museum 

zu Hannover. 
Nr. 95: Thymiaterion vom Dresdner Schauspielerrelief. 
Nr. 9G: Thymiaterion von einem Votivrelief in Wiltonhouse. 
Nr. '.»7: Thymiaterion auf Heiligenberger 'Terra sigillata. 
Nr. 98: Thymiaterion auf Rheinzaberner Terra sigillata. 
Nr. 99—104: Tisch-Thymiateria von Totenmahlrelicfs. 



Jahrli. d. Ver. v. Altertsfr. im Kheinl. Heft 122. 



Taf. III. 




Thymiateria 



Erläuterung zur Typentafel IV. 



Nr. 105: Thymiaterion vom Relief des Lollius Alcamenes. 

Nr. 10G: Thymiaterion von einem Fries mit Opf erger äten im Louvre. 

Nr. 107: Thymiaterion von einem Relief in Konstantinopel. 

Nr. 108: Thymiaterion auf einer mösischen Münze der Lucilla. 

Nr. 109 — 118: Thymiateria von kurzer, gedrungener Form aus 
der hellenistischen und der Kaiser-Zeit. 
Nr. 109: Thymiaterion von dem Mosaik des Dioseorides in Neapel. 
Nr. 110: Thymiaterion von einer jüdischen Münze des Herodes I. in Berlin. 

(Die Horizontalstriche nuten zur Verdeutlichung stammen vom Zeichner.) 
Nr. 111: Thymiaterion vom Globus des Atlas Farnese. 
Nr. 112: Thymiaterion auf einer karthagischen Votivstele. 
Nr. 113: Thymiaterion auf einem Silberbecher aus Boscoroale. 
Nr. 114: Thymiaterion vom Sockel der Mainzer Jupitersäule. 
Nr. 115: Thymiaterion vom Eingang eines palaestinensischen Grabes. 
Nr. 116: Thymiaterion der „aldobrandischen Hochzeit". 
Nr. 117: Thymiaterion von einer Münze ans Smyrna (nach 190 n. Chr.). 
Nr. 118: Thymiaterion auf einer palmyrenischen Tessera in Berlin. 
Nr. 119: Thymiaterion von einem Mischtypus auf einem römischen Grabrelief 

in Dresden. 

Nr. 120-130: Balusterförmige Thymiateria. 
Nr. 120, 124 -12S: Thymiateria von römischen Grab- oder Viergöttersteinen. 
Nr. 121: Tymiaterion auf einer alexandrinischen Münze des Trajan Flamme 

unsicher). 
Nr. 122: Thymiaterion auf einem syrischen Bleisarkophag. 
Nr. 123: Thymiaterion auf einem Gemälde im isistempel von Pompeji. 
Nr. 129: Thymiaterion von einem Fries mir Opfergeräten im kapitolinischen 

Museum. 
Nr. 130: Thymiaterion von einem Mischtypus auf einem römischen Altar in 

Dresden. 



Jahrb. d. Ver. v. Altertsfr. im Rheinl. Heft 1: 



Taf. IV 




Thymiateria.