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Full text of "Tusculanarum disputationum ad M. Brutum libri quinque. Erklärt von Gustav Tischer. 8. Aufl., besorgt von Gustav Sorof"

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ifTULLII CICERONIS 

TUSCULANARUM 

DISPUTATIONUM 

AD M. BRUTUM LIBRI QUINQUE. 



ERKLAERT 



Dr. GUSTAY TISCHER. 



ZWEITE AUFLAGE. 



LEIPZIG, 

WEIDMANNSCHE B UC H HAND L UNG. 

1S54. 







w. 



Herrn 



Geheimen Regierungsrath 



Dk. f. l a n g e , 

ohemal. Mitgliede des Konigl. Schulcollegiums derProvinzBrandenburg 
Ritler des rolhen Adlerordens 3. Kl. ni. d. Schl., 

inPotsdam, 



widmete die erste Auflage dieses Buches 



beiseinemScheiden 
aus seinen amtlichen Verhaltnissen 

uud widniet diese zweite 
i n d a n k b a r e r Ve r e h r u 11 g 

der Heraussreber. 



VORWORT 



zur ersten Auflage 



Die Tusculaiien sind in neuerer Zeit in kritisclier und 
exegetischer Hinsicht so vielfach bearbeitet worden und die 
Ergebnisse dieser ThJitigkeit von solcher Bedeutung, dass ein 
neuer Herausgeher, der die Wissenschalt w e s e n 1 1 i c h weiter 
fiihren wollte, keiue leichte Aufgabe haben diirfte. Dieser Ge- 
sichtspuukt durfle indessen bei der vorliegenden Ausgabe, die, 
als Bestandtheil der Saramlung von Professor Haupt und Di- 
rector Sauppe, zum Schulgebrauche bestinimt ist, nur 
eiu untergeordneter sein; es galt vielmehr hauptsachlich , das 
Resultat der bisherigen Leistungen fiir den angegebenen Zweck 
zu verarbeiten. Doch wird man in den Anmerkungen auch 
manches Neue und dem V^erfasser Eigenthiimliche finden. 

Dass in Bezug auf die Gestaltuug des vorliegenden Textes 
die Untersuchungen namentlich von Klofz uiid Tregder von 
dem grossten Einflusse sein mussten, versteht sich von selbst; 
doch hat dabei der Herausgeber seines eigenen Urtheils sich 
nicht begeben, viehnehr das ihm richtiger Scheinende, von wo 
es ihm sich darbot, aufgenommen. An einzelnen Stellen sind 
nach reiflicher Ueberlegung neue Conjecturen, wenn sie nahe 



VI VORWORT ZLR I. AUFLAGE. 

liij^en, iri dca Toxt aurfjenonimcn : an andercn iu dcn Anmer- 
kungen dem allgemeinen Lrlhcil zur IViifung vorgelegl. Was 
dic Arl und Zalil der in dicser Schulausgabc vorkommenden 
krilischen .Notcn betrifTl , so glaubl der Hcrausgcber das Ziel 
dcr Sammlung: ,,uur in sellencn Kallcu, wo der Sinu dcr 
Stelle Avescntlich sich undcrl oder sich leicht eiue das Nach- 
denkeu auregende Bemerkuug ankniipreu liisst, eine kurze 
kritische Andeutung zu gebeu" im Gauzcn nicht aus den Augeu 
verloreu zu habeu. 

Fiir dcn cxegelischen Tiicil dcs Commcntars sind , ausser 
den Ausleguugen auderer Schriftstellef uhd ciuzelueu Gelegen- 
beitsschrilteu , die Erklaruugen der Tusculaueu vou F. A. 
Wolf (iu Orcllis Specialausgabe) , Orelli Klolz und Kiihncr 
beuulzt worden. Dabei iiat dcr \ crfasscr, wo er in der Sachc 
mit seinen Vorgiingern ganz iibcreinstiminte uud deren Be- 
merkungeu iiberdies durch trefreude Kiirze sich auszeichueten, 
keiu Bedcnkeu^etrageu, dieselben wdrtlich aufzunehmeu ; eiu 
Vcrfahrcn , das uach dcm Irllicile vou Miinneru, wie Kriiger 
iii Brauuschweig, bei Schulausgaben wohl keiner wcileren 
llechtfertiguug bcdarf. Fiir die Eiuleitung siud Ritters Ge- 
schichtc der Philosophie und Kiihuers Prolegomeua beuutzt. 
Es sei also die reiche L nterstiitzung , welchc aus jeneu Quel- 
len fiir das gegenwiirlige Untcruehmeu gcflossen ist , hicrmil 
dankbar anerkanut. 

li r :t ini fii Imi ifr a. II. . dcn Iti. Miir/ l>^.'.(i. 



Zur zweiten Auflage. 



Noch sind es nicht volle vier Jahre, seit die erste Auflage 
des vorliegenden Buches eischien , und bei der bedeutenden 
Starke derselben waT ich Aveit davon entfernt, die Hoffnung zu 
hegen , dass sie , Avenn iiberhaupt , so bald vergrifFen werden 
wiirde, so dass mich vor einigen Monaten die betreifende Mit- 
theilung des Herrn Verlegers in hohem Grade iiberraschte. Die 
Tusculanen mit einerKIasse zu lesen, hatte ich in meiner amt- 
lichen Stellung inzwischen leider eben so wenig wne friiher 
Gelegenheit gehabt, und entbehrte daher bei der Revision raei- 
nerArbeit des Vortheils eigenerErfahrungen iiber die praktische 
Brauchbarkeit meines Buches. Dennoch wird man dasselbe in 
seiner jetzigen Gestalt hoffentlich mannigfach verbessert finden. 
Es haben dazu theils die niir bekannt gewordenen offentlichen 
Beurtheilungen der ersten Auflage, theils die freundlichen Pri- 
vatraittheilungen , die ich von den Herren Director Dr, Sauppe 
in Weimar, Professor Dr. Seyffert und Oberlehrer Tauber in 
Berlin empfangen habe, nicht Wenig beigetragen. Ausserdem 
sind bei dieser zweiten Auflage besonders Ribbeck's Tragi- 
corum latinorum reliquiae und Wesenberg's Emendationes Ci- 
ceron. Tuscul. disput. (Viborg 1841, 43 u. 44) beriicksichtigt 
und vielfach benutzt worden. Wenn nun hierdurch der Text 
meiner Ausgabe an nicht wenigen Slellen verbessert erschei- 
nen diirfte, so ist die Zahl derjenigen nicht geringer, wo ich 



Vni VOHW ORT ZUR 11. AUFLAGE. 

Lesartcii und altcre Conjcrluren , die in die erste Auflage auf- 
genominen waren , niit anderen zu verlauschen mich bewogen 
fand. Als Fiihrer hal mich dahei mehrentheils Tregder ge- 
leitet, dessen feincs Sprachgcfiihl und sichern kritischen Takl 
ich je langcrjc mehr hewundere. 

So gebe ich inich dciin der Hoffnung hin, man werde 
(inden, dass die Pflichten, welche die wohlwollende Aufnahme 
der ersten Ausgabe mir auferlegt hat, bei dieser zweiten 
wenigstens Iheilweise von niir erfiillt seien. 

B r a n (1 en b ur g a. n. , den l.i. April 18-54. 

Tischer. 



EINLEITUNG. 



Der ausschliesslich auf das praktische Leben gerichtete, 
nach Aussen hin vorzugsweise kriegerische Geist des rdmi- 
schen Volkes war, so lange er in seiner vollen Eigenthunilich- 
keit besland , nicht der Boden , auf welchem Kunst und Wis- 
senschaft aufkommen und gedeihen konnlen. Erst als Rom im 
2. Jahrhundert vor Chr. G. die Beherrscherin der Weit gewor- 
den war und die Schatze alier Lander hier zusammeustromten, 
begann griechische Bildung in den hoheren Schichlen der Ge- 
seilschaft Anklang zu iinden. Dies zcigte sich namentlich, als 
i. J. 155 von den Athenern drei Philosophen, der Akademiker 
Carneades, der Peripatetiker Grilolaus und der Stoiker Dioge- 
ues , mit einer politischen Sendung uach Rom betraut wurden 
und diese Gelegenheit zu dffenliicheu Vortragen benutzten. 
Zwar wussten die Anhanger der alten Sitte, Cato Censorius 
an ihrer Spitze, es durchzuselzen, dass diese Gesandtschaft 
schleuuigst abgefertigt wurde; allein die machlige Anregung, 
welche jeue Miinner dem erwachendeu Geiste des jiingeren 
Geschlechls gegeben hatt^n, libte auf die allmalige Umgestal- 
tung des Nationalgeistes deu eutschiedensten Einfluss'). Scipio 
Africanus der Jiingere, sein Freuud C. Lalius der Weise, 
Q. Aelius Tubero, Q. Mucius Sciivoia uud andere junge Mfin- 
ner aus den ersten Familien der Stadt, die damals jene Ge- 
sandten gelidrt, wareu es , die durch ihr Verluiltniss zu dem 
Stoiker Panalius ihren Mitbiirgern das erste Beispiel eiues 
freuudschafllicheu Verkehrs mit griechischen Philosophen und 
Gelehrlen iiberhaupt gabeu. So kam es denn, dass bald auch 
Philosophen anderer Schuleu , theils bleibeud , theils voriiber- 

1) Tusc. IV. 3, .5. 



X EINLEITliXG. 

gehend , aus Allien nach Rom iibersiedellen. Neben dem Stoi- 
cisinus , welchem bei der iiberhandiichmcnden Siltenverdcrb- 
niss vorzu^sweise die edleren Charaktere sich zuwandten, 
fand die epikurcische Lehre friih unter dcn Romern Verbrei- 
tuiif; und zwar eine griissere, als irgend eine der iibrij^en Schu- 
len. (Jo^en die Zeiteu Ciccros wurde aucli die Philosopliie der 
neuercu Akadeinie uuter dcu Uiliiicrn bekanut, besondcrs seit- 
dem IMiilo vou Larissa ('dcr iiii Jahre SS von Alhcn nacli halien 
niichtele) sie zu Uom •^clclirl liallc; uud selbsl dic peripatetische 
Schule iaud unler deu hiiher Gebildeten eiuifjc Anhaiij^cr. 

Zur iieueren Akademie hicllen sich , als Schiiler des An- 
tiochus von Askalon, unter Ciceros Zeilgenosseu besgnders M. 
Brutus , dcr iliirder Casars , uiid M. Tcrculius \arro, der 
Universalj^elehrle. Ein entschicdeuer Stoikcr (lagegen war M. 
Porcius Calo der.liin«;ere, dcr durcli die Slreiige seiuer (Irund- 
sJilze iiu Lebeii uiid im Tode dicsem Syslcme bei dcii Riimern 
das grtisstc Ausehcii verschairtc. Epikureer jeuer Zeit waren 
unter vieien Andern T. Pomponiiis Alficiis, Ciceros verlrau- 
lester Freund , C. Cassius, der Mdrder Ciisars , und L. Tor- 
quatus und C. Vellejus (welchc beide Cicero in seiuen Schriften 
iiber das hdchslc Gut und iibcr die A^alur der Gdtter die Lehre 
Epikurs auseiiiandersetzeu liissl). 

Die meisteu der Geiiaiinlcu waren jcdoch Staatsmiinner, 
und von ihrer Philosophie liabcu Avir eben nur iu Folge ihres 
anderwciligen Rules eiuige Hennlniss. Zur Ausbildung oder 
auch nur zur Verbreilung dicscr Wissenschalt haben sie We- 
nig oder Nichts beigetragen ; denn die eigenllichen Lehrer der 
Philosophie waren aucli zu jeiier Zeit noch last ausschliesslich 
geborne Griecheii . und die Litteratur, auf welclie diese sieh 
sliitzlen, die griechische. 

Den Anfang pliilnsophischcr Schriflstellerei in lateiuischer 
Sprachc liatlcn eiiiige Epikureer gemacht : C. Aiiiafinius 
(oder Amafanius) uiid Rabirius, auch Catius lusuber, von 
denen Cicero'), eben weil sie Epikureer waren, niil grdsserer 
Geringschiitzung spricht, als sie verdieiien niochten. Denn 
wcnn auch ihre Arbeiten, als erste derartige Versuche, noch 
selir niaiigclhaft seiu mochten, so warcu diese Schriflsteller 
doch iiiclit oliiie Ucdciituiig iiir ilire Zeil . iiidcm sie zuerst die 
griechischc Philosophic dcm gcsammteii \ olke zuganglich mach- 
ten. Mil grosscr liunst iiud poetischem Taleiit dagegen lieh 

1) Tnsc. I. 3, ii; II. 3, 7. 8; IV. 3, G. 7; ail fam. \V. IG u. 19. 



EINLEITLWG. . XI 

T. Lucretius Carus der Lehre Epikurs laieinische Worte 
in seioem noch erhaltenen Lehrgedichte (de rerum natura). 
Weon Cicero') daher behauptet . dass his zu seiner Zeit die 
Philosophie bei den Romern daniedergelegen und in lateinischer 
Sprache von rsiemand bearbeitet worden sei. so ist das zu \ iel 
gesagt. Aber unlaugbar ist es. dass mit seinem \'erdienste um 
die Einfiihrung derselben in die romische Litteratur kein ande- 
res sich messen kann , und dass . wahrend alle friiheren und 
gleichzeitigen derarligen \\erke anderer Rcimer verloren ge- 
gangen sind. er vielen Jahrhunderten ein-Lehrer derPhilosophie 
gewesen ist. 

Ciceros philosophischc Studien und Arbeiten haogen rait 
dem Gange seines Lebens genau zusammen. Da er namiich 
aus einer Proviuzialstadt stammte und ohne einflussreiche Fa- 
miiienverbindungen in der Hauptstadt war, so konnte er nur 
durch eine mehr als gewohnliche Kenntniss des Rechts und der 
Staatsverhaltnisse iiberhaupt. in \ erbindung mit dem ihm an- 
gebornen Talente der Beredtsamkeit. zu einer angesehenen 
und einflussreichen Stellung im Staate zu gelangen hoffen. Bei 
der \ orbereitung ^u diesem Berufe aber erkannte er bald, dass 
fiir den Redner , der sich iiber die Miltelmassigkeit erheben 
wolie . eitie philosophische Biidung , wie sie nur durch die 
Griechen zu erlangen war . und die Bekanntschaft mit der 
griechischen Litteratur iiberhaupt ein nothwendiges Erforder- 
niss sei. So kam es , dass er, neben und in Verbindung mit 
seioen rhetorischen Studien und \ oriibungen , in- Rom sich 
zuerst den Epikureer Phadrus, bald darauf aber den .\kademiker 
Philo zum Lehrer wahlle, einen ^lann . dem er bis in sein 
spates Alter ein grosses Gewicht beilegte . und zuijjeich den 
Unterricht des Stoikers Diodotus in der Dialektik benutzte. 
der in seinem Hause lebte und starb. So ausgeriistet , trat er 
im Jahre Sl v. Chr. zuerst ais Redner auf. Doch bei der jugend- 
lichen Leidenschaltlichkeit, mit der er sich diesem Berufe hin- 
gab, kam sein schwachlicher Korper baid so in Gefahr, dass er 
sich bewogen fand, zur Kraftigung seiner Gesundheit und zu- 
gleich zu Aveiteren Studien fiir langere Zeit nach Griechenland 
und Kleinasien zu gehen. In Athen horte er sechs Monate lang 
hauptsachlich den beriihmten Akademiker Anliochus von A»ka- 
lon . nebenbei auch die Epikureer Phiidrus und Zeno : dann 
bereiste er Asien und hielt sich dabei langere Zeit in Rhodns 

1) Tnsc. I. 3, .5. 



XII . EINLEITLNG. 

auf, wo er niclil nur an deii rednerischen Uebungen des Rhclors 
Molo, sonderii auch an dcn \'orlra^en des Sloikers Posidonius 
auf das Lebhalicsle iheiiiiahin. Erst naili zwei vollen Jahren 
kehrle cr, in seinem 30. Lebciisjalire, nach Koni zuriick , wo 
er nacli dcr erlanglen Durchhihlun}^ nun init eincin (^olla und 
Hortciisius zu wetfeircrn vermochte uiid bald sich deii Uut' des 
crstcn Hcdncrs seiiicrZeit iiihI damil den Eiiilrilt iii die hoheren 
Staatsamler crwarb. 

Scildem f^chorle seine Thatij^kcil inehr denn 20 Jahre 
laii}^, wenn maii von der nachtriiglichen Ausarbcitung seiner 
Rcdcn absieht, ausschlicsslich dcin |)raktischen Leben , der 
gerichllichen und politischcn Beredtsamkeit uiid der Verwal- 
tung dcr ilim iibertragenen Acmter, — eine Thatigkcit, die, 
bei seincr mannigfachcn Bcgablheit und der Ehrciihaliiiifkeit 
seincs (Iharaklcrs und scines Slrcbeiis , scinen Namcn mil un- 
verganglichem Glanze umgeben liat. 

Der Beschaliigung mit dcr Philosophie wandte er sich erst 
dann wieder zu, als er aut' der politischca Biihne seines \ ater- 
landes kcinen angemessencn Plalz mchr fiir sich sah , uin iii 
ihr, wo mdglich, Trost und lluhe nach den Stiirmen des Lcbens 
zu lindcn') und durch schritistcllcrische Thatigkeit in diesem 
Faclie sich seiiieii Mitbiirgern auf die einzige ilnn noch nuig- 
liche Weise niitzlich zu machcii. 

Seine philosophische Schrilistellerei gehdrt also nur den 
Zeiten unfreiwilliger Musse an. Solcher Perioden sind zwci in 
seincm Lcbcn : die ersle, als das crste Triumviral dcn Staal 
in eiuer so ticberhalieii Bewegung erhiell , dass Cicero an ihm 
verzweifelte; die andere , als er unlcr Ciisars Diclatur und 
Antonius Consulale von der Theilnahme an der Leilung der 
diTcntlichen Angelegenhciten ganz ausgeschlo^^sen war. In die 
crste Zeit fallcn seinc Schrilien dc repnblica (54 v. Chr.) und 
(Iv lri>il)Ns (a2 v. Chr.) ; in die aiidere (von 4o an) die iibrigen 
lihilnsophischen Werke: njimlich in das Jahr 4o der (verloren 
gcgangcnc) Horlr/isiiis, die Acndcmica, dic Biiclicr dc fi/iibns 
bo/ioruni et malorum und ^ iclleicht die Dispiitatio/ies Tuscu- 
/a/iae, in das Jahr 44 die Schrilien de /latura Deoi^utn , Cato 
Maior, de diri/iatio/ie, dejato . Lae/ius , de officiis und die 
Paradu.ta Stoicorum. 

Was nun scinen philosophischen Charakler bclrilli , so 
war Cicero Eklcktikcr. indcm er sich im Wesenllichen 



1) Tusc. V. 2, 5 u. 41, 121. 



EINLEITUNG. Xlll 

der neuern Akademie anschloss. Diese Richtung war seinem 
Geiste schon friih, durch Philo von Larissa, gegeben , und er 
war darin durch die Beobachtung der Kampfe der verschiede- 
nen Schulen, namenllich in Alhen , beslarkt worden. Derage- 
mass war es seine Ansicht, dass nur durch sorgfaltige, ins 
Einzelne eingehende Abwagung der verschiedenen Meinungen 
die Wahrheit sich erkennen lasse, und auch dies nur annahernd^ 
denn nicht zur absoluten \V ahrheit , sondern nur bis zur 
Wahrscheinlichkeit vernidge des Menschen Geist vor- 
zudringen*). Diese Lust am Zusammenstellen , Untersuchen 
und Vergieichen ist es grade, welche Ciceros philosophische 
Schriften nicht nur fiir seine Zeilgenossen so anregend und be- 
lehrend , sondern zugleich fiir alle Zeiten zu einer (wenn auch 
nicht imraer klar fliessenden) Quelle fiir die Geschichte der 
Philosophie geraacht hat, indem sie eine ziemlich voilslandige 
Uebersicht iiber die bedcutenderen Systerae gewahren. 

Er hat nicht fiir Philosophen geschrieben , sondern fiir 
Gebiidele iiberhaupt, denen er den Sinn fiir phiiosophische 
Studien wecken und zugieich ieitende Grundsatze fiir das 
praktische Leben und fiir die Beurtheiiung der Dingc geben 
wolite. Sein Streben geht aiso dahin , die Wissenscliaft mit 
den Meinungen des gewohnlichen Lebens zu versohnen und 
auszugieichen , und darum liisst er, so weit es irgend geht, 
eines Jeden Meinung gelten und hiitet sich wohl seine Ansicht 
zu bestiraml anszusprechen : wie er an keine Autoritat gebun- 
den sein wiii, so iegt er auch sein eigenes Ansehen nicht als 
maassgebend mit in die Wagschaale~). 

Cicero beabsichtigte, alle Theile derPhilosophie iateinisch 
zu bearbeiten. Nachdera er, wie benierkt, schon friiher zwei 
poiitisch-phiiosophische V^^erke herausgegeben , schritt er ira 
Jahre 45 zur systematischen Durchfiihrung dieses Pianes^), 
indeni er zunachst in dem verioren gegangenen Hort.ensius 
den Nutzen des Studiuras der Phiiosophie iiberhaupt darlhat*). 
Darauf behandeite er in den Academicis das Princip der theo- 
retischen Phiiosophie, die Frage ,,was ist wahr?", wobei er 
sich fiir die Lelire der neuern Akademie entschied, und in den 
Biichern de finibus honorum el malorum das der praktischeu 
Philosophie, aiso dieFrage ,,was istgut?", eineUntersuchung, 
die ihn zu dem Ergebniss fiihrte, dass die Epikureer im Irr- 

1) Tusc. 1. 9, 17; IV. 4, 7; V. 4, 11 u. 11, 33. 

2) Tusc. V. 29, 83. 3) de divin. II. 1. 4) Tusc. II. 2, 4. 



XIV i:iNLEITL'.\G. 

ihiiHi seicii , wcnn sic das liocliste (iiil in die rdori^ sclzten, 
dass dagcgcn die Sloikcr, die das sitllich Giite fiir das einzige 
Gul , und dic Akadcmiker und Peripatcliker, dic es fiir das 
horhslc (iul crkliirlcn , in der Sache iibereinstiininlen und nur 
in dcr IJchandliiiif^ und Darslcllunj^ sich unterscliicdcn. Hieran 
schlicsscn sich nun dicjcni^cn Schriricn Ciceros, in wclchen 
er aul" dcn (jcgcnslaiid dcr praktischcn Philosophic sclhsl ein- 
gelit, indeni cr ziir zwcokj^cniiisscn Gestaltiini;' dcs nicnsch- 
lichcn Lchens Anwcisung «^ieht. Dahin gehiircn hauptsachlich 
dic Disjn/tatinnes Tusciilanne ' j und die spiiler gcschriebenen 
Biichcr de ojficiis. 

Dic Ab las s u II j; dcr Tusculanen begann Cicero in 
der zwcitcn lliiHte dcs .lalires 45, wie sicli untcr Anderni 
daraus erjjicbt, dass in dicsem \\'erke die iii dcnisclben Jahre 
verrassten Schrirtcn crwiihiit werdcii : so dcr Uortensiiis und 
dic ^iradrmica^): die Cnnso/atio'^) : die Biichcr dr /inibi/s'). 
^'olicndet wurden sie vicllcicht erst ira Ant'an;i;e des iolgcnden 
Jahres 5 vor Ciisars Tode aber waren sie bereits bckannl"'). 

Den IV a m en hal dicses Werk davon, dass es nach Ciceros 
Angabc'^) scinc Kntstchung dcn philosophischcn l nlerredungen 
vcrdankt, dic cr im Jahrc 47 v. (^hr. . iiinl' Tagc laiig, mit 
mcliicrn jiingern Frcundcii aulscincm Tiisciila/niin. d. h. sei- 
ncm [..andgute bei Tusculuin (jelzl Frascali), liiclt. Slatl dcs 
Iriihcr iiblichcn Titcis Quarstioncs Tiiscalanar hat man aber 
in ncuercr Zeit Dispiitalinnrs Tiisc. aul'geiionimen , wcil dci' 
V^erlasser selbst sie wiedcrholcnllich ') untcr dieser Bezcicli- 
nung aniiihrl. Die allen Grammatikcr, wie JNonius, Priscianus 
u. A. , ncnnen sie dcr Kiirze wcgcn cinlach Ti/scu/anae. — 
Gewidmet siiid sic dcm M. Jiiniiis Biulus, dcmsclben . der 
wcnigc Moiiatc nachhcr aii Ciisars Frmordung thiitigen Antheil 
nalim uiid Iriihcr die gricchischcn Philosophcn ileissig gehort, 
auch sclbst als Schririslcllcr iii diescm Fache aurgelrclcn war^). 

Dcr (jru nd gcda iikc dcs Wcrkcs istdieser: Das Ziel 
jedcs jMenschen ist ein gliickliches Leben : zur Erreicliung des- 
seiben aber ist Gcmiithsruhc das wcscnllicliste Erlordcrniss : 



1) de (liviii. I. l. : /ihri Ti/sru/aiiiiniin disptitationinit fcs ad beate 
vivenditw ma.riine neces.sarias aprriieriint. 

2) Tusc. II. 2, 4. :*) Ttisc. I. 2(). G5 : III. 2S, 70. 

4) Tusc. V. 11, 32. Vpi. auch de diviu. II. 1, 2. 

h) de falo 2, 4 ; ad .\lt. .\V. 2, 4 u. 4, 2. (i) Tusc. I. 4, 7 u. ^. 

7) Tusc. V. 1, 1 ; de lat. 2, 4 ; ad .\lt. XV. 2, 4 u. 4, 2. 

5) s. d. Anin. zu V. 1,1.- 



EIaLEITUNG. XV 

folglich miissen wir dahin arbeiten , dass all uuser Empfinden 
und Begehren der Vernunft sich unterordne , und AUes zu be- 
seiligen suchen, was unsere Gemiithsruhesloren konnte. Da- 
her bekampft Cicero*) im \. Buche die Furcht vor dem Tode, 
lehrt im 2., dass korperlicher Schmerz , selbst wenn er ein 
Uebel ware , vom \V eisen ertragen werden konne und miisse, 
giebt im 3. und 4. Buche Anweisung zur Leberwindung oder 
Linderung des Kummers und der iibrigen Stdrungen der Ge- 
miithsruhe , und zeigl endlieh im 5. Buche, dass zu einem 
gliicklichen Leben die Tugend sich selbst geniige. 

Den Inhalt der Tusculanen , wie aller seiner philosophi- 
schen Schriften , hat Cicero aus griechischen Quellen 
geschopft, und zwar hier sehr iiberwiegend aus deu Werken 
der Sloiker. Neben diesen hat er im ersten Buche (in dem 
Abschnitte von der Unsterblichkeit) Vieles aus Plato ontlehnt, 
wahrend er im zweiten, noch mehr aber im dritten und vierten 
Buche fast ausschliesslich den Stoikern, insbesondere Chry- 
sippus, folgt. Der Inhalt des fiinften Buches ist aus Ansichlen 
der alten Akademie, der peripatetischen und stoischen Schule 
zusammengeselzt. Aus diesen Schriften hat er also das, was 
mit seiner Denkweise und seinem jedesmaligen Zwecke am 
raeisten harmonirte, entlehut und nach seiner Art verarbeilet. 
In Punkten , wo er mit seinen Fiihrern nicht iibereinstimmen 
zu kdnuen glaubt, Irilt er auch wohl polemisch gegen dieselben 
auf. Seine eigenthiimlichen, d. h. vom rdmischen Standpunkte 
ausgehenden Zusatze sind meist schon aus der aussereu Rede 
als Zusiilze zu fremder Grundlage zu erkenneu. 

Die Form der Darstellung ist, wie in seiuen anderu 
philosophischen Schrifteu, so auch hier die dialogische. Wah- 
lend er aber in den Acndemicis , de natura Deoriim uud de 
jinibus '\\\ aristotelischer Weise nach Festslelluug des Themas 
zuerst den einen der DispiUirenden in fortlaufender Rede seine 
Ausicht mit ihreu Griinden entwickeln uud danu den andern in 
gleicher Art sich aussern iiisst, hat er in den Tusculanen die 
sokratische Metliode, jeden einzelnen Punkt durch Fragen und 
Antworten zu erledigen , sich anzueignen versucht. Dies isl 
ihm , als gebornem Redner , im Vergleich mit Plato aber nur 
sehr mangelhaft gelungen, indem nach dem einleilenden Zwie- 
gesprache die Hauptperson (der Magister) in zusammenhangen- 



1) s. de divin. 1. 1., von wo man auch die entsprechenden Ueher- 
schriften der einzelnen Biicher entlehnt hat. 



XVI EINLEITUNG. 

dem Vorlrage die Saohe weilerfiihrt und nur bei Erreichung 
eines Abschiiittes iiiit dem Auditor einij^e Worle iiber das Ge- 
sagle und iiber das Nachlolgende zu wechseln pflegt. 

Die Tusculanen sind, wie schon beraerkt, nicht eigentlich 
wissenschaftlich, sondern populiir gehalten , aucli nicht frei 
von Inconsequenzcn, aber reich an trefflichen Gedanken und 
Lebeiisregeln. Die Sprache nimint nur hicr und da, wo die 
Erhabenhcit des Stofles den Verfasser machtig ergreift, einen 
hiiheren Schwuiig; im Ganzen ist sie die uiigezwungene ge- 
bildete Lmgangssprache. Sie ist selbst nicht frei voii Spuren 
der Eile und Fliichligkeit, was frcilich bei der Kiirze der Zeit 
und unter den Lmstandcn , unter welchen dies Werk ge- 
schrieben wurde, nicht zu verwunderu ist. 



M. TULLII CICERONIS 

fLSCULANARUM DISPUTATIONUM 

LIBRI QUINQUE. 



Cic. Tuscul. 



TLSCULANARIM 

Lib. I. De coiiteiuncnda morte. 

Lib. IL De tolerando dolore. 

Lili. 111. Dc aegritudiae lenienda. 

Lili. I\ . De reliquis animi perlurbationibus. 

Lib. V. Virtulem ad beate vivendum se ipsa esse conteDtam. 



LIBER PRDIUS. 
DE COMEMNENDA MORTE. 

Lebersicht Jes Inhalts. 

Das Prooemhim (Cap. 1 — 4) handelt von Cicero's Ab- 
sicht, die griechische Philosophie deu Ronieru diirch lateinische 
Bearbeituu^' zuganglich zu niachen. 

Die Disputatio selbst i Cap. 5 — 46; hat die Widerlegung 
der Cap. 5 § 9 aufgestellten Behauptung, dass derTod eiu 
L e b e 1 s e i . zuni Zwecke . 

Zuniichst wird gezeigt, dass derselbe, ais vollstandige 
Veruichtung betrachtet. weder fur die Todten uoch fiir die 
Lebendeu ein Lebel ist (Cap. 5 — Sj. 

Zweitens weist Cicero nach, dass derTod, wenn unser 
Geist unsterblich ist, sogar ein Gut sei. ?sach Erwahuung 
der verschiedeuen Meiuungen der Philosophen iiber das\\ esen 
desTodes und des Geistes CCap. 9 — 1 1) Avird also von Cicero 
die Lnsterblicbkeit der Seele dargethau, zuerst durch histo- 
rische Beweise (Cap. 12 — 15), sodann, nach Entwickelung 
seiner eigeuen Ansicht iiber die Art des kiinltigen Lebens und 
Widerlegung auderer (Cap. 16 — 22;, durch metaphysische 
Griiude (Cap. 23 — 27) ; woran sich dieKritik der von verschie- 
denen Seiten erhobeneu Eiuwiirfe schliesst TCap. 2S — 33). 

Dritteus wird die schou beriihrte Frage. ob der Tod. 
wenn es keine Unsterl>lichkeit giibe . eiu Lebel seiu wiirde, 
n^^ieder aufgenommen und mit ueuen Griinden verneinend ent- 
schieden (Cap. 34 — 39). 

Also sei der Tod in keiuem Falle zu liirchten, und un- 
bekiimmert, ob er uns friih oder spiit treffe. miissen wir die 
Tugend zur einzigen Richtschnur unsers Handelns machen 
(Cap. 4u — 46;. 

r 



LIBER I. I. 1. 2. 



In dem Epiloge eiidlicli CCap. 47 — 49) wird naohge- 
wiesen, dass die vorgetragenen Ansichlen dunh versi-hiedene 
Ausspriiche derGotter und durch das Beispiel vieier beriihniter 
Manner, die liir das^aterland freudig in den Tod gingen, ihre 
Bestiitijfuu" erhalten. 



1 i^uiim deicnsionuni laborihus senatoriisque niuneribus aut 

1 oninino aut magna ex parte essem aliquando liberatus, reluli 
me, Brule, te hortante niaxime ad ea sludia, quae, retenta 
animo, remissa temporibus, longo intervallo intern)issa, revo- 
cavi : ct quuui omnium arlium, quae ad i'cclam vivendi viam 
pertiuercnl, ratio el disciplina sludio sa|)ienliac, quac philo- 
sophia dicilur, contiiicretur, hoc mihi Lalinis lilleris illustrau- 
dum putavi : non quia j^hilosophia Graecis cl littcris ct doctori- 
bus percipi non posset, sed nieum sempcr iudicium iuit, omnia 
nostros aut invenisse per se sapientius quam Graecos, aut ac- 
cepla ab illis fccisse nieliora, quae quidcm digna slatuissent, in 

2 quibus elaborarenl. Xam mores et inslituta vilac resque do- 
meslicas ac familiares nos profeclo et mclius tucmur et laulius; 
rem vero publicam nostri maiores cerle melioribus tempera- 



1. 1. defensiornnn laborihiis, 
Die acctisationes llisst Cic. uner- 
wiihnl, weil der gibssere Theil sei- 
ner Reden \ erlheidigungeii zum 
Zwecke liutte, die auch Fiir ehien- 
voller gallen als die Ankiagen. 

magna ex parte. Denn Iti v. 
Chr. hatte er noch den Ligarius, 
45 den Dejotarus vertheidigt. (Hin- 
ter dieTusculanen falleii von seinen 
lleden nur die |)liili)»pischen.) 

aliqiiando ist bei Cic. sehr hiiu- 
lig ,,endlich einnial" ; so 44, lU.5. 
[Nur sellen selzl er tandem hinzu. 

qmim — continerefiir. Ohgleich 
dies ein Satz von allgemeiner Giil- 
tigkeit ist, behandelt ihn Cic, wie 
erdies in solchen Fiillen j^ewJihniich 
thut, als ein.Moment derKrziihiung. 
So 4, 7 : Ilanc — indiravi, qiiac — 
possct dicere, und dediinus. iit — 



aiidercmtis : 42, 100: inultaverit, 
qiiam — possem dissolvere, u. iifter. 

qiiae , logisch aui stndio zu be- 
ziehen, grammatisch anp/ii/osophia 
sich anschliessend. So IV. 10, 23: 
7uurl)i, qtiac vocant il/i roaijuctTa. 

noii qiiia — scd, Uebergang aus 
der Form eines Relati\salzes in die 
eines Hanplsatzes, wie IL 2G, 64 ; 
III. 22, .*)! e.\lr. u. ofter. 

siipicntitis qiiant Graecos. \g\. 
de orat. I. 1, 1.5: Ingenia nosfro- 
rtiin liominiim mii/ttim ceteris 
Itominibtis omnitim gentiiim prae- 
xtitcriint. Eine Lebertreibung, die 
wohl weniger in Ciceros Xational- 
eitelkeit , als in der Absicht, den 
lliimern zu w issenschaftl. Sludien 
Muth zu machen . ihren Grund hat. 

2. mc/iiis — /aiitiiis ,,sorgfalti- 
ger und init inehr .\ustand''. 

certe deutet leise hiii auf die 



LIBER I. 1, 2. 3. 5 

verunt et iustitutis et legibus. Quid loquar de re militari? in 
qua quum virtute nostri multum valuerunt. tum plus eliam di- 
sciplina. lam illa, quae natura, non litleris assecuti sunt, neque 
cum Graeoia neqiie ulla cum gente sunt conferenda. Quae enim 
tanta graWtas. quae tanta constantia, magnitudo animi, pro- 
bitas, fides, quae tam excelleus in omni genere virfus in ullis 
fuit, ut sit cum maioribus nostris comparanda? Doctrina Graecia 3 
nos et omni litterarum genere superabat: in quo erat facile 
^incere non repugnantes. Xam quum apud Graecos antiquis- 
simum e doctis genus sit poetarum, siquidem Homerus fuit et 
Hesiodus anteRomam conditam, Archilochus reguanteRomulo, 
serius poeticam nos accepimus. Annis fere dx post Romam 
conditam Livius fabulam dedit, C. Ciaudio Caeci fiiio, M. Tu- 
ditano consulibus, anno ante natum Enniura. Sero igitur a 2 



minder befriedigenden Staatsver- 
haltnisse der Gegenwart. 

qiium virtiite — , tum — disci- 
plina. Dass die Rtimer sich durch 
Tapferkeit auszeichneten, war all- 
bekannt und unbestritten ; dass dies 
aach in der Kriegskunst der Fall 
sei, wiil Cicero mit >'achdruck her- 
vorheben. 

illa — cum Graecia — sunt con- 
ferenda. Abgekurzte Vergleichung, 
wie sie bei Griechen und Romem 
haufigsind, z. B. gleich im nachsten 
Satze wieder; auch de orat. i. 1. 

3. Homerus — Hesiodus — Archi- 
lochus. Homer wird von den Mei- 
sten zwischen 1000 u. 9u0. Hesiod 
von Askra , der Dichter der f'o;'« 
y.c.l r^uioat , etwa SuO v. Chr. ge- 
selzt : auch des Archilochus von 
Parus, des satirischen lambendich- 
ters . Zeit steht nicht fest. >ach 
Herod. I. 12 lebte er zur Zeit des 
lydischen Kiinigs Gyges , aiso um 
700, nach Cornel. ^epos (bei Gell. 
N. A. XVII. 21) sogar erst unter 
Tullus Hostilius. 

Anni.i fere DXp. R. c, genauer 
514 (also 240 v. Chr.), wie Cicero 
Brut. l'^. 72 auch ausdrucklieh 
sagt , unter dem Consulat des C. 
Claudius Centho und M. Sempro- 
nius Tuditanus. 



Livius fabulam dedit. Livius 
Andronicus, ein geborner Grieche 
ausTarent, war der alteste dramat. 
Dicbter, iiberhaupt der erste eigent- 
liche Schriflsteller der Romer. Fa- 
hulam dare {sc. popu/o, nach.^^na- 
logie von gladiatores dare) ist 
seltener als fabufam docere (sc. 
histriones), z. B. W . 29, 63. 

Ennium. Q. Ennius aus Rudia 
in Calabrien . geb. 239, den Horaz 
epist. II. 1 , 50 alter Homerus 
nennt, schrieb IS Biicher Annales, 
ein histor. Epos iiber die riJmische 
Geschichte, in Hexametern : ausser- 
dem Tragbdien (meist nach Euripi- 
des) und einige Komcidien. Er starb 
169 V. Chr. 

Wxattv Ennium haben dieHdschr. 
noch den Zusatz : qui fuit mator 
natu quam Plautus et ^aevius, 
der, wenn er auf Ennius bezogen 
wird, unwahr ist , da dieser viel- 
mehr jiinger als beide war. auf Li- 
vius aber (fdr den er richtig ware) 
nach verstandiger Ausdrucksweise 
von Cicero nicht bezogen sein kann. 
und iiberdies fur den Zweck des 
Satzes nutzlos sein wiirde. Er ist 
daher oben, wie bei Tregder. aus 
dem Texte ganz entfernt. (\ gl. 
Ritschl Parerga Plaut. I. p. 4S sqq.) 



6 



LIBER [. 2, 4. 



nostris poetae vel cogniti vel recepli. Quaiuquam est in Ori- 
jjinihas, solilos csse in epulis canere convivas ad tibicinem de 
darorum lioniinum virtutibus ; honorem lamcn huio gcneri 
non iuisse, declarat oratio (ilatonis, in qua obiccil ut prohrum 
M. Nobiliori, quod is in provinciam poctas duxissel ; duxerat 
autem consul ille in Aetoliam, ut scimus, Ennium. Quo minus 
igilur honoris erat poetis, eo minora sludia fuerunt; nec 
tamen, si qui majjnis ingeniis in eo genere exstiterunl, non 
4 satis Graecorum gloriae rcsponderunt. An censemus, si Fabio, 
nobiiissimo homini , laudi datum.csset, (juod pingerel, non 
multos cliam apud nos luturos Polyclitos el Parrhasios luisse? 
Honos alit artes , omnesque incenduntur ad sludia gloria, 
iacentque ea semper, quae apud quosque improhanlur. Summam 
eruditionem Graeci sitam censebanl in nervorum vocumque 
cantihus. Igilur et Epaminondas, princeps meo iudicio Graeciae, 



2. iii Originibiis. l nter dieseni 
Titel liatte M. Porcius Cato Ceiiso- 
rius 7 Biiclier iiber die Ai)slainniuiig 
und Geschicbte der italisclien N iilker 
geschriebpn. Vgl. Corn. INep. Cal. 3. 

in ppiilis cancve. \'^\. IV. '1, ii. 
Cicero lialte also (\ielleiciit durch 
seine Sehuld, denn l)ion\s. Ilalic. 
kannte aile Lieder \'on deu Thaten 
des Ronuilus) nur aus Cato eine 
Notiz von dieser Art von Tafelge- 
siingen , deren Verlust er Brut. 19, 
75 bedauert. Nach Niebuhrs An- 
sicbt (Riim. Gesch. l>d. 1, 4. Aufl. 
S. 2I)S fgg.) bildeten sie mit an- 
dern \'olksliederii die (irundhi;;e zu 
dem, was man die Gesebichte der 
riJm. Kiinige nennt. 

ad tibieincm ,,unter Begleitung 
eines Fliitenspielers". So de leg. 
II. 34, 93 : hostiae ad pracronem 
et ad tibirinem iinmolabunlur. 

31. •Sobiliori. M. Fulvius Nobi- 
lior, 189 V. Clir. Consul. Cicero p. 
Arch. 11, 27 riihnit ilin wegen des 
erwiibnten Factums. 

autcm , biiufig bei Cic. zur An- 
kniipfung eiiier erliiuternden Paren- 
tbese ; so 3, 6 :Jien autem potest 
elc. 

4. An censcmiis scbliesst sich 
an eo viittora studia Jiierunt an. 



Fabio. Q. Fabius, der Grossva- 
ter des Ceschichtschreibers, malle, 
ob\\obl er aus vornehmer Familie 
war, den Tenipel der Saliis 304 
V. Chr. aus uiid erbielt davon, An- 
fangs spottweise , den Beinainen 
Piclor. Seine Ai-beit erbielt sieli bis 
zu PliniusZeit (hist. nat.XXXN .4). 

Polijclitos et Parr/iasios. Par- 
rbasius\onEphesus bliihte alsMaler 
uin 4()U , Polyclitus (//oAiI^^Af/ro;) 
von Sicyon als Bildhauer um 430 
V. Chr. " 

lionos alit artes etc. Plat. de 
rep. \ III. p. 551 a: uaxtiTui J»; t6 
(ui TiiKouivov , (<ii().tTrai 6't to 
(^Tiua^oinror. Sen. epist. 1(J2 : 
.'Inliquus poi-ta ait: Laus alit 
artes. — Cicero fasstdie Saclie sehr 
oberlliiehlich auf. 

iaccntque , wie 3,5: Philosopbia 
iacuit. 

et Epaminondas — Themistocles- 
que, .Anakoluth, wie Brut. "^S, 302 : 
memor ct rjiiac essent dicta contra 
quiicijiic ipse di.risset, und iifter. 
Deii Epaniinondas bezeichnel Cicero 
auch de orat. III. 34, 139 als haud 
scio an summum ririiin iinum 
omnis Graeciae; \on seiuer inusi- 
kal. Bilduug spricbt auch Nepos 
praef. 1 u. Epain. 2, 1. 



LIBERI. 2, 5. 3, 6. 7 

fidibus praeclare cecinisse dicitur, Themistoclesque aliquot aute 
annos, quum in epulis recusaret lyrani, est habitus indoctior. 
Ergo in Graecia musici floruerunt, diseebantque id omnes, nec, 
qui nesciebat, satis excullus doctrina putabatur. In summo 5 
apud illos honore geometria fuit ; itaque nihil 'malhematicis 
illuslrius. At nos metiendi ratiocinandique utilitale huius artis 
terminavimus modum. 

At contra oratorem celeriter complexi sumus , nec eura 3 
primo eruditum, aptum tamen ad dicendum ; post autem eruditum. 
Nam Galbam , Africanum , Laelium doctos fuisse traditum est ; 
studiosum autem eum, qui iis aetate anteibat, Catonem ; post vero 
Lepidum , Carbonera , Gracchos; inde ita magnos uostrani ad 
aetatem , ut non multum aut nihil omnino Graecis cederetur. 
Phiiosophia iacuit usque ad hanc aetatem nec ullum habuit 
lumen litterarum Latinarum ; quae illustranda et excitanda no- 
bis est, ut, si occupali profuimus aliquid civibus noslris, pro- 
simus etiam, si possumus, otiosi. In quo eo magis nobis est 6 
elaboraudum, quod multi iam esse libri Latini dicuntur, scripti 
inconsiderate ab oplimis illis quidem viris, sed non salis eru- 
ditis. Fieri autem polest, ut recle quis sentiat el id, quod sentit, 



aliquot ante annos : ein Jahr- 
hundert iind driiber. 

id erkljirt sich leicht durch das 
vorangegangene 7nusici Jloruerunt. 

5 . Ji ih il m a th em a ticis illustrius. 
Aehnlich III. 10, 22 : Peripatetici, 
quibus niliil est uberius, iiihileru- 
ditius, nihil gravius, und ofter. 

3. Galbam, AJricanum , Lac- 
lium. Servius Sulpicius Galba, 144 
Cousul, wird als Redner von Cicero 
ofter erwiihnt und iiber alle seine 
Zeitgenossen, auch den jiingern 
Africanus und dessen Busenfreund 
C. Liilius Sapiens, gestellt ; s. be- 
sonders Brut. c.21 — 23. 

doctos (= dem vorhergeh. eru- 
ditus) ,,theoretisch gebildet", d. h. 
von griechischen Lehrern unter- 
richtet. 

aetate anteibat. Cato war geh; 
234, Consul 195, Censor 184, gest. 
149. Er heisst nur studiosus (sc. 
doctrinae),\\e'\\ er erst ira hiiheren 
Alter sich griechische Bildung an- 
zueignen bemiiht war. 



Lepidum etc. M. Aemilius Le- 
pidus Porcina , Consul 137, nacli 
Cicero (Brut. 25 , 95) der grbsste 
Redner der zweilen aetas orato- 
rum , wie Galba in der ersten. 
Sein Schiiler C. PapiriusCarbo, 
Consul 120, und die beiden Grac- 
c h e n gehiiren der 3. Periode an. 

ita }nagnos , z. B. aus der 4. 
aetas oratorum M. Antonius (Con- 
sul 99) und L. Licinius Crassus 
(Consul 95, Censor93) ; aus der 5. 
C. Aurelius Cotta und P. Sulpicius; 
aus derO. Q. Hortensius (Consul 69) 
und Cicei'o seibst. 

lumen litterarum Lat. Vgl. p. 
Arch. 6, 14 : quae iacerent in fe- 
nebris omnia , nisi lifterarum lu- 
vien accederef. 

6. opfimis illis qnidem etc. 
BeiEinriiumungen m\t quidem, nach 
denen dann meist eiu sed , sed ta- 
nien oder vero folgt, pflegt in der 
guten Prosa ein dem Priidicat ent- 
sprechendes Pronomen eingeschal- 
tet zu werden. (Zumpt Gr. § 744.) 



8 



LIBER I. 4, 7. 



polite eloqui non possit; sed mandare queinquam lilteris co- 
gitationes suas, qui eas nec disponere nec iiluslrare possit nec 
delectatione aliqua allicere lectorem, liominis est intemperanter 
abutentis et olio et litteris. Itaque suos libros ipsi legunt cum 
suis, nec quisquam atlingit praeter eos, qui eandem licentiam 
scribeiidi sibi permitti voiunt. Quare si aliquid oratoriae laudis 
noslra attulimus industria, multo studiosiiis pliilosophiae fontes 
aperiemus, e quibus eliam illa manabaut. 
4 Sed ut Aristoteles, vir summo ingenio, scieutia, copia, 

7 quum motus esset Isocrafis rhetoris gloria, dicere etiam toepit 
adolescenfes docere el prudentiam cum eloqueutia iungcre : sic 
nobis placet nec pristinum dicendi studium deponere et in hac 
maiore et uberiore arte versari. Hanc cnim perrectam philoso- 
phiam semper iudicavi, quae dc maximis quaeslionibus copiose 
posset ornateque dicere ; in quam exercilationem ita nos stu- 
diose dedimus, ut iam etiam scholas Graecorum more habere 
auderemus. Lt nnpcr tuum post discessum iuTusculano, quum 
essent complures mecum familiares, tenlavi, quid in eo genere 
possem. Ul enim antca declamilabam caussas, quod nemo me 



So 11, 22 magnuinJllKin qiiident 
viruin; III. 16, 35 tarda illa qui- 
dem medicina; IV. S, 17; seltener 
is, wie IV. '6, 5 vetns id quidem. — 
Unsere Stelle ist eine Anspieluug aul' 
Amajinius, Rabirius und dergl. po- 
puliire Epikureer; s. IV. 3, (i u. 7; 
Acad. I. 2, 5. 

cum suis ,,init Gleichgesinnten, 
niit ihren Anhangern." Vgl. adAtt. 
XIV. 12,2: Ocfavius, quem sui Cae- 
sarem salutahant, P/ii/ippus non. 

aitutimus , sc. populo Itomano. 

illa manabant, Constr. ad syne- 
sin, auf a//7?/«V/ beziiglich. 

4. 7. Aristotetcs von Stagira, 
Lehrer Alexandersd.Gr., nachherin 
Athen Stiftcr dcr peripatet. Schule. 
Vgl. de orat. III. 35, 141: Ipse 
. Iristotcles , quum Jlorere Isocra- 
tem nobi/itate discipu/orum vide- 
ret, — mulavit repente totani for- 
mam /jrope disciplinae siiac. Ila- 
que ornavil et i/lustravit doclri- 
nani illam omneni,rerumquccogni- 
lionem cum^ orationis exercita- 
lione coniunxit. 



dicere hangt von docere, dies und 
iungere von coepit ab ; prudenliam 
c. e/oq. iungere = prudentiae (d. 
i. pliilosop/iiae) eloqiien/iain ad- 
iungere. Also entgegengesetzt von 
Ciceros VVege. 

ornuteqiie dicere. VVas Cic. un- 
ter ,,scht)n reden" verstebt, sagt er 
de orat. III. 14, 53. 

in quam — dedimns, Vgl. de 
orat. III. IG, 59: quam se cunque 
in partem dedisset , ouiniumjuit 
J'aci/e princeps. In allen Hdschr. 
sleht vor dedimiis noch operam, 
\^elches Lanthin niit Kecht strich, 
da operam dare in a/qd. sonst nir- 
gends vorkonunt , auch nos dann 
iiberfliissig oder wenigstens schlecht 
gestellt wiire. 

sc/io/as ,,Disputirtibuagen". 

tuiim post discessum. Brutus 
bekani 47 \. Chr. von Ciisar , als 
dieser den alVikanischen Krieg \or- 
hatte, (iallia cisalp. als Frovinz. 

declamitabam caussas — liaec 
declamatio. Neben den Uebungen 
in der gerichtlichen Heredtsanikeit, 



LIBER I. 4,S. 5,9.10. . 9 

diutius fecit, sic haec mihi uunc senilis est declamatio. Ponere 
iubebam, de quo quis audire vellet; ad id aut sedens aut am- 
bulans disputabam. Itaque dierum quinque scholas, ut Graeci 8 
appeilant, in totidem libros contuli. Fiebat autem ita, ut, quum 
is, qui audire veliet, dixisset, quid sibi videretur, tum ego 
contra dicerem. Haec est enim, ut scis, velus et Socratica 
ratio contra alterius opinionem disserendi ; nam ita faciliime, 
quid veri simillimum esset, inveniri posse Socrates arbitra- 
batur. Sed quo commodius disputationes nostrae explicentur, 
sic eas exponam, quasi agatur res, non quasi narretur. Ergo 
ita nascetur exordium. 

A. Malum mihi videlur esse mors. M. lisne, qui mortui 5 
sunt, an iis, quibus moriendum est? A. Utrisque. M. Est 9 
miserum igitur, quoniam malum. A. Certe. M. Ergo et ii, 
quibus evenit iam, ut morerentur, et ii, quibus eventurum 
est, miseri. A. Mihi ita videtur. M. Nemo ergo non miser. 
A. Prorsus nemo. M. Et quidem, si tibi constare vis, omnes, 
quicunque nati sunt eruntve, non solum miseri, sed etiam sem- 
per miseri. Nam si solos eos diceres miseros, quibus morien- 
dum esset, nerainem tu quidem eorum, qui viverent, exciperes 
(moriendum est enim omnibus) ; esset lamen miseriae finis in 
morte ; quoniam autem etiam mortui miseri sunt, in miseriam 
nascimur sempiternam. Necesse est enim, miseros esse eos, 
qui centum milibus annorum ante occiderunt, vel potius omnes, 
quicunque nati sunt. A. Ita prorsus existimo. M. Dic, quaeso: 10 



die Cicero seit langer Zeit mit jiiii- er 10, 12 die aristotelische Ansiclit 

geren Freunden gehalten hatte, er- rait der stoischen vermischt. 

bffnete und leitete er jetzt auch 5- 9. ^. istwahrscbeinlich^^urft- 

philosophischeDisputiriibungeniiber tor zu lesen (vgl. § ' rfe quo quis 

ein aufgestelltes Thema (scliolas). midire vellet, u. § 8 is qui audire 

ponere, griech. Tidh'cu, stehen- ^'«/^0, und J/. dann v^ohXMagister. 

der Ausdruck. So III. 22, 51 ; Lael. ■^'"^^''^ ^^°'^,«°= .■Idolescens (s.II.12, 

5, 17 ut iis ponatur, de quo dispu- ^ ^«' adole^cens) odevjulus (als 

tent. Doch auch proponere, z. B. «m fingirterName) und Marcus {Ci- 

V 1 II cero, vgl. §8 ego confra dicerem). 

j .j . • j. 1 miserum, quoniam malum. Ein 

adid bei dtsputare dtcereeic. Uebel {malum), insofern es sich 

'/c!" -c^^"lf,"«. ,^ ""•, V ' ilem Menschen fiihlbar macht,heisst 

Ih '^ 5 IV. 21 , 48 , (wo es dann ,„i,e,.ujn, ein Ungluck. 

haufig bloss ein urbanerer Aus- „^„ ^,-,^,. i„ ^-^^^^^ giitzen, 

druck fur adversus ist). jj^ gi„p Folgerung oder uberhaupt 

8. Socratica ratio. Cie. ver- ein Urtheil aussprechen, liisst Cic. 

wechselt hier die sokratisciie Me- esse gewohnlich fort. So 25, 61 

thode mit der akademischen , wie Absurdum id quidem. 



10 LIBER I. 6, 11. 

num le illa lerrent, triceps apud inferos Cerberus, Cocyti fre- 
mitus, traveclio Acheronlis, 

Mento summam aqiiam (ittingetis enectus Tantalus siti? 
lum iliud, quod 

Sisyphus versat 
Saxum sudans nitcndo neque projicit hilum? 
fortasse etiam inexorabiles iudices, Minos et Rliadamanthus? 
apud quos nec te L. Crassus defendet nec AI. Anlonius, nec, 
quoniam apud Graecos iudices res agelur, poteris adhibere De- 
moslhenem : tibi ipsi pro tc eril maxima corona caussa di- 
cenda. Haec fortasse metuis et idcirco mortem censes esse 

6 sempiternum malum. A. Adcone me delirare censes, ut ista 
esse credam? M. An tu haec non crcdis? A. ]\Iinime vero. 
M. Male, hercule, narras. A. Cur? quaeso. M. Quia disertus 

11 esse possem, si contra isla dicerem. A. Quis enim non in eius- 
modi caussa? aut quid negotii est, hacc poelarum et piclorum 
portenta convincere? M. Atqui pleni libri sunt contra ista ipsa 
disserenlium philosophorum. A. Inepte sane. Quis cst enim tam 
excors, quem ista moveant? M. Si ergo apud inferos miseri 
non sunt, ne sunt quidem apud inferos ulli. A. Ita prorsus exi- 

\i).num~titm—fortasscetiam. Leber das zu elidirende s in 5/*//- 

Mau beachte deu Uebergang von />A//« vgl. Orator 4S, 1*31 : Ita noii 

der negativen zur alfirinativen Fra- ei^at ojjensio in versibiis , quam 

geform. nunc fiigiunt poetae novi. Ita 

enectus Tantalus siti. iVonius enim loquebamur : Qui es I 

{s. y. siimmum) , Priscian uiid ein omnibu^ princeps, non 

Tlieil dcr Hdschr. liabcn enectus oinn ib us p riii ceps, et, /ita 

siti l'antalus . andre */// enectus illa dignu^ loeoque, non 

T., bcides gegen das ^eisniaass. dignus. — So 9, IS Aelius ; 15. 

Dahervermuthete ^\ olf : .s/// e«ec«- .'54 imaninis w. vivus, u. iifter. 

fus T. ; Lachmaun (zu Lucret. II. L. Crassus — M. .tntonius ; s. 

j». 379) : Mentu summam aquam oben zu 3, -5. 

(dreisylbig)rt///'rt^'<'«.9, r/iec///A' *///,- 0- Malc narras , im Sprachge- 

Ritschl (Uhein. Mus.Vlfl. S. l.'»4): brauch des gemcincn Lebens und 

Mento summam aquam nitenii al- der Koniodie == quac dicis , non 

tingens, enectus siti , indcm bcide libenter aiidio. 

Tantaliis zu Cic.*s llede zichcn. 11. (>.'//a- e///;;/ etc. Man crgiinze 

IVahcr als alles dies licgt ^\t>hl die vor diesen ^Aorten : Facile credo. 

oben gegebene Umstcllung. — \\'o- Vgl. 1.3, 30 zu id enim — solet. 

her diesCitat, isl niclit bekannt. — philosophorum istmitlVachdruck 

Ueber Tantalus vgl. IV. 10, 35; ans Ende gcstcllt, wic 21, 4S /;///- 

Hom. Od. XI. 582 — 592; iiber losophorum ; 30, 72 deorinn. 

Sisyphus ib. 593 — GOU. ne sunt quidem. Me — qiiidem 

Sisi/phus — /I/7//W. Aus Lucilius. hier und schroft, z. B. § 12: 7. 

(rieckcr im Philologus II. S. 37.) 14 e.\tr. ; 20, 4th 23, 53 u. 54 ; 25, 



LIBERI. 6, 12. 13. 7, 13. H 

stimo. jM. Ubi sunt ergo ii, quos miseros dicis? aut quem locum 
incoluut? si enim sunt, nusquam esse non possunt. ji. Ego vero 
nusquam esse illos puto. 31. Igitur ne esse quidem? ^. Pror- 
sus isto modo, et tamen miseros ob id ipsum quidem, quia nuUi 
sunt. M. lam mallem Cerberum metueres, quam ista tam in- 12 
considerate diceres. ^. Qui tandem? M. Quem esse negas, 
eundem esse dicis. Ubi est acumen luum? quum enim mise- 
, rum esse dicis, tum eum, qui non sit, dicis esse. ^. Non sum 
ita hebes, ut istud dicam. M. Quid dicis igitur? ^. Miserum 
esse verbi caussa M. Crassum, qui illas fortunas morte dimi- 
serit; miserum Cn. Pompeium, qui tanta gloria sit orbatus ; 
omnes denique miseros, qui hac luce careant. 31. Revolveris 
eodem. Sint enim oportet, si miseri sunt; tu autem modo ne- 
gabas eos esse, qui mortui essent. Si igitur non sunt, nihil 
possunt esse ; ita ne miseri quidem sunt. ^-Z. Non dico fortasse 
etiam, quodsentio; nam istuc ipsura, non esse, quum fueris, 
miserrimum puto. 3J. Quid? miserius, quam omnino num- 13 
quam fuisse? Ita, qui nondum nati sunt, miseri iam sunt, quia 
non sunt; et nos, si post mortem miseri futuri sumus, miseri 
fuimus, antequam nati. Ego autem non commemini, antequam 
sum natus, me miserum. Tu si meliore memoria es, velim 
scire, ecquid de te recordere. ^. Ita iocaris, quasi ego dicam 7 
eos miseros, qui nali non sint, et non eos, qui mortui sunt. 
3/. Esse ergo eos dicis. -i/. ImmQ, quia non sint, quum fuerint, 

63 ohne Steigerungf, bloss : ,,auch war iui Parthericriege 54 v. Chr. 

nicht". Brut. 5-1, 199: Ilh/d, quod gefallen. 

populononp7^obatur,neintelligeii- tanta gloria sit orbatus , durch 

ti quidem auditoriprobari potest. die Schlacht bei Pharsalus , nach 

Igitur bei Cic. nieist nur in der der er auf der Flucht in Aegypten 

philosoph. Deduction an der Spitze getcidtet wurde , 4S v. Chr. Seinen 

eines Satzes. So IV. IS, 42. Ruhm verherrlicht Cicero p. lege 

quia nulli sunt. So 36, 87 u. 3S, Manilia. 

91 : 7iulli sunt ; in Catil. I. 7, 16: quum fueris bleibt in der Er- 

misericordia , quae tibi nulla de- wiederung des iM. ganz unbeachtet 

betur ; Cat. M. 15, 51 : voluplates (sonst wiirde diese gar nicht pas- 

agiHcoln7'um nulla iinpediuntur sen). Dalier konuut A. nachher 

senectute. darauf zuriick. 

12. Quitandem'::' ,,Wiesodienn1^' 7. 13. et non ,,und nicht viel- 

= Quonam modo (§ 15 u. ofter), mehr". So III. 17, 37: (r?r^M*)5jea:- 

OrelIi's Lesart, ist hier natiirlicher trinsecus religata pendeat et non 

als Quid tandemV entbehrt aucli oriatur a se — ; de oH". 1.2,6 : ^jc 

nichtallerhandschriftl.Begrundung. si sibi ipse consentiat et non in- 

M. Crassum. M. Licinius Cras- terdum naturaebonitatevincatur, 

sus, der Triumvir , dessen Reicli- amicitiam colere non possit. Auch 

thum zum Spriichwort geworden, ac non wird so gebraucht. 



12 



LIBER I. 



14. 



eo iniseros esse. M. Pugnantia le loqui non vitles? quid enini 
tam pugnat, quam non niodo niiserum, sed omnino quioquani 
esse, qui non sil? An tu egressus porlu Capena, quuni Calalini, 
Scipionum , Serviliorum, Metellorum sepulcra vides, miseros 
putas ilios? A. Quoniam me verbo premis, poslhac non ita 
dicam : ?niseros cssc, sed lantum : //t/scrus, ob id ipsuni, quia 
non sint. J/. Non dicis igitur : //lisei- est M. Crasstts, sed 
J 1 lanlum: miscr M. Crossi/s. yl. lla plane. M. Quasi non ne- 
cesse sit, quicquid isto modo pronunlies, id aul esse aut non 
esse. An tu dialecticis nc imbutus quidem es? In primis enim 
hoc traditur: omne pronuntiatum (sic enim mihi in praesentia 
occurril ul appellarem a^ko(.ia ; utar post aiio, si invenero 
melius) — id ergo est pronuntialum , quod est verum aut 
raisum. Quum dicis igilur : //liser M. Crassi/s, aul hoc dicis : 
iniser cst M. Crassi/s, ut possit iudicari, verum id lalsumne 
sit, aut nihil dicis omnino. A. Age iam concedo, non esse 
miseros, qui mortui sint, quoniam exlorsisti, ut faterer, qui 
omnino non essent, eos ne miseros quidem esse posse. Quid? 
qui vivimus, quum moriendum sit, nonne miseri sumus? Quae 
enim polest in vita esse iucunditas, quum dies et nocles cogi- 
tandum sit, iam iaraque esse moriundum ? 



porta Capena. Sie lag an der 
Sudseite von Kom (jetzt porta di 
S. Sebastiano) und rdhrte znr via 
Appia. — Die Riimer legten Grab- 
maler vorzugsweise an den besuch- 
testen Strassen an. 

Calatini. A. Atilius, aus Calatia 
inCampanien stammend, daher Ca- 
latinus jjenannt, 258 und 254 Cori- 
sut, triumphirle 249 als Dictator 
iiber die Carthager. Das e/ogii/m 
von seinem Grabmal cilirt Cicero 
Cat. M. 17, Gl u. de fin. 11.35, IK). 

Servi/iorain. Am bckanntesten 
sind Cii. Servilius Ciipio , der U>!), 
und Q. Scrvilius Ciipio, der KKi 
Consul war. 

Metolloriim. Die beriihmlestcn 
aus (licseni \ornelimen plebejischen 
Geschlcchte waren L. Caecilius 
Metellus, der 'liM alsProconsul bei 
Panormus den tlasdrubal schlug; 
Q. Caecilins Mct. Macedonieus, Con- 
sul 143, und der gleichnamige \'u- 
midicus, Consul 10!*. 



14. iinbiitiis im Gegensatz zu 
eruditiis. 

in primis ,,unter den ersten Ge- 
gensliinden , welche die Dialcktik 
lehrt". 

occi/rrit ut appellarem. Occur- 
rit ist das Perf. logicura ; iiber 
den Coni. Iniperl". danach s. Zumpt 
Gramm. § 514. Vgl. de tin. III. 
1(), 53: quod illi (<6i('i(f OQOV dicunt , 
id milii ita ocrurrit , iit indi(J'e- 
rens dicerem. 

oinnc pronunliatum. Vgl. Acad. 
II. 29, tl5 : Fiindaincntum dialecti- 
rae est , ([uidquid eniintietur {id 
autem appellant ((^i(ouu,quod est 
quasi cffatum) aut vertim esse 
aut fals>iin. 

id ergo est elc. Mit crgo nimmt 
Cic. den durch dic Parenlhcse uuter- 
brochcncn (icdankcn wicder auf, 
freilich aiiakoluthisch, dcnii eigent- 
lich war fortzufahren : Omne pro- 
niintiatum ergo vcrum est aut 
falsum. 



LIBERI. 8^ 15. 16. 



13 



31. Ecquid ergo inlelligis, quantum mali de humana con- 8 
ditione deieceris? ^. Quonam modo? 31. Quia, si mori etiam 15 
mortuis miserum esset, infinitum quoddam et sempiternum 
malum liaberemus [in vita] ; nunc video calcem, ad quam quum 
sit decursum, nihil sit praeterea extimescendum. Sed tu mihi 
videris Epicharmi, acuti uec insulsi hominis, ut Siculi, sen- 
tentiam sequi. .^. Quam? non enim novi. 31. Dicam, si po- 
tero, Laline; scis enim, me Graece loqui in Latino sermone 
non plus solere, quam in Graeco Latine. A. Et recte quidem. 
Sed quae tandem est Epicharmi ista sententia? 31. 

Emo?'i nolo ; sed mc esse mbrtmim nihil aestumo. 
A. lam agnosco Graecum. Sed quoniam coegisti, ut concede- 
rem, qui mortui essent, eos miseros non esse : perfice, si potes, 
ut ne nioriendum quidem esse miserum pulem. 31. lam istuc 16 
quidem nihil negotii est, sed etiam maiora molior. A. Quo 
modo hoc nihil negotii est, aut quae sunt tandem ista maiora? 
31. Quia, quoniam post mortem nihii est mali, ne mors quidem 



8. 15. Ecquid ,,wohl?" wie II. 
14, 32 und sonst hiiuBg. Ecqiti, 
welches die ineisten Mscr. haben, 
kommt sonst nur in einer zweifel- 
haften Stelle des Plautus vor, ist 
hier weniger passend und konnte 
leicht aus ecqiiid entstanden sein. 
(Wesenberg Emend. Ciceron. Tusc. 
disp. II. p. 3.) 

deieceris. Aehnlich II. 5 , 14 
quantiim de doloris terrore deie- 
ceris. Vgl. das deutsche ,,einen 
Stein vom Herzen walzen". 

etiam moriuis ,,auch in Bezug 
auf unsern Zustand nach dem 
Tode". 

in vita steht zwar in allen Hand- 
schriften, ist aber hier ganz uii- 
passend, wahrscheinlich urspriing- 
iich eine Glosse zu calcem. 

calcem. Im Circus zu Rom war 
das Endziel der Rennbahn frliher 
durch Kalk {calx), wie spiiter durch 
Kreide (creta), bezeichnet. Dalier 
die Phrasen : ad calcem pervenire 
(Lael. 27, 101), ad earceres a calce 
revocari (Cat. M. 23, 83) u. dergl. 

Epicharmi. Erwar zwar auf Cos 
geboren, doch schon als Kind nach 



Sicilien gekommen , und bliihte um 
480 als pythag. Philosoph und iilte- 
ster Dichter der griech. Komodie. 

nt Sicuti ,,dem sicil. Volkscha- 
rakterentsprechend". Vgl. 43, 104 : 
{Diogenes,) vt Cynicus, proiici se 
iussit inhumatum. — Der Witz 
der Sicilier wird iifter von Cic. er- 
wiihnt, z. B. in Verr. II. 4, 43,95: 
Numquam tam male est Siculis, 
quin aliquid facete et commode 
dicant. 

Emorietc. Sext.Empir.adv.math. 
I. § 273 giebt den Vers des Epi- 
charnius so : uTTO&avuv ri Ti&rd- 
vai, ov fj.01 (Jicc(f(Qit, jedenfall.s 
versliimmelt. Es war gewiss auch 
ein Tetrameter, den man , nach 
unserer Stelle , auf versehiedene 
Weise ergiinzt hat. H. Sauppe: aTTo- 
d^ttvtiv ovx o:vSciv(i fioi • Ttdvdvui 
S' ov 3ia(f8Qti. Vgl. Plaut. Capt. 
IV. 5, 83 : Post mortem in morte 
nihil est, quod metuajn, mali. 

iam agnosco Graecum ,,jetzt er- 
kenne ich das Griechische wieder, 
entsinne ich mich der griech. Wor- 
te". So II. 11, 26: unde isti ver- 
sus? 7ioti enim agnosco. 



14 



LIBER r. S, 17. 9, 18. 



est maluni, cui proximuni tempus est post mortem, in quo mali 
niliil esse concedis : ila ne moriendum quidem essc malum esl; 
id est enim, perveniendum esse ad id, quod non csse malum 
confitemur. A. Uberius ista, quaeso. liaec enim spinosiora 
prius, ut conlitear, me cogunt, quam ut assentiar. Sed quae 
sunf ea, quae dicis te maiora moliri? M. 1 1 doceam, si pos- 
sim, non modo malum non esse, sed bonum etiam esse mortem. 
A. Non postulo id quidem, aveo tamen audire. 1 1 enim non 
efficias, quod vis, tamen, mors ut malum non sit, elficies. Sed 
nihil te interpcllabo ; conlinentem orationem audire malo. 

17 jy. Quid? si te rogavero aliquid , non respondebis? A. Su- 
perbum id quidem est, sed, nisi quid necesse erit, malo, non 

9 roges. M. Geram tibi morem et ea, quae vis, ut potcro, ex- 
plicabo, nec tamen quasi Pythius Apollo, certa ut sint et fixa, 
quae dixero, sed ut homunculus unus e multis, probabilia con- 
iectura sequens. Uitra enim quo proyrediar, quam ut veri si- 
milia videam, non liabeo ; certa dicent ii , qui et percipi ea 
posse dicunt et se sapientes esse profitentur. A. Tu, ut vi- 
detur: nos ad audiendum parati sumus. 

18 M. Mors igitur ipsa, quae videtur nolissima res esse, quid 



16. prius ,,eher noch" wie V. 27, 
78 : {Aegyptii) quamvis carnifici- 
nam priiis subierint, quam ibim 
violent. 

conjitear — assentiar. Ersteres 
thut man nothgedrunpen, wennnian 
gegen den Andern iVichts vorzu- 
bringen wciss ; lelzteres aus freicm 
Entschluss und Ueberzeugung. 

ut — non efficias , concessiv, 
wie 11, 23 ut ista non disscran- 
tur ; 21 , 49 ut rationcin uullain 
afferret. 

eontincntem orationeni. Dem- 
gemass gcht Cic. im tolgenden Ka- 
(litel von der sokratischen Mcthode 
zu der ihm uiid seiuen riiuiischen 
Lesern beciucmcreii dcs Aristotcics 
iiber, d.h. es tritt an dic Stelle des 
Dialogs der l^ehrvortrag cincs Ein- 
zetnen (s. Einleit. gg. Ende). 

1 7 . non rpspondebis ? driickt Ver- 
wunderung Tur dcn aiigcnommenen 
Fall des IVichtantwortens aus ; 
nonne rcspondebis Y wiirde dagegeo 



die sichere Erwartung des Antwor- 
tens andeuten. 

superbuin id quidem est. Der 
Indic. nach Analogie von longum 
est cnumcrare u. dgl. 

9. quasi Pqt/iius Apotlo, griech. 
log ix jQi.todog, von zuversichtlich 
Sprechcnden. 

iinus e multis ,,eingewi»hnlicher 
Meusch'-. 15rut. 79, 274: M. Cali- 
dius non Juit orafor unus e mul- 
tis, potiiis inter multos prope sin- 
giilari.i J'uil. 

probabilia coniectura sequens. 
Die neueren Akadcmiker, denen 
sich Cic. im Princip anschliesst, 
hielten nur Wahrscbeinlichkeit, 
nicht Gewissheit Tiir erreichbar. 
Vgl. u. A. 17,40; 25, 00; 11. 2, 5. 

certa dicent ii etc. Nach der 
Lehre der Stoiker war Trrthum fiir 
den \\'eiscu nicht niilglich , wohcr 
sie ihre Siitze (SoyuaTu) auch mit 
Bcstimmlhcit hiiislelllen. 

tu, ut vidvtur, d. h. tu fac, ut 
tibi videtur. 



LIBERI. 9, 19. 



15 



sit, primum est videndiim. Sunt enim, qui discessum animi a 
corpore putent esse morteni; sunt, qui nullum censeant fieri dis- 
cessum, sed una animum et corpus occidere animumque in cor- 
pore exstingui. Qui discedere animum censent, alii statim dis- 
sipari, alii diu permanere, alii semper. Quid sit porro ipse ani- 
mus, aut ubi, aut unde, magna dissensio est. Aliis cor ipsum 
animus videtur : ex quo excoi^les, vecordes, co?icordes(]yyt 
dicuntur, et Nasica iile prudens, bis consul, Corculmn, et 

Egregie cordatus homo, catus Aelius Sextus. 
Empedocles animum esse censet cordi suffusum sanguinem. 19 
Aliis pars quaedam cerebri visa est animi principatum tenere. 
Aliis nec cor ipsum placet nec cerebri quandam partem esse 
animum : sed alii in corde, alii in cerebro dixerunt animi esse 



18. una — exstingiii. Vgl. 11, 
24 : si cor aut sanguis aut cere- 
brum est animus, certe , quoniam 
est corpus, interibit cum reliquo 
corpore. Wer dies lehrte, s. gleich 
nachher, § IS u. 19. Auch Aristo- 
xenus, Dicaarch und die Atomisten 
gehbren hierher, s. § 20 — 22. 

statim dissipari, Lehre der Epi- 
cureer ; vgl. 21. 49. Sext. Enip. 
adv. math. IX. § 72 : («t xpvxcu) 
itnoXv&alaat rcov awfiKTOJV xa- 
"jivov dixTjV axCSvavTui. 

diu permancre , Lehre der Stoi- 
ker. Vgl. unten 'A\, 77 u. 32, 79 ; 
Diogen. Laert. VII. 156: {}pv/riv) 
(tvai To avuifvig r]/uTv 7TVtv/ua, 
Sio xal a(x)y.a ilvai xal ftiTa da- 

VaTOV iTTt/^iVilV , (fd^aOTriV di 

itvat. 

aliisemper. So Plato, z. B. Phae- 
don p. 64 c : ylga ur] a).).o ti 
{rjyovjUtS^a tov (huvaTOV iivai) rj 
TTjV Ttjg U'v/rjg c<7i6 Tov aQjf.ic<Tog 
(<nul.).ayriv ; 

cor ipsum , Volksnieinung ia 
Griechenland und Italien ; so bei 
Honier xoaSit] u. y.rjo (auch (pQiVig) 
und bei den altern lateinischen 
Dichtern bfter cor im Sinne von 
.,Geist, Verstand". 

Nasica. P. Cornelius Scipio Na- 
sica, Schwiegersohndesaltern Afri- 
canus , 162 und 1.55 Consul , 159 



Censor, als Redner und Rechtsge- 
lehrler ausgezeichnet, hiess also 
wegen seiner Klugheit Corculum. 

Aelius Sextus. S. Aelius Piitus, 
19S v. Chr. Consul mitT. Quinctius 
Flamininus, Rechtsgelehrter und 
jurist. Schriftsteller. — Der Vers 
ist aus Ennius Annalen (lib. X. v. 5 
in d. Ausg. v. Spangenberg), und 
wird auch de orat. I. 45, 198 u. de 
rep. I. IS, 30 citirt. 

19. Empedocles aus Agrigent, 
um 460 V. Chr. Von s. Lehrgedicht 
mql (fvaitog (in 3 Biichern) haben 
wir noch bedeutende Bruchstiicke. 
Seine Worte .- Ai^a yccQ (Iv&qco- 
noig niQtxc<QSt6v Ioti vorjfiu sind 
jedoch so zu verstehen , dass er im 
Herzblute sich nur den Sitz der 
Seele dachte. Critias hielt nach 
Aristot. de anira. I. 2 das Blut fur 
die Seele. 

Jliis — tenere: ,,ein Theil des 
Gehirns sei es hauptsachlich , was 
die Stelle des Geistes versehe", 
muss eine sehr verbreitete Ansicht 
gewesen sein, denn cerebrum wird 
bfter geradezu inv mens gebraucht, 
z. B. Phaedr. I. 7, 2: quanta spe- 
cies, inqtiit, cerebrum non habet ! 

alii in corde, niiml. die Stoiker, 
Epicureer und manche Aerzte. 

alii in cerebro, die Pj thagoreer 
und Andere. 



16 



LIBER I. 10,20. 



sedem el locum. Animum aulera alii animam, ut fere nostri. 
Declarat nomen : nam et agerc animam el <-[Pare dicimus, et 
ammosos et l/ene animatos et ex animi sententia; ipse aulem 
animus ab anima dictus est. Zenoni Stoico animus ignis vi- 
10 detur. Sed haec quidem, quae dixi, cor, cerebrum, animam, 
20ignem, vulgo; reliqua fere singuli. Ut multi ante veleres, 
proxime autem Aristoxenus , musicus idemque philosophus, 
ipsius corporis intentionem quandam : vclut in cantu et tidibus 
quae harmonia dicitur, sic ex corporis totius natura et figura 
varios motus cieri, tamquam in cantu sonos. Hic ab artificio 
suo non recessit et tamen dixit aliquid, quod ipsum quale esset, 
erat mullo ante et dictum et explanatum aPlatone. Xenocrates 
animi figuram et quasi corpus negavit esse, [verunij numerum 
dixil esse, cuius vis, ut iam ante Pythagorae visum erat, in 



Declarat nomen. Die besten 
Hdschr. , z. B. TZ. 1 , haben : ut 
fere nostri declarant nomen. 
F. A. Woir schrieb dafiir nomine. 
Naher liegt, zunial da im R. ilie 
Verwechsclung des Sing. und Plur. 
haufig vorkommt , die aufgenom- 
meoe Bentleysche Conjectur. Vgl. 
III. 27, 61 : res declarat. 

nam — dicttis est. Sinn : anima 
bedeutet ,,Athcm, Hauch", animus 
,,das innere, geistige Vermogen" ; 
beide VVorter sind desselben Stam- 
mes ; foigiich hiilt der Riimcr den 
Geist fiir Hauch und Luft. 

Zeno von Citium auf Cypern, 
Stifler der stoischen Schule in 
Athen, um 300, nannte die Seele 

TTVtVflCt h'IHQIXOV. 

10. cor, cvrchrum. Zwischen 
beiden VVorten las man sangitinem, 
welches VV ort sich nur in einer 
Hdschr. tindet und wahrscheinlich 
nurderVoUsfandigkeitwegen hinzu- 
gefiigt ist. Es passt auch zu vul^o 
weniger als die vierandern Begrilfe. 

vulgo , sc. animum sfaluunt 
esse. Also : die erwahiilen Ansich- 
ten iiber den menschl. Geist sind 
sebr verbreitet; die folgenden ge- 
hiiren nur einzelnen Pliilosophen an. 

20. Ut ,,zum Bcispiel". 

Aristoxenus aus Tarent, ein 



Schiiler der Pythagoreer und des 
Aristoteles, schrieb drei (uns erhal- 
tene ) Biicher thqI uouovixuiv 
aToi/eCon'. 

velut in cantu etjid. Aus dem fol- 
gendene?e7vist«'ea/?/rzuerganzen. 

quae harmonia dicitur ,,das, 
was man Harmonie nennt"; niotu.t 
,,Schwingungen". 

multo anie, d. h. iiber ein halbes 
Jahrhundert, denn Plato starb 347. 

a Platone , der im Phaedon p. 
92 sqq. diese Ansicht widerlegt. 

Xenocrates von Chalcedon, geb. 
397, Platos Schiiler, leitete nach 
Speusippus Tode (339) die Akade- 
mie, und starb 315. 

verum ist anstiissig wegen des 
folgenden di,vit, welches das Asyn- 
deton erfordert (wie 31, 77: diu 
mansuros aiunt animos , semper, 
negant). Manntius schrieb daher, 
nicht ohne handschrifll. Autoriliit, 
ullum im Anschluss an corpus ne- 
gavit esse. 

numcrum, grlech. ()V&/u.6v, uQii^- 

UOV {(UTOxiVTJTOV. 

Pythagorae. Von Sanios gebiir- 
tig, sliftete er zurZeit des Tarqui- 
nius Superhus in Kroton seine 
Philosophenschule. Nach Aristol. 
Metaph. I. 5 nannte er die Seelc 
ToiovJi TWJ' ('(niOiioiv tikO^os- 



LIBERI. 10, 21. 22. 



17 



natura maxima esset. Eius doctorPlato triplicem fiiixit animura, 
cuius principatum, id est rationem, in capile sicut in arce po- 
suit et duas partes ei parere voluit, iram et cupiditatem , quas 
locis disclusil: iram in pectore, cupiditalem subter praecordia 
locavit. Dicaearchus autem in eo sermone, quem Corinthi ha- 21 
bitum tribus libris exponit, doctorum hominum dispulantium 
primo libro multos loquenles facit, duobus Pherecratem quen- 
dam, Phthiotam senem, quem ait a Deucalione ortum, disse- 
rentem inducit, nihil esse omnino animum et hoc esse nomen 
tolum iuane, frustraque animalia et animantes appellari, neque 
in homiue inesse animum vel animam nec in bestia, vimque 
omnem eam, qua vel agamus quid vel senliamus, in omnibus 
corporibus vivis aequabiliter esse fusam nec separabilem a cor- 
pore esse, quippe quae nulla sit, nec sit quicquam, nisi corpus 
ununi et simplex, ita figuratum, ut temperatione naturae vigeat 
et sentiat. Aristoteles longe omnibus (PL^itonem semper ex- 22 
cipio) praestans et ingenio el diligentia, quum quattuor nota 
illa genera principiorum essel complexus , e quibus omnia 
orerentur, quintam quandam naturam censet esse, e qua sit 
mens. Cogitare enim et providere et discere et docere et in- 
venire/aliquid, et tam multa alia, meminisse, amare, odisse, 



friplicem Jinxit animiim. Aus- 
fiihrlich im Timaeus p. 44 d. sqq. : 
1. 6 vovq, t6 Xoyixov, ro i^ye/uon- 
y.ov, die Vernunft, ratio ; 2. 6 {Jv- 
fAog , To &vf^iy.6v , das Gemiith, 
ira : 3. i] ^TctlJvf^ia , t6 i7Ti'Jvurj- 
Tiy.ov, die Begierde, cupiditas. 

voluit ,,behauptete". Vgl. III. 
31, 7.5 ut illud recens esse velint. 

21. Dicaearchus aus Messana in 
Sicilien, ein Schiiler des Aristo- 
teles, schrieb 3Biicher ntQi ^Pv/rjg 
(auch KoQiv&iay.oi genannt) ; auch 
3 ytta^tayoi. Vgl. 31 , 77. Di- 
eaearchus — facit ist logisch dem 
folg. Satze subordinirt. 

frustra appellari. SoSuet. Otho 
9: xit multi, necfrustra, opina7i- 
tur. 

ani7nalia et animantes. lu die- 
sem Gegensatze ist ersteres (= cw«) 
von Menschen und Thieren , letz- 
teres (= ffiijjv/a) von Pflanzen zu 
verstehen ; elwa : ,,Iebende Ge- 
schtipfe — belebte Wesen". 
Cic. Tuscul. 



animum vel ani^nam , ,,weder 
eine geistige , noch eine physische, 
von dem Leibc Irennbare Seele". 

te7nperatione ,,die gehorige Ein- 
richtung, Organisation". Vgl. 1,2; 
28, 68; IV. 1, 1 u. 13, 30. 

22. quattiior — genera princi- 
piortun, die sogenannten vier Ele- 
meute, oroi/iTa, zuerst Von Empe- 
docles aufgestellt. 

e qua sit mens, Das hat Aristo- 
teles nicht gelehrt; fiir das 5. 
Element erkliirle er vielmehr den 
Stoif (awfja y.vy.}.oqo()7]Tiy.hv aiOt- 
Qiov afxtTd^ki]Tov) , aus welchem 
die Himmelskbrper , also die Ge- 
stirne (t« ai&^Qia) bestiinden (de 
caelo I. 2 u. 3 ; II. 7 u. ofter). Ci- 
cero hat sich hier, und wo er sonst 
den Geist als 5. Element des Aristo- 
teles bezeichnet (unten 17, 41 ; 26, 
65; Acad. I. 7, 26; de fin. IV. 5, 
12), dadurch irreleitenlassen, dass 
die S t o i k e r die Gestirne fiir Gei- 
ster erklarten. 

,2 



18 LIBER 1. 11, 23. 24. 

cupere, timere, angi, laetari — liaec et similia eorum in horum 
qualtuor generum incsse nuUo putat. Quintum genus adhibet 
vacans nomine. elsicipsum animuiii fi'de)Jyeiuv H[)\ie\h{ novo 
nomine, quasi quandam continualam molionem el perennem. 
11 iNisi quae me forte lugiunt, liae sunl lcre de animo sen- 

lentiae. Democritum eniiii, ma^niim ilium quidem virum, sed 
ievibiis et rolundis corpusculis eKicientem animum concursu 
quodam forluilo, omittamiis. Xihil esl enim apud istos, quod 

23 non atomorum lurba conliciat. Ilarum sententiariim quae vera 
sil, dcus aliqui viderit; quae veri simillima , magna quaestio 
est. Itrum igitur inter has sententias diiudicare malumus, an 
ad propositum redire? ^. Cuperem equidem utrumque, si 
posset; sed est diHicile conCundere. Quare si, ut isla non dis- 
serantur, liberari mortis metu possumus, id agamus; sin id 
iion potest nisi hac quaestione animorum explicata, nunc, si 
videtur, hoc, illud alias. 

M. Quod malle te intelligo, id puto esse commodius. Effi- 
ciet enim ratio, iit, quaecunquc vera sit earum sententiarum, 
quas exposui, mors aut malum non sit, aut sit bonum polius. 

24 .\am si cor aiit sanguis aut cerebrum esl animus, certe, quo- 

^)'^*Af/f/«.\\ iederein gjrobesVer- \. 21,02 «//</«/ tevror. \ gl. Znraiit 

sehen Ciceros. Xiclit hc(fX(/€i(c, § 135. 

sondern ivTe).s/eiu nennt Arist. inter has sententias diiudicare, 

den Geist, und nur zu ersterem wie de orat. I. 39, 176: inter 

Worte passt Ciceros Erklaruiif? Marceflos et Claudios cenlumviri 

iiothdiirffig : derSeele spricht Arist. iiidicarunt. 

de anim. I. 3 ausdriicklich alle si posset , sc.,fieri , wie 31, 77 

Bewegung ab. Qiii potest ? u. I\". IS, 41 id non 

11. Democritinn. Er war zu l'otest. 

Abdera 400 v. Chr. geboren, uad , r««A/«rfe,-e„be.des_vere.nigen-. 

l.ildete als Schiiler des Leucippus ^" '•*^ ^'"- ^- ^-^ , 6/: confusio 

dessen Lehi-e von den Atomen wei- virtutum. , . ,,^ ._ ^ . 

ter aus. Vgl. de nat. I). I. 24, 60 : , " ^""^t""" ^' '"^ "^'l' '•'"w''" 

hfa cniin llai^ifia Dcmocriti sive '''■^'"') »•;"«' «^^ ''^^!' »"<;'' '»'/ '*'''• 

etiam anie Lcucippi , esse cor- ;velches dagegen be. .«/;/a.-.^ z. B. 

piiscufa quaedam fcria {hh^), afia "••/>' /3 u V. 31 8S , und nisi 

aspn-a, rofiinda afiu, nartim aii- ^"o/csfum ost, /.. B. 1. 12, 26, immer 

tcmangu/uta, curvata quaedam «eggelassen w.rd. 

et quasi adunca : e.v /liscj/ectum . . ^"accunque- sit Tregder hat 

csse cacfum afque terram, nu/ta '"^'^ fS»'" •>"".■ Hdschr. est ge- 

cogenfe natura, scd concu r s u schneben , aher .m iVebensatze zu 

quodam fortuifo. !^"'«^"! tonjunrt.vsatze .st der Con- 

' junct.v gcechtlcrtigt. \ gl. p. riac- 

apvd istos, bei den Atomisten, 'coS,[9: Miraudum vero est,/iomi' 

denen sich auch Epicur anschloss. ncs cos— tibcnter arripere facui- 

23. deus afiqui. So l\'. 10, 35 u. tatem tatdendi,quaccunque detur! 



LIBER I. 11, 25. 12. 26. 19 

niam est cor(uis. iuteriLit cum reliquo corpore. Si auima est, 
fortasse dissipabitur: si ignis, exstiuguelur ; si est Arisloxeni 
harmonia , dissolvetur. Quid de Dicaearcho dicam , qui uibil 
omnino animum dicat esse? His sentenliis omnibus nihil po.st 
mortem pertiuere ad quemquani potest : pariter enim cum vita 
sensus amiltilur: non sentientis autem, nihil est, ullam iu par- 
!em quod intersit. Reliquoriim senleutiae spem afFerunt, si lc 
hoc forte delectat, posse animos, quum e corporibus e.xcesserint, 
in caelum, quasi in domicilium suum, pervenire. A. Me vero 
delectat, idque primum ita esse velim ; deinde, etiam si non 
sit, mihi persuaderi tamen velim. J/. Quid tibi ergo opera 
nostra opus est? num eloquentia Platonem superare possumus? 
Evolve diligenter eius euni iibrum, qui est de animo : ampiius 
quod desideres, nihil erit. A. Feci mehercule, et quidem sae- 
pius: sed, nescio quo modo, dum lego, assentior, quum posui 
librum et mecum ipse de immortalitate animorum coepi cog^i- 
tare, assensio omnis illa elabitur. 

M. Quid hoc? dasne aut manere animos post mortem, aut 25 
morte ipsa interire? A. Do vero. J/. Quid? si maneaut? A. 
Beatos esse concedo. M. Sin intereant? A. ]\on esse mise- 
ros , quoniam ne sint quidem. lam islud , coacti a te, paullo 
ante concessimus. M. Quo modo igitur aut cur mortem ma- 
lum tihi videri dicis? quae aut beatos nos efficiet, animis ma- 
uentibus, aut nou miscros, sensu carentes. 

A. Expone igitur, nisi molestura est. primum, si potes, 12 
animos remanere post mortem ; tum, si miuus id obtinebis (est 26 

24. Jurfasse. Cic. meint nicht, /iicere fiir das vorangegangene ^ro 

dass der Geist, wenn er Luft sei, nihilo pecuniam ducere. 

sich vielleicLt einstzerstreue : son- ?tescio quo modo hier, wie 15, 

dern , dass er sich einst vielleichl 33 u. 31, 77. ganz einfach: ,,ich 

auch zerslreue, nanilich (sicherlich) weiss nicht, wie es kommt". 

1d dem Falle, wenn er Luft sei. posui librum. .\uch zu vesfem 

quasi in domicilium suum. \'gl. setzt man nicht deponere, sondern 

de sen. 23. "?4 : ex vita ifa discedo das Simplex , z. B. 47 , 113 u. V. 

famquam ex hospitio , non fam- 20, 60 : ebenso bisweilen dolorem 

quam e domo : eomuwrandi cnim (III. 2S, 66), vifia, arma ponere. 

uafura deversorium nobis , noii 25. Quid hoc;" ,.\Vas meinst du 

habitandi locum dedit. dazu?" weist auf die folgende 

qni est de animo. Das deutsche Frage hin, wie 14, 32 Quid i/ludif 

,,haDdeIn", bei der Angabe des dasne. Vgl. II. 12, 2S : satis 

Inhalts einer Schrift, wird stets mihi dedisti. 

durchejieausgedriickt : vgl. I\'. 34, 12 26. obtinebis : eine Ansicht 

72. Cicero meint hier den Dialog durcbsetzen, also beweisen. So V. 

'P(ti6o}V. 30, S5 : Hi quid possinl obtinere, 

Feci , flir evolvi , wie V. 32, 90 videamus. 

2* 



20 



LIBER I. 12, 27. 2"^. 



etiim ardiuiinj, docehis, carere onini nialo niortem. Ego enim 
jstud ipsum vereor ne malum sit, non dico carere sensu, sed 
carendum esse. 3/. Auctoribus quidem ad istam sententiam, 
quam vis obtineri, uti optimis possumus , quod in omnibus 
caussis ct debel et solet valere plurimum : et primum quideni 
onini anliquitate , quae quo propius aberat ab ortu et divina 
progenie, lioc melius ea lortasse, quae erant vera, ccrnebat. 

27 Itaquc unum illud oral insitum priscis illis , quos cascos 
appellat Ennius , esse in morte sensum , neque excessu vitae 
sic deleri bominem , ut funditus inleriret; idque quum multis 
aliis rebus , tum e pontificio iure el e caerinioniis sepulcrorum 
intelligi licct , quas maximis ingeniis praediti nec tanta cura 
coluissent nec violalas tam inexpiabili rcligione sanxissent, 
nisi liaereret in eorum mentibus, mortem non interituni esse 
omnia lollentem atque delentem, sed quandam quasi migratio- 
neni ("ommutationenKiue vitae, quae in claris viris et leminis 
dux in caelum soleret esse, quum ceteri bumi relinerentur, ut 

28 permanerent tamen. Ex hoc et nostrorum opinione Rojnz/ius 
in caclo cuvi iJis agit aevom^ ut famae assentiens dixitEnnius, 



primum qtiidcm. I)as Eiilspre- 
cheude folgt erst § 30. 

propius aberut. Vgl. de leg. I[. 
11,27: quoniam antiqidtas pro- 
xime accedit ad deos. 

27. cascos. Varro de ling. Lat. 
Vn. § 28 : Cascum sign{ficat vetus ; 
eius origo Sahina, quae usque ra- 
dices in Oscam linguam egit. 
Cascum vetus esse significat En- 
nius, quod ait: Quam prisci casci 
popvli tenuere Latini. Vgl. 0. 
Miiller Etrusker 1, S. 41. Gell, 
IV. A. \. 10: adolescens casce 
nimis et vetuste loquens. 

excessn vitae = excessu e vita 
(de fin. III. 18, GO). 

violatas — sanxissent ,,ihre 
Verletzung niit eiuem nnsiihnbareii 
Fluche ^erpiinen". Vergl. de har. 
resp. 5, 11 : sed primum expiabo 
religionem aedium mearum. — 
Zur Saebe : de leg. II. 22, \vo voii 
einzelnen iuribus Manium ausfiihr- 
licher die Rede ist. 

nisi haercret. Das Iinperfectum 
C.oujunctivi bezeichnet die rait dem 



suncirc gleichzeilige Dauer des liae- 
rcre. (Posiliv ausgedriickt : sanxe- 
runt; nam haerebat — .) Ebenso 
37, 89: si timeretur — non cun- 
cidisset. 

quum ceteri — ut perrnauerenf 
tamen (= ita tamen , ut perma- 
nerent), Ernestis Conjectur fiir die 
verderbte Lesart der Hdschr. : in 
ceteris hunii retineretur et prrma- 
neret tamen. — \^'eiter ausgeiiihrt 
ist der Gedanke (nach Plat. Phae- 
don) von Cicero dc rep. ^ I. 20 extr.: 
ISam eorum animi, qui se corporis 
voluptutibus dcdiderunt earumque 
se quasi ministros praebuerunt — 
corporibiis elapsi circuvi terrani 
ipsam vo/utantur , nec hiinc in 
locutn (i. e. in caelum) nisi miiltis 
exagitati saeclis revcrtuntur. 

28. Ex hoc = igitur. Vgl. V. 
(), \~i ex quo. 

Romulus etc. Serv. zu Aeu. VI. 
701 cilirt genauer: Romulus in 
caelo ciim Dis genitalibus aevum 
Degit. Das Adjectiv genitalibus 
liisst Cic. offenbar absicbtlich weg. 



LIBER I. 13, 29. 



21 



et apud Graecos indeque perlapsus ad nos et usque ad Oceanum 
Hercules tantus et tam praesens habetur deus. Hinc Liber Se- 
mela natus eademque famae celebritate Tyndaridae fratres, qui 
non modo adiutores in proeliis victoriae populi Romani, sed 
etiam nuntii fuisse perhibentur. Quid? Ino, Cadmi iilia, nonne 
u4£VKod-ea nominata aGraecis,Matuta habetura nostris? Quid? 
totum prope caelum, ne plures persequar, nonne humano ge- 
nere completum est? Si vero scrutari vetera et ex iis ea, quae 13 
scriptores Graeciae prodiderunl, eruere coner, ipsi illi, maiorum 29 
gentium dii qui habentur, hinc a nobis profecti in caelum re- 
perientur. Quaere, quorum demonstrentur sepulcra inGraecia; 
reminiscere, quoniam es initiatus, quae tradantur mysteriis : 



perlapsus ad nos. Die Sage von 
Hercules Kampte uiit Cacus und der 
Entstehung seines Cultus in Rom 
s. bei Liv. l. 7; Vei"g. Aen. VIIL 
194 sqqi;' Ovid. Fast. I. 543 sqq. ; 
ihre Deutung bei Hartung Relig. 
d. Romer Th, 2, S. 21 fgg. 

iisque ad Oceanum. Von der 
Insel Erytheia bei Gadeira (Gadir, 
Gades) , jenseits der von ihm er- 
richteten beiden Saulen (der Vor- 
gebirge Calpe und Abyla), holte H. 
die Rinder des Geryones. Vgl. 
H^rod. iV. S; Pomp. Mela I. 5, 3. 
In Gades hatte er ein priichtiges 
Heiligthum, denn (der tyrlsche) 
Hercules war der Hauptgott der 
Phonicier. Vgl, Her. II. 44 ; Strabo 
III. 5, p. 272 sq. T. 

praesens, causa p. effectu : hiilf- 
reich. 

ddiutores — nuntii. Nach de 
nat. D. II. 2, 6 u. IH. 5, 11 — 13 
soUen dieTyndariden inderSchlacht 
am See Regillus 496 dem Dictator 
A. Postumius gegen die Tarquinier 
sichtbar beigestanden, und 168 den 
Sieg des Aemilius Paullus iiber 
Perseus an demselben Tage dem 
P. Vatinius auf der Landstrasse 
zwischen Reate und Rom verkiin- 
det haben, auch einSieg derLocrer 
iiber die Crotoniaten beim Flusse 
Sagra (um 580 v.Chr.) schon amTage 
derSchlacht in Olympia bekannt ge- 
worden sein. Vgl. lustin. XX. 5. 



Ino. Sinu : Geniesst nicht auch 
Ino , Cadmus Tochter, gottliche 
Ehre ? Die Sage von ihr s. bei 
Ovid. Met. IV. 416-562; vgL 
Hom. Od. V. 333 sq. Irrthiimlich 
identificirt sie Cicero hier und de 
nat. D. 111. 19, 48, gleich anderu 
RiJmern, mit der riimxschen Matuta 
(nach Hartung Th. 2, S. 73 If. Bei- 
name der Juno alsBeschdtzerin der 
verwaisten Geschwisterkinder, v. 
d. ungebrauehl. matrua). 

13. 29. maiorum gentium dii. 
Der Ausdruck ist von den Patribus 
maiorum etminorum gentiumQeac 
von Romulus , diese von Tarquinius 
Priscus in denSenat aufgenommen) 
entlehnt und = Dii conseiites oder 
complices. Nach Apulei. de deo 
Socr. t. 2. p. 121 Oud. nannte sie 
Ennius in den Versen : 
luno, Vesta, Minerva, Ceres, Dia- 

na, fenns, Mars, 
Mercurius, loois, Nepiunus, Fttl- 
canus, Apollo. 

quorum demonstrentur sepulera 
— qiiifuerint ii, quorum demon- 
strantur sepulcra. So wird Jupiters 
Grab auf Creta bei Callim. in lov. 
9 und Cic. de nat. D. III. 21, 53; 
das des Aesculap in Cynosura und 
in Arcadien ib. 22, 57 erwiihnt. 

quae tradantur mysteriis. Auch 
Cicero war in sie eingeweiht und 
hielt sie sehr hoch ; s. de leg. 11. 
14, 36. 



22 



Ll BER I. 13. 3i». 14, 31. 



luni (leniquc, quaiii lioc late palcat, inlclligcs. Scd qui nonduni 
ca, quae niullis post annis tractari cocpta sunt, physioa didicis- 
sent, lanluni sibi persuaserant, quantum natura adnionente 
cognoverant, raliones el caussas rerum non tencbant, visis 
quibusdam saepe movebantur iisque maxime nocturnis, ut vi- 
derentur ii, qui vita e.xcesscrant, viverc. 

SOl Lt porro tirmissimum hoc airerri videtur, cur dcos esse 
credamus , quod nulla gens tam lcra , ncmo omnium lani sit 
immanis, cuius mentem non imbuerit deorum opinio : — multi 
de diis prava sentiunt (id enim vitioso more cllici solct), onines 
tamen esse vim ct naturam divinam arbitranfur; nec vero id 
collocutio homiiium [aut consensus] cllecit, non institulis opi- 
nio csl couFirniala, non lcgibus ; ou)ni autcm in re consensio 
omnium gcnlium lex naturae pulanda est; — quis cst igitur, 
qui suorum mortem primum non co lugeat, quod eos orbatos 
vitae commodis arbitretur? Tolle hanc opinioncm : luctum sus- 
luleris. Nemo cuim maeret suo incommodo; dolcnt fortasse 
et anguntur, sed illa lugubris lamentalio flclusque maerens ex 
eo cst, quod eum, qucm dilcximus, vitae commodis privatum 
arbilramur id<|uc scntire. Atque haec ila senlimus natura duce, 
nulia rationc nullaque doctrina. 

14 Maximum vero argumcntum est, naturam ipsam de im- 



tiim denlque ,,tiaiiii — zuletzt'' 
bezeiclinet das Itesultat eiiierHaiul- 
lung (oder eines Zuslandcs) ; tinit 
demiim ,,(lann — erst" driickt aus, 
dass Etsvas spiiter, als man erwar- 
tete, geschali. 

coepta siint ist Keils Verl)esse- 
rung (ler handschri ftl.ljesart rorpis- 
sent, '\\\ deriiicht iiur derConjuncliv 
sehr auffiillig, sonderu auch das Ac- 
tivuin eoejii bei einein Inlin. 1'assivi 
entscliieden uncicernnisch ist. 

faiitum — quantiim iin beschriin- 
kenden Siniie, wie II. 19, 41. 

3U. deoruiii opinio, Gen.obiect., 
wie II. 26, <)3 ojiinio Inmrslatis. 

miilti - jiiitunda est ist als Pa- 
rentliese zii fassen ; der aiiakolu- 
Ihische Naclisafz zu i't — ist : 
qiiis est igitur elc. 

id enim — - neque id mirandiim ; 
id enim — . \'gl. 0, 1 1 (Jiiis eniiu. 

vim et uaturain divinain, ^v Sia 



SvoTr , wie \). Mil. 30, S3 vim nu- 
meiive diviniim. 

consensus (ini directen Gegensatz 
zu dein folg. consensio und zu 1.3, 
35 consensiis !) ist vvahrschl. nur 
eiiie schlechtc Glosse zn coll. hom. 

quis est igitur etc. fur: ita 
nemo est , qiii elc. Streng logisch 
aber iniisste dieser Nacbsatz zu Vt 
— so heissen : ita animorum im- 
mortalitatem eadem ratione ex 
omnium gentium consensione pro- 
bare possumus : nemo enim est, 
qui etc. 

priinum. Dein entspricht anako- 
luthisch erst § 31 maximum vero 
etc. \ gl. 24, 57 priinum — (Juid? 
V. 9, 21 primum — idem : 27, 7S 
pr. — vero ; 40, 117 pr. — sin. 

Tolle — sustuleris, der Iinpera- 
tiv statt eines Bedingungssafzes ; 
der Ilauptsafz folgt dann bei Cic. 
stets «(TirJYrw;. 



LIBERI. 14, 31. 32. 15, 33. 



23 



mortalitate animorum tacitam iudicare, quod oranibus curae 31 
sunt et maximae quidem, quae post mortem futura sint. Se- 
rit arbores^ quae alteri seculo prosint, ut ait in Synephebis, 
quid spectans, nisi etiam postera secula ad se perlinere? Ergo 
arbores seret diligens agricola, quarum adspiciet bacani ipse 
numquam : vir magnus leges, instiluta, rem publicam non se- 
ret? Quid procreatio liberorum, quid propagatio nominis, quid 
adoptationes filiorum, quid testamentorum diligentia, quid ipsa 
sepulcrorum monumenta , quid elogia significant, nisi nos fu- 
tura etiam cogitare? Quid illud? num dubifas , quin specimen 32 
naturae capi deceat ex optima quaque natura? quae est melior 
igitur in hominum genere natura, quam eorum, qui se natos 
ad homines iuvandos, tutandos , conservandos arbilrantur? 
Abiit ad deos Hercules : numquam abisset, nisi, quum inter 
homines esset, eam sibi viam munivisset. Vetera iam ista et 
religione omnium consecrata. 

Quid in hac republica tot tantosque viros ob rem publi- 15 
cam interfectos cogitasse arbitramur? iisdemne ul finibus nomen 
suum, quibus vita, terminarelur? Nemo umquam sine magna 
spe immortalitatis se pro patria olFerret ad mortem. Licuit esse 33 
otioso Themistocli , licuit Epaminondae , licuit , ne et vetera 
et externa quaeram, mihi ; sed, nescio quo modo, inhaeret in 



14. 31. Serit etc. VVahrschein- 
lich waren es Cretici : 

, — Serit 

Arbores, quae dlteri saecrilo pro- 

sient. 
Nach Antlern ein iamhischer Senar : 
Serit drbores qitae saeclo prosint 
dlteri. 

ut aitin Synephebis, suppl. ille. 
^vvf(frj^oi ,,die Jugendfreunde " 
eine Komodie des Menander, welche 
Statius Caecilius (gest. 168) ins 
Lateinische iibertrug. 

arbores seret — leges -— non se- 
ret'^ s. Zumpt § 781. Die Metapher 
ist hier natiirlich durch das vorher- 
geh. arbores seret ^eraniasst, doch 
koinmt sie auch sonst vor, z. B. de 
leg. I. 6, 20 : serendi etiam mores 
nec scriptis omnia sancienda. 

testamentorum di/igentia. Neue- 
re Lateiner schreiben schlecht : di- 
ligenfia in — u. Aehnl. 



elogia ,, Inschriflen auf Grab- 
malern'^ Ein Beispiel s. Cat. M. 
17,61. 

32. Quid illud'f wie 11, 25 
Quid hoci' 

quin specimen etc. ,,dass das 
Muster (Ideal) fiir jedes Wesen von 
deni besten Wesen dieser Art ent- 
nommen werden muss". 

15. Quid — cogitasse arbitra- 
murf Wir sagen im Deutscben : 
,,worauf mijgen sie gedacht ha- 
ben?" Zu -cogitare ut vgl. Nep. 
Dion 9, 2 : navein agitariiiibet, co- 
gitans — ut haberet, qiiafugeret. 

33. ne et vetera et externa 
quaeram ,,um nicht weiter nach 
Beispielen, die (wie die genannten) 
der Vergangenheit und zugleich 
dem Auslande angehiiren , zu su- 
chen". Daher e^ — et , und nicht 
aut — auf. 



24 



LIBERI. 15, 34. 35. 



ineiitibus quasi seculorum quoddani augurium futurorura, idque 
in maximis ingeniis allissimisque aiiimis et exsistit maxime et 
apparct racillime. Quo quidem dempto, quis tam esset amens, 
qui seniper in laboribus et periculis viveret? 

34 Loquor de principibus ; quid poelae? nonne post mortem 
nobilitari volunt? unde ergo illud : 

Adspicile, o cives, senis Enni imaginis Jorniam. 

Hic voslniin panxit maxuma facta jiatrum — 1 
Mercedem gloriae flagitat ab iis, quorum patres affecerat glo- 
ria ; idemque : 

"Semo me lacrumis dccoret ?iec Junera Jletu 

Favit. Cur? volito vivus per ora virum. 
Sed quid poetas? Opifices post morteni nobilitari volunt. Quid 
enim Pbidias sui similem speciem inclusit in clypeo Minervae, 
quum inscribere non liceret? Quid nostri pliilosophi? nonne in 
his libris ipsis , quos scribunt de coutemnenda gloria , sua no- 
mina inscribunt? 

35 Quodsi omnium consensus naturae vox est, omnesque, qui 
ubique sunt, consenliunt, essealiquid, quod ad eos perlineat, qui 
vita cesserint: nobis quoque idem existimandum est. Et si, 



34. de priiicipibus , iiu engern 
Sinne von hochgestellten Staats- 
mannern, wie 42, 101. 

illud „jener Ausspruch", wie 
II. 5, 13: illiid Accii. Das obige 
Distichon soll also Eunius zu sei- 
nem Bilde fiir sein Grabuial ge- 
raacht haben. 

panxit = composuit ; Anspie- 
lung auf seine Annales , s. obeu 
zu 1, 3. 

Nemo — faxit, auch im Cat. M. 
20, 73 angefiihrt. 

Sed quid poefas? sc. dico, eine 
bei solchen Uebergiingen sehr ge- 
wbhnliche Ellipse. Vgl. II. 17, 41 : 
Pugiles caestibus contusi ne inge- 
miscunt quidem. Sed quid hosi' 
Gladiatores — quas plagas per- 
ferunt 1 

Phidias hattc bci seiner beriihm- 
tcn elfenbein. Bildsiiule der.Vlhene 
auf dem Schilde der ' Goltiu die 



Amazoncnschlacht und dcu liampf 
dcr Giganteu iu erhabener Arbeit 
dargcstellt und dabei sein eigenes 
Bild angebracht, in der Art, dass dies 
den gauzcn Schild zusammenhielt. 

sui similem. Von Cicero wird si- 
milis bei lebenden Wesen faststets 
mit dem Genitiv, bei leblosen Din- 
gen mit dein Gen. oder Dativ ohue 
Lutei'schied gebraucht. 

inscribere, sc. nomcn suum. 

sua nomina inscribunt. Densel- 
ben Gedanken s. p. Arch. 11, 26. 

35. qui ubiquc sunt = quisunt, 
ubicunque sunt. Denn bei Cic. u. 
allen Schriftst. vor ^^ergil. und Li- 
vius isl ubiquc nie schlechtweg = 
omnibus locis , sonderu kommt nur 
uach Relativis und Intcrrogalivis 
zur Abkiirzung des Ausdrucks in 
dieser \\ eise vor. \gl. de divin. II. 
45, (14: qui ventus, qui imber, quae 
tempestas ubiqucsif. Ebenso quic- 
quid (s. unten IV. li», 44). 



LIBERI. 16, 36. 37. 25 

quoriim aut ingenio aut virtute animus excellit, eos arbitrabi- 
mur , quia natura optima sint , cernere naturae vim maxime : 
veri simile est, quum optimus quisque maxime posteritati 
servial , esse aliquid , cuius is post mortem sensum sit 
habiturus. 

Sed ut deos esse natura opinamur, qualesque sint, ra- 16 
tione cognoscimus : sic permanere aninios arbilramur consensu 36 
nationum omnium ; qua in sede maneant, qualesque sint, ra- 
tione discendum est. Cuius ignoratio finxit inferos easque 
formidines , quas tu conlemnere non sine caussa videbare. In 
terram enim cadentibus corporibus, iisque humo tectis, e quo 
dictum est humari^ sub lerra censebant reliquam vitam agi mor- 
tuorum. Quam eorum opinionem magni errores consecuti sunt, 
quos auxerunl poelae, Frequens enim consessus theatri, in quo 37 
sunt mulierculae et pueri, movetur audiens tam grande carmen : 

Adsum atque advenio Acherunte vix, via alta atque drdua, 
Per speluncas, sdxis structas dsperis, pendentihus, 
Mdxumis, ubi rigida constat crdssa caligo inferum; 

tantumque valuit error, qui niihi quidem iam sublatus videtur, 
ut, corpora cremata quum scirent, tamen ea fieri apud inferos 
fingerent, quae sine corporibus nec fieri possent nec intelligi. 
Animos enim per se ipsos viventes non poterant mente com- 
plecti ; formam aliquam figuramque quaerebant. Inde Homeri 
tota vsy.vla, inde ea, quae meus amicus Appius vsxvof.iavT€lcc 
faciebat; inde in vicinia nostra Averni lacus, 



16- 36./b»'OT?"rf^rteA- ,,Schreckbil- hnwv, 'iv "Ai8y]g /w(»f? (pxiaTcii 
der", wie den Cerberus, Cocytus, ^((Sv. 

Acheron; s. oben 5, 10. vfxvia: Hom. Odyss. lib. XI. 

consecuti siint bezeichnet den ^f^Pli'"^ ' wahrscheinlich Jpp. 

innern (causalen) Zusammenhang ClamUus Pulcher , der Bruder des 

der ovinio und der errores ; das von J/j/o erschlagenen P. Clodius; 

Simplex sequi wiirde nur die iius- <^°"f"l ^4 v. Chr., Ciceros CoUege 

sere zeitliche Folge ausdrucken. im Augurat, an weichen epistt. ad 

Vgl. 32, 78 consequens. f»"»- ^'^- ''^- gerichtet ist. 

vtxvo^ciVTtia{(ti.vexQouavrHa): 

37. ^c?*«;ra etc. (nach Ribbeck ,,Geisterbeschworungen (eigentl. 

Trag. Lat. reliq. p.20S u. 321) aus WeissagungenderTodten)";/flcere 
des Attius Hecuba, einer Nach- veranstalten". Vgl. de div. 1.58, 

bildung von Eurip. Hecuba. Es i'32 ; psychomantia m^vxo/lctv- 

spricht der Geist des Polydorus, y^jr^)^ quibus Appius amiciis tuus 

bei Euripides v. 1 u. 2 : ^^^- solebat. 

Hxco , v(xQ(5v xev&fxdivci xcil axo- Averni lacus , in Campanien bei 

rov nvlag Cumae und Puteoli. 



26 



LIBER I. 16, 3S. 



Unde animae excitdntur obsctira t/m/jra, aperto ex ostio 
Altae jdcheruntis, fnlso sanguine, mhrtuoruni inidgines. 
Has tamen imagines loqui volunt , quod fieri nec sine lingua 
nec sine palato nec sine faucium, laterum , pulmonum vi et 
figura potest. Nihil enim aninio videre poterant; ad oculos 
38 oninia relerebant. Magni autem est ingenii , sevocare men- 
tem a sensibus et cogilationom ab consueludine abducere. Ita- 
que credo equidem etiam aiios tol seciilis, sed , quod litteris 
exstel, Plierecydes Syrius primus dixit, animos esse hominum 
sempiternos, antiquus sane: luit enim meo regnante gentili. 
llanc opinionem discipulus eius Pythagoras maxime confinna- 
vil: qui, quum Superbo regnante in lt;iiiam venisset, tenuit 
Magnam iilaniGraeciam ([uum discipiina, tum etiam auctorilate, 



Vndv. etc. Uie Quelle des Citats 
ist unljekannt. 

ohscura umbra, Abl. modi: ,,in 
(liisterer Schattengestall". 

faho sanguiiiv ,,iiiit einem Blute, 
das kein Blut ist". In der anderu 
Lesart, salso sanguinc (welches 
dann zu excilanfur be/ogen werden 
uiUsste), wiirde bei*a/A//.vent\vcder 
daran zu denken sein , dass die 
zu Geisterbeschwiirungeu niithigen 
Opferthiere luit Salz bestreut wur- 
den, oder salsus als biosses (frei- 
lich unrichliges , doch hci sangiiis 
auch sonst vorkouiinendes) epithe- 
ton ornans zu nehuien sein. 

mortuoram itnagines. Man hat 
;worf//<y/'w/« angefoehten, weii die 
Todten nur imagincs viccntium 
genannt werden kiiiiuten, auch cod. 
R. im. mort. liest. uud dalier /wa- 
gines mortaliam conjicirt. Vgl. je- 
doch Hom. II. XXIII. 72: * /cTw/rt y.u- 
/jorTOJV; Verg. Aen. IV. 472 : l'm- 
braeibant tcnaessimulacra'juc lu- 
ce carcntum. — Schliesslich sei noch 
bemerkt, dass Ribbeck (p. 2()S) die 
in den Hdschr. allerdings iiiaiiiiig- 
fach verderbten Verse so giebt : 

obscura i/rnbra o/jcrtac 

, ex ustio 

. . . alti ylclicruntis . . salso 

sdnguine, 
indem er die Worte unde animae 
e.rc/Ya«/7/r Cicerozuschreibt, nior- 



tuorum imagines aber fiir eine 
blosse Randglosse hiilt. 

Nihil — potcrant ,,zurgeistigen 
Auscbauung konnte mau sich nuch 
uicht erheben". 

3S. c/iiim alios. Aus dein fol- 
genden di.rit siippl. dixisse. 

i/uod — cxstct , s. Zumpt Gr. 
§ b'i\). So Brut. 15, 57 : Quem vero 
cxstet cloqucntem fuisse et ita 
cssc liabitum, primiis est M. Cor- 
ncliiis Cethegus. 

Plierccijdes von der Insel Syros, 
um 510 V. Chr., der iiltestc Prosai- 
ker der Griechen. 

fiiit cuim mco regnantc gcntili: 
,,er lebte uiiter Seivius Tullius". 
{f'ixit wiirde beissen : er war 
noch am Lcben".) Der Ausdruck 
nieo gentili ist wolil nur eiii Scherz 
\on Cicero. 

disciplina — aiictoritate ,,Wis- 
senschaft — politischer Einfluss". 
Fythagoras war auch Reformator 
derSitteii uiid der \ erfassung meh- 
rerer Stiidte in Grossgriechenland ; 
vgl. I\'. I, 2 u. 3. — Vor disciplina 
ist im Texte das aucb von Tregder 
angezweifeltc Ao//o;t , das freilich 
alle Mscr. , theils mit , theils ohne 
ct, d-irbieten, getiigf, da es den Ge- 
gensatz zwischeu disciplina uud 
aucloritas nur verwischen wiirde. 
Man iniisste wenigslcns mit Orelli 
honorc discijtlinae schreiben. 



LIBER I. 17, 39. 40. 27 

multaque secula postea sic viguit Pythagoreorum nomeu, ut 
nuUi alii docli viderentur. 

Sed redeo ad antiquos. Rationem illi sententiae suae non 17 
fere reddebant , nisi quid erat numeris aut descriplionibus ex- 
plicandum. Platonem ferunt, ut Pythagoreos cognosceret , in 39 
Italiam venisse et didicisse Pythagorea omnia , primumque de 
animorum aeternitale non solum sensisse idem, quod Pythago- 
ram, sed rationem etiara attulisse. Quam, nisi quid dicis, 
praelermittaraus et hanc totam spem iramortalitatis relinqua- 
mus. A. An lu , quum me in summara exspectalionem ad- 
duxeris, deseres? Errare mehercule malo cum Platone, quem 
tu quanti facias scio et quera ex tuo ore admiror, quam cum 
istis vera sentire. M. Macte virtute ! ego enim ipse cum eodem 40 
ipso non invitus erraverim. Nuni igitur dubitamus , an sicut 
pleraque? quaraquam hoc quideni rainime : persuadent enim 
raalheraatici , terram in medio raundo sitara ad universi caeli 
coraplexum quasi puncti instar obtinere, quod ■/.evxQOv illi vo- 
cant; eam porro naturam esse quattuor omnia gignentiura cor- 
porum , ut, quasi partita habeant inter se ac divisa momenta, 
terrena et humida suopte nulu et suo pondere ad pares angulos 
in terram et in mare ferantur, reliquae duae partes, uua ignea, 
altera aniraalis , ut illae superiores iu raediura locuni mundi 
gravitale ferantur et pondere, sic hae rursura rectis lineis in 
caelestem locura subvolent , sive ipsa natura superiora appe- 

17. ad antiquos, zxi ^enAliera wir auch dies iii Zweifel wle so 

Pjthagoreern. Vieles (nach VVeise der Akadeuii- 

nonfere reddehant. Sie begniig- ker)? Hier konnen wir freilich es 

ten sich gewohnlichmitderaSpruche: am allerwenigsten" u. s. w. 
AvTog (sc. Pythagoras) e(fcc. in inedio miindo A^Vfl/??, nach der 

descriptionibus ,, geometrische irrigen Vorstellung der Alten. Vgl. 

Zeichnungen". So de fin. V. 19, 28, 68. 

50: Arehimedes dum in jntlvere ad — complexum.\^\.hiy.\.W\. 

quaedam describit attentius , ne 22: homini non ad cetera Punica 

patriam quidem captam esse ingenia callido ; Cic. de orat. II. 

sensit. G, 25 : virum non illitteratum, sed 

39. cum istis , mit denen, die nihil ad Pcrsiiim. 
die Unsterblichkeit liiugnen. momcnta hier : ,,Bewegungsge- 

40. 72011 invitus erraverim soll nur setze, Riehtungen' '. 
Ciceros hohes Zutrauen zu Platos ad pares angulos ,,senkrecht''. 

Einsicht ausdriicken. Vgl. 21 , 49 rursum ,, andrerseits", griech. 

ut enim etc. ctv. Vgl. 20 , 45 : et habitabiles 

Num igitur dubitamus etc. regiones et rursum omni cultu 

,,Wir zweifeln doch nicht etwa(er- carentes ; auch III. 15, 33. 
ginze aus dem Folgenden : quin ipsa natura sc. ignearuni et 

terra — obtineat)Y oder stellen animalium partium. 



28 LIBERI. 17, 41. 18, 42. 

tenle, sive quod a gravioribus leviora natura repellantur. Quae 
quuni constent , perspicuum debet esse , animos, quum e cor- 
pore excesserint, sive illi sint animales, id est spirabiles, sive 

41 ignei, sublime ferri. Si vero aut numerus quidam est animus, 
quod subtiliter magis quam dilucide dicitur, aut quinfa illa non 
nominata magis quani non intellecta natura: multo etiam inte- 
giiora ac puriora sunt, ut a terra longissime se efferant. Ho- 
rum igitur aliquid animus est — nc tam vegeta mens aul in 
corde cerebrove aut in Empedodeo sanguine demersa iaceat. 

18 Dicaearchuni vero cumAristoxeno aequali et condiscipulo 

suo, doclos sane homines, omittamus : quorum alter ue condo- 
luisse quidein umquam videtur, qui aninnim se habere non sentiat, 
alterita delectatur suis cantibus, ul eos etiam ad haec transterre 
conetur. Ilarmoniam autem ex intervallis sonorum nosse possu- 
mus, quorum varia composilio eliam harmonias elficit plures ; 
membrorum vero situs et figura corporis, vacans animo, quam 
possit harmoniam efficere, non video. Sed hic quidcm, quamvis 
eruditus sit, sicut est, haec magistro concedat Aristoteli ; canere 
ipse doceat. Bene enim illo Graecorum proverbio praecipitur: 
Quam quisquc norit drtcm^ in hac se cxerceat. 

42 Illam vero fundilus eiiciamus individuorum corporum levium et 
rotundorum concursionem fortuitam ; quam tameii Democritus 
concalefactam et spirabilem, id est animalem, esse vult. 

Is autem animus, qui, si est horum quattuor generum, ex 
quibus omnia constare dicuntur, ex inflammata aninia constal, 

animos — corpore. Ebenso 30, doctos kotnines, der Plnr. neben 

72: duas esse vias animorum e />/<?. c//7h. //•/*/., s.Zuinpt Gr. §375. 

corpore excedentium. Aehnlich Lael. 11,39: Papum Ae- 

41. numerus s. 10 20. milium C. Luscino familiarem 

. , .,, , i[\ n.-i fuissc, bis una consu/es. 

quinta illa — natura, s. 10,22. "^ , '. r i i u it » 

. ', , ■ 1 / t n od fiaec ,,aut pnilosonh. Unter- 

Auch das non nommata (— 10, , n vi ili. t 

.lo • N ■ i • T .1 suchunffen". Lbensonachher : naec 

22 uacans nomine) ist eiu irrthum , . <■,.,. 

p,- , i • . . 1 . concedat Aristoteli. 

Liccros ; denn Aristoteles nannte • x x d .••■• i 

. c c', i A . u sicut est, zur nestatifrunec der 

sein 5. Llement Aeth er. , ' c ?.• 

. , . I • u .• voruerffeeanffenen Supnosition ; so 

tntegriora ,, gleichartiger , un- •jv.t aix xx 

„.°., u c- c ?•> ■ ^*'™ •'>"<^'i ut est oAev ut est certe 

vermischter ", wolur 8 43 incor- , ,. o i^; •, . -.^ 

. ' ^* gcbraucht, z. B. IV. .54, i2. 

ruptus. '^ ,. ' . . 2 ■ . ir 

^ . , , (Juain quisquc etc. Arist. Vesp. 

ne — /flcear, .,woran nian darum , ,.>, ',- p «' " _ » 

lesthalten muss, damit nubt (was t , y ^ 

sonst angenommen werden inuss- ,, y . ,, oo 

V 44 ° 42. levium. s. 11 , 22. 

' ' injlammata anima. Ifvfvjuce 

in corde elc, s. J, 18 u. 19. TTv^ioiK^tg sagen die Stoiker, von 

18. Dicaearchum c. Arist.; s. denen auch die fnlgenden Gedanken 

10, 20. 21 u. 11, 24. enllehnt sind. 



LIBERI. 19, 43. 44. 29 

ut potissimum videri video Panaetio, superiora capessat ne- 
cesse est. Nihii enini habenl haec duo genera proui et supera 
semper petunt. Ita, sive dissipantur, procul a terris id evenit; 
sive permanent et conservant habitum suum, hoc etiam magis 
necesse est ferantur ad caelum , et ab iis perrumpatur et divi- 
datur crassus hic et concretus aer, qui est terrae proximus. 
Calidior est enim vei potius ardentior animus , quam est hic 
aer, quem raodo dixi crassura atque concretum: quod ex eo 
sciri potest, quia corpora nostra, terreno principiorum genere 
confecta, ardore animi concalescunt. 

Accedit, ut eo facilius animus evadat ex hoc aere, quem 19 
saepe iam appelio, eumque perrumpat, quod nihil est animo 43 
velocius , nuUa est celeritas , quae possit cum animi celeritate 
conlendcre. Qui si permanet incorruptus suique similis, ne- 
cesse est ita feratur, ut penetret et dividat omne caelum hoc, 
iu quo nubes, irabres ventique coguntur, quod et huraidum et ^ 
caliginosum est propter exhalationes terrae. Quam regionem 
quum superavit animus naturamque sui simiiem contigit et 
agnovit , iunctis ex anima tenui et ex ardore solis lemperato 
ignibus insislit et iinem altius se efferendi facit. Quum enim 
sui siraiiera et levitatem et calorera adeptus est , taraquara pa- 
ribus exarainatus ponderibus, nullara in partem movetur, eaque 
ei demum naturalis est sedes , quum ad sui simile penetravit, 
in quo nulla re egens aletur et sustentabitur iisdem rebus, qui- 
bus astra sustentanlur et aluntur. 

Quumque corporis facibus inflammari soleamus ad omnes 44 

Panaetius von Rbodus , der an- D. II. 46, 118 : Stait autevi stellae 

gesehenste unter den Stoikern sei- /tatura Jlammeae ; quocirca ter- 

ner Zeit (uiu 140 v. Chr.), Freund rae , maris , aquarum vaporibus 

und Lehrer des jiingern Scipio und aluntur iis , qui a sole ex agris 

Lalius , durch sein VVerk ntQl tov tepefactis et ex aquis excitantur ; 

xad^tjXoVTog Ciceros Hauptquelle quibus altae renovataeqiie stellae 

fiir seine Officien. atque omnis aether rejundunt ea- 

haec duo genera, in Bezug auf dejn et rursum trahiint indidem, 

injlammata anima : Feueru.Luft. nihil utfere intereat aut admo- 

19.43. j4 ccedit, h\ev nnA ziem- dui7ipau/lum,quodastroru7nignis 

lich haufig — praetereajit, daher et aetheris Jlamma consumit. 

mit folg. ut. Ebenso V. 21, 62: paribus examinatus poyideribus 

ne integrum quidem erat, ut = ,,im Gleichgewicht schwebend", 

neJieiH quidem poterat, ut — . weil er in einem Stoffe von 

omne caelum hoc etc. „die At- demselben specifischen Gewicbte 

mosphare". schwimmt. 

iunctis — ignibus, d. h. bei den 44. corporis facibus = corp, 

Gestirnen. Zum Inhalt vgl. de nat. incitamentis . Aehnlich : p. Mil. 



30 



L I B E R I. 20, 45. 



fere cupiditafes, eoque magis inceudi, quod iis aeniuleinur, qui 
ea liabeanl, quae nos liabere cupiamus : profecto beati erimus, 
quum corporibus relictis el cupiditatum et aemulationum eri- 
mus experles 5 quodque nunc {'acinius, quum laxati curis su- 
mus, ut speclare aliquid velimus et visere , id multo tum 
faciemus liberius totosque nos in contemplandis rcbus perspi- 
ciendisque i)onemus . propterea quod et nalura inest in menti- 
bus nostris insatiabilis quaedam cupiditas veri videndi, et orae 
ipsae locorum illorum, quo pervenerimus, quo taciliorem nobis 
cognitionem rerum caelestium , eo maiorem coj^noscendi cupi- 
45 ditatem dabunl. Ilaec enim pulchritudo etiam in terris /;a//v- 
tam illam et nvitnin (ut ail Tlieoplirastus) pliilosophiam cogni- 
tionis cupiditate incensam excitavil. Praecipue vero iruentur 
ea, (|ui tum etiam, quum jias terras incolcntes circumfusi erant 
caligine, tamen acic mentis dispicere cupiebant. 
20 Etenim si nunc aliquid assequi se pulant, qui ostiumPonli 

viderunt et eas angustias, per quas penetravit ea , quae est 
nominata 

Ar^(), quiu Ar<^ivi in ca dilecti viri 
Vecti fctebant pellem inauratam drietis ; 
aul ii, qui Oceani freta illa viderunt, 



35, 98 subiicere faees invidiap ali- 
cuiiis ; Philipp. II. 19,48 Antonitis 
omniiim Clodii incendioriim J'ax. 

aemulemur. Vgl. IV. 8, 17. 

spectare ct visere. Vgl. p. 1. 
Man. 21, 01 : non modo vidif, sed 
etiain omni stiidio visendam pu- 
tavit ; und unten \'. 3, 9. 

45. Haec pitlcliritiido = liarum 
(i. e. caelestiuni) reruni pulchri- 
tudo , wie III. 34 , 83 hoc otiuni, 
die Musse liierzu ; IV^ 10, 23 qua 
oratione, eine Auseinanderselzung 
liieriiber; p. Mil. 'M\, lOS quae ub- 
livio fiir cuins rei ob/ivio ; de fin. 
II. 20, 66 hic dolor; ib. V. 15, 42 
quam simililudinein . 

palrilam, fiir d. Vulg. patriaiii, 
berubt auf dem Zeu};niss des iNonius 
(p. 161 Mere.); Theopbr. scbrieb 
wahrscheinlich jiaToojog xki nnn- 
ntoog. Es ist besonders die ionische 
Pbilosophie gemeint. 

Theophrastus von Lesbos, Pla- 



tos und Aristoteles Schiiler, war 
Peripateliker , auch als Xaturfor- 
scber bedeutend. 

dispicere iiiit Beziehung auf ca- 
ligo: (mit Austrengung) durch- 
blickeu. 

20. aliquid ,,etwas der Rede 
Werlbes, etwas Bedeutendes'' ; so 
besonders bei dicere, z. B. III. 16, 
35 u. IV. 29, 46, bei esse, z. B. V. 
36, 104. 

/4i'go — arietis. Aus desEnnius 
Medea e.rul, einer Nachbildung von 
Eurip. Med. (wo es V. 5 u. 6 beisst : 
((vdQiJiv uQiGTWV, 01 10 ndy/Qvaoi' 
(Uqos IliXia jneTijXdov.) Uass die 
Wortc ytrgo , quia .4rgivi in ea, 
die bisber Cicero zugeschrieben 
wurden, zu Ennius \'ersen gchoren, 
haben Halm (Anal. Tull. I. p. 16) 
und Ribbeck (p. 37) gezeigt. 

dilecti , nichl delecti (aber mit 
gleichem Sinne), baben die besten 
Handschriftcn. 



LIBER I. 20, 46.47. 21, 4S, 31 

Enropam Libyamque rapax iibi dividit iinda -. 
quod tandem spectaculum fore putamus , quum totam terram 
contueri licebit eiusque quum situm , formam , circumscriptio- 
nem, tum et habitabiles regiones et rursum omni cultu propter 
vim frigoris aut caloris vacantes ! 

Nos enim ne nunc quidem oculis cerniraus ea, quae vide- 46 
mus. Neque est enim ullus sensus in corpore , sed (ut non 
physici solum docent , verum etiam medici , qui ista aperta et 
patefacta viderunt) viae quasi quaedam sunt ad oculos , ad 
aures, ad nares a sede animi perforatae. Itaque saepe aut co- 
gitatione aut aliqua vi morbi impediti apertis atque integris et 
oculis et auribus nec videmus nec audimus, ut facile intelligi 
possit, animum et videre et audire, non eas partes, quae quasi 
fenestrae sint animi ; quibus tamen sentire nihil queat mens, 
uisi id agat et adsit. Quid? quod eadem mente res dissimillimas 
comprehendimus, ut colorem, saporem, calorem, odorem, so- 
nura? quae numquam quinque nuntiis animus cognosceret, nisi 
ad eum omnia referrentur et is omniuni iudex solus esset. At- 
que ea profecto tum muito puriora et dilucidiora cernentur, 
quum , quo natura fert, liber animus pervenerit. Nam nunc 47 
quidera , quamquam foraraina illa , quae patent ad animum a 
corpore , callidissirao artificio natura fabricata est , tamen ter- 
renis concretisque corporibus sunt intersaepta quodammodo ; 
quum autera nihil erit praeter animum, nulla res obiecta irape- 
diel, quo minus percipiat, quale quidque sit. 

Quamvis copiose haec dicereraus, si res postularet, quam 21 
raulta, quam varia, quanta spectacula animus in locis caelesti- 
bus esset habiturus. Quae quidera cogitans soleo saepe mirari 48 
nonnullorum insolentiam philosophorura, qui naturae cognitio- 



^Mro;wa?»etc., auch denat. D. III. id agit ,,sicb dies zur (ernstli- 

10, 24 citirt, von Spangenber^ iii chen) Aufgabe macht". 

das 2. Buch der Annalen des En- 21. 47. Quamvis copiose— tam 

nius (v. 46) gesetzt. copiose, quam vis. Ebenso III. 30, 

46. tf^erte >- viderunt, beim ''^ u. IV. 26, 57; in Verr. II. 5,5, 

Seciren des menschlichen Kbrpers. l^ = exspcctate facinus quam vul- 

. ,, , , ti^ improbum. 

viae — perforatae. \gl de nat. 43, nonmdlorum - philosopho- 

D. III. 4, 9 : rfwo lumina („Licht- „^,„ ^-^^^ ,1^^. Epikureer, deren 

offnungen, Sehelbcher") ab animo ;„ r^^ ^^^^18 sehr beliebte Lehre 

ad ocutos perforata (habemus). ^^^^^0 bei jeder Gelegenheit streng 

anim^um — audire. So sagte tadelt. Aus dieser Neigung ist auch 

Epicharmus: Novg oQrj xcu voi'S die gegenwiirtige Digression her- 

uxovef TaXXu xuxfu xed rv<fkd. vorgegangen. 



32 



LIBER I. 21,40. 22,50. 



neni admirantur eiusque inventori et principi "ralias exsul- 
tantes agunt eumque venerantur ul deum. Liberatos enim se 
per eum dicunt gravissimis dominis, terrore sempiterno et 
diurno ac nocturno metu. Quo terrore? quo nielu? quae esf 
anus tam dclira, quae timeat ista, quae vos videlicet, si pliy- 
sica non didicisselis, tiraeretis? Acheriinsia tnnpla alta Ora\ 
pallida leti , obnubila tcnebris loca. Non pudet philosophum 
in eo gloriari , quod haec non timeat et quod falsa esse cogno- 
verit? E quo inlelligi potesl, quam acuti nalura sint, quoniam 

49 haec sine doclrina credituri ruerunt! Praedarum autem nescio 
quid adepti sunt , quod didicerunl , se , quum tempus niortis 
venisset , tolos esse peritnros. Quod ut ila sit (nihil enim 
puguo) : quid Iiabet ista res aut hielabilc aut gloriosum ? Nec 
Jamen mihi sane quicquam occurrif , cur non Pythagorae sit ef 
Platonis vera sententia. Ut enim rationemPlato nullam afterret 
(vide , quid homini tribuara), ipsa aucloritate me frangeret; 
tot auteni rationes atfulit, ut velle ceteris, sibi certe persua- 
sisse videatur. 

22 Sed plurimi contra nituntur animosque quasi capite damna- 

50 los morte nuiltant, neque aliud est quicquam , cur incredibilis 



ut detim. So Lucret. V. S sq. 

gravisslmis domifiis. Die Prii- 
pos. konnte wegbleiben, weil diese 
domini keine lebenden Wesen sind. 

Actieriinsia tempta etc. Remi- 
niscenzen aus der Androniacha des 
Ennius. Ribbeck (p. 2it) coflstituirt 
die Verse so : 

^cfierunsia templa alta Orci, siin- 

cta, salvete, infera, 

Pullida /eti, ohnubila tenebris . ... 

loca '. 
Templa sind hier ,,weite Riiume" 
iiberhaupt,\vie bei Ennius Ann.l.lG7 
ed. Sp. der Himniel cacrula Caeli 
templa und bei Plautus Mil. 11. 5, 8 
das Meer tcmpla Neptvnia heissl. 

in eo gloriari .,darein seinen 
Ruhm setzcn". Vgl. de nat. D. 111. 
36,87 : in virtute recle^loriamur. 

49. Praeclarum hier, wie oft, 
ironisch. Lael. 13, 47: prae- 
claram sapientiam! — Der Ge- 
danke schliesst sieh wieder an qui 
— venerantur ut deum an. 

occiirrit. So Brut. 7, 2G : In Grao- 



ciam quum intueor, maxime mi/ii 
occurrunt /Itlicnae. 

Platonis — sententia, dass niim- 
lich der Geist unsterblich sei. 

homini fur ei , in Bezug auf eine 
schon genannte Person , bei Cic. 
ziemlich hiiufig (auch vir , aber 
nicht hic homo etc), z. B. V. 21, 
61 : collocari iiissif homincni in au- 
reo lecto ; ebenso res fiir id : 37, 89. 

ipsa aucloritate niefrangeret. 
De div. I. 30, 62 : llunc (sc. Epi- 
curumi) antepones Platoni et So- 
cratii" qui ut rationem non red- 
derent, auctoritalc tamen hos mi- 
nutos philosophos vincerent. \ gl. 
auch oben 17, 40. 

velle ceteris, sc. persiiadere. 

22. •")i'. quasi — multant. Ein 
riimischer Burger konnte nicht eher 
hingericiilet werden {inortr mul- 
tari) , bis er capitey — is) damua- 
tus, d. h. dnrcli gerichlliches Er- 
kenntniss derFreiheit, des Biirger- 
und Familienrechtes verlustig er- 
kliirf war. 



LIBERI. 22, 51. 52. 



33 



iis animorum videalur aeternitas , nisi quod nequeunt, qualis 
animus sit vacans corpore, intelligere et cogitatione conipre- 
Iiendere. Quasi vero intelligant, qualis sit in ipso corpore, 
-quae conformatio, quae magniludo, qui locus; ut, si iam pos- 
sent in homine vivo cerni omnia, quae nunc tecta sunt, casu- 
rusne in conspectum videatur animus , an tanta sit eius lenui- 
tas, ut fugiat aciem. Haec reputent isti , qui negant, animum 51 
sine corpore se intelligere posse : videbunt, quem in ipso cor- 
pore intelligant. Mihi quidem naluram animi intuenti multo 
dilBcilior occurrit cogitatio multoque obscurior, qualis animus 
in corpore sit, laraquam alienae domui , quamqualis, quum 
exierit et in liberum caelum quasi domum suam venerit. iSisi 
enim, quod numquam vidimus, id quale sit intelligere non pos- 
sumus , certe et deum ipsum et divinum animum corpore libe- 
ratum cogitatione complecti possumus. Dicaearchus quidem et 
Aristoxenus , quia difficilis erat aninii , quid ant qualis esset, 
intelligentia , nullum omnino animum esse dixerunt. Est illud 52 
quidem vel maximum, animo ipso auimum videre, et nirairum 
hanc habet vim praecepturaApoliinis, quo monet, ut se quisque 
noscal. Non enim, credo, id praecipit, ut raembra nostra aut 
staturam liguramve noscamus. Neque nos corpora sumus, nec 



Qiiasi vero intelligant, ironisch 
an das Vorhergehende sich an- 
schliessend , wie 35,85; 38,92; 
III. 5, 11, und ofter. 

in homine vivo ist Bentley's treff- 
liche Emendation fiir ?« hom. uno, 
was gar nicht hierber passt. 

casiiriisne ete. ein Anakoluth. 
Cicero wollte , ini Anschluss an 
Quasi vero intelligant etc. zuerst 
sagen : ita qiiidem., vt — casurus 
in consp. videatur a?H/H»/*, wendet 
nun aber den Satz zu einer directen 
disjunctiven Frage (jedoch mitBei- 
behaltung des Conjunctivs) um. 

51. sine corpore an Stelle eines 
negat. Adjectivs, wie II. 3, 7 lectio- 
nem sine ulla delectatione ,,die 
unerquicklicheLectiire" ; V. 16, 4S 
vir temperatus , constans , sine 
metu. 

quem — intelligunt : ,,dass sie 
den Geist i m Kiirper auch nicht 
begreifen". 
Cic. Tuscul. 



occurrit, ganz- unser ,,kommt 
vor ". So Cat. M. 1, 2 : mihi tu oc- 
currebas dignus eo munere. 

domui ist die urspriingl. Porm des 
Dat. u. Abl. der 4. Decl., woraus 
das gewbhnl. locative domi durch 
Verkiirzung entstand (wie z.B. das 
locative Corinthi aus Corinthoi, 
griech.A^optVtJ^Cfj). Ebenso steht do- 
mui in guten Handschriften p. Mil. 
7, 16 und ad Her. IV. 30, 41. 

Dieaearchus et Arist., s. 10, 20 
u. 21; 11, 24; IS, 41. 

ut se quisque noscat. ,,rvwtjhi 
aeuvTov" stand iiber deniEingange 
des delphischen Tempels. 

crcdo, eingescbaltet (ohne ut), 
giebt dem Satze in der Regel eiue 
mehr oder minder ironische Far- 
bung : ,,doch wohl " ; vgl. 44, 105 ; 
ebenso opinor, 36, S7 und 38, 92. 

Neque nos curpora sumus. De 
rep. VI. 24: Nec enim tu is es, 
quem forma ista declarat , sed 

3 



34 



LIBER I. 22, 53. 23, 54. 



ego tibi haec dicens corpori liio" dico. Qutira igitur, nosce te, 
dicit, hoc dicit, nosce nnimum luum. Nam corpus quidern 
quasi vas est aut aliquod animi receptaculum ; ab aninio luo 
quicquid agitur, id agitur a tc. Hunc igitur nosse nisi divinura 
esset, non esset hoc acrioris cuiusdam animi praeceptura tri- 
butura deo. 

53 Sed si, qualis sit aniraus, ipse animus nesciet: dic, quaeso, 

ne esse quidem se sciet? ne moveri quidem se? ex quo illa 
ratio nala est Platonis , quae a Socrale est in Phaedro expli- 
cata, a rae auteni posita est in sexlo libro de Republica : 

23 ,,Quod semper movetur, aeternum cst; quod aulem nio- 

tura affert alicui , quodque ipsum agitatur alicunde , quando 
finem habet raotus , vivendi finera liabeat nccesse est. Solum 
igitur, quod se ipsuni movel, quia numquam deseritur a se, 
numquam ne moveri quidera desinit, quin etiara ceteris, quae 

54moventur, hic fons, hoc principiura est niovendi. Principii 
autem nulla est origo. Nam e principio oriuntur omnia, ipsum 
autem nulla ex re alia nasci potest, nec enira esscl id princi- 
piura, quod gignerelur aliunde. Quod si nuraquam orilur, ne 
occidil quidem umquam. Nam principiura exslinctuni nec ipsura 
ab aiio renascetur, nec ex se aliud creabit, siquidem necesse 
est a principio oriri omnia. Ita fit, ut motus principium ex eo 
sit, quod ipsum a se movetur; id autem nec nasci potest nec 



mens cniiisque is est qiiisque, noti 
ea ,fi^ura , quae digito demon- 
strari potest. 

Quum iffitur elc. Plat. Aic. I. 
p. 131 a: ipv/hv i<Q(( ijf^fis y.tktvfi- 
yvioQiOid 6 Innimiov yvcSvui 
iuvTov. 

non esset /loc — praer. tribiitum 
deo. Die Hdschr. babcii fast sammt- 
lich a deo und danach noch, mit pe- 
ringen Ab\veichun(?en , dic Worte : 
sit hoe se ipsum possc rognoscere, 
welche fiir ein Glossem zu halten 
sind, das in der Urhandsclirift, statt 
mit sit, wahrscheinlich niit sr. (sci- 
licet) begonnen hat. \'gl. de fin.\'. 
16, 44 u. de leg. I. 22, 58. — Die 
bisherige Vulgata : praeccptum, sic 
tit tributum deo sit, ebenfalls niif 
Weglassung des Folgenden, ist nicht 
nur iin Sinn gekiinstelter, sondero 



es steht auch sic ut gar nicht in 
den Mscr. 

acrioris cuiusdam animi, des 
Chilon aus Lacediimon , eines der 
sieben Weisen. 

53. ratio ==ratiocinatio. 

inPhaedro, pag. 245 med. Stepb. 

de liepublica VL cap. 25 u. 26. 
(oder im sogen. Somn. Scip. c. 8.) 

23. numquam ne mov. quidem 
dcsinit. Zu der doppelten Vernei- 
nung vgl. 25, 60 : non est certe nec 
cordis ncc sanguinis; 27, 66 : nihil 
ne aut humidum quidem aut Jla- 
bile. Wegen ne — quidem hier und 
§ 51 s. zu 6, 11. 

principium movendi =pr. mo- 
tus. So Acad. II. 31, 101: ut ei vera 
multa videanlur neqiie tamen ha- 
bere insignem iltam percipiendi 
{ = perceptionis) notam. 



LIBER 1. 23, 55. 24, 56. 35 

raori ; vel concidat omne caeliim omnisque nalura consistat 
necesse est, nec vim ullam nanciscalur, qua a primo inipulsa 
moveatur. Quum pateat igitur, aeternum id esse, quod se 
ipsum moveat : quis est , qui* hanc naturam animis esse tribu- 
tam neget? Inanimum est enim omne, quod pulsu agitatur ex- 
terno; quod aulem est animal, id motu cietur interiore et suo. 
Nam haec est propria natura animi atque vis: quae si est una 
ex omnibus , quae se ipsa [semper] moveat, neque nata certe 
est et aeterna est." 

Licet concurrant omnes plebeii philosophi (sic enim ii, 55 
qui a Platone et Socrate et ab ea familia dissident , appellandi 
videntur) : nou modo nihil umquam tam eleganter explicabunt, 
sed ne hoc quidem ipsum quam subtiliter conclusum sit, intel- 
ligent. Sentit igitur animus se moveri; quod quum sentit, illud 
una senlit, se vi sua, non aliena moveri, nec accidere posse, 
ut ipse umquam a se deseratur. Ex quo efficitur aeternitas — 
nisi quid habes ad haec. A. Ego vero facile sum passus, ne 
in mentem quidem mihi aliquid contra venire ; ita isti faveo 
sententiae. 

M. Quid? illa tandem num leviora censes, quae declarant 24 
inesse in animis hominum divina quaedam ? quae si cernerem 56 
quemadmodum nasci possent, etiam, quemadmodum interirent, 
viderem. Nam sanguinem, bilem, pituitam, ossa, nervos, ve- 
nas, omnem denique membrorum et lotius corporis figuram 
videor posse dicere, unde concreta et quo modo facta sint; 

54. iiatura consistat. Vergl. Cic. ineint liauptsachlich wieder die 
Plat. I. c. : xtVTjOiios ^lv c<QXV ^^ Epikureer, die er auch de div. I. 30, 
avTO ctvTO xtvovv TOVTO (ff ovT 62 mhiutos phitosop/ios eosdem- 
anoXXva&at ovts yiyvea&ca 6vvci- que plebeios nennt. 

Tov, ri TTciVTa Tf ovQCiVov nclactv eleganter ,,~mit logischer Fein- 

T£ y^vtaiv avfCTnaovactv aTtjvai heit". Vgl. II. 2, 6; de fin. II. 9, 

(stillstehen), x. t. /. 26 : divisit ineleganter -. duo enim 

aprimo=primitus,aprincipio. genera quae erant,fecit tria; ib. 

Aa7ic na^Mra?/? hier abstract : Be- §27 disserendi elegantia als Ge- 

schaffenheit; kurz vorher o/wn<5 «a- gensalz von confuse loqui. 

tura concret : die ganze Schopfung. sum passus, n i c h t sim passus, 

Vergl. 27, 66 natura atquc vis weil ein Conj. dubit. hier nicht passt 

animi , seiuncta ab his usitatis und ausserdem der Conj. Perf. von 

na turis (,,Substanzen"). Pass. u. Depon. io diesem Sinne sich 

s em p er scheiutamnus^ 53 (quod bei Cicero nicht nachweisen lasst. 

semper movetur') hinzugefdgt zu 24- 56. QuidV leitet die fol- 

sein , da es hier weder bei Plato gende Frage ein, mit der ein neuer 

noch Cic. de rep. steht. Beweis beginnt. 

55. omnes plebeii philosophi sanguinem,bilem — dicere,unde 
jjderganzePobelvonPhilosopheu". concreia sint. Diese Arl der At- 

3* 



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i.ihi.n I. '2 1, :.7, r.H, 



iMiitiiiiin i|),siiiii, si iiiliil cssrl iii co, iiisi iil, iil |iri' 1-11111 Mvrnv 
iiiiiM, liini iiJiliiiii |iiiliii'nii iMiiiiiiiiN vildiii Nii.slrnliiii, (|iiiitn vilJN, 
i|iiiiitt iitliiifis ; liiici: i>tliiii 1'liiiiii iliriiiiitN vivcri'. Ilriii ni niliil 
liiihricl iiiiiiiiiis iKiitiiniN, llijsi iil /i|i|irlri'rl iiiil rii^crrl , iil i|iii»- 
11110 ivsscl f\ roiiiiiiiiiii' iiiiii iicsliis. 

r.7 IIiiIm'! |ii'iiiiiiiii iiiriiioiiiiiii ('{ riiiii iiirniiliiiii rrniiii itiiiii- 

iiirtiiliiliiliii , i|iiiiiii i|iiiilriii INiilo rrronliilioiiriii «vssr viill viliir 
Nit|ii'i'ioi'is. Miiiii iii illo liliio, ijiii itisrrijiiliir iMivuty^ |iiisio- 
iinii i|iini<liiiii Sort'iil<',s itilcrro^iil i|iiii<'iliiiii ^«'(ittirlririi ilr <li- 
iiiiMiNioiK^ <|iiiiilt'iili. A<l <'ii isir illi' t'<'N|)i)tt(l(*l, iil |iii('i', cl. Iiiiiini 
itii riirilfs itil<>t'ri)|Jiiiliiiti('s miiiI, iiI ^rii<liiliiii i'<*N|Mititl(>ttN ('oiinii 
|M'rvniiiil , i|iio si (^roiiicltirii iliili('isN<'l . I'!\ i|ii<i <'lliri viill So- 
n'iil<'s , iil ilisrni' iiiliil iiliiiil Nil iiiNi rcronliiri. (,lii<'tii loniiii 
iiiiillo rliiiiii iirriiriiliiiN i'\|iliriil iii <'<i s<'niioti<*, i|iini) liiil.tiit <'o 
i|iso ilir, i|iiii <',\<'<'SNil <' vilii : <Iim'<'I <'iiiiii, i|ii<'iin is, i|iii oiiiiiiiiiii 
t'1't'iiiii riiilis cNsi' vi<l('iiliit', Immk! inl<'ri'ii^iiiili i'<<N|iotKl<'til<'iii <l(*- 
clMrarc, m tioii liitii illii (lisccrc, nciI rctiiitiiNcciKKi <'<)^iioni'<'I'c ; 
nix^ vcrn llcri iilld iiiimI(i |minhc, iiI 11 |MicriN lol rcrutii ali|iic 
liinliiniiii ittsiliis <'l i|iiiiNi coitsi^tiiiliis iit iitiiiiiis tiolioiics, i|iiiin 
/('«'(«/icw MM'iiiil, liiilM'r<'iiiiiN, tiiNi iiiiiiiiiiN, iiiili'i|iiiii)i iti i'i.r|Mis 

ri"^ iiilriivisNcl , iii rniiiii cogiiiliotic vi^iiissi-l. (,)iiiiiiii|iii' iiiliil 



iriiiHli.ii /11 i>iiii>iii\ i'i I. Mi'iil. i.iliT 
iln'liir., \i.ii ilcii) i<lii l''i'ii|4rNiil/, iili 
lilinHl , iliiN \N'iii'l iiIn OIiJi'1'I /11 
Niir/.iiii, ui<li<linN i<i)^i<iillli'li ,Siili|i<rl 
iliiN iilililiiiM, >Siil/i>N nfiii Niilllo, 
InI iIki' S|iiiirlii> ilcN n('« i'liiilli'lii<ii 
l,i>lii>iiN i'iiliiiiiiiiiii>ii, iliitioi' ilni Itii 
iiiikrni l.i"<i)iiili>i'i f(i>lliiill)( , iii ilor 
|riilii|i l'i'i.Nii iil.i>i' Ni<lli>iii<i'. N^l. iiil 
liiiii. \'l!l, lil, ,1: iiinti Miii'i<i>llinii, 
111111111 liinliin mI ; ili> lii\i<iil. II. .'.7, 
I71I I viiii vi'i, iiuiiliit i'l iiiiiiiilii xil, 
roffiiiisriiiiiiDi. Ai<lli)lii<li iilini Ti, 
M 1 ilijflrilin i<i'iil II II i III I, ijiiiil iiiil 
iliiiilis i>ssi'l, iiili>llini'iiliil, 

iiliiiiiiiiii i/isiiiii, si iiiliil i'ssi>l iii 
i>ii , i<iii .\iiiiliiiliilti , rili' iii iiiiiiiiii 
ijisu Hi iiiliil i>ssi>l , \i<i'iiiiliiN'il iliiicti 

lllO (!llllNll'lll>lill|l lll>N \ ll|'lll>l').(l>lll<ll 

iloii Siil/nN \iiiii siiiifiiiilli>iii i<li< 
VhI, II. III, .17 Mililiiim. 

Innu' iiiiiiii liir lins i>iiiiii . \rriitl 

Kl<llll<llll<l'l llllN (iONIIglO . ,,lll<|'g|l<i 

.'lii<ii l»iiini<'<, N'kI III. I, 7 



.v/ iiiliil liiiiiorol iiiiiiiiiis i'li , 
,,\\i<iiii ili-i' (irisl iiIi-IiIn wrili-r iiU 
iliiN lli>);;i<liriiiiKN\i<i'iiiiigiMi \\liri<". 

Ul . Iliihol /iriiiiiiiii . 1>i<iii i<iil- 

N|M-il'lll i>I'nI 'Jttl , (II (»/(/(/.' illll I'».» 

i>ii', \n\. iii 1:1, ;iii, 

iiisi ri'1'iiriliiri. IMiil. IMninii |i 
S|, \kI, iiiiiIi iil. I'liiii<ili' |.. '.'I!li- 
iiiiil Cli- Ciil, IM. '^l, 7s. 

ill vii sirilliillr , INill fliiirtli.n 
|i. 'i'l V, 

/l'»'ii^»vC. IMcNcr .\iir<ili'iirk Ki'tii>il 
i<iKi<iilllrti iiirlil l'liili. iiiiil N)<iiii<i 
Si'tiiili< , riiiiiili'1'ii ili<ii Sli.iki>l'll llli, 
ilii' /wiii' iiiii<ti iin^rl.i)i'iii< lli<Ki'iiri< 
IIIIIIIiImIIOII , llt)t<l' llil<.>ll< iiii-til iiIn 

;\i<ii'.Ni>i'iiiiHi<ii iliT i'<ti<iirijiii\: iiiil 
lii 1 >< 1 1' II , 'iDiiilriii iiIn l'ri)iliirli' ili'i 
siiiiilirlinii \\'iitit'iirtiiiiiiii)ti>ii. 

fiH. (tiiiiiiniiii' iiiliil fssi^l i<li'. 
Mliil i\ii<t)lN \iiii iilli<iii Mi<iii, wiiN 
\\\t' iiiil iloii Siiiiii<ti \\nlii'iii>liiiii>ii , 
(>««(> lilor (iiiiil iiiiiil lii ili^i l'iii'i<ii- 



LIBER I. 21.59. 



' <oM . at «pMniims lori<; i PUtonc «iUserilttr Cnihil emi p«tat 

^ ^. qnod orjalnr H intert^at. idqne >«tani e$se. qnod teai^ 

Ai«* *ii , qafile iSiav appelUt ille . nf>s spedemf: non fM>tait 

Anima^ hj><^<^ in /^orrw>!*e inchjMis ;»irn'W<»r«'. cft*nU:t attalil: tx 

Ne<pie 

.amqne 

:.ertnrb;4tnm domu luam imniijrr;»\Tt . scd qnam se coilegit at- 

;oe rc^re^int. tam a^rnoscit ilU reaiini.scendo. Ila nibil csl 

^iind diiccre, nisi recordari. 

K^o ;intein n>;iiore etiam quoddm modo mcmori^m admt- -Sd 
ror. (^hiid est enim illad. qno neminimiu. ant qnam habet \-im 
nnt tindf- ndivim? N - , \<^ 

dir^lnr. qn-'n^>. T^ . • ni 

i^t\k\am ■ - ,U, 

ani iricdi " - - .;<: 



gui^d temper Mc, ab^ekijrzt«T 

\-. ■i-TBt^k fut : f ' ' '/»r <a/e 

c, '/■•«/* «■«/ ; ' quurn) 

ajipt-Hat v > I 

< m ,■ Kolam '-. 

■iii 1-rfdeTfhj.r : qutu Koia ri-rneTirl 

fl . fjvod ternpirr i-stet timpltx i-t 

moAi tt tali: . quuU: fn^i-t. 

■ lli 'th^uT apftfllaharii . iam 

l"'itifrie iia niyniinutam : nos 

i-trtt: tjitti fm pottvmvs difirre. 

•S^. minftoriam . \hn ktrr an 

:,*tt C\t- H<- iiiiii, iiTili !f f!r-(f £'f-- 



protmus iieituT reJtdidiMst Thett- 
daclet. 

Ciufus au5 Tbess>ali<-ii, ebeafalis 

iv T*f-"r.- ^ -vf^/f-icboet. Vgi, 
Mi. : Cineas — 
.afi/t ad Bo- 
maieot, pottero ilif.nowt kom<t et 
tenutum i-l omnem urbanvm eiT~ 
rnnijii*am plebem nmnimbus suis 
pfTtatutuvit. 

Ckurmodas, PbilASApb von 4er 
.\Ladeinie. des Caroeade* Schiiler, 
am r ' '■ 

M u Tr*»*s, 

;, r .- ' ]f-v utti 



iiiti:ii. I- 

ZW%r$iUt1itth*:i: . '■..kbtr 

Hi^r. 5>ifif»e der S; . ;;.f-swiMrr 
i></ram.\f:l.iud^i/():Quai: 
'! vit et widf sit. 

V ii.iiiiiih ' ' ■ • xe 
L^-.lf-.' . '. 

'• • '.-rf «t».-J I > . -.- K ..rv- i. ^ l;f-fl 

<'tll die MneiBtfiik erfnfiden 

' ' ■'"« an<! Pba«eli< in Kl. 
\, ^ > , ,,.r de<i Isfjkrsfes ti. .^ri- 
«t«t«tef», als Redner t>eriibiijt. > frl. 
<J«l«itil. \L2, fil : i^uiti tmiel au- 
ditot quamliljet multot versut 



«a* i^olier * oii Ct. hupvr. \hii M. 
m</^c g^ebraoebt isty. Sreptiut stehl 
vot dem Eijrennaiiieii , da es n. .V. 
aacb eineii Lampsacener Mrtrodo- 
rut fE|/iku."eery pth. Aet \\. 3, S 
n. r,, 17 er*ahfit «ird. 



L^etM-r seio (vediiclitoiss %*p. Cic. 
Bp«t. S'^ , 3'<1 : memoria tanta, 
quantum in Ttullt) ottgnoviste me 
arOitror , ut , quae terum eam~ 
mentatut essef , ea sine seripto 



38 



LIBER I. 25, 60. 61. 



de communi hoininum memoria loquor, ct eorum maxime, qui 
in aliquo maiore studio et arle versantur : quorum quanta meiis 
sit, difficile est existimare ; ita multa meminerunt. 
25 Quorsus igitur haec speetal oratio? Quae sit illa vis et 

60 unde sit, sic inlelligendum puto. Non est certe nec cordis nec 
cerebri uec sanguinis nec atomorum ; anima sil ignisve, nescio ; 
nec me pudet, ut istos, fateri nescire, quod nesciam ; illud, si 
ulla alia de re obscura affirmare possem, sive anima sive ignis 
sit animus , eum iurarem esse divinum. Quid enira? obsecro 
le, terrane tibi, hoc nebuloso et caliginoso caelo, aul sala aut 
concrcta videtur tanla vis memoriae? Si, quid sit hoc, non 
vides, at, quale sit, vides: si ne id quidem, af, quantum sit, 

61 profecto vides. Quid igilur? utrum capacitatem aliquam in 
animo putamus esse, quo, tamquam in aliquod vas, ea, quae 
meminimus, infundantur? Absurdum id quidem. Qui enim 
fundus aut quae talis animi figura intelligi polest? aut quae 
tanta omnino capacitas? An imprimi , quasi ceram, animum 
putaraus, et esse memoriam signatarum rerum in mente vesti- 
gia? Quae possunt verborum , quae rerum ipsarum esse vesti- 
gia? quae porro tara immensa magniludo, quae illa tam raulta 
possit effingere? 



verbis cisdem reddercf, quibus co- 
gitavisset. Hoc adiumento ilie 
tanto sic utebatur, utsua et com- 
menfata et scripta et nullo refe- 
rente omnia adversariorum dicta 
meminisset. 

25. 60. illa vis ist hier der ani- 
mus Uberliaupt, obwohl Cic. nach- 
heraiifdie memoria \\ ieder ziiriick- 
komint. 

auima sit ignisve , keiiie Dis- 
junctivfrage ! 

ut isios : alle die, welche deu 
Geist erk I jiren. 

nescire, ohne me, wie de nat.D. 
I. 39, l(t9 : puderct me dicere non 
intelligere. 

illud weist auldas nachfolg. eum 
esse divinum hin. 

ajfirmarc ,, mit Bestiniintheit 
sprechen". Dies konnte Cic. schon 
nach dem Grundsatze der neuern 
Akademie nicht; vergl. 9, 17 u. 
17,40. 



sit. Der Conjunctiv bei sive — 
sive ist hier in der Ordnung, wie 
17, 40 u. 43, 104; nur erwartet 
man den Conj. Impf. (s. Zumpt 
§ 512 Anm. a. E.) Vgl. jedoch de 
fin. I. 7, 25 : ?iam si eoncederetur, 
etiamsi ad corpus nihil rcfera- 
tur, ista sua sponte cf per se esse 
iucunda , per se essct et virtus ef 
cognitio rcrum expetenda. 

hoc — caclo deutet an, warum 
das Gedachtniss kein irdisches Er- 
zeugniss sein konne. 

61. imprimi — animum. Ebenso 
ad ram. V. 2U, 5: Quae quum vi- 
derem fot vestigiis impressa fiir 
das gewiihnlichere quibus — tot 
vestigia impressa, also nach Ana- 
logie der doppeltenConstruction der 
Verba adspcrgo etc. (Vgl. Nagels- 
bach lat. Stil. 2. A. S. 4U4.) 

mognitudo, sc. memoriae quasi 
tabulae cereae ; qu ae — pos sit 
effingere fur — effi.cta con- 
tinere. 



LIBER 1. 25, 62. 63. 



39 



Quid? illa vis quae tandem est, quae invesligat occulta, 
quae invenlio atque excogitalio dicitur? ex hacne tibi terrena 
mortalique natura et caduca concreta ea videtur? aut qui pri- 62 
mus, quod summae sapientiae Pythagorae visum est, omnibus 
rebus imposuitnomina? aut qui dissipatos homines congregavit 
et ad socielatem vitae convocavit? aut qui sonos vocis, qui in- 
finiti videbanlur , paucis litterarum notis terminavit? aut qui 
errantium stellarum cursus, praegressioues institionesque no- 
tavit? Omnes magni; etiam superiores, qui fruges, qui vesti- 
lum, qui tecta, qui cultum vitae, qui praesidia contra feras in- 
venerunt, a quibus mansuefacti et exculti a necessariis artificiis 
ad elegantiora defluximus. Nam et auribus oblectatio magna 
parta est inventa et temperata varietate et natura sonorum, 
et astra suspeximus , quum ea , quae sunt infixa certis locis, 
tum ilia non re, sed vocabulo errantia. Quorum conversiones 
omnesque motus qui primus vidit, is docuit, similem animum 
suum eius esse, qui ea fabricatus esset in caelo. Nam quum 63 
Archimedes lunae, solis, quinque errantium molus in sphaeram 



Quid'^ illa vis elc, s. § 57 zu 
priiitum. 

62. aut qiii — , supplire : eiusiie 
animus tibi ex bac terrena natura 
concretus videtur f* 

iiuposuit noinina. Docli findet 
sich auch schon bei den Alten die 
tiefer gehende Ansicht, dass die 
Namen der Dinge nicht {}^iaei, was 
Pythagoras annahm, sondern (fvaei 
entslanden seien ; so bei Plato (im 
Cratylus) und bei den Sloikern. 

praegressiones institionesque. 
Von dem (scheinbaren) Stillsteheu 
der Planeten spricht Cic. auch de 
nat. D. II. 20, 51 (und dazu Scho- 
mann) u. 40, 103. 

superiores, temporal. 

7ion re, sed vocabulo errantia. 
Cic. meint, was er de nat. D. II. 
20, 51 deutlicher ausspricht, dass 
der Ausdruck erranles stellae, 
7tXkvi]tui, wegen der Regelmiis- 
sigkeit ihrer Bewegung nicht 
passend gewiihlt sei. 

qui primus vidit, Bouhiers Ver- 
besserung der hdschftl. Lesart qui 
animus vidit , die schon an sich, 



noch mehr aber wegen des gleich 
darauf folgenden animum suum 
unertriiglich ist und sich durch die 
Stelle de off. I. 23, SO {Fortis vero 
a nimi et constantis est, non per- 
turbari in rebus asperis nec tu- 
multuantem de gradu deiici, ut 
dicitur, sed praesenti an im o 
uti et consilio) nicht stiitzen lasst, 
da hier animi und" aniino weit 
getrennt sind , pracsens aniinus 
gleichsam e i n Begriff ist, auch zu 
dem Infin. nicht aniinum, sondern 
aliquem als Subject zu denken ist. 
Ein primus (wie im Anfang des §) 
erfordert aber der Sinn, weil sonst 
statt der Perfecta Priisentia stehen 
miissten. Wie leicht konnte dies bei 
der Nahe von aniinum in animus 
verschrieben werden ! 

docuit ,,hat (durch die That) 
bewiesen". 

63. qmim wie in Cat. I. 8, 21 : 
quum quiescunt , probant etc. ; 
p. Deiot. 13, 36: omnia tribuisti, 
quum nomen regium concessisti. 

in sphaeram illigavit : ,,er 
brachte sie an einer Himmelskugel 



40 



LIB^ER I. 2G, G4. 65. 



illigavit, effecit idem, qiiod ille, qui in Timaeo muQdutn aedi- 
ficavit, Platonis dcus , ut tarditate et celeritate dissiniillimos 
niotus una rej^cret convcrsio. Qiiod si in lioc nuuido tieri sine 
deo non jiotest, nc in sphacra quidcm eosdem motus Archime- 
des sine divino ingcnio potuisscl imitari. 
26/ Mihi vero ne liaec quidem notiora et illustriora carere vi 
6i flivina videntur , ut ego aut poetam gravc plenumque carmen 
jsinc caelesti aliqiTo mcntis instinclu putem fundere, aut elo- 
jquentiam sine maiorc quadani vi flucre, abundantem sonantibus 
verbis uberibusque sententiis. Philosophia vero , omiiium ma- 
ler artium, quid est aliud, nisi, ut Plato, donum, ut cg,o, in- 
ventum deorum? Ilaec nos primum ad illorum cullum, deinde 
ad ius hominum , quod situm est in generis humani societate, 
tum ad modestiam magnitudinemque animi erudivit, eademque 
ab animo , tamquam ab oculis , caliginem dispulit, ut oniiiia, 
supcra, infera, prima, ultima, media, vidcrcmus. 
65 Prorsus haec divina mihi vidctur vis, quae tot res efficiat 

et tantas. Quid cst enim memoria rerum etverborum? quid 
porro invcnlio? profecto id , quo ne in deo quidcm quicquam 
maius intelligi potcsl. Aon enim ambrosia deos aut nectare aut 
luventate pocula ministrante laefari arbitror, nec Ilomerum 



an'*. Diese sphaeva des Arcliiiiie- 
des, eineMasciiine, weiclie, aii eiiier 
Kurbei gedrelit, die IJewegung der 
Planeten veranscliaulicbte , wird 
naher bescbrieben de rep. I. 14 ; 
vgl. de nat. D. II. §. SS u. Schiimann 
z. d. St. 

26- G4. ut e^o — puteitl: ,,so 
dass icb glauben sollte". Er glaubt 
es nicht. 

grave \oxa gediegenen Inhalt, 
pleniim vom volltiineiiden Klange 
der \ erse. 

puiitam — fiiudere. Vgl. p. Arch. 
S, IS: poelam. natiira ipsa valere 
et mentis viribtis e.vcitari et qiiasi 
(livino qiiodam. spiiitii itijhiri. 
Schiller ,, GraP von Habsburg" 
Str. 5. 

ut Plato ; dieselbe Ellipse, wie 
de nat. D. I. 35, itT iit Ennius, und 
ib. II. 2, 4 ut idem Ennius. 

donum — deorum. Plat. Tini. 
p. 53;{d: rio Svi]T(o y(vit 6(i)itr,i)lv 

^X yti(OV. 



ius homintivi, Gegensatz zu ius 
civile. 

modestiam = a(o(fooavvt]V, s. 
III. S, 16. 

65. ne in deo quidem. Die Vul- 
gata ist (nach den meisten Hdschr.) 
nec in deo. Da aber (nach Madvig 
zu de fin. p. S16 sq.) nec im Sinne 
von ne — quidem , in der Milte 
eines Satzes, erst im silbernen Zeit- 
aiter vorkommt, die beslen Mscr. 
(Reg. Par. u. Gud. 1) ne darbieten, 
eiiiige andere auch qitidctti , \\e\- 
clies vor quidqiiaitt leicht ausfallen 
k.onnte,\\ irklich enthalten, so wurde 
die obige Verbesserung unbedenk- 
lich aufgenoinmen. Ebenso 29, 71. 

luvcntate. 'JI^ij (lat. als Nom. 
propr. stels litvcnta s)., Jupiters u. 
.lunos Tochter, ist in der Ilias (IV, 
2) die Mundscheiikin der Giilter 
iiberhaupt, Gaiiymedes nur dcr des 
Jupiter. 

Homerum . Ilias XX. 2.3.3 fg. : — 
uvjKnog r«vvm]drjg, "Os ^»/ x(<X~ 



LIBERI. 27, 66. 



41 



audio , qui Ganyniedeii ab dis raptum ait propter formam , ut 
lovi bibere ministraret ; non iusta caussa , cur*' Laomedonti 
lanta fieret iniuria. Fingebat haec Homerus et humana ad deos 
transferebat ; divina mallem ad nos. Quae autem divina? Vi- 
gere, sapere, invenire, meminisse. 

Ergo animus, ut ego dico, divinus est, utEuripides dicere 
audet, deus; et quidem, si deus aut anima aut ignis est, idem 
est animus hominis. Nam ut illa natura caelestis et terra vacat 
et humore , sic utriusque harum rerum humanus animus est 
expers. Sin autem est quinta quaedam natura , ab Aristotele 
inducta primum , haec et deorum est et animorum. Hanc nos 
sententiam seculi his ipsis verbis in Consolatione expressimus : 

,,Animoruni nulla in terris origo inveniri potest. Nihii 27 
enim est in animis mixtum atque concretum, aul quod ex terra 66 
natum atque fictum esse videatur; nihil ne aut humidum qui- 
dem aut flabiie aut igneum. His enim in naturis nihil inest, 
quod vim memoriae, mentis, cogitalionis habeat, quod et prae- 



hoTos yivero &vrit(av ciVi^goinajV' 
Tov xai uvriQiixpciVTO ^'^(ol ^lu 
oivoYOtveiv , Kcclkfos iivtxci oio, 
Yv K&civaTotat fiiTSuj. 

Ganymeden. Ebenso III. 4, S So- 
craten; IV. 3, 5 Diogenen. Zunipt 

bibere ministraret , ein Gracis- 
mus , wie Liv. XL. 47: itt bibere 
sibi itiberet dari. 

Laomedonti. Nacb Honicr (in 
ob. St., auch V. 266) war vielinehr 
Ganymedes ein Sohn des Tros und 
Vaterbruder des Laomedon ; docb 
gab es auch abweichende Sagen. 
So nennt Eurip. Troad. 822 den Ga- 
nymedes ^ao/uf^ovTtos ttccls. 

Eiiripides (Fragm. inc. Nr. 128 
Dind.) : d-tosyctQ Tts ivrjtiTv. Darin 
folgte er seinem Lehrer Anaxagoras. 

Ergo anirmis. Dahinter haben 
die meisten Hdschr. ein ungebori- 
ges qui. 

quinta quaedam natura ; dass 
Cic. diese falsch aufgefasst hat, s. 
oben zu 10, 22. 

inducta primum. Auch unrich- 
tig. Schon die Pytbagoreer nahmen 
ein funftes Element an, von Philo- 
laus (nach Stob. ecl. I. p, 10) /; Tijs 



Gtfaiocis oXy.cis , von Andern (nacli 
Plut. de plac. phil. II. 6) >j tov nav- 
Tos acfaiQCi genannt. Vgl. Sext. 
Enip. adv. math. X. 316: "OxMos 
(Pythag. um 490) xal ylQiGTOTeh]s 
av/ii7TaQeXa^ov toTs TsaaaQai aToi- 
ytiots To TxiuTiTov^ xal y.vxloifo- 
Qi]Tixov acdfxa, i^ ov k^yovGiv tivai 
TCi oiiQCiVta. 

in Consolatione. Diese verloren 
gegangene Schrift, welche Cic. i. J. 
45 nach dem Tode seiner geliebten 
Tochter Tullia. hauptsachlich zu 
seinem eigenen Troste, nach dem 
Vorbilde Crantors (s. 48, 115) ver- 
fasste, erwahnt er auch 34, 83 und 
III. 28, 70. 

expressirnus. Vor diesem Ver- 
bum ist (nach Wesenberg I. p. 4) 
hoc getilgt worden, das wahrscliein- 
lich von einem Abschreiber zuge- 
setzt ist, der nicht wusste, dass ein 
zwei Verben desselben Satzes ge- 
meinsames Object im Latein. nur 
einmal ausgedriickt wird. Im Sinne 
von „haben wir Folgendes gesagt" 
kann hoe expressimus auch nicht 
gebraucht werden. 

27. 66. nihil ne — quidem, s. 
zu 23, 53. 



42 LIBfclR 1. 27, «T. 28,68. 

terita teneat et fulura provideal et compiecti possit praeseutia : 
quae sola diviua sunt, nec inveniefur uniquam, unde ad homi- 
nem venire possint, nisi a deo. Singuiaris est ij^itur quaedani 
natura atque vis animi , seiuncta ab his usitatis nolisque natu- 
ris. lla, quicquid est illud, quod senlit, quod sapit, quod vi- 
vit, quod viget, caeieste et divinum ob eamque rem aeternum 
sit necesse est. Nec vero deus ipse, qui intelligilur a nobis, 
alio modo intelligi polesl, nisi mens solula quaedam et libera, 
segregata ab omni concrelione mortali, omnia senliens el mo- 
67 vens, ipsaque praedita motu sempiterno." iloc e generc atque 
eadem e natura est humana mens. 

Ubi igitur aut qualis est isl;i mens? — l bi tua aut qualis? 
potesne dicere? an, si omnia ad inteliigendum non liabeo, quae 
habere vellem , ne iis quidem, quae habeo, mihi per te uti 
licehit? Non valet tantum aiiinius, ut se ipsum ipse videat; 
at ut oculus, sic animus se non videns alia cemit. Non videt 
autem, quod minimum esl, formam suam ; fortasse! quamquam 
id quoque ; sed rclinquamus; vim cerle, sagacilatem, memo- 
riam, molum , celeritatem videl. Haec magna, haec divina, 
haec sempiterna sunt. Qua facie quidem sit aut ubi habitet, ne 
quaerendum quidem est. 
28 Ut , quum videmus speciem primum candoremque caeli, 

GS dein conversionis celerilatem tantam , quantam cogitare non 
possumus ; tum vicissitudines dierum ac noctium commutatio- 
nesque temporum quadripartitas ad maturilalem frugum et ad 
temperalionem corporum aptas ; eorumque omnium moderato- 

sola gehiirt nicht zu quae, son- inotum ,,seine Empranglichkeit 

Aera zndivina; aho = qnae omnia fur jeden Eindruck". 

divinam solam (= sblum) origi- Qua Jacie quidem sit. Quidem 

nem hahenf. hebt das Wort , wobei es steht, 

07. Ubi igitur etc, Einwurf aus stark hervor ; ist nun der Gegensatz 

dein Sinne irgend eines Gcgners, dazu schon vorangegangen, so ver- 

worauf Cic. durch die folgenden tritt es die Stclle eincr Adversativ- 

Gegenfragen antvvortet. partikct. So 41, 99 dii immortales 

potesne = num potes, wie Cat. sciunt ; /lominem quidem scire ar- 

M. IG, 56: Poteratne tantus aui- bitror neminem ; Id, 102 Theodori 

7nus non cjficere iucundam svnc- quidcni ctc, und iifter. 

cf«fe?«.^UingckehrtI. 34, S4c//flwj- 28. 68. Ut . quum videmus. 

7ie, III. 17, 37 reclcne, V. 21, 62 Dem ut , dessen anakoluthische 

satisne = nonne eliam etc. ; also Fortsetzung § 70 possumusne du- 

ZumptGr. §352 uicht ganz richlig. bitare etc. (fiir dubifare non /los- 

se ipsu/n wird nachher durch sumus etc.) ist, entspricht dann als 

/orinam suatn nciher bcstimmt. iNachsatz : Sic menlcm hotninis cic. 

quamquatn id quoque , sc.Jivri ad tctnpcrafione/n corporum. 

potesf. Vgl. IV. 13, 30: corporis letupe- 



LIBERI. 28, 69. 



43 



reni et ducem solem ; luDamque accretione et deminutione lu- 
minis, quasi fastorura, nolantem et significantem dies ; tum in 
eodem orbe in duodecim partes distributo quinque stellas ferri 
eosdem cursus constantissime servantes disparibus inter se 
raotibus ; nocturnamque caeli formam undique sideribus orna- 
tam ; tum globum terrae eminentem e mari, fixum in medio 
mundi universi loco , duabus oris distantibus habitabilem et 
cultum, quarum altera, quam nos incolimus, 

Sub dxe posita ad stellas septern^ unde hotTifer 

Aquilbnis stridor gelidas molitur nives, 
altera australis, iguota nobis, quam vocantGraeci dvTix^ova -, 
ceteras partes incultas , quod aut frigore rigeaut aut urantur 69 
calore; hic autem, ubi habitamus, non intermittit suo tempore 
Caelihn ?iitescere^ arbores frondescere^ 
Vites laetijicae pdtnpinis piibescere, 
Rami bacarum ubertate incurvcscere, 



ratio , quum ea congvuunt inter 
se , e quibus constamus , sanitas 
dicitur ; und oben 10, 21. 

quasi fastorum erklart Klotz 
als Apposition zu luminis : ,,das 
gleichsam einen Kalender abgiel>t", 
wahrend Kiihner quasi fastorum 
mit dies verbindet: ,,gleichsam die 
Tage im Kalender". Die Slelle 
scheint verderbt zu sein. 

orbe, der sogen. Thierkreis, fw- 
6iKx6g, lat. gewohulich orbis signi- 
fer. Die 12 Sternhilder desselben 
Sunt aries, taurus, gemini, can- 
cer, leo, virgo, Libraque , scor- 
pius, arcitenens, caper, amphora, 
pisces. 

quinque stellas : Mercur, Venus, 
Mars, Jupiter, Saturn. 

inmediomundi loco. Vgl. 1 7, 40. 

duabus oris , auf den beiden 
sogen. gemassigten Zonen der Erd- 
kugel. Vgl, Ovid. Met. I. 48 fg. 

Sub axe etc. (nach Nonius p. 348, 
17) aus dem Philoctet des L. Attius. 
(L. Attius oder Accius, den man als 
den Gipfel der nationaien Tragiidie 
betraclitete , geb. 170, bliihte zur 
Zeit des altern Gracehus.) 



stellas septem, dasSiebengestirn 
{septein friones) od. d. kleine Biir. 

aVTix&ora. Vgl. de rep. VI. 20, 
21 : australis ille cingulus, in quo 
qui insistunt , adversa 7iobis ur- 
gent vestigia : also das Land der 
Gegenfussler {avTinoJss). 

09. non intermittit. Cicero ver- 
iasst, eine Parenthese bildend, die 
bisherige Construction (zu der er 
nachher mit tum multitudinem zu- 
riickkehrt), da er sonst die Verse 
nicht ungeiindert einfugen konnte. 

Caelum etc. (nach Ribbeck) aus 
des Ennius Eumeniden (denn in 
Aesch. Eumen. , welche Ennius 
nachgebildet hat, ist v. 903 sqq. eine 
ganz ahnliche Stelle). 

laetificae fiir das Simplex laetae, 
nur in der iiltern Sprache; ebenso 
II. 9, 22 : vastifiaus; 10,25: lucti- 
Jictts ; III. 19, 44: regifice; IV. 
16, 36 : tabificus. 

pubescere ,,sich bekleiden", nur 
poetisch. So Ovid. Trist. III. 12, 7 : 
Prafaque pubescunt variorum 
flore colorum. 

frondescere — pubescere — in- 
curvescere. Die allen Dichter lie- 
ben die ouoioTsXiVTct ; vgl. 35, 85. 



44 



LIBER I. 2S, 70. 29. 



Segetes largiri fruges, Jlorerc umnia^ 
Fontes scatere, herbis prdta convestiT^er ; 
lum multitudinem pecuduin partim advescendum, parlim ad 
cultus agrorum , partim ad vehcndum , partint ad corpora ve- 
stienda ; liominemque ipsum quasi conlemplatorem caeli ac 
deorum cultoreu) ; atquc liominis utiiitati agros omnes el maria 

70 parentia : — liaec ij^itur et alia innumerabilia quum cernimus, 
possumusne dubitare, quin iis praesit aliquis vel effcctor, si 
haec nata sunt, ul Platoni videtur, vel, si semper fuerunt, ut 
Arist^feli placet, moderator tanti operis ct muneris? Sic men- 
tem lioniinis, quamvis eam non videas, ut dcum non vides, 
tamen , ut deum agnoscis ex operibus eius, sic ex memoria 
rerum et inventione et celeritatc motus omnique pulchritudine 
virlutis viin divinam nientis agnoscito. 

29 lu quo igitur loco est? Credo equidem in capite et, cur 

credam, afferre possum. Sed alias, ubi sil animus; certe qui- 
dem in te esl. 

Quae est ei natura? Propria , puto, et sua. Sed fac 
igneam, fac spirabilem : nihil ad id, de quo agimus. Illud modo 
videto, ut deum iioris , etsi cius ignores et locum ct facicm, 



scaterc nach der 3. Conjug. ist 
vorklassisch , wie auch Jervere, 
stridere , tergere statt fervere 
u. s. w. 

ac deorum cultorem. Dles die 
Lesart einiger geringeren codd. Da 
nun aber die Erwahnuug der Giit- 
ter, deren Dasein Cicero ersl er- 
weisen will, hier anstiissig ist (und 
nur durch seine Eilfeptiglveit allen- 
falls entschuldigt werden konnte), 
so corrigirte Bentley deoruiti in 
ferfarum (vergl. de nat. D. II. 30, 
99: homines quasi rultores tcrrae 
constituti^, woran sich das lol- 
gende atque hominis — parentia 
sehr gut anschliessen wiirdc. — Da 
iibrigens die nieisten und besten 
Handschriften nach dcorum noch 
eorum oder corumque haben , so 
wiirde, wenn nian coriim nichl fiir 
eine blosse Dittographie vou deo- 
;'M/Ai halten will, confcmplaforcm 
caeli ac terrarum eari/mque cuf- 
torem zu lesen sein. 

70. si hacc nata sunt etc. Vgl. 



Acad. II. 37, IIS: Plalo ex ma- 
teria in se omnia recipicnte mun- 
dum esse factum censet a deo 
sctnpiternum, und oben 25, 63. 

m un eris . D ies \\ ort \v i rd prop rie 
von den Spielen gcbraucht. welche 
besonders die Aedilen dein \ Olke 
als Dankgeschenk fiir ihre Ernen- 
nung zu geben plleglen ; daher 
auch : ein Gebiiudc zu solchein 
Zwecke (z. B. Vell. P. II. 130: 
Pompcii munera absvmpta igni^. 
Vgl. de nat. D. II. 35, 90: inessc 
aliqucm — tamquam architectum 
tanfi opei'is fantique muneris. 

viiii divinam ynentis, cine durch 
die Zwischensalze \eranlasste Wie- 
derholung des Objccts (tnentem 
hominis). 

29. propria et sua ist nicht 
identisch. Tacitus z. B. hat oratio- 
nem propriam et suam,C\cero nur 
suam, denn er hat V ieles mit An- 
dern geinein. \ gl. 45, 10'J: sui.i et 
propriis bonis laudis et gloriae 
morfui non carcnt; auch V. 7, 19. 



LIBER I. 29, 71. 3n, 72. 



45 



sic animum tibi tuum notum esse oportere. etiam si ignores et 
locum et formam. In animi autem cognitione dubitare uon 71 
possumus, nisi plane in physicis plumbei sumus, quin niiiil sit 
animis adniLxtum, nihil concretum, nihil copulatum, nihii coag- 
mentatum, nihil duplex. Quod quum ita sit, certe nec secerni 
nec dividi nec discerpi nec distrahi potest , ne interire quidem 
igitur. Est enim interitus quasi discessus et secretio ac diremptus 
earum parlium, quae ante interitum iunctione aliqua tenebantur. 
His et talibus rationibus adduclus Socrates nec patronum 
quaesivit ad iudicium capitis nec iudicibus supplex fuit , adhi- 
buitque liberam contumaciam , a magnitudine anirai ductam, 
uon a superbia , et supremo vitae die de hoc ipso mulla disse- 
ruit, et paucis anle diebus, quum faciie posset educi e custodia, 
noluit, et tum, paene in manu iam mortiferura illud tenens po- 
culum, locutus ita est, ut non ad mortem trudi, verum in cae- 
lum videretur escendere. Ita enim censebat itaque disseruit : 30 
duas esse "vias duplicesque cursus animorum e corpore exce- 72 
dentiura. ?sam qui se humanis vitiis contaminavissent et se totos 
libidinibus dedissent, quibus caecati vel domesticis vitiis atque 
flagitiis se inquinavissent vel re publica violanda fraudes inex- 



71. plumbei sumiis ,,sturapfsin- 
nig", wie im Terent. Heaut. V. 1. 4 
stipes.asimis.plumbeus gescbiinpft 
wird. (Das Bild ist von eineni pliim- 
beus pugio odev g/adius hergenom- 
men ; s. de fin. IV, IS, 4S u. ad Att. 
I. 16, 2.) 

ne tnterire quidem ist Madvigs 
Emendation fur nec interire; s. zu 
26, 65. Igitur als 4. Wort darf 
keinen Anstoss geben ; vgl. z. B. 
34, 82 : ?ie in animo qvidem igitur 
sensus remanet, u. 36, SS : ne ca- 
rere quidem igitur in mortuo est. 

necpatronum quaesivit. Erwies 
sogar die ihm angebotene \ erthei- 
digungsrede des Lysias zuriick. 

adhibuitque. Nach einerXegation 
fuhrt der Lateiner, bes. Cic. , den 
Gegensatz oft mit copulat. Partikeln 
ein, wo wir im Deutschen adversa- 
tive zu setzen pQegen. Vgl. III. 3, 6 
omnibusque : V. 10, 30 omniaqiie. 

liberam eontumaciam ,,einen 
edeln Trotz". So Quintil. II. 4: 
Maxima est innocentiae contuma- 



cia^ und Tac. Hist. I. 3 : contumax 
etiam adversus tormenta Jides ; 
sonst immer in malam partera ge- 
braucht. 

de hoc ipso, iiber die Unsterb- 
lichkeit. 

tenens ist Epexegese zu tum, wie 
Lael. 1-5. -33 tum exuiantem se in- 
fellexisse. 

30- 72. Ita enim censebat etc. 
Die folgenden Gedanken sind aus 
Plato*s Phadon entlehnt, zum Theil 
fast wortlich iibersetzt. Vgl. auch 
Cic. de republ. M. 26 (s. oben zu 
12, 27). 

animorum e corpore exc. 
Ebenso 17, 40: anim o s , quum e 
corpor e excesserint. 

hvmanis vitiis ,,mit den ge- 
wbhnlichenLastern derMenschen". 
Plat. Phaedon p, S4 b. 

fraudes sind hier ,,Verbrecheu" 
iiberhaupt , wie de divin. I. 4, 7 : 
neglectis rebus divinis impia 
fraude obligari, und ofter. 



46 



LIBERI. 30, 73. 74, 



piabiles concepissent, iis devium quoddani iter esse, seciusum 
a concilio deoruni ; qui aulem se integros caslosque serva- 
vissent, quibusque fuisset minima cum corporibus coutagio, 
seseque ab iis semper sevocavissent essenlque in corporibus 
humanis vitam imitati deorum , his ad illos, a quibus essent 

73 profecti, reditum facilem palere. Itaque commemoral, ul cygni, 
qui non sine caussa Apollini dicati sint, sed quod ab eo divi- 
nationem habere videantur , qua providenles , quid in mortc 
boni sit, cum canlu et vohiplate moriantur, sic omnibus bonis 
et doclis esse faciendum, Nec vero de hoc quisquam dubitare 
posset, nisi idem nobis accideret diligenter de animo cogitan- 
tibus , quod iis saepe usu venit, qui quum acriter oculis de- 
ficientem solem inluerenlur, ut adspectum omnino amitlerent; 
sic mentis acies se ipsa intuens nonnumquam hebescit, ob 
eamque caussam contemplandi diligenliam amitlimus, Itaque 
dubitans, circumspectans, haesitans, multa adversa reverens, 
tamquara in rate in mari immenso nostra vehitur oratio, 

74 Sed haec et vetera et a Graecis. Calo aulem sic abiit e 
vita , ut caussam moriendi nactum se esse gauderet, Vetat 
enim dominans ille in nobis deus iniussu hinc nos suo demi- 
grare ; quum vero caussam iustam deus ipse dederit , ut lunc 



seseque. Aus quibus ist qui zu 
suppliren, also: quique sese. Aehn- 
lich II. 25, i'A : quem et ipse saepe 
vidi et id dicam fiir et de quo id di- 
cam. Licenz der familiaren Sprache. 

ad illos elc. — ad deos. \gl. 24, 
57 u. 58; 49, 118. 

73. iit cygni. PLPhaed. p. 85 b. : 
ol xvxvot — Toii uinoXXwvog ovrfg 
fXKVrixol ri dai xal mmtt^ortg 
ra iv (t^ov «yadtt (cdovat xai r/o- 
novrai ixtlvt]V rrjV rjuioav Statff- 
govrcog t] iv rio f^TtQoahfv ynovco. 
Kurz vorher beissen sie ^jdnolXwvog 
&fQ('(novrfg. 

qua providentes — rnorianfur, 
eioe Anakoluthie, da es, wenn das 
Pradicat zu ut cygni nicht fehlen 
soll , entweder providen/ heissen 
oder qi/a gestrichen werden miisste. 
Doch ahnlich Brut. 27, 105: hitnc 
qui audierant, in quibus L.Gellius 
canorum oratorem fuisse dicebat, 
rdr: in quibus L. G.fuit, — dice- 
bant. 



qui quum — ?«/;/ere«^M;', wieder 
eine stilistische Nachlassigkeit. Ent- 
weder miisste quum fehlen, oder 
statt ut — amitterent bioss ami- 
serunt stehen. Zum Inhalt vgl. Pl. 
Pbaed. p. 99 d. 

se ipsa intuens. Man wiirde hier 
se ipsam intuens erwarleo ; s. je- 
docii Zumpt § 696 gg. E. 

rcverens=verens ,,berurchtend", 
wie de orat. II. 2S, 1 22 : dicam, non 
reverens assentandi suspicionem. 

tamq. in rate. Vgl. PI. Phaed. 
p. 85 d. 

74. Cato. M. Porcius Cato, Stoi- 
ker, gab sich in Utica den Tod, als 
Ciisar zur Alleiuherrschaft gelangt 
war, 46v. Chr. In der letzten Nacht 
las er Plato's Phiidon. 

iniussu suo. Lehre der Pythago- 
reer, Platoniker und Stoiker. Hier- 
zu und zum Folgeoden vgl. PhaedoD 
p. 61 e bis 68. 

dederit — excesserit etc. , s. 



LIBER I. 3J, 75. 76. 47 

Socrati, nunc Caloni, saepe mullis, nae ille, mediusfidius, vir 
sapiens laelus ex his tenebris in lucem illam excesserit. Nec 
tamen illa vincla carceris ruperil (leges enim vetant), sed, tam- 
quam a magistratu aut ab aliqua potestate legitima, sic a deo 
evocatus atque emissus exierit. Tota enim philosophormn 
vita, ut ait idem, commentatio mortis est. 

Nam quid aliud agimus , quum a voluptate , id est a cor- 31 
pore , quum a re familiari , quae est ministra et famula cor- 75 
poris , quum a re publica , quum a negotio omni sevocamus 
animum? quid, inquam, tum agimus, nisi animum ad se ipsuni 
advocamus , secum esse cogiraus maximeque a corpore abdu- 
cimus? Secernere autem a corpore animum ecquidnam aliud 
est quam emori discere? Quare hoc commentemur, mihi crede, 
disiungamusque nos a corporibus, id est, consuescanius mori. 
Hoc et, dum erimus in terris, erit illi caelesli vitae simile, et, 
quum illuc ex his vinclis emissi feremur, minus tardabilur 
cursus animorum. Nam qui in compedibus corporis semper 
fuerunt, etiam, quum soluti sunt, tardius ingrediuntur, ut ii, 
qui ferro vincti multos annos fuerunt. Quo quum venerimus, 
tum denique vivemus. Nam haec quidem vita mors est, quam 
lamentari possem, si liberet. 

A. Salis tu quidem in Gonsolatione es lamentatus : quam 76 
quum lego , nihil malo , quam has res relinquere ; his vero 

Zumpt Gramm. § 511. Vgl. II. 6, 16 (pikoaoq^cov, kvatg xctl /loQtafxog 

pertulerit — decrevertt. ipv)(^g uno aw/narog. 

saepe multis ~ multis, alii alio 31. 75. eequidnam — discere? 

tempore. So de off. I. 22, 74: nach den Spuren derHdschr. emen- 

Multi bella saepe quaesierunt dirt. Die Vulgata nec quidquam 

propter' gloriae cupiditaiem, alitid est 7nori discere isiauch nur 

nae bei Cicero immer nur in Ver- Conjectur (von Bentley). 

bindung mit einem Pronomen de- miniis tardabitur cursus. Dem 

monstr. oder person. ; so 42, 99 u. Anfang der Periode entsprechend 

III. 4, 8. hatte Cic. schreiben miissen : minus 

aut ab aliqua potestate „oder tardabit ( = aceelerabit) cursum. 

iiberhauptirgendeiner — ".Vgl. III. tum denique vivemus. Vgl. de 

14, 29: aut aliquam molem mali ; rep. VI. 14: Immo vero iivivunt, 

ib. 19, 44 : atit aliquid eiusmodi. qui ex corporum vinculis tam- 

commentatio heisst das vorsiitz- quam e carcere evolaverunt : ve- 

liche Denken auf Etwas, was man stra vero quae dicitur vita, mors 

thun (oder sprechen) will ; also est; und Euripides: Tig olSfv, fi 

comm. mortis (wofur nachher t6 C^v fxiv iari xaT&c(V(tv, t6 

emori discere) ,,Vorbereitung auf xaTQ-avslv Sh Ct]V ; 

den Tod". Vgl. II. 18, 42 u. III. 76. inConsolatione, s. zu26,65. 

16, 34. — Plat. Phaed. p. 67 d : has res , SiixTixdig : ,,diese 

To fiiXiTrifj.a avro tovto laii TtSv Welt". 



48 



LIBER I. 31, 77. 32. 



niodo audilis, multo niagis. M. Veniet tenipus et quidem ce- 
leriter et sive retractabis sive properabis; voiat enim aetas. 
Tantum autem abest ab eo , ut malum mors sit, quod tibi du- 
dum videbatur, ut verear. ne homini niliil sit non malum aliud 
certe, sed nihil bonum aliud potius , si quidem vel dii ipsi vel 
cum diis futuri sumus. y/. Quid refert? iM. Adsunt euim, qui 
haec non probent. Ego autcm nunKjuam ita te in hoc sermone 

77 dimittam, uUa ratione ut mors tibi videri nialum possit. ^. Qui 
potest, quum ista cognoverim? M. Qui possit, rogas? Cater- 
vae veniunt contra dicentium , nec solum Epicureorum , quos 
equidem non despicio , sed nescio quo modo doctissimus quis- 
que conlemnit , acerrime aulem deliciae meae Dicaearchus 
contra hanc iramortalitatem disseruit. Is enim Ires libros 
scripsit, qui Lesbiaci vocantur, quod Mytilenis sermo habetur, 
in quibus vult etlicere , animos esse morlales. Stoici autem 
usuram nobis largiuntur, tamquam cornicibus; diu mausuros 
aiunt animos, semper, neganl. 

32 Num non vis igitur audire, cur, etiam si ita sit , mors 

tamen non sit in maiis? A. Ut videtur; sed me nemo de im- 



uf vcrear , ne elc. : ,,dass ich 
fiircbte, es gebe jedenfalls iiichts 
anderes nicbt Schlechtes fiir dea 
Menschen, aber noch lieber nichts 
anderes Gutes". Potiiis ist also hier 
nicbt Adjecliv, sondern scd potius 
steht dem cerle gegeniiber. 

Quid refert? scheint auf die auf 
Scbrauben gestellte dilemmatische 
Aeusserung des Magisler zu gehen, 
dem schon vorsohweht, dass Andere 
die Unsterblichkeit liiugnen und 
dass dann der Tod nur als nicht 
schlecbt, nicht als gut erwie- 
sen werden kann. 

Adsunt enim etc. ,,Ja, es sind 
Ijeute da — ". 

77. Qiii potest — Qui possit? 
ergiinze^en, wie 12, 23. 

quos equidem etc. , ironisch. 
AeliDlich II. 3, 7: quos (^Epicu- 
reos) non confemno equidem, 
qiiippe qiios iiuinqiiam legerim. 

acerrime aulem , fiir sed etiam 
aliorum pliHosoplwriim , cx qiii- 
hus acerrimc deliciae etc. 



Dicaearckus , Peripatetiker , s. 
10, 21; 11, 24; 22, 51. 

ejjicere ,,be\veisen" bisweilen 
mit Acc. c. Inf., hiiufiger aber ist 
auch in diesein Sinne vt , ohne 
dass das Act. oder Passiv. (wie 
Zuinpt Gr. §61S meint) dabei einea 
Unterschied machte. Vgl. S, 16: 
mors ut maliim non sit, ejfficies. 

usuram — /urgiuntur ,,bewilli- 
gen uns einen r eic h lich en (d. b. 
langen) ^liessbrauch des Lebens" 
(keine possessio^. Zur Sache 
vergl. 9, IS u. 32, 79. 

tamquam cornicibiis , die nach 
der Fabel neun Menschenalter er- 
reichen. Hcsiod. fragm. lOG Giittl.: 
'Evvta Toi iTojfi yertcts kaxiQvi^a 

XOQMVI] J4vcIqC0V rj^COVTWV. Vgl. 

III. 28. f,9; auch Horal. Carm. III. 
17, 13 u. IV. 13, 25. 

32. mors — in malisf Ehe er 
dies aber erweist, widerlegt er erst 
noch bis 33,81 einschl. einigeGeg- 
ner der Unsterblichkeitslebre. 

ut videtur, s. 11, 23 zu si vi- 
defur. 



LIBERI. 32, 78.79. 33, 80. 49 

niorlalitate depellet. 31. Laudo id quidem ; etsi nihil nimis 78 
oportet confidere. Movemur enim saepe aliquo acute concluso, 
labamus mutamusque sententiam darioribus etiam in rebus; in 
his est enim aliqua obscuritas. Id igitur si acciderit, simus 
armati. yi. Sane quidem ; sed, ne accidat, providebo. 

M. Numquid igitur esl caussae, quin amicos nostros Stoi- 
cos dimittanuis? eos dico, qui aiunt animos manere, quum e 
corpore excesserint, sed non semper. u4. Istos vero: qui,quod 
tota in hac caussa difBcillimum est, suscipiant, posse animum 
manere corpore vacantem ; illud autem, quod non modo facile 
ad credendum esl, sed, eo concesso, quod volunt, consequens, 
id vero non dant, ut, quum diu permanserit, ne intereat. 
31. Bene reprehendis, et se isto modo res habet. Credamus 79 
igitur Panaetio a Platone suo dissentienti? Quem enim omnibus 
locis divinum, quem sapienlissimum, quem sanctissimum, quem 
Homerum philosophorum appellat, huius hanc unam sentenliam 
de immortalitate animorum non probat. Vult enim, quod nemo 
negat, quicquid natum sit, interire; nasci autem animos ; quod 
declaret eorum similitudo, qui procreentur, quae etiam in in- 
geniis, non solum in corporibus appareat. Alteram autem 
affert rationem : nihil esse, quod doleat, quin id aegrum esse 
quoque possit; quod autem in niorbum cadat, id etiam interitu- 
rum ; dolere autem animos; ergo etiam interire. 

Haec refelli possunt. Sunt enim ignorantis, quum de aefer- 83 
nilate animorum dicatur, de mente dici, quae omni turbido motu 80 
seniper vacet, non de partibus iis, in quibus aegritudines, irae 



de immortalitate. Man beachte nahme des vorangeg;. illiid autem 

die kriiftige Kiirze des Ausdrucks ! wird auch das Verlassen der be- 

78. 2«A?^ Ci-^ew/w etc. Zwischen- gonnenen Construction (^qiii siisci- 

gedanke: mulfo igitiir facilius iii />/a« ^) natiirlicher. 

Jiis. id — tion dant, ut — ne inter- 

amicos nostros, mchiwonisch. eat. So V. 11, 34: demus hoc 

Istos vero sc. dimitiamus. Bruto , ut sit beatus semper sa- 

qui — suscipiant ,,annehmen'', pims. Ohne die Zusetzung eines 

wie de divin. II. 40, 84: Quae si Pron. dem. folgt auf dare in diesem 

suscipiamus , pedis offensio nvbis Sinne immer der Acc. c. Inf. ; vgl. 

— et sfer?iutamenta erunt obser- 11, 25. 

vanda. 79. Panaetio, s. zu 18, 42. Er 

id vero fur die bandschriftl. Les- schrieb gegen Platos Pbiido. 

art idcirco (welches zu non dant eorum similitudo sc. cum iis, 

gar nicht passen, zu consequejis be- qiii procreent. 

zogen aber iiberfliissig und liistig 83. 80. Siint eiiim ignorantis 

nachschleppen wiirde) ist Conjectur etc. Cicero widerlegt das zweite Ar- 

von Klotz. Durch diese Wiederauf- gument des Paniitius zuerst, 

Cic.Tuscul. 4 






a5(P ^*-/, 



LIBER I. 33, Sl. 

f . - o C*.-' • u ^ ^ - 

libidinesquc versentur, quasls, conlra qiiem haec dicunlur, 
semolas a nieiilc et disdusas puJal. lani similitudo magis ap- 
parel in bcstiis, quarum aninii sunl ratiouis expertes; hominum 
aulem siniilitudo in corporum ligura magis cxslat, et ipsi aniiiii, 
magni refert, quali in corpore locati sint. Mulla cnim e corpore 
exisluut, quae acuant menlem, mulfa, quae oblundant. Aristo- 
leles quidem ait, omnes ingeniosos melancholicos esse, — nt 
ego me tardiorcm essc non molesle feram. Enumerat multos, id- 
que quasi constel, ralioneni,cur ita fial, afFerl. Quodsi tanla vis 
est ad habitum mentis in iis, quae gignunlur in corpore (ea sunt 
aulem, quaecunque sunt, quae similitudinem faciuntj, nihil ne- 
81 cessilatis alfcrt, cur nascantur animi, similitudo. Dmitto simili- 
tudines. \ ellem adesse posset Panaetius; vixit cuni Africano; 
quaererein ex eo, cuius suorum similis fuissct Africani fratris 
nepos, facie vei patris, vita omniuin perdilorum ita similis, nt 
esset facile deterrimus; cuius etiam simiiisP. Crassi,et sapientis 
et eioquentis et primi hominis, nepos, multorumquc aliorum cia- 
rorum virorum, quos niiiil attinet nominare, nepotes et filii. 

Sed quid agimus? oblitine sumus, hoc nuuc uobis esse 
propositum, quuin satis dc aelernilale dixissemus, ne si inler- 



quas /.v — semolas a mcnte pu- 
tal, nainl. Flato; s. 10, 2(». 

lam ,,so(laiin'' ; Uebergang zur 
Widerlef^iing des ersten Arguinents 
des Paniilius. (Es wird der Beweis, 
auf den die propositio ininor die- 
ses Syllogismus sicli stiitzte, ange- 
grilfen.) 

Aristotcles , Problein. 30, 1. 
Vgl. Sen. de tranq. 15: /Irisloteli 
nulliiin »iag)ii/m iiigeuium siue 
mixtura dementiae fuit. 

quide.m ,,zuin Beispiel". So 48, 
116: Alcidamas qiiidein: II. 14,31: 
Cretum quidem leges ; III. 12,27 : 
Dionysiiis qiiidem, ii. (ifter bei Ei- 
gennamen. 

81. Oiiiitlo siiiiililudines. iNach 
dein Beweisc, dass dic geisligeii 
Aehnlichkcilcii zwischcn Eltern u. 
Kindern iiur diirch Aehnlichkeit der 
kiirperl. Einlliisse herbeigeliihrt 
werden , hebt (^ic. nuii die Erfah- 
runghervor, dass die kiiipcrl. .\chn- 
lichkeit olt auch mit gar keincr gei- 
stigen Aehnlicbkcit verbunden sei. 



vixit cum Afrieano druckt nicht 
hloss Gleichzeitigkeit, sondcrn cin 
ciiges Freuodscharisvcrhaltniss aus. 

.Ifric.ani fratris nepos : Q. Fa- 
bius Ma.ximus , Sohn des Q. Fabius 
.Maximus Allobrogicus (121 v. Chr. 
Consul), Enkel des Q. Fab. Ma.\. 
Aemilianus (Cons. 145), des Bru- 
ders von Scipio Aemilianus Afric. 
minor. Er wurde \on Slaatswegeu 
wegen Liederliclikeit unter Curatel 
gcstellt (Val. Max. III. 5, 2). 

cel patris sc. similis. Das vel 
soll den Contrast zu omnium per- 
ditornm similis mehr hervorheben. 

P. Crassi. P. Licinius Crassus 
Dives , 2<I5 Consul mit deni dllern 
AlVicanus, gliicklich als Feldherr, 
hochangesehen als Staatsinann, 
Bcchtsgelchrler und Redner, starb 
1S3. Sein Enkel hiess ebenso. 

primi ho lu in is =prima rii, p rin - 
eipis. So in Verr. II. 4, 17, 37 : 
a Lijsone Lilijbaetano, primo ho- 
inine. 

oblitine sumus etc, s. 32, 77. 



LIBERI. 34, 82. 83. 51 

irent quidein aoimi, quic^ain jnali esse in morte? A. Ego 
vero meminerara, sed te de aeternifate diceiitem abeirare a 
proposito facile patiebar. 

M. Video te alte spectare et velle in caelum migrare. 34 
Spero fore, ut contingat id nobis. Sed fac, ut isti volunt, ani- 82 
mos non remanere post mortein : video nos, si ita sit, privari 
spe beatioris vitae; mali vero quid afferl ista sententia? Fac 
enim sic aniinum inlerire, ut corpns : nuin igitur aliquis dolor 
aut oninino post mortem sensus in corpore est? Nemo id qui- 
dem dicit, etsi Democrilum insimulat Epicurus ; Democritici 
negant. Ne in animo quidem igitur sensus remanet, ipse euini 
nusquam est. Ubi igitur malum est, quoniam nihil tertium est? 
an, quoniam ipse animi discessus a corpore non lit sine dolore? 
Ut credam ita esse, quam est id exiguural Et falsum esse arbi- 
tror, et fit plerumque sine "sensu, nonnuraquam etiam cum vo- 
luptate ; tolumque hoc leve est, qualecunque est; fit enim ad 
punctum temporis ; illud angit vel potius excruciat, discessus 83 
ab omnibus iis, quae suut bona in vita. Vide, ne a malis dici 
verius possit. Quid ego nunc lugeam vitam hominum? Vere et 
iure possum. Sed quid necesse est, quum id agam, ne post 
mortem miseros nos putemus fore, etiam vitani efficere deplo- 
rando raiseriorem? Fecimus hoc in eo libro, in quo nosmet 
ipsos, quantum potuimus, consolati sumus. A malis igitur raors 
abducit, non a bonis, verum si quaerimus. Et quidem hoc a 
Cyrenaico Hegesia sic copiose disputatur, ut is a rege Ptole- 

facile beipati: willig, gern, wie tritt die Stelle einer Causalpartikel ; 

36 , 88 : etiamsi idfacile patiare ; que (in tutumque') fasst das Gesagte 

ebenso bei audire, z. B. de orat. II. zusainmen : ,,und iiberbaupt". 

56, 229 : facile /io7nines audituri. 83. f^ide ne — , bescheidenerer 

34. 82. alte spectare ,,sich ein Ausdruck fur : A malis dici verius 

hohes Ziel setzen". potest. Vgl. II. 18, 43 u. IV. 22, 

Spero — vitae, bisher dem A. 50. Ebenso videamus tie : III. 6, 

zugeschrieben , hat Tregder mit 13. — Zu ama/isergainze discessus. 

Recht dem M. vindicirt. Der Impe- f^ere et iurc possum. Man be- 

rativ (fac) vertritt, wie haufig, achte, dass hier derlndic, dagegea 

einen IJedingungssalz ; video — § 84 (^possem idfacere) gegen den 

ivYtfeaber steht im concessiven Ver- gewbhnl. Gebrauch derConj. steht. 

haltniss zu mali vero etc. in eo libro, in der Consolatio ; 

Democritum. Vgl. 11, 22. s. zu 26, 65. 

«/A// /er^ew/«, neben Korper und Hegesia. Hegesias , von der 

Geist. Schule derCyrenaiker (so genannt, 

Etfalsum esse arbitror etc. Et weil ihr Stifter Aristippus aus Cy- 

ist stark zu betonen , also = ,,und rene war) , lebte um 2SU v. Chr. 

noch dazu". (Hiiufiger in diesem unter Ptolemiius Philadelphus. Er 

Sinne ist atque.) Das zweite etvev- hatte den Beiaaimen ITiiGt&(h'((Tos. 

4* 



52 



LIBER I. 34, 84. 35, 85. 



inaeo proliil^itus esse (licalnr illa in scholis dicere, quod uiulti 
81 iis auditis niorleni sibi ipsi consciscerent. Callimachi quidem 
epigranima in Ambraciotam Cleomhrolum est, quem ait, quum 
ei nihil accidissel adversi, e muro se in mare abiecisse lecto 
Platonis libro. Eiiis autem, qiiem dixi, Hegesiae liber est, 
^7toy.aQT£otor, quod a vita quidam per inediam discedens re- 
vocaliir ab anjicis, quibus respondens vitae hnmanae enumerat 
incomnioda. Possem id facere, etsi minus quam ille, qui omnino 
vivere expedire neniini putat. Mitto alios : etiamne nobis ex- 
pedil? qui et domesticis et forensibus solatiis ornamentisque 
privati cerle, si ante occidissemus, mors nos a malis, non a 
bonis abslraxisset. 
35 Sit igitiir aliqiiis, qui nihil mali habeat, nullum a fortuna 

85 vulnus acceperit : IMeteJlus ille honoratis quattuor liliis ; at 
quinqiiaginta Priamus, e quibus septendecim iusta uxore natis. 
In utroque eandem habuit fortuna polestatem, sed usa in altero 



in scholis ,,in seinen Lebrvor- 
tragen". 

84. Callimacbi. Callimaclius aus 
Cyrene,uin250 in Alexandria. Dich- 
ter, Gescbiclitsclireibcr und Gram- 
matiker. Scine Hyninen und Epi- 
gramme baben wir nocb. Das bier 
ijemeinte Epigr. 2 J lautet : 
EiTTas ,',HXit yuiot" K/.tofijinoTog 
WjLifSoK/nojTt]; 

"Hkc(T «f/' vil'r]).ov Ttiyto; tf; 
a'i'(^r]V, 
'Ji^iov ov^tv f Jwj' d((VnTov y.Kxov, 
tt/.).(( n?.c(T(ovog 

jEv to TTtQi K^vyi/g yoaiiu (h'«- 
).t§c(f.ifVog. 

Plalonis libro, se. Pliavduiir. 

quod a vila etc. giebt den Grund 
an , wesbalb Heg. seinein Bucbe 
diesen Titel gegeben. 

Miilo = omitto , wiff p. Sulla 
25, 70 II t alia mittamiis, u. ofter. 

etiamnc, s. zu 27, (57. 

domvslicis — ornnmvntisqiie. 
Durcb deii Tod seiner Tocbter war 
Ciceros biiuslicbes Gliick, dnrch 
Ciisars Alleinberrscliart sein polili- 
sches AnsebcD verniebtel. 

qiii — nos — obstra.rissrt, At- 
traction des Relali\n!ns zu dem 



Zwischensatze , fiir : quos — pri- 
vatos — mors — abstraxisset; s. 
Zumpt Gr. § S04. 

35- S5. Metelliis. Q. Ciicilius 
MeleliusMacedonicus, der nacb Be- 
siegnng des Andriscus Macedonien 
148 zur riim. Provinz macbte und 
143 Gonsul war, sah drei seiner 
Siihne nocb als Consuln : (). C. M. 
Balearieus 123, L. C. M. Diadema- 
tus 117 und M. C. M. 115, und den 
vierlen , C. C. M. Caprarius, als 
Priitor (spiiter, 113, ebenfalls Con- 
sul) : also siimmtlicb /lonorafi, d. h. 
Iionoiibiis fiincti. - Die .Vbl. oben 
sind Abl. qualit. — Sinn : Wenn 
auch einzelne Wenige, wie Metel- 
lus, durch dcn Tod aus dein vollsten 
Gliicke gerissen werden , so befreit 
er dagegen die Meislen , wie den 
Priamus , von gegenwiiitigem oder 
noch bevorslebendem Ungliiik. 

qiiinqiioginta — sepfcndecim. 
Hom. II. XXIV. 495 sq. sagt Pria- 
miis : 

TTtVTl'jyo1'Tc'( UOl tjOnV, OT TjAUi^OJ' 

vitg - iyniwv - 
ivvt((xc(i6ty.a fi^v juoi ifjg fx 

Vij^vog yjOav, 
Tohg d" c'().kovg fioi fTixTOV ivi fit- 

yttQotai yvrcdy.tg. 



LIBER I. 35, S6. 



esf. Metelluni enim nuilti filii, filiae, nepotes, neples in rogum 
imposuerunt; Priamum tanta progenie orbatum, quum in aram 
confugisset, hostilis manus interemit. Hic si vivis filiis, inco- 
lunii regno, occidisset, 

— astantc ope bdrbarica, 

Tectis caelatis, Idci/atis : 
utrum tandem a bonis an a malis discessisset? Tum profecto 
videretur a bonis. At cerle ei melius evenissel, nec tam flebi- 
liter illa canerentur: 

Haec bmnia vidi injldmmari , 

Priamo vi vitam evilari. 

lovis dram ^anguine turpari. ^*-t»-!*^ 

Quasi vero ista vi quicquam tum potuerit ei meluvs accidere! ";"' 
Quodsi ante occidisset, evenlum omnino amisisset ; hoc aulem 
tempore sensum tamen amisit malorum. FompFio noslro fami- S6 
liari, quum graviter aegrotaret jNeapoli, mejuis^jest^factum; co- 
ronati Neapolitani fuerunt, nimirum etiam Puteolani; vulgo ex 
oppidis publice gratulabantur. Ineptum sane negotium etGrae- 
culum, sed tamen fortunatum. Ltrum igitur, si tum esset ex- 
stinclus, a bonis rebus an amalis discessisset? Certe a niiseris. 
Non enim cura socero bellum gessisset, non imparatus arma 



astante etc, anapiist. Dinieter, 
aus des Ennius Andromacha Aecli- 
malotis, welcbe III. 19, 44 in ihrem 
Zusammenhange citirt werden. 

lacitatis ist (nach Ribbeck) statt 
des gleichbedeutenden laqueatis auf 
das Zeugniss des Servius zu Aen. I. 
724 aufgenommen. 

Haec omnia etc.,Foptsetzung der 
vorigen Stelle; es ist nur ein Vers 
dazwischen ausgelassen. 

evitari, in der klassischen Zeit 
veraltet = vitam eripi. Zu der 
7ittQrixr]0ig: vi vitam evifari, der- 
gleichen die altern Dichter sehr 
liebten, vgl. 44, 105 : Fidi videre; 
II. 17, 39: parafam pestem iit 
participet parem; III. 19, 44 : Arce 
et iirbe orba sum ; IV, 36, 77: ma- 
ior milii jnoles, maius miscendum 
matum. Mit dem ojuotoTsXevTov der 
drei Verse vgl. 2S, 69. 

ista vi, naml. die, durch welche 
ihm das Leben genomraen wurde. 



even/u!U amisisset = expugna- 
tam Tioiant non vidisset. 

tamen steht in den Handschriften 
vor eventum , wo es gar nicht hin- 
passt (weshalb Bentley und ncuer- 
dings Wesenberg dafiir talem vor- 
schlugen), und hat dureh Keil seinen 
richtigen Platz , neben sensum, ev- 
halten. 

S6. Pompeio mclius facttim est 
= Poinpeius convaluit. 

nimiruin ,, natiirlich ", etwas 
spbttisch (vgl. 22,52). Die nachsten 
Kleinstjidter machten es den Gross- 
stiidtern nach. 

Gracciilum : ,,echt griechisch", 
immer in verachtlichem Sinne, wie 
p. Flacc. 10, 23 : motus quidam 
temerarius Graeculae contionis. 
Die griech. Lebhaftigkeit sprach 
die kalteren Rbmer wenig an. 

cum socero, mit Casar, dessen 
Tochter Julia 59 v. Chr. mit Pom- 
peius verheirathet , seit 54 aber 
freilich schon gestorben war. 



54 LIBERI. 36, 87. 88. 

sumpsisset, noii doinum reliquissel, non ex Italia fugisset, non 
exercitu amisso iiudus in servorum ferrum etmanus incidisset; 
non liberi delleti; non fortunae omnes a victoribus possiderentur. 
Qui, si morteiu tum obissel, in amplissimis forlunis occidisset, 
is |)ropagatione vitae quot, quantas, quam iiicredibiles hausil 
36 calamilates ! Haec morte effuj^iuntur, etiam si non evenerunt, 
tamen, quia possunt evenire; sed bomines ea sibi accidere posse 
non cogitanl. Metelli sperat sibi quisque fortunam , proinde 
quasi aut plures fortunati sint quam infelices, autcerti quicquam 
sit in rebus humanis, aut sperare sit prudentius quam timere. 

87 Sed hoc ipsum concedalur, bonis rebus homines morle pri- 
vari; ergo etiam carere mortuos vilae commodis, idque esse 
miserum? Cerle ila dicant necesse esl. An potest is, qui nou 
est, re ulla care.rc'* Trisle enim est nomen ipsum cnrendi, 

x\\x\a subiicitur haec vis: habuit, non habet; desideral, requirit, 
indiget. Haec, opinor, incommoda sunt cai"entis: caret oculis, 
odiosa caecitas ; liberis, orbitas. Valet hocinvivis; mortuorum 
aulem non modo vitae commodis, sed ne vita quidem ipsa quis- 
quam caret. De morluis loquor, qui nulli sunt. Xos, qui sumus, 
num aul cornibus carenius aut pinnis? quis est qui id dixerit? 
Certe nemo. Quid ila? Quia, quum id non habeas, quod tibi 
nec usu nec natura sit aplum, non careas, eliam si sentias te 

88 non habere. Hoc premendum eliam atque eliam esl argumentum, 
confirmato illo, de quo, si mortales animi sunl, dubilare non 
possumus, quin tantus interitus in morte sit, ut ne minima qui- 

liberi defleti, nanil. a Pompeio, num — dixerit i Die Vulgala : 

da er nach seiner Niederlage fiir iium, aut si cornihus caremus aut 

seine Siilint' ((yii. und S.) eine trau- pennis, sit qui id dixeril (nanilich 

rige Zukunft erwarlen nuisste. Die cavere')? deren Unsinn Jedeni ein- 

Lesart deleti, auch niirider beglau- leuehtet, ist von Davisius so ver- 

bigt, passt daruni nicht, weil sie htssevlviorAen: num aut cornibus 

ibren Vater (Sextus sogar dcn Ci- caremus aut pinnis'^ ecquis id di- 

cero) iiberlebt haben, und hicr nur a-er//-' Statt pc(7///.vhat derFlerausg. 

von dem Ungliick, das Pouip. erlebt jedoch nach 11. Sauppe's Vorschlage 

hal, die Rede ist. quis est qui gesetzt, da dies, quist 

36- S7. An erkliirt sich durch qui ^eschviehen^i^em st qui{sit qui) 

den vorher zuzudenkenden Satz : der codd. niiher liegt. 

Nos ita non dicimus. ^S. Uoc premendum est arpu- 

nomen ipsum carendi , Gen. mentum. .Irg.premcre: einen Be- 

epexeget. slatt der Apposition, wie weis verfolgen , d. h. an ihin fest- 

4.5, 109: suis honis et laudis et halten und auf ihni fussen. 

gloriae. Zu deni (jerund. als \ er- quin etc. riir den .Acc. c. Inf. , 

balsubstantiv vgl. 43, 102 : de niliil wclchcn con/irmalo illo erforAerl, 

sentiendo. ini Anschhiss an dcn ZHJschensatz 

qui nulli sunt. vgi. ti, 11. {de quo diibilare nnn possumus). 



LIBER I. 37, 89. 55 

dem suspicio sensus relinquatur; hoc igitur probe slabililo et 
fixo, illud exculiendura esl, ut scialur, quid sil carcre, ne re- 
linquatur aliquid erroris in verbo. Carere igitur hoc significat: 
egere eo, quod habere velis; inest enini vclle in carendo (nisi 
quum sic, tamquam iii febri, dicilur alia quadam notione verbi: 
dicitur enim alio modo etiam carere, quum aliquid non habeas 
et non habere te sentias, etiam si id facile patiare). Ila carere 
in morle non dicilur, nec enim esset dolendum. Dicitur illud, 
bono carere, quod est malum ; sed ne vivus qiiidem bono 
caret, si eo non indiget. Sed in vivo inteliigi tamen potest, 
regno te carere; dici autem hoc in te satis subtililer non potest; 
posset in Tarquinio, quum regno esset expulsus ; at in mortuo 
ne intelligi quidem ; carere enim sentientis est, nec sensus in 
mortuo : ne carere quidem igitur in mortuo est. 

Quamquam quid opus est in hoc philosophari, quum rem 37 
non magno opere philosophia egere videamus? Quoties non 89 
modo duclores noslri, sed universi etiam exercitus ad non du- 
biam mortem concurrerunl ! Quae quidem si timeretur, non 
L. Brulus arcens eum redilu tyrannum, quem ipse expulerat, 
in proelio concidisset; non cumLatinis decerlans paterDecius, 
cum Etruscis filius, cum Pyrrho nepos, se hostium telis ob- 
iecissent; non uno bello pro patria cadentes Scipiones Hispa- 

Uingekehrt stand 17, 40: terram ganzen Slelle ist sehr ahnlich Cat. 

obtinere fiir quhi etc. (nach Num M. 20, 75. 

c?«W^a/n?«), wegen des dazwischen si timeretur , s. 12,27 zu nisi 

getretenen pe7-suadent. haereret. Ehenso ^ 90 : doleret — 

tamquam infebri ; z. B. ad fam. putaret. 

XVI. \b:febri carere. Doch wird L. Brutus. L. Junius Brutus fiel 

auch sonst carere sehr haufig 509 im Kainpfe gegen die von den 

,,alia quadam notione verbi" ge- Vejenternunterstiitzten Tarquinier. 

braucht ; so III. 13,27: miseria, Deciiis. P. Decius Mus, der Va- 

18, 40: malo, 41: dolore carere ter, weihte sich dem Opfertode bei 

u. dgl. Veseris 340, derSohn beiSentinum 

Ita carere, d. b. .,.,Carere in der 295, der (seltner erwiihnte) Enkel 

Bedeutung entbehren". Ita., das bei Asculum 279 v. Chr. 

nach ;>a//«7'e leicht ausgefallen sein Scipiones etc. Die Briider Cn. 

kann, glaubten vvir dem Texte hin- und P. Cornelius Scipio fielen 212, 

zufiigen zu miissen , wie wir auch L. Aemilius Paullus, derVater des 

dielnterpunclion hier mehrfach ge- Macedonicus, als Consul, und Cn. 

iindert haben. ServiliusGeminus als Consular216, 

iiec enim essef dolendum ,,denn M. Claudius Marcellus , der Ero- 

es wiire dabei Nichts von einem berer von Syrakus, 208 , L. Postii- 

Schmerzgefiihle". mius Aibinus 215 ini cispadan Gal- 

quod est malum geht auf den lien, Tib. Sempronius Gracchus 213 

vereinigten Begrifl' io»o carere. durch Flavius, den Heerfiihrer der 

37. 89. Quofies etc. Mit dieser Lucaner. 



56 



LIBER I. ;n, 90. 3S, 91. 



nia vidissel, Paullum ef Geininum Cannae, Venusia Marcellum, 
Litana Albinum, Liicania Gracclnim. Xum quis horum miser 
hodie? Xe lum qnidcm post spiritum extremum. Xec enim 

90 potesl esse miser quisquam sensu perempto. At id ipsum 
odiosum est, sine sensu esse. Odiosum , si id essel carere. 
(^)uum vero perspicuum sit, uihii posse in eo esse, qui ipse non 
sit: quid polest esse in eo odiosum, qui nec careat nec sentiat? 
Quaniquam hoc quidem nimis saepe ; sed eo, quod in hoc inesl 
omnis animi contractio ex melu morlis. Qui enini satis vi- 
derit , id quod est luce clarius, animo et corpore consumpto 
totoque animante delcto et facto interitu universo, illud animal, 
quod fuerit, faclum esse nihil, is plane perspiciet, inter Hippo- 
centaurum, qiii nunKjuam fuerit, et regem Agamemnonem nihil 
interesse, nec piuris nunc facere M. Camilluin hoc civile bellum, 
quam ego vivo illo feceriin llomam captam. Cur igitur et Ca- 
millus doleret, si haec post trecenlos et quinquaginta fere 
annos eventura pularel? et ego doleam, si ad decein millia an- 
norum genlem aliquam urbcm noslram potituram putem? Quia 
tanta caritas patriae est. ut eam non sensu nostro, sed salute 
ipsius metiamur. 

38 llaque non deterret sapientein mors, quae propter incertos 

91 casus quotidie imminet, propter brevitatera vitae numquam 



Litana {aach Analogieandrercel- 
tischer Namen , nicht Lifana.) — 
fiir Latini — ist Lindemanns treif- 
liche Conjectur, aufLiv. XXIII. 21 
gestiitzt : Silva erat vasta {Lita- 
nam Halli vocabant), qua exerci- 
tum traducturus erat — IbiPostu- 
mius omnt vi, nc cajjerefur, dimi- 
cansoccubuit—, spalerdurcb ,,La- 
tina" und ,,Lafinia" in melirern 
Hdschr. bestiitigt, aus denen auch 
Lucania fdr Lucani der Gleich- 
miissigkeit \vegen in den Text ge- 
noinmen ist. 

90. Quamquam — nimis saepe, 
sc. a me dicitur. 

animi contractio. Vgl. I\ . 31, 
66 : eodem vitio est ejfusio animi 
in /aelifia , quo in dolore con- 
tractio. 

Agamemnonem , sc. qui o/im 
fuerit. 



nec p/uris facere elc. ,,und dass 
Caniillus sich jetzt eben so wenig 
um den jetzigen Biirgerkrieg kiim- 
mert — ''. M. Furius Camillus, der 
Retter Roms voil den Galliern, 390 
V. Chr. 

ad deeem mi/ia annorum. W ir 
sagen : ,.i n zehntausend Jahreu'', 
deuken uns also deii Zeitpunkt, \vo 
es gcschehen w ird ; der Lateiner 
macht die bis zu diesem Punkte 
sich vollendende Zeit namhart. So 
ad Att. XII. 46: nescio , quid in- 
tersit, atrum i//uc nunc veniam an 
ad deccm annos. (Nagelsbach lat. 
Stil. S. 311.) 

urbem nosfrain. Wie hier. ha- 
ben diebesten Handschriften eiuige- 
mal in mustergiilligen Schriftstel- 
lern potiri init dein Accus. des 
Ortes. So dc fato 7, 13: Africa- 
num Carf/iaginem potituruni ; de 
off. II. 23, ^l : urbem est putilus. 



HJi^fL- 



c«-^. 



LIBER I. 38, 92. 






potesl longe abesse, qiio rainus in onine tempus rei publicae 
suisque consulat, ut posteritatem ipsam, cuius sensum habi- 
turus non sit, ad se putet pertinere. Quare lice t etiam mor- 
talem esse animum iudicantem aeterna moliri, non gloriae cu- 
piditate, quam sensurus non sit, sed virtutis, quam necessario 
gloria, etiam si tu id non agas, consequatur. Natura vero se 
sic habet, ut, quomodo initium nobis rerum omniura ortus 
noster afFerat, sic exitum mors. L t nihil pertinuit ad nos ante '•'~*'^:' 
ortum, sic nihil post mortem pertinebit. In quo quid potest ' 
esse mali, quum mors nec ad vivos perlineat nec ad mortuos? 
Alteri nuUi sunt, alteros non attinget. ' 

Quam qui leviorem faciunt, somni simiilimam volunl esse ; 92 
quasi vero quisquam ita nonaginta annos velit vivere, ut, quum 
sexaginta confecerit, reiiquos dormiat! Ne sui quidem id veiint, 
non modo rpse. Endymion vero, si fabuias audire volumus, 
ut, nescio quando, in Latmo obdormivit, qui est mons Cariae, 
nondum , opinor, est experrectus. Num igitur eura curare 
censes, quum Luna iaboret? a qua consopilus putatur, ut eum 



88- 9\.iiidicantem. Wenn licet 
sich auf eine allgemeiae Person be- 
zieht,die durch ein Partic. bezeich- 
net ist, so steht iinmer der Acc. c. 
Inf. — Mit dem Inhalt des Satzes 
vgl. p. Arch. 11, 28 — 12, 30. 

sit — agas. Der Wechsel der 
Personen des Verb. darf, da tu hier 
nur eine andre Bezeichnung fiir 
,,man" ist, nicht befrenulcn. Vgi. 
de nat. D. I. 30, 84: Quam bellum 
erat, conjiteri potius nescire quod 
nescires, quam ipsum sibi dis- 
plicere ! 

Alteri nulli sunt, niiml. nach der 
Annahme der Gegner. Alteri — al- 
teri hier : ,,letztere — erstere", 
wie IV. 3, 5 alter Cyreuaeus, alter 
Babylonius. Diese Anwendung ist 
ebenso hiiufig, wie die entgcgenge- 
setzte. 

92. leviorem faciunt, de conatu 
zu verstehen, = lenire vo/unt. 

somni simillimam. So Hom. II. 
XI. 242 von einem Getcidteten : 
xoifXTjauTo x^Xxeov vnvov ; XIV. 
231 : "Ytcvio — xaaiyvt^TM Qavd- 
roio. Ebenso Plat. Apol. Socr. p. 40. 

quasivero etc. Sinn : Durch diese 



VorstelluDg wird der Tod einem 
nicht leichter gemacht , denn ein 
verniinftigerMensch will seine Zeit 
nicht verschlafen, sondern thatig 
verleben. 

sui ist Keils treffliche Emenda- 
tion f'dr.,.$we*. Dass sues , wenn es 
auch spriichwortlich rur,,diediimm- 
sten Thiere" gebraucht wird {Sus 
Minervam, sc. docet), keinen pas- 
senden Gegensatz zu ipse bildet, 
ist klar. 

non modo ipse , s. Zumpt Gr. 
§ 724 b. Vgl. 36, 87. 

Endymion vero etc. Sinn : Doch 
ist der Schlaf allerdings ein Bild 
des Todes , und wie wir im Schlafe 
kein Gefiihl haben, so wird es auch 
im Tode sein. — De fin. V. 20, 55 : 
Itaque, ne si iucundissimis quidem 
nos somniis usuros putemus , En- 
dymionis somnum nobis velimus 
dari, idque si accidat, mortis in- 
star putemus. Vgl. Platon. Phae- 
don. p. 72 c. 

opinor, etwas spcittelnd ; s. 22, 
52 zu credo. 

quum Luna laboret, ,,wenn 
Luna in Noth ist", d. h. wenn eine 



58 



LIBER I. 39, 93. 94. 



(lorniienteni oscularclur. Quid curet aulem, qui ne senlit qui- 
deni? Habes soninuni iniaginem morlis, eamque quotidie in- 
duis: et dubitas, quin sensus in morte nullus sit, quum in eius 
simulacro videas esse nullum sensum ? 
39 Pellanlur ergo istae inepliae paene aniles , ante tempus 

93 raori miserum esse. Quod tandem tempus? Naluraene? Al ea 
quidem dedit usuram vilae tamquam pecuniae, nulla praestituta 
die. Quid est igilur, quod querare, si repetit, quum vull? ea 
enim conditione acceperas. lidem, si puerparvus occidit, aequo 
animo tcrendum putant, si vero in cunis, ne qucrenduni qui- 
dcm. Alqui ab lioc acerbius exegit natura, quod dedcrat. 
Nondum gustavcrat, in(|uit, vitac suavitatcm; hic aulem iam 
sperabal magna, quibus Irni coeperat. Al id quidem ipsum in 
ceteris rcbus niclius putatur, aliquam partcm, quam nullam, 
atlingere; cur in vita sccus? Quamquam non male ait Calli- 
maclius, mullo sncpius lac)'iniasse Priamum quam Troilum. 
Eorum autem, qui cxacta aetate moriuntur, lortuna laudatur. 

94 Car? Nam, reor, nullis, si vita longiur daretur, posset esse 
iucundior. Nihil enim est profecto homini prudentia dulcius, 
quani, ut cetera aulerat, aflerl certe scnectus. 

Quae vcro actas longa esl? aut quid omnino homini lon- 
gum ? Nonne 

Modo jnicros, moilo tidol^scc/itcs, in cursu a tcrgo iusequcns, 
Necopina?ites lissccuta est 



Mondrinslerniss eintritt, also = de- 
,/iciat. 

et{\QV dubitas) ,,un(l dooh", wie 
III. 16, iJ5 : Et tii oblirixri iiibes.i' 

39. 93. tjiiod iandeni tvnipns? 
Aus deni Vorliergehenden ist (hdu- 
lig in unvollstiind. Helativ- und 
FragesiJtzen , doch auch sonsl his- 
weilen) die Priipos. zu su|t|)Iiren, 
wie § 94 hei qiia illae besfiolae; 
40, 111 : quibiis riiigo opinanliir. 

inquit, sc. atiquis(adversaiiii.s): 
,,inan". Ehenso II. 12, 29. 

Callimaelius ; s. zu 34. S4. 

Troilinn. Troilus, ein Solm des 
Prianuis, liel sehr junp durch Achil- 
les Iland , nls er diesen angrilT. 
Verg. Aen. I. 47.5 : Infelix jnier 
alque inipar congressus ylehilli. 

pa?rtr/afl<;/fl/e ,,am Ende des kriil- 
lipen Lebensalters" (s. gleich nach- 



her zu adolescentes), wie Cat. M. 
17, ()0 : quvtn essef acta iam ae- 
tate. So ineunte aetatc — in. ado- 
lescentia. 

94. Ciir? hier :=«0H assentior, 
denn auf diesen Gedanken bezieht 
sich der Causalsatz, in welchem 
iibrigens reor nicht ironisch ist. 

qiiid — liomini longinn Y \'gl. 
Cal. M. IS, ()9 : quamquam , o di 
boni, quid est in liom inis vita d i u f 

Modo pueros etc. aus eineui un- 
bekannten Dichter. Pueros ist zu 
synkopiren ; modo : ,,vor Kurzcm". 

adolescentes. Hier also nur 3 
Lehensalter geschieden : pueritia, 
adolescentia und senectus. Ebenso 
Cat. M. 2, 4: Qui enim citins 
adolescentiae senectus, qiiam pue- 
riliae adolescentia obrepiti' 



LIBERI. 40, 95. 96. 



59 



senectus? sed quia ultra nihil habemus, hoc longum dicimus. 
Omnia ista perinde ut cuique dala sunt pro rata parte, ita aut 
longa aut brevia dicuntur. Apud Hypanim fluvium, qui ab Eu- 
ropae parte in Pontura influit, Aristoteles ait, bestiolas quasdam 
nasci, quae unum diem vivant. Ex his igitur hora octava quae 
mortua est, provecta aetate mortua est; quae vero occidente 
sole, decrepita; eo magis, si etiam solstiliali die. Confer no- 
slram longissimam aetalem cum aeternitate : in eadem prope- 
modum brevitate, qua illae bestiolae, reperiemur. 

Conteranamus igilur omnes ineptias (quod enim levius huic 40 
levitati nomen imponara?) tolamque vim bene vivendi in animi 95 
robore ac magnitudine et in omnium rerum humanarum con- 
temptione ac despicientia et in pmni virlute ponamus. Nam 
nunc quidem cogitationibus moHissimis efl^eminamur, ut, si 
ante mors adventet, quara Chaldaeoruni proraissa consecuti 
sumus, spoliati magnis quibusdam bonis, illusi destitutique vi- 
dearaur. Quodsi exspectando et desiderando penderaus anirais, 96 
cruciamur, angimur: pro dii inimortales ! quam iter illud iu- 
cundum esse debet , quo confecto nulla reliqua cura , nulla 
sollicitudo futura sit! 

Quam rae deleclat Theramenes ! quam elato animo est ! 



bestiolas quasdam : iffi^jufQa 
nennt sie Aristoteles (hist. aaim. 
V. 19), Aodere fAovi^/LiiQci , i]ut- 

QO^lCC. 

in eadem hrevitate im Sinne des 
Gen. oder Abi. qualit. Vgl. III. 18, 
42: Quae seqmnitur , in eadem 
sententia sunt; de fin. II. 14, 47 : 
quartum (^ge^ius honestorum') se- 
quitur et in eadem pulchritudine 
et aptum exillis tribus; ebenso in 
viHo esse (JII. 9, 19 u. IV. 8 , 17) 
und das ganz gewohnlicbe in aliquo 
gcnere esse. 

40. 95. levius — levitati, ein 
echl ciceron. Wortspiel. Lael. 23, 
87 : Quis tam esset ferreus, qui 
eam vitam ferre possef^ Cat. M. 
11, 38: sensim sine sensu aeias 
senescit. Levius nomen ,,eine mil- 
dere Bezeichnung", auch p. Rosc. 
Ara. 33, 93: quos qui leviore no- 
mine appellant , percussores vo- 
cant. 



quae — et — ac. Der ganze 
Satz rait que an das Vorhergehende 
angekniipft, seine Theile durch et, 
die untergeordn. Glieder derselben 
durch ac verbunden ! So sorgfiiltig 
ist Cic im Gebrauch der sy non ymen 
Partikeln. Vgl. oben 21, 48; III. 
20, 47 u. 25, 61. 

in omni virtute. Man erwartet: 
omnino in virtute. Vgl. 45, 109 : 
perfectQ_functusest munere : III. 
3, 6 : de universa philosophiasatis 
dictum est. 

Chaldaeorum. Der Name dieses 
assyr. Volksstammes wurde in Rom 
zum Appellativum : ,,Astrologen". 

96. Theramenes , Schiiler des 
Socrates und selbst einer der sogen. 
30 Tyrannen, erbitterte durch seine 
Opposition gegen die Grausamkeit 
seiner Collegen , bes. des Critias, 
diese so , dass er ein Opfer ihres 
Hasses wurde. 



60 LIHER !. 40, 97. 41,98. >rN*'*"s*'^ /U^ 

Etsi enim flemus, quum legimus, tamen non miserabiliter vir 
clarus eniorilur. Qui quum, coniectus in carcercm Iriginta 
iussu tyrannoruni, venenam ut siliens obduxisse t, reliquum 
sic e poculo eiecit, ut id resonaret; quo souitu reddito arri- 
dens : Propi/io, inquit, koc piilcliro Critiae, qui in eum fuerat 
taeterrimus. Graeci enim in conviviis solent nominare, cui po- 
culum tradituri sint. Lusit vir egregius extrcmo spirilu, quuni 
iam praecordiis conccptam mortem contincret, vereque ei, cui 
venenum praebiberat, mortem eam cst augurafus, quae brevi 

97 consecuta est. Quis banc animi maximi aequitatem in ipsa 
morte laudaret, si mortem wialum iudicaret? — \ adit in eundem 
carcerem atque in eundem paucis post annis scyphum Socrates 
eodem scelere iudicum, quo tyrannorum Tberamcnes. Quae 
est igitur cius oralio, qua facit eum Plato usum apud iudices, 
iam morte multatum ? 

41 ,,Magna me, inquit, spes tenet, iudiccs, bene mibi eve- 

nire, quod mitlar ad mortcm. JNecessc est enim sit alterum de 
duobus: ut aut sensus omnino omnes mors auferat, aut in 
alium quendam locum ex bis locis morle migretur. Quamob- 
rem, sive sensus exstinguitur, morsque ei somno similis est, 
qui nonnumquam etiam sine visis somniorum placatissimam 
quietem affert: dii boni ! quid lucri est emori ! aut quam multi 
dies reperiri possunt, qui tali nocti anteponantur? Cui si si- 
milis futura est perpetuitas omnis consequentis temporis, quis 

9S me beatior ? Sin vera sunt, quae dicuntur , migrationem esse 

legimus : Xen. Heli. II. 3. atque in cundem scyphum , ein- 

oW«.r^*se/„eingeschlurfthatte". Zeugma. Statt vadit raussle hier 

^ , , o -,. ineidit od. dergl. stehen. 

Propino etc. Aen. 1. I. § o6 : „, , * i c o-i 

KQiTiu TovT taTOi Tco ya).<o. Dies P^"^'' ■ Apo'- Socr. c. 32. 

Adjectiv isl eine bei den leinen 41. spes — bene erenire. VVenn 

Athenern gewiihnliche Hoflichkeits- spero , spem hahco etc. ,,hotfend 

fonnel. etwas annehnicn, sich schiueichein" 

, ., ^•111 T .■ f.. heisst, so kann der Inf. Praes. 

praebiberat in d. klass. Lalinuat . , ' „ , ^ i /- o * 

.'^r. i- , ' p" stehen , z. B. ad fam. I. b, 2: ut 

em c<7TC(£ Afyoufvoy, lur nrouinare ' .... 

, / \ J r sperem te mini ignuscere , sogar 

{TTQontVfiv). derlnf.Perf., z.l5.untenIL27,67: 

brevi consecufa est. Noch in niequc spero liberatum metu ; ad 

deniselben Jahre fiel Crilias im \\i. \. \. e:\lr.: spero libi me caus- 

Kampfe gegcn Thrasjbul. sam probasse. 

97. si — iiidicareti' Ein unbe- sive sensus exsfinguifur. Dem 

rechtigter Schluss; dcnn gerade enfspricht ersl § 9S : A'/« yerfl 5?/n^. 

wenn Jcmand (lenTod fiir ein Uebel Aehnlich Acad. I. 2, 7 : Sive enim 

hiilt, wird cr Gleichmulh bei dem- Zenoneni sequare — si vero Aca- 

selben am meistcn bewundern. demiam pi'rsequamur. 



LIBER I. 41, 99. 



61 



mortem in eas oras, quas, qui e vita excesserunt, incolunt : 
id raulto iani beatius est. Tene, quum ab iis , qui se iudicum 
numero haberi volunt, evaseris, ad^eps venire, qui vere iudices 
appeljeiitur, Minoem, Rhadamanthum, Aeacum, Triptolemum, 
convenireque eos , qui iuste et cum fide vixerint? Haec pere- 
grinatio mediocris vobis videri potest? Ut vero colloqui cum 
Orpheo, Musaeo, Homero, Hesiodo liceat, quanti tandem aesti- 
matis? Equideni saepe emori, si fieri posset, vellem, ut ea, 
quae dico, mihi liceret invenire. Quauta deleclatione autem 
afficeiier, quum Palamedem , quum Aiacem , quum alios iudicio 
iuiquo circunivenlos convenirem ! Tentarem efiam summi regis, 
qui maximas copias duxit ad Troiam, et Ulixi Sisyphique pru- 
denliam , nec ob eam rem , quum haec exquirerem , sicut hic 
faciebara , capite daranarer. Ne vos quidem , iudices , ii , qui 
me absolvistis , mortem timueritis. Nec enim cuiquam bono 99 
mali quicquam evenire potest , nec vivo nec mortuo , nec um- 
quam eius res a diis immortalibus negligentur, nec mihi ipsi 
hoc accidit forluito. Nec vero ego iis, a quibus accusatus aut 
a quibus condemnatus sum, habeo quod succenseam, nisi quod 
mihi nocere se crediderunt." Et haec quidem hoc raodo. Nihil 
autem melius extremo : ,,Sed tempus est, inquit, iam hinc 
abire me, ut moriar; vos, ut vitam agatis. Utrum autem sit 



98. Tene — venire ,,\Vas meinst 
du dazu, dass — ?" = Nonne lae- 
tn?n est, te — venire eic. Aehnlich 
II. 9, 21 : Heu, virginalem me ore 
ploratum edere! wo sich nonne 
indignum est erganzen liisst. 

Triptolemum. Der Glaube des 
attischen Volks, dass auch Tr. Rich- 
ter in der Unterwelt sei , ging 
wahrscheinl. von den eleusin. My- 
sterien aus. Tr. wurde nicht uur 
als Begriinder des Ackerbaus, son- 
dern auch als Gesetzgeber (&eof^o- 
(foQog) und gerechter Herrscher 
verehrt. 

vero, hier steigernd : ,,ja, gar", 
wie IV. 32 , 68 : Totus vero isfe 
amor tantae levitatis est — ; de 
rep. I. 3 : Nec vero iam meo no~ 
mine abstinent. 

Palamedes , der Kiinigssohn von 
Eubiia, des Ulysses Todfeind, kam 



durch dessenRanke in den Verdacht 
der Verratherei und wurde daher 
von den Griechen vor Troja ge- 
steifligt. 

Aiax der Telamonier, den Ulysses 
um die Erbschaft der Waffen des 
Achiiles brachte , wurde dariiber 
wahnsinnig und gab sich selbst den 
Tod. Ovid. Met. XII. 619 — XIII. 
398. 

Ulixi. Wegen dieser Form s. 
Zumpt § 61 extr. 

Sisyphus , Konig von Korinth, 
erlitt die Strafe in der Unterwelt 
(oben 5, 10), weil er den Raub der 
Aegina durch Jupiter entdeckt und 
ihremVater Asopus verrathen hatte ; 
war iiberhaupt durch seine Schlau- 
heit beriihmt. 

Ne vos quidem — timueritis ; s. 
Zumpt § 529 Anm. Ebenso 47, 112 : 
ne reliqiieris. 



62 LIBER I. 4-2, 100. 101. 

melius, dii iinmorlales sciunl; iiomiuem quidem scire arbitror 
neminem." 
42 Nae ego haud paullo hunc animum malim , quam eorum 

omnium forlunas , qui de hoc iudicaverunl; elsi , quod praeler 
deos negat scire quemquam , id scit ipse, utrum sit melius; 
nam dixit ante; sed suum illud , nihil ut affirmet, lenel ad ex- 

100 trenium. Nos autem leneamus, ut nihil censeamus esse malum, 
quod sit a nalura datum omnibus, intelligamusque, si mors 
maium sit, esse sempiternum nialum. Nam vitae miserae mors 
finis esse videtur; mors si esl misera , finis esse nullus potest. 

Sed quid ego Socratem aul Theramcnem , praestantes vi- 
ros virtutis et sapientiae gloria, commemoro? quum Lacedae- 
monius quidam, cuius ne nomcn quidem proditum est, morlem 
tanto opere conlempserit, ut , quum ad eam duceretur damna- 
tus ab Ephoris ct esset vultu hilari atque laeto , dixissetque ei 
quidam inimicus: Co?itemnisne leges Lycurgi? responderit: 
Ego vero illi maximam gratiam habeo , qui me ea poena 
multaverit , quam sinc mutualione et sine versura possem dis- 
solverc. virum Sparta dignum ! ut mihi quidem, qui tam raagno 

101 animo fuerit, innocens damnatus esse videatur. Tales innume- 
rabiles nostra civitas tulit. Sed quid duces et principes nomi- 
nem, quum legiones scribat M. Cato saepe alacres in eum locum 
profectas, unde redituras se non arbitrarenlur? Pari animo 
Lacedaemonii in Thermopylis occiderunt, iu quos Simonides: 

Dic^ hospes, Spartae, nos tc hic vidisse iacentes^ 
Dum sanctis patriae legibus obsequimur. 
[Quid ille dux Leonidas dicit? Pcrgite animo forti , Lacedae- 

99. hominer/i qiiidem, adversa- in qiios Sinionides. Herod. VII. 
tiv, vvie 27, 67. 228 giebt die Oriuinalverse : 

42. sniim /7/wrf ,,seinen Grund- £l^(iv,uyy^li.(tr^I((y.eJciiuovtoig, 

Salz". OTI TJJJf 

100. nc nomen qiiidem. IVach K(i'uf»cc ToTg xdvcov nr,^ctat 
Plut. apophth.Lac.p.370ed.\\jtt. n(t,U^c(vot. 

hiess er Thecfamenes. Pergile aniniu fovfi, Lac. Dafiir 

posscm disso/vere. Vgl. I. 1 zu hat iiian emendiren wollen : Pran- 

perfinerent. defc, ofiirtcs Lac, u. derpl., weil 

101. Ca^o, inden Origi^es. Eben- nach dcn griech. und einigen lat. 
so lasst ihn Cicero de sen. 20. 7.5 Schriflstellern dcr Ausspruch beini 
sagen : Recordor — /egiones no- Friihstiick staltfand und Leonidas 
sfras, qnod scrijisi in Originibiis, mit 14oiot(~<t( beganii. Doch ware 
in eiini saepe iociim profecfas nla- apiid infcros coenarc wohl auch 
cri anitno et erecfo, iinde se niim- fiir sich vorsliindlich, ohne Gegeu- 
qiiam redifiiras arhifrarenfiir. satz zu /irandere , welches hier 



LIBERI. 42, J02. 43. 



63 



monn; hodie apud inferos fortasse coenabimus . Fuit haec 
gens fortis, dum Lycurgi leges vigebant.] E quibus unus, quum 
Perses bostis in colloquio dixisset glorians : Solem prae iacu- 
lorum multitudine et sagittarum non videbitis: In umbra 
igitur, inc[mt, pugnabimus. Viros commemoro. Qualis tau- 102 
dem Lacaena? quae quura filium in proelium misisset et inter- 
fectum audisset, Idcirco, inquit, genueram., ut esset, qui pro 
patria mortem non dnbitaret occumbere. 

Esto : fortes et duri Spartiatae ; magnam habet vim^rei 43 
publicae disciplina. Quid? Cyrenaeum Theodorum, philoso- 
phum non ignobilem, nonne miramur? cui quum Lysimachus 
rex crucem minaretur, Istis, quneso , inquit, ista horribilia 
jninitare purpnratis tuis ! Theodori quidem nihil interest, hu- 
mine an sublime putescat. 

Cuius hoc dicto admoneor, ut aliquid etiam de humatione 
et sepultura dicendum cxistimem, rem non difficilem, iis prae- 



zu abrupt erscheinen und nur einen 
komischen Eindruck auTden Leser 
machen wiirde. Dagegen ist nicht 
zu liiugnen , dass der Zusamnien- 
bang der Siitze von den Versen an 
bis E quibus iiberaus locker, na- 
mentlich die Bemerkung Fuit — vi- 
gebant sehr trivial und hier ganz 
unpassend ist, auch e quibus sich 
augenscheinlich speciell auf die 
Kampfer in denThermopylen, nicht 
auf haec ^cns iiberhaupt, bezieht. 
Daher halten wir nach Bentleys, 
F. A. Wolfs u. A. Vorgange die 
eingeklammerten Satze fiir zwei 
Glosseme. 

unus. Herod. VII 226 nennt ihn 
JLrivixi]g{Vini. apophth. Lac. p. 225 
Leonidas selbst); den andern aber 
bezeichnet H. als einen Trachinier. 

Perses, wie de rep. I. 27 und j\ep. 
de reg. 1,4. 

102. mortem — occumbere. Die 
besten Hdschr. haben freilich morte; 
doch bez\veifeItWesenberg(emend. 
Tusc. II. p. 26) die Echtheit dieser 
Lesart, da der Ablativ morte bei 
occumbere ohneAdjectiv ausser 
hier sich nur in einer ebenfalls zwei- 
felhaften Stelle desLivius(I.7)finde 
und der Buchstabe m auch in den 



besten Mscr. derTusculanen hjiufig 
ausgelassen ist. 

43- Spartiafae oder Lacedae- 
monii, nicht Sparfani, sagt man in 
der guten Prosa. 

Quid'^ UebergangzuetwasNeuem. 
Theodorus von Cyrene, (cfheog 
genannt, um 280 r. Chr. , gehorte 
niimlich der von Aristippus gestif- 
teten Schule der Cyrenaiker an, 
deren Princip war: Geniesse deu 
Augenblick ! (Cyrenaeum steht also 
mit Nachdruck vor dem Eigenna- 
men.) Lysiraaehus liess ihn wegen 
seiner freien Aeusserungen durch 
Gift hinrichlen. 

humine an sublime, Paronoma- 
sie; auch im Griech. : vniQ yvs V 
V7X0 yrj?. 

Cuius — admoncor etc. Digres- 
sion iiber die irrigen und zumTheil 
abergltiubischen Vorstellungen von 
der Wichtigkeit des Begriibnisses, 
bis § 109. Admoneor ut dicendum 
existimem ist ciceronische Fiille 
fiir admoneor dicendum esse oder 
adm. ut dicam. 

i'em non difficilem , Apposition 
zum vorhergeh. Satze. Ebenso de 
fin. 11.23,75: intelligere, quam 
dicatis voluptatem : rem videlicet 



64 



LIBER I. 4:5, LO;j. 104. 44. 



.sertim cognitis, quae de iiihil sentiendo paulio antp dicta sunt. 
De qua Socrates (luideni quid senserit, apparet in eo libro , in 

103 quo moritur, de quo iam tam multa diximus. Quum enim de 
immortalitate animorum disputavisset et iam moriendi tempus 
urgeret, rogalus a Critone, quemadmodum sepeliri vellot, Mul- 
tam vero, inquit, oporam, aynici, frustra consunipai. Critoni 
enim nostro nori persuasi, ?ne hinc avolaturum neque mei 
qu^uam relicturum. Veruntamen , Crito, si me assequi 
poWeris aut sicubi nacius em, ut tibi videbitur , sepelito. 
Sed, mihi crede , nemo me vestrum , quum hinc excessero, 
consequetur. 

Praeclare id quidem , qui et amico permiserit et se 

104 ostenderit de hoc toto genere nihil laborare. Durior Dioge- 
nes, et is quidem idem sentiens, sed ut Cynicus asperius, pro- 
iici se iussit inhumatum. Tum amici, Volucribusnc ct feris? 
Minime vero, inquit; sed hacillum propter me, quo abigam, 
ponitote. Qui id poteris? illi; non enim senties. — Quid igi- 
tur mihi ferarum lanialus oberit nihil seniienti? — Praeclare 
Anaxagoras, qui quum Lampsaci moreretur, quaerentibus ami- 
cis, vellelne Clazomcnas in patriam, si quid accidisset, auferri: 
Nihil necesse est, inquit; undique enim ad inferos tantun- 
dem viae est. Totaque de rafione humationis unum tenendum 
est, ad corpus illam pertinere, sive occiderit animus sive 
vigeat. In corpore autem, perspicuum est, vel exstincto animo 
vel elapso, nuUum residere sensum, 

44 Sed plena errorum sunt omnia. Trahrt Hectorem ad cur- 



d\fficilem et obscitram ; p. Rosc. 
Ani. 11,30: insutus in culeum, 
supplicium parricidarum , per 
summum dedecus vitam amittere. 

de ni/iil sentiendo, ttiqi tov «»;- 
Sh c(ia!h'(Vfa;ha. Vgl. 36, 87 nu- 
men carendi; auch V. 4((, 117. 

in eo libru : Plal. Phaedo, p.ll5 c. 

in quo mo)'itur, d. h. in >\elchcin 
sein Tod bcschricbcn wird. 

103. assequi {=co>isequi) : eiii- 
holen, nancisci: zufiillig treiren. 

videbitur. Die Hdschr. schwan- 
ken hier zwischen videtur und vi- 
debitur; wegen dcs Iniperat. P'ut. 
{sepetitu) aber isl videbilur vorzu- 
ziehen. 



104. Diugenes \o[i Sinope, der 
bekannte Cyniker, zur Zeit Alexan- 
ders d. Gr. 

asperius, sc. id exprimens, was 
aus iussit herauszunchmen ist. 

y^wrtXffg-ora.s-jderionischenSchule 
angehorig.alsoNatuiphilosoph.lebte 
inAthen als Lehrer und Freund des 
Perikles, wurde aber wegen Atheis- 
inus von dort verbannt. 

si qiiid accidisset, Euphemisinus 
fiir: si mortuus esset ; griech. )]V 

Tt 7Tc'(&t]. 

Toiaque. Vergl. 34, 82: totum- 
que. 

44. 105. Tra/iit Uectorem, hei 
Homer. II. XXII. 395 fgg. 



#:«>=^J 



/4*4. -M' „t4-w / 1hu--<o 



LIBER I. 44, 105. 106. 



65 



rum religatum Achilles ; lacerari eum et sentire, credo, putat. 105 
Ergo hic ulciscitur, ut quidem sihi videlur. At iUa sicut acer- 
bissimam rem maeret: 

Vidi^ videre quod surn passa aegerrume, 
Hecturem curru quddriiugo raptdrier. 
Quem Hectorem? aut quamdiu ille erit Hector? Melius Accius 
et aliquando sapiens Achilles : 

Immo enimvero corpus Priamo reddidi, Hectorem dbstuli. 
Non igitur Hectora traxisti, sed corpus , quod fuerat Hectoris. 
Ecce alius exoritur e terra, cjui matrem dormire non sinat: 106 
Mdter, te appellb, quae curam sbmno suspensain levas, 
Neque tc jnei miseret : surge et sepcli naii/m tuiun — 
(Haec quum pcessis-et-debilibus modis , qui totis theatris mae- 
stitiam inferant, concinuntur, difficile esl , non eos, qui inhu- 
mati sint, miseros iudicare.) 

— prins 
Qudm ferac volucrhque — 

(Metuit, ne laceralis membris niinus bene utatur; ne combu- 
stis, non extimescit.) 



eredo, ironisch ; s. zu 22, 52. 

illa, Andromache. 

maei et, ebenso hiiufig mit dem 
Accus. (s. 48, 115), wie mit dem 
Ablat. (s. 13, 30). 

Fidi etc. aus des Ennius Andro- 
macha. Z\iFidi videre vgl. 35, 85: 
vi vitam evitari. 

Hectorem. Die liquida r isl in 
der Aussprache zu verdoppeln, wie 
II. 17, 39 bei Hectoris. 

Acciiis, s. zu 28, 68. Accius et 
AchiUes = Acliilles apudAcciiim ; 
wahrscheinlich in der gleichnam. 
Tragiidie. 

aliqiiando, s. I. 1, 1. 

enim (in enimvero) muss einsyl- 
big gelesen werden. Dies kommt bei 
zweisylbigen Nominibus und Par- 
tikeln. jambischen oder pyrrhichi- 
schen Maasses, wo eine liquida 
zwischen zwei Vokalen sfeht, bei 
-den altern riimischen Dichtern hiiu- 
figvor. So III. 19, 44 domi; IV. 
31, 67 fores, ' 

Cic. Tuscul. 



106. Ecce alius, DeVphiius, der 
aus Irrthum von seinem eignen Va- 
ter slatt des Poiydorus getiJdtete 
Sohn des thracischen Konigs Po- 
IjTunestor und der Iliona (einer 
Tochler des Priamus) , — in der 
Tragodie Iliona von M. Pacuvius 
(um 160 V. Chr.). 

Neque te mei miseret , fiir : et 
quam mei non miseret. Vgl. V. 3, 
8 : qiiem Pliliuntem ferunt venisse 
eumque — disse7'uisse ; de orat. 
II. 74, 299: Themistocles, ad quem 
— accessisse diritur eique polli- 
citus esse. — Uebrigens ist mei 
einsylbig zu lesen. 

pressis — modis ,,in langsamem 
Tacte". So Quintil. XI. 3, 111: 
Aliis locis citata, aliis pressa con- 
veniet pronunciatio. 

fheatris , hier vom Theaterpu- 
blikum; wie II. 26, 64: nullum 
theatrum virtuti conscientia maius 
esf ; de orat. III. 50, 195: theafra 
tota conclamanf. 

5 



66 



LIBER I. 11, lO^ 



Neu reliquias sic incas sirin de/iiidatis ossibns 
Telra sanie de/ibi/tas foede dicexdrier. 
107 (Non inlclligo, quid mclual, quuin lani bonos seplenarios fun- 
dat ad lihiani.) 

Tenenduni cst igitur, niliil curandum essc post mortem, 
quum niulti inimicos ctiam mortuos poeniuntur. Exsecratur 
luculentis sane versibus apud Ennium Thyestes: primum ut 
naufragio pereat Atreus ; durum iioc sane; lalis enim inleritus 
non est sine gravi sensu; illa inania: 
Ipsc summis S(uvis Jixus dsperis, ensccratus, 
Ldtere pe/tde/ts, sdxa spa/g-e/is tdbo, sa/iie (t sd/igi/i/ie atro. 
Non ipsa saxa magis sensu omni va^^abunt, quam ille laterc 
pe/ide/is, cui se hic cruciatum censet optare. Quam essenl dura, 
si sentirel! imlla sunt sine sensu. Illud vero perquam inane : 
Neque sepiilcru/n, quo recipiat, hdbeat, portum c(>/yoris, 
Ubi rei/iissa hu/nd/ia vita co/'pus requiescdt /nalis. 
Vides, quanto haec in errore versentur. Portum esse corporis 



Neu rcliqiiias etc. ist Benlleys 
Eraendatioii der siniilosen Lesart 
der Hdsclir. : Nvu i'elliquias se- 
miassi reis dcnudatis ossibus, wie 
auch telra fiir per terram von ihm 
herriihrt. 

Matcr — dioexarier. DieseVerse 
sind oben , wie in den bisherigen 
Ausgaben, nach Bentleys Constitu- 
tion als trochaische Septenarii ge- 
geben. Ilibbeck und Fleckeisen aber 
haben sie, sich an die Herausgeber 
vor Bentley anschliessend, in griJs- 
serer Uebereinstinunung mit den 
Worten der Handschriften (da die 
besten derselben vor quae noch tu 
und alle per terrain fdr tetra dar- 
bieten), zu Jainben gestallet: 
Mater, te appeflo, tu, quae curaiii 

sdmno suspenso lcuas 
Ncque te mei miseret, surge et 

sepeli ndlum tuicm prius qudm 

ferac 

Volucresquc 

Neu iu reliquias sic mcas sieris 

dcnudatis ussibus 
Per terram sanic dclibutas foede 

divcxdricr. 
Die Verse in dieser Gestalt (als 
iamb. octonarii) autzunehmeD, hielt 



den Herausg. jedoch die Riicksicht 
auf Ciceros Worte ,,tam bonos 
sep ten arios^' ab. 

107. scptenarios fundat, wie 
26, 64: carmen fundere. 

quum — pocniuntur gehiirt zu 
tencndum est , und ist = tum 
quum videmus inultos — poeniri 
(sc. in scena) ; daher der Indic. 
Ue.ber poeniri oder puniri als De- 
ponens s. Zuinpt Gr. § 20G extr. 

apud Enniuin T/iyesfes , in der 
gleichnamigen Tragodie. 

nuifa sunt sine sensu : ,,Michts 
aber ist es, wenn er es nicht fiihlt.'' 
— Da der vorherg. Ausruf hier \ve- 
nig angemessen erscheint, so con- 
jieirt Wesenberg (wie schon fruher 
Orelli) : Quae esscnt dura, si sen- 
tircf, (ea) nutta sunt sine sensu. 

recipiat, fiir .ve recipiaf, nur in 
der aiternPoesie. Vgl. jedoch Caes. 
b. G. I. 48 : siquoerat fongius pro- 
deunduin autceieriusrecipiendum. 

quanto iiacc in errore versentur. 
Von derPerson auf dieSache iiber- 
tragen, wie de nat. D. III. 10, 25: 
/laec omnia in eodem errore ver- 
sanfur. 



LIBER I. 45, 108. 109. 67 

et requiescere in sepulcro putat morluura. Magna culpa Pelo- 
pis, qui non erudierit filium nec docuerif, quatenus esset quid- 
que curandum. 

Sed quid singulorum opiniones animadvertam , nationum 45 
varios errores perspicere quum liceat? Condiunt Aegyptii mor- 108 
tuos et eos servant domi ; Persae etiam cera circuralitos con- 
dunt, ut quam maxime permaueant diuturna corpora. Mago- 
rum mos esl, non humare corpora suorum, nisi a feris sint 
ante laniata. In Hyrcania plebs publicos alit canes, optimates 
domesticos; nobile autem genus canum illud sciraus esse; sed 
pro sua quisque facultate parat, a quibus lanielur, earaque 
opt>imara illi esse censent sepulturam. Pernuilta alia colligit 
Chrysippus, ut est in omni historia curiosus ; sed ita tetra sunt 
quaedam, ut ea fugiat et reformidet oratio. Totus igitur hic 
locus est contemnendus in nobis , non negUgendus in nostris ; 
ita tamen, ut mortuorum corpora nihil sentire vivi sentiamus. 
Quanlum autem consuetudini famaeque dandum sit, id curent 109 
vivi ; sed ita, ut intelligant, nihil id ad mortuos pertinere. 

Sed profecto mors tura aequissimo animo oppetitur, quum 
suis se iaudibus vita occidens consolari potest. Nerao parum 
diu vixit, qui virtutis perfectae perfecto functus est munere. 
Multa mihi ipsi ad niortera tempestiva fuerunt, quae utinam 
potuissem obire ! Nihil enim iam acquirebatur, cumulata erant 
officia vitae , cura fortuna bella restabant. Quare si ipsa ratio 
minus perficiet , ut raortera negligere possimus , at vita acta 
perficial, ut salis superque vixisse videamur. Quaraquam enim 
sensus abierit , tamen suis et propriis bonis laudis et gloriae, 
quamvis non sentiant, mortui non carent. Etsi enim nihil habet 

filium, dcQ Thyestes. Multa — tempestiva fuerunt = 

45- 108. Chrysippus aus Soli multae mihi fuerunt opportuni- 

in Cilicien , Schiiler des Zeno und tates moriendi. 
Cleanthes, und Nachfolffer des letz- .. . . * u 

tern in der Leitung de' Stoa , der ,. ^^"'^ = ^equ^ Perseqm Xehn- 

eigentliche Vollender des stoischen ^'^^ P." ,^''- ^^' "' = ""' ''^"■" -^t 

c,7,t„.r,„ „1- o/ic r- u t cinoris locumtempusquevoluisset. 

Systems, gest. iOb , Liceros Haupt- ^ ' 

quelle fiir die Tustulanen. Nihil — acquirebatur,st\iQ.'isdiV 

ut est — curiosus ,,wie er es ja alle Macht allein in Haoden hatte. 

in allemGeschichtlichen sehr eenau , , . • • 

„:,v.™n{ -7 * I c 1 - r. • cumulata erant ,,waren in rei- 

nimmt". Zu ut vgl. S, Ld: Epi- , ,, , .", r-ntu 

„i„ ■ . c- I- chem Maasse (v. mir) ertullt". 

charmi ut iiculi. ^ ' 

i09. pejfecto — 7nunere; s. AO, suis et propriis bonis , s. zu 

95 zu in omni virtute. Mit munus 29, 71 ; laudis et gloriae ist der 

virtutis vgl. V. 39, 113: geome- Gen. epexeg., statt der Apposition, 

triae munus tuebatur. wie 36, 87 : nomen carendi. 

5* 



68 



LIDER I. 40, 110. 111. 



in se gloria, ciir expetalur, tamen virluleni taraquani umbra 
46 sequilur. ^'erum mulliludiuis iudicium de bonis, si quando est, 
110 magis laudandum est, quani illi ob eam rem beati. IVon possum 
autem dicere, quoquo modo hoc accipietur, Lycurgum , Solo- 
nem legum et publicae disciplinae carere gloria, Tbemistoclem, 
Epaminondam bellicae virlulis. Ante enim Salaminam ipsam 
Neptunus obruet , quam Salaminii tropaei memoriam, prius(]ue 
liocolia Lcuclra loUenlur, quam pugnae Leuctricae gloria. 
Multo aulem lardius tama deseret Curium, Fabricium, Calati- 
i\um, duo Scipiones, duo Arricanos , Maxinnim, Marcellum, 
Paulium, Catoncm, J^aelium, innumerabiles alios ; quorum si- 
miiiludinem aliquam qui arripuerit, non eam fama popukiri, 
sed vera bonorum laude meliens fidenti animo, si ita res ferel, 
gradietur ad mortem , in qua aut summum bonum aut nullum 
malum esse cognovimus. Secundis vero suis rebus volel eliani 
mori : non enim tam cumulus bonorum iucundus esse polest, 
lllquam molesta decessio. Hanc sententiam significare videtur 
J^aconis illa vox, qui , quum Rliodius Diagoras, Olyn)pionices 
nobilis, uno die duo suos filios victores Olympiae vidisset, acces- 



46- 110. /'«•«?» ist Adjectiv. 

Imidandum nsf, namlich nn sicli, 
insolern inan's von iler grossen 
Menge niclit erwartet. 

qiiO'ji/0 modo fioc arc. ,.\venn 
man es auch vielleicht unphiloso- 
phisch finden wird". 

piiblicfip disciplinae „dcr Slaats- 
verfassung". 

Sa/aininow nach der 1. Declin. 
sonst nur ])ei.lustin, stehtaber hier 
in allen Handschriften. 

tropaei fiir vietoriae , sonst nur 
bei Dichlern und hei Mep. Theni. 
5, 3 : Hacc (sc. Salaininia) allera 
vicforia , quae ciim Maralhonio 
possit comparari tropaeo, 

viiillo tardiiis , eine captafio 
liriirrofenfiae , denn die genannten 
-Miinner sind ja Romcr. 

Calafinum, s. zu 7, 13. 

arripiierif , fiir asseciifus erit. 
Vgl. de nal. D. IH. 11,27: Quaerif 
Socrafes , iinde animiim arripiie- 
rimiis, si niiflus fiirrif in mi/ndo. 

bonoruni laiide. Oben §110 \va- 
rcn boni ganz atlgemein : fiichtige 



Manner; hier aber istes, wie bei 
Cicero meistens, Partheiausdruck 
= ?tobilcs , opfimates , d. h. die 
C n s e r V a t i V e n (die in Rom, ira 
Gegensatz zu deii Beslrebungen der 
\ olksfiihrer , fiir das Ansehen und 
die Rechle des Senats Parlhei nah- 
Hien), \\ ie man auch im Deulschen 
jetzt dic\\ iirtcr ,,Gutgesinnle" und 
,,Patriolcn" gehrauchl. 

csse pofest fur potest esse, sehr 
selten bei Cicero. 

decessio — deminiitio {bono- 
rum). Das Gegentheil ist accessio. 

111. Piagoras , einer der be- 
riihmtesten Athleten , zur Zeit der 
Perserkricge , als olympischer Sie- 
ger von Pindar (Olymp. 7.) besun- 
gcn. Nicht nuT seinc drei Siihne 
Damagelus, Dorieus und Acusilaus, 
sondcrn auch zwei Enkel von ihm 
erlangten spiitcr den Preis inOlvm- 
pia. Vgl. Plul. Pelop. p. 297 ; Gell. 
III. IT); Pausan. M. 7. 

duo siios ptios ,,z\vei Siihue von 
ihm". Man achte iiberhaupt darauf, 
dass z. B. meus frafer nicht bloss 



LIBER I. 47, 112. 113. 69 

sit ad senem et gratulatus : Morere, Diagora^ inquit; non enhn 
in caelum adscensurus es. Magna haec et nimiuni fortasse 
Graeci putant vel tum potius putabant; isque, qui hocDiagorae 
(iixit, perniagnum existimans, tres Olympionicas una e domo 
prodire, cunctari illum diutius in vita forlunae obiectum inutile 
putabat ipsi. 

Ego autem tibi quidem, quod satis esset, paucis verbis, 
ut mihi videbar, responderam. Concesseras enim , hullo in 
malo mortuos esse; sed ob eam caussam conlendi ut plura di- 
cerem , quod in desiderio et luctu htvec est consolatio maxima. 
JVostrum enim et nostra caussa susceptum dolorem modice ferre 
debemus, ne nosmet ipsos amare videamur. lUa suspicio info- 
lerabili dolore cruciat, si opinamur eos, quibus orbati sumus, 
esse cum aliquo sensu in iis malis , quibus vulgo opinantur. 
Hanc excutere opinionem mihimet volui radicitus , eoque fui 
fortasse longior. 

A. Tu longior? non mihi quidem. Prior enim pars ora- 47 
iionis tuae faciebat, ut mori cuperem; posterior, ut modo non 112 
nollem, niodo non laborarem ; omni auteni oratione illud certe 
perfectum est, ut mortem non dncerera in malis. 

M. Num igitur etiam rhetorum epilogum desideramus? an 
hanc iam jirtem plane relinquimus? A. Tu vero istam ne re- 
liqueris, quam semper ornasti, et quidem iure ; illa enim te, 
verum si loqui volumus , ornaverat. Sed quinam est iste epi- 
logus? aveo enim audire, quicquid est. M. Deorum immorla- IIS 
lium iudicia solent in scholis proferre de morte , nec vero ea 

= 6 ^uhg K^iXtfog, sondern auch accidisse Scipiojii (naml. durch 

= Ifxog uSthfog ist. seinen Tod) , puto ; mihi accidit, 

Morere. Nach Gell. 1. I. starb er si quid accidit; suis autem incom- 

wirklich vor Freude iiber dies Gliick. modis gravitcr angi, non amicum, 

non enim etc. Sinn : denn den sed se ipsum amantis est. 

Gipfel menschlichen Gliickes 47. 112. Epilog von hier bis zum 

hast du erreicht. Vgl. p. Flacco Schlusse des Buches. 

13,31: puiiil Olumpionices , hoc , , c- * ,/.,„^„, . 

' '^° "^ ' '. ^ vt — ducerem, luv ut — ducam; 

est apud Graecos prope maius et t i i /• ,„„* 

, f . '^D , ■ s. I. 1, 1 zu pertinerent. 

glonosms , qiiam liomae frtum- ' ^ . „ . 

phasse rhetorum epilogum ,^einen Epi- 

inutilis, Litotes, Krperiiiciosus. ^^g nach Art der Rhetoren". 

contendi ut plura dicerem, Vm- verum si loqui volumus. Ge- 

schreibung fdr cum eontentione wtihnlich sagtman kiirzer : «i uerww 

{= studio) plui'a dixi. dicimus. (Vgl.iNagelsbach lat.Stil. 

nosmet ipsos amare ., naml. ma- 2. A. S. 26S.) 

gis quam eos , quos amisimus. 113. m 5c/;o/?* ,,philosoph. Dis- 

Vgl. Lael. 3, 10: Nihil mali putiriibungen", wie oben 4, 8. 



70 LIBER I. 47, 114. 48, 115. 

fingere ipsi, sed Herodoto auclore aliisque pluribus. Primum 
Argivae sacerdotis , Cleobis et Bito , filii pracdicaiitur ; nola 
fabula est. Quum enim illam ad soienne et slatum sacrificium 
curru vehi ius esset satis longe ab oppido ad ianum , moraren- 
turque iumenta, lunc iuvenes ii, quos modo nominavi , veste 
posita, corpora oleo perunxerunt, ad iugum accesserunt. Ita 
sacerdos advecla in fanum , quum currus esset ductus a filiis, 
precata a dea dicilur, ut illis praemii daret pro pictate quod 
maximum homini dari possel a deo; post epulatos cum malre 
adolescentes somno se dedisse, mane inventos esse niortuos. 

114 Simili precalionc Trophonius el Agamedes usi dicuntur: qui, 
quum Apoliini Delphis templum exaedificavissent , venerantes 
deum pelivcrunt mercedem, uon parvam quidem operis el labo- 
ris sui , nihil certi , sed quod esset optimum homini. Quibus 
Apollo se id daturum ostendit post eius diei dicm tertiiim : qui 
ut illuxit, mortui siint reperti. ludicavisse deum dicunt, el 
eum quidem deum, cui reliqui dii concessissenf, ut praetercele- 

48 ros divinaret. Affertur eliam de Sileno fabelia quaedam , qui, 
quum a Mida captus esset , hoc ei muneris pro sua missione 
dedisse scribilur: docuisse regem , non nasci homini longe 

115 optimum esse, proximum autem quam primura mori. Qua est 
sentenlia in Cresphonle usus Euripides : 

ylrgivae sacerdotis. Sie hicss qui — dedisse scribitur. Eben- 

Cydippe. Ilerodot I. 31. so de nat. D. II. 49, 124: fiaec 

veste posifa, s. II, 2i zu posui '^i"* scribiUir conchis se solere 

librum. comptere. (Auch doccri , audiri, 

111 ^ . . . , j //u'e«m u. A. finden sich bei Cicero 

114. Iropfionius et Jsamedes. • i- i . • ^ \ r» u 

Di.,K r„ „ „ I A II i?,n TT s i)ers(tnlich conslruirt.) Uoch ver- 

Fiut. Lons. ad Apoll. p. l09 : Jlfol \ ■ , ^ n- u i x 

'j 's„. ^ ^ rr , ' *< bindet Cicero auch scribttur niit 

inr8uQos,Thrv6chvTivh'.hLor, ''*^'" ^"•. '^- '"'^- , , ^ ^ 

oUoSolty]auVTccg,uUerv7TccaiiToii . 11?.; .'« <^''^^/^/'««^«- Cresphon- 

•^^«') ,.„ . -v'i ', ' lo ^ . ~ les, honisvonMessenien, als > ks- 

uino/./.MVos uiaOov tov o uvroig p . •. • c-i j 

f^^,.,.,c':,.^'L .) ' 3 j- ' Ireuiid nut seinen aohnen von den 

€7TCcyyti/.c<a,tui itg 1 3 o u nv -^ .• . ,, , , ^ 

i.,./...,^, .i..,» r '.,. ' CV ' ~ Ontiinaten ersch agen, Rab deni Lu- 

riuipccv anodctiaeiv — Tovg Ot Tt, •' • , , c. n- • t •■ i- 

ia.vA », ...... > cj! ' ripidos den ali>n zu einer 1 ragodie, 

SpOOfin VVXTI. XUTUXOILlvd^eVTCCg ' , i» 1 •• I 

TdevTfiaui ^'*'° ""^ """^ "''ucnstucK.e er- 

...^o* „.„1 .}■ ■ j^ ™ t f halten siud , so das von Cicero hier 

post cius niei dinm fertium. ... ' 

Derselbe Pleonasmus auch ad Atl. "«ersetzte: _ 

iri - 1 /p:„ I • I !• 1 I tyoijv ycco iiuug av/.koyov noiov- 

lli. I, 1. (Jbin Lieblingsausdruck y.s ' / s '. > / 

Clisnrs ht puslridie eius diei.) - - ^ ~ , <"„ , i'^ 

^ Tov (fvvTa O^QrjvdV, fig oa tQXfTcci 



iudicavisse , sc. mortem esse 



xuxw 



optimum fiomini. ^<,, j- ^^^ Occv6vTtt y.cc) n6vcav nf- 

48. Silenus , Erzieher und Be- nccvfiivov 

Sleiter des Bacchus. Vgl. Herod. yuiooVTugfvwTiuovvTngfxniunsiV 

VIII. 138. ^- ] '"^ S6f,cov. 



LIBER 1. 48, 116. 



71 



Nain nos decebat, coetus celebrantes ^ domum 
Lugerc , ubi esset dliquis i?i lucem editus, 
Humdnae vitae vdria reputantes mala ; 
At, gui lahores mortejinisset graves, 
Hu7ic omni amicos laude et laetitia easequi. 
Simile quiddara est in Consolatione Crantoris: ait enini, Teri- 
naeum quendamElysium, quum graviter filii morlem maereret, 
venisse in psvchomantium quaerentem, quae fuisset tanlae cala- 
mitatis caussa; liuic in tabellis tres huiusmodi versiculos datos : 
Ignaris homines i?i vita mentibus eiTa?it: 
Euthynous potitur, fatorum ?ii/mi?ie, leto. 
Sic fuit utilius fi?iiii ipsique tibique. 
His et talibus aucloribus usi confirmant, caussam rebus a diis 116 
immortalibus iudicalam. Alcidamas quidera, rhetor antiquus in 
primis nobilis, scripsil etiam laudationem mortis, quae constat 
ex enumeratione humanorum malorura. Cui raliones eae, quae 
exquisilius a philosophis colligunlur, defuerunt, ubertas oratio- 
nis non defuit. Claraevero morles, pro patria oppetitae, non so- 
Iiim gloriosae rhetoribus, sed etiam bealae videri soient. Repe- 
tunt ab Erechtheo, cuius etiam filiae cupide mortem expetive- 



coetus cclebrantes ,,sicli zahl- 
reich versammeln" ; wie man con- 
vivium celebrare sagt. 

exsequi, vox jjropria von der 
Leichenbegleitung. (Substant. ex- 
sequiae.) 

in Consolatione Crantoris. Cran- 
tor aus Soli in Cilicien , Akademi- 
ker, Schiiler des Xenocrates , um 
300, schrieb n^ol nivd-ovg, Ciceros 
Vorbild bei s^einer Consolatio. 

Terinaeiis , d. L. aus Terina ira 
Bruttierlande. 

huiusmodiversiculos. Plut. Con- 
sol. ad ApoU. p.l09: 
^JItiov, vtima^Hkvai^ , rjXi&ioi qQt- 

V8S (h'<^Q(OV • 

Evd-vvoos xiirai /uoiQi<Si(o S-a- 
vdroj • 
Ovx rjV yi(Q C^eiv xaXov airtp ovrt 
yovtvotv. 
polihir mit /, s. Zumpt § 210. 
Jiniri. So Pliu. epist. 1. 12: qui 
morbo Jiniuntur. 

116. caussam rebus — iudica- 
tain ,,dass iiber die Sache (ob der 



Tod ein Uebel oder etwas Gutes 
sei) durchThatsachen von den Gbt- 
tern entschieden sei". 

Alcidamas quidem, aus Eliia in 
Aeolis, ein Schiiler des Gorgias. 
Ueber quidem s. zu 33, 80. (^qui- 
dam , das dafiir in den meisten 
Hdschr. steht, ware im Widersprucl» 
mit in primis nobilis.) 

non defuil. Wir sagen : ,,aber 
nicht — ". Cicero jedoch setzt, 
wenn ejn Verbum zwei Satzen ge- 
meinsam ist, einem positiven und 
einem negativen , dasselbe ge- 
wbhnli ch (und wenn esposse ist, 
stets) doppelt. So oben 14, 31: 
arbores seret — leges non seret'^ 
\\. 14, 34 : lioc pueri possunt, viri 
non poterunff 111.5,11 : utfurdr 
— possit , non possit insania ; 
IV. 14, 31 : non possunt — pos- 
sunt; 31,67; V. 39, 114. 

Erechtheus , Konig v. Athen im 
mythisehen Zeitalter, fiel im Kriege 
gegen die Eleusinier unter Eumol- 
pus. Auch seine Tbchter Procris, 



72 



LlBERl. 49, 117. 



runt pro vila civium ; Codrum, qui se in raedios immisit hostes 
veste famulari, ne posset afjnosci, si esset oruatu regio, quod 
oraculum erat datum, si rcx interlectus esset, violricesAlhenas 
fore. Mcnoeceus non praetermittitur, qui ilem oraculo edilo 
largitus est palriae suum sanguinem. Iphigenia Aulide duci se 
immolandam iubct, ut hoslium eliciatur suo. Veniunt inde ad 

49 propiora. Harmodius in ore et Aristogito, Laccdaemonius Leo- 
nidas, ThebanusEpaminondas vigcl. iVostros non norunt; quos 
enumerare magnum est; ila sunl multi, quibus videmus opta- 
biles mortes fuisse cum gloria. 

117 Quae quum ita sint, magna tamen eloquentia est utendum 

atque ita vclut superiore e loco contionaiuium, ut homines 
mortem vel optare incipiant vei certe timere desistant. Nam si 
supremus illc dics non exslinctionem, sed commufationem affcrt 
loci , quid oplabilius? sin autcm perimit ac dclet omnino, quid 
melius , quam in mcdiis vilae hiboribus obdormiscere et ila 
conniventem somno consopiri sempiterno? Quod si liat, niclior 
Ennii quam Solonis oratio. Hic cnini nostcr : 

Nomo me lacvumis decorcl, inquit, 7iec funera Jletu. 
Faxit I 
At vero ilie sapiens : 



Chthonia und Creusa soUen sich in 
diesem Kriege in l'"olge eines Ora- 
kelspruchs geopfert haben, weslialb 
Cic. sie mehrmals (de nat. D. III. 
19, 50; de fin. V. 22,62; p. Sest. 
21, 48) als Muster von Vaterlands- 
liebe anrdhrt. — EineTragodie des 
Ennius hiess ,,Ereehlhcus". 

Codriim. Aus repetioii isl lau- 
dant oder commemorant zu er- 
giinzen. 

Menoeceits, derSohn des theban. 
Kiinigs Crcon, der lctzle Cadinide, 
erstach sich auf eine 1'rophezeiung 
desTiresias, um seine Vaterstadt 
vor der Eroberung durch die Siebcu 
zu schiitzen. 

vt hostiinn etc. , wahrscheinl. 
aus Ennius ,,Iphigenia ". Zu er- 
ganzen scheint sangitis. 

49. '" ore — viget. Sonst sleht 
gewohnlich hominum dabei. 

mortes — cum gloria = g/orio- 
sas. Wie sine (s. zu 22, 51), wird 



auch ciim mit einem Subst. hauGg 
anstatt eincs Adj. gebraucht. 

117. siiperiorc e loco, ,,von der 
Rednerbiihne". 

connivenfejn hier in der eigCDt- 
lichen Bcdeutung: ,,die Augen zu- 
driicken". 

hic — il/r werden nicht selten 
so wie hier gebraucht, dass niim- 
lich /lic das gianimatisch Entfern- 
tere , aber dcr \ orstcllung niiher 
Liegcndc bczcichnct. 

Aenio etc. Oben 15, 34 stand 
dasselbe Distichon vollstiiadig. 
Auch Cat. M. 20, 7.} wird es dem 
Solonischen entgegengestellt. — 
Cicero vergisst hier bei seinem Ta- 
del des Solon, dass uian nicht bloss 
um das Schicksal der Gestorbcnen 
weint, sondern auch um den \'cr- 
lusl , den man durch ihren Tod er- 
leidet (weshalb er im Cat. .M. 1. 1. 
zu Solons Versen ganz richtig hin- 
zuTugt : f^u/t, credo, se esse carum 
suis). 



LIBERI. 49, IIS. 119. 73 

Mo7's mea ne careat lacinimh, linquamus amicis 
Maerorem^ ut celebrent funera cum gemitu. 

Nos vero, si quid tale acciderit , ut a deo denuntiatum vi- 118 
deatur , ut exeamus e vita , laeti et agentes gratias parearaus 
emittique nos e custodia et levari vinclis arbilremur , ut aut iu 
aeternam et plane iu noslram domum remigremus , aut omni 
sensu molestiaque carea^mus ; sin autem niiiil denuntiabifur, eo 
lamen simus animo , ut horribilem illum diem aliis nobis fau- 
stum putemus nihilque in malis ducamus, quod sit vel a diis 
immortaiibus vel a natura, parente omnium, constitutum. Xon 
enim teniere nec forluito sati et creati sumus; sed profecto fuit 
quaedam vis , quae generi consuleret humano nec id gigneret 
aut aleret, quod, quum exanclavisset omnes labores, tum in- 
cideret in mortis malum sempiternum. Porlum potius paratum 
nobis et perfugium putemus ! Quo utinam velis passis pervehi 119 
liceat! Sin reflantibus ventis reiiciemur, tamen eodem paullo 
tardius referamur uecesse est. Quod autem omnibus necesse 
est, idne miserum esse uni potest? — Habes epilogum, ne quid 
praetermissum aut relictum putes. 

A. Ego vero ; et quidem fecit etiam iste me epilogus fir- 
miorem. 37. Optime, inquam. Sed nunc quidem valetudini 
tribuamus aliquid; cras autem et quot dies erimus iu Tuscu- 
lano , agamus haec et ea potissimum, quae levationem habeant 
aegritudinum , formidinum, cupiditatum : qui omni e philoso- 
phia est fructus uberrimus. 

Mors etc. Plutarch (comp. Sol. tnlit. — noluit ; 24, 59: imperan- 

e. Poplic. c. 1) und Stobaus (serm. tem — servientem. 

121) geben das Original : nihilqiie in inalis elc. Diesen 

Mridi fxoi ax/.civaTog d^urcTog u6- von der Liebe und Weisbeit Gottes 

loi, cO.kic (fi/.oicii hergenonimenen Grund fdr den 

KaXlsiTTOtui x)c(v<hv cclyta xcu Glauben an Unsterblichli^eit hatte 

aTovci/cig. Cicero nur in seiner Beweisfiihrung 

118. horribilem — faustum. gehbrig darlegen sollen , statt ihn 

Man beachte den schonen Chiasmus hier so beilaufig anzufuhren. 

in derWortstellung, wie II. 4. 11 : 119. Ego vero : „ Ja wohl ! " 

medetur animis , inanes sollicitu- wie 11, 24 Me vero delectat. 

dines detrahit; cupiditatibus li- agamus haec. Vgl.20, 46: nisi 

herat, pellit timores ; 22, 53: id agit. 



LIBER SECUNDUS. 
DE TOLERANDO DOLORE. 



Uebersich t d es Inhalts. 

Iii der Einleitung fCap. 1 — 3) erinahnt Cicero zu- 
naclist seine Landsleute wieder zuin fleissigen Studiuin und zur 
lateinischen Bearbeitung der Philosophie, woran sich Bemer- 
kungen iiber seine eigneArt zu philosopliiren schliessen; dann 
folgt (Cap. 4) dcr Uebergang zu der Disputation selbst. 
Diese besteht aus zwei Haupttheiien :j 

I. Ob und inwiefern der Schraerz ein Uebel 
ist? (Cap. 5 — 14). Die Thesis : dass er das grdssteUebei sei, 
wird kurz widerlegt und dahin abgeiindert : dass er ein Uebel 
sei (Cap. 5). Hierauf werden die Ansichten der drei Haupt- 
schuien dariiber entwickelt: Erstens werden die Cyrenaiker 
und Epicureer, die den Schinerz fiir das hdchste Uebel erklaren, 
abgefertigt (Cap. 6 — 7, 1 7 u. 12, 28), wobei Cicero gleich seine 
eigene Ansicht, dass der Schmerz allerdings ein Uebel, aber 
kein unbesiegbares sei,auseinandersetzt(Cap.7, 18 — Cap. 11). 
Zweitens wird die Lehre der Stoiker, nach welcher der 
Schmerz gar kein Uebel sein soll, als unhaltbar und fiir das 
praktische Leben nicht brauchbar, zuriickgewiesen (Cap. 12, 
29 — 13, 30), und endlich drittens die Ansicht der Peripa- 
tetiker als die richtige bezeichnel (Cap. 13 — 14 princ). 

n. Wodurch seine Macht bezwungen werden 
kann?(Cap. 14 — 27). Als ]Mittel hierzu gieblCicero zweierlei 
an : 1. Uebung und Gewolmhcit (Cap. 14 — 17); 2. die Ver- 
nunft, insbesondere Selbstbeherrsciiung, Belrachtung edlerVor- 
bilder, Geislesspannung, Ehrgcfiihl ((^ap. 18 — 27, 65). 

ZuniSchluss wird das Ergebniss der Disputation noch 
eininal zusanimengefasst (Cap. 27, 66. 67). 



LIBERir. 1, 1. 2.3. 75 

iieoplolemus quidem apud Ennium philosophari sibi ait 1 
necesse esse, sed paucis ; 7iam omnino haud placere. Ego 1 
autem, Brule, necesse mihi quidem esse arbitror philosophari; 
nam quid possum, praesertim nihil agens, agere melius? sed 
non paucis, ut ille. Difficile est enim in philosophia pauca esse 
ei nota, cui non sint aut pleraque aut omnia. Nam nec pauca 
nisi e multis eligi possunt, nec, qui pauca perceperit, non idem 
reliqua eodem sludio persequetur. Sed tamen in vita occupata 2 
atque, ut Neoptolemi tumerat, militari pauca ipsa multum 
saepe prosunt et ferunt fructus, si non tantos, quanti ex uni- 
versa philosophia percipi possunt, tamen eos, quibus aliqua ex 
parte interdum aut cupiditate aut aegritudine aut metu liberenmr. 
Velut ex ea disputatione, quae mihi nuper habita est inTuscu- 
lano, magna videbatur mortis effecta contemptio, quae non mi- 
nimum valet ad animura metu liberandum. Nam qui id, quod 
vitari non potest, metuit, is vivere animo quieto nullo modo 
potest; sed qui, non modo quia necesse est mori, verum etiam 
quia nihil habet mors, quod sit horrendum, mortem non timet, 
magnum is sibi praesidium ad beatam vitam comparat. Quam- 3 
quam non sumus ignari, multos studiose contra esse dicturos, 
quod vitare nullo modo potuimus, nisi nihil omnino scriberemus. 
Etenim si orationes, quas nos multiludiiiis iudicio probari vo- 
lebamus (popularis est enim illa facultas, et effectus eloquentiae 
est audientium approbatio) — sed si reperiebantur nonuuUi, qui 

1. 1. Neoptolemiis apud En- 2. mihi habita est. In der An- 

nium, in der verlornen Tragodie wendung des Dativs 7nihi oder no- 

gleiches Namens. Nach Ribbeck his (II. 4, 10), statt ab, beim Pas- 

lautete die Stelie so : sivuin, giebt sich, indem die Iian- 

Philosophari est mihi necesse, at delnde Person dadurch mehr in den 

paucis; nam omnino haut placet. Hintergrund geschoben vvird , eine 

Degustandum ex ed, non in eam gewisse Bescheidenheit kund. 

ingiii'gita7idum censeo. eomparat braucht nicht, wie 

Wie paucis zu verstehen, lehrt der man vorgesclilagen hat, gegen alle 

Gcgensatz omnino. — Uebrigens Hdschr. in comparavit geandert 

vgl. CalliclesinPlat. Gorg. p. 484c: zu werden ; denn eben durch das 

^iloGo(fi(c yc(QTOi iarl ^{(Qi(V, av Nichtfiirchteu des Todes rdrdern 

Tig avTov /utTQtcog ciiptjTKi iv rjj "wir unser Gliick. 
T]kixicc • lav cfe neQaiTfQCo tov 3. Etenim si orationes. Darauf 

6toVTog iv^iaTQtip^ , diacfd^oQa sollte nach der Parenthese folgen : 

Tciov c<v&Qio7X(av. non probatae sunt a normultis, 

nihil agens, agere melius, ein cjui nihil laudarent etc. Der^lei- 

hiibsches o^v/liojqov. Niliil agens chen Anakoluthien aber, wie hier 

in Bezug auf Ciceros jetzige Nicht- {sed si reperiebantur nonnulli), 

betheiligung am politischen Leben. machen die Rede lebhafter und oft 

Vgl. I. 1, 1. auch deutlicher. 



76 LIBER II. 1,4. 2, 5. 

nihil laudarent, nisi quod seimitari posse confiderent, quemque 
jsperandi sibi, eumlcm bene dicendi finem proponerent et, quum 
obruerentur copia sententiarum alque verborum, ieiunilalem et 
famem se malle quam ubertatem el copiam dicerent (iinde erat 
cxortum genus Atticoriim, iis ipsis, qiii id sequi se profiteban- 
tur, ignotum ; qui iam conticuerunt paene ab ipso foro irrisi) : 

4 quid ruturum pulamus, quum adiutore populo, quo utebamur 
antea, nunc niinime nos uti posse vidcamus? Est eniin phiio- 
sophia paucis contenla iudicibus, niullitudinem consulto ipsa 
fugiens, eique ipsi et suspccta et invisa, ut vel, si quis univer- 
sam velit vituperare, secundo id populo facere possit, vel, si 
in eam, quam nos maxime sequimur, conelur invadere, magna 
habcre possit auxilia a rcliquorum philosopliorum disciplinis. 

2, Nos autem universae philosopliiae viluperatoribus respon- 

dinius in Hortensio; pro Academia aulcm quae diccnda essent, 
__^satis accurate in Academicis quatluor libris explicata arbitra- 
j mur; sed tamen tantum abest, ut scribi contra nos nolimus, ut 
L . id etiam maxime optemus. In ipsa enini Graecia philosophia 
^^ tanto in honore numquam fuisset , nisi doctissimorum con- 
/,,*.tentionibus disscnsionibusque viguisset. 

5 Quam ob rem hortor omnes , qui facere id possunt , ut 
huius quoque generis laudem iam languenti Gracciae eripiant 

sperandi sibi — bene dicendi kraftlos waren. Mclir dariiber s. iiii 

finem. Orator 7, 24: Nnnc tan- Brutus S2 ; Oralor 7 u. 23 ; und de 

tiim quisque laudaf, qaantani se opt. gen. orat. 
spcrftt posse imifari. Es ist eine \. secundo populo = assentiente 

■^^^^ine VVendung, wodurcb Cicero pop., wie de lege agr. II. 37, 101 : 

^jy»vden Gegnern den Mangel eines Ta- scrunda contione /rgeni suadere. 

. lents beilegl, welches er in bohem //i eflw, die Lehre der Akadeniie. 

'■'^ (Grade besass. Dass seine Beredt- 2. in Hortensio, eineni uns lei- 

"M siTmkeit aber oft auch iiherstriimte der verlorenen Diaioge, wurin Cic. 

(,,cine asiatiscbe" wurde), tadelten den beriihmten Itedner Horfensius 

Vlele an seinen altcrn Reden, z. B. den ^Jutzen pbilosophischer Sludien 

p. Rosc. Ain., iiicbt oiine Gruud. bestreiten liess, sich selbst aber die 

unde ,,aus welchem Princip, aus Rolle des Vertbeidigers gab.. 
welcher Denkart". in Acad. — lihris. V on der ur- 

grnus /tticorum. Man unter- sprlinglichen , aus zwei grbssern 

scbied nach Quintil. XII. 1(1, l(i Biicliern besteheuden Bearbeitung 

drei Arten der Bcredtsamkeil : die ist nur das 2. Bucb, von den 1 klei- 

asiatiscbe , pomphaft in Gedanken neren Biichern der splitern Bear- 

und VVorten ; die attische, einfach beitung aber das 1. uns erbalten, so 

und versttindig; die rhodische, in dass in der Mitte eine Liicke ist. 
der Mitte stehend. INun gab es in nisi — i7'^'-M/v*e^ ,,wenn sie nicht 

Rom unter Ciceros Tadlern manche in der Polemik der grbssleii Philo- 

Redner, welche atlisch seiu woll- sophen ein so reges Lcbcn gehabt 

ten, abcr nur niichtern, scbaal uud hatte". 






X 









LIBER II. 2. 6. 



77 



\ti perferant in hanc urbem, sicut reliquas onines, quae quideni 
'erant expetendae, studio atque industria sua raaiores nostri 
transtulerunt. Atque oratorum quidem laus ita, ducta ab hu- 
niili, venit ad summum, ut iam, quod natura fert in omnibus 
fere rebus, senescat brevique tenipore ad nihilum ventura vi- 
deatur. Philosophia nascetur Latinis quidem litteris ex his 
temporibus, eanique nos adiuvemus nosque ipsos redargui re- ^ 
fellique paliamur. Quod si ii ferunt animo iuiquo, qui certis qui- " 
busdam destinatisque^sentenliis quasi addicti et consecrati sunt . 
eaque necessitate constricti, ut etiam, quae non probare so- 
leant, ea cogantur constantiae caussa defendere: nos, qui se- 
quimur probabilia nec ultra id, quod veri simile occurrit, pro- 
gredi possuraus, et refellere sine pertinacia et refelli sine ira- 
cundia parati suilius. 

Quodsi haec studia traducta erunt ad nostros, ne biblio- 6 
ihecisquidem Graecis egebimus, in quibus mullitudo infinita 
librorum propter eoi^um est multitudinem, qui scripserunt; ea- 
dem enini dicuntur a multis ; ex quo libris orania referserunt. 
Quod accidet etiam nostris, si ad haec studia plures confluxe- 



5. qvae — expetendae. Ciceros 
gewohnliche Entschuldigung fiir die 
gering;eren Leistungen derRiimer in 
KunstundWissenschaft. Vgl. I. 1, 1. 

ah hiimili, substantivirt, wie das 
folg. ad sumrmim. Vgl. Nagelsbach 
2. A. S. 70. 

ad vihilum ventura. 3Iit der po- 
litischen Freiheit sank in der That 
sehr bald auch die Beredtsamkeit 
dahin. 

- Philosophia naseetur. Das Asyn- 
deton liisst den Gegensatz starker 
hervortreten , als es eine Partikel 
thun w iirde. — Die Hdschr. habeu 
nascatur, welches, als selhststan- 
diger Conj. hortat. (wie adiuvemus 
u. patiamur) gefasst, keinen pas- 
senden Gegensatz zu dem factischen 
oratorum laus ifa venit ad sum- 
mum etc. bildet, noch weniger aber 
von dem vorangegang. ut abhangig 
zu denken ist, da der Verfall der 
Beredtsamkeit nicht die Bliithe der 
Philosophie bewirken kann und 
der ganze Zusammenhang durchaus 



einen selbstsland. Satz erfordert. 
Daher des Herausg. Emendation. 
(Vgi. III. 17, 36 zu patietur und 
Tregder praef. p. XI.) — Mit In- 
halt und Ausdruck der ganzen Stelle 
vgl. i. 3, 5. 

quidem bei Latinis litteris, im 
Hinblick auf die vorhandene reiche 
philosoph. Litteratur der Griechen. 

addicti, eigentl. von zahlungsun- 
fjihigen Schuldnern, die nach dem 
altesten Rechte Sklaven des Gliiu- 
bigers wurden. (Niebuhr, rbm. 
Gesch., Bd. L S, 612 fg.) — Vgl. 
Hor. ep. L 1, 14: Nullius addictus 
jurare in verba magistri. 

consecrati, von der religibsen 
Weihe im Dienste einer Gottheit. 

co7ista?itiae causa ,,um sich con- 
sequent zu bleiben". 

sequiuiur probabilia, s. zu L 
9, 17. 

ulira id, statt der handschriftl. 
Lesart ultra qiiam id, die sich nur 
gekiinstelt erklaren lasst, ist We- 
senbergs Conjectur. 



78 



LIBEK I[. 3, 7. 8. 



rint. Sed eos, si possunius, excilemus, qui liberaliter erudili 

adhibila eliam disserendi elegantia ratione el via pbilosophen- 

3 tur. Est enini quoddam genus eorum, qui se philosophos ap- 

7 pellari volunt, quorum dicuntur esse Latini sane multi libri, 
quos non contenmo equidem, quippe quos numquam legerim ; 
sed quia profilenlur ipsi illi, qui eos scribunt, se neque di- 
slincte neque dislribute ne(|ue eleganler neque ornalc scribere, 
leclionem sinc ulla deleclatione negligo. Quid enim dicant el 
quid senliant ii, qui sunt ab ea disciplina, nenio mediocriler 
quidem doclus ignorat. Quam ob rem quoniain, (|ucmadmodum 
dicant, ipsi non laborant : cur legendi sinl, nisi ipsi inler se, 

8 qui idem senliunt, non intclligo. jNam ut Platonem reliquos- 
que Socraticos et deinceps eos, qui ab liis prolecli sunt, legunt 
omnes, eliam qui illa aut non approbant aut"tion sludiosissime 
consectantur; Epicurum aulem el Melrodorum non fere praeter 



6. liberalitev cruditi, s. 11, 27; 
wegen clcganlia s. 1. 23, 55. 

ratione ut xna, ein sebr g;ewohn- 
liches fV J/« Ji;orj' (daher riihrcnd, 
dass Cicero von ratio keln Ad- 
jecl. hal) : ,,auf vcrnunrigenuissem 
Weg:e" also ,,inethodisch". Orat. 
33, 116: In omnibus, qnae ratione 
docentur et via, primum consti- 
tucndum est, quid quidque sit; de 
fin. I. 9, 29 : ut ralione et via pro- 
cedat oratio. 

pliilosoplientur. Da der Jnhalt 
des Satzes nicht etwas Faktisches, 
sondern nur ein von Cicero ge- 
dachter ist (,,solche, welche — "), 
so ist der, w ie es scheint, von allen 
Mscr. hier gegebene Indicativ un- 
bedenklich corrigirt worden. Die 
Verschreibung deslnd. in den Conj. 
und umgekehrt, ist selbst in der 
bcsten aller Hdschr. , dem Reg. 
Par. , Uberaus hiiulig (s. Tregder 
praef. p. X). 

3. 7. {••enus eorum. Wer gemeint 
sei, s. zu I. 3, G. 

distincte ,,gehiirig gesondert", 
also ,, mit Bestiinmlheil " ; distri- 
bute ,,mit gehiiriger Eiutheilung 
und Ordnung". 

lectionem sirie vlla delectatione 
,,die unerquickliche Lectiire" ; s. 
L 22, 51 zu sine corpore. 



qui sunt ab ea disciplina. So de 
fin. IV. 3, 7 : ef Zeno cf ab eo qui 
sunt ; griech. ot uno IIlciTOJVog , 
01 UTTO Tris^yJxaJrjuficti. Vollstan- 
dig ist dcr Ausdruck § S : eos qui 
ab his projecti sunt. 

nenio mediocriter quidem doctus: 
,,Niemaud, wenn er anders einiger- 
massen geblldet ist" — verkiirzt 
fiir : neino, qui quidem med. doctus 
sit, wie im Griech. olSttg /ufTQiojg 
yf 7if7i(U(SfVjnirog. Dies dicLesart 
aller Hdschr. , welche man auch 
daruni mit Unrecht in nemo ne 
vwdiocriter quidem d. geandert 
hat, w eil dann Cicero s i c h das An- 
sehn eines ausserordentl. Ge- 
lehrlen gehen w iirde, was nicht in 
seiner Art aufzutreten liegt. 

8. Epicurus wird von Cicero za 
geringschjitzig behandelt (vgl. L 
31, 77). Wenn E. auch in seinen 
Aeusserungcn iiber die r,Sovt'i , die 
er fijr das hlichste Gut erkliirte, 
nicht consequent gewesen ist und 
an manchen Stellen (vgl. HL 18, 41) 
niir die Sinnenlust darunler ver- 
standen hat, so fasste er sie an an- 
dern wicder geistig, als jeue ruhige 
Behaglichkeit der Seele, in der sie 
frei von Schnierz und jeder leiden- 
schafllichen Erregung einer unge- 
slbrtCD Wonne geniesse. (Vergl. 



LIBER II. 3, 9. 4, 10. 



79 



suos quisquam iri manus sumit : sic hos Lalinos ii soli legunt, 
qui illa recte dici putant. Nobis auteni videtur, quicquid litteris 
mandetur, id commendari omnium eruditorum lectioni decere. 
Nec, si id ipsi minus consequi possumus, idcirco miniis id ita 
faciendum esse sentimus. ^'>^'' *'^'' f*^"^ «;*#»v^ ^ '-'^'..j>^ 

Itaque mihi semper Peripateticorum Academiaeque con- 9 
suetudo de omnibus rebus in contrarias parles disserendi non 
ob eam caussam solum placuit, quod aliter non posset, quid in 
quaque re veri simile esset, inveniri, sed etiam quod esset ea *■*' 
maxima dicendi exercitatio; qua princeps usus est Aristoteles, 
deinde eum qui seculi sunt. Nostra autem memoria Philo, 
quem nos frequenter audivimus, inslituit alio tempore rheto- 
rum praecepta Iradere, alio philosophorum. Ad quam nos con- 
suetudinem a famiiiaribus nostris adducti in Tusculano, quod 
datum est temporis nobis, in eo consumpsimus. Itaque quum 
ante- meridiem dictioni operam dedissemns, sicul pridie fece- 
ramus , post meridiem in Academiam descendimus. In qua 
disputationem habilam non quasi narrantes exponimus, sed 
eisdem fere verbis, ut actuni disputalumque est. 

Est igitur ambulaulibus ad hunc modum sermo iile nobis 4 
institulus et a tali quodam ductus exordio : 10 



III. 20.) So sagte er nach Diog. 
Laert. X. § 131: orav ovv Xeycofxiv 
TjSovriv T^log V7Tc<Q/sn', ov Tccg tcSv 
ttOcoTCDV rjSovccg iccd Tccg iv uno- 
XccvGu xsifxtvag Xtyofitv... ccXka 
To /iiriTS clkyfTv y.ccTcc acofxct /x^t£ 
TUQCiTTtad^cii xcncc ipvxTjV, u. § 1 32 : 
Ovy. tdriv fiStcog ^fji'civfv tov cpQo- 
vCfxiog y.cil y.ctkcog y.cci Sty.aib)g, ovSt 
ifQOVifjiwg ycd xcckcSg y.ul Siy.ccicog 
clvfv Tov r]Si(og' avfiTitcfvxccat ycto 
nl aQtTctl T(p fjjv fjificog xcd t6 fjjv 
rjSicog tovtcov taTiv aywQtaTov. 

Metrodorus, sein Lieblingsschii- 
ler (paene alter Epicurus, de fin. 
II. 28, 92), Verfasser zahlreicher 
Schriften, eigentlich aus Athen, aber 
gewbhnlich Lainpsacenus genannt, 
ist mit dem Akademiker M. (I. 24, 
59) nicht zu verwechseln. 

9. Aristoteles. Cicero spricht von 
den sogen. intdti^tig , welche so- 
wohl die spatern Akademiker als 
die Peripatetiker von Aristoteles 
herleiteten. 



Philo aus Larissa, nach Clito- 
macbus Vorsteber der Akademie, 
der diese der Stoa niiher zu bringen 
bemiiht war, flob zur Zeit des Mi- 
tbridat. Krieges (88) aus Atben nacb 
Rom, wo Cicero, wie er seibst (Brut. 
89, 306) sagt, totum se ei tradidit. 
Vgl. 11, 26. 

in Academiam. Cicero hatte sich 
auf seinem Tusculaoum eine der 
Akademie in Atben (wo Plato 
Iehrte)abnIicbePromenade(g-^/«wa- 
sium , ambulatio) angelegt, und 
ebenso eine nacb Art des durcb 
Aristoteles berUbmten Ly ceum s. 
Erstere lag niedriger (de divin. I. 
5,8); daher bier und III. 4, 7 
descendimus. 

non quasi narrantes, vgl. I. 4, 8. 

4. 40. nobis institutus , s. II. 
1, 2 zu mihi habita est. 

a tali quodam exordio — a tali 
fere exordio. Zu ductus vergl. 
Brut. 60,218: omnis ille sermo 
ductus e percontationefilii. 



80 LIBER II. 4, 11. 12. 

A. Dici non potest, quam sim heslerna disputatione tua 
deiectatus vel polius adiulus. Etsi euini niilii sum oonscius, 
numquam nie nimis vitae cupidum fuisse, lamen intcrdum ob- 
iiciebalur animo nietus quidam et dolor cogitanti , fore ali- 
quando linem huius lucis et amissioncjn omnium vilae commo- 
dorum. Hoc genere niolestiae sic, mihi crede, sum liberatus, 
ut nihii minus curandum putem. 

11 M. Minime niirum id quidem. Nam efficit hoc philosophia: 
medetur animis , inanes solliciludines delrahit; cupiditatibus 
liberat, pellit tiniores. Sed haec eius vis non idem potest apud 
omnes ; tum valet mullum, quum est idoneara complexa natu- 
rani. Fortes enim non mo^o Fortu/ia ndiurnt, ut est in vetere 
proverbio, sed multo magis ralio, quae quibusdam quasi prae- 
ceptis confirmat vim fortiludiiiis. Te natura excelsum quendam 
videlicet et altum et humana despicientem genuit; itaque facile 
in animo forti contra mortcm habila insedit oratio. Sed haec 
eadem num censes apud eos ipsos valere, nisi admodum paucos, 
a quibus inventa, disputata, conscripta sunt? Quotus enim quis- 
que pliilosophorum invenitur, qui sit ita moratiis, ila animo ac 
vita constitutus, ut ratio postulat? qi^disciplinam suam non 
ostentationem scientiae, sed legem vitae putet? qui obtemperet 

12 ipse sibi et decretis suis pareat? Viderc licct alios tanla levilate 
et iactalione, ut iis fucrit non didicisse mclius, alios pecuniae 
cupidos, gloriae nonnullos, nuiltos libidinum servos, ut cum 
eoruni vita mirabiliter pugnet oratio. Quod quidem mihi videtur 
esse turpissimum. Ut enim, si gramniaticuui se professus quis- 

qiiam siin — delectatus. Dies ist Griech. yevvcuov tivcc) ,,wahrhaft 

die gewiihnliche Wortstelliing bei erhaben"; s, ISagelsbach S. 22(5. 

Cicero, wenn qiiain mit rsse und constitiitus. Vgl. 6, 17 : curpiis 

cinem Adj. oder 1'artic. verbunden bcne constilutuin ; Lacl. 13, 47: 

wird ; so 12, 2S : inlelliges, quain aninius bene conslitutiis ; p. Sest. 

.S77 obsislendum dulori ; auch in 05, 137 : viri benc a natura con- 

llanptsatzen, z. B. Cat. M. 11, 35: stituti. 

quain fuit imbecillits ! dccretis suis, griech. Soyfictra. 

obiiciebatur kraftiger als offerc- Ebenso 6, 16 decernere von Philo- 

batur. sophen. 

11. medetur — tiinores. Wegen 12. vt iisfueritmelius: ,,dass es 

der Wortstellung s. zu I. 49, llS. fiir sie besser gewesen wiire". Der 

Fortes Fortuna adiuvat. Wort- Conj. Perf., weil man als Hauptsatz 

lich ebenso : Ter. Phorm. I, 4, 25; sagt; tnelius iisfuit. 

dagegen Verg. Acn. X. 2S4 mit Anf- piignet oratio. In demselben 

gabe der Allitteiation : Audenles Sinne de fin. II. 25 e\tr. : Itii vi- 

Fortuna iuvat. vunt quidam , ut eorum vita re- 

excehum quendam (wie im fcllatur oralio. 



LIBERII. 5, 13. 14. 81 

piam barbare loquatur aiit si absurde canat is, qui se haberi 
velit musicum, Iioc turpior sit, quod in eo ipso peccet, cuius 
protitetur scientiam : sic philosophus iu vitae ratione peccans 
hoc turpior est, quod in otEcio, cuius raagister esse vult, labi- 
lur artemque vitae professus delinquit in vita. 

A. JNonne verendum est igilur, si est ita ut dicis, ne 5 
philosophiam falsa gloria exornes? Quod est enim maius ar- 
gumentum, nihii eam prodesse, quam quosdam perfectos philo- 
sophos turpiter vivere ? Ji. 2SuIIum vero id quidem argu- 13 
mentum est. ^am ut agri non omnes frugiferi sunt, qui co- 
luntur, falsumque iJIud Accii: -{-<'' r-.i^-^' % '.- . 

Probae, etsi in segetem swit deteriorem datae, ) j.,. 

Fruges tainen ipsae sudyte natura enilent : 
sic animi non omnes culti fructum feruut. Afque, ut in eodem 
simili verser, ut ager quamvis fertilis sine cullura fructuosus 
esse non potest : sic sine doctrina animus; ita est utraque res 
sine altera debilis. Cullura autem animi philosophia est : haec 
extrahit vitia radicitus et praeparal animos ad satus accipien- 
dos eaque mandat iis et, ut ita dicam, serit, quae adulta fructus 
uberrimos ferant. Agamus igitur, ut coepimus. Dic, si vis, de 
quo disputari velis. 

A. Dolorem existimo maxinium malorum oninium. J/. U 
Etiamne maius quam dedecus? A. Xon audeo id dicere quidem, 
et me pudel tam cito de senlenlia esse deiectum. J7. ilagis esset 
pudendum, si in sententia permaneres. Quid enim minus est 
dignum, quam tibi peius quicquam videri dedecore, flagitio, tur- 

a&iwrrfe hier in seinernrspriingl. in segetem, ,,Saatfeld", wie 

Bedeutung {id quod ab amfbus Cait. 'Sl. Ib, oi: segetibus et praits 

abhorret) : ..unharmonisch", wie et vineis et arbustis. 

de orat. III. 11, 41: vox absona et suapte, zweisylbig. 

absurda. simili, ,,Gleichniss", wie de 

qui — Telit etc. , Conjunctive, orat. II. 7S, 31G: unde hoc simile 

weil der ganze Satz durch die bloss ducat. Vgl. oben 2, 5 .- ab humili 

gedachte Bedingung geleitet wird. ad summum. 

2rt j'/fa am Schluss des Satzes mit eaque ist der Accus. , worauf 

Nachdruck : ..grade in Beziehung quae sich bezieht. 

auf das Leben". 14. id dicere quidem. Deutlicher 

5- nihil eam prodesse vertritt ware id quidem dicere. 

den Gen. obj.-; quosdam — vivere de sententia esse deiectum, nach 

dagegen denNomin. (Deutlicher und Analogie von alqm de statu {gra- 

das Gewijhnlichere ware die Con- du) deiicere {depellere, demovere), 

struction mit quod.) von Fechtern. So 6, 16: sententia 

13. illud Accii. Aus welchem depelli. 

Stiicke? ist unbekannt. est dignum , hier absolut, wie 

Cic. Tuscul. 6 



82 LIBEIlll. 5, ir.. c. 

pifiulinr? qn.io ut cfTiipas, qnis osl iion inodo rocnsandns, scd 
iion iillro ;i|t|)('l('ii(liis, snliciiiKlns, (WcipiciKJiis d^tlor? ./. lla 
prorsns cxislinio. QnaiT nc sil sanc siiiiiniiiin nialnin dolor — 
inalnin ccrlc csl. M. Nidesnc i«;iliir, (|naiilniii hrcvilcr adiiKniilns 

15 dc ddloris lcrrorc dcicccris? ./. Vidco |ilanc, scd pliis dcsidcro, 
M. M\|icriar c(|nidcin ; sod inaf;na rcs osl, aniino(|iio inilii opns 
est non ropugnaulc. y/. Ilaiiebis id (luidoiu. IJl euiin heri feci, 
sic uuuc ralionom, (|no oa uio cnuqno dnccl, soquar. 

6 J/. Priinnin ij;itur do iinbccillilalo uinltoruiu cl de variis 

disciplinis pliilosopliornin lo(|nar, (|iioruin |iriiiccps ot anclorilalo 
ol ;iiirK|nilalo, Socralicns Aiisli|ipiis, iioii dnltilavit snmiiinin 
uialnm dolorcin dicoro. Dciiido ad lianc ciicrvalani innliclircni- 
quo scntciiliam salis docileiu so l']picurus praelniil. llniic posl. 
Khodius Hierouymus dolore vacare snminnin lioniiin dixil; 

priecli. «^/01' faii ^ dcert. (Aus ifiiu eii iiii' riiiii/iii\ Die Tmcsis 

(tieseiu (itthcuuclie erkliireii sieli von r////<'///e isl jnieli hei ('ieero iiiclit 

Slelleii wie iii \'ere. II. I(», Ul : selteii ; iiieist slelit eiii fronoiiieu 

quod si//>/)/i('ii/iii difi^/iinii /ibidiiii dazwiselieii, z. 15. de oriit. 111. I (>,(>() : 

ciiis i/irrniiis i' iiiid Snll. (liit. ,"> I : i/i/it//i sr ru/ii/i/r i/i /mr/ri/i drdi.i- 

di^/iii //ue/iil />/•(> J'iir/is ruri/iii.) sr/ ; il). II. 2H, !I7 : i/i/iiii/ii/i/i/i iil 

ijiiis — dv/or? lii zwei Knif^en /v/////;//! e*-/ ; doeli aiieli andre N\ iir 

/.erlff;! : //(//',v du/oi: rrriisii/idi/s ter, z. H, de lej;. II. \^, \(> : tji/od 

esti' i/iiis 1IUII ii//ro ii/i/ir/riidiis — i' iid rii/iqi/r /r^is fir/ii/s ; de lin. IV. 

Diese siiid diireli /lu/i //lodo — sfd 'Ih, {>\} : qiiod rri/ riinque risum. 

in (lie Verbinduni; der Steifferuiiu; ,. , ........ 

, ,. , ^ .... , , , O. de rmiis disrip/i/iis ,,aus 

irebraehl ; also =- qiii/ilir/ i/o/or ,. , o i i .i i •• . 

" ; ' , , verscliiedeneii Sehulen " eehort, 

/lon mo(to /lu/i rrri/sn/idiis , srit ... ,, i *.. •! . 

,, . , , LM Kleieh inii//uruiii. als Altribut zu 

ii//ro a/nir/rndus rs/. hbeiiso p. , ., , 

c . .-<> iMC /< • / /ilii/osunlioriini. 

Sest, ;)(!, JOS : Qii/.\ /lon //lodo u/i- ' '^ 

probavit, srd /luii iiidif;nissiiniini Irist/ppns , der seliarrsiiinipste 

farini/s /ii//orili' - Uninrs non \'erlheidi{;er der reinein \N'ollust, 

/nudo no/i ap/irobarrrun/, sed ind. war aiis (lyreiie (^ebiirtip, woher 

far. pu/averun/. seineSehule, die Vorliiiirerin dere[ti- 

ne sit — , coiieessiv. So Cat. M. kureisehen, die eyreiiaische hiess. 

11,31: Ne sin/ in senerti//e rirrs : Ueber ihre Lehre s. III. 1,'$, 28 u. 

nr /lostu/an/ur qi/ii/rin vires a sr- 22, r>2. Iloraz schildert ihn epist. 

//e<7///e, uiid oller. Dafjepeii I, S, |() |. |7 vortrelllich. 

u. 1 1 , 23 ///«»// iii deinselhen.Siniie. „ , ■ i i, c. i 

' , , . .»/11. //////(• //o.v/, eiiie sehrseiteneStel- 

iiuan/uin — dr/rrrris. Vi;l. I. S, , ' . , ,. i i • , iif 

,.' . ,. , , luiic; wenieer belreuulend ist l> . 

1;»: iiuaiiliiin nia/i de liumana ... ",' ,, , ■ , i u i ,• 

,.'. , . 1 /, .is /////■« hiuter deiu Heialnuui ; 

eondirionr drirreris. \, . ,, .. .,,, , 

, - . , s. Zuiuiit (.r, ,{21. 

\ •>. aniinoqur — no/i rrpii^na///r. ' 

llindeutiiiif; aui' die eiiluiiilhi(;en- llirroiii/nius, Feripateliker. Vpl. 

deii Seliiiksalsselii;i};e, die ihn iii jedoeh de liii.N. .">, I l : ///ero///////////« 

seineiu hiiiislieheii uiid iillentlieheu iain rur Prripatetieum appel/em, 

l,eh(Mi iii der letzlen /eit betroiren nescio : siiininiim rniin bonum cx- 

hatten. \^\. 1. 34, 8-t, pusuil vari/itateni du/oris. 



i.i iu;h II. (,, K). 17. 7. 83 

taiilurn iii dulore diixil inali. (^'leri practcr Zenuiu-in, Aristo- 
lUMii, 1'yrrlioneni idcni lcrc, quud mudo Iti : nialuni illud qui- 
dein , iicd alia {leiura. 

Krgo id , (juud natura ipsa ct (iu.icdaiii generosa virlus IG 
slatini ic.s|Miit, nc scduio doluicni .siiiiiiiiuiu nialuin dicei'cs o|)- 
|josito(|uc dc(lccoi'c sciitcnlia dcjicllcrcrc, iii co niagistra vitae 
j)liilosojtliia tol sccula jicrnianct. Quud liuic ulliciuin, (juac laus, 
quod dccus crit lanti, quud adipisci cuin dulurc curjiuris vclil, 
qui dolorein suniinuin nialuui sibi esse persuaserit? (Juani porro 
quis ignoininiani, qu^n tuipitudiaeai uon pcrluleiit, iit clfugiat 
doloreni, si id suniinuin nialuin essc decreveril? (Juis aulcni 
uuii uiiser, iioii niudo liiiic, quuiii prcincliir suniniis dolorihus, 
si in iis esl siininiuih nialuiii, scd cliaiii (juuin scict id silii jwisse 
evenire? cl quis cst, cui non pussil? Ita lit, ut oniiiiiio iicnio 
esse possil licalus. Alelrodoru,s quideni pcrrectc cuni bcaluni 17 
putal, cui corpus bcne constitutuin sit ct exploraluin, ita seniper 
lore. Quis autein esl iste, cui id CApioratuni jiossil essc? 

Epicurus vero ea dicil, ut milii quidcm risus caplare vi- 7 
dealur. AHirniat cnim quodam loco, si uratur sapiens, si cru- 

Zenu aus(Jitiuiii aul' <;>|)erii, der xe, welclj(; Kijlieier iia<li JJeiiUey iti 

Stifler (lcr sloisclieii Scltuk', bliihte ic.^^ net/tccl aiiderle ((jliiie f iir deti 

seil elwa !5.'J0 v. Clir. lliiti galt die (jedatikeii dadurcli elwa.s zu (;ewiu- 

Tu(i;eiid al.s dais eiiiKi^^e (lut , das tieii), die aiiderii ilerauis^eber aber 

Laster als das eiiiy.ij^e UiHtel ; alles gaiiz wegliessen, VVie leiclil koiiiite 

Aiidere sei udiiufuijov. du(o vor dulntcm ausralleii ! — Zu 

Arinltj aus (Jiios, Scliijler des nttdulo ittt tadeliideu Siuue vg;l. ad 

Zeuo. \\f,\. iiber ihu uud l^yrrlio Alt. III. 12, 1 : Tii nuidcin scdulu 

V. .'JO, ^5. ar(i,uiiii'iilitris , qiiid sil n/jcriiii- 

Pyrrlio ausElis, Alexauders JJe- dian. Qiiai' ixlu (.>/>(•«) csl , ludvm 

gleiler aul' seiueu Ziigeii, llau|»t der tribuiiu /jI. e( inimicu coinulc de- 

jjlleru Ske|»liker. Seiiie Scbuie er- xig/ialu i') 

luscb bald, ihr Geist aber {^iug aut' in vo liiiuiiit das id auakolutbiscb 

die s|^at<'rii Akadetiiiker tiber. wieder aul'. 

10. ijiiaiduui dietit bier uur zur 17. Mclrudurus, s. obeu 7.\i'i,H. 

Eotschuldigung der Ativveiidutij; des SeitieWorle wareu itachCleui.Alex. 

Adject. i^cinirusus ,,edel" aul' das Slroiii. II. p. l^b : yiyuUov ^lw/fjs 

silllicbe (iebiel. (Vgl. .Nagelsbacb r( uD.o ij lu ouiiyu'; tioitxHn xa- 

2. A. S. 20'i a. li.) — Zu detu I'er- raairnuK y.tu lo /it(ti luijTrji jii-- 

iectuiu rcapuil eigan'/,e in tc. aiuv i/.jua/Au; \^\. V. !i, 27, 

nc scdiilu ete. „ so dass du tticbt 7- /IJJiruial — dicct. hei derl>eb- 

bebarrlich — , souderu, als icb dir hartigkeit der Itede, die uach ajjlr- 

die Scbaude etilgegeuhiell, — ". //(«f durch kur/.e Saty.e viellach uii 

iJScdulu, eif^eutl. ,,wie versessen' , lerbrocheu isl, tritt dasVeib. liu. <//- 

welches ciueu IreHlicheu Gej^eusat/. cci au die Stelle des lul'. diciurum 

zu«««/ert//« </('/;<'//<' i5iebt,istIiilot/-'s cmic , der, stretig Iogis<b , als ab- 

EineudatJouder baudscbhfll. J^esart hjitigig vou aj)'. v.u erwarteu ware. 

0* 



84 



LIBERII. 7, IS. 19. 



cietur — exspeclas forlasse, dum dicat: patielur, perfcret, non 
succuinbet; magna niehercule laus el eo ipso, per quem iuravi, 
Hercule digna; sed Epicuro, honiini aspero ct duro, non est 
hoc salis; in Phalaridis lauro si erit, dicet: Quam suave cst! 
quam hoc non cvro ! Siiave eliam? an parum est, si non ama- 
rum? At id quidem illi ipsi, qui dolorem malum esse negant, 
non solenl dicere, cuiquam suave esse cruciari ; asperum, dif- 
ficile, odiosum, conlra naturam dicunt, ncc tamen malum. Hic, 
qui solum hoc inalum dicit et mah)rum omnium extremum, sa- 

18 pientem censet id suave dicturum. Ego a te non postulo, ut 
dolorem eisdem verbis afiicias, quibus Epicurus, homo, ut scis, 
voluptarius. Hle dixerit saue idem in Phalaridis lauro, quod, 
si esset in lectulo; ego tanlam vim non tribuo sapienliae contra 
dolorem. Sit fortis in pcrferendo: officio salis est; ut laetetur 
etiam, non postulo. Tristis enim rcs est sine dubio, aspera, 
amara, inimica nalurae, ad patiendum tolcrandumque dilficilis. 

19 Adspicc Philoctetam, cui concedendum est gemcnti ; ipsum 
enimHerculem viderat inOeta magnitudine doioruiif eiulanlem. 



exspectas — dum dica/. So Lael. 
13,41: ?ie exspectv.mus qi/idefn, 
dtim rogemur, und ofter; vgl. IV. 
36, 78. 

homini — duro. Sinn : Er, der 
im Uebrigen weichlich ist, wil! im 
Ertragen des Scbnierzes den Her- 
cules iibertrcffen; welch ein rauher 
und abgeharteter Mann ! 

in Phalaridis tauro. Phalaris, 
Tyranu von Agrigent, um 560 v. 
Chr. , batte einen von Perillus ver- 
fertigten ehernen Stier, in welchem 
er die Opfer seiner Grausanikeil 
verbrennen liess. Vgl. V. 10, 31. 

quam — jion ,,wie wenig". So 
17, 39: vidc, qiiam non Jlebiliter 
respondeat ; IV. 35, 7-1: quam ni- 
hili sit omnino „wie wenig werth". 

illi ipsi, die Stoiker. 

contra naturam , adjectivisch, 
wie 13, 30; wofiir § 18 naturae 
inimicum. 

18. eisdem verbis q//irias ,,mit 
denselbenPrUdicalen(niinilicli(^//(7M/ 
suave esl ! etc.) beehrst". — Nach 
Epicurus haben die Ildschr. noch 
voluptatem, welches mil dem Siun 



der Stelle, wcnn man sic imZusam- 
menhang betrachtet, und mit Ci- 
ceros Spracligebrauch uiivereinbar 
erschcint, wenn man nicht ein ut, 
quasi oder dergl. hinzusetzt. Daher 
mit Tregder gestriclien. 

10. Pliiloctetam. lir besass des 
HercuIesBogenuod vergiftetePfeile. 
Da nun nach cincmOrakelohnediese 
Troja nicht einzunehmen war, so 
wurde er zum trojan. liriege mit- 
genommen , wegen einer unertrag- 
lich iibelrifclieudcii Fusswunde aber 
auf Lemnos ausgesctzt, und ersl 
nacli zehn qual\'<illen .lahren, nach 
Achillcs Tode, durch Llysses von 
dort abgebolt. 

('(//■, sc. ut liomini, im Gegensatz 
zu ipsum Ihrvulem, sc. deum. 

gementi fiir fiemere oder nt gc- 
mat, ein nicht hiiufigvorkommender 
Gracisnius: vgl. de nH". I. 21, 71 : 
iis forsitan conccdendum sit rcm- 
publ. non capessentibus , qui — 
doctrinae sese dediderunf. 

viderat. Diod.^ S. IV. p. 213: 
'O fih' 'Ilnr<x).7js KTToyrovg r« xad^ 
fctvTov xcti nctQtXi^cji' ig ttjp ttv- 



LIBER H. 8, 20. 



85 



Nihi! igitiir hunc virum sagittae, quas ab Hercule acceperat, 

lum consolanlur, quum 

E viperino morsu venae visceruiu 
Veneno imbutne taetros cruciatus cient. 

Itaque exclamal auxilium expetens, mori cupiens : . 
Heu! quis salsis fluctibus mandet 
Me ex sublimi vertice saxi ? 
larn iarn dbsumor, C07ificit a?iimam 
Vis volneris, vlceris aestus. 

Difficile dictu videtur, eum non iu malo esse et ma^^no quidem, 
qui ita clamare cogatur. 

Sed videamus Herculem ipsum , qui tum dolore fran- 8 
gebatur, quum immortalitatem ipsa morte quaerebat. Quas 20 
hic voces apud Soplioclem inTracliiniis edit! cui quum Deianira 
sanguine Cenlauri tinctam tunicam induisset, inhaesissetque 
ea visceribus , ait ille : 

miilta dictu grilvia, perpessu dspera, 
Quae corpore exancldta atque animo pertulil 
Nec mihi lunonis terror implacdbilis, 
Nec tdntum invexit tristis Eurystheus mali, 
Quantum una vecors Oenei pnrtu edita. 
Haec me irretivit veste fuinnli inscium. 



Qctv naqty.dXfL rhv «ft nQoGiovra 
vifti\pKi TTjV nvQccr. ov^(vos Jf 
rokfj.fi5vTog vnay.ovaui, jj,6vog 4>i- 
loxTi]Trjg fnfia{hr]. ?M,S(J!)V <^£ TTJg 
vnovQyiag x^Q^^ "^h^' '^'■'^^ to^mv 
dcjQSav ri^ps nvQav. Ebeoso Ovid. 
Met. IX. 231. Sonst wird dies von 
Philoctets Vater, Piias, erzahlt. 

E viperino etc. (mit dea Folg. 
Versen Heu etc), aus dein Phiioctet 
des Accius, auch de iin. II. 29, 94 
angefdhrt. Alliteration: viperino 
— venae visceriim ve?ieno. 

8. 20. m Trachiniis,v. ]046sqq. 
Dind. Die Uebersetzung ist von Ci- 
cero selbst. 

Deianira, Tochter des Oeneus, 
Konigs von Aetolien, des Hercules 
Gattin , war ohne ihren Wilien 
Schuld an seinem qualvollen Tode; 
s. Ovid. Met. IX. 101—272. 



visceribus ,,am Fleische" (denn 
viscera bedeutet nicht bioss die 
Eingeweide, i?itestina , sondern 
Alles , was nieht Haut, Knochen 
oderBIut isl). So 14,34: utmultus 
e visceribus sanguis exeat. 

lunonis terror = I. ira te7')'ibi- 
lis ; inrplacabitis wird poetischer 
als Nom. gefasst; vgl. nachher bi- 
forniato i?njjetu C'entaurusu.9, 21 
viin coruscam fulminis. 

tristis ,,finster", wie III. 9, 18 : 
tristibusiris. Soph. 1049: OTvyvog. 

vecors, nach ¥es\.ns= turbati et 
mali cordis (vgl. I. 9, 18), also 
,,tiickisch". (Soph. SoXconig.^ So 
musste sie in Hercules Augen er- 
scheinen. 

Oenei partu edita. Partus, in 
Bezug auf den Vater, ist hier viel- 
leicht einzig ; vgl. de off. 1.32, 118 : 
Herculi lovis satu edito. 



86 LII5ER II. 9, 21. 

(luae Idtcre hihaerens morsu lacerat mscera 

iJrguensquc grariter puhnonutn hauril sjnrilus; 

lani decalorem sdnguineni omnem exsorhuit. 

Sic corpus clacle horribili absumptum extdbuit, 

Ipse iliigatus peste inlerimor textili. 

Hos non hostilis dextra^ non Terra edita 

Moles Gigantum., non biformato impetu 

Centaurus ictus corpori injlixit meo, 

Non Grdia vis, non bdrbara ulla immdnitas, 

Non saeva terris gcns relegata ultimis. 

Quas pcragrans undique omnem ejferitatem expulii 

Sed Jcminea rir, Jeminea inlerimor tnanu. 
9 ndte, rere hoc nomen usurpd patri, 

Ne me occidentem indtris supcrct cdritas! 

Huc drripe ad me mdnibus abstractdm piis ! 

lam cernam^ metie an^ilUnn potiorem putes. 
21 Perge, aude, nate ! illdcrima patris pestibus ! 

Miserere ! Gentes nostras Jlebunt miserias. 

Heu ! rirginalem me ore ploratum edere, 

Quem vidit 7iemo ulli ingemiscentem malo ! 

Effeminata rirtus afflicla occidit. 

Accede, nate, assistc, miserandum ddspice 

Evisceratum corpus laceratum patris ! 

lalei-e inhaerpns. DieEmcni\aiCu)n ffininea , nur bei Dichtern und 

lateri ist nicht niithig, da Cicero in spat. Pros. fiir mulifbris. 

Verscn unzweifelhaflbei //(AflMvre, 9. nati>. Hjilus, der Sohn des 

wie es bei liaerere vinA adliaercre Hereules uiid derDejanira. Sophocl. 

vorkoinmt, denblossen,\blativ(statt v. JU64 sq. : ^il TiaT, yavoi) /uoi naig 

in — ) selzen konnte. ^ lT>]Ti\nog y()'(6i;, Kal /Jt] t6 fxt]- 

decoloreni ,.nnFarbe enlslelll", TQog oi'ojuk Tiota^ivat]^ nliov. 

unrichtige Uebeisetzung von Soph. patri — in palii.i ullionem. 

V. lOoD : yXiooor aiuu, ,,jugeiid- 21. pesiibus. \'gl. de rep. I. 3: 

liches, friselies Blul''. Marii eludes — ecl eoriini inulto- 

peste = tiinica pestifera ; te.tr- rani pestes, quae paullo post se- 

tilis fiir fe.vtus auch V. 21, til. eutae sunt. l)ev Plural pestes auch 

biformato inipetu Centaurus, unten § 25. 

{'liv biformatus {== biforniis) Cen- vir^inalem ' — ploratum. Soph. 

tauriis impetu suo. v, 1071 : wst6 naQif^ros p^^Qvya 

ictus iiijli.vit, wic vulnus, pla- xXatiov. 

gam aliciii injligere. Doeh liisst niiserandum' etc. Die Haufung 

sich auch infixit, die Lesait der von Adject. ohne Conjunction bei 

Mehrzahl der lldsclirf(.,durch\ erg. eiiieni Substant. ist in der iiltern 

Aen. IV. OSi) (inji.vum slridit sub Poesie sehr ge«olinlich; so \orher 

pectore vulnus) alleiifalls stiilzen. ejjvniiudta virtus ajjliela, u. 10, 

terris vltiinis , an den Siiulen 25 : vetusta, glomerata, luctijica 

des Hercules. clade^. 



LIBER II. 9,22. 10, 23. " - S7 

Videte^ cunctil tuque Caelestum sator, 
lace, 6bsec?'u, in me vim coruscam falminis l 
■ Nu?ic, niinc dolorum anxijeri torquent vertices, 
Nunc serpit ardor. dnte victrices manus, 
pectora, o tcrga, 6 lacertorlim toril 22 

Vestrbne pressu qubndam Nemeacus leo - , 

Frendens ejflavit grdvitcr extremum hdtitum ? 
Haec dextra Ler?iam, taelra ??iactaia excetra, 
Pacdvit; haec bicbrporem afflixit i?ianu?n ; 
E?y?ndnthia??i haec vastijica?n abiccit beiua?n ; 
Haec e Tartarea te?ieb?Hca abstractiun plaga 
T?'icipfte?n eduxit, Hydra generatum, Ca?ie?n^ ■' 
Haec interemit tb?^tu ??iultiplicdbili 
Dracb?ie??i, autifera?n obtutu observa?ite??i drbore?n. 
Multa dlia vicirix nbstra lustravit ?na?ius, 
Nec quisqua?n e ?iostris spblia cepit laudibus. 

Possumusne nos contemnere dolorem, quum ipsum Herculem 

tam intoleranter dolere videamus? 

Veniat Aeschylus, nou poela solum, sed eliam Pythago- 10 

reus; sic enira accepimus. Quo modo fert apud eum Prome- 23 

theus dolorem, quem excipit ob furtum Lemnium? 
U?ide ig?iis cluet ??iortdlibus clum 
Divisus ; eu?n doctas Prometheus 

Caelestiim fur Caelestiitm, des spolia cejnt = detraxit aliquid 

Metrums wegen, nicht selten bei de laude nustra. 

Dichtern, z. B. Verg. Aen.VII. 432 : 10 ■ 23 . obftn^fum Lemniutn. kxxs 

Caelestum vis magna iubet. dem Berge MoavyXog auf Lemnus 

dolorum veriiees = sumtni do- entwandte Prometheus dem Vulcan 

lores. '^^^ Feuer, das er den Menschen 

oa n j. \- * \rt CA1 mittheilte. 

22. Pacamt.\ers Aen. VI. 504: ^„^^ ^j^ „_.,^,, y^^^.^ ^. L.VII. 

Erymantla Pacarit nemora. § H aus dem Philoctet des Accius 

hicorporem mamim = bi/ormes (nach Aeschylus) ; jedenfalls ziem- 

Centauros. lich im Anfange des Stiicks. Unde 

beluam , den Eber vom Berge geht danach auf den Berg von 

Erymanthus in Arcadien. Lemnus; cluet \ova griech. xXvnv 

Hydra generatnm. Sofh.v.]099: =ff"ri diiusus = dutus 

6eLV% 'ExCdvrig ^o<«.u«. Hydra „, '^7^"* ,';.''='''""'. f • ,^' 

und Ecliidna werdeV auch sonst f.^f"'" r^^"''-' '^f''* '"':''/" '"*'' 



promiseue gebraucht. 



Hdschrft. Man hat es vielfach in 

dictus (sc. est) geiindert, um die 

auriferam arborem, den Baum Infiuitive clepsisse und expetidisse 

mit den goldnen Aepfeln, im Garten ^^ erkliiren. Der Ausdruck wird aber 

der Hesperiden. dadurch viei malter,und warum soll 

lustravit,iar sustinuit,y/'\(iWer^. nicht cluel wieder supplirt werden 

Aen. IX. 9i} pericuia tustrare. kiinnen? 



88 LIBER 11. 10, 24. 25, 

Clepsisse dolo poenusque lovi 
Fatn expendisse si/premo. 

Has igitur poenas pendeus, affixus ad Caucasum dicit haec: 
Titdrmm soboles, sdcia nostri sdnguinis^ 
Generdta Caefu, adspicite religatum dsperis 
V^inctamque saais, ndrem ut horrisonb freto 
Noctein paventes tiinidi adnectunt ndvitae. 
Saturnius me sic injijoit liipiter, 
lovisque numen Mulciberi adscivit manus. 
Hos ille cuneos fdbrica crudeli inserens 
^er rupit artus: qud miser sollertia 
Transverberatus cdstrum hoc furiarum incolo. 

24 laut terlio me qudque funeslii die 
Tristi ddvolatu adiincis lacerans iinguibus 
lovis satelles pdslu dilanidt fero. 

Tum, iecore opimo fdrta et satiata djfatim, 
Clangbrem fundit vdstum ct sublime dvolans 
Pinndta cauda nostrum adulat sdnguinem. 
Quum vero adesum injldtu renovatum est iecur, 
Tum rursum taetros dvida se ad pastus refert. 
Sic hunc custodcjn maesti c.Tuciatiis alo, 
Qui me perenni vivum foedat ?niseria. 
Namque, ut videtis, vinclis constrictus lovis 
Arcere nequeo diram volucrem a pectore. 

25 Sic me ipse viduus pestes ecccipio dnxias, 
Ambre mortis terminum anquirens jnali; 
Sed Ibnge a leto numine aspellbr lovis. 
Atque haec vetusta, saeclis glomerata hbrridis, 
Luctijica clades nbstro infra esi cbrpori, 

E qub liquatae sblis ardore e.vcidunt 
Guttae, quae sa.ra assidue instillant Caucasi. 

suprcmo gehort nicht zu fato, hier auch steigernd = atque adeo. 

sondern zn lovi, das ebenFalls am lovis satclles , also ein Adler ; 

Schlusse des Verses steht. sonst nennl die Sage einen Geier. 

dicit tiaec , aus Aeschylus uns aditlal, hier ,,\\ischt ab". Non. 

verlornem nnofxr^&tvi Xvoufrog 11, i: .fdii/afio esf bfandimenfiim 

vonCic. selbst (s. 11, 2G) iiberselzt. proprie caniiin, qiiod et ad tiomi- 

Titaniim sobotes etc. Die Tita- lies tractnm consiietiidine est. 

nen, Siihne des Coetiis uiid der injlafu — qinim injlatur {infii- 

Terra : Ciius, Crius, Hy|ierion und mescif'). 

lapetus, bildelen den Clior im ,.be- 2h. me vidinis, fur me (d. h. vi- 

IVeiten Prometheus''. Prometheus r/6(/* 7«e/s)/^;/crt///5. Hor. Carm. I. 

uar des lapetus Sohn. 10, 11: vidiiiis pfinrefra ;\er^.Cu\. 

24. lam, eigentl. bloss anreihend, 371 : lacus viduos a lumine Phoebi. 



LIBER 11. 11, 26. 27. 



89 



Vix igitur posse videmur ita afFectum non miserum dicere, el, 11 
si hunc miserum , certe dolorem malum. 

A. Tu quidem adhuc meam caussam agis. Sed hoc mox 26 
videro. .Interea, unde isti versus? non enira agnosco. M. Di- 
cam hercle ; etenim recte requirls. Videsne abundare me otio? 
A. Quid tura ? M. Fuisti saepe, credo, quum Athenis esses, 
ia scholis philosophorum. A. Vero ac libenter quidem. M. 
Animadvertebas igitur, etsi tum nemo erat admodura copiosus, 
veruntamen versus ab iis admisceri orationi. A. Ac multos 
quidem a Dionysio Stoico. M. Probe dicis. Sed is quasi dictata, 
nullo delectu, nulla elegantia ; Philo et proprium numerum et 
lecla poemata et loco adiungebat. Itaque postquam adamavi 
hanc quasi senileDii declaraationem , studiose equidem utor 
nostris poetis, sed, sicubi iili defecerunt, verli ipse multa de 
Graecis, ne quo ornaraento in hoc genere disputationis careret 
Latina oratio. Sed videsne, poetae quid mali afFerant? Lamen- 27 
tantes inducunt fortissimos viros, molliunt animos noslros, ita 
sunt deinde dulces, ut non legantur modo, sed eliam ediscan- 
tur. Sic ad malara doraesticani disciplinara vitamque urabra- 
tilem et delicatara quura accesserunt etiam poelae , nervos 



11. si hiinc miserum,' sc. dici- 
mus ; certe dolorem malum , sc. 
dicere cogimur. Es konnte kurz- 
weg heissen : et, si hic viiser, certe 
dolor malvm ; aber der Lateiner 
liebt den Anschluss an die vorher- 
geheude Construction. 

26. ynox videro. Ebenso V. 7, 
20 : Sed videro, quid efficiat ; tan- 
tisper etc. Zuinpt § 511. 

agnosco ; vergl. \. 8, 15: iam 
agnosco Graecnm. 

Fero ,,ja wohl , allerdings". 
Brut. 87, 300 : Sed tu orationes 
nobis veteres explicabis ? Vero, 
inquam, Brute. 

admisceri orationi. Die dama- 
ligenPhilosophen pflegten, uin ihre 
Vortrage anziehendef zu machen, 
dieselben mit Dichterstellen zu 
durchweben , ja oft zu iiberladen. 
Auch Cicero ist von diesem Vor- 
wurfe nicht ganz freizusprechen. 

Dionysius Stoicus ist niebt naher 



bekannt. Der 25, 60 erwahnte Dio- 
nysius ist ein anderer, alterer. , 

dictata ,, Lectionen , die den 
Schiilern zum Auswendiglernen 
dictirt sind " ; so de fin. IV. 4, 10 : 
quasi dictata decantare. Die drei 
Begriffe quasi dicfata , nul/o de- 
lectu , nulla elegantia werden 
durch die folgenden drei Gegen- 
siitze naher bestimmt. 

Philo, s. oben 3, 9. 

loco = siio (apto) loco ; auch in 
loco kommt so vor. 

hanc — declamationem , philo- 
soph. Vortrage und Disputiriibun- 
gen; vgl. I. 4, 7. 

27. vitam umbratilem : ,, ein 
zuriickgezogenes, gemachliches Le- 
ben", Gegensatz zu der lux Joren- 
sis (Brut. 8, 32). Vgl. 15, 36 : quae 
(hc.feminae) mollissimo cultu pa- 
rietum iimbris occulunfur ; Brut. 
9, 37 : Phalereus proresserat in 
solem et pulverem e Theophrasti 
umbraculis. 



90 



LIBER FI. 12, 28. 29. 



omnes virlutis elidunt. Recte igilur a Platone eiiciuntur ex ea 
civitate, quam finxit ilie, quum optimos mores et oplimum rei 
publicae statum exquireret. At vero nos, docli scilicet a Grae- 
cia , haec et a pueritia legimus et discimus : hanc eruilitionem 
liberalem et doctrinam pulamus. 
12 Sed quid poelis irascimur? Virtutis magistri, philosophi, 

28 invenli sunt, qui sumnium malum dolorem dicerent. At tu, 
adolescens, quum id lihi jtaullo anle dixisses videri, rogalus a 
me, etiamne maius quam dedecus, vorbo de senlenlia destitisti. 
Rogo hoc idem Epicurum : maius dicet esse malum mediocrem 
dolorem, quam maximum dedecus; iii ipso enim dedecore mali 
nihil esse, nisi sequantur dolores. Quis igiturEpicurum sequi- 
tur dolor, quum hoc ipsum dicil, summum malum esse doiorem? 
quo dedecus maius a philosopho nullum exspeclo. Quare satis 
mihi dedisli , quum respondisti, maius tibi videri malum dede- 
cus, quam dolorera. Hoc ipsum enim si tenebis, intelliges, 
quam sit obsistendum dolori; nec lam quaerendum est, dolor 
malumne sit, quam firmandus animus ad doiorem ferendum. 

29 Concludunt ratiunculas Stoici , cur non sit malum ; quasi 
de verbo, non de re laborelur. — Quid medecipis, Zeno? 



elidimt — fraiigiint, Vpl. III. 
34, 83 : stirpes aegritudinis, ipso 
trtinco everso, oinnes elidendac 
sunt. 

a Platone, de republ. III. p. 398 
St. 

scilicet ,, freilich ", riiumt die 
Richtigkeit der Sacbe (doeti a 
Graecia) cin , aber niil eiiicm ge- 
wissen Spott iiber ihren \^ ertli. 

haec ist durcb das ^oruurjjegan- 
gene poelae leicht verstandlich. 

12. 28. tu, adolescens, s. I. 5, 
9 zu ^. 

paullo ante : oben 5, 14. 

verbo ,,anf ein Wort von mir" 
fiir ,,auf ein Wort". Vgl. Cat. M. 
15, 54 : de qua ne verbum quidem 
fecit ; in Verr. II. 4, 65, 147 : unte, 
quain verbum facerciii, abiit. So 
braucht der Lateiner oft einfach 
den Singular, wo wir noch nin/s 
dabei erwarlen, namentlich bei an- 
nusi, 7nensis, dies, — modius, libra 
u. dgl. Dagegeu 13, 30 uno verbo 



wegcn des Gegensatzes zu tot mo- 
dis dicerc. 

Rogo, fiir Si — rogo , wie 24, 
58: ira exardescit , libido conci- 
tatur: in eandem arcein confu- 
xgiendum est; so besonders haufig 
]der Iniperativ_fjjr-Ji.jnit dem Fut. 
cSact., und naicu&er dasPut. 1. (bei 
iCic. stetsttffivJ^rwi-), z. B. 16,37: 
Adduc pari dnimo ine.rercitatum 
militem : mu/ier videbitur; 1 7, 40: 
Siibduc — itnplorabit. 

Quis igitur etc. Sinn : (Physi- 
scher) Schmerz trilft nun den Epi- 
cur freilicb nicht, wenn er sagt: 
das hiichste Uebel sei der (physi- 
sche) Schmerz ; aber desto mehr 
Schande (die dem Ilohergebildeten 
ein grijsserer Schnierz ist als der 
physische). 

29. Concludunt ratiunculas = 
concludendo ejfficiunt — , wie de 
divin. I. 32, 71 : rationem conclu- 
dere; Acad. 11. 14, 44: argumen- 
tum concludere. 



LIBERII. 13, 30. 



91 



Nam quum id, quod mihi horribile videtur, lu omnino nialum 
negas esse, capior et scire cupio, quo modo id, quod ego mi- 
serrimum existiniem, ne malum quidem sit. — Nihilest, in- 
quit, malum, nisi quod turpe atque viliosum est. — Ad ineptias 
redis. Illud enim, quod me augebat, noneximis. Scio dolorem 
non esse nequitiam. Desine id me docere; hoc doce, doleam 
necne doleam, nihil interesse. — Numquam quicquam, inquit, 
ad beate quidem vivendum, quod est in una virtute positum, 
sed est tamen reiiciendum. Cur? Asperum est, contra nalu- 
ram, difficile perpessu, triste, durum. Haec est copia verbo- 13 
rum , quod omnes uno verbo malum appellamus , id tot modis 30 
posse dicere ! Definis tu mihi, non tollis doloreni, quum dicis 
asperum, contra naluram, vix quod ferri tolerarique possit; 
uec mentiris ; sed re succumbere non oportebat verbis glorian- 
tem. Nihil bonum, nisi quod honestum; nihil malum, nisi quod 
turpe. Optare hoc quidem est, non docere. Illud et melius et 4^ 
verius: omnja, quae naUira asperuetur, in malis esse ; quae 
adsciscat, iu bonis. Hoc posito et verborum concertatione 
sublata, tantum tamen excellet illud, quod recle amplexantur 
isti, quod honestum, quod rectum, quod decorum appellamus, 
quod idem interdum virtutis nomine amplectimur, ut omnia 



eapior ,,so lasse ich mich an- 
locken , d. b. gehe darauf ein". 
Aeholich V. 10, 2S : his capiuntur 
imperiti. 

inquit , wie I. 39, 93. 

necne mit wiederholtem Verbura 
auch sonst bisweilen. 

est tamen reiicienditm , sc. rb 
dolere. Alles ausser der Tugend 
und dem Laster nannten die Sloi- 
]s.eT itdiiiqona (jnedia), unterschie- 
den dieseDinjje aber in TTQoriy/Atva 
(jjroducfa , praeposita , praeci- 
pua) , wUnschenswertbe, z. B. Ge- 
sundheit, Reichthum , und ano- 
TTQoriyfiiva {remota, reiectd), nicht 
wiinschenswerthe , wie Krankheit, 
Schmerz, Armuth. Ausfuhriich : de 
fin. IV. 15 sqq. 

13. 30. iViT steht desNacbdrucks 
wegen vor quod. So hiiufig bei Ci- 
cero vix ut fiir ut vix. 

Nitiil bonum ^— tiirpe. Dies sind 



natiirlich dieWorte, quibus {Zeno) 
gloriatur. Davor steht in denMscr. 
noch die Conjunction dum, so dass 
die Herausg. den Satz dann mit dem 
Vorhergehenden enger verbanden 
und dicis (aus quum dicis asperum) 
hinzugedacht wissen woliten. Da 
aber letzteres nicht zulassig er- 
scheint, auch die Darstellung durch 
unser Verfabren an Lebhaftigkeit 
gewinnt, so haben wir dies dum 
aus dem Texte enlfernt. 

Optare — docere, ,,frommeWiin- 
sche hegen — Beweise fiihren". So 
de fato 20,47 : Optare hoc quidem 
est, non disputare; Acad. II. 38, 
121 : Somnia haec esse Democriti 
7jon docentis, sed optantis. 

Hoc posito etc. Sinn: Auch Ge- 
snndheit , Reichlhum etc. sind Gii- 
ter, aber unbedeutend gegen das 
sittlich Gute ; aueh Schmerz , Ar- 
muth etc. sind Uebel, aber unbedeu- 
tend gegen das sitllich Scbleehte. 



92 



LIBER II. 13,31.32. 14. 



praeterea, quae bona corporis et forlunae pulanlur, pcrexigua 
et rainula vldeanlur; ne malum quidem ullum, nec, si in unum 
locuni collata omnia sint, cum lurpiludinis malo con)|iaranda. 

31 Quare si, ut inilio concessisti, lurpiludo pciiis csl quani dolor, 
nihil est plane dolor. Nam dum tibi turpe nec dignuni viro 
videbilur gemere, eiulare, lamentari, frangi, debililari dolore, 
dum honeslas, dum dignilas, dum decus aderit, tuque in ea 
inluens le continebis: cedet profecto virtuli dolor ct animi in- 
ductionc languescet. Aut cnim nulla virlus est, aut conte- 
mnendus omnis doior. Prudenliamne vis esse, sine qua ne in- 
telligi quidem ulla virlus polest? Quid crgo? ea palielurne le 
quicquam lacere nihil prolicientem et laborantem? An lempe- 
ranlia sinet te immoderate facere quicquam? An coli iuslitia 
poteril ab homine propter vim doloris enuntianle commissa, 

32 prodenle conscios, mulla oHicia rclinqucnte? Quid? forliludini 
comilibusque eius, magnitudini animi, gravilali, patientiaej re- 
rum humanarum despicienliac, quo modo respondcbis? Af- 
flictusne et iacens et lamentabili voce dcplorans audies , , viruvi 
Jortcm !^^1 Te vero ita affectum ne virum quidem quisqiiam dixe- 
ril. Amittenda igitur fortitudo est aut sepeliendus dolor. 

14 Ecquid scis igitur, si quid de Corinthiis luis amiseris, 

posse habere le reliquani supcllectilem salvam ; virlulem autcm 
si unam amiscris (etsi amitli non potest virtus) , sed si unani 
coufessus fueris te non habere, nullam esse le habilurum? 



31. animi inducfione ,,an dei- 
nem (festen) Vorsatze", wie ad 
fam. I. 8, 2: tantiim enim animi 
indttctio apiid me valet , tit — . 
Ygl. V. 10, 30: indttcerc animtim 
mit dem Inriii. 

Pri/dentiamne etc. Priidentia, 
temperantia , iiis/ifia , Jvrtifiido 
sind die vier sogenannten Cardinal- 
tagenden. Vgl. de off. I. 5. 

nitiil projicientem et laboran- 
tem .,\vobci du keinen Erfolg hast 
und dicii docli abqualst". 

32. respondebis : ,,ibren Forde- 
rungen entspredien". 

iacens, \\\v IV. 16, 35 : aegrifii- 
dine qitis ajflietus , debilifdtus, 
iacens. 

Amittenda ,,isf aufzugeben, zu 
opfern*'. So bisweileu praedam, 



occasionem amittvre. Vgl. ad Her. 
IV. 44, 57 : (Decius) amisit vitam, 
at non /lerdidit. 

sepclicndus ,,zu unterdriicken". 
Vgl. p. I. Man. J i , 30: bellum Pom- 
peiiadventu sublafinii acsepultum. 

14- Kcqiiid scis etc. , weitere 
Ausftibrung des Gedankens Amit- 
tcnda — dolor. 

deCorinthiis tuis, sc. vasis oder 
operibus. Die corinlhischen Ge- 
fasse, aus deni sogen. corinthischen 
Erz, einer Mischung edler Metalie, 
gegossen , warcn iii Roni sehr be- 
liebt und oft theurer als goldene. 

sed nimmt dcn unlcrbrochenen 
Gedankeii , uie oben 1, 3, wieder 
auf und reclilicirf ihn zugleich. 

nullam esse te hab. . Lehre der 
Stoiker. 



LIBER II. 14, 33. 34. 



93 



Num igitur fortem virum , uum magno animo, num patientem, 33 
num gravem, num humana contemneulem potes dicere aut 
Philoctelaiu iilum? — a ie enim malo discedere; — sed ille 
certe non fortis, qui iacet 

in iecto hiimido, 
Qtiod eiulatu, questu, gemitu, fremitibus 
Resondndo mutum jlehilcs voces refert. 
Non ego dolorem dolorem esse nego; cur enim fortitudo desi- 
deraretur? sed eura opprimi dico patientia, si modo est aliqua 
patientia ; si nulla est, quid exornamus philosophiam , aut quid 
eius nomiue gloriosi sumus? Pungit dolor — vel fodiat sane; 
si nudus os , da iugulum ; sin tectus Vulcaniis armis , id est 
fortitudine, resiste. Haec enim te, nisi ita facies, custos digni- 
tatis relinquet et deseret. Crelum quidem leges, quas sive 34 
lupiter sive Minos sanxit de lovis quidem sententia, ut poetae 
ferunt, itemque Lycurgi laboribus erudiunt iuventutem , ve- 
nando , currendo , esuriendo , sitiendo , algendo , aestuando. 
Spartae vero pueri ad aram sic verberibus accipiuntur, 

33. aut Philoctetam illum. Es 
sollte wohl aut Prometheum fol- 
gen, aber es unterblieb, weil Cic. 
zu lange bei Philoctet verweilt. 

tecto. AUe Hdschr. haben hier, 
alsBezeichnung der Hohle des Ph., 
lecto. Da aber einerseits das Neu- 
trum lectum nur bei Ulpian vor- 
kommt, andrerseits statt qaod sich 
nur in geringeren Hdschr, qui fin- 
det und dies daher als eine Cor- 
rectur anzusehen ist , so ist, nach 
Tregders \ organge, Bouhiers Emen- 
dation tecto aufgenommen. Fiir 
diese spricht auch das folgende 
resonando und die Ausdriicke in 
Soph. Philoct. (z.B. V.31 ol'xT]Gig). 
Uebrigens vergl. de fin. II. 29, 94: 
Turpe putandum est , non dico 
dolere , sed saxvm illud Le- 
mnium clamore Philocteteo fune- 
stare , Quod eiulatu — re- 
fert. Die Verse sind aus dem Phi- 
loctet des Accius, wo sie natiirlich 
vo r den oben 7, 19 citirten gestan- 
den haben werden. 

mutum ,,selbst stumm" giebt 
neben resonando voces referl ein 
schijnes h^vfxMQOv , wogegen die 



andre Lesart multum sehr matt ist. 

quid exornamus philosophiam ? 
So oben 5, 12 : ne philosophiam 
falsa gloria exornes. 

eius nomine gloriosi sumus = 
ea gloriamur. Vgl. de fin. \. 15, 
49: nec patientiam laudari suo 
nomine; II. 1, 21 : qui , qiium 
luxuriose vivcrent, non reprehen- 
derentur eo nomine; ad fam. II. 
1: noniine negligentiae alicui esse 
suspectum u. dgl. 

fodiat ,,wuhlen". Vgl. Phil. 11. 
34, 86 : Num exspectas , dum te 
stimulis fodiam'^ haec te — lace- 
rat, haec cruentdt oratio. 

da iugulum, wie ein besiegter 
Gladiator seinem Gegner. 

Vulcaniis armis., wie Achill bei 
Homer (und Aeneas bei Vergil). 

34. ut poHtae ferunt. Hom. Od. 
XIX. 179 heisst Minos Jiog /Lieyd- 
Xov oaQtGTtig. 

ad aram , sc. Dianae Orthiae. 
Vgl. V. 27, 77. 

verberibus accipiuntur. Aebn- 
lich IV. 36, 78 : Quo te modo ac- 
cepissem, inquit, nisiiratus essem! 



94 



LIBER II. 15,35. 36. 



nt multus e visceribi/s sanguis ej:eat; 
nonnumquam eliam, ut, quum ibi essem, audiebam, ad necem ; 
quorum noti modo nemo cxclamavit umquam , sed ne inge- 
muit quidem. Quid ergo? hoc pueri possunt, viri non poterunt? 
et mos valet, ratio noa valebit? 
15 Interest aliquid inler laborem ct doloreni ; sunt finilima 

35 omnino , sed tamen differt aliquid. Labor esl lunctio quaedam 
vel animi vel corporis gravioris operis ct muneris; dolor aulem 
motus asper in corpore , alienus a sensibus. Haec duo Graeci 
iili, quorum copiosior est lingua quam nostra, unonomine appel- 
lant. Ilaque industrios homines illi sludiosos vei polius amaiiles 
doloris appellant , nos comiuodius laboriosos. Aliud est enim 
laborare, aliud dolerc. vcrborum inops interdum, quibus abun- 
dare le sempcr putas, Graecia ! Aliud, inquam, est dolerc, aliud 
laborare. Quum v^rices secabanlur C. Mario , dolebat; quum 
aestu magno duccbat agmen, laborabat. Est inler haec quaedani 
tamen similitudo. Consuetudo eiiim laborum pcrpessionem do- 

36 lorum efficiet faciliorem. Itaque ilii , qui Graeciae formam re- 
rum pubiicarum dcdcrunt, corpora iuvenum firmari labore vo- 
luerunt. Quod Spartialae etiam in feminas Iransluicrunt, quae 
ceteris in urbibus moliissimo cullu porielurn umbris occulun- 
tur. liii autem volueruut nihil horum simile esse 



in Verr. act. I. 54, 140: male ac- 
cipit verbis Itabotiium. 

ut — exeat , als Vers (eines un- 
bekanntcn Tragikers) zuerst von 
Lachmanu erkanut. \Veg;eu viscera 
vgl. 8, 20. 

piierijjossunt, viri non poterunti' 
etc., s. I. 48, 1 16 zu non defuit. 

15- 35. omnino mit folg. sed 
tamen: ,,allerdings". So ad Alt. 
XIII. 48 , 1 : veretur — il^oywg 
omnino , sed veretur tamen , uud 
iifter. 

dijfert = interest, wie de otf. 
II. 8, 30 : ut non multum diffvrat 
inter sumntos et mediocres viros. 

funcfio — animi — operis. Vgl. 
I. 12, 28: adjutores victoriac po- 
puli Rom. ; 1\'. G, 14: praesentis 
mali sapienlis ajfectio; 13,31: 
animi muUarum rcrum percur- 
sionem. 

alienus a scnsibus = sensibus 
repvgnans . 



uno nomine appellant etc. Cice- 
ros jNationaleitelkeit ist im Unrecht. 
Auch derGrieche hat zwei Wbrter : 
novog — labor , (<).yog = dotor; 
uud wie er Tioiog auch im Sinne 
von likyog gebraucht, so der Latei- 
ner auch his« cilen labor, besonders 
aber laborare == dolere. 

studiosos — doloris : (fiXono- 
vovg. Der Tadel ist , wie gesagt, 
uiibegriindet. 

C. Mario. \^\. 22, 53. 

36. ////, qui — , \orzuglich Minos 
und Lycurg. 

paricfum umbris occu/untur, 
Reininiscenz aus einem unbekann- 
len Tragiker. Hibbeck verinulhet : 
umbris occuluntur 
pdrietum, 
und nachher : 
Ni/iil hvrum simi/cst lipud Lacae- 

nas virgincs. 
Wahrscbeinlich aus demselbea 
Stiicke wie der Vers in § 34. 



LIBER II. 16, 37. 



95 



apud hacaenas virgines, 
Quibus mdgis palaestra, Eurbta, sol, pulvis, labor, 
Militia in studio est, qudm fertilitas bdrbara. 
Ergo his laboriosis exercilationibus et dolor intercurrit non- 
numquani: inipellunlur, feriuntur, abiiciuntur, cadunt; et ipse 
labor quasi callura quoddam obducit dolori. 

Militiam vero (nostram dico , non Spartiatarum , quorum 16 
procedit acies ad tibiam , nec adhibetur uUa sine anapaestis 37 
pedibus hortatio) — nostri exercitus primum unde noraen ha- 
beant, vides; deinde, qui labor, quantus agminis : ferre plus 
dimidiati mensis cibaria ; ferre , si quid ad usum velint ; ferre 
vallum. Nam scutura, gladium, galeam in onere nostri miiites 



virgines, in der Poesie ofter von 
jungen Frauen. 

militia = miliiares exercita- 
tiones. 

in studio est, txn. Xsy., doch nach 
Analogie von in de/iciis, in honore 
esse u. dgl. (Lachmann, zu Lucret. 
II. p.231, u. Ribbeck halten in fiir 
unecht uad studio dann natiirlich 
fiir den Dativ.) 

fertilitas barbara. Der Kinder- 
reichthum rausste durch das trage 
wolliistige Leben der Orientalen 
mehr befordert werden , als durch 
die gymnastischen Uebungen der 
Spartaner und ihrer Frauen. (He- 
cuba hatte 17, Priamus, Danaus u. 
Aegyptus 50 Kinder.) 

impelluntur in der urspriingli- 
chen Bedeutung : ,,sie werden ge- 
stossen". 

callum — obducit dolori: ,,hiir- 
tet ab gegen den Schmerz". Vgl. 
ad fam. IX. 2, 3: consuetudo cal- 
lum obduxit stomacfio meo ; auch 
unten III. 22, 53. 

16- 37. Militiam vero, imSinne 
voaJdmit. vero qvod attinet, ein 
sehr auffalliges Anakoluth (da nach- 
her mit nostri exercitns die Con- 
struction ganz neu anhebt), ist da- 
durch zu erklaren, dass milifia voa 
nostram attrahirt ist. Aehnlich 
oben I. 24 , 56 : animum ipsum. 



Vgl. Verg. Aen. I. 573: Urbem 
quam statuo, vestra est. 

acies, Wesenbergs Verbesserung 
des sinnlosen admodum dertldschr., 
ist der bisher aufgenomnienen von 
Lambinus, agmen, vorzuziehen, da 
die Laced. nicht auf dem Marsche, 
sondern beim Beginn der Schlacht 
sich der Flciten bedienten (s. die 
folg. Stellen aus Thuc. u. Val. Max.). 

ad tibiam, nicht ad tubam , wie 
bei den andern Volkern. Thuc. V. 
70 : ytaxESaifxoviOi ^QK^itog xal 
vno avXrirdiv noXXwv v6fA(o iyxa- 
xhtOTCOKav — 'iva o^uaXwg /uiTa 
QVx^/uov ^atvovTsg nQoildouv, 
xal fj.i] Siaanaa&eir] avTolg rj 
Ta^ig. 

anapaestis pedibus. Vgl. Val. 
Max. II. 6, 2: Lacedaemoniorum 
exercitus non ante ad dimicandum 
descendere solebant, quam tibiae 
eoncentu et anapaesti pedis mo- 
dulo cohortationis calorem animo 
traxissent, vegeto et crebro ictus 
sono strenue hostem invadere 
admonili. Solche anapastische 
xeXtvaj.iaTa sind uns noch erhalten, 
z. B. Ayi.T , (o 2!ndQTag 'ivonXoi 
xovQot, TTOTt Tav"4Qtcog xivaaiv. 

qui labor, quantus agminis = 
qui, qiiantus tabor agminis ! 

cibaria, nach Casar b. civ. l. 78 
fur 22 Tage, Liv. XLIV. 2 fiir 
einen Munat. 



96 



LIBERII. IG, 3S. 



non plus miinerant , quani hunieros, lacerlos , manus. Arma 
enim menibra niililis esse dicunl Quae quidera ila gerunlur 
aple, ut, si usus ferat, abiectis oneribus, expedilis armis , ut 
membris, pugnare possinl. Quid? exercilatio lej^ionum — quid? 
ille cursus, concursus, clamor, quanli laboris esl! Ex hoc ille 
animus in proeliis paralus ad vulnera. Adduc pari animo in- 
38 exercitatum militem : mulier videbilur. Cur tanlura interest 
inter novura et veterem exercitum , quanlum experti sumus? 
Aetas tironum plerumque melior; sed ferre laborera , con- 
temnere vulnus consuetudo docel. Quin etiara videmus ex acie 
elferri saepe saucios , et quidem rudeni illum cl inexercitalura 
quaravis levi ictu ploratus turpissiraos edere. At vero ille exer- 
cilatus et vetiis ob eanique reiu fortior, raedicum modo requi- 
rens, a quo obligetur : 

E. Pdtricoles, inquit, ad vus advefiiens aiixilinin et vestrds 

iDttnus 

Peto , priusquam oppeto malam pestem , m dnda tam ho- 

sti/imanu, 

(Neque sdnguis ullo pbtis est pacto profluens consistere), 

Si qui sapienlid magis vestra mbrs devitari potest. 

Namque Aesculapi tiberorum snucii opplent pbrticus ; 

No7i pbtest accedi. P. CerteEurypylus liic quidem. Ho- 

mineii{ exercitum I 



non pliis mi7nerant— tion maius 
(g7'avius) iudicant. 

expediHs arrnis ,,mit schlagfer- 
tigen WaHen". 

3S. experti su7nus , im Biirger- 
kriege, wo des Ponipejus neu aus- 
getiobene Truppen von Ciisars Ve- 
teranen leicht geschlagen ^\ur(Ien. 

Pafrieoles etc. Dies Gesjjriich 
des Eurypj lus uiid Patroclus, wozu 
Hom. II. Xl.SOOfgg. dieGrundlage 
gab, gehiirte nach Ilibbeck dem 
,,Achilies" des Ennius an. (l)ie 
Fonn Patrico/es , nicht die Vulg. 
Patrocles, findet sich in allen gutcn 
Hdschr., wird auch durch das Me- 
truni gefordert.) 

auxiliuni et vestras manus = 
ve.ifraruui 7nanuum auxiliuin. 

oppefo malain pesfein = oppeto 
(subeo) 7norfem , wie Plaut. Capl. 
III. 3, 11: Occida7n oppefamquc 
pestem. 



7nandata7n = i^nmissani , wie 
luven. 10, 52 : quum Forfunac ipse 
minaci Mandaret laqueitm. 

NequeTtc. \^r dieseni Verse ist 
vielleicht ein andrer iihnlichen Sin- 
nes, auch niit Xeque beginnend, 
und niit zur Parenthese gehiirend, 
ausgefallen. 

si qiii = si qua ratione, scbliesst 
sich an peto an ; ?nagis (lies magi'), 
sc. quam si non advenia^n. 

Aesciil. /iberorum — portirus, 
dieVni'h!ife dei'Zelte desPodalirius 
und Machaon ; s. Ilias II. 731 sq. 

potesf im \orletzleii \'erse mit 
verkiirztem est (wie hiiufig). So 
auch 17, 39: non potcsf ecfari. 

Non — exercitum. Der Heraus- 
geber hat, zurHerslellung desVers- 
maasses , esf , welches hinter qui- 
dem in allen Hdschr. steht, getilgt. 
Exercitus ..geplagt, gequjill" ; vgl. 
excrcuif V. 1, 3. 



LIBER II. 17, 39. 



97 



Ubi tantum luctus continuatur, vide, quam non flebiliter respon- 17 
deat, rationem eliam afferat, cur aequo animo sibi ferendum sit: 39 

E . Qui (dteri exitiiim farat, 
Eum scz?'e oportet sibi paratam pestejn , ut participet, 

parem. 
AbducetPatrocles, credo, ut collocet in cubili, ul vulnus obliget. 
Si quidem bomo esset. Sed nihil minus. Quaerit enim , quid 
actum sil : 

P. Eloquere .... res Argivum proelio ut se sustinet? 
E. Non potest ecfari tdntum dictis , qumitum factis 

suppetit. 
Laberis ! Quiesce igitur et vulnus alliga ! Etiam si Eurypylus 
posset, non posset Aesopus. 



17. 39. Ubi — continuatnr ha- 
ben wir, nachKiihner, luit demFol- 
genden zu einem Satze verbunden. 
Sinn : Trotz der Hiiufung seines Un- 
gliicks wird Eur. nicht weiueriich. 
(Wolf undTregder kniipfen dagegen 
die bezeichneten Worte als Ciceros 
Bemerkung an dieVersean: ,,wo 
danu P. so sehr iiber seinen E. jam- 
roerl", was aber dem folgenden .ti 
qiiidem etc. widersprieht. — Klotz 
hiilt sie, als die erste Hiilfte des mit 
Qiii — parat sich schliessenden 
Verses , fiir ForlsCtzung der Rede 
des Patroclus. — Sehr frei endlich 
ist Ribbeck p. 50 sq. mit dem ganzen 
Dialoge umgegangen.) 

qnam non ,,wie wenig", wie 
1, 17. 

Eum., einsylbig. Man beachte 
die Allitteration in den folgenden 
Worten. 

credo ,,wohl, wahrscheinlich", 
mit leiser Ironie , von der axich das 
Folgende gefarbt ist. 

Si quidem fiomo esset. So p. 
Flacc. 7,15: morem praeclarum 
disciplinamque, quam a maioribus 
accepimus ! Si quidem teneremus ; 
sed nesrio quo pacto iam de mani- 
bus elabitur. 

nihil mimis, nach einigen Hand- 

schrifteu. Die meisten haben frei- 

lich nihil vidimus — wahrschein- 

licb nur eine Corruption von mi- 

Cic. Tuscul. 



mis — , und daraus ist dann wieder 
?iihii vidi minus eutstanden. — Der 
Vers ist in den Hdschr. unvoUstan- 
dig; nur eine ^ieht Eloquere dop- 
pelt. Kiihner vermuthel : Eloquere, 
Eurypyle u. s. w. ; Bergk : Elo- 
quere propere. 

ecfari passiv gebraucht. Da sich 
dieser Gebrauch aber anderweitig 
nur vom Partic. eefatus {effafus^ 
nachweiseu liisst, so ist vielleicht 
mit Bentley zu schreiben : Non po- 
tis (sc. sum^ ecfari. 

Laberis inv Laboris (welches 
noch zu Eurypylus VVorten gezogen 
werden uiiisste) ist Bentleys Con- 
jectur (der jedoch Laberis — alliga 
demPatrocluszuschrieb). — Cicero 
unterbricht, gleichsam als Zu- 
schauer derHandlung, dieRede des 
E. mit dem.Zuruf: „Du fallst ! Sei 
also ruhig und besorge den Verband 
deiner Wunde!''; dann aber fiihrt 
er als Schriftsteller fort: ,,Das 
(nUml. sich ruhig verhallen) kann 
E. nicht , und wen n er se Ibst es 
kbnnte, wiirde ein Schauspieler wie 
unser Aesopus es nicht iiber sich 
bringen" (da er sich mit ganzer 
Seele in seine Heldenrollen hinein- 
zuleben pflegt). Eine Schmeichelei 
fiir A e s p u s , der Ciceros Freund 
(de divin. I. 37, 80) und Lehrer in 
der Declamation (Plut. Cic. 5) war. 
Vgl. IV. 25, 55. 

7 



9S LiBER 11. 17, 40. 11. 

E. Ubi forluna Hectons nostrajn acrem aciem inclina- 

tam [^ileilil^ — 

et cetera explicat in dolore. Sic esl eiiim interaperans niililaris 
in forti viro gloria. Ergo haec veleranus miles faccre poterit, 
doctus vir sapiensque non poterit? Ille vero melius, ac non 

40 paiiilo quidem. Sed adliuc de consuetudine excrcilalionis lo- 
quor, nondum dc ralione ct sapicnlia. Aniculae saepe inediam 
hiduum aul triduum ferunl. Suhduc cihum unum dicm afhletac: 
lovem Olympium, eum ipsum, cui se exercet, implorahit, ferre 
non posse clamahit. Consuetudinis magna vis est. Pernoctant 
venatores in nive, in montihus uri se patiuntur. Indc pugiles 

41 cestihus contusi ne ingemiscunt quidem. Sed quid hos, quihus 
Olympiorum victoria consulalus illc anfiquus vidclur? Gladia- 
tores, aut pcrditi homines aut barhari, quas plagas perferunf ! 
quo modo illi, qui hcne inslitufi sunt, accipere phigam malunt 
quam turpiter vitare ! quam saepe apparet nihil eos malle, 
quam vel domino salis facere vel populo ! Millunl etiam vul- 
nerihus confecti ad dominos, qui quaerant qiiid vdinf ; si safis 
iis factum sit, se velle dccumhere. Quis mcdiocris gladiafor 
ingemuil? quis vultum mulavit umquam? quis non modo slefiJ, 
verum etiam decubuit turpiter? quis, quum decuhuisset, fci- 



(/6/etc., bisher fiifTlieile zweier zu bestiinintfn Sfunden grcwohnt. 

iambischen Verse pehalten , hat Ihre Gefriissifrkeit \Nar spriichwort- 

Bergk als einen fcfram. frucli. er- lich. 

kannt und dnrch dvdit erjiauzt. cui se exercet ,, zu dessen 

Hecforis wie l.l4,l{>b /lectdrem. Ehre — ". In den Hdschr. steht 

Ergo —poterit — non potcriff exercebif, das aber wahrscheinlich 

In dcr r.onclusio a minorc ad ma- ""'' '•""•' *^^^ foIfc'ende imptorabit 

itis slellt Cicero in der Ucffel die entstanden ist. 
bcideu Siitze unvcrbundcn neben Inde ,,aus demselben Grunde". 

einandcr, und dcr erste bepinnt ge- 41. consulatiis ille antiquus: 

wbhnlich init crgo , wie hicr und „denen ein Siegbei den olvinpischen 

§ 41 : Ergo hoc poterit — habe- Spielcn nichls Geringeres diinkt, 

bit? vgl. 14,34; p. Arch. S, 17; j,i^ unscrn Vorfahrcn das Consu- 

odcr init an , wie V. 14, 42. lat", ,|as zu Ciccros Zeit ein leerer 

illevero — immo philosophus — . Nanie zu wcrdcn aufing. ^gl. I. Ki, 

40. Scd adhuc etc. Cicero scbicbt ^ ' ' »"'' •''"'' '''•^ '^""'- ^u non cnim. 
den Gedanken an den docfus vir domino , d. h. dcin , der sie sich 

sapiensque vorliiufig wicdcr bei gekauft odcr fiir die bestiminte \ or- 

Seite, uin die Beispiele iibcr die stellung gedungen hal. 
MacbtdcrGcwohnhcil iorlzusetzen. ^,//4. „<,„ j„odo etc , s. oben 5, 

athlffae. Die Athictcn waren an 14 zu quis ~ dolor; turpiter ge- 

einc rciililiche und kuIc Kost und horl aucb zu stctil. 



LIBER II. 18, 42. 43. ' 99 

rum recipere iussus collum contraxit? Tantum exercitalio, 
meditatio, consueludo vulet. Ergo hoc poterit 

Sornnis, spiircus homo, vita illa digmis locoque; 
vir, nalus ad gloriam, ullam partem animi tam moUem habebit, 
quam non meditalione et ralione corroboret? Crudele gladia- 
torum spectaculum et inhumanum nonnullis videri solet, et 
haud scio an ita sit, ut nunc fit. Quura vero sontes ferro de- 
pugnabant, auribus fortasse multae, oculis quidem nulla poterat 
esse forlior contra dolorem et mortem disciplina. 

De exercitatione et consuetudine et commenlalione dixi. 18 
Age sis, nunc de ratione videamus , nisi quid vis ad haec. A. 42 
Egmi£_jit te interpellem? Ne hoc quidem vellem ; ita me ad 
credendum lua ducit oratio. M. Sitne igitur malum dolere 
necne, Stoici viderint, qui conlortulis quibusdara et minutis 
conclusiunculis nec ad sensus permananlibus effici volunt, non 
esse malum dolorem. Ego illud, quicquid sit, tanlum esse, 
quantum videatur, non puto , falsaque eius visione et specie 
raoveri horaines dico veheraentius , doloremque omnem esse 
tolerabilem. Unde igitur ordiar? an eadera breviter atlingam, 
quae modo dixi, quo facilius oratio progredi possit longius? 

Inter oranes igitur hoc constat, nec doctos homines solum, 43 
sed etiam indoctos, virorum esse fortium et magnauimorum 
et patientium et humana vincentium, toleranter dolorem pati, 
nec vero quisquara fiiit , qui eum , qui ila pateretur, non lau- 
dandum pufaret. Quod ergo et postulatur a fortibus et laudatur, 
quum fit , id aut extimescere veniens aut non ferre praesens. 



ferrum recipere. VVean das Volk adhaec: ,,wenn du Nichts gegen 

einein besiegtenGladiator nicht ver- das Bisherige einzuwenden hast". 

zieh , so rief es : recipe teluinl Vgl. 1.4,7 zu ad id. 
d. h. iugulum da victori. Egone ut te inlerpellem'^ siehe 

meditalio hier und ofter prak- Zumpt Gr. § G09 extr. 
tiscbe Vorbereitung. adsensus perinanantibiis. Aehn- 

Samnis etc. , aus Lucil. Sat. 4, lich IV. 1,2: Pythagorae doctrina 

2. Die Sainoiten, die starken, aber permanavisse mihividetur in hanc 

armen Sohne des Gebirges, wurden civilatem. 

oft Gladiatoren. Vgl. IV. 21, 48 zu doloremque. Das in d. codd. hier 

Pacidianus. folgende eius haben wir, als sinn- 

auribus — multac , von den los, mit Tregder gestrichen. 
scholis pliilosophorum zu ver- 43. Quod ergo etc. Der Aus- 

stehen. druck ist ungenau; denn unler 

quidem , s. zu I. 27, 67. quod ist dolorem toleranter pati, 

18. 42. commentationc , s. zu unter id aber der dolor selbst zu 

1. 30, 74. verstehen. 

7* 



100 



LIBER 11. 19, 44. 



iionne lurpe est? Alqui vide, ne, quum onines rectae animi 
aflecliones rirtntes appellentur, non sil lioc proprium nomen 
omnium, sed ab ea, quae una celeris excellebat, omnes nomi- 
nalae sint. Appellata esl enim ex viro virtus ; viri autem pro- 
pria maxime esl fortitudo. Cuius munera duo sunt niaxima, 
mortis dolorisque conlemplio. Ltendum est igitur his, si virtu- 
lis compoles vel potius si viri volumus esse, quoniam a viris 
virtus nomen est mutuata. Quaeres fortasse , quo modo ; et 
recle. Talem cnini medicinam philosophia prodtetur. 
19 Venit Epicurus , honio minime malus vel potius vir opli- 

44 nius; tanlum monet, quantum inleiligit. ,,Ncglige, inquit, do- 
lorem." Quis hoc dicit? Idem, qui dolorem summum malum. 
X^^ix satis constanter. Audiamus. ,,Si summus (lolorest, io- 
quit, brevem necesse est esse." — Iterodiin) eadem ista 
wihi; non enim satis inlelligo, quid summum dicas esse, quid 
breve. — ,,Summum, quo niliil sil superius ; breve, quo 
niliil brevius. Contemno magniludinem doloris , a qua me 
brevilas temporis vindicabit ante paene, quam vencrit." — 
Sed si est tantus dolor, quantus Philoctetae? — ,,Bene plane 
magnus mihi quidem videlur, sed tamen non summus. Nihil 
enim dolet nisi pes: possunt oculi , potest capul, latera, pul- 



/iffjni vide, ne — , urbaneWen- 
«lung fiir: Alqui nomen virtiitis 
non est propritim nomcn oniniinn 
viriutum, sed ab ea — riominatac 
sunt. Vgl. I. 34, S3. 

vna. Nicht bloss beiSuperlalivcii 
(wie 26, G4 ; III. 16, 34), sondern 
such bei Verbis , die eine superla- 
tlve Bedeutung haben , wird unus 
zur Verstiirkuni^ hinzugefiigt. So 
Orat. 21), 104: qi/i vniis eniinct 
inter omnes ; ib. 7, 23: longe 
omnibus vnum antejcrre Dcmo- 
sthenem. 

ceteris excellehat. l)as Iniperf. 
in Bezug auf dieZeit, wo derlVame 
entstand. Den Dativ bei exccllere 
hat Cic. nicht hiiufig ; de iiup. Pomp. 
14, 41 : qiii dignilatc principibus 
excetlit. 

19. 44. vir optitnus deutet sehr 
oft geistige Beschriinktheil an, vgl. 
III. 21, 50; auch buni viri , z. B. 
de orat. III. 17, 64. Ebenso : cin 



guterMensch, 6^r),9;;f, bon liomme, 
huon uomo. 

tantuvi — quantum , s. zu I. 
13, 29. 

Iteradum etc. Nach Ribbeck aus 
des Pacuvius ,,Iliona". Voll- 
stiindig oder wenigstens volistiindi- 
diger lautet dieser Vers Acad. II. 
27, 88 : 

. . . age adstd, mane, audi, /teradum 
eadem isfaec mifii! 
Nach Fleckeisen ein versus Bac- 
chiacus : 
Age adsfa ; mane, audi; iteradum. 

eadem islaec mi ! 
DieEnciitica dum findet sich in der 
l)nigangssprache(bei den Komikern) 
an viele Imperalive angehiingt, z. B. 
an agc, agite, dic, matie, ahi u. a. 

Bc.nc plane inagnus. Bene ge- 
hiirt zu magnus; plane = omnino 
(wie ad Her. IV. 20, 28 noti ptane 
par) ,,allerdings". 



LIBER II. 19, 45. 20, 46. 



101 



moues, possunt omnia 5 longe igitur abest a summo dolore. 
Ergo , inquit , dolor diuturnus habet laetiliae plus quam mo- 
lestiae." — Nunc ego non possum , tantum hominem uihil 45 
sapere, dicere; sed nos ab eo derideri puto. Ego summum 
dolorem (summum autem dico, eliam si decen^K atomis est 
maior alius) non conlinuo esse dico brevem, multosque pos- 
sum bonos viros nominare, .^yi complures annos doloribus 
podagrae crucientur maximis. Sed homo catus numquam ler- 
minat nec magriiliidinis nec diuturnitalis modum, ut sciam, quid 
sumraum dicat in dolore, quid breve in tempore. Omittamus 
hunc igitur nihii prorsus dicentem cogamusque confiteri, non 
esse ab eo doloris remedia quaerenda, qui dolorem malorum 
omnium maximum dixerit, quamvis idem forticulum se in tor- 
minibiis et in stranguria sua praebeat. 

Aliunde igitur est quaerenda medicina, et maxime quidem 
(si, quid maxime consentaneum sit, quaeriunis) ab iis, quibus, 
quod honestum sit, summum bonum , quod lurpe , summum 
videlur malum. His lu praesentibus gemere et iactare te non 
audebis profecto. Loquetur enim eorum voce Virtus ipsa tecum : 

Tune, quum puerosLacedaemone, adolescentes Olympiae, 20 
barbaros in arena videris excipientes gravissimas plagas et fe- 46 
rentes silentio, si te forte dolor aliquis pervellerit, exclamabis 
ut mulier? non constanler et sedate feres? — Fieri non potest; 
natura non palitur. — Audio. Pueri ferunt gloria ducti; ferunt 



45. catits ,,schlau", zwar nur 
in wenigen codd. fiir die Vulg. cau- 
tt/s , hat aber das ausdriickliche 
Zeugniss des Nonius (p. 92 ed. 
Merc.) fiir sich. Sonst gebraucht 
Cicero dies veraltete VVort freilich 
nur mit Entschuldigung, z. B. de 
leg. I. 16, 45 ut ifa dicam; doch 
ist er in dergleichen Dingen nicht 
consequent. 

quamvis — praebeat, in einem 
Briefe an Hermarchus, den Cicero 
de fin. II. 30 (nach Diog. Laert. X. 
22) mittheilt und kritisirt. 

forticulus , von Cicero neu ge- 
bildet; vgl. III. 17, 38 aericulus u, 
19,46 diilciculus. Haufiger sind 
dergleichen Derainutiva bei den Ko- 
mikern. 

ab iis, von den Stoikern. 

20. 46. 2\ine steht cifteran der 



Spitze unwilliger Fragen. Acad. II. 
19, 61 : Titne, quutn tantis laudi- 
bus pliilusophiam extuleris , — 
eam pliilosophiam, sequere, quae 
confundit vera cuin falsis'^ Vgl. 
Egone 18, 42. 

puerosLaced., s. 14, 34; adolesc. 
Olymp. 17, 40; barbaros §. 41. 

pervellerit. Vgl. III. 17, 36: 
fortuna pervellere te forsitan po- 
tuerit et jningere, non potuit vires 
frangere. Cicero wahlt absichtlich 
ein gelinderes Wort fiir percellere 
oder dgl. 

gloria, subjectiv: ,,das Strehen 
nach Ruhm, der Ehrgeiz", wle un- 
ten 27, 65 studio etgloria ; p. Rab. 
Post. 14, 38: osfentatio et gloria. 
Aehnlich heisst officium oft 
„Pflichtgefiihl", verifas ,,Wahr- 
heitsliebe" u. dgl. 



J02 LIBERII. 20, 47. 21. 

pudore alii, inulli metu; et tamen veremur, ul lioc. quod a lam 
mullis et quod lot locis perleratur, nalura patialur? Illa vero 
non modo patitur, veruni eliam poslulat. Ailiil enim liabet 
praestanlius, nihil quod magis expetat, quam honeslatem, quam 
laudem, quam dignitatem, qiiam decus. Hiscc ego plnrihus no- 
minibus unam rem declarari volo, sed utor, ut quam maxime 
signillcem , pluribus. Volo autem dicere, illud homini longe 
optimum esse , quod ipsum sit optandum per se, a virlule pro- 
fectuni vel in ipsa virtute situm, sua sponlc laudabile, quod 
quidem citius dixerim solum, quam non summum bonum. At- 
que ul haec de honeslo, sic de turpi conlraria: nihil tam tae- 
trum, niliil lam aspernandum, nihil homine indignius. 

-17 Quod si tibi pcrsuasum est (principio enim dixisti , plus 

in dedecorc mali libi vidcri quam in dolorc), rcliquum est, ut 
tute tibi impercs. Quamquam hoc ncscio quo modo dicatur, 
quasi duo simus , ut altcr imperct, allcr pareat; non inscite 

21 tamen dicilur. Est enim animus in parles frihulus duas, qua- 
rum altera rationis est parliceps, altera expers. Quum igilur 
praecipitur, ut nobismet ipsis imperemus, lioc praecipilur, ut 
ralio coerceat tcmcritatcm. Est in animis omnium fere natura 
moUe quiddam , demissum , humilc, enervalum quodamraodo 
et languidum. 8i nihil esset aliud , nihil esset homine d.efor- 
mius. Sed praesto est domina omnium et regina, ratio , quae 
connixa per se el progressa longius fit perfecta virlus. Haec 

suasponteh'icr=proplcr(j)e}')se. (^oQjutj) uiid rti/io od. cogitatw. 

ciliiis dixeriin. Maii erwarlet Ebeiiso gingPlato voa dein ^oyiy.ov 

potius ; aber was eiiier schiieller uiid dein /J.ojoj' aus , schied letz- 

thul ais einZweiles, das hiilt er teres aber wieder in ro i/cw/xdv und 

eben fiir wichliger oder richtiger. to ^7r/i^iY<>;r/xo'j'; s. oben I. 10, 20. 
Ebenso Brut. 07, 23S : eam (accu- temerilalem = to (D.oyov ; nacb 

rationem), ut citius veteratoriam unserer Anschauungsweise : die 

qiiam oratoriam diceres , und bei Sinnlichlceit. Vgl. de divin. I. 29, 

Livius, z. B. XXIV. 3: morifuros Gl : duabus animi temerariis par- 

secitius, quam iu alienos ritus — tibus compressis , ul illa tertia 

verlercnfur. pars rationis ef mentis cluceat. 

-17. principio, oben 5, 14. Si nifiil rsset al., nihil esset — , 

tutc tihi. Ebenso de olF. III. 2, s. III. 31, 75 zu quam diu vtxtt, 

(i : nere cominittas, ut — tute tibi vixit in liictu. 
dcfiiissc vidcaris. connixa perse. fo«H/// bezeich- 

21. tributus — distributus , of- net die Anslrengung dessen, der sich 

ter bei Cicero, abcr gewiihnlich niit zu erheben und emporzuarbeiten 

deinZusatz />/ ;<a7'/e« (init und ohne sucht; so de lin. V. 15, 42: Quum 

Zahl). — Aueh de off. I. 28, 101 aufcm paullum ^firmitafis acces- 

u. 30, 132 nimint Cicero nur zwei scrit, connituntur (parvi), ut sese 

Theile der Seele an : appclitus criganf ; Caes. b. c. 1.40: Eqvi- 



LfBER II. 21, 48. 49. 50. 10.3 

ut imperet illi parli aiiiini , quae obedire debel , id videndum 
est viro. — Quonam modo? inquies. — Vel ut dominus servo, 48 
vel ut iniperator militi, vel ut parens filio. Si turpissime se 
illa pars animi geret, quam dixi esse mollem ; si se lamentis 
muliebriter lacrimisque dedet: vinciatur et constringatur ami- 
corum propinquorumque custodiis. Saepe enim A^idemus fractos 
pudore, qui ralione nulla vincerentur. Ergo hos quidem, ut 
iamulos, vinclis prope ac custodia ; qui autem erunt firmiores 
nec tamen robustissimi, hos admonitu oportebit, ut bonos mi- 
lites, revocatos dignitatem tueri. 

Non nimis in Niptris ille sapientissimus Graeciae saucius 
lamentatur, vel modice potius : 

Pedetmtim, inquit, et sedato nisu! 
Ne succussu arripiat inaior 
Dolor — 
(Pacuvius hoc melius quam Sophocles; apud illum enim per- 49 
quam flebiliter Ulixes lamentatur in vulnere) ; tamen huic le- 
viler gementi illi ipsi, qui ferunt saucium, personae gravitatem 
intuentes, non dubitant dicere: 

Tu quoque, Ulixes, quamqudni graviter 

Cernimus ictum, nimis paene animo es 

Molti, qui consuetus in arrnis 

Aevum. ugere — 
Intelligit poeta prudens, ferendi doloris consuetudinem esse non 
contemnendam magistram. Atque ilie non immoderate magno 50 
in dolore : 

Retitiete, tenete! opprimit ulcus. 
Nuddte! heu miserum me, excrucior ! 

tatus — summum in iugum vir- arripiatunAnAchhQvhtiopprimit, 

tute eonnititur. nudate,ope}'ife, ist die natiirl.Fol- 

48. custodiis. VVahrscheinlich ge der Erregtheit des Sprechenden. 
eine Anspielung auf legg. XII tabb. 49. Paeuvius — Sophocles. Der 

5 , fragm. 7 (Dirksen p. 369 sq.): Grieche liess der Stirame derNatur 

Sei fouriosos aut prodicos escit, den freien Lauf; der Romer wollte 

adcnatorom eentiliomque eius po- in der Tragodie friiher die Heroen ^ 

testas estod. ast ei custos nec escit. selbst heroischer, spiiter (z. B. bei 

Ergo tios quidein, suppl. vincia- Seneca) stoischer gehalten wissen. 
mus et constringamus. lamentatur in vulnere — lam. 

in Niptris. Tu NinTqn (,,das vulneratus. Vgl. 27, 65 : in proe- 

Bad") r} ^OSvoaivg uxavr^onXri'^ liis exsultant , lamentantur in 

hiess ein Stiick des Sophocles, wel- morbo ; I. 21, 48 : in eo gloriari. 
ches Pacuvius nachbildete. Inhalt: 50. Retinete , tenete. Das Sim- 

der Tod des Ulysses. plex nach dem Gompositum wieder- 

Pedetenlim, sc.ferteme. Diese, holt, wie Eurip.Bacch. 1063: xar- 

so wie die Auslassung von 7ne bei fjytv, rjyev, ^ytv Ig /ueXuv niSov. 



1.04 LIBER II. 22, 51. 52. 

Incipit labi; deinde iiico desinit: 

Opcrite, absced/te, iaw, iam 

■Miltile! ?iam attrectatu H quassu 
Saevom dmplijicatis dolorem. 
Videsne , ut obnuitueril non sedalus corporis, scd castigatus 
animi dolor? Itaque in exlremis Niptris alios quoque obiurgat 
idque moriens : 

Cbnqueri fortknam advorsam, nbn lamentari decet. 

' Id riri est ojficium ; Jletus muliebri ingetiio ddditus. 
Huius aninii pars illa moUior ralioni sic paruit, ut severo ini- 
peratori miles pudens. 
22 In quo vero erit perfecta sapientia (quem adhuc nos qui- 

51 dem vidimus neminem; sed philosophorum senlentiis, qualis 
hic futurus sit, si modo aliquando luerit, exponitur) — is igilur, 
sive ea ratio , quae erit in eo perlecta atque absoluta , sic illi 
parti imperabit inferiori, ut iustus parcns probis filiis ; nulu, 
quod volet, conliciet, nullo labore, nulla moleslia ; eriget ipse 
se, suscilabit, instruet, armabit , ut, tamquam hosli , sic ob- 
sistat dolori. Quae sunt istaarma? Contentio, conlirmatio ser- 
raoque intiraus, quura ipse secum: Cave turpe quicquam, lan- 
guidum, non virile. > 

52 Obversenlur species honestae viro: Zeno proponaturElea- 
, , tes, qui perpessus est omnia potius, quara conscios delendae 

tyranuidis indicaret; de Anaxarcho Deraocritio cogitelur, qui 

Operitc etc. Es fehlt ein balber 57: vix eum virum di.rerim ; IV. 

Fuss. VVahrscheinlich ist, wic Kiih- 19,43: viruru videri negant. 

ner vcrinuthet , das zweite iam zu Zeno aus Elea in Grossgricchen- 

streichen und operitc zu wieder- land, Schiiler des Parmenides, um 

holen : Opevife, operite, ahscedite, 460 v. Chr., soll, als ihn der Ty- 

/aTO. (Klotz uimmt dagegen an, dass rann Nearchus (nach Audern : De- 

hinter iam iam ein me oder nos mylus) zum ^erralh an scinen Mit- 

hinzuzufiigen sei. Ribbeck bctrach- verschwornen zwiiigen wollle, sich 

tet den Vers als paroemiacus zu die Zunge abgebissen und sie ihm 

dem vorhcrg. anapiist. System, wo- ins Gesicht gespiecn liaben, worauf 

gegen der Inlialt der Verse spricht.) ihn dieser in eincin Miirser habc 

Mittite ,,lasst mich los!" zerstampfcn lassen. 

miles pudens, af<^t]uwr. ilom. II. potius, quam hat immer das fol- 

XIII. 121 sq. werden dicKrieger an- gende Nerbum, \\ie hier indicaret, 

geredet: — «A/l' ii> (fQfai ,3ta&€ im Conjuncliv, manchmal mit ut, 

exnaTog ni^io ycu v^ufaiv. wie Acad. II. S, 23 : vir bonus sfa- 

'i^. b'l. speeics /lonestae ,,lie&\e tuil omnem cruciatinn perferrc 

der Tugend". potius , quam tit officium prodat: 

viro nachdrucksvoll : ,.dcm wah- in Verr. V. 40, 105 : potius istius 

ren Manne", mit- Bezug auf das culpac crimen siiscipiam, quam in 

vorangegangene non virile. So § 53: te crude/is sim. 

rusticanus vir, sed plane vir; 24, Anaxarctius, ein .^nhanger der 



LIBER II. 22, 53. 23, 54. 105 

quum Cypri in manus Nicocreonlis regis incidisset, nullum ge- 
nus suppiicii deprecatus est neque recusarit. Calanus ludus, 
indoctus ac barbarus , in radicibus Caucasi nalus, sua volun- 
tate vivus combustus est. Nos , si pes condoluit , si dens , sed 
fac totum doiere corpus, ferre non possumus. Opinio est enim 
quaedam effeminata ac levis, nec in dolore magis, quam eadem 
in voluptate , qua quum liquescimus lluimusque moliitia , apis 
aculeum sine clamore ferre non possuraus. At vero C. Ma- 53 
rius, rusticanus vir, sed plane vir, quum secarelur, ut supra 
dixi , principio vetuit se alligari ; nec quisquam ante Marium 
solutus dicitur essesectus. Cur ergo postea alii? Valuit aucto- 
ritas. Videsne igitur, opinionis esse, non naturae malum? Et 
tamen fuisse acrem morsum doloris , idem Marius oslendit ; 
crus enim alterum non praebuit. Ita et tulit dolorem ut vir, 
et ut homo maiorem ferre sine caussa necessaria noluit. Totum 
igitur in eo est, ut libi imperes. 

Ostendi autem , quod esset imperandi genus ; atque haec 
cogilatio, quid patienlia, quid fortitudine, quid magnitudine 
animi dignissimum sit, non solum animum comprimit, sed 
ipsum etiam dolorem , nescio quo pacto, mitiorem facit. 

Ut enim fit in proelio, ut ignavus miies ac timidus, simul 23 
ac viderit hostem, abiecto sciito fugiat, quantum possit, ob 54 
eamque caussam pereat, uonnumquam etiam integro corpore, 
quum ei, qui steterit, nihil tale evenerit: sic, qui doloris spe- 
ciem ferre non possunt, abiiciunt se atque ita afflicti et exani- 

Lehre Democrits, Begleiter Alexan- jluimnsquemollitia. SoVell. I. 6 

ders d. Gr. , hatte den Nicocreon u. II. 88 molUtiis ji., Liv. VII. 29 

friiher einmal beleidigt, wofiir ihn /wirM_/Z«ere.Gewohnlicherrf/^Mere. 

dieser nach Alexanders Tode zer- 53. ut supra dixi, s. 15, 35. 

fleischen liess. fw/iY rfo/oye7rt etc. DerGegensatz 

Calanus , ein indischer Gymno- zwischen vir und homo tritt hier 

sophist, wurde mit Alexander be- durch den Chiasmus um so schoner 

freundet. In seinem 73. Jahre gab hervor. Vgl. ad Q. fr. II. 11, 3: 

er wegen Krankheit sich selbst den virum te putabo — huminem non 

Feuertod. putabo. — Dieselbe Geschichte 

Caucasus nannte man auch die ausriihrlicher : Plut. Mar. c. 6. 

bstlichen Fortsetzungen des eigent- animum comprimit. Animus 

lichen Caucasus bis nachlndien hin ; hier im engern Sinne = 6 &v/ii6g, 

vgl. V. 27, 77. das Gerdhl, ira (I. 10, 30). So p. 

sed fac etc. Sinn : Wenn uns Marc. 3, 8: atiiminn vincere, ira- 

ein Fuss , ein Zahn schmerzt, so cundiam cohibere — haec qui fa- 

kbnnen wir es nicht ertragen ; stelle ciat, eum simillimtim deo iudico ; 

dir vollends vor, der ganze Kbrper Hor. epist. I. 2, 63 hune (i. e. ani- 

empfinde Schmerzen ; wie geberden mxLm) fretiis , hunc tu compesce 

wir uns dann ! • catena. Vgl. IV. 18, 41, 



106 



LIBER IF. 23, 55. 56. 21. 



niali iacenl; qui autem reslilerunt, discedunt saepissiine supe- 
riores. Sunl enini quaedani animi siniilitudincs cum corpore. 
Ut onera conlenlis corporibus facilius feruutur, remissis oppri- 
munt: simillime animus intentione sua depellit pressum omnem 
ponderum, remissione aulem sic urgetur, ut sc nequeat extol- 

55 lere. Et si verum quaerimus, in oninibus officiis perseqncndis 
animi est adhibenda contentio. Ea est soia officii tamquam cu- 
stodia. Sed hoc (|uidem in dolore maxime est providendum, ne 
quid abiecte, ne quid timide, ne quid ignave, ne quid serviliter 
nuiliebriterve faciamus , in primisque refutetur ac reiiciatur 
Philocteteus ille clamor. Ingeniiscere nonnumquam viro con- 
cessum est, idque raro ; eiulatus ne mulieri (|uidem. Kt iiic ni- 
mirum est fletus, quem duodecim tabulae in funeribus adhiberi 

56 vetuerunt. Nec vero uniquam ne ingemiscit quidem vir fortis 
ac sapiens, nisi forte ut se inlendat ad lirmitalem, ut in stadio 
cursores exclamant, quam maxime possunt. Faciunt idem, 
quum exercentur, athletae; pugiles vero, eliara quum feriunt 
adversarium, in iactandis cestibus ingemiscunl: non (juod do- 

lleanl animove succumbant, sed quia pi-ofundenda voce omne 

24^corpus intenditur venitque plaga vchementior. Quid? qui vo- 

lunt exclamare maius, num satis habent latera, fauces, linguam 

intendere, e quibus eiici vocem et fundi videmus? Toto corpore 

atque omnibus ungulis, ut dicitur, contentioni vocis asserviunt. 



23. 54. opprimunt, sc.ferentes. 
corpuribiis — animi/s.DerlJeber- 

gang voin Pinr, zum Sing., wie 111. 
10, 23 aegris eorporibus — animi 
aegritudo ; IV. 10,23 morbis cor- 
porum — morborum animi. Lm- 
gekebrt stand I. 17, 40 der Plur. 
animi nebea deni Sing. corpus. 

55. Philoct. ille clamor, s. 7, 19 
u. 14, 33. 

idque raro. Cat. M. IS, 65 : Se- 
veritatem in senectute probo ef 
eam modicam, acerbitafem nitllo 
modo , — wo man cf mit Unrecbt 
in sed verandern woUte. 

duodecim tahulae. DieWortedes 
Gesetzcs lauteten nacb Cic. de leg. 
\\.2'i,b^:Mulicres genas nc radunto 
ne»e lessum funeris crgo fiabento. 

56. Nec — 7ic — qiiidem, s. zu 
I. 23, 53. 

24. cxclamarc viaius bat zwar 
ausser derAnalogie des griecb. «^y« 



^ouv die Autoritiit desPlaulus (Mil. 
gl. III. 2, 1(1: magnum clamaf; 
Most. II. 2, 57: exclamat maxi- 
mum) und Gellius (V. 9 : inagnum 
inclamari') fiir sich, ist aber in der 
guten Prosa so ungewiibnlicb . dass 
vielleicht die minder beglaubigte 
Lesart magis (dem vorangegange- 
nen exclamanf qiiam maxime pos- 
sunt entsprecbend) vorzuziehen ist. 

eiici ist hier passender als elici, 
das freilicb in den meislen Hdschr. 
stebt, aber, von einer andern An- 
scbauung ausgebend, unmiiglich so 
miifinidi verbunden werden kann. 

omnibus ungulis , eigenll. vom 
Sicb-aMstemmen der Plerde beim 
Bergesteigen gebraucbt ; deutscb 
etwa : ,.mit Hiinden und Fiissen". 
Griecbisch iihnlicb : nv^ xal Xd^ , 
oiSoiiOi xni ovv^i. 

asserviunt, ein ten.i.(y.: ,,sie 
uDterstikzen noch nebenb*ei". 



LIBER II. 24, 57. 58. 



107 



Genu, nieliercule, M. Antonium vidi, quuni contente pro se ipse 57 
lege Varia diceret, terram tangere. Ut enim balistae lapidum 
et reliqua lorraenta telorum eo graviores emissiones habent, 
quo sunt contenta atque adducta vehemenlius : sic vox, sic 
cursus, sic plaga hoc gravior, quum est niissa conlenlius. 
Cuius contenlionis quum tanla vis sit, si gemitus in dolore ad 
confirmandum animum valebit, uteraur; sin erit ille gemitus 
elamentabilis, si imbecillus, si abiectus, si flebilis, ei qui se 
dederit, vix eum virum dixerira. Qui quidem gemitus si levatio- 
uis aliquid afferret, tamen videremus, quid esset fortis et ani- 
luosi viri; quum vero nihil imminuat doloris, cur frustra tur- 
pes esse volumus? Quid est enim fletu muliebri viro turpius? 

Alque hoc praeceptum, quod de dolore datur, patet latius. 58 
Omnibus enim rebus, non solum dolori , simili contentione 
animi resistendum est. Ira exardescit, iibido concilatur: in 
eandem arcem confugiendum est, eadem sunt arraa sumenda. 
Sed quoniam de dolore loquimur, illa omittaraus. Ad ferendum 
igitur dolorem placide atque sedate plurimum proficit toto 
pectore, ut dicitur, cogitare, quam id honestum sit. Sumus 
enim natura, ut ante dixi (dicendum est enira saepius), studiosis- 
simi appetentissimique honeslatis: cuius si quasi lumen aliquod 



57. M. Antonius , als Redner 
bochberiihmt (weshalb ihn Cicero 
de orat. niit L. Licinius Crassus iiber 
die Beredtsamkeit disputiren Ijisst), 
Consul 99, starb durch Marius und 
Cinna. Vgl. I. 5, 10 u. V. 19, 55. 
Ein andres Beispiel von der Leb- 
haftigkeit seiner Action giebt Cicero 
in Verr. V. 1,3: M. Antoniiis — 
ipse arripuit M'' Aqtdlium consti- 
tuitque in conspecfu omniiim tu- 
nicamque eius a pectore abscidit, 
ut cicatrices populus Rom. iudi- 
cesque aspicercnt adverso corpore 
excepfas, wozu man de orat. 11.47 
vergleiche. 

fege Faria, de maiestate. Sie 
ging vom Volkstdbunen Q. Varius 
Hybrida aus , 9r*v. Chr. , als der 
Bundesgenossenkrieg ausbrach, und 
ordnete eine Ujitersuchung an gegen 
die, welche die ital. Vblker durch 
Wort oderThat zum Aufstande an- 
geregt hatten. 



lapidum hangt, wie telorum, von 
emissiones ab (welches nicht mit 
Freund und Klotz von der Schwung- 
kraft, sondern von denWiirfen selbst 
zu verstehen ist). 

missa passt eigentl. nur zuplaga 
und vox , uicht zu cursus; doch 
sind solche Zeugmata bei Cicero 
nicht selten. 

58. Ira — concitafur, s. 12, 28 
zu Rogo hoc idcm. 

toto pectore ,,mit ganzerSeele". 
So de leg. I. 18, 49: si non ipse 
amicus per se amatur toto pecto- 
re, ut dicitur. — Fiir ut dicitur 
sagt Cicero bei der Anfiihrung 
spriichwcirtl. Ausdriicke auch ut 
(bisweilen quemadmodum oder 
quod) aiunt, aber nicbt ut dicunt. 

quasi himen aliquod ,,wenn wir 
einen Lichtstrahl von ihr gesehen 
haben". Vgl. Lael. 8, 27 {in amico) 
quasi lumen aliquod probitatis et 
virtutis perspicere. 



108 



LIBER 11. 24, 59. 25, 60. 



adspeximus, nihil est, quod, ut co potianuir, non parali simus 
et ferre et perpeli. Ex hoc cursu alque impetu animorum 
ad veram laudem alque honeslalem illa pericula adeuntur in 
proeliis; non sentiunt viri fortes in acie vulnera, vel sentiunt, 
sed mori malunt, quam tanlum niodo de diguitatis ^radu demo- 

59 veri. Fulgentes ghidios hostium videhant Dccii, quum in aciem 
eorum irruebant. His levabat omnem vulnerum metum nobililas 
mortis et gloria. Num tum ingcniuisse Epaminondam putas, 
quum una cum sanguine vitam ellluerc sentirel? imperantem 
enim patriam Lacedaemoniis reiinquebat, quam acceperat ser- 
vientem. Haec sunt solatia, haec fomenta summorum dolorum. 

25 Dices, quid in pace? quid domi? quid in lectulo? Ad philo- 

60 sophos me revocas, qui in aciem non saepe prodeunt. E quibus 
homo sane levis, Heracleotcs Dionysius, quum a Zenone forlis 
esse didicisset, a dolore dedoctus est. Nam quum ex rcnibus 
laborarel, ipso in eiulatu clamitabal, falsa esse illa, quac antea 
de dolore ipse sensisset. Quem quum Gleanthcs condiscipulus 
rogaret, quaenam ratio eum de sententia deduxissef, respondit: 
,,Quia, quum tantum operae philosophiae dedissem, dolorem 
tamen ferre non possem, satis esset argumenti, nialum esse 



tantiirn rnodo, (^siy.Tixiog: ,,nur 
so viel = nur im Geriiigsten ". 
Ueber dc dign. gradu demoveri 
s. oben zu 5, 14. 

59. Decii, s. I. 37, 89. 

Epaminondam. Vgl. Nepos c. 9. 

imperantem — relinq. , quam 
accep. serv. Bei doppelten Gegen- 
siitzen wird der Chiasnius von Ci- 
cero fast regelmassig angewandt. 
Vgl. I. 49, US. 

fomenta, wie de fin. 11. 29, 95 : 
Virtutis, magnitudinis animi, pa- 
tien tiae, fortitu din is fo m en tis do- 
lor mitigari solet. 

25- 6". Dionysius ist niclit 
der 11, 20 erwiihnte (daher hier 
und III. 9, 18 Heracleotcs voran- 
gestclit), sondern ein iilterer, aus 
Heraclea in Grossgriechcnland, Ze- 
nos Schiiler, der diirch kiirperiiche 
Leiden von deii Stoikern zu den Cy- 
renaikern oderEpikureern hiniiber- 
geriihrt wurde, daher 6 ftfTuO^CiK- 
vog genannt. 



dedocfus est, Bentleys trelTliche 
Emendation der hdschftl. Lesart 
dcductus est. Vgl. de fin. I. 6, 20 : 
si a Polyaeno geomctriam discere 
7naluisscl,quani illam ctiam ipsum 
dedocere. 

quum ex renibus lahoraret (wie 
de rep. II, 21 ex vulnere aeger). 
IVach Diog. L. VII. 37 dagegen und 
Cic. de fin. V. 31, 94 war es eine 
Augenkrankheit. 

Clcanthes, aus Assus in Troas, 
Zenps IVachfolger in der Leitung 
der Stoa. 

Quia gehbrt mit (id) satis cssef 
argumenti zusammen ; tamen {— ct 
tameri) noch zu quum. (Unnblhig 
schaltet Tregder — nach IVIadvig zu 
de fin. p.789 — hieri/ znisehen quia 
und quum ein.)^^Die Conjunctivi 
Praeteriti stehenjweil D. die Gedan- 
ken ausspricht, die ihii damals 
leiteten, wo er seine .Vnsicht iin- 
derle. Die folgenden Worte Pluri- 
mos — dolor spricht er dagegen 
vom Standpunkt der Gegenwart. 










109 



dolorein. Plurimos aulem annos in philosophia consumpsi, nec 
ferre possum; malum est igitur dolor." TumCleanthem, quum 
pede terram percussisset, versum ex Epigonis ferunt dixisse : 

Audisne haec^ Amphiarde, sub terram dbdite? 
Zenonem significabat, a quo illum degenerare dolebat. At non 
noster Posidonius, quem et ipse saepe vidi, et id dicam, quod 
solebat narrare Pompeius : se, quum Rhodum venisset decedens 
ex Syria, audire voiuisse Posidoniura ; sed quum audisset, eum 
graviter esse aegrum, quod vehementer eius artus laborarent, 
voluisse lamen nobilissimum philosophum visere ; quem ut vi- 
disset et salulavisset honorificisque verbis prosecutus esset mo- 
lesteque se dixisset ferre, quod eura non posset audire; at ille: 
Tu vero, inquit, potes, nec commiltam, ut dolor corporis effi- 
ciat, ut frustra tantus vir ad rae venerit. Itaque, narrabat, eum 
graviter et copiose de hoc ipso, nihil esse bonum , nisi quod 
esset honestum, cubantem disputavisse, quumque quasi faces 
ei doloris admoverentur, saepe dixisse : Niliil agis , dolor! 
quamvis sis molestus, numquam te esse confitebor malum. 

Omninoque omnes clari et nobilitati labores contendendo 



61 






26 

62 



ex Epigonis. ,,Die Epigonen" 
(d.li. Sohne der Sieben vorTheben) 
von Aeschyius iibersetzte Accius. 

Ampliiaraus , der Seher aus Ar- 
gos, der durch den Verratb seiner 
Gattin Eriphyle an seines Scbvva- 
gers Adrastus Zuge gegen Theben 
theilzunehnien gencithigt, aber als- 
bald von der Erde verschlungen 
wurde. — Das Citat beweist, dass 
Zeno schon todt war, alsCIeanthes 
dies Gespriich mit Dionysius hatte. 

■61. Posidonius, aus Apamea in 
Syrien gebiirtig, Stoiiier, des Pa- 
niitius Schuler, lehrte in Rhodus, 
wo friiher (78 v. Chr.) auch Cicero 
ihn hbrte, der nach seinem Consulat 
mit ihm auch Briefe weciiselte (s. 
ad Att. I[. 1, 2). Daher: noster. 

queni — vidi et id dicarn , fiir 
et de quo id dicam ; s. 1. 30, 72 
zu seseque. 

decedens ex Syria , welches er 
zur rbmischen Provinz gemacht 
hatte, ini Jahr 64. 

artus laborarent. Er hatte die 
aQ&qlxig, d. h. Gicht und Podagra. 



at ille — inquit, Uebergang zur 
oratio recta , weil inquit keinen 
lufin. hat. 

Itaque ,,und so", gehbrt zu dis- 
putavisse. 

quasi faces doloris ^= ardentis- 
simi dolores. Vgl. de ofl". II. 10, 37 : 
Dolorum quum admoventurfaces, 
praeter modum plerique exterren- 
tur; s. auch unten V. 27, 76. In 
einem andern tropischen Sinne war 
fax I. 19, 44 gebraucht. 

Nihil agis, wie in Cat. I. 6, 15 : 
Nihil agis, nihil assequeris, neque 
tamen conari ac velle desistis. 

26. 62. Omiwioque o?nnes ,,\iDd 
iiberhaupt alle", steigt vom Ein- 
zelnen zum Allgemeinen auf, omnes 
omnino ware dagegen ,,durchaus 
alle, alle ohne Ausnahme"; so auch 
omnino nullus und nitUus omnino 
(111. 10, 22). 

co?itendendo, fiir die unbrauch- 
bare Vulgata conte?nnendo , ist 
Bentleys durch einen cod. besta- 
tigte Emendation. Die contentio 
a?nmi war ja von 22, 51 bis hier- 



110 



LIBEK II. 20, 63. 64. 



fiiint etiam lolerabiles. Videmusrie, ut, apud quos eorum ludo- 
rum, qui gymnici nominantur, magnus honos sit, nullum ab iis, 
qui in id certamen descendant, devilari dolorem? Apud quos 
autem venandi el equilandi laus viget, qui lianc petessunt, 
nuUum tngiunt dolorem. Quid de noslris ambitionibus, quid 
de cupidifate lionorum loquar? quac flamma esl, per quam non 
cucurrerint ii , qui haec olim j)unctis singulis colligcbant? Ita- 
que semper Africanus Socralicum Xenophonlem in manibus 
habebat, cuius in primis laudabat illud, quod diceret, eosdem 
labores non aeque graves esse imperatori et militi, quod ipse 
lionos laborem leviorem faccrel imperalorium. 

63 Sed lamen iioc evenit, ut in vulgus insipienlitim opinio 

valeat honestalis, quum ipsam videre non possint. Ilaque fama 
el mulliludinis iudicio moventur, quum id honeslum pulent, 
quod a plerisque laudetur. Te autem, si in oculis sis muititu- 
dinis, tamen eius iudicio stare nolim, nec, quod illa piitet, idem 
putare pulcherrimum. Tuo tibi iudicio est ulendum ; libLsi recta 
probanti placebis, tum non modo tete viceris, qiiod pauilo anle 

64, praecipicbam, sed onines et omnia. Hoc igilur tibi propone : 
amplitudiuem auimi el quasi quandam exaggerationem quam 
altissimam animi, quae maxime erainel contemnendis et despi- 



her als ein Hauptmittel gegen den 
Schmerz dargestellt. 

fidemusne, ut. Cicero wollte 
schreiben: ut (,,wie") — nullus 
devitetur dolor, vergass aber nach- 
her das vt iind sefzte den Acc. 
c. Inf. — Im folgenden Satze geht 
er in die orat. recta iiber, wie IV. 
10, 21 nach intelligatur. 

petessunt oder pvtissunt , ein 
sellenesWort, nach Festus = sac- 
pius jietunt, also verb. intensivum. 

umbitiunibus, in dcr urspriing- 
lichen Bedeutung, wie ijftcr bei 
Cicero. 

quae Jlamma est etc. Hor. ep. 
I. 1, 46: Iinpiger extremos curris 
mercator ad Indos, Ihr mare pau- 
periem fugiens , per saxa , per 
ignes. 

haec, in Bezug nnf lionores, aber 
verailgemeiuernd : ,,dergleichen ", 
wie I. 21, 56. 

punctis singu/is. Vor Einfiibrung 
der Stimmtafelchcn wurden io der 



VVahlversammlung dic Stimmen fiir 
die einzeliien Candidaten durch 
Punkte bei cincs Jeden Namen au- 
gemerkt. Uaher Hor. A. P. 343 : 
Omne tulit pi/nrtum, qui miscuit 
ulile dulei. 

Itaque etc. Nachiiissige Diction 
fiir : Itaque .Ifricanus, qui semper 
Xenophonlem in manibns habebat, 
huius in priniis laiidabut illud. Die 
beriihrte Stelle ist Cjrop. 1. 6, 25. 

63. in oculis sis ,,Gegensland der 
Aufmerksamkeit und Liebe seiii", 
mit d. (»en. oder Daliv, wie ad Att. 
VI. 2, 5: publiciinis in oculis su~ 
mus. Achiilich Phil.VI. 4,11 : Tre- 
bellium valde iam diligit ; oderat 
tum, quum — ,• iam fert in oculis. 

cius iudicio Itare = nili, ac- 
quiescere ; vgl. V. 27, 81. 

64. exaggerationem ,, Erhe- 
bung", selir scllcn; hiiufigcr ist 
e.vaggerare in diesein lro|». Sinnc, 
z.B.V. 18, 51 u. 30. 85. 



LIBER II. 27, 65. 



111 



ciendis doloribus, unain esse oniniuoi rem pulcherrimani, eoque 
pulchriorem , si vacet populo neque plausum captans se tamen 
ipsa delectet. Quiii etiam mihi quidem laudabiliora videntur 
omnia, quae sine venditatione et sine populo teste fiunt, non 
quo fugiendus sit (omnia enira bene lacta in luce se coliocari vo- 
lunt), sed tamen nullum thealrum virtuti conscientia maius est. 

Atque in primis medilemur iiiud, ut haec patientia dolorum, 27 
quam saepe iam animi intentione dixi esse tirmandam, in orani 65 
genere se aequabilera praebeat. Saepe enira multi, qui aut 
propter victoriae cupiditatem aut propter gloriae, aut etiam ut 
ius suum et libertatem tenerent, vulnera exceperunt fortiter et 
tulerunt, iidem omissa contentione dolorem morbi ferre non 
possunt. Neque enim illum, quem facile tulerant, ratione aut 
sapientia tulerant, sed studio potius et gloria. Itaque barbari 
quidam et imraanes ferro decertare acerrime possunt, aegro- 
tare viriliter non queunt; Graeci autem homines, non satis 
animosi, prudentes, ut est captus hominum, satis, hostem ad- 
spicere non possunt; eidem morbos toleranter atque liumane 
ferunt. At Cimbri et Geltiberi in proeiiis exsultant, lamentantur 



sivacet populo ,,wenn sie sich 
umsVolk nicht kiimmert" (Nagels- 
bach : ,,wenn sie kein Publikum 
hat"). Aehnlich Liv. II. 48: Id 
nobis velut familiare bellum pri- 
vato sumptu gerere iii animo est; 
respuhlica et milite illic et pe- 
cunia vacet. 

sine venditatione ,,ohne Prah- 
lerei" (eigentl. von Verkaufern von 
Waaren). Lael. 23, 86 : A multis 
ipsa virtus contemnitur et vendi- 
tatio quaedam atque ostentatio 
esse dicitur. 

et sine populo teste , fiir nec 
teste populo, wegen des vorangeg. 
sine venditatione. 

non quo — sed tamen, wie 1.1,1 
non quia — sed. 

theatrum , vom Theaterpub 1 i- 
kum zu verstehen, wie I. 44, 106. 
Sen. epist. 7 extr. : Haec ego non 
multis , sed tibi ; satis enim 
viagnum alter alteri theatrum 
sumus. 

27. 65. Saepe — multi, s. zu 
I. 30, 74. 



studio et gloria. Studium ist 
,, Leidenschaft" im Allgemeinen, 
gloria ,,Ruhmsucht", wie 20, 46. 

possunt — non queunt: ,,sie 
vvisseD — sind nicht im Stande " 
(vermiige ihres Naturells ; ov}( oioC 
T iia(v). De rep. II. 3, 6: mariti- 
mus vero ille liostis ante adesse 
potest, quam quisquam venturum 
esse suspicari queal. 

Graeci homines und dergl. Ver- 
bindungen werden nur dann an- 
gewendetjWenn derCharakter eines 
Volkes hervorgehoben werden sbll. 

ut est captus hominum „ ihrer 
Fassungskraft entsprechend". Zu 
ut vergl. I. S, 15 ut Siculi ; zu 
hominum I. 21, 49 homini. 

humane ,,wie es sich fiir den 
Menschen ziemt", daher hier so 
viel wie ,,mit Ergebung". Vgl. Ter. 
Adelph. 1. 2, 65 : vix liumane pa- 
titur; Plut. Consol. ad Apoll. p. 1 18 : 
neiS^oVTSg tc< y.oivc< tov ^iov avf.i~ 
7TT(6fxc<TC< y.oivcog iffosiv xal Tct 
av&QcaTTiva uVxtQumivwg. 

Cimbri et Celtiberi. Val. Ma\. 



112 



LIBERII. 27, 66. 67. 



in morbo ; niliil enim potest esse aequabile, quod non a certa 
ratione proficiscalur. - 

66 Sed quum videas, eos, qui aut studio aut opinione ducan- 
lur, in eo persequendo atque adipiscendo dolore non franj;fi : 
debeas existimare, aut non csse malum dolorem, aut, eliam si, 
quicquid asperum alienumque natura sit, id appellari placeat 
malum, tanlulum tamen esse, ut a virtute ita obruatur, ut nus- 
quam appareat. Quae meditare, quaeso, dies et noctes. Latius 
enim manabit haec ralio et aliquanto maiorem locum, quam 
de uno dolore, occupabit. Nam si omnia fugiendae turpitudinis 
adipiscendaequc lionestatis caussa faciemus, non modo slimulos 
doloris, sed eliam fulmina forlunae contemnanuis licebit, prae- 
serlim quum paralum sit illud ex hesterna disputalione perfu- 

67 gium. Ut enim, si cui naviganti , praedones si insequantur, 
deus qui dixerit: ,,Eiice te de navi; praesto est, qui excipiat : 
vel delphinus, ut Arionem Methymnaeum, vei equi Pelopis iili 
Neptunii, qm pcr vndas currus suspcnsos rapuisse dicuntur, 
excipient le et, quo velis, perferent," omnem omittal timo- 
rem : sic urgentibus asperis et odiosis doloribus, si tanti sint, 
ut ferendi non sint, quo sit confugiendum, vides. 

Haec fere hoc tempore putavi esse dicenda. Sed tu for- 



II. 6, 11 : Alacris et forlis Cim- 
brorum et Celtiberorum {philoso- 
p/iia), qui in acie gaudio exsulta- 
baiit, tamquam gloriose etfelici- 
tervita excessuri; lainentabantur 
in morbo, quasi turpiter et mise- 
rabilitcr perituri. 

66. in eo , sc. cui student et 
qiiod bonum opinantur. 

debeas , Conj. potentialis , wie 

III. 22, 52 reperias; 29, 73 con- 
scquatur. 

ubruatur, wie 13, 32 seprliri. 

praesertim quum etc. Ini 1 . Buche 
war von der Verachlung des Tndcs 
die Rede, den sich selbst zu geben, 
nach stoischen Grundsiilzen, unter 
Umstiinden gestattet war. Vgl. I. 
19, 118 u. 119. 

67. praedones si insequantur. 
Da die meisten und besten Mscr. 
bloss praedones inscquantur ha- 
beu, so ist die obige Verbesserung 
(von Wopkens) offenbar naher lie- 



gend als die Vulg. qucm praedones 
inscquantur, indeui si zwischen s 
uiid / (nicht aber queni} leicht aus- 
fallen konnte. Wegen des doppelten 
si vgl. ad fam. I. 9, 30 si accu- 
sandi sitnt, si qui pertimuerunt, 
viagis etiam reprehendendi sunt,si 
qui se tiinere siniularunt. Aehnlich 
mit dem Relalivuni : ohen 26, 62. 

Arioncm. Die bekannte Fabel 
von Arion (um 620 v. Chr.) erziihlen 
Herod. 1.23; Gell. N. A. XVI. 19; 
Ovid. Fast. II. S3 sq. 

eqiii Pclopis. Als Pelops um 
Ilippodamia warb und mit ihrem 
Vater Oenomaus um sie ein Wett- 
rennen zuWagen,das schonVielen 
das Leben gekostet, bestehen sollte, 
gab ihm Poseidon, den er um Hiilfe 
anflehle, einen goldencn Wagen mit 
wunderbar schnellen Rossen. Pind. 
Olymp. I. 67 — S7 ed. Bockh. 

per undas — rapuisse, Reminis- 
cenz aus einem uns unbekannten 
Dichter. 



LIBER III. 



113 



tasse in seiitentia pernianes. ^. Minime vero; nieque biduo 
duarum rerum, quas niaxime timebani, spero liberalum nietu. 
M. Cras ergo ad clepsydram (sic enini diximus) ; sed tibi hoc 
video non posse deberi. ^. Ita prorsus. Et illud quidem ante 
meridiem; hoc eodem lenipore. M. Sic faciemus, tuisque opti- 
mis studiis obsequemur. 



ad clepsijdram, sc. declamandi 
(i. e. rhetoricas) exercifationes 
institaemus. Aach der \\ asseruhr 
massen Damlich nichl uur die ijf- 
fentiichen Redner die Dauer ibres 
Vortrags , sondern sic wurde auch 
bei den Pri\atiil)ung;en der jungen 
Leute geljraucht. 

diximus : ,, so Iiaben \vir's aus- 
geniacht " ; s. oben 3, 9. 



sed — deberi: ,,Andrerseits sehe 
ich ein, dass ich dir auch dies (d. h. 
die Fortsetzung der gegenwartigen 
Disputation) nicht schuldig bleiben 
kann". 

illud quidem, die rhetor. Uebun- 
gen ; hoc, die philosophische Dispu- 
tation ; eodan tempore, sc. quo 
hodie, d. i. IVachniittass. 



LIBER TERTIUS. 
DE AEGRITUDINE LENIENDA. 



Uebersicht des Inbalts. 

Das Prooemhun haudelt von der Nothweudigkeit einer 
Heilkunde fiir die krankhaften Zuslande des Geistes und 
empfiehlt die Philosophie als eine solche (Cap. 1 — 3). 

Die Disputatlo selhst hat die Thesis : Cadit in sapientetn 
aegvitudo, zum Gegenslande, welche Cicero zuerst auf eigene 
Weise (Cap. 4 — Cap.7, § 13), dann durch fiinf Argumentationen 
der Stoiker kurz widerlegt (Cap. 7, § 13 — Cap. 10, § 21), 

Hierauf wird eine weitere und freiere Behandlung der 
Lehre von der aegritudo iiberhaupt eingeleitet 
(§ 22 u. 23): 

I. Ueber den Lrsprung der aegritudo. Diesen 
findel Cicero, gleich dem der andern pcrturbationes ., in der 
Vorstellung {opinio). Die aegritudo sei namlich die frische 
Vorstellung von einem gegenwartigen grossen Uebel der Art, 
dass Beangstigung gerechtfertigt scheine (Cap. 11). Diese De- 

Cic. Tuscul. o 



114 LIBER m. 1, 1. i. 

finilion wird nun naher begriindet durch die Nachweisung : 
1. dass die negvitudo auf derVorslellung eineslobels beruhe, 
wobei die etwas abweichenden Ansichlen der Epicureer und 
der Cyrenaiker widerlegt werdeu (Cap. 12 — 22); 2. dass sie 
etwas Freiwilliges, in der Regel aus falschem Pflichtgefiihl 
Hervorgchendes, also nicht in der Natur der Dinge bcgriindet 
sei (Cap. 23 — 30); 3. dass sie nur aus der frischenVor- 
stellung eines Uebels hervorgehe, also auch darum nicht nalur- 
gemiiss sei (Cap. 31, §75). 

11. Ueber die Trost griin de , welchc gegen die 
ae gritudo anzuwenden sind, wobei zngleich auf den Inhalt 
des folgenden Buches hingewiesen wird (Cap. 31, § 76 — 
Cap. 34). 



1 yuidnam esse, Brute, caussae putem , cur. quum con- 

1 slemus ex animo et corpore, corporis curandi tuendique caussa 
quaesita sit ars alque eius utilitas deorum immoilalium iii- 
ventioni consecrata; animi autem medicina nec tam desidcrala 
sit, anlequam iuventa, nec tam culta, posteaquam cognita esl, 
nec tam mullis grata et probala, pluribus eliam suspecta et in- 
visa? An, quod corporis gravitatem et dolorem animo iudica- 
mus, animi morbum corpore noii sentimus? Ila fil, ul animus 
de se ipse tum iudicct, quum id ipsum, quo iudicatur. aegrotel. 

2 Quodsi tales nos natura genuisset, ut eam ipsam inlucri et pei- 
spicere eademque optima duce cursura vitae conficere possemus, 
haud erat sane, quod quisquam ralionem ac doctrinam rcquireret. 
Nunc parvulos nobis dedit igniculos, quos celeriter malis mori- 

1. 1 . e/w5 uliUtas — coiisecrata, rationem ar iloclrinom, Xv 3iu 

fur: ea propter ulilitatem diis in- rfioM'; ,, syslematisclie Gelehrsam- 

ventorihus adscriptaideoquesacra keit". 

Iiabita. Uie dii immort. siiid liier x^ • „l„ u • , 

, ,, 1 • c u » 1 Ammc, , nun aber, so aber", meist 

Apol und sein aohn Aescu an. .. x i • ~i»:„k 

' , ,r , , I . mit autem oder vero, wie eleich 

y-/» = .vo«««,- denn vorher ist zu ,, ,., .^ , - \ 

,. ,,. ,.^ nachher u. IV. 24, o4. 

suppliren: Jliane caussa estt' ' 

corporis gravitatem = membro- parvulos — ignieulos ,, Fiink- 

rum grav. (de fin. IV'. 12, 31): chen " ; wie de fin. V. 7, 18: sunt 

eigentl. der Zustand, \vo einein die /« animis quasi virtutum is;niculi 

Glieder schwer sind , duher : Lii- et semina. Zu dein doppelten De- 

wohlsein iiberhaupt. minutivuin vgl. de nat I). 111. 1", 

2. Iiaud erat sane; vgl. I. S, 17: 43: aureola oratiuneula : .Acad. 
superbum id quidem cst. II. 44, 135: aureolus libellus. 



LIBERIII. 2, 3. 



J15 



bus opinionibusque depravali sic restinguimus, ut nusquam na- 
turae lumen appareat. Sunt enim ingeniis nostris semina innata 
virtutum, quae si adolescere liceret, ipsa nos ad beatam vitam 
natura perduceret. Nunc autem, simul atque editi iu lucem et 
suscepti sumus, in omni continuo pravitate et in summa opinio- 
num perversitate versamur; ut paene cum lacte nutricis er- 
rorem suxisse videamur. Quura vero parentibus redditi, dein 
magistris traditi sumus , tum ita variis imbuimur erroribus, 
ut vanitati verifas et opinioni confirmatae natura ipsa cedat. 
Accedunt etiara poetae, qui, quum magnam speciera doctrinae 2 
sapientiaeque prae se tulerunt, audiuntur, leguntur, ediscuntur 3 
et inhaerescunl penilus in mentibus. Quum vero accessit eo- 
dera, quasi maximus quidam raagister, populus atque omnis 
undique ad vitia consentiens multitudo, tum plane inficimur opi- 
nionum pravitate a naturaque descisciraus, ut nobis optime ua- 
turam ii vidisse videantur, qui nihil melius homini, nihil magis 
expetendura, nihil praestantius honoribus, imperiis, populari 
gloria iudicaverunt. Ad quam fertur optimus quisque, veram- 
que illam honestatem expetens , quam uiiam natura raaxirae 
anquirit, in sumraa inauitate versatur consectaturque nullam 
eminentem effigiem , sed adumbratam imaginem gloriae. 



suscepti suiniis. Suscipere (und 
tollere) pragnant : ,,ein neugebor- 
nes Kind von der Erde aufnehraen 
und es dadureh als das seinige an- 
erkennen". Alle Sitte bei den Rb- 
mern. 

magistris , den natiSayioyoTg , 
welche Sklaven waren. 

opinioni conjirmatae ,,dem ein- 
gewurzelten Vorurtbeil". 

2. 3. poetae. Auch II. II, 27 
wird ihr Einfluss getadelt. 

et vor inhaerescunt stellt dies 
Verbum den drei andern , als ge- 
meinscbaftliches ResuUat , gegen- 
iiber. 

naturam ii vidisse (im Sinne von 
§ 2 naturam intueri et perspice- 
re) ist Keils Verbesserung der un- 
braucbbaren Vulg. naturam invi- 
disse. Mit gleichem Sinne, abervon 
den Schriftziigen der codd. mehr 
abweichend schreibt Tregder (nach 
Madvig zu de fin. III. 19, 62) : na- 
turae vim vidisse. 



honoribus, imperiis. So gegen- 
iibergestellt, sind honores oder /n«- 
gistratus hohe Civil-, imperia Mi- 
litariimter. 

unam , mit Orelli und Tregder 
statt una, da es der Sinn erfordert 
und auch eiuige Hdschr. so haben. 

anquirit ist fiir das hdschftl. in- 
quirit aufgenommen , weil Cicero 
nur inquirere in alqd und dies 
in deni Sinne ,,etwas untersuchen" 
sagt. Anquirere dagegen ist (nach 
Festus p. 19) = circum quaerere, 
also ,,mit Eifer etwas aufsuchen"; 
so Lael. 23, 87 im Gegensatze zu 
fugere atque odisse. Vgl. unten I\ . 
31, 47. Auch in deu besten Hdschr. 
ist anq. gewohulich bald mit inq., 
bald mit acq. verwechselt. 

nuUam eminentem effigieni elc. 
,,niclit die greifbare Gestalt" (ei- 
gentl. eiu Bildwerk in erhabener 
Arbeit, welches solida, aus festem 
Stoffe, etwas Wesenhaftes, und 
expressa, bestimmt hervortretend. 



116 



LIBERIII. 2, 4. 3, 5. 



Est eniin gloria solida quaedani res et expressa, non adum- 
l)rata : ea est consentiens laus bonoruni , incorrupla vox bene 
iudicaulium de excellenle virlute; ea virtuli resonat tamquam 
imago. Quae quia recte faclorum plerumque comes est, non est 

1 bonis viris repudianda. Illa auleni, quae se eius imitalricem esse 
vult, temeraria at(}ue inconsiderata et plerumque peccatorum 
vilioruni(|ue laudatrix, fama popularis, simulatione lionestalis 
rormam eius pulcliritudincmque corrumpit. Qua caecitale lio- 
mines, quum quaedam etiam praeclara cujicrent eaque nesci- 
rent nec ubi nec qualia essent, fundilus alii everterunt suas ci- 
vitates, alii ipsi occiderunt. Atque ii quidem optima petentes 
non tam volunlate, quam cursus errore falluntur; quid? qui 
pecuniae cu.piditate, qui voluptalum libidine ferunlur, quorum- 
que ita perturbantur anin)i, ul non )iiullum absinl ab insania, 
quod insipientibus conlinjjil omnibus, iis nullane est adbibenda 
curatio? utrum quod minus noceanl animi aegrolalioues quam 
corporis? an quod corpora curari possint, animorum medicina 
3 nulla sit? At et morbi perniciosiores pluresque sunt animi 

5 quam corporis. Hi enim ipsi odiosi sunt, quod ad animum per- 



isl) , ,,sondei'n ein (wesenloses) 
Schattenbild". Aelinlicli p. Cael. 
5, 12 : llahuit — peritiulla iiia.vi- 
inaruin noii expres.sa signa , sed 
adinnbrata virtutum. — Dass der 
Zusatz virtutis, der sicli hinter 
i'JJigicm in den Ildschr. findet, niclit 
iiin^ehijrl, sondern das folgende 
gtoriae auch hier zuzudenken ist 
(aiso zienilich = veram g/oriam 
XI. Jalsain g/oriam), ergiebt sich 
aus dein folgenden Satze. 

Est eniin gtoria etc. Der Nach- 
druck liegt aurdem vorangeslellten 
pst : „I)enn in der That ist der 
liuhm — ". 

bene iudirantium , nicht ,.giin- 
stig", sondern ,,richtig". 

imago (mit und ohne vocis), der 
eigentl. lateinische Ausdruck fiir 
,,Kcho". Hor. Carm. I. 20, 0: 
iocosa Faticani montis imago. 

4. Atque ii quidcin — et tamen 
ii. Vgl. IV. 31, G6: Atquc crat 
Jacile ; 34, 71: Atque /lorum 
oninium etc. 



J\'runtur, im Sinne des Corapos. 
aujcruntur = abrijiiuntur, wie 
c. 5, 11. 

contingit, eigenll. ,,zusammen- 
trelfen", driickt eine innere \'er- 
bindung zwischen dem Ereigniss 
tind der Person aus , so dass das 
Ereigniss den subject. oder object. 
Verhiiitnissen derselben entspricht 
(daliei- iueist in honam partcin 
gebiauclil ) . wiilirend accidit nur 
voii z u f ii I I i ge n und Tin\orherge- 
sehenen Ereignissen, weUhe m e i s l 
ungliickliche sind , gebraucht wird. 

3. "^. ct vor viorbi , particula 
pendciis. Cicero wollle mil Bezug 
auf das vorangegangene utrum — 
an — sagen : et inorbi — qiiam 
corporis, ct medicina certior cst 
inorhorinn aniini quam coi^jioris, 
fiihrt aber, nach der weitern Aus- 
ruhiiing des ersten Punkles, ana- 
kolnthisch fort : Qiii vcro elc. \ gl. 
26, ti;{ ct .4encl)ines ; W . 35,74 
et i//ud. 

odiosi ..\\idriK". 



LIBER III. 3, 6. 7. 



117 



tineut eunique sollicitant, animusque acger^ ut ait Ennius, 
sernper errat, neque pati neque perpeti potest, cupere num- 
quam desinit. Quibus cluobus niorbis (ut omittam alios), aegri- 
tudine et cupidilate, qui tandeni possunt in corpore esse gra- 
viores? Qui vero probari potest, ut sibi mederi animus non 
possit, quum ipsam medicinara corporis animus invenerit, 
quumque ad corporum sanationem multum ipsa corpora et na- 
tura valeat, nec omnes, qui curari sc passi sint, continuo etiam 
convalescant, animi autem, qui se sanari voluerint praeceptis- 
que sapientium paruerint, sine ulla dubitatione sanentur? Est 6 
profecto animi medicina, philosophia, cuius auxilium nou, ut 
in corporis niorbis, petendum est foris ; omnibusque opibus vi- 
ribus, ut nosmet ipsi nobis mederi possimus, elaborandum est. 
Quamquam de universa philosophia, quanto opere et expetenda 
esset et colenda, satis, ut arbitror, dictum est in Hortensio. 
De maximis autem rebus nihil fere intermisimus postea nec 
disputare nec scribere. His autem libris exposita sunt ea, quae 
a nobis cuni familiaribus nostris in Tusculano erant disputata. 
Sed quoniam duobus superioribus de morte et de dolore dictum 
est, tertius dies disputationis lioc lertium volumen efficiet. Ut 7 
enim in Academiam nostram descendimus, inclinato iam in 
postmeridianum tempus die, poposci eorum aliquem, qui ad- 
erant, caussam disserendi. Tum res acta sic est. 



animus — desinit. Aus Ennius 
Iphig. Aulid. Ribbeck verrauthet : 
'Animus aeger sentper errat neque 
poti neque perpeti 

Potis est ciipere iiumquam 

desinit. 
Poti (auch bei Pacuv. Tnv potiri): 
,,Etwas lebhaft ergreifen", perpeti 
,,stan(lhaft ertragen". Das/;af« der 
Hdschr. ist jedenfalls verderbt. 

probari ut — , Verkiirzung des 
Ausdrucks fiir ut credam {creda- 
mus) niit Acc. c. Inf. ; wie de fia. 
II. 33, 108: Qui probari potesf, 
ut is — plus quam ego ipse gau- 
deaf^ Ebenso ist's mit ut bei te- 
nere (V. 11, 34) ,,an einer Ansicht 
festhalten" und bei efficere ,,be- 
weisen". 

valeat, im S i n gu 1 ar, im An- 
schluss bloss an das letzte Subjecf ; 
wie Acad. II. 35, 113: et Peripa- 
tetici et vetus Academia concedit. 



G. omnibusque, s. I. 29, 71 zu 
adhibuitque. 

opibus viribus. So koramen auch 
die spriichw()rtl. Ausdriicke equis 
viris und ventis remis ,,rait aller 
Kraft" htiufig ohne que vor. 

de universa philosophia ,,uber 
die Philosophie ira Allgemeinen". 
Vgl. II. 2, 4 universae philosophiae 
vituperatoribus ; 111.34,82 uni- 
versam aegritudinem. 

expetenda esset. Ueber d. Conj. 
Impf. s. I. 1, 1 zn pertinere7it. 

in Hortensio, s. zu II. 2, 4. 

nec scribere. Er meint besonders 
die Acadentica und die Biicher de 
Jinibus bon. et mal. 

7. in Academiam — descendi- 
mus, s. zu II. 3, 9. 

caussam disserendi eigtl. ,,eine 
Veranlassung — ", daher ,,einThe- 
ma zum Disputiren". 



118 LIBER IIF. 4, S. 0. ^ 

4 A. Videtur mihi cadere in sapienlem aegritudo. M. Num 
reiiquae quoque perturbaliones animi, forniidines, libidines, 
iracundiae? Haec enim fere sunt eiusmodi, quae Graeci .idO^rj 
appellant; ego poteram morbos, et id verbum essct e verbo; 
sed in consuetudinem noslram non caderct. Nam misereri, in- 
videre, gestire, laetari, haec omnia ?nor/jos Graeci appeliant, 
motus animi, ralioni non obtemperantes ; nos autem hos eos- 
dem motus concitali animi recte, ut opinor, pcrturbationes 
dixerimus ; morbos autem non salis usilate, — nisi quid aliud 

5 tibi videtur. A. Mihi vero isto modo. J/. Haecine igitur ca- 
dere in sapientem putas? A. IVorsus existimo. M. Nae ista 
gloriosa sapientia non magno aestimanda est , siquidem non 
multum dilfert ab insania. A. Quid? libi omnisnc animi com- 
motio videtur insania? M. Non mihi quidcm soli, sed, id quod 
admirari saepe soleo, maioribus quoque noslris hoc ita visum 
iotelligo multis seculis ante Socraten, a quo haec omnis, quae 
est de vita et de moribus, philosophia manavit. A. Quonam 
tandem modo? M. Quia nomen insaniae signilicat mentis aegro- 
tationem et morbum [id est insanitatem et aegrotum animum, 

9 quani appellarunt insaniam]. Onines autem perturbationes 
animi morbos philosophi appcliant, negantque, stuilum qucm- 
cpiam iis morbis vacare. Qui autem in morbo sunt, sani non 
sunt; et omnium insipientium animi in morbo sunt; omnes in- 

4. cadcre. Cadit alqd iii alqm verbinti e verbo : ,,VVort fiir 

heisst : es trilft Jeiiiaud Euvas, so Wort, wbrllich" = </</ reri/ww 19, 

dass es auf ihn Anwendung findet 44. Uebrigens ist Cic. wieder im 

und er Theil daran hat ; also hier : Irrthuui, wie 11. 15, 35 init novog 

,,der BekUnunerniss unterworfen und /rtfco?-; denn ttk^^o? ist ein wei- 

sein". Aehnlich nachher : iii von- tercr Begrilf als 7«o/-/*w5 (rdao?). 
suctiidinem nostram non eaderet nixi — videtnr^W. iS,A'l: ntsi 

,,das wiirde niit unserni Sprach- quid vis ad hacc. 
gehrauch nicht stinimen". S. haecine, nicht haeccine, ist 

./"oJVw/^/tHeAetc. Ingenaue Aufziih- im Neutr. Pl. zu schreiben. 
lung, wie unten 5, 11; die genauere magnoheiaeslimarc, fur^nagni, 

' -Eintheilung und Untereintheiiung einigemal bei Cicero, z. B. de fin. 

dcr pcrturbafiones s. IV. 7, 10. III. 3, 11 ; permagno , in Verr. II. 

Ilaec eniin. Das Neutrum wie I. 4, 7. 13. 
24, 50 (nach vitis und arbor) ge- qiiae est de vita. Die Philoso- 

braucht. phen vorSoerales bescIiiiftigteD sich 

ego poteram morbos. Vgl. de liaujitsiichlich mil der Physik (Na- 

fin. III. 10, 35: {perturbationcs turphilosophie) ; e r begriindete erst 

animorum) Graeci nuHi] appel- die Ethik. Ngl. V. 4, 10. — Zu 

lant, poteram ego verbum ipsum esse de — ,,vou Etwas handeln" 

interpretans morbos appellare ; vgl. I. 11,24. 

sed non conveniret ad omnia. , 9. et fiihrt hier, wie sonst atqui 



LIBER !II. 5, 10. 11. 119 

sipientes igitur insaniunt. Sanitalem enim animorum positam 
in tranquillitate quadam constanliaque censebant; his rebus 
mentem vacuam appellarunt i/isaniam, proplerea quod in per- 
turbato animo, sicut in corpore, sanitas esse non posset. 

Nec minus illud acute , quod animi affectionem lumine 5 
mentis carentem nominaverunt amentiam eandemque demen- 10 
tiu?n. Ex quo intelligendimi est, eos, qui haec rebus nomina 
posuerunt, seusisse hoc idem, quod a Socrate acceptum dili- 
genter Sloici retinuerunt, omnes insipientes esse non sanos. 
Qui est enim animus in aliquo morbo (morbos autem hos per- 
turbatos molus, ut modo dixi, philosophi appellant), non magis 
est sanus, quam id corpus, quod in morbo est. Ita fit, ut sa- 
pientia sanitas sit animi, insipientia autem quasi insanitas quae- 
dam, quae est insania eademque demeutia ; mulloque melius 
haec notata sunt verbisLatinis quamGraecis, quod aliis quoque 
multis locis reperietur. Sed id alias; nunc, quod instat. 

Totum igitur id, quod quaerimus, quid et quale sit, verbi 11 
vis ipsa declarat. Eos enini sanos quoniam intelligi necesse 
est , quorum mens molu, quasi morbo , perturbata nullo sit: 
qui contra affecti sint, hos insanos appellari necesse est. Ita- 
que nihil melius, quam quod est in consuetudine sermonis La- 
tini, quum exisse. ex yotcstate dicimus eos , qui effrenati 

oder iam vero, die propos. minor de statu suo deiecta), wahreud es 

des Syllogismus ein ; ebenso 7, 15: in dem Begritf amenlia nicht mit 

et sapientis animus etc. ; 8, 18: liegt, ob die Verslandigkeit frii- 

et sunt illa sapientis. her in einer Persoa gewesen sei 

Sanitatem enim elc. Der Ge- oder nicht. 

danke geht un verme rJit von den inteliigendum est. Zurapt Gr. 

Stoikern, deren Ansicht in diesem § 650. 

Punkte Cicero mit der der aiten nomina yosuerunt fiir imposue- 

Romer iibereinstimmend fin- rwwf, auch sonst bisweilen. 

det, wieder auf die letzteren iiber, a Socratc aeceptum , besonders 

so dass die neuerdings vorgeschla- aus dem Alcib. II., der zwar nicht 

gene Aenderung von enim in autem von Plato, aber ganz socratisch ist. 

nicht niithig ist. Sed id alias ; nunc — ; dieselbe 

5. 10. acute sc. dictum est. EUipse 30, 73. 

animi — mentis. Animus ist 11. Totum etc. Im Deutschen 

dasGanze: derGeist; w?erts einer wenden wir mehr Abstracta an : 

der drei Theile desselben : das ,,Im Allgemeinen wird also der Ge- 

Denkvermbgen ; in seiner Anwen- genstand unsererAufgabe nach sei- 

dung heisst es ?•«?/(>. Vgl. 1.10,20. nem Wesen und seiner Beschaffen- 

amentiam — devientiam. Letz- heit durch die Bedeutung des Wor- 

tere i&t das Abgekommensein vom tes selbst erklart". Zu totus vgl. 

gesunden Verstande, den einer frii- § G : rfe uuiversa pliilosophia. 

ber besass (gleichsam rfes/flf?/ ??je«- exisse ex potestate , sc. sua ; 

tis deiectuvi esse oder auch mens also : ,,dass sie -sich nicht mehr in 



120 



LIBER III. 5, 11. 



feruntiir aiit libidine aut iracundia ; quaniquam ipsa iracundia 
libidinis esl pars. Sic enim delinitur : iracundia ulciscendi li- 
bido. Qui igitur exisse ex poteslale dicuntur, idcirco dicuntur, 
quia noii sint in polestate menlis , cui rejijiium lolius animi a 
natura Irihulum est. Graeci autem uaviuv undc appellent, nori 
facile dixerini; eam tamen ipsam dislinguimus nos melius quam 
iJli. Hanc enira insaniam, quae iuncta stultitia palel latius, a 
furore distinjfuimus. Graeci volunt illi quidem , sed parum va- 
lent verbo: quem nos furorem, /.le/.ayyoltap illi vocanl. Quasi 
vero atra bili solum mens, ac non saepe vel iracundia graviore 
vel timore vel dolore moveatur, quo genere Alliamantom, 
Alcmaeonem , Aiaccm , Orestem furere dicimus. Qtii ila sit 
aflectus, eum dominum esse rcrum suarum vetanf duodecim 
tabulae. Itaque non est scriptun), si insanus, sed, si fvhiosvs 
ESciT. Stultiliam enim censuerunt, constantia, id est sanitate, 
vacanlem, posse tamen tueri mediocritatem officiorum et vilae 



derGewalthaben". \gl. 1\ . '60, 77: 
Jvalos propvie dicimus exisse de 
poteslale, id est de consilio , de 
ratione, de mente; huritm enim 
potcstas in totum animum esse 
. debet. Grlechiscli : i^iaTuaO^iu 
kavTwv. Das Gegentbeil : Nep. Att. 
6, 1 in sua polestate esse. 

cui regnum — trib. est. \g\. I. 
10, 20. 

/uc(vi(cv undc appcllent: von 

MAil, Vi OVOtl /.{CCiojLlCd , UCCIfXCCW, 

heftig nach Etwas Irachten. 

volunt illi quidcm, sc. insaniam 
a furorc distingucre. — AA egen 
quidcm s. zii 1. 3, G. 

parum valcnt verbo ,,sic haben 
(las ausdrucksvolle Wort nicht''. 

ytlliamantem. Seiii Wahnsinn 
war eine Folge der Flucht seincr 
Kinder aus ersterEhe, Phri.xus und 
Ilelle, und trieb ihn zuiuMordnnrall 
auf seine 2. Geinahlin . Ino , und 
deren Kinder. Alcniiion rjichte 
seinen Vater Amphiaraus (s. 11.25, 
()0) an derMutter, wieOrestes 
den Againemiion , worauf bcide in 
Wahnsinn verfielen, derdagegen bei 
.Ajax eine Wirkung des gekriink- 
ton Ehrgeizes war. 



furere, das Prasens, wcil zu Ci- 
ceros Zeit die belreifendcn Tragii- 
dien noch \orhaiHlen waren. 

si — cscit, in dcm zu 11.21,48 
angefiihrten Geselze. Statt cscit, 
welches noch bei Plaiitns und Lu- 
erez = crit voikoninit, haben hier 
die Handschrlftcii das Glossem csse 
incipit. 

Stultitiam iin Sinne der Stoikcr 
(deren Lehie Cic. in diesem Buche 
zur seinigen niacht) = insaniam. 
Das Abstract. fiir das Concrelum. 

mediocrilafcm ojfirinrum = me- 
dia o^l/icia. (Liii ein adjecliv. Attri- 
but deslo melir lier\orzuhebcii. \cv- 
wandelt es dcrLatciiier iifter in das 
ents|irecliende Substanti\' und setzt 
das andre Subst. dazu in den Gcni- 
tiv. So 10, 22: mcdincritates pcr- 
turbationum : V.3, 8: novitatem 
nominis ; 15, 43: m bonovum cr- 
rore = in opinatis bonis. Vgl. Xa- 
gelsbach 2.A. S. 190.) Die Stoiker 
unterscheiden niiinlich mcdia (oder 
communia ..gewohiiliche'*) u. per- 
fecta oj/icia {to xccUfjxov — to 
xccTooiUouic): s. dc olf. 1.3,S. Die 
media oj/icia kann auch ein infi- 
piens erriillen. 



LIBER III. 6, 12. 13. 



121 



corarniinem cuUiim atqiie iisitatum; furorem autem esse rati 
sunt mentis ad omnia caecitatem. Quod quum maius esse vi- 
deatur quam insania, tamen eiusmodi est, ut furor in sapien- 
tem cadere possit, non possit insania. Sed haec alia quaestio 
est ; nos ad propositum revertamur. 

Cadere, opinor, in sapientem aegritudinem tibi dixisti 6 
videri. ^4. Et vero ita existimo. M. Humanum id quidem, quod 12 
ita existimas. Non enim silice nati sumus, sed est natura fere 
in animis tenerum quiddam atque molle , quod aegritudine, 
quasi lempestate , qualiatur. Nec absurde Crantor iile , qui in 
nostra Academia vel in primis fuitnobiiis: ,,Minime, inquit, 
assenlior iis , qui istam nescio quam indolentiam magno opere 
laudant, quae nec potest ulla esse nec debet. Ne aegrotus 
sim ; sin , inquit , qui fuerat, sensus adsit, sive secetur quid 
sive avellatur a corpore. Nam istuc nihii dolere non sine 
magna mercede contingit immanitatis in animo , stuporis in 
corpore." — Sed videamus, ne haec oratio sit homiuura assen- 13 



inenfis ad omnia caecitatem ; 
wie IV. 10, 23 : ad cerfas res offen- 
sionem ; Ter. Andr. II. 3, 4 : fuum 
animum ad nuptias. 

non possit, ,,nicht sibev — " ; 
s. I. 48, 116 zu non defuit. 

6. 12. Humanum id quidem 
etc. Lael. 13, 48 : Quid enim inter- 
est, mofu animi sublato, non dico 
inter pecudem et hominem , sed 
inter iiominem et truncum aut 
saxum !' 

silice nati, Anspielung auf Hom. 
Od. XIX. 163: oi) ycco aTTO ^ovog 
iaai 7TK).c(i(fUT0v ovd^ anb niTor];. 
Vgl. 11. XVI. 33—35. 

Crantor , s. zu J. 48, 115. Das 
Griechische giebt Plut. Coiisol. ad 
Apoll. c. 3. p. 408 ed. WyU. 

jiescio quam , verJichtlich , vou 
Dem, wovon man keine niihere No- 
tiz nehmen will. 

indolentia, nach i\on. II. 453 
von Cicero neu gebildet, fiir uvcd- 
yi]Gii(. woher er de fin. II. 4, 11 ut 
ita dicam hinzusetzt. 

iVe aegrotus sim = Utinam 
numquam aegrofus sim. 



sin, inquif, quifueratcic. Der 
Sinn der Stelle ist klar, die Lesart 
aller Hdschr. aber corrumpirt: si 
inquiti^iyiquid^fueratsensus adsif. 
WolfsConjeclur: sin, is,quifuerat, 
u. Rauchensteins: sinfiat, quifue- 
rat, erscheinen zu abweicheiid von 
denMscr.; Tregders: sin quidfue- 
rit = si quid acciderit , zu stark 
im Gegensatz zu Ne aegrotus sim, 
da dieser und ahnliche Ausdriicke 
euphemistisch vom Tode gebraucht 
werden. Was unser inquif betrifft, 
so findet dies Wort sich auch sonst 
wiederholt , besonders wenn der 
Gedanke, wie hier, eine neueWen- 
dung nimmt; vgl. II. 19, 44 : Ergo, 
inquit, dolor — ; de nat. D. I. 7, 
17; de orat. II. 3, 13 und 74, 298. 

mercede. Vgl. pro domo 11, 29: 
Bata mcrces est erroris mei ma- 
gna. — Die Genit. immanitatis und 
stuporis statt der Apposition : non 
sine immamtate etc. 

slupor = c(vaia9 )]Gic( , Stumpf- 
heit. Zum Inhalt vgl. die schiine 
Stelle de domo 36, 97. 

13. videamus , ne — , s. I. 34, 
83 zu vide ne — . 



122 



LIBER III. 7, 14. 



tantium nostrae iinbecillitati et indul^entiiiin niollitudini ; nos 
auteni audeamus non solum ramos amputarc miseriarum, sed 
omncs radicum fibras evellere. Tanien aliquid relinquetur for- 
tasse; ita sunt altae stirpes stultitiae; sed relinquetur id solum, 
quod erit necessarium. lilud quidem sic iiabeto, nisi sanalus 
animus sit, quod sine pliilosophia fieri non potest, finem mise- 
riarum nullum fore. Quamobrcm, quoniam coepimus, tradamus 
nos ei curandos : sanabimur, si volemus. Et pro^rediar qiiidem 
longius: non eniin dc acgritudinc solum, quamquam id quidem 
primum, sed de omni animi, ul ego posui, perlurbationc (morbo, 
ut Graeci volunt) explicabo. Et primo , si placet, Stoicorura 
more agamus , qui breviter adstringere solent argumenta ; 
deinde nostro inslituto vagabimur. 
7 Qui fortis est, idem est fidens ; — quoniam conjidens raala 

14 consueludine loquendi in vitio ponitur, ductum verbum a ron- 
jidcndo , quod laudis est. — Qui aulcm est lidens , is profecto 
non exlimescit; discrepat enim a limcndo conlidere. Atqui in 
quein cadit aegritudo, in eundem timor. Quarum enim rerum 
praescnlia sumus in acgritudine, easdem impcndenles et ve- 
nienles limemus. Ita fit, ul forlitudini acgriludo repugnet. 
Veri simile est igitur, in quem cadat aegritudo, cadere in eun- 
dem timorein et infractionem quidem aiiimi et demissiouem. 
Quae in quem cadunt, in eundcm cadit, ut scrviat, ul viclum, 
si quando, se esse fatcalur. Qiiae qui recipit, recipial idem 



quod eril iieeessarium, naiiil. um 
iibfrhaupt ein Mensch zu bieiben. 

llliid — habefo : ,,davon aber 
lialle dich iiberzeugt". 

explicaho , intransitiv, wie dc 
off. I. :3, 7 : de quibus est ?wbis 
explicandum, u. iJfter. 

id qr/idem primum , in diesein 
ganzen IJuche. 

/josui. So ad fam. I. !>^ 21 : ut 
puullo ante posui. 

primo , bis H», 22; deinde, bis 
zu Ende des Buches. Ueber si pla- 
cet s. I. 1 1, 23 zu si videtur. 

brevifer adstringcre. So de falo 
14,32: haec arctius adstringi ra- 
lio non potest. 

7. 14. quoniam etc. Der zu 
supplirende Zwischengedanke licgt 
nahc. (Vgl. I. 34, S4 : ((noy.c<{)Tt- 
owr, quod revocatur ab amicis.) 



Vollstiindig ist der Ausdruek unten 
9,20: invidenfiam. Non dixi in- 
vidiam, quae tum est, quum invi- 
detur. — Conjidens koinmt (abge- 
schen vom Advcrb.) in derTliat nur 
bei Tercnz (Andr. V. 2, 14) noch 
im guten Sinnc \or. 

et — qiiidem ,,und zwar damit 
zugleich " crwcitcit den Bcgriif 
des timor, um damit die nachste 
Folgerung (^ut serviat etc.) zu be- 
griinden. 

si quando — si fortc „wenn 
sichs einmal so trilft". 

recipit , recipiat — , absichtlich 
so gcslellt. Vgl. 5^ li : ut furor 
— possit . non possit insania ; 9, 
20 : */ — posset, posset etiam — ; 
31, 75: qiiamdiu vixit , vixit in 
luctu ; de fin. II. 21, 6S : quod 
nobis non liceal, liceat illis. 



LIBER ni. 7, 15. 8,16. 123 

uecesse est timiditatein et ignaviam. Non cadunt auteni haec 
in virum forteni. Igitur ne aegritudo quidem. At nemo sapiens 
nisi fortis. Non cadet ergo in sapientem aegritudo. 

Praeterea necesse est, qui fortis sit, eundem esse magni 15 
animi; qui magni animi sit, invictum; qui invictus sit, eum 
res humanas despicere atque infra se positas arbitrari. Despi- 
cere auteni nemo potest eas res, propter quasaegriludine affici 
potest. Ex quo efficitur, fortem virum aegritudine numquam 
affici. Omnes autem sapientes fortes. Non cadit igitur in sa- 
pientem aegritudo. 

Et quemadmodum oculus conturbatus non est probe affectus 
ad suum munus fungendum, etreliquae partes totumve corpus, 
statu quum esl motum , deest officio suo et muneri : sic con- 
turbatus animus non est aptus ad exsequendum munus suum. 
Munus autem animi est rafione bene uli, et sapientis animus 
ita semper affectus est, ut ratione optime utatur. Numquam 
igitur est perturbatus. At aegritudo perturbalio est animi. 
Semper igitur ea sapiens vacabit. 

Veri etiam simile illud est, qui sit temperaus — quem 8 
Graeci oiocpqova appellant eamque virtutem oo)(pQOOvvi]v vo- 16 
cant, quam soleo equidem tum temperantiam, lum moderalio- 
nem appellare , nonnumquam etiam modestiam ; sed haud scio 
an recte ea virtus frugalitas appellari possit , quod angustius 
apud Graecos valet , qui frugi homines xQrjoijnovg appellant, 



ne aegritudo quidem; s. zu I. passende lateinische Uebersetzung 

6, 11 ; ebenso 9, 19; 10, 21. von «Tcoypoai')'?;) ihrenGrund haben. 

15. ad suum munus funge7idum, eaniquc virtutem , Uebergang in 

s. Zuinpt Gr. §657. Ebenso 17,36: die Forni des Hauptsatzes, wie I, 

quod utendum acceperis ; \. 17, 44, 106 bei neque te mei miseret. 

4Q : nec quicquamest gloriandum; quod — valet: ,,was (nainlich 

ib. 50 : beata vita glorianda est. frugalitas') die Griechen in ihrem 

vacabit. Das Futurum tritt nach VVorte /Qt^ai/LioTrjg in engerer Be- 

vorangegangenem Prasens hiiufig deutung nehmen". 

bei Cicero in der conclusio ein ; frugi homines. (Urspriinglich : 

vgl. 8, 18: aberit igitur elc; 9, ager frugi ferendae aptus.') Wie 

19 : vacabit. weit dieser BegrilF, auf Menschen 

8. 16. qui sit temperans. Der iibertragen, ausgedehnt wird, dar- 

Nachsatz folgt erst §18: eum ne- iiber s. auch IV. 16, 30. Schwer zu 

cesse est esse constantem. Das iibersetzen ; etwa : Biedermann — 

ganze Capitel ist voll von Anakolu- Biederkeit. Zojtf qmv ist eigentlich 

thien und complicirten Einschaltun- noch weiter: = aaiog xara ttjv 

geii , die in Ciceros Zvveifeln und (fQSPcc , dessen Sinn so ist, wie er 

Schwanken iiber die Sache (eine sein soll. 



124 LIDER III. S, 17. 18. 

id est, tantumniodo iitiles: at illiid est latius: omnis enim abs- 
tinentia , omuis innocentia — quae apud Graecos usilatum 
nomcn nullum habet, sed habere potest a^/.cciieiav , nam est 
innocentia affecfio talis animi, quac noceat neraini, — reliquas 
etiani virtutes Iruj^alilas coulinet. Quae nisi lanta esset et si 
iis angustiis , quibus plcrique putant, leneretur, numquam 

17 esset L. Pisonis cognomen tanto opere laudatum. Sed quia nec 
qui propter metum praesidium reliquif, quod cst iguaviae, nec 
qui propter avaritiam clani depositum non reddidit, quod est 
iniustitiae, nec qui propler lemeritatem malc reni j^essit, quod 
est stultitiae, //7/^'/ appellari solet: eo tres virtutes, tortitudi- 
nem , iustitiam, prudcnliam , Irugalitas complexa est (etsi hoc 
quideni commune est virtutum ; omnes enim inter se nexae et 
iugatae sunt); reliqua igitur est, quarta virtus ut sit, ipsa Cru- 
galitas. Eius cnim videtur esse proprium , motus aniuii appe- 
tentes regere et sedare seujperque adversantem libidiui niode- 
ratam iu omni re servare constantiam. Cui contrarium vitium 

18 nequitia dicitur. Fr//ga//lns , ut opinor, Afn/i>;p, qua nihil 
nielius est e.terra : neq//itia ab eo (etsi erit Iioc fortasse durius ; 
sed temptemus : lusisse puteraur, si nihil sit), ab eo, quod 
nequicquam est in tali houiine ; cx quo idem i/ihili dicifur. — 

illud: (las \aleia. J'i'i/ga/i/as. 17. re/iqiia ii;iliir cst elc, Ma<l- 

onnii.^ eiiini abs/iiie?itiaetc.,\\ie- vigs Coiijectui' Ciir ilie Lesart der 

dereineAnakoluthie. Essollle iiach- Hdschr. : reliqiia igi/i/r et qi/arfa 

her heissen : reliquae etiam virtu- virtus ut sit ipsa friig. : einfachei' 

tes frugalilate eontinenlur. Ganz als die Kiihnersche : rel. ig. et qu. 

ahnlich de fin. III. 3, 11 : Ceterae virt. erit ipsa frui^. Fruga/itas 

philusopliuruni diseipiinae — eas hier im engern Sinne = aojifoo- 

— /lihil adiuvare arbitror. ovri], temperantia. Xachher aber, 

«/SA«'/?f'f'und«^?A«/J/;?hahen auch im Gegensalz zn nequitia, wird es 

wirklich diese Bedeutung. Cicero wieder in der weiteren Bedeutung 

thul beiin Loben seiner Mutter- angewandt. 

sprache den Griechen fortwahrend 1^. ab eo — ab eo. Ebenso ist 

Unrecht. 2S, 71 /V/ nach eiiieniZwischcnsatze 

L. Cafpurnius Piso Frugi , be- wiederiiolt, und 29.72 is nach 

riihniter Uedner und Verfasser von Oifeus ilfe, zur Erleichterung des 

Annalen, setzte als Volkstribun 1 l'.( ^ersliindnisses. 

V. Chr. (lie lex Calpiirnia de peeii- nequicquam. Ebenso \'arro L. 

niis repetundis durch, war 133 L. X. 0, §"^1: e.v ne et quid- 

Consul und 120 Ccnsor. Cic. p. quam, media extrita si/l/aba, 

Font. 13, 29: (L. Piso) tanta coactuyn est nequam. Falsch ; 

virtute atquc integritatc fuif . ut ncquam und ncqiiitia sind vielniehr 

etiam illis optimis tcmporibus, niit nequire Eines Staniines. 

quuni hominem invenire neqi/am idein niliili dicitur. Die besten 

neminem posses , solus tamen Hdschr. haben hier nihil , doch 

Frugi noniinaretur. scheint dies unlateiniseh zu seiii. 



LIBER !II. 9, 19. 20. 



125 



Qui sit friigi igitur, vel , siiuavis, moderatus et t^perans, 
eura necesse est esse constantem ; qui autem constans, quietum ; 
qui quietus, perturbatione omui vacuum; ergo etiam aegri- 
tudine. Et sunt illa sapientis, Aberit igitur a sapiente aegritudo. 

Itaque non inscite Heracleotes Dionysius ad ea disputat, 9 
quae apud Homerum Achilles queritur boc, ut opinor, modo : 

Cor(jue meum pcnitus turgescit tristibus iris, 

Qui/m (lecore (itquc omni me orhatum loude recordor. 
Num manus aiFecta recte est, quum in tumore est? aut num 19 
aliud quodpiam membrum tumidum ac turgidum non viliose se 
habet? Sic igitur inflalus et tumens animus in vitio est. Sapien- 
tis autem animus semper vacat vitio, numquam turgescit, num- 
quam lumet ; at iratus animus eiusmodi est ; numquam igitur 
sapiens irascitur. Nam si irascitur , etiam concupiscit. Pro- 
prium est enim irali, cupere, a quo laesus videatur, ei quam 
maximum dolorem inurere. Qui autem id concupierit, eum 
necesse est, si id consecutus sit, magno opere laetari. Ex quo 
fit, ut alieno malo gaudeat. Quod quoniam non cadit in sapien- 
tem , ne ut irascatur quidem cadit. Sin autem caderet in sa- 
pientem aegriludo, caderet etiam iracundia. Qua quoniam va- 
cat, aegritudine etiam vacabit. 

Etenim si sapiens in aegritudineni incidere posset, posset 20 
etiam in niisericordiam, posset in invidentiam. (Non dixi invi- 
diam, quae tum est, quum invidetur; ab invidendo autem in- 
videntia recte dici potest, ut elFugiamus ambiguum nomen 



Vgl. Varro 1. 1. : Itaque ut eum, 
qiteirr putamus esse non hili, dici- 
mus nihili, sic, in quo putamus 
esse 7ion hili , dicimus ne qua m : 
id. VIII. p. 111 : Dicimus : hic ho- 
mo nihili est, et : huius hominis 
nihili , et: hunc hominem nihili. 
So Plaut. Casia. II. 3, 29 : Unde is 
niliili. 

Et sunt etc, s. zu 4, 9. 

9. Dionysius, s. zu II. 25, 60 ; 
iiber ad ea I. 4, 7. 

apudHomerum, Ilias IX. 646 sq.: 
t<k).K fAoi oiScivsTKi xQcc^it] ;^dAw, 

otttiot' ty.tiron' 
lAVrjaofxui, uig jii c}av(f)]).ov ivl4o- 

ytioiaiv eQt'^iv 



liTQti^t]g , wati Tiv cWifirjTov /uf- 
Tavc'(aTi]v. 
tvistihus iris , s. II. S, 20 zu 
tristis Eurystheus. 

19. laesus videatur, sc. sihi. 

20. Efenim leitet hier nicht den 
Beweis von Qua — vacabit ein, 
sondern eiuen neuen Beweis der 
Behauptung: aegritudine sapiens 
vacahit ; liesse sich also vi\t porro 
oder praeterea vertauschen. So 
auch IV. 17, 40. 

invidiam. Cicero will invidia 
nur im passiven Sinne gelten las- 
sen ; fiir den activeu bildet er, um 
Zweideutigkeit zu venneiden , das 
VVort invidentia, ,,Scheeisucht" ; 
vgi. IV. 7, 16. 



12G 



LIHER III. 10, 21. 22. 



invUUac\ quod verbum duclum est a nimis iutuendo fortunam 
allerius, ut est in Melanippo : Quisnam 

Jlorem liberum invidit mcum? 
MaleLatine videtur; sed praeclareAccius; ut enim riJere, sic 
invidere florem reclius , qiiam //o/V. Nos consucludine prolii- 
lObemur; poeta ius suum tenuit et dixit audacius.) Cadit igitur 

21 in eundeni et misereri et invidere. Nani qui dolel rebus ali- 
cuius adversis, idem alicuius etiam secundis dolet. Lt Theo- 
pbrastus, intcritum deplorans (^allisthenis sodalis sui, rebus 
Alexandri prosperis angitur, itaque dicit, Callislhenein iucidisse 
in hominem summa potentia summaque fortuna , sed ignarum, 
quem ad modum robus secundis uti conveniret. Atqui quemad- 
modum misericordia aegriludo est ex alferius rebus adversis, 
sic invidentia aegritudo cst ex alterius rebus secundis. In quem 
igitur cadit miscreri , in eundem eliam invidere. Non cadit 
autem invidere in sapienlem; ergo ne misereri quidem. Quodsi 
aegre ferre sapiens soleret, misereri etiam soleret. Abest ergo 
a sapiente aegritudo. 

22 Haec sic dicuntur a Stoicis concludunturque contorlius. 
Sed lalius aliquanto dicenda sunt et diffusius; sentenliis tamen 
utendum eorum polissimum, qui maxime Ibrli et, ul ila dicam, 
virili utuntur ratione atque sententia. Nam Peripatelici, fanii- 
liares nostri , quibus nihil est uberius , nihil erudilius, niliil 
gravius, mediocritates vcl perlurbationum vel morborura auimi 



in Melanippo, einein Stlicke des 
Accius. Der Vers hiess nach Nonius 
vollstiindig so : Vnde aut (jiiis mor- 
talis florem libcrum invidtt meumi' 
Das Scheelansehen {eigil. /ascinare. 
/S«(Tx«A'6/»')bringt niiml. nacheincm 
uralten Aberglaiiben , der sich bei 
allen Vollcera findet , dcm Ange- 
blickten Schaden. 

1/a/e Latine , sc. dictum oder 
dixisse. 

dixit audacius. Oder vieimehr: 
es war zu Accius Zeiten so gewohn- 
lich wie spiiter der Dativ. 

10. 21. Theophrastus (I. 19, 
45) in seiner Schrift : KaXXta&i- 
V)]g >5 TifQ) TitrDoig. 

intcritum Callisthenis. Diesen 
seinen ehemaligen Mitschiiler und 
Freund beziichtigte Alexander, als 
er sich seiner gottlicheu \'erehrung 



widersetzte , der Theiinahme an 
einer Verschwiirung, und liess ihn 
nach den scheussiichstea Grausam- 
keiten endlich tijdtcn. 

aegre Jerre = aegritudine aj- 
fici. 

22. concluduntur contortius, in 
dem Sinne von (0, 1.3) hreviter ad- 
stringere argutncnta, doch mil lei- 
sem Tadel. Vgl. II. IS, 42. 

latius dicenda sunf. Dies ge- 
schiehl bis zu Ende des Buches. 

nihi/, wie I. 2, 5. 

tnediocritates perturbationnm 
,,gemiissigte Leidenschaften", s. 5, 
1 1 zu mediocritatem officiorum. 
Vergl. 31, 74. Acad. II. 44, 135: 
Mediocritales illi prohabant, et in 
omni permotionc naturalem vole- 
bant esse tjuendam niodum. 



LIBER III. 10, 23. 11, 24. 127 

mihi non sane probant. Orane enim malum , etiam mediocre, 
malum est ; nos autem id agimus, ut id in sapiente nullum sit 
omnino. Nam ut corpus, etiam si mediocriter aegrum est, 
sauum non est: sic in animo ista mediocritas caret sanitate. 

Itaque praeclare noslri, ut alia multa , molestiam, solli- 
citudinem , angorem propter similitudinem corporum aegrorum 
aegritudinem nomiuaverunl. Hoc propemodum verbo Graeci 23 
omnem animi perturbalionem appellant; vocant enim ndS-og, 
id est morbum , quicunque est molus in animo turbidus. Nos 
melius ; aegris enim corporibus simillima animi est aegriludo ; 
at non similis aegrotationis est libido, non immoderala laetitia, 
quae est voluptas animi elata et gestiens. Ipse etiam metus non 
est morbi admodum similis, quamquam aegritudini est finitimus ; 
sed proprie , ut aegrotatio in corpore , sic aegritudo in animo 
nomen habet non seiunctum a dolore. Doloris huius igitur origo 
nobis explicanda est, id est caussa efficiens aegritudinem in 
animo , tamquam aegrotationem in corpore. Nam ut medici 
caussa morbi inventa curationem esse inventam putant, sic nos 
caussa aegritudinis reperta medendi facultatem reperiemus. 

Est igitur caussa omnis in opinione, nec vero aegritudi- 11 
nis solum, sed etiam reliquarum omnium perturbationum, quae 24 
sunt genere quattuor, parlibus plures. Nam quum omnis per- 
turbatio sit animi motus vel rationis expers vel rationem ad- 
spernans vel rationi non obediens, isque motus aut boni aut 
mali opinione ciletur: bifariam quattuer perturbaliones aequa- 
liter distributae sunt. Nam duae sunt ex opinione boni , qua- 
rum altera vuluptns gestiens, id est praeter modum elata lae- 
litia opinione praesentis magni alicuius boni, altera, quae est 



non sane ,,nicht recht" niildert berdende Lust der Seele" ; vgl. 11, 

die Negation (vgl. 21, 51 u. V. 14, 24 und IV. 6, 12. 

40), wahrend sane non sie ver- nomen — adolore: ,,ist ein Be- 

starkt. griff, der von dem des Scbinerzes 

id agimiis, ut — sit , fur iit — "'cht getrennt werden ivann". 

esse videatur, dieselbe Brevilo- H- 24. partibus. Pars (nicht 

quenz, welchebei efficere ut ,,be- species) ist iin Lateiniscben der 

weisen, dass" zura Grunde liegt. iibliche Gegensatz von genus. So 

V. 25, 71 : genera partesque vir- 

23. aegris enim corporibus, ab- tutum 

gekurzte Vergleichung fur : aegro- ,• /^ ,„^^^,^. _ f,itetur. Citare 

rum corporum stafui; wie I. 1, 2 : „hervorrufen", auch I. 10, 20 mit 

cum Graecia sunt conjerenda. sacblichem, sonst nur mit personl. 

elata et gestiens ,,eine ausgeias- Object. 

sene und leidenscbafilich sich ge- opinione hlingt von elata ab. 



128 



LIBER III. 11,25. 12, 2(i. 



iaiiuoderata appetilio opinali niagni boni rationi non obtem- 

25 perans, voi ctipiditas recte vcl libido dioi potcst. Ergo haec 
duo genera, voluptas gesliens el libido, bonorum opinione tur- 
banlur, ut duo reliqua, nietus et aegriludo, malorum. Mam el 
inetus opinio magni mali impendentis, el acgrituc/o est opinio 
magui mali praesenlis, et quidem recens opinio lalis mali, ut in 
eo rectum videalur csse angi ; id autem est, ut is, qui doleat, 
oportere opinetur se dolere, 

His aulem perturbationibus, quos in vita hominum slul- 
tilia quasi quasdam furias immittit atque incilat , omnibus vi- 
ribus alque opibus repugnandum est , si volumus hoc , quod 
dalum est vitae , tranquille placideque Iraducere. Sed cetera 
alias; nunc aegritudinem , sipossumus, dcpcllamus. Id enim 
sit propositum , quandoquidem eam lu videri tibi in sapienlem 
cadere dixisti, quod ego nulio modo existimo. Taetra enim res 
est, misera, detestabiiis, omni contenlione, velis, ut ita dicam, 
remisque fugienda. 
12 Qualis enim tibi ille videtur 

26 Tdiitalo prog7i('itus, Pelope f/dtus, qui quondam d socru 
Ocnomao regc Hippodamcam rdptis nanrtust nnpliis ? 



opinafi , iin passiven Sinne (die 
Deponentia hatten vielleicht alle 
urspriinglich active Form), wie 24, 
5S opinatum est , und nacbher 
iifler. 

25. huiioriim opinione turban- 
titr , Brachylogie fiir : bonoriim 
opinione citm animi pertitrbatione 
e.rsislunt. EbensoTop. 2(), 99 : fiiiic 
generi , in qito et misericordia rt 
iracundia et odiitm et invidia et 
cetcrae animi ajfectiones pertuj-- 
bantitr. 

in vila liomininn (nach allen 
Mscr.) : ,.iin Leben der Menschen' 
d. h. wiihrend sie handein und Ihii- 
tig sind. Immitterc ist also bier 
absolul gebraucht, nach Analogie 
vou habcnas , barbam , capillos 
imm. ; die Conjectur in vitam da- 
lier zu verwerfen. 

omtiibus viribiis atqite opibus : 
,,riiit allen Kriiften (in uns) und al- 
len Milleln (ausser uns)'". Id glei- 
cbeni Sinne ad .\U. XIV. II, ('. : 



omni ope atqiie opera cnifar : de 
ofT. II. (), 20: sine liuminum opibus 
et studiis. 

vclis rcniisque. Aucb remigio 
vcloque, rcmis velisqiie, remis ven- 
tisque koniint bei Dichtern, ventis 
remis bei Cicero ad lam. XII. 25, 3 
im Sinne des deutschen .,init allen 
Segein" vor. Aehnlich de oll". III. 
33, 110: viris eqiiisquc, ut dicitur, 
dccerfandum est. 

12- 2(.>. Tanfalo profinatus — 
Tanfali nepos, Thyestes. Die\erse 
sind aus dein Thyesles \on Ennius, 
uiid nur uin des nachrolgen<ien Con- 
trasles w illen angeriihrf. Tb.. durcb 
seiiie Todreindscbalt mit seinem 
Bruder Atreus bckannt (s. I. 44, 
l(iT), wurde \'()n den .\triden ge- 
stiirzt und ins Exil getrieben. 

qui qitondam etc. gebt auf Pe- 
lops. Vgl. zu II. 27, 67. Leber 
socriis sagt \on. p. 223 Merc. : 
Socriis et niasciilino gencre vetcres 
dici pussc voluerunt. 



LIBER in. 12, 27. 



129 



lovis iste quidera pronepos. 
fractus ? 



Tamne ergo abiectus tamque 



Nolite, inquit, hospites, ad me adire! llico istic, 
Ne contagio mea bofiis umhrave i)bsit ! 
Meo tanta vis sceleris in corpore haeret. 

Tu te , Thyesla , daumabis orbabisque luce propter vim scele- 
ris alieni? 

Quid? illum filium Solis nonne patris ipsius luce indignum 
putas? 

Refiigere oculi, corpus macie extabuit, 

hacrimaii peredere hiimore e.xsangues genas ; 

Situm inter oris bdrba paedore hiyrrida atque 

lnti)nsa infuscat jyectus iHuvie scabrum. 

Haec mala, o stullissirae Aeeta, ipse tibi addidisti; non inerant 
iu iis, quae tibi casus invexerat; et quidem inveterato malo, 
quum tumor animi resedisset (est autem aegriludo, ut docebo, 
in opinione mali recentis) ; sed maeres videlicet regni desiderio, 
non filiae. lllam enim oderas , et iure fortasse; regno non 
aequo animo carebas. Est autem impudens luctus maerore se 
conficientis, quod imperare uon liceat liberis. Dionysius quidem 27 



Nolite etc. , Versus Bacchiaci 
tetram. aus derselben Tragbdie. 
Zu istic erganze manete. Meo ist 
von Bentley zur Vervoiistandigung 
desVerses hinzugefiigt. (Lachmann, 
zu Lucr. II. p. 189, vermuthet : 
Ilico istic , Ne — obsit , Sletis! 
Tanta etc.) 

luee t= conspectu , eommercio 
hominum. 

sceleris alieni, naml. des Atreus, 
der des Thyestes Kinder geschlach- 
tet und ihm zum Mahle vorgesetzt 
hatte. 

Jiiium Solis , Aeetes, Konig der 
Colchier. 

Refugere oculi ,, eingefallen 
sind die Augen". Die Verse sind 
wahrscheinl aus dem Medus des 
Pacuvius. 

Situm inter oris ist Lachmanns 
Verbesserung der hdschftl. Lesart 
Situ nitoris , die man bisher in 
Cic. Tuscul. 



Situ nidoris zu corrigiren pflegte. 
— In atque ist que zu elidiren. 

o stultissime Aeeta. Nur selten 
verbindet der Lateiner, wie hier u. 
I. 40, 96 pulchro Critiae, Adje- 
ctiva unmittelbar mit Eigennamen. 

tumor aniini. Vgl. 31, 76. 

regni desidnrio. An den Besitz 
des von lason und Medea ihra ge- 
raubten goldnen Vliesses war nach 
einer (von der gewbhnlichen ab- 
weichendeu) Sage der der Herr- 
schaft fiir ihn gekniipft. SeinBruder 
Perses sliirzte ihn. 

imperare — liberis ,,iiber freie 
Menschen". Anspielung auf Casars 
Streben nach unumschrankter Herr- 
schaft. 

27. Dionysius , der Jiingere, der 
durch Timoieon 343 v. Chr. ge- 
sliirzt wurde. Ueber quidem s. zu 
L 33, 80. 

9 



130 



LIBERIH. 13, 28. 



tyrannus Syracusis cxpulsus Corinthi pucros docehat; usque 
eo imperio carcre non polerat. Tarquinio vero ((uid impuden- 
tius, qui belluni gereret cum iis, qui eius non luleranl super- 
biam? Is, quuni restilui in reguum nec Veienlium nec Lalino- 
rum armis potuisset, Gumas contulisse se dicitur inque ea urbc 
senio et acgritudine esse confectus. 

13 Hoc tu igilur censes sapienti accidere posse, ut aegritu- 

dine opprimatur, id est miseria? Nam quum omnis perturbalio 
miseria est, tum carnificina est aegritudo. Habef ardorem libido, 
levitatem laetitia gestiens, humilitatem melus; sed aegritudo 
maiora quaedam, tabcm, cruciatum, alllictalionem, foedilatem ; 
lacerat, exest animum planeque conficit. Hanc nisi exuimus 
sic, ut abiiciamus, miseria carere non possumus. 

28 Alque hoc quidcm perspicuum est, tuni acgritudinem ex- 

sistere, quum quid ita visum sit, ut magnum quoddam malum 
adessc ct urgere videatur. Epicuro autem placet , opinionem 
mali aegritudincm csse natura, ut, quicunque intueatur in ali- 
quod maius maluni , si id sibi accidisse opinetur, sil continuo 
in acgritudine. Cyrenaici non omni malo aegritudinem effici 
censent, sed insperato ct necopinato nialo. Est id quidem non 
mediocre ad aegritudinem augendam ; videnlur enim omnia re- 
pentina graviora. Ex hoc et illa iure laudanlur: 



usque co — non ,,so wenig" ; 
vgl. 11. t), 17 : quatn non. 

Tarquinio quid impudentius. 
Vgl. I. 2, 5: nihil mathematicis 
illustrius. 

13. id esf. So Acad. I. 2, G : si 
Epicurum, id est, si Domocritum 
probarem. 

miseria — carnijicina. Durch 
tlea Chiasnius \\\r(\ dcr Gegensatz 
(Heser beiden Priidicatc (die Stei- 
gerung) nocli inehr hervorgehoben, 

Habct ,,ruhrl mit sich , ist stels 
verbuuden mit — ". So ad fam. V. 
12, 5: firi e.rcellentis casus ha- 
bcnt aduiiratiunem , exspectatio- 
nem, lactiUdui, molestiam, spem, 
timorem ; und ofter. 

miseria carere. Vgl. I. 36, 88. 
Ebenso 18, 40: si malo careat; und 
11 : ut dolore careat. 



28. Atqiie — quidem , Ueber- 
gang zu etwas iNeuein, wieV. 2,0; 
ylc philosophia quidem. 

ita vistcm sit, ut — videatur. 
Vgl. de orat. Hl. 10, 39 : sed usita- 
tis (verbi.s') ita jioterit uti, lectis- 
simis ut utatur. 

natura: (fvaixdig, ,,\on Natur", 
also ,,nothwendig". Vgl. 15, 32: 
(^Epicurus) censet , necesse esse, 
omncs in aegritudine esse, qui se 
in malis esse arbitrentur. — Da- 
gegen schrieben dieStoiker, denen 
Cicero hierin folgl, die acgritudo 
dem freien \>'illen zu. 

Cyrenaici , s. II. G, 15 zn. Ari- 
stippus. 

et illa= etiam illa; wie IV. 3-1, 
73: Probc et ille; ad Q. fr. I. 1, 
10 u. 12: et illud. So bei Cicero 
selten u. nur vor Pronom. 



LIBERIII. 14, 29. 30. 



131 



Ego quum genui, tum morituros scivi et ei rei sustuli. 
Praeterea ad Troium quum misi ob defendendam Grae- 

ciam, 
Scibam me in mortiferum bellum, non in epulas mittere. 
Haec igitur praenieditatio futurorum malorum lenit eorum 14 
adventum, quae venientia longe anle videris. Itaque apud Eu- 29 
ripidem aTheseo dicta laudantur; licet enim, ut saepe facimus, 
in Latinum illa convertere : 

Nam qui haec audita a ducto meminissem viro^ 
Futuras mecum commentabar miserias -. 
Aut mortem acerbam aut exsili maestdm fugam, 
Aut semper aliquam molem meditabdr mali, 
Ut, si qua invecta diritas casii foret, 
Ne me imparatum cura luceraret repens. 
Quod autem Theseus /i docto se audisse dicit, id de se ipso 30 
loquilur Euripides. Fuerat enim auditor Anaxagorae, quem 
ferunt nuntiata morte lilii dixisse : Sciebam me g-enuisse 



Ego quum etc. Nach 24, 58 sind 
es Worte des Telamon aus Ennius 
jjTelamon'', bei der Nachricht von 
des Ajax Tode. — Dass Teucer, 
sein zweiterSohn, vonTroja gliick- 
lich heimkehrte , ist natiirlich kein 
Grund, die Richtigkeit des in allen 
Hdschr. enthaltenen Plurals mori- 
turos zu bezweifeln. 

ei rei (beides einsylbig) : ,,dazu 
hab' ich sie erzogen". Wegen 
sustuli vgl. III. 1 , 2 zu suscepti 
sumus. 

ob defendendam Graeciam. So 
auch Sallust. lug. 89: exi.stumans 
lugurtliam ob suos tutandos — 
venturiim. 

14. 29. longe ante, nicht ,,lange 
vorher'% sondern ,,schon aus wei- 
terFerne", wie Lael. 12, 40: eo 
loco locati sumus , ut nos longe 
prospicere oporteat futuros easi/s 
reipubl. 

apud Euripidem , in seinem 
„Theseus". Plut. Consol. ad Apoll. 
p. 112 giebt das Original (iuDind. 
fragm. p. 93) : 

iyd} 6e TovTo nctQa aoqov Tivog 
fxaQiov 



(ig (pQOVTC^ug vovv GvftqoQcig t 

l^akX6fxi]V, 
(fvyccg r tucuiTco TiQoaTi&tlg Tici- 

TQag ifiijg, 
x)avc'(Tovg z aojQovg xcd y.axdiV 

akkag bSovg, 
tijg, fi Ti TTcia^^oifx (ov Mo^aCov 

7T0TS, 

/iir] fxoi vioQTov TiQoaneGov fxakXov 
(Sciy.oi. 

licet enim. Welcher Zwischen- 
gedanke ist zu suppliren ? Zu in 
Latinum convertere vgl. de off. II. 
24 , 87 : quem (^libruni) nos — e 
Graeco in Latinum eonvertimus ; 
so bei Quintilian haufig ohne Subst. 

aut — aliquam, s. zu I. 30, 74. 

repens — repentina, wie 22, 52 
hostium repens adventus. (Dage- 
gen repens von repere.^ 

30. Anaxagorae (s. zu I. 43, 
104). Die hier erwiihnteAeusserung 
wird ihm auch von andern Schrift- 
stellern, z. B. Aelian. V. H. III. 2 
u. Val. Max. V. 10, ext. 3, zuge- 
schrieben (iibrigens auch Andern 
beigelegt, z. B. von Diog. L. II. 55 
dem Xenophon : riSeiv ihvriTOV yi- 
yiVVrjXbig'). 

9* 



132 



LIBER III. 15, :}1. 



15 



viortalcm. Quae vox declaral, iis esse liaec acerba , quibus 
non fuerint cogilala. 

Ergo id quidem non dubiuni , quin omnia , quae mala pu- 
tentur, sint improvisa graviora. Ilaque quamquam non haec 
una res efficil maximam aegritudinem , lamen, quoniam mul- 
tum polest provisio auimi et praeparatio ad minuendum dolo- 
rem, sint semper omnia liomini humana medilala. Et nimirum 
haec est illa praestans et divina sapientia, et perceptas penitus 
et pertractatas res humauas habere, nihil admirari, quum ac- 
ciderit, nihil, antequam evenerit, non evenire posse arbitrari. 
Quamobrem omnes, quum aeciindae res su/it mdxume, tum 

muxume 
Meditdri secum oportet , quo pacto ddvorsam aeruvuidm 

ferant. 
Pericla, dajn?ia peregre rediens semper secuin cogitet 
^ut fili peccatum aiit u,ro7'is nwrteni aut morbum filiae, 
Communia esse haec, ne quid horum umquam dccidai 

animb novom. 
Quicquid praeter spem eveniat, omne id deputare esse in 

lucro. 
Ergo hoc Terentius a philosophia sumptum quum tam 



31 comraode dixerit, nos, e quorum fontibus id haustum est, non 



iis restringirend; ,,nur denen". 

meditata , passiv, wie 11,24 
opinatus, ist bei Cicero sehr haufi^, 
z.B. de sen. 20, 74: hoc medita- 
tinu ab adote.scenfia debet esse. 
So auch 15, ,32 /jraemcdifati/s. 

perccpfas pcnifiis el pcrtract. 
Den Begriir von penitus (in die 
Tiefe hinein) verstiirkt Cicero gern 
durch Composita niit per : so de fin. 
V. If), 44 penitus pcrvidcre; de 
orat. I. 5, 17 pernoscere ; 20, 92 
perspiccrc. 

niliil admirari = niilla rc , sive 
lacta sivc tristi, vehementer ajffici. 
Hor. epist. I. G, 1 : 
Nil admirari prope res est uua, 

Nuniici, 
Solaque, quae possit facerc et ser- 

vare beafum. 
Eine dcr obigen ganz ShnlicheStelle 
istTusc.V. 28,81. — Zu admirari 
,,sich verwundern" vgl. auch V. 



3, 8 : admiratum novitatem no- 
minis ; de orat. I. 56, 237: impu- 
dentiam admiratus es eorum. 

non evcnire posse, fur evenire 
non posse , wegen des vorangegan- 
genen nihil , an welches sich non 
miiglichst nahe anschliesst. So 16, 
34 : nihil csse, quod non accidere 
possit; Brut. 37, 140: nihil non 
ad ralionem — dirigcbaf. Vgl. p. 
Planc. 9, 22: Nemo Jrpinas non 
Plancio studiiit. 

Quamobrcm etc. , Ter. Phorra. 
II. 3, 11 sqq , von Cicero jedoch ini 
3.Verse nicht wijrtlich cilirt. 

depiitare, trolz des Zwischen- 
verbuuis cogitet , wieder von opor- 
tet abhangig. 

15. 31. Ergo — qiiu/n — dixe- 
rit. Ciceros gewiihnliche Wendung 
wiirde sein: Ergo hoc Terentius 
— dicit : nos — non — dicemus V 
S. zu II. 17, .39. 



LIBER III. 15, 32. 33. 133 

et (licemus hoc melius et constanlius sentiemus? Hic est enim 
ille vultus semper idem , quem dicilur Xanthippe praedicare 
solila in viro suo fuisse Socrate : eodem semper se vidisse ex- 
eunlem illum domo et revertentem. Nec vero ea frons erat, 
quae M. Crassi illius veteris , quem semel ait in omni vita ri- 
sisse Lucilius , sed tranquilla etserena; sic enim accepinius. 
lure autem erat semper idem vultus , quum mentis , a qua is 
fingitur, nulla fieret mutatio. 

Quare accipio equidem a Cyrenaicis haec arma contra ca- 
sus et eventus, quibus eorum advenientes impelus diuturna 
praemeditatione frangautur, simulque iudico, raalum ilhid opi- 
uionis esse, non naturae. Si enim in re esset, cur fierent pro- 32 
visa leviora? Sed est iisdem de rebus quod dici possit subtiiius, 
si prius Epicuri sentenliara videriraus, qui censet, necesse esse 
omnes in aegritudine esse, qui se in malis esse arbitrentur, sive 
illa ante provisa et exspectata sint sive inveteraverint. Nam 
neque vetustate rainui mala nec fieri praeraedilata leviora, stul- 
tamque etiam esse meditationem futuri maii aut fortasse ne 
futuri quidem; satis esse odiosum malum omne, quum venisset; 
qui autem semper cogitavisset , accidere posse aiiquid adversi, 
ei fieri illud sempiternum malum ; si vero ne futurum quideni 
sit, frustra suscipi miseriam voluntariam : ita semper angi aut 
accipiendo aut cogitando maio, Levationem autem aegritudinis 33 
in duabus rebus ponit , avocatione a cogitanda raolestia et re- 
vocatione ad contemplandas voluptates. Parere enira censet 
aniraura rationi posse et, quo illa ducat, sequi. Vetat igitur 
ratio intueri moleslias, abstrahit ab acerbis cogitationibus, he- 
betem facit aciem ad miserias contemplandas ; a quibus quum 



ille vultus semper idem ,,jene ahnlicher Weise zwei Ablat. §33: 

Unveriinderlichkeit der Mienen" ; volapiates, quibus ille et praeter- 

s. Nagelsbach S. 59%. , itarum memoria et spe conse- 

M. Crassus, der Grossvater des quentium sapientis vitam refer- 

Triumvirs,Prator 105 V. Chr.,hatte tam putat. 

den Beinamen Agelastus {dyela- 32. est — quod dici possit sub- 

GTog). tilius ,,es ist ein scharferes Urtheil 

C. Lucilius, der Satirendichter, mbglich". 

diente als Ritter unter seinem 33. Fetat igitur ratio , niiml. 

Freunde Scipio Africanus vor Nu- nach Epicurs Ansicht. 

mantia. Die beriihrte Stelle ist uns hebetemfacitaciemad — ,,rur", 

nicht erhalten ; die Sache wird ofter eigentl. ,,in Bezug auf — " wie ad 

erwahnt, z. B. de fin. V. 30, 92. fam. VIll. 13, 1 : neque hebes ad 

quibus, Abl. instrum.; diuturna id, quod melius sit, intelligendum. 

praemeditatione , Abl. modi. In Die Mscr. haben bloss hebetem 



134 



LIBER IH. 16, 34. 



cecinit receplui, impellit rursum etiacitat ad conspiciendas lota- 
' quc mente contneciaudas varias volupfales, quibus ille et prae- 
terilarum memoria et spe consequentium sapienlis vilam refer- 
tam putat. Haec noslro more nos diximus, Epicurei dicunt suo. 
Sed quae dicanl, videamus; quo modo, negligamus. 

16 Principio male reprehendunt praemeditationem rerum fu- 

3i turarum. Nihii est enini, quod tam obtundat elevetque aegri- 
tudinem, quam perpetua in omni vila cogitatio, nihil esse quod 
non accidere possit, quam medilalio conditionis humanae, quam 
vitae lex commentalioque parendi, quae non hoc alfert, ul sera- 
per maereamus, sed ut numquam. Aeque enim, qui rerum na- 
turam, qui vitae varietatem, qui imbecillitatem generis humani 
cogitat, maeret, quum haec cogitat; sed tum vcl maxime sa- 
picntiae fungitur munere. l trumquc enim consequitur, ut et 
considerandis rebus hun)anis proprio |)hilosophiae fruatur olficio, 
et adversis casibus triplici consohitione sanetur: primum quod 
posse accidere diu cogitavit , quae cogitatio una maxinie rao- 
lestias omnes extenuat et diluit; deinde quod humana humane 



aciem {ohnefacit), welchesTregder 
geniss init Unrecht ais Objcct zu 
abstruhit bezielit. Man hat dahcr 
hehetem \i\ liehetat geandert; da 
jedoch diesVerbum vor dem aupu- 
stischen Zeitalter nicht existirt zu 
haben scheint, so ist die au%enom- 
mene Emendation vorzuziehen, zu- 
mal da faeit nchen aciem leicht 
ausfallen konnte. 

cecinit receptui , hier bloss = 
avocavit. 

riirsum, wie I. 17, i(». 

Epicurei — suo. \ ergl. die sehr 
umfassenden Vorwiirfe , welche cr 
I. 3, 6 den riJm. Epikureern macht. 

non accidere possit, s. 1-1,30 zu 
non evenire possc. 

16. 34. male repretiendunt = 
malefaciunt, quod repr. 

cogitatio , ni/iil esse. Vgl. iVa- 
gelsbach S. 527. 

vitac lejT, genauer : die Beherzi- 
gung der /v.v vitae (niiml. dass man 
nicht immer gliicklich sein kann und 
das Lngliick in wiirdiger Weise er- 
Iragen muss). 

commentatio parendi ,,die \'or- 



bereitung zumGehorsam (gegen die 
lcx vitaey. Vgl. L 30, 74: com- 
mentafio mortis. 

ut scmpvr maereamus , Bezie- 
hung auf § 32 : qui semper cogita- 
visset , accidere posse aiiquid ad- 
versi , ei ,fieri iliud sempiternum 
vialum. 

fruutiir ojjicio : ,,aus der Er- 
lullung der Fdicht Nutzen ziehen". 
Der Hauptgegensatz ist zwiscben 
vonsiderandis rebus liumanis{, .aus 
der Betrachtung selbst'* — durch 
NNachsen dcr Einsicht) und adver- 
sis casibus (,,im Ungliick'' — durch 
den erlangten Trost). 

cogitavit. nicht cogifaverif. wie 
fast alie Ildschr. haben, — wegen 
der folg. Praesentia infelligit und 
videt. 

Iiumana liumane fercnda , nach 
dem vortrelflichen cod. Vatic. ; die 
andern haben theils bloss liutnane, 
theils /ii/mana. \'gl. II. 27, CiS zu 
liumaneferunt (bes. d. Slelle aus 
Plut.); V. 0, 17: qui omniaJiumana 
tolerabilia ducat. 



LIBERIir. 16,35. 17,36. 



135 



lerenda intelligit ; postremo quod videt nialum nulluni esse nisi 
culpara; culpam autem nullam esse, quuni id , quod ab homine« 
non potuei it praestari , evenerit. INam revocatio illa , quam 35 
affert, quum a contuendis nos malis avocat, nuUa est. Non est 
enim in nostra potestate , fodicanlibus iis rebus , quas malas 
esse opinemur, dissimulatio vel oBlivio : laceranl, vexant, sti- 
mulos admovent, ij^nes adhibent, respirare non sinunt. Et tu 
oblivisci iubes, quod contra naturam est, qui , quod a natura 
datum est, auxilium extorqueas inveterati doloris? Est enim 
tarda illa quidem medicina, sed tamen magna, quam affert lon- 
ginquitas el dies. lubes me bona cogitare, oblivisci nialorum. 
Diceres aliquid et magno quidem philosopho dignum, si ea bona 
esse sentires, quae essent honiine dignissima. 

Pythagorus mihi si diceret aut Socrates aut Plato : Quid 17 
iaces? aut quid maeres? aut cur succumbis cedisque forlunae? 36 
quae pervellere te forsitan potuerit et pungere, non potuit certe 
vires frangere. Magna vis est in virtutibus ; eas excita, si forte 
dormiunt. lam tibi aderit princeps Forlitudo , quae te animo 
lanto esse coget, ut omnia, quae possint honiini evenire, con- 
temnas et pro nihilo putes. Aderit Temperantia, quae est 
eadem nioderatio , a me quidem paullo ante appellata ftnigali- 
tas, qiiae te turpiter et nequiter facere nihil patielur. Quid est 
autem nequius aut turpius effeminato viro? Ne lustitia quidem 



7iisi ctdpam. Scliillei": ,,Der 
Uebel grbsstes aber ist die Sehuld". 

pi'aesfari. Praestare alqd ,,fiir 
etwas stehen" ist bei Cicero ziem- 
lich haufig, meist positiv: ,,dafiir, 
dass etwas geschiett", z. B. V. 10, 
29; hier indess negativ : ,,dafiir, 
dass es nicht geschieht", wie de 
orat. II. 2S, 124: qnos (Jmpetus 
populi) praestare nemo possit. 

35, qiiam ajfert, sc. Epieuriis. 

ignes adhibent — faces admo- 
ventW. 25, 61. 

Et tu obl. iubes etc. , d. h. Et 
tamen tu , qui — aiixiliuin invete- 
rati doloris extorqueas (E. laug- 
nele niimlich, dass die Zeit einUn- 
gluck mildere), oblivisci iubes? 

Est enim etc. bezieht sich auf 
avxilium a natura datum. 

longinquitas ct dies , tv 6ia 
dvoTv, = longinquitas temporis. 



17. 36. si diceret. Da alle nach- 
folgenden Satze das Object von si 
diceret bilden , so reicht der Voi-- 
dersatz bis § 37 expeienda videa- 
tur; nun sollte der Nachsatz sein : 
parerem et sequerer ; statt dessen 
bildetCicero, deoEpicur anredend, 
erst einen neuen Vordersatz : ad 
haec bona me si revocas , an den 
sich nun der ?sachsalz (jjareo etc.) 
anscbliesst. 

quae — potuerit, Conj. concess., 
wie IV. 28, 60 abiuatur. 

a me quidem. Cicero vergisst, 
dass er den Pythagoras etc. spre- 
chen lasst. 

paullo ante, c. 8. 

patietur, nicht patiatur, obwohl 
letzteres in den meisten Hdschr. 
steht, — wegen des vorherg. coget 
und des folg. sinet. 



136 LIBER III. 17,37. 38. 18,39. 

sinel te ista facere, cui minimum esse videlur in hac caussa 

-loci, quae tamen ita dicet, dupliciter esse te iniustum , quuni 

el alienum appetas , qui morlalis natus condilionem postules 

immorlalium , et graviter feras , le, quod utfndum acceperis, 

37 reddidisse. Prudentiae vero quid respondebis, docenli, virtuteni 
sese esse conlentam , quomodo ad bene vivendum , sic etiam 
ad beate? quae si extrinsecus religata pendeat et non oriatur 
a se et rursus ad se revertatur et omnia sua complexa nihil 
quaerat aliunde : non intelligo, cur aut verbis tam vehementer 
ornanda aut re lanto opere expetenda videatur. Ad haec 
bona me si revocas, Epicure, pareo, sequor, ulor te ipso duce, 
obliviscor etiam malorum, ut iubes, eoque facilius, quod ca ne 
in malis quidem ponenda censeo. Sed Iraducis cogitationes 
meas ad voluplates. Quas? Corporis, crcdo, aut quae propter 
corpus vel recordalione vel spe cogitentur. Numquid est aliud? 
rectene inlerpretor sententiam tuam? Solent enim isti negare, 

38 nos intelligere, quid dicalEpicurus. Hoc dicit, et hoc ille acri- 
culus, me audiente Athenis, senex Zeno, istorum aculissimus, 
contendere et magna voce dicere solebat : eum esse beatum, 
qui praesentibus voluptatibus frueretur confideretque se fnii- 
turum aut in omni aut in magna parte vitae, dolore non inler- 
veniente, aut si interveniret, si summus foret, futurum brevem, 
sin productior, plus habilurum iucundi quam niali; haec cogi- 
tantem fore beatum , praeserlim si et ante perceptis bonis 
contentus esset nec mortem nec deos extimesceret. Habes 
formam Epicuri vitae bealae verbis Zenonis expressam , nihil 
ut possit negari. 

18 Quid ergo? huiusne vitae propositio et cogitatio aul 

qtiod utcndum acceperis , wie rrerfo ,,(lochwohl", wie I. 22,52. 

oben 7, 15 munus fungendum . recfene, s. f. 27, 67 zu potesne. 

37. si — pendeat „wenn sie an ^'^- -^''"«^ <'er Epicureer (mit 

Aussendinge gekniipft und von ihnen 'lem Stoiker und dem Eleaten nicht 

abhiineig ware". ^" verwechseln) , dcn Cicero und 

, I T io Atlicusin Atlien pehiirt hatten, hatte 

et non, s. zu I, 7, 13. i i , n i sn; . c. •. 

' ' nach denat.D.I. gvt^i etwasStreit- 

vehemcnter ornanda. A. ad Iler. siichliges und Bissiges in seinem 

IV. 41, 56: vehcmenter ornata Wesen , daher hier rtmr«/i/*. 

expolitio. Habcs furmam = hnec est 

malorum — in malis, ein scho- forwo. So p. Deiot. 7, 21 : Hahes 

nes O.vymoron, auP dem noppel- crimina insidiarum. ,,das sind die 

sinn von malum beruhcnd : iiusse- Beschuldigungen — , die man gegen 

res Missgeschick — (wahres) Uebel. jjj^ erhebt". 

Quasi' Ueber die EUipse der 18. 39. propositio , ganz unser 

Prapos. s. zu I. 39, 93. ,,Vorstellung". 



LIBER III. 18, 39. 40.41. 



137 



Thyeslem levare poterit aul Aeetam, de quo paullo ante dixi, 39 
aut Telamonem , pulsum palria , exsulantem atque egentem ? 
in quo haec admiratio ficbat : 

Hicine est ille Telamo, rnodo qitem gloria ad caelum 

extulit? 
Qiiem ddspectabant? ciiius ob os Graii ora obvertebant 

suu ? 
Quod si cui , ut ait idem , simul animus cum re concidit, a 40 
gravibus illis antiquis philosophis pelenda medicina est, non ab 
his voluptariis. Quam enim isti bonorum (iopiam dicunt? Fac 
sane esse summum bonum non dolere; quamquam id non vo- 
catur voluplas; sed non necesse est nunc omuia, — idne est, 
.quo traducti luctum levemus? Sit sane summum nialum dolere; 
|in eo igitur qui non est, si malo careat, continuone fruitur 
summo bono? Quid tergiversamur, Epicure, nec fatemur eam 41 
nos dicere volnplatem, quara tu idem , quum os perfricuisti, 
soles dicere? Sunt haec tua verba necne? In eo quidem libro, 



de qiio paullo ante dixi, naml. 
12, 26. Man sollle de quibus er- 
warten, da auch dort von beiden 
die Rede war. 

Telamonetn , pulsum patria. 
Zwblf Jahre nach Beendigung des 
trojan. Krieges und Yerstossung 
seines Sohnes Teucer wurde er 
durch die Hinterlist seiner Feinde 
aus seinem Reiche verdrangt. 

in quo etc. Ebenso de fin. 1. 2,4 : 
in quibus /loc primum est, in qtio 
admirer; de orat. I. 11, 47 : qtio in 
libro iti hoc maxime adtnirabar 
Platonem, quod etc. (Vgl. I, 21, 48 
zu gloriari u. V. 9, 24 zu vexare.) 

Hicine etc. Nach Ribbeck (p. 329 
sq.) sind es Worte des Teucer aus 
dem ,,Eurysaces" des Attius. 

40. cum re— cum re fatniliari. 
Ovid. Pont. IV. 12, 47 sq. : 
Crede mihi : miseros prudentia 

pritna relitiquit 
' Et sensus cum re eonsiliumque 

fugit. — 
Ter. Eun, II. 2, 10: simul cotisi- 
liutn cutn re amisti'^ 

antiquis philosophis , s. 1 7, 36 in. 

stimmum bonutn non dotere. 
Epicur bei Diog. L. X. 128 : Tovtov 



)^(<Qiv tmavra nQtiTTO/j.iV, onwg 
(ArjTt alyw/j.(v fxt^Tt TaQ^w/iiV. 

nunc otntiia. Die Auslassung 
auch des Infin. dicere ist nicht sel- 
ten. So de nat. D. I. 8, 19 Lotigum 
est, ad omnia. 

41. Quid tergiversamur etc. 
Sinn : Wenn du an der einen Stelle 
die voluptas durch noti dolere er- 
klarst, so sind das nur AusflUchte, 
da du an andern Stellen £s ofTen 
gestehst, dass du dir darunter, wie 
jeder Andere , nur sinnliche Ge- 
niisse denkst. 

os perfricuisti. Os (^frontem, 
faciem) perfr. , griech. fxiTconov 
TQiipai od. nKQaTQiijjaa&^ai, eigtl. 
sich das Gesicht reiben, um durch 
Zuriickdrangen des Blutes die 
Schaamrothe zu vertreiben; daher: 
,,das Schaamgefuhl ablegen". 

neene, fiir ati tion, kommt sonst 
bei Cicerb hiif In dei' indirecten 
Ffage vor. 

Ifteo— libro, niQl Tikovg (§ 42: 
de summo bono). Die Stelle hiess 
nach Athen. VII. p. 280: Ov yuQ 
iywys Svvafiai voi^Oai Tayad^o^', 
c((faiQ(JSv fxtv Tag 6i(i /vXiiiv ^Jo- 
V(ig, a(faiQ(i5v (Tf Tag Si a(fQo6t- 



138 LIBER IIl. \>i, 42. 43. 

qui contiuet onmcm discipliDam tuam, (hw^str enim iam inter- 
prelis munere, ne quis me pulet tingere,) dicis liaec: ,,Nec 
equidem liabeo, quod inlelligam bonum illud , delraiiens eas 
voluptales, quae sapore percipiuntur, detrahens eas, quae 
auditu et cantibus, detrahens eas etiam, quac ex lormis perci- 
piuntur oculis, suaves motiones, sive quae aliae voluptales in 
lolo homine gignuntur quolibet sensu. Necvero ita dici potest, 
mentis laetitiam solam esse iu bonis; laelantem eniiu nientem 
ita novi, spe eorum omnium, quae siipra dixi, forc, ut natura 

42 iis potiens dolore careat." Atque haec quideni his verbis, qui- 
vis ut intelligat, quam voluplatem noiit Epicurus. Deinde 
pauUo infra: ,,Saepe quaesivi, inquit, ex iis, qui appeliabantur 
sapientes, quid haberent, quod in bonis relinquerent, si illa 
detraxissent, nisi si vellent voces inanes funderc 5 nihil ab iis 
potui cognoscere ; qui si virlutes ebullirc volent et sapienlias, 
nihil aliud dicent nisi eam viam, qua elliciantur eae voluplales, 
quas supra dixi." Quae sequuntur, in eadem sententia sunt, 
totusque liber, qui est de summo bono, referlus et verbis et 

43 senlentiis talibus. Ad liancine ij^itur vilam Telamonem illura 
revocabis, ut leves aegritudinem ? et si quem tuorum alllictum 
maerore videris, huic acipenserem potius quam aliquem Socra- 
licum libelium dabis? hydrauli horlabere uf audiat voces potius 
quam Plafonis? expones, quae spectet, llorida et varia? fasci- 
culum ad nares admovebis? incendes odores? [et] sertis re- 



aC(ov,K(fHiQ(SvSeTi(56Cc<y.ooKf.i('(- sono.^ fimdere ; de fin. II. 15, 4S 

T(x)V, (((fuin^jiv 6t Tccg dia juoQ(f>j5 inani voce sonare. 

y.uT ox',nv ri(hi'c<g xtvtjaiig. Fast virtiiles ehidlire et sapientias 

wortlicfi ebenso bei Diog. L. X. 6. ,,,]enMund vollnehmen von Ro.lens- 

solain esse in bonis ,,bIo$s iin arlen voii Tugend und \A eislieit"' 

wirklicfien Genusse der Giiter be- oder ,,iiiit Redfiisarten — um sich 

stehe". werfen'". So de lin. \ , 27, SO : 

ita nach taetantem weist auf Dixerit Epieitrus, seniper beatiim 

das folg. spe eorum omnium, quac csse sapicntem —fjuod ijuidem so- 

supra dixi, hin. /et ebullire nonnumqua^n. 

Jore ut — careat scbliesst sich „„/ ^.gf dg ygi. j. \\ 94. 

auch aa sne Aa, ist also gewisser- ,., . „ „. v...„„ •„»-. 

,.' i^ ' " 43. flr/wcwAP/^ew, i>aine eines uns 

niassen die hpexeeese von eorum • , , u • , n- 1 

, ' *> unbckannten, bci den Roinern sehr 

ommum etc. 1 -. . c «• 1 , • n • k» 

.„ ., .. . c 1 .■ ir ceschalzten aeensches ; vielleicnt: 

42. norit — dicat. So de hn. II. \ c,.. »r , .• » ,' u 

00 I . I . j . . der Slor. Vgl. die Ausleg. zu Hor. 

3, 8: verbis nis eandcm certc vim o . n -i 1- 

voluptatis Lpicurum nossc quam 

ceteros. fasciciilum, sc. JJorum. 

voces inanes fundere , griech. of/o;'<',« (elfectus p. caussa) ==«///- 

xfV(< (f'}fyyfOifc(i ; V. 2G, 73 inanes fimenta. wie V. 21, G2. 



LIBER lli. 19, 44. 139 

diiniri iubebis et rosa? si vero aliqiiid eliam — , tum plane 
luctum omnem absterseris? 

Haec Epicuro confitenda sunt, aut ea, quae modo expressa 19 
ad verbum dixi , toUenda de libro, vel totus liber potius abii- 44 
ciundus ; est enim conferlus voluplatibus. Quaerendum igitur, 
quem ad raodum aegritudine privemus eum , qui ita dicat : 
— Pol, mihi fortuna mdgis nvnc defit, quam genus. 
Niimque regni/m stippetebat ?ni; ut scias, quanto e loco, 
Qudntis opibus, quibus de 7'ebus Idpsa fortuna occidat. 
Quid? huic calix mulsi impingendus est, ut plorare desinat? 
aut aliquid eius modi? 

Ecce tibi ex altera parte ab eodem poeta : 

Ex opibus summis opis ege?is, Hector, tuae. 
Huic subvenire debemus; quaerit enim auxilium : 

Quid petam praesidi aut exsequar? quove nunc 
Aiixilio exili aiit fogafreia sim? 
Arce et urbe brba sum. Quo dccidam? quo dpplicem? 
Cui nec arae pdtriae domi stant^ frdctae et disiectae 

iacent ; 
Fdnaflamma dejlagrata, tosti alti stant pdrietes, 
Deformati atque dbiete crispa — 
Scitis, quae sequantur; et illa in primis : 

pdter, patria, o Priami domus, 
Saeptum dltisono cardine templum! 

si vero aliqxiid etiam — , Apo- opibiis — opis xxnA den mehrfachen 

siopesis, in Bezug auf die affgoSi- in den folgendeu Versen vgl. I. 35, 

aia (§41 Anm.) ; 20, 46 sleht da- S5 zu vi vitam evitari. 

Tiir corport/m eomplexum. Quid petam etc. Zuniichst drei 

19. 44. aegritudine privemus. Cretici tetram. Zu exsequar suppl. 

Aiich dolore, molestia, exi/io, in- quid. 

iuria privare alqm sagt Cicero. quo accidam, d. i. ad cuius ge- 

eum , qui etc. Nach Ribbecks nua supplex accidamV 

Vermuthung (Trag. Lat. rel. p. 268) quo applicem, hier Verb. neutr., 

Thyestes, indem die obigen wie I. 44, 107 recipere. 

Verse vielleicht den 12, 26 ange- Cui etc, Trocb. tetram. catal. ; 

fiihrten Tantalo — nuptiis unmit- domi lies einsylbig {s. l. 44, 105 zu 

telbar vorangingen. enim),parietes u. abiete dreisylbig. 

deJit,'ai\iere¥orm = deficit;AeT abiete crispa, malerisch : ,,mit 

Dativ dabei ist nur poetisch. rauh gebranntem Fichtenstamm." 

?7«/>i«g-enrf«*, in selt. Bedeut. = pater etc. , Anap. dim. Der 

dandus, wie ad Att. VL 1, 6 epi- Vater der Andromache war Eetion, 

stolam alicui impingere. Konig von Theben in KI.-Asien, 

Ex opibus — bis /w;'/;a?'/, Worte dessen Stadt Achilles zerstbrte. 

der Andromache aus Ennius gleich- Uebrigens vgl. L 35, 85. 

nam. Stiicke. Zu der Allitteration Saeptum — templum, Xjiposition 



140 



LIBER III. 19,45. 46. 20. 



Vidi t'go te, astanle ope bdrbarica^ 

Tectis cae/afis, Idcuatis, 

Auro, ebore instructam rcgifice. 

45 poetam egregium! qiiamquam ab his canloribus Euphorionis 
contemnitur. Senlit, omnia repentina el necopinata csse gra- 
viora. Exaggeratis igitur regiis opibus, quae videbanlur seni- 
piternae fore, quid adiungit? 

Haec uninia vidi injldtnmari, 
Prianio vi vitain evitari, 
lovis dram sanguine turpari. 

46 Praeclarum oarmen; est enim et rebus et verbis et niodis lugubrc. 
Eripiamus huic aegritudinem. Quo modo? coUocemus in culcila 
plumea, psallriam adducamus, hcflyxhri incendamus sculellam, 
dulciculae potionis aliquid videamus et cibi. Hacc tandem bona 
sunt, quibus aegriludincs gravissimae dclrahanlur ! Tu enim 
pauUo ante ne intelligere quidem te alia uUa dicebas. Rcvocari 
igitur oportcre a maerore ad cogitationem bonorum,convcniret 
niihi cum Epicuro, si, quid esset bonum, conveniret. 

20 Dicet aliquis : Quid? ergo tu Epicurum existimabis ista 

voluisse aut libidinosas eius fuisse sententias? — Ego vero 
minime. Vidco enim ab eo dici muUa severc, muUa praeclare. 
Itaque, ut saepe dixi, de acumine agitur eius, non dc moribus. 
Quamvis spernat voluptates eas, quas raodo laudavit; cgo tamen 
merainero, quod videatur ei summum bonum. Non enim verbo 

Stelle nach den Spuren derHdschr. 
emendirt. Gewohnlich schrieb man: 
demus liedychrinu , intendannis 
scutellam dulciculae potionis, ali- 
quid videamus et cibi. Nach un- 
sererLesart ist liedi/c/irum als ein 
Rciucherwerk , nach dor Nulg. als 
eine Salbe anzuselien. Dioscor. 
I. 61 : Afu t6 y.aJ.ovutvov St i]6v- 
yoovv, axit((C6ufyor di iv Kio, 
7)}g (cvTTjg tytTui diriijufMS t( xni, 
axfvaaiccg rw ((uccquxCvo) ' ivwS^- 
aTtfiov 61 Tvy/(crfi, passt zu bei- 
den Erkliirungen. 

diilciculae. Sonst kommt dies 
Adj. nur einmal vor : Flaut. Poen. 
I. 2, 177 bei caseus. 

aliquid videamus : ,,sich nach 
Etw. umschen = fiirEtw. sorgen", 
9\&o = providere . So ad Att. V. 
1,3: ut prandium nobis videret. 



zu domus ; saeptuni cardine — mu- 
nituni porta. 

rcgi/ice, wie I. 28,69 taetificus. 

45. Iiis cantoribus Euphorionis 
,,den jetzigen Lobrednern des E." 
E. aus Chalcis, Bibliothekar Antio- 
chus desGrossen, gehorte als Gram- 
matiker und tragischer Dichler zur 
alexandrinischenSchule: in derPoe- 
sie gelehrter und wenigcr natiirlich 
als die altern Klinier (daher auch 
des Tiberius Lieblingsdichter) ; de 
divin. II. 64, 132: nimis obscurus. 

exaggerare ,,erheben, verherr- 
lichen" ; in dieseni Sinne auch V. 
18, 51 und iifter. 

adiungit, sc. Andromache. 

Haec omnia etc, s. I. 35, ^5. 

46. hedijchri — incendamrts. So 
hat Tregder (nach Madvig) diese 



LIBER III. 20, 47. 48. 141 

solum posuit voluptatem , sed explanavit, quid diceret. ,,Sa- 
porem, inquit, et corporum complexum et ludos atque cantus et 
tbrmas eas, quibus oculi iucunde moveantur." Num fingo? num 
mentior? Cupio refelli. Quid enim laboro, nisi ut veritas in omni 
quaestione explicetur? At idem ait, non crescere voluptatem 47 
dolore detracto, summamque voluptatem nihii dolere. Paucis 
verbis tria magna peccata. Unum, quod secum ipse pugnat. Modo 
enim , ne suspicari quidem se quicquam bonum , nisi sensus 
quasi titillarentur voluptate; nunc autem, summam voluptatem 
esse dolore carere. Polestne magis secum ipse pugnare? Al- 
terum peccatum, quod, quum in natura tria sint, unum gau- 
dere, alterum dolere, tertium nec gaudere nec dolere, hic pri- 
mum el tertium pulat idem esse nec distinguit a non dolendo 
voluptatem. Tertium peccatum commune cum quibusdam,quod, 
quum virtus maxime expetatur eiusque adipiscendae caussa phi- 
losophia quaesita sit, ille a virtute summum bonum separavit. 

At laudat saepe virtutem. — Et quidem C. Gracchus,quum 48 
largitiones maximas fecisset et effudisset aerarium, verbis ta- 
men defendebat aerarium. Quid verba audiam, quum facta vi- 
deam? (L. Piso ille Frugi semper contra legem frumentariam 
dixerat. Is, lege lata, consularis ad frumentum accipiundum 
venerat. Animum advertit Gracchus in contione Pisonem stan- 
tem; quaerit, audiente populo Romano, qui sibi constet, quum 

20. Sapo7'em — 7noveantur,\g\. Ciceros spbttische EQtgegnuDg ist. 

18, 41 ; wegen et — atque — et -. — Sinn des Folgenden : Da E. das 

1. 40, 95. hbchste Gut in die Lust setzt, so 

il.Unian — .4lte7'um — Tertium. ist ihm die Tugend nicht das 

So, nicht init primus, sectindus, hbchste Gut, und seine Lobreden 

te7'tius , pflegt Cicero Dinge aufzu- auf diese sind eine Inconsequenz. 
zahlen. C. Sei7ipronius Gracchus setzte 

suspicari^^A^&intelligere ,,s\ch 123 v. Chr. unter andern das Ge- 

denken kbnnen". setz {lex Se^npronia frinnentaria) 

quasititillarentur,\]ebersetznog durch : dass das Volk Aen modius 

von Epicurs y«QYKXit(o, yuQycO.i- (2^2 Berl. Metze) Getreide vom 

ff^uo'?. So Cat.M. 14,47 fani« ^Mflst Staate semisse cu77i t7'iente, d. h. 

titillatio. Quasi setzt Cicero in fiir '"/12 as — »/2 Sgr. , bekam. 

der Regel hinzu, wenn er ein Wort ( Marktpreis damals etwa 3 a*. ) 

in einer nicht ganz gewbhnlichen Daher die Getreidemagazine des 

iibertragenen Bedeutung gebraucht. Staats : fiorrea Sempro7iia. 

co77im. cu7n quibusdam, sc.phi- Piso ille Frugi, s. 8,16. Cicero 

losophis ; eigenti. mit allen, ausser bringt ihn hier nur als eine Auto- 

den Stoikern. ritat fiir sein eignes Urtheil iiber 

48. ^f^ /fl?/rf«f etc, Einwand aus Gracchus mit hinein, weshalb der 

dem Sinne der Epicureer, wozu Et Herausg. die kleine Geschichte in 

gMirfem(,,Ganz recht, gradeso — ") Parenthesen gesetzt hat. 



142 



LIBER III. 20, -10. 21, 50. 51. 



ea lege fruinentuin pelat, quam dissuaserit. ,,Noliin , inquil, 
mea bona, Gracehe, tibi virilim dividere libeat; sed, si facias, 
partein petam." Parumne declaravit vir gravis et sapiens, lege 
Sempronia palrimonium publicum dissipari?) Lege orationcs 

49 Gracchi : patronum aerarii esse dices. Negat Epicurus iucunde 
posse vivi, nisi cum virtute vivatur, negat ullam iu sapientem 
vim esse fortunae, tenuem victum antefert copioso, negat uUum 
esse tempus, quo sapiens non beatus sit. Omnia philosopho 
digna, sed cum voluptale pugnantia. — JNon istam dicit vo- 
luplatem. — Dicat quamlibet; nempe eam dicit, in qua virtutis 
nulla pars insit. Age, si voluptatem non intelligimus, ne do- 
lorein quidem? ]\ego igilur eius esse, qui dolore summum 
malum metiatur, mentionem facere virtutis. 

21 Et qucruntur quidem Epicurei , viri optimi (nam nullum 

50 genus est minus malitiosum), me studiosc dicere conlra Epicu- 
rum. Ita, credo, de honore aut de dignitate contendimus. Mihi 
summum in animo bonum videtur, illi autem in corpore; mihi 
in virtute, illi in voluptate. Et illi pugnant et quidem vicino- 
rum fidem implorant; multi autem sunt, qui statim convolent. 
Ego sum is, qui dicam me non laborare, actum habiturum, 

51 quod egerint. Quid enim? de bello Punico agitur? de quo ipso 



Nolirn — ttbi — libeat. Es liegt 
der Gedanke zuni Giunde , dass 
Gracchus , wenn es ihm belieben 
sollte, auch eine Vertheilung des 
Privateigcnthums wahrscheinlich 
durchsetzen wiirdc. 

Lege — dices ; s. 11. 12, 28 zu 
rogo. Ueber Gracchus Reden vgl. 
Brut. 33. 

49. teniiem victiiin, feslstehen- 
der Ausdruck, wie unser ,,schmale 
Kost", griech. linri] SCaiTu. Vgl. 
V. 32, 89. 

nempe = eerte, i^tjnov, ,,doch 
wohl". 

y/ge etc. Sinn : Angenommen, 
wir verstiinden nicht, was E. vo- 
lupta.i nennf, so ist doch wohl die 
Bedeutung von dolor unzweifelhaft; 
da er nun diesen das griisste Uebel 
nennt, so ergiebt sich, dass ihm die 
voluptas und nicht die Tugend das 
griisste Gut ist. . 



21. 50. Epicurei, Riimer, die 
dem Epicureismus huldigen. 

viri optiini, s. zu II. 19, 44. 

studiose ,, leidenschaftlich " = 
iracunde § 51. Vgl. Tacitus: sine 
ira et studio. 

Jta — studiose. 

de — dignitate, nieht aber iiber 
wissenschaftliche Gegenstiinde. 

Et illi pugnant etc. Sinn : Sie 
bieten alles Miigiiche auf, um ihre 
feststehende Ansicht zu vertheidi- 
geo ; ich dagegen, ein Eklektiker, 
bin, wenn sie mich iiberfiihren, be- 
reit, meine Ansicht zu ihren Gun- 
sten aufzugeben. 

non laborare ,,keine Anstren- 
gungen machen". 

actum habiturum : ,,indem ich 
das als abgeinacbt anseben werde, 
was — ". 

51. de betlo Punico agitur? 
Sinn : Handelt es sich denn um 
cine so wichtige Sache? 



LIBER III. 22, 52. 53. 143 

quum aliud M. Catoni, aliud L. Lentulo videretur, nulla inter 
eos concertatio umquani fuit. Hi nimis iracunde agunt, prae- 
serlim quum ab iis non sane animosa defendatur sententia, 
pro qua non in senatu, non in contione, non apud exercitum 
neque ad censores dicere audeant. Sed cum istis alias, et eo 
quidem animo, nuUum ut certamen inslituam, verum dicenti- 
bus facile cedam. Tantum admonebo : si maxime verum sit, 
ad corpus omnia referre sapientem, sive, ut honestius dicam, 
nihil facere, nisi quod expediat, sive orania referre ad utilita- 
tem suam, quoniam haec plausibilia nori sunt, ut in sinu gau- 
deant, gloriose loqui desinant. 

Cyrenaicorum restat sententia, qui tum aegritudinem cen- 22 
sent exsistere, si necopinato quid evenerit. Est id quidem 52 
magnum, ut supra dixi; etiam Chrysippo ita videri scio, quod 
provisum ante non sit, id ferire vehementius; sed non siint in 
hoc omnia. Quamquam hostium repens adventus magis ali- 
quanto conturbat quam exspectatus, et maris subita terapestas 
quam ante provisa terret navigantes vehementius, et eiusmodi 
sunt pleraque. Sed quum diligenter necopinalorum naturam 
consideres, nihil aliud reperias, nisi omnia videri subita maiora, 
et quidera ob duas caussas: primum, quod, quanta sint quae 
accidunt, considerandi spatium nou datur; deinde, quum vi- 
detur praecaveri potuisse, si provisum esset, quasi culpa con- 
tractum malum aegritudinem acriorem facit. 

Quod ita esse*, dies declarat, quae procedens ita mitigat, 53 



L. Cornelius Lentulus, 199 Con- in sinu gaudeant. Urspriinglich 

sul, war also gegen den 3. puni- ist der */«?/* fog-ae gemeint, in wel- 

schen Krieg. chem der Romer Mund und Hand 

praesertim quum — ,,was um so verbergen konnte. Vgl. jedoeh Prop. 

mehr hervorgehoben werden muss, II. 25, 30 : /« tacito cohibe gaudia 

d. h. um so auffalliger ist, da — ". elausa sinu. 

EbensoW. 26, 13: quumpraeserfim qa r^ Cvrenaicorum s II 6 

omne malum dolore defimat; in ,r 4 ■ .- j iii 10 oq 

T7„ II ^c 110 4. j 15 zu ^r<*^/oB?/*, und 111. lo, 2o. 

Verr. 11. 46, 113: ut ex oppido ^^ ' ' 

Thermis nullum signum attinge- Chrysippus , Stoiker; s. zu I. 

res,quumpraesertim miiltaxssent 45, 108. Die hier gemeinte Schrift 

praeclara. In solchen Fiillen kann hiess : ntQl uyad^div x«t xaxaiv 

praesertim quum (quum praes.) fiaaycoyi]. 

dann auch durch ,,obgleich" iiber- « . r» lu a 1 „1 oq r;r; 

, ?5 & /enre.DerselbeAusuruck: 23,55. 

setzt werden. •' 

non sane ,,nicht sonderlich ", quum — consideres — si consi- 

wie 10,22. de»'e5, daher der Conj. So de leg. 

verum vor dicentibus ist Ad- II. 1, 2: quis non, qiium haec vi- 

jectiv. deaf, irriserit? 



144 



LIBER III. 22, 54. 



ut iisdera malis niaiientibus non raodo leniatur aegritudo, sed 
in plerisque toUatur. Karlhaginienses multi lloniae servierunt, 
Macedones rege Perse caplo. Vidi etiara in Peloponneso, quum 
essera adolescens , quosdam Corinthios. Hi poterant onines 
eadem illa deAndromacha deplorare: Haec omnia vidt — ,• sed 
iam decantaverant lortasse. Eo enim erant vullu, oratione, 
omni reliquo motu et stalu, ut eos Argivos aut Sicyonios di- 
ceres ; magisque me moverant Corinthi subito adspectae parie- 
tinae, quam ipsos Corinthios, quoruni aniniis diuturna cogitatio 
54 callura vetustatis obdiixerat. Legiraus librum Clitomachi, quem 
iile eversa Karthagine misit consohindi caussa ad caplivos cives 
suos ; in eo est disputatio scripta Carneadis, quara se ait in 
commenlariura retulisse. Quum ita posiliim essel. videri fore 
in aegriludine sapientem patria capla, (luae Carneades contra 
dixerit, scripta sunt. Tanta igilur cahimitatis praesentis ad- 
hibetur a philosopho medicina , quanla in iuvetcrata ne de- 
sideratur quidem; nec, si aliquot annis posl idera ilie liber 
caplivis missus esset, vulneribus mederelur, sed cicatricibus. 



53. Pcrse capto, durcli L. Aeini- 
lius Paullus 168, in Folge der 
Schlaclit bei Pydna. 

qutim essem adolesccns. Cicero 
kam 70 v. Chr. nach Griechenland, 
kannalso wohlnoch einzelneKriegs- 
gefangene von 14() her (denn darauf 
deutet servirc hin) gesehen haben. 

illa de Andromacha : ,,jene 
Worte aus der Andromache" (19, 
45). So de olf. III. 21, S2: Graccos 
vej^sus de Phoenissis; de rep. I. 18, 
30 : illa de Jphigenia ylchillis (die 
Worte des A. aus der ,,I|)higenia"), 
und ofter. 

decanfavcrant, hier = cantarc 
{deplorarc) dcsierant. 

Jir^ivos aut Sicyonios , denen 
kein solches Ungliick begegnet war. 

parietinae, der echt lat. Aus- 
druck fiir unser ,, Ruinen". 

callum — obduxerat^\^\.\\.\h,'.iQ. 

54. Clitomachus aus Karlhago, 
urspriingl. Hasdrubal genannt, des 
Carneades Schiiler und Naclifolger 
in der Leitung der Akadeniie. 

Carneades, geb. 217 zu Cyrene, 
Stiftcr der neuen Akademie, be- 



kampfte vorziiglich die Stoiker und 
deren Haupt Chrysippus, der gleicb- 
zeitig niit ihm in Atlien lehrte (s. 
25, 59 und V. 29, S3), war 155 Mit- 
glied der Gesandtschaft nach Rom 
(s. Einleit. u. IV. 3, 5). Schriflen 
von ihni selBst gab es nicht. 

commcntarium = vn6firi]fiK. 

positum cssct, s. zu I. 4, 7. 

calamilatis praescntis, echt ia- 
tein. nicht an das Verbum, sondera 
an denObjectsbegrilf angeschlossen. 
So linden sich mit dem Gen. statt 
des deutschen Dat. verbunden : 
Jinem faccrc , ganz gewiihnlich ; 
ferner : ,/idem faccre {orationis, 
de or. III. 27, lUl), praestringere 
oculos (Cat. M. 12,42), eripere 
pecuniam (p. Quiot. 11, 39), de- 
cernerc praemia (de or. II. 85, 
347) u. A. 

medcretur, lebhafter als medi- 
catus essct. Cicero versetzt sich 
in die Zeit, wo die Karlhager die 
Schrift erhielten. 

cicatricibus — thiite also etwas 
Ueberfliissiges. 



LIBER Fir. 23, 55. 56. 57. 145 

Sensini enira et pedelentim progrediens extenuatnr dolor; non 
quo ipsa res immutari soleat aut possit; sed id, quod ratio de- 
buerat, usus docet, minora esse ea, quae sint visa maiora. 

Quid ergo opus est, dicet aliquis, rafione aut omnino con- 23 
solatione illa, qua solemus uti, quum levare dolorem maeren- 55 
tium volumus? IIoc enim fere tum habemus in promptu, nihil 
oportere inopinatum videri. Aut qui toierabilius feret incom- 
modum, qui cognoverit, necesse esse homini tale aliquid ac- 
cidere? Haec enim oratio de ipsa summa mali nihil detrahit, 
tantum modo affert, nihil evenisse, quod non opinandum fuisset. 
Neque tamen genus id orationis in consolando non valet, sed 
haud sciam an plurimum. Ergo ista necopinala non habent tantam 
vim, ut aegritudo ex iis omnis oriatur; feriunt enim fortasse 
gravius; non id efficiunl, ut ea, quae accidant, maiora videan- 
tur; maiora videntur, quia recentia sunt, non quia repentiua. 

Duplex est igitur ratio veri reperiendi non in iis solum, 56 
quae mala , sed in iis eliam, quae bona videntur. Nam aut 
ipsius rei natura qualis et quanta sit, quaerimus, ut dc pauper- 
tate nonnumquam, cuius onus disputando ievamus, docentes 
quam parva et quam pauca sint, quae natura desideret ; aut a 
disputandi subtilitate orationem ad exempla traducimus. Hic 
Socrates commemoratur, hic Diogenes, hic Caecilianum illud : 

Saepe est etiam suh palliolo sordido sapienlia. 
Quum enim pauperlatis una eademque sit vis, quidnam dici 
potest, quaraobrem C. Fabricio tolerabilis ea fuerit, alii negent 
se ferre posse? Huic igitur alteri generi similis est ea ratio 57 
consolandi , quae docet, huraana esse, quae acciderint. Non 

23- 55. rntione ,,AufzahIung opinin magnitnall praesentis {%2h 

von Vernunftgriinden". u. 75) ist, wiihrend er 13, 28; 14, 

tolerahilius, hier activ, rdr tole- 30; 22, 52 nacb der herrschenden 
rantius; wie de fin. III. 13 42: Ansicht angenomraen hatte, dass ein 
si dolores eosdem tolerahilius j)ar u n e r w a r t e t e s Uebel als solches 
iiuntur. So koramen auch amahi- g'"osser erscheine. 
lis, insatiabilis u andere Adj. auf 56. Caecilianum illud. Statius 
})ilig vor. Cacilius Insuber, nach Gell. XV. 24 

affert = dicit, wie I. 29, 70. *!"'' i^'}^ romische Komiker, fallt 

derZeit nach zwischen Flautus und 

haud sciam an , nicht selten bei Terenz • er starb 168. 
Cicero, noch bescheidenere Form c. Fabricius Luscinus wies be- 

der Bejahung ais liaud scio an. kanntlich das Gold des Pyrrhus mit 

quia recentia sunt, non quia re- Verachtung zuriick. 
pentina. Cic. ist nicht consequent. 57. Huic allcri generi ,,Weise 

Er folgt hier der stoischen Lehre, zu belehren", namlich dureh Bei- 

nach Acr diie aegritudo die recens spiele. 

Cic. Tuscul. IQ 



146 



LIBEU III. 21, 58. 



enim soluin id conlinet ea disputalio, ut cognitionem afferat 
generis liuniani ; sed significal, lolorabilia esse. quae cl tulerint 
24 et terant ceteri. De paupertate agilur : multi patientes pauperes 
commemoranlur. De contemnendo honore : mulli inlionorati 
proferunlur el quidcni propler id ipsum beatiorcs, eorumque, 
qui privaluni olium negoliis publicis antelulerunt, nominalim 
vita laudalur, nec siletur illud potentissimi regis anapaestum, 
qui laudat senem et lorlunatum esse dicit, quod inglorius sit 
58 alque ignobilis ad snpremum diem pcrventunis. Simililer com- 
memorandis cxemplis orbitates quoque liberum praedicantur, 
eorumque, qui gravius ferunt, luctus alioruin exemplis leniun- 
tur ; sic perpessio celerorum facit, ut ea, quae acciderinl, multo 
miuora, quam quanta sint exislimata, vidcantur. Ila lil, sensim 
cogitantibus ut, quanlum sit ementita opinio, appareat. 
Atque hoc idem et Teiamo ille declarat: 

Ego quum genui — 
et Theseus : 

Futfiras mccum commentabar miserias, 
et Anaxagoras : Sciebam me qcuuissc mortalem. Hi enim 
omnes diu cogitantes de rebus humanis intclligcbant, eas ne- 
quaquam pro opinione vulgi esse extimcsceiidas. Et inihi qui- 
dem videtur idem fere accidere iis, qui ante meditaiilur, quod 
iis, quibus medetur dies, nisi quod ralio quaedam sanal illos, 
hos ipsa nalura, intellecto eo, quod rem continet, illud malum, 



cognitionem gen. fiiun., mit Be- 
zug auf § 55 qiii cognoverit necessc 
essc ftomini tale aliqiiid accidcre. 
— Durcli non sulinn — sed (oliiie 
etiam) wird ilas Ersterc als weui- 
ger wichlig bei Seite geschoben. 

24. Dc paiipertate agitur, hy- 
polhetisch ; s. II. 12, 28 zu Rogo 
fioc idcm. 

com.mcmorantiir. Man beachle 
die Mannigfaltigkeit iiu Ausdruck : 
nachher profcriintur — laudatur 
nec siletur — praedicantur. 

nominatim ,,mit Nameanen- 
nung". 

illud — aniipaestuin, eigtl. Ad- 
jectiv(denn anapacsticus bruuchen 
gute Schriftstelier so wenig \\\c pfii- 
losopfiicus urni pfiiiofogicus , vgl. 
II. 10,37 sine anapaestis pedibus), 



ergiinze carmcn. Agamemnon sprioht 
bei Eurip. Iph. Aul. 15 sqq. : 

— Z))l(o df, yinov. 
ZriXdj tT KvSnciiv og ax(v6vvov 
BCov i^enfnaa cc^^vciig , «x/fr/?. 
Tovg <y iv Tiucdg rjoaov ^riijui. 

58. orbitates tibcrum (dieselbe 
Form 9, 20) ,,der Vertust von 
Kindern". 

Itafit etc, Umsclireibung fur Ita 
cogilantibus scnsim apparet. 

Telamo iifc, s. 13,28; Tfieseus : 
14, 29; Anaxagoras : M, 30. 

de rcbus fiumnnis , naml. iiber 
das mannigfache Ungliick, das den 
Menscheu Ireflen kanii. 

quod rem con/inet: ,,worauf 

Alles ankoinint". So IV. 10,23: 

a, quae rem continent; 31, 65: 

una res videtur caussant continere. 



LIBER m. 24, 59. 25, 60. 



147 



quod opinatuni sit esse maximum, nequaquam esse tantura, ut 
vitani beatam possit evertere. Hoc igitur efficitur, ut ex illo 59 
iiecopinato plaga maior sit, non, ut illi putant, ut, quum duo- 
bus pares casus evenerint, is modo aegritudine afficiatur, cui 
ille necopinato casus evenerit. Itaque dicuntur nonnulli in 
maerore, quum de hac communi homiuum condilione audivis- 
sent, ea lege esse nos natos, ut nemo in perpetuum esse pos- 
set expers mali , gravius etiam tulisse. 

Quocirca Carneades, ut video nostrum scribere Antio- 25 
chum , reprendere Chrysippum solebat laudantem Euripideum 
carmen illud : 

MoiHiilis nerno est, quem non attingit dolor 

Morbusque i multis siint humandi liberi^ 

Rursum creandi, morsque est Jinita bmnibus ; 

Quae generi humano angbrem nequicquam affei^unt. 

Reddenda terrae est terra; tum vita omnibus 

Metenda, ut fruges. Sic iubet Necessitas. 
Negabat genus hoc orationis quicquam omnino ad levandam 60 
aegritudinem pertinere. Id enim ipsum dolendum esse dicebat, 
quod in tam crudelem necessitatem incidissemus. Nam iilam 
quidera orationera ex commemoratione alienorura maloruni ad 
malevolos consolandos esse accommodatam. 



opinatum sif, s. zu 11, 24. 

59. ut illi putant, die Cyrenai- 
ker; s. 22, 52. 

25. Carneades, s. 22, 54. 

video ,, icli fiade (in der Ge- 
schiciite od. Litteratur iiberhaupt)". 
So IV. 3, 5 : Diogenem et Carnea- 
dem video — missos esse legatos ; 
22, 50 : video utrumque ceeidisse ; 
37,79: ut Alexandrum videmus. 
(So wird auch das Pras. audio, fur 
accepi, von Traditionen , die noch 
im Munde des Vo1i<es leben , ge- 
braucht, z. B. de olf. \. 0, 19 : ut in 
astrologia C.Sulpicium audimus.) 

Antiochus aus Ascalon , Schiiler 
(aber nicht Nachfolger) des Philo, 
bemiihte sich die stoische und peri- 
pat.Lehre mit derakad. auszuglei- 
chen ; nostrum , weil Cicero mit 
Lucultus und Brutus in Athea ihn 
horte ; vgl. V. 8, 22. 

Cfirysippus, s. zu l. 45, 108. 



Eurip. carmen, nach Stob. serm. 
106 aus der ,,Hypsipyle" (bei Din- 
dorf fr. p. 113): 

^Eipv f.itv ovStCg, oGTig ov ttovh 

(iQorcov 
Qcmrei re rtxvc<, /ctreQ^ av ami- 

qii via, 
Avrog re d^vrjOy.ei ' xal tcc^ a^O^ov- 

rai ^Qorol 
Eig ytjv cfSQOvreg yr^v • uvayxaCcag 

J" fxei 
BCov {heQCCftv, cSare xaQTHfxov 

arc()(vv. 
atlingit, iiach dem griech. oorig 
ov TTovtT. Im klassischen Latein 
miisste es attingat heissen. 

est finila — dejinita , consti- 
tuta; wie de leg. II. 26, 66: Se- 
pulcris novisjinivit modum ; Caes. 
B. G. VI. 18 : {Galli) spatia omnis 
temporis non numero dierum, sed 
noctium finiunt. 

10* 



148 



LIBERIII. 25, Gl. 2G, 62. 



Mihi vero longe videliir seoiis. jNam et iiecessitas feren- 
dae condilionis liunianae quasi cum deo jjuj^nare proliibel ad- 
monelque esse homiuem , quae cogilatio niaguo opere luctum 
leval, et enumeratio exemplorum non, ut animum malevolorum 
oblectet, afFerlur, sed ut ille, qui maerel, rerundum sibi id cen- 
Gl seat, quod vidcat niultos modcrate et tranquille tulisse. Omni- 
bus enim modis rulciendi sunt, qui ruunt nec cohaerere pos- 
sunt propter magnitudinem aef;;ritudinis. E.\ ([uo ipsam aegri- 
ludinem Xv/rrjv Chrysipi)us, ([uasi solulioncm lotius hominis, 
appellalam putat. Quac lota poleril evelli explicala, ut prin- 
cipio dixi, caussa aegritudinis. Est enlm nulla alia, nisi opinio 
et iudicium magni praesenlis alque urgentis mali. Itaque et 
dolor corporis, cuius esl morsus accrrimus, perferctur spe pro- 
posita boni, et acta aetas honeste ac splendide lantam afferl 
consolationem, ut eos, qui ila vixerinl, aut non attingat acgri- 
tudo aul perleviter pungat animi dolor. 
26 Sed ad hanc opinionem magni uiali quuui illa etiam opinio 
02 accessit, oportere, rectum esse, ad ofBcium pertinere, lerre 
illud aegre, quod acciderit: lum denique elficitur illa gravis 
aegritudinis perlurbatio. Ex hac opinione sunl illa varia et 
delestabilia genera lugcndi , paedores, muliebres laceraliones 
gcnarum , pcctoris, reniinum, capilis percussiones. Hinc ille 
Agamemno Homericus et idcm Accianus, 

Scinilens ilolore idc/itidem i/ilo/isain cornafn. 



G(). qiiasi cirm tleo piignarti 
flriickl (lic deiii Giiecheii geliiulige 
\ orslelluiig' (les xliofict/th' aus. 

prolubet, uadi Orelli u. V\'esen- 
berg (Em. Tusc. 11. \t. 55), nicht 
cohibel, da nur das erslere, iiiFolge 
seiner Ableituiig(=;>;'or'///Afli>er('), 
den blossen Ablat. oder den Infin. 
zulasst. 

aihnonc/qiic ,,erinnerl einen, 
dass man — ". 

Gl. loliacrcrc, eigentl. von Ge- 
biiuden : ,,in sich selbst zusamnien- 
hjingen." So de har. resp. 27, GO : 
vix haec , .ii i/tidiqiie Jiilciamus, 
cohaercbiint. Vgl. V. 28, SO. 

qiiasisoliifioncm. Eiiiige Hdschr. 
haben vervollstandigt : qiiasi i.vaiv, 
id est solutioneni. Plal. Crat. ji. 
419 c : ri kvirr] tcno Trjg i^ialvOfwg 
Tov aaiuuTog eoixtv i7iovoucca!}ij- 



V«l, ijl' h' TOVTO) TIO TKf.O^tl lO/fl TO 

aciiuft. Im l-ltynidlogisiren \ei'i"ulireii 
die Alten oit sehr \\ illkiilirlich. 

iit principio dixi: c. 10, § 23. 

26. G2. paedores. Auch Unsau- 
bcrkeit (gewiihiil. sordcs) gehiirte 
bei den Allen zu deii Zeichen tiefer 
Trauer. 

nnilicbres lacerationes. Eine lex 
XII labb. (de legg. 11.23,59) sagt: 
HJiiliercs ^cnas nc radiinlo neve 
lessutn funcris ergo habento. 

Agameitino. Bei Homer II. X. 
14 .sq. : ^ 
AvTao br ig vf\ng re iiioi xcci knov 

7io).).(tg ix xfcpteitjg TiQoftfXvfJVOvg 

elxtTo /ctiTag. 
Der lalein. Vers ist nach den neuern 
Untersuchungen aus Accius ,,Nyct- 
egrcsia" (rvxT>]yi)taia, das INacht- 



LIBERIII. 26, 03. 



149 



In qiio faceUiin illiid Bioiiis, peiinde slultissinnim regem in 
luctu capillum sibi evellere, quasi calvitio maeror levaretur. 
Sed haec omnia laciunl opinantes ita fieri oportere. Itaque et 63 
Aeschines in Demoslhenem inv-eliitur, quod is septimo die posl 
filiae mortem hostias inimolavisset. At quam rhetorice ! quam 
copiose! quas sententias colligit! quae verba contorquet! ut li- 
cere quidvis rhetori intelligas. Quae nemo probaret, nisi insitum 
illud in animis haberenius, onines bonos interitu suoruni quam 
gravissime iDaerere oportere. Ex hoc evenit, utin animi dolori- 
bus alii solitudines captent, ut ait Homerus de Bellerophonte, 
Qui miser in campis macrens errabat xJleis, 
Ipse suiim cor edens, hominwn vestigia vitans. 
Et Nioba fingitur lapidea propter aeter«um, credo, in luctu 
silentium. Hecubam autem putant propter animi acerbitatem 
quandam et rabiem fingi in canem esse conversam. Sunt autem 
alii , quos in luctu cum ipsa soiitudine loqui saepe delectat, uL 
illa apud Ennium nutrix: 



wacheu) entlehnt, einer Tragcidie, 
zu der das K». Buch der Ilias die 
Grundlage gab. — Zu HQiitericus 
uad Accianus ,,bei Honier — bei 
Accius" vgl. 27, 65 ille Tere.ntia- 
nus ipse se poeniens. 

In quo. So de off. I. 39, 139 : 
qitod in multis licet dicere ; de 
orat. II. 61,248: ridiculum est 
illud. Neronianum vetus infurace 
servo. Vgl. oben zu IS, 39. 

Bio, 6 BoQva&iviT)];, um 300 
V. Chr. , Cyrenaiker, spaterCyni- 
ker, war als satirischer Schrift- 
steller Lucians \ orbild. Vgl. Hor. 
epist. 11. 2, 60. 

63. et Aeschines — invehitur, in 
s. Rede gegen Ctesiphon § 77. — Et 
ist hier particula pendens, wie 3, 5. 

hostiasimmolavissef.DsLsOpfern 
ist dem Griechen stets ein Ausdruck 
fro h e r Empfindung. 

Af quam rhetorice etc. Aus dem 
Sinne derBewunderer desAeschines. 

quae verba contorquet = siim- 
ma vi et impetu proferl. Die Me- 
tapher istvon Geschossen entlehnt, 
die man drehend schwingt, um desto 
weiter und kraftiger zu treffen. 



Homerus, II. VI. 201 fg. : 

JjTOt 6 ■/CCtTT TltdlOV TO '^lijtOV OIOS 

cckaTO, 
ov &vf.iov y.aTiSctiv, ttcxtov av&Qca- 

TTMV aXiiivcov, 
Die AleVsche Ebene lag bei Mallos 
in Cilicien und hatte nach den Schol. 
zuHom. 1. 1. ihrenNamen ebeu ciTTo 
TTjg Tov BiD.tQO(f6vTov alrjg. Die 
Trauer des Bell. bezog sich auf den 
Tod seiner beiden Kinder Isauder 
und Laodaraia, wovon Glaucus bei 
Hom. 11. VI. 1.5.5 — 202 erzahlt. 

Et Nioba Jingitur etc. Auf das 
vorangegangene uf—alii — capfcnt 
soilte eigentlich folgen : alii aeter- 
7ium silentium servenl, ut Nioba, 
quae idcirco, credo, lapidea Jingi- 
tur; statt dessen fahrt der Schrift- 
steller nach der Einschaltung mit 
einem neuen Hauptsatze fort. — 
Zur Sache vergl. Hom. II. XXIV. 
602 fgg. u. Ovid. Met. VI. 146 fgg. 

y/ec«6a///.Ovid.Met.XIH.549fgg. 

deleclat haben hier die meisten 
und besten Hdschr., nicht delectet. 
Vgl. Zumpt § 563. 

apud Ennium nutrix, in derMe- 
dea exul. Im Original, Eurip. Med. 
v. 56 sqq. : 



150 



LIBER III. 27, 64. 65. 



Cupido cepit miseram mmc }/ir, pro/oq/ii 
Caelo iitqm terrae Meiieai miserias. 
27 Haec oninia recla, vera, debita putanles faciiint in dolore, 
61 raaxinieque declaralur hoc quasi olficii iudicio lieri , quod, si 
qui forte, quum se in luctu esse vellent, aliquid fecerunt liu- 
nianius aut si hilarius locuti sunt, revocant se rursus ad niae- 
stitiam peccatique se insimulant, quod dolere iutermiserinl. 
Pueros vero matrcs et magislri castigare etiam solenl, nec 
verbis soluni , sed etiam verberibus, si quid in domcslico luctu 
hihirius ab iis faclum est aul diclum, plorare cogunt. Quid? 
ipsa remissio luclus quum esl consecula, inleileclumque est, 
nihil profici maercndo: nonne res deciarat, fuisse lotum illud 
65 vojuntarium? Quid ille Terentianus Ipse se poeniens, id est 
'^Eavvbv TiiiicoQOv/.ievog? 

Decreiu, tatitisper f/ie ?/ii//ns i//i/'iriae, 
Chre//ies, i/ieo g/iato JYicerc, ilu/n Jiiit/i r/iiser. 
Hic decernit, ut niiser sit. Num quis igitur quicquam decernit 
invitus? 

Malo quiilei/i me quovis dig/ium depute///. 
Malo se dignum deputat, nisi miser sit. Vides ergo, opinionis 
esse, non naturae malum. Quid, quos rcs ipsa lugere prohibet? 



^Eyih yc'.Q ig tovt ixjifjSrjx c(}.y)}- 

dorog , 
ciigO^ if.((Qog f/ vnTjlOe y?j Tt yov- 

QCiVO) 

}.t^c(i, f.io}.ovG)j 6tvQ0, 8ta7ToiV)]g 
Tvyc(g. 

Mecleti, iuKoriiilli uin derfllauke, 
derTocliler des Koiiij^s Kreon, \\ il- 
leii von liison verstossen , niordele 
vor seinen Augen ilire gemeinsamen 
Kinder. 

27. 64. vera = acqua, insla, 
vvie 29, 73. Hor. ep. I. V, 9S : Me- 
tiri se quemqiie suo modulo ac 
pcdv, ve)-um esl. 

qiia.si officii iudicio ,,vvie nach 
eineni die Pflichl beslimmendeD Ur- 
theile". 

vei'bis — vcrberihiis. Dassellie 
Wortspiel Ter. Ileaut. II. 2, 115: 
2'ibi criint parula vvrba, huic ho- 
mini (= mihi) vc)'bera. 

res declarat: ,,die Sache selbst, 
die Erfahrung zeigt es". 



65. ille Terentianus : Menede- 
mus , der seinen Solin aus seinem 
Hause getrieben hat, und nun Reue 
daruber empOndct. 

poeniens iiir punicn.s-, wie I. 44, 
107. 

id est 'E. T. : ,, denn nicbts An- 
deres will doch L t. besagcn " — 
wohigefiilligc Andculung, dass der 
Lateincr des gricch. Wortcs nicht 
bediirfe ; wie V. .'5, !1 : hos se ap- 
pellarc sapicntiae studiosos , id 
est enim jihilosophos. 

Decrevi etc. Heaut. I. 1, 95 sq. 

uieo, cinsylbig zu lesen. 

Malo elc. ib. 83. 

deputat. Cic. Dimmt den Aus- 
druck desTerenz wieder auf: denn 
in dcr klass. Prosa ^\ird diesA\ort 
nicht gebraucht. • 

Quid, quos etc. = Quid de iis 
diram, quos — . Vgl. 28, 70. 



LIBER III. 27, »36. 28, G; 



151 



at apud Honienim quotidiaiiae neces interilusque niultorum se- 
dalionem maerendi afferunt, apud quem ita dicitur: 

Niimqne nimis multos atque omni luce cadentes 

Cernimvs, xit nemo possit maerore vacare. 

Quo ?nagis est aequuvi tumulis mandare peremptos 

Firmo anitno et luctum lacrimis finire diurnis. 
Ergo in pofestate est abiicere dolorem , quum velis, lempori 66 
servientem. An est ullum tempus (quoniam quidem res in no- 
stra potestate est) , cui non ponendae curae et aegritudinis 
cayssa serviamus? Constabat eos, qui concidentem vulneribus 
€n. Pompeium vidissent, quum in illo ipso acerbissimo miser- 
rimoque spectaculo sibi timerent, quod se classe hostium cir- 
cumfusos viderent, nihil aliud lum egisse, nisi ut remiges hor- 
tarentur et ut salutem adipiscerentur fuga; posteaquam Tyrum 
venissent, tum afflictari lamentarique coepisse. Timor igitur 
ab iis aegritudinem potuit repellere, ratio a sapienti viro non 
poterit ? 

Quid est autem, quod plus valeat ad ponendum dolorem, 28 
quam quum est intellectum, nihil profici et frustra esse sus- 
ceplum? Si igilur deponi potest, etiam non suscipi potest. Vo- 
luntate igitur et iudicio suscipi aegritudinem, confitendum est. 
Idque indicalur eorum patientia, qui, quum nuilta sint saepe 67 
perpessi , faciiius ferunt quicquid accidit, obduruisseque iam 
sese contra fortunam arbitrantur, ut ille apud Euripidera : 



apudHomerum, ll.XlX.226fgg.: 
^diriv y((Q noXXdi y.al inr,Toi^oi 

rifACiTCl TTCiVTCi 

TTinTovatv • noTS y.sv Ttg uva- 

nvsvGtte novoi.o; 
IdXla /Qv Tov fj.iv yciTad^clnTfiv, 

og xe x)civTjatv, 
T}]leci rhvfiov e/ovTcig , In ij/naTt 
3ay.QvaciVTCig. 

omni litee — quoiidie; lacrimis 
diurnis = lacr. {iinius') diei. 

66. tempori servientem ist niclit 
zu dem zu supplirenden Subjecte 
des Infiuitivs , sondern zu dolorem 
zu beziehen: ,,da er sich nach der 
Zeit richtet". 

cui non — serviamus : ,,in die 
wir uns nicht schicken kiinnten, zu 
dem Behufe, um — ". \A egen cu- 
ram (u. C. 28 do/orcm) ponere s. 
I. 11,24. 



Constabat. Zu der Zeit, wo 
Porapejus umkam , war diese Er- 
zahlung in Aller Munde ; daher das 
Iniperf. 

Tyrum. Nach Liv. epit. lib.CXII 
flohen des Pompejus Wittwe Cor- 
nelia und seiii Sohn Se.xtus nach 
Cypern. Sie wandten sich wahr- 
scheinlich v o r h e r nach Tyrus, 
welches auch Dio Cass. XLII. p. 
234 d als ihren Zufluchtsort nennt. 

28. niliil prqfici et — esse sus- 
ceptum. Zum ersteren ist eo, zum 
zweilen eum zu ergauzen. Vgl. 
Cat. M. 18, 63: Haec sunt hono- 
rahilia : saliilari , decedi , as- 
surgi, dcduci etc. 

67. multa • — saepe, s. I. 30, 74 
xu saepe mullis. 

apud Eiiripidem. Nach Dindorf 



152 LIBERIII. 28,68. 69. 

Si nnlii nunc tristis primum illuxisset dies 
Nec tain aevuinnoso ndvigavissem salo, 
Esset dolendi catissa, ut iniecto equulei 
Frenij repenle tiictu exagHanliir noeo ; 
Sed idm subaetus miseriis obtorpui. 
Defetigalio igitiir niiseriaruni acgritudines quum facial lenio- 
res, intelligi neccsse est, non rem ipsam caussam atque fon- 
tem esse maeroris. 

68 Philosophi sumnii nequedum lamen sapientiam conseculi 
nonne intelligunt, iii siimmo se malo esse? Sunl cnim iusi- 
pientes, neque insipientia ullum niaius malum est; neque ta- 
men lugent. Quid ila? Quia huic gcneri maloruin non allingitur 
illa opinio , rcclum esse el aequum et ad ollicium perlinere 
aegre ferre, quod sapiens non sis, quod idem allingimus huic 
aegritudini , in qua luctus inest , quae omuium maxima esl. 

69 Itaque Aristoteles^ veteres philosophos accusans , qui existi- 
mavissent, philosophiam suis ingeniis esse perfeclam, ait, eos 
aut stultissimos aut gloriosissimos fuisse, sed se videre, quod 
paucis anuis magna accessio facta esset, brevi temporc philo- 
sophiam plane absolulam fore. Theophrastus aiitem moriens 
accusasse naturam dicilur, quod cervis ct cornicibus vitam diu- 
turnam, quorum id nihil interesset, horainibus, quorum maxime 
interfuisset, tam exiguam vitam dedisset : qiiorum si aetas po- 
luisset essc longinquior, fulurum fuisse, ut, omnibus perfectis 
artibus , omni doclrina homiuum vita erudirelur. Querebatur 

gehort dies Fragment clein uns ver- sipientes etc. iiach der Lehie der 

lorenen ,,Aeolus" an ; Orelli da- Stoiker. 

gegen halt es flir die ^"ortsetzung quod idein, in Rexug aui opinio, 

der 14, 29 citirten Verse aus dein rectiim esse et aequum , aegre 

,,Theseus". Das Original lautet: ferre. 

^, , , ,^ 1 ^ ^ 69. Aristolelvs , s. zu I. 4, 7: 

Ei fitv Tod r,fxun TrnwToy r,r xa- x,,^„p,„.,„tus, s. zu I. 19,4.^. Der 

,'"":">•', . bei Anfiihrung dieser Anecdolen 

KaL f^,, fxciXQuv di, duc TTovon' ,^j^^^^j^ Gedanke ist § 70 ausge- 

tVC<VfTT0/.0VV, , , ..„f. .. 

_, , „ ,„ IV , , sproehcn : iivqiic lameii etc. 

Elxog acpaHc^l^eiv r,v «'', ^? v(o- ^^^.^,.^. ^^ ,.„,.,,,-,,-^,,,. Ovid. Met. 

fir« VII 27i- 

IlcoXov ;^«;.n'ov aoTicog Jf Jf3',u6- ^Yfar/.^we iceur cervi, ciuibus iii- 

„- t» ' ai ' *»*"' « super addit 

Nvv (T «M/SAt;? tifu y.cu >ccct,,qtv- ^^^ caputque iiovem cornicis sae- 

xcognovcov. ^ cula passae. 

aerumnoso salo = salo aerii- \c\. auch I. 'i\, 11. 

mnarum. Querebatiir, nach Diog. L. V. 

68. sapicntiam ,,die vollkom- \l -.'Ifufrs , OTidT an^ouf&a Cijv. 

mene Weisbeit ". Sunt enim in- tot ctTioyh',']C7xouiv. 



LIBER 111.28, 70. 71. 29. 



153 



igilur, se tuiii , quum illa videre coepisset, exstingui. Quid? 
ex ceteris philosophis nonne oplimus et gravissimus quisque 
confitetur, niulta se ignorare et multa sibi etiam atque etiam 
esse discenda? neque tamen , quum se in media stultitia, qua 70 
nihil est peius , haerere intelligant, aegritudine premuntur. 
Nulla enim admiscetur opinio officiosi doloris. 

Quid? qui non putant lugendum viris? qualis fuit Q.Maxi- 
mus efferens filium consularem, qualis L. PauUus duobus pau- 
cis diebus amissis filiis, qualis M. Cato praetore designato mor- 
luo filio , quales reliqui , quos in Coiisolatione collegimus. 
Quid hos aliud placavit, nisi quod luctum et maerorem esse 71 
non putabant viri? Ergo id, quod alii rectum opinantes aegri- 
tudini se solent dedere, id hi turpe putantes aegritudinem rep- 
pulerunt. Ex quo intelligitur, noninnatura, sed in opinione 
esse aegritudinem. 

Contra dicuntur haec : Quis tam demens, ut sua voluntate 29 
maereat? Natura affert dolorem, cui quidem Crantor, inquiunl, 
vester cedendum putat. Premit enim atque instat, nec resisti 
potest. Itaque Oileus ille apud Sophoclem, qui Telamonem an- 



70. intelUgant. Nach quisque 
und uterque, vvie nach Subst. col- 
lect., geht auch Cicero im f o 1 ge n- 
den Satze nicht selten in den Plu- 
ral iiber. 

officiosi doloris, wie p. Mil. 5, 12 
officiosi labores. 

Q. Fabius Maximus Cunctator. 
Cat. M. 4, 12: Multa in eo viro 
praeclara cognovi , sed nitiil est 
adtnirabilius, quam quo modo ille 
moriem Jilii tulit, clari viri et 
consularis . Est in manibus lau- 
datio : quatn quum legimus, quem 
ptiilosophum non contemnimusV 
Der Sohn, Q., war 213 init Tib. 
Sempronius Gracchus Consul ge- 
wesen. 

L. Aemilius Paullus , der Besie- 
ger des Perseus , verlor nach Liv. 
XLV. 40 u. 41 i. J. 167, grade in 
den Tagen seines Triumphes, die 
beiden jiiugsten seiner vier Sbhne, 
im Knabenalter. 

M. Porcius Cato Censarius ver- 
lor seinen alleren Soho , M. P. C. 



Licinianus 152 v. Chr. Vgl. die. 
schiJne Stelle : de sen. 24, S4. 
in Consolatiotie , s. zu I. 26, 65. 
71 . id — id, s. 8, IS zu ab eo. 
29. Contra dicunturkaec, naml. 
V. d. Peripatetiitern. 

Crantor (s. I. 4S , 115) heisst 
i>es/er als Mitglied derAkademie,der 
Cicero im Princip sich anschliesst. 
Vgl. in. 6, 12. 

apud Sophoclem, in dem verlor- 
nen Aiag JloxQog, nach Stob. serm. 
113 (bei Dmd. p. 29) : 
Tovg (T ccv fisyCoTovg xcu aocpco- 

TUTOvg (fgfvi 
ToiovgS' 1'Soig av , oiog Iotl vvv 

ode, 
Kc(X(5g xccxdig TTQccodovTi Gvfxna- 

Qaivioai' 
"Otuv Sh Saiucov avi^Qbg avTV/ovg 

To ttqIv 
MctOTiy iQtiotj Tov ^iov naXiv- 

TQonov, 
Ta noXkct cfQovSu y.ctl xccXwg ti- 

Qt]fxev(c. 
Der Uebersetzer ist wahrscheinlich 
Cicero selbst. 



154 LIBER m. 29, 72. 7:i. 

tea de Aiacis morte consolalus essel, is qiiuin audivissel de 
suo, fractus est. De cuius coinmutala menle sic dicilur: 

Nec vero tanta praedili/s sapUntia 

Quisqnam est, qui alioriim acruuuiain dictis allevans 

Non idcm^ qiiinn forthna mutata iinpetiim 

Co?ivcrtat, clade siihita frangatiir sua. 

fJt illa ad alios dicta et praecopta excidant. 
Haec quum dispulant, lioc sludenl clficere , nalurac obsisli 
nullo modo posse; ii tamen fatenlur, graviores aegriludines 
suscipi , quam nalura cogal. Quae esl igilur amenlia? ul nos 
quoquc idcm ab illis rcquiramus. 

72 Sed plures sunt caussae suscipiendi doloris. Primum illa 
opinio mali , quo viso atque persuaso aegriludo insequitur ne- 
cessario. Deinde etiam gratum mortuis se facerc, si graviler 
eos lugeant,arbilrantur. Accedil superslitio mulicbris quaedam: 
existimant enim, diis immortalibus se facilius salisfacturos, 
si eorum plaga perculsi alllictos se el stralos esse fateantur. 
Sed haec inler se quam rcpugnenl, pleriquc non videnl. Lau- 
(lant euim eos, (|ui aequo animo morianlur: qui allerius mor- 
tcm aequo animo ferant, eos pulant vilupcrandos. Quasi lieri 
ullo niodo possit, quod in amatorio sermone dici solet, ut quis- 

73 quam plus altcrum diligat quam se. J^raeclarum illud est et, si 
quaeris, reclum quoque et vcrum, ut eos, qui uobis carissimi 
essedebeant, aeque ac nosmel i|)sos amemus ; ul vero plus, 
fieri nullo paclo potest. Ne oplandum quidcm est in amicitia, 
ut me ille plus quam se, ego illum plus quam me; perturbatio 
vilac, si ita sit, atque olficioruuj omnium consequatur. 



rfe SMO, sc. y^/aee; also: dass aucli niogis, weil inan auch iin Posiliv 

sein Sohn gefallen sei. sageii kana : multiim oliqiiem dili- 

Qiiae — amenlia> iin Riickbiick g«''''' iamare). 

auC Qiiis lam demens elc. . "''^- si qiiaeris, eigtl. ,.\venn man 

-o c j I . r- die Saclie rccht untcrsucht", dahcr: 

(i. Lied pliires etc. Cicero wi- r • i .• • • i 

, I , ,. . , „ , .,uin aulnclitiir zu sein , m der 

derleet iiun die einzelnen Ilehaun- rA, . ^ u • • 

, I „ . ■■ \ , e -.^ Ihat'-. »0 aucn : si qiiaerimus, si 

luncen der Ferin. . /.unachst 8 (2 . ' . ' . 

..„j -Q 1- 1 II t; i. V vcriim quaeris, verum si quaeri- 

und (ddie, dass aller Schinerz et- . 

wasNaliiriiches (uicht bloss auf der *' o- ^i n 

\ ..„.i„ii . n I 1 \ • ''t veriim , s. zu li, h4. Uass 

\ orstellung Beruhendes) sei. , r . i • i? 

' daraut , wenn elwas als eine ror- 

quo viso alqiie persuaso. Vgl. derung ausgesprochen wird, ut fol- 

H. 20, 47 : qiiod si tibi pcrsuasum gpn ,„„^8 ^ jgt k|ar. Vgl. 31 , 75 : 

^*'^- .4ddihir — ut. 

pliis — rf/7/ga/^, wie gleich nach- consequatur , ». I. 16, 36 zu 

her iit vero pliis (^amernu.t) . fijr consecuti sunt. 



LIBER Ilt. 30, 74. 



155 



Sed de hoc alias ; nunc illud satis est , non attribuere ad 30 
amissionem amicorum miseriam nostram , ne illos plus , quam 
jpsivelint, si sentiant, pluscerte, quam nosraet ipsos , dili- 
gamus. 

Nani quod aiunt, plerosque consolationibus nihil levari, 
adiunguntque, consolatores ipsos confiteri se miseros , quura 
ad eos impetum suum fortuna converterit: ulrumque dissolvi- 
tur. Sunt enim ista non naturae vitia , sed culpae. Stultitiam 
aulem accusare quamvis copiose licet. Nam et qui non levan- 
tur, ipsi se ad miseriam invitant, et qui suos casus aliter fe- 
runt, atque ut auctores aliis ipsi fuerunt, non sunt vitiosiores, 
quam fere plerique , qui avari avaros , gloriae cupidos gloriosi 
reprehendunt. Est enim proprium stultitiae, aliorura vitia cer- 
nere, oblivisci suorum. Sed nimirum hoc maximum est experi- 74 
nientura , quum constet aegritudinem vetustate toili , hanc vim 
non esse in die positam, sed in cogitatione diulurna. Nam si et 
eadem res est et idem est homo : qui potest quicquara de dolore 
mutari, si neque de eo, propter quod dolet, quicquam est mu- 



30. attribuere hier ,,hinzufii- 
geo". Nach deutscher Ausdrucks- 
weise wiirden wir hier erwarten : 
satis est docere, non attribuen- 
dam esse — miseriam nostram. 

Nam quod aiunt, Uebergangzur 
Widerlegung eines andernEinwan- 
des der Perip. (der 29, 71 in den 
Versen enthallen war\ Dieselbe 
Wendung: IV. 26, 57. 

dissolvitur. Man beachte diesen 
Gebrauch desPrasens: ,,BeideEin- 
wenduDgen sind gleich geho- 
ben". 

naturae — culpae. Derselbe Ge- 
gensatz IV. 37, 81 : Qui autem non 
natura , sed culpa vitiosi esse di- 
cuntiir. 

quamvis copiose , s. zu I. 21,47. 

non. levantur ,,sicb nicht er- 
leichtern lassen". 

ipsi se ad miseriam invitant. 
Id den Hdsclir. fehlt se , welches 
nach ipsi leicht ausfallen konnte ; 
nicht aber nach ad, wo man es ge- 
wohulich einsetzt. Dass das Object 
zu invitare hier se sein inuss , er- 



giebt sich auch aus 34, 82: qua- 
dam invitatione (sc. svi) ad do- 
lendum. 

auctores — fuerunt. So ad Att. 
XV. 5, 2: mildque, ut absim, ve- 
fieme?iter auctor est; ad faiu. VI. 
8, 2 : a me consilium petis , quid 
sim tibi auctor, u. bfter. 

aliorum vitia etc. Hor. serm. I. 
3, 25 sq.: 
Curn tua pervideas oculis mala 

lippus inu/tctis, 

Cur in amicorum vitiis tam cer- 

nis acutum ? 

74. nimirum „unzweifelhaft" ; 

quum ronstet etc. ist die Epexe- 

gese zu fioc, also = quod constat. 

Iianc vim etc. ,,dafiir, dass — ". 
Der Acc. c. Inf. vertritt also hier 
die Slelle eines Genitivs zu experi- 
mentum (,,Erfahrungsbeweis"). 

in dic : ,,iu der Zeit, d. h. in der 
Lange der Zeit". Vgl. 22, 53 : dies 
declarat , qiiae procedens ita mi- 
tigat etc. ; IV. 17, 39 : si error ex- 
tenuetnr die. 



156 



LIBER III. 31, 75. 76. 



tatum, neque de co, qui dolet? Cogilalio igitiir diuturna, niliil 
esse in re niali, dolori medelur, non ipsa diuturnitas. 
31 Hic niiiii affcrunt mediocritates. Quae si naturalcs sunl, 

quid opus est consolatione? Natura enim ipsa tcrminabit mo- 
dum. Sin opinabiles , opinio tota tollatur. Satis dictum esse 
arbitror, acgritudinem esse opinionem mali praesenlis , in qua 
opinione illud insit, ut aegritudinem suscipere oporteat. 

75 Additur ad hanc definitionem a Zenone recle, ut illa opi- 
nio praesentis raali sit recens. Hoc autem verbum sic inter- 
pretanlur, ut non tantum illud recens esse velint, quod paullo 
ante acciderit, sed quam diu in iMo opinato malo vis quaedam 
insit, ut vigeal et habeat quandam viriditalcm , tam diu appel- 
letur recens. l't Arfeniisia illa, Mausoli Cariae rcgis uxor, 
quae nobile illud Halicarnassi tecit sepuLcrum , quara diu vixit, 
vixit in iuctu, eodcmquc eliani contecta conlabuit. Huic erat 

. illa opinio cotidie recens, quae tum denique non appellatur re- 
cens, quum velustate exaruit. 

Haec igitur officia sunt consolantium : lollere aegritudinem 
fundilus , aut sedare, aut detrahere quam plurimum , auf sup- 

76 primere nec pafi manare longius, auf ad alia fraduccrc. Surit, 
qui unum ollicium consolantis pufcnf , raaluni illud omnino non 
esse , ut Cleanfhi placet. Sunf , qui non magnuni malum , ut 
Peripatclici. Sunt, qui abducant a malis ad bona, ut Epicurus. 
Sunt, qui satis putent ostenderc, nihil inopinafi accidisse, ut 
Cyrenaici. Chrysippus autem caput esse censet in consolanda, 



31. affcrunt mediocritates , sc. 
Peripatetici; s. 10, 22. 

75. /idditur — a Zenone , dem 
Stoiker. VVegen des folg. ut s. 29, 
73 zu vcrutn. 

interprcfantur, sc. Stoici. 

illud reci-ns essc vclint. \'gl. I. 
10,20: duas partes ei parere 
voluit. 

Ut ,,zumBeispiet", wie I. 10,20. 

Artemisia illa , zu \lexanders 
Zeit. Das Mausoleum wurde be- 
kanntlicli zu deo \\ underwerken 
der altenWelt geziililt. Vgl. Herod. 
VII. 99 ; Plin. H. >. XXXVI. 5. 

qnam diu vixit, vixit — , s. 7, 14 
zu recipit, rccipiat. 

exaruit, dieselbe Metapher, die 
dem liabcat quandam viriditatvm 
zum Grunde lag. 



adalia fraducere, sc. cos qui in 
aegritudine sunt. 

7G. officium consol. putcnt etc. 
Aus consolantis ist dicere oder do- 
cere zu erganzen, wie 32, 77 : ter- 
tia (medicina^ est, sununam esse 
stultitiam ; IV. 3S, S3 : animi mor- 
borum una sanafio est, omnes 
opinabiles esse. 

Cleantlii, s. zu II. 15, 60. Mit 
der wechselnden Construction ut 
Clcanlhi placct — ut Peripatetici 
(sc. dicunt) vgl. Acad. II. 39, 124 ; 
ut Platoni placuit — ut Xeno- 
erates. 

ut Cyrenaici. Slalt dieserWorte 
haben iast alle codd. nihil mali; 
jedenfalls corrumpirt, da dies mit 
dem vorher angefiihrten Trost- 
grunde des Cleaulhes iibereinstim- 



LIBERIII. 32, 77. 157 

detrahere illam opinionem maerenli, si se officio fungi putet 
iuslo atque debito. Sunt etiam, qui haec omnia genera conso- 
landi colligant (alius enim alio niodo movetur), ut fere nos 
onmia inConsolationem unam coniecimus; erat enim in tumore 
animus et omnis in eo tentabatur curatio. 

Sed sumendum tempus est non minus in animorum mor- 
bis quam in corporum. Ut Prometheus ille Aeschyli, cui quum 
dictum esset: 

Atqui, Prometheu, te lioc tenere existumo, 

Mederi yosse rationem irac/mdiae, 
respondit : 

Siquidem qui tempestivam medicinam dd?novens 
Non dd gravescens volnus illiddt manus. 

Erit igitur in consolationibus prima medicina, docere, aut32 
nuUum malum esse aut admodum parvum ; altera , et de com- 77 
muni condilione vitae et proprie, si quid sit de ipsius, qui 
maereat, disputandum; tertia, summam esse stultitiam frustra 
coniici maerore, quum inteliigas, nihil posse profici. Nam 
Cleanlhes quidem sapientem consolatur , qui consolatione non 
eget. Nihil enim esse malum , quod turpe non sit, si lugenti 
persuaseris , non tu illi luclum, sed stultitiam detraxeris; alie- 
num autem tempus docendi. Et tamen non satis mihi videlur 
vidisse hoc Cleanthes, suscipi aliquando aegritudinem posse ex 

men wUrde. Da nun bei den andern ^Eav ti; Iv xniQoj ys fxai.d^tta(Sy 

Ansichten die Naraen der pbilos. " xEnQ 

Scbulen angefiihrt sind , so hat der xal /utj acfQiytSvTa S^v/ubv iayvttl- 

Herausg. mit Riicksicht auf 13, 28 vjj /?t«. 

und 22,52, nacb TregdersVorgange, Siquidem ,,ja, wenn — ", wie 

die Verbesserung von Davisius un- II. 17, 39 ; qui = quis. 

bedenklich aufgenommen. 39. 77. altera, ergiinze dispu- 

Chrysippus. Vgl. zu I. 45, 108 tare aus dera lolgenden si — sit — 

u. III. 22, 52. disputandinn. 

si — putef, Epexegese zu illam videtiirvidisse. Dies die gewobnl. 

opinionem . Stellung bei der Verbindung dieser 

in tumore ,,in Gabrung, Auf- beiden Worte (vgl. I. 18, 42: ut 

regung", wie 12, 26. potissimumvideri video Panaetio); 

■ Jesckt/li. Prom. vinct. 377 sq. nur wenn mrfere pragnant= corflw 

spricht Oceanus: videre ist, pflegt es voran zu ste- 

Ovxovv, nnouriO-sv, tovto yiyvco- hen, z. B. de fin. V. 2, 4: Modo 

axtig OTi enimfuit {\ehle) Carrieades, quem 

oQyrjs voaovatjs tlalv laTQol X6- videre videor. 

yoi ; aliqt/ando ,,manchmal", wie 

und Prometbeus antwortet: iifter. 



158 



Ll BER III. 32, 7S. 33,79. 



eo ipso , ({uod esse sunimum malum Cleatitlies ipse fatealur. 
Quid enini diceuius , quum Socrates Alcibiadi persuasisset, ut 
accepiinus , eum nihil homiuis esse nec quicquam inler Alcibia- 
dem summo loco natum et quemvis bajulum interesse, quum 
se Alcibiades allliclaret lacrimansque Socrali supplex esset , ut 
sibi virlutem traderet lurpiludiuenique depelleret; quid dice- 
mus , Cleanllie? num in illa re , quae aegritudine Alcibiadem 

78 afliciebat, mali nihil fuisse? Quid? illa Lyconis qualia sunl? 
qui aegritudinem exlenuans parvis ait eam rebus nioveri, for- 
tunae et corporis incommodis , non animi malis. Quid ergo? 
illud, quod Alcibiades dolebat, non ex animi malis viliisque 
constabat? Ad Epicuri consolationem satis est ante dictum. 

33 Ne illa quidcm lirmissima consolalio est, quamquam et 

79 usitata est et saepe prodest : non iibi hoc soli. Prodest haec 
* quidem, ut dixi, sed nec semper nec omnibus. Sunt enim, qui 

respuant ; scdrefert, quo modo adhibeatur. Lt enim tulerit 
quisque eorum, qui sapienter tuleruut, non quo quisque iu- 
commodo aflectus sit, praedicandum est. Chrysippi ad verita- 
tem firmissima est , ad tempus aegritudinis dillicilis. Magnum 



ex eo ipsu , niimlicli iiliei- die 
eigene siUlicheSchlcchtigkeit. Wer 
iiber diese sich hekiiininerl, fur den 
ist natiirlich CI.sTrost kein Trost. 

(juod — fateatur. Wenn der 
Conjunctiv hier wirklich echt ist, 
so ist er nach Zuinpt § 551 zu er- 
kljiren. 

Socrates Alcibiadi. Augustin. 
de civ. D. XIV. 8: Alcihiadem Je- 
runt, qtiinn sibi beatiis viderefiir, 
Socrate disputante et ei, quam 
jniser esset, dcmunstrantcjlevisse. 
Entweder hat Cicero diese Anecdote 
aus einer uns verlorncn Quellc ent- 
lehnt, oder IMatos narstelluMg (Al- 
cib. I. oder Sjmpos. \\. 215) auf 
seine Weise ausgeschiniickt. 

nifiil hominis : ,,duichaus kein 
MeDSch (wie er sein soUte)". 

se — afflictaret , fiir qfflictare- 
tur (27, 66), ist seltcn; ad Att. 
III. 12, 1 : Ilic tu me accusas, quod 
me afflictem. 

78. illa Lijconis ,.jene Ansicht 
desLyco". L. ausTroas, Stratos 
NachFolger im Lyceum in Athen 



(alsoPeripat.), durch Heredtsamkeif 
ausgezeichnet , schricb ,,iiber.das 
hiichste Gut und liiichsto Lcbel'". Er 
starb 225 v. Chr. Vgi. Diog. L.V. 4. 

Ad Ep. consolationem , s.I. 4, 
8 zu ad id. 

33. 79. »07? tibi hoc soli , sc. 
accidit ; ein auch bei den Allen 
sehr gewiihnlicher Troslgrund. So 
Euripides: 
rfyvway.e THVfh^HOTTHa jur]<y VTifQ- 

utTQioq 
aXyd, y.axoTg yc(Q ov av 71q6ox(c- 

aai fAoyt]. 
Ovid : Solumen miseris , socios 
habuisse malorum. 

ut di.ri: 25, 60. 

Chrysippi, sc. consolatio, s. 31^ 
76. 

ad veritatem hicr so viel wie 
,,in derTheorie, in abstracto''. 
Ad ,,in Hinsicht auf'' ist bei Adject. 
hiiufig, z. B. de fin. 11. 20, 63 : timi- 
dus ad mortcin ; de nat. D. IL 62, 
155 : ad rationein sollertiamquc 
praestanfior ; inCat. 1.5, 12: qiiod 
est lenius ad severitatem. Ueber 



LIBERIII. 33, 80. 81. 34. 159 

opus est probare maerenli , illum suo iudicio et, quod se ita 
putet oportere facere, maerere. Nimirum igitur ut in caussis 
non semper utimur eodem statu (sic enim appellamus contro- 
versiarum genera), sed ad tempus, ad controversiae naturara, 
ad personam accommodanuis : sic in aegritudine lenienda, quam 
quisque curalionem recipere possit, videndum est. 

Scd nescio quo pacto ab eo , quod erat a te propositum, 80 
aberravit oralio. Tu enim de sapiente quaesieras, cui aut ma- 
lum videri nullum potest, quod vacet turpiludine, aut ita par- 
vum malum , ut id obruatur sapientia vixque appareat; qui 
nihil opinione affingat assumatque ad aegritudinem, nec id pu- 
tet esse reclum, se quam maxime excruciari luctuque confici, 
quo pravius nihii esse possit. Edocuit tamen ratio , ut mihi 
quidem videtur , quum hoc ipsum proprie non quaereretur hoc 
terapore, num quid esset malum , nisi quod idem dici turpe 
posset ; tamen ut videremus , quicquid esset in aegritudine 
maii , id non nalurale esse , sed voluntario iudicio et opinionis 
errore contractum. Tractatum est autem a nobis id genus 81 
aegritudinis, quod unum est omnium maximum, ul eo sublato 
reliquorum remedia ne magno opere quaerenda arbitraremur. 

Sunt enim certa, quae de pauperlale, cerla, quae de vita34 
inhonorata et ingloria dici soleant ; separatim certae scholae 
sunt de exsiiio, de interitu palriae, de servitute, de debilitate, 
de caecitate, de omni casu, in quo nomen poni solet calamita- 
tis. Haec Graeci in singulas scholas et in singulos libros dis- 
pertiunt; opus enim quaerunt; quamquam plenae disputationes 

die AnwenduDg bei Verbis u. Sub- tamen ut videremus , von Edo- 

stant. s. I. 4, 8 u. III. 5, 11. cuit tamen ratio abhangig: ,,eine 

eodem statu. Status , jurist, folgerichtige Betrachtung hat uns 

term. techn. = constitutio, ard- zu der Einsicht gefiihrt". 

aig, die verschiedene Art undWei- gi. id genus aegrit. Cic. meint 

se, wie eine Rechtssache behandelt besonders die Bekiimmerniss uber 

wird, eigtl. der Standpunkt, von denTod unsererAngehorigen. (Vgl. 

dem man dabei ausgeht. Vgl. Cic. £^q 26 u 27 ") 

Top. 25, 93. ^- ; /^ ,. , ^. 

cn „h „„ I M r» d4- scholae — disputationes ; 

oU. ao 60 — aberravit. Das ur- , , 470 

spriingliche Thema (s. 4, 7) war : ^^*' ^' "*' ' °" ^' 

Utrum cadat in sapientem aegri- ^pus enim quaerunt , scherz- 

tttdo necne. Cicero hat aber nach ''aft : ,,sie suchen Arbeit" (wie 

Erledigung dieser Frage auch iiber Tagelohner). Mit quamquam etc. 

die Ursachen und die Behandlung miidert Cicero einlenkend diesen 

der aegi^itudo gesprochen. kleinen Hieb. 

de sapiente quaesieras , hier == plenae delectationis ,,sehr inter- 

de sap. interrogaueras. essant". 



160 



LIBER III. 34, S2. S3. 



82 deleclalionis sunl. Et tamen , ut medici toto corpore curando 
roinimae ctiam parti , si condoluit, medenfiir: sic philosophia, 
quum iiniversam aegritudinem sustulit, suslulit etiam , si quis 
error alicnnde exstitit, si paupertas momordit, si ignominia 
pupugit, si quid tenebrarum offudil exsilium, aut eorum . quae 
modo dixi, si quid exstitit; etsi singularum rerum sunt pro- 
priae consolaliones , de quibus audies tu quidem , quuin voles. 
Sed ad eundem fonlem revertcnduni est, acgritudinein omnem 
procul abessc a sapienle, quod inanis sit, quod fruslra suscipia- 
tur, quod non natura exoriatur, sed iudicio , sed opinione, sed 
quadam invitalione ad dolendum , quum id decreverimus ila 

83 fieri oportere. IIoc detracto, quod totum cst voluntariiim, aegri- 
tudo crit sublata illa maerens; morsiis lamcn et contractiun- 
culae (|uacdam aiiimi reiinqiientur. Hanc dicant sanc natura- 
leni , dum aegritudinis nomcii absit grave, taelrum, funcstum, 
quod cuin sapienlia esseatque, ut ita dicam , habitare nullo 
modo possit. 

At quae stirpes sunt aegritudinis , quam multac , quam 
amarae! quae, ipso trunco everso, omnes elidendae sunt et, si 
necesse erit, singulis disputationibus. Superesf enim nobis hoc, 
cuicuimodi est, otium. 



82. Et famen etc. Sinn : Docfi 
sind dergleiclien Monographien ent- 
behrlich. 

quum universam aegrit. sustu- 
lil : ,,\venn sie (d.h. dadurcb, dass 
sie) die Bekiimmerniss iin Allge- 
meinen beseitigt hat". 

siistiilit eliam ist KeiTs treffliche 
Conjectur fiir das ganz unpassende 
(weil gegensatzlose ) tamcn der 
Hdschr. Das zweite sustulit konnte 
nach (lem vorangegangenen leicht 
ausgerullen sein. (Vgl. 31 , 75 : 
quamdiu vixit , vixit in liictii.) 

crror = op in io m a li p ra esen/ is, 
in quo angi oportere videatur. 

alicunde (Krnesti's Verbesserung 
fiir aliunde) : ,, aus ii'gend einein 
einzclncn Gegenstande". 

paupertas momordit. Vgl. IV. 
20, 45 : mordcri conscicntia. 

si qiiid tenehraium ojjudil. In 
anderem Sinne derselbe Tropus \ . 
2, 6: hacc indoctorum animis 
offusa caligo est. 



audies , im 4. Buche. 

Sed — revertcndum est , sc. in 
singulis consolationibus ; fons 
,,Grundsatz". 

invitatione hier ,, Selbsteinla- 
dung, Aulforderung an sich selbst". 
Vgl. 30, 73: ipsi se ad jniseriam 
invifant. 

83. contractiunculae — animi, 
ttTT. ffQ., gemildert fiir contractio 
a7?,(IV.31,W)), ,,Beklommenheit". 

habifare, griech. awoixfTv, vgl. 
V. 24, 09 : sapientis animum cum 
his habitantem pernoctantemque 
curis. 

elidcndae ,, auszurotten " ; vgl. 
II. 11, 27: nervos omnes virtutis 
elidunl . 

hoc — otium ,, die Musse da- 
zu" ; s. I. 19, 45 zu haec pulchri- 
tudo. Am hSuBgslen ist diese Con- 
struclion bei cura , timor, spes, 
pudor u. dgl. 

ciiicuimodi (seltnere Genitivform 
fiir cuiiiscuiusmodi) cst : ,,wie sie 



LIDEK lil. 34, 84. LIBERIV. 161 

Sed ratio uua omniuni est aegritudinum , plura nomina. 
Nam et invidere aegriludinis esl et aemulari et obtrectare et 
misereri et angi , lugere, raaerere, aerumna affici, lamentari, 
sollicilari, dolere, in moleslia esse, afflictari, desperare. Haec 84 
omnia deliniunt Stoici , eaque verba, (juae dixi, singularum 
rerum sunt, non, ut videntur, easdem res significant, sed ali- 
quid differunt. quod aiio loco fortasse tF-actabimus. Hae sunt 
iilae fibrae stirpium , quas initio dixi , persequendae et omnes 
eJidendae, ne umquam ulla possifexsislere. 

Magnum opus et difficile, quis negat? quid aulem praecla- 
rum non idem arduum? sed tanien id se effecturam phiiosophia 
profiletur; nos modo curationem eius recipiamus. Verum haec 
quidem hactenus. Cetera, quotiescunque voielis , el hoc loco 
et aliis parata vobis erunt. 

auch sonst bescbalfen sein inag", ein griecb. Spriichwort : ya).tTih 

(1. h. so unerwiinscht sie niir auch t« y.a)M, und : Svay.oXa tc( yaX('(. 
an sich ist. Vgl. V. 41, 12L fermn haec quidcm hactenus. 

84. alio loeo : lib. IV. c. 8. Lael. 15, -55: Sed haec haeteniis ; 

quas initio dixi: c. G, § 13. griech. xn\ xavia f.itv Toiavm od. 

praeclarum — arduum. So ist y.a) TavTa juiv di] TavTa. 



LIBER QUARTUS. 
DE RELIQUIS ANIMI PERTURBATIONIBUS. 



Uebersicbt des Inhalts. 

Nachdem Cicero einige Bemerkungen iiber die Culturge- 
schichte der Romer vorausgescliickt (Cap. 1 — 3), wird die 
Disputation iiber die Thesis : Nou om?ii animi periurbatioue 
sajnens potest vacare , eingeleilet (Cap. 4 u. 5). Sie besteht 
aus drei Theilen : 1 . Eintheilung und Definition der vier per- 
turbationes und ihrer Species , nach dem stoischen System 
(Cap. 6 — 14); 2. Widerlegung der Thesis selbst, mit beson- 
derer BekampFung der Lehre der Peripatetiker von der Noth- 
wendigkeit und demNutzen derLeidenschaften (Cap. 15 — 26); 
3.DarlegungderdagegenanzuwendendenMitteI(Cap. 27 — 38). 

Cir.Tuscul. 11 



102 LIBER IV. 1, 1. 2. 3. 

1 Ouum uiuUis locis uoslroriwu liouiinum iuf^euia virlutes- 

1 que, Brule, soleo mirari, lum maxiuie iu iis sludiis, quae sero 
admodum expetila in hauc civilalem c (iraecia traustulerunt. 
Naiu quum a primo Irbis orlu regiis inslilutis, partim eliam 
lej^ibus, auspicia, caerimoniae, comilia, provocalioues, palriim 
consilium, equituui pedilumque descriplio , lola res uiililaris 
divinitus esset coustilula : fum pro<^ressio admirabilis incredi- 
bilisque cursus ad omnem excelleuliam faclus est domiualu 
regio repubiica liberata. Xec vero liic locus est , ut de niori- 
bus inslitutisque maiorum et disciplina ac temperalione civilalis 
loquamur; aliis liaec locis salis accuralc a uobis dicla suul, 
maximeque iu iis sex libris, quos r/r /v /;///'//V.'r7 scripsimus. 

2 Hoc autem loco cousiderauti uiilii studia doclrinae multa saue 
occurrunt, cur ea quoque arcessita aliunde ucque solum ex- 
petita, scd etiam couservafa et culta vidcantur. Erat cnim iliis 
paene in coaspectu praestanti sapieutia et uobilitate P\ thago- 
ras, qui fuit iu llalia lemporibus iisdcm, quibus L. Brutus pa- 
triam liberavit, praeclarus aucfor uobilitatis tuac. Fylhagorae 
autem docfrina quum longc laleque llueret, permauavissc milii 
videtur in hanc civitateu), idque quum couieclura probabile csl, 
tum quibusdam eliam vesfij^iis iudicatur. Quis cnim est , qui 
putet, quum llorerel in Italia Graecia potentissimis et maximis 
urbibus, ea quae niagua dicta est, in iisque prinium ipsius Py- 
liiagorae, deinde poslea Pylhagoreorum tautum nomcn essct, 
nosfrorum hominum ad corum doctissimas voces aures dausas 

3 fuisse? Quin etiam arbitror, propter Pythagoreoium admira- 

1. 1, miiltis /ocis ,,in vieivnBe- '2. il/is piieneiiiPonspccfu. .\eh\i- 

ziehungeo". lich Caf. M. 21, TS : Pijt/iagoram 

pj'ovocationcs, sc. ad popii/iim. Pyl/iagoreosquc , incu/as pacnc 

Dass dergleichen auch unler den nostros. 

Kiinigen schon stattfanden , lehrt ^,^,- ^,^,-^ ^,,^. yg, | ^^^ 3^ 

Cicero (le rep. II 31, 54. Ueber 'Pvlh.-s Zeitalter weichen 

divinitus und divinc, im Sinne ^u^. .^ngaben so sehr ab, dass .sein 

von praec/are, nicht selten bei Gebnrtsjahr zwischen (U».> und 570, 

Licero. j.gj^ Todcsjahr zwischen Ht? und 

discip/ina ac tempcrationc civi- ^-^ ,.. Chr. schwankt. 
tatis ,,die Nerfassung und Organi- 
sation des Staates"; vgl. I. 10,21. auclor nobi/ilafis tuac hier so 

de re pub/ica scripsimus , 54 ^'t'' «'»' i- «'•''• Slaminvater deines 

V. Chr. Von diesem VVerke waren •'''e'" Gcschlechts '•. Ebcnso Brut. 

friiher nureinzelneBruchstiickebe- i^, ■^'■^ ■ L. Bru/o i//i, nobilitatis 

kannt, wiihreod wir jetzt durch .\n- vcslrae principi. 
gelo Mai*s Verdienst die crsten bei- ad bei c/ausus nach Analogie 

denBiiclier fast vollstiindipbesitzen. von disputare ad a/qd, s. 1. 4, 7. 



LIBER IV. 2, 4. 



163 



lionem Numani quoque regem Pylhagoreum a posterioribus 
existimatum. Nam quum Pythagorae disciplinam et instituta 
cognoscerent regisque eius aequitatem et sapientiam a maiori- 
bus suis accepissenf, aetates autem et tempora ignorarent pro- 
pter vetustatem : eum, qui sapientia excelleret, Pythagorae au- 
ditorem crediderunt fuisse. 

Et de coniectura quidem hactenus. Vestigia autera Pytha- 2 
goreorum qiiamquam niulta colHgi possunt, paucis tamen ute- 
mur, quoniam non id agitur hoc tempore. Nam quum carmini- 
bus soliti illi esse dicantur et praecepta quaedam occultius tra- 
dere et menles suas a cogitationura intentione cantu fidibusque 
ad tranquillitatem traducere : gravissimus auctor in Originibus 
dixit Gato, morem apud maiores hunc epularum fuisse, ut dein- 
ceps , qui accubarent , canerent ad tibiani clarorum virorum 
laudes atque virtutes. Ex quo perspicuum est, et cantus tuni 
fuisse descriplos vocum sonis et carmina. Quamquam id qui- 4 
dera etiam XII tabulae declarant, condi iam tura solituni esse 
carmen : quod ne liceret fieri ad alterius iniuriam, lege sanxe- 
runt. Nec vero illud non eruditoruni temporura arguraentum 
est, quod et deoruni pulvinaribus et epulis magistratuum fides 
praecinunt; quod propriura eius fuit, de qua loquor, discipli- 



3. yianam — Pytliagoreum. 
Auch Ltv. L is verwirft iiiit Recht 
(liese (von Ovid Met. XV. in. und 
Fast. III. 153 sq. und seibst von 
Plinius H. N. XIII. 13 aufgenom- 
mene) Sage als Auachronismus, 
setzt aber den Pjthagoras schou 
in die Zeit des Servius TuUius. 

2. fesf-igia autem elc. Dass die 
von Cicero beigebrachten Spuren 
in der Sache Aichts beweisen, ist 
leicht einzusehen. 

non id agitur ,,wg'\\ dies nicht 
unsere Aufgabe ist". Vgl. I. 20, 46. 

occ.ultius : auf eine, nur den voll- 
standig Eingeweihten {roTg iaiOTt- 
Qixolg) verstandliche VVeise. Dlog. 
L. Vlll. 15: flfyop ts xcu ol cikkoi 
IIv&ayoQitoi , lii rj flvui tiqos 
71 kvt K g jT dv T a QrjTti , (hg <f7]- 
Giv 'AQiOTo^itvog iv i^fyMTi^ nat- 

^tVTlXbiV VOUMV. 

in Originibus, s. zu I. 2, 3, wo 
auch dieselbe Sitte erwiihnt wird. 
descriptos vocuni sonis ,,nach 



den Tonen der Stimnien eingerich- 
tete, d. h. componirte Gesange'% 
wie Liv. VII. 2 descripto iam ad 
iibicinem cantu, 

4. XU tabulae. Cic. de rep. IV.. 
lU: XII tabulae quum perpaucas^ 
res capite sanxissent, in fiis hane 
quoque sanciendavi putaveruiit, 
si quis occentavisset sive carmen 
condidisset, quod infamiam face- 
ret flagitiumve alteri. DieWorte 
des Gesetzes selbst (^tab. IIII. de 
delictis) lauteten : SEI QFEI PI- 
PfLOD {convicio) OCENTASIT 
CARMENFE CONDISIT QFOD 
INFAMIAM FACSIT FLAGl- 
TIOMQ ALTEREI, FFSTE FE- 
RITOD iferiatur). 

deortim puivinaribiis beziehtsich 
auf die lectisternia, d. h. die sogen. 
Gastmahler der Gbtter, an welchen 
dieGiJtterbilder, aufKissen gesetzt, 
symbolisch Theil nahmen. 

eius — disciplinae ,,dieser Phi- 
losophenscbule". 

11* 



164 



LIBERIV. 2, 5. ■A. 



nae. Mihi quidcm etiam Appii Caeci carmen , quod valde 
Panaetius laudat epistola quadam, quae est ad Q- Tuberonem, 
Pylhagoreorum videtur. ]\Julla eliam sunl in nostris institulis 
ducta ab illis , quae praetereo, ne ea, quae repperisse ipsi pu- 
lamur, aliunde didicisse videamur. Sed , ul ad iiropositum 
redeat oratio, quam brevi lempore quot et quanti poetae, qui 
autem oratores exstiterunt! iacile ul appareal, noslros omnia 
consequi potuisse, simul ut velle coepissenl. 

Sed de celeris studiis alio loco et diceinus, si usus luerit, 
et saepe diximus. Sapientiae studium vetus id quidem in no- 
stris ; sed lamen ante Laelii aetalem et Scipionis non reperio^ 
quos appellare possini nominatim. Quibus adolesccntibus Stoi- 
cum Diogenen et Academicum Carneadem vidco ad Senatum ab 
Atheniensibus missos esse legalos. Qui quum rei publicac uul- 
lam umquam partem atligissent , essetque eoruni alter Cyre- 
naeus, alter Babylonius, numquam prolccto scholis essent ex- 
cilati neque ad illud nuinus elecli, nisi in quibusdam principibus 



Appius Clandius Caeciis legte 
als Censor 310 v. Ctir. die via Ap- 
pia und Aquaducle an, war spiiter 
zweimal Consul , und liinlerlrieb 
2S0 die Abscliliessung des Friedens 
niit Pyrrhus. Das liier erwalinte 
Gedicht enthielt Sittensjiriiche, wav 
aber ^ewiss nichl Pyt/iagoreorum, 
d.h. pj thagoreischen, sondern echt 
romischen Geistes. 

Panaetius, s. zu I. 18, 42. 

cpistola quadam , die (nach de 
fin. IV. 0, 23) von der Ertragung 
des Schinerzes -handeltc. 

Q. Aelius Tubero , des jiingern 
Scipio AlVicanus .Schwestersohn 
(133 als trib. pl. Gegner des Tib. 
Gracchus) , Freund der stoischen 
Philosophie. 

5. quot et quanli poi-tae. Vgl. 
I. §3," wo Cicero der Wahrheit 
wenigslens niiher kommt als hier. 

aiiteni bei qui oratores zuin Aus- 
druck der Sleigerung, wie V. 20, 
57: qua pulchritudinc urbem, qui- 
bus autem opibus praeditam etc. 

nostros omnia consequi potuis- 
se. Vgl. I. 1, 1. 

simul ut, riir simul ac {alque), 
eiDigemal bei Cicero; so de lin. II. 



11, 33: Onine animal, simul ut 
ortum esl, se ipsiini diligit. 

3. vetus id qiiidcm. Wegen qui- 
dem s. zu I. 3,(1. I)ie .Sache selbst 
ist leere Pi'ahlcrei : dcuii \or dein 
iin Folgcnden eiwiihnleii Ereigniss 
finden sicli iii Hoin durcliaus keine 
Spuren ciner sjieculali^ en Geistes- 
richluug. 

Quibus ndolesce/itibiis , 155 v. 
Chr. , wo Scipio (.VIV. niin.) grade 
30, LUIius etwa 33 Jahre zahlle. 

Carneadem, s. zu III. 22, 54. 

video, s. zu III. 25. 59. 

missos csse lcgalus. Als dritter 
war der Peripatetiker Critolaus da- 
bei. Ngl. Eiul. a. Aiif. 

alter — aller: ..letzlerer — er- 
sterer '' ; s. zu I. 3S, 91. Diogenes 
war eigenllich ausSelciicia, hiess 
aber gewiihnlich der Babylonier, 
wegen der .Niilie hcider Orte. 

scli olis e.rcitati— e sc/iolis pro- 
trncli. Der %\ ahre Griind war w ohl, 
dass dic .\thener dainals keine ei- 
genflichcii Slaatsiniiiiiier inehr hat- 
teii , die Pliilosophen aber wenig- 
slens ini Mcdcn gewandl waren. 

in qiiibusdaiii //rinci/iibus. Bei 
der Jugend der gebildeten Sliiude 



LIBER IV. 3, 6. 



165 



temporibus illis fuissent studia doctrinae. Qui quum cetera lit- 
teris niandarent, alii ius civiie, alii orationes suas , alii raonu- 
menta maiorum : hanc amplissimam omnium artium , bene 
vivendi disciplinam , vita magis quam litteris persecuti sunt. 
Itaque illius verae elegantisque philosophiae , quae ducta a So- 6 
crate in Peripateticis adhuc permansit et idem alio modo dicen- 
tibus Stoicis , quum Academici eorum coutroversias discepta- 
rent, nulla lere sunt aut pauca adraodum Latina monumenta, 
sive propter magnitudinem rerum occupationemque hominum, 
sive etiam quod imperitis ea probari posse non arbitrabanlur : 
quum interim , illis silentibus , C. Amafinius exstitit dicens, 
cuius libris editis commota multitudo conlulit se ad eandem po- 
tissimum disciplinam, sive quod erat cognitu perfacilis , sive 
quod invitabantur iilecebris blandis voluptatis ; sive etiam, quia 
nihil erat prolatum melius, illud , quod erat, tenebant. Post 7 
Amafinium autem multi eiusdem aemuli rationis multa quum 



fanden die dreiAthener zwarvielen 
Beifall ; indess suchten Andere, die 
von der Philosophie der Griechen 
Gefahr fiir dle riimische Sitten- 
strenge fiirchteten, wie namentlich 
Cato Censorius, diese Gesandtschaft 
inbglichst bald wieder von Rom zu 
entfernen. 

monumenta maioriim = histo- 
riam rerum a maioribus gesta- 
rum. So Cato in seinen Origines. 

vita magis quam litteris. Man 
lese dariiber de fin. III. 3, 11 nach. 

6. illius verae — philosophiae. 
Vgl. I. 23, 55. 

ducta a Socrate ,,vom S. aus- 
gegangen ; mit S. beginnend", wie 

11. 4, 10 sermo — a tali quodam 
ducti/s exordio. 

idem alio modo. So de fin. III. 

12, 41 : in omni hac quaestione, 
quae de bonis et malis appelletur, 
?ion esse rerum Stoicis cum Peri- 
pateticis controversiam , sed no- 
minum. 

Academici , die Anhanger der 
n e u e n Academie. Durch qiium — 
disceptarent, fur discepture stu- 
derent {conarentur), stellt sich Ci- 
cero auf ihre Seite. Zur Sache vgl. 
V. 41, 120. 



C. Amajinius\ auch Amafanius 
genannt, ein Epicureer (s. die Ein- 
leitung), schrieb de rerum natura 
(wie auch die spateren rbmischen 
Epic, z. B. Lucrez, zurBekiirapfung 
des Aberglaubens, vorzugsweise die 
Physik behandelten). Acad. post. 
I. 2, 5: Amafinius et Rabirius 
nulla arte adhibiia de rebus ante 
oculos positis vulgari sermone 
disputant, nihil dcfiniunt , iiihil 
partiuntur — nullani denique ar- 
tem essc nec dicendinec disserendi 
putant. — Ciceros Urtheil ist nicht 
unbedingt anzunehmen, zumal da 
er oben II. 3, 7 die Schriften der 
rbmischen Epicureer gar nicht ge- 
lesen zu haben gesteht. 

cognitu ijerfacilis. So de fin. I. 
5, 13: Ut autem a facillimis or- 
diamur, prima veniat in medium 
Epicuri ratio ; ib. 8, 27: quum 
praesertim illa (Epicurs Lehre) 
perdiscere ludus esset. 

invitabantur, in Bezug aufmul- 
titudo, wie de fin. I. 7, 25 : mul- 
titudinem haec maxime {caussa) 
allicit, quod — putant. 

7. eiusdem aemuli rationis, 
,,Nacheiferer des Amafinius von 



16G 



LIBEK IV. 4. '^. 9. 



scripsissent , Italiani tolani occupaverunl : quodque niaximum 
argumenluni est , uon dici illa subtililer, quod et tam laciie 
ediscantur et ab indoctis probenlur, id illi lirmanientum esse 
disciplinac putanl. 
4 ^>ed defendat quod quisque scnlit: sunt enini iudicia libera; 

nos institutum lenebimus , nullisque uniiis disciplinae legibus 
adstricti , quibus in pbilosopjiia necessario parcamus , quid sit 
in quaque rc maxime probabile, semper rcquiremus. Quod 
quum saepc alias, tum nuper in Tusculano studiose egimus. 
Itaque expositis tridui disputalionibus, (|uarlus dies Iioc libro 
concluditur. Ut enim in inreriorem ambulationem descendimus, 
quod feceraraus idem supcrioribus dicbus, acla res est sic. 

8 M. Dicat, si quis vult, qua de rc disputari, velit. ^^. Non 
m i h i v i d e t u r o m n i a n i m i j) e r t u r b a t i o n e p o s s e 
sapiens vacare. Ji. Aegritudine quidem hesterna disputa- 
tione videbalur, nisi forte tcmporis caussa nobis assenliebare. 
^. Minime vero ; nam mihi egregie probata cst oratio tua. 
M. Non igitur existimas cadere in sapientem aegriludinem? 
y4. Prorsus non arbitror. M. Alqui , si ista perturbare ani- 
mum sapientis non potesl, nulla poterit. Quid cnim? metusne 
conturbet? at earum rerum est absentium metus, quarum 
praesentium est aegritudo. Sublala igitur aegritudiue etiam 
sublatusestmetus. Uestantduaeperturbationes, laetilia gestiens 
et libido , quae si non cadent in sapientem , semper mens erit 

9 tranquilla sapientis. A. Sic prorsus inlelligo. M. Utrum igitur 
mavis? stalimne nos vela facere, an quasi e portu egredientes 



derselben Schule", z. B. Kabirius 
und Calius Insuber (s. dieEiiileit.). 

e^ iam facile, die Davisiussclie 
Verbe.sserung des etiatn Jacile, 
welches die besten Ildschr. bieten. 

4. quod quisqiie seiitit. Nach 
dein Deutschen w iirde man qui.ique 
in den Hauptsatz nehinen, der La- 
teiner aber verbindel es gern mit 
dem Relativum. \g;l. Lael. 9, 29: 
vt sit, />er quem assequaliiv. quud 
quisque desideret. So auch das 
Indelin. qiiis ; s. I. 4, 7. 

institutum ,,unsern Grundsatz". 

nullisque unius etc. ,,durchaus 
nicht an dieGesetze eines einzelnen 
Sjstenis gebunden''. Vgl.W 29, S3: 
quoniam te nulla vincula impe- 
ftiiint iillius certae disciplinae. 



concluditur = comprehenditur. 

in inferiorem amhulationem = 
in .4cademiam; s. zu 11. 3, 9. 

S. temporis catissa = tempori 
cedens : ,,im Drange des Augen- 
blicks". Vgl. Acad. II. 35, 113; 
nec dico tvmporis caussa, sed ita 
plane probo. 

aej^ritudo — metus — laetitia 
gestiens — Hbido; s. III. 11 , 24. 25. 

etiam ist (nach Da\ is) vor sub- 
latiis est eingesetzt, da die besteii 
Mscrpt. hier et haben , et und et 
aber sehr hiiufig verwechselt sind. 

9. vela facere fiir — panderv 
(C. 5) ist selten ; in Verr. V. 34, 
88 : vela Jieri imperavit. 



LfBER IV. 5, 10. 



167 



paullulum reniigare? A. Quidnani est isluc? non enini intelligo. 
M. Quia Clirysippus el Stoici, quuin de animi perturbationibus 5 
disputant, niagnani parteni in iis partiendis ct deiiniendis occu- 
pati sunt; illa eoruni perexigua oratio est, qua medeantur ani- 
mis nec eos turbuienlos esse patiantur; Peripatetici autem ad 
placandos animos multa afferunt, spiuas parfiendi et definiendi 
praetermittunt; quaerebam igitur, ufrum panderem vela ora- 
tionis slafim, an eam ante paiilkihim dialecticorum remis pro- 
pellcrem. A. Isto modo vero. Eritenim hoc lofum,quod quaero, 
ex utroque periectius. M. Est id quidem rectius; sed post 10 
requires, si quid fuerit obscurius. A. Faciam equideni ; tu 
tamen, ut soles, dices ista ipsa obscura planius, quam dicuutur 
a Graecis. M. Enitar equidem ; sed intento opus est animo, 
r.e omnia dilabantur, si unum aliquid efFugerit. 

Quoniam, quae Graeci Trdd^r^ vocant, nobis perturbationes 
appellari magis placet quam morbos, in his explicandis veterem 
illam equidem Pythagorae primum, dein Platonis descriptionem 



5. Clirysippiis L't Sioici: ,,Clir. 
und die Stoiker iiberliaupt". So V. 
4, 10: siderum /nagnifi/dines, in- 
lervalla , cursiis et cuncla cae- 
lestia ; de leg. I. 21, 55: valde 
a Xe/iocrafe el Aristotele et ab 
illa Plato/iis familia discreparet. 
Ueber Cbr. s. I. 45, lUS. 

//iag/ia//i parte//i. Zumpl § 459. 

spi/ias //artie/idi et deji/iie/idi. 
Dieser Metapber bedient sicb Cic. 
otter in Bezug auf die Stoilcer. So 
de fiu.IV. 28, 79: Pa/iavtius — nec 
disserendi spi//as probavit; ib. III. 
1, 3: Stoicoruin aiite/n nonignoras 
qua/n sit subtile vel spinosu/n po- 
tius disserendi genus. 

dialecticoru/n , Neutruni. 

Isto mudo vero : ,,Ja, auf diese 
(d. b. die lelztere) Art". Er soll 
also niit deii spinis parfiendi et de- 
Ji/iiendi beginnen (oratione/n dia- 
lecticorum remis propellere') und 
danacb sicb iiber die Sacbe weiter 
und fi'eier ergeben {cela oratio/iis 
pandere). 

ex ulroque ,,durcb die Anwen- 
dung beider Methoden". 

10. ut soles. Stariies Selbstlob ! 

7ie o/n/iia dilabantur. De fin. 



III. 22, 74 heisst es vom stoiscben 
System : Adt/iirabilis co/npositio 
disciplinae incredibilisque /er/im 
{/ne) traxit ordo. Quid /lon sic 
aliud ex alio nectitur, ut , si 
i/lla/n litteram i/ioveris , labent 
o/nnia;' Xec ta/nc/i quicqtiam est, 
quod moveri pnssit. 

TTCixf)] — perturbafiones — jno7'- 
bos. Vgl. III. 4,7. 

Pythagorae — Plafonis descri- 
ptio/iem. Vgl. I. 10,20 und II. 21, 
47 und die Annierli. dazu. Mit Un- 
recht legt Cicero , gleich andern 
Spateren , Platos Eintbeilung auch 
demPytbagoras bei. (Diog. L. VIII. 
30 giebt vielinebr als pytbagoriscbe 
Lcbre an : ri]i' arOQwnov i'jv^/]V 
6i(iiQtTad^c'.i TQi/^j , fi's TS vovv y.cil 

(fQiVCtg XCU xhVf^OV. VOVV fltV ovv 

y.cu d-vfxov tlvcti xcd Iv roTs ctXXots 
^coois, (fQ(VC(s d'f /.lovov Iv av- 
S^QOjno).) — Die Stoiker dagegen 
nabmen acbt Tbeile der Seeie an : 
Tc< aia(fy]Tixc( (die fiinf Sinne), to 
(f(0Vi]Tix6v, To yevvr]Tix6v {antQ- 
/uc(Tix6v) und To Siccvor]Tiy.6v {rjyt- 
fioviy.6v) , oline diese geistigen 
Krafte ortlicb zu scheiden. — Ci- 
cero aiso foigt darin dem Plato, 



168 



LIBER IV. 5, !1. C, 12. 



sequar, qui aniraum in duas parles dividunt : alterani rationis 
parlicipem taciunt, alteram experlem; in parlicipe ralionis po- 
nunt tranquillilatem, id est piacidam quietam(|ue constantiam ; 
in illaalteramotus turbidos tum irae, tum cupidilatis, conlrarios 

11 inimicosque rationi. Sil igitur iiic fons; utamur tamcn in liis per- 
turbationibus describendis Sloicorum definitionibus et partilio- 
nibus , qui mihi videntur iu hac quaestione versari acutissime. 

6 Est igitur Zenonis haec dellnilio, v\l perlurbalio sit, quod 

Ticc&og iiie dicit, aversa a recta ratione, contra nalurani, animi 
commotio. Quidam brevius, |)erlurbalionem esse ap|ietilum ve- 
bementiorem; sed vehementiorem eum voiunt esse, qui lonj^ius 
discesserit a naturae constantia. l^artes auteni perlurbationunj 
volunt ex duobus opinalis bonis nasci et ex duobus opinatis 
malis ; ita esse quattuor: cx homs /flj/(/i//ef/i ol /ae(/t/arn , ut 
sit laetitia praesentium bouorum , lii)ido iulurorum ; ex malis 
metfwi et uegritfu/i//ef/i nasci ceusent , mctum liituris , aej;ri- 
tudinem praesentibus. Quae enim venientia meluiintur, eadom 
alficiunt aegritudinc instantia. 

12 Laelilia aulem et libido in bonorum opiuione versaiilur, 
quum libido ad id , quod videtur bonum , illecla et inllammala 
rapiatur, laetitia, ut adepta iam aiiquid concupitum, elferalur 
et gestiat. Nalura enim omnes ea, quae Ixina videntur, sc- 
quuntur fugiuntque conlraria. Quam ob rem simiil obiecta spe- 
cies est cuiuspiam , quod bonum videalur, ad id adipisccndum 



(lass er die Seele ia einen verniinf- 
tigen und einen nichtverniinftigen 
Theil scheidet und letzteren als den 
Sitz der Txudi] , per/i/rbafiones, 
ansieht; im Uebrigen aber schliesst 
er sicli in der Behandlunj? dieses 
Thenias (bis c. 14) den Stoikern an. 

tiitn irae, tiim ci/piditatis ; s. I. 
10, 20. 

6. 11. Ze/ionis dejinitio. Diofr. 
'L. VIL 110:^ort Si c(vt6 t6 tt u- 
^o? x«TC( Ztjfcjvcc t] cc).oyog xccl 
nccQcc ifvaiv ipvxrig xivr/aii;, i 
OQfir) 7i).(ovc'cCovac(. 

contra natiiram, adjectivisch : 
„nalurwidrig". 

volunt, \\\c III. 31, 75 uf Hlud 
recens essc vetint, und untcn 7, 15. 

partes ,,Species, Arten", s. zu 
III. 11, 24, wo jedoch (wie auch 
nachhcr § 1(5 u. 20 wieder) die 



U n te r abllieilungcn der vier //(•?•- 
tiirbaliones partes, diese sclbst 
aber gencra genannt werden. 

opinafis bonis, s. zu III. 1 1, 24. 
Ebcnso § 14. ZurSache vgl. Epict. 
Enchir. c. 5 : Tccoccaan Tolg i\y- 
i^Qio/Tovg ov Tcc TTQciyjuccTcc , cek^.cc 
Tcc TiiQi Tiov TToccyuccTiov JoyuccTcc. 

futiiris — praesenfibus. Wegen 
des nicht wiederholten e.r s. I. 39, 
93 zu Qiiod tandcm tempus. 

instantia = pracsentia , auch 
30, ti4. 

12. ut adepta, cug Tvj(ovacc.\g\. 
I. 8, 15 ut Sieuti. 

simul , fur simul atque , wie 
Acad. II. 27, 86 : Simul injlavit 
tibicen, a perito carmen agnosci- 
fur; auch bci Casar u. Livius bis- 
wcilen. 



LIBER IV. 6, 13. 14. 



J69 



impellit ipsa natura. Id quum constanter prudenterque fit, eius- 
modi appetitionem Stoici l^ovXrjGiv appellant, nos appellemus 
voluntatem. Eam illi putant in solo esse sapiente ; quam sic 
deflniunt: voluntas est, quae quid cum ratione desiderat, Quae 
autera, a ratione aversa , incitata est veliementius, ea libido 
est vel cupiditas efFrenata, quae in omnibus stuUis invenitur. 
Ilemque quum ita movemur, ut in bono sinius aliquo, duplicifer 13 
id contingit. Nam quum ratione animus movetur placide atque 
constanter, tum iilud o-ff?/r//?m dicitur ; quum autem inaniter 
et effuse animus exsultat, tum iila laetitia gestiens vel nimia 
dici potest, quam ita definiunt: sine ratione animi elationcm. 
Quoniamque, ut bona natura appetimus, sic a raalis natura de- 
clinanius : quae declinatio cum ratione tiet, cautio appelletur, 
eaque intelligatur iu solo esse sapiente ; quae autem sine ra- 
lione et cum exanimatione huniili atque fracta, nominetur 
metus; est igitur metus a ratione aversa caulio. Praesentis 14 
autem mali sapientis afFectio nulla est ; slulti autem aegTitudo 
esl, ea, qua afJiciuntur in malis opinatis animosque demittunt 
et contrahunt rationi non obtemperantes. Ilaque haec prima 
definitio est, ut aegritudo sit animi adversante ratioue con- 



^ovXrjOig, im Gegensatz zuv ini- 
d-vfxta {/ibido). Jene erkliirten sie 
durch evkoyog oof^is , diese dureh 
akoyog oot^ig. 

appellemiis ,,wollen sie nennen" 
(wie § 13 dici potest — appelletnr 
— nominetiir) , Wesenbergs Ver- 
besserung fuvappellamus, das des- 
wegen unpassend ist, wei! vohtn- 
tas nach gewohnlichem Sprachge- 
brauche diese Bedeutung nicht hat. 

13. ita movemiir == affieimur. 

Nam quitm ratione etc. Nach 
quum ist vielleicht cum ausgefal- 
-len, da vorher und nachher in glei- 
chem Sinne immer citm ratione 
gesagt ist, 

gaudiiim, bei den Sloikern ;^«p« 
oder ivkoyog fTTKQaig, im Gegen- 
satz zuv Tjdovtj odev (iHoyog inuo- 
Gig (Jaetitia). 

sine ratione , adjectivisch, wie 
I. 22, 51 sine corpore. Zeno bei 
Diog. L. VIL 114 : i]6ovri ,ie iariv 
ctkoyog (Tiuooig iif «ipfTW J"o- 
XOVVTl vnuQ/tiv. 



quae declinatiu. Dahinter steht, 
vor cuni, in allen Mscr. ein si, wel- 
ches den ganzen Satz verdirbt und 
daher (nach Bentley) gestrichen 
\^orden ist. 

cautio = svkdjSiKc oder ilXoyog 
iyyhaig ; metus = (fo^og oder ciXo- 
yog ixxXiatg. Diog. L. VII. 116. 

eaque intelligaf ur elc. So de 
nat. D. I. 38, 106: (dii) esse beati 
atque aeterni intelligantur. 

14. Praesentis mali sapientis 
affectio; vgl. II. 15, io functio — 
animi — operis. 

stulti, nicht stulta, ist wegen 
des Gegensatzes sapientis zu schrei- 
ben. Dass nachher der Plural affi- 
ciuntur folgt, ist nichts Ungewohn- 
liches. Vgl. 31, 6b: perturbationem 
— omnes eas. 

aegritudo, kvni] oder avaroXt] 
a).oyog. Diog. L. Vil. 110. 

animosque contrahutij: (wofiir 
Cap. 7 contrahi auimo gesagt ist) 
u. aiiimi contractio. Vgl. I, 37, 90. 



170 



Lir.EIl IV. 7, 15. 16. 



tractio. Sic quii\luov pcrti/rbatio/ies sunl , tres constantiae, 
quoniain aegritudini nulla constanlia opponitur. 

7 Sed onines pcrturbationes iudicio censent iieri ct opinione. 

Ilaque eas detiniunl pressius , ut inlelligalur , non modo quam 
viliosae, sed eliam quani in noslra sinl poleslale. Est crgo 
acgnludo opinio recens mali praescnlis, in quo demilti contra- 
liique animo reclum csse videatur; lactitia opinio rccens boni 
praesentis , in quo efferri rectum esse videalur; victiis opinio 
impendenlis mali, quod inhtlerabile esse videatur; lihido opinio 
venluri boni, quod sit ex usu iain praesens csse atque adesse. 

J5 Sed quae iudicia quasque opiniones perturbalionum esse 

dixi, non in eis pcrturbaliones solum posilas esse dicunt, verum 
illa eliam, (juae ctliciuntur perturbalionibus, ul aegritudo quasi 
morsum aliquem doloris eilicial, metus recessum quendam animi 
el lugam, laetitia |)rol'usam liilaritatem, libido eilrcnalain appe- 
tentiam. Opinationcm autem , quam in omnes dctinitiones 
superiores inclusimus, volunt esse imbecillam assensioneni. 

10 Sed singulis perturbationibus parles eiusdein generis plu- 

rcs subiiciuntur, ut acgritudini 'm\'\At\\\\'A (ulendum est enira 
doccndi caussa vcrbo minus usitato , quoniam invidia non in 
eo, qui invidel, solum dicihir, sed eliam in eo, ctii invidetur), 



coiistait/iiie, fvjJctiHiKi bei deii 
Stoikern. Uiog. L. Vll. 115. 

7. pvvssius ,,geiiauer" (niiiul. 
(lurch Zuselzung' des Bfgrills vpi- 
II io). 

ucgritiido- Andronic. Rhod. p. 
523 : /. i' 71 1] , iJo^a Trooaffctrog (^re- 
rims) xay.ov 7ianovaic<g , i<f' co 
oXovrnt ihiv avarO.lfadcii (^roti- 
/ra/ii) * r]Sov ij , ifo^cc TTQoacf ccrog 
clya,9ov TiuQovatctg , fip co oiovtcci 
^ydv ly.Tfiri^a,'hc<i {ejfcrri). Wegen 
(1. Hedeulung V. j-eccits s.lll. 31 , 75. 

/iracscns cssc atqtie adcssc. Die 
HUiifung iui Ausdruek dient bloss 
zur nachdriicklicheren Ilervorhe- 
bung der Sache : ,, unniiltelbar ge- 
geiivviirtig seiii". Denii dei' Unler- 
schied, dass das eiiie von der Zeit, 
das andre \oii dem Orte zu \er- 
steben sei , ist nicht haltbar. 

15. Scd cjnae iiidicia elc. = Sed 
iii iis iiidiciis opinivitibiisque , e 
quibus per/urba/iones nasci dixi, 
tivrt per/urbationvs solurn u. s. w. 



rccessuiii — ct fiigaiii = con- 
/rac/ionem animi, avaroXijV Trjg 

Un^Xng. 

Opinalio, von Cicero neu gebil- 
det, driickt besser als opinio die 
blosse ac/io opinandi ,, die sub- 
jective Norslellun^" aus; s. auch 
11, 20. 

inibccillain asscnsivnem ,, eiue 
halllose Heistiiniuung", griech. avy- 
xccTctUiatg. Vgl. Acad. I. 11,42: 
Errorem et /cincrila/cm et igno- 
ran/iam e/ opina/ioncm et 
suspicionem et uno nvminc omnia, 
qiiac csscn t a I i c n a J'i r m ae et 
c o n s t a n t i s assensiunis, a 
rirtu/e sapientiaque (Zeno) re- 
movcbal. 

10. inriden/ia. niit derselben Bc- 
merkung: schon III. 9, 20. 

in eo — dicitur. \ gl. III. 20, 02 : 
in quo facetum iltud Biunis (sc. 
dictuni est). 



LIBER IV. s, r 



171 



aeniulatio , obtrectatio, niisericordia , angor, luctus, niaeror, 
aerumna, dolor, lamentatio, sollicitudo, molestia, afflictatio, 
desperatio et si quae sunt de genere eodem. Sub inetiim autem 
subiecla sunt pigritia, pudor, terror, timor, pavor , exanima- 
tio, conturbatio, formido ; voluptati malevolentia laetans malo 
alieno, delectatio, iaclalio etsimilia; tibidini ira, excande- 
scentia, odium, inimicitia , discordia, indigentia, desiderium 
et cetera eiusmodi. 

Haec autem definiuut hoc modo. Invidentiam esse dicunl 8 
aegriludinem susceptam propter allerius res secundas, quae ni- 17 
hil ijoceant invidenti. Nam si qui doleat eius rebus secundis, a 
quo ipse laedatur, non recte dicatur invidere, ut si Hectori 
Agamemno ; qui autem , cui alterius commoda nihil noceant, 
tamen eum doleat his frui, is invideat profecto. Acinulatio 
autem dupliciter illa quidem dicitur, ut et in laude et in vilio 
nomen hoc sit. Nam et imitatio virtutis aemulatio dicitur (sed 
ea nihil hoc loco utiniur; est enim laudis) , et est aemulatio 
aegritudo , si eo, quod concupierit, alius poliatur, ipse careat. 



Suh metum. Man beachte deii 
Wechsel ia der Construction von 
subiicere; nachher wieder Dative. 
Vgl. 11, 25 odium jnidierum und 
iti liominuui unioersum genus. 

malevolentia laetans malo alie- 
no, griech. ^niXf>^H>ty.axia. 

et similia. Wenn das letzte Giied 
einer asyndetischen Reihe der Ge- 
sanimtheit der andern gegeniiber- 
tritt, so ist die copul. Conjunction 
bei diesenigerechtfertigt.Vgl. III. 2, 
3 et inhaerescunt. So gleich nach- 
her : et cetera eiusmodi; V. 5, 13 : 
constantia,gravitas — reliqiiaeque 
virtutes. Nothwendig aber ist die 
Conj. nicht, z.B. 27, .59: admetum, 
libidinem, reliquas ; 31,66: fiono- 
res, dioitiae, votuptates, cetera. 

indigentia hier ,,Ungenugsam- 
keit" (s. 9, 21), von Cicero neu 
gebildet, wie auch excandescentia. 

8. 17. Invidentiam ,,Scheel- 
sucht". Diog. L. VII. 111 : (ffo- 
vo g iarl Xvnrj in akXorQioig Kyn- 
S^otg. Cicero vervollstandigt diese 
Definition durch den Zusatz : quae 
ni/iil noceant invidenti, den er im 
folgenden Satze raotivirt. 



ciii — niliil noceant: ,,ohDe dass 
ihm das Gliick des Andern etwas 
schadet" — eine etwas harte Art 
der Einschiebung eines Relativ- 
satzes in den andern. 

Aemulatio ,,Eifersucht". Diog. 
L. 1. 1. : f JjXof kvni] Inl tm ciXXw 
nttQtTrut , cov ctvrbg ini(tv/Lifi. 
Stob. Ecl. eth. II. 7, p. 178: CfjXog 
di Xvnji ini tw tTfQov iniTvy^^cx^- 
Vfiv, (ov ccvTog iniff^viuft, civrhv di 
fxri' XfyfO&cd df y.cu irfocog L^XoV, 
fxay.ciQiGuov fvdfiav, tjtoi. idXov 
lj.ifirjatv (tyaav XQfiTTovog. Unten 
26, 56 : quiim sit aemulantis, angi 
alieno bono, qiiod ipse no?i /labeat. 

illa quidem, s. zu I. 3, 6. 

concupierit , suppl. das Indef. 
quis (wie Tig in den eben angefiihr- 
ten griech. Steilen). So oft in all- 
gemeioen Siitzen und Definitionen, 
z. B. 11, 26: iudicatio, se scire, 
quod nesciat ; 20, 46: quum — 
videat ; de orat. I. 8, 30: Neque 
quicquam praestabilius videtur, 
quam posse dicendo hominum vo- 
tuntafes impellere, quo velit ; 
nnde autem velit, deducere. 



172 



LIBER IV. 8, 18. 19. 



18 Obtrectnlio autem esl ea , quam ititeliigi 'Crj).0TV7ilav volo, 
aegritudo ex eo, quod alter quoquo poliatur eo, ([uod ipse con- 
cupiverit. M/scr/cordifi est aej^riludo ex miseria allerius iu- 
iuria laboranlis ; nemo enim parricidae aut proditoris supplicio 
misericordia conunovetur. Angor aejjriludo premens; luctus 
aegritudo ex eius , qui carus tuerit, interitu accrbo ; maeror 
aegritudo llebilis ; aeruwnn aegritudo laboriosa ; ihlor acj^ri- 
tudo crucians: /(7/A'^/?/^//o aegritudo cum eiulatu; .solticitULlo 
aegritudo cum cogitatione : inolestia aegritudo permanens ; aj- 
Jlictatio aegritudo cum vexatione corporis ; desperntio aegri- 
tudo sine ulla rerum exspectatione uieliorum. 

Quae autem subiecta sunt sub vietuvi, ca sic dcliniunt : ///- 

\^ gritiam metuni consequentis laboris ; . . .; terrorein meluni 
concutienlem, ox quo lit, ut pudorem nibor, terrorem pallor 
et tremor et deulium crcpitus consequatur ; timorem metum 
mali appropinquanlis; pavorem metum nientem loco moven- 
tem, ex quo illud Ennius: 



IS. Obtrccfatio ,, Missgunst ". 
Diog;. L. l. I.: i^ri).oT vn lav Xv~ 
7Tr]}/(elvcci) hil Tti) xiu uX/m na^fi'- 
vai,iiy.(d ((VTogiX^i. Stob. Ecl. etli. 
p. 1 76 : C^]ko T vTi i (cv (St kvmiv 
inl TW iTfQOV inirvyy(cv(iv, (ov 
avTog int')^v/iisi. Unten 20, 56: 
obfrectantis a7ifem, angi atieno 
bono. qiiod id etiam aliits habeat. 

est ea, quain — voto ,,ist das, 
was ich unter C^XoTvntc. verstan- 
den wisscn wili". Man erwartet : 
Obtrectationem autem infelligi 
volo cam , qnae ti]).. est. 

aegrif iido ex co. In Dcfinitionen 
werdcn , der Kiirzc «c^cn, priipo- 
sitionclle Zusiitze gewolinlicli oliue 
Weitercs an Substantiva angc- 
schlossca. 

Misericordia. Diog L. : tXiog, 
Xvnr] (og inl (h'(c^i(og xccxond- 

xfOVVTl. 

Angor: (<yl}og, Xvnr] ^(cqv- 
vovaa- 

acrumna ,, Harm " : odvvr], 
Xvnrj ininovog. taboriosus ,,sich 
abquiilend ". 

tnutestia ,,Leideri": (cvia, Xv- 
nr]ix (h(cX.oyiatioiv juivova(c ^ int- 
T(ivoiitV)]. ajflictafio ,, Qual": 



ivoyX r] ai g , i.vnr] arti-oycooovacc 
T] 6vayioin'(cv 7i((t)(caxtv(CL.ova(c.¥'\iv 
tuctus ,,Tiauer'', inaeror ,,Jani- 
mer", dolor. lamenfatio. sollici- 
tiido .,Bctriil)niss" und desperatio 
giebt Diog. L.i^VlI. 112) keinc grie- 
chischen Ausdriicke u. Dcfinitioncn. 

pigritiam : oxvo g , (f o^og utX.- 
Xovarjg ivfnytCc.g. 

. . . Hier hat unzweifelhaft ein 
Abschreiber in iiltester Zeit (nicht 
Cicero selbsl, wie sidi aus dem 
naehroig. pudoreni riibor crgiebt) 
die Definition von piidor ausgeias- 
sen , ctw a : pudorem mctum in- 
famiae (\iclleicht mit cinem ver- 
sliirkcndeh Adjecliv zn metuni). 
Dic Stoiker erkliirten: «i ayvv)]V 
(Ivttt (fo^ov (cdo^i(cg. 

19. terrorem. Diog. L, VII. 112 
u. Slob. Ecl. II. 7, p. 1 7S : fx n X >j- 
^ig. (fo^og ix (f (cVT(cai(cg (caw- 
rjDovg nndyiKCTog. Ciceros Dcfi- 
nition ist also eine verschiedenc. 

conscquatur, s. zu I. 16, iH6. 

timorem ,,Bangigkeit": d t i u (c, 
ifo^og (h'og innoKov. Fiir pavor 
,, Bcstiirzung" lehlt der cnlspre- 
chendc Bcgrilf bci Diog. Laert. ; 
ebenso furformido ,,\ crzagtheit". 



LIBER IV. 9, 20. 21. 



173 



Tiim pa>'07' sapientiam omiiem mi exa/mnato expeciorat ; 
eaanimationem luetum subsequentem et quasi comitem pavo- 
ris; conturbationem melum excutientem co ^\i^i&'^formi(linern 
metum permanentem. 

Voluptatis autera partes hoc modo describunt, ut viale- 9 
volentia sil voluplas ex malo allerius sine emolumento suo ; 20 
dclectatio voluptas suavilate auditus animum deleniens : et 
qualis est haec aurium , tales suiit oculorum et tactionum et 
odorationum et saporum , quae sunt omnes unius generis ad 
perfundendum animum tamquam illiquefactae voluptates. la- 
ciatio est voluptas gestiens et se efferens insolentius. 

Quae autem libidini subiecta sunt, ea sic definiuntur, ut 21 
ira sit libido poeniendi eius, qui videatur laesisse iniuria; ex- 
candesceniia autem sit ira nascens et modo exsisleus , quae 
■d^if.moig Graece dicitur; odium ira inveleraia ; inimicitin ira 
ulciscendi tempus observans ; discordia ira acerbior odio , et 
inlimo corde concepta ; indigentia libido inexplebilis; deside- 
rium libido eius, qui nondum adsit, videndi. Distinguunt illud 



Tiim pavor etc. Dieser Vers aus 
Ennius ,,Alcumao" wird de orfit. 
HI. 58, 218 in seinem Zusammen- 
hange angefiihrt. 

exa7iimatioiiem ,, Entsetzen '• : 
« yu) V Cu , ifo^og adrjkov TTQuyf.ia- 
Tog. siibsequens ,,schnell iiber- 
fallend'^ 

conturbationem : {^oQv^og, 
(fo^og fxtru y.aTeTTii^iojg (faviig. 

9. 20. Foluptatis = laelitiae 
gestientis. •* 

?nalevolentia, hier der Kiirze 
wegen ohne den Zusalz iaefans 
malo alieno, der 7, 16 zur erscho- 
pfenden Uebersetzung von In i- 
yaiQixKy.ia hinzugefiigt war, 
welches die Stoiker durch ridovi] 
tn akloToCoig xay.oig erkljirten. 

. delectatio : y >}).)] a i g , rjt^ovi] 
(^t iotojV y.aTay.i]).ovOa. 

Iiaec auriiim (sc. voiiiptas) , s. 
Zumpt Gr. § 767 Anm. 

iliiquefaclae ,,in Fluss ge- 
setzt", aTT. kty, 

laetatio ,,Prahlerei" fehlt bei 
Diog. L.VII. 114. 



21. Ira, OQyi]. Zu poeiiiendi vg\. 
I. 44, 107. 

excandescen tia , , Aufwalhing ' ' . 
Diog. L. hat dafiir dv/iiog. Qv/uoj- 
oig fand Cicero wahrscheinlich bei. 
Chrysippus. 

modo exsistcns ,,ebeu hervor- 
tretend", also nicht identisch mit 
nascens. 

odium, griech. fjijvig. 

inimicitia ,,Rachsuchf*, hier(als 
Abstractum) im Sing. , sonst Plu- 
rale tantum. Griech. ^rffo?. 

rfwcorrf?fl,,Groll". Fu denHdschr. 
steht als Definition : ira acerbior, 
intimo odio et corde concepta, die 
aus mehreren Griinden fiir verderbt 
zu halten ist. Lambinus vermuthef e : 
intimo animo et corde coneepta. 
Einfacher ist die aufgenommene Um- 
stellung der Worte (von Fcirtsch). 
Nicht ohne Absicht ist cor in der 
Defin. axigewandt. 

indigentia ,, Ungeniigsamkeit ", 
griech. anavig. desiderium, griech. 
noilog. 



174 



I. lliEK IV. It, '22. 10,23. 



eliam, iit lihido sil eariiin rorum, qiiae diciintur dc quod.im aut 
qiiibiisdam, quac /MTrjyoorii^iaTa dialectici appellaul, ul habere 
(livilias, capere honores ; indigentia rerum i|)sarum est , ut 
hoiiorum, ut pecuniae. 

22 Omniuin autem perturbationum roiitem esse dicunt ititon- 
pprariliam , quae est a tota mente et a recta rationc deleclio, 
sic aversa a praescriptioue rationis, ut nullo modo a|)pelitioiios 
animi nec rej^i nec coiitineri queanl. Quemadinodum igitur 
temperanlia sedat appelitioues et etlicit, ul eac rcctae ralioni 
pareant, conservatque coiisiderala iudicia meiitis: sic huic iui- 
niica intcmperantia omnem animi statum inflanimal, conlurbat, 
incilat; ilaque et acgriludines el mclus et reliquac pcrlurba- 
tioiies omnes gignuutur ex ea. 

10 Quemadmodum , quum sanguis corruptus est aut pituila 

23 redundat aut bilis, in corpore moi-bi aegrotationesque nascun- 
tur: sic pravarum opiuionum conturbalio el ipsarum inter se 
repugnantia sanilate spoliat animum morbisque perturbat. Ex 
perlurbatioiiibus autera primum morbi conficiuntur , quae vo- 
cant illi vnGi)i.iara ^ eaque, quae sunt eis moibis conlraria, 
quae liabeut ad res cerlas viliosam offetisionom atque taslidiuin ; 



iit libido sit etc. Als Subject ist 
dcside.rium zu suppliren. Siiin : 
Mau macht aber zwischen deside- 
riiim und indigentia auch den Un- 
terschied, dass des. , im wciteren 
Sinne, das \'er!aiig;en (/ibido) nacli 
jedem beliebigen Pradicat {xccrrj- 
yootjua), dagegeii indigentia das 
Verlangen nach den Dingen selbst 
bezeichne. Man uiiisse also z. B. 
sagen : dcsidcro liabere peciiniam, 
nicht dcsidcro peciiniant ; und an- 
drcrseits: indigeo pecunia , nichf 
indige.o habere pecuniam. (Gaiiz 
richtig in Rezug Auf indigerc ; uicht 
so bei desiderare.) 

de quodinn aut quibusdam. So 
de inv. H. 54, 102 : de quo alirii- 
ius aiif aliquorum iam sentenliis 
ronsliliituin est. 

indigentia — csl : ,,die indi- 
gentia Iiezieht sich dann auf — ". 
Man beachte den Uehergang von 
ul — sit zuni Indicaliv. 
, 22. a recta ratione ,,voq der 
gesuoden Vernunft*'. 



a praescripfionc rationis ,,\or» 
den Scbranken , die die Vernunft 
selzl ". 

10. 23. morbi, quac vocant illi 
vouriftaTU. (Ngl. I. 1,1: studio 
sapienliae, quac pfiilosop/iia dici- 
fiir, u. unlen 15, 34: eam, qiiam 
Cwraeci y.uxicir vocant.) Sinn-. Aus 
eingewurzelten pertiivbationihus 
enlstehen eiuerseifs die viorbi und 
(als gesteigerte morbi) die aegro- 
tationcs, beides krankhafle Nei- 
gungen zu bestiminten Dingen , aus 
libido uiid /aelitia hcrvorgehend ; 
andrcrseits die ojfensiones, kraiik- 
halte .Vbneigungen gegen bestimmte 
Dinge, dic aus (^aegrifudo und) 
nietiis her\orgehen uiid ebenf;ills 
verschicdene Stufen der Intensiliit 
habcn. 

caque ,,und diejenigen Zustiin- 
de — ". 

nd res ccrtas — offensionem 
,,eine Abneigung lur (gegen) — ", 
wie lli. 5. 11 mentis ad omnia 
caecilas. 



LIBER IV. 10, 24. 11, 25. 



175 



deinde aegrotatioties, quae appellantiir a Stoicis a.QqcoGTi']f.iaTC(, 
iisque item oppositae contrariae ojfensiones. Hoc loco nimiuni 
operae consumitur a Stoicis, maxime a Chrysippo, dum mor- 
bis corporum comparatur morborum animi simililudo. Qaa 
oratione praetermissa minime necessaria , ea , quae rem con- 
tinent, pertractemus. Intelligalur igitur, perturbalionem, 24 
iactantibus se opinionibus inconstanler et turbide, in motu esse 
semper; quum autem hic fervor concitatioque animi invetera- 
verit et tamquam in venis medullisque insederit, tum exsistit 
et morbus et aegrotatio et offensiones eae , quae sunt eis mor- 
bis aegrotalionibusque contrariae. 

Haec, quae dico, cogitatione inter se differunt, re quidem H 
copulata sunl, eaque oriunlur ex libidine et ex laetitia. Nam 
quum est concupita pecunia nec adhibita continuo ratio , quasi 
quaedam Socratica medicina , quae sanaret eam cupidilalem : 
permanat in venas et inhaeret in visceribus illud malum , ex- 
sistitque morbus et aegrotafio, quae avelli inveterata non pos- 
sunt ; eique morbo nomen est avaritia. Similiterque celeri 2» 
morbi, \\i gloriae cupiditas , ut tnalierositas , ut ifa appellem 
eam, quae Graece cpiXoyvveia dicitur, ceterique similiter morbi 
aegrotationesque nascuntur. Quae autem sunt his contraria, ea 
nasci putantur a metu, ut odium mulierum, quaie in Misogyne 



iis ojjposifae,\ocal: ,,diesen ge- 
geniiber"; contrariae qualitativ : 
,,entgegengesetzt". 

a Chrysippo, s. zu I. 45, lOS. 

morborum animi similitudo, 
Abstr. pro Concr, : similes animi 
morbi; s. 111. 5, 11 zu mediocri- 
tatem officioritm. Ueber den Ge- 
gensatz von corporum und aiiimi 
s. zu II. 23, 54. 

Qita oratione ,,eine Auseinan- 
dersetzung hiertiber"; s. I. 19, 45 
zu haec pitlchrititdo. 

24. Intelligatur, hier mit dem 
Acc. c. Inf. ; oben 6, 13 mit dem 
Nomin. c. Infin. 

tum existit etc, Uebergang aus 
d. orat. obl. in die or. recta , wie 
II. 26, 62 bei apud quos autevi ; 
IV. 19, 43: haec nullam habent 
vim; V. 38, 111: in oculis tale ni- 
hil Jit. 

11. Haec, quae dico, sc. morbi 
et aesrotationes . 



cogitatione — re : ,,in derTheo- 
rie — in der Praxis". Ueber qui- 
dem s. zu I. 27, 67. 

qtiae sanaret. Wegen des Conj. 
Impf. s. I. 1, 1 zu pertinerent. 

25. eaw, quae — dicitur. Vgl. 

1. 10, 20 quae harmonia dicitvr. 
ceferiqite similiter morbi, lastige 

VViederholung. (Cicero iiat an die 
fliichtig geschriebenen Tusculanen 
die letzte Hand nicht angelegt.) 

Quae — sunt his contraria : die 
ojfensiones. 

odium mulierum — in hom. un. 
genus. Ein ahnlicber Wechsel der 
Construction , wie 7, 16 bei sub- 
iicere. 

in Misogyne /itilii, einer Bear- 
beitung von Menanders gleichna- 
migem Lustspiel. — Den M. Atilius 
(oder Attilius), der nach de fin. I. 

2, 5 auch Tragiker war, nennt Ci- 
cero ad Att. XIV. 20, 3 poi'ta du- 
j'issimus. 



176 



LIBER IV. 11, 2f>. 27. 



12. 



Atilii esl , ut /// hoinhann univevswn genus , quod accepimus 
de Timone (qui f^iioavO^qcoTini appellantur)*, ut infiospitalitas 
esl; quae omnes aegrotationes animi ex quodam metu nascun- 
tur earum rerum, quas fugiunt et oderunt. 

2G Ucliniunl autem animi aegrotationem opinalionem velie- 

mentem de re non expetenda , lamquam valdc expctenda sil. 
iuhaerentem ct penitus insitam. Quod aulera nascilur ex oj/en- 
sione, ita definiunt : opinionem vehementem de rc non fugienda, 
inhaerentem ct penitus insitam, lamquam lngicnda. Haec autem 
opinatio est iudicalio se scire, quod nesciat. u^egfotationi 
autem talia quaedam subiecta sunt: avaritia, amOitio, mulie- 
rositas, pervicacia, ligurritio, vinolentia, cuppcdia, et si qua 
similia. Est autem avarilia opinatio vchemens de pecunia. 
quasi valde expetenda sit, inhaerens el penitus insita; similis- 

27 que est eiusdem gencris definitio rcliquarum. Offensionum 
autem definitiones sunt eiusmodi , ut inhospilalitas sit opinio 
vehemens, valde fugiendum esse hospilcm , eaque inhaerens 
et penilus insita; similiterque definitur et mulierum odiam, uf 
Hippolyti, et, ul Timonis, generis hnmaiii. 

12 Atque ut ad valeludinis simililudinem veniamus eaque col- 

latione utamur aliquando, sed parcius, quam solcnl Sloici : ut 
sunt alii ad alios morhos procliviores , itaque dicimus gravedi- 
nosos quosdam , quosdam torminosos , non quia iam sint , sed 



Timon aus Athea , zu Sokrales 
Zeit, durcti Lucian in eineni eignen 
Dialoge vorti-eifiicli gescliildert. 

qui — appellantuv ,,dergleichen 
Leute nian — nennt". 

quae — acgrotationes aniini, 
hier iin weitern Sinne, da er das 
meiol, was er vorher ojfinsiones 
genahnt. 

26. Dejiniunt — animi aegro- 
tationem. Da aegrotatio (fJ^JjJw- 
GTtjfja) nur einen hbhern Grad von 
moibus {yoarjjiia) hezeichnet, so 
giebt Cicero fiir atgrolatio die 
sonst fiir morhus iibliche Erklii- 
rung ; denn Diog. L. VII. 1 15 sagt : 
r a T] /u cc o'i>]ais nifoihm tioxoiJv- 

TOg KlQtTOV. 

Haec autem opinalio geht auf 
beide angefiihrte Arten der opi- 
natio. 

iudicalio fiir iudicium (vgl. 7, 



15 zu opinatio), ebenfalls neu ge- 
bildet, wie mutierositas und cup- 
pedia und § 2S lapsio, dcspicatio. 

se srire. Se isl der reflexive 
Accus. auch von dem Indef. ,,man, 
einer". Vgl. oben 9, 20: sine emo- 
lumenlo suo. 

tiguvritio = gourmandise, Le- 
ckerbaftigkeil ; cuppedia (v. cupio 
und cdcre) , JNaschhaftigkeit . (fi- 
i.oxpiu. 

'21. Uippotyfus, vgl. Eurij). Hip- 
pol. V. 10 sq. 

12. .'Ilijue, wie III. 13, 28; so 
auch nnten 13, 3U. 

collatione, unser ,,AnaIogie". 

itaque ,,und wie wir io dieser 
Beziehung — ". 

iam ,,eben", von dem jedesnial 
Gegenwiirtigen. {Nunc «iirde nur 
auf das dem Sprechenden Gegen- 
wiirlige gehen.) 



LIBER IV. 12, 28. 13,29. 



177 



quia saepe sint : sic jilii ad inetuni , alii ad aliain perturbatio- 
neni ; ex quo in aliis afi.vietas, unde anxii ; in aliis iracundia 
dicitur, quae ab ira differt; estque aliud iracuiidum esse, aliud 
iratum , ut differt anxietas ab attgure; neque enim omnes 
anxii , qui anguntur aliquaudo, nec, qui anxii, seniper angun- 
lur; ut inter ebrietatem et ebriositatem interest, aliudque est 
amatorem esse, aliud amanlem. Atque haec aliorum ad alios 
morbos proclivitas late patet ; nam perfinet ad omnes perturba- 
tioues. In multis etiam vitiis apparet, sed nomen res non habet. 28 
Ergo et invidi et malevoli |et lividi] et timidi et misericordes, 
quia proclives ad eas perturbationes, non quia semper ferantur. 
Haec igitur proclivitas ad suum quodque genus a simiiitudine 
corporis aegrotatio dicatur, dum ea inlelligatur ad aegrotandum 
proeiivitas. Sed haec in bonis rebus, quod alii ad alia bona 
sunt aptiores , facilitas noniinetur , iu malis proclivitas , ut 
significet lapsionem ; in neutris babeat superius nomen. 

Quomodo autem in corpore est morbus , est aegrotatio, 13 
est vitium : sic in animo. Morbtim appeliant totius corporis 
corruplionem ; aegrotationem morbum cum imbecillitate ; vi- 29 
tium, quum partes corporis inter se dissident, ex quo pravifas 
membrorum, dislortio, deformitas. Itaque illa duo , morbus et 
aegrotatio, ex totius valetudiuis corporis conquassatione et per- 
turbatione gignuntur: vitium autem, integra valetudine, ipsum 



amafoi'eiii, von bleibeuder Eigen- 
schaft (z. B. Hor. Epist. I, 1, 38 
vinosus , amator) , amantem vom 
einzelnen Falle gesagt. 

28. vitiis. Wie von pertu7'batio 
verschieden? s. 13, 29 und 30 in, 

Ergo — misericordes , sc. di- 
cuntur : ,,haben ihien Nauien". 

et lividi ist wahrschelnlich nur 
durch Verschreiben von timidi in 
den Text gekonimen; 'denn livere 
u. s. Derivata scheinen bei Cicero 
nie (iiberhaupt erst seit dem Au- 
gust.Zeitalter)vomNeide gebraucht 
zu werden ; auch ist es iiberfliissig. 

quia proclives, erganze sunt. 

ferantur = (iis perturbationi- 
bus) auferantur. Vgl. lil. 5, 11. 
In allen Hdschr. steht feruntur ; 
da aber der lat. Sprachgebrauch in 
Satzen dieser Art (s. Zumpt § 537) 
denConjunctiv erfordert, so ist die 

Cic. Tuscul. 



Lesart, nach Wesenberg, verbessert 
worden. 

Haec proclivitas adsuum quod- 
que genus: ,,diese Neigung der 
Einzelnen zu ihren respectiven Feh- 
lern". (Niigelsbach S. 252.) 

facilitas ,,Anlage", proclivitas 
,,Geneigtheit, Hang" (griech. ev-. 
x((Ta(fCQic( oder tvef.inTO)Gic<). 

in neutris. Die Stoiker theiiten 
namlich alleDinge in gute, schlechte 
und gleichgiiltige (a(^ici(fOQ((). 

13- m orbus ,,KraukheiV^ , aegro- 
tatio ,,Siechthura", vitium ,,Ge- 
brechen". 

29. inorbum cum imbecillitate, 
s. 8, 18 zu aegritudo ex eo. 

vitium — cernitur. Sinn : Ein 
einzelnes Gebrechen hat keinen 
Einfluss auf den Gesammtkiirper, 
der dabei gesund sein kann, u. man 
erkennt es daher nur an sich selbst. 

12 



178 



LIBER IV. 13, 30. 



ex se cerniltir. Sed iu animo tanhimmodo cogilalione possumns 
morbum aJ) aej^rotatione seiunijere ; viliositas aulem est habi- 
lus aut airectio in tota vita inconslans et a se ipsa dis^enliens. 
Ita fit, ut in altera corrujjlione opinionuni morbus ellicialur el 
aegrotalio : in allera, inconslanlia el repuj^nanlia. Non enim 
omne vitium parles habct disscnlienles , ul eorum , ijui noo 
longfi a sapientia absunt, affectio est illa quidcm discrepans sibi 
ipsa, dum est insipicns, sed non dislorta nec prava. 

Morbi autem et aegrotationes partes sunt vitiosilatis. Sed 
30 perlurbationes sintne eiusdem i^artes, quaeslio est. Vitia enim 
affectiones sunt manentes , perlurbationes aulem moventes, ut 
non possint aircclioniim manentium parles csse. 

Atque ut in malis attingit animi naturam corporis simili- 
tudo, sic in bonis. Sunt enim in corpore praecipua : valetudo, 
pulchritudo, vires, firmitas, velocitas; sunt itcm in auimo. 



Scd in animo etc. Sinn : Beim 
Geiste aberist es aiiders, indein liier 
morhiis uiid ae<irot:atio zusainiiieQ- 
fallen , die lutiosilaa aber (als (le- 
gensatz der virfiis . welche nacli 
15, 34 eine affectio animi ronstans 
conveniensque ist) init Gesuiidlieit 
des Geistes unvereinbar ist. 

in tota vita ,,in jeder Beziehung 
des Lebens". 

Ita Jit etc. Sinn : Beini Geiste 
sind also einerseils niorbus uiid 
aegrotatio, andrerseits vitiositas 
von einander zu untcrscheiden. Bei- 
des berulit auf ciner eorraptio opi- 
nionu/n. Die vitiositas aber iius- 
sert sich bald als inconsiantia, 
bald als rej/ugnantia. 

Non eniin etc.giebt denGrund an, 
waruin nebeii die repugnantia, als 
das Schliininere, die inconstantia, 
als das Geringere, zu stellen ist. 

partes dissen tien tes = repngn an- 
fes (deni entspricht auch distorta 
und prava) ; discrepans sibi ipsa 
= inconstans. 

dislorta ..verschroben", tro- 
pisch ; wie de fat. 8 extr. : Multa 
genera sunt enunciandi, necullum 
distortiiis quam lioc. 

Morbi autem — vitiositatis. Jelzt 



nimnit er vitiositas in weiterem 
Siniie, nachdem er eben vorher die 
inorbi und uegrot. der vitiosifas 
coordinirt lialte. 

30. movenles .,wechselnde". ei- 
gcntlich ,,sich bcwegende*'. So IJv. 
XXXV. Kt lerra movit vom Erd- 
beben ; ib. V. 25 res moventes ,,be- 
wegliches Eigenthum"; Cic. de fin. 
II. 10,31 (nach epikur. Lehre) mo- 
vens vohiptas im Gegensatze zu 
stans voluptas. Oeffer braiicht man 
vertere u. convrrlere incdial, z. B. 
de nat. D. II. "20,53 anno verlente 
(Hoin. 71 ii>i;i}.nti fvoji' iiiavTtiiv) ; 
Brut. 3S, 1 12 : Sed lioe viliiim huic 
uni in bonum converlebat. 

atfingit an. natiiram corp. si- 
viilit iido — corporis natiira animi 
natiirae similis esf. Vgl. 1(), 23. 

valetiido. pulehrii iido. vires. So 
haben wir, iiach Wesenberp, die 
Horle gestellt (in den Ildschr. : 
piilchr.. vir., ('fl/.),weil vires und 
_/irmitas (wofiir § 31 nervi et ejji- 
cacitas) .ils verwandlf Begrilfe zu- 
samineiigehiiren , wcil dicse Dinjje 
niichlit-r iii dicscr Folfce liespiochen 
werdcii , iiiul weil uiiler den prae- 
ci/niis die valetudo regelmiissig 
vorangestellt wird (vgi. de lin. IV. 
13.35 u. 18, 19; V. 7,18 u. 27, 80). 



LIBERIV. 13, 31. 14. 



179 



Ut enini corporis temperatio , quum ea cougruunt inter se , e 
quibus constamus, sanitas : sic animi dicitur, quum eius iudicia 
opinionesque concordant , eaque animi est virtus , quam alii 
ipsam temperantiara dicunt esse, alii oblemperantem temperan- 
tiae praeceptis et eam subsequentem nec habentem uUam spe- 
ciem suam ; sed sive hoc sive illud sit, in solo esse sapiente. 
Est aulem quaedam animi sanitas , quae iu insipientem etiam 
cadat, quum curatione [et pertractatione] medicorum conturbatio 
menlis auferlur. Et ut corporis est quaedam apta figura mem- 31 
broram cum coloris quadam suavitate , eaque dicitur pulchri- 
iudo : sic in animo opinionum iudicioruraque aequabilitas et 
conslantia cum lirraitate quadam et stabilitate virtutem subse- 
quens aut virtutis vim ipsara continens pulchritudo vocatur. 
Itemque viribus corporis et nervis et efficaciiati similes simili- 
bus quoque verbis animi vires nominanlur. Velocitas autem 
corporis ccleritas appellatur, quae eadem ingenii etiam laus 
habetur propter animi multariim rerum brevi tempore percur- 
sionera. 

lllud animorum corporumque dissimile , quod animi va- 14 
lentes morbo tentari possunt, ut corpora possunt; sed corpo- 



Ut enlm corporis etc. Stob. Ecl. 
eth. p. 168: wanio yun rtjv tov 
ooificiTog vyistav EvxQaoiuv tlvtii 

T(aV iv Tf;J GOJUUTl xf-tQUWV y.al 

ihv/QMV y.ul ^r]Q(J5v xai vyociv 
ovTW y.al Trjr Tfjg ^pvyjig vyCttav 
siy.QaaCuv that t(5v tv Tr, ^pv/ij 
()'oyjudT(i)V. 

animi dicitur. sc. sanitas, was 
auch Sul)ject ist zu ea(/ue animi 
virtiis est. 

temperantiam. Vgl. 9, 22: Tem- 
perantia sedat appetitiones el ef- 
ficit, vt eae rectae rationi pa- 
reant, ^onservatque considerata 
iudicia mentis. 

nec habentem ullam speciem 
suatn: ,,ohne selbststiindig ia die 
Erscheinung zu treten". 

in insipientem — cadat. Vgl. III. 
4,7. 

pertractatione, alteVerbesserung 
der handschriftl. Lesart perturba- 
tione; doch ist letzteres vielleicht 
bloss dnrch das benachbarte con- 
turbatio in den Text gekommen. 



31. eaque dicitur pulchritiido. 
Vgl. de off. I. 28, 98 : pulchritudo 
corporis apta compositione mem- 
brorum movet oculos et delectat 
hoc ipso , quod inter se omnes 
partes cum quodain lepore co?i- 
sentiunt. 

virtutis vim ipsam continens : 
,,\velche das Wesen der Tugend 
selbst in sich schliesst'". 

pulchritudo vocatur. Pulchr. 
animi ist nur stoischer, nicht la- 
tein. Sprachgebrauch. 

Felocitas ,,rasche Beweglich- 
keit". 

animi multarum rerum — per- 
cursionem. Vgl. II. 15, 'dh functio 
— animi — operis, und unten 17, 
iO fratris repulsam consulatus. 

14. tentari poSsunt, ut corpora 
possunt. So hat Bentiey (und nach 
ihm F. A. Wolf) die hdschfll. Les- 
ai^t tentari non possunt, corpora 
possunt, verbessert. die mit dem 
sogleich folgenden quorum (^ani- 
morum') morbi sich uur durch ge- 

12- 



180 



LIBER IV. 14, 32. 33. 



runi offeusiones slne culpa accidere possunt, aninioruni uon 
ileni : quoruni omnes morbi et perlurbationes ex aspeinalione 
rationis eveniunt. Itaque in hominibus solum exsistunt ; nam 
bestiae simile quiddam faciunt, sed iu perturbationes non inci- 

32 dunt. Inter acutos autem et inter hebetes inlerest, quod inge- 
niosi, ut aes Corinthium in aeruginem , sic illi in morbum et 
incidunt tardius et recreantur ocius; hebetes non itcra. Nec 
vero in omnem morbuni ac perturbationem animus ingeniosi 
cadit; non enim in ulla efferata et immania ; quaedam autem 
humanitatis quoque habent primam speciem, ut misericordia, 
aegritudo, melus. Aegrotationes autem morbique animorum 
difBcilius evelli posse putantur, quam summa illa vilia, quae 
virlutibus sunt contraria. Morbis enim manenlibus, vitia sub- 
lala esse possunt , quia lii non tam celeriter sanaulur , quam 
illa tollunlur. 

33 Habes ea, quac de perturbationibus enudeale disputant 
Stoici , quae logica appellant, quia disseruntur sublilius. Ex 
quibus quoniam tamquam ex scrupulosis colibus enavigavil ora- 
tio, reliquae disputationis cursum teneamus , niodo satis illa 



ktinstelte Erklarungeii und Ilinein- 
bringen von hier Freinilartigeni ver- 
einigcn lasst. Auch deutet das fol- 
gende sed darauf hin, dass ein 
Gcgensatz , also hier die Erwah- 
nuug cines analogcn \ erhallnis- 
ses zwischen Geist und Korper, 
vorhergegangen. Der Salz animi 
— corporu possimt ist deni lolgen- 
den natiirlich logisch subordinirt 
(,,wahrend — ", concessiv). 

corporinn ojfensioncs bier = 
corp. morbi. (Andcrs C. 10 u. 11.) 

animoriim non item , zur Xh- 
wechslung fiir non possunt (abcr 
non vero animorum wiire deutsch- 
latein.). 

simile — faciunt, nir paliuntur 
oder liabent. Sonst wird facerc 
gewijhnlich nur als Slellverlrefcr 
cines bestiniinlen vorangcgaiigenen 
Verbums gcbraucht; wie l. 11, 24. 

32. ingeniosi — sic illi. Die 
Wiedcraufnabnie desSubjects durch 
ein Pron. demonstr. (vgl. III. S, 18) 
ist hier durch die Concinnitat der 
Gegensiilze geboteD. Ebenso unten 



30,01: Est enim metus, ut acgri- 
tudo praesentis.sicillefulurimali. 

aes Corintliiinn, aus Gold, Silber 
und Kupfcr gcmischt. 

in ulla, Beiillcj's Conjectur fiir 
mullu. Das Ncutr. hier und in 
quaedam , weil morbus und per- 
turbatio ungleichcs Genus haben. 

fiabent priniam speciem : ,, ha- 
ben beiin ersten .\nbiick deo 
Scbein — ". 

■hi — illa, s. zu I. 49, 117. Die 
morbi sind durcli /;/ bezeichnet, 
weil von morbis in dicscni Cap. 
bisher ininicrdie Hcde gewesen ist. 
So Cat. .M. 19, Ct^i : Senex est eo 
meliore condicione quam adoie- 
scens, qiium id, quod illc sperat, 
hic conseciitits cst. 
. 33. enuclcate, cigenll. : ausge- 
schiilt, daher: ,,kurz und biindig, 
schmuckios". 

logica ,,den logiscben Vorlrag''. 

rel. dlsp. ciirsum leneami/s : ,,in 
der iioch iiliiigcn Unlersuchung wei- 
ter segein". Mit dem Ausdruck vgl. 
Cap. 4 e.xtr. u. 5 in. 



LIBER IV. 15, 34. 35. 



181 



dilucide dixerrnuis pro reriim obscuritate. A. Prorsus satis ; 
sed si quae diligentius erunt cognoscenda, quaeremus alias; 
nunc vela, quae raodo dicebas, exspectamus et cursum. 

M. Quando , ut aliis locis de virtute et diximus el saepe 15 
dicendum erit, (pleraeque enim quaestiones , quae ad vitam 34 
nioresque pertinent, a virtutis lonte ducuntur,) quando igitur 
virtus est affectio animi constans conveniensque , laudabiles 
efficiens eos, in quibus est, et ipsa per se, sua sponte, separata 
etiam utilitale , laudabilis : ex ea proficiscuntur honestae vo- 
luntates, senlentiae, acfiones omnisque recta ratio ; quamquam 
ipsa virtus brevissime recta ratio dici potest. Huius igitur vir- 
tutis contraria est vitiosilas (sic enim malo quam malitiam 
appellare eani, quam Graeci ■Aay.iav appellant ; nara malitia 
certi cuiusdam vitii nomen est, vitiositas omnium) ; ex qiia 
concitantur perlurbaliones, quae sunt, ut paullo ante diximus, 
turbidi animorum concilalique motus, aversi a ratione et ini- 
micissimi mentis vitaeque tranquillae. Important enim aegritu- 
dines anxias atque acerbas animosque affligunt et debilitant 
metu; iidem inflammant appetilione nimia, quam tum cupidita- 
tem , tum libidinem dicimus, impotentiam quandam animi a 
temperantia et moderatiome phirinuim dissidentem. Quae si 35 
quando adepta erit id, quod ei fuerit concupilum , tum efferlur 
alacrilate, nt nihil ei constet, quod agal; ut ille, qui volupta- 



15. 34. Quando ftir qiioniam 
oder qitandoqindem ,\v'\e de fia. V. 
8, 21 quando ad maiora nati su- 
mus, und auch sonst bisweilen. " 

a virtuiis fonte, Genit. epexeg., 
slatt der Appos. , wie I. 45, 109 
suis bonis taudis et gloriae, und 
unten 19,44 genus lihidinis; 26,57 
ex errorum radicihus. 

quan-do igitur nimmt den durch 
die Zwischensatze unterbrochenen 
Gedanken wieder auf, wie I. 7, 14 
id ergo est, u. ofter. 

ajfectio animi constans conve- 
niensque (sc. secutn) . dicU^tatg 
ipv^fig av/iiqm'og faTJ;. Jffectio 
also ,,Denk- und Enipfindungs- 
weise", wie de fin. III. 20, 65 ex 
hac anitnortim affecfione. 

recta ratio = absolufa ratio 
(V. 13, 39), oQ&og Xoyog. 

virtutis contraria, Sonst scheint 



dies Adj. von Cic. nur im Neutrum 
mit dem Genitiv verbunden zu 
werden. 

malitiam , nur in dervor-und 
nachklass. Latinitat ,,schlechte Be- 
schafiFenheit" iiberhaupt. Cicero de 
nat. D. 111. 30, 75: Est enim ma- 
litia versuta et fallax nocendi 
ratio. 

35. concupitujtt, hier alsAdjectiv 
anzusehen, daher der Dativ dabei. 

effertur alacritate = laetitia 
gesticnti. Vgl. 17, 39; quod aiit 
eupias ardenfer aut adeptus ef- 
feras te insolenfer. 

ttt niliil ei consfet , Anspielung 
auf eiflen Vers des Komikers Q. 
Trabea, der uns de fin. 11. 4, 13 
(^Tcinfa laefitia aitctus sunt , ut 
niliil constet — ) unvollstandig er- 
halten ist. 

voluptatem — arbitratur. Die- 



182 



LIBER IV. 16, 36. 



tcm anhfii nhiiimn siimvnm essc eri^orem arbitratur. Eorum 
igitur nialoruin in una virlute posita sanatio est. 

16 Quid autem est non miserius solum , sed foedius etiani et 

deCormius, quam aegiiludiue quis alflictus, debililatus, iacens? 
Cui niiseriae proximus est is, qui appropinquaus aliquod ma- 
lum metuil exanimatusque pendel animi. Quain vim mali signi- 
iicantes poelae impendcre apud inferos saxum Tantalo faciunt 

()b scelera aidmique impote/itiam et superbitoquentinm. 
Ea communis poena stultitiae est. Omnibus euim, quoruni 
mens abhorret a ratione , semper aliqui talis terror impendet. 

36 Alque ut hae labilicae mcntis perlurbaliones sunt, aegritudinem 
dico et nietum : sic hihiriores iliae, cupidilas avide semper ali- 
quid expetens el inanis aiacritas , id est iaetitia gestiens , non 
niuilum differunt ab amentia. Ex quo inteliigitur , qualis iiie 
sit, quem tum moderatum, aiias niodestum, tum temperanlem, 
alias conslautem continentemque dicimus. Nonnumquam liaec 
eadem vocabuia ad frugalitatis nomen, tamquam ad caput, re- 
ferre voiumus. Quodnisi eo nomine virlutes continerentur, 
numquam ita porvulgatum iliud esset, ut iam proverbii iocum 
oblineret , hominem Jru^i omnia recte facere. Quod idem 
quum Stoici de sapiente dicunt, nirais admirabiiiter nimisque 
magnifice dicere videntur. 



sen Vers des Trabea liat Bentley nach 
unsererStelleuud ad fam. II. 9,2 ais 
troch. Septen. sowiederhergestellt: 
11^0 voluptatem animi nimiam 
siimmum es.se errorem arbitror. 
Error ,,V^erirrung'', wie 17, 39. 

IG. iaeens ,,ganz entmuthigt", 
wie II. 13, 32. 

pendef animi. So de leg. I. 3, 9 : 
effo animi pendere soieo. Vgl. 
Zurapt Gr. §437. A. 1. Doch ist 
animi nicht als Genitiv, sondern 
als IVebenform des Ablat. (u. Dat.) 
anznsehen ; s. I. 22, -51 zu domui. 
Daher auch im Plur. nicht animo- 
riim, souihrn animts pendere ; so 
I. 40, 91). 

faeiunt, hier als Verb. dicendi 
mit Acc. c. Inl'. verbunden , stalt 
des sonst iibiichenParlicips (Zunipt 
§ 61b extr.). Vgl. jedoch V. 39, 1 1.5: 
eum ariete coHor/uentemfacit eiiis- 
que luudarefortiinas.— Uebrigens 



wird sowohl des Tantaius Schuid. 
wie die Art seiner Strafe verschie- 
den angegeben. In letzterer Be- 
ziehung vgl. I. 5, 10. 

Ob scelera etc. Der Dicbter ist 
unbekannt. 

siiperbilurjue/itiam . nx6?.aaTog 
ykwnaa an der Tafel der Gbtter. 
(tXach .Andern : das Schiachten sei- 
nes Sohnes Pelops, die Ent«endung 
von .\nibrosia und Nectar fiir andrc 
Sterbliclie, ii. dgl.) 

aliqiii — terror. wie I. 11, 23. 

36. ad frugalitatis nomen . s. 
III. S, 16, wo Cicero frugatifn.s 
fiir die passendsle l eberselzuiig 
des griech. aiDifoonvvi] erlvlarle. 

Sfoici. Diog. L.M. 10.5: rTOf/oc 
('()'((U('<nTt]T(>i. .\usriihrlich «ird der 
stoische Weise de fin. III. 22, 75 
u. 76 geschiidert. 

videnfur. Dtiml. dem grossen Pu- 
biikiim. 



LIBER IV. 17, 37. 38. 



183 



Ergo hic , quisquis est , qui moderatione et constantia 17 
quietus animo est sibique ipse placalus, ut nec tabescat mole- 37 
sliis uec Irangalur timore nec silienter quid expetens ardeat 
desiderio uec alacritate futili gestiens deiiquescat, is est sa- 
piens, quem quaerimus, is est beatus; cui nihii humanarum 
rerum aut iulolerabile ad demitteudum auimum aut uimis lae- 
tabile ad clferendum videri potest. Quid euim videatur ei ma- 
guum iu rebus humanis, cui aeterniias omnis totiusque muudi 
uola sit raaguitudo? Nam quid aut iu sludiis humanis aut in 
tam exigua brevitate vitae raagnum sapienti videri potest, qui 
seraper animo sic.excubal, ut ei nihil iniprovisum accidere pos- 
sil, nihil inopinalum, nihil omnino novum? Atque idem ila 3S 
acrem in omnes partes aciem iutendit, ut semper videat sedem 
sibi ac locum sine molestia atque angore vivendi, ut, quem- 
cunque casum fortuua invexerit , huuc apte ei quiete ferat. 
Quod qui faciet, non aegritudiue solum vacabit, sed etiam per- 
turbalionibus reliquis omnibus. His autem vacuus animus per- 
fecte atque absolute beatos efficit, idemque concitatus et abs- 
tractus ab integra certaque ratione non conslantiam solum 
arailtit, verum etiam sauitalem. 

Quocirca nioUis et enervata putanda esl Peripateticorum 
ratio et oratio, qui perturbari animos necesse dicunt esse, sed 



17. 37. sihique ipse. Man solHe 
hier sibi ipsi erwarten; s. jedoch 
Zumpl § 690 extr. 

deliquescat ,, zerfliesst ••, d. h. 
sich schwach undweichlich zeigt. — 
Man heachte auch diescbone Man- 
nigfaltigkeit der Metaphern in den 
Priidicaten : tabesrat — frangatur 
— ardeat — deliquescat. 

is est sapieris. Vgl. III. S, IS : 
ab eo — ab eo. 

ad demitt. animiim — ad effe- 
rendum, hier iin Sinne eines Con- 
secutivsatzes. So 3S, S2 : dolore 
ad patiendum levato. 

Nam quid etc, nicht Grund zum 
nachstvorhergehenden Satze, son- 
dern ihm coordinirt. Bei Quid enim 
etc. scheint Cicero das Gliick, bei 
Nam quid etc. das Ungliick Jer 
Meuschen vorgeschwebt zu baheH. 

animo — excuhat. DerselbeTro- 
pus Phit. VI. 7, IS: Quam ob rem. 



Quirites, consilio quantum potero, 
labore plus paene quam polero, 
excubabo vigilaboque pro vobis. 

acrem — aciem intendit. Aehn- 
lich p. Flacco 11, 26: intentis 
orulis acerrime contemplari : de 
fin. 1. 17, 57 : acri animo et intento 
intueri. 

apte, hier gemiiss seiner Ablei- 
tung(von einem alten\erb. apiirc = 
unjtiv, anfiigen) ganz dem Deut- 
schen ,,mit Fiigung' entsprechend. 

ab intfgra certaque ratio/ie 
,,von der gesundeu und in sich 
sicbern Tbatigkeit der Vernunft", 
alse: von der Besonnenheit. 

mollis — Perip. ratio. Zur 
Sache vgl. III. 10, 22. 

ratio et oratio, eine bei Cicero 
sebr biiuiige \erbindung, die ihm 
oifenbar aucb wegen des ofxoioT^- 
).ti)Tov gefiel, wie gravis et suavis. 
Vgl. 2S, 6U. 



184 



LIBER IV. 17, 39. 40. IS, 41. 



adliibent modum quendam, quem ullra progredi non oporteat. 

39 Modum lu adhibes vilio? an vilium nullum csf non parcre ra- 
tioni? an ratio parum praecipil, nec bonum illud essc , quod 
aut cupias ardenter aut adeptus efferas te insolenter, nec porro 
malum , quo aut opprcssus iaceas aut, ne opprimare, menlc 
vix constes? eaqueomnia, aut nimis tristia aut nimis laeta, 
errore iieri? Qui si error stullis extcnuctur dic , ut, quum res 
eaedem maneaul, aliter lcrant invcterata , alitcr recenlia : sa- 

40 pienles ne altinj^at quidem omnino. Etenim quis crit landem 
modus isle? Quaeramus cnim modum aegiiludinis, in quo ope- 
rae plurimum ponitur. Aegre tulisse P. Uupilium fratris re- 
pulsam consulatus, scriptum apud Fannium cst. Sed famen 
transisse videlur modum, quippe qui ob cam caussam a vita 
recesserit; moderatius igitur lerre debuit. Quid? si, quum id 
ferret modice , mors liberorum accessisset? nata essct aegri- 
ludo nova. Sed ea niodica. Magna lamen facla esset accessio. 
Quid? si deinde dolores graves corporis , si bonorum amissio, 
si caecilas, si exsilium ? Si pro singulis malis aegritudines ac- 
cederent, summa ea fieret, quae non suslincretur. 

18 Qui modum igitur vitio quaerit, similifcr facif, ut si posse 

41 putet eum , qui se e Leucata praecipifavcrit , sustinere se, 
quum velit. Ut enim id non potest , sic animus perturbatus el 



qufm itUra, Anastroplie, wie It. 
6, 15 hiinc posl. Ullra lindel sich 
sonst nur bei Dichtern und bei Tac. 
so gebrancht. 

'M). pariim ,,nicht deutlich ge- 
nug". 

aiit — mente vix constes = aiif 
pcrtitnescas, ne oppriinare. Denn 
wie Cicero vorher- ciipiditas und 
laetitia ini Sinne hatte, so in die- 
sem SaJze (in unigekyhrter Ordnung) 
aegritiido und metiin. 

die, wie 111. 30, 74. 

40. in qiio ist aus <U'b geringe- 
ren Hdschr. fiir in qiia anTgenom- 
men, da derSinndieBeziehuMgnicht 
aul' acgritiido , sondern aul' (jiiae- 
rere modiiin ac-iritiidinis Tordert. 

poniliir, nanil. von d. Pcripate- 
tikeiMi. 

/'. Uiipiliiis Liipiis, 132 v. Chr. 
Consul. Lael. 20, 73: Sci/iio P. 
Rupiliinn potuit consulem ejjicere, 
fratrem eius Luciuin non poluit. 



Piin. H. .\. VII. 36: (P. Rupilius) 
niorbo levi itnpeditus , nunciala 
fralris repiilsa in consiilatus pc- 
tilioiie , illico c.vspiravit. Dieser 
IJruder, Lucius. war 14(> Priitor gc- 
wesen. -- Dic dialogische Form, in 
der hierCicero diePcrip. bekiimpft, 
ist lciclit zu erkeniien. 

C. Fannius Slrabo, Schiiler des 
Stoikers Paniitins, Scbwiegersohn 
dc.s C. I^iilius Sapiens, schrieb An- 
nales. Vgl. Brut. 2(1, 101 u. 21, Sl. 

18- 41. iit si, nach siinililerfa- 
cif, fiir ac si, wic de olf. I. 2.^, S7 : 
siniilitcrfacorc eos — ut si naulae 
cerfiircnt, t/iiis corum potissiminn 
guhcrnaref. 

Lviicata, ^tivy.ihrj , jel/.t Capo 
Dncalo , das ^orgebirge der Insel 
Loucadia (Jetzl Santa Rlaura). von 
wclchem Sappho sich ins Meer 
stiirzlc. 

id nun potest , wic I. 11, 23 si 
posset. 



LIBER IV. 18, 42. 19, 43. 



185 



incilatus ncc cohibere se polest uec, quo loco vult, insistere, 
omninoque , quae crescenlia perniciosa sunt , eadem sunt vi- 
tiosa nascentia. Aegritudo autem ceteraeque perturbationes, 42 
amplificatae certe, pestiferae sunt; igitur etiam susceptae con- 
tinup iu magna pestis parte versantur. Etenim ipsae se im- 
pellunt, ubi semel a ralione discessum est, ipsaque sibi imbe- 
ciliitas indulget iu allumque provehitur imprudens nec reperit 
locum consistendi. Quam ob rem nihil interest, utrummoderatas 
perturbaliones approbent an moderatam iniuslitiam, moderatam 
ignaviam, moderatam intemperanliam. Qui enim vitiis moduni 
apponil, is partem suscipit vitiorum. Quod quum ipsum per se 
odiosMm est, tum eo molestius, quia sunt iu lubrico incifataque 
semel proclivi labuntur sustinerique nullo modo possunt. 

Quid? quod iidem Peripatetici perturbationes istas , quas 19 
nos exstirpandas putamus, non modo naturales esse dicunt, 43 
sed etiani uliliter a natura datas? Quoruni est talis oratio. Pri- 
inum multis verbis iracundiam laudant, cotem forlitudinis esse 
dicunt, multoque et iu hostem et in iraprobum civem vehemen- 
tiores iralorum impetus esse; 1'eves autem ratiunculas eorum, 
qui ita cogitarent: proelium rcctum est hoc fieri; conrenit 
dimicnre pro legibus, pro /ibertate, pi^o patria ; haec nullam 
habent vim, nisi ira excanduit fortiludo. Nec vero de bellato- 



42. igitur. Wegen der Stellung 
s. zu I. 0, 11. 

in magna pestis partb versan- 
tur ,,sind niit einem starken Ele- 
raente von Verderbliclikeit behaf- 
tet". Vergl. V. 38, 111: non ver- 
sariin octiloriim vllaiucunclitate; 
de rep. II. 15, 29: ncque hoc — 
ulla cst umquam in duhitatione 
versatum. (Nagelsbach S. 298 fg.) 

vitiis modum apponit, wie einen 
Wachter. Die Fehier sind also hier 
gewissermaassen personificirt. 

proclivi labuntur ,,abschiissig, 
d. h. schnell herabstiirzeu", wie 
de fin. V. 28, 84: proclivi currit 
oratio. Es ist nicht als Ablativ anzu- 
sehen, sondern nach Madvig (zu de 
fin. 1. 1.) die iiltere Form des Adv. 
proclive (wie heri und here). 

11). 43. iracundiam laudant, 
d. h. nicht die iracundia im ge- 
wbhnl. Sinne {oQyiXoT^g , den Jiih- 



zoru), sondern den d-vfios = ira 
(etwa ,,die Zornglulh") — ein Be- 
griff, der mit unserm ,,Begeiste- 
rung" ziemlicii zusammenfalit. Fur 
ira sagt Cic. iracundia, um sie 
deutlicher als bleihende Eigen- 
schaft, nicht als voriibergehenden 
Zustand, zu bezeichnen. Vgl. Ari- 
stot. Eth. Nic. IV. 5. Sen. de ira 
111. 3: {Iram Aristoteles^ calcar 
ait esse virtutis : hac erepta iner- 
mem. animum et ad conatus ma- 
gnos pigrum inertcmque Jieri. — 
Mit den Perip. stimmte iibrigens 
hierin die alte Academie iiberein. 

cotem fortitudinis. Ygl. 21, 48 
ardores animorum cotesque viriu- 
tum. Ebenso Acad. il. 44, 1 35 .• ira- 
cundiam fortitudinis quasi cutcm 
csse dicebant {veteres Academici^. 

haec nullam habent vim ete. In 
der Lebhaftigkeit derHede geht Ci- 
cero aus d. orat. obl. in die recta 
iiber, wie 10, 24 bei tum cxsistit. 



186 LIBER IV. 19,44. 

ribus solum disputant ; imperia severiora nulla esse pulanl sine 
aliqua acerbilate iracundiae. Oraloreni (Jeni(]ue non nioilo ao- 
cusanlcni, sed ne derendeuleni quideni probanl sine aculeis ira- 
cundiae, quae etiaui si non adsil, tauien veibis alquc niotu siuiu- 
landani arbitranlur, ut auditoris iram oratoris incendal actio. 
Airinn denique videri negant, (jui irasci nesciat, eanique, quani 
Lenilalem nos diciniu.s, vilioso loililiKlinis noniine appellanl. 
44 Nec vero soluui lianc libidineiu laudant (est enini ira , ut 

modo dcliuivi, ulciscendi libido) , scd ipsum illud genus vel li- 
bidinis vel cupiditatis ad summam utililalem csse dicunt a na- 
tura datiim; nihil enim quemquam, nisi quod iibeat, praeciare 
facerc posse. ISoctu ambulabat in publicb 'ibemistoclcs , (juod 
somnum capere non posset, quaerenlibusque respondebat, 
Miltiadis tropaeis se e somno suscitaii. Cui non sunt audi- 
tae Demostbcnis vij^iliae? qui dolere se aiebat, si quaiido 
opilicum aiilclucana victus csset induslria. Pliiiosopliiae deni- 
que ijisius priucipcs numquam in suis studiis tantos progressus 
sine flagranti cupiditale facere potuisseut. Ultimas ter- 
ras lustrassc Pythagoram , Democritum, Platoncm accepimus; 

quac ftiam si etc. Xacli deul- dote: Val. Ma\. MII. 1-1, ext. 1: 

scher Ausdrucksweise Aviirde mau Plut. Tliein. c. o. 
quam erwarten ; vgl. jedoch I. o\, quod — noti posxef, wie V. 21, 

S^: qtii — si occidissviniis — iiiors (»2 qiiod iam beatiis nollet esse. 
iios abstraxisset. aiidifae — notae, daherd.Dativ 

Dm/w/, niit Nachdruck, wiell. 22, dabei, wie 15, 35 bei concn/jitus. 
5li riisticaniis vir, scd plaiic vir. Deinosthcnis viiiiliae. \\;l. Plut. 

vifioso, hier ,. eiiieii Feliler an- Deni. 7 u. 1 1 . Stob. Serni. 29 p. 2i)6 

deuleiid", also ,,tadeliid^'. liisst ihn daher sagen, dass er niehr 

eainqiie — appellnnt. Cic. thut Oel als \\ ein gebraucht habe. 
den l*eri()alel. Lnreeht; denn die Pi/ttia^orus etc. P. aus Sainos 

TiQaoTtjg, lcnitus, verwaiten sie soll, ehe er sich in Crolon nieder- 

nichl , sondern deren fehlerhafte liess, lleisen nach .Vegjjiten, Asien, 

Ausartnn;;', die ('.ooy^aiu, lcnlifu- Crela und Lacediiinon gemacht, uiid 

//o, das Fhlejifnia (ebeiiso wie den Democri t seiii bedeutendes vriter- 

entgejcengeselzten Fehler, die oo- lichesErbe zu Beisen nach l{ab\lon. 

yi).6rr]g , iruciindiu im sf^viihnl. Persien, Aegjpten n. s.w. ^erwandt 

Sinne, d. h. den .liihzorn). Arisl. Iiaben. (Ngl. S. 3(i, JOl; .{9, 115.) 

Eth. II. 7. Auch Plato unternahni in den er- 

41. Iianc libidinem ,,diese Art slenJahrennach SocralesT()de(399) 

der libido^". zu seiner IJildung bedeulende Mei- 

ut inodo dc,/inivi: 12, 27. sen nach Cyreiic uiid Aegy|)len (de 

genus — libidinis ; s. 15, 34 zu lin. \. 29), die von den Spateren 

a virtiitis fonte. ebenralls ins Kabelhalte erHeilert 

nisi quod libciif = nisi in quod werden : dann nach Inlerilalien zu 

libidinc iin/)clliiliir. den Pythagoreern. (Seine spiiteren 

Tliemistoclcs. Dieselbe Anek- Itei.sen hatten andere Zwecke.) 



LIBER IV. 20, 45. 46. 



187 



ubi eiiini quicquid esset, quod disci posset, eo veniendum iudi- 
caverunt. Num pulamus haec fieri sine summo cupiditalis ardore 
potuisse ? 

Ipsam aegritudinem, quam nos ut taetram et immanemSO 
beluam fugiendam diximus , non sine magna utilitale a natura 45 
dicunt constitutam , ut homines castigationibus , reprehensio- 
nibus , ignominiis affici se in delicto dolereut. Impunitas enim 
peccatoruni data videtur eis , qui ignominiam et infamiam fe- 
runt sine dolore ; morderi est melius conscientia. Ex quo est 
illud e vita ductum ab Afranio ; nam quuni dissolutus filius : 

Heu me tniserum ! 
tum severus pater: 

DuTfi modo doleat uliquid, dolent quidlubel. 

Reliquas quoque parles aegritudinis utiles esse dicunt: mi- 46 
sericordiam ad opem fereudam et calamitates hominum indigno- 
rum sublevandas ; ipsum illud aemulari , obtrectare non esse 
inutile, quum aut se non idem videat consecutum, quod alium, 
aut alium idem, quod se; metum vero si qui suslulisset, omnem 
vitae diligentiam subiatam fore , quae summa esset in eis , qui 
leges, qui magistratus, qui paupertatem, qui ignominiam, qui 
mortem , qui dolorem limerent. Haec' tauien ita disputant ut 
resecanda esse fateantur , evelii penitus dicant nec posse nec 
opus esse , et in omnibus fere rebus mediocritatem esse opti- 
mam existiment. Quae quum exponunt, nihilne tibi videntur 
an aliquid dicere? A. Mihj vero dicei'e aliquid. Itaque ex- 
specto, quid ad ista. 



uhi enim quicquid esset, wo 
scheinbar quicquid^ quidque ist, 
ist verkiirzter Ausdruck fiir ubi 
enim aliquid esset, quicquid esset. 
So V. 34, 98 : ut quicquid obiectum 
est ; de fin. V. 9, 24: quatenus 
quicquid se attingat , und uoch 
einigemal, doch immer uur n e b e n 
anderu Relativis (um den Satz nicht 
zu complicirt zu macheu). 

20. 45. L. AJranius , der Be- 
griiuder der fabula togata (der Ko- 
mbdie mit romischem Stoffe), 
zur Zeit der Gracchen , von Horaz 
(epist. II. 1, 57) in seinem Genre 
so hoch gestellt, wie der Grieche 
Menander in dem seinigen. 

Heu nie misei'um mit Dummodo 



etc. ein Vers , der auch ad Att. 
XVI. 2, 3 citirt wird. 

46. indignorum, sc. istis cala- 
mitatibus, also ,,unverdient Lei- 
dender". Ebenso Hor. Serm. II. 
2, 103: Cur egcf. indignus quis- 
quam, te diviteY Ovid. Met. I. 631: 
indigno circumdat vincula collo. 
Vgl. auch dignus II. 5, 14. 

quum — videat , s. 8, 17 zu 
concufderit. 

Haec gehiirt zu resecanda esse. 

nihil — aliqvid. dicere, pragnant, 
wie im Griech. ovdkv )Jyiiv und 
}.iyHV Ti. Ebenso Cat. M. 6, 17 
nihil afferunt. Aehnlich oben I. 
20, 45 aliquid assequi. 

ad ista, s. I. 4, 7 zu ad id dis- 



188 



LIBER IV. 21, 47. 48. 



21 M. Reperiani forlasse; sed illud ante: \'idesne , quanta 

47 fueril apud Acadeniicos verecundia? Plane enini dicunl, quod 
ad rem perlineal. Peripalelicis respondelur a Sloicis. Digla- 
dientur illi , per me licet, cui nihil est necesse, nisi, ubi sit 
illud, quod veri simillinuini videatur, anquirere. Quid esl igi- 
lur, quod occurrat in liac quaestione, quo possit attiii<^i aliquid 
veri similc? (juo lonji,ius mens liumana progrcdi non potest. 
Delinitio perturhalionis ,' qua recte Zenonem usum puto ; ita 
enim delinif, \\l perttirbntio sit aversa a i'atio?ie contra natii- 
ram animi coinrnotio , vel brevius, \xi pcrtitrhatio sit nppeti- 
tiis rehenientior, vehementior aulem inlclligatur is, qui procul 

48 absit a nalurac constantia. Quid ad lias dofinitiones possint 
dicere? Atquc haec pleraque sunl j)rudenter acuteque disseren- 
tium ; illa quidem ex rhetorum pompa : ardorcs animoruvi 
eotesque virtiitum. An vcro vir fortis, nisi stomacliari coepit, 
non polest fortis esse? Gladiatoriura id quidem ; quamijuam in 
eis ipsis videmus saepe conslanliam : colloquuntur , congrc- 
diuntur, querunfur, aliquid postulant, ut magis placati quani 
irali essc videanlur. Sed in illo genere sit saue Pacidi;uuis 
aliquis hoc auimo, ul narrat Lucilius: 



putahavi. Ebenso § 4S (juid ad 
lias dfifinitionex possint dicvrv ? 

21. 17. sed illud ante ,,doch 
einen Punkt nocb vorber!". 

vereci/ndia ,,schonen(le Rlick- 
sichl" — ini Gegensalz zu der lei- 
denscbaftlicbea Poieniik zwiscben 
den Stoikern und Peri|iatetikcru. 

P/ane ,,einfacb, schlecblweg". 

cid, als Anhiinger der neuen Aka- 
demie. 

qiio longius — Jiltra quod. 

ila — definil, nt — sil, fiir: ita 
definil, ut dicat niit Acc. c. Inf. 
Vgl. V. 41, 119: quoriitn ea sen- 
tentia esl, ut virlus per se ipsa 
ni/iil valeat; de leg. lil. 33 : ego 
in isla sum senlenlia — ni/iil nt 
fueril In siiffrai^iis vocc tnetius. — 
Zum Inbalt v;;!. oben 0,11. 

4S. possinl dicerc, sc. Pcripa- 
telici. 

Alquc /lacc p/craque — disse- 
renlium : ,, Isl docb dies, ini Gan- 
zen genoinmen , Ausdruck versliin- 
diger, scbarfer Dialektik". Ilacc 



pleiaque fiii' /loruin p/vraqiie, wie 
hiiulig ji/erique amncs (o/ Tioklor 

ilta quidem, s. zu I. 27, 67. 

ardores — virtutum; s. 19, 43. 
Hiermit gehl Cic. zur Bekiimpfung 
der peripatet. Lehre von der Nolb- 
wendigkeit und dem >utzen der 
Lcideiischaflen iiber. und zwar be- 
spricbterzun;ichst{bisCap.2.")med.) 
die iracinidia ausliibrlicher. 

in cis ipsis. l)as Subslant. ist 
aus dem vorangegang. Adjectiv zu 
erganzen. 

aliquid posliilanf : ,,sie ver- 
langen nocb Etwas ^on einander", 
einen lelzten Freundscbaftsdienst. 

/;/ i/lo gencre, sc. /loininum. 

sane, eigenll. Acrsicbernd und 
bekiiiftigend , bekouinit, wenn es 
h i n I e r seinem W Orte stebt, nicht 
selleu foncessiven Sinn: ,,aller- 
diugs, freilicb". Vgl. V. .Sll, lO.i. 

Pacidianiis, eiu beriihmler Gia- 
diator im Graccbischen Zeilaiter; 
mit seinem Nebenbubler Aeserninus 



LIBER IV. 22, 49. 



189 



Occidam illum equidem et vincam^ si id quaeritis, inquit; 
Venim ilhid credo fore : in os prius accipiam ipse, 
Quam giadium in stomacho furi ac pulmonibus sisto. 
Odi hominem, iratus pugno^ nec longius quicquam 
Nobis, quam dextrae gladium dum accommodet alteri 
Usque adeo studio atque odio illius ejferor ira. 

At sine hac gladialoria iracundia videmus progredientem 22 
apud Homerura Aiacem multa cum liilarilale, quum depugna- 49 
turus esset cum Hectore. Cuius , ut arma sumpsit, ingressio 
laetiliam attuiit sociis, terrorem autem hoslibus, ut ipsura He- 
ctorem , quemadmodum est apud Homerum , toto peclore tre- 
menlera, provocasse ad pugnam poeniteret. Atque hi collocuti 
inler se,* priusquam manum consererent, leniter et quiete nihil 
ne in ipsa quidera pugna iracunde rabioseve feceruut. Ego ne 
Torquatura quidem illum , qui hoc cognomen invenit , iratum 



(auf (leii sicli II. 17, 41 der Vers 
bezieht) aus dem 4. Buche des Lu- 
cilius beiiannt, und bfter spriich- 
wbrtlich angefiihrt; so ad Q. fr. 
III. 4, 2 ; de opt. gen. or. 6, 17. 

si id quaeiitis : ,,\venn ihr niich 
danach fragt (es wissen wollt)". 

accipiam , sc. plagam , wie iiu 
Deutschen ,,eins abbekommen". 
Ein leidenschaftlicher Gegner ist 
nie vorsichtig. 

gladium — sisto. Vergl. Aen. X. 
323: iaculum clamanti sistit in 
ore. 

fui'i, des Herausg. Conjectur. 
Die Hdschr. haben fast sammtlich 
suria, uas gar ^'ichts ist; einige 
furia. — Die Vulg. sura passt, ab- 
gesehen von den umgebenden Wbr- 
tern, schon darum nicht, weil der, 
welcher einen Andern tbdten will, 
ihm nicht nach derVVade sticbt. — 
Bentley will furiae, als Schimpf- 
wort auf den Gegner. Cicero (p. 
Sest. 14, 33 u. 17, 39) nennt aller- 
dings den Clodius furiam ,,einen 
bbsen Damon"; doch ist dies im 
Munde eines Gladiators (Sklaven) 
gegen Seinesgleichen offenbar we- 
niger angemessen, als das bei den 
Komikern so haufige ,////■ ,,S[)itz- 
bube". — Wie leicht konnte das a 



in den Hdschr. durch die Abschrei- 
ber vor ac hinzukommen ! 

7iec longius etc. ,,und ich kanu 
die Zeit nicht erwarten, bis — ". 

22. 49. apudHomerum. II. VII. 
211 sq. j ^ 
ToTog <XQ Aiug wqto ntkuiQiog , 

SQXog AyaKov, 
/j i t d 1 6o)v jiloauQoioi TiQoooj- 

TlttOl. X. T. k. 

Cuius geht auf Ajax , als die 
Hauptperson. 

quemadmodum est apud Home- 
runi, ib. v. 214 sqq. : 
rov dk xttv 'AQytToi fiiy' ^yrjd^iov 

iiaOQOOJVTig' 

TQoittg (Ff TQOfxog (dvog vTtrjXv&e 

yvTtt 'iy.ttOTov, 
"ExroQi T ttvro) 0-vj.iog ivl Grrj- 
d-taaL TTuraaaiV. 

ne in ipsa qnidein pugna , s. 
Hom. v. 219 sqq. 

7'. Manlius Torquatus , 361 v. 
Chr., am Flusse Anio. Liv. VII. 9 
u. 10. 

hoc cognornen invenit: ,,bei 
dieser Gelegenheit (ungesucht) be- 
kam". Derselbe Ausdruck von der- 
selben Sache : de off. III. 31, 112 
und de fin. I. 7, 23 ; auch soust 
bisweiien nomen {cog7i.) invenire 
{reperire). 



190 



Ll BER IV. 22, 50. 23, 51. 



existimo Gallo torquem delraxisse, nec Marcelluin apud Cla- 

50 stidium ideo forteni fuisse, quia fuerit iratus. Dc Africano 
quidem, quia nolior est nobis propler recenlem memoriam. vel 
iurare possum , non illum iracundia tum indammalum fuisse, 
quum in acie M. Allienum Pelignum scuto protexorit gladium- 
que Iiosli in pectus inflxerit. De L. Bruto fortasse dubilarijn, 
an propter inllnitum odium lyranni effrenatius in Aruntem in- 
vaserit; video enim utrumque cominus ictu cecidisse contrario. 
Quid igilur huc adhibetis iram? an forlitudo, nisi insanire coe- 
pit, impetus suos non habel? Quid? Herculem, quem in caelum 
ista ipsa , quam vos iracundiam esse vullis, suslulit Fortitudo, 
irafumne censes conflixisse cuui Erymantliio apro aut leone 
Nemeaeo? an etiam Theseus Marathonii tauri cornua compre- 
hendil iralus? Vide , nc forlitudo minime sit rabiosa, sitque 
iracundia tota levitatis. Nequc enim est ulla fortitudo, quae 
rationis est expers. 

23 Contemnendae res humanae sunt, negligenda mors esl, 

51 patibiles et dolores et labores putandi. Hacc quum constilula 
sunt iudicio atque sentenlia, lum esl robusla illa el slabilis for- 
litudo , nisiforte, quae vehemenler , acrilcr, aiiimosc- liunt, 
iracunde lieri suspicamur. ^lihi ne Scipio quideni illc, ponlifex 
maximus, qui hoc Stoicorum verum esse declaravit, numquam 



M. Claudius Marcellus, der Er- 
oberer von Syracus, schlug spiiter 
die Gallier bei Claslidium in (iallia 
Cispadana und erlegte ihten Kiinig 
Viridoniarus im Zweikampfo. IMut. 
Marc. 6; Aur. V. de vir. ill. 45. 

50. De /ffrieanOjSC.minore. Die 
That wird sonst nirgends erwiihnt. 

L. Iiiniits Bviitus. s. zu I. 37, 
m. Liv. 11. 2. 

duhilarini an — , wie TII. 23,55 
hand sciam an — . 

video, s. zu III. 25, 59. 

Herculcm. Vgl. II. 9, 22. 

Marntlionii tauri, der friiher von 
Uercules aus Crela gebrachf,von Eu- 
rystheus aber wieder losgelassen 
waru.Allika verwiistete,bisTbeseus 
ihn erlcgte.Ovid. Met. VII. 433 fgg. 

fide ne — , s. zu I. 34, ^3. 

Iei>italis ,,Charaktersch\viiche'', 
wie 31, HO levifds und leri.i. 

23- 51. constifuta sunl. Uie 
Hdschr. haben hierden Conjuneliv, 



der gegeu den Sinn der Sfelle ist. 
Vgl. 11. 11, 27: quum aceesserunt 
— clidunt; III. 2, 3: quuni tule- 
runt , audiunfur; 15,33: quum 
cecinit receptui, impellit rursum, 
u. s. w. , Stellen. an denen ebenfalls 
die Hdschr. zum Theil den Conj. 
darbieten. 

velieinenter ,,niit Nachdruck, 
kriiftig" in bonani jiarteni ; so bei 
Cicero nicht sellen neben admi- 
rari, axsentiri. probare, delectari, 
stiiderc, se exercere u. a. Verbis. 

Scipio ille: P. Cornelius Scipio 
Serapio, Snhn des ScipioNasica (I. 
9, 18), Consul 13-^, tiidtelel33 sei- 
nenVetterTib.SeniproniusGracchus. 

Iioc Stiiicoriini .,jener (irund- 
satz der Sfoiker-' (\gl. I. 42, W). 
Diese beliaupfeten niimlich . dass 
derWeise ailein Hiiuig, Herrscher, 
Obri^keit u. s. w. sei. Diog. L. 
VII. 122. 

rfec/«r«ti*7,niiml.durch seineThat. 



LIBER IV. 23, 52. 24,53. 



19t 



privatum esse sapientem, iralus videtur fuisse Ti. Gracclio tum, 
quum consuieni languentem reliquit atque ipse privatus , ut si 
consul esset , qui rem publicam salvani esse vellent , se sequi 
iussit. Nescio, ecquid ipsi nos forliter in re publica feceri- 52 
mus ; si quid fecinuis, certe irati non fecimus. 

An est quicquam similius insaniae quam ira? quam bene 
Ennius initium dixit insnnine. Coior, vox, oculi, spiritus, ini- 
potenlia dictorum ac factorum quam partem habent sanitatis? 
Quid Achille Homerico foedius, quid Agamemnone in iurgio? 
nam Aiacem quidem ira ad furorem mortenique perduxit. Non 
igitur desiderat fortitudo advocatam iracundiam; satis est in- 
structa, parata, armafa per sese. Nam isto modo quidem licefc 
dicere, ulilem vinoientiam ad fortiludinem , utilem etiam de- 
mentiam, quod et insani et ebrii multa faciunt saepe vehenien- 
tius. Semper Aiax fortis, forlissimus lanien in furore; nam 
— fdcinus fecit rndxumum, qmm^ Ddnais inclindntibus, 
Summdm rem perfecit, manu sud restitidt praelium 
Insdniens. 

Dicamus igitur utilem insaniam? Tracta definitiones forti- 24 
tudinis: inlelliges , eam stomacho non egere. Fortitudo est 53 



consulem languentem, den P. 
Mucius Sciivola , welcher Gewalt 
gegen Gracchus anzuwenden sieh 
weigerle. 

qui — velleut. Bei Aufrubr in der 
Stadt war die feststehende Formel, 
deren sich derConsuI bediente: Qiii 
remjrubl. sahuim esse vohint, me 
sequantur. Vgl. Plut. Ti. Gr. 19; 
Val. Max. III. 2, 17. 

52. quam partem baherit sani- 
tatis, niiml. bei einem Zornigen. 

in iurgio etc. Hom. II. I. 122 sqq. 

nam Aiacem quidem etc, ellip- 
tischj Von Ajax will ich gar nicht 
erst reden, denn diesen u. s.w. 
Ganz ebenso 33, 71 : nam, Ana- 
creontis quidem iota poesis est 
amaforia. Zum Inbalt vgl. Hom. 
Od. XI. .543 — 560. 

desiderat — adfocatain iracun- 
diam. SoV. 3S, 111: Sapienti.t co- 
L^itafiii non fernie ad invesfigan- 
dinn adhibet ocu/os aduocafos. 

isto modo quidem, d. h. wenn 



man die iracundia fiir niitzlich zur 
fortitiido halt. 

facinus fecit etc. , aus einem 
Tragiker, yielleicht Pacuvius. Die 
Verse, deren zwelter in den Hdschr. 
mannigfach verderbt ist, sind oben 
nach Hermanns Verbesserung ge- 
geben. Dem ersten feblt , da das 
bisber dazu gerecbnele nam wobl 
Cicero angebiirt , am Anfang eine 
Sylbe. 

inclinantihus , in der Militar- 
spracbe als Intrans. ,, zurtickwei- 
chen''; so bei Liv. ofter. 

sumrriarn rem. ,,Als der Grie- 
chen Scbilfe brannten, war in sei- 
nem Arm das Heil". Vgl. Hom. II. 
XV. 727 sqq. 

24. 53. Tracta ,,Niramvor", 
also = considera. Wegen der 
Structur des Satzes s. II. 12, 28 
zu Rogo hoc idem. Ebenso § 54 
Remove — videbuntur. 

stomacho = ira (wie auch oben 
21,48 stomachari) nicht sellen ; 
in gleichem Sinne nachber rabies. 



192 



LIBEK IV. 24, 54. 



igilur affectio auimi legi sumuiae iu perpetiendis rebus obtem- 
perans , vel conservatio slabilis iudicii in eis rebus , quae for- 
midolosae videnlur, subeundis et repellendis, vel scientia 
rerum formidolosaruni contrariarumque aul oninino negligen- 
darum, conservans earum rerum slabile iudicium, vel brevius, 
ut Chrysippus, — nam superiores definitiones erant Sphaeri, 
hominis in primis bene definienlis, ut pulant Stoici ; sunl enira 
omnino onines fere similes; sed declarant communes notiones 
alia magis alia; — quo modo igitur Chrysippus? Forlitudo esl, 
inquit, scientia rerum perferendarum vel affeclio animi in pa- 
tiendo ac perferendo summae legi parens sine timore. Quamvis 
licet inseciemur istos, ut Carneades solebal : metuo , ne soli 
philosophi sint. Quae enim istarum definilionum non aperit 
notionem noslram, quam habemus omnes de forlitudine tectam 
atque involulam? qua aperta, quis est, qui aut bellatori aut 
imperatori aut oratori quaerat aliquid neque eos existimet sine 
rabie quicquam fortiter facere posse? 
54 Quid? Sloici , qui omnes insipientes insanos esse dicunt, 

nonne ista colligunt? Remove perturbationes maximeque ira- 

legi summae, d.h. (ier\ ernuiifl. 

/n perpet. rebits, sc. adversis. 

contrariarum, d. i. nonformi- 
dolosarum. Stob. Ecl. eth. p. 104 
H. : av^Q^iav <Sk (6 Zrjvojv 
(frjalv iivcii) l7TiaT>ifit]V tfsivdiv 
y.ai 1) 3 s ivijiv y.c<l ov d er i- 
qojv. Aehnlich Plato ini Lach. 

§ 07 : '// KV^Qtici iailv iTTiaTJ^lTj 
^ilVoiv Tf y.Cil (i^Ci^QCiXhbOV. 

C/iri/si/)pus, s. zu I. 45, lOS. 

Spliaerus, voiu thrac. Bosporus, 
ein Schiiler Zenos, lehrte zuerst in 
Laceddinon, dann in Alexandria. 

omnino, concessiv : ,, allerdiags 
= zwar", wie ofter. 

commiines nofiones. Dass nicht 
Sloicorum , sondern omnium lio- 
minum hinzuzudenken ist, ergiebt 
sich aus dem Folgenden: nolionem 
nosfram, (juam habemus oinnes 
dc fvrfitudine tcctam alque in- 
volufam. 

Qiiamvis licet insectemur = Li- 
cet insecfemur, ijuam (vc/iemen- 
/e/)u/A\ Sode leg. IIL 10,24 .quam- 
vis enumeres multos licet ~ licet 
enumeres , quam multos vis. — 



Das Subject zu inscctemur siud die 
Akademiker. isfos die Stoiker. 

Carneades, s. zu HI. 22, 54. 

mefuo ne — sinf. Man sielit. wie 
selir Cicero Eklektiker ist. Eben 
uoch hatte er sich zu den Akad. 
gerechnet. 

notionem — involufam. So Orat. 
33, 116: involuta rei notitia de- 
Jiniendo apcrienda est. 

qui — qiiacruf aliquid: ,,der fiir 
— noch et\\as Weiteies verlangt". 

54. omnes insipicnfes insanos. 
"Oti Ticii (iifooiv uaivtTCii. Vgl. 
Cic, Parad. 1 und oben IIL 4, 9. 

ista colli'^iint. Jsla geht auf 
omnes insip. esse insanos ; colli- 
gunt= coiicludendo ej/iciunt, avl- 
XoyiCoVTai. Sie schlosseu nauilich 
so: AlleLeidenschaften sind Krank- 
heiten; wer abereineliranklieit hat, 
kann nichl ;;esund {sanus)se\B: nun 
aber ist der Geist jedes Llnweisen, 
weil den Lcidenschaflen unlerwor- 
fen, in krankein Zustandc : folglich 
sind alle Unweisen geistig krank 
i^itisani). Vgl. III. 4, 9. 

Hemove etc. Sinn : Wollle man 



LIBER IV. 25, 55. 193 

cundiam : tam videbuiifur monstra dicere. Nunc autem ita dis- 
serunt, sic se dicere, omnes stultos insanire, ut maie olere 
omne coenum. — At non semper. — Commove, seuties. Sic 
iracundus non semper iratus est: lacesse, iam videbisfurentem. 

Quid? ista bellatrix iracundia, quuni domum rediit, qua- 
lis est cum uxore , cum liberis, cum familia? an tum quoque 
est utilis? Esl igitur aiiquid, quod perlurbata mens melius pos- 
sit facere quam constans ? an quisquam potest sine perturba- 
tione mentis irasci? Bene igitur nostri , quum omnia essent in, 
inoribus vitia, quod nullum erat iracundia foedius, iracundos 
solos morosos nominaverunt. 

Oratorem vero irasci minimedecet, simulare non dede- 25 
cet. An tibi irasci tum videmur, quum quid in caussis acrius 55 
et vehementius dicimus? quid? quuni iam rebus transaclis et 
praeteritis orationes scribimus , num irati scribimus ? Ecquis 
hoc animadvertit? ri/ic/te ! uum aut egisse umquam iratum Ae- 
sopum aut scripsisse existimamus iratuniAccium? Aguntur ista 
praeciare , et ab oratore quidem melius , si modo est orator, 
quam ab ullo histrione ; sed aguntur leniter et mente tranquiHa. 

Libidinem vero laudare cuius est libidinis ! Themisto- 
clem mihi et Demosthenem profertis , addilis Pythagoram, De- 
mocritum, Plalonem. Quid? vos studia libidinem vocatis? quae 

(lie Leideuschaften aus der Rubrik Reden wurden in der Regel ganz 

iiisania streichen , so ware jener frei oder nach eineni Entwurfe ge- 

Satz der Stoiker Unsinn. halten, und erst spater ausgearbei- 

monstra dicere,?iarrai'e u.dgl.: tet; nur ausnahnisweise abgelesen 

etwas Unerhbrtes, Unglaubliches, (s. p. Planc. 30, 74). 

Albernes sagen; mehrmals in Ci- Ecquis — vincite '. Anfang eines 

ceros Briefen. Vgl. auch de nat. D. troch. Verses aus A%va Atreus des 

\. 11,28 multaque eius monstra L. Accius (s. zu I. 2S,6S) : ,,Ahndet 

{sc. sunt). denn dies Nieiuand ? Bindet ihn!" 

Nunc autem. s. zu III. 1, 2. Object zu egisse und scripsisse. 

morosos, nach Cicero also eigtl. : egisse — Aesopum. Agere ist der 

,,von eigenem Charakter", daber term. techn. von der Darstellung 

,,eigensinnig, launisch". Sen.de des Schauspielers. Ueber Aesopus, 

ira l. -i: inter /los (iracundos)mo- der wahrscheinlich die Titelrolle 

rosutn ponas licet, delicatum ira- hatte, s. II. 17, 39. 

cundiae genus. si. modo est orator, pragnant : 

25. 55. Oiatorem etc, in Be- ,,ein Redner ira vollen Sinne des 

ziehung auf 19, 43. Zu simulare Wortes'". Vgl. II. 22, 52 viro. 

suppl. irasci. Libidinem etc. biszumEnde des 

rebus transacfis. Vgl. Cat. M. Cap., in Bezug auf 19, 44 u. 20, 45. 

11, 38: caussarum itlustriutn, M\t demWorispiel libidinem — libi- 

quascunque defendi, tiuTic citm- rf«'rt«vgl.I. 40,95 /et'iw« — levitati. 

maxinie conjtcio orationes. Die vos studia libidinem vocatis ? 

Cic. Tuscul. 13 



194 LIBER IV. 26, 5f.. 57. 

vel oplimariiin reruni, ut ca sunl, quae profortis, scdala tamen 
el tranquilla esse dcbcnt. lam aegritudincm laudarc, unam rem 
maxime delestabilem , quorum est tandem philosophorum? At 
commode dixit Afranius : 

Dinit viodo (loleat dliqiiid, dolcnl fjuidliihrt. 
Dixit enim de adolescentc perdito ac dissoluto ; nos autcm dc 
coustanti viro ac sapienti quacrimus. Et quidem ipsam illam 
iram centurio habeat aut signifcr vel cetcri, de quibus dici non 
necesse est, ne rhetorum aperiamus mystcria. l lile est enim, 
uti raotu animi, qui uli ratione non potest; nos autem, ut tesli- 
ficor sacpe, de sapiente quaerimus. 
26 Al ctiam aemulari utile cst, obtrectare, misereri. — Cur 

56 misereare potius , quam feras opem , si id facere possis ? an 
sine misericordia liberales esse non possumus? non enim sus- 
cipere ipsi aegritudines propter alios debcmus, sed alios , si 
possumus , levare aegritudine. Oblrcctare vero alleri aut illa 
viliosa aemulatione, quae rivalitali similis est , aemulari quid 
liabct ulililatis? quum sit aemulantis angi alieno bono , quod 
ipse non habeat; obtrectantis aulem , angi alieno bono, quod 
id etiam alius habeat. Qui id approbari possit, acgriludinem 
suscipere pro experientia, si quid habere velis? nara solum ha- 

57 bere velle surama demenlia est. Mediocritates autem malorum 
quis laudare recte possit? Quis enim polest, in quo libido cu- 
piditasve sit, non libidinosus et cupidus csse? in quo ira, non 
iracundus? in quo angor, non anxius? in quo timor, non timi- 
dus? Libidinosum igitur et iracuudum ct anxium et limidum 
censemus esse sapienlem? De cuius excellentia multa quidem 

Sinn : Ihr verwecbselt die Begriirc gemcinen Soldaten der Zorn die 

Lust und Strejjen. Stelle der wahrenTapferkeit, deren 

Mn«w, bloss zurVerstiirkung des er nicht fahig ist, verlreten ; aber 

Superl. hinzugesetzt. dcm Weisen gczienien dicse Lei- 

y^f„Aber — werdet ihrsagen— ". denschaftcn nieht. 

Ajraniitii, s. 20, 4o. rhvtorum — mysteria. die fei- 

nos — de coiisfatiti viro—quae- „p,.eu Kiinste, woniit sie die Lei- 

rimus: ,,unsere Untersuchungaber .lenschaftcn aufzurcgcn und zu be- 

bezieht sich auf den selbststiindigen nutzen lehren. 

VVeisen". Dcr Ausdruck ist der aa -o i ■ 1 1 ^ 

Gerichtssprache entlehnt. Vgl. 27, ^b- o6. aemitlari, obttectare, 

58 u. 59. miseren, s. 20, 46. 

ipsaiii illdm iram ctc. Sinn : l^ro experieiitia „stalt sclbst 

Wie bci eineni liederlichen jungen einen Versuch zu macheu". 

Manne, in dcm dic Vernunft nicht 57. Mediocritates iiialorum „ge- 

die Obcrhand hat, Bekiinimerniss zu miissigte Uebel". Vgl. 20,46: in 

seiner Bcsserung wiinsclienswerth omnibusfcre rebus mediocritatem 

sein mag, so mag imKriege bei dem esse optimam. 



LIBER IV. 27, 58. 



195 



dici quamvis fuse lateque possunt ; sed brevissime illo modo, 
sapientiam esse rerum divinarum et humanarum scientiam co- 
gnitionemque , quae cuiusque rei caussa sit. Ex quo efficitur, 
ut di\nna imitetur, humana omnia inferiora virlute ducat. In 
hanc tu igitur, tamquam in mare , quod est ventis subiectum, 
perturbationem cadere tibi dixisti videri? Quid est, quod tan- 
tam gravitatem constantianwjue perturbet? an improvisum ali- 
quid aut repentinum? quid potest accidere tale ei, cui nihil, 
quod hoiniui evenire possit, praemeditatum non sit? Nam quod 
aiunt, nimia resecari oportere, naturalia relinqui — quid tandem 
potest esse naturale, quod idem nimium esse possit? Sunt enim 
omnia ista ex errorum orta radicibus, quae eveiienda et extra- 
henda penitus, non circumcidenda nec amputanda sunt. 

Sed quoniam suspicor, te non tam de sapiente quam de te27 
ipso quaerere (iiium enim putas omni perturbatione liberum 58 
esse, te vis^ : videamus, quanta sint, quae a philosophia reme- 
dia morbis animorum adhibeantur. Est enim quaedam medicina 
certe , nec tam fuit hominum generi infensa atque inimica na- 
tura, ut corporibus tot res salutares, animis nullam invenerit, 



7MaffiD/*/i/*e,nichtconcessiv(da- 
lier auch der Indic. po.sniint'), soa- 
dern wie I. 21, 47 qiiamvis copiose. 

snpientiam esse etc. Diesilbe 
Erklarung s. V. .3, 7. 

praemedifatiim non sit. Diese 
Worte steheu in den Hdschr. nicht, 
werden aber durch den Sirn noth- 
wendig gefordert. (Mau iat zwar 
neuerdings ohne diesellen diese 
Stelle durch dieVerschie«enheit der 
Bedeutung von accidit [= ex im- 
proviso et praeter spim Jit] und 
evenit [= ex reram nntiira et ciim 
necessitate quadam provenit] er- 
klaren woilen ; alleii wie kann ac- 
cidere einen directen Gegensatz zu 
evenire bilden? ued wie kann es, 
wenn tale, d. i. improvisiim aliquid 
aut repentimim, d a n e b e n steht, 
jene Bedeutung iiaben?) Wir haben 
praem. non sit fiir die Vulg. non 
praem. sit geschrieben , Aveil es 
sich so leichter erklart, wie diese 
Worte ausfallen konnten. Des Ab- 
schreibers Auge glitt von possit zu 
ni) sit hiniiber. 



quod aiunt, s. 20, 46. 

naturale, quod ideni nimium 
etc. Diese Bemerkung trifft nicht; 
denn wenn ein Theil einer Sache 
naturale, ein andrer aber nimium 
ist, so ist nicht idem naturale 
und nimium. 

ex errorum radicibus, wie 15, 
34 a virtutis fonte. 

27. 58. Mit diesem Cap. geht 
Cic. zur Darstellung der gegen 
die Leidenschaften anzuwendenden 
Mittel iiber (bis Cap. 37 einschJ.). 
Zuerst spricht er bis Cap. 29 iiber 
diese Aufgabe im Allgemeinen (von 
da an in Bezug auf die einzelnen 
Leidenschaften). 

quanta sint , quae — remedia 
— adhibeantur. Vgl. de orat. II. 
30, 132: illa quaerenda, quae ar- 
gumenta debent afferri. Zumpt 
§814. 

ut invenerit : ,,dass sie erfunden 
haben sollte (erfunden hjitte)". Der 
Conj.Plusq. wiire in soIchenSiitzen 
ganz unlateinisch. 

13* 



196 LIBER IV. 27, 59. 2S, 60. 

(le qiiibus lioc eliam est nierila uielius , quod corporuin adiu- 
menla adhibenlur extrinsecus , animoruni salus indusa iu his 
ipsis est. Sed quo raaior est in eis praestantia et divinior, eo 
maiore indigent diligentia. Ilaquc bene adliibita ratio cernil, 
59 quid optinuim sil; neglecta niultis implicatur erroribus. Ad 
te igitur mihi iam convertenda omnis oratio est. Simulas enim 
quaerere te de sapiente; quaeris aulem fortasse de te. 

Earum igitur perturbajionum , quas exposui , variae sunt 
curationes. Nam neque omnis aegriludo una ratione sedatur: 
alia est enim lugenti , alia miserauti aut invidenti adhibenda 
medicina. Est etiam in omnibus qualluor perlurbalionibus illa 
distinctio : utrum ad universam perturbalionem , quae est ad- 
spernalio ralionis aut appetitus vebemeiilior, an ad singulas, 
ut ad metuni , libidinem , reliquas , melius adliibeatur oralio, 
et utrum illudne non videatur aegre ferundum, ex quo suscepta 
sit aegritudo, an oranium rerum tollenda omnino aegritudo ; ut, 
si quis aegre ferat, se pauperem esse , idne disputes , pauper- 
tatem malum non esse, an liominem aegre ferre nihil oporlere. 
JVimirum hoc raelius, ne, si forle de pauperlale non persuase- 
ris , sit aegritudini concedenduiu ; aegriludine aulem sublata 
propriis rationibus, quibus hcri usi suiuus, quodam modo etiam 
paupertatis malum tollitur. 
28 Sed omnis eiusmodi perturbatio animi placatione abluatur 

00 illa quidem, quum doceas , ncc bononi illud esse . ex quo lae- 
tilia aut libido oriatur, necmalum, ex quo aut metus aut aegri- 
tudo. Veruntamen haec est certa et piopria sanalio, si doceas, 
ipsas perturbationes per se esse viliosas nec habere quicquam 

59. neqiic omyiis aegrihido etc. adhibindc. cnralio csf) ciiratio, 

J^eqiie ist hier |iiiitic. peiKions (wie was aucli zwei codd. darbieten : 

III. 3, 5 et vor uiorbi) . Es sollte allein dic cf.i atio gescliielil ja eben 

folgen : et in oinnibus qiiattiior durcli die o-.-a/io, und oralionem 

pertiirbalionibi/s illa dislinclio adliibere koiinit auch sonst vor, 

est. So de fin. II. 22, 71 u. 72: z. B. 29,1)2 eaJem sit omnihiis ad- 

Nam vec vir boniis ac iustus ha- hibenda oratio 

beri debet, qui, ne maluin hnhenl, iilrum iHudne, s. Zunipt § 352 

abstinet se ab iniiiria; ^rA\.Kr M'^1 pgj. E. Ebenso tben 4, 9 : Vtrutn 

dann : Quae dici eadem de cc- igifur mavis stc.timne nos vela 

tcris virtutibus possunt. Jarere an paullulum remigarei' 

inisernnli. Fef^lii^: M iseratu r heri, d. Ii. iin 3 Buche. 

is, qiii conquerilur aliena inroni- 28. <>(). «^///«///r, Conj. concess., 

moda; miseretur is, qiii mi- deni nachher / e/v/w/u/Hcn etc. ge- 

seruni sublevat. gentiberstelit. .•/^/(/e7'e, wenij^er als 

adhibcnliir orntio. Bentley con- tol/erc, bezeichnet ni>r die ober- 

jicirte (in Riicksicht auf^ 71 haec tliichlicbe Beseitigung einer Sache. 



LIBERIV. 28, 61. 29, 62. 197 

aut naturale aut uecessariuni ; ut ipsam aegriludinem leniri vi- 
demus , quuni obiicimus maerentibus imbecillitatem animi effe- 
niinati, quumque eorum gravitalem constantiamque laudamus, 
qui non turbulente humana patiantur. Quod quidem solet eis 
etiam accidere, qui illa niala esse censent, ferenda lamen aequo 
animo arbilrantur. Putat aliquis, esse voluptatem bonum, aiius 
autem, pecuniam : tamen et ille ab intemperantia et hic ab ava- 
ritia avocari polest. lila autem altera ratio et oratio, quae. 
simul et opinionem falsam toliit et aegritudinem detrahit, est 
ea quidem utilior, sed raro proficit neque est ad vulgus adhi- 
benda. Quaedam autem sunt aegritudines, quas levare illa me- 61 
dicina nullo modo possit; ut, si quis aegre ferat, nihil in se 
esse virtutis, nihil animi, nihil officii, nihil honestatis, propter 
mala is quidem angatur, sed alia quaedam sit ad eum admovenda 
curatio et talis quidem, quae possit esse omnium , etiam de 
ceteris rebus discrepaulium, philosophorum. Inter onines enim 
convenire oportet, commotiones animorum a recta ratione aver- 
sas esse vitiosas , ut , etiam si et mala sint illa , quae metum 
aegritudinemve, et bona, quae cupiditatem laetitiamve moveant, 
tamen sit vitiosa ipsa commotio. Conslanlem enim quendam 
volumus , sedatum , gravem , humana omnia spernentem illum 
esse, quem magnanimum et fortem virum dicimus. Talis autem 
nec maerens nec timens nec cupiens qec gesliens esse quis- 
quam potest. Eorum enim haec sunt, qui eventus humanos 
superiores quam suos animos esse ducunt. 

Quare omnium philosophorum, ut ante dixi, una ratio est29 

«0« ti/rbii/enfe = nofi pertur- EmeDdation. Es haben namlich alle 

bati. Mscr., bis auf eins, necmala — nec 

Illa — alteraratio: die erstere bona, durchaus gegen den Sinn der 

— dass man namlich zeigt, dass Steile. (Man beachte auch dea vor- 

derGrund, aus dem die Bek.iimmer- angegangenen Ausdruck omnium 

niss kommt, kein Uebel sei. Vgl. phi/osop/iorum !} Die Verderbniss 

III, 32, 77. 7S. — Wegen ratio et muss also, wie so manche andere 

oratio s. zu IV. 17, 3S. in denTuscul., schon in der Ur- 

iiti/ior, d. h. iibt eine grbssere handschriftvorhandengewesensein. 
Wirkung auf diejenigen aus, bei Constantem — quendam,\\\e\{. 

denen sie sich anwenden lasst. 4, 11 exceisum quendam. 
(Bentley vermuthet : SMZ'////or.) spernentem (nach Bentley und 

raro projicit ,,sie schlagt selten Tregder). Die Hdschr. haben pre- 

an". So projicere auch von wirk- /He«fe/«, welches in dergutenProsa 

lichen Arzneimitteln. sich nie in diesem Sinne gebraucht 

61. officii ,, Pflichtgefuhl"; vgl. findet und hier wahrsch. nur durch 

II. 20, 46 zu gloria. Verschreiben aus spernentem ent- 

et ma/a — et bona, Lambin's standen ist. Vgl. II. 4, 11 humana 

auch von Tregder aufgenommene despicientem. 



198 LIBER IV. 29,62. 63. 

62 raedendi, iit niliil, quale sit illud, quod perlurbel animuni , sed 
de ipsa sit perlurbatione dicendum. Itaque primum in ipsa cu- 
piditatft, quum id solum agilur, ut ea tollatur. non est quae- 
rendum, bonum illud necnesit, quod libidinem moveat, sed 
libido ipsa tollenda esl, ul, sive, quod honeslum est, id sit 
summum bonum , sive voluptas , sive horum utrumque cou- 
iunctum , sive tria illa genera bonorum , tamen , etiam si vir- 
lulis ipsius vehementior appetitus sit, eadera sit omuibus ad 
deterrendum adhibenda oratio. Conlinet autem omnem sedatio- 
nem animi humana in conspeclu posila nalura , quae quo faci- 
lins expressa cernatur, cxplicanda est oratione communis con- 

63 dicio lexque vitae. Ifaque non sine caussa , quum Orestem 
fabulam doceret Euripides , primos tris versus revocasse dici- 
tur Socrates : 

Ncque tam terribilh ulla Jando oratio est 
Nec surs iiec ira coelitum invcctuvi 7/ialum, 
Quod non natura humana fatiendo cjferat. 

Est autem utilis ad persuadendum, ea , quae acciderint, ferri 
et posse et oporfere, enumerafio eornm, qui tulerunf. Etsi 
aegritudinis sedatio et hesferna disputatione explicata est 
et in Consolationis libro, quem iii medio (non enim sapientes 
eramus^ maerore el dolore conscripsimus ; quodque vetat Chry- 
sippus , ad recentes quasi tumores animi remedium adhibere, 

29- 62. tria illa ^enera bono- tragen", atso = perferre, nur in 

ritm : die Giiter des Geistes, die der vorlilassisclien Poesie. 

des Korpers und die aussereu. oder ^tsi, hier als partio. correct. an 

Glucksguter; s. V. 30, S5. den vorigenSatz sich anschliessend. 

ad deterrendunt^n'i\m\.\on A^m^ wie V. 13, 3*5; 19, 55; 20, 5S. 

was das Gemiith leidenschaftlich Gewiihnlicher in diesem Sinne ist 

erregt. quamqiiarn. 

adhibenda oratio, s. zn 27, 59. in Consolatiunis libro, s. zu I. 

63. primos tris versns. Eurip. 26, .65. 

Orest. 1 — 3 : ^ Chrysippits. Ueber s. Ansicht 

Ovx eariv ovSkv 6(ivov ti}^ i-intiv daruber und iiber den Ausdruck 

iTiog tiiniores aniini s. III. 31,76. Plin. 

ov^f naO^os oviit §v/u(f'0t)« d^iij- ep. V. 16: lit criidinn adhtic viil- 

XuTog, ' nits tnedentiinn vianiis refonni- 

7]g ovx KV uooiT n/&og (IvSQoinov dat, deinde patilur alque ultro 

tfvaiq. requirit^ sic recens animi dolor 

rworff«.?e: ,,dacapo verlangt ha- cunsolationes reiicit ac refu^it, 

ben". (Gewtihnlich ist der Schau- ^ox desiderat et clementer ad- 

spieler Objecl; so p. Arch. S, 18.) "'o^'*' acquiescil. 

efferat ,,anslragen = zu Ende quasi tumores anivii. \\\r sa- 



LIBER IV. 30, 64. 31, 65. 199 

id nos fecimus, naturaeque vini altulimus, ut magnitudini niedi- 
cinae doloris magniludo concederet. 

Sed aegritudini, de qua salis est disputatum, finitimus estSO 
metus, de quo pauca dicenda sunt. Est enim metus, ut aegri- 64 
tudo praesentis, sic ille futuri mali. Itaque nonnulli aegritudi- 
nis partem quandam metum esse dicebant; alii autem metum 
praemolestiam appellabant, quod esset quasi dux consequentis 
molestiae. Quibus igilur rationibus instantia feruntur, eisdem 
contemnuntur sequentia. Nam videndum est in utrisque , ne 
quid huniile, summissum , molle , efFeminatum , fractum ab- 
iectumque faciamus. Sed quamquam de ipsius nietus inconslan- 
tia, imbecillitale, levitate dicendum est, tamen muitum prodest, 
ea, quae metuuntur, ipsa contemnere. Itaque, sive casu acci- 
dit sive consilio , percommode factum est, quod eis de rebus, 
quae raaxime metuunlur, de morle et de dolore , primo et 
proximo die disputatum est. Quae si probata sunt, metu magna 
ex parte liberali sumus. 

Ac de maloruin opinione hactenus. Videamus nunc de bo- 31 
norum, id est de laetitia et de cupiditate. Mihi quidem 65 
in tola ratione ea, quae pertinet ad animi perturbationem, una 
res videtur caussam continere, omnes eas esse in nostra 
potestate, omnes iudicio susceptas, omnes voluntarias. Hic igi- 
tur error est eripiendus , haec detrahenda opinio atque, ut in 
malis opinatis tolerabilia, sic in bonis sedatiora sunt efficienda 
ea, quae magna et laetabilia ducuntur. Atque hoc quidem com- 

gen : ,,Wunden der Seele''. Vgt. omnes eas. Sotche Uebergange vom 

Nijgetsbacli S. 393. Sing. (dem Genus) zum Ptur. (den 

cojicederet = cederet, wie in Cr- Species) Itommen auch sonst vor. 

ceros belcanntemVerse: Cedant ar- Acad. I. 10, 38: quvn^que pertur- 

ma togae, concedat laurea laudi; hationern animi — non tollerent 

doch auch in Prosa nicht selten. — quumque eas perturbaiiones 

30- 64. Est enim — mali, s. — naturales esse dieerent; und 

Illi 11, 25. Wegen ille bei sie s. zu umgelcehrt, unten V. 15, 43 : quum 

IV. 14, 32. perturbatione s animi miseriam 

praemolestiam , itna'^ f.eyo/ue- e^ciant dupleicque i'atio pertu?'- 

yoj/.- ,,Vorbetriibniss". bationis sit. Vgl. It. 23,54 zu 

dux ,,Vorlauferin". corporibus — animus. 

instantia, wie oben 6, 11. caussam continere, s. 111.24,58 

fractum abiectumque: ,,wobei zm quod rem continet. 

man sich Icraftlos "wegwirft". Hic — error, dass sie nicht in 

primo et proximo die, im 1. u. unserer Gevvalt standjen. 

2. Buche. tolerabitia, sc. ea quae gravia ef 

31. 65. de malorum opinione, tristia ducuntur. 

wie 1. 13, 30 deorum opinio. ducuntur, Wolfs Conjectur fiir 

ad animi perturbationem — dicuntur, die auch durch den Ge- 



200 



LIBER IV. 31, 66. 



mune malorum et bonorum, ul , sl iam dilficile sit persuaderc, 
niliil earum rcrum, (luac perlurbent animum , aut in bonis aut 
in malis esse habendum, tamen alia ad alium motum curatio 
sit adhibenda, aiiaquc ratione malevolus, alia amator, aiia rur- 
sus anxius, alia timidus corrij^cndus. 
66 Atquc erat facile, sequenlem eam rationem, quae maxime 

probalur de bonis et malis, ncf^are umquam laetitia ailici posse 
insipientem, quod nihil umquam haberet boni. Sed loquimur 
nunc more communi. Sint sane ista bona , quae putantur, ho- 
nores , divitiae , voluptatcs, cetera ; tamen in eis ipsis potiun- 
dis exsultans geslicnsque laetitia turpis est, ut, si ridere con- 
cessum sit, vituperetur tamen cachinnatio. Eodem enim vitio 
est effusio animi in laetitia, quo iii dolore coutraclio, cadem- 
que levitate cupiditas est in appetendo, qua laclilia in fruendo, 
et ut nimis afllicti moleslia , sic nimis clati laclitia iurc iudi- 
cantur leves. Et quum invidere acgritudinis sit , malis aulcm 
alienis voluptatem capere laetitiae : ulrumque immanilate ct 
feritate quadam proponenda castigari solet. Alque ut providere 
decet, timere non decet; sic gaudere decet, laetari non decel, 
quouiam docendi caussa a gaudio laetitiam dislinguimus. 



gens.itz in malis opinatis empfob- 
len wird. {Dicere, docere, ducere 
sinii in den Hdschr. selir oft ver- 
wechselt, wie z. B. auch 28, 01 a. E. 
die meisten unpassend dicitnt, fur 
ducunt, haben.) 

si iam, ganz unser „\venn schon" 
== ,,%vep.n auch " ; ebenso 35, 75: 
si iam ijjsa illa accusare nolis. 

66. Atque erat facile, s. Zumpt 
§518. 

eam rationem , sc. Stoicorum, 
da diese als das einzige Gut die 
Tugend , als das eiozige Uebel das 
Laster ansahen. 

in eis ipsis potiundis, s. I. 37, 
90 zu tirbem nostram potiri. 

cachinnalio ,,das kindische La- 
chen aus \ollem Halse''. 

eodem vilio est , Abl. t|uaiit. : 
,,cs ist in gjleicbem Grade feliler- 
haft", Tur das gewohnl. in eodem 
vitio est, wegen des folgenden in 
laetitia. 

ejfusio animi ,,die Ausgelassen- 
beit", animi contractio ,,Klein- 



muthigiveil'", wie 6, 11 animos de- 
mittunt et contraliunt. Lael. 13, 
4S : u( et bonis aniici {animi^ 
quusi dijfundantur et incommodis 
contrahantur. 

iudicantur leves, vgl. 22, 50. So 
de olf. I. 26, 90: Lt advei'sas res, 
sic secundas immoderate Jerre le- 
vitatis est. 

im7nanilate~proponenda„(\uvcb 
\ orlialtung der darin liegenden l n- 
menschliihkeit und Ilohheit^'. 

///•oc/c/crc .,vorsichtig sein". Xo- 
nius (s. V. laelari) und s;immtl. 
Hdschr. baben dafiir confidere, mit 
dem Sinne der Slelle ganz unver- 
einbar, der ein inilderndes Synonym 
von timcrc verlangt. Wir hahen 
Tregders Verbesserung der von Da- 
visius, cavcre, vorgezogen (obwoh! 
letztcre durch 0, 13 niehr empfoh- 
len wird), weil conjidere weit 
leichter aus providcre als aus ca- 
vere entstehen konnte (wie auch \\\. 
25, ()(( cohibvt fiir prohibet sich 
eiugeschlichen hat). 



LIBER IV. 31, 67. 32, 68, 



201 



IUud iani siipra diximus , coiitractionem animi recte fieri 67 
numquam posse, elationem posse. Aliter enim Naevianus ille 
gaudet Hector: 

Laetus sum lauddri me abs te, pdter, a laudatb viro^ 
aliler ille apud Trabeam : 

hena delenita argento nutum obsei^vabit vieum, 

Quid velim , quid stiideam. Adveniens digito impellam 

idnuam : 
Fores patebunt. De improviso Chrysis ubi ?ne adspexerit, 
Alacris obvidm mihi veniet , cbmplexum exoptdns meum^ 
Mihi se dedet. 
Quam haec pulchra putet, ipse iam dicet: 

Fortunam ipsam anteibo fortunis meis. 
Haec laetitia quani turpis sit , satis est diligenter atten- 32 
dentem penitus videre. Et ul turpes sunt, qui efferunt se lae- 68 
titia tum , quum fruuntur Veneriis voluptatibus : sic flagitiosi, 
qui eas inflauimato animo concupiscunt. Totus vero iste, qui 
vulgo appeilatur amor (nec hercule invenio , quo nomine alio 
possit appellari) , tantae levitatis est, ut nihil videam , quod 
putem conferendum. Queni Caecilius 



67. supra diximus , s. 6, 14, 
wo es hiess, dass eia gegenwartiges 
Uebel den Weisen durcliaus nicht 
afficiren konne, (dass es daher 
keine der aegritudo parallele con- 
stantia gehe,) wogegen bei einein 
gegenwart. Gute demWeisen zwar 
nicht laetitia , aber gaudiiim ge- 
stattet ist (s. § 13). 

Naevianus Heetor. Die Trago- 
die des INavius hiess Hector pro- 
fic.iscens. 

Laetus etc, auch ad fani. XV. 
6, 1 cilirt, 

apud Trabeam. Q. Trabea, Ko- 
miker, gehort der Zeit nach zwi- 
schen Plautus und Terenz. 

Fores, einsylbig zu lesen ; s. I. 
44, 105 zu enim. 

Fortunam etc. , mit Mihi etc. 
ein Vers (was auch in iam j,so- 
gleich" angedeutet isl). Mit dem 
Wortspiel Fortunam — fortunis 



vgl. Plaut. Most. II. 1, 4: nec Sa- 
lus nobis saluti iam esse potest. 

32- 68. sntis est — videre, Ver- 
kiirzung fiir: ut penitus iiideamus, 
satis est diligenter attendere. 

sicjlagitiosi: ,,so bedecken sich 
dle mitSchande — ". Der Ausdruck 
Jlagitiosus und nachher Jlagitium 
ist hier um so mehr an der Stelle, 
weil Jlagitium (mit Jlagrare ver- 
wandt) eigentl. eine in der Hitze 
begangene und daher den Thater 
entehrende That bezeichnet. 

vero, wie I. 41^ 98. 

quo nomine alio. Die Griechen 
haben zwei Worter : ^qiiv und 'iQwg 
von sinnlicher, ifiXtlv und (fiXla 
von geistiger Liebe. 

Caecilius , s. zu III. 23, 56. 
Quem ist mit dem folgenden Rela- 
tivsatze, Caecilius mit existimat 
zu verbinden. In Cacilius Stiicke 
hiess es unzweifelhaft existimo. 



202 



LIBER IV. 32, 69. 33, 70. 



— deum qui non summum putct, 
Aut stiillum aut reruvi esse iynperilum existimat : 
Cui in manu sil^ quem esse demenlem re/il, 
Quem siipere^ quem insanire, quem in morbuui iniici, 
Quem contra nmari, qucm expeti, quew arcessier. 

69 praeclarain emendatricem vilae, poelicam! quae amorem, 
flagitii et levitatis auctorem , in coucilio deoruni collocandum 
putet. De comoedia loquor, quae, si haec flagitia non proba- 
remus, nulla esset omnino. Quid ait ex tragoedia princeps ille 
Argonaularum ? 

Tif me amoris mdgis, quam hotioris servavisli grdlia. 
Quid ergo? liic amor Medeae quanta miseriarum excifavil in- 
cendia ! Alquc ea tamen apud aJium poelam patri dicere audet, 
se coniugem habuisse 

'lllum, Amor quein dederat, qui plus pollct potiorque 

est patre. 
33 Sed poetas ludere sinanms , quorum fabulis in hoc flagilio 

70 versari ipsum videmus loveni. Ad magistros virtutis, philoso- 
phos , veniamus , qui amorem negant slupri esse el in eo lili- 
ganl cum Epicuro, non multum, ut opinio mea fert, meutiente. 



detiin qui etc. In Eurip. ,,Auge" 
hiesses(nacl)Stob.Serni.Gl . p.3S7): 
'Eocotcc «)" oGtis f^i] 'ithv xi)ivti 

/ut'yc(V 
y.al Tiov kjTkVTIOV bciifAOViov vnin- 

TKTOV, 

>] (Jxcdog lariv, r] y.c<).(ov uTiitQog 

cov 
ovx olSf Tov (liyiaTov cwihQconoig 

^itov. 
Ihn ahnile Meiiandei" iiach, dessen 
Sliiclc (die ^LvvccQiaTcoaai) Slatius 
Cacilius Uberselzte. 

Ciii in manu sit, erganze cum 
dcmentem facere. 

arcessier, sc. a puella. 

69. praeclaraui eniendatricciu 
etc, wie 1.21,49 u. oller. Zuni In- 
halt vgl. II. 11. 27 und 111. 2, 3. 

nulla esset ovinino, Dies gilt 
nur von der neuern griech. (nicht 
von der arislo|)haiiischen) und von 
der rliniischen Koniiidic, die aus- 
schliesslich Licheshandel zum Ge- 
genstande hatten. 

Tu me etc. aus Ennius ,,Medea 



exul", nach Eurip.Medea,wo v. .530 
lason zu Mf dea sagl : 

^EQCog a ijvccyxcxat 
TTovo)V ttCfvxTcor Tovuov ^xacijaai 
<)fiic(g. 

quanta miseriarum excitavit 
incendia =- cjuan/as miserias ex- 
citavit. (Derselbe metaph. Aus- 
druck in anderer Anwendung p. 
Mur. 25, .51: si quod esset in suas 
Jorfuuas incendiinn excilatum.) 

apud aliuni poi'lam, dem Attius, 
und zwar, nach Ribbecks Vermu- 
Ihung, in dessen ,.Medea". 

qiii plus pullef etc. bezieht sicb 
auf Inior. 

33- 70. amnreui iiegant stupri 
esse. Die Sloiker sagten (nach Diog. 
L.VIi. 130): tQMTa uij tivai avv- 
ovaiccg , af.Xa ifillag. 

non multuni — nientiente: ,,der 
hierin so zirnilicli dicWahrheit sagt 
(das Richlige triin)". Epicur fand 
niinil. dieLiebe nur im eigentl. Lie- 
besgenusse und deliniKe sie daher 
als avvTorog oQt^ig acfQo^iaicov. 



LIBERIV. 33, 71. 34. 



203 



Quis est enim iste amor amicitiae?. cur neque deformem ado^ 
lescentem quisquam amat neqiie formosum senem? Mihi quidem 
haec in Graecorum gymnasiis nata consueludo videtur , in qui- 
bus isti liberi et concessi sunt amores. Bene ergo Ennius: 

Flagiti jirincipium est nudare inter cives corpora. 
Qui ut sint, qaod fieri posse video , j)udici : solliciti tamen et 
anxii sunt , eoque magis , quod se ipsi continent et coercent. 
Atque , ut muliebres amores omitlam , quibus maiorem licen- 71 
tiam natura coucessit, quis aut de Ganymedi raptu dubilat, (juid 
poetae velint? aut non intelligit, quid apud Euripidem et loqua- 
tur et cupiat Laius? quid denique homines doctissimi et summi 
poetae de se ipsis et carminibus edant et canlibus? Fortis vir 
in sua republica cognitus, quae de iuvenum aniore scribit Al,- 
caeus! nam Anacreontis quidem tota poesis est anialoria. Ma- 
xime vero omnium flagrasse amore Rheginum Ibycum, apparet 
ex scriplis. 

Atque horum omnium libidinosos esse amores videmus. 34 
Philosophi sumus exorti (et auctore quidem nostro Platone, 



amor amicitiae, "k^objg (ftUctg. 

in Graecorum gymnasiis. Cic. 
de rep. l^ . 5, 10 : opprobrio Juisse 
adoleseentibus , ^ amatores non 
/iabere7it; Nep. praef. 4: Laudi 
in Graecia ducitur adolescentibus 
quam plurimos liabere amatores. 
Plat. Symp. 6 u. 7. 

Ennius. In welcbem Stiicke, ist 
uobekaiint. 

Flagiti etc. Die Rbmer waren 
iu Hinsicht auf den Anstand weit 
strgnger als die Griechen. Vgl. de 
off. J. 35, 139: Nostro qiiidem 
more cum parentibus puberesjilii, 
cum generis soceri non lavanlur. 

se ipsi, im Gegensatz zu leges 
publicae. 

71. muliebres amores, hier fiir 
den Gen. object. , wie Liv. I. 57 
extr. muliebre certamen = de mu- 
lieribus. 

Gamjmedi, wie I. 41, 9S Vlixi; 
s. Zurapt § 61, 1. Zum Inbait v^l. 
I. 26, 65. 

apud Euripidem , in derverlornen 
Tragbdie „Cbrysippus". Laius niira- 
lich, der Kbnig von Theben, liebte 
Chrysippus, den Sobn des Pelops. 



Alcaeus, der Lyriker von Mity- 
lene, um 600 v. Chr., kampfte gegen 
die Tyrannen seines Vaterlandes. 

nam Anacreontis etc, dieselbe 
Ellipse wie 23, 52 bei nam Aiacem 
quidem etc. Anacreon, derLyriker, 
von Teos in lonien, lebte in Samos 
am Hofe des Polycrales, spiiter in 
Athen bei den Pisistratiden. 

Rlieginvm Ibyrum , um 540 v. 
Chr. , durch Schillers Gedicht all- 
bekannt. Wir haben nur geringe 
Fragmente von ihm , die Schneide- 
win gesaramelt hat. Suid. s. h. v. : 
yiyovtv focoTouuraaruTos neQi tk 
/j.fiQCiy.icc. 

34. Atque, adversativ, wie III. 
2,4. 

Platone. Er nahm (im Sympos. 
u. Phaedr.) zwei Arten der Liebe 
an : neben der gemeinen sinnlichen, 
die er selbst verwarf, eine andere, 
reine und geislige, die von der An- 
schauung schbner Kbi-pergestalten 
ausgehend sich zur Seelenschbnheit 
erhebt. — Dass Dicaarch ihu an- 
griff, wissen wir nur aus dieser 
Stelle. 



204 



LIBER IV. 34, 72. 73. 



quem non iniuria DicaearcKus accusat), qui aniori auctoritatem 

72 tribiieremus. Stoici vero et sapicntem amaturum esse dicunt, 
etamorem ipsum, conatum amiciliae faciendae cx pulchritudinis 
specie, definiunt. Qui si quis est in rerum natura sine sollicitu- 
dine, sine desiderio, sine cura, sine suspirio, sit sane 5 vacat 
enim omni libidine; liaec autem de libidine oratio est. Sin au- 
lem est aliquis amor, ut est certe, qui nihil absit aut non mui- 
tum ab insania, qualis in Leucadia est: 

Siqiudein sit quisqnum deus, 
Cui ego sim cnrao — 

73 At id erat deis omnibus curandum , quem ad modum hic frue- 
retur voluptate amatoria ! 

Heu VI e infeliccm ! 
Nibil verius. Probe et ille : 

Saiiusne es, qiii temere lamentare? 
Hic insanus videtur etiam suis. At quas tragoedias elficit! 

Te , Apollo sancte , fer opem I ieque , omnipotens Ne- 

ptune, invoco ; 
Vosque ddeo, venti! 



72. Stoici — dicunt. Diog. L. 
VII. 129: xftt ^oKa&rjaiaOai (ft 

rOl' ao(fbi' TOH' V^COV if.((fC(lv6l'T(0l' 
8l(( TOV ilSovS TTJV 77|)6j UQeTrjV 

iV(fviKV, Sie gingen aiso von der 
Voraussetzung aus, dass in einem 
schonen jugendlichen liiirper aucii 
die Anlage zur Schiinheit der Seele 
liege ; und meinten , jener miisse 
ia dem N^eisen, der ihn anschaue, 
Liebe , d. h. das Streben nach 
Freundschaft zum Zweckc der \ er- 
edlung, erwecken. Daher Zeno bei 
Athen. XIII. p. 561 : tov 'Eq(ot(c 
S^sbv tlvcu, (fikicig xcd ihvOfntccg, 
iTi St xccl bixovoCas nccnnaxtv- 
uaTixov, ccXkov Sf ovJtrog. 

in rerum natura ,,in der wirk- 
lichen Welt". 

de libidine — esl, s. zu I. 1 1 , 24. 

Sin autcm etc. Der IVachsatz 
fehlt, weil Cic. das angerdhrte Bei- 
spielweitervcrfolgt.DemSitine nach 
folgt er § 74 : Sic igitur alfccto liaec 
adliibenda curatio est etc. 



ut csi certe. Brut. 19, 76: sit 
Ennius sane , ut est certe, per- 
fcctior. Vgl. I. 18, 41 sicuf est. 

in Leucadia, im ,,Madchen vou 
Leucas", einem Lustspiel des Tur- 
pilius nach einem gleichnam. Stiicke 
des Alexis. 

73. .It id erat. At ist ironisch, 
wie sonst scilicet. 

yHiil ccrius. Cicero mcint, dass 
er allerdings ungliicklich sei, aber 
wegen seiner Verriicktheit. 

Probe et ille , s. III. 13, 2S zu 
ct illa. 

Hic. MadvigsEniendation fiir5/>. 

quas tragocdias cj/icit: ,.mit 
welchem tragischen Pallios iiussert 
er sich I" Aehnlich de orat. I. 51, 
2 1 9 : .\equc vcro i-slis tragoediis 
tuis, qiiibus uti philosoplii ma.riinc 
solcnt, perturbor ; ib. II. ."»1, 2il,5: 
tragocdias agere in nugis: p.Mil. 
7, l^: .Ippiaenomcn quantas tra- 
goedias excitat ! 

.Ipollo sancte. A. hiess bei den 
Griechen vorzugs«eise (tyvbg 9(6g. 



LIBER IV. 35. 74. 75. 



205 



Munduni fotum se ad amorem suum sublevandum conversurum 
putat; Venerem unam excludit ut iniquam : 

— Nam quid ego ie apjjellem, f^enus? 
Eam prae libidine negat curare quicquam. Quasi vero ipse non 
propler libidinem tanta flagitia et faciat et dicat. 

Sic igitur afFecto haec adhibenda curalio est, ut et illud, 35 
quod cupiat, ostendatur quam leve, quam contemnendum, quam 74 
nihili sit omnino , quam facile vel aliunde vel alio modo perfici 
vel omnino negligi possit. Abducendus etiam est uonnumquam 
ad aiia studia, sollicitudines, curas, negotia ; loci denique mu- 
tatioue , tamquam aegroti non convaiescentes , saepe curandus 
est. Etiam novo quidam amore veterem amorem , tamquam 75 
clavo clavum, eiiciendum pulant. Maxime autem admonendus, 
quantus sit furor amoris. Omnibus enim ex animi perturbatio- 
nibus est profecto nulla vehementior , ut , si iam ipsa illa ac- 
cusarenolis, stupra dico et corruptelas et adulteria, incesta 
denique, quorum omnium accusabilis est turpitudo, — sed ut 
haec omittas, perturbatio ipsa mentis in amore foeda per se 



excludit vt iniquam ,,als seine 
Feindin"; Auspieluug auf die Sitte, 
welche gestattete, perso7ias iniquas 
bei einem Gerichte zu verwerfen. 

Nam etc. bildete iiiit Fosque etc. 
wahrscheinl. auch einen Tetram. 
iamb. , doch fehlea dazwischen an-, 
derthalb Fiisse. 

Jlagitia — dicat. Derselbe Aus- 
druck: de nat. D. III. 38, 91. 

35. 74. et illud ostendatur. Fast 
siimmtl. Hdschr. habeu ostendat, 
wozu curatio wieder als Subject 
gedacht werden miisste. Dies aber 
wiire an sich schon hart, nach a d- 
hibenda curatio est; noch mehr 
aber wegen des dazwischen getre- 
tenen quod cupiat (so dass Cic. 
dann gewiss mindestens ein ea oder 
dergl. hinzugefiigt hatte). Da nun 
auch mit dem Passivum {abducen- 
dus — est) fortgefahren wird , die 
Endung ur aber auch ia den besten 
Mscr. haufig weggeiasseu ist(wie 
z. B. 15, 35 fast sammtl. Hdschr. 
fert statt fertur habeo) , so ist 
ostendatur vom Herausg. eiuge- 
setzt worden. — Uebrigefls ist der 



Satz auakoluthisch (wie III. 3, 5 et 
morbi)\ denn dem et ostendatur 
entsprechend miisste es uachher 
heissen : et ipse abducatur etc. 

quam nihili sit, s. II. 7, 17 zu 
qnam non. 

ad alia studia. Zum Inhalt vgl. 
Ovid. Rem. am. 143 sq. u. 151 sqq. 

loci mutatio7ie. Ovid. I. 1. 214: 
I procul et longas carpere perge 
vias. 

non convaleseentes : die, aach 
Ueberstehung der eigentl. Krank- 
heit, noch nicht wieder zu Kraften 
kommen kbnnen. 

75. clavo clavvm. So auch im 
Griech. spriichwortlich : /jAw rov 
i]Xov, TtajittXM zhv TTaTTaXov (sc. 
6h i^flavvsiv'). 

ut, si iam. la Folge der Zwi- 
schensiitze {si iatn — turpitudo) 
schiiesst Cicero die Construction 
nachher nicht mehr an ut an (tit — 
perturb. ipsa — per se sit), sondera 
begiunt, derDeutlichkeit wegen,mit 
sed ut etc. dea Satz von IVeuem. — 
Ueber si iam s. zu 31, (J5. 

accusabilis, cin. Xey. 



206 



LIBER IV. 35, 76. 36, 7' 



76 est. Nain ut illa praetereaiu, (juae suut luroris , haec ipsa per 
sese quam habent levitatem, quae videntur esse mediocria: 

iniiiriue, 
Suspiciones, inimicitiae, induciae, 
Bellam, pax ?'ursum. Incerta haec si tu pustules 
Ratione certa facere, nihilo plas ag-as, 
Quani si des operam, at ciim ratione insdnias. 
Haec inconstantia mutabililasque mentis, quem non ipsa pravi- 
tate deterreal? Est etiam illud, quod iu onini pertuibatioue 
dicitur, dcmonstrandum, nullam csse nisi opinabilem, nisi iu- 
dicio susceptam , nisi volunlariam. Elpuiin si naturalis amor 
esset, et amarent omnes et semper amareut ct idem amarent, 
neque alium pudor, alium cogilatio , alium satietas detcrreret. 
36 Ira vero, quac, quam diu perturbat aiiimum, dubitatio- 

77 nem insaniae noii liabet — cuius impulsu c.xsislit ctiam inter 
fratres tale iurgium : 

A. Quis homo te ea:superdL'it usquam gentiuvt iaipudentia? 
M. Quis ilcm malitid te? 
Nosti, quae sequuntur; allernis enim versibus intorquenlur 



76. illa, quae — Aeusseruogen 
(les Wahiisinns, wie die im vorigen 
Cap. angefiihrten. 

iniuriae etc, aus Terenz Eun. 
I. 1, 14 sqq., wo die VVorte vorher- 
gehen : 

In amore haec oinnia tnsunt vitin : 
Mit demluhaltvg;!. die schtineStelle 
bei Horaz : Senn. H. 3, 260 sq. 

Susjjiriones, hier und iifter mit 
verliingerter 2. Sylhe. 

rationc ,, durch verstiindige 
Ueberlcgunp '• ; cuui ratione ,,hei 
(gesundcm) Verslande''. 

Est ctiani illud , mit Tregder, 
nicht Est cnim illud, da jenes der 
Sinn nothwendig erfordert. 

36- 77. Ira vero. VVieder cin 
Anakoluth, da das Priidicat zu ira 
fehlt; doch durch die weitere Bc- 
sprcchung dcs angefiihrtcn Beispiels 
erkliirt. Man hat zwar durcli Slrei- 
chung von quac dcn Satzbau i'egel- 
recht machen wollen; allein ira 
dubitationcni insaniae non hahet 
konnte hier unmiiglich dcr Haupt- 
satz sein, da Ciccro, wie vorher 
vom ainur, jctzt von der ira, die 



eine insania ist . bew cisen w ill, 
dass sie weder etwas Niitzliches 
noch iVaturgenuisses sei. Die Fort- 
setzung dcs unlcrbrochencn Gedan- 
kcns erfolgt also erst mit § 79. 

dubitafionem insaniae non ha- 
bel, mit passivem Sinne ; dubitari 
nun potesl, tjuin insania sit ; wie 
de olf. III. 2, 9: alteruvi potest 
habere dubitationein — alterum 
dubitari non potest; de fiu. V. 12, 
34 : quac corporis sunt, ea cogni- 
lioncm habeiit Jaciliorcm (,,lasst 
sich lcichtcr crkeunen'*). 

Quis hoinu elc. I)a dicse Verse 
nach den neucrn Untcrsuchungen 
nicht .laniben, sondern Trnchiieu, 
aus dcr Iphigcnia dcs Ennius, sind 
(s. Ribbeck p. 34 u. 25.'>), so musste 
man im 2. \'erse die hdscbrfll. Les- 
art Quis uufciu ma/ifia teV emen- 
dircn. l)ie Verbesserung von Flcck- 
eiscn {itcin fiir nufcm) crscheint 
cinfachcr als die von Ribbcck auf- 
gcnomnicne: Quis tcte autcm ma- 
litia f 

intorquentur. Vgl. 111.26,63: 
quae verba contorqiiet! 



LIBER IV. 36, 78. 



207 



inter fratres gravissimae contumeliae, ut facile appareat, Atrei 
filios esse, eius qui medilalur poenam in fratrem novam : 

Maior mihi moles, mdius ?fiisce/tdumst mnlum, 

Qui illius acerbum cor contundam et comprimam. 
Quo igitur haec erumpit moles? Audi Thyestem : 

'Impius hortatur me frater, ut meos malis miser 

Mdndarem natos 

Eorum viscera apponit. Quid est enim , quo non progrediatur 
eodem. ira, quo furor? Itaque iratos proprie dicimus exisse de 
potestate, id est de consilio, de ratione, de mente 5 horum enim 
poteslas in lolum animum esse debet. His aut subtrahendi 
sunt ei , in quos impetum conantur facere , dum se ipsi coUi- 
gant (quid est autem se ipsum colligere , nisi dissipatas animi 
partes rursum in suum locum cogere?) aut rogandi orandique 
sunt , ut , si quam habent ulciscendi vim , differant in tempus 
aliud, dum defervescat ira. Defervescere autem cerle significat 
ardorem animi invita ratione excitalum. Ex quo illud laudatur 
Archytae, qui quum villico factus esset iratior, Quo te modo, 
inquit, accepissem, nisi iratus essem ! 



7S 



Maior etc, aus dem Atreus des 
Accius ; auch de nat. D. III. 26, 68 
und de orat. III. 58, 219 angefuhrt. 
Wegen der nuQi^/ijaig s. I. 35, 85 
zu vi vitam evitari. 

miscendumst malum, nach Ana- 
logie von venenum miscere. Eben- 
so in Cat. IV. 3, 6: 7iova quaedam 
misceri et concitari mala iam- 
pridem videbam. — Uebrigens be- 
achtc inan auch das Zeugma : zumo- 
/e*ist /HOL'e«rfaoderdgl. zu denken. 

Qui , Abl. Fur quo, wie Nep. 
Arist. 3, 2 : ut, qui efferretur, vix 
reliquerit. 

malis mandarem , nicht mande- 
rem, baben die besten Hdschr. hier 
und de orat. III. 58, 217, wo das- 
selbe Citat vorkommt ; ebenso Lucr. 
II. 638: Ne Saturnus eum malis 
mandaret adeptus. Malis man- 
derem ist auch weniger poetiscb. 

quo non — eodem — quo — .• 
,,wobin derZorn nicht eben so weit 
ginge wie der VVahnsinn". Aehn- 
lich oben 4,7: quod feceramus 
idem superioribus diebus. 

exisse de potestate ,,sie seien 



ausser sich gekommen" ; vgl. III. 
5, 11. 

78. Dejervescere: das Auskocben, 
d. b. die Thatsache, dass er aus- 
kocht. 

Archytas, Pythagoreer, Platos 
Zeitgenosse und Freund. Val. Max. 
IV. 1, ext. 1 : Tarentinus Arcliy- 
tas , dum se Pythagorae prae- 
ceptis Metaponti penitiis immer- 
git, magno labore lovgoque tem- 
pore solidum opus doctrinae com- 
plexus, postquam in patriam re- 
vertitur ac rura sua revisere coe- 
pit, animadvertit negligejitia vil- 
lici corrupta et perdita, intuens- 
que male meritum: Sumpsissem, 
inquit, a te supplicium, nisi tibi 
iratus essem ; maluit enim impu- 
nitum dimittere, quam propter 
iram gravius iusto punire. Vgl. 
de republ. I. 38, 59. Andere legen 
den Ausspruch dem Socrates oder 
Plato bei. 

accepissem , wie II. 14, 34; in 
diesem Sinne wohl eigentl. der fa- 
miliaren Sprache angehorig. Daber 
besonders bei den Komikern. 



208 



LIBER IV. 37, 79. «*(). 



37 Lbi suiil ergo isti , qui iracuiidiam ulileni dicunt? (potest 

79 utilis esse insania?) aut naturalem? An (luicquam est secun- 
dum naluram, quod fit repugnante ratione? Quo modo autcm, 
si naturalis esset ira, aut alius alio magis iracundus esset? aut 
linem liaberet prius , quam esset ulla, ulciscendi libido? aut 
quemquam poeniteret, quod fccisset per iram? ut Alexandrum 
rcgeni videmus, qui quum interemisset Clitum, familiarem 
suum, vix a se manus abstinuit; tanla vis fuit poenifendi. Qui- 
bus cognitis, quis est, qui dubilet, quin hic quoque mofus 
animi sit totus opinabilis ac voluntarius? Quis enim dubitarit, 
quin aegrolaliones aninii, qualis est avarilia, gloriae cupiditas, 
ex eo, quod magni aestimetur ea res, ex qua animus aegrotat, 
oriantur? Unde inteiligi debet, perturbationcni quoquc omnem 
SO esse in opinione. Ef si lidenlia , id est firnia animi confisio, 
scientia quaedam est et opinio gravis non tenicre assentientis, 
metus quoque esl dilfidentia exspectafi et impendentis mali; el 
si spes est exspectatio boni, mali exspectationem esse necesse 
est metum. Ut igitur metus, sic reliquae perturbafiones sunl 
in malo. Ergo ut constantia scientiae, sic perturbatio erroris 
est. Qui autem natura dicuntur iracundi auf misericordes aut 
invidi aut tale quid , ei sunt conslituti qiiasi mala valetudine 
animi , sanabiles tamen ; ut Socrates dicilur. Quum multa in 
coQventu vitia collegisset in eum Zopyrus , qui se nalurain 



37. 79. Ubi sunt etc. Wir sagen : 
,,Wo bleiben sie ?" 

qiiutn iiilaremisset Clitum , bei 
eineni Trinkgelage in Maracanda. 
im Winter 329 — 328. Arrian. I\ . 
8; Plut. Al. 50. 51 ; Curt. VIII. 
3 — 6. 

80. Et si Jidentia etc. Um zu 
beweisen, dass aucb dieFurcht (wie 
die iracundia — darauf weist 
hier quoque hin) auf der opinio 
beruhe, schicktCicero dieDelinition 
der Jidentia ais einer opinio gra- 
vis voi-aus, und defiiiirt denigemiiss 
die Furcht als dij/identia, d. h. als 
opinio levis ,,in Bezug auf ein er- 
wartetes Uebel". — Zu Jidentia 
vgl. de invent. II. 51, 163: Fi- 
dentia est, per quam magnis et 
fionestis in 7'ebus mulfuni ipse 
animus in se fiduciae cerfa rum 
spe cullocavif. (Weiter koranit 



dies Wort nichtvor; conjisio nur 
an unserer Stelie.) 

sunt in nialo = sunt in vitio, 
sunf vitiosae. 

constanfia. Ueber diesen Bcgrilf 
bei den Stoikern s. oben 6, 12 — 14. 

cotlegissef in eum. priignant fiir: 
in Sorrafe collecfa in eius oppro- 
briinn rxplicassef. 

Zopyrus. Cicero de fato 5 : So- 
cratem. nonne fegimus, qtiemad- 
modiim nofarit Zopyrus pfiysio- 
gnomon, qui se pri>/ifebafur fio- 
minum mores naturasque e.r cor- 
pore , ociitis , vulfii , Jronte per- 
noscerei" Stupiduui csse Sorratein 
di.vif et barduni — . nddidif etiam, 
muliervsiim. Diescr Zopyrus soll 
urspriiugl. ein thracischer Sklave 
und 71 nidctyioyos des Aicibiades 
gewesen sein ; er ist der iilteste Phy- 
siognomiker, von dein wir wissen. 



LIBER IV. 37, 81. 3S, 82. 



209 



cuiusque ex forma perspicere profilebatur, derisus est a ceteris, 
qui illa iii Socrate vitia non agnoscerent, ab ipso autem Socrate 
sublevatus, quum illa sibi insita, sed ratione a se deiecta diceret. 

Ergo ut oplima quis valetudine affectus potest videri , at Sl 
natura ad aliquem morbum proclivior: sic auimus alius ad alia 
vilia propensior. Qui autem non natura , sed culpa vitiosi esse 
dicuntur , eorum vitia constant e falsis opinionibus rerum bo- 
narura et malarum , ut sit alius ad alios motus perturbationes- 
que proclivior. Inveteratio autem , ut in corporibus , aegrius 
depellitur quam perturbatio , citiusque repentinus oculorum tu- 
mor sanatur, quani diuturna lippitudo depellitur. 

Sed eognita iaui caussa perturbationum , quae omnes 38 
oriuntur ex iudiciis opinionum et voluntatibus , sit iam huius 82 
disputationis modus. Scire autem nos oportet, cognilis, quoad 
possunt ab homine cognosci , bonorum et malorum linibus , ni- 
hil a philosophia posse aut maius aut utilius optari, quam haec, 
quae a nobis hoc quatriduo disputata sunt. Morte enim con- 
terapta et dolore ad patiendum levato , adiunximus sedationem 
aegritudinis , qua nuUum horaini raalura raaius est. Etsi enim 
omnis aniuu perturbatio gravis est nec multura differt ab araen- 
tia, taraen ceteros, quuui sunt in aliqua perlurbatione aut metus 
aut laetitiae aut cupiditatis , commotos modo et perturbatos 
dicere soleraus ; at eos, qui se aegritudini dediderunt, miseros, 



(IVachher schrieb Aristoteles iibei- 
diesen Gegenstand.) 

81. Inveteratio (JtJi. liy.) sc. 
vitii alicuiiis, fiir inveteratum vi- 
tiuin. Vgl. III. o, 11 mediocritas 
officioruni. Die Form des Aus- 
drucks ist bier durch den Gegen- 
satz perturbatio (,.eine voriiber- 
gehende Storung"') veranlasst. 

/j/>jujY;/doist,,Augenleiden"iiber- 
haupt; bei den Rbmern in Folge des 
Climas sehr gewbhnlich. Man merke 
in Bezug auf Krankheiten diutur- 
nus fiir ,, chronisch ", repentinus 
,,acut". 

38. S2. ex iudiciis opiniorum 
et voluntatibus ,,aus Urtheilen, 
welche auf Einbildungen beruhen, 
und aus dem Willen jedes Ein- 
zelnen". 

sit — huius disp. modus. Ueber 
Cic. Tuscul. 



diesen Genitiv s. III. 22, .54 zu ca- 
lamitatis praesentis. 

cognitis — Jinibus, zu welchem 
Zwecke Cicero unmittelbar vor den 
Tusculanen die bekannten 5 Biicher 
geschrieben hatte. 

a philosophia , auf die Frage 
,,woher?" 

ad patiendum ,, so dass er er- 
traglich wird": s. oben zu 17, 37. 

tamen ceteros. Zwischen beiden 
Wbrtern haben fast alleHdschr. ein 
ita, welches man fiir restringlrend 
und auf das folg. quum hinweisend 
(,, insofern. in dem Falle — wenn" ) 
erklart, wi£ ita allerdiugs oft ge- 
braucht wird, welches aber h i e r, 
namentlich neben ceteros, in wel- 
chem schon eine Restriction liegt, 
ganz miissig und nur stbrend ist. 

perturbatione mefus, wie I. 45, 
109 bonis laudis et gloriae. 

14 



210 LIBER IV. 38, 83. 84. LIBERV. 

83 alflictos, aerumnosos, calainitosos. Itaquc non lortuilo factum 
videtur, sed a te ratione proposituni , ut separatim de aegritu- 
dine et de ceteris perturl)ationibus dispularemus ^ in ea est 
enim lons miseriarum et capul. 

Sed et aej;ritudinis et reliquorum animi morborum una sa- 
natio est, omnes opinabiles esse et volunlarios . ca reque sus- 
cipi , quod ita rectum esse videatur. llunc errorem , quasi 
radicem malorum omnium, stirpitus philosophia se extracturam 

84 pollicelur. Demus igitur nos huic excolendos paliamurque nos 
sanari. His enim malis insidentibus , non modo beati , sed ne 
sani quidem esse possumus. Aul igitur negemus quicquam 
ratione contici, quum conlra nihil sine ratione recte Heri pos- 
sit , aut, quum philosophia ex rationum coUatione constet, ab 
ea, si et boni et beati volumus esse, omnia adiumeala el auxi- 
lia petamus bene beateque vivendi. 

83. caput, V. Gewiissern, ist syn- ea reque. Die Anhangung von que 

onym niit fons. So auch in iiber- an re ist dadurch zu erkliiren, dass 

trag. Bcdeutung, z. B. de fin. \. 6, ea re, wie quarc, gleichsain ein 

17: foliiis quaes/iouisjbns u, nnch- Wort ist. Sonst ruulet sich die Ver- 

her in Bezug darauf ab eo qiiasi bindung von que uiit (iem zweilen 

capite, und de orat. I. 10,42 heisst Wortebei Cicero wohl nur nach Prii- 

Socrates fons et caput philoso- positionen (aus dcmselben Grunde), 

phorum. wo sie das Gevvtihnliche ist. 

una sanatio est, ergiinze quum SA. ex rationum coUatione ,,a\is 

docemus oier docere ; s. lll. '3 l,H) Zusammenstellung von Vernunfl- 

zu officium consolantis pufent. satzen". 



LIBER QUINTUS. 

VIRTUTEM AD BEATE YIVENDUM SE IPSA 
ESSE CONTENTAM. 

Uebersicht des Inhalts. 

Dic Einlei tuu}^ geht von der menschhchen Schwache 
aus, die uns im IJngluck an der Wahrheit des Satzes ,,dass 
die Tugend zur Gliickseligkeit sich selbst geniige" oft irre 
werden lasse, und preist die Philosophie als HeHenn auch in 
dieser Beziehung, wobei der Verf. zugleich eiiiige Blicke aul" 
die Geschichte derseiben wirft (Cap. 1—4). 



LIBER V. 1, 1. 211 

Die Dispulation selbst richtet sich zunachst gegen 
die Thesis des A. : ,,dass die Tugend zu einein gliicklicheu 
Leben nicht hinreiche", welche dadurch, dass ohne Freiheit 
von Leidenschaften kein Gliiek mdglich , diese aber nur durch 
die Tugend zu erreichen sei, kurz widerlegt wird. Die Tu- 
gend sei es also sogar allein , die den Menschen gliicklich 
mache (Gap. 5 u. 6). Daran schliesst sich die Darlegung der 
Inconsequenz der Akademiker und Peripaletiker, welche drei 
Arten von Giitern annehmen und doch von derTugend behaup- 
ten , dass sie ailein schon im Stande sei , uns , wenu auch 
nicht zum hochsten Gliicke, doch zum Gliicke zu fiihren (Cap. 
7—12). 

H i er a u f wird der Satz, dass die Tugend gliicklich mache, 
von Neuem aufgenommen und seine Wahrheit durch eine 
Reihe von Beweisen und Beispielen dargethan. Sie fiihre nicht 
nur zum Gliicke, sondern zura vollkommenen Gliicke, selbst 
ih Mitten der grdssten kdrperlichen Qualen (Cap. 13 — 28). 

Endlich sucht Cicero nachzuweisen, wie die Verschie- 
denheil der Ansichten der einzelnen Schulen iiber das hdchsle 
Gut dennoch fiir die Uebereinstimmung in diesem Punkte 
kein Hinderniss sei (Cap. 29 — 41). 



l^uintus hic dies, Brule, finem faciet Tusculanarum dis- 1 
putatioriurii, quo die est a nobis ea de re, quam tu ex omuibus 1 
maxime probas, dispulatum. Placere enim tibi admodum, sensi 
et ex eo libro, quem ad rae accuralissime scripsisti, et ex mul- 
tis sermonibus tuis , virlutem ad beate vivendum se ipsa esse 
conlentara. Quod etsi difficile est probatu propter tam varia et 
tam multa tormenta fortunae, tale tanien est, ut elaborandum 

L i- Qiiintus hic dies. ,,Dies praestantior Brittus sujfecit pon- 

Buch ist bei weitem das schbnste, deri rerum • scias , eum sentire^ 

sowohl was die Sachen, als was die quae dicit. 

parstellun^betrifft; es scheint so ^^ ^^ _ .crinsisti (ge- 

m Einem Zuge recht co« amore wbbnTicher w^7to-e) : „welches du 

geschrieben". F. A. Wolf. mir gewidmet hast" ; doch zeigt 

ex eo hb7'o, sc. de Virtute (s das Adverbium acc«r«/^*«me, dass 

defin I. 3 S). Brutus schloss sicli ^abei die eigenti. Bedeutung von 

der a ten Akadem.e m der Moral .^^ii,^,.^ nicht verioren geht. 
aberderStoa an, und schrieb auch 

de officiis (oder neol xu&ijy.ovrog) multis sermonibus tuis, s. F. 

und de patientia. 'Quintil. X. 1, 46, 111 zu duo suosjilios. 

123: Egregius vero philosophus probatu. Probare hier = jvro- 

multoque quam in orationibus babile facere, persuadere. 

14* 



212 LIBER V. 1, 2. •<. 4. 

sit, quo lacilius probetur: nihil est eniui ouiniun), quae in plii- 
losophia tractanlur, quod gravius magnificentiusque dicatur. 

2 Nam quum ea caussa impulerit eos , qui primi se ad philoso- 
phiae sludium contulerunt. ut, omnibus rebiis poslhabitis, lotos 
se in opfimo vitae statu exquirendo collocarent : prolecto spe 
beale vivendi tanlam in eo studio curam operamque posuerunt. 
Quodsi ab iis invcnta et perrecta virtus est et si praesidii ad 
beate vivendum in virtute satis est : quis est, qui non praeclare 
et ab illis positam et a nobis susceptam operam philosophandi 
arbitretur? Sin auteni virtus subiecta sub varios incertosque 
casus famula lortunae est nec tanlarum virium est, ut se ipsa 
tuealur: vereor, ne non lam virtutis fiducia nitendum nobis ad 

3 spem beate vivendi , quam vota tacienda videantur. Equidem 
eos casus, in quibus me forluna vehementer exercuil, mecum 
ipse considerans huic incipio sententiae diflidere interdum et 
humani generis imbecillilatem fragilitatemque extimescere. ^e- 
reor enim , ne natura , quum corpora nobis infirma dedisset 
iisque et morbos insanabiles et dolores intolerabiles adiunxis- 
set, animos quoque dederit et corporum doloribus congruentes 

4 et separatim suis angoribus et molcsliis imjilicalos. Sed in hoc, 
rae ipse castigo , quod ex aliorum el ex nostra fortasse molli- 
lia, non ex ip.sa virtute, de virtutis robore existimo. Illa enim, 
si modo est ulla virtus (quani dubitalionem avunculus tuus, 
Brute, sustulit), omnia, quae cadere in honiinem possunt, sub- 
ter se habet eaque despiciens casus conlemnit humanos culpa- 
que omni carens praeter se ipsam nihil censet ad se perlinere. 
Nos autem, omnia adversa quum venientia melu augentes, tum 

niliil — dicatiir: ,,keiiier ^oii '■\. ej-ercuit, frewahit, fiiv vexa- 

allen philosoph. Sjitzcn ist wichti- vif, agitavif. So II. 16, iiS : Ho- 

ger und herrlicher". niinem exercitum '. p. Arch. 11, 

2. ea caiissa weist auf da» fol- 2S : Qiiid esf, qiiud — tantis tios 

gende iit — eol/orarenf hin. in laboribiis exerceamus ? 

invenfa -- virtMs: ,. dcr Begritf rorporiim doloribiis congruen- 

der Tugend gefunden und ausge- ^^^ '^^-^^ klirperlichen Leiden mit- 

'^''•'*'J.'- , .,,..,, empfindend". Aehnlich 24,69: 

subiecla sub-, w.e IV. >, 1.. ^,^^,, ^.^^/. ^,^^^,^ congruere ,,sicb 



u. b, 18 

vereor, ne — videantur. Sinu 



mitbewegeu''. 



so furchle ich, dass wir die Gluck- '• avunculus fuus. Cato Ulicen- 

seligkeit nicht durch unsereTugend ^is (s. zu 1. 30, 74), dessen Halb- 

uns bereiten, sondern sie nur ais schwesler Servilia des Brulus Mul- 

ein Gnadengeschcnk von den Giit- t^r war; zugleich des Br. Schwie- 

tern erflehen kiinnen. Wegeo videri gervater. 

s. Zumpt § 751. cutpa — carens. s. zu I. 36, 88. 



LIBERV. 2, 6. 3, 7. 213 

maerore praesentia , rerum naturam quam errorem nostrum 
(Jamnare malumus. 

Sed el huius culpae et ceterorum vitiorum peccatorumque 2 
nostrorum omnis a philosophia petenda correctio est. Cuius in 
sinum quum a primis temporibus aetalis nostra voluntas stu- 
diumque nos compulisset, his gravissimis casibus in eundeni 
portum, ex quo eramus egressi, magna iactati tempestate con- 
fugimus. vitae philosophia dux ! o virtulis indagatrix expul- 
trixque vitiorum! quid non modo nos , sed omnino vita homi- 
num sine le esse potuisset ? Tu urbes peperisti , tu dissipatos 
homines in societatem vitae feonvocasli , tu eos inter se primo 
domiciliis, deinde coniugiis, lum litterarum et vocum commu- 
nione iunxisti , tu inventrix legum , tu magistra morum et di- 
sciiilinae fuisti. Ad te confugimus, a te opem pelimus, tibi nos, 
ut antea magna ex parte, sic nunc peniUis totosque tradimus. 
Est autem unus dies bene et ex praeceptis tuis actus peccanti 
immortalitati anteponendus. Cuius igitur potius opibus utamur 
quam tuis? quae et vitae tranquillitatem largita nobis es et ter- 
rorem mortis suslulisti. Ac philosophia quidem tanlum abest, 6 
ut proinde, ac de hominum est vita merita, laudetur, ut a ple- 
risquc neglecta a multis etiam vituperetur. Vituperare quis- 
quam vitae parentem el hoc parricidio se inquinare audet? et 
tam impie ingratus esse, ul eam accuset, quam vereri deberet, 
etiam si minus percipere potuisset? Sed , ut opinor, hic error 
et haec indoctorum anirais ofTusa caligo est , quod tam longe 
retro respicere non possunt nec eos, a quibus vila hominum 
instructa primis sit, fuisse philosophos arbitrantur. 

Quam rem antiquissimam quum videamus , nomen tamen 3 
esse confitemur recens. Nam sapientiam quidem ipsam quis 7 
negare potest non modo re esse antiquam , verum etiam no- 
mine ? quae divinarum humanarumque rerum , tum initiorum 

malumus ,,sio(l mehr geneigt". in den 80er Jahren in Rom, 79 u. 

2- 5. vitiorum peccatorumque 78 in Athen und Rhodus die viel- 

,,Gebrechen und Vergehen". seitigsten philosophischen Studien 

in sinum. Wir sagen : ,,in die geuiacht. Vgl. die Einleit. 

Arme". lu — convocasti. Zumlnhalt vgl. 

a primis temporihus aetatis, de orat. I. 9. 

s. I. 39, 93 zu exacta aetate. peccanfi immortalitati. Vgl.Po- 

his gravissimis casibus, in Be- sidonius bei Sen. epist. 78 : Unus 

zug auf die Biirgerkriege der letz- dies hominum eruditorum, plus 

ten Jahre und CicerosVerdrangung valet quam imperiti longissima 

vom politischen Schauplatze. aetas. 

eramus egressi. Vor seinera Ein- 6. proinde ac, s. Zuropt Gramm. 

tritt ins offentliche Leben hatte er § 282. 



214 



LIBER V. 3, 8. 



caussaruraque cuiusque rei cognitione hoc pulclierrimum nomen 
apud anliquos asscquebatur. Itaque et illos septeni [qui a Grae- 
cis oorpol, sapientes a nostris et habebantur et noniinabantur] 
et multis ante saeculis Lycurgum , cuius temporibus Homerus 
eliam fuisse ante hanc Urbem condilam traditur , et iam heroi- 
cis aetatibus Ulixem et Nestorem accepimus et fuisse cl liabitos 
8 esse sapientes. JNec vero Atlas sustinere caelum , nec Prome- 
theus atfixus Caucaso , ncc stellatus Cepheus cum uxore , ge- 
nero , filia traderetur , nisi caelestium divina cognilio nomen 
eorum ad errorem fabulae traduxisset. A quibus ducti deinceps 
omnes, qui in rerum conlemplalil^ne studia ponebant, sapien- 
tes et habebantur et nominabantur, idque eorum nomen usque 
ad Pythagorae manavit aetatem, quem , ut scribit auditor Pla- 



3. ". Itaque ,,uncl so". 

illos septem : Bias, Chilo, Cleo- 
bulus, Piltacus, Periander, Solon, 
Thales. Sie waren wenigrer Philo- 
sophen, als weise Staatsnianner. 

qiii a Gvaecis — nominabantur. 
Entwcder ein Beweis der grijssten 
Fliichtigkeit des Schriftstellers, da 
Dasselbe {ef fiiisse el habilos esse 
sapienles) nachher als Priidicat zu 
illos seplcni folgt ; oder, « as wahr- 
scheinlicher, es ist ein altes in den 
Text gckommenes Glossem. \'gl. 
auch § 8, wo dieselben \\ orte wie- 
derkehren. 

saeculis in der urspriingl. Bedeu- 
tuog = ytrtcug . Menschenalter. 

/foiiieriis zurZeit Lycurgs — die 
ADnalimc derer, die ihn ani spiitesten 
setzen ; vgl. zu I. 1,3. Lycurg soll 
sogar mit Homer anf Chios zusam- 
mengekommen sein (StraD. \. 1, 
p. 382 Tauchn.). VValirscheinlicher 
ist dieTradilion,dassI^ycui'g zuerst 
die homerischen Gedichte iiach dem 
griech. iMutterlandc gebrachl liabe. 

etinin fdisse, s. I. Ki, 38 7.ufiiit. 

cf Jiiissc ct liiihifos csse sapien- 
tes bezeichnet die allgemeine An- 
erkennnng als eiue verdieiile: ,,dass 
sie mit Reclit als Weise galten". 

8. Nec vcro Allas etc. Sinn : 
Auch Atlas etc. verdienteii \\'eise 
zu heissen ; aber die IVeigung des 
Allerthunis zur Mvthenbildung liat 



dies symbolisch ausgedriickt : At- 
las, Sohii des lapetus, Kiinig von 
Mauiitanien , durch Perseus in das 
gleiehnamige Gebirge, das dasHim- 
melsgewblbe triigt, verwandelt ; 
Piometheus wegen Mittheiluug des 
hiinmlischen Feuers an die Men- 
schen auf .lupiters Befehl ange- 
schmiedet; Cepheus, Kiinig der Ae- 
thiopier, init seiner Gemahlin Cas- 
siopeia, s. Tochter Androineda und 
s. Schw iegersohne Perseus als Ge- 
slirne in den Hinimel versetzt. He- 
raclit. de inrred. 4 : "irkag o:r}]n 
aoifhg cor TC( y.cijh daTQoloyiccr 
TincoTog xc(T0J7iT6i'ac nooi.^ycor dt 
/tifxcorc(g y.c(i f.ifTa^o?.c(g aOTncor 
y.cd dvatig iuv&tv^i] if^ntir iW 
cufAcor Tovx6nuor.\ o r Cicero iibri- 
gens findet sich diese Auffassung 
voin Allas nicht. — Ueber Prome- 
theus vgl. Aesch. Prom. 15.1 sqq. ; 
iiber Atlas : \ erg. Aen. I. "41 sqq. 

stellatus , in dieser Bedeutung 
(= y.c(TC(aTtQia!htig) nur hier. 

nisi — ad errorem fahulae tra- 
dii.rissct ,,in das unhislorische Ge- 
biel der Mylhe versetzt hiilte". 

.-/ quibiis ducfi = quos secufi, 
rein lemporal : ,,nach diesen". N'gl. 
II. 4, 10: a tali quodaiii diictus 
exordio. 

in rerum conlem/ilutione ,,auf 
die Befrachlung derNatur", also 
^ in rcruiii natiira conteinplanda. 



LIBER V. 3, 9. 215 

tonis , Ponticus Heraclides, vir doctus in primis, Phliunlem 
ferunl venisse, eumque cum Leonte principe Phliasiorum docte 
et copiose disseruisse quaedam. Cuius ingenium et eloquenliam 
quum admiratus esset Leon , quaesivisse ex eo , qua maxime 
arte confiderel ; at illum , artem quidem se scire nullam , sed 
esse philosophntn ; admiratum Leonlem novitatem uominis 
quaesivisse, quinam essent philosophi et quid inter eos et reli- 
quos interesset ; Pythagoram autem respondisse , similem sibi 9 
videri vilam hominum et mercatum eum, qui haberetur maximo 
ludorum apparatu totius Graeciae celebritate; nam ut illic alii 
corporibus exercitatis gloriam et nobiiitatem coronae peterent, 
alii emendi aut vendendi quaestu et lucro ducerenlur, esset 
autem quoddam genus eorum, idque vel maxime iugenuum, qui 
nec phiusum nec lucrum quaererent, sed visendi caussa veni- 
rent studioseque perspicerent, quid agerelur et quo modo : item 
nos, quasi in mercatus quaiidam celebritatem ex urbe aliqua, 
sic in hanc vitam ex alia vita et natura profectos, alios gloriae 
servire, alios pecuniae; raros esse quosdam, qui ceteris omui- 
bus pro nihiio habitis rerum naturam sludiose intuerentur ; hos 
se appellare sapientiae studiosos (id est enim philosophos) ; et 
ut illic liberalissimum esset spectare nihil sibi acquirentem, sic 
in vita longe omnibus studiis contemplationem rerum cognitio- . 
nemque praestare. 

eumque. Ein solcher Uebergaug der prachtvollen Auffiihrung der 

voQ der relativen zur deuionstrati- Spiele". 

ven Construction macht sich bei ce/e^7'iYa^e ,,durch die zahlreiche 

liingern Satzen sehr natiirlich und Versammlung". So gleich nachher: 

befordert die Deutlichkeit, wie 6, quasi in mercatus quandam cele- 

17 qui — ducat — ideinque si — britatem ; de leg. II. 26, 65 : eele- 

concupiscat; 13, 38 quod — reti- britas virorum ac jnulierum. Vgl. 

net nec discedit ab eo. I. 48, 115. 

at illum. Das Verhum ist aus 7iobililatein coronae. Zur Sache 

quaesivisse herauszunehmen. vgl. I. 46, 111 u. II. 17, 41. 

admiratum novitatem nommis visendi caiissa, s. zu I. 19, 44. 

= novum nomen; s. III. 5, 11 zu ea: alia vita. Anspielung aufPy- 

mediocritatem officiorum,\mAY,e- thag.'s Lehre von der Seelenwan- 

gen admirari ib. 14, 30. — Nach derung {/.ttTf/Liipv/cjais)- 

Diog. L. 1. 12, der sich ebenfalls auf omnibus studiis , fiir omnibus 

HeraclidesPonticusberuft, iiigtePy- aliis studiis, wie ad Att. VIII. 11 

thagoras hinzu : /nrjdsra yao tlrai D, 5: omnia prius arbitratus sum 

aotpov av&QOJTTOv, akX rj d^tov. fore, quam ut — . 

9. et mercatum eum = merca- in vita — praestare , ist die 

'tui ei. Mercatus = TTav)]yvQis {bei Denkungsweise des griech. Volkes 

Diog. L. VIII. S) ,,ein Voiksfest". iiberhaupt, wahrend der Riinier die 

maximo ludorum apparatu ,,bei Praxis hoch iiber dieThcorie setzte. 



216 



LIBER V. 4, 10. 11. 



4 Nec vero Pythagoras nomiais solum inventor, sed reruni 

10 etiam ipsarum amplificator fuit. Qui quum post liunc Pliliasium 
scrmonem in Italiam venisset, exornavil eam Graeciam , quae 
Magna dicta esl, et privatim et pubiice praestantissimis et in- 
slitutis et artibus. Cuius de disciplina aliud lempus fuerit for- 
tasse dicendi. Sed ab antiqua philosophia usque ad Socratem, 
qui Archelaum Anaxagorae discipulum audierat, numeri mo- 
lusque tractabantur, et unde omnia orerentur quove recide- 
rent; studioseque ab iis siderum magnitudines, intervalla, cur- 
sus anquirebantur et cuncta caelestia. Socrates autem primus 
philosophiam devocavit e caelo et in urbibus collocavit et in 
domus etiam iutroduxit et coegit de vita et moribus rebusque 

11 bonis et malis quaererc. Cuius multiplex ratio di<>putandi re- 
rumque varietas et ingenii magnitudo , Plalonis memoria et 
litteris consecrata, plura genera effecit dissentientium philoso- 
phorum. E quibus nos id potissimum consecuti sumus, quo 
Socrateni usum arbitrabamur, ut nostram ipsi sententiam tege- 
remus, errore alios levaremus el iu omni disputatione , quid 
esset simillimum veri, quaerercmus. Quem morem quum Car- 
neades aculissime copiosissiiueque tenuissct , fccimus et alias 
saepe et nuper in Tusculano , ut ad eam consuetudinem dispu- 
taremus. Et quatridui quidem sermonem superioribus ad te 



4. 10. in Italiam, nach Croton. 

et institutis et artibiis. Deni er- 
sleren entspricht publiee, dem letz- 
teren (= disciplina) /jjucafim. Also 
ein Chiasnius. Zuin luhalt vgl. I. 
16, 3S u. IV. 1, 2 u. 3. 

Archelaus von Milet, init dera 
Beinaincn Physicus. 

itumeri motusque, s. I. 10, 20. 

et vor cuncta caelcstia: ,,und 
iiberhaupt ■' ; s. IV. 5, 9 zu Chry- 
sippiis et Stoici. 

Socrates autem etc. Sinn : Er 
behandelte zucrst die Ethik als 
eigncn Thcil der Philosophie. \'gl. 
Acad. I. 4, 15: Socratcs mihi vi- 
detur primus a rcbus occultis et 
ab ipsa natura involutis — avo- 
cassc philosophiam et ad vilam 
communeiii addu.rissc etc. ; auch 
obeu III. 4, S. 

11. Platonis memoria et litte- 



ris, iv (.ha ^voTr : ,,durch 1'lalos 
niedergeschriebene Erinncrungen". 

consecrata „unslerblich gemacht, 
verewigt". So ad Q. Fr. I. 1, 15: 
quum amplissimis monumentis 
conserrarc voluisses memoriam 
nominis tui. 

pliira gencra — philosophoruni 
(((io^Gfig, Secten): die C\ renaiker, 
Megariker, Cyniker, Sfoiker, Aka- 
demiker, Peripatetiker etc. 

Equibus, als ob gencra philoso- 
phandi vorhcrgcgaugcn ware. 

et — quaercrcmiis. Die Zusetzung 
von et ist nach dem IV. 7, 16 zu et 
siinilia Bemerkten zu beurtheilcu. 
So auch § 1'2 ct ob cain rem bene ; 
§ 13 reliquaequc virtufes. 

Carneades, s. zu III. 22, 54. 

fecimus — uf — dispiitaremiis 
ist nachdriicklicher als das blosse 
disputavimus : ,,so habe ich es so 
eingerichlet, dass — ". 



LIBER V. 5, 12. 13. 217 

perscriptum libris misimus ; quinto autem die, quum eodem in 
loco consedissemus, sic est propositum, de quo disputaremus. 

A. Non miiii videtur, ad beate vivendum satis 5 
posse virtutem. M. At hercule Bruto meo videtur, cuius 12 
ego iudicium , pace lua dixerim , longe antepono tuo. A. Non 
dubito, nec id nunc agitur, tu illum quantum ames, sed hoc, 
quod mihi dixi videri , quale sit ; de quo a te disputari volo. 
M. Nempe negas, ad beate vivendum satis posse virtutem? 
A. Prorsus nego. M. Quid? ad recte, honeste, laudabiliter, 
postremo ad bene vivendum satisne est praesidii in virtute? 
A. Cerle satis. M. Potes igitur aut, qui male vivat, non eum 
miserum dicere , aut , quem bene fateare , eum negare beate 
vivere? A. Quidni possim? nam etiam in torraentis recte, 
honeste, laudabiliter et ob eam rem bene vivi potest, dummodo 
intelligas , quid nunc dicam bene. Dico enim conslanter, gra- 
viter, sapienler, fortiter. Haec etiam in eculeum coniiciuntur, 13 
quo vita non adspirat beata. M. Quid igitur? solane beata vita, 
quaeso, relinquitur extra ostium liraenque carceris, quum con- 
stantia, gravitas, fortitudo , sapientia reliquaeque virtutes ra- 
piantur ad tortorem nulluraque recusent nec supplicium nec 
dolorem? A. Tu , si quid es facturus, nova aliqua conquiras 
oportet. Ista me minirae raovent , non solura quia pervulgata 
sunt, sed raulto magis, quia, taraquara levia quaedara vina 

eodem in loco. Wo? s. II. 3, 9. l^. Haec — connciuntur : ,,l)]ese 

est propositum , s. J. 4, 7 zu Eigenschaften (naiiil. Standhaftig- 

ponere. keit, Wiirde u. s.w.) lassen sich auf 

5- 12. videtur inil dem Acc. c. die Folterbank mitnehmen". 

Infin. ist sehr selten. Liv. XXXVI. adspirat=accedere tentat: ,,sich 

13: ndebatur, Limnaeam eodem versteigf', bei Cicero nur in nega- 

tempore oppugnari posse.Weniger tiven und FragesSlzen mit negat. 

auffallig ist der Acc. c. Infin. unten Sinne. Vgl. 9, 27; Brut. 21, 84: 

8,22 ita nach folge nde n Satze. Bellica laude adspirare ad Jfri- 

Bruto meo. Schmeichelhafte An- canum nemo potest; in Verr. V. 

spielung auf die V. 1, 1 erwahnte 31 ,91: quo (= Syraci/sas) Cariha- 

Schrift des Brutus de virtute. giniensium gloriosissimae classes 

nec — neque vero {tamen), nicht numquam aspirare potuerunt. 

selten. Noch hiiufiger /ze^we. So I. rapiantur ,,sich scbleppen las- 

24, 58. Lael. 22, 82: omnia alter sen". 

pro altero suscipiet, neque quic- si quid es facturiis ,,wenn du 

quam umquam nisi honestum al- etwas gegen micb ausrichten (also: 

ter ab altero postulabit. elwas beweisen) willst". 

Nempe (urspriingl. = namque), nova aliqua ,,neue Griinde". 

wie III. 20, 49, von Etwas, was tamquam und qiiasi werden, 

man schon weiss : ,,also", etwas wenn der Inhalt desSatzes Realitat 

spottiscb. hat, (= sicut) mit dem Indic. ver- 



218 



Ll BER V. 5, 14. 6, 15. 



iiihil valeiit in aqua, sicStoicorum ista niagis guslata quam polata 
delectant. \ elut iste chorus virtulum, in eculeum impositus, 
imagines constituil ante oculos cum amplissima diguitate , ut 
ad eas cursim perrectura nec eas beata vita a se desertas pas- 

14 sura videatur; quum autem animum ab isla piclura imaginibus- 
quc virtutum ad rem veritatemque Iraduxeris , hoc nudum 
reiinquitur, possitne quis beatus esse , quam diu torqueatur. 
Quam ob rem hoc nunc quaeramus; virtules autem, noli vereri, 
ne expostulent el querantur se a beala vita esse relictas; si 
enim nuUa virtus prudentia vacat, prudentia ipsa hoc videt, 
uon omnes bonos esse eliam bcatos , multaque de M. Atilio, 
Q. Caepione, M'. Aquilio recordalur, beatamquc vilam (si 
imaginibus potius uti quam rebus ipsis piacet) conantem ire iu 
eculcum retinet ipsa prudcnlia , negatque ei cum dolore et 
cruciatu quicquam esse commune. 

() 31. Facile palior te isto modo agere, etsi iniquum est 

15 praescribere niihi te, quem ad modum a me dispulari velis. 
Sed quaero, utruni aliquid actum supcrioribus diebus an nihil 
arbitremur? y^. Actum vero et aliquanlum quidem. 3J. Atqui, 
si ila est, profligala iam haec el paene ad cxiluui adducta quae- 



Imuden. Cat. M. 19, 71: quasi 
jiovia ex arboribiis, cruda si siint, 
vix cvcUunliir, sic — . Docti koin- 
nien beide Conj. nur selten so vor. 

niliil valent in aqiia .,nut Was- 
sergemischt lceineKraft bebalten". 

Vcltit dient bdulig, wie bier und 
10, 28 u. 12, '.ih, gleicb unscriu .,so" 
zur beispielsweisen Anfiigung eines 
einzelnenFalles an eine aurgestellte 
allgeineine Bebauptung. 

iste c/iorus virtutu7n. So aucb 
de olf. III. 33, 116: huic talium 
virtutum choro. 

vita beata „dieGIiickseligkeit". 

14. ad rem veriiatcmque. So de 
orat. I. 17, 77: videanitis, ne plus 
ei tribuas , quam res et veritas 
ipsa concedat. 

hoc nudurn re/inqiiifur, wie 
Ovid. Met. XIII. 159: Ergo ope- 
riim quoniam nudum ccrtamen 
habetur. 

expostulent ,,Genuglbuung for- 
dern". 



de M. .1/ilio (Iteguio). s. de ofl'. 
III. 2ti. 

Q. Serrilius Caepio. der als Pro- 
consul die Sclilacbt gegen die Cim- 
bern amllhodanus 105 ^erlor, spii- 
ter auch wegen Tenipelraubs (106 
in Tolosa begangen) angekiagt, ge- 
fangen gcsetzt, und mit Confiscation 
seines \ ermogens zur Verbannung 
verurtheilt «urde und im Elend in 
Smyrna slarb, vvurde von Nielen fiir 
unschuldig gebalten. 

M\ Aquilius (oder ./quillius), 
101 V. Cbr. Consul, gerielh spater 
als lcgatiis consiilnris in Mitbri- 
dates' Gefangenscbaft , der (nach 
Apjiian) ihm gescbmolzenes Gold 
in den .Mund giessen liess. .\uf ibn 
beziebt sicb auch de imp. Pomp. 
5, 11. 

6- 15. Facile /jafiur, s. zu I. 
33, Sl. 

projligata ,,beseitigt", wie ad 
fam. XII. 30, 2: projligato bello 
ac paene sublato. 



LIBEIi V. 6, 16. 17. 219 

slio est. A. Quo taiidem modo? M. Quia motus turbulenti 
iaclationesque animorum incitatae et impetu inconsiderato ela- 
tae, rationem omnera repellentes, vitae beatae nullam partem 
relinquunt. Quis enira potest raortera aut dolorem raeluens, 
quorum alterum saepe adest, alterum semper impendet, esse 
non miser? Quid? si idem (quod plerumque fit) pauperlatem, 
ignominiam , infamiam timet, si debilitatem, caecitatem, si 
denique (quod uon singulis hominibus, sed potentibus populis 
saepe contigit) servitutem : potest ea timens esse quisquam 
beatus? Quid? qui non modo ea futura timet, verum etiara 16 
fert sustinetque praesentia? Adde eodem exsilia , luctus, orbi- 
tates ; qui rebus his fractus aegritudine eliditur, potest tandem 
esse non miserrimus? Quid vero? ilium, quem libidinibus in- 
flammatum et furentem videmus, omnia rabide appetentem cum 
inexplebili cupiditate, quoque afHuentius voluptafes undique 
hauriat, eo gravius ardentiusque sitientem, noiine recte miser- 
riraum dixeris? Quid ? elatus iile levitate inanique laetitia ex- 
suitans el teraere gesliens nonne tanto miserior, quanto sibi 
videtur beatior? Ergo , ut hi raiseri, sic contra iiii beati, quos 
nulli metus lerrent, nullae aegriludines exedunt, nullae lii)idi- 
nes incitant, nullae futiles iaetitiae exsultanles ianguidis lique- 
faciunt voluptatibus. Ut maris igitur tranquillitas inlelligitur, 
nulla ne minima quidem aura fluctus commovente: sic animi 
quietus et placatus stalus cernitur, quum perlurbatio nulla est, 
qua raoveri queat. Quod si est: qui vim fortunae, qui omnia 17 
humana, quaecunque accidere possunt, tolerabilia ducat, ex quo 

Quia etc. Apagogische Beweis- M. 19, 71 : idam (sc. emori) con- 

fiihrung. tingit adolescenfibiis adversante 

alterum — alterum , s. zu I. natura. 

38, 91. 16. cliditur, s. zu II. 11, 27. 

ignominiam ,, Beschimpfuug" mctus — aegritudines — libidi- 

durch eine nota Censoris; infa- nes — laetitiae, dleyiev genera per- 

wiam ,,Verlust der biirgerlichea turbationum ; s. III. 11, 24.25. 

Ehre " durch gerichtliche Verur- languidis liqucjaciunt volupta- 

theilung. Also eine Steigerung. tibus. DasAdject. hier activ: ,,er- 

non — sed, nachdriicklicher als schlafJend". 7j\i liqueJacerey^l.W. 

non tantum — sed {eliam'). Aehn- 22,52: voluptate liquescimusjlui- 

lich 10, 2S. Vgl. p. Arch. 4, 11 : musque inollitia ; IV. 17, 37: ala- 

Adest — Lucullus, qui se non opi- critatefutili gestiens deliqvescit. 

na7H, sed scire, non audivisse, sed maris tranquiUitas , griechisch 

vidisse, non inl eifuisse, sed egisse /Ltakaxia (jnalacia hei Caes. b. Gall. 

dirit. — Die Hindeutung auf Casars III. 15). Der eigentl. lateinische 

Alleinherrschaft ist unverkennbar. Ausdruck ist flustra, oi'um. 

contigif , auch sonst bisweilen 17. ex quo = ita ut. Vgl. I. 12, 

vonungliicklichenEreignissen. Cat. 28 ex hoc. 



220 LIBER V. 7, 18. 19. 

nec timor euni nec angor altingal, idenique si niliil concu- 
piscat, nulla efferalur aniini inani voluplate, quid est , cur is 
noQ bealus sit? et si haec virtute efficiuntur, quid esl, cur vir- 
tus ipsa per se non elliciat bealos? 
7 --/• Atqui alteruni dici non potest, quin ii , qui niliil me- 

tuant, niliil angantur, niliil concupiscant, nulla impoleiili lae- 
titia efferantur, beati sint; itaque id tibi concedo; allcrum au- 
tem iam intcgrum non est ; superioribus enira disputationibus 
effectum est, vacare omni animi perturbatione sapientem. 

18 M. Nimirum igitur confecta res esl; videtur enim ad exitum 
venisse quaestio. A. Propemodum id quidem. J7. Veruntamen 
mathematicorum iste mos est , non est philosophorum. Nam 
geomelrae quura aliquid docere volunt, si quid ad eam rcm pcr- 
tinet eorum , quae anle docuerunt , id sumunt pro conccsso et 
probato ; illud modo explicant, de quo ante nihil scriptum est. 
Philosophi, quamcunque rem habent in manibus, in eam , quae 
conveniunt, congerunt omnia , etsi alio loco disputala sunt. 
Quod ni ita esset, cur Stoicus , si esset quaesitum , satisne ad 
beate vivendum virtus posset , mulla diceret? cui satis esset 
respondere, se ante docuisse, nihil bonum esse , nisi quod ho- 
nestum esset, hoc probato consequens esse, beatam vilam vir- 
tute esse contentam , et quomodo hoc sit conscquens illi , sic 
illud huic, ut, si beata vita virtute contenta sit, nisi honestum 

19 quod sit, nihil aliud sit bonum. Sed tamen non agunt sic. Nam 
et de honesto et de summo bono separatim libri sunt, et quum 
ex eo efficiatur, satis magnam in virtute ad bcate vivendum 
esse vim, nihilo minus hoc agunt separatim. Propriis euim et 
suis argumentis et admonitionibus tractanda quaeque res est, 
tanta praesertim. Cave enim putes, ullam in philosophia vocem 

idemqtte si etc. , anakol. Fort- ad eatii rein , die sie beweisen 

setzung von 7(/i — ducat. wollen ; eorum gehiirt mit quid 

7. quin hier = qui non, also zusanimen. 

,,warum sie nichl — sein sollten"; niliil scripfurn esf. Cicero hat 

vgl. 11, 32 quid est caussae qiiin also hier nicht matheniatische \ or- 

— lii-eatf trage , sondern Lehrbiichcr im 
impotenti ,,die sich selbst nicht Sinne. 

ziigeln kann", also ,,unmassig". quomodo hoc sit consequens. 

So IV. 1.5, IM iinpotentia aniini ; Der Lebergang zum Conj. Priisen- 

V. 20, 00 iinpofentes cupiditates. tis ist dadurch zu crkliiren , dass 

iam integrum non est ,,hta\c)\i dem Schriflslcller bei el ein dicet 

mehr unentschicden". (Sfoicus) vorschwebte. 

18. mathem. — est , non est l\). Propriis ef suis ,,mil Aea ihr 

phil. , s. \. 48, 116 zu defuerunt eigenlhiimlichen und fiir sie pas- 

— 720« defuit. sendcn — ". Vgl. 1. 29, 70. 



LIBER V. 7, 20. 8, 21. 



221 



emissam clariorem iiUumve esse philosophiae promissum ube- 
rius aut maius. Nam quid profitetur? o dii boni ! perfecturam 
se, qui legibus suis paruisset, ut esset coutra fortunam sem- 
per armatus , ut omnia praesidia haberet in se bene beateque 
vivendi, ut esset seraper deuique beatus. Sed videro, quid 20 
efficial. Tantisper hoc ipsum magni aestimo, quod pollicelur. 
Nam Xerxes quidem refertus omnibus praemiis donisque for- 
tunae, nou equitatu, non pedestribus copiis, non navium mul- 
titudine, non intinilo pondere auri contentus, praemium pro- 
posuit, qui invenisset novam voluptatem. Qua ipsa non fuit 
conlentus, neque enim umquam finem inveniet libido. Nos 
vellem praemio elicere possemus , qui nobis aliquid attulisset, 
quo hoc lirmius crederemus. 

A. Vellem id quidem ; sed habeo paulium, quod requiram. 8 
Ego enim assentior, eorura, quae posuisti, alterum alteri con- 21 
sequens csse, ut, quemadmodura , si , quod honestura sit, id 
solura sit bonum, sequatur, vitam beatam virtute confici, sic, si 
vita beata in virtute sit, nihil esse nisi virlutera bonum. Sed Bru- 
tus tuus, auctoreAristo et Antiocho, non sentit hoc ; putatenim, 



clariorein ,,]auter", naml. als 
derSatz, dass dieTugend zurGliick- 
seligkeit geniige. 

pariiissef etc. Diese nacli pro- 
Jifctur aufnilligea Conjunct. der 
Pralerita riiliren wohl dalier, dass 
die Verheissung als schon friiher 
geschehen betrachtet wird. 

20. Sed videro. Vgl. II. 11, 26 
mox videro. 

Tantisper: indess, d.h. hisddhin. 

Nam Xerxes qiiidem etc. Sinn : 
Denn wer das Gliick in iiussere 
Giiter und sinnliche Vergniigungen 
setzt , der wird sich , wie Xerxes, 
nie ganz befriedigt fiihlen , also 
nie gliicklich sein. — Die Anekdote 
wird iibrigens auch von Darius Co- 
domannus (s. Athen. XII. p. 539) 
und den persischen Kiinigen iiber- 
haupt (ib. IV. p. 144) erzJihlt. — 
Ueher quidem s. zu I. 33, 80. 

praemiis — fortunae, in der ur- 
spriinglichen allgemeinern Bedeu- 
tung (von £;'ae) : Vortheil, Aus- 
zeichnupg" "" " " " 



qui invenisset. Die Auslassung 
des Pron. demonstr. ist besonders 
haulig, wenn das Relat. sich , wie 
hier und nachher bei elicere qui 
(auch oben I\'. 25, 55 qui uti ra- 
tione noTi potest), auf eine unbe- 
stimrate Person bezieht (oder wenn 
der Relativsatz vor dem Hauptsatze 
steht). 

attulisset , nicht ajferret sagt 
Cicero, weil erst nach dem Bei- 
bringen die Belohnung ertheilt wer- 
den wiirde. 

hoc — crederemus , niiml. dass 
die Tugend zur Gliickseligkeit der 
Vergniigungen nicht bediirfe. 

8- 21. habeo paullum, quod re- 
quiiam : ,,ich habe noch eineKlei- 
nigkeit zu fragen". 

sic, sc. sequatur. 

Brutus, s. zu V. 1, 1. 

Aristus von Ascalon , Akademi- 
ker in Athen, einst des Brutus und 
Cicero Lehrer und Freund, Bruder 
des Ant iochus. Vgl. zu III. 25,59. 

putat enim, sc. vilam beatam. 
virtute conjici. 



222 L I B E R V. 8, 22. 23. 9, 24. 

etiani si sit bonum aliquod praeter virtuteni. J/. Quid igitur? 
contra Brutumnc me diclurum putas? A. Tu vero, ut vide- 

22 tur; nam praefinire nou est nieum. M. Quid cuique v^xlwv 
consontaneum sit, alio loco. JNani ista niilii et cum Antiocho 
saepe ct cum Aristo nuper, quum Athenis imperator apud eum 
deversarer, dissensio fuit. Mihi enim non videbatur quisquam 
esse beatus posse, quuni in malis esset; in nialis autcm sapien- 
tem esse posse, si esseiit ulla corporis aut forlunae mala. Di- 
cebantur liaec, quae scriplitaviletiam Antiochus locis pluribus, 
virtutem ipsam per se beatam vilam etficerc possc neque tamen 
beatissimam; dcinde cx maiore parte plerasque res nominari, 
etiam si quae pars abcsset; ut vircs, ut valctudincm , ut divi- 
tias, ut honorem, ut gloriam , quae gencre, non numero ccr- 
ncrentur: item beatam vilam, ctiam si cx aliqua parle daude- 

23 ret, tamen cx multo maiore parte oblincre nomen suum. Hacc 
nunc enucleare non ita necesse est, quamquam non constan- 
tissime dici mihi videntur. Nam et qui beatus est, non intelligo, 
quid requirat, ut sit beatior (si cst cnim, quod desit, nc beatus 
quidcra est) , et quod cx maiorc parlc unam quamque rem 
appellari spectariquc dicunt, est, ubi id islo modo valeat; quum 
vero tria gcnera malorum essc dicant: qui duorum gcnerum 
malis omnibus urgeatur, ut omnia adversa sint in lortuna, omni- 
bus oppressum corpus et confectum doloribus , huic paullumue 
ad beatam vitam deesse dicemus, non modo ad beatissimam? 

9 Hoc iliud est , quod Theophraslus sustinere non potuit. 

Tu vero, suppl. age otler Jae, zum mundiicliea Besprechen einer 

wie unten 11, 33. Sache (rf/rerc) gehraucht. 

22. saepe, als er der Studieu </"«« genere. iion numero cer- 

wegen in Alhen sich aufhielt (79 «t'7Trt///r; .,welche tiualitativ, nicbt 

V. Chr.). (|uantilaliv hestimmt wiirden". Vgl. 

-,, ^, .1 D- I Aiiirelsbach 2. A. S. 214. 

nuper, .^0 v. Chr., bei der Ruck- .P., x ^- ■ • v^ 

, , ' r-\- • 2,5. non constantissime ,,nicht 

kehr aus Lilicien. , ... " 

sehr consequent". 

sapicntem esse /wsse. Dem ^*^ ubi (nach Analogie von sunt 

Schriftst. schwebte statt des vor- ^,^,-^ ^^^ ,^/- „. dgi.) =- interdum, 

angegang. viHebatur ein \ erb. sen- ^^ie im Griech. faTiv onov (ov) fdr 

tiendi, wie re//Aeft«w/, vor. Aehnlich ii>toTf. Plaut. Pseud. V. 2 26: 

mit dici: de orat. II. 72. 299 : qui- Erit ubi tc ulciscar, si vivo. 
dam doctus liomo accessissc dici- diccmus , niimi. wenn wir uns 

tur eique pollicilus csse — di.risse ^uf ii„.p„ Standpunkt stellen. 
iliu7n doctorem: Cat. M. 18,63: l). ^A. lloc. niimlich dass einem 

consurrexisse illi dicuntur — di- Solchen nur U enig zum Gliicke 

xisse ex iis quendam. fehle. 

scriptitavit, von Cicero beson- Tfieoj/firastus, s. zu I. 19, 45. 

ders im ausdriicklicbea Gegensatze sustinerc non potuit: .,erkonnte 



LIBER V. 9, 24. 25. 223 

Nam quum statuissel , verbera , tormenta , cruciatus , patriae 24 
eversiones , exsilia , orbitates magnam vim habere ad male 
misereque viveudum, non est ausus elate et ample loqui, quum 
humiliter demisseque sentiret. Quam bene, non quaerilur ; con- 
stanter quidem certe. Itaque mihi placere non solet conse- 
quentia reprehendere, quum prima concesseris. Hic autem ele- 
gantissimus oranium philosophorum et eruditissimus non raagno 
opere reprehenditur , quum tria genera dicit bonorum ; vexa- 
tur autera ab omnibus primum in eo libro, quem scripsil de vita 
beata, in quo multa disputat, quaraobrem is, qui torqueatur, 
qui crucietur, beatus esse non possit; in eo etiara putalur 
dicere, in rotara bealara vitara non escendere. Non usquam id 
quidem dicit omnino ; sed , quae dicit , idem valent. Possum 25 
igitur, cui concesserim, in malis esse dolores corporis, in malis 
naufragia fortunae, huic succensere dicenti, non omnes bonos 
esse beatos, quum in omnes bonos ea, quae ille in malis nume- 
rat, cadere possint? Vexatur idera Theophrastus et libris et 
scholis omni-um philosophorum, quod in Callisthene suo lauda- 
rit illam sententiam : 

Vitdm regitfortuna, non sapientia. 
Negant ab ullo philosopho quicquam dictum esse languidius. 
Recte id quidem ; sed nihil intelligo dici potuisse constantius. 
Si enim tot sunt in corpore bona , tot extra corpus in casu at- 
que fortuna : nonne consentaneum est , plus fortunam , quae 

(obwohl Peripat.) sich nicht dazu Aristophanes erwahnt. Hinter in 

entschliessen — aufrecht zu erhal- rotam finden sich in vielen Hdschr. 

ten", da er sich consequent bieibea die Worte : id est gem/s quoddam 

wollte. ZurSache vgl. Acad. 1.9,23 tormentl apud Graecos — wahr- 

und de Sa. V. 5, 12. scheinlich ein altes Glossem. 

elegantissimus = accuratissi- omnino ,,vollstandig" = „aus- 

mus ,,der praciseste". drucklich". So Acad. II. 3, 9: Nam 

r« i • i.. / » t» qucd dicunt omnino, se credere ei, 

pritnum. Uem entspricht (statt ^ ... . n ■ ■ . 

• j ■ j \ s n- rr X j qiiem luaicenf fuisse sapientem, 

emes deindc) e 2o Vexatur idem ^ , • • . • j 1 

1 io OA urouarem , si td ipsum rudes et 

etc. ; s. zu 1. 13, 30. ■ ^ j^- ■ j- * • j 

' ' indocti ludicare potiassent. 

in eo libro. Nafurlich konnte mit 25. in Callistliene suo, s. zu IH. 

etwas modificirtem Sinne hier auch 10 21. ' 

de stehen. Vgl. I. 21, 48 gloriari; 'vitam etc. Der lat. Vers ist 

II. 21, 49 /a/nert/afw?'; HI. 18, 39 (nach Ladewig Anal. scen. p. 5) 

admiratio febat. wahrscheinl. aus Ennius ,,Penlhe- 

de beata vita. Nach Diog. L.V. silea", einerlVachbildung von Cha- 

2 u. 13 TTfQl tvTV)(iag. V. 43 ntQl remons l4;(iXlevs SfQGnoxTovog , 

ivSaiuoviag. in welchem (nach Plut. TifQl rvxrjg 

in rotam ,,das Folterrad", bei p. 97) der Vers vorkam : Tvyi] tu 

den Griechen rooyog , ofter von &vrjT(dv nQay^UT , ovy. ev^ovlta. 



224 LIBER V. 9, 26. 27. 10,28. 

doniina reruni sit et externarum et ad corpus perlinentium, 
quani consiliuni valere? 

26 An maluraus Epicurum imitari? qui nuilta pracdare saepe 
dicit; quam enim sibi constanter convenienterque dicat , non 
laborat. Laudat tenuem victum. Philosophi id quideni : sed si 
Socrates aut Antislhenes diccret, non is, qui linem bonorum 
voluptalem esse dixerit. Negat quemquam iucunde posse vi- 
vere, nisi idem honeste, sapienter iusteque vivat. jNihil gra- 
vius, nihil philosophia dignius, nisi idem hoc ipsum honeste, 
sapienter, iuste ad voluptatem relerret. Quid melius; quam, 
Fortunam exiguam intcrvenire sapienti? sed hoc isne dioit. qui, 
quum dolorem non modo maximum malum , sed solum malura 
etiara dixerit, toto corpore opprimi possit doloribus acerrimis 

27 tum , quum maxime conlra Ibrtunam glorietur? Quod idem 
meiioribus etiara verbis Metrodorus: Occupavi te, inquit,_/b;"- 
tu?ia , atque cepi^ omnesque aditus tuos interclusi, ut ad tne 
adspirare non posses. Praeclare , si Aristo Chius aul si Stoi- 
cus Zeno diceret, qui , nisi quod turpe esset, nihil malum du- 
ceret. Tu vero , Metrodore , qui omne bonum in visceribus 
meduliisque condideris et delinieris, summum bonum lirma cor- 
poris affectione explorataque eius spe contineri, lorlunae aditus 
interclusisti? Quo modo? Isto enim bono iam exspoliari potes. 

10 Atqui his capiuntur imperiti et propter huiusniodi senten- 

2S tias istoruni hominum est raultitudo. Acute autem dispulanlis 

illud est, non quid quisque dicat, sed quid cuique dicendum sit, 

videre. Velut in ea ipsa sententia , quam in hac dispulatione 

2tj. Socrates , dessen einfache posses, s. I. 1,1 zu pertinerent. 

Lebensweise allbekannt ist. Aristo Cliius, s. IL G, 15. 

Antistliencs , Scliiiler des Socra- qui — condideris etc., s. zu li. 

tes, Stifter der cjnischeu Schule. 6, 17. 

Negat etc. ^'ach Diog. L.X. 140 : eius vor spe fehlt iii den Hdscbr.; 

Ovx tGTiv Tjii^wg i^fjV (ivfv Tov der Sinn aber erfordert eincn sol- 

ifooviuwg y.cil y.ciXwg xcii Stxuiwg' cbea Zusatz. Vgl. de olf. III. 33, 

ovHi: <f nov(/xMg xuX xciXdig xui Si- 117: vita oinnis beata corporis 

xciiiog uviv Tov ij^fcog. Jirma constitutione eiusque 

fortunam — sapienti : ,,dass das const i t ii lion is spe cxplorata 

Gliick auf denWeisen von geringem {ut a Metrodoro scriptum est) 

Einfluss sei". Diog. L. X. 144: continetur. .Vuch ini Griech. (s. zu 

^QUxiTci aoffoi Tv^rj TTUQf/nTTimei. H. (5, 17) steht : to tt t qI t a v- 

27. Metrodorus, s. zu II. 3. 8. Ti]g niaTov e).7iia/xu. 

Occupavi etc. ?iach Plut. mQl ?«?« ,,sofort, jeden Augenblick''. 

fvd-vfAtag p. 170: HQoxuTfiXrju- 10- 28. islorum /lominum, der 

finl ae, aj Tyx^' ^^^- ^uouv Trjv Epicureer. 

aijv atf r]ot]uut naQfiaJfair. [■^eliit, wie 5, 13. 



LIBER V. 10, 29 — 31. 225 

suscepimus, omnes bonos semper bealos volumus esse. Quid 
dicam bonos, perspicuum esl; omuibus enim virtutibus instru- 
clos et ornatos tum sapientes, tum viros bonos dicimus. Videa- 
mus, qui dicendi sint beati. Equidem eos existimo, qui sint in 
bonis, nuUo adiunclo malo. Neque ulla alia huic verbo, quum 29 
bcatum dicimus, subiecta notio est, nisi, secretis malis omui- 
bus , cumulata bonorura coniplexio. Hanc assequi virlus , si 
quicquam praeter ipsam boni est, non polest. Aderit enim ma- 
lorum, si mala iila ducimus, turba quaedam, paupertas, igno- 
biiitas , humilitas , solitudo , amissio suorum , graves dolores 
corporis, perdita valetudo, debilitas, caecitas, inteiMtus patriae, 
exsilium , servitus denique. lu his tot et taniis (atque etiam 
plura possunt accidere) potest esse sapiens ; uam haec casus 
importat, qui in sapientem potest incurrere. At si ea mala 
sunt, quis potest praestare , semper sapientem beatum fore, 
quum vel iu oninibus his uno lempore esse possit? 

Non igilur lacile concedo neque Bruto meo neque comuui- 30 
nibus magislris nec veteribus iliis, Aristoteli, Speusippo, Xeuo- 
crati, Polemoni, ut, quum ea, quae supra enumeravi, in malis 
numerenf, iidem dicant, semper beatum esse sapienlem. Quos 
si titulus hic delectat insignis et pulcher, Pythagora , Socrate, 
Platone dignissimus, inducant animum, illa, quorum splendore 
capiuntur, vires, valetudinem, pulchritudinem , divitias, hono- 
res , opes contemnere eaque , quae his coutraria sint, pro ni- 
hilo ducere : tum poterunt clarissima voce profiteri , se neque 
forlunae impetu nec multitudinis opinione nec dolore uec pau- 
pertate terreri omniaque sibi in sese esse posita nec esse quic- 
quam extra suam potestatem, quod ducant in bonis. Namque 31 
et haec loqui, quae sunt magni cuiusdam et aiti viri, et eadem, 

qiiid dicam bonos = qiiid in- des Plato , war acht Jahre lang 

telligam, quum bonos dico. (347 — 339) seiu IVachfolger im 

29. in his lot et tantis. Absicht- Lehrainl der Acadeniie. Ueber Xe- 

iich IJisst Cicero hier malis weg, nocrates s. zu I. 10, 20; sein 

da er mit deri Stoilcern diese Dinge Nachiblger wieder (v. 31.5 an) war 

eben nicht als /??a/« auerliennt. Polemo, ein geborner Athener. 

praestare ,, dafiir einstehen", tifulus hic, sc. sapientis. 

mit einem Objectssatze auch p. inducant animum ,, so mbgen 

Flacco 12, 28: {Praedones) nullos sie sich entschiiessen — ". 

fore, qiiis praestare poterati^Vg]. omniaque, s. I. 29, 71 zu ad- 

111. 1(3, 31. hibiiitque. 

'60. communibus magisti^is, z.B. 31. Nainqiie et haec. Da diese 

den 8, 21 geDannlen Aristus und Lesart einiger, wenn auch geringe- 

Antiochus. ren Hdschr. (statt des Nec hunc et 

Speusippus, der Schwestersohn derbesseren)einengutenSiun giebt, 

Cic.Tuscul. 15 



226 



LIBEK V. 11, 32. 33. 



quac vulgus, in nialis et bonis numerare, concedi nullo modo 
potest. 

Qua gloria commotus Epicurus exorilur, cui eliam, si dis 
placet, videtur semper sapieiis bealus. Hic dignitate liuius seu- 
tenliae capilur; sed numquam id diceret, si_ipse se audiret. 
Quid est enira , quod minus conveniat, quam ut is, qui vel 
summum vel solum nialum dolorem esse dicat, idem censeaf, 
Quam hoc suave est! tum , quum dolore crucietur , diclurum 
esse sapienlem? Non igilur ex singiilis vocibus philosophi spe- 
ctandi sunl, sed cx perpetuilate atquc conslanlia. 
11 A. Adducis me, ut libi assentiar. Sed liia quoque, vide, 

32 ne desideretur constantia. M. Quonam modo? ^/. Quia legi 
tuum nuper quartum de Finibus. In eo miiii videbare contra 
Catonem disserens lioc velle osteiidere, quod inihi quidem pro- 
batur, iiitcr Zenonem et Peripatcticos niliil praetcr vcrborum 
novilatem inleresse. Quod si ita est, quid est caussac, quin, si 
Zenonis rationi consenlaneum sit, salis magnain vim in virtule 
esse ad beate vivendum, liceat idem Feripatelicis dicere? rem 

33 eniin opinor spectari oportere, non verba. M. Tu quidem tabel- 
lis obsignatis agis mecum et lestificaris , quid dixerim ali- 
quando aut scripserini. Cum aliis isto modo, qui legibus impo- 
silis disputant; nos in diem vivimus; quodcunque nostros 
animos probabililate percussit, id dicimus; itaque soli suraus 



so crscheint Wesenbergs Emenda- 
tion yunc (,,so aber", wielll. 1, 2) 
ct liaec, so geistreich sie ist, doch 
nicht nbthig. 

Qtia gloria commotiis: ,,von 
Begierde nach diesein Ruhm getrie- 
ben". Wegen g/oria s. 7.u II. 20, 
46 ; wegen qiia gloria fur ctiius 
rei gloria s. I. 19, Ah zu hatc piil- 
chritudo. 

si dis placet(,,m\l GotlesHiilfe") 
wird immer ironisch gebrauclit. 
Hier driick.t es die Ueberraschung, 
dass auch Ep. dies sagt, aus; etwa: 
,,wer sollte es denken?" So in Pis. 
16, 38: Appellatus est hic vullu- 
rius illius provinciae {si diis pla- 
cet) impcrator. 

si ipsc se audiret: ,,wenn er 
auf sich selbst hiirte =^ consequent 
wiire". 

Quam hoc suavc est. Vgl. 11. 
7, 17. 



ex perpctuifate atque constan- 
tia ,,aus deni Zusunimenhangc und 
der Consequenz ihres Systeras". 

11. 32. quartum de Finibus. So 
Quintil. IX. 2, 'M: in T. Livii pri- 
mo : ib. 1, 25: in fertio dc Ora- 
tore. (Ganz libergangen von Zumpt 
§ 763.) Gemeinl ist das 20. Cap. 

.'13. tabellis obsignafis agis me- 
cuin: ,,du liiiltst mir ja ordentlich 
das Protocoll vor". Vgl. p. Mur. 
17,35: Pcrgitisne vos tamquam 
cx srjngrapha agere ciim populof 

isfo modo, wie S, 21 Tu vero. 

nos, die neuern Akademiker. Mit 
Inhalt und Ausdruck dieses Satzes 
vgl. I\ . 4, 7 und unten 29, S2. S3. 

in diem ,, fiir den (gegenwiirt.) 
.Vugenblick". 

prubabilitate percussit ,,was auf 
uns den starksten Eindruck der 
Wahrscheinlichkeit gemacht hat". 



LIBER V. 11, 34. 12, 35. 36. 



227 



liberi. Veruntamcn quouiam de constautia paullo ante diximus, 
non ego hoc loco id quaerendum puto, verumne sil, quod Ze- 
noni piacuerit quodque eius auditori Aristoni, bonum esse so- 
lum, quod honestum esset ; sed, si ila esset, tuirij ut totum hoc 
beale vivere in una virtute poneret. Quare demus hoc sane 34 
Bruto, ut sit beatus semper sapiens ; (quam sibi conveniat, ipse 
viderit; gloria quidem huius sententiae quis est illo viro di- 
gnior?) nos tamen teneamiis,.uLsit idem beatissimus. 

Et si Zeno Citieus, advena quidam et ignobilis verborum 12 
opifex, insinuasse se in antiquam philosophiam videtur, huius 
sententiae gravitas a Platonis auctoritate repetalur. Apud quem 
saepe haec oratio usurpata est, ut nihil praeter virtutem dice- 
retur bonum. Velut in Gorgia Socrates, quum esset ex eo 
quaesitum , ArcJielaum Perdiccae filium , qui tum fortunatissi- 
mus haberetur, nonne beatum putaret? Haud scio , inquit; 35 
numquam enim cum eo collocutus sum. — Ain' tu? an aliter 
id scire non potes? — Nullo modo. — Tu igitur ne de Persa- 
rum quidem rege maguo potes dicere, beatusne sit? — An ego 
possim, quum ignorem, quam sit doctus, quam vir bonus? — 
Quid? tu in eo sitam vilam beatam putas? — Ita prorsus exi- 
stimo, bonos beatos, improbos miseros. — Miser ergo Arche- 
laus? — Cerle , si iniustus. — Videturue oranem hic beatam 
vitam in una virtule ponere? Quid vero? in Epitaphio quo 36' 



sed, suppl. necesse fuisse puto 
— consequens erat. Die Bedingung 
si ita esset ist hier als zur orat. 
obl. gehorigbetiandelt; nur d arum 
der Conjunctiv. 

34. dcmus hoc — ut — , s. I. 
32, 78 zu illud non dant, ut — . 

quam sibi conveniat, ipse vide- 
rit, bezieht sich auf 8, 21 : putat 
{B7'utus), etiam si sit bonum ali- 
quod praeter virtufem. 

teneamus, ut ■ — , s. III. 3, 5 zu 
probari potest, ut — . Der vollere 
Ausdruck I. 42, lUd: Nos autem 
teneamus, ut niliil censeamus esse 
malum etc. 

12. Zeno der Stoiker war aus 
Citium aufCypern, einer urspriing- 
lich ph bnicischen Colonie, ge- 
biirtig (woher er auch bisweilen 
Poenulus genannt wird). 

verborum opifex. De fin. 111. 2, 



5 : Zeno — non tam rerum inven- 
torfuit quam verborum novorum. 
Vgl. oben IV. 3, 6. 

insinuasse se. Aucb das blosse 
insini/are braucht Cicero in glei- 
chem Sinne. 

in Gorgia : p. 470 d u. e. Der 
Fragende ist Polus. 

Archelaus, Sohn desPerdiccasIl., 
Konig von Macedouien , 413 — 399 
V. Chr. , Freund und Beforderer 
griechischer Bildung bei seinem 
Volke. 

35. Haud scio verneint nicht so 
bestimmt wie nescio; etwa : ,,ich 
weiss es eben nicht". 

36. in Epitaphio (6 Inircitfiog, 
sc. Xoyog) d. h. in Platos Menexe- 
nus, wo es p.247e heisst: otw yaQ 
av^ql iig iavrhv avi^Qrrjrat. ndvra 
ra nQog (vSaiinoviaV (fiQOVra — 
xal fiTi iv alXoig av&Qoinoig, l^ wv 

15* 



228 LIBER V. 12, 37. 13, 38. 

inodo idein? Nam cui viro, inquit, ex se ipso apta sunt omnia, 
quae ad beate viveudum ferunt, nec suspensa aliorum aul bono 
casu aut contrario pendere ex alterius eventis et errare cogun- 
tur, huic optime vivendi ratio comparata est. Hic esl ille rao- 
deratus, liic fortis, liic sapiens, hic et nascentibus et cadentibus 
quum reliquis commodis, tuni maxime liberis, parebit et obe- 
diet praeceplo illi veteri ; neque enim laetabitur umquam nec 
maerebit nimis , quod semj)er /// .se ipso oiniicm spein n-ponet 

37 sui. Ex hoc igitur Platonis (juasi quodam sancto augustoque 
fonte nostra omnis manabit oratio. 

13 Lnde igilur ordiri rectius possumus quam a comrauni pa- 

rente nalura? quae quicquid genuil, non modo animal, sed 
etiam quod i'ta esset orlum e terra, ut slirpibus suis nitcretur, 
in suo quodque generc perfectum esse voluit. llaque et arbores 
et vites el ea , quae sunl humiliora neque se lollere a terra 
altius possunl, alia semper virent, alia, liieme nudala, verno 
tempore tepetacta frondescunt ; neque est ulluni, quod non ita 
vigeat interiore quodam motu el suis in quoque seminibus 
inclusis, ul aut flores aut fruges fundat aut bacas, omniaque in 
omnibus, quantum in ipsissit, nulla vi impediente , perfecta 

3S sint. Facilius vero etiam in bcstiis , quod iis sensus a natura 
esl datus, vis ipsius naturac perspici potest. jNamque alias be- 
stias nantes aquarum incolas esse voluit , alias volucres caelo 

71 (V rj xaxdig TTQCt^aVTojv nXava- wie die 37, 108 aogeriihrteo. (Bis 

(Td-ai rivdyy.KGTai xuX ra ixeivov, marrvhif nimis slimmt Alles wiirt- 

TOVTM aniGTa TiaofdxfvairTai tT»]»'. licli mil Plalo : d.iiiacli folgt bei die- 

oiiTog ioTiv 6 awifnwv y.a)jovTog 6 sem eiiiiacli : dia t6 avTiiJ ntnot- 

avdQHog xai (/novi/uog- ovrog yi- ^fj'«/.) Kibbeck schreibtalso : — /w 

yvoju^vojv /otjuaTCor xal naidwv .se ipse nmnci/i spem reponet "siii. 

xa\(^ia(fOfiooju^vojvud).iaTan(t- (Die Mscr. schwaiiken zwischen 

otTai tTi nanoiuitc • ovTf yaQ yti-l- ipstt iind ipse.) 

QOjv ovTf Xvnovjiitvog ayav (/avrj- 13- 37. (ji/od — niteretiir ,,je- 

nfTCii (Sia To avTio ntnoiH^vai. des Producl des Pflanzenreichs". 

px se ipso apta : ,,\\em .\\\ii!i\o\\ rt arburcs — et ru miisste ei- 

ihm selbst abhiingig ist". s. zu 1\'. gentl., wegen des folgeiiden alia — 

17, 3S. .'f/itiis in diesem Sinne in atia, imGenili\- stehcii. \ gl. de nat. 

derRegel mit ex, s.21, (12 u. 25, 7(l. D. I. .'il, 87: Qnini/iie steliae, aliae 

/jec AMA7yeH.5a elc. ^gl. ad fam. V. propiiis a terris, aliae remotius. 

l',i, l : non atiiinde pendere ner e.v- cadeni spatia conficitint. 

trinsecusaiit brnr aiit malevivendi Jruifesjundat: ,, reichlich hei- 

suspensas liabere rationes. vorbringen", mehrmais bei Cicero. 

/■« se — sui, nnch Ribbccks Ver- 38. etiam gchiirt zii focilins. 

mulhungW orle des Tcucer aus der vis ipsiiis naliirae ,,dieTendeDZ 

gleichnam. (nach Sophokies bear- derNalur", niiml. dass jedes Ge- 

beiteten) Tragiidie des Paruvius, schiiiifinseinfr Art \ollkoinmen sei. 



LIBER V. 13, 39. 40. 14. 229 

frui libero, serpentes quasdam , quasdam esse {^radientes , ea- 
rum ipsarum partim solivagas , partim cougregatas, immanes 
alias, quasdam aulem cicures, nounullas abditas terraque tectas. 
Atque earum quaeque suura tenens munus , quum in disparis 
animantis vifam transire non possit, manet in lege naturae. 
Et ut bestiis aliud alii praecipui a natura datum est, quod suum 
quaeque retinet nec discedit ab eo : sic homini multo quiddam 
praestantius ; etsi praestantia debent ea dici , quae habent ali- 
quam comparationem ; humanus aulem animus decerptus ex 
mente divina cum alio nullo nisi cum ipso deo , si hoc fas est 
diclu, comparari polest. Hic igitur si est e.vcullus et si eius 39 
acies ita curata est, ut ne caecaretur erroribus, fit perfecta 
mens, id est absoluta ratio , quod est idem virlus. Et si omne 
beatum est, cui nihil deest et quod in suo genere expletum 
alque cumulatum est, idque virtutis est proprium : certe omnes 
virtutis compotes beali sunt. Et hoc quidem mihi cum Bruto 
convenit, id est cum Aristotele, Xenocrate, Speusippo, Polemone. 

Sed mihi videntur etiam beatissimi. Quid enim deest ad 40 
beate vivendum ei, qui confidit suis bonis? aut, qui diffidit, bea- 
tus esse qui potest? At diffidat necesse est, qui bona dividit 
tripertito. Qui enim poterit aut corporis firmitate aut fortunae 14 
, stabilitate confidere? Atqui nisi slabili et fixo et permanente 
bono beatus esse nemo potest. Quid ergo eiusmodi istorum est? 
ut mihi Laconis illud dictum in hos cadere videatur, qui glo- 
rianti cuidam mercatori , quod multas naves in omnem oram 
maritimam dimisissel : Nofi sa//e optabilis quidem ista, inquit, 
rudentihus apta foriuna. An dubium est, quin nihil sit 

partim =partem. 39. ut ne nach i/a fallt auf ; es 

quaeque suiim. kh\\e\c\mn^\on ist (nach Keil) so zu erklaren : si 

der gewohnlichen Wortslellung. eivs acics ita curata est, ut caii- 

munus ,,seine Bestimmung''. ■ tum sit, ne caecaretur. 

quod — retinet nec discedit ab quod est idem, zur Abwechslung 

eo, s. 3, 8 zu eiimque. fiir id est. 

etsi, s. zu IV^ 29^ 63. expletum atque cumulalum 

hahent comparationejn ,,eine ,,zum Ziel und Gipfel gekoramen". 

Vergleichung zulassen", wie IV. 14. 40. Non sane ,,nicht eben 

36, 77 dubitationem habere. sehr". Vgl. III. 10, 22. 

decerptits ex mente dicina. Cat. rudentibus apta, ganz wortlich : 

M. 21, 78: ex universa mente di- ,,au Schiffstaue gekniipft" (s. W. 

vina delibatos animos habemus. 17, 3S zu apte ferre) \ mit dem 

Stoische Lehre. Doch hatte schon blossen Ablativ (fiir ex) nur hier 

Plato diese Vorslellung (vom Aus- und de leg. I. 21, 56: vita apta 

fluss der menschlichen Seele aus virtute. 

der allgemeinen Weltseele) von qiiin nach an dubium est, weil 

Pythagoras aufgenommen. dies = non dubium est. 



230 



LIBER V. 14, 41. 42. 



habendum in eo genere, quo vita beala complcatur, si id possit 
amitti? JVihil enim interarescere , nihil exstingui , nihil cadere 
debel eorum , in quibus vila beata consistit. Nam qui timebit, 

41 ne quid ex iis deperdat, beatus esse non poterit. Volumus 
enim, eum, qui beatus sil, lulum esse, inexpugnabilem, saeptum 
atque munitum, non ut parvo metu praeditus sil, sed ut nuUo. 
Ut enim innocens is dicilur, uon qui levifer nocet , sed qui 
nihil nocet, sic sine metu is habendus est, non qui parvo metu 
est, sed qui omnino metu vacat. Quae est enim alia fortiludo, 
nisi animi affectio quum in adeundo periculo et in labore ac 

42 dolore paticns, tum procul abomnimetu? Alque haec certe 
non ita se haberent, nisi omnc bonum in una honestate con- 
sisteret. Qui aulem illam maximc optatam et expetilam secu- 
ritalem (securitatem aulem nuncappellovacuitalemacgritudinis, 
in qua vila beata posita est) habere quisquam potest, cui aut 
adsit aut adesse possit multitudo malorum? Qui autem poterit 
esse celsus et ereclus et ea, quae homini accidere possunt, 
omnia parva ducens , qualem sapientem esse volumus , nisi 
omnia sibi in se posita censebit? An Lacedaemonii , Philippo 
minitante per litleras, se omnia, quae conarentur, prohibiturum, 
quaesiverunt , num se esset eliam mori prohibiturus ; vir is, 



hahcndum iii co gencre: ,,zu 
den Diugea derjenigeu Art zu rech- 
nen — ". 

compleatur, Kiihners Conjectur 
fiir die Lesart der Hdschr. : com- 
plcctitur. Vgl. IG, 47 : sed his vi- 
tam beatam comp/eri ne^ant. 

41. atque munitiim ist nichl ein 

selbststiindigesGlied derRcihe, son- 

dern schliesst sich nui- an saeptum 

an ; daher die Conjunction dabei. 

So Lael. 3, 12 : a patribus con- 

scriptis, populo liomano, soriis et 

Lalinis ; Orat. 11, 30: horrida, 

inculla, abdita et opaca, und iifler. 

Einen andern Fall von et beim letz- 

len Ciiedc s. zu IV. 1, 1(>. 

^.^ metu praedilus. Aehnlich p. 

■^ Flacco 3, (i levilate, egestale, per- 

^^ Jidia, audaria : de inv. I. 47, 88 

\^^i.vitio grandi prardilus ; gewiihn- 

*^ licher freilich von guten Dingen. 

JtXyj^ s'"^ metn, adjectivisch , wie I. 

* ^ 22, 51 sine corpore. 
j^. " qui parvo metu est. Die codd. 



haben : qui parva metuit. So 
schlecht hat sich Cicero aber ge- 
wiss nicht ausgedriickt ; denn wer 
wenig Forcht hat (und das ist 
unliiugbar der Sinii), der wird nicht 
parva , sondern > ielinehr bloss 
magna fiirchten. Daher unsere 
Aenderung. (Aus metu st konnte 
sehr leicht metuit entstehen.) — 
Die iiltere Coiijcctur, qui parum 
metuit, ist niit Ciceros Sprachge- 
brauch unvereinbar, da bei ihm 
parum stets = non satis. 

prorul, hier iin Sinne des Ad- 
jectivs liber — etwas hart. 

42. sibi vor in se posita ist kein 
Pleoiiasmus, sondern zurBescliriin- 
kung des omnia (= omnia sua) 
nothwendig. 

/tn Lacedaeinonii — ; vir is — f 
Conclusio a minore ad maius. 
Ebenso mit an : 32, 90; p. Arcb. 
12, 30. Vgl. 11. 17, 39 zu Ergo. — 
Die Anekdole selbst wird auch an- 
derwiirts, doch etwas verscbieden. 



LIBER V. 15, 43. 44. 45, 231 

quem quaerimus, nou multo facilius tali animo reperietur quam 
civitas universa ? Quid? ad hanc fortiludinem, de qua loquimur, 
lemperantia adiuncta, quae sit moderatrix omnium commotio- 
num, quid potest ad beate viveiidum deesse ei , quem fortitudo 
ab aegritudine et a metu vindicet, temperantia quum a libidine 
avocet, tum insolenti alacritate gestire non sinat? Haec efficere 
virtutem oslenderem, nisi superioribus diebus essent explicata. 

Alque quum perturbationes animi miseriam , sedaliones 15 
autem vitam efficiant beatam , duplexque ratio perturbationis 43 
sit, quod aegritudo et metus in malis opinatis, in bonorum autem 
errore laelitia gestiens libidoque versetur; quum baec omnia 
cum consilio et ratione pugnent: his tu tam gravibus concita- 
tionibus tamque ipsis inter se dissentientibus atque distractis 
quem vacuum, solutum, liberum videris, hunc dubitabis beatum 
dicere? Atqui sapiens semper ita afTeclus est. Semper igitur 
sapiens beatus est. 

Alque eliam omne bonum laetabile est; quod autem laeta- 
bile, id praedicandum et prae se ferendum; quod tale autem, 
id eliam gloriosum ; si vero gloriosum , certe laudabile ; quod 
laudabilc autem, profecto etiam honestum ; quod bonum igitur, 
id honestum. At quae isti bona numeraiit, ne ipsi quidem ho- 44 
nesta dicunt. Solum igilur bonum , quod honestum ; ex quo 
etficitur, honestate una vitam contineri beatam. Non sunt igi- 
tur e^a bona dicenda nec habenda, quibus abundantem licet esse 
miserrimum. An dubitas, quin praestans valetudioe, viribus, 45 
forma , acerrimis integerrimisque sensibus ; adde etiam , si 
libet, pernicilatem et velocilatem ; da divitias, honores, impe- 
ria, opes, gloriam; si fuerit is, qui haec habet, iniustus, intem- 
perans, timidus, hebeti ingenio atque nullo — dubitabisne eum 
miserum dicere? Qualia igitur ista bona sunt, quae qui habeat, 

erzahlt, z. B. Val. Max. VI. 4, abuiidantem, s. 1.38,91 zu m- 

ext. 4. dicantem. 

insolenti alacritate ; dafiir 15, ^5. An duhitas quin - Statt 

43 laetitia gesliens. nachber mit /«we»-*/^ zu schhessen, 

^^ .„ ^ , ^. wirJ der Satz der Deutlichkeit we- 

15- 43. perturbationes — per- ■,. i i -t t ■ ■ ™ 

. , ,. . H7 o< nr sen mit dubitabisne eiim mtserum 

turoationts, s. zu IV. 6\, bo. j. ivt r „ 

' ' dicere von iNeuem auigenommen. 

in bonorum errore = in bonis hebeti ingenio atque nullo. Main 

opinatis. beachte die Steigerung mit atque. 

44. numerant ,,fiir etwas hal- So de ieg. III. 14, 32: pauci at- 

ten", auch mit singular. Objecten que admodum pauci ; Orat. 16, 

nicht selteu, z. B. p. Mur. 24, 49 : 52 : rem difficilem atque omnium 

Sulpicium accusatorem suum nu- difficillimam. Haufig steht dann 

merabat, non competitorem. ^^SL *>''^'' etiam dabei. 



232 



LIBKR V. K;, 4C. 47. 



miserrinuis esse possit? Videamus, ne, ut acervus ex sui 
generis granis, sic beata vita ex sui similiitus partibus effici 
debcat. Quod si ila esl, ex bonis , quae sola honesla sunt, 
efiiciendum est beatum ; ea mixta ex dissimilibus si ei unt, 
honestum ex iis ellici niliil poleril; quo detracto quid poteril 
beatum intelligi? Etenim quicquid est, quod bonum sit. id ex- 
petendum est; quod autem expetcndum, id certe approban- 
dum; quod vero approbaris, id gratum acceptumque hahendum ; 
ergo eliam dignitas ei tribuenda esl. Quod si ita est, laudabile 
sit necesse est; bonum igitur omne laudabile. Kx qu<> ellicitur, 
ut, quod sit honestum, id sit solum bonuui. 
16 Quod ni ila tenebimus, multa erunl, quae nobis bona di- 

46 cenda sint: omitto divitias, quas quuni quivis quamvis indignus 
habere possif, in bonis non numero ; quod enim esl bonum, id 
non quivis habere potest; omilto nobililatcm famaraqiie jiopu- 
larem sluhorum improborumque consensu e.xcitatam, — haec, 
quae sunt minima, lamen bona dicantur neccsse est, candiduli 
dentes, venusti oculi, color suavis et ea , quae Anticlea laudat 
Ulixi pedes abluens, 

Leniludo ordlionis, molUludo corporis ; 
ea si bona ducemus, quid erit in philosophi gravitate, quam in 
vulgi opinione stultorumque turba , quod dicatur aut gravius 

47 aut graudius? — At enim eadem Stoici praecipua vel pro- 
<^Mc^rt dicuut , quae bona isti. — Dicuut illi quidem , scd his 



Fideainus, ne — , s. zu I. 34, 83. 

sola gehcirt nicht zum Subject 
quae, sondern zum Priidicat; also: 
,,aus solcben Gdtcrn , welcbe rein 
sittlicher Art sind". 

bcatum, substant., zur Abwech- 
selung fiir beata vita. So de fin. 
28, 84 : virtutein, iti qua sit ipstim 
etiaui bealum. Dafiir hat Cicero 
spiiler (dc nat. I). I. 34, 95) beati- 
tas und beatitado neu gebildet. 

16. 4t). miiiima ,, Dinge von 
sebr geringem \\erthe". 

candiduli dentes, dasDeminutiv 
bier splittiscb : ,, biibscii weisse 
Ziibne ". 

Anticlea war des UlyssesMutter. 
Cicero hat sicb versehen : er meinte 
die Euryclea, seine Amme. 

Lenitudo etc. , aus Pacu\ ius 
„Iiil>lra'' (s. II. 21, 48). Vgl. 
Hom. Od. XIX. 380 sq. 



quid erit, etc. Sinn : so bat der 
Weise vor dem Unweisen Nichts 
voraus. 

aut gravius aut grandius ,,was 
ernster oder erhabener genannt 
werden kiinnte". Zu der Parono- 
masie vgl. 21, 62 salvus — sanus. 

47. At vnim (wie ukktc ycio) : 
,,Aber dagegen ist etwas eiozu- 
wenden ; nliinlicb — ". 

praeci/jua. Alle Dinge ausser 
dem sitllich filulen und Schlecbten 
nannten sie u(Sii((fOQu {media, sitt- 
lich gleichgiillige), unterscbieden 
diese aber in TTootjyii^yu {praeci- 
pua , praepusita , prodncta) , na- 
turgemiisse, uud a7ionQor]yf.t^V('. 
{remota, reiecta, reieclanca), na- 
turwidrige. Mehr dariiber s. de fin. 
III. c. 15 e\tr. u. c. 16. 

ilii quidem, die Stoiker; hi au- 
iem, die Pcripatetiker. 



LIBER V. 16, 4S. 17, 49. 233 

vitam beatam compleri negant; hi aulem sine iis esse nuUam 
putant aul, si sit beala , beatissimam certe negant. Nos autem 
volumus beatissimam , idque nobis Socratica iila conclusione 
confirmatur. Sic enim princeps ille philosophiae disserebat: 
qualis cuiusque animi affectus esset, talera esse hominem ; qua- 
lis autem homo ipse esset, talem eius esse orationem ; orationi 
autem facta similia, fectis vitam. Atfectus autem animi in bono 
viro laudabilis , et vita igitur laudabilis boni viri , et honesta 
ergo, quoniam laudabilis. Ex quibus, bonorum beatam vitam 
esse, concluditur. — Etenim, pro deoruni atque hominum 48 
fidem ! parumne cognitum est superioribus nostris disputatio- 
nibus, an delectationis et otii consumendi caussa locuti sumus, 
sapientem ab ouini concitatione animi, quam perturbalionem 
voco, semper vacare? semper in animo eius esse placidissimam 
pacem? Vir igitur teraperatus, constans, sine raetu, sine aegri- 
tudine , siue alacritate illa, sine libidine nonue beatus? At 
semper sapiens talis. Seraper igitur beatus. lara vero qui 
pofest virbonus non ad id, quod laudabile sit, omnia referre, 
quae agit quaeque sentit? Refert autem omnia ad beate viven- 
dura ; beata igitur vita laudabilis ; nec quicquara sine virtute 
laudabile ; beata igitur vita virlute conficitur. 

Atque hoc sic etiam concluditur. Nec in raisera vila quic- 17 
quam est praedicabile aut gloriandum, nec in ea, quae nec mi- 49 
sera sit nec beala. Et est in aliqua vita praedicabile aliquid et 
gloriandum ac prae se ferendum, ut Epaminondas: 
Consiliis ?iostris Imis est attonsa haco7mm ,• 

48. Etenim {xtti yc<Q) : ,,Und unpassend ulla. Dafiir vermuthet 

mit RecLt ; denn es hat sich ja Sauppe, weii im Nonius p. 457, 6 

wohl hinlanglich gezeigt — ". das folgende 5i«e fehlt : «/am?a/e, 

pro — fidem klingt fiir uns sehr nulla libidine, mit Bezug auf II. 

feierlich, mag aber wohl, durch den 11, 26 u. dgl. St.) 

Sprachgebrauch gemildert, nicht 17. 49. Ef — afqui, s. zu III. 

viel mehr als unser ,,fiirwahr" 4, 9. 

gewesen sein. in aliqua vita ,,in manchem 

alacritate hier in malam par- Leben". 

tem (= ijSovri bei den Stoikern), est — gloria?idum (und § 50 

worurimi.Buche laetitia gestiens, beata vita gtorianda est) ; s. III. 

— exsultans, — nimia, auch lae- 7, 15 zu ad munus fungendum. 

titia allein, oder inanis — , inso- Gloriari kommt auch wirklich bis- 

lens — , /utilis alacritas gehraucht weilen mit dem Accusativ, freilich 

waren. Darauf hinweisend scheint nur v. Pronom., vor. So Cat. M. 

Cic, da alacritas im gewohnlichen 10,32: Vellem equidem idemposse 

Sprachgebrauche dieseu Sinn nicht gloriari quod Ci/rus; ib. 23, 82: 

hat, das Pron. illa hinzugesetzt ut de me ipso aliquid glorier. 

zu haben. (In den Hdschr. steht Consiliis etc. Nach Pausan. IX. 



234 



LIBER V. 17, 50. 51. 18, 52 



50 



51 



tf 52 



ut Africanus : 

u4 solc exoriente siipra Maeotis paludes 
Nemo est, qiiifactis aequiperare qiieat. 
Quod si est , beala vila glorianda et pracdicanda el prae se 
ferenda est; nihil cst cnini aliiid , quod praedicanduni el prae 
se ferendiim sit. Quibus posilis intelligis, quid scqualur. Et qui- 
dem, nisi ea vita beala esl, quae csl eadem bonesta, sit aliud 
necesse est melius vila bcata. Quod erit cnini honeslum, certe 
fatebuntur essc melius. Ita eril beata vita meiius aliquid; quo 
quid potest dici perversius? Quid? quum fatentur satis magnam 
vim esse in vitiis ad miseram vitam, nonne fatendum est, ean- 
deni vim virtutum esse ad bcatam vitam? contrariorum cnim 
contraria sunt consequentia. Quo loco quaero, quam vim ha- 
beat libra illa Critolai, qui quum in altcram lancem auimi bona 
imponat, in alteram corporis et externa, lantum propendere 
illam ianccm pulet, ul lcrram et maria deprimat. 

Quid ergo aut hunc prohibct aul etiam Xenocratem ilium, 
gravissimum philosophorum , exaggcrantem lanto opere virtu- 
tem, cxtenuantem cetera et abiicientem, in virtutc non beatam 
modo vilam, sed etiam bealissimam ponerc? quod quidem nisi 
fit, virtutum interilus conscquctur. Nam in qucm cadit aegri- 
ludo , in cundeni nietum cadere necesse esl ; cst enim metus 
futurae aegritudinis sollicita cxspcctatio ; in quem autem melus, 
in eundem formido, timiditas, pavor, ignavia; ergo , ul idera 






i 15, 4(der das Epigramiii voUstandig 
** *^- , gieht):'II/uiTfo(ag jiov).nTg2^7ic<()T7j 
[^^■'u^tJ fihv iy.iiQccTo do^ctv. 

Africamis, der Aeltere. Das Di- 
sticbon ist aus Ennius. 

supra — paliidcs, aufdie Frage 
„wo?", Zusatz zu a solc exoriente. 
Maeotis, Genitiv fiir Maeotidis. 

acqiiiperare, sc. me. Ebenso obne 
Object Pacuv. bei Nonius p. 3(1" : 
si ita sii/it promerita vestra, ae- 
quiperarc iit queam. 

50. contrariorum etc. : ,,denn 
Entgegengesetztes ergiebt Entge- 
gengesetztes". 

51. quam vim habeat, wie 1.22, 
52 hanc liabet vim pracrcptum 
Apollinis. 

libra illa Critolai. Aucb de fin. 
V. 30, !tl wird dasselbe Bild an- 



'i: 



gefiihrt. — Critolaus, der Peripat., 
gehiirte als Dritter zu der I\'. 3, 5 
erwahnten Gesandtschaft. 

animi bona — corporis — externa. 
Specialisirt : ad Her. III. G, 10. 

propendere ,.sinken, inehr wie- 
gen". Vgl. 31, 86. 

iit terram et maria deprimat 
.,dass INichts ihr Sinkcn aufhalten 
kann". 

18. Xenocralem, s. zu 1.10,20. 
Er schrieb (nach Diog. L. IV. 12) 
nfQi ccQtTtjg. 

exaggerantem = extollentem, 
wie III. 19, 45 exaggeratis regiis 
opibiis und unteii 30, 85. 

52. formido. Man beachte den 
Uebergang zum INoniin. ; statl ca- 
dere nccesse est isl also hier cadit 
zu suppliren , wie auch nachber zu 
ergo : in eum ctiam cadit. 



LIBER V. 18, 53. 54. 19. 



235 



vincatur inlerdum nec putet ad se praeceptum illud Alrei per- 
tinere : 

Proinde ita parenl se in vita, nt vinci nesciant. 
Hic autem vincetur, ut dixi, nec modo vincetur , sed etiani 
serviet. Nos autem virtutem semper liberam volumus, semper 
invictam. Quae nisi sunt, sublata virtus est. Atque si in vir- 53 
tute satis est praesidii ad bene vivendum , satis est etiam ad 
beate. Salis est enim certe in virlule , ut fortiter vivaraus ; si 
fortiter, etiam ut magno animo, et quidem ut nulla re umquam 
terreamur semperque simus invicti. Sequitur, ut nihii poeni- 
teat, nihii desit, nihil obstet; ergo omnia profluenter , abso- 
lute , prospere , igitur beate. Satis autem virtus ad fortiter 
vivendum potest; satis ergo etiam ad beate. Etenim ut stul- 54 
titia, etsi adepta est, quod concupivit , numquam se lamen sa- 
tis consecutam putat: sic sapientia semper eo contenta est, 
quod adest, neque eam umquam sui poenitet. 

Similemne putas C. Laelii unum consulatum fuisse et eum 19 
quidem cum repulsa — si, quum sapiens et bonus vir, qualis ille 
fuit, sufFragiis praeteritur, non populus a bono consule potius, 
quam iile a populo, repulsam fert — sed tamen utrum raalles te, 
si potestas esset , semel ut Jjaelium consuiem , an ut Cinnam 



Proinde , zweisylbig, s. Zumpt 
§ 11; wegen d. BedeutuDg„deshalb" 
ib. § 344. — Der Vers ist wahr- 
scheinlich aus Accius ,, Atreus". 

53. iif nihil poeniteat, wie 28, 
81 quod poenitere possit; s. Zumpt 
§ 442. 

omnia profluenter etc, erganze 
^e habebunt. 

absolute ^=perfecte, wie de fin. 
III. 1, 26 absolute vivere. 

igitur, s. zu I. 6, 11. 

19. 54. bis Cap. 24 : Beispiele, 
dass das Laster ungliickiich , die 
Tugend gliicklich macht. 

Similemne etc, ein Anakoluth. 
DerSatz sollte heissea : Similemne 
putas C. Laelii unum consulatum 
yuisse quattuor Cinnae consulati- 
bus ? VVegen der Z wischensatze aber 
nimmt Cicero den Gedanken mit 
sed tamen etc von IVeuem auf. 

C. Laelius Sapiens, der Busen- 
freund des jiingern Africanus, war 



im J. 140 Consul mit Q. Servilius 
Capio. 

cum repulsa. Fiir das vorher- 
gehende Jahr hatte er sich vergeb- 
lich darum beworben. 

ma/les te — consuleyn. f^elle und 
malle, mit dopp. Accus. , ohne den 
Infin. esse, kommt ofter vor; so 23, 
66 : qui se non hunc jnathemati- 
cum malit quam illum tyrannum; 
de ofi". II. 22, 78 : qui se populares 
volunt. 

ut Cinnam quater. L. Cornelius 
Cinna, 87 v. Chr. Consul, in den 
damaligen blutigen Parteikampfen 
als popularis von seinem CoUegen 
Cn. Octavius, der zu den Oplimaten 
gehcirte, aus Rom verdrangt, zog 
bald darauf im Bunde mit Marius 
als Sieger, unter furchtbarem Mor- 
den und Pliindern, wieder ein, und 
usurpirte das Consulat auch 86, 85 
und 84, wo er, bei der bevorstehen- 
den Riickkunft SuUas aus Asien, 



236 



LIBER V. 19, o5. 5G. 



55 quater? Non dubito , tu (juid responsurus sis ; itaque video, 
cui committam. Non (|ueiiivis hoc idem interrogarem ; respon- 
deret enim alius lortasse, se non modo qualtuor consulalus uni 
anteponere, sed ununi diem Cinnae multorum et clarorum vi- 
rorum tolis aelatibus. Laelius, si dijjito quem attigisset, poe- 
nas dedisset. At Cinna collegae sui , consulis Cn. Octavii, 
praecidi caput iussit, P. Crassi, L. Caesaris , nobilissimorum 
hominum, quorum virtus fuerat domi militiaeque cognita, 
M. Anlonii, omnium eloquentissimi, quos ego audierim, C. Cae- 
saris , in quo milii videtur specimen fuisse humanilatis , salis, 
suavitalis, leporis. Beatusne igilur, qui hos interfecit? Milii 
contra non solum eo videtur miser, quod ea fecit, sed etiam 
quod ita se gessit, ut ea facere ei liceret. Etsi peccare nemiiii 
licet; sed sermonis errore labimur; id enim licere dicimus, 

56 quod cuiquc conceditur. Ufrum tandem beatior C. Marius tum, 
quum Cimbricae victoriae gloriam cum collega Catulo coiiunu- 
nicavit, paene altero Laelio (uam liunc illius duco similliinum). 



von seinen eigenen Soldaten er- 
mordct wurde. 

55. itaqitc — committam : ,,da- 
her weiss icli auch, wem ich ver- 
traue (d. h. auf wcn ich es ankom- 
men lasse)". Vgl. in Verr. IV. 7, 
16 commisi Hejo. Cicero ztihlt 
seinen jungen Freund zu der Par- 
thei der Optimaten, der er selbst 
angehbrte. 

collegae sui, consulis. Die Ap- 
positionen als das VVichtigere hier 
vor den Eigennamen gestellt, wie 
32, 90 Scijlhes /tnacharsis. 

Cn. Octavius. Ein Reiterhaupt- 
mann schnitt ilim den Kopfab und 
steckte ihn auf die Rednerbiihne. 

P. Crassus, der Vater desTrium- 
virs. !Vach de orat. III. 3, wo von 
diesen Hinrichtungen ausfiihrlicher 
die Rede ist, nahm er sich selbst 
das Leben. 

L. luliits Caesar Straho, Consul 
im J. 90, Bruder des nachher ge- 
nannten C. Juiius Caesar Strabo. 

M. Anloniits, s. zu II. 24, 57. 
Plutarch , Appian und Valer. Max. 
schreiben seinen Tod dem Marius, 
Vellejus beiden Siegern zu. Cicero 
aber musste hier daran liegen , die 



ganze Schuld auf Cinna fallen zu 
lassen. 

quos ego audierim. Der Con- 
juncliv, wie I. 16, 3S quod litteris 
exstet. 

specimen ,,Muster, Ideal " ; vgl. 
I. 14, 32 specimen naturae. So 
wird in Pis. 39, 95 P. Rutilius 
gradezu ein specimen innocentiae, 
de nat. D. III. 32, SO Q. Scavola 
temperantiae pi'udentiaeque spe- 
cimcn genannt. 

Etsi, hier partic. correct. , wie 

IV. 29, 63. 

sermonis errore labimitr etc. : 
,,aber der Fehler liegt in dein fal- 
schen Sprachgebrauche: \\\r nennen 
nainlich immer das erlaubl, was 
einem gestaltet (nicht verwehrt) 
wird ". 

56. quiim — coinmitnicavit. 101 

V. Clir. schiug Marius, daniais zum 
5. Male Consul, mit dem Proconsul 
y. Lutatius Catulus, der vor den 
Cimbern zuriickgewichcn war, ver- 
einigt, dieselben anf den Raudi- 
schcn Feldern bei Verona in ent- 
scheiilendor Schlacht. 

illiits — simillimum. Die Hdschr. 
hahen ////, gegen Cic.'s Sprachge- 



LIBER V. 20, 57. 58. 237 

an quum civili bello victor iratus necessariis Catuli deprecanti- 
bus non seqiel respondit, sed saepe ,,i]/onfl^Mr/" ? In quo 
beatior ille, qui huic nefariae voci paruit, quam is, qui tam 
scelerate imperavit. Nam quum accipere quam facere praestat 
iniuriam, tum morti iam ipsi adventanti paullum procedere ob- 
viam, quod fecit Catulus, quam, quod Marius , talis viri inter- 
itu sex suos obruere consulatus et contaminare extremum 
tempus aetatis. 

Duodequadraginta aunos tyrannus Syracusanorum fuit Dio- 20 
nysius , quum quinque et viginti natus annos dominatum occu- 57 ^^ 
pavisset. Qua pulchritudine urbem , quibus autem opibus 
praeditam seryitute oppressam tenuit civitatem ! Atqui de hoc 
homine a bonis auctoribus sic scriptum accepimus , sumraam 
fuisse eius in victu temperautiam , in rebusque gerundis virum 
acrem et industrium , eundem tamen maleficum uatura et iuiu- 
stum. Ex quo omnibus bene veritatem intuentibus videri ne- 
cesse est miserrimum. Ea enim ipsa, quae concupierat, ne 
tura quidem , quum omnia se posse censebat , consequebatur. 
Qui quum esset bonis parentibus atque honesto loco natus (etsi 58 
id quidem alius alio modo tradidit) abundaretque et aequalium 
farailiarilalibus et consuetudine propinquorura , haberet etiara 
raoreGraeciaequosdara adolescentes amoreconiunctos : credebat 

brauch (s. zti I. 15, .31). Wir haben Ea qiiae umquatn vetitstas obruet 

(laher Wesenbergs Verbesserung aut quae tanta delehit ohlivio'^ 

aufgenommen , um so mehr, da in extremum tempus aetatis. Er 

den besten Mscr. die Endung us starb schon im folg. Jahre, wiihrend 

durcb Abbreviatur bfter verloren seines 7. Consulats. 

gegangen ist (z. B. II. 24, 58 bei 20- 57: Dionysius, der Aeltere, 

omittamus u. JV. 12, 27 bei ve- von 105 bis 367 v. Chr. 

niamns~). quibus aiitem opibus, s. zu IV. 2,5. 

Moriafur! Nach Plut. Mar. 44 de hoc Iwmine — accepimus — 

erstickte sich Catulus damals (87) eius — . Vgl. IV. 22, 50: de Afri- 

durch Kohlendampf, nachdem Ma- cano vel iurare pos.sum,illum — ; 

rius auch ihn zum Tode verurtheilt de orat. II. 1,3: de Antonio acce- 

hatte. peramtis, quem ad modum ille etc. 

accipcre—iniuriam. Plat. Gorg. — Zum luhalt vgl. INep. de regib. 2. 

p. 290: Ei (hmyxccTov fi'r] aSixeTv 58. alius alio modo. Nach Pho- 

J7 t(6txtTa{iKt, fXoi/nrjV kv /LiaXlov tius soll er der Sohn eines Esel- 

ciStxtTGO^cct TJ lit^ixtiv. — IScichGell. treibers, nach Diod. Sic. der eines 

XII. 9 sagte Metellus Numidicus: Schreibers gewesen sein. 

Prtjbiiniuriamfaciliusaccipiunt, credebat ohne Object ~ fidem 

qiiam alteri tradunt. hnbebat, sonst nicht bei Cicero 

sex — consulatus : 107 u. 104 (denn bei mihi crede ,,glaube es 

— 100 V. Ciir. . mir " ist immer eine bestimmte Be- 

oftrwere„verdunkeln, ihrenRuhm hauptung als Object zu denken) ; 

vernichten". So p. Deiot. 13, 37: doch bei Sallust und Livius iifter. 



238 LIBER V. 20, 59, 60. 61. 

eoruin neniini, sed iis, (juos cx familiis locupletium servos de- 
legerat, quibus nomen servitutis ipse detraxerat, et quibus- 
dam convenis et feris barbaris corporis custodiam committebat. 
Ita propter iniustam dominatus cupiditatem in carcerem quo- 
dam modo ipse se incluserat. Quin etiam , ne toiisori collum 
committerel, tondere filias suas docuit. Ita sordido atque an- 
cillari artificio regiae virgines, ut tonstriculae, tondebant birr- 
bam et capillum patris. Et tamen ab liis ipsis, quum iam essent 
adultae , lerrum removit instiluitque, ut caudenlibus iuglan- 

59 dium putaminibus barbam sibi el capilluni adurerent. Quumque 
duas uxores haberet, Aristomachen civem suam , Doridem au- 
tem Locrensem , sic noctu ad eas ventilabat , ut omnia specu- 
laretur el perscrularetur anle. Et quum fossam lalam cubicu- 
lari lecto circumdedisset eiusque fossae Iransitum ponticulo 
ligneo coniunxisset , eum ipsum, quum forem cubiculi clause- 
rat, delorquebat. Idemque quum in communibus suggestis con- 

60 sistere non auderet, contionari ex turri alta solebat. Atque is 
quum pila ludere vellet (studiose enim id factilabal) tunicamque 
poneret, adolescentulo , quem amabat, fradidisse gladium di- 
citur. Hic quuni quidam familiaris iocans dixisset : Huic qui- 
dem certe vilam tuam committis , arrisisselque adolescens, 
utrumque iussit interlici, allerum , quia viam demonstravisset 
interimendi sui, alterum , quia diclum id risu approbavisset. 
Atque eo facto sic doluit, niliil ut lulerit gravius in vita ; quem 
enim vehemenler amarat, occiderat. Sic distrahuntur in con- 
trarias partes impotentium cupidilates. Quum huic obsecutus 

61 sis , illi est repugnandum. Quamquam hic quidem lyrannus 
ipse iudicavit, quam esset beatus. 

e.v JamiUis ,,aus deii Gesinde- nanateii beidcii aii eineni Tage 

stuben". (Val. Ma.v. IX. 18, ext. 4). 

nomen delraxerat. Er nannte civem sitam , die Sctiwester des 

sie (nach Diod. VI. 14) Neubiirger, Dion. 
VfonoXtTKi. Locrensem : aus Locri in Unter- 

iit lonslricitlac. Weibiiclie Bar- italien. 
biere iioininen aucli sonsl bisweilen cuhicitlari lecto. Es ist hier na- 

vor, z. B. Plaul. Truc. 11. 4. 51. turlicli dasGebaude (derPavillon), 

ut — adiircrcnt. Dieselbe Ge- in welchem sein Bett stand , ge- 

schichte: de olf. II. 7,25; Val. Max. meiiit. 
IX. 1, exfr. 3, und anderwiirts. tunicamqiic poneret, s. I. 11,24 

59. duas uxorcs , niiinlich zu zu posui librum. 
gleicher Zeit. Iin Ganzen hat er inipotcntiurn, wie 7, 17. 

(nach Nep. de reg. 2, •{) drci Frauen huic — i/ii ,, der einen — der 

gehabt. Nach dem Selbstmorde der andern (Begierde)". 
ersten, derMutter des jiingern Dio- 61. iudicavif ,,hat seiu Urtbeil 

nysius, heirathete er die hier ge- dariiber angedeutet". Vgl. de ofl".^ 



LIBER V. 21, 62. 22,63. 239 

Nam quiim quidam ex eius assentaloribus, Damocles, com-2l 
memoraret in sermone copias eius , opes , maiestatem domina- 
tus, rerum abundantiam , magnificentiam aedium regiarum, 
negaretque umquam beatiorem quemquam fuisse : Visne igitur, 
inquit, o Damocle^ quoniam te hacc vita delectat, ipse eadem 
degustare et fortunam experiri meam ? Quum se ille cupere 
dixisset , collocari iussit hominem in aureo lecto , strato pul- 
cherrimo textili stragulo magnificis operibus picto , abacosque 
complures ornavit argento auroque caelato. Tum ad mensam 
eximia forma pueros delectos iussit consistere eosque nutum 
illius intuentes diligenter ministrare. Aderant unguenta , co- 62 
ronae; incendebanlur odores; mensac conquisitissimis epulis 
exstruebantur. Fortunatus sibi Damocles videbatur. In hoc 
medio apparatu fulgentem gladium e lacunari seta equina aptum 
demitti iussit, ut impenderet illius beati cervicibus. Itaque nec 
pulchros illos ministratores adspiciebat nec plenum artis argen- 
tum , nec manum porrigebat in mensam ; iam ipsae defluebant 
coronae ; denique exoravit tyrannum , ut abire liceret , quod 
iam beatus nollet esse. Satisne videtur declarasse Dionysius, 
nihil esse ei beatum, cui semper aliqui terror impendeat? At- 
que ei ne integrum quidem erat, ut ad iustitiara remigraret, 
civibus libertatem et iura redderet; iis enim se adolescens im- 
provida aetate irretierat erratis eaque commiserat, ut salvus 
esse non posset, si sanus esse coepisset. 

Quanto opere vero amicitias desideraret, quarum infideli- 22 
tatem extimescebat , declaravit in Pythagoreis duobus illis, 63 

ni. 22, 86: Qiiamqvam id quidem strafores, ist der eigentl. Ausdruck 

(sc. nihil esse utile, qiiod hone- fiir Tischbedienung , unser ,,ser- 

stum non esset^ a Fabricio et a viren". Vgl. I. 26, 65. 

senatu nostro iudicatum est. 62. odores, s. zu III. 18, 43. 

21. Datnocles. \gl. Hor. Csirm. cervicibus , bei Cicero Plurale 

III. 1, 17 sq. : tantum. 

Destrictus ejisis cui super impia dejluebant — sensim delaheban- 

Cervice pendet, non Siculae dapes tur. Liv. II. 20 : moribundus {de 

Dulcem elaborabunt saporem etc. equo) ad terram dejluxit. 

hominem fur eu7n, s. zu 1. 21 , 49. Satisne, s. I. 27, 67 zu potesne. 

pulcherrimo textili stragulo. nihil esse ei beatum ,,dass es 

Die Adject. sind bier nicht durch fiir den kein Gliick giebt — ". VgL 

das sonst nothige et verbunden, 15, 45. 

weil textili stragulo gleichsam neintegrum quidem erat,ut — , 

EinenBegriff bildet. — Dergleicben s. Zumpt Gr. § 623. 

gestickte Teppiche hiessen gewohn- salvtis — *aw?/5, Paronoraasie,wie 

lich phrygiscbe; vgl. Verg. Aen. \&, i% aiit gravius aut grandius. 

III. 483. 22. 63. in Pijthagoi^ei.i duobus, 

ministrare, wie nachber mini- Damon u. Phintias. Ausfiihrlicher : 



240 



LIBER V. 23, 04. 



quorum quum alterum vadem morlis accepissel, alter, ut vadera 
suum liberaret, praesto fuisset ad horam mortis destinatam: 
Utinam ego, inquit, tertius vobis amtcits adscribover l Quam 
huic erat miserum carere consuetudine amicorum , societate 
victus , sermone omnino familiari ! homini praeserlini docto a 
puero et artibus ingenuis erudito. Musicorum vero persludio- 
sum, poetam etiam tragicum — quam bonum, nihil ad rem : in 
hoc enim genere nescio quo pacto magis quam in aliis suum 
cuique pulchrum est ; adhuc nemincm cognovi poetam (etmihi 
fuit cum Aquinio amicilia), qui sibi non optimus videretur; sic 
se res habet: ,,te tua, me delectant mea" — sed , ul ad Dio- 
nysium redeamus, omni cultu ct victu humano carebat; vivebat 
cum fugilivis, cum facinorosis, cumbarbaris; neminem , qui 
aut libertate dignus esset aut vellct omnino liber esse , sibi 
amicum arbilrabatur. 
23 Non ego iam cum huius vita, qua taetrius, miserius, de- 

64 testabilius excogitare nihil possum , Platonis aut Archytae vi- 
tam comparabo , doctorum hominum el plane sapientium; ex 
eadem urbe humilem homunculum a pulvere et radio eXcilabo, 

jufror y.ttTt/tir tov y0.unci. Vgl. 
Diodor. XN . 6. 

ciiin Aquinio (oder .Iquino), 
eineiii selir sclilechtcu Dicliter, der 
aucli vou Calull. 14, l^ {^qui/ios) 
spriichwortlicli eiwiihnt wird. 

qui — videretur. Arist. Eth. IX. 
7: vnfnnynnwair oi nonjTcd t« 
oixficc nQciy/uctTcc , aT^Qyoms 
oianfQ T^y.vct. 

omni cultu et victii liumano 
,,Alles was das Lehen bildet und 
den Genuss desselben ausmacht". 

23. «>1. Are/njtar, s. zu IV. 30, 7S. 

humilcm /lomuncii/um, iiii Hin- 
blick auf Archiinedes uiedrigr Ab- 
kunft und diirftige Verhaltnisse. 
Sil. Ital. XIV. 342: 
/'irfnit Ist/imiacis decus immor- 

ta/e co/onis, 
Ingcniofaci/e an/e omnes te/luris 

a/umnos, 
Nv du s o p u m , svd rui caetum 
/erraequc patcrent. 

a pu/verc et radio. Hadius hiess 
das Stiibchcri, iiiit welcheni die Ma- 
ihematiker iii dem Glasslaube {pu/- 
vis), womif sie den Tisch beslrcut 



Aristoxenus b. lamblich. vit. P\lli. 
§ 253 (dessen Bericht zcigt, dass Cic. 
irr th iiin I ich dcm siltern Dio- 
nysius dies Erlebniss zuschreibt), 
Cic. de oU'. III. Id, 45 uud \a\. 
M. IV. 7, ext. 1. — Schiller in der 
,, Biirgschaft " folgt in deu !\amen, 
gegen alle iibrige Zeugnisse, eiuer 
spatereii Autoritiit , dem Hyginus, 
der sie fab. 257 Miirus uud Seli- 
nuntius (slalt Dionys aber Phalaris) 
nenut. 

Ulinam — adscribcrer ! N^arum 
der Couj. Im pe r f. ? 

docto ,,sorgfliltig gebildet". 

Musicorum — perstudiosuvi etc. 
VVieder ein iu Folge der Zwischeii- 
siitze uuvollendeter Satz, der etwa 
m\\ fiiisse cum acccpimus schlies- 
sen sollte. — Musieorum ist das 
Neulrum, wie I. 24, 57 ; si gcome- 
trica didicixsef. 

poctam ctiam tragicum. Lucian. 
adv. Indoct. 15: X^ytTcci yccQ y.ccl 
.iiovvaiov TQCcy(t)(Uccr noitir (fnv- 
j.wg nccru y(c\ yiloioig , (jiarf tov 
'/'iko^tror noXXccxig di' ccvrijr ^g 
Tccg Xccio/niccg ifintatTv, ov (tvva- 



LIBER V. 23, 65. 66. 



241 



qui raullis annis post fuit, Archimedem. Cuius ego quaestor 
ignoratuin ab Syracusanis, quuni esse oninino negarent, sae- 
ptum undique et vestitum vepribus et dumetis indagavi sepul- 
crum. Tenebam enim quosdam senariolos, quos in eius monu- 
nienlo esse inscriptos acceperam , qui declarabant , in summo 
sepulcro sphaeram esse positam cura cylindro. Ego autem, 65 
quum omnia colluslrarem oculis (est enim ad portas Agragianas 
raagna irequentia sepuicrorum) , animum adverti columellam 
non multum e dumis eminentem, in qua inerat sphaerae figura 
el cylindri. Atque ego statim Syracusanis (erant autem princi- 
pes mecum) dixi, rae illud ipsum arbitrari esse, quod quaere- 
rem. Iramissi cum falcibus multi purgarunt et aperuerunt lo- 
cum. Quo quum patefactus esset aditus , ad adversam basira 66 
accessiraus. Apparebat epigraniraa, exesis poslerioribus parli- 
bus versiculoruni diniidiatis fere. Ila nobilissima Graeciae 
civitas, quondam vero etiam doctissima , sui civis uuius acu- 
tissirai monumenlum ignorasset, nisi ab horaine Arpinale di- 
dicissel. Sed redeat, unde aberravit, oratio. Quis est omniuni, 
qui niodo cum Alusis , id est cura hunianitate et cuni doctrina, 
habeat aliquod commercium , qui se non hunc raathematicum 
malil quam illum tyrannum? Si vilae raodum actionemque 
quaerimus , alterius raens ralionibus agitandis exquirendisque 
alebatur cum oblectalione sollertiae , qui est unus suavissimus 



hatlen , ibre Zeiciiiiungeii zu enl- 
werfen pflegten. Daher de nat. D. 
li. IS, 4S : ?iii/nqi/am eruditiim 
ilhim pulverem aftigistis : ,, ihr 
hal)t nie Mathenialilc getrieben". 

ego qnaestor, 76 v. Chr. Uebri- 
gens hatle er seinen Posten nicht 
in Syracus selbst, sondern in Lily- 
baum beim Priitor Sex. Peducdus. 

sphaeram — ciim cylindro. Ar- 
chimedes hat naml. das \ erhtiltniss 
des Cubikinhaltes beider Kiirper zu 
einander zuerst gefunden. 

65. Jgragiatias (bei Nonius und 
in den besten Hdschr.), ein cin. Ity., 
= Acragianas , von ^iy.Qtiyag = 
Agrigentum. , also : die nach A. 
fiihrenden Thore von Syracus — 
wenn es nicht eine uralteCorruption 
yoaAchradinasist. (Achradina, ein 
Stadttheil von Syracus.) 

animum advertit, auch 111. 20, 
48 getrennt. 

Cic. Tuseul. 



erantautem, ,,niimlich", s. zu 
I. 2, 3. 

66. ad adversam basim ,,zur 
Vorderseite des Fussgestells ". 

Graeciae, fiir Magnae Graeciae, 
wie p. Arch. 5, lU : in Graecia 
homines — Rheginos autLocrenses 
aut JSeapoIitanos aut Tarentinos. 

unius acutinsimi. Dieselbe Ver- 
starkung des Superl., gleich nach- 
her wieder: unus suavissimus 
pastus. 

ab homine Jrpinate. Arpinum, 
in Latium, war Ciceros Geburtsort. 

cum Musis etc. So agrestiores 
Musae = eloquentia (Orat. 3, 12) ; 
mansuetiores Musae = philoso- 
phia (ad fam. I. 9, 23). 

qui — tyrannum. Vgl. 19, 54 
rnall.es te — consulem. 

rationibus agita/idis exquiren- 
disque ,,durch das Entwerfen und 
Ergriinden von Berechriungen". 

16 



242 LIBER V. 23, 07. 24, 6S. (ilt. 

paslus animorum ; alterius in cacdc et iniuriis oum ct diurno el 
nocturno metu. Age, confer Democritum , Pytha^oram , Ana- 
xagoram : quae regna, quas opes studiis eorum et dclcctalio- 

67 nibus antepones? Etenim quae pars oplima est iu hominc , in 
ea situni esse necesse esl illud, quod quaeris, oplinuim. Quid 
est autem in horaine sagaci ac bona mente melius? Eius bono 
fruendum est igitur, si beati esse volumus ; bonum autcm mcn- 
tis est virtus ; ergo hac beatam vitam conlineri necesse esf. 
Hinc omnia, quae pulchra, honcsta, praeclara sunt , (ut supra 
dixi , sed dicendum idem illud paullo uberius vidclur.) plena 
gaudiorum sunl. Ex perpetuis autcm plenisque gaudiis quum 
perspicuum sit vitam beatam exsistere, sequilur, ut ea exsistat 
ex honestate. 

24 Scd ne verbis solum attingamus ea, quae volumus osten- 

68 dere, proponenda quaedam quasi moventia sunt , quae nos ma- 
gis ad cognitionem intelligentiamque converlant. Sumalur enim 

-_i ■'lobi? quidam praestans vir optiniis artibus, isque animo pa- 

: " rumper ct cogilatione fingatur. Primum ingenio eximio sit 

necesse est (tardis enim mentibus virtus nou facilc comitatur), 

deinde ad investigandam veritatem studio incilato. Ex quo fri- 

plex ille animi fetus exsistel: unus in cognilione rerum posifus 

^^ h et in explicatione naturae ; alter in descriptione expetendarum 

f ji. fugiendarumve rerum arteque bene viveudi ; lertius in iudi- 

cando, quid cuique rei sit consequens, quid repugnans, in quo 

inest omnis quum subtilifas disserendi, lum vcritas iudicandi. 

69 Quo fandem igitur gaudio affici necesse est sapientis animum 
^ . cum his habitantem pernoctantemque curis ! ut , quum totius 

''•* ^ ^ in caede etiniuriis, ein Zeugma tviptex—felus. Sinn : Wer diese 

(wie II. 24, 57 niit missa), da ale- Tugenden besitzt, wird ein voU- 

batur nicht niehr passt. Man sup- koniuiener \> eiser werden. der alle 

])\ire Haifur versabatur. Theile der Philosophie (Physik, 

24. 6S. quasi rnoventia ,,Tricb- Ethik, Dialektik) mif seinem Geiste 

federn''. Wegen quasi s. zu III. unifasst. 

' ' .''.,. .. r. . .1 unus — alter — tertius, s. zu 

nobts. iJeber diesen Dativ s. II. jjj .^,, ^- 

, 2 zu mi/ii habita est. ' ' 

parumper „auf einen Augen- 69. cwm, wie das griech. ^if^f- 

j)lij.jj^ __ giQ,„al 'i franz. un peu. ^'?' nicht selten von wissenschaftl. 

Lael. 1,5: Tu velim a me animum Forschun^en. Mit Inhalt und Aus- 

parumper avcrtas. «•'""fk dieses Satzes vgl. p. Arch. 

mentibus — eomitatur. DerDat. ', !*•• — ''» Folgenden ist zunachst 

au.sser hier und unten 35, 100 nur ^o" <Jen Geniissen die Rede, welche 

uoch de rep. II. 24,44: illi in- «>'p Beschiiftipung mit der Physik 

iusto domino — prosperefortuna (^aturphilosophie) gewahrt. 
comitata est. ul quum ..zuni Beispielwenn — ". 



■V 



LIBER V. 25, 70. 71. 



243 



inundi raolus conversionesque perspexerit, sideraque viderit 
innumerabilia caelo inhaerentia cura eius ipsius motu congruerc 
cerlis infixa sedibus ; septera alia suos quaeque tenere cursus 
multum inter se aut altitudine aut humilitate distantia, quo- 
rum vagi motus rata tameu et certa sui cursus spatia definiant. 
Horum nimirum adspeclus impulit illos veteres et admonuit, 
ut plura quaererent. Inde est indagatio nata initiorum et tam- 
quam seminum, unde essent omnia orta , generata , concreta, 
quaeque cuiusque generis vel inanimi vel animantis vel muti 
vel loquentis origo, quae vita, qui interitus quaeque ex alio in 
aliud vicissitudo atque mutatio ; unde terra et quibus librata 
ponderibus , quibus cavernis maria sustineantur ; qua omnia 
delata gravitate medium mundi locum semper expetant, qui est 
idem infimus in rotundo. 

Haec tractanti animo et noctes et dies cogitanti exsistit25 
illa a deo Delphis praecepta cognitio, ut ipsa se mens agnoscat 70 
coniunctamque cum divina mente se sentiat, ex quo insatiabili 
gaudio completur. Ipsa enim cogitatio de vi et natura deorum 
studium incendit illius aeternitatis imitandi, neque se in brevi- 
tate vitae collocatum putat , quum rerum caussas alias ex aliis 
aptas et necessitate nexas videt, quibus, ab aeterno tempore 
fluentibus in aeternum, ratio tamen raensque moderatur. Haec 71 



motus eonversionesque. Vgl. 
hierzu uad zu dieser ganzea Stelle : 
I. 28, 68. 

cum — motu congruere ,, sich 
mitbewegen'" ; s. zu V. 1, 3. 

septem alia, die fuaf den Alten 
bekannten Planeten nebst Sonne 
und Mond. 

rata {spalia), eigentl. „ berech- 
net", daher,,fest bestinnnt". So 
de nat. D. II. 20, hh: motus (stel- 
larum) constantes et rati, u. ofter. 

sustineantur. Man beachte, dass 
das Tempus des Conj. vom Prater- 
itum zum Piiisens iibergeht. Der- 
gleichen komrat iifter vor. 

qua ^ravitate hiingt von de- 
lata ab. 

25- 70. Es werden nun § 70 u.71 
die Freuden, welche das Studium 
der Moralphilosophie (Ethik) ge- 
wahrt, angedeutet. 

animo ist Ablativ. 

illa — cognitio. Vgl. I. 22, 52. 



completur, Bentleys Verbesse- 
rungr fiii" compleatur (das wahr- 
scheinl. nur durch das vorangeg. 
sentiat in denText gekommen ist), 
wird durch den Sinn erfordert. 

illius aeternitatis imitandi, fiir 
imitandae; s. Zumpt Grammatik 
§ 661 u. 660. Von der Verbindung 
des Genit. Gerund. mit dem Gen. 
Sing. eines Subs tantivs scheint 
unsere Stelle der einzige Fall zu 
sein (woherOrelli undTregder imi- 
tandae schrieben). — Zu aeterni- 
#a5„dasEwige" vgl. Cat. M. 21,77 
in terram, locum dicinae naturae 
aeternitatique contrarivm. (Na- 
gelsbach S. 84.) 

neque se — putat ,,und er (der 
VVeise) achtet sich dann nicht bloss 
fiir dies kurze Leben bestimmt". 

qvibus geht auf rerum ; Jluere : 
,, sich im Fluss, d. h. in steter Ver- 
"anderuDg befinden". 

16* 



244 



LIBER V. 25. 72. 



ille inliions alque suspiciens vel polius oiniies partes orasque 
cirounispiciens quanta rursus aninii tranquillitate humana et ci- 
leriora considerat ! llinc illa cognitio virtutis exsistit , eHlore- 
scunl genera partes^jue virtutuui, invenilur, quid sit. quod 
nalura speclet exlrenuim in bonis, qnid in malis ullimum, quo 
relerenda sint olficia. quae degendae aetatis ratio deligenda. 
Quibus el talibus rebus e\([uisilis hoc vel maxime ellicitur, 
quod liac disputationc agimus, ut virlus ad beate vivendum sif 
se ipsa contenla. 
72 Sequitur terlia — quae per omnes parles sapienliae manat 

et funditur, quae rcm delinit, gcnera disperlit, sequenlia ad- 
iungit, perfecta conchidit , vera ct falsa diiudicat — disserendi 
ratio el soientia. Ex qua quum suiiuna utilifas exsistit ad res 
pondcrandas, tum maxime ingenua delcctatio et digna sapientia. 
Sed haec otii. 

Transeal idem isle sapiens ad rem publicam tucndam. 
Quid eo possit csse praestantius, quum contineri prudentia uli- 
litatem civium cernat, iuslitia nihil in suam domum inde deri- 
, vet , reliquis ulatur tot tam variisque virtutibus? Adiunge 
ufV^- ^'nictum amicitiarum, in quo doctis posilum est (juum consilium 
omnis vilae conscnticns el paeiie conspirans, tum summa iucun- 
(litas e quotidiauo cultu alque victu. Quid haec tandem vita 



-v-L 



71. citerivra = terrestvia. So 
(le ieg. III. 2, 4 : iit ad haec cite- 
riora veniam. 

getiera /jartesqi/e, s. zu III. 11, 
24. 

qiiod — in buni.f ,,worauf dic 
Teiideiiz der iNatur, als auf das 
liocliste Gut, gericlitet ist". 

qiiid in ina/is nltiinum ,,\vas 
das hiJchste Lcbel sei'\ Es ist 
liier nichts weiter als sit zu er- 
fjanzeii. Warum'.' 

cxquisitis = explorati.s. 

72. perfecta concludit : ,,das 
Dargethaue in Schlussform briugt ". 

dissrrcndi ratio et scientia : 
..das S^stcm niid die \\'issensciiaft 
der Rcdc". Vg;l. dc oiat. II. :iS, 
lo7: artem sc tradcre bene disse- 
rcndi ct cera ac fa/sa diiitdicandi, 
qiiain vcrbo Gracco 6 1 « ).f x t i- 
y. 1] V appe/taret. 

digna sapientia = digna sa- 
piente. 



Transcat etc. Dies ist auch stoi- 
sche .\nsicht, im Ge§:ensatz zur 
epicureischen. 

quiim contineri priidentia etc. : 
,,\venn cr (der Weise) sieht, dass 
durch sciiie Klugheit das Beste 
seiner Mitbiirgcr begrundct wird, 
wenn er venniltclst dcrGerech- 
ligkcii >'ichts fiir sich behiilt, 
und cbenso die iibrigen Tugen- 
den praktisch anwendet". 

in suam domuni, ungewiibnlicb. 
Plaut. .\in]ih. I. 1, 253: Cur non 
introi-o in nostram domum Y 

tam variisque. Que erst an 
variis gchangt , wcil tam variis 
einen Bcgriir giebl. \gl. 1\ . .3S. 
S3: ea requc 

fructiim ainicitiariim ,,den Ge- 
nuss der Frcundschaft". 

e quotidiano cii/tii ct viclu, fur: 
e qiiotidiana comtnunione cii/tus 
et vietiis. Vergl. oben 22, ti3 extr. 



LIBER V. 26, 73. 74. 



245 



desiderat, qiio sil bealior? cui refertae tot tantisque gaudiis for- 
tuna ipsa cedat necesse est. Quodsi gaudere talibus bonis aninii, 
id est virtntibns, beatnm est, omnesque sapientes his gaudiis 
perfruuntur : onines eos beatos esse confiteri, necesse est. 

A. Etianine in cruciatu atque tormentis? M. An tu mein2(> 
viola pufabas aut in rosa dicere? An Epicuro, qui tantummodo 7o 
induit personam philosophi et sibi ipse hoc nomen inscripsit, 
dicere licebit (quod quidem , ut habet se res , me tamen plau- 
dente dicit), nullum sapienli esse tempus, eliarasi uratur, tor- 
queatur , secetur, quin possit exclamare : Quain pro /iihilo 
puto! quum praeserlim omne nialum dolore detiniaf , bonum 
voluptafe, haec nostra honesta turpia irrideat dicatque , nos 
in vocibus occupatos inanes sonos fundere, neque quicquam ad 
nos pertinere , nisi quod aut leve aut asperum in corpore sen- 
tiatur; huic ergo, ut dixi , non multum differenti a iudicio fe- 
rarum, oblivisei licebit sui? et fum fortunam contemnere, quum 
sit omne et bonum eius et malum in potestate fortunae? tum 
dicere se beatum in summo cruciafu atque tornientis , quum 
constituerit, non modo summum malum esse dolorem, sed etiam 
solum ? Nec vero illa sibi remedia comparavit ad tolerandum 74 
dolorem : firmilatem animi , turpitudinis verecundiam , exerci- 



fortuna ipsa cedat. So Parad. 
V. 1, 34 : cui quidem {sapienti) 
etiam, quae vim habere maximain 
dicitur, fortuna ipsa cedil. 

26. 73. in viola — aut in rosa : 
, ,,wenn einer auf Rosen gebettet 
J ist". Hor. Carra. 1. 5, l-.^Quis 
,, multa gracilis te puer in rosa — 
Q^iif^efs^ — Dass man in Lust und 
Freude sich auch mit Rosenki anzen 
^5.t<<i5ehmiiclcte, s. Iff. IS, 42. De fin. 
/y. 20, 65: putare in rosa , Ijisst 
'"beide Auffassungen zu. — Sinn: 
^ ,, Allerdings ; denn dass sie es im 
^^An^.Gf iicke sind , versteht sich doch 
von sefbst ". 

An Epieuro etc. Der Gegensatz 
bierzu soltte nachher sein : iis, qui 
nihil expetendum, quod honestate 
careat, existimant, non licebit'^ 
DaCicero aber bei Epicurs Ansicht 
fanger verweilt , so hebt er § 75 
von Neuem an : Sed quum is di- 
cat etc. 



ut habet se res : ,,wenn man 
bloss auf die Sache sefbst sieht". 

quum praesevtim: ,,was um so 
mehr zu verwundern ist, da er — ". 
Vgt. Ilf. 21, 51. 

dolore de/iniat,,ai\ifden Schmerz 
beschrankt"; wie Lael. 16,58: de- 
Jinit amicitiam paribus ojfficiis ac 
voluntatibus. 

honesta turpia. Ueber diese Art 
des Asyndeton s. Zumpt § 782. 
Ebenso I. 26, 64: ut omma, su- 
pera infera, prima ultima media, 
videremus; und unten 39, 114: 
bona mala, aeqiia iniqua etc. 

inanes sonos fundere, s. zu III. 
18, 42. 

leve ,,gfatt = angenehm". 

huic — ferarum , abgekiirzter 
Ausdruck fur hiiic, cuius iudicium 
non multum differt a iudieio fe- 
rarum. Vgf. I. 1, 2 illa — sunt 
conferenda. 

oblivisci — sui ,, seine Behaup- 
tungen zu vergessen". 



246 



LIBER V. 26, 75. 27, 76. 



j/- . 'i^j • 



tationem consuetudiueinque patiendi , praecepla fortitudinis, 
duritiani virileni ; sed una se dicil recordatione acquiescere 
praeteritarum voluptatura, ut si quis aestuans, q\iuni vini caloris 
non tacile patialur, recordari velit, sese aliquando in Arpinati 
nostro gelidis fluniinibus circumfusuni fuisse. Xon eniin vidco, 
quo inodo sedarc possint mala praesenlia praeteritac voluplates. 

75 Sed quuin is dicat , semper beatuin esse sapientein , cui dicere 
hoc , si sibi constare vellet , noii liceret : quidnam faciendum 
est iis, qui nibil expetendum , nibil in bonis ducendum , quod 
honestate careat, existimant ? 

Me quidem auctore etiam Pcripaletici veleresque Acade- 

mici balbulire aliquando desinant aperteque et clara voce au- 

deant dicere, beatam vitam in Phalaridis lanrum descensuram. 

27 Sint enim tria genera bonorum (ut iam a laqueis Stoic»»- 

76 rum, quibus usum me pluribus , quani soleo, intelligo, receda- 
mus), sint sane illa genera bonorum, dum corporis et externa 
iaceant humi el tantummodo , quia sumenda sint , appellentur 
bona, alia autem illa diviiia longe lateque se pandant caelum- 
que contingant, ut, ea qui adeptus sit, cur eum beatuin modo 
et non beatissimum eliam dixerim? ,■ j ; 



74. recordatione praejteritariim 
voluptatum. Zum Inhalt vgl. III. 
15, 33 u. V. 31, SS. Ausfiihriicher 
spricht sich Cicero iiber diese An- 
sicht de fin. II. 3(t aus. 

Arpinati twstro, sc. fundo. Ar- 
pinum lag im Ge])irge. 

75. iis, fjui — e.vistintant : die 
Stoiker und Viele von der neuern 
Akademie. 

hulbutirc ,,mit der Sprache nicht 
recht heraus wollen". Die Peripat. 
und allen Akademiker wollten zwar 
die Gliickscligkeil nur in der Tugend 
finden , meinten Jedoch, dass die- 
selbe durcli die \ eibindung der Tu- 
gend mit iiusseren Giitern und mit 
(lenen desKiirpers gesleigert werde. 

aliquando, s. zu I. 1, 1 . 

in Ptialaridis taurinn, s. 11. 7, 
17. Sinn : Sie miJgen gestehen, 
dass das Gliick aussch I iesslic h 
von der Tugend abhiingt und auch 
durch die grossten iiusseren Leiden 
nichl beeintriiclitigt werdeu kann. 

27. 7(). laqucis ,,Schlingen" 



bezieht sich darauT, dass die Stoi- 
ker die iiusseren und kijrperlichen 
Gtiter Tiir keine Giiter erkliirten, 
diese Diuge jedoch als ttqoj^/u^pcc 
lobteii ; s. 10. 17 zu /jraeci/jua. 

sumenda, stoischer terin. techn.; 
Gegensatz: reiicienda. 

ut — cur — dixerim Y Im Deut- 
schen miissen wir etwa sagen : ,,so 
dass sich mir die Frage auFdrhngt, 
warum ich — soll" oder: ,,\^ aium 
sollte ich deshalb den — nur 
gliicklicb nennen?" Der Lateiner 
aber kann mit iit auch eine direcle 
Frage veibinden , die dann wegen 
itt iin Conj. stelit (auch wenn es 
niehl eine Frage nach dem . was 
man thun soll oder sollte, ist).\gl. 
Liv. .\L1\ . 39: Sinc ulla sede vagi 
di/nicassemus, ut qiiu victores uos 
rcciperemusi' „\\ ohin soilten wir- 
uns in Folge dessen zuriick- 
ziehen?" (Ebenso war I. 22, 5U 
ut — casurusnc — videatur — an 
tanta sitcius tenuitas zu erkliiren.) 
Vgl. Niigelsbacb S. \m. 



LIBER V. 27, 77. 78. 247 

Dolorem vero sapiens exlimescet. Is enim huic iua:!iime 
sentenliae repugnat ; nam contra morlem noslram atque nostro- 
rum conlraque aegritudinem et reliquas animi perturbatioues 
salis esse videmur superiorum dierum disputationibus armati et 
parati ; dolor esse videlur acerrimus virlutis adversarius , is 
ardenles faces intentat , is fortitudinem , magnitudinem animi, 
patientiam se debilitalurum minatur; huic igilur succumbet 77 
virtus, huic beala sapientis et constantis viri vita cedet. Quam 
turpe ! dii boni ! Pueri Spartiatae non ingemiscunt verberum 
dolore lauiati. Adolescentium greges Lacedaemone vidimus ipsi 
incredibili contentione certantes pugnis , calcibus , unguibus, 
morsu denique, quum exanimarentur prius , quam viclos se 
faterentur. Quae barbaria India vastior aut agrestior? In ea 
tamen gente primum ei , qui sapientes habentur, nudi aetatem 
agunt et Caucasi nives hiemalemque vim perferunt sine dolore, 
quumque ad Ilammam se applicaverunt, sine gemitu aduruntur. 
Mulieres vero in India, quum est cuius earum vir mortuus, in 78 , 
cerlamen iudiciumque veniunt, quam plurimum ille dilexerit -- "' 
(plures enim singulis solent esse nuptae) ; quae est viclrix, ea 
laeta prosequenlibus suis una cum viro in rogum imponitur; 
illa victa maesta discedit. Numquam naturam mos vinceret ; 
est enim ea semper invicta; sed nos umbris, deliciis , otio, 
languore, desidia animum iufecimus, opinionibus maloque more 
delenitum mollivimus. Aegyptiorum morem quis ignorat? quo- 
rum imbutae mentes pravitatis erroribus quamvis carnificinam 
prius subierint, quam ibim aut aspidem aut felem aut canem 

Dolorem vero etc, ein selbstge- dcD Bemiihungen der englischen Be- 

machter Einwurf , der von § 77 an hiirden und Missionare, auch jetzt 

widerlegt wird. noch fort. 

enim, etwas ironisch : „freilich". iimbris ,,durch Schattenbiider". ' " 

ardeiites faces intentat. Vgl. II. Vgl. in Pis. 21, 57 omnes utnbras '^ -"^v*, 

25,61. etiamfa/sae gloriae com^ctari. t^^'~/^\. 

77. Pueri Spartiatae. Vgl. II. quorum mentes , Unischreibung 
14,34. fdr^M/,- wieadfam. V.5,2 : 7neMj wj .^2^ 

prius, hier u. § 7S, wie I. S, 1(3. te animus quam singulari officio ^ 

6fl7'&«/'/fl ,,Land der Barbaren", Juerit, senatus testis est; Li\ . ^ 

iifter bei Cicero. XXXVIII. 50 : dicebantur ab eo- ■^- 3, 

qui sapientes habentur, yvfxvo- dem animo ingenioque {= ab eo- • ■ 

ao(fiGTCii von den Griechen ge- dem Scipione), a quo gesla erant. 

nannt, die Brachmanen. Vgl. Val. pravitatis erroribus ,,\vr\.hnmtii, \ 

Max. III. 3, ext. 6. die aus ihrer Verschrobenheit her- 

Caucasi, s. zu II. 22, 52. vorgehen". So IV. 6, 14: prae- 

78. Mulieres vero, deni primuiJi sentis mali affectio. 

ei entsprechend ; s, I. 13, 30 znpri- ibim — violent. Vgl. Herod. II. 

mum. Die erwiihnteSitte lebt, trotz G5 sq. 



248. LIBER V. 27, 79. 28,&0.S1.S2. 

aut crocodilmn violent, quoruni etiain si imprudentes quidpiam 
79 fecerint, poenam nullam recusent. De honiiuibus loquor. Quid 
bestiae? non frigus , non fanieni, non nioutivajfos alquo siive- 
stres cursus lustrationesque patiunlur? non pro suo partu ila 
propugnant, ut vuliiera excipiant, nullos impefus, nullos ictus 
reforniident? Omilto, quae perferanl quaeiiue patianlur ambi- 
tiosi honoris caussa , laudis studiosi gloriae gratia , aniore in- 
censi cupiditatis. Piena vita exemplorum est. 
28 Sed adhibeat oratio modum ct rfdeat illuc, unde dellexit. 

bo Dabit, dabit, inquani, se in lormenta vita beala , ncc, iusli- 
tiam , teniperantiam iu primis(jue forlitudiu.Mn , niagniludinem 
animi, patientiam prosecula, quuni lortoiis os videril , cousi- 
stet virtutibusque omnibus sine ullo animi tcrrore ad cruciatuin 
profectis resistet exlra fores (ut antc dixij limenque carceris. 
Quid enim ea foedius, quid deformius sola relicta, a comitatu 
pulcherriino segregata? Quod taraeii fieri uuUo pacto potest. 
Nec eniiu virtutes sine beata vita cohaerere possunt nec illa 

81 sine virtulibus. Itaque eam tergiversari nou siiient secumque 
rapient, ad quemcunque ipsae dolorem crucialuuKjue ducentur. 
Sapientis est eniin proprium, uiliil, (juod poenilcre possit, fa- 
cere, nihil iuvituin , splendide, constauter, graviter, honeste 
omnia, nihil ita exspectare, quasi certo futurum , nihil, quum 
accideril, admirari, ut inopinatum ac novuin accidisse videa- 
tur, oinnia ad suum arbitrium referre, suis stare iudiciis. Quo 
quid sit beatius, mihi certe in nientem venire non potest. 

82 ~ Sloicorum quidem facilis conclusio est : qui quum linein 
bonorum esse senserint congruere naturae cuinque ea conve- 

79. montivagos, in derProsa ein qiie ware aiit virtutibiis deutlicher, 

t(7T. Xey. Ueberhaupt hat die Rede da die Verneinung {nec) auch noch 

hier poelisehc Farbung. zu resistot gehiirt. 

ambitiosi hat engere Bedeutung iit ante di.vi: Cap. 5. § 13. 

als unser ,,ehrgeizig" (dies ist laii- eo/iaerere, wie III. 25, 01. 

dis stitdiosi): ,,die nach Aemtern Sl. qiiod poenilere possit, vgl. 

und Ehrenslellen {/lonores) Stre- IS, 53. 

benden". ni/iil invitutn (Mascul.), splen- 

cupiditatis, suppl. grafia. diile — oiiinia. Der Chiasmus er- 

28. SO. illuc, unde defle.vit, zu hiiht den ^achdruck. 

derCap.2H begonnenen I)arlegung, niliil — adinirari,vg\.ll].li.'MK 

dass keine iiussere Gewalt die S2. senserint^iudiraverint.wii^ 

Gliickseligkeit des Weisen zu ver- Acad. I. (i, 22: oninis illa antiqua 

nichten im Stande sei. p/ii/usop/iia sensit, in iina virfute 

cowA/s/e^, alsGegentheil von /;ro- esse positatn beatain i'itatn. 

secuta: ,,stehen bleiben"; ebenso congruere nafurae. Vgl. de fin. 

aAchhtr resistet. SMl virlulibus- 111.9,31. 



Ll BER V. 20, 83. 249 

nienter vivere , quum id sit in sapienle situm non officio so- 
lum, veruni etiam potestate : sequatur necesse est, ut, cuius in 
potestale summum bonum, in eiusdem vita beata sit. Ita til 
semper vita beata sapientis. — Habes, quae fortissime de beata 
vita dici putem et, quo modo nunc est, nisi quid lu melius at- 
tuleris, etiam verissime. 

A. Melius equidem afFerre nihii possum ; sed a te impe- 29 
trarim libenter, ut, nisi molestum sit, (quoniam te nulla vin- 
cula impediunt uUius certae disciplinae libasque ex omnibus, 
quodcunque te maxime specie veritatis movet,) quod paullo 
ante Peripateticos veteremque Academiam hortari videbare, ut 
sine retractatione libere dicere auderenl , sapientes esse sem- 
per beatissimos , id velim audire , quem ad modum his putes 
consentaneum esse id dicere. Multa enim a te conlra islam 
sententiam dicta sunt et Stoicorum ratione conclusa. J/. Uta- 83 
mur igitur libertate , qua nobis solis in philosophia licet uti, 
quorum oratio nihil ipsa iudicat, sed habetur in omnes partes, 
ut ab aliis possit ipsa per sese , nullius auctoritate adiuncta, 
iudicari. Et quoniam videris hoc velle, ut, quaecunque 
dissentientium philosoph orum sententia sit de 
finibus, tamen virtus salis habeat ad vitam bea- 
tam praesidii, quod quidem Carneadem disputare solitum 
accepimus; sed is, ut contra Stoicos, quos studiosissime sem- 
per refellebat et contra quorum disciplinam ingenium eius ex- 

officio — potestate, Abl. limitat. his, d. h. Peripateticis et .Jca- 

Habes, wie III. 17, 38. demicis. 

.... . j . . contra istajn sentenfiam : sesea 

fortissime: ,,in der eiiies vir •■ u- u • n i » i 

»"^,. .. ,. '' ,, . ,, ihren bisheriffen Grundsatz , dass 

fortis wurdigsten Weise". , ,xr- • l ^ 

•^ ° der VVeise zwar nnmer beatiis, 

quo modo niinc est ,,wie jetzt aber nicht immer bcatissimus sei. 

die Sachen stehen", d. h. nach un- S3. nohis solis, den Anhangern 

sern bisherigen Betrachtungen. jer neuen Akademie. 

29. impetrarim libenter, ut. de Jinibus, sc. bonorum et ma- 

Darauf sollte nachher etwa id me lorum, wie 30, 84. 

doceas, quem ad jnoduvi etc. fol- Carneadem, s. zu III. 22, 54. 

gen. Dafur hebt Cicero der Deut- sed is, sc. id egit studiosissime 

lichkeit wegen von Neuem an : id (,,hochst leidenschaftlich"), was 

velim audire. aus dem Folgenden herauszuneh- 

nisi mojestum sit (u. § 88 si men ist. 

placet), ohne tibi; s. I. 11, 23 zu ut eontra Stoicos : „ da es ja 

sividetur. gegea die Stoiker war" (eigentl. : 

maxime specie veritatis movet, ,,seinem feindlichen Verhiiltnisse 

dasselbe wie 11, 33 y?<orfc?/«ywe — zu den St. entsprechend ") ; s. I. 

probabilitafe percussit. 8, 15 zu ut Siculi ; zur Sache vgl. 

paullo anfe: 26, 75. IV. 24, 53. 



250- 



LIBER V. 29, 84. M), S5. 



arserat; nos illud idem cum pace agemus. Si enim Stoici fines 
bonorum recte posuerunt, confecta res est : necesse est semper 

54 beatum esse sapientem. Sed quaeramus unamquamque reliquo- 
rum sententiam, si fieri potest, ut hoc praeclarum quasi deiretum 
beatae vitae possit omnium sententiis et disciplinis convenire. 

30 Sunt autem hae de fiuibus, ut opinor, retenlae defensae- 

que sententiae. Primum simpiices quattuor: nihil bonum, nisi 
houestum, ut Stoici ; nihil bonum , nisi voluptatem, ut Epicu- 
rus ; nihil bonum , nisi vacuitatem doloris, ul Hieronymus; 
nihil bonum, nisi naturae primis bonis aut omnibus aut maxi- 
mis frui, ut Carneades contra Stoicos disserebat. Ilaec igitur 

55 simplicia ; illa mixta: Iria genera bonorum, maxima animi, se- 
cunda corporis, externa tertia, ut Peripatetici , nec mullo ve- 
leres Academici secus ; voluptatem cum honestate Dinomachus 
et Callipho copulavit; indolentiam autem honestati Peripateti- 
cus Diodorus adiunxit. Hae sunt sententiae, quae stabilitalis 
aliquid habeant ; nam Aristonis, Pyrrhonis , Hcrilli nonnullo- 
rumque aliorum evanuerunt. 



2//itd idein, Bouhicrs (auch von 
Tregder aurgenomniene) Conjeclur 
fiii das hier unpassende il/ud qui- 
dtiii der IVIscr. 

54. iit liiingt nicht vonjieri ab, 
sondern iit — coiiveiiire ist ein Ab- 
sichtssatz und si ,fieri posset Ne- 
bensatz dazu. 

decretiim war den Riiniern in 
der Bedeutung von doy^u ,,philo- 
sophiseher Lehrsatz " neu ; daher 
qiiasi davor. .\cad. II. 9, 29 : qiio- 
iriaiii id /taberent Acadetiiici de- 
crettnn (senfitis enim iam /loc me 
doyi-ia divere) — . 

30. de finibus. TjMT Sache vgl. 
defin. II.(i, 19; 11, 34 — ;{6; V. in. 

Hieronymus aus Rhodus, um 30(» 
— 200 V. Chr. Vgl. II. t>, 15. 

natiirae primis bonis , griech. 
ru 7jQti>Tct xaiK (fvair. iVach de 
fin. V. 7, 18 verstand Carneades 
darunterLeben, Gesundheit, Stiirke, 
Schiinheit, gesunden Versland u. s, 
w. , kurz Alles, wonach die Selbst- 
liebe und der Selbslerhaltuiigstrieb 
des Menschen von Anfang an ver- 
langen. 

55. Dinomae/ius et Ca//ip/io, 



beide sonst wenig bekannt. De off. 
III. 33, 1 19»sagt Cicero von ihnen : 
qui se direinjituros controversiam 
(^Stoicoriim et Kpirureorum) pu- 
taverunt , si ciiiii /lonestate vo- 
/uptatem, tainquam cum /lomine 
pecudem, copii/avissent. 

Diodorus, Schiiler desCritolaus, 
um 120 v. Chr. 

Arisloiiis, Pyrr/ionis, s. zu II. 
»;, 15. >ach Acad. II. 42, 130 und 
de leg. I. 21, 55 wich .Aristo darin 
von Zeno ab, dass er in den «tf/rr- 
ifoiioig keinen Lnterschied niachte 
und sie alle als durchaus gleich- 
giillig betrachlete. — Pyrrho nieinte, 
dass der \\ eise die cidnofonn gar 
nicht eiiimal wahrnehme, eine anK- 
yiftu gegeii sie habe. 

Herit/i. Er war aus Carthago, 
ebenfalls Zenos Schiiler. De fin. 
V. 2-"), 73: Heri//iis scientiam (tni- 
aTr'jut]r) siimmum bonum esse de- 
fendit, nec rem u//am a/iani per 
se expetendam. 

evanuerunt. De oft". I. 2, 6 : .4ri- 
stonis, Pyrr/ionis, Heril/i iam pri- 
dem exp/osa senlentia est. — In 
der christiichen Kircbe tiaten spiiter 



L!BER V. 31, 86. 87, 



251 



Hi quid possint obtinere, videamus , omissis Stoicis, quo- 
rum satis videor defendisse sententiam. Et Peripatelicorum 
quidem explicata caussa est ; praeter Theophrastum et si qui 
ilium secuti imbecillius horrent dolorem et reformidant, reliquis 
quidem licet facere id, quod fere faciimt, ut gravitatem digni- 
tatemque virtutis exaggerent. Quam quum ad caelum extule- 
runt , quod facere eloquenles homines copiose solent , . reliqua 
ex collatione faciie est conterere atque contemnere. Nec enim 
licet iis, qui laudem cum dolore petendam esse dicant , negare 
eos esse beatos, qui illam adepti sunt. Quaniquam enim siut 
in quibusdam malis, tamen hoc nomen beati longe et late patet. 

Nam ut quaestuosa mercatura , fructuosa aratio dicitur, 31 
non si altera semper orani damno, aitera omni tempestatis ca- 86 
lamitate semper vacat , sed si multo maiore ex parle exstat in 
utraque felicilas : sic vita non solum si undique referta bonis 
est, sed si multo maiore et graviore ex parte bona propendent, 
beata recte dici potest. Sequetur igitur horum ratione vel ad 87 
supplicium beata vita virtutem cumque ea descendet in taurum, 
Aristolele, Xenocrate , Speusippo , Poleraone auctoribus , nec 
eara minis aut blandimentis corrupta deseret. Eadem Calliphon- 
tis erit Diodorique sententia , quorum ulerque bonestalem sic 
complectitur, ut omnia, quae sine ea sint, longe retro pouenda 
censeat. Reliqui habere se videnlur angustius ; enatant tamen : 



jeDC Ansichten , von einem neueu 
Princip durchdrungen , mit weit 
^rosserer Macht wieder hervor. 

obfi7ieve, s. zu I. 12, 26. 

explicata ist Adjectiv: ,,klar", 
wie p. Planc. 2, 5: eaussa facilis 
atque explicata ; ad Att. IX. 7, 2 : 
(litterae tuae), qiiibus nihil potest 
esse explicatius, nihil perfectius. 
Vgl. Seyffert zum Lael. S. 380. 

praeter Theophrastum, fiir ex- 
cepto Theophrasto, in der guten 
Prosa nicht hSufig. Zur Sache vgl. 
9, 24 und 25. 

licet, nach ihren Principien. 

exaggerent, wie 18, 51. 

ex collatione: ,,im Vergleich 
(mit derTugend)". 

conterere, gleichsam mit Fiissen 
treten, im Gegensatz zu ad caeium 
ejferre. 



Quamquam — sint, ,,moglicher- 
weise, vielleicht". 

longe et late patet ,,ist von wei- 
tem und grossem Umfange". Vgl. 
27, 7G longe lateque se pandere. 

31. 86. propendent, ganz unser 
,,iiber\viegen ", vgl. 17, 51. 

87. horum ratione : nach dem 
System der Peripatetiker. 

in tauriim, sc. Phalaridis. Vgl. 
26, 75. 

Xenocrate, Speusippo , Pole- 
mone. Diese drei sind von der altea 
Akademie. 

complectitiir, wie I. 3, 5 ora- 
torem (= eloquentiam) complexi 
sumns. 

retro ponenda = postponenda. 

habere se angustius : ,, mehr in 
der Klemme zu sein"; enatant : 
,,helfensich heraus", sonst nicht 
tropisch gebraucht. 



252 



LIBEK V. 31, 8S. 89. 



Epicurus, Hieronymus et si qui suut, qni desertuin illum Car- 
neadem curent defeiidere. Nemo est enim, quiu eoriim bono- 
runi animum putet esse iudicem eumfiue condocetaoial , ut ca, 

8S quae bona malave videantur, possit contemnere.. Nain quae 
tibi Epicuri videtur, eadem erit Hierony mi ct Carneadis caussa 
et liercule omiiium reliquorum. Quis enim parum est contra 
mortem aut dolorem paralus? 

(^rdiamur ab eo, si placet, quem mollem , quem volupta- 
rium dicimus. Quid? isne tibi mortcm videtiir aut dolorem ti- 
mere? qui eum diem, quo morilnr, beatum appellat, maximis- 
que doloribus affectus eos ipsos invcntorum suorum inemoria et 
recordatione confutat, nec haec sic agil, ut ex lempore quasi 
effutire videatur. De morte enim ila sentit , ut dissoluto ani- 
mante sensum exstinctum putet, quod autem sensii careat, 
nihil ad uos id iudicet pertinere. Ilem de dolore certa habet, 
quae seqnatur, cuius inagnitudinem brevitate consolatur, lon- 

89 ginquitatem levitate. Qui tandem isti grandiloqui contra liaec 
duo, quae maxime angunt, melius se habent quam Epicurus? 
an ad cetcra , quae mala putantur, non et Epicurus et rcliqui 
philosophi satis parali videnlur? Qiiis non paupertalem exti- 
mescit? neque tamen quisquam pliilosophorum. 



desertuin , weil seiiie Ansiclit 
iiber das iiochste Gut keiiier der 
spatern Akad. aufnahm. 

eoriim bonoriim (nach ^oii. und 
den Hdschr.) : ,,von dergleichen 
GUtern", d. h. die das wahre We- 
sen dcr Gliickseligkeit ausmachen, 
diemitder/io«p*^a5verbundensind. 
Der Gegensatz ist nachher : eaquac 
hona — vidcantur. (IJentley con- 
jicirt : verorum bonorum ; Ernesti 
u. Orelli stellen eorum neben enim.) 

*<S. Quix enim, sc. cx his pbilo- 
sophis. 

roluptariuni. Vgl. II. 7, 18. 

isne — mortem — aut do/orem, 
nach dem cod.Vindob. 1. Alle iibri- 
gen Hdschr. und die bisher. .Aus- 
gaben haben : is tibi mortcmne an 
dnlorem etc. .\ber eine Di.sjunctiv- 
frage ist liier ganz uiigehiiriic. 

beatum ap/icl/uf. in dein liriefe 
iin Herinarchus, den Cic. de fin. 
II. 30 iibersetzt hat. 

memoria ist dic blosse Eiinne- 



rung eines Friihereii , insofern sie 
durch mens et rogitatio geschieiil^ 
recordatio die Ncrgegenwiirliguiig 
u.Beherzigung desVeigangeneii cuin 
animo et aJfectu.(Se\Scrt zum Lael. 
S. .558.) — Zur Sacbe vgl. 20, 74. 

con/utat, eigtl. vom Beruhigen 
des aufwallenden \\ assers. Vgl. de 
part. orat. 38, 134 : audaciam a/i- 
ruius confulare. 

ita sentit, ut — jiutcf, s. Zumpt 
§ 719 u. 750. Ebenso unten 33, !l-j : 
sic praecipit, ut — putcf. 

scnsu carcat hier (iingewiiiinlich) 
io passivein Sinne= non senfiatiir. 

certa ,,bestimmte Grundsiitze"'. 

cunso/afur — /enit. So finden 
sich bei Cic. : do/urem, incommo- 
dum , dcsiderium , brcvitatem vi- 
tac, cgcsfafem conso/ari. 

^9. isti granditoqui, dieStoiker. 
Man beachte, wie abweichend \oa 
seinen friiheren Lrtheileii an dieser 
ganzen Stelle sich Cicero iiussert. 

(Juis , sc. e.r vu/go. Meque — 



LIBER V. 32,90. 91. 92. 253 

Hic vero ipse quam parvo est contentus ! Nemo de tenui 32 
victu plura dixit. Etenim quae res pecuniae cupiditatem afFe- 
riint, ul amori, ut ambitioni, ut quotidianis sumptibus copiae 
suppetant, quum procul ab iis omnibus rebus absil , cur pecu- 
niam magao opere desideret vel polius cur curet omnino? An 90 
Scythes Anacharsis potuit pro nihilo pecuniam ducere : nostra- 
tes philosophi facere non poterunt? Illius epistola fertur his 
verbis: ,,Ai\Af.HARSis HAAAOiM SALVTEM. iNIihi amictui est Scy- 
thicum tegimen , calciamenlum solorum callum , cubile terra, 
pulpamenlum fames ; lacte, caseo, carne vescor. Quare ut ad 
quietum me licet venias. Munei"a autem ista, quibus es delecta- 
tus, vel civibus tuis vel diis imniortalibus dona." Omnes fere 
philosophi omnium disciplinarum, nisi quos a recta ratione na- 
tura vitiosa detorsisset, eodem hoc animo esse pofuerunt. 

Socrates, in pompa quum magna vis auri argenlique fer- 91 
relur: Qiinm miilta non desiderol inquit. Xenocrates , quum 
legati ab Alexandro quinquaginta ei talenta attulissent, quae 
erat pecunia temporibus illis, Athenis praesertim, maxima, ab- 
duxit legatos ad coenam in Academiam , iis apposuit tantum, 
quod satis esset, nullo apparatu. Quum postridie i^ogarent eum, 
cui numerari iuberet : Quid? vos hesterna , inquit , coenula 
non intellexistis, me pecunia no7i egere ? Quos quum tristio- 
res vidisset , xxx minas accepit, ne aspernari regis liberalita- 
tem videretur. At vero Diogenes liberius, ut Cynicus, Alexan- 92 
dro roganti, ut diceret, si quid opus esset: Nunc quidem 

philosop/io?'iim soU einen Beweis willst, eineu ruhigen Mann finden". 

fiir den vorhergehenden Gedanken Im Original: cog ovr ((yovTos fAOv 

geben. Gyolriv, mv ol TtltiOToi tny.tv 

32. de fentii victu, nanil. zu (<gxo).ovvtcu, nuQayivov TToog fxt, 

seinen Gunsten. Vgi. 111. 20, 49. *'" ^"^ ;f(>4t«»' 'i/J'?- 

nn c ti ^ , i. ■ ■ qiiibiis es delecfatus, iniGviech. 

90. bciifhes Jnacharsis , wie r^ , ~ ' 

in -c ;; • i ■ n 4. Oig fVTOVUaTt. 

ly, 00 coi/esae sui. consiilis Octa- \, i- ^ , , ... „,, 

. ^, - ' Tj , . 91. Aenocrafes, s. zu 1. 10, 20. 

VII. — Anaeharsis, Bruder eines .^, . ' . . ,, 

., i..- • c I v •* I Athenis praeserfim. Athen war 

scvth. Konigs zu solons Zeit, kam . ,. ,-i. • , r. i • 

' T- 1 • !.• u D-ij ini \ erhaltniss zu den Lolonien in 

aus Liebe zu griechischer Bildung ,., . . , ^ • , i i 

„ . 1 n • 1. 1 1 r> ■ hleuiasien und Grossgriechenland 

selbst nach Lriechenland. Uer ci- . o^ ^^ o 

.. , o ■ r • i ■e \\ cl u* eine arme atadt. 

tirteBriel ist unzweitelhart unecht. , . , . . .jx ,• 

tanfiim , quoa {= ut td) hier 

/acere fiir pro ni/ii/o pecuniam beschrankend, wie de leg. II. 3, 6 : 

rfwcere, wie 1.1 1,24 /ec2-fureuo/i7. tantum comp/ectifiir, quod safis 

Scythicum tegimen. Justin. II. sit modicae pa/aestrae, /oci. 

2: (Scyfhae) pe//ibus ferinis aut <m?<o?'ej ,,etwas verdriesslich". 

murinis utiintur. ■ 92. ut Cynicus, vvie I. 8, 15 wf 

Quare — venias : ,,Daher wirst Sicu/i. Auch Plut. Alex. 14 erziihlt 

du in mir, wenn du zu mir kommen diese Anekdote. Der Konig be- 



254 



LIBER V. 'S.i, 93. 94. 95. 



paullulum ^ inquil, a solc ! Offeccral videlicct apricanli. El 
hic quideni disputare solebat, quauto regeni Persaruni vita for- 
tunaque superarct : sibi nihil deesse, illi nihil salis umquam 
fore ; se eius voluptates non desiderare, quibus nuni(iuani satiari 
ille posset; suas eum consequi nullo modo posse. 
33 Vides , credo , ut Epicurus cupiditatum geuera diviserit 

93 non nimis fortasse subtilitcr, uliliter tamen : parlim esse na- 
turales et necessarias , parlim naturales et non necessarias, 
parlim neutrum ; necessarias satiari posse paene niliilo ; divi- 
tias enim naturae esse parabiles; secundum autem gcnus cupi- 
dilatum nec ad potiendum ditficile esse censet ncc vero ad ca- 
rendan» ; terlias, quod essent plane inanes neque necessitatera 
modo, sed ne naturam quidem attingerent, funditus eiiciendas 

94 putavit. Hoc loco mulla ab P]picureis disputanlur, eaeque vo- 
iuptates siuf^illatim extenuanlur , quarum genera non con- 
temnunt, quaerunt tanien copiam. Nam et obscoenas volupta- 
tes, de quibus niulta ab illis habetur oratio, faciles, communes, 
in mcdio sitas esse dicunt, easque si natura requirat, non ge- 
nerc aut loco aut ordine, sed forma, aetate, figura mctiendas 
putant, ab iisquc abstincrc minime esse difficile, si aut vale- 
tudo aut officium aut fania postulet, omninoque genus hoc vo- 

95 luptatum optabile esse, si non obsit, prodesse numquam. To- 
tumque hoc de voluptate sic ille praecipit, ut voluptatem ipsam 
per se , quia voluptas sit, semper optandani expetendamque 



merkte dazu : ti fXT) 1-1X(^c(V(^qos 
ijjurjV, ^lioy^vrjg t<v tjurjV. 

ojfecerat, wie de nat. D. 11. 19, 
49 : Ipsa iimbra terrae soli ojffi- 
ciens noctem efficit. 

33- 93. vides : ,, du weisst". 

diviserit. Diog. L. X. 127: twv 
^m.^i'u/w»' (tt fiiv ttat (fiaixKi. 
«t Jf x(V«C, xul T(ov (fvaix(ov nt 
fiiv uv«yx«i«i, «t cT^ (fvaix«l /lio- 
vov • T(iov (St «v«yx«i(ov al /uiv 
jtqos (v6«ifiovi«v £ialv((V«yxni«i, 
«t Si TiQog TtjV Tou aoiuceTog «o- 
)(h]ai«i\ «i di TjQog «vto t6 ^t}V. 
Vgl.auch defin.l. 13,4-5 u. 11.9,26. 

94. eacqiie voliiptates etc. Sinn: 
Die einzelnen Geniisse auch der 
1 . und 2. Art {qiiariim g e n e r a 
non contemniinf) setzeu sie herab, 
doch sucheo sie sie sioh zu ver- 
schaffen, wenn sie leicbt zugang- 



lich sind (und — was im Foigenden 
hinzugefugt wird — nicbt scbaden). 

et obscoenas voliiptates. Es 
sollte folgen : et magnijiccntiam 
et siimptiis epiilarum extcniiant ; 
nacbdem aber Cic. sich iiber die 
obscoenae voliiptafes weiter ver- 
breitet hat, bcginnt er die Con- 
struction § 97 von Neuem. 

mtilfa — oratio. So de orat. II. 
.53,214: miilta etvaria et copiosa 
oratio. 

faciles — esse: ,,seien leicbt er- 
reichbar, Jedermann zugiinglicb und 
kiinnten Allen zu Theil werden''. 

genere: Geschlethl (Faniilie) ; 
/ociis und ordo : Rang und Stand. 

omninoqiie etc. Diog. L. X. 118: 
Zin'ova(« Ji divrjaf /jtv oi6(7Tot(, 
uynTirjTov J<^. ti utj xal (j3kaiff(V. 



LIBER V. 33, 96. 34,97.98. 



255 



putet eademque rtitione dolorem ob id ipsum , quia dolor sit, 
semper esse fugiendum ; itaque hac usurum compensatione 
sapientem , ut et voluptatem fugiat, si ea maiorem dolorem 
eifectura sit, et dolorem suscipiat, maiorem efBcientem volupta- 
tem ; omniaque iucunda, quamquam sensu corporis iudicentur, 
ad animum referri tamen; quocirca corpus gaudere tam diu, 96 
dum praesentem sentiret voluptatem ; animum et praesentem 
percipere pariter cum corpore et prospicere venientem nec 
praeteritam praeterfluere sinere ; ita perpetuas et contextas 
voluptates in sapiente fore semper , quum exspectatio sperata- 
rum voluptatum perceptarum memoria iungeretur. 

Atque his similia ad victum etiam transferuntur, exlenua-34 
turque magniticentia et sumptus epularum , quod parvo cultu ^7 
natura contenta sit. Etenim quis hoc non videt, desideriis 
omnia ista condiri ? Darius in fuga , quum aquam turbidam et 
cadaveribus inquinatam bibisset, negavit umquam se bibisse 
iucundius. Nuraquam videlicet sitiens biberat. Nec esuriens 
Ptolemaeus ederat , cui quum peragranti Aegyptum , comitibus 
non consecutis , cibarius in casa panis datus esset, nihil visum 
est illo pane iucundius. Socratem ferunt, quum usque ad ve- 
sperum contentius ambularet quaesitumque essel ex eo , quare 
id faceret, respondisse, se, quo meiius coenaret, opsonare 
iimbulando famem. Quid? victum Lacedaemoniorum in philitiis 98 



95. referri tamen. Ebenso ta- 
men am Ende desSatzes: I. 12, 27. 

96. tam diu, diim fur — qtiam, 
wie iD Cat. III. 7, 16 tam diu, dum 
urhis moenibus continebatur, und 
ofter. 

sentiret. Man hat dafiir sentiat 
schreiben wollen. Aber ein solches 
Prasens , wie hier praecipit, sieht 
derLateineralsPraes. histor. an,u. 
darauf lconnen bei<^anntlich alleCon- 
junctive, selbst wechselnd, folgen. 
So oben I. 10, 22: Aristoteles — 
quum essct complexus — censet 
— sit ; III. 15, 32 : Epicurus cen- 
set — arhitrentur — exspectata 
sint — venisset — cogifavisset — 
Juturum sit; de nat. D. 1. 15, 39 : 
Chrysippus dieit — versetur — 
Jluerent. 

memoria iungeretur. Sonst fin- 
den sich nur die Partic. iunctus 
u. coniunctus auch mit dem Ablat. 



ohne cum verbunden (wie III. 5, 11 
insaniam, quae iuncfa stultitia 
patet latius). Zunipt § 474. 

34. 97. Darius, wahrscheinl. Co- 
domannus. 

Ptolemaeus, wahrscheinl. Pt. I. 
Lagi filius. 

cibarius panis. Isid. Orig. XX. 
2 : Pani-s cibarius est, qui ad ci- 
hum se7'vis datur, nec delicatus. 
Cels. II. 29 ; (panis') cibarius vel 
hordeaceus. 

Soeratem. Athen. IV. p. 157 (v. 
I. p. 352 Dind.) : ^(oXQnTrjg (Ff xni 

TTOkXdxig XKTsXa/Ll^dviTO <^lf(7l6Ql- 

TrtcTCJV iOTTiQctg ^ccdfirtg ttqo rijg 
oixiag , xcu TiQog Tovg nvvO-avo- 
fifvovg- Tl TrivtxuSi ; ektytvoipov 
awciyfiv TiQog to Sunvov. 

opsonare (von 6\p(tiv((o) ,,(als) 
Zukost einkaufen". 

98. in philitiis = in phidiliis. 



256 



LIBER V. 34, 99. 100. 35. 



nonne videmus? Lbi quuni lyrannus coenavisset Dionvsius, ne- 
gavit sc iure illo nigro , quod coenae caput erat, delectaluni. 
Tum is , qui illa coxerat : iMinime mirum ; condimenla enim 
defuerunl. — Quae tandem? inquil ille. — Labor in venalu, 
sudor, cursus ad Eurolam, fames, sitis; his enim rebus Lace- 
daemoniorum epulae condiunlur. — Atque lioc non ex homi- 
nuu) more solum , sed eliam ex bestiis inlelligi potest , quae, 
ut quicquid obiectum est, quod modo a nalura non sit alienum, 

99 eo contentae non quaerunt amplius. Civilates quaedam uni- 
versae more doclae parsimonia dclectanlur, ul de Laccdaemo- 
niis paullo aiitc diximus. Persarum a Xenophonle viclus ex- 
ponilur, quos negal ad panein adhiberc quicquam praeler 
nasturlium. Quamquam, si quaedam eliam suaviora natura de- 
siderel, quam mulla ex terra arboribusque gignunlur, quum 
copia facili, tum suavilate praeslantia ! Adde siccitalcm , quae 
consequitur hanc continentiam in victu ; adde integrilatem va- 
100 letudinis: confer sudantcs , ructantes , refertos cpulis , lam- 
quam opimos bovcs : lum intelliges, (jui vohiptalem maxinie 
sequanlur, eos minimc consequi, iucundilatemque victus esse 

35 in desiderio , non in satielale. Timollicum, clarum homincm 
Athenis ct principem civitalis , feruiil, (juum cocnavisset apud 
Platonem eoque convivio admodum delcclatus esset vidisselque 
eum postridie, dixisse : f^estrae qnidem coenae iiqii solam i/t 
praesentia, sed etiam postero die iucundae sunt. Quid? quod 
ne mcnle quidem rectc uti possumus niulto cibo et potionc com- 
pleti? Est praeclara epistola Plalonis ad Dionis propinquos, in 



Aucti im Griech. ifikiTia, (fiSiTiu 
und (fiidiTicc. Vgl. Plut. Lyc. 12. 

Dionijsiiis, der Aeltere. 

itirc illo nigro , ^(ouw uicty.o)- 
rix(o, tfwt/w fxO.ciVi. 

cursus ad Eurotani ,,am Euio- 
tas'^ Die Hdscbr. habeu unpassend 
ab Eurota. 

ex bestiis , fiir ('.f besliaruui 
(niore) ; wie L 1,2 illa cum Grae- 
cia sunl confvrenda. 

ut quicquid obicctum est, fiir 
7it aliquid obicctum est, quicquid 
est; s. zu IV. 19, 44. 

99. a Xcnoplionte : Cvro|). I. 2, 
S. Vgl. de fin. II. 2S, 92. 

nasturtium , griech. x«(>J«,aoJ', 
dreibliittrige Kresse. 



copia jacili : ,,durch leichte Ao- 
.scbaifbarkeit ". 

Addc — tum intelliges , s. II. 
12, 2S 7.U lioiio — dicet. 

siccitatem bezciciinel deii ge- 
sundeii Zustnnd des menscblichen 
Kiirpers iiu Gegensalz gegen Fliisse, 
Catarrh, Aufschwellung u.dgl. Vgl. 
Cat. M. 10, 34. 

lOO. tamquam opimos hoves. 
DieAllen wareii bei\ ergleichungen 
weniger wiibleriscb als wir. 

35- principcm, wie I. \b, 34. 

epistola Plalonis, in Bezug auf 
Dioiis Eriiiordung(353 v. Chr.), der 
siebenle von denPseudoplatoniscben 
Briefen (p. 324 sqq. St.), iibrigens 
der Bezeicbnung praeclara durch- 
aus wiirdig. — Zu epistola und 



LIBER V. 35, 101. 102. 



257 



qiKi scriplum est his tere verbis : ,,Qiio quiim venissera , vita 
illa beata, quae ferebalur, plena Ilalicarum Syracusiariuuque 
niensarum, nuUo modo mihi placuit, bis in die saturum lieri 
nec urnquam pernoctare solum , ceteraque , quae comitantur 
luiic vitae, in qua sapiens nemo efficietur umquam , moderalus 
vero mullo minus. Quae enim natura tam mirabililer temperari 
potest?" Quo modo igitur iucunda vila potest esse, a qua ab- 101 
sit prudenlia, absit moderalio? Ex quo Sardanapah', opulentis- 
sjmi Syriae regis, error agnoscitur, qui incidi iussit in busto: 
Hncc habeo, qune cdi quaeque exsntnraln libido 
Hnnsit; nt illn inccnt inulta et praeclara rclictn. 
,,Quid aliud, inquil Aristoteles, in bovis, non in regis, sepul- 
cro inscriberes? Haec habere se mortuum dicit, quae ne vivus 
quidem diutius habebat, quam fruebatur." 

Cur igitur divitiae desiderentur? aut ubi paupertas beatos 102 
esse non sinit? Signis, credo , tabulis , ludis. Si quis est , qui 



litterae werderi die Prapositiouen 
ud uud a in der llegel oline Ver- 
bindung durch eiue VerbaHonn ge- 
setzt. Vgl. I. 22, 51 zu sine. 

Qi/o qunm venisxein. Es ist voii 
Piatos 1. Reise nach Sicilien (3S'J 
zum altern Dionys) die Rede. Die 
citirten Worte : p. 32(3 b. St. 

Italicarum Sijracusiarumque 
mensarum , die in Griechenland 
spriichwijrtlich waren, wie es die 
sybaritischen ja noch bei uns sind. 
Aristoph. bei Athen, XII. 6: ^"i^- 
oay.oaioji' TOKntCag ^^v^KQiTtSdg 
T fLiwxiag. — Die dem Griech, 
nachgebildeteForm Sijracusius tin- 
det sich nur noch de oU'. I. 44, 154 : 
Syracusium Dionem (und bei Dich- 
tern mehruials Si/racosius). 

bis in die, s. Zurapt Gr. § 479. 

comitantur huic vitae (Plato: 
^vvsTTeTKt Tio jSCq)) , s. zu 24, 6S. 

101. temperari ,, eingerichtet, 
organisirt sein ", 

Syriae, fiir Assyriae, bei Grie- 
chen u.Romern nicht selten. Herod, 
VII. 63 : oi'rof dt (ot liaavQioi) 
VTTo fikv "^EX^.ijrwv h.KkiovTo Zv- 
Qtot, hno 8t Ttjiv liKQliKQior l4aav- 
Qiot ixXrii^r]aav. So Strab, XVI. 1 
wiederholentlich ; Cic. de fin. II. 

Cic. Tuscul. 



32,^106 (von demselbeu Gegen- 
stande wie hier) ; 'Suet. Caes. 22. 
Haee liabeo etc. Strabo XIV. 5, 
p. 226 T., giebt die griech. Nach- 
bildung jenes Ej)igramms, von der 
Cicero hier 2 Verse iibersetzt hat, 
vollstandig so : 
Ev tidoji;, oTi dVfjTog f<fvg, ahv 

Ovflhv Kt^i 

Ttono/iitvog OKltijat • xtuvovTt toi 

ov Ttg ovrjatg. 
Kk\ yciQ iyd) anodog tiui , Nivov 

fityKlrjg jSaatltvaKg. 
Tkvt t/co, oad' i(fKyor y.ai itfv- 

^QiOK, y.al /AtT tQOJTog 
TtQTTV tnaOov tk dt ttoIIk y.Ki 

o}.;SiK nccvTK XeXttnTKt. 
"JrlSt aoifij ^iioToto nKQKivtatg av- 

Oqoj.toioiv. 
Aristoteles' Aeusserungen dariiber 
sind uns di re c t nicht erhalten. 

102, paupertas = ntviu: un- 
beraittelte Lage. 

Signis — /udis ist der Dativ, als 
Antwort auf die Hauptfrage : Cur 
(= cui rei, ,,zu welchem Zvvecke") 
ig. div. desiderentury gegen welche 
die andere ganz zuriicktrilt. — Dass 
man sigiiis — liidis als Abi. zu dem 
Folgenden construire^^erbietet das 
ironische crcdo, zu welchem die 

17 



258 



LiUEii N. ;^G, io;i. nu. 



Iiis deleclctuf, iionne melius teuues homines rruuulur, quani 
illi, qui liis abundant? Est enim carum rerum omiiium in nosfra 
urbe summa in publico copia. (^uae qui privali liabcnt. iicc lam 
multa cl laro vident, qnuni in sua rura vcncrunt : quos taiueii 
pungit ali(iui(l, quum , illa unde luibeant, recordantur. Dies 
deliciat, si velim pauperlatis caussam derendcre. Aperta enim 
res cst et quotidie nos ipsa natura admonet, quam paucis, quam 
parvis rebus ej^eat, quam vilibus. 
36 Num igitur i^nobiiitas aut humilitas aut eiiani popularls 

lu3 oirensio sapientem bcatum esse prohibebit? Vide, ne plus coni- 
iuendatio in vulj^us ct hacc quac cxpetitur gloria molestiac ha- 
beal quam voluplatis. Leviculus sane noslcr Demoslhcnes, qui 
illo siisurro delectari se dicebat aquam iercnlis mulicrculae, ut 
mos iu (iraccia est, insusurranlisque altcri : Hic i'.st /'//<■ De- 
ynoslliCHCs. Quid hoc levius? At quantus orator ! Sed apud alios 
lu4 loqui videlicet didicerat, nou mullum ipse secuni. Intelligen- 
dum est igitur, nec ji:;loriam popularem ipsam pcr scse e.xpeten- 
dam nec ignobiliiatem extimesccndam. lcni Athcnas , inquit 
Democritus , tteqm me quisquam ibi agnovit. Constantcm ho- 



Fra{;e nonne — fvuuntur? die 
Xichls voii Irouie in(;lii' enttiiilt. gar 
nicht passen wiirile. — Zu uhi ^gl. 
iibri^ens 41, 121. 

pungit aliquid. Die meistcn 
Kunstschatze Uer vornehineii lliiiner 
waren urspriingl. aus griechischen 
Stiidten uiul Tenipeln gewaltsam 
oder heimlich entluhrt. Vgl. in 
Verr. lib. IV. 

Dics (l([firiat elc. So de nat. D. 
III. !{2, Sl : Dies dcjiciat, si velim 
numerare, quibus bonis nuile ere- 
nerit, quibus intjirobis o//liinc, 
und iifter. 

3(). 1"3. jjopularis oj/ensio = 
§ 1U() ojfensa j/opuli voluntas, 
,.l iibeliebtlieit beim Volke"'; Ge- 
gensatz von gralia (jnura) popu- 
taris , coniinciidatio in vulgus 
,, Popularitiit ". 

Fide, ne — , s. zu 1. ;>4, s;3. 

tiaec — gloria zeigt auf das, was 
tiiglich unter den Vugcn der beideu 
Spreclienden vorgeht, hiii. 

I^cviciilus, ctn. ).fy.. .,etwas 
eitel''. Ueber «a«c s. IV. 21, 48. 



Dcmostticnes. Auch Ael. I\. 17 
erziihlt diesen Zug voii I). iind tindet 
xovi/oTrjg darin. .\ndcrsPlin. epist. 
l.\. 23 : Deiitosllieiics iiire laeta- 
tus est, qiiod illuin anus Attica 
ita noscitavt : OvTog iari ^frjfio- 
aihivrjg. — Cic. nennt ihn iioster 
als seinen Beruisgenossen. 

vidclicct, s. zu 1. 21, 4^. 

non niultinn ipsc secuni. Ein 
unbedachtes Wort vonCicero! Wie 
hoch er iibrigeiis den Dem. stellte, 
siehl nian aiis Oral. 7, 23: Scd ego 
— recordor. longc oninibus iinuvt 
aiitcfcrrc Dcniosllienciu . cinnque 
iiniini accuininudarc ad cam, quam. 
scntiam, eloqucntiain, non ad cnm, 
quain in aliquo ipse cognovcrim. 

Iu4. Deinocritus. Diog. L. IX. 
2(>: Tikttov yitn — tig '^&tjrtts, xcci 
ovTig ue fyvcoxir. Val. M. \'\\\. 7, 
e\t. 4 : {Democritus) Atlicnis corn- 
pluribtis annis inoratus — ignotus 
illi iirbi vi.rit. qiiod ipsc in qiio- 
dain voliimiiic testatur. .\ndere 
stellten freilich iii .\brede. dass er 
je in Athen gewesen sei ; s. Diog. 
L. IX. 37. 



LIBER V. 36, 105. 



259 



mineni et gravem , qui glorietur, a gloria se afuisse ! An tibi- 
cines iicjue, qui fidibus utuntur, suo , non mullitudinis arbitrio 
cantus nunierosque moderantur : vir sapiens, multo arte maiore 
praeditus, non quid verissimum sit, sed quid velit vulgus, 
exquiret? An quicquam stultius, quam, quos singulos sicut ope- 
rarios barbarosque contemnas, eos aliquid putare esse univer- 
sos? Ille vero nostcas ambitiones levitatesque conleninet hono- 
resque populi etiam ultro delatos repudiabit; nos autem eos 
nesciraus, anteqiiam poenitere coepit, contemnere. — Est apud 10» 
Heraclitum phvsicum de principe Epiiesiorum Hermodoro : uni- 
versos ait Ephesios esse morte multandos, quod, quuni civitate 
expellerent Hermodotum, ita locuti sint: Nerno de nobis iinus 
oxcellat', sin qiiis exsiiterit , nlio in loco et ftpud alios sit. 
i\n hoc non ita fit omni in populo? nonue omnem exsuperantiam : 
virtutis oderunt? Quid? Aristides (malo enim Graecorum quam ■ 
nostra proferre) nonne ob eam caussam expulsus est patria, quod 
praeter modum iuslus esset? Quantis igitur molestiis vacant, qui 
nihil omnino cum populo contrahunt ! Quid est enim dulcius otio 
litterato? iis dico litteris, quibus infinitatem rerum atque natu- i 
rae et in hoc ipso mundo caelum, terras, maria cognoscimus. 



gloria, wie II. 20, IG. 

miilfij arle inaiore. Was wird 
ilurch (liese Wortslelluiig bewirkt? 
Vgl. Cat. 31. 15, 53: Jit mvlto 
terrafeciindior; ad Att. VII. 16, 2 : 
Cnaetis noster multo aniini plus 
habet. 

.4n (juioquam stultius etc. Aehn- 
licheAeusserungen vonSocrates er- 
wahneu Xen. Memor. III. S, 6 und 
Diog. L. II. 34. 

aliquid — esse, s. zu I. 20, 45. 

nos autem etc. Charakteristiscb 
fiir Ciceros jetzige SliTnmung. 

105. Est ^,es heissf bei Citaten 
aus Biichern , mit Acc. c. Inf. , ist 
ziemlich hiiufig, z.B. de off. I. 19, 
64: apud Platonem est, omnem 
morem Lacedaemoniorum injlam- 
matum esse cupiditate vincendi. — 
Das a/< nachber kiinnte also fehlen; 
doch sind dergl. Wiederholungen 
bei Cicero nicht selten. 

Heraclitus von Epbesus, um 500 
V. Chr. , bei Spiiteren gewobnlicb 
6 axoxeivog {tenehricosus) genannt, 



schrieb inProsa ein philosoph.Werk 
TTtQl tfiatojg , worin er das Feuer 
als Princip des Lebens und Denkens 
aufstellte. — Im Politischen war er 
entschiedener Aristokrat (Diog. L. 
IX. 6 : oxloloiiSoQog). 

Hermodoriis soll dann , einer 
Tradilion zufolge, nach Italien ge- 
kommen sein und den RiJmern die 
Idee zu den Zwolftafelgesetzen ge- 
geben haben. 

Nemo de nobis etc. r^ach Diog. 
L. IX. 2: Jl/Lteon' firjt^k tig ovij- 
'iarog taroj • ti dt ng roiovTog, 
cf.).hj Tt y.cu jufT ciX/.ojv. 

unus, s. zu II. 18. 43. 

exsuperantiam, utt. Xty. bei Ci- 
cero und iiberhaupt vor Gellius. 

Aristides. Vgl. Nep. .\rist. 1. 

Graecurum — nostra, sc. exem- 
pla. 

cum populo contruhunt ,,(durch 
Aemler) in geschaftliche Beziehun- 
gen zum Volke treten''. 

iis dico litteris, fiir das gewohn- 
lichere eas dieo litteras (vgl. IV. 

17* 



260 



LIBER V. 37, 106. lUl 



37 Coiilpmplo igilnr honore, conlein|it;i eliani jiecunia, quid 

loG relinqnilur, quod exliraescendum sil? Exsilium, credo, quod 
in maximis malis ducitur. Id si propter alienam et oflensam 
populi voluntatem malum est, quam sit ea contcmnenda, pauUo 
anle dictum est. Sin al)esse patria miserum est , plcnae mise- 
rorum provinciac sunt, ex quihus admodum pauci in paliiam 
107 revcrliintur. — At multanlur honis cxsulcs. — Quid tum? pa- 
rumne mulla de tolcranda paupertate dicunlur? lam vero exsi- 
lium, si rerum naluram , non ignominiam nominis quaerimus, 
quantum demum a pcrpetua pcregrinalione difTert? in qua aela- 
tes suas philosophi nohilissimi consumpserunt, Xenocrales, 
Crantor, Arcesilas, Lacydcs, Aristoleles, Theophraslus, Zeno, 
Cleanthcs, Chrysippus, Antipaler, (^arneades, Panaelius, Cli- 
tomachus , IMiilo , x\ntioclius, Posidonius, innumerahiles alii, 
qui semel egressi numquam domum reverterunt. — At enim 
sine ignominia. — Ignominia polerit afficere sapientem? de sa- 



16, 36) — im Anschluss aii otiu 
litterato. Phil. VIII. 7, 20 : he- 
sternus dics nobls {consi/laribits 
dico^ tiirjris illiixit. 

37. 106. eredo, wie 35, l(t2. 

alienam et ojjensam pop. volun- 
tatem = popularem offeji.iionem 
(36, 103). 

107. paruiii viiilto. {\imis pau- 
ca wiire eiii (jerniaiiismus.) So 1. 
45, 109 parum diu ,,zu Ivurze 
Zeit". 

diciintur, sc. a philosopliis. 

quaerimus ,,aufetwns ^elien". 

dviiium Ivommt sonsl nle in Frage- 
siitzen vor, weslialb Nielkieht (luit 
Davis und Wesenberg;) dariir tan- 
dem zu lesen ist. 

Xenucrcites war aus Chalceilon, 
s. I. 10, 20; Crantor aus Soli, 
s. I. 48, 115. 

Arcfsilas (oder Arcesilaus), wel- 
cher durcli ilie iJehauplung, dass 
die menscliliclie Erkennlniss nur bis 
zur Walirsclieiiilichkeil \ ordringen 
kllnne, die 2. (xlcr iiiilllcre Akade- 
mie in.\lhen bi-frriindetc (27^). war 
aus Hilane in Acolis frcliiii-lig;. Seiii 
nnmiUelbarcr Nachfolifcr war L a- 
c y d e s aus Cyrcne. 

.■Iristoteles aus Stagira, s. I. 4, 



7 ; T h e o p h r a s t u s aus Eresus 
auf Lesbus, s. I. 19, 45. 

Zeno, der Stoiker, aus Citium 
(I. 9, 19); die andern : Clean- 
thes aus Assus in Troas (11. 25, 
60); Chrysippus aus Soli in 
Cilicicn (1-45, lOS) ; An t i p a te r, 
Schiiler des Diojienes Babylonius 
u. Lehrer des Paniilius, ausTarsus. 

Carneades ans Cyrene (Fli. 22, 
54); Fa n ali us \on Uhodus(l. 1"^, 
42); C li t om a ch us aus Cartha{?o 
(111.22,54); Philo aus Larissa 
(11. 3. 9) ; A n l i c h u s aus Asca- 
ton (III. 25, 59); Posidonius aus 
.\painea in Syrien (II. 25, 61). 

At enini sine ignominia. Sinn: 
Solche .•\cndcrung;cii des \\ ohnorls 
haltcn keine Schande zur Folge, 
woht aber ist dicse mil ANlrklicIier 
^crbannunfr verbunden (und die 
Verbannui);; dahcr cin rcbcl). — 
Die iicstcn lldschr. Iiaben: At enim 
sine igiiom. ajjicere sapientrni, 
andre noch cin non vor sine, alle 
aber ohne Zeichen ciner Liicke. 
(Ein ncucr I5c«cis dafiir. dass allc 
\()ii einer iiltereii . auch nicht 
rchlerrrcien Ildschr. abstammen ; 
vp;l. z. B. I. 22. 52 zu tributum 
deo: 42, lol zu Quid — vigebant : 



LIBER V. 37, lOS. 109. 



261 



piente enini haec omnis oratio est, cui iure id accidere non 
possit; nam iure exsulantem consolari non oportet. Postremo lOS 
ad omnes casus facillima ratio est eorum , qui ad voluptatem 
ea relerunt, quae sequuntur iu vita, ut, quocunque Iiaec loco 
suppeditetur , ibi beate queant vivere. Itaque ad omncm ratio- 
nem Teucri vox accoramodari potest: 

— Patria est, ubicimqne est bene. 
Socrates quidem quum rog'arelur, cuiatem se esse diceret: 
Mundanum , inquit. Totius enim mundi se incolam et civem 
arbitrabatur. Quid T. Albucius? nonne animo aequissinio Alhe- 
nis exsul philosophabalur? cui tamen illud ipsum non accidis- 
set, si in re publica quiescens Epicuri legibus paruisset. Qui 108 
enim beatior Epicurus , quod in patria vivebat, quam , quod 
Athenis, Metrodorus? aut Plato Xenocratem vincebat aut Po- 
lemo Arcesilam , quo esset beatior? Quanti vero ista civitas 
aestimanda est, ex qua boni sapientesque pelluntur? Damaratus 



III. 4, S zu id — insaniam; 31, 7() 
zu ut Cyrenaici; IV. S, 18 ara 
Ende; 13, 30 zu et pertractatione.) 
Da nun poterit sich in einigen codd. 
wirklich findet uad ein ignominia 
neben dem andern ieicht ausgefallen 
sein kann (vgl. III. 34, 82 si/xtnlil), 
so erscheiut die aufgenomnieae 
Verbesserung von Orelli ais die 
einfachste und naliirlichste. 

lOS. ad vota/>tate?n referunt = 
voluptate metiuntur. 

quae sequuntur in vita: ,,wo- 
nach sie im Leben trachten". 

queant, s. zu II. 27, 65. Vgl. 
unten 41, 85 : quas ferre nequeas. 

Patria etc, aus deni Teucer des 
Pacuvius. (Teucer wanderte nach 
derHeimkehr vonTroja, von seinem 
Vater verstossen, nach Cypern aus, 
wo er die Stadt Salamis griindete. 
Vgl. Hor. Carm. I. 7.) Arist. Plut. 
1151 : TTttTnlg yccQ lciri nad , 'iv 

l'.V TIQICTTI] Tig 8V. 

Mundaninn ,,ein VVeltbiirger", 
von Cicero (nach y.oafxioq) neu ge- 
bildet. — Dies Apophthegma wird 
ofter angefuhrt, von Andern jedoch 
andern Philosophen beigelegt. 

T. Albucius, der schon als Jiing- 
ling in Athen paene Graecus und 



pprfeclus Epicureiis geworden war 
(Brut. 35, 131), wurde nach seinfir 
Priitur in Sardinien 103 von C. Ju- 
lius Ciisar Strabo (s. 19, 55) vvegen 
Erpressungea augeklagt, und ging, 
verurtheilt, ias Exil nach Athen. 
Vgl. de fin. I. 3. 

Epicuri legibus. DerWeise nach 
E.'s Sinne sollte an der Staatsver- 
waltung giir nicht Theil nehmen. 
^id&f (iiojaccg ! war sein Wahl- 
spruch. 

109. Qui enim etc. bezieht sich 
ani Patria est, ubicunque est bene. 

in patriii. Ep. war, nach der 
gewUhnlichen Annahrae, 332 im at- 
tischen Demos Gargettos geboren. 

Metrodorus ist hier, neben Epi- 
cur, unzweifelhaft auf den sogen. 
Lampsacener (s. II. 3, 8) .zu be-- 
ziehen. Die Vergleichung ist eigent- 
lich nicht passend. 

Plafo und Polemo (s. V. 10, 30) 
geborne Athener, Xenocrates und 
Arcesilas eingewandert (s. § 107). 

vincebat — quo esset beatior = 
vinccbat beata vita. 

DamaratUs (die dorische Form, 
nach den bessern codd., Tav Dema- 
ratus). Ausfiihrlich : Liv. I. 34 ; 
Dion. Hal. III. 46. 



2G2 LIBER V. :jS, llD. 111. 112. 

quidem, Tarquiiiii no.slri rcgis paler, lyraniuiin Cypselum quod 
ierre non poterat, fugit Tarquinios Corinllio el ibi suas lortunas 
consfiluit ac liberos procreavil. Nuni slulte anleposuit exsilii 
iibertateni donicslicae scrviluti? 

38 lani vero molus aniiui , sollicitudines aegritudinesque obli- 

UOvione leuiunlur, traductis aniinis ad voiuptalem. Mon sine 
caussa igilur Epicurus ausus est dicerc , scmper iu phiribus 
bonis esse sapieuleni, quia seinper sit in voluplalibns. Ex quo 
eliici putat iiie, quod quacrimus, ul sapiens seiupcr beatus sit. 

111 — Etiamne , si sensibus carcbit ocuiorum , si aurium? — 
Etiam. Nam ista ipsa contemnil. Primuin euim liorribilis ista 
caecitas quibus landem caret voluotatibus? quum quidam etiam 
disputent, ceteras voiuptales in ipsis babitare sensibus, quae 
autem adspcctu percipiantur , ca uon versari in oculorum uliu 
iucunditate, ut ea, quae gustemus, oiraciaraus, tracteintis, au- 
diamus, in ea ipsa, ubi scntimus, parte verscntur: in ocuiis 
taie nibil lil ; animus accipit, quae videmus. Aiiimo autem mul- 
lis modis variisque deieclari licet, etiam si non adhibeatur ad- 
spectus. Loquor enim de docto homine et erudito, cui vivere 
est cogitarc. Sapientis autem cogitafio uon rerme ad investi- 

112 gandum adhibct oculos advocatos. Etenim si nox non adimit 
vitam beatam , cur dies nocli simiiis adimaf? Nam iliud Anli- 
pafri Cvrenaici est quidem pauilo obscoenius, sed non absurda 
sententia est: cuius caecitatem quum inuiiercuiae iamcntaren- 
tur, Quid agitis? iuquit, nn vubis nulla videlur voluptas essv 
noctuma? Appiura quidem veterera illum, ()ui caecus annos 
raultos fuit, et ex magislratibus et ex rebus gestis inteiiigimus 
in iilo suo casu nec privato nec pubiico rauneri defuisse. C. Drusi 

iyranmun Cypsclum, 0.5S — G2s non ferme — non fere: ,,Diclit 

V. Cfii". grade, iiiclit leicht". So de rep. 

38. 11". iradiictis animis etc, I. 45 : Hoc non ferme sine magnis 

nacli der Leiire der Epicureer ; s. principnm vi/iis cvenit. 

III. lo — 17. adhihet ociilos advocafos ,,be- 

111. non versari in — iiici/ndi- darf des Beislaiides der Augen " ; 

tate ,, init keincr Aniieliuilichlveit wie W . '1'6. 12 : desiderat advoca- 

iur die Auj^en verbunden scin". tam iraciindiam. 

Vgl. IV. 1>), 42 in magna pestis 112. Antipater war nach Diog. 

partc versantnr. L. II. Sti cin uniiiitlelbarer Schiiler 

in oculis tale nihil fit, Ueber- Aristipps, um 36U. 

gaog aus der orat. obl. in die recta ; Quld agitis? ,,Was wollt ihr ? " 

s. zu IV. 10, 24. Appius, s. zu IV. 2, 4. Ngl.Cat. 

animus accipit. Epicharinus (hei M. G, 16 u. 11, 37. 

Plut. de fort. c. 3) : JSov; 6q>'i xcu C. Livius Drusus, Rechtsgelehr- 

voijg axovit , Tukka xwifct xtu ter und Reduer, Bruder des\olks- 

TV(f).c(. trib. M. Livius Drusus (des gliick- 



LfBER V. 39, 113. 



263 



domum compleri a consuUoribus solitam accepimus , quun;, 
quorum res esset , sua ipsi non videbant, caecum adbibebant 
ducem. Pueris nobis Cn. Aufidius praetorius et in Senalu sen- 
tentiam dicebat nec amicis deliberantibus deerat et Graecam 
scribebat historiam et videbat in litteris. Diodotus Stoicus cne-39 
cus multos annos nostrae domi vixit. Is vero , quod credibilc 113 
vix esset, quum iu pliilosophia multo etiam magis assidue quam 
antea versarefur et quum fidibus Pythagoreorum niore uferetur 
quumque ei libri noctes et dics legerentur, quibus in sludiis 
oculis nou ejj;ebat, tum, quod sine oculis fieri posse vix videtur, 
geometriae munus tuebatur verbis praecipiens discentibus, 
unde, quo quamqu«^ lineam scriberent. Asclepiadem ferunt, non 
ignobilem Eretricum philosophuni, quum quidam quaereret, 



Hchen Geguers von C. Seiiipronius 
Gracchus 122 v. Chr.). Val. M. 
Vlli. 7, 4 : Consiniilis ijerseveran- 
tiae Livias Drusiis , qui aetatis 
viribiis et acie ociiluriim defectus 
iits eivile popii/o benignissime in- 
terpretatus est, ufiiissimaque di- 
scere id cupienlibus tnonumenfa 
coinposmt. Nam ut senem illuin 
natura , caecum fortuna faccre 
potuit, ita neutra inferpellare va- 
luit, ne non animo et videret et 
vigeret. Vgl. Cic. Brut. 2S, 109. 

Pueris nobis. Cicero war 1U6 
V. Chr. geboren. 

Cn. Aujidius. De fin. V. 19, 54 
sagt Piso : Equidem e Cn. Aiifidio 
praetorio, erudifo homine, oculis 
capto, saepe atidiebam, quitm se 
liicis magis quam utilitafis desi- 
derio moveri diceret. 

Graecam liisloriam : ,,eine (rij- 
mische) Geschichte in griechischer 
Sprache'", in welcheni Sinne auch 
im Brut. 19, 77 dera Adoplivvater 
des jiingern Scipio Afric. eine hi- 
storia Graeca zugeschrieben Mird. 

videbat in litteris. So de imp. 
Pomp. 22, 63 : in rep. pliis videre; 
Phil. !I. 15,39: quirm me vidisse 
plus fateretur , se speravisse me- 
tiora. — Man beachte auch das 
schiine O.xymoron : .,Er, derBIinde, 
hatte in wissenschaftlichen Dingen 
einen scharfen Blick." Vgi. Soph. 



Oed. tyr. 3SS (von Tiresias) : oGTig 
i V TOi s y.ioSiGi uovov d E- 
d^ooy.i, Ttjv Ttyvriv c)' t(f v Tviflog. 

39. 113. Diodotus war einsf 
Ciceros Lehrer. besonders iii der 
Dialektik, gewesen und im J. 59 iii 
seinem Hause gestorben; s. Brut. 
9(1, 309: Acad. II. 36, 115. Es 
kam haufig vor, dass griech. Ge- 
iehrte (auch wohlhabende, wie die- 
ser D., s. ad Att. II. 20. 6) zu ao- 
gesehenen Riiiiiern ins Haus zogen, 
sowohl um an der Erziehung der 
Kinder theilzunehmen , als uni 
einen gebildeten Umgang zu bieten 
und zu haben. 

quod credibile vi.r esset, naml. 
wenn ich es nicht selbst gesehen 
hiitte. 

Pythagoreorum more. Vgl. L 
2, 4: IV. 2, 3. 4. 

legerentiir=recitarentur.{Prae- 
leg^e erst bei Quintil. u. Suetou.) 

geoinefriac nninus fuebatiir, wie 

I. 45, 109: virtufis functus esf 
munere. 

Asc.lepiades aus Phlius, Freund 
und Schiiler des Menedenms aus 
Eretria, um 300 v. Chr. Cic. Acad. 

II. 42, 129: A Menedemo aufem, 
quod is Eretria fuit, Eretriaci 
appellati , qiiorum omne bonitm 
in mente positum ac menfis acie, 
qua veritm cernerefiir. \'g!. de 
orat. III. 17, 62. 



264 



LICER V. 30, 114. 115. 



(juid ei caccitas alliilisset, respondisse : puero ul uuo osset comi- 
talior. Ut enim vcl summa paupertas tolcrabilis sit, si liceat, 
quod quibusdam Graccis quotidie : sic caccitas ferri facile pos- 

114 sit, si non desint subsidia valeludinum. Democrilus iuminibus 
amissis alba sciiicet disccrnerc et alra non poterat. At vcro 
bona mala, aequa iniqua, bonesta turpia, utilia inutilia, magna 
parva poterat; el sinc varietate colorum liccbat viverc beale, 
sine nolionc rerum non liccbat. Atque bic vir impediii etiam 
animi aciera adspeclu oculorum arbifrabalur, et quum alii 
saepe, quod anle pedes essel, non viderent, ille in infinitatem 
onincm peregrinabatur, ut nuila in exlremitatc consisteret. 
Tradilum est ctiam Homerum caccum tuisse. Al cius picliiram, 
non pocsin, videmus. Quae regio , quac ora, qui locus Grac- 
ciae, quac species lormaque puj^nae, quae acics, quod remigium, 
qui motus hominum, qui feraruni non ita expictus est, ul, quae 
ipse non viderit, iios ut vidercmus, effecerit? Quid ergo? aut 
Homero delectationem animi ac voluplatem aut cuiquain docto 

115 defuisse umquam arbitramur? aut, ni ita se res haberet, Ana- 
xagoras aut hic ipse Democrilus agros ct patrimonia sua reli- 



pueru — uno — romifattor. (Co- 
luitatus auch bei Cic. zieinlicti 
hiiuRg passiv.) Von der Sille, dass 
Keiche beim Ausgehen von vielen 
Freunden und Schmarotzcrn be- 
gleitet zu werdeu pllegten, ninimt 
Asct. deii Scherz her: die Blindheit 
habe sein Gefolge (er hatte sonst 
lieins) um einen Knaben vermehrt 
(der ihn fuhren musste). 

si liceat , sc. parasitari oder 
mandirare. Ciccro dentet diess 
bloss an , um die zahlrcicben ar- 
men griechischcii Gelehrlen iu den 
Augen der reichen Riimer nicht zu 
sehr herabzusetzen. • 

114. Demorritus, s. I. 11, 22. 
De fin. V. 29, 87: JJemocritus (vere 
fa/sone, non qaaeremus) dicitiir se 
oculis privasse. Dies Factum ist 
gewiss erdichtet. 

scilicet ., natiirlich , freilich '% 
wird, wenn eine Ad\ crsali\ partikel 
foigt, concessiv. So de liri. \ . 1, 'S: 
Mespecies quaedani coniniovif,ina- 
nis scilicet, sed coinniovif tanien. 

ma-fna parva : ..Wichliges und 
Unwichtiges " (da hier nur innere 



Eigcnschaflen genannt werden). — 
Ueber die asyndet. Verbiodung s. 
zu 20, 73. 

adsperfu oeulorinn, Gen. subj., 
scheint sonst nui' bei Eniiius(Acad. 
II. 17, 52) vorzulcommen. 

ille — pcrr^iinabatur, sc. ani- 
nio; in in/initatem omneni ,.in das 
Unendiiciic'' (vgl. 25, 70 aeterni- 
tas). Seine iiberaus zahlreichcn 
Schriften umfassteii aile Gebiete 
des Wissens seiner Zeit. 

Hoineruni rarcinn /'i/isse. Cic. 
geht absichtlich auf die Frage nach 
d.Wahrheit derTradilion nicht ein. 

eius pictiiram, non poi-sin , er- 
Jvliirt sich durch das Folgende. So 
wird H. bei Alhen. IV. 1S2 einem 
((yicOog C(oyinafos verglichen und 
bei Lucian. Imag. II. p. li o (toiojog 
Tw>' yQdifHor genannt. 

115. .Ina.vaiioras aus Clazomenii 
(I. 13, 104) iibcrliess seiu viiter- 
liches Eriie dcn Xcrwandten und 
ging nach .\lhcii , wo er bis zu 
seiner \ erbannung lebte. 

Deinocritus. s. zu I. 11, 22 und 
IV. 19, 44. 



LIBER V. 4(1, 116. 117. 



265 



quissent, huic discendi quaerendique divinae delectationi toto 
se animo dedissent? Itaque augurem Tiresiam, quem sapienlem 
fingunt poelae , numquani inducunt deplorantem caecitatem 
suam. At vero Polyphemum Homerus, quum immanem ferum- 
que finxisset, cum ariele etiam colloquentem facit eiusque lau- 
dare forlunas, quod, qua vellet, ingredi posset et, quae vellet, 
atlingere. Recte hic quidem. Nihilo enim erat ipse Cyclops 
quam aries ille prudentior. 

In surdilate vero quidnam est mali? Erat surdaster M.40 
Crassus; sed aliud moiestius , quod male audiebat, etiam si, 116 
ut mihi videbatur, iniuria. xSostri Graece fere nesciunt, nec 
Graeci Latine. Ergo hi in illorum et illi in horum sermone 
surdi, omnesque [id] nos in iis linguis, quas non intelligimus, 
quae sunt innumerabilcs, surdi profecto sumus. — At vocem 
citharoedi non audiunt. — Ne stridorem quidem serrae , tum 
quum acuitur, aut grunnilum, quum iugulatur, suis, nec, quum 
quiescere volunt, fremitum murmurantis maris. Et si cantus 
eos forte delectant, primum cogitare debent, antequam hi sint 
inventi, multos beate vixisse sapientes ; deinde multo maiorem 
percipi posse legendis his, quam audiendis, voluptatem. Tum, 117 



Polyphemum. Was Cicero den 
Cyclopen sagen lasst, steht eigentl. 
bei Hoiner (Od. IX. 447 fgg.) nicht. 
Cicero malt sich die Scene nur so 
aus. Moglich auch , dass er es bei 
einem andern Dichter gelesen hatte. 

eiiisqiie laiidare foriir.ias. Der 
Infin. nach/rtpere statt d. Partic. (s. 
IV'. 16, 35 zu impendere) ist hier 
um so auffalliger, da colloqiientem 
vorhergeht. — Zu dem Plur. for- 
tnnas, fiir den Singul., vgl. p. SuIIa 
23, 66 : Et seciindasfortunas amit- 
tere coactns est et in adversis sine 
ullo remedio permanere. 

40. 116. surdaster : ,,etwas 
taub, schwerhbrig"', utt. Ity. 

M. Licinius Crassus, der reiche 
Triumvir, galt nicht nur fiir einen 
beschrankten Kopf, sondern auch 
fiir geizig. 

vtale audiehat giebt hier in der 
Gegeniiberstellung zu crat surda- 
ster ein hiibsches Wortspiel ; denn 
male audire ist == y.ccxdSs uy.ovtiv, 
in iibelm Rufe stehen. Uebersetze : 



,, dass er nichts Gutes von sich 
horte ". 

Nostri. Davor steht in allen 
Mscr. Epicurei, das dem Sinne der 
Stelle ganz fremd ist und nur in der 
gesuchtesten Weise (Cicero meine 
eigentlich die Riimer iiberhaupt, be- 
nutze aber diese Gelegenheit [?],den 
rbm. Epicureern einen Seitenhieb 
zu geben, indem er sie als die Re- 
prasentanten mangelhafter Sprach- 
bilduug hinstelle) erklart werden 
konnte. \gl. 37, 107 zu At enim 
— sapientem. 

nec Graeci Latine, aus nesciunt 
&\\]>^\.sciunt; wie Acad.II. 47, 146: 
Ita tu nunc, Catule, lucere nescis, 
nec tu. Hortensi, in tua villa nos 
esse. Vgl. Zumpt § 774 u. Seyffert 
zum Lael. S. 371 fg. 

id vor nos miisste so erkliirt wer- 
den, dass Cic. (statt surdi profecto 
sumus) erst bloss sumus folgen las- 
sen wollte ; da aber diese Anako- 
luthie wegen der Kiirze des Satzes 
docb gar zu anstbssig ist, so scheint 



266 



LIBER V. -10, ll^. 41. 



ut paullo antc caecos ad aurium Iraducebamus volu|)lalem, sic 
licet surdos ad oculoruni. Etenini qui secuni loqui polerit, ser- 
monem altcrius non requiret. 

Congerantur in ununi oninia , ut ideni oculis et auribus 
captus sit, premalur etiam doloribus acerrimis corporis; qui 
primum per se ipsi plerumque conliciunl hominem; sin tbrle 
longinquitate producti vehementius tamen torquent, quam ut 
caussa sit, cur ferantur — quid est taudem, dl boni ! quod labo- 
remus? Portus enim praesto est, quoniam mors ibidem est 
aeternum nihil senticndi receptaculum. Theodorus I^ysimacho 
morlem minitanti: Magnmn rcro, inquil, elJcvi.sti, si cantha- 

\\s ridis vim consecutus es. Paullus Porsi dcprocanli , nc in 
triumpho duceretur: /// tua id quidcjn potcstatc cst. Multa 
primo die, quum de ipsa morte quaereremus , non pauca etiam 
postero, quum ageretur de dolore, sunt dicta de morte, quae 
qui recordetur, haud sane periculum est, ne non morlem aut 
optandam aut certe non timendam putct. 

41 Mihi quidem in vita scrvanda videtur illa lex, quae in 

Graecorum conviviis oblinetur: ^iut Itibat, inquit, ai/t ahcat ! 
et recte. Aul cnim Iruatur aliquis parilcr cum aliis voluptate 
potandi , aut, ne sobrius in violentiam vinoleutorum incidat. 



id entwetler ganz zu streichen oJer 
nacli ManiUiiis und Wesenberg in 
itiim zu iindern. 

117. paiillo antc : oS, 111. 

scci/i/i luqiii, wie 3(), lUH. 

primtnii. Dem eiitspricht hier */« 
forfc. Vgl. zu I. 13, 30. 

Portiis praesto est. Zuni liihalt 
vgl. I. 30, 74. 

ibidem : ,,in eben diesem Falle," 
d. h. bei dem hbchsten Grade der 
Schmerzen. 

nitiil senfiendi reccptariitum : 
,,Zuflucht derl!lm|itiiidun^sli>sigkeit, 
d.h. — uni Nichls zu empiinden". 

Tficodortis, s. zu I. 4;}, 103. 

vero : ,,in der That", spiittisch. 

canfftaridis vim ,,\\enii du es his 
zur Machl eiiies Giflkafers pehracht 
bast". Die xavffKoig ,,spanische 
Fliege" wurde bei den Allen hnulig 
als Vergiftuiigsmiltel augewandt; 
daher ad fam. IX. 21, 3 : cantfta- 
ridas sumpsisse dicifur. 

IIS. Persi — Perseo. Cic. sagt 



stets Perses (fiir Persevs') und fle- 
etirt dies Wort sonst nach der 1. 
Declin.; vgl. HI. 22, 53. 

In tiia — potestate est. Sinn : 
Du kannst dich ja dem durch den 
Tod eutziehen. 

41- ohfinefiir, nicht obtinet, wie 
Orelli uiid Tregder nach 2 Hdschr. 
gesciirieben haben, da obtineve als 
Intrans. sich bei Cicero nirgends 
liiidet. 

attt bibat aut abeaf, griech. ij 
7iT,'fi 11 umd^i : ,,sauf oder lauf ! '' 

inqtiit ,,sagt man , hcisst es", 
ohiie Subject. So inWrr.V. 57, 148: 
l(hy.((ii6Ut]a«r. inquit (., heisst es 
in dein Zeuguiss derSyracusaner''); 
de leg. II. 24, GU : ('eterafiinebria. 
qtiibus Iticttis atigetur, duodecim 
sustutcrunt. Homini . i n q u i f, 
inortuo ne ossa tegilo, quo post 
funus faciat. 

viofenfiatn vinotentorum. \^l. 
III. 27, (>4 vcrbis — verberibus. 



LIBERV. 41, 119. 120. 121. 



267 



ante discedat; sic iniurias fortunae, quas ferre nequeas, defc- 
giendo relinquas. Haec eadem , quae Epicurus, totideni verbis 
<licit Hieronynius. 

Quod si ii philosophi , quorum ea senlentia est, ut virtus 119 
per se ipsa nihil vaieat omneque, quod honestum uos et lauda- 
bile esse dicamus , id illi cassum quiddam et inani vocis sono 
decoratum esse dicant, tamen semper heatum censent esse sa- 
pientem: quid tandem a Socrate et Pkitone profeclis philosophis 
faciendum putas? quorum alii tanlam praestantiam iu honis 
animi esse dicunt, ut ab iis corporis et exlerna obscurentur; 
alii autem haec ne bona quidem ducunt, in animo reponunt 12u 
omnia. Quorum controversiam solebat tamquam honorarius 
arbiter iudicare Carneades. Nam quum , quaecunque hona 
Peripateticis, eadeni Stoicis comraoda viderentur, neque tamen 
Peripatelici plus tribuerent divitiis , bonae valetudini , ceteris 
rebus generis eiusdem , quara Stoici : quum ea re , non verbis 
ponderareutur , caussam esse dissidendi negabat. Quare hunc 
locum ceterarum disciplinarum philosophi quemadmodum ob- 
tinere possint, ipsi viderint. Mihi tamen gratum est, quod de 
sapientium perpetua bene vivendi facultate dignum quiddam 
philosophorum voce profitentur. 

Sed quoniam mane est eundum , has quinque dierum 121 
disputaliones memoria comprehendanius. Equidem me etiam 
conscripturum arbitror (ubi enim raelius uti possumus hoc, 

Hieronymus, s. zu II. 6, 15. 

119. senfentia esf, ul virtus — 
valeat, s. IV. 21, 47 zu ita definif, 
vt — sit. — Dass Cicero nacliher 
omneque — esse dicant {mehi aucli 
omneqite — sit) sagt , gescliieht, 
um den Gegensatz zu quod nos di- 
camus deutlicher hervorzuheben. 

qtdd tandem — faciendum pu- 
tas'{' niit Tregder nach Madvig (zu 
de fin. p. 273) statt derVulg. pufes, 
weil hier der Conj. ganz ungehiirig 
ist. Vgl. in Cat. 1. 7, 16: quo tan- 
dem animo tibifcrendum putasi' ~ 
Die bes ten Hdschr. haben freilich 
dafiir vides ; aber quid — facien- 
dum videsi' ist hier keine natiir- 
liche Form der Frage, und quid — 
faciendum , vides, geht auch nicht, 
indem die Auslassung von sit hier 
nicht mijglich , auch wegen fan- 
dem die directe Frage nothwendig 



scheint. — Das Ende des 5. Buchs 
enthalt in allen Hdschr. nicht we- 
nige offenbare Schreibfehler. 

a/ii: die Peripat. und Akadem. ; 
alii aufem: die Stoiker. 

120. ho)iorarius arbiter hiess, 
im Gegensalz zu einem voni Pra- 
tor bestellten arbiter, ein solcher 
Schiedsrichter, den sich die Par- 
teien selbst wahlten,um ilirenStreit 
privatim zu schlichten. 

Carneades, s. lil. 22, 54. 
rommoda=praecipua, s. 16,47. 
Iiunc locum ,,diesen Punkt". 

121. est eundum, vom Tuscula- 
num nach Rom zuriick. 

ubi = qua in re, wie oben .35, 
102 ubi pavperfas beatos esse non 
siniti' und Lael. 14, 51 : Ubi enim 
studia nostra viguissent, si etc. 
(Sauppe conjicirt : qui, im Sinne 
von quomodo.) 



268 LIBER V. 41, 121. 

cuicuimodi csl, olio?), ud Brutumqne noslrum lios libros alleros 
quiii({ue miUemus , a quo non modo impulsi sumus ad pliiioso- 
pliiae scriptiones, verum ctiam lacessili. In quo quanlum ce- 
leris profuturi sinuis, non facile dixerimus ; noslris quidem 
accrbissimis doioribiis variisque et undique circumfusis mo- 
lestiis alia nulla potuit inveniri levatio. 

ciiicuimodi, s. zu III. 34, S3. habeo tlieils ad /j/ii/o.ioj//iiras scr., 

a/Zcros. Er liatte iliin schon die was durchaus unklassisch ist, theils 

rdnf Bucher de fin. bon. et nial. p/ii/osop/ias , dessen adjeet. Ge- 

gewidinet. brauch auch nur vnr- und nach- 

ad /j/ii/osop/iiae srri/ifionrs ,,7.u klassisch ist. 
schriftlichen Besciiaftigungen niit lacessiti. Brutus hatle eia Buch 

der Philosophie". So nach ]\on. dv virfute geschrieben und Cicero 

p. 174,18 u. 134,2. Die Hdschrft, gewidmet : s. V. 1, 1. 



UEBERSICHT 

der in neuerer Zeit voii Tischer zuersl aufgenoniiiieaeu 
Lesarten und Conjecturen*). 



Lib. 1. § 10 enectus Tantalus siti nach Sauppe; enecti/s siti Tan- 
talus und sili enectusTantalus die Hdschr. ij § 15 malum haberemus {in 
ivYw] Tischer; ohne KlammerQ dieHdschr. 1| § 30 [owi^ co«.veHi'w.y] Tischer; 
ohne Klammera die Hdschr. 1| § 3S quum disciptina nach Sauppe ; quuni 
lionore {et) (liscipfina die Hdschr. || § -15 Jrgo quia Jrgivi in ea nach 
Halm (Anal. Tull. I. p. 16) und Ribbeck zu Ennius Versen gezogen, und 
dilecii fiir delecti nach d. Hdschr. 1| § 5-1 [semper] moveat nach Wesen- 
berg; die Ildschr. ohne Klammern. || § 62 qui primus vidit nach Bouhier; 
qui animus vidit die Hdschr. \ § 65 eorpressimus nach Wesenberg ; lioc 
expressimus die Hdschr. j! § 75 ecquidnam aliud estquant emori discereY 
nach Sauppe. ] § 85 (so wie III. § 44) astante fiir adstante und lacuaiis 
fiir laqueatis Ribbeck nach d. Hdschr. |j ib. tamen nach Keil (Quaest. 
Tullian. spec, Liegnitz 1S39, p.XVII) von eventum zu sensuin gesetzt. || 
§ S7 quis est qui nach Sauppe liir die Vulg. ecquis ; die Hdschr. sit qui. |j 
§ 8S Ita carere nach Sauppe ; Carere die Hdschr. ]| § 105 sum passa 
nach Ribbeck; 7«e passa die Hdschr. j § 106 natum tuum nach Benlley ; 
natum die Hdschr. 

Lib. II. § 5 Philosophia nasceturTischer; /?/z. «fl*ca/«/' die Hdschr. |j 
ib. ultra id nach Wesenberg; ultra [quain] id Tregder; ultra quam id 
die Hdschr. Ij § 6 philosophentur nach Sauppe ; philosophantur die 
Hdschr. || § 23 Mulciberi nach Wesenberg; Mulcehri odev Mu/cibri\ulg. H 
§ 30 gloriantem. Nihil nach Lambinus ; gloriantem , dum nihil die 
Hdschr. ; gloriabundum. JSihil Tregder. § 34 ut multus e visceribus 
sanguis exeat, als Vers, nach Lachmann (zu Lucret. II. p. 324). || § 36 
parietum umbris occuluntur und nihil horum t,imile als Reminiscenzen 
aus einem Dichter, nach Ribbeck (p. 227). ,1 § 3S hic quidem Tischer; hic 
quidem est die Hdschr. \\ § 39 Laberis nach Bentley (der jedoch Laberis 
— alliga dem Patroclus in den Mund legt) und Ribbeek ; Laboris die 
Hdschr. j ib. Ubi — dedit, als einVers, nach Bergk (Ind. lect. Marburg. 
a.est. 1844). H § 40 exercet nach Sauppe ; exercebit die Hdschr. 



*) d. h. derjenigen, die keine der Ausgaben von Wolf, Orelli, Klolz, Moser, 
Tregder und Kiihner (ed. IV.) imTexte hat. — Die aufgenomnieue Lesart oder Cou- 
jcclur ist immer voraugestelll. 



27(1 ZUERST AUFGENO.MMENE LESARTEiX UND CO.NJECTUREX. 

Lil). III. § 12 sin, iiiqiiit, qni fiivrat Tischer; si inqiiit {inqiiid) 
Jiierat die Hdsclir. | § IS meliiis est e terru niit WesenbiM'^ nach eiiiigen 
Ildschr. ; meliiis e terra Vulg. j § 2() Mco tantu iiach Beiilley; tanta die 
Hdschr. I ih. Sitiim inter oris nach Lachniann (Lucr. II. p. &1); sitii 
nitoris die Hdschr. ; sitii nidoris ^ul;;. | § 'X.j /tch-tfni Jacil acieni nach 
Wesenherg : hebctem acieni die Hdschr. : hebelat acicni \\x\'^. jj § 40 ne 
intelligere quidem te nach Lainhin u.Wesenberg; ne intelligcre te quideni 
die Hdschr. || § .5S Itajit, sensini. cogita?itibiis nt — apparcat Tischer; 
Itajit scnsiin cogitantibus, ut — npi). Vulg. i| § 73 se ad miseriain invi- 
tant nach Davis u.Wesenberg; ohne se die Hdschr.; ad se mis. inv. Vulg. Jl 
§ ^2 siistiilit,siistnlit etiam nach Keil (p. XVIII sq.); siistulit tanien die 
Hdschr. [] '\h.etsi nacli Keil; et .s/ Vulg. | § 81 leruni haec qnidem hacte- 
nus nach Wesenberg: Vcriim qiiidcvi liaec huctcnus die Hdschr. 

Lib. IV. § .'H descriptos nach Lamhin und Wesenberg; rcscriptos die 
Hdschr. j] § 12 appelleinits nach Wesenherj;; appellainus die Hdschr. J) 
§ 21 acerhior odio, ct intimo cordc ronccp/a, nach FiJrtsch (Quaest. 
Tull. II. p. 1~); accrhior, intiino odio ct cordc concepta die Hdschr. i; 
§ 2S et lividi eingekianiniert iiach Wesenberg. i § 30 valcliido, pulcliri- 
/iido, vircs nach Ursinus und Wesenberg ; piitc/iritudo, vires, vuietiido 
die Hdschr. I| § 4S _/V/;7" Tischer ; suria odvv Jariu die Hdschr. ; sura 
Vulg. ;] § 51 vellcnt nach Wesenberg; vellet die Hdschi'. " § .52 nam zu 
Ciceros Worten gezogen. und perfccit. manii sua resfitnit praelium hi- 
saniens nach Hermann (Opusc. \'ll. .'l^^.^) und Rihbeck ; Nam facinus und 
perfecit manu, rest. pracl. insa/iicns\u]'^., die Hdschr. inannigracb ver- 
derbt. | ^hl praemeditatum non sitT\scher; non j>racm.sif\u\^.; fehlt 
ganz in den Hdschr. |l § 74 o*/Y'?//^^rt/v/7'Tischer nacli cod. Mon. 1 . ; ostcndat 
Vulg. ]] § 77 Quis itcni nach Fleckeisen; Qiiis aiitctn die Hdschr. |] § 82 
tamen ceteros mit Schiitz und Wesenberg nach cod. Gud. 2; fanien ita 
ceteros \ ulg. 

Lib. V. § 7 qui a Graccis Goqoi, sapicnfes a nosfris et hahebantur 
et nominabantur eingeklammert nach Sauppe : bisher unangefochten. j) 
§ 27 eiiis spe nach Lamhin und Wesenberg; spe die Hdschr. || § 3G in se 
ipso omnein spcm reponet sui, iiach Ribbeck (S. 211 u. 2S9) als Dichter- 
stelle; bislier Cicero zugeschrieben, jl § 41 qui parvo meta est Tischer; 
qui parva mctiiit die meislen und besten Hdschr. ; qui parum metuit 
Orelli nach einigen Hdschr. |) § 48 sine alacritate illa nach Nissen ; sine 
alacritafc ulla Vulg. i| § 56 illius — simillimum nach Wesenberg; ////" 
— simillimiini die Hdschr. ]| § GS arfequc bene vivcndi iiach 0. Heine 
(De Cicer. Tusc Disp. diss. iiiaug. Hal. Sa\. 1S54, p. 5); nc ^e/) vivendi 
die besleii Hdschr. ; die hisher. .\iisgahen lassen dieseu Zusalz ganz weg, || 
§ 7(1 collocfitiim mit W fsfnherg nach cod. Pith.; /•y//oc///a//< Vulg. ]| 
§ 7G virfutis nach Wesenberg; virtuti die Hdschr. '! § S7 longe retro 
Tischer (auch Wesenberg); longe et refro die Hdschr. ■] § ^S isne tibi 
■nortem videtiir aiit dolorem fimcre? Tischer nach cod. Vindob. 1.; 
is tibi mortcmne videtur an dolorem timeref \ ulg. I § 107 .It enim 
sine Ignominin. Ignoniinia poterit aJJiccre sapicntem ? nach Orellis Ver- 
niuthung: .// enim (non) sine ignominia {potvrit) ajf. sap. die Hdschr. 



REGISTER ZU DEN ANMERKUNGEN. 



J, bei Pers. ausgelassen, 32; ab 
aUqiio esse 78; a primo 35. 

A., Abbreviatur, 9. 

Abgekiirzle Vergleicbungen: 5 {illa 
confer.), 121 {aegris corp.). 245 
(ferarum). 256 (e.c bestiis'). 

«/5A«/S//? 1 24. 

abluere 196. 

absoliite 235. 

Abstract. p. Coocr. S5 {pestis). 120 
(sta/titiau. mediocr. oj/ic). 175 
{morbor. similitiido). 209 (/«- 
veteratio). 

absiirde 81. 

Jcademia auf dem Tuscuianum 79. 

Academici libri 76. 

aecedit ut — 29. 

accidere, eupberaist., 64. 

accipere 93. 1S9. 207. 

L. Accius (Attius) 43. 

.Accus. c. Infin., inFragen 61 ; dop- 
pelt Sl ; nach videri 217. 222. 

accusatio — defensio 4. 

acies, nicht agmen, 95. 

acipenser 138. 

actum habere 142. 

ad, V. musik. Begleit., 6. 95; ,,in 
Bezugaufg. 121. 133. 158. 187; 
,,im Vergleich mit" 27; consecu- 
tivlS3. 209; beiZeitbestimm. 56. 

addicti/s 11. 

((Stt'((fOQ(i d. Stoiker 91. 

Adjectiva bei Nom.propr. 129; st. 
Adverb, 59. 117; gehiiuft, ohne 
et, 86. 239. 

admirari 132. 

iidmoneri constr. 63. 

adspectus oculorum 264. 

(idspirare 217. 

adiilare SS. 

adumbrata imago 116. 

advocatus 191. 

Aeetes 129. 

aegrotatio 174 fg. 

S. Aelius Patus 15. 

Q. Aelius Tubero 164. 



M. Aemilius Lepidus 7. 

L. AemiliusPaullusMaced. 21. 144. 

153 ; dess. Vater 55. 
aemulatio 171. 
aequiperare, inlrans., 234. 
aes Corinthinm 92. 179. 
Aesciilapii liberi 96. 
Aeserninus 188. 
Aesopus 97. 
aetas 58. 

ajficere eisdem verbis 84. 
aj/irmare 38. 
se afflictare 158. 
L. Afraaius 187. 
Africani fratris nepos 50. 
Agamedes 70. 
agere 31. 193. 
agnoscere 13. 89. 
Agragianus 241. 

.\jax,"d.Telamonier, 61. 189. 191. 
(ilacrilas, 181. 232. 
Albinus, L. Postumius, 55. 
T. Albueius 261. 
Alciius 203. 
Alcibiades 158. 
Alcidamas 71. 
Alcmaon 120. 
AleVsche Ebene 149. 
alicunde, nicht alivnde, 160. 
aliquando 4. 65. 127. 
aliqui fiir aliquis 18 ; nicht = fl/<«* 

quisil; ausgelassen 58 (inquit). 
aliqiiid, pragnant, 30. 187; alqd 

postiilare 188. 
aliquot 7. 
AUitterationen 53. 85. 97. 139. 232. 

239. 
alter — alter 57. 
Amafinius 8. 165. 
amatores adolescentiiim 202 fg. ; 

amator u. amans geschied. 177. 
ambitio 110. 
ambitiosus 248. 
amentia u. dementia 119. 
amittere 53. 92. 
amor stupri u. amicifiae 202. 



272 



REGISTER ZU DE.\ A.NMERKUNGEX. 



Aiuphiaraiis 109. 

an 54. 230. 

Anacbarsis 253. 

Anacreon 203. 

Anaivoluthien: 6 {et Epaininondas). 
12 (/V/ cr^o). 22 (^miilli pulanda 
est u. qiiis est). 22 {priminn'). 
36 (animum). 12 ((//). 44 (ivV« 
divinani). 40 («///« providentes 
u. y/// fjuiirn). 19 ((V/ i'ero). 75 
(^Etcnini). S3 (m «-o u, dioel). 
95 {Militiain). 1 U){ridemusne). 
110 (e^). 124 {omnis abstinen- 
tia). 135 (i/ diceret). 149 (£/ 
iMoba). \i:V.}{Quoniam). 195 (y/t-- 
</i/e). 204 (5/« aiiteni). 205 (/// 
*/■). 200 (//-a). 231 (./// dubitas). 
234 {formido). '2'6b {S im ilemni'). 
240 {Mnsieorum). 245 {AnEpi- 
euro). 249 [iinpetrarim). 205 
{omnesqiie id). 

anapaesliis u. — //?« 95. 146. 

Anastroi.he S2. 184. 

Anaxagoras 04. 131. 264. 

Anaxarchus 104. 

Androniache 139. 

aniina u. animus 16. 17. 119; //«/- 
mus — ira 105; animi indurtio 
92 ; animi principatum tenerc 
15; animi pendere 182. 

animalia u. aniinantes 17. 

anquirere, nicht inquirere, 115. 

Anspielungen auf Ciisar 129. 219. 

Anstand, bei den Roinern streng 
beobachtet, 203. 

Anticlea 232. 

Antiochus von Ascalon 147. 221. 

Antipaler, d. Stoiker 200 ; d. Cyre- 
naii^er 202. 

Antistlieiies 221. 

ch'ri/!)(or 43. 

M. Antonius, derRedner,7. 107.236. 

Apolio 2(14. 

i<7io7Toor]YfiiVK 91. 

Aposiopesis 139. 264. 

appelli-nius. uicht appe/lamus, 169. 

Appius Claudius Caecus 104; Pul- 
cher 25. 

applicare, intrans., 139. 

Apposition vor dein Ei^eiinameii 37. 
63. 23(): statt des Geniliv. 1S7. 
227: zu einein ganzen Satze 03. 



aplus 1S3. 22-?. 229. 

M' Aquilius 21S. 

Aquinius 240. 

Arcesilas 200. 

Archelaus 210; der Kiinig 227. 

Archiloclius 5. 

Archimedes 240 fg. 

Arcbytas 2o7. 

Argo 30. 

Arion 112. 

Aristippus S2. 

Aristo S3. 250. 

Aristoxenus 16. 

Aristoteles S. 17. IS. 79. 

Aristus 221. 

arripere 68. 

Artemisia 156. 

Asclepiades 263. 

assenliri u. confileri 14. 

asseqiii u. nancisci 64. 

asse7'vire 106. 

Asyndeton 76. 245. 264. 

at, ironiscb, 204; at eniin 232. 

Athainas 120. 

Athleten 9S. 

.'V. Afilins Calatinus 12. 

M. Atilius, der Dichter, 175. 

M. Atilius Regulus 21S. 

Atlas 214. 

atque , beim lelzten Gliede einer 

Reihe 230; sleigernd 231; ad- 

versativ 116.203; alque{ac) — 

quidem 130. 
attingit, nicbt attingat, 147. 
Attraction : 30 {liacc piilchritudo): 

160 {lioc otium); 35 {sangui- 

nem); 259 {iis lilteris); des Re- 

lat. 4. 52. 1S6. 
auctorem esse 155. 
auctoritas 26. 
audit aniinus 31. 262. 
auditus. adject., 186. 
Cn. Aulidius 263. 
M. Aurelius Cotta 7. 
aurifera arbor S7. 
///// ,.oder Uberhaupt" 47; Partic. 

peud. 93; aul, nichl an, 252. 
aiitein in Parenlh.6; steigernd 164. 
.Iverni lacus 25. 

balbutire 246. 
bcalum 232. 



REGISTER ZLf DEN ANMERKUNGEN. 



273 



Bellerophon 149. 

hene ittdicare L16. 

bibere vtinistrare 41 . 

Bio 149. 

Dilo, Foriu, 69. 

boni 68. 99. 

jSovh]<ytg, bei d. Stoikerii, 169. 

Brachylogien : 37 {qiiod semper). 
4S {acerrime). 49 {de immorta- 
lititte). 64 (moritar). 127 {agi- 
mus itt). 12b{/ iirbanttir). 134 
{vitae lex). 155 (attribiiere). ISS 
{dejinit). 201 (.?«/?"* e«i!^). 20S 
{collegisset). 2i4{ciilfit et cietii); 
siehe auch: AbgekiirzteVergleicb. 

Brutus, L. Junius. 5."). 190. 

Brutus, M. Jujiius, S. 211. 

Caeus 20. 

ciidit in — ' 118. 

Cacilius Metellus, s. Met. 

Ciicilius (Statius) 23. 145. 

caelestiim Tiir caelestium 87. 

Cijpio, C. Servilius, 217. 

Casar Strabo, d. Briider, 236. 

Calanus 105. 

Calatinus 12. 

Callimachus 52. 

Cailiphon 250. 

Callisthenes 126. 

calliim obdiicere 95. 

L. Calpurnius Piso 124. 

cahr \ 3. , 

Cauiillus, M. Furius, 56. 

canere recepttti 134. 

cantharis 266. 

cantores Euphorionis 140. 

capi 91. 

capiit2\(}. 

capitis dainnare und morte mul- 

tai e 33. 
Cardinaltugenden 92. 
carere, Bedeut., 54. 130. 252. 
Carneades 144. 
cascus 20. 
Cato Censorius 6.7. 153; Uticensis 

46. 212. 
Catulus, Q. Lutatius, 236 fg. 
catus, nicht catitus, 101, 
Caucasus 105. 
caussa disserendi 117. 
cautio u. melus unterschied. 169. 
Cic. Tuscul. 



celebrare 71 ; celebritas 215. 

Cepheus 214. 

cerebrum 15. 

certa dicere 14-(= ajfirmare 38). 

certe 4. 

Chaldaei 59. 

Charmadas 3S. 

Chiasmus 73. 105. 108. 215. 

Chilon 34. 

chorus virtutiim 218. 

Chrysippus 67. 143. 198. 

cibarius panis 255. 

Cimbri et Celtibeii 111. 

Cineas 37. 

Cinna 235. 

citare 127. 

citeriora 244. 

c itius f ii V pot iu s 102. 

App. Claudius Cticus 163. 

M. Claudius Marcellus 55. 19o. 

claro clavum 205. 

Cleanthes lOS. 

clepsydra 113. 

Cliloniachus 144. 

Clitus 208. 

chiere 87. 

coepta sunt, nicht coepissent, 22. 

cogitdre vt — 23; cogitavit, nicht 

cogi/averit, 134. 
cofiaerere 148. 248. 
cohibere mit d. Inf. 147. 
colligere 192. 
comitari, constr., 242 ; comitatus, 

passiv, 264. 
commentatio 47. 134. 
commiltere 236. 

comparat, nicht comparavit, 75. 
complecti 251. 

completur, nicht compleatur, 243. 
concedere 199. 
eoncludere 90. 244. 
Conclusio a min. ad maius : 98. 229. 
Concret. pro Abstr. : 88 (/ne). 197 

{humana natura^. 
concupitus 181. 
conjideris 122. 
conjiteri u. assentiri 14. 
confundere 18. 
confutare 252. 

congruere cum — , Bedeut., 212. 
Conjunctivnach ^imw ,,wenn" 1'43; 

concess. 135. 196; potent. 112. 

18 



274 



KKGISTER ZU DEN ANMIiRKUNGEN. 



Conjiincti\ IiiipLM'!'. fiir Pi-iis. 4. 12. 

221. 212; riirPliisq. 20. .5.5. 144. 
Conjuiicliv PrSs. fiir hnperf. 3S. 

220. 
contiUi 102. 

ronsccraliis 77. 114. 216. 
Consec. tcnipor. 255. 
ai(l conscnsiis, unpclil, 22. 
conseqiii, v. sc/jiii unfcrsch., 25. 
consis/cre 35. 24S. 
consolari 252. 
Consolalio v. Cicero 41. 51; v. 

Crantor 70. 
constantia, bei d. Stoikcrn, 170. 
constare 181. 184. 
constitutus 80 ; constiluta sunt, 

nicht — sint, 190. 
consulatus ille antiquus 9S. 
conlendendo, niclit confeninendo, 

109. 
contendere ut — (iO. 
contcrere 251. 
continere 14G. 
contingit 116. 219. 
contorquere verba 149. 
contra naturam S4. 
contractio animi 56. 200. 
contractiuncula 160. 
conlrahcrc aniinum 200 ; c«;« 

fl/iyo 259. 
contrarius ISl. 192. 
contuniacia 45. 
«0« convalescerc 205. 
Coordination von logisch subordin. 

Salzen 1 7. 
co?" 15. 
Corculum 15, 
Corinthia 92. 180. 
L. Cornelius Cinna 235. 
L. Cornelius Lentulus 143. 
corporis gravitas 114. 
ctis Jortitiidinis 185. 
Crantor 70. 

Crassus, L. Licinius, 7. 
Crassus, M. Licinius, derTriumvir 

11. 265 i sein Grossvater 133. 
Crassus, P. Licinius, 50; ein an- 

drer 2 .{6. 
credcrc 237 ; crcdo, ciiigeschaltcl, 

33. 97. 
Cresphontes 70. 
Critias 15. 60. 



Critolaus 2.33. 
cuicuimodi 160. 
cumulatc 67. 
— cunque, Tnicsis, 82. 
cur 5S. 
curae 242. 
custudia 103. 
Cydippe 70. 
cj/gniis 46. 

Damaratus 261. 

Dauiocles 239. 

Daiiion und Phinti.is 239. 

dnrc, lledeut. 19; Constr. 49; dare 

iugi/lum 93; se dare in — 8. 
Darius 255. 

Daliv hei Pass. liir a 75. 132. 
Dat4\ Parlic. bei cimcedere 84. 
de .indromaclia ,,aus — " 144. 
decanturc 144. 

decerncrc u. decretum 80. 2o0. 
decessio 68. 

Decius Mus, die drei, 55. 
declamiilio u. declamilare 8. 89. 
declaral, nicht declarant, 16. 
decolor S6. 
dedit hinzugefiigl 98. 
dcdoccrc loS. 
dcfinirc 245. 
di{fit 139. 
dejleti liberi 54. 
dejhiere 239. 
Deianira S5. 
deiicere 13. 81. 82. 
Deiphilus 65. 

Deminuliva 114. 232. 240. 
Democrilus 18. 186. 258. 264. 
Demosthenes 186. 25S. 
demum und deniquc bei tum 22 : 

demum verdiichlig 260. 
deoriim z«eifelhall 44. 
dcpnture 150. 
describere 163. 
dcscriptio 27. 

desiderium u. indigentia 173 fg. 
r/e//*, Epicur, 31. 
Diagoras 68. 
ihiO.txTiy.t] 244. 
Diciiarchus 17. 
Dichlcrstellen in philosoph. Vor- 

triigen S9. 
diccre ausgelassen 24. 40. S9. 



REGISTER ZU DEN ANMERKUNGEN. 



275 



dictata S9. 

Dieneces 63. 

(llos 155. 25S ; pleonastisch 70. 

differt 94. 

dijfidentia 20S. 

dignus, absolut, 81. 

dilecti fiir delecti 30. 

Dinomachus 250. 

Diodorus 250. 

Diodotus 263. 

Diogenes, der Cyniker 64. 253; der 

Stoiker 164. 
Dionvsius, d. Aeltere 237 %. 256; 

d. Jiingere 129 fg. 
Dionysius, d. Stoiker S9 ; 6 «6r«- 

&ii.iirog lOS. 
disciplina {publica) 6S; anders S2. 
dispicere 30. 

distincte u. distribute 7S. 
distortus 17S. 
divinitus 162. 
doctus 7; nicht dictus, 87. 
domimis 9S. 
donuii ftir rfowzz 33. 
Doppeltes Deminut. 114; dopp. Ge- 

nit. 94. 179; dopp. Ablat. 133; 

dopp. Fragepartikel 196; dopp. 

Verneinung 34. 
Drusus, C. Livius, 262. 
dubitationem habere 206. 
rfttc^?/* a — 79. 165. 214, 
ducuntur, nicht dicuntiir, 199. 
dulciculus 140. 
rfMwi 84. 255; getilgt 91. Anhang- 

sylbe 100. 

ea reque 209. 

ebuUire 138. 

ecquid, nicht ecqui, 13. 

ecquidnam , nicht nec quidquam, 

47. 
Eetion 139. 
effaridl. 
efferre 19S. 

efficere ,,beweisen" constr. 48. 
effingere — efficta continere 38. 
effusio u. contractio animi 200. 
e«Yc?', nicht e/tc/, 106. 
e?'M« getilgl 99 ; eingesetzt 224. 
elatus ef gestiens 127. 
eleganter 35. 
Eleraente 17. 



e//rfere 90. 160. 

Elision des « 10. 

Ellipse des Pron. /«e 103; ?«6/ l8; 

d. Pron. dera. 221 ; aliquis 5S. 

171; des Zahlw. unus 89; des 

\'erb. e**e9. 267;yrteerel4. 222; 

Jieri {accidere) 18.48. 122. 158 ; 

dicere 89. 137. 156; «c«-e (nach 

nescire) 265; der Prapos. 58. 
Etlipse eines Satzes vor ?iam (•e^iim) 

10. 22. 49. 131. 191. 203; vor 

quod u. quoniam 52. 122; vor ne 

2S; vor a?i 54. 
elogium 23. 
Eraanationslebre 229. 
eminens effigies 115. 
emissio 107. 
Empedocles 15. 
— en statt — etn 41. 
h'<Sfk8'/ftcc u. li'T(Xe/sici 18. 
IV J/f^ ^'i'orv 135. 216. 
Endymlon 57. 
e«/m s. Eliipse; enitn einsylb. 05; 

enitn, niclit autem, 119. 
Q. Ennius 5. 
tvvoici 36. 
enucleate 180. 
Eparainondas 6. 233. 
Epicharraus 13. 
Epicurus 78. 261 ; Epicurei gelilgt 

265. 
Epigoni 109. 
Epitapliius 227. 
in epulis canere 6. 
eqiii Pclopis 112. 
Erechtheus 71. 
ergo 12. 98. 
erratitia astra 39. 43. 
error mit Gen. subj. 246; mit Gen. 

obj. 230. 
escit 120. 
e*se ausgelassen 9; ,,von Etwas 

handeln" 19; „Iebea" 26; 

,,wahrhaft sein" 36. 214. 
esse potest 68. 

est, getilgt96; mit Acc. c. Inf. 259. 
est, ubi— 222. 
et= atqui 1 IS; ,,aucb" 130; ,,und 

noch dazu" 51 ; ,,und doch" 58. 

ft2 ; ,,und iiberhaupt" 167; et 

beim letzten Gliede einer Reihe 

115. 171. 216. 230. 

18* 



276 



KEGISTEH ZU I)E.\ ANMERHUNGEN. 



et non 1 1. 

et — quc 6. 

ef — et, nicht aiit — aiif, 'l'.\ : fur 

nec — «ec auff^enoinnieu lltT. 
et, Parlie. penrlens, 11 fj. 204. 251. 
etenim 2.i.{ ; ^ut porro 12.5. 
et tai/i, nlchl etia/n, ItiO. 
etiam, niclit enim, 200. 
e/i-< 19S. 
Euphorion IJO. 
Eurypylus ItH fg. 
evitare 53. 
i(f'^u€0(( 5!(. 
exacta aetate 59. 
exag-ife/we u. — //o 1 10. 140. 234. 
excellere constr. 09. 
excessus vifae 20. 
exctibare 1S3. 
exercere 9(). 212; exercef, nicht 

exercebit, 9S. 
ea;?>e ex potestale 119. 207. 
exornare 9.'<. 
explicare de — 122. 
explicatus, .Vdjeet., 251. 
exseqiii. 71. 
exspecfare, dum — S4. 
exsuperantia 259. 

Q. Fabius Ma.ximus 50; d. Cuncta- 

tor 153. 
Q. Fabius Pictor (1. 
Fabricius 145. 
fabulam dare u. docere 5. 
facere, vertrilt ein anderes Verb. 

19. ISU; mit Inf. statt Part. 1S2. 

265. 
facile 51. 
falso sanguine 20. 
C. Fannius Strabo 1S4. 
fax 29; anders 109. 
fe/iiineus SO. 

nonfere u.fennc 27. 2<)2. 
fer/'i m^; fe/'anfur, nicht ferun- 

tur, 177. 
fertilitas barbara 95. 
fdentia 20S. 

,/?er« zu suppl. IS. 4S. 122. 15**. 
,finire = dcjintre 147; finiri 71 . 
fnis 75. 

flagifium '2^^\; flagHia diccre 205. 
fluere=dijfluere 105; anders 24-3. 
fudcre 93. 



foi/icntii/n lOS. 
fores, einsjlb., 20l . 
for/nidines 25. 
furlasse 19. 
forlicii/us u. dgl. lul. 
forluitae, st. Jortuna, 265. 
Fragepartikel, dnppelt, 196. Frage- 

satz nach dem «/ consec. 33.240. 
fraus 45. 
frugiilitas u. frugi homines 123 

u. 124. 
yVw/ iijjicio 131. 
frusira 17. 
.M. Fulvius Nobilior (1. 
Jundrrc car/nenH). ()i');fruges '22*^ . 
fiiiigcndus 12.3. 
furi, Conjectur, 1S9. 
Jurfuin Leinnium S7. 
Fulurum in d. conclusio 123. 

Gades 21. 

Galba, Serv. Sulpicius, 7. 

Ganvraedes 40; Ganijmedi, Genit., 

203. 
^audiu/n u.laefifia untersch. 109. 
Geist des .Menschen, wofur ihn die 

AUen hielten? 15 fg. ; s. Theile 

17. 102. 107. 
geme/tti fiir gemcre S4. 
Genitiv. object. 22. 19S. 230. 
Genit. statt d. Appos. 54. 121. ISl. 

194; stalt d. deutsch. Dat. 144. 

209; zwei Gen. bei eiuem No- 

men 91. 179. 
Genit. Gerund. mit einem audeien 

Genit. 243. 
gcntitis 26. 
geniis .Ittiroru/n 76 ; genera p/ii- 

/osop/ioru/n 216. 
Gerundium .'M. 54. 64. 
gloria H) 1 . 

gloriari in — 32; alsTransit. 233. 
)i(t)^i aaiToi' 33. 
Gracchus, im 2. pun. F\r., 55. 
Gracchen, die Briider, 7. 
Griiber von (iiittern 21. 
Graeeia, suppl. Magna, 241. 
Graeci /lo/nines 111; Graera /li- 

storia 263. 
Graeculi 53. 
gravis u. plenus 40. 
Gymnosopbisten 247. 



REGISTER ZU DEN ANMERKUNGEN. 



277 



habere 130. 136. 229. 

habitare 160. 

haec pulcliritudo 30; haec, Xeutr. , 

36; haec pleraque ISS. 
hae res 47. 

haud sciam an — 145. 
Hauptsatz statt eines Bedinguiigs- 

satzes 90. 146. 191; statt eines 

Concessivsatzes 180. 
hebetem facit, nicht hebetat, 133. 
Hecuba 149. 
hedychrum 140. 
Hegesius 51. 
Heraciit 259. 
Hercuies 20 fg. S4. 
Herillus 250. 
Hermodorus 259. 
Hesiod 5. 

hic — ille, Gebraucii, 72. ISO. 
Hieronymus S2. 250. 
Hippoiytus 176. 
hoc getiigt 41. 
Homer 5. 214. 264. 
Homericus Jgamemno u. dgl. 14S. 
fiomo lur is 32. 
honore getilgt 26; honores u, im- 

peria 115. 
honorarius arbiter 267. 
honoratus 52. 
Q. Hortensius 7. 37. 
Hortensius des Cicero 76. 
humane ,ferre 111. 134. 
ab huniili 77. 
Hydra u. Echidna S7. 
Hyllus S6. 

iacere 6. 92. 182. 

iam 88. 176. 224. 

Ibycus 203. 

id fiir musicam 7; id est 130. 150 ; 

id vero fiir idcirco eingesetzt 49. 
idem, nicht quidem, 250. 
igitur, Stellung, 11.45; wieder- 

aufnehmend ISl. 
ignes 29; ignes adhibere 135. 
igniculi 114, 

ignominia u. infamia 219. 
ii vidisse, a\c^t invidisse, 115. 
j7/e bei quidem 7; nimmt ein vor- 

herg. iNomen auf 179; ///a, nicht 

ulla, 233 ; z//»/^, nicht ////, 236. 
iltud 19. 24, 62. 



imago 116. 

immitlere, absolut, 128. 
impellere, Bedeut., 95. 
Imperaliv, statt eines Bedingungs- 

satzes, 22. 51, 90. 142, 
impingere 139, 
imponere nomina rebus 39, 
impotens, Bedeut,, 220, 
imprimere, Constr., 3S. 
in mit d. Abl., st. Abl. qualit. 59; 

bei Verb. der Alfecte 32. 103. 

137; bei dfcere u. iihnl. 149. 223 ; 

unecht? 95; in suam domum 244. 
in quo, nicht /// qua, 1S4. 
in vita, unecht 13; gegen in vitam 

vertheid. 128. 
inanes voces fundere u. dgi. 13S. 
incendin excitare 202. 
inclinare 191. 

inconstantia u. repugnantia 178. 
Indicat. Pras. 14. 
indigentia \~\.. 173 fg. 
indignus, Bedeut., 1S7. 
Indische Sitten 247, 
indolcntia 121 . 
inexpiabilis religio 20. 
Infinit. PrJis. 120; Infin. st. Part. 182. 
injlammata anima 28. 
injligere u. injigere 86. 
inimicitia 173. 
Ino 21. 
/«gM//, vertheidigt, 121 ; ohne Sub- 

ject 58. 266. 
inscribere 24. 
insinuare (se) 227. 
insfans 16S. 
institiones 39. 
integer 28. 

intelligi, Constr., 169. 175. 
inter bei diiudicare IS, 
intimo umgestellt 173. 
inutilis 69. 
invenire cognomen 189; virtutem 

212. 
inveteratio 209. 
invidia, invidentia und invidere 

125 fg. 171. 
invifatio 160. 
lovis satelles 88. 
iracundia 185. ISS fg. 
Irrthiimer Ciceros nacbgewiesen : 

4. 9. 17. 18. 21. 28. 36. 41. 60. 



278 



RI^GISTER ZU DEX ANMERKUNGEN. 



77. 7S. !I4. ll^. 121. I2.i. 12(;. 

163. 164. 167: IMi. lOf). 2.32. 

240. 2oS. 265. 
is, wieileraurnehmeiKi, 1S3. 
ita eingeselzt .Jo; gelilgt 20il; weist 

auf einen folg. Abl. hin 138. 
ita — iif ne 22b. 
ite7Ji, nichl atifem, 206. 
iiidicari! 23^. 
iudieatio 176. 
Julia, Casars Tochter, 53. 
iungi, constr., 255. 
ius lioininum 40. 
Iiiventas 40, 

Krahenalter 4S. 152. 

laberis, nicht lahovis, 07. 

labor und dolor 04. 

laborare, voin Monde, 57. 

lacualis, nicht laijufa/is, 53. 

Lacydes 2liO. 

C. Liilius 235. 

laefijicus u. dgl. 43. 

Laius 202. 

languidiis 219. 

Laomedon 41. 

laquei Stoicorum 246. 

largiri 4S. 

latere vertheid. S6. 

Lebensalter 58. 

lectuin fiir lecfus? 93, 

/eg-c.v serere 23. 

lentifiido 1S5. 

L. Lenlulus 143. 

Lepidus, M. Aeniilius, 7, 

Leucadia 204. 

Leucata ls4. 

levare 107. 

/eue nomen 59 ; leviciilus 258. 

/ei>«7a* 190. 200. 

/cic Varia 107. 

/«'fte;' ausgelassen 226. 

//i;;Y; ///rt Crifolni 234. 

//ce/, constr., 57. 

L. Licinius Crassus 7. 

M. Licinius Crassus 11. 

P. Licinius Crassus 50. 

Liebe, bei den Griechen, bei Plato 

und den Stoikern 203 fg. 
lippitudo 209. 
liqiiefacerv, trniiisch, 219. 



Lifana [silra) 56. 

Livius Aiidronicus ■>. 

longe ante 131. 

C. Lucilius 133. 

lumvn 7. 107. 

lusfrare 87. 

Q. Lutatius Catulus 235 fg. 

L\co 15S. 

M., Abbreviatur, 9. 

Maeofis, Fnrm, 233. 

maerere, constr., 65. 

magno acstimare llS. 

maioruin gentium dii 21. 

inaius exrlamare 106. 

inale audirc 265; narrare 10; ;•*■- 

prehendere 134. 
inalevolenfia 173. 
tiialifia ISl. 

malle niit doj^p. Accus. 235. 
inalum, doppersinnig, 136. 
mandare Oti : nicht mandcre, 207. 
fjaric. 120. 

T. Manlius Tor(|uatus IS9. 
Marallioniiis faurus 190. 
Marcellus, M. Claudius, 55. 190. 
C. Marius 236 fg. 
Matuta 21. 
Mausoleum 156. 
Medea 150. 
mediocritas ojjiciorum 120; per- 

tiirbafiomim 126; malorum 194. 
mediocriter quidem, vertheidigt, 

78. 
meditatio 99. 
meditatus 132. 
memoria ef litteiis 216; mem. et 

recordafione 252. 
Menedemus 150. 
Meniiceus 72. 

mens zurLmschreib.gebraucht247,, 
mente vix constare 1S4. 
mentiri {non iniilfum) 202. 
meo liinzugefiigt 129. 
mercafus 215. 
merces 121. • 
Meteller 12. 52. 
Metrodorus von Scepsis 37: dcr 

Lampsacener 79. S3. 
inilifia 95. 
ininistrare 239. 
miscere malum 207. 



REGISTER ZU DEN AP^MERKUNGEN. 



279 



miserari uiid misereri 196. 

miserum 9. 

Misogijnes AHlii 175. 

miltere = ondttere .52. 

modo — niiper 37. 

/??5* molestirm est IS. 

monstra divere 193. 

montivagtis 248. 

morhi, afgrofationes u. offensio- 

nes 174. 
mordere, Irop., 160. 
morosiis, Ableit., 193. 
morte muHare u. capitis damnare 

32; viortem (iiicht ?norte) oc- 

cumbere 63. 
mortuorum imagines 26. 
motus, Bedeut., 42. ' 
movens, neutral, 178. 
P. Mucius ScJivola 191. 
mvliebres amores 203. 
mundanus 261. 
munus 44; anders 67. 263. 
Musae, trop.. 241. 
Miisica, Neutrum, 239. 
Mysterien 21. 

Nachliissige Diction: 99 (Quod) ; 
110 (Itaque); 135 (a me) ; 176 
(aegrofa/iones) ; 178 (vitiosi- 
tas) ; 214 (^M?' — - nominaban- 
tur); s. auch Anakoluthien. 

7;fle 47. 

waw, elliptisch, 190. 2o2. 

nancisci und assequi 64. 

nascetur, nicht nascatur, 11 . 

Nasica (Scipio).15. 

natam, nicht naturam, 37. 

natura, adverb., 130; natura — 
culpa 155; naturae prima bona 
249; natura in dopp. Bedeut. 35. 

7je, concessiv, 82 ; «e e/^ — ei^ 23. 

— ne (Zunipt berichtigt) 42. 

«e — quidem 10. 

«ee, verworfen, 40. 45. 

necne 91. 137. 

Negationen , zwei , sich nicht auf- 
hebend 34. 

vtxvia 25. 

Viy.vojxaVTiiK 25. 

nempe 142. 217. 

neque (nec) = neque vero 37. 217; 
Partic. pendens 196. 



nequicquam 124. 

nescio quisl'2\; nescio quomodo 19. 

nihil, pragnant, 37. 187; von Per- 
sonen 7; nihiii 124. 

nikil admirari 132. 

niiiil minus hergestellt 97. 

nimirum 53. 

Niobe 149. 

Niptra 103. 

Nobiiior, M. Fulvius, 6. 

nobilitas 162. 

nomen, zur Umschreib. gebr., 93. 

non, Stellung-, 132; non getilgt 179; 
non u. nonne untersch. 14; non 
item 1 80 ; non qjiia — sed 4 ; non 
soluin — 5edl46; iiori — sedli^. 

non sane u. sane non 127. 

nosse 13S. 

juidus 218. 

nullus 11. 

Numa, kein Pjlhagoreer, 163. 

numerare 231. 

nunc 114. 

ISiycfegresia 448. 

ofc = tfrf 131. 

obducere 60. 

o&?re 67. 

obruere 237. 

obtinere 19; obtinetur, uicht o 

//«e/, 266. 
obfrectatio 1 72. 
occultius 163. 
occunibere constr. 63. 
occurrere 12. 32. 33. 
Cn. Octavius 235. 236. 
1« oculis esse 110. 
odores 138 
offensiones 174; populavis offensio 

258. 
officere 254. 
ojfficiosus 153. 
oj/icium 197. 
offundere 160. 

Oiympia, Werth des Sieges, 69. 
omnes fiir omnes alii 215; omni- 

bus ungulis 106. 
o/nrt/rto 94. 109. 223. 
ouoioTiltvru : 43. 53. 
o^v/LiojQu : 75. 93. 136. 263. 
operam getilgt 8. 
opibus viribus u. dgl. 117, 



280 



REGISTER ZU DEN ANMERKLNGEX. 



opinalio 1 T(>. 

opinatiis, passiv, 12S. 168. 

opinio init Geii. obj. 22. 128. 191». 

opinor, eingesclialtet, '6\. 

oppeterc pestem 9(5. 

uppositiis und contrariiis 175. 

opsonare 'Ibh. 

optare, Gegensatz von doeere, 91. 

opus qiiaerere 159. 

ora, Bedeut., 43. 

orafio, nieht cnratio, 196. 

orator, priignant, 193. 

orbis (^signifer) 43. 

Origines des Cato G. 62. 

ornate clicere 8. 

os perfricare 137. 

ostendatiir, nicht ostendat, 2()5. 

Pacidianus 188. 

paedor 148. 

nuOog — perturhatio 118. 

Palaraedes 61. 

Paniitius 29. 49. 

C. Papirius Carbo 7. 

parietinae 144. 

Parrhasius 6. 

j>ars 127. 168. 

Particip. fiir den Indic. 46; als 

Epexeg. zu tnm 45. 
partu editus 85. 
paruinper 242. 
parvo metu est, nicht parva me- 

tuit, 230. 
parvuli igniculi 114. 
patietur, nicht patiatur, 135. 
Pati icolvs 96. 
patritus 30. 
paucis philosopliari 75. 
paupertas 257. 
peccans immortalitas 213. 
penifus 132. 
perforafae viae 31. 
perfricare os u. dgl. 137. 
pergite vertheidigt 62. 
pcrmanare 99. 
Perses fiir /^ez-ia 63 ; fiir Perseus 

144. 266. 
perturbatio, Definit. u. Einthcil., 

169 fg. 
pcrvcllvrc lOl . 
pestis . Abstr. pro Concr. 86; im 

Plur. 86. 



petessere 1 K». 

Pnichlen, Eintheil. derselben bei d. 

.Sloikern, 12l». 
Plialuridis taiirus 84. 245. 
Plierecvdes 26. 
Phidia!,'24. 
pliilitia 255. 
Philo v. Larissa 70. 
Philoctet 84. 93. 
pliilosuplientur, niciil philosoplian- 

tur, 78. 
philosophus, zuerst v. Pythagoras 

gebr., 215. 
pictura Hotneri 2iU. 
L. Piso Frugi 124. 
si plavet 18. 
y;/rt«p 100. 188. 

Plato 16. 17; s. Reisen 186. 257. 
plvbeii philosophi 35. 
plvnus 40. 

Pleonasmus 63. 70. 212". 252. 
plumbeus 45. 
Piural, v. Abstractis:-25. 86. 138; 

Pl. nach multitudo 165; nach 



quisque 



152. 



/;/wi rdr magis 154; plus.nume- 

rare 9(). 
pocniri und puniri, Depon., 66. 
Polenio 225. 
Poiyclitus 6. 
Polyphemus 265. 
Cn. Pompejus 11. 53. 
poncre '== propunere 9 ; = depo- 

nere 19; = imponcre 119. 
porfa Capena 12. 
porlicus 96. 
Posidoiiius 109. 
possuni u. possem 54 ; possum u. 

y//t'o III: posse — won posse']. 
post, Anastrophe, !>2. 
potesf init kurz. ult. 96. 
A. Poslumius 21. 
C. Poslumius .\lbinus 55. 
poti, iiicht />fl^/, 117. 
potiri mh dem Acc. 56. 200. 
potius quam — 104. 
pravbibvre (iO. 

pravcipua, bei d. Stoikern, ?tl 232. 
praevlarus 32. 2(»2. 
praedifus melii u. dgl. 230. 
praenivditatum non sit 195. 
praemiiim 221. 



REGISTER ZU DEN ANMERKUNGEN. 



281 



praemolestia 199. 

Praposit. Bestimniungen an Sub- 

stant. angeicnupft; 33. 72. 82. 

,168. 169. 172. 256. 
Praposition ausgelassen -58. 
praesens 2 l . 

Prasens, priignant, 155. 255. 
praesertim quum J43. 245. 
praestare 135. 225. 
praeter 251. 
premere 54 ; unecht 197. 
pressus 65. 169; 
Priamus Sohne 52. 
primum, Part. pendens, 23. 36. 

222. 266. 
primus, nicht animus, 39. 
primus homo 56; in primis 12; 

prima bona nalurae 250. 
princeps 24. 

animi principatum tenere 15. 
principia 17. 
prius 14. 247. 
p7'ivare 139. 
/;7'o experientia 194. 
probabile J4. 
probari ut — 117. 
proclivi 185. 
procul 230. 

TiQorjyufva der Stoilcer 91. 
projicere 197. 
projligare 218. 
prohibet, nicht cohibet, 148. 
proinde 235. 

Prometheus 87 fg. 157. 214. 
Pronomen demonstr. , pleonast. bei 

quideml; nimml ein and. Nomen 

auf: 179. 182; wiederholt 124; 

ausgeiassen 221; im Neutr. subst. 

24. 28. 36. 62. 190 ; ad synesin 

7. 8. 89. 
Pronomen relat. , nach dem Priid. 

coustr. 4. 16. 174; vom Zwi- 

schensatz attrah. 52. 186; geht 

auf ein entfernt. Subst. 189; 

ungenau gebraucht 99 ; in einem 

and. Casus zu suppl. 46; mit 

Conj., beschriinliend, 2ti. 236. 
Pronom. indefin., ausgelassen 58. 

171. 
Pronom. possess., Bedeut., 68. 
pronunciatum 12. 
propinare 60. 
Cic. Tuscui. 



proprius et suus 44. 220. 

providere, Conjectur, 200. 

provocatio 162. 

Ptolemaus 255. 

pubescere 43. 

pudens miles 104. 

pugnare 80. 

pulcher 60; pulchritudo 179. 

pulvis et radius 240. 

punctis singulis 110. 

pungit aliquid 25S. 

pufas, nicht putes und oicht vides, 

267. 
Pyrrho 83. 250. 
Pythagoras 16. 26. 162. 186. 
quasi Pythius Apollo 14. 

quaerere copiam 254 ; qu. de — 

159. 194. 
quam getilgt77; SteUung80; qtiam 

no7i u. Aehnl. 84. 
quamquam mit d. Conj. 251. 
quamvis'6\. 195; quamvis licet 192. 
quando 181. 
quasi 141. 250; qnasi vero 33; 

quasi fastorum 43. 
— que ans 2. Wort gebiingt 209. 

244; ^«e ,,und iiberhaupt " 51. 

64; inv sed 45. 106. 
qui fiir qiio 207; getilgt 41. 
qui tandem, mchtquid tandem, 1 1. 
quicquid, scheinbar fdr quidque. 

187. 
quicunque, mit dem Conj., 18. 
quid, V. Personen, 130. Quid hoc 

{illud)-^ 19. 
quidam 79. 80. 83. 
quidem 7. 77; advers. 42. 62; 

,,z.B." 50; mcht quidam , 71. 
quin statt Acc. c. inf. 54; = qui 

non 220. 
quinque stellae 43. 
quis est qui, ftir ecquis eingesetzt, 

54. 
quis non modu — sed — 81. 
quisque, Stellung, 166. 
in quo, nicht in qua, 1^4. 
quo — cunque, Tmesis, 82. 
quod, Pron., ungenau, !(9. 
quum „dadurch dass"40; ,,\venn", 

doch mitConj. 143; quum — tum 

5. 263; quunL praesertim 245. 

19 



2S2 



REGISTER ZU DEN ANMERKUXGEN. 



radiits 240. 

ratio 34. 145 ; ratiiwe u. cum rat. 

20tJ ; ratione et via 78 ; ratio 

et oratio 183; ratio ct doctrina 

114. 
vatus '1A'.\. ' 
recipere, neutral, 66 ; rec. ferrum 

9!)., 
recordari, Plat. Begrilf, 36. 
recordatio, v. memoria geschied., 

2.)2. 
recta ratio ISl. 
Reden, Abfass. derselben, l',)3. 
reiiciendum, stoiseher Begrilf, 91. 

232. 
religio 20. 
repens 131. 

repugnanfia u. inconsfantia 177. 
reruni nafura 204. 
res = res Jamiliavis 137; 7'es re- 

rifasquc 21 S. 
respondere 92. 
revereri 46. 
revocare lOS. 
rheforum cpilogus 69: ;•/<. myste- 

ria 194. 
Romulus 20. 
/rt 7"05a 24.5. 
?-o/a 223. 

P. Rupilius Lupus 1^4. 
rursum^ Bedeut., 27. 

sacpe mulli 47. 

Salaminam 68. 

5fl/»o (falso) sanguine 26. 

Samnis 99. 

^ane ISS; *<7He 7;o?^ und ?/oh 5ffne 

127. 
sangninem, getilgt. 10. 
seatere u. dgl. 44. 
scliolae 9. 69. 
scilicet 90. 264. 
Scipionen, die Briider, 55; Afric. 

min. 190. ^ 

Scipio Serapio 19(i. 
scrihifur constr. 70. 
scriptifarc 222. 
se 176; eingesetzt 155. 
secundus 76. 
.yerf 92. 
sedulo S3. 
Seele, s. Geist. 



segcs, ^l . 

Selbstverbrennung bei deu InderD 

247. 
sernpcr unecht 35. 
Tib. Scnipronius Gracchus 55. 
C. Sempronius Graccbus 141. 
sepelire 92. 
si-qni, Bedeut. , 261. 
serere leges 23. 
Serviiier 12 ; Cn. Servilius Gerainus 

55 ; Q. Servilio Capio 217. 
sevvire 144. 151 . 
si diis placet 226 ; si iam 200; si 

quaeris 154; si quando, ellip- 

tisch , 122; si quidem 97. 157; 

si videtur (placet) IS ; si, nicht 

queni, 112; .v/ getilgt 169. 
siccifas corporis 256. 
SicuU 13. 
.sicut esf u. dgl. 2S. 
Silenus 70. 
silice iiafi 121. 
similc sl. 
similis constr. 24. 
siniilitudo 50. 
Sinionides 37. 02. 
Siniplex nach d. Conipos. wieder- 

holtl03. 
simul 16S; niit uf 164. 
sine mit .\blat., adject., 33. 7S. 
in sinu gaudere 143. 
sisfere lb9. 
Sisyphus 10. 61. 
siti umgestellt 10. 
situm infer oris 129. 
sive, Part. pendens, 60. 
sive — sive, niit d. Conj., '6"^. 
Socrates 157. 216. 
socrus, Mascu!., 12S. 
solus , zum Priidicat gehbrig, 42. 

232. 
species 178. 179. 
specimcn 23. 236. 
sperncntcm, mcht prementem , 197. 
spes und sperare constr. 60. 
Speusippus 225. 
spliaera ./rcliimedis 39. 
Sphiirus 192. 
spinac trop. 167. 
spivabilis 2S. 
spolia cnpere S7. 
sfare llO. 



REGISTER ZU DEN A\i\IERKUi\GEN. 



283 



Statius Ciicilius 23. 145. 

A'/a^//*, jurislisch, 159. 

stellatus 214. 

stornachiis 191. 

studiose 142. 

studium et gloria 111. 

stu/ti, nicht stulta, 169. 

stupor 121. 

Sui)stantiv, in den Relativsatz ge- 

nominen, 195; Subst. abstr. statt 

Adject. 120. 
sui, Bedeut. , S ; sui, nicht sues, 

57. 
P. Sulpicius 7. 
sum (nicht sim) passus 35, 
sumenda 240. 
surdaster 265. 
suscipere 49; anders 115. 
suspicari 141. 
sustinere 222. 

sustulit etiam, Conjectur, 160. 
Synephebi des Ciicilius 23. 
Si/racusiae mensae 257. 
Syria fiir Assyvia 257. 
GOirpnoavvr) 123. 

tabellis obsignatis agere 226. 
Tafelgesange der Rbnier 6. 
tame?i umgestellt 53. 
tamqvam mit dem Indic. 217. 
Tantalus 10. 1S2. 
tantus beschriinkend 22. 253. 
tecto, nicht lecto, 93. 
Telamo 137. 
femeritas 102. 
femperantia 179. 
temperatio 17. 42. 
templum 32. 140. 
temporis caussa 166. 
tenuis victus 142. 253. 
tergiversari 137. 
terror S5. 172. 
Teucer 261. 
textilis S6. 
theatrum 65. 111. 
Themistocles 1S6. 
Theodectes 37. 
Theodorus 63. 
Theophrastus 30. 126. 
Theramenes 59. 
Therraopylen 62. 
Thierdienst der Aegjpter 246. 



Thyestes 12S. 139. 

^<&/, ausgelasseu bei siplacet u.dgi. 

18, 
flrf iibiam 95. 
Timon 176. 
Titanen SS. 
titillarc 141. 
Tod, Ansichten der Alten dardber, 

14 fg. ; ein Schlaf, 57. 
tolerabilis 145. 
tollere 131. 
tonstricula 23S. 
Torquatus, T. Manlius, 1S9. 
toto pcctore 107, 
Q, Trabea 201. 
tracfare 191 . 
tragoedia, tropiscb, 204. 
tranquilUtas maris 219. 
tria genera bonorum 197. 
tributus 102. 
Triptolemus 61. 
tristis S5, 125, 
Troilus 58. 253. 
tropaeum = victoria 68. 
Trophonius 70. 
Tubero, Q. Aelius, 164. 
tum denique, v. <«?» demum ge- 

schieden, 22. 47. 
tumores animi 157. 19S. 
Tumult, Formel dabei, 190, 
tune, bei Fragen, 101. 
Tyndariden , adiutores und nuntii 

victoriae, 21. 
Tyrum, nicht Cyprum, 151. 

ubique 24. 

Uebergang v. d. 3. zur 2. Pers. d. 

Verb. 57; vomAct. zumPass, 47; 

vom Sing. zum Plur. 199; vom 

Plur. zum Sing. 28. 45. 106; 

Aon Subst. anderer Gescblechter 

zumNeutr.v. Pron.36.110. IIS; 

V. d. negat. zur affirm.Frage 10; 

vomRelativsatze in einenHaupt- 

satz 4. 65. 123. 2J5; v. orat. 

*obI. zur or. recta 43. 83, 109. 

174, 185. 234. 262. 
ulla, in illa geandert, 233, 
nltra, Anastrophe, 184, 
umbrae 247. 
umbratilis vita 89. 
Umschreibung 69. 146. 247, 



284 



KEGISTER ZU DEN ANMERKLNGEN. 



omnibus tingulis 100. 

Unrecht leiden und tliun TM . 

anus, zur \ erstarkuiig, lOU. 1!I4. 
211; bleibt wcg, !)U; tinits—alter 
— tertius 141; uniis e mitltis 14; 
unarn, nicht una, 115. 

usura 4*5. 

ut ,,wie" in besond. Anwend. 13. 
07. 249; vt dieitur u. dgi. 1U7; 
tit si fiir ac si 1^4; ut ,,dass" 
nach cogitare 23, nach veritm 
est 154; Partic. pendens llU; 
mit tolg. Fragesatze .'53. 240. 

ut ne nach ifa 229 ; «//^ «0« con- 
cess. 14. 

ut Cyrenaici eingesetzt 150. 

utendus 130. 

utililas consecrafa 114. 

utruui illudne 195. 

vacare populo 111. 

Q. Varius Hybrida 107. 

P. Vatinius 21. 

vecors S5. 

vehementer 13(>. 190. 

vel 50. 

?;e/a facere 10(j. 

i>e/js remisque 12S. 

i)e//e 17. lOb; luit dopp. Acc. 235. 

velut 21S. 

vendilalio 111 . 

verbum e verbo IIS; verbis — rer- 

bei'ibus 150. 
verecundia ISS. 
vereor, ne — 4S. 
wero 01. 73. S9. 2(50. 
versari 00. Is5. 202. 
Verse erkannt 91 (zweimal). 22S. 
verum verdachtig 10. 
verus , Bedeut., 15U; verum est 

ut — 154. 
vide (videamus), ne — 51. 100. 
videlicet 32. 
videor videre 157; videbifur, nicht 

videtur, 04. 



videre, priignaat 203 ; —providefe 

140; anders 147. 
videri niit Acc. c. luf. 217, 222. 
viduits SS. 
vigere 70. 

in viola — in rosa 245. 
vir 104. 105. lS(j; vir optimus lUO. 
cireA- atqiie opes 12S. 
u/r^'0 95. 
virfufis getiigt 110 (^eminenteni 

cjjigiem). 
viscera S5. 
visere, Bedeut., 30. 
in vita verdiichtig 13; vertbeid. 

gegen iit vitam 12S. 
vitiosus ISO. 
vitium und vitiosifas 177 fg. ; eo- 

dem vitio esse 200. 
vivcre cum — 5U. 
vix, Stellung, 91.- 
voluptatem getilgt S4; voluplafes, 

Eintheil. derselben, 254. 

V\ echsel der Conslr. 43. 150. 171. 

175; s. auch Uebergang. 
VV iederaufnahine eines Noniens 

durch ein Pronom. ISU. 1S3. 
VV i(Mleriiolung dcs Objects 44; des 

Prouom. 124; desVerb. 71.130. 
VVortspicle: 59. 150. 193. 201. 

205. 
VVortslellung: lu. 73. 79. SO. 105. 

122. 132. 157. 229. 244. 255. 

259; im Texte geandert 10. 53. 

179. 

Xenocrates 10. 234. 
Xerxes 221. 

Zeno, der Eleat 104; der Stoiker 
10. *^3. 227: dcr Epikureer 130. 

Zeugma: (iO {scijphum'). 72 (Co- 
drum). 107 (^missa). 2(>7 (wo- 
/e*). 242 {in caede). 

Zopyrus 2oS. 



Uiuck \ou Bieilkopl' uiid Hiirlel ia Leipzig. 



M. TDLLII CICERONIS 



DE NATURA DEORUI 



LIBRI TRES. 



E R K L .E R T 



G. F. SCHOEMANN. 



ZWEITE AUFLAGE. 



BERLIN, 

WEIDMANNSCHE BU C HH AN D L UNG. 

1857. 



V R W R T, 



Die gegenvviirtige Bearbeitung der Bucher de natura deorim 
isl geuiilss dem Plane der Sammlung, zu der sie gehort, vor- 
nehndich nur auf die Erkliirung gerichtet; die Kritik des Textes, 
soviel auch dafiir noch zu thun ist, durfte, wenn sie auch nicht 
iiherall ganz mit Stilischweigen iil»ergangen werden konnte, doch 
nur in dringenderen Fiillen, und auch da nur wenn die Sache sich 
mit wenigen Worten alithun Hess, zur Spraclie kommen. Weil 
es zuniichst nur darauf ankam, einen mogiichst ohne Anstoss 
lesbaren Text herzustellen, so konnten viele Stellen, die in einer 
eigentHch kritischen Ausgabe zu iindern gevvesen sein wiirden, 
hier unl)edenkHch in der einmai iiberlieferten Gestalt belassen 
werden, vvenn sie hinsichtlich der Sprache oder des Inhaltes kei- 
nen Anstoss gaben , eine Aenderung sich aber nicht ohne aus- 
fiihrliclie Erorterung rechtfertigen liess; wogegen alle solche 
Stellen geiindert werden mussten, die aus sprachlichen oder 
sachlichen Griindcn als fehlerhaft erschienen, auch wenn die 
Aendenmg nicht auf volle Gewissheit, sondern nur auf Wahr- 
scheinlichkeit Anspruch machen durfte. Deswegen sind manche 
Coniecturen, theils fremde theils eigene, aufgenommen worden, 
deren Begriindimg, weil in den Anmerkungen kein Baum dazu 
war, anderswo entweder schon vorgetragen ist, oder deranachst 
vorgetragen werden wird. 

Bei der Erkliirung nmsste von der Voraussetzung ausgegan- 
gen werden, dass eine Schrift wie diese auf Gymnasien nur von 
gereiften Jiinglingen gelesen werden vviirde, die auf ihren Inhalt 
wirklich einzugehen und die behandelten Gegenstiinde mit Theil- 
nahme und Nachdenken zu verfolgen fahig und geneigt wiiren. 
In dieser Voraussetzung also ist zuniichst eine Einleitung voraus- 
geschickt, um das Interesse des Lesers fiir die folgenden Un- 
tersuchungen zu wecken und ihn zur richtigen Auffassung der- 
selben vorzubereiten : es ist ferner Sorge getragen , den Zusam- 
menhang des Baisonnements in den einzelnen Biichern durch 
vorgesetzte genaue InhaUsangaben iiberschaulich darzulegen: es 



IV VORVVORT. 

ist endlirli zum Verstandniss jeder einzelnen Stelle sovid ange- 
geben, als das Bediirfniss solcher Leser, wie ich sie vor Aiigen 
hatte, zu iordcrn schien. Oh icli iiherall das rechte Maass ge- 
troflen, vverden erlahrne Scliuhnanner heurlheilen; wer sich aber 
die Miihe gehen will, das hier gegehene niit deinjenigen zu ver- 
gleichen, was friihere Ausgahen oderErlauterungsscln-iUen gehen. 
der wird erniessen konnen, was liir IliiUe niir ineine Vorgangcr 
gewidirt, und wie nianclies niir zu ergiinzen. wie manclies zu hc- 
riclitigen gehliel)en sei, was in den Anmerkungen selhst hemerk- 
lich zu machen dei- Zweck dieser Ausgahe nicht gestaltete. Wohl 
aber schien dieser es nicht nur zu gestatten, sondern zu lordern, 
dass hei wichtigeren Gegenstiindcn nicht blos das zuniichst Noth- 
wendige angegehen, sondern auch die Qiiellen angezeigt wiirdcn, 
in welchen tlieils IJelege liir das Angegeheiic, theils ausfiihrli- 
chere Bclehrung zii Jiiidcn sei: wohei denn Ireilich nicht inniicr 
nur solclie Biiclier gcnannt werden konnten. die auch Schiilern 
leicht zugiinglicli sind. Ich hin aher der Meinung. dass eine Schul- 
ausgalie nicht gerade fiir Schiiler allein. sondern liir die Schule. 
also auch fiir Lehrer brauciibar sein solle, und ich holle durch 
meine Arbeit auch diesen die Erkliirung einer Schrift erleiclitert 
zu haheu, die gewiss gar sehr verdient aiif Schulen gelesen zu 
werden, die man aher jedenfalls lieher gar nicht, als ohne ein - 
dringendes Versliindniss lesen sollte. 
Greifswahl im April 1S50. 



Die zweite Ausgabe unterscheidet sich von der crsten theils 
durch einige Zusiitze und Verliesserungen in den erkliirenden 
Anmerkungen, theils durch manche Aenderungen ini Texte, zu 
welchen ich mich namenllich durch Ilrn. Prof. Klotz veranlasst 
fand, dcssen im ,1. ISiio erschiencncr .Vusgabe das Lob eincr 
hochst sorgfiiltigcn Rccognitioii gcbiihrl. .\ii nichrcrcn Stellcn 
freilich konntc ich iiichl mil ilim libcrcinstimmcn: doch mich in 
kritische Erortcrungen hicriibcr einzulasscn vcrbot dcr ursi»riiiig- 
liche Plan meiner Ausgabe, der natiirlich festgehalten werdeii 
musste. Nur die von Klotz verschmiihten, von mir aber in den 
Text aufgenoinmenen Coniecturen, eigene oder freinde, sind zum 
Theil in dcn Anmcrkungen bezcichnel und. sowcit cs in der 
Kiirze miiglich war, gerechtfertigt; von den unerwiihnt gebliebe- 
nen habe icb mich begniigt am Schluss eiu Verzeicliniss zu geben. 
Greifsw ald iin Fchi-uar 1S57. 



E I N L E 1 T U N G. 

Cicero^s Schrift vom Wesen der Gotter ist, wie das zu- 
ganglichste, so auch das vollstandigsle der auf uns gekommenen 
Denkmale der antiken Rehgionsphilosophie, indem sie uns theils 
die Ansichten der alteren Denker auf diesem Gehiele in kurzen 
Ziigen wenigslens andeutet, theils die Lehren derjenigen philo- 
sophischen Schulen, zu denen in spaterer Zeit die gro&se Mehr- 
zahl der wissenschaftlich Gehildeten sich hekannte, in vollstandi- 
gerer Auseinandersetzung dariegt. Es ist deswegen zweckmassig 
zur besseren Auffassung dieser Schrift den Leser zunachst durch 
einige einJeitende Bemerkungen uber die Religjonsphilosophie 
der Alten iilierhaupt, und ihre verschiedenen Richtungen, vorzu- 
])ereiten. 

Die Religionsphilosophie geht auf %^antwortung der wich- 
tigsten Fragen aus, die den menschlichen Geist beschafligen, 
der Fragen iiber das Dasein und die fieschaflenheit der hoheren 
unsichtbaren Machte, von denen der Mensch wie sich selbst und 
sein ganzes inneres und iiusseres Leben, so die sichtbare ihn 
umgebende Welt abhangig und beherrscht fiihh. Sie hndet frei- 
licli eine gewisseAntwortauf dieseFragen id)erall schon gegeben: 
die Religion, alter als alle Philosophie, kommt ihr mit einer 
Summe mehr odcr vveniger ausgel)ildeterVorstellungen iiber jene 
hoheren Miichte entgegen , an welclie das Volk glaubt und sei- 
nen Glauben durch den Cultus, den es ihnen widmet, und durch 
das ganze Verhalten, zu d<Mn es sich durch sie verptlichtet achtet, 
bethatigt. Aber wie iiberall, so auch auf diesem Gebiete, tritt in 
der geistigen Entwickelung di'r Volker eine Epoche ein, wo in 
den weiter vorgeschriltenen Geistern das Rediiriiiiss erwacht, 
welches der Anfangs- und Ausgangspunkl aller Philosophie ist, 

Cic. de Nal. deor. 2. Aufl. 1 



2 EINLElTUiNG. 

das Bcdiirfniss dos Wisscns. Man vorniag dcn fil)crli('ferten In- 
halt (lcr Hcligion nicht nichr blos auf Glaidjcn anzunclinien, 
sieh nicht hci dcn hcrrschenden Vorstcllungen zu heruhigen: 
man fraf,^t naeh deni Grunde des Glauhens, nach dcr IJercclUi- 
gung (ler Vorstellungcn: und wcnn sich di(j Ilcligion dcm den- 
kcnden Gcistc nicht durch cinc huhere Auctoritiit, durch eine 
keinen Eins[)ruch lcidendc Bcrufung auf cinc g6ltlich(! Oircnba- 
rung glcichsam zu lcgitiniircn und ihrcn Inhalt als cin lihcr Zwei- 
feln und Anfcchtungen crhahcnes Gchicl zu hchauptcn vcrmag, 
was di(! Hcligioncn dcs Altcrthums nichi vcrmochtcn, so ist dic 
nothwcndigc Folge, dass die Vernunft den ^crsucli macht, liber 
j«3nc Fragcn dic Anlworl auf ihrcm eigcncn Wege zu gcwinncn, 
und dass sie dcm lihcrliefcrten Glaubcn kcinc andcre Giiltigkeit 
zuerkcmit, als insofern dic wirklichcn oder vcrnicintlicbcn Er- 
gebnisse der vernunftig(Mi Forschung mit ihm zusammcntrcflen. 
Hicniit isl das Vcrhallniss dcr Hcligionsphilosophie gcgen 
die Volksrcligion im Allgcmcinen hczcichnct: im Bcsondcrn wird 
dasselbc nolhwcndig mannichfaltigcn Modilicationcn unlcrlicgen, 
je nach d(Mn Maasse, wic sich dic philoso|)liircndc Vcrnunft von 
dem Einiliiss des Volksglaubcns losgcmachl liat odcr iiichf. 
Dcnn cinc vollkommcn frcic und selhstiindigc Stcllung gcgcn ihn 
zu bchauptcn war jcdenfalls nicht leicht. Dcr Glauhe, in dem 
man erwachsen war und dcn man rings um sich her herrschend 
fand, musstc scine Macht auch auf dic Philosophic ausiiben, 
und diesc, statt sclbsliindig ihrcn cigencn Wcg zu gehen, unbe- 
kiimmcrt, zii welchcm Ziclc sie gcfiihrl werden wiirde, ward 
bci Viclcn vichnchr durch dcn Einfluss des Glaubens und duivh 
den Wunsch, sicli mil ihm zu vcrstandigen, auf cin sclion im 
Voraus bcstimnilcs Ziel hingcrichtct. .\bcr auch da, wo die spe- 
culircndc Vcrnunft sich am wcnigstcn durcli dcrarligc Einflussc 
bestimmcn liess, warcn doch die \oraussctzimgeii, von dcnen 
man ausging, und dic Factoren, mit dencn man rechncte, nach 
dcr gcsamniten Bildiing und Einsicht der Individiicn verschieden, 
und auf ciiiem Gchielc, wo es so wcnig uniimslitsslich gcwisse 
Voraussetzungcn uiid so wcnig allgcmcin ancrkannti^ Grundsatze 
gab, konntc es iiiclit aiisblcihcn, dass nian, aiislall zu sichern 
nnd erwcisliclicn Hcsiillalcn, am Endc doch nur zu .Mcinungen 
und Ansichtcn gclaiiglc, dic dcm Eincn gcniigcn moclitcn, dem 
Andern niciit, und dcren verwirrendc Mannichfalligkcit es wohl 
rechtfertiglc, wcnn die Gcwissenliaflcslcn gradezii das Gesliind- 
niss ableglcn, wie aii Erkcnnlniss auf diescm Gebich^ nichl zu 
denken sci und Jcdcr sich an das zu lialtcn habc. was seincr 



EINLEITUNG. 3 

Vernunft uncl seinem Gemiithe am meisten zusage; ein Gestand- 
niss, welches auch in dicser Schrift Cicero's uns als das End- 
ergebniss entgegentritt. 

Es besteht aber Cicero's Schrift aus vier verschiedenen Par- 
tien: erstens, einer skizzirten Uebersicht der merkwiirdigsten 
rehgionsphihisophischen Ansichlen von den erstenAnfangen phi- 
losophischer Speculation bis auf die Ausbildung des Epikurei- 
schen und des Stoischen Systemes: zvveitens der specielleren 
Darstellung der Epikureischen, und drittens der Stoischen ReH- 
gionsphilosophie; viertens endlich der Kritik, welche vom Stand- 
punkte der Akademischen Skepsis gegen beide geiibt wird. 

Was nun die erstedieserPartien betriflt, so habenwir zu be- 
dauern, dass sie uns nicht mehr als einige unvollstiindige, oft un- 
verstandliche und iiberall wenig zuverlassige Andeutungen giebt i ), 
die dem Zweck, zu dem sie vorgebracht werden, allerdings ent- 
sprechen mogen, aber durchaus nicht hinreichen, um uns eine 
Einsicht in den Entwickelungsgang der ReHgionsphilosophie und 
in ihre verschiedenen Richtungen zu geben. Diesem Mangel 
abzuhelfen ist nun freilich hier nicht mogHch; docli diirften ei- 
nige Remerkungen, zu denen die Noten unter dem Texte keinen 
Platz boten, nicht unangemessen sein. 

Die alteste Philosophie der Griechen, die iiber die Entste- 
hung der Welt und die weltbildenden Krafte zu specuHren be- 
gann, — obgleich sie in der That ebensosehr phantasirte als 
specuHrte, — trifft in ihren Ansichten zum Theil Avenigstens mit 
dem zusammen , was schon die aJteste Poesie Homers und He- 
siods ausgesprochen oder angedeutet hatte. Das Urwasser des 
Thales kann man in dem Homerisclien Okeanos, dem Ursprung 
aHer Dinge, wiederfinden, und die Urluft des Anaximenes mag 
dem Hesiodischen Chaos entsprechen. Aber Ansichten iiber den 
Ursprung der Dinge haben bei den Griechen niemals zum In- 
halte der Volksreligion gehort, die jene vielmehr ganz auf sich 
beruhen liess, und zufrieden mit dem Dasein der Welt und der 
Gotter, ohne zu forschen, woher sie gekommen seien, nur daran 
festhielt, die Gotter als die Inhaber der Weltregierung, als die 
iiber der Natur und dem menschliclien Leben , jeden in seinem 
Kreise und Amte waltenden Gebieter zu verehren. Und diesem 
Glauben im Allgemeinen zu widersprechen konnte schwerlich 
Einer jener alten Naturphilosophen sich veranlasst finden, weun 

^) Man vergteiche die alinliclie, ai)er iioch kiirzere Lebersicht in den 
Academ. II c. 37, wo Manches ganz anders erscheint. 

1* 



4 ElISLElTUx\G. 

wir glcicli horen, dass sie init einzelnen Vorstellun^MMi in Wider- 
sprucli |,feriethen, und dadurch auch Anstoss erreylen und Ver- 
folgungen zu erdulden hatten. ' ) Im Ganzen jedoch ist von einem 
anstossigenWidersprucli der rdterenPliiiosophen gegendieVolks- 
religion liochst selten die llede; ja selbst von gleichgultiger Ver- 
achtung derselben horen wir wenig. Der Gruiul Uegt darin, 
dass in der That die Volksreligion sehr wenig eigenllich Positi- 
ves hatte, indem es religiose Dogmen und eine vom Staat oder 
von der Priesterschalt autorisirte und uberwachte Lehre gar 
nicht gal), und nur der Cultus das Feststehende und Unver- 
briicldiche war, in welchem aher nicht Belehrung und Ueherlie- 
ferung von (llaubenssatzen, sondern nur symbolische Handlun- 
gen vorkamen, die ihrerBesclialTenlieil nach nicht geeignet waren, 
gerad<' diese oder jene bestimmli! Vorsleilung von den Gottern 
ausscliliesslich zu erwecken und zu unterhalten, sondern von 
Verschiedenen auf verschiedene VVeise gefasst und gedeutet wer- 
den mochten, so dass, auch wer die herrschende Vorslelhuigs- 
form nicht theille, sich dennoch der herrschenden Cultusforni 
wohl anscbliessen und somit jeden Anstoss beim Volke oder bei 
der Priesterschaft vermeiden konnte. Wenn also Xenophanes 
erkliirte, dass der Mensch von den Gottern kein Wissen, sondern 
nur Meiuungen habe, so hat ibni daraus gewiss Niemand ein 
Vcrbrechen gemacht, weil er durch solche Erklilrung die Gotlei' 
selbst nicht antastete: noch weniger, wenn er die Kabeln, welche 
Honier, Hesiod und andere Dichter von den Gottern vorgetragen 
hatten, verwarf und fiir liicherlich und unwiirdig erklarte. Denn 
in diesen Fabeln etwas mehr zu sehen, als entweder unterhal- 
tende Miircben oder etwa aucb verliiillte und bildliche Andeutun- 
gen, die nicht l)ucbstii]>lich zu nebmen seien, sie als vvirkliche 
Geschichten der Goller zu betrachten, von weichen die Dicliter 
durch irgeiid wclclie OMenbariing Kunde erbalten biillen, und aii 
welcbe uicbt zu glaulien siiiulJicli sei, das war zii keiner Zeit die 
Meinung weder der Priester nocb auch des Voikes.-) INicht zu 
leugnen aber isl es, dass jene Fai)eln wirklich von Kinfluss auf 
den Glauben des grossen Haufens waren und Vorsteiiungen 



') Anaxajioras wijpiic dcr Goltlosif^kfil anf^cklaprl, wvU cr dic Sonnc 
fiir einc fi^liiluMidc Stcinmassc crkliirte, also dcn Sonncnf^ott zu lcu};ncn 
schicn. Dioff. L. II, 12. Docii war dics fifcwiss iiiriit dcr cinzij^c (w'und der 
Anklufirc. 

-') Einzclnc Fahcin iiiDilitiMi IVciiicli aus dicscin oilcr jcncin Grunde 
beiin \oikc iii bi^sondcrcin Ansclin stciin, so dass, wer dicse icu};ncte, den 
(ilaubigcii lur eiiicn gottiosen Frcigeist galt. S. Lucian. IMiilops. c. 3. 



EINLEITUNG. 5 

von den Gottern nahrten , die im hochsten Grade unwiirdig und 
verkehrt waren, aber bei den anthropomorphisch d. h. men- 
scheniihnlich gedachten Gottheiten nin- allzuleicht gefasst und 
iestgehalten wurden. Die Einsichtsvolleren aber, auch wenn sie 
selbst jene anthroponiorphische Vorstelhingsart nicht theilten, 
sahen doch ohne Zweifel wohl ein, dass dem Volk diese ausre- 
den zu wollen ein eitles und missliches Unternehmen sei, und 
dass man zufrieden sein konne, wenn es gelange, sie nur von 
dem Unsitthchen und Unwiirdigen zu reinigen, was ihr beige- 
mischt war. Fehlt es nun gleich an specielleren Notizen iiber 
das in dieser Hinsicht beobachtete Verhalten der alteren Philo- 
sophen, so steht doch, was wir dariiber horen, mit der eben 
ausgesprochenen Ansicht durchans im Emklange. Xenophanes 
z.B. obgleich sein philosophisches System nurEinen wahren Gott 
anerkannte, und die Volksgotter ihm gar nicht als Gotter im ei- 
gentlichen Sinne des Wortes, sondern nur als eine Art von Mit- 
telwesen zwischen Gottheit und Menschheit gelten konnten, be- 
quemte sich im Ausdruck dennoch dem herrschenden Sprach- 
gebrauch, und bezeichnete demgemiiss auch jene als Gotter. ') 
Dass aucii Pythagoras den Volksgottern fronnne Verehrung er- 
wies, wird uns ausdriicklich bezeugf-), und des entgegenge- 
setzten Verhaltens wird, so viel ich mich erinnere, Keiner jener 
iilleren beziichtigt. — Dem Sokrates warfen freilich seine Anklii- 
ger vor, dass er die Gotter des Volksglaubens ieugne und andere 
neue Gottheiten einfiihre; aber dieser Vorwurf war in der That 
mehr eine von ihnen selbst aus gewissen Aeusserungen des So- 
krates gezogene Consequenz, als dass jener durch sein wirkli- 
ches Verhalten ihn verdient hiitte. Wir wissen vielmehr aus den 
unverdiichtigsten Zeugnissen, dass er sich dem herkonimlichen 
Cultus keinesweges entzogen, also die Gotter, denen dieser galt, 
nicht verleugnet habe, wenn er sie auch freilich anders dachte 
als der grosse Haufe: und was die mythologischen Fabeln betrifft, 
so hielt er es fiir das Riithlichste, sich nicht ohne Noth auf sie 
einzulassen. 3) Ebensowenig als Sokrates fanden seine Schiiler 
sich veranlasst, den •Gottern des Volksglaubens ihre Existenz 
abzusprechen, obgleich Plato einen hoheren Gott iiber ihnen an- 
nimmt, zu dem sie sich als GeschiJpfe und Diener verhalten: und 
wir finden nicht, dass er deswegen als ein Verachter der Volks- 



S. Xenoplianis carm. reliquiae ed. Karsten. p. 103 u. 113f. 

S. laniblicli. vit. Pytfi. 5. 100. 122. 144. 155. Vgl. Cic.deLegg.II,ll. 

Vgl. Piat. Ptiaedr. p. 229 C. 



g ELNLEITUING. 

religion angefochten sei. Wie er aber iiher die mythologischen 
Fahclii daclitc, ergielit sich liinliinglich daraus, dass er die Dich- 
ter, von denen diese vorgetragen und verhreitet waren, aus sei- 
nem Staate verhannt wissen will; obgleich er einer niythoiogi- 
schen Vortragsart gottlicher Dinge an sich keinesweges abgeneigt 
ist, viehnehr sich selbst <h'rse]ben vielfadi bedient, um l)ildlich 
auszudriicken was er nicht eigenthch auszudriicken vermochle. 
Auch Antisthenes nahm , wie Plato, nur einen hochsten Golt an, 
dem er aber die Menge der Volksgotter als untergeordnete hin- 
zuzufiigen kein Bedenken trug. Die mylhologischen Fabeln be- 
handelte er, wenigslens zum Theil, als Allegorien und sprach 
uher die Vorstcllung von den Gottern, wie sie dem buchstabli- 
<;hen Sinn der Fabeln entsiirachen, seine Missbilligung auf die 
derbste Weise aus. ') Nicht anders verhielt sich Aristoteles zum 
Volksglauben 2): und was wir von seinen ScluUern, wie dem 
Pontischen Heraklides oder Theophrast lesen (Cic. N. D. I, 13, 
34. 35), verriith nur Ansichlen, die der Volksreligion zwar fremd, 
aber doch nicht unvertriiglich mit ihr sind. Ebensowenig trat 
Strato, wenn er, nach Cicero und Andern, als das Franfiingliche 
eine blinde, bewusstlose Naturkrafl annahni, dadurch in Wider- 
spruch mit dcm Volksglaubcn; denn er konnte aus diesem Ur- 
anfanglichen nachhcr auch dic Gotter wcrden lassen, ebenso wie 
z. B. die Hesiodische Theogonie sie aus dem Chaos werden liisst. 
Zwischen den bis jetzt betrachteten Philosophen und der 
Volksreligion fand also ein zum mindesten friedliches Verhalt- 
niss statt: die Volksreligion ward von ihnen, wenn auch nicht 
ausdriicklich vertheidigl und geschiitzt, so doch auch nicht an- 
gegriiren: man vcrsliindigte sich ohne Schwierigkeit mit ihr, und 
hess sic gclten soviel sie gelten konnte. Dagegen aber war ein 
polcmischcs Verhaltcn dcr Philosophic gcgcn dic Volksrcligion 
durch die Sopliislik bcgonncn, dcrcn nanihafteste Vertrcler, hei 
aller sonstigen Vcrschiedenheit, dies mit einander gemein halten, 
dass sie, wie Prolagoras sich ausdriickte, den Menschen zum 
Maass aller Dinge machtcn, d. h. dem menschlichen Geiste das 
Recht zusprachen, iiber alle Dinge nach scincm Ermessen zu 
entscheiden, uiul eine iiber subjeclives Dafiirhalten erhabene oh- 
jective Walu'heit nicht anerkannlen. Fiir diese also konntc am 



>) lulian. orat. VII, p. 20!) A. 215C. 217 A. Clem. Alcx. Stroni. II, 20, 
107. Vgl. auch Lobeck. Aplaopli. p. 159. 

2) Dariiber vgl. C. Zell, dc Aristotele patriarum religionum aestima- 
tore. Heidelb. 1847. 



EINLEITUNG. 7 

allerwenigsten der Inhalt iles religiosen Glaubens Anspruch da- 
rauf niaclien , fiir etwas nielir als blos subjective Vorstellung zu 
gelten, und in diesem Sinne sprach sich denn auch Protagoras 
aus: ob Gotter seien oder nicht, d. h. ob den religiosen Vorstel- 
lungen irgend ein Reales entspreche, lasse er lediglich dahin ge- 
stellt sein. In gleichem Sinne scheint Prodikus den Gotterglau- 
ben betrachtet zu haben, indem er meinte, die Menschen hatten 
die ihrem Leben wdhlthJitigsten und unenlbebrlichsten Gegen- 
stande, wie Sonne, Mond, Gestirne, das Feuer, die Gewasser und 
dergl. verehrt, angebetet und vergottert. Noch andere erkliirten 
die ReHgion fiir eine blosse Erfindung khiger Gesetzgeber, die 
durch die Furcht vor iilierirdischen Machten die Leidenschaften 
der Menschen zu biindigen und ihre Wildheit zu ziigeln gesucht 
hatten. ' ) Endlich noch Andere erkliirten die vermeintlichenGotter 
fiir nichts anders als Mcnsclien der Vorzeit, alle Herrscher und 
Helden, die man vergottert habe, und die Mythen fiir entstellte 
Geschichten ihrer Thaten und Schicksale. Man nennt diese letzte 
Ansicht die historische oder pragrnatische, weil sie rrqdy- 
/iicaa d. h. wirkliche Regebenheiten, wenn auch nicht unver- 
fiilscht, in den Mythen zu finden meinte; auch die Euhemeri- 
stische, nach dem zu I, 42, 1 19 besprochenen Euhemerus aus 
Messana, welcher sie namenllich durchgefiihrt und auf alle oder 
fast alle Gotter des Volksglaubens angewandt hatte, wenn auch 
manche Mythendeutungen dieser Art schon vor ihm versucht 
waren. Von einem bestimmten philosophischen System und ei- 
ner darin begriindeten posiliven Ansicht iiber die Gottbeit scheint 
Euhemenis nicht ausgegangen zu sein; der Umstand aber, dass 
er als Atheist bezeichnet wird, darf nicht als Revveis gelten, dass 
er das Dasein einer Gottheit iiberhaupt geleugnet babe. Denn 
jener Name ward nicht selten auch Solchen beigelegt, die sich 
nur gegen die Volksgotter erkliirten. Es fand iibrigens Euheme- 
rus manche Nachfolger. Zu diesen gehoren die theologi , die Ci- 
cero III, 21, 53 erwiihnt, aus welcher Stelle wir auch lernen, 
dass man durch die vielen und unvereinbaren Fabeln, die iiber 
jeden Gott erziihlt wurden, sich veranlasst fand, mehrere Perso- 
nen gleiches Namens zu unterscheiden, um so die Widerspriiche 
der Fabeln zu heben. Deswegen nennt Johannes der Lydier (de 
mensibus IV, 48) diese Ansicht auch die heroische und son- 
dernde, rov rjQioXy.ov Y.ai (.lEQiGxiyidv loyov. ersteres, weil sie 



») Vgl. Plat. Legg. Xp. 889 E. 



8 Ei.\Li:iTLING. 

(lie Gotter rrir Iloroon tler Vorzcit ausg,ib, das andcre, weil sie 
die Faheln aul" die angegehene Weise sonderte. 

Ks l)I»'il)en uns aher nocii einige pliilosopliisclH' Gegner des 
Volksgiauhens zn erwahnen nhrig, welche ihre Poleinik nur ge- 
gen das Dasein der von diesein geglauhten Golter, nicht gegen 
das Dasein von Gottern iiherhaupt richleten. Ilieher gehOren 
nanientlich Demokrit und Epikur, welche dem Volksglauhen nur 
insorern eine Berechligung zugestanden, als sie annahmen, dass 
ein so allgeuiein verhreitcter uiui so fest in dcn Seelcn der Men- 
schen gewurzclter Glauhe ctwas niehr als cin hiosscr ^Vahn sein, 
dass ihm nothwendig cine Rcalitiit zu Grunde liegen miisse. 
Aber wcilcr als ])is zu dieser Einr;iiimimg gingen sie nichl: ilber 
das \>'escn dcr (iotter, iiher ihr ^Valten nnd ihre Einwirkung 
auf die Welt und die Menschen gestanden sie dcin Volksglauben 
keine Stiinme zu; dariiber diirfe nur die Speculation gehort wer- 
den. Deinnach erkliirte Demokrit die Golter fiir Atoinengebiide, 
Ausfliisse aus einer allgemcinen gottliclien Suhstanz, von den 
Goltern dcs Volksglauhcns oncnbar ganz verschicdene Wesen, 
doch iiichl olmc Eiiiniiss auf das Ecbcn dcr Mcnschcn, denen sie 
sich tlieils wohlthiilig thcils auch fciii(IIicli ciwicsen. Noch weiter 
ging aher Epikur. Seine Gotter, Atomengchilde gleicli den De- 
mokritischcn, verharrten in giinzlicher Unthiitigkeit, ohne die 
mindeste Einwirkung auf die Welt, ohne die niindeste Beziehung 
zum rnenschlicheu Leben: und wenn er desseniingeachtet von 
einer religiosen Verehriing redete, die inan diesen (iottern. in 
Betracht ilirer Seligkcit iind Erliahenlieit, zu zollcn geneigt und 
verhunden sein sollle, so war dies olfenhar nur eine Hedcnsart 
ohne Wahrhcit, obgleich man wohl zii wcit gcht, wciin man 
meint, dass E|)ikur iii der Thal auch nicht eininal an die Exi- 
stenz von (jtittern geglaubt, sondern diesen Glauben nur vorge- 
geben habe, aus Furcht vor Verfolgungen, die ihm als Gottes- 
leugner gedroht liaiicn mochten. Dic Griinde gegen dieseMeinung 
lindet man ain Schluss dcr Iiihaltsaiigahc dcs cistcn Buches. 

Eiiic ganz andcrc Slclliiiig ahcr ziim NOIksglaiihcii bchaup- 
teten dic Stoikcr, indcin sic dciisclhcii, wciiigsteiis bis aiif einen 
gewisscn Grad, zu stiitzen uiid zu vcitlicidigcn untcniahmen. Sie 
unterschicdcn zuniichst cine drcirachc Tlicologic. dic polilischc. 
die niythische oder poctisclic, und dic philosopliisclic odcr physi- 
scbe. Unter der ersten verstanden sic dic in dcn Staaten anerkann- 
ten und unter onentlichc Aiictoritiit gcslclltcii Bcligionssalzungen, 
d.h.die herkommlichcn odcr gesetzlich fcstgcslclltcn Anordnungen 
iiber die Goltheiten, wclche iin Staate zu verehrcn. und iiher die 



EINLEITUIVG. 9 

Art iind Weise, wie sie zu veiehren seien. Die zweite begrilT die 
Fabeln in sich, die von den Dichtern (iber die Gotter und deren 
Thaten und Ereignisse erzahlt wurden. Diese, insofern sie sich 
als Erzahlungen wirklicher Vorgiinge ankiindigten, gallen den 
Stoikern fiir durcliaus verwerfiich, weil sie in gknchem Maasse 
der ausseren wie der inncren Wahrheit entbehrten, d. h. weder 
Thatsachhches berichteten, noch auch demWesen der Gotter an- 
gemessen und entsprechend wiiren. In manclien Fabehi freilich 
glaubten sie einen Kern von Walirheit zu entdecken, einen phy- 
sischen oder ethischen Salz in mythische Form eingekleidet, 
aber gewiss nicht in allen: und im Allgemeinen missbihigten sie 
diese mythische Emkleidungsart, weil nur Wenige sie verslanden, 
die Meisten durch sie zu falschen und verkelirlen Vorstellungen 
von den Gottern verleitet wiirden. Den Schliissel aber zum Ver- 
standniss der bedeutsamen Fabeln meinten sie in der dritten, 
der physischen oder pliilosophischen Theologie zu haben, welche 
nicht nur im Allgemeinen das Dasein gotthcher Wesen und eine 
gottliche Ordnung und Regierung der Welt zu erweisen unter- 
nahm, sondern auch die in der polilischen Theologie als Gegen- 
stiinde der Verehrung anerkannten Giitter ebenfalls anerkannte, 
und diese Anerkennung, wenn sie dieselbe auch nicht eigentlich 
als nothwendig darzuthun vermochte, doch wenigstens als ver- 
niinftig und probabel zu rechtfertigen suchte. Da die Hauptsiitze 
dieser physischen Theologie der Stoiker in Cicero's zweitem 
Buche enthalten und in unserer Inhaltsangabe dieses Buches 
iibersichtlich zusammengestellt sind , so geniigt es jetzt nur 
darauf zu verweisen. Doch mogen nocli einige Bemerkungen hier 
Platz iinden. 

Man nennt die Theologie der Stoiker pantheistisch, und 
mit Recht, insofern sie die Gottheit in die Welt verlegt, sie als 
durch die Welt sich erstreckend und alle ihre Theile durchdrin- 
gend annimmt. Die Gottheit, sagt sie, hat die Welt aus sich 
selbst hervorgebracht, indem sie, die ein materielles W^sen von 
iitherischer, feuriger Beschaffenheit ist, die groberen Stoffe aus 
sich entliess, aus denen dann die Rorperwelt entstand, die in al- 
len ihren Theilen von jenem gottlichen Aether durchdrungen, be- 
lebt und beseelt wird. Doch nur zum Theil ist die Gottheit in 
diese aus ihr gewordene Welt eingegangen und in derselben gegen- 
wartig; ' ) aber ungemischt mit groberen Stoflen umgiebt der gott- 
hche Aether dieWelt als iiberweltlicher Gott: von ihm aus stromt 



*) Vgl. Diog. L. VII, 72: t6 fieno; c<vtov to diT]Xov iSiu TrdvTOJV. 



10 EIi>LEITUNG. 

das Leben, die Seele in die Wclt, ohne dass er sich jenials er- 
schopfte; viehnelir wcrden die <;r6heren Stolle, aus denen die 
Korperwelt geworden isl, allnialilich alle wieder von ihni verzehrt: 
die Wclt kehrt in Gott zunick , um dann aufs iNcue wieder aus 
ihm liervorzugehcn. 

Die uranfiinglichc Gottheit wird als ein selbstbewusstes, 
denkendes, wollendes, weiscs, also als ein personliches Wesen 
gedachl; aher in der aus ihr hervorgcgangenen Welt entstehen 
nun, als individuellc Bcsondcrungen des die Welt durchdringen- 
den gottlichen Aethers, auch noch andere ebenralls selbstbe- 
wusste, denkende, wollcnde, also })crs6nliche Wcsen, und zwar 
von zwiefachcrArt: unvollkoniinenerc niit grobcrer K6r|)erlicl)keit 
bchariclc, iiul' cinc \a\\"/A'. Lcbcnsdaucr bescbriinkte, niit Schwa- 
cben und Gebrccbcn inannicblaltigcr Art belastcte, aber doch der 
Vervollkonimnung und der Weishcit lahige: dies sind dic Men- 
schen; und vollkommcncre, von reincrem atherischen Stofle, 
ohnc grobe Korperlicbkeit, von Hause aus fehlerlose und weise: 
dics sind dic Gotter. Von dicser Scitc bctrachtct kann also die 
Thcologie der Stoiker als ein mit Polytbeisnius gcpaartcr .Mono- 
theismus bezeichnet wcrdcn. Denn Gott im wabrcn Sinnc des 
Wortcs, ungcwordcn, unvcrgiinglicb, uncndlicb ist nur dcr Eine. 
aus wclcbem Alles hervorgcgangcn. Die imdcrn Gotter sind end- 
Hche, gewordene und vergangliche Wesen, die bei der allgemei- 
nen Auflosung aller Dingc wieder in das Urwesen zuriickkehren 
werden, aus dem sie bervorgcgangen sind. Indem fcrner die 
Stoiker verschiedene Aiten solchcr gcwordenen G6tter annah- 
nien, crkennt man darin tbeils allej"dings consequcnte Folgerun- 
gen ibrer spcculativcn Pliysik, tbcils abcr auch nur Accommo- 
dalion an den Volksglauben. Aus ihrer physiscbcn Ansicht von 
der Bcschaflenheit des fcurigcn Actbcrs folgte. dass sic die Ge- 
stirnc, dic sie als aus solchem bestebend ansahcn, auch fiir Got- 
ter crkliircn mussten. Aber wenn sie Gotter annabmen, die aus 
dcr Mcnschhcit zur Gotthcit cmporgcsticgen scien, odcr Gotter 
als Urhcbcr und V(n"stchcr bcstimmtcr nicnschlichcr Vcrhiiltnisse 
und siltlicbe Potenzcn, odtr iils Gcbcr dicscr odcr jcncr Gabcn, 
so folgtcn sie darin ollcnbitr nur dcin Volksglaubcn, wic dcnn 
auch bci (jccro fiir das Dascin dicscr G6ttcr stiitt cincs Bcweises, 
wie er bci dem h6chstcn Gottc und dcn (icslirncn vorgctragen 
wurdc, nur dic einfache Bcmerkung stcht, dass solchc (iotter von 
weisen Miinncrn nicht oline Grund angenommcn scicn. iNicht 
anders verhiilt es sich mit den Gottcrn, welche wir als Natur- 
geister, die in den verschiedenen Theilen und Gcbieten dcr Welt, 



EINLEITUrsG. H 

der Erde , dem Meere , dem Feiier u. s, w. waltelen , bezeichnen 
diirfen. Auch diese nahuien die Stoiker an, weil sie dergleichen 
im Volksglauben vorfanden, und weil sie der Ansicht waren, dass 
man den Volksglauben, insofern er nichts der Vernunfl Wider- 
sprechendes, ofTenbar Falsches und Verkehrtes enthieUe, nicht 
verwerfen, viehnehr in ihra eine Art von naturhcher Offenbarung 
erkennen miisse. Aber es lasst sich nicht verkennen, dass doch 
alle diese Gotter in dem System ihrer Theologie eine schvvan- 
kende und zweideutige Stellung haben, und ware uns von den 
Ansichten einzelner Stoiker mehr erhalten als wirklich auf uns 
gekommen ist, wir wiirden ohne Zweifel sehen, wie uber alle 
diese Gotter nicht nur die Einen so, die Andern anders gedacht 
und gesprochen haben, sondern auch ein und derselbe Mann 
nicht iiberall mit sich selbst iibereinstimmend und consequent 
gebheben sei. Die Gegner der Stoiker werfen ihnen vor, dass 
die Volksgotter ihnen nur dem Namen nach, nicht in Wahr- 
heit Gotter seien, theils weil sie dieselbe als gewordene und ver- 
ganghche Wesen darstellen, und die Unsterbhchkeit nur dem 
Einen Hochsten, den sie freihch auch Zeus nannteu, zugestan- 
den, ') theils weii diese Gotter, nach den Stoischen Erklarungen 
iiber sie, gar keine Personen, sondern Sachen, Verh;lltnisse, 
Fahigkeiten u. dergi. seien; 2) weswegen die Stoiker denn auch 
wohl als Atheisten gescholten worden sind. Halt man aber beide 
Vorwiirfe gegen einander, so erkennt man leicht, wie der zweite 
den ersten aufliebe. Denn waren jene Gotter den Stoikern in 
der That nur Sachen, Verhaltnisse, Fahigkeiten, und wurden sie 
nur iu personificirender Ausdrucksweise Gotter genannt, so ver- 
dienten ja die Stoiker, wenn sie sie nicht unsterblich dachten, 
desvvegen keinen Tadel: sie konnten nicht unsterbhcher als die 
Welt sein. Offenbar also durfte jener Vorwurf verniuifliger 
Weise nur von Solchen erhoben vverden, vvelche die Stoiker vou 
dem andern, dass jene Gotter ihnen blos in figiirlicher Rede- 
weise so hiessen, freisprachen und anerkannten, dass ihnen die- 
selben wirkliche Personen waren. Und in der That lasst sich 
auch nicht absehen, warum nicht die Stoiker, vvenn auch nicht 
alle, so doch manche oder auch viele, so gedacht haben sollten. 
Die Consequenz des Systems wenigstens verbot ihnen keines- 



') Plutarch. contra Stoic. c. 31. u. de Stoic. repugn. c. 38. 

-) Plut. de Is. et Osir. c. 40 u. 66—68. Ainator. c. 12. 13 init 
Winckelmanns Anmk. p. 158. Vgl. auch das Herkulan. Fragm. negl d-fioy, 
col. II p. 17 Peters. 



12 EINLi:iTlIi\G. 

weges, iihermcnschliche Wesen anzunehmen, die als Diener und 
Gehulfen dcs hiJchsten Gottes der Well und deni Menschenleben 
in verschiedenen Gehieten und Verhiiltnissen vorslanden, uiid so 
koniilen sie sich also imnier dein Volksglaiiben, der ihnen solche 
Gotter darbot, oluu' IJedenken anschliessen. Dass sie sie sterh- 
lich dachlen, \vidersi>rach allerdings dem Volksglauhen, verdiente 
aber darum noch nicht getadell zu werden. An gewordenen Got- 
tern naliiii ja auch der Volksglaube keinen Anstoss: iind wenn 
er die gewordenen dennoch unverganglich dachte, so waren die 
Stoiker dagegen consequenter, und der ganze Vorwurl' bedeutet 
genau besehen niclits anderes als dass, weil zum Begrill der (iott- 
heit wesenllich die Unslerblicbkeit gehure, ihre Gutter. weil nichl 
iinsterblich, so auch eigeiillich gar nicht Gcitter, sondern nur 
ubermenscbliche, damonisclie Wesen seieu: wolur sie denn aber 
auch gleichsam ziim Ersatz deu Einen hochsten Gott in wahrhalt 
gottlicher Erhabenheit dachten. 

Ein dritter Vorwiirf, der den Stoikern iifters gemacht wird, 
ist dieser: sie setzlen die Gotter herab, indem sie lehrten, dass 
es nur untergeordiiete Gaben, nur iiussere Giiter seien, die der 
Meiiscb ihneu zu verdanken hiitte, wogegen er zur Tugeiid und 
Weisheit nicht durch sie, sondern lediglich durcli sich selbst ge- 
lange. ') Auch dieser Vorwurf hat iiur dann einen Sinn. wenn 
zugestanden wird, dass die Gotter den Stoikern nicht lilos Na- 
men, sondern wirkliche Personen waren; und zweitens tridt er 
allerdings Manche, selbst Viele, vielleicht die Meisten der Stoiker, 
aber doch nicht alle, iind nicbt das System. Dem System gemiiss 
war nur dies, dass allerTugciuballerWeisheit {)\\e\\ und Lirsprung 
in Got(, d. h. in deiii Einen Hochsteii, dem allein waliren Gott 
sei. Der Mensch, dessen Geist ein Aiislluss des gultlichen We- 
sens ist,'-) tragt dariim auch die Aiilage zur Tugend und Weis- 
heit in sicli, aber sie wird durch die Korperiichkeit, an die er ge- 
bunden ist, vielfach gehemmt und uiiterdnickt: es ist Sache des 
Menschen, sich durchziiarl)eiten. Ob aber iiei dieser Arbeit der 
Menscli lediglich auf sich selbst gestellt uiid auf seine eigene 
Kraft, d. h. auf die Kraft des ihm selber iiiwohneiiden gultlichen 
Wesens verwiesen sei, oder ob er sich dabei des IJcislandes 
freundliciier Gutler zu getroslen iiaiie,-') dan"ii»er ergaii sicii in 
dem Svslein der Sloisciien Theologie durciiaus keine beslimmte 



') Plutarch. adv. Stoic. c. 32. 

2) l4Ti6aTT(iaunrov Ufov: divinac pariicida aurae. Hor. Sat. II, 2, 79. 
Upton. zu EpictPt. I, 14, 6. II, S, 11. Gatakcr. zu Anlonin. II, 1 p. 48. 
=*) \'gl. Antonin. IX, 40 niil dcn Annik. v. Galakcr. 



EINLEITUNG. 13 

Entscheidung weder fur die eine noch fur die andere Ansicht, 
und es mochte niithin daruber ein Jeder so denken wie es ihm 
am meisten zusagte. Und nun ist es allerdings wahr, dass sich 
bei Stoikern nicht selten stolze Aeusserungen finden, die eine 
anmasshche Ueberhebung, ein selbstgenugsames Verlrauen auf 
die eigene Kraft aussprechen, welches nicht bloss von der christ- 
hchen Demuth, sondern auch von heidnischer Seibsterkenntniss 
und Bescheidenheit gar weit enlfernt ist, und ganz mit demjeni- 
gen iibereinstimmt, was Cicero im dritten Buche (c. 36) dem 
Cotta in den Mund legt. ') Aber Cotta tritt ja eben mit seinen 
Behauptungen dem Stoiker Balbus entgegen: Balbus selbst, der 
Stoiker, hatte sich ja in ganz entgegengesetztem Siune ausge- 
sprochen: und ebensowenig als Colta Recht hat, wenn er be- 
hauptet, dass die von ihm ausgesprochene Ansicht die allge- 
mein herrschende sei, ( wie ich in der Anmerkung zu jener Stelle 
hinlanghch gezeigt habe,) ebensowenig haben diejenigen Recht, 
welche sie fiir die aHeinige der Stoischen Philosophie ausgeben, 
in deren System viehnehr fiir beide entgegengesetzte Ansichten 
auf gleiche Weise Raum war. 

VViihrend nun die Stoische Theok)gie in der angegebenen 
Weise sich der Volksrehgion anschk)ss und dieselbe theils zu 
ergiinzen theils zu erkliiren und dadurch zu sliitzen meinte, so 
trat ihr nicht weniger als der Epikureischen Irreligiositiit, die in 
der That wenig besser als Atheismus war, die kritische Skepsis 
der neueren Akademie entgegen, die jede Gewissheit des Wissens 
bestritt, ilberall nur grossere oder geringere Wahrscheinlichkeit 
gelten liess, und deswegen einen bestiirtdigen Kampf gegen den 
Dogmatismus anderer Schulen fiihrte. Arkesilas, der Stifter dieser 
neueren Akademie, wiederholte nicht blos den schon von So- 
krates ausgesprochenen Satz, er wisse Nichls als nur dies, dass er 
iNichts wisse, sondern er iiberbot ihn noch: auch dies, dass er 
Nichts wisse, wisse er nicht, sondern meine es nur. -) AIs Festes 
und Gewisses galt ihm und seinen Nachfolgern nur die Vernunft 
und die Gesetzmiissigkeit des Denkens; aber zu einer gewissen 
Erkenntniss der Dinge konne uns das Denken doch nicht ver- 
helfen. Alles Denken, so argumentirten sie etwa, kann nur an 
einem Gegebenen vor sich gehen: gegeben aber ist uns von den 
Dingen die Erfahrung, die aus sinnlichen Eindriicken enlspriugt: 



') Gataker. zu Antonin. IT, 11 p. 65. 

2) Cic. Acad. I, 12, 45. — Wegen Sokrates vergl. jedoch Plat. Men. 
p. 98B. 



14 EINLEITUNG. 

diese Eindriicke aber sind unzuverliissig, sie sind unleugbar oft- 
mals falscli, und es giebt kein vollkoninien sicheres Kriterium, 
die vvahren von den falschen 7Ai unterschciden. Deswegen ist 
vollkomuiene Gewissheit von dcn Dingen unmoghch: alles, vvas 
wir erreichen konnen , sind niu" Meinungen. Diese konnen 
wahr, sie konnen aher auch falsch sein , und wir konnen durch 
alles Pnifen und Vergieichen nicht weiter kommen, als dass wir 
verschiedene Grade der Wahrscheinlichkeit unterscheiden, und 
niiissen uns, da uns das Wissen versagt ist, mit dem vernimfti- 
gen Meinen und Glauben begniigen. Deswegen liebten sie auch 
bel allen Gegenstanden, iiber welche irgend eine bestiuimte An- 
sicht aufgestellt wurde, Griinde fiir die cnlgegengeselzte Ansicht 
aufzusuchen, um zu zeigcn, dass es INichts gehe, w(uniber sich 
nicht dafiu" und dawider slreiten lasse, und dass es dem Weisen 
gebiihre, sich eiues bestimmten zuversichtlichen Urtheils zu ent- 
halten: assensionem cohibere, B. I c. 1. — Cicero selbst be- 
kannte sich zu dieser Lehre, wie er es auch in unserer Schrift 
I, 5, 10 — 12 ausspricht, und dabei zugleich seine Freiheit wahrt, 
bei aller Verzichdeistung auf das Gewisse sich an dasjenige zu 
halten, was ihm jedesmal als das Wahrscheinlichste erscheine. 
Von dieserFreiheit sehen wir ihn denn auch amSchlussc desdrit- 
len Buches Gebrauch machen. Wahrend Velleius sich mit der 
blos negativen Kritik, welche (^otta gegen den Vortrag des Bal- 
bus vorgebracht hatte, vollkonmien einverstamlen erklarle, sei 
ihm selbst vielmehr die positive Ansicht des Balbus probabler 
vorgekommen: und es ist kein Grund zu bezweifeln, dass er da- 
mit seine wirkliche Meinung ausgesprochen habe. Denn so sehr 
er auch die wissenschaflliche Schwache des Stoischen Dogma- 
lismus ei-kennen, und so trelfend ihm manche der von dem 
Akademiker vorgetragenen Gegengriinde erscheinen mochten, 
so lebendig konnte doch in ihm der Glaube an hohere Wesen 
iind au eine giJtlliclu! Vursehung und Weltregierung sein. Damit 
ist keinesweges gesagt, dass ihui alles Einzelne, was die Stoiker 
zu begrunden versuchten, alle Arten von Gottern, die sie annah- 
men, und alles, was sie von der Wirksamkeit der Giitter in Er- 
scheinungen imd Olfenbarimgen behau|)l('teii, in gleichein Maasse 
Gegenstand des Glaubens g(!wesen sei. Nur das AllgcmfMue, das 
Dasein gtittlicher Wesen und die grillliche Wellrcgierung ist es, 
woran er siclt h;ilt:') iiiid weil die Stoikcr dics heliaiipteten, 
deswegeu scheint ihm ilirc Lehre dcr Wahrheit naher zu kom- 

«) Vgl. dc divin. II, 72, 148. 



EINLEITUNG. 15 

men als die Akademische Verneinung, die iibrigens, wie Cotta 
ausdriicklich genug hemerkt, nicht sowohl eine Verneinung der 
Religion selbst, als nur eine Verneinung der von den Stoikern 
versuchten Begriindung sein soll. Die Akademische Denkart ver- 
tragt sich sehr gut mit einem gewissen Eklekticismus, welcher 
gerade auf diesem Gebiete, wo dem Menschen die Schranken 
seiner Natur das Wissen versagen, das Einzige zu sein scheint, 
was dem Heiden von zugleich religiosem Sinn mid denkendem 
Geist iibrig bleiben konnte. — Wenn iibrigens einige der Mei- 
nung sind, dass Cicero dem Vortrage des Balbus Manches bei- 
geraischt habe, was nicht aus Stoischen Vorgiingern, sondern 
anderswoher genommen sei, so kann icli diese Meinung nicht 
iur begriindet halten. Dass in dem Systeme der Stoiker, unbe- 
schadet der Consequenz, verschiedene Ansichten iiber die Gotter 
und gottlichen Dinge Raum hatten, ist schon oben bemerkt, und 
cs liisst sich beweisen, dass wirklich die namhaftesten Stoiker 
iiber Manches verschiedene Ansichten gehabt haben. Deswegen 
ist kein hinreichender Grund, anzunehmen, dass Cicero nicht 
wirklich Alles, was er den Balbus sagen liisst, aus irgend einem 
Stoischen Vorgiinger genommen haben sollte. 

Wer dieser Vorganger gewesen sei, liisst sich zwar niclit 
mit Gewissheit angeben; doch manche Griinde, deren Auseinan- 
derselzung niclit dieses Ortes ist, fiihren auf den Rhodier Posi- 
donius, iiber den die Anmk. zu I, 3, 6 zu vergleichen ist, und der, 
wie Cicero dort angiebt, sein Lehrer, ohne Zweifel aber auch 
Lehrer des Balbus gewesen vvar, da er vom Cotta I, 44, 123 fa- 
miliaris omnium nostrum genannt wird. Sein Werk JteQl d-Etov 
war von bedeulendem Umfange: Diogenes von Laerte fiihrt VII, 
138 das dreizehnte Buch an, Cicero gab also nur einen kurzen 
Auszug. Dass er daneben noch andere Stoische Schriften be- 
nutzt habe, ist freilich wohl moglich, doch aber nicht erweislich. 
Denn was er aus Zeno, Kleantbes, Chrysippus, Panaelius anfiihrt, 
dazu brauchte er, wenn er auch jene allerdings friiher gelesen 
hatte, doch bei der Abfassung dieser Biicher sie nicht nachzule- 
sen; er konnte dies Alles auch beim Posidonius linden; und 
selbst was II, 34 von der Sphaera des Posidonius gesagt wird, 
kann immerhin aus diesem seibst entnommen sein. Doch weicht 
er allerdings in Einzelheiten von ihni ab, wie iiber die Grosse 
des Mondes II, 40, 103. Und dass die Etymologien der Latei- 
nischen Gotternamen, II, 26. 27, ebenso wie die Beispiele aus 
der romischen Geschichte von ihm selbst herriihrcn, vielleicht 
an die Stelle anderer von Posidonius gebrauchter gesetzt sind, 



16 EINLEITUNG. 

verslcht sich von selhst. ') Uehrigcns ffihrt er selhsl I, 44, 123 
das funtlc Buch des Posidonius de natura deorum an. 

Fiir dic Darslelknig der Epikureischen Lclu'c hcnulzte Ci- 
cero hochst wahrschcinhch dic S( hrifl dcs Pliacdriis JTSQi d^tvjv. 
Phac(h*us war aus Alhcn: (".iccro hatfc dort seincVortriij;c gchort 
(de Finn. I, 5, 16), und ruhmt ihn (iflcrs wcgcn seincs liehens- 
wiirdigcn Cliaraktcrs, seincr niildcn Gcsinnung iind senier feinen 
Sitten (de i\al. dcor. I, 33, 93. ad Faniil. XIII, 1, 2). Auch 
Atticus stand in der frcundschaftlichsten Beziehung zu ihm (de 
Finn. V, 1, 3. dc Lcgg. I, 20, 53). S(Mne Schrift :t£qi d-EMv ist 
es wahrschcinlich, wclchcr das zu llcrkulanum gclundcnc Frag- 
nient angchort, wclclics zulclzt von (Ihr. Pclcrscn, llamhurg 
1833, herausgcgchcn und commcntirl wordcn ist. Dassclhc 
besteht aus zwolf gcspaltcncn Columncn, und dcr Inhalt der 
sechs erstcn entspricht dcm von (^iccro im crstcn Huche c. 15, 
39 — 41 Vorgelragcncn, nur dass Alles viel ausfuln"lichcr ist. 
und Cicero nur dic llauptsatze kurz excerpirt hat. 

Was endlich Ciccro dcn Akadcmiker im erslen Buche ge- 
gen dic Epikurcische und im drittcn gcgcn dic Stoischc Lchrc 
vortragcn liisst, ist ohnc Zwcilcl aus cincr dcr viclcn Schril- 
ten des Rlilomachus gcnommen. Es gah von dicscm nichl 
wcniger als vicrliundcrt Buchcr, in dcncn cr dic von sei- 
nem Lclircr Karneadcs nur mundlich milgcthciltcn L(>hrcn auf- 
gezeichnct hatte. Auf Karncades ahcr hcruft nichl nur Ciccro 
selhst sich mchrmals, sondern manche der von ihni vorgetrage- 
nen Einwcndungcn gegen die Stoiker stchcn auch ganz ehenso 
beim Sexlus Empiricus im neunten Buch der Schrifl gcgen die 
Wathcmalikcr, d. Ii. gcgcn dic Dogmatikcr, iind wcrdi^i liicr dem 
Karncadcs zugeschriclxiii. Sic sind, wcnn glcich ziim Tlicil of- 
fenhar sophislisch, docli im Allgcmcincn wolil gccignct, um zu 
zeigen, was Ciccro aiich d(Mi Cotta auss|»rcchcn liissl. das zwi- 
schen rcligiosem Glauhen und wisscnschafllichcr Erkcnntniss 
ein grosser Untcrscliicd sci; dass dcr (dauhc auf ctwas Ande- 
rem, als auf dialcktischcn Argumcntcn heruhe, und dass, wer 
ihn durch solche hegruiulcn will, Ccfalir laufc. ihn viclmehr zu 
schwiichcn. Ahcr wir diirfcn auch wohl aimchmcn, dass unlcr 
dcn Allcn Vicle verstiindig gcuug gcwcscn scicn, um mit Cotta 
ciiizusclicn , dass mit dcr Widcrlcgung unzurcichcndcr Ver- 
nunltgiiuKh^ nicht auch zuglcich schou dic Saclic sclhst widi>r- 
legt sci, und dass cs cine unnntlclhare Gewisshcit di-s Glau- 



') Vgl. de (livin. II, 3, 8. 



EINLEITUNG. 17 

bens gebe, imabhangig von der Starke oder Schwache logischer 
Arguniente. 

Es ist jetzt noch Einiges liber die Personen zu sagen, 
welche Cicero zu Sprechern der drei philosopliischen Schuien 
gemacht hat. Von dem Epikureer Velleius, wahrscheinhch aus 
Lanuvium (s. OrelH zu I, 29, 82), ist uns wenig mehr bekannt, 
als dass er im J. 664 das Volkstribunat bekleidet habe. Cicero 
nennt ihn de Orat. Il[. 21, 78 einen familiaris des beriihmten 
Redners L. Licinius Crassus, selbst aber rudem in dicendi exer- 
citatione. Dass er fiir den ausgezeichnetsten VVrti"eter der Epi- 
kureischen Schule unter den Romern seiner Zeit gegolten habe, 
ist eine Artigkeil, deren VVahrheit wir daltin gestellt sein lassen 
miissen. Lucrelius, von dem wir ein ii>seiner Art vortreHIiches 
Lehrgedicht iiber die Epikureische Philosopliie haben, war be- 
deulend jiinger alsVeUeius, lebte aber nicht mebr, als Cicero je- 
nes schrieb. 

Auch der Sprecher der Stoischen Schule, Q. LuciJius Bal- 
bus, ist uns nur aus dem hekannt, was wir bei Cicero iiber ihn 
lesen. Ein Fragment des Ciceronisclien Hortensius, bei Orelli 
p. 484, lehrt uns, dass er auch in dieser Schrilt als einer der 
Unterredenden aurgelTihrt worden sei. 

C. Aurelius Cotta, der Akademiker, geb. 630, also achtzehn 
Jahre alter als Cicero, war einer von denen, die in Folge der 
lex Varia (s. zu 111, 33, 81) maiestatis angellagt wurden. Er 
ging ins Exil, kehrte aher im J. 672 mit Sulla nach Rom zuriick, 
wo er zum Pontilicat und im J. 679 zum Consulat gelangte. 
AIs Consul setzte er eine lex tribunicia durch: ut tribnnis plibis 
liceret postea alios magistratus capere, quod lege Sullae iiserat 
ademptum. Ascon. in Cornel. p. 78 Or. IVach dem Consulate 
ging er nach Galiien und erwaih sich, ungewiss durch welche 
Thaten, Anspriiche auf die Elire des Triumphes, der ibm auch 
zuerkannt wurde, den er jedoch niclit erlebte, sondern wenige 
Tage vor dem dazu anberaumten starb. Ascon. in Pison. p. 1 4. 
Er wird nicht blos als ein genauer Kenner der PhiIoso|>hie, 
sondern auch als Redner sehr geriihmt, und halte schon als 
Jungling seinen miitterlichen Olieiin liulilius (s. zu III, 32, 80) 
vor Gericht wacker vertheidigt. Otlenhar war er in jfder Bezie- 
hung ein geeigneter Repriiseiitant, unter dessen Person Cicero, 
der sich bei der Lnterredung nur die Rolle des slummen Zulio- 
rers zutheilt, sich selhst darslellen konnte. 

Diese drei Manner liisst Cicero einst wiihrend der Latini- 
schen Ferien beim Cotta, wuhl in einem Landhause desselben, 

Cic.de ^al.deor. 2. Atill. 2 



18 EINLEITU.NG. 

versamnielt seiii uiul ihre verschiedenen Ansichlen iilier das 
Wesen der Gotler in einer Unterreching vortragen, welcher er 
selhst, der sich ehenfalls ziini Besnch heini Cotla eingelunden, 
als Zuhorer heigewohiil hahe. Die Zeit dieser lingiiten Unter- 
reduny isl zwischen dein J. G79, \\o Cotta das Consulat heklei- 
dete, iind G7G anzusetzen, iii welchein Jahre Cicero nach liinge- 
rer Ahwesenheil in Griechenland, wo er sich hesonders mit 
phiioso|jhischeii Studien heschaltigt liatte, worauf wohl I, 6, 15 
anspielt, wieder nach Rom zuriickgekehrt war. 

Vorangeschickt isl eine Zuschrift an M. lunius Brutus, den 
nachherigen Morder Caesar's, einen Mann, dessen gediegene 
philosophische BiJdung und schriflstellerische Leistungen in der 
Philosophi(! der uin 21 Jahic idtrre Cicero inelninals niit der 
grosslen Achtung erwahnl. Excellens omni (jenere hiudis, sagt 
er von ihin Acad. 1, 3, 12, sic philosophiam Latinis liUeris per- 
sequitur, nihil nt iisdem de rebus Graecia desideret. Er hekannte 
sich iihrigens zu der Antiochischen Akadeinie, iiher welclie die 
Anink. zu I, 3, 6 zu vergleichen ist. Von seinen Schriften ist 
Nichts erhalten; doch fiihrt Seneca, Consoi. ad Ilelv. c. 9 Eini- 
ges aus seineni Biich de Virtute, und episl. 95 aus dein B. 7T€qI 
y.axhy/.ovTog {de officiis) ' ) an, Qiiinlilian ajjer sagt X, l, 123, 
er sei in seinen philosophischen Schriflen egregius multoqne 
quam in orationihus praestanlior, und weiler, snffecit ponderi 
rerum: scias eum sentire quae dicit. (^icero hat ihm ausser die- 
sen Bfichern de Natnra deoritm auch noch die B. de Finibns 
bonorum et malorum, die Tusculanischen Disputationes, die Pa- 
radoxa und den Orator zugeeignet, auch das B. de claris orato- 
ribus, wo Brutus einer der Unterredner ist, nach ihin heiiannt. 

Dic Zeil der Ahfassung unserer Schiifl ist, wenn nicht mit 
voller Gewissheit. doch mit grossler Wahischeiniichkeil zu ])e- 
stiinmen. Dass sie V(»r Caesars Ennordung, also vcu' den Iden 
des Miirz 710 gcschriehen sei, erhellt unzweifelhidt aus der Art, 
wie 1,4,7 von Caesar's Alleinherrschaft gesprochen wird, und 
dass Cicero ini Sonimer des J. 709 mit ihr heschiiftigt gewesen 
sei, ist aus cinem iin Junius dieses Jalires geschriehenen-) Briefe 
an Atticus, XIII, 39, 2, zu schliessen, wo er sicli vim diesem 



') Vsl. Charis. p. S3. Priscian. p. 679 Putsch. — Dionicd. p. 378 fiihrt 
jiucli (lio Schrift (Jes Hruliis de Palicittia aii. 

^) S. .1. rle (Irubcr, ()uapst. dc tcinporc at(|uc seric cpist. Cic. Sund. 
183(i. p. 2(i. 27. — Ueher dic bcziifjlichc Stcllc des Briefes vgi. Orelli 
Onomast. Cic. II p. 218 b. 



EIINLEITUNG. ^ 19 

die Biicher des Phaedrus ttsqI dscov erbittet, ohne Zweifel um 
sie bei dieser Schrift zu henulzen. — Ueberhaupt sind die meisten 
der philosophischen Werke Cicero's, von den ganz oder zum 
Tlieil erhaltenen die Academica, de Finibus, DispHtationes Tu- 
sculanae, de Divinatione, de Fato, de Senectute, de Officiis und de 
Amicitia, von den verlorenen die Schrift de Consolatione, Horten- 
sius, de Gloria und vielleicht de Virtutibus in dem iiurzenZeitraum 
vom Friihhng des J. 709 bis zum Herbst 710 in Cicero's62.u. 63. 
Lfthensjahre verfasst, und wenn wir uns iiber eine schriftstelle- 
rische Thatigkeit solclies Umfanges wundern, so belehren uns 
theils die Vorreden dieser Schriften, theils die Briefe an Atticus 
iiber die Veranlassung dazu und uber die Stimmung, in welcher 
sich Cicero dabei befand. Hortata est, sagt er de N. d. I, 4,9, 
ut me ad haec conferrem, animi aegritudo, fortunae magna et 
gravi commota iniuria, cuius si maiorem aliquam levationem re- 
perire potuissem, non ad hanc potissimum confugissem. Dieser 
harte Schicksalsschlag ist der im Marz 709 erfolgte Tod der Tul- 
lia, seines Lieblingskindes, an der er mit der grossten Zartlich- 
keit hing, und deren Verlust ihn aufs Tiefste verwundete. Seine 
Stimmung spricht u. a. ein Brief an Atticus aus, XII, 14, 3, 
geschrieben im Marz 709 : Nihil de moerore minuendo scriptim 
ab ullo est, quod ego non legerim; sed omnem consolationem. 
vincit dolor. Quin etiam feci, quod profecto ante me nemo, iit 
ipse me per litteras consolarer.'^) Affmno tibi nullam consola- 
tionem esse talem. Totos dies scribo, non quo proficiam aliquid; 
sed tantisper impedior, non equidem satis, — vis enim urget, — 
sed relaxor tamen enitorque ad atiimum reficiendum. VVas zu 
anderer Zeit ihn von seinem Schmerz hiitte abziehen konnen, 
eine wiirdige und erfoigreiche offentliche Thatigkeit, dazu war 
bei der damaligen Lage des Staates keine Gelegenheit: und eben 
diese Lage des Staates war fiir einen Mann wie Cicero eine 
nicht geringere Quelle des Schmerzes, als sein eigenes hiiusli- 
ches Ungliick. 

Bedenkt man diese Umstande, so wird man wobl geneigt 
sein, bei Beurtheilung der philosophischen Schriften Cicero's 
nicht das strengste Maass anzulegen, und manche Miingel, die 
sich nicht ableugnen lassen, dem von Gram nnd Sorgen gefol- 
terten und tiefgebeugten alten Manne zu Gute zu halten. Selbst 
ein Philosoph von Profession wiirde in solcher Stimmung und 



*) Dies bezieht sich auf die verlorene Schrift de Consolatione, deren 
Fragmente bei Orelli IV, 2. p. 489 ff. stehen. 

2* 



20 EIINLEITUING. 

in so kiirzor Zoil schwerlich iiber alle schwierigsten Prol)leme 
(ler IMiilosophie helViedigendcWcrke in solcher Anz;ihl zu schrei- 
ben im Slande gewesen sein: wie viel weni<;er ein Mann, der, so 
eifrig er auch |)hilosophische Sludien gelrieben, doch eigentlich 
nur ein Uilettant auP diesem Gehiete war, und den grossten und 
besten Theil seines Lebens hindurch sich mit staatsmannischer 
und gerichllicher Thaligkeit im weitesten Umtange und mil glan- 
zender Auszeichiumg heschnrtigt hatte. Seine jdiilosophischen 
Schriften sind in diM" That wenig anders als lleberselzungen oder 
Ausziige aus Griecliischen Vorgangern, und man darf sich eben- 
sowenig iil)er manclie iMissverslaiidiiisse als uber sonslige Spu- 
ren von Fliichligkeit und UnachlsaniKeit verwundern, wnrauf 
aiicli in den Annjerkungen zu den vorliegenden Ihichern einige 
Male aufmerksam gemacht worden isl. Eine besonders aulTal- 
lende Spur von Fiiichtigkeit ist das hesterno die, II, 29, 73, und 
nndhis lertius, III, 7, 18, als nh das Gesprach auf drei Tage 
vertheilt sei, wogegen der Anfang des zweiten wie <ler des drit- 
ten Buches uns nulhigt, es an einemimdilemselben Tage begon- 
nen und v(tllend<'l zu <l<'iik<'n. — l)ergl<'iclien Mringel <liirfen iins 
indessen niclit liiii<l<'rn, Cic<*ro's V<'rdief^ste aiich als philosophi- 
schen Schriftsl<'llers dankbar anzii<'rkennen. Er vor Allen hat 
die Lateinische Sprache ziir Behandlung philosophischiT Gegen- 
stande ausgebildel: er hat mehr als .\ndi're die Beschiifligung 
mit der IMiilosophie unter seinen Lan<lsleulen ^'ingebrirgert: iliin 
endlich verdanken wir die K<'iintniss vieler Parlicn <i<'r anliken 
Philosophie, die uns ohne ihn ganzlich iinbekannt sein wurden. 



ERSTES BUCH. 



I N H A L T. 

Das erste Buch wird tlurch eine an M. Brutus gerichtete 
Vorrede erolfnet, welche den Gegenstand der vorHegenden Schrift 
bezeichnet, seine Wichtigkeit in theorelischer und praktischer 
Bezlehung andeutet, zugleich aher auch auf die grosse Verschie- 
denheit aurmerksam niacht, welche in den Ansichten der Denker 
viber ihn von jeher stattgefunden habe (§. i — 5). Dann recht- 
fertigt Cicero sein Vorhaben, einen Gegenstand solcher Art zu 
l)ehandehi, gegen diejenigen, welchen theils seine in so spatem 
Alter begonnene philosophische Schriftstellerei iiberhaupt, theils 
besonders seineVorliebe fiir die Akademische Philosophie aufiiel, 
und schhesst diese Rechtferligung mit der allerdings sehr wah- 
ren Bemerkung, vvie gerade l)ei der Frage iiher das Wesen der 
Golter das Verhalten der Akademiker, die auf dogmatische Ge- 
wissheit verzichteten und sich mitWahrscheinlichkeit begniigten, 
schon durch jene unendliche Verschiedenheit der Ansichten gc- 
rechtfertigt erscheinen miisse (§. 5 — 14). Hieran kniipft er 
dann die Erzahlung von einer angeblichen Unterredung iiber 
diesen Gegenstand zwischen Cotta, Velleius und Balbus, welcher 
er beigewohnt habe, und deren Relation eben den Inbalt der fol- 
genden Biicher bilden soli (§. 15 — 17), und zwar referirt er 
zuerst den Vortrag des Epikureers Velleius. 

Dieser Vortrag beginnt mit einigen vorlaiifigen Ausfallen 
gegen Plato und gegen die Stoiker, deren Ansichten iiber die 
Gottheit als Weltschiipfer und iiber die Goltlichkeit der Welt 
selbst als ungereimt und willkiirlich verspottet vverden (§. 18 — 
24), und wendet sich dann zu einer kritischen Musterung sammt- 
licher von Thales an his auf den Stoiker Diogenes den Babylo- 



22 IIVHALT DES ERSTEN BLCHES. 

nier vorgehrachlcn Meinungon (§. 25 — 41) '); eine Musterung, 
die Ireilitli sowolil in der Rehition dieser Meinungen als in den 
Griindeu, die dagegen vorgehraclil werden, sehr ungriindlich 
und unhefiiedigend, dennoch aher liir die Gesciiichte dcr Philo- 
sophie deswegen nicht ohne Werth ist, weil keine vollslandigere 
Zusammenstellung dieser Art aus dem Alterthinn auf uns gckom- 
nien ist. — Nach eineni Ihichtigen Seitenhlick auf die Gotterfa- 
beln der Dichler und die ahenteuerlichen Vorstclhmgen einiger 
ausliindischer Volker (§. 42. 43) folgt nun.die Darstellung der 
Lehre Epikufs, als der ersten befriedigenden Losung nach so vie- 
len verlchlten Versuchen. 

Epikur geht aus von dem natiirlichen und allgcmcinen Got- 
tcshewusstscin, als dem einzig sichern und unzweifelhaften Be- 
weise liir das Dasein der Golter. Ehen dies Bewusstsein giebt 
ijuch den Beweis fiir dic Seligkeit undEwigkeit dcrGotter, woraus 
denn weiter folgt, dass sie weder sclhst etwas zu schaflcn hahen, 
noch Andci-n elwas zu schaflcn machcn, und von kcinen Allecten 
wie Liehe oder Hass ])eunruhigt werden, und darum zwar wegen 
der Erhahenheit und Vorlrclflichkcit ihres \\'esens Gegenstande 
der Verehrung, aher nicht Gegenst;indc der Furclit sein konnen 
(§. 44. 45). lieher ihrc Gestalt und sonstiges Verhalten lehrt aber 
ehenfalls das natiiriiche Bewusstsein in Verhindung mit vernunft- 
gcmassen Folgerungen: erstens, dass die Goller menschliche Ge- 
stalt hahcn, weil Keiner sie sich unter einer andern Gcslalt vor- 
stellt, keine Gestalt schoner und der Gotter wiirdiger, mit kciner 
andern endlich Vcrnunft vcrhundcn ist ( §. 4(3. 47); zweilens 
aber, dass dicsclhcn keincn groh matcriellen Korper, gleich den 
irdischen und sinnlich wahrnchmharen, hahen, sondern dass sie 
aus einer uncndlich feincren Suhslanz bestehen, die nur gleich- 
sam Kiirper und glciclisam BIul zu ncnncn, und nicht durch 
dic Sinne sondern nur durcli dcn Gcist wahrzimchmcn sei, auf 
welchen hesliindig von deii Goltcrn ausstnimcndc Bildcr unmit- 
telhar einwirken (§. 48. 49). So gclangt dcr Geist ziir Vorstel- 
lung von ilmen als seligen und ewigen Wescn: zur Bestiitigung 
diescr Vorstellung dicnt, dass auch das Gesetz der Isonomie 
oder dcr Gleichmiissigkcit darauf fiihrt, dass, wie es eine unend- 
liche Menge von sterblichen Wesen gebe, es ebenso auch eine 



') Dass dif^ tlpikurecr ^cwohnt warcn, clnc. Kritik gopcn andfre na- 
turpliilosopliisflic Aiisiclilcn dcr l).irstclluiip ilircs cip;ciieii Systcins ^orauf- 
zuschickcn, ergiebt sich aus dem ilcrkul. Fragiu. Tito) lAfwv (s. d. Einleit. 
S. 16) und aus Lucret. 1, 635—92(1. 



TNHALT DES ERSTEN BUCHES. 23 

unendliche Menge von unsterblichen, und wie es eine unendliche 
Menge von zerstorenden, ehenso auch eine unendliche Menge 
von erhaltenden Kralten gehen miisse (§. 50). Mit den Stoikern 
aber die Welt selhst iiir Gott erklaren oder in der Welt einen 
dieselbe regierenden Gott annehmen, heisst die Gottheit mit Last 
und Miihe iiherhaufen, was dem Begriff der Seligkeit widerspricht 
(§. 51. 52). Auch bedarf es keines gottlichen Regierers oder 
Schopfers der Welt, da die Entstehung derselben aus den Ato- 
men durch Naturkraft erfolgt ist, ja nicht blos Eine, sondern 
unzahhge Weiten aiif diese Weise entstanden sind, entstehen, 
und entstehen werden (§. 53. 54). Die Stoische Ansicht biirdet 
den Menschen Gebieter auf, vor denen sie in bestandiger Furcht 
sein miissten; sie fiihrt zu dem Glauben an nothwendige Schick- 
salsbestimmung, an Wahrsagungen und dergl., wogegen Epikur's 
Lehre die Menschen frei macht, und ihnen zwar Verehrung aber 
keine Furcht vor den Gottern einflosst (§. 55. 56). 

Hierauf nimmt Gotta das Wort, um die eben vo]'getragene 
Lehre zu bekanipfen. Er beginnt, nach einigen Artigkeiten ge- 
gen Velleius, mit der den Grundsatzen seiner Schule entsprechen- 
den Erklarung, dass er leichter das Falsche zu erkennen als das 
Wahre zu ermitteln im Stande sei, und sich hinsichHich der 
vorliegenden Frage in gleichem Falle mit dem Dichter Simonides 
belinde, dass ihm namlich die Sache um so dunkler erscheine, 
je langer er dariiber nachdenke (§. 57 — 60). Davon zwar, das 
Dasein der Gotter zu bestreiten, sei er weit entfernt; er glaube 
vielmehr selbst von Herzen daran: sollte aber an die Stelle die- 
ses Glaubens eine auf Beweisgriinden ruhende Erkenntniss ge- 
setzt werden, so konne er die von Velleius angefiihrten Griinde 
nicht als bevveisend gelten lassen. Denn was dieser behaupte, 
dass alle Menschen an Gotter glauhen, das sei Aveder ein Beweis 
fiir dieWahrheit, noch als Thatsache richtig (§.61 — 64). Eben- 
sowenig befriedige ihn, was iiber Wesen und BeschalTenheit der 
Giitter gesagt sei. Die Lehre von den Atomen, als den Urbe- 
standtheilen aller Dinge, sei ungereimt und unhaltbar; aber auch 
wenn nian sie gelten lasse, und also auch die GiJtter als aus Ato- 
men entstanden denke, so sei damit ihre Ewigkeit nicht verein- 
bar (§. 65 — 68). Um nun aber doch diese behaupten zu kon- 
nen, mache es Epikur, wie auch sonst oft, wenn er den Conse- 
quenzen seiner Siitze ausweichen wolle: er nehme seine Zuflucht 
zu andern willkiirlichen und unbegreiflichen Behauptungen. 
Die Golter, sage er, sind nicht korperliche, sondern nur 
gleichsam korperliche Wesen. Diese Gleichsamkorper- 



24 LNHALT DES ERSTEN BUCHES. 

lichkeit sei aber ein Wort oline Sinn, wobei sich nichts den- 
ken lasse, und wobei audi Epikur selbst utid die Seinigen sich 
nichts donken (§. 69 — 75). Lasse nian sich ai»er auch diese 
Gleicbsainkorperhchkeit gefailcn, so stehe es doch nicht weniger 
schiecht um die Ijehauptung von der inenschhchen Gestalt der 
Gotter. Die Griinde, inil wclchen die Epikureer diese beweisen 
wollten, werdeii nun nach der Iteihe widerlegt, und namenllich 
wird die Behauplung, dass Keiner sich die GiJtter unter einer 
andern Gestalt vorstelle, als faclisch unrichtig zuriickgewiesen, 
da Manche sich dieselben auch unter Thiergeslalten vorstellten 
(§. 76 — S2). Es sei aber iiberhaiipl eines 1'hilosophen unwiir- 
dig, sicli auf dergleichen Vorstellungen zu berufen. iMit demsel- 
ben I{('(hte wiirde maii auch behaiipleii k(iiiiien, dass di(> Gfjtler 
diejenigen Nainen tnigen, mit derien maii sie herkommlicli be- 
nenne, was sich sogleich als ungereimt erweise, da dieselben 
Giilter bei verschiedenen \ (ilkern aucli verschieden benannt wiir- 
den. P]pikur hiitte olfenbar besser gethan, sein iMchtwissen iiber 
dieGiJlter einzugestehen: ja, wenn deiiGottern weder die menscli- 
licbe Geslalt beigelegt werden diirfe, wie es erwi(!sen sei, noch 
irgend eine anderc, was E|iikiir selbst nicht wolle, so wiire es 
niclit zuviel gewagt, aiicli ilire Existenz ganz und gar in Abrede 
zu stellen, was aber die Epikiireer docli niclit wagen, und zwar 
aus Furclit , nicht lilos vor den Leuten , sondern wohl auch 
vor den Gottern selbst (§. 83 — 86). Wenn aber behauptet 
vverdi;, dass nur mit menschlicher Gestalt Vernunft vereinigt sein 
konne, weil die Erfahrung sie uns iiberall nur in dieser Gestalt 
zeige, so sei es ganz un|)hiloso|)hisch, zu bcliaui^ten, dass, was 
man niclit erfahrungsmiissig keiine. auch iibeih.uipt nicht sei 
(§. 87. 8S). Uebrigens hatte Epikiir eigeiillicli sagen sollen, 
niclit, die GiUter hiillen menschlicbe, soiidcin umgckchrt. die 
Menschen hiitten giitlliche Gcstalt , da die G(jlter, weil ewig, 
vor den Menschen dagewesen seien. Es nuisse also angenom- 
meii werden, dass bei der Entstehung des Menschengeschlechls 
der Zufall, der die Alome zusammenliihrle, so wunderbar ge- 
spielt habe, dass Menschcn dcn G(')llern iihnlich eiitslaiidcn seien: 
wogcgcn deiin init Griiiiden zu slrcilcn gar niclit der Miihe werth 
sei (§. 80. 90). Feriicr abcr wiirde olfciibar dic Mcnschenge- 
stalt den Gitlt(^rn ganz unniilz scin, da dic Hcdiirfiiisse uiid Ver- 
richtungcii, zu welchen dcm Mensclicii dic (ilicder uiid Organe 
des Korpers dienen, bei jencn gar iiichl staltliiidcii (§. 91 — 94). 
Und wenn nun dennoch auf der Mensclieiigestalt bestanden 
werde, weil oline diese die Giitter nicht verniinflig. also auch 



INHALT DES ERSTEN BUCHES. 25 

nicht selig gedacht vverden konnten, so sei dagegen zu wie- 
derholen, dass es thoricht sei, zu behaupten , dass Vernunft 
nur mit menschhcher Gestalt verbunden sein konne , vveil 
man sie nie mit einer andern verbunden gesehen habe, und da- 
gegen nicht einzusehen, wie abgeschmackt man den Gottern GHe- 
der und Oi"gane andichte, die keinen Zweck und Nutzen liir sie 
haben konnlen, da Epikur sie ja ganzhch unthiitig sein lasse; 
eine Ansicht iibrigens, die die Gotter gerade dessen entkleide, 
ohne welches in Wahrheit keine Sehgkeit gedacht werden konne 
(§.95 — 102). — Doch zugegeben, die Gotter haben mensch- 
hche Geslalt: wo wohnen sie denn? verandern sie ihren Ort, und 
warum? haben sie irgend welche Triebe? gebrauchen sie zu ir- 
gend etvvas ihre Vernunfl? endhch mil welchem Rechte heissen 
sie ewig und selig? — Die Epikureer vvissen auf alle diese Fra- 
gen nichts anders zu antworten, als dass sie von Biklern reden, 
die von den Gottern zu uns stromen, und indem sie, nicht von 
den Sinnen, sondern vom Geiste aufgefasst werden, in diesem 
die Vorstellung eines seligen und evvigen Wesens bevvirken 
(§. 103 — -105). Dergleichen Bilder aber, die ledighch der Vor- 
slellung angehoren, nennt man mit Reclit vielmehr Traume und 
Hirngespinste. und jene ganze Theorie ist ein abgeschmackles 
Gerede (§. 106 — 108). ^^enn aber die Ewigkeit der Gotter 
aus dem Gesetz der Isonomie folgen solle, so wiirde mit gleichem 
Rechte eben daraus aiich gefolgert werden konnen, dass es un- 
sterbliche Menschen geben miisse, weil es sterbliche giebt, und 
im Wasser lebende, weil es auf dem Lande lebende giebt. End- 
lich, wie jene Bilder aus den Atomen entstehen konnen, bleibt 
unerklart, und die Unsterblichkeit der Gotter ist also auf diesem 
Wege durchaus unervveislich (§. 109. 110). — Nicht besser 
steht es um ihre Seligkeit. Denn diese kann ohne Tugend nicht 
bestehen, Tugend aber ohne Thiitigkeit ist undenkbar. Setzt man 
aber mil den Epikureern die Seligkeit in sinnliche Geniisse, so 
sind ja auch dergleichen bei jenen Gottern nicht denkbar f§. 
111. 112). Es blcibt also nur die Schmerzlosiglioit iibrig und 
das Bevvusstsein evvigen, unaufhorlichen Wohlseins. Aber auch 
selbst darum steht es misslich. Denn man begreift nicht, vvie die 
Gotter bei dem beslandigen Strom der auf sie eindringenden 
und (zu Bildern gestaltet) vvieder von ihnen ausfliessenden Atome 
die Gevvissheit haben kunnen, niemals vernichtet zu werden. . 
AIso ist der Epikureische Golt ebensovvenig selig als evvig. Wenn 
nun Epikur dennoch von Frommigkeit und Verehrung der Got- 
ter redet,*so sind das eben nur Redensarten ohne Wahrheit: 



26 IJNHALT DES ERSTEN BUCHES. 

denn Vorohrnng vor solclien Gotlern kann Niemand liegen 
($. 1 13 — 1 16). Und wenn er sich riihmt, dieMenschen vom Aher- 
glauhen frei zu machen, so ist das freiJich sehr leicht, wenn man 
zugleich den Glauhen an die Gotter im Wcsenllichen aufheht; 
und denselben Ruhm konnen sich alle Gottesleugner zueignen 
(§. 117 — 119). — Auch Demokrit, von dem Epikur das Meiste 
entlehnt hat, befriedigt nicht in sciner Lehre von den Gottern, 
ohgleich er ihnen doch wenigstens eine wohllhiitige oder schad- 
liche Einwirkung auf die Menschen zuschreibt; Epikur aher ver- 
nichtet geradezu alle Religion, und Posidoniiis hat wohl Recht, 
wenn er sagt, dass Epikiir in der That gar nicht an die Gotter 
glaube, sondern diesen Glauben nur vorgebe, um keinen Unvvil- 
len gegen sich zu erregen (§. 120 — 124). 

Dies ist der liihalt des ersten Ruches: liher den am Schluss 
erwahnten Vorvvurf des Posidonius, der auch R. KI, 1, 3 und bei 
Sextus Empiricus adv. math. IX, 5S wiederliolt vvird, mag hier 
noch IxMuerkt werden, dass derselbe, wenn auch selir scheinbar, 
doch vielleiclit ungegriindet ist. Soviel freilich ist gevviss, in 
Epikur's atoniistischem System war fur die Golter als SchiJpfer 
oder Regierer der Welt kein IMatz; uiui hiitte er sich hegnfigt, 
nur die Entstehung der Welt und der Naturerscheinungen erklii- 
ren zu vvollen, so konnte oder musste er die Golter niit Slill- 
schvveigen iihergehn, wie er ihrer denn aucli wirklich in dem 
Rriefe an Herodotus, bei Diog. L. X, 35 — 83, der einen kurzen 
Abriss seiner Physik enthiilt, mit keiner Sylbe gedenkt. Aher er 
wollte auch die psychologischen Erscheiniingen, die Phiinomene 
des Geistes erkliiren , und da er nun den Glauben an Gotter 
als eine y.oivrj ivroia oder TrQoXrjXJng (s. zu c. 25, 71), d. h. als 
einc allgemein verhreilete und, vvie es schien, natfirlich gegebene 
Vorslellung vorfand, so musste er auch hierauf eingehen. Sein 
Systcni ab(M' erkaiinle leere iind rein siibjeclive Phanlasiegcbilde 
gar niclit aii: jcdc Vorstcllimg der Secle inussle von Aiissen her 
in sie gekomiiKMi sein und zwar sc». dass Alomengchilde entwe- 
der mittelbar, durch die SinnesvverkziMige. od(M' iinmitlclbar und 
ohne V(M"inillching dcr Sinne die S(>elc aflicirten. Also konnte 
( r auch die Vorstellung von Goltern iiicht fur ein leeres Spicl diM' 
Phantasie erkliiren; es nmssten auch sie durch Atomengehilde. 
die die Si^ele aflicirlen, bcvvirkt sein, und da nun olhMil^ar die 
G(itler niclil mit den korpiMlichcn SiiuKMi wabrgtMiomiiKMi wcr- 
den, so musste die Seelc selbst unniillclbar diirch jcnc Rilder 
aflicirt vv(M'den. Diese aber etvva liir niir zufiillig (Mitstandene 
Atomengebilde zu erkliiren — dergleichen es allerdings auch 



INHALT DES ERSTEN BUCHES. 27 

gab, — hinderte ihn ihre immer gleichmassige ununterbrochene 
Wiederholung, die sich nur erkliiren liess, wenn sie von einem 
wirkhch vorhandenen Gegenstande ausgingen. FolgHch musste 
es wirkhch Gotter geben. Und da nun ferner die xoivi^ evvoia 
die Gotter als selig und unsterbhch vorstellt, so mussten sie auch 
wirkhch so sein. Wenn aber Alles aus Atomen besteht, so miis- 
sen ohne Zweifel auch die Gotter aus Atomen bestehn: sind sie 
aber ewig, so konnen sie nicht irgend einmal aus einer Verbin- 
dung von Atomen entstanden sein. Folglich miissen sie eine von 
der aus Atomen entstandenen Welt ganz abgesonderte und nicht 
dazu gehorige Gattung von VVesen ausmachen, deren Dasein aus 
den obigen Griinden angenommen werden rauss, wenn es auch 
weiter nicht .erklart werden kann. (Vgl. zu c. 25, 71.) Darum 
ist es auch ganz consequent, wenn ihnen ein besonderer Ort in 
den Intermundien (s. zu c. 8, 18), nicht innerhalb der geworde- 
nen und vei"ganglichen Welten angewiesen wird. Was weiter 
iiber ihre Geslalt und Lebensweise gesagt wird, folgt aus den 
Voraussetzungen, von denen Epikur ausging, ebenfalls ganz con- 
sequent: es kommt dabei also nur auf die Kichtigkeit dieserVor- 
aussetzungen an. Ueber die im Volksglauben herrschenden Vor- 
stellungen von der Gotter Thun und Treiben und iiber die poe- 
tische Mythologie sprach sich Epikur natiirlicb mit entschiedener 
Missbilligung aus. Otovg aviovg ol TtoHol vo(.nLovoiv, ovy. 
eioiv sagt er selbst bei Diog. L. X, 123. Ov ydq (pvXaTTOvaiv 
avzovg oYovg vofiiLovoiv. ^4o£[^rjg ds ovx ^ i^ovg rdiv ttoX- 
Xiov Ssovg avaiQiov, aAA' o cdg riov ttoXXcTjv do^ag dsio 
TCQOodnxcov. Ov yaQ TrQoXrj^tEig elolv, dXX^ VTioXtjipsig 
ipevdeig al tiov ttoXXCjv vneQ ■d-ecov djiocpdoeig. Dass 
aber die Epikureer aus Klugheit und um kein Aergerniss 
zu geben sich den herkommlichen Culthandlungen nicht entzo- 
gen, ist gewiss, und wird ihnen von Manchen zum Vorwurf ge- 
macht. (S. Plutarch. non posse suav. vivi etc. c. 21.) Selbst 
Priesteramter zu bekleiden gewannen sie iiber sich (s. Lucian. 
Conviv. s. Lapith. c.9) und dass Manche, so freigeisterisch sie in 
der Theorie waren, doch praktisch hochst aberglaubig gewesen 
seien, wie uns Cicero c. 30, 85 versichert, ist keinesweges un- 
glaublich. DergleichenWiderspriiche zwischen Theorie und Pra- 
xis hat es auf diesem Gebiete zu allen Zeiten gegeben. 



28 



DE INATURA DEORUM 



1 Quum multae res in philosophia nequaquam satis adhuc 

1 explioatae sint, tum perdirficiiis, Brute, (qnod tu niinime igno- 
ras, ) et perohscura quaeslio est de natura deorum: quae et ad 
agnitionem animi pulcherrima est et ad moderandam religionem 
necessaria. De qua tam variae sunt doctissimorum liominum 
tamque discrepantes sententiae, ut magno argumento esse de- 
beat, caiissam, id est principium philosopliiae esse inscientiam, 
prudentercpie Academicos a rehus incerlis assensionem cohi- 
huisse. Quid est enim temeritate turpius? aul quid tam temera- 
rium tamque indignum sapientis gravitate atcpie constantia, 
quam aut lalsum senlire, aut, cpiod non salis explorate perce- 

2 pium sit et cognitum, sine ulla duhitationc delendere? Velut in 
hac quaestione plerique, quod maxime verisimile (!st et quo o- 
ranes duce natura vehimur, deos esse dixerunt: duhitare se Pro- 
tagoras: nullos esse omnino Diagoras Melius et Theodorus Cy- 
renaicus putavei"unt. Qui vero deos esse dixerunt, tanla sunt in 
varietate ac dissensione, ut eorum molestimi sit dinumerare 
sententias. Nam et do (iguris deorum et de locis atipic sedihus 
et actione vitae multa dicuntur, de(pie his sumnia philosopho- 
rum dissensione certalur: quod vero maxime rem causamque 



1. 1. ad agnitionem aiiimi. Durcli 
Jie Erkennlniss der Goltheil ge- 
Avinnt (ler Geist auch an Erkennt- 
niss seiner selbst, insofern auch er 
grottlichen Wesens theilhaftig:, ist: 
Gotteserkenntniss und Selhster- 
keniitniss stehen in Wechselwir- 
kung. Vgi. Tuscul. V, 2.5, 70: Vt 
ipsa se mens afi^noscat coinuncfam- 
que ciiin divina meiile se sentiaf. 
de Lej;;^. I, S, 2-5: /// is a^noscat 
deinii , qui uiide ovfus sit quasi re- 
cordetuv acnoscat. Daruin ist auch 
die Beschiifliffunff niit diesein Ge- 
genstande ad a^nitionem aniini pul- 
cherrima, weil sie hinsiciitlich der 
Selbstcrkeniitniss zu eiiiein scliiinen 
uiid ^Niirdipcn Ergebniss fiilirl. 

ad iiitideraiidain reliiiiaueni. Weil 
erst dic riclitige (lOtleserkeiintniss 
unserer Gottcsvcrchniiij; dic rechtc 
Haltunj; iiiul Richtuiif; {;ieht. \^\. 
unten II, 61, l,»;! 

De qua. Das Relativ nicht auf 
das nachstvorhergehende religio- 



nem sondern auf das eiitferntere 
quncstio zu beziehen. 

inscientioin. Die Maniiichfaltigkeit 
und der \\ iders|)rucli in den Mei- 
nungen iiher die Gottheit, eineFoIge 
des JNieh twi ssens, durch wel- 
ches man zuin Philosophiren iiber 
sie gereizt und zur .\ufstellung so 
rianiiichfaltiger Mcinuiifccn gefuhrt 
wordcii ist, kaiiii als eiii gcwichtiger 
\ie\e^.nia^nuni ai'^uinenluni,\\iriien 
Satz dienen, dass das IMiiloso|)hiren, 
d. h. das Strcben iiacli Wissen, sei- 
nen Grund. d. h. seinen Ursprung, 
caussaui, i. e. principium, iiberall in 
deni .N' ichtwisse n habe. Arist. 
Met. 1,2: Sia To (ffvytir rrjV ic- 
yj'nic(r fij i).oa6(f t]am'. — Fiir de- 
lieat im Vorlier. ist wohl debeant 
zu lesen. 

.Icadeiiiicos. S. d. Einl. S. 13. 

2. Protagoras , Diagoras, Theo- 
dorus. S. unten zu c. 12, 29 u. 
23, (;3. 

rem caussamque. Der allgemeine 



LIB. I. CAP. 1. 2. 



29 



continet, utriim nihil agant, nihil mohantur, omni curatione et 
achninistratione rerum vacent, an contra ab iis et a principio 
omnia facta et constiluta sint et ad infinitum tempus regantur 
atque moveaniur, in primis magna dissensio est, eaque nisi diiu- 
dicatur, in summo errore necesse est homines at(pie in maxi- 
niarum rerum ignoratione versari. Sunt enim philosophi et 2 
fuerunt, qui omnino nullam habere censerent humanarum rerum 3 
procurationem deos. Quorum si vera sententia est, quae polest 
esse pietas? quae sanctitas? quae religio? Haec enim omnia 
pure atque caste tribuenda deorum nuniini ita sunt, si animad- 
vertuntur ab iis et si est ahquid a diis immortahbus hominum 
generi tributum. Sin autem dii nec possunt nos iuvare nec volunt, 
nec omnino curant, nec quid agamus animadvertunt, nec est 
quod ab iis ad hominum vitam permanare possit: quid est, quod 
ullos diis immortahbus cultus, honores, preces adhibeamus? 
In specie autem fictae simulationis, sicut rehquae virtutes, item 



Ausdruck wird durcli den specielle- 
ren niiher bestiinint: denn causa est 
res qi/ae habet in se controversiain 
(de Invent. 1, 6, 8). 

in mnimo en^ore. Niclit iuuner 
ist errur ganz mit Irrthum gleich- 
bedeutend: oft ist es nur die Unsi- 
cherheil und das unstiiteSchwauken, 
was aus der Ungewissheit iiber das 
Rechte entsprinf^t. So «ird errare 
oft ganz als synoiij m von aiiibigei'e, 
incertinn esse gebraucht, wie 1'laut. 
Mil. gl. 111, J, rj7: ei-ro, (ji/ani in- 
sistas viani. Senec. Agam. \H: tibi 
aniinus errat, optinunn est casuin, 
sequi. Vgl. de Oriic. II, 2, 7: iion 
sumus ii, quorum vaifelur aniinus 
errore, nec habeat unquani quid se- 
quatur. und unten 1!, 1, 2: non er- 
raiitem et vagu7n, sed stabileni cer- 
iam que senteii tiam . 

2. 3. Wenn die Giitter .sich gfar 
nicht um die menschlichen Angele- 
genheiten bekiimmern, so kiinnen 
auch die Menschen gegen dic (liitter 
nicht die durch pietas, saiictitas, re- 
lifpo bezeichnete Gesinnung hcjjen. 
Pietas, ptlichtf^etreue Gesinnunj; ge- 
gen diejenigen, mit welchen man in 
naherer Beziehunj;: steht. wie Ver- 
wandte, Amtsgenossen, Vorgesetz- 



te: namentlich also auch gegen die 
GiJtter als Obwalter und Wohlthii- 
ter. Unten c. 41, 116 wird sie als 
iustitia adversum deos bezeichnet; 
und ebendort sanctitas als scienfia 
colcndoriim deoriim , woriiber das 
Nahere in d. Anmk. Eigentlich ist 
sanctitas das tadellose, vorwurfs- 
freie, unbescholtene Verhalten ge- 
gen die Gotter: religio aber die An- 
erkennung der Verpflichtung, wo- 
durch man sich gebunden fiihlt, 
(quae superioris cuiusdam naturae, 
qiiani divinam vocant, cutani caeri- 
moniamque ajfert. De Invent. II, 53, 
161.) welchem Begrilf die Ableitung 
von reliiiare bei Lactant. IV, 2S 
besser zu entsprechen scheint, als 
die von Cicero 11, 28, 72 vorgetra- 
gene von relegere. 

Jictae simulafionis. Freilich ver- 
steht es sich von der simiilatio von 
selbst, dass sxejicta sei: das konnte 
aber den Cic. nicht hindern, dicsen 
BegriR" durch das Kpitheton noch 
besoiiders hervorzuheben. — Ue- 
brigens gelt diese .\eusserung na- 
mentlich ai.f die Epikureer, die, ob- 
gleich sie in der That an keine wclt- 
regierende Gottheit gluubten, doch 
einen Scheiu von Gottesverehrung 



30 



DE NATURA l)f:ORUM 



pictas incsse noii polest, cum qua siniul sanctilateni et reiigio- 
nern tolli necesse est, quibus sul>latis perturbatio vitae sequitur 

4 et magna confusio. Atque haud scio an pietate adversus deos 
sublata lides eliam el societas generis humani el una excellenlis- 
sima virtus, iustitia, tollatur. Sunt autem ahi phihtsophi, et ii 
quidem magni atque nobiies, qui deorum menle atque ratione 
omnem mundani aihninislrari et regi censeant: neque vero id 
solum, sed etiam ab iisdem hominum vilae consuli et provideri: 
nam et fruges et rehqua quae terra pariat, et tempestates ac tem- 
porum varietates caehque mutationes, quil)us omnia (luae terra 
gignat malin'ata pubescant, a diis inmiorlalibus tribui generi hu- 
mano putant : nmUacjue, ([uae dicenlur in his hbris, coJiigunt, 
c(uae taJia sunt, ut ea ipsa dii immortales ad usum Iiominum fa- 
bricali paene videantur. (^ontra (juos (larneades ita nudla dis- 
seruit, ut excilarel liumines non socordes ad veri investigandi 

5 cupi(htatem. lles enim nuUa est, de qua tanto opere non solum 
in(iocti, sed etiam docti dissentiant. Quorum opiniones quum 
tam variae sint tamque inter sc dissidentes, alterum heri profecto 
potest, ut earum nulla, alterum cerle non potest, ut plus una 

3 vera sit. (jua quidem in caussa et benevolos obiurgaloics pla- 



zu behaupten sucbten. S. unteu c. 
17, 45. 21, 56 und dagegen 41, 115. 

4. Jides — — iustUia toUatur. 
Deu Zusamuienliang; dei- Pflicliten 
gegen dic Menschen niit den Pflich- 
ten {ifegen die Gotlheit deutet Cicero 
auch II, 61, 153 an: an den innein 
Grund diescs Zusaniiuenhanges abcr 
erinnert eine von Lactantius V, 8 
aus deu B. de Lc^ibu.s angcfiihrte 
Stelle: dass niiniliclidasiJewusstsein, 
\\ie alle iMenschcn plcichcn (gott- 
lichen) («cschlechtes und aurgleiche 
Weise Gegenstand der giittlicheu 
Liebe nnd Fiirsorge seien, auch uii- 
tec iliiien selbst gegenseitige Zunei- 
gung und Ijiebe bewirken niiisse. 
\ gl. («atakcc zu Antoniii. II, 1. p. 4s. 

quae diceiiiur in his liljvis. S. II, 
02, 150 ir. — Ka ipsa: Diese Dinge 
gcrade so wic sie da sind. 

Jabricali pacne d. \. pac/icfalirili 
opera cj/'ecissc: mit kiiiistlerischcr 
IManniiissigkeit und Sorglalt. 

Carncades "aus Cyrene, uni die 
Mitte des zweiten Jahrh. v. Chr. 



Ilaupt der Akademie zu Athen. Sei- 
ne negative Kritik, iiber welchc es 
hicr gcniigen kaiin, auf c. 5, 11 zu 
verweisen, bek;iin|)fte vorzuglichdie 
Stoikerunddereii Haupt,Chr\sippus. 
Ygl. auch II, 65, 102 u. III,' 17, 44. 
Schriften \ on ihni gab es nicht, aus- 
ser einigen Briefen an den Kappu- 
dokischen Kiinig .Vriarathes; aber 
seiiie \ ortiiigc waren von Zuhci- 
rern aufgezeichnet uiid hcrausge- 
geben. 

ita, mit disseruit. iiicht niit multa 
zu \erbiiiden, deutet auf ilie Be- 
schairenheit der Kini-eden des C, 
wclchc den init /// angegebenen Er- 
folg bcahsichtigte odcr hcrheiruhrtc. 
N\'cgcii dcr \\ (irtslcllung \ gl. \'err. 
II, 3, S: nta^islratuiiin nostrorunt 
iniurias ita inultoruiii tulerunt, ut 
nunquani ante /loc teinpus ad arain 
legum — coiifi/iierint. 

3. 5. Qua quidem in caussa. 
Man kann sicli diircli ein hinzuge- 
dachtes traclanda dcn kurz ange- 
dculeten Gedankcn \erdeutlichen. 



LIB. I. CAP. 2. 3. 



31 



care et invidos vituperatores confutare possumus, ut alteros re- 
prehendisse poenileat, alteri didicisse se gaudeant. Nam qui ad- 
moneut amice, docendi sunt; qui inimice insectantur, repellendi. 
Multum autem fluxisse video de libris nostris, quos complures 
brevi tempore edidimus, variumque sermonem partim admiran- 
tium, unde hoc philosophandi nobis subito studium exstitisset, 
partim, quid quaque de re certi haberemus, scire cupientium, 
Multis eliam sensi mirabile videri, eam noI»is potissimum proba- 
tani esse philosophiam, quae lucem eriperet et quasi noctem 
quandam rebus ofTunderet, desertaeque disciplinae et iam pridem 
rehctae patrocinium necopinatum a nobis esse susceptum. Nos 
autem nec suhito coepimus philosophari, nec mediocrem a prinio 
tempore aetatis in eo studio operam curamque consumpsimus, 
et, quum minime videhamur, tum maxime philosophabamur; 
quod ct orationes declarant refertae philosophorum sententiis, 
et doctissimorum hominum familiaritates, quibus semper domus 
nostra floruit, et principes illi, Diodotus, Philo, Antiochus, Posi- 
donius, a quibus instituti sumus. Et si omnia philosophiae prae- 



Indem ich nun, wiJl C. sagen, 
diese Streitfrage zu behan- 
deln unternehme, bin ich 
wohl im Stande, mich deswe- 
gen gegen etwanig-e Tadler 
zu rechtfertigen. Unterdenbei- 
den nun bezeichneten Classen von 
Tadlern die Stoiker und die Epiku- 
reer zu verstehen , wie Manche ge- 
wollt haben, ist offenbar verkehrt. 

6. eain — philosophiatn, namlich 
Acadendcam. Aehnlich lasst Cic. 
Acad. II, 19, 61 den LucuII zu sich 
sagen : Time eam philosophiam se- 
quere, quae confundit vera cumfal- 
sis, spoliat nos iudicio,pricat appro- 
batione, onmibus orbat sensibus? 
— Zn den Worten quae lucem eri- 
peret den Dativ rebus im Folgenden 
zu ziehen, verbietetschon die VVort- 
stellung. Vielmehr ist der Dativ 
eines persiJniichen Objects, nobis 
oder hominibus , hinzuzudenken. 
Vgl. Acad. II, 10, 30: quid eumfa- 
cturum putem de abditis rebus et 
obscuris, qui luceni eripercconetur? 
ib. c. 32, 105: non enini lucem eri- 
pimus; sed ea, quae vos percipi, ea- 
dem nos videri dicimus. u. 103: ab 



Acadenna sensus eripi. cf. Liv. X, 
32: nebula erat — densa adeo, ut 
lucis usum eriperet. 

desertaeque disciplinae. S. unten 
c. 5, 11. 

Diodotus, Stoiker, lebte mehrere 
Jahre im Hause des Cicero, den er 
auch zum Erbcn seines nicht unbe- 
deutenden Nachlasses einsetzte. 

Philo aus Larissa, Akademiker, 
fliichtete im Mithridatischen Kriege, 
666, aus Athen nach Rom, wo Ci- 
cero, wie er selbst Brut. 89, 306 
sagt, totum se ei tradidit. Er ist 
der letzte namhafte Vertreter der 
Akademischen Philosophie. Philone 
vivo patrocinium Academiae non 
defuit, sag;t Cic. Acad. II, 6, 17. 

Antiochus , aus Ascalon, zwar 
Schiiler des Philo, aber nicht sein 
Nachfolger. Denn er verliess den 
AkademischenSkepticismus und bil- 
dete sich ein eklektisches, aus Pla- 
tonischen, Aristotelischen und Stoi- 
schen Lehren geniischtes dogmati- 
sches System. Vgl. Acad. II, 22, 
69 u. bes. Madvig Vorr. zu Cic. de 
Finn. p. 61 ff. 

Posidonius aus Apamea in Syrien 



32 



DE NATURA DEORU.M 



cepta rereruntur atl vitam , arbitramur nos et publicis et privatis 
in rebus ea praestitisse, quae ratio et doctrina praescripserit. 
4 Sin autem quis requirit, quae caussa nos impulerit, ut liaec tam 
sero lilteris mandaremus, nihil est quod expedire lam lacile pos- 
simus. INam quimi olio lan^ueremus et is esset reipublicae sta- 
tus, ut eam unius consilio alcpie cura yubernari necesse esset: 
primum ipsius reipublicae caussa ]»liilosopluam nostris bomini- 
bus expiicaudam pulavi, magni existiiDons interesse ad decus 
et ad laudem civitalis, res lam graves tamque praeclaras Latinis 

8 etiam litteris contineri. Eoque nie minus insliluti mei poenilet, 
quod facile sentio, (|uam multorum non modo discendi sed eliam 
scribendi studia conimoverim. Complures enimCiaecis instilulio- 
nibus erudili ea, (piae didiceranl, cum civibus suis communicare 
non ])oterant, quod illa quae a (iraecis accei^issenl Laline dici 
posse diriiderent; quo in genere tantum prolecisse videmur, ut 

9 a Graecis ne verborum qiiidem co])ia vinceremur. Hortata est 
ctiam, ut me ad baec conlerrem, animi aegritiido, Ibrtunae magna 



Sctiiiler de.s Rliodiers Panaetins, dcr 
l)edeulend.sle niiler denStoikern je- 
ner Zeit. Er lebte uiid lelirte iiieist 
zu Rliodus, ueswegen er aueh Hlin- 
dius }!;enannt %%ird, liielt sieli aber 
eiiie Zeit lang aueli in Rom auf. 
Was von seiiien zahlreielien Sehi-if- 
len an Kraf^nienten und l!)r«ahnun- 
gen vorhaiiden ist, liiidet man iii 
Pnsidrmii r<'liquiae doctrinae. Coll. 
atq. illustr. J. Bake. Lugd. B. 
18J0. S. 

4. 7. ad decus et ad laud. civ. 
Vgl. de Divin. II, 2, 5: iiia^-uifuum 
illud etiaiii Romauisqiie liniiiiiiibus 
ff-lorinsum, ut Graecisdr pliilosnpliia 
Utleiis iKiit eiieant. 

8. iiiuttorum — scritiPiidi stiidia. 
VkI. de Ortie. II, 1, 2. Von den Vie- 
len, die C. liier bezeieliiKit, ist keine 
Hunde aul'unsa;ekoiiinien. Wir w is- 
sen allerdiii}!;s von iiiehreren seiner 
Zeit}?enossen , dass sie iiber philo- 
sophisclie (jej^eiisliinde in Lateini- 
scher Spraehe sehrieben, \\\e. , um 
des Dieliters Lucretius nielit zu };e- 
denken, I'. ,\i;;idius Ki;!;ulus, M. Te- 
rentiusVarro, M. Iniiins Rrulus: aber 
diesewart^ii wolil niehterstdureh (^.'s 
Heispiel angeregt, ebensowenip wie 



die niit (ierinf^srhatzunp von ihin 
erwiihiiten llpikureer Ainafinius, 
Rabirius und (Jatius. Aead. I, 1,5. 
Tuscul. IV, 3, (). ad Kainil. XV, K), 
1. 19, 1. Vielleieht aber iniigen die 
Mtn (^uintilian X, I, 123 erwahnten 
Plaiicus 11 nd der iiltere Sextius, 
vielleieht aueh C. y/siuius Polio zu 
den von C. anjjeregten zu reehnen 
sein. 

vinceremur, n\chl vincamur. Das 
ImperF. beschrankt den Aussprueh 
aut' die bishei'i{ven Leistuiif^en Cice- 
r()'s, und der Sinn ist nur dieser: 
Es sei ihin ):felun}?en, in entspre- 
chender Hezeielinunjjpliilosophischcr 
Bef^rilFe niclithinter den;;rieebi3ehen 
Vorbilderii zuriiekzuhleiben. An- 
derswo behauplet er freilieh in pa- 
triotisehein Eiler {;aiiz iiii .Mlgeinei- 
nen: Liitinaiii lin^^uam iinn modo 
non iiinpeni , ut vul^n putaiit, sed 
locupletinrem etiani esseifuain Grao- 
cani. De Kinu. I, 3, 10. vgl. III, 2, 
5. wojfcfjen er Tuseul. II, 15, 35 
den }i;r()sseren Reirhthuui der Grie- 
chisehen Sprache ein;;esleht. 

9. Jnrtiinai: iniuria. Er meint 
den Tod seiucr TcHhter. Vgl. d. 
hinl. S. 19. 



LIB. I. CAP. 3. 4. 5. 



33 



et gravi commola iniuria; cuius si maiorem aliquam levationem 
rcperire potuissem, non ad lianc potissinium confugissem. Ea 
vero ipsa nulla ralione molius fi'ui polui, quam si me non modo 
ad Jegendos lii»ros, sed etiam ad totam philosophiam pertractan- 
dam de(hssem. Omnes autem eius partes atque omnia membra 
tum facillime noscuntur, quum totae quaestiones scri])endo expli- 
cantur. Est enim admirabilis quaedam confinuatio seriesque re- 
rum, ut alia ex alia nexa et omnes inter se aptae colligataeque 
videantur. Qui autem requirunt, quid quaque de re ipsi sentia- 
mus, curiosius id faciunt quam necesse est. Non enim tam au- 
ctores in disputando, qu.im rationis momenta quaerenda sunt. 
Quin etiam obest plerumque iis, qui discere volunt, aucloritas 
eorum, qui se docere proiitentur: desinunt enim suum iudicium 
adhibere; id habent ralum, quod ab eo, quem probant, iudica- 
tum vident. Nec vero probare soleo id, quod de Pytliagoreis ac- 
cepimus, quos ferunt, si quid affimiarent in disputando, quum 
ex iis quaereretur, quare ita esset, respondere solitos Jpse dixiV. 
ipse autem erat Pylhagoras. Tantum opinio praeiudicala j)oterat, 
ut etiam sine ratione valeret auctorilas. Qui autem admirantur 
nos hanc polissimum disciplinam secutos, his quatluor Academi- 
cis libris satis responsum videtur. Nec vero deserlarum relicta- 
rumque reium patrocinium suscepimus: non enim hominum 
interitu sententiae quoque occidunt, sed lucem auctoris fortasse 



11 



tofae quaestinnes. Untorsucliun- 
gen ijber pliilos. i\1aterien in ilireni 
ganzen Unifange, vereinzeltcn, aplio- 
ristischen Betrachtungen eutgegen- 
gesetzt. 

alia ex alia : niclit distributiv, 
wie sonst nieistens, sondern reci- 
prok, t^ uXXriku))', wie unten c. 43 
extr. Vgl. de Finn. IV, 17, 47: ni- 
hil (iiffei re aliiid ab alio. de Legg. 
1, ly, 52: videti.sne qiianta seiies 
reruni .simteniiarinnque .sit, atqiie 
ut ex alio alia nectantiir. urid nielir 
bci Drakenb. zu Liv. IV. 22, 5. 

5. 10. ipse dixit. Schol. Aristopli. 
Nub. 190: Ti«Q(i IIv!)-c(yont(nig 
t6 (t vt 6g 'f(fcc, TovTinTir o ITv- 
')-((.y6ot(;. Dcr Ausdruck \\ui'de spji- 
ter spriicliwiirtlich gebrauclit \on 
dem unbcdingten Auctoritiitsglau- 
ben, dein iuiare in verha mai^istri. 

11. quattuor ^leadeinicis libiis. 
Cic. ile Nal. <ieor. 2. Aull. 



Cicero liatte anfangs zwei Biicher 
akademischer Untersuchungen ge- 
schrieben, das eine (>atulus, das an- 
dere Lucullus benannt, nach den 
beiden Hauptpersonen, denen der 
Vortrag in den Mund gelegt war. 
INachher verwarf er diese, und 
scbi'ieb statt ihrer vier Biicber. 
Von dieser zweiten Bearbeifung ist 
der Anlang des ersten Buches, von 
jener riiiheren aber das zweite Bucb 
oder Lucullus vorhanden. 

liicein aiictoris. yhictor, \ on glei- 
cheni Stamme mit aio und autmno, 
ist urspriingl ich, d e r e t w a s \v i r k- 
sani ausspricht, iiiit Versiche- 
rung , Bekriirtigung , Gewhhrlei- 
stung, Vertretung des Ausgespro- 
chenen gegen Audere. Aus dieser 
Grundbedcutung lassen alle ver- 
schiedeoen Anwendungen des Wor- 
tes sich leicht erkliiren. yluctor 
3 



34 



I)K iWTl UA DLOHIM 



dosi(lor;inl: iil luicc in pliil()so})liia ratio conlra onmia dissorendi 
nullain([uc rcn) aperte iudicandi, prolecta a Socrate, repelita ab 
Arcesila, condrinata a (larneade, usque ad noslram vi<iuit aeta- 
teni; (piaiii nunc propcinodiiiii orliani esse in ipsa (iraccia intel- 
\'\'^o. (Juod non Acadcniiac vilio. scd taiditate lioiniiiuiii ailiilror 
contigisse. Psain si sinj;ulas dis(i|)linas pcrciperc niaiinuni est, 
(pianto inaius onines? (piod laccre iis necesse est, (piiiius |)ropo- 
situni est v(!ri repcriendi caussa el contra onines pliilosoi)lios et 
12 pro oninihus dicere. Cuius rei tantae tamque dillicilis racultatem 
consecutum esse me noii proliteor: secutum esse prae mc fero. 
Nec lainen lieri potest, iil. (pii liac ralione pliilosopliciilur, ii ni- 
hil hahcanl quod sc^iuanlui'. Kiclum est omniiio hac dc re alio 
loco dili^cnlius: scd, (piia nimis iiidocijcs ([uidam taitii((iie sunt, 
admonciidi vidciitur sacpius. INon cnim suinus ii, (piihus nihil 
verum esse vidcalur, scd ii, qui omnihus vcris falsa (piacdam 
adiuncta essedicamus, tanta similitudine, ut in iis nulla insit cer- 
ta iudicandi et assentiendi nota: ex ([uo exslitit illud, multa esse 



ciner Loliic ist also keincswcpfcs 
hloss ilif ('1'stec l fli('i)or, sondei-ii 
ihr jedesiiialif:;er \ Crlretei' (wie z. 
B. Chrysi|)|nis divinaliniax aitcfor 
heisst, de Divin. II, 2S, (il ;) uiid liar 
auctoris ist das voii eiiiem tiiehti- 
gen Vertreter au.sgehende Licht, 
wodurch dic Lchre aiidcrn cinl(;uch- 
tend N^ird uiid Aiischen ffcsvinnt. 
Ein solflicrN ertretcr reliltc seit Phi- 
lo's Tode dcr Akadciiiischeii Schule. 
Dalier kla;;t (^iecro, dass sic prope- 
jnodiiiii or/ia sei. 

profccla a Socrate. Sokratcs galt 
als V(ir^;tiii;cr dcs Akadeniisehen 
Ske|)ticisiiuis und dcrPoiciiiik gcjjen 
den Do^iiiatisiiius der andcrn Scliu- 
len , we^cii scincs .\usspruclics er 
wisse iNiehts als ebcii dies, 
dass er .\iehts wisse, und \ve- 
^cn dcr Dialektik dic cr an^^andte, 
um Aiiderc. die sicli ctx^as y.ii wis- 
scn riiiiiiitcii, ilires .Mclitw issciis zu 
iiheilulircii. — y/rcesilas , aus Pi- 
tane in .Xcolis, von 31() — 241, ping^ 
aber nocb weiter als Sokrates. 
Denn, wic Cicero safjt ,\ead. I, 12, 
45, nei^-atiat esse iiaidiiiiam qiiod 
sciri posset. ne illiid ijiiideiii ipsain, 
quod Socrales silii reliqiiisset: sic 



oiiinia lalere in occalto. — lU'ber 
Cariieades s. c. 2. 1. 

veri reperieiidi vaiissa. .\llcr- 
diiip;s war cs ihnen uiii ilic Wahrhcit 
zu thun, wcnn sic aucli aiii lOnde 
nur zu dcin Kcsullat g^elaiigtcn, 
dass, iii Eriiiang;cluiiif cincs siclieren 
Kriteriums, cin sieheres und {?e\vis- 
ses Wissen der Wahrbcit uner- 
reichbar sci, und iiian sicli mit 
Walirschcinlielikcil bcsiriif^en luiis- 
se. Dc I-fiin. II, J 1. IH: (>//rM/ de- 
sperata co^iiitione ccrta id sequi 
volunt, quod veri siinile videtur. 
Acad. II. 3, 7: /////// aliad agunt, 
nisi iit in atrainque parteni dispu- 
tando eliciant aliqiiid , quod aal vc- 
riini sit aut ad id qiiain pro.vime 
accedat. \'^\. ib. 24, 7(1. 

12. alio loco. .Niimlich iii den 
.lcadeniicis. Ziim Folj^cnden vgl. 
auch dc Oriic. II, 2. 7. 

iiidicaiidi et assentiendi nota: ein 
lirilcriuiii. wonacli iiiaii sicli bcim [ r- 
llicilcii ricliten uiid dciiif;-ciiiiiss iur 
dies odcr jcnes eiitschciden kiliine. 

c.rslilit. Es hat sicli daraus uns, 
deii .\kadeiiiikern, dic Fol;,'erun^ 
erffeben, wir haheii diese Folf;;crung 
daraus fjezogen. — Dcr Satz nun 



LTB. I. CAP. 5. C. 



35 



probabilia, qiiae quamquam non percij)erenlur, tanien, quia vi- 
sum quendam haberent insignem et iJlustrem, iis sapientis vita 
regeretur. 

Sed iam, ut omni me invidia liberem, ponam in medio sen- 6 
tentias philosophorum de natura deorum: quo quidem loco con- 13 
vocandi omnes viden(ur, qui, quae sit earum vera, iudicent. 
Tum demum mihi procax Academia videhilur, si aut consen- 
serint omnes, aut erit inventus aliquis, qui, quid verum sit inve- 
nerit. Itaque mihi lihet exclamare, ut in Synephebis [est]: 



aber, der diese Folgerung- angeben 
soll , ist ungennu und nachliissig 
liingeworren, so dass das walire Ge- 
dankenverbiiltniss verdunkelt wird. 
Denii nicht das folgt aus deni Man- 
gel eines sichern Kriteriums der 
Wahrheit, dass es \ iel VVahrschein- 
liches gebe, sondern nur dies, dass 
man sich niit dem Wahrscheinlichen 
begniigen miisse. Giebt es dessen 
Vieles, so ist das ein hinzukom- 
mender giinstiger Umstand, der uns 
jeuen Mangel weniger fiihlbar ma- 
chen kann, keinesweges aber aus ihm 
entspringt. Besser wiire schon : 
esse tantum probabilla. 

Auch die Construction quae — 
liis sap. vita regeretur ist nicht 
streng regelrecht. Correcter ^\iirde 
es sein, wenn C. geschrieben hiitte, 

entweder quae sapientis vi' 

tam rege}-ent, oder quibus 

sapientis vita re^eretur. Jetzt, wo 
quae quamquatn nur als gleichgel- 
tend mit et quauiquam haec zu neh- 
men ist, erwartete man vielmehr his 
sapientis vitaui regi , sodass beide 
Glieder, tnulta esse probabilia und 
dieses durch quae ( fur et haec) mit 
jenem copulirte gleichmiissig von 
exstifit ahhingen. Doch ist derglei- 
chen Unregelmiissigkeit leicht zu 
erkliiren und zu entschuldigen. 

perciperenfur. Der Ausdruck be- 
zeichnet, \^ie comprehendere, mit 
dem er hiiufig, namentlich im I^u- 
cullus, verbunden wird, die voll- 
kommen gewisse und zweifellose 
Erkenntniss und Erfassung eines 
Gegenstandes, die tiG(fKki]g xcd 



^ijiuia x(d a.utra&tTog yaTdXiiipig 
der Stoiker. 

visum, als iVeutrum, bezeich- 
net die Vorstellung, quvTaaici, 
nicht bloss sinnliche, wie c. 25, 70, 
sondern auch andere. Das Masculi- 
num visus kommt in diesem Sinne 
nirgcnds vor, und scheint auch hier 
nicht die \'orstellung selbst, son- 
dern den durch den Gegenstand an- 
geregten Geistesact des Vorstellens 
oder die Einwirkung der Dinge auf 
den Geist, venniige deren sie die 
Vorstellung in ihm bewirken, zu 
bezeichnen. Auch sonst ist visus 
= das Ansehn, die ins Auge 
fallende Erscheinung, z. B. 
Liv. \\\\, 19: augustior humano 
visu = huinana specie. Vgl. Ruhn- 
ken zu \'ellei. II, 94, 2, u. unten c. 
30, 85. Insignis et illustris heisst 
der visus, insofern er ein visimi in- 
signe et iltustre, d. h. eine durch 
Klarheit und Deutlichkeit ausge- 
zeichiiete Vorstellung bewirkt. 

6. 13. omnes, qui — iudicent, 
d. h. alle Solche, die ein bestimmtes 
Urtheil aussprechen: die Dogmati- 
ker, im Gegensatz gegen die Aka- 
deiniker, die sich eines bestimmten 
Urtheils enlhalten : nullam rem 
aperte iudicant, §.11. 

in Si/nephebis [est]. Das Verbum 
felilt in den Hdschr. Si/nephebiwm- 
der Titel einer fabula palliata des 
Caecilius Statius, eines etwasjiin- 
geren Zeitgenossen des Plautus. 
Das Gricchisclie Original war vom 
Menander. — Von den an^efiihrten 
Versen sind die beiden ersten re- 
3* 



36 DE NATURA DKORUM 

Prd! devm, populdrinm omnmm, omninm adolesrcntium 
clnmo, poslulo, obsecro, oro, pUro atque imploro fulem: 
non levissinia «lc re, ul quaorilur ille, 

in civitate fieri facinora capitalia: 
ab amico amante argentum accipere meretrix nevoll; 

14 sed, ut adsint, cognoscant, animadvertant. ([iiid do roligiono, 
pielato, sanctitate, caerinioniis, lide, iureiurando, quid do ietn])lis, 
delubris sacriliciisque sollenniilius, quid de i|)sis auspiciis, (|ui- 
bus nos praesiunus, exislimaudun) sil. Ilaec eniu) onn)ia ad 
hanc dc diis iuiinoilaliltiis ((uaestioneu) i-elerenda simt. Prolecto 
eos ipsos, (|ui se ali^juid ceiti liahere arhilranlur, addiiliilare co- 
get doclissimoruni hominum de niaxima re lanta dissensio. 

15 Quod quum saepe alias, tiim rnaximo animadverti, quum a])ud 
C. Coftam, fainiliarem meum, accurate sane ot dilij;enter de diis 
immortaliliiis disi^utatum esl. Nam quum feriis Lalinis ad eum 
ipsius roi;a!ii arcessiluque venissem. onendi eum sedentem in 
exhedi"a ct cum C. Yelleio senalore (lis])Ulanleni, ad (luem tuin 
Epicurei primas ex nostris hoininihus dererehaiil. Adoal etiam 
Q. Liicilius ijalhus, (jui lantos pro^ressiis liahehat in Sloicis, ul 
cum excellentiiuis in eo genere Craecis compararelur. Tum, ut 

gelrcclite trocliiiischt^ Tcli-ainetc^r: Tape, wiilireiid welelier die iiirenl- 

dasselbe iMass liabeii olinc Zweird liclien (iesdiiirie ruliten, iind Staats- 

auch dic beiden andern ^eliabl; es iniinner ilalier Musse liatteii, sichauf 

ist aber liier, sei es diircli (licero iliren Laiulsilzeii zu erliolen. 

selbst, sei es durcli die Absclireiber, e.r/iiulra, ein f;'eriiuniii;er. ei-liijh- 

zerstiirt. tcr Saal, dessen beide Knden in 

14. aiixpivi/s, qi/ibits 7i()s prae.iu- einen Halbkreis auslielen iiiil einer 
7nux. (wcero war scil dein J. d. St. an der Wand uinlierlaurendeii Baiik 
7U0, dein 54. seincs Altcrs, iii das zuin Sitzen, in dein inan sich zur 
Collcj^iuni der Aufiurn coojilirt. I"]s llntcrlialtuiif; versamiiielte. S. IMa- 
jjab aucli eine Schriri vnn iliin (lc zois dcr Falast des Scaurus, iibers. 
.^///.;'7/r/V.v, die \('rinuthlii'h nacti deii von \\ iisteniann. .S. 111) iind 12(). 
B. dc iial. (fenr. u. f/<; Jhiiii. wvDtssl — Die Hezeichnun}; der lnteras|)i- 
war. S. dic Fra};iiienlc bei Orelli ration, die liier die Handschrilten 
IV, 2 |). 478. alle ilarbiclen, ward in ahnlichcn 

15. ferii.i Lalims. Das uralte Ziisaniinensetzun};en, wic f'ifati], 
Bundeslest der Latinischen Milker tiihit u. dj;l. von den (iriechischen 
wurdi^ , auch nachdein der Bunii (Irainniatikern wohl nur danii an};e- 
Iiin};st aurf;eli(>rt hatle, atljiihrticli wandt , wenn es daraul ankain. eine 
auf deiii .'Mtianisclien Bcrj^e uiiter zweifclliarte litynioloi;ie kennllich 
dein \ orsitz dcr Biiinisclien (^onsutii zii inai-lien. \'f;l. Lelirs de .•Vristnr-: 
begaiif^en. l']s \\ar aii keine be- clii stiiit. Ildiii. p. .'iHi. Die F.,atci- 
stiininte Zcit pebnnden , sonilern nische Sclireibuiii; sotclier \\'()rlcr 
wurdc von den (ionsuln Jedesnial ist schwankend niiii iin;;leich , wor- 
anberaunit (Jeriae ciiiicrplivac). iiber zu \ (;t. Schneidcr Kleinentar- 
Die Dauer war in Cicero^s Zcit vier lehrc J S. l'J2. 



LIB. I. CAP. G. 7. 



37 



me Cotta vidit, Peropportune, inquit, venis: oritur enim mihi 
magna de re altercatio cum Velleio, cui pro tuo studio non est 
alienum te interesse. Atcjui mihi (pioque videor, inquam, venisse, 7 
ut dicis, opportune. Tres enim triiim disciplinarum principes 16 
convenistis. M. Piso si adesset, nulhus philosophiae, earum 
quidem, quae in honore sunt, vacaret locus. Tum Colta, Si, in- 
quit, hher Antiochi nostri, qui ah eo nuper ad hunc Balhum 
missus est, vera loquitur, nihil est quod Pisonem, familiarem 
tuum, desideres. Antiocho enim Stoici cum Peripateticis re con- 
cinere videntur, verbis discrepare: quo de lihro, Balbe, velim 
scire quid sentias. Egone? in([uit ille. Miror Antiochum, ho- 
minem in primis acutum, non vidisse, interesse plurimum inter 
Stoicos, qui honesta a commodis non nomine, sed genere toto 
disiungerent, et Peripateticos, ({ui honesta commiscerent cum 
commodis, ut ea inter se magnitudine et quasi gradibus, non 
genere diflerrent. Haec enim est non verhorum parva, sed rerum 



altercalio bezeichnet immer einen 
lebliaften, nicht ohne Leidenschaft 
gefubrten ^^'ortwechsel. 

7. 16. .1/. Piso. Gemeint ist IH. 
Pypitis Piso Calpiirnianus , Ado- 
ptivsohn eines M. Pupius, Consui ini 
J. 693 , von Cicero iilters als eiu 
praktiscii untiichtiger und eitler 
Mann getadelt, anderswo jedoch 
wegen seiner Unbescholtenheit, Be- 
redsamkeit und Gelehrsamkeit ge- 
riihmt. Er war der Peripatetischen 
Schule zugethan, und Cicero lasst 
ihn im 5. Buche dcFinibiis dieLehre 
dieser Schule iiber das hochste Gut, 
nach Antiochus' Auffassung, vor- 
tragen. 

eariini quideni quae in honore 
sunt. Dies waren damals nur die 
Epikureische, die Stoische und die 
Peripatetiscbe: die Pythagoreische 
hatte zwar an P. I\igidius Figulus 
einen eifrigen und gelehrten Ver- 
treter, fand aber sonst ^\enig Au- 
klang. Von der Akadeniischen s. 
oben c. 5, 11. 

ylntiochi. S. zu c. 3, 6. 

ad /lunc B. missus. d. h. ihm zu- 
geeignet. 

re concinere, veruis discrepare. 



Vgl. de Legg. I, 21, 55: [Zeno) 
quitm decus quod antiqui suinmtim 
bontim esse dixerani, solum boritim 
dicat, itemque dedecus qiiod illi 
stimmum maltim, liic solum; divi- 
tias, valetudineni, pttlchrittidinem 
commodas res appellet , non bunas ; 
paupertatem, debilitatem, dolorem 
incommodas, non malas: sentit 
idem quod Xenocratcs , quod yiri- 
stotelex, loquitur aiio modo. Ex hac 
autem non rerum scd verborum 
discordia controversia nata est de 
finibus efc. 

E§'one? Ebenso unten lil, 3, S. 
Vgl. de Legg. I, -J, 14: sed iam or- 
dire explicare, quaeso, de itire ci- 
vili quid seniias. Egone ? summos 
fuisse in civitaie viros etc. wo Goe- 
rcnz mehr Beis|)iele giebt. Voii- 
stiindiger de Finn. lil, 3, 11: de 
quibus ciipio scire quid sentias. 
Egone, quaeris, inquit, quid sen- 
tiam ? 

non verboru7ii parva, sed rerum 
permagna dissensio. Ueber diesen 
Streitpunkt, der hier nicht vveiter 
eriirtert werden kann, ist nament- 
iich das dritte und vierte Buch de 
Finibus nachzuiesen: besonders IV, 
22 ff. 



38 



DE INATURA DEORLM 



17 periiirtgna dissensio. Veiuni hoc alias: uiinc (|uod cttcpinms, si 
videlur. Milii vero, inquit Cotta, videtur. 8ed ut liic i\m inter- 
venit, (me iiituens,) ne ignoret (|uae res agjitur: de nalura age- 
l)ainus deoruin; (|uae (numi inilii vi(l(Mctiir pcrolisciu-a, ul sem- 
pcr videri solcf, Epicuri cx^cllcio sciscitaliar scnlentiani. Ouain- 
ohrein, iinpiil, >'cllci, iiisi niolesluin csl, rciiele <|iiae coejieras. 
— Re|ielain vero, (iuaiii(|uain iiun inilii, scd lilii liic venit adiii- 
tor. Anibo enim, imiuit arridcns, alj eodeni IMiihine niliil scirc 
didicistis. Tum ego, Quid didicerimus, Cotta viderit: tu aulem 
Dolo existimes, me adiutorcm liuic venisse, sed auditorem, et 
(juidem aeijiium, libero iudicio, milla eiusmodi adslrictum nc- 
ccssitate. iit milii, veliiii noliiii, sit ccrta (|uae(i;im tiiciidasciitentia. 

8 Tiim ^elleiiis iidciitcr saiie, iit solciit isti, niliil laiii vcrcus 

18 (|uam ne duhitare ali(|ua dc rc viderctiir, laiiKjiiam iiiodo ex 
lieorum concilio et ex Ejiicuri inlcrmundiis dcsccndissct, Audilc, 
inquit, non futiles comiiienlicias(jue sentenlias, non ojjiticem 
acdificatoreiTKjue mundi, Platonis de Tiniaeo deum: nec anuni 



17. lcriiiu lioc (iliiis. ,,l\(>ii 
iiiale siibuuilias Irintiihiiiiiis ^ ctsi 
lidc ad lil)i-()s (lc |-'i[iil)us spcctal, 
i.iiu liiui ai)Solutos. (;icci'o cuiiii, 
(jiiuiu IJaii)!) liacc ^('i'l)a tcibuil, uiori 
laiiluui (lialogico iiiscr\it, iiou lacil 
(|uasi oblitiis se noii lo(|ui i|isuui." 

F. A. W oir. 

ma iniiii-iis. ,,TTa<>ty!)iy/.i] csl: 
iiiit oiiiciu IJIickc aurinicli.'' \\ o 1 1'. 
Acliiilicli Acad. I, 1, 2: iiiiii pridciii 
nd lniiic iiisiiiii (iiie aiiieiii (liccbat) 
iliuieflaiii iiislitiii. Dc Fiuii. \, .3, 
7 : liDc, iiiiiuil, iio/i potcrit sic abire, 
qiiiiiii liic adsil: me aiitein dicebat. 
Isocrat. Pauatli. c. S5: ni fih' Tif- 
7iou]Ci((i Tovs Xoyov^ i^iit ).iy(or) 
log ((V unaVT^ ((nodi/oiitrov fiov 
n(xt(r«ty. Mclir dcrgl. s. zu Isaciis 
j). 207. 

ah eodeiii Pliiloiie. W c'\\ bcidc 
ciiicu iiiid dcusclhcii /uin Lclircr 
fidiabt : codcin utcrqiic iiiai:;islro iisi, 
Lcbcr i'liilo s. zu c. ."i, (>. 

iiiliil scire didicistis. \\ cil iiiiiii- 
lich dcr Ak.idcniikcr si(; pclclirt 
liatte, dass cs ■ubcrhaiipt '^iw kciii 
\\ isseii gelic. Wolil iii lOriiiucruiif; 
an diese Stelle sa^t aucli Sciicca 
c|(ist. '^S: ^tcademici iiovam indu- 



.reriint sciciiliain, niliil scire: und 
Lactaut. III. 14: Hiiee {.lcademia) 
niliil docct, nisi ut scias te niliil 
scire. 

8. IS. et ex Epicuri intermun- 
diis. Dic Co|)ula liijft ciiie s|)eciel- 
lcrc IJczeicliiiuii}? zu dcni lier\'or- 
f;clieudcii allf;ciueincru Ausdruck e.r 
dcorum coiicilio. Dimiii in deii in- 
tcriiiuiidiis Mohntcn nacli Epikur 
die (jiittcr. i\lit jciiciii iNaiiicn aber 
iibcrsctzt (^icero liicr uiid de Finn. 
II, 23, 75 wic aucli n.iclihcr de 
Di^in. II, 17, 40 das (iriechischc 
ufT((y.6aiii(c . d. h. T(< fifT(c^v y.6- 
oiiio)' (h((aTijii((T« (Dio};. L. X, S9), 
die Z\\ischciiriiuiiie zwischcn dcii 
\{)u ihin anj;cii()iniiiciicii uiiciidlicli 
vielen \\ eltcn. S. uiiten c. 20, b'A. 

Platoiiis de Timaco deum. Ti- 
iiiacus aus Locri iii l iiteritalien, 
ciii 1') tliai;drcer, dcsscii l ntcrricht 
iiiicli 1'lato g^ciiosscu liabcn soll, 
nach (Jic. dc Ilc|)ubl. I. 10, Ki. 
Plalo liisst ilin in dcin iiach ihin 
bciianiilcu Dialop seiiic Ansichlcii 
iihcr (iott iiiid dic ErscliaHiiii!? dcr 
W Clt ^ortraifcn: uiid dass iii dcr 
'riial \icl I'ythaf;orcischcs , was 
Tiiiiacus >>irklich Kclehit liabcn 



LIB. I. CAP. 7. 8. 



39 



fatidicam, Stoicoruni Troovoiav, quani Latine licet providentiani 
dicere: ne({ue vero niundum ipsuin, aninio et sensii)us i^raedi- 
tum, rotundum, ardentem, volubilem deum, portenta et miracula ^ 
non disserentium philosophorum, sed sonniiantium. Quihus 19 
enim oculis anirai intueri potuit vester Plato laliricam illam tanti 
operis, qua construi a deo atque aediticari munchun facit? Quae 
molilio? ([uae ferramenta? qui vectes? ([uae machinae? qui mi- 
nistri tanti muneris fuerunt? Quemadmodum auteni ohedire 
et parere voluntati architecti aer, ignis, a([ua, terra potuerunt? 
Unde vero ortae iJlae quincjue formae, ex quiJnis reliqua forman- 



niag, in jenem Dialog- entlialtcn sei, 
ist unleu^bai'. Daliei- liier PL de 
Thnaeo deuin s. \. als de Titnaco 
acceptuvi: „den Gott I^lato's, den 
diesei' vom T. Iiat." — Aehiilich 
ist de gel)i'aucht IV. or. pro Tullio 
§. 46: legeni de XII fabulis, de 
llepubl. 1, IS, 30: illa de Ip/iii^enia 
^c/iillis (die Worte des Achill aus 
der Tragodie Iphigenia), Tuscni.III, 
22, 53: illa de .hidromac/ia, und 
hiiufig audire de aliquo (Acad. II, 
4, 11. ad A.ttic. 1, 11) lur ex aliquo. 
anuinfutidicain. Den spiittischen 
Ausdruck iiat (]. ohne Zweifel bei 
Griechischen \'orgiingern gelunden. 
Aus solchen wiederholt ihn auch 
Plutarch. de nobil. c. 13: ty.tivi] 

7] Vf.ltTiQ(i TTOurOIU, ^QI]Gfl0).6y0i 

yQuvg. Velleius entstellt iibrigens 
die Meinung der Stoiker, wenn er 
dii; Pronoea als eine eigene Person 
behandelt, weswegen er deiin auch 
unten II, 29,73 voiii Balbus zuredit- 
gewiesen \\\vA. 

munduin ipsuin. Die \^'elt hiess 
den Stoikern Gott, insofern sie die- 
selbe beseelt, von einem zwarnicht 
imniateriellen , doch denkenden und 
wollenden Princip, dem Teurigen 
Aethei' durchdrungen und belebt 
dachten, wie den menscliliclien Leib 
von derSeele ; was im zweiten Buclie 
c. S ff. nliher auseinandergesetzt 
wird. Vgl. zu c. 14, 37. 

ardentcm, wegen des eben er- 
wtihiiten renrigen Aethers. ./rdor 
caclestis, vgl. c. 14, 37. II, 15, 41. 
ib. 11, 30. 31. 12, 32. 



19. quihus enim oculisaniini.\e\- 
leius will der Einrede, dass derglei- 
chen zwar iiicht mit leiblichem, aber 
wohl mit geistigem Auge erkannt 
worden, zuvorkommen. Mit was 
rii r G e i s t e s a u g e n '! sagt er, w eil 
er eben \on diesen Geistesaugen 
nichtswissen will. Vgl. inentis ociili. 
de Orat. 111, 41, 1G3. u. Orat. c. 29, 
101. pectoris oculi. Ovid. Met. XV, 
64. ^jjv/rjg oiiiicc. Ps. Arist. dc 
mundo c. 1. 

tanti niuneris , d. h. laiiti operis. 
Beide Ausdriicke verbindet C. Tusc. 
1, 28, 70: moderator tanti operis et 
muneris , und unten U, 35, 90: ar- 
c/iilcctuin ianti operis tantique niu- 
neris. Speciell wird niunus von iif- 
fentlichen Bauten gesagt, wie Tem- 
j)el oder Theater, die liiner auf seine 
Kosten zum allgemeinenBesten stif- 
tele. 

illae quinqueformae. Plato iniTi- 
maeus j). 53 C If. Uisst die sog. vier 
Eleifiente aus geometrischer Gestal- 
tung der formloseii Urmaterie ent- 
stehen, die Erde aus dem Cubus, 
das Wasser aus dera Ikosai-der, die 
I^uft aus dem Oktai^der, das Feuer 
aus dcni Tetrai-der, zu denen dann 
noch ein fiinftes ausdemDodekaeder 
hinzukommt, iiber dcrssen Beschaf- 
fenheit <!r sich nicht deutlich erkliirt, 
welches aber vielleicht nichts Ande- 
res ist, als die von Spiitereu oft ge- 
nannte TTtiiTtTq ovaia, quinla na- 
tiiva oder qiiinta csseiitia (I\Iacrob. 
in Somn. Scip. 1, 14, 20), d. h. der 
feinere, iitherische Stoff, aus wel- 



40 ^K XATURA UEORl .M 

tur, apto cadcnles ad aniniiim afficirnduni |)ariend»»S(|uc sensus? 
Lonffuin ost ad onniia; (|ua(' talia suiil, ul optala nia;;is (|uani 
20 invcnla vidcantur. Scd ilia |ialinaris, (piod. (|ui non iiiodo natuin 
ninnduni introduxcril, scd ctiain niaiiii pacnir lacluin, is cuin di- 
xerit forc scinpitcrnuin. Ilunc censes primis, ut dicitur, labris 
gustasse physiologiain, id cst naturae rationem, ({iii (iuid(iuam, 
(luod orluiii sit, pulcl actcrnum esse posse? Quae est enim co- 
agincnlatio noii dissoluliijis? aiil (|ui(l cs(, cuius principium ali- 
(piod sil, iiiliil sil cxlrcniuin? Proiioca vcro vcstra si cadem 
est, Liu"iii, cadcin rc([uir(» ([iiac pauli(» aiilc miiiistros, niacliinas, 



cbcin. iiarli Acistotelcs, dieHiniiiicis- 20. .sed illa pdbiidvis: dcr Paluic, 

kiirpcf !)csl;iiidc!: . dcr das (lanzc <1. ji. dcs .'^'icgsprciscs wcrlli; iro- 

dcr NNCit uiiirasslc und durcli(lrang, niscli, wie sich versteht. — Ob iibri- 

Manclicii aucli als dic Subslaii/, dcr f!;cns (\. v. ii-klicli so f^cschricben und 

Sccl(! j^alt. DciiiPlalo abcr entslcht dabci .seiilnitia, aus §. 1*^, odcr 7'e.y, 

dic .Scclc ^\ cdcr aus dicscni .Sli(ir, %vic Znnipt ad \ crriii. p. 2"J7 u. j). 

noch aiis irj;en(l cinci' Mischuiif;' und 700 inciiit, hinzuf;cdaclil habc, ist 

Verbiiiduiif;' dcr lunr (icstaltuiijicii sclir ZNVcirclhaCt. \ icllciclit schricb 

dcr i\lalcrie: und was Kiiii^c zucIm"- cr: scd illiid puliiiare rsf. 

klarunf; dcr hcrkfiinnilichcii Schrci- p/ijjsioln^iaiii. .Mclit was jetzt 

bunj; iii unscrcni Tc\l ad aiiiiiuiiii so ^cnaniit wird, sondcrn die i\a- 

e/'/icieiidiiiii \nv'^c\n"H-l\l habcii. ist tu r|ili i I oso j) h ic. \ };l. dc l)i\in. I, 

dur<'haus halllos. I)as iichti;;e ist 41, '.•(•: iiatiirae nilioimii , fiuaiii 

ajjiciciidiiiii. Dcnn IMalo sctzt |). ()-i p/njsiol<iiiiaiii Graeci appellaiil. — 

A — t)S (1 aiisriilirlich auscinandcr, l'cbrig:cns erkcniit Piato Tiinae. p. 

wie dic \ crscliicdencn Modiiicatio- 41 A das (Jcsctz. dcsscii l'iikun(le 

ncn und Mischungcn dcr Elcincnte Vellcius ihin vorwirlt, ausdriicklich 

f^eei^nel vverdcn, dic Sinncsorj^ane an; abcr er schrcibt dcin hochstcii 

und inittcls dicscr die Secle {to Gott, dem W cltschiiprcr, die Macht 

f/-pd)'//»oj' ]). ()4 15) zu ariicircii und zu, dcin (icschairciicn dcnnoch ewige 

seiisas, d. h. Kinplindiinpcn hcrxor- Fortdaucr zu i;e\Niihrcn. 

zubrinfjcii. — Sciisiis nicht .S i n n c, qaid est — ai/iil sil ej-treiinnn? 

sondcrn I'] in p li n d u ii^c n liicr wic Dic Frage, eincr .Ncf;alioii };lcich- 

oft, \'^\. .\cad. I, 11, 40: Zeiio scii- ^cltcnd, f^cht cigcnlliih nnraurdas 

.ms cssc ceiisait a (laadaiii iiiipiil- zwcitc caias iii/iil sit c.rlreiiiaiir. 

sionc oblata c.rlriiisccas. — Scnsas das crstc, eaias priiicipiaiii aliqnod 

parere \\'w dolorcia parcrc. dc Fin. sif , f;icl)t dcn l*\Tllan, iii wclchcin 

I, Ib e.xtr. Fastidinin parere. Pliii. jciie Fra?:e stattliiidc. Ks kiinnte 

H. N. XIX, S, 3S. also aucli ^cscliricbcn sciii : qaid esf. 

longain. esf ad oinnia. Die .\us- ciiiiis, qaani priiicipiuni aliqand sif, 

lassunf; \()n dicere, wic Tusc. Hl, ni/iil sif e.rlreinuin'! 1'cbcr dicse 

JS, 40: sed iion necesse est nunc f^anzc Art \on Satzbildung s. untcn 

oninia. Ih. I\ , 20, 4(): e.rpccto, qiiid zu c. II, 23. 

itd isla. scil. dicluriis sis. uiid sonst si eadcni cst. scil. ac Platonicus 

iillcr. — ad iiliipiid dicere •^cgcn cl- deiis. Dic hcrkiiinnilicbe Lcsarl: 

was s|)rcclicii. dc Diviii. II, 3, S: Pronoea rero si vestra est fiicbt 

dicciidani esl iiii/ii ad ea , qaae a fe kcincn riclitif;eii Siiin, lial abcr frei- 

dicta saiit. \'^\. uiitcii II, 1, 1. lichdoch ihrc \ crthcidifjcr ffcliindcn. 



LIB. I. CAP. 8. 9. 



41 



omnem totius operis designationem atque apparatum: sin alia 
est, cur mortalem fecerit mundum, non, quemadmodum Plato- 
nicus deus, sempiternuni. Ab utroque aiitem sciscitor, cur 9 
mundi aedificatores repente exstiterint, innumerabilia saecula 21 
dormierint. Non enim,- si mundus nullus erat, saecula non erant. 
Saecula nunc dico non ea, quae dierum noctiumque numero an- 
nuis cursibus conficiuntur; nam fateor, ea sine mundi conver- 
sione effici non potuisse; sed fuit ([uaedam al) inlinito tempore 
aeternitas, quam nulla temporum circumscriptio metiebatur; 
spatio tamen qualis ea fuerit intelbgi non potest, quod ne in 
cogitalionem quidem cadit, ut fuerit tempus aliquod, nullum 
quum tem|)us esset. Isto igitur tam immenso spatio, quaero, 22 
Balbo, cur Pronoea vestra cessaverit. Laborenuie fugiebat? At 
iste nec attingit deum nec erat ullus, quum omnes naturae nu- 
mini divino, caelum, ignes, terrae, maria parerent. Quid auteni 



mortalem mimdum. Vgl. zu II, 
46, 118. 

9. 21. ylb ufroqi/e, d. h. a te, 
Lucili, et a Platone. 

ex.ititerint: prodierint ad aedifi- 
candum. 

nam fateor etc. Vgl. Plat. Tlniae. 
]). 37 E: i']fj(<)c<i; yno y.al rvy.Tag 
y.u) /^irjvag y.ul iviuvrohg ovx or~ 
rag ttqii' ovqkvov yivtaOca , tots 
ciiicc ^ydvcp ^vviOTC(/iiU'co ti]V yi- 
VtOiv ciVTCuv /triyccvclTCit (6 cfi]- 
liiiovQyog). TcwTcc cSl nccVTu juiQi] 
/Qovov. Saeculum ist, nach Censo- 
rin d. dic nat. c. 17, spatium vitae 
humanae longissiniinn , partu et 
morte definitum. Lrspriinglich also 
Lebenszeit; spiiter ein bestinim- 
ter Zeitrauni von 100 oder 110 Jah- 
ren ; aber auch ein langer Zeitrauni 
iiberhaupt, ohne bestimmte Zahl von 
Jahren. 

xedjuit intelligi 7ion potest. 

Uer, obgleich dem Verstiindigen un- 
verkennbare, doch von Manchen ver- 
kannte Gedankenzusanimenhang ist 
dieser: E s gab vor de r Ers c ha f- 
fung der VVelt und der Him- 
m e I s k (i r p e r , e i n e a n f a n g s 1 o - 
se und durch keine Zeitab- 
schnittegemesseneund abge- 
theilte Ewigkeit: doch von 



il)rer Dauer (eigentlicb: vvie sie 
anDauer gewesen sei), kann 
man sicb freilich gar keine 
Vorstellung inachen. Denn 
vorstellen kcinnen wiruns nur 
d i e ]n e s s b a r e u n d b e g r e n z t e 
Zeit: eine solchegab es aber 
nicht, ehe die Hin)melskor- 
per da waren, nach deren Be- 
wegungen die Zeit gemessen 
und abgetheilt wird. Es ist 
also die IVegation vor potest unent- 
behrlich. Dass vielleici)t Jonand sich 
eiubildet, er kiinne sich doch eine 
Vorstellung von der unbegrenzten 
Es^igkeit )nachcn, kann uns nicht 
als Grund gelten, das «o« in diese)n 
Contexte aufzngeben, obgleich es in 
den Hdschr. fehlt. 

ut fuerit. I\Ian sollte fuisse er- 
warten. Es ist aber kurzer Aus- 
druck fti)' /// fuisse inteUigamus, 
wie de Finn. 1, 5, 11: adduci vix 
possum, ut ea tibi non vera videan- 
tur, fur ui ea tibi non vera esse cre- 
dam. de Legg. III, 15, 33: ego in 
ista siim senteniia, nihil utfuerit 
in suj/rag-iis voce melius, fiir ut 
Juisse putcm. IVIehr dei-gl. s. bei 
Madvig zur obigen Stelle de Finn. 
u. Haase zu Ileisigs Vorles. S. 557. 
Vgl. auch unten c. 24, 75 u. 33, 94. 



42 



DE NATURA DEORU.M 



erat. iiiiod coiicupiscorot deus munduui sijiuis ct luiuinilitis, 
laniqunui acdilis, oruarc? Si ut deus ipsc inclius iuihilarct: aiitca 
videlicet lcnij)orc intiuito in tcnchris, taiu<|uain iu yiiryuslio, 
habitaverat. Posl autein varictatene cum delcclari putamus, qua 
caehim et terras exornalas videnius? Quae ista potest esse ol»- 
23 lectatio deo? quae si cssct, uon ca tamdiu carcre potuissct. An 
haec, ut lcre (hcitis, homiuuin caiissa a dco coiistiliita sunl ? 
Sapiciiliuiimc ? ]*roptf'r jiaiicos i^itiir tautii cst iacla rcrum 
molilio. \n stultiuum? At i)iiuium caussa iion luil, cur dc im- 
projjis hene lucrcrcliir: deiudc ipiid cst assccutus ? (piuin oinncs 
stulti sint sinc duhio miscrriini, maxiine quod slulli suiil: iiii- 
serius enim stultilia quid possumus dicere? dcindc quod ita 
multa sunl iuconmioda in vita, ut ca sapicnlcs cominodorum 
compensalionc h-niant, stulti ncc vilarc vcuienlia possint nec 



22. .v7^'7//.v i>t liiitiinihiis. I);isz\M'i- 
te AN orl (liciit gcwisscniiasscii zur 
Erkliiriiiig dcs crstcii: (Jciiii si^tia 
sind iiicr (iic Gcstiriic. j^lciclisajii 
Hiiimiclsliclitcr, wic uiitcii c. 13, 3.J. 
Lucrct. I, lUSS: atque idea totuin 
circumlvcnicre actlicra siii/iis. Bc- 
sondcrs dic Stcrnbilder dcs Tliicr- 
kreises, wie li, 20, 52. 

taiiiqiiain aedilis. \\c\[ die Acdi- 
jcii i)ci rcslliclicii (iclcj^ciiiiciten 
liir dic \ crzicrunf? dcr (JII"ciilli(:licn 
IMiitzc zu sorjijeii liattcn. Dass aucli 
Ei'lcucliluii!?dazu gcliiirc, wird zwar 
sonst niclit ausdriickiicli bczeuyt, 
liisst sicli abcr aucli oliiic Zcugnissc 
\\()lil aniicliiiicM. 

ut Jvrc divitis. \ ^L II, 53, 133. 
u. ()2, 154. 

23. an stiiltoram? Dieselbenwer- 
den f^^lcich iiaclilicr als improhi be- 
zeiclinct, wcii dic improliiliis cbcn 
aus dei" sitiUitia odcr iiisipicntia, d. 
h. dcin I\Ianf?cl aii ric)iti;;'cr lOiiisicIil 
und an sitlliclicr Conscijucnz iiii 
Ilandcln ciitspringt, welclic iiur Ei- 
gcntliuiii dcs Wcisen ist. >ac!i den 
Stoikern gicbt cs keiii iMittlcrcs 
zwisclicn sapicntia uiid stallilia (\ gl. 
dc FiiHi. I\, it): da abcr dic W eis- 
licit \oii gar \\ ciiificii crrciciit wird, 
sn bestclit dic grossc .Mclirhcit dcr 
Meiisclicn aus stullis odcr improbis. 



— Zum rolfjcndcn quum oiiincs stulti 
si/if miserriiui \(;l. III, 32, 7'J. 

ut ca sapirntcs clv. Dcr Eol{i;e- 
satz zu dciii obifjeii ita iiiulta sunt 
incoiiii/iodii isl iii \\ alirhcit iiur der 
zwcite der bcidcii durcli ut augc- 
kiiii|)rtcii Siitzc. slulti ncc ritare ve- 
/licntia possint vlc. niclit aber der 
ersle sapicntcs ea co//iinodorum 
comp. lcniant , der viclniehr cine 
Einriiuniuiifj cntliiilt, dic iiur dcs- 
wcgcii ciiif;cscIiol)cn ist, uin durch 
dcn darin licfcciiden (icpcnsatz das 
Folgendc. dcn cii;cntliclicii Foljic- 
s^tz , desto iiiclir hervorzuheben. 
DiesemGedankeincrhiiltnissjjciniiss 
liatte Ciccro also schrcibcn kiinnen: 
ita multa sunt inco/n/noda in vita. 
ut. elsi (oder quin/i) ea sapientcs — 

— leniant , stulti ncc vitare vcnicn- 
tia possinf iiec Jerre prnesentia. 
Dicsc l'>ii;cnlicit , dcri;li'iclicn Ein- 
riiuinuii;;cii odcr Aiiiiahincn, oline 
cntsprcclicndc. d. h. sic als Einriiu- 
iiiuiifjcn odcr Aniiahincn bczeiclincn- 
dc (Jiiiijuiiction.dcinjcniffcn Satz,aul" 
wclchcn cs cificiitlich ankoiniiit, eiu- 
lach \i)ransziiscl!i('kcii, ist in bcidcn 
altcii S|)raclicn schr liiiulifi. uiid IJci- 
s|)iel(' dcrsclbcn siiid in dicscii l$ij- 
chcrii aiisscr dciii obcii aiiiicincrklcn 
c. S. 2(1 noch I, 2li. 74. 31. Mi. II. 
34, S7. 111, 13, 32. V^l. Ilaiid. Tur- 



LIB. I. CAP. 9. 10. 



43 



ferre praesentia. Oui vero iiiundiim ipsum animantem sapien- 10 
temque esse dixerunl, nullo modo viderunt, animi natura et in- 
telligentia in quam liguram cadere posset: de quo dicam equidem 
paullo post. Nunc aulem hactenus: admiral)or eorum tarditatem, 24 
qui animantem, immortalem et eundem beatum, rotundum esse 
velint, quod ea forma ullam neget esse pulchriorem Plato. At 
mihi vel cylindri vel quadrati vel coni vel pyramidis videtur esse 
formosior. Quae vero vita tribuitur isti rotundo deo? Nempe 
ut ea celeritate contorqueatur, cui par nulla ne cogitari quidem 
possit, in qua non video ubinam mens constans et vita beata 
possit insistere. Quodque in nostro corpore, si minima ex parte 



sellin. I, p. 349. Mattliiae, venn. 
Schr. p. 52. Grieehisciie, wo aber 
dann riie beiden Siitze durch i^itv u. 
iTf^gegeniibergesteUt werden, s. zu 
Isaeus p. 195. 

10. ammi natara et inielligentia, 
nach derwahrscheinlichsten Verbes- 
serung dcr in den Hdschr. Acrdor- 
benen Stclle. Das speciellere und 
bestimmtere wird dem allffcmeineren 
und unbcstimmteren durch die Co- 
pula angelugt. — Dass dicEpikureer 
sichlntclligcnz nur mil mcnschlicher 
Gestalt verbunden denken konnten, 
werden wii' unten sehen, c. 18, 48. 

24. _Aw«c autem hactenus. Das 
Adverb. ist schwerlich mit achnira- 
bor zu verbinden, was keinen rech- 
ten Sinn geben wiirde, sondern el- 
liptisch zu erkliiren, sodass ein^er- 
bum hinzugcdacht wird, etwa dicam. 
J e t z t ^^' i 1 1 i c li n u r s o w e i t r e - 
den, d. h. nicht mehr als dies 
noch sagen. 

admirabor: ich will nieine Ver- 
wunderung aussprechen. 

rotundam. Nur dies ist das Prii- 
dicat; dic drei vorhergehenden Ad- 
jective dienen zur attributiven Be- 
stimmung des aus dem vorhergchen- 
den Satz bekannten Subjectes mun- 
dum. Dass die als beseelt, unsterb- 
lich und dazu noch selig gedachte 
Welt von ruiider Gestalt sein sollej 
koramt dem Epikureer ganz beson- 
ders ungereimt vor. Warum unter 
jenen attributivenBestimraungen das 



beatum durch das vorangeschickte 
et eundem besonders hervorgehoben 
sei, wird aus dcin gleich folgenden 
klar. Denn mit der angeblichen Se- 
ligkeit stelit des runden Gottes 
Uindrehung im schneidendsten Wi- 
dcrspruch. 

Plato. ImTimaeus p. 33B. Eben- 
so batte friiher schonPythagoras ge- 
urtheilt, nach Diog. Laert. VIII, 105. 

ea celeritate contorqueatur. Man 
inuss sich der alteu Vorstellung er- 
innern, wonach die Erde stille steht, 
das ganze iibrige VVeltgebiiude sich 
tKglich um sie herum dreht. 

Quodque. Dic Conjunction que 
maclit sehr hiiulig den Uebergang zu 
etwas IVeuein, \ on dem, A^as vorher- 
ging, ganz Verschiedenen, so dass 
statt ihrer auch porro, deinde, iam 
vero oder dergl. hiilte stehen kiin- 
nen. Beispiele, die hier zu \ielRaum 
kosten wiirden, geben Goerenz zu 
de Legg. p. 47 u. Mad^ ig zu de Finn. 
p. 476. — Iin \ orhergehenden war 
^on der Umdrcliung dt>r Wclt die 
Rede ; jetzt \\ird zur Erde iiberge- 
gangen , die sicli nicht umdrcht, da- 
fiir abcr von l^rost und Hitze leidet. 
Der Zusammenhang des Raisonne- 
ments ist kiirzlich dieser: Die Erde, 
als ein Theil der \\ elt, ist auch ein 
Theil Gottcs; nuii leidet aber die 
Erde theils aii Frost, thcils an Hitzc: 
folglich auch Gott. Wie aber Frost 
und Hitze zu leiden dem Menschen 
sehr unangenehm ist, so ist nicht zu 



44 1)K NATUHA DEORUM 

sic aftlciatur, molestum sit, cur lioc idem non habcatur mole- 
stum in deo? Terra enim profecto, quoniam nmndi pars est, 
pars est eliam dei. Atqui terrae maximas regiones inliabilabiles 
atque incullas videmus, quod pars earum appulsu solis exarserit, 
pars obriguerit nive pruinaque, longinquo solis abscessu: quae, 
si mundus est deus, quoniain mundi partes sunt, dei membra 
partini anh-nlia parlim refrigerata dicenda sunt. 
25 At([ue liaec ([uidem vestra, Lucili; ([ualia vero [cetera] sint, 

ab ultimo re[)elam supeiioruin. Tliales enim Milesius, ([ui prinms 
de talibus rebus ([uaesivil, a([uam dixit esse initium rerum, deum 
autem eani menlem, quac ex aqua cuncta lingeiet. Si dii pos- 
sunt esse sine sensu et mente, cur aquae [meutem, menti auteni 
cur aquam] adiunxit, si ipsa mens constare potest vacans cor- 
pore? Anaxiinandri autem opinio est, nativos esse deos, longis 

bezweifeln, dass es niclit aucli Gott Th. zugesciiriebeneAnsiclit, sondcrii 

unangenelini sei: vvas denn niit der nur jene innige \'ereini{:;ung von 

ScligiveitGottes sich nichtvvohl ver- Geist uud Malcrie in dcni trwesen, 

triigt. so dass wir in dcr voraurgclicnden 

sic afjitiatiir — liir das sig-niji- Rclation der Ansicht vv ohl nur einc, 

cefwr dcr Handschr., was nuin ver- viellcicht von Cicero vcrschuldele 

gebcns zu crkliiren gcsiicht liat — Ungcnauigkcit dcs Ausdrucks , vvo- 

deutet auf die glcich nachher anzu- durcli dcr wahrcSinii cnlstellt vvird, 

gebenden Alfectionen von Frost und anzunchnicii habcii. — Eiii \ crthei- 

Hitze. digcr dcs Tlialcs koiiiitc iibrigcns 

qnae, si ynundus est deus. Rich- entgcgncii , dass dic hcidcii \ oraus- 

tigcr wlirdcn die Salzglicder so ge- sctzuiigeii, w oraiirjciic Kinwciiduii- 

stellt sciii, (juae quoniam purtes gcn hcrulicii , luiinlicli .Miigliclikcit 

inundi suni, si mundus est deus etc. gottlichcr VVeseii ohnc Enifilindung 

Doch siiid dergleiclicn Aachliissig- und Gcist, also rcin niatcriell, und 

keiten vvohl zu entschuldigen. Miiglichkcit voii Gcist ohnc inate- 

25. deuni autcm eam mentein elc. ricllcsSubstrat, also gaiiz kiirperlos, 

Das klingtalsohThalcs schon, gleich nur vvillkiirlich angcnonuncn uiid 

dcin Aiia.xagoras (c. 11, 2(i), ciii gei- ganz uiicrwcislich scicii. 
sligcs, scti(l|]rcrisclics 1'rwcscii iic- ./iia.viiiiandcr, Ivandsiiiaiiii und 

ben dcr Matcric aiigcnniniiicii hahc, jiingcrcr Zcitgcnossc dcs Tliales. 
vvas olinc Zwcilcl ralscli isl. Tlial(;s nulivos csse dcos , d. h. dic Giit- 

iiahin als Lrwcscn cin Kliissigcs aii, lcr scicii iiichl von jclicr (lagcwcscn, 

welches er l'()'oio iianntc, abcr niclit soiidcrn iin LaulcdcrW cltcntw icke- 

leblos, sondcrn lcb(;ndig, niit eiiicr lung crst entstandcn. — .Vls das 

Jvrnfjig ■/.iniTiy.i] vcrsHicn dachtc: Urwcscn nahin Aii. ciiic, kcincm dcr 

Geist und Materie znglcich und in sog. vier Elemcnte glcichcnde Ur- 

Eins. icnc 6uvauii y.irijTiy.)] ncnnt materie an, Tivoiig uir JJV/.roTtoor, 

Stobaeus Ecl. phys. I p. oG giitt- a^oog 6t ItTiTOTtoor , die cr als 

licli: ol) Tlialcs sclhst sie so ge- luttiQor bezeichnetc, und aus der 

nannt, ist iingcwiss. sicli, \criii(igc(lcr ilim ciiiw olinciideii 

Si dii possuul csse etc. Die Ein- lebciidigcn luMft, Allcs ciitwickclt 

vvendungcii dcs V. trcircn in dcr liahc. \ gl. Schwcglcr zu .\rist. Mc- 

That nicht jcnc voii iliin sdhst dciii lapli. .\ll, 2, 5 p. 2J','. 



LIB. I. CAP. 10. 11. 



45 



intervaliis orientes occidentesque, eosque innunierabiles esse 
mundos. Sed nos deum, nisi sempiternum , intelligere qui pos- 
sumus? Post Anaximenes aera deum statuit, eumque gigni es- 26 
seque immensum et infinitum et sem])er in motu: quasi aut aer 
sine ulla forma deus esse possit, qnum praesertim deum non 
niodo aliqua, sed pulcherrima specie esse deceat; aul non omne, 
quod ortum sit, mortalitas consequatur. Inde Anaxagoras, qui 11 
accepit al» Anaximene disciplinam , primus omnium rerum de- 
scnptionem et motum mentis infinitae vi ac ratione designari et 
confici voluit: in quo non vidit, neque motum sensui iunctum 
et conlinentem in infinito ullum esse posse , neque sensum 



innumerabilca tniindos. Damit 
scheinen niclit blos die Gestirne ge- 
meint zu seinj die, wie wir wissen, 
A. allerdings auch fiir Giitter er- 
kliirte, sondern ganze Welten, iihn- 
lich den unserif^en. Vgi. Schieier- 
macher in den Abh. der Berl. Akad. 
der W. 1811. S. 117. 

26. yinaximenes , ebenralls aus 
Milet, wie Tliales und Anaxiniander, 
dessenSchiiler er gewesen sein soll. 

aera. A. nahni ein luFtlormiges 
Urwesen an, welches er iibrigens 
ebensowenig wie Thales das Was- 
ser, Anaximander das aixtinov , als 
blosse, leblose Materie, sondern als 
erriillt mit lebendiger Kraft dachte. 
Dass er es G o 1 1 grenannt, sagt auch 
Stobacus I p. 56. 

euniqiie gigni. Dass A. das luft- 
formige Urvvesen nicht f "iir ein uran- 
fangliches, sondern fiir ein gewor- 
denes erklart habe, ist oline Zweilel 
ein Irrthum, der sich wcdcr ent- 
schuldiyen noch begreifen lasst. 

1 1. ./««./•<7^'o;'o.yausKlazomenae, 
geb. 501) V. (Jhr. lebte und lehrte 
geraume Zeit zu Atheri. Ob er mit 
Recht von C. und Anderii Scliiiler 
des Vorherg. genannt werde, ist 
sehr zweifelhaft. 

priiiiiis — voluit. .k. war der Er- 
ste, der sich zur Idee des reinen, 
korperlosen Geistes erhob, den er 
vovi nannte, und als bewegendes 
und ordnendes Princip der leblosen 



Materie entgegensetzte. 

de.scriptionein el motum. Vgl. 
Aristot. Phys. Ausc. VIII, 1: (fi^al 
yKQ [o liv.) bfiov nciVTon' ovtojv 

/C(U IJQffJOVVTCOI' TOV ajTilQOV /QO- 

rov, y.ivTj a iv ^finoifjacnTbv vovv 
y.cii d I ay. oTv ai. 

motian sensui iunctinn et conti- 
neiitem: „eine mit Eniplindung und 
Bewusstsein (denn sensus vereinigt 
beide Begriffe in sich) verbundene 
und zusammenhiiiigende bewegende 
Thiitigkeit.'' Dass dicThiitigkeit des 
Geistes mit Empfindung und Be- 
wusstsein verbunden sei, folgt, ohne 
ausdriicklich gesagt zu sein, daraus, 
dass ihm rntio, Vernunft, zugeschrie- 
ben ist. INach Epikur ist nun aber 
weder solche auf die Materie ein- 
wirkende und sie bewegende Thii- 
tigkeit eines Unendlichen, Kiirper- 
losen miiglich, weil nur Kcirper auf 
Kiirper einwirken kann, noch iiber- 
haupt Em|)Iindung, weil auch diese 
nur durch Einwirkung von Kiirper 
auf Kiirper entsteht. So scheinen 
die folgenden Worte zu erkliiren: 
neqiie sensum onniino, quo noji ipsa 
natiira piiisa sentiret. Eine Em- 
pliiidung, willC. sagen, wie man sie 
jjci dem unendlichen kiirperlosen 
Gcisl wiirde aniiehinen miissen, dass 
er niimlich emplinde, ohne dass doch 
sein Wesen einen Eindruck von Aus- 
sen emplinge (naturci non piilsd) ist 
undenkbar. F^iir ipsa ist aber wohl 
ipsius zu lesen. 



46 



DE NATIKA DKOHL.M 



oninino, (jiio non i])sa nalura pulsa sentiifl. I>oiii(i»' si nientem 
islam ((uasi aniinal aliquod essc voluit, erit ali(iuiil inlcrius, ex quo 
illud aninial nominetur. (juid autein interius mente? Cingatur 

27 igilur corpdre exteriio. Oiiod (lUdiiiaiii iion placet, aperta sim- 
pl('X(pie mcns, nulla rc adiuncta ipia sentire possit, ruycre intel- 
li^cn(ia(! noslrae vim ct notioiicm videtur. Crotduiatcs autem 
Alcmaeo, (pii soli et luiiae rcli^piiscpie sidcriluis auimo(pic prae- 
lcrea diviiiitatem dcdit, non sciisit, sese morlalibus rehus im- 
niortalitatem dare. Nam Pytliagoras, qui censuit, animum esse 
per naturam reruni onincni intcntum et conimeantem, ex quo 
nostri animi carperentiir, non vidit distractioiie liumaiiorum 
animorum discerpi ct laccrari dcum, et, quum niiscri animi es- 
sent, (piod i)lcris(iu(' conlingerct, tum dci partcin cssc niiscram: 

28 (piod licri non i^otcst. (]ur aulciii (piid((iiam ignorarct animus 
liomiiiis, si cssct dciis? (Juoiiiodo porro dcus iste, si niliil es- 
set nisi animus, aut infixus aut infusus essel in mundo? Tum 



si vicntem quasi tttiimal — . Zuin 
VVesen des animal g^ehiirt (iem \i\n- 
liureer notliwetidig zwcicrlei, eiii 
Inneres, die anitiia , woniieli es 
eben animal lieisst, und v'u\ Aeus- 
seres, dei- Leil). Ist nun d(;i' Geist 
des A. ein animal , so iiiiiss er aucli 
el)en so Ix^scliatten seiii, und rol^lich, 
da dei' eij;eiitlieli sogeiiannte Geist 
nur das Iniiei-e sein kanii, niuss man 
iliii mit eineiii Aeusserii, eiiiem um- 
f^eheiideii I^eibe verbuiideii denken. 

27. Qi/od quoniam non placef, 
sci 1. yhtiixai^ovac. 

aperta, d. Ii. niillo corpore cincfa. 
— Kbendies sapt das P'oli;ende nalla 
re aditincta, qua xenfirc possif. «eil 
• iiaeli Epikur Km|(tindunf; iiur ^cr- 
mittels des l>eibes iiiilf^licli isl. 

intclli^cnliac no.sfrac vini cf no- 
tioneui: es f;'elit dies iiber das \vv- 
ini)f?eii uiid die Fassunpskrart uiise- 
res \ erstaiides. Das allj;t'meiiie 
iiifcUii>cntiac vini wird diircli das 
lolff. nofioiicin nalier besliiniiil : ii n - 
ser Be j;rei fe n. 

.tlcinacon aus Kroton, ein jiinjfc- 
rer Zeitf^cnosse des Fyth.ifjoras. 
zu desscii Scliutc er voii Kinij^en 
fScrecliiiel wird. Von seinen .\n- 
sichten ist weiiitr bekannt: ob er 



blos die Gestirne fiir Gotter erklart 

nder ausscr ihnen noch andere gott- 
liclic \\ escn aiif^cnommen, liisst sich 
iiiclil crinitlclii. 

Pi/l/ia^ora.i aus Samos lebte und 
telirle in l nteritalien, und starb zu 
Kroton hochbejahrt Im ,1. 4',)7. 

animum — coiumeanfem, d. b. 
eine Alles durchdringende und be- 
lebende \N'eltsccle: Tiifvucc to Siu 
TTarTo^ Tov y.oniiuv ihiy/or ^1'V/iii 
TQonor, Se.xt. I']mj)ir. ad\ . Matli. 
IX, 127, iiicht immatcrieil, sonderu 
ein leinstcr, reiirif;'er Actlicr. Dass 
Pytha;;. diese \\ cltscclc Gott ge- 
nannt liabc. sa;;l zwar C. nicht aus- 
driickli<'h: es ^crstand sich aber in 
dicscm Zusamiiieiiliaiif;'e \on selbst, 
iiiid man hat dcswejfeii iiiclit luithig 
dcuiii , clwa \or aniinuni, einzu- 
riicken. 

e.r iiiio iiostri animi carporcntur. 
Diof^. L. \ Itl, 2S: fhui lU tijv iIjv- 
/)jV u .T (I n n c.a ti « c.iUfiHi.;. Cic. 
Cat. mai. 2 1 , 7S : Pjiflia^-oras Pijtha- 
iioreiqiic nunquaiu dutiitarunf, quin 
ex univcrsa iiicnfe divina delibatos 
animos hahcreni us. 

2S niliil iiisi animiis. d. h. giinz- 
licli kiirpcrlos u. imniateriell. Wcnn 
aber die \\ eltseete ein reuriger .\e- 



LIB. I. CAP. 11. 



47 



Xenophanes, qui mente adiuncla omne praeterea, quod esset infi- 
nitum, deum voluit esse, de ipsa mente item reprehenditur, ut ce- 
teri; de infinitate autem vehementius, in qua nihil neque sentiens 
neque ooniunctum potestesse. NamParmenidesquidem commen- 
ticium ({uiddam coronae simiHtudine etlicit: Stephanen appellat, 
continente ardore hicis orhem, qui cingat caehnn ; quem appehat 
deum: in quo neque iiguram divinam neque sensum quisquam 
suspicari potest: mullaque eiusdem monstra; quippe qui bellum, 



ther war, so war sie ja auch nicht 
immateriell, und das hier vorgetra- 
gene Bedenken des \ elleius wiire 
also grundlos. 

Xeiioplianes , aus Kolophon ge- 
biirtig:, aher verbannt und in die 
Phokaische Colonie Elea in Unter- 
italien eingewandert, Zeitgenosse 
der Perserkriege und Stifter der 
Eleatischen Schule. 

inente adiiincta oinne praetei'ea — 
Die VVorte konnen schwerlich an- 
ders verstanden werden, als dass 
Xen. den Geist und das unbe- 
grenzte AII unterschieden, doch 
aber beides niit einander verbundcn 
gedaclit und das so Verbundene 
Gott genannt habe. Das ist aber 
entschieden verkehrt und deni, was 
wir anderswoher iiber Xen. wissen, 
widersprechend. Gott war ihm das 
Eine, ewig Seiende, Uiiwandelbare. 
allem Werdenden und Veranderli- 
cben zu Grunde Jiegende, iiber den 
Prjidicaten und Gegensiitzen von 
Begrenztheit und Unbegrenztheit, 
Geist und Materie crhabene Urwe- 
sen, dem er aber Empfindung, Be- 
wusstsein, Denken zuschrieb. 

itein ut ceteri, niimlich wie Tha- 
les (c. lU, 25) und Anaxagoras (c. 
11,20). 

neque sentiens neque coniunctuni . 
Was unendlich ist, kann nicht von 
Etwas ausser ilim angeregt wer- 
den , also auch nicht empfinden (s. 
zu §. 26), noch mit Etwas verbun- 
den sein, weil ausser Ihm seibst 
niehts ist. 

Parmenides aus Elea, Schiiler 



des Xenophanes, entfernte sich voa 
diesem darin, dass er den Begriff des 
ewigen Urwesens und den Begriff 
der die Erscheinungswelt hervor- 
bringenden Gottheit auseinander 
hielt und diese als ein Gewordenes 
fasste. 

coronrie similitudine s. v. alsjor- 
ma coronae simili, von kreisfijrmiger 
Gestaltung. Dcr Genitiv ist gleich 
einem Adjectiv, und der durch ihn 
attributivisch bestimmte Ablativ ist 
der sog. abt. qualitatis, ganz wie 
z. B. clavus digiti pollicis mag-nitii- 
dine. Caes. B. G. 111, 13. — In 
der aus dem Urwesen gewordenen 
Welt nahm P. eine Anzahl von 
mehreren conceutriscben Sphiiren 
an, die er GTtifdvci'; nannte: Ti]V 
<St fitauirdrr^r nnn&an; Toy.ea xccl 
xXri(^ov/QV inovoLictuii , (^lXrjV T£ 
xcd ch'c(yiir]V. Stobae.EcI. I p. 4S2. 
womit der von Simplicius Phys. f. 
a. erhaltene Vers aus dem Lehr- 
gedicht des P. zu vergl.: iv Jf 
fttao) TovTcov iJceiiKov, S; nccVTK 
y.vlitnva. Wenn Cicero dafiir die 
iiusserste umgebende Sphiire nennt, 
so beruht dies wohl auf einer \ er- 
wechselung mitStoischenAnsichten, 
woriiber c. 14, .37. vgl. Somn. 
Scip. c. 4. 

coniiiienfe ardore, d. h. C07itinuo, 
perpetuo. Vgl. Curt. VII, 20, 2: 
continenti incendio cuncta torren- 
tiir. — lucis orbein s. v. a. orbem 
lucidiim . 

monstra \on abenteuerlichen An- 
sichten, Aiisurditiiten auch III, 17, 
44, wie portenta I, S, 18. 16, 43 u. 
III, 3S, 91. 



48 DE NATURA DEORUM 

(|ui <lis(<ir(li;iin, (|iii ( upidiljitcin ccteraque ^^pncris eiusdtMn ad 
deum revocet, (luae v(!l nioijx» vel sonino vei oliiivione vel veluslate 
delentur: cadenKjue de sidei-ilius; ([uae, reprelieiisa iani in alio, 
12 in Iioc oniiltantur. Empedocles autem, mulla alia peccans, in 
29 deoriim opinionc turpissime labitur. Quattuor enim naturas, ex 
(piil)iis omnia conslare censet, divinas esse vult, quas et nasci 
et cxslingui perspicuiim esl, et sensii omni carere. Nec vero 
Protagoras, (jui ses(! n(^gat omnino de diis liahere quod liqueat, 
sint, non sint, qiialesvc sint, quidquam videiiir de natura deorum 
suspicari. Qiiid? Democritus, (pii Inni imagincs earuiiKpie cir- 
cuitus in dcoriim numero relert, tum illam naluram, ipiae ima- 
gines lundat ac millat, tiim scicntiam intelligentiauKpie nostram, 
nonne in maximo errore versatur? Quum idem omnino, (piia 
nihil sem])er suo slatu maneat, negel esse quidijuam sempilcr- 



nd (lcmn revocet: auf die (joltlicit initinytliolof]fi.s('l)PnGottffiianionl)e- 

zuriicLriilirt, il. Ii. als Aeuss(-'runj;<.'n zciclwiet^!, die iliin aher weder die 

und \N irkiiiigcn der Gottlieit dar- einzipcn nocli die Iiiicli.stcn Giitter 

stellt. Parin. liat in seincr pocti- waren. 

' .sclien S])raclie die anzielicndcn nnd Prntd^ovas aus Abdcra, Zeitpe- 

al)stossendcn Kriifte iiiitcr den I\a- nossc des .Sokrates, war ciner dor 

men jiolffio^, rtTxog, aTurSig, ^ows aus^ezciclinetsten untcr den sop^. 

u. d{;i. hcliandelt, wovon sicli in So[>l)islcn, dic zu jener Zeit, als 

dcn Fragnieiitcn iiodi Andeutungen Lehrcr dcr Wisscnsclialt umhcrrci- 

tindeii. send, ihrcn liitcrriciil liir (icld leil 

Uimiii alio: niinil. i/i y/lciuaeone, hoten. !'][■ bcliiin|ilctc, dass cs iihcr- 

§. 27. all kciiic ohJccti\' sicliere l'>kennt- 

12. 29. Empedocles aus AjJfri- iiiss, kcine all};ciiicin f.;-iiltij;e Walir- 

gcnt, uin die Mitte des 5. .lalirh., heit fiir dcn Mcnschen };che, son- 

trug scine naturphilosojihischen An- dern nur subjccli\e \'orstellunf;en 

sichten cbenso wie Xenopliancs uiid und Ansiclitcii: iiiid in dicscni Siiine 

Parinenides iii eincni I>ehri;cdichtc spracli cr dciin auch iibcr dcii (Jlau- 

vor, voii welcheiu inanche niclit hen aii (liiltcr. \^\. c. 2.'f, ()3. 

unbedcutende iiruchstiickt! erhaltcn Dcniinviliis, cbcnralls aus.\bdcra, 

sind. etwas jiiiifjcrcr Z('ilj;-cn(isse des\'o- 

/// denriim opinionc fiir in opini- rif^cn. L'cbcr sciiie hicr hcrijlirtcii 

oiie dc dii.i, wie unten nullam opi- Lclircii s. das .N.ihere zu c. 4.5, 120. 

niojtem eius. So conicctiira pro- ima^ines eurumqiie circuilus fiir 

vinciae Verr. III, 52, 121. dubitatio ima^^ines circinncuntes: eine aller- 

iuris pr. Caecin. c. 4. oratiojalsuc diiij;s bcrrciiidliclic llcinliadys, aber 

legationis u. dgl. mehr bei Heiii- wdIiI absiclillicli };c\\ahlt, uiii durcli 

rich ad. (^ic. fr. or. pr. Flacc. p. dcn wunderlichcn .\usdruck die 

94 u. Ilaase zu Heisigs \ orles. NVunderliclikcil dcr Saclie noch 

S. (>.")(). grcllcr licr\ orzuhchen. r^bcnso ah- 

quattuor enim jiaturis. Gcnieint sichtlich iiaclihcf srientiiim ■intclli- 

sind dic sog. vier Kleincnte, die qcntiiiin iiostiam, ahstr. pr. coiicr. 

Empedoklcs personilicirte, sic als liir aiiimum nustrum scicnlcm et 

beseelt und handelnd darstellle und inlcUiiicntcm. 



LIB. I. CAP. 11. 12. 



49 



num: nonne deum onmino ita lollit, ut nuliam opinionem eius 
reliquam faciat? Quid? aer, quo Diogenes Apolloniates utitur 
deo, quem sensum habere potest aut quam formam dei? lam 30 
de Platonis inconstantia longum est dicere: qui in Timaeo pa- 
trem huius mundi nominari neget posse, in legum autem lihris, 
quid sit omnino deus, anquiri oportere non censeat. Quod vero 
sine corpore ullo deum vult es€e , ut Graeci dicunt daojfiaTOV, 
id quale esse possit intelligi non potest: careat enim sensu ne- 
cesse est, careat etiam prudentia, careat voluptate: quae omni» 
una cum deorum notione comprehendimus. Idem et in Timaeo 
dicit et in legihus, et mundnm deum esse et caekim et astra et 
terram et animos et eos, (juos maiorum institutis accepimus; 
quae et per se sunt falsa perspicue et inler sese vehementer re- 
pugnantia. Atque etiam Xenophon paucioriI)us verbis eadem 31 



Diogencs y/pollomafes , aus der 
Kretischeii Stadt Apolloiiia, Zeitge- 
nosse des Anaxagoias. — Das luft- 
foriiiige Urwesen, das er iiiit Ana- 
ximenes (c. 10, 26) annaliin, war 
ihin nicht blos niit lebendiger Kraft 
erfiillt, sondern auch coinpos di- 
vinae rationis (Augustin. de civ. d. 
VJIi, 2). 

30. Platonis inconsiantia. Diese 
Iiiconsequenz kann olfenbar nicht in 
den beiden Aeusserung^en bestehen 
sollen, die der folgende tielati\satz 
enthalt: denn diese passen ja }!;anz 
gut zu einander: sondern in den 
trntz jener Aeusserun^en dennoch 
anderswo vorj^etragenen positiven 
Ansichten, die nachher erwahnt 
werden. Diesein Gedankenverhalt- 
niss {^eiuass hatte Cicero nun aber 
auch die Siitze, io denen er diese 
Ansichlen erwahnt, ebenfalls von 
dein Relativ qui abhiingig inaclien, 
den vorhergehenden aber durch 
tanten entgegensetzeii sollen: also 
quiin Tiinaeo (od. auch qui, quuni 

in Tini.) censeat , alibi tainen 

sine corp. eic. 

in Tiinaeo Jiominaii ne^-et posse. 
Plat. Tiin. p. 2b C. und Ciccios IJe- 
l)ersetzung des Tiin. c. 2. 

in legum libris. INainlich VII, c. 
22p.'b2l A. DerTadler hat iibri- 
gens Plato's wahre Meinung ent- 
Cic. de ^at. deor. 2. Anfl. 



weder absichtlich oder aus Fliich- 
tigkeit verkannt. 

daw/LKCTO}'. Plato selbst bedient 
sich iin Tiinaeus dieses Ausdruckes 
nicht, obgleicli er ilin anderswo ge- 
braucht. Der entsprecbende Latei- 
nische incorporeus ist dein Cicero 
noch freind. Vgl. Gell. V, 15, 1. 

careat ctiam prudentia: insofern 
nanilich diese nur das Ergebniss der 
Erfuhrung, Erfahrung aber nur das 
Ergebniss sinnlicher Wahrnehinun- 
gen sein kanu, dergleichen bei einem 
unkor|)erlichen VVesen uniniiglich 
sind. 

inundum deum esse. Tiniae. p. 
34 B. 68 E. 92 C. Der Gott in der 
Welt, weswegen sie auch selbst 
Gott heisst, ist die von dem hoch- 
sten Gott, dem Demiurgen, ihr ein- 
gegebene Weltseele. Vgl. zu 14,37. 

caelum , astra, terram. Legg. 
VI!, 22 p. 821 u. X, 8 p. 896 f. 
Auch diese sind giittliche Wesen 
nur weil die giittliche Weltseele 
ihnen inwohnt. 

animos. Die Seele nennt Plato 
nicht Gott, sondern nur giittlicli, in- 
sofern auch ihr etwas von der giitt- 
liclien Weltseele zugemischt ist. 
Tiinae. p. 41 C. 

quos maioruin in.it. acc. Timae. 
p. 40 D \'i^. Plato liess die Giitter 
des Volksglaubens, da er ihre Exi- 

4 



50 



DE NATURA DKORUM 



fere poccal: lacit eniin in iis, ([uae a Socratc dicta rctulit, So- 
crateni disputantcni, formani (ici quaeri non oportere: eundem- 
que et solcni et aniniuni deuni dicere: et modo nnuni, tum au- 
tem plurcs deos; quae sunt iisdcm in erratis fere, quihus ea quac 
13 do Platonc diximus. At(|ue etiam Antistliencs in co liliro, (|ui 

32 physicus inscribiliu", ponularcs dcos multos, naluralcin unum 
essc diccns, tollit viin ct naturam dcorum. >icc multo sccns 
Speusippus, Platoncm aviinculum subscquens, ct vim (piandam 
dicens, qua omnia rcgantur, eam^pic animalcm, evellerc ex ani- 

33 mis conalur cognitioncm dcorum. Aristot(>Ics((ue in terlio de 
philosopliia lihro multa turhat, a magistro Platone non dissen- 
tiens. iSlodo cniin mcnli trihuit onmem divinitatcm: modo mun- 
dum ipsiim dcum dicit cssc: modo aliuin ([ucndam |)racticit 



stenzzu Ifiugticn kcincnitJruiHlhatlc, 
als Gescliojire und Diener des hiieli- 
sten Gottes {^■elten. 

"iX. Jnrnnini dci qiiaeri ». o. Xe- 
nophon Mcinor. W, 3, 13. 

solifin el aniniinn deiini. Die 
Sonne wird in den iNieniorabilien 
nirgends Gott gennnnt: ^on der 
Seele heisst es nur 1. I. tol' deiov 

UfTf/fl. 

mndn iiniini, tiim auteni pJiire.i. 
Freilieh f;el)i'auclit \en. hald den 
Plural 01 Bioi, bald den Singular 
6 //6(3i", To {^^tiov, auch to (fuiiio- 
fior: abcr diesen Miiincrns nur, 
Avie alh^ anilcrn Schi'iristeller aueli, 
wenn er dii^ Golthcit iin Ali^eniei- 
nen, nichtdicsen odcrjencn hestiniin- 
ten Gott incint. Ausdrii<-klic!ic Be- 
zeiehnuiif;' l*]incs \\ Cltschilplers, von 
dem aucli die andcrn (Jlitter }?eschaf- 
fcn, findel sicli nur l\ , 3, 13 iii eiiicr 
Stelle, dic nicht nhne (Srund lur 
eiiie, \\(Miii gleicli allc. liilci'|ioI;ilioii 
jjehaltcn wird. 

13. 32. yhitistlicnci aus Atlicn, 
Zuhiircr dcs Sorrates, Stifter der 
eynischen Scliule. 

itninn nafiiralem, d. h. Eiiicn 
G ttaIsSch(i|)reroder\Verkiiicislcr 
derVVeIt,aher diescni untcrficordnct 
die Giitter dcs Nolksfrlaiibcns. 

tollit vim et nat. d. llln ^anz un- 
bep;rundetes Urtheil. 

Spcu.sippus, ebenlalls aus Atlien 



uiid Aachfol^cr seiiKis Oliciins Flato 
in der Akademie. 

cini (iiiandam — eamque anima- 
lem. VAne aniinalische d. h. lcben- 
dige Kraft, eiiie \\ ('Ilscclc. Aus 
Stobae. Kcl. I p. ob \'^\. niit Arist. 
]\Ieta|)h. \ll, 7, §. 111 p. 1072 lerncn 
vvir, dass er diese ivirsjrenannt, abcr 
die hiiclistc intcllectucllc und niora- 
lisclic \ Ollkoniinenhcit nocli niclit 
ihr, sondern erst eiiier spiiteren 
Entwickeluiij^sstnre zuf!;eschrieben 
habe. INahcrcs iibcr scine Ansichten 
ist uicbt bckaniit, uiid cs ist also 
auch nicht init Sicbciheit zu ent- 
scheidcn. ob das iiiia omnia reii,antur 
wirklich iii scincni Sinne j?esa:;t ist. 

33. in terfio de pliil. litiro. Diese 
Schrift ist iiielit vnrhanden. Dic 
Meinunj^ Eiiiij;er, dass darunter das 
zu verslehen sei , was wir jetzt als 
zwiilltes Hncli dcr Mctaphysik lesen, 
ist scln^erlich richtif;'. 

nieiifi. INaiiilich der hiichsten In- 
tcllii;cnz, deiii reincn. kiirpcrlnsen 
Geistc, rni'^\ Mclapli. \lf, 6. 7. 9. 

mundiini ipsiiin deiim esse. Dass 
die Welt Golt sei, stclit nirgends 
bci .'Vrisloteles: wohl aber nennt cr 
dcii lliinnicl ("(OdvKTOV ti y.ai (hei- 
ov. De Caelo II, 1. 3. 

fjueiidam atium. Wahrschcinlii h 
ist das von Aristot. Mcteor. i, 3. 
de Caelo 11, 4 sof;enaniile tkuotov 
aToi/fiov. TTQiinov Tri^r a(oit('(T(»v 



LIB. I. CAP. 12. 13. 



51 



mundo, eique eas partcs tribuit, ut replicalione quadam mundi 
motum regat atque tueatur; tuin caeli ardorem deum dicit esse, 
non intelligens caelum mundi esse partem, quem alio loco ipse 
designaiit deum. Quomodo autem caeli divinus ille sensus in 
celeritate tanfa conservari potest? ubi deinde illi tot dii, si nu- 
meramus etiam caelum deum? Quum autem sine corpore idem 
vult esse deum, omni illum sensu privat et prudentia. Quo porro 
modo mundum movere, carens corpore, aut quomodo, semper 
se movens, esse quietus et beatus potest? Nec vero eius condi- 
scipulus Xenocrates in hoc genere prudentior; in cuius libris, qui 
sunt de natura deorum, nuUa species divina describitur. Deos 
enim octo esse dicit: quinque eos, qui in stellis vagis nominan- 
tur; unum, qui ex omnibus sideribus, quae inlixa caelo sunt. 
ex dispersis quasi membris simplex sit putandus deus: septi- 



34 



gemeint, eiue ovaCcc owftKTo; icX).}] 
TraQcc Tccg iyTccv&cc (d. !i. ir tij yrj) 
GvGrdcjsig S-st ot sqcc y.cci ttqotsou 
(de Cael. I, 2), die oben zu c. 8, 
19 bespr. qntnta itatura, welehe dea 
Weltraum oberhalb desWondes ein- 
nimmt, und aus welchei- auch die 
Gestirue uud dei-en Sphaeren ge- 
bildet sind. Diesem edleren, giJtt- 
lichen Stoff ist eine kreisrormige 
Bewegung eigen , woraus sich die 
Umdrehung des Himmels und der 
Gestirne erklart: und diese Bewe- 
gung ist es, die hier durch replicatio, 
in sich selbst zuriickkehrende Be- 
wegung, bezeichnet wird. Vgl. iibri- 
gens Stob. Ecl. phys. 1 p. 64 u. bes. 
Plut. plac. phil. I, 7. 

caeli ardorem. Nichts als ein an- 
dcrer Name fiir die eben bespro- 
chene Materie, die Arist. selbst de 
Caelo I, 3 fiir den von Andern so- 
genannten Aether erkltirt. Ueber 
jenen Ausdruck s. zu c. S, IS. 

illi tol dii. Da im Vorhergehen- 
den nichts ist, worauf dies bezogen 
werden konnte, so muss eine Liicke 
angenommen werden. Wahrschein- 
lich war vor Qiiomodo von den 
Gestirnen die Rede, die, ais aus 
einem gottlichen Stoife gebildet, 
auch selfast giittlich {diicc, Jccijuo- 
ritc) heissen durften. Vgl. Stob. 



Ecl. phys. I p. 4SG, wo sie ebenfalls 
xhtoi genannt werden. 

semper se move/is. JXach Aristo- 
teles ist der hochste Gott selbst un- 
bewegt, aber die Ursache der Be- 
wegung der VVelt. Deni Epikureer 
vvar wohl ein Bewegendes, das doch 
selbst unbewegt sei, nicht recht 
denkbar; daher sagt cr se tnove/is. 

34. Xe/tocrates aus Clialcedon, 
Schiiler des Plato (daher co/idisci- 
pitlus./r.) und Aachfolger des Speu- 
sippus auf dem Lehrstuhle der Aka- 
demie, seit d. J. 339. 

deos e/i. octo essed. DerBericht 
ist sehr unvollstandig. VoIIstiindi- 
ger skizzirt Stobae. Ecl. I p. 62 die 
Theologie des Xen. An die Spitze 
stellte er die Monas und die Dyas, 
d. h. die Einheit und die Ent- 
zweiung: jene nannte er auch 
Zeus und Geist, vovg; diese be- 
zeichnete er als weibliches Princip 
und naante sie Gij ttermut ter, 
Herrscherin der sublunari- 
schen Welt, Weltseele. Ge- 
wordene (ilitter waren der Him- 
mel und die Gestirne; ausser- 
dem noch Elem en ta rge is t er, 
die'in Luft, Wasser, Erde walteten, 
und die er mit den jNamen der 
Volksgiitter Kere, Poseidon, De- 
meter benannte. 

4* 



52 



DE iVATURA DEORUIH 



mum sulcni adiunyit, ()cta\aiii(|iie lunani: (jui (|iio sensii beati 
esse possinl intelligi iion potest. Ex eadein IMaloiiis scliola Pou- 
ticus Ileraclides pneriiibus fahulis refersit libros, et tuni nuinduni 
luin nienleni divinam esse pulat: erraiilibus etiam slellis divini- 
tatein tribuit, sensu(|U(! deum prival et eius formaiii inulabijem 
esse vult: eodem((ue iii libro rursus terram et caeluni refert iu 

35 deos. Nec vero Theojdirasti incoustanlia ferenda esl: modo enim 
menli divinum tribuit principalum, niodo caelo, tum autem si- 
gnis sideribus(|ue caeleslihus. INec audicndus eius audilor Strato, 
is qui pliysicus appellatiir: (pii omnem vini divinam in natura 
silam esse censet, (piae caussas jfignendi, augendi, minuendi lia- 

14 beal, sed careal omni sensii el ligura. Zeno aiitein (ut iam ad 

36 veslros, Halbe, veniam) ualuralein legem divinam esse censet, 
eamque vim obtinere recta imperantem, })roliibeiileiii contraria. 
Quam legem (piomodo elliciat animantem intelligere non pos- 
suinus. Deum aulem animanleni c(^rte volumus esse. At(pie 
hic idcm alio loco aelhera deum dicit, si inlelligi potest ni- 
hil sentiens deus, (|ui num(|uam nohis occurril ne(|ue in preci- 
bus ne(|ue in oplatis neijue in votis. Aliis autem libris rationem 
quandam, per oiiinem iiaturam reruin pertinentem, vi divina esse 
[airectam] putat. Idem astris hoc ideni tribuit. tuin annis, raeri- 



Punticiis Heradides: nus Hera- 
clea aiu INxilus, ScliiJlfr des Plato 
und Speusippus und spiiler des Ari- 
stnteles. 

scnsidiue dei/ni privat. Olfenbar 
nur eine 1'oljiferunf? des Kpikureers, 
der naeli seinen Ansiclilen Giittern 
der any^e^ebenen Art keiiie Kinplin- 
duii{? und kein Hewusstsein zw^e- 
steheii koiinle. 

35. Theiiplirastiis aus Eresusaul' 
Lesbos, Sehiiler und INachfolger des 
Aristoteles. 

Stiatn aus Lampsacus, avriQ ^k- 
).oyi//(f)Ti<TO^- y.ai ifvaiy.bgini- 
y.lr}!tH\. Diof?. L. V, 2. 

/// naliira silam. \ ;;l. CAc. Acad. 
II, 3-», 121 : ne^ut opi-ra r/eorinn se 
uli ad fahriiandum Tniinduin : qi/ae- 
cuinijue sinl, mnnia ejl'ecla esse 
vaturu. lleber iialiira als bliiide, 
bewus.sllose [Nalurkrurt s. II, 32, ^>L 

14. 3(5. Zi-no aiis Kitlion einer 
Cyprisclien Stadt, Zuliiirer IIkmIs 
des (^ymkers Krates , tlieils des 



Akadeinikers \enncrates , Stifter 
der Stoischtm Scliule, starb hochbe- 
ta{^t zu Athen uin d. J. 2H0. 

naturalein le^eni. Diog. L. VII, 
8S: y.oivog vouoi;, oanto ^otiv 6 
6n!h6g Aoyo,- ihu ncivToiv ^QX^f^^' 
rog, 6 (cvToi; mv tii) /1u. 

quoinodo effteiinit aniinantemetc. 
Kin absiclitliches Mi.ssverstehen der 
Meinun}; des Z., iihnlich deni obigen 
iiber die \ Orsehuiif; c. 8, IS. 

aethera. S. unteii B. H, 0, 23 S. 

vihil sentiens. So saj^t der Kjii- 
kureer, weil ein enipliiidender, ver- 
niinlliger Aelher, \>ie Zeiio ihn 
daclili- , ihin }?anz uiideiikbar ist. 
Ueber /;//e/%/ v^l. III. 15, 38. 

rationrm quandam: ).6yov, nichts 
anders als die o. ^. lex. — Das hier 
uiipassende und eiitbehrliche «//(■- 
ctam ist schwerlich von Cie. selbst 
fj«'schriel)en. 

astris. S. B. n, 15. 

aiivis,mcnsil)uselc. OirenbarVer- 
dreliung, zu der vielleicht Zeuo's al- 



LIB. I. CAP. 13. 14. 



53 



sibiis, annorumque mutationihus. Quum vero Ilesiodi theogo- 
niam interpretatur, tollit omnino usitatas perceptasque cogniti- 
ones deorum. Neque enim lovem neque lunonem neque Ve- 
stam neque quemquam, qui ita appellatur, in deorum habe^ 
numero, sed rebus inanimis atque mutis per quandam signitica- 
lionem haec docet trihuta nomina. Cuius discipuh Aristonis 37 
non minus magno in errore sententia est: qui neque formam dei 
intelhgi posse censeat, neque in diis sensum esse dicat, duhitet- 
([ue omnino, deus animans necne sit. Cleanthes autem, qui Ze- 
nonem audivit una cum eo, quem proxime nominavi, tum ipsum 
mundum deum dicit esse, tum totius naturae menti atque animo 
tribuit hoc nomen, tum ultimum et altissimum atque undique 
circumfusum et extremum omnia cingentem atque complexum 
ardorem, qui aetlier nominetur, certissimum deum iudicat. Idem- 
que, quasi delirans, in iis hbris, quos scripsit contra vohiptatem, 
tum fingit formam quandam et speciem deorum, tum divinita- 
tem omnem tribuit astris, tum nihil ratione censet esse divinius. 
Ita fit, ut deus ille, quem mente noscimus atque in animi no- 
tione tanuiuam in vestigio volumus reponere, nuscpiara prorsus 

legorischeErklarungenderinythoIo- 
gischen Gotter Veranlassung gaben. 

Hesiodi f/teog-. iiiterpr. Gewiss 
schrieb Z. keinen eigentlichen Com- 
mentai" iiber die Th., sondern nahm 
nur in naturphilosophischen Schrif- 
ten, wie TTtn) y.oauov, Bezug dar- 
auf, und erkiiirte die theogonischen 
Fabeln seinem System gemjiss alle- 
gorisch , per quandam sig-jtificatio- 
iiem, wie es unten heisst. 

usitatas percepfasque. S. zu II, 
36, 91. — Cognitiones = notiones, 
wie unten c. 17, 44. 

37. yiristonis. Dieser war aus 
Chios: nicht zu verwechseln mit 
dem gleichnamigen Peripatetiker 
aus Ceos. Von seinen naturphiloso- 
phischen und tlieologischen Ansich- 
ten wird anderswo nichts berichtet, 
weswegen wir nicht urtheilen kiin- 
nen, ob die gegenwartigc Kelation 
gelreu sei. 

Cleanlhes , aus Assus in Lycien, 
Zeno'sINachfolger auf demStoischen 
Lehrstuhle. 

ipsum niundum. Dies hatte schon 
Zeno gethan. S. II, 8, 21. 



tof. naturae inenti atque aiiimo, 
d. h. der Weltseele. Dies fallt aber 
mit dem Obigen zusammen; denn 
nur weil sie von der VVeltseele er- 
fiillt und belebt ist, heisst auch die 
Welt Gott. Vgl. Varro bei Augu- 
stin. de C. D. VII, 6: Hunc ipsum 
rnundum esse dcum : sed sicut ho- 
mineiii sapientem, qiium .sit ex cor- 
pore et animo, tamen ab animo dici 
sapientem , ifa mimduin deum dici 
ab animo, quum sit ew animo et 
corpore. 

ultimum — ardorem. Ebenfalls 
mit dem Obigen zusammenfallend. 
Denn der feurige Aether ist eben 
die Weltseele, welche das All theils 
umlasst theils durchdringt. 

in animi notione — reponere. 
Epikur nahm einen natiirlich gege- 
bcnen Bcgrilf, eine sog. 7TQ6lr]}pi<; 
der Gottheit an (s. c. 16, 70): ein 
Gott, an den wir glauben sollen, 
muss in diesen BegrilF hineinpassen, 
und dies ist die Probe , ob er wirk- 
lich ein Gott sei; wie wir etwa, um 
zu ermitteln, ob ein Fuss der ist, 
fiir den er ausgegeben wird, ihn in 



54 



DE \ATURA DEOKUM 



15 appareal. At Persaeus, eiusdein Zenonis audilor, eos dixit esse 

38 habitos deos, a quihus magna ulililas ad vitae cultum esset in- 
venla: ipsasque res utiles et salutares deoruin esse voral)ulis 
lumcupatas: ut ne hoc (juidem diceret, illa invenla esse deorum, 
sed ipsa divina. Quo quid ahsurdiiis, quam aut res sordidas at- 
([ue deronnes deoruni lionore ariicere. aul liomines iam niorte 
deletos reponere in deos, (pioruin omnis cultus esset rulurus 

39 iuluclu? lam vero Cbrysippus, qui Stoicoruin somniorum va- 
ferrimus babelur interpres, magnam turbam congregat ignoto- 
rum deorum, at(pje ila ignolorum, ut eos ne coniectiira (luidem 
informare possimus, (pmm meiis nostra quidvis videatur cogi- 
talione posse depingere. Ait cnim viin (livinam in ralioiie esse 
positam et universae nalurae aniino nU[av iiicnle; ipsuiii([iie mun- 
dum deuin dicit esse, et eius animi fu^iniK^ni universam; tum 
cius ijjsius principatum, ([ui in meiUe ci ralione versetur, com- 
munemque rerum naturam universam al([ue oinnia continentem: 



die uns vorliegeniic Spur m>ii (Jie- 
sem bineinsetzeii, und darnarh nr- 
theilen. \ gl. Orat. c. 38, 13:3: m 
07'atio (die l\. des DeniosLh. f. d. 
Krone) in eam Jormam, qiiac est 
insita in mentibux no.sfris, inclinli 
sic potest, iit maior eloijiienlia niin 
requiratiir, wo die Idee gleielisan» 
der Rahnien isl, in den das Kunst- 
■werk hiiiciiipasst. 

15. 31). Persaeus war nichl hlos 
Schiiler, sondcrn anch i^aiidsuiaiin 
des Zeno. 

a quibus — essct inventa. Es 
versteht sich, dass I'. nichl alle, 
sondern uur einige («iitler so er- 
klfirte, wie liacchus, (leres, Acscu- 
lap. S. II, 24, C2. 

ipsasque res ufiles. Mieriiher s. 
II. 23, 00. 02 u. 3t, SU. 

quo — quam — . Eine .\rl \oii 
flpexcgein, indeni dcr Bej^riir. anl' 
deii das |{clati\ als aus dciii \ Or- 
herf^. zu cntnehiiicn hiiideutct, iiach- 
lier doch noch, aher anders f^^elasst 
und niilicr hcstiinint, a^s}i;esproclien 
<wird. \"gl. de Finn. J, 0: ait enim 
declinare atomos sinc caussa: quo 
niliil turpiiis p/ii/sico, qiiam Jieri 
siue caussa quidquam dicerc: wo 
jMadvig; iiichr Hcisp. gicht. .Vuch 



die Griechen i-eden oft ebenso. S. 
Matthiae ^v. Gv. §. 150, 2 u. Anm. 2. 

3'J. Ciirysippus, aus Soli in Cili- 
cicn, Schiiler und Aachlolj^er des 
Klcanthcs, als Lchrcr und Schrift- 
slcllcr unirciiicin thiilig, und als der 
cif^entlichc \ Ollciidcr des Stoischen 
S\ st(Mi)s anficschii, was der Vers bei 
Diog. Iv. \ II, \b'i ausspricht: ii l^i] 
yao t]r XovaiTinoi , ovx hv »}»' 
2lt(>i'c. Daruin wird auch der Ueber- 
.nanj^ zu iliin durch iam vero beson- 
ders niarkirt. 

in rationc — et — inenfc. Aiich 
liier liifjt die Cojiula deni alljjemei- 
neren Ausdiiick die bestinimtere 
IJezeichnuiifv liiiizu. (lemeint ist 
die Weltseele. T>]r <f oira 7T(U'Ton' 

y.ui ).6yov ya) Tt]V tov olov 

\'ivyt]v. Iieisst es iii der den Clir. 
bctrclleiidcn Stcllc dcs in dcr ImiiI. 
S, 10 crwiilintcn llcrkulaiiisclicii 
Kragineiites. 

eius animi /usionem iinivcrsam 
fiir : eius animinn iibique Jusum. 
.\hstr. pr. concr. Ivs isl klar, dass 
dies nur eiii anderer Ausdruck fiir 
die \\ cltscele ist. 

cius ipsius principatum. Wieder 
iiur ciii andcrer .\iisdruck fiir dic- 
.sclbc. Zur Sache vgl. II, 11, 29. 



LIB. I. GAP. 14. 15. 



55 



tum fatalem \im et necessitatem rerum futurarum; ignem prae- 
terea et eum, quem ante dixi, aethera; tum ea, quae nalura tlu- 
erent atque manarent, ut et aquam et terram et aera; solem, lu- 
nam, sidera, universitatemque rerum, qua omnia continerentur, 
atque etiam liomines eos, qui immortalitatem essent consecuti. 
Idemque disputat aethera esse eum, qucm homines lovem appel- 40 
larent; quique aer per maria manaret, eum esse Neptunum; ter- 
ramque eam esse, quae Ceres diceretur; similique ratione perse- 
quitur vocabula reliquorum deorum. Idennjue etiam legis perpe- 
tuae et aeternae vim, quae quasi dux vitae et magistra officiorum 
sit, lovem dicit esse, eandemque fatalem necessitatem appellat, 
sempiternam rerum futurarum veritatem; quorum nihil tale cst, 
ut in eo vis divina inesse videalur. Et haec quidcm in primo H- 41 
bro de naiura deorum: in secundo autem vult Orphei, Musaei, 
Hesiodi Homeri^iue fabellas accommodare ad ea, quae ipse primo 
libro de diis immortalihus dixerat: ut etiam veterrimi poetae, 
qui haec ne suspicati quidem sunt, Stoici fuisse videantur. Quem 
Diogenes Babylonius consequens in eo hbro, qui inscribitur de 



fatalein necessitatein etc. Die 

ii/ii(xniiu'rri (c. 20, 55), das ewige 
Gesetz, vernioge dessen, in zusain- 
raenhangender Reilie von Ursaehen 
und Wirkungen, die Ereignisse mit 
INothwendigkeit erfolgeo. 

ignein — et — aethera. Niclit 
als zwei versehiedene Dinge, son- 
dern der genauere Ausdruck dem 
weniger geuauen hinzugeliigt. \ gl. 
I!, 10, 2S: calidum. illud atque 
iqneuni. u. li, 22, 57. 36, 91. 

quae n.Jluerent atque nianarent. 
Gorrecter wJire jhiant^ manent. 
Doch s. zu c. 22, 61. Ueher die 
Sache vgl. II, 33, S4 u. Ps.-Plutardi. 
de plac. phil. I, 9: ot ^rioiyol roi- 
7ni]V y.al (J.loiojirjV y.al /utTcc^?.)]- 
Tr]v y.a) (leuOiTjV o).r]V iSt^ bXov 
Tr]V vh]}-. 

homines etiam — . Die Seelen ge- 
wijhnlicher Menschen verlieren sich 
mit dcm Tode in die allgemeine INa- 
tur; die der besseren behaupten 
sich in persiinlicher Existenz und 
fiihren ein giittliches Leben bis zu 
dem allgemeinen Weltbrande : einige 
besonders ausgezeichnete werden 
ganz den Gtittern zugesellt. S. 11, 



24, 62. u. Ps.-Plut. de plac. phil. 
IV, 7. Diog. L. VII, 157 u. Aa. 

40. aethera — Icvem. S. 1!, 2, 
4 u. 25, 65. 

Neptunum. S. 11, 26, 66 u. 28, 
71. Fiir aer wtire eigentlich aether 
richtiger: doch derEpikurecr nimmt 
es nicht so genau. Der Verf. des^ 
Herkul. Fr. col. 3, 2 braucht, wie 
es scheint, ictQa selbst ^om Zeus; 
und 8, 3 nennt er die Stoischen 
Giitter utiiag xal nvtvuaTa y.al 
aidtoag. Auch bei Eni])edokIes 
iibrigens waren beide Ausdriicke 
uicht streng unterschieden. S. Kar- 
sten, Empedocl. p. 217. 

terramque — quae Ceres. S. U, 
26, 67 u. 28, 71. 

senipiternain — veritatem. Eu- 
seb. pr. evang. XV, 14: a/.i']dtiav 
y.a) v6f,tov ToivoVTCov adiu^QaGTOV 
yal aif vy.TOV. 

41. Orp/iei. Die angebl.Orphische 
Theogonie. S. zu c. 38, 107. 

Musaci. Auch diesem , der des 
Orjihcus Freund und Schuler ge- 
nannt wird, schrieb uian ein theogo- 
nisches Gedicht zu. 

Diogenes Babylonius. Er war 



56 l'l-^ AATUIIA DEOKLM 

Minerv.i, partiini lovis oitumijuo virginis ad iiliysiologiam tradu- 
c.ons (lisiungit a laliula. 
16 Exjiosui IV're nou jiliilosoiiliorum iudicia, scd delirantium 

42 sojuuia. Nec enim multo alisurdiora sunt ea, (|u;ie poetarum 
vocilius fusa ijisa suavilat(; nocuerunt-, ((ui et ira inllauunatos et 
lihidin(; lurentes iuduxejunt deos, recerunt(|ue ut corum liella, 
pugnas, praelia, vulnera viderennis; odia |naelerea, discidia, dis- 
cordias, ortus, interitus, (|uerelas, lamentationes, efVusas in omni 
inteuiperanlia liliidines, adulleria, vincula, cum humano genere 

43 concid)ilus, mortalesiiue ex immortali procreatos. (>um poeta- 
rum autcm errore coniunger<! licet portenla magoruin, Aegy- 
ptiorum((ue in eodem geiiere dementiam. tiun etiam vulgi ()(iini- 
ones, ([uae in maxinui incnnstantia. verilatis ignorafionc, vcrsan- 
lur. Ka ((ui cnnsiderel ((uam inconsulle ac lemere dicaufur, 
veuerari E(iicurum et in eorum ipsorum numero, de ({uihus haec 
quaestio est, hahere deheat. Solus enim vidit, primum esse deos, 
qiiod in ouniium animis eorum notionem im(iressissel i()sa na- 
tura. Quae est enim gens aut quod genus homiiunn, quod non 
liaheat sine doctrina antici(iationem ((uandam deorum? ((uam 
appellal yr^oA/^ «/'<»■ Ejiicurus, id esf anfece(ilam animo rei ((uan- 
dam inrormationem, sine qua n(.'c intelligi ((ui(l((uam nec ((uaeri 

t'in Scliiilei' dcs Chrysij)|ius, aus vetl. Persar. (■oriiin(|uc iiiagoiuni. 

Seleucia iii Syrieii, ;f«/o(Y./*j'o? d"^ Oxoii. 1700. 

Bc(jir).o)i'irj; i^ic'. t!]}' ytixoviav, y/egijpUnriiiiiqiie — denictitiain. 

wie Diofif. L. saf^t VII, 81. Seines Velleius (Iciikt iiamentlicli an die 

Buclics ntn) tT/? l'l(h]rug gedenkt \'crc|]i'uii^ dcr Iiciligcn Tliicre uiid 

audi das llcrkul. Fr. 5, 15. dcr iii Tliic.rgestalt crscliciiicndcn 

16. 42. /ii.sa. Der ciffentl. Ans- Giitter. S. c. 2!», SI. M, lOl. III, 

dnick von Krgicssuiigcn dcr poeti- 1(1, 47. 

schcn odcr |iro|)lictisclicn Bcj^eistc- veuerari Epicitri/m etc. Dies ist 

rung, alicr aucli dcs \\ alinsiiins oder charakteristiscli. Aeliiiliclie iiber- 

der Unhcdaclilsanikcit. \ gl. r. 24, triebenc Acusscruiigcn dcr ^ creli- 

66. de Fiiiii. I\ , 4, 10: poetarinn rung dcr Fpikurcer pcgcn ilireii 

rnore verha Jiindere. de Di\iii. II, ]\lcistcr liiidcn sicli hiiulig, und sie 

llj 27: concitalionc mentis c.di et wcrdcii dcs\>cgen \oi\ ilireii Geg- 

qiiaxifundi. nerii \('rspoltct. \ gl. Plutarch. g. 

43. portentt/ ini/iioriini d. Ii. dic Colot. c. 17. 
Abcntcucrliclikcitcii dcs l'ci-sisclicii aiiUcipationcm — 7jn6).i]\jnv. Mit 

und IVlcdiscIicii (i(illcrglaul)cns. (\ gl. dicscin iNaiiicn hezciclinctc Kpikur 

c. 8, fs u. 11, 2S). Dciiii inai-ih^cs- dic allf^ciiiciiicn. aiis lOriiiiicruiig aii 

sen die Pricstcr (licscr\ illkcr. Was w icdcrliollc \\ alirncliinuiigund \ Cr- 

von ilircr diirrh Zcrduscht od. Zo- gleichiiiii; dcr (ladiircli derSccleein- 

roaster (uiii ."lUO?) rcrorinirtcii Bcli- gcpriigtcn ^OrstcIliiiigcn gcwonne- 

gion bei Gricclicii uiid Biinicrii \(ir- ncn HcgriHc, wcil sic Jcdciii l rtheil 

koniint, ist \ ollsliiiidig zusaiiiincn- iibcr Walircs uiid Falschcs uiid je- 

gestellt voii Toin. Ilydc: llisl. rclig. der rcriicrcii Dciik()|icration \()ran- 



~«r^' 



57 



Ot->ut..^w/ tv-w«XilB. I. CAP. 15. 16, 17. %, --, js • 

nec disputari potest. Cuius rationis viin atque utilitatem ex illo 
caelesti Epicuri de regula et iudicio voluinine accepiinus. Quod 17 
igitur fundamentum huius quaestionis est, id praeclare iactum 44 
videtis. Quuin eniin non instituto aliquo aut more aut lege sit 
opinio constituta, maneatque ad unuin oinnium lirina consensio : 
intelligi necesse est esse deos,