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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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Oswald Weigel 

Jsttft&riat ä Auetioua-IsttiU 

Leipzig, Königsstr. I 




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Of ILLINOIS 



530.6 
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Verhandlungen 

der kaiserlich-königlichen 

zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 



Herausgegeben vou der Gesellschaft. 



Jahrgang 1860. 



X. Band. 



Mit 13 Tafeln. 



Wien, 1860. 

Im Inlande besorgt durch W. Braumüller, k. k. Hof-Buchhändler 
Für das Ausland in Conmiission bei F. 4. Brockhaus in Leipzig. 



HENRY b. frAUki 

STATß l^iyi-ESITY 



„Dulcissimum enim fructum profert bistoriae naturalis cultura, dum virorum iisdem studiis 
ejusdemque veritatis indagatioüi conjtinctorum commercium, benevoleatiam amicitiani comparat." 

Turner, muscologiae hibemicae specimen, in praefatione, p. VIII- 



Vorwort. 



Das erste Decennium des Bestandes der k. k. zool.-botan. 
Gesellschaft ist vorüber. Die Reihe ihrer Schriften gibt 
Zeugniss von ihrer Thätigkeit. Sie haben sich, Dank sei es 
den hochachtbaren Mitwirkenden, eine ehrenvolle Stelle im 
Kreise der Wissenschaft errungen. Dank sei auch den 
Mitgliedern allen, die an dem eifrigen Streben so freundlich 
theilnehmend, durch ihre Beiträge die Mittel zur Herausgabe 
gewährten. Mir liegt hier noch ob, der unermüdlichen 
Thätigkeit des Herrn Secretärs Dr. H. W. Reichardt zu 
gedenken, der die Redaction dieses Bandes so eifrig besorgte. 

Es möge hier nur noch bemerkt werden, dass wenn es 
auch allgemeine Sorge bleibt, die Würde und Achtbarkeit 
ebenso wie die Wissenschaftlichkeit in den Mittheilungen 
gewahrt zu sehen, weder die Redaction noch die Gesell- 
schaft selbst für das Mitgetheilte verantwortlich sein kann, 



VI 

indem jeder Autor mit der vollen Freiheit seine Ansicht 
auszusprechen, auch nur ganz allein dafür einzustehen hat. 

Es soll der Vorzug der Gesellschaft auch ferner bleiben, 
dass sie jeder Parteiung fremd, die Liebe zur Wissenschaft 
weckt, den Fortschritt derselben fördert. 

Im December 1860. 



Georg Kitter von Frauenfeld, 

Secretär. 



Zur Nachricht 



für die TP. T. Mitglieder. 



Der Jahresbeitrag ist im ersten Quartale des laufenden 
Jahres einzusenden. 

Die Schriften werden nur nach erlegtem Beitrage erfolgt. 

Die Zustellung derselben geschieht in der Regel erst 
nach Erscheinen des ganzen Bandes am Ende des Jahres. 

Wer die Schriften ausnahmsweise in Heften zu beziehen 
wünscht, wolle diess ausdrücklich dem Secretariate anzeigen. 

Die Zusendung erfolgt, wenn nicht eine andere Bestim- 
mung dem Secretariate bekannt gegeben wird, durch die 
Post. 



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the Internet Archive 






in 2013 







http://archive.org/details/verhandlungender1018zool 



Inhalt 

Sitzungsberichte« 

Seite 

Sitzung am 5. Jänner. 

G. v. Frauenfeld: Regulativ zur Einkassirung der Jahresbeiträge 5 

— Candidatenliste für die Wahl von zwei Ausschussräth:n . 6 

— Aufforderung zur Betheiligung an der Humboldtstiftung . 6 
R. Fürst zu Khevenhüller-Metsch : Schenkung seiner Vogel- 
sammlung 7 

Fr. Brauer: Ueber Oestrus hominis ....... 7 

G. Spreitzenhofer: Ueber Aquila pennata und Platalea leu- 

corodia 7 

G. v. Frauenfeld: Vorlage von Dr. Eggert neuen dipterologi- 

schen Beiträgen 8 

Sitzung am 1. Februar. 

A. N e i 1 r e i c h : Mittheilung vom Rücktritte L. Ritters v. H e u f 1 e r 

als Vicepräsident 10 

— Ernennung der Scrutatoren' 11 

G. v. Frauenfeld: Candidatenliste für die Stelle eines Vice- 

Präsidenten 11 

— Bedingungen zur Aufnahme von Abhandlungen in die Schriften 

der Gesellschaft 11 

— Aufenthalt am Cap der guten Hoffnung 12 

C. F ritsch: Ueber seine neuesten Instructionen für phänologische 

Beobachtungen 12 

— Vorlage von Tomas chek's Beiträgen zur Flora von Lemberg 12 
Wahlergebniss 12 

Sitzung am 7. März. 

Ernennung der Scrutatoren 13 

G. v. Frauenfeld: Antrag Pr eueres zum Pflanzentausche . . 16 

— Anerbieten Douille's auf Martinique zum Tausch verkehre 16 

G. Jäger: Ueber Aquarien 17 

Th. Kotschy: Vorlage seines Werkes über Eichen . . . . 17 

S. Reissek: Ueber die Wanderungen von Xanthium spinosum . 17 



VIII 

Seite 



D. Stur, Dr. A. Pokorny, G. v. Frauenfeld Bemerkungen 

zu diesem Vortrage 17 

J. Juratzka: Beiträge zur Moosflora Niederösterreichs . . . 47 
G. v. Frauenfeld: Aufenthalt in Ceylon 17 

— Vorlage von Br. BrühFs Bemerkungen über Esteria und 

Branchypus . . 17 

— Besprechung von Czcgley\s Mittheilungen über die For-t- 

schädlichkeit von Orgyia antiqua , so wie über Deile- 
phila Nerii 17 

— Vorlage von S c h i n d 1 e r's Mittheilung über die Forstschädlich- 

keit des Hylesinus vittatus ........ 19 

— Besprechung von J o h n s to n e\s and C r o a 1 1 s : The natural 

printed british Sea-weeds 1 1 

Wahlergebniss 22 

Sitzung am 4. April. 

G. v. Frauenfeld: Verlegung der Jahresversammlung . . 25 

— Anstellung Swoboda's als Kanzellist 25 

— Vorlage des 1. Quartals 25 

— Anzeige der Verlängerung des Subocrrptions - Termines für 

Wulfen's Flora norica 26 

— Anzeige der Verkäuflichkeit von Macchio^s Lepidopteren- un 1 

StolPs Obstsammlung 26 

— Mittheilung, dass die Gesellschaft verfügbare exotische Pflanzen 

besitzt 26 

A. Kerner: Die landschaftliche Bedeutung der Weiden . . . 27 
A. Pokorny: Beiträge zur Flora des ungarischen Tieflandes . 27 
J. Canestrini: Ueber die Systematik der Percoiden ... 27 
G. v. Fraue nfeld: Aufenthalt der „Novara" auf den Stuarts- 
Inseln ...... 27 

— Vorlage von Giraud's Enumeration des Figitides d'Autriche 30 

— Vorlage von Grunow's neuen oder ungenügend gekannten 

Algen 30 

— Vorlage von Haszl i nsky's Beiträgen zur Karpathenflora. 30 

— Vorlage von Schulz er von Müggenburg"^ Beiträgen zur 

Pilzflora Ungarns 30 

— Vorlage von Schwabs Mittheilung über die Verheerungen 

der Kicferblatlwespe 31 

— Vorlage einer Notiz Dr. Rauschens über Botrycliium 

anthemoides 32 

— Vorlage von Ileegcr's Album 33 

Ja hr essl t zü n g am 11. April. 

E Fenzl: Eröflhungrede und Rechenschaftsbericht .... 35 
II. W. Reichard t: Rechenschaftsbericht 411 



IX 

S«ite 

K. Kreutzer: Bericht über den Stand der Bibliothek ... 44 

J. Jura tzka : Rechenschaftsbericht 45 

Ernennung der Censoren äuI, 49 

G. Jäger: Ueber die Sprache der Thiere 49 

G. v. Frauenfeld: Aufenthalt in Madras 40 

Sitzung am 2. Mai 1800. 

L. Ritter v. Heufler: Die Ilvpneen Tirols 51 

A. Pokorny: Die Lebermoosflora des Küstenlandes .... 51 
A. Neilreich: Besprechung von Herbich"s Bemerkungen über 

die Wälder Galiziens 53 

J. Juratzka: Beitrage zur Moosüora Niederüiterrcichs ... 54 

G. v. Frauenfeld: Aufenthalt auf den Nikobaren .... 54 

— Vorlage von Brunner von Wattenwyl's Beschreibung 

neuer Orthopteren . 54 

Sitzung am 6. Jun i. 

Subvention seiner k. Hoheit des durchlauchtigen Herrn Erzherzoges 

Ludwigjoseph 55 

Angelrodas Schenkung durch Hrn. Hofrath Haidinger . . 57 

F. Brauer: Neue Beobachtungen über die Oestriden-Larve . . 59 

E. Fenzl: Ueber Hartinger's Paradl^ns ilndoboaensis . . 59 

G. v. Frauenfeld: Ueber die Vögel Europa's von Fritsch . 59 

— Notiz über das Vorkommen von Luchsen in Oesterreich . 59 

— Besprechung des Verzeichnisses der von R. Radlkofer in 

Fiume nnd Sessina gesammelten Algen 60 

— Vorlage des 2. Quai\ales 62 

Sitzung am 4. Juli. 

Bewilligung zur Aenderung der $$. 12 — 15 der Statuten . . 65 

G. v. Frauenfeld: Ausschussbeschluss ; das Locale Samstags Nach- 

mittags zu sperren 65 

Lobmeyer's Geschenk 65 

F. Brauer: Ueber die Oestriden des Elenthieres .... 65 

H. \V. Reichardt: Ueber Gajea holte rnica , Salvia aurfriaca^ 

O m an aria ovrantiaca und Atpidinm Oreopteris ... 65 

S. Reis sek: Ueber die Beschädigung von Bäumen durch Eingang 66 
A. Rogenhof er: Besprechung von F. Schmidt's Aufsatz über 

Heterogynnis dubia . . .. . . . . . 66 

H. YV. Reichardt: Vorlage von Ve nt u ris Beobachtungen über 

die Fructificationsorgane der Florideen 66 

Sitzung am 1. August. 

Vorlage der von den Censoren geprüften Rechnung . . . . 70 
A. Neil reich: Besprechung von Herbich's Spicilegium florae 

Galiciae. Skizze einer Geschichte der Botanik in Galizien, 

Geschichte der Betula oycoviensis 70 

b 



X 

Seite 



H. W. Reichardt: Ueber das Alter der Laubmoose 70 
J. Bayer; Ueber die Mannigfaltigkeit der Bilanzen formen 70 
J. Juratzka: Uebergabe vonPflanzcn aus Judicarien, gesammelt 

von Porta 70 

— Mittheilung einiger neuen Funde für die Flora Tirols von 

Baron Hausmann 70 

— Mittheilung einer Notiz über Entdeckungen in der Flont 

Venedigs von Venturi 71 

— Mittheilung der von Sardagna in Dalmatien gemachten 

Entdeckungen 71 

— Mittheilung von BaiFs Ansuchen um Zusendung auf In- 

secten lebenden Pilze I i 

— Besprechung von Körber's Parerga lichenologica und von 

Streintz Nomenciator fungorum 11 

G. v. Frauenfeld: Ankündigung neuer dipterologischer Beiträge 

von Dr. Egger 74 

— Schilderung des Aufenthaltes in Valparaiso . . . . 71 
E. Fenzl: Begrüssung des Hofrathes Reichenbach . • . 7i 

Sitzung am 3» October. 

Ankündigung einer Preisermässigung für Nymann's Syllogc florae 

Europeae 78 

Candidatenliste für die Wahl von 20 Ausschussräthen ... 78 
Einladung zur Subscription auf Heu g Ii n*s Expedition ... 78 
J. Hein: Beiträge zur Flora von Niederösterreich .... 78 
A. Rogenhofer: Vorlage von F. Schmidfs Abhandlung über 

neue Hölenkäfer 80 

J. J uratzka: Uebergabe von Flechten für das Herbar im Namen 

J. S. Poetsc h's . 80 

— Neue Beiträge zur Moosflora Niederösterreichs 80 

J. Kern er: Die Flora des Göllers 80 

J. Sapetza: Beiträge zur Flora Mährens 81 

H. W. Reichardt: Vorlage von Mas salongo's CatagraphiaGra- 

phidearum nonnullarum brasiliensium 81 

— Vorzeigung von Aspidium Thelypteris 81 

A. Neil reich: Besprechung einiger von Herrn Dr. Rauscher bei 

Pressbaum gefundenen Pflanzen 81 

Sitzung am 7. November. 

M. Hörnes: Ernennung der Scrutafcoren 84 

G. v. Frauenfeld: Vorlage eines Schreibens von Hofrath W. 

Haidinger 84 

— Uebergabe von Geeister coliformis 86 

G. v. Frauen feld: Vorlage eines Schreibens von H. Hauff en . 86 

— Vorlage eines Schreibens von Emanuel Purkyne . . 86 



XI 

Seite 



A. N e i 1 r e i c Ii : Vorlage des Nekrologes des Ministerialrathes Ritters 

von Enderers 86 

F. Brauer: Ueber Bittacus Hagmi 86 

J. G. Beer: Besprechung der von Franz .To ss t eingesendeten Obst- 
baukunde 87 

J. Canestrini: Ueber die Systematik und Charakteristik der Ana- 

batinen 87 

H. W. Reichardt: Schilderung der Flora des Bades Neuhaus 

nächst Cilli 87 

A. Pokorny: Vorlage des fünften Berichtes der Commission zur 

Erforschung der Torfmoore Oesterreichs 87 

— Uebergabe des Berichtes über das Torflager im Rheinthale 

bei Dornbirn von Dr. Spiegel 87 

G. v. Frauenfeld: Vorlage der Abhandlung über Amphisile 

scutata und A. macrophtalm a von F. Steindachner . 87 
M. Hörnes: Wahlergebniss 87 

— Ankündigung der Wahl des Präsidenten und der sechs Vice- 

präsidenten 88 

Sitzung am 5. December. 

S. Reissek: Begrüssung des Hrn. Podesta von Triest, Ritter von 

Tommasini 9! 

— Ernennung der Scrutatoren 94 

G. v. Fraucnfeld: Vorlage eines Schreibens der k. Akademie 

der Wissenschaften 91 

— Schaufuss's Ansuchen um Uebersendung einer Partie 

Pristonychus und Sphodrus 92 

— Preuer's Tauschantrag von Cryptogamen aus dem Gasteiner 

Thale .92 

— Verkaufsanzeige der Schmetterlingssammlung Czerny's . 92 

— Vorlage einer Notiz von Schlotthauber .... 92 

— Ausweis über für die Expedition von Heuglins eingegangenen 

Beträge . W 

— Ausweis über die für die Humboldt- Stiftung geleisteten 

Beiträge 93 

— Erinnerung zur Einzahlung der Jahresbeiträge ... 94 

— Vorlage des 1. Heftes der von R. Hartinger herausgege- 

benen Giftpflanzen Oesterreichs 94 

— Bericht in Betreff derKonservirung der eingelangten Naturalien 94 

H. W. Reichardt: Aufruf zum Sammeln von Pflanzen für Be- 

theilung der Lehranstalten 96 

A. Neilreich: Nekrolog von Franz Hillebrandt .... 97 
C. Heller: Vorlage der Beschreibungen neuer Crustaceen aus dem 

rothen Meere 98 

b 1 



Seite 

A. Pel zeln: Bemerkungen gegen Dar win's Theorie vom Ursprünge 

der Species 98 

G. Jäger: Entgegnung hierauf 98 

Kratochwill: Vorlage von Abdrücken von Schmetterling >flügelu 99 

Rogenhof er: Beschreibung von Cucullia formosa .... 99 

F. Brauer: Schilderung der Larven der Gattung Outerebra . . 99 

G. v. Frauenf el d:Mittheilung neuer Beiträge zur Fauna Dalmatien- 99 

— Vorlage von Dr. J. Egger's Beschreibung neuer Zweiflügler 99 
V. G redler: Conchyliologisches aus dem Nordosten Tirols . . 99 
L. H. Jeitteles: Mittheilung über Beiträge zur Chiropterenfauna 

Oberungarns 100 

G. v. Frauenfeld: Besprechung des Aquariensalons . . . 101 

S. Reis sek: Vorlage von Schulzens Beiträgen zur Pilzkunde . 103 

— Bekanntgabe des Ablebens Sr. Ex. des Grafen v. B e r o 1 d i n g e n 1 03 

— Wahlergebniss 103 

Abhandlungen. 

A. Kerner: Niederösterreichische Weiden I (Allgemeiner) Theil 3 

F. Brauer: Ueber den sogenannten Oestrus hominis . . . 1)1 

G. C. Spreitzen hof er: Beobachtungen über den Frühjahrzug 

mehrerer Zugvögel in den Donau-Auen Wien\s ... 73 

G. v. Frauenfeld: Aufenthalt am Cap der guten Hoffnung . 70 

A. Tomaschek: Zur Flora der Umgebungen Lemberg's . . 93 

A. Neilreich: Ueber Dianthus diutinus Kitaib IUI 

S. Reissek: Ueber die Wanderungen des Xanthiuin spinosum . 1 0-"3 
G. v. Frauenfeld: Bemerkungen, gesammelt auf Ceylon während 

des Aufenthaltes der k. k. Fregatte Novara daselbst . . 109 

Brühl: Ueber das Vorkommen von Esteria und Brauch ypus um Pest 1 15 

J. Juratzka: Zur Moosflora Niederösterreich , s . . . . . 121 

J. Giraud: Enumeration des Figitides de T Au triche . . . . 123 

A. Kerner: Niederösterreichische Weiden II. (specieller) Theil . 179 

A. Pokorny: Beitrag zur Flora des ungarischen Tiefiandes . . 283 

J. Canestrini: Zur Systematik der Percoiden .... 291 

F. Haszlinsky: Beiträge zur Kenntniss der Karpathenflora IX. 

Lebermoose . . . ■ . » . . . . . .315 

St. Schulz er v. Müggenburg: Beiträge zur Pilzkunde I. Ueber 

J)iliola, II. Ueber Dacryomyces stillatus (Taf. I.) . . .321 

G. v. Frauenfeld: Meine Ausflüge um Madras .... 327 

J. Egger: Dipterologische Beiträge * 339 

F. Herb ich: Pflanzengeographische Bemerkungen über die Wälder 

Galiziens (Taf. II.) . .359 



XIII 

Seite 

J. Juratzka: Zur Moosflora Oesterreichs 367 

G. v. Frauenfeld: Der Besuch auf den Nikobaren . . . 369 

Ludw. R. v. Heufler: Untersuchungen über die Hypneen Tirols . 383 
A. Grunow: Ueber neue oder ungenügend gekannte Algen 

(Tab. III— VII) 503 

Gustav Venturi: Beobachtungen über die Fructiflcationsorgane 

der Florideen 583 

EL W. Reichardt: Ueber das Alter der Laubmoose . . . 589 
Joh. Bayer: Ueber die Mannigfaltigkeit der Pflanzenformen und 

deren Anordnung im Systeme 599 

Franz Herbich: Beiträge zur Flora von Galizien .... 607 

G. Ritt. v. Frauenfeld: Ueber den Aufenthalt in Valparaiso . 635 
F. Brauer: Neue Beiträge zur Kenntniss der europäischen Oestriden 641 

F. Schmidt: Heterogynn is dub ia 659 

J. Egger: Fortsetzung der Beschreibung neuer Zweiflügler . . 663 

F. Schmidt: Drei neue Höhlenkäfer ausKrain (Taf. XII. Fig. 3— 5) 669 

J. Juratzka: Zur Moosflora Oesterreichs . , 673 

A. Massalngo: Catagraphia nonnullarum Graphidearum brasilien- 

sium (Taf. VIII. IX.) . .675 

J. Sapetza: Beitrag zur FIpra von Diahren 687 

F. Brauer: Bittwvs Magern (Taf. XII. Fig. 1 und 2) . . . 691 

J. Canestrini: Zu:- Systematik und Charakteristik der Anabatinen 697 

H. W. Reichardt: Die Flora des Bades Neuhaus nächst Ci Iii . 713 
A. Pokorny: Fünfter und letzter Bericht der Torf-Commission . 743 
Spiegel: Das Torflager im Rheinthale bei Dornbirn (Taf. XIII) . 755 
Fr. Ste i ndachner : Ueber Ampkisüe scutata und macrophthalma 765 
A. Neil reich: Nekrolog des k. k. Ministerialrathes Carl Ritters 

von Enderes 767 

A. Rogenhof er: CueuUia farmo&a n. sp 775 

F. Brauer: Ueber die Larven der Gattung Cuterebra . . . 777 

G. v. Frauen feld: Weiterer Beitrag zur Fauna Dalmatiens . 787 
J. Egger: Fortsetzung der Beschreibung neuer Zweiflügler . . 795 
V. Gr ed ler: Conchyliologisches aus dem Nordosten TiroFs . . 803 
St. Schulz er von Müggenburg: Beiträge zur Pilzkunde. (III. 

Ueber das Sclerotium von Agaricus tuberosus. IV. Ueber 

Agaricus horizontalig . . . 807 



XIV 



Verzeichuiss der Abbildungen. 

Tafel I. (Vergl. Abli. pag. 321-326.) L Dacryomyces stillatus Nees und 
Ditiola mucida. 

Tafel IL (Vergl. Abh. pag. 359—366.) Eine Karte von Galizien, die Ver- 
breitung und Bestandteile der Wälder darstellend. 
Tafel III. — VII. (Vergl. Abh. p. 580—582.) Neue oder ungenügend gekannte 

Diatomaceen. Die specielle Erklärung findet sich am citirten Orte. 
Tafel VIII— XI. (Vergl. Abh. pag. 674—683.) Neue brasilianische Flechten. 
Tafel VIII. Fig. 1—5. Opegrapha graphicula Mass. 

n ii Fig. 6—10. Opegrapha Heufleriana Mass. 
Tafel IX. Fig. 1—4. Pyrrhograplia Medusulina Mass. 
„ „ Fig. 5—6. Arthronia Acharii Maas. 
„ „ Fig. 7—10. Athrothelium fuscocinereum Mass. 
„ X. Fig. 1—7. Arthrothclium hysterellum Mass. 
„ „ Fig. 8 — 13. Thecographa Ceramia Mass. 
„ XI. Creographa brasiliensis Mass. 
Tafel XII. Fig. 1—2 (Vergl. Abh. pag. 691 —696.) Bittacus Hagem und 
Bittacus italicus. 

„ „ Fig. 3—5. (Vergl. Abh. pag. 669 —672. )Anoplithahnus globulipennis, 
A. Schaumii und A. Motsckulskyi. 
Tafel XIII. Karte des Torfmoores bei Dornbirn im Rheinthale. 



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Sitzungsberichte. 



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„ Anhängseln statt Ankängseln. 


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Abhandlungen. 



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über statt üben. 


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Fängen statt Fängern. 


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ausgemeisselt statt ausgemeiselt. 



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Verzeichniss der Mitglieder 

der 

k. k, zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien. 



Leitung der Gesellschaft, 

Präsident: (Gewählt bis Ende 1863.) 
Seine Durchlaucht Herr Richard Fürst zu Khevenhüller-Metsch. 

Vicepräsidenten: (Gewählt bis Ende 1861.) 
P. T. Herr Beer J G. 

„ Brunner von Wattenwyl Karl. 
„ „ Felder Dr. Cajetan. 
„ „ Fitzinger Dr. Leopold. 
„ „ Kotscky Dr. Theodor. 
„ „ Schröckinger -Neudenberg Julivs. Ritt, v, 

Seerctäre i 

P. T. Herr Frauenfeld Georg, Ritt. v. (Gewählt bis Ende 1861) 
„ „ Reichardt Dr. Heinrich. (Gewählt bis Ende 186 i.) 

Rechnungsführer: (Gewählt bis Ende 1862.) 
P. T. Herr Juratzka Jakob, 

Ausschussräthc : (Gewählt bi-s Ende 1863.) 

P. T. Herr Bayer Johann. 
„ „ Beer J. G. (Vice-Präsident.) 
„ „ Brauer Friedrich. 

... Brunner von Wattenwyl Karl (Vice-Präsident.) 

c 



XVIII 



P. T. 


Herr 


Felder Dr. Cajetan. (Vice-Prasideut.) 




ii 


Fenzl Dr. Eduard. 


11 


ii 


Finqer Julius. 






Fitzinger Dr. Leopold. (Vice-Prasidcnt.) 






Fritsch Karl. 






Hauer Franz Ritter v. 






Hörnes Dr. Moriz, 




11 


Kerner Josef. 






Kner Dr. Rudolf. 


„ 




Kotschy Dr. Theodor. (Vice-Präsident.) 


5, 


55 


Kreutzer Karl. 


11 


55 


JSeilreich August. 


55 


55 


Fetter Karl. 


5} 


55 


Reissek Dr. Siegfried. 


51 


51 


Rogenhofer Alois. 


51 


11 


Schröckinger-Neudenberg Julius Ritt. v. (Vice-Prasidcnt.) 


11 


51 


Haimhoffen Gustav Ritt, v (Gewühlt bis Ende 1864.) 


11 


11 


Rauscher Dr. Robert. „ „ „ „ 


11 


11 


Pokorny Dr. Alois. (Gewählt bis Ende 1862.) 


11 


11 


Strohmayer Johann. „ „ „ „ 



Mitglieder, welche die Sammlungen der Gesellschaft ordnen 
oder andere Geschäfte besorgen. 

P. T. Herr Finger Julius ordnet die Säugethiere und Vögel, 
Haimhoffen Gust. Ritt. v. die Immen, 
Kerner Josef die Pflanzensammlung, 
Kolarzy Josef die Netzflügler, 
Kreutzer Karl die Büchersammlung, 
Lang Karl die Geradflügler, 
Letocha Anton v. das Archiv, 
Müller Hugo die Zweiflügler, 
Pelser v. Fürnberg Josef die Halbflügler, 
Vetler Karl die Pflanzensammlung, 
Reichardt Heinrich die Pflanzensammlung, 

Rogenhofer Alois besorgt die Betheilung von Lehranstalten mit 
Naturalien. 

Schönn Moriz ordnet die Schmetterlinge, 
Schröckinger Julius Ritt. v. die Weichthiere, 
Steindachner Franz die Fische und Krebse, 
Strohmayer Johann die Käfer. 



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11 11 



Jährliche Subventionen. 

Von Seiner k. k. apostolischen Majestät dem Kaiser. 
„ Seiner k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Franz Karl. 
„ Seiner k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Ludwig Josef. 
„ dem hohen k. k. Ministerium des Unterrichtes. 



Mitglieder im Auslände. 



P. T. Herr Albini Dr. Josef, Professor Parma. 

„ „ Alefeld Dr. d. Med., bei Dannstadt Oberamstadt. 

„ „ Angas Georg Fr., Secret. d. austial. Museum . Sidney. 

„ „ Angelrodt Ernst v., k. k. Vice-Cons., Missouri St. Louis. 
d n Auerswald Bernhard, Lehrer an der ersten 

Bürgerschule Leipzig. 

„ ,, Bach Alexander, Freili. v., k. k. Botschaft., Exc. Rom. 
„ „ Balsamo Crivelli nob. Giuseppe, Prof. der 

Naturgeschichte Pavia. 

„ „ Bamberger Georg, Apotheker, in der Schweiz Zug. 

„ „ Bates H. W, Leicester. 

10 „ Beigel Dr. Hermann Jarocin. 

„ „ Bellardi Luigi, Professor der Naturgeschichte . Turin. 
„ „ Bendella Aristides Dr. d. M , Primararzt des 

Centralspilals • . . . . Jassy. 

„ „ Bennett G. Esq., Dr Sidney. 

„ „ Bernstein Dr. Heinrich, auf Java Gadok. 

„ „ Bianconi Dr. Josef, Professor an d. Univers. . Bologna. 

„ „ BigotJ Paris. 

„ „ Bilharz Dr. Theodor, Prof. an d. mediz. Schule Cairo. 

„ „ Bleeker Dr. Peter, dirig. Ober-Stabsarzt . . Tjipannas. 

„ „ Bohemann Karl H., Intendant am k. Museum . Stockholm. 

20 „ „ Bonvouloir Henri de Paris. 

„ „ Botteri Matthäus. 

„ „ B oit ring John j., Esq., Hongkong. 

c* 



XX 



P. T. Herr Brandt Johann Friedr. , Ritt. v. ; k. russ. 

wirkl. Staalsrath, Excell St. Petersburg. 

,, „ Buschmann Eduard, Professor in Chile . . . Osorno. 

„ w Canestrini Johann, Dr., Prof. am k. Lyceum . Genua. 

„ „ Carus Dr. Victor t>., Professor Leipzig. 

„ „ Chiari Gerardo, k. k. Vice-Consul Alexandrien. 

„ „ Ceti Dr. Hector, Prof. und Direct. des königl. 

atestinischen Herbariums Modena. 

„ „ Cleghorn H., Forstdirector Madras. 

30 „ Cornalia Dr. Emil Mailand. 

„ „ Davidson Thomas London. 

„ „ De Candolle Alphons, Professor der Botanik . Genf. 

„ „ Desplanche Emil, Marine-Arzt Neu -Kaledonien. 

„ „ Dementer S. »!, Resident Java. 

„ „ Doderlein Dr. Pietro, Prof. an d. Universität Modena. 

„ „ Dohm C. A., Präsident des entomol. Vereines Stettin. 

„ „ Douille August, Marine-Wundarzt, Martinique St. Pierre. 

„ „ Dufour Leon St. Severs. 

„ „ Effendi Ibrahim, Dr. d. Med., Oberst .... Syrien. 

40 n n Ellenrieder Dr. Karlv., Offie. d. Gesondheit Java Buitenzorg. 

„ „ Elliot Walter, Präsidentschafts-Mitglied . — . Madras. 

„ „ Fahrer Dr. Johann * München. 

„ „ Fairmaire Leon, Cust.-Adjct. d.ent. Gesellsch. Paris. 

„ „ Ferreira Dr. Manoel Lagos, Vice-Präsident des 

hist.-geograph. Institutes Rio-Janeiro. 

„ „ Fischer Karl Dr., Arzt Aukland. 

„ „ Fölsner Dr., k. hannov. Vice-Cons. in Brasilien 

Provinz Bahia Leopoldina. 

„ „ Förster Arnold, Oberlehrer an der höheren 

Bürgerschule Aachen, 

„ „ Förster Heinrich, hochw. Fürstbischof, Exc. . Breslau. 

„ „ Gasparini Wilhelm, Prof. an der Universität . Pavia. 

50 n n Gemminger Dr. Max, Assist, am zool. Mus. . München. 

„ „ Germer Ed. Wilh., Dr. d. Med Nord- Amerika. 

„ „ Gerstäcker Adolf, Dr. d. M., Adjct. am k. Mus. Berlin. 

„ ,, Gödel Rudolf, k. k. österr. General-Consul . Jassy. 

„ „ Gr äffe Dr. Eduard Montpellier. 

„ „ Hagen Dr. Hermann Königsberg. 

„ „ Hartwig Leonhard Dr Valparaiso. 

„ „ Heap/ty Ch. D., Ingenieur Aukland. 

„ „ Heer Oswald, Prof Zürich. 

„ „ Heldreich Dr. Theodor Direct. d. bot. Gurt. Athen. 

CO * p Henriot Josef, Marine- Wundarzt Besangon. 



XXI 



P. T. Herr Herrich-Schäffer Dr., k. Gerichtsarzt .... Regensburg. 

Holding J. C.. Gutsbesitz Capstadt, 

,. .. Hopffer, Dr. C, Custos am k. Museum . . . Berlin. 

„ .. Huber Christ. Wilhelm, k. k. Ministerialrath . Cairo. 

„ „ Huguenin, Prof. u. Direct. d. bot. Gartens . . Chambery. 

r Irigoya Don Simon, Director des Museums . Lima» 

„ „ Jan Georg, Prof. und Director des Museums . Mailand. 

„ „ Javet Charles, Kaufmann Paris. 

„ „ Le Jolis Auguste, Präs. d. nat.-histor. Vereines Cherbourg. 

W 9 Kahil M., k. k. österr. Consul Damiette. 

„ Karatheodory Stefan, Prof. d. Bot., k. Leib- 
arzt Sr. Maj. des Sultans Constantinopel. 

„ r Keferstein A-, Gerichtsrath Erfurt. 

„ ,. Kelaart Dr. E., Stabsarzt auf Ceylon .... Trinkomale. 

Kirschbaum, Prof Wiesbaden. 

„ .. Koch Karl, Gen. - Secr. d. Ver. zur Beförderung 

d. Gartenbaues in d. k. preuss. Staaten . . . Berlin. 

„ ,. Koerber Dr. G. W., Privatdocent d. Naturgesch. Breslau. 

„ B Könitz Leon, Dr. d. Med Warschau. 

„ „ Kraatz Dr. G., Vorstand d. entom. Vereines . Berlin. 

.. Kuczuran Dr. Georg c, prakt. Arzt Jassy. 

8ü n r Küster Dr. H. C Bamberg. 

„ .. Landerer X., Leibapotheker Sr. Maj. d. Königs 

von Griechenland Athen. 

„ Landolß Nik., Ritt, v., Prof. an d. k. Univers. Neapel. 

„ r Lamzzari Dr., Cant. Ticino Mendrisio. 

„ „ Layard E., Secretär d. süd-afrik. Museums . . Capstadt. 

„ r Leibold Friedrich, Dr. d. Med., Chile .... Santiago. 

.. .. Leuchart Rudolf, Prof Giessen. 

.. .. Leunis Dr. Johann, Prof Hildesheim. 

„ B Lindermayer Dr. Anton R. v., Leibarzt Sr. 

Majestät des Königs von Griechenland .... Athen. 

Linhart Dr. Wenzel, Professor Würzburg. 

'.in .. .. Lochmann Johann, Magister der Pharmacie . Jassy. 

„ r Low Dr. Heinrich Meseritz. 

Lobscheid Dr. W. S., Schulrath Hongkong. 

„ Lüders Dr., Arzt Valparaiso. 

„ Macleay William Sharp, Esq Sidney. 

r „ Macnaughton Henri • Edinburgh. 

„ „ Martins Karl Ritt. v\, geh. Rath, Exc. . . , München. 

„ „ Milde, Maler t Lübeck. 

„ „ Mniszech Georg Graf v Paris. 

„ ,. Moesta Dr. Friedr., an d. Sternwarte, Chile . Santiago. 



XXII 



400 P.T. Herr Moesla Dr. Otto, Ingenieur, Chile Santiago. 

„ „ Mühlig G. G., Verwalter Frankfurt a. M. 

„ „ Müller Ferdinand, Direct. des bot. Gartens . Melbourne. 

„ „ Muirhead Mr. W., Missionär Shanghai. 

„ „ Neustädt August, Kaufmann Breslau. 

„ „ Nietner John, Gutsbesitzer auf Ceylon .... Rambodde. 

„ ,, Nylander Dr. Willi Paris. 

„ „ Oehl E<, Dr. d. Med., am Collegium Ghislieri . Pavia. 

„ „ Ohlert Dr. E., Conreclor an d. ßurgschule . . . Königsberg. 

„ „ Osten-Sacken Karl Robert, Freih. v Washington. 

140 „ „ Pancic Dr. Josef, Prof. d. Naturg. am Üyceum Belgrad. 

„ „ Passerini Dr. Giovan., Prof. d. Bot. an d. Univ. Parma. 

,, ,, Philippi Dr. R. A., Direct. u. Prof. an d. Univ. Santiago. 

„ ,, Pirazzoli Eduard Imola. 

,, „ Ploem Dr. Jacob, k.Gouv. Arzt auf Java . . . Tjandjur. 

„ „ Poulsen Don Ferd ., Chile Santiago. 

„ „ Purchas Arth., G. Rever Aukland. 

,, „ Rabenhorst Dr. Ludwig Dresden. 

„ „ Raskovich Michael, Prof. d. Chemie u. Tech- 
nologie am Lyceum Belgrad. 

„ „ Ried Dr., Arzt Valparaiso. 

120 „ „ Riehl Friedrich, Oberzahlmeister Kassel. 

„ „ Roberts Alfred Esq., Dr. . . . Sidney. 

„ „ Robiati Dr. Ambros, Professor Mailand. 

,, „ Roger Dr. Julius, herzogl. Hofrath, Leibarzt . Räuden. 

„ „ Rondani Camill Parma. 

„ „ Rosenhauer, Dr. Prof Erlangen. 

„ Sandberger Dr. Fridolin, Prof. d. Mineralogie Karlsruhe. 

,, „ Saussure Henri de Dr Genf. 

„ „ Scharenberg, Dr., Prof. an der Universität . Breslau. 

„ „ Schaum Dr. Hermann, Prof. an d. Univ. . . . Berlin. 

130 ,, „ Schenk, Professor, Grossherzogthum Nassau . Weilburg. 

„ „ Schieferdecker, Dr. der Med Königsberg. 

„ „ Schierbrand Gurt. Wolf v , Oberst - Chef des 

Geniewesens Batavia. 

„ „ Schlechtenthal Dr. L. F. Dir. d. bot. Gart. Halle an d. Saale. 

„ „ Schlotthauber Dr. August Friedrich, Lehrer . Göttingen. 

„ „ Schneider W, G., Dr. Phil Breslau. 

„ „ Schnizlein Dr. Adalbert. Prof Erlangen. 

„ „ Schräder W. H. L Sidney. 

„ „ Schuchardt C. G., Dr. Phil., Dir. d. bot. Gart. 

a. d. landwirlh. Akademie bei Königsberg . . Waldau. 

„ „ Schüch Dr G de Capanema Rio Janeiro. 



XXIII 



140 P.T. Herr Schwarz Dr Constantinopel. 

Scott Alexander Walker, Esq., in Australien . Ash Island. 

„ Seemann Berthold Dr., Redact. d. Bonplandia Göttingen. 

„ Segeth Karl Dr., Arzt, Chile Santiago. 

„ Sester, k. türk. Hofgärtner Constantinopel. 

„ Sichel, Dr. der Med., Präs. d. entom. Gesellsch. Paris. 

„ Siebold Theodor v., Dr. und Professor .... München. 

„ Signoret, Dr. Victor . Paris. 

„ Skinner Maj., Comiss. of public, works . . . Colombo, 

„ Smith Friedrich Esq., am britischen Museum . London. 

., Speyer Adolf, Dr. im Fürstenthume Waldek . Arolsen. 

150 „ Speyer August,im Fürstenthume Waldek . . . Arolsen. 

„ „ Staudinger Dr. Otto Dresden. 

„ Stierlin Gustav, Dr. der Med Schaffhausen. 

„ „ Strobel Pelegrino v. , Univers.-Prof. .... Parma. 

„ Swinhoe Robert, Esq. in China Amoy. 

„ „ Tachetti Karl Edl. v Cremona. 

„ „ Teysmann J. E., Gartendirector auf Java . . Buitenzorg. 
Theodori Karl, Dr., geh. Secr. u. Kanzleirath Sr. 
k. Höh. d. Herzogs Max in Baiern .... München. 

„ „ Tischbein, Oberförster, Preussen Herrstein. 

„ „ Uricoechea Don Ezech., Präs. d. natw. Gesellsch. S. Fe de Bogota. 

160 Wagner Andreas, Dr. u. Prof. an d. Universität München. 

,. Waltl Dr., Prof Passau. 

Wimmer Friedrich, Gymnasial director .... Breslau. 

„ Winnertz J Crefeld. 

„ „ Wirtgen Dr. Philipp Coblenz. 

„ Winkler Moriz, in preuss. Schlesien. Neisse . Germannsdorf. 

„ Zeller P. C., Prof. Meseritz 

„ ,, Zirigooich Jakob, k. k. Vice-Consul .... Adrianopel. 
„ „ Zuber H. P. Eduard, Bischof v. Auguslovic, 

apostol. Missionär China. 

Mitglieder im Iiilamle. 

P. T. Herr Abel Ludwig, Handelsgärtner, Landstr. Nr. 162 Wien. 

*70 „ „ Abi Friedrich, k. k. Milit. Medic. Verwalter . Zara. 

„ „ Accurti Josef, Hochw., Gymn.-Lehr Capo d'Istria. 

„ Alpers Mauritius, Hochw., Gymn.-Lehr. . . . Stift Melk. 

,, „ Alschinger Andreas, k. k emerit. Prof. . . . Wien. 



XXIV 



P. T . Herr Alvdnyi Karl, Apotheker Grosswardein. 

„ ,, Ambros Thomas, k. k. Cam.-Bez.-Waldbereiter Berzova b. Arad, 

„ „ Ambrosi Franz Borgo (Ii Valsug. 

„ „ Andorfer Josef, Pharmaceut LangenJois. 

„ „ Anker Ludwig, Sparkasse-Beamter, Christinen- 
stadt Nr. 414 Ofen. 

„ „ Antoine Franz, k. k. Hofgärtner Wien. 

180 w w Arco Graf Karl, k. k. Kämmerer Troppau. 

„ „ Arenstein Dr. Josef, k. k. Prof., Stadt Nr. 077 Wien. 

„ „ Arlt Ferdinand, Dr. Med., k. k. Prof. an d. Univ. Wien. 

„ „ Aschner Theodor, Hochw., Gymn.-Lehr. . . Tirnau. 

„ „ Alterns Ottokar M. Graf v., Fürstbischof, Em. Seckau. 

„ „ Bach Dr. August, k. k. Notar, Stadt Nr. 772 . Wien. 

„ „ Bader Alois, k. k. Förster in Tirol Schlanders. 

„ „ Barisch Franz, k.k. Beamter, Weissgärber 120 Wien. 

„ „ Bartscht Ambros, k. k. Beamter, Nr. 19 . . Hernais n. Wien. 

„ „ Bäsch Samuel, Cand. der Med Prag. 

190 „ „ Baijer Johann, Beamter d. k. k. priv. öster, 
Staats-Eisenbahn-Gesellschaft , Ausschussrath 

d. Gesellsch., Alservorst.Nr. 1 Wien. 

„ „ Becker Dr. Franz, k. k. Ober-Stabsarzt . . Arad. 

„ • „ Becziczka Ambros, Hochw., Abt des Stiftes . Lilienfeld. 

,, „ Bednarovitz Johann, Hochw. P. 0. Pr., k, k. 

Garn. -Spitalskaplan Verona. 

M „ Beer Josef G., Ausschussrath u. Vice-Präsid. 

, d. Gesellsch., Landstrasse Nr. 138 Wien. 

„ „ Beer Dr. Leopold, Stadtphysikus Brünn. 

„ „ Begna Adolf, Magister der Pharmacie .... Moor. 

,, „ Benda Franz, Hochw, Priest, u. Prof. d. Piarist. Wien. 

„ „ Benedek Fr anz, Hochw-, Gymn.-Lehr Eperies. 

„ Bereich Josef, Apotheker Zara. 

200 M M Berdau Felix, Assistent am botan. Museum . Krakau. 

* „ „ Berecz Anton, Piaristen-Ordenspriester . . . Wien. 

„ „ Berger Josef, Bealsehullehrer Kremnitz. 

„ „ Bergner Eduard, k. k. Tribunalrath Zara. 

„ ' „ Bermann Josef, priv. Kunsthändler, Graben . Wien. 

„ „ Bertolini Stefano dl Trient. 

„ „ Betta Edoardo Nobile de Verona. 

„ „ Biatzovsky Johann, Dr. d. M., k. k. Prof. . . Salzburg. 

„ Bielz E. Alb., k. k. Finanz-Bcz.-Commissär . Hermannstadt. 

,, „ Bühuher Hermann, Dr. d. Chem., Josefstadt 121 Wien. 

210 „ .. Bilimek Dominik, Hochw., k. k. Gymn.-Lehr. . Eisenstadt. 

„ „ Bill Dr. Johann Georg, Professor am Joanneo Gratz. 



XXV 



P. T. Herr Birnbacher Josef, Hör. d. Rechte. Wieden 30 Wien. 

„ Bisehitif/ Anton, Assist, am Polytechnikum . . Wien. 

Böeck Johann, k. k. Steuerbeamter Marburg. 

- Boekh Georg, Dr. d. Med Pressburg. 

„ „ Boehm Josef. Dr. Phil. u.M., Prof. d. Handelsakad. Wien. 

Bolemann Johann r.. Apotheker in Ungarn . Lewa. 

.. Bolla Johann, dirig. überlehr. d. kalb. Hauptsch. Pressburg. 

.. .. Boos Josef, k. k. Hofgärtner. Landstrasse 664 . Wien. 

Borsitzky Karl r.. k. k. Materialsehaffer . . Königsfeld. 

„ Boschan Dr. Friedrick Wien. 

„ Boue Dr. Ami, Mitgl. d. k. Akad. d. Wissensch. 

Wieden. Xr. 594 Wien. 

.. Bozdech Dr. Gustav, k. k. Schulrath .... Krakau. 

.. BracheÜi Hugo Dr.. k. k. a. o. Prof., Wieden 30 Wien. 

„ „ Brauer Friedrich. Ausschussr. d. G., Spittelb. 134 Wien. 

„ 9 Braun Ernst. Dr. d. Med., Stadt Xr. 1132 w . Wien. 

„ „ Braunendal Karl r., k. k. Landesgerichtsrath Wien 

„ „ Brauner Dr. Franz. k. k. Regimentsarzt im lnft. Reg. Nr. 62. 

„ „ Braunhofer Ferdinand, Inspect. am k. k. Theres. Wien. 

„ „ Breitenlohner J. J.. Dr. d. Chem., Böhmen . . Chlumetz. 

„ .. Brenner Alois Ed!, r.. k. k. Hofjäger .... Weidlingau. 

„ Bressa/i Dr. Anton, k. k. Dir. d. Civüspitals . Ragiisa. 

„ „ Brittinger Christian, Apotheker Steyer. 

Bruck Joachim, Dr. d. Med., k. k. Oberarzt im lnft. Reg. Nr. 56. 

„ „ Brühl Karl. Dr. d. M., k. k. Prof. an d. Univers. Pest. 
T - Brunner Karl v. Wattenicyl. k. k. Telegr.-Direct. 

Ausschnssrath u. Yice-Präs. d. G., Laimgrube 16 Wien. 

„ .. Bryck Dr. Anton. Dir. am allgem. Krankenhause Krakau. 

„ „ Bsteh Josef Oher-Hollabrunu. 

„ „ Bunz Franz, Hochw., k. k. Feldkaplan . . Padua. 

-iÖ n r Burchez Heinrich. Gymn. -Lehrer Kronstadt. 

n ~ Casali Dr. Pasquale, Hochw.. Redact. d. dalm. 

Landeszeitung Zara. 

„ „ Casati Frcnzesco de B eitramini Bassano. 

Castelli Dr. Ignaz Franz, Stadt Xr. 677 . . . Wien. 

- Chalupsky Franz, Hochw.. Pfarrer Königsfeld. 

„ „ Chimani Dr. Ernst, k. k. Oberfeldarzt des Inf. Reg. Nr. 10. 

„ n Coda Dr. Alexander, k. k. Kreisarzt .... Temesvar. 
„ Conrad Sigmund, Hochw.. Priest, u. Prof. des 

Piaristen-Ordens Wien. 

„ Copanizza Anton, Hochw., Domherr .... Ragusa. 

„ „ Csdp Josef, Dr. d. M.. k. k. Bezirksarzt . . . Bäkes. 

M .. .. Cubich Johann, Dr. d. M. } k. k. Bezirksarzt . Veglia. 

d 



XXVI 



P. T. Herr Cucar Robert, k. k. Bezirka-Wnndarzl . . . Ludbreg. 

r) „ Cumdr Johann, Hochw.. Garnis.-Caplan . . . Palmanuova. 

„ „ Cusmich Johann E., Hochw., M. d« Plirm. Fr. 0. V. Rigesa. 

„ „ Czeglay Johann, k. k. Bezirksvorsteher . . . Troppau. 

„ „ Czelechowsky Dr., Ober-Stabsarzt Prag. 

„ „ Czermak Franz, Assist an d. techn. Lehranst. Brünn. 

„ „ Czermak Johann, Hochw. Lehr. u. Subrector 

am Josefstädter Gymnasium Wien. 

„ „ Czermak Josef, fürstl. Wirlhschaftsverwalter . Kammerburg. 

„ „ Czerny Florian R., Apotheker Mähr.-Trubau. 

260 „ „ Czerny Vincenz J., Apotheker Trautenau. 

,, „ Czerwiakowski Ignaz, Dr. d. Med., Prof d. Bot. Krakau 

„ ,, Czörnig Karl, Bar. v., Stadt Nr. 68 . . . • . Wien. 

„ „ Daubrawa Ferdinand, Apotheker Mähr. -Neustadt. 

„ „ Deaky Sigmund, Hochw., Bisch, v. Caesaropolis Raab. 

„ „ Dechant Norb., Hochw., Lehr, am Schottengymn. Wien. 

„ „ Decani Dr. Ernst, Bergarzt in Siebenbürgen . Zalathna. 

„ „ Demel Johann, Lehr, der k. k. Realschule . . Olnuilz. 

„ „ Demel Josef, Secr. im k. k. Min. f. Cult. u. Unt. Wien. 

„ „ Demel Josef Theophil jun., Stud'tr., Stadt 258 Wien. 

270 „ Deschmann Karl, Custos am Landes-Museum . Laibach. 

„ „ Dier Ludwig, Hochw., Lehr, am kath. Gymn. . Unghvär. 

„ „ Diesmg Dr. Karl Moriz , Mitglied d. k. Akad. 

der Wissenschaften, Stadt Nr. 74 Wien. 

„ „ Dimic Theophil, Gymn.-Lehrer Carlowitz. 

,, „ . Dittel Leopold, Dr. d. Med., Stadt Nr. 689 . . Wien. 

„ Ditz Franz, Dr. d. Med., Stadt Nr. 753 .. . Wien. 

„ „ D olliner Georg, Dr. d. Med., k. k. Gewerksarzt Idria. 

„ „ Dornas Anton Stefan, Hochw., Lehr. d. Realsch. Mähr.-Ti übau. 

„ „ Donnaggio Ormisda , Dr. , Lehrer am k. k. 

Lyceal-Gymnasium . . . , Verona. 

„ „ Dorfmeister Georg, Rev. d. k. k. Land.-Baudir. Gratz. 

280 fl B Dorfmeister Vincenz, Rossau Nr. 128 . . . . Wien. 

„ Dräsche Dr. Anton, Stadt Nr. 168 Wien. 

w „ Drazic Miroslav, Dr. d. M. u. Chir., Districtsarzt Karlsladt. 

„ „ Duftschmidt Johann, Dr. d. Med., Stadtarzt . . Linz. 

„ „ Ebenhöch Franz, Hochw., Pfarrer, bei Raab . Koronzo. 

„ „ Eberl Karl Freih. v., Hochw,, S. J., Consisto- 

rialralh im Priester-Seminar Linz. 

„ „ Eberstaller Josef, Kaufmann, bei Gratz . . . Groisbach. 

,, „ Eder Wilhelm, Hochw., Abt des Stiftes . . . Melk. 

,, „ Effenberger Dr. Josef, praktischer Arzt . . . Hitzing. 

„ „ Egger Johann, Dr. d. Med., k.k. Hof-Wundarzt . Wien. 



XXVII 



290 p. T. Herr Ehmer Jacob, Dr. d. Med. u. Chir., Steiermark Windisch - Gratz. 

Ehrenthal Eduard, k. k. Bezirksarzt .... Neutra. 

Ehrlich Karl, Custos am vaterländ. Museum . Linz. 

Ehrmann Josef, Mag-, d. Pharm., Stadt 934 . . . Wien. 

Eiben Johann, Hochw., Schulinsp.u. Gymn.-Dir. Hermannstadt. 

Eisenstein Anton Ritt, v , Dr. d. Med., Stadt 1 1 02 Wien. 
Eileiber ger Wilh. Edl. v. Edelberg, k. k. Ober- 

Kriegskommissär Wien. 

„ Engel Heinrich, Hochw., k. k. Professor . . Linz. 

„ ,, Enzenberg Graf Hugo Innsbruck. 

„ „ Enzenhof er Michael, Hochw., S. J. Subregens 

im Priester-Seminar Linz. 

i00 „ ... Erding er Karl, Hochw.. Dir. d. bischöfl. Semin. Krems. 

., „ Ettinger Josef, k. k. Waldbereiter Kovil. 

„ ., EttingshausenDv. ConstanlinR. v., k. k. Prof., 

Alservorstadt Nr. 269 . . Wien. 

Etil Franz,, Chemiker Wien. 

Farkasch Dr. Johann, k. k. Bezirksarzt . . . Luttenberg. 

Feichtinger Alex., Dr. d.M., k. k. Bezirksarzt , Gran. 

Feiller Franz k* k. Staatsbeamter, Steierm. Neuberg. 
Felder Dr. Cajetan, k. k. Notar, Ausschussrath 

u. Vice-Präs. d. Gesellsch., Stadt Nr. 1150 . . . Wien. 

Felder Dr. Karl, Stadt Nr. 681 Wien. 

Feldmann Johann, Stadt Nr. 1137 W r ien. 

310 „ „ Felix Eugen v., Wieden Nr. 889 Wien. 

Felsenreich Gottfried, k. k. Hof -Wundarzt 

Laimgrube Nr. 1 Wien. 

,, ., Fenzl Dr. Eduard, Prof. u. Dir. am k. k. botan. 
Mus., Mitgl. d. k. Akad. d. Wiss., Ausschuss- 
rath d. Gesellsch., Rennweg 638 Wien. 

„ „ Ferlinz Eduard Marburg. 

Ferrari Angelo Conte de, Neubau Nr. 285 . . Wien. 

,, Fegerfeil Karl, Hochw., Lehr, am Josefst. Gymn. Wien. 

„ „ Filiczky Theodor, Dr. d. Med Oedenburg. 

„ ., Finger Julius, Ausschussr. d. G., Nr. 68 . . . Unt. Meidling. 
„ „ Fischer Karl, k. k. Adjunkt b. Handelsgericht, 

St. Ulrich Nr. 42 Wien. 

„ „ Fitzinger Dr. Leopold, Custosadjunct am k.k. 

zool. Mus. , Mitgl. d. k. Akad. d. Wissensch., 

Ausschussrath u. Vice-Präs. d. Gesellsch. . . . Wien. 

320 .. Flatz Franz, Alservorstadt Nr. 321 Wien. 

.. Fleischer Stefan, M. Pharm., Med.-Oek.-Beamt. AVien. 

„ Flora Anton, Dr. d. M. u. Ch., pr. Arzt, Stadt 176 Wien. 

d * 



XXVIII 



P. T. Herr Foetterle Franz, k. k. Bergrath an der k. k. 

geolog. Reiehsanstalt Wien. 

,, „ Förster Dr. Leopold, im k. k. Thierarznei-Iusl. W ien. 

„ „ Fradenek Dr. Const. v., k. k. Landesmedizinalrath Klagenfurt. 

,., „ Frank Alfred, Kitter v., k. k. Major in Pension Gratz. 

„ „ Frank Josef, Lehr. d. Phys. an d. k. k. O.-Realsch. Linz. 

„ „ Frankl Dr. Josef Ad., Badearzt Marienbad. 

,, „ Franz Karl, Dr. d. Med., Mähren liossilz. 

330 „ „ Franzenau Josef, k. k. Bergrath Klausenhnrg. 

„ ,, Frass Johann, Hochw., k. k. Garnis. -Kaplan . Caltaro. 

„ „ Frauenfeld Eduard, Stadtbaumeist., Wieden 348 Wien. 

,, „ Frauenfeld Georg Ritt. v. 3 Custosadjunct am 

k. k. zoologischen Museum, Secretär d. G. . . Wien. 

„ „ Freier Heinrich, Gustos am Museum .... Triesl. 

„ „ Frey dl Michael, Lehrer au d. Muslerhauplschule Gratz. 

„ „ Friedrich Adolf, Pliarmaceut, Scholtenfeld 304 Wien. 

„ „ Fridrich Dr. Karl, k. k. Bezirksarzt Bruck an d. Mur. 

„ „ Friese Franz, k. k. Min.- Concip., Landslr. 303 Wien. 

„ „ Fritsch Anton, Custos am naturhist. Museum . Prag. 

340 „ „ Fritsch Karl, Adj. a. k. k. Centr. -Inst. f. Meteor. 

c. Mitgl. d. k. Akad. d. Wiss., Ausschussr. d. G. Wien. 

„ „ Fritsch Josef, Privatier, Böhmen Zinnwald. 

„ „ Frivaldszky Dr. Emer. v., em.Cust. d.k. ?s T at. -Mus. Pest. 

,, „ Frivaldszky Johann v., Cust. am k. Nat.-Mus. Pest. 

„ „ Frommer Hermann, Dr. d. Med., Stadt 588 . Wien. 

„ ., Fuchs Johann, Forstmeister, Steiermark . . . Neuberg. 

„ „ Fuchshof er Johann, Lehramts-Candidat . . . Wien. 

., ,, Fünkh Cajetan, Dr. d. Med., Hauptstrasse 27 . Penzing. 

„ „ Fürstenberg Friedrich, Landgraf zu, Fürslbisch. Olmütz. 

„ „ Fürstenwärther Freih. v., k. k. Stalthalt. -Rath Gratz. 

350 „ „ Fürth Josef, Mediziner Wien. 

„ „ Fuss Carl, Prof Hermannsladt. 

„ „ Fuss Michael, Prof Hermannstadt. 

„ „ Gall Leopold, Stadt Nr. 1089 Wien. 

„ „ Gallenstein Meinrad v., k. k. Gymn.-Lehr. . . Klagenfurt. 

„ „ Gassner Theodor, Hocliw., k. k. Gymnasialdir. Ofen. 

„ Gebauer Julius, k. k. Kriegskommissär . . . Wien. 

„ „ Gelenlser Privatus, Hochw., Prior des Convents 

der Barmherzigen Ofen. 

,, ,, Georgens Dr. Johann, Dir. d. Heil- u. Erz.-Anst. Liesing. 

„ „ Gerenday Dr. Josef, k. k Prof. u. Dir. d. hol. Gart. Pest. 

360 » n Gerlach Benjamin, Hochw., Gymn.-Lehr. . . Sluhlweissenhg. 

„ „ Gerliczy Josef, Freih. v., k. k. F.-M.-Lieut. . Ragusa. 



XXIX 



P. T. Herr Geschwind Rudolf, k. k. Bezirksfürster , Tirol Fondo. 

m Ghebel Friedrich r., Hochw Triest. 

«, Giraud Josef, Dr. d. Med.. Landstrasse Nr. 36S Wien. 

.. Girtler Dr. Gottfried, Apotheker, Stadt Nr. 137 Wien. 

.. Gittriceu Nicolaus, k, k Kreisgenchtsrath . . Ragnsn. 

„ .. Gladyszewiez Matth.. Hochw.. Gen.-Cap.-Yik. Krakau. 

„ „ Gleiss Franz, Hochw., Gymn.-Lehr Stift Melk. 

r (, Glückselig Dr. August. Stadtarzt Ellbogen. 

170 » •• Gobanz Josef. Lehrer an d. Ober-Realschule . Gratz. 

„ Gottwald Johann. Hochw., Pfarrer Josefsberg. 

Grabacher Dr. Anton, k. k. Bezirksarzt . . . Waidhofen a.d.T. 

.. Graf Rainer. Hochw., k k. Professor .... Klagenfurt. 

.. Granner Alexander, prakt. Arzt. Mariahilf 80 Wien. 

r Grave Heinrich, k. k. Beamter, Wieden 715 Wien. 

„ „ Gredler Vincenz. Hochw.. Gymn.-Lehr. . . . Bozen. 

r „ Grill Johann, k. k. Forster Ebensee. 

.. Grirnus R. v. Grimburg Franz, Apotheker . . St. Polten. 
„ Gruber Josef. Dr. d. M ed.. See. -Arzt im allg. 

Krankenhause Wien. 

380 u Gruhner Josef, Beamter im k. k. Grundbuche. 

Spittelberg Nr. 134 Wien, 

Grunow Albert, Chemik. d. Metallwaarenfabrik Berndorf. 

GregorzekDr. Adalbert, k. k. Prof., Galizien . Podgorze. 

Gugler Josef. Gymn.-Suppient. Josefstadt Nr. 43 Wien. 

Gutsch Joach.. k. k. Ob.-Kriegsk. u. Verpflegsref. Prag. 

Guttmann Wilhelm. Stadt Nr. 962 Wien. 

Haas Michael, Dr , Hcchw.. Bischof .... Szathmpr. 
Habel Franz. Dr. Med , Stadt- u. Badearzt . . Baden. 
Haberlandt Fried., Prof. d. k. k. landw. Lehranst. Ung. -Allenberg. 
.. Haberler Dr. Franz Ritter w, Hof- und Ge- 
richtsadvokat, Stadt Nr. 442 Wien. 

390 „ Hackher Josef, Freih. v.. zu Hart, k. k. Concip. 

im Finanzministerium, Stadt Nr. 951 .... Wien. 

„ Hackspiel Joh. Conrad. Dr., k. k. Gymn.-Lehr. Iglau. 

, Haerdtl August, Freih. v.. Dr. d. M., Stadt 1057 Wien. 

Hafner Franz. k. k. Gyinu.-Lehr Cilli. 

Haider Dr. Johann, k. k. Ober-Feldarzt beim Inf. Reg Nr. 60. 
. Haidinger Wilhelm, k. k. Hofrath. Mitgl. d, k. 

Akad. d. Wisseusch., Landstrasse Nr. 3ö3 . . Wien. 
. Haimhoffen Gustav Ritt, v., k. k. Kassier d. 

Slaatshauplkasse, Ausschussr. d. G, Thury 122 Wien. 
. Hailer Karl. Dr. d. M.. Primär -Arzt im a!lg. 

Kraukenhause Wien. 



XXX 



P. T. Herr Haller Friedrich, Stadt Nr. 1437 Wien. 

„ „ Hammerschmied Josef, Dr. d. M., k.k. Bezirksarzt Also-Kubin. 

400 „ „ Hampe Clemens, Dr. d. Med., Stadt Nr. 587 . Wien. 

„ „ Hanf Blasius, Hochw., Pfarrer, Ober-Steierm. Mariahof. 

„ „ Hantken Maximilian R. v. Prudnik, Hochstr. 9 Pest. 

„ „ Hartmann Friedrich, Ritt, v Wien. 

„ „ Haschek Jakob Karl, Dr. d. M., Weissgärber 37 Wien. 

„ „ Haszlinszky Friedrich, Prof. d. Naturgesch. . Eperies. 
„ „ Hauer Franz R. v., k.k. Bergrath, c Mitgl. d. 

Akad. d. Wiss., Ausscbussr. d.G., Landstr. 744 Wien. 

„ „ Hauffen Heinrich, Kaufmann Wien. 

„ „ Hauke Franz, Direct. der Handelsakademie . Wien. 

„ „ Haulik Georg, Cardin al-Erzbischof, Eminenz . Agram. 

440 „ Haunold Franz, k. k. Förster, N. Oest. . . . Alland. 

„ „ Hauser Ferdinand, Dr. d. M., Schottenfeld 546 Wien. 

„ ,, Hauser Ferdinand, Apotheker Klagenfurt. 

„ „ Hausmann Franz Freih. v Bozen. 

„ „ Haynald Ludwig, Dr. d. Theol., Bischof, Exc. Karlsburg, 

„ „ Heeger Ernst Laxenburg. 

„ „ Hegedüs Victor v., Techniker Ofen. 

„ „ Hegyi Johann, Bezirksarzt, Honther Comit. . Bath. 

„ „ Hein Isidor, Hörer d. Medizin, Rossau Nr. 7 . Wien. 

„ „ Hein Theodor, Pharmaceut, Rossau Nr. 7 . . Wien. 

420 n r> Heinrich Wilhelm Gottfried, Handelsmann . . Wien. 
„ „ Heintl Karl R. v., Dr. d. Phil. u. Rechte, Univ.- 

Syndikus, Stadt Nr. 749 Wien. 

„ „ Heintl Franz R. v., Dr. d. Phil. u. Rechte, p. k. k. 

Ober-Finanzrath , Stadt Nr. 563 Wien. 

Heinzel Ludwig, Dr. d. Med., Mariahilf Nr. 458 Wien. 

„ „ Heiser Josef, Eisenvvaaren-Fabriksbesitzer . . Gaming. 
„ „ Helfert Dr. Josef, Alex. Freih. v., k. k. Unter- 

staatssecretär Wien. 

„ „ Heller Dr. Camill, k. k. Prof. der Zoologie . Krakau. 

„ „ Heller Dr. Franz Wien. 

„ Heller Dr. Johann Florian, Alservorst. 352 . Wien. 

„ ., Heller Karl, k. k. Gymn.-Lehr. am Theresian. Wien. 
430 ,, „ Henikslein Wilhelm Freiherr v., holländischer 

Genemlconsul, Stadt Nr. 943 Wien. 

„ „ Hepperger Dr. Karl v • . Bozen. 

„ Heufler Ludwig Ritt, v., k. k. Sectionsralh 

n. Kämmerer, Landstrasse Nr. 747 Wien. 

„ „ Illerschel Joachim, Ritt, v Wien. 

„ „ Hierschel Oscai\ Privatier Triesl. 



XXXI 



P. T. Herr Hülmann Ar/W, k. k. Ober-Kriegskommissär . Wien. 

Hingen au Otto^v\\. v.,k. k. Ob.- Bergr., Stadt 804 Wien 

Hinterhuber Julius, Apotheker Salzburg. 

.. Hintertcchncr Georg* Hochw., k. k. Prof., Land- 
strasse Nr 500 Wien. 

.. Bmteröcker Johann N., P. S. J. Hochw., Prof. 

am Seminarium Linz. 

tin „ Hirner Corhinian, Rossau Ar. 172 Wien. 

Hirsch Ignaz, Mediziner Wien. 

Hitschmann Hugo H., fürst 1. Schwarzenberg*- 

scher Beamter, Böhmen Grosslippen. 

„ „ Hlater H Pest. 

„ „ Hochstelter Ferdinand, Hit!, v., Dr., Prof. am 

Polyteclinicum Wien. 

.. Hoefer Franz-, Lehrer Pillichsdorf. 

„ „ Hoelzel Johann, GaJizien Alt-Sandec. 

„ Hoelzel Karl, Lehramtscandidat Wien. 

,, Hoelz-l Michael, Apotheker Maria-Zell. 

.. Hoernes Dr. Moria, Vorst, d. k. k. Mineral. -Kab., 

c. Mitgl. d. k. Akad. d. Wiss., Ausschussr. d. G. Wien. 

150 .. Hoffer Johann, akad. Turnlehrer, Wiedeu 891 Wien. 

„ Hoffmann Adolf Julius, Dr. d. Med., Stadt 549 Wien. 

Hoffmann Jacob, Realschullehrer Korneuburg. 

Hoffmann Josef, k. k. Beamter, Landstrasse 91 Wien. 

„ Hoffmann M'-olaus Laibach. 

„ „ Hofmann Josef, Hochw., Can., Gymn.-Lehr. . Brixen. 

„ Hofstädler Gotthard, Hochw., Gymn.-Lehr. . Kremsmünsler 

Hohmayer Anton W 7 ien. 

.. HoUdn Adolf, Dr. d. Med., k. k. Land-Med.-Rath Ofen. 

.. Hollerung Karl, evangel. deutscher Pfarrer . Modern. 

4150 n - Holzinger Josef Bonav., Josefstadt Nr. 113 . Wien. 
Hornig Johann v., Secretär d. österr. Staats- 

Eisenbahü-Gesellschaft, Nr. 231 Fünfhaus. 

.. Hönning Karl, Pharm. Mag., Apotheker . . . Kronstadt. 

II orr dth Sigismund, Hochw., Prof. d. Mathem. Erlau* 

„ Huber Joh.. Dr. d. Med. u. Chir., Stadt 1044 Wien. 

„ Huber Josef, Hochw., Pro f Cilli. 

„ Hügel Franz, Dr. der Med., Dir. des Kinder- 
spitals. Wieden Nr. 481 Wien. 

Hübl Johann. Realschullehrer Korneuburg. 

„ .. Hugo Alb., Eigenthümer der Jagdzeilung . . Wien. 
„ - Ht/rtl Dr. Josef, k. k. Prof., Regierungsrath, 

Mitgl. d. k. Akad. d. Wis«ensch., Alservorst. 201 Wien. 



XXXII 



470 P. T. Herr Jalornegg- Gamsenegg Marcus Freih. v.jun. . Klagenfurt. 

„ „ Jäger Dr. Gustav, Doc an d. k. k. Universität Wien. 

„ „ Jahn Aurem., Hchw., Prior d. Conv. d. Barmh. Wien. 

„ „ Jakob Josef Brünn. 

„ „ Janka Victor v., k. k. Kadet, Ungarn .... St. Georgen. 
„ „ J arisch Anton. 

„ „ Jaug Josef, k. k. Rentmeister Ladomer. 

., „ Jechl Franz, Hochw., Prof. d. Theologie . . Budweis. 

„ „ Jeiteles Sigmund, k. k. Bezirkswundarzt, Ung. Lewa. 

„ J elmall P., Bürgermeister, Ober-Oesterreich . Halleiii. 

480 n - Jermy Gustav, Prof. d. Naturgeschichte . . . Kis-Uj-Szällas. 

„ „ Jesovits Heinrich, Apotheker, Stadt Nr. 8G6 . Wien. 

„ ,, Jeuschenag Josef, Lehrer d. Naturwissensch. Pancsova. 

„ „ Josch Eduard Ritt, v., k. k. Landger.-Präs. . Laibach. 
,, „ Josst Franz, Obergärtner des Herrn Grafen von 

Thu n - Ho h ens tei n Tetschen. 

„ „ Jungh Filipp, Dr. d. Med. u. Chir., Stadt Nr. u 257 Wien. 
,. „ Juratzka Jakob, Offic. d. k. k. Direct. in Dicast.- 

Geb.-Angeleg., Rechn.-Führ. d. G., Wieden 65 Wien. 

„ „ Kaar Jakob, k. k. Beamter, Spittelberg Nr. 81 Wien. 

,, Frau Kablik Josefine, Apothekers- Witwe ..... Hohenelbe. 

Herr Kacz>kowsky Anton R v. . . . Lemberg. 

„ Kalbrunner Hermann, Apotheker Langenlois. 

„ „ Kalmus Jacob, Dr., Sec.-Arzt im St. Annenspit. Brünn. 

,, „ Kamp August, Dr. d. Med., Landstrasse 268 . Wien. 

„ Kapeller Ludwig, Mechaniker, Gumpendorf Nr. 1 Wien. 

„ ,, Käppis Ernst, k. k. Kreisthierarzt Neusatz. 

,, ., Karrer Felix^ p. k. k. Ministerialbeamter . . Wien. 

„ ,. Kautezky Emanuel, Kaufmann, Josefst. Nr. 69 . Wien. 

„ ., Kautzki Anton, Dr. d. Med. u. Stabsarzt . . . Myslenice. 

., ,, Keil Franz, Magister der Pharmacie Lienz. 

,, ., Kek Karl, nächst Wels auf Schloss Aistershaim. 

„ „ Keller Fridolin v. Schieilheim, k. k. Kriegskom. Ofen. 

„ Kempelen Ludwig v., k. k. Beamt , Leopoldst. 136 Wien. 
„ „ Kempen Johann Freih. v. Fichtenstamm, p. k. k. 

F. M. L., Kxcell., Alservorst. Nr. 1 Wien. 

„ „ Kern Florian, Direct. d. Haupt- u. Unlerrealsch. Pilsen. 

,, ., Kerner Dr. Anton, Prof. an d. Universität . . Innsbruck. 
„ ., Kerner Josef, k. k. Adjct. beim Landesgericht 

Ausscliussr. d. G., Alservorsladt Nr. Iii . . . Wien. 
Khevenhuller-Melsch, Fürst Iiichard m, Durchl., 
Präsident d. Gesellschaft. 
,, Kinzky Graf Christian. 



490 



XXXIII 



P. P. Herr Kirdly Ferdinand , Hochw., k. k. Garnisons- 

Spitalskaplan Lcgnago. 

„ Kirchner Leopold, Magister der Chirurgie . . Kaplitz. 

510 ,, ,1 Klemm Josef, Buchhändler, Stadl Nr. 541 . . Wien. 

Klessl Prosper, Hochw., Hofmeister des . . . Stiftes Vor au. 

Klug Josef. Hörer der Philosophie Wien. 

„ Knauer Dr. Blasius, Gymn.-Lehr., Lcopoldst. 456 Wien. 
„ Kner Dr. Rudolf, k. k. Prof., Mitgl. d. k. Akad. 

d. Wi>s., Ausschüsse d. G., Josefstadt Ar. 245 Wien. 
„ Knöpfler Wilhelm, Dr. d. Med. u. Chirurg., 

k. k. Kreisarzt, Siebenbürgen Maros- Yäsärhely 

„ „ Knorring, Freih. v., bei d. k. russ. Gesandtsch. Wien. 
.. Kobany Franz, Hochw., Piar.-Ord. -Priester 

Josefstadt Wien. 

.. Koch Karl, Reinhartsgasse Nr. 490 Ottakring. 

Kodermann Cölestin, Hochw., Gustos im Stifte St. Lambrecht. 

520 n n Kodermann Richard, Hochw., k. k. Prof. . . St. Paul. 

„ „ Koechel Dr. Ludwig, Ritt, v., k. k. Rath . . Salzburg. 

Koelbl Josef, Hochw., Gymnasial-Lehrer . . . Wr.-Neustadt. 

„ Kohlmayer Paul, Hochw., Pfarrer, Kärnten . Mallein b. Gmünd. 

Kokeil Friedrich, k. k. Land.-Hauptcassa-Offic. Klagenfurt. 

., Kolazy Josef, Access, im k. k. Finanzminist. Wien. 

„ Kolbe Josef, k. k. Prof. an der Technik . . . Wien. 

Kolenati Dr. Friedrich, k. k. Prof Brünn. 

Komarek Dr. Josef, Regim.-Arzt im k. k. 2. Lin.-Inf.-Reg. 

„ Konschegg Valentin, k. k. Gymnasial-Lehrer . Laibach. 

530 r> » Kopecky Josef, Gymnasiallehrer Pisek. 

„ „ Kopetzky Benedikt, Dr. d. Med., Lehrer der 

Naturgeschichte, Wieden Nr. 622 Wien. 

„ „ Komhuber Dr. Andreas, Lehr. d. Naturgesch. Pressburg. 

„ „ Knöttner Dr. Johann, in der Bukowina . . . Suczawa. 
„ „ Kotschy Dr. Theodor, Cust.-Adj. am k. k. botan. 

Mus., Ausscluissr. u. Vice-Präs. d. G., Josefst. 78 Wien. 

„ „ Kovats Julius v., Custos am National-Museum Pest. 

„ „ Kozenn Blasius, k. k. Gymnasial-Lehrer . . . Görz. 

„ König Moriz seil., Gemeindearzt Zala-Egerszeg. 

„ „ König Moriz k. k. Bezirksarzt Alsö-Lendva. 

„ „ Koss Franz, Hochw., Pfarrer Boldag. 

;40 „ Krasser Friedrich, Präfect am Theresia num . Wien. 

„ Kratky Anton, Parliculier Budweis. 

„ Kratter Dr. Heinrich, Kreisphysikus Zloczow. 

„ Kraus Dr. Bernhard, Rcdacteur der medicinisch. 

Zeitschrift Wien. 

e 



XXXIV 



P. T. Herr Kr ein Georg, k. k. küstenländ. Landes-Thier- 

wundarzt Triest. 

„ „ Krenner Josef, Techniker Wien. 

„ „ Kreutzer Karl, Custos an d. Univ.- Biblioth., 

Ausschussr. d. G., Wieden Nr. 954 Wien. 

„ „ Kriesch Johann, Lehr. d. Naturgesch. am Gymn. üngvar. 
„ „ Krist Josef, Dr. Ph., Lehr, an der k. k. Ober- 
Realschule am Schottenfeld Wien. 

„ „ Kroegler Rudolf Hipp., k. k. Gymn.-Lehr. . . Jungbunzlau. 

550 „ „ KHz Dr. Alois, k. k. Kreisarzt, Galizien . . . Jaslo. 

„ „ Kubinyi August v., k. Rath, Dir. d. Nat.-Mus. Pest. 

„ „ Künstler Gust. Ad., Oekonom, Lichtenlhal 449 Wien* 

„ „ Kukula Wilhelm, Lehrer an der Realschule . Laibach. 

„ j, Kulhanek Anton Josef, Lehr, am Ober-Gymn. Klausenburg. 

„ „ Kumpf Dr. Johann Gottfr., Stadt- u. Ger.-Arzt Klagenfurt. 

„ „ Kundrat Josef, k. k. Hausofficier, Laimgrube 2 Wien. 

„ „ Kundt Emanuel, Dr. d. Med Oedenburg. 

„ „ Kurz Karl, Bürgermeister Purkersdorf. 

„ „ Kurzak Franz, Dr. d. M., k. k.Prof., Josefst. 24 Wien. 
560 „ „ Kusebauch Wenzel, Hochw., Hauskaplan im k. k. 

Militär-Unter-Erziehungshause Prerau. 

„ „ Kutschera Fr anz, k. k. Beamter, Alservorst. 382 Wien. 

„ „ Lahres Adalbert, k. k. Werksapotheker . . Eisenerz. 

„ „ Lackner Josef, Hochw., Pfarrer, Salzburg . . Seethal. 

„ „ Lagonski Rudolf, in Galizien Grodek. 

„ „ Lallich Nicolaus Ritt. v. der Tulpe, k. k. Landes- 

gerichts-Präsident Zara. 

„ „ Lambort Theodor, k. k. Oberkriegskommissär Wien. 

„ „ LangKarl, Mag.-Concip., Leopoldst. 555 . . . Wien. 
„ „ Langenbacher Anton, Dr. d. M., k. k. Landes- 

thierarzt Temesvar. 

Langer Dr. Karl, k. k. Prof. an d. Josefs- Akad. Wien. 

570 „ „ Lazar Matheus, Gymnasiallehrer Warasdin. 

„ „ Lederer Camill, Dr. d. Med., Stadt 878 .. . Wien. 

„ „ Lehofer Josef, Dr. d. Med., Laimgrube Nr. 479 Wien. 

Leinkauf Johann, Hochw., Präf. a. Knab.-Sem. Wien. 

„ „ Leinweber Conrad, k. k. Hofgärtner .... Laxenburg. 

„ „ Lenk Franz, Dr. d. Med., Stadt Nr. 4454 . . Wien. 

LenhossekDr. Josef v., Professor ... ... Klausenburg. 

„ „ Leonhardi Dr. Hermann Freih. v., k. k. Pro- 
fessor der Philosophie Prag. 

„ „ Letocha Anton Edl. v., k. k. Kriegskommissär Wien. 
„ ,, Lichnowsky-Werdenberg, Fürst Karl, Durchl. 



XXXV 



580 P. T. Herr Linde Franz X.. Apotheker Melk. 

„ „ Lindpointner Anton. Hochw., regul. Chorherr, St. Florian. 
.. Linsbauer Mathias , Realschullehrer im k. k. 

Waisenhause Wien. 

.. Linzbauer Dr. Franz, k. k. Prof. an d. Univ. Pest. 
^ Lobkowilz Fürst Johann, Durchl. 

„ „ Low Franz, Dr. d. Med Heiligenslndt. 

.. Low Frans, Dr. d. Med.. Wieden Nr. 3Ö4 . . Wien. 

B B Löivy Eduard. Mediziner Wien. 

r „ Loosz Anton, Dr. d. Med.. Bezirksarzt .... Fünfkirchen. 

B « Lopuschan Johann, Gymn. -Lehrer, Ungarn . Lewa. 

590 „ „ Lorenz JSorbert, Oekonomiebeamler Münchengrälz. 

r .. Lorenzutti Anton, Dr. d. Med., Direct. d. st. 

Krankenhauses Triest. 

.. London Ernst. Freih. v Bistritz. 

„ .. Ludwig Johann. Waisenhaus-Director . . . Herniannstadt. 

B r Luggin Anton, Mediziner, Alservorst. Nr. 32'j. Wien. 

„ „ Lunkanyi Karl r.. Gutsbesitzer Oedenburg. 

„ „ Macchio Wenzl v.. p. k. k. Oberst, Stadt 628 Wien. 
„ Machat schek Adolf Dr . k. k. Lehr, der Ober- 
Realschule auf der Landstrasse Nr. 338 .... Wien. 
Machdiak Gustac. k. k. Landesgerichts-Offizial 

Stadt Nr. 934 Wien. 

„ „ Mttchrowicz, Dr W r ien. 

600 ~ r Maeber Karl. k. k. Concipist im Finanzmini- 
sterium, Stadt Nr. 1062 Wien. 

„ „ Magdich Mathias, k. k. Fortific.-Rechnungsoffic. Brood. 
„ „ Magyar Vict r. , Dr. d. Med. , k. k. Be- 
zirksarzt , Szaboicser Com Ujfehertö. 

„ „ Mahler Eduard, Hüttenamts-Yerw., b. Brünn . Adamsthal. 

r n Majer Mauritius. Hochw.. Gymn. -Lehr. . . . Fünfkirchen. 

„ - Makoicky Alexander. Realsehnllehrer .... Olmülz. 

„ „ Mandel Rudolf, Freih. v Gratz. 

„ Manger Josef r. Kirchsberg. k. k. p. Major, 

Wieden Nr. 443 Wien. 

r - Mark Josef. Hochw., Coop.. in k. Schlesien . Botenwald. 

- ,, Markbreiter Josef, Dr. d.M.. im allg. Krankenh. Wien. 
610 - « Markt Karl. k. k. Hauptmann. 

T/ „ Marschall Graf August , Archivar der k. k. 

gcolog. Reichsanstalt, Stadt Nr. 789 Wien. 

„ - Masch Dr. Anton, k. k. Prof. der höh. laud- 

wirthsch. Lehranstalt Ung.-Altenburg. 

„ „ Masur Franz. Dr. d. Med Brunn a. Gebirg. 

e* 



XXXVI 



P. T. Herr Matz Maximilian , Hochw., Pfarrer Höbesbrunn. 

„ „ Matzenauer Josef, Hochw., Lehrer der Untei- 

realschule zu St. Thekla Wien. 

„ „ Maupas Peter Dominikus, Hochw. Bischof . . Sehenico. 

„ „ Maurer Andreas, Hochw., Coop., Untersteier Hohlenegg. 

„ „ Mayer Alois , k. k. Beamter im Oberststall- 
meisteramte Wien. 

„ „ Mayer Ferdinand, Buchhalt. d. i. öst. Spark. Wien. 

620 v » Mayer Lorenz, Realschullehrer Reindorf. 

„ „ Mayr Franz, Dr. d. Med. u. Chir., k. k. Prof., 

Stadt 1076 Wien. 

„ „ Mayr Gustav, Dr. d. Med., Lehr, der Oberrealsch. Pest. 

„ „ Meissner Fr anz, Wund- u. Geburts-Arzt, Gum- 
pendorf Nr. 217 Wien. 

„ „ Meister Alois Bozen. 

„ „ Meixner Ubald, Hochw., Lehr. a. k. k. Kad. -Inst. Fiume. 

„ „ Melicher Ludwig, Dr. d. Med , Alservorst. 96 . . Wien. 

„ „ Mendel Gregor, Hochw., Stiftspriest., St. Thom. Brünn. 

„ „ Mendt Wilhelm, Gemeindearzt, Eisenb. Comit. . Janoshaza. 

,. „ Menschik Josef Stanisl., k. k. Statthaltereibeamt. Brünn. 

630 „ „ Meszlenyi Julius, Hochw., Primatial - Archivar Gran. 

„ „ Mick Josef, Präfect am Theresianum .... Wien. 

„ „ Michael Johann, Hochw., Garnisonsspit. -Kaplan Triest. 

„ „ Micksch Ludwig, Hochw., Coop Znaim. 

„ „ Miebes Ernest, Hochw., Lehr, am k. k. Gymn. Nikolsburg. 

„ „ Migazzi Graf Wilhelm, Stadt Nr. 928 ... . Wien. 

„ „ Mihalik Franz v., k. k. Waldbereiter .... Altsohl. 

„ „ Mihailovic Victor, Hochw., Dir. am k. k. Gymn. Pisino. 

„ „ Mihalovits Anton, Techniker Wien. 

„ „ Miskovits Anastasius, Hochw., Gymn. -Lehr. . Gross wardein. 
640 » " Miszkowsky Franz, Hochw., k. k. Garnis.-Seel- 

sorg-er bei W. Neustadt. 

,., ,, Monnier Le, Anton, k. k. Regierungsrath und 

Polizeidirector Brünn. 

„ „ Moesslang Dr. Karl, Nr. 112 Neulerchenfeld. 

,. „ Moser Dr. Ignaz, Prof. d. k. k. Iandw. Lehranst. Ung. -Altenburg-. 

„ „ Moselig Wilhelm, Lehramts-Candidat Wien» 

„ „ Moyses Stefan, Hochw., Bischof Neusohl. 

„ „ Mugerauer Dir, Anton, Gewerksarzt ..... Neuberg. 

„ „ Mü'Ier Anton, Leopoldsladt Nr. 58 Wien. 

„ „ Müller Anton, fürstl. Forstmeister, Schlesien Johannisberg. 

„ „ Müller Florian, Hochw., Coop., V. 0. W. W. Ipsilz. 

GÖ0 v n Müller Hugo, Hörer der Rechte, Stadt Nr. 833 . Wien. 



XXXVII 



P. T. Herr Müller Julius, Privat-Beamter Brünn. 

„ „ Müller Wenzl Adolf, Hochw., Pfarrer .... Wienerherberg. 

„ „ Müllner Alphons, Lehramtscandid., Wieden 268 Wien. 

„ „ Mürle Karl, Prof. im k. k. Kadelen-Institute . Hainburg. 

„ „ Mustazza Aleco, Freih. v., Landstrasse 370 . Wien. 

„ „ Mustazza Nicolaus , Freih. v., Landstrasse 370 Wien. 

„ „ Nadeniczek Johann, Jurist Wien. 

„ „ Nader Josef, Dr. d. Med. u. Chir , Primararzt 

im Versorgungshause ... Mauerbach. 

„ „ Nagy Karl v. Klausenthal, k. k. Steuereinneh. . Reps. 

C60 n n Nasazio Peter, Hochw., Hauptschuldirector . Triest. 

„ „ Natterer Johann, Dr. d. Med., Leopoldstadt 578 Wien. 

„ „ Nawarre Karl v., Rentmeister Fronsburg. 

„ „ Nawarre Christian Forstmeister ..... Kammerburg. 
„ „ Nechiba Peter, Hochw., Weihbischof i. p. i. 

Domprobst Kalocsa. 

„ „ Neilreich August, p. k. k. Oberlandes-Gerichts- 

rath, Ausschüsse d. G., Stadt Nr. 580 .... Wien. 

„ „ Nickerl Dr. Franz, k. k. Prof. an d. Universität Prag. 

„ „ Niessl von Mayendorf Gustav, Prof. a Polytech. Brünn. 

„ „ Niessl von Mayendorf Josef, k. k. pen. Oberst Gratz. 

,, , Niessner Adolf, k. k. Oberlieutenant .... Aussee. 

670 n n Koe Heinrich, Gymnasial-Lelirer Spalato. 



„ Noestelberger Franz, Hochw., Pfarrer, V. U. M. B. Unter-Olberndorf 

„ Nowicki Maximilian, Lehr. d. Naturg. a. Gymn. Lemberg. 

„ Noy Cäsar Ritt. v.,k. k. Minislerialralh, Stadt 245 Wien. 

„ Nozicka Josef, k. k. Bezirksförster, im Banate Bosowich. 



„ „ Oberleitner Franz, Hochw., Cooperator . . . Sleieregg. 

„ „ eil acher Josef }m\ Innsbruck. 

ig ->•> Offermann Karl Brünn. 

„ „ Opitz Dr. Cölestin, Hochw., Prior d. Barmherz. Wien. 

» r, Oppolzer Theodor, Hör. d. Med., Alsergr.. 109 . Wien. 

680 n n Ortmannn Johann, k. k. Beamter, Weissgärb. 1 12 Wien. 

„ „ Ott Johann, Dr. d. Med. u. Chir Prag. 

„ „ Pach Jgnaz, Stadt Nr. 403 Wien. 

„ T Pacher David, Hochw., Pfarrer Tröpolach. 

„ ,. Palliardi Anton Alois, Dr. d. Med Franzensbad. 

„ ., Panc Dr. Ferdinand. 

„ „ Pani Eduard, k k. Revierförster, Bukowina . Hoyniawa. 

„ ,. Papp Simeon, Apotheker, Arader Comitat . . Pankota. 

„ „ Parreiss Ludwig, Landstrasse Nr. 308 ... . Wien. 



,. Pasperger Anton, Fh. M., Senior d. Apoth.Grem. Raab. 

690 " Passagnoli Franz, Dr. d. Med., k. k. Bezirksarzt Bielitz. 



XXXVIII 



P. T. Herr Palrnban Dr. Karl von, k. k. Prof., Josefst. 97 Wien. 

„ „ Paulini Paulin f Hochw., Seelsorger, Sieben». Akosfalu. 

„ „ Paulus Ferdinand, k. k. Bezirksarzt Neuhäusl. 

,, „ Pazout Josef, Gymnasiallehrer Pisek. 

„ „ Pazsitzky Eduard, Dr. d. Med., Stadlarzt . . . Fünfkirchen. 

,, „ Pazzani Alex., Nordb.-Beamt., Landstr. 125 . . Wien. 

„ „ Pech Stefan, Hochw., Gymn.-Lehrer . . . . Ung.- Altenburg. 

„ „ Peitler Anton, Hochw., Bischof Waitzen. 

„ „ Pelser Josef v. Fürnberg, Dr. d. Med. im allg. 

Irrenhause Wien. 

700 „ „ Pelzein August v., Cust.-Adj. a. k. k. zool. Mus. Wien. 

„ „ Perczel Johann, Lehrer a. d. evang. Bürgersch. Oedenburg. 
„ „ Pergen Anton, Graf und Herr zu, Landstand 

von Nied. -Oesterreich . • Wien. 

„ „ Perger Anton R. v. , Prof. an der Akad. d. 

bildenden Künste, Wieden Nr. 433 Wien. 

„ „ Perisch Leopold, Hochw., Pfarrer Porabka. 

„ „ Pernhofer Gustav, Dr. d. Med. 

„ „ Peter Anton, k. k. Sectionsrath im Finanzminist. Wien. 

„ „ Peters Dr. Karl, k. k. Prof. an d. Universität Pest. 

„ „ Petri Franz, Dr. d. Med Gratz. 

„ „ Petruschka Peter, Rentamts-Rechnführ., Revierj. Ladendorf. 

•710 „ n Petter Alexander, Mag. d. Ph., Prov.d. Hofapoth. Salzburg. 
„ „ Petter Karl, Sparkassebeamt., Ausschussralh d. 

Gesellsch., Laimgrube Nr. 23 Wien. 

„ „ Petz Eduard, k. k. Major, Landstrasse Nr. 658 Wien. 

„ „ Peyritsch Johann, Cand. d. Med., Josefstadt 57 Wien. 

„ „ Pick Philipp, Dr. d. Med., Leopoldstadt Nr. 656 Wien. 

„ „ Pillwax Dr. Johann, Prof a.k. k. Thierarz.-Inst. Wien. 

„ „ Pirona Julius, k. k. Gymnasial-Lehrer . . . Udinc. 

„ „ Pittner Ignaz, Hochw., Pfarrverweser .... Kronstadt. 
„ „ Pittoni Josef Claudius, Ritter v. Dannenfeldt, 

k. k. Truchsess, st. Verordneier Gratz. 

„ „ Plappert Franz, Stud., Neubau Nr. 64 . , . Wien. 

720 „ „ Platzer Franz, Dr. d. Med., Regimentsarzt . . Bregenz. 

„ „ Plazer Viktor R. v., Dr.d.M., Assist, d. med. Klin. Gratz. 

„ „ Plenker Georg, k. k. Minist. -Rath, Stadt Nr. 801 Wien. 

„ „ Pluskal Franz, Gutsphysikus, Mähren .... Wellehrad. 

„ „ Poduschka Franz , Architekt , Landstrasse 646 Wien. 

„ „ Poeisch Ignaz Sigm., Dr. d. Med., Stiflsarzt . Kremsmünsler. 

„ „ Pohlmann Josef, Apolhckcr, Stadt, Nr. 1152 . Wien. 
„ „ Pokorny Dr. Alois, Lehr. a. k. k. ak. Gymn. u. 

Privatdoc. a. d.Univ., Aussehussr.d. G., Alsergr. 1 Wien. 



XXXIX 



P. T. Herr Pokornjj Dr. Franz, k. k. Hof- und Gerichts- 

Advokat, Sladt Nr. 74 Wien 

Pokomy Johann, Beamter Prag". 

730 .. .. Pokorny Rudolf, Stadt Nr. itl7 Wien. 

Poltik Dr. Ignaz, k. k. Comitalsarzt Raab. 

Politik Simon, k. k. Bezirksarzt, Ungarn . . Enying. 

.. Pomutz Konstantin, Dr. der Med. u. Med. -Rath Temesvar. 

Pongratz Gerard v , Hochw., Director . . . Nagy-Bänya. 

Porges Gabriel. Dr. d. Med., praktischer Arzt Karlsbad. 

Porm Adolf, Oberlehrer, Böhmen Hohenmaulh. 

„ „ Poszvek Gustav, Gy mnasial-Lehrer Oedenburg. 

„ ., Praschek Alexander, Hochw., Kaplan .... Brünn. 

Preininger Maxim., k. k. Kriegskommissär . Wien. 

740 - „ Preisinger Heinrich, Dr. d. Med , Eisenbahnarzt St. Pölten. 

„ „ Preiss Ludwig, Dr Görz. 

„ „ Preuer Friedrich, k. k. Bezii ksvorsteher . . . Gastein. 
Prugger Franz Sal. , Hochw., Dir. d. Taub- 
stummen-Institut Gratz. 

,. Puchberger Ludwig, Oekonom Ung.- Altenburg. 

,. Pukalsky Josef Alois, Hochw., Bischof . . . Tarnow. 
„ „ Pullich Georg, Hochw., Dr. d. TheoL, Dir. d. 

Ober-Gymnasium Zara. 

„ .. Punzmann Theodor, k. k. Telegraphist .... Krakau. 
.. Purkyne Emanuel, Lehrer d. Naturgeschichte 

an d. böhm. Forstschule Weisswasser. 

Paschel Leopold, Hochw., Gymnas.-Dir. . . . Seitenstetten. 

»750 ,, „ Putz Josef, Hochw., Gymnas.-Dir. ..... Horn. 

,. Quadrio Moritz, Edl. r. Aristarchi , k. k. 

Finanzcommissär Teschen. 

„ Quintus Josef Ritt, v., k.k. Artiii. Hauptmann 

im Arsenale Wien. 

„ „ Rabic Simon, Hochw., Coop., Krain Höflein. 

Rank Karl, Leopoldstadt Nr. 244 Wien. 

„ „ Ransonet Emil Freiherr von Wien. 

„ Rath Paul, Hochw., Böhmen Königswart. 

„ Raudnitz Alois, Dr., Wieden Nr. 294 ... . Wien. 

„ n Rauscher Dr. Robert, k. k. Finanzprocuraturs- 

Adjunct, Ausschussr. d. G., Stadt Nr. 618 .. . Wien. 

„ .. Rechberger Augustin, Hochw., S. J. Domcapit. Linz. 

760 r> r> Redlenbacher Dr. Ludwig, Dir. d. k. k. zool. Mus. Wien, 
„ „ Reichardt Heinrich Wilh., Dr. d. RL, Assist, am 
k. k. botan. Garten, Privat-Docent a. d. Univ., 



XL 



P. T. Herr Reichardt Johann, k. k. Hauptmann und Prof. 

der Arlill.-Akad., Mahren Weisskirchen. 

„ „ Reisinger Andreas, Dir. d. techn. Akademie . Lemberg. 

„ ,, Reiss Franz, pract. Arzt Kieling. 

„ ,, Reiss Johann, Realscliullehrer zu St. Anna . . Wien. 
„ „ ReissekD. Siegfried, Cust.-Adj. a. k. k. bot. Mus. 

e. Mitgl. d. k. Akad. d. Wiss , Ausschussr. d. G. . Wien. 

„ j, Rettig Andreas, Hoehw., P. 0. P., Real-Schulleh. Kremsier. 

„ „ Renss Dr. Aug. Emanuel, k. k. Prof. an d. Univ. Prag. 

„ „ Richter Daniel Dr. d. Med., Comitats-Arzt . . Rima - Szombath. 

"760 „ „ Richter Josef, k. k. Militär- Apoth. - Official Wien. 
„ „ Richter Dr. Vincenz, k. k. Hof- u. Gerichts- 

Advoeat, Leopoldsladt Nr. 314 Wien. 

„ „ Riefet Franz, Freih. k. k. Concip. im Finanz- 
ministerium, Stadt Nr. 592 Wien. 

„ „ Rinaldi Dr. Peter , k. k. Comitatsarzt . . . . Fiume. 

„ „ Rischanek Dr. Hubert, k. k. Oberarzt im Inf.-Reg. Nr. 10. 

„ ,, Robert Justin, Grosshändler, Ober-Oesterr. . . Hallein. 

„ „ Roedl Heinrich, Hochw., Garnisons-Caplan . Gratz. 

„ „ Roemer Karl , bei Brünn Namiest. 

„ „ Rogenhof er Alois, Assist, a. k. k. zool. Museum, 

Ausschussr. d. G., Josefstadt Nr. 98 ..... Wien. 

„ „ Rollet Karl, Dr. d. Med Baden. 

770 „ „ Romer Dr. Franz Florian, Hochw., Gymn.-Lehr. Raab. 

„ „ Rosenthal Ludwig R. v., Stadt Nr. 754 . . . Wien. 

„ „ Rossi Dr. Ludwig, k. k. Prof. am Lyceum . . Venedig. 

„ „ Rothhansel Anton, Dr. d. M., Wieden Nr. 823 Wien. 

,, Rottensteiner Franz, Wirthschaftsverwalter . Fronsbiirg. 

„ „ Ruprecht Martin, Dr. der M. im Krankenhause Tirnau. 
„ „ Russegger Josef R. k. k. Ministerial-Rath 

und Director Schemnitz 

„ Sabatzka, Hörer d. Rechte, Landstrasse Nr. 497 Wien. 

„ „ Sacher Eduard, Realschullehrer Korneuburg. 

„ „ Saga Karl, Dr. der Medizin Prag. 

„ „ Salzer Friedrich, Dr. d. Med., Chefarzt d. 

Westbahn, Stadt Nr. 156 Wien. 

780 „ „ Saher Michael, k. k. Gymnasial-Lehrer . . Mediasch. 

„ „ Samesch Anton, Dr. der Med Biala. 

„ „ Sardagna Michael v Trient. 

„ „ Sauer Franz, Realschullehrer zu St. Thekla, 

Wieden Nr. 466 Wien. 

„ „ Sanier Anton E., Dr. d. Med., k. k. Bezirksarzt Salzburg. 

„ „ Schabus Jakob Dr., Prof. d. Handelsakademie Wien. 



XLI 



P. T. Herr Schäfer Eduard, Dr. d. Med., k. k. Prof. an 

mediz.-chir. Lehranstalt Gräfe. 

Schiffer lynnz, Ritter r.. Kunzlei- Direet. d. k. 

grossbrittan. Gesandtschaft Wien. 

Schaffenhauer Franz, k. k. Gymnasiallehrer . Gört. 

790 .. „ Schaffet' Franz. Stadt Nr. 981 Wien. 

» Schaffgotsclte Anton Emst, Graf r., Bischof . Brünn. 

Schaitter Ignaz. Kaufmann Rzezow. 

Schascltl Johann, bei Klagenfurt Feilach. 

- Seke/f Michael, Dr. d. Med., Stadt Nr. 859 . . Wien. 

Scheffer Josef. Bürgermeister Mödling. 

„ „ Scheffler Karl, Sparkasse-Beamier Wien. 

„ „ Schelicski/ Guttat», Stadt Nr. 584 Wien 

Schemiii Karl. Dt. d. Ifed Raab. 

.. Schewczik Emanuel, Dr.. Dir. d. Unter-Realsch. Ung.-Hradisch. 

800 - u Schiedermayr Kart. Dr. d. Med.. Bezirksarzt . Kirchdorf. 

., Schiestl Anton Fischamend. 

„ Schiel Athanas r.. Hochw., Prof. d. Naturgesch. Erlau. 
„ .. Schierl Karl, k. k. Coucepts-Adjunkt im Finanz- 
ministerium. Alservorstadt Nr. 127 Wien. 

Schindler Heinrich, Dr. der Med Floridsdorf. 

„ Schindler Karl. k. k. Forstcandidat, Ungarn . Sellye. 

y» r Schirek Ernst, Hochw., Abt des Prämonstra- 

tenserstiftes.. 31ahren .... Neureusch. 

„ Schirl Heinrich, k. k. Förster, Bukowina . . Kupka. 
Schiciz Josef, Lehr, am Ober-Gymnasium . . Triest. 
Sch'echt Josef, Bandfabrikant, Nr. 275 . . . Ottakriug. 
810 y, Schlecht Dr. Leopold, Hochw.. Direct. am Josef- 
städter Gymnasium Wien. 

v „ Schleicher Wilhelm., Oekonomiebesitzer, N.-Oe. Gresten. 

„ Schlosser Dr. Josef, k. k. Land. -Med. -Rath . Agram. 

„ „ Schmidek Karl, Hochw.. k. k. Gymn.-Lehr. . Znaim. 

„ Schmidel Anton, Realschullehrer. Josefstadt 50 Wien. 

„ „ Schmidt Coloman. Hochw., Professor .... Eperies. 

„ „ Schmidt Ferdinand sen. bei Laibach .... Schischka. 

„ „ SchjJiuck J. c. Magister der Pharmacie . . Brixen. 

„ „ Schneider Dr. Josef. Stadtarzt, Böhmen . . . Przestic. 

„ y, Schneller August, k. k. Rittmeister ..... Pressburg. 

820 „ „ Schober Johann, Dir. d. Realsch., Leopoldst. 170 Wien. 
., r Schoenn Moriz, k. k. Official b. Central-Milit.- 

Rechn.-Depart.. Alservorstadt Nr. 142 .... Wien. 

„ .. Schramek Vinc. Herrn., Prior d. Bai mhei z. . . Agram. 

Sehrattenbach L.. Stadt Nr. 658 Wien. 

f 



XLII 



P. T. Herr Schreiber Egid., Supplent am Gymnasium . . Lugos. 
„ „ Schreitier Gottfried, Hochvv., Missar .... Pinkau. 
,, „ Schreyber Franz S. Edl. v., Hochw., Prof. d. Stift. Rlosterneuburg. 
„ „ Schröckinger- Neudenberg Jul. R. k. k. Fin.- 

Min.-Sekr., Ausschussr. u. Vice-Präs., Wieden 378 Wien. 
„ Schroff Dr. Damian Karl, k. k. Prof. an der 

Universität, Stadt Nr. 308 Wien. 

„ „ Schrott Constantin, Dr. d. Med., Kreisarzt . . Mitterburg. 
830 n w Schubert W., Director, bei Pinkafeld .... Oberschützen. 
„ „ Schüler Max Josef, Dr., Direct. u. Badearzt im 

st. st. Bade, bei Cilli Neuhaus. 

„ „ Schuller Moriz, Dr. d. Med., Tolnaer Comitat. Bonyhad. 
„ „ Schulzer von Müggenburg Stefan, k. k. Haupt- 
mann u. Commdt. d. Militär-Obererziehungsh. Kamenitz« 

„ „ Schur Dr. Ferdinand Wien. 

„ „ Schuster Gottfried, Hochw., k. k. Garn. -Kaplan. 
„ „ Schuster Hieronymus Dr. d. Med. u. Chir., k. k. 

Stabsarzt Innsbruck. 

„ „ Schwab Adolf, Apotheker Mistek. 

„ „ Schwab Michael, Hochw., Domh. u. Schuldir. Triest. 
„ „ Schwarz Gust. E. v. Mohrenstern, Leopoldst. 47 Wien. 
840 „ Schwarz Igna% Friedrich, k. k. Prof. d. Forstk. Schemnitz. 

„ „ Schwarzenberg Fürst Adolf, Durchl Wien. 

„ „ Scitovsky Johann v., Eminenz, Hochw. , Card.- 

Erzbischof von Gran und Primas von Ungarn. Gran. 

„ „ Sedlaczek W. F., Privatier . Kremsmünster. 

„ „ Sedlitzky Wenzl, Dr. Chem., Apotheker 

Schottenfeld 304 Wien. 

„ „ Seeburger Joh. Nep> R, v., Leibarzt Sr. k. k. 

apost. Majestät u. k. k. Hofrath, Stadt Nr. 25 Wien. 
„ „ Seeliger Joh. Nep. Dr. d. Med., k. k. Bezirksarzt Amstetten. 
„ „ Seidensacher Ed., k. k* Kreisgerichts - Secrelär Neustadtl. 
„ „ Sekera Wenzl J., Mag. der Pharm, Apotheker Münchengrätz. 

„ „ Semeleder August, Stadt Nr. 694 Wien. 

850 „ „ Semeleder Friedrich, Dr. d. Med., Mariahilf 64 Wien. 
„ „ Senior Dr. Karl, prakt. Arzt. 

„ Senoner Adolf, Landstrasse Nr. 687 .... Wien» 
„ „ Senor Dr. Friedrich, k. k. Strafhausarzt, Ung. Leopoldstadt. 
„ „ Seri Johann, Mag. der Pharm., St. Ulrich \)% . Wien. 

„ „ Setari Franz, Dr. d. Med Meran. 

„ „ Sevcik Franz, Lehrer an d. Gumpend. Realsch. Wien. 

„ Sieber Jgnaz, Hochw., Subprior d. Domin. Ord. Wien. 
„ „ Sigmund Wilhelm Beichenberg. 



XLIII 



P. T. Herr Simonics Gabriel, Hochw., k. k. Professor . . Oedenburg. 

860 n »i Simony Friedrich, k. k. Prof., Landstrasse 508 Wien. 

„ „ Sincich Johann, Realschul-Direclor Pirano. 

i) Smdelaf Karl, k. k. Gymnasial-Director . . . Deutschbrod. 
Skucel Libor, k. k, pens. Milit.-Appellalionsrath 

Leopoldsladt, Schöllerhof Wien. 

„ .. Skalicky Franz., mähr. Landsch.-Rcgistrator . Brünn. 
„ Skofitz Dr. Alexander, Redacteur d. botanisch. 

Zeitschrift, Wieden Nr. 331 Wien. 

„ „ Slatrikouski Dr., Ant., Prof. der Oculistik . . Krakau. 

„ „ Slezdk Anton, Lehrer an d. Unter - Realschule Alt-Brünn. 

„ „ Smiginocicz- Adolf, Gymnasiallehrer Kronstadt. 

Spenneder Bernhard, Direct. d. Unterrealschule 

zu Mariahilf Wien. 

170 „ „ Spirk Johann, Hochw.. Kaplan Turas. 

.. Spilzy Josef N., Handelsmann, Unter - Steierm. St. Leonhard. 

„ „ SpreUzenhofer G. C, Spark.-Beamt., Stadt 654 Wien. 

„ Stadler Anton, Dr. der Med. Wr. -Neustadt. 

„ „ Standthartner Dr. Josef, Primararzt im k. k. 

allg. Krankenhause Wien. 

„ Starkel Johann, Dr. d. Med.. Stadtarzt .... Tarnow. 

„ „ St au ff er Vinc., Hochw., Gymn.-Lehr. im Stifte Melk. 

„ „ Steib Karl, Oekonomie-Beamter Simongath. 

„ „ Steindachner Franz, Cand. d. Philos., Stadl 256 Wien. 

„ „ Steindl Alois, k. k. Beamter, St. Ulrich Nr. 92 Wien. 

880 r> » Steinhäuser Anton, p. k. Rath Wien. 

„ „ Steinhäuser Wenzl , Dir. d. k. k. Hofapotheke Wien. 

„ „ Steininger Augustin, Hochw., Abt des Stiftes Zweltl. 

„ „ Steininger Julius, Studirender Wien. 

„ „ Stelizyk Gustav, k. k. Oberstlieutenant . . . . Komorn. 
„ „ Stellwag Karl Edl. v. Carion , Dr. d. Med., 

k. k. Prof., Stadt 274 Wien. 

„ „ Stenzl Anton, Hörer d. Med., Lichtenthai 152 Wien. 

„ „ Stephanotits Thomas, Dr. d. Med., Stadtarzt . Temeswar. 

„ Sleyrer Raimund, Hochw., Pfarrer Lasnitz. 

„ „ Stimpel Anton, k. k. Gymnasial-Director . . Triest. 

B 90 .. Stock Vincenz, Hochw Tarnow. 

„ Stocker Josef, k. k. j. Gymnasial-Director . . Feldkirch. 

„ Stöger Wilhelm, k. k. Ober-Förster .... Mürzsteg. 
- Stoliczka Ferdinand, Hurer d. Philosophie . . Wien. 

.. Sloitzner Karl, Ungarn Szerdahely. 

„ „ Storch Dr. Franz, k. k. Bezirksarzt, Salzburg St. Johann. 

Stossich Adolf, Realschullehrer Triest. 

f* 



XLIV 



P. T. Herr Strasky Ignaz, Mag 1 , d. Ch. u. Prof. d. Zahn- 
heilkunde an d. Universität 

Strauss Franz, Dr. d. Med., Leopoldstadt 498 . 
Streintz Josef Anton, Dr. d. Med., Burggasse IG 
Streinz Dr. Wenzel, k. k. p. Gubernialralh und 

Protomedicus . . 

Striech Dr. Florian, Stadt Nr. 866 

Stricker Salomon, Dr. d. Med., im allg. Krankh. 

Ströbele k. k. Normalschullehrer 

Strohmayer Johann, Lithograph, Ausschüsse d. 

Gesellsch., Leopoldsl. 714 

Strossmayer Josef Georg, Hochw., Bischof 
und k. k. wirkl. geheimer Rath, Excell. . . 

Studnicka Franz, Lehramtskandidat 

Sluhlberger Alois, Dr. d. Med., Physikus und 

Sanitäts- Magister, Stadt Nr. 553 

Stur Dionys, k. k. Reichsgeologe, Landstr. 416 
Sülley Matthäus, Hochw., Gymn. -Lehrer . . . 
Suppan Joachim, Hochw., Abt des Stiftes . . 
Sutlner Gustav R. v., Stadt Nr. 729 .... 
Szabo Alois Dr. d. Med., Direct. d. Thier- 
arznei-Institutes 

Szabo Josef, Dr. d. Med., Prof. und Dir. der 

chir. Lehranstalt 

Szabo Othmar v., Dir. d. Benedict. Ob. -Gymn. 
Szenczy Emericus, Hochw., Prämonslr.-Super. 
Szlraka Gabriel, Hochw., Gymn. -Lehrer . . 
Szymonowicz Gregor, Hochw-, Bischof von 

Mariopolis i. p i. . 

Taffet Leopold, Dr. d. Med., Nr. 194 

Taraba Josef, Dr. d. Med., Assist, d. Botan. 

an d. Universität 

Tempsky Friedrich, Buchhändler 

Tessedik Franz v., Jurist 

Thinnfeld Ferdinand, Ritter v., Excell. 
Thomann Anton, Hochw., Gymn. -Lehrer . . . 
Thun Graf Leo, k. k. Reichsrath, Excellenz . 
Tilius Pius, Hochw., im Minoritenkloster . . 
Tkany Wilhelm, jub. k. k. Slatthalterei-Ralh . 
Tomaschek Anton, k. k. Gymnasial-Lehrer . . 
Tomaschek Dr. Ignaz, k. Bibliothekar .... 
Tomek Josef, Dr. d. Med., Herrschaftsarzt . . 
Tommasini Mulias Josef Ritter v., Podestä . 



Lemberg. 

Wien. 

Gralz. 

Gratz. 
Wien. 
Wien. 
Linz. 

Wien» 

Diakovar. 
Wien. 

Wien. 
Wien. 
Keszlhely. 
St. Lambrecht. 
Wien. 

Pest. 

Klansenburg. 

Raab. 

Steinamanger. 
Steinamanger. 

Lemberg-. 
Fünfhaus. 

Prag-. 
Prag. 
Wien. 

Krems. 

Wien. 

Pirano. 

Brünn. 

Lemberg-. 

Klagenfurt. 

Kammerbu rg. 

Triest. 



Herr Toth Franz, Hochw., Cislercienser - Priester, 

Gymnasial-Lehrer Erlau. 

Totter Vincenz, Hochw., Priester bei den P.P. 

Dominikanern Wien. 

„ Treubig Dr. Josef, prakt. Arzt . Neutitschein 

„ Tschek Karl, Fabriksdirector, Stadt Nr. 646 . Wien. 

„ Tschiderer Johann zu Gleifheim, Sr. Gnaden 

Fürstbischof Trient. 

„ Tschiertz Ferd., Mag. d. Pharm., Landstr. 663 Wien. 

„ Türk Rudolf, k. k. Concipist im Finanzmini- 
sterium, Stadt Nr. 806 ..... Wien. 

„ Ujhely Enterich v. , Hochw., Domherr, k. k. 

Marine-Pfarrer Venedig-, 

„ Ulleram Anton, Edl v., Reinharlsgasse Nr. 434 Ottakring. 

„ Ulrich Franz, Dr. d. Med., Primararzt im allg. 

Krankenhause Wien. 

„ Urbantschitsch Alois, Dr. d. Med., Landstr. 340 Wien. 

„ Unger Dr. Franz, k. k. Prof. der Botan., Mitgl. 

d. k. Akad. d. Wissensch., alte Wieden 101 . Wien. 

„ Ussner Alexander, Beamter am k. k. zool. Mus. Wien. 

„ Vahnta Alois, Dr. d. Med., k. k. Prof. d. Ge- 
burtshilfe Laibach. 

„ Venturi Gustav, k. k. Staatsanwalts-Adjunct . Venedig-. 

„ Vest Octav. v., Dr. d. Med. , k. k. Landes- 

medizinalrath Triest. 

„ Villers Alexander Freih. v., Legationsrath. d. 

k. sächs. Gesandschaft, Stadt Nr. 1140 . . . Wien. 

„ Vlacovic Dr. Paul, k. k. Prof Padua. 

„ Vogl August, Dr. d. Med. , Assist, a. d. Jos. -Akad. Wien. 

„ Vogl Karl, Hochw., Cooperator, Nied.-Oest. . Stein. 

„ Vovk Bernhard, Hochw., Direct. des k. k. 

Ober-Gymnasiums, Krain Neustadll. 

„ Vsetecka Franz, Chirurg Nimburg. 

„ Vukotinovic Ludwig v. Farkas, Vorsteher des 

Nation. Museums • Agram. 

„ Wachtel David, Dr. d. Med., k. k. Landesmedrath. Oedenburg. 

„ Wachtelhof er Severin, Hochw., Dr. d. Med. 

u. Philos. bei den Barnabiten Wien. 

„ Waginger Karl, Dr. d. Med., St. Ulrich Nr. 5 Wien. 

„ Wagner Eduard, Wieden Nr. 932 Wien. 

„ Wagner Paul, Cassier der Österreich. Sparkasse 

Rossau Nr. 378 Wien. 

„ Walcharz Franz, Wirthschaftsverwalter . . . Ladendorf. 



XLVl 



960 P. T. Herr Wallmann Heinrich, Dr. d. Med., k. k. Ober- 
arzt, an der k. k. Josefs-Akademie .... Wien. 

„ „ Walter Josef, Dir. d. k.k. Haupl- u.Unterrealsch. Korneuburg. 

„ „ Walter Julian, Hochw., P. 0. P., Gymnasiallehrer Prag. 

„ „ Waluszak Matthäus, Hochw., Pfarrer, Galizien Landskron. 

„ „ Wankel Dr. Heinrich, fürstl. Salm'scher Berg- 

u. Hütten-Arzt Blansko. 

„ „ Wawra Heinrich, Dr. d. Med., k. k. Marine- 
Oberarzt Triest. 

„ „ Weber Heinrich Joachim, k. k. Beamter im 

Ministerium des Aeusseren Wien. 

„ „ Weiglsberger Franz, Hochw., Pfarrer, N. Oest. Michehausen. 

„ „ Weinberger Rudolf, Dr. d. Med., Chef-Arzt der 
k. k. priv. österr Staats-Eisenbahn-Gesellschaft 

„ „ Weiner Dr. Anton, k. k. Gymn.-Lehrer . . . Iglau. 

970 „ „ Weinke Franz Karl, Dr. d. M„ Stadt Nr. 1150 Wien. 

„ „ Weiser Franz, Hörer d. Rechte, Wieden Nr. 781 Wien. 

„ „ Weiser Josef, Beamter d. Staatsbahn Prag. 

„ „ Weiss Adolf, Dr. d. Phil., Privat-Docent an der 

Universität, Landslrasse Nr. 440 Wien. 

„ „ Weiss Edmund, Dr. d. Phil., Assist, an d. k. k. 

Sternwarle, Landstrasse Nr. 440 Wien. 

„ „ Weiss Emanuel, Mediziner Wien. 

„ „ Weitlof Moriz, Stadt Nr. 656 Wien. 

„ „ Well Wilhelm Edler v., Dr., k. k. Ministerialrat!) 

Stadt Nr. 1133 Wien. 

„ „ Wellal Franz, k. k. Verpfl.-Adj., Stadt Nr. 21 Wien. 

„ „ Werdoliak Hieronymus Alois, Hochw., Dr. d. 

Theol., em. Prof., Dalmatien Almissa. 

980 n n Werkal Friedrich, Pharmaceut Wien. 

„ „ Weselsky Friedrich, k. k. Obeiiandesger.-Rath . Eperies. 

„ „ Wesseli/ Josef, Hochw., Stadtkaplan .... Jamnitz. 

„ „ Wiesbauer Johann Bapt., llochw., J. S. bei Linz Freinberg. 

„ „ Wilhelm Gustav jun Wien. 

„ „ Wilvonseder A., Hauplschuldirector .... Stockerau. 

„ „ Wimmer Josef, k. k. Forstmeister Laxenburg. 

„ „ Windisch Anton, Kaufmann Raab. 

„ „ Windisch Josef, llochw., Lehr. a. k.k. ak. Gymn. W ien. 

„ „ Winterkorn Alexander, Gymn.- Lehrer . . . Raab. 
990 r> » Witowsky Alois, Dr. d. Med. u. Chir. , k. k. 

Kreisarzt Czaslau. 

„ „ Willmann Alois, Apotheker Bruk an der Mur. 

„ „ Wladarz Dr. Michael, k. k. Notar Murau. 



XLYII 

T. T Herr Wladika Engen, Hochw.. Gymnasial-Lehrer . Wr. Neustadl. 

Wodzicky Graf Casimir Krakau. 

„ „ Wohlmann Dr. Bruno, Stadl Nr. 441 .... Wien. 

Woldrich Dr. Johann, k. k. Gymnas.-Lelircr . . Eperies. 

.. Wolfner Dr. Wilhelm, im Bauate Perjamos. 

.. Wolff Gabriel, Ph. Mag., Apotheker, Siebenb. Thorda. 

.. Wollner Karl, Dr. d. Med. u. Chir., Spittelbg7 27 Wien. 

Wolny Anton, Hochw., Garnisons-Kaplan . . Krems. 

„ Hos//'»/ ÄaW, k. k. Kreisarzt ....... Saaz. 

.. Wotypka Dr. Alex., Stabsarzt Karlsburg. 

.. Woyna Johann, Erzieher. Ung., Somogh. Com. Sari. 

.. Wretschko Dr. Mathias, Gymnasiallehrer . . Pest. 

Zahn Dr. Franz, k. k. Prof Klausenburg. 

Zallinger Peter i\, Dr. d. Med Bozen. 

Zawadzky Dr. Alexander, k. k. Prof .... Brünn. 

.. Zaivrzel Moriz, Wirthschbereiler am Josefshof Rossitz. 

.. Zebracky Anton Ritt, v., Dr. d. Med., Badearzt Buziasb. Temesv. 

Zebrawsky Theophil, Ingenieur Krakau. 

Zelebor Johann, Cust.-Adj. am k. k. zool. Mus. Wien. 

.. Zelenka Julius, Hochw., Pfarrer, n. Zwetll . . Sallingstadt. 

.. Zeller Richard, Apotheker Wind.-Garsten. 

.. Zeni Fortunato, Conservator am Museum . . Roveredo. 
.. Zentazzo P. Ernst, Hochw., Fr. 0. P. und 

Gymnasial-Katechet, Istrien Mitterburg. 

., Zichy Graf Johann sen., Stadt Nr. 1017 . . . Wien. 

„ Ziegler Gratian, Hochw., Gymn. -Lehrer . . Neustadtl. 

Ziffer Dr. Josef, k. k. Bezirksgerichtsarzt, Schles. Friedeck. 

B Zika Anton, Forstmeister Fronsburg. 

.. Zintl Jospf, Mag. d. Pharm., Apotheker . . . Wien. 

Zippe Dr. Franz, k. k Regierungsrath u. Prof., 

Mitgl. d. k. Akad. d. Wissensch. Landslr. 100 . Wien. 

Zipser Karl Eduard, Rector der Stadtschule . Bielitz. 

Zlamdl Wilhelm v., Dr. d. Med., k. k. Cor- 

vettenarzt Triest. 

- Zött Josef, Dr., k. k. Bezirksarzt, Ungarn . . Ürmeny. 

„ Zubranich Vincenz, Hochw., Bischof .... Ragusa. 

.. Zwanziger Gustav, k. Beamter Salzburg. 



lrrthümer im Verzeichnisse bittet man dem Sekretariate aar Abänderung 
gütigst bekannt zn geben. 



XLVIII 



Gestorben, 



Herr Berol dingen Franz, Graf 

„ Breuner Graf Josef. 

„ Burkhardt Anton Ulrich. 

„ Chroback Josef, Dr. 

„ Csajerghy Alexander. 

„ Garovaglio Sanzio. 

„ Ha»ce Dr. /f. F. 

* Hillebrandt Franz. 



Herr Kaerle Dr. Josef. 

„ Kollar Vincenz. 

„ /frort Friedrich. 

„ Massalongo Dr. /I. 

„ Petrowicz Dr. Christoph i 

„ Scholtz Dr. Heinrich. 

„ Weiser Adalbert. 

„ Weisaenstein Dr. Gabriel. 



Ausgetreten. 



Herr Barisani Alfred v. 

„ Barndt Ludwig. 

„ Bendiner Anton Maxmilian,Di\ 

„ Duchateau Josef. 

„ Egger Alois, 

„ Fleischmann Anton. 

„ Gerstel Heinrich Ado! f, Dr. 

„ G/as/ tf. 

„ Gw£ä Franz. 

,, Heller Johann Georg. 

„ //o/er Jose/*. 

„ Jaksch Christof. 

„ äYm« Eugen. 

„ Koller Dr. Marian. 

„ /fows Mathias. 

„ /ifwess Ferdinand. 

,, Leder er Julius, 

m iwze Aar/. 



Herr 



Meister Jakob. 
Pappenheim Gustav. 
Petrowitz Johann. . 
Ranzoni Josef. 
Reinegger Gabriel. 
Sacher Karl, Ritter v. 
Sartorius August. 
Sauer Karl. 
Schiner Dr. /?. 
Schoenn Rudolph. 
Schott Ferdinand, Dr. 
Schott Heinrich, Dr. 
Spiczer Ludwig, Dr. 
Spitzmüller Julius Dr. 
Tkany Wilhelm Michael, 
Valmagini Julius v. 
Werner Dr. Vincenz. 
Zeilner Franz. 



Herr Braunendal Ferdinand v. 
„ Breineder Pius. 
„ Breuner Graf August. 

Breuner Graf August jun. 

Bur y holzer Josef. 
.. Coronini Graf /ifar/. 

„ Dupasquier Laurent. 



Abfall. 

Herr Eberhardt Eduard, Dr. 

„ Fabiani Karl. 

„ Fmcft Theodor, Dr. 

„ Fiscali Ferdinand. 

„ Folnegovic Josef. 

„ Frappart Victor. 

,, Fritsch Wilhelm. 

„ Go/rf Heinrich. 



XLIX 



Herr Haidrogel Leopold. 
v Hanselmann Nicolaus, Dr. 

Hauer Albert. 

Heine Gustar. 
.. Kaestner Adalbert. 
„ Khevenhuller-Metsch. Grat ' Albin 
„ Khereiihüller-Metscft, Grnf Othm. 
„ Kirchner Anton. 
.. Klement Johann. 

Koch Dr. Heinrick. 
~ Komäromy Edmund. 
.. Krizekar Anton. 
.. Krumhaar Josef 
_ Lang Ad. Franz. 

Lang Dr. £mj7. 
„ Lama Dr. Franz. 
.. Latinorics Ladislaus. 
.. Leithner Josef. 
„ Lobkoteitz Fürst Ferdinand. 
.. Loebel Dr. Gustav. 
~ low Josef. 
.. Lorenz Dr. Jose/". 
„ Miklitz Franz. 
n iYflflf/ Jose/" r.. Dr. 
.. Afl^y FVncens. 
.. Otrobdn Ferdinand. Dr. 



Herr fW /w//7. 
„ PicMer Dr. Wilhelm. 

P/fÄ Dr. Hermann. 

Pollak Leopold. Dr. 
.. Prosit Wenzel, Dr. 
.. Rei /tisch Simon. 

Samatorsan Franz. 
„ Schacherl Felix. 
„ Simetin-Terzia Michael, Dr. 

5<V^V Heinrich. 

Soltesz Maximilian, Dr. 
„ Soyka Dr. j4nfo». 
„ Striemitzer Andreas. 
.. Stromschek Anton. 
„ Tappeiner Franz, Dr. 

TA-a/ec JaÄoö. 
„ Tos? Johann. 
.. Ventura Dr. Sebastian. 
„ Tesf Eduard c, Dr. 

Fu><?»<?* Ändo/f, r., Dr. 

Tl>sse/?/ Josef. 
., Wildner Friedrich. 
„ Wormastini Eduard. 

Zastiera Franz, 
„ Zimmerl Friedrich A. 



L 



Lehranstalten nnd öffentliche Bibliotheken, 

welche gegen Erlag des Jahresbeitrages die Gesellschaftsschriften 

beziehen. 

Agram : K. k. Gymnasium. 
Altenburg, Ung.: Kath. Unter-Gymnasium. 
Brzezan : K. k. Gymnasium. 
Czernowitz: K. k. Ober-Gymnasium. 
Debreczin: Evang. helv. Ober-Gymnasium. 
Deutschbrod : K. k. Gymnasium. 
Elbogen : K. k. Ober-Realschule* 
Essek : K. k. Gymnasium. 
Fünfkircheu : K. k. kath. Gymnasium. 
Güns : K. k. kath. Gymnasium* 
Hermannstadt : Evang. Ober-Gymnasium. 
Innsbruck : K. k. Universitäts-ßibliothek. 
Jungbunzlau: K. k. Gymnasium. 
Kalocsa: K. k. kath. Gymnasium. 
Karlstadt : K. k. Gymnasium. 
Kesmark: OefTenll. evang. Gymnasium. 
Keszthely : K. k. kath. Unter-Gymnasium. 

„ K. k. Realschule. 
Klattau: K. k. Gymnasium. 
Körös-Nagy: Evang. Ober-Gymnasium. 
Korneuburg: K. k. Unter-Realschule. 
Kremnitz: K. k. Unter-Realschule. 
Kronstadt: Evang. Gymnasium. 
Lcitmeritz : K. k. Gymnasium. 
Leutomischl : K. k. Ober-Gymnasium. 
Linz: Oefl'entl. Bibliothek. 

„ Bischöfl. Gymnasium am Freinberge. 

,, K. k. Gymnasium. 

„ K. k. Ober-Realschule. 
Lugos: K. k. Gymnasium. 
Marburg: K. k. Gymnasium. 
IVikolsburg: K. k. Gymnasium. 
Ofen : K. k. Josefs-Polytechnicum. 
Olinütz: K. k. Universitäts-Bibliothek. 

„ K. k. Realschule. 
Prag: K. k. Neustadt. Gymnasium. 



LI 



Prag.* K. k. deutsche Ober-Realschule. 
Pressburg: Stadt. Ober-Realschule. 
Raab : Benedict. Ober-Gymnasium. 
Roveredo: K. k. Elisabeth-Realschule 
Itesnw: K. k. Gymnasium. 
Scliäs?.burg : K. k. Gymnasium. 
Salzburg: K. k. Unter-Realschule. 
Mriuainanger : K. k. Gymnasium. 
Strassnitz: K. k. Gymnasium. 
Szathmar: Kath. Gymnasium. 
Tarnow : K. k. Ober-Gymnasium. 
Temesvar : K. k. Ober-Gymnasium. 
Tescheu: K. k. kath. Gymnasium. 
Totis : Städtische Hauptschule. 
Troppau : Landes-Museum. 

„ K. k. Realschule. 

- K. k. Staats-Gymnasium, 
l'dine: K. k. Lyceal-Gyninasium. 
Unghvär: K. k. Gymnasium. 
Venedig: /. r. biblioteca marciana. 

„ Ginnasio patriarcale di St. Maria. 

„ /. r. ginnasio liceale di St. Caterina. 
Viukovce: K. k. Ober-Gymnasium. 
Warasdin: Unter-Realschule. 
Werscbetz: Oeffentl. Unter-Realschule. 
Wien : K. k. akad. Gymnasium. 

„ K. k. Gymnasium zu den Schotten. 

„ Bibliothek des k. k. polyleciin. Instituts. 

„ Koramunal-Ober-Realschule auf der Wieden. 

„ Handels- und Gewerbekammer für das Erzherzogtum Oeslerreich unter 
der Enns. 

Wittiugau: Haupt- und Uuter- Realschule. 
Znaiiu: K. k. Gymnasium. 



Wissenschaftliche Anstalten , 

mit welchen Schrift entausch stattfindet. 

Agram : Kroat.-slavon. Lamlwirthschnfls-Gesellschafl. 
Albany : fteir-York s'ate arjricuUural society. 
AKeubtirg: .YilmTor>chende Gesellschaf dos Oberlandes. 



LH 



Amsterdam : Academie royale des sciences. 
Athen: König!. Gesellschaft der Wissenschaften. 
Augsburg: Naturhistorischer Verein. 
Bamberg: Naturforschender Verein. 
Batavia : Die Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Der naturwissenschaftliche Verein. 
Basel: Naturforschende Gesellschaft. 
Berlin : Königl. Akademie der Wissenschaften. 

„ Botanischer Verein der Provinz Brandenburg-. 

„ Entomologischer Verein. 

„ Redaction des Wieg manischen Archivs. 

„ Verein zur Beförderung- des Gartenbaues in den königlich preus- 
sischen Staaten. 

Bern: Allgemeine schweizerische nalurforschende Gesellschaft. 

„ Naturforschende Gesellschaft. 
Bogota St. Fe de : Societe de naturalisier de la nouvelle Grenade. 
Bologna: Redaction der nuovi annali delle scienze naturali. 
Bonn: Naturforschender Verein der preussischen Rheinlande. 
Boston : American academy. 

„ Society of natural history. 
Breslau: Verein für schlesische Insectenkunde. 

„ Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. 
Brünn: K. k. mälirisch-schlesische Gesellschaft für Ackerhau-, Natur- und 
Landeskunde. 

Brüssel: Academie royale des sciences, des lettres et des beaux-arls 
de Belgique. 

Charleston : Elliott society of natural history. 
Cherbourg : Societe imper. des sciences naturelles. 
Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. 
Colombo : The ceylon brauch of the royal asialic society. 
Columbns : Ohio State board of agriculture. 

Czernowitz : Verein für Landescultur und Landeskunde im Herzogthume 

Bukowina. 
Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 
Dresden: Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis." 
Dublin: Redaction der natural history review. 

Dürkheim: Naturwissenschaftlicher Verein der bair. Pfalz (PollichiaJ 
Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein zu Elberfeld und Barmen. 
Emden i Naturforschende Gesellschaft. 

Frankfurt a. M : Senkenberg'sche naturforschende Gesellschaft. 
Freibarg : Gesellschaft zur Beförderung der Naturwissenschaften im Breisgau. 
Florenz: Accademia economico- agraria dei georgoßli. 
Genf: Societe de phgsique et dliisloire naturelle. 



LIIl 



Glessen : Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 
Görlitz: Nalurforschende Gesellschaft. 

„ Oberlausilzische Gesellschaft der Wissenschaften. 
Güttingen: Königl. Gesellschaft der Wissenschaften. 
Halle: Linnaea. Journal für Botanik. 

„ Naturwissenschaftlicher Verein für Sachsen und Thüringen. 

„ INaturforschende Gesellschaft. 
Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Hanau: Wetterau'sche Gesellschaft für Naturkunde. 
Hannover: Bonplandia. Journal für die gesammte Botanik. 
HclsingCors : Societe de sciences de Finlande. 
llcrmaiinstadt : Sieben bardischer Verein für Naturkunde. 

„ Verein für siebenbürgische Landeskunde. 
Hongkong: The brauch of the royal asiatic society. 
Innsbruck : Ferdinandeum. 

Kiel : Verein nördlich der Elbe zur Verbreitung der Naturwissenschaften. 
Klagenfurt: K. k. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues und der 
Industrie in Kärnten. 

„ Nalurhistorisches Landesmuseura von Kärnten. 
Kopenhagen: Naturhistorischer Verein. 
Laiising: Michigan sfale agricullura! society. 
Leipzig: Königl. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften. 
Lemberg: K. k. galiz. Landwirthschaftsgesellschaft. 
Leyden: Societe entomologique des Pays bas. 
Linz: Museum Francisco-Carolineum. 
London: Linnean society. 

„ Enlomological society. 

„ Redaction der ..Atlantis." 
Lucca : J. e R. accademia lucchese di scienze, lettere ed arti. 
Luxenbourg: Societe des sciences naturelles. 
Lüttich ! Societe royale des sciences. 
Madison : Wisconsin State agricullural society. 
Mailand: R. istituto lombardo di scienze, lettere ed arti. 

„ Societä italiana di scienze naturale. 
Manchester : Literary and philosophical society. 
Mannheim: Verein für Naturkunde. 

Mecklenburg: Verein der Freunde der Naturgeschichte in Neubrandenburg. 

Modena : Reale accademia di scienze. lettere ed arti. 

Moskau: Kais. Gesellschaft der Naturforscher. 

Nassau: Verein für Naturkunde im Herzogthume Nassau. 

Neapel: K. Akademie der Wissenschaften. 

\ew-Orlcans: Academy of natural sciences. 

\ew-York : Lyreum of natural history. 



LIV 



Nürnberg : Naturhistorische Gesellschaft. 
Offenbach : Verein für Naturkunde. 
Paris : Societe entomologique de France. 
Pest: Ungarischer naturwissenschaftlicher Verein. 

„ Geologische Gesellschaft für Ungarn. 
Petersburg: Kais. Akademie der Wissenschaften. 

„ Redaction der entomologischen Hefte von V. v. Motschulsky. 
Philadelphia : Academy of natural sciences. 

„ Wagner free institute of sciences. 
Prag: K. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften. 

„ Naturwissenschaftlicher Verein „Lotos." 
Pressburg: Verein für Naturkunde. 
Regensburg: K. botanische Gesellschaft. 

„ Zoologisch-mineralogischer Verein. 
Riga: Naturwissenschaftlicher Verein. 
Rio -Janeiro : Palestra. 
St. Louis : Academy of science. 

San Francisco : Californian academy of natural sciences. 
Santiago : Die Universität. 

„ Der wissenschaftliche Verein. 
Schanghai : The branch of the royal asiatic society. 
Sidney : Austrat horticultural society. 
Stettin : Entomologischer Verein. 

Stockholm: K. schwedische Akademie der Wissenschaften. 
Strassburg: Societe du museum dliistoire naturelle. 
Stuttgart: Württembergischer Verein für Naturkunde. 
Upsala : Societe royale des sciences. 
Venedig: /. R. istituto veneto di scienze, lettere ed arti. 
Washington : Smithsonian Institution. 

„ United stales patent office. 
Werningerode: Naturwissenschaftlicher Verein des Harzes. 
Wien: Kais. Akademie der Wissenschaften. 

„ K. k. geologische Reichsanstalt. 

„ K. k. Gesellschaft der Aerzte. 
K. k. geographische Gesellschaft. 
Würzburg: Landwirtschaftlicher Verein für Unterfranken u. Aschafrenl)uro\ 
Zürich: Nalurforschende Gesellschaft. 



8T4TBT8S 

der k. k. 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

z ti W i e n. 

1861. 



Zweck. 

§. 1. Die. Gesellschaft hat den Zweck, das Studium wissenschaft- 
licher Zoologie und Botanik überhaupt anzuregen, zu fördern und 
zu verbreiten, zunächst aber die Fauna und Flora des österreichischen 
Kaiserstaates gründlich und vollkommen zu erforschen , und zu diesem 
Ende den Verkehr unter den Naturforschern zu vermitteln. 

Mittel. 

§. 2. Die Mittel , welche die Gesellschaft zur Erreichung dieses 
Zweckes anwendet, sind : 

a) Periodische Versammlungen, 

6) Herausgabe von Druckschriften, 

r) Aufstellung naturwissenschaftlicher Sammlungen, 

d) Anlegung einer Vereinsbibliothek. 

Bedingung zum Beitritt. 

§. 3. Mitglied der Gesellschaft kann Jedermann werden, der sich 
mit naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt, oder überhaupt dafür 
Interesse hat. 

§• 4. Zur Aufnahme als Mitglied in die Gesellschaft ist die 
Empfehlung duich zwei Mitglieder erforderlich, deren Namen in der 
Versammlung genannt, und in der Gesellschaftsschrift gedruckt werden. 



LVI 

Rechte und Pflichten der Mitglieder. 

§. 5. Jedes Mitglied verpflichtet sich im Allgemeinen, den 
Gesellschaftszweck nach Kräften zu fördern, insbesondere aber zu einem 
jährlichen Beitrage von vier Gulden ö. W., wogegen es die von der 
Gesellschaft herausgegebenen periodischen Druckschriften unentgelt- 
lich erhält. 

§. 6. Die Mitglieder der Gesellschaft haben Sitz und Stirn nie in den 
periodischen Versammlungen, das Recht, Anträge zu stellen, und 
sich bei den Wahlen zu betheiligen. Ausserdem sind sie berechtigt, 
nach den von der Direction festzustellenden Grundsätzen die Samm- 
lungen des Vereins zu benützen und ihre Naturalien nach Massgabe 
der Vereinskräfte durch Vermittlung der Gesellschaft bestimmen zu lassen. 

§. 7. Ausser Wien wohnenden Mitgliedern ist es gestattet, 
sich bei den Wahlen schriftlich, jedoch nicht durch Vollmacht zu 
betheiligen. 

§. 8. Ueber die Aufnahme erhält jedes Mitglied ein xlufnahms- 
schreiben gegen die bestimmte Ausfertigungsgebühr von 1 fl. ö. W, 

Leitung der Gesellschaft. 

§. 9. Die Geschäfte der Gesellschaft werden von den Mitgliedern 
geleitet, und zwar: 

a) durch die Gesammtheit derselben als Plenarversammlung; 

b) durch die Direction und den ihr beigegebenen Ausschuss. 

Plenarversammlung. 

§. 10. Die der Plenarversammlung zur Entscheidung vorbehaltenen 
Geschäfte sind: 

a) die Wahl der Direction und des Ausschusses, 
b~) die Fructificirung der Gesellschaftscapitalien, 

c) die Genehmigung des jährlichen Rechenschaftsberichtes 

der Direction über die Leistungen der Gesellschaft 
und die Gebahrung mit dem Gesellschaftsvermögen, 
rf) die Abänderung der Statuten, 

e) die Auflösung der Gesellschaft und die Verfügung mit 
dem Gesellschaftsvermögen. 
§. 11. In der Regel findet jeden Monat eine Plenarversammlung 
statt. In derselben entscheidet ausser den statutenmässig ausgenommenen 
Fällen die relative Stimmenmehrheit. 



LVII 



Direction und Ausschuss. 

§. 12. Alle übrigen Geschäfte besorgt die Direction. Sie besteht 
ans einem Präsidenten, welcher durch absolute Stimmenmehrheit 
auf drei Jahre gewählt wird; aus sechs durch relative Stimmen- 
mehrheit aus dem bestehenden Ausschusse auf ein Jahr zu wählenden 
Vicepräsidenten, dann aus zwei Secretären und einem Rechnungsführer, 
deren Wahl durch absolute Stimmenmehrheit auf fünf Jahre erfolgt. 

§. 13. Der Direction steht als ßeirath ein Ausschuss zur Seite, 
der aus vier und zwanzig durch relative Stimmenmehrheit auf drei 
Jahre gewählten Mitgliedern gebildet wird. 

§. 14. Jährlich treten die sechs Vicepräsidenten in den Ausschuss 
zurück und sind nicht für das nächstfolgende Jahr wieder wählbar. 
Alle anderen Ausschussmitglieder sind nach Ablauf ihrer Wahlperiode 
sogleich wieder wählbar. 

Präsident. 

§. 15. Der Präsident beruft ausserordentliche und Ausschuss- 
r Sammlungen , leitet die Verhandlungen, und kehrt überhaupt 
Alles vor, was er für das Gedeihen der Gesellschaft nützlich erachtet. 
Er repräsentirt die Gesellschaft nach Aussen und den Behörden gegen- 
über, und wird in dieser Eigenschaft im Falle seiner Abwesenheit 
durch den von ihm bezeichneten Vicepräsidenten oder Ausschuss- 
rath vertreten. 

Die Einberufung ausserordentlicher Plenarversammlungen geschieht 
durch öffentliche Kundmachung in der „Wiener Zeitung" wenigstens 
acht Tage vorher. 

Vice-Präsidenten. 

§. 16* Die Vicepräsidenten unterstützen und vertreten den 
Präsidenten in der Geschäftsleitung nach einem monatlichen Turnus. 

Secretäre. 

§. 17. Die Secretäre führen die Protocolle in den Sitzungen, 
besorgen im Auftrage des Präsidenten die Correspondenz und über- 
wachen die Sammlungen der Gesellschaft. 

h 



LVIII 

Rechnungsführer. 

§. 18. Der Rechnungsführer besorgt die Geldangelegenheiten 
der Gesellschaft unter der Controle des Präsidenten oder des von 
ihm bestimmten Stellvertreters. 

Gesellschaftsjahr. 

§. 19. Das Gesellschaftsjahr beginnt mit 1. Jänner. Die Wahlen 
müssen vor Ablauf des Gesellschaftsjahres vollzogen sein. 

§. 20. Jährlich am 9. April, als am Stiftungstage , findet eine 
ausserordentliche Plenarversammlung statt, in welcher die Direction 
den Rechenschaftsbericht des abgelaufenen Jahres vorzulegen hat. 

Siegel der Gesellschaft. 

§. 21. Die Gesellschaft führt ein Siegel mit der Aufschrift: 
„K. k. Zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien." 

Abänderung der Statuten. 

§. 22. Zur Abänderung der Statuten sind zwei Drittheile der 
Stimmen der anwesenden Mitglieder erforderlich. Darauf zielende 
Anträge sind schriftlich und motivirt der Direction zu übergeben 
und in der nächsten Versammlung den anwesenden Mitgliedern ohne 
Debatte bekannt zu machen. Entscheiden sich zwei Drittheile der- 
selben für die Dringlichkeit der Statutenabänderung , so ist der 
gestellte Antrag dem Ausschusse zur Vorberathung zuzuweisen, 
welcher sein Gutachten der nächsten Plenarversammlung zur Schluss- 
fassung vorzulegen hat, und sind solche Abänderungen zur Giltigkeit 
der allerhöchsten Genehmigung zu unterziehen. 

Auflösung der Gesellschaft. 

§. 23. Zur Beschlussfassung über die Auflösung der Gesellschaft 
sind drei Viertheile der Stimmen sämmtlicher Mitglieder erforderlich. 

§. 24. Bei Auflösung der Gesellschaft soll deren Vermögen einem 
wissenschaftlichen Zwecke im Kaiserstaate zugewendet werden. Ihre 
Sammlungen erhalten für ewige Zeiten die Widmung zu einem National- 
Museum. 



Wien , im Juli 1860. 



Sitzungsberichte. 



Bd. X Siti-Ber. 



A 



Sitzung am 4. Jänner 1860. 

Vorsitzender : Herr Präses-Stellvertreter Dr. Ed. Fenzl. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 
Platzer Franz, k. k. Regiments-Arzt im 
Jäger -Regiment Kaiser Franz Josef 

in Bregenz G. Frauenfeld, Dr. Fritsch. 

Kraus Fr. Dr. jö., Redacteur d. W. med. 

Zeitung Dr. Pichler, G. Frauenfeld. 

Mustatza Aleco Frh. v.. in Wien. Landstr., 

Ungergasse Nr. 370 Dr. A. Pokorny, Dr. H. Pick. 

Mustatza yikolaus Frh. r Dr. A. Pokorny, Dr. H. Pick. 

Schwarz Dr., in Constantinopel Dr. Th. Kotschy, G. Frauenfeld. 

Schierl Karl, k. k. Conc.-Adj. im Finanz- 
Ministerium. Wien. Alserrorstadt Nr. 127 y. Schrökinoer. A. Rodenhof er. 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausch. 

Nouveaux Menwires de la Societe imperiale des xfaturalistes de Moscou, 
Tome XL (T. TZII. de la Collection) Moscou 1859. 4. 

Florula Ajanensis. Bearbeitet von E- Regel und H. Tiling. — Genera et 
Species Trichopterorum auctore Fried. Ant. Kolenati. — Monographiae Marantearum 
Prodromus. Auct. Fr. Koemitke. 

Bericht des naturwissenschaftlichen Vereines des Harzes. Für d. Jahr 
4857 u 1858. Wernigerode 1859. 4. 

Ueber Turdus saxatüis, Steindrossel; von Dr. Hennecke. — Ceber einige in 
der Umgegend Ton Wernigerode •wildwachsend gefundene Pflanzen, von -welchen ein 
Standort am Harz bisher nicht bekannt geworden ist. von Sporleder. — Ueber Anlagen 
zur Kultur der Alpenkräuter, von E. Uampe. — Ueber das Vorkommen einiger seltenen 
Pflanzen im Heimburger Reviere „Horst.* von W. Berkhan. — Ueber Pflanzen- und 
Saurier-Reste im bunten Sandsteine von Nienburg a. S.. von Dr. Jasche. — Ueber die in 
den Torflagern des Brockengebirges eingeschlossenen Hölzer und die frühere 'Wald- 
Vegetation daselbst, von L. H. A. Weichsel. — Ueber Credneria Zenker. 

Einlalung zur Einweihungsfeier des Museums in Ri^a am 7. März 1858. 
Riga 1858. 4. 



Sitzung am 4. Jänner 1860. 



Jahrbuch der kais. kön. geologischen Reichsanstalt. 1 859. 10. Jahrgang. 
Nr. 2. Wien. 8. 

Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den 
königl. preussischen Staaten. Neue Reihe. 6. Jahrg. 3. Heft — 
und 7. Jahrgang 1. Heft. 

v. Daum, einige Worte über Vegetations - Verhältnisse in der Umgegend von 
Nizza. — Die neue Kornmade [Cecidomya secaHna). 

Berichte über die Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu 
Freiburg i. B. Band 2, Heft 1. Freiburg 4859. 8. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften, Math -natui bist. 
Classe. 37. Bd. Nr. 19 u. 20. Wien 1859. 8. 

Sandberger, Einige Bemerkungen über den Nautilus nmbilicatusCUcm., genabeltes 
Schiffsboot (lebende Art von den Mollukeu). — Fitzinger, Untersuchungen über dieRaceu 
der Hausziege. 2. Abthl. — Boehm, Ueber den Einfluss der Sonnenstrahlen auf die 
Chlorophyllbildung und das Wachslhum der Pflanzen überhaupt. — Basslinger, Rhythmische 
Zusammenziehungen an der Cardia des Kaninchenmagens (Cardialpids). — Fritsch, In- 
struction für phänologische Beobachtungen aus dein Pflanzen- und Thierreiche. 

Proceedings of the Dublin University Zoological et Botanical Association. 
Vol. I. Part. 1. July 1858; Part. 2. July 1859. Dublin 8. 

Rob. Patterson, Note of the occurrence of the Hyperoodon (Butzkopf Bottie 
rosa Whale). ~ Dr. Dickie, On the teeth of the Hyperoodon. — C. Spence Bäte, 
Description of a new british Hippolyte. — Ediv. Burchall, On additions to the 
irish lepidoptera. ~~ J. Reay Greene, On the present state of our knowledge of 
the Coelenterata, — Rob. M'Donnell, On the electrical nature of the power possesed 
by the Actinia of our shores. — Haughton, On Etiomphalus cristatus and Reginae. 
— Eugene O'Meara, Catalogue of Diatornaceae collected in Poiverscourt, county of 
Wicklow. — Crozier, A catalogue of lepidoptera captured by htm during the post 
Surnrnemear Chatham. — David Moore, On the occurrence of a singulary rneta- 
morphosed State of Bryum sanguineum, and on the discovery of some additional 
species to the irish faana. — J. Reay Greene, On the genus Lucernaria. — Wyville 
Thomson, On new genera and species of Polyzoa from the collection of Prof. W. 
H. Harvcy. — Will. Archer, On a new genus, and four new species of Desmidia- 
ceae, with list of additional species to the irish flora. -— W- Archer, Notice of the 
occurence of a unictlhdar alga believed to be allied to that alluded to by M. 
Hofmeister. 

E. Perceval Wright, On a new species of Actinia. — Harvey, on a new 
Afyrtle. — Haughton, Hlustrations of the fossil flora of the lower carboniferons 
beds of Germany and Treland. — Harvey, Description of three new species ofsouth 
african plants. ~ J. R. Kinähan, Natural History Notes in Devon and Com wall. 
~ Eug. O'Meara, Contributions towards a catalogue of Diatornaceae of the county 
of Dublin. — J. Reay Greene, On the british species of the genus Equorea- — C. 
Spence Bäte, Description of Pandalus Jeffrey sii. — Kinahan, Presentation of Cr an gon 
A/bnanni. — M'Donnell, On the urticating organs of Actinia. — Eugene O'Meara 
Notes on the encysted condition of Diatoma vulgare. — A. R. Hogan, On a new 
british Oniscoid found in Ants Nests. — Perc. Wright, Notes on the irish Actini- 

Dr. Kinahan, On the ' genus Platyarthrus (Brandt), with notices of allied 
undescribed genera. — J. Graininger, On the Shells found in the post-tertiary 
deposits of Belfast. 

The natural history rewiew, and quarterly Journal of Science. Vol. 6, 
Nr. 7, 2 1 3. London 1859. 8. 



Eingegangene Gegenstände. G. Frauenfeld. H 

Insekten zur Betheilung für Lehranstalten vom Hin Fl. Czerny in Mähr. 
Trübau. 

Ein Packet Pflanzen von Hrn. Feichtinger aus Gran. 
Ein Packet Pflanzen von Hrn. Alex. Matz in Höbesbrunn. 
Pflanzen und Insekten von Hrn. Dr. G. Mayr in Pest. 



Die Sitzung wurde vom Herrn Präses-Stellvertreter Dr. Eduard 
Fenzl eröffnet. Später kam der Herr Präsident, Se. Durchlaucht Fürst 
Richard zu Khe venhül ler - Me tsch, und leitete die Sitzung 
persönlich. 



Der Secretär, Herr G. Frauenfeld, las folgende Mittheilungen : 
Der Ausschuss beschloss in der Sitzung vom 2. Jänner folgende Regu- 
lative bezüglich der Einkassirung der Jahresbeiträge zu erlassen. Das erste 
derselben gilt für die Herren Mitglieder in Wie! , das zweite für die aus- 
wärtigen Mitglieder. 

* Die verehrlichen P. T. Mitglieder in Wien werden im Interesse einer 
genauen Ueberwachung der zu erlegenden Jahresbeit äge gebeten , im Falle 
dieselben durch den Kanzellisten der k. k. Gesellschaft eingehoben werden, 
diese nur gegen den im Einkassirungsbucke selbst einzuschreibenden Namen 
und Geldbetrag an denselben zu erfolgen. 

Es wird daher dringend ersucht, ohne Vorweisung dieses, mit dem 
Gesellschafts-Siegel versehenen Einkassirungsbuches an Niemand den Betrag 
auszufolgen. 

Werden solche Beiträge ins Gesellschaftslokale überbracht , so kann 
der Ueberbringer diess unter Fertigung seines Namens gleichfalls in dem 
alld^rt erliegenden Buche persönlich einzeichnen. 

Die dem Herrn Rechnungsführer zugemittelten Beträge werden von 
demselben ohnehin sogleich ordnungsmässig in Empfang gestellt. 

Die bei allgemeinen Versammlungen oder sonst an den Sekretär über- 
antworteten Beträge werden mit einem Interimsscheine von diesem bestätigt. 

Die vom Herrn Rechnungsführer unterfertigten Jahreskarten können 
dann zwar erst nachträglich zugestellt werden ; diese Zustellung wüd jedoch 
zuverlässig innerhalb 14 Ta^en erfolgen. 

Die Schriften der k. k. Gesellschaft werden statutenmässig nur nach 
e.legtem, normalmässig auf 4 fl. österr. Währung festgestellten Jahresbeitrag 
an die P. T. Mitglieder erfolgt. 

An die verehrten P. T. Mitglieder ausser Wien. 
Die Schriften der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft werden nur 
nach erlegtem Jahresbeiträge hinausgegeb^n , wonach die Zusendung 



6 



Sitzung am 4. Jänner 18G0. 



Tom f. Hefte eines Jahrganges, respective des betreffenden Bandes, als Beleg 
gelten kann, dass der Jahresbeitrag richtig verbucht erscheint. 

Der normalmässig auf 4 fl. österr. Währung festgesetzte Jahresbeitrag 
ist im 1, Quartal eines jeden Jahres franco einzusenden. 

Die Zusendung der Schriften geschieht in der Regel immer nach dem 
Schlüsse des Bandes ganzjährig , doch steht jedem Mitgliede frei, diese Zu- 
sendung halbjährig oder nach Erscheinen der einzelnen Hefte zu verlangen. 

Die Zusendung an auswärtige Mitglieder geschieht gewöhnlich mittelst 
Post j j3des Mitglied kann aber die Zusendung auf seine eigene Gefahr in 
anderer beliebiger Weise veranlassen, was jedoch unter genauer Bezeichnung, 
in welcher Art sie zu geschehen habe , dem Sekretaiiate anzuzeigen ist. 

Die k. k. Gesellschaft kann keine Portoverpflichtung übernehmen. 

Jedes P. T. Mitglied wird um genaue Adressangabe mit bestimmter 
Hinzufiigung der Provinz und der letzten Poslstation gebeten. 

Die Jahreskarten und Empfangsbestätigungen , die erst nach einge- 
langtem Jahresbeiträge ausgefertigt werden, sollen zur Ersparung- der Aus- 
lagen gelegentlich der 1. Sendung beigegeben werden; ausser es wird unter 
Beilegung einer Briefmarke verlangt, dass diese Bestätigung umgehend 
zugesendet werde. 

Jedes P. T. Mitglied im Auslande hat das Recht, die im Buchhandel 
weit höher im Preise gestellten Bände der Verhandlungen der k. k. zoolog.- 
botanischen Gesellschaft um den normalmässigen Jahresbeitrag von 4 fl. 
ö>terr. Währung pr. Band durch das Sekretariat zu beziehen. 



Inder Ausschuss-Sitzung am 2. Jänner 1860 wurde zur Ergänzung 
des Ausschusses für zwei durch den Rücktritt des Hrn. Dr. Johann 
Eggerund die Wahl des Hrn. H. W. Reichardt zum Sekretäre, 
erledigte Stellen die Wahl zweier Ausschussräthe in der Plenarver- 
sammlung des Monates Februar 1860 angeordnet. Die Kandidatenliste 
der Herren Finger Julius, Hauer Franz Ritter v., Kerner Josef, 
Lötf Franz, Dr. Skofitz Alex., Strohmeier Alois, Stur Dionys, 
so wie Waldzettel liegen im Gesellschaftslokale auf, und können diese 
bis zum Beginne der Sitzung am 1, Februar abgegeben werden. 

Von Seite der k. preussischen Akademie der Wissenschaften in 
Berlin ist eine vom Comite der A. v. Humboldt Stiftung für 
X % I ii r f o rachung und Reisen gefertigte Einladung an die Ge- 
sellschaft ergangen , mit dem Ersuchen, sich an dieser Stiftung zu 



G. Frmienfekl. Fürst Kl.evenluiller-M'lscli Fr. Brauer. G. Spreitzenliofer. 



betheiligen. In Folge dieser ergangenen Einladung hat der Ausschuss 
beschlossen , einen Subskriptionsbogen bei den Plenarversammlungen 
mit jedesmaliger Aufforderung sich daran zu betheiligen, für die 
Dauer einer später zu bestimmenden Zeit, aufzulegen. 

Zugleich sieht man sich in der angenehmen Lage zur Kenntniss 
zu bringen, dass Se. Durchlaucht der Gesellschafts-Präsident Fürst 
Richard zu Khevenhüller - Mets c h sich mit 100 fl. öst. Währ, 
an die Spitze gestellt hat. 



Hierauf wurde der Schluss des Bandes 1859 der Gesellschafts- 
schriften vorgelegt. 



Der Herr Präsident, Se. Durchlaucht Richard Fürst zu Kheven- 
h iiiler -'Metsch theilte mit, dass er seine gesammte ornithologische 
Sammlung, welche beinahe vollständig die Fauna Europa's repräsentire, 
der Gesellschaft zum Geschenke mache. Diese Sammlung befinde sich 
gegenwärtig auf dem Schlosse Sr. Durchlaucht, Ladendorf in N. Oest. 
Hr. Direktor Fenzl dankte Sr. Durchlaucht für dieses grossartige 
Geschenk im Namen der Versammlung. 



Herr Friedrich Brauer sprach über Oestrus hominis. (Siehe 
Abhandlungen.) 



Herr G. Spreitzenhofer theilte die Resultate seiner Be- 
obachtungen über „den Frühlingszug mehrer Zugvögel in den Donau- 
Auen Wiens" mit. (Siehe Abhandlungen.) 

Ferner machte derselbe noch folgende zwei kleine Mittheilungen : 

Die erste betrifft Aquila pennata. Dieser Adler gilt nicht nur für Nieder- 
Oesterreich, sondern auch für die ganze Monarchie als eine der seltensten Arten. 
Ich bin jedoch überzeugt, dass er häufiger ist, als man glaubt, nur wird er 
oft verkannt. Als Beleg für das eben Gesagte diene das vorliegende männ- 
liche Exemplar. Es wurde mir aus der Gegend von Unter - Waltersdorf im 
August 1858 mit anderen Raubvögeln als Schneegeier (Archibutes Lagopus) 
eingesendet. Im Frühjahre 1859 kam mir ein Weibchen im lichtbraunen Kleide, 
in der Gegend von Wiener-Neustadt geschossen, zu Gesichte. Ein drittes 
Exemplar findet sich in der Sammlung unseres werthen Mitgliedes Herr 11 



8 



Sitzung am 4. Jänner 1860. 



Schrattenbach. Es ist ein Weibchen, welches bezüglich des Colorfts dem 
vorliegenden Exemplare am ähnlichsten sieht und am 10. September 1856 zu 
Schönbrunn erlegt wurde. Herr J. Finger besitzt ebenfalls zwei Exemplare 
dieses Adlers und vor einigen Tagen wurde ihm ein lebendes, bei Baden im 
Garne gefangenes Männchen gebracht. 

Der Gegenstand der zweiten Notiz ist Platalea leucorhoida. Von dieser 
Art wurde ein prachtvolles Männchen bei Kagran in einer Lache fischend, 
am 18. Mai 1859 erlegt. 



In Verhinderung des Hrn. Dr. Johann Egg er legte Hr. Sekretär 
Frauenfeld für denselben neue dipterologische Beiträge, als Fort- 
setzung der Beschreibung neuer Zweiflügler vor. Die hier beschriebenen 
Zweiflügler, an der Zahl zwanzig, gehören sämmtlich in die Familie 
der Leptiden. Die Gattungen, in welche sie sich einreihen, sind : Empis, 
Pachymeria M a c q. , Holoclera Ms c r. und Hilarimorpha M s c r. 
Die zwei letzten Gattungen, die erst neu aufgestellt werden mussten, 
so wie ihre Arten zeichnen sich durch grosse Eigentümlichkeiten aus. 
Siebzehn der beschriebenen Arten gehören dem Kaiserstaate Oesterreich 
an, vier derselben stammen aus dem südlichen Italien und Sizilien. 
(Der Aufsatz wird später in den Abhandlungen erscheinen.) 



Der noch angekündigte Vortrag des Hrn. Sekretärs Frauenfeld 
„über seinen Aufenthalt am Cap der guten Hoffnung", musste wegen 
plötzlichen Unwohlseins desselben auf die nächste Sitzung verschoben 
werden. 



Sitzung am 1. Fcbrnar 1860. 



Vorsitzender : Herr Vice-Präsident A. Neilreich. 

Xeu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

Strobd Franz, k. k. Nornialschull ehrer in Linz J. S. Hinterocker, A. Xeüreich. 

Sindelar Karl, k. k. Gymn. Direkt, u. bischöfl. 

Notar in Deutschbrod TP. S, Sekera. Ferd. Daubrava. 

Zintl Josef , Magister der Pharmacie und 

Apotheker unter den Tuchlauben ... J. Ehrmann, J. Juratzka. 

Weber Heinrich Joach., k. k. Beamter im Mi- 
nisterium des Aeussern J. Beer, G. Frauenfeld. 

C'zeglay Johann, k. k. Bezirksvorsteher in 

Jägerndorf F. Ussner, G. Frauenfeld. 



Eingegangene Gegenstände : 
Geschenk des Hm Dr. A Skofitz: 

Porträt der Frau Josefine Kablik. 

Im Schriftentausch 

Sitzungsberichte der k, Akademie der Wissenschaften. Math.-natuihist. 
Classe. 1859. 8. Bd. 37. Nr. 21 u. 22. Bd. 38. Nr. 23. 

Oehl. Süll apparato cartilagineo delle valvole sigmoidee negli ucelli. — 
Stciiidadmer. BeitijL.'r- zur Kenntniss der fossilen Fisch-Fauna Oesterreichs. — Wiesner. 
Untersuchung über die Lage der charakteristischen Riefen an den Axenorganen der Pflanzen. 
— Diesing. Revision der Rhyngodeen. 

PnocBfeld, Ausflug nach dem Adamspik auf Ceylon. — Molin. Xuovi Myzelmintha 
raeeolti td esaminati. 

Molin. Ctphalocotylia t Xcmatoidta. — Unger. Botanische Streifzüge auf dem 
Gebiete der Kulturgeschichte. IV. Die Pflanzen des alten Egyptens. — Fitzinger, Ceber 
die Racen des zahmen Schafes. — Hyrt!. Angeborner Mangel d<r untern Nasenmuscheln 
und des Siebb^inlabyrinthes. 

Leunis J. Synopsis der drei Naturreiche. I. Theil, 2. Hälfte, letzte 

Abth. Hannover 1860. 8. 
r Lotos u . Zeitschrift für Naturwissenschaften. 9. Jahrg. 1859. November. 



Bd. I. Siti Der. 



B 



10 Sitzung am 1. Februar 1860. 

Entomologische Zeitung. 20. Jahrg. Stettin 4859. 8. 

Speyer, lepidopt. Beobachtungen am Stilfser Joch. — Hagen, Geschlechts differenz 
der Gattung Coniopteryx. — Suffrian, Synonymische Miscellaneen. — Cornelius, Zur 
Blattkäfer-Entwickelungs-Geschichte. — Schmidt, Noctva florida n. sp. — Werneburg, 
Thunberg's Lepidoptera. — Pfeil, Bemerkungen zur Gattung HyUcottut I.alr. — Klug 
u. Erichson, Einige Diagnosen. — Mayr, Beitrag zur Ameisenfauna Russland.«. — Anton 
Dohm, Beitrag zur Kenntniss der Harpactoridae. — Wullschlegel, Mittheilungen über 
Cucidlia Campanulae Frey. — Hagen, Georgi's Fauna Russlands. — Ruthe, Zur Kennt- 
niss der Braroniden. — Heinr. Dorn. Zur Kenntniss europäischer Forfiadinen. — Chaudoir 
europäische Feroniden. — Hagen, die Phryganiden Pictet's. — Saussure, Hyme'nopteres 
nouveavx de la tribu den Scoliens — Reinhard, die Pteromalinen in Blattläusen. — 
Kirsch, Zwei neue Laufkäfer. — Moischulsky, Springende Ameisen. — Hagen, Bastarde. 
(Jhelifer als Schmarotzer. Acentropus rdveus und Narycia eltgans. Ueber Georgi's 
Beschreibung von Petersburg. — Kriclibaumer, Notiz über Rutela. — Staudinger, Anda- 
lusische Lepidopteren. — Pfeil, Gasteiner Excursion. — Hagen, Reductions-Tabellen von 
L. Finger. — Ruthe, Isländische Hymenoptera. — E. von Bruck und Mink, Reise durch 
das südliche Frankreich und die Pyrenäen. Dahlbom's Nekrolog. — Werneburg, Geber 
Eugonia. — Wullschlegel, Bemerkungen über Schmetterlinge. — Altum, Lepidopterologisches 
aus dem Münsterthale. — Wiesenhütter, Ueberwinternde Schmetterlinge. — Stal, Generis 
Spinigeri Synopsis. — Hagen, Beitrag zur Kenntniss der Neuropteren. Vergleich der 
Hemerobiden Wesmael's. — Scriba, Neue deutsche Staphylinen. Vorkommen und Lebens- 
weise einiger 'Staphylinen. — Freyer, Zur Naturgeschichte der Cucullien. — Tschapeck, 
Elodes Carolinae n. sp. — Ant. Dohm. Cryptocephalus Suffriani n. sp. — Mink, 
Drei neue Rhynchoten. — Hagen, Ueber Palingenia longicauda und Acanth&clisis 
occitanica in Preussen. — Dübner, Ueber das Putzeys'sche Problem und Hylecoetus. — 
Gärtner, Callimorpha matronula und ihre Futterpflanzen. 

Bulletin mensuel de la Societe imperiale zoologique d' Acclimasaticm. 
Tome VI. Nr. 12. Decembre 1859. 8. 

Atti delV imp. reg. Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti. Tomo V. 
Serie 3. Disp. 1. 1859. 8. 

Sopra un verme intestinale del retco d'una ranocchia, nota delprof. R. Molin. 
Geschenk des Hrn. Bibliothekars, Dr. Carl Kreutzer. 

176 verschiedene Abhandlungen in Quart und 89 in Oktav zoologischen 
und botanischen Inhalts. 



Ein Faszikel Pflanzen, über 1000 Exemplare enthaltend, von P. Ober- 
leitner, Cooporator in Steieregg. 
Drei Stück Salamandra maculata von Hrn. Richter. 



D*er Herr Vorsitzende verlas folgendes Schreiben des k. k. 
K&mmererö and Sectionsrathes Herrn Ludwig Ritter von Heu f ler: 

Durch die letzten Vicepräsidentenwahlen ist es gekommen, dass vier 
Botaniker und zwei Zoologen gewählt wurden, obwohl bis jetzt immer die 
gleiche Anzahl Zoologen und Botaniker vertreten war. 

Mi finde es angemessen, dass dieses Verhältniss nicht gestört werde 
und bitte die löbliche Gesellschaft, die Ablehnung der auf mich gefallenen 



L. R. v. HeuOer. G. Frauenfeld. 



Li 



Wahl gütigst zur Kenntniss zu nehmen, indem dann Herr v. Hauer, welcher 
durch seine berühmten Arbeiten über Ammoniten bei uns mit Recht zu den 
Zoologen gezahlt wird, als derjenige, welcher die nächst meisten Stimmen 
hat, an meine Stelle tritt. 

Da ich das Amt des Vicepräsidenten in diesem Jahre noch nicht aus- 
geübt habe, und die Reihe bisher in der Thal mich nicht getroffen hat, so 
dürfte meine Ablehnung und die Ausfüllung der durch mich leer werdenden 
Stelle durch Herrn v. Hauer mit keinen Unzukömmlichkeiten verbunden sein. 

Mit ausgezeichneter Hochachtung 

Ludwig Ritt. \. Montier 

k L Kämmerer und Sectionsratü. 

Da der Ausschues jedoch hiefür eine Neuwahl anordnen zu sollen 
glaubte, so findet dieselbe im nächsten Monat statt. 

Ferner ernannte der Herr Vorsitzende für die in dieser Sitzung 
stattfindende Ergänzuncjswahl von 2 Ausscliussrätheu zu Skrutatoren 
die Herren: Dr. Rob. Rauscher, Franz Bartsch, Dr. Jos. Kern er. 



Herr Secretär G. Frauenfeld legte den Subscriptionsbogen 
für die A. von Humboldt-Stiftung wieder vor, lud zur Zeichnung für 
dieselbe ein und las endlich folgende Auschussbesehlüsse : 

In Folge des Rücktrittes des Herrn k. k. Sectionsrathes Ritter von 
Heufler von der Vicepräsidentur der k. k. zool.-bot. Gesellschaft hat der 
Ausschuss in seiner Sitzung vom JO. Jänner d. J. beschlossen, in der Plenar- 
versammlung des Monats März eine Ersatzwahl dieser Stelle vorzunehmen, 
wozu die folgende Candidatenliste festgestellt wurde : 

Herr Franz Ritt. v. Hauer, Theodor Kots chy, Director Schlecht. 



Der Ausschuss der k. k. zoologisch -botanischen Gesellschaft gibt 
nachstehend sowohl die Modalitäten bekannt , unter welchen literarische 
Arbeiten in den Verhandlungen der Gesellschaft niedergelegt werden 
können, als auch die den P. T. Herren Autoren dabei gewährten Vortheile. 

Die Aufnahme der wissenschaftlichen Arbeiten in die Schritten derk.k. 
zool.-botanischen Gesellschaft hängt von dem Beschlüsse des Ausschusses ab. 

Die Abhandlungen können in deutscher, lateinischer, italienischer, fran- 
zösischer oder englischer Sprache geschrieben sein. 

Die solchen Abhandlungen zugehörigen Abbildungen unterliegen bei 
grösserem Umfange und Schwierigkeit besonderem Ccbereinkommen, sollen 
jedoch stets thunlichst berücksichtigt werden. 

Die k. k. Gesellschaft kann kein Honorar für solche Arbeiten erfolgen. 

B* 



L2 



Sitzung am i. Fjihniar 18G0. 



Es erhält jedoch jeder Autor von den in den Abhandlungen er- 
schienenen Aufsätzen 25 Exemplare kostenfrei» 

Ausserdem steht jedem Autor frei, von einem in die Abhandlungen 
niedergelegten Aufsatz, gegen Ersatz der Druckkosten und des Papiere* 
so viele Exemplare zur freien Verfügung zu begehren, als ihm beliebt. 

Der Ersatz an Druckkosten und Papier inbegriffen beträgt für 4 und 1 
Oktavblatt l A kr. öst. W. , für 3 und 4 Oktavblatt s /a kr. öst. W. , für 5 
und 6 Oktavblatt 1 kr. öst. W., für 7 und 8 Oktavblatt oder einen ganzen 
Bogen l 1 /» kr. öst. W\ u. s. f. 

Bei den Abbildungen, deren Kosten nicht vorher bestimmbar sind, ist 
gleichfalls nur der Druck und das Papier zu vergüten. 

Besondere Titel , feineres Papier, grösseres Format , Umbrechen des 
Satzes würde besonders nach den Rechnungen des Druckers zu berich- 
tigen sein. 

Jeder Autor kann die ihm zur Verfügung gestellten Exemplare beliebig 
in den Buchhandel oder sonst zum Verkauf bringen. 

Den Herren Autoren erwächst dadurch der Vortheil, aller Sorge für 
Drucker und Verleger überhoben zu sein, da sie die ganze beliebige Auf- 
lage durch Vermittlung der k.k. Gesellschaft vollkommen hergestellt beziehen 
können. Da die vorgelegten Abhandlungen stets sogleich in Druck gelegt 
werden, so findet die schnellste Effectuirung dabei statt, indem die Mehr- 
abdrücke sogleich zugemittelt werden , und sogar noch vor Hinausgabe der 
Schriften der Gesellschaft in die Hände der Herren Autoren kommen. 



Herr Secretär G. Frauen feld schilderte seinen Aufenthalt am 
Cap der guten Hoffnung. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Carl Fritsch übergab einen neuen Beitrag zur Flora 
Lembergs von Pr. Tomasch ek. (Siehe Abhandlungen.) 

Ferner legte derselbe seine neuesten Instructionen für 
phae no logische Beobachtungen vor und besprach sie. 

Herr A. Neilreich besprach Dianthm dhttinm Kit. (Siehe 
Abhandlungen.) 

Schliesslich machte der Herr Vorsitzende das Resultat der 
Wahl bekannt: 



G. Fraueufeld. C. Falsch. A. Keilreich. 



13 



V r o t o c o 1 1 

über die am 1. Februar 1860 vorgenommene Wahl von zwei Ausschussräthen. 

Zahl der eingelaufenen Wahlzettel : 42. 
Zu Ausschussräthen wurden gewählt: 

Herr Franz Ritter von Hauer . mit 28 Stimmen, 

„ Johann Stroh mey er . . . „ 16 „ 
Zunächst kommen : 

Herr Josef Kerner mit 8 Stimmen, 

„ Dionys Stur „ 8 „ 

„ Dr. Alexander Skofitz . „ 7 „ 

„ Franz Low „ 6 „ 

„ Brunner v. Wattenwyl „ 6 „ 

„ Julius Finger „ 3 „ 

„ Wenzel Sedlitzky . . . . „ 2 „ 

Dr. Rob. Rauscher, Franz Bartsch, Jos. Kerner. 



Sitzung am 7. März 1860. 

Vorsitzender : Herr Vicepräsident Dr. S. Reissek. 

Für die vorzunehmende Wahlzettelzählung ernennt der Herr 
Vorsitzende die P. T. Herren Dr. K. Fritsch,K. Lang, Fr. Low 
zu Skrutatoren. 



Neu eingetretene Mitglieder: 
P. f. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. f. Herrn 

Bereez Anton, aus dem Piaristenorden in Wien K. Studnizka, G. A. Künstler. 

Braunendal Carl v. , k. k. Landesgerichts- 
rath in Wien Jof. Kerner, G. Frauenfeld. 

Douille Auguste, Marinearzt in St. Pierre auf 

der Insel Martinique Dr. Ed. Gräfe, G. Frauenfeld. 

Henriot Josef, Marinearzt zu Besancon . . . Dr. Ed. Grüße, G. Frauenfeld. 

Jeuschenag Josef, Lehrer der Naturwissensch. 

zu Pancova Cr. Frauenfeld, A. Rogenhof er. 

Scheu.'czik Emanucl, Dr. Med., Dir. d. Unter- 
Realschule zu Ung.-Hradisch . . . , G Framnfeld, A. ßojenhofer. 



14 



Sitzung am 7. März 1860. 



p. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Henri 

Spenneder Beruh., Dir. der Unter-Realschule 

zu Mariahilf Dr. Alex. Granner, pT. J.Egger. 

Titoman Anton, Prof. d. Naturgesch. zu Krems K. Erdinger, G. Frauenfdd. 
Villers, Freih. v., Legationsrath bei der kön 

sächsischen Gesandtschaft G. v. Schwarz, G. Frauenfdd. 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausch: 

Öf versigt af kongl. Vetenskaps-Akademiens Förhandlingar. 15. Jahrg. 

1858. Stockholm 1859. 8. m. 4 Taf. 
Bulletin de la Societe imperiale des Naturalistes de Moscou. Annee 1859. 

Nr. III. Moscou 1859. 8. av. 4 pl. 

Excursions et observations ornithologiqu.es sur les bords de la Sarpa en 
1858. Par Nicolas Arlzibascheff- — Cole'optercs nouveaux de la Californie, par V. 
de Motschoulsky. — Die Heuschrecken in der Krim im Jahre 1859. Von P. Koeppen. — 
Ueber die Natur der Stacheln, von Nicoi. Kauffmann. 

Kongliga Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar. Ny Följd. 2. 

Band. 1. Hälfte. 1857. 4. 

Lepidoptera Bhopalocera in Terra Caffrorum annis 1838—45 aJ.A. Wahl- 
berg descripsit H. D. J. Wallengren. — Kritische Bestimmung von Vögelarten in 
älteren ornithologischen "Werken (schwedisch). — Ueber die Lage der Eichen im Ovarium 
der Phanerogamen, von J. G. Agardh (schwedisch). 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 

Classe. 38. Bd. Nr. 24. Wien, 4860. 8. 
Würtembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte. 16. Jahrg. l.Heft. 
Stuttgart 1860. 8. 

Paolo ßernabo's grosse orientalische Menagerie, von G. v. Martens. — Notizen 
zur Anatomie der Boa constrictor L. von Dr. Hering. 

K. Fritsch. Instruction für phänologische Beobachtungen aus dem 

Pflanzen- und Thierreiche. Wien 1859. 8. 
H. G. Bronn. Ueber den Stufengang des organischen Lebens von den 

Inselfelsen des Oceans an bis auf die Festländer. Heidelbg. 1859. 4. 
Kongliga Svenska Fregatten Eugenies resa omkring jorden. Zoologi III. 

Stockholm 1859. 4. 
Mittheilungen der k. k. mähr. Gesellschaft zur Beförderung des Acker- 
baues und der Landeskunde in Brünn. 1859. 4. 
Kirschbaum C. L. Die Athysanus- Arten der Gegend von Wiesbaden. 

Wiesbaden 1858. 4. 
Denkschriften der k. bair. botanischen Gesellschaft zu Regensburg. 

Bd. IV. Abthl. 1. Regensburg 1859. 4. 

Ueberblick der Flora Arctica, von E. v. Martens. — Zur Kenntniss der Visnea 

Mocanera L. f. von Dr. H. Schacht, — Ueber die Vers täub ungs folge der Antheren von 



Eingegangene Gegenstände. 



15 



Lychnis vespertina Sibth., von H. Wydler. — Blüthen-Antholysen von Olliavio ofßcinalis 
von H. Wydler. — Beiträge zur Flora der Vorzeit, von C. W. Gümbel. — Ueber den 
Bau und die Entwickelung der Blätter und der Schläuche von Utriculana vulgaris L. 

Gemeinnützige Wochenschrift des polytechn. Vereins zu Würzburg. 
8. 1859. Nr. 36 bis 52. 

Memoires de la Societe imp. des Sciences naturelles de Cherbourg. Tome 
V. 1857. Paris. 8. 

Sur lafe'condation des Fucaee'es, par G. Thür et. — Observations sur la 
reproduetion de quelques Nostochinees, par G. Thuret. — Anatomie des p'antes 
aeriennes de V Ordre des Orchide'es, par A. Chasin. 

Anales de la Universidad de Chile. 1858. April, Mai, Juni. Santjago 
1859. 8. 

Leybold. neue chilenische Ptlanzen. 
The Journal of the Ceylon brauch of the roy. asiatic. Society of great 
Britain and Ireland. Colombo 8. Vol. I.II. Nr. 1—3. 1845-55. 

On the formation of a collection of lepidoptera in Ceylon. — Sketches in 
the natural history of Ceylon. By Edg. Layard. — Hints to amateur conchologists 
being suggestions for the collection and preparation of speeimens. By Hugh Cuming. 
— A descriptive catalogue of the woods of Ceylon. By John Capper. ~ An outline 
of the famil System of natural history. By Sim. Chitty. — List of Mammalia of 
Ceylon. By Kelaart. — Description of nerv species aud varieties of Mammals found 
in Ceylon. By Kelaart. — Catalogue of Ceylon birds. By Kelaart. — Description 
of nexu or Utile knoiun species of reptiles found in Ceylon. By Kelaart. 

Memoires de la Societe de Physique et d'Histoire naturelle de Geneve. 
Tom. XV. prem. partie. Geneve 1859. 4. 

De la formation et de la fecondation des oeufs chez les ver$ nematodes par 
Ed. Claparede. — Note sur une espeee de Dothidea et sur quelques questions de 
taxonomie par Duby. 

Atti della Societä geologica. Vol. I. Fase. 1 — 3. Milano 1859. 8. 

Stabile, Molluschi terrestri et fluviali viventi nel territoiio di Lugano. — 
Comalia, Mammiferi fossili di Lombardia. — Villa, Di un miovo insetto cieco 
trovato in una caverna presso Como. 

Naumannia 1858. Titel und Inhalt. 

Jahrbücher des Vereines für Naturkunde im Herzogthum Nassau. 13. 
Heft. Wiesbaden 1858. 8. 

Jahresheft der naturwissenschaftl. Section der k. k. mähr.-schles. Ge- 
sellschaft für Ackerbau, Natur- und Landeskunde für das Jahr 
1859. Brünn 1860. 8. 

Monographie der europäischen Chiroptern von F. A. Kolenati. 

Abhandlungen, herausgeg. von der Senkenberg'schen naturforschenden. 
Gesellschaft. Bd. 3. Lief. 1. Frankf. a/M. 1859. 4. 

Dr. G. Meltenius über einige Farngattungen [Cheilanthes, Asplenium). 

..Flora." 1859. Nr. 43 -48. 

Fries, Reise in die Ost-Finnmark. — Buchenau, Litorella lacustris. — Schultz 
Bip., über Billotia. — Hasskarl, Clavis anal, generum Euphorbiacearum. — Münch, 
über einige Ranunkel-Arten und Datura Stramonium. 
„Lotos." 1860. Jänner. 

Amerling, Feinde der Birkenwaldungeu. — Barrande, Primordialiäuna. — Purkyne 
Florenbezirke in Böhmen. 



16 



Sitzung am 7. März 1860. 



Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 
Classe. Bd. 38, Nr. 25—27. Wien 1860. 8. 

Wawra u. Peyritsch, Sertum bengunlensem. — Molin, Metamorfoti dt vermi 
rotondi. — Frauenfeld, Notizen von der Weltfahrt. — Wiesner, Riesenbildung an den 

Pflanzenaxen. 

Korrespondenzblatt des zoolog.-mineralogischen Vereins in Regensburg. 
43. Jahrg. Regensburg 4859. 8. 

Jackel, zur bairischen Fauna. — v. d. Mühle, europ. Sylvien, über die Wander- 
heuschrecke. — Lindermayer, zur Ornithologie Griechenlands. 

Costa. Di una novella specie di Henestaris. 8. 
Vom Verfasser: 

Schwarz v. Mohrenstern. Ueber die Familie der Rissoiden und 
die Gattung Rissoina. Wien 4860. 4. 



Schmetterlinge von Hrn. Ferd. Braunhof er. 
Gallwespen von Hrn. Med. Dr. J. Giraud. 



Herr F. P reu er k. k. Bezirks- Vorsteher zu Hofgastein' hat mir 
in einem Schreiben mitgetheilt, dass er 600 Arten Pflanzen in 5000 
Exemplaren , theils Phanerogamen theils Cryptogamen besitze , rfi er- 
sichtlich welchen er in Tausch-Verkehr zu treten wünsche. 

Da ich die Einsendung des Kataloges dieser Pflanzen erst ge- 
wärtige, so bin ich noch nicht in der Lage, nähere Details anzugeben. 
Schon nach der Lage von Hofgastein zu schliessen, dürfte die Sammlung 
jedenfalls interessante und werthvolle Arten enthalten. 

Diejenigen Freunde der Botanik, welche darauf refiektiien wollen, 
werden eingeladen , sich an den Gefertigten zu wenden. 

Kurl Fritsch, 

Aasschussrath der k. k. zool.-botau. Gesellschaft. 

Auch Herr Douille, Marinearzt zu St. Pierre auf der Insel 
Martinique, hat sich freundlichst erboten, mit den P T. Mitgliedern 
der k. k. zool. bot. Gesellschaft in naturwissenschaftlichen Verkehr zu 
treten, daher sich jene Herren, welche davon Gebrauch machen 
wollen , sich direkte an ihn wenden können. 



F. Preuer. Douille. G. Jager. Tb. Kulschy. S. Reissek. A.Pokoruy. J. Juratzka. G. Frauenfeld. 17 

Herr Dr. G. Jäger spricht über See-Aquarien, gestützt auf die 
Erfahrungen, welche er durch seine Versuche hiebei gemacht, und 
zählt über 50 Arten Thiere auf, welche sich gegenwärtig in seinen 
und des Herrn Baron Ransonnet's Aquarien schon seit ein paar 
Monaten lebend und ziemlich wohlbehalten befinden. Er fordert die 
P, T. Mitglieder auf, sich in Betreff der Anlage und sonstiger Mit- 
theilungen hierüber an ihn zu wenden. 



Herr Dr. Th. Kotschy zeigt die bisher erschienenen Hefte seines 
Werkes über europäische und asiatische Eichen vor, wobei er mehrere 
Mittheilungen oder deren geografische Verbreitung gibt. 



Herr Dr. Siegf. Reissek spricht über die Wanderungen von 
Xanthium spinosum. (Siehe Abhandlungen.) 

Nach dessen Vortrag geben auch Herr Prof. Dr. A. Pokorny 
und Dr. Stur ihre Erfahrungen über diese Pflanzenpest und G. 
Frauenfeld fügt gleichfalls hinzu, dass er auf seinen Reisen selbst 
in Chile Gelegenheit gehabt habe, sich von der fatalen Lästigkeit 
dieser Landplage zu überzeugen. Schweif und Mähne der daselbst 
frei sich herumtreibenden Pferde sind mit tausenden solcher Samen 
zu einem unförmlichen Klumpen von fast Mannsdicke dicht verfilzt, 
unter deren Last die armen Thiere beinahe erliegen. 



Herr J. Juratzka zeigt mehrere für Niederösterreich neue 
Moose vor. (Siehe Abhandlungen.) 



Secretär G. Frauenfeld gibt einige Notizen über seinen Auf- 
enthalt in Ceylon (siehe Abhandlungen) und legt einige von Herrn 
Dr. Brühl aus Pest eingesandte Bemerkungen über Crustaceen vor 
(siehe Abhandlungen), so wie folgende Mittheilung des Herrn Bez. 
Vorst Joh. Czegley in Troppau: 

leber die Forstschädlichkeit von Orgyia autiqua. 

In dem trockenen Sommer des Jahres 1859 trat dieser Spinner im 
Goldensteiner Forste (Mähren) auf der sogenannten Hauerwiese, mithin in 
SiU.-Ber. M L fj 



18 



Sitzung am 7. Marz 1860. 



einer Höhe von mehr als 3000 Fuss über der Meeresfläche so häufig auf, 
dass die Raupen einen Flächenraum von etwa einem Joche Waldboden kahl 
legten und neben den Laubhölzern auch Fichte und Heidelbeere nicht ver- 
schmähten. 

Die mir durch den Waldbereiter Herrn Wilhelm Aid er mit obigen 
Notizen übersendeten Raupen Hess ich verpuppen und erhielt zwar gut aus- 
gebildete Schmetterlinge, nicht aber — worauf die Verschiedenartigkeit der 
Nahrungspflanzen schliessen liess — Varietäten in Betreff der Zeichnung und 
Färbung desThieres, welche zwar lichter als bei den in der Ebene vorkommenden 
ist, im Wesentlichen jedoch keinen Unterschied bemerkbar macht. 

Ein derartiges Vorkommen dürfte neu und wegen der letzteren Futter- 
pflanzen der Veröffentlichung werth sein. 

leber Sphinx Nerii. 

Die Raupe dieses Zugvogels fand ich im Herbste 1859 zu Troppau fast 
mitten in der Stadt, von Gärten entfernt, in einem beschränkten Hofraume, 
auf den daselbst ins Freie gestellten bei 20 bis 30 Jahre alten Oleander- 
bäumen, denen sie keine geringen Verwüstungen zufügte. 

In den Besitz dreier nach der letzten Häutung befindlichen Raupen 
gelangt, gab ich denselben zwei junge Oleanderbäume preis, die sie bald da, 
bald dort annagten und grösstenteils die einzelnen Blätter bis auf die 
Mittelrippe verzehrten. 

Das Aussehen und die Färbung der Ttaupen fand ich übereinstimmend 
mit den in entomologischen Werken vorhandenen Beschreibungen. Unmittelbar 
vor der Verpuppung wurde die Raupe oben dunkel - chocolatebraun , der 
beiderseits vorhandene weisse Streifen löste sich in einzelne quer über den 
Leib laufende längliche Flecken auf, welche von der dunklen Farbe grell 
abstachen. Von diesem Momente der Farbenwechslung änderte sich auch der 
Charakter der Raupe und wurde diese , ich möchte sagen, chrysalidenartig, 
bei der geringsten Berührung den Leib hin- und herwerfend , während sie 
früher, an der Futterpflanze berührt, die vorderen Gelenke einzog und in 
dieser Stellung längere Zeit verharrte. 

Sofort erfolgte am zweiten Tage nach dieser Metamorphose die Ver- 
puppung unter den auf die Erde des Puppenbehältnisses gelegten Blättern der 
Futterpflanze, in welchem die einzelnen Blätter mit einem weissen Gespinnste 
verbunden wurden und das ganze Gehäuse an Erdkörnern angeleimt war. 
Die Puppen lagen darin frei auf der Erde. 

Aus d iesen erhielt ich zwei vollkommen ausgebildete, lebhaft gefärbte 
(J Thiere von gewöhnlicher Grösse und Zeichnung binnen G0 und beziehungs- 
weise 57 Tagen (vom 7. October bis 6. December, vom 45. October bis 
1 1 . Dezember). 

Pie dritte Raupe war in Folge eines Falles zu Grunde gegangen. 



G. Frauenfeld. K. Schindler. 



19 



Wegen der vorgerückten kalten Jahreszeit hielt ich die Puppen in 
einem mit lockerer Erde angefüllten Topfe, den Boden siebartig durchlöchert, 
unter diesem Topfe einen anderen genau passenden, welcher täglich einmal 
mit heissem Wasser angefüllt wurde und die warmen Dämpfe durch die 
Oeffnungen der Erdschichte mittheilte. Nach Bedürfniss geschah die Be- 
sprengung der Oberfläche der Erdschichte und der die Puppen bergenden 
Blatter mit lauem Wasser, sofort die Feuchhaltung derselben. — Das günstige 
Resultat lässt diese Methode, die in einem ungeheizten Zimmer angewendet 
wurde, als zweckmässig erscheinen. 

Bei genauer Untersuchung anderweitig befindlicher Oleanderpflanzen 
fand ich keine Spur dieses in Deutschland nur selten vorkommenden 
Schwärmers. 



Ferner theilt der Herr Secretär die von Herrn Karl Schindler 
aus Sellye in Ungarn eingesandte Nachricht, über das Vorkommen 
eines schädlichen Forstinsectes mit. 

In den Frühjahrsmonaten des Jahres 1858 bemerkte ich bei der In- 
spicirung der Sellyer k. k. Fondsforste — wo die Staatsbahn die Waag 
überschreitet — ein Zurückbleiben der Belaubung in den 4, 5 und 6jährigen 
Llmen-, Eichen- und Ahornmaissen , wo Ulmus eampestris vorherrschend 
erscheint, das mich sogleich zur nähern Untersuchung veranlasste. Ich über- 
zeugte mich bald von der Ursache dieses Absterbens. Ein Käfer hatte den 
Splint bis zu einer bedeutenden Tiefe in regelmässigen, vertikalen und mannig- 
faltig verzweigten Mutter- und Xebengängen bedeutend angefressen. Das 
vollkommen ausgebildete Insect war .jedoch in keinem Exemplare lebend — 
was ich der kalten Witterung zugeschrieben habe. 

Man liess, die Brut fürchtend, die dürren Ulmen entfernen und beob- 
achtete von Zeit zu Zeit diese Lokalität, um vielleicht das Zurückbleiben 
mancher dieser Insecten zu erforschen, bis Anfangs Juli einige Exemplare 
von Eccoptchjaster Solutus — nach Dr. R atze bürg" s Benennung — in 
lebendem Zustande an dem Splint nagend zum Vorschein kamen. 

Zur nähern Untersuchung folgen anliegend Exemplare als auch an- 
gefressene Holzstücke vom ältern Ulmenholze (Ulmus campestris) mit der 
freundlichsten Bemerkung mit, dass dieselben aus den in den Wintermonaten 
des Jahres 1859 erzeugten Brennhölzern — die gleichfalls von ihm angegangen 
wurden, herrühren. 

Das plötzliche Auftreten dieses Insectes in den Junghölzern bringt mich 
zu dem Schlüsse, dass diess wohl von den Lagern der Klafterhölzer , die 
unmittelbar an diese Maisse anstossend aufgeschichtet wurden, herrühren 
mü;>e, da der Saft unter der Rinde in Gährung überging , dieselben heran- 
lockte und zur mannhaften Vermehrung Gelegenheit darbot. Ich fand die 

C* 



20 



Sitzung am 7. Marz 1860. 



Klafterliölzer wimmelnd von diesen Insecten , die im Juli herumschwärmten 
und die beim Herannahen sich jedesmal todt stellten. 

Der Schaden, welchen er zufügen kann, mu.ss als bedeutend bezeichnet 
werden, denn kaum hat dieser Käfer den Waldbestand angegriffen, so sind 
über 1200 Stück 1—2 Zoll starke und 6 -10 Schuh hohe Rustenstämmchen 
denselben zum Opfer gefallen, die dürre geworden und entfernt werden. Jüngsten, 

Im Allgemeinen geht er das jüngere Holz, da es weicher (splintartig) 
ist, viel lieber als das ältere an, und es verdient hervorgehoben zu werden, 
dass die Stämmchen von der Wurzel bis zu der Spitze der Aeste, bis 1 /a Zoll 
in das Holz in unregelmässigen Gängen angefressen war, wo hingegen beim 
alten Holze — wie diess aus den anliegenden Stücken ersichtlich ist — die 
Gänge sehr regelmässig und nicht so tief gehen. 

Als sehr vortheilhaft hat sich wieder die Mischung der Bestände (Wald- 
stände) bewährt, indem die Eichen und Feldahorne ganz unberührt gelassen 
wurden. 

Um dieses unwillkommenen W r aldverderbers los zu werden, habe ich 
am entsprechendsten erachtet, die bereits angegriffenen und abgestorbenen 
Stämmchen so schnell wie möglich, eben so die Klafterhölzer zu entfernen. 
Hiedurch wurde der weitern Verbreitung die Grenze gesetzt und bis zum 
heutigen Tage wurde der Käfer in dem betreffenden Bestände nicht wieder 
beobachtet. 

Der Herr Secretär G. Frauen- 
feld bemerkt hierzu: Der eingesandte 
Käfer ist Hylesinm vittatus Fb. und in 
so ferne von grossem Interesse, als der- 
selbe bisher nicht als forstschädlich 
bekannt war. Razeburg in seinem 
grossen Werke kennt dessen Lebens- 
weise noch gar nicht. Nördlinger be- 
zeichnet die gewöhnliche Ulme und Ulmus 
aubero.m als dessen Aufenthaltsort. Ich 
habe ihn vor 15 Jahren schon in Purkers- 
dorf an geschlagenem aufgeklafterten 
Brennholz von Ulmen in unzähligen 
Mengen Abends schwärmend gefunden. 
Prof. Dr. Redtenb ach er theilte mir 
nrit, dass er ihn im verflossenen Jahr 
in gleicher Weise eben so massenweise 
inj Prater beobachtet habe. In allen diesen 




G. Frauenfeld. 



2i 



Fällen ward jedoch nichts von Forstschaden vernommen , daher das 
vorgeschlagene Mittel der Entfernung des geschlagenen Holzes, als 
seines vorzüglichsten Aufenthaltes wohl das zweckmässigste gegen 
seine Vermehrung sein dürfte. Sein Frass gleicht dem seines nächsten 
Verwandten Hy/esinus fraxini am meisten, nur sind die Gänge viel 
kleiner, der Ilauptgang ganz gerade quer, die Brutgänge kürzer und 
gedrängter. 



Zum Schlüsse zeigt Secretär Frauenfeld noch .,T/te natureprin- 
teil britisch Sea-wceds by W. G. Johnstone and A. Croall" vor, von 
welchem bis jetzt 2 Bände, die Rhodospermeen erschienen sind. Er 
bemerkt dabei, dass in diesem Werke etwas, worauf er schon vor 
6 Jahren hingewiesen habe, wirklich zur Ausführung gekommen sei, 
nemlich die zu jeder solchen Darstellung, von Künstlerhand hinzu- 
gefügt Analyse in vergrößerter Darstellung, wodurch dasselbe erst 
die wirkliehe wissenschaftliche Vervollständigung zu erlangen im 
Stande ist. Er erwähnt hierbei wiederholt, dass wohl über kurz oder 
lang es der Photografie vorbehalten bleibt, die nachbildende Hand 
auch hier entbehrlich zu machen , und ein unfehlbar getreues Ab- 
bild zu liefern. 

Was die Darstellungen selbst betrifft, so können sich die in der 
k. k. Staatsdruckerei in Wien gefertigten diesen getrost an die Seite 
stellen, vorzüglich die der feinem haarförmigen Gebilde. Weniger ist 
diess an den breitlaubigen der Fall, wie Delesseria, Nitophyllum 
Calliblepharis , Halytnenia, Schizymenia, etc. von denen einige 
meisterhaft gerathen sind , und namentlich durch höchst gleichartigen 
Ton im Druck sich auszeichnen. Uebrigens scheint der praktische 
Sinn auch sonst noch das richtige gewählt zu haben, nemlich zur 
Vollendung kein Mittel zu vernachlässigen , da bei einigen Tafeln eine 
Retouche angewendet scheint. Einen grossen Vorzug besitzen die 
Darstellungen der k. k. Staatsdruckerei in ihrer ausserordentlichen 
Billigkeit, während das besprochene englische Werk einen sehr hohen 
Preis hat. 



22 Sitzung am 7. Marz 1860. 

Das am Schlüsse der Sitzung verlesene Protokoll des Wahl- 
scrutiniums ergab folgendes Resultat: 

Eingegangen waren 47 Stimmzettel. Davon bezeichneten als Vice- 
präsidenten : 

Herrn Franz Ritter von Hauer . .43 

„ Theodor Ko tschy 2 

„ Leopold Schlecht 2 

Es wurde sonach Herr Franz Ritter von Hauer als Vicepräsi- 
dent gewählt bezeichnet. 



Sitzung am 4. April 1860. 

Vorsitzender : Hr. Vice-Präsident Franz Ritter v. Hauer. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

ßellardi Luigi , Prof. der Xaturgesch. in 

Turin Dr. J. Egger, Dr. Schiner. 

Enzenhof 'er Michael, Subreg. Consistorialrath 

Redact. d. katli. Blätter in Linz ... J. Hinteröcker, G. v. Frauenfeld. 

Eberl Karl, Freih. v., Spiritual- und Con- 
sistorialrath in Linz J. Hinteröcker, G. v. Frauenfeld- 

Müller Anton, Forstmeister d. fürstbischöfl. 
Bisthums d. Herrschaft Johannesberg u. 

Friedeberg Ad. Schwab, G.v. Frauenfeld. 

Jlarkbreiter Josef, Dr. Med. im k. k. allg. 

Krankenhause . . . . , Dr. Semeleder, Aug. Semeleder. 

Makonsky Alexander, Lehrer an der Real- 
schule in Olmütz J. Bayer, F. Bartsch. 

Quintus Josef Ritt. v.,k. k. Artill.-Hauptmann 

im k. k. Arsenal H. Hillebrand, G. v. Frauenfeld. 

Ransonet Emil, Freiherr v Dr. G. Jäger, G. v. Frauenfeld. 

Rechberger Augustin , Hochw. , Domkapit. 
Regens, d. Priestersem., emer. k.k. Prof. 

in Linz J. Hinteröcker, G. v. Frauenfeld. 

Toth Franz, Cisterzieuser-Priester, Prof. am 

Erlauer Obergymnasium Sig. Horvath, Ath. Schill. 



Eingegangene Gegenstände: 

Im Sohriftentausch. 

Nouveaux Memoires de la Societe imperiale des Naturalistes de Moscou. 
Tome XII. Moscou 1860. 4. 

Aufzählung der auf einer Reise durch Transkaukasien und Persien gesammelten 
Pflanzen, \on E. ßois s ier und F. B uhse. 
Bd. X. Sitj-Bcr. D 



Sitzung am 4. April 1860. 



Monatsbericht der k. preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Jahrg. 1859. 8. 

Peters, über ein neues Flugbeutelthier aus .Neuholland. — Traube, über die Re- 
spiration der Pflanzen. — Peters, über die Chiropterengattung Jfyetophilm\ Uebersicht 
der von Jagor gesammelten Schlangen; über eine neue Schlange, PUcturvs ceylanitus; 
über eine neue Art von Fröschen aus Caracas; über neue Fische. — Reichert, über die 
befruchteten Eichen von Meerschweinchen. — Ehrenberg, über mikroskopische Thier- 
formen. — Hanstein, über schlauchf. Gefasse in den Blattern. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. 1859. Bd. 38. 
Nr. 29. 

Molin, Monografia del genere Spiroptera- 

— Bd. 39. 1860. Nr. 1 u. 2. 

Balogh, der Klauenschlauch des Schafes. — Jager, das spontane Zerfallen der 
Süsswasserpolypen. 

Annais of the Lyceum of natural history of Nein York. Vol. VIII. Nr. 
1-3. 1859. 8. 

Proceedings of the Academy of natural sciences of Philadelphia. 1859. 

Verhandlungendes naturhist. Vereins der preuss. Rheinlande. Jahrg. 1839. 

Stollwerk, Nachtrag zum Verzeichniss der Schmetterlinge von Crefeld. — Müller. 
Zusätze zur Moosflora Westphalens. — Beckhaus, Nachtrüge zur Flora westphalica. — 
Förster, neue Hymenopteren. — Kaltenbach, deutsche phytophage Insecten. — Trevirauus 
Pflanzenmissbilduugen. — Beckhaus, Lichenen Westphalens. 

Zwölfter Jahresbericht des Ohio Staats-Ackerbaurathes. Columbus 1858. 8. 
Journal of the Elliot society of natural History. Vol. 1. Charleston 
1859. 4. 

Flora of the lower Country of South Carolina reviewed. 
Report of the Commissioners of Patents for the year 1857. Ägricultur. 8. 
Annual Report of the board of regents o*f the Smithsonian Institution. 
1859. 8. 

First Report of a geological Reconnoissance of the northem counties of 
Arkansas by D. D. Owen. IAttle Rock 1858. 8. 

Transactions of the Academy of Science of St. Louis. 1859. 8. 

Hilgard, Organotaxis- — Engelmann, Dioecius Grasses. — Prout, Bryozoa. 
Engelmann, Cuscuta. 

Swallow G. C. Geological Report of the country along the Pacific 

Railroad State of Missouri. St. Louis. 1859. 8. 
Atti delV Istituto Veneto. Tomo V. Disp. 3 e 4. Venezia 1859—60. 8. 

Massalongo, Essame di alcuni gtneri di licheni. 

19. Bericht des Museum Francisco-Carolinum. Linz 1859. 8. 
Proceedings of the Boston Society. Vol. VI. Bog. 23—27. Vol. VII. 1—9. 
Troschel. Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der 

Mollusken im Jahre 1857, — der Herpetologie 1858, — der 

Säugethiere 1857. 8. 
Nachrichten von der Georg - August - Universität zu Göttingen. 1859. 

Nr. l->0. 

Neues lausitzisches Magazin. 36. Band. Görlitz 1859. 8. 



Eingegangene Gegenstände. 



2a 



Saussure H. de. Description d'une serie d' Hymenopteres nouveaitx 
de la trilni des Scoliens. cV. (Aus der entom. Zeitung v. Stettin.) 

36. Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterländ. Kultur. 
18Ö8. Breslau. 4. 

Anschlass zum Schriftentausch : 
Brandenburg 1 und angrenzende Provinzen : Botanische Gesellschaft. 



Eine Schachtel mit 118 Stück Käfer, von Herrn Ad. Schwab. 
oO Arten Flechten, von Herrn Prof. Haszlinszky. 
Ein Paquet Pflanzen, von Herrn C. Petter. 



Der Secretär, Herr Georg Ritter von Frauenfeld las folgende 
Ausschlussbeschlüsse und Mittheilungen : 

Wegen der Osterfeiertage wird die Jahresversammlung der k. k. zool.- 
bot. Gesellschaft am nächsten Mittwoch, den 11. April 1860 stattfinden. 

Dem Wunsche mehrerer Mitglieder zu Folge wurde beantragt, den 
Abend mit einem herzlichen gesellschaftlichen Male zu schliessen. 

Es findet dasselbe im Gasthofe zur „Kaiserin Elisabeth" in der Weih- 
burggasse statt. 

Die verehrten Herren, welche daran Theil nehmen wollen, werden 
gebeten, es bis Samstag Abends, den 7. d., dem Sekretariate bekannt zu 
geben, oder im Gesellschaftslocale, Herrngasse Nr. 30, 3. Stock anzuzeigen. 



Ich beehre mich der geehrten Versammlung mitzutheilen, dass für den 
wegen fortwährender Kränklichkeit entlassenen bisherigen KanzellUten der 
k. k. zool.-bot. Gesellschaft, in der Ausschusssitzung am 2. April d. J. Herr 
Eduard Swoboda in dieser Eigenschaft mit den gleichen Bezügen und 
aufhabenden Pflichten aufgenommen wurde, und sonach künftig den dienst- 
lichen Verkehr mit den P. T, Mitgliedern besorgen wird. 



Ich bin in der angenehmen Lage, den P. T. Mitgliedern anzuzeigen 
dass das 1. Heft von 1800 vollendet, und von jenen Herren in Empfang ge- 
nommen werden kann, deren Jahresbeitrag an die Gesellschaftskasse ein- 
gezahlt erscheint. 



D* 



26 



Sitzung am i. April 1860. 



Ich erlaube mir, den Herren Botanikern hiemit zur Kenntniss zu brin- 
gen , dass durch die Verlagshandlung Gerold der Subscriptionspreis für 
Wulfen's „flora norica" abermal zu 6 fl. bestimmt worden ist, gegen wel- 
chen Betrag die Mitglieder dieses Werk durch die k. k. zool.-bot. Gesell- 
schaft beziehen können. 



Eine Sammlung europäischer Macro- und Mic rolepid opt eren ist 
in Wien zu verkaufen, wovon erstere sehr reich und beinahe nur in schönen, 
untadelhaften Exemplaren besteht; auch befinden sich viele herrliche Varie- 
täten, mehrere Hermafroditen und Hibriden darunter. 

Die Zahl der Species und bekannten Varietäten besteht in: 
426 Papilionina in 2564 Exemplaren 
165 Sphingina „ 751 „ 
253 Bombicina „ 1276 „ 
774 Noctuina „ 3426 „ 
515 Geometrina „ 2486 „ 
Summa 2133 Species in 10503 Exemplaren. 
Die Micro-Sammlung besteht in: 



106 


Arten 


Pyralidae in 


406 Exemplaren 


235 


V) 


Tortricidae „ 


896 


112 


» 


Crambinae „ 


410 


415 




Tineacea „ 


1380 „ 


37 


n 


Pterophoridae „ 


173 



Summa 905 Micro-Species in 3265 Exemplaren. 
Um nähere Auskunft ist sich an Herrn W. v. Macchio in Wien, 
Stadt Nr. 628, zu wenden. 



Ausser der hier erwähnten Schmetterlingssammlung steht eine von 
dem berühmten Wachsbossirer St oll verfertigte prachtvolle Obstsammlung in 
beiläufig 200 Stücken zum Verkaufe. 

Nähere Auskunft hierüber ertheilt der 1. Secretär. 



Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft besitzt unter ihren verfüg- 
baren Vorräthen folgende Sammlungen exotischer Pflanzen : 

Kotschy: Iter nubicum 348 Arten 

Sie her: Flora martinicensis 329 ,, 

— Flora mixta 730 „ 

Schimper: Iter abyssinicum, Sectio I plantae adoenses .... 76 „ 
Lhotzky: Plantae novae Hollandiae 72 „ 



G. Fmueufeld. Dr. A. Kerncr. Dr. k. Pokoruy. Dr. Canestrini. 



27 



Hohenacker: Ptianzen aus d. unio itineruru, theils von Hohen- 
acker selbst im westlichen Asien, theils von Dr. Frank 

in Nord-Amerika gesammelt 1230 Arten 

Da diese exotischen Sammlungen nicht in das Gesellschafts-Herbar. 
das nur die Flora Europas umfasst, aufgenommen werden können, sich auch 
nicht zur Betheilung von Schulen eignen, so hat der Ausschuss der Gesell- 
schaft in der Sitzung vom 4. April 1S60, nach früher eingeholter Geneh- 
migung der Plenar-Versammlung beschlossen, die obgenannten Sammlungen 
entweder gegen seltene Pflanzen der europäischen Flora umzutauschen, oder 
sie auch zu verkaufen. 

Von dem Yor>itzenden. Herrn Vice-Präsidenten Franz Ritter von Hauer, 
zur Abstimmung über den oberwähnten Ausschussbeschluss aufgeiufen, nahm 
die Versammlung denselben einstimmig an. 



Herr Prof. Dr. Anton Kern er sprach über die Weiden in ihrer 
landschaftlichen Bedeutung. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Prof. Dr. Alois' P o k o r n y lieferte neue Beiträge zur 
Flora des ungarischen Tieflandes. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Dr. Canestrini besprach die Systematik der Per- 
coiden. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Secretär Georg Ritter von Frauenfeld sprach über den 
Aufenthalt von Sr. Majestät Fregatte Novara auf den 
Stuartsinseln : 

Es wurde lange nachdem die Novara von Sidney fortgesegelt war. ein ver- 
läumderisches Gerücht über eine yon den Matrosen der k. k. österr. Fregatte 
auf den Stuartsinseln verübte rohe Gewaltthat in dem Sidneyer Morning- 
Herald veröffentlicht und aus diesem in mehreren Blättern wiederholt. 

Ich würde es vermeiden, irgend etwas weiter darüber zu erwähnen, da 
es leider eine zu allgemein gefühlte Thatsache ist, dass die publicistische 
Presse noch weit davon entfernt ist, mit jener Rechtlichkeit zu Werk zu 
gehen, die der hohen Bedeutung, die ich ihr in ihrer Wirksamkeit für das 
öffentliche Leben einräume, entspräche ; allein ich ergreife darum diese Gele- 
genheit mit Vergnügen um als Nicht-Militär aussprechen zu können, 



28 



Sitzung am 4. April 1860. 



dass die Haltung der Mannschaft der Fregatte nach aussen wie nach innen 
während der ganzen Reise ohne Ausnahme eine höchst lobenswerthe und 
tadellose war, wie sie nur irgend einer Marine und zum Frommen der mit 
derselben in Berührung Kommenden recht sehr gewünscht werden könnte. 

Ich will hier noch, ehe ich unsern Aufenthalt auf diesem Atol, über 
den ich schon in der Sitzung am 7. December 18'i9 berichtete, abermals des 
Nähern bespreche, überhaupt anführen, dass die Mannschaft des Schilfes 
weder auf St. Paul, noch auf den Nicobaren, noch auf Punipet oder den 
Stuartsinseln, das ist also auf allen jenen Punkten, wo es der Verläumdung 
möglich wäre, solche Acte gewaltsamer Willkühr hin zu verlegen, in grösserer 
Zahl als zum Rudern der Boote nöthig war , und stets unbewaffnet an's 
Land gesetzt wurde , und nirgends ohne von den Officieren des Schiffes 
begleitet zu sein. Auf allen diesen Orten war ich von Anfang bis zum Ende 
des Aufenthaltes Augenzeuge, und namentlich auf der kleinen Insel Faule 
aus der Gruppe der Stuartsinseln zufällig bei dem daselbst vorgenommenen 
Tauschhandel selbst thatsächlich betheiligt. 

Wir hatten, wie ich in der schon oben berührten Mittheilung erwähnte, 
die Stuartsinseln am 16. October 1858 Nachmittags in Sicht bekommen, und 
erhielten Besuch von den Eingebornen, die sich erboten, uns Lebensmittel zu 
überlassen. Es wurde an diesem Tage Niemand ausgeschifft, und erst den nächsten 
wie gewöhnlich erst nach dem Frühstück der Mannschaft , Morgens um 
7 Uhr, 2 Seitenboote gestrichen (später glaube ich noch ein drittes, von 
welchen allen aber nur eines an den Inseln landen konnte), in welchen der Herr 
Commandant Freih. v.Pöck, t oder 3 Officiere oder Marinecadetten, Dr. Hoch- 
stetter, Dr. Scherzer, Schiffscommissär Basso, Dr. Schwarz, Maler 
Selleny, Gärtner Jeli ne k und ich, nebst den 6 — 8 Matrosen in jedem Boote, 
welche ruderten, sich befanden. Ausser dem Herrn Commandanten, mir, und 
wie ich glaube, Herrn Baron W T a lterskirchen, deren jeder eine Jagdflinte 
trug, war niemand bewaffnet. Als wir an dem Korallenriffe anlangten, war 
es fast 8 Uhr vorüber, und es ergab sich, dass der Eingang in die Lagune 
des Atols nur aus einer schmalen kaum ein paar Fuss breiten Rinne bestand, 
über welche wir mit unsern Booten, da das Wasser gerade zur Ebbezeit wie 
eine Stromschnelle von anderthalb Fuss Tiefe aus der Lagune herausschoss, 
nicht gelangen konnten, um nach den Inseln zu kommen. Einige Kanos der 
Eingebornen, die frühzeitig schon an dieser Stelle sich eingefunden hatten, 
begleiteten uns, um uns diese einzige mögliche Einfahrt zu zeigen. Da unsere 
Boote sonach nicht passiren konnten, um zu landen, so übersetzten wir in 
die Kanos, um auf das Riff und darnach zu den Inseln zu gelangen. Die 
Eingebornen, deren noch mehrere kamen, halfen unsern Matrosen, das eine, 
am wenigsten tief gehende Boot unsers Schiffes, als es ganz leer war, über 
diese schmale heftig strömende Furt in die Lagune zu ziehen. Das zweite 
blieb ausserhalb in offener See, um die von den Eingebornen zugeführten 
Lebensmittel zu übernehmen. 



G. R. v. Frauenfeld. 



29 



Mehr als anderthalb Stunden vergingen, bis wir auf diese Weise 
auf der nächsten der fünf Inseln dieses Eingriffes, auf Faule anlangten. 
Commissär Basso, Dr. Scherzer und Schwarz begaben sich unmittelbar 
darauf nach dem Hauptort die grosse Insel Sikayana, um den Verkehr und 
Eintausch der Lebensmittel, der nicht den Matrosen überlassen war, zu 
leiten. Wir übrigen zerstreuten uns auf Faule, um die kurze uns gestattete 
Zeit Ton höchstens zwei Stunden für unsere wissenschaftlichen Zwecke 
möglichst zu nützen. Ich schoss in Begleitung Jelinek's einige Vögel, 
fing mehrere Eidechsen, Insekten, sammelte Conchylien, notirte , was nöthig 
war. und e> mochte wohl Mittag geworden sein, als ich an unseren Landungs- 
platz zurückkehrte, wo auch der Herr Commandant anwesend war, un.l 
Selleny eine Gruppe der Eingebornen zeichnete. 

Mehrere derselben hatten ein Schwein, mehrere Hühner, Fische, Kokos- 
nüsse hiehergebracht , für die ihnen im Beisein des Herrn Commandanten 
und eines Officiers Tauschartikel geboten wurden. Da sie Glas und Flitter 
wenig achteten, und da man. daselbst auf Erlangung von Lebensmitteln 
nicht rechnend, bei der Abfahrt des Commissärs wenig andere Gegenstände 
zurückbehalten hatte , so kam es sehr erwünscht, dass ich eine grössere 
Anzahl Messer. Gabeln, Spiegel. Tücher etc. bei mir hatte , von dem ein 
Theil hinreichte, das von den Eingebornen Gebotene zu vergüten, so dass 
ich noch einen ansehnlichen Rest davon zurück in's Schiff brachte. In dieser 
Weise war schon Mehreres angekauft, was von unsern Matrosen und den 
Eingebornen in die Kanos gebracht ward, um dem ausser dem Riffe wartenden 
Boote übergeben oder durch sie selbst an's Schiff befördert zu werden. 

Durch Ungeschicklichkeit der Matrosen entflohen bei der Ueb ertrag unj; 
in die Kanos 4 der schon bezahlten Hühner; der Herr Commandant wollte 
dieselben schiessen, da ich aber die Hoffnung aussprach, sie vielleicht wieder 
einzufangen, so unterblieb selbst diess. und diese Huhner wurden, da ich 
>ie nicht erlangte, lebend auf der Insel zurückgelassen. Eines der Kanos 
schlug bei die>em Transport durch die wirbelnde Strömung in der schmalen 
Einfahrt, in welchem sich einer der Herren Marinecadetten befand, um, und 
man musste Geflügel und Kokosnüsse, die gleichfalls schon auf der Insel 
eingehandelt und bezahlt waren, im Stiche lassen, da es schon dringend Zeit 
war, zurückzukehren, indem unmittelbar Anstalt zur Abreise getroffen ward, 
und wir uns um 4 Uhr schon unter Segel befanden. 

Der ganze Verkehr auf Faule, dem ich auf diese Art vom Anfang bis 
zum Ende beiwohnte, verlief ohne dem mindesten Zeichen einer Unzufrieden- 
heit, ohne irgend einen Vorfall, welcher nur die leiseste Spur einer Beein- 
trächtigung des guten Einvernehmens herbeigeführt hätte. 

Alle von den Eingebornen erhandelten Gegenstände wurden im Beisein 
der bezeichneten Herren Officiere und unter unsern Augen in die Boote 
gebracht, die dafür geforderten Tau.-chartikel von uns persönlich jenen über- 
antwortet und erst nachdem Alles mit jener Gewissenhaftigkeit geordnet war 



30 



Sitzung am 4. Ajurl 1860. 



welche die Befehlshaber der Expedition und des Schiffes überall so strenge 
befolgten und nachdem schon Alles die InseJ verlassen hatte, fuhr ich in 
dem Kano eines Eingebornen an\s Schiff. 

Wenn wir alle diese Umstände und die Zeit, wie vorstehend dargethan, 
zusammenfassen, so ergibt sich die Unmöglichkeit von selbst, dass auch nur 
das Mindeste von den Matrosen verübt werden konnte, ohne dass es von den 
Vorgesetzten derselben oder von uns mitgesehen, miterlebt worden wäre. Ob 
es die Schmähsucht wagen will, jene solchergestalt zu Mitschuldigen, uns zu 
Lügnern zu stempeln, mag getrost abgewartet werden, da die Novara auf 
ihrer ganzen Fahrt überall den Eindruck hinterliess, dass solche Gerüchte 
nur als Gemeinheit gebrandmarkt werden können. 

Die Versammlung folgte diesem Vortrage mit gespanntem In- 
teresse und gab am Schlüsse ihre Theilnahme durch lebhafte Accla- 
mation zu erkennen. 



Ferner legte derselbe folgende eingesendete Abhandlungen vor: 

Enumeration des Figitides de TAutriche par le Dr. 
Giraud. (Siehe Abhandlungen.) 



Ueber neue oder ungenügend bekannte Algen von 
A. Grunow. Erste Folge: Diatomaceen , insbesondere die Genera 
Namcula und Scoliopleura* (Siehe Abhandlungen.) 



Beiträge zur Kenntniss der Karpathen-Flora von 
Prof. Friedrich Haszlinsky IX, Lebermoose. (Siehe Abhandlungen.) 



Beiträge zur Pilzkunde von Schulzer von Müggenburg 
I. Ueber Ditiola Fr. II. Ueber Dacryomyces xtillatus Nees. (Siehe 
Abhandlungen.) 



Ferner las Herr Georg von Frauenfeld folgende eingesendete 
Notizen : 



A. Sch-wab. 



31 



Ueber die Verheerungen der Kieferblattwespe in der Umgebung von 
Schwarzwasser und Skotschau in k. k. Schlesien. Von Herrn 
A. Schwab in Mistek. 

Diese überaus schädlichen Blattwespen wurden schon im Jahre 1849 in 
den beiden zur Kammer Teschen gehörigen Revieren Illownitz und Chybi 
wahrgenommen und haben auch mehrere Jahre zuvor schon in dem zur 
Kammer Bielitz gehörigen Reviere Zabreg und im Skotschauer Gemeinde- 
walde verheerend geschwärmt. Seit dieser Zeit hatte sich dieses Insekt, 
durch Witterungsverhältnisse begünstigt, in unglaublicher Menge verviel- 
fältiget, und ist gegenwärtig in allen Kieferbeständen dieser Gegend von 
circa loOO Joch Flächenausdehnung anzutreffen. 

Man findet zwei Arten, die gemeine Kieferblattwespe, Tenthredo pini, 
und die Gespinnstkieferblattwespe, Tenthredo pratensis, welch 1 letzte als die 
zumeist schädliche zu bezeichnen wäre, weil sie ungemein gefrässig ist und 
den abnormsten Witterungsverhältnissen Trotz bietet. Sie greift am liebsten 
die reinen und jungen Kieferbestände von 15 bis 30 Jahren an, ist jedoch 
auch in jüngeren und älteren Abtheilungen zu finden. Junge Kiefern erliegen 
nach 2—3 Jahren fast gänzlich den Angriffen dieser Feinde, während ältere 
Bestände unter günstigen Verhältnissen längeren Widerstand leisten, gleich- 
wohl aber bei wiederholten Angriffen gänzlich absterben. 

Die 2 — 5 Zoll in der Erde liegende Puppe geht mit der steigenden 
Wärme schon im Monat April und Mai ihrer Verwandlung entgegen und 
kriecht als Wespe zuerst an der Oberfläche der Erde herum, dann an den 
Stämmen hinauf, schwärmt und geht als solche nach einigen Stunden schon 
ans Fortpflanzungsgeschäft. Der Lärmen beim Schwärmen ist überraschend 
und einem starken Hagelschlage vergleichbar. — Das bedeutend stärkere 
Weibchen legt 20—30 kleine kümmeiförmige Eier an die Nadeln der Zweige, 
welche sich binnen % — 3 Wochen in sehr gefrässige Raupen verwandeln, 
Gespinnste webend und alle Nadeln vernichtend, bis sie endlich am Schlüsse 
der Verheerung, nach 5 — 7 Wochen zur Erde fallen und sich sofort zwischen 
Moos und in der Erde verpuppen. 

Auf diese Art angefallene Bestände zeigen — während alles Uebrige 
in freudiger Vegetation dasteht — nicht eine grüne Nadel und machen auf 
den Beschauer einen peinigenden unheimlichen Eindruck. 

Von allen gegen die massenhaften Verheerungen dieses Insektes ange- 
wandten Vertilgungsmitteln zeigte der rechtzeitige Eintrieb von Schweinen 
und Haushühnern noch den meisten Erfolg, da diese Thiere die Puppen 
überall aufsuchen und gierig verzehren. 

In güns tigen Fällen nimmt ein zum Brechen schon geeignetes Schwein, 
nach genauer Beobachtung, täglich eine Quart, das ist nahe an 4000 Stück 
Bd. X. Siti-Ber. E 



32 



Sitzung am 4. April 1860. 



Puppen zu Leibe, während 10 Stück Hühner in Begleitung der Schweine eben- 
falls eine Quart Puppen vertilgen. 

Die günstigste Zeit zum Eintriebe der Schweine und Hühner ist vom 
Anfang Juni bis Ende October. 

Nebstbei wurden auch durch Menschenhände die Puppen dort auf- 
gesammelt, was jedoch zu kostspielig war und wegen Mangel an Menschen 
aufgegeben werden musste. 

Auf diese Weise wurden in einem Jahre 53 7» Metzen Puppen im 
Accordwege hier eingesammelt. Ueberdiess hat man auch noch alle übrigen 
in dieser Richtung bekannten Vertilgungsmittel erschöpft, was jedoch nur 
den traurigen Nachweis lieferte, dass eine gänzliche Abwehr dieser Calamität 
durch menschliche Anstrengung nicht so leicht erreichbar ist. 

Es wäre auch zu erwähnen, dass da, rechtzeitige Anplätten der theils 
unterdrückten, theils zum Abtrieb bestimmten Stämme zur Zeit des Schwär- 
mens der Blattwespe sich als sehr wirksam erwiesen, da viele Millionen dieser 
Feinde an den harzigen Anplättungen haften geblieben, noch bevor sie das 
Ziel der beabsichtigten Verwüstung erreichten. 

Als Thatsache hat Herr Waldbreiter noch bemerkt, dass die Kiefer- 
blattwespe südlich vorrückt und auf ihren Wanderungen zumeist die reinen 
Kieferbestände angreift und vernichtet. 

Im Frühjahre sieht man ganze Wespenschwärme in der Luft, und nur 
zu ihrer Verwandlungszeit ist die Wespe gegen Witterungsverhältnisse etwas 
empfindlich, — dagegen ist die Raupe und Puppe als unvertilgbar zu be- 
zeichnen. Es wurde zur Abhilfe dieses Uebels von den erzherzoglichen Herrn 
Forstbeamten nichts unversucht gelassen, so dass der Aufwand zur Durch- 
führung der zu Gebote stehenden Gegenmittel eben so grossartig ist, als es die 
Verheerungen sind, welche sämmtliche Kieferwälder dieser Gegend leider 
nachweisen. 



Ueber das angebliche Vorkommen von Botrychium anthemoides Presl 
am Pyhrrn, von Herrn Dr. Robert Rauscher. 

Der im Band VII S. 461 der Verhandlungen der zool.-botan. Gesell- 
schaft enthaltenen Aufforderung wegen Nachforschung über den angeblichen 
Standort des Botrychium anthemoides Presl. am Pyrrhn bei Spital in Ober- 
österreich gemäss, habe ich vorerst im Jahre 1859 von Herrn Apotheker 
Richard Zell er zu Windischgarsten in Oberösterreich, Mitglied der zool - 
bot. Gesellschaft, nachstehende Mittheüung erhalten : 

„Herr Carl Stoitzner, Lehramtscandidat (derzeit zu Szerdahely in 
Ungarn) habe im Jahre 1858 in Begleitung des Sohnes des Einsenders, 
Richard und des Herrn Ed. Hinterberger aus Linz, am 10. September, 
nachdem sie in der Grafenegger Alpe übern achtet, den Weg über das Glöckl- 



Dr. R. Raascher. 



33 



hörn, dann die Leitern auf die Speckwiese eingeschlagen und sich yon da 
in südlicher Richtung hinunter zum Brunsteiner- See begeben ; am Ausflüsse 
dieses kleinen Sees und zwar an beiden Ufern des kleinen, durch das Filzmoos 
iliessende-n Bächleins, Teichibach genannt, hätten sie ein Botrychium in Menge 
bemerkt, was jedoch in einem zu vorgerückten Entwicklungs-Stadium begrif- 
fen gewesen sei, um es zu sammeln." Einsender dieser Mittheilung hat es 
sich vorbehalten, im nächsten Jahre (1859) — zu gehöriger Zeit — diessfalls 
weitere Nachforschung zu pflegen. 

Ich habe im Laufe der verflossenen Woche von Herrn Zell er sen. in 
der angegebenen Beziehung über das Ergebniss seiner weiteren Nachforschung 
nachstehende weitere Mittheilung überkommen: 

„Ich habe, um mich von der Richtigkeit der Angabe des Herrn Stoitz- 
ner zu überzeugen, gleich nach Sonnenwend eine Excursion auf den Pyrrhn 
unternommen, wobei ich mich eines mit der Gegend ganz vertrauten Führers 
bediente, mit dem ich den im Jahre 1858 von meinen Vorgängern eingeschla- 
genen Weg mit Zuhilfenahme der Generalstabskarte, und indem ich mir noch 
selbst eine genaue Skizze aller Punkte dieses Ausfluges, die ich allenfalls zu 
übersenden bereit bin , entwarf, verfolgte, bis ich zum Au-fluss des Brun- 
stein-Sees und zum Teichlbache gelangte. Ich fand jedoch leider keine Spur 
von einem Botrychium, muss daher vermuthen, dass sich Herr Stoitzner 
geirrt habe. Uebrigens muss ich bemerken, dass ich schon früher — an andern 
Orten — am Pyrgas — Pyrrhn — Botrychium Lunaria häufig gefunden. 



Schliesslich besprach der Secretär das von Hrn. Heeg er heraus- 
gegebene Album mikroskopischer Photographien, das mit folgendem 
Begleitschreiben der Gesellschaft zum Geschenke gemacht worden war: 

Hochverehrliche k. k. zool.-bot. Gesellschaft! 

Da es stets mein grundsätzliches Bestreben war, in den verschiedenen 
Zweigen der Naturwissenschaften mich von der Richtigkeit der verschiedenen 
Angaben und Beschreibungen zu überzeugen, das noch Fehlende zu erfor- 
schen, zu untersuchen, zu beschreiben, und nach meinen besten Kräften auch 
möglichst genau zu einstigem Frommen der Wissenschaften abzubilden, so 
musste ich natürlich nach und nach zu der Ueberzeugung gelangen, dass 
meine Kräfte, alles Erforschte nach meiner Absicht genau und naturgetreu ver- 
grössert, durch Zeichnungen darzustellen, weit hinter meinen Wünschen 
zurück blieben. 

Ich trachtete also Mittel zu finden, diesen meinen sehnlichen Wunsch 
nach Möglichkeit zu erreichen, und kam nach vielfältigen Versuchen auf 
den Gedanken durch das Sonnenmikroskop Präparate auf photographischem 
Wege darzustellen. 

E * 



34 



Sitzung am 4. April 1860. 



Welche Menge von Hindernissen sich auch da meinen Bestrebungen 
entgegenstellten , wäre fast unschicklich hier aufzählen zu wollen \ ich 
erlaube mir hier nur kurz zu eröffnen , dass ich nun beabsichtige , einen 
Theil meiner bisher erreichten Resultate in einem Album durch das Sonnen- 
mikroskop yergrösserter und photographirter zoologischer Gegenstände auf 
100 Tafeln mit erklärendem Text in vier Lieferungen zu veröffentlichen. 

Ich erlaube mir daher, der verehrlichen k. k. Gesellschaft ein Exem- 
plar der ersten Lieferung mit 25 Tafeln sammt Text, als einen kleinen Be- 
weis meiner unveränderlichen Hochachtung und Ergebenheit mit dem Ersu- 
chen zu überreichen, es der Annahme würdig und der nachsichtigen Beur- 
theilung werth zu halten , zugleich aber auch den Wunsch auszusprechen, 
mich gütigst durch freimüthige Erklärungen über stattfindende Mängel und 
allfälligen Rath zu zweckmässigen Verbesserungen für die Folge geneigtest 
unterstützen zu wollen. 

Sollten einige Freunde der Wissenschaft wünschen, Exemplare dieses 
Albums zu erhalten, so wollen selbe sich gefälligst an das Gesellschaft s- 
Secretariat wenden, welches die besondere Gefälligkeit zu haben versprach, 
mich davon in Kenntniss setzen zu wollen, da ich dieses Album vorläufig 
nicht in den Buchhandel gebe, um es auf die möglichst billige Weise zugäng- 
lich zu machen. 

Jede Lieferung desselben, 25 Tafeln enthaltend, kostet mit Text und 
Portefeuille für die I. und II. Lieferung für Gesellschaftsmitglieder und 
Lehranstalten 8 fl. 50 kr., ohne Portefeuille 7 fl. 50 kr. österreichische 
Währung. 



Jabressitzung am 11. April 1860. 

Vorsitzender : Hr. Präses-Stellvertreter Professor u. Director 

Dr. E. Fenzl. 

Eröffnungsrede und Rechenschafts-Bericht 
über den Yermögensstand der k. k. zoolog.-botan. Gesellschaft. 

gehalten und vorgelegt Tom 
Herrn Director Prof. Dr. E. Fenzl. 

Meine Herren! 

Bei der Vorlage des statuteninässigen Rechenschaftsberichtes und Aus- 
weises über die Gebahrung des Vermögens der Gesellschaft am Gedenktage 
ihrer Gründung habe ich mich schon einmal zu der Bemerkung veranlasst 
gefunden, dass an einem oder dem anderen solcher wiederkehrenden Tage es 
dem Berichterstatter nicht so leicht als bisher werden dürfte. Ereignisse oder 
Thatsachen so prägnanter Art hervorzuheben, dass man an diesen das Maass 
des Fortschrittes oder Rückschrittes erkennen könne, welchen die Gesellschaft 
in dem so eben abgelaufenen Jahre gethan. Ich bemerkte damals, dass ein 
solcher Fall in dem Maasse leichter eintreten dürfte , je consolidirter eine 
Gesellschaft zuletzt geworden. 

In dem Augenblicke, als man eine solche Behauptung ausspricht däucht 
Jedem die gegentheilige wahrscheinlicher als die verlautbarte. Bei einem 
harmonischen Zusammenwirken aller zur Förderung der wissenschaftlichen 
wie der materiellen Interessen der Gesellschaft berufenen Kräfte meint 
Jeder, könne es gar nie an solchen Thatsachen fehlen, die als Masstab 
für die Beurtheilung des Fortschrittes oder seines Gegensatzes dienen könn- 
ten. Und doch dürfte sich eine solche Voraussetzung nichts weniger als rich- 
tig erweisen. Und zwar schon aus dem einfachen Grunde, weil bei der Beur- 
theilung dessen, was als Beweis dafür zu gelten habe,, das Meiste auf die 
Wahl des Standpunktes ankömmt, auf welchen sich der Beurtheiler von 
vorne herein stellt und von dem man überhaupt das Wirken einer gelehrten 
Gesellschaft betrachten will. — Genügen, um gleich auf unsere Behauptung 
zu kommen, Umfang und Gehalt der Publicationen eines Jahres zur Hers tel- 



36 



Jahressitzung am H. April 1860. 



lung des Beweises, so genügte, auf das abgelaufene Jahr bezogen, der ein- 
fache Hinweis auf den Inhalt des IX. Bandes unserer Schriften , um darzu- 
thun, dass die Gesellschaft dem schönen Wahlspruche der altehrwürdigen 
kais. Leopold-Carolinischen Akademie der Naturforscher r nunquam otUMBl" 
im vollen Umfang seiner Bedeutung nachgelebt habe. Genügte aber dieser 
Beweis nicht und glaubte Jemand denselben in dem Nachweise zahlreicher 
oder grosser Special- Aufgaben zu finden, mit welchen die Gesellschaft Ein- 
zelne betraut, oder in grösseren Unternehmungen, zu deren Durchführung 
sie die nöthigen Mittel lieh, so muss ich erklären, dass unsere Gesellschaft 
in dem abgelaufenen Jahre eher einen Rück- als Fortschritt gethan. Beweisen 
denn aber wissenschaftliche Aufgaben und Unternehmungen, wie solche unsere 
Gesellschaft an Einzelne oder Mehrere zugleich stellen oder hinwieder fördern 
kann, einen Fortschritt im Leben der Gesellschaft überhaupt, oder ein 
Mangel an solchen das Gegentheil? Gewiss nicht! Abgesehen von hundert 
hierbei in Frage kommenden Rücksichten, in welche näher einzugehen hier 
gar nicht der Ort sein kann, sind Zeit Verhältnisse, in welchen man lebt, und 
Umstände gar mannigfacher Art, in solchen Dingen weit massgebender als 
der beste Wille; und nicht immer entsprechen die Resultate selbst ganz 
wohl erwogen geglaubter Untersuchungen und Arbeiten den Erwartungen, 
welche man von ihnen gehegt. Günstige Gelegenheiten kann man nicht 
schaffen und die zufällig sich bietenden nicht jederzeit benützen. Grosse 
Anläufe ohne nachhaltender Kraft erlahmen vor dem Ziele und zehren nur 
nutzlos die Mittel auf, über welche man zu verfügen hat. Der moralische 
Gewinn, welchen manches wissenschaftliche Unternehmen in Aussicht stellt, 
hat oft so viel Verlockendes, dass selbst die Besonnensten sich über die Art 
und Menge der dabei zu überwindenden Schwierigkeiten täuschen. 

Und je rühriger und thätiger eine Gesellschaft ist, desto mehr droht 
ihr von dieser Seite her Gefahr, desto bälder geräth sie in den Fall, Lehr- 
geld zu zahlen. Hat sich, aber eine Gesellschaft einmal in eine solche voraus- 
sichtlich resultatlos oder unbefriedigend verlaufende Unternehmung eingelassen, 
dann gilt es, sie rechtzeitig rasch und rücksichtslos einzustellen. Jedwede 
Nachgiebigkeit in solchen Dingen ist nur von Uebel und mit Recht darf eine 
Gesellschaft ihren Geschäftsleitern das römische „videant Consules, ne quid 
detrimenti respublica capiat" vernehmlich zurufen. Es ist diess um so noth- 
wendiger, als aus solchen Unternehmungen der Gesellschaft erwachsende Ver- 
luste sich am empfindlichsten in ihren Folgen rächen. Ueber manchen anderen 
Verlust tröstet man sich wie über die Beschädigung eines Hauses durch ein 
zufälliges schlimmes Elementar-Ereigniss : über Verluste jener Art viel 
schwerer, häufig nie ganz. Sie wirken nachhaltiger und verderblicher 
dadurch, dass sie das Vertrauen in die Einsicht und Besonnenheit der leiten- 
den Organe schwächen und nur zu leicht grundlosen Verdächtigungen von 
Personen und Zwecken Raum geben. Glücklich die Gesellschaft, welche sich 
sagen darf, nie auf solche Untiefen gerathen zu sein. 



Rechenschaftsbericht. 



37 



Ich glaubte diesen Punkt dieses Jahr vorsorglich mehr, denn aus 
irgend einem besondern Anlasse, berühren zu sollen. Es schadet zum mindesten 
nie, sich schlimme Tage tob vorneherein zu vergegenwärtigen und die Auf- 
merksamkeit auf Ereignisse zu lenken, welche jeder Tag bringen kann und 
die ihr Nahen durch keine Schatten ankündigen, welche andere vor sich her 
zu werfen pflegen. 

Es schiene mir, um auf mein erstes Thema zurückzukommen, im hohen 
Grade ungerecht, wenn Jemand behaupten wollte, unsere Gesellschaft wäre 
im abgelaufenen Jahre zum mindesten stille gestanden, weil sie. neben ihren 
Publicationen und der Besorgung der laufenden Geschäfte her, sich mit 
keinem weiteren neuen Unternehmen befasste. Sie hat in Mitta grosser, fiw 
unser Vaterland traurig, für ganz Europa verhängnissvoll abschliessender 
kriegerischer Ereignisse, sich in ihrer Thätigkeit nicht beirren lassen und 
gethan, was in ihren Kräften stand, der Aufgabe zu entsprechen, welche ihr 
ihre Statuten vorzeichnen. Ja, sie hat noch mehr gethan. Sie hat, um Streu 
Mitgliedern die grösstmöglichste Einsicht in die Geschäfte der Administra- 
tion zu verschaffen und Theilnahrae an derselben zu gewähren., über Antrag 
der fungirenden Vicepräsidenten , einen jährlichen Wechsel derselben und 
eine entsprechende Vermehrung der Ausschussmitglieder mit der Modalität 
gutgeheissen, dass die abtretenden Vicepräsidenten in den Ausschuss zurück- 
zutreten haben und erst in der darauffolgenden Wahlperiode wieder zu Vice- 
präsidenten wählbar werden. Die allerhöchste Genehmigung dieser Statuten- 
Aenderung haben wir noch zu gewärtigen. 

Die Gesellschaft kann sich auch in dem abgelaufenen Jahre wieder 
rühmen. Anerkennungen der ausgezeichnetsten und ehrendsten Art von ver- 
schiedener Seite her erhalten und gefunden zu haben. An ihrer Spitze prangt die, 
welche sie vor den Augen Sr. apost. Majestät unseres allergnädigsten Herrn 
und Kabers, wie des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Franz Carl 
gefunden hat. Der Bitte, welche eine Deputation, unseren hochverehrten Herrn 
Präsidenten an der Spitze. Sr. Majestät zu unterbreiten die Ehre hatte, 
wurde huldreichst in der Bewilligung einer jährlichen Subvention von 2ÖÖ fl. 
entsprochen, und einer ähnlichen, an Se. kaiserliche Hoheit gerichteten unter- 
thäaigsten Bitte mit der Anweisung einer jährlichen Subvention von 80 fl 
gnädigst willfahrt. Uns dieser hohen Gnade würdig zu erweisen, wird unser 
Streben und Stolz sein. 

Ausser der von Seite eines hohen k. k. Ministeriums für Cultus und 
Unterricht schon im Vorjahre bewilligten zeitweiligen Subvention, wuide die 
Gesellschaft neuerdings von Sr. Excellenz, dem Herrn Minister Grafen Leo 
von Thun, mit einer Schenkung von 12 Centurien Conchylien und SO Cen- 
turien Algen zur Bereicherung ihrer eigenen Sammlung und Vertheilung an 
Lehranstalten grossmüthigst bedacht. 

Unsere Freunde, die naturhistorischen Begleiter der nautischen Expe- 
dition Sr. Majestät Fregatte Novara sind glücklich, mit Schätzen reich bela- 



38 



Jahressitzung am 11. April 1860. 



den, zurückgekehrt und jubelnd von uns empfangen worden. Der wohlver- 
diente Lohn für ihren Eifer, ihre Mühen und aufopfernde Thätigkeit, von 
Oben, Hess nicht lange auf sich warten, und verfehlte nicht die unerheuchelte 
Freude bei Allen zu steigern, welche ihren Erlebnissen während der ganzen 
Dauer dieser für Oesterreich so ruhmvoll abschliessenden Expedition mit 
Spannung stets gefolgt waren. Jeder von uns empfand, dass mit ihnen das 
gelehrte Oesterreich die Reise um die Welt gemacht habe und es durch die, 
ihnen zu Theil gewordene allerhöchste Anerkennung mit zugleich geehrt 
worden sei. 

Unsere Gesellschaft kann sich in dieser Beziehung noch ganz besonders 
geschmeichelt fühlen, indem sie diese Männer alle nicht bloss zu ihren Mit- 
gliedern zählt, sondern auch in einem der ausgezeichnetsten unter ihnen einen 
Geschäftsleiter besitzt, der den wesentlichsten Ruhmesantheil an der Gründung 
und Förderung der Gesellschaft für sich vindiciren darf, und der jetzt heim- 
gekehrt und überbürdet mit Arbeiten der verschiedensten Art, es demunge- 
achtet nicht verschmäht hat, die nichts weniger als leichte und dankbare 
Last des Secretariates abermal auf seine Schultern zu laden. Dank desshalb 
ihm und nochmals Dank für seine aufopfernde Thätigkeit 1 

Rechenschaftsbericht. 

Was die wissenschaftlichen Arbeiten betrifft, welche die Gesellschaft im 
Laufe des Jahres 1859 zu Tage förderte, so beschränken sich dieselben diess- 
mal auf die Herausgabe ihrer Verhandlungen in einem 36 Druckbogen star- 
ken Bande mit 10 Tafeln Abbildungen. Sie stehen dem des Vorjahres zwar 
am Umfang, nicht aber an Gehalt nach. Beide Zweige der Naturwissen- 
schaft sind ziemlich gleichmässig darin vertreten. Im Gebiete der Botanik sind 
es namentlich die Cryptogamen, welche in kleineren und grösseren Arbeiten 
die ausgedehnteste Berücksichtigung erfuhren; in der Zoologie vor allem 
Anderen die Mollusken in Prof. Gredler's Fortsetzung seiner Bearbeitung der 
Land- und Süsswasser-Conchylien Tirols ; nach diesen die Classe der Insekten. 
— Ich würde ungerecht gegen jene Mitglieder werden, welche nur kleinere 
Mittheilungen und Abhandlungen geliefert, wollte ich nur die grösseren allein 
besprechen und ihren Werth hervorheben, welchen sie bald in systematischer, 
bald in biologischer oder mehr geographischer Beziehung für die Wissenschaft 
haben. Ich verweise darum einfach auf deren Verzeichniss im Index unserer 
Schriften und ihren Inhalt selbst. 

Von ausser Oesterreich befindlichen Mitgliedern haben sich die Herren 
Doctoren Bail, Pancic und Hagen an der Bereicherung unserer Schriften 
rühmlichst betheiligt. Wir hoffen zuversichtlich, dass sie uns noch fernerhin 
mit ihren werthvollen Arbeiten beglücken werden und ihr Beispiel auch noch 
Andere bestimmen werde, ein Gleiches zu thun. 



Rechenschaftsbericht. 



39 



Auswärtige und in anderen Welttheilen für die Verbreitung* der Natur- 
wissenschaften thätig wirkende gelehrte Gesellschaften haben sich, wie Sie 
aus dem Berichte des Herren Secretäres entnehmen werden, unserer Gesell- 
schaft angeschlossen und unsere Bibliothek mit ihren werthvollen Schriften 
im Austausche mit unseren bereichert. 

Herr Oberlandesgerichtsrath Neilreich hat sich dem mühevollen Ge- 
schäfte der kritischen Durchsicht und Bestimmung der Arten im Gesellschafts- 
Herbare unterzogen. Ich brauche nicht erst zu bemerken, welchen grossen 
Werth diese Sammlung dadurch für alle Zeiten erhält. 

Sammlungen aller Art sind von vielen Mitgliedern der Gesellschaft 
theils zur Ergänzung ihrer eigenen zugeflossen, theils zur Betheilung von 
Lehranstalten bestimmt worden. Ihre namentliche Aufführung ist Gegenstand 
des Berichtes, welchen Ihnen der Herr Secretär zu erstatten die Ehre haben 
wird. Wir alle sind den freundlichen Spendern zu grösstem Danke verpflichtet. 

Herr Prof. A. Pokorny hat durch die Bereisung der ausgedehnten 
Torfmoore Ungarns im Laufe des Sommers sich ein grosses Verdienst um die 
genaue Kenntniss dieser Lagerstätten von Brennmateriale für industrielle Un- 
ternehmungen erworben und eine höchst werthvolle, 1 35 Nummern starke 
Sammlung sorgfältig präparirter Belegstücke an Torfproben der Gesellschaft 
zum Geschenke gemacht. Sie umfasst nicht bloss Proben aus den verschie- 
densten Torfmooren des österreichischen Kaiserstaates und einiger anderer 
Länder Europas, sondern selbst noch aus fremden Welttheilen. 

Herr Dr. Egg er, welcher während der Abwesenheit unseres Herren 
Secretäres Ritters von Frauenf eld dessen Stelle zu vertreten so gütig war 
und bestens versah, hat dieses Amt in dessen Hände zurückgelegt, und damit 
nur wieder einen neuen Beweis von Selbstverläugnung und Bereitwilligkeit 
geliefert, den Interessen der Gesellschaft zu dienen. Auch Herr Prof. Pokorny, 
welcher die Stelle des zweiten Secretäres seit mehreren Jahren versah, suchte, 
wegen zu grosser Ueberbürdung mit Arbeiten, welche ihm aus seiner Stellung 
als Lehrer erwuchsen, um seine Enthebung von den Pflichten seines Amtes 
nach. Unter voller Anerkennung seiner Verdienste, welche er sich um die 
Gesellschaft erworben sehen wir ihn und seinen Herrn Collegen mit wahrem 
Leidwesen aus der Direction scheiden. Möge das Bewusstsein redlicher Pflicht- 
erfüllung beide Herren über so manches Unangenehme trösten , das sich un- 
vermeidlich an jedes .Amt knüpft, dem man im Leben vorsteht. 

Beigetreten sind der Gesellschaft, mit Inbegriff zweier Lehranstalten, 
bis zum Schlüsse des abgelaufenen Jahres 118 neue Mitglieder. Nach Abzug 
der im gedachten Jahre verstorbenen, unter welchen sich zu unserem grössten 
Schmerze Prof. Dr. Sendtner in München und Dr. Dolleschal auf Am- 
boina. zwei der auswärtigen Mitglieder, befanden und der freiwillig Aus- 
getretenen und Abgefallenen, in der Gesammtsumme von 74, verblieben bis 
dahin nicht weniger als 1082 Mitglieder in der Gesellschaft. 
SiU.-Ber. Bd. L y 



40 



Jahressitzung am 11. April 1860. 



Der Stand unserer finanziellen Mitteln ist kein ungünstiger zu nennen, 
obgleich kein so günstiger als in einigen der früheren Jahre. Wesentliche 
Schuld an der in keinem Verhältnisse zur Zahl der beitragenden Mitglieder 
stehenden niederen Einnahme tragen vorzugsweise die traurigen Kriegser- 
eignisse des abgelaufenen Jahres ; der dadurch mit herbeigeführte plötzliche 
Wechsel des Dieners; die Unbeholfenheit und geringe Verwendbarkeit der 
folgenden zur Eincassierung der Jahresbeiträge und Expeditionen ; endlich 
die Steigerung der Regieauslagen bei der mit der Ausdehnung der Gesell- 
schaft wachsenden Menge von Bedürfnissen. 

Im Vergleiche mit der im Jahre 1858 ausgewiesenen grösseren Einnahme 
stellt sich, wie der Bericht des Herrn Cassiers des näheren lehren wird, diess- 
falls ein Minus von 440 fl. 36 kr. heraus. Erwägt man jedoch, dass unter 
den Einnahmen des Jahres 1858 die Summe des Erlöses aus dem Verkaufe 
einer 5% Metall.-Obligation im Nominalwerthe von 1000 fl. per 865 fl. 16*/iokr. 
figurirt, so erscheint die Einnahme im Jahre 1859 faktisch um 436 fl. 89 kr. 
grösser als in dem Vorjahre. 

Das summarische Ergebniss der Rechnung selbst lautet, wie folgt : 

Die Gesammteinnahme betrug mit Ablauf des Solarjahres 1859 in 
Baarem 4225 fl. 90 5 /io kr. 

Die Gesammtsumme der Ausgaben beziffert 
sich auf . 4024 ,, 70 5 /io „ 

Es verblieb somit ein baarer Cassarest von . 201 fl* 20 kr. Oest. W. 

Im Rückstände mit der Einzahlung des Jahresbeitrages blieben diessmal 
nicht weniger als 394 Mitglieder mit der beträchtlichen Summe von 1188 fl. 65 kr. 
Allerdings sind seither, wie noch jedes Jahr, eine gute Anzahl von Restanten 
ihrer Verpflichtung wieder nachgekommen, nichts desto weniger wird aber 
selbst dann noch eine beträchtliche Menge von Rückständigen auf das lau- 
fende Jahr übergehen. Allerdings erlaubt unsere Geschäftsordnung der Di- 
rection und dem Ausschusse die Löschung der über drei Jahre im Rückstände 
befindlichen Mitglieder und ist auch, von dieser Maassregel, sowie von Mahn- 
schreiben ein ausgiebiger Gebrauch gemacht worden. Sie bleibt aber solchen 
Mitgliedern gegenüber, welche ein und das andere Jahr einbezahlt, dann 
wieder ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen sind, um später wieder 
einmal zu zahlen, eine harte Maassregel, wenn sie rücksichtslos gehandhabt 
wird. Und solcher Mitglieder gibt es nicht wenige. Auf noch Andere hat 
man, um anderer der Gesellschaft aus ihrer Stellung und ihrem Einflüsse 
erwachsender Vortheile halber, billige Rücksicht zu nehmen. Aus allen diesen 
und noch anderen Verhältnissen, welche dem Ausschusse mehr als zu Genüge 
bekannt sind und von Fall zu Fall in reiflichste Erwägung gezogen werden, 
muss sich die Zahl der Restanten und der Betrag der ausständigen Summe 
von Jahr zu Jahr mehren, ohne dass eine Aussicht vorhanden ist, selbe 
beträchtlich vermindern oder ganz einheben zu können. 



H. W. Reichardt. 



41 



Es sind gegenwärtig die genauesten Erhebungen hierüber im Zuge, 
über welche Ihnen seiner Zeit die nöthigen Mittheilungen gemacht werden sollen. 
Sie haben übrigens jetzt schon zu der Ueberzeugung geführt, dass zur 
Vereinfachung des Rechnungs-Geschäftes und Feststellung von Präliminarien es 
nothwendig sein werde, einen Antrag auf Abschreiben der als uneinbringlich 
schon seit Jahren her sich fortschleppenden Ausstände vor die Plenar - Ver- 
sammlung zu bringen. So lange jedoch nicht die Untersuchung aller dieser 
Posten zu Ende geführt ist, kann die Direction weder einem solchen Antrag 
ihre Zustimmung ertheilen, noch weniger aber einem solchen vorgreifen. 

Schlüsslich erübrigt mir noch die angenehme Pflicht, Jenen, welche in dem 
abgelaufenen Jahre ihre Thätigkeit dem Ordnen der Sammlungen und dem 
mühevollen und zeitraubenden Geschäfte der Vertheilung von Naturalien an 
die Lehranstalten zuwandten, im Namen der Direction und des Ausschusses 
den wärmsten Dank zu sagen. Meinerseits fühle ich mich zu nicht ge- 
ringem meinen Herrn Collegen im Amte verpflichtet und dem ganzen verehr- 
lichen Ausschusse, welcher mit vollster Hingebung, Ausdauer und in einer 
wahrhaft erfreulichen Vollzähligkeit den ihm zugewiesenen Geschäften oblag 
und mich unterstützte. 



Bericht des Secretäres Dr. H. W. Reichardt. 

Meine Herren, hochverehrte Versammlung! 
Der Herr Secretär Ritter v. Frauenfeld übertrug mir, weil er erst 
im letzten Drittel des Jahres 1859 von seiner Reise um die Welt zurückkam, 
weil er ferner von dem Ordnen und Aufstellen des Novara-Museums zu 
sehr in Anspruch genommen ist, die ehrenvolle Pflicht, Ihnen den ganzen 
Rechenschaftsbericht für das Jahr 1859 vorzulegen. Dieser Aufforderung 
komme ich im Folgenden nach, zugleich an Ihre freundliche Nachsicht 
appellirend. 

Am Schlüsse des Jahres 4858 zählte unsere Gesellschaft 1038 Mit- 
glieder. Im Jahre 1859 traten derselben 116 Mitglieder und 2 Lehranstalten, 
im Ganzen 118 Mitglieder bei , so dass ohne Abfall die Mitgliederzahl mit 
Ende des Jahres 1859 sich auf 1156 beliefe. Da im Laufe des letzten Jahres 
17 Mitglieder starben, 22 austraten, 35 wegen dreijähriger Nicht einzahlung 
der Jahresbeiträge ausfielen, so ergibt sich im Ganzen ein Abfall von 74 Mit- 
gliedern , der unsere Mitgliederzahl auf 1082 am Ende des Jahres 1859 
reducirt. 

Im Schriftentausche stand Ende 1858 die Gesellschaft mit 103 wissen- 
schaftlichen Corporationen 5 im Laufe des Jahres 1859 traten folgende 11 bei: 
Batavia: Gesellschaft der Wissenschaften, 
„ Naturwissenschaftlicher Verein, 
Bogota St. Fe de : Societe des Naturalistes de la nouvelle Grenade, 

F* 



42 



Jahressitzung am iL April 1860. 



Hermannstadt: Verein für siebenbürgische Naturkunde, 
Hongkong: Branch of royal society, 
Kopenhagen: Naturhistorischer Verein, 

Petersburg: Redaction der entomologischen Hefte von Motschulsky, 
Santiago: Universität, 

„ Wissenschaftlicher Verein, 
Schanghai: Branch of royal society, 
Sidney: The australian horticural society. 

Gegenwärtig steht also die Gesellschaft mit 114 gelehrten Gesellschaften 
aus allen Theilen der Welt im Schriftentausche. 

Der Band 1859 der Gesellschaftschriften ist 36 Bogen stark und bat 
10 Tafeln Abbildungen. Von den in ihm enthaltenen 32 Abhandlungen sind 
17 botanischen, 13 zoologischen und 2 gemischten Inhaltes. 

Was die Sammlungen anbelangt, so sind die den zoologischen Theil 
derselben betreffenden Daten den freundlichen Mittheilungen unseres uner- 
müdlich thätigen Mitgliedes, Herrn Ausschussrathes A. Rogenhofer entlehnt, 
wofür ich ihm herzlich danke. 

Von Schenkungen ist vor Allem hervor zu heben, dass Se. Excellenz, 
der Herr Minister für Cultus und Unterricht, Graf Leo von Thun, die Ge- 
sellschaft neuerdings mit einer Gabe von 12 Centurien Conchylien und 20 
Centurien Algen zur Betheilung an Lehranstalten grossmüthigst bedachte. 

Zoologische Objecte wurden ferner im Laufe d e s Jahres 1859 eingesendet: 
von den Herren: Anker, Brunner von Wattenwyl, Dr. Egger, Dr. 
Camill Heller, Hoffmann, Kapeller, Keller, Low, Dr. Gustav 
Mayr, Rogenhofer, Schmidt, Schwab, Strohmeyer. 

Aus diesen Sendungen wurden die betreffenden Theile der zoologischen 
Sammlungen von den Herren Rogenhofer und Strohmeyer entsprechend 
vermehrt, mit den Doubletten aber, Lehranstalten von den beiden Herren 
betheilt. Herr Strohmeyer erwarb sich dadurch ein besonderes Verdienst, 
dass er die Coleopteren-Doubletten systematisch ordnete. 

Pflanzen lieferten im Jahre 1859 die Herren: Bartsch, Farkas- 
Vukotinovic, Ritter von Heufler, Juratzka, Dr. A. Kerner, Dr. 
Gustav Mayr, Petter, Dr. Poetsch, Dr. Rabenhorst, Dr. Rauscher, 
Dr. Reichardt, Schröckinger von Neudenberg. 

Aus diesen Sammlungen wurde von den Herren Petter, Joseph 
Kern er, und mir das für das Herbar Neue ausgesucht und demselben ein- 
gereiht, der Rest aber zur Betheilung von Lehranstalten verwendet. 

Sehr erfreulich ist, dass unser geehrter Herr Vicepräsident, Oberlandes- 
gerichtsrath Neil reich, das Herbar kritisch sichtend durchgeht, und die 
vorkommenden Irrthümer berichtigt. Dadurch wird einem tief gefühlten Be- 
dürfnisse abgeholfen, und unsere Sammlung von einem so ausgezeichneten 
Kenner durchgemustert, wird im wahren Sinne ein Normal-Herbar für Oester- 
reichs Flora. 



H. W.Reichardt. 



43 



Leider war es mir unmöglich, im verflossenen Jahre die Algen, Flechten 
und Pike neu zu ordnen, wie ich versprach. Ich musste mich daher darauf 
beschränken das B ondi "sehe Herbar durchzugehen, und die der Flora europaea 
angehörenden Collectionen für unser Herbar zusammen zu stellen. Dadurch 
wird das Gesellschafts-Herbar nicht unwesentlich bereichert, denn es wachsen 
demselben die Flora der Wetterau, Schleiche r*s Flora helvetica, Sieber's 
Flora austriaca, Kovats Flora vindobonsensis exsiccata und endlich Wel- 
witsch's iter lusitanicum zu. 

Eine weitere wesentliche Bereicherung erfuhren die botanischen Samm- 
lungen der Gesellschaft durch eine von Herrn Prof. Dr. Alois Pokorny 
zusammengestellte Sammlung von Torf und anderen Moor-Producten. Diese 
sehr instruetive Collection enthält 135 Nummern, von welchen 96 aus Ungarn, 
16 aus Böhmen, 3 aus Galizien. 1 aus Tirol. 3 aus Steiermark, 6 aus Krain, 
7 aus Venedig, 4 aus Hannover, 2 aus Ceylon stammen. Von diesen 135 
Proben wurden 66 von Herrn Prof. Dr. Pokorny selbst gesammelt, und der 
Gesellschaft gewidmet 

Die zoologische Typensammlung wurde vermehrt: 

Durch das Kästchen Nr. 4 '2, enthaltend 3 der von Herrn Brauer be- 
schriebenen Oestriden. nämlich: Cephenemyia picta und rupbarbis und Hypo- 
derma Actaeon. 

Durch das Kästchen Nr. 43 enthaltend die von Herrn Dr. Giraud 
aufgestellten Arten von Cynipiden 25 an der Zahl, und zwar: Cynips polycera, 
subterranea, glutinosa. conglornerata. amblycera, caüidoma, cerricola, Clemen- 
tinae; Xeuroterus ostreus« lanuginosus, saltans; Biorhiza renum; Andricus 
aestivalis, Cydoniae, Grossulariae, burgundus, muldplicatus , amenti: Spathe- 
gaster apri&nus, glandiformis , neruosus; Rhodites spinosissimae ; Diastrophus 
Scabiosae, Aulax Salviae, Scorzonerae. 

Die botanische Typensammlung wurde vermehrt: 

Vom Herrn Sectionsrathe Ludwig Ritter v. Heufler durch Asplemum 
Heußeri Reich ardt. 

Vom Herrn Dr. Anton Kern er durch 42 Arten Weiden als Belege 
zu der in unseren Verhandlungen erscheinenden Monographie der nieder- 
österreichischen Weiden. Unter diesen finden sich neben Salix Wimmari noch 
folgende neu aufgestellte, oder doch neu benannte Arten: 

Salix attenuata , Fenzliana , Hostii, litfescens, macrophyUa, mauter- 
nensis, Xeilreichii, Reichardtii, sordida, su'glabra. 

Von mir durch Cirsium Reichardtii Juratzka. 

Im Laufe des Jahres 1859 suchten 21 Lehranstalten um Betheilung mit 
Naturalien an. Diese erhielten: 



44 



Jahressitzung am 11. April 1860. 



Iuserleii- Pllauien- 



arten arten 

Die Universität zu Krakau 3&Q — 

* Pest 256 - 

Das Gymnasium zu Cilli — t'.'M 

„ „ „ Czik-Somlyo — 300 

„ „ „ Karlsburg — 255 

„ „ „ Klausenburg (kath.) . . — 300 

„ „ „ Linz . . , 300 — 

„ „ „ Maros-Vasarhely .... — 270 

„ „ „ Skalitz 358 200 

„ „ „ Szekely-Udvarhely ... — 300 

v 9 n Troppau — 245 

n n n Unghvar — 317 

„ „ „ Wien, Josefstadt .... 52 — 

,, „ „ Warasdin 450 — 

Die katholische RaphaeFsche Lehranstalt in 

Elisabethstadt — 240 

Die Oberrealschule zu Olmütz — 380 

Die Unterrealschule zu Hohenmauth .... — 255 

„ „ „ Korneuburg .... 83 — 

„ „ „ Ungarisch-Hradisch . — 270 

„ „ Znaim — 264 

Summe 1849 3846 



Es wurden somit an 21 Lehranstalten 1819 Arten Insecten und 3846 
Arten Pflanzen yertheilt. 

Ich schliesse diesen Bericht, indem ich allen jenen Herren, welche im 
Jahre 1859 zur Vermehrung und Ordnung der Sammlungen unserer Gesell- 
schaft beitrugen, im Namen der Gesellschaft verbindlichst danke. 



Bericht über den Stand der Bibliothek mit Ende 1859. 

. Vom Bibliothekare Herren K. Kreutzer. 

Nach dem im verflossenen Jahre gegebenen Berichte enthielt die 
Bibliothek 1124 Werke, welche durch den bis Ende 1859 erfolgten Zuwachs 
von 29 Nummern am Jahresschlüsse die Zahl von 1153 Werken erreichten. Es 
befinden sich darunter eine Anzahl von 116 Zeitschriften, die noch im Er- 
scheinen begriffen sind, und welche einen besonders wichtigen Theil der 
Bibliothek bilden, indem mehrere davon sehr werthvoll und selten sind; 
wozu besonders die durch die Bemühungen des Herrn Sekretärs Ritters v. 
Frauenfeld aus den entferntesten Ländern in die Bibliothek gelangten zu 



J. Juratzka. 



45 



rechnen sind. Alle vorhandenen Werke sind in den Katalog aufgenommen 
und soweit es der gegenwärtig beschränkte Raum gestattet, aufgestellt. 
Auch das Binden der Bücher hat einen, obwol geringen Fortschritt gemacht; 
es steht jedoch zu erwarten, dass mit den sich bessernden Geldverhältnissen 
der Gesellschaft diese Angelegenheit ergiebiger weitergeführt und in Bezug 
auf die Rückstände beendigt werden kann. 



Bericht des Rechnungsführers Herren J. Jnratzka. 
Einnahmen. 

Anfänglicher Cassa-Rest 228 fl. 4»/io kr. 

Jahresbeiträge u. zw. für 1856 6fl. 30 kr. 

1857 32 fl. 35 kr. 

1858 467 fl. 60 kr. 

1859 2284 fl. 68 kr. 

1860 362 fl. 60 kr. . . . . 3153 fl. 53 kr. 
Verkauf der Gesellschaftsschriften verschiedener Jahrgänge 42 fl. 43 kr. 
Subventionen, u. zw. 

a. Von Seiner k. k. apost. Majestät dem 

Kaiser für das Jahr 1858 und 1859 400 fl. 

b. Von Seiner k. Hoheit dem durchl. Herrn 

Erzherzog Franz Karl 80 fl 

c. Von dem hohen k. k. Ministerium für 



Cultus und Unterricht 315 fl. . 


795 fl. — 


kr. 




6 fl. 90 


kr. 


Summe . . . 


4225 fl. 90 5 /io 


kr. 


Ausgaben. 








420 fl. — 


kr. 




46 fl. — 


kr. 


Reinigung und tägliches Aufräumen des Ge- 


















Beleuchtung 33 fl. 92 kr. . 


123 fl. — 


kr. 


Druckkosten für das 2., 3. und 4. Heft der 






Druckschriften pro 1858 1375 fl. 53 5 /io kr. 






für das 1. und 2. Heftpro 1859 464 fl. 12 kr. . 


1839 fl. 65 5 /io 


kr. 


Artistische Beilagen 


298 fl. 19 


kr. 


Buchbinder-Arbeiten 


334 fl. 8 


kr- 



Latus . . . 2471 fl. 92 5 /iokr. 



Jahressitzung am H. April 1860. 



Translatus . . . 2471 fl. 92»/i,kr. 

Honorar für die Zusammenstellung des T.iteraturberichtes 

für die Jahre 1854—1857 (a conto Zahlung) .... 82 fl. 50 kr. 

Auslagen für das Museum u. zw. für Tischler-, Glaser- 
und Buchbinder-Arbeiten, Ankauf d3r Mikroskope, 

Herbarpapier, Weingeist u. s. w 433 fl. 28*/iokr. 

Buchbinderarbeit für die Bibliothek 85 fl. 32 kr. 

Kanzlei - Auslagen : Schreibgeräthe , Druckkosten für 

Briefe, Circulare, Einrichtungstücke u. s. w 195 fl. 86*/iokr. 

Porto-Auslagen 112 fl. 63 kr. 

Ausfertigung der Diplome und Stempel-Gebühren ... 54 fl. 1 kr- 

Summe . . . 4024 fl. 70*/iokr. 

Cassa-Rest am Schlüsse des Jahres: 201 fl. 20 kr. 

Mit Ausschluss der Cassa-Reste betrugen die Einnahmen des Jahres 

1858: 4426 fl. 13 kr. 

die Einnahmen des Jahres 1859 3997 fl. 86 kr. 

Die Einnahmen in letzterem würden demnach um 428 fl. 27 kr. 



weniger betragen. Allein da im Vorjahre unter den haaren Einnahmen eine 
blosse Rechnungssumme von 865 fl. 16 5 /i« kr. erscheint, welche von dem 
Verkaufe der 5o/ Metall.-Obligation im Nominalwerte von 1000 fl. CM. herrührt, 
so muss, wenn der Vergleich richtig sein soll, diese Summe ausser Betracht 
gelassen werden. Dann ergeben sich die Einnahmen des Jahres 1859 gegen 
jene des Jahres 1858 um 436 fl. 89 4 /io kr. höher. Der Vergleich der einzelnen 
Einnahmsposten mit jenen des Vorjahres zeigt, dass diese Summe fast genau 
von der Mehreinnahme bei den Jahresbeiträgen herrührt. 

Dessenungeachtet wäre man doch wegen des erhöhten Jahresbeitrages 
so wie der grösseren Mitgliederzahl berechtiget gewesen, ein günstigeres 
Resultat zu erwarten. 

Dass diess nicht eintraf, rührt einerseits von dem Umstände her, dass 
uns eine runde Summe von 460 fl. durch das fast gänzliche Aufhören des 
Verkaufs der Gesellschaftsschriften und durch den Wegfall der Interessen 
für die verkauften Werthpapiere entging, da die bezüglichen Einnahmsposten 
im Vorjahre in runder Summe 500 fl. betrugen, während im eben abgelaufenen 
Jahre nur durch den Verkauf von Druckschriften der unbedeutende Betrag 
von 42 fl. 43 kr. eingenommen wurde. 

Andererseits blieb eine grössere Zahl Mitglieder mit ihren Einzahlungen 
im Rückstände, und zwar 263 für das Jahr 1859, und 131 für die Jahre 1858 
und 1859. Daran trugen theils die politischen Verhältnisse der damaligen 
Zeit Schuld, hauptsächlich aber Störungen in der Geschäftsleitung wegen 
öfteren Wechsels in der Person des Hilfsarbeiters, welche manche Unzu- 
kömmlichkeiten im Gefolge hatten. Es musste desshalb in neuerer Zeit eine 



J. Juratzka. 



47 



eindringende Lustrirung säm Ertlicher Rückstände vorgenommen werden, welche 
wegen der dadurch bedingten ausgebreiteten Correspondenz mit den aus- 
wärt igen Mitgliedern noch nicht beendet ist, wesshalb das Ergebniss erst im 
nächsten Jahresberichte mit Sicherheit mitgetheilt werden kann. 

Die Ausgaben des abgelaufenen Jahres mit . . . 4024 fl. 70 5 /io kr. 

betragen gegen jene des Vorjahres mit 4438 fl. 21 5 /o kr. 

um 413 fl. 51 kr. 
weniger, was durch die bedeutend geringeren Kanzlei- und Porto-Auslagen 
bedingt erscheint. Dieses Resultat stellt sich um so günstiger heraus, indem 
nebenbei auch bedeutende Rückstände-- aus dem Jahre 1858 getilgt wurden. 

Die Zahl der Mitglieder, mit Einschluss der Lehranstalten und wissen- 
schaftlichen Institute, vermehrte sich im Laufe des Jahres um 118 
so, dass sie, mit Hinzuziehung der am Schlüsse des Vor- 
jahres verbliebenen 1038 Mitglieder 

zusammen 1156 betrug. 

Hicvon kommen in Abrechnung: 

Gestorben 17 

Ausgetreten . . • 22 

Abgefallen 35 

zusammen 74 

wornach mit Schlüsse des Jahres 1082 Mitglieder 

verblieben. 

Die Zahl der Mitglieder hat sich somit seit Beginn des Jahres 1854, 
wo wir 595 zählten , beinahe verdoppelt. 

Die dokumentirte Cassarechnung , welche wie früher viermal der 
Liquidirung unterzogen wurde, lege ich hiermit zur Prüfung vor, und erlaube 
mir im Namen der Direction allen jenen Mitgliedern, welche durch höhere 
Beiträge zur Förderung der Interessen der Gesellschaft beitrugen, hiermit 
den wärmsten Dank auszudrücken. 

Zum Schlüsse füge ich ein Verzeichniss jener Mitglieder bei, welche 
im Laufe des Jahres höhere Beiträge von 5 fl. aufwärts leisteten: 

Für das Jahr 1858 : 

Die Herren : 

Khevenhüll er-Metsch, Fürst Richard zu, Durchlaucht 105 fl. 
Tkany Wilhelm 5 fl. 25 kr. 

Hingenau Otto Freih. v., Linde Franz X., Mürle Karl Hochw., 
P e t, t er Aloxan d e r, j e • > fl . 

Für das Jahr 1859: 

Die Herren: 
Fenzl Dr. Eduard 10 fl. 50 kr. 

Frauenfeld Eduard, Frau Josefine Kablik, Schaaf gotsche Anton 
Ernst Graf v., Bischof zu Brünn, Excellenz, je 10 fl. 
Bd. X. Sitz -Her. q 



4* 



JahregBitzung m 11. April 1Kf»o. 



PStfk Stefan !) il. 85 kr. 

Bolmann Johann 8 fl 5 kr. 

Giraud Dr. Josef, Roedl Heinrich, je 8 Ii 

Pukalski Josef, liocliw. Bischof in Tarnow 7 II. 25 kr. 

Stau ff er Vincenz ö fl. 15 kr. 

Werdoliak Hieron. Alois, Hochw (i Ii. 10 kr. 

Hörnes Dr. Moriz, Petter Alexander, Schill Athanas w. Hochw., 
Schwab Adolf, Schwarz Gust. Edler v., Tempski Friedrich, je 8 Ii. 
Tachetti Karl Edl. v. 8 fl. 30 kr. 

Abi Dr. Friedrich, Bach Dr. August, Bayer Johann, Booi Josef, 
Deaki Sigmund, hochwürd. Bischof von Caesaropolis , F ranzen au Josef, 
Fritsch Karl, Kotschy Theodor, Magd ich Mathias, M aj e r Mauritius, 
Hochw., Miirle Karl Hochw., Paszitzky Eduard, Peters Dr. Karl. 
Pokorny Alois, Pokorny Franz, Rettig Andreas Hochw., Schindler 
Dr. Heinr., Schleicher Wilhelm, Schreitter Gottfried Hochw., Stadler 
Dr. Anton, Tkany Wilhelm, Zeller Richard, je 5 fl. 28 kr. 

Arco Graf Karl, Bartscht Ambros, Csap Dr. Josef, Eisenstein 
Dr. Ant. Ritt, v., Ettingshausen Dr. Const Ritt, v., Freyer Heinrich, 
Friese Franz, Grimus Franz Ritter v. Grimburg, Graeff e Dr. Eduard. 
Grzegorzek Dr. Adalbert Hochw., Gutsch Joachim, Guttmann Wilhelm, 
Haerdtl Aug. Freih. v., Haidinger Wilhelm, Haimhoffen Gust. Ritt, v., 
Heller Dr. Camill, Hierschel Joachim Ritt, v., Hingenau Otto Freih. v., 
Hirner Corbinian, Hofmann Josef Hochw. , Kerner Dr. Anton. Klessl 
Prosper Hochw., Koechl Ludw T ig Ritt, v., Koelbl Josef, Kreutzer Karl, 
Kroegler Rudolf Hipp., Loesz Dr. Anton, Mahler Eduard, Oel Dr. E.. 
Pach Ignaz, Pillwax Dr. Johann, Plenker Georg Ritt, y., Poduschka 
Franz, Quadrio Moriz Edl. v., Rauscher Dr. Robert, Reichard t Heinr. 
W.. Reiss Dr. Franz, Richter Dr. Vinc, Schmidel Ant., Schröckinger 
Julius R. v., Schrott Constantin, Sedlitzky Wenzel, Ujheli Emcrich v., 
Hochw., Wagner Paul, Wladika Eugen Hochw., Wotypka Dr. Alex., 
Ziffer Dr. Josef, je 5 fl. 

Für das Jahr 1860: 

Die Herren : 

Haynald Dr. Ludwig, hochwürdigster Bischof 50 fl. 
Neilreich August 11 fl. 
Leinweber Konrad 6 fl. 

Mürle Karl Hochw., Schreitter Gottfried Hochw., je 5 fl. 25 kr. 
Alef eld Dr., 5 fl. in Silber. 

Arco Graf Karl, Hanf Blasius, Kreutzer Karl, Magdich Math., 
Paszi tzky Eduard, Hiebt er Dr. Vincenz, S ta d 1 er Dr. Anton, Waluszak 
Mathias, je 5 fl. 



<j. Jäger. G. K. v. Fraueofeld. 



41) 



Nach Vorlesung dieses Rechenschaftsberichtes wurden auf Antrag 
des Herrn Vorsitzenden, dem Gebrauche der Gesellschaft gemäss, zwei 
Censoren, und zwar die Herren J. Finger und Dr. Mos s lang zu 
Rechnungs - Censoren ernannt. 



Die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge eröffnete Herr Dr. 
Gustav Jäger, der über die Sprache der T liiere Mittheilungen 
machte. 



Herr Seeretär , Georg Ritter von Frauenfeld sprach über 
seinen Aufenthalt in Ma dras.. (Siehe. Abhandlungen.) 



Sitzung am 2. Mai 1860. 

Vorsitzender : Herr Vicepräsident Dr. M. Hörne S. 

Neu eingetretene Mitglieder: 
P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

Khorring Freih. v., von d. kais. russischen 

Gesandtschaft Vülers Bar. de, G. r. Frauen fdd. 

Ponvouloir Henri de, zu Paris Dr. Kraaz, G. v. Frauenfeld. 

Wostry Karl, k. k. Kreisarzt zu Saaz in 

Böhmen Dr. Prof. Nikerl, J. Pokorny. 

Heller Dr. Franz, in Wien v. 1 laimhoff en, G.v. Frauen fdd . 

Heiss Johann, Supplent an der Unterreal- 
schule zu St. Anna in Wien II. Steininger, Dr. Reichardt. 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausch. 

Memoires de V Academie imp. des Sciences de St. Petershourg. VII. Ser. 

Tome I. Nr. 1, 3-15. 1819. 4. 
Pulletin de V Academie imperiale des Sciences de St. Petershourg. Tome 

I. Feuilles 1—9. 1860. 4. 

K- E- de Beer, Remarques additionelles sur les dattiers de la mer Capsi- 
enne. — Sur la forme des Granes de Grisons [Rhaetij. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 
Classe. Bd. 39. Nr. 3, 4, 5. Wien 1860. 8. 

Fitzinger, über die Racen des zahmen Schafes, % Abthl. — Stricker, Enhvicke- 
lungsgeschichte von Bufo cinereus. — Molin, Monografia dei genere Dispharagus, 
Histiocephalus e rhysaloptera. — Kner, noch unbeschriebene Fische. — Margo, Muskel- 
fasern der Mollusken. — Lorenz, neue Radiaten aus dem Quarnero. 

Memoires de la Societe imp. des Sciences naturelles de Cherbourg. Tom e 

VI. 1858. Paris 1859. 8. av. 2 pl. 

Note sur les fleurs anormales de Cytisus adami et de Phormium tenax, par 
A. Le Jolis. — Lichens des environs de Cherbourg, par A- Le Jolis. — Observation 
sur le developpement d' infusoires dans le Valonia utricularis, par E. Bornet. — 
JPlantes phantrogames aux environs de Cherbourg. — Note sur le Scilla autumnalis, 
par Bertrand-Lachence- — Sur V acroissement en diametre des arbres dicotyledones, 
par Hetet. — Sur V Oidium aurantiacum et sur une varie'te ä fleurs Manches de 
Linaria vulgaris, par Besnou. — Sur les baleines et les cachalots ; sur quelques 



Eingegangene Gegenstände. 



51 



animaux rencontres dans le Grand-Occan, par Jouan. — Sur le Morpho idomeneu*, 
par Ch. Eyrtes, — Sur le Chrysomela Banksii, par Bertrand-Lachente. — Sur wie 
varie'te de la Pachyta decem punctata, par Guiffart. 

Verhandlungen des botanischen Vereines für die Provinz Brandenburg. 
1. Heft. Berlin 4859. 8. 

Vom Verfasser. 

Bellardi Luigi. Saggio di Ditterologia messicana. Parte 1. Torino. 
1S59. 4, 



Ein Packet Cryptogamen, 73 Arten in 313 Exempl., von Hrn. Vesclsky 
in Eperies. 

Ein Packet Phanerogamen von Hrn. C. Petter. 



Hr. Ludwig Ritter von Heufler übergab seine Monographie 
der Hypneen Tirols und las die Einleitung zu derselben. fSiehe Ab- 
handlungen.) 



Hr. Pr. Dr. Alois Pokorny berichtete über die Lebermoosflora 
des Küstenlandes. 

Yerzcichniss der küstenländischeii Lebermoose des Tommasinischen Herbars. 

Herr Podesta M. R. v. Tom masin i hat die küstenländischen Leber- 
moose seines Herbariums durch Hrn. Dr. L. Rabenhorst revidiren lassen 
und folgendes Verzeichniss derselben eingesendet. Sie sind theils von Herrn 
v. Tommasini selbst, theils (in den Jahren 1841 , 1842 und 1843) von 
Sendtner gesammelt. Unter der Zahl von 31 Arten befindet sich nebst 
andern interessanten Formen die für das Gebiet der Flora Deutschlands neue 
Corsinia marchantioides aus der Alpe Moresch bei Flitsch, von der Sendt- 
ner so viel des Schönen brachte. Für die geographische Verbreitung der 
Lebermoose in Oesterreich sind fast sämmtliche Fundorte neu. Die Nomen- 
klatur und Anordnung ist die in Rabenhorstfs Kryptogamenflora befolgte. 

f. Corsinia marchantioides Nees. — Alpe Moresch (Sendtner, 3. 
August 1841). 

%. jßebouillea hemisphaerica Raddi. — Ternovaer Gebirgswaldung 
bei Kernizza \ ebenda an der Tribussaner Wand ; Schneeberger Waldung ; 
Berg Plavnik in Istrien ; Thal Sadorza gegen den Terglou (S.) ; M. Maggiore 
Schlucht gegen Lovrana, S. 



»2 



3. Fegatella conica Corda. — • Berg Polovnik bei Flitsch, öOOO'. S i 
von Materia znm Slavnikberg. 

4. Prcissia commutata Neos. — Rasur Alpe Aufstieg, 6—7000', S. ; 
Mogenza Thal bei Flitsch, S. ; Alpe Kru, S. ; Alpe Moresch, S. \ Alpe Canin 
S.; bei Görz, S- ; von Breth über den Predil nach Raibl. 

5. Marchantla polyrnorpha L. — Ternovaer Gebirgswaldung in Korittih: 
Alpe Baba ober Saaga, 6000' ; Malanza jama (Eingang der Höhle zwischen 
Sessana und Lippiza) sehr üppig; Brunnen des Kapuzinergartens bei Görz. 
Panovitzer Wald bei Görz; bei Moschenitze in Istrien, S.; vom Polovnik 
Berge zum Slatcnek, S. ; Thal Valle bei Flitsch, S. ; Schattenseite der Jerebza 
Alpe, S.; hinter dem .Raibier See, S. ; Aufstieg von dem Mogenza Thal zur 
Jerebza, S. ; von Bauschiza nach Breth, S. ; Alpe Rombon bei Flit-ch, S- ; 
Alpe Grintouz, S. ; Berg Stoula. 

6. Metzgeria furcata Nees. — BergMatujur, Ö000', S. ; Thal Sadenza 
gegen den Terglou, S. ; Panovitzer Wald bei Görz, S. ; forma minor Alpe 
Moresch, S. ; Alpe Slatenik. 

7. Metzgeria pubescens Raddi. — Alpe Moresch, S. 

8. Aneura palmata Nees. — Alpe Osebenik, S. ; forma typt&mera 
Alpe Slatenik zum Polovnik. 

9. Pellia epiphylla Nees* — Quelle bei Gabrovizza auf Cherso. S. 
bei Besca auf der Insel Veglia, S. ; Nagelfluhfelsen bei Jablunza, S. 

40. Lejeunia xerpyllifolia Lib. — Castagnavizza bei Görz; Foiba bei 
Smergo auf der Insel Cherso, S. ; cum calyce zwischen Pola und Fianona in 
Istrien, Juni 1841, S- 

14. Frullania düatata Nees. — Bei Stignano in Istrien auf Obst- 
bäumen, S. ; cum perianthüs von der Alpe Wischna in die vordere Trenta, 
S., 14. August 1841. 

42. Frullania Tamarisci Nees. — Alpe Karnizze, S. ; cum perichae- 
tiis Alpe Polovnik, 24. Juni 1843, S. ; Lippizaer Waldung ; zwischen Pola 
und Fianona; Panovitzer Wald bei Görz, S. 

13. Madotheca laevigata Dum. — Draga Kessel bei Orlich am Karst, 
cum var. Thuja\ Farnedo AVald bei Triest ; M. Cys auf der Insel Cherso, 
S.; Aufstieg zum Manhart von der Mangerska skala, S. ; bei Karfreyt, S. ; 
Melara Wald bei Triest ; Oltre bei Muggia in Istrien ; bei [sola in Istrien ; 
bei Monfalconc (lagi di pietra rossa) ; von Bolunz nach Schloss S. Servolo ; 
von Occisla nach Bieka ; Lippizaer Wald. 

14. Madotheca platyphylla N. — Vom Draga Kessel bei Orlich 

15. Ma&oflteca rwularis N. — Alpe Moresch. 



A. Poköriiy. J,> 

16. Raäula eomplan'ata Dum. — Bei Esöla in Istfien. 

17. JJastigobryum deße.vum Nces. — Rombon Alpe bei Flitseh, S.*. 
Schattenseite der Jerebza Alpe, S. ; Grintouz Alpe, S. 

18. Masiigobryum trilöbatünt N. — Thal Sadenza unter dem Terglou. 

19. Lepidozia reptans N. — Alpe Karnizze. 

20. Cdypogeja Trichomanis N. — Vom Thale Mogenza auf die Je- 
rebza Alpe. 

21. Liochlaena lanceolata N. — Vom Polovnik zum Slatenek, S. 

22. Junger mannia trichophylla L. — Grintouz Alpe, S. ; Alpe Kar- 
nizze; Thal Mogenza; vom Polovnik; Alpe Döpplje hinter dem Kren, S. ; 
Schattenseite der Jerebza. 

23. Jungennannia minuta Diks. — Am Polovnik, S. ; Schattenseite 
der Jcrebz i , S. ; Grintouz Alpe, S. 

24. Jungennannia curvifolia Diks. b. Bauen. — Orbenik Alpe, S. 

25. Jungennannia acuta Lindb. — Von Döpplje nach Lippine, S. 

26. Jungennannia Taylori Hook. — Alpe Slatenek, S. ; Alpe Polov- 
nik, S. ; Schattenseite der Jerebza. 

27. Jungennannia albicans L. — Königsberg bei Raibl, 6000', S. ; 
Schattenseite der Jerebza, S. ; Mogenza Thal, S. ; bei Karfreyt, S. 

28. Scapania aequiloba N. — Corrada Berg bei Canale, S. j von der 
Alpe Wischna in das Trenta Thal ; vom Magenza Thal auf die Jerebza ; 
Alpe Osebnik: von Döpplje nach der Lippina ; Alpe Polovnik; von Breth 
über den Predil nach Raibl. (Sämmlich von Sendtner.) 

29. Scapania nemorosa N. — Zwischen Pola und Fianona in Istrien ; 
Alpe Osebnik, S. 

30. Plagiochila asplenioidts N. — Von Breth nach Raibl ; Draga 
Kessel bei Orlich ; Lippizaer Waldung ; Farnedo Wald bei Triest; bei Kar- 
freyt, S. 

31. Alicularia Scolaris Corda. — Thal Sadenza unter dem Terglou, S. 



Hr. August N ei 1 reich besprach einen von Dr. Franz Herb ich 
eingesendeten Aufsatz: Pflanzengeographische Bemerkungen über die 
Wälder Galiziens. (Siehe Abhandlungen.) 



54 



Sitzung am 2. Mai 18G0. 



Hr. J. Juratzka theilte neue Beiträge zur Moosflora Nieder- 
Oesterreich's mit. (Siehe Abhandlungen.) 



Der Secretär Hr. Georg Ritter von Frauen fei d schilderte den 
Besuch von Sr. k. k. Majestät Fregatte Novara auf den Nikobaren. 
(Siehe Abhandlungen.) 



Ferner legte derselbe die Tafeln zu einer später erscheinenden 
Abhandlung von Hm. Brunner von "Wattenwyl. „Neue Ortho- 
pteren meist aus Oestrreich" vor. In derselben werden 15 ganz neue 
und 9 wenig gekannte Arten Geradflügler genau beschrieben und 
abgebildet. 



Sitzung am 6. Jnni 1860. 

Vorsitzender : Hr. Präses-Stellvertreter Professor u. Director 

Dr. E. Fenzl. 

Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 
Ludwig Josef haben, von dem Bestände und der Wirksamkeit der 
k. k. zoologisch -botanischen Gesellschaft unterrichtet, ans eigenem 
Anlasse sich bewogen befunden, derselben eine Subvention von achtzig 
Gulden öst. W. ziizumitteln. Es wurde in der Ausschusssitzung am 
4. Juni 1860 beschlossen, Höchstdemselben für diese hohe Gnade den 
tiefgefühltesten Dank durch den Vorstand der Gesellschaft darzubringen. 

Die anwesenden Mitglieder drückten ihren ehrerbietigsten Dank 
durch Erheben von den Sitzen aus. 



Xeu eingetretene Mitglieder : 
P. T. Herr als Mi lied bezeichnet durch P. T. Herrn 

W. Muirhead, Missionär in Schanghay . . Dr. C. Felder, G.v. Frauenfeld 
Monnier le Anton, k. k. Polizei-Director in 
Salzburg. Ritt, mehrerer Orden, Mitglied 

mehrerer Gesellschaften Dr. J. Egger, G. y. Frauen feld. 

Sabatzka Josef , Hörer der Rechte .... Dr. «7. Egger. G. y. Frauenfeld. 
Windiseh Anton. Kaufmann in Raab . . . Dr. F. Ramer, Dr. J. Egger. 
Angelrodt Ernst C. v. . k. k. Yicekonsul in 

St. Louis in Missuri, N. Amerika . . . durch die Direction. 



Eingegangene Gegenstände: 

Im Schriftentausche. 

Atti ddü i. r. Istituto Lombcardo di scienze , lettere ed arti. Vol. 1. 
fasc. XIII— XX. Milano 1859—60. 

Paneeri: Studj ndT anatomia della Giraffa. — Gasparini. Rictrche suUe 
tpecit eurcpte del genere AtpUnium. 
Bd. I. Sitz.-Ber. . u 



Sitzung am 6. Juni 1860. 

Gemeinnützige Wochenschrift. Würzburg. X. Jahrg. Nr. 1 — 17. 

Atti delV imp. reg. Istituto Veneto di scienze , lettere ed arti. Serie III. 

Tomo V. Disp* 5. 
Recueil des travaux de la Societe libre cX agricuiture, sciences, arts et 

helles lettres de V Eure. 3. Serie. T. 5. Annees 1857 — 1858. 

Evreux 1859. 

Jahrbuch der kais. kön. geologischen Reichsanstalt. 1 850. Nr. 4. 

Wochenschrift des preuss. Gartenbauvereines für Gärtnerei und Pflanzen- 
kunde. Berlin 1860. 4. 2. Nr. 46—20. 

Jahreshefte der naturwissenschaftl. Section der k. k. mähr.-schles. Ge- 
sellschaft für Ackerbau, Natur- und Landeskunde für das Jahr 
1858 und 1859. Brünn 1859 und 1860. 8. 

„Lotos." 1860. Februar bis April. 

Novae Helminthum species nuper observatae ab A- Polonio. — Anleitung zur 
pflanzengeographischen Schilderung einzelner Florenbezirke in Böhmen, von E. Purkyne. 
Zur mährischen Arachnidenfauna, von J. Müller. — Reptilien auf Sumatra, von Bleker. — 
Pflanzengeographische Mittheilungen, von Palacky. — Drei neue Hymenopteren von Prag, 
von Kirchner. — Unterirdische Höhlen bei Hollstein in Mähren, von Waukel. 

Archiv des Vereines für siebenbürgische Landeskunde. Neue Folge. 
Band I— IV. Kronstadt 1853—1859. 

Zur Flora Siebenbürgens , von M. Fuss (I.). — Botanische Exkursion auf dem 
Sxuru und im Szeklerland, von Fronius (III.). — Die Schwimmkäfer, Dytiscidae, Sieben- 
bürgens, von K. Fuss (IV.). 

Verhandelingen der koninkl. Akademie van Wetenschappen. 7. deel. 
Amsterdam 1859. 4. 

J. van der Hoeven, Ontleedkundig onderzoek van den Potto van Bosman 
door F. A. W. van Campen. 

Verslagen en Mededeelingen der koninklijke Akademie van Weten- 
schappen. Afdeeling letterkunde. Vierde deel, 1 — 3. stuk. 

Verslagen en Mededeel. d. k. Akad. v. Wetensch. Afdeel. Naturkunde. 
Negende deel. 1—3. stuk. 

Dr. G. Jäger, Unvollständige Entwicklung eines zweiten Kiefers bei zwei 
Schweinen. — Oudemans, Over de prikkelbaarheid der bladen von Dionaea Muscipula. 

Achste deel. Amsterdam 1858. 

Hall, Aanteekeningen omtrent eenige Nederlandsche planten. — Hall, Mor- 
phologische opmerkingen omtrent de Bloem. — Mulder, Bijdrage tot de kennis van 
den Veenmol. 

Jaarbock von de koninkl. Akademie van Wetenschappen voor 1858. 
Amsterdam 8. 

The Transactions of the Linnean Society of London. Vol. XXII. part. 
3 et 4. London 1858—59. 

Sp. Cobbold, on Entozoa. — Lubbock, on the Larva of Pygaoea bucephala. 
— Huxley, on Aphis. — Macdonald, natur. hist. of the genus Palolo. — Id. Meta- 
morphosis of Pedicularia. — Id. Anatomy of Eurybia Gaudichaudi. — Dyster, 
Phoronis hippocrepia. — Currey, Fructification of Sphaeriae. — Oliver, Structure 
of the Slem of Caryophylleae. — Bentham, Henriquezia. — Griffith, on Gnetum. — 
Seemann, Camellia and Thea. — Eschscholtz, on Tomopteris onisciformis. — Mac- 



Einp^ansrene Gegenstände. 



57 



donald, Species of Tunicata; id. of Pcrophora- — Kuight, on the Limax bitenticu- 
latus- — Ilicks, on the Antennae of Insects. — Hooker, of Xepenthes and Balano- 
phora- 

Journal of the Proceedings o f the Linnean Society. Zoology Nr. 7—15. 
Botany Nr. 7 — 15. — Supplement to Botany Nr. 1. 2. 

Mitten, Musci Indiae Orientalis. 
Tijdschrift voor Entomologie. III. deel. 1—3. stuk. II. 6. stufe. 
„Flora." Nr. 1—20. Regensburg 1860. 

Vom Verfasser. 

F ritsch Ant. Kritisches Verzeichniss der Fische Böhmens. Prag 
1859. 8. 

— Ceske ryby (böhmische Fische). Prag 1859. 8. 
Berdau Fei. Flora Cracoviensis. Krakau 1859. 8. 
F ritsch Ant. Vögel Europa's. Heft 5. Prag. 4859. Fol. 
Endlicher. Paradisus Vindobonensis. Bd. II. Lief. 21. Fol. 

Vom k. k. Polizei-Ministerium. 

Mik J. Flora der Umgebung von Olmütz. Olmütz 1860. 12. 
Kolenati Dr. F. A. Monographie der europäischen Chiropteren. 8. 
Hohenstein A. Der Wald. Wien 1860. 8. 
Müller Jul. Termirioloaia eatomologica. t. Lief. Brünn 1860. 8. 
Xitsche. Giftpflanzenbuch und Giftpflanzenkalender. Wien 1860. 8. 
Lorinser Gust. Dr. Botanisches Excursionsbuch. 2. Aufl. Wien 1860. 8. 
Fortsetzungen der Zeitschriften. 



Gladiolus parvißorus Berdau, Geschenk des Hrn. Autors. 
250 Käfer zur Vertheilung an Lehranstalten von Pr. Dr. Gustav Mayr. 
420 Exemplare Cryptogamen von Hrn. Oberlandesgerichtsrathe Veselsky 
in Eperies. 



Der Herr Hofrath Hai ding er hat an die k. k. zool.-botan. 
Gesellschaft eine Kiste mit präparirten, wohlerhaltenen Säugethier- 
und Vogelbälgen und ein Blechgefäss mit TVeingeistgegenständen ge- 
langen lassen, welche dieselbe als Geschenk durch seine Vermittlung 
von dem k. k. österr. Vicekonsul in St. Louis im Staate Missuri in 
Nordamerika, Herrn Ernst C. v. Angelrodt, erhielt. Er bemerkt in 
dem beigefügten Schreiben, dass Hr. v. Angelrodt nicht nur als 
wohlwollender , grossmüthiger Förderer deutscher wissenschaftlicher 
Entwicklung , sondern auch in seiner Vertretung deutscher Interessen 

H* 



58 



Sitzung am 6. Juni 1860. 



in den vereinigten Staaten von Nordamerika sich hohe Verdienste um 
sein Vaterland erworben hat. 

Als Vertreter mehrerer deutscher Staaten gelang es ihm, die 
gesetzmässige Erbberechtigung der Ausländer in einzelnen Staaten 
zur Wirklichkeit zu machen. Denn obwohl in den Verträgen der 
Unionsregierung mit fremden Regierungen die Erbberechtigung vor- 
kömmt', so galt doch in den meisten einzelnen Staaten das Gesetz, 
dass kein Fremder Grundeigenthum besitzen könne , wodurch jener 
Vertrag illusorisch wurde. Seiner Bemühung gelang es nun, die Gesetz- 
gebungen der Staaten Illinois , Missuri , Jowa und Wiskonsin zu 
Specialgesetzen zu veranlassen , durch welche auswärtige Individuen 
berechtigt sind, durch Schenkung, Vermächtniss oder Erbrecht Grund- 
eigenthum zu erwerben, und es ist diese höchst wichtige Berechtigung 
auch schon für weitere Staaten angebahnt. 

Herr Hofrath Hai ding er fügt noch hinzu, dass durch den- 
selben sowohl der k. k. geographischen Gesellschaft, als auch der k, k. 
geologischen Reichsanstalt höchst werthvolle Geschenke an Druck- 
werken und Mineralien zugekommen seien , dass er es als seine 
unabweisbare Pflicht ansehe, bei dieser Mittheilung an die k. k. zool.- 
botan. Gesellschaft als deren Mitglied, die Gefühle der Dankbarkeit 
darzulegen, die er dem freundlichen Wohlwollen des Hrn. v. Angel- 
rodt schulde» 

Der Ausschuss hat in der Sitzung vom 4. Juni beschlossen, nicht 
nur durch Veröffentlichung dieser Mittheilung den wärmsten Dank für 
diese werthvolle Gabe an den Tag zu legen , sondern sowohl dem 
würdigen Geber unter Uebersendung des Gesellschaftsdiploms zu er- 
suchen, auch fernerhin derselben freundlichst zu gedenken, als auch 
insbesondere Herrn Hofrath Hai ding er zu bemerken, welch lebhafte 
Freude es erweckte , dem unermüdlichen Förderer wissenschaftlichen 
Strebens für diesen neuen Beweis der innigen Theilnahme an dem 
Gedeihen der Gesellschaft recht herzlich danken zu können. 

Der Inhalt der Kiste besteht in 25 Säugethieren und 74 Vögeln, 
gut präparirt und sehr wohl erhalten, ferner 66 Reptilien und einigen 
Vögeln in Weingeist, wofür laut beigelegtem Verzeichniss an Ankaufs- 
und Beförderungskosten der Betrag von 878 fl. rhein. verausgabt 
erscheint. Unter den Säugethieren sind der virginische Fuchs, die Fisch- 
otter, das Racoon, viele Eichhörnchen, ein weisses Oppossum , unter den 



Haidinger. F. Brauer. E. Fenzl. G. R. v. Frauenfeld. »P» 

Vögeln der wilde Truthahn , das Cupidohuhn , ein wilder Schwan, 
die Schneegans, ein herrlicher Colymbvs glacialis im Prachtkleide, viele 
und schöne Falken, Reiher, Enten etc. zu nennen. Die beantragten 
Verfügungen über diese Gegenstände werden seiner Zeit der verehrten 
Gesellschaft vorgelegt werden. 



Herr Friedrich Brauer theilte neue Beobachtungen über die 
Larven der Oestriden mit und versprach seinen Aufsatz später für die 
Abhandlungen zu übergeben. 



Der Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Eduard Fenzl legte die erste 
Lieferung des von Hartinger herausgegebenen „Paradisus vindo- 
bonensis" vor, und besprach die ausgezeichnet schöne Darstellung der 
Pflanzen durch Farbendruck in diesem Werke. Namentlich die eine 
Tafel ist ein wahres Kunstwerk. Der von Berthold Seemann in 
deutscher und englischer Sprache herausgegebene Text verleiht diesem 
Werke auch einen wissenschaftlichen Werth. Es ist Hartinger's 
Unternehmung nur der beste Erfolg zu wünschen. 



Der Sekretär, Herr Georg Ritter von Frauenfeld legte die 
5. und 6. Lieferung der Vögel Europas von Hrn. Fritsch vor und 
besprach dieselbe , indem er die Vorzüge dieses Werkes hervorhob, 
welches sich vor allen ähnlichen durch seine Billigkeit (es kostet 
[16 Lieferungen a 4 Fol. Tafeln], nur 25 fl.) und durch die gelungene 
Ausführung der Tafeln im Farbendruck auszeichnet. 



Ferner gibt er in Bezug auf eine Notiz in der Jagdzeitung fol- 
gende Mittheilung über das Vorkommen von Luchsen in Oesterreich : 

In der Jagdzeitung vom 31. Mai 1860 ist in einem Artikel über Luchse 
am Schlüsse desselben, pag. 316, bemerkt, dass es nicht möglich war, mit 
Ausnahme Ungarns und Galiziens, irgend eine Nachricht über die Erlegung eines 
Luchses in neuester Zeit zu erfahren, und dass es der Mühe werth wäre, 
falls irgendwo in den deutschen Erbstaaten Oesterreichs ein Luchs seit jener 
Periode (Februar 1848) erlegt worden sei, Nachricht zu geben. 



60 



Sitzung am 6. Juni 1860. 



Ich theile in Folge dessen aus raeinen Tagebüchern folgende Notiz mit: 
Laibach den 18. April 1854: „In dem nicht bewohnten, dem Feld- 
marschall Radetzky gehörigen Schlosse sah ich heute einen so eben aus- 
gestopften Luchs, ein prachtvolles Weibchen von 3 V* Fuss Länge und 22 Zoll 
Höhe. Dieser wurde nebst einem kleineren , dessen Haut als Teppich zu- 
bereitet ward, in Freudenthal von dem Besitzer dieses Gutes geschossen. Der 
Ausstopfer, der eben die letzte Hand zur Vollendung anlegte, erwiderte auf 
mein Befragen, es kämen diese Thiere wohl manche Winter in der Umgegend 
vor, und er habe auch im vorhergehenden Jahre einen ausgestopft." 

Obwohl ich mir noch nähere Notizen hierüber zu verschaffen suchte, 
so blieben meine Nachforschungen ohne Erfolg. Ich theile diese Notiz hier 
mit, weil auch die einfache Angabe dieses Vorkommens nicht ganz ohne 
Interesse sein dürfte, und vielleicht zu weiteren Ermittlungen Veranlassung 
sein könnte. 



Weiters bespricht Derselbe das folgende eingesendete Verzeichniss 
der um Fiume und Lesina gesammelten Algen von Dr. Ludw. Radl- 
kofer, ausserord. Professor in München. 

Die mit einem Sternchen bezeichneten Species sind von Kützing 
bestimmt und revidirt , sie tragen desshalb die Namen K ü t z i n g\s • die 
übrigen Arten sind nach Aghard's Species Algarum und nach Thurefs 
Arbeiten bestimmt. 

a. Im Winter 1857 (Jänuer) uin Fluine gesammelte Algen. 

* Chthonoblastus Vaucheri, * Schizosiphon rupicola, Cladophora proU/era, 
*Entcromorpha compressa, *Vaucheria clavata, Valonia utricularis, Dasy- 
cladus clavaeformis, Anadyomene flahellata, Acetabularia mediterranea, *Ecto- 
carpus litoralis, Sphacelaria scoparia, Scytosiphon lomentarius, Cladostephus 
verticillatus , * Porphyr a vulgaris , *Bangia fusco-purpurea, * Calliihamnion 
Borreri y. flahellata, Plumula, cruciatum, versicolor , Ceramium echinatum, 
Gastroclonium Uvaria, Uelminthora divaricata, Gelidium corneum, Peyssonelia 
squamaria, Lithocystis ALlmanni Harv., Corallina officinalis, Arnphiroa rigida 
Jania — ?, Wrangelia multifida, Chylocladia parvula, Laurearia pinnatifida, 
Dasya — ?, Polysiphonia fruticulosa, Chantransia — ?, Dictyota dichotom. v. 
implexa, Sargassum linifolium, Fucus Sherardi, Cystoseira amentacea, bar- 
bata v. Hoppii. 

b. Im Februar und März 1860 um Lesina gesammelte Algen. 

*Biddulphia pulchella, *Synedra affinis, *familiaris, *parvula, ^gracilis, 
*Navicula subula, • Rhaphidogloia micans, *Homoeocladia Martiana, *Schizo- 
nema viride, *Grammatophora marina, *Achnanthes longipes, *brevipes, *inter- 



G. R. v. Fraueafeld: 



61 



media, ^Rhabdonema adriaticam, ' Rhipidophora superba, *tenella, ^Licmophora 
radialis. *Protococcus dimidiatus, ^Microhaloa aeruginosa nov. spec. Kg., 
*Gloeocapsa aeruginosa*, *Spirulitia — ?, ^Oscillaria rubescens, *Leptoihrix 
— ?, *Leibleinia gracilis, ^Lyngbya caespitula, *Nostoc muscorum. * Scytonema 
turfosum, * Schizosiphon luteseens?, *Chaetomorpha chlorotica, *Horrnotrichum 
affine, *RHizodonium litoreum ?, *Cladophora scoparia, *ramulosa,*vtriculosa, 
*dalmatica, *rameUosa, *pumila, ^crystallina, ^Rudolphiana, ^nitida, *cory- 
narthra, *Aegagropila coelothrix. ^Zygntma — ?, *Phycoseris lanceolata, 
*australis, *fasciata, *Enteromorpha paradoxa, -Bryopsis tenuissima , *Bal- 
bisiana, *corymbosa . ^cupressoides, *abietina, *thuioides, *plumosa ;, Codium 
tarne ntosum , totnent. v. coraXloides, Bursa, TJdotea Desfontainesii, Halimeda 
Opuntia, *Yalonia utricularis. Dasycladus clavaeformis, Anadyomene flabellata 
*Ectocarpus arctu-s, ^siliculosus, *abbreviatus , ^approximatus, ^rufulus? ?, 
^macroceras, *crinitus, *monocai-p>us, *litoralis ?, * Sphacelaria tribidoides ?, 
* (Halopteris) filicina , *JIe$ogloea vermicularis v. australis , Asperococcus 
sinuosus, * Spermatochnus adriaticus , ^Phycolapathum debile (= Petaloria 
dehüis D. et S. ?). ^Phycolapathum debile (= Pwnctaria latifolia Grev. ?), 
^Porphyra vulgaris. * cor data , * Callathamnion sessile . strictum . Borreri, 
^Borreri y. ßabellata, graciUimurn, Plumula ß. crispum, ^cruciatum, *(Phlebo- 
thamnion) corymbiferum , *versicolor, *seirospermum, *granulatum, Crouania 
attenuata , Corynospora clavata , Ceramium rubrum, echinatum, ^ordinaturn, 
^Centroceras cryptacanthum , ~Hormoceras pygmaeum, Griffithsia barbata, 
*repens, ^corallina, ^Schousboei, Nemastoma multifida, Chrysimenia Vvaria^ 
* Gigartina acicularis, Taedii. Kallymenia rtniformis , *Spyridia cuspidata, 
^Dumontia — ?, Catenella Opuntia , ~*Gastrocl<ynium Salicornia v. minor, 
Lcmentaria articulata, clavellosa, *Rhodomenia palmata nicaeensis, *Rhodo- 
phyttis bifida, Plocamium coccineum, *Gymnophloea Biasolettiana, *Helmin- 
thora divaricata, Ginania furcellata, Gelidium corneum, *Hildenbrandtia 
sanguinea, *\ardi ? , Peyssonelia squamaria , Melobesia — ?, Corallina offi- 
cinalis L. v. £. (C. palmata Kg.), granifera Ell. et Sol. (C virgata Jan.), 
Amphiroa rigida, Jania rubens. corniculata, Gracilaria confervoides, *Sito- 
phyUurn oceUatum, -Cryptopleura lactrata, ^hamata, Delesseria Hypoglossum, 
crispa, Spermothamnion Turneri Ares ch. {Callith-imv.ion Turneri A g.), 
Bornetia secundiftora Thür et (Griffithsia secundiflora J. Ag.), Wrangelia 
penicillata, multifida, Chylocladia Kaliformis, ^parvula, Laurentia obtusa, 
pinnatifida, paniculata, *patentissima, *papiUosa, *I)igenea simplex, *Alsi- 
dium corallinum, *Rhytiphloea cornplanata, *tinctoria, *Dasya arbuscula, 
*ocellata, *punicea ?, *Eupogonium villosum, *Polysiphonia Wulfenii, Dictyo- 
meria volubüis, ^Dictyota vulgaris, ^vulgaris intricata, *dichotoma, dichotoma 
y. implexa, Dictyopieris polypodioides, Taonia Aiomaria, Padina Pavoniaj, 
Zonaria coUaris, Sargassum linifolium, Cystoseira abrotanifolia, amentaria, 
barbata «. Turneri, barbata ß. Hoppii, discors, disc. forma pinnis omnino 
filiformibus. 



62 



Sitzung am 6. Juni 1860. 



c. Aus der Zeit vom März bis Oclober 1857 durch C. Buichlch aus Lesina gelter 

erhalten : 

*Lyngbya pulcherrima ?. *Chaetomorpha callithrix, * Cladophora tricho- 
coma, *ovoidea, *~flaccida, Acetabularia mediterranea, * Haloglossum Griffith- 
sianum, *minutum, *Echinoceras spinulosvm, Halymenia Floresia, Liayora 
viscida, *Lomenlaria torulosa? , Spatens, *br&vis^ *Laurentia dasyphylld) 

*Polysiphonia secunda. 



Englich legte der Herr Sekretär v. Frauenfeld das bereits 
erschienene zweite Quartal der Verhandlungen der Gesellschaft vor. 
Dasselbe ist 18 Bogen stark und hat 2 Tafeln. 

Von grösseren Arbeiten ist in ihm der specielle Theil von 
Prof. Dr. Anton Kerner's Monographie der niederösterreichischen 
Weiden enthalten. 



Sitzung am 4. Juli 1860. 

Vorsitzender : Herr Vicepräsident Dr. Siegfr. Reissek. 



Neu eingetretene Mitglieder: 



P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Heim 

Lazar Matheus. Gymnasiallehrer zu Warasdin G. v. Frauenfeld. A. Rogenhof er. 
Lopuschan Johann P.. Gymnasialprofessor 

in Lewa in Ungarn F. Studniczka. G. Künstler. 

Mayer Lorenz. Lehrer an der Realschule zu 

Reindorf, Fünfhaus Steiniger. Dr. Reichardt. 

Schüler Dr. Max Josef, st. st. Director und 

Badearzt in Neuhaus bei Cilli .... Dr. Reissek. Dr. Reichardt. 

Wilhelm Gustav junior, Wien Dr. Th. Kotschy. Dr. Reichardt. 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausch : 

Wochenblatt des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in Preussen 
für Gärtnerei und Pflanzenkunde. Berlin 1860. 4. Nr. 21— J 24. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 
Classe. XI. Bd. Nr. 7. Wien 1860. 8. 

Kner. zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 
„Lotos w . Zeitschrift für Naturwissenschaften. X. Jahrg. 1860. Februar, 
März. April. 

Phänologische Beobachtungen. Linz. Wintermonate und März. 1860. 
„Flora* 4 . Regensburg. 1860. 8. Nr. 1—20. 

Böckeier, zur systematischen Kenntniss einiger Cyperaceen. — Wydler. ein- 
heimische Papilionaceen. — v. Jäger, krankhafte Veränderung der ßlütenorgane der Wein- 
traube. — Nylander, de Stictis et Stictinis adnotatio. — Arnold, die Flechtendes 
fränkischen Jura. — Hasskarl, die indischen Euphorbiaceen. — Münch, über Sparganien. 
— Goppert, Einfluss der Pflanzen auf felsige Unterlage. — Böckeier, einige Fimbristylis- 
und Isolepis-Arten. — Senft. die Flechteu im Dienste der Natur. — Uloth. Beiträge zur 
Physiologie der Cuscuteen. — Die Schimper schen Pflanzen aus Abyssinien. — Senft. 
Auftreten der Gramineen im Gebiete der Wälder. 
Commentationes botanicae auctoribus fratribus Sehulfi, Bipontinis. Xeapoli 
Xemetum 1859. 8. 

Veronica brachysepala. — Revisio geaeris Achyrophori. 
SiU.-Ber. Bd. I. i 



64 



Sitzung am 4. Juli 1860. 



Sechszehnter und siebzehnter Jahresbericht der Pollichia. Neustadt a. H. 

1859. 8. 

Schultz F., zur Flora der Pfalz. — Spannagel, die Fische der MrisdMB Khein- 
pfalz. — Müller Th. J., die gallo-germanischen Arten von Rubus. — Bertram, Lepidopteren- 
Fauna der Pfalz. 

Sechsund zwanzigster Jahresbericht des Mannheimer Vereines für Natur- 
kunde. Mannheim 1860. 8. 

Correspondenzblatt des naturforschenden Vereines zu Riga. 11. Jahrg. 
Riga 1859. 8. 

Anschluss zum Schriftentausch : 
Kiel : Verein nördlich der Elbe, zur Beförderung der Naturwissenschaften. 



Algen aus dem rothen Meere, gesammelt von Portier, Geschenk des 
Herrn Lobmeyer. 

Ein Fascikel Algen zur Vervollständigung der Sammlung von Hrn. A. Grunow. 



Der Sekretär, Herr Georg Ritter von Frauenfeld las folgende, 
von der hohen niederösterreichischen Statthalterei an die Gesellschaft 
gelangte Bewilligung zur Abänderung der Paragrafe 12, 13, 14 und 
15 der Statuten : 

Seine k. k. apost. Majestät haben mit Allerhöchster Entschliessung 
vom 24. Mai 1860 die von der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien 
beantragten Aenderungen der Paragrafe 12, 13, 14 und 15 der Statuten 
dieses Vereines allergnädigst zu genehmigen geruht. 

Hievon wird die k» k. zool.-botan. Gesellschaft in Folge Erlasses vom 
4. d. Mts., Z. 16984 unter Rückschluss der Beilagen des hiedurch erledigten 
Einschreitens vom 3. Februar d. J. mit dem Bemerken in die Kenntniss ge- 
setzt, dass die Uebergangsbestimmung, bezüglich der Nichtwiederwählbarkeit 
der Vicepräsidenten für das auf ihren Austritt nächstfolgende Jahr, dem neu 
textirten §. 1 4 als Zusatz beizufügen ist. 

Uebrigens gewärtiget das Ministerium des Innern die Vorlage von vier 
Exemplaren der hiernach zu rectificirenden Statuten Behufs der Beisetzung 
der Bestätigungs-Klausel, wesshalb diese Statuten-Parien zur weiteren Ver- 
anlassung anher vorgelegt werden wollen. 

Von Seite der Direktion werden die nöthigen Schritte gethan 
werden, um die neue Wahlordnung am Ende d. J. ins Leben treten 
zu lassen. 



G. v. Frauenfeld. F. Brauer. Dr. H. W. Reichardt. 



65 



Ferner machte derselbe folgenden Ausschussbeschluss bekannt : 
Um jene Zustellungen und Empfänge an und von P. T. Mitgliedern 
der Gesellschaft in Wien, welche durch den Kanzelisten besorgt werden 
müssen, und nur Nachmittags statt finden können, regelmässig vorzunehmen, 
hat der Ausschuss beschlossen, dass das Lokal in der Herrngasse an Samstagen 
Nachmittags geschlossen bleibe. 

Schliesslich besprach Hr. v. Frauenfeld das Geschenk des 
Herrn Lobmeyer, welcher eine bedeutende Sammlung von Algen aus 
dem rothen Meere der Gesellschaft widmete. Dieselben sind von Portier 
gesammelt, sehr reich aufgelegt und zeichnen sich namentlich durch schöne 
Präparation und prachtvolle Auswahl der Exemplare aus. 

Herr Friedrich Brauer machte Mittheilungen über die Oestriden 
des Elenthieres und versprach dieselben später in den Verhandlungen der 
Gesellschaft zu veröffentlichen. 



Herr Dr. H. W. Reichardt sprach über folgende für die Flora 
von Nieder-Oesterreich seltene Pflanzen : 

Ich erlaube mir der geehrten Versammlung einige für Nieder-Oesterreichs 
Flora seltene Pflanzen vorzulegen : 

Gagea bohemica Schult. Diese Art wurde von Portenschlag am 
Laaer Berge aufgefunden, später von mehreren Herren gesammelt, in neuester 
Zeit aber meines Wissens nicht wieder beobachtet. Der zweite bekannte Standort 
um Angern liegt schon in Ungarn. Es war somit diese Pflanze für Niederösterreich 
zweifelhaft. Unser geehrtes Mitglied Hr. J. Steininger war nun so freund- 
lich mir diese Art aus der Umgebung von Horn mitzutheilen. Die Gagea 
bohemica kommt dort an zwei verschiedenen Standorten vor, nämlich unter 
Gebüschen im Horner Schlossgarten in der Nähe der Wohnung des Ober- 
försters und an Felsen an der Tafa in der Nähe der Pölzlmühle. Es dürfte 
diese schöne Art namentlich an dem zweiten Standorte häufiger vorkommen, 
weil die Lokalität nach den Mittheilungen des Hrn. Steininger ganz dem 
Standorte bei St. Ivan nächst Prag, wo die Pflanze zuerst gefunden wurde, 
dann jenem beim Rabensteine nächst Znaim analog scheint. 

Salvia austriaca Jacq. Diese in den ungarischen Tiefebenen ein- 
heimische Art wird bekanntlich je mehr man sich der Grenze dieses Landes 
von Wien aus nähert, immer häufiger , und ist schon im Leithagebirge und 
um Hainburg gemein. Um Wien selbst ist sie jedoch sehr selten und von 
den wenigen bekannten Standorten schwindet einer nach dem andern durch 
die Veränderungen, welche der Boden durch die Cultur erleidet. Diess ist 

J* 



66 



Sitzung am 4. Juli 1860. 



auch der Fall mit dem bekannten Standorte auf der Türkenschanze. Unser 
geehrtes Mitglied, Herr Dr. Pelser von Fürnberg theilte mir nun diese 
Pflanze von einem Standorte innerhalb der Linien Wiens mit. Die Sabia 
austriaca findet sich nämlich auf den Wiesen im Parke vor der allgemeinen 
Irrenanstalt ziemlich häufig in Gesellschaft einer Flora, welche jener der 
Türkenschanze analog ist. 

Cineraria aurantiaca Hoppe. Diese schöne und in Nieder-Oesterreich 
sehr seltene Form der C. campestris Retz fand ich aufwiesen um Grünbach 
am Fusse der Wand bei Wiener Neustadt. 

Aspidium Oreopteris Sw. Dieser in den Voralpen häufige Farn wurde 
nur ein einziges Mal in den näheren Umgebungen Wiens von Hrn. Dr. Reissek 
zwischen Kierling und Hadersfeld gefunden.. Auf einem nach Hochstrass 
unternommenen Ausfluge war ich nun so glücklich diese Art in den Wäldern 
zwischen dem obgenannten Orte und Rekawinkel ziemlich häufig zu finden. 
Ich erlaube mir, die Aufmerksamkeit der Herren Botaniker auf diese Art 
zu lenken, weil es wahrscheinlich isl, dass sie sich im Sandsteinzuge an 
mehreren Lokalitäten findet und nur übersehen wurde. 

In einer nach diesem Vortrage sich entspinnenden Debatte , an 
welcher sich mehrere Mitglieder betheiligten, bemerkte Herr S p r e i t z e n- 
hofer, dass die Gagea bohemica noch, wenn auch sehr selten, am 
Wienerberge vorkomme und Herr Petter bezeichnete diesen Standort 
genauer, welcher sich am obgenannten Berge unter Gebüschen gegen 
Inzersdorf findet. Herr Dr. Reissek machte darauf aufmerksam, dass 
Salvia austriaca eine Wanderpflanze sei und führte als Beleg für diese 
Behauptung das rasche Erscheinen und Verschwinden dieser Pflanze 
an mehreren Lokalitäten , namentlich auf den Festungswerken von 
Olmütz an. Herr Juratzka bemerkte, dass die Sahna austriaca 
noch auf der Türkenschanze, aber nur mehr in wenigen Exemplaren 
vorhanden sei und meist vor der Blüthe gemäht werde. 



Herr Dr. Siegfried Reissek schilderte die Beschädigungen der 
Bäume durch Eisgang, und versprach , diese Abhandlung später in 
den Gesellschaftsschriften zu veröffentlichen. 



Herr Rogenhofe r übergab einen Aufsatz von Hrn. F. Schmidt 
über Helerogynis dubia (siehe Abhandlungen ) und begleitete denselben 
mit folgender Mittheilung : 

In den Sitzungsberichten der k. k. zool.-bot. Gesellschaft vom Jahre 
U.'iS habe ich pag. 107 des interessanten Fundes eines für unsere Monarchie 
Deueti Schmetterlinges als Heterogynis penella Hb. Erwähnung gethan. 



Dr. S. Reissek. Rog»uhofer. Dr. H. W. Reicliardt. 



67 



Von diesem Insekte nun war mein hochgeehrter Freund, Hr. Ferd. 
Schmidt in Siska heuer so glücklich, die ersten Stände aufzufinden und 
theilte mir seine Beobachtungen zur Veröffentlichung mit. Bezüglich 
der Lebensweise stimmen dieselben mit den Angaben Graslin's (in den 
Annales de la societe entomologique de France. 1. serie, tome 8, pag. 396 ff ), 
welcher in diesem Aufsatze H. penella unter dem Namen erotica als neu 
beschreibt, im Ganzen überein; doch ergaben sich bei genauer Vergleichung 
der kraineriseken Heterogynis mit der französischen penella einige Unterschiede 
in allen drei Stadien der Verwandlung, welche eben Hrn. F. Schmidt vor- 
laufig veranlassten dieses Thierchen als neu unter dem Namen Het. dubia 
ausführlicher zu beschreiben. Diese Verschiedenheiten scheinen mir jedenfalls der 
Erwähnung Werth, aber zur endgiltigen Entscheidung, ob wir es mit einer neuen 
Art oder blossen Lokalvaiietät zu thun haben, dünken sie mir vorderhand, 
wegen Mangel an hinreichendem Material noch zu wenig begründet. Unsere 
Heterogynis vom Rarste hat bei einer Flügelspannung von 11 W. L. (während die 
französische penella nur 9" misst) breitere Flügel, zottigere Behaarung und eine 
dunklere . weniger in's Röthliche fallende Färbung ; die Kammzähne der 
Fühler sind etwas länger und weiter von einander entfernt; das £ hat mehr 
schwarze Zeichnungen. Das Gespinnst der Puppe ist hier schmutzigweiss, 
bei penella blassgelb Die Raupe führt mehr schwarze Zeichnungen und es fehlt 
ihr das violettbraune Band der Bauchmitte; sie lebt auf Genista sylvestris 
Scop. Ende Mai erwachsen; penella nährt sich in Frankreich von Genista 
purgans, scoparia und sajittalis. 

Von hohem Interesse ist die Art und Weise des Eierlegens von Hetero- 
*,?<>. welche sehr an das Verfahren des Psychiden erinnert. Das Weib füllt 
nämlich die verlassene im Gespinnste befindliche Puppenhülse ganz mit Eiern 
an, so dass die jungen Raupen durch das Gespinnst sich hindurchdrängen 
müssen ; und sowohl Hr. Schmidt, dessen Güte ich mehrere $ Cocons ver- 
danke, als ich, waren ganz erstaunt, die für leer gehaltenen Gespinnste plötz- 
lich von einer Masse Räupchen belebt zu sehen. Sie gleichen den Zygaeniden 
Raupen im Habitus und Betragen , nur verfertigen sie sich ein loses ge- 
meinschaftliches Gespinnst, in das sie ihre Nahrung auch mit verweben, die 
gegenwärtig bei mir in Lactuca sativa und Sonchus oleraceus besteht. 

Die Beschreibung der jungen Raupe lautet : Kopf und Krallen glänzend 
schwarz . ebenso ist der Nackenschild gefärbt, welcher in vier Spitzen zu 
beiden Seiten des dunkel durchscheinenden Dorsalgefässes ausläuft. Körper 
blass schmutziggelb, dicht mit weisslichen Wärzchen besetzt, auf welchen 
schwarze, ziemlich lange Haare stehen. Bauch und Füsse etwas heller, letztere 
mit dunklen Hackenkränzen. 

Der Sekretär. Herr Dr. H. W. Reichardt legte ein von Hrn. 
Dr. Venturi eingesendetes Manuscript: „Beobachtungen über die 
Fructificationsorgane der Florideen vor und besprach daselbe. (Siehe 
Abhandlungen.) 



Sitzung am 1. August 1860. 



Vorsitzender : Hr. Präses-Stellvertreter Professor u. Director 

Dr. E. Fenzl. 

Neu eingetretene Mitglieder: 
P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

Schubert W. , Director zu Oberschützen 

Pinkafeld durch die Direction. 

Wilvonseder A., Director der Haupt- und 

Unterrealschule zu Stockerau .... Dr. Reichardt, A. Rogenhofer. 
Zebrawski Theophil, Ingenieur in Krakau . v. Czerviakovsky, v. Frauenfeld. 
Gebauer Julius, k. k. Kriegskommissär . Th. Lambert, y. Frauenfeld. 



Eingegangene Gegenstände: 

Im Schriftentausche. 

Bulletin de VAcademie imperiale des Sciences de St. Petersbourg. Tome 
I. Nr. 4-9. 4. 

J. F. Brandl, les especes de He'rissons de la Bussie. — Motschoulski, 
Coleopteres de la Songarie- — J- F. Brandt, sur V anatomie d' wie Girafe. — Id 
sur V anatomie du Moschus moschiferus- — J- F- Weisse, les diatomacees du limon 
d' Arensbourg etc. 

Memoires de VAcademie imp. des Sciences de St. Petersbourg. VII. Ser. 

Tome IL Nr. 1—3. Petersbourg 1859. 4. 
Programm des k. k. evangelichen Gymnasiums zu Teschen am Schlüsse 

des Schuljahres. 4860. Teschen. 4. 
Wochenschrift der Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in den 

k. preuss. Staaten für Gärtnerei und Pflanzenkunde. 1860. Nr. 

25—29. Berlin. 4. 

Jahresbericht der naturforschenden Gesellschaft Graubündtens. Neue 
Folge. 5. Jahrg. Chur 1860. 8.^ 

Killias, Beiträge zur rhaetischen Flora. — Heyden, zwei neue Schmetterlinge aus 
dem Ober-Engadin. — Anistein, dipterologische Beiträge. 
X. Programm des k. k. Gymnasiums in Bötzen am Schlüsse des Schul- 
jahres 1859/60. Bötzen 1860. 8. 



Eingesungene Gegenstande. 



69 



Atti delV imp. reg. Istituto Venefo di scienze, lettere ed arti. Tomo V. 

Serie III. Disp. 8. Yenezia. 8. 
Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 

Classe. 40. Bd. Nr. 9, 1 1 u. 12. Wien, 1860. 8. 

Hyrtl, über Wirbelsynostosen und Wirbelsuturen bei Fischen. — Weiss und 
Wiesner. Eisen in den Zellen der Pflanzen. — Schöbl, Typhloniscus, eine neue blinde 
Gattung der Crustacea Ttopoda. — Molin, trenta specie di Nematoidi. — Kolenati. 
Beiträge aur Kenntniss der Arachniden. — Frauenfeld R. v.. Diagnosen einiger neuer 
Inseeten. — Stur. Beiträge zu einer Monographie des Genus Astrantia. 
„Lotos." 1860. Mai, Juni. 

Mitteilungen aus dem k. k. zoologischen Institute der Universität Pest, 
veröffentlicht von C. B. Brühl. Wien 1860. 4. 

Nr- I. Lernaeocera gasterostei. — Nr. II. Phoca Holitschensis. 

Nowicki Max. Enumeratio lepidopterorum Haliciae orientalis. Leopoli 
1860. 8. 

Achter Bericht der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil- 
kunde. Giessen 1860. 8. 

Abhandlungen des zoologisch-mineralogischen Vereines in Regensburg. 
8. Heft. 

Jacke] A. J.. die baierischen Chiroptera. — Saussure, Note sur la famille des 
Vespides. 

Atti del R. Istituto Lombardo di scienze^ lettere ed arti. Vol. II. Fase. 

1. 2. 3. Milano 1860. 4. 
Mittheilungen der kais. kön. geografischen Gesellschaft. 3. Jahrgang 

3. Heft. Wien 1859. 
Bulletin de la Societe imperiale des Naturalistes de Moscou. 1860. Nr. 1. 

Moscou 1860. 8. 

Nordmann A., Vogelarten in Finnland und Lappland. — Trautvetter, Enumeratio 

plantarum songoricarum. — Robin Ch-, sur diverses especes d' Acariens. — Schati- 

loff und Borsenkow, über die Wanderungen üer'Gryllus migratorius. — Mora-witz F. 

eine neue Chrysomelida. — Liharzik Fr., Gesetz des thierischen Wachsthums. 
Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 

14. Jahrg. Neubrandenburg 1860. 8. 
Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften. Herausgegeben von 

dem naturwiss. Verein für Sachsen und Thüringen in Halle. 

Jahrg. 1859. Bd. 13 u. 14. Berlin 1859. 8. 



Mehrere 100 Glrspräparate von Diatomaceen. Geschenk des Herrn A. 
1 Grün ow. 

Mehrere Pflanzen für das Gesellschafts-Herbar von den Herren Dr. Low 
und Petter. 

Ein Fascikel Pflanzen aus Galizien. Geschenk des Hrn. Dr. Herbich. 



70 



Sitzung am 1. August 1860. 



Der Herr Vorsitzende legte die von zwei Censoren geprüfte und 
richtig befundene Rechnung für das Jahr 1859 der Versammlung 
vor. Die Versammlung erklärte einstimmig den Bericht der Censoren 
für genügend. 

Die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge eröffnete Hr. A. 
Neil reich, welcher folgende von Dr. Herbich eingesendete Manu- 
skripte besprach : 

1. Spicilegium florae Galiciae mit Bemerkungen zu demselben. 

2. Skizze einer Geschichte der Botanik in Galizien. 

3. Zur Geschichte der Belula oycociensis. 

Diese Aufsätze werden sämmtlich in den Abhandlungen erscheinen. 

Herr Dr. H.W. Reichardt sprach über das Alter der Laub- 
moose. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Joh. Bayer sprach über die Mannigfaltigkeit der Pflanzen-^ 
formen. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr J. Juratzka übergab eine Partie seltener, von Herrn 
Porta in Judicarien gesammelter Phanerogamen als Geschenk des 
Herren Ritt. v. Heu f ler für das Herbar der Gesellschaft und machte 
sodann mehrere botanische Mittheilungen aus Briefen, welche dem 
Herren R. v. Heufler in letzerer Zeit zukamen. 

a. In einem Schreiben des Herrn Baron v. Hausmann werden 
einige für die Tiroler Flora neue oder bisher zweifelhaft gewesene 
Arten zur Ergänzung des im Jahrgang 1858, Abh. p. 371 der Ge- 
sellschaftsschriften enthaltenen Nachtrages zur Flora Tirol'* in folgen- 
der "Weise erwähnt : 

\. Saoeifraga granulata L. Von Poll in i in Gräben der Stadt Trient 
und Verona angegeben, ist wirklich Tiroler Pflanze, und wurde 1859 häufig 
an Rainen in Vallonga bei Roveredo von Dr. Karl von Hepperger ge- 
sammelt und mir mitgetheilt. 



A. Neilreich. H. W. Reichakdti .1 Bayer 1 . J. Jurateka 



7 1 



2» Auena sterilis L. Von Maly in Tirol angegeben (aufweiche Auto- 
rität hin ist mir unbekannt) wurde nun ebenfalls von K. v. Hepperger 
einzeln bei Roveredo im Gebüsche an Abhängen aufgefunden und mir mit- 
getheilt. 

3. Calendula arvensis L. Auf Aeckern in Judicarien von Porta ge- 
bammelt und mitgetheilt. Von demselben erhielt ich auch im vorigen Jahre 
Hypericum Androsaemum, das er an der Tiroler Grenze (doch ausserhalb) 
in Vallarsa sammelte. Es ist somit Pollings Angabe wieder wahrschein- 
licher geworden, dem Facchini (in Bei che nb. Deutschi. Flora) gerne 
eine Verwechslung hätte unterschieben mögen. 

4. Cirsium rnontanum Rchb. exc. (Cnicus alsophilus Pollini, Cnicus 
montanus Bertoloni) z. Th. Cirsium rivulare der Südtiroler, von mir im 
Eggenthal gesammelt und in den Garten varpflanzt. Getrocknet besitze ich 
es aus mehreren Orten Südtirols.*) 

Das Acrostichon microphyllum B e r t o 1 o n i besitze ich von Bertoloni 
selbst sammt der Abbildung davon in dessen Miscellaneis botanicis XVIII.; 
es ist eine bereits früher beschriebene Art, nemlich Cheilanihes Szovitsii 
Fisch = fombriata Vis. war aber sicher nur aus Asien und Dalmatien 
bekannt. Leider ist mein Bertolonisches Exemplar nicht vom Baldo, es 
ist mir auch der nahe Standort am Baldo nicht bekannt, ob nämlich in 
oder ausser Tirol. 

b. Herr Gustav Venturi gibt in einem Briefe Nachricht über 
die Erfolge seines Botanisirens um Venedig : 

Im laufenden Frühlinge habe ich mich hier mehr als in anderen Jahren 
mit Phanerogamen abgegeben und dabei auch etwas gefunden, was für die 
hiesige sehr mangelhaft gekannte Flora einiges Interesse hat, so z. B. Leu- 
rijjam aestivum und Symphytum buluosum. Auch eine Ophrys traf ich auf 
Sandfeldern, welche mir bei der Bestimmung mehrere Schwierigkeiten ge- 
boten hat» Sie hat die Farbe der Blume die kahlen Zeichnungen der Honig- 
lippe von 0. aranifera, aber eine breitere Honiglippe, mit dem kahlen 
grünen aufwärts gebogenen Ankängseln und dem sanimt artigen innern Pe- 
rigonzipfeln der Ophrys arachnites. 

c. Herr M. v. Sardagna, welcher vor Kurzem eine botanische 
Reise nach Dalmatien unternahm , schreibt über die von ihm dort 
gemachten Entdeckungen : 



*) Herr Juratza macht hiezu die Bemerkung, dass diese Pflanze nach einem im kais. Museum (im 
Herb. Putterlik's) aufbewahrten Exemplare auch von Herrn R. v. Heut'ler im September 1838 „in silvis 
subalpinis prope Bozen" 'Scharte am Knnkofel 5i000 gesammelt wurde. (Siehe auch Her toi. Fi: it. IX 
P- M.) 

Bd. X. Sil« 15er. K 



72 



Sitzung mii 1. lüg»! IS60. 



Una Saxifraija del Triglav (presso il Biocovo) die ritrovoi al 24. Kaggio 
vien pure da Visiani ritenuta pet nuova. Fra lc cose curio>e da rae trovate 
sono il Itibes alpinum al confine d< 1 Montenero, nuova per tutta la Dalmazia, 

e la Malcolrnia Orsiniana B-ertol. propria degli Abbruzzi, Mtl Biocovo. 

d. Herr Dr. Bail in Posen beschäftigt sich gegenwärtig mit 
zwei mikroskopischen Arbeiten über Pilze. Eine hierauf Bezug habende 
Stelle eines Briefes an Ilrn. EL v. Heufler dürfte nicht allein für 
Freunde der Pilze, sondern auch für die Herren Entomologen von 
Interesse sein ; sie lautet : 

Für die eine derselben „Ueber die Entwicklungsgeschichte der auf 
todten Thieren leben deu Pilze" möchte ich Sie um Ihre gütige Unterstützung 
ersuchen, da Sie gewiss auf ihren Excursen interessanten Stoff dazu finden 
werden. Ausser Isarien auf den verschiedensten Inseeten (mehrere derselben 
stammen aus Tirol) habe ich in diesem Jahre zwei Hypoxylon- Arien , ein 
Stilbum und ein Sphaeronema auf Käfern und Puppen beobachtet u. zw. 
mehrere derselben in ihrer Zusammengehörigkeit und Entwicklung. Es wird 
die Jagd nach lebenden und todten Inseeten jeder Art, auch entwickelten 
Schmetterlingen, Bienen etc. jedenfalls und ganz besonders in den Alpen 
durch reiche Ausbeute belohnt werden. 

Sehr wünschte ich auch, dass wir die von Robin abgebildeten Pilze 
Stilbum Buquetii auf Rüsselkäfern und die interessanten Laboulbenien des- 
selben Autors, die auf Schwimmkäfern (Gyretus sericeus Lab.) und Bombadir- 
käfern {Brachinus crepitans etc.) beobachtet worden, für Deutschland, wo 
sie gewiss nicht fehlen, auffänden. 

Endlich legte Herr Juratzka im Namen des Herrn Sections- 
rathes Ritt. v. H e ü f 1 e r die ersten fünf Druckbogen des N o m e n- 
c 1 a t o r F u n g o r u m von Dr. S t r e i n t z , und die zwei ersten 
Lieferungen der Parerga lichenologica von Dr. G. W. Kör b e r 
zur Ansicht vor. 

Der Nomen dato r, dessen Einrichtung Herr R. v. H e u f 1 e r 
bereits bei einer früheren Gelegenheit besprach, enthält in diesen 
fünf Bogen den Buchstaben „A" bis Agaricus personatus Fries. 
Die glückliche Wahl der Lettern und die, leichte Uebersicht gewährende 
Anordnung des Satzes nach den von Herrn R. v. Heufler gegebenen 
Rathschlüssen machen dieses, einem längst gefühlten Bedürfnisse entr- 
sprechende Bucli ganz vorzüglich für den bequemen praktischen Ge- 
brauch geeignet. 

Die Parerga lichenologica enthalten in den beiden Lieferungen 
eine grosse Zahl von Körb er neu beschriebenen Arten, unter welchen 



.!. Juratzka. 



73 



sich folgende 23 grösstentheils bisher nur in Oesterreich gefundene 
befinden *) : 

Parmelia endococcina Kbr., an Porphyrfelsen bei Bötzen in Tirol von 
Bar. v. Hausmann gesammelt (Hbr. Heufler). 

Evdocarpon intestini forme Kbr. , am Lüner See in Vorarlberg in 6 — 
7000 Fuss Hohe von Grafen zu Solms, und an feuchten Felsen am Rande 
der Schneefelder auf der Hochalpe um das Bad Fusch in Tirol von Metzler 
gesammelt. 

Pannaria craspedia Kbr., an alten Baumrinden bei Görz in Istrien 
von Doblika aufgefunden (Hbr. Heufler). 

Acarospora Heufleriana Kbr., an Porphyrfelsen des Hörtenberges bei 
Bötzen von R. v. Heufler gesammelt. 

Acarospora rugulosa Kbr., an Glimmerschiefer bei Mittersill in Tirol 
(Metzler), an Granit auf den Bieberstein en bei Warmbrunn in den Sudeten 
(Körb er). 

Candelaria steropeum Kbr., an Porphyr um die alte Kirche Perdoneg 
und um den Wasserfall bei Korb in Tirol (v. Heufler), auf Wiener Sand- 
stein am Gusterberge bei Kremsmünster in Oberösterreich (Dr. Poetsch). 

Rinodina biatorina Kbr., an Basalt der kleinen Schneegrube in den 
Sudeten (Kör bei). 

Lecanora complanata Kbr., an Basalt der kleinen Schneegrube von 
Körb er 1855 entdeckt. 

Lecanora Bamberg eri K b r., auf Porphyr und Granitfelsen in der mitt- 
lem Kastanienregion bei Meran in Tirol von Bamberger gesammelt. 

Aspicilia micrantha Kbr., auf rothem Thonschiefer in Istrien von 
Biasoletto aufgefunden (Hbr. Vindob.). 

Aspicilia microlepis Kbr., am Basalt der kleinen Schneegrube in den 
Sudeten von Köber aufgefunden. 

Aspicilia stictia Kbr., auf feuchten Granitfelsen des Lomnitzerf alles 
in der Melzergrube in den Sudeten von Körb er 1858 gesammelt. 

Secoliga biformis Kbr. An feuchten Stellen des Basalts der kleinen 
Schneegrube in den Sudeten (Körb er). 

Bacidia caerulea Kbr. Aus Eperies in Ungarn von Herrn Haszlinzsky 
gesandt. 

Biatorina diaphana Kbr., an stets überflutheten Granitblöcken in dem 
von der weissen Wiese im Riesengebirge nach dem kleinen Teiche herab- 
fliessenden Sturzbache, 1856 von Körb er gesammelt. 

Biatora Pottschiana Kbr., vom Hochkahr in Nieder-Oesterreich von 
Dr. Poetsch gesammelt. 

Biatora geochroa Kbr., von Körb er auf der Schneekoppe gesammelt. 

*) Die Standorte der kleinen Schneegrube, als an der Grenze gelegen , wurden hier ebenfalls auf- 
genommen. 

K* 



74 



Sitzung am 1. August 1860. 



Bilimbia borborodes Kbr., an Nußbäumen um Kirchberg bei Krems- 
münster in Ober-Oesterreich von Dr. Poetsch. 

Bilimbia syncomista Kbr., Schneekoppe und kleiner Teich im Biesen« 
gebirge ; am Kaisersteine auf dem Schneeberge (v. Heufler). Früher als 
Var. terrestris der Bilimbia Miliaria Körb. 

Diplotomma venustum Kbr., in den Karpathen (Haszlinz*kyJ. 

Buellia tirolensis Kbr., an Granitblöcken im Naif'thale bei Meran von 
Bamberger 1853 gefunden (Hbr. Heufler). 

Buellia bryophila Kbr., in Felsspalten über Moosen unterhalb des 
Gipfels der Schneekoppe in den Sudetnn (Kbr.). 

Buellia chloroleucalLhi., an Fichten in Gebirg.swäldern um den Zacken- 
fall in den Sudeten von Körb er aufgefunden. 

Herr Georg Ritter v. Frauenfeld theilte einen Brief von 
Hrn. Dr. Johann Egger mit, worin derselbe einen Aufsatz als Fort- 
setzung seiner Beschreibungen neuer Dipteren an- 
kündigt und ihn für die Abhandlungen zu liefern verspricht. Diese 
Arbeit wird Arten aus den Gattungen Syrphus, Me/anostorna, Brachy- 
palpus , Chrysochlamys , Myalropa, eine neue Sibistroma und diag- 
nostische Bemerkungen über Gattungen und Arten aus der Familie 
der Syrphiden enthalten. 



Ferner schilderte Herr von Frauen fei d den Aufenthalt der 
Novara in Valparaiso. (Siehe Abhandlungen.) 



Schliesslich begrüsste der Vorsitzende, Herr Pr. Fenzl im Namen 
der Versammlung den Herrn Hofrath Reiche nbach aus Dresden, 
welcher die Sitzung mit seiner Gegenwart beehrt hatte, auf das herz- 
lichste mit einer Ansprache , in der er die vielfachen und grossen 
Verdienste des hochgeschätzten Gastes auch um die Flora Oester- 
reichs besonders hervorhob. Herr von Reichenbach dankte für den 
ihm gewordenen freundlichen Empfang und hob hervor, dass es schon 
lange sein Wunsch gewesen , die Botaniken Wiens , welche ihm so 
viele Beiträge zu seiner Flora geliefert hätten , persönlich kennen zu 
lernen. Leider sei er immer bis jetzt verhindert worden , diesen Plan 
auszuführen. Schliesslich sprach er noch seinen wärmsten Dank für 
für den ihm von unserer Gesellschaft übersendeten Glückswunsch zu 
seiner 50jährigen Jubiläumsfeier als Vorstand der Isis aus. 



Sitzung am 3. October 1860. 



Vorsitzender : Herr Vicepräsident August Neilreich. 

Neu eingetretene Mitglieder: 
P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

Böck Joh., Steueramts-Bearuter in Marburg Jos. X. Spitzy, G.v. Frauenfeld. 
Hein Theod., Pharmaceut in Wien .... Isidor Hein, Dr. Reichardt. 
Stölzl Carl. Lehramtscandidat in Wien . . Pt. Kolbe, Dr. Reiche rät. 
Jlüllner Alfons. Lehramtscandidat in Wien . Dr. Reichardt. G. v.' Frauenfeld. 
Preuer Friedrich , k. k. Bezirksvorstand in 

Hofgastein A. v. Letocha, G. v. Frauenfeld. 

Purkyne Emanuel . Lehrer d. Xaturgesch. 

an d. böhm. Forstschule zu Weisswasser G. v. Frauenfeld, Dr. Reichardt. 
Schlotthauber Dr. Aug. Friedr., in Göttingen G. v. Frauenfeld, Dr. Reichardt. 



Eingegangene Gegenstände: 

Im Schriftentausche. 

3J. u. 37. Jahresbericht der schlesiscben Gesellschaft für vaterländ. 
Kultur- Arbeiten im Jahre 1833 u. 1859. Breslau. 4. 

Etudes entomologiqu.es redigees par Victor de Motschoulsky. 7. etS.annee. 

Helsingfors 1858, 1859. 8. 
Xaturkundig Tydechrift voor Xederlandsrh Indie. Deel XX. Batavia. 

185.9. & 

Atti della societa italiana di scienze naturali. Vol. II. fasc. I Milano 
1860. 8. 

Strobel, Sulla distribuzione oro-geografica dei molluschi in Lombardia. — 
Rondani, De gencre Btrtea. — Erra, Sul Phalaropus platiirhynchus ; Odonatologiae 
brixiensis prodromus- 

Motschulsky Vict. Enu,, t eraJtion des nouvelles especes de Coleopteres. 
Moscou 1859. 8. 

Atti delV imp. real, istituto veneta di scienze , lettere ed arti. Tomo V, 
Serie III. Dhp. 5 e 7. Vene:ia 1860. 8. 
Massalovgo. *h £ h*n Clrnjmtrix nolitangere. 
Sil«. -Her. Bd I i 



Sitzung am 8. October 18G0. 



Entomologische Zeitung. Herausgeg. von dem entomologischen Vereine 

zu Stettin. 8—13. Jahrg. Stettin 1847—52. 8. 
Cornalia Em. Illustrazione della mumia peruviana esU&ewt* ntl 

civ. museo di Milano. Mlano 1860. Fol. 
Wochenschrift des Vereines zur Beförderung des Gartenbaues in Preus^cn. 

Nr. 25—29, 31-33, 35. Berlin 1860. 4. 
Fritsch K. Phänologische Beobachtungen aus dem Pflanzen- und 

Thierreiche. 8. Heft. Jahrg. 1857. Wien 1860. 8. 
Nouveaux Memoires de la SeeietS imperiale des Natural Utes de M> > 

Tome XI1L Lim. 1. Moscou 1860. 4. 
Neunter Jahresbericht der k. k. Ober-Realschule in Linz. Studienjahr 

1859/60. Linz 1860. 4. 
Programm der k. städt. Unter-Realschule in Ungarisch-Hradisch. Brünn. 

1860. 4. 

Kleine Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Emden. VI. u. 

VII. Emden 1860. 4. 
Programm des Benedictiner - Obergymnasiums zu Oedenburg für das 

, Schuljahr 1860. 4. 
Zehntes Jahresprogramm der Ober-Realschule in Pressburg. PressbuTg. 

1860. 4. 

Kornhuber G.. Die Gefässpiianzen der Pressburger Plera. l! ibtteft 
Zehntes Programm des kathol. Obergymnasiums zu Ungvar. Schuljahr 
1860. Kassan. 4. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Matlu-naturvv. 
Classe. Nr. 6, 15, 16, 17. Wien 1860. 8. 

Pelzein A. v., Zur Ornithologie der Insel Norfolk. — Schreiber, Anatomie und 
Physiologie der Oestriden-Larven. 

Pi'Ogramma ddV I. R. Ginnasio liceale di Udine pe? l'anno 1809/60. 8. 
Dreizehnter Bericht des naturhistorischen Vereins in Augsburg. 1860.8- 
Bulletin de la Societe imp. des Naturalisten de Moscou. Annee 1860. 
Nr. 2. 8. 

Trautvetter, Emmeratio plantanm songoricarum. — Regel E., Ueber Viola 
epipsilea Leib. — Motschoalshy, Nouvelles e.ipeces de Cole'opt&res. 

Gemeinnützige Wochenschrift. X. Jahrg. Nr. 1 8— 35. Würzburg. 1860.8. 
Würtembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte. 16. Jahrg. 2. u. 3. 
Heft. Stuttgart 1860. 8. 

Finckh, Beitrage zur wiirtemberg. Flora. — Nördlinger, Notiz über eineFormica. 

Jahresbericht der Ober-Realschule in Ellbogen für das Schuljahr 1860. 
Prag. 4. 

Programm des evang. Gymnasiums in Teschen. 1 860. 4. 
Jahresbericht über die k. k. Ober-Realschule zu Olmütz. Schuljahr 
1860. 4. 

Makowsky, Die Sumpf- und Uferflora von Olmütz. 
Observations des Phenomenes periodiques. 4. 



Einffo^anpone Gegenstände. 



77 



Bericht über die Gründung des landwirthschaftl. Vereines zu Nassau. 4. 
Memoires of the Utero ru and philosophical soeiety of Manchester. Second. 

serie. L~> Vol. pari 2. London 1860. 8. 
Jahresbericht des Vereines für siebenbürgische Landeskunde für das 

Vereinsjahr 1859 — 60» 
„Lotos." X. Jahrg. 1860. Mai bis August. 

X. Programm dss Gymnasiums zu Bozen am Schlüsse des Schuljahres 
1859-60. 

Saussure. Note sur la Familie des Vespides. 8. 
Tu ss C. Leist us uracilis und alpicola. 8. 

— Die Tasterkäfer, Palpicornia, Siebenbürgens. 
Bulletin mensuel de la Societe imperiale zoologique d' Acclimatisation. 

Tome VII Nr. 7. 1860. 8. 
28. Jahresbericht der naturforsch. Gesellschaft in Emden 1859. Emden 
1860. 8. 
Vom Verfasser. 

Villa Ant. Sui Curculioniäi dalV agro Pavese. Milano 1860. 8. 
Villa Ant. Relazione sulla Monografia degli Vnii della Francia, 
Milano 1860. 8. 

Zebrawski T. Die Schmetterlinge um Krakau. Krakau 1860. 8. 
(Pohlnisch.) 



Anschluss zum Schriftentausch : 
Verein für Naturkunde zu Offenbach am Main. 



20 Stück ausgestopfte Vögel und 530 Käfer zur Vertheilung an Lehr- 
anstalten von Herrn Ad. Schwab. 

Insekten für Lehranstalten, von Herrn W. v. Macchio. 

Mehrere ausgestopfte Amphibien, ein menschliches Skelett, eine 
grosse Sammlung Schmetterlinge (1557 Arten) von Herrn 
Dr. J Giraud. 

Eine Partie Orthoptera von Herrn Rud. Türk. 

Eine Suite siebenbiirger Conchylien von Herrn Bergrath Ritt v. Hauer. 
W) Arten Flechten für das Herbar, 120 Arten Flechten für Schulen, von 

Pr. Hasz linsky. 
Mehrere Arten Flechten für das Herbar von Dr. J. S. Poetsch. 



L 



78 



Sitztmg am 3. Ortober 1800. 



Herr Dr. Nyman in Stokholm hat durch iirn. Dr. A. Skofitz 
der zoologisch-botanischen Gesellschaft ein Kxemplar sehte* Werkes 
„Sylloge Florae europeae" mit der Bitte überreicht, dasselbe 
in der Versammlung vorzuzeigen und zu bemerken, dass Exemplare 
um den ermässigten Preis von 6 fl. (Ladenpreis 10 fl.) bei der Re- 
daction der „österr. botanischen Zeitschrift" zu haben sind. 



Als Candidaten für die am 7. November 1860 stattfindende ' 
Wahl von 20 Ausschussräthen werden von der Direction der Gesell- 
schaft folgende Herren bezeichnet : 

P. T. Herr Bach Dr. August, Bayer Jon., Beer Jos. G., Brauer 
Friedrich, Braunhofer Ferdinand, Brunner Carl von Wattenwy], 
Czermak Johann, Felder Dr. Cajetan, Fenzl Dr. Eduard, Finger Jul., 
Fitzinger Dr. Leopold, Foetterle Franz, Fritsch Carl, Haberler Dr. 
Franz Ritter von, Hauer Franz Ritter von, Heller Carl, Hingenau Otto 
Freiherr von, Hörnes Dr. Moriz, Kerner Josef, Kner Dr. Rudolf, Ko- 
petzky Dr. Benedict, Kotschy Dr. Theodor, Kreutzer Carl, Letocha 
Anton Edler von, Marschall Graf August, Neilreich August, Petter 
Carl, Reissek Dr. Siegfried, Rogenhofer Alois, Schlecht Dr. Leopold, 
Schönn Moriz, Schröckinger- Neudenberg Julius Ritter von, Sed- 
litzky Wenzl, Weiss Dr. Adolf. 



Von dem Comitee für Heuglin's Expedition nach Africa ist an 
die Gesellschaft eine Einladung zur Theilname an der für dieses 
Unternehmen eröffneten Subscription eingesendet worden. Jene Herren, 
welche Beiträge zu zeichnen gesonnen sind, mögen dieselben freund- 
lichst der Direction übergeben. 



Herr Isidor Hein eröffnete die Reihe der wissenschaftlichen Vor- 
träge mit folgender Mittheilung: 

Ich erlaube mir der geehrten Versammlung einige kleine Beiträge 
zur Flora von Nieder-0 esterreich mitzutheilen : 

1. Cirdum oleraeeo-rivulare D C. pr. — Dieser in unserem Floren- 
gebiete bisher noch nicht beobachtete Bastard findet sich auf denselben 
cirsienreichen Sumpfwiesen hinter Neuwaldegg, welche als ergiebiger Stand- 
ort von Cirsium cano-oleraceum bekannt tind. 



Dr. Nyman. Candioatenliste. Subscriptiou. Isid. HVin. 



79 



Er erscheint lediglich in zwei ziemlich beständigen Formen: 

Die eine blüht im Juli mit C. oleraceum und ist sehr selten. Sie ist 
die Pflanze, die als C. praemorsum Michl. cursirt und schon an vielen Orten 
ausserhalb des Gebietes gefunden worden ist. Sie hat gelbe Blüthen, an der 
Spitze abstehende und kurzdornig - stachelspitzige Hüllkelchblättchen und 
nähert sich dem C. oleraceum auch in Höhe und Blattgestalt ; aber die obere 
Hälfte des Stengels ist entfernt-beblättert, die lanzettlichen, dornig-gezähnten 
Deckblätter sind Ton der Farbe der Stengelblätter und die Köpfchenstiele 
sind wollig, wie bei C. rivulare. 

Die zweite Form erscheint am zahlreichsten im September, wenn C. 
rivulare zum zweiten Male blüht , hält meist einen bestimmten Typus ein 
und ist sehr häufig. Sie deutet durch die Farbe und Gestalt der Köpfchen 
und durch die Form der Hüllkelchblättchen auf C. oleraceum, nähert sich 
aber in der allgemeinen Tracht, in der Höhe, in der Stellung der Köpfchen 
und in der Blattgestalt dem C. rivulare oft <?o sehr , dass man die Spiel- 
arten des letztern daran unterscheiden kann. 

In Hinsicht der Länge der Corolle (8 Vi— 8 3 /4"') hält die Pflanze die 
Mitte zwischen beiden Stammarten. 

% Nasturüum amphibio-silvestre Neilr. in den Verhandl. d. zool.-bot. 
Ver. 1851 p. 128. Findet sich mit den mutmasslichen Stammeltern sehr 
häufig zwischen Lanzendorf und Himberg in zahlreichen Formen, welche 
die Ansicht, diese Pflanze sei eine hybride, immer wahrscheinlicher machen. 
Wurde sie bisher in Nieder- Oesterreich nur in Formen, die dem N. amphi'oium 
näher stehen, gefunden, so sammelte ich nebst diesen auch Formen , welche 
in der Tracht und Blattgestalt dem N. silvestre sehr nahe stehen und sich 
von ihm nur dadurch unterscheiden, dass der Stengel weniger und meist 
erst oben ästig ist, die Blattzipfel breiter und die Schötchen lineal und 
dreimal kürzer als der Stiel sind. 

3. Lathyrus NissoUa L. Häufig auf unbewaldeten^ buschigen Plätzen 
auf der Höhe des Rosskopfs bei Xeuwaldegg unter Rosen und Weiden. 

4. Sarotkamaus vulgaris Wimm. Gemein im Eichenwäldchen bei 
Vöslau, spärlich zwischen Kierling und Hadersfeld. 

5. Maina moschata L. Auf Ackerrändern zwischen Dornbach und 
dem Gallizin. 

6. Jasione montauaL. Auch auf Sandstein häufig. Von Greifenstein über 
Hadersfeld, Gugging, Hintersdorf bis Kirchbach. 

7. AchilUa uobÜis L. Hinter Ebersdorf an der Donau. 

8. Xeranthemum annuum L. Heuer massenhaft zwischen Grinzing, 
Sterling und dem Himmel. 

9. Ornilho<jalur,i no.rl>onen?c L. Auf Kleefeldern bei Hernais. 



80 



Sitzung am 3. Oftober 1SG0. 



Herr A. Rogenhofer legte ein Manusoript von Hrn. Feri 
Schmidt in Laibach: lieber neue Höhlenkäfer, vor und besprach 
dasselbe. (Siehe Abhandlungen). 

Herr J. Juratzka übergab der Gesellschaft im Namen des 
Herrn Dr. Poetsc h in Kremsmünster für das Herbar die in Körber's 
„Parerg. lichenologica" pag. 65, 147 und 146 beschriebenen: Calio- 
pisma steropeum Kbr. nov. spec. , Biatora Poetschiana Kbr. nov. 
spec, Bilimbia borborcdes K b r. nov. spec. und die in R a b e n h o r s t's 
„Fung. europ. edit. nov." Ser. II. Nr. 183 vorkommende Puccinia 
Maydis Poetsch nov. spec. 

Callopisma steropeum kommt auf Diorit und Wiener Sandstein 
in Gundendorf am Gusterberg bei Kremsmünster vor; Biatora Poet- 
schiana wurde von Dr. Poetsch am 20. August 1858 auf der Heu- 
mauer des Hochkar bei Lassing in Niederösterreich aufgefunden in 
Gesellschaft der Biatora cuprea Smmf., der sie zunächst verwandt 
ist. Bilimbia borborodes wurde von ihm bei Kremsmünster zuerst an 
Nussbäumen in Kirchberg im Jahre 1855 beobachtet, hierauf auch hie 
und da häufig an Stämmen von Birnbäumen, ja in besonders schöner 
Entwicklung auf einem alten Brete beim Schmiedhause im Markt 
Kremsmünster gefunden. Puccinia Maydis wurde von ihm am 20. Oc- 
tober 1859 auf den Blättern von Zea Mays L. am oberen Hoffelde 
bei Kremsmünster entdeckt und als neue Art an Raben hörst ein- 
gesendet. Sie steht zwischen Puccinia Graminis Pers. und P. arun- 
dinaria Hedw. F. und wird in der in baldiger Zeit erscheinenden 
Aufzählung der oberösterreichischen Kryptogamen , an welcher Dr. 
Poetsch und Dr. Schiede rmayer eifrig arbeiten, ausführlich 
beschrieben werden. 

Ferner theilte derselbe neue Beiträge zur Moosflora Nieder- 
österreichs mit. (Siehe Abhandlungen.) 

Herr Josef Kern er schilderte die Florades grossen Göllers 
und versprach, diesen Aufsatz in den Verhandlungen der Gesellschaft 
zu veröffentlichen. 



A. Rr-genhofer. J. Jiiralzkn J.K'erner. J. Sapetza. Dr. H W. Reich ardt. A. Neilreich. öl 

Herr J. Sapetza lieferte neue Beiträge zur Flora von Mähren 
und Schlesien. (Siehe Abhandlungen.) 



Der Secretär . Herr Dr. H. W. Reich ardt legte Mass a- 
longo's „Catagraphia nonnullarum Graphidearum brasiliensium" vor 
und besprach sie. (Siehe Abhandlungen.) 



Ferner zeigte derselbe lebend Aapidium Thelypteris S w. vor. Dieser 
bisher für die Flora von Xiederösterreich zweifelhafte Farn findet 
sich an einer kleinen sumpfigen Stelle auf den Wiesen am Fusse des 
Troppberges bei Tulnerbach vor. Leider gelang es nicht, an diesem 
Standorte fruchtende Wedel zu finden. 



Schliesslich legte der Vorsitzende, Herr A. Xeilreich noch 
Lycopodium complanatum L.. Cirsium eriophonim Scop. und Hy- 
pericum Inimifusum L. vor. Diese Pflanzen wurden sämmtlich von 
Hrn. Dr. Robert Rauscher in der Xähe von Pressbaum gesammelt. 



Sitzung am 7. November 1860. 



Vorsitzender : Herr Vicepräsident Dr. Moritz Hörnes. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Heim 
Habel Dr. Franz, Stadt- und Badearzt 

in Baden .... v. Pelzeln, G. y. Frauenfeld. 

Kobany Franz, Hochw., Piaristen-Ordens 

Priester in der Josefstadt Dr. Reichardt, J. Steininger. 

Koss Franz, Pfarrer in Boldan in Ungarn A. Borecz, F. Studnicka. 
Schirek Ernst, Abt zu Neureisch, Prämon- 

stratenser Chorherrnstift Josef Wessely, G. v. Frauenfeld. 

Stenzl Anton, Hörer d. Medicin in Wien . J. Steininger, Dr. Reichardt» 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausch : 

Nova acta reg. societatis scientiarum Upsaliensis. Ser. III, Vol. II. 
fasc. posterior. Upsaliae 1858. 4. 

Hammer, Monographia generis Fumariarum. — Fries, Monographia Stereo- 
caideorum et Pilophororiim. 

Wochenschrift des Vereines für Gärtnerei und Pflanzenkunde. Berlin 4. 

Nr. 3G-42. 

Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg. 3. Folge. 9. Heft. 
Innsbruck 8. 

Jaarbock van de koninklijke Akademie van Wetenschappen te Amster- 
dam 1859. 8. 

Verslagen en Mededeelingen der kon. Akademie van Wetenschappen. 

Afdeeling Letterkunde. 5. Deel. — Afd. Naturkunde 10. Deel. 
Catalogus van de JBoekerij der kon. Akademie van Wetenschappen te 

Amsterdam. 1. Deels 2. Stuck. Amsterdam 1860. 8. 
Arsskrift utgifven af kon. Vetenskaps-Societeten i Upsala. 1. Jahrg. 

Upsala 1860. 8. 
Durand. Memoir of the late Thom. Nuttal, Philadelphia 8. 



Eingesungene Gegenstände. 



83 



Neues lausitzisches Magazin. 37. Bd. I. u. 8. Doppelheft. Görlitz 1860. 8. 
Fries El. Monographia Hymenomyretum Sueciae. Vol. 1. Upsaliae. 
1857. 8. 

Boston journal of natural history. Vol. 7. Nr. 1. Boston 1859. 8. 
Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. 41. Bd. Nr. 
18. u. 19. 

Berichte über die Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu 
Freiburg. 

Bulletin de Vo.ca3.emie imperiale des sciences de St. Petersbourg. Tome 
U. Nr. i, 2, 3. Petersbourg 1860. 4. 

Brandt J. F. Rapport sur un squdette de Mastodon. 

31emoires de V acadxmie itnp. des sciences de St. Petersbourg. VII. Ser. 

Tome II. Nr. 4-7, Tom. III. Nr. 1. Petersbourg 1860. 4. 
Borszczow E. Die Aralo-caspischen Calligoneen. 
Dreizehnter Jahresbericht der Ohio Staats - Landbaubehörde. Für das 

Jahr 185S. Columbus 1859. 8. 
Report of the commissioners of pa'ents agricultur. For the ycar 1858 

and 1859. Washington 1859, 1860. 8. 
Annual report of the loard of regents of the smithsonian Institution. 

For the year 1*57 and 1858. Washington 1858, 1859. 8. 
Procc:dings of the Elliot society of natural his'ory of Charleston. Vol.l. 

Charleston 1859. 8. 
Pr reedings of the acade.ry of natural sciences of Philadelphia. 1859. 

Pag. 20- 27. 1860. Bog. 1-6. 
Verhandlungen und Mittheilungen des siel enbürg. Vereins für Natur- 

w:s>enschafi:en zu Herrmannstadt. Jahrg. XV. 1860. Nr. 1 — 6. 
Berliner entomologische Zeitschrift. 4. Jahrg. 1860. Berlin. 8. 
Le Conte John L. The coleoptera of Kansas and eastern New-Mexico. 

Washington 1860. 4. 
Sitzungsberichte der k. sächs. Gesellschaft Isis zu Dresden. Dresden 

1860. 8. 

..Ferdinandeum." 28. Bericht des Vervaltungs-Ausschusses für d. Jahr 
1857— 1859. Innsbruck 1860. 8. 
Vom Verfasser. 

Jos st Fr. Obstbaukunde. 2. Aufl. 1860. 8. 

A ldefeld. Die Bienen -Flora Deutschlands und der Schweiz. Darm- 
stadt 1856. 8. 

Nylander W. Ad vegetationem lichenosam Heising forsiae, Savolaxiae 

et Alandiae Addenda. HeUingfors 1859. 8. 
Reimsch P. Frd. Anatomisch-physiologische Fragmente. Halle. 1859.8. 

— Beiträge zur chemischen Ker.ntniss der weissen Mistel. Erlangen 
1860. 4. 

— Ueber den Bau und die Entwickelung der Blätter und Schläuche 

von Utricularia vulgaris. 4. 
Siti -ßcr. lid. X V 



84 



Sitzung am 7. November 18G0. 



Vom Verfasser durch die gütige Vermittlung- des Herrn Hofrathes Haidinger. 

Venturi Ant. I miceti delV agro bre&eiamo, Fase» 1—5. BresHa 1860. 
Fol» c. 54 tav. 

— Sullo sviluppo della Botrytis Bassiana. Brescia 1851. 8. 

— Nozioni sopra gli Imenorniceti di Mvntagne. Brescia 1844. 8. 

— Delle fungaje artißciali e dello sviluppio dei funghi. Brescia 
1848. 8. 

— Avvellenamenti ocoorsi nelV autunno dei 1855 per commestione. 



Cryptogamcn und Phanerog amen von Herrn Friedr. Veselsky. 

Insekten von Herrn Dr. Gustav Mayr. 

Pflanzen aus Holland von Herrn R. v. Schröckinger. 



Der Vorsitzende Herr Dr. Hörn es ernannte zu Scrutatoren 
für die in dieser Sitzung stattfindende Wahl von zwanzig Ausschuss- 
räthen die Herren Kreutzer, Lang und Strohmeyer. 



Der Secretär Herr Georg Ritter v. Frauenfeld las folgenden 
an ihn gerichteten Brief des Herrn Hofrathes W. Haidinger: 

Hochverehrtester Herr und Freund ! 

Ich habe die Ehre beifolgend eine Anzahl von Druckschriften des 
Herrn Antonio Venturi in Brescia für die zoologisch-botanische Gesellschaft 
zu freundlich-wohlwollender Aufnahme zu überreichen. Es geschieht diess im 
Namen des hochverdienten Herrn Verfassers derselben selbst , nur habe ich 
die Wahl unter den in diesem Augenblicke so strebsamen wissenschaftlichen 
Gesellschaften und Instituten unserer Kaiserstadt getroffen , indem er keine 
namentliche Bezeichnung beifügte, sondern nur wünschte , ich sollte sie jener 
Gesellschaft übergeben , welcher die Werke nicht unangenehm sein dürften 
(„a quella accademia alla quäle non potesse essere discara in codesta Metro- 
poli"). Die zoologisch-botanische Gesellschaft ist diess durch die freundlich- 
wohlwollende Theilnahme, welche sie auch solchen Werken Schenkt, die 
nicht innerhalb ihres eigenen Kreises an das Licht getreten sind. 

Ich selbst bin Herrn Venturi recht sehr für das freundliche Wohlwollen 
verpflichtet, dass er mich zur Ueberreichung seiner Schriften ausersehen, ich 
darf wohl einige Augenblicke auf der Veranlassung dazu verweilen, da auch 
diese eine Gelegenheit gibt , dem hochverehrten Geber meinen Ausdruck des 
verbindlichsten Dankes darzubringen. 



Dr. HGmes. G. v. Frauenfeld. 



85 



Von einem hochverdienten Gönner und Freunde, Herrn Giulio Curioni, 
Viceprasidenten des k. Lombard. Institutes in Mailand hatte ich ein Exemplar 
eines werthvollen Berichtes über den Meteorsteinfall von Trenzano bei Brescia 
am 12. November 1856 erhalten, in welchem sich die Angabe fand, dass Herr 
Antonio Venturi in Brescia im Besitze aller Meteoriten oder doch eines grossen 
Theiles derselben sei. Die Correspondenz , welche ich nun sogleich mit ihm 
eröffnete, führte zudem höchst erfreulichen Ergebniss der freundlichen Ueber- 
sendung eines Bruchstückes für das k. k. Hof-Mineraliencabinet, über welches 
i?h in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
für 1860, BandXLI, Seite 570 Nachricht gab. 

Ich habe dort des wohlthuenden Gefühles gedacht , hervorgebracht 
durch ,,die freundliche Gestaltung wissenschaftlicher Interessen inmitten so 
mancher nachtheiliger Einflüsse politischer Umstürze". Aber Herr Venturi 
ist auch ein langjähriger, eifriger, wahrer Naturforscher. Seine Schriften, 
welche ich hier zu überreichen die Ehre habe, gehen bis in das Jahr 1844 
zurück, der Welt der Pilze gewidmet, über die Hymenomyceten , Cultur 
der Pilze, Entwicklung des Traubenpilzes, Vergiftung durch Pilze im Jahre 
1855, endlich das grosse schöne Werk mit Abbildungen der Pilze in natür- 
licher Grösse , auf 54 Tafeln , nach Beobachtungen der Exemplare, wie sie 
im Gebiete von Brescia gefunden wurden, das, wie er in dem Vorworte 
hervorhebt, so reich an Producten ist, dass es ziemlich alle hervorbringt, 
welche von den Botanikern innerhalb der grossen Ausdehnung vom baltischen 
bis zum rothen Meere beschrieben waren. 

Unseren hochverehrten, des Gegenstandes selbst mehr kundigen Herren 
Collegen, muss ich die nähere Würdigung des wissenschaftlichen Inhaltes 
überlassen, aber ich wünschte mit innigstem Danke von meiner Seite diese 
freundliche Gabe des hochverehrten Verfassers als eine Fortsetzung seiner 
früheren wohlwollenden Theilnahme zu bezeichnen, und bitte Sie, hochverehrter 
Herr Secretär, selbe in diesem Sinne auch unserer hochverdienten Gesellschaft 
gewogenst vorlegen zu wollen. 

Mit ausgezeichnetster Hochachtung Euer Hochwohlgeboren 

ergebenster Diener und Collega 
W. Haidinger. 

Herr Dr. Hörne s nahm darauf das "Wort, hob die vielfachen 
Beweise der Anerkennung hervor, welche der Herr Hofrath Haidinger 
der Gesellschaft bei jeder Gelegenheit zu Theil werden liess und 
furderte schliesslich die Versammlung auf, dem Herrn Hofrathe Hai- 
diuger für seine vielfachen früheren Verdienste und speciell für das 
letzte so werth volle Geschenk ihren Dank durch Erhebung von den 
Sitzen auszudrücken. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. 



M* 



86 



Sitzung am 7. November 1859. 



Mit dem V e n t u r i'schen Werke sendete Hr. Ilofrath H a i d i n ger 
der Gesellschaft zugleich mehrere Exemplare des höchst seltenen 
Geaster coliformis Dicks., welche von Hrn. Dr. Otto Buchner um 
Giessen gesammelt worden waren. 



Ferner machte Herr von Frauenfeld folgende Mittheilungen: 

Von Herrn H. Hauffen ist ein Schreiben eingegangen, in welchem 
derselbe mittheilt, dass er gesonnen sei, seine Sammlung von Land- und 
Süsswasser-Conehylien zu verkaufen. Die Sammlung enthält 800 Arten 
in über 10.000 Exemplaren, ist vollkommen in einem dazu gehörigen Kasten 
geordnet. Beigegeben werden ihr ein einfaches Mikroskop mit zwei Linsen nebst 
einem Secirzeuge und mehrere andere verwendbare Sachen. 

Der Preis der Sammlung mit den Beigaben ist 200 fl. , ohne dieselben 
150 fl. Oe. W. 

Jene Herren , welche diese Sammlung zu erwerben wünschen , wollen 
sich an Herrn B. Schreyer, Mariahilfer Hauptstrasse Nr. 13, wenden. 



Von dem Herrn Emanuel Purkyn£. Lehrer an der Forstschule zu 
Weisswasser, ist ein Schreiben eingelaufen, in welchem derselbe mittheilt, 
dass Hr. Pr. Willkomm in Tharand an einer Monographie der Kniehölzer 
arbeitet und dass ihm zu dieser Abhandlung Materiale aus Ober-Oesterreich, 
Steiermark, Tirol, Krain, Kärnthen, Kroatien, namentlich aber aus Galizien 
und Siebenbürgen erwünscht wäre. 

Jene Herren, welche Materiale aus den angegebenen Gegenden besitzen, 
werden ersucht, dasselbe Herrn Pr. Willkomm zukommen zu lassen. 



Die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge eröffnete Herr August 
Neil reich, welcher einen Nekrolog des Hofrathes Karl Ritter von 
End eres las. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Friedrich Brauer sprach über eine neue Art Bittacus, 
weiche er Biltacus Hayem nannte. (Siehe Abhandlungen.) 



A. Neilreich. F. Brauer. J. Beer. J. Canestriui. H. Reichardt. A. Pokorny. 



87 



Ilerr J. G. Beer besprach die an die Gesellschaft vom Hrn. 
Verfasser eingesendete Obstbaukunde von Franz Josst, hob die viel- 
fachen Verdienste dieses Werkes hervor und stellte schliesslich fol- 
genden Antrag: 

„Die Obstbaukunde" des Herrn Franz Josst möge von der k. k. zoo- 
logisch-botanischen Gesellschaft den landwirthschafTichen Lehranstalten, 
den Herren Pfarrern, Schullehrern, Oekonomen u. s. w. als ein vollkommen 
taugliches Lehr- und Hausbuch anempfohlen werden. 

Dieser Autrag wurde einstimmig angenommen. 



Herr Dr. J. Canestrini las über die Systematik und Charak- 
teristik der Anabatinen. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Dr. H. W. Reichardt schilderte die Flora des Bades 
Neuhaus bei Cilli. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Dr. Alois Pokorny theilte den fünften und letzten 
Bericht der Commission zur Erforschung der Torfmoore Oesterreichs 
mit. (Siehe Abhandlungen). 



Zugleich legte derselbe einen von Herrn Dr. Spiegel eingesen- 
deten Bericht über das Torflager im Rheinthale bei Dornbirn in 
Vorarlberg vor. (Siehe Abhandlungen). 



Der Secretär, Herr Georg Ritter v. Frauenfeld, berichtete 
über eine von Herrn Franz Steindachner eingesendete Abhandlung: 
Ueber Amphisile scutala und A. macrophthalma. (Siehe Abhandlangen.) 



Schliesslich machte der Vorsitzende, Herr Dr. Moritz Hörne s 
das Resultat der Wahl von 20 Ausschussräthen bekannt. 

Es wurden zu Ausschussräthen gewählt die Herren: Johann Bayer, 
J. G. Beer, Friedrich Brauer, Karl Brunner von Wattenwyl, Dr. 



88 



Sitzung am 7. November 1860. 



Cajetan Felder, Dr. Eduard Fen zl, Julius Finger, Dr. Leop. Fitzinger, 
Karl Fritsch, Franz Ritter von Dauer, Dr. Moriz Hörnes, Josef 
Kerner, Dr. Rudolf Kner, Dr. Theodor Kotschy, Karl Kreutzer. 
August Neilreich. Karl Petter, Dr. Siegfried Reissek, Alois Rogen- 
hof er, Julius Schröckinger von Neudenberg. 

In der Sitzung vom 5. December findet die Wahl des Präsi- 
denten der Gesellschaft statt ; ferner sind in derselben Sitzung aus 
dem neu constituirten Ausschussrathe nach den §§. 12—14 der Sta- 
tuten die sechs Vicepräsidenten für das Jahr 1861 zu wählen. 



Sitzung am 5. December 1860. 

Vorsitzender : Herr Vicepräsident Dr. Siegfried Beissek. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr als Mitglied bezeichnet durch P. T. Herrn 

JBates H. W. in Leicester Dr. Felder, v. Frauenfeld. 

Kalmus JakobDr., Secundararzt im Armen- 

spitale in Brünn G. y. Xiessl, v. Frauenfeld. 

Jfacnaughton Henri in Edinburgh . . . Dr. Felder, v. Frauenfeld. 

Seemann Berthold. Dr.. Redacteur der Bon- 
plandia Dr. Schlotthauber, y . Frauenfeld. 

Tchner Dr. , k. k. hannor. Vicekonsul zu 

Leopoldina, Prov. Bahia, Brasilien . . Dr. Schlotthauber, v. Frauenfeld. 



Eingegangene Gegenstände : 

Im Schriftentausche. 

Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Halle. Bd. V. 
Hft. '2. 3 und 4. 

De la Valette, Entwicklung der Amphipoden. — Bonorden, über Conioniyceten 
und Cryptomyceten. 
„Flora". 1860. 8. Nr. 21-38 

Jfemorie delV irnp. reg. istituto veneto di scien:e, lettere ed arti. Vol. 
VIH. P . 2.. Vol. IX. P . L Venezia 1860. 4. 

R. Molin. Sullo schehtto degli squali. 
Atti delV i. r. istituto veneto. Tomo V. Hisp. 10. 

Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft in Basel. 2. TheiL 

Heft 4. Basel 1860. 
Tijdsehrift voor Entomologie. HI. deel. 5. stuk. 

Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften. Math.-naturw. 
Classe. 4i. Bd. Nr. 20- 
Geschenk des Hrn Ä. Harting-er. 

Oesterreichs und Deutschlands Giftpflanzen. Lief. I. Blatt 1 — 4. Wien 
1861. Fol. 

Niet sehe. Giftpflanzenbuch und Giftpflanzenkalender. Wien 1860. 8. 



90 



Sitzung am 5. Demolier 1860 



Von den Verfassern: 

Leunis Job. Schul - Naturgeschichte. 1. Theil. Zoologie. Hannover 
1861. 8. 

Mayer Maur. Die Flora des Fünfkirchner Pflanzengebietes, i. 
Payot V. Catalogue des fertigeres, f reies et Lycopodiacees des environs 

du Mont-Blanc. Paris 1860. 8. 
Leunis Joh. Analytischer Leitfaden der Naturgeschichte. 2. Heft- 

Botanik. Hannover 1860. 
Matth es Benno. Beobachtungen über Scotophis Z/vndheimeri^ 8. alle- 

ghanensis und einige andere Schlangen. 8. 
Geschenk des Hrn. Dr. Fürnrohr: 

Bayrhoffer J. Entwicklung und Befruchtung der Cladoniaccen. 

1860. 4. 

Vom Sekretär Hrn G. R. v. Frauenfeld : 

Riddel J. L. The Constitution of Matter 1846. 8. 

Haidinger. Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Natur- 
wissenschaften in Wien. 

Charpentier J. Essai sur les Glaciers. Lausanne 1841. 8. 

Fitzinger L. J. Ueber die asiatischen Orang- Arten. 1853. 8. 

Magazin für Insektenkunde von Illing er. Band 6. Braunschweig 
1807. 8. 

Göszy G. Ueber die Gattung Hemerobius Leach. 1852. 8. 
Kolenati F. A. Die Parasiten der Chiropteren. Brünn 1856. 8. 
Felder. Lepidopterorum aniboinensium species novae. 
Heeg er E. Beiträge zur Naturgeschichte der Insekten. 1851. 8. 
Kirschbaum. Die Rhynchoten der Gegend von Wiesbaden. Heft 1. 

Wiesbaden 1855. 8. 
Schiner J. R. Die österreichischen Asiliden. 

Catalogo jeneral de los libros de S, Tornedo en Valparaiso. 1858. 8. 
Catalogue d'une collection de coquiüages de M. Medar Anvers. 1852. 8. 
Bibliothecae societatis artium scientiarumque quae Bataviae floret cata- 

logus systematicus. 1853. 8. 
Diesing. Sechszehn Gattungen Binnenwürmer. Wien 1855. 4. 
Prestel A. F. Die Temperatur vom Emden. 1855. 4. 
Fischer de Waldheim. Rapport sur les travaux de la societe des 

naturalistes du Moscou. 1855. 4. 
Senoner A. Höhenmessungen. 4 Hefte. 
Riddel J. L. The branch mint at new Orleans. 1847. 8. 
Report of the missionary hospital of Canton. Canton 1855. 8. 
Kclart E. Prodromus faunae zeylanicae. Vol. II. part. I. Colombo 

1853. 8. 

Schiner J. Diptera austriaca. II. Wien 1855. 8. 



Eingegangene Gegenstände 



DJ 



Kolenati F. Genera et species Trichopterorum, p. L Pragae 1848.4. 
Hyrtl. Einst und Jetzt. Wien 1856. 8. 

Heufler L. R. v. Naturwissenschaftliche Bemerkungen über Istrien. 
Bleeker P. Bijdrage tot te Kennis der ichthyologische Fauna van 

Borneo en Timor. 
Bayer. Beiträge zur Naturgeschichte des Dachses. 
Gloesener M. Recherches sur la telegraphie electrique. 
Collezione conchiliologica dei contorni di Venezia. 
Governement central ntuseum Madras, Catalogue. 1857. 8. 
Viertes Programm der k. k. Oberrealschule in der Vorstadt Landstrasse. 

1855. 8, 

Heufler L. R. v. Der tirolische Pflanzengarten. Innsbruck 1840. 8. 

Nekrolog. Paul Partsch 8. 

Schiner J. Diptera austriaca. III. 1857. 8. 



Eine Partie Heniipteren von Herrn Wilhelm Schleicher. 
Eine Partie Pflanzen von Herrn A. Matz. 



Der Vorsitzende, Hr. Dr. Siegfried Reissek, begrüsste den 
anwesenden Herrn Podestä von Triest, Ritter von Tominasini auf 
das Herzlichste im Namen der Versammlung und hob die vielfachen 
Verdienste des geehrten Gastes für die Flora Oesterreichs hervor. 

Herr Ritter von Tommasini dankte für den ihm gewordenen 
freundlichen Empfang. 



Ferner ernannte Herr Dr. Reissek zu Scrutatoren für die heute 
stattfindende Wahl des Präsidenten und der sechs Vicepräsidenten die 
Herren Karl F ritsch, Karl Lang und Isidor Hein. 



Der Secretär Herr Georg Ritter von Frauenfeld las folgendes 
von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der k. Akademie 
der Wissenschaften in Wien, an die Gesellschaft eingegangene Schreiben : 

Die raathematisch-naturwissenschaftliche Classe der k. Akademie der 
Wissenschaften hat in ihrer Sitzung vom 29. November 1. J. das mit geschätzter 
Zuschrift vom 10. November gestellte Ansuchen um nachträgliche Uebermitt- 
lung der ersten 8 Bände ihrer Sitzungsberichte, nebst den noch verfügbaren 
SiU.-Ber. Bd. I. vr 



92 Sitzung am 5. December 1860. 

Separat- Abdrücken naturgeschichtlichen Inhaltes aus den Denkschriften 
genehmigt. 

Indem ich mich beehre, von diesem Beschlüsse der Classe hiermit 
Kenntniss zu geben , füge ich hinzu , dass nach geschehener Zusammen- 
stellung der gedachten Druckschriften die Uebersendung sogleich erfolgen wird. 

A. Schrötter, 

General-Secretar der k. Akademie der Wissenschaften. 

Der Herr Vorsitzende sprach im Namen der Versammlung an die 
hohe k. Akademie der Wissenschaften den wärmsten Dank der Gesell- 
schaft für diese höchst werthvolle Gabe aus. 



Ferner machte Herr v. Frauenfeld folgende Mittheilungen: 
Herr A. Senoner übersendete folgende Notiz: 

Herr L. Schaufuss, sonst C. Klobe, in Dresden stellt die freund- 
schaftliche Bitte an die P. T. Herren Entomologen , ihm eine Partie Pristo- 
nychus und Sphodrus, sei es zur Ansicht oder in Kauf oder Tausch einzu- 
senden — in bestimmten oder unbestimmten Arten , aber mit reeler Vaterlands- 
Angabe , da er zu einer Arbeit über dieses Genus möglichst reiches Material 
zu sammeln wünscht. 



Von Herrn Friedrich Preuer, k. k. Bezirksvorsteher in Hofgastein 
erging folgende Einladung an die Mitglieder der Gesellschaft: 

Sollten der verehrlichen Gesellschaft Mittheilungen von Cryptogamen 
aus dem Gasteiner-Thale willkommen sein, so bin ich mit Vergnügen bereit, 
soweit meine Vorräthe reichen, und mir etwaige Desiderate mitgetheilt 
werden. 



Eine Schmetterlings-Sammlung, bestehend aus 1370 Arten in 
3300 Exemplaren, darunter 78 Exoten, systematisch geordnet und wohlerhalten 
ist, sammt verglasten Kästen und mehreren guten lepidopterologischen Werken 
(im Anschaffungswerthe von 60 Thlrn.), um den billigen Preis von200Thlrn. 
zu verkaufen. 

Näheres durch F. Czerny, Apotheker in Mähr. Trübau. 



Von Herrn Schlot thauber aus Göttingen wurden Schmetterlings- 
raupen und zwar von Sphinx Ligustri, Cossus ligniperda und Gastropacha 
rubi zur Ansicht eingesendet , welche nach einer von ihm erfundenen Weise 
ohne Anwendung von Hitze ausgeblasen getrocknet sind. Ferner schickte 



G. v. Frauenfeld. 



93 



Hr. Dr. Schlot thauber noch von Pliilantlius pictus, der im Jahre 1859 im 
Herzogthunie Arenbcrg-Neppen grosse Verheerungen unter den Bienen anrichtete, 
sowohl die ausgebildeten Thiere, als auch die aus einer Tiefe von zwei bis vier 
Schuh in Sandhügeln zu Hebbermeer ausgegrabenen Puppengespinnste ein. 
Diese begleiteten endlich Sitophilus granarius L. und Sylvanus frumentartus 
F b r. , welche gleichfalls im Jahre 1859 zu Niedernfesa bei Göttingen besonders 
verwüstend in den Kornvorräthen der dortigen Speichern auftraten. 



Von demComite für die Expedition von Heu gl ins nach Centrai-Afrika 
ist die Bestätigung über den Empfang von 50 fl. öst. W. eingelaufen, welche 
als Ergebniss einer in der Gesellschaft eingeleiteten Subscription eingegangen 
waren. 



Es betheiligten sich an dieser Sammlung die Herren: 



P. T. 


Franz Antoine . . . . 


mit 


2fl. 


F. T. 


Gustav Künstler . . 


mit 


2 


fl. 


55 35 






4 


r> 


ii 


51 


Anton v. Letocha . . 




2 


35 


n n 


J. G. Beer 




% 


r> 


51 


51 


Gustav Machdiak . . 


51 


2 


55 


55 33 




33 


1 


r> 


15 


n 


Aug. Graf Marschall 




3 


55 


31 31 


Carl von Braunendal 


55 


2 


r> 


11 


55 


August Neilreich . . 


55 


2 




35 51 


Wilhelm Braumüller 




% 


r> 


11 


51 


Ed. Freih. v. Ransonet 


55 


2 


55 


31 r> 






2 


51 


55 


55 


Robert Rauscher . . 




4 




r> n 


Eduard Frauenfeld . 


11 


2 


n 


11 


» 


Heinrich Reichardt . 


55 


1 


11 


51 11 


G. von Haimhof f en . 




2 


Yt 


11 


55 


Alois Rogenhofe r 


51 


4 


55 


r> 11 


Eduard Kaiser . . . 




1 


m 


51 




Anton Rössler . . . 


55 


4 


55 


11 B 


Josef Kern er . . . . 


r> 


4 




51 


5* 


Moriz Schönn . . . . 




4 


55 


r> $ 






4 


« 


51 




Alois Stulberger . . 


55 


4 


53 




Karl Kreutzer . . 








51 


y> 


Ferd. Tschiertz . . . 


55 


4 










1 






71 


Freiherr von Villers . 


55 





■ 



Summe 50 fl. 



Der Subscriptionsbogen für die Humboldt* sehe Stiftung wurde nochmals 
aufgelegt , und zur Betheiligung von dieser Stiftung aufgefordert , mit dem 
Bemerken , dass mit dieser Versammlung die Subscription geschlossen werde. 

Es betheiligten sich an derselben folgende Herren mit den bezeichneten 
Beiträgen : 

Se. Durchlaucht Richard Fürst zu Khevenhüller-Metsch 100 fl. Thlr. 
P. T. Herr Julius Ritter von Schröckinger-Neudenberg — « 10 „ 

„ 55 J- G. Beer 10„ — 

„ B Karl Kreutzer 40 „ — 

„ „ Gustav Machdiak 2„ — „ 

„ „ August Neilreich 10 „ — „ 

Fürtrag . 132fl. 10 Thlr. 
N * 



94 



Sitzung am 5. Decemb<r 1860. 



Uebertrag . 13211. 10 TMr. 

P.T.Herr Heinrich Reichardt iü. — Thlr. 

„ „ Alois Rogenhofer 2„ — „ 

Summe 136fl. 10ThfrT 

Dieser eingegangene Retrag wird an das Comite der genannten Stiftung 
abgeführt werden. 



Ich erlaube mir endlich noch darauf aufmerksam zu machen , dass mit 
nächster Versammlung die Einzahlung der Jahresbeiträge beginnt, die den 
Statuten gemäss im ersten Quartale des betreffenden Jahres zu geschehen hat. 

Georg Ritter von Frauenfeld, 

Secretär. 



Weiters legte Herr v. Frau e n fei d das so eben erschienene 
erste Heft der von Herrn A. Hartinger herausgegebenen Gift- 
pflanzen Oesterreichs und Deutschlands vor, welches der Herr Heraus- 
geber der Gesellschaft zum Geschenke machte. Dieses Werk, welches 
vier Lieferungen umfassen wird , zeichnet sich vor ähnlichen durch 
gelungene Ausführung der Tafeln und Billigkeit aus (es kostet nur 12 fl.). 



Schliesslich las derselbe folgenden Bericht: 

Bei der gegen den Schluss des Jahres vorgenommenen Revision und der 
dem Ausschusse zur Kenntnissnahme vorgelegten Uebersicht der Thätigkeit 
der k. k. zoolog. -botanischen Gesellschaft bilden die daselbst eingelangten 
Naturobjecte einen der nahmhaftesten Theile. 

Obwohl in dieser Beziehung der Rechenschaftsbericht in der Jahres- 
versammlung den verehrten Mitgliedern die genaueste Uebersicht bringt, 
so erlaube ich mir doch im Auftrage des löbl. Ausschusses hier vorgreifend 
diesen Gegenstand näher zu berühren, um hieran eine Aufforderung zu 
knüpfen. 

Ein namhafter Theil der eingegangenen TLiere und Pflanzen wird für 
den Zweck der Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse unentgeltlich 
an Lehranstalten des öst. Kaiserstaates abgegeben, wofür der k. k. zoolog. 
botanischen Gesellschaft zur Deckung der Baarauslagen an Verpackungs- und 
Versendungskosten von dem hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 
eine zeitliche Subvention gnädigst bewilligt wurde. Welchen namhaften 
Umfang diese Betheilungen erreicht haben , zeigen Zahlen wohl am klarsten. 



G. v. Frauenfeld. 



95 



Bcthcilt wurden bisher 81 Lehranstalten iu 126 Sendungen mit 18,463 
Thieren, und 21,251 Pflanzen, zusammen 39,744 Individuen, alle mit genauer 
Bestimmung versehen; eine gewiss sehr beträchtliche Zahl. Die Gesellschafts- 
leitung anerkennt vollkommen einerseits die ausserordentliche Mühewaltung 
der Herren Dr. Egger, Kerner, Petter, Reichardt, Rogenhoferund 
Strohmeier, welche die Rangirung und Ordnung dieser Betheilungen leiteten, 
als sie jenen Herren verbindlichst dankt, die durch ihre reichlichen Gaben 
diese Sendungen in so umfangreicher Weise möglich machten. 

Obwohl die Namen der Schenker, sowie die Gegenstände selbst stets 
in den Plenarversammlungen genannt und in den Schriften veröffentlicht 
werden, so erlaube ich mir doch eine Wiederholung der öfter wiederkehrenden 
Namen. 

Vor Allem ist das hohe k. k. Ministerium des Unterrichts selbst zu 
nennen , welches wiederholt bedeutende iSammlungen für diesen Zweck an die 
Gesellschaft übermittelte, und Herr Hofrath Haidinger, durch dessen 
Vermittlung von dem k. k. Generalconsul in St. Louis, Herrn von Angelrod t 
die grosse Sammlung nordamerikanischer Thiere der Gesellschaft geschenkt 
wurde. Die ferneren Namen dieser Geber sind: Bondi Karl, Brauer Dr. 
Friedrich, Braunhofer Ferdinand, Czerny Florian, Dorfmeister Vinc. 
Egger Dr. Joh. , Feuchtinger Joh. , Fürsten werther Freiherr von, 
Giraud Dr. Julius, Grunow Albert, Haszlinzsky Fried. Prof., Heufler, 
Ludw. R. v., Juratzka Jakob, Kerner Anton, Kozenn Blasius, Matz 
Maxmiiian, Mayr Dr. Gustav, Ober leitner Franz, Pancic Dr. Josef, 
Petter Karl, Pittoui Jos. Ritter v. , Poetsch Dr. lgnaz, Rabenhorst 
Dr., Reichardt Dr. Heinrich, Rogenhofer Alois, Schleicher Willi., 
Schrökinger von Neudenberg Julius, Schwab Adolf, Türk Rudolf, 
Weiss E. , Weselsky Fried, und mehrere Andere. Selbst Nichtmitglieder 
wie Herr Dr. Herb ich und Herr Lobmeier theilten der Gesellschaft 
Naturalien mit. 

In der natürlichsten Verbindung hiermit stehen die Sammlungen der 
Gesellschaft. Es war bei der Gründung derselben namentlich eine Sammlung 
österreichischer Thiere und Pflanzen , ins Auge gefasst. Das Herbar hat bis 
nun an Umfanj und Anordnung eine hohe Stufe erreicht, und gewinnt die 
höchste Bedeutung durch die gütige kritische Berücksichtigung , die der erste 
Botaniker der Flora Oesterreich^, unser verehrter Viee-Präsident Herr A. 
Neil reich, demselben angedeihen lässt, 

Weniger kann ich das von den zoologischen Sammlungen sagen. Weit 
geringer ist die Zahl der Hände, die hier hilfreich eingreifen. Allerdings ist 
der Umfang dieser Abtheilung grösser, vielgestaltiger, die Bewahrung dieser 
Objecte schwieriger. Ausserden Käfern, die Herr Strohmeier unermüdlich 
pflegt, sind die übrigen Kräfte durch die Naturalienbetheilungen vollauf in 
Anspruch genommen, alle übrigen Theile daher verweist. Die Erhaltung der 
vorhandenen Sammlungen erfordert aber dringend die besondere Ueberwachung 



96 



Siizuncr am 5. Üecornber 1800. 



der einzelnen Abtheilungen und eine thätige Mitwirkung zur Hebung der 
noch schwächer vertretenen. Insbesondere hätten die betreffenden Herren 
alles hierzu Dienliche antra^sweise dem Ausschusse vorzulegen, zu dessen 
monatlich jeden Montag vor den Plenarversammlungen abgehaltenen Aus- 
Schusssitzungen sie in diesem Falle höflichst geladen sind. Alle 1 reitage Abends 
kommen mehrere der Herren, die eben jene bisher vorgekommenen Arbeiten 
leiteten, sowie einige, die sich schon freundlichst zur Uebernahme anderer 
bereit erklärten , im Gesellschaftslokale regelmässig zusammen, diese Zwecke 
gemeinschaftlich zu fördern. 

Ich erlaube mir sonach die Bitte, jene Herren, die sich gleichfalls 
gütigst der Sache anzunehmen gedenken . wollen diess gütigst recht bald 
bekannt geben, da die Namenliste in dem in diesem Monate zu schliessenden 
Bande der Gesellschaf tsschriften aufgenommen wird. 

Die bereits sich verwendenden Herren, so wie die von ihnen gewählten 
Fächer füge ich mit der Bemerkung bei, dass sowie für das Herbar, es 
auch für die übrigen Theile wünschenswert]! erscheint , wenn sich mehrere 
für eine Abtheilung interessiren. 

Finger Julius : Vögel. 

v. Haimhofen Gustav: Hymenopteren. 

Kern er Josef: Herbar. 

Kreuzer Dr. Karl: Bibliothek. 

v. Letocha Anton: Registratur. 

v. Pelser Füruberg Josef: Hemipteren. 

Petter Karl: Herbar. 

Reichardt Dr. Heinrich: Herbar. 

Rogenhofer Alois: Naturalienbetheilung. 

Schönn Alois: Schmetterlinge. 

Schrökinger v. Julius: Konchylien. 
Noch nicht vertreten sind also Dipteren, Orthopteren, Neuropteren etc., 
die Typensammlung und die sämmtlichen Weingeistsammlungen. 



Der Secretär Herr, Dr. H. W. Reichardt richtete folgenden 
Aufruf an die Herren Mitglieder der Gesellschaft : 

Meine Herren! 

Erlauben Sie, dass ich im Anschlüsse an die Mittheilung des Herrn 
Ritters von Frauenfeld ebenfalls eine Bitte an Sie, zur Betheiligung an 
einem der gemeinnützigen Zwecke , welche die Gesellschaft rerfolgfc, ergehen 
lasse. 

Der Gegenstand meines heutigen Ansuchens betrifft nämlich das Sammeln 
von Pflanzen für die von der Gesellschaft mit Herbarien zu betheilenden 
Lehranstalten. 



H. W. Reichardt. A. Neilreich. 



97 



Bis jetzt wurden aus den Arten, welche von den Herren Mitgliedern 
der Gesellschaft in Mehrzahl eingesendet worden waren, die Sammlungen für 
die Schulen zusammengestellt. Dabei konnte natürlich nicht in dem wünschens- 
werthen Umfange darauf Rücksicht genommen werden , dass in den einzelnen 
Herbarien die für Lehranstalten wichtigen Pflanzen vertreten wären, sondern 
es wurde nach Massgabe der gerade vorhandenen vorräthigen Pflanzen eine 
Sammlung von %— 400 Arten aus der Flora Oesterreichs zusammengestellt. 

Nun ist es für Lehranstalten von der grössten Wichtigkeit, dass in 
den für sie bestimmten Sammlungen die wichtigsten Nutzpflanzen , die all- 
gemein gefürchteten Giftpflanzen vorhanden seien, dass endlich die einheimische 
Flora durch eine Auswahl von allgemein verbreiteten Arten , welche zugleich 
die wichtig.-ten Familien repräsentiren , vertreten werde. 

Es ist daher der Zweck meines heutigen Antrages, die geehrten Mit- 
glieder der Gesellschaft zu ersuchen, dass sich eine grössere Zahl derselben 
freundlichst daran betheiligen möge, solche für Schulen wichtige Arten zu 
sammeln , damit auf diese Weise ein Grundstock von Doubletten gebildet 
werde, welche zur Betheilung von Lehranstalten geeignet sind. 

Jene Herren, welche an diesem Unternehmen sich zu betheiligen wünschen, 
lade ich ein, sich Freitag den 44. Dezember, im Locale der Gesellschaft ein- 
zufinden , wo wir das Nähere bezüglich dieser Angelegenheit besprechen wollen. 



Herr Oberlandesgerichtsrath August Neil reich hielt folgenden 
Vortrag : 

Abermals bin icli in die traurige Lage versetzt , die geehrte Versamm- 
lung von dem Ableben eines sehr verdienten Botanikers und Mitgliedes unserer 
Gesellschaft in Kenntniss zu setzen. Franz Hillebran dt (geboren zu Eisgrub 
den 7. November 1805) seit 1834 k. k. botanischer Gärtner am Garten der 
Flora Oesterreichs nächst dem Belvedere ist nicht mehr , er erlag eben heute 
(den 5. Dezember 1860) Morgens nach kurzer Krankheit einer heftig auf- 
getretenen Complication von Lungenentzündung und Typhus. Der Tod hat 
so schnell sein Opfer erfasst und die Trauernachricht mich so unvorbereitet 
überrascht , dass ich im Augenblicke nicht im Stande bin , von dem Leben 
und Wirken des Dahingeschiedenen eine ausführliche Schilderung zu geben. 
Ich muss mich daher begnügen , einfach hervorzuheben , wie er in zweifacher 
Richtung unsere Wissenschaft gefördert hat. Der vorerwähnte Garten der Flora 
Oesterreichs, dessen Pflege ihm oblag, war vor ihm eine mit chinesischen 
Mauern umgebene Terra incognita, erst durch ihn wurde er zugänglich und 
für die Wissenschaft verwendbar , da Hillebrandt jeden Freund der Botanik 
zuvorkommend aufnahm und sowohl die Benützung des Gartens als die Ein- 
sicht des dort aufgestellten Ho stachen Herbars bereitwilligst gestattete. Wie 
nothwendig aber dieser Garten und das Herbar zur Erklärung der vielen 



98 



Sitzung am 5. Decembei 1860. 



dunkeln oder verkannten Hosfschen Arten sind, weiss'Jeder, der lieh mit 
der Kritik der Flora Oesterreichs befasst hat. Soweit es die geringen Mittel 
erlaubten, war Hillebrandt auch fortwährend bemüht, neue Arten anzu- 
pflanzen. Aber nicht blos für die botanische Hortikultur, sondern auch für 
die Kenntniss der Alpenflora Oesterreichs hat er thätig gewirkt. Die zahl- 
reichen Ausflüge, welche er in den Jahren 1842 -51 in Gesellschaft des Grafen 
Johann Zichy (seit dem Jahre 1847 zum Theii auch in der meinigen) auf 
die Alpen von Nieder-Oesterreich , Steiermark, Salzburg und Kürnthcn unter- 
nahm, setzten ihn in den Stand, in dem Garten eine reichhaltige Kalk- und 
Schiefer-Alpenflora anzulegen (welche leider in neuerer Zeit durch Missgunst 
der Verhältnisse sehr herabgekommen ist) und für die Pflanzengeographie der 
Alpenländer werthvolle Beiträge zu liefern. S -in Herbar *) bewahrt die vielen 
von ihm früher auf den Alpen , später in den Komorner und Stuhlweissen- 
burger Komitaten auf den Gütern des Grafen Zichy gesammelten Pflanzen. 
Die Aufzählung derselben wurde von ihm in die Verhandlungen des zool.- 
botan. Vereines 1853 II. pag. 77—95 und 1857 II. pag. 39—42 ein- 
gerückt. Zwei nach ihm benannte Arten Sedum Hillehrandtii Fenzl zool.- 
botan. Verein 1856 II. p. 449 und Sempervivum Hillebrandtii Schott Oest. 
bot. Woch. Bl. 1852 p. 18 werden seinen Namen für kommende Generationen 
erhalten, für uns, die wir ihn persönlich gekannt und geachtet haben, wird 
er stets unvergesslich bleiben. Er hinterlässt eine trauernde Witwe , einen 
Sohn und eine Tochter , welche eben an jener Stufe des Lebens stehen, 
wo man der Leitung und Liebe eines Vaters am meisten bedarf. Rechtschaffen, 
bieder , gefällig und liebenswürdig im Umgange , ein sorgsamer Familien- 
vater und gerne bereit, seine mässigen Glücksgüter mit Hilfsbedürftigen zu 
theilen , möge er ausruhen von den Mühen des Lebens und in einem bessern 
Jenseits den Lohn finden, der hier auf Erden so selten dem Gerechten zu 
Theil wird. 



Herr Pr. Dr. Camill Heller theilte die Beschreibungen einiger 
neuen Crustaceen mit. (Dieser Aufsatz wird im nächsten Bande 
erscheinen.) 



Herr August von Pelz ein las Bemerkungen gegen Darwin's 
Theorie vom Ursprünge der Species. 

Nach diesem Vortrage ergriff Herr Dr. Gustav Jäger das Wort; 
er sprach sich auf das Entschiedenste für Darwin's Ansichten aus 
und erbot sich diesen Gegenstand näher zu erörtern. 

*) Dasselbe ist bei der Witwe kauflich zu habeu. 



C. Heller. A. Pelzeln. G. Jäger. Kratorhwill. A. Rogerhofer. F. Brauer. J. Egger. V.Gredler. 

Herr Krat och will zeigte Abdrücke von Schmetterlingsflügeln 
vor, und besprach die Methode dieselben zu bereiten. Herrn Krato- 
wilTs Methode zeichnet sich durch grosse Einfachheit aus und die so 
dargestellten Abdrücke übertreffen alle bisher erhaltenen weit an 
Vollendung. 



Herr Alois Rogenhofer besprach einen neuen Nachtfalter 
Cucullia formosa. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Friedrich Brauer schilderte die Larven der Gattung Cu- 
terebra. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Georg Ritter von Frauen feld theilte neue Beiträge zur 
Fauna Dalmatiens mit. (Siehe Abhandlungen.) 



Ferner legte derselbe neue dipterologische Beiträge von Herrn 
Dr. J. Egg er vor. (Siehe Abhandlungen.) 

In diesem Aufsatze werden 14 neue Arten, sämmtlich aus Oesterreich, 
beschrieben: Prosena longirostris, Phasia rostrata, Alophora auriger a, Xysta 
grandis. semicana, Dexia brevicornis, nigricornis, pellucens, proletaria, Microph- 
thalma indigena, Zeuxia tessellata, Ocvptera xylotina, Syntornogaster viduus, sin- 
gularis. Darunter ist besonders das yonMacq. aufgestellte Gen. Micr ophtha! ma 
beinerkenswerth. von dem bisher nur eine einzige aus Nordamerika stammende 
Art bekannt war. Der nicht unbeträchtliche Zuwachs an Arten in der 
rleissigen Bearbeitung dieser Fauna durch Dr. Schiner niedergelegt, liefert 
den Beweis, wie sehr der Erfolg die gründliche wissenschaftliche Erforschung 
der bisher weniger beachteten Abtheilungen unseres Faunengebietes lohnt. 
Möchten doch diese noch übrigen Theile , die weit mehr brach liegen, recht 
bald eben so genaue umsichtige Bearbeiter finden. 



Von Herrn Prof. P. Vinzenz Gr edler wurde ein Beitrag zur 
Conchylienfauna Nordtirols eingesendet. (Siehe Abhandlungen.) 



Siti.-Ber. Bd. X 







100 



Sitzung am 5. December 1860. 



Von Herrn Ludwig Heinrich Jeitteles wurden folgende 
Mittheilungen über zwei für Ungarn neue Fledermäuse, nebst Beiträgen 
zur Kenntniss der Chiropternfauna Oberungarns eingesendet. 

Mit Studien über die Wirbelthier-Fauna Ober-Ungarn's mich beschäf- 
tigend , habe ich unter den Säugethieren besonders die Ordnung der Fleder- 
mäuse in's Auge gefasst. Unterstüzt von eifrigen Schülern gelang es mir 
auch bald, eine, wie es scheint, ziemlich vollständige Sammlung der Flatter- 
thiere aus der nächsten Umgebung Kaschau's zusammenzubringen und überdies 
eine und die andere interessante Art aus etwas weiterer Entfernung zu erhalten. 
Unter diesen sind zwei für die Fauna der Karpathenländer neu. Diese sind : 

1. Vespertilio ciliatv.s Blasius. Diese Art, eine der seltensten Fleder- 
mäuse Europa's, von der Blasius nur drei Exemplare, (eines aus Italien 
und zwei aus der Gegend von Köln) kennen lernte , während sie von 
Kolenati, meines Wissens, ein einziges Mal in Mähren gefunden wurde, 
erhielt ich durch meinen Schüler Horväth Geysa Anfangs Juni 1860. Sie 
wurde bei Komjati in der Nähe von Torna in einem hohlen Baume gefunden. 
Die Körperlänge betrug 48 Millimeter , die Schwanzlänge ungefähr 45 Mm., 
die Flugweite fast 25 Centimeter. Die Ohrlänge am Aussenrande hatte 19 Mm., 
die am Innenrande 17 Mm. ; die Länge des Ohrdeckels am Aussenrande 12 Mm., 
am Innenrande 9*5 Mm. 

Das Exemplar befindet sich jetzt in der zoologischen Sammlung der 
Wiener Universität. Ich war Anfangs unsicher , ob die Art zu V. Nattereri 
oder eiliatas zu zählen sei; Herr Professor Kner theilte mir freundlichst mit. 
dass es V< eiliatus ist. 

2. Vesperugo Nilssonii K. et Blas. Diese Art gehört mehr dem Norden 
Europa' s an. Tch erhielt ein lebendes Exemplar am 7. August 1860 durch 
meinen Schüler Ed er Gyula. Das Thier war am selben Tage Morgens um 
8 Uhr durch das Fenster in ein Zimmer des Hauses seiner Eltern , mitten in 
der Stadt , hineingeflogen und gefangen worden. Ich bestimmte das Thier 
gleich als V. Nilssonii , sandte es aber zur grösseren Sicherheit an Professor 
Blasius nach Braunschweig. Von ihm erhielt ich nun dieser Tage die 
Bestätigung , dass es V. Nilssonii ist und zugleich die Mittheilung , dass 
diese merkwürdige Species in neuester Zeit auch in Ober-Baiern und im 
Österreichischen Schlesien gefunden worden. Die eigentümlichen Umstände 
des Fanges machen es nicht unwahrscheinlich, dass das Individuum auf der 
Rückwanderung nach dem Norden begriffen war. V. Nilssonii ist nämlich 
die einzige, nach Art der Zugvögel, wandernde Fledermaus; sie scheint den 
Sommer in Mittel- oder Süd-Europa zuzubringen , um den hellen Polarnächten 
des Solstitiums zu entgehen, und wird in Nordrussland und Skandinavien nie 
vor August , dagegen häufig im Herbste, angetroffen. Die auf dem Rückzüge 
nach der nordischen Heimat begriffene Reisende scheint sich nun durch Zufall 
in die Stadt Kaschau verirrt zu haben. 



L. H. Jeitteles. G. v. Frabeofeld. 



101 



Das hier gefangene Exemplar hatte 26 Centimeter Flugweite , 50 Mm. 
Körperlänge und einen Schwanz von 37 Mm. Länge. 

Ausserdem kommen in und bei Kaschau noch folgende Chiropteren yor: 

3. Vespertilio murinus. Ist häufig am Kaschauer Dome und kommt in 
ungeheurer Menge am Rathhause der Stadt Bartfeld im Saroser Komitate vor. 

4. Vespertilio Bechsteinii Leisler. Drei Individuen wurden in einer 
hohlen Eiche beiBanko, Mitte Oktober 1860, gefunden. 2 Stück davon sind 
jetzt im Wiener Hofnaturalienkabinet. 

5. Vesperugo serotinus. Oefter bei Kaschan gefangen. 

6. Vesperugo noctula Schreb. Einmal aus der Vorstadt Kaschau's 
erhalten. 

7. Plecotus auritus. Häufig in und bei Kaschau. 

8. Rhinolophus Hipposideros Bechst. Ein Exemplar wurde Anfangs 
Octobers 1860 in Banko gefangen. Flugweite: 236 Mm. , Totallänge: 73Mm., 
Schwanzlänge: 27 Mm. 



Schliesslich besprach Herr von Frauen fei d den eben eröff- 
neten Aquarien-Salon folgendermassen : 

Ich kann unmöglich heute schliessen , ohne einen Gegenstand vom 
grössten Interesse zu berühren. Es ist diess der seit heute eröffnete Seeaquarien- 
Salon. Ich darf über die Sache, selbst wohl kaum etwas weiter erwähnen, 
da es hinlänglich bekannt ist , welchen ausserordentlichen Aufschwung die 
Anwendung, der Verbrauch von Aquarien als Zierde und Unterrichtssache 
in England genommen , und welche Ausdehnung deren Darstellung auch schon 
am Continente zu erlangen beginnt. Es dürfte die Bedeutung der Aquarien in 
ästhetischer wie in wissenschaftlicher Hinsicht sich wohl am besten von selbst 
dadurch manifestiren , dass die Aquarienliteratur schon zu einem namhaften 
Umfange angewachsen ist. 

Einer noch rascheren Verbreitung in vom Meere entlegenen Arten scheint 
auch nur die Schwierigkeit der Erlangung des Seewassers im Wege zu stehen, 
denn die bis jetzt gewonnenen Erfahrungen lehren, dass die nachhaltige 
Erhaltung derselben vollkommen gesichert ist, wenn einige nothwendige 
Grundbedingungen dabei nicht ausser Acht gelassen werden. 

Der nun eröffnete Salon dürf i.e für die Verbreitung und Erhaltung solcher 
Aquarien in Wien in der grossartigen Anlage des Unternehmens und in der 
Anordnung eines steten regelmässigen Zuzuges von Thieren und Pflanzen eine 
sichere Grundlage bieten. 

Ich kann dabei nicht umhin zu erwähnen, dass Freiherr von Ransonet 
schon seit länger als einem Jahre ein kleines Aquarium in bescheidenem 
Massstabe hält, dass eine Aufbewahrung solcher Thiere Dr. Jäger, wie er 
es in einer frühern Versammlung hier selbst mitgetheilt, mit Erfolg unter- 

0* 



102 



Sitzung am 5. Deccmbcr 1860. 



nomraen , ja dass eines der Gefässe dieses Salons selbst mit seinem reizenden 
Inhalte schon mehrere Monate im blühendsten Zustande Bich befand , ehe die 
das Gedeihen derselben so ausserordentlich fordernde Einrichtung des Salons 
vorgenommen wurde, dass daher die Erhaltung einzelner Gefäße mit ihrer 
Besatzung bei uns immerhin möglich erscheint. 

Wer auf die staunenswerten Resultate mariner Forschungen der jüngsten 
Zeit von Steenstrups Generationswechsel bis zu der eben jetzt so eifrig ver- 
folgten embryonalen Entwicklungsgeschichte niederer Seethiere blickt , der 
kann die hohe erfolgreiche Wichtigkeit der Aquarien für solche Studien nicht 
übersehen. Was Kölliker, Schultze, Müller, Leukart, Vogt und 
mehrere Andere nur auf die mühvollste Weise aus einzelnen glücklichen 
Momenten, oder nach emsigen schwierigen Studien am Meere selbst zusammen 
zu lesen vermochten , kann nun in solchen Aquarien mit beharrlicher Conse- 
quenz in systematischer Weise verfolgt werden. 

Doch sehen wir uns nach den Aquarien selbst um. Es wird jeder gestehen 
müssen , dass es kaum etwas Ueberraschenderes geben kann. Es ist eine neue, 
eine gänzlich unbekannte Welt , die uns hier vor Augen tritt. Nicht nur dem 
Binnenländer, sondern auch dem Bewohner der Küste muss der Anblick Staunens- 
werth erscheinen. Viele derselben dürften kaum eine Ahnung von den wunder- 
vollen Gestalten haben, welche die Meerestiefe birgt, und die hier in 
bequemster Müsse betrachtet werden können. Ich möchte es einem Gewächs- 
hause vergleichen , wo eine reiche Blüthenpracht allerdings nicht wie in freier 
Natur in mächtiger, gewaltiger Umgebung, dafür aber in solch herrlicher 
anmuthiger Vereinigung, wie sie dort immer vorkommt, gefunden wird. 

Wer die im schönsten Farbenschmucke prangenden , vielgestaltigen 
Actinien, diese überaus zierlichen Thierblumen , von denen mehrere Gattungen 
und Arten vorhanden sind, sieht, der wird finden, dass die lebhafteste Fan- 
tasie hier gegen die Wirklichkeit zurückbleibt. Wer nicht Gelegenheit hatte, 
sie unmittelbar im Meere selbst zu beobachten, dem sind sie vollkommen 
fremde, mit nichts im Thierreiche zu vergleichende Erscheinungen, denn noch 
war es bisher unmöglich, sie in Sammlungen so aufzubewahren, dass sie auch 
nur ein Schattenbild ihrer herrlichen Formen und Farbenpracht zeigen. 

Wer getrocknete Seesterne längst schon kennt , wird die Ophiuren 
gewiss mit Interesse betrachten , wenn er sie ohne bemerkbare Bewegungs- 
organe ganz flink und rasch umher wandern sieht. 

Eine eben so fremdartige, von allem Begriff, den wir von Bewegungen 
der Fische haben , gänzlich abweichende Erscheinung sind die Seepferdchen. 
Es wird niemand, der das Thier selbst lebend in der Hand gehabt, sich eine 
Vorstellung gemacht haben, wie das Thierchen seinen Schwanz als Greif- 
organ gebrauchend, sich an Steinen, Muscheln, Pflanzen damit festhält. 

Wer die Blennien sieht, wie sie mit ihren dunkeln Augen lüstern 
umherschauen , und die fleischigen Hörner am Kopfe schlau hin und wieder 



S. Reissck. 



103 



drehen, wird in ihnen leicht die gefrässigen Räuber erkennen, die er in den 
Weingeistexemplaren nimmer vermuthet hätte. 

So sind noch eine Menge der sonderbarsten Formen von den winzigen 
Moosthierchen , den biischligen Röhrenwürmern, von Doris, nackten Kiemen- 
schnecken, ron den glashellen Palämonen, von Krebsen, Schnecken, Muscheln, 
Seeigeln, so zahlreich vorhanden, dass man nach stundenlanger Durch- 
musterung immer wieder Neues, bisher noch Unbemerktes auffindet. 

Ich kann dieser kurzen Anzeige nur noch den innigen Wunsch bei- 
fügen, dass dieser Unternehmung, die keinen spekulativen Zweck zur Grund- 
lage hatte, der beste Erfolg zu Theil werden möge, wie ihn dieselbe so 
sehr verdient. 

Herr Usner, Bibliothekar am k. k. Hofnaturalienkabinete , durch den 
das schon oben erwähnte erste Gefäss direkt aus London nach Wien besorgt, 
ward, hat um den Erfolg dieser seiner Unternehmung möglichst zu sichern 
und die Einrichtung solcher Aquarien recht gründlich zu studieren, in diesem 
abgelaufenen Jahre zwei Reisen nach London unternommen und ebenso die 
theils bestehenden , theils in Errichtung begriffenen Aquarien in Paris, Ant- 
werpen , Hamburg besichtigt, kurz keine Kosten gescheut, um seine Absicht, 
solche Aquarien bei uns einheimisch zu machen, in möglichster Vollkommen- 
heit zu erreichen. 



Der Vorsitzende, Herr Dr. Siegfried Reissek besprach zwei 
neue Beiträge zur Pilzkunde, welche von Herrn Schulz er von 
Müggenburg eingesendet worden waren. (Siehe Abhandlungen.) 



Ferner theilte derselbe der Versammlung die Nachricht vom Ab- 
leben Sr. Excellenz des Herrn Grafen von Beroldingen, Land- 
marschalles der n. öst. Stände und Präsidenten der k. k. Gartenbau- 
gesellschaft mit und hob namentlich die Liberalität hervor, mit welcher 
von dem hohen Verblichenen der Gesellschaft im ständischen Palais 
das Locale eingeräumt worden war. 



Schliesslich machte Herr Dr. Reissek das Resultat der 
Wahlen bekannt. 

Es wurden gewählt: 

Zum Präsidenten: 
Seine Durchlaucht Herr Richard Fürst zu Khe venhüller-Met s ch. 



104 



Sitzung am 5. December 1860. 



Zu Vicepr äsidenten die Herren: 
Beer J. G. 

Brunner von Wattenwyl Kar). 
Felder Dr. Cajetan. 
Fitzinger Dr. Leopold. 
Kotschy Dr. Theodor. 

Schröckinger Julius Ritter von Neudenberg. 



Abhandlungen. 



M. I Abhaudl 



1 



Niederösterreichische Weiden. 

Von 

Dr. A. Kerner. 

Vorgelegt iu der Sitzung vom 2. August 1859. 

„In temperatis et f rigiäiusculis hemisphaerae borealis utrius* 
que continentis innumerae Salicis mira formarum inconstantia 
luxuriant botanicorum crux et scandalurn." 

Endlicher Enchir. bot. p. 17S. 

Die . Ansicht, dass Pflanzen - Blendlinge in der freien Natur vorkommen und 
sich dort durch zufällige Veranlassung ebensogut bilden können, wie sie 
in den Gärten durch absichtliche künstliche Befruchtung entstehen, hat sich 
gegenwärtig allerwärts Bahn gebrochen und kaum dürfte es mehr einen 
Widersacher der Ansicht geben, dass viele der Pflanzenformen, welche den 
vielgestaltigen durch das dioicische oder andro- und gynodynamische Vorhältniss 
ihrer Blüthen ausgezeichneten Weiden, Disteln, Münzen, Primeln und Habichts - 
kräutern angehören, einer zweiartigen Befruchtung ihr Dasein verdanken. — 
Nachdem die vor dem Forum der Wissenschaft wiederholten Versuche der 
Gärtner die Möglichkeit der Bastartbildung*) im Pflanzenreiche nachgewiesen 
hatten, glaubte man auch alsbald eine Menge wildwachsender Pflanzen als 
Blendlinge zu erkennen und suchte gewisse Regeln festzustellen , um für eine 
fragliche Pflanze den Nachweis ihrer Bastartnatur geben zu können. 
Einerseits sollten die Verhältnisse des Vorkommens, anderseits die Form und 
endlich die Unfruchtbarkeit als Anhaltspunkte zu diesem Nachweise dienen. 
Diejenigen Mittelbildungen, bei denen man eine ungleichartige Befruchtung 
vermuthete, sollten nur dort vorkommen, wo auch die beiden Stammformen, 
zwischen denen sie die Mitte hielten, sich finden, die Stammältern sollten zu 
gleicher Zeit blühen, die Blendlinge sollten nur vereinzelt und zerstreut ange- 
troffen werden, sie sollten unfruchtbar sein und es sollten entsprechend den 
zwei Kreuzungen, welche zwischen zwei Pflauzenarten möglich sind, zwei 
Bastarte sich bilden , welche in den Zeugungsorganen der pollengebenden 
Stammart, in den Ernährungsorganen der samentragenden mehr ähnlich sehen. 



*) Natu Grimui: Bastart, nicht Bastard. 



1* 



4 



Dr. A. Kern er: 



Alle, welche über Bastarte ihre Ansichten veröffentlichten, sprechen sich endlich 
auch noch dahin aus, dass zur Erkennung der Blendlinge ein gewisser Scharf- 
blick nothwendig sei, welcher diesen Pflanzen „die so zu sagen ihre Entstehung 
an der Stirne tragen" ihre Bastartnatur ansieht. Sobald aber die indi- 
viduelle Ansicht des Beobachters mit in"s Spiel gezogen wird, so ist auch die 
Möglichkeit gegeben, dass irrige Ansichten über den Ursprung einer Pflanze 
verbreitet weiden und nicht selten scheinen auch Uebergangsformen , welche 
zwei klimatische oder geognostische Parallel formen einer und derselben Art 
verbinden, als Blendlinge angesehen worden zu sein. 

Spätere Entdeckungen haben an den oben aufgezählten Sätzen der 
Bastartkunde gewaltig gerüttelt, so dass gegenwärtig keiner derselben mehr 
in seinem ganzen Umfange Geltung finden kann. 

Nicht immer werden die Bastarte nur in der Nähe der Stamm- 
älter n gefunden, sondern oft kommen sie weit entfernt von diesen oder in 
Gegenden vor, wo nur die eine der Stammformen gleichzeitig angetroffen 
wird. So findet sich z. B. eine Mittelform zwischen Salix purpurea und S. 
nigricans bei Lilienthal nächst Breslau, obschon in der näheren Umgebung 
dort keine S. nigricans angetroffen wird ; ebenso wächst ein Blendling aus & 
pentandra und fragilis im Wienthale bei Penzing, obschon auf viele Meilen 
weit keine S. pentandra dort aufgefunden wurde. Solche Erscheinungen 
können aber nicht gegen die Bastartnatur einer Pflanze sprechen, indem 
S. nigricans früher in der Nähe des zuerst erwähnten Bastartes vorgekommen 
sein mag, ebenso wie es möglich ist, dass S. pentandra im Wienerwalde in 
der Nähe des Standortes des Blendlings aus S. pentandra und S. fragilis 
vorkam, ja vielleicht noch vorkommt. — Von diesem Standpunkte aus dürften 
die Bastarte manchmal sogar interessante Anhaltspunkte geben, aus denen 
man auf Veränderungen schliessen kann, welche die Pflanzenwelt im Laufe 
der Zeit erlitten hat. Uebrigens bedarf es bei Pflanzen, deren Samen, wie 
jene der Weiden und Disteln ein Spiel des Windes sind und durch den leisesten 
Luftstrom weithin über Berg und Thal geführt werden, kaum der Annahme 
des früheren Vorhandenseins einer Stammart an dem Standorte des Bastarts. — 
Auch darf bei Betrachtung solcher Fälle nicht unberücksichtigt bleiben, dass 
Bastartbefruchtungen besonders häufig durch Insekten, insonderheit Bienen 
herbeigeführt werden, welche den Pollen aus weit entlegenen Bezirken von 
Art zu Art verschleppen und insbesonders wird in Beziehung der Weiden von 
Wichura*) aufmerksam gemacht, dass bei ihnen der Pollen nicht wie bei 
den Haselnüssen und Kiefern vom Winde umhergetrieben , sondern nur 
durch Insekten der weiblichen Blüthe zugeführt wird. Jedermann, der im 
Frühlinge, wo die Weiden den Reigen der Blüthen eröffnen helfen, die um 
hre Kätzchen summenden Schwärme der Immen gesehen hat, und beobachtete, 



*) W i chura: Ueber künstlich erzeugte Weidenbastarte. 31.- Jahresbericht der schles. Gesellschaft 
für Vaterland. Kultur. Seite 160. 



Nicdcrüslencicliisclic Weidet). 



5 



wie diese, mit blüthenstaubbedecktem Pelze von Strauch zu Strauch »ich fort- 
tummeln, der wird die Möglichkeit einer Befruchtung- weit entfernter verschie- 
denartiger Blüthen nicht weiter bezweifeln , ja es wird sich ihm sogar 
unwillkürlich die Frage aufdrängen, warum die Bastarte nicht noch viel 
häufiger angetroffen werden, als es wirklich der Fall ist. 

Die gleiche Blüthezeit der Stamm ältern ist allerdings zur 
Sicherstellung der Bastartnatur unumgänglich nothwendig, nur muss man 
hier gleichfalls zulassen, dass die beiden in Blüthe stehenden Stammarten weit 
von einander getrennt vorkommen können. — Die Reihe des Aufblühens läuft 
bei den Weiden ebenso, wie bei allen andern Pflanzen in einer ganz bestimmten 
Folge ab, die Mannigfaltigkeit der Standorte aber bedingt die Möglichkeit , dass 
Arten, welche sonst unter gleichen äusseren Verhältnissen in sehr verschiedenen 
Zeiträumen blühen würden, an zwei durch ihre Lage. Erhebung und Beschattung 
verschiedenen Punkten derselben Gegend zu gleicher Zeit ihre Blüthen entfalten 
können. Die Insekten werden sich nicht scheuen, die im kühlen Schatten blühenden 
Weiden gerade so zu besuchen, wie jene, welche in sonnigen windgeschützten 
Lagen aufgeblühet sind, ebenso wie sie im raschen Fluge in wenigen Augen- 
blicken einen Höhengürtel durchmessen, an dessen oberem und unterem Rande 
bedeutende Unterschiede in der Zeit der Blüthenentwicklung vorkommen. — 
Vielleicht mag es sich auch hieraus erklären, dass in gebirgigen Gegenden, 
wo durch die Mannigfaltigkeit der Bodengestaltung auch eine grössere Ab- 
wechslung der auf die Entwicklung der Pflanzen einwirkenden Verhältnisse 
bedingt wird, die Bastarte sich viel häufiger, als anderswo finden. In Nieder- 
Oesterreich, dessen Weiden in diesem Aufsatze ihre Besprechung finden werden, 
war insbesondere der Reichthum an Blendlingen in den tief eingeschnittenen 
Alpenthälern, wie z. B. den engen ThaLchluchten bei Gaming und Lunz auf- 
fallend ; eben dort aber sahen wir auch auf der einen Seite des Thaies Salix 
glabra in voller Blüthe und S. grandifolia längst abgeblüht, während an der 
gegenüberliegenden gegen Mitternacht gerichteten Berglehne die Kätzchen 
von S. .glabra eben die Kno>penschuppen durchbrachen und S. grandifolia 
in voller Blüthe stand. 

Das zerstreute und sparsame Vorkommen scheint unter allen 
zur Feststellung der Blendlingsnatur benützten Merkmalen noch das zuver- 
lässigste zu sein. Nur wenige Weidenbastarte, wie z. B. jene von Salix alba 
und S. fragilis machen eine Ausnahme und stehen mehreren Arten, welche 
nicht hybriden Ursprungs sind, in ihrer Häufigkeit nicht nach. Diese Erscheinung 
— welche auch verursacht haben mag, dass sich Floristen, die bei anderen 
Weiden die Bastartnatur anerkennen , nicht entschliessen konnten , auch für 
diese Mittelbildungen den hybriden Ursprung gelten zu lassen — steht übrigens 
ziemlich vereinzelt da und für die Mehrzahl derjenigen Formen, welche wir 
für Blendlinge halten , trifft das Merkmal des zerstreuten und sparsamen 
Vorkommens gegenwärtig jfllerdings vollkommen zu. — Ob diese Blendlinge 



6 



Dr. A. Kern er 



für immer ein solches beschränktes Vorkommen zeigen werden, ist eine Frage, 
auf welche wir später nochmals zurückkommen werden. 

Die Unfruchtbarkeit wurde in früherer Zeit für einen der wich- 
tigsten und sichersten Anhaltspunkte zur Erkennung eines Blendlings gehalten. 
Die Gärtner bestritten zwar längst diese Ansicht und beuteten sogar die 
Fruchtbarkeit der Bastarte thatsächlich aus, indem sie durch künstliche 
ungleichartige Befruchtung yon Bastarten mit Stammältern so wie von Bastarten 
untereinander neue Formen hervorriefen ; — die Männer der Wissenschaft jedoch 
sträubten sich lange gegen die Annahme der Möglichkeit einer solchen Be- 
fruchtung , weil damit eines der wichtigsten Merkmale , auf das sich der 
Unterschied von Art und Bastart *) stützte, aufgegeben werden musste. 
— In einem Aufsatze Alex. Braunes**) finden wir zuerst ausdrücklich 
hervorgehoben : dass Unfruchtbarkeit nicht immer ein Kennzeichen der Bastarte 
sei, da sie oft durch die eine oder andere der Stammarten befruchtet, Früchte 
und Samen zur Reife bringen — und in letzterer Zeit spricht sich auch 
Wimm er***) dahin aus, dass die Blendlinge keimfähige Samen zu geben 
im Stande seien. Die höchst dankenswerthen Versuche von Wichuraf) haben 
für die Weiden die Keimfähigkeit der von Bastarten erzeugten Samen , so 
wie ihre Befruchtungsfähigkeit in früher nicht geahnter Ausdehnung sicher- 
gestellt und nicht nur die Möglichkeit der Kreuzung einer Stammart mit 
einer anderen Stammart , sondern auch eines Bastartes mit einem andern 
Bastarte und endlich einer Stammart mit einem Bastarte in allen möglichen 
Versetzungen nachgewiesen. — Allerdings scheint die Fruchtbarkeit sich 
nicht auf alle Blendlinge auszudehnen und von Wimm er und Wichura 
werden einzelne Weidenbastarte, z. B. jene von S. viminalis mit S. amygdalina, 
so wie von S. viminalis mit S. cinerea als unfruchtbar hervorgehoben. Solche 
Fälle bilden aber, verglichen mit der weit überwiegenden Mehrheit der Fälle 
von Fruchtbarkeit, Ausnähmen von der Regel und beirren um so weniger, 
als auch andere Pflanzen, die allen Anzeichen nach keine Blendlinge sind, 
keimungsunfähige Samen hervorbringen , ohne dass dafür ein Grund an - 
gegeben werden könnte. 

So wie die früher festgehaltene Ansicht, dass die Blendlinge der 
Fruchtbarkeit entbehren, sich nicht bestätigte, ebenso konnte die Regel, dass 
die beiden Bastarte — welche zwischen zwei Stammarten entstehen, je 
nachdem die eine und die andere die Rolle der Pollengebenden spielt — sich 
dadurch unterscheiden lassen: dass jede derselben in den Zeugungs- 



*) Wimm er äusserte sich Flora 1846, Seite 148: Wenn Bastarte auch bis zur Ausbildung des 
Embryo gelangten und auf diese Weise fruchtbar -würden und sich fortpflanzten, so wären sie bis zum 
Range von Arten fortgeschritten, also auf diese Weise wirkliche und zwar neue Species entstanden. 
**) Flora oder allgem. bot. Zeitung IV. Bd, I. Seite 4. 

***) „Wildwachsende Bastartpflanzen« in Denkschrift, d. schles. Gesellschaft für Vaterland. Kultur 1853, 
Seite IV6. 9 
t) Wichura a. a. 0. Seite 163. 



Niederustcrreicliisrhe Weiilen. 



organen der pollengebenden, in den Ernährungsorganen der 
samentragenden Stammart näher stehe, keine Geltung finden. — 
Dass entsprechend der doppelten Rolle , welche jede Stammart bei der Be- 
fruchtung spielen kann, auch zweierlei Erzeugnisse zwischen zwei Stammarten 
entstehen können, ist zwar nicht zu bezweifeln, die Form dieser Erzeugnisse 
aber im Vorhinein angeben — oder umgekehrt aus der Form auf die Rolle 
zurückschliessen zu wollen , welche die Stammältern bei der Erzeugung des 
Blendlings gespielt haben, sind wir auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen 
nicht berechtigt und ein solches Verfahren ist daher zum wenigsten verfrüht. 

Die Zwischenbildungen, bei welchen wir in Berücksichtigung ihrer Form und 
ihres Vorkommens einen zweiartigen Ursprung voraussetzen, halten entweder 
genau die Mitte zwischen den muthmasslichen Stammältern 
oder sie neigen sich in ihrer Form mehr zu einer der erzeu- 
genden Stammformen hin. Diese letzteren, für welche wir den Namen 
goneiklinische *) Formen vorschlagen , haben in der Neuzeit eine doppelte 
Deutung erfahren. — Nachdem man sich wiederholt überzeugt hatte, 
dass die durch künstliche zweiartige Befruchtung erzielten Samen aus 
einem und demselben Blüthen - Köpfchen , ja selbst aus einer und derselben 
Kapsel gewöhnlich sehr verschiedene Mittelbildungen liefern, von denen einige 
dieser, andere jener Stammart näher stehen, tauchte die Ansicht auf, dass 
der Pollen auf die verschiedenen Samenknospen eines und desselben Frucht- 
knotens mit ungleicher Befruchtungskraft einwirken könne und dadurch 
ungleiche Erzeugnisse zu Tag bringe. Schon Gärtner hatte auf diesen 
ungleichen Einfluss hingewiesen, indem er sagte, dass häufig eine der Stamm- 
arten auf den Blendling einen „typischen Einfluss ' übt, so dass der Blendling 
in seinen Merkmalen der einen Stammart dann viel näher steht, als der zweiten. 
Versuche von Grenier und Jordan bestätigten neuerlich diese Angabe, 
welche auch ganz allgemein von den Gärtnern behauptet wird. Von anderer 
Seite wurden jedoch diese goneiklinischen Blendlinge als Bastarte zweiter 
Ordnung angesehen, welche durch befruchtende Verbindung eines Bastartes 
erster Ordnung mit einer der Stammformen entstanden sind. Namentlich 
scheint Schultz von dieser Voraussetzung ausgegangen zu sein, als er solche 
Formen mit einem Dreinamen (z B. Hieracium praealto — Pilosella — 
praealtum) bezeichnete. Diese Ansicht hat gleichfalls ihre Berechtigung und 
Begründung in den Ergebnissen, welche die Versuche künstlicher Bastartirung 
zu Tage gefördert und die Möglichkeit, dass solche durch zweimalige Kreuzung 
entstandene Blendlinge auch in der freien Natur vorkommen, ist nicht in 
Abrede zu stellen, da die Insekten die blühenden Bastarte ebensogut besuchen 
werden , wie die Pflanzen , die keine Bastarte sind. — Aber auch für den 
lall, dass die Befruchtung nicht immer durch Vermittlung der Insekten gedacht 



*) Von yovev<s Erzeuger und xXivta hinneigen. 



8 



Dr. A. Kern er 



wird, ist bei den dioicischen Weiden die Entstehung eines doppelt gekreuzten 
Blendlings in der freien Natur nichts weniger als unwahrscheinlich, weil nur 
selten Staub- und Fruchtblüthen tragende Sträucher eines und desselben 
Blendlings nebeneinanderstehen, sondern diese fast immer einzeln zwischen 
anderen verbreiteteren Arten angetroffen werden, so dass -- wenn überhaupt 
eine befruchtende Verbindung der Bliitben untereinander wachsenden Weiden- 
zweige ohne Uebertragung des Pollens durch Insekten stattfindet — sich 
ebensogut Stammart mit Stammart, wie Blendling mit Stammart verbinden 
kann. — Jede dieser zwei Ansichten über die Bildung goneiklinischer Bastarte 
gründet sich auf Versuche, die keine Einwendung zulassen. Welchen Weg 
jedoch die Natur bei Bildung solcher Bastarte einschlägt, ob den in der ersten 
oder den in der zweiten Ansicht bezeichneten, ob vielleicht beide — muss 
vorläufig dahingestellt bleiben Entschieden ist aber die Ansicht zurückzu- 
weisen, dass solche, einer der Stammformen sich nähernde Blendlinge als 
„Rückschläge" anzusehen seien. Man stellte sich nämlich vor, dass den durch 
zweiartige Befruchtung entstandenen Mittelformen . die gewissermassen 
als regelwidrige Bildungen zu betrachten seien, die Sucht innewohne, wieder 
in eine der Stammformen zurückzukehren und dass die Natur gezwungen sei, 
in den Artgrenzen zu bleiben , die sie sich einmal gezogen habe. — Obschon 
nun die Erfahrung lehrt, dass die Form einer Pflanze durch äussere Einflüsse 
wesentlich geändert werden könne, so müssen wir doch die Möglichkeit, dass 
auch durch inneren Einfluss eine andere Formgestaltung stattfinden könne, 
in Abrede stellen. 

Jede Pflanze mu>s als ein Wesen aufgefasst werden, dem eine bestimmte 
Idee als Bildungsgesetz zu Grunde liegt, deren körperliche Erscheinung eben 
die Pflanze selbst ist. Da die Idee der Form aber in einem nothwendigen Einklang 
mit den äusseren Verhältnissen stehen muss , so werden sich bei Aenderung 
der örtlichen Einflüsse allerdings auch gewisse Merkmale der Pflanze um- 
gestalten können, das Individuum aber als körperliche Erscheinung der seiner 
Art zu Grunde liegenden Idee vermag auf diese selbst nicht bestimmend ein- 
zuwirken und sie nicht zu ändern. — 

Dem von zwei verschiedenen Pflanzenarten erzeugten neuem Keime 
muss in dem Augenblicke der Vereinigung gleichfalls ein bestimmtes Bildungs- 
gesetz eingepflanzt werden, das sich je nach der Stärke, mit welcher sich 
die beiden Stammältern betheiligten, bald mehr dem Vorbilde der einen 
Stammart , bald dem der andern anschmiegen wird. Das in dem Keim 
aber einmal gegebene Bildungsgesetz ist von dem Augenblicke der Ver- 
einigung ein bestimmtes und selbstständiges geworden und vermag 
als Individuum körperlich in Erscheinung zu treten. Das Bastart-Individuum 
aber vermag auf seine eigene Gestaltung nicht einzuwirken, sondern ' folgt 
eben nothwendig dem ihm zu Grunde liegenden Gesetze. Der einmal gebildete 
Blendling ist fortpflanzungsfähig, vermag sich also zu erhalten und muss 
gerade so als Art r aufgefasst und von dem Naturforscher als solche 



Nicdcröstcrreichischc Weideu. 



9 



beschrieben werden , wie eine andere selbstständige Form, die nicht im Ver- 
dachte eines zweiartigen Ursprunges steht, da derselbe uns von der Natur 
als be>timmtc selbstständig gewordene Form geboten wird. — Der Begriffeines 
Blendlings ist von dem einer Stammform nicht anders, als durch den ver- 
schiedenen Ursprung abzugrenzen — da aber der Ursprung bei den wild- 
wachsenden Basl arten nur mit Rücksicht auf die Form gemuthmasst werden 
kar.n , da es überdiess denkbar ist, dass die Stammform selbst einst den 
Ursprung eines Blendlings gehabt hat und dass nur eines ihrer Stammältern 
ausgestorben sei, so ist auch diese Grenze schwankend und un- 
haltbar. 

Die Behauptung , dass die Bastarte nach einigen Genera- 
tionen aussterben und dass, wie Kant sagt: die Blendlingsart in mehr 
oder weniger Gliedern der Zeugung erlischt , kann nach den vorliegenden 
Erfahrungen eben so wenig bejaht, wie verneint werden. — Wenn wir die 
Pflanzenwelt nicht als ein Abgeschlossenes, sondern als ein in fortdauernder 
Veränderung, im steten Werden Begriffenes auffassen, so liegt es nahe, an- 
zunehmen, dass die Natur auch den Weg der Bastartirung einschlage, um 
ihre Arten zu vervielfältigen , — oder wären die Blendlinge wirklich nur : 
„fruchtlose Versuche der Natur, sich mit ihren jetzigen Kräften zu neuen 
spezifischen Typen zu erheben". *) — Wir bezweifeln es. — Man hat zwar 
als auffallende Erscheinung hervorgehoben , dass die Bastarte gegenwärtig 
meistens nur in geringer Menge und in der Regel nur zwischen den Stamm- 
ältern angetroffen werden und diese Erscheinungen als Beweise angesehen, 
dass der Erhaltung, Vermehrung und Verbreitung der Bastarte irgendwelche 
noch unbekannte Hindernisse entgegenstehen müssen. Diese Erscheinungen 
sind aber eben die einzigen Anzeichen, durch welche wir gegenwärtig ge- 
leitet werden , eine im Freien vorkommende Mittelform als Bastart zu er- 
klären. Sobald die Mittelform häufiger auftritt und sich auch noch an Orten 
findet , wo die eine oder andere der verwandten zwei Arten fehlt, so nimmt 
man Anstand, sie als Blendling anzusehen und betrachtet sie als „gute Art". 
— Ist es nun aber nicht möglich, dass diejenigen Mittelformen, bei welchen 
man gegenwärtig- aus dem sparsamen und zerstreuten Vorkommen auf einen 
Blendlinge-Ursprung sekliesst, sich mit der Zeit weiter verbreiten und ver- 
mehren ? — Die Zeit , seit welcher man die Pflanzenbastarte verfolgt , ist 
wohl viel zu kurz , als dass schon jetzt mit einiger Bestimmtheit hier eine 
Antwort gegeben werden könnte und es muss die Lösung dieser Frage der 
Zukunft vorbehalten bleiben. 

Dass es übrigens eine gewisse Grenze der Bastart- Neubildung gebe, 
unterliegt wohl keinem Zweifel. Gewiss ist, dass nur verwandte Formen, die 
eine „sexuelle Affinität" besitzen , durch ungleichartige Befruchtung Blend- 



*) Nägeli: Die Cirsicn der Schweiz. Pfeile Denkschriften der alldem. Schweiz. Gesellschaft tüi 
Nalurvv. Band 5. 

Bd. X. Abhamll 9 



10 



Dr. A K <:rn er: 



linge geben können. Aber auch unter diesen durch Verwandtschaft mit ein- 
ander verbundenen Pflanzengruppen, bei welchen bis jetzt Bastarte beobachtet 
wurden , scheint die Kreuzung nicht mit gleicher Leichtigkeit ein Ergebniss 
hervorzubringen. Die Grenze der Kreuzungsfähigkeit ist bis jetzt aber noch 
nicht genau festgestellt. 

Durch die Versuche von Wichura ist bewiesen, dass Blendlinge mit 
Blendlingen, von denen jeder zwei anderen Arten seine Entstehung verdankt, 
eine befruchtende Verbindung eingehen können und es wurden Pflanzen er- 
zeugt, an welchen mittelbar vier verschiedene Formen betheiligt waren. Die 
Erkennung solcher Bastarte iu der freien Natur dürfte übrigens selbst dem 
gewandtesten Beobachter eine unlösliche Aufgabe bleiben — und wenn wir 
den Gedanken der Möglichkeit , dass solche aus vier Stammformen hervor- 
gegangene Bastarte selbst wieder unter einander sich kreuzen können, weiter 
spinnen , so sind wir an dem Punkte angelangt , wo es unmöglich wird, die 
Formen durch Unterscheidungsmerkmale auseinander zu halten oder um mit 
Wimm er zu sprechen: die Formen fliessen dann chaotisch in einander und die 
Art verschwindet. — Die Habichtskräuter scheinen uns allerdings ein Beispiel 
eines solchen Ineinanderfliessens zu geben und darauf h inzuweisen , dass bei 
gewissen Pflanzengattungen eine unendliche Reihe von Blendlingen gebildet 
werden könne. 

Benennung der Bastarte. 

Entsprechend den verschiedenen Ansichten über die Entstehung und 
die Bedeutung der Pflanzenbastarte waren auch die den Blendlingen ge- 
gebenen wissenschaftlichen Benennungen verschieden. Die Mehrzahl der 
Botaniker hielt sich an die zuerst von Schiede in Anwendung gebrachte 
Benennungsweise und bildete den Namen eines Bastartes durch Zusammen- 
setzung aus den Namen der muthmasslichen Stammältern — Da man der 
Ansicht war, dass sich die pollengebende Stammart in den Zeugungsorganen, 
die samentragende in den Ernährungsorganen des Bastartes ausspreche, wollte 
man durch Vorsetzung des Namens der ersteren und Nachsetzung des Namens 
der letzteren dieses Verhältniss ausdrücken und glaubte auf diese Weise die 
zwei Blendlinge (a c? und (6 (j 1 möglicht vollkommen bezeichnet 

zu haben. — Bald stellte sich aber auch das Bedürfniss heraus , diejenigen 
Bastarte , welche sich mehr der Form einer der Stammältern nähern, zu be- 
zeichnen und von der irrigen Ansicht geleitet, dass solche goneiklinische 
Blendlinge : „Rückschläge w zu den Stammarten seien , wurden sie unter dem 
Vorgange Nägel Ts auch fehlerhaft als „formae recedentes" mit (ab) rece- 
dens ad a u.s.f. bezeichnet-, diejenigen Botaniker hingegen, welche in diesen 
goneiklinischcn Bastarten das Ergebniss einer zweitmaligen Kreuzung eines schon 
vorhandenen Bastartes mit einer seiner Stammformen zu erkennen glaubten, 
belegten sie auf Grundlage der S c h i e d ersehen Benennungsweise mit einem 
Dreinamen und so wurden Namen wie Hieracium Pilosella-praealto-Pilosella 
u. dgl. gebildet. 



NicderÖsterretChisthe Weiden. 



11 



Da bei der Ermittlung der Stammältern einer im Freien gefundenen 
für einen Rastart gehaltenen Mittelform die, jedem Beobachter eigentüm- 
liche Betrachtungsweise in's Spiel kommt, so ist natürlich auch die Möglich- 
keit gegeben, dass mit dem S ch i e d ersehen Zweinamen eine irrige Ansicht 
über die Pflanze in die Welt geschleudert weiden kann, deren spätere Be- 
richtigung auch eine Aenderung des Namens nothwendig nach sich zieht. 
Auf diese Weise ist die Schiede'sche Benennung schon mehrfach die Ur- 
sache zur Entstehung eines sehr überflüssigen Synonynien-Ballastes geworden. 
Wenn schon bei den Bastarten einmaliger Kreuzung ein fehlerhafter Rück- 
schluss auf die Stammältern und deren Rolle vorkommen kann, so wird ein 
solcher Schluss bei Bastarten , welche als das Ergebniss einer zweitmaligen 
Kreuzung eines schon vorhandenen Bastarts mit einer seiner Stammformen 
gedacht werden, um so leichter vorkommen können. — Wir bilden natürlich 
unser Urtheil über den Ursprung eines wildwachsenden Blendlings nur auf 
Grundlage der äusseren Merkmale, welche der vorliegenden fraglichen Pflanze 
eigen sind. Berücksichtigen wir aber die ganze Reihe von verschiedenen 
Verbindungen, welche zwischen den beiden Stammarten a und b und den 
durch erstmalige Kreuzung entstandenen Bastarten (a <$ b & und b a%>) 
denkbar sind *), so müssten wir offen gestehen , das wir keinem , selbst nicht 
dem scharfsinnigsten Beobachter zutrauen, aus der Form eines in der 
freien Natur aufgefundenen goneiklinischen Bastartes sich mit solcher Be- 
stimmtheit ein Urtheil über die Entstehung zu bilden , dass er darnach im 
Stande wäre, der aufgefundenen Pflanze auch mit Ueberzeugung einen Platz 
in der unten angegebenen Reihe möglicher Verbindungs-Formeln anzuweisen. 
— Der Nachtheil der S ch i e d e'schen Benennungsweise: dass sich der Name 
zum Theil auf die individuelle und darum möglicherweise Irrungen unter- 
worfene Ansicht des Beobachters stützt, ist hier fast unvermeidlich und es 
scheinen uns daher Namen, wie Hieracium praecdto-Pilosella-praealtum oder 
H. Pilosella-Pilosella-praealtum u. dgl. , abgesehen von ihrer Hässlichkeit, 
ganz hergerichtet , um die Verwirrung erst recht zu vermehren. — Dazu 
kommen noch folgende zwei Dinge zu berücksichtigen: Erstens, dass die 
Ansicht, es sei die pollengebende Stammart in den Zeugungsorganen, die 
samentragende in den Ernährungsorganen des Bastartes ausgesprochen — 
wie oben bereits erwähnt — keine hinreichende Begründung in der Erfahrung 
hat und zweitens, dass man bei den im Freien aufgefundenen goneiklinischen 
Blendlingen niemals wird entscheiden können , ob man es wirklich mit einem 
Erzeugniss der Kreuzung eines Bastartes mit einer seiner Stammältern zu 



*) Den Bastart {atf bQ) mit A und den Bastart {btf aQ) mit B bezeichnet, ergeben sich: 

i. A$a% % atf 3. jtfbQ b.A^btf 

5. ßc^a? 6. atf 7-B$b^ 8. U$ b($ 

W er würde z. ß. -wagen, zu entscheiden, ob ein aufgefundener goneiklinischer Bastart mit der Formel der 
ersten oder sechsten Versetzung zu bezeichnen sei. 

3 * 



12 



Pr. A. Kern er 



thun habe, oder ob die gefundene Pflanze nicht vielmehr durch ungleiche 
Betheiligung zweier Stammarten bei der Befruchtung entstanden sei. — Aus 
allen dem geht aber hervor: dass wir mit dem Namen, den wir 
einem wildwachsenden muthmass liehen Blendlinge geben, 
niemals ein bestimmtes Urtheil über den Ursprung des 
Blendlings verbinden dürfen. — Soll aber der Name auf den Ur- 
sprung der Pflanze gar keinen Bezug haben und mit einem nach der 
Sch ie de'schen Benennungsweise gebildeten Zwei- oder Dreinamen nichts 
weiter als das beiläufige Verhältniss der Form eines Bastartes zur Form der 
muthmasslichen Stammüttern ausgedrückt weiden , so könnte dort , wo nur 
ein, zwei, drei Zwischenformen in Mitte zweier Staramältern beobachtet 
werden, die Schiede'sche Formel immerhin den der Pflanze gebührenden 
Art-Namen ersetzen ; sobald aber eine ganze Kette von Zwischenformen 
inmitten der Stammüttern auftritt und jedes einzelne Glied dieser Kette ent- 
sprechend bezeichnet werden soll, ist die S ch i e d e'sche Benennungswei.se 
durch Versetzung der Namen der Stammüttern unzureichend , oder wenn sie 
versucht wird, abgeschmackt und verwirrend. 

Neuere Systematiker, welche sich mit Bastarten beschüftigten und die 
der oben ausgesprochenen Ansicht sind, dass es bis jetzt nicht möglich sei, 
sich aus der Form des Bastartes mit Sicherheit einen Rückschluss auf die Rolle 
der Stammültern zu erlauben, legten auch der Vor- und Xachsetzung der 
Namen keine weitere Bedeutung bei und erkannten die Unzweckmassigkeit 
und Unzulünglichkeit einer Bezeichnung der goneiklinischen Bastarte durch 
blosse Verschiebung der Namen der Stammformen. — Um aber dennoch 
die Schiede'sche Benennungsweise in Anwendung bringen zu können, 
fassten sie sümmtliche Glieder der Kette von Zwischen- 
form e n , w e 1 ch e inmitten zweier Stammältem erscheinen, 
unter einem Zweinamen zusammen und betrachteten die 
einzelnen Glieder der Kette als Varietüten dieses Formen- 
inbegriffes. So z. B. unterscheidet Wimm er von Salix purpurea- 
viminalis , welcher Name ihm gleichbedeutend mit Salix viminalis-purpurea 
ist , die Varietüten : b. Forbyana, c. sericea u. dgl. — Dieses Verfahren ist 
jedoch darum unzulüssig , weil die einzelnen Glieder einer solchen Kette 
nicht immer durch üussere Einflüsse bedingte Formabünderungen einer und 
derselben Art sind, s'ondern meistens selbst bestimmte selbststündig gewordene 
Formen darstellen, deren auch jeder dann ein Art-Name gebührt. 5 '') 

Neuerlich**) wurde von Grenier eine Bezeichnung der Bastarte auf 
Grundlage der Sc hie deichen Benennungsweise in Anwendung gebracht, 
welche noch eine besondere Berücksichtigung verdient. Nachdem Grenier 
in seiner Abhandlung anfünglich nachweist, dass die goneiklinischen Formen 

*) Auf Varietäten der Blendlingsarten werden wir sputer nochmals zurückkommen. 
**) Annales des Sciences naturelles tom. XIX. Cauier Nr. 3. 



.Nicderösterreiehisehe Weiden . 



13 



sowohl das Ergebniss einer Kreuzung eines Bastartcs mit einer seiner 
Stammältern . als auch das Ergebniss einer ungleichen Befruchtungskraft 
(Pinegale action) des Pollens sein können und sich weiters dahin ausspricht, 
dass es schwierig, ja meistens unmöglich sei, die Rolle zu bezeichnen, welche 
die A eitern bei der Befruchtung spielten, und so die pollengebende 
und samentragende Stammart herauszufinden , um nach der Vorschrift 
S c h i e d e's den Zweinamen durch Vorsetzung des Vaternamens und Nach- 
setzung des Mutternamens zu bilden , so schlägt er vor , dass man in erster 
Linie immer den Namen jener Stammform stelle, welcher sich der Blendling 
am meisten nähert und dass man dort , wo wieder ein verschiedener Grad 
der Näherung vorkommt , diesen durch die Wörtchen super und sub aus- 
drücke. Grenier bringt hierauf seine Benennungsweise auf mehrere Fälle 
in Anwendung. Der letzte derselben , in welchem er eine ganze Reihe von 
Bastarten zwischen Cirsium rivulare und palustre zu benennen versucht, mag 
hier, da er alle anderen Fälle einschliesst, seinen Platz finden. Drei Blendlings- 
arten , welche dem C* palustre näher stehen, werden als C. palustri-rivulare 
bezeichnet und zwar nach dem Grade des Näherstehens als Ii C. superpalustri- 
rivulare , 2. C. palustri-rivulare und 3. C. subpalustri-rivulare. Drei Formen, 
welche dem C. rivulare näher stehen , werden C. rivulare-palustre benannt 
und gleichfalls wieder nach dem Grade ihres Näherstehens als f. C. super- 
rh'idare-palustre , 2. C. rivulare-palustre und 3. C. subrivulare-palustre unter- 
schieden. Darnach entwickelt sich die ganze Reihe: 

1. Cirsium svperpalustri-rivulare , 

2. „ palustri-rivulare , 

3. „ subpalustri-rivulare, 

4. „ superrivulare-palustre , 

5. „ rivulare-palustre , 

6. „ subrivulare-palustre. 

Grenier meint zum Schlüsse, dass sich nur selten sechs Ver- 
bindungen hinreichend durch äussere Merkmale unterschieden in der Natur 
vorfinden und dass man dieselben werde auf vier zurückführen können, indem 
die Verbindungen 3 und 4, so wie die Verbindungen 1 und 6 in ihrer Form 
häufig zusammenfallen. — Diese Anwendung der Schi ede'schen Benennungs- 
weise auf die goneiklinischen Formen hat jedenfalls vor den früher bespro- 
chenen ähnlichen Versuchen von Nägeli, Schultz und Wimmer einige 
Vortheile. Sie erweckt in uns nicht eine irrige Ansicht über die Lebens- 
geschichte der Blendlinge, wie diess durch die NägelTsche Bezeichnung 
mit „recedens" geschehen würde ; sie schliesst auch kein falsches Urtheil 
über den Ursprung des Bastartes ein, wie das bei der Schultz^chen Be- 
zeichnungsweise möglich ist, da sie es dahingestellt sein lässt, ob eine gonei- 
klinische Form durch grössere oder geringere Befruchtungskraft der einen 
Stammart entstanden oder aber das Ergebniss der Kreuzung eines Bastartes 
mit einer seiner Stammformen sei, — sie hat endlich vor der Wimraer'schen 



14 



Dr. A. K cm er 



Bezeichnungsweise den Vortheil , dass sie den goneiklinischen Formen ihn 
Selbstständigkeit wahrt und nicht Anlass giebt, sie irrigerweise als Varietäten 
aufzufassen. — Deraungeachtet ist auch diese Bezeichnungswei»e unzureichend. 
— Wenn goneiklinische Formen durch ungleiche Einwirkung des Pollens entr- 
standen gedacht werden, so müssen wir, um logisch zu sein, zwischen 
a c? und b $ eine ganze Reihe von Blendlingen zulassen , deren einzelne 
Glieder desto ähnlicher der Stammform b sind, je schwächer die Einwirkung 
des Pollens von a war und die desto ähnlicher der Stammform a sein werden, 
je gewaltiger der Eingriff von a gewesen ist. Huldigen wir der zweiten 
Ansicht, der zu Folge ein goneiklinischer Bastart das Erzeugniss der befruch- 
tende n Verbindung eines Blendlings mit einer seiner Stammältern ist , so 
müssen wir gleichfalls die Möglichkeit des Daseins von mehr als zwei in 
ihrer Form verschiedenen zu a und ebenso vieler zu b hinneigender Bastarte 
zulassen, wenn wir auch behaupten, dass es nicht möglich ist, nach der Form 

zu sagen, welcher der 4 Formeln: (a <$ (f b QY) > ( a G? ('-* <S a 
({a ($ bQ) a <S <*> a 9)i ein zu a neigender Bastart entspreche 

Nach der Greni ergehen Bezeichnungsweise müssten aber in allen jenen 
Fällen, wo mehr als sechs durch äussere Merkmale unterscheidbare Glieder 
der Blendlingskette zwischen a und b vorkommen , zwei und mehrere spezi- 
fische Formen unter einen Namen zusammengefasst werden, was vom natur- 
historischen Standpunkte nicht zulässig ist. Wenn auch solche Fälle nur selten 
vorkommen dürften , so ist doch ihre Möglichkeit nicht in Abrede zu stellen 
und bereits durch die Erfahrung bestätigt. — Ebenso dürfen wir uns nicht 
verhehlen, dass in jenen Fällen, wo nur eine einzelne goneiklinische Form 
vorliegt, diese Bezeichnungsweise nur sehr unsicher angewendet werden kann. 
Gesetzt, es würde ein einzelner Bastart zwischen Salix retusa und S. herbacea 
gefunden werden, welcher sich in seiner Form mehr zu der ersten Stammart 
hinneigt , so wüssten wir im Vorhinein nicht anzugeben , ob derselbe als 
S. superretusa-herbacea , S. retusa-herbacea oder S. subretusa-herbacea zu 
bezeichnen sei und es wäre möglich , dass, nachdem wir denselben als S. 
retusa-herbacea bezeichneten , nachträglich beim Bekanntwerden von weiteren 
Gliedern der Reihe sein Name in S. superretusa - herbacea umgewandelt 
werden müsste. — So wenig aber die Bezeichnung einer Pflanze in uns 
Vorstellungen über den Ursprung, die Bedeutung und die Lebensgeschichte 
erwecken darf, so lange diese nur in das Dunkel der Muthmassungen gehüllt 
sind, ebensowenig darf der Name einer Pflanze so formulirt sein, dass er 
durch spätere Entdeckungen zur Unwahrheit werden kann. Das ist aber 
immer der Fall, wenn mit einem Namen nach der G r e n i e loschen Methode 
ein Glied aus einer Reihe bezeichnet werden soll, die wir noch nicht voll- 
ständig kennen. 

Aus dem Allem geht hervor, dass die Schiede'sche Benennungsweise 
in allen Abänderungen unzureichend ist. — Gestützt auf die früher Seite 8 



Niederösterreichiscbe Weiden . 



15 



ausgesprochene Ansicht, dass den Blendlingsarten der Werth einer Art nicht 
abzusprechen ist und dass die Grenze zwischen denjenigen Arten, bei welchen 
wir aus der äusseren Form und dem Vorkommen muthmassen, dass sie eines 
zweiartigen Ursprungs seien und jenen, bei welchen keine der gegenwärtigen 
Erscheinungen auf einen solcheu Ursprung hinweist, eine sehr schwankende 
sei. werden wir auch in der nachfolgenden Beschreibung der niederösterreichischen 
Weiden die muthmasslichen Blendlinge ebenso wie die als unzweifelhafte 
Arten allgemein anerkannten Formen mit Art -Namen bezeichnen. Bei den 
Arten mit wahrscheinlicher Bastartnatur, soll das Yerhältniss der Form zu den 
muthmasslichen Stammältern durch eine nach der Grenier-Sch iede'' sehen 
Bezeichnungsweise gebildete und der Beschreibung des Bastartes vorangeschickte 
Formel ausgedrückt und dem Artnamen das von Reichenbach zuerst für 
Blendlingsarten in Anwendung gebrachte Zeichen ^ vorgesetzt werden. — 
Dieses Verfahren ist nicht eine Neuerung, sondern wurde und wird von aus- 
gezeichneten Botanikern, welche auch das Vorhandensein von Pflanzenbastarten 
in der freien Natur durchaus nicht in Abrede stellen, mehrfach ausgeführt 
und ist nach unserer Ansicht das einzige, durch welches wir einer sonst 
unvermeidlichen Verwirrung der Nomenklatur vorbeugen können. Auch 
von Wimm er wurde die$£ Art der Bezeichnung in dem Texte, der seinem 
Herb. Salic. beigeschlossen ist (siehe Fase. VIII ) bereits in Anwendung ge- 
bracht und sie dürfte als die unzweifelhaft zweckmässigste wohl allgemeinen 
Eingang finden.— Bei den im Nachfolgenden beschrieb _nen niederösterreichischen 
Weiden stellte sich nur für wenige die Notwendigkeit heraus, sie mit neuen 
Namen zu belegen. Die Mehrzahl fand sich bereits von älteren Autoren mit 
Artnamen veröffentlicht. Wenn es gestützt auf Originalexemplare möglich war, 
die Gleichheit einer der aufgefundenen Weiden der niederösterreichischen Flora 
mit jenen Formen, auf welche sich die älteren Artnamen bezogen, herzustellen, 
so wurden diese natürlich wieder in Anwendung gebracht und man wird daher 
mehrere hal b verschollene Namen von Tausch und Host wieder an ihren Platz 
gesetzt finden. 

Die zuvorkommende Güte, mit welcher mir Herr Direktor Fenzl die 
Schätze des kais. botan. Hofkabinetes , der Vorstand der k. k. zoolog -botan. 
Gesellschaft, dann Herr Oberlandesgerichtsrath Neilreich und Herr Dr. 
Reichhardt ihre Herbarien zur Verfügung stellten, machte es möglich, die 
Weiden des Herb. norm, von Fries, jene des Herb, salicum von Wimm er, 
die Original - Exemplare zu Neil reichs Flora von Nie;]erösterreich , die 
Tausch'schen Weiden, jene des Ho stachen Gartens u. s. f. zu vergleichen. 
E- sei mir gestattet, den genannten Herren für ihre freundliche Unterstützung 
meinen besten Dank auszudrücken und ihre Namen im Nachfolgenden neu 
beschriebenen Weiden beilegen zu dürfen. 



10 



Dr. A. Kenia 



Begrenzung der Weidenarten. 

Bei Begrenzung jener Weidenarten, deren Form und Vor- 
kommen keinen zweiartigen Ursprung muthmassen lässt, bin ich 
im Allgemeinen Wi m m e r n gefolgt, dem das grosse Verdienst zukommt, durch 
richtige Erkennung der in der freien Natur vorkommenden Blendlingsarten die 
Stammarten der Weiden auf eine verhältnissmässig kleine Zahl zurückgeführt zu 
haben. Auch in Beziehung der Begrenzung der Varietäten schliesse 
ich mich an ihn an und huldige namentlich auch seinem Ausspruche, dass 
gewisse Formen als „Parallelformen" anzusehen seien — kann mir aber nicht 
versagen, im Nachstehenden meine Ansichten über Art und Varietät einzu- 
schalten , da sie die Grundlage der im früheren ausgesprochenen Ansicht 
über den Werth und die Bedeutung der Blendlingsarten bilden. 

Jede lebende Pflanzenart hat die Fähigheit, Stoffe, die ausser ihr 
liegen, in Form einfacher Verbindungen aufzunehmen und aus ihnen zusammen- 
gesetztere Verbindungen zu bilden. Das Vorbild dieses Bildens ist kein 
zufälliges, sondern ein nothwendiges , ein bestimmtes und die bestimmt 
gestaltende Kraft liegt in jedem kleinsten Theil der lebenden Pilanzenart. 

Wir sehen, dass diese Kraft von Zelle auf Zelle fort und fort übertragen 
wird, so wie wir umgekehrt von Zelle auf Zelle, von Individuum zu Individuum 
diese gestaltende Kraft durch frühere Zeiträume zurückverfolgen können und 
sie uns bis zu einem Uranfang gleich bleibend denken müssen. Die Pflanze 
folgt bei dieser Bildung allerdings physikalischen und chemischen Kräften, 
und die von ihr erzeugten Produkte hat man zum Theil sogar künstlich aus un- 
organischen Substanzen zu erzeugen vermocht, — dennoch lassen sich die Resul- 
tate, welche die lebende Pflanze erzielt, durch die physikalischen und chemischen 
Kräfte allein nicht erklären, namentlich ist es unmöglich anzugeben, warum jede 
Pflanzenart andere aber immer bestimmteVerbindungen bildet. Der Grund 
dieser bestimmt gestaltenden Lebenskraft ist die für jede Pflanzenart bestimmte 
Form-Idee. Durch sie hat der Stoff seine bestimmte chemische Qualität, sie 
ist der Inbegriff aller Kräfte und Eigenschaften , die einer bestimmten Qualität 
des Stoffes zukommt und durch sie tritt dieser Stoff unter gegebenen äusse- 
ren Umständen auch in seiner ihm eigentümlichen Form noth wendig in 
Erscheinung. Da die Form-Idee im Stoffe sich nur unter gegebenen äusseren 
Umständen verwirklichen kann, somuss sie mit diesen äussern Umständen im Ein- 
klang stehen, und bei Betrachtung der verwirklichten Form-Ideen, d. i. in unserem 
Falle der lebenden pflanzlichen Körper, müssen auch diese äusseren Umstände 
oder Lebensbedingungen in Betrachtung gezogen werden. 

Dass jede Pflanze wirklich auch eine chemisch bestimmte sei und dass 
ihre chemische Eigenthümlichkeit die Form setzt , dürfte keinem Zweifel 
unterliegen und es findet diese Ansicht ihre Stütze einerseits in den bezüglichen 
Verhältnisset) der unorganischen Natur, andererseits in der Erfahrung an den 
Pflanzen selbst. — Die Gesetze der organischen Natur können dem Wesen 



Xicderiisterrekhiselie Weiden. 



1? 



nach keine anderen sein , als jene der unorganischen , nur sind sie bei den 
Erzeugnissen der letzteren klarer und erkennbarer, als bei den im ewigen 
Wechsel befindlichen pflanzlichen und thierischen Organismen. — Man hat bei 
den unorganischen Körpern zuerst den Einklang der Form mit der chemischen 
Konstitution mehr gewürdigt und gefunden , dass es nichts chemisch Ver- 
schiedenes gebe, was nicht auch durch naturhistorische Merkmale unterschieden 
werden könnte. Auch der umgekehrte Satz : dass alles, was durch Merkmale 
der Form unterschieden werden kann, in seiner chemischen Grundlage ver- 
schieden sei, ist mit Ausnahme der später noch zu besprechenden polymorphen 
Substanzen als Regel für die unorganischen Körper anzusehen , und so ver- 
schleiert auch noch Vieles in Beziehung auf diesen Zusammenhang von Gestalt 
und chemischer Zusammensetzung sein mag, so scheint doch ihr wechselseitiges 
Bedingen ganz ausser Zweifel zu sein. — Die Erfahrung giebt uns vielfache 
Anhaltspunkte, diesen für die unorganische Natur geltenden Zusammenhang 
auch auf die Pflanzenwelt anzuwenden. Die organische Chemie bereichert 
von Tag zu Tag die Wissenschaft mit Ergebnissen , welche eine Bestätigung 
der Ansicht geben, dass die chemische Qualität jeder Pflanzenart eine bestimmte 
sei und dass die durch den Begriff der Familie von den Systematikern ihrer 
Formähnlichkeit halber verbundenen Arten auch durch ähnliche chemische 
Verbindungen sich auszeichnen. Aber selbst dort, wo die organische Chemie 
uns noch keinen Aufschluss über den Zusammenhang der chemischen Konsti- 
tution verwandter Pflanzenformen gegeben hat , liefern uns anderweitige Er- 
fahrungen wichtige Anhaltspunkte. — Bekannt ist, dass die meisten Insekten 
bestimmte Nahrungsstoffe haben , oftmals nähren sie sich nur von einer 
einzigen Art, häufig aber auch von mehreren, — im letzteren Falle aber sind 
es regelmässig verwandte Pflanzenformen und um nur ein bekanntes Beispiel 
zu erwähnen, sei hier der Lytta vesicatoria gedacht, welche als Nahrungspflanzen 
die verschiedenen Eschen, und Fliederarten, so wie den Liguster — also drei 
Pflanzengattungen aufsucht, welche auf den ersten Blick scheinbar unähnlich, 
sich erst bei näherer Betrachtung als formverwandt herausstellen und sicherlich 
in ihrer stofflichen Grundlage ein entsprechendes Verwandtschafts-Verhältniss 
zeigen. — Auch das Gleichbleiben des Geschmackes und Geruches bei einer 
und derselben Pflanzenart igt ein schlagender Beweis, dass jede Pflanzenart 
immer nach derselben Schablone arbeitet, dass die in ihr sich bildenden Ver- 
bindungen für jede Art bestimmt sind , dass mit einem Wort ihre chemische 
Qualität immer eine und dieselbe ist. Wenn man für viele Pflanzenarten in 
botanischen Werken den Ausdruck „chemisch indifferent 4 ' in Anwendung bringt 
und damit bezeichnen will: dass die organische Chemie bis jetzt keine beson- 
deren eigenthümlichen Verbindungen nachzuweisen vermochte und dass diese 
Pflanzen auf unsern Geschmacks- und Geruchssinn nicht eigenthümlich ein- 
wirken, so beweist das noch nichts für das Fehlen solcher eigenthümlichen 
Verbindungen — und wir zweifeln nicht , dass erneuerte chemische Unter- 
Bd. I. Abbandl. 3 



IS 



Hr. A . Kern er: 



suchungen diesen Ausdruck mit der Zeit wohl vollständig zü verbannen im 

Stande sein werden. 

Wenn nach dem Obigen also jede Pflanzenart durch die Form-Idee 
eine bestimmte chemische Qualität hat und durch sie befähigt ist, die ausser 
dem pflanzlichen Organismus befindlichen einfacheren Verbindungen in sich 
aufzunehmen und zu einem sich Gleichartigen zu verbinden und zu gestalten, 
so bedarf die Pflanze zu ihrer erneuernden Gestaltung zunächst der Materialien 
zur Neubildung, sie bedarf jener Elemente, welche sie zu zusammengesetzteren 
ihr eigenlhümlichen Verbindungen umbilden soll. — Bekanntlich sind diese 
Materialien zunächst die vier Grundstoffe: Kohlenstoff , Sauerstoff , Wasser- 
stoff, Stickstoff, welche in sehr einfachen Verbindungen so weit und noch 
weiter verbreitet sind als die Pflanzenwelt , und dann einige wenige un- 
organische in dem Boden befindliche Salze. Trotz der geringen Zahl dieser 
Baustoffe, ist bei dem Umstände, dass die chemische Konstitution der Ver- 
bindungen durch verschiedene Quantität der einzelnen in Verbindung eingehenden 
Grundstoffe eine verschiedene wird , die Anzahl der denkbaren organischen 
Verbindungen eine unendliche , und die Anzahl der bis jetzt bekannten ist 
wohl erst ein Bruchtheil der noch aufzufindenden. — Die Anzahl der ver- 
schiedenen von der Natur gebotenen Pflanzenformen aber bleibt weit hinter 
der unendlichen Reihe denkbarer verschiedener chemischer Qualitäten zurück 
und ist — wenigstens für jede Zeit — eine abgegrenzte. 

Bei ungeänderten äusseren Bedingungen verwirklicht sich die einmal 
gesetzte Form-Idee nothwendig fort und fort in gleicher Form. Findet die 
Pflanze die zu ihrer Fortbildung hinreichende Quantität und die 
ungeänderte Qualität der chemischen Baustoffe, so wie die 
entsprechenden Wärme- und Lichtverhältnisse, so wird das Neu- 
gebildete dem Bildenden nothwendig gleichgestaltet sein. — Eine vermehrte 
Quantität dieser äusseren Bildungsbedingungen wird grössere Ueppigkeit, 
eine Verminderung wird Zwerghaftigkeit bedingen. — Reich- und arm- 
blüthige, breit- und schmalblättrige u. d. g. Formen können so aus einer 
und derselben Grundlage hervorgehen, ohne dass diese darum ihre chemische 
Qualität und ihre eigen thümliche Form aufzugeben brauchten. 

Aendert sich jedoch die Qualität der Lebensbedingungen 
der Pflanze, so wird diese Aenderung entweder eine erneuerte Gestaltung 
ganz unmöglich machen oder eine Umgestaltung der Form zur Folge haben. 

Eine Aenderung jener Reihe von chemischen Elementen, aus 
welchen die Pflanze die Hauptmasse ihres Körpers bildet, 
nämlich des Kohlenstoffes , Sauerstoffes , Wasserstoffes und manchmal auch 
des Stickstoffes, die der Pflanze in der Kohlensäure, dem. Wasser und dem 
Ammoniak geboten werden müssen, würde die Weiterentwickelung gänzlich 
hemmen — nicht so aber auch eine Aenderung derjenigen Grundstoffe-) 
welche von der Pflanze als Salze aus dem Boden aufge- 
nommen werden, und wenn daher von einem formändernden Einflüsse, 



Niederüsterreichiselie Weiden. 



10 



der von der Pflanze aufgenommenen Nahrungsmittel die Rede ist, so kann 
sich das nur auf diese aus dem Boden aufgesogenen Salze beziehen. 

Die Rolle, welche diese in Beziehung auf die chemische Qualität 
der Pflanze spielen, kann eine doppelte sein. Sie gehen entweder in die für 
die Pflanzenart eigenthümlichen Verbindungen ein und bilden einen wesent- 
lichen Bestandtheil einer oder mehrerer dieser Verbindungen — oder sie sind 
nur unwesentliche Beimengungen, und es fragt sich nun weiter, welchen 
Einfluss sie je nach dieser doppelten Rolle auf die Form der Pflanze haben 
können. — 

Die Betrachtung unorganischer Körper lehrt , dass die Grundstoffe und 
die chemischen Verbindungen selbst dann in bestimmten ihnen zukommenden 
Formen erscheinen, wenn andere nicht zur Qualität ihrer Substanz gehörige 
Stoffe beigemengt sind, wenn anders diese Beimengung eine gewisse Grenze 
nicht überschreitet. Diese Grenze scheint für jeden Grundstoff und jede Ver- 
bindung eine bestimmte zu sein. Eines der auffallendsten Beispiele ist jedenfalls 
der kohlensaure Kalk, der selbst dann in seiner eigenthümlichen Kristallform 
erscheinen kann, wenn ihm 63°/o Quarzsand beigemengt sind. Für die Mehr- 
zahl der Verbindungen würde zwar eine solche bedeutende Beimengung eine 
Behinderung der Formung sein , — gewiss aber ist , dass alle von der Natur 
geformt gebotenen Grundstoffe und Verbindungen mehrerer Grundstoffe 
Beimengungen enthalten können, welche wie schon Linne meinte, in 
die der Hauptverbindung eigenthüniliche Form gleichsam eingezwängt werden. 
— Mehrfache Versuche haben gezeigt, dass solche Beimengungen zwar nicht 
die Bestimmtheit der Form ändern, dass die kristallografische Bestimmtheit 
der Substanz nicht gestört werde , dass aber verschiedene zu einer und der- 
selben kristallografischen Einheit gehörige , demselben Kristallsystem und 
derselben Kristallreihe sich unterordnende Formen hervorgebracht werden. 
So z. B. kristallisirt Salmiak aus reiner Lösung in Oktaedern, in Folge der 
Beimengung eines Kupfersalzes in Kombination von Würfel und Oktaeder 
und nach Beimengung von Harnstoff in Würfeln ; — aus einer reinen Lösung 
des doppelapfelsauren Ammoniaks kristallisirt diese Verbindung in rhombischen 
holoedrischen Kristallformen heraus, ist aber die Lösung durch Erhitzung 
etwas zersetzt und eine geringe Menge des Zersetzungsproduktes beigemengt, 
so erscheinen an den Kristallformen auch hemiedrische Flächen ; — Alaun 
kristallisirt aus neutralen Lösungen in Oktaedern, aus alkalischen Lösungen 
in "Würfeln. — 

Ganz ähnlich wie bei den unorganischen Körpern findet man auch bei den 
pflanzlichen Organismen unwesentliche Beimengungen, welche von 
den Pflanzen mit den anderen Materialien, die sie zur Neubildung ihrer Substanz 
nothwendig bedürfen, aufgenommen werden. Eine solche Beimengung wird 
jedoch hier ebensowenig wie in der unorganischen Natur im Stande sein, die 
Wesenheit der chemischen Qualität der Pflanz? aufzuheben , sie wird die 
Form - Idee , nach welcher die Pflanze als bestimmte Art erscheint, nicht 

3* 



20 



Dr. A. Kerncr: 



gründlich ändern, wohl aber werden durch sie geringe Modifikationen in der 
erscheinenden Pflanze bedingt werden können , die sich so lange erhalten, 
als die Beimengung in die Pflanze gelangt. — Auf einem mit Kochsalz 
geschwängerten Boden bekommen Pflanzen, welche nicht halophil sind, fleischige 
Blätter, ohne dass darum die Grundform geändert würde. Ebenso modifizirt 
sich die Form vieler Pflanzen, je nachdem sie auf kalkreichem oder kalkfreiera 
Boden wachsen. Sie werden sich auf den zweierlei Bodenunterlagen gewisser- 
massen vertreten und ersetzen und können als Parallelformen aufg< ta— t 
werden. Ihre Verschiedenheit dauert so lange , als die Verschiedenheit der 
Beimengung andauert , — die eigentümliche Grundform der Pflanze wird 
jedoch eben so wenig geändert, als die sie bedingende chemische Qualität 
in ihrer Wesenheit eine Aenderung erleidet. 

Für manche Gewächse scheinen übrigens diese Elemente, welche aus 
dem Boden in Form von Salzen aufgenommen werden, nicht die Rolle von 
Beimengungen zu spielen, sondern einen wes en tl ic h en B e stand t heil 
jener chemischen Verbindungen zu bilden, welche eben für 
die bestimmte Pf lanzenar t charakteristisch sind und ihre chemische 
Qualität bilden. Das Fehlen eines solchen Elementes in einer Bodenart macht 
diese nicht immer untauglich, dass sich in ihr jener pflanzliche Organismus 
weiter bilde, in dessen eigenthümliche Verbindungen das fehlende Element 
eingehen sollte, indem das eine Element durch ein anderes, das der Boden 
liefert oder durch organische Radikale ersetzt zu werden scheint. Die so 
entstehenden Substitutionsprodukte werden natürlich denselben Zusammen- 
setzungstypus , dieselbe Molekularanordnung haben, und so wenig der 
Charakter der Stammverbindung verloren geht , so wenig wird auch der 
Charakter der Form in dem pflanzlichen Organismus verloren gehen, in 
welchem die Substitution stattgefunden hat, obschon es wahrscheinlich ist, 
dass durch sie gewisse Aenderungen in den äusseren Merkmahlen bedingt 
werden. Es werden auf diese Weise gleichfalls Parallelformen einer 
und derselben Art entstehen können. 

Wir haben vorläufig keinen Anhaltspunkt um zu unterscheiden, ob bei 
vorliegenden Parallelformen, die durch andere Bodenverhältnisse bedingt sind, 
die Abweichung der einen Form von der anderen durch Substitution eines 
Elementes in der charakteristischen chemischen Verbindung oder nur durch 
Beimengung eines Stoffes bedingt werde , — gewiss ist aber , dass solche 
Parallelformen vielfach vorhanden sind. Schon Zahlbr ukn er *) hat auf 
dieselben aufmerksam gemacht uud später ist durch Unger, Schnitzlein, 
Sendfc.ner und Andere auf den wichtigen Einfluss des Bodens auf die Pflanzen 
und die durch die chemische Eigenthümlichkeit der Unterlage bedingte 
Formverschiedenheit vielfach hingewiesen worden. 



•) Darstellung der pflanzengeographischen Verhältnisse des Erzherzogthunis Oesterreich unter der 
Euns in den Beiträgen zur Landeskunde Oesterreichs unter der Erms. f. Seite 252. 



Niederösterrcichische Weiden . 



21 



Nächst dem Boden vermag aber auch der Sonnen- 
strahl Parallelformen einer und derselben Art hervor- 
zurufen. — Es ist unzweifelhaft , dass durch den Einfluss von Licht und 
Wärme, insoferne durch sie die von der Sonne ausgehende bewegende Kraft 
übertragen wird, die Anregung zur Zerlegung so wie zur Neubildung chemi- 
scher Verbindungen gegeben wird. Die Wärmestrahlen so wie die Lichtstrahlen, 
beide bedingen eine ganze Welt von Erscheinungen in der organischen und 
unorganischen Natur und sind „die beiden hohen Dioskuren, durch deren Einfluss 
und Vermittlung ganz insbesondere das pflanzliche Leben gedeiht." 

Indem die Wärme bewegende Kraft auf die Pflanze überträgt, regt 
sie diese fort und fort an , die ausser ihr befindlichen Elemente aufzunehmen 
und dieselben sich zu verähnlichen, — sie wird aber auch selbst in der Pflanze 
latent, „geht gewissermassen in die Verbindung der Molekular - Aggregate 
über, welche wir Körper nennen." — Die chemische Umbildung in der Pflanze, 
die der Hauptsache nach als Desoxydation aufgefasst werden muss , ist wie 
früher erwähnt wurde, für jede Art eine bestimmte, da aber Desoxydation 
immer eine Wärme - Absorption oder Kraftaufnahme zur nothwendigen Folge 
hat, so wird die Menge der aufgenommenen Wärme in einem Einklang mit 
der jeder Pflanze eigenthümlichen chemischen Umbildung stehen müssen und 
durch die in Verbindung eingehende bestimmte Quantität der 
Wärme wird die chemische Qualität der Verbindung auch eine 
physikalisch bestimmte. — Die periodische Entwicklung der Pflanzen 
über welche von D e Candolle in seiner Geographie botanique und neuerlich 
von Hermann Hoffmann in seinen Grundzügen der Pflanzenklimatologie 
eine Reihe der interessantesten Beobachtungen vorliegen, weisen alle darauf 
hin, dass jeder Pflanze ein bestimmtes Wärmemass zukomme. Eine Aenderung 
dieses Lebensbedürfnisses der Pflanze wird nicht immer ein Aufhören des 
Organismus nothwendig nach sich ziehen , wohl aber eine Aenderung seiner 
physikalischen Qualität hervorrufen und in so ferne auch die Form so lange 
ändern können, als diese Verschiedenheit des Lebensbedürfnisses Wärme 
dauert, ohne dass darum die chemische Qualität eine andere geworden wäre« 
— Auch die unorganische Natur bietet hieher gehörige Verhältnisse in dem 
Dimorphismus oder Polymorphismus — wie man dieses Verhältniss in neuerer 
Zeit richtiger genannt hat, — und auch dort ist die Wärme die Ursache 
verschiedener Form einer und derselben chemischen Verbindung, indem z. B. 
kohlensaurer Kalk aus kalten Auflösungen als Calcit in hexagonalen Formen 
kristallisirt, während er aus warmen Auflösungen in Kristallen des rhombischen 
Kristallsystems als Aragonit herausfällt. — Während aber in der unorganischen 
Natur die einmal unter einem bestimmten Wärmemasse gebildete Form der 
Substanz eine starre ist, und darum auch zwei Formen derselben chemisch 
bestimmten Substanz neben einander bestehen können , da zu verschiedenen 
Zeiten sich bald unter Einfluss einer grösseren Wärmemenge die eine, dann 
wieder unter Einfluss einer geringeren Wärmemenge die andere Form bildete, 



22 



Dr. A. Kern er: 



wird in der organischen Natur es unmöglich sein, dass zwei Formen derselben 
chemisch gleichen Substanz zu gleicher Zeit an derselben Stelle vorkommen, 
und sie werden sich entweder zu gleicher Zeit in zwei klimatisch verschiedenen 
Orten oder an demselben Orte in zwei klimatisch verschiedenen Zeiträumen 
vertreten. — Finden sich daher zwei verschiedene Formen zu gleicher Zeit auf 
derselben Unterlage und unter denselben klimatischen Verhältnissen, so liegen 
verschiedene Form-Ideen , verschiedene chemische Qualitäten ihrer Substanz 
zu Grunde und sie sind als zwei Arten aufzufassen; finden sich jedoch in 
zwei klimatisch verschiedenen Gegenden unter gleichen Bodenbedingungen 
zwei wohl ähnliche, aber doch verschiedene Formen und zwar in der Weise, 
dass die eine nur dieser und die zweite nur jener Gegend zukommt , so sind 
sie als muthmassliche klimatische Vertreter oder klimatische Parallel- 
formen aufzufassen. Eine Bestätigung einer solchen Muthmassung wird 
allerdings nur der Versuch der Versetzung unter die anderen klimatischen 
Verhältnisse zu liefern im Stande sein. — Südliche und nördliche Formen, 
Alpen- und Thalformen, Steppen- und Küstenformen einer und derselben Art 
werden auf diese Weise ihre Erklärung finden. 

Da auch der chemische Antheil der Sonnenstrahlen unabhängig von der 
Wärme chemische Verbindungen umzusetzen im Stande ist und Lichtstrahl en 
fast ohne Wärme für die Pflanze von Bedeutung sind, so werden auch Modifi- 
kationen der Form entstehen, je nachdem eine Pflanze der direkten Besonnung 
ausgesetzt ist oder im Schatten sich entwickelt und es werden dadurch gleich- 
falls Parallelformen bedingt werden können. 

Die Parallelformen sind demnach: durch Gleichheit der chemischen 
Qualität mit einander verbundene Formen , denen dasselbe Vorbild , dieselbe 
Form-Idee ursprünglich zu Grunde lag, sie sind Umformungen, die dadurch 
bedingt wurden, dass die ursprüngliche Form-Idee eben nur unter gegebenen 
äusseren ungleichen Umständen sich verwirklichen konnte, und je tiefgreifender 
daher die Verschiedenheit der äusseren Umstände ist, desto tiefgreifender 
wird auch die Modifikation der Form sein, die sich aus der Form-Idee ver- 
wirklicht hat. Man hat diese Parallelformen die von N a e g e 1 i auch Subspezies 
genannt wurden, bald als Arten, bald als Spielarten oder Varietäten aufgefasst. 
— Betrachtet man alle jene verschiedenen Formen, die unter verschiedenen 
Lebensbedingungen aus einander hervorgehend gedacht werden können, 
denen aber eine und dieselbe Form -Idee zu Grunde liegt und die sich nur 
durch wandelbare Merkmale von einander unterscheiden , als zu einer Art 
gehörig, und legt man ihnen den Werth von Spielarten bei, so sind auch 
die Parallelformen als Spielarten aufzufassen. 

Bei bleibender Verschiedenheit der äusseren Umstände wird auch die 
einmal gebildete Spielart gleich bleiben und wird sich auch in einer Blendlingsart, 
auf welche dieselben äusseren Umstände einwirken , äussern können , da ja 
gleiche Ursachen in gleichen Organismen gleiche , in ähnlichen Organismen 
ähnliche Wirkungen hervorbringen. Insoferne finden sich auch die Bastarte 



NiedetöateryeiQhiscbe 'Weiden. 



£3 



manchmal in klimatischen und geognostischen oder Boden-Parallelformen. — 
Auch die Frage : ob die eigentümliche durch das Klima oder den Boden 
bedingte Form-Modilikation von den Stammeltern auf den von ihnen erzeugten 
Bastart übertragen werden könne, scheint bejahend beantwortet werden 
zu müssen. 

Sind Parallelformen als Spielarten aufzufassen, so müssen sie auch dem 
entsprechend bezeichnet werden. Man wird allerdings versucht, solche in 
entfernten, klimatisch unterschiedenen Gegenden oder auf zwei durch ihre 
Bodenzusammensetzung abweichenden Gebirgen sich vertretende Formen einer 
Art, auf eine andere Weise zu bezeichnen, als jene Parallelformen, welche 
an nahe neben einander liegenden Punkten eines und desselben Gebietes 
vorkommen , — da aber der Erscheinung der letzteren dieselbe Art von 
Ursachen zu Grunde liegt, wie dem Auftreten der ersteren und sich in einem 
beschränkten Gebiete an nahe liegenden Orten eben so gut ein gewisser 
Gegensatz der Boden- und klimatischen Verhältnisse aussprechen kann, wie 
in von einander entfernten Gegenden und getrennten Gebirgszügen, so ist 
eine solche Trennung füglich nicht zulässig und man würde bei einem dahin 
zielenden Versuche auf unzählige Schwierigkeiten stossen. Am berechtigsten 
wäre es noch, diejenigen Spielarten , bei welchen sich die Aenderung nur 
als Reich- und Armblüthigkeit, Gross- und Kleinblätterigkeit, Ueppigkeit 
und Zwerghaftigkeit ausspricht und wo die äusseren Verhältnisse vermuthen 
lassen, dass die Aenderung nur durch eine Fülle oder durch Mangel der 
Bildungsbedingungen herbeigeführt wurde, von jenen zu trennen, wo eine 
Aenderung der Form stattfand, die, nach der verschiedenen Qualität der 
Lebensbedingungen zu schliessen, durch Aenderung des Klimas oder Bodens 
bedingt wurde ;*_) — aber selbst diese scheinbar sehr leichte Trennung unter- 
liegt in Wirklichkeit grossen Schwierigkeiten, da hier natürlich dasselbe 
gilt, was oben bei den Bastarten angeführt wurde, dass man nämlich aus 
der Form und aus den Verhältnissen des Vorkommens einer Pflanze wohl 
gewisse Rückschlüsse auf ihre Lebensgeschichte und auf die Bedeutung ihrer 
Formänderungen zu machen im Stande sein wird, dass man aber erst dann 
berechtigt ist, die Muthmassung zur Bestimmtheit eines Ausspruches zu 
erheben, wenn das Ergebniss eines Versuches vorliegt, mit welchem man die 
Natur befragt hat. — Ein weites Feld von Versuchen liegt in dieser Beziehung 
noch vor uns und die schönsten Ergebnisse winken Denjenigen, die sich 
solchen, allerdings heiklichen und mühsamen, gewiss aber lohnenden und 
dankbaren Arbeiten widmen. 

In Beziehung auf die Weiden wiesen die Erfahrungen darauf hin, dass 
für die Mehrzahl die chemischen Verhältnisse des Bodens ziemlich gleichgültig 

*) Es soll im Nachfolgenden eine solche Trennung der Spielarten in der Weise versucht werden, 
dass die wahrscheinlichen Boden-Parallelformen durch vorgesetzte Zahlen, hingegen die mutmasslich als 
verschiedene Grade der Ueppigkeit aufzufassenden Spielarten durch vorgesetzte Buchstaben unterschieden 
werden. 



24 



Dr. A. Kernor : 



sind. — Dass die Mehrzahl einen bindenden thonreichen Boden verlangt, 
erklärt sich bei dieser wasserholden Familie wohl aus der wasserhaltenden 
Kraft des Thones. — Ausschliesslich auf kalkreichen Boden angewiesen sind 
in Niederösterreich S. incana und £. glabra. — Fast alle alpenbewohnenden 
Weiden aber zerfallen je nach der chemischen Verschiedenheit des Boden-, 
in Parallel formen und als solche ergeben sich in den Alpen: 

auf kalkreichem Boden: auf kalkfreiem Boden: 

Salix retusa 1) integrifolia, Salix retusa 2) serrata, 

Salix arbuscula 1) Waldsteiniana, Salix arbuscula 2) foetida, 
Salix myrsinites 1) Jacquiniana. Salix myrsinites 2) serrata. 

Sehr auffallend ist, dass sich diese Parallelformen in Beziehung ihrer 
Blätter in der Art unterscheiden, dass die auf kalkreichem Boden gedeihenden 
meist ganzrandige, die auf kalkfreiem Boden entwickelten dr 'isig gesägte 
Blätter besitzen. 

Was die klimatischen Parallelformen der Weiden anbelangt, so sind 
vielleicht als solche S. bicolor, arbuscula und pyrenaica — S. silesiaca und 
grandifolia — S. daphnoides und acutifolia — S. repens und S. rosniarinifolia 
anzusehen Bei der häufigen Verwechslung der verwandten Formen , welche 
die Angaben über das Vorkommen der Weiden nur mit grosser Vorsicht 
zu gebrauchen erlaubt, ist aber die sichere Feststellung der klimatischen 
Parallelformen noch nicht unzweifelhaft in's Reine gebracht. — Wahrscheinlich 
aber dürfte sich S. bicolor als Parallelform der alpinen S. arbuscula und 
der pyrenäischen S. pyrenaica herausstellen, so wie S. silesiaca, welche 
durch das schottische Hochland, durch das herzynische und sudetische Gebirgs- 
system bis in die Karpathen verbreitet ist, ihre Parallelform in der alpinen 
S. grandifolia zu finden scheint. Die S. silesiaca wird wohl auch in den 
Alpen angegeben; alle Weiden aber, welche ich unter diesem Namen von 
dorther zu sehen bekam, gehörten zu S. grandifolia, und niemals konnte 
ich an den dort angegebenen Standorten S. silesiaca , wohl aber S. grandi- 
folia beobachten. Ich war früher der Ansicht, das S. silesiaca als Boden- 
Parallelform der S. grandifolia aufzufassen sei und hielt die erstere für die 
dem kalkfreien, letztere für die dem kalkreichen Boden eigenthümliche 
Modifikation; bei meinen Reisen in den Karpathen überzeugte ich mich jedoch, 
dass S. silesiaca dort ebenso gut auf Kalkfelsen wie auf kalkfreiem Gesteine 
vorkomme. Da aber S. grandifolia auch bei Petersburg angegeben wird, 
uns aber nicht Gelegenheit geboten wurde, Exemplare dieser Gegend zu 
vergleichen, so wagen wir es noch nicht, die Ansicht, dass S. grandifolia 
die alpine Parallelform der S. silesiaca sei , als unzweifelhaft hinzustellen 
und werden auch in dem speciellen Theile dieser Arbeit vorläufig noch 
den Namen S. grandifolia beibehalten , so wie wir auch die übrigen muth- 
masslichen Parallel formen vor der Hand noch mit ihren üblichen Aitnamen 
aufführen weiden. 



Nioilertfsterroichischc Weiden . 



25 



Morphologisches. 

In Beziehung des Wert h es und der Beständigkeit der 
einzelnen Merkmale, welche zur Unterscheidung der Weidenarten 
benutzt werden, mögen hier noch einige Bemerkungen Platz finden. 

So wechselnd die absolute Grösse der einzelnen Organe je nach 
der Ueppigkeit und nach den verschiedenen Entwicklungsstadien bei den 
Weiden ist, so gibt doch die beziehungsweise Grösse, nämlich das 
Verhältniss der Länge zur Breite manchmal einen ziemlich guten Anhalts- 
punkt zur Unterscheidung. — Vielfache Messungen zeigten , dass namentlich 
die Kätzchen eine Beständigkeit in dieser Beziehung besitzen und dass sich, 
das relative Grössen- Verhältniss auch während der Entwicklungsstadien, welche 
die Kätzchen zur Blüthezeit durchlaufen, gleich bleibt, so zwar, dass in dem Ver- 
hältnisse, in welchem die Fäden der Staubgefässe und die Fruchtknoten mit ihren 
Stielen sich verlängern, auch die Spindel des Kätzchens an Länge zunimmt. — 
Auch das Verhältniss der Länge des Fruchtknotenstieles zur Honigdrüse fand ich 
ziemlich beständig, doch muss sich dasselbe auf ein und dasselbe Entwicklungs- 
stadium, nämlich auf die Zeit der vollen Blüthe beziehen, da sich nach dem 
Abblühen die Fruchtknotenstiele sehr verlängern, die Honigdrüsen dagegen 
verschrumpfen und dadurch wieder eine Unbestimmtheit eintritt. — Viel 
weniger gleichbleibend als an den Kätzchen und ihren Blüthenstielen ist das 
beziehungsweise Grössenverhältniss der Blätter ; dennoch kann dasselbe manch- 
mal zur Unterscheidung der Arten einigen Werth haben und auch zur Be- 
stimmung der Blendlingsarten ganz gute Anhaltspunkte geben , indem die 
Messungen zeigen , dass die relative Länge der Blätter bei den Bastarten 
beständig zwischen der relativen Länge der Blätter der muthmasslichen 
Stammältern die Mitte hält. — 

Unschwer lassen sich fast bei jeder Weidenart zwei einander gewisser- 
massen gegenüber stehende Formen erkennen ; die eine breiterblätterig mit 
kürzeren Massen der Blüthentheile , die andere schmälerblättrig mit 
schlankeren Kätzchen und längerem Ausmasse der Blüthenorgane. Bei 
der Mehrzahl scheint grössere oder geringere Ueppigkeit hievon die Ur- 
sache zu sein , für viele aber vermochte ich weder im Boden und 
Standort noch in den klimatischen Verhältnissen für diese fast durch 
die ganze Reihe der Weidenarten wahrnehmbare Erscheinung einen 
Erklärungsgrund zu finden, und nicht selten fand ich beide Formen dicht 
neben einander und untereinander wachsend. Am auffallendsten erschien 
dieses Verhältniss bei S. rosmarinifolia und S. amygdalina und bei letzterer 
z. B. zeigt die var. concolor Blätter, die 3 bis 5 mal und Kätzchen, die im 
Mittel 1 mal so lang als breit sind, während die var. discolor Blätter auf- 
Bd. X. Abliaadl 4 



20 



Dr. A. Kerner: 



weist , die 4 bis 8 mal und Kätzchen , die im Mittel 4 mal so lang als 
breit sind. 

Der Umriss der Blätter zeigt trotz einer grossen Mannigfaltigkeit 
doch bei jeder Weide mit ziemlicher Beständigkeit denselben Zuschnitt, und 
die Grundform des Blattes spricht sich in den breit- und schmalblättrigen 
Formen ebenso wie in den SchÖsslingen aus, obschon letztere oft auffallend 
in die Breite gezogen erscheinen. — Das Landvolk unterscheidet zwei Gruppen 
der Weiden : die Feibern und die Salchern und dieser Unterschied gründet 
sich ganz vorzüglich auf den Zuschnitt der Blätter. Bei den ersteren sind 
nämlich die Blätter mehr in die Länge gezogen , drei- bis zehnmal so lang 
als breit, meist lineal oder lanzettlich länger zugespitzt und an der Unterseite 
von einem vorspringenden starken Mittelnerven durchzogen , während die 
Seitennerven erster und zweiter Ordnung fadenförmig zart und dünn und kaum 
vorspringend erscheinen. Bei den Salchern sind die Blätter kürzer und breiter 
nur ein bis dreimal so lang als breit , elliptisch oder eiförmig oder verkehrt- 
eiförmig, kurz zugespitzt oder stumpf, an der Unterseite von einem vorsprin- 
genden Adernetze durchzogen, das aus den ziemlich derben Nerven zweiter 
und dritter Ordnung gebildet wird. Bei dieser letzteren Blattform zeigt sich 
— namentlich bei S. aurita, S. grandifolia, S. cinerea und S. Caprea — 
in mehr oder weniger ausgeprägter Weise an der oberen Blattfläche ein Netz 
von vertieften Linien, welches dem vorspringenden Nervennetze der unteren 
Seite entspricht und die Unebenheit der oberen Blattseite bedingt. Bei den 
Blättern der Feibern hingegen ist mit Ausnahme von S. viminalis, S. incana 
und den mit ihnen verwandten Bastarten die obere Blattfläche von keinen 
solchen Furchen und vertieften Linien durchsetzt und entweder eben oder — 
wie namentlich bei S. daphnoides und S. purpurea mit etwas erhabenen 
glatten Nervchen durchzogen. Letztere Erscheinung tritt insbesonders an ge- 
trockneten Blättern hervor , bei einigen Weiden aber wie z. B. bei S, myr- 
sinites 1.) Jacquiniana ist sie auch im lebenden Zustande schon wahrnehmbar. 

Der Rand der Blätter ist bei der Mehrzahl der Weiden gesägt oder 
gekerbt gesägt und zwar so , dass jeder Sägezahn an der Spitze mit einer 
kleinen drüsenartigen Verdickung endigt, die jedoch nur bei S. pentandra, 
S. cuspidata und 8. arbuscula 1.) fötida klebrig ist. — Auf die Eigentüm- 
lichkeit, dass die Parallelformen des kalkhältigen und kalkfreien Bodens in 
Beziehung des Blattrandes einen Gegensatz zeigen, wurde bereits früher 
aufmerksam gemacht. 

Die Blätter, welche sich an den Kätzchenstielen befinden, 
sind , wenn sie den Blättern der Aeste ähnlich geformt erscheinen auch in 
ähnlicher Weise berandet ; bei einigen jedoch, wie z. B. bei S. fragilis sind sie 
im Gegensatze zu den gesägten Blättern der Aeste ganzrandig. Das Beblättertsein 
des Kätzchenstieles ist für mehrere Arten, z. B. für 8. nigricans und S. 
arbuscula sehr unbeständig, für andere wie £. pentandra und S. cuspidata, 
ist hingegen das Vorhandensein feindrüsig gesägter Blättchen am Kätzchen- 



Niederösterreichisclie Weiden . 



27 



stiele ein sehr bezeichnendes Merkmal, so wie für S. daphnoides, S. viminalis, 
S. Caprea und mehrere andere hervorgehoben zu werden verdient, dass diese 
Blättchen entweder'ganz fehlen oder in lineale seidenhaarige Schuppen umge- 
wandelt sind. 

Die Art der Bekleidung der Blätter ist für die Mehrzahl der 
Weiden ein äusserst beständiges Merkmal und gibt höchst wichtige Anhalts- 
punkte, um aus der Form einer muthmasslichen Blendlingsart auf die Stanim- 
ältern einen Rückschluss machen zu können. — Es lassen sich 4 verschiedene 
Arten der Behaarung bei den Weiden wahrnehmen : 

1. Form. Die Haare sind verlängert, gerade und liegen alle 
parallel mit dem Hauptnerven des Blattes dicht auf der Blatt- 
fläche auf. — Das Licht wird in Folge der parallelen Lage gleichmässig 
reflektirt und wenn das von dem Blatte reflektirte Licht in das Auge des 
Beobachters kommt, erscheint diesem die ganze Blatt fläche gleich- 
mässig glänzend. Ausgezeichnet an S. rosmarinifolia und alba. 

2. Form. Die Haare sind unendlich klein und zart, etwa sechsmal 
kleiner als bei der früheren Form, sie sind gerade und liegen parallel 
mit den Fiedernerven erster Ordnung dicht auf der Blattfläche 
auf, so zwar dass die Richtungslinie der Härchen an der rechten Blatthälfte 
gegen jene der linken Blatthälfte einen stumpfen Winkel bildet. Da in ein 
und demselben Augenblicke das reflektirte Licht nur von den Härchen eines 
Theiles der Blattfläche in das Auge des Beobachters kommen kann, so wird 
auch nur dieser Theil erglänzen und bei Bewegung des Blattes erfolgt jene 
eigenthümliche Schimmern , welches die S. viminalis und alle durch Bastar- 
tirung aus ihr hervorgegangenen Blendlinge so sehr kennzeichnet. 

3. Form. Die Haare sind derb, meist Sförmig geschwe ift und halten 
in ihrer Länge die Mitte zwischen der ersten und zweiten Form. Sie liegen 
niemals vollkommen an der Blatt fläche an, aus welchem Grunde 
sich das Blatt, wenn anders die Haare desselben dicht gedrängt sind, sammt- 
artig anfühlt. — In ihrer Richtung folgen sie manchmal nach einer gewissen 
Regel und sind parthienweise in gleicher Stellung. Nur in diesem Falle und 
nur dann, wenn sie gegen die Blattfläche geneigt sind , zeigt sich bei dieser 
Form der Behaarung das Blatt noch etwas glänzend; sind jedoch die ge- 
schweiften derben Haare regellos und von der Blattfläche abstehend , so 
erscheint die Behaarung als matter Filz, der durch die verschiedene Färbung 
der Blattfläche, so wie durch das Gedrängter- oder Entfernterstehen der 
Haare verschiedene graue bläuliche oder weissliche Farbentöne des Blattes 
erzeugt. Die Salchern : S. Caprea, S. cinerea, S..aurita u. dgl. sind durch 
diese Art der Behaarung sehr ausgezeichnet. 

4. Form. Die Haare sind verlängert, vielfach gekrümmt 
regellos in einander verschlungen und bilden, wenn sie in so 
dichter Schichte vorhanden sind, dass dadurch die Farbe der Blattfläche ganz 
verdeckt wird, einen weisslichen glanzlosen Filz, welcher die 

4* 



28 



Dr. A. Kerner: 



8. incana und alle aus ihr hervorgegangenen Bastarte augenblicklich kenn- 
zeichnet. Ist die Schichte der verschlungenen Fäden weniger dicht, so bildet 
derselbe einen spinnenwebenartigen Ueberzug, der die Farbe der Blattfläche 
durchblicken lässt und dann dem Blatte einen mehr ins Graue hinüberziehenden 
Farbenton gibt. 

Dass wirklich nur die Lage der Haare die Ursache des Glanzes sei, 
lässt sich sehr leicht nachweisen , indem man den silbern glänzenden Ueber- 
zug eines Blattes von 8, alba mit einem Messer wegschabt und die Haare 
dadurch in Unordnung bringt ; augenblicklich erscheint dann das so gebildete 
Haufwerk von Haaren als matte glanzlose wollige Flocke ganz ähnlich dem 
Filze, der die untere Blattfläche von S. incana bedeckt. 

Der Unterschied der Behaarung junger und ausgewachsener Blätter 
muss stets berücksichtigt werden. Im jugendlichen Zustande sind nämlich die 
Blätter der meisten Weiden mit einem schmutzigen oft rostfarbigen, dabei 
aber etwas glänzenden, manchmal abwischbaren Flaume bedeckt, der jedoch 
ebenso bald schwindet wie der klebrige firnissartige Ueberzug , welchen die 
jungen sich eben entwickelnden Blätter von S. pentandra und S. fragilis 
zeigen. 

Der bläuliche Ueberzug, den mehrere Weiden an der unteren Blatt- 
seite zeigen , tritt bei der Mehrzahl erst an den ausgewachsenen Blättern 
hervor. Sehr ausgezeichnet ist derselbe an S. glabra und S. amygdalina b.) 
discolor. Bei S. nigricans schwindet derselbe später wieder von der Spitze 
gegen die Basis des Blattes zu, so dass jedes Blatt das Ansehen hat, als 
wäre der bläuliche Ueberzug durch Betasten mit den Fingern von der Spitze 
weggewischt worden. — Die Stärke dieses bläulichen Ueberzuges so wie die 
Stärke der Behaarung steht unzweifelhaft mit der Besonnung und dem 
Feuchtigkeitszustand des Bodens in der Weise im Zusammenhange , dass die 
Bekleidung an sonnigen trockenen Standorten zunimmt , und dichter wird, an 
schattigen feuchten Standorten abnimmt und einen mehr lockeren und dünneren 
Ueberzug bildet. Besonders auffallend ist diess an Formen der S. incana, 
S. alba , S. Caprea , S. viminalis und S. nigricans zu sehen. Sehr merk- 
würdig ist in dieser Beziehung auch die Kahlheit der Blätter an Schösslingen 
solcher Arten, die sonst immer nur behaart vorkommen und insbesonders sind 
hier S. aurita und S. rosmarinifolia hervorzuheben, welche, nachdem sie 
auf den Bergwiesen abgemäht wurden , üppige Schösslinge treiben , deren 
Blätter dann vollständig kahl erscheinen. 

Die Blätter werden im Verwelken bei eini g en We i d e n 
lichter oder dunkler braun, bei anderen bläulich-schwarz. 
Es steht diese verschiedene Farbenwandlung offenbar mit dem von den 
Chemikern nachgewiesenen Vorwalten gerbsaurer Verbindungen in den 
erstehen und dem Vorwalten von Salicin- Verbindungen in den Blättern der 
letzteren Abtheilung im Zusammenhange. Die 8. nigricans, glabra, rosmarini- 
folia, Myrsinites, purpurea, und die Mehrzahl der aus ihnen hervorgegangenen 



Niederüsterreichische Weiden. 



29 



Bastarte zeigen in ausgezeichneter Weise dieses Schwarzwerden der Blätter, 
während die an gerbsauren Verbindungen reichen Blätter der S. amygdalina, 
fragilis, inminalis, arbuscula, Caprea und der übrigen beim Verwelken wohl 
dunkelbraun werden, aber niemals die eigenthümliche Farbenwandlung zeigen, 
die anfänglich an Neutraltinte erinnert und endlich in reines Schwarz über- 
geht. — Die Salicin-Verbindungen der schwarzwerdenden Weiden scheinen 
beim Verwelken in saliziligsaure Salze umgewandelt zu werden, welche im 
feuchten Zustande der Luft ausgesetzt, sich rasch schwärzen. Das Schwarz- 
werden tritt auch in ausgezeichneter Weise hervor, wenn man die betreffenden 
Weiden in heisses Papier legt und alle jene Weiden, welche im Verwelken 
sich schwärzen, färben auch weisses etwas feuchtes Papier, wenn sie längere 
Zeit in demselben liegen, an den Berührungsstellen bläulichschwarz. 

Die Nebenblätter stehen in ihrer Form mit den Blättern in einem 
gewissen Zusammenhange , so zwar , dass sie , was Farbe , Behaarung und 
Nervatur anbelangt . mit jenen vollständig übereinkommen und auch in Be- 
ziehung des Zuschnittes als die Nachahmung der Blätter angesehen werden 
können, indem lanzettlichblättrige Weiden : lanzettliche oder halbherzförmige, 
linealblättrige auch : lineale, und endlich kurz- und breitblätterige Weiden 
meist halbnierenförmige Nebenblätter besitzen. — Mehrere Arten . wie & 
glabra, S. purpurea und S. retusa haben in der Regel keine Nebenblätter 
und nur ausnahmsweise finden sich deren an sehr üppigen und kräftigen 
krautigen Trieben. 

Die Zweige entsprechen in ihrer Behaarung stets den Blättern 
doch schwindet ihr Ueberzug häufig weit früher als jener der Blätter. — 
Für die ein- bis dreijährigen Zweige der S. daphnoides und S, Wimmer i 
ist der wachsartige hechtblaue abwischbare Reif sehr bezeichnend. — 
Au.h in der Form der Rinde der Zweige liegt manchmal ein nennens- 
werther Unterschied , wie denn z. B. für S. fragilis die glänzende dünn- 
häutige, beim Trocknen faltig werdende Rinde ein sehr auszeichnendes Kenn- 
zeichen ist — Die Farbe der Rinde, welche im Schatten für alle ein- 
bis dreijährigen Weidenzweige eine grüne ist, bekommt durch Einwirkung 
des Sonnen- und Mondlichtes an den der Bestrahlung ausgesetzten Stellen 
einen bald mehr gelblichen und röthlichen , bald bräunlichen Farbenton. Die 
Zweige der Feibern , namentlich der S. amygdalina , S. purpurea , S. daph- 
noides und & glabra färben sich auf diese Art gelb bis bluthroth, jene der 
S. alba dottergelb bis mennigroth; die Zweige der Salchem hingegen z. B. 
£. Caprea, S. nigricans, S. aurita, dann einiger Feibern, nämlich S.incana, 
S, Seringeana und subalpina bekommen, wenn sie dem Lichte ausgesetzt 
sind, eine dunkelrothbraune Färbung — Die Mehrzahl der übrigen Weiden behält 
aber auch vom Lichte beschienen einen aus Gelb, Grün und Braun gemi-chten 
I arbenton der Zweige. — Mit dem Weiterwachsen schwinden übrigens nach- 
träglich alle diese Färbungen und machen einer blassgrünen, ins Graue 
hinüberziehenden Farbe Platz, bis endlich im vierten bis sechsten Jahre die Rinde 



30 



Dr. A. Kerner: 



ein rissiges borkiges Aussehen bekommt. — Der Grad der Brüchigkeit oder 
Zähigkeit der Zweige gibt zwar zur Erkennung einzelner Formen manchmal 
ganz gute Anhaltspunkte, doch ist es kaum möglich, diese verschiedenen 
Grade durch Worte festzuhalten. Dasselbe gilt von der Rieh t un g der Zweige. 
Im Allgemeinen spricht sich aber in letzterer Beziehung ein Gegensatz der 
Feibern und Salchern aus , indem die Zweige der ersteren unter spitzen 
Winkel vom Hauptstamme abtreten und als- gerade nicht hin und hergebogene 
schlanke Ruthen nach Aufwärts wachsen, während bei den Salchern die 
dickeren niemals so sehr verlängerten Aestchen unter grösseren Winkeln 
von dem hin- und hergebogenen Stamme sich abzweigen und nicht 
selten sogar eine sparrig ästige Krone bedingen. — Es soll nicht bloss 
Gedankenspielerei sein, wenn wir hier auf die Aehnlichkeit zwischen der 
Blattnervatur und der Verzweigung der Aeste hinweisen und die Behauptung 
aufstellen, dass die Verzweigung der Nerven im Kleinen ein Bild der Ver- 
zweigung des Stammes darstellt. Es darf auch diese Aehnlichkeit nicht 
Wunder nehmen, da beide Erscheinungen einen ursächlichen Zusammenhang, 
nämlich die Vertheilung der Gefässbündel besitzen, welche für jede Pflanze 
eine ganz bestimmte ist. Die schlanken geraden, unter spitzen Winkeln sich 
abzweigenden Blattnerven und Zweige der S, alba und die hin und her- 
gebogenen derberen Blattnerven und Aeste der S. Caprea mögen als Beispiele 
dieses Zusammenhanges hier angeführt werden. 

Die B 1 a 1 1 s t e 1 1 u n g ist als diagnostisches Merkmal bei den Weiden nicht 
verwendbar. Die gewöhnlichste Stellung der Blätter ist J /s und 3 /a, doch 
findet häufig ein Wechsel der nächst verwandten Stellungsverhältnisse statt, 
so wie auch das Ueberspringen von einem Gebiet der Blattstellung ins andere 
keine seltene Erscheinung ist. — Die Kätzchen weisen allerdings den Unterschied 
auf, dass sich bei jenen mit gelben einfärbigen Kätzchenschuppen der Wechsel 
innerhalb den Grenzen von 9—12 Zeilen, bei jenen mit zweifärbigen Kätzchen- 
schuppen meistens zwischen 12—19 Zeilen bewegt, aber auch hier ist die 
Unbeständigkeit so gross, dass eine Benützung dieser Verhältnisse zur Unter- 
scheidung der Arten nicht erwartet werden kann. 

Nur wenige Weiden erwachsen zu Bäumen. Die ansehnlichsten Bäume 
bildet S. alba, von der in den Donau- Auen nicht selten alte Stämme gefällt 
werden, die einen Umfang von 4 Fuss und eine Höhe von 10 bis 12 Klaftern 
erreichen. Nächst S. alba bilden noch S. fragilis, S. eocceldor und S. 
palustris, S. daphnoides und S. Caprea Bäume, jedoch von weit gerin- 
gerem Stammumfange und höchstens sechs Klaftern Höhe. Die übrigen 
höheren Weiden wie S. incana, S. amygdalina , S. viminalis, S. purpurea 
u. s. f. vermögen nur in geschlossenen Auen noch baumartigen Wuchs zu 
erlangen, an freieren Standorten hingegen bleiben sie immer strauchartig. 
— Die Salchern S. grandifolia, S. aurita, S. cinerea, so wie die den 
Voralpen und jene der Alpen - Region eigentümlichen Weidenarten 



Xiederosterreichisclie Weiden. 



sind alle vom Boden aus verästelt und der Stamm der letztern erscheint 
meist knorrig und sparrig-ästig auf die Erde hingestreckt 

Die terminale Knospe verkümmert bei allen Weiden und 
der aus der obersten lateralen Knospe sich entwickelnde Spross nimmt die 
Richtung an, welche dem terminalen zugekommen sein würde. Sämmtliche 
in demselben Frühlinge erscheinende Aestchen, sowohl diejenigen die nur 
Blätter tragen, sowie jene, welche durch Blüthenkätzchen begrenzt erscheinen, 
sind daher beziehungsweise der Achse, aus der sie hervorgegangen sind, als 
laterale zu bezeichnen. — Die lateralen kätzchentragenden Axen sind bei 
jenen Weiden, welche vor Entwicklung der Blattknospen blühen, sehr verkürzt 
und nur mit wenigen schuppenförmigen Blättchen bekleidet, welche den später 
erscheinenden Blättern der Laubknospen sehr unähnlich sind. — Bei jenen 
Weiden, wo sich die Blüthen und Blätter zu gleicher Zeit entfalten, sind sie 
hingegen verlängert und mit Blättern bekleidet, welche jenen der kätzchen- 
losen Triebe gleichen. Die Knospenanlage in der Achsel dieser Blätter ver- 
kümmert bei der Mehrzahl der Weiden und das ganze Aestchen fällt nach 
den Verstäuben der Antheren oder nach dem Ausfliegen der Samen gewöhnlich 
ab. Nur dann, wenn an demselben Zweige bloss Blüthenknospen und nicht auch 
gleichzeitig Laubknospen vorhanden waren , bleiben die kätzchentragenden 
Aestchen stehen und die Knospenanlagen in der Achsel ihrer Blätter ent- 
wickeln sich weiter. An den Weiden der Ebene ist immer eine zwischen 1 
und 8 wechselnde Zahl von Laubknospen über den Blüthenknospen vorhanden, 
und bei diesen findet eine Weiterentwicklung der Knospenanlagen in der 
Achsel der Blätter, welche das kätzchentragende Aestchen bekleiden, nur 
selten statt*). Wenn jedoch durch Abschneiden der obere Theil des Zweiges 
und mit ihm die Laubknospen im Winter oder Frühlinge entfernt werden , so 
tritt die Fortbildung der Knospenanlagen in der Achsel der Kätzchenstielblätter 
bei allen Weiden ein. Wir hatten Gelegenheit diese Erscheinung an S. viminalis, 
S. rubra und anderen zu beobachten und jedesmal waren dabei die kätzchen- 
tragenden Aestchen des verstümmelten Zweiges, an welchen die Knospen zur 
vollen Entwicklung kamen , auffallend verlängert. Einen ganz fremdartigen An- 
blick gewähren die in obiger Weise verstümmelten Weidendann, wenn die ver- 
stümmelten Arten bei regelmässigen Wachsthum auf der kurzen Kätzchen-Achse 
dicht gedrängt stehende kleine schuppenartige Blättchen besitzen, die in ihrem 
Zuschnitte von den anderen Blättern wesentlich abweichen; die schuppenartigen 
Blättchen vergrössern sich nämlich nach der Verstümmlung und bekommen 
die Ausdehnung der anderen Blätter, behalten aber dabei ihren abweichenden 
Zuschnitt bei und ich bewahre in dieser Beziehung höchst interessante Zweige 
von S. cinerea, die mir Freund Petter mitzutheilen so gütig war. 



*) Wir beobachteten eine solche Weiterentwicklung der Knospen in der Achsel der Kätzchenstiel- 
Blätter an S. pentandra und 5. fragiiis, und bewahren die höchst lehrreichen Zweige in unserem 
Herbarium. 



Dr. A. Kern er: 



An den Weiden des Hochgebirges S. herbacea, retusa ^ reticulata ist 
die Menge der Knospen, welche ein Jahrestrieb bildet, eine sein* beschränkte; 
bei S. retusa übersteigt dieselbe für einen Zweig niemals die Zahl sechs; 
während bei den schlanken Weiden der Thäler nicht selten gegen fünfzig 
Knospen an einen Zweig gezählt weiden können. Bei S. herbacea und 
S. reticulata beschränkt sich die Zahl gar nur mehr auf zwei oder drei. — Bei 
den reichknospigen Zweigen ist auch die Anzahl der Laubknospen, die 
gewöhnlich an dem oberen und unteren Ende des Zweiges ihre Lage haben, 
gross. Ihre Zahl vermindert sich aber je mehr die Zahl der Knospen überhaupt 
abnimmt. Bei retusa ist in der Regel nur mehr die oberste laterale Knospe 
eine Laubknospe, während alle übrigen Knospen Blüthenknospen sind; bei 
herbacea und reticulata, welche unter allen unseren Weiden die geringste 
Knospenzahl zeigen, sind gewöhnlich sänimtliche Knospen Blüthenknospen. 
— Würden bei diesen letzteren die kätzchentragenden Aestchen, die sich aus 
den Knospen entwickeln, ähnlich so wie bei den reichknospigen Weidenarten 
der Ebene nach dem Verstäuben oder Verfliegen der Samen abfallen, so wäre 
dadurch der Bestand des Individuums bedroht, indem sich dann an dem 
ganzen Sträuchelchen keine lebensfähige Knospe mehr vorfinden würde. 
Die Erhaltung des Individuums ist daher bei ihnen geradeso wie bei den 
früher besprochenen verstümmelten thalbewohnenden Weiden an die Be- 
dingung geknüpft, dass sich die Knospenanlagen in der Achsel der Blätter, 
welche die kätzchentragenden Aestchen bekleiden, weiter entwickeln. Es 
stirbt daher auch nur der oberste Theil des Aestchens, nämlich das terminale 
Kätzchen ab, — der untere Theil mit zwei bis drei Blättern und den in 
ihrer Achsel befindlichen Knospenanlagen bleibt, und letztere entwickeln 
sich weiter und werden gewöhnlich zu Blüthenknospen, — Dabei ist natürlich 
nicht ausgeschlossen , dass eine oder auch alle diese Knospen Laubknospen 
werden, ja bei S. retusa ist es sogar Regel, dass die oberste laterale Knospe kein 
Kätzchen hervorbringt, und ich hatte Gelegenheit, üppige in tieferen Höhen- 
lagen sprossende Sträuchelchen dieser letzgenannten Weide zu beobachten, 
wo die zwei obersten lateralen Knospen Laubknospen waren — aber an 
demselben Individuum waren auch in den Achseln der Blätter, welche 
sich unter den Kätzchen befanden, die Knospen verkümmert und die kätzchen- 
tragenden beblätterten Aestchen fielen geradeso nach dem Verstäuben ab, 
wie bei den vielknospigen Weiden der Thäler. — Es ist nach dieser Aus- 
einandersetzung die Unterscheidung der Weiden in solche mit end- 
ständigen und seitenständigen Kätzchen nicht zulässig und 
auch das Merkmal der knospentragenden und knospenlosen 
Kätzchen stiele nur von untergeordneten Werth. 

Die Unterscheidung der Kätzchen nach der Ungleichzeitigkeit oder 
Gleichzeitigkeit der Blüthenentwicklung und Blattenfaltung in: vorläufige 
und gleichzeitige ist wohl bei den Weiden einer und derselben Gegend 
möglich, da sich dort dieses Verhältniss in der Regel gleichbleibt; in ver- 



Xiedertfsterreicnlselie Weiden. 



33 



schiedenen Gegenden ändert sich aber diese Gleichzeitigkeit oder Vorläufig- 
keit und in dem Gebiete, dessen Weiden hier besprochen werden, kann als 
Regel gelten , dass alle jene Arten , welche in der Ebene vorläufige Kätz- 
chen besitzen, in den Alpenthälern die Blüthen und Blätter zu gleicher Zeit 
entwickeln. Nach Wimm er ist die letztere Erscheinung „die Folge plötzlicher 
und starker Wärme bei hinreichender Feuchtigkeit , zumal in späten Früh- 
jahren womit unsere eben angegebene Beobachtung vollkommen über- 
einstimmt, indem in den Alpen die grösseren Schneemassen die pflanzliche 
Entwicklung länger zurückhalten, dann aber, wenn der Schnee endlich ge- 
schmolzen ist, bei schon vorgerücktem Frühlinge plötzlich eine grosse Wärme- 
menge den Pflanzen zugeführt wird , welche die Entfaltung der Blätter schon 
zu einer Zeit bewirkt , wo die Kätzchen noch in voller Blüthe stehen. 

Kätzchen , die gesetzmässig erst im nächsten Frühlinge zur Blüthe 
kommen sollten , entwickeln sich selten vorzeitig schon im vorangehenden 
Jahre. Die Ursache dieser Erscheinung ist entweder ein besonders günstiger 
Standort und eine ausnahmsweis grosse Sommerwärme oder die Verstümmelung 
des Strauches durch Abschneiden seiner Aeste im Sommer , in welchem Falle 
gleichfalls die für das nächste Jahr bestimmten Knospen andern zurückgebliebenen 
Rumpfe des verstümmelten Zweiges noch im Herbste zur Entwicklung kommen. 
In der Regel sind diese proleptischen Kätzchen kurz gestielt in den Achseln 
der ausgewachsenen Blätter und erscheinen in dieser Weise besonders häufig 
bei amygdalina b.) discolor, welche Weide auch darum von Host als 
8. semperßorens bezeichnet wurde. Ist jedoch die vorzeitige Entwicklung 
durch Verstümmlung hervorgegangen, so sind die Kätzchen lang gestielt 
und das Aestchen dessen Absclüuss sie bilden, Blätter und Knospen 
tragend. 

Die Kätzchenschuppen sind entweder einfärbig oder zweifärbig. 
Dieses Merkmal ist als eines der beständigsten hervorzuheben und spielt 
daher auch eine wichtige Rolle bei der Gruppirnng der Weidenarten. — Die 
einfärbig gelblichen Kätzchenschuppen sind bei einer und derselben Art an 
den Staubblüthen mehr gelb , an den Fruchtblüthen mehr grünlich gefärbt 
Bei S. glabra , S. retusa und S. herbacea erscheint die Spitze der gelben 
Schuppen an der äusseren Seite der dem Lichte zugewendeten männlichen 
Kätzchen häufig rosenroth gefärbt. 

Die einzige S. reticulata besitzt einfärbig blassrothe Kätzchen- 
schuppen sowohl an den Staub- wie Fruchtblüthen. — Die zweifarbigen 
Kätzchenschuppen sind an der Basis grün oder fast weisslich und entweder nur 
an der Spitze röthlichschwarz, wie angebrannt, oder sie werden beiläufig in 
der Hälfte roth oder rostfarbig und gegen die Spitze allmälig immer dunkler. 
Die grünen Schuppen der S. nigricans sind an ihrer Spitze oft nur ganz 
wenig mit Purpur bemalen, jene der S. rosmarinifolia hingegen sind meist 
bis zum Grunde roth, dann aber immer an der Spitze viel dunkler, wodurch 
sie sich wesentlich von den gleichmässig rothen Schuppen der S. reticulata 
M. I. Ahhandl. 5 



hr. A. Kern^r: 



unterscheiden. — Bei der einzigen S. incana haben die Kätzchenschuppen 
keine beständige Farbe , indem dieselben bald einfarbig gelb oder grünlich, 
bald wieder an der Spitze rosenroth oder braun bis schwärzlich bemalt erscheinen, 
ohne dass man einen Anhaltspunkt hätte, die eine oder andere Farbenspielart 
als Blendlingsart aufzufassen. 

Sind die Schuppen mit geraden langen Haaren bedeckt, so erscheint 
das noch nicht blühende Kätzchen in einen dichten Pelz eingehüllt. Alle 
vorläufigen sitzenden Kätzchen, welche in der Knospenlage nicht durch 
Blättchen des Kätzchenstiels umgeben werden, also die Mehrzahl der 
Salchern, dann S. viminalis, S. dap/moides und S. purpurea und die mit 
diesen drei Arten verwandten Formen zeigen dieses Verhältniss; die Schuppen 
jener Weiden hingegen, bei denen die Kätzchen an beblätterten Stielen 
aufsitzen und in der Knospenlage von diesen Kätzchenstielblättern schützend 
umhüllt werden, sind fast kahl oder nur wenig behaart, und bei der einzigen 
in diese Abtheilung gehörigen S. fragilis ist das herausbrechende Kätzchen 
in einen seidigen Pelz eingehüllt. 

Die Behaarung und Form der Schuppen gibt manchmal ziemlich 
gute Unterscheidungsmerkmale; besonders auffallend und von allen übrigen 
abweichend sind die abgestutzten Schuppen der retusa\ ebenso eigen- 
tümlich ist das Abfallen der Schuppen bei den mit S. fragilis verwandten 
Formen. 

Die Anzahl der Staubgefässe beträgt bei der Mehrzahl dei- Weiden 
zwei. Ihre Fäden sind bei S. purpurea bis zur Spitze zusammengewachsen. 
Die Bastarte der S. purpurea mit anderen Weiden zeigen gleichfalls diese 
Zusammenwachsung, doch reicht dieselbe bei ihnen nur selten bis gegen die 
Antheren hinauf, und in der Regel trennen sich beide Fäden in der halben 
Höhe. Bei allen übrigen sind die Staubfäden bis zur Basis getrennt, hängen 
aber bei denen mit einfarbig gelblichen Schuppen, namentlich bei S. incana 
durch ineinandergreifende Härchen, welche das untere Drittheil der Fäden 
bei diesen Weiden bedecken, meistens lose zusammen. — Die S. amygdalina 
besitzt drei , die S. pentandra fünf bis zwölf Staubgefässe. Die Blendlings- 
arten, an welchen die erstere muthmasslich betheiligt ist, zeigen in den 
verschiedenen Blüthen desselben Kätzchens bald drei, bald zwei, jene, wo 
S. pentandra die Rolle eines der Aeltern gespielt zu haben scheint, die 
wechselnde Anzahl von fünf bis zwei Staubgefässen. — Die Farbe der 
Antheren ist entweder in allen Eutwicklungsstadien gelb und gleich bleibend, 
oder sie ändert sich in der Weise: dass die Staubkölbchen vor der Oeffnung 
ihrer Fächer purpurn, dann zur Zeit, in welcher der Pollen herausfällt, 
gelb und nach dem Verstäuben schwarz werden; oder endlich: die Staub- 
kölbchen sind vor dem Klaffen der Antherenfächer röthlich, werden zur Zeit 
der vollen Blüthe hellgelb, verfärben sich dann wohl nach dem Verstäuben 
und bekommen einen schmutzig gelben Farbenton, ohne sich aber wie die 
früheren zu schwärzen. 



Niederösterreichischc Weiden. 



35 



Dieses Verhältniss ist eines der beständigsten und kann darum auch 
zur Gruppirung der Weiden vortrefflich benützt werden, ganz abgesehen 
davon, dass die durch das Farbenverhältniss der Antheren begrenzten Gruppen 
auch durch andere Merkmale noch eine natürliche Verwandtschaft zeigen, 
und dass die Aehnlichkeit des Farbenwechsels offenbar auch auf eine Aehnlich- 
keit der chemischen Grundlage hinweist. 

Das Farbenverhältniss, welches die Narben zeigen, ist mit 
jenem der Antheren immer in einem gewissen Einklänge. Die Weiden nämlich 
mit beständig gelben Antheren besitzen auch einfarbig gelbliche oder grünliche 
Griffel und Narben; bei denjenigen Arten, welche rotb -gelb-schwarze Antheren 
zeigen, sind die Narben in der Regel zu Anfang und zur Zeit der vollen 
Blüthe roth und werden nach dem Abblühen gleichfalls schwärzlich, und 
bei den Weiden der dritten Gruppe, die roth-gelbe Staubkölbchcn haben, 
sind die Narben wieder in allen Entwicklungsstadien gelblich. 

Die Form der Griffel und Narben ist gleichfalls für die Weiden- 
arten sehr charakteristisch. Hervorhebenswerth sind die fädlichen bogenförmig 
gekrümmten Narben der S. viminalis und incana, die zierlichen wachsartig- 
glänzenden dicklichen Narben der S. pentandra und die unter rechten Winkel 
abstehenden knopfförmigen Narben der S. amygdalina. — Der S. purpurea, 
S. rosniarinifolia , so wie den Salchern fehlt der Griffel fast ganz; — 
bei den Feibern mit einfärbigen Kätzchenschuppen ist derselbe wohl 
vorhanden, aber kurz und dick, und bei S* viminalis, daphnoides , incana 
und den mit ihnen verwandten Arten ist derselbe verlängert dünn und 
fadenförmig. Sehr merkwürdig ist die bei S. arbuscula oft beobachtete 
Spaltung des Griffels, die manchmal bis zum Fruchtknoten hinabreicht, so 
dass dadurch zwei vollständig getrennte Griffel, deren jeder seinem Frucht- 
blatte aufsitzt, sich bilden. 

Die Behaarung und Glattheit des Fruchtknotens ist für alle 
bisher in Niederösterreich beobachteten Weiden beständig. Doch gilt diese Be- 
ständigkeit nicht als allgemein gültiges Gesetz, da z.B. S. nigricans, die in Nieder- 
österreich nur mit kahlen Fruchtknoten bis jetzt gefunden wurde, anderwärts 
auch behaarte Fruchtknoten zeigt. Schon nahe der niederösterreichischen 
Grenze bei Kapellen in Obersteiermark beobachtete ich diese Weide mit 
sparsam behaarten Fruchtknoten, und in den Karpathen fand ich deren auch 
mit w eissfilzigen Kapseln. An beiden Orten war die Bodenunterlage kalkfrei, 
während die kahlfrüchtige S. nigricans in den Alpen regelmässig auf kalk- 
haltigen Boden angetroffen wird, — doch wage ich auf diese vereinzelten 
Beobachtungen hin nicht sie als zwei Boden-Parallelformen aufzufassen, um 
to weniger, als ich die in Beziehung der Bekleidung der Fruchtknoten mit 
S. nigricans übereinkommende S. silesiaca in den Karpathen oft an einer 
und derselben Stelle mit kahlen und filzigen Fruchtknoten untereinander 
wachsend angetroffen habe, ohne dass ich in den äusseren Verhältnissen 
dafür einen Grund aufzufinden im Stande gewesen wäre. Wimm er spricht 

5* 



36 



Dr. A. Kern er: 



sich über die Bekleidung der Fruchtknoten der Weiden folgendermasscn aus : 
„Unter den echten Arten werden nur 8. silesiaca, 8. repens und 8. nigricans 
sowohl mit kahlen als behaarten Fruchtknoten gefunden; bei >S'. silesiaca und 
8. nigricans ist der kahle, bei 8. repens der behaarte Zustand als Regel 
anzusehen. Indess würde ich nicht zu widersprechen wagen, wenn Jemand 
behauptete und nachzuweisen versuchte, dass die abweichenden Formen, 
nämlich Ton 8. silesiaca und 8. nigricans die mit behaarten und von 8. repens 
die mit kahlen Fruchtknoten unechte seien. Wenigstens ist bei diesen drei 
Arten der Umfang der Variation noch nicht durchaus festgestellt und genau 
begrenzt. Die nicht selten vorkommenden Exemplare der 8. cinerea, 8. Caprea 
und 8. aurita mit kahlen Fruchtknoten sind nicht Abänderungen, sondern 
gehören stets der monströsen androgynen Bildung an. a *) — Auch in Nieder- 
österreich wurden solche kahlfrüchtige Formen, deren androgynisches Ver- 
hältniss auf eine Missbildung hinweist, bei 8. Caprea, 8. cinerea und 8. aurita 
beobachtet. Bei 8. Caprea und 8. cinerea **) waren die Fruchtknoten mannig- 
fach verzerrt und verkümmert; bei einer 8. aurita aber, welche von meinem 
Bruder bei Moidrams nächst Zwettl beobachtet und gesammelt wurde, waren 
die sämmtlichen kahlen Fruchtknoten in ihrer Form regelmässig ausgebildet 
und unterschieden sich von den gewöhnlichen behaarten nicht missbildeten 
Formen nur durch den auffallend verlängerten Fruchtknotenstiel. Die Mehr- 
zahl der Kätzchen desselben Strauches zeigte nur Fruchtblüthen , und nur 
einige wenige Kätzchen Hessen auch ein androgynisches Verhältniss wahr- 
nehmen. — Uebrigens fanden wir auch androgynische Kätzchen ohne Aenderung 
der Behaarung und ohne Verzerrung bei : 8. ambigua, 8. auritoides, 8. cuspidata, 
8. palustris, 8. angustifolia , 8. mirabilis, 8. Wimmeri, lauter Formen, 
welche wir für Bastarte halten — woraus geschlossen werden dürfte, dass 
die androgynische Bildung bei den Weiden in der Mehrzahl der Fälle eine 
Folge zweiartiger Befruchtung ist. 

Als ganz eigenthümlich in Beziehung der Bekleidung der Fruchtknoten 
muss noch 8. myrsinites 1J Jacquinianaheryorgehohen werden, deren Fruchtknoten 
zur Zeit der Blüthe mit langen wolligen Haaren bedeckt erscheint, die später 
abfallen, so dass die Kapsel noch vor ihrer Reife vollständig kahl erscheint. 

An Blendlingen, die aus einer kahlfriichtigen und behaartfrüchtigen Weide 
hervorgegangen sind, wird der zu Anfang der Blüthezeit ganz behaarte 
Fruchtknoten während des Blühens manchmal an der Basis kahl, wie diess 
z. B. an der 8. intermedia Host, die wir für einen Bastart aus 8. incana 
und 8, cinerea halten, der Fall ist. 

Was die Form des Fruchtknotens anbelangt, so lassen sich fol- 
gende drei Typen festhalten: 

*) Denkschrift der schles. Gesellsch. f. vaterl. Kultur. Seite 148. 
**) Von Host abgebildet : „Salix« tab. 70. Fig. 2-7. 



Niederüsterreicliische Weiden. 



37 



{. eiförmig stumpf, z. B. S. purpurea; 

2. eiförmig in den Griffel vorgezogen, z.B. S. viminalis, S. daphnoides; 

3. aus eiförmiger Basis kegelförmig verlängert, z. B. S. Caprea, S.fragilis. 
1. et /.torer , der am häufigsten vorkommende Fall zeichnet sich noch 

dadurch aus, dass die Basis nach der Befruchtung sich überwiegend aus- 
baucht, während die samenlose kegelförmige Verlängerung in ihrer Aus- 
dehnung nicht gleichen Schritt hält und so der noch grüne reifende Frucht- 
knoten gewöhnlich eine birnförmige Gestalt bekommt. 

Mit den angegebenen drei Formen des Fruchtknotens steht auch die 
Form der aufgesprungenen reifen Kapseln im Zusammenhange. 
Die zwei Klappen der aus der ersten Fruchtknotenform hervorgegangenen 
eiförmigen oder fast kugeligen Kapseln klaffen nach Trennung des oberen 
Endes der Naht, ohne sich zurückzukrümmen; jene der zweiten und zum 
Theil auch jene der dritten Fruchtknotenform krümmen sich nach dem 
Aufspringen sichelförmig zurück, und die Kapseln, w T eiche aus den 
sehr verlängert kegelförmigen Fruchtknoten sich entwickelten, zeigen Klappen, 
deren Spitze sich schneckenförmig zurückrollt. 

Die Form der Samen ist zu gleichförmig, als dass sie Anhaltspunkte 
zur Unterscheidung der Arten zu geben im Stande wäre. Die Samen sind 
bei allen Weiden länglich, gegen die Spitze meist etwas keilförmig verdickt 
und spitz. Nur bei S. retusa und S. herbacea erscheinen sie abgestutzt oder 
stumpf. Die Unterschiede in der Grösse der Samen verschiedener Arten 
erscheinen gleichfalls zu geringfügig und schwankend, als dass man sie als 
Unterscheidungsmerkmale benützen könnte. — Die Weiden mit gelben ein- 
färbigen Kätzchenschuppen zeichnen sich durch grosse sehr verdickte , jene 
der S. viminalis und S. arbuscula durch kleine schmale Samen aus. — Die 
Haare des Haarschopfes, welche dem kurzen dicken Stielchen des Samens 
aufsitzen, hängen bei allen Weiden an der Basis zu je dreien zusammen. 

Der Torus bildet bei S. reticulata einen Kranz von 5 — 6 um die 
In seit ionssteile der Staubgefässe oder des kurzen Fruchtknotenstieles herum- 
stehenden fleischigen Warzen, von denen oft zwei benachbarte mit einander 
verwachsen, so dass die Basis der Staubgefässe oder des Fruchtknotens von 
einem unregelmässig zerschnittenen fleischigen Ringe umgeben ist* — Bei 
den Staubblüthen und Fruchtblüth en aller Weidenarten mit 
zweifarbigen Kätzchenschuppen und dann noch bei S. glabra und 
8. incana, welche beide sowohl mit zweifarbigen als auch mit einfarbig 
gelbgrünen Kätzchenschuppen vorkommen, bildet der Torus an der inneren, 
dei Kätzchen>pinde] zu sehenden Seite der Insertion der Staubgefässe oder 
des Fruchtknotenstieles nur eine einseitige Verlängerung, die als walzen- 
förmige oder griffeiförmige innere Drüse erscheint. — Dasselbe gilt auch 
von den Fr uchtblüthen jener Weiden mit einfarbig gelblich- 
grünen Kätzchenschuppen, deren Blätter in der Jugend nicht 
klebrig sind. Diejenigen aber mit klebrigen jungen Blättern, nämlich die 



38 



Dr. A. Kern er: 



Fruchtbliith en von S. pentandra, S. fragilis und jener Weiden« 
formen, welche wir für Blendlinge halten, die aus diesen beiden 
hervorgegangen, so wie die Staubblüthen aller Weiden arten mit 
beständig einfarbigen gelblichen Kätzchenschuppen besitzen 
neben der inneren Drüse noch eine zweite griffeiförmige äussere, welche der 
Basis der Schuppe anliegt und gleichfalls von der Insertionsstelle des Frucht- 
knotenstieles oder der Staubgefässe , aber von deren äusserer Seite ausgeht. 

Die Form der Drüse ist für viele Weidenarten sehr charakteristisch, 
und insbesondere ist in dieser Beziehung die linsenförmige Drüse der 8. incana 
und ihrer verwandten Formen, so wie die lineale gelbe Drüse der S. daphnoides, 
die verlängerte fast fädliche und gegen die Spitze gebogene gelbe Drüse der 
S. viminalis, die lineale purpurrothe Drüse der S. Myrsinites, die auffallend 
grosse abgestutzte oder oben ausgebuchtete innere Drüse der S. retusa , die 
gewöhnlich zweilappige innere Drüse der S. pentandra und S. herbacea besonders 
hervorhebenswerth. In den Drüsen der Bastarte ist immer der Typus des gleichen 
Organes von einer seiner Stammeltern ausgesprochen, und es gibt daher die 
Drüse häufig vortreffliche Anhaltspunkte zur Ermittlung der Stammarten 
eines in der freien Natur aufgefundenen muthmasslichen Blendlings. 

Blüthezeit der Weiden. 

Was die Blüthezeit der Weiden anbelangt, so geben wir im Nachstehenden 
eine Zusammenstellung, welche sich auf Aufzeichnungen basirt, die von uns 
in den Donau-Auen Niederösterreichs, vorzüglich in jenen nächst Krems und 
Mautern durch acht aufeinanderfolgende Jahre gemacht wurden. 







Am frühesten trat die 


Am spätesten trat die 




Normale Zeit der 


Entwicklung der ersten 


Entwicklung der ersten 




ersten Blüthen. 


Blüthen ein am : 


Blüthe ein am : 


S. daphnoides 


26 März 


18 März 


2 April 


S. Caprea 


27 März 


20 März 


2 April 


S. viminalis 


1 April 


21 März 


12 April 


S. incana 


3 April 


28 Marz 


12 April 


S. pur pur ea 


8 April 


28 März 


18 April 


S. rosmarinifolia 


15 April 


8 April 


21 April 


S. cinerea 


15 April 


8 April 


21 April 


S. fragilis 


15 April 


8 April 


21 April 


JS. amygdalina *) 


16 April 


10 April 


23 April 


S. alba 


17 April 


10 April 


24 April 



Mit diesen Zahlen stimmen die von Fritsch **) angegebenen, aus 
dreijährigen Beobachtungen abgeleiteten normalen Zeiten der ersten Blüthe: 



*] hie Varietät tüscolor beginnt an gleichem Standorte gewöhnlich um einige Tage früher zu 
blühen, als die Varietät concolox. 

**) Phänolog. Beob. aus d. Pflanzen- u. Thierreiche. Suppl. zu\'lll. B. d. Jahrb. d. k.k. C. A. f. 
Meteorologie u. Erdmag. S. 



NiedetflStWreitbfscfte Weiden. 



39 



S. daphnoides 29. März, S. purpurea 11. April und S. repens 15, April, so 
wie jene in Neilreich\s Flora von Niederösterreich pg. LXVIII von ihm 
mitgetheilten, aus siebenjährigen, im Wiener botanischen Garten am Renn- 
wege angestellten Beobachtungen berechneten normalen Mittel: S. daphnoides 
2. April, »S 1 . pvrpurea ii. April, S. repens 15. April ganz gut überein, indem 
die Verspätung bei S* daphnoides und S. purpurea, wie Fritsch selbst 
pg. LXVII bemerkt, auf Rechnung der Lage des botanischen Gartens, der 
gegen Norden abdacht, zu bringen ist. 

Die Grösse der Verspätung der Blüthezeit in den Berg- und Voralpen- 
thälern Niederösterreichs ist nach der Meereshöhe und Richtung der Thäler, 
so wie nach der Breite der Thalsohle und der Höhe der einschliessenden 
Berge so unendlich verschieden, dass wir auf genauere Zahlenangaben hier 
verzichten müssen. — Annähernd richtig kann angenommen werden, dass in 
den niederösterreichischen Voralpenthälern, deren Thalsohle etwa 1000' hoch 
liegt (Schwarzathal bei Gloggnitz, Traisenthal bei Lilienfeld und Türnitz, 
Erlafthal bei Scheibs und Gamming, Ipsthal bei Waidhofen) die Verspätung 
40 Tage beträgt. In den höheren subalpinen Thälern, deren Thalsohle sich 
zu 1800' und 2000' erhebt, beträgt die Verspätung 25 — 30 Tage, und in 
Lakenhof, dem höchsten, 2475' gelegenen Thalorte am Nordfusse des Oetschers, 
sogar 45 Tage. Dass hiebei an der Sonn- und Schattenseite des Thaies, auf 
dessen Sohle so wie an dessen Gehängen an ganz nah*e gelegenen Punkten 
noch ganz bedeutende Unterschiede in der Entwicklungszeit der Blüthen vor- 
kommen , wurde schon Eingangs besprochen und dort ausdrücklich hervor- 
gehoben, dass die Häufigkeit von Weidenblendlingen in den Voralpenthälern 
vorzüglich darin ihren Grund zu haben scheint, dass Weiden, die an gleichem 
Standorte zu sehr verschiedenen Zeiten blühen würden , dort an den gegen- 
überliegenden Lehnen zu gleicher Zeit ihre entfalteten Blüthenkätzchen den 
Bienen anbieten. 

Geringer als in den Alpen Niederösterreichs ist die Verspätung bei 
gleicher Höhenlage in dem durch seine späte Vegetationsentwicklung mit 
Unrecht so sehr verrufenen böhmisch-mährischen Gebirgsplateau (dessen nieder- 
österreichischer Antheil künftighin mit dem landesüblichen Ausdrucke „Wald- 
vierter' bezeichnet werden soll), indem die Verspätung der Blüthenentwieklung 
dort bei 1000' Meereshöhe auf 6—8, bei 2000' auf 22 und bei 2500 auf 
30—36 Tage sich beläuft. 

Von den im Gebiete der Donau-Auen nicht vorkommenden und somit 
auch im obigen Verzeichnisse nicht aufgeführten Weiden-Stammarten beginnt 
8. grandifolia um 5—6 Tage später als S. Caprea, — die S. glabra um 
2—3 Tage nach S. incana, — und S. nigricans und S. aurita fast gleich- 
zeitig mit S. cinerea die ersten Blüthen zu öffnen. 

Von den alpenbewohnenden Weiden ist die erste S.myrsinites 1) Jacquiniana, 
dann folgt S. arbuscula, S. reticulata und S. retusa. In einer Höhenlage von 
oöOU' kommen diese zierlichen Weidenarten gewöhnlich Mitte Juni zur Blüthe, 



40 



Dr. A. Kern^r: 



werden aber auf den 6500' hohen Kuppen noch in der zweiten Hälfte <l< 
Juli in Blüthe getroffen. 

Die Blüthezeit derjenigen Weiden, welche wir für Ba- 
starte halten, fallt in überraschend übereinstimmender Weise zwischen 
jene der wahrscheinlichen Stammeltern, doch gewöhnlich so, dass die Blend- 
lingsart in den einzelnen Entwicklungsphasen sich jener der Stammarten 
mehr nähert, mit welcher sie auch durch ihren Gesammtausdruck mehr 
übereinstimmt. So schliessen sich die Blendlingsarten, die mit & incana, 
S. viminalis und S. purpurea verwandt sind, auch in der Zeit ihrer Blüthen- 
entwicklung an diese Stammarten zunächst an. 

Geografische Verbreitung der Weiden. 

Die meisten niederösterreichischen Weiden, welche wir als 
Stammarten ansehen, besitzen einen ungemein grossen Verbreitungsbezirk, 
der sich yon der Mittelmeerzone bis hinauf in das nördliche Russland und von 
der Westküste Europas bis über das Altaigebiet, ja bei einigen bis Kamt- 
schatka und das nördlichste Amerika ausdehnt. — Nur von fünf niederöster- 
reichischen Weiden, nämlich: S.daphnoides, S. incana, S. glabra, S. grandifolia, 
S. retusa, verläuft die Hauptvegetationslinie innerhalb des niederöster- 
reichischen Gebietes und soll bei den betreffenden Arten ihre Besprechung 
finden. — Die nordische S. rnyrtilloides, deren südöstliche, aus der Schweiz 
über die südbairische Hochebene in die Karpathen (Rox nordwestlich von 
Kesmark) hinziehende Vegetationslinie Niederösterreich schneidet, ist dem- 
ungeachtet auf den ihr zusagenden Standorten, nämlich den Hochmooren des 
Waldviertels, bis jetzt noch nicht aufgefunden worden. 

Für mehrere der im Nachfolgenden beschriebenen Weiden soll auch 
der Verlauf örtlicher Vegetationslinien näher bezeichnet werden. 
Wir meinen damit Linien, welche innerhalb des von der Hauptvegetations- 
linie umgrenzten Areales der Pflanze jene Bezirke näher bezeichnet und 
begrenzt, in welchen die Pflanze in einer ununterbrochenen Reihe von Standorten 
vorkommt, und jene, in welchen sie nicht gefunden wird. Diese örtlichen Vegeta- 
tionslinien finden zum Theil in Aenderungen der Höhenlage innerhalb des Haupt- 
areales und in der dadurch bedingten örtlichen Aenderung der klimatischen Ver- 
hältnisse, zum Theil in der Aenderung chemischer, beziehungsweise petrografischer 
Verhältnisse ihre Erklärung, und fallen dann mit klimatischen oder petro- 
grafischen Linien zusammen; manche von ihnen aber lassen sich weder aus 
dem einen noch dem anderen Verhältnisse, sondern nur aus der Geschichte 
der Erdoberfläche und ihrer Pflanzendecke erklären. — Solche örtliche 
Vegetationslinien nehmen ein nicht geringeres Interesse als die Haupt- 
vegetationslinien in Anspruch , stehen mit diesen natürlich auch im innigsten 
ursächlichen Zusammenhange und werden uns, wenn sich einmal die Beobach- 
i üögen so sehr vervielfacht haben, dass dieselben für die Mehrzahl der Pflanzen 
kartografisch dargestellt werden können, die wichtigsten Anhaltspunkte zur 



Niederasterreichische Weiden. 



41 



Erkennung der Lebensbedingungen und der Geschichte der einzelnen Arten 
an die Hand geben. 

Jene örtlichen Vegetationslinien, die mit klimatischen Linien zusammen- 
fallen und vorzüglich von der Bodenplastik abhängen, erscheinen durch die 
Angabe der Höhengrenzen hinreichend bestimmt, und wir werden uns daher 
in Beziehung solcher Vegetationslinien bei den einzelnen Arten in dem spe- 
ziellen Theile dieser Arbeit bloss auf die Angabe ihrer vertikalen Verbreitung 
beschränken; — jene örtlichen Vegetationslinien aber, welche sich aus klima- 
tischen Linien allein nicht erklären lassen, sollen dort bei den betreffenden 
Arten eine ausfuhrliche Erörterung erfahren. 

Was die Verbreitung derjenigen niederösterreichischen 
Weiden anbelangt, welche wir für Bastarte halten, so steht 
dieselbe der Verbreitung der Stammarten wenig nach, wenn auch die ein- 
zelnen Fundorte in der Regel nur sehr zerstreut innerhalb des Verbreitungs- 
bezirkes angetroffen werden. — So z. B. sind die Bastarte aus S. alba und 
fragilis, aus S. pentandra und fragilis, aus S. purpurea und viminalis , aus 
8. aurita und repens so weit verbreitet als ihre Stammarten. Die Bastarte, 
an welchen incana, S. grandifolia und die anderen Stammarten mit beschränk- 
terem Areal betheiligt erscheinen , halten auch mit der Verbreitung dieser 
ihrer wahrscheinlichen Stammeltern in der Regel gleichen Schritt. 

Gruppirung der Weiden. 

Nicht ohne Grund bezeichnete Endlicher die vielgestaltigen Weiden 
als: yjbotanicorum crux et scandalum."' — Wenn es schon schwielig ist, die 
Formen durch Beschreibungen festzuhalten, so ist die Schwierigkeit, sie in 
natürlich begrenzte Gruppen einzureihen gewiss noch bei weitem grösser. 
Bei der allseitigen Verknüpfung, welche insbesondere durch die grosse Zahl 
der Blendlingsarten hervorgebracht wird, verzagt man auch im ersten Augen- 
blicke, dieses Heer von Weiden naturgemäss gruppiren zu können. — Dennoch 
sind gewisse Vorbilder nicht zu verkennen, an welche sich sowohl die un- 
zweifelhaften Stammarten als auch die Blendlingsarten anschliessen. Sehr zu 
statten kommt dem Sjstematiker auch noch die Thatsache, dass die Weiden- 
Bastarte nur selten genau die Mitte zwischen ihren Stammältern halten, 
dass sie fast durchgehends als goneiklinische Blendlinge in Erscheinung treten, 
und dass es nur selten in Zweifel gezogen werden kann, an welche der 
Stammältern ein Bastart zunächst angereiht werden müsse. 

Von den Schriftstellern, welche die Weiden besonders bearbeiteten, 
haben Koch und Fries *) , welche die Möglichkeit des Vorkommens von 
Weidenblendlingen in der freien Natur noch bezweifelten, Zusammenstellungen 
sämmtlicher ihnen bekannten Weiden in natürliche Gruppen versucht, und 



*) W. D. Koch: De salicibus europaeis rommentatio. Erlang. 1829. — Fries. Novit. Fl. Suec. 
Mant. D. p. 21-76. 

Bd. I. Abhandl. Q 



42 



Dr. A. Korner 



jene von Koch wurde als die gelungenste von allen späteren Floristen 
ungeändert oder mit unbedeutenden Abweichungen beibehalten. 

Wimm er, der die Aufmerksamkeit der botanischen Welt durch eine 
Reihe von höchst wichtigen Abhandlungen in der Regensburger Flora und 
in den Schriften der schlesischen Gesellschaft für vaterl. Kultur auf die so 
schwierige Pflanzengattung neuerdings hinlenkte und sich die grüßten Ver- 
dienste durch die Erkennung und Begrenzung der grossen Reihe von Blend- 
lingen erworben hat, gab gleichfalls eine Eintheilung der Stammarten in der 
Flora 1849, Nr. 3, und ordnete entsprechend der in dieser Eintheilung 
befolgten Reihenfolge der Stammarten auch die 56 Weidenbastarte, welche 
er in der Denkschrift der schles. Gesellschaft f. vaterl. Kultur beschrieben hat. 

Sämmtliche Eintheilungen legen ein grosses Gewicht auf den Wuchs 
und die Höhe der Weiden, so wie auf deren Standort, und gestützt auf diese 
Merkmale wurden Arten , welche sonst wesentlich von einander abweichen, 
in Gruppen zusammengefasst, die zum Theil als gezwungen und unnatürlich 
angesehen werden müssen. Wir dürfen bloss auf die Koch\sche Gruppirung 
erinnern, nach welcher die so nahe verwandten S. phylieifolia und &. arbuscula 
in zwei getrennte Rotten gebracht werden, so wie nach der Eintheilung 
von Fries die höchst ähnlichen £. Myrsinites und S. polaris in zwei ver- 
schiedene Abtheilungen gestellt worden sind, bloss auf das Merkmal hin» 
dass bei der ersteren die Achselknospen an den Aestchen, die durch Kätzchen 
abgeschlossen sind, nicht zur Entwicklung kommen, während sie bei S. polaris 
sich weiter entwickeln, ein Merkmal, dessen schwankenden Werth wir 
bereits in dem Früheren besprochen haben. 

Die Bildung der grösseren Gruppen wird zwar immer eine mehr oder 
weniger gezwungene sein, die Feststellung von Rotten aber, unter welche 
sich Stammarten und Blendlinge, denen in ihrer Form ein gemeinschaftliches 
Vorbild vorschwebt, zusammenscharen, ergibt sich ziemlich ungezwungen, 
und wir haben im Nachstehenden eine solche Zusammenstellung versucht, 
die sich allerdings zunächst nur über die niederösterreichischen Weiden aus- 
breitet, in deren Abtheilungen jedoch auch alle bisher nicht in Niederösterreich 
gefundenen Formen passend untergebracht werden können. 

Einen wichtigen Anhaltspunkt zur Ermittlung der grösseren oder 
geringeren Verwandtschaft gab uns das Vorhandensein oder Fehlen von 
Blendlingen zwischen den unzweifelhaften Stammarten. Wir gingen von der 
gewiss begründeten Annahme aus, dass diejenigen Arten die geringste Ver- 
wandtschaft besitzen, welche trotzdem dass die Bedingungen der Bastartirung 
für sie in der freien Natur vorhanden sind, dennoch keine Bastarte erzeugten 
— Die Purpurweide, so häufig und gewöhnlich sie auch mit den Bruch-, Mandel- 
und Silberweiden mit ennischt vorkommt, hat doch bisher mit diesen noch keine 
Bastarte erzeugt; ebenso wenig als sich die S. repens und ihre Parallelform S. 
rosmarinifolia mit ihnen verbunden haben/Diese Arten betrachten wir daher auch 
nls die Endglieder der Kette von Weidenarten, und zwar schliessen 



NiodcröslerrcirliiscJic Weiden . 



43 



sich die Bruclnvcidcn durch den klebrigen Ueberzug der 
jungen Blätter, durch die Brü ch ig k ei t ihrer Zweige und durch 
die grössere Zahl von S t au b g efäss e n an die Pappeln an, und 
die klebrigste mit 5 bis \% Staubgefässen , nämlich S. pentanära ist als das 
eine Grenzglied, welches die Brücke zu der Pappel-Rotte Aigeiros baut, 
anzusehen, so wie die S. pur pur ea mit zwei verwachsenen Staub- 
gefässen das andere Endglied der Weidenreihe darstellt. 
Zwischen diese Grenztypen gruppiren sich die übrigen Weidenarten und bilden 
zwei in einander fliessende Gruppen : die eine mit verlängerten schmäleren 
Blättern, kürzer gestieltem Fruchtknoten und verlängertem Griffel , und eine 
zweite mit kürzeren breiteren Blättern, länger gestielten Fruchtknoten und 
kurzem oder fehlendem Griffel. 

Dem entsprechend theilen wir die Weiden in folgende vier Gruppen : 
Am C'Moriteae**) Kätzcbeuschuppen einfarbig gelbgrün. An 
den Einfügungsstellen der Staubgefässe in denBlüthen- 
boden eine innere und äussere Drüse. Antheren nach 
dem Stäuben gelb. Fruchtknoten kahl, Griffel feh- 
lend oder kurz: O.ö — l lülü lang. 
Bt JMacrostyMnt*» Kätzchenschuppen zweifärbig oder ein- 
färb ig gelb grün. An der Einfügungsstelle der 
Staubgefässe in den Blüthenboden nur eine innere 
Drüse. Antheren nach dem Stäuben gelb oder 
schwarz. Fruchtknoten kahl oder behaart. Griffel 
dünn fädlich verlängert: 1— 2 mn lang. 
C\ JfMicrostylae. Kätzchen s chuppen zweifärbig. An der Ein- 
fügungsstelle der Staubgefässe in den Blüthen- 
boden nur eine innere Drüse. Antheren nach dem 
Stäuben gelb. Fruchtknoten beharrt oder kahl. 
Griffel sehr kurz oder fehlend. Blätter im Verwelken 
braun werdend. 

Dm JfMelitettem**} Kätzchenschuppen zweifärbig An der Ein- 
fügungsstelle der Staubgefässe in den Blüthen- 
boden nur eine innere Drüse. Antheren nach dem 
Stäuben schwarz oder gelb. Fruchtknoten beh aar t. 
Griffel sehr kurz oder fehlend. Blätter im Verwelken 
schwarz werdend. 
Die Verwandtschaftsverhältnisse dieser vier Gruppen erhellen aus fol- 
gender Zusammenstellung, in welcher die Zahlen sämmtlicher zwischen den 
Stammarten von je zwei Gruppen bisher in der freien Natur aufgefundenen 
Bastartformen nebeneinandergestellt werden: 



:: ) Aus xXcbqos und t % i a , 
**) Aus fitXccg und i T ici. 



44 Dr. A. Kern er: 

Zahl der Bastarte zwichen den Arten der 

Chloriteae und Macrostylae .... 8 

„ „ Microstylae .... 2 

„ „ Metiteae 

Macrostylae und Microstylae . . . .22 

„ „ Meliteae 10 

„ „ Chloriteae .... 7 

Microstylae und Macrostylae . . . .22 

„ „ Meliteae 18 

„ „ Chloriteae .... 2 

Meliteae und Microstylae 18 

„ „ Macrostylae . . . .10 
„ „ Chloriteae 



A. Chloriteae. 

Die gemeinschaftlichen Merkmale, welche den Arten, die in dieser 
Gruppe autgeführt werden, zukommen, sind folgende: Die Blätter sind kahl 
oder mit anliegenden geraden, dem Mittelnerven des Blattes parallel laufenden 
langen Haaren bekleidet. Die untere Blattseite ist von einem vorspringenden 
starken Mittelnerven und von schlanken zarten, entweder gar nicht oder 
kaum über die Blattmasse sich erhebenden Seitennerven durchzogen, die 
obere meist glänzend grüne Blattseite ist an frischen Blättern glatt, an 
getrockneten Blättern von etwas vorspringenden zarten Nervchen geädert. 
Die Blätter werden im Verwelken lichter oder dunkler braun (niemals 
bläulich schwarz). — Die lockerblüthigen Kätzchen brechen zu gleicher 
Zeit mit den Blättern hervor, die kurzen kätzchentragenden Triebe sind mit 
2 — 5 Blättern besetzt , welche in der Knospe das noch unentwickelte 
Kätzchen einschliessen. Die Achse des Kätzchens ist bei allen, selbst den sonst 
ganz kahlen Arten von abstehenden krausen Haaren flaumig. Die Kätzchen- 
schuppen sind einfarbig gelbgrün, länglich, stumpf oder abgestutzt, meist sparsam 
behaart. Die Staubgefässe 2- 12 an der Zahl; die Antheren sind vor, während 
und nach dem Stäuben gelb; die Staubfäden sind frei, an ihrem unteren 
Ende etwas flaumig und durch die ineinandergreifenden Härchen manchmal 
locker zusammenhängend. An der Basis der Staubfäden befinden sich zwei 
abgestutzte kurze honiggelbe Drüsen des Blüthenbodens , die eine an der 
Seite gegen die Kätzchenspindel, die zweite an der äusseren Seite angeschmiegt 
an den Grund der Schuppe. Die Fruchtknoten sind gestielt oder fast sitzend, 
kahl, zur Zeit der Blüthe kegelförmig, später sich an. der Basis stark aus- 
bauchend und birnfönnig; Griffel fast fehlend oder kurz, 0.5— l mm - lang; 



Niederiisterrelchiscbe Weideu. 



45 



Narben kurz, dicklich, abstehend, ausgerandet oder zweilappig, gelb, wachs- 
artig glänzend. Die innere Drüse des Blüthenbodens an der Emfugungsstelle 
des Fruchtknotenstieles jener der Staubblüthen gleich gestaltet , die äussere 
Drüse bei der Mehrzahl der Weidenarten dieser Gruppe fehlend. Die Ellappen 
der aufgesprungenen Kapsel sichelförmig zurückgekrümmt. 

Die Chloriteen zeichnen sich auf den ersten Blick durch ihre locker- 
blüthigen blassen Kätzchen, welche bei den Fruchtblüthen tragenden Bäumen 
und Sträuchern wegen grüner Farbe der Fruchtknoten und grünlicher Fär- 
bung der Kätzchenschuppen von dem zu gleicher Zeit mit den Blüthen 
hervorbrechenden Laubwerk sich kaum herausheben, sehr aus. Aus der Reihe 
der Weiden der nächstfolgenden Gruppe könnten nur zwei Arten, nämlich 
S. glabra und incana durch ihren äusseren Eindruck verleiten, sie unter 
die hier gekennzeichneten Chloriteen zu stellen. In der That ist auch erstere 
ron Neil reich, letztere ron Grenier und Godron an die hier von uns 
zusammengefassten Arten angereiht worden. S. glabra unterscheidet sich 
jedoch selbst dann, wenn ihre Kätzchenschuppen an der Spitze nicht geröthet 
sind , ron den Chloriteen durch den Mangel der äusseren Drüse in den 
Staubblüthen, durch längeren Griffel und schwarz werdende Blätter; S. incana 
überdiess noch durch andere Blattnervatur und fädliche Narben. 

Die Chloriteen zerfallen in vier Rotten: 

M» Fragiles* Koch. Bruehweiden. — Bäume oder Sträucher 
mit schlanken, an den Abästungsstellen brüchigen und mit glatter glänzender 
häutiger Rinde überzogenen Zweigen. Die lanzettlichen zugespitzten Blätter 
in der Jugend klebrig, kahl, oberseits glänzend, am Blattstiel häufig 
mit Drüschen besetzt. Staubgefässe 2 — 12. Die zilindrischen , oft bogenförmig 
gekrümmten Kätzchen an beblätterten Aestchen. Kätzchen s chupp en 
noch yor der Fruchtreife abfallend. An den Fruchtblüthen 
ebenso wie an den Staubblüthen sowohl eine innere wie äussere 
Drüse. Fruchtknoten gestielt, Griffel 0.5 — lang, ebenso wie die zwei- 
lappigen Narben wachsartig, dicklich, abstehend. 

Niederöst. Arten: S- pentandra, XS. cuspidata, >sj S- Pokornyi, S.fragilis. 

MM, Albae. Silberweiden. — Bäume oder Sträucher mit schlanken, 
an den Abästungsstellen wenig brüchigen und mit glatter häutiger Rinde 
überzogenen Zweigen. Die lanzettlichen zugespitzten Blätter sind in der 
Jugend mit geraden, dem Mi 1 1 e 1 n erv e n parallel anliegenden 
Haaren mehr oder weniger bedeckt und seidig glänzend, nicht 
klebrig. Blattstiele ohne Drüsen. Die zilindrischen, oft bogenförmig 
gekrümmten Kätzchen an sehr kurzen beblätterten Aestchen. Kätzchen- 
schuppen noch vor der Fruchtreife abfallend. Blüthenboden 
der Staubblüthen zweidrüsig, jener der Fruchtblüthen eindrüsig. 



46 



Dr. A. Kerner : 



Fruchtknoten sehr kurz gestielt. Griffel sehr kurz und die fast sitzenden 
zweilappigen wachsartigen Narben abstehend. Staubgefässe 2. 
Niederöst. Arten: ^S-excelsior, ^S. palustris, S- alba. 

MMM. Ant&ffiMatimte. Koch. Mandelweiden. — Sträucher 
oder Bäumchen mit schlanken, zähen, kahlen, biegsamen, mit glatter Rinde 
überzogenen Zweigen. Die lanzettlichen zugespitzten Blätter sind 
kahl, in der Jugend nicht klebrig. Blattstiel ohne Drüsen, Neben- 
blätter halbnierenförmig. Die zilindrischen meist geraden reich blüthigen 
Kätzchen an kurzen beblätterten Aestchen. Kätzchenschuppen nicht 
abfallend. Blüthenboden der Staubblüthen zweidrüsig, jener der 
Fruchtblüthen eindrüsig. Fruchtknoten lang gestielt. Griffel sehr kurz, 
Narben gegen das Ende zu verdickt und unter rechtem Winkel von dem 
Griffel abstehend. Staubgefässe 2 — 3. 

Niederöst. Arten : >sj S. subtriandra, )^ S. Kovdtsii, S- amygdalina. 

MV. Mtetwsae. — Stumpfblättrige Weiden. — Kleine an den 
Boden angedrückte Alp ensträu eher mit armknospigen, leicht abbrechbaren, 
glatten, kahlen Zweigen» Die stumpfen oder ausgerandeten Blät ter 
sind kahl, in der Jugend nicht klebrig. Blattstiel ohne Drüsen. 
Die geraden armblüthigen Kätzchen an kurzen beblätterten Aestchen» 
Kätzchenschuppen nicht abfallend, meistabgestutzt. Blüthenboden 
der Staubblüthen zweidrüsig, jener der Fruchtblüthen eindrüsig. Frucht- 
knoten kurz gestielt. Griffel kurz. Die wachsartigen Narben zweilappig, ab- 
stehend. Staubgefässe 2. 

Wir haben keinen Anstand genommen, an die hochstämmigen Feibern 
mit gelbgrünen Kätzchenschuppen auch die zierlichen Alpensträuchelchen 
S. retusa und S. herbacea, welche sich allein durch ihren zwergigen Wuchs 
und dadurch von den anderen Chloriteen unterscheiden, dass bei ihnen die 
Knospenanlagen in deT Achsel der Kätzchenstielblätter gewöhnlich zur wei- 
teren Entwicklung kommen, während sie bei den anderen in der Regel ver- 
kümmern, hieher zu ziehen, um so mehr, als das letztgenannte Merkmal 
für S. retusa nicht einmal als beständig angeführt werden kann. Auf keinen 
Fall würde dieses Merkmal die Trennung dieser zwei Alpenweiden von den 
anderen Chloriteen rechtfertigen, mit welchen sie in allen übrigen Merk- 
malen übereinkommen. 

Niederüst. Arien : S- retusa, X 5- Fenzliana, S. herbacea. 

B. Macrostylae. 

Die Blätter sind in Zuschnitt, Nervatur und Bekleidung sehr mannig- 
faltig, doch spricht sich bei der Mehrzahl die lanzettliche Grundform aus, 
und meistens sind die Blätter überdiess sehr verlängert. Beim Verwelken 
werden dieselben braun oder schwarz; die Kätzchen der alpenbcwohnendcn 



Niederösterreichische Weiden. 



17 



Arten brechen gleichzeitig mit den Blättern hervor und schliessen ein 
beblättertes verlängertes Aestchen mit verkümmernden Achselknospen ab. 
Die Arten der Ebene oder jene, welche die Thäler bewohnen, haben hin- 
gegen sitzende vorläufige Kätzchen, deren sehr kurze Stiele mit schuppen- 
förmigen kleinen Blättchen bekleidet sind. Die Kätzchenschuppen sind meistens 
zweifarbig, an der Spitze lichter oder dunkler roth gefärbt und lang behaart, 
jene der Fruchtblüthen von S. glabra und S. incana sind einfärb"g gelbgrün 
und fa>t kahl, der Torus sowohl an den Frucht- wie an den Staubblüthen 
nur zu einer inneren Drüse ausgewachsen. Staubgefässe zwei. Staubfäden 
frei oder theilweise mit einander verwachsen, an der Basis kahl oder flaumig. 
Antberen nach dem Verblühen gelb oder schwarz. Fruchtknoten und Kapsel 
in Form und Behaarung bei den verschiedenen Arten sehr verschieden, die 
Griffel jedoch bei allen Arten fädlich, verlängert, 1 — 2 mm - lang, und die 
Narben häufig bogenförmig abwärts gekrümmt. 

Die hier zusammengefassten Weiden sind durch die eindrängen Staub- 
blüthen und den verlängerten Griffel der Fruchtblüthen von den übrigen 
Gruppen unterschieden. Sie reihen sich in nachfolgende fünf Rotten: 

JT. JfMyvtasuliact Myrt weiden. — Die ausgewachsenen Blätter 
gleichfarbig, kahl, glänzend, schon im lebenden Zustande oberseits von 
vorspringenden Nerven durchzogen, im Verwelken schwarz 
werdend. Die Kätzchen kurz zilindrisch, am Ende von beblätterten Aestchen, 
deren Knospen regelmässig verkümmern. Kätzchenschuppen lanzettlich, lang 
behaart. Torus-Drüse fädlich purpurroth. Staubgefässe 2, frei. Antheren vor 
dem Aufblühen roth, dann gelb, später schwarz werdend. Fruchtknoten 
kurz gestielt, eiförmig, in den verlängerten fädlich en purpurro th en 
Griffel vorgezogen. Narben fädlich, purpurroth, abstehend. Kapselklappen 
-ich eiförmig auswärts gebogen. 

Alpenbewohnende niedere , meistens auf den Boden hingestreckte 
Sträuchlein, deren Kätzchen zu gleicher Zeit mit den Blättern hervorbrechen 
und die durch verlängerte fädiiche Griffel und Narben, so wie durch die 
Furm des Fruchtknotens und der Tomsdrüse sich mit den nächstfolgenden 
Kotten verbinden, aber durch die rothe Farbe des Griffels und der 
Narben, so wie durch die schwarz werdenden Antheren sich von ihnen 
unterscheiden. — Durch die der S. ATyrsinites verwandte S. polaris 
einerseits und durch S. herbacea anderseits verknüpft sich die hier begrenzte 
Rotte mit den Chloriteen. Doch kommt die S. polaris nur durch das Merk- 
mal der knospenreifenden Kätzchenstiele und die Form der Blätter mit 
*S'. herbacea überein, während sie sich durch purpurne verlängerte Torusdrüse 
und Griffel, so wie durch das Fehlen der äusseren Torusdrüse der Staub- 
blüthen und die schwarz werdenden Antheren unmittelbar an S. Myrsinites 
anschliesst. — Durch das Merkmal der nach dem Verstäuben schwarz wer- 
denden Antheren kommen die Myrt weiden noch mit den Purpurweiden überein, 



48 



Dr. A. Kerner: 



mit denen sie aber in den übrigen wesentlichen Merkmalen keine Verwandt- 
schaft zeigen. 

Niederöst. Art : S- Myrsinites var. Jacquiniana- 

MM. ArÖMSCMtae, Buschweiden» — Niedrige viel- und kurz- 
ästige Alpensträucher mit zähen Zweigen, kahlen, seidigen oder graufilizgen, 
im Verwelken braun werdenden Blättern, die sich zu gleicher Zeit 
mit den dichtblüthigen , länglich zilindrischen, geraden, länger oder kürzer 
gestielten Kätzchen entwickeln. Kätzchenschuppen länglich, geröthet, behaart. 
Torusdrüse länglich, gelb. Staubfäden frei, Antheren nach dem 
Verstäuben gelb. Fruchtknoten kurz gestielt oder sitzend, 
eiförmig, seidig behaart. Die beiden bei den anderen Weiden zu 
einem zusammengewachsenen Griffel sind bei den Arten dieser Rotte nicht 
selten bis zum Fruchtknoten hinab getrennt und der Stempel in solchen 
.Fällen zweigriffelig. Griffel und Narben gelb. Kapselklappen sichel- 
förmig zurückgekrümmt. 

Der hier begrenzte Weidentypus bei uns nur durch S. arbuscula ver- 
treten, ist durch diese Art in seiner äusseren Erscheinung mit dem früheren 
verwandt, jedoch durch die gelbe Farbe der Narben, des Griffels und der 
Torusdrüse, so wie durch nicht schwarz werdende Blätter und Antheren von 
ihm unterschieden. Unsere S. arbuscula hat kahle Blätter. Von den nicht in 
Niederösterreich vorkommenden Arten dieser Rotte sind aber S. glauca und 
viele Formen der S. Lapponum zum Theil mit langen geraden, dem Mittel- 
nerv parallelen Haaren bedeckt, zum Theil haben sie die Behaarung der 
nachfolgend beschriebenen Grauweiden, bald auch mahnt die Behaarung an 
jene der S. viminalis. Letzteres ist namentlich an den behaartblättrigen 
Formen der S* phylicifolia vom Brocken der Fall, deren Blätter an der 
unteren Seite von geraden, zarten, anliegenden, der Richtung der Seiten- 
nerven folgenden Härchen bedeckt erscheinen und auch ganz ähnlich der 
S. viminalis das eigentümliche seidige Schillern zeigen. 
Niederöst. Art : S- arbuscula. 

MMM» Viwiinates* Korbweiden. — Sträucher mit schlanken, 
zähen, nicht bereiften Zweigen mit gelbgrüner Rinde und verlängert lanzett" 
liehen, am Rande manchmal etwas welligen und umgerollten Blättern, die 
oberseits dunkelgrün und gewöhnlich vertieft nervig, unterseits erhaben nervig, 
blassgrün und kahl, oder von zarten, den Seitennerven paral- 
lelen Härchen bedeckt sind und dann meist ein eigentümliches seidiges 
Schillern wahrnehmen lassen. Die Blätter werden im Verwelken 
braun. — Die Kätzchen sind sitzend, vorläufig, dichtblüthig, eiförmig oder 
zilindrisch, gerade oder etwas gebogen. Die Kätzchenschuppen sind lanzettlich 
spitz, gegen die Spitze dunkel geröthet, mit langen Haaren bekleidet. 
Torusdrüse verlängert lineal, Staubgefässe 2, Staubfäden an der 
Basis kahl, frei oder theilweise verwachsen, Antheren nach dem Stäuben 



NiedeiT'Sterreicbische Weiden. 



40 



gelb. Die Fruchtknoten sitzend oder kurz gestielt, von anlie- 
gend en Härchen seidig: filzig, eiförmig, in den fädlichen gelben 
Griffel vorgezogen. Die ungetheilten oder zweispaltigen fädlichen gelben 
Narben bogenförmig auseinanderlaufend. Kapselklappen sichelförmig auswärts 
gekrümmt. 

Die verlängerten eigenthümlich behaarten Blätter, die eigenthüm- 
liche Form des Stempels und der Torus-Drüse lassen die Stammform dieses 
Weidentvpus, nämlich S. viminalis in der Regel ziemlich leicht in den durch 
;Je gebildeten Blendlingen erkennen. — Nur diejenigen Bastarte, welche sie 
mit den Chloriteen bildet (von denen bisher keiner in Niederösterreich auf- 
gefunden wurde, die aber anderwärts ziemlich häufig zu sein scheinen), 
schliessen sich in ihrer Form meistens den letzteren an; alle diejenigen 
Blendlinge aber, bei welchen wir dafür halten, dass sie durch Verbindung 
der <& viminalis mit den Arten der Gruppe Mugosae und Mditeae ent- 
standen sind, nehmen den Typus der £. viminalis an. 

Niederüst. Arten: & viminalis, x.'S. Hostii, x 'S. sericans, XS. obscura, X& elaeagnifo'ia, >< \JL 
rubra, X S. Forbyana, X, S. angustifolia- 

MT. Vntifie, Grauweideii. — Sträucher oder Bäumchen mit 
brüchigen, dunkelrindigen, in der Jugend graufilzigen Zweigen von trüb- 
grünem Aussehen. Die lanzettlichen oder linealen Blätter sind in der Jugend 
immer und oft auch im ausgewachsenen Zustande am Rande umgerollt, ober- 
seits vertieft nervig, dunkeloder schmutzig grün, glanzlosund zur Zeit der Ent- 
wicklung mit grauem abwischbaren Flaume bedeckt, unterseits mit glanz- 
losem, aus verworrenen langen Haaren gebildetem weissem 
Filze überzogen. Der Mittelnerv der unteren Blattseite ist dick, stark vor- 
springend, meisten^ kahl: die Seitennerven dieser Blattseite, obschon vom weissen 
Filze eingehüllt, sind dennoch vorspringend. Die sitzenden Kätzchen erscheinen 
verlängert zilindrisch, lockerblüthig und bogenförmig gekrümmt, in der 
Ebene vor, in den Alpen mit den Blättern sich entwickelnd. Die Kätzchen- 
schuppen an der Stammform dieser Rotte länglich, stumpf oder abgestutzt, 
kahl oder spärlich gewimpert, jene der Staubkätzchen gelb mit schwach 
gerötheter oder brauner Spitze, jene der Fruchtkätzchen einfarbig gelbgrün ; 
die Kätzchenschuppen derjenigen Arten, die wir für Bastarte halten, behaart, 
länglich, stumpf, an der Spitze bräunlichroth bis dunkelpurpurn. Torus- 
drüse kurz, linsenförmig, gelb, Staubfäden theilweise verwachsen, 
an der Basis flaumig und durch die ineinandergreifenden Härchen häufig 
lose zusammenhängend. Antheren nach dem Verstäuben gelb. 
Fruchtknoten lang gestielt, zur Zeit der Blüthe aus eiför- 
miger Basis verlängert kegelförmig, später sich ausbauchend und 
birnformig, entweder kahl oder filzig, glanzlos. Griffel fädlich , die gelben 
Narben tief zweispaltig und die fädlichen Lappen zurückgerollt. 
Kapselklappen schneckenförmig zurückgerollt. 
M. t Abhiuül 7 



Hr. A. k>rnr>r: 



Die Weiden dieser Rotte sind schon von ferne durch ihr oigenthiiin- 
liches Wachsthum kenntlich. Bei den anderen schmalblättrigen Weiden mit 
langen Ruthen (S. alba^ S. amygdalina, S. viminalis etc.) entwickelt sich 
immer die oberste laterale Laubknospe, welche der abgestorbenen terminalen 
Laubknospe zunächst stand, am üppigsten und bildet einen auffallend ver- 
längerten Spross, der die Seitenstämmchen, welche aus den anderen nach 
abwärts folgenden lateralen Laubknospen derselben gemeinschaftlichen Haupt- 
achse kommen, weit überragt. Bei S. incana ist jedoch die Länge der Triebe, 
welche sich aus den zwei oder drei obersten lateralen Seitenknospen bilden, 
ziemlich gleich gross, und dieser Umstand bedingt namentlich dann, wenn 
die Laubknospen sehr genähert standen, eine ganz eigentümliche, im ersten 
Augenblicke gabelig erscheinende Verästlung. — Diese Eigenthümlichkeit 
spricht sich auch in den Bastarten, an welchen wir S. incana betheiligt 
halten, immer aus und findet sich wiederholt in den früher beschriebenen, 
gleichfalls in die Gruppe der Macrostylae gehörigen Buschweiden, deren zier- 
liches Ansehen vorzüglich auf dieser Art der Verzweigung beruht. 

Die Grauweiden wurden von der Mehrzahl der Autoren in die Gruppe 
Rugosae oder Capreae gestellt, mit denen sie die Nervatur (nicht aber die 
Behaarung) der Blätter und die lang gestielten Fruchtknoten gemein haben. 
Von Grenier und Godron wird die Stammform S. incana den Mandel- 
und Bruchweiden, mit welchen die Fruchtkätzchen tragenden Stämme durch 
die kahlen Fruchtknoten und einfärbig gelbgrünen Kätzchenschuppen überein- 
stimmen, angereiht, und Wimmer, der die Stammform 8, incana in der 
Flora 1849, Nr. 3, als selbstständigen Typus bezeichnet, welchem er unmittel- 
bar den Typus der S. viminalis folgen lässt, vereinigt sie in der in Nr. 4 
versuchten Eintheilung der Weiden geradezu mit S. viminalis in eine Gruppe. 
Mit dieser erscheint sie auch unstreitig am nächsten verwandt und schliesst 
sich namentlich in der Blattform und Nervatur, so wie in der Form der 
Griffel und Narben an dieselbe an, so wie sie ganz dieselbe Reihe von 
Bastarten mit den Arten der Gruppe Rugosae und der 8. purpurea bildet. — 
Die Formen, welche wir durch Kreuzung der Stammart 8. incana mit den 
Arten der Gruppe Rugosae hervorgegangen halten , schliessen sich (ähnlich 
so wie jene aus 8. viminalis und den Arten der Rugosae) alle an S. incana 
an und erscheinen in dem oben begrenzten Typus der Grauweiden. — Das- 
selbe gilt von einem der Bastarte, an welchem sich nebst S. incana die 
8. purpurea betheiligt zu haben scheint. Ein zweiter Blendling aber aus 
8. incana und purpurea nähert sich, mehr der letzteren Stammart, ebenso 
wie 8. Wimmeri, die wir durch Verbindung der 8. incana und 8. daphnoides 
entstanden glauben, den Typus der letzteren annimmt. Blendlinge der 
8. incana mit den Arten der Gruppe Chloriteae sind, obschon die Bedin- 
gungen der Bastartirung bei dem häufigen Untereinanderwachsen sehr häufig 
gegeben sind, bisher nicht bekannt geworden. 

Nicdcröst. Arten: ^S.Scriugeana, X.5- subalpina, XS. bifida, S. incana- 



Niederösterreichische Weiden. 



51 



F* J*ru#iio#ffe. Schinimelweiden. — Bäume oder Sträucher 
mit brüchigen, meist hechtblau bereiften Zweigen, lanzettlichen, im 
Alter kahl werdenden, oberseits glänzenden, glatten, im getrockneten 
Zustande Ton zarten, etwas erhabenen Nerven durchzogenen, unter- 
seits 'bläuliche n Blättern, die im Verwelken braun werden. 
Die grossen dichtblüthigen , entweder eiförmigen oder zilindrischen, manch- 
mal bogenförmig gekrümmten Kätzchen , die selbst zur Zeit der Fruchtreife 
noch sitzend erscheinen, brechen vor der Entwicklung der Blätter heraus. 
Die Kätzchenschuppen sind lanzettförmig spitz, gegen die Spitze dunkel- 
purpurn oder braunroth mit langen Haaren bekleidet. Die Torusdrüse 
verlängert lineal, gelb. Staubfäden frei. Antheren nach dem 
S.täuben gelb. Fruchtknoten sitzend oder kurz gestielt, kahl, 
eiförmig in den dünnen gelben Griffel vorgezogen. Die fädlichen 
gelben Narben spreizend , ungetheilt. Kapselklappen sichelförmig auswärts 
gekrümmt. 

Durch die vorläufigen, dichtblüthigen, grossen sitzenden Kätzchen, die 
vor dem Aufblühen in einen dichten weissen Pelz gehüllt erscheinen, durch 
die Form des Stempels und die verlängerte lineale Torusdrüse stimmen die 
Schimmelweiden mit den Korbweiden überein, mit denen sie auch von 
Grenier und Godron in eine Gruppe zusammengefasst wurden. Durch die 
Blattform sind sie einigermassen mit den Chloriteen verwandt. Durch S. Wimmeri 
erscheinen sie mit der Gruppe der Grauweiden verknüpft, mit deren Stamm- 
form sie auch noch die Kahlheit der Fruchtknoten gemein haben. 
Niederöst. Arten: >sS. Wimmeri, S. daphnoides- 

VM, JVigricantes. Schwarzweiden. — Vielverzweigte Sträucher 
mit dicken kurzen Ae-ten. Die breiten kurz bespitzt e n Blätter sind 
in der Jugend kahl oder mit kurzen etwas abstehenden Haaren be- 
kleidet. Die obere Blattfläche der ausgewachsenen Blätter ist kahl, mehr 
oder weniger glänzend, erhaben oder vertieft nervig, die untere gleichfalls 
kahl werdend, bläulich bereift oder blassgrün, matt, glanzlos, von lichten, 
etwas vorspringenden Nerven geädert. Die Blätter werden im Ver- 
welken bläulich schwarz. — Die dichtblüthigen, eiförmigen oder kurz 
zilindrischen Kätzchen brechen zu gleicher Zeit mit den Blättern hervor, 
ihre Stiele sind mit 2 — 5 Blättchen besetzt, welche in der Knospe das noch 
unentwickelte Kätzchen einschliessen. Die Kätzchenschuppen sind länglich, 
stumpf, gelblichgrün, an der Spitze entweder nur röthlich angehaucht oder 
dunkelpurpurroth, jene der Fruchtkätzchen von S. glabra und S. subglabra 
einfarbig gelbgrün. Torusdrüse gelb, kurz, zilindrisch. Staubgefässe 
zwei, Staubfaden frei, an der Basis flaumig, Antheren nach dem Stäuben 
schmutzig gelb. Fruchtknoten gestielt, aus eiförmiger Basis 
verlängert kegelförmig. Der 1 — 1™*- lange Griffel ist der Länge 
nach häufig von zwei Furchen durchzogen , welche der. Verwachsungs- 

7* 



52 



Dr. A. Kern er: 



stelle der zwei Griffel entsprechen, deren jeder einem Fruchtblatte angehört ; 
die Narben fleischig, dicklich, zweilappig, abstehend. Die Kapsel- 
klappen schneckenförmig zurückgerollt. 

Die Arten dieser Rotte sind von den anderen in die Gruppe Macrostyhjue 
gehörigen Weiden durch die dicklichen, nicht fädlichen Narben, überdies» 
ron den Myrt-, Busch-, Korb- unr] Schimmelweiden durch die kurze Torus- 
drüse, die länger gestielten, verlängert kegelförmigen Fruchtknoten und 
schneckenförmig zurückgerollten Kapselklappen, und von den Grauwciden 
durch andere Blattform und Bekleidung, so wie durch die kurzen dichter- 
blüthigen Kätzchen unterschieden. — Von den Chloriteen grenzen sie sich 
durch die eiförmigen sitzenden Staubkätzchen, die meistens geröthetenKätzchen- 
schuppen, das Fehlen der äusseren Torusdrüse, die schneckenförmig zurück- 
gerollten Kapselklappen und die im Verwelken schwarz werdenden Blätter 
ab. Die S. glabra bildet übrigens das Verbindungsglied mit der Gruppe 
Chloriteae und wurde auch, wie schon früher erwähnt, von Neilreich mit den 
Arten derselben verknüpft. Die fruchtblüthentragenden Sträucher dieser Art, 
deren Kätzchenschuppen einfärbig gelblichgrün erscheinen, besitzen in der That 
auch einige Aehnlichkeit mit S. pentandra und S. fragilis, namentlich wenn 
diese letzteren durch kurze Kätzchen und breite Blätter ausgezeichnet 
sind. — Der Mangel der äusseren Torusdrüse, so wie des klebrigen Ueber- 
zuges der jungen Blätter geben aber immer sichere Anhaltspunkte für 
S. glabra, um sie von den Bruchweiden zu unterscheiden. — Von Koch 
wurden die Schwarzweiden mit den Sahlweiden vereinigt, und der Anschluss 
an diese wird auch durch S. nigricans vermittelt, welche sich namentlich in 
der Form, Nervatur und Bekleidung der Blätter den Sahlweiden nähert. 
Der verlängerte Griffel, die an der Basis flaumigen Staubgefässe und die 
schwarz werdenden Blätter ziehen jedoch die Grenze, durch welche die 
Schwarzweiden von den Arten der nächstfolgenden Gruppe sich absondern. 
Niederüst. Arten : S. glabra, X subglabra, S. nigricans- 

C. Microstylae. 

Bilden eine gut begrenzte Gruppe, die in Niederösterreich nur durch 
die RtMffosae ^ Sahlweiden , vertreten erscheint. Die Arten dieser Rotte 
sind Sträucher oder kleine Bäume mit kurzen, dicken, ziemlich zähen Zweigen. 
Ihre Blätter sind breit oval, oder länglich verkehrt eiförmig, 
kurz zugespitzt, an der unteren Seite von vorspringenden- 
Nerven geädert und meistens mit abstehenden, sich sammtig 
anfühlenden kurzen Haaren bekleidet, an der oberen Seite dunkel 
oder graugrün, wenig glänzend, von vertieften feinen Linien durch- 
zogen und dadurch mehr oder weniger runzelig. Beim Verwelken 
werden die Blätter braun. — Die Kätzchen, der die Alpen bewohnenden 
Arten brechen zu gleicher Zeit, jene der in niederen Höhenlagen vorkom- 



Xiedorösterreichische Weiden. 



53 



menden meistens vor den Blättern heraus. — Die sehr verkürzte Achse des 
Kätzchens ist mit schuppenförmigen Blättchen bekleidet und fällt nach dem 
Verstäuben oder Ausfliegen der Samen regelmässig ab. — Die Kätzchen sind 
vor dem Aufblühen in einen dichten weissen Pelz gehüllt, die Staubkätzchen 
eiförmig, dichtblüthig, die Fruchtkätzchen eiförmig oder zilindrisch, locker- 
blüthiger. Die Kätzchenschuppen lanzettlich zweifarbig, an der Spitze rost- 
farbig oder purpurn bis schwärzlich, mit langen geraden Haaren besetzt. 
A eu s s e re Torus drü se fehlend; innere kurz abgestutzt. Staub- 
gefäsae zwei, Staubfäden frei, an der Basis kahl, Antheren nach 
dem Stäuben schmutziggelb, während und vor dem Stäuben hellgelb, 
vor dem Aufblühen manchmal auch etwas röthlich. Fruchtknoten lang 
gestielt, aus eiförmiger Basis verlängert kegelförmig, meist behaart, der 
Fruchtknotenstiel wenigstens 3 Mal so lang als die Torusdrüse. Griffel 
sehr kurz oder fehlend. Narben kurz, eiförmig, manchmal etwas 
ausgerandet, abstehend oder aneinanderliegend. Kapselklappen an der Spitze 
sich schneckenförmig zurückrollend. 

Die Arten dieser Rotte unterscheiden sich von jenen der früheren Gruppe 
durch den fehlenden oder sehr kurzen Griffel, von den nachfolgenden Me- 
liteen durch die im Verwelken braun werdenden Blätter und von den Chloriteen 
durch die zweifarbigen Kätzchenschuppen. — Durch S. silesiaca, welche 
unter allen Arten des hier umgrenzten Weidentypus noch den längsten Griffel 
besitzt, schliessen sie sich an die Macrostylae an; durch die Bastarte, welche 
sie mit S. repens und S. purpurea bilden, verknüpfen sie sich mit den Me- 
liteen. Mit der letzteren Gruppe besitzen sie — der grossen Zahl der Ba- 
starte nach zu schliessen — auch die grösste innere Verwandtschaft. Die 
geringste Verwandtschaft zeigen sie mit den Chloriteen und die Anzahl 
der Bastarte , welche sie mit diesen in der freien Natur bildeten , hat 
bisher: 2 nicht überschritten. 

Niederöst. Arten : S- grandifolia, macrophylla, X 5. attenuata, S- Caprea, XS. Reichardtii, 
S. cinerea, X^S.lutescens, S- aurita. 

D. Meliteae. 

Die lanzettlichen im oberen Drittheil gewöhnlich breitesten oder auch 
linealen und elliptischen Blätter sind kahl oder mit geraden den Mittel- 
nerven parallel anliegenden seidigen Haaren bedeckt, seltener unterseits mit 
etwas abstehenden, kurzen, glanzlosen, sich sammtig anfühlenden Härchen 
bekleidet. Die obere Blattseite ist entweder glatt und im getrockneten Zu- 
stande von feinen etwas erhabenen Seitennervchen durchzogen oder sie 
erscheint von zarten etwas vertieften Linien durchfurcht. Die Nerven der 
unteren Blattseite sind bei jenen mit schwarz werdenden Antheren wenig, 
bei jenen mit nicht schwarz werdenden Antheren stärker vorspringend. Die 
Blätter werden im Verwelken schwarz. Diu Kätzchen sind vor dem 
Aufblühen meistens in einen weissen Pelz gehüllt und brechen kurze Zeit 



54 



br. A. K i rn vt 



vor, oder gleichzeitig mit den Blättern hervor. Die blühenden Katzchen sind 
sitzend und entweder eiförmig oder verlange] t zilindrisch und dann häufig 
bogenförmig gekrümmt. Die .sehr verkürzte kätzchentragende Ach>e ist von 
linealen schuppenförmigen um die Basis des Kätzchens herumstehende -n lilätt- 
chen bekleidet und fällt nach dem Verstäuben oder Ausfliegen der Samen 
regelmässig ab. Die zweifarbigen Kätzchenschuppen sind an der Basis blass. 
aufwärts roth und gegen den freien Band meistens schwärzlich. Aeussere 
Torusdrüse fehlend, innere Torusdr üse sehr kurz, abgestutzt. 
Staubgefässe zwei, Staubfäden frei oder theilweise oder der ganzen Länge 
nach verwachsen , Antheren anfangs roth, zur Zeit des Stäubens gelb, später 
schmutziggelb oder schwarz weidend. Fruchtknoten meistens behaart, gestielt 
oder sitzend, so wie die Kapseln in der Form bei den verschiedenen Arten 
verschieden. Der Griffel sehr kurz oder fehleud, die Narben 
fast sitzend, rundlich oder eiförmig. 
Die Meliteen zerfallen in drei Rotten : 

Jtt Fneti-üavate, — Moorweiden. — Niedere Sträucher mit 
kriechendem Stamme und bogig aufsteigenden, schlanken, 
biegsamen Zweigen. Die lineal lanzettlichen oder länglich 
elliptischen Blätter sind oberseits: kahl, glanzlos, dunkel oder grau- 
grün, glatt und dann im getrockneten Zustande von erhabenen feinen Seiten- 
nervchen durchzogen oder vertieft nervig; unterseits : wenig geädert und dann 
von geraden dem Mittelnerven parallel anliegenden Haaren seidig glänzend, 
oder vorspringend aderig und von abstehenden glanzlosen Härchen flaumig, 
im Alter häufig ganz kahl und dann bläulich. Die Staubkätzchen sitzend, 
dichtblüthig , eiförmig; die Fruchtkätzchen kurz zilindrisch oder kugel- 
förmig. — Die Kätzchenschuppen länglich, stumpf, purpurroth , gegen die 
Spitze dunkler, von geraden Haaren zottig. Torusdrüse kurz, abgestutzt, 
häufig purpurroth gefärbt. Die Staubfäden frei, die Antheren im Auf- 
blühen purpurroth , während des Stäubens gelb und später schwarz oder 
schmutzig gelb Die Fruchtknoten aus eiförmiger Basis verlängert kegel- 
förmig, lang gestielt, das Stielchen t — 4mal so lang als die 
Torusdrüse. Der Griffel fehlend oder sehr kurz, Narben eiförmig abstehend, 
meistens purpurroth. Die Klappen der aufgesprungenen Kapsel an der 
Spitze schneckenförmig zurückgerollt. 

Die Stammart dieser Rotte S. repens kommt in der Form des lang- 
gestielten Fruchtknotens mit den Sahlweiden überein und wurde auch von 
Koch mit diesen vereinigt. — Durch die Nervatur und die Bekleidung der 
im Verwelken schwarz werdenden Blätter, so wie durch die schwarz wer- 
denden Antheren ist sie jedoch von dem Typus der Sahlweiden wesentlich 
ve rschieden und diese Merkmale berechtigen wohl sie von diesen zu trennen 
and der 8. purpurea, mit welcher sie in den genannten Merkmalen überein- 
stimmt, anzuschliessen. Bastarte der 8. repens mit ' s '. aurita, S. Caprea und 



NiiHloröstorreichische Weiden 



55 



8L cinerea bilden übrigens den Uebergang der Moorweiden zu den Sahlweiden 
und ftchliessen sich bald diesem bald jenein Typus an. Der in Niederösterreich 
aufgefundene Blendling aus S. repens 2 .) rosmarinifolia und S. auriia reiht 
sich in die Rotte der Moorweiden ein. 

Niederüst. Arten: ^S- plicata, S. repens 3 . iosmarinifolia. 

MI* 8et*%$ißuvpwreae% — Halbsckläi'htige Weideu. — Kleine 
Bäume oder Sträucher mit aufrechtem Stamme und geraden, bieg- 
samen Zweigen. Die lanzettlichen oder länglich verkehrteiförmigen im 
oberen Drittheil breitesten Blätter sind oberseits kahl, mehr oder 
Aveniger glänzend, glatt oder von feinen vertieften Linien durchzogen, unter- 
seits bläulich, im Alter kahl oder mit kurzen abstehenden glanzlosen Härchen 
bekleidet, von blassen etwas vorspringenden Nerven geädert. Die Staub- 
kätzchen sind dichtblüthig eiförmig, die Fruchtkätzchen zilindrisch. Die 
Kätzchenschuppen lanzettlich, zweifarbig, an der Spitze braun oder schwarz- 
purpurn, von geraden Haaren zottig. Torusdrüse kurz, abgestutzt, gelb. 
Die Staubfäden theilweise verwachseu, die Antheren vor dem 
Aufblühen roth , dann gelb und nach dem Stäuben schmutziggelb 
werdend. Fruchtknoten aus eiförmiger Basis kegelförmig , gestielt, 
der Stiel 1 — j!mal so lang als die Torusdrüse. Der Griffel 
fehlend oder sehr kurz , die Narben eiförmig , abstehend, geib. Die Klappen 
der aufgesprungenen Kapsel an der Spitze sichelförmig oder schneckenförmig 
zurückgerollt. 

Die hieher gehörigen Weiden , die sich alle in ihren Typus innig an 
S. purpurea anschliessen , halten wir für Bastarte aus diesen mit den Sahl- 
und Schwarzweiden. Sie sind wie alle Bastarte , an welchen purpurea 
betheiligt erscheint, durch monadelfische Staubgefässe ausgezeichnet, unter- 
scheiden sich aber von jenen , welche & purpurea mit S. incana und S. 
viut'inalis bildet, durch die Bekleidung der Blätter und den sehr kurzen oder 
fehlenden Griffel, — von den Bastarten aus S. purpurea mit S. repens aber, 
durch nicht schwarz werdende Antheren. Yon der Gruppe der Sahlweiden 
unterscheiden sie sich durch schwarz werdende Blätter, kürzer gestielte 
Fruchtknoten und monadelfische Slaubgefässe , durch diese beiden zuletzt 
genannten Merkmale sind sie überdiess von den Moorweiden geschieden. 

Niederöst. Arten: ^S. auritoides, p^S.sordida, Xeilreichii, ^S- austriaca, >^ S. Mautemensis, 
Vandensis. 

EMI» JPnMrpureae* — Purpurweiden. — Sträucher mit auf- 
rechtem Stamme und geraden schlanken biegsamen Zweigen. Die Blätter 
sind lanzettlich oder länglich und im vordersten Drittheil am brei- 
testen, oberseits kahl, dunkelgrün, etwas glänzend, glatt, im getrockneten 
Zulande von erhabenen feinen Seitennervchen durchzogen, unterseits in der 
Jugend manchmal etwas seidig, im Alter kahl, bläulich; die Nerven der 
unteren Blattseite nicht stärker als jene der oberen Blattseite vorspringend. 
Die Staubkätzchen sitzend, dichtblüthig, zilindrisch, zur Zeit der vollen 



5() 



Dr. A. Kerner: 



Blüthe meist bogenförmig gekrümmt. Die Fruchtkätzchen schmal, zilindrisch. 
dichtblüthig. Kätzchenschuppen stumpf, an der Basis bla.ss, gegen die Bändet 
röthlich schwarz, mehr oder weniger behaart. Torusdrüse sehr kurz, abgestutzt, 
gelb. Die Staubfäden theilweise oder der ganzen Länge nach 
mit einander verwachsen. Antheren vor dem Aufblühen roth, während 
des Stäubens gelb und später schwarz werdend. Die Fruchtknoten 
eiförmig oder eikegelförmig, sitzend oder kurz gestielt, das Stiel- 
chen höchstens so lang als die Torusdrüse. Griffel fehlend oder 
sehr kurz. Narben rundlich oder eiförmig, gelb, selten röthlich. Die Kapsel 
zur Zeit der Fruchtreife klaffend , die Klappen kaum auswärtsgebogen 
oder etwas sichelförmig zurückgekrümmt. 

Die Stammart dieses Weidentypus S. purpurea ist unter allen Weiden 
am meisten zur Bastartbildung geneigt. Die zahlreichen Bastarte , die sie 
mit den Arten der Microstylae und Macrostylae bildet, haben bereits an den 
betreffenden Orten ihre Besprechung gefunden. Die Bastarte mit S. repens 
fallen meist in den Typus der Furpurweiden und selbst diejenigen , welche 
in der Blattform sich mehr der S. repens nähern, reihen sich durch den 
kurz gestielten Fruchtknoten und die verwachsenen Staubfäden an die &. 
purpurea an. — Merkwürdig ist, dass bisher kein Blendling aus S. purpurea 
und einer der Chloriteen im Freien gefunden wurde, obschon gerade diese 
Arten ganz gewöhnlich unter einander wachsen und auch die Blüthezeit eine 
Kreuzung noch gestatten würde. 

ISiederöst Arten: )={S. parviflora, S- purpurea. 

An die Salix purpurea als das Schlussglied der Weidenreihe schliesst sich 
noch der von allen genannten Weiden so ganz abweichende Typus : S. reticulata 
an, deren Kranz drüsiger Verlängerungen des Torus einen fünf- bis sechs- 
theiligen Perigonrudimente ähnlich, die Basis der Staubgefässe oder des 
Fruchtknotens umgibt und an den perigonartigen, einen schiefabgeschnittenen 
Becher darstellenden Torus der Pappeln erinnert, so wie anderseits auch die 
benervten Blätter durch die langen Stiele mit den Pappeln übereinkommen 
und einen auffallenden Gegensatz zu den kurz gestielten fiederneivigen 
Weidenblättern bilden. Der Umstand, dass von allen europäischen Stammarten 
der Weiden bereits wildwachsende Bastarte bekannt geworden sind und die 
einzige so ungemein weit verbreitete S. reticulata bisher in keinem Bastarte 
ausgesprochen erschien, trotz dem, dass bei ihr so gut wie bei andern Alpen- 
weiden die Bedingungen zur Bastartirung gegeben sind, weist auch auf ihre 
geringe Verwandtschaft mit den andern Weiden hin und wir halten uns be- 
rechtigt den Typus der S. reticulata als selbstständige Gattung aufzufassen, 
die wir als Chamite a bezeichnen und deren Charakteristik den Seniums 
dieser Arbeit bilden soll. 

(Der specielle Theil folgt.) 



Ueber 

den sogenannten Oestrus hominis 

und 

die oftmals berichteten Terirrungen von Oestriden der Säugethiere zum Menschen. 

Von 

Friedrich Brauer. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 4. Jänner 1860. 

Das in Südamerika nicht selten beobachtete Vorkommen von Fliegenmaden 
in offenen Beulen am menschlichen Körper, veranlasste zur Aufstellungeines 
Oestrus hominis. — Pallas und Gmelin, die Autoren dieses Namens, 
stützten sich auf ein Schreiben des jüngeren Linne. — Was über den so- 
genannten Oestrus hominis weiter bekannt wurde und geschrieben worden, 
kann ich hier füglich übergehen, da es Geoffroy 1 ), Hope 2 ) und Kefer- 
stein 3 ) erschöpfend zusammen getragen haben. In neuester Zeit sind zwei 
Aufsätze über denselben Gegenstand erschienen 4 ) , die das Factum , dass in 
Amerika oft Fliegenlarven in offenen Geschwülsten am Menschen leben, aufs 
Neue konstatiren. 

Da ich nun die Larven der meisten europäischen Oestriden-Arten be- 
obachtet und untersucht habe und mir zudem aus dem kais. zoologischen 
Museum allhier eine angebliche Cuterebra-Larve vorliegt, so glaube ich 
hiermit meine Einsprache in diesen Gegenstand begründen zu können. 



*) Rapport fait a l'Academie des sciences, le 15 Juillet 1833 sur trois notices relatives ä l'existence 
de l'oestre de l'homme, communiqu£es a l'Academie par MM. Roulin, Guerin et Vallot, par M.Isid. 
Geoffroy-Saint-Hilaire. An. Soc. Ent. d . France tom. II. p. 518 et App. p. 85. 1833. 

») Trans, of th. Ent. Soc. London. Vol. D. 

3 ) Keferstein: Die den Menschen und Thieren schädlichen Insecten. Erfurt 1837. — Keferst. 
in den Verhandlung, d. zool.-bot. Vereins z. Wien. Bd. VI. 1856, p. 637. 

4 ) Revue et Magasin de Zoologie par M Guerin-Meneville. Anne 1859, p. 356. Note sur une 
larve d'Oeslride extraite du bras dun nomine ä Cayenne, p. Ch. Coquerel. — p. 361. Note sur des 
larves d'Oestrides de'veloppe'es chez l'homme au Mexique et ä la nouvelle Orleans. 

Bd. L Ibhandl. 8 



58 



F. Brau er 



In Europa gab es zwar nie einen Oestrum hominis , aber es fand die 
Sage, dass Oestriden-Arten der Thiere sich zum Menschen verirren, eine 
grosse Verbreitung. In dem Chaos der Dipteren-Larven, welche da unter dem 
Namen Oestrus in eine Urne geworfen wurden , haben bereits meine Vor- 
gänger 5 ) auf diesem Felde tüchtig aufgeräumt, und ich brauche zum besseren 
Verständniss des Ganzen nur eine flüchtige Heerschau darüber zu halten. 

Die in vielen Fällen erwähnten sogenannten Oestriden-Larven aus der 
Harnblase, Nase, Stirnhöhle, dem Ohre, aus Wunden etc. sind, wenn sie 
einer strengen Prüfung unterworfen wurden, 'immer als Larven der Gattung 
Musca , Anthomyia , Lucilla*), Sarcophaja u. a. m. erkannt wordtn. Das 
bedrängte Weibchen von Hypoderma bovis Fbr., das, in Ermanglung von 
geeigneter Stelle zur Eiablegung, Menschen mit seiner Brut beschenken soll, 
ist weit von uns hier, bis ins Norwegische und Schwedische hinaufgewandert 
und die Fama, die von Oestrus-Larven am Menschen verkündete, ist aus 
Europa wieder dahin zurückgekehrt, von wo sie auslief. Der Oestrus hominis 
spuckt nur mehr in Amerika. 

Unter den vielen Verirrungen von Oestriden zum Menschen, welche 
man in Europa gesehen haben wollte, sind nur die wenigen Fälle von Buk'), 
Mayer und Van der Hoeven 8 ) nicht unbedingt zu widerlegen, obschon 
die beiden erstem mir durchaus verwerflich erscheinen , da sie sich einer 
Beobachtung SundevalTs y ) anschliessen, welche letztere, der Beschreibung 
zu Folge, sich auf eine Musciden-Larve bezieht. Bei dem von Van der 
H oeven erzählten Falle fehlt die Beschreibung der angeblichen Oestrus-Larve 
und es rettet daher nur der Name des Beobachters die Sache vor dem 
Versinken. 

Indem ich nun zugleich näher darauf eingehe , den Verdacht von den 
europäischen Oestriden, abzuwälzen , dass sie den Menschen anfallen zum 
Behufe ihres Brutabsetzens, will ich darlegen, auf welche Beobachtungen ich 
baue, und welche beweisen sollen, dass noch kein europäischer Oestride den 
Menschen in angegeb ner Weise belästigte und dass alle derlei Beobachtungen 
unrichtig sind, indem sie auf keiner strengen Forschung, sondern nur auf 
einem, ohne vorausgegangene Untersuchung, leichtfertig gefällten Urtheile 
fussen. 

1. Wurde nie ein Oestride aus den Larven gezogen, die man am 
.Menschen unter verschiedenen Verhältnissen fand. 



*) Siehe Hope. Trans, of th. Eut. S. Vol. II. 1840. 

•) Das Vorkommen der Larve einer Art dieser Gattung in der Stirnhöhle des Menschen veranlasste 
Coquercl, obgchon es nur als zufallig erkannt werden muss, für die Fliege den Namen Lucilla homi- 
nivorax aufzustellen. Ann. d. I. Societe entomolog. d. France. 3. ser. Tom. 10. 1858. p. 171. 

r ) Königl. Vent. Acad. Handl. 18W. Stockholm 1845. p. 63-68. - Kef er stein. Zool.-bot. Ver. 
Wien 1856. p. 6W). 

* Trans, of th. Em. Soc. V. I'roc. S. XVIII. 

9 j Sieh»; Kefersteia l. e. p. 640. 



l'eber den sogenannten Oestrus hominis. 



59 



2. War die Imago, so oft die Zucht glückte, stets eine Musca, Sarco- 
phaga , Lucilla oder Anthomyia. 

3. Hat man in allen diesen Fällen übersehen, obschon es längst be- 
kannt ist , dass jede der Oestriden-Gattungen eine so bestimmte Lebensweise 
führt, dass sie sich auf jeder anderen Art nicht entwickeln kann. So kann sich 
unmöglich die Larve von Hypoderma bovis Fbr. auf Schleimhäuten, wie z.B. 
in der Stirn- oder Kieferhöhle entwickeln, da sie bestimmt angewiesen ist, in 
der Haut zu leben. 

4. Ist in keinem Falle darauf Rücksicht genommen , dass die Gattung 
OwfrtM L. sehr verschiedene Fliegen unter Einem zusammenfasst und die 
Larven mancher derselben gar nicht die geringste Aehnlichkeit miteinander 
haben. Obzwar L at rei lle, nach Clark's Vorgange, bereits die Linne'sche 
Gattung Oestrus in fünf Genera gespalten, liest man dennoch in den neuesten 
Nachrichten über Larven, welche am Menschen gefunden wurden, nur immer 
den Namen Oestrus. — Da nun die Larven von manchen Fliegenarten, welche 
Linne unter diesem Namen vereinigte, oft eher einer Sarcophaga-Larve, 
als der eines andern Oestrus L. ähnlich sehen, so kann auf die oft wieder- 
kehrende Erklärung , dass Larven , welche man unter verschiedenen Um- 
ständen am Menschen fand , denen von Oestrus sehr ähnlich waren, gar kein 
Gewicht gelegt werden, so lange nicht die Oestrus-Art Linne's, deren 
Larven sie gleichen, oder das Genus Latreille"s, dessen Larven sie ähnlich 
sind , genau bezeichnet werden. In der That sehen die Larven der Cepheno- 
myien denen der Gattung Sarcophaga sehr ähnlich, während sie mit den Larven 
der Hypodermen sehr wenig gemein haben. — So z-igen denn auch die meisten 
Fälle . dass ein Vergleich der Larven , welche man z. B. in der Stirnhöhle 
des Menschen oder andei\>>wo fand, mit wahren Oestrus-Larven aus Thieren 
g;ir nicht vorgenommen wurde. Es wäre sonst nicht denkbar , warum man 
gerade bei solchen Larven immer Hypoderma bovis Fabr. verdächtigte und 
warum nicht lieber Cepkaloiuyia ovis L. , deren Larven doch, wie die am 
Menschen gefundenen, Mundhaken haben und sogar im Sinus frontalis 
ihres W'ohnthieres leben — Ein Verwechseln einer Musciden-Larve, die man 
am Menschen fand, mit einer Cephalomyien- oder Cephenomyien-Larve ist 
daher auch, obwohl so leicht, doch nie vorgekommen, während es bei einem 
Vergleich der Larven oft der Fall hätte sein müssen. — Gewöhnlich scheint 
man daher nur folgenden Schluss gemacht zu haben: Die Larve wurde z.B. 
in der Stirnhöhle gefunden , daher ist sie zu (Jestras gehörig. Man las nun 
über die Arten, meinte bovis müsstein der betreffenden Gegend die häufigste 
sein und verdächtigte sie , vergessend , dass diese Art eine ganz bestimmte 
Lebensweise führt und nicht mit dem parasitischen Leben aliein zu- 
frieden ist. 

5. Sind die Larven der Oe^triden-Arten auf bestimmte Säugethier-Arten 
zu leben angewiesen. Alle Angaben, welche bisher hievon das Gegentheil 
beweisen wollten , lassen sich auf Ungenauigkeiten und Irrthümer zurück- 

8* 



6ö 



F. Brauer: 



führen. So z. B. die Angabe: Cephenomyia trompe F abr. ist in Sachsen 
gefangen worden und rauss daher auch am Hir.-che oder Sehe leben, beruht, 
wie ich schon früher gezeigt (Oestrid. d. Hochwildes in d. Verh. derslb. Ges. 
\ 858), darauf, dass man die ähnlichen Arten, wie Ceplita. trvmpe Fabr., Cephn t 
rufibarbis Wied, und Cph. stimulator Clk. nicht genügend kannte und es erst 
durch Erlangung einer grossen Individuenzahl ermöglicht ward, sie sicher 
zu unterscheiden. — Ferner sollte llypoderma bovis Fbr. an allen Dassel- 
beulen Schuld tragen , man Hess es als Made am Hirschen und Reh, so gut 
wie am Rind leben , obschon ein einziger Vergleich der so leicht zu erlan- 
genden Maden, aus den Häuten erlegter Thiere, derlei irrige Ansichten ohne 
Zweifel vernichtet hätte. Weiters führte die Aufstellung von Oestrus (Gastrus 
Meig.) nasali s durch Linne bei seinen nicht immer gehörig umsichtigen 
Nachfolgern viele Irrthümer herbei. — Alle Oestriden-Larven , die man von 
der Zeit angefangen , aus dem Rachen oder aus der Nase eines Thieres 
erhielt, wurden als Larven des Oestrus nasalis L. betrachtet. Daher auch 
die Stelle bei Burmeister, dass Gastrus nasalis ausser beim Pferde noch 
beim Esel. Maulesel, Hirschen und Ziegen vorkommt 5 während doch die 
Wahrheit die ist, dass allen diesen Thieren entweder Rachen-Oestriden 
(Cephenomyien) oder Magen-Oestriden (Gastrus) zukommen , die aber sehr 
verschiedene Arten sind , ja sogar zu verschiedenen Gattungen gehören und 
der wahre Gastrus nasalis L. bis jetzt nur beim Pferde beobachtet wurde, 
wo er zudem, wie alle Gastrus-Arten, nur als ganz jur.ge Larve den Weg 
durch den Rachen zum Magen , der eigentlichen Entwicklungsstätte dieser 
Larven, durchwandert. Da nun aber so kleine Maden , wie die der Gattung 
Gastrus sind , wenn sie , eben dem Ei entschlüpft , in den Rachen gelangen, 
gewiss nicht leicht zu entdecken sind, so scheint mir die Angabe von Gastrus- 
Larven aus dem Rachen eine unrichtige ; denn nimmt man an , dass dieselben 
auch auf der Schleimhaut des Rachens ihr Fortkommen fänden und so gut 
wie im Magen Nahrung erhielten , so ist es dann ganz unbegreiflich, warum 
sie überhaupt in den Magen wandern und nicht, wie die Cephenomyien- 
Larven , im Rathen verweilen. — Dass grosse Larven aus dem Magen wieder 
in den Rachen zurückgelangen können , wäre eine Annahme , die das ana- 
tomische Verhältniss des Pferdemagens nicht erlaubt. — Daher scheint die 
Angabe von Nasen-Oestriden beim Pferde, Esel und Maulesel , die in der 
That nur Gastrus beherbergen , welche im Rachen nicht verweilen, nicht auf 
Maden zu beruhen, die man in der Nase oder im Rachen fand, sondern auf 
der Erscheinung, dass Pferde, Esel etc., wenn sie viele Gastrus-Larven ver- 
schlucken, und diese sich auf ihrer Wanderschaft durch kurze Zeit an die 
Schleimhaut der Nase oder des Rachens anhängen, durch diesen so erzeugten 
Reiz husten und niesen müssen und sich die Nüstern an den Vorderbeinen 
reihen, wornach wenigstens auch die Treiber beurtheilen , dass die sich so 
geberdenden Thiere Würmer (wie sie ganz richtig sagen) in der Nase haben. 
Hierauf beruht nun wahrscheinlich die ganze Entstehung von Gastrus n nasalis L \ 



Ueber den sogenannten Oestrus hominis. 



61 



der übrigens in dieser Eigenschaft mit allen Arten derselben Gattung , ja 
sogar den Cephenomyien übereinkommt, nur bei den letzteren mit dem 
Unterschiede, dass sie, in den Rachen gelangt, an Ort und Stelle bis zu ihrer 
vollkommenen Grösse als Larven verweilen und dann durch die Nase oder 
den Mund abgehen , während die Gastrus-Larven bekanntermassen den Darm 
durchwandern und aus dem After , nieist mit den Excrementen ausgeworfen 
werden. 

Wenfl man aber noch im Jahre 1859 in Werken über Säugethiere, an 
den betreffenden Stellen angeführt findet: der Hirsch und das Reh beherbergen 
Oestrum nasalis und Oest. bovis, so ist nichts anderes darunter zu verstehen, 
als dass man bei erlegtem ilde Oestriden-Larven im Rachen und in der 
Haut rindet, für die man, ohne sich in der entomologischen Literatur um- 
zugehen , obige Namen adoptirt hat. 

Die nun dargelegte Norm, dass jede Art der europäischen Oestriden- 
Gattungen eine bestimmte Säugethierart zum Wohnthier hat, ist eben aber 
nur eine Regel und nicht ohne Ausnahme. Die letztere erfolgt aber in einer 
ganz begrenzten Weise, die eine Ableitung zulässt und gerade sie beweist, 
dass alle bisher als Verirrungen von Oestriden angesehenen und nieder- 
gelegten Fälle als solche unhaltbar sind. 

So wäre es durchaus nicht unmöglich und mit unseren Kenntnissen von 
dem Leben der Hypodermen unvereinbar gewesen , da^s Hypod. bovis ausser 
dem Rinde, noch beim Hirsche und Rehe die Ursache der Dasselbeulen sei ; 
denn, dass es nun anders ist und jedes dieser Thiere seine eigenen Haut- 
Oestriden besitzt, beruht wohl einfach auf der Erscheinung der Mannigfaltig- 
keit in der Natur überhaupt. — So meine ich könnte der Instinkt der Imago 
von Hypoderma bovis z. B. allein die Ursache sein, dass man die Larve der- 
selben nur stets am Rindvieh findet, während es vielleicht gelänge, durch 
Uebertragung von Eiern dieser Dasselfliege auf andere Säugethiere, nicht zu 
ferne steheuder Gattung , die Larven daselbst auch zur Entwicklung zu 
bringen. 10 ) 

Warum sollte aber gerade für drei Säugethier-Arten nur eine Dassel- 
fliegen-Art vorhanden sein ? — Würde es aber wirklich nur eine solche 
Fliegenart geben, so könnte sie auf allen diesen Säugethieren nur immer 
als Hypoderma leben, ebenso auch , wenn sie sich zum Menschen verirrte. 
Die Angaben aber, dass Hypoderma bovis in der Kinnlade oder Nasenhöhle, 
Stirnhöhle etc. als Made lebend gefunden wurde, machen es unglaublich, dass 

,,J ) Bei Hypodermeu ist ein Uebertragen der Eier auf andere Thiere noch nicht ausführbar, weil 
man noch nicht weiss, wie diese Oestriden ihr Ei absetzen. Leicht ist aber das Experiment bei den 
Maden gebarenden Cephenomyien. Da meine Verhaltnisse es bisher nicht gestatteten, derlei Versuche an 
grossen Thieren, wie Ziegen, Schaafen etc. anzustellen, so kann ich hierüber nichts mehr berichten, als 
dass Säugethiere aus andern Familien nicht geeignet sind zur Zucht von Cephenomyien. Ein Kaninchen, 
dem ich Maden der Ctphenom. rufibarbis, wie sie sich im Abdomen der Fliege lebeud fanden, in die 
Nase gesetzt, zeigte deren Gegenwart durch mehrere Tage mit Niesen an, dann war aber auch alle Spur 
derselben verschwunden. Die Maden gingen also offenbar bald zu Grunde. 



02 



F. Brauer: 



die Berichterstatter hievon je eine Hypoderma-Larve wissenschaftlich unter- 
sucht haben , weil sie dann zur Genüge die ganze Grösse ihres Irrthums 
erkennen hätten müssen. Eine Larve ohne Haltorgan (wie Mundhaken 
oder Saugscheiben sind) , wie die der Hypodermen , liess man in der 
Nasenhöhle leben , ohne zu bedenken , dass mit ihr unfehlbar das geschehen 
müsse, was jeden fremden Körper trifft, der in die Luftwege gelangt. — 
Hätten die Hypodcrmen-Larven Mundhaken , dann wäre es möglich , dass 
sie auf verschiedenen Thieren auf ungleiche Art leben könnten, denn Aehn- 
liches kommt in der Natur vor; so findet sich z. B. auf Sumatra eine 
Schmetterlingsraupe, die nach Ellenrieder, je nach der Futterpflanze, 
einmal als Blattwickler und einmal, ganz verschieden hievon, wie andere 
Raupen lebt ; — nun hat aber die Natur ihnen das Haltorgan versagt , und 
ihre Lebensweise, die sie in der Haut in taschenartigen Gebilden (wahrschein- 
lich krankhaft erweiterten Haartaschen) vollkommen geschützt führen, erklärt 
wohl diesen Mangel vollkommen, gerade so wie die Unmöglichkeit, dass die^e 
Larven irgendwie anders leben könnten. 

Für das Beharren einer bestimmten Oestriden-x\rt auf einer bestimmten 
Säugethier-Art liegen so schlagende Beweise vor , dass dasselbe für Norm 
angenommen werden muss ; denn die Beobachtung hat gezeigt , dass sich 
unter 200 gezogenen Hypodermen des Hirsches nie eine andere Art als 
Hypoderma Actäon befand , so wie man in der Haut erlegter Hirsche nur 
die Larven dieser Art findet, dessgleichen findet sich im Rachen des Rehes 
stets nur die Larve der Cephenomyia stimulator C 1 k. und nie C. rufibarbis 
und pieta,, die dem Hirschen zukommen. Ferner, dass auf Weiden, auf 
welchen Schafe , Ziegen , Rinder und Pferde, sowie in den Alpen, wo Rinder, 
Hirsche und Rehe in unmittelbarer Nähe beisammen hausen , doch stets jeder 
dieser Wiederkäuer , sowie der Einhufer seine eigenen Dasselfliegen bewahrt. 
Das Rind wird in die Ställe im Winter nur die Made von Hypoderma bovis 
heimtragen, so wie da? Wild, das zum Markte kommt, nur seine eigenen 
Dasselfliegenmaden zeigt (der Hirsch in der Haut Hypoderma Actäon m.. das 
Reh II. Diana m., der Hirsch, im Rachen Cephenomyia pictaMg. und rvß'arbis 
Wied , das Reh C. stimulator Clk ) und der Einhufer verschieden von den Rumi- 
nantiern Gastrus-Maden birgt. — Wo das Wild abgeschossen worden, gibt es auch 
keine Oestriden als Fliegen , da diese mit dem allmäligen vermindern ihrer 
Wohnthiere schon als Larven vermindert wurden, und finden sich beim Falle 
des letzten Wildes in einer bestimmten Gegend wirklich noch befruchtete 
Oestriden-Weibchen, die also in der Nähe keine Stelle zum Absatz ihrer 
Brut haben, so suchen sie in dieser Lage gewiss viele Meilen weit ihr 
Wuhnthier auf, gerade so wie es die Männchen mehrerer Dasselfliegen- 
Arten machen, um ihre Weiber zu finden, zu welchem Behufe sie auf die 
höchsten Bergspitzen der Gegend hinanfliegen, wo auch das andere Geschlecht 
hinzieht. Ja die ganze Existenz der Dasselfliegen ist an ihre Ausdauer im 
Fluge geknüpft. Wie sollte z B. f'ephenomyio stimulator oder Hypoderma 



Ueber den sogenannten Otstrus hominis. 



63 



Diana, deren Maden an ganz anderen Orten im März und April vom Rehe 
abfielen, als wo zur Schwärmzeit der Fliegen im Mai und Juli sich Rehe auf- 
halten , ohne Flügel wieder für die Brut das Wohnthier finden? — Wie weit 
aber Insecten fliegen können, davon findet man Beispiele von Schmetterlingen, 
Heuschrecken, Bienen, Libellen u. a. Da nun die Oestriden hinlänglich als 
tüchtige Flieger bekannt sind, obschon sie ungern auffliegen, so wird man 
einsehen , dass eine Dasselfliege nicht leicht in Bezug ihres Brutabsatzes ver- 
legen werden wird , denn da , wo sie einmal im Umkreise von mehr als 
10 Meilen kein Wohnthier für ihre Brut mehr findet, dürfte wohl auch ihr 
Vorkommen selbst sehr fraglich sein, indem zwischen dem parasitischen 
Larvenleben und der Imago nur eine 21— 30tägige Verpuppung liegt. 

Wäre es für einen Oestriden so leicht, das Beharren bei seinem Wohn- 
thiere aufzugeben , so würden längst alle unsere Wiederkäuer ein buntes 
Gemisch von verschiedenen Oestriden-Larven beherbergen , was jedoch nie 
vorkommt. 

Wenn ich, nach allen diesen aus Vorsicht hergestellten Beweisen der 
oben erörterten Norm, dennoch eine von derselben abweichende Thatsache 
hinstelle, so muss diese, als einzige bis jetzt beobachtete , höchst interessante 
Ausnahme erkannt werden , durch die man nicht berechtigt ist , einen all- 
gemeinen Schluss zu machen. — Prof. Wedl theilte mir nämlich Oestriden- 
Larven mit, die er selbst in Cairo am Schlachtplatz aus der Nase von 
Büffeln und Kameelen genommen und die ich alle als Larven der Cephalo- 
myia maculata Wd. erkannte. Durch eine weitere Auffindung der C.maculata 
in Ungarn (Banat) als Imago (ein Exemplar befindet sich nach Rogenhof er's 
Mittheilung im Pester Museum) ist nun vollkommen dargethan, dass diese 
Art auch am Büffel zur Entwicklung kommt. 

Man sieht aber hiedurch meine oben ausgesprochene Ansicht bestätigt, 
dass wenn eine Ausnahme von dem Beharren einer Oestriden-Art auf ihrem 
Wohnthiere statt hat, sie eben nur in der bestimmten Weise vor sich geht, 
dass die Larve in beiden Säugethier-Arten, die sie zu Wohnthieren hat unter 
ganz gleichen Verhältnissen lebt. Cephalm. maculata lebt als Made immer 
nur in der Nase und Rachen auf Schleimhäuten, sowohl beim Kameel als 
auch beim Büffel. — Diese unbestreitbare Thatsache bleibt stets Ausnahme, 
während alle bei andern Oestriden erwähnten derartigen Beobachtungen aus 
mangelhafter Untersuchung und Fehlschlüssen hervorgingen und sich bei 
kritischer Beleuchtung als unwahr herausstellen.— (Kollar's Fall von Larven 
des Gastrus equi im Magen einer Hyäne wurde bereits früher be -prochen. 
S. Oestrid. d. Hochwildes, ebend. 1858, p. 400). 

Beachtet man ferner, dass die Thiere , auf welchen Cephalomyia 
maculata lebt , beide in die Ordnung der Wiederkäuer gehören und dass 
überhaupt nur auf Thieren aus dieser Ordnung Cephalomyien beobachtet 
wurden , so schliesst sich der Kreis immer enger und man muss festhalten, 
dass, wie ich bereits früher (Oestrid. d. Hochwildes) angedeutet: gewisse 



64 



F. Brauer: 



Oestriden-Gattungen nur Säugethiere aus bestimmten Ordnungen und oft nur 
Familien 11 ) zu AVohnthieren haben, so wie die Oestriden-Arten bei ihrem 
Wohnthiere beharren und die Larve einer Oestriden-Art nur höchst selten 

auf zwei Säugethier-Arten lebt. 

6. Bewahren nicht nur die wilden Säugethiere ihre Oestriden, sondern 
auch die zahmen , trotzdem verschiedene Arten bunt zusammen und unter 
ganz gleichen Verhältnissen leben. Cephalomyia ovis L. wird nie am Rinde, 
und Hypoderma bovis nie am Schafe vorkommen. 

7. Scheint das Vorkommen von Hypodermen auf einem Säugethiere an 
eine bestimmte Beschaffenheit der Haare gebunden zu sein, da die Erfahrung 
lehrt, dass auf Thieren mit Wollhaar keine Hypodermen leben, während 
glatthaarige Thiere meist solche beherbergen. Das Schaf, der Auerochs, das 
Kameel sind frei von Haut-Oestriden. 

8. Sind zwar die bekannten Oestriden mit nackter Fühlerborste fast 
alle Europäer, allein eine weit grössere Artenzahl wird dieser Gruppe 
durch Beobachtung der afrikanischen Antilopen zufallen. Einige derselben, 
nämlich: Antilope redunca Pall (Westwood Introd. V. IL p. 577), A. 
Lalandii Desmarst. (Delegorgue Voy. II. p. 356) haben grosse Larven 
in der Haut (wahrscheinlich Hypodermen) und A. Gnu Zimerm., Gorgon 
Griff, und lunata Griff. (Delegorgue 1. c.) bergen Larven in den 
Stirnhöhlen (wahrscheinlich Cephalomyien). — Die der C. ovis L. ähnliche 
aber doppelt so grosse C. variolosa Low vom Cap gehört vielleicht als 
Imago zu einer dieser Larven. Ebenso berichten andere Reisende (J. Nat- 
terer), dass die Antilopen oft reich mit Oestriden besetzt sind. Trotz dieser 
weit grösseren Menge von Oestriden-Arten, die das Heer der Antilopen 
birgt , ist aus Afrika noch keine Stimme laut geworden , dass sich ein 
Oestride zum Menschen verirrte. 



Wenn daher durch Beobachtung festgestellt ist, dass eine Oestriden- 
Art nicht einmal auf zwei ganz nahe verwandten Säugethier-Arten oder 
Gattungen, wie z. B. Reh und Hirsch, Ziege und Schaf, Büffel und ge- 
meinem Rinde seine Brut anbringt und wenn sie von dieser Norm abweichend 
zwei Säugethier-Arten zu Wohnthieren hat, diese aus einer Ordnung sind, 
so scheint es ganz unglaublich, dass dieselbe plötzlich ihre Brut am Menschen 
absetzen sollte. — Oder soll man die unwiderlegbare Thatsache , dass die 
in Europa vorkommenden Oestriden nur auf Ein- und Zweihufern in ganz 
bedingter Weise leben, für ein Spiel des Zufalls halten, dem weiter Nichts 
zu Grunde liegt, und einem leeren Gerede, das nur durch die oberflächlichste 
Anschauung entstand und jedes Beweises entbehrt, mehr Vertrauen schenken? 



l ) Die Cephenomyicn sind bis jetzt nur bei Cervinen beobachtet worden. 



Ueber den sogenannten Oestrus 1io™ini?, 



65 



Auch ausser den Grenzen Europas macht nur die Gattung Gastrus 
von der eben erörterten That^ache eine Ausnahme , indem sie durch Arten 
repräsentirt wird, welche als Maden den Magen abenteuerlicherer Geschöpfe 
&fa Rassa, nämlich der Nashörner bewohnen, also auch in Vielhufern leben. 12 ) 

In Bezug auf die europäischen Oestriden weichen daher nieine Ansichten 
von Keferstein bedeutend ab, da letzterer der Meinung ist, unsere 
Oestriden kämen ausnahmsweise am Menschen vor. Die Stütze aber für diese 
seine Ansicht muss durch die obigen Thatsachen zusammenbrechen. K ef er- 
st ein sagt nämlich: „So erzählt Clark einen Fall, avo Oestrus bovis seine 
eigentliche Nahrung verlassend in die Kinnlade einer Frau seine Eier gelegt 
hatte etc." Weiters sagt er: „Auch hat Herr Dr. Schaum, nach einer mir 
gemachten brieflichen Mittheilung eine Puppe beobachtet, die aus einer 
Beule eines Mädchens entnommen Avar , und der von Oestrus sehr ähnelte." 
Der erste dieser zwei Fälle wird durch die obigen Angaben im Punkt 5 
genügend widerlegt, bei dem zweiten scheint ein vollständiger Irrthum 
statt gefunden zu haben, da Herrn Dr. Schaum wohl bekannt sein muss, 
dass sich die Oestriden , so wie die Musciden in ihrer Beule oder im Fleische 
nicht verpuppen, nimmt man daher statt Puppe das Wort Made, so ist 
mit dem Fall aber, laut Punkt 4 , gar nichts gesagt und ihm keineswegs 
die Kraft inneAvohnend, die oben angegebenen Thatsachen zu übertönen. — 
Die Fälle von Van der Hoeven, Bök und Majer sind bereits eingangs 
besprochen. 



Wenn ich auf die ausländischen Oestriden übergehe , so muss ich 
vorerst bemerken, dass ich nichts Neues berichten kann, und selbst nie in 
der Lage war, eigene Beobachtungen anzustellen. Da es aber nun geschah, 
dass Berichterstatter über exotische Oestriden sich auf Ansichten stützten, 
die, obschon sie in Europa herrschten, dennoch auf gar keiner oder un- 
richtiger Beobachtung beruhten , so scheint es mir , nach obiger Sichtung 
des Materials , an der Zeit, wieder einen Vergleich vorzunehmen und dar- 
nach zu erwägen , was von dem sogenannten Oestrus hominis Amerika" s 
zu halten ist. — Die Frage : Ob es eine bestimmte Oestriden- Art gebe, 
deren Larve ausschliesslich am Menschen lebt, ist bereits früher, in neuester 
Zeit aber von Joly, Goudot, Keferstein, Coquerel und Salle im 
verneinenden Sinne beantwortet. Obwohl man sich dieser Ansicht unbedingt 
anschliessen muss , so sind doch die Gründe, Avelche zu der entscheidenden 
Antwort führten, nicht immer die richtigen; namentlich stützt sich C o q u e- 
rel") auf die eben berührten unrichtigen Ansichten und Beobachtungen in 



") Hope über Oestrus Rhinocerontis Owen. (Larve.) Trans, of th. Ent. Soc. Vol. II. pl. XXII 
Fig. 1 und la. p. 259. — Ferner: Delegorgue 1. c. über Gastrus-Larven im Magen von Rhinoceros 
simus und bicornis. 

") L c. p. 360. 

Bd. X. Abhandl. 9 



66 



F. Brauer: 



Europa, indem er sagt: „Diese irrige Meinung (nämlich, dass es einen 
eigenen Oestrus hominis gibt) ist in der Zeit aufgetaucht, wo man glaubte, 
dass jede Oestriden-Art nur ihr eigenes Säugethier angreift und nicht leben 
und sich entwickeln kann, ausser auf diesem." Er meint ferner, dass aber 
in Ermanglung des bestimmten Thieres , der Oestrus jedes beliebige anfalle. 
Eine Ansicht, die durchaus nicht konstatirt ist, und deren Gegentheil ich 
im Punkt 5 genügend dargelegt zu haben glaube. 

Es handelt sich also wieder, wie in Europa, um Verirrungen yon 
Oestriden zum Menschen. 

Bis jetzt kennt man Oestriden aus Asien, Afrika und Amerika, wäh- 
rend in Neuholland (nach einer Mittheilung M a c Leay's an Frauenfeld) 
noch kein einziger beobachtet wurde. (Auch mit eingeführten Thieren sind 
wegen der langen Reise noch keine Oestriden anderer Länder dorthin ver- 
schleppt worden , wie z. B. nach Amerika , wo bereits Gastrus equi und 
haemorrJioidalis bekannt wurde.) — Die Arten dieser gehören theils zu den 
auch in Europa vorkommenden Gattungen {Ceplialomyia rnaculata Wd,, 
C. variolosa 14 ) Low C» b. sp. , Hypoderma Süenus m. Afrika, Gastrus 
flavipes Mqurt. etc.), theils zu einer neuen Gattung derselben Gruppe, 
nämlich der den Cephalomyien nahe stehenden Gattung Aulacephala 15 ) 
(Madagascar, Südafrika 16 ), deren Lebensweise noch unbekannt ist, und 
theils endlich zur berüchtigten Gattung Cüterebra Clk. ( Trypoderma W d. 17 ) 

Die auch in Europa einheimischen Gattungen muss man , nach den 
angeführten Gründen, von der Schuld freisprechen, dass sie am Menschen 
ihre Brut absetzen, es bleibt daher für Amerika nur die Gattung Cüterebra 
Clk. in dieser Beziehung zu beleuchten. — Während alle bis jetzt bekannten 
Arten von den Oestriden mit nackter Fühlerborste nur Hufthiere bewohnen 18 ), 
lebt die Gattung Cüterebra auf den verschiedensten Nagethieren , wie La- 
gomys, Lepus , Sciurus , Thomomys (?)., und weicht daher in ihrem ganzen 
Leben wesentlich von der andern Gruppe ab, die, ich möchte sagen, die 
genuinen Oestriden in sich schliesst. — Ferner sollen einige Arten ihr ur- 
sprüngliches Wohnthier (wenn es noch ein bestimmtes war) verlassen und 
ihre Brut auf Säugethieren sehr verschiedener Ordnung anbringen. So wird 
nach vielen Berichten unser Rind in Amerika von Cuterebra-Larven besetzt 



u ) In L ow's Sammlung 

15 ) Macquart. Suppl. IV. p. 165. 

,B ) Gerstäcker. Bericht f. 1855. Wig. A. 1857. 

17 ) Die Gattung Ctenostylum Macquart, gehört nicht zu den Oestriden, wohin sie M. stellt. — 
Gers tack. Bericht 1855. p. 131. Ebenso ist die Gattung Colax Wied, von West wo od ihrer unrich- 
tigen systematischen Stellung bei Wiedemann überwiesen worden. 

M ) Das Vorkommen von Oestriden-Larven im Magen und Dünnen-Gedärme des Dachses nach R o- 
bineaux-Desvoidy ist mehr als zweifelhaft, da R.-D. einer anderen Mittheilung zu Folge die Oestriden- 
Larv« nicht gekannt zu haben scheint. (Vergleiche : Compt. rend. Paris. 1836. Nr. %. p. 687. und Ann. 
d. 1. Soc. Ent. de France 1849 p. XVIII. und XIX.) 



Ueber deu sogenanuten Ocatrus hominis. 



67 



gefunden , gleichwie dort dieselben Larven Hunde l9 ) bewohnen sollen. — 
So häufig übrigens diese letztere Angabe in der Literatur wiederkehrt, so 
kann man ihr doch nicht unbedingten Glauben schenken , indem die Larve, 
welche Goudot beschreibt und aus der er die Cuterebra noxialis G. zog» 
im Freien gefunden wurde, an einer Stelle, wo die Nacht hindurch Rinder 
lagen, und es daher durchaus nicht bewiesen ist, dass sie zu den Larven 
gehört, welche die Haut dieser Thiere ebenda bewohnten, ja aus dem Fol- 
genden wird man ersehen, dass man sehr viel Grund hat, daran zu zweifeln« 
— Sie lebte also vielleicht gar nicht am Rinde, oder unter ganz andern 
Verhältnissen , vielleicht auf Schleimhäuten , verborgen , während der Haut- 
Oestrus des Rindes , da er an den Beulen kennbar ist } unschuldig mit ein- 
bezogen wurde, oder ist eine gänzliche Vertauschung der Larve vorgegangen 
und die Puppe und Imago nicht dazu gehörend. — Ferner ist die Larve, 
welche auf Hunden in Südamerika und Mexiko lebt, von Coquerel und 
Salle abgebildet worden ,0 ) und zeigt darnach solche Unterschiede von 
Goudofs Larve der Cuterebra noxialis, sowie von den bekannten anderen 
Larven dieser Familie, dass die Imago nicht einmal derselben Gattung, und 
daher noch vielweniger derselben Art zugedacht werden kann. — Die ganze 
Grösse der Verwirrung auf diesem Felde liegt aber dann klar zu Tage, wenn 
man einen Vergleich der Beschreibungen und Bilder von den Larven vor- 
nimmt, welche für die der Cuterebra-Arten gehalten werden. 

Was über die Cuterebra-Larven von Clark ai ) gesagt wurde, weicht nicht 
wesentlich von dem ab, was man von den Larven der Gattung Hypoderma 
weiss, und die Larve, welche mir aus dem kais. zool. Museum vorliegt, sieht 
der einer Hypoderma so ähnlich, dass ich fast nicht begreife, wie die Imago 
so verschieden aussehen könnte. — Denn in der That hat Cuterebra die 
Fühler- und Gesichtsbildung der Cephenonryien und deren ganzen Habitus, 
nur die Fühlerborste ist abweichend, d. i. gefiedert, und die Zinke zwischen 
der vierten Längs- und Spitzenquerader, welche bei den Cephenomyien nach 
dem Hinterrande des Flügels absteht, fehlt öfter, und der Verlauf dieser beiden 
Adern ähnelt dadurch dem bei Hypodermen. — Die Larve aus dem kais. 
Muacuni stammt aus Brasilien und lebte nach Natt er er in der Haut von 
Sciurus aestuansL., ist fast doppelt so gross als die von Hypoderma tarandi 
L., deren ganze Gestalt sie hat, und durchweg dicht mit kleinen , kurzen 
dicken Dornen besetzt, so dass sie fast sammtartig aussieht. Sie besitzt die 
Deckelfurche wie die Hypodermen-Larven , die Mundhaken mangeln eben- 
falls. Ihre Farbe ist schwarzbraun. Die Beschreibung in Clark passt so gut 
auf diese Larve , dass ich sie beinahe für dieselbe Art halten möchte , doch 



") Die Eiistenz von Oestriden-Larven in der Haut des Jaguars nach Roulin und bei den ame«*i- 
kanischeo Affen nach Vallot bedarf noch sehr der weiteren Bestätigung. (Siehe Geoffroy L r.) 
l0 ) Rev. d. Zool. Guerin-Menevi lle. 1. c. 1859. pl. XII. flg. 4. 
M ) Clark: An Essay on the Bots of Horses etc. London 1815. p. 6 3. 

9* 



68 



F. Brauer: 



lebte jene nach Clark in der Haut eines wilden Kaninchens 2 *) in Geo gien. 
Die Imago zu Clark's Larve ist Cuter ehr a cuniculi i, 

Die dritte, von Goudot") beobachtete Cuterebra-Larve, weicht so auf- 
fallend von den zwei erwähnten ab, dass man an einen Irrthum bei Clark 
oder bei Goudot denken muss. — Der Bericht Goudot's über seine Cute- 
rebra noxialis ist aber derart gearbeitet , dass es sehr gewagt scheint, ihm 
einen solch groben Verstoss zuzumuthen. — Er beschreibt Larve, Tonnen- 
puppe und Imago. Letztere gehört, nach der bisherigen Charakterisirung der 
Gattung Cuterebra von Clark oder Trypoderma von Wiederaann, un- 
fehlbar hieher. 

Die Larve der Cuterebra noxialis besitzt nun aber, abweichend von 
derjenigen aus dem kais. Museum und Clark\s Abbildung, Mundhaken, 
ist walzenförmig und wie die Cephenomyien-Larven gebaut. Würde man nur 
Goudotfs Larve und nicht Clark's Cuterebra cuniculi auch kennen, so dürfte 
es nicht auffallen, dass Cuterebra-Larven denen der Cephenomyien so ähnlich 
sehen , wie diess nach dem Bericht des Ersteren der Fall ist , da ja auch 
die Fliegen , wie bereits erwähnt, in der Kopf bildung, so wie im gesammten 
Habitus den Cephenomyien näher stehen, als den Hypodermen. — Soll 
Goudofs Beobachtung die richtige sein, dann muss man aber Clark''.- 
Larve der Cuterebra cuniculi und die aus dem kais. Museum für die einer 
echten Hypoderma oder dieser sehr nahestehenden neuen Gattung halten, 
der als Imago eine Cuterebra unterschoben wurde, was mir jedoch unge- 
gründeter scheint, als an einen Irrthum bei Goudot zu denken. — Zur end- 
giltigen Entscheidung dieser Frage ist daher durchaus eine neue Beobach- 
tung abzuwarten. 

Zur Erklärung dieses Wirrwarrs unter den Larven geben die Imagines 
selbst einigermassen einen Anhalt, der jedoch keineswegs so gross ist, um 
solche Unterschiede , wie sie zwischen den besprochenen Larven bestehen, 
genügend zu erklären. Dielmagines sind nämlich nicht in Eine natürliche Gattung 
vereinbar. Es finden sich im Verlauf der vierten Längs- und der Spitzen- 
querader , im Bau der Stirne, in der Gestalt des dritten Fühlergliedes, in 
der Form der Tarsen und Entwicklung der Mundtheile erhebliche Differenzen. 
— Die Cuterebra- Arten sollen nach Clark und Wiedemann keine Taster 
besitzen, ich finde aber bei C. abdominalis Wied, einen deutlichen Rüssel 
mit Taster , wie bei den Cephenomyien. Bei den grossen Arten wie ame- 
ricana Wied. u. a. sind die Mundtheile eingezogen und die Seltenheit der 
Thiere verhindert eine Untersuchung derart zu machen , wenn man nicht 
selbst in dem Besitz eines Exemplares ist. Ich behalte es mir vor, diese 



") Es scheint hierunter wohl nur eine dort heimische Hasenart, vielleicht Lepus palustris Bachm. 
gemeint zu sein. 

») Ann. des sc. nat. 1845. p. 221. 



lieber den sogenannten Oestrus hominis. 



69 



angedeuteten Gattungstypen in der Folge näher auseinander zu setzen. — 
Cuttrebra noxialis scheint der C. abdominalis Wied, nahe zu stehen. 

Ausser diesen drei erwähnten Larven , welche man bisher für die- 
jenigen der Cuterebra-Arten angesehen, wird noch yon Leidy 24 ) eine Larve 
aus der Haut von Thomomys borealis beschrieben. Das Werk fehlt noch den 
Bibliotheken Wiens und ich kann daher nicht nachsehen, inwieferne diese 
Larve mit den drei vorigen übereinstimmt. 

Obschon man nun durch die grosse Verschiedenheit der Larven , welche 
Clark und Goudot beschrieben haben, in eine sehr missliche Lage ver- 
setzt ist , kann man sich doch einen Schluss in Bezug der Larven , welche 
in neuester Zeit als Oestriden des Menschen beschrieben und abgebildet 
wurden, erlauben. — Die Bilder, welche Coquerel, Salle und Hope 
geben, scheinen Larven von untereinander sehr verwandten Fliegen- Arten 
darzustellen, sie stimmen aber weder mit Gou dot's , noch mit Clark's 
Cuterebra-Larve, noch mit irgend einer Larve der andern Oestriden-Gattungen 
überein. Die Hypodermen-Larven, sowie die der Cuterebra cuniculi zeigen zwar 
die birnförmige Gestalt , aber die lang ausgezogenen letzten Ringe finden sich 
in der Weise bei keiner Oestriden-Larve. Die ganze Form des Ver macaque, 
wie die von Coquerel beschriebene Larve in Gay enne genannt wird, erinnert 
unwillkürlich auf die Larve von Ocyptera bicolor bei Dufour 25 ) und West- 
wood. — Ferner besitzt diese sogenannte Oestriden-Larve des Menschen 
Mundhaken , obschon sie in der Haut lebte, ein Umstand, auf den ich schon 
bei Cuterebra noxialis aufmerksam gemacht habe. — Obschon Coquerel 
dieses Umstandes auch gedenkt , hält er den Ver macaque doch für eine 
Oestriden-Larve, weil er, wie diese „Mundhaken und Hautstacheln" besitzt. 
Wenn dieses der Charakter der Oestriden-Larven wäre , dann müsste man 
fast alle Musciden-Larven hieher rechnen ; denn Hautdornen und Mundhaken 
fehlen fast bei keiner. Der letzte Ring von Co querers Larve, mit den 
Stigmen in einer tiefen Höhle, die mit einer Art Lippen verschlossen werden 
kann, gleicht in seinem geschilderten Baue dem der Sarcophaga-Larven und 
vieler andern Musciden, während unter den Oestriden etwas lange nicht so 
Aehnliches nur bei der Larve von Gastrus vorkommt, und gerade jene Larven, 
welche in der Haut leben, ganz freie Stigmenplatten zeigen. 

Da nun bei den Oestriden , deren Larven genau beobachtet wurden, 
sich herausstellte, dass die Larven von Gattungen, deren Arten gleiche oder 
ähnliche Lebensweise führen, einander innerhalb gewisser Grenzen sehr ähn- 
lich sind, wie z. B. bei den Cephalomyien und Cephenomyien , welche beide 
auf den Schleimhäuten des Rachens und der Stirn- und Nasenhöhle leben, 
während die Hypodermen, sowie die Gastrus-Larven jede für sich einen Typus 
vorstellen, der konstant bleibt, wenn auch die Imagines in der Entwicklung 



u ) Proceed. of th. acad. of nat. scienc. of Philadelphia 1857. p. 204. 

w ) Ann. des Sciences naturelles X. 1827. Westwood Introd. Vol. II. p. 558. 



70 



F. Brauer: 



der Mundtheile oft sehr differiren (wie z. B. Hypoderma tarandi und Hypod. 
Actäon, von denen ersteres Rüssel und Taster besitzt, während letzteres kaum 
Spuren davon zeigt, haben Larven von ganz gleichem Baue, deren geringe 
Unterschiede nur als specielle Differenzen erkannt werden dürfen) ; so kann 
der Schluss nicht gemacht werden, dass CoquereFs Larve zur Gattung 
Cuterebra gehöre, bis nicht durch Beobachtung bewiesen würde, dass die 
Gattung auch hierin von den Oestriden mit nackter Fühlerborste abweiche 
und die ähnlichen Imagines sehr verschiedene Larven hätten, was mir jedoch 
den Erfahrungen über derlei Vorgänge in der Natur zuwider ,-cheint. 

Ob man also Clark"s Larve oder die von Goudot beschriebene für 
die echte Cuterebra-Larve hält, so muss man in beiden Fällen gestchen, 
dass Coquerel keine Larve dieser Gattung beschrieben und abgebildet hat. 
Bedenkt man zuletzt, dass das Drama vom Oestrus hominis nur in Südamerika 
und dem südlichen Theile von Nordamerika spielt, während doch auch in 
Afrika 16 ) und Bengalen 27 ) Cuterebra-Arten leben, so wird man einsehen, wie 
wenig Grund man hat, bei Larven aus offenen Beulen am Menschen, diese 
Oestriden-Gattung zu verdächtigen. 

Da die Oestriden nicht mehr als Familie , gleichwerth den Syrphiden 
oder Musciden bestehen können, sondern den letzteren untergeordnet werden 
müssen, so ist auch die Frage: Was sind die Charaktere einer Oestriden- 
Larve, jetzt nicht zu beantworten. Man kann gegenwärtig nur bestimmen, 
ob eine vorliegende Larve z. B. zur Gattung Cephenomyia, Hypoderma etc. 
gehöre, trägt sie aber keinen der Gattungscharaktere der Larven der be- 
kannten Oestriden-Genera an sich, so ist es durchaus unmöglich zu beweisen, 
dass sie einer neuen Oestriden-Gattung angehöre \ denn dieses könnte man 
erst dann, wenn die meisten Larven, der mit den Oestriden sehr verwandten 
Dexiarien und Tachinarien, sowie der andern Muscinen genau vergleichend 
untersucht wären. Eine allgemeine Charakterisirung der Larven dieser natür- 
lichen Musciden-Gruppen fehlt aber gänzlich. — So sagt schon Erichson 
(Bericht 1845, p. 108), dass man bei einer Fliegenlarve, die am Menschen 
vorgefunden wurde, nicht eher an einen verirrten Oestrus denken kann , so 
lange die Oestriden- und Muscarien-Larven nicht genauer systematisch studirt 
worden sind. 

Man kann daher über die Larve von Coquerel auch nicht mehr sagen, 
als sie stimmt mit keiner Larve der bis jetzt beobachteten Oestriden-Gattungen 
überein. Es hat demnach, wenn Coquerel eine Larve aus einer offenen 
Beule am Arm eines Menschen als Oestriden-Laive beschreibt, den Beweis 
aber, warum es überhaupt eine derartige Larve sei, schuldig bleiben muss, 
höchstens das für sich, dass es das Interesse der Leser mehr auf sich lenkt, 
als wenn einfach Musciden-Larven die Titelrolle spielten, und dadurch die 



20 ) Cuterebra atrox Clk. Zoologist. Newman. January Nr. 1. 1847. Soll aus Afrika sein. 
") Cuterebra abdominalis Wied. Aussereurop. Zweiflüg. etc. ist bestimmt aus Bengalen. 



Ueber den sogenannten Oestrus Z.owmn's. 



71 



Enthüllung des Ganzen weit näher gerückt ist (ich erinnere an SiebolcTs 
ATorte über die Einreihung der Strepsipteren unter die Käfer). — Dass ganz 
andere Fliegen, als Oestriden die Lebensweise der letzteren täuschend nach- 
ahmen, beweist die von Salle beobachtete Aricia pici Mqrt. auf St. Do- 
mingo deren Larve in einer Beule in der Haut von Picus striatus Gmel. 
gefunden wurde, und dass ähnliche und gleiche Lebensweise oft Thiere sehr 
verschiedener Art führen, ist längst bekaunt; ich erinnere nur an Cynips 
und Cecidomyia, Leptis Vermileo und Myrmecoleon etc. Ich stelle dieses Letztere 
nur hieher, um zu erinnern, dass der Schluss von gleicher Lebensweise auf 
gleiche oder verwandte Thiere nicht zu machen ist, und dass gerade hiedurch 
die meisten Irrthümer entstanden und auch die Entstehung eines Oestrus 
hominis hierin ihren letzten Grund finden wird. — So haben in Europa auch 
die Oestriden nie ihre Schranken überschritten, aber andere Fliegengattungen 
ahmten, für den flüchtigen Beobachter, die Lebensweise derselben nach. Man 
sieht aber in allen diesen Fällen grosse ~ Abweichungen von dem Leben der 
Oestriden, indem diese meist in jungen, gesunden Thieren ihre Brut absetzen, 
während in jenen Fällen unreine , verwahrloste und kranke Menschen aus 
eben diesen Ursachen die Wohnstätte von, Aas und faules Fleisch suchenden 
Fliegen-Maden bildeten. 

Gerade so muss man bei Fliegenmaden aus offenen Beulen immer be- 
rücksichtigen, ob die Beule durch das Ei oder die Made einer Fliege erst 
entstand, oder ob in irgend eine offene, entzündliche Geschwulst , die schon 
früher bestand, Fliegen ihre Brut absetzten, d. h. man muss echte und falsche 
Dasselbeulen unterscheiden. Zur Entstehung der letzteren bietet aber die 
Tropenzone die beste Gelegenheit, durch die zahllosen Massen von stechenden 
Mücken, Tabaniden etc., deren Verletzungen durch das Klima weit ärger 
sind. In so entstandene Geschwülste legen dann Fleischfliegen ihre Brut und 
die Dasselbeule ist nachgeahmt. — Den echten Dasselbeulen liegen aber 
physiologische Gebilde der Haut (wahrscheinlich Haartaschen) zu Grunde, 
die durch die Oestriden - Larven krankhaft erweitert und verändert werden. 
(S. Stricker: In dies. Verhdlg. 1858 p. 415.) Der Process ist bei dem 
langsamen Wachsen der Larven ein chronischer. 

Wenn man nun auf CoquereTs Beobachtung zurückgeht, so findet 
man ein Moment, welches die Vermuthung sehr bestärkt, dass eine falsche 
Dasselbeule vorlag. Es waren nämlich am Arme zwei Geschwülste vorhanden 
und nur eine enthielt die besprochene Made , die andere zeigte sich leer. 
Wahrscheinlich bestanden zuerst beide Geschwülste und dann setzte in die 
eine zufällig eine Fliege ihre Brut ab. 

Schliesslich ist noch hervorzuheben, dass alle diese sogenannten Beulen 
am Menschen an Stellen vorkamen, wo bei Thieren gerade kein Oestride de 



") Ann. d. 1. soc. entom. p. 657. 1853. 



72 



F. Brauer: Ucber den sogenannten Oestrug hominis. 



norma lebt, so z.B. am Scrotum, am Schenkel, an den vorderen Extremitäten, 
am Bauche. 

Aus dem Grunde nun , weil noch nie eine Cuterebra- oder andere 
Oestriden-Art aus einer am Menschen parasitisch gefundenen Larve gezogen 
wurde, und die bestimmt aus einer offenen Beule eines Menschen genommene 
Fliegenmade von Co qu ere 1 29 ), welcher die sicherste Nachricht hierüber mit- 
theilt, nicht zur Gattung Cuterebra gehören kann, bin ich der Ansicht, dass 
nach den bisherigen Erfahrungen, eine andere Fliegengattung und keine 
der bekannten Oestriden-Genera zu verdächtigen ist. 

Es gibt also weder einen Oestrus hominis , noch ist bewiesen , dass 
sich in irgend einem Lande Oestriden der Thiere zum Menschen mit ihrer 
Brut verirrt hätten. 



29 ) Die vjn Salle 1 beschriebene Larve ist einem Hunde entnommen. 



Beobachtungen 



über den Frühjahrs -Zug mehrerer Zugvögel in den Donau- 
Auen Wiens und deren nächster Umgebung. 

Zusammengestellt von 
G. D. Spreitzeiihofer. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 4. Jänner 1860. 

Vorwort. 

Ich erlaube mir hiermit der geehrten Versammlung* Beobachtungen über die 
Ankunftszeit der wichtigsten Vogelarten (respt. wann um Wien der erste Vogel 
einer Art im Frühlinge gesehen oder gehört wurde) vorzulegen. Vorliegende 
Tabellen weisen zwar nur dreijährige Beobachtungen aus, diese Beobachtungen 
aber durch eine Reihe von Jahren fortgesetzt, späterhin auf ein grösseres Gebiet 
ausgedehnt, dürften für den Ornithologen höchst interessante Daten liefern. 
Durch diese kleine Zusammenstellung will ich zugleich zu derlei Beobachtungen 
Ornithologen in unseren Kronländern aufmuntern, damit dadurch in de.sto 
kürzerer Zeit grössere Resultate erzielt werden. 

Die Localitäten, an welchen diese Beobachtungen angestellt wurden, sind 
die Togelreicheu Wien zunächst gelegenen Auen: Als der Prater, die Auen von 
Zwi-chenbrücken und teilweise die schwarze Lache. — Obwohl kein grosses 
Gebiet, ist es dennoch überreich an Vogelarten, in dessen schattigen Parthien 
Hunderte von Syh'ien, Paroideen, Picoideen etc. brüten. 

Bei dieser Arbeit kann man mir wohl den Vorwurf machen, dass das 
Gebiet zu klein , die Anzahl der beobachteten Arten zu gering und die 
Beo'bachtungszeit nur eine dreijährige ist: Ich ziehe es jedoch vor , ein kleines 
Gebiet genau zu beobachten, als ein grösseres oberflächlich; eine geringere Anzahl 
Vögel genau bestimmt zuhaben, als Hunderte zweifelhaft bestimmte anzuführen; 
und diese Tabellen in kürzeren Zeiträumen zu publiziren; weil ich der Ansicht 
bin, so desto eher meinen Zweck, nämlich zur Erforschung unseres Vaterlandes, 
mein Scherflein beizutragen, zu erreichen. 

Diese Beobachtungen wurden in den Jahren 1856, 1857 und 1858 angestellt. 

Schliesslich erlaube ich mir unserem hochverehrten Herrn Vice-Präsidenten 
Director Eduard Fenzl für seine gütige Verwendung beim Oberjägernieister- 
Amte, Behufs Erlangung der Zugänglichkeit mehrerer der Jagdbarkeit halber 
sonst abgeschlossener Orte, sowie unserem verehrten Mitgliede, Herrn Karl 
T ritsch. Adjuncten an der k. k. Central- Anstalt für Meteorologie und Erd- 
magnetismus, für seine mir bereitwilligst mitgetheilten, diesem Aufsatze bei- 
gefügten meteoiologUchen Tabellen, meinen verbindlichsten Dank abzustatten. 

* bezeichnet, dass der Vogel nur gehört wurde ; ** bezeichnet, dass er 
sowohl gehört als auch gesehen wurde; bei Rubriken ohne den Sternchen wurde 
der Vogel nur gesehen. 
Bd. I. Abhand!. 10 



74 



G. C. Sprcitzcnhofer: 

1856. 



Beobachtungs- 
Gegenstand. 



Beob- 

achtung? 
Tag 



Temperatur 
am Beobach- 
tungs-Tage 

(° Reaumur) 



Morgens | Nachm. 
6 Uhr | 2 Uhr 



Firmament 
am 

Beobachtungs-Tage 



Morgens 6 Uhr 



Nachmittags 2 Uhr 



Alauda arvensis** 
Turdus merula * 
Fringilla coelebs ** 
Lanius excubitor 
Motacilla alba 
Columba oenas 
Turdus musicus* 
Anser cinereus 
Columba palumbus 
Ardea cinerea 
Scolopax rusticola 
Vanellus cristatus 
Sturmis vulgaris 
Sylvia fotis 
Sylvia rubecula** 
Emberiza sehoeniclus 
Oedicnemus crepitans 
Sylvia suecica 
Crex pratensis * 
Ruticilla phoenicurus 
Anthus arborea 
Hirundo rustica 

Saxicola oenanthe 

Upupa epops** 
Sylvia atricapilla * 
Cuculus canorus* 
Yunx torquilla ** 
Sylvia luscinia** 
Columba turtur 
Sylvia curruca 
Muscicapa atricapilla 
Coturnix communis * 
Oriolus galbula * 
Sylvia cinerea'* 
Sylvia hortensis * 
Sylvia philomela ** 
Sylvia kippolais * 
Caprimulgus europ. 
JEnneoctones collurio 
Sylvia nisoria 
Muscicapa grisola* 



5. Febr. 


— 9'9 


— 2 9 


I 

heiter 


heiter 


14. Febr. 


+ 2*5 


f 7*9 


halb heiter 


halb heiter 


16. Febr. 


+ 4'2 


F 6*9 


halb heiter 


trüb, Regen 


26. Febr. 


+ 2*5 


F 3'9 


trüb 


trüb 


2. März 


+ 2 8 


+ 75 


trüb 


halb heiter 


5. März 


• A.Q 
+ O 


+ ö 1) 


trüb 


halb heiter 


1 0. März 


+ 2 v 


-(- 4o 


trüb 


trüb 


10. März 


+ 2'0 


-F- 4*8 


trüb 


trüb 


4 3. März 


A -Q 

— 1 O 


■ 5» "St 

+ 22 


trüb 


trüb 


47. März 


— 5 2 


+ 24 


halb heiter 


halb heiter 


49. März 


— 2*4 


+ 4*1 


heiter 


heiter 


20. März 


— 2 4 


+ 6'3 


heiter 


heiter 


24. März 


: 1 


+ 83 


heiter 


heiter 


24. März 


A« A 

— 1 


+ 8*3 


heiter 


heiter 


22. März 


+ 0'2 


+ 6-1 


halb heiter 


heiter 


25. März 


A« A 
U 


+ 9'3 


heiter 


heiter 


26. März 


+ 14 


+ 4 1 


halb heiter 


trüb 


26. März 


1 A.f. 

+ 14 


+ 4 / 


halb heiter 


trüb 


2- April 


— 1*4 


+ 11*3 


heiter 


heiter 


3. April 


+ Ob 


+ 12'1 


heiter 


heiter 


3. April 


+ 0*6 


+12*1 


heiter 


heiter 


6. April 


+ i i 


■ Ii./ 
+ 114 


niD. neit., o u . 
Morgens Reg. 


halb heiter 








7. April 


+ 37 


+15 7 


trüb 


i n V. „Ii. IL TT 

hlb.heit.,4 U. 








entt. tjewitt. 


9. April 


+ 1-8 


+ 13*4 


heiter 


halb heiter 


14. April 


+ 9*1 


+ 13*4 


halb heiter 


halb heiter 


43. April 


+ 7*3 


+17*7 


halb heiter 


heiter 


14. April 


+ 8-4 


+ 18'7 


trüb 


halb heiter 


\ ^ A n i'i 1 


-l- 8*7 


+18'3 


heiter 


trüb 


18. April 


+ 2-7 


+1F6 


halb heiter 


halb heiter 


20. April 


+ 4-1 


+11-4 


trüb 


halb heiter 


21. April 


+ 4-3 


+ 10-2 


heiter 


heiter 


22. April 


+ 2-7 


+I4' r 


heiter 


heiter 


24. April 


+ 4-7 


+18'c 


> heiter 


heiter 


24. April 


+ 47 


+ 18-S 


, heiter 


heiter 


25. April 


+ 6-6 


+20-: 


\ heiter 


heiter 


25. April 


+ 6-E 


» +20-: 


l heiter 


heiter 


29. April 


H-12-c 


+ 17( 


) trüb 


halb heiter 


29. April 


+12-c 


+17'( 


) trüb 


halb heiter 


3. Mai 


+ 33 


+ 1-i 


> heiter 


trüb 


4. Mai 


-h 3'c 


+ 7- r 


1 heiter 


trüb 


6. Mai 


+ 3^ 


+ Ti 


) trüb, Regen 


halb heiter 



üebcr den Frübjahrs-Zug mehrerer Zugvögel. 



1857. 





Beob- 


Temperatur 




Firmament 




am Beobach- 




am 

eobachtungs-Tage 


Beobachtungs- 
Gegenstand. 


achtungs- 
Tag 


tungs-Tage 

(° Reaumur) 


B 


Morgens 
6 Uhr 


Nachm. 
2 Uhr 


Morgens 6 Uhr 


Nachmittag 2 Uhr 


Alauda arvensis * 


19. Febr. 


— l'O 


+ 2'6 


heiter 




heiter 


Turdus merula * 


20. Febr. 


- 1*4 


- 0'2 


trüb 




trüb 


Fringilla coelebs ** 


24. Febr. 


— 0'2 


4- 0-2 


trüb 




trüb 


Anser cinereus 


26. Febr. 


- 0-4 


+ 19 


halb heiter 


halb heiter 


Columba oenas 


2. März 


+ 27 


+ 49 


trüb 




heiter 


Motacilla alba 


7. März 


4- 3'0 


-F 0-3 


halb heitei- 


trüb 


Ardea cinerea 


7. März 


+ 3-0 


-F 6*3 


halb heiter- 


trüb 


Lantus excubitor 


8. März 


+ 25 


+ 7-1 


trüb 




trüb 


Turdus musicus * 


8. März 


4- i'o 


-F 74 


trüb 




trüb 


Vanellus cristatus 


18. März 


+ 1-8 


+ 5-4 


trüb 




halb heiter 


Sterna hirundo 


20. März 


— 0-4 


-F 0-2 


trüb 




trüb, Schnee- 
fall 


Scolopax rusticola 


21. März 


— 12 


-F 4'9 


trüb 




heiter 


Columba palumbus 


22. März 


+ 0-3 


+ 22 


trüb 




trüb 


Grus cinerea ** 


23. März 


+ 1-1 


+ 4'0 


trüb 




trüb 


Sylvia fitis * 


2o. März 


4- 4-0 


+ -Vi. 


trüb 




trüb, Regen 


Hirundo rustica 


29. März 


+ o'O 


+ 7-8 


trüb, Regen 


trüb 


Sylvia rubecula 


30. März 


F 12 


4- 8 8 


trüb 




halb heiter 


Sylvia phoenictiru.s 


30. März 


-h 1-2 


+ 8'8 


trüb 




halb heiter 


Oedicnemus crepit. * 


1. April 


+ 4-1 


-f-16-1 


halb heiter- 


heiter 


Upupa epops** 


8. April 


+ 9*5 


+ 13*2 


trüb 




trüb 


Caprimulgus europ. 


9. April 


4- 4'8 


4-16-4 


trüb 




halb heiter 


Yunx torquilla * 


10. April 


4- 8-2 


4-16-1 


trüb 




trüb 


Cuculus canorus * 


13. April 


t 


4-12-0 


trüb, Regen 


halb heiter 


Cr ex pratensis* 


13. April 


+■ 5*3 


4-12-0 


trüb, Regen 


halb heiter 


Sylvia cinerea 


13. April 


4- 5-2 


4-1 2-0 


trüb, Regen 


halb heiter 


Muscica pa atricapilla 


15. April 


+ 3-4 


4-12-6 


heiter 


trüb 


Sylvia curruca 


15. April 


F 3-4 


4-12-6 


heitei 




trüb 


Sylvia hortensis 


17. April 


4- 6-2 


F11'6 


trüb, Regen 


trüb 








zeitweilig 




Enneoctones collurio 


17. April 


+ 6-2 


4-11-6 


trüb, Regen 


trüb 








zeitweilig 




Saxicola oenanthe 


17. April 


+ 0-2 


Fi 1*6 


trüb, Regen 


trüb 


Sylvia luscinia 


21. April 


+ 6-3 


+ 18-4 


heitej 




heiter 


Sylvia atricapilla ** 
Oriolus galbula * 


21. April 


+ 6-3 


1 + 18-4 


heitei 




heiter 


28. April 


+ 3-0 


+ 7'8 


trüb, 


Regen 


trüb 


Columba turtur 


29. April 


+ 4-7 


+ 7-0 


trüb 




trüb, Regen 



10* 



76 



G. C. Spreitzenhofer: üeber den Frühjalirs-Zug mehrerer Zugvogel. 



1858. 



Beobachtungs- 
Gegenstand. 



Beob- 
achtungs- 
Taa- 



Temperatur 
am Beobach- 


Firmament 
am 

Beobachtungs-Tage 


tung s-Ta£e 

(° Reaumur) 


Morgens 
6 Uhr 


Nachm. 
2 Uhr 


Moro-pnc fi Uhr 

lU'Jl c ,vl!"J \J Ulli 


lAdLlllillLldjg — L Iii 


- 4*9 


- 19 


heiter 


heiter 


- 3-4 


- 0.7 


trüb, Schnee- 
fall 


trüb, Schnee- 
fall 


— 29 


f 2-6 


halb heiter 


halb heiter 


— %'% 


4- 3-1 


heiter 


heiter 


— 6-8 


4- 1*8 


heiter 


trüb 


- 6-8 


+ 1-8 


heiter 


heiter 


+ 4*0 


4- 6"3 


trüb, Regen 


halb heiter 


+ 6'6 


+12-2 


halb heiter 


halb heiter 


4- 6*6 


4-122 


halb heiter 


halb heiter 


+ 9'2 


4- 4-4 


halb heiter 


trüb, Regen 


4- 2-0 


4- 5-8 


heiter 


halb heiter 


+ 2-0 


-h 5-8 


heiter 


halb heiter 


+ 13 


+ 3-4 


trüb, Schnee- 
fall 


trüb 


— 1'2 


+ 9-6 


heiter 


heiter 


— H 


4- 9'6 


heiter 


heiter 


4- 2-0 


+ 13-2 


heiter 


heiter 


4- 2'3 


4-43-8 


heiter 


heiter 


4- 6-6 


+ 10-8 


halb heiter 


halb heiter 


4- 2*2 


4- 7-6 


halb heiter 


heiter 


+ 0-8 


4- 5-4 


heiter 


halb heiter 


+ 1'2 


4- 6-2 


halb heiter 


halb heiter 


+ 4'3 


4- 6-9 


halb heiter 


trüb 


+ 72 


+ 12-4 


halb heiter 


halb heiter 


4- 7-2 


4-12-4 


halb heiter 


halb heiter 


4- 7-2 


4-12*4 


halb heiter 


halb heiter 


+ 55 


4-177 


heiter 


heiter 


4- 5-5 


4-171 


heiter 


heiter 


+ 5'5 


+ 17-7 


heiter 


heiter 


+ 3-0 


4-16-1 


trüb 


halb heiter 


4- 7'9 


-H2-4 


trüb 


halb heiter 


+ 3-7 


4-14-9 


heiter 


heiter 


+12-4 


4-16-5 


halb heiter 


trüb 


i-im 


4-16-5 


halb heiter 


trüb 


4-12-4 


+ 16-5 


halb heiter 


trüb 


4- 8-5 


+ 17-8 


trüb 


trüb 


4- 6-6 


-f-16-4 


heiter 


heiter 


4-10*0 


+ 17-2 


halb heiter 


halb heiter 



Alauda arvensis ** 
Motacilla alba 

Columba oenas 
Vanellus cristatus 
Ardea cinerea 
Turdus musicus * 
Columba palumbus 
Sterna hirundo** 
Scolopax rusticola 
Sylvia ßtis 
Sylvia suecica 
Sylvia rubecula 
Grus cinerea * 

Sylvia phoenicurus 
Oedicnemus crepilans 
Crex pratensis * 
Mirundo rustica 
Sturnus vulgaris 
Sylvia atricapilla * 
Anthus arborea 
Saxicola oenanthe 
Upupa epops ** 
Sylvia curruca 
Yunx torquilla * 
Sylvia luscinia * ' ,: 
Cuculus canorus* 
Columba turtur 
Sylvia cinerea** 
Sylvia hortensis * 
Muscicapa atricapilla 
Oriolus galbula ** 
Muscicapa grisola ** 
Syluia hippolais ** 
En n eocton e a eol lu r io 
Sylvia lacustella * 
Sylvia pkilomela 
( aprimulgus europ. 



4. Febr. 

6. März 

10. März 

11. März 
14. März 
14. März 

17. März 
24. März 

24. März 

25. März 

26. März 

26. März 

28. März 

29. März 
29. März 
34. März 
t. April 

4. April 

5. April 

7. April 
10. April 

12. April 

18. April 
18. April 
18. April 
21. April 
21. April 
21. April 

24. April 

25. April 

27. April 
1. Mai 
1. Mai 
1. Mai 
3. Mai 
5. Mai 
7. Mai 



. mP\ f Q g--qg» 



Aufenthalt am Cap d, g\ Hoffnung 



währeud der Weltfahrt der k. k. österreichischea Fregatte „Novara'\ 

Von 

Georg Frauenfeld. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 1. Februar 1860. 

(Vorliegender Bericht wurde in See während der Fahrt vom Vorgebirge der guten Hoffnung bis St. Paul 
geschrieben und von Ceylon dem löblichen Schiffscommando zur Einsendung an die kais. Akademie über- 
geben. Da derselbe aus mir unbekannten Ursachen noch nicht veröffentlicht ward, so übergebe ich denselben 
hier und zwar unverändert dem Drucke.) 



Ivaum dürfte es einen grössern landschaftlichen Kontrast geben , als wenn 
man, wie es auf unserer Fahrt der Fall war, Rio Janeiro und das Cap der 
guten Hoffnung unmittelbar nach einander betritt. Es war nicht der Gegen- 
satz der Ueppigkeit zur Unfruchtbarkeit, sondernder zweier reichgeschmiickter 
Landschaften von grösster Verschiedenheit. Ist auch der Anblick des Caps 
aus der f erne nicht viel versprechend, ja mag es auch mit vollem Recht zur 
Zeit der Dürre , wenn die glühende Sonne alles verbrannt hat , traurig und 
öde genannt werden, wir trafen die Gegend im schönsten Frühlingsschmucke, 
wo die mit dichtem Pflanzenwuchs bedeckten Stellen wahren Blumenbeeten 
glichen. 

In Rio ist es die wilde ungezügelte Natur , die den Wanderer , auf- 
gewachsen zum dichtgeschlossenen Urwald, erdrückend umschlingt, im 
wuchernden Gedränge über und über mit Schmarotzern bedockt und noch 
über die stolzen Wipfel seiner Waldesriesen , seiner Palmen, die rankenden 
Lianen hoch empor züngelnd. Dort blickt der Naturforscher sehnsüchtig hinauf 
in die Kronen, wo die feenhaften Blüthen der Orchideen und Tillandsien gleich 
launigen Elfen in den Lüften gauckeln, und muss das Fernglas gebrauchen, 
sie zu besehen. Hier am Cap liegt die ganze Pracht einer reizend geschmückten 
Flur ihm unmittelbar in weiter offener Fernschau vor den Augen, zu den 
Füssen. Die ganze Blumenwelt umgibt ihn so nahe , dass er nur die Hand 
auszustrecken braucht, um sie zu pflücken, ihrer Anmuth sich zu erfreuen» 



78 



G. Frauenfeld: 



Und gleichsam, als sollte dieser Gegensatz sich noch klarer aussprechen, 
reicht er selbst bis in die Thierwelt. 

Während es in Brasiliens Wäldern selten gelingt, die in der Glut der 
herrlichsten Edelsteine funkelnden , in bliszschnellera unstäten Fluge rasch 
und ungestüm umherschwirrenden Kolibris zu schauen, sitzen die stellver- 
tretenden honigsaugenden Cynniris des Caps ganz zutraulich auf den Blüthen- 
kolben der Proteen und bieten dem Beobachter Gelegenheit, gemächlich, auf 
wenige Schritte Entfernung nur, ihr mit reichem Metallschimmer geschmücktes 
Federkleid zu bewundern. 

W'ölben sich Rio^s Wälder zu einem Dome, der kaum einem Sonnen- 
strahle durchzudringen gestattet, dessen geheimnissvolles Halbdunkel den 
Wanderer so magisch umfängt, dass die schauerliche Wildaiss, die in ihrer 
eigenen Ueppigkeit sich erwürgt, wenn auch an wenig Orten mehr der un- 
hörbare Tritt des Mokassin ihn gefahrdrohend umschleicht, doch das bange 
Gefühl der Ohnmacht und Verlassenheit in ihm weckt , so findet man am 
Cap vorherrschend nur niedere Büsche; und die wenigen Leucadendron- Wälder, 
die einzigen ursprünglichen hohen Bäume sind so zierlich , so licht, 
mit ihren weissen Blättern und der weissen Rinde so hell , dass von 
Schatten oder Dunkel keine Rede sein kann ; ja auch die Diosmeen und 
Eriken, so wie mehr derlei Sträucher sind selbst da, wo sie höher wachsen 
und dichter stehen, nicht im Stande, das Licht vom Boden abzuhalten, da ihre 
Blätter nur zarte feine Nadeln bilden. Und diese üppig blühenden Büsche der 
mannigfaltigen Proteaceen, dicht und undurchdringlich, die Erikensträuche, 
Pelargonien, die hohen stattlichen Gramineen und Cyperaceen mit Schling- 
pflanzen zur verworrenen aber reizend blühenden Wildniss verflochten , wenn 
gleich sie, selten anderthalb Klafter hoch , gewöhnlich kaum Menschenhöhe 
erreichen, nöthigen doch ebenso mühsam mit dem Waldmesser sich den Weg 
zu bahnen, wie Rio's Wälder. 

Zwischen diesen Dickichten, so wie an freien Stellen, erheben die dem 
Cap angehörigen zahlreichen Zwiebelgewächse, alle jene mannigfaltigen 
Irideen, Liliaceen, Oxalideen ihre in bunter Farbenglut prangenden Blüthen- 
köpfe, mannigfach abwechselnd mit mehreren der schönsten Erdorchideen, 
und den gleichfalls daselbst eigenthümlichen und reich vertretenen Polygaleen. 
Buschlose Stellen, sowie sandige Flecken überzieht gleich kurzgeschorrenem 
Rasen das als Hottentottenfeige bekannte gelbblühende Mesembrianthemum und 
mit ihr zusammengesellt noch andere zartere in verschiedenartigem Roth 
erglühende Arten derselben Pflanzengattung. Einen besonderen weithin sicht- 
baren Schmuck bilden, namentlich an höher gelegenen Theilen des Vorgebirges, 
die verschiedenen stattlichen roth- und weissblühenden Strohblumen, Phae- 
nocoma, Ilelipterurn (hier „seven year flowers" genannt), die in den tiefern 
Geländen von eben so blendenden, doch weit vergänglicheren Compositen, den 
herrlichsten Gorterien vertreten werden. 



Aufcotkall am Cap i. gl Hoftaung. 



70 



Einen tiefen Eindruck machte auf mich die auf nassen Stellen der 
Bergplateaus zahlreich wachsende capische Drosera, da sie vollkommen dem 
rundblättrigen Sonncnthau unserer Torfgegenden in der Heimat gleicht, und 
mir hei meinem ersten Ausfluge auf die Höhe ober Simonstown mit ihren im 
Sonnenlichte blitzenden gezielten Blattdrüsen ganz unerwartet jene Freude 
zurückrief, die ich empfand, als ich dieses wunderschöne Pflänzchen zum 
erstenmale am Hechtensee bei Mariazell erblickte. Ihre weit ansehnlichere 
Schwester, die blauroth hlühende Drosera cistifiora findet sich stets an dichter 
bewachsenen Stellen, und bildet auch niemals so flach aufliegende Rosetten, 
sondern steigt spindlig aufstrebend oft bis anderthalb Fuss hoch empor. 
Abermals eine neue Erscheinung boten mir hier die Compositen. Hatte mich 
Rio schlingende und baumartige Gattungen dieser Pflanzenfamilie kennen 
gelehrt, so hielt ich da nun mit ungläubigem Staunen das saftig e Beeren- 
träubchen eines gelbblühenden Strahlenblüthlers in Händen, das wie ich 
glaube, zu Osteospermum gehört. Sehr enttäuscht war ich, dass ich nur eine 
einzige Stapelia, noch dazu nicht in Blüthe fand, diese für Südafrika charak- 
teristischen Felsenpflanzen, deren Anblick im Freien ich so sehnlich ge- 
wünscht hatte. 

Roth, gelb, weiss waren die vorherrschenden Farben der mir zu Gesicht 
gekommenen Blumen. Die blaue Farbe fand ich in einem tiefen Smalteblau 
nur bei den wenigen Lobeliaceen und in der blauen Anagallis arvensis ver- 
treten. Ein schönes Blassblau in Salvia und bei Roella eiliata, wenn anders 
die letztere in diese Farbenreihe zu bringen ist. Den etlichen hiesigen Gen- 
tianeen Sebaea, Chironia, Villarsia, die ich fand, fehlt diese Farbe, sie sind 
sämmtlich gelb oder roth. 

Etwas weiter vorgeschritten in dem Werthe der Jahreszeit als zur 
Zeit, wo wir in Rio weilten, bot die Thierwelt dem entsprechend, Lebens- 
erscheinungen, die einer vorgerückteren Periode angehörten, und die auch in 
dem Zeiträume unseres Aufenthaltes sich noch weiter entwickelten. Ein grosser 
Theil der Vögel hatte Eier oder selbst schon Junge, und nur wenige waren 
es, die wahrscheinlich eben erst am Zuge angelangt noch in Trupps sich 
beisammen fanden. Da Herr Zelebor, dem ich das betreffende Materiale 
überliess, sich die Ornithologie als besondere Aufgabe während der Reise 
stellte, so übergehe ich die Einzelnheiten dieser Abtheilung. 

Von Säugethieren hatte ich mehr als in Rio Gelegenheit zu beobachten, 
obwohl bei weitem nicht so viel, als ich gehofft hatte. Obschon der gemeine 
Cappavian noch sehr zahlreich sein, namentlich aber zur Zeit der Reife des 
Welschkorns in Scharen verheerend in den Feldern einbrechen soll, und ich 
manche Wanderung in die Berge unternahm , um ihn lebend in wildem 
Zustande zu sehen , so bekam ich doch keinen zu Gesichte. Die grossen 
Pachydermen sind gänzlich , so wie die grösseren Raubthiere grössten- 
teils verschwunden , und haben sich tiefer ins Innere zurückgezogen. 



80 



G. Frauenfeld: 



Das im Museum der Capstadt befindliche Hippopotamus wurde vor ein 
paar Jahren in der Nähe der Wallfischbai erlegt, und näher dem Cap 
kommt keines mehr vor. Eben so wenig Elefanten oder Rhinozerose , von 
welch letztern man zwar Hörner, jedoch zu sehr hohen Preisen in der Cap- 
stadt zu kaufen bekommt. Was man von tiefen Löchern in den Flüssen von 
Caledon und der Nachbarschaft der Capstadt erzählt, in denen noch Flug*» 
pferde leben sollen, scheint eben nur Sage zu sein, denn ich konnte Niemand 
finden, der anzugeben wusste, dass irgend eines daselbst erlegt oder gesehen 
worden wäre. Es wird als ein Ereigniss in weiter Umgebung lange besprochen, 
wenn ein Leopard in Grubenfallen gefangen oder durch Selbstschüsse hier 
erlegt wird. Löwenfelle kommen nur aus dem Innern; von Luchsen konnte 
ich gar nichts erfahren. Einzig von einer Wildkatze ('(Felis serval) spricht 
man, dass sie gelegentlich bei Jagden geschossen werde. Mehr findet sich 
von Musteliden und Viverinen noch, allein auch von diesen sah ich im Freien 
selbst nichts, sondern was wir erhielten, lihabdogale zorilla, Viverra, Her- 
pestes ward mir lebend oder todt gebracht. 

Die unterirdischen Nager Bathyergus, Georhyelius sind ungemein häufig, 
und ihre den Aufwürfen der Maulwürfe ähnlichen Haufen sind zahllos und 
enggedrängt in den sandigen Steppen und Dünen zu sehen. Sie sind äusserst 
selten über der Erde anzutreffen. Ich hatte einmal sehr zeitig früh eines Morgens, 
das Glück , Bathyergus suülus ganz ruhig sitzend zu finden , und bedauerte 
als ich denselben, nachdem ich ihn geschossen, erkannte, nur, ihn so rasch 
erlegt zu haben, da er bei seinem rudimentären Gesichte und seiner Cnbe- 
holfenheit mir keineswegs leicht entgehen konnte , ich mich daher wohl der 
seltenen Gelegenheit selbst beraubt hatte, etwas von seinem Betragen zu 
beobachten. Weniger häufig ist der Goldmaulwurf. Zu den Seltenheiten aber, 
die nur tiefer im Innern noch angetroffen werden, gehören hier jetzt gleich- 
falls das Schuppenthier und Orycteropus. Von ersterem sah ich nur einen 
Fetzen des Panzers und von letzterem wusste sich Niemand zu erinnern, dass 
seit langer Zeit eines vorgekommen, und obwohl mir auf mein vielseitiges und 
hohes Anerbieten Hoffnung gegeben wurde, eines zu erlangen, so war diess 
doch vergebens. 

Eines der häufigsten Thiere ist der Klippdachs, und kaum dürfte eine 
unwegsame Schlucht oder abgelegene Felsenklüfte sich finden, wo nicht seine 
unterirdischen Baue vorkämen, allein er selbst ist nicht leicht zu überraschen, 
scheu und vorsichtig flüchtet er schon in weiter Ferne vor dem Annähernden 
in seine Höhle, und meist macht erst der dabei ausgestossene kreischende 
Schrei auf den Fliehenden aufmerksam. Ist die Lage nun günstig, in der Nähe 
sich verborgen auf die Lauer zu stellen, so ist er mit etwas Geduld nicht schwer 
zu bekommen, da er nach Verlauf von einer halben Stunde oder mehr wieder 
aus seinem Loche hervorkommt, wobei seine Bewegungen äusserst flink und 
lebhaft sind; doch bedarf er eines derben tüchtigen Schusses, wenn er am Flecke 
liegen bleiben soll. 



Aufenthalt am Cap d. g. Hoffnung. 



81 



Die eigentlichen Jagdthiere bilden hier die Antilopen und der Schakal, 
so wie nebenbei der kleine Caphase, und zwar werden diese Thiere meist zu 
Pferde mit der llundemeute gehetzt. Die Besitzer der üppigen Gelände 
■wischen Simonstown und der Capstadt halten zu diesem Zwecke hochstämmige 
englische Brakken und Parforcehunde, um zur Jagdzeit in Gesellschaft diesem 
Vergnügen nachzugehen. Obwohl nun einige Arten von Antilopen eben nicht 
selten genannt werden können , so sind sie doch bei weitem nicht so zahl- 
reich, und es wird schon zur Erhaltung dieser Thiere in der Regel eine 
Hegezeit mit grosser Sorgfalt beobachtet. Der Reebock, Grasbock, Spring- 
bock, Antilope tragulus, sylvaticus, euchore sind die häufiger vorkommenden ; 
der Bontebokke Ant. pygarga dürfte nur wenig mehr gefunden werden, so 
wie Ant. melanotis, eleotragus und meraens viel seltener sind, und obwohl man 
mir in Sommerset Kämme und Schluchten der Hottentottenhollandberge zeigte, 
durch welche jene unzählbaren Antilopenheerden bei Dürre und Hungersnoth 
so dicht herabdrängten , dass alles in ihrem Zuge Befindliche rettungslos 
verloren war, so gehört ein solches Ereigniss seit geraumer Zeit nur mehr der 
Ueberlieferung an. 

Walfische besuchen die grosse im Süden des äussersten Capvorlandes 
gelegene Bai, in welche wir eingelaufen waren, nicht selten, und man sieht 
an mehreren Orten grosse, feste, gemauerte Behälter zur Auskochung des 
Thrans. Captain Houts, der Lootse, bei dem ich die Knochenreste einiger 
dieser Thiere am Strande fand, versicherte mich, dass kein Jahr vergehe, wo 
er nicht einen Wal bekomme, ja dass er einmal drei in einem Jahre erhalten. 
Der letzte, den er vor mehreren Monaten harpunirte, mass 67 Fuss und 
brachte ihm 400 Pfund Sterling ein. Von der Häufigkeit zeigen auch die 
Menge Walfischrippen, die hier mannigfach verwendet werden. Es macht 
einen eigenen romantischen Eindruck, die Garteneinfriedungen und andere 
Gehege recht zierlich und gleichmässig von solchen gebogenen Rippen her- 
gestellt zu sehen, oder über Schulterblätter von Walen als Stufen benützt, 
in die Wohnungen emporzusteigen. In dem letzten Zeitpunkt vor unserer 
Abreise erfuhr ich, dass in der Nähe der Gordonsbai, 20 Meilen von unserm 
Ankerplatz entfernt, ein junger Wal gestrandet sei ; leider war es zu spät, 
denselben zu besuchen. 

An Amphibien war vieles vorhanden, und ich glaube, es befand sich 
wohl nichts mehr im Winterschlafe. Von Landschildkröten traf ich bei Durch- 
wanderung der Haidesteppen Testudo areolata, geometrica, Chersine angulaia 
mehrmals an, so wie in den Lachen und Süsswassertümpeln eine Süsswasser- 
schildkröte (? Sternotherus) lebt. Das kleine, zierliche, schön gefärbte Cap- 
chamäleon, Bradypodion pumilum w r ar gleichfalls nicht selten, ist aber weit 
schwieriger am Leben zu erhalten, als das robuste gemeine nordafrikanische. 
So lang ich mir am Lande Fliegen verschaffen konnte, frassen sie fleis^ig ; 
Bd. X. Abband!. 1 i 



82 



G. Frauenfeld: 



Mehlwürmer aber, die ich am Schiffe nunmehr nur verabreichen konnte, 
scheinen für sie eine zu derbe Kost. Zwei Agamen, aculeata und atra , ein 
sehr kleiner Geko, Phyllodactylus unter Baumrinde, mehrere echte Lacertinen 
sehr flüchtig und in dem Sande unter den Ericabüschen äusserst schwer zu 
haschen, zahlreiche Schlangen, die ich vor der Hand nicht näher zu bestimmen 
vermochte, so wie der höchst interessante Halbsaurier, mit den feinen, kurzen, 
stielartigen vier Extremitäten, Seps anguineus geben Beweis von dem Reich- 
thume der höheren Reptilien. 

Unter den in neuerer Zeit gewiss mit Recht als Klasse getrennten 
Lurchen war mir nebst mehreren Fröschen und Kröten besonders Dactyleth.ra 
aus der Familie der Aglossen von Interesse, die trotz ihrer glatten, warzen- 
losen Haut und ihren grossen mit breiter Schwimmhaut versehenen Hinterfüssen 
in ihrem Benehmen doch mehr den Kröten als den Fröschen gleicht. Auffallend 
ist der gänzliche Mangel der geschwänzten Lurche, der salamanderartigen 
Amphibien. Trotz der in stundenweiter Ausdehnung sumpfigen und mit Lachen 
durchzogenen Ebene, einem höchst günstigen Terrain für derlei Thiere , die 
von Fröschen und deren Kaulquappen wimmeln , war nicht eine Spur von 
Molchen zu finden. 

Die grosse, mehr als 20 engl. Seemeilen im Durchmesser haltende 
False Bay ist unerschöpflich reich an Fischen. In der zwischen Simonstown 
und Gordonsbai gelegenen Kalkbai ist ein Fischerdorf, wo sich grosse Pöckel- 
und Trockenanstalten befinden , in welchen ungeheure Massen getrockneter 
Fische für den Hauptmarkt Mauritius bereitet werden. Ich stationirte mich durch 
3 Tage daselbst, um diesem dort betriebenen beträchtlichen Fischfang beizuwohnen. 
Täglich gehen 25—30 Segelboote, jedes bemannt mit 6 — 7 Fischer zwischen 
5—6 Uhr Früh in See, fahren in der Bai angelnd hin und her, und bringen 
gegen Mittag drei- bis vierthalbtausend Fische zurück. *) Meist drei von der 
Bemannung eines solchen Bootes werfen unablässig die Angelschnur aus, und es 
geschieht oft, dass, kaum ausgeworfen, sie eben so schnell zurückgezogen werden 
rauss, da sie schon von einem Fisch verschlungen ist. Als Köder wird beinahe 
durchaus nur Scomber grex Mtch. benützt, der gewöhnlich mit Legeangeln 
gefangen wird. Den Hauptfang, meist mehr als die Hälfte der gefangenen 
Fische, bildet der Snuk, Thyrsites atun, aus welchem auch der grösste Theil 
des Ausfuhrmaterials besteht, und die sämmtlich getrocknet werden. Die 
gleichzeitig gefangenen Fische, der Reihe nach an Häufigkeit abnehmend, 
waren : Poeskop = Chrysoblephus gibbiceps, Stompnäs = Chrysophus globiceps, 
Hotentotvisch = Sargus capmsis, Windtoje = Cantharus Illochi, Roode Sten- 



v ) Im Sandfliet bei Sommerset sah ich auch einige Boote, von denen jedes 8—12 Albatrose zurück- 
brachte, die die Fischer geangelt hatten, denen allen die Hälse tief durchschnitten waren. Es werden 
hauptsächlich deren Dunen für Betten beniitzt. 



Aufenthalt am Cap d. g. Hoffnung. 



83 



brasem = Chrysophrys laticeps , Romanvisch = Chrysophrys crisüceps, ein 
prachtvoll gefärbter Fisch, der schönste unter allen, die ich hier sah, Silver- 
visch = Dentex argyrozona, Steenvisch = Cheilod actylus fasciatus. Von den 
ersteren wird eine ansehnliche Menge ebenfalls eingesalzen und getrocknet, 
alles nämlich, was nicht an Ort und Stelle frisch verkauft und verbraucht wird. 

Wie die Boote vom Fange zurückkommen, so werden die Snuks gleich 
alle ausgeschieden, und von den Besitzern der drei in dem Dorfe errichteten 
Trockenanstalten übernommen, und jedem Boote seine Anzahl Fische in einem 
Vormerkbuche gut geschrieben. Die anderen Fische werden parthienweise 
zusammengeknüpft, und es sind theils Wägen aus Simonstown und der Cap- 
stadt oder andere Käufer da, die nach Erforderniss einkaufen und abnehmen. 
Alles, nach dem zuletzt noch für den eigenen Bedarf ausgeschiedene , nunmehr 
Uebrigbleibende der übrigen Fische von entsprechender Grösse wird ebenfalls 
an die Trockenanstalten überlassen. 

Wenn man nun bedenkt, dass in der Gordonsbai gleiche Thätigkeit 
herrscht, so wie noch an mehreren andern Stellen der ganzen Bucht viele 
einzelne Boote sich mit Fischerei beschäftigen, so kann man den Ungeheuern 
Reichthum von Fischen in dieser Bai ermessen. 

Ein wegen seiner ausserordentlichen Schädlichkeit bemerkenswerther 
Fisch ist der Blaasop, Tctraodon Honkenyi B 1. Dessen Genuss zieht mit allen 
Symptomen der Vergiftung meist unfehlbar den Tod unter heftigen Konvul- 
sionen in kurzer Zeit nach sich, so dass das Gouvernement sich in Folge 
mehrerer solcher trauriger Fälle veranlasst sah, alle ankommenden Schiffe in 
einer eigenen Proklamation hierauf aufmerksam zu machen und davor zu 
warnen. Er ist höchst gemein in der False Bay , während er an der welt- 
lichen Seite in der Tafelbai gänzlich fehlt; eine Erscheinung, die auffallender 
Weise sich auf die ganze Fischfauna dieser beiden Nachbarbaien erstrecken 
soll, indem es heisst , dass jede einen grossen Theil eigenthümlicher Fische 
besitze, die der andern fehlen. 

Von den übrigen Seefischen, deren sich noch eine grosse Anzahl findet, 
sah ich Triola capeiisis der roode Knorhaan, eine Umbrina, Bardmantje ge- 
nannt, Pimdepterus fuscus, Blennius verdcolor, der Klipvisch, von dem ein 
paar Exemplare über Ein Fuss gross waren, zwei Clupeiden, die kleinere als 
Ansjovis bezeichnet, eine Solea unter dem Namen Tong, und zwei Rochen. 

Süsswasserfische sind bei dem Mangel an Flüssen auf dem Vorlande 
natürlich wenig vorhanden ; doch enthalten die Wasseransammlungen der 
Düne ein hübsches kleines Fischchen und zwei sehr geschätzte Mugiloiden, 
den Klipharder und den Springer. Ich konnte nur von dem ersten Härder, 
Mugil capensis einige Exemplare erlangen, die ich durch die Güte der Herren 

11* 



84 



G. Frauenfeld: 



Rathfelder und Holding, die das Netz in einem, Herrn Houts') 
gehörigen Wasserbecken einhingen, bekam. 

Von Insekten kann ich nur die Käfer besonders hervorheben, unter 
welchen vorzüglich zwei Gruppen der Lamellicornier. nämlich Hopliden und 
Cetoniden reichlich und in grosser Zahl sich fanden. Erstere mit der durch 
ihre Hinterfüsse so ausgezeichneten Pachycnema stecken in den Blüthen der 
Mesembrianthemen und in den Kolben der Proteen so tief eingegraben, dass 
sie von aussen oft kaum sichtbar sind, während sie beunruhigt, doch eilig 
hervorpurzeln und schnell entfliehen, indem sie ihre Flügel ausserordentlich 
rasch zu entfalten vermögen. Mylabriden schienen eben zu beginnen, sich zu 
entwickeln, ich fand nur drei Arten. Einige schöne Coccinelliden und Rüssel- 
käfer; von Bockkäfern die gewöhnliche schwarze, braunroth fleckige Laßida 
dieser Gegend, und einen kleinen grünen Rosenbock mit vollkommen ähn- 
lichem , starken Geruch wie unsere Aromia moschata. Melasomen in dem 
Sande der Dünen, im hohen Sommer gewiss häufig , fand ich nur drei , auf 
demselben eben so flüchtig wie bei uns eine Cicindela. Manticora fand ich 
leider nicht, möglich dass sie erst später vorkömmt. An Arten der nächst- 
stehenden Familie der Carabiden scheint das Cap sehr arm zu sein ; eine 
einzige grosse Anthia trieb sich häufig, Raub suchend, auf den Sanddünen 
herum. Am Wasser fand sich ein Gyrinus nicht selten und zwar sowohl in 
den Lachen der Ebene als in den Gebirgsbächen hoch oben am Tafelberg. 
Eine kleine, zwei Linien lange Lampyris, die trotz ihrer Kleinheit blendendes 
Licht ausstrahlte , war merkwürdigerweise mitten auf weitgedehnter Haide- 
ebene nur auf kleine Plätze von kaum ein paar hundert Schritte Durch- 
messer beschränkt. Weibchen konnte ich trotz eifrigen Suchens nicht entdecken, 
ich kann daher nicht mit Gewis^heit bestimmen, ob diese Ursache der gruppen- 
weisen Versammlung waren. Ausserdem erwähne ich noch einen schönen 
Paussus, den ich in Gesellschaft der Ameisen unter Steinen traf, der bestimmt 
ausschliesslich Myrmecophile ist. 

Die nächste reiche Abtheilung scheinen die Orthopteren, allein noch 
waren die meisten unausgebildet. Mehrere sehr schöne Schriken bekamen 
eben Flügel ; Phasmiden und Mantiden waren jedoch noch sämmtlich im 
Larvenzustande, was ich wohl sehr bedauerte, da sie in ziemlich vielen schönen 
Arten vorzukommen scheinen. Das Gleiche war mit Blatta der Fall. Libellu- 
liden und Agrioniden waren wohl in grosser Menge, doch in geringer Arten- 
zahl zu sehen. Von Larven der übrigen Netzflügler entdeckte ich nichts im 
Wasser. Eine Termitenart baut auf allen Bergen, auf der Erde gewölbter 
oder flächere Nesthügel von ein bis zwei Fuss Durchmesser, die insoferne leicht 



J ) Ich schulde diesen Herren, sämmtlich Besitzer in der Gegend zwischen Simonstown und Cap- 
stadt für ihre freundlichen Bemühungen und Unterstützung beim Sammeln vielen Dank. 



Aufenthalt am Cap d. g. IMnuDg. 



85 



in die Augen fallen, als sie von dem umgebenden hellen Boden abweichend 
srhwarzgrau gefärbt sind Im Sande der Dünen, so wie gegen den Tafelberg 
aufwärts fand ich die Trichter eines Ameisenlöwen. Allein während ich einen 
solchen von Triest lebend mitgenommenen, mit Fliegen fütterte und ganz gut 
zur Verwandlung brachte, so dass ich das Imago Myrmecoleon tetragrammi- 
neus in Rio erhielt , wollen die vom Cap mitgenommenen durchaus nichts 
fressen. Im äussern Ansehen weichen sie von den europäischen nicht ab. 

Die übrigen Insektenabt heilungen fand ich schwächer und unansehn- 
licher vertreten. Wanzen wenige, doch aus mehreren Familien : SchiJdwanzen, 
wie Capsiiden und Coreiden, ferner Wasserläufer, darunter in den Wasser- 
lachen Hydrometra und einen Limnobates, den ich ohne Vergleich nicht von 
unserem stagnorum zu unterscheiden vermag, und dem er auch jedenfalls 
ausserordentlich ähnlich ist , wenn er verschieden sein sollte. Von Cicaden 
eine kleinköpfige, grünbunte. l /* Zoll lang . die sehr schwer zu fangen ist, 
da sie fortwährend über den Haidebüschen lebhaft hin und wieder fliegt, 
und nur im Fluge einen schellenden Ton hören lässt , den sie augenblicklich 
aussetzt . sobald sie einem Menschen in die Nähe kömmt . und erst wieder 
beginnt, wenn sie an ihm vorüber ist. 

Auch Schmetterlinge waren sehr arm , ja die ärmste Insektenklasse 
sowohl an Arten als an Zahl der Individuen. Ein mit Glasflecken unserer 
Syntomis nahekommender Abendvogel, ein paar Hipparchien und Lycänen 
nebst wenigen Eulen war die ganze Beute. Uebrigens war es auch hier 
wieder Vanessa cardui. gleichsam gleichen Schritt mit uns in der Wanderung 
um die Erde haltend, um in jedem Hafen mit freundlichem Grusse uns als 
heimatlicher Bekannter entgegenzukommen , welche die am Ufer in Simons- 
town wachsende Mariendistel umschwärmte. 

Ich fand einige grosse Bären-, Gastropacha- und andere Raupen, die 
ich mitnahm, ihre Zucht zu versuchen. Sie spinnen sich zum Theil eben ein, 
während gleichzeitig von den in Rio mitgenommenen und verpuppten Raupen 
jetzt täglich in der See , 4000 Meilen von ihrem Geburtsorte entfernt , die 
Schmetterlinge sich entwickeln. 

Von Hymenopteren waren nebst unserer Honigbiene ein paar andere 
Apiden, Bombus, eine kräftige Xylocopa, zwei Vespa, ein paar Sandwespen. 
Ichneumonen, hauptsachlich Ameisen in mehreren, doch nicht besonders aus- 
gezeichneten Arten vorhanden. 

Am wenigsten ausgezeichnet fand ich jedoch die Fliegen. Die wenigen 
Syrphiden , Asiliden , Bombylier und Trauerfliegen, dieser Prachtabtheilung 
der Dipteren, aus denen ich nur einen kleinen niedlichen Anthracier von der 
äussersten Capspitze hervorheben kann, bieten nur unscheinliche, wenig auf- 
fallende Arten. Nur Pangonier fing ich zwei schöne Arten, während die 



86 



G. Frau enfeld: 



eigentlichen Tabaniden, die ich bekam, ebenfalls klein und unansehnlich sind. 
Eine Ilaematopota, die ich aus dem Gedächtniss ebenfalls nicht von plmnalis 
zu unterscheiden wage , überfällt den Wanderer auf jenen Sümpfen und 
Sanddünen ebenso blutgierig und noch weit zahlreicher, wie die unserige. 
Eines grossen Hybotiden muss ich noch erwähnen , so wie einiger schönen 
Lucilien , die mit derselben Bestimmung wie unsere Aasfliegen , bei solchen 
todten Thieren in ungeheurem Schwarme sich finden. Sonst kann ich von 
eigentlichen Musciden nicht vieles aufführen; von Acalyptern, Scgtophaga, 
einige Anthomyien , Lispe und nur eine einzige Trypeta. Mein rastloses 
Forschen nach Metamorphosen dieser letztern Fliegengattung hat sich bisher 
wenig gelohnt, namentlich finde ich die von denselben als Frass- und Auf- 
enthaltsorte in Europa so vorzugsweise erwählten Compositen hier gänzlich 
von ihnen verschmäht, und ein einziger , in Rio gesammelter Auswuchs hat 
mir während der Ueberfahrt nach dem Cap eine prachtvolle Bohrfliege ge- 
liefert. Von Tipularien war eine sehr kleine Simulia entsetzlich lästig, so 
wie an Sumpfstellen schon zahllose Schwärme von Mücken , die später wohl 
ins Ungeheure zunehmen mögen, sich in der Luft auf und niedertummelten. 

Was die Auswüchse selbst betrifft, so ist die Zahl der gesammelten 
Verschiedenartigen eine so grosse, dass ich bei dem beschränkten Räume am 
Schiffe nicht mehr im Stande bin, sie zur fernem Beobachtung unterzubringen. 
Alle meine Behältnisse sind gefüllt, und über und unter meinem Lager sind 
Schachteln, Gläser, Papierkapseln voll mit denselben aufgestellt. Jeder Tag 
brachte mir Neues, und obwohl ich auch hier nichts besonders Abweichendes 
beobachtete , so sind doch mehrere sehr interessante Formen darunter. Soll 
ich jedoch irgend eine Charakterpflanze für Pflanzengallen bezeichnen, so 
muss ich gestehen, dass mir diess nicht möglich ; eine grosse Menge Pflanzen 
ist damit, aber keine vorherrschend oder mit mehreren verschiedenartigen 
Bildungen derselben besetzt. Anders ist es mit der Form. Da ist es vor- 
züglich die Zapfenrose, Squamatio, welche am häufigsten und mannigfaltigsten 
in wirklich schönen Formen vorkommt; es mögen daher wohl auch die meisten 
Erzeuger den Gallmücken angehören. 

Wenn ich den Eindruck der Gesammterscheinung- der Insekten so ziem- 
lich zur selben Jahreszeit zwischen Rio und dem Cap vergleiche, so sind es 
trotz der durch eine so kurze Zeit der Beobachtung bedingten Unvollständig- 
keit doch ein paar Momente, die beim ersten Anblick in die Augen springen. 
Während in Rio schon eine Fülle von Schmetterlingen Wald und Flur belebte, 
die Käfer dagegen weniger bedeutend zu nennen sind , war diess am Cap 
gerade umgekehrt der Fall. Wenn sich das Cap bei den Orthopteren den 
Rang nicht abgewinnen lässt, so ist es doch in Cicaden und Wanzen weit 
überholt. Wir dürfen hierbei aber nicht aus den Augen verlieren, dass die 
Insektenfauna Rio^s eine natürlicherweise weit glänzendere, üppigere ist , als 



Aufenthalt am Cap d. g. Hoffnung. 



87 



die Cap*sche sein kann ; dass daher auch, wenn schon die Hymenoptern in 
Rio mehr und schöneres bieten, diess vollkommen bei den Fliegen wieder 
ausgeglichen erschien , die in Rio zu dieser Zeit beinahe noch unbedeutender 
waren, als am Cap. Wenn mit vorschreitender Jahreszeit der Sonne glühendes 
Auge auf des Caps leergebrannte Stätte herniederschaut, dann mag wohl 
mit Rio"* Bich selbst beschattenden Wäldern kein Vergleich mehr möglich sein. 

Aus der Klasse der Arachniden fand ich unter Steinen einen kleinen 
echten Scorpion, ein paar ziemlich ansehnliche Mygaliden und unter den 
eigentlichen Araneiden eine in abgestorbenen Baianusgehäusen verborgene 
Spinne unter der Oberfläche des Meeres, so wie eine in grossem Neste ge- 
sellig lebende, in die Nähe von Theridium gehörige Webspinne. Auffallend 
war mir der gänzliche Mangel von Phalangiern ; so viel Steine ich umwendete 
und modriges Holz zertrümmerte, kam mir keiner unter die Hand, während 
ich von Tausendfüssen einen Chilopoden nicht selten sammelte, und die weg- 
geworfenen Fischeingeweide von einen Julus in grosser Menge zur Aesung 
besucht werden. 

Der interessanteste Fund war ein Peripatus unter Steinen, eine der 
sonderbarsten , abweichendsten Thierformen. Ich war beim ersten Anblick 
überrascht, und wusste nicht recht, wohin damit, die retraktilen Fühler gleich 
einer Schnecke, die unten an der Bauchseite befindlichen Füsse mit Klauen, 
der Gang wie von einer Afterraupe, die Haut sammtig mit Pupillen bedeckt, 
von oben ohne Spur einer Gliederung, ergibt eine ganz sonderbare Zusammen- 
stellung. Wenn nicht in der neuesten Zeit irgendwo beschrieben, ist derselbe 
jedenfalls neu, da er in der Fusszahl, 17 Paare, mit keiner der wenigen 
älterbekannten Arten übereinstimmt. Bei der Berührung trat aus dem ab- 
gestutzten Ende der beiden kurzen unter den Stirnfühlern liegenden Mund- 
fühlern eine reichliche Menge milchweis sen zähen Schleimes hervor, der 
etwas säuerlich roch; dieser erste Erguss war so stark, dass ich später, als 
ich gerne welchen zur genaueren Untersuchung zu haben wünschte , keinen 
mehr erhielt. 

Die kurze Zeit, die ich dem Aufenthalte an der See zu widmen ver- 
mochte, genügte wohl nicht weiter, als höchstens einen übersichtlichen Blick 
dessen zu geben, wa, an den Felsenriffen der Küste lebt, und was der 
Meere>strand an ausgeworfenen Schalen bietet. Zahlreicher als an allen 
Kibten, die ich biaher zu sehen Gelegenheit gehabt, finden sich hier die 
Patellen, sowohl an Menge der Individ uen, als an Verschiedenheit der Arten, 
so dass sich der siebente oder beinahe sechste Theil aller bekannten Patellen 
daselbst findet. Die zugänglichen Riffe der Falsebai sowohl wie der letzte 
Klippenvor^prung in hochschäumender Brandung am äussersten Ende des 
Vorgebirges, dem True Cap, die einzigen zwei Küstenpunkte Südafxikas, die 
ich untersuchen konnte, sind bis an die höchste Flutgrenze vorherrschend 



88 



G. Frauenfeld: 



bedeckt mit den verschiedenen Arten derselben, und nur in dem weniger 
wilden Wogen ged ränge der Falsebai machen ihnen Hie Baianusarten den 
Platz mit Erfolg streitig, indem die Gruppen dieser letztern daselbst ganze 
Felsen igelartig überziehen, und sie so zum Aufenthalte für Patellen un- 
tauglich machen, während Trochus, Litorina, kleinere Cerithien, Purpura, 
Buccinum u. dgl. leichter Raum herumzukriechen finden , zwischen den 
zackigen Mündungen und den darin beweglichen hackigen Deckelstücken 
jener Rankenfüsser. 

Hiermit abwechselnd findet sich in kleinern oder grösseren dicht 
gedrängten Gruppen Mytilus meridionalis und eine zweite kleinere Art, so 
wie gewöhnlich einzeln hie und da am Felsen festgeheftet Area, ziemlich 
selten aber an mehr geschützten Stellen der Falsebai Ostrea tuberculata. 
Der in ziemlicher Erstreckung sandige Strand zeigt von anderen tiefer 
lebenden Zweischalern vorzugsweise Bruchstücke der zarteren Teilina-, Lucina-, 
Donax-, Venusarten meist so zerschellt und abgerieben , dass sie kaum zu 
erkennen sind, vermischt mit Trochus, Fusus, Turritella, Marginella. Während 
jedoch am rothen Meere alle solche am Strande liegende Schnecken rennen 
und krabbeln, indem sie sämmtlich von dem grössten bis zum kleinsten kaum 
linsengrossen Exemplare hinab jede mit Bernhaidskrebsen besetzt sind, fand 
ich hier den Strand todt und öde, indem ich unter tausenden leeren Schnecken- 
schalen in einem einzigen Buccinum einen Pagurus fand. Auch von solchen 
Catometopen, welche wie Ocypoda sich mit den Wellen am Meeresstrande 
spielend hin und hertragen lassen, war in dieser Bai nicht eine Spur zu sehen. 

Zu den oben erwähnten Cirripedien ist noch Anatifa laevis hinzufügen, 
die den Stamm und die Wurzeln des Riesentangs in grossen und schönen 
Gruppen besetzt, so wie Serpula, deren Gehäuse in ungeheurer Anzahl zu 
tausenden eng aneinander aufrecht mit der Mündung nach oben gebaut oft 
einen Raum von mehreren Quadratfussen einnehmen. 

Echinus fand ich nur in unbedeutenden Bruchstücken am Strande und 
ein paar gestrahlte, so wie einen kleinen schildförmigen Seestern (? Astro- 
gonium minuta) endlich einen Trichaster, der vielleicht neu ist. 

Mein Besuch in der Capstadt galt vorzüglich dem dort im Entstehen 
begriffenen naturhistorischen Museum unter der thätigen Leitung der Herren 
Edgar Layard, dem bekannten Conchologen und M. Fairbridge. Die 
Entfernung von Simonstown, wo wir ankerten, beträgt 20 engl. Meilen, welche 
man in leichten zweirädrigen Karren in vier Stunden zurücklegt Der Weg 
dahin führt anfangs den Krümmungen der zur Rechten gelegenen Bucht , in 
welche sich der Fuss der Berge hinabsenkt, entlang, mehrmalen über grosse 
Strecken Meeressand, der sich namentlich in Thälern und den gegen die See 
hinziehenden Einsenkungen in bedeutender Ausdehnung und hoch an die Be/ge 
hinan so massenhaft ablagert, dass er bei seiner blendenden Weisse Schnee- 



Aufenthalt am Cap d. g. Hoffnung. 



89 



feldern gleicht. Mehrere derselben sind von so namhaftem Umfange, dass sie 
auf weite Entfernung von der See aus mit dem ersten Sichtbarwerden des 
Landes schon wahrgenommen werden. 

Von der Kalkbai au* treten die Berge, deren Kette der Tafelberg und 
Teufelspik malerisch abschließt, in einem weiten Bogen links zurück, so wie 
das Meer gleichzeitig weit nach rechts sich entfernt. Durch diese solcher- 
gestalt gebildete Ebene, abwechselnd mit strauchigen Haiden, üppig bebauten 
Ländereien, und rings zerstreuten Farmen bedeckt, führt ziemlich gerade 
eine gute Strasse in der Richtung gegen den Tafelberg. Reichlich bewässert 
tritt überall die Hauptcharakterpflanze Calla aethiopica mit ihren grossen 
blendend weissen Blüthen als landschaftliche Zierde in dichten Gruppen in 
Menge auf. 

Nach zurückgelegten zwei Dritttheilen des Weges gelangt man zum 
Half - way - house, im Besitze des obgenannten Herrn Rathfelder, eines 
gebornen Würtembergers , bei welchem ich durch 14 Tage wohnte. Von 
hier aus gleicht der Weg bis zur Stadt einem Parke. In einer Allee , bald 
von Laub-, bald von Nadelbäumen iu Riesenexeniplaren liegen abwechselnd 
näher oder ferner von der Strasse die äusserst netten, reinlichen holländischen 
Häuschen mit zierlichen Laubgängen meist von hübschen blühenden Gärtchen 
und Blumenbeeten umgeben. Die Wände hellweiss. die Läden und das 
Getäfel geschmackvoll bemalen . das Strohdach glatt und kurz geschoren, 
die Sauberkeit bis ins kleinste in allen Theilen gibt denselben ein reizendes 
Aussehen. 

Ich habe in Conatantia sowohl als in Soniersetwest Gelegenheit gehabt, 
die Wohnhäuser einzeln gelegener Farmen der alten holländischen wohlhabenden 
Kolonisten kennen zu lernen. Sie bestehen grossentheils aus Einem Geschosse, 
jedoch meist durch 6 — 8 Stufen über den umgebenden Boden erhoben. Die 
Zimmer gross, geräumig, haben eine ausserordentliche Höhe, sind dunkel 
getäfelt, etwas altvaterisch, doch höchst bequem und behäbig möblirt. Das 
Ganze macht den Eindruck biederer Gemütlichkeit, dem die ausserordentlich 
gastfreie Zuvorkommenheit und Treuherzigkeit seiner Bewohner vollkommen 
entspricht Die Häuser selbst sind rings von hochüberragenden Bäumen so 
dicht umgeben, dass man sie von aussen selten ganz übersehen kann. Manche 
dieser Bäume zeugen von hohem Alter, und die Kampherbäume vor dem 
Hause des Herrn Theynissen in Somerset mit beiläufig 2o Fuss im Umfang, 
haben in der Umgegend selbst schon eine Berühmtheit erlangt. Sie alle geben 
den Beweis, dass die Forstkultur hier höchst lohnenden Erlolg haben müsste. 

Die Capstadt selbst macht einen angenehmen Eindruck und besitzt in 
der schroffen, von oben senkrecht abstürzenden Wand des höchst malerischen 
3580 Fuss hohen Tafelberges einen reizenden Hintergrund, der kaum seines 
M I ibiuidl. 1 2 



00 



<j. Fra neu leid 



Gleichen mehr haben mag. Vor der Fronte des Tafelberges im Nordwesten 
der Stadt erstreckt sich die See der offenen wenig geschützten Tafelbai, 
über welche hin sich die Berge des inneren Caplande.s in blauer Ferne 
erheben, und in langer Kette bis zu den Bergen von Hottentottenholland 
südöstlich hinabziehen. Mehrere der hohen Kuppen waren mit Schnee bedeckt, 
welcher Tags zuvor gefallen war, und der auch uns bei der Hieherfahrt als 
Hagelschauer unfreundlich begrüsst hatte, so dass der Boden auf einige Zeit 
weiss überzogen war. 

Ein reges wissenschaftliches Leben beginnt in der Capstadt unter der 
Aegide seines in der wissenschaftlichen Welt wohl bekannten Gouverneurs 
Sir George Grey aufzublühen. So eben ward der Bau eines Museums votirt, 
das im botanischen Garten errichtet werden soll. Diese durch Subskriptions- 
mittel ins Leben gerufene und erhaltene Anlage bildet einen sehr angenehmen 
Spaziergang, und ist ziemlich ausgedehnt , obwohl erst die Hälfte des be- 
stimmten Grundes gegenwärtig in Kultur steht. In einem ganz durch Glas 
geschlossenen Räume, in welchem alle blühenden Topfpflanzen aufgestellt sind, 
befindet sich auch ein See - Aquarium , worin sich jedoch ausser einigen 
TrochuSy Litorina und ähnlichen Schnecken gegenwärtig nichts Leben- 
des fand. 

Die vorhandenen naturhistorischen Sammlungen sind gegenwärtig 
provisorisch in einem Privatgebäude untergebracht. Als South-african Museum 
enthalten sie beinahe ausschliesslich nur Thiere der einheimischen Fauna, 
von welchen einzelne Abtheilungen jedoch noch höchst mangelhaft , und 
vorzüglich die kleineren Säugethiere kaum berücksichtigt sind. Am reichsten 
sind die Conchylien vertreten, und bieten so ziemlich Alles, was an Schal- 
thieren dort vorkommt, ohne jedoch ein reines Bild der Capmollusken zu 
gewähren, da gerade in dieser Abtheilung vieles Fremde sich mit eingetheilt 
findet. Mehr interessirte mich Herrn Layard's Privatsammlung von Land- 
und Süsswassermollusken ? in welcher ich die Originalexemplare zu dessen 
Monographie von Paludomus und noch manches Andere aus dessen Aufenthalt 
in Ceylon sah. 



Aufenthalt am Cap d. g. Hoffnung". 



ül 



Spaterer Znsatz am Schiffe. 

Die in Zucht befindlichen Metamorphosen brachten mir bisher eine 
grosse Menge verschiedenartiger Insekten , die mit Ausnahme einer einzigen 
die rolle Uebereinstimmung der Lebens- und Entwicklungserscheinungen 
zeigten, wie sie mir bisher bei diesen Thieren bekannt waren. Die Revision 
in den letzten Tagen ergab auch die Richtigkeit meiner Vermuthung, dass 
der grösste Theil der Pflanzenauswüchse vom Cap von Gallmücken herrühre. 
Ich habe mehrere sehr grosse und schöne Arten erhalten. Zugleich hatte ich 
jedoch die Freude, drei Trypeten darunter zu finden. Eine vom gewöhnlichen 
Typus der Bohrfliegen ausserordentlich abweichende ausgezeichnete Art mit 
dachig abgebogenen Flügeln, an unsere Platystoma seminationis erinnernd, 
von welcher, wenn ich mich recht erinnere, die Lebensweise noch nicht 
ermittelt ist, tritt jedoch als Inquiline einer von einer Cecidomyia erzeugten 
Missbildung auf, wahrscheinlich zugleich als Zerstörer des Erzeugers, eine 
bisher wohl noch nicht bekannte Thatsache in dieser Gruppe, wenn nicht eine 
Art von Einmiethung auch bei den mehrfach in Disteln vereint lebenden Bohr- 
fliegen , bei welchen ich in früheren Arbeiten darauf hindeutete, sich findet. 

Es gibt vielleicht kaum einen schwieriger zu entwirrenden Gegenstand, 
als das Verhältnis* der Inquilinen und der Schmarotz-Schmarotzer als ver- 
schiedenartige Bewohner eines und desselben Gebildes, und nur die von 
Grund aus unähnliche Form und Entwicklungsweise der in dem vorstehenden 
Falle vereint lebenden zwei Fliegen erlaubte eine vergleichsweise leichtere 
Ermittlung. 

Der Auswuchs von einer der grössten Gallmücken , die ich bisher 
gezogen, erzeugt, gehört in die Gruppe A der Abtheilung [: Umhüllende 
Gallen, wie ich sie in der im Jahre 1855 einer hohen k. k. Akademie ehr- 
erbietigst vorgelegten Arbeit zu begründen versuchte. Der 5 — 6 Linien dick 
fleischig angeschwollene anthodiumartige Boden dieser schönen Zapfenrose 
wird von der Bohrfliege zur Ablegung ihres Eies benützt und deren Made 
lebt von jenem Zellengewebe bis zur vollkommenen Ausbildung, wo sie sich 
in die Wohnung der Cecidomien-Made durchfrisst und dort verpuppt. In den 
zwei Fällen, die ich durch Untersuchung ermittelte, war der Erzeuger dadurch 
zu Grunde gegangen : ob diess stets der Fall ist, kann ich nicht mit unum- 
stösslicher Gewissheit behaupten, glaube aber wohl, da die Entwicklung der 
Bohrfliege jener der Gallmücke rasch voraneilt und selbe weit überholt. Aus 
diesem Grunde blieb mir auch die Larve unbekannt, da ich nur mehr die 
wenigen Puppenreste erhielt , während die Made der Cecidomyia in allen 
Grössen zu finden war. 

12* 



92 



G. Frau enfeld: Aufenthalt arn Cap d. g. Hoffnung 



Eine zweite Trypeta, in die Gruppe von Tr. stellata, arnoena , cometa 
gehörig, lebt gleichfalls in einer Zapfenrose, jedoch als Erzeugerin derselben 
gleich der dalmatinischen Tryp. Mamulae , somit das zweite Beispiel dieser 
Gallenform bei den Bohrfliegen. Auffallenderweise erinnert die Anordnung 
der Zeichnung des Flügelfleckens ausserordentlich an meine nordafrikanische 
Tryp. Augur, obwohl sie in Farbe, Grösse und allen übrigen Körperverhält- 
nissen ganz verschieden von ihr ist. 



Zur Flora der Umgebung Lembergs. 



Von 

Prof. A. Tomasche k. 

(Vgl. Jahrg. 1859 p. 43-54.) 
Vorgelegt in der Sitzung vom 1. Februar 1860. 

I. Moore, 

A. Moor bei Ezesna (mit Torfbildung und Torflagör). 
< 

Der Untergrund dieser torfhaltigen Sumpfstrecke ist nirgends blos ge- 
legt. Durch die ganze Länge desselben läuft ein etwa 1 Schuh breiter und 
ebenso tiefer Wassergraben. *) 

Die physikalische Beschaffenheit und mit ihr der Charakter der Flora 
des genannten Sumpfgebietes ist mannigfaltig. An den tiefsten Stellen über- 
zieht den schwankenden (torfigen) Boden ein Moosrasen von Hypnum cuspi- 
datum , II. aduncum , H. nitms , H. cordifolium , Mnium palustre, Nekera 
dendroides a ), und nur die inselartig eingestreuten Gebüsche gestatten ein 
einigermassen sicheres Auftreten. Am nordwestlichen Rande ist der torfige 
eisenhaltige Boden wie durchwühlt und erinnert an manche Stellen des Torf- 
lagers bei Samarstinow. Uebrigens ist das eigentliche Moorland von Wiesen 
umsäumt, welche in Haiden übergehen, wo auch hier auf niaulwurfshügel- 
artigen Erhebungen Sphagnum-Polster mit Drosera rotundifolia, sowie Calluna 
vulgaris angetroffen werden. Das Gedeihen und die lebhaftere Vegetation der 
genannten Pflanzen hängt von reichlichen atmosphärischen Niederschlägen 
ab, und ist daher im Verlaufe des Sommers ungleichmässig. An anderen 
Stellen treten insbesondere Carex-Arten und schilfartige Gräser hervor. Die 
Feuchtigkeit, anfänglich bedeutend, nahm auch im eigentlichen Moorgebiete 
gegen den Herbst zu allmälig ab. Im Herbste (September) war die Moos- 
decke meist vertrocknet, die Feuchtigkeit zog sich bis in die Tiefe von 1 bis 



•) Die Karte von Ritter von Kura mersberg weisst in diesem Gebiete ein kleines Flussnetz auf, 
dessen Vereinigung in den Teich bei Strychowacz einmündet. 

') Hiermit ist die Anzahl der Moose daselbst nicht erschöpft (Lobarzewski). 



94 



A. Tomaschek: 



\ Schuh zurück , die eben mit dem Mähen des Schilfes beschäftigten 
Arbeiter gruben sich runde Löcher in den Boden, um auf Wasser zu gelangen 
das sie zum Trinken zu benützen schienen, worauf die neben den genannten 
Ausgrabungen liegen gebliebenen Saugröhren aus Umbelliferen-Stengel hin- 
deuteten. Von grösseren Thieren war im Sommer häufig Vanellus cristatvs 
anzutreffen , im Herbste nach ihrem Verschwinden die Sumpfeule und eine 
grosse Heuschrecken-Gattung. 

Die Ergebnisse der botanischen Aufzeichnungen sind folgende : 
1859. Ausflug am 9. Mai. 

Trollius europaeus>\ an den anstossenden Wiesen und Haiden (nach 
W. Besser auf feuchten Wiesen um Bogdanowka.) 

Geum rivale^/L etwas seltener ebendaselbst. 

Menyanthes trifoliata ^ auf feuchten Stellen (nach Besser ebenfalls 
bei Bogdanowka). 

Betula fructicosa Pallas und B. pubescens die obenerwähnten Ge- 
büsche formirend — auf Torferde. 

4 4. Mai. 

Pinus sylvestris ? Zwergform, höchstens 3 Schuh hoch, einzeln in obigen 
Gebüschen. Salix repens, besonders die schmalblätterige Form häufig mit 
einem rostgelben Brandpilz behaftet. S. aurito-repens. S. cinerea (am Rande). 

Auf aus Haideboden hervorgegangenen Aeckern : 

Viola tricolor var. arvensis \ dicht, mit grösseren mannigfaltig ge- 
färbten Blüthen. Equisetiim, syly&ticum t Barbar ea vulgaris \. 

8. Juni. 

Carex hirta einzeln am Rande 0. ßiformis häufig, C. vesicaria, 
C. flava <<, C. paludosa, C. canescens C. stellulata, C. leporina, €. paradoxa. 
C. teretiuscula , C. Davalliana, C. dioica? , C. paniculata, C. limosa, Pole- 
moniuni coerule um \, einzeln in Gebüschen von Salix petandra \ am südöst- 
lichen Rande Phyteuma spicatum mit der vorigen, Thalictrum aquilegifolium \ , 
ebendaselbst meist mit unfruchtbaren vollen rosenrothen Blüthen! 

Valeriana officinalis \ ebenda, Melampyrum nemorosum V, ebenda. 

Lysimachia thyrsiflora , frei nicht im Schilfe verborgen und nur etwa 
1 Schuh hoch mit Comarum palustre \/, Stellaria palustris Ehrb. \, Epi- 
lobium palustre. 

Triglochin palustre, Phellandrium aquaticum, Ranun^ulus Flammula 
und Cineraria palustris V*< am oben erwähnten Torfboden. 

An haideartigen Wiesen am Rande des Sumpfes Aposeris maculata V, 
Scor zoner a humilis /\, Genistatinctoria^-, Habenaria viridis \ ', Helianthemum 
vulgare , Linum catharticum , Galium palustre Pedicularis sylvatica \. 

Im Sumpfe überdiess noch: Pedicularis Sceptrum Carolinum noch nicht 
aufgeblüht, Galium uliginosum, Marchantia polymorpha, Myosotis palustris, 



Zur Flora der Umgebung Lembergs. 



95 



Eriophorum latifolium nicht dicht und häufig, Ranunculus sceleratus, Mala- 
chium aquaticum. 

Auf den Wiesen: Lychnis flos-cucidi, Cardamine pratensis \ ', Ranun- 
culus acris, R. reptans, Potentilla reptans, Rumex Acetosa etc. 
23. August. 

Swertia perennis V am SW. Rande, in der Nähe der Gehüsche aus S. 
pentandra. Saxifraga Hirculus über den ganzen Sumpf verbreitet, häufig V unc ^ 
Epipactis palustris (im Ausstreuen des Samens begriffen). Ranunculus 
Linqua «< Succisa pratensis -< verbreitet. Dianthus svperbus < sehr verbreitet, 
überall mit Saxifraga Hirculus , Laserpitium pruthenicum < 7 Peucedanum 
palv.strc Pedicularis palustris P. Sceptrum Carolinum noch hie und 
da. Gentiana Pneumonanthe auf Haiden <, Pidens cernua weite Strecken 
bedeckend V, meist Zwergformen, Aspidiuni Thelypteris in den Gebüschen. 

Die hier geschilderte Vegetatiousform hat insbesondere in der Umgebung 
Janow's eine weitere Verbreitung, als die unmittelbar beobachtete. Um diess 
nachzuweisen, möge folgende Zusammenstellung aus Besseres Flora 3 ) hier 
Platz finden. 

Salix pentandra. In fiuticetis humidis extra Bogdanowka (in der un- 
mittelbaren Nähe des beschriebenen Moores gelegen). 

Betula pubescens. Leopoli in turfosis et uliginosis inter Bogdanowka 
et viani versus Janow (der geschilderte Fundort selbst). Circa stagnum Ja- 
uoviense. Betula fructico&a. Leopoli cum B. pubescente. 

Polemonium coeruleum. Inter frutices et ad marginem sylvae Lele- 
chowka et Stawki (bei Janow). Circa Bogdanowka. 

Saxifraga Hirculus. In uliginosis versus orientem et occidentem stagni 
Janoviensis. 

Thysselinum palustre. In alnetis paludosis versus Wolka, Bogdanowka • 
Aus diesem Verzeichnisse ist zur Genüge ersichtlich, dass die geschil- 
derte Moorvegetation auf weite Strecken in der Umgebung Janow's verbreitet 
ist. Ueberdiess werden von Besser in der Nähe von Bogdanowka und Janow 
noch mehrere andere Torfpflanzen namhaft gemacht, z. B. Vaccinium Oxy- 
coccos, Trientalis europaea, Calla palustris, Juncus squarrosus, welche vom 
Berichterstatter bis jetzt noch nicht aufgefunden wurden. 

B. Moor bei Lesienice. 

Beobachtungen im Jahre 1859. 
Durch die zum Beliufe der Entwässerung angelegten Gräben ver- 
mindert sich bereits die Sumpfflora. Die Sohle der Gräben in einer Tiefe von 

3 ] Priraitiac florac Galiciac austriacae utrhisque Eticheritlion ad excursioues bolauicos concmiiatum. 
A.W.S.J. G. Besser U. Dr. Vieunac 1809. Stantibus Ant. Doli. Eiuc Hauptquclle für die Flora der 
Umgebuog Lembergs, zu wekher Dr. Zawadzkis Flora sieb grösstenteils wie ein Exzerpt verhall. 



96 



A. Tomasch ek: 



4 — 5' bildet weissgrauer Letten. Am südöstlichen Rande sprudelt eine Quelle 
aus dem Boden hervor. 

Zu den in einem früheren Berichte bereits angeführten Arten können 
folgende hinzugefügt werden: 

20. April. 

Auf angrenzender Haide, besonders auf jenen maulwurkhügelartigen 
Erhebungen, aber auch auf regenfeuchten Stellen überhaupt Calluna und 
Sphagnum acutifolium nebst anderen Moosen : Leucobryum vulgare , Poly- 
trichum juniperinum u. A. Drosera rotundifolia *) (noch nicht blühend), Viola 
arenaria, Potentilla verna Var. opaca. Im Wäldchen (Las) bei Debina Ptd- 
monaria angustifolia azurea > in vielen Exemplaren. 
7. Mai. 

Auf jener Haide: Polygala amara Var. arenaria, Anthoxanthum odo- 
ratum >, Draba verna \, Taraxacum officinale S palustre \< un d F., am 
Waldrande. Geum rivale Trollius europaeus ^ hier seltener als am früher 
geschilderten Standorte, Cardamine amara 

An der Haide : Orchis Moria. Im Walde : Valeriana dioica >- , Viola 
canina a longifolia, Orobus vernus V, JEquisetum sylvaticum. 
25. Mai. 

Im Wäldchen : Orobus laevigatus \, Trientalis europaea \, Genist a 
germanica, Pteris aquilina. 

Auf der Haide : Scor zoner a purpurea \, Sc. humilis >• recht häufig. 5 ) 
3. September. 

Senecio paludosus «< , Aconitum variegatum , Veronica longifolia salici- 
folia Adenophora suaveolens Alle am westlichen Waldrande. 

Aus den bis jetzt an verschiedenen Mooren der Umgebung Lemberg 's 
gemachten Wahrnehmungen lässt sich bereits das Resultat ableiten , dass es 
sich hier um eine ganz eigenthümliche Moorvegetationsform handelt. 6 ) Die 
beschriebenen Moore können weder als Wiesen- noch als Hochmoore im Sinne 
Otto Sendtner's angesehen werden} sie sind durch die Mischung von Hoch- 
und Wiesenmoorpflanzen, durch den Uebergang in Haiden und durch das 
Vorkommen eigenthümlicher, den südbairischen Mooren fehlenden Arten cha- 
rakterisirt. Die Beschaffenheit des Untergrundes (Letten) weist vielmehr 
auf eine Uebereinsimmung mit den häufig in den Sandgegenden Nord- 
Deutschlands an Flüssen und Bächen oder in Vertiefungen vorkommenden 
Bruch- oder Grünlands-Mooren. 

') D. longifolia bei Dublany (Herbar). 

*) In dem früheren Berichte sind Scorzoncra hispanica \miSc.parviflora irrthümlich aufgenommen. 
•) 1. Den Hoch- und Wiesenmooren gemeinschaftliche Pflanzen Sendtner's Ii Arten. 

2. Den Wiesenmooren eigentümlich 6 Arten. 

3. Den Hochmooreu eigeuthümlich 7 Arien. 



Zur Flora der Umgebung Lembergs. 



Bevor es mir jedoch nicht vergönnt ist, umfassendere und eingehendere 
Forschungen, besonders in Bezug auf Entstehung, und die physikalische Be- 
schaffenheit der ostgalizischen Moore vorzunehmen, will ich mich noch jeder 
weiteren Determinirung enthalten. Möge auch mir gegönnt sein, Gelegenheit 
und Mittel zu finden, einer so interessanten und lehrreichen Forschung wie 
die über Moor- und Hai deformen, mit mehr Intensität nachhängen zu können. ') 

II. Hügelflora. 

Die bereits durch 3 Jahre fortgesetzten phänologischen Beobachtungen 
machten es wünschenswert!! , möglichst viele Pflanzen arten, und zwar wo 
möglich unter denselben Verhältnissen hinsichtlich ihrer Phasen-Entwicklung zu 
beobachten. Der Berichterstatter wählte sich daher einzelne, durch günstige 
Vegetationsverhältnisse ausgezeichnete Plätze und bemühte sich, alle daselbst 
zum Vorschein kommenden Pflanzenarten ins Auge zufassen. Durch dieses 
Verfahren gelangt derselbe zur Kenntniss von Pflanzengruppen , welche 
durch ihr gemeinsames Vorkommen unter gleichen physikalischen Bedin- 
gungen verknüpft sind. Durch Nahmhaft machung solcher Gruppen, wenn auf 
die Bodenbeschaflenheit und die Lage derselben Rücksicht genommen wird, 
dürften die Eigenthünilichkciten einer Flora mehr zur Einsicht gelangen , als 
durch blosse systematische Verzeichnisse , besonders wenn diese nur nach 
Herbarien angefertigt werden. 



') Eine weitere Verbreitung <ler geschilderten Moorform iu Galizieu ist aus Besser's Flora nicht 
ersichtlich, obwohl einzelne Arten auch an weiteren Stautlorlen vorkommend, uambaft gemacht werden, 
z. B. Pedicidaris setptrurn Carolinum, in der Umgebung Przemysl's. Betula frueticosa Pallas, Saxi- 
fraga Uirculus erscheinen auf die Umgebung Lemberg's und Janow's beschränkt. Salix repens ist in der 
Umgebung Lemberg's von mir zuerst namhaft gemacht worden; nach Besser findet sich S. rosmarinifolia 
bei Krakau. Auch in der grösstenteils hügeligen und bergigen Bukowina erreicht die Sumpfflora nicht die 
geschilderte Entwicklung. Unter den von Dr. Herbich (Flora der Bukowina 1859) namhaft gemachten 
Sümpfen sind insbesondere die subalpinischen Sumpfmoore des Dornalliales bei Watra-Dorna und Kandreni 
heriorzuheben. Unter den daselbst aufgefundenen Arten finden sich: 

A. Den Wiesen- und Hochmooren gemeinschaftliche eigentliche Moorpflanzen (nach 0. Sendtner). 
Raaunculus Flammvia, Drosera rotundifoliaundlongifolia, letztere häufiger, Comarum palustre, Galium 

palustre, Menyanthes trifoliata, Veronica scutellata, C'arex stellulata, C. vesicaria, Älopecurus 

fulvus. 

B. Hochmoorpflanzen (nach Sendtner). 
Oxycoccos palustris, Calla palustris, Scheuchzeria palustris. 

C Wieseumoorpflanzen. 

Epilobivm palustre, Juncus conglomeratus, Scirpus sylvatievs. (Es ist leider der Grad der Häufigkeit 
dieser Arten nicht angegeben). 

D. Ueberdiess. 

Gnaphalium uliginosum (nach Seudter auf Hochmooren u. a. St. 0.), Triglochin palustre, Carex 
Oederi, C. flava (nach Sendtner auf Wiesen-, selten auf Hochmooren), C. canescens (nach Send, 
auf Wiesen- und Hochmooren ', Ranunculus Linqua (nach S. auf Wiesenmooren), R. scutellatus, R 
acris, Caltha palustris, Nasturtium amphibium. N- o/flcinale, Parnassia palustris, Gentiana 
Amarella, uliginosa u. s. w. 

Die oben hervorgehobenen Arten, wie z. B. Salix repens, Betula pubescens, B- fruticosa etc. 
fehlen in der Bukowina. Sollte diess auch mit Calluna vulgaris stattfinden ? 
Bd. I. Abhandl. 13 



98 



A. Tomasclick: 



A. Flora des Sandberges. (Franz Josefsberg). 

M. H. 206'6'A in unmittelbarer Nähe der Stadt. 8 ) 

Am Gipfel: Einum perenne einzeln 2ö— 6, Astragalus Cicer \ 
26 — 6, A. glycyphyUos,Pimpinella Saxifraga nicht häufig, Solanum Dulcamara 
einzeln an deu Mauern der Ruine, Androsace septemtrionalis, Potentilla cane- 
scens einzeln, Galium verum, G. Mollugo, G. vero-Mollugo Schiede. 

Am südöstlichen Abhänge: Medicago minima L. (nach Dr. Zawadzki 
auf trockenen Hügeln bei Bobrka, Tragopogon major, Stachys recta häufig, Del- 
phinium Consolida, Clematis recta, Centaurea paniculata, Hieracium echioides, 
II. praealtum, Trifolium medium, Süene Otites, Veronica latifolia, Fragcuria^ 
Asperula cynanchica, Orobanche caendea, Potentilla argentea, P. collina W i b. 
Teucrium Chamaedrys, Agrimonia Eupatorium, Salvia verticillata, Verbaseum 
Lychnitis, Oenothera biennis, Erigeron acre, Silene nutans , Camelina sativa 
Chaerophyllam temulum , Peucedanum Oreoselinum , Elymus arenarius , Poa 
compressa, Gnaphalium arenarium, Crepis foetida ziemlich selten , Artemisia 
campestris. 

Am nordöstlichen Abhänge: Gentiana eiliata L. 26 — 9 zwischen 

Hypnum lutescens. (Dieses Moos scheint durch das Zurückhalten der Feuchtig- 
keit das Vorkommen genannter Arten zu bedingen.) Gentiana laneifolia mit 
der vorigen 26— 9 V (Vide Besser S. 192, No. 300). Wahrscheinlich eine 
niederen Hügeln eigenthümliche Varietät der G. amarella. G. cruciata ebenda 
< 26—9. 

Ausserdem sind mir von daher gebracht worden : Saxifraga grannulata, 
S. Tridactilites, Cypripedium Calceolus 1858, Parnassia palustris auf trockenen 
Stellen. 

B. Hügel zwischen Zniesienie und Krzywezyce. 

Crepis praemorsa T. ^ 13 — 6, Veronica spicata vulg. \, Lamm 
flavum , Geranium sanquineum, Galium boreale, Stachys germanica, Conval- 
laria Polygonatum, Melampyrum arvense, Pleum Michelii, Brachypodium pin- 
natum, Carex Michelii, Adonis aestivalis, Gentiana cruciata, Aster Amellus. 

An einem anderen Hügel : Inula hirta, I. ensifolia, Campanula sibirica, 
Vicia Cracca, Tragopogon Orientale, (T. pratensis ist selten um Lemberg und 
findet sich in der Ebene beim Janower Friedhofe auf Wiesen), Trifolium 
montanum, T. medium, T. rubens, Orobus niger, Cirsium pannonicum , The- 
sium ramorum, Anemone patens, A. sylvestris. 

8 ) Es sei hier beiläufig erwähnt, dass die gegen die Stadt gewendeten Südabfälle der obigen Hügel- 
reihe eine der Garteukultur günstige Lage darbieten, wie auch die in wenigen Gärten gepflegte Weinrebe 
in manchen Jahren ziemlich reichlich (ruetificirt. Die Weinkultur scheint jedoch in älteren Zeiten daselbst 
mit mehr "Vorliebe betrieben worden zu sein, wie aus den Angaben einer älteren Geographie hervorgeht. 
„Regni Poloniae regionumque omnium ad idpertinentium novissima descriptio. Amstelodami 1659." Daselbst 
ei t es S. 313 „Uorti in urbe et extra eam amoeni et vineae nonullae, vix quotannis 100 dolia vini, non 
usque ad eo boni, reddentes. 



Zur Kl"ra der Umgebung Lemberg?. 



99 



O. Anhöhe bei Sboiska. 

Carex canescens, C.brizoidts, C. ericetonum, Calluna vulgaris sehr ver- 
breitet, Equisetum variegatum, Pinus sylvestris (verkrüppelt) , Orchis Morio, 
Botrychium Lunaria, Piatanthera bifolia. 

Auf feuchten Stellen: Juncus, Lysimachia thyrsißora, Menyanthes trifo- 
liata, Geranium palustre, Galium uliginosum, Iris Pseud- Acorus. 

D. Anhöhe bei der sogenannten Teufelsmühle (verfallene Windmühle). 

Viola arenaria, Cytisus ratisbonensis, Cerastium semidecandrum, Carex 
hirta, Teucrium chamaedrys , Einum catharticum , Berheris vulgaris , Echino- 
spermum Lappula, Conynephorus canescens, Gentiana laneifolia. 

E. Teufelsfelsen. 

Corydalis cava (sonst selten), C. solida, Melittis Melissophillum, Galium 
emeiatum, Asperula odorata, Silene nutans, Orobus vernus, 0. niger, Conval- 
laria multifloi-a, C. majalis, Veronica Chamaedrys , Aposeris foetida , Arabis 
hirsuta , A. arenaria 20—4 Carex pilosa, Gnaphalium dioicum , Melica 
nutans, Quercus peduneulata, Polygala arenaria, Dentaria glandulosa, Asple- 
nhtm Ruta muraria, heterophyllum, Alcliemilla vulg. var. subsericea. 

F. Sehinderberg. 

Senecio vernalis, Alyssum montanum (Zwergform bis 3 <; ), tPraha nemo- 
ralis, Androsace septemtrionalis , Carex JSIkheUi und mehrere der schon ge- 
nannten , Alyssum calycinum , Potentilla Tormentilla , Senecio Jacobaea , Eu- 
phorbia Cyparissias. 

Die hier nach den Fundorten geordnete Zusammenstellung — es sind 
übrigens zur Vermeidung ermüdender Weitläufigkeit blos die für die einzelnen 
Hügel besonders charakteristischen Arten hervorgehoben — lässt entnehmen, 
dass die Flora unserer Hügel an den sich selbst überlassenen Stellen den 
Charakter der Haideflora an sich tiägt. Unter den hier nicht genannten echten 
Haidepflanzen (nach dem Verzeichnisse 0. S en d t ner\s : die Vegetationsverhält- 
ni>se Süd-Baierns S. 447) sind mehrere bereits früher namhaft gemacht 
worden, z. B. Adonis vemabis nach Dr. Zawadzki auf Hügeln bei Lahadow 
und sonst auf sonnigen trockenen Hügeln. Ist meines Wissens neuerdings 
wenigsten« in der nähern Umgebung Lembergs nicht aufgefunden worden 9 ). 
Daphne Cneorum (in Wäldern auf dem Wege über Saczkow nach Solkiew, 
dann bei Turinka, Za w ad z k i.) Sicher in der Umgebung Lembergs. Goodyera 
repens, in Herbarien Lembergs. 

Auch fehlen an den genannten Hügeln bezeichnende Zellenpflanzen 
nicht, z.B. Cetraria islandica, Cladonia rangifera, C. coeeifera , pyxidata, 
Buecomyces roseus, Marchantia polymorpha, Polytrichium. 

Obgleich die Uebereinstimmung unserer Haideflora mit der süddeutschen 
überraschend ist (die Haide ganz im Sinuc Sendtner's genommen), so ist sie 
doch durch eigenthümliche , dort nicht vorkommende Arten von derselben 
unterschieden, da Arten wie Draba nemoralis, Androsace septemtrionalis auch 
zu den Haidepflanzen gehören. Auffallend ist es jedoch, dass von den für die 
norddeutschen Haiden (Ostfriesland) bezeichnenden, diesen eigenthümlichen Arten, 



9 Unter den Sammlern in der Umgebung Lembergs ist insbesondere der Universitätsdiener Sigmund 
Jaroli'm zu nennen, der bereits einen langen Zeilraum hindurch die Flora der Umgebung Lembergs ein- 
»ammelt, dessen Acquisitionen in die Sammlung des Hrn. Dr. Lobarzewski übergeben. Ebenso Herr 
Hölzl, Lehramtscandidat, der ebenfalls eine werthvolle, meist aus selbstgesiimmelten Pflanzen der Umgebung 
Lembergs bestehende Sammlung besitzt. Beide Sammlungen sind mir Bichl zugänglich. 

13 * 



100 



A. Tomaschck : Zur Flora der Umgebung Lembergs. 



nur Carex arenaria in unserer Flora genannt werden 10 ). (Carex arenaria. Auf 
sandigen, sonnigen Stellen, z. B. auf den Sandhügeln ? Nach Dr. Zawa dzki.) 

Die Flora der Umgebung des k. k. Arsenals und der k. k. Schwirum- 
schule trägt an den meist künstlich aufgeworfenen AVällen, wie wenig Orte in 
der Umgebung Lembergs, den Charakter der Kulturwiesen und. eine auffallend 
dichte Vegetation. Im Folgenden mögen hier die Wichtigsten Platz finden: 

Laelia orientalis , Asperugo procumbens Schutt , Lychnis Viscaria , L. 
vespertina, Tragopogon major, Hieracium praealtum , II. pratense f Turrdi.-- 
glabra, Senecio vernalis , Melilotus officinalis (auch weiss blühend), Anthyllis 
vulneraria, Potentilla recta , Caronilla varia, Spiraea Ulmaria , Trifolium 
montanum, Helianthemum vulgare, Oenothera biennis, Centaurea Scabiosa, Salvia 
verticiüala, Sisymbr. Sophia, Silene nutans, Ajuga genevensis, Geumrivale einzeln. 

Inbesondere wurde an einem gegen SW. geneigten Walle, auf einem 
4 Quadr.-Klftr. umfassenden Räume in der Aufeinanderfolge des Aufblühens 
folgende Arten beobachtet. 

'2 — 5. Stellaria graminea, Helianthemum vulgare var. hirtum. Chrysan- 
themum leucanthemum, Viola tricolor arvensis, Leontodon Taraxaci Frucht reif r„ 
Vicia Cracca, Medicago lupulina, Cerastium triviale var. hirlum, Spiraea Fili- 
pendula, Hypochoeris radicata, Knaulia arvensis, Fumaria officinalis, Hiera- 
cium pratense Var.? unterscheidet sich von H. pruöcütüm durch dickere höhere 
Stengel, kürzere Köpfchenstiele, grössere Anzahl der schwachen am Grunde 
verdickten Härchen, an grösseren goldgelben Köpfchen. Die mitt- 
leren Blüthen röhrenförmig , die randständigen nur bis zu 73 
der ganzen Länge der Blumenkrone ausgebreitet, geringere An- 
zahl der oberirdischen Ausläufer, so wie der grundständigen Blätter, dagegen 
die stengelständigen höher hinaufgeschoben und grösser als bei diesen. H. 
praealtum Var. glaueum. Die Stengel dicker, sanimt den Blättern bläulichgriin. 
die Köpfchen stiele sehr kurz. Die kleineren Köpfchen schwefelgelb und sehr 
blüthenreich. Die Blumenkronen vom Grunde an zungenförmig ausgebreitet, 
die Schuppen des Hüllkelches durch Sternhaare weissflaumig, nur so wenig 
schwarze einfache Härchen eingestreut. Ausläufer wie bei jsraealtum. 

6 — 5. Convolvulus arvensis, Coronilla varia, Alyssum montanum, Echium 
vulgare Leontodon hastilis var. hispidum , Crepis tectorum , Carum Carvi 
Ranunculus polyanthemus, Lotus corniculafus. 

40 — 6. Galium MoUugo , G. verum, Cucubalus Behen, Arrhenatherum 
elalius, Avena ßavescens, Poa pratensis, Braams inermis, Phleum Miclie'ii. 

16 — 6. Dianthus superbus ein Exemplar, D. carthusianorum var. pra- 
tensis, Potentilla inclinata V i 1 1. , Pheum pratense var. nod,osum , Oenothera 
biennis, Tragopogon major Fruchtreife, Linaria vulgaris, Polygonum Convol- 
vulus, Melilotus officinalis, Genista elatior, Trifolium repens , Trif. montanum, 
Prunella vulgaris, Hypericum perforatum, Lailiyrus sylvestris (einige Exempl.). 

20 — 6. Medicago lupulina \, M. sativa, M. falcata, M. falcato-sativa, 
Rubus caesius. 

24 — 6. Leonurus Cardiaca , Astray alus Cicer var. glabra, Oenothera 
biennis, Potentilla, recta. 

23 — 6. Verbascum Thapsus, Cynosurus echinatus, Centaurea Jacea var. 
vulgaris, Astragalus glycyphyllos . 

28 — 6. Veronica spicata, latifolia, Tragopogon orientalis, Galium verum. 

ö — 7. Verbena officinalis, Ballota nigra, Sonchus arvensis, Geraninm 
pratense, Verbascum Blattaria, Ononis hircina, Malva Alcea ein Exemplar. 
Nach der Mahd herrschten Lactuca Scariola vor. 

'") In einem Appendix dr-s 13 c s s er'sclien Werkes sind folgende nordische H.iidepflanzcn aus derUm- 
jjcbuiijg Lublins (ruteiflch Polen) namhaft gemacht: Uydrocotyle vulgaris in ipuiidatis, Galium saxatile 
in lapioOBfS, Erica Tatralix in paludosis, Alisma ranuneuloides in paludpsis, Xavthecium ossifragum 
in turfossis liumidis, Carex arenaria in arvensis. 



Ueber Dianthus diutinus Kitaibel. 



Von 

August Xeilreich. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 1. Februar 1S60. 



Je mehr man über eine Art zu erzählen weiss, desto geringer ist ihr Werth. 
Solche Pflanzen haben gewöhnlich eine lange an Mißverständnissen reiche 
Geschichte; von ihren Entdeckern flüchtig aufgestellt und oberflächlich be- 
schrieben oder absichtlich in ein mystisches Dunkel gehüllt, von den Zeit- 
genossen nicht beachtet oder stillschweigend verworfen, werden sie nicht 
selten erst von späteren Generationen wieder aufgegriffen, aber aus leicht 
erklärlichen Gründen verkannt und so auf eine ganz entstellte Weise in das 
wissenschaftliche Leben eingeführt. Von den Botanikern hin- und hergezerrt 
und oft durch ein ganzes Menschenalter der Gegenstand gehässiger Streitig- 
keiten , erliegen sie endlich den Streichen der Kritik und auf ihr Nichts 
zurückgeführt, bestehen sie nur im Reiche der Synonyme fort. 

I>ianthus diutinus Kit. gehört unter diese Arten. Schultes hat seiner 
in der Flora Oesterreichs EL (1814) p. 6oö mit Berufung auf Kitaibel zuerst 
erwähnt, aber ausser der vom Mai bis in den October währenden Blüthezeit 
nichts angegeben, wodurch man ihn von D. atrorubens oder kleinbliithigen 
Formen des D. Carthusianorum unterscheiden könnte. Auch in Sadler's 
Flora comit. pestiens. ed. I. (1825) I. p. 303. sowie in Host's Fl. austr. I. 
(1827) p. -520 wird man keines Besseren belehrt. Erst Reichenbach hob 
bestimmte Merkmale hervor. Im sechsten Bande der I conographia (1828) 
bildete er Fig. 729 den 2>. diutinus Kit. nach einem von Bar. Weiden aus 
der Gegend von To-Almäs (östlich von Pest) eingeschickten Exemplare und 
den D. polxnnorphus M. B. Fig. 730 nach einem von Besser aus Podolien 
erhaltenen Originale ab und schrieb Seite 2i dem ersten spitze, dem zweiten 
stumpfe Kelchzähne zu. Dieser Ansicht traten jedoch Mertens und Koch 
in der Flora Deutschlands III. (1831) p. 194—6 entgegen. Nach ihrer Angabe 
befindet sich in der k. Sammlung zu München ein Exemplar des D. diutinus 
von Kitaibel selbst, welches so wie die von Roche 1 unter diesem Namen 
mitgetheilten Exemplare mit D polumorphv.s M. B. identisch sind und durch 



102 



\. Neilreich: 



abgerundet-stumpfe Kelch zahne sehr auffallen. Der von Reichen back ab- 
gebildete D. diutinus gehö rt nach ihrem Dafürhalten zu einer kleinen arm- 
blüthigen Form des D. atrorubens Allion., so wie auch in botanischen 
Gärten diese Art unter dem irrigen Namen D. diutinus Ki t. kultivirt werde. 
Dies Alles wurde nachher von Koch in seiner Synopsis p. 104 bestätigt. 
Reichenbach verblieb dessungeachtet in der Flora germanica (1832) p. 805 
bei seiner früheren Meinung, bildete den D. diutinus Kit. in der Iconogr. 
XVI. (1844) F. 5017 abermals mit spitzen und den nach seiner Anschauung 
davon verschiedenen D. polymorphus M. B. F. 5017 b. mit stumpfen Kelch- 
zähnen ab und erklärte stets die vorerwähnte Pflanze mit spilzen Kelchzähnen 
als D. diutinus aus Ungarn erhalten zu haben. 

Bei einem so grellen Widerspruche der zwei ersten deutschen Autoren 
ihrer Zeit weiss man in der That nicht, was und wem man glauben soll und 
man kann sich eine solche Divergenz nur dadurch erklären, dass entweder 
die ungarischen Botaniker selbst im Irrthum waren und zwei verschiedene 
Pflanzen unter dem Namen D. diutinus versendet haben, oder dass das oben- 
angeführte Merkmal nicht beständig sei und die stumpfen in spitze Kelch- 
zähne übergehen. Dies letztere ist jedoch nicht der Fall, denn wenn ich auch 
unter den aus verschiedenen Gegenden Russlands herrührenden Exemplaren 
des D. polymorphus allerdings welche bemerkt habe, deren stumpfe Kelch- 
zähne in eine kurze Spitze zugescliweift sind, so lassen sie sich gleichwohl 
durch ihre ovale Form von den lanzettlichen verschmälert-spitzen Kelchzähnen 
des D. atrorubens und D* Carthusianoruui leicht und deutlich unterscheiden. 
Diese Spaltung der Ansichten blieb nicht vereinzelt. Während in D C. Prodr. 
I. p. 356, Spreng. Syst. IL p. 376 und Sadl. Fl. com. pest. ed. II. p. 176—7 
D. diutinus K i t. für eine Varietät oder gar ein Synonym von D. polymorphus 
M. B. erklärt und somit die Koch/'sche Meinung vertreten wird, gehen 
Grisebach im Spicil. Fl. Rumel. I. p. 187, Ledebour in der Fl. ross. L 
p. 276 und Wolfner in der östr. bot. Zeitschr. 1858 p. 351 — 3 mitReichen- 
bach und schreiben dem D* diutinus Kit. spitze Kelchzähne zu, weichen 
aber unter einander darin ab, dass ihn Ledebour dessungeachtet nur für 
Varietät des D. polymorphus M» B., Wolfner für eine selbstständige Art 
und Grisebach gar für D. pinifolius Sra. Prodr. Fl. graec. I. p. 284 
halten. In Herbarien tah ich auch eine niedrige kleinblüthige Form des D. 
Carthusianorum L. aus Nieder-Oesterreich und Ungarn, die ich in meiner 
Flora von N. Oest. p. 805 als Var. u. nanus bezeichnet habe und welche in 
der Tracht dem D. diutifpus ähnlich sieht, mit der Pflanze Kitaibers ver- 
wechselt. 

Da weder Schultes noch Sadl er bei D. diutinus Kit. von der Ge- 
stalb der Ke'.chzähne etwas erwähnen, so muss man, um die vorliegende 
Frage entscheiden zu können , auf solche Exemplare zurückgehen, die von 
Kitaibel selbst oder doch von Botanikern herstammen, welche zu seiner 
Zeit gelebt und mit ihm in Verkehr gestanden sind. Nach der gütigen Mit- 



l'eber Diaathus diutinns Kitaibel. 



103 



theilung des Herrn Professors Dr. Kern er zu Ofen befinden sieb in dem im 
Pester National-Museum aufbewahrten Herbare KitaibeFs zwei Original- 
Exemplare des D. diutinns mit der Bezeichnung : „Tn clivis arenosis ad P6t- 
Haraszty. Forte diversus a D. Carthusianorum squamis calycinis brevissimis 
submuticis nec tubuni subaequantibus arist:iti*". Beide sind arm- und klein- 
blüthig, in der Tracht dem D. Carthusianorum L. sehr unähnlich und haben 
abgerundete , nur ausnahmsweise in ein kleines Spitzchen zugeschweifte 
Kelchzähne, wie diess bei D. polymorphus M.B. ebenfalls vorkommt. Auch 
in der Sammlung des k. k. botanischen Kabinetcs zu Wien sah ich ein von 
Sprengel*^ Hand überschriebenes , allem Anscheine nach von Kitaibel 
selbst herrührendes, dann zwei von Rochel bei Csikös gesammelte Exemplare 
des D. diutinns. w eiche sehr stumpfe Kelchzähne zeigen, so wie Koch es 
ursprünglich angab und wie -ie Reichenbach bei D. polymorpkus abbildete. 
Auch sonst stimmen sie alle in dem nur 3— 6blüthigen Köpfchen . in den 
bleichen Deckblättern des Kelches , die dreimal kürzer als die Kelchröhre 
sind und in der kleinen Platte der Blumenblätter sowohl mit dem russischen, 
als mit dem von Sadler aus der Flora von Pest ausgegebenen D. poly- 
morphus M. B. vollkommen überein, so dass an der Identität beider kein 
gegründeter Zweifel mehr bestehen kann. 

Hieraus ergibt sich Folgendes : 

L D. diutinns Kit. weicht durch abgerundete Kelchzähne von allen 
ihm mehr oder minder ähnlichen Formen des D. Carthusianorum und D. 
atrorubens auffallend ab, er ist dagegen von D. polymorphus M. B. nicht ver- 
schieden und muss dieser älteren Benennung weichen. Synonyme sind : 

D. polymorphus M.B. Fl. taur. cauc. I. 1808 p. 324, DC. Prodr. L p. 
356, Besser Enum. plant. Volhyn. p. 46, Sadler Fl. pest. ed. IL p. 176, 
Reichenb. Icon. VI. p. U F. 730 et XVI. p. 44 F. 5017b. (Die Kelch- 
zeichnung ist zwar richtig, aber beide Abbildungen stellen eine viel stärkere 
Pflanze dar, als ich sie an russischen und ungarischen Exemplaren sah , die 
in der Tracht vielmehr an D. prclifer L erinnern.) — D. diutinns Kit. in 
Schult. Oestr. Fl. I. 1814 p. 655, Sadler Fl. pest. ed. I. vol. I. p. 303, 
M. u. K. Deutschi. Fl. HI. p. 194-6, Koch Syn. p. 104. 

Vorkommen und geografi>che Verbreitung : Auf Sandhügeln in Ungarn 
(Schult es), insbesondere auf den sandigen Pusten des Pester Comitates bei 
Pöt-Haraszty (Kitaibel), Csikos , Izsaszeg, Gödöllö. Kerepes und Waizen 
(Sadler), dann bei Maj-län nächst O.avitza im Banat (Reichenb. Icon. 
XVL p. 44 unter U pclymorphus). In Siebenbürgen, Galizien und in der 
Bukowina ist er nach Baumgarten, Schur. Zawadzki und Herbich 
nicht beobachtet worden. Als sein eigentliches Vaterland kann man das süd- 
liche Russland von Podolien bis an den Kaspi-See, dann mehr nördlich Pensa, 
Saratow und Orenburg (Ledeb. Fl. ross. I. p. 276) betrachten. 



104 



A. N e i 1 r e i c Ii : Ufiber Dianthus diuMwu Kitaib el 



IL D. diutinus der Autoren mit spitzen Kelchzipfeln ist nicht die 
gleichnamige Pflanze Kitaibers, sondern gehört verschiedenen Arten an, 
und zwar: 

1. Unter D. diutinus, den Reichenbach in der FL gorm. p. 80Ö in 
Ungarn, Kroatien , Istrien und Tirol angibt und welchen er in der Icon. VI. 
F. 729 et XVI. F. 5017 abbildet, sind magere Formen von D. atrorubenq 
All., vielleicht auch von T). C<<rt/nt.<i<nwrumL. gemeint, zwei Arten, die sich 
in sehr vielen Fällen ohnehin nicht mehr unterscheiden lassen (M. u. K. 
Deutschi. Fl. III. p. 19G und 217, Hausm. Fl. v. Tir. p. 1190). 

2. Ob ü. diutinus Schloss. et Vukot. Syll. croat. p. 185 bei Karl- 
stadt und Fiume die echte Pflanze Kitaibefs sei, möchte ich nach dem eben 
Gesagten sehr bezweifeln. Ein von mir verglichenes Exemplar dieses Namens 
aus Schlossers Hand gehört meines Dafürhaltens zu D. liburnicus Barth 

3. D. diutinus, den Wolfner bei Perjamos an der Maros im Panat 
gefunden hat , ist zufolge eingesehener Original - Exemplare eine von Z>. 
Carthusianorum L. wenig abweichende Form gewiss keine Art. 

4. D. pinifolius, den Grisebaeh im Spicil. Fl. Rumel. I. p. 187 be- 
schreibt, ist unzweifelhaft die gleichnamige Pflanze der griechischen Flora, 
allein das Citat D. diutinus muss jedenfalls als unrichtig gestrichen werden, 
mag nun die Pflanze KitaibePs oder Reichenbach , s gemeint sein. 

Bemerkenswerth ist es schliesslich, dass Reich enbach einerseits durch 
seine einer ganz andern Pflanze entlehnte Abbildung diese lange Controverse 
hervorrief, anderseits aber auch durch das von ihm bei D. polymorphus her- 
vorgehobene Merkmal der stumpfen Kelchzähne den Schlüssel zur Lösung 
der Verwirrung gab. 



Ueber die Wanderungen des Xanthium spinosum. 



Von 

Dr. 8. Reissek. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 7. März 1860. 

L nter den Wanderpflanzen . welche in den letzten Jahrzehnten ihren Zug 
durch Europa angetreten, haben sich wenige in dem Grade bemerkbar 
gemacht, wie das Xanthium spinosum. Sowohl die Massenhaftigkeit, in der 
es in ganzen Landstrichen aufgetreten ist. als aueh die Art seines Vorrückens, 
haben eine besondere Aufmerksamkeit erregt. Zur Zeit fehlt es indess noch 
an einer historischen Darstellung seiner Züge. Dieser Umstand veranlasst 
mich, hier eine solche in Kürze zu geben, wobei ich die Gelegenheit benütze, 
meine eigenen Beobachtungen über diese Pflanze mitzutheilen. und die irrigen 
Ansichten, welche theilweise über ihre Verbreitung, namentlich in der Wiener 
Gegend , herrschen , zu berichtigen. 

Das Vaterland des Xanthium spinosum ist das Steppengebiet des 
südlichen Russlands , insbesondere Tauriens. Von hier scheint es frühe in 
manche Striche Kaukasiens und des nordwestlichen Kleinasiens sich verbreitet 
zu haben. "Ob es in Spanien, wo es jetzt hlUifig vorkommt, und woher es 
schon Plukenet und Tournefort erhielten, ursprünglich einheimisch sei, 
ist zweifelhaft. Ich weise auf die Möglichkeit hin , dass es dort schon von 
den Phöniciern aus den kleinasiatischen Ländern eingeschleppt sein könnte, 
wie es durch Schiffe thatsächlich im südlichen Europa und in Amerika an 
vielen Orten eingeschleppt worden ist. 

In Deutschland \tfurde Xanthium spinosum zuerst als Gartenflüchtling 
beobachtet. Gmelin (Flora Bad. VI. p. 687) fand es in den eisten Jahren 
des laufenden Jahrhundertes als Flüchtling des botanischen Gartens zu Karls- 
ruhe, in den Umgebungen dieser Stadt. Es erhielt sich hier durch längere 
Zeit, verschwand aber später spurlos wieder. Bei Wien fand Fenzl die 
Pflanze im Jahre 1825 in der Umgebung des botanischen Gartens, wo sie sich 
später wieder verlor. Um diese Zeit begannen ihre Wanderungen aus den 
südrussischen Steppen in der Richtung nach Westen und Südwesten, nach 
Bessarabien, der Moldau, Wallachei und Ungarn. Sie schlug dabei zwei 
Hauptstrassen ein, das Donau- und Dniesterthal. Nach Bessarabien und in 
die Moldau wurde sie zur Zeit des Feldzuges der Russen im Jahre 1819 
Bd. X. Abhandi. 14 



106 



S. Reissek 



gebracht (Edel, Verhandl. d. zool.-bot. Ver. in Wien 1854 p. 32). In die 
Wallachei kam sie mit den russischen Truppen zur Zeit des Feldzuges vom 
Jahre 1828. Die Wallachen, welche diese Pflanze , ; Spinu muscalesc 41 (Mosko- 
witerdorn) nennen, erzählen nach A. Schott (Ausl. 1847, p. 475), dass 
die Mähnen und Schweife der Kosakenpferde voll von den stachlichten 
Früchten derselben gewesen seien. Im Jahre 1830 erschien sie, nach münd- 
lichen lYlittheilungen Einheimischer, in der Bukowina gleichzeitig mit dem 
ersten Auftreten der Cholera , wesshalb ihr dort der Name „Choleradistel 1 ' 
beigelegt wurde, den sie gegenwärtig noch führt. Im Jahre 4832 fand sie 
Herb ich (Flora 1857,p. 507) bereits im östlichen Galizien, bei dem Städtchen 
Tismenice, in der Nachbarschaft von Stanislau. Aus der Wallachei verbreitete 
sie sich durch den Verkehr schnell nach Serbien. In Ungarn wuchs sie im 
Jahre 1832 nach Wierzbiezky, bei A. Schott (A. a. 0., p. 375) nur im 
südöstlichen Winkel des Banates , ungefähr anderthalb Stunden landeinwärts, 
bei dem Grenzdorfe Wratschewagai, gegen die Flugsandhügel von Grebenacz 
hin. Sie wurde nach der Meinung des Banater Landvolkes durch serbische 
Schweine dahin gebracht, welche die Früchte in ihrem gekräuselten Borsten- 
pelze mitführten. Darauf bezieht sich auch der Name „serbische Distel", den 
sie in Niederungarn und im Banate führt. Im Jahre 1839 fand sie Grise- 
bach (Reise in Rumel. I:, p. 15) häufig an der Donau, oberhalb des eisernen 
Thores , bei dem serbischen Orte Swienicza (Schweineplatz). Damals breitete 
sie sich schon allgemein in den Ebenen Südungarns aus, und tauchte sporadisch 
an den Strassen auf, auf welchen das serbische und slavonische Borstenvieh 
nach Unterösterreich getrieben wurde. Um diepe Zeit zeigten sich auch ihre 
ersten Ansiedlungen in der Umgebung von Wien. 

Ich hatte vielfach Gelegenheit, die Art der Verschleppung durch das 
Borstenvieh zu beobachten. Dieses nimmt , bei seiner Rast an den Standorten 
der Pflanze, die Früchte in seinen Pelz auf, was um so leichter geschehen 
kann, wenn dieser, wie bei der serbischen Race, aus gekräuselten Borsten 
besteht, und wenn die Thiere kurzbeinig und dickwanstig sind, so dass sie 
mit dem Bauche fast den Boden streifen. Die Früchte verkleben sich in den 
Borsten durch Unflath und Strassenkoth , so dass sie leicht weiter getragen 
werden können. Auf anderen Rastplätzen , an Pfützen und Tränken werden 
sie wieder abgestreift, was auch besonders geschieht, wenn die Thiere in 
der Sommerhitze zur Abkühlung mit Wasser Übergossen werden. Man sah 
daher die Pflanze auch zuerst auf den Rastplätzen des Borstenviehes und auf 
Hutweiden auftreten. 

Neben der geschilderten schrittweisen Ausbreitung fand eine andere sprung- 
weise statt, welche durch Verschleppung der Früchte mit Handelswolle aus 
dem Osten erfolgte. In den groben Sorten dieser Wolle, welche von Thieren 
herstammt , die den grössten Theil des Jahres über auf der Weide leben, 
findet man nämlich häufig die stachlichten Früchte eingeschlossen. In Folge 
der Verschleppung mit solcher Wolle ist sie in Oesterreich und Mähren an 



t'.'b'-'l" Aanthium tpiitofiiin. 



107 



vielen Orten, wo Wollenmagazine und Tuchwebereien bestehen, zum Vor- 
schein gekommen , und zwar vom Jahre 1830 angefangen. Es verdient dabei 
bemerkt zu werden , dass die Handelswolle , welche grösstenteils aus den 
Donaufürstenthümern und aus dem südöstlichen Ungarn herstammt, die Früchte 
um so häufiger eingeschlossen enthielt, je weiter die Pflanze nach der früheren 
Schilderung bereits gegen Westen vorgerückt war. In Wien ist sie schon in den 
ersten dreissiger Jahren an den Wollmagazinen, welche vor dem ehemaligen 
Stubenthore sich befunden , einzeln zum Vorsehein gekommen. In Mähren 
ist sie bei Brünn. Iglau. Lomnitz, Namiest, Weisskirchen, Neutitschein, wo 
Tuchwebereien bestehen , an den Auswurfstellen der Wollabfälle ( „Woll- 
staub" ') und der darin enthaltenen Früchte („Mispeln' 4 ) aufgetreten , wie 
dies Heinrich (Haidi nger'a Berichte von Mittheil III., p. 101), Pokorny 
i Vegetationsverh. v. Iglau, p.bO) und Vogel (Oesterr. bot. Wochenb. 1855, 
p. 4i>1) nachgewiesen haben. Bei Brünn fand sie J. Bayer (Verhandl. d. 
zool.-bot. Vereines in Wien 1854, p. 425) bereits im Jahre 1842 auf Schutt- 
stellen des Spielberges. An allen angeführten Orten in Mähren trat sie 
sporadisch und auf einzelne kleine Stellen beschränkt auf, und gewinnt 
erst jetzt eine allgemeine Verbreitung. 

Im Donauthale war «sie im Jahre 1854 bereits bis Ulm vorgerückt; 
Regensburg hatte sie einige Jahre früher erreicht. Nordwärts ist sie bereits 
vor einem Jahrzeheut ins Oderthal eingetreten, und gegenwärtig bis in die 
Mark Brandenburg und die thüringischen Staaten stellenweise verbreitet. 
Ihrer Verbreitung in dieser Richtung haben die Eisenbahnen mächtigen Vor- 
schub geleistet, und der Transport von ungarischem und serbischem Borsten- 
vieh mittelst derselben bis in den äussersten Norden von Deutschland hat 
unstreitig dazu beigetragen. 

Li den letzten zwei Jahrzehnten ist sie , durch südeuropäische Schiffe 
verschleppt, auch in verschiedenen Strichen von Nord- und Südamerika zum 
Vorschein gekommen. So findet man sie nach Gray (Man. of Bot. of the 
North. Unit. Stat. ed. 2 , p. 213) an der Ostküste der Unionstaaten bereits 
ziemlich allgemein auf wüsten Plätzen. Gray vermuthet, sie sei aus dem 
tropischen Amerika eingewandert, was leicht der Fall sein kann , da sie in 
den Laplata-Staaten und in den Kü^tengegenden Brasiliens bereits früher sich 
eingebürgert hatte. In den Laplata-Staaten ist sie nach Bernbury (Ann. 
of Nat. Hist. 1853, p. 465) in den Umgebungen der Hauptstadt allgemein 
verbreitet, und mit europäischen Chenopodeen eine Charakterpflanze der Ruderal- 
flora. In Chili ist sie in den Küstengegenden gleichfalls einheimisch geworden, 
und in von dorther stammenden Pflanzensammlungen Lechler"s ausgegeben 
worden. Ein europäisches Xanthium — die Art wird nicht angegeben — fand 
auch schon Saint-IIi laire (Apercu d un voy. dans Tintcr. d. Bres. p. 63) 
im Diamantend istricte Brasiliens , in der Umgebung von Tijuco. Es wuchs 
dort in Gesellschaft eingeschleppter europäischer Ruderalkräuter , wie 
Jhtieä d'f'i'-a. Va-bo, cum Btaftaria , Poa annua, 

. 14 * 



108 



S. Rcissck: Uebi'r Xanthium xpino&um. 



In den unteren Donau- und Dniestergegenden, wo sie «ich bereits seit 
längerer Zeit festgesetzt hat, ist sie eines der massenhaftesten und verderb- 
lichsten Unkräuter geworden. In der Moldau überzieht sie in enormer Menge 
die Weideflächen. Das im Spätherbste von der Weide heimkehrende Vieh 
ist hier nach Edel (Verhandl. d. zool.-botan. Ver. 1853, p. M) oft ganz 
bedeckt mit ihren Stachelfrüchten. In der Bukowina fand B. Cotta (Augsb. 
Allg. Zeit. 4854. Beil., p. 250) im Jahre 1854 Hunderte von Jochen von ihr 
in Gemeinschaft mit Disteln überwachsen. Im östlichen Galizien ist sie nach 
Herb ich (Flora 1857, p. 508) in der Gegend von Stanislau so häufig geworden, 
dass man sich ihrer durch Aussicheln zu entledigen sucht. Im Jahre 1840 
war sie bei Pest nach Sadler (Flora Pestli. ed. 2., p. 459) nur an einer 
einzigen Stelle zu finden. Zehn Jahre später war sie in vielen Gegenden 
Ungarns schon eine wahre Landplage geworden, so dass man ernstlich darauf 
bedacht sein musste, ihrer verderblichen Ausbreitung Schranken zu setzen. 

Ein Mittel zu ihrer 'Schnellen und sicheren Vertilgung ist bis jetzt 
nicht aufgefunden worden. Ein solches. Mittel existirt nach meiner Ansicht 
wohl auch nicht. Das sicherste Mittel zu ihrer yertilgung und Unschädlich- 
machung wird immer die Cultur des Bodens bleiben. Sie vermag sich nämlich, 
wie die Beobachtung lehrt, weder im geschlossenen Rasen, noch im gebauten 
Lande auf die Dauer zu behaupten. Man verwandle also den Boden in 
Ackerland, oder in eine wohlgepflegte Wiese, und man wird sie daraus ver- 
drängen. So lange diese Umwandlung in den Flächen Ungarns nicht im 
grösseren Massstabe durchgeführt worden , ist an eine Ausrottung oder auch 
nur Beschränkung derselben nicht zu denken. Von der schädlichsten Wirkung ist 
namentlich der Weidegang und das Verbleiben der Thiere durch einen grossen 
Theil des Jahres im Freien, wie auch die verabsäumte Reinigung derselben. 
Die Thiere nehmen in Folge dessen die Früchte massenhaft in ihren Pelz auf, 
und verschleppen sie nach allen Richtungen. INächstdem wird die Pflanze 
in Ungarn auch durch den Mangel wohlgehaltener Strassen in der Aus- 
breitung begünstigt. In den zahlreichen Geleisen, welche, den Boden der Weide- 
flächen durchfurchen, findet sie überall Stellen zur Ansiedlnng, ebenso wie in 
den von den Hufen der Rosse verursachten Eindrücken. Ein einziger Wagen, 
welcher bei nasser Witterung den Boden der Puszta. mit seinen Rädern durch- 
furcht, gibt auf diese Art Anlass zur Festsetzung Tausender von Individuen. 
Eine wesentliche Einschränkung der Pflanze lässfc sich erzielen, wenn man, 
wie bei den Disteln, die Exemplare vor der Reife der Frücht absichelt, oder, 
wenn man die Pflanze ausrauft, in Haufen zusammenlegt, und nach dem 
Vertrocknen verbrennt. Doch wird dieses Mittel immer nur nebenher anzu- 
wenden sein , und die Cultur des Bodens, die Abschaffung des Weidegangcs 
die Einfriedigung der Grundstücke, die Anlage wohlgeflegter Strassen die 
Hauptsache bleiben. 



Bemerkungen, 



gesammelt auf Ceylon während des xlufenthaltes der k. k. 
Fregatte Novara im Monat Jänner 1858 daselbst. 

Von 

Georg Franenfeld. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 7. März 1860. 

Die Fregatte hatte den unwirklichen Felsen von St. Paul verlassen , um 
hinauf zu segeln nach dem uralt berühmten , noch bis spät in die Jetztzeit 
halb im Nebelschleier der Mythe verhüllten Taprobane. Noch waren wir weit 
über 100 Meilen vom Laude entfernt, als uns Indien einen seiner schönsten 
Boten entgegensandte , dessen Erscheinung in so weiter Entfernung ausser- 
ordentlich überraschen musste. Ein Pärchen von Papilio Hector flog spielend 
um das Schiff, so gewandt und unermüdet, als ob sie auf festem Wiesenplan 
einander jagten, und nur schwer erhascht werden konnten. Dieser schöne, 
grosse, dunkle Schmetterling mit seinen blutrothen Flecken , regte Alles so 
auf. dass die ganze Schiffsmannschaft zu deren Fange mithalf. Es zeugt 
jedenfalls sehr für eine bedeutende Flugkraft auch bei den Papilioniden , wo 
sie bisher wohl weniger angenommen war, als bei den Sphingiden und Noc- 
tuen. Sie hatten die Reise wahrscheinlich freiwillig unternommen, da sie seit, 
ein paar Tagen nur sehr schwachen und nicht sehr günstigen Wind dazu 
hatten. Es lässt sich sonach leicht annehmen , dass die indische Sage von 
Schmetterlingen , welche von Afrika herüber nach dem heilig verehrten 
Adamspik auf Ceylon wallfahrten , auf wirklicher Thatsache beruhe, indem 
bei stetigem Passatwinde eine solche weite Reise nicht ganz unmöglich 
erscheint ist der Zug über Meere für Abendfalter eine längst gekannte 
Sache, es konnte daher weniger auffallen , dass wir zu gleicher Zeit acht 
Exemplare von DeüephUa Bfl&hurghii erbeuteten, da der anhaltend pfeilschnelle 
Flug der grössern Sphingiden, diese zu grösseren Reisen vollkommen befähigt. 
Es kamen bald auch mehrere Noctuen hinzu, ja selbst einige Spanner stellten 
>ich ein. leider alle stark verflogen. Auch das Meer trieb uns seinen Beitrag 
an Krabben, Aplysien u. dgl. auf schwimmenden Tangfragmenten zu, um 
uns die Annäherung des Landes kund zu geben. Nur die Vogelwelt blieb 
weit hinter den bisherigen Erscheinungen zurück 



110 



G. Frauenfeld: 



Die langflügiichen Schwimmvögel, die uns jenseits des 30. Grades süd- 
licher Breite auf monatlanger Fahrt so treu begleiteten, die Möven und 
Seeschwalben, die uns lange vor der Ankunft in den Häfen schon auf hoher 
See umkreisten, nichts war hier sichtbar. Die Albatrose und Sturmvögel 
hatten uns nach der Abreise von St. Paul hinauf nach Norden gleich in den 
ersten Tagen verlassen , nur ein einsamer Phaeton mehrmal auf kurze Zeit 
hoch über den Masten in den Lüften schwebend, unterbrach die ausgestorbene 
Oede über den indischen Wässern, die wir durchschifften. Erst den vorletzten 
Tag kam ein kleiner Landvogel, der Sylvia pallida Ehrbg. ähnlich (^Sylvia 
affinis? Blth.) an Bord, trieb sich da, wo sich so wenig für ihn fand, 
hungrig und zaghaft herum, bis er zuletzt in einer Kabine gefangen ward. 

Den 8. Jänner 1858, Vormittags halb zehn Uhr fiel der Anker vor 
Point de Galle auf Ceylon , doch konnten wir erst den nächsten Tag ans 
Land kommen. Ohne die Beschreibung der Oertlichkeit, die oft und umständ- 
lich geschildert worden, zu versuchen, will ich nur einzelnes bezeichnen , was 
mir in naturwissenschaftlicher Beziehung besonders auffiel. Die erste dieser 
Erscheinungen waren die grosse Menge Merops , die in ununterbrochenem 
Spiele über den Häusern hoch in die Luft steigen , und mit ausgebreiteten 
Flügeln und Schwanz sich langsam schwebend niedersenken. Die beiden hier 
lebenden Krähen, ganz an unsere Nebel- und Saatkrähe erinnernd, nur viel 
kleiner, Corvas culminatus S. und C. splendtns V. sind vollkommene Haus- 
thiere, die sich mit der grössten Dreistigkeit in Strassen und Gehöften zwischen 
den Menschen herumtreiben, ihr Futter zu erhaschen. Eine weitere Remi- 
niszenz an die Heimat ruft der ziemlich häufige Sperling hervor, der, obwohl 
eigene Art (Passer Indiens J. S.) doch in Aussehen und Benehmen unserm 
Spatzen sehr ähnelt. Nur sein feinerer klangvollerer Ruf unterscheidet ihn 
augenblicks. Bald jedoch zieht der volle weiche Ton, der in einer umfang- 
reichen melodischen Strophe von dem obersten leichtgeschwungenen Wedel 
einer Kokospalme herab ertönt, die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Es ist 
Copsychus saularis L., ein recht lieblicher Sänger, in Feld und Garten ziemlich 
häufig, und der sich unsern bessern Sylvien getrost an die Seite stellen kann. 
Auch die mit dem Gedanken an Palmen und Tropen unzertrennlichen Kolibri's 
sind in zwar nicht so brillanten, doch immerhin sehr glänzend geschmückten 
Nektarinen vertreten. Beinahe eben so furchtlos wie die Cynniriden des Caps, 
lassen sie sich in den von ihnen bewohnten Büschen und Bäumen der Gärten 
ziemlich nahe beschauen. 

Ein Ausflug längs der Küste östlich von Point de Gaiic gegen Matura 
hin, gewährte mir den ersten , unvergesslichen Ueberblick einer indischen 
Landschaft. Ein ununterbrochener Wald von Kokospalmen, weit schöner, weit 
romantischer als die Dattelpamenhaine Egyptens, bekränzt die flache Küste 
und wird nur stellenweise von dichtem Gruppen des Pandanus odoratissimus 
unterbrochen, während die stattliche Asklepiadce Calotropis g'njantea hie 
und da das Unterholz bildet. Die zahlreichen ärmlichen Hutten der Singa- 



Bemerkungen über Ceylon 



111 



lesen liegen malerisch zerstreut unter dem hochgewölbten Palmendache, oft 
wohl nur einfach aus Reisig geflochtene Hürden, die einen kleinen bedachten 
Raum einfrieden, häufig jedoch mit Lehm überkleidet und weiss getüncht. In 
der Xähe der Meisten steht eine Oelmühle, hie und da von ein oder zwei 
Ochsen getrieben. Diese Mühle besteht aus einem 3— 4 Fuss hohen fest ein- 
gerammten Holzblock von 1 — 2 Fuss im Durchmesser, der oben ein konisches 
T och von 1 '/i Fuss Tiefe hat. Unten am Grunde befindet sich eine Hohlkehle, 
in welcher ein bogiger Block läuft mit einer 9 — 10 Fuss langen Deichsel, an, 
deren Ausscnende- das Ochsengespann befestigt ist. In dem konischen Loche 
steckt ein spitzer Holzpflock, an dem oben ein Querholz knieig befestigt ist, 
das mit Stricken an die Deichsel, beiläufig in deren Mitte, niedergebunden 
ist. Die Deichsel ist an ihrem Ende mit grossen Steinen beschwert, und presst 
so den spitzen Pfahl an die Wand des konischen Loches im Hauptstock, in 
welchem sich der klein zertheilte Kern der Kokosnuss befindet. Durch die 
Kreisbewegung wird jener Brei fort und fort gequetscht und das Oel frei. 
Meist Knaben oder kleine Mädchen schöpfen mit Kokosschälchen, indem sie 
um den Block mit herumgehen, das Oel in ein grösseres Gefäss über. Lässt 
es sich nicht mehr abschöpfen, so wird es mit einem Lappen aufgesogen, 
der dann mit der Hand ausgepresst wird. Die Kokospalme, wenn auch, wie 
allgemein angenommen wird , in Ceylon eingeführt, ist daselbst doch voll- 
kommen eingebürgert, und bildet das Hauptbesitzthum der Küstenbewohner 
des südlichen Theils der Insel. Von leichtem raschen Wuchs trägt sie vom 
achten bis zehnten Jahre an ununterbrochen bis 150 Jahre, jährlich 50 bis 
über 300 Früchte, und es wurden oft einzelne Stämme dieses werthvollen 
Raumes durch Vererbung das Eigenthum von 10 und mehr Personen. Da 
dieser Mitbesitz so vielfach Anlass zu den hartnäckigsten und verwickeltsten 
Prozessen War, so darf nach den neuesten Anordnungen der englischen Ver- 
waltung kein solcher einzelner Baum mehr ein getheiltes Besitzthum bilden, 
und müssen' solche jetzt in unermittelten Erbfällen im öffentlichen Aufstrich 
veräussert werden , wo nur ein Einzelner sie erstehen kann. Man sieht oft 
Gruppen von 10—20 solcher Bäume mit zwei Seilen verbunden, welche nahe 
unter der Krone 4— ö Fuss unter einander gespannt sind, woran der Sammler 
der Nüsse zur Erntezeit von einein Baume zum andern gelangt, um nicht 
jeden besonders erklettern zu müssen. Die unabgeernteten mit nahezu reifen 
Früchten sind mit einem Palmenwedel längs dem Stamme eingeflochten , um 
die Entwendung der Nüsse Nachts zu verhüten, da die Ueb-rkletterung oder 
die Entfernung dieser dürren Blätter so viel Geräusch verursacht, dass die 
Entdeckung unvermeidlich wäre. 

Vier bis fünf Fuss lange Monitore bekam ich einige Male zu Gesichte- 
Si" waren nicht besonders hurtig, unl nur wenig zur Seite gewichen, blieben 
sie ruhig liegen, den Vorüberziehenden aufmerksam beschauend. Angegriffen 
vertheidigen sie sich hauptsächlich mit dem Schwänze, dessen kräftige Schläge 
sehr gefürchtet werden. Auch armdicke, über klafterlange Schlangen kreuzten 



112 



G. Frau e nfcld: 



mehrereraale den Weg. Eine recht niedliche Erscheinung sind die gestreiften 
Palmeneichhörnchen, die ungemein häufig selbst in den Häusern sich finden. 
Sie waren aber während unserer Anwesenheit besonders lebhaft und viel zu 
sehen, da sie fast alle sehr eifrig mit dem Nestbau beschäftigt waren. 

Eine Wendung von der Küste ab, gegen das Innere des Landes zu. 
bringt Abwechslung, indem die ausschliesslichen Palmenhaine sich verlieren, 
und Waldgruppen anderer Bäume, gemischt mit Palmen auftreten , die mit 
Weiden oder Reissfeldern abwechseln, deren herrliches Sammtgrün der üppigen 
dunkeln Fülle der Bäume zur schönen Folie dient. Diese Reissfelder zeigen 
zugleich die sumpfigen Stellen an, und sind durch ausgedehnte Bewässerungs- 
kanäle meist unter Wasser gesetzt. Sie sind der Tummelplatz von zahllosem 
Sumpfgeflügel. Ein geschickter Schütze ist in kurzer Zeit im Stande seine 
Tasche mit Gallinago stenura T. zu füllen. LoUvanellus goensü Strkl., JUa- 
ticula phüippe7isis Lth., von den grösseren ein Oedicnemus, sodann Numeniv.s, 
vor allem aber die kleinen, mit den europäischen vollkommen übereinstimmenden 
Totanus ochropus L und T. Iiypoleucus L. prallen mit jedem Schritte aus 
den Sümpfen und überschwemmten Stellen auf. Einer der häufigsten Vögel 
ist der weissflügliche Reiher, auffallend durch sein blendendes Weiss im Fluge, 
von dem im Sitzen nicht eine Spur zu sehen, sondern wo er so fahlgrau ist. 
dass er schwer bemerkbar wird. Die schönen kleinen Silberreiher halten sich 
gleichwie in Egypten lieber auf den Triften, und sitzen neben oder auf den 
Büffeln, die mit unheimlich wildem Lücke den Vorbeigehenden anstieren. 

Die Wälder sind von Vögeln reich belebt, worunter namentlich Fliegen- 
schnäpper, Ampeliden und Fringilliden vorherrschen. Die prachtvolle indische 
Rake , so wie schöne Turteltauben streichen häufig hin und her. An den 
Rändern der Bewässerungskanäle oder Tümpeln wimmelt es von Krabben, 
und kleine Blennien (Salariax) hüpfen in gellernden Sprüngen über die 
Wasserfläche ans entgegengesetzte Ufer und schlüpfen in die ausser dem Wasser 
befindlichen Löcher im weichen Schlamme. Es ist diess eine für Fische so 
fremdartige Bewegung, dass ich sie Anfangs bestimmt für eidechsenaitige 
Thiere hielt, und wirklich kaum meinen Augen traute, als ich das erste 
Exemplar erhaschte, und hier im Süsswassersumpf diesen Fisch erkannte. 

Auf höhern trockenen Stellen fanden sich am Boden zahlreiche Termiten- 
hügel von 3:<- 4 Fuss Höhe, so wie auf Bäumen \ — i Faust grosse schwarze 
Termitennester. Man hat in diesen letztern bi. her noch niemals eine Königin 
aufgefunden, und vermuthet daher, dass es nur Ablegerkolonien seien, mit 
irgend einem besonderen Zweck in dem Haushalte dieser in ihrer Lebens- 
welse noch so viel Räthselhaftes bietenden Thiere. Obwohl ich manchmal zwei 
auch drei solcher Nester auf einem Baume fand, so konnte ich trotz der sorg- 
fältigsten Untersuchung rings weit umher nichts auffinden, womit sie weder 
unter sich, noch mit irgend etwas anderem in Verbindung gestanden wären. 
Eide drei Linien lange, wegen ihrer Bissigkeit sehr gefürchtete, rothe Ameise 
lebt in Menge auf dxkblättrigen Bäumen, von deren Blättern sie fünf bis 



Bemerkungen über Ceylon. 



113 



sechs mit einem feinen Gewebe zu einem 5—6 Zoll grossen Ballon zusammen- 
spinnb oder leimt , und darin ihre Eier und Puppen zieht. Einmal fand ich 
selbst die Bliithenrispe einer Zwergpalme von einem solchen Gespinnst um- 
o-ebcn, als Nest beniitzt. Es bildet ein zartes, weisses Häutchen aus ver- 
worrenen Fäden, wie es einige kleine Euprepien zu ihrer Verpuppung ver- 
fertigen , ist jedoch so brüchig, dass es die luftigen Gehäuse nur lose 
zusammenhält. Die Anfertigung desselben muss ihnen bei diesem Umstände 
besondere Schwierigkeiten bieten, bis es gelingt, die steifen Blätter von 
Michelia, von Bombaceen und Aurantiaceen, auf denen ich sie vorherrschend 
antraf, aneinander zu heften. Ich weiss nicht, ob ich eine mehrmal bei dieser 
Ameise bemerkte Stellung damit in Zusammenhang bringen soll. Eine solche 
hatte eine zweite bei den Hinterbeinen festgepackt und zerrte mit aller Ge- 
walt an ihr, während sich diese an einem andern Blatt möglichst festhielt. 
Vier bis fünf andere rannten geschäftig dazwischen hin und her. Ich konnte 
jedoch nichts bemerken, was die Erzeugung eines Gewebes vermuthen Hess. 
Ich sammelte einige solche Nester mit unsäglicher Mühe, da die Stiche der 
Thiere wirklich furchtbar schmerzten; doch waren sie so lose gebaut, dass 
ich keines ganz erhielt. 

Einen Ausflug unternahm ich nach Colombo, der Hauptstadt der Insel. 
Der Weg dahin führt auf einer sehr guten Strasse längs der Westküste fort- 
während durch reichbevölkerte Gegenden in einem ununterbrochenen Kokos- 
palmenhain , wie ein herrlicher Garten, belebt von paradiesischen Vögeln und 
grossen glänzenden Schmetterlingen. Die Pflanzenwelt ist überall wahrhaft 
kolossal, die Bäume massig, sowohl dichtbestockt, als auch meist mit riesigen 
Blättern. In Colombo traf ich Herrn Dr. Kelaart, sehr verdient um die 
Erforschung der Fauna von Ceylon. Er zeigte mir eine ganze Sammlung über 
100 Abbildungen von Nudibranchiern und andern Korallenbewohnern aus 
Trinkomali, sämmtlich neu , höchst interessante Formen, die er in dem kurzen 
Zeiträume von ein paar Jahren daselbst beobachtet und gesammelt hatte. 
Diese Abtheilung bietet dem Forscher noch eine unerschöpfliche Quelle für 
lange Zeit. Die tausend und aber tausend Korallenriffe und Bänke der zahl- 
losen Inseln der Südsee wimmeln davon, die noch der Untersuchung harren. 
Viele sind es, die noch kein Fuss eines Naturforschers betreten, viele, welche 
durch unübersteigliche Hindernisse nie ausgebeutet werden können, und selbst 
die wenigen günstiger gelegenen sind kaum darnach durchsucht. Dr. Kelaart 
zog in neuester Zeit auch die mikroskopischen Thiere in den Bereich seiner 
Untersuchungen. Er fand bis jetzt 20 Arten Diatomaceen, von denen 20 voll- 
kommen identisch mit brittischen, die anderen 5 neu sind. Bei Herrn Major 
Sk inner, gleichfalls einem kenntnissreichen Conchologen, fand ich eine 
schöne Lokalconchiliensaramlung, worin ich zum erstenmale die unverhältniss- 
mässig grossen Eier von Helix Skinneri und H. Waltoni sah, die wie grosse 
Eidechseneier, fast grösser als die Mündung der Schnecke selbst sind. Der 
Bd. I. Abhaodl. 15 



114 



G. Frauenfeld: Bemerkungen über Ceylon. 



Embryo hat bei seinem Austritt aus dem Ei schon mehr als die halbe Grösse 
des ausgewachsenen Thieres erlangt. 

Ich hatte, eingedenk der Erfahrungen, die ich schon gemacht, einiges 
was ich gesammelt, nunmehr besser zu verwahren gesucht, indem ich alles 
in einen Reisesack steckte und auf einen Nagel an die glatte Wand hing ; 
als ich Abends in den Gasthof zurückkehrte und meine Insektenschachtel 
hervornahm, um einiges hinein zu geben , so fand ich, dass die Ameisen 
nichts desto weniger schon den Weg dahin gefunden hatten, und recht ver- 
gnügliche Mahlzeit daran hielten. Es hilft gegen diese entomologische Pest 
schlechterdings nichts anders, als entweder alles über Wasser isolirt zu stellen, 
oder jedesmal alle Fugen fest zu verkleben. 

Von Colombo aus besuchte ich mit Dr. Hochstetter den Adamspik, 
wohl den berühmtesten und erhabensten Wallfahrtsort der ganzen Welt. Da 
dieser Ausflug längere Zeit in Anspruch nam , als der Fregatte zum Auf- 
enthalt bestimmt war, dieselbe daher inzwischen weiter segelte, so mussten 
wir, um wieder mit ihr zusammen zu treffen, den Ueberlandsdampfer nach 
Madras benützen. 

Nach Point de Galle zurückgekehrt, traf ich mit Herrn Nietner, 
durch seine entomologischen Forschungen wohlbekannt , zusammen, der auf 
demselben Dampfer mit uns nach Madras reiste. Er besitzt unweit Kandy, 
der alten indischen Hauptstadt eine Kaffeepflanzung, gegenwärtig der ein- 
träglichste Kulturzweig der Insel , der in ausserordentlichem Aufschwünge 
begriffen ist. Er hat in letzter Zeit vorzüglich den Termitophilen nachgespürt 
und bemerkte gegen mich . dass die Staphilinen bei weitem nicht so gering 
vertreten seien, als man bisher geglaubt, sondern diese seiner Meinung nach, 
wohl ein ähnliches Zahlenverhältniss zeigen dürften wie in Europa. 



Ueber das Vorkommen 

einer 

Estheria (Isaiira Joly) und des Brauch ipus torvicornis 

m Pest. 

Eine vorläufige faunistische und zugleich kritische Bemerkung über einige 
Angaben des Herrn Dr. C. Chyzer in dessen Abhandlung : ..Ueber die 
Crustaceen - Fauna Ungarns" im VIII. Bande der Verhandlungen der k. k. 
zool.-bot. Gesellschaft zu Wien, 

Von 

Med Dr. Brohl, 

k. k. ord. Professur der vergl. Anatomie und Zoologie an der Pester Universität. 

Vorgelegt iu der Sitzung vom 7. März 1S60. 

Die nachfolgende kurze Notiz dient nur als Vorläufer zweier Aufsätze, die 
in den ..Zoologischen und zootomischen Mittheilungen aus dem 
k. k. zoologisch-zootomischen U n i v e r si t ä t s - 1 n s t i t u t e zu Pe-f 
mit den nöthigen Abbildungen begleitet noch im Verlaufe dieses Jahres er- 
scheinen werden. Diese Notiz gehört aber für jene Leser der Verhandlungen 
die sich für Crustaceen iuteressiren, da sie c ar c i n o 1 ogi s ch e Angaben, die 
in einem Bande der Verhandlungen (im VIII.. 1858. S. 505 — 5 J 8) enthalten 
sind, berichtigen und erweitern soll. 

I) Pag. 517 der in der Ueberschrift citirten Abhandlung berichtet 
Hr. Chyzer über das Vorkommen von „Limnadia Hermann'*:'' in Pest. Er 
sagt Pag. 518: ,,Die IAmnadia ist in Pest ziemlich häufig 14 , ohne weitere 
Angaben der Fundstellen, und hebt in ziemlich ausführlicher Weise das 
Factum hervor, die bisher unbekannten Männchen der Limnwiio 
Herrn, entdeckt zu haben. Der cit. loc. P. 517 zusammengestellte litterarische 
Apparat soll beweisen, dass die Männchen der Ldmnadia bis nun nicht nach- 
gewiesen worden sind. Die cit. loc. P. 518 gegebene Beschreibung von Exem- 
plaren mit ..Haken" an den ersten beiden Fusspaaren soll dann dazu dienen, 
nach bekannten Gründen aus der Carcinologie . die untersuchten Individuen 
als Männchen der (vorgeblich) untersuchten Lämtutdia Herrn, zu kenn- 
zeichnen. Nachdrucksvoll wird noch erwähnt, P. 518, dass Herr Chyzer 
fast ausschliesslich Männchen fand unter seinen zu einer Zeit gesam- 
melten „erwachsenen 1,4 Exemplaren; hingegen unter 60 ..jungen" ein Jahr 
später gesammelten r kein einziges Thier mit Haken an den Füssen". Erst 
das zoologische Museum der Wiener Universität bot ihm Gelegenheit dar. ..ein 

15* 



116 



Dr. Brühl: 



erwachsenes mit Eiern erfülltes Weibchen der Limnadia in Bezug auf die 
Füsse zu untersuchen", die alle hakenlos waren. 

Das Vorkommen von Estheria Rüppell (= Jsaura Joly = Cyzicus 
Au donin) in Pest, eines der Limnadia verwandten aber von ihr, wie all- 
gemein anerkannt, generisch verschiedenen Phyllopoden gibt Hr. Chyzer 
nicht an. Da er bei der Limnadia -Erwähnung, wie bei mehreren anderen 
der von ihm als in Ungarn vorkommend aufgezählten Crustaceen keine zoolo- 
gische Diagnose mittheilt, so kann literarisch nicht controllirt werden, ob 
ihm Limnadia oder Estheria vorgelegen. Ich werde sogleich zeigen, dass dies 
auf andere Weise gut geschehen konnte, und dass Hr. Chyzer sich mit der 
Entdeckung der Limnadia -Männchen voll s tänd ig geirrt hat. 

Ich fand an derselben Stelle in Pest, an der Herr Chyzer nach Aus- 
sage seines (P. 505 erwähnten) Mitarbeiters Hrn. A. Toth die erwähnten 
Limnadien aufgefunden haben will, im Sommer 1859, von Mai bis Ende Sep- 
tember, also durch 5 Monate, nie Limnadia, sondern viele, viele Tausende 
von einer Estheria , die der Estheria (Isaura) cycladoides von Toulouse, von 
Joly 1842 sehr ausführlich (in Annal. d. scienc. II. Serie, Tom. XVII Zoologie 
Pag. 293 — 361) und naturgetreu beschrieben und abgebildet, sehr ähnlich ist. 
Ob Estheria pestensis identisch mit Estheria cycladoides oder nicht, und Weiteres 
über sie , mit Rücksicht auf des Hrn. Dr. Clauss neuerliche Veröffentlichung 
über Estheria- Arten *), wird in den oben berührten zoologisch-zootomischen 
Mittheilungen erörtert werden. 

Ich fand Männchen und mit Eiern strotzend gefüllte Weibchen in 
so grosser Zahl, dass es mir völlig unbegreiflich erscheint, wie Hrn. Chyzer, 
die Weibchen der von ihm für Limnadien gehaltenen Estherien entgehen 
konnten, wenn er nur mehr als einmal an dem bewussten Orte, — Regen- 
tümpeln auf Wiesen hinter dem Neugebäude — gesucht und jedesmal an 
mehreren Stellen je eines Tümpels sein Netz ausgeworfen hat. 

Eine häufige Erscheinung waren auch, besonders an schönen etwas 
frischeren Sommermorgen, zahlreiche Pärchen im Copulationsacte, die bei dem 
geringsten Anstoss der Wasserfläche, dieselbe rasch in flachen Zügen durch- 
eilend,, durch ihr Ensemble eine Figur darstellten, die einmal gesehen auch 
selbst unter der Oberfläche des Wassers die Brautpaare augenblicklich er- 
kennen liess. 

Da nun die Männchen von Estheria wiederholt von Strauss- 
Dürkheim'), von Joly (1842 cit. loc), von Krynicki (Bull, de la soc. 
imp. des natural, de Moscou Tom. II. Pag. 173. Tab. VII 3 ) und nach diesen 

*) Dr. Clauss: Beiträge zur Kejintniss der Entomostraken. Heft 1 mit i Tafeln. Marburg 1860, 4. 

*) Museum Senkenbergianum Band II. S. 119—126. „Ueber Estheria dahalacensis" mit Abbildung. 

3 ) Kry nicki's Limnadia tetracera wurde schon 1812 von Joly als Estheria tetracera nach- 
gerieten, (Joly cit. loc. Pag. 349 und 355.) Hiermit ist Mi Ine Edwards Angabc (in Hist. nat. d. Crustac. 
Tom. III. Pag. 363). von Männchen bei Limnadia auf ihr wahres zoologisches Verhältniss zurückgefiibrt. 
Uebrigens hat schon A u d o n i n 1837 in der Sitzung der SociCt6 entomologique de France am 1. Febr. 
nachgewiesen, dass die Limnadia tetracera Kry nicki's nicht in das von Brongniart 1820 auf- 
gestellte Genus Limnadia rangiren könne. 



l'eber Estheria aud Braachipus ton-uof>tis 



11? 



von Grübe *) (cit. loc. S. 89 des Separatabdruckes) ganz ausführlich und 
weitläufig beschrieben und abgebildet worden sind, so reducirt sich die 
Entdeckung der Limnadia- Männchen durch Herrn Chyzer auf 
einen zoologischen Irrthum, auf Verwechslung von Estheria, deren 
Männchen längst bekannt sind (seit 20 Jahren) mit Limnadia, deren Männchen 
noch heut zu Tage nicht nachgewiesen worden sind. 

Dass die Verwechslung von Limnadia und Estheria nicht etwa bloss 
ein unwesentliches Uebersehen von kleinlichen Formdifferenzen sei , ergibt 
sich eben zum Besten aus dem verschiedenen Verhalten des Vorkommens 
männlicher Thiere bei beiden. 

Alle Beschreiber von Estheria haben bei ihrem ersten Entdecken des 
Thieres an einer Lokalität allsugleich Männchen und dazu in relativ grosser 
Zahl gefunden. So hat Joly unter den 30 seiner grossen Monographie zur 
Ba>is dienenden Individuen nur 6 Weibchen gehabt. 5 ) Hr. Chyzer selbst 
hat unter seinen, vorgeblich Limnadia seienden, erwachsenen Phylopoden 
fast ausschliesslich Männchen gesehen. Ich habe gleich bei meinem ersten 
Fange hunderte von Männchen (neben eben so vielen Weibchen) gewonnen. 

Und für Limnadia hat deren erster genauer Beschreiber Adolphe 
Brougniart (in Memoir. du Museum d'histoire naturelle Tom. VI. 1820. 
S. 83 — 92). unter 1 000 Exemplaren kein einziges Männchen gesehen! 
,.11 esteneffet fort reniarquable que sur pres de mille individus que nous avons 
vus a Fontainebleau , tous portaient des oeufs soit sur le dos soit dans le 
corps" (cit. loc. Pag. 89). Und so steht für Limnadia die Sache 
noch jetzt. 

Ich habe auch die, von .Hrn. Chyzer als Limnadia Hermann* dem 
Museum in Pest und einigen seiner Freunde geschenkten Thiere untersucht; 
sie sind sämmtlich Estheria. 

Limnadia habe ich bis nun weder in Pest noch anderswo aufgefunden; 
sie scheint überhaupt selten zu sein, und wird, so viel ich nach einigen Daten 
urtheilen kann, oft mit Estheria verwechselt, obgleich die betreffende Unter- 
scheidung nach den von Brongniart aufgestellten Merkmalen für Limnadia 
sehr leicht und augenblicklich zu machen ist, wenn man nur eine 2 — 3 mal 
vergrösscrnde Loupe zur Hand nimmt. 

So sind die mir in Wien durch die Güte des Hrn. Rogenhofe r 
gezeigten, Limnadien-ähnlichen Phyllopoden , Estheria und nicht Limnadia. 

Das von K o ch in dessen Deutschlands Crustaceenfauna (Heft 35. Pag. 1 OJ 
als Limnadia Hermann i angeführte und abgebildete Thier erweiset sich nach 
der Figur im ersten Augenblicke, so schlecht, so unvollständig und so un- 
wissenschaftlich auch diese Figur, wie die meisten anderen Koch'schen 
Abbildungen ist, als eine Estheria und nicht als Limnadia. Es genügt, die 

*) Wicgmann's Arthiv für Naturg. XIX. Jahrgang. „Bemerkungen über die Phyllopoden.'* 
y j Cit. loc. Pag. 318: „Sur une trentaiae d'individus que nous avons pu recueillir nous n'avons eu 
que six femellcs.* 



118 



Dr. Brühl: 



in dieser Profilfigur sichtbaren kleinen Antennen (Antcnnae anteriores, Anten- 
nules der Franzosen) genauer anzusehen , um durch deren Länge und zackig 
gezeichneten Rand das, Estheria augenblicklich und so leicht von Limnadia 
unterscheidende Formmerkmal festzustellen. 

Höchst wahrscheinlich ist auch das von Hrn. Chyzer (laut Aussage 
Pag. 518 cit. loc ) untersuchte weibliche Thier einer vorgeblichen Limna<Ha 
des Wiener Univcrsitäts-Museums' nur eine weibliche Estheria, eine einzige 
Loupen-Untersuchung der Antennulae kann hierüber belehren. 

Hr. Chyzer scheint bei der zoologischen Bestimmung seines in Pest 
aufgefundenen und als Limnadia ausgegebenen Phyllopoden gar nicht auf 
Estheria Rücksicht genommen zu haben, wozu doch viele Stellen des von 
ihm häufig citirten grossen G r u b e'schen Aufsatzes über Phyllopoden (loc. cit.) 
aufgefordert hätten. 

Estheria ist bisher in Deutschland, laut Literatur- Vorlagen, nur noch 
bei Breslau beobachtet worden. Hie von gab Siebold Nachricht im zweiten 
Berichte über die Arbeiten der entomologischen Section der schles. natur- 
forschenden Gesellschaft 1850. Vergleiche auch Grube im Archiv für Natur- 
geschichte von Wiegmann, 1854. 

Die sonst bisher bekannten europäischen Fundorte von Estherien 
sind um die ganze Breite von Deutschland getrennt; im Westen in Frank- 
reich bei Toulouse: Joly's Estheria (Isaura) cycladoides ; im Osten bei 
Warschau: Krynieki's Estheria tetracera. 

Das Vorkommen von Estheria in Pest, so wie meinen oben berührten 
Nachweis, dass auch bei Wien Estherien zu finden, dass weiter alle K o c h"schen 
Angaben über das Vorkommen von Limnadien in Deutschland, seiner Ab- 
bildung nach zu urtheilen, sich auf Estherien beziehen, lehren zusammen, 
dass Estheria in Deutschland weit verbreitet sei , und wahrscheinlich überall, 
wo darnach gesucht werden wird, in stehenden Tümpeln von Mai bis October 
zu finden sein wird. 

Joly, der erste Beschreiber lebender Estherien — denn Strauss- 
Dürkhein (cit. loc.) hat nur nach von Rüppell aus Afrika mitgebrachten 
Spiritus - Exemplaren gearbeitet, hat seine Thiere nur im Jun i, laut 
Angabe (cit. loc. P. 293 und 359) 6 ) gefunden. Er gibt nicht an, ob er auch 
zu anderer Zeit darnach gesucht. Ich fand Estherien, wie schon oben er- 
wähnt , von Anfang Mai bis Ende September, jedesmal wenn die 
Wiescnvertiefungen durch vorhergegangenen Regen in kleinere und grössere 
Tümpel verwandelt worden waren , und jedesmal in grosser Anzahl ; in um 
so grösserer, je wassereicher die Wiese war, und vorherrschend am Ufer 
der Tümpeln , gleichsam an der Markscheide zwischen dem Wasser des Tüm- 
pels und dem Kothe der nächsten Umgebung. Immer fanden sie sich zusammen 
mit anderen Phyllopoden worüber sogleich Näheres. 

*) Isaura eyeladoides: „trouve cn Juin aux environs de Toulouse dang un fosse remplie d'eau 
pluviale« (dt. loc. I». 393). 



Ueber Estheria und Bramhipus torvicomis. 



119 



Das Vorkommen von Estheria in Pest, welches dem östlichen bisher be- 
kannten europäischen Verbreitungsbezirke der Estherien, Warschau viel näher 
liegt, als die anderen bis nun nachgewiesenen europäischen, fällt höchst in- 
teressanter Weise zusammen mit dem Vorkommen eines zweiten, 
jedoch nackten Phyllopoden , der bisher mit Sicherheit auch nur aus 
Warschau angegeben worden ist , und zwar auch zusammen lebend 
,.in einem tiefen trüben Weiher bei Odolany unweit Warschau" mit der bis 
jetzt nur von dort bekannten Estheria tetracera (die jedenfalls spezifisch 
verschieden von der bei Pest vorkommenden Estheria), dieser Phyllopode ist: 

II. B r a ii c h i p us t o r v i c o r n i s (Wag a 7 ) , ein von Hrn. Chyzer 
in dessen Crustaceen-Uebersicht Ungarns ebenfalls nicht angegebenes Thier, 
das doch zu den häufigsten in Pest, und zwar an eben denselben Fundorten, 
gehört, an denen, wie ich nach mündlichen Ueberlieferungen weiss, jener 
JJranchipus vorkommen soll, den Hr. Chyzer in dem cit. Aufsatze S. 516 
unter den drei von ihm für Ungarn vorgeführten Branchipus-Arten (Er. stag- 
nalis, ferox und diaphanus) als Er. stagnalis anzeigt. 

Hr. Chyzer sagt cit. loc. ohne alle weitere Beschreibung des Thieres : 
..Bronchipvs staonalis Schaeffer ist in Gesellschaft mit Apus nur periodisch 
zu finden." 

Wie ich nun nach den mit der Aufschrift Branchipas stagnalis ver- 
sehenen Exemplaren des Pester Universitäts-Museums, die von Hrn. Chyzer 
herrühren, urtheilen kann und wie mich weiter eine durch 5 Monate — Mai bis 
October, fortgesetzte Untersuchung der Fund-Localität des vorgeblichen Er. 
stagnalis gelehrt hat, liegt auch hier der C h y z e r'schenAngabe , und dem Ueber- 
sehen der Existenz des Br. torvicomis in Pest durch Hrn. Ch y z er. ein zoolo- 
gisches Verkennen zu Grunde. 

Hr. Chyzer hat nämlich den Br. torvicornü Waga. für den Brem- 
chipus stagnaUs Schaeffer. gehalten, obgleich diese beiden Arten nicht 
schwer zu unterscheiden sind. Der Mitarbeiter Hrn. Chyzers, Hr. Toth 
(siehe Chyzer's Aufsatz S. öoö) brachte mir im Anfange Mai 1859 Bran- 
chipus stagnalis. wie er es nach Chyzer nannte; dieser Er. stagnalis war 
Br. Umncornis. Hr. Toth brachte mir später aus einem andern Fundorte 
eine andere Branchipus-Art , die er als neu für Pest bezeichnen zu müssen 
glaubte. Sie hatte die bekannten blauen Eiersäcke und war Br. sto-m^Us. 

Branrhipu.< stagnalis ist der älteste der beschriebenen Branchipus-Arten; 
man kennt sie an 100 Jahre. Schon 1764 gab Schaeffer eine Monographie 
über sie mit Abbildungen heraus. Fundort: mehrfach in Deutschland. 

Branrhipi's torvicomis ist hingegen erst 1842 von Waga (cit. loc.) 
bekannt gemacht worden, Fundort: Odolany bei Warschau. *) Grube glaubt 

») Ann. de la Societe entomulog. I. serie Tom. XI. P. 261 Tab. II. 

Die von Waga (cit. loc.) gegebenen Figuren zeigen wohl das characteristische Art-Merkmal, sind 
aber im Allgemeinen weder erschöpfend, noch gross genug. Ich werde in den erwähnten zoologischen und 
zootomischen Mittheilungen deren im grösseren Maasstabe geben. 



120 



Dr. Brühl: lieber Estheria und Branchipus torvicornis. 



(cit. loc. S. 73) auch 7?r. auritus Koch hieher stellen zu sollen. Er urtheilt 
nach Koch's Abbildung eines in dessen Deutschlands Crustaceen, Arachn. 
Myriap. Heft 35, Tab. 1. Allein Weibchen erlauben bei Ilranchijma vor der 
Hand, wie jeder Kundige weiss, keine verlässlichen Art-Diagnosen fest- 
zustellen, und nach Koch'schen Abbildungen am allerwenigsten. 

Man kann also gut sagen, Branehipüs tortä&frrnis sei bisher mit Sicher- 
heit nur für Warschau nachgewiesen. 

Ich fand ihn in Pest , von Mai bis Anfangs October zu Tausenden, 
zusammen lebend mit Apus cancriformis und der erwähnten Extheria. Nie 
fand ich ihn in Gemeinschaft mit JBr. stagnalis , den ich übrigens auch , wenn 
auch in weit spärlicherer Zahl, in weiter südlich gelegenen Tümpeln in Pest 
zu wiederholten Malen gefischt habe. 

Aus der Umgegend von Wien herstammende, durch Hrn. Rogenhofer 
mir gezeigte Branchipus - Individuen wurden ebenfalls als JBr. torvicornis 
erkannt. 

Branchipus torvicornis hat mithin eine weit grössere Ausbreitung als 
dies bisher bekannt. 

Nach dem Gesagten stellt sich ferner die Zahl der bei Pest beobachteten 
Branchipus-Arten vorläufig auf vier: Br. torvicornis , stagnalis , ferox und 
diaphanus. 

Auch über JBr* torvicornis, so wie über die anderen in Pest vorkommenden 
Branchipus-Arten werde ich in den Eingangs erwähnten Mittheilungen aus 
dem Institute Weiteres ausführen und dort eine Zusammenstellung von Ab- 
bildungen geben, welche alle bisher bekannten Branchipus-Arten (so weit 
ich diese aus Anschauung oder aus der Literatur kenne), auf eine sehr leichte 
Weise diagnosticirbar machen sollen. 

Es dürfte dann, an der Hand dieser Angaben und Figuren, für Freunde 
der Naturforschung in Oesterreich leicht sein, die so interessanten Branchipus- 
Arten ihrer heimischen Lokalitäten aufzusuchen und festzustellen, ob bekannt 
ob nicht. Wollten sie dann noch die Güte haben , betreffende Exemplare an 
die k. k. zool.-bot. Gesellschaft in Wien oder direct an mich (unter einfacher 
Adresse meines Namens) in Pest zu senden, so würden sie mich ausserordentlich 
verbinden und mir helfen, die Kenntnisse der österreichischen Fauna in dieser 
Beziehung vielleicht erweitern zu können. 

Für die in Wien anwesenden verehrten Mitglieder der k. k. zool.-bot 
Gesellschaft füge ich, zur bessern Einsichtsnahme, dieser Notiz, einige Exem- 
plare sowohl der Estheria pestensis c$ und als der beiden Branchipus- 
Arten, Br. torvicornis und stagnalis bei. 

III. Schliesslich erlaube ich mir diese Notiz mit der Nachricht zu beenden, 
dass ich auch in Pest die von Hrn* Kozubowski in Krakau 9 ) entdeckten 
Männchen des Apus cancriformis fast jedesmal, wenn ich Apus fischte, 
gefunden habe; im Mittel zwischen 11—14 Prozent 10 ). Da bisher von keiner 
Seite in Deutschland die Entdeckung Kozubo wskTs bestätigt worden ist, 
überhaupt über die Sache weiter nichts verlautete, ich aber, während meines 
Lehramtes im Sommersemester 1858 in Krakau, mich von der Wahrheit des 
KozubowskTschen Fundes vielfach überzeugte, ich auch hierin durch 
Erblickung der wahren, sich bewegenden (!) Zoospermen noch um einen 
Schritt weiter als Kozubowski gekommen bin, so halte ich das berührte 
Vorkommen von männlichen Apus bei Pest für erwähnenswerth. In den „Mit- 
theilungen" werde ich auch hierüber einiges Weitere ausführen, 

e ) Wiegmai) n's Archiv f. Naturg. Jahrg. XXIII. S. 312 u. tf. „lieber den männlichen Apus 

cancriformis. 

J " Kozubowski gibt cit. loc. S. 314 zehn Prozent an; auf 1fi0<j> 16 q^. 



- — ^fe«s. 



Zur Moosflora Oesterreichs. 



Von 

J. Juratzka. 

Vorgelegt in der Sitzung am 7. Mära 1860. 

Bei der Durchsicht der Hypnaceen im Herbare des kais. Museums fand 
ich folgende für die niederösterreichische Flora bisher unbekannt gewesene 
Arten : 

Amblysteyivni Kochii Schpr. Diese Art wurde von Koch, dem Ver- 
fasser der Synopsis florae germanicae , bei Kaiserslautern entdeckt, seitdem 
aber weder dort noch anderwärts beobachtet, und ist desshalb von besonderem 
Interesse. Die Exemplare, welche aus dem Herbar des Prof. Hildenbrand 
zu stammen scheinen, waren auf einem Zettel mit Bleistift als Hypnum serpens 
bezeichnet, mit dem Standorte: „Donauauen, Tabor, Lobau.^ — - Nicht minder 
interessant i&t die zweite mit A. Kochii zunächst verwandte Art : 

Ainblustciji'Mii curcipes Schpr. Putterlik sammelte dieselbe im Jahre 
1833 bei Mauerbach nächst Wien und bestimmte sie als Hypnum riparium 
s. trichopodium Brid., von welcher Art sie jedoch, wie A. Kochii, schon 
durch die verschieden gestalteten Blätter und deren weitmaschiges Zellnetz 
bedeutend abweicht. — Die dritte Art: 

Hxipnv.ni sarmmtosum Whlnbg. fand ich in einem ganz unscheinbaren 
von Wel witsch am Wechsel gesammelten Exemplare überwiegend mit 
Hypnum aduncum Hdw. vermischt. Von Hypnum cordifolium, bei welcher 
Art sie aufbewahrt lag, lässt sie sich sehr leicht durch die schmalen hohlen, 
sehr engzelligen und mit einem aufgesetzten Spitzchen versehenen Blätter 
unterscheiden. — Die vierte Art endlich ist: 

ISurhynckktm Sfocke^ii S c h p r. Sie lag in einer Papierkapsel unbestimmt 
unter den dubiis, und wurde von Putterlik in ausgetrockneten Gräben der 
Taborinsel bei Wien im Mai 1836 gesammelt. 

Für die Flora Niederösterreichs ist ferner neu : 

Hypnum Kneiffii Schpr. Diese in Oesterreich bei Salzburg zuerst 
beobachtete Art kommt auf den Donau-Inseln bji Wien au manchen Stellen 
häufig vor , sodann bei Moosbruun. Ich besitze sie ferner von Namiest bei 
Brünn (C. Roe m er), von Kremsmünster in Oberösterreieli (Dr. J S.Poetsch^, 
Bd. I. Ibbaudl. 16 



122 



i. Juratzka: Zur Moosflora Oesterreichs. 



von Gratz (Prof. Dr. Unger), von Pressburg (A. Schneller) und aus dem 
Tieflande Ungarns, wo sie Dr. A. Pokorny an vielen Stellen sammelte. Ist 
wohl eine gemeine, und in den meisten Fällen mit Hypnum aduncum oder 
H. ßuitans verwechselte Art. 

Dicranum Mühlenbeckii B. et Sch. Bei einer früheren Gelegenheit, wo 
ich das Vorkommen von D. Mühlenbeckii bei Pressburg bekannt machte (Verh. 
d. zool.-bot. G. 1859 p. 99), habe ich die Vermuthung ausgesprochen, dass 
diese Art sich auch vielleicht in Niederösterreich finden werde. Diese Ver- 
muthung dürfte sich nunmehr als richtig herausgestellt haben, wenigstens 
kann das sterile Dicranum, welches ich auf Bergwiesen bei Baden fand (und 
anfangs ohne es näher untersucht zu haben für Z>, Scottianum ansah) vorläufig 
zu keiner anderen Art als zu D. Mühlenbeckii gezogen werden, es müsste 
denn sein, dass die noch aufzufindenden Früchte es als eine neue mit D 
Mühlenbeckii zunächst verwandte Art erscheinen Hessen. 

Neue Standorte für die niederösterreichische Flora wären von folgenden 
Arten bemerkenswerth : 

Hypnum fastigiatum Br id. Im Herbar des kais. Museums befanden sich 
unter den dubiis Exemplare dieser Art, welche im Jahre 1838 von Putter- 
lik, am Schneeberge gesammelt wurden. Ebendaselbst und am Gahns sammelte 
sie A. Grunow. Dürfte durch die ganzen niederösterreichischen Kalkalpen 
verbreitet sein. 

Hypnum reptile Michx. wurde von Dr. A. Pokorny an Bäumen, 
im Walde bei Guttenbrunn gesammelt. 

Brachythecium rivulare Schpr. kommt an nassen Steinen und Fels- 
blöcken in Bächen besonders in den Schluchten der Kalkberge hie und da 
häufig vor. Ich besitze diese Art auch aus den meisten übrigen Provinzen 
Oesterreichs. 

Endlich bemerke ich noch, dass Mhynchosteg'mtn confertum Schpr. 
aus der nieder österreichischen Flora vorläufig zu streichen, umd durch Rh. 
rotundifolium Schpr. zu ersetzen sei. Die im kais. Herbare aufbewahrten 
Exemplare, welche Putte rlik bei Neuwaldegg sammelte und für Hypnum 
confertum bestimmte, gehören nämlich der letzteren Art an. 



Enumeration des Figitides de Mutriehe. 



(Groupe de la famille des Cynipides.) 

Par le 
Doct. J. Girand. 

Vorgelegt in der SitzuDg vom 7. März 1860. 

Le genre Cynips, dont la famille des Cynipides tire son nom, cree en 1748 
par Linne (Syst. Nat.) , quoique peu nombreux en especes, reunissait des 
insectes tres dirers et qui n'ayaient de caractere commun que leur sejour 
dans les galles. Geoffroy (Hist des Ins. 1764) separa de ce genre les 
rentables producteurs des galles et en forma son genre Diplolepis , tandis 
qu'il conserva le terrae de Cynips pour designer ceux des habitants des galles 
qui appartiennent meintenant ä la famille des Chalcidiens et qui sont de 
veritables parasites. 

La plupart des auteurs francais, a Fexemple d'Olivier, sont restes 
fideles a cette nomenclature qui peut revendiquer, a bon droit, la priorite. 
Cependant, Fabricius, suivant un chemin tout oppose, donna le nom de 
Cynips aux Diplolepis de Geoffroy et celui de Diplolepis aux Cynips de 
cet auteur. Cette interyersion un peu arbitraire, contre laquelle Latreille 
s'eleyait avec raison, a cependant ete suivie par la plupart des auteurs poste- 
rieurs et son adoption est devenue tellement generale qu'il n'est plus possible 
de lui contester Pautorite d'un fait accompli. 

Les Cynipides., en prenant ce terme dans le sens Fabricien, corre- 
spondent, dans la Classification des Hymenopteres, etablie par Latreille, ä 
la famille des Diplolepariae, qui est la 5 me - de la grande section des Terebrans 
et qui ne contenait d'abord que les genres Diplolepis , Figites , Ibalia et 
Eucharip. En detachant ce dernier , comme Tont fait MMrs. Walker et 
Förster, pour le ranger parmi les Chalcidiens, cette famille gagne plus 
d'homogeneite et se reconnait facileraent au caractere particulier de ses 
nervures alaiies. Mais la decouverte d'une grande quantite d'esp eces nouvelles, 
exigeait un plus grand nombre de coupes generiques. Par les travaux de MMrs. 
Westwood, Haliday et Hartig, ces coupes ont ete portees ä un 
yingtaine environ. Ce sont ces nouveaux genres que Ton a essaye de coor- 
Bd. I. Abhandl. 17 



124 



Dr. J. Gir aud : 



donner autour des anciens genres Cynips et Figites, en formant les groupes • 
4. des Cynipides proprement dits et 2. des Figitides. II existe en effet. parmi 
ces insectes, deux formes qui peuvent legitimer cette distinction. et leur dif- 
ference acquiert surtout une grande valeur, parcequ'elle se lie d'une maniere 
manifeste a la diversite des moeurs de ces petits etres ; mais la difficulte de 
trouver un caractere constant propre a chaque groupe, a rendu ces tentatives 
incertaines et a conduit a des resultats contradictoires. 

Mr. Hartig (Germ. Zeit. 1840) prenant pour point de depart la dif- 
f erence relative de la longueur du premier et du second segment abdominal 
a place dans le groupe des Cynipides (.Cynipides H.) les insectes dont la 
longueur du premier segment remporte sur celle des suivants et dans celui 
des Figitides (Figitides H.) ceux qui ont le second segment plus long que 
les autres. Cette division, d'une application facile, a malheureusement le defaut 
d'etre trop artificielle et de rompre les liens qui rattachent naturellement 
plusieurs genres. En procedant ainsi, les genres Eucoila (Cothonaspis H.) et 
Anacharis (Megapelmus H.) se trouvent associes au premier groupe dont ils 
different sous beaucoup de rapports, tandis que leur affinite, avec le second, 
qui est incontestable , est meconnue. D'ailleurs pour se conformer strictement, 
a cette methode, il faudrait placer parmi les Figitides. le genre Ceroptres H. 
qui est gallicole et qui ne peut etre separe des Aulax et des Synergus avec 
lesquels il a la plus grande ressemblance, mais qui se distingue cependant de 
tous les genres du premier groupe, en ce qu'il a le second segment abdominal 
plus long que les autres. 

Dahlbom, dans un tableau synoptique de la famille des Cynipides, 
publie en 4842, ä la suite d'un petit travail monographique sur les genres 
Onychia et Callaspidia, a cherche aussi ä distinguer les Figitides des autres 
Cynipides et il semble avoir ete guide surtout par la consideration de la forme 
des antennes. Cette maniere de voir Fa conduit a ne conserver dans le groupe 
des Figitides que les genres Figites et Eucoila qui sont separes par Mr. 
Hartig, tandis que tous les autres composent avec le genre Cynips son groupe 
des Cynipsidae. Les inconveniens de cette division sont palpables et la methode 
de Mr. Hartig, quoiqu'elle laisse a desirer; parait beaucoup preferable, car 
a peu d'exceptions pres, eile respecte mieux les affinites naturelles de 
chaque groupe. 

Au point de vue de la difference de moeurs de leurs larves, les Cynipides 
se partagent en Phytophages ou gallicoles et en Sarcophages ou para- 
sites: un certain facies particulier a chacune de ces categories, permet, 
avec un peu d'habiturle, de distinguer , facilement et a la premiere vue, les 
insectes qui les composent; il est neanmoins difffcile de trouver un caractere 
general qui soit applicable dans tous les cas et qui precise leurs limites. La 
reunion de plusieurs traits particuliers, me parait, seule, rendre possible un 
groupement naturel. D'apres ce principe, je propose les divisions suivantes : 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



125 



i r Groupe. Gallicoles. (Cynipidae verae.) 

Ces insectes sont en general de forme courte, plus ou moins epaisse et 
ramassee. Le petit nombre de ceux qui font exception ä cette regle, par leur 
taille un peil elancee, possedent une cellule radiale longue et leur tariere se 
degage sous le ventre, a quelque distance du bout anal, ce qui n'a pas lieu 
chez les parasites. Mais un caractere plus general est celui qui est tire de 
la longueur du premier segment qui remporte sur celle des autres. Le genre 
Ceropfrea H. qui ne contient encore que peu d'especes, est le seul, chez lequel 
le second segment soifc le plus long, mais sa forme courte le rattache aux 
Cynipides aullicoles. 

2 me Groupe. Aphidivores. 

II ne contient que le genre Allotria Westw. {Xystus H.) Les insectes 
qui le composent sont tous de tres petite taille et semblent tres yoisins de 
ceux du premier groupe, par leur corps court, presque rond, comme par la 
longueur plus considerable du premier segment de Tabdomen \ mais a leur 
surface entierement lisse et a la tenuite de leurs antennes dont la longueur 
egale ou depasse celle du corps, ils se distinguent a la premiere vue de tous 
les autres. Iis forment un passage assez naturel du premier groupe au 
suivant. 

3 me Groupe. Figitides. 

Les insectes de ce groupe compares a ceux du premier, different sen- 
siblement par leur forme plus allongee. Chez eux la cellule radiale est court© 
et a plus ou moins la forme d'un triangle equilateral, a Texception du genre 
Ibalia. La tariere se degage ä Fextremite anale ou tres pres de ce point. Le 
prothorax, a un petit nombre d'exceptions pres, est tronque en avant oü il 
forme un plan declive et uni ; il est tres etroit ou lineaire en arriere de cette 
troncature et assez developpe sur les cötes. Chez les insectes de la premiere 
section cette partie forme un arc de cercle assez regulier, si Ton en excepte 
cependant quelques especes de Synergus chez lesquelles les cotes du prothorax 
sont un peu anguleux. 

Mr. Hart ig est le seul auteur , a ma connaissance, qui ait etabli des 
coupes generiques, parmi les insectes du premier groupe. C'est d'apres elles 
que j'ai distribue les especes nouvelles que j^ai decrites recemment (Verhandl. 
zool.-bot. Gesell. Wien 1859) dans un travail dont celui-ci n'est que la con- 
tinuation. 

Quand aux groupes suivants, les travaux de MMrs. ^Yestwood J Ha- 
liday et Walker etant anteiieurs a celui de Mr. Hart ig, j'ai du donner 
le preference aux denominations employees par les auteurs anglais. 



17* 



126 



Dr. J. G i raud : 



2 me Groupe. Aphidivores. 

Premier segment abdominal plus long que le autres. Antennes 
greles,, aussi longues ou plus longues que le corps. Corps 
court, subarrondi, lisse Allotria. 

Gen. Allotria Westw. 

Mag. nat. hist. VI. p. 494. 1833. 

Xystus Hart. Germ. Zeit. II. p. 199. 1840. 

Oynips Auct. part. 

Tete de la largeur du thorax: antennes tres greles, filiformes ou 
faiblement epaissies vers Textremite, de la longueur du corps ou un peu 
plus, rarement plus courtes ; de 44 (<J) ou de 13 ($) articles, les deux 
premiers plus epais, ovoides , le premier tres peu plus grand que le second, 
les autres allonges, cylindriques , tres minces, les 3., 4. et 5. souvent un peu 
sinues cliez les males. 

Thorax court, ovoide, a dos convexe et sans sillons ; ecusson arrondi, 
un peu saillant, separe du mesothorax par un sillon transversal . 

Abdomen sessile ou subsessile, court, ovoide, faiblement comprime, 
un peu plus etroit que le thorax; premier segment plus long que 
les autres. 

Ailes amples portant une cellule radiale en triangle subequilateral, 
tantöt fermee, tantöt ouverte en avant; les cellules cubitales le plus souvent 
non tracees, rarement distinetes. Dans un petit nombre d'especes, les ailes 
sont rudimentaires. 

Patt es greles et assez longues. 

Corps entierement lisse a Pexception du metathorax. 

Ce genre ne comprend que des especes de tres petite taille, magni- 
tudo corporis omnium minima, selon Texpression de Dahlbom, tres 
faciles a reconnaitre a leur corps ramasse , lisse et a leurs antennes plus 
greles que dans aueun autre genre de cette fainille. 

Les Allotria vivent, a Tetat de larve, dans le corps des pucerons (Aphis) 
et s'y transforment en insecte parfait. Les obseryations deja assez nombreuses 
que possede la science ont mis ce fait hors de doute etil est permis d'esperer 
que la recherche attentive des nombreuses especes de ces Hemipteres conduira 
a la decouverte d"unc longue liste <T Allotria. 

Le developpement complet ou incomplet des ailes et la conformation 
de la cellule radiale penuettent d'etablir plusieurs coupes qui facilitent la 
distinetion des especes. 



Enumeration des Figitides de 1' Au triebe. 



127 



Sect. I. Ailes complctes; cellole radiale fermee. 

A. Tete noire. 

I. A. circumscripta H. 

Xystus circumscriptus Hart. 1. c. III. 352. 15. 

Nigra; ore , antennarurn basi, pedibusque flavo-ferrugineis. Cellula radialis 
elongata. 9. Long. l mra . 
Les antennes ont environ la longueur du corps; les 4 — 5 ou 6 premiers 
articles sont d'un jaunatre-ferrugineux, les suivants son noirätres et un peu 
plus epais que les premiers du flagellu m. Le nietatborax est moins luisant 
que le reste du corps et faibleruent pubescent. ainsi que labase de l'abdoinen. 
Les pattes , a l'exception du dernier article des tarses , sont d'un jaunatre- 
ferrugineux plus ou moins fonce. Les ailes sont assez densement pubescentes 
et brievement ciliees sur les bords ; les nervures sont d'un noir-brun; la cellule 
radiale est assez grande et de forme allongee ; la nervure cubitale est 
effacee ou ä peine indiquee a son origine. 

Cette espece n'est pas tres rare dans les environs de Vienne ; eile a ete 
prise aussi a Salzbourg et en Styrie par Mr. Tschek. 

2. A% »niitittu H. 

Xystus minutus Hart. 1. c. II. 200. 7. 

Nigra; antennarurn basi pedibusque testaceis. Cellula radialis minutissima. 
Long. 3 /* mm . 

Sensibiement plus petite que la precedente. Les antennes n'ont pas 
tout-ä-fait la longueur du corps et sont proportionnellement un peu plus 
robustes. Le tour de la bouche est aussi quelquefois un peu testace. Le 
metathorax et la base de l'abdomen sont tres faiblement pubescents. Ailes 
ciliees; la cellule radiale tres petite et la nervure cubitale completement 
effacee. 

Mediocrement commune sur les gazons ombiages. 

B. Tete plus ou moins rouge. 

:;: Th orax noi r. 

3. A, riet ri& Westv. 
Westwood L c. p. 494. 

Cyaips rußeeps Zettersted. Ins. Lapp. 410. 5. 
A'ystus erythrocephalus Hart. 1. c. II. 199. 1. 
Nigra, nitida : capite rufo ; antennis fuscis, articulis 4—5 basalibus pedibusque 
rufo-testaeeis. Sj? • 



128 



Dr. J. Giraud 



Capite rufo-testaceo ; antennis flavis , apice minus infuscato \ articulis 3 — o 

sinuatis. c?. Long. iy 3 mm . 
Var. Antennis pallidis, apice vix infuscati.s. 

Les antennes sont un peu plus longues que le corps, filiformes chez 
le mäle et tres faiblement epaissies au bout chez la femelle. Le metathorax et 
la base de Tabdomen sont un peu pubescens. Les ailes sont bricvement 
ciliees; la cellule radiale est assez grande, subtriangulaire ; Tareole (2. cubi- 
tale) est obsolete ou piesque nulle. 

Le larre vit dans les pucerons du rosier. (Aphis rosae). 

Remarque. Je ne pense pas que le Cynips erythrocephala de Jurine 
(Nouv. Meth. pl. 12. Gen. 40.) puisse se rapporter ä cette espece. Les ner- 
vures des ailes de la figure principale sont trop riches, les antennes moins 
longues et uniformement jaunatres. L'antenne grossie de la femelle a le 
premier article ou scape, assez long, en forme de cone renverse et le second 
tres court, ayant a peine le tiers de la longueur du premier, tandisque, chez 
les Allotria, ces deux segments sont ovalaires et different moins dans leur 
longueur. Les derniers articles du flagellum sont aussi un peu trop arrondis. 
Quand ä Fantenne grossie du male, eile represente manifestement celle dun 
Synergus H. Le premier article est gros , court , en toupie ; le second tres 
petit, le troisieme long , fortement echancre , arque et plus epais au bout ; 
les suivants vont en diminuant depaisseur jusqu'au dernier. Cette conformation 
est tout-a-falt differente de celle des antennes des mäles du genre Allotria. 

4. A. VscHehi n. 

Nigra, nitida : facie tota et genarum parte infera rufo-testaceis antennarum 
articulis basalibus 4 — 5 , pedibusque testaceis. Cellula radialis mediocris. 
9. cf. Long. lö>m 

Les antennes sont a peu pres de la longueur du corps, noirätres, avec 
les quatre premiers articles testaces dans la femelle. Chez le mäle, cette 
couleur s'etend jusqu'au cinquieme; le reste est un peu moins fonce que dans 
Tautre sexe, les 3., 4. et 5. articles sont faiblement sinues. Le sommet de la 
tete, a partir des antennes, est noir ou d^un noir-marron. Le metathorax et la 
base de Fabdomen sont un peu pubescens k Ailes brievement ciliees, leurs 
nervures noirätres, la cubitale faiblement indiquee a son origine ; la cellule 
radiale de longueur mediocre, un peu plus courte que dans Pespece precedente. 

Elle a ete obtenue , en assez grand nombie, des Aphis virants sur 
JRibes rubrum L. par Mr. Tschek entomologiste aussi instruit que zele, 
auquel j'ai le plaisir de la d edier. On pourrait etre tente de la prendre pour 
une simple variete de Tespece qui precede , mais , outre qu'elle est un peu 
plus petite, eile a constamment le sommet de la tete noirätre, et la cellule 
radiale est sensiblement plus courte. 



Enumeration des Figitides de TAutriche. 



129 



5. .<•. flnriearnis H 

Xystus flavicoryiis Hart. L c. III. 35*. 16. 

Nigra, nitida : capite rufo . vertice obscuriore ; antenni? pedibusque flavis. 
Cellula radialis brevis. rainuta. £ . Long. \ l /J am . 

Les antennes sont unicolores et un peu plus longues que le corps j 
les derniers articles du flagellum sensiblement plus epais que le a precedents 
et assez distincts. La pubescence du metathorax est peu marque. La frange 
des ailes est tres faible et la celulle radiale petite et courte j la nervure 
radiale qui la limite en dehors formant une ligne courbe. II n'y a pas de 
traces de la nerrure cubitale. 

Je possede un mäle qui me parait appartenir ä cette espece: il differe 
de la femelle decrlte, en ce que le sommet de la tete est un psu plus obscur 
et le bout des antennes legerement assombri. La cellule radiale n'offre 
aucune difference. 

Rare aux enrirons de Yienne. Collection de Mr. Tschek .et la mienne. 

** Thorax rougeätre ou testace. 
6. A* »nelfinogaster H. 

Xystus mdanogaster Hart. L c. IL 200. 8. 

Rufo-testacea , nitida: antennis pedibusque pallidioribus : abdomine nigro. 
Cellula radialis brevis. mimita . c . Long. l mm . 
Les antennes sont un peu plus longues que le corps; chez le mäle. les 
4. et 5. articles sont legerement sinues. Le dos du thorax est quelquefois un 
peu assombri ou meme en partie noirätre dans Tun et Tautre sexe. L'abdomen 
est dans quelques cas un peu testace. a la base. La cellule radiale est courte 
et assez petite : la nerrure cubitale n'est pa> indiquee. 

Mediocrement abondante sur les prairies ombragees. 

7, A. testacea H. 

Xystus testaceus Hart. 1. c. III. 352. 18. 

Rufo-testacea, nitida: pedibus pallidioribus; antennarum apice rix infuscato. 
Cellula radialis magna, elongata. Areola conspicua. £. Long, i y5 mm . 
Capturee a?ec le filet a Carlsbai, pendant le moins d'aout. 

Sect. II. Ailes completes. Celalle radiale onyerte. 

A. Tete noire. 

8. A* forticomis n 

Nigra, nitida: ore. antennis 'scapo excepto) pedibusque piceo-rufis . coxis 
piceis. Cellula radialis lata, subelongata. Long. l'/i mm . 



130 



Dr. J. Giraud: 



Antennes robustes , environ de la longueur du corps, d"un rougeätre- 
obscur, avec le scape noir. Ailes amples, abondarament pubescentes; la cellule 
radiale large, un peu allongee ; les nervures d'un rougeätre-obscur, la cubi- 
tale effacee. 

Un seul individu des environs de Vienne. 

9. A. WJUrichi n 

Nigra, nitida: ore, antennarum basi pedibusque rufo-testaceis. Cellula radialis 
elongata. Long. l ram . 

En suivant le tableauanalitique de ce genre, dresse par Mr. Hart ig, 
on serait renvoye a son Xystus obscuratus dont celui-ci differe neanmoins, par 
ses ailes qui ne sont pas obscurcies et par la couleur des nervures qui est 
plutöt jougeätre que noire. Je ne connais qu'un mäle fesant partie de la 
collection Ullrich, acquise par le rausee imperial de Vienne. 

B. Tete rougeätre, au moins en partie. 

40. A, macropiia tfn u H. 

Xystus rnacrophadnus Hart. 1. c. III. 352. 22. 
Nigra, nitida : capite rufo-testaceo ; antennarum basi pedibusque pallidioribus. 
Cellula radialis magna, elongata. <$. <J? . Long. 4 1 /4 mm . 

Cette espece a a peu pres la taille et la distribution des couleurs de 
A. victrix, mais eile s'en distingue essentiellement par sa cellule radiale ouverte. 
La pubescence du metathorax et de la base de Fabdomen est assez abondante. 
Les nenmres des ailes sont d'un rougeätre-päle. 

Le mäle, qui n'a pas ete decrit, ressemble a la femelle. Les 4. et 5. 
articles de ses antennes sont fortement sinues et comme anguleux au bout, 
le 3. est droit. 

Pas rare aux environs de Vienne. Collection Ullrich et la mienne. 

14. A. aefecta H. 

Xystus defectus Hart. 1. c. III. 352. 23. 
Nigra, nitida: capite ruf o, vertice castaneo; antennis apice fuscis, basi pedi- 
pusque testaceis. Cellula radialis mediocris. tf. Long. 4 y* mm . 

Le mäle ne se distingue de la femelle que par les articles 4 et 5 de 
ses antennes qui sont sensiblement sinues. 

Capturee en petit nombre, dans les clairieres des bois, ä Carlsbad, 
pendant Je mois d'aoüt. 

4 2. A. erythrothoraac H. 

Xystus erythrothorax Hart. 1. c. II. 200. 5. <S- 
Nitida: capite thoiaceque rufis*, abdomine mesothoracisque dorso nigris; vertice 
casraneo ; antennis rufis apice parum infuscatis ; pedibus flavo-testaceis. 
Cellula radialis magna, elongata. Nervis alarum rufis, $ . Long. iy4 mm . 



Enumeration des Figitides de ('Antriebe. 



13! 



Je ne connais que la femelle, mais je crois pouvoir la rapporter arec 
certitude au male decrit par Mr. H artig 1 , qui ne differe que par la couleur 
jaunatre de la face. Selon cet auteur il provient des Aphis qui vivent sur 
le prunier. 

Environs de Vienne. Rare. 

Sect. Hl. Ailes incompletes. 
13. A, cursov H. 

Jiijstus Cursor Hart. L c. II. 200. 10. 
Nigra, nitida: antennis apice fuscis, basi pallidis; pedibus pallide fuscis; alis 
thoracem rix superantibus, nervis inconspieuis. . Long. l a /} mra . 

La tete et le dos du thorax ont souvent une legere teinte de poix. 
J/abdomen est d"un noir fonce. 

Vienne et Carlsbad. Collection Ullrich et la mienne. 

14. A% brachypter€t H. 

Xystus braehyptervs Hart. 1. c. II. 200. 9. 
Rufo-te.^tacea. nitida: abdomine nigro ; antennis apice infuscatis ; alis brevibus. 
($. O. Long. iura. 

Chez les mäles, au nombre de cinq que j'ai examin es, la tete et le 
thorax sont d'un testace faiblement rougeätre; ces parties ont une teinte un 
peu plus foncee dans l'autre sexe. Dans quelques cas les ailes ne depass"nt 
guere la base de Tabdomen, elles atteignent le milieu dans d^autres. 

Cette espece n"est pas tres rare, en automne. dans les prairies un peu 
humides. 



3 me Groupe. Figitides. 



le premier segment tres grand. Ecus.-on cupuliforme . . . Eucoila. 
r ni rugueux ni ca- [moniliformes. 
rene. Antennes des , subfilif.) . . . . Figitts. 
le deuxieme seg-l § (filiformes .... Omalaspis. 

iment plus grand ! , 
1 . , ° , / /tres court, sillonne. 

luelesautres. Meso-\ ,1 , . 

thorax I rugueux ou carene.jEcusson epineux .Onychia. 

Petiole ] allonge. lisse. Ecus- 

( son tronque . . . Callaspidia. 

pubescente. Ab-, ovale Melanips. 

les deus premiers domcn f cu i triforme . . \ AmphUeetus 

segm. egaux, ou le . 
* *.a, _i i / /long, nunce. (Abdo- 

1. tres peu plus long \ l & . , 

io .» u ■ ] , Jmen allonge.) . . Anachans. 

quele >. Base de/ nue . Phiole { . * • /a uj n 
Tabdomen ( court,epais. (Abdo- 

k ' men ovale, court.) . Aegihps. 

,tou> les Segments egaux ou le cinquieme tres grand ) Ibalia. 
Bd. L Abhandl. 18 



132 



Dr. J Giraud: 



Gen. Eucoila Westw. 

Westwood Mag. Nat. Hist. VIII. 174. (1835.) 
Figites Jurine. Zettersted. (Ex parte.) 
Cothonaspis Hartig. Germ. Zeit. II. 200. (1840.) 

Premier segment de Pabdomen tres grand, couyrant presque entierement 
les autres, avec une ceinture de poils a la base. 

Ecusson eleve, cupuliforme ou creuse a son sommet d'une fossette en 
forme de petite coupe. 

Antennes subfiliformes, de 15 articles ou moniliformes, de 13 

articles ($). 

Palpes maxillaires de 5. art. les labiaux de 2. 

Corps oblong, eleve, lisse, luisant, presque nu, a Fexception des angles 
du prothorax, d'une partie du metathorax, qui sont pubescents et d'une forte 
ceinture de poils Serres, a la base de Tabdomen. Tete subquadrilatere ou 
subglobuleuse, un peu plus etroite que le thorax: le Vertex plus ou moins 
proeminent et la face parcourue longitudinalement par deux impressions 
irregulieres, quelquefois incompletes : mandibules avancees, carrees, subarquees, 
subtridentees, plus manifestement d"un cöte: yeux ovalaires, peu proeminens: 
ocelles disposes en arc de cercle ou en triangle a cöte posterieur plus grand : 
antennes du mäle longues, subfiliformes ou setacees, de 1 5 articles ; lepremier 
en forme de cöne renverse, de volume mediocre; le second plus petit, presque 
globuleux ; les suivants en fuseau allonge, les derniers un peu plus longs et 
plus greles que les piecedents ; les 4 m °- ou 5 me - art. anormalement developpes 
chez quelques especes : antennes de la femelle beaucoup plus courtes, rare- 
ment subfiliformes, ordinairement sensiblement renflees vers le bout, de 13 art. 
les deux premiers comme chez Tautre sexe, les suivants graduellement plus 
epais, moniliformes et submoniliformes, les huit derniers ou un nombre variable 
crentr'eux quelquefois subitement plus gros, le dernier ovoide. 

Thorax ovalaire, convexe : prothorax tres court au milieu, tres rarement 
en arc de cercle , ordinairement plus ou moins tronque transversalement et 
formant une surface lisse , un peu oblique : dos du mesothorax lar&-e, sans 
sillons : une lign^ fine et imponctuee divise obliquement les flancs en deux 
parties inegales. Ecusson un peu proeminent en arriere , scabre, portant au 
milieu une elevation dont les bords arrondis circonscrivent une fossette ronde 
ou ovale et rnarque en outre , de deux impressions profondes, a sa base. 
Metathorax m£diocre, declive, parcouru par deux lignes longitudinales, paral- 
leles et elevees. 

Abdomen sessile ou presque sessile, en ovale allonge ou sublenticulaire, 
eleve, etroit, comprime, moins large que le thorax et de meme longueur ou 
sensiblement plus long chez les femelles de quelques especes et dans ce cas 



Enumeration des Figitides de PAotriche. 



133 



plus fortement comprime: le premier segment tres grand, couvrant presque 
tous les autres, orne a sa base d'une ceinture de poils tres Serres, chez la 
plupart des especes : tariere se degageant a Textremite anale, souyent appa- 
rente, droite ou legerement courbee et releveo. 

Pattes de structure ordinaire. assez greles et de moyenne longueur. 

Ailes pubescentes , souvent ciliees : les anterieures portant un cellule 
radiale tantöt fermee, tantöt ouyerte en avant (le long du bord) et deux 
cubitales plus ou moins bien tracees, ou indistincte s. par Textinction des ner- 
vures posterieures. Chez plusieurs petites especes, elles sont en outre tronquees 
ou eehancrees en coeur, au bout. 

On reconnait facilement ce genre ä la configuration particuliere de 
l'ecusson. L'anneau ou la ceinture de poils serres qui orne la base du premier 
segment abdominal de presque toutes les especes est aussi caracteristique. 
I.es Melcaüps ont au>^i une sorte de ceinture pubescente , mais beaucoup 
plus faible et moins nettement limitee ; et la longueur beaucoup moindre du 
premier segment ne permet pas de les confondre avec lec Eucoila. 

Si Ton n'avait egard qu'ä la conformation des antennes, on pourrait, 
ä Texemple de Mr. Walker, etablir un grand nombre des coupes qui auraieut 
Tinconvenient de diviser un genre naturel, facile ä reconnaitre, ä plusieurs 
caracteres communs aussi bien qu"a un certaiu habitus : c'est ce qu*a senti 
Mr. Hart ig et je suis entierement de sou avis. II reste d'ailleurs, un trop 
grand nombre d"especes, dont un seul sexe est connu, pour que la creation 
de nouveaux genres ne parai^e pas trop prematuree. L'analyse suivante 
donnera une idee, de Tinconstance de la forme de ces organes. 

Les antennes des males ont tous les articles du flagellum de meaie 
forme et de meine longueur chez la plupart des especes ; un petit nombre 
seulement fait exception a cette regle et se distingue par le developpeuient 
plus considerable tantöt en longueur, tantot en epaisseur du 3 me - ou du 4 me article. 

Les antennes des femelies sont plus ou moins moniliformes comme celle > 
des Figites, mais les rapports de volume et de forme des articles du flagellum 
sont tres variables, selon les especes. On peut etablir les categories suivantes : 

1. Antennes submoniliformes , greles; les articles du flagelluiu, plus 
loogs que larges, graduellement mais tres faiblement plus epais vers le bout. 

2. Antennes moniliformes, les huit derniers articles du flagellum, plus 
ou moins globuleux. progressivement plus epais. 

3. Antennes submoniliformes, les 7 ou 6 ou 5 ou i ou 3 derniers articles 
un peu plus gros que les precedents, presque toujours un peu plus longs que 
larges. Tres petites especes. 

I/abdomen s'ecarte aussi dans quelques cas de la forme typique, en ce 
qu'il est plus long, plus comprime sur les cötes et le dernier segment ventral 
un peu plus saillaut, mais il existe plusieurs formes intennediaires. Les males 
de cette categorie nie sont inconnus. 

18* 



134 



Dr. J. Gir;iud : 



Horde. Antennes des femelles graduelleraent plus epaisses vers le 
bout, ou leurs huit derniers articles plus gros, moniliformes : celles des mäles 
filiformes, tous les articles du flagellum egaux entr'eux. 

9mo. Horde. Antennes des femelles ayant moins de huit articles renfles 
ou globuleux. Males inconnus. (Cellules cubitales indistinctes dans presque 
toutcs les especes.) 

3me. Horde. 3 ine - ou 4 nie - article des antennes des mäles, plus long ou plus 
epais que les suivants. Femelles inconnues. 

l re « Horde. 

I. Sect. Ccllulles cubitales des ailes anterieures distinctcs, c'est adire; nervures 

cubitales tracees. 

A. Cellule radiale fermee. 
* Ailes nebuleuses. 
1. E. inaeiilatfi H. 

Cothonaspis maculatus Hart. 1. c. H. 201. 3. 

Eucoila Guerini Dahlb. Mon. Onychia och Callaspidia pl. 1. fig. 8. 
Nigra, nitida : ore , antennarum flagello pedibusque obscure rufis ; coxis et 
femorum basi nigris; alis hyalinis , fere nudis, medio fusco-maculatis. 
cJ. Long. 

Antennes du mäle un peu plus longues que le corps, presque nues : 
celles de la f'emelle a peine de la longueur de la tete et du thorax, monili- 
formes et assez robustes, ornees de poils raides ; le huitieme article distinc- 
tement plus gros que le septieme , le dernier en ovale allonge. Troncature 
du prothorax ciiculaire, presque perpendiculaire, a bords saillants. Collier 1 ) 
et ceinture abdominale d'un gris-roussätre ; metathorax presque nu. Ailes 
non frangees, sans pubescence apparente, diaphanes, avec une large taehe 
roussätre au milien, a contours indetermines: nervures brunes, epaisses, la 
cubitale s'eteignan*-. avantd'arriver äla cöte. Abdomen en ovale comprime ou 
sublenticulaire , environ de la longueur du thorax, ou tres peu plus long. 

Cette espece n'est pas rare dans les regio ns subalpines de la Styrie et 
de la Haute- Autriche, pendant le mois de juillet; je Tai prise aussi a Carls- 
bad au mois d'aoüt. 

2. JE» subnebMtoSfg n. 

Nigra, nitida: ore, ge'niculis, tibiis oinnibus fcarsisque antcrioribus obscure 
rufis; alis in medio subnebulosis, nervis nigris. tf. Long. 3 1 /! — 4 mi ". 

Asse/ ressemblante ä la precedente dont eile a quelquefois la taille, 
mais facile a distinguer a ses antennes noires et a ses ailes pubescentes, 

•) J'Hppolle ;iiusi dem laisreanx de poils qui 88 Irouviüil sur Ins c(H4s du prothorax d'uu grnnd 
uombre d'e.'peccg. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



135 



brievement ciliees, ä ncrvures noires, completes et n^oflVant vers le milieu du 
disque qu'une legere teinte roussatre. 

Elle se trouve dans les meines localites que la precedente, mais plus 
rarement. Huit mäles fesant partie de ma colkction et de celle de Mr. T s ch e k. 
Je ne conuais pas Tautre sexe. 

3. JE. Sc hin hl Ii n* 

Nigra, nitida: ore, antennis, squamulis pedibusque rufis ; abdomine rufo, dor.-o 
castaneo \ alis pubescentibus fulvedine imbutis, apicc hyaline ^ . Long. 
4mm 

Antennes unicolores, minces, de la longueur de la tete et du thorax, 
tres faiblement epaissies reis Fextremite, les neuf dernicrs articles ovalaires, 
Le dernier a peine plus epais que le precedenfc, mais un peu plus long. Tron- 
cature du prothorax petite et faiblement rebordee. Abdomen ovoide, sublen- 
ticulaire, mediocrement acumine, tres peu plus long que la tete et le thorax 
d*un rouge-ferrugineux assez vif en dessous et en arriere, passant aumarron 
sur le dos, vers la base; la ceinture d'un gris roussatre. Pattes d'un rougeätre 
uniforme, les crochets seuls, noirs. Ailes pubescentes et ciliees, assez fortement 
colorees de fauve surtout sur la cellule radiale et la premiere cubitale ; 
Textremite assez pure ou hyaline. 

Cette jolie espece est une des nombreuses decouvertes dont Mr. Ferd» 
Schmidt, a qui j'ai le plaisir de la dedier, a enrichi Tentomologie. Je n'ai 
vu que deux femelles qui ont ete prises dans les cnvirons de Leibach en 
Camiole. 

** Ailes non nebuleuses. Cuisses noires. 

4. JE. eubitatis H. 

Cothonaspis cubitalis Hart, b c. III. 356. IG. 
Nigra, nitida: ore flagelloque antennarum fuscis ; trochanteribus plus minus, 
geniculis, tibiis tarsisque, rufis; alis pubescentibus, nervis fuscis. cf. C?. 
Long. VJ%- 3Nro. 
Var. Antennis in medio rufis. Coth. coronatus ? Hart. 

Elle est tres voisine de r espece JE. subnebulosa, mais un peu plus 
petite. Le flagellum des antennes lfest pas noir, mais brunatre ; les pattes, 
a partir des genoux, sont plus franchement rouges ; les ailes plus pures, 
quoique assez fortement pubescentes; les nervures brunes et fortes. La tron- 
cature du prothorax est petite, transversale et sans bords releves. La ceinture 
pubescente de rabdomen est grisätre et le collier du prothorax, tres 
indistinct. * 

La var. ne se distingue que par ses antennes d'un rouge terne avec 
le bout et les deux articles de la base, noiratres. 

Mediocrement abondante, dans les regions subalpines de la Styrie et 
de la Haute-Autriche. La variete a ete prise a Salzbourg, par Mr. Tschek. 



136 



Dr. J. Giraud : 



5. JE, tenuicornis n. 

Nigra, nitida: ore fusco, trochanteribus, genlculis, tibiis tarsisque obscure 
rufis ; alis pubescentibus , nervis fuscis \ antennis longis , tenuibus. £ 
Long. 3<™. 

Les antennes sont minces et un peu plus longues que la tete et le 
thorax } les articles du flagellum augmentent progressivement d'epaisseur, 
le 8 me - est tres peu plus fort que le piecedent, les suivants sont en ovale 
allonge, le de.nier est un peu plus long que les autres et a peu pres de 
raeme epaisseur : des poils raides et assez nombreux couvrent ces organes. La 
troncature du prothorax est etroite, transversale et sans rebord saillant. 
L'abdomen est un peu plus long que le thorax, en oyale suballonge, com- 
prime en lentille sur les cötes : la valvule ventrale ne depasse pas les 
derniers segments dorsaux. La ceinture et la pubescence des cötes du nieta- 
thorax, sont d'un gris-roussätre. Les pattes ont les hanches et la plus grande 
partie des cuisses, noires ) le reste est d'un rouge obscur, presque noiiätre 
vers le bout des tarses : les cuisses sont sensiblement amincies vers le bout, 
ce qui les fait paraitre un peu en massue. Les ailes sont transparentes, leur 
pubescence et leurs nervures roussätres ; la cubitale est complete. 

Je n'ai vu que deux femelies qui ont ete prises, a Piesting non loin 
de Wiener-Neustadt. 

6. JE* covnpressiventris n. 

Nigra, nitida: ore, femorum apice, tibiis tarsisque rufis Tel ferrugineo-rufis; 
abdomine elongato, compresso , valvula ventrali protensa ; antennis sub- 
crassis; alis pubescentibus, nervis fusco-nigris. Long. 4 mm . 

Antennes depassant un peu la longueur de la tete et du thorax, medio- 
crement epaisses; les articles du flagellum submoniliformes , sensiblement plus 
longs que larges et ornes de poils raides assez nombreux. Troncature du pro- 
thorax petite et transversale. L'abdomen est fortement comprime sur les cötes 
et une fois et demie aussi long que le thorax; la valvule ventrale est grande 
et depasse les segments dorsaux. La pubescence des cötes du metathorax et 
la ceinture sont d'un gris roussätre. Les ailes sont comme chez i'espece pre- 
cedente, mais les nervures sont plus foncees, noiratres. Aux pattes, les han- 
ches, les trochanters et les deux premiers tiers des cuisses, sont noirs; le 
reste est d'un rougeatre un peu ferrugineux. Chez un individu, les cuisses 
anterieu es sont presque entierement de cette cuuleur. 

Ti es distincte de E. tenuicornis , par ses antennes plus robustes, mais 
surtout par son abdomen plus long et plus comprime, s'eloignant d'avantage 
de la forme ordinaire. 

J)eux femelies prises, ä Reichenau, pres de Glocknitz, pendant le mois 
de juillet. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



137 



. 7. JE. ftepilis n. 

Nigra nitida: geniculis obscure rufis; alis pubescentibus, breviter ciliatis, ner- 
vis nigris ; abdomine basi nudo. <$. £ . Long l s /i mm . 

Antennes du mäle tres peu plus longues que le corps ; Celles de la 
femelle un peu plus longues que la tete et le thorax, les articles du flagel- 
lum progressivement plus epais , le dernier sensiblement plus long et plus 
gros que le penultieme. Prothorax arrondi, sans troncature bien manifeste; 
Metathorax faiblement couvert d'une pubescence brunätre. Abdomen sans 
ceinture de poils. Ailes pubesccntes, ciliees, les poils paraissant noirätres, 
neivures noires; la cubitale tracee jusque tres pres du bord de Taile. La 
cellule radiale sensiblement plus lonque que large. 

Capturee avec le filet, le 20 avril, au Prater, pres de Vienne. 

8. JE. curia n. 

Nigra, nitida: geniculis tibiisque anticis, obscure rufis; abdomine basi nudo; 
alarum cellulis radialibus brevibus, nervis nigris. § . Long. d*/* 11 ™. 

La forme de la cellule radiale qui est courte et un peu plus large 
que longue, distingue facilement cette petite espece de la precedente ä la- 
quelle eile ressemble d'ailleurs sous tous les autres rapports. 

Un seul individu pris, le 25 ayril, aux environs de Vienne. 

9. JB. fteterogenit n. 

Nigra, subnitida: geniculis tibiisque anticis rufo-testaceis; thorace antice 
punctulato , dorso polito, bisulcato; abdomine basi nudo. Q . Long. 2 mm . 

Antennes comme chez les deux especes precedentes. La face est peu 
brillante ; la partie inferieure des joues et le bord interne des yeux sont 
faiblement acicules. Le prothorax est couyert d'une ponetuation tres mar- 
quee et assez serree ; les flancs sont tres finement acicules. Le dos du meso- 
thorax est lisse et parcouru longitudinalement par deux lignes a peu pres 
paralleles, assez profondes et dont le fond oifre quelques points bien distinets. 
Le metathorax est tres peu pubescent et la base de Tabdomen , nue. Aux 
pattes, les genoux posterieurs, le tiers externe des cuisses anterieures et les 
tibias de la meme paire , sont d'un testace-rougeätre. Les ailes sont pu- 
bescentes, brieFcment ciliees; leurs principales nervures, fortes, noirätres; la 
nervure cubitale atteint presque le bout de Taile; la cellule radiale est a 
peine plus longue que large. 

Cette e>pece est une forme de transition au genre suiyant auquel eile 
ressemble par la sculpture du thorax, mais son eousson tubercule et termine 
en fossette, ainsi que le developpement du premier Segment de Tabdomen 
qui couvre tous les autres, en font une yeritable Eucoila. 



138 



Dr. J. Giraud: 



10. JE\ iHsignis n. 

Nigra nitida: antennarum moniliformium flagello pedibusque, rufis, coxaruni 
basi nigra; abdoraine oblongo-lenticulari ; alis pubescentibus, nervis nigro- 
fuscis. 9. Long. 4fl», 

Antennes un peu plus courtes que ]a tete et le thorax ; le premier 
afticle noir, le second roussätre , les autres d"un rouge assez clair, le hui- 
tieme et les suivants jusqu'au douzieme, moniliformes, ä peu pres aussi epais 
que longs et assez gros , le dernier ovalaire et un peu plus fort que le pe- 
nultieme. 

U'abdomen est plus long que le thorax, en ovale allonge , sublenticu- 
laire, beaucoup plus haut que large, obtus au bout: la ceinture d'un roux 
dore. Les pattes sont rouges, ä Texception de la base des hanches qui est 
noire et d^une legere nubecule a Torigine des cuisses posterieures. Les ailes 
sont pubescentes et leurs nervures d'un brun noiratre. 

»Tai pris cette belle espece, a Reichenau, au mois de juillet. Male 
inconnu. 

11. JE. Mongicomis H. 

Cothonaspis longicornis. Hart. 1. c. IL 201. 4. 
Nigra, nitida: ore, autennis, squamulis pedibusque laete ferrugineis; alis pu- 
bescentibus, nervis fusco-nigris. <$. Long. 2V2 mm . 

Antennes beaucoup plus longues que le corps, les articles du flagellum 
peu epais, presque cylindriques. Ceinture de la base de Tabdomen d'un gris 
blanchätre. Base du ventre un peu rougeätre chez quelques individus. 

Selon Mr. Hart ig, la femelle a les antennes aussi longues que le 
corps, et ne differe pas du mäle pour la couleur. 

Haute Autriche. Rare. 

12. E. bfMSatis H. 

Cothonaspis basalis. Hart. 1. c. II. 201. 6. 
Nigra, nitida: ore, antennarum flagello pedibusque rufis, coxaruni basi nigra-, 
ventris basi plerumque rufescente. c?. Long. 2Va — 3 mm . 

Lös antennes du male sont aussi longues ou un peu plus longues que 
le corps; les articles du flagellum sont subfusiformes, d'une couleur rou- 
geätre ordinairement plus foncee que celle des pattes; le scape est noir. 
Chez la femelle, elles sont moins longues que le corps, un peu greles, avec 
les articles 8 13 plus longs qu'epais. L'ecaille des ailes est rouge ou brune. 
La base du ventre est le plus souvent rougeätre et quelquefois pres- 
que noire. 

Plusieurs mäles des environs de Ve nne et de Cailsbad. La femelle 
f'ait partie da la collection Ullrich du musee de Vienne. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



139 



B. Cell nie radiale ouverte. 
13, E. »neifitiopterf* H. 

Cothonaspis melanopterus. Hart. I. c. IV. 41Ö. 31. 

Xigra, nitida: geniculis, tibiis tarsisque fusco rufis ; abdomine elongato, valde 
compresso: alis obscuratis, apice pallidioribus. Long. 2V3 mm . 

Antennes a peu pres aussi longues que la tete et le thorax , faible- 
ment epaissies vers le bout, submoniliformes, les articles du flagellura un peu 
plus longs que larges , le dernier plus long mais a peine plus epais que les 
autres. Troncature du prothorax petite, transversale et sans rebord saillant. 
Abdomen plus long que la tete et le thorax reunis, fortement comprime, 
rappelant la forme de E. compressiventris et se rapprochant de celle du genre 
Amphitectus', les derniers segments dorsaux decouverts, la valvule ventrale un 
un peu plus avancee qu*eux. La tariere est saillante, peut-etre accidentelle- 
raent. Le petiole est tres court et la ceinture brune. Patt es de forme ordi- 
nale, les genoux rougeätres, les tibias et les tarses d*un rougebrun fonce, 
presque noirätre. Ailes obscurcies par une teinte un peu jaunätre, plus 
claires vers Fextreniite ; les nervures assez fortes et d'un brun noirätre; la 
cellule radiale ouverte dans toute Fetendue de son cote anterieur. 

Comme Fa deja fait reniarquer Mr. Hart ig, la forme de Fabdonien 
de cette espece s'eloigne sensiblement du type generique, mais je crois comme 
lui qu'il serait prämature d'en former un genre particulier aussi long-temps 
du moins qu'on ne connaitra pas Fautre sexe. II existe d'ailleurs assez de 
formes intermediaires : ainsi dans E. tenuicornis , Fabdomen est conforme au 
type du genre et les antennes sont a peu pres comme dans E. melanoptera, 
tandis que dans E. compressiventris qui a un abclomen presque aussi com- 
prime que cette derniere. les antennes sont moniliformes. 

J'ai pris une seule fois cette espece. interessante, a Reichenau. Umdi- 
vidu decrit par Mr. H artig provenait de la Styrie. 

14. JE. nigripes n. 

Nigra, nitida: geniculis summoque apice tibiarum obscure rufis; abdomine 
elongato-ovato, sublenticulari; alis puris. Long. 3 mm . 
Antennes conformees comme chez Fespece precedente , mais un peu 
plus longues. Troncature du prothorax large, peu elevee. Me.-othorax large 
et un peu gibbeux. Abdomen un peu plus long que la tete et le tho.ax 
reunis, en ovale allonge, mediocrement comprime, sublenticulaire ; la valvule 
veutrale ne depasse pas les segments dorsaux. Petiole tres court. Ceinture 
d'un brun rouaaätre. Alles pures, transparentes, ä pube^cence fine et courte; 
les nervures rousses, la cubltale s'eteignant avant d'arriver au bord de Faile. 
Trois femelies capturees, le 27 octobre, a Kalksbourg pres de Vienne. 
U. L Abhandl. 19 



140 



Dr. J. G i r a u rl : 



15. JE. sewtettetria H. 

Cothonaspis scutellaris. Hart. 1. c. II. 200. f. 
Figites foveator? Zetterstedt. Ins. Lapp. 410. 1. 

Nigra, nitida: ore fusco; trochanteribus, geniculis, tibiis tarsisque rufis, vel 
fusco-rufls •, antennis <$ fusco-nigris , £ obscure rufis. <$ $ Long. 
V/i— 3 mm . 

L'abdomen est en ovale sublenticulaire et de la longueur du reste du 
coxps, chez la femelle ; im peu plus court chez le mäle ; la ceinture est brune. 
Pattes noires a la base , les genoux ou une partie variable du bout des 
cuisses, les tibias et les tarses sont rougeätres; les tibias posterieurs quelque- 
fois obscurs. Les ailes ont une pubescence assez longue et abondante, les 
nervures sont assez fortes et d'un roux noirätre. 

Cette espece n^st pas rare dans les environs de Vienne, mais eile est 
moins frequente que le Figites scutellaris Latr. avec lequel eile ne doit pas 
etre confondue. 

Obs. Le musee imperial de Vienne conserve deux echantillons mäles, 
communiques par Dahlbom, sous le nom KEucoila foveator Zett. le pre- 
raier a la cellule radiale ouverte et appartient a Tespece E. scutellaris H. le 
second a la cellule radiale fermee et rentre dans Tespece E. cubitalis H. 

16. JE, atra H. 

Cothonapsis ater. Hart. 1. c. II. 201. 7. (^.) 
Nigra, nitida: geniculis rufis; alarum nervis nigerrimis. c?. Long. Z mm . 

Antennes de la femelle un peu moins longues que la tete et le tho- 
rax, d'epaisseur midiocre; les derniers articles a partir du huitieme, monili- 
formes. Abdomen sublenticulaire, aussi long que le thorax; la ceinture d'un 
gris roussätre. Ailes transparentes, mediocrement pubescentes; leurs nervures 
d'un noir fonce. 

Le mäle qui n'a pas ete decrit, a la couleur et presque la taille de 
la femelle; ses antennes ont environ la longueur du corps. 

Quelques individus que je ne crois pas specifiquement distincts, ont les 
tibias et les tarses d'un roux tres obscur. 

Commune vers la fin de Tete et en automne. 

Sect. H. Cellales eubitales indistiuctes. (La nervure cabitale non tracee.) 

A. Cellule radiale fermee. 

17. JE, tricHopsttn Hart. 
Cothonapsis trichopsilus. Hart. 1. c. III. 356. 17. 
Nigra, nitida: ore, trochanteribus, geniculis, tibiis tarsisque, rufis; alis vitreis, 
vix pubescentibus, nervis pallide rufis; antennarum flagello fusco, q?. 
obscure rufescente. Long. 3 mm . 



Enumeration des Figitides de l'Aulriche. 



141 



Cette espece se distingue de toutes celles de sa section , par ses ailes 
parfaitement pures, non ciliees et a peine pubescentes. La nervure cubitale 
est entierement obliteree. 

Kare, aux environs de Vienne. 

18. JE. floralis Dahlb. (Mus. Vien.) 

Nigra, nitida: mandibulis rufis ; geniculis , tibiis tarsisque rufis vel obscure 
rufis ; alis hyalinis, pubescentibus . ciliatis, neryis fusis. Long. 
2 »/>— 3 mm . 

Les autennes sont noires dans les deux sexes: celles du male, un peu 
plus longues que le corps; celles de la femelle aussi lungues que la tete 
et le thorax, d'epaisseur mediocre; le sixieme article sensiblement plus gros 
que le cinquieme, les suiyants moniliformes. Les tibias et les tarses sont rouges 
ou d'un rouge ob-cur. Ailes transparentes, couvertes d^ne pubescence bien 
marquee et tres distinctement ciliees. A certain jour, on voit de faibles traces 
de la nervure cubitale. Ceiuture d'un gris roussätre. 

Abondante, pendant le mois d'octobre, sur les plantes basses et dans 
les prairies. 

Le nom que j'ai adopte est celui que portent plusieurs individus con- 
serres dans le musee de Vienne et provenant de Dahlbom. 

19. JE. ciliftris Dahlb. (Mus. Vien.) 

Nigra, nitida: mandibulis, trochauteribus, geniculis, tibiis tarsisque rufis; an- 
tennarum flagello fusco-rufo; alis hyalinis, pubescentibus ciliatis. £ . 
Long. 2V> mm - 

Cette espece n'est peut-etre qu'une variete de la precedente: eile n'en 
differe que par ses antennes d'un rougeatre obscur et par la nuance plus 
claire de la couleur rouge des pattes. Les ailes sont en tout semblables. 

Je n'ai vu qu un individu , pris en Autriche, dans la collection de Mr. 
Tschek et conforme sous tous les rapports a rechantillon envoye par 
Dahlbom au musee de Vienne. 

Obs. Dans le tableau synoptique annexe a sa monographie des 
genres Onychia et Callaspidia, Dahlbom cite, comme synonime de son 
ciliaris, le Figites ciliaris Zett. (Ins. Lapp. 4H. 4). «Tai neglige a dessein 
cette synonimie parce qu'elle nie parait douteuse par les raisons suivantes : 
\* L'espece de Zett. a les antennes antierement noires et la tete arrondie; 
celle de Dahlbom a le flagellum roussätre et la tete plutöt subtransversale 
qu"arrondie. 2. Mr. Zetterstedt dit simplement en parlant de Tecusson ; 
r scutello basi subfoveolato" expression qui ne peut guere convenir a VE. 
ciliaris dont Tecusson a deux fossettes bien marquees a la base et porte en 
outre comme toutes les especes du genre, une troisieme ft^sette sur le tuber- 
cule du disque, circonstance que Fauteur n'a pas neglige de noter pour les 
Fiaites foveolator et mandibularis, qui sont de rentables Eucoila. 

19* 



142 



Dr. J. Gi raud 



20. JE. vneManipes o. 

Nigra, nitida: mandibulis geniculisque rufis; alis amplis, pubescentibus, ciliati.^; 
cellula radiali brevi, lata. cf. Long. l% mm . 

Corps plus court, plus ramasse que chez la plupart des autres especes. 
Tete subtransversale, un peu moins large que le thorax et bien detachee de 
celui-ci. Thorax un peu gibbeux. Abdomen lenticulaire, aussi haut que long, 
comprime, plus court que le thorax; sa ceinture tres faible. Ailes tres grandes, 
pubescentes , eiliees, les nervures d'un roux noirätre; la cellule radiale plus 
eourte que chez les especes precedentes, presque aussi large que longue. 

L'ampleur des ailes et la brievete de la cellule radiale distinguent 
cette espece de toutes Celles de la meme section. 

La femelle nFest inconnue. Le male a ete pris, a Carlsbad , dans les 
clairieres des bois. 

21. JE. attotriaefor§nis n. 

Nigra, nitida: ore antennnisque fusco-rufis ; pedibus pallide rufis, coxis femori- 
busque obscurioribus ; mesothoracis dorso lineis duabus convergentibus 
impresso; abdominis basi nuda. Long. l 1 /* 10111 . 
Corps court, epais, analogue a la forme du genre Allotria. Antennes d^un 
rouge sombre, plus longues que la tete et le thorax, les articles du flagellum un 
peu pluslongs que larges, allant en grossissant vers le bout, mais faiblement; le 
dernier plus fort que le precedent. Thorax epais et court ; le dos du niesotho- 
rax marque de deux sillons pointilles, assez profonds et se touchant en 
arriere; le pro thorax avec quelques traces de ponetuation; le tubercule de 
Feccuson termine par une fossette subovale et tres grande , proportionelle- 
ment *au volume de Finsecte. Metathorax a peine pubescent. Abdomen moins 
gros que le thorax , a peine aussi long , et sans ceinture de poils a la base. 
Pattes d'un rougeätre päle; les hanches et les cuisses tirant un peu sur le 
marron. Ailes pubescentes, faiblement eiliees; les nervures brunes ; la nervure 
cubitale a peine perceptible a certain jour. 

Collection Ullrich. Sans doute des environs de Vienne. 

22. JE* ißMSitlfg n. 

Nigra, nitida: ore pedibusque castaneo-rufis ; abdomine basi nudo, subrufescente. 
tf. Long. 

Corps etroit, allonge. Antennes greles, un peu plus longues que le 
cörps« Abdomen un peu nuance de rouge, a la base et sans ceinture de 
poils. Pattes d'un rougeätre passant au marron sur les cuisses et les hanches 
posterieures. Ailes medioeres , pubescentes, longuement eiliees, les nervures 
d'un roux pAle, la cellule radiale un peu j)lus longue que large. 

Dicouverte par Mr. Tschek, ä Piesting , pres de Viener-Neustadt. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



143 



B. Cellule radiale ouverte. 

23. JE. fiaf<> »UHt tu n. 

Nigra, nitida: geniculis obscure rufis. Corpus yalde elongatum, subcylindii- 
cura. Antennae longissimae. <$. Long. 2 mm . 

Le facies de cette espece s'eloigne sensiblement du type normal. La 
tote est subglobuleuse, au moins aussi large que le thorax, le front proemi- 
nent, les antennes depassent d'un tiers la longueur du corps. Le thorax est 
long , comprime sur les cotes et assez etroit ; le tubercule de Tecusson se 
termine par une surface plane, etroite, avec une tres petite fossette en arriere. 
L'abdomen est long, etroit et egalement haut dans toute sa longueur; il 
parait sessile et sa base est ornee d^ne forte ceinture de poils d'un gris 
pale, interrompue au milieu. Les cotes du metathorax sont couverts d'une 
pubescence semblable et le collier du prothorax est aussi bien marque. Les 
ailes sont pubescentes et eiliees, leurs neryures brunätres ; la cellule radiale 
est allongee et tout a fait ouverte le long du bord de Taile. 

Un seul individu de cette espece remarquable a ete pris dans les 
environs de Vienne. 

2me. Horde. 

Antennes des femelles ayant moins de huit articles renfles ou globuleux. 

Mäl'es inconnus. (Cellules cubitales indistinetes chez presque toutes 
les especes.) 

24. JE. heptoma H. 

Cothonaspis heptomus Hart. 1. c. II. 201. 8. 

Nigra, nitida: ore, antennarum basi pedibusque testaeeo-rufis ; alis pubescen- 
tibus, eiliatis, cellula radiali clausa; antennarum articulis ultimis 7 sub- 
globosis. Long. lVj mm . 
Var. Coxis femoribusque posticis, castaneis. 

Les 5 — 6 premiers articles des antennes sont d'un rouge-testace , les 
7 derniers noirätres, un peu plus gros et subglobuleux. La troncature du 
prothorax est pioportionnellement assez grande. La ceinture abdominale est 
faible et roussätre. Ailes hyalines, pubescentes et longuement eiliees; les ner- 
yures rougeatres. Cellule radiale fermee. 

Capturee en ceitain nombre, le 27 Octobre, a Kalksbourg, pres de 
Vienne. 

25. JE* picicrua n. 

Nigra, nitida: ore pedibusque rufis, coxis femoribusque plus minus pieeis; 
alis pubescentibus, eiliatis; antennis fusco-nigris, articulis ultimis 6 sub- 
globosis. Cellula radialis aperta. Long. i l /a mm . 



144 



Dr. J. Giraud: 



Elle parait tres voisine du Ccthonaspis hexatomus Hart.; mais celui-ci 
a les hanches et les cuisses noires et les tibias d'un brun noirätre. 
Vienne. Tres rare. 

26. JE. rufiventris n. 

Nigra, nitida: ore, antennarum basi, pedibus abdominisque basi et ventre, 
pallide rufis ; alis pubescentibus, eiliatis. Antennarum articuli Ultimi 6 
subglobosi. Long. l 1 / 111111 . 

Tete subglobuleuse. Antennes moins longues que le Corps, les 4 — 'ö 
premiers articles d*un rouge pale, les 6 derniers medioerement renfles, un 
peu plus longs que larges. La base de Tabdomen, le ventre et les patte.s 
sont d'un rouge pale ou testace. La ceinture est faible, mais distinete. 
Celulle radiale medioere, etroite, paraissant fermee. 

Un seul individu pris en Autriche mais sans indication precise de la 
localite. 

27. JE. pentfttomft 

? Cothonaspis pentatomus Hart. 1. c. II. 201. 9. 

Nigra, nitida: mandibulis, geniculis, tibiis tarsisque obscure rufis; alis pu- 
bescentibus , longe eiliatis ; antennarum articulis ultimis 5 subglobosis. 
Long. 4 3 /3 rara . 

La couleur generale est d'un beau noir brillant. Les 5 derniers articles 
des antennes sont sensiblement plus gros que les autres, subglobuleux. La 
cellule radiale est fermee en avant par une nervure tres mince. L'abdomen 
est subpetiole et nu a sa base. 

De Vienne et de la Styrie. Rare. 

Jene cite Fespece de Mr. Hartig, qu'ayec doute, parce que cet 
auteur ne parle pas de Fabsence de la ceinture abdominale qui , dans ce 
genre, est une exception. Tous les autres details conyiennent d'ailleurs a 
celle - ci. 

28. JE, townentosa n. 

Nigra, nitida: geniculis, tibiis tarsisque rufis, femoribus castaneis; alis sub- 
pubescentibus ; cellula radiali minuta, aperta; antennarum articulis ultimis 
5 globosis. Long. 2 mm . 

Tete subglobuleuse, au moins aussi large que le thorax. Antennes de 
la longueur de la tete et du thorax environ; les deux premiers et les derniers 
articles noirs ; les intermediaires bruns; le 9 me - medioerement plus epais que le 
precedent, les quatre derniers sensiblement plus forts. Thorax etroit et allonge ; 
le prothorax orne d'un collier de poils gris tres marque et le metathorax 
couvert de la meine: pubescence. Abdomen grand, eleve, aussi long que le 
reste du corps et ii peu pres aussi large que le thorax , portant une tres 
forte ceinture grise etroiternent interrompue sur le dos. Les ailes n'ont qu'une 



Enumeration des Figitides de 1 'Antriebe. 145 

pubescence tres faible et sont presque sans eils. La cellule radiale est petite 
et ouyerte en avant. 

Elle a une assez grande ressemblance de forme avec Y£. antennata, 
mais eile est beaueoup plus petite, ses pattes ne sont pas noires et la cellule 
radiale est moins grande. 

Deux indiyidus pris le 4. Mai, au Prater pres de Vienne. 

29. JB. cordftta n. 

Nigra, nitida: femoribus castaneis, geniculis, tibiis tarsisque rufis ; alis pu- 
bescentibus, eiliatis, apice cordato ; antennarum articulis ultirais 5 globosis. 
Cellula radialis aperta. Long. l mm . 

La tete est un peu plus etroite que le thorax, subtransversale, avec 
le front faiblement arrondi. Les 5 derniers articles des antennes sont ä peu 
pres globuleux, le 9 me - est un peu plus petit que les quatre suivants mais un 
peu plus fort que ceux qui le precedent. L'abdomen porte une forte ceinture 
grise, interrompue sur le dos. Les ailes sont pubescentes, assez longuement 
eiliees et echancrees en coeur > au bout. Le cellule radiale est medioere et 
ourerte. 

Je n'ai tu qu'un individu, dans la collection Ullrich du musee de 
Yienne, pris tres probablement en Autriche. 

30. JE. yeniculata H. 

Cothonaspis geniculatu.s Hart. 1. c. II. 201. 42? 

Nigra, nitida: pedibus pieeo-nigris, geniculis tibiisque anterioribus, obscure 
rufescentibus; alis apice truncato ; cellula radiali aperta; antennis arti- 
culis ultimis 3 subglobosis. £ Long. l 1 /} 1 ™. 

Les ailes sont moins profondement taillees en coeur, au bout, que dans 
Tespece precedente, ou meme quelquefois coupees presque en ligne dioite. 
La cellule radiale est petite, ouverte et ses neryures sont un peu noueuses. 
La ceinture abdominale est gri^atre et bien marquee. 

Je possede plusieurs mäles qui pour la taille, la couleur et la coupe 
des ailes paraissent convenir ä cette espece, mais la tete est un peu plus 
globuleuse; neanmoins je n'ose pas les en separer. Iis ont les antennes de 
forme ordinaire et sensiblement plus longues que le corps. La frange des 
ailes est assez forte. 

Environs de Vienne: dans les prairies un peu humides. Rare. 

31. JE, bicolor n. 

Nigra, nitida: ore pedibusque rufis; alis apice subcordato-emarginatis: cellula 
radiali aperta; antennis articulis ultimis 3 subglobosis. Long. iy 5 mm . 
Cette espece pourrait etre prise pour une variete de la precedente 
dont les pattes seraient plus claires, mais la cellule radiale est un peu plus 



146 



Dr J. Giraud: 



longue et le bout des ailes est plus distinctement emargine en coeur, quoique 
a un moindre degre que dans E. cordata. Chez quelques individus, le milieu 
des antennes et la base du ventre ont une faible nuance roussätre. Ceinture 
corame dans JE. geniculata. 

Mr. Tschek a pris cet insecte ä Salzbourg. La collection Ullrich 
en possede un exemplaire probablcment aussi d'Autriche. 

Hemarque. Le genre Kleidotorna Westw. (Mag. Nat. Hist. VI.) rae 
parait se rapporter aux petites especes dCEucoila qui, comme les deux pre- 
cedentes, n'ont que trois articles globuleux aux antennes. 

3 me. Horde. 

3me. ou 4me. article des antennes plus long ou plus epais que les suivants. 
(Femelles inconnues.) 

32. JE. nodosa n. 

Nigra, nitida: geniculis tibiisque obscure castaneis; alis apice rotundatis, longe 
ciliatis; cellula radiali triangulari, clausa; antennis articulo quarto 
incrassato. Long. iy 2 mm . 
Tete transversale. Antennes plus longues que le corps, avec le i rae - article 
tres faiblement courbe, plus long d'un tiers que le 3 me - et deux fois au moins 
aussi epais que lui. Ceinture de Tabdomen d'un roux cendre. Ailes normales, 
longuement ciliees; la cellule radiale, en triangle allonge, fermee. A certain 
jour on apergoit de faibles traces de la nervure cubitale. 

Capturee en certain nombre aux environs de Vienne et a Carlsbad. 

33. JE. codrina H. 

Cothonaspis codrinus Hart. 1. c. III. 357. 28. 

Nigra, nitida: antennis pedibusque ferrugineo - rufis; ant. articulo 3. lon- 
gissimo. Frons protensa. Long. iy2 mm . 

La tete est subcuneiforrae; la face allongee, flechie ; le front tres 
saillant, termine par deux petits tubercules sur lesquels sont implantees les 
antennes. Le preraier article de celles-ci est petit, subpyriforme, roussätre; 
le second globuleux; le troisieme tres long, cylindrique, faiblement courbe, 
un peu plus epais et trois fois au moins aussi long que le quatrieme ; les 
suivants subcylindriques , un peu amincis a la base; les derniers roussätres. 
Pubenscence du metathorax et de la base de Fabdomen abondante, serree, 
d'un gris roussätre. Ailes pubcscentes, ciliees; la cellule radiale grande, 
allongee, et fermee; les nervures d^un roux päle, la cubitale presque nulle. 

Un individu pris en Autriche, sans indication precise de la localite. 



"Enumeration cks Figitides de 1'Aotricbe. 



147 



Obs. Mr. Westwood a etabli le genre Eucoila en 4833 (Mag. N. 
Bist. VT.) sur une espece que je n'ai pas vue et qu'il caracterise ainsi: 

Eucoila crassinerva. Westw. Nigra, nitida: antennis pieeis; pedibus 
anoque castaneis, fenioribus obscurioribus ; nervis alarum crassissimis , fuscis. 
Long. — l lin. 

Kn 1835 (Mag. Nat. Hi.st. Vni. 178 Fig. 17.) il a fait connaitre une 
seconde espece dont yoici le signalement. 

Eucoila rapae Westw Nigra, nitida; alisfusco tinetis; femorum basi 
et apice, tibiis tarsisque nisi apice, rufescentibus ; abdominis segmento basali 
pilis albis marginato. Long. lin. 

Habitat in tuberibus gallosis Brassicae rapae. 

Nota. Ces tumeurs du navet sont produites par Ocyptera 
brassicaria, diptere dont Eucoila rapae est parasite. 

Gen. Figites Latr. 

Hist. Crust. Ins. XIII. 209. Gen. Crust. Ins. IV. 19. 
Figites Westw. Id. Zetterstedt. (ex parte.) 
Piilogaster Hart. Germ. Zeit. II. 

Deuxieme segment de Tabdoraen plus grand que les autres. 
Antennes moniliformes , de 13 articles, (?) ou filiformes, de 14 ar- 
ticles. (<$.) 

Petiole de Tabdomen court, epais, en anneau cannele. 
Palpes maxillaires de 5 art. les labiaux de 3. 

Corps allonge, comprime lateralement. Tete transversale, scabre ou 
subscabre; mandibules carrees, faiblement arquees, tridentees, la dent externe 
plus forte et plus aigue, les deux autres rapprochees et tuberculifornies : pal- 
pes maxillaires de 5 articles (Figites scutellaris), le l r - tres petit, les trois 
suirants subeylindriques , rintermediaire un peu plus long que les autres, le 
ö me - le plus long de tous, plus epais, en oyoide allonge, un peu evase en 
dehors; les labiaux de 3 art. le l r - obeonique, le 2 me - plus court, le 3 me - le plus 
long de tous, un peu plus epais, fusiforme: labium assez large, un peu 
echancre en ligne courbe : antennes du mäle aussi longues ou plus longues 
que le corps, subfiliformes ou subsetiformes, de 14 articles, allonges, faible- 
ment ovalaires, presque cylindriques , le 3 me - un peu plus long que le 4 me , 
les suiyants augmentant progressivement de longueur et diminuant un peu 
d"epaisseur: antennes de la femelle, plus courtes que le corps, de 13 ar- 
ticles , ceux du flagellum moniliformes, progressiyement plus epais et un peu 
plus courts, le dernier ordinairement plus gros, ovale ou presque globuleux. 
Thorax strie en dessous et sur les cötes , lisse sur le dos : prothorax lar- 
gement tronque en avant, rarement arrondi : mesothorax diyise, dans toute 
sa longueur, par deux sillons profonds, conyergens en arriere: ecusson ayance, 
rugueux, subrugueux ou poli, marque ä la base de deux fossettes profondes: 
Bd. I. Abbandl. 20 



148 



Dr. J. Giraud: 



metathorax declive , ruguleux , avec deux lignes longitudinales elevees , se 
rapprochant un peu en avant. Abdomen obtus ou arrondi au bout chez le 
mäle , plus long et acumine chez la femelle, avec un petiole court, epais, en 
forme d'anneau cannele , emboitant un tubereule plus mince du metathorax ; 
le premier segment mediocre , fortement retreci sur les cötes, quelquefois sil- 
lonne a la base; le secoud tres grand, couvre la plus grande partie du ventre 
et complete en dessous Tanneau du petiole par une saillie lamelleuse ; les 
suivants tres petlts; le dernier formant, chez le mäle, une piece subtriangu- 
laire, voutee et a peu pres verticale ; le dernier arceau ventral figurant, chez 
la femelle une espece de valvule plus ou moins saillante. Ailes comme dans 
le genre precedent, moins pubescentes, la nervure cubitale rarement tracee 
et la cellule radiale fermee. 

Le genre Figites etabli par Latreille sur une espece commune et de 
taille assez considerable, n'a pas ete egalement compris par les auteurs qui 
ont ecrit apres lui. Jurine Fa confondu avec le genre precedent et cette 
erreur a ete partagee par Mr. Hartig. Mr. Zetterstedt, tout en reconnais- 
sant dans Tespece de Latreille un veritable Figites, lui a cependant associe 
plusieures especes d'Eucoila. Mais Mr. Westwood avait, des 1833, (Mag. 
Nat. Hist. VI.) reconnu Terreur de Jurine et precise les caracteres qui di- 
stinguent essentiellement les Figites des Eucoila. 

Ces dex genres ont quelques caracteres communs tires du facies ge- 
neral , de la distribution des nervures des ailes et de la conformation des 
antennes; mais les Figites ont un ecusson dont le disque est rugueux, rare- 
ment lisse et jamais eleve un tubereule cupuliforme; la base de Pabdomen 
est toujours nue et le second segment beaueoup plus grand que le premier, 
tandis que ce rapport est inverse chez les Eucoila. On peut encore ajouter 
que les mäles des deux genres se distinguent par le nombre des articles des 
antennes; les Eucoila en ayant 15 et les Figites 14. 

Les Figites , comme les Eucoila, frequentent de preference les lieux 
malpropres *, on les trouve sur les plantes basses dans le voisinage des 
exeremens des animaux et de Thomrae: leurs metamorphoses ont lieu dans 
le corps des larves des Dipteres, autant du moins que Ton peut en juger 
par le petit nombre d'observations que la science possede et auxquelles je 
puis joindre la suivante. 

Pendant une chasse entomologique , faite aux environs de Gratz en 
Styrie , par une journee tres chaude du mois d'aoüt, mon attention fut 
attiree par plusieurs Chalcis qui venaient se poser sur des exeremens hu- 
inains qu'elles parcouraient en tous sens : presumant bien que les visites de 
ces insectes, que je venais de capturer en grand nombre dans la prairie voi- 
>inc, nVfcalent pas accidentelles, mais que leur but etait sans doute la 
recherchc (fun lieu convenable a leur ponte , je me contentai de marquer 
la place, renvoyant ä plus tard, des recherches, qui pour le moment ne 
pouvaient avoir aueun attrait ni pour Toeuil ni pour le nez. Huit ou dix 



Enumeration des Figitidcs de l'Autriche. 



149 



jours apres, je revins au meine endroit ou je ne trouvai que quelques restes 
desseches qui n^avaient plus rien d'offensant pour mon odorat. La surface 
de la fcerre examiuee avec soin ne nfoffrit aucun animal vivant, mais en 
creu>ant a ta protbndeur d'un pouee, je mis a decouvert un tres grand 
nombre de chrysalides de Dipl (-res &{ un cerfcaia nombre de Jarvcs qui 
n'avaient pas eu le temps de sc transformer. Je conservai les unes et les 
autres dans un va>e pleio d'iine terre legere et preaJablement tamisee et qui 
tut maintenue humide par quelques arrosements. Des la fin de septembre et 
pendant le niois d'oetobre, jVxbtms un assez grand nombre de Figites scu- 
tellaris et quelques iudividus d"une espece plus petite ä laquelle je donne 
le nom de F. consobrinus. A la fin d'oetobre parurent plusieurs Sarcophaga 
striata Meig. Au mois d'avril, nouvelle eclosion de la meine mouche a 
laquelle se joint une espece un peu plus petite qui est la Sarcophaga hae- 
morrhoa Meig. Eutin, les Chalcis que j'attendais , se montrerent au meis 
de mai et quelques uues en juin; elles appartenaient toute» a Tespece C. 
femorata N. ab Esenb. 

Cette Observation ne pennet pas de douter que les Figiies comme les 
Chalcis n'ayent vecu en qualite de parasites des deux especes de Sarcophaga 
que j'ai nientionnees et eile explique , en la modifiant ; la phrase de La- 
treille: n Figifes, nonnulli saltem, exerementis humanis delectantur". 

A. P^cusson poli et luisant. 

1. JF. nitens H. 

Psilogaster nitens Hart, h c. IV. 418. ö. 

Figites urticeti Dali lb. Monog. Onychia och Callospidia. pl. 2. fig. 2. 

Niger, nitidus: geniculis, tibiis tarsisque obscure rufis ; nervis alarum nigris \ 
areola minutissima, obliqua. ($. Long. 2 mm . 

Tout le corps, a Texception du metathorax, est poli et luisant: la 
tete, les antennes, le thorax et les pattes ont une pubescence rousse, raide 
et clair-semee. Tete subarrondie, le sommet un peu plus brillant que la face; 
mandibules rousses ; antennes un peu plus longues que la tete et le thorax, 
greles, submoniliformes , grossissant faiblement vers Textremite, le dernier 
article un peu plus epais et deux fois aussi long que le precedent. Prothorax 
arrondi, sans troncature distinete. Le dos et les cötes du mesothorax ainsi 
que Tecusson antierement lisses. Abdomen de la longueur du reste du Corps, 
un peu acumine en arriere, le premier segment ayant au moins la moilie 
de la longueur du second. Pattes d'un noir brillant, les tibias et les tarses 
d*un rougeätre ordinairement passant au marron sur le bord externe des 
tibias et ä Textremite des tarses. Ailes pubescentes, eiliecs; les nervuies noires, 
la cubitale faiblement tracee et incomplete ; Tareole ou la 2 llie cellule cubitale 
est tres petite mais constante et dirigee obliquement vers la basc de Taile. 

20 * 



150 



Dr. J. Giraud: 



Le male, qui n'a pas ete decrit, se distingue de Fautre sexe, par .sa 
taille un peu plus elancee et par le petiole de Tabdomen qui est sensiblement 
plus long. Ses antennes sont exactement filiformes, de la longueur du corps ; 
le flagellum est d'un noir un peu roussätre. La couleur rouge des pattes est 
aussi un peu plus franche. 

On trouve assez communement les femelles, en automne ; les males 
sont tres rares. 

L'absence de la sculpture ordinaire aux Figites rapproche cette espece 
du genre precedent. 

B. Dos de l'ecusson presque lisse ou finement ponctue et faiblement 

luisant en avant. 

2. /tf seiner vis n. 

Niger, nitidus: geniculis, tibiis tarsisque ferrugineo-rufis ; alarum neryis f uscis ; 
scutelli dorso subpolito, subnitido. tf. Long. S 1 /* — 2 1 /a mm . 

Tete transversale: toute la partie superieure, ä partir des antennes, 
presque lisse et assez brillante; la face couverte d'une ponctuation granulee, 
mäte chez la femelle, un peu plus fine et moins terne chez le male et laissant, 
en outre, dans ce sexe , deux tres petits espaces lisses autour du chaperon. 
Antennes de l a femelle presque de la longueur de la tete et du thorax, 
grossissant mediocrement vers Textremite, submoniliformes, le dernitr article 
ovoide et sensiblement plus fort que les autres : Celles du mäle, subsetiformes, 
de la longueur du corps. Prothorax mediocrement tronque en avant, ses cötes 
et les flancs longitudinalement stries. Dos du mesothorax lisse et brillant. 
Ecusson un peu inegal, presque lisse surtout en avant, mediocrement luisant, 
faiblement impressionne transversalement en arriere. Abdomen normal; son 
premier segment ayant un peu plus de la moitie de la longueur du second. 
Ailes a peine pubescentes, leurs nervures brunes, la cubitale tout-ä-fait eteinte. 

J'ai pris cette espece, a Carlsbad, au mois d'aoüt et dans les environs 
de Vienne, au mois d'octobre. 

3. JF. coriaceMS Dahlb. <|>. (Mus. Vien.) 

Niger, nitidus : mandibulis et antennarum flagello fusco-rufis ; geniculis, tibiis 
tarsisque rufis ; scutelli dorso subpolito, subnitido. <J\ §. Long. 3 mui . 
La pubescence des antennes, de la tete, du thorax et des pattes est 
raide, courte et assez marquee. Tete subtransvcrsale, a peine aussi large que 
le thorax, finement pointillee en arriere des antennes et peu luisante chez la 
femelle, avec la face cöriacee et terne. Chez le mäle la partie superieure de 
la tete est presque lisse et luisante, la ponctuation de la face est plus faible 
et laisse en arriere du chaperon deux petits espaces lisses. Antennes de la 
femelle sensiblement renflecs vers le bout, les articles du flagellum subovales, 



Enumeration des Figilides de l'Aulrkhe. 



151 



le dcrnier beaueoup plus gros que le precedent, en ovale allonge: celles du 
male filiformes ; le flagellum plus franchement rougeätre. Cotes du thorax 
stries: la troucature du prothorax faible. Ecusson presque lisse et un peu 
luisant en avant, irregulierement ponctue ou ruguleux en arriere et sur les 
cotes, avcc deux points enfonces, profonds, a la base. Abdomen un peu plus 
court que le reste du corps. Ailes a peine pubescentes, leurs nervures d'un 
roux pale; Fangle posterieur de la celulle radiale emettant une nervure droite 
et courte, dirigee en arriere. 

Environs de Vienne, pendant le mois de juin. 

4. JP. apicnlis n. 

Niger, nitidus: mandibulis antennisque fusco-rufis, scapo et articulo ultimo 
nigris ; pedibus rufis, coxis nigris, femoribus posticis medio piceis ; scutelli 
dorso partim subruguloso. Long. 3 mm . 

Dessus de la tete finement pointille et un peu luisant; la face granulee 
et terne. Antennes mediocrement epaissies vers le bout, submoniliforme.-., 
roussätres, avec le premier article, la base du second et le dernier, noirs ; 
celui-ci ovoide, un peu plus epais que le precedent et deux fois aussi long 
que lui. Troncature du prothorax tres large, ses bords un peu saillants : cotes 
du thorax faiblement strioles. Dos de Fecusson subrugueux en aiTiere et sur 
les cotes, presque lisse en ayant, pres de la base et un peu luisant en cet 
endroit. Abdomen de forme ordinaire, le premier segment striole a la base, 
ayant, au plus, un tiers de la longueur du suivant. Pattes rougeatres, les 
hanches noires, le milieu des cuisses posterieures couleur de poix. Ailes presque 
nues, la nervure sous marginale d'un roux pale, les deux nervures externes 
de la cellule radiale, transparentes. 

Capturee a Gmunden, au mois d'aoüt et a Vienne en octobre. 

C. Dos de 1'ecusson rugueux et terne. 

5. f \ potUus n. 

Niger, parce pubescens : geniculis, tibiis tarsisque obscure rufis; capite thora- 
ci.-que lateribus politis, fere impunctatis; scutelli dorso ruguloso, opacc. 
9. Long. V/» mm . 

Tete transyersale; le sommet lisse et luisant, la face finement et in- 
egalement ponctuee, peu luisante. Antennes d*un noir terne, de la longueur 
de la tete et du thorax, peu epaisses, submoniliformes, tous les articles du 
flagellum plus longs que larges, le dernier en ovale allonge, deux fois plus 
long et tres peu plus epais que le precedent. Thorax lisse non seulement sur 
le dos, comme chez les autres especes, mais aussi sur les cotes du prothorax 
et les flaues. Ecusson finement rugueux et egalement terne partout. Abdornen 
de la longueur du reste du corps, mediocrement acuniine au bout, son premier 



152 



Dr. J. Girautl: 



segment un peu plus long- que la moitie du suivant. Ailes pubescentes, ciliees; 
les nervures noirätres, la cubitale effacee. 

Je ne connais pas le male de cette espece ; la femelle a ete prise aux 
environs de Vienne. 

6. F. 8cwteMiaris Latr. 
Hist. Crust, Ins. XIII. 210. Gen. Crust. Ins. I. tab. 12.fig. 4$. fig. 5 <j\ 

et IV. 19. (Excluso Jur. synoninio.) 
Psilogaster tibialis Hart. 1. c. II. 202. 2. 

Niger, nitidus, parce pubescens: geniculis, tibiis tarsisque obscure rufis; alis 
albido-hyalinis, fere nudis. <$. Long. 3 1 /» — 5 mm . 

Tete transversale, un peu moins large que le thorax, couverte d'une 
ponctuation coriacee plus forte sur la face, s'affaiblissant sur le front et sur 
une partie du bord externe des yeux. Antennes du male subsetiformes, au 
moins aussi longues que le corps ; celles de la femelle plus courtes que la 
tete et le thorax, les trois premiers articles du flagellum coniques, les suivant?, 
en ovale court, egaux entr'eux, le dernier un peu plus allonge mais a peine 
plus epais que le precedent, tous d'un noir assez brillant. Prothorax largement 
tronque en avant, formant un plan declive a bords un peu saillants, grossi- 
erement ponctue sur les cotes vers le haut et strie dans le voisinage dos 
cuisses anterieures. Mesothorax en grande partie lisse et brillant, avec quelques 
points epars sur le dos \ les flaues stries avec un petit espace, vers le haut, 
presque lisse. Ecusson rugueux ou fortement chagrine, faiblement impressionne 
en travers a la base et legerement reborde. Abdomen strie a la base du 
premier segment qui a un peu plus du tiers de la longueur du second : celui 
de la femelle en ovale un peu comprime et termine en pointe, la valvule 
ventrale depassant les segments dorsaux et marquee d'une rangee de points 
de chaque cöte de son arete : celui du male plus court, plus arrondi, obtus 
au bout , le dernier segment marque de quelques gros points disposes sans 
ordre. Pattes noires, les tibias et les tarses d'un rouge fonce, le bout des 
tibias souvent tache de noirätre. Ailes d'un blanc hyalin, sans pubescence 
sensible, les principales nervures d'un rougeätre tres päle; les deux nervures 
externes de la cellule radiale decolorees, la cubitule entierement elfacee. 

Cette espece qui est la plus grande du genre est aussi la plus com- 
mune. «Ten possede de nombreux exemplaires de la plupart des provinces 
de PAutriche, corarae aussi de Tltalie et de la France (Mr. de Bar an.). On 
la rencontre surtout en automne dans les endroits malpropres, comme le dit 
Latreille. (Voyez plus haut ce qui a ete dit de ses moeurs. 

Obs. Le Fujites scutellaris Dahlb. dont j'ai vu un exemplaire origi- 
nal (?) dans le musee de Vienne est plus petit et a les antennes rous- 
sätres. Je le rapporte a Tespece suivante. 



Enumeration des Figitides de ['Antriebe, 



153 



7. F. consobrintts n. 

Figites scutellaris Dahlb. (Mus. Vien.) 

Niger, nitidus, parce pubescens: mandibulis et antennarum flagello fusco- 
rufis; trochanteribus, geniculis, tibiis tarsisque rufis; alis albido-hyalinis, 
fere nudis. <j\ §. Long. 2%— 3 mm . 

Tete transversale, a peu pres aussi large que le thorax, ponetuee 
comme chez F espece precedente mais un peu moins fortement Antennes 
d*un rouge obscur avec le premier ou les deux premiers articles, noirs : 
Celles de la femelle plus courtes que la tete et le thorax, moyennement ro- 
bustem; les trois premiers articles du flagellum eoniques , les suivants globu- 
leux, le dernier en orale court, tres sensiblernent plus epais que le prece- 
dent : Celles du male de la longueur du corps, leurs articles un peu moins 
allonges que dans Tespece F. scutellaris. Prothorax tronque transversalement 
en avant, ses cötes et les flancs strioles ; dos du mesothorax lisse et saus 
gros points. Ecusson rugueux, terne, un peu retreci en arriere et sans im- 
pres^ion traasTörsale sensible. Abdomen strie a la base, moins acumine que 
dans Tespece precedente chez la femelle et, dans les deux sexes, sans gros 
points enfonces au bout. Ailes comme dans Fautre espece. 

Je Tai obtenu, en meme temps que le F. scutellaHs , des cocons de 
Sarcophaga. Cette coiucidence jointe ä certains traits de ressemblance, 
tire> surtout de la parfaite conformite des ailes, de la sculpture de la base 
de Tabdomen et de la coloration des pattes, pourrait rendre sa distinetion 
>pecitique contestable. Mais, outre sa taille plus petite, la couleur roussätre 
des antennes, Tabsence de gros points sur le thorax et sur Pextremite de 
Tabdomen, la difference essentielle, selon moi, qui ne permet pas de con- 
fondre ces deux especes, consiste dans la conformation des antennes dont 
les articles du flagellum sont plus courts et dont le dernier, chez la femelle, 
est surtout plus epais et moins allonge. 

Xota. Le Figites anthomyiarum Bouche (Naturgeschichte 
der Insecten) , qui est parasite de Anthomyia dentipes Meig. et 
f f. oi' alis Meig. a beaueoup de traits de ressemblance ayec cette 
espece, mais ses pattes sont d'un rouge jaunätre, a Texception 
de la base des cuis.-es posterieures qui est brune. 

8. JP. etavntus n. 

Niger, vix pubescens; antennarum flagello, geniculis tarsisque anterioribus 
fusco-rufis; articulo ultimo antennarum maximo, globoso; scutello acuto, 
subspinoso. ^. Long. V/i mm . 

Tete transversale, un peu plus large que le thorax, densenient cou- 
verte d'une ponetuation granulee et opaque, la partie posterieure du Vertex 
sillonnee transversalement. Antennes un peu plus courtes que la tete et le 



154 



Dr. J. Girau d: 



thorax, les trois premiers articles du flagellum obconiques, assez minces, les 
suivants, jusqu'au 12 me -, arrondis et graduellement plus epais, le 1 3 me - glo- 
buleux , trois a quatre fois plus fort que le precedent. Prothorax transver- 
salerneht tronque en avant, ses cötes , comme les flancs , assez fortement 
stries; le dos du mesothorax tres finement pointille et peu luisant. Ecusson 
rugueux, mat, termine en pointe saillante, triangulaire, subepineuse. Abdomen 
de la longueur du thorax, peu comprime et termine en pointe tres courte, 
son premier segment ayant les trois quarts de-la longueur du suivant. Ailes 
a peine pubescentes, leurs neryures rousses et assez fortes, un peu eflPuses-, 
Tangle posterieur de la cellule radiale prolonge en un petit rameau droit 
et court. 

Cette espece s'eloigne des autres par la forme acuminee de son ecus- 
son, mais ses antennes moniliformes en font un rentable Figites. 

9. ,jP. tthnortnis n. 

? Psilogaster striolatus Hart. 1. c. II. 202. 3. 

Niger, parce pubescens: antennarum flagello, pedibusque rufis , coxis nigris; 
areola alarum conspicua. ($. V- Long. 3 — 3 y 2 mm. 
La tete est transversale, de la largeur du thorax , tres finement poin- 
tillee sur le front et le yertex et mediocrement luisante; la face est terne, 
couyerte d'une ponctuation granulee ; les mandibules sont roussätres. Les an- 
tennes de la femelle sont plus courtes que la tete et le thorax et plus 
robustes que chez les autres especes; les deux premiers articles sont noirs 
et de forme ordinaire, les autres sont rougeätres ; le troisieme represente un 
cöne tronque, les suivants, jusqu^u douzieme sont a peu pres d'egale epais- 
seur, plus larges que longs , tailles en rondelle; le dernier est subconique, 
tres peu plus epais que le precedent et un peu plus long que lui. Les an- 
tennes du mäle sont filiformes, un peu plus longues que le corps , colorees 
comme chez Tautre sexe, leur troisieme article est sensiblement plus long 
que les suivants, fortement arque et un peu renfle au bout, les suivants sont 
conformes comme ä Tordinaire. La troncature du pro thorax est tres large et 
presque perpendiculaire. Le dos du mesothorax et les cötes du prothorax 
offrent des points assez marques, mais peu Serres, qui portent des poils rous- 
sätres ; les flancs sont lisses. L'ecusson est entierement rugueux et sa pu- 
bescence un peu plus longue que celle des autres parties. L'abdomen est 
court et obtus au bout dans les deux sexes, le premier segment a un peu 
plus de la moitee de la longueur du suivant. Les pattes sont, comme le 
flagellum, d\in rouge un peu ferrugineux, les hanches sont noires et la base 
des cuisses quelquefois un peu roussätre. Les ailes sont mediocrement pu- 
l)uscentes et tres brievement ciliees , les nervures sont noirätres ; la cellule 
radiale est grande , Fareole ou la 2 me - cellule cubitale bien marquee et la 
nervure cubitale sY'tend jusqu'au bord de Faile. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



155 



Captine en certain nombre par Mr. Tschek a Piesting pres de 
Wiener-Neustadt. 

La diagnose du Psilogaster striolatus H. s^applique parfaitement a 
cette espece, mais com nie il n'est rien dit de la forme tres remarquable des 
antennes, je n'ose pas affirmer qu'il s'agisse du merae insecte. 

Obs. Quoique cette espece presente tous les caracteres generiques des 
Figites, eile s'eloigne cependant, sous quelques rapports de la forme typique. 
Les antennes des mäles ont le troisieme article fortement arque, ce qui n'a 
pas lieu chez les autres especes : Tabdomen de la femelle n'est pas termine 
en pointe et ses antennes sont plus robustes ; enfin les neryures des ailes 
>ont plus completes. Ces differences, bien qu'importantes, ne me paraissent pour- 
tant pas justifier un demembrement d 1 un genre jusqu'ici peu riche en 
especes. 

Gen. Omalaspis n. 2 ) 

Deuxieme segment plus grand que les autres. 
Dos du mesothorax ni rugueux ni carene. 
Antennes filiformes. 

Petiole de Fabdomen court, epais, cannele. 
Palpes comme dans le genre Figites. 

Corps mediocre, un peu allonge, plus haut que large. Tete transversale 
de la largeur du thorax, portant sur le front deux carenes ou lignes elevees 
se dirigeant de la racine des antennes vers les ocelles externes et deux autres 
sur le haut de la face circonscrivant un espace subovale , un peu deprime. 
Mandibules courtes, peu saillantes, faiblement arquees, subtridentees. Yeux 
ovales , mediocrement saillants ; ocelles places en triangle inequilateral sur 
le yertex, les externes plus grands, Tanten eur un peu enfonce : Tocciput tres 
finement acicule en travers. Joues deprimees, terminees par un bord saillant. 
Antennes filiformes, minces, les articles du flagellum longs, a peu pres 

cylindriques, le dernier au moins aussi long que les deux precedents Thorax 
ovoide , un peu retreci en arriere ; plus haut que large: prothorax large sur 
les cotes, tres etroit au milieu ou il est fortement tronque ; la troncature de- 
clive, ä bords un peu en relief , marquee en avant pres de la ligne mediane 
de deux fossettes profondes et arrondies: mesothorax portant deux sillons 
assez larges, sur le dos, deux autres tres pres des ecailles des ailes et le 
commencement d'un cinquieme, en airiere entre les deux premiers. Ecusson 
presque plat , horizontal , un peu moins eleve que le mesothorax , subqua- 
drilatere, faiblement retreci vers le bout et tronque en ligne un peu courbe, 
marque ä sa base de deux fossettes profondes et lisses ; son disque ruguleux 
avec quelques lignes irregulieres un peu plus elevees, mais sans sillons 



J ) o/xa?.o's plat et agnig ecusson. 
Bd. I. AbUndl. 



21 



156 Dr. J. Giraud: 

longitudinaux. Metathorax tres court, excave au milieu, un peu avance sur 
les cötes en forme de cöte mousse. Abdomen ovoide ou plutöt sublenticulaire, 
un peu acumine au bout: le petiole court, tres epais, profondement strie, 
formant un anneau semblable a celui du genre Figites et embrassant le 
tubercule metathoracique auquel il s'insere : le premier segment petit, 
avance sur le dos en forme de languette, sans depression a la base; le 
second tres grand ; les derniers tres petits. Pattes de conformation ordinaire, 
les tibias posterieurs sans cannelures. Nervures des ailes a peu pres comme 
dans le genre Figites ; la nervure cubitale en partie tracee et la cellule ra- 
diale fermee en avant par une nermre tres fine. 

i. O. it <>»'*€' 91 H n. 

Niger, coriaceus, opacus, breviter pubescens : antennarum flagellis pedibus- 
que ferrugineo-rufis, coxis nrgris; alis in regione nervorum flavedine im- 
butis. Long. 3- 4mm, 

La tete est terne, coriacee sur le front, un peu ruguleuse sur la face 
et striolee sur les joues. Les antennes ont la longueur de latete etduthorax; 
le premier article est noir, le second roux, les suivants d'un rouge un peu 
ferrugineux. Les cotes du prothorax et le dos du mesothorax sont finement 
coriaces, ternes, sans rugosites ni lignes elevees ; les sillons de ce dernier sont 
rides en travers dans le fond. Ecusson subrugueux, faiblement reborde tout 
autour. L'abdomen est noir, luisant, finement pointille, termine en pointe courte. 
Les ailes sont mediocrement pubescentes, leurs nervures jaunätres ou fauves, 
bien marquees ; Fecaille est noire. La partie externe de Taile est claire, toute 
la region des nervures est lavee de jaunätre. 
Deux femelies des environs de Gratz. 

Obs. Le Figites niger Hart, qui ressemble ä cette espece par la 
taille et les couleurs, en differe en ce que le dos du thorax est carene et 
les ailes sans nebulosite. 

Gen. Onychia Dahlb. s) 

Tenthredo sp. de Villers. Evania sp. Ross. Cynips sp. Panz. 
Figites sp. Jurine, Latr. Fonscolombe, Hartig. 
Deuxieme segment de l'abdomen plus grand que le autres. 
Petiole tres court, sillonne. 

s ) Dans une courte analyse du genre Onychia Haliday donnee par Mr. Walker, (Enf. Mag. 
III. 162) on lit enlr'autres caracteres: „petiolus brevis, gracilis; segmentum (abdom.) primum reliqua 
omnino obtcgens." Cette pbrase ne peut en aucune maniere s'appliquer au genre de Dahlbom etindique 
un lout autre insecte. Cependant comme Mr. "Walker cite 1' Evania ediogaster Rossi qui est en effet 
une Onychia dans le sens de Dahlbom, la contradiction de ces deux donnees laisse dans 1'esprit des 
doutcs que l'inspection de l'insecte original ou une description plus ddtaillee peuvent seules lever. Si, comme 
je le soupconne, il s'agit de deux genres difförents, il deviendra nfoessaire de changer la d^nominatioa de 
Dahlbom, que Ton pourra remplacer par Aspicera, terme erde par luJ, ou par le nom de Bellona que 
je preTf-rcrais. J'ignore ce que dit Mr. West wo od sur le genre Onychia (Loudons Mag.) n'ayant pas 
pu me procurer cet ouvrage. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



157 



Dos du mesothorax carene. 
Ecusson epineux. 

Palpes maxillaires de 5 articles, labiaux de 3. 
Antennes de 14 art. (tf) ou de 13 

Corps epais, robuste, grossierement sculpture sur la tete et le thorax. 
Tete transversale , a peine aussi large que le thorax, portant deux lignes 
elevees ou carenes qui vont de la racine des antennes aux ocelles externes 
et deux autres sur le haut de la face : la region occipitale transversalement 
sillonnee ; les joues un peu arancees en arriere, deprimees et terminees par 
un bord tranchant : yeux oyales, mediocrement saillants ; ocelles disposes en 
triangle inequilateral , presque en demi cercle. Antennes filiformes, medio- 
crement robustes , a articles Serres , subcylindriques ; environ aussi longues 
que le corps chez le mäle et de 14 articles, dont le troisieme est obliquement 
et assez fortement echancre en arriere : un peu plus courtes chez la femelle 
et de 13 articles; le dernier obtus au bout, de la longueur des deux prece- 
dents. Thorax epais, un peu attenue en arriere, parcouru longitudinalement 
par plusieurs lignes eleyees formant des sillons et couvert de rugosites fines 
et transversales. Ecusson de meine sculpture que le dos du mesothorax, 
marque, a la base, de deux fortes fossettes geminees, subarrondies et pro- 
longe en arriere en epine horizontale. Prothorax tres large sur les cötes, 
etroit au milieu ou il presente une troncature declive et comme bipartie. 
Abdomen ovoide, sublenticulaire, luisant, paraissant lisse ä Foeuil nu, mais 
marque d'un pointille tre» fin ; presque sessile, adherant au metathorax par 
un anneau tres court, »trie et peu epais : le premier segment de longueur 
mediocre sur le dos, tres retreci sur les cotes ; le second tres grand, cachant 
tous les suivants chez la femelle ; les derniers extremement etroits et visibles 
chez le mäle. Pattes mediocrement robustes ; la face interne des tibias poste- 
rieurs parcourue par une ligne longitudinale elevee. Ailes comme dans le 
genre Figites , mais la cellule radiale ouverte ; cellules cubitales confondues 
avec le disque. 

Les moeurs de ce genre, qui sont tres vraisemblablement analogues a 
celles des Figites, n'ont pas ete obserrees. L'insecte parfait semble aussi 
preferer les lieux salis par des ordures. 

1. O. sculet tata de Villers. 
Tenthredo scuteüata de Vill. Linn. Ent. III. 126. Nr. 138. ($) 
Evcmia ediogaster Rossi. Faun. Etr. II. 57. 

Nigra, coriaceo - rugosa, opaca, parce et breyiter pubescens : thoracis dorso 
ferrugineo : pedibus anterioribus ferrugineis, coxis et trochanteribus nigris ; 
posticis nigris, tibiis ferrugineis. Long. 4— 4 1 /t ram . 

Les antennes sont entierement noires et un peu plus courtes que la 
tete et la thorax \ les mandibulcs ferrugineuses au milieu. La sculpture de 

21* 



158 



Dr. J. G ir au d i 



la tete et du thorax est fortement exprim.ee, surtout sur le dernier: tout le 
dos du corselet, y compris Fecusson, est ferrugineux, ä Fexception d'une taclie 
sur le deyant du mesothorax et de Fepine scutellaire, qui sont noires celle- 
ci est parcourue par deux sillons qui font suite a ceux dudisque de Fecusson. 
Le metathorax, surtout sur les cotes, est plus fortement pubescent que les 
autres parties. L'abdomen est noir, luisant, finement pointille, surtout en 
arriere ; le bord inferieur du second segment est pellucide et päle. Les pattes 
anterieures sont ferrugineuses ayec les hanches et les trochanters, noirs ; 
les tarses intermediaires un peu rembrunis : les posterieures sont noires ayec 
les tibias ferrugineux, excepte leur extreme base qui est aussi noirätre. Les 
ailes sont d'un blanc hyalin, presque nues; leurs nermres assez epaisses, un 
peu noueuses et d'un roussätre päle. 

Je ne possede que deux femelles de cette belle espece que j'ai prises 
pendant le mois de juillet, hors des murs de Vienne, pres du nouyel ars enal. 

2. O. ediogaster Pz. 

Cynips ediogaster Panz. Faun. Germ. tab. 87. 16. 

Onychia ediogaster Dahlb. Mon. Onych. et Callasp. tab. 1 f. 3—7. 

Nigra, coriaceo-rugulosa, opaca, parce et breviter pubescens : antennarum 
flagello piceo ; pedibus obscure ferrugineis, coxis, trochanteribus tarsisque 
posticis nigris j alis in regione yenarum flayedine imbutis. (Q thoracis 
dorso ferrugineo maculato yel toto nigro). tf. Long. V-Ji — 3 mm . 

Les antennes sont d'un roux obscur , ayec les deux premiers articles 
noirs: celles du mäle ont presque la longueur du corps et leur troisieme 
article est obliquement echancre en arriere: celles de la femelle ont tout 
au plus la longueur de la tete et du thorax. Le dos du thorax est tout 
noir dans les deux sexes, ayec le cote externe des fossettes scutellaires 
pales et pellucides, ou marque, chez quelques femelles , d'une tache ferru- 
gineuse occupant la partie posterieure du mesothorax et une portion 
variable de Fecusson: les lignes longitudinales eleyees et les rides trans- 
versales sont assez sensibles , mais moins que dans Fespece precedente \ 
le dos de Fecusson est parcouru par une ligne mediane elevee qui se pro- 
longe sur Fepine et par deux autres laterales un peu moins marquees : Fepine 
est noire, mince et aigue. L'abdomen est conforme comme chez Fespece 
precedente, mais plus finement pointille. Les pattes sont comme Findique la 
diagnose, les cuisses des femelles, a dos du thorax tout noir, sont plus ou 
moins assombries. Les ailes sont hyalines, tres faiblement pubescentes ; leurs 
nervures, moins fortes que chez Fespece precedente, sont d'un jaunätre päle 
et la region qu'elles occupent est obscurcie j)ar une nebulosite jaunätre. 

Elle n'est guere moins rare que la precedente, aux environs de Vienne, 
pendant les mois de juillet et d'aoüt, dans le voisinage des habitations. 

II n'est pas douteUJS que cette espece ne soit bien distincte de TO. 
8cutellata : sa taille beaucoup plus petite , la nebulosite de ses ailes, sa 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



159 



ponctuation moins grossiere et enfin la difference de coloration, le demontrent 
suffisamment. II n'est pas moins certain, a raon avis, que YEvania ediogaster 
Rossi est identique avec la Tenthredo scutellata de Vi 1 1. et la derniere 
denomination doit etre adoptee comme etant la plus ancienne. Peut-etre 
est-ce aussi a cette espece qu'il faut rapporter le Figites ediogaster Hart. 
La taille et la coloration rouge du thorax sont les meines et il ^est pas dit 
que les ailes soient nebuleuses, mais les antennes sont d'un noir rougeätre et 
les cuis>es posterieures rouges, ce qui n'a pas lieu chez les exemplaires que 
je possede, ni dans ceux decrits par les auteurs que j'ai cites. Quand au 
Figites ediogaster de Latreille et de Jurine, il est trop sommairement 
mentionne pour qu'il soit possible de savoir a laquelle des deux especes qui 
precedent, il appartient. 

3. ©. spino&a. 

? Figites spinosus Hart. 1. c. IV. 418. 

Nigra, coriaceo-rugulosa, parce pubescens : tibiis tarsisque fusco-rufis ; alis in 
regione renarum flavedine imbutis. cT. Long. 2y2 mm . 

Les antennes sont noires, de la longueur du corps au moins et leur 
troisienie article est fortement echancre en arriere. Le thorax est tout noir; 
les lignes longitudinales elevees et les rides transversales sont un peu plus 
faibles que dans Tespece precerlente 5 la ligne mediane de Tecusson est seule 
bien distincte, les laterales sont tres peu sensibles et Tepine est un peu 
plus courte. L'abdomen est d'un beau noir luisant, avec un pointille excessi- 
vement fin. Les pattes posterieures sont noirätres avec les tibias tirant un 
peu vers le roussätre ; les cuisses des paires anterieures sont couleur de poix, 
les tibias et les tarses d'un rouge un peu obscur. Les ailes sont comme chez 
Tespece precedente. 

Outre la couleur noire des antennes et d'une partie des pattes, la 
sculpture plus faible du dos du thorax distingue cette espece de PO. ediogaster. 
Je soupconne fort que la femelle que je ne connais pas, est celle que Mr. 
Hartig decrit sous le nom de Figites spinosus. Sa phrase diagnostique s'ap- 
plique parfaitement au male , mais, comme il ne fait j>as mention de la 
ncbulosite des ailes, je ne cite cet auteur qu'avec doute. L'insecte de Mr. 
Hartig et le mien proviennent de la Styrie. 

Especes qui me sont inconnues. 

4. O. bicolor Fonscol. (Figites). Annal. Scienc. nat. 1832. 

Elle a un peu moins d'une ligne de long. Une partie du mesothorax, 
Tecusson et Tepine, sont rouges. (£) 

5. 0. aeuleata Dahlb. Monogr. 

Elle se distingue surtout par son thorax tout noir et ses ailes d'un 
blanc hyalin. Le milieu des antennes est rougeätre. § . Long. 1 l fo lign. 



160 



Dr. J. Giraud: 



Gen. Callaspidia Dahlb. 

Monogr. gen. Onych. och Callasp. (1842). 
Figites sp. Fonscol. Hart. 

Deuxieme segment de Fabdomen plus grand que les autres. 
Mesothorax rugueux. 
Petiole allonge, lisse. 
Ecusson tronque. 

Antennes de 14 art. ou de 13 

Palpes corame dans le genre Figites. 

Corps de taille mediocre, un peu plus allonge que dans le genre pre- 
cedent. Tete et antennes conformees comrae dans celui-ci Thorax grossierement 
coriace, ä rugulosites transversales: le prothorax large sur les cotes oü il est 
faiblement sillonne, largement tronque en avant sur un plan declive, son bord 
superieur raince et surbaisse au railieu : le dos du mesothorax marque de 
plusieurs sillons longitudinaux a bords quelquefois un peu releves; les inter- 
mediaires sensibles seulement en avant ; les lateraux, ou sillons des parapsides, 
plus niarques et entiers. Ecusson presque horizontal, subquadrilatere, tronque 
presque carrement en arriere, parcouru par deux forts sillons longitudinaux 
dont le fond est coupe en travers par d'autres sillons plus petits; les bords 
lateraux des premiers unis au mesothorax par une lamelle pellucide qui limite 
en dehors deux larges fossettes basilaires. Metathorax tres court, inegal, 
assez fortement pubescent, surtout sur les cotes. Abdomen brillant, paraissant 
lisse, mais faiblement pointille; en ovale court, sublenticulaire ou en spheroide 
subtriangulaire; fixe a la partie inferieure du metathorax par un petiole 
cylindrique, d'epaisseur mediocre, lisse, ayant environ le quart de la longueur 
du reste de Torgane; le premier segment tres fortement retreci sur les cotes, 
avance au milieu en forme de languette arrondie au bout, a surface un peu 
plane et portant vers la base une impression circulaire peu profonde, ponctuee 
et mate; le second segment, tres grand, recouvre les suivants, presque en 
totalite. Ailes et pattes comme dans le genre Onychia; les tibias posterieurs 
canneles longitudinalement en dedans et en arriere. 

Le male a, suivant Dahlbom, les antennes de la longueur du corps 
environ, de 14 articles dont le troisieme est excave en arriere. 

Les metamorphoses n'ont pas ete observees. 

1. €*. Dufouri n. 

Nigra, coriaceo-rugulosa, opaca, parce pubescens : thoracis lateribus, scutello, 
squamulis, petiolo, coxis tarsisque ferrugineis vel rufo-sanguineis ; anten- 
narum flagello obscure rufo aut fusco - nigro ; alis in regione venarum 
flavedine imbutis. Long. 4— ö mm . 



Enumeration des Figitides de l'Aulriche. 



161 



Tete noire, chagrinee, opaque, sillonnee en travers sur Tocciput, peu 
pubescente; Tespace ovalaire sous les antennes presque nu: raandibules (Tun 
ferrugineux obscur. Antennes filiformes, de la longueur des deux tiers du 
corps, d'un rougeätre obscur, avec les deux premiers arlicles et une grande 
partie du troisierae, noirs, ou entierement d"un brun noiratre; le 3me. art. 
sensiblement plus long que les suivants, droit, subcylindrique, un peu renfle 
au bout , les neuf suivants diminuant peu ä peu de longueur, faiblement 
ovalaires ou presque cylindriques, assez dictincts; le dernier plus long que 
les deux precedents, de meme epaisseur et termine en pointe mousse. Thorax 
rugueux, opaque, tres peu pubescent, ä Texception des cötes du metathorax 
qui le sont d'avantage: les cotes du prothorax obliquement strioles, sa 
troncature assez large, finement granulee, formee de deux plans declives: le 
dos du mesothorax entierement couvert de rugosites transversales assez 
saillantes, avec le commencement de trois petites lignes elevees en ayant: les 
flancs lisses, brillants, de couleur ferrugineuse ou sanguine ou de lie de yin; 
le bas des cötes du prothorax souvent niarque d^ne tache de la meme 
nuance. Ecusson ferrugineux, tantot clair, tantot plus fonce, plus rarement 
d'un brun noiratre, les cotes externes des fossettes toujours jaunes ou citrins: 
les deux sillons du disque, larges, assez profonds, formant comme le prolongement 
des fossettes basilaires , et separes Tun de Tautre par une arete mince. 
Abdomen un peu moins long que le thorax, presque aussi large que lui, en 
ovale court ou sublenticulaire, noir, tres brillant, avec le bord ventral du 
second segment un peu decolore et pellucide: petiole rougeätre, lisse , assez 
long, cylindrique, un peu dilate en avant en forme d'ecaille pour embrasser 
le tubercule metathoracique auquel il fait suite: en dessous et en avant 
existe, enoutre, une petite elevation en forme de dent aigue que Ton ne peut 
sourent bien distinguer qu'en detachant le petiole. La couleur des pattes 
varie: tantot les hanches et les tarses sont ferrugineux et tout le reste 
noir; tantot les cuisses anterieures et tous les tibias sont d'un noir de poix, 
passant plus ou moins au rougeätre. Les ailes sont d'un blanc hyalin, presque 
nues; les nervures d'un testace pale ou jaunätre et toute la region qu'elles 
occupent est lavee de la meme couleur. 

J'ai examine 14 individus, tous femelles, dont 8 appartenant ä ma 
collection. ont ete pris au Prater pres de Vienne, pendant le mois d'octobre 
et les autres ä Piesting par Mr. Tschek. Je ne connais pas le mäle: peut- 
etre faut-il le chercher dans la C. Westwoodi Dahlb. 

Je dedie cette belle espece au savant Mr. Leon Dufour, en temoignage 
de mon admiration pour ses travaux et en recoDnaissance de Tamitie qu'il 
veut bien me temoigner. 



162 



Dr. J. Giraud: 



">.€'. Fonscolomhei Da Ii lb. 

Monogr. geu. Onych. och Callasp. (<j\$) tab. 1. F. 8—11, 
Figites notata B oy er de Fons colombe. Ann. Seien, nat. XXVI. p. 
187. 4. (tf). 

Nigra, coriaceo - subrugulosa, opaca, parce pubescens: antennarum flagellis, 
mandibulis, squamulis pedibusque fulvo-rufis ; alis aqueis. scutello 
nigro, $ pieeo-rufo.) Long. 3yj mm . 
Cette espece a une tres grande ressemblance ayec la precedente, mais 
eile en est certainement bien distinete: sa taille est plus petite et sa forme 
moins allongee; le flagellum des antennes et les pattes sont d'un rouge 
fauve assez clair, les cuisses posterieures et la base des hanches, a peine 
un peu rembrunies. Les flancs sont d'un noir de poix. L^cusson est noir 
chez le mäle, suivant D ahlbom ; il est rougeätre chez la femelle et cette 
couleur s^tend un peu sur la partie yoisine du mesothorax. La ponetuation 
du dos du thorax est plus fine, plus egale, un peu grenue, presque sans 
rides transversales sensibles; les cötes du prothorax sont aussi plus faiblement 
strioles. Cette diflerence de sculpture est assez grande pour faire distinguer 
cette espece de la premiere. En outre, les ailes sont partout pures, leurs 
nervures, seules, sont jaunätres. 

Je ne possede pas cette espece: je n^n ai vu qu'un exemplaire femelle 
envoye par D ahlbom au Musee imperial de Vienne. La comparaison de cet 
echantillon avec ceux de la C. Dufouri m'a permis de faire ressortir leur 
difiference speeifique. 

Note. Dahlbom ayant decrit les deux sex es, fai cm 
devoir preferer sa denomination, ä celle de Tauteur recomman- 
dable quelle rappeile, quoique le nom donne par Fonscolombe soit 
plus ancien. 

3. €\ Migwrica n. 

Obscure-ferruginea, coriaeeo-subrugulosa, opaca, pubescens : abdomine nigro, 
nitidissimo ; pedibus posterioribus rufo-pieeis ; alis albo-hyalinis, purissimis 
§. Long. 4y 4 mm. 

La tete et les antennes sont entierement d'un rouge ferrugineux-, le 
bas de la face et des joues est assez richement couvert d'une pubescence 
cendree un peu soyeuse, et Fespace cordiforme, au dessous des antennes 
est rempli de poils tres courts, tres Serres et ternes. Le thorax est ponetue 
comme chez Tespece precedente, d 7 un ferrugineux obscur mele de noirätre le 
long des sutures , sur la partie anterieure du mesothorax et les cötes du 
metathorax: le cöte externe des fossettes scutellaires est citrin. L'abdomen 
est en ovale-lenticulaire , un peu acumine au bout , les derniers segments 
n'etant pas retractes sous le second. Le petiole est rougeätre et conforme 
comme dans les deux autres especes. Les pattes anterieures sont d'un rouge 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



163 



ferrugineux, avec le cöte externe des cuisses plus sombre; les posterieures 
sont presque entierement (Tun brun rougeätre obscur. Ailes d'un blanc hyalin 
tres pur; les nervures jaunatres et un peu greles. 

Je ne possede quune femelle que j'ai re^ue de Mr. de Baran, comme 
ayant ete prise dans les environs de Nice. 

Nota. Le Figites Latreilli Hart, qui est une veritable 
Callaspidia pai ait tres voisin de cette espece, mais il a la tete 
noire et les pattes toutes rouges. 

Gen. Melanips Hai id. 

Melanips Hai. secund. Walker Ent. Mag. III. 161. 
Id. Westwood. Zool. Mag. 1837. 

Sarothms et Amblynotus (Scytodes ol.) Hart. L c. 1840. 

Deuxieme et troisieme segments de Pabdomen egaux ou le premier 
tres peu plus long que le second. 

Base de Tabdomen pubescente. 

Antennes filiformes, de 14 art. ou de 13 (§). 

Palpes comme dans le genre Figites. 

Les insectes de ee genre ont Phabitus et la plupart des caracteres 
des Figites. La tete et le thorax sont tantöt lisses et luisants, tantöt 
finement ponctues et presque mats. Les antennes des mäles sont filiformes 
ou subsetiformes , ordinairement un peu plus courtes que le corps, rarement 
de meme longueur; de 14 articles, les deux premiers comme ä Tordinaire, le 
troisieme cylindrique, droit ou excave en arriere, de la meme longueur que 
les suiyants ou un peu plus long, les autres subcylindriques, assez Serres et 
egaux entr'eux. Celles de la femelle sont un peu plus courtes, tres faible- 
ment epaissies vers le bout ou filiformes, de 13 articles; ceux du flagellum 
assez Serres, cyündriques ou submoniliformes. Prothorax etroit et tronque 
en avant, plus large sur les cotes. Mesothorax grand, parcouru longitudi- 
nalement par trois sillons dont Tintermediaire s'efface en avant, tantöt tres 
marques et tantöt presque obliteres. Ecusson mediocrement saillant, ruguleux, 
marque a sa base de deux fossettes dans la plupart des especes. Metathorax 
decliye, opaque, pubescent, avec deux lignes longitudinales et paralleles. 
l J etiole court, ponctue ou confusement strie, moins epais que dans le genre 
Figites. Abdomen en ovale allonge, obtus au bout ou tres faiblement acumine 
chez les femelles, lisse et luisant, tres finement pointille chez quelques 
especes; les deux premiers Segments grands et ä peu pres egaux entr'eux; 
le premier orne, a la base, de deux touffes de poils tres fins; les autres 
plus petits, le dernier, chez le mäle, descendant perpendiculairement comme 
chez les Figites et ouvert en dessous. Pattes de forme ordinaire. Ailes 
Bd. I. Abhandl. 22 



164 



Dr. J. Girau d : 



pubescentes ou subpubescentes, a nervures souvent robustes et plus completes 
que dans le genre Figites'. une cellule radiale triangulaire , fermee et trois 
cellules cubitales plus ou moins bien determinees, rarement confondues avec 
le disque de Paile, par Tabsence de la nervure cubitale. 

Le genre Melanips se distingue principalement du genre Figites, par 
les deux premiers segments de rabdomen qui sont a peu pres egaux en 
longueur et dont le premier est orne d'une ceinture de poils souvent inter- 
rompue au milieu; tandis que les Figites ont le deuxieme segraent beaucoup 
plus long que le premier et que celui-ci est toujours nu. Les antennes sont 
aussi en general un peu moins longues et leur troisieme article est le plus 
souvent echancre ou emargine en arriere chez les mäles. La difference de 
conformation des antennes, chez les femelles, dont les articles du flagellum 
sont submoniliformes dans quelques especes et filiformes dans d'autres jointe 
a la presence d'une ponctuation fine et serree dans ces dernieres , semblerait 
justifier la creation de deux coupes, comme Ta fait Mr. Hart ig: mais les 
mäles n'ont aucun caractere generique qui puisse les distinguer; c'est ce qui 
nTa determine a les reunir, ainsi que me parait Tavoir fait Mr. Haliday, 
d 1 apres Tanalyse des caracteres generiques reproduite par Mr. Walker. 

Les moeurs des Melanips n'ont pas encore ete observees, mais Tanalogie 
permet de presumer qu'ils vivent en qualite de parasites comme les Figites. 

\. MF, eunfttieuiattts H. 

Sarothrus canaliculatus Hart. 1. c. II. 203 et III. 358. 

Niger, nitidus: geniculis, tibiis tarsisque, rufis ; thoracis dorso trisulcato« 
alis hyalinis, nervo cubitali subobliterato. ((J 1 Ant. basi rufis). . Sj? . 
Long. 3 mm . 

Le sommet de la tete, le thorax et rabdomen sont lisses et luisants; 
la face est ponctuee au dessous des antennes, le reste est presque lisse. Les 
antennes de la femelle sont d'un noir fonce, tres peu plus longues que la 
tete et le thorax, faiblement epaissies vers le bout, presque filiformes et 
pubescentes; les articles du flagellum subovales/ d'un tiers environ plus longs 
que larges, le dernier presque deux fois aussi long que le precedent. La 
troncature du prothorax est faible, un peu declive et mal limitee. Le dos 
du mesothorax est parcouru dans toute sa longueur par deux sillons profonds, 
convergents en arriere, et par un troisieme intermediaire, raccourci en avant. 
L'ecusson est rugueux et mat; les deux fossettes de la base sont bien 
marquees et luisantes. L'abdomen est sublenticulaire, plus haut que large et 
un peu acumine ; la ceinture de poils de la base est, comme la pubescence 
du metathorax, d'un gris brun. Les pattes sont noires avec les tibias et les 
tarses d'un rouge un peu obscur. Les ailes sont mediocrement pubescentes, 
leurs nervures d'un noir brun, d'epaisseur moyenne; Fareole ou 2 me - cellule 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



165 



cubitale est incomplete et la nervure cubitale faiblement tracee en dehors 
de ce point. 

Le male se distingue par son abdomen raoins lenticulaire , tout-ä-fait 
obtus au bout et par ses antennes qui ont environ la longueur du corps. 
Selon Mr. Hartig, les 3 me - et 4 rac - articles de ces dernieres sont rouges; 
chez les deux exemplaires que j'ai vus et dont un appartient a ma collection, 
les art. 3 — 6 sont d'un rouge obscur et les suivants d"un noir bruü. La 
couleur rouge des pattes est aussi un peu plus claire que dans Tautre sexe. 

Kare, aux environs de Vienne, pendant le mois d'oetobre. 

2. M. tibiatis Da Ii lb. 

Figites tibialis Dahlb. (Mus. Vienn.) 

Niger, nitidus, parce pubescens : antennis fusco-nigris ; pedibus rufis, coxis 
nigris, femoribus pieeis ; alis puris. nervo cubitali nullo. <$.%!. Long. 2 mm . 
Cette espece est plus petite d*un tiers que la precedente ä laquelle 
eile ressemble sous beaueoup de rapports. Les antennes sont dans les deux 
sexes d'un noir brunätre; celles de la femelle sont un peu plus longues que 
la tete et le thorax et conforniees comrae dans la premiere; elles sont 
exaetement filiformes, chez le male, et un peu plus courtes que le corps. 
Le thorax ne presente pas de difference. Les ailes sont pures, hyalines, peu 
pubescentes et leurs nervures rousses. II n*y a pas de traces de la nervure 
cubitale. 

Haute-Autriche. Rare. 

La comparaison de nies exemplaires avec ceux de Dahlb om conserves 
dans le Musee de Vienne, ne me laisse aueun doute sur leur identite. 

3. .f£ t futnipennis n. 

Niger, minus nitidus, sparse punetulatus, pubescens: geniculis omnibus, tibiis 
tarsisque auterioribus, abdominis summa basi obscure rufis ; alis fuscis, 
dense pubescentibus. Long. 2ya mm . 
La tete et le thorax sont medioerement pubescens, moins luisants que 
dans les especes precedentes et marques de points peu serres et assez distinets: 
la face est plus densement ponetuee et ä peu pres mate. Les antennes sont 
filiformes et un peu moins longues que le corps. La troncature du prothorax 
est transversale et sans bords suillants. Le dos du mesothorax porte, en 
arriere, trois faibles sillons qui n'atteignent pas le milieu. Ecusson ruguleux, 
marque ä la base de deux fossettes etroites et peu profondes. Abdomen 
MUsi long que le reste du corps, obtus au bout, noir et brillant, avec 
Textreme base du premier segment, rougeätre, et la ceinture de poils d'un 
gris bruo. Pattes noires, les genoux de la pairc posterieure ä peine rougeatres, 
les tibias et les tarses anterieurs d'un rouge obscur. Ailes rousses, tres 

22* 



166 



Dr. J. Giraud: 



pubescentes, les nervures noirätres; la deuxieme cellule cubitale incomplete- 
ment tracee. 

Capture a Salzbourg, au commencement de septembre. 

Nota. Le Sarothrus areolatus Hart, semble avoir beaucoup 
de rapports avec cette espece, je le crois distinct neanmoins, 
parceque Fauteur indique la couleur generale des pattes comme 
rouge et se borne a dire que le dos du mesothorax porte trois 
sillons, sans parier de leur peu de profondeur et de leur brievete. 

4. J8f. opacus H. 

Scytodes opacus Hart. 1. e. II. 202. 1. 

Niger, coriaceus, opacus, breviter pubescens: antennarum flagello supra 
nigro fusco, infra pallidiore ; pedibus rufo-testaceis, coxis et trochante- 
ribus nigris, femoribus basi piceis; alarum nervis fuscis, cellulis cubitali- 
bus tribus. <J\ Ant. articulo tertio emarginato. Long. 3Va min . 

La tete et le thorax sont couyerts d'We ponctuation coriacee tres 
fine, opaques et brievement pubescens : sur le front cette ponctuation pa- 
rait un peu plus faible que sur la face. Le chaperon est limite a sa base et 
sur ses cötes par une impression profonde. Les antennes du male sont assez 
robustes, setiformes et plus courtes que le corps; leur troisieme article, un 
peu plus long que les suivants, a une forte echancrure oblique en arriere et 
s^paissit un peu au bout. La troncature du protliorax est large et ses 
bords sont un peu saillants. Le mesothorax porte deux sillons entiers, con- 
vergens, etroits mais assez profonds et les traces d'un troisieme sur la ligne 
mediane. L'ecusson est ruguleux en arriere, coriace en avant , avec deux 
fossettes profondes, ä la base. L^bdomen est ovalaire, de la longueur du 
thorax, noir, brillant; tous les Segments, le premier excepte, sont mar- 
ques d'un pointille extremement fin. Le petiole, un peu plus long que chez 
les especes congeneres, porte quelques stries, en arriere. Pattes comme 
Findique la diagnose, les tarses posterieurs noirätres. Les ailles sont am- 
ples, hyalines, mediocrement pubescentes; leurs principales nervures sont 
tres fortes et de couleur rousse , la cubitale est mince , plus pale et 
tracee jusque pres de bord de Taile ; il existe trois cellules cubitales dont 
la seconde est triangulaire et obliquement placee. 

J'ai pris cet insecte une seule fois a Reichenau. La collection Ull- 
rich en possede un exemplaire sans indication de patrie, mais tres proba- 
blement aussi d'Autriche La femelle que je n^ai pas vue, a, selon Mr. H artig, 
les cuisses presque entierement rouges. 



Enumeration des Figiüdes de l'Autriche. 



167 



I 

5. JfM. grttnulfttus H. 

Scytodes granulatus. Hart. 1. c. III. 358. 3. 
Oynips Zetterstedti. D a h 1 b. (Mus. Vien.) 

Niger, coriaceus, opacus, breviter pubescens : antennarum flagello fusco, 
subtus rufescente; pedibus rufis, coxis et trochanteribus nigris; thora- 
cis dorso obsolete sulcato. c?. 9. Long. 3 mm . 

La tete et le thorax sont partout egalement courerts d'une ponc- 
tuation coriacee, fine, tres dense et paraissant comme granulee. Les antennes 
sont filiformes dans les deux sexes , aussi longues que le corps . chez le 
male, et un peu plus courtes, chez la femelle: les deux premiers articles 
sont noirs, les autres roussatres en dessus et rougeatres en dessous, sur- 
tout vers le millieu de Tantenne: cette couleur est un peu plus claire, 
chez le male, qui a en outre le troisieme article fortement echancre. Le 
dos du mesothorax est parcouru en arriere par deux sillons convergents. 
tres faibles , effaces en arant et Ton distingue , en outre, les traces de 
deux autres, plus pres de la ligne mediane La ponctuation de Tecusson 
est a peine plus forte que celle du reste du dos et les deux fossettes 
basilaires sont bien marquees. L'abdomen est ovale, peu comprime , noir, 
luisant et pointille comme l'espece precedente. Le petiole est tres court 
chez la femelle et un peu plus long chez le male. La pubescence qui orne la 
base de Tabdomen est grise , et le fond qui la porte est quelquefois un 
peu rougeätre, chez les males. Les principales nervures des ailes sont as- 
sez fortes et d'un rouge-brun ; les trois cellules cubitales sont imparfai- 
tement limitees. 

Tai capture cette espece rare , dans les montagnes de Gastein dans 
la province de Salzbourg. La grande analogie que j'ai trouvee entre la 
Faune de ces hautes regions et celle de la Suede , en ce qui concerne 
les Coleopteres et plusieurs autres ordres d'insectes , recoit ici une nou- 
velle confirmation. Les exemplaires decrits par Mr. Hart ig et ceux que 
con-erre le musee de Vienne sont suedois et proviennent de Dahlbom. 

6. JI, sytvantiz n. 

Niger, coriaceus, opacus, breviter pubescens: antennarum flagello; abdo- 
minis ventre et basi pedibusque fusco-rufis, coxis nigris, femoiibus po- 
sterioribus piceis; thoracis dorso sulcis nullis. <$ Long. 2 mm . 

La tete et le thorax sont, comme chez les deux especes precedentes, 
couverts dune ponctuation coriacee, tres serree mais plus fine, mats et 
mediocrement pubescens. Les antennes sont filiformes, de la longueur du corps, 
d*un brun terne, avec les deux premiers articles noirs; le troisieme n'est 
pas sensible ment echancre. Le prothorax est tres faiblement tronque en ayant, 



168 



Dr. J. Giraud : 



presque rond. L'ecusson dont Ja ponctuation est a peine plus forte que 
celle du mesothorax, est separe de celui-ci par une ligne arquee, peu pro- 
fonde, sans traces de fossettes. LTabdonien est plus court et plus etroit 
que le thorax, brievement petiole, d'un noir de poix, avec la base et le 
rentre d'un fauve rougeätre ; les poils de la ceinture sont d'un gris blan- 
chätre. Les pattes anterieures sont d'un rouge fauve, les posterieures plus 
assombries, les cuisses des deux dernieres paires couleur de poix, toutes 
les hanches noires. Ailes transparentes, peu pubescentes, leurs nervures 
brunes et assez minces', le cellule radiale allongeej Pareole nulle et la ner- 
vure cubitale presque imperceptible. 

«Tai pris un seul male, le 30 mai, pres de Vienne, sur une galle 
de Cynips (Trigonaspis H.) megaptera Pz. mais je presume qu'il ne se 
trouvait la qu^accidentillement. II est possible que ce soit Tautre sexe du 
Scytodes parvus Hart, mais la brievete de la description ne me permet 
pas d'en decider. 

7. Ifl. ntienus n. 

Niger, coriaceus, opacus, subpubescens: antennarum flagello apice subin- 
crassato, fusco ; pedibus fulvo-rufis , coxis nigris; mesothoracis dorso 
sulcis duobus abbreviatis; abdominis segmento secundo magno, (j?. 
Long. 2 mm . 

La ponctuation de la tete et du thorax sont exactement corarae 
cbez Tespece precedente; les flancs seuls sont lisses et luisants; la pu- 
bescence parait un peu plus faible. Les antennes sont de la longueur des 
deux tiers du corps, rousses, avec les deux premiers articles, noirs; faible- 
ment plus epaisses vers Textremite ; les articles du flagellum sont courts, 
subcylindriques et assez Serres; le dernier est aussi long que les deux 
precedents et un peu plus epais. Le pro thorax est faiblement tronque. Le 
dos du mesothorax porte deux sillons etroits, conyergents en arriere et 
effaces en ayant. L'ecusson est finement granulee et marque, a sa base, 
de deux impressions etroites. L'abdomen est noir, ovale, un peu acumine, 
tres brievement petiole, presque sessile: le second segment est sensiblement 
plus long que le premier et Ton distingue, sur les derniers, un pointille 
extremement fin: la pubescence de la base est d'un gris brun. Les pattes 
sont d'un rouge fauve , avec les hanches noires et la base des cuisses un 
peu assombrie. Ailes hyalines , presque nues ; leurs nervures d'un roux 
pale; Ja cellule radiale courte ; Tareole et la nervure cubitale, nulles. 

Environs de Vienne. 

Cette espece s'eloigne de ses congeneres, par la longueur du second 
segment de Tabdomen et aussi un peu par la conformation des antennes, 
mais sous tous les autres rapports, eile leur ressemble beaucoup et fae 
doit pas en etre separee. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



169 



Gen. Anacharis Da Im. 

Anal. Ent. p. 95. (4823). 
Walker. Ent. Mag. II. 518. 
Megapehnus Hart. Germ. Zeit. II. 186. 

Les deux premiers segnients de Tabdomen d'egale longueur ou le 
premier un peu plus long que le second. 
Base de Tabdomen nue. 
Petiole long, mince et lisse. 

Antennes filiformes, greles, de 14 art. (cT.) ou de 13 (?•)• 
Palpes maxillaires de 5 art. labiaux de 3. 

Corps etroit. allonge, plus haut que large , en gTande partie lisse 
et luisant, a pubescence courte et rare. Tete subtransversale, un peu plus 
large que le thorax: yeux ovales, medioerement saillants ; ocelles en triangle 
inequilateral : mandibules mediocres, avaneees, arquees et armees de trois 
dents aigues. Antennes de 14 articles , chez les mäles, de 43, chez les 
femelies, tres minces, filiformes, a articles Serres, pubescentes, environ de 
la longueur du corps ; le premier article obeonique , le second globuleux, 
les suiyants filiforme-, diminuant progressivement de longueur, le dernier 
un peu plus long que le precedent, plus mousse chez la femelle que chez 
le mäle. Thorax ovoide, eleve, un peu recreci en arriere, lisse ou pres- 
que lisse sur le dos, pointille ou strie sur les cotes: prothorax tres etroit 
en ayant et largement tronque, ses cotes separes de la troncature par un 
bord anguleux: mesothorax grand, marque de deux sillons peu profonds, 
pointilles et conyergents en arriere : ecusson peu saillant , presque lisse, 
arrondi ou un peu retreci en arriere, avec deux impressions lineaires a la 
ba^e: metathorax declive, scabre, peu etendu. Petiole insere au bas du me- 
tathorax, mince, lisse, lineaire et de longueur variable. Abdomen en ovale 
allonge, obtus au bout, chez le male : plus comprime et termine en pointe, 
chez la femelle •, le premier segment de la longueur du second ou un peu 
plus long, les autres diminuant graduellement de longueur, mais tous tres 
apparents. Ailes mediocres, un peu pubescentes, portant une cellule radiale 
fermee en triangle allonge dont les nervuies, surtout Fexterne, sont assez 
epaisses; la base de Taile parcourue par une seule nervure sous-marginale, 
qui emet , presque ä angle droit, le rameau basilaire: la nervure cubitale 
nulle. Pattes longues et minces. 

Quoique les metamorphoses des Anacharis n'aient pas ete observees, 
il est a peine douteux que ces insectes ne soient parasites comme ceux des 
genres voiains. 



/ 



170 



Dr. J Giraud: 



4. A. euehtiroides Dalm. 
Cynips eucharoides Dalm. Act. Holm 4 848. p. 78. 2. 
Anacharis eucharoides Dalm. Analect. Ent. p. 95. 
? Cynips petiolata Zett. Ins. Lapp. p. 409. 4* 

Nigro-subaeneus , nitidus, albo-pubescens: ore pedibusque pallide testaceis; 
antennarum flagello fulvo-fusco; petiolo abdominis dimidio longiore. qJ". 
$ . Long. 3 mm . 

La tete et le thorax sont couverts d'une pubescence blanchätre, un peu 
soyeuse, plus abondante sur la face, surtout chez le mäle. La face est tres 
finement ponctuee et peu brillante ; le sommet de la tete est lisse et lui- 
sant. Les mandibules sont testacees. Les deux premiers articles des antennes 
sont noirs et luisants, les suivants d'un roux fauve ou brunätres, ayec une 
nuance plus claire en dessous. Le thorax est lisse en dessus et n'offre que quel- 
ques points tres faibles et rares ; une partie des flancs et les cötes du pro- 
thorax sont pointilles et un peu stries. L'ecusson est presque entierement lisse, 
un peu eleve et legerement attenue vers le bout. Le petiole a environ les 
deux tiers de la longueur de Tabdomen, chez le male, et un peu moins, chez 
la femelle. L^bdomen est noir, luisant, en ovale allonge, tres peu comprime 
sur les cötes en dessous et mediocrement attenue en arriere. Les pattes sont 
d'un testace päle , avec les hanches noires et les trochanters posterieurs, 
bmns. Les ailes sont hyalines, finement pubescentes *, fecaille est testacee ; 
la nervure sous marginale est jaunätre; Celles qui forment la cellule radiale 
sont brunes et la plus externe est plus epaisse que les autres. 

.Tai trouve cette jolie espece dans les montagnes de la Basse Autricht , 
au mois de juillet et a Carlsbad, au mois d'aoüt. 

%. A. spheeiformis H. 

Megapelmus spheciformis Hart. 1. c. II. 202. 

? Anacharis immunis Walker Ent. Mag. II. 524. 

Niger, subaeneus, pubescens: ore, antennarum flagellis, squamulis pedibusque 
sordide ferrugineis vel rufo-testaceis (c?), coxis totis vel partim 

nigris5 petiolo abdominis triente breviore. tf. Long. 2'/a mm . 
Var. Antennis fusco-nigris, pedibus rufo-piceis. 

Espece tres ressemblante a la precedente, mäis moins allong£e ; la 
couleur noire du fond a, comme la premiere, un tres faible reflet metallique. 
La ponctuation de la tete et du thorax est a peu pres la merae, mais la 
pubescence semble un peu moins abondante. Le flagellum des antennes est 
d'un ferrugineux sale et obscur, chez la femelle, et d'un testace rougeatre 
un j)eu plus päle en dessous, chez le mäle. Le petiole de ce sexe a environ 
un tiers de la longueur de Tabdomen et celui de la femelle un quart seulement. 



Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



171 



Les pattes sont en general plus claires chez les mäles ; les hanches poste- 
rieures sont noires, les anterieures sont ou noires ou en partie rougeätres ; 
les trochanters des deux paires posterieures sont couleur de poix. Les ailes 
sont conime dans Tespece precedente, mais leurs nervures paraissent un peu 
moins fortes et plus pales. 

La Var. a les antennes d"un brun noirätre, toutes les hanches noires, la 
base des cuisses anterieures et les posterieures presque en entier, couleur 
de poix; les tibias et les tarses sont aussi un peu plus obscurs. 

Sur la lisiere des bois des regions montagneuses de la Basse-Autriche. 

3. A. ruflventris H. 

Megapelmns rußventris Hart. 1. c. III. 358. 

Niger, nitidissimus, parce pubescens : ore, antennis, squamulis, abdoinine sub- 
tus, pedibusque piceo-rufis ; petiolo quintae partis abdominis longitudine. 
Long. 2Vi mm . 

Le sommet de la tete et le dos du thorax sont lisses et tres luisants, 
avec un reflet metallique tres peu sensible ; la face et les cötes du prothorax 
sont ponctues comme dans les especes precedentes; la pubescence est peu 
abondante: Fecusson est arrondi au bout et tres brillant. Les antennes sont 
d^n rougeätre poisseux, ayec la base du premier article ; noiratre. Le pattes 
sont un peu plus claires que les antennes ; les hanches posterieures et les 
cuisses de la meme paire sont plus ou moins rousses. L'abdomen est allonge, 
coniprüne, termine en pointe. noiratre sur les dos, d'un rouge marron en 
dessous et sur les cötes ; son petiole n'a pas plus d^n cinquieme de sa 
longueur et a quelquefois la couleur du ventre. Les ailes sont tout-ä-fait 
conime Celles de Tespece precedente. 

Cet insecte ne parait pas tres rare, dans les regtoris montagneuses. Je 
Tai rencontre ä Gastein, ä Salzbourg et au pied du Schneeberg, dans la 
Basse-Autriche. Le male m'est inconnu. 

Gen. Aegilips Halid. 

Walker Ent. Mag. III. 160. 
Cynips Sp. Dal man. 
Anacharis Sp. Dahlbom. 

Le premier segment de Tabdomen un peu plus long CA environ) que 
le second. 

Base de Tabdomen nue. 

Petiole court, moyennement epais, ponctue ou substrie. 
Abdomen ovale, obtus, non comprime. 
Bd. I. Akbaad!. - 23 



172 



Dr. J. Gi rau (I 



A nten nes filiformes, de 14 art. Cc?) ou subfdiformcs et de 13 art. ). 
Palpcs maxillaires de 5 art. labiaux de '.. 

Corps petit, noir, en grande partie lisse, luisant, peu pubescent, moins 
allonge que dans le genre precedent. Tete conime chez les Anacharis. 
Antennes plus robustes *, r.eües des malos filiformes, de la longueur des deux 
tiers du corps, de 14 art. ceux du flagellum (res peu retm-.is a leurs deux 
extremites, presque filiformes, graduellement plus courts ; Celles de la femelle 
un peu moins longues, tres faiblement epaissies vers le beut, de 13 artides. 
Thorax ovoide, eleye, un peu plus etroit en arriere: prothorax tronque ep 
ligne droite et tres etroit en avant, plus ou moins ruguleux sur les cotes : 
mesothorax presque lisse, parcouru dans tonte sa longueur par deux sillons 
convergents en arriere et dont le fond est pointille : ecusson saillant, un peu 
releve, formant une espece de triangle dont le sommet emousse deborde un 
peu le metathorax ou se prolonge quelquefois en epine et marque, de plus 
a la base, de deux impressions obliques. Petiole court, moins grele que dans 
le genre precedent, ponetue ou confusement sillonne, et fixe au bas du meta- 
thorax. Abdomen ovale, un peu plus etroit que le thorax etenviron de meine 
longueur, non comprime et tres obtus au bout, dans les deuxsexes; le premier 
segment un peu aminci a la base, plus long d'un quart environ que le suivant, 
les auters progressivement plus courts, mais apparents. Pattes de forme 
ordinaire, un peu moins longues et plus robustes que chez les Anacharis. Les 
nervures alaires comme dans ce genre. 

Les Aegilips, quoique tres voisins des Anacharis auxquels ils ressem- 
blent par la conformation de la tete, du thorax et des ailes, s'en distinguent 
neanmoins, par leur corps plus raecourei, leurs pattes et leurs antennes plus 
robustes, leur ecusson presque triangulaire et par la brievete du petiole qui 
est aussi plus epais. L'abdomen n'est jamais comprime, mais en oyale assez 
court et obtus au bout. 

On trouve ces insectes sur les lisieres des bois de chene et aussi, selon 
Mr. Walker, sur les tilleuls, vers la fin de Tete et en automne. Leurs 
metamorphoses n'ont pas encore ete observees, mais leur parasitisme ne parait 
pas douteux. 

1. Ae. nititiuMiM8 Dahn. 

Cynips nitidula JJahlm. Analect. Ent. 96. (cT)« 
Anacharis nitidula Dahlb. Monog. gen. Onych. 

Niger, nitidus, parce pubescens : ore, antennis, squamulis pedibusque fcestaeeis, 
coxis piceo - nigris , anterioribus apice testaceo; prothoracis lateribus 
ruguloso-striatis. Long. 2— 2 1 / 3 nim . 

La tete est transversale, plus large quo le thorax, tres lisse et brillante 
sur le front, peu distinetement pointillee sur la face, qui est un peu bombee : 



Enume'r.ition des Figitides de ['Antriebe. 



les mandibules sont testaeees : les antennes sont d'un testace un peu roussätre, 
avec la base du premier article, brune, et la face inferieure du flagellum 
souvent plus claire que le dos, chez le mäle ; elles ont dans ce sexe les trois 
quarts de la longueur du corps et sont un peu plus courtes et un peu epaissies 
vers le bout, chez la femelle. Le prothorax est tronque en ligne droite en 
avant et marque, sur les cotes, de rugosites formant des sillons longitudinaux. 
Le dos du mesothorax est presque lisse ou tres legerement seme d'ondulations 
transversales et de points assez rares , les deux sillons des parapsides sont 
profonds et pointilles et Ton voit entr'eux, en arriere, une petite fossette 
formant le commencement d'un troisieme. L'ecusson'est saillant, ruguleux sur 
les cotes et lisse et luisant sur le dos dans une petite etendue. L'abdomen 
est d'un beau noir luisant, en ovale court, obtus au bout, vetreci, ä la ba^e, 
et porte par un petiole tres court. Pattes colorees comnie Tindique la diagnose, 
les tarses posterieurs et quelquefois aussi le bout des tibias de la meine paire, 
un peu obscurcis. Ailes hyalines, pures, les nervures d'un jaunatre päle. 

Cette espece nest pas tres rare dans les montagnes de la Basse- 
Autriche. 

2. Ae. eurvipes n. 

Niger, nitidus, parce pubescens : ore, squamulis, pedibusque pieeo-rutis, coxis 
nigricantibus ; antennis pallide pieeis; tibiis posticis arcuatis. <$ . . Long. 
2Yi-3 mm . 

II est tres ressemblant au precedent, mais speeifiquement bien distinet : 
1. par sa taille un peu plus grande, 2. par la couleur plus foncee des an- 
tennes et des pattes ; las premieres etant d'un brun de poix, avec une nuance 
plus claire en dessous, et les dernieres d'un rougeätre un peu obscur, tandis 
qu'elles sont testaeees dans Fautre espece. Les cotes du prothorax sont moins 
fortement rugueux, plutöt coriaces, la partie inferieure offre, seule, quelques 
traces de stries. Le petiole de Tabdomen est un peu plus long et les tibias 
posterieurs sont sensiblement courbes dans les deux sexes. L'ecusson est tout 
couvert de rides transversales. 

«Tai pris cette espece ä Carlsbad, au mois d^out et a Gaden, pres de 
Vienne, au mois de septembre. 

Obs. ISAnacharis rufipes Westw. (Mag. nat. bist. VI. 494) n'estpeut- 
etre pas speeifiquement distinet, mais les pattes sont testaeees, selon le texte, et 
non rouges, ce qui me fait douter de son identite. 

3. Ae» artnatus n. 

Niger, nitidus, parce pubescens: ore, antennis, squamulis pedibusque ferrugineo- 
rufis \ scutello spinoso. £ . Long. 3 Dim . 

Les antennes sont de la longueur des deux tiers du corps, d'un rouge 
ferrugineux, avec la base du premier article et lVxtrcinitc du dernier, un 

23* 



174 



Dr. J. G i raud; 



peu assombries. Les cotes du prothorax sont faiblement ruguleux et ä peine 
stries, vers le bas. Le mesothorax est li.sse, luisant et inarque seulement de 
quelques points tres peu sensibles ; les sillons des parapsides sont romme chez 
les autres especes. LTecusson est rugueux et se prolonge en une epine assez 
longue, obtuse au bout, a cotes presque paralleles et rugueuse sur le dos, 
comme le reste. L'abdomen est en ovale court, obtus au bout, plus etroit 
que le thorax et presque d'egale longueur; son petiole est tres court et un 
peu inegal. Les pattes sont cTun rouge ferrugineux, a Pexception des hanches 
posterieures, qui sont noirätres. Ailes transparentes, peu pubescentes; les 
nervures d^un jaunätre tres pale. 

J'ai pris un seul individu femelle de cette espece remarquable, pendant 
le mois de septembre, pres de Baden, dans la Basse-Autriche. 

Cet insecte, par la forme de son ecusson, etablit une transition au 
genre Onychia Da Ii lb. 

Gen. Amphitectus Hart. 

Germ. Zeit. II. 187. (1840.) 

Les deux premiers Segments de longueur a peu pres egale. 
Le premier pubescent a la base. 

Abdomen sessile ou presque sessile, fortement comprinie, cultriforme. 
Antennes filiformes, de 13 art. (£) ou de 14 (<$). 
Palpes maxillaires de 5 art. labiaux de 3. (Hart.) 

Ce genre, etabli par Mr. Hart ig, sur une seule espece dont il n'a 
connu que la femelle, ressemble beaucoup au genre Melanips, par la con- 
formation de la tete, des antennes et du thorax et par les nervures alaires; 
mais il s'en distingue au premier coup-d'oeuil, par son abdomen fort allonge 
et cultriforme. 

Tete subtransversale, de la largeur du thorax; yeux peu saillants; 
ocelles en triangle. Antennes des femelles un peu amincies a la base, de 
43 articles; le premier obconique, le second presque rond, les suivants sub- 
cylindriques, un peu plus longs que larges , egaux entr'eux, mediocrement 
separes, le dernier ovoide, un peu plus long que le precedent. (Les ant. du 
mäle ont 14 art. suivant Dahlbom.) Thorax court, un peu gibbeux: pro- 
thorax tronque en avant, comme a Tordinaire: mesothorax convexe, n'offrant 
que de faibles traces de sillons longitudinaux. Ecusson rugueux, peu suillant, 
portant deux petites fossettes, a la base. Abdomen sessile ou presque sessile, 
tres allonge. fortement comprime, cultriforme; les deux premiers segments 
egaux entr'eux , plus longs de moitie que les suivants, ceux-ci decouverts; 
le dernier masque, en partie , par la valvule ventrale qui le depasse tres 
BensibLement. Tariere ordinairement saillante. Pattes et ailes comme dans 
le genre Mdanips. 



Enumeration dci Figitidcs de l'Aiitiitbe. 



175 



i. A. Dahlbomi Hart. 
Germ. Zeit. II. 203. 

Niger, paruni nitidus, pdbesdens : geniculis, tibiis tarsisque obscure rufis ; 
abdorainis lateribus plus minusve rufo-maculatis. Q. Long". 3 l /2 mm . 
Le haut de la tete est presque lisse ou tres indistinctement ponctue, 
la face Test plus fortement. Les antennes sont noiratres et aussi longues que 
la tete et le thorax. Les cotes du prothorax et le dos du mesotkorax sont 
ponctues, le dernier moins densement que le premier. L'abdomen est plus 
long que le reste du corps, d'un noir de poix mele ordinairement de t ach es 
rougeätres sur les cotes, pres de la base* Les ailes sont legerenient obscurcies, 
pubescentes et leurs nervures d'un brun fonce : elles ont trois cellules cubitales 
assez distinctement tracees. 

Cet insecte parait etre fort rare. J'ai pris trois femelles ä Reichenau, 
pendant le mois de juillet. Dahlbom qui a rencontre les deux sexes en 
Suede , signale une seconde espece , a laquelle il donne le noni de 
A. piceus. 

Gen. Ibalia Latr.*) 

Hist. Crust. Ins. XIII. — Gen. Crust. Ins. 4. 

Ibalia III ig er. Hart. Dali lb. 

JBanchus Sp. Fabr. 

Sagaris Panz. Fallen. Zett. 

Cynips Sp. Jurine. 

Abdomen cultriforme, tous les Segments a peu pres egaux en longueur 
((J 1 ), ou le 5 me - beaucoup plus grand 

Nervures des ailes comme dans le genre Cynips H. mais plus developpees. 
Antennes filiformes de 15 art. (d 1 ) ou de 13 (O). 

i. I. cuttettator Latr. 

Niger, abdomine obscure-ferrugineo. qJ. 9- Long. 12 mm . 

Le troisieme article des antennes du male est fortement echancre en 
arriere et le cinquieme segment de Tabdomen de la femelle est extremement 
developpe. 

Le couleur de Tabdomen est rarement uniforme, le dos est le plus 
souvent plus sombre yers la region anale. Les pattes sont noiratres, chez la 
femelle: les tarses et quelquefois une partie des tibias des deux paires ante- 



4 ) Ce genre singulier, que I on ne peut associer, sans violence, ä aucuu groupe, ine parait cependant 
devoir ctre place aupres des I-igitides auxquels il se raltache surtout, au point de vue biologique. 



176 



Dr. J. G i r a u d : Enumeration des Figitides de l'Autriche. 



rieures sont testaces ou d'un ferrugineux päle, chez le mäle. Les ailes sont 
un peu enfumees le long du bord externe. 

Cette espece est rare. Je Tai capturee pendant le mois d'aoüt, ä Salz- 
bourg, dans un chantier de bois de pin. Mr. Kollar et mon ami Mr. 
Tschek nVont assure Tavoir prise aussi, dans les meines conditions et ä la 
raeme epoque, dans la Basse-Autriche. II est tres vraisemblable que sa larve 
vit parasite de quelque grand Coleoptere lignivore. 



Ueber Seewasseraquarien. 

Von 

Dr. Gustav Jaeger. 

Vorgelegt in der Sitzung vom 7. März 1S60 

Im Frühjahre 1 857 bestellte ich in Triest brieflich eine Partie Seethiere zu 
anatomischen Zwecken. Ich erhielt sie in einem Rohrkorbe und war überrascht, 
die Seeigel, Seesterne und Crustaceen noch am Leben zu finden, trotzdem 
dass sie 4 Tage unterwegs gewesen waren. Diess brachte mich auf den 
Gedanken, dass die Errichtung von Seewasseraquarien in Wien nicht unmög- 
lich sein werde, zumal wenn die Vollendung dt r WieÖ-Ttfester Bahn uns die 
Meeresküste bis auf eine Tagreise genähert haben würde. 

Im Frühjahre 1 8->S machte ich den ersten Versuch, indem ich Seewasser 
und Pflanzen bestellte. Die Pflanzen langten an, das Wasser wurde von der 
Finanzbehörde aufgehalten. Rasch und roh bereitetes künstliches Seewasser 
erhielt eine Anzahl Röhrenwürmer durch 8 Tage am Leben, dann starben sie 
sammt den Pflanzen. 

Etwa 10 Tage nachher langte das Wasser an. in dem ich ausser zahl- 
reichen Ostracoden noch die Noctßuca miliaris leuchtend sah und eine Seeigel- 
larve durch 8 Tage lebend beobachten konnte. Das Ausbleiben neu bestellter 
Pflanzen liess diesen Versuch scheitern. 

Im Frühjahr 1859 suchte ich Verbindungen in Triest anzuknüpfen, aber 
vergeblich. Die Sacln- fand dort kein Interesse und so dachte ich sie aufzu- 
schieben, bis mir meine Verhältnisse gestatten würden, selbst an Ort und 
Stelle zu gehen. So stand die Sache, als ich im October 1859 die Bekannt- 
schaft des Freiherrn v. Ransonnet machte. Ihm war gelungen, was ich 
vergebens angestrebt hatte. Er hat mir über seine Schicksale dabei Folgendes 
mitgetheilt : 

..Bereits im Jahre 1857 hatte ich die Absiebt gehabt, von Nizza, wo 
ich mich 3 Wochen aufhielt, lebende Seethiere nach Wien zu bringen. Meine 
Rückreise führte mich aber damals durch die Schweiz und Deutschland und 
mein Versuch, das Seewasser durch eine Seesalzlösung zu ersetzen, brachte 
den Thieren den Untergang." 

„Im September 1858 sammelte ich in Spezzia mehrere Actinien, See- 
sterne, Seeigel. Schnecken und Algen. Ich war so glücklich, diessmal die ganze 
kleine Sammlung lebend nach Wien zu bringen, musste aber daselbst binnen 
den ersten 3 Wochen fast alle meine Thiere sterben sehen, bis endlich das 
sehnlichst erwartete Seewasser anlangte und eine Actinie rettete. Letztere 
lebte im selben Wasser mit einigen Ulvaceen gegen II Monate ohne Nahrung 
zu sich zu nehmen." 

..Letzten September rüstete ich mich mit einer ziemlichen Anzahl von 
weiten Gläsern, Schleppnetz etc. aus und unternahm eine Reise nach Dalmatien."' 

..Triest, Spalato und Ragusa waren die Hauptpunkte, an denen ich 
sammelte und besonders am ersten und letztern Orte hatte ich einigen Erfolg. 
Die Thiere überstanden die Reise nach Wien über meine Erwartung gut, 
und ich hatte die Freude, ein Thier nach dem andern in meinen grossen 
(jlaswannen heimisch werden zu sehen." 

„Vierzehn Tage nach meiner Ankunft (am 11. Oct.) stellte ich mein 
erstes Aquarium zusammen." 

„In ein rundes Glasgefäss von circa H bis 12 Maass stellte ich einen 
kleinen Felsen von weissem Sandsteine, befestigte darauf mehrere Ulven und 
Enteromorphen und brachte nach und nach einen Theil meiner Thiere hinein." 



178 



T)r. G- läger: Deber Seewasseraqiiarien. 



„Seit fünf Monaten sind in dem Aquarium nur 3 — 4 kleinere Röhren- 
würmer gestorben und einige Pflanzen zu Grunde gegangen, dagegen haben 
sich yiele Thiere gezeigt, von welchen ich früher nie Etwas gesehen hatte. u 

„Krebse, Seesterne, manche Korallenthiere und die Actinien fressen 
mit dem grösstcn Appetit rohes Fleisch, nehmen an Volumen zu, ergänzen 
sich oder bauen au ihren Stöcken. Viele alte Pflanzen erneuern sich, viele 
neue sind zum Vorschein gekommen und der ganze Felsen ist an der Licht- 
seite mit jungen Pflanzen bedeckt. Das Wasser, welches mit Hülfe von Brun- 
nenwasser in gleicher Dichtigkeit erhalten wurde, ist klarer als je, obgleich 
der auf dem Sand sich ablagernde Schlamm nie entfernt worden ist." 

„Meine übrigen in verschiedenen Gefässen untergebrachten Seethiere 
sind ebenfalls grösstentheils am Leben." 

Freiherr v. Ransonnet hatte die Freundlichkeit, mir eine Partie 
lebender Thiere zu geben, und ich stellte im December vorigen Jahres ein 
Aquarium zusammen. Von diesem Zeitpunkte an waren wir gemeinschaftlich 
bemüht, Anknüpfungspunkte in Triest zu finden, aber vergebens, auch Ver- 
abredung mit einem Naturalienhändler schaffte nichts auf den Platz. 

Erst Mitte Februar erhielt ich durch die Freundlichkeit des Herrn 
Paul Wagen mann eine grosse Anzahl von Pflanzen und Thieren. Von letz- 
teren konnte ich zwar nur den kleineren Theil lebend erhalten, aber die 
Menge der Pflanzen setzte mich in den Stand, Versuche mit künstlichem See- 
wasser zu machen. Herr Prof. Schrötter war so gütig, mir solches zu bereiten. 
Es gelingt diess sehr einfach dadurch, dass der Hallstädter Soole das fehlende 
Chlormagnesium beigegeben und diese Essenz mit 8 '/i Raumtheilen filtrirten 
Donauwassers verdünnt wird. Die Versuche sind günstig ausgefallen, nur 
in einem Falle, wo die Thiere zu früh eingesetzt wurden, starben dieselben. 

Im Verein mit Freiherrn v. Ran sonn et bestellte ich vor kurzem 
50 Stück Garneelen. Sie kamen, trotzdem dass sie durch ein Versehen 
60 Stunden ohne Wasser unterwegs gewesen waren, doch lebend an und etwa 
die Hälfte ist glücklich, zum Theil in künstlichem Seewasser, aeclimatisirt. 
Wir haben nun neue Bestellungen gemacht, deren Ankunft wir täglich ent- 
gegensehen. Es befinden sich in unseren Aquarien etwa 25 Pflanzenarten 
und folgende Thiergattungen : 

i. Gastropoden: iÄttorina Buccinum, Turbo, Murex u. Chiton. %. Ace- 
phalen: Ostrea Mytilus, Tabes, Venus, Vmerupis, Lithodomus, Ava anomia. 
3. Tunicaten: Cynthia und Polyclinwn. 4. Bryozoen : Lepralia und Cellepora. 
5. Crustaceen: Pagurus, Palaemon, Crangon, Grapsus, Baianus. 6. Annu- 
laten : Terebella , Eupomatus , Serpula, Vermilia, Spirorbis, Sabella Spio, 
Nereis. 7. Echinodermen : Ophiura und ein Asteride. 8. Hydromedusen: Ser- 
talaria, Campanularia, Tubulär ia, Coryne, Stauridium. An diesem letzteren 
haben sich bereits eine Menge von Medusen {Cladomene) entwickelt. 9. An- 
thozoen : Anemonia, Aetinia, Paractis^ Echinactis, Adamsia, Alcyonium, An- 
ihelia, Cyathina. 10. Rhizopoden: Rotalia und Rosalina. 

Aus dem Bisherigen geht hervor, dass die Errichtung von Seewasser- 
aquarien in Wien keinen besonderen Schwierigkeiten unterliegt. Die Entfer- 
nung von der Meeresküste ist durchaus kein Hinderniss, da die meisten Thiere 
mehrere Tage ohne Wasser, einfach in feuchtes Moos verpackt, existiren 
können. Die Beschaffung des Seewassers, welche freilich durch das Salz- 
rnonopol und die hohen Transportkosten ein zwar nicht absolutes aber relativ 
sehr erhebliches Hinderniss ist, hat sich durch die günstigen Versuche mit 
künstlichem Seewasser ausserordentlich vereinfacht und die Indolenz der 
Küstenbewohner, besonders der Fischer, wird verschwinden, sobald das 
Interesse für Seewasseraquarien in Wien ein allgemeines werden wird. 



f — <■ \ — ! 



Niederösterreichische "Weiden 



Von 

Dr. X. Kerner. 

XX. 

Salicum Austriae hiferioris species. 

Divisio I. Vhloviteae» Squamae amenti concolores. 
Torus in flosculis staminiferis biglandulosus. Stylus brevis, 

crassus. 

Sect. I. Fragiles Koch. Arbores vel frutices, ramis gracilibus ad 
insertionem fragilibus , foliis acutts , glaberrimis , adolescen- 
tibus viscidis. Amentorum squamae ante fructus maturitatem 
caducae. Torus flosculorum staminigerum et pistillig er um bi- 
glandulosus. 

1. S» pentandm L. sp. 1442. Amenta coaetanea, cylindrica, sta- 
minigerabis — quinquies, pistilligera ter— sexies, plerumque quater longiora quam 
latiora. Squamae oblongae, obtusae., flavae, subglabrae vel in basi villo crispo 
praeditae. Torus biglandulosus. Glandula interna plerumque bipartita. Gernien 
ex ovata basi conicum, glabrum, brevissime pedicellatum, pedicello glandulam 
tori internam aequante vel vix superante , stylo brevi, stigmatibus patulis, 
bilobis, crassulis. Stamina 5— 12, filamentis in basi villosis. Folia ovato-elliptica, 
ocut<r, bis et semissi longiora quam latiora, dense et minutissime glanduloso- 
serrata, adolescentia glutinosa, adulta subcoriacea, supra yiridissima splendentia, 
subtus pallidiora et ut adole.-centia glaberrima. Pedunculus foliorum superne 
glandulosus. Folia amentis subjecta dense glanduloso-serrulata. Stipulae ovato- 
oblongae. Kamuli tenaces, ad insertionem tarnen fragiles, glaberrimi, juniores 
yisciduli nitidi. 

Am.*) (S lo— 55 mm lg. 10— lö ran > lt. 

Am. $ 20— 65 m m lg. 7—1 2 mm lt. 

*] Die Maasse sind in Millimetern angegeben. — Bei den einzelnen Arten wurden die übereinstim- 
meuden von Fries im Herb, normale von J. v. Koväts in der Fl. exsicc. Viudob., jene in Wimmer's 
Herb. Salicum und meist auch die in Tausch pl. sei. ausgegebenen Weiden zitirt. In Beziehung der zilirten 
Bd. X. Abhandl. 24 



J80 



Dr. A. Kern er: 



Squamae 2— 3 nim lg. Germ. 3.5— 4mm ig. styl, lmm lg. Pedic. i«nm Irr. 

Stam. 3— 6 mm lg. 

Fol. CO— H0 mm lg. 30— 40 mm it 

S. pentandra Host Salix tab. 1 u. 2. — Fries Nov. FI. suec. M. I. p. 41, Neilr. Fl. v. N. Oest. p 353. 

— S. pentandra ß lati/olia. K o c h Sy". p. ^50. — 6'. pentandra Fries Herb. norm. 
Fase. 9. Nr. 68, Wimm er Herb. Salic. Nr. 49 u. 50 und beigegebener Text zu Fase. V. 

Eine der schönsten Weiden , deren breite , glänzend grüne , lederige 
Blätter einige Aelinlichkeit mit jenen des Lorbeerbaums besitzen und ihr den 
Namen Lorbeerweide erworben haben. Die Zweige ebenso wie die Blätter 
fühlen sich in der Jugend klebrig an und färben das Papier, in welches sie 
gelegt werden, ähnlich der Schwarzpappel grünlich gelb. — Sie erscheint 
auf den Hochmooren gewöhnlich strauchartig , unter günstigen Umständen 
aber vermag sie sich zu einem bis 40 Fuss hohen Baum zu erheben. Das 
Holz ist zähe, aber an den Abästungsstellen sind die Zweige brüchig. Unter 
allen Weiden gleicher Höhenlage blüht die Lorbeerweide am simtesten. Ihre 
Blüthen besitzen den intensivsten Honiggeruch. Sie gedeiht vorzüglich auf 
Hochmooren und an den Rändern sumpfiger Wiesen auf kalklosem Unter- 
grunde und wird entweder vereinzelt oder in kleinen Gruppen angetroffen. 

Sie ist auf der nördlichen Halbkugel vom östlichen Amerika über 
Britannien und. Skandinavien ostwärts bis Kamtschatka verbreitet und findet 
sich nördlich bis Island und Kola. Eine Linie, welche von den Pyrenäen ent- 
lang dem südlichen Fusse der Alpen und siebenbürgischen Karpathen, durch 
die Moldau in den Kaukasus zieht, bildet in Europa ihre südliche Vegetations- 
linie. — Entlang dieser Linie fällt ihre untere Grenze mit der unteren Grenze 
der Hochmoore zusammen, weiter nordwärts steigt die Lorbeerweide bis in die 
baltische Niederung herab. Ihre obere Grenze fällt in den Südalpen auf 4000', 
in den Sudeten auf 2600'. ■ — Innerhalb ihres Areals fehlt S, pentandra jedoch 
auf weiten Strecken, so in den Vogesen , in vielen Theilen der Alpen und 
in den Donautiefländern. 

In Niederösterreich wird dieselbe von Welwitsch an Teichrändern 
zwischen Naglitz bei Weitra und dem Jägerhause Facule (Wien. Mus.) an- 
gegeben. In dem angrenzenden böhmischen und mährischen Theile des 
„böhmisch -mährischen Gebirges" sind viele Standorte dieser Weide bekannt 
und es ist zu vermuthen , dass auch innerhalb der Grenze Niederösterreichs 
auf den Hochmooren des Waldviertels deren noch mehrere aufgefunden werden. 
Im alpinen Gebiete fand sie Portenschlag bei Annaberg. (Wien. Mus.) 

Beschreibungen beschrankten wir uns in der Hegel auf jene, bei denen uns Gelegenheit geboten war, die 
Origiiialexemplare einzusehen. Nebst den Beschreibungen von Fries und \V immer wurden daher auch 
noch die von Most, dessen Originalexemplnre uns aus den Wiener Gärten vorlagen, so wie jene der aus- 
gezeichneten „Flora von Niederösterreich*, deren Autor, Herr A. Neilr eich, so freundlich war, uns die 
Einsicht in sein Weidenherbarium zu gestatten, angeführt. Nebst diesen glaubten wir auch noch Koch, 
dessen vortreffliche Diagnosen nur selten einen Zweifel lassen, welche Formen der Autor gemeint, anführen 
zu müssen. Alle Zitate beziehen sich Huf die letzten von den genannten Autoren veröffentlichten betreifenden 
Arbeilen. 



Niedertfsterreiehische Weiden. 



181 



2, - S\ citspiritttft Schultz. Fl. starg. suppl. p. 47. (pentandra- 
fragiUs.) Amcnta coaetanea, cylindrica, staminigera tcr— quater longiora quam 
latiora. Squamae oblongae,flavae, subglabrae vel in basi villo crispo praeditae. 
Tonis biglandulosus. Glandula interna obtusa, integra. Stamina3 — «5, plerum- 
que 4, filanientis in basi villosis. Folia lanceolata, longe acunainata, ter et 
semissi vel quater longiora quam latiora , glanduloso - serrata , adolescentia 
glutinosa, adulta supra viridissinia, nitida, subtus pallide viridia et ut ado- 
lescentia glaberrima. Pedunculus foliorum superne glandulosus. Foliola amentis 
subjecta dense glanduloso-serrulata. Ramuli ad insertionem fragilis, glaberrimi, 
juniores visciduli. 

Am. c? 30— 4ö mm lg. 10 — 12mm lt. 

Squamae 2 — 3 lum lg. Stam. 5-6 ram lg. 

Folia 70— I30 rara lg. 20— 30 mm lt. 

5. tetrandra L.Oel.Resa in ind. sec. Fries. — S. pentandra * tetrandra Fries Nov. Fl. suec. M. I. 

p. 41 und Herb. norm. Fase. XI. — S. cuspidata Koch Syn. p. 556. — S. pentandra- 
fragilis Wimm. Deuksch. p. 15j und Herb. Salic. Nr. 29. 

Sowohl in der Tracht, so wie in ihrem Vorkommen schliesst sich diese 
Weide an S. pentandra an und besitzt gleich dieser einen grossen Ver- 
breitungsbezirk, der sich in Europa von den Südalpen und siebenbürgischen 
Karpathen nördlich bis Lappland ausdehnt. — In Lappland wird sie von 
Fries angegeben, obschon dort die eine der wahrscheinlichen Stammeltern, 
nämlich S. fragilis, fehlt. 

In Niederösterreich wurde diese Weide von Doli ine r in der Brühl 
angegeben. (Vergl. dessen Enum.pl. ph. in Austria inf. cresc. p. 118.) Exem- 
plare, welche Herr Dr. Do Hin er mir von diesem Standorte zu senden so 
gütig war, stimmen auf das Vollständigste mit den von Wimm er in Herb. 
Salic. ausgegebenen überein. Im verflossenen Sommer wurde dieselbe Weide von 
meinem Bruder Josef an Bachrändern bei Heinreichs nächst Gross-Gehrungs 
am Plateau des böhm.-mähr. Gebirges auf granitischer Unterlage (2000') in 
mehreren Staubkätzchen tragenden Sträuchern aufgefunden. 

3» X >§?• W*oHomyi (subpentandra- fragilis). Amenta coaetanea, 
cylindrica , quater longiora quam latiora. Squamae oblongae, obtusae, pilis 
longis et rectis omni parte villosae. Torus biglandulosus. Glandula interna 
obtusa, integra. Stamina plerumque 2 vel 3, rarius 4 et 5. Filamenta in 
basi villosa. Folia lanceolata. longe acuniinata, quater longiora quam latiora, 
glanduloso-serrata, adolescentia viscidula, adulta supra viridia nitida, subtus 
glaucescentia et ut adolescentia glaberrima. Pedunculus foliorum superne 
glandulosus. Folia amentis subjecta plerumque integra, rarius partim denti- 
culata. Ramuli glaberrimi, ad insertionem fragil issimi cortice testaeeo. 

Am. <3 30— 40 mm lg. 8 — \V»* lt. 

Squam. 2 II1H1 lg. Stam. 5 mm lg. 

Fol. CO — lO.jrnm j£ t 4 ö _yG"jm lt. 

24 * 



182 



Dr. A. Kern er: 



S. fragilis Host Salix p. 5. (Die &'. fragilis Host's gehört sowohl nach der in dem zitirten Werke, 
S. 5 u. 6 gegebenen Diagnose, so -wie nach dem im Wiener botanischen Garten von 
Host gepflanzten Exemplare, das offenbar seiner Beschreibung als Basis gedient hat, 
hieher. Die Blüthen sind 2- und 3mannig, die Blattchen des Katzchenstiels entweder 
ganzrandig oder an einer Seite theilweise drüsig gesägt. Die Abbildung Host's, tab. 18 
zeigt zwar nur eine 2männige Blüthe, in der Diognose p. 5 heisst es aber ausdrücklich 
„floribus triandris diandrisvc" und wird dieses Merkmal p. 6 mit den Worten : „Stamina 
in aliquibus flosculis tria, in multis duo" nochmals hervorgehoben.) S. fragilis y polyandra 
Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 253. 

Ein männlicher Baum bei Zwettl, am Plateau des böhm.-mähr. Gebirges, 
auf Granitboden im verflossenen Sommer von meinem Bruder Josef auf- 
gefunden. Ein gleichfalls männlicher Baum am Wienflusse bei Penzing nächst 
Schönbrunn. Herr F. Pokorny, welcher diese Weide an dem letzteren 
Standorte vor mehreren Jahren zuerst entdeckte , möge gestatten , dieselbe 
mit seinem Namen zu bezeichnen. 

Da S. pentandra bisher nirgends in der Flora von Wien aufgefunden 
wurde, so ist das Vorkommen der hier beschriebenen für einen Bastart aus 
S. fragilis var. a. und &. pentandra von uns gehaltenen Weide bei Penzing, 
so wie der S. cuspidata in der Brühl sehr merkwürdig. Vielleicht liesse sich 
dasselbe durch die Annahme erklären, dass S. pentandra einst auch im Bereiche 
des Wienerwaldes vorgekommen sei , ja wir halten es selbst nicht für un- 
möglich , dass sie dort in den weniger besuchten abgelegenen Thälern noch 
jetzt gefunden werden könnte, um so mehr, als sie Portenschlag in den 
angrenzenden Voralpen bei Annaberg fand. 

Den zwei hier als S. cuspidata und S. Pokornyi beschriebenen mut- 
masslichen Blendlingen aus S. fragilis und S. pentandra schliesst sich noch 
ein dritter Bastart an, welcher aber bisher in Niederösterreich nicht auf- 
gefunden wurde. Während S. Pokornyi der S. fragilis näher steht und S. 
cuspidata zwischen den genannten wahrscheinlichen Stammältern genau die 
Mitte hält , nähert sich dieser dritte Blendling mehr der S. pentandra. Die 
Blätter desselben sind lanzettlich ; lang zugespitzt 3 72 mal so lang als breit 
und tragen den Typus der S. fragilis. Die Blättchen des Kätzchenstiels sind 
fein drüsig gesägt und die Blüthen sind 4 — Smännig. Die echte S. pentandra 
unterscheidet sich von ihm durch breitere kurz bespitzte Blätter, die nur 
'i'/nnal so lang als breit sind, und besitzt vollere Staubkätzchen, deren 
Blüthen gewöhnlich 10— 1 Smännig sind und nur selten Blüthen mit weniger 
Staubgefässen (deren Zahl aber niemals geringer als 5 ist) beigemengt ent- 
halten.*) — Er wird gewöhnlich als S. pentandra bestimmt und wir erhielten 
denselben unter diesem Namen von mehreren Standorten aus Norddeutschland. 
Koch scheint mit : S. pentandra var. ct. Syn. p. 556 gleichfalls diese Weide 
zu meinen. Von Fries wurde dieselbe in Herb. norm. Fase. X[[ mit der 



*) Nach Wimm er ist jede eclite S, pentandra 10- bis 12männig. Siehe: Text zu Herb. Salic. 
Pitt. V. bei Nr. 49 S. pentandra mas. 



Niederösterreichische Weiden. 



183 



Bezeichnung ..Salix quae S. polyandra Bray. arbor S. fragilis facie sed vulgo 
enneandra! cum S. hexandra Ehrh. ad S. cuspidatam pertinere apparet" 
ausgegeben. Die Blüthen derselben, von denen Fries sagt, dass sie gewöhn- 
lich 9mänBig seien, sind an dem Exemplare des Herb. norm. 4 — 8männig. 

Diese Weide, welche wir S. Friesii nennen, bildet ein Ergänzungsglied 
in der Reihe von Blendlingen welche S. pentandra und S. fragilis mit ein- 
ander verbindet, und es würde sich diese Reihe in folgender Weise ordnen 
lassen : 

S. pentandra. Blüthen 5 — 12 gewöhnlich 10 und 12niännig. 

Blätter 2Vamal so lang als breit, kurz bespitzt. 

Blättchen des Kätzchenstiels fein drüsig gesägt. 
X S. Friesii (superpentandra-fragilis). Blüthen 4 — 8 gewöhnlich 5 

und 6männig. Blätter 3yamal so lang als breit, lang 

z ugespitzt. Blättchen des Kätzchenstiels fein drüsig 

gesägt. 

X S* cnspidata (pentandra- fragilis). Blüthen 3 — 5 gewöhnlich 4- 
männig. Blätter 3 '/a — 4mal so lang als breit, lang 
zugespitzt, Blättchen des Kätzchenstiels fein drüsig 
gesägt. 

X S. Pokornyi (subpentandra - fragilis). Blüthen % — 5 gewöhlich St- 
und 3männig. Blätter 4 mal so lang als breit, lang 
zugespitzt. Blättchen des Kätzchenstiels meistens 
ganzrandig, oder theilweise drüsig gesägt. 

S. fragilis. Blüthen 2männig. Blätter 4 — 6mal so lang als breit, 
lang zugespitzt. Bläfctchen des Kätzchenstiels ganz- 
randig. 

Die C> Weide der S. cuspidata wird von Koch von £. pentandra 
durch längere Fruchtknotenstiele und lang zugespitzte Blätter und von S. 
fragilis durch die fein drüsig gesägten Kätzchenstielblätter unterschieden. — 
Von Fries wurde dieselbe in Herb. norm. Fase. X[ als § S. pentandra 
* tetrandra ausgegeben. 

Aus Böhmen liegt uns eine von W. Karl gesammelte (j? Weide vor, 
welche wir für die der oben beschriebenen S. Pokornyi entsprechende 
Weide halten. Die Blätter sind lanzettlich, lang zugespitzt, viermal so lang 
al- breit, die Kätzchenstielblätter theils ganzrandig, theils einerseits fein 
drüsig gesägt, die Fruchtknoten sind aus eiförmiger Basis kegelförmig, der 
I ruchtknotenstiel nochmal so lang als die abgestutzte ungetheilte innere 
Torusdrüse, der Griffel so wie die Narben sind dicklich und letztere abstehend 
und ausgerandet. In Niedei Österreich ist dieselbe bis jetzt nicht aufgefunden 
worden. 



184 



Dr. A. Kerne r: 



•*f. fritfßitis L. Sp. 1443. Amcnta coaetanea, cylindrica, stami- 
nigera ter — quinquies , pistilligera quatcr — sexies longiora quam latiora. 
Squamae obovatae, flavae, pilis longis et rectis omni parte vülosae, caducae. 
Torus biglandulosus. Glandula interna obtusa, integra. Germen ex ovata basi 
conicum, glabrum, pedicellatum, pedicello glandulam internam bis terve super- 
ante, stylo brevi, stigmatibus patulis, bilobis. Stamina duo. Filamenta in basi 
villosa. Folia lanceolata vel oblongo- lanceolata, acuminata, quater-sexies 
longiora quam latiora, serrata, adolescentia supra et subtus (jlabra et viridda^ 
viscidula, adulta subtus vel pallide viridia vel leviter glaucescentia, glabra. 
Foliola amentis subjecta integerrima. Pedunculus foliorum superne glandulosus. 
Stipulae semieordatae vel semireniformes. Ramuli glabberrimi, fragilissimi, 
cortice testaceo, nitido. 

Am. <$ 22— 58 mm lg. 8 — 12»™ lt. 

Am. $ 20 — 60'™ lg. 6 — 10™ lt. 

Squam. 2— 4 1 ™ lg Germ. 3 — 4 ram lg. Pedic. l m ™ lg. Styl. 0.5— \ mm lg. 
Stam. 3 — 5 ram lg. 

Variat foliorum forma : 

ü» tiis&o$OB\ Folia ex ovata basi lanceolata, supra medium atte- 
nuata et in acumen tenue producta, quater — quinquies longiora quam latiora^ 
adulta subtus glaucescentia. 

Fol. 73— 140 lum lg. 20— 35 mra lt. 

S. fragüis Host. Salix p. 6. u. tab. 20, 21. — S. fragilissima Host. S. t. 22. — S. excelsa 
Tausch pl. sei. — S. fragüis^ Fries herb. norm. Fase I. — S. fragüis ß. vulgaris 
Koch Syn. p. 557. — S. fragüis b. latifolia subtus glaucescentia Wimm. Fl. 185-9 
p. 3i und Herb. Salic. Fase. VIII. Nr. 89. — S. fragüis ß. discolor Neilr. Fl. v. 
N. Oest. p. 253. pro parte. 

&. eoSifo^öJ", Folia ex ovata basi oblongo-lanceolato acuminata 
quatcr— quinquies longiora quam latiora, adulta subtus pallide viridia. Stipulae 
semieordatae. 

Fol. 70— 90 mm lg. 15— 25»™ lt. 

S. fragilissima II ost, nach dem von Host gepflanzten Exemplare. — S. fragüis a. deeipiens 
'Fries herb. norm. Fase. IX (wahrscheinlich auch Koch Syn. p. 557. Das Merkmal 
„foliis ramulorum infimis lato-obovatis obtusissimis", welches Koch für die var. deeipimi 
festhält, zeigt sich allerdings an den Fries' sehen und den von Host gepflauzten Exem- 
plaren ausgesprochen, ist jedoch von sehr untergeordnetem "Werthe, da sich an ein und 
demselben Stamme Aestchen, deren untere Dlätter breit verkehrt-eiförmig und stumpf 
sind, neben solchen finden, deren unterste Blatter lanzettlich zugespitzt erscheinen.) — 
S. fragüis cc. concolor Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 253. 

<?• nMfßIMStif'otifl, Folia longa, quinquies — sexies longiora quam 
latiora, oblongo-lanceolata, in petiolum contracta et longe acuminata, adulta 
subtus pallide viridia. Stipulae semireniformes. 
Fol. 85- 170m» 1 lg. 15— 30 min lt. 
S. fragilissima Host Salix Iah. 23. — S. fragüis 6. angustifolia subtus virida Wimm. Flora 
18*0. p. 84. 



Niedcrüsterreiflnsrlic Weiden. 



185 



Die £. fragilis erwächst zu einem Baume von 40 Fuss Höhe und vier 
Fuss Stammumfang und besitzt im unbehinderten Wüchse eine pyramiden- 
förmige Gestalt. Ihres raschen Wuchses wegen wird sie in holzarmen 
Niederungen häufig als Kopfweide an den Wiesen und Teichrändern gezogen 
und dann gewöhnlich alle drei Jahre ihrer Acste beraubt. 

Sie findet sich in den mittleren und östlichen Gebieten von Nordamerika ; ist 
in der alten Welt durch die Flussniederungen und Tiefländer von der Mittelmeer- 
zone nordwärts bis in das mittlere Schweden und nördliche Russland , ost- 
wärts bis in den Altai verbreitet, erreicht früher ihre Nordgrenze als S. 
pentandra . dehnt aber anderseits ihren Verbreitungsbezirk viel weiter nach 
Süden aus als diese. — Die Höhe von loOO' wird als ihre obere Grenze in 
Kumelien, die Höhe von 1600' als ihre obere Grenzein Südbaiern angegeben. 

In Xiederösterreich ist sie eine der häufigsten Weiden in der Ebene, 
insbesondere in der Donauniederung, wo sie einen wesentlichen Bestandtheil 
des Laubwaldes der Auen bildet. Entlang den alpinen Zuflüssen der Donau 
ist sie vereinzelt bis in die subalpinen Thäler verbreitet ; im Ibbsthale bis 
Lunz, im Gebiete der Erlaf bis Gresden und Gaming, im Traisenthal bis 
Türnitz und Hohenberg , im Schwarzathal bis an den Fuss des Preiner 
Gscheides , wo sie im alpinen Gebiete bei 1900' ihre obere Grenze erreicht. 
Im Gebiete des böhmisch-mährischen Gebirgsplateaus hebt sich ihre obere 
Grenze um 500', und noch bei 2350' wurde von uns dort S. fragilis im ur- 
wüchsigen Zustande angetroffen. — Die Form mit breiteren, im Alter unter- 
seits bläulichen Blättern (var. «.) ist auf die Donauniederungen beschränkt, 
in den subalpinen Thälern und auf den Höhen des Waldviertels finden sich 
nur die Formen mit unterseits blassgiünen Blättern (var. b. und 6-.). 

Die Bruchweide liebt vorzüglich feuchten lehmigen Boden und meidet 
schotterige Unterlagen. Insbesondere sagt ihr feuchter Löss und der durch 
Verwitterung des Gneisses gebildete Lehmboden zu. Am gewöhnlichsten ist 
sie mit Alnus glutinota und dein ihre Aeste umstrickenden Hopfen gesell- 
schaftet. 

Sect. IL Albae. Arbores vel frutices ramis gracilibus, foliis acu- 
miiialis, adolescenlibus serieeis. Amentorum squamae aide 
fruetus maturitatem caducae* Torus flosculorum stämmiger um 
bifflandulosus, pistilligerum uniglandulosus. 

5* ^ ejccdsiof Host Salix p. 8 (superfragilis-alba). Amenta 
coactanea, gracilia, staminigera quinquies, pistilligera quinquies— sexies longiora 
quam latiora. Squamae oblongae, obtusae, flavae, villis rectis sparsis pilosae, 
caducae. Torus in flosculis staminigeris biglandulo.-us , in pistilligeris uni- 
glandulosus. Glandulae truncatae. Germen ex ovata basi conice attenuatum, 
glabium, pedicellatum, pedicello glandulam aequante vel vix superante, stylo 



ISO 



Dr. A. K er ii er: 



brevi, stigmatibus patulis, bilobis. Stamina duo, lilamcntis in basi pilosis 
Folia lanceolata, acuminata, quater -- sexies longiora quam latiora, serrata, 
adolescentia sericea , adulta glabrata , supra subnitida, viridissima , subtus 
pallide viridia vel glauca. Petiolus foliorum superne plerumque glandulosus. 
Foliola amentis subjecta integerrima. Stipulae sernicordatae. Ramuli glabri, 
tenaces, ad insertionem tarnen fragiles. 

Am. (S 30-60 ram lg. 6-12™» lt. 

Am. V 30— 60 ram lg. 6-9 mm lt. 

Squam. 1- 3.5 mra lg. Germ. 3mm lg. Pedicell. 0.5™» lg. Styl. O.ömm Jg. 
Stam. 3— 5 mm lg. 

Variat folior um forma : 
#*• iii&coios't Folia ex ovata basi lanceolata, in acumen tenue 
producta,, juniora sericea, adulta subtus glaucescentia, glabra. 
Verosimiliter hybrida ex S. alba et S. fragiiis var. a. 
Fol. 80 — llo nim lg. 18— 30 mm lt. 
S. excelsior Host Salix p. 8. tab. 28, 29. 

&. virifMis* Folia longa, oblongo-lanceolata, in petiolum contracta et 
longe acuminata, juniora subtus sericea, adulta subtus pallide viridia, glabra. 
Verosimiliter hybrida ex S. alba et S. fragiiis var. b. yel c. 
Fol. 80 — 160 mm lg. 15— 25 mm lt. 
5. gracilenta Tausch pl._sel. — S. viridis F ri es Nov. Fl. suec. M. I. p. 43 und Herb. norm. Fase. I. 

In der Tracht der S. fragiiis sehr ähnlich, durch die seidige Bekleidung 
der jungen nicht klebrigen Blätter, die sparsamere Behaarung der Kätzchen- 
schuppen, die kürzer gestielten Fruchtknoten und die "weniger brüchigen 
Zweige yon derselben verschieden. 

Die Var. b. ist ein in Niederösterreich sehr verbreiteter Bastart , der 
namentlich in den Donau-Auen der S. fragiiis an Häufigkeit kaum nachsteht 
und fast gleichzeitig mit ihr zur Blüthe kommt. Die Var. a. selten. Im Eilaf- 
thale bei Scheibbs, im Traisenthaie bei Lilienfeld. 

6, X £?, patttsiris Host Salix p. 7. (subfragilis-alba). Amenta 
coaetanea, gracilia, staminigera quinquies — sexies, pistilligera laxiflora,. sexies 
longiora quam latiora. Squamae oblongae, obtusae, coneavae, flavae, in basi 
villo crispo praeditae, apice subglabrae, caducae. Tonis in flosculis staminigeris 
biglandulosus, in pistilligeris uniglandulosus. Glandula truncata. Germen ex 
ovata basi conicum, glabrum, pedicellatum, pedicello glandulam internam 
aequante, stylo brevi , stigmatibus patulis, bilobis vel emarginatis. Stamina 
duo, filamentis in basi pilosis. Folia oblongo-lanceolata, acuminata, in petio- 
lum contracta, quater et semissi — quinquies longiora quam latiora, serrata, 
adolescentia utrin'jue sericea, adulta glabrescent.ia^ supra obscure viridia, subtus 
glauca. Petiolus foliorum superne nun glandulosus. Foliola amentis subjecta 
intogra vel rarius denticulata. Stipulae lanceolatac. Kamuli tenaces, glabri. 



Niederüsterrckhische Weiden. 



187 



Am. 40-50'»' 11 lg. s— 9»" 1 lt. 
Am. £ 38 — Ö0 nm lg. G — 8 mm lt. 

Squam. 2 — 3 mm lg. Germ. 2- 3 mm lg. Styl. 0.ö mm lg. Pedicell. O.o'»>» lg. 

Stam. 3-5 ni <» lg. 

Fol. 80— 105<™ lg. 16— 24mm l t . 

S. palustris Host Salix p. 7. tab. 2i. 25. — S. fragilis-dlba "Wimm. Denksch. p. 156. — S. fra- 
gilis Fries Herb. norm. Fasel. (Fries verstand unter S.fragilis auch S. palustris 
sowie 5. excelsior a. discolor. Wenigstens sind die uns im Herb. norm. Fase. I. vor- 
liegenden $ Exemplare der S. fragilis. der seidenhaarigen jungen Blätter wegen, als 
Bastarte aus S. fragilis und S. alba anzusehen und stimmen mit der oben beschriebenen 
S. palustris überein. Die S. exedsior b. viridis wurde von ihm als S. viridis {nach 
dem Exemplare im Herb. norm. Fase. I.) von 5. fragilis geschieden. Wahrscheinlich be- 
griff er aber unter diesem Namen auch die der S. excelsior b. viridis höchst ähnliche 
langblättrige 5. fragilis mit beiderseits grünen in den Blattstiel zusammengezogenen auch 
in der Jugend ganz kahlen Blättern, welche wir oben als S. fragilis var. c. angustifolia 
aufgeführt haben.) 

Koch und Neil reich begriffen unter ihrer S. fragilis beide hier unter 5 und 6 
beschriebenen Bastarte und bei Koch bilden sie die Var. y. Russdiana Syn. p. 557, bei 
Neilreich zum Theil die var. ß. discolor Fl. v. N. Oest. p. 253. 

Von S. excelsior ist S. palustris durch oberseits triibgrüne Blätter, 
durch konkave Kätzchenschuppen , die an der Spitze fast kahl und nur an 
der Basis mit kurzen etwas krausen , fast wolligem Flaume bekleidet er- 
scheinen und durch etwas kürzer gestielte Fruchtknoten , — von B. alba 
durch die im Alter kahl werdenden Blätter und durch gestielte Frucht- 
knoten verschieden. 

In Xiederöiterreich ist S. palustris eine der häufigsten Weiden. Sie 
bewohnt mit ihren muthmasslichen Stammeltern S. fragilis und S. alba 
gleiche Lokalitäten und wird auch gleich diesen häufig gepflanzt und als 
Kopfweide benützt. 

Beide unter 5 und 6 beschriebenen Bastarte scheinen überhaupt zu den 
verbreitetsten zu gehören, und die S. Russdiana, welcher Xanie auf die 
Autorität von Koch von den Autoren auf die Zwischenformen aus S. alba 
und S. fragilis bezogen wurde *), wird in den Floren von fast ganz Europa 
angegeben und kommt so wie Salix alba nördlich bis Petersburg und 
Kasan vor. 

7. S* fit Oft L. sp. 1449. Amenta coaetanea, gracilia, staminigera 
quinquies — sexies, pistilligera quinquies — septies longiora quam latiora 
Squamae oblongae , obtusae , coneavae , flavae , in basi villo brevi crispo 
praeditae et cum rhachite sublanuginosae, apice plerumque glabrae, caducae. 
Tonis in flosculis staminigeris biglandulosus, in pistilligcris uniglandulosus. 

*) Koch fügt (Syn. p. 557) dem Cüate : S. Russdiana Smith die Bemerkung bei: „seeuudum 
speeimen ex horto Smithiano a. b. Mertensio mecum communicatum." — Wimm er bemerkt (Denksch. 
p. 156; bei 5. fragilis-alba : „Ob die S. Russdiana Smith hieher gebürt, darf bezweifelt werden. 
Koch hatte sie zwar aus England erhalten, allein wenn man Smiths Beschreibungen vergleicht, sieht 
man leicht, dass er die Arten nicht genau kannte und zum Theil nach eiuzelueii Exemplaren speciaüairte.j, 
Bd. X. Abhaud 25 



188 



Dr. A. Kern er: 



Glandula truncata, brevissima, basin germinis attingens. Germen glabrum cx 
ovata basi conicum , obtusum , sessile vel brevissime pediceüatum , pedicdlo 
breviori quam nectarium , stylo brevissimo, stigmatibus patulis, bilobis yel 
emarginatis. Stamina duo, filamentis in basi pilosis. Folia oblongo-lanceolata 
acuminata, apicem et basin versus aequaliter contracta, quinquies — sexies 
longiora quam latiora, serrata , adolescentia sericea, adulta supra obscure 
viridia, subtus glauca, subtus vel utrinque sericea. Petiolus foliorum superne 
non glandulosus. Foliola amentis subjecta serrata vel integTa. Stipulae lan- 
ceolatae. Ramuli tenaces, juniores sericei, adulti glaberrimi. 

Am. cf 30—60*™ lg. 5-10 m m lt. 

Am. $ 30— 56mm \ gm 5_8mm lt. 

Squam. 2— 3 m m lg. Germ. 2mm Jg. g t yl. 0— 0.5 mm lg. Stara. 3—5»« lg. 
FoL 60— 100 mra lg. 42 — 18 mm lt. 

S. alba Host Salix p. 9. t. 32. 33. Fries Nov. Fl. suec. M. I. p. 44 und Herb. norm. Fase. L Nr. 62. 

Koch Syn. p. 557, Wimm. Flora 1849 p. 3i und Herb. Salic. Fase. VII. Nr 90. 
Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 252- — S. vitellina Host. Salix p. 9. tab. 30. 31. Koch 
Syn. p. 558. — S. alba var. d. ramis bi-trimis vitellinis, saepe cernuis Wim m* 
Flora 1849 p. 34, scheint eine durch Köpfen erzeugte Form mit sehr üppigen goldgelben 
oder mennigrothen Zweigen und weniger seidigen Blättern. (Die S. vitellina Linne's ist 
nach Fries: Form der S, fragilis.) 

Im unbehinderten Wüchse wird S, alba zu einem bis 70 Fuss hohen 
Baume, dessen schmale Blätter vom leisesten Lufthauche bewegt, mit bläu- 
lich weissem Schimmer erglänzen und im Sonnenlichte ein anmuthiges Farben- 
spiel von Grün und Silberweiss darbieten. Durch dieses Farbenspiel ist die 
Silberweide schon von Weitem kenntlich und verleiht dem gemischten Laub- 
walde der Auen, in welchen sie mit dunkelblättrigen Eichen und Schwarz- 
pappeln vorkommt, einen höchst eigenthümlichen Reiz. Die Silberweide ist 
überhaupt für die Landschaften der Niederung als charakteristisch anzusehen 
und ist der einzige Baum , welcher in dem baumlosen ungarischen Tief- 
lande stellenweise die Flüsse besäumt und kleine Wäldchen an ihren Ufern 
zusammensetzt. 

Sie ist von der Mittelmeerzone durch das ganze südliche und mittlere 
Kuropa bis zu einer nordöstlichen Vegetationslinie verbreitet , welche am 
Lerelv im westlichen Norwegen (60 y 2 n. B.) über Petersburg (60 n. Br.) 
nach Kasan an die Wolga und Jekaterinenburg im Ural (56 '/2 n. Br.) zieht 
und sich dann östlich in das Gebiet des Altai und in das baikalische Sibirien 
fortsetzt. Sie wird auch in den östlichen Gebieten der Vereinigten Staaten Nord- 
amerikas angegeben, scheint jedoch dort ebenso wie S. fragilis aus Europa ein- 
geführt worden zu sein. 

In Niedei Österreich ist sie die häufigste Weide der Niederungen und 
ein Hauptbestandteil des hochstämmigen Laubwaldes der Donau-Auen. Ihre 
obere Grenze liegt in Niederösterreich tiefer als jene von S. fragilis und 
zwar im alpinen Gebiete um 200', im Gebiete des böhmisch-mährischen Ge- 
birgsplateaus um 600'. In den subalpinen Thälcrn findet sie sich noch als 



Niederösfcrrcicliisrhe Weiden. 



189 



vereinzelter Baum bei Ibbsitz im Ibbsthale, am Mitterauerbach im Gebiete der 
Erlaf, kinter Lilienfeld im Traisenthaie und bei Reichenau und Edlach im 
Schwarzathale bei 1770'. Am Plateau des böhm. -mähr. Gebirges vereinzelt 
um Zwettel bei 1770'. 

In Südbaiern wird von Sendtner die obere Grenze im Gegensatze 
zu dem oben angegebenen Verhältnisse um 800' höher als jene der S. fra- 
gilis angegeben (251 o'). Im Kaukasus fällt ihre obere Grenze auf 3000'. 

Die Silberweide liebt so wie S. fragilis vorzüglich tiefgründigen leh- 
migen oder lehmig-sandigen Boden. Wir fanden sie sowohl auf kalkreichem, 
so wie auf kalklosem Substrate* 

Sect. III. Amygdalinae Koch. Frutices trunco erecto et ramis 
elorigalis, tenaeibus et flexibilibus , foliis etcuminatis, glabris, 
adolescentibus nec viscidis nec serieeis. Amentorum squamae 
persistentes. Torus flosculorum staminigerum biglandulosus, 
pistilliger um uniglandulosus. 

8. X suötrianarn Xeilr. Verh. d. zool.-bot. Yer. I. p. 119 
(superfragilis-amygdalina). Amenta staminigera coaetanea, gracilia, quinquies 
et semissi — septies longiora quam latiora. Squamae obovatae, obtusae, con- 
eavae, flavae, pilis longis rectis, flavescentibus pilosae et cum rhachite in basi 
villo brevi, crispo lanuginosae. Torus in flosculis staniinigeris biglandulosus. 
Glandulae ovoideae vel truncatae. Stamina duoveltria, filamentis o—6 mXü longis, 
in basi pilosis. Folia oblongo-lanceolata, in petiolum contracta et in acumen 
tenue producta^ ter — quater longiora quam latiora, serrata, gl aberrima, supra 
saturate viridia, subnitida, subtus pallidiora, opaca. Foliola amentis subjecta 
integra. Stipulae semicordatae, serratae. 

Am. cf oo— 8o mm lg. 10— 12 mm lt. 

Squam. 2 mm lg. Stam. S— ß^m Jg. 

Fol. 50— 90 mm lg. 15— 22 mm lt. 

Von Neilreich zwischen Mattersdorf und Forchtenau am Rosalien- 
gebirge aufgefunden, (Uebereinstimmende Exemplare sahen wir im Herb. d. 
k: k. zool.-bot. Gesellschaft als S. fragilissima von Hinterhuber, mit der 
Angabe : „Mondsee Culta".) 

In Neilreich's Fl. v. Nied. Oest. p. 254 wird die hier beschriebene 
"Weide mit der folgenden Blendlingsart zusammengefasst , von der sie sich 
jedoch durch die langen Haare der Kätzchenschuppen , welche das noch 
unentwickelte Kätzchen wie bei S. fragilis in einen Pelz einhüllen , ferner 
durch längere Staubgefässe, relativ kürzere Kätzchen, langzugespitzte Blätter 
und ganzraudige Kätzchenstielblätter unterscheidet. — Durch eben diese 
Merkmale schliesst sie sich an die eine Stammart: S. fragilis an, unter- 
scheidet sich jedoch von dieser durch die meistentheils dreimännigen Blüthcn 
und verlängerten Kätzchen , durch welche in S. subtriandra die zweite 
Stainmart: &. anmgdalina ausgesprochen erscheint. 

25* 



190 



Dr. A. K erhör : 



Von der S. Pokornyi unterscheidet sie sich einmal dadurch , dass ihre 
Kätzchen niemals 4- und 5-männige Blüthen enthalten, vorzüglich aber 
durch die verlängerten schlanken Kätzchen und unterseits blassgrünen 
Blätter. 

In einem Aufsatze über die hybriden Pflanzen der Wiener Flora in den 
Verh. d. zool.-bot. Ver. in Wien Bd. I. p. 119 wurde von Neil reich dieser 
und der folgende Bastart als S. fragilis y. subtriandra aufgeführt und wir 
übertrugen den Namen subtriandra auf die liier beschriebene Blendlingsart, 
während wir den nachfolgenden sich an S. amygdalina mehr anschliessenden 
Bastart, welcher von J. v. Koväts in der Flora exsiccata Vindob. als &. 
amygdalina concolor speciosa ausgegeben wurde, der aber, wie im Nach- 
folgendem erörtert werden soll, sich von S. speciosa Host wesentlich unter- 
scheidet, als S. Kovdtsii bezeichnen. 

9. ^ *§f. JKovatsii (subfragilis-amygdalina). Amenta staminigera 
coaetanea, gracilia, tenuia, septies longiora quam latiora. Squamae obovatae 
obtusae, coneavae, flavae, subglahrae , in basi cum rhachite villo brevi, crispo 
sublanuginosae. Tonis in flosculis staminigeris biglandulosus. Glandula interna 
ovoidea. Stamina tria vel duo, filanientis 3 — 4 mm longis in basi pilosis. Folia 
ex rotundata basi oblongo - lanceolata, breviter acuminata, quater longiora 
quam latiora, glaberrima, supra viridissima, subtus pallide viridia, opaca. Foliola 
amentis subjecta grosse serrata. 

Am. ($ 50 — 60 mm lg. 7-8™m lt. 

Squam. 2 mm lg. Stam. 3— 4 mm lg. 

Fol. 45— 90 mra lg. 10 — 20 mm lt. 

S. amygd.L. var. concolor speciosa KovatsFl. exsicc. Vindob. Nr. 1048. — S. amygdalino-fragüls 
Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 25i. pro parte. 

Bei Gloggnitz in den Auen der Schwarza , dann am Bache im Thale 
von Kaltenleutgeben bei Wien; an beiden Standorten je ein $ Exemplar. 

Sie ist der S. amygdalina a. concolor sehr ähnlich, aber durch theil- 
weise zweimännige Blüthen von derselben unterschieden. 

Den beiden hier unter 8 und 9 beschriebenen wahrscheinlichen Ba- 
starten aus S. amygdalina und S. fragilis schliesst sich noch ein dritter an, 
der zuerst von Tausch auf der Hetzinsel bei Prag aufgefunden, von ihm im 
Ind. Hort. Canal. 1821 als S. alopecuroides aufgeführt und auch unter 
diesem Namen in seinen PI. sei. ausgegeben wurde. Host, welcher diese 
WCide von Tausch erhielt, beschrieb sie später, 1828, als S. speciosa (Sal. 
p. 5 tb. 17) und pflanzte dieselbe in den Wiener botan. Garten, von wo 
sie dann in mehrere andere botanische Gärten übergegangen ist. — Von 
Wimm er wurde dieselbe Pflanze als S. amygdalino -fragilis Flora 1848 
p. 333 und später als S. fragilis-triandra Denksch. p. 156 beschrieben und 
im Herb. Salic Fase. VII. Nr. 77 ausgegeben. — Sie wurde bisher in Nieder- 



Nicilerüstcrreichiselie Weiden. 



191 



Österreich nicht beobachtet. — S. alopecuroides besitzt sehr verlängerte bis 
zu 10 Centim. lange und 12 Millim. breite Kätzchen, die sieben Mal so 
lang als breit sind und durch gehends drei männige Blüthen 
zeigen. — Die S. subtriemdra unterscheidet sich von ihr nur durch kürzere 
Kätzchen und theil weise zweimännige Blüthen. In der langen Behaarung 
der Kätzchenschuppen , so wie in der Länge der Staubgefässe stimmen S. 
subtriandra Neilr. und S. alopecuroides Tausch (speciosa Host) voll- 
kommen mit einander überein und unterscheiden sich hierin von der S. Ko- 
vätsit, deren Kätzchenschuppen an der Spitze fast kahl und nur an der 
Basis von kurzen krausen Haaren etwas wollig sind. 

Da alle drei Bastarte unterseits grüne Blätter besitzen , so ist es 
wahrscheinlich , dass sowohl von S. amygdalina als S. fragilis die Form : 
concolor sich an ihrer Erzeugung betheiligte. — Die Kette der Bastarte von 
der einen zu der anderen Stammart würde sich folgendermassen festhalten 
lassen : 

1. S. fragilis. Staubkätzchen 3— omal so lang als breit, bis 58 mra lang und 
12 mm breit. Kätzchenschuppen mit langen geraden Haaren be- 
kleidet , welche das herausbrechende Kätzchen in einen Pelz 
einhüllen. Blüthen 2männig. Staubfäden 4— 6 mm lang. Blätter 
lang zugespitzt. Kätzchenstielblätter ganzrandig. 

Z. X S. subtriandra (superfragilis-amygdalina). Staubkätzchen dick, 6mal so 
lang als breit, bis 85 mm lang und 12 mm breit. Kätzchenschuppen 
mit langen geraden Haaren bekleidet, welche das herausbrechende 
Kätzchen in einen Pelz einhüllen. Blüthen theils 3-, theils 2- 
männig. Staubfäden 5 — 6 mm lang. Blätter langzugespitzt. Kätzchen- 
stielblätter ganzrandig. 

3. X S. alopecuroides (amygdalino-fragilis), Staubkätzchen dick, dabei aber 

sehr verlängert, 7mal so lang als breit, bis 100 mm lang und 12 mm 
breit. Kätzchenschuppen mit langen geraden Haaren bekleidet, 
welche das herausbrechende Kätzchen in einen Pelz einhüllen. 
Blüthen durchgehends dreimännig. Staubfäden 5 — 6 mm lang. 
Blätter langzugespitzt , Kätzchenstielblätter theils ganzrandig, 
theils gesägt* 

4. X S. Kovatsii (subfragilis-amygdcdina). Staubkätzchen dünn, 7mal so lang 

als breit , bis 60 min lang und 8 mm breit. Kätzchenschuppen fast 
kahl, nur an der Basis mit kurzem wolligem Flaume bekleidet ; 
die herausbrechenden Kätzchen daher kahl erscheinend. Blüthen 
theils 3-, theils 2-männig. Staubfäden 3 — 4 mm lang. Blätter kurz 
bespitzt, Kätzchenstielblätter gesägt. 

5. 8. amygdalina b. concolor. Staubkätzchen dünn, 7— 12mal so lang als 

breit, bis 70 mm lang und S mm breit. Kätzchenschuppen fast kahl, 



11)2 



Dr. A. Kernor: 



nur an der Basis mit kurzem wolligem Flaume bekleidet und die 
herausbrechenden Kätzchen daher kahl erscheinend. Bliithen 
durchgehends 3männig. Staubfaden 3 — b mm lang-. Blätter kurz 
bespitzt. Kätzchenstielblätter meistens gesägt. 

Die fruchtkätzchentragenden Weiden, welche den hier beschriebenen 
drei Bastarten entsprechen, sind bisher nicht bekannt geworden. Sie dürften 
in der Länge des Fruchtknotenstieles, in der Länge der Kätzchen, in der 
Behaarung der Schuppen und in der Form der Narben ganz gute Anhalts- 
punkte zur Erkennung darbieten. Vielleicht stellt die von Host in: Salix 
tab. 4 abgebildete weibliche Pflanze der S. spectabilis, deren Kätzchenschuppen 
mit langen geraden Haaren bedeckt sind und die auch in der Form der 
Narben ganz und gar von S. amygclalina abweicht, einen hieher gehörigen 
Blendling dar. 

#0. ff ***fß!ß fl(3 1 $ft a Koch Syn. p. 558. Amenta coaetanea, 
gracilia, quater — duodecies longiora quam latiora. Squamae obovatae, obtusae, 
coneavae, flavae, subglabrae, solumodo in basi cum rhachite villo brevi, crispo 
praeditae et sublanuginosae. Tonis in flosculis staminigeris biglandulosus , in 
pistilligeris uniglandulosus. Glandulae ovoideae, obtusae vel truncatae. Germen 
ex ovata ba.si conicum, obtusiusculum , glabrum, pedicellatum, pedicello nec- 
tarium ter — quinquies, plerumque quater superante, stylo nullo vel bravissimo, 
stigmatibus per angulmn rectum diver -gentibus , emarginatis. Stamina tria, 
filamentis in basi pilosis. Folia lanceolata vel oblongo-lanceolata, ter — octies 
longiora quam latiora, serrata, glaberrima. Foliola amentis subjecta partim 
integra partim grosse serrata et plerumque stipulata. Stipulae semicordatae. 
Ramuli glaberrimi, flexibiles, ad insertionem fragiles. Cortex ramorum adul- 
torum sponte secedens. 

Variat : 

ftt l&iscotot*» Amenta staminigera quater — sexies , plerumque 
quater longiora quam latiora. Folia oblongo-lanceolata , acuminata , basin 
versus sursum attenuata, quater — octies longiora quam latiora, supra viridia, 
subnitida, subtus opaca, glauca. 

Am. rj 25— 60 mm lg. 7— 12 min lt. (serotina : 25— 45™* lg. 8— 10 mm lt.) 

Am. $ 18— 35 mm lg. 5— 6 rnm lt. 

Squam. 2— 2.5» 111 * lg. Germ. %— 3 mm lg. Pedicell. 2—3^ lg. Stamin. 
4 — 5mm 

Fol. 50— 130 mm lg. 8— 28 mm lt. 

8. qmygolalina L. Spec. 1443, (sec. Smith.) Host (sec. speeim, in Hort. Host. Yindob.) Fries 
Novit. Fl. SÜec. p. 42! u. Herb. norm. Fase. III. Nr. 51. — S. amygdalina K. discolor 
Koch. Syfl. p. 558, Kov. Fl. ex siec. Viiid. Nr. 10^6. — S. amygd. b. discolor W. et 
Grab. Fl. siles. u. Wimm. Her b. Sähe. Fase. V. Nr. 54. Neilr. Fl. v. N. Oesl. p. 251. 



Nicderösterrcichische Weiden. 



193 



h, concotor» Amenta staminigcra septics — duodccies, p stilligera 
plerumque sexies longiora quam latiora. Folia ex rotundata basi oblonga, 
hreviter acuta vol abrupte acuminata, ter — quinquies longiora quam latiora, 
supra viridissima, subtus pallidiora, attamen viridia, utrinque subnitida. 

Am. <$ 45— 70'™ lg. 5 — 8 n,m lt. 

Am. £ 24-4o'» m lg. 4-7mn> lt. 

Squam. 4.5-2 mm lt. Germ. 2— 3>™ lg. Pedicell. 1— 2 mm lg. Stamin. 

3_4mm ]g m 
Fol. 45— 400»mi lg. 15- 25mm }<-. 

5. tirandra L. Spec. I4i2. (sec. Smith.) S- ligustrina Host Salix p. 4. tb. 15 — S. amygda- 
lina ß concolor Koch Syn. p. 558. Kov. Fl. exsicc. Yind. Nr. 1047 u. !0i9. — 
S. amygd. a. concolor Wimm. u. Grab. Fl. siles. u. Wimm. Herb. Salic. Fase. IV. 
Nr. 38. Neilr. Fl. v. N. Oest. p. V> F k. 

Im Süden erwächst die Mandelweide nach Grisebach*) zum Baume. 
Bei uns kommt sie nur als Strauch vor und vermag sich als solcher auf dem 
ihr vorzüglich zusagenden feuchten, tiefen, angeschlemmten Sande an den 
Ufern der Bäche und Flüsse im geschlossenen Buschwalde zu 20 Fuss Höhe 
zu erheben. Sie erreicht kein hohes Alter und verkümmert alsbald, wenn andere 
baumartige Weiden, wie S. alba und S. fragilis oder Erlen und Pappeln 
über sie emporwachsen. Gewöhnlich siedelt sie sich auf dem nach Ueber- 
fluthungen abgelagerten Schlamme an den Ufern oder auf den Schotterbänken 
im Stromlaufe der Donau und ihrer grösseren Nebenflüsse mit S. purpurea 
und S. incana an. Im letzteren Falle sammelt ihr dichtes Buschwerk, so wie 
jenes der beiden andern genannten Weiden, den von den Hochwässern mit- 
gebrachten Schlamm an und gibt Veranlassung zur Bildung einer über dem 
Sehotter sich ablagernden oft sehr mächtigen Sandschichte, auf der dann erst 
andeie Weiden, wie S. fragilis, und S. alba anfliegen und weiter wachsend 
die niederen Buschweiden unterdrücken. **) 

Die Rinde der Mandelweide löst sich selbstständig fetzenweise von 
den älteren Stämmen los. Die honigduftenden , schlanken , geraden , kahl 
ausgehenden Kätzchen sind nächst jenen der früher beschriebenen S. Kovätsii 
und S. alopecuroides, die längsten unter allen Weiden. Am meisten verlängert 
erscheinen dieselben bei den in subalpinen Thälern an den Ufern der kalten 
Gebirgsbächc vorkommenden Sträuchern. Wir fanden an den Ufern der Erlaf 
bei Scheibbs und an der Traisen bei Türnitz männliche Sträucher, deren 
Kätzchen, 10— 4,2mal so lang als breit, eine absolute Länge von 7 Centim. 
erreichten und wo die einzelnen Blüthen an der verlängerten Axe so sehr 
auseinandergerückt waren, dass dadurch die Kätzchenspindel theilweise ganz 
nackt erschien. Uebcreinstimmende Exemplare liegen uns auch aus der Gegend 
von Laibach und von den Ufern der Enns vor, und die von Host an den 



Ä *) Spicileg. FJ. rum. et bith. p. Sit „ad ripas pr. Brussa hinc inde arborea !" 
**j Siehe hierüber: Reissek Tageblatt i: 32 Vers, deutsch. Natf. u. Aerzte in Wieu. Nr. 7. p.löS 



194 



Dr. A. K e rn er : 



Ufern der Salzach im Salzburgischen angegebene S. tenuiflora (Salix, p. 2 tb. 
7 und 8) scheint gleichfalls auf diese Form bezogen werden zu mii-< n, 
obschon die Hosfsche Abbildung unterseits bläuliche Matter zeigt, die 
von uns erwähnten Weiden hingegen eine blassgrüne untere Blattfläche 
aufweisen. 

Regelmässig sind sowohl die Schuppen der Kätzchen, so wie die Frucht- 
knotenstiele und Staubfäden bei der Var. concolor absolut kürzer als jene 
der Var. discolor. Da sich aber bei den ersteren nicht auch die Kätzchen- 
spindcl entsprechend verkürzt, sondern im Gegentheil mehr verlängert ist 
als bei der Var. discolor, so erscheinen ihre Kätzchen immer schmäler und 
schlanker als bei der letztgenannten. 

Das grössere Ausmass, welches die Var. discolor in allen Organen zeigt, 
weist darauf hin, dass sie das Erzeugniss eines der Mandelweide besonders 
zusagenden Bodens und Klimas ist. *) — Nur bei der üppigen Spielart: Var. 
discolor finden sich auch häufig proleptische nicht durch Verstümmlung pro- 
vozirte Kätzchen , welche aus den Blüthenknospen in der Achsel der im 
Frühlinge entwickelten Blätter schon im Laufe der darauf folgenden Sommer- 
monate ihre Blüthen entfalten und Host Veranlassung gaben, solche Exem- 
plare als 8. semperflorens (Salix p. 2. tb. 5 u. 6. — 8. amyjd. y. serotina 
Kov. Fl. exsicc. Vindob. Nr. 1050) zu beschreiben. Bemerkenswerth ist aber, 
dass diese Kätzchen kürzer als die normalen Frühlingskätzchen erscheinen, 
und dass auch die Stiele meistens sehr verkürzt sind, so dass dadurch die 
Kätzchen fast sitzend erscheinen. 

Die Blätter der Var. concolor, welche von Host als 8. ligustrina 
beschrieben wurde , sind an der oberen Seite dunkelgrün , an der unteren 
Seite wohl blasser aber rein grün und gewöhnlich ebenso wie an der oberen 
etwas glänzend. Sie kommen durch dieses letztere Merkmal mit den nach- 
folgenden Weiden: 8. retusa, 8. herbacea, 8. Myrsinites und der nördlichen 
8. polaris überein , welche gleichfalls unterseits etwas glänzende Blätter 
besitzen und sich dadurch von den übrigen Arten auszeichnen. Die Blätter 
der Var. concolor erscheinen ferner gewöhnlich länglich , in den Blattstiel 
zugerundet und plötzlich kurz zugespitzt. — Die Blätter der Var. discolor 
sind oberseits freudig grün, unterseits hechtblau oder fast weisslich bereift. 
Sie erscheinen meistens länglich lanzettlich in den Blattstiel zusammengezogen 
und glcichmässiger zugespitzt. ..Nur selten sind sie breit, fast elliptisch und 
in den Blattstiel zugerundet, wie sie Host an seiner rothzweigigen 8. venusta 
(Salix, p. 3 tb. 9 u. 10) und an 8. varia (Salix, p. 3 tb. 11 u. 12) abbildet. 
An sehr üppigen Exemplaren der Var. discolor werden die Blätter am Rande 
etwas wellig, die durch das Kätzchen abgeschlossenen Aestchen verlängern 
sich und sind mit Blättern bekleidet, welche die Grösse der anderen Blätter 



») In Schweden findet sich nach Fries nur die Var. discolor mit unterseits blaugriiuen Blättern. 
Auch in Tirol kommt nach Hausmann nur diese Varietät vor. 



Niederösterreichische Weiden. 



195 



erreichen, ebenso wie diese gesägt und mit verhältnissmässig grossen Neben- 
blättern versehen sind. Die S. spectabilis Host (Salix, p. 1 tb. 3) , welche 
von dem Autor in Polen und in der Bukowina angegeben wird , stellt eine 
solche sehr üppige Form dar , wie -sie auch in den Donau- Auen Nieder- 
österreichs nicht selten angetroffen wird. 

Die Mandelweide ist in Europa von der Mittelmeerzone nordwärts zu 
einer nordöstlichen Vegetationslinie verbreitet , die von den schwedisch-nord- 
ländischen Flüssen und dem Uferlande des bottnischen Meerbusens durch das 
mittlere europäische Russland in den Ural zieht, und wird ostwärts noch im 
altaischen und baikalischen Sibirien angegeben. Fehlt in der neuen Welt 
und wird dort durch die ähnliche S. lucida vertreten. — In den Südalpen findet 
sie sich noch bei 4700', in den südbaierischen Alpen erreicht sie ihre obere 
Grenze bei 3376', in den obersteirischen Alpen bei 2400'. 

In Niederösterreich erscheint sie in dem Inundationsgebiete der Donau, 
so wie in den anderen Niederungen als eine der häufigsten Weiden. Die Var. 
discolor ist vorzüglich an der Donau zu Hause und fehlt auf den Höhen des 
Wald vierteis, so wie sie auch im alpinen Gebiete nur höchst selten und ver" 
einzelt angetroffen wird und dort schon bei H00' (höchster von uns beob- 
achteter Standort an der Erlaf in der Nähe des Töperischen Hammerwerkes) 
ihre obere Grenze erreicht. Die Var. concolor hingegen, ist in den Donauauen 
selten, umsäumt dagegen vorzüglich die Ufer der kalten Bäche der südlichen 
Bucht des Wiener Beckens und findet sich an den alpinen Zuflüssen der Donau 
bis in die subalpinen Thäler zu 1800' verbreitet (höchster von uns beobachteter 
Standort an dem Ufer der Schwarza zwischen Reichenau und Prein). 

Am Plateau des böhm.-mähr. Gebirges wird die Var. concolor bis zu 
Höhen von 4600' angetroffen, so z. B. an dem Ufer der Krems bis Harten- 
stein, am Kamp bei Zwettl, an dem Ufer der Lain^itz bei Weitra. 

Sie findet sich an den zuletzt angeführten Standorten auf ganz kalk- 
freier Unterlage in dem schlammigen Sande des verwitterten Granit- und 
Gneissbodens — an den Wiesenmooren in der südlichen Bucht des Wiener 
Beckens, so wie auf den Dilluvialterassen, an den Ufern der Erlaf und Traisen 
gedeiht sie aber eben so gut auf kalkreichem Substrate. 

S e c t. IV. Retusae. FruticuU pygmaei trunco decumbente et ramulis 
abbreriatis, ad insertionem frayilibus, foliis glaberrimis, emar- 
ginatis, obtusis vel acutis {nun quam acuminatis) . Amentorum 
squamae persistentes. Torus flosculorum stämmiger um biglan- 
dulosus. pislilligerum uniglandulosus. 

11. X S\ e 4>n zfiaitfi (m perretusa — glabra). — Amenta coaetanea 
in pedunculo foliato nun yemmifero, gracilia, t0—30flora, bis longiora quam 
latiora. Squamae obovatae , obtusae vel truncatae, primo ciliatae, postea 
glabratae, e viridi fiavae. Torus in flosculis staminigeris biglandulosus. Glandula 
U. X. AbhaaÜ. 26 



196 



Dr. A. K crner: 



interna oblonga, sublincaris dupplo longior et crassior quam externa. Stamina 
duo, pXamentis in basi pilosis. Folia obovata, obtusa vel emarginata, in petiolum 
brevissimum attenuata, bis longiora quam latiora, toto ambitu Serratia, glaber- 
rima, supra saturate viridia subnitida, subtus opaca, leviter glaucescentia 
penninervia. Nervi secundarii subtus vix elevati utrinque 4—6, a nervo medio 
sub angulis 20° — 30° descendentes. — Fruticulus trunco decurabente, ramulis 
adscendentibus, fragilibus, glaberrimis. 

Am. c? 14—18°™ lg. 6— 8 mm lt. 

Squam. 2 mm lg. Stam. 4— 5 ram lg. Gland. tori int. 0,5mm ig. 
Fol. 15— 25 mra lg. 8— 10mm lt. 

In der Krummholzregion am westlichen Abfall des hohen Schneeberges 
bei 5500' auf kalkreichem felsigen Boden, ein ($ Sträuchelchen. 

Die hier beschriebene Blendlingsart, welche ich vor mehreren Jahren 
an dem angegebenen Standorte auffand und nach Herrn Prof. Fenzl, 
S. Fenzliana benannt habe, bringt beim ersten Anblick den Eindruck von 
S. retusa hervor und stimmt mit dieser namentlich im Zuschnitt und in der 
Nervatur der Blätter, so wie in den einfärbig grünlichgelben abgestutzten 
Kätzchenschuppen und den zweidrüsigen Torus überein. Die Blätter sind 
aber unterseits matt, etwas bläulich bereift und im ganzen Umfang gesägt, 
die Kätzchen bind reichblüthiger , die Blüthen stehen gedrängter und die 
Staubfäden sind an der Basis flaumig, welche Merkmale auf S. glabra hin- 
weisen, die auch mit 8. retusa zusammen häufig an dem Standorte des hier 
beschriebenen Blendlings angetroffen wurde. 

Sie verknüpft die Rotte: Retusae mit der Rotte der Schwarzweiden, 
namentlich mit S. glabra, die ohnehin in der Bildung der Fruchtknoten und 
Narben, so wie in der Farbe der Kätzchenschuppen mit S. retusa eine grosse 
Uebereinstimmung zeigt, sich aber wesentlich durch den eindrüsigen Torus 
der Staubblüthen, und etwas mehr verlängerten Griffel unterscheidet. 

M2, S. retu,St§ L. sp. 1445. Amenta coaetanea, laxiflora, staminigera 
bis, pistilligera ter longiora quam latiora, pedunculo bi — quadrifoliato 
(jemmifero , rhachite pilosa vel glaberrima. Squamae obovatae, emarginatae 
vel truncatae, glaberrimae vel primo ciliatae et postea glabratae, e viridi 
flavae. Torus fiosculorum pistilligerum uniglandulosus, staminigerum biglan- 
dulosus. Glandula interna oblonga, sublinearis , dupplo longior et crassior 
quam externa. Germen ex ovata basi conicum, obtusiusculum, glabrum, pedi- 
cellatum, pedicello ylandulam internam aequante vel paululum superante, stylo 
brevissinio, stigmatibus bipartitis, laciniis patulis, crassis. Stamina duo, fila- 
mentis ffictfortie, antheris post anthesin sordide flavis. Folia obovata vel oblongo- 
obovttia^ obtusa vel emarginata in petiolum brevissimum attenuata, bis longiora 
quam latiora, plerumque iiUegerr/ma, rarissirne basin versus dente uno alterove 



Niederösterreicbisehe Weiden. 



197 



instructa, glaberrima, supra et subtus viridia, subnitentia^ penninervia. Nervi 
secundarii subtus vix elevati utroque latere 4—6, a nervo medio sub angulis 
20°— 30° descendentes. Truncus huraifusus. Ramuli decunibentes, radicantes ■> 
glaberrimi, fragiles, juniores cortice rufescente, nitido, testaceo tecti. 

Variat in solo calcareo alpiuni Austriae inferioris foliorura forma: 

a) Folia obtusa, oblongo-obovata, bis et seniissi longiora quam latiora. 

b) Folia emarginata, obovata, bis longiora quam latiora. 

Am. <$ 6 — 15mm lg. 4_8 mm lt. Am. O 8 — 20 mm lg. 3— 7mm lt. 
Squam. 2— 2.5mm ig. Gland. tori int. lmm lg. Germ. 3— 4mm ig. Styl. 

et stigm. lmm lg. Pedicell. lmm lg. Stani. ö mm lg. 
Fol. 8— 20mm lg. 5 — 8mm lt. 

S. retusa Host. Salix tb. 103. - Koch Syn. p. 570 (var. «•) — Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 266. 
- Wim m. Hb. Salic. Fase. VII. Nr. 82. 

Der hier beschriebenen auf dem Kalkboden der Nord- und Südalpen 
sich entwickelnden S. retusa mit ganzrandigen, bald verkehrteiförniigen aus- 
gerandeten, bald länglichen stumpfen Blättern schlies.>en sich die Formen 
an, welche vorzüglich in den Centraialpen, am häufigsten auf Glimmerschiefer- 
substrat vorkommen und mit Blättern bedeckt sind , die vom Blattstiel bis 
beiläufig gegen die Mitte gesägt erscheinen. Die Blätter dieser S. retusa 
2.) denticulata sind so wie bei der Form des Kalkbodens: S. retusa l.Jinteyri- 
folia bald ausgerandet, bald stumpf oder etwas spitz, und überdiess tritt 
sowohl die ausgerandetblättrige wie die stumpfblättrige S. retusa 2.) denti- 
culata in einer der Hochalpenregion angehörigen Form mit kleinerem Aus- 
mas>e der Organe und einer in der tieferen Alpenregion vorkommenden 
Form mit grösseren Dimensionen der Blätter und Blüthentheile auf. Diese 
Formen der S. retusa 2.) denticulata Hessen sich folgendermassen an die 
zwei obenangegebenen Spielarten unserer S. ret. 1.) integrijolia : a) und b ) 
anreihen : 

c) Folia oblongo-cuneata 4 — 10mm longa, semel et semissi — bis longiora 
quam latiora,. emarginata, in basi denticulata. Amenta ad 6 mül longa, 
pauciflora, 3 — 6 imo uniflora. Rhachis et squamae glaberrimae. Stamina 
3mm longa. Germen 2 — 3 ffi m longum. 

d) Folia oblonga 4 — 10 m m longa, semel et semissi — bis longiora quam 
latiora, acuta, coriacea, in basi denticulata. Amenta ad 6 m m longa, pauci- 
flora 3—6, imo uniflora. Rhachis et squamae glaberrimae. Stamina 3 m m 
longa. Germen 2 — 3 mm longum. 

e) Folio obovato-cuneata 8 — 20 m m longa, bis longiora quam latiora, emar- 
ginata, in basi denticulata. Amenta ad 15mm longa, 6 — 10 flora. Rhachis 
pilosa. Squamae truncatae apice eiliatae. Stamina 4 — ö m m longa. Germen 
2.Ö — 4mm longum. 

26* 



198 



Dr. A. Kerner: 



f) Folia oblonga, 8— 20 mm longa, bis— ter longiora quam latiora, obtusa 
vel acuta, in basi denticulata. Amenta ad 18 mm longa, 6 — 15flora. Rhachis 
pilosa. Squamae truncatae, apice ciliatae. Stamina 4 — 5 mm longa. Germen 
3_4mm longum. 

Die mit c) bezeichnete Spielart scheint die Hochalpenform von e) zu 
sein, so wie die mit d) bezeichnete Varietät wahrscheinlich die Hochalpen- 
form von f) darstellt. 

Die beiden Formen c) und d) wurden von den Autoren gewöhnlich 
unter dem Namen S. serpyllifolia, (zuerst von Scopoli Fl. carn. II. p. 255., 
t. 61 als Art aufgestellt) zusammengefasst und von Koch (Syn. p. 570) als var. y. 
der S. retusa aufgeführt. Sie stellen äusserst zierliche Zwergweiden dar, 
deren am Boden angedrückte Aeste gewöhnlich ineinandergeflochten sind, 
so dass die Sträuchelchen ein fast rasiges Ansehen erhalten. Ihre kleinen 
steifen Blättchen sind gegen die Basis zu beiderseits mit ein paar drüsigen 
Zähnen versehen und von 3 — 5 Fiedernervenpaaren durchzogen. Die arm- 
blüthigen Kätzchen sind vollkommen kahl, die Staubfäden und Fruchtknoten 
absolut kleiner als bei den anderen Formen der S. retusa, die Kätzchenschuppen 
und die Torusdrüsen jedoch verhältnissmässig gross und die innere Torusdrüse 
ein Drittel so lang als die Staubfäden. Die Form c) mit ausgerandeten 
Blättchen ist ziemlich selten, häufig hingegen die Var. d) mit stumpfen oder 
etwas spitzen Blättchen. 

Die Formen e) und f) entsprechen im Zuschnitt der Blätter und in dem 
Grössenverhältnisse aller Organe den beiden in Niederösterreich vorkommenden 
Spielarten der ganzrandigblättrigen Kalkform und unterscheiden sich von 
diesen überhaupt nur durch die gegen die Basis gesägten Blätter. Unter allen 
in den Alpen vorkommenden Varietäten, der S. retusa ist übrigens die unter 
f) angeführte die üppigste und stellt die £ retusa ß. Koch Syn. p. 570 und 
die S. Kitaibeliana der meisten Autoren dar. Sie wird jedoch an Grösse und 
Ueppigkeit von der in den Karpathen vorkommenden Parallelform der alpinen 
S. retusa, nämlich: S. Kitaibeliana Willd. sp. pl. 4. p. 683 = S. retusa y. 
Wahlb. Fl. Carp. princ. p. 314 noch bei weitem übertroffen. 

Der Vollständigkeit der Formenreihe halber möge hier die Diagnose 
dieser üppigsten aller Formen von S. retusa Platz finden: 

g) Folia oblonga vel oblongo-obovata obtusa vel acuta, basin versus attenuata, 
et serrata, bis — ter et semissi longiora quam latiora (15— 32 mm lg. 
5 — 16 mra lt.). Amenta staminigera ter, pistilligera quater longiora quam 
latiora ad 30 mm longa, rhachite lanuginosa. Squamae 2 — 3 mm longae 
truncatae ante anthesin pilis longis albidis subcrinitae. Stamina 4 — 5 mm longa 

In der Form, und Grösse der Fruchtknoten, sowie der Griffel und Narben 
stimmt die SL Kitaibeliana der Karpathen auf das vollständigste mit üppigen 
Formen der alpinen *S. retusa überein und sie kann, so verschiedenartig auch 



Niederösterreichische Weiden. 



199 



ihr Habitus ist, von dieser ebensowenig getrennt werden, als S. serpyllifolia. 
Sammtliche hier umgrenzte Formen bilden eben eine Kette, deren eines 
Grenzglied S. serpyllifolia, deren anderes Grenzglied die karpathische S. 
Kitaiheliana ist. — Send tn er, welcher der S. serpyllifolia die Artrechte 
wahren will, behauptet zwar (Veg. Verh. Süd-Baierns. p. 863), dass diese 
nie in einer Mittelform mit S. retusa beobachtet wurde. Wir haben jedoch 
die Formen der £. retusa in den Alpen und Karpathen mit besonderer 
Aufmerksamkeit verfolgt und sind zu der Ueberzeugung gelangt, dass die 
Natur weder zwischen S. retusa und S. serpyllifolia, noch zwischen S. retusa. 
und S. Kitaibeliana eine scharfe Grenze zieht. Sendtner selbst gibt auch 
für S. serpyllifolia eine höhere Region an, als für S. retusa und wir wieder- 
holen, dass wir die erstere als die hochalpine Form der letzteren ansehen. 

Der Stamm der auf den niederösterreichischen Kalkalpen vorkommenden 
S. retusa erreicht den Durchmesser von 4 Ctm. und zeigt dann gegen 30 
Jahresringe, die einseitig meistens viel stärker entwickelt erscheinen. Das 
Holz ist zähe, die Zweige aber nichts destoweniger an den Abästungsstellen 
brüchig. Die glänzendbraune Rinde der 2 — 4jährigen Aeste ist ähnlich jener 
der S. fragilis häutig und hebt sich im Trocknen faltenwerfend von dem 
Holzkörper los, später wird sie glanzlos, von kreisförmig um den Stamm 
laufenden Sprüngen rissig und zierliche Flechten, vorzüglich die hellgelbe 
Cetraria nivalis siegeln sich an der borkigen schwärzlichen Rinde an. Die 
S. retusa liebt in unseren Alpen vorzüglich die steinigen Kuppen, findet sich 
dort meist gruppenweise in Gesellschaft von S. Myrsinites und bildet mit 
ihrer treuesten Begleiterin der Armeria alpina, so wie mit Cherleria sedoides, 
Carex forma, Silene acaulis, Potentilla Clusiana , Primula Clusiana , Dryas 
octopetala und rasenbildenden Saxifragen eine sehr charakteristische Pflanzen- 
formation. — An solchen sonnijen Kuppen erscheint sie mit Blüthenkätzchen 
bedeckt, ihre Blätter sind ausgerandet, ihr Stamm sowie ihre Aeste sind 
kurz, knorrig, sparrig verzweigt und liegen oft in einander verschlungen 
ohne Adventivwurzeln zu treiben dem felsigen Boden auf. Zwischen dem 
Knieholz hingegen, nimmt sie einen wesentlich anderen Habitus an. Die im 
Laubmoose und Humus eingebetteten Stämme sind dort fast schlangenförmig 
gewunden, langgestreckt, nicht selten bis '/i Meter lang, und senden nach 
beiden leiten üppige, reichlich mit Adventivwurzeln versehene Aeste ab. Die 
Blätter sind dann länglich, stumpf, bis 20 mm lang, aber die Blüthenkätzchen 
nur sehr sparsam an den Zweigen vertheilt. 

Noch mehr abweichend erscheint die S. Kitaibeliana im Krummholze 
der Karpathen. Wer das Bild der alpinen Kalkform festhält, der erkennt 
dort auf den ersten Eindruck kaum noch diese Weide als S. retusa, denn 
sie erscheint ihm als ein bis zu i Decim. hohes buschiges Sträuchelchen mit 
weichen bis über 3 Centim. langen gesägten Blättern und anfänglich weiss- 
haarigen schlanken Kätzchen. Ihre kätzchentragenden Aestchen sterben und 



200 



Dr. A. Kerner : 



fallen an solchen üppigen Exemplaren auch nicht selten gleich jenen der 
anderen Chloriteen ab, ohne dass die Knospenanlagen in den Achseln ihrer 
Blätter zur Entwicklung kamen. Wenn nicht schon die schlanken locker- 
blüthigen Kätzchen , die gelblichgrünen einfarbigen Kätzchenschuppen, der 
zweidrüsige Torus der Staubblüthen, die kahlen Blätter und Fruchtknoten 
der kurze Griffel und die zweitheiligen dicklichen fleischigen Narben der 
Retusae mit Entschiedenheit ihre innige Verwandtschaft mit den anderen 
Chloriteen beurkunden würden, so zeigten solche Exemplare der 8, Kitaibeliana 
auf das unzweideutigste, dass die zwergigen Alpenweiden S. retusa und 
herbacea von den anderen strauchartigen und baumartigen Chloriteen nicht 
getrennt werden können, da durch sie der Unterschied der endständigen und 
seitenständigen Kätzchen als unhaltbar erscheint und endlich nur mehr den 
Zuschnitt der Blätter und die Höhe des Strauches übrig bleibt um die S. retusa 
und herbacea von den im Habitus wohl sehr abweichenden, sonst aber in 
allen Merkmalen innig verwandten Mandelweiden abzugrenzen. 

Die S. retusa ist in Europa auf die Hochgebirge des südlichen und 
mittleren Theiles beschränkt. Ihre nordwestliche Vegetationslinie verläuft von 
den Pyrenäen durch die Alpen der Dauphine und den Jura, entlang der Kette 
der Nordalpen in die nordungarischen und galizischen Karpathen. 

In Ledebours Fl. ross. wird £. retusa, im Altai, im östlichen und 
arktischen Sibirien und im arktischen Amerika am Kotzebue's-Sund angegeben, 
und es würde sich demnach die nordwestliche Vegetationslinie nach grossen 
Unterbrechungen dahin fortsetzen. — Im sudetisch -herzynischen Gebirgs- 
systeme fehlt S. retusa, ebenso auf den skandinavischen und schottischen 
Gebirgen und in der europäischen arktischen Zone. *) 

In Nordtirol wird sie in dem Höhengürtel von 5000 — 7000', in den 
südbaierischen Alpen zwichen 5100 — 7600' angegeben. 

In Niederösterreich erreicht sie ihre untere Grenze bei 4750' und findet 
sich von da an, an Häufigkeit zunehmend, bis zu den höchsten Erhebungen 
am Hochkar, am Oetscher, am Göller, auf den Kuppen der Raxalpe und des 
Schneeberges: 6566' — obschon letztere Höhe nicht als ihre absolute obere 
Grenze in den östlichen Nordalpen anzusehen ist , da sie noch auf der Spitze 
des benachbarten Hochschwabs bei 7243' angetroffen wird. Niemals steigt 
S. retusa in unseren Alpen gleich den Rhododendron-, Primula- und Soldanella- 
Arten und anderen Alpenpflanzen in die Thäler unterhalb die untere» Grenze 
der Krummföhre herab. 

*) Die S. retusa * sarmentacea Fries. Nov. Fl. suec. p. 75, welche der Autor als eine „Forma 
masime vegeta luxurians S- retusae L. tt bezeichnet und weicherer „folia subtus primo longe pilosa, demum 
gUbrata, opa»*; antherae purpurasccntes" zuschreibt, und sie weiters mit „capsulis longe pedicellatis sub- 
pilosis, stylo clongato" diagnostizirt , ist offenbar nicht S. retusa L. und schciut zu S. Myrsinites zu 
gehören, welche Ansicht auch Blytt (Bot. Not. 1845. p. 41) ausspricht. - Vielleicht ist dieselbe ein 
Bastart aus 8. Myrsinites und herbacea oder aus S. Myrsinites und S. arbuscula; auf keinen Fall ist 
sie unsere S. retusa. - Auch die Angabe von Fries, dass Exemplare vou Breadalblanc in Schottland 
im Herbar Horneniann's zu S- retusa gehören, dürfte demnach zu bezweifeln sein uud von den englischen 
Floristen wird auch S. retusa nicht aufgeführt 



Niederösterreichische Weiden. 



201 



Ä. Herhacea (L. sp. 1 i4ö.) Araenta coaetanea , semel — bis 
longiora quam latiora , laxiflora et paucitlora, brevissirne pedunculata. pedun- 
culo bifoliato , geiuifero. Rhachis glaberrinia vel longe villosa. Squamae 
concavae, oblongae, obtusae, e viridi flavae, pilo^ae vel glaberriinae. Torus 
tlosculorum pistilligeruni uniglandulo^us, staminigeruni biglandulosus. Glandula 
externa oblonga, obtusa, integra; interna plerumque bipartita, laciniis diver- 
grntibus, basin germinis superantibus. Gerraen ex ovata basi conicura. glabrum, 
brevissime pedicellatura, stylo brevissimo, stigniatibus bifidis , laciniis patulis 
crassiusculis. Stamina duo , ßlamentis glabris. Folia brevissirne pedicellata, 
ovalia vel orbiculata , obtusa vel emarginata, rarissime acuta, in basi rotun- 
data , majora etiam eximie cordata, oninia toto ambitu crenato-serrata^ 
glaberima, utrinqve nitida et unicoloria viridia, subnervigera et venis utrinque 
]>rominentibus eleganter reticulata. Ramuli decumbentes, radicantes, fragiles, 
juniores nonunquam pilosi, adulti glaberrimi. 

Am. 4— 8 mm lg. 4— 6mm lt. Am. § 4— 10 mm lg. 4— 5 mm lt. 

Squam. 2 mm lg. Gland. tori int. immig. Germ. 2 mm lg. Styl, et stigm. 

imm ig. Stam. 2-5— 3 mm lg. 
Fol. 8— 20mm ig. 7_20mm lt. 

S. herbacea Host. Salix p. 32 tb. 104, Fries Nov. Fl. suec. Mant. L p. 76. Herb. norm. Fase. V. 

Nr. 67, Koch Syo. p. 570, Wimm. Flora 1S49 p. 38, Herb. Sähe. Fase. IV. Nr. 41, 
Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 267. 

Die S. herbacea, welche Linne als „minima inter omnes arbores* 
bezeichnet, entfaltet in den Alpen erst im Hochsommer ihre winzigen 3 — 12- 
blüthigen Kätzchen, die anfänglich in die zwei verhältnissmässig grossen 
Kätzchenstielblätter eingewickelt erscheinen und selbst noch zur Zeit der 
vollen Bliithe von diesen überragt werden. Die Narben, Fruchtknoten und 
Kätzchenschuppen sind manchmal an der dem Lichte ausgesetzten Seite etwas 
röthlich überlaufen. Die steifen rundlichen beiderseits gleichfarbig hellgrünen 
glänzenden, fast benervten und zierlich geäderten Blätter stehen zu zwei 
oder drei am Ende der kurzen brüchigen Zweige. Die dünnen Zweige werden 
en-t im dritten Jahre holzig und sind dann mit einer braunen glänzenden 
Rinde überzogen, die sich im Trocknen, ähnlich jener der S. retusa, falten- 
hildend vom Holzkörper emporhebt. Im 6. Jahre verliert die Rinde ihren 
G!anz, wird bräunlich-grau und die Stämmchen besitzen in diesem Alter 
gewöhnlich einen Durchmesser von 2 — 3 mm . Nach etwa 12 Jahren, wo der 
älteste Theil des Stammes eine Dicke von 4mm erreicht hat, oder auch schon 
früher, stirbt derselbe ab und vermodert; die durch Adventivwurzeln an den 
Boden befestigten Seitenstämmchen entwickeln sich aber als getrennte Indi- 
viduen weiter und bilden zusammen eine Gruppe von Sträuchelchen. — Die 
Entwicklung von Adventivwurzeln findet insbesonders an den 2— 4jährigen 
Zweigen statt und ist bei solchen Exemplaren , welche in Moospolster ein- 
gebettet liegen, sehr reichlich. An den moosbewachsenen Standorten erscheinen 



202 



Dr. A. Körner: 



die Zweige manchmal fast peitschenförmig hingestreckt, bis zu 3 Decimeter 
lang, und die einjährigen Triebe bis zu 5 Centim. verlängert. Im festen Thon- 
boden sind die Stämmchen dagegen sehr verkürzt,- das ganze Sträuchelchen 
zwergig, die Stämmchen nur 3 — 4 Cenlim. und die jährigen Triebe oft kaum 
einige Miilim. lang. 

Die Veränderlichkeit der Merkmale beschränkt sich ganz vorzüglich 
auf die Blattform, auf die Behaarung der Kätzchenspindel und Kätzchenschuppen. 
Die Blätter sind nämlich entweder ellyptisch, an der Basis zugerundet und 
fast zweimal so lang als breit — oder sie sind breit, kreisrund, manchmal 
sogar breiter als lang, an der Basis herzförmig und gewöhnlich gleichzeitig 
etwas ausgerandet. — Bei der ersteren Form sind die jährigen Triebe , die 
Kätzchenspindeln und die Kätzchenschuppen vollständig kahl, bei der letzteren 
meistens von geraden weissen zerstreuten Haaren etwas zottig. Manchmal 
erscheint dann selbst die untere Fläche der sich entwickelnden Blätter von 
solchen zerstreuten, aber bald abfallenden Haaren bekleidet. 

Die S. herbacea findet sich fast auf allen mit Krummholz bewachsenen 
Hochgebirgen Europa's und ist anderwärts bis über den Polarkreis auf Kola, 
und Lappland und bis Spitzbergen verbreitet. Ebenso findet sie sich in Asien 
auf den Hochgebirgen des Altai, des baikalischen Sibiriens und Dauriensj 
im arktischen Sibirien und im arktischen Amerika bis Grönland. — In den 
südlichen und Centraialpen wird sie in dem Höhengürtel von 7000 — 9300' 
gefunden. In der nördlichen Alpenkette erscheint sie : Südbaiern 5300 — 7200< 
Nordtirol 5500—7000', Oberösterreich 5800— 7500'. In den Karpathen zwischen 
5900— 7200'. In dem sudetischen Gebirgssystem 4400 — 4700', im schot- 
tischen Hochgebirge 1800—4000', in Lappland 1800- 2700', in Grönland im 
Meeresniveau. 

Sie liebt thonreichen Boden , kommt aber ebensowohl auf kalkreichem 
Lehm in den Kalkalpen wie auf kalklosem Untergrunde über granitischen 
Gesteinen und kristallinischen Schiefern vor. Letztere Substrate scheint sie 
allerdings vorzuziehen. 

In Niederösterreich wurde dieselbe auf den letzten Erhebungen des 
Schneebeiges von Jaquin und Diesing gefunden. Gegenwärtig ist jedoch 
der nähere Standort unbekannt, doch dürfte sie am ehesten in Gesellschaft 
von Azalea procumbens und Arctostaphylos alpina, welche anderwärts mit ihr 
an gleichen Standorten vorzukommen pflegen, wieder aufgefunden werden. 



Xieileröslerreichisclie Weiden. 



203 



D i v i s i o II. Jfäacrostylae* Squamae discolores vel 
concolores. Torus uniglandulosus. Stylus elongatus, tenuis et 
filiformes , stigmatibus filiformibus , vel crassus, stigmatibus 

crassiusculis. 

Sect. V. Myrtosalix. — Fruticuli pyymaei, ramulis humifusis. 
Folia ellyptica vel lanceolata, adulta utrinque glabra, viridia 
et nitida, dum marcescunt niyricantia. Amenta coaetanea, 
pedunculata, recta. Squamae discolores. Glandula tori oblonyo- 
linearis purpurea. Antherae post anthesin niyricantes. Germen 
brevissime pedicellatum. Stylus tenuis. Stigmata brevia biloba, 
lobis linearibus, erecto-patulis, purpureis. Valcae capsulae post 
dehiscentiam exlrorsum arcuatae, falcatae. 

141. Jlyrsinites. 1. Jaquiniana. (Koch Syn. ed. 2. p. 758). 
Amenta coaetanea, cylindrica, densiflora, staminigera et pistilligera semel et semissi 
— bis longiora quam latiora, pedunculo longo quadri — sexfoliato, non gemmi- 
fero. Squamae obovatae , obtusae vel lanceolatae, acutae, purpureae , versus 
apicem nigricantes , longe villosae. Glandula tori oblongo-linearis , purpu- 
ra&etmA) basin germinis supeians. Germen brevissime pedicellatum, ex ovata 
basi conicum, compressum, in stylum tenuem , productum , ante anthesin 
pilosurn , postea glabratum. Stigmata brevia, erecto - patula, biloba, lobis 
vliforiuihas purpureis. Valvae capsulae atropurpureae , post maturitatem 
falciformes, extrorsum arcuatae. Stamina duo, filamentis glabris, apicem versus 
purpurascentes. Antherae ante anthesin purpureae, dernum violaceae et post 
anthesin nigricantes. Folia ellyptica vel obovata , bis longiora quam latiora, 
acuta, in basi rotundata, integerrima , adolescentia longe pilosa, adulta 
glaberrima , supra et subtus laete viridia , nitida et nervis elevatis reticulata^ 
dum marcescunt nigricantia. Nervi secundarii ad marginem decurrentes utroque 
latere 6 — 8. Ramuli decumbentes, radicantes, glaberrimi, flexibiles et tenaces. 

Am. ($ 12— 20mm lg. 8— 10 mra lt. Am. $ 10- 20mm lg. 6— 8mm i t . 

Squam. 1.5— 2mm ]g. Gland. tori 0.5— l m mlg. Germ. 1.5— 2.5mm ig. styl. 
1.5— a«*™ lg. Stam. 4mm ig. 

Folia 12— 35mm lg. 6_ls m m lt. 

S- Jacquiniana Host. Syu. p. 329. Salix p. 31. tb. 102. — S- Myrsinites y. Jacquiniana Koch 
S\n. ed. IV. p. 570. — Wimm. Herb. Sal. Fase. VIII. ISr. 92. — S- Myrs. ct. inte- 
gri/olia Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 266. 



Der dem Boden aufliegende Stamm ist vielfach verzweigt und verkrümmt, 
seine Aeste niedergestreckt, sparsame Adventivwurzeln treibend. Die.jiingeren 
M. X. Abliaudl. 9? 



204 



Dr. A. kern er . 



Zweige sind mit häutiger, brauner, glänzender Rinde bedeckt, die ältesten 
20 bis 30 Jahresringe zeigenden knorrigen 1 J)ecim. dicken Stämme sind 
ähnlich jenen der S. retusa schwärzlich und die wulstige Rinde ist von kreis- 
förmig um den Stamm laufenden Sprüngen durchfurcht Die Blätter, Zweige, 
Fruchtknoten und Kätzchenschuppen sind in der erslen Zeit ihrer Entwicklung 
von langen unendlich dünnen und weichen seidigen Haaren zottig und die 
verhältnissmässig grossen Kätzchen vor dem Aufblühen in einen dichten Pelz 
eingehüllt, durch welchen wie durch einen Schleier die dunkelpurpurnen 
Kätzchenschuppen durchschimmern. Zur Zeit der Blüthe wo die rothen langen 
Griffel oder Staubgefässe aus den weissen Seidenhaaren der Schuppen her- 
vorragen gewähren die zwischen den glänzendgrünen Blättern vertheilten 
Kätzchen ein besonders zierliches Ansehen. Alsbald schwindet aber die seidige 
Bekleidung und zur Zeit der Fruchtreife ist die ganze Weide vollständig kahl. 
An der dem Lichte ausgesetzten Seite färben sich dann die kahl gewordenen 
Fruchtknoten gewöhnlich purpurn. Die Blätter werden im Verwelken schwarz 
und färben auch feuchtes Papier, auf welchen sie liegen nach einiger Zeit mit 
schwärzlichen Flecken. 

Die S. Myrs. 1.) Jacquiniana findet sich in Europa in den östlichen 
Nord- und Südalpen, in den ungarischen und siebenbürgischen Karpathen; in 
Asien auf den Alpen des Altai , des baikalischen Sibiriens und Dauriens. 

Eine Linie, welche in nordöstlicher Richtung von der Etsch an die 
Quellen der Enns, dann entlang der Kalkalpen des Ennsthales an den Düren- 
stein und Schneeberg und w r eiter in die Tatra zieht, dann aber nach Süden 
umbeugt und von dem südlichen siebenbürgischen Hochgebirge in westlicher 
Richtung längs dem Südrande der julischen und karnischen Alpen sich bis 
Südtirol verfolgen lässt, umgrenzt inEuropa das Areal dieser Pflanze. — Innerhalb 
dieses Areals ist S.Myrs 1.) Jacquiniana nur auf die Kalkalpen, welche sich über 
5000' erheben beschränkt und fehlt daher in den Centralalpen , so wie sie 
auch in den ungarischen Karpathen nur auf die Kalkberge beschränkt ist, 
welche den östlichen und westlichen Flügel der Tatra bilden. Sie wächst auf den 
Karpathen in dem Höhengürtel von 5000 — 6400'. In den niederösterreichischen 
Kalkalpen findet sie sich auf dem Dürrenstein, Oetscher, Göller der Raxalpe 
und dem Schneeberge. Ihre untere Grenze fällt daselbst auf 4750', und von 
dieser Höhe an ist sie bis zu den höchsten Kuppen 6566' als gewöhnliche Be- 
gleiterin der S. retusa verbreitet. In den obersteirischen Kalkalpen wie am 
Ilochschwab, Griming, Buchstein erreicht sie ihre obere Grenze bei 7200'. 

Viel weiter verbreitet ist die durch feindrüsig gesägte Blätter sich 
unterscheidende 8. Myisinites 2.) sei l ata Neilr., welche auf den Apeninnen, 
Pyrenäen, den Alpen der Dauphine und der ganzen Centralkette der Alpen, 
auf dem schottischen und skandinav. Hochgebirge und im ganzen arktischen 
Europa vorkommt und ebenso im altaischen Sibirien, auf Kamtschatka und der 
Tschuckt.>chon Haihinsel, auf Labrador, Grönland, Island angetroffen wird. 



Niederöfiterreietiische Weiden. 



205 



Die nördliche & polaris Wahlbg. und Fries schliefst sich durch 
die ganzrandigen kahlen beiderseits glänzend grünen Blätter, zweifarbige 
Katzchenschuppen sparsam behaarte Fruchtknoten , purpurne verlängerte 
Griffel und purpurne lineale Torusdrüse an S. Myrsinites 1.) Jacquiniana an, 
unterscheidet sich je loch durch die stumpfe ellyptische oder fast kreisrunde 
Blattform und stehen bleibende kürzere, nur mit 2 Blättern bekleidete Kätzchen- 
stiele. Mit S. herbacea mit der sie von den Autoren gewöhnlich verglicheu 
wird , stimmt sie nur in dem letzten Merkmal und im Zuschnitt des Blattes, 
überein, gehört aber durch die Bildung ihrer Blüthen in die Rotte Myvtosalix. 

An die Rotte Myrtosalix schliesst sich der in Niederösterreich nicht 
vertretene Weidentypus der S. caesia an, welche wir als eigene Rotte 
Caesiae auffassen und folgendermassen charakterisiren : 

Sect. Caesiae. FruticuU ramosissimi ramis brevibus, erectis ml 
adscendentibus, senioribus torulosis. Folia ellyptica, brerissime 
acuminata, integra, margine reflexa, nlrinque opaca et subtus 
gfauca, glabra rel sericea , dum marcescunt , rufescentiw 
Squamae e vdridiflacae unicolores rel apice rubescentes. Glan- 
dula tori oblonga, flava. Anthcrae post anthesin flarae. Germen 
sessile rel brerissime pedicellatum, tomentosum. Stylus elon- 
gatus, purpurascens, stigmatibus purpureis oratis breribus, 
inlegris rel emarginatis capitatus. Valrae capsulae post de- 
lüscentiam extrosum arcuatae, falcatae, purpurascentes. 

Ilieher gehört von europäischen Weiden. S. caesia. — Sie mahnt in 
der Blattform an die S. myrtüloides , in der Form der fast kopffö raiigen 
Narben an die S. 'purjmrea , stimmt aber in der Verästlung, in der Form des 
Fruchtknotensund des Torus, so wie in der Farbe des Griffelsund der Narben 
mit den Myrtweiden, durch erstere zwei Merkmale auch mit den Busch- 
weiden überein, dem entsprechend sie auch am richtigsten zwischen diese 
beiden Rotten eingeschoben wird. 

Sect. VI. Arbusculae. FruticuU lamosissimi, ramis breribus, erectis 
rel humifusis, senioribus torulosis. Folia lanceolata, oblonga 
rel ellypiica, acuta, margine plana, supra viridia nitida, subtus 
glattca, glabra rel varie pubescentia, dum marcescunt, rufe- 
scenlia. Amenta coactanea, peduneulata nel sessilia, recta. 
Squamae discolores. Glandula tori oblonga, flara, Antherae 
post an thesin flarae. Germen brerissime pedicellalum tomen- 



200 



Dr. A. K c r u c r : 



losum. Stylus elongatus tenuis. Stigmata biloba rrl bipartita. 
lacinns filifbrmibus, patenlibus vel extrorsum arcuatis, flavi$. 
Valcae capsulae post dehiscentiam extrorsum arcualae, falcalae. 

1&. «rfttf*«?t#J#i 1.) Waldstciniana (Koch. Syn. ed. 2. 

p. 576.) — Amenta coaetanea, gracilia , staminigera bis - ter , pistilligera ter- 
quater longiora quam Jatiora, pedunculata. Pedunculus foliatus, post anthesin 
cum rhachite amenti fructiferi elongatus, caducus. Squamae oblongae, acutae 
vel obtusae , versus apicem rubiginosae vel purpurascentes , longe villosae. 
Glandula tori oblonga, truncata , flava, basin germinis superans. Germen 
ovato-conicum , albido-tomentosum , brevissime pedicellatum, stylo elongato, stig- 
matibus bifidis , lobis ßliformibus , patentibus vel extrorsum arcuatis , flavis. 
Valvae capsulae post maturitatem falciformes, extrorsum arcuatae. Stamina 
duo , filamentis glabris, antheris flavis. Folia ellyptica, bis longiora quam 
latiora , acuta, apicem et basin versus aequaliter attenuata (rarius obovata 
et obtusa) integra vel paucis dentibus remotis serrata , adolescentia subtus 
sericea , adulta glaberrima , supra saturate viridia , nitida , laevigata, subtus 
glauca opaca. Nervus medius flavescenti - rubiginosus, elevatus. Nervi secundi 
oidinis utroque latere 10 — 14, minus elevati, tenuissimi. Folia dum marcescunt 
rufescentia. Rami breves, erecti vel adscendentes, subfurcato - ramosi , cica- 
tricibus torulosi. 

Am. $ 15— 26mm lg. g — 12 mm lt. Am. £ 15— 30 mn » lg. 5— 8 mm lt. 

Squam. 1.5— 2 mm lg. Germ. %— 3 nim lg. Styl, et stigm. 1—1.5 lg. Stam. 
5— 6 mm lg. 

Fol. 18— 40 m mlg. 8— 20 mm lt. 
"Wir haben den Linne'schen Namen S. arbuscula für unsere Pflanze beibehalten. Nach der ein- 
stimmigen Ansicht der schwedischen Botaniker verstand Linne unter seiner 8. arbuscula 
allerdings die gegenwärtig von den meisten Autoren so benannte Weide, aber auch noch 
mehrere verwandte Weidenformen in deren Erklärung die genannten Botaniker wesentlich 
abweichen. — Die S. phylicifolia Linne's soll nach Fries mit der S- bicolor Ehrh. 
identisch sein. Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, dass Linne" eine mit S- arbuscula 
*) Waldstciniana Koch so sehr verwandte Pflanze wie die S. bicolor Ehrh. von seiner 
S- arbuscula sollte getrennt und anderseits eine so ausgezeichnete häufige Weide wie 
die S. nigricans Sm. u. Fries ist, nicht als Art sollte beschrieben haben. Wir 
.scliliessen uns daher Wahlenberg's Ansicht an, welcher unter 5. arbtiscula nebst 
der hier beschriebenen Weide (= S. Waldsteiniana Willd. Koch com.) auch die S. 
bicolor Ehr. (= S- Weigeliana Willd., S. arbuscula Koch com.) die auf die Autorität 
von Fries in der % Auflage von Koch Syn. unrichtig mit der Linnd'schen S. phylici- 
folia identificirt wurde, begreift, — und halten mit Wahlenberg die S. nigricans 
Smith, Fries und der späteren Autoren für die Lin ne"schc 8- phylicifolia. Da jedoch 
der Name S. phylicifolia vieldeutig geworden, so wollen wir im Folgenden den »jetzt 
von den meisten Autoren für die Linnesche S. phylicifolia gebrauchten Namen S. 
nigricans adojitiren. 

8. pulchella, alpcstris, fiavescens Host Sal. p. 30—31. tb. 98—101. — S. 
coruscans Host Sal. p. 28 tb. 9i plant, fem. (ig. 4—6. — S. arbuscula V ries Nov. 
M ■ ufr. II. l.p. m. Herb. norm. V. Nr. 61. Wimm. Herb. Salle. Nr. 75 u. 76. Neilr. 
Fi. v.N.Oest. p.265. 



NiederösVepwichische Weiden. 



207 



Nur auf den höheren felsigen Kuppen erscheint S. arbuscula in un- 
seren Alpen mit liegendem Stamme und aufsteigenden Aesten. Gewöhnlich 
erwächst sie zu einem 2 — 3 Schuh hohen aufrechten , vielästigen , buschigen 
Strauch, dessen kurze zähe biegsame Aeste fast gabelig verzweigt und von 
den stark vorspringenden Narben der abgefallenen Kätzchenstiele knorrig er- 
scheinen. Die Rinde der 1 — 3jährigen Zweige ist braun, glatt, wenig glänzend 
und wird im vierten bis fünften Jahre von zarten dichtgedrängten Längs- 
runzeln durchzogen und glanzlos. Selten erscheint die Rinde jüngerer Zweige 
gelblich, wie sie Host an der von ihm auf den niederösterr. Dürenstein an- 
gegebenen S. ßavescens (Host Sah p. 31 tb. 101) beschreibt und abbildet. — 
Die obere Blattseite ist glatt glänzend dunkelgrün, im getrockneten Zu- 
stande von etwas vorspringenden feinen Seitennervchen geädert , die untere 
Seite ist bläulich , der Mittelnerv gelb oder röthlichgelb stark vorspringend, 
die Seitennerven der unteren Seite hingegen mit der Blattfläche gleichfarbig 
wenig vorspringend. Fiedernerven 10 — 14 Paare. Die gewöhnlichste Form 
der niederösterreichischen Kalkalpen die mit Exemplaren aus den bairischen, 
salzburgischen, tirolischen, karnischen und julischen Alpen so wie mit Exem- 
plaren aus den siebenbürgischen Karpathen vollkommen übereinstimmt, besitzt 
ellyptische, spitze , gegen den Blattstiel und die Spitze gleichmässig ver- 
schmälerte Blätter, die nochmal so lang als breit, im Alter beiderseits kahl 
und entweder vollständig ganzrandig oder dort wo sie am breitesten sind 
mit einigen entfernt stehenden Sägezähnen versehen erscheinen. Seltener ist 
der verkehrteiförmige Blattypus ausgesprochen und eben so selten werden auf 
der Raxalpe schmalblätterige Formen angetroffen, deren Blätter dreimal so 
lang als breit und fast lanzettlich sind und dann den Blättern der Exemplare 
gleichen, die von Fries im Herb. norm. Fase. V. Nr. 61 ausgegeben worden 
sind. Auf den westlich angrenzenden steirischen und oberösterreichischen 
Kalkalpen , namentlich auf dem Dachsteingebirge wo S. arbuscula ungemein 
häufig auftritt , finden sich Formen , deren Blätter von entfernt stehenden 
Sägezähnen im ganzen Umkreise gesägt sind, häufiger als bei uns, und 
auf kalkfreien Substrate in den Centralal pen, so wie auf dem 
skandinavischen Hochgebirge erscheinen die Blätter der S. arbuscula 
mit dicht nebeneinander stehenden grossdrüsigen Sägezähnen berandet und 
stellen die S, arbuscula ß. foetida Koch (Syn. p. 569) dar. 

Die Kätzchen unserer Pflanze sind schlank und nach dem Blühen sehr 
verlängert. Es liegen uns Exemplare vor , deren fruchttragende Kätzchen 
bis 7 Centim. lang sind. — Auf die manchmal bis zum Fruchtknoten getrennten 
Griffel dieser Art wurde schon im Eingange (Seite 35) aufmerksam gemacht. 

8. arbuscula ist eine weit verbreitete Gebirgsweide , die in Europa 
nur den Hochgebirgen auf den südlichen Halbinseln fehlt. Sie findet sich in 
den Pyrenäen , in dem ganzen Alpensysteme, in den Karpathen , auf dem 
schottischen und norwegischen Hochgebirge und in der arktischen Zonne in 



208 



Dr. A K er n er: 



Lappland; in Asien am Kaukasus, Altai, auf den Hochgebirgen Dauriens 

und des baikalischen Sibiriens. 

In der montanen Region Skandinaviens, auf der finnischen Seenplatte, 
auf dem baltisch - uralischen Landrücken und dem herzinisch - sudetisohen 
Gebirgswalle (vorzüglich also in den Uferländern der Ostsee, welche dieser 
ihr Wasser zusenden) ist die S. arbuscula 1) Waldsteinicma durch 'die Parallel- 
form S. arbuscula 2) Weigeliana vertreten und letztere findet sich im Riesen- 
gebirge bei 4000' und am Harze i'n dem Höhengürtel von 3000— 3Ö00'. 

Im Gebiete der Nordalpen erscheint S. arbuscula 1) Waldsteiniana in 
Baiern zwischen 4300—6640', in Niederösterreich im Höhengürtel von 4500' 
bis 6300'. Innerhalb dieser angegebenen Grenzen wächst sie auf den nieder- 
österreichischen Kalkalpen: auf der Esslingalpe, dem Dürenstein, dem grossen 
Zellerhut, dem Göller, der Raxalpe und dem Schneeberge. Sie liebt vor- 
züglich westliche mit Krummföhren bewachsene Lehnen und bildet mit Vac- 
cinien und Rhododendren eine buschige Strauchformation. 

Die S. arbuscula 2) Weigeliana *) {S. Weigdiana Willd. 
Sp. pl. IV. p. 678 — S. bicolor Ehrh. Beitr. V. p. 162. Koch. Syn. ed. 1. 
p. 653) verhält sich zu der alpinen S. arbuscula 1) Waldsteiniana ganz 
ähnlich wie &. retusa var. Kitaibeliana zu S. retusa var. serpyllifolia 
und wie die Thalformen der S. nigricans und S. glabra zu ihren alpinen 
Formen. Sie stimmt in der Form der Blätter der Torusdrüse, der Frucht- 
knoten, der Staubfäden und Kätzchenschuppen nach Exemplaren aus dem 
Riesengebirge, vom Brocken und aus Dalecarlien vollkommen mit S. arbuscula 
1.) Waldsteiniana überein und stellt nur eine in allen Theilen grössere üppigere 
Parallelform tieferer Höhenlagen dar. Ihre Blätter sind bis zu 5 Centim. lang 
und 3 Centm. breit, die Aeste sind weniger knorrig , die Kätzchenschuppen 
Staubfäden und Griffel von grösserem Ausmasse und die Fruchtknoten etwas 
länger gestielt als bei unserer S. arbuscula 1.) Waldsteiniana. Bei diesem 
grösserem Ausmass der Blüihentheile ist aber die Kätzchenspindel der S. ar- 
buscula 2 ) Weigeliana nicht entsprechend verlängert und darum erscheinen 
ihre Kätzchen kürzer gestielt und sind , wenn sie auch in Beziehung ihrer 
absoluten Länge jenen der 6'. arbuscula 1.) Waldsteiniana, gleichen, völler 
und dicker als jene der letztgenannten Weide und zwar die c$ nur bis 
2 mal, die $ nur 2 — 3 mal so lang als breit. Die Verlängerung der kätzchen- 
tragenden Aestchen und das dadurch bedingte etwas abweichende Aussehen 
kommt aber in ganz ähnlicher Weise auch den alpenbewohnenden Formen 
der 8, nigricans und 8. glabra zu . so wie auch schon bei 8. amygdalina 



*) Wir wählten liier (Jen Namen S. Weiffdiana, weil der Name S. bicolor den Gedanken involvireu 
könnte, dass nur diese Form der 8. arbuscula zweifarbige Blatter besitze, während doch beide Parallel- 
formen hierin ganz mit einander übereinkommen. Uebcrdiess wird durch diese der sudetisch-herzinischen 
Paralielform regervirte Benennung der Name eines um die Flora der Sudeten verdienten Mannes, der die 
nach ihm bezeichnete Weide zuerst im Hiesengrunde auffand, erhalten, wahrend die alpinisch -karpathische 
Pareüelform den Namen eine« um die Flora der östlichen Alpen und Karpathen hochverdienten Mannes trägt. 



NiederOsleneichificlie Weiden. 



209 



erwähnt wurde, dass die in subalpinen Gegenden heimischen Sträucher bei 
kleinem Ausmass der Blüthen eine sehr verlängerte Kätzchenspindel zeigen. 
Vergleicht man die 8. nigricans aus der Ebene von Wien und jene aus der 
Krummholzregion der Alpen, stellt man endlich die S. glabra aus den sub- 
alpinen Thälern und jene der höchsten Kuppen unserer Alpen neben ein- 
ander , so findet man, dass bei der einen wie bei der anderen die der 
tiefeien Höhenlage angehörige Form bei grösserem Ausmasse aller Organe 
fast sitzende an der Basis nur mit wenigen schuppenförmigen Blättern umgebene 
Kätzchen besitzt, während die gleiche Art aus höheren Regionen lang gestielte 
Kätzchen zeigt deren Kätzchenstiele mit Blättern bekleidet sind die denen 
der anderen Zweige vollkommen in Form und Grösse gleichen. Ja selbst an 
ein und demselben Strauche kann man beobachten, dass sich in jenen Jahren 
wo nach langem "Winter die warmen Tage des Frühlings erst spät aber 
plötzlich eintreten , die kätzchentragenden Aestchen mehr verlängern und 
die Blätter der Kätzchenstiele mehr entwickeln. — Die S. arbuscnla l.J Wald- 
•taitu ma findet sich in den Alpen und Karpathen nirgends unterhalb der 
unt. Grenze des Knieholzes. Sie liebt vorzüglich feuchte westlich exponirte 
Lehnen und ihre untere Grenze w r ird wie die so vieler anderer Alpenpflanzen 
durch die abnehmende Feuchtigkeit gegen unsere continentalen Ebenen 
bedingt. In dem Bergwalle, welcher die baltische Ebene im Südosten ab- 
schliesst, auf welchen sich daher der Einfluss des Meeres entschieden geltend 
macht , ist die untere Höhengrenze der 8. arbuscnla (ebenso wie jene der 
S. herbacea) auffallend deprimirt und wenn wir noch näher gegen die 
Meeresküste zum baltisch-uralischen Landrücken hinabsteigen , so finden wir 
dort dieselbe Weidenart in der Ebene wieder. Ganz in demselben Verhältnisse 
aber wie sich an vielen anderen Weiden bei rasch eintretender Wärme das 
Laub der kätzchentragenden Aestchen mächtiger entwickelt und die Kätzchen- 
spindel mehr in die Länge streckt, bei langsam zunehmender Wärme jedoch 
die Kätzchen in ihrer Entwicklung den Blättern mehr vorauseilen aber kurz 
gestielt bleiben, — finden wir auch in unserem continentalen Alpenbezirke und in 
den Karparthen, wo nach Schmelzen des Schnees den Pflanzen plötzlich eine 
grosse Wärmemenge zugeführt wird , das Laub der verlängerten Kätzchen 
mehr entwickelt , auf den niederen Landrücken längs der Küste, wo durch 



*) Wir stellen hier die Extreme der Maasse von S. arbuscnla 1.) Wald- 

steiniana und 2.) Weiyeliana neben einander: 

S. arb. l.J Wald.it einiana. S. arb. 2.) Weigeliana. 

Am. c? 15— 26n»üig. 1 lt. Am. rj 20— 26 mni lg. 12— lö mra lt. 

Am. V lö— 30 m »Mg. 5-8 mm lt. Am. £ 15—35111111 ig. 8_ij>mm lt. 

Squam. 1.5-2 mm lg. Squain. 2— 4 mm lg. 

Styl, et stigm. 1 — 1.5 m m lg. Stvl. et stigm. 1.5— 2 mm lg. 

Stern. 5— 6 rilm lg. St am. 6— 7 mm lg. 

Fol. 18 — 40"" 11 lg. 8— 20mm lt. Fol. 28— ö2 ,11,n fg. 10— 30 mm lt. 



210 



Hr. A. Keiner 



den Einfluss des Meeres die klimatischen Extreme mehr eliminirt werden, die 
Kätzchen fast vorläufig, sitzend und an der Basis nur mit kleinen Blättchen 
bekleidet. 

Die S. pyrenaica Gouan. der Pyrenäen vermögen wir nach Exem- 
plaren yoni Pic d. Midi im Herb. Jordan von S. arbuscula gleichfalls nicht 
zu scheiden. Sie kommt in der Form aller Organe vollkommen mit S. arbus- 
cula überein und weicht nur wie die südlichen Parallelformen vieler anderer 
Pflanzen durch die Behaarung ab. Die Fruchtknoten sind nemlich von ab- 
stehenden Haaren etwas mehr zottig, die Blätter in der Jugend flaumig und 
selbst im Alter noch an den Nerven der unteren Blattseite, so wie an den 
Rändern von abstehenden etwas krausen Haaren gewimpert. 

Die 8. pyrenica * norvegica Fries (Nov. Fl. suec. M. I. p. 74. Herb. norm. 
Fase. VII.) halten wir nach dem Original-Exemplar im Herbarium normale 
für einen Bastart aus S. herbacea und S. arbuscula, welchen wir nach dem 
Entdecker Prof M. Blytt, S. Blyttii nennen. Sie stimmt durch die nicht 
abfallenden Kätzchenstiele („amentis ramulo subterminali foliato persistente 
peduneulatis." Fries), die einfarbigen abgestutzten gelblichen Kätzchen- 
schuppen und die armblüthigen zwischen zwei verhältnissmässig grossen 
Blätter steckenden Kätzchen , so wie durch die stumpfen am Rande fein 
gekerbten, fast benervten, netzig-adrigen Blätter mit S. herbacea, — durch 
die Behaarung der kurzgestielten Fruchtknoten und den verlängerten fädlichen 
Griffel mit S. arbuscula überein. 

S. glauca L., welche in der nördlichen arktischen Zonne der alten 
und neuen Welt und von den Pyrenäen durch den westlichen Theil der Alpen 
bis zum Oetzthalerstock vorkommt, dann S. Lapponum L., die in den Sudeten, 
in der europäisch-arktischen Zonne und von den skandinavischen Gebirgen 
und den Uferländern der Ostsee über den baltisch-uralischen Landrücken ost- 
wärts bis Kamtschatka und in das nördliche Amerika verbreitet ist und in 
dem Alpensysteme durch die Parallelform S. Helvetica Vil 1. vertreten erscheint, 
fehlen in Niederösterreich, so wie in der ganzen Kette der nördlichen 
Kalkalpen. 

Secfc. Vir. Viminales Koch. — Frutices, ramislongissimis, erectis, 
non pruinosis. Folialanceolata vel subtineariä, elongata, acu- 
minata, sublus vel serieeo-micatitia vel glabra, dum marcescunt 
rufescentia* Amanta praecocia, sessilia, recta. Squamae dis- 
eolores. Glandula tori linearis, flava. Anlherae post anthesin 
luteae vel sordide flavae. German sessile vel brevitev peditel- 
lutum, cano - tomentosum. Stylus tenuis. Stigmata linearia et 
patula, vel filiformia et exlrorsum areuula, flava* Vulvae 
aapmkae poU delmcenliam eostrormm arcuatae, falcalae. 



Niederösterreichische Weideo. 



211 



IG, 8. vhithtfitis L. Sp. 1448. — Amenta praecocia, sessilia, 
densiflora, oblonga, staniinigera et pistilligera bis — ter longiora quam latiora. 
Squamae discolores ovatae vel oblongae, acutiusculae , longe villosae. Glan- 
dula tori linearis, inourva, basin germinis superans . flava. Germen sessile, 
sericeo-tomentosum. ovatum, in stylum elongatura productum. stigmatibus elon- 
gatis stvlum aequantibus, indivisis , extrorsum arcuatis, flavis. Valvae cap- 
sulae post maturitatem falciformes. extrorsum arcuatae. Stamina duo. filamentis 
liberis , glabris, antheris luteis. Folia linearia vel lineari-lanceolata elongata, 
acuminata , deeies longiora quam latiora. margine undulata et subrevoluta, 
it\t. .rra vel subrepanda. supra glabra, obscure viridia, subtus agenteo-sericea, 
micantia. Stipulae lineari-lanceola'ae. Rami elongati, tenaces, juniores pubes- 
centes , adulti glabrati, e viridi flavescentes. Cortex interior virescens. 

Am. $ 20— 40 mm lg. 12-i6mra it. Am- £ lo— 30 mm lg. 8 — 10 ram lt. 

Squam. l.o— 2 mm lg. Gland.tori 0.5— l mm lg. Germ. 1.5— 3 mm lg. Styl. 
1— l.o mm lg. Stigm. l m m lg. Stam. 8 — 10 ram lg. 

Variat foliorum forma : 
a» vtttffftris. Folia elongato -lanceolata. decies longiora quam 
latiora. 

Fol. 80-120 mm lg. 8— 12 mm lt. 

S- viminalis Host Salix p. 16. tb. 54. pl. masc. — Fries Nov. Fl. suec. p. 61. Herb. norm. Fase. 

L Nr. 64. Koch Syn. p. 561 Wimm. Flora 1S49 p. 3ö. Kov. Fl. exs. Yind. Nr. 1055, 
1056. Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 259. 

ö. temti foliu Folia linearia, longissima, duodecis — octodecies 
longiora quam latiora. 

Fol. 100— 150 mm lg. 5 — 10™° lt. 

S- viminaii» b. foliis angustissimis Wimm. Flora 1849. p. 35. 

Durch die reichbeblätterten langen Ruthen und das beim geringsten 
Lufthauche atlasartig schillernde Laubwerk fällt diese Weide schon von 
Weitem auf und bildet in kräftigem Wüchse einen prächtigen Anblick. Ihre 
jährigen Triebe sind unter allen Arten der Abtheilung Macrottylae am 
meisten verlängert. Demungeachtet ist der järliche Zuwachs an Höhe bei 
diesem Strauche nur sehr gering, da die am oberen Ende der Zweige 
sitzenden Laubknospen nach dem Abfallen der Kätzchen gewöhnlich ver- 
kümmern und die neuen aus den unteren Laubknospen sich entwickelnden 
Sprossen sich nur wenig mehr erheben als die vorjährigen. So kommt es, 
dass man nach einem Zeitraum von 10 Jahren, in welchem benachbarte junge 
Weidenanflüge zu einem Weidenwald herangewachsen sind, die S. viminalis 
immer noch als Strauch von fast gleicher Grösse sieht, der auch niemals eine 
bedeutende Höhe erreicht und bei uns sich nur selten zu 2 Klaftern erhebt. 
— Die Blätter sind bei der Var. a. verlängert lanzettlich und der grös>te 
Breitendurchmesser fällt auf da» untere Dritttheil derselben; bei der sehr 
seltenen Var. b. sind sie vollständig lineal. Sie sind etwas wellig und fast zurück- 
U I Abbaudl 23 



Dr. A. K ernor: 



gerollt und manchmal lassen sich drüsige Verdickungen, wie sie bei den 
gesägtblättrigen Weiden an den Sägezähnen aufsitzen, an einzelnen Stellen 
des geschweiften Randes wahrnehmen, ohne dass eigentliche Sägezähne vor- 
handen wären. Der Mittelnerv so wie die Seitennervchen sind an der oberen 
schmutzig-dunkelgrünen Blattseite etwas eingedrückt und dadurch diese Fläche 
von einem sehr feinen vertieften Linien-Netze durchzogen. Die Nerven der 
unteren Blattseite sind vorspringend. Der Mittelnerv ist röthlich-gelb } die 
bogig gegen den Rand verlaufenden Fiedernerven sind abwechselnd länger 
und kürzer, so zwar, dass zwischen je zwei bis zum Rand deutlich sichtbar 
vorspringenden Nerven 1 — 3 kürzere nur bis zur Mitte der entsprechenden 
Blatthälfte deutlich vorspringende Nerven zu stehen kommen. Von den längeren 
Fiedernerven sind an einem Blatte gewöhnlich 20—30 vorhanden. — Der aus 
unendlich zarten kurzen parallel den Fiedernerven anliegenden Härchen ge- 
bildete atlasartig glänzende Ueberzug der unteren Blattseite ist an sonnigen 
Standorten silberweiss , an schattigen Plätzen wird derselbe dünner und die 
Blattfläche erscheint grünlich schimmernd. Sonst ist der Kreis der Abänderungen 
bei dieser Weide ein sehr beschränkter 

Erwähnenswerth ist nur noch eine am Brückendamm bei Mautern an der 
Donau und in der Aue zwischen Penzing und Hütteldorf vorkommende Form, die 
sonst mit S. viminalis a. vulgaris übereinstimmt, aber tief zweispaltige Narben 
mit fädlichen Lappen besitzt. Host hat dieselbe Pflanze (und merkwürdiger 
Weise nicht die gewöhnliche verbreitete *S. viminalis mit ungetheilten fädlichen 
Narben) als Salix viminalis Q ^ab. abgebildet und sagt auch in der 
Beschreibung pag. 16 „Stigmata bifida". Ob diese Weide nur eine Spielart 
der S. viminalis darstellt oder als ein der S. viminalis sehr nahe stehender 
Bastart anzusehen sei, wage ich nicht zu entscheiden. Weder die Blätter noch 
die Blüthen geben irgend einen Anhaltspunkt um auf eine zweite Stammart 
schliessen zu können. Da von den*bisher bekannt gewordenen Blendlingen, an 
welchen man S. viminalis betheiligt hält, jene mit S. amygdalina durch zwei- 
spaltige Narben sich auszeichnen, so könnte sie vielleicht noch am ehesten diesen 
Blendlingen (S. hyppophaeifolia, undulata, mollissina) angereiht werden. Mit 
S, mollissima Eh rh., welche als eine S. superviminalis-amygdalina anzusehen ist, 
kommt übrigens unsere Pflanze nicht überein, unterscheidet sich von ihr durch 
spitze braunpurpurne gegen die Spitze schwärzliche Kätzchenschuppen, dichtere 
silberweisse Bekleidung der unteren Blattseite und ist, wie gesagt, nur durch 
die zweispaltigen Narben von der S. viminalis a. zu unterscheiden. 

Die Korbweide ist durch die Niederländer von fast ganz Europa, vom 
Polarkreis südwärts bis in die südrussischen Steppen, Rumelien und das 
südliche Frankreich verbreitet und scheint nur südlich der Alpenketta zu 
fehlen. *) In Asien wird sie gleichfalls an den Ufern des Irtisch , an der 



•) Nach Bertoloni südlich der Alpen nur gepflanzt. — Audi in Ostindien und Nordamerika ist sie 
nicht ursprünglich einheimisch, sondern aus Europa eingeführt. 



Nioilcröätci reicliisrliu Weiden. 



US 



Tunguska und in Daunen angegeben. Doch scheint die asiatische Form 
nach Exemplaren aus der Hand Ledebours im Wiener Museum von der 
europäischen specifisch verschieden. 

Die Korbweide ist bei uns recht eigentlich eine Weide der Niederungen 
und dringt aus den Donau - Ebenen weder in die subalpinen Thäler der 
Alpen noch der Karpathen vor, so wie sie sich auch nirgends auf das 
Plateau des böhmisch-mährischen Gebirges zu erheben vermag, f} In Baiern 
fällt ihre obere Grenze auf 1450', in Niederösterreich schon auf 1000'. Unter 
dieser Höhe findet sie sich in Niederösterreich vereinzelt oder in kleinen Gruppen 
zwischen anderen Weiden im ganzen Donauthal und im Bereiche des Unterlauf es 
aller in die Donau mündender Flüsse ; am häufigsten in den Donau-Auen bei 
Thallern, an der Wien bei Schönbrunn und an der Pielach bei Haunoldstein. Wir 
beobachteten sie nur im Inundations-Terrain der Flüsse und Bäche und am 
besten gedeiht sie dort auf angeschlemmten tiefgründigen Boden an den ver- 
sumpfenden Seitenarmen. Sie verkümmert sobald sie von höheren schatten- 
gebenden Bäumen überwachsen wird. — Die Var. b. bisher nur am Donau- 
ufer nächst Rossatz. 

M7. X MMostii {superviminalis - Caprea). — Amenta praecocia, 
sessilia , densiflora . staminigera ovata bis — , pistilligera oblongo-cylindrica 
ter— quater lor.giora quam latiora. Squamae discolores. oblongae, acutius- 
culae , longe villosae. Glandula tori linearis, incurva, flava, <* n germinis 
superans. Germen brevisti.me pedicellatnm , sericeo-tomentosum. ex ovata basi 
conicum et in styluni elongatum productum. Stigtuata stylo breviora, filiformia, 
indivisa, extrorsum arcuata . flava. Valvae capsulae post maturitatem falci- 
formes , extrorsum arcuatae. Stamina duo, filamentis liberis, glabris, antheris 
luteis. Folia lineari-lanceolata , elongata , acuminata, septies — octies longiora 
quam latiora, margine undulata et subrepanda, supra glabra, obscure viridia, 
subtus sericea et micanäa. Stipulae lanceolatae. Ranii elongati, tenaces. 
juniores saepe pilis adpressis pubescentes, adulti glaberrimi, e viridi flavescentes. 

Am- <S 30- 40 mm lg. 18-24'™ lt. Am. O 35-55™™ lg. 10- 12™™ lt. 

Squam. 2.5— 3 mm lg. Gland. tori l mm lg. Germ. 2.5— 4 mi » lg. Styl. 1.5 — 2™ü 
lg. Stigm. V ü{0 lg. Stam. 10-12 mm lg. 

Fol. iOO— lö0' u »i lg 15— 22mm lt. 

S. longifolia Host Salix, tb. 63. — (Host verstand unter seiner 5. longifolia drei verschiedene 
Bastarle, nämlich : i. die hier beschriebene der 5. viminalis sehr nahe stehende Form 
[nach d. ^ Exemplare im Host'scheu Garten], 2. einen Bastart aus 5. viminalis und 
S. Caprea, welcher so ziemlich die Mitte zwischen den beiden Slammeltern hält und sich 
auf Tal. 62 von Host Salix abgebildet findet [nach d. ^ Exemplare im Wien. bot. Gart.] 
und 3. einen Blendling aus S. viminalis und Ä cintrta [nach Q Exemplaren im Wieu. 
bot. Garten] ). — Koch erhielt die erste und zweite Weide aus den Wiener Garten und 
zitirte die zweite unter seiner 8. acuminata („planta masc. secund. sper. ex horto vin- 
dob.« Syn. p. 562), die erste aber unter -S. stipularis Smith. — Die Smith'sche 5. 

*) Ein verkümmerter Strauch bei Gross-Gelirungs im Walduertel bei 1600' — unzweifelhaft aber 
dort nicht urwüchsig, sondern gepflauzt. 

28* 



214 



Dr. A. K t r n e r: 



stipularis aber, welche Koch von der Insel Nordeney und aus England erhalten hatte, 
ist wohl der Q 8. longifolia des Hos t'schen Gartens sehr ähnlich, unterscheidet sich 
aber von ihr durch die oberseits etwas flaumigen Blätter und starke sammtige Behaarung 
der ein- und zweijährigen Zweige. Sie ist diesen Merkmalen nach zu schliessen ein Ba- 
start aus S. viminalis und S. cinerea und nimmt in der Beihe von Blendlingen, durch 
welche^, viminalis mit -S'. cinerea verknüpft erscheint, ganz den analogen Platz ein, welchen 
S. Jjostii in der ßastartreihe von S. viminalis zu S. C'aprea behauptet. — W immer 
begreift unter S. viminalis - Caprea f. stipularis Flora 1849. p. 42 = S. vim. -Caprea 
b. angustifolia Denkschr. p. 160 nach dem Citate „S. stipularis Host"*) erstens den 
hier beschriebenen Blendling, dann aber noch eine bei Breslau von ihm gefundene Weide, 
die wohl in der schmalen langen Blattform mit 8. Hostii übereinstimmt, sich aber durch 
längere Fruchtknolenstiele (welche der Torusdrüsean Länge gleich kommen) unterscheidet. 
In nachfolgender Uebersicht der Bastartreihen von S. viminalis zu S. cinerea und S. Caprea 
wird diese letztere nach dem Fundorte Breslau als S. Vratislaviana aufgeführt werden. 

Die S. Hostii unterscheidet sich von S. viminalis durch weniger lang 
zugespitzte, verhältnissmässig breitere Blätter, längere Staubfaden und daher 
dickere Staubkätzchen, doppelt so grosse § Kätzchen, etwas gestielte Frucht- 
knoten , verhältnissmässig kürzere Narben und durch ein grösseres Ausmass 
fast aller Organe. 

Der Typus der S. viminalis ist in dieser Pflanze so vorwiegend , dass 
es ohne Ueberblick über alle die Reihen von Blendlingsarten , welche die 
8. viminalis mit anderen Stammarten bildet, unmöglich wäre die zweite Stammart 
auch nur annähernd zu errathen. Vergleicht man aber die vorliegende Pflanze 
mit allen bisher von S. viminalis bekannt gewordeneu Bastarten , so findet 
man , dass dieselbe unter ihnen das letzte an S, viminalis sich unmittelbar 
anschliessende Glied einer reichhaltigen Kette von Blendlingsarten ist, welche 
die S. viminalis und S. Caprea verknüpfen und dass sich an sie die von 
Wimm er in der Flora 1849 p. 42 charakterisirten Blendlinge aus vimi- 
nalis und Caprea in der Weise anreihen, dass var. f. stipularis zunächst 
auf die hier beschriebene Form folgt , während b. acuminata und a. inter- 
media die weiteren Glieder bilden und endlich c. capraeformis das Schluss- 
glied der Bastartreihe darstellt, das sich schon mehr dem Typus der S. Caprea 
nähert. Die hier als S. Hostii bezeichnete Blendlingsart ist mit der im 
Hostischen Garten von Host gepflanzten Q S. longifolia übereinstimmend. 

Sie wurde von uns in mehreren Sträuchern in Gesellschaft von S. vimi- 
nalis nächst dem Brückendamme bei Mautern an der Donau (600') neuerdings 
aufgefunden. 

iS. X *§?. 8ericfti%8 Tausch pl. sei. (viminalis - Caprea). Amenta 
praecocia, sessilia, densiflora, ovato-oblonga, staminigera semel et semissi 
pistilligera bis — ter longiora quam latiora. Squamae discolores, lanceolatae, 



*) Host hat keine S. stipularis beschrieben und auch die von uns so genannte S. Hostii be- 
fand sich als S. longifolia im Host'schen Garten. Es ist jedoch unzweifelhaft, dass Wimm er unter 
S. stipularis Host diese S. longifolia des Host'sclien Gartens meint, dieselbe, welche Koch au3 Wien 
erhalten und zu seiner S. stipularis gezogen hat. 



Niederösterreichisclie Weiden. 



215 



acutiusculae, supra medium purpureo-nigricantes, villosae. Glandula tori linearis, 
flava. Germen ex ovata basi conicum. sericeo-tomentosum. in stylum elongatum 
productum. pediceUatum, pedicello glandidam tori aequante. Stigmata lin°aria, 
stylum aequantia, indivisa, extrorsum arcuata , post anthesin conniventia. 
Stamina duo, filamentis glabris, liberis, antheris flavis. Folia oblongo-laneeolata, 
acuminata, quater — quinquies longiora quam latiora, margine repanda et 
subundulata , adolescentia subtus cana, subsericeo-tomentosa , adulta subtus 
opace tomentosa, supra glabra, obscure viridia. Stipulae semicordatae, acutae. 
Ramuli juniores pubescentes , adulti glaberrimi. 

Am. (S 25— 35mm lg. 16— 25mm it. Am. $ 20— 30 mm lg. 8 — 1() mm lt. 

Squam. 3mm lg. Germ, 3— 3.5mm lg. styl. 1™ lg. Stigm. 1mm ig. Pedicell. 
\mm lg. 

Folia 80— 130mm lg. I5_25mm lt. 

S. longifolia Host Salix tb. 62 (specim. masc. hört. bot. Vindob. Vide Syn. S. Hostii^ — S.ian- 
ceolata Fries Nov. Fl. suec. M. I. p. 61 pro parte. (Fries hat unter dem Namen S. 
lanceolata sehr verschiedene Bastarte aus S. viminalis und S. Caprea, so wie auch aus 
S. viminalis und 5. cinerea verstanden. Es geht diess sowohl aus seiner Beschreibung 
so -wie aus den im Herb, normale ausgegebenen Exemplaren hervor. So ist z. B. die im 
Herb. norm. Fase. II. als 5. lanceolata ausgegebene Form die S. viminalis- Caprea var. 
capraeformis Wimm., -während die S. lanceolata in Fase. I. Nr. 63 eiuen Blendling 
aus S. viminalis und S. cinerea darstellt.) — S. acuminata Koch Syn. p. 561. (Die 
oben beschriebene Pflanze wird von Koch bei S. acuminata Sm. zitirt. Die Smith'sc e 
S. acuminata ist aber nach der Ansicht von Patze gleich der S. dasyclados Wimm, 
[siehe Wimm. Denksch. p. 161] und wurde von Koch mit dem ihr etwas ähnlichen 
oben beschriebenen Blendling verwechselt oder zusanimengefasst. Da der Name S. acu- 
minata überdiess von Hoffmann auf die S. cinerea L., von Host auf die S. daphnoides 
Vill. und von Roth auf eine Pflanze übertragen wurde, welche Wimm er alsS. Caprea- 
dasyclados beschrieben hat. somit der Name S. acuminata sehr vieldeutig geworden ist 
und sich ursprünglich [bei Sm.] auf eine andere Pflanze bezog, als die beschriebene*), 
so wählten wir den Tausch'schen Namen S.sericans, um so mehr, als die in Tausch 
pl. sei. ausgegebenen Exemplare vollständig mit der hier beschriebenen Blendlingsart 
übereinstimmen.) — S. viminalis-Caprea b. acuminata Wimm er Flora 1848. p. 321. 
und Flora 1849 p. 42. Herb. Salic. Fase III. Nr. 32- — 5. viminalis-Caprea Ct. lati- 
folia Wimm. Denksch. p. 160. — S. viminalis-Caprea Neilr. Fl- v. N. Oest. p. 259 
pro parte. 

Ein Strauch mit Stempelblüthen im Thale der ^Yien bei Hacking. 

Der Standort, an welchem Host seine S. longifolia gefunden hatte 
und von welchem auch jenes ehemals im Wiener botan. Garten kultivirte 
c$ Exemplar herstammte, das Koch mit seiner S. acuminata identificirte, 
ist von der Donau weggerissen. Auch der Strauch im botanischen Garten ist 
eingegangen. 

Xebst den hier beschriebenen zwei Pflanzen, welche Host unter seiner 
S. longifolia zusammengefasst hatte, fand sich noch ein Strauch mit Stempel- 
blüthen im botanischen Garten als S. longifolia Host bezeichnet, welchen der 



*) Der Host'sche Name S. longifolia kam, abgesehen davon, dass er mehrere Weiden begreift, 
schon vor Host einer nordamerikanischen Weide zu. 



2J6 



Dr. A. Kern er: 



Autor gleichfalls in Niederösterreich gefunden zu haben scheint, der sich von den 
beiden früheren vorzüglich durch dieoberseits flaumigen ausgewachsenen Blätter 
unterscheidet und auf das vollständigste mit S. virninalh-cinerea var. a. Wimm., 
vonderuns durch die Güte des Autors Originalexemplare mitdem Standorte Zedlitz 
in Schlesien vorliegen, übereinstimmt. — Es wird dieser Blendling von Wimm er 
als eine genaue Mittelform zwischen S. viminalis und S. cinerea bezeichnet. Er 
mahnt im Zuschnitt der Blätter noch an S. viminalis , während die zwei von 
Wimmer im Ebrb. Salic. unter Nr. 23 und Nr. 24 ausgegebenen Formen durch 
die im oberen Drittel breitesten Blätter sich mehr dem Typus der S. cinerea 
anschliessen. — Die S.dasyclados Wimm., sowie die S. dasyclados-vihdnalis 
stellen nach unserer Ansicht zwei näher gegen S. viminalis hinneigende 
Blendlinge aus S. viminalis und S. cinerea dar. — Die grosse Aehnlichkeit 
der zwei von Koch unter seiner S. stipularis zusammengefassten Formen: 
S. Hostii (superviminalis-Caprea) und S. stipularis Smith (svperviminalis- 
cinerea), findet auf diese Weise ihre naturgemässe Erklärung und die Blend- 
linge aus S. viminalis und Caprea würden sich demnach mit jenen aus 
S. viminalis und S. cinerea in folgende zwei parallel laufende Reihen ordnen : 

A. Bastartreihe vou S. viminalis zu 8. Caprea. 

S. viminalis L. — Folia lineari-lanceolata, elongata, decies longiora quam 
latiora, subtus serieeo-micantia, supra glabra. Germen sessile. 
Glandula tori basin germinis superans. 

X S. Hostii (superviminalis-Caprea). — Folia lineari-lanceolata, elongata, 
septies — octies longiora quam latiora, subtus serieeo-micantia, 
supra glabra. Germen brevissime pedicellatum. Glandula tori 
basin germinis superans. 

(S. longifolia Host Salix tb. 63 et speeim. Q in Hort. Hostii.) 

X S. Vratislaviana (superviminalis-Caprea). — Folia lineari-lanceolata, 
elongata, quinquies — septies longiora quam latiora, subtus sub- 
serieeo-tomentosa, supra glabra. Germen pedicellatum, pedicello 
glandulum tori aequante. 

(S. viminalis-Caprea f. stipularis Wimm. Flora 1849 p. 42. — b. angusti- 
folia Wimm. Denksch. p. 160. — Die var. argentata Wimm. Flora 1849 p. 42. Herb. 
Salic. Fase. VII. Nr. 74 stellt eine Spielart dieser Weidenform mit mehr silbern schim- 
mernder Bekleidung der unteren Blattflache dar.) 

X S. sericans Tausch pl. sei. (viminalis-Caprea). — Folia oblongo- 
lanceolata ter — quinquies longiora quam latiora, adolescentia 
subtus subsericea, adulta subtus opace toinentosa, supra glabra. 
Germen pedicellatum, pedicello nectarium aequante. 

(S. longifolia Host tb. 62- — S. viminalis-Caprea b. acuminata Wimm. 
Flora 18i9 p, 42- Herb. Salic. Nr. 32) 



Niederüsterreichisrlie Weiden. 



217 



S. Neisseana (viminalis-Caprea). — Folia ovato-lanceolata, ter — quater 
longiora quam latiora, subtus tomento laxo opaco tecta, supra 
glabra. Gerraen pedicellatura , pedicello glandulam tori vix 
superante. 

(S. intermedia Wimm. Flora 1849 p. 42. Der Name 5. intermedia bezieht 
sich bei Host auf einen Blendling aus 5. incana und S. cinerea — oder vielleicht aus 
S. incana u.S. grandifolia. Wir benannten daher diese so wie zwei in der nachfolgenden 
Bastartreihe vorkommende Blendlinge nach den Standorten, an welchen sie Herr Director 
W i m m e r zuerst auffand.) 

S. capraeforinis Wimm. Flora 1849. p. 42 (subviminalis-Caprea). — 

Folia orato - lanceolata , ter et semissi longiora quam latiora, 

subtus tomento albido laxo tecta, supra glabra. Germen pedicel- 

latum, pedicello glandulam tori bis superante. 

(5. vim.-Caprea a. latifolia W im m. Denksch. p. 160. — 5. lanceolata F ri e s 
Herb. norm. Fase. II.) 

Caprea L. — Folia ellyptica vel lanceolata-ellyptica, bis longiora quam 
latiora. subtus tomento albido laxo tecta, supra glabra. Germen 
pedicellatum, pedicello glandulam tori quater — sexies superante. 

B. Bastartreihe Ton S. vimiiialis zu S. cinerea. 

viminalis L. — Folia lineari-lanceolata, elongata, decies longiora quam 
latiora, subtus sericeo - micantia, supra glabra. Germen sessile. 
Glandula tori basin germinis superans. 

S. stipularis Smith (mpeniininalis-cinerea). — Folia lineari-lanceolata, 
elongata, subtus tomento subargenteo adpresso tecta, supra 
levissirue puberula. Germen brerissime pedicellatum. Glandula 
tori basin germinis superans. 

(5. viminalis -dasy ciados Wimm. Denksch. p. 160.) 

S. dasyclados Wimm. Flora 1849. p 35 (viminalis-cinerea). — Folia 
late lanceolata, elongata, longe acuminata, quater — sexies 
longiora quam latiora, subtus glauca, puberula, opaca, supra 
levissime puberula. Germen brevissime pedicellatum. Glandula 
tori basin germinis superans. 

(Wimm. Herb. Salic Nr. 7. — S. acuminata Smith.) 

S. Zedlitziana (viminaUs-cinerea). — Folia oblongo - lanceolata ter — 
qninquies longiora quam latiora, subtus cana, subserieeo-tomentosa, 
supra puberula. Germen pedicellatum, pedicello glandulam tori 
aequante vel vix superante. 

(S. vim-cinerea a. Wimm. Denksch. p. 161.)' 

S. nitens Gr. e. Godr. Fl. d. Fr. p. 431 (viminalis-cinerea). — Folia 
lanceolata, sub apice latiora, ter — quinquies longiora quam 



218 



Dr. A. Kerner: 



latiora, subtus subsericea, cano-tomcntosa supra- puberula. Germen 
pedicellatum, pedicello glandulam tori aequente vel vix superante. 

(S. vim.-cinerea b. Wimm. Denksch. p. 161. Herb. Salic. Nr. 23.) 

^ S. Cantlnana (subviminalis - cinerea). — Folia obovato -lanceolata , ter 
longiora quam latiora, subtus cinereo-tomentosa, supra puberiila. 
Germen pedicellatum, pedicello glandulam tori bis superante. 

(S. vim.-cinerea c Wimm. Denksch. p. 161. Herb. Salic. Nr. 24.) 

S. cinerea L. — Folia obovato-lanceolata vel oblongo-obovata, ter longiora 
quam latiora, subtus cinereo-tomentosa, supra puberula. Germen 
pedicellatum, pedicello glandulam tori ter — quinquies superante. 
Nebst den angegebenen Merkmalen Hesse sich für die hier nur skizzenhaft 
berührten Weiden auch noch die Form der Fruchtknoten, so wie das relative 
Längenverhältniss der Narben und Griifel zur Unterscheidung festhalten. Im 
Allgemeinen lässt sich sagen, dass jene Blendlingsarten, welche sich mehr 
zu S. Caprea oder S. cinerea hinneigen , in dem Grade als sie kürzere und 
breitere Blätter zeigen auch kürzere Torusdrüse, kürzeren Griffel und kürzere 
weniger gebogene Narben aufweisen. — Die Blendlinge aus S. viminalis und 
cinerea unterscheiden sich von jenen aus 8. viminalis und Caprea zunächst 
durch die oberseits behaarten Blätter und die abstehende sammtige Behaarung 
der jungen Zweige. — An sehr kräftigen Exemplaren ist diese abstehende 
sammtige Behaarung sehr auffallend. Sie kommt übrigens in dieser starken 
Entwicklung nicht bloss den zu S. viminalis hinneigenden zwei Blendlingen 
(S. stipularis Sin., 8. dasyclados Wimm.), sondern auch den an S. cinerea 
sich anschliessenden Formen zu , wie uns denn auch ein zu S. Canthiana 
gehöriger Blendling vorliegt , dessen üppige Zweige in ihrer Bekleidung 
ganz mit S. dasyclados Wimm, und S. stipularis Sm. übereinstimmen. 

1». X fing t# stifo Ha Fries Nov. Fl. suec. M. I p. 65. — 
(viminalis-repens). — Amenta pistilligera ovato-cylindrica, bis — ter longiora 
quam latiora. Squamae discolores , obovatae , obtusae, villosae. Glandula tori 
oblongo-linearis. Germen ovatum, sericeum, pedicellatum, pedicello glandulam 
tori bis terve superante. Stylus tenuis filiformis. Stigmata linearia, stylo aequi- 
longa , patentia, flava. Folia lineari -lanceolata , margine subundulata et 
repanda septies — decies longiora quam latiora, adolescentia utrinque sericea, 
adulta supra glabra, subtus sericea, argenteo-micantia. 

Am. 15— 25mm lg, g_iomra lt. 

Squam. 2 mm lg. Germ. 3 mm lg. Styl, et stigm. l mm lg. Pedic. 2 mnl lg. 
Fol. 35— 68 mm lg. 5 — i t . 

S. rosmarini/olia L. sec. Wimm er (conf. Flora 184-9 p. 52).*) S. angustifolia Fries l. c et 
Hdb. norm. Fase. II. Koch Syn. p. 567 (nicht Wulfen, dessen S. angustifolia nach 

*) Obschon wir die Ansicht Wimm er's vollständig theilen, dass Linne' unter seiner S. rosmarini- 
folia wahrscheinlich jene Pflanze gemeint habe, welche Fri es und Koch: S. angustifolia nannten, und 
dass Linne" unter seiner S. lUlix die S. rubra der spateren Autoren verstanden, so glaubten wir doch 
die üblich gewordenen Namen der S. angustifolia und S. rubra beibehalten zu müssen. 



Niedorösterrcichischc Weiden . 



219 



den Exemplaren seines Herbariums im Wiener k. bot. Hofkabinete, die S. repens 2) ros- 
marinifolia darstellt). — S. v im inalis -repens Wimm. Denksch. p. 162- (Die von uns 
beschriebene Pflanze stimmt nicht vollständig mit der dort gegebenen Diagnose überein, 
ist aber wahrscheinlich identisch mit dem im bot. Garten zu Breslau befindlichem Exem- 
plare, von welchem W immer bemerkt, dass dessen Blütheu einen zwar kurzen aber 
deutlichen Griffel und längere Narben zeigen.) 

Der ganze Strauch macht den Eindruck einer Miniatur-Auflage von 
viminalis. Die Blätter sind nur halb so gross als jene der Korbweide und der 
• ganze Strauch erreicht nur die Höhe von 2 — 3', seine Zweige sind aber schlank, 
aufrecht und reich beblättert. Im Zuschnitt, in der fast welligen Berandung, in 
der Nervatur und in dem silberweissen Ueberzug der unteren Fläche, tragen 
die Blätler ganz den Typus der einen /Stainmart S. viminalis. Sie sind lang 
zugespitzt, die Fiedernerven an der obern Blattfläche sind etwas eingesenkt, 
und treten unter Winkeln von 45 — 60° vom Mittelnerven ab, die Haare an 
der unteren Blattfläche sind sehr kurz und liegen theils der Eichtung der 
Fiedernerven , theils der Richtung des Mittelnerven parallel an — während 
bei S. repens 2) rosmarinifolia, welche die zweite Stammart zu sein scheint, 
die Blätter kurz zugespitzt erscheinen, die Fiedernerven, welche unter spitzen 
Winkeln von 30 — 40° sich vom Mittelnerven abzweigen, an der oberen Blatt- 
fläche vorspringen (namentlich im getrockneten Zustande), und die verlängerten 
Haare an der unteren Blattfläche alle parallel dem Mittelnerven aufliegen. 
Ausserdem ist S. angustifolia von S. repens 2) rosmarinifolia durch den fäd- 
lichen wohl kurzen aber deutlichen Griffel und die linealen längeren Narben ge- 
schieden, während anderseits der lange Fruchtknotenstiel die S. angustifolia von 
S. viminalis, den Bastarten aus S. viminalis und S. purpurea und den schmal- 
blätterigen Bastarten aus S. viminalis und S. Caprea oder S. cinerea unterscheidet. 

Wurde von Neilreich auf Moorwiesen bei Moosbrunn (600') in Nieder- 
österreich aufgefunden. 

Vollständig damit übereinstimmende Exemplare sahen wir unter den 
von J. Ch. Neu mann gesammelten Pflanzen mit dem Standorte Frieders- 
dorf in der sächsischen Lausitz, so wie wir dieselbe Weide im verflossenen 
Jahre am Räkos bei Pest beobachteten. Sie scheint übrigens verhältniss- 
mässig selten zu sein und die meisten unter dem Namen S. angustifolia in 
den Herbarien liegenden Pflanzen stellen die S. repens 2.) rosmarinifolia dar. 

20, ^ etiteftfftlifoMia, Tausch pl. sei. (superviminalis- 
purpurea). — Amenta praecocia, sessilia, densiflora, staminigera oblonga, 
ter, pistilligcra quater — quinquies longiora quam latiora« Squamae disco- 
lores, ovatae, obtusae vel acutiusculae, villosae. Glandula tori oblonga, basin 
germinis superans. Gerinen ovatum, sericeum, sessile. Stylus filiformis, tenuis. 
Stigmata oblongo-lincari, patentia vel extrorsum arcuata, stylum subaequantia. 
Valvae capsulae post maturitatem extrorsum arcuatae. Stamina in basi velusque 
ad medium connata. Antherae ante et post anthesin flavae. Folia lineari-lanceo- 
lata, breuiter acuminata, sexies ~ octies longiora qiiamlatiora^crenato-serr ata, 
U. I. Abhandi. 29 



220 



Dr. A. K ern er: 



adolcscentia utrinque sericca, adulta supra glabrescentia, obscure viridia, 
subtus cana, subsericeo-tomentosa. Stipulae lineari-lanceolatae. Rami elongati 
flexibiles et tenaces, juniores pubescentes, aniiotini glabrescentes. 

Am. <$ 20— 40 nim lg. 12 — 15mm it. Am. $ 20— 38 m m lg. 5— 8 mm lt. 

Squam.2— 3 mm lg. Gl. tori 0.5mm lg. Germ. 1.5— 2 m m lg. Styl. 0.5- 1mm ]g. 
Stigm. 0.5mm lg. Stam, 5— 6mm Jg. 

Fol. 76— 115mm lg. 10 — 18mm lt. 

S. elaeagnifolia Tausch pl. sei. (Originalexemplare vom Moldauufer bei Prag mit der vorliegenden 
Pflanze vollkommen übereinstimmend). — 5. rubra a. sericea Koch Syn. p. 560. — 
S. purpurea-viminalis c. sericea Wimm. Denksch. p. 151. — S. rubra ß. viminaloides 
Gr. e. Godr. Fl. d. Fr. p. 129. 

Von S. viminalis durch Schmach tigere Kätzchen, kürzeren Griffel, kür- 
zere und kürzer zugespitzte, unterseits weniger schimmernde, gesägte Blätter, 
von den Bastarten aus S. viminalis mit S. Caprea, S. cinerea und S. repens 
durch sitzende Fruchtknoten und von den beiden folgenden Bastarten durch 
die im Alter unterseits dicht seidig-filzigen Blätter und etwas mehr fäd- 
liche Narben verschieden. 

Am Ufer der Wien bei Penzing ein Strauch mit Stempelblüthen ; beim 
Hiitteldorfer Bahnhof ein Strauch mit Staubblüthen. 

21» X £f« rt#&fVf Huds. Fl. angl. p. 423 (viminalis-purpurea). — 
Amenta praecocia , sessilia , densiflora, staminigera bis — ter, pistilligera 
quater — quinqutes longiora quam latiora. Squamae discolores ovatae, acu- 
tiusculae villosae. Glandula tori oblonga, basin germinis superans. Germen 
ovatuni, sericeum, sessile. Stylus tenuis, filiformis. Stigmata lineari-oblonga, 
patentia vel extrorsum arcuata , stylum aequantia. Valvae capsulae post 
maturitatem extrorsum arcuatae. Stamina ad medium usque connata. An- 
therae flavae post anthesin sordidae. Folia lanceolata vel lineari-lanceolata, 
acuminata, crenato-serrata, septies longiora quam latiora, adolescentia sericea, 
adulta supra glabra, obscure viridia, subnitentia, subtus pallidiora, opaca, 
attamen viridia, pilis sparsis adpressis minimis tecta vel glabrata. Rami 
elongati, flexibiles et tenaces, glabrescentes. 

Am. ($ 24— 36mm lg, 14 m m lt. Am. $ 15— 24mm lg. 4_6mm lt. 

Squam. 2mm lg. Gl. tori 0.5mm lg. Germ. 2 mm lg. Styl. 0.5— imm ig. 

Stigm. 0.5mm lg. Stam. 5— 6mm lg. 

Variat foliorum forma: 

tr» VMtffntris* Folia elongato-lanceolata sexies — novies longiora 

quam latiora. 

Fol. 45-135"»" Jg. s— 18mm lt. 

8. Ilclix L, sec. Wimm. (conf. Flora 1849 p. 52). — S, concolor Host. Salix pl. £ tb. 35 et 
sec. speeim. hört. bot. Vindob. — S. rubra et Hoß'manniana Tausch pl. sei. — 
S. rubra Fries Herb. norm. Fase X. Nr. 60. Koch Syn. p. 560 (oxel. var.J. Kot. 



Nicderöslerreicliisdie Weiden. 



221 



FI. exsicc. Yindob. Nr. 1053 et 1054. — S. purpurea r viminalis a. rubra latifolia 
Wimm. Flora 1818 p. 312. — S. rubra (excl. variet.) Wimm. Flora 1819 p. 40, 
DeDksch. p. 151. Herb. Salic. Fase. VIII. Nr. 86. Neilr. Fl. v. N. Oest. p. 257. 

b. aUffUSttfotia» Folia lineari-lanceolata, sexies — novics lon- 
giora quam latiora. 

Fol. 45— 70 nini lg. 4—7™" lt. 

S. rubra y. angustifolia Tauseh pl. sei. — S. viminalis-purpurea a. rubra angustifolia^ imiD. 
Flora 1848 p. 312. — S- rubra e. angustifolia Wimm. Denksch. p. 151. 

Die S. rubra ist einer der verbreitetsten Bastarte, der mit S. viminalis 
dasselbe Areal besitzt und dessen Blendlingsnatur am Frühesten erkannt 
worden ist. Unter den aus S. purpure a und S. viminalis entstandenen 
Bast arten hält derselbe genau die Mitte und ist auch weit häufiger als 
die beiden andern goneiklinischen unter 20 und 22 beschriebenen Formen. 

— Die beiden Varietäten a. und b. entsprechen den analogen Formen der 
S. viminalis. — Die untere blassgrüne Blattfläche ist bei beiden Spiel- 
arten nur selten ganz kahl. Gewöhnlich ist dieselbe mit unendlich kleinen 
den Fiedernerven parallel anliegenden Härchen bekleidet, die aber so dünn 
gesäet sind, dass der blassgrüne Grundton des Blattes dadurch nicht geändert 
wird. — Die Staubfäden sind genau bis zur Mitte yerwachsen, während sie 
bei S. elaeagnifolia gewöhnlich nur bis zum unteren Dritttheil und bei der 
folgenden Weide bis zu zwei Dritttheilen und oft sogar noch weiter hinauf 
verbunden erscheinen. 

In Niederösterreich findet sich die Spielart a. in Staub- und Frucht- 
blüthen tragenden Sträuchern an den Ufern des Wienflusses yon Penzing 
aufwärts bis Hacking; die Spielart b. wurde von Neilreich im Marchfelde 
bei Marchegg gefunden. 

22. X For&fjftna Smith brit. 1 041 (subviminalis-purpurea), 

— Amenta praecocia, sessilia, densiflora, staminigera oblonga, ter, pistilligera 
cylindrica quater — quinquies longiora qnam latiora. Squamae discolores, 
ovatae, acutiusculae, yillosae. Glandula tori oblonga, basin germinis superans. 
Germen ovatum sericeum sessile. Stylus tenuis, filiformis. Stigmata lineari- 
oblonga, patentia, stylum aequantia. Valvae capsulae post maturitatem 
hiantes, non extrorsum arcuatae. Stamina ad duo trientes connata. Antherae 
ante anthesin pupurascentes, postea flavae et post antliesin nigricantes. Folia 
lanceolata, supra medium latiora, breviter acuminata octies longiora quam 
latiora, crenato -serrata, supra obscure viridia , subnitentia, subtus pallide 
viridia, utrinque glabra vel subtus pilis adpressis minimis levissime puberula. 
Kami glaberrimi flexibiles. 

Am. rj 30— 3ö mm lg. 11— 13 mm lt. Am. $ 22— 36 mm lg. 5— 7 mm lt. 
Squam. 2 ram lg. Germ. 2— 2.5 mm lg. Styl, et stigm. l ram lg. Stam. 5— 6 n,m lg. 
Fol. 70—90™« lg. 8— i2 Q)m lt. 

29 * 



222 



Dr. A. Kern er: 



S. concolor Host pl. (J 1 sec. speciin. in hört. bot. Vindob. (Die Abbildung in Host- Salix tb. 3i 
kommt zwar mit der Pflanze des bot. Gartens darin übercin, dass die- Antlicrcn vor dem 
Aufblühen roth und nach dem Verslauben schwärzlich dargestellt werden, — die beiden 
Staubfaden sind aber Fig. 3 kaum bis zur Mitte verwachsen und die Blätter an Fig. 1 
lineal-lanzettlich, während an Exemplaren aus dem botanischen Garten die Staubfäden bis 
zu zwei Dritttheilen verwachsen imd die Blätler im obersten Drittel am breitesten erscheinen.) 
— S. heliciflora Q Tausch pl. sei. — S. rubra Koch Syn. p. 560 (pro parte). — 
S. viminalis -purpurea c. Forbyana <j> Wimm. Flora 1848 p. 312. — b. Forbyana 
Flora 1849 p. 40. Denksch. p. 151. Herb. Salic. Nr. 15. — S. rubra ß. purpureoides 
Gr. c. Godr. Fl. d. Fr. p. 129. 

Die S. Forbyana bildet das Verbindungsglied, welches die Korbweiden 
mit den Purpurweiden verknüpft. Sie nähert sich durch die im oberen Dritt- 
theil breitesten, unterseits gewöhnlich kahlen, manchmal etwas bläulich an- 
gehauchten Blätter , so wie durch die vor dem Stäuben rothen , nach dem 
Stäuben schwärzlichen Antheren der S. purpurea und macht auch auf den 
ersten Anblick; den Eindruck derselben. Der fädliche dünne Griffel, die sprei- 
zenden länglich-linealen Narben weisen sie jedoch in die Rotte der Korb- 
weiden, in welche wir sie auch hier gereiht haben. 

Die Pflanze findet sich in Niederösterreich in den Traisenauen bei 
Herzogenburg und an der Salamilake im Prater bei Wien. Die männliche 
Pflanze in einem Strauche am Ufer des Wienflusses vor dem kaiserl. Schlosse 
in Schönbrunn. 

Alle drei hier aufgeführten Bastarte aus S. viminalls und S. purpurea 
sind in Niederösterreich immer nur in der Nähe der zwei muthmasslichen 
Stammeltern aufgefunden worden, und lieben wie S. viminalis angeschlemmten 
tiefgründigen Boden. Ihre obere Grenze fällt mit jener der S. viminalis (10000 
zusammen, 

S e c t. VIII. Canae. — Frutice s vel arbores minores ramosissimi, 
ramis erectis subf'urcatis, non pruinosis. Folia lanceolata vel 
linearia el elongato-acuminata, adolescentia margine revoluta, 
subtus tarnen to albo opaco subarachnoideo tecta. Amenta prae- 
cocia vel coaetanea arcuata, breviter peduneulata vel subsessilia. 
Squamae discolores vel concolores. Glandula fori lenticularis, 
flava. Stamina duo , m variis distantiis connata. Germen 
pedicellatum, glabrum vel tomentosum. Stylus tenuis elongatus. 
Stigmata bipartita, laciniis filif ormibus extrorsum arcuatis vel 
recurvis. Valvae capsulaepost dehiscenliam extrorsum arcuatae, 
falcatae vel circinatae. 

23, ;=< ScritQfpiawa Gaudin in Seringe Saul. de la Suisse p. 37 
(incano-Caprea). — Amenta praecocia et subsessilia vel subcoaetanea et pedun- 
eulata, peduneulo foliato, arcuata, pistilligera ter longiora quam latiuni. 
Squamae oblonyae vel aublinearvs, oblasae, pilosae, divcolores, in basi ßauc- 



Niederosterreichischc Weiden. 



223 



scentes et versus apicem purpureo-fuscae. Glandula tori lenticularis, flava. 
Germen ovato-conieum oj^ace albo-tomentosum , pedicellatum , pedicello glan- 
dulain tori ter superante. Stylus tenuis filiformis. Stigmata bipartita, laciniis 
flavis. filiformibus extrorsum arcuatis ycI recurvis. Valvae capsulae post 
dehiscentiam circinatae. Folia lanceolata vel oblongo-lanceolata, ter longiora 
quam latiora, acuta, apicem et basin versus aequaliter cotracta, in basi nonnun- 
quam et rotundata , adolescentia revoluta , utrinque albo-tomentosa, adulta 
,,<<',•■ i/'ne plana, denticulata, supra glabrescentia, obscure viridia, subtus opace 
albo-tomentosa. Stipulae semicordatae. Ramuli juniores albido -tomentosi, 
adulti glabrescentes atro-sanquinei. 

Am. o 20— 30 mm lg. 8— 10 mm lt. 

Squam. 3— 4 mm lg. Germ. 3 — 4 mm lg. Styl, et Stigm. l mm lg. Fedic. 

1— 2 mm lg. 

Folia 55— 110 mm lg. 20— 40 mni lt. 

S. lanceolata Seringe Essai d'une Monographie des Saules de la Suisse p. 37. (Seringe ver- 
einigt in der zitirten Monographie unter dem Namen S. lanceolata, die in seinen Sal. 
exsiec. ausgegebenen: 5. Kanderiana und S. holosericea und zitirt den Namen S. Se- 
ringiana, von welchem er sagt, dass er vom Pastor Gau diu der Pflanze gegeben 
worden sei. Se ringe unterscheidet von seiner 5. lanceolata die Varietäten B. macro- 
phylla, C. angustifolia, D. gemmata, E. coaetanea. — Die seiner Monographie bei- 
gegebene Abbildung tb. 1 stimmt im Ganzen gut mit der von uns beschriebenen Weide 
überein, nur ist das abgebildete Dlatt schmaler, 4V 2 nial so lang als breit, während die 
Blatter der von uns in Niederösterreich gefundenen Weide nur 3mal so lang als breit siud. 
Wahrscheinlich ist daher die von uns oben aufgeführte Form mit der Yar- B. macrophylla 
von Seringe identisch, von welcher der Autor sagt: „!es feuilles acquierent jusqua 
4—5 pouces de longueur et i pouce et demi de largeur". Die Yar. C. angustifolia 
[Sal. exsicc. Nr. 72], die auch schwacher bekleidete Blätter besitzt, ist vielleicht ein 
Bastart der S. incana mit 5. grandi/olia oder S. cinerea.) — S. Seringeana Koch 
Syn. p. 562 pro parte (Koch hat nach dem Zitate „S. intermedia Host" unter seiner 
S. Seringiana gleichfalls zweierlei Weiden begriffen. — Obschon sich demnach der Name 
5. Seringiana Gaud. bei Seringe und K o c h wahrscheinlich auf verschiedene Bastai te 
aus S. incana mit S. Caprea, S. cinerea, S. grandi/olia bezieht, so haben wir doch 
für den oben beschriebenen muthmasslicheu Bastart aus S. incana uud S. Caprea den 
Namen S. Seringiana beibehalten, weil derselbs in der Nomenklatur bei den neueren 
Botanikern [v. Hausmann, Neilreich, dann in Lohr Enuru.] bereits als synonym 
mit 5. incana-Caprea angeführt ist.) — S. einer eo-incana Wimm. Flora 184S p. 333. 
— S. incana-Caprea Wimm. Flora 1849 p. 46. Denksch. p. 159. Neilr. Fl. v. N. 
Oest. p. 260. (Die unter Nr. 65- in Wimm. Herb. Salic. ausgegebene Weide aus dem 
Vale'e du lac de Joux in der Schweiz von Dr. La gg er ist etwas schwächer bekleidet, 
als der liier von uns beschriebene Weidenblendling. Ihre Blätter zeigen 16—18 Fieder- 
nervenpaare, sind 4mal so lang als breit, gegen die Basis keilförmig zulaufend und über 
der Mitte breiler, verkehrteiförmig - lanzettlich und sie scheint mit einer von uns bisher 
nur in Blättern gefundenen Weide, die wir für einen Bastart aus -S. incana und grandi- 
folia halten, identisch.) 

Erwachst zu einem drei bis vier Klafter hohen Baum der mit Recht 
von Wimm er seines schönen zweifarbigen Laubes.wegen zur Kultur in Park- 
anlagen anempfohlen wird. Die Blätter sind rein lanzettlich oder länglich- 
lanzettförmig, an beiden Seiten fast gleichmässig zusammengezogen, an der 
Basis manchmal auch zugerundet , niemals über der Mitte verbreitert. Der 



224 



Dr. A. Kern er: 



Rand ist nur in der Jugend zurückgerollt, an den ausgewachsenen Blättern 
ist er flach und unregelmässig ausgebissen gczähnelt. Die obere Blattseite 
ist dunkelgrün , wenig glänzend , von vertieften Nervenlinien durchzogen, 
Die Fiedernerven der unteren Blattseite, obschon von dichtem weissen glanz- 
losen Filze überdeckt, sind dennoch deutlich vorspringend, etwas winkelig 
gebogen und verbinden sich nahe dem Rande noch durch ziemlich kräftige 
Anastomosen miteinander. Zwischen je zwei und zwei solcher bis zum Rand 
verlaufender Fiedernerven, deren Zahl zwischen 12 und 15 schwankt, finden 
sich immer 1—2 kleinere, nur bis zur Mitte der Blatthälfte deutlich vorsprin- 
gende Fiedernerven. — Die Kätzchenschuppen sind lang und schmal , in der 
Regel an der unteren Hälfte gelb , an der oberen braunpurpurn ; manchmal 
findet man aber auch an demselben Kätzchen einzelne fast ganz gelbe oder 
nur an der Spitze schwach geröthete Schuppen. Die verschiedenen Farben der 
Blüthentheile, nämlich die weisse Faibe der Fruchtknoten, die gelbe Farbe 
der Narben und die purpurne Färbung an der Spitze der Schuppen verleihen 
den Kätzchen ein buntscheckiges Ansehen, welches um so mehr hervortritt 
als die Bekleidung der Schuppen nicht sehr dicht ist. 

In der Nervatur und dem Zuschnitte der Blätter, so wie in der Be- 
kleidung der langgestielten Fruchtknoten ist S. Caprea nicht zu verkennen ; 
in der Verzweigung der Aeste , Bekleidung der Blätter, Form der Tonis- 
drüsen, Griffel und Narben ist hinwiederum S. incana auf das unzweideutigste 
ausgesprochen. 

Die S. Seringiana wurde bisher immer in vereinzelten Exemplaren 
innerhalb des Areals der S. incana^ in der Schweiz, in Tirol, Krain, Schlesien auf- 
gefunden. — In Niederösterreich fanden wir sie im Gebiete des Traisenflusses 
zwischen Set. Pölten und dem Schwaighof (9000 dann im Gebiete der Erlaf 
an der südlichen Abdachung des Josefsberges an der Strasse (beiläufig in der 
halben Höhe des Berges) bei 2800' in mehreren £ Sträuchern, und am Grueb- 
berg zwischen Lunz und Gaming bei 1900' in zwei baumartigen ^»Exemplaren, 
von welchen sich das eine noch gegenwärtig im kräftigsten Wachsthum in der 
Thalschlucht des Mitterauerbaches hinter der Karthause erhalten hat, während 
das zweite durch den Strassenbau dort verschwand. — An allen drei Standorten 
findet sich sowohl S. incana wie S. Caprea in der Nähe. 

Die S. intermedia (Host. Salix p. 17. tb. 56, 57. S. incana-cinerea 
Wimm. Flora 1849. p. 46. Denksch. p. 159. Herb. Salic. Nr. 61), die bisher in 
Niederösterreich nicht aufgefunden wurde, unterscheidet sich von S. Seringiana 
schon auf den ersten Blick dadurch , dass ihre Kätzchen schmutzig-grau und 
um die Hälfte schmäler sind. Die Fruchtknoten erscheinen in Folge dünnerer 
Bekleidung zur Zeit der vollen Blüthe grau (nicht weissfilzig wie bei S. incana) 
und werden zu Ende der Blüthezeit von der Basis gegen die Spitze zu kahl 
und grün. Die ausgerissen gczähneltcn Blätter sind entweder lineal oder ver- 
kehrteiförmig- lanzettlich und über der Mitte am breitesten, fünfmal so lang 
als breit und unterseits viel schwächer bukleidet als jene der S. /Seringiana, 



Nied<*ri5Stefrcichtscbe Weiden. 



225 



so zwar, da^s die blaulich- aschgraue Grundfarbe deutlich hervortritt. Die 
Nerven sind gelblich oder fast rostfarbig, die Anzahl der Fiedernervenpaarc 
schwankt zwischen 20 und 30, während sie bei & Seringiana 1g — 20 beträgt, 
das Nerven netz ist viel zarter und zierlicher als das der Blätter von S. Serin- 
giana und erinnert mehr an jenes der S. cinera und S. grandifolia. Von 
Wimm er w r ird in der Denkschrift p. 159 ausgesprochen, dass diese von ihm 
als S. incano-cinerea bezeichnete Blendlingsart > möglicherweise auch aus 
S. incana und S. grandifolia entstanden sei , was nicht unmöglich wäre. Es 
würde dann S. intermedia Host einen zu S. incana hinneigenden Bastart dar- 
stellen, während wir eine andere am Josefsberge mit S. Seringiana an gleichem 
Standorte, nur in Blättern gefundene Weide für einen mehr zu S. grandifolia 
hinneigenden Blendling halten und als S. subalpina bezeichnen, seine Be- 
schreibung aber bis zur Zeit, w t o uns auch Blüthen desselben vorliegen werden, 
suspendiren. 

Da von Wimm er an der zitirten Stelle bei S. intermedia angegeben 
wird, dass Tausch die Pflanze in Böhmen gefunden habe, in Böhmen aber 
S. ineana nicht vorkommt, so könnte diess einige Bedenken gegen die oben 
gegebene Deutung dieses Weidenblendlings hervorrufen und wir erlauben uns 
daher hiezu Folgendes zu bemerken. Tausch hat zwar allerdings unter 
seinen Weiden auch S. intermedia Host ausgegeben, dieselbe aber ebenso- 
wenig wie die von ihm ausgegebene S. incana in Böhmen gesammelt. Es 
stammen diese Exemplare höchst wahrscheinlich aus den Wiener Gärten , von 
den durch Host gepflanzten Sträuchern, denn in dem von Tausch angefer- 
tigten Cataloge der Flora Böhmens, in welchem sich selbst die unbedeutendsten 
von Tausch unterschiedenen Varietäten der in Böhmen aufgefundenen Weiden 
sorgfältig verzeichnet finden, fehlt sowohl S. intermedia Host wie S. incana 
Schrank. (Vergl. Catalog der Flora Böhmens nach Prof. Tauschas Herb. 
Fl. Boh. von Joh. Ott.) 

Host fand seine S. intermedia „in Carniolia ad aquarum fluenta, riguis 
montium declivibus ad montium pedes. t; Sie wird in Fl eis c hmann's Flora 
Krain's am Gruberischen Kanal bei Laibach und in Sagor angegeben. Auch 
Ä Seringiana wird in demselben Werke bei Sagor, Seisenberg und Möttling 
aufgeführt und es scheinen daher dort Bastarte aus S. incana ziemlich 
häulig zu sein. 

24, >j JS. bififltt Wulf. Flor. nor. phan. p. 780. Nr. 1508 (super in- 
cano-purjntrea). — Amenta coaetanea, breviterpeduneulata, arcuata, staminigera 
ter longiora quam latiora. Squamae obovatae truncatae, eiliatae, flavae et 
unicolores vel apice rubescentes. Glandula fcbri lenticularis. Stamina duo. 
J dnmenta tota vel ad duo trientes connata, infra medium pilosa. Antherac ante 
et post anthesin flavae. Folia lanecolata, quinquies longiora quam latiora 
breviter aeufa, versus basin cuneata et inteyra, supra medium latiora et serrata, 
adolescentia revoluta^sericeo-tomentosa^ adulta plana, supra glaberrima obscurc 



220 



Dr. A. Kern er 



viridia, subtus alba, arachnoideo-tomcntosa. Ranii subfureati, torulosi, juniores 
albido-tomentosi, adulti glabrescentes. 

Am, <$ 20-32 mm lg. 8 — 10 mm lt. 

Squam. 2_2.ö mm lg. Stam. 4— G mm lg. 

Fol. 20— 32 mm lg. 8— 10 mm lt. 

bifida Wulf. 1. c. (nach dem im Wien. bot. Hofknbinete befindlichen Exemplare in Wnlfen's 
Herb.) — <S'. ineano-purpwea Neilr. Verh. d. z.-b. Vereines. 1851. p, 119. Fl. v. 
N. Oest. p. 260 excl. syn. (nach dem in Neilreich's Herb, befindlichen an der Schwarza 
bei Gloggnitz gesammelten Blatlexemplare.) 

Die hier beschriebene Weide macht den Eindruck, der >S'. incana. Die 
Verzweigung der Aeste , der charakteristische Ueberzug, der in der Jugend 
umgerollten Blätter, die Farbe und Form der Kätzchenschuppen, die gewiru- 
perten Staubfäden , die linsenförmige Torusdrüse lassen auch bei näherer 
Untersuchung diese Stammart erkennen. Die Blätter zeigen aber den Zuschnitt 
der S. purpurea, sind im Alter flach, über der Mitte am breitesten und gesägt, 
gegen die Basis keilförmig und ganzrandig. Die entweder zu zwei Dritt- 
theilen oder bis zu den Antheren verwachsenen Staubfäden deuten gleichfalls 
auf S. purpurea und w r ir betrachten daher diese Weide als einen der S. incana 
nahe stehenden Bastarb aus S. purpurea und S. incana. 

Wir fanden diese Weide bisher nur mit Staubblüthen. Auf der Donau- 
insel zwischen Rossatz und Dürrenstein ein baumartiges Exemplar. — Strauch- 
artig bei Herzogenburg an der Traisen. — Bei Gloggnitz an der Schwarza 
(Neilreich). — Ueberall in Gesellschaft beider muthmasslichen Stammeltern. 

Die S. bifida ist mit der von Wimmer als S. incana-purpurea (Uebers. 
d. schl. Gesellsch. 1847. t. 1. f. 1. Flora 1848 p. 311., 1849, p. 39. Denksch. 
p. 151) beschriebenen und im Herb. Salic. unter Nr. 5 ausgegebenen Weide nicht 
zu verwechseln. Diese letztere unterscheidet sich nämlich von S. bifida durch 
lineale im Zuschnitte mit S. incana übereinstimmende, aber im Alter unter- 
seits fast kahle Blätter , die acht bis zehnmal so lang als breit sind und 
gewissermassen einen Gegensatz zu den Blättern der S. bifida bilden, welche, 
wie bemerkt, im Zuschnitt mit S. purpurea übereinstimmen aber selbst im 
Alter noch den weissfilzigen Ueberzug der aS'. incana behalten. Im Herbarium 
Reichhardfs fanden wir einen beblätterten Zweig einer Weide mit dem 
Standorte „Hütteldorfer Aue bei Wien", welche auf das vollständigste mit 
den Blattexemplarcn der S. incana - purpurea Wimmer's übereinstimmt. 
Ohne Blüthcn wagen wir es jedoch nicht sie mit derselben zu identifiziren. 

25. 8. incatta Schrank bair. Fl. I. p. 230. — Amenta praecocia, 
vel subcoaetanca, subsessilia, gracilia , arcuata vel deüexa, fruetifera erecta, 
staminigera bis — quater , pistilligera quinquies — decies (plerumque sexies) 
Jongiora quam latiora. Squamae obovatae, truncatae vel emaryinatae, margine 
eiliatae vel glaberrimae, fioaculorum ataminiyeruin fiavae unicolores vel apice 
rubescentes , ßosculorum piMiUiycrum 4 viridi ßavae unicolores. Torus lenti- 



Niederüsterrek lasche Weiden. 



227 



cularis. Germen ex ovata basi elongato-conicurn, glaWura, pedicellatum, pedi- 
cello glandulam fori bis superante. Stylus elongatus, tenuis, stigmatibus bifidis, 
laciniis filiformibus, extrorsum arcuatis vel recurratis, flavis. Stamina duo, fila- 
mentis infra medium connatis et pilosis , antheris ante et post anthesin flavis. 
Folia lanceolato-linea ria vel liaearia, elongata. in aeumtn aequ.aliter producta, 
in pctiolum attenuata vel contracta. sexies—duodeciea (pleruinque decies) longiora 
quam latiora, margine repando- denticulata et revolvtcu adolescentia utrinque 
albo-toraentosa. subarachnoidea. adulta supra glabrescentia. sordide et obscure 
viridia, opaca , subtus alba, subarachnoideo - tomentosa. Nervus medius in 
facie superiori impressione significatus, in facie inferiori eximie prominens, 
glabrescens et flavesceus. Nervi secundarii supra depressi. subtus elevati, 
tomento arachnoideo vero tecti etvix conspiciendi. Rami subfurcati. plerumque 
torulosi, juniores cano tomentosi, annotini glabrescentes, cortice ruf'escenti vel 
flavescenti tecti. 

Am. <$ 15_40 mm lg. 6 — 10 mm lt. Am. $ iö_45mm ig 5 — 6 mm lt. 
Squani. 2— 3 mm lg. Germ. 2— 3 mm lg. Styl, et stignia l mm lg. Pedic. 

0.5mm stam. 3 — 6 mm lg. 
Fol. 40— [60^ lg. 5— iW* lt. 

S. incana Koch Syn. p. 562. Wimm. Flora 1849 p. ai. Herb. Sal. Fase. VII. N'r. 81. Fase. VIII. 

Nr. 94. Neilr. FL v. N. Oest. p. 260. Kot. Fl. exs. Vind. Nr. 976 u. 1057. - S. 
riparia Willd. Spec. pL IV. p. 698. Host Salix p. 17 tb. 58. 59. 

Ein meistens vom Boden aus reich verästeter bis drei Klafter hoher 
Strauch, dessen Aeste sich in fast gabelig getheilte *) Zweige auflösen. Die 
Zweige sind reich beblättert : die schmalen Blätter stehen genähert, sind steif 
nach aufwärts gerichtet und verleihen dem Strauche durch die Mischung des 
dunklen schmutzigen Grüns der oberen Häche und des weissen glanzlosen 
Filzes der unteren Seite einen düstern grauen Farbenton. In den Voralpen, wo 
S. incana auch manchmal als Felsenpnanze mit S. olabra und S. arandifolia 
vergesellschaftet auftritt, wird sie zwergig. erreicht kaum mehr die Höhe 
von 4 Schuh und besitzt dann auffallend kurze Kätzchen und Blätter. Ceber- 
diess sind an solchen Standorten ebenso wie auf den Schotterebenen der prä- 
alpinen Niederung die Blätter dichter bekleidet, mehr zurückgerollt und 
stehen, da die Zweige dort sehr verkürzt sind, so dicht gedrängt wie bei 
keiner anderen Weide. — An schattigen Standorten der Donau-Auen sind 
die Blätter fast flach , am Bande ausgebissen gezälinelt und nur schwach 
bekleidet; unterseits dünn, spinnwebig-wollig, der bläulich-aschenfarbige 
Grundton der unteren Blattdäche, welcher sonst gewöhnlich von dem dicken 
weissen Filze verdeckt ist, tritt dann deutlich hervor und auch die Fieder- 
nerven , welche sonst gewöhnlich vom Filze verhüllt und kaum sichtbar 
sind , erscheinen an solchen Schattenexemplaren deutlicher und etwas vor- 
springend. An der oberen Seite sind aber die Nerven immer eingesenkt und 

v l'cber den eigecthumhehen Wuchs der 5. incana und der ihr verwandten Formen siehe p.50. 
U. \. Abbaudl. 30 



228 



Dr. A. Kerner: 



die Blattfläche daher runzelig. Die Anzahl der bis zum Blattrand verlaufenden 
Fiedernervenpaare schwankt zwischen 20 und 30. 

Die Kätzchen sind vor dem Aufblühen und zur Zeit der vollen Blut he 
herabgeschlagen oder bogenförmig gekrümmt, nach dem Abblühen jedoch und 
zur Zeit der Fruchtreife gerade. Die zarten, dünnen Schuppen der Staub- 
kätzchen sind entweder hellgelb einfarbig oder an der Spitze scharlachroth an- 
gehaucht oder auch rostfarbig und braunpurpurn. Die Schuppen der Frucht- 
kätzchen sind immer einfarbig gelblich-grün. — Die Staubfäden scheinen bei 
S. incana immer von der Basis an bis nahe an die Höhe des oberen Schuppen- 
randes verwachsen zu sein. Wir waren früher mit Wimmer *) der Ansicht, 
dass unter allen Weiden nur 8. purpurea und deren Bastarte ganz oder theil- 
weise verwachsene Staubgefässe besitzen und dass die Vereinigung der Staub- 
fäden der S. incana an der unteren Partie nur durch die ineinandergreifenden 
Wimperhaare, welche die Filamente dieser Art, so wie jene der Chloriteen 
und Schwarzweiden bekleiden, hergestellt werde, um so mehr als sich bei 
Untersuchungen an frischen Staubgefäs.-en selbst bei leisem Auseinander- 
ziehen beide Fäden immer ganz leicht isolirten **). Sorgfältige wieder- 
holte Untersuchungen belehrten uns jedoch , dass eine wahre Verwachsung 
beider Fäden existire und Exemplare, welche wir aus dem Balkan, aus 
Siebenbürgen, Oberungarn und Krain, so wie von vielen Standorten Nieder- 
österreichs aus den Donauauen und den Alpen vorliegen haben, zeigen alle 
in ganz übereinstimmender Weise diese Verwachsung. Koch und Reichen- 
bach, und jene Autoren, welche von diesen Beiden die Diagnosen abge- 
schrieben haben , übergehen ganz diese Eigentümlichkeit. Von Anderen 
werden die Staubfäden als getrennt beschrieben. Host, Grenier und 
Godron, und Mathieu beschreiben dieselben bereits als zur Hälfte ver- 
wachsen. 

Diese Eigenthümlichkeit , welche somit S. incana mit S. purpurea 
gemein hat, spricht sich auch in den Bastarten der S. incana aus. Bei 
S. Wimmeri sind die Staubfäden immer an der Basis verwachsen; bei S. inter- 
media Ho st, die gewöhnlich mit freien Staubgefässen beschrieben wird, reicht 
die Verwachsung manchmal bis zur Hälfte und auch die Hosfsche Abbildung 
(Salix tb. 56. fig. 3.) zeigt deutlich an der unteren Parthie verbundene Fila- 
mente. Auch von S. Seringiana sagt Seringe pg. 38: „2 etamines reunies 
a leur base." 

8. incana gehört dem Süden von Europa an. Sie ist in der ganzen 
Mittelmeerzone heimisch und dehnt ihr Areal bis an den nördlichen Fuss der 



*) Denksch. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kult. Breslau 1853 p. 148. »Alle Weidenformen, welche halb- 
verwachsene Staubfaden haben, sind Hybride aus S- purpurea und einer andern Art". 

*») In der Einleitung p. 34 wurde daher auch noch S. incana als Beispiel für jene Form der 
Staubgefässe angeführt, bei welcher die Fäden im unteren Dritttheil behaart und durch die ineinander- 
greifenden Härchen lose zusammenhängend erscheinen, wie diess bei S. fragilis, S- glabra, etc. der 
Fall ist. 



Niederösterreichische Weiden. 



229 



Alpen und Karparthen aus. Die Linie, welche ihr Areal nordwärts begrenzt, 
zieht von Agen an den Ufern der Garonne anfänglich als nordwestliche Vege- 
tationslinie durch das südliche französische Plateau in die Ardennen nach Luxem- 
burg und Echternach bei Trier, Ton da als nordöstliche Yegetations-Linie in 
das Rheinthal nach Karlsruhe und über Pforzheim an die Donau nach Ulm* 
Von Ulm über Ingolstadt, Passau, Linz, Krems, Wien bis an die March bildet 
das Donauthal die Nordgrenze des Areals; von der March aber verläuft die 
Vegetationslinie wieder als eine nordwestliche entlang den Karpathen an den 
Oberlauf der Oder uni Weichsel nach Troppau, Bielitz und Ustron und folgt 
dem Bogen der Karpathen bis hinab in die Moldau, um dann als östliche 
Vegetationslinie in den Balkan zu ziehen. — Innerhalb des so begrenzten 
Areals hält sich diese Weide insbesonders an die kiesreichen Ufer derGebirgs- 
ströme und an die Schotterbänke der präalpinen Niederungen, fehlt aber sowohl 
in den höheren Regionen über 4000', so wie auch in den Tiefebenen der Donau 
und in dem von der Weichsel und Oder durchströmten Tieflande. 

In Niederösterreich findet sich S. incana an den felsigen Ufern der 
Alpenbäche, auf den Diluvialterassen und den Schotterbänken der alpinen Zu- 
flüsse der Donau (Enns, Ibbs, Erlaf, Pielach, Traisen und Hallbach, Perschling^ 
Weidlingerbach, Wien, Schwechat, Mödling. Piesting, Prein. Sirning u. Schwarza) 
bis in das Donauthal, dann noch vereinzelt auf Kalkfelsen in den subalpinen 
Thälern und truppenweise auf den Kiesflächen der präalpinen Niederungen 
fdem Steinfelde bei Wiener -Neustadt der s ogenannten Wilhelmsburger, Wiesel- 
burger und Welser Haide) an welch 1 letzterem Standorte sich als treueste 
Begleiter der S. incana das Epilobiurn rosmarinifolivm und Hieracium 
staticefolium zu ihr gesellen. 

In der Höhenzone von 1500 bis 2500' in welcher die Chloriteen ver- 
schwinden ist sie mit S. purpurea an unseren Alpenwässern die hersrchende Weide. 
In den Donauauen tritt sie gleichfalls gesellig als Bestandtheil der ersten und 
zweiten Waldgeneration auf, findet sich aber nur streckenweise bei Enns, 
Melk, Rossatz, Mautern, Krems, Hollenburg, Wien; im Allgemeinen im 
oberen Donauthale häufiger als im Bereiche des Wiener-Beckens, In den Auen 
an der Mündung der Enns , so wie in den Donau-Auen bei Rossatz , Krems 
und Hollenburg ist sie mit Hippopliae rhamnoides und Tamarix germanica zu 
einem sehr eigentümlichen Buschwalde verbunden. 

Sie fehlt im Bereiche des böhmisch-mährischen Gebirges mit Ausnahme 
des Thaies, welches von der Donau durchströmmt wird. 

Ihre obere Grenze findet S. incana in Niederösterreich bei 3100' (höchster 
Standort in der Nähe von Josefsberg.) In dieselbe Höhe fällt ihre obere Grenze 
in Obersteiermark. — In den baierischen Alpen jedoch ist dieselbe wie fast 
alle Höhengrenzen bedeutend höher gerückt und wird auf 4000' angegeben. 



30* 



230 



Dr. A. Kerner: 



Sect. IX. Pruinosae Koch. — Arbores vel frutices, ramis trectis, 
junioribus plerumque rore caesio, abstergendo tectis. Folia ob- 
longo- ml linear i-lanceolata, acuminata, adulta glabra^ subtil» 
glauca, dummarcescunt,ruf'escentia. Amenta praecocia, sessilia 
vel breriter pedunculata, arcuata rel recta. Squamae discolores. 
Glandula tori oblonga, flava- Antherae post anthesin flarae. 
Germen sessile rel breriter pedicellatum, glabrum, compressuni. 
acutum. Stylus tenuis. Stigmata linearia, erecto-patula. Valrae 
capsulae post dehiscentiam extrorsum arcuatae, falcatae. 

26. X Ä. Wiwimer i Kern er. Verh. d. z. b. Vereins II. p. 61. 

(incano-daplmoides). — Amenta praecocia, densiflora, arcuata, brevissime 
pedunculata , pedunculo foliato , staminigera oblongo-o^ata, bis, pistilligera 
cylindrica quater — sexies longiora quam latiora. Squamae oblongae vel ovatae, 
obtusae, discolores, in basi ferrugineae, apicem versus atratae, longe villosae. 
Glandula tori oblonga, truncata, flava. Germen ex ovata basi conicum, acutum sub- 
compressum, glabrum, pedicellatum, pedicello glandulam tori aequante, plerumque 
ciliato. Stylus tenuis, elongatus. Stigmata lineari- oblonga, erecto-patula. 
Valvae capsulae post maturitatem extrorsum arcuatae, falcatae. Stamina duo, 
infra medium pilosa, in basi cohaerentia. Antherae flavae. Folia oblongo- 
lanceolata vel lineari-lanceolata, adolescentia revoluta , utrinque albido-arach- 
noideo-tomentosa , adulta supra obscvre viridia, glabra et subnitida vel villo 
albido abstergendo tecta et opaca , subtus albido-glauca , glabrata , summa 
tantum arachnoideo - tomentosa. Ramuli fragiles , juniores arachnoidei, adulti 
glabrati , ob.scure olivacei vel atrosanquinei , biennes plerumque pruinosi. 

Am. <3 22— 40 mra lg. 12-22 mm lt. Am. $ 22— 40 mra lg. 6— 8 mm lt. 

Squam. 2— 3 mra lg. Gl. tori 0.5 mm lg. Germ. 2 — 2.5 m ™ lg. Styl, l mm lg'. 
Stigm. 0.5— l mm lg. Stam. 8-10 mm lg. 

Fol. 60— 105 mm lg. 12- 24 lt. 

S. Wimmtri Kern er Flora 1852. p. 511. Wimm. Herb. Sal. Nr. 88 u. Text zu Fase. VIII. - 
S. incano-äaphnoides Wimm. Jahresb. d. schles. Gesellsch. 1852. p. 6i. Denksch. p. 
158. Neilr. Fl. v. N. Ocst. p. 256. 

Die hier beschriebene Weide, welche wir vor acht Jahren zuerst in 
mehreren £ baumartigen Exemplaren auf einer Donauinsel zwischen Diiren- 
stein und Rossatz auffanden und nach Herrn Direktor Wimmer, dem die 
Wissenschaft vor Allen den richtigen Einblick in das vielgestaltige Volk der 
Weiden verdankt, benannten, wurde inzwischen von C. Erdinger mit 
Staubkätzchen in den Donauauen bei Krems und ebendaselbst auch von uns 
in mehreren Fruchtkätzchen tragenden Sträuchern aulgefunden. Sie findet 
sich an beiden Standorten mit ihren wahrscheinlichen Stammältern S. incana 



NiederöstTrekhische Weiden. 



231 



und S. daphnoids und mit Hippophai rhcmnoides auf angeschlemmten Sand- 
boden als Bestandteil der zweiten Waldgeneration der Donauin-eln (500'). — 
Bei Krems erscheint sie nur in Strauchforni : bei Rossatz jedoch erhebt sie sich 
in Bauraform zu 5 Klaftern Höhe. — Sie stellt ein genaues Mittelglied 
zwischen ihren beiden wahrscheinlichen Stammältern dar. In der Form der 
Staubfäden, Fruchtknoten, Griffel und Narben stimmt sie mit 8i aaphnoidesia.it 
vollkommen überein. Die Staubfäden sind aber au der Ba-is verwachsen und 
mit zerstreuten Haaren besetzt. Die Fruchtknoten sind gestielt und der Frucht- 
knotenstiel , welcher der Torusdrüse an Länge gleicht, behaart. — Die Kätz- 
chen sind kurz gestielt und an der Basis mit zeitlich abfallenden an dem Kätzchen- 
stiele sitzenden Blättchen umgeben, während die sitzenden Kätzchen der£. daph- 
noides ander Basis niemals solche Blättchen wahrnehmen lassen. Sie sind zur Zeit 
der vollen Blüthe bogenförmig abwärts gekrümmt, wodurch insbesondere die vollen 
dicken Staubkätzchen eine sehr eigenthümliche Form bekommen. Die Staubfäden 
hängen an der Basis etwa '/; Millim. weit zusammen und erinnern hierdurch an 
incana. — In der Form, so wie in der Bekleidung der Blätter ist diese Blend- 
lingsart sehr wechselnd. Zur Zeit der Entfaltung tragen die Blätter den Typus 
der S. incana ; sie sind am Rand zurückgerollt, beiderseits in dichten weissen 
glanzlosen Filz eingehüllt. Zuerst verliert sich diese Bekleidung von der oberen 
Blattfläche; der schmutzi^-weisse matte Filz hängt dann nur mehr lose an der 
oberen Seite an, lässt sich leicht mit den Fingern abwischen und alsbald ist die 
obere dunkelgrüne Blattfläche fast ganz kahl und nur mehr die untere Seite 
von weissen Filze bedeckt. Im Alter endlich erscheinen die Blätter meistens 
vollständig kahl, sind flach, oberseits etwas glänzend und unterseits mit 
bläulich-weissem Reife überzogen und haben dann grosse Aehnlichkeit mit 
jenen der 8. daphioid.es. — In der Nervatur schliesst sich S. Wimmeri mehr an 
S. incana an. Die Nerven sind an der unteren Fläche gelblich oder rostfarbig 
und schneiden sich ganz zierlich aus der matten bläulich-weissen Blattseite 
heraus. Die Fiedernerven erscheinen daselbst etwas kräftiger, treten unter 
stumpferen Winkeln ab und sind in grösserer Anzahl vorhanden als an S. 
daphnoides , so zwar, dass bei S. Wimmeri 20 — 25 bis zum Rand verlau- 
fende Fiedernerren erscheinen, während sich bei 3. daphnoides deren Zahl 
auf 12—15 beschränkt. Die obere Fläche der ausgewachsenen Blätter ist 
glatt; die Nerven sind dort weder vorspringend wie bei S. daphnoides, noch 
auch eingesenkt, wie jene der S. incana. — Der hechtblaue Reif der Rinde er- 
scheint insbesonders an den ein- und zweijährigen Zweigen und tritt manch- 
mal erst während des Trocknens aus der Rinde hervor. 

27. S, tlftpJiHoiites Vill. Prosp. p. 51. — Amenta praecocia, 
sessilia. densiflora, staminigera recta. ovata, maxima inter omnes Salices, fere 
bis longiora quam latiora, pistilligera cylindrica, quater longiora quam latiora. 
Squamae ovatae, acutiusculae, discolore-, in ba*i ferrugineae, ver»us apicem 
atratae, longissime villosae. Glandula tori oblonga, truncnta, flava, basin 



232 



Dr. A. Kern er.- 



germinis superans* Germen sessile vel brevissime pedicellatum, ovato-conicum, 
acutum , compressum , glabrum. Stylus tenuis , elongatus. Stigmata linearia, 
erecto-patula post anthesin conniventia. Valvae capsulae post maturitatem 
extrorsum arcuatae, falcatae. Stamina duo, libera, glabra, antheris flavis. Folia 
oblongo-lanceolata, plerumque abrupte acuminata, ter et semissi — quinquies 
longiora quam latiora, serrata, adolescentia nonnunquam sordide vel ferrugineo- 
villosa, adulta Semper glaberrima, supra viridissima et splendentia, subtus 
glaucescentia et opaca. Stipulae lanceolatae vel semicordatae, dentatae. Ramuli 
fragiles, juniores nonnunquam hirsuti , adulti glaberrimi, e viridi flavescentes 
yel rube&centes. Rami juniores rore caesio , abstergendo tecti. 

Am. $ 30--56 mm lg. ib—W^lt. Am. $ 25-50 mm lg. 8— lä^Mt. 

Squam. 3 mm lg. Gl. tori 0.5 m m lg. Germ. 2— 3 m m lg. Styl. l mm lg. 

Stigm. 0.5— 1™* lg. Stam. 8— ll mm lg. 

S. daphnoides V i 1 1. Hist. d. pl. d. Dauph. III. p. 765. Koch Syn. p. 559. Wimm. Flora 1849. p. 
33. Neil r. Fl. v. N. Oest. p. 255. - 8. cinerea Host Salix p. 8. tb. 26. 27. 

Variat foliorum forma: 
a. tati folia* Folia ter — quater longiora quam latiora, oblongo- 
lanceolata, abrupte acuminata, subtus glauca, adolescentia cum ramulis hirsuta. 
Stipulae semicordatae. 

Fol. 60— 110 mm lg. 18— 32 mm lt. 
S. cinerea Willd. sec. Link et Koch. — S. daphnoides Wimm. Herb. Salic. Nr. 28. 

ft. atigtMStifoMiti* Folia quater — quinquies longiora quam latiora, 
obverse - lanceolata, supra medium latissima et abrupte in acumen tenue 
producta, glaberrima, subtus leviter glaucescentia vel virescentia. Stipulae 
lanceolatae vel lineari-lanceolatae. Ramuli glaberrimi. 

Fol. 60— lOO^lg. 12— 20 mm lt. 

S. praecox Hoppe et Willd. sec. Koch. — S. daphnoides Fries. Nov. Fl. suec. M- I. p. 46. 
Herb. norm. Fase. VI. Nr. 54. Wimm. Herb. Salic. Nr. 37. 

Erwächst gewöhnlich zu einem zwei bis fünf Klafter hohem Baume, 
der in der Regel nur als solcher und nur ausnahmsweise auch als Strauch 
zur Blüthe gelangt. Die blühreifen Zweige zeichnen sich schon im Herbste 
durch die grossen Blüthenknospen aus. ■ In den ersten milden Tagen des 
Jahres werden die Knospenschuppe