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Full text of "Zentralblatt Für Stoffwechsel Und Verdauungs Krankheiten 5.1904 Calif"

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* ** 


Zentralblatt 

für 

Stoffwechsel- und Verdauungs- 
Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. CARL VON NOORDEN in Frankfurt a. M. 

Redaktion: 

Klinischer Teil: Chemischer Teil: 

Dr. med. ERNST SCHREIBER, Dr. med. A. SCHITTENHELM, 

Privatdozenten an der Universität Oöttingen. 


5. Jahrgang 

Januar—Dezember 1904 . 



Oöttingen 

Vandenhotch & Ruprecht 
190 *. 


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Original - Hrtiful. 

Seite 


1. Clemm, Walther, Nie: Einige neuere Erfahrungen über die innere 

Behandlung der Gallensteinkrankheit. 1 

2 Schilling, F.: Die Rekto-Romanoskopie.31 

3. v. Boltenstern: Arbeiten über Typhus in den letzten beiden Jahren 77 

103. 129. 157 

4. Schilling, F.: Die Fermente.187 

5. Obrastzow, W. P.: Zur allgemeinen Symptomatologie der Enteri¬ 
tiden und Kolitiden .219 

6. Blumenthal, Arthur: Über quantitative Pepsinbestimmungen im 

Magensaft und Urin.249 


7. v. Boltenstern: Neuere Arbeiten über Physiologie und Pathologie 
des Blutes, mit Ausschluß der eigentlichen Blutkrankheiten 273. 303. 331 

8. Schilling, F.: Bestandteile und Konfiguration der Eiweißkörper . 363 

9. Mayer, Arthur: Die Fortschritte in der Pathologie und Therapie 

der kindlichen Verdauungsorgane in den Jahren 1900—1903 . 467. 499 

527. 587. 615 

10. Schilling, F.: Syphilitische Magen- und Darmkrankheiten . . . 559 

11. Abderhalden, Emil: Die Bedeutung der Verdauung der Eiwei߬ 
körper für deren Assimilation.647 

12 Schtschegolew, M. G.: Über den Urobilinnachweis im Ham. . 651 


•iGüot) 


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Damen - Register. 


A. 

Abaytua 93 

Abderhalden 265, 353, 
360,412,443,613,640, 
641, 647 
Abramow 454 
Adamldewicz 93, 327 
Adler 145, 203, 247, 359 
Agote 44 
Agramonte 11 
Alapy 11, 480 
Albu 150, 213 
- -Calvo 353 
Alexander 149 
AJlessandri 57 
Alsberg 391 
Alt 427, 428 
Altmann 581 
AJtschüler 244 
Ambeig 295 
Andreoli 351 
Andreew 482 
Anschutz 44 
Appel 452 
Arj<5 62 
Arndt 349 
Arnheim 98, 371 
Aron 463 
Aronsohn 245 
Arquembourg 488 
Ascoli 491, 641 
Aufrecht 197 
Aujeszld 582 
Awrorow 522 


B. 

Bachmann 206 
Backhaus 428 
Bakö 580 
Bar 440 
Baradulin 574 
Baranow 396 
Bard 267 
Barker 613 
Basile 25 
Bastianelli 545 
Batelli 430 
Bauermeister 424 


v. Baumgarten 544 
Baumstanc 126, 152 
Bayer 91, 205, 260 
Beer 423 
Beerwald 384 
Behr 401 
v. Behring 209 
Beck 496 
Becker 197 
Bell 240 
Bellei 360 

Bendix 203, 358, 461, 
613 

Benedict 635 
Berend 552 
Bereut 400 
Berge» 432 
Berkofsky 211 
Berlatzld 124 
Bemert 22 
Bemheim-Karrer 294 
Besonnet et Moriceau 
Beauchant 14 
Beyer 24 
Beythion 671 
Bial 371, 390 
Biberfeld 677 
Bickel 556 
Bienstode 117 
Biondi 574 
Bittorf 604 
Blanck 26 
Blank 266 
Blanko 352 
Bleichröder 9, 239 
Bloch 47 
Blum 50. 431 
Blumentnal 249, 432, 

439, 548 
Boas 422 
Bodon 612 
Boeri 394 

Bogdanow - Beresowski 

Bohrisch 671 
Boidin 488 
Bokomy 154 
Böllke 460 

v. Boltenstem 77, 103, 
129, 157, 273, 303,331 


Bolton 638 
Bona 265 
Bonfanti 641 
Bönninger 65, 211 
Borissow 458 
Bomstein 208, 668 
Borobio 206 
Borrino 67 
Botella 257 
Bovanti 491 
Bozzolo 578 
Bramwell 454 
Brandenburg 14 
Brauer 350 
Braun 92 
Bräuning 409 
Breuer 70 
Brick 423 
Brion 204 
Briz 259 
Broadbent 637 
Brown 206, 327 
Brugsch 207 
Brfining 18, 97 
Brunner 10 
Bucco 381 
Buch 379, 446 
Büchner 676 
Bukoemski 183 
Bunge 245 
Burd 573 
Burchard 145 
Burckhardt 16 
Börger 384 
Burg! 520 
Bunan 434 
Burker 69. 459 
Busse 485 
Buttenberg 669 
Buttersack 383 


C 

Cagnetto 454 
Cahen-Brach 179 
Calabi 91 
Calderone 372 
Calvert 242 
Calvo 146, 213 
Campbell 355 


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IV 


Campo 349 
Canney 638 
Cantlie 637 . 

Carini 98 
Carter 205 
Caspari 100 
Castelain 426 
Castellvi 44 
Catiera 99 

Cavaillon 13 (u. Patel) 
Chauffard 488 
Chlopin 264 
Cholzow 324 
Christian 385 
Citron 676 

Clemm, W. N. 1, 295 
Clerc 426 

Cohnheim 116, 204, 518 
Collins 453 
Conradi 444 
Corner 449 
Coulon 46 
Croftan 321 
Crozer-Griffith 15 
Cseri 577 
Csikös 575 
Csillag 552 
Cukos 577 
Cumston 326 
Curschmann 201 


D. 

Dakin 387, 388, 431 
Dapper 477 
Debove 381 
Debromyslow 114, 116 
Decker 578 
Deleau 516 
Deleito 263 
Delektorsky 574 
Delius 12 
Demidow 404 
D’Erailio 555 
Derlin 543. 673 
Derome 240 
Detre 429 
Deutsch 552 
Dienst 382 
Dietsch 349 
Döbeli 423 
Dobromvslow 20 
Dohan 206 
Doktor 577 
Dombrowski 117 
Donath 207, 517 
Donati 544 
Dom 96 

Dörpinghaus 353 
Doyou 491 
Drevfus 328 
Duflocq 11 (u. Voisin) 


Duncan 637 
Dunham 415 
Durän 665 


E. 

Ebstein, W. 92, 445 
Edel 425 

Edlefsen 96, 115, 178 
Ehrlich 397, 403 
Einhora 379, 488 
v. Eiseisberg 398 
Eisberg 326 
Elsner 636 
Embden 413, 611 
Engel 430, 443 
Engelmann 27 
Engels 457, 521 
England 241 
Erb 447 
Erben 153 
Erdheim 243 
Erdmann 201, 324 
Erdnyi 666 
Erae 479 
Eschbaum 676 
Esdely 523 
Estape 205 
Esteban 17 
Ewald 177, 295, 482 
Exner 47 


F. 

Faber 406 
Fabozzi 15 
Fackas 612 
Fairbank 449 
Falkenstein 257 
Falta 36, 413 
Faltin 121 
Farkas 492 
Farasteiner 669 
Faust 393 
Federmann 41, 401 
Feinberg 343 
Fiebiger 71 
Fiedler 204 
Figueira 486 
Fitimowski 118 
Fink 667 

Fischer 21, 575, 641 
Fischl 175 
Fischler 247 
Flade 297 
Folin 214 
Fraenkel 200 
Frank 296 
Frankenhäuser 213 
Franz 49 
French 444 
Frenkel 204 


Freudenthal 477 
Freund 390 
Fricker 291 
Fried 579 
Friedenthal 71 
Friedjung 665 
Friedländer 99 
Fuld 68 
Fürst 297 
Fusari 415 


O. 


de Oaetano 571 
Oagitidse 97 
OaTdi 48 


Oanghofner 494 
Oarratt 667 
Gatin-Grazewska 
496 

Geelmuyden 356 
Oerasheim 419 
Oiardoni 91 
Gielen 244 
Oil y Ortega 381 
Gilardoni 294 
Gilbert 179, 180 
Gildersleeve 455 
Githens 555 
Glaessner 100,151, 
350, 353 
Glagolew 154 
Gldnard 120 
Glinski 122 


495, 


182, 


Glogner 421 
Gmelin 493 
Gnezda 96 
Gockel 376 
Qodart-Danhieux 121 
Ooebel, W. 95 
Ooldmann 93, 428 
Goliner 427 
Oolubinin 604 
Gordon 357 
Gottstein 267 
Oouraud 25, 352 
Grad wohl 205 
Graff 264 
Gratschoff 667 
Graul 148 
Orawitz 427 
Greene-Cumiton 14 
Orehant 424 
Grenet 263 
Grober 354, 494, 543 
Grober 214 
Grohe 20 
Grube 405 
Gutmann 400 


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V 


H. 


Haas 12, 145 
Haeberlin 43, 514, 516 
Haensel 124 
Haffner 485 
Hager 553 
Ha&sz 571 

Hall 8, 245, 391, 422, 
661 

v. Hansemann 58 
Hardicti 457 


Harrigan 444 
Harris 433, 465, 466 
Hart 179, 205 
Hartmann 400 
Hartz 348 
Hawkins 638 
Hedrich 210 


Hefftcr 215, 393 
Heichelheim 420, 446 
Heim 582 
Heinemann 208 
Heinike 456 
Heinsberg 465 
Heinze 122 
Hekma 432 
Helly, C 21 
Hempel 671 
Hengge 207 
Heim 440 
Hersman 322 
Heizen 399 
Herzog 387 
Hetsch 90 


Heubner 48 
Hewlett 49, 639 
Heymann 355, 523, 607 
Hildebrandt 418 
Hirschbruch 267 
Hirschfeld 375 
Hochhalt 579 
Hofer 357 


Hoffmann 125, 349 
Hohlbeck 513 
v. Holst 674 
Hornberger 425 
Honigmann 420 
Hoppe-Seyler 515 
Hotz 18 
Houzel 14 

Hubermann 396, 397, 
403 

Hübner 290 
Hutchinson 240 
Hüter 199 
Hwetson 239 


v. I)ly& 580 
Ingnatowski 518 


Inouye 151, 377 
Isaax 415 
Ito 257 


J. 

v. Jacksch 22 
acobson 16 
affl 175, 349 
>gi6 409 

, akuschewitsch 672 
aßninger 526 
ehle *2 
iro 356 
oachim 378 
'oannovics 120 
] odlbauer 406 
ohnsohn 327 
. olles 439 
onas 39 

; ones 354, 414, 519 
, ung 375 
'uouye 414 
' firgens 479 
' ustus 460 


K. 

Kaiserling 150 
Kalbe 352 
Kämmerer 478 
Kanger 100 
Kansky 120 
Kaposi 491 
Kareff 491 
Karewski 348 
Katzenstein 12 
Kaufmann 19, 378 
Kayser 204 
Keith 445 
Kelling 373, 377 
Ker 639 
Kertlz 481 
v. Kltly 553 
Kisby 462 
Kisch 371 
Kitaew 169 

Klienebeiger - Oxenius 
394 

Klimenko 581 
Knauer 495 
Knopf 37 
Kobert 28 
Koch 296 
Kochmann 60 
Kohl 604 
König 382, 390 
Köpke 458 
Korablew 407 
Korbuly 612 
Körmöczi 526, 551, 675 
Korn 375 


Komdörfer 464 
Körner 196 
Korowidd 99 
Kossel 387, 388, 431 
Kotake 674 
Köttlitz 116 
Koväcs 489, 553 
Kövesi 550 
Kowalewsky 518 
Kramer 446 
Krassnobajew 56 
Kraus 210, 265 493 
Krause 172, 215 
Kredel 59, 202, 422 
Kreidl 69 
Kreuter 453, 575 
Krogius 293, 455, 664 
Krömer 665 
Krompecher 582 
Krüger 459 
Kiylow 441 
Kuchterin 407 
Kuhn 423, 482 
Küllmann 409 
Kutscher 674 
Kuttner 243 


L 


Labbö 26 
Laisney 17 
Lalou 440 
Landsberg 393 
Landsteiner 409, 517 
Lang 299 
Lange 428 
v. Lange 20 
Langemak 245 
Langstein 411 
Lauger 494 
Lauterbach 96 
Lec&ne 441 
van Leersum 23, 418 
Lefövre 609 
Lemierre 259 
Lenander 480 
Lendich 669 
v. Lengyel 614 
Lentz 148 

Lereboullet, P. u. Gil¬ 
bert, A. 179, 180 
Leschziner 126 
Lesnöe 416, 462 
Lesser 154, 416 
v. Leube 417 
Leuchs 497 
Levaditi 493 
Levene 389 
v. Leyden 27 
Lieblein 114, 572 
Ueremberger 95 
Lindemann 517 


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V! 


Lindquist 547 
Unser 357, 392 
Uvingston 322 
Locb, A. 69. 379 
Loening 196 
Loewenheim 671 
Löwenstein 671 
Loewy 69, 438 
Lohnisch 267 
Lohrisch 417 
Lommel 387 
London 64 
Lorand 27, 114, 256 
Lossen 37 
Lübbert 96 
Ludewig 242 
Lüdke 548 
Luis y Yague 57 
Lumiere, weil u. P6hu 
12 

Lüthje 16, 70, 390 
Luzzatto 602, 611, 612, 
671 

Lyon 487 


Maass 481 
Macaggi 90 
Madc434 
Mackenzie 638 
Madelung 296 
Magnus 410 
Magnus-Levy 206 
Makara 544 
Malnikow 291 
Mandelbeig 115, 292, 
516 

Mandl 69 
Mangelsdorff 147 
v. Manteuffel 212 
Mariani 95 
Markwald 422 
Mathieu 327, 343, 344, 
346, 351, 396, 480 
— u. Roux 374 
Matthes 26, 461 
Mayer 9, 412, 467, 499, 
527, 587, 615 
Maximow 13 
Mayo 172 
Mazzeo 15 
Mc. Callum 552 
Mc. Cr me 638 
Meinertz 676 
Meitzer 375 
Meminya 97 
Du Mensil de Roche- 
mont 41 
Mertens 352 
Mesnil 46 

Metalnikow 464, 493 


Metzger, L 117, 423 
Meunier 603 
Meyer 154, 155, 350, 
378, 483, 640 
M’Gufere 202 
Michailow 578 
Michaud 525 
Micko 210, 434, 435 
v. Mikulicz 56, 62, 210 
Miller 209 
Minet 488 
Mitscherlich 676 
Miyasaki 90 
Momer 412, 519 
Mohr 371, 439 
Moll 23, 24 
Mond 384 
Montafia 572 
Moor 46 
Moore 176, 638 
v. Moraczewsld 359, 412 
Morawitz 386, 403 
Mori 201 

Moriceau Beauchant u. 

Besonnet 14 
Moritz 441 
Moszkowicz 603 
Mosse 65 
Moullin 173 
Moynihan 171 
Mudd 455 
Muguai 573 

Müller 66, 200, 438, 440, 
517, 673 
Muraschew 386 
Murray, L 323 
Muscatello 546, 575 


N. 

Nägeli 401 
Nammack 90 
Nandelstedt 290 
Necker 263 
Neguera 208 
Nehrkom 43 
Nenninger 91 
Neubauer 413 
Neuberg 388 
Neumann 203, 294, 676 
Newman 638 
Nicolaier 517 
Nikoljski 42, 91 
Nikonow 174 
No4 462 

v. Noorden 8, 419 
Nürnberg 24" 

Nyström 295 


O. 

Obrastzow 219 


v. Oefele 168, 677 
Oelschlager 343 
Oppenheim 59, 148, 260 
Oppenheimer 353, 412 
Oppler 209 
Orbeli 63 
Orgler 462 


Osborne 433, 465, 466 
Oswald 214, 297, 424, 
496 


Otori 146, 674 
Ototzkaja 264 


P. 

Pal, J. 10, 147 
Palmer 327 
Pankow 351 
Paoli 549 
Paratschuk 640 
Pariavecchio 546 
Partridge 519 
Pascale 574 
Pasquier 345 
Patel 13 (u. Cavaillon) 
Pauli 266 
Pawlow 640 
P6hu, Weil u. Lumiere 
12 

Pel 350 
Pendl 259 
Plrez 349, 549 
Perlin 23 
Perimann 421 
Perman 663 
v. Pesthy 146 
Petit 516 
Petitte 97 
Petrassewitsch 401 
Pfaff 71 
Pfannkuch 579 
Pfeiffer 68, 491 
Pflüger 435, 496, 662 
Pfuhl 556 
Pierson 9 
Pietzkowski 396 
Pilcher 486 
Pilzecker 355 
Pirone 94 
Pittaluga 359 
Pi y Sufier 465 
Plitek 373 
Plotnikow 124 
Pohl 465 
Popielski 66 
Popper 19 
Portier 672 
Posner 425 
Potier 170 
Poulsson 390 
Pratt 49 
Preis 323 


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Vll 


Preisich 13 
Prdsick 582 
Presta 259 
Preuß 115 
Piivost 241 
Pröbsting 422 
Prölß 419 
Piym 556 
Pupkin 430 


Q. 

Quinan 429 
Quintana 547 


R. 


Raaf 428 

PftCT iflQ 

Raehlmann 125, 407 
Rau 664 
Ravaut 488 
Rehn 176 
Reich 177 
Reichel 610 
Reichenbach 298 
Rein 407 
Reinach 170 
Reinbach 43 
Reismann 557 
Reiß 359, 641 
Reiter 171 
Reitter 149 
Remy 241 
Renner 398 
de Renzi 394, 662 
Reuterskiöld 549 
Reuz de Rlthony 577 
Revol 373 

Ribadau und Dumas 441 
Ribbert 24 

Richartz 201, 420, 478 
Richet 416, 462 
Richter 463, 526 
Riebold 447 
Riedel 12, 517 
Riegler, E. 98, 126, 614 
Riehl 203 
Rieß 387 
v. Ritter 576 
Robin 402 
Rochard 479 
Rogovin 26 
Ronmann 215 
Rokitzlri 121 
Rollin 666 
Rona 640 
Roos 465 
Rose 66 
Rosenau 181 
Rosenbaum 98 


Rosenberg 262, 353 
Rosenfekf50, 665 
Rosenheim 380 
Rosenstein 426 
Rosenthal 360 
Rostowzew 58 
Rotelia 381 
Roth 125 
Röth-Schulz 550 
Rothschild 39 
Rotondi 211 
Roux 327, 343, 345, 346, 
351 

Rowell 321 
Rubner 296, 520 
Rudaux 15 
Ruderk 675 
Rudich 663 
Rudinger 39 
Rfichel 49 
Rumpf 246 
Runge 243 
Runyon 323 
Rydygier 118 
Rzentkowski 358, 377, 
524 


S. 

261 

Idn 430, 518 
Salazär 665 
Salkowski 432, 439 
Salomon 296, 611 
Salus 558 
Salvatore 98 
Salvendi 425 
Samberger 406 
Samengo 14 
Samoilowicz 454 
Samter 114 
Sandberg 39 
Sandelm 175 
Sandwith 637, 639 
Sanz 122 
Sarabia 206 
Sarbo 554 
Satta 613 
Sauerbruch 59 
Saundby 239 
Saxl 66 
Sdpiades 492 
Segale 442 
Seidelin 513 
Seilei 429 
Selter 453 
Sematzki 119, 480 
Senator 213, 463, 526 
Sentenoni 678 



Shibata 328 


I Sick 385 
Sidorenko 293 
Sieber 464 
— -Schumowa 22 
Siegel 93, 264, 347, 350 
Siegfried 672 
Sievert 399 
Sihle 70 
Simtfek 66, 67 
Simon 50, 71, 355, 417 
de Simoni 544 
Singer 125, 126 
Sinjuschin 397 
Sinnhuber 462 
Sippel 383 
Siven 199 
Skraup 433 
Skutezki 480 
Snegirew 56 
Soetbeer 60 
Sonnenschein 203 
Soxhlet 97 
van Spanje 376 
Speck 607 
Sperling 380 
Spiethoff 430 
Spiro 610 
Spitta 49 
Sprengel 545 
Ssawin 322 
Ssa witsch 21 
Ssinjuschin 325 
Ssirotinin 294 
Stoklasa 67 
Stuart Rose 122 
Stukkey 119 
Sugg 557 
Surmont 426 
Szana 607 
Szlkely 18 
Szenes 570 
Szigagyi 608 
Szuoo 544 


Sek. 

Schaudinn 513 
Sdiaumann 547 
Schdanow 405 
Schenk 410 
Scheschninzew 153 
Sdieven 382 
Schiedbeck 523 
Schilling, Fr. 20, 31,181, 
187, 478, 525, 559, 606 
Schirkow 327 
Schittenhelm 226, 432, 
435, 461, 613 
Schkarin 8 



Schmidt 96, 464, 512 
11 



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Schmidt-Nielsen 328 
Schmiedlechner 492 
Schmilinsky 182 
Schmoll 525 
Schön 572 
Schöndorf 662 
Schostak 61 
Schtschegelow 651 
Schüddng 394 
Schöle 404, 415 
Schütz 292,355, 448,493 
Schütze 386 
Schulze 388 
Schümm 551 
Schupfer e de Rossi 381 
Schwarz 65 
Schwenkebecher 455 
Schwer 267 


St 

Stande 197, 497 
Stauder 196 
Stein 517 
Stembo 16 
Steudel 414 
Stoklasa 213 
Stolte 50 
Strasburger 182 
Straub 460 

Strauss 38. 203,258, 389, 
419, 486 
Stuparich 348 


T. 

v. Tabora 199, 433 
Tallquist, F. W. 512 
Tangl 609 
v. Tappeiner 408 
Tarrueila 259 
Teleky 258. 372 
Teschemacner 94, 371 
Therman 370 
Thoenes 181 
Thoma 478 
Tietz 148 
Tintemann 266 
Tischner 241 
Tobler 449, 605 
Tollens 435 
Tooth 638 
Torres 545 
.Töth 424 


Townson 170 
Toyokichi 556 
Traina 183 
Trnka 573 
Trolldenier 19 
Trommsdorff 442 
Tschermak 123 
Tschisch 292 
Tsuzuki 90 
Türk 61 
Tupper 119 
Turri 547 


U. 

Ugrjumow 522 
Urrutia 573 
Uiy 152, 390 
Utz 669 


V/ 


Vaillard u. Dopter 11 
Valentine 174 
del Valle 549 
Vandamme 113 
Vandervelde 557 
Vannini 437 
Var gas 259 
Vas 581 


Vejnx-Tyrode 71 
Veszprömi 558 
Villanova 607 
Villaret 57 
Vincent 178, 609 
Vogel 349 

Voisin 11 (u. Duflocq) 
Voit 425, 521 
Volhard 150, 181, 611 
Vollbracht 513 


W. 

Wachholz 96 
de Waele 557 
Wagener 43 
Wagner 198, 260, 549 
Wackerhagen 455 
Waldvogel, R. 266 
Wallace 451 
Weber 243, 324 
Wehner 457 
Weil 426 


— Lumifere u. P4hu 12 
Weinberger 296 
Weiss 151, 636 
Wentzld 676 
Wenzel 662 
Wemicke 296 
Wesselkin 416 
Widal 259 
Widstrand 678 
Wiesinger 514 
Wiggin 177 
Wilms 118, 450 
Winselmann 604 
Winterberg 93 
Winternitz 209 
Winterstein 389 
Wladimiroff 603 
Wlassow 460 
Wohlgemuth 389, 672, 
673 

Wolff 205, 393, 439, 671 
Wollenberg 17 
Wolter-Pedcsen 197 
Woolsey 484 
Wright 639 
Würtz 19 


X. 

Xalabander 63 


Y. 

Yamasaki 486 
Yokota 418 


Z. 

Zachrisson 60 
Zaitschek 610 
Zangemeister 352 
Zauay 426 
Zeidler 261 
Zesas 44, 61 
Ziegler 421 
Ziffer 608 
Zimmermann 582 
Zink 669 
Zinn 13 
Zlodsti 265 
Zuelzer 440 
Zufiiga 63 
Zweig 146 
Zyplan 243 


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Sacb-R*gtst*r< 


A. 


Abführmittel 552 
Acetonbildung 613 

Acetongehalt der Organe im Koma 356 
Acetonurie 9 

Achilles-Sehnenreflex. Bedeutung des 
554 

Achylia gastrica 636 

-u. Hypochylia, Behandlung mit 

Salzsäure 446 
Addose 9, 440 

Acromegalie u. Hypophysistumor 454 
Adipositas dolorosa 455 
Adrenalingiykosurie u. Heber 245 
Aerophagie 344, 396 
Agglutination bei Autoinfektion 548 
Agglutinine 125, 385 
Alaninfütterung 413 
Albumine, ultramikroskopischer Nach¬ 
weis der 125 

Albuminumwandlung in Olobulin 24 
Albuminurie 425 

— febrile 16 

— orthotische 16 

Albumosenlösungen, koagulierende Wir¬ 
kung autolytischer Organextrakte auf 
24 

Albumosen im Blut 412 

-Sputum 71 

Albumosennachweis 390 

— in Fäces 152 
Albumosurie 63 
Alkaptonurie 413, 551 
Alkohol 297 

— -Gehalt der Organe 393 
Alkoholismus, chronischer 245 
Alkylsynthese nach Thiohamstoffauf- 

nahme 465 
AUantoin 439 

Alloxurkörper bei Leukämie 48 
Aminosäuren, im Ham 518 

— Nachweis 613 

Ammoniakinhalation, Zwerchfellläh¬ 

mung nach 70 
Amöbenenteritis 513 
Anämie, Blutklysmen bei 95 

— Levicowasser bei 95 

— Therapie 427 
Analfistel s. Rektumfistel 


Anchylostomanämie 381 
Anchylostomalarven, Einwanderung von 
513 

Angina pectoris, biliäre 180 
Ankylostomiasis 13, 93, 424 
Anorexie 115 

Antikörper bei Anämie 443 

— u. Stoffwechsel 673 
Antitoxinbildung bei Autolyse 431 
Anus, Fissur des 12 

— Venen des 14 

Appendidtis 11, 57, 58, 118, 174-177, 
201, 259, 260, 295, 348, 401, 422, 444, 
454, 480, 545, 574, 603, 663, 664 
Appendix, Blutkörperchenzählung bei 
201 

— -Behandlung 12 

— bei Tieren 201 

— Fremdkörper im 205 

— Karzinom des 455 

— Hernie des 58, 325 

— Leukozytose bei 41 

— Myxofibrom des 574 

— Pseudodivertikel des 403 

— Topographie des 118 

— Tubenoilose des 401 
Arginase 388 
Amicadermatitis 552 

Arsenik, Vorkommen dess. im Körper 
442 

Ascariden 547, 573 

Asdtes, Behandlung des hepatischen 
180 

— milchiger 205 
Asparagin 432 

Atemtypus Cheyne-Stokes u. Ku߬ 
maul bei Koma u. Urämie 445 
Atropin u. Morphin 428 
Auslniltationsperkussion, Wert der 553 
Autointoxikation 487 
Autolyse 389, 493 

— des Magens verhinderndes Antipep¬ 
sin 124 

Autolytische Fermente, Herkunft 461 


B. 

Bäder, Wirkung der gashaltigen 213 
Bakterium coli-lnfektion 424 


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X 


Bakterium, typhi u. coli, Einwirkung 
des Koffeins auf 125 
Balantidium coli 402 
Baldrianpräparate, Veränderlichkeit der 
60 

Bandwurmkuren im Kindesalter 576 
Bantische Krankheit 579 
Bauchaorta, Aneurysma der 242 
Bauch, Stimmfremitus am 149 
Bauchhöhlendrainage 176 
Bauchkrisen der Tabiker 10 
Bauchorgane, Entfernung der 394 

— Dislokation der 577 
Bauchverletzung 327, 549 
Bence-Jonesscher Eiweißkörper 517 
Bienenmotte, Ernährung u. Verdauung 

464 

Bilharzia-Krankheit 95 
Biliäre Angina pectoris 180 
Bismutose 204, 457 
Bitterstoffe u. Verdauung 458 
Blasenstein u. Blasenperforation 206 
Bleivergiftung 488 

Blinddarmblatiung bei Dickdarmver¬ 
schluß 260 
Blut 273, 303 

— Albumosen im 412 

— Aminosäuren im 389 

— -Bestandteile, mikroskopisch sicht¬ 
bare 407 

— der Kaltblütler, Spindelzellen im, u. 
Blutplättchen der Säugetiere 387 

— Eiweißbestimmung im 389 

— -Erkrankungen 243 

— -Extrakte, Giftigkeit der 430 

— Fettgehalt des 246 

— Fibrin des leukämischen 492 

— -Oerinnung u. Blutplättchen 459 

— -Oerinnung u. Oelatine 481 

— -Oerinnung u. Leberausschaltung 
491 

— -Oerinnung u. Leukozyten 459 

— in den Fäces 378 

— mutteri. u. kindliches, Biologisches 
Verhalten des 410 

— u. Kastration 70 

— Viscosität des, bei Schwitzproze¬ 
duren 387 

Blutegel, wirksamer Stoff des 49 
Blutgefäßdrüsenveränderungen und Dia¬ 
betes mellitus 27 
Blutgerinnung 48, 49, 68, 69 
Blutkörperchen, rote 460 

— -Zahl, physiologische Orenzen der 23 
Blutnachweis 298, 359 

— im Erbrochenen u. in den Fäces 182 
Blutplättchen 69 

Blutserum, diastatische Fermente des 
491 

— Konzentration des 492 
Blutserumdiastasen u. Antidiastasen 641 
Blutuntersuchungen 675 


Blutveränderungen, Verhalten gegen¬ 
über organischen Verbindungen 359 
— nach thermischen Reizen 99 
Blutzucker bei Aderlaß, Bauchhöhlen¬ 
eröffnung, Nierenausschaltung u. 
Diuretindiabetes 68 
Botriocephalus 547 

Brenztraubensäure bei ProteTnspaltung 
412 

Bromstoffwechsel bei Epilepsie 155 
Bruchsack, Nähnadel im 14 
Burzeldrüse, Sekretbildung der 215 


C. 

(s. auch unter K.) 


Cancroin bei Krebs 93, 421 
Cardiospasmus 56 
Cellulosebestimmung 417 
Cerebrospinalflüssigkeit 267 
Chemie/physikalische, neuere 


Metho- 


Chlorausscheidung u. Verdauung 66 
Chloridbestimmung 100 
Chlorose 206 

— Protylin bei 327 

— Stoffwechsel bei 437 
Cholämie (familiäre) 179 
Cholalsäure u. Cystinurie 355 
Cholecystitis, bei Gravidität 15 

— experimentelle 204 
Choledochusverschluß 667 
Cholelithiasis 94, 205, 326, 405, 423, 

516, 578 

— Behandlung der 1, 43 

— Entstehung der 483 

— u. hypertrophische Lebercirrhose 381 
Cholera, Diagnose der 90 
Chromidrosis, Bakteriologie der 442 
Chymosin, Wirkung der Kadiumstrahlen 

auf 328 


Citarin 145, 419 

Coecum, Gefährdung des, bei Darm¬ 
verschluß 575 
Colitis septica 178 

— membranacea 349 

— ulcerosa, Behandlung der 43 
Cystenniere 205 

Cystin im Tierkörper 50 

— Spaltungsprodukte des 519 


D. 


Darm-Adenokarzinom 119 

— -Anastomosenbildung 261 

— -Atresieen, kongenitale 453 

— -Ausschaltung 13 

— -Bakterien, Bedeutung der 182 

— -Blutungen 400 

— -Eingüsse 666 
-- -Flüssigkeit 417 


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XI 


Darm-Funktionsprüfung des 212 

— -Gase, Bedeutung für Tierkörper 463 

— -Inkarzeration, Irierapie bei 13 

— -Invagination 59, 92, 202 

— -Knopf 119, 120 

— Lymphatischer Apparat des 523 

— Nadel im 240 

— -Schmerzen 177 

— -Schutz gegen Fremdkörper 440 

— -Sonden 323 

Darmkanal, Impermeabilität des 212 
Darmperforation 240 
Darmresektion 575 
Darmstenose 91, 328, 575 
Darmtuberkulose 42, 157 
Darmtumoren 177 
Darmwand, Durchgängigkeit 587 
Dauerhefe 210, 215 
Dauermilch 669 
Dentitio diffidlis 544 
Desamidierung 299 
Diabetes u. Akromegalie 256 

— u. Ohrenkrankheiten 570 

— insipidus 517, 543 

— mellitus 36, 113, 114, 168, 196, 197, 
290, 291, 321, 370, 371, 635, 662, 663 

-Blutgefäßdrüsenveränderung bei 

27 


-Djoeat bei 477 

-Haferkuren bei 8 

— Xanthoma 543 
Diät, vegetarische 243 
Diätetik. Grundzüge der 27 

— der Epilepsie 428 
Diaminopropionsäure 412 
Diarhoe, Behandlung 93 

— bei Kindern 404 

— kindliche, Oelatinetherapie 12 
Diazoreaktion 678 

— bei Chloroformnarkose 25 
Dickdarm, Erweiterung des 422 

— Karzinom desselben 148 

— Katarrh des 604 

— Physiologie des 124 

— Untersuchung des 404 
Diphtherie, Urin bei 26 
Diurese 677 
Diuretindiabetes 68 

Ductus thyreo-glossus, Geschwülste des 
243 

Dünndarm s. a. u. Darm 

— -Resorption von stearinsaurem Kalk 
495 

— -Ruptur 348 
Duodenal-Geschwür 172, 573 
Duodenum, Doppelter Klappenverschluß 

am 13 

Dysenterie 11, 91, 422 

— -Bacillen 603 

— bei Kindern 402 

— -Toxin 360 
Dyspeptine 379, 447 


Dyspeptine, Verwendung bei Magen¬ 
kranken 9 


L 


Echinokokkus 296 

— der Leber 516 

— im Becken 577 

— -Flüssigkeit 525 
Ehrlichsche Reaktion 152 
Eiter- u. Exsudatzellen 497 
Eiweiß-Abbau 432, 433 

— -Ausscheidung in den Fäces u. Funk¬ 
tionsprüfung des Darmes. 353 

— -Bestimmung 359 
-im Ham 496 

-refraktometrische 389 

— -Fäulnis im Darm 152 

— -Injektionen, Blutveränderungen nach 
23 

— -Mast 19 
Eiweißkörper 363 

— Biolog. Untersuchung der 672 

— genuine, Resorption 494 

— Schwefelwirkung auf 215 

— u. Blutpräparate 669 

— u. tmmscne Verdauung 353 

— Verdauung der 647 

— -Verdauung 353 
Eklampsie 207, 382, 383 

— u. Urämie 296 
Ektogan 204 
Enteritis 219 

— membranacea 148, 323 

— u. Ascaris mit Ileus 295 
Enterorhoea nervosa 201 
Entfettung u. Eiweißmast 668 
Enzyme 557 

— Amide, spaltende bei Pilzen 328 

— der tierischen Organe 672 

— endozellulare, der Organe 672 
Eosinlösung, Wirkung auf oxydable 

Substanzen 460 

Epinephrin s. Nebennierensubstanz 
Epiploon, Schutzwirkung des 94 
Erbrechen Schwangerer 343, 375, 396 
Ernährung 96—98 

— Orundzüge der 27 

— -Klystiere 327 

— subkutane 19 
Erythrolyse 429, 430 
Erythrocythose 426 
Exodin 92 

Exsudate u. Transsudate, Osmotischer 
Druck der 358 

Extraktivstoffe des Fleisches, Verhalten 
im Tierkörper 520 


F. 

Fäces, Analysen 677 


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XII 


Fäces^ehemfech 6 Zusammensetzung der 

— gelöste Eiweißkörper in den 213,353 

— indolgehalt der 359 

— Purine in den 391 

— Untersuchungen der 126, 267 

— von Säuglingen 453 
Fäulnisbakterien als Ursache chron. 

Verdauungsstörungen 448 

— Biologie der 558 
Fermente 187 

Ferment, proteolytisches u. milchkoa¬ 
gulierendes 640 

— -Reaktion 409 

— u. Lecithin 641 

— Wirkung 610 
Fett, menschliches 673 

Fettgehalt bei Marasmus u. Hunger 183 
Fettgewebsnekrose 205, 263, 484, 485 
Fettige Degeneration, Morphologie u. 
Chemie der 24 

Fettsäuren, Molekulargewicht u. Wir¬ 
kung der 154 

Fettsynthese u. -Degeneration 247 
Fettverdauung 151 

Fibrinferment u. seine Vorstufen, Sped- 
fität des 386 

— -Oerinnung 48, 49 
Fieber, intestinales 381 
Flagellaten im Magen u. Darm 665 
Fleischextrakt 384 

— Bemsteinsäure im 671 
Fleischextrakte, Nutzwert der 520 

— Xanthinkörper der 210 
Fleischkonservierung 247, 298 
Fleisch u. Fleischkonserven - Unter¬ 
suchung 556 

Flexura- u. Kolonkrebs, Diagnose des 
380 

Fluoreszierende Stoffe, Wirkung der 408 
Fremdkörper, verschluckte 452 

Q. 

Galle, bei Phosphor- u. Arsenvergif¬ 
tungen 355 

— u. Fettresorption 182 

— Wirkung aufs Herz 14 
Gallenabfluß u. Hamstoffmenge 153 
Gallenblase-Erkrankungen 326 
Oallenkapillaren, Histologie der 454 
Oallenprobe 439 

Gallenwege, Desinfektion der 423 

— Erkrankung der 482, 483 

— Typhusbazillen in den 548 
Oallogen 12 

Gasabsceß, subphrenischer 149 
Oastralgien u. Koliken 375, 379 
Oastritis phlegmonosa 199 
Oastroenteritis, Behandlung 39 
Oastroenterostomie (Gastroenteroana- 
Stomose) 90, 116, 205 


Gastroptose 56, 116 
Oastrotomie 513 
Oaswechsel u. Hypnotika 154 
Oaumentonsillentuberkulose 257 
Oefäßkrisen der Tabiker 10 
Gefrierpunktsbestimmung der Oewebe, 
bes. der Niere 266 
Gelatine bei kindlicher Diarrhoe 12 
Oenußmittel 297 
Oewebe als Wasserdepots 521 
Oicht, Tophi der Ohrmuscheln 445 

— u. Tuberkulose 445 

— Vegetabilien u. Getränke bei 8, 197, 
257, 636, 661 

Olenardsche Krankheit 577 
Globulin, Albuminumwandlung in 24 
Olykoalbumosen 50 
Glykogen 496 

Glykokoll, Schicksal im Hundorganis¬ 
mus 518 
Glykolyse 98 

— u. Gärung 66, 67 
Olykolytische Enzyme 213 
Olykosurie 145 

— Hamstoffausscheidung bei alimen¬ 
tärer 25 

Olykuronsäure 439 

— -Ordnprobe 418 
Gravidität-lkterusJBO 
Ouanase 519 

Guanidin bei Selbstverdauung des Pank¬ 
reas 674 


H. 

Hämagglutinine, Herkunft u. Wirkungs¬ 
weise der 385 

Hämatokrit, Köppescher, Arbeit mit 
dem 27 

Hämatologie, praktische 512 
Hämoglobin - Gehalt, physiologische 
Grenzen des 23 
Hämoglobinurie 207, 425, 517 

— paroxysmale 16 

— u. Schwarzwasserfieber 96 
Hämolyse 68, 409, 

— u. Peptonblut 49 
Hämolytisches Serum, Einfluß auf Stoff¬ 
wechsel 522 

Hämophilie 443 
Hämo- u. Ferrometerzahl 581 
Hämorrhoiden 422 
— Behandlung der 405 

— im Kindesalter 43 
Haferkuren bei Diabetes 8 
Harn, Eiweiß des 214 
— Fermente im 26 

! — Indigorot im 214 
I — Kalorimetrie des 612 
> — Kreatin u. Kreatinin im 214 


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XITT 


Harn-Resordnprobe 247 

— -Zylinder, Bedeutung der 16 
Harnsäure 432 

— Ausscheidung der 613 

— Bestimmung der 328 

— Löslichkeit des Harns in 126 
Harnstein in der Urethra 352 
Harnstickstoff bei Infektionskrankheiten 

153 

Ham- u. Hamsedimente nach Salizyl 
etc 394 

Harnstoff-Ausscheidung bei alimentärer 
Olykosurie 25 

— -Bestimmung 424, 676 

— -Bildung 431 

— -Menge im Blut kranker Menschen 22 
Hauttalg 392 

Haut- und Nierentätigkeit 358 
Hefe, therapeut. Bestandteil 465 
Hefekur 210 

Hefenextrakte, Xanthinkörper der 210 
Hernia epigastrica 14, 326, 549 
Hernien 380 

— der Kinder 576 

— -Einklemmung 481 

— -Flüssigkeit 381 

— Spontanlösung der 349 
Herudin 49 

Höhen- und Seeklima, Wirkung des auf 
den Menschen 69 
Hodginsche Krankheit 486 
Hopogan 204 

Hühnerei, Fermente im 672 
Hundemagensaft, Verwendung 666 
Hunger, Abnahme des Skeletts u. der 
Weichteile dabei 521 

— Körpereiweiß im 353 

— -Tiere 522 

Hydramnion, Erzeugung des 393 
Hyperaddität 419, 421 
Hyperdilorhydrie 572 
Hyperemesis gravidarum s. u. Er¬ 
brechen 

Hypersekretion 419 

— alimentäre 146 

Hyperthermie, Stoffwechsel bei 357, 463, 
526 

Hypothermie nach Anstrengung 609 


I. 

Ichthoform 93 
Ichthyolidin 197 
Ikterus 120, 577 

— Agglutination bei 548 

— menstrueller 423 

— Pulsverlangsamung bei 14 

— u. Scharladi 61 

— syphilitischer 406 
Ileus 261, 403 

— durch Gallensteine 119 


Ileus, durch Meckelsches Divertikel 
202 

— u. Eserin (Physostigmin) 349, 350 

— u. Strychnin 349 
Immunität Neugeborener 493 
Indikan 439 
Indol-Bestimmung 152 

— -Bildung 50 
Infektion, alimentäre 96 
Inoskopie 526 
Intoxikationen 202 
Intussusception 323 
Isokreatinin 390, 464 


j. 

a odausscheidung im Ham 125 
] odgehalt der Zelle 460 
'odipin- u. Salizylprobe 211 
' odpräparate, Verhalten der, im Orga¬ 
nismus 416 

Jodproben, Empfindlichkeit der 26 
Jodreduzierende Körper im Ham 126 

K. 

(s. auch u. C). 

Käse, Bestandteile des 389 

— tuberkulöser, chemische Zusammen¬ 
setzung des 525 

Kalium, chlorsaures, Vergiftung mit 17 
Kardia, Physiologie der 210 
Kasein, hydrolisiertes, Fütterung mit 640 

— Schwefelgehalt der Veixlauungs- 
produkte des 413 

Kaseinokyrin 672 

Kastration, Einwirkung auf Stoffwechsel 
523 

— u. ihre Folgen 70 

— u. Phosphorgehalt des wdblichen 
Organismus 355 

Katalyse der Fermente 124 
Kleberbrot 663 

Klysmen, Ausnutzung der 390 
Kobragift, Oerinnungshemmende Wir¬ 
kung des 386 
Kochsalzarme Kost 488 
Kochsalzinfusion 552 
Kochsalzlösung, Anwendung der 327 

— physiologische, Ersetzung der 23 
Körpergewicht, Beeinflussung des 488 
Kohlenhydrate, ultramikroskopischer 

Nachweis der 125 

— Wirkung der Oxydationsferraente 
auf 22 

Kohlenhydratgruppe des Serumglobu¬ 
lins, -Albumins u. Eieralbumins 411 

— -Verbrennung 518 
Kohlenoxydgasvergiftung 382 
Kolikschmerzen 450 


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XIV 


Kolitis 219 

Kolloide, Bedeutung der 357 

— u. Immunkörper 409 

Kolon, angeborene Veränderungen des 

— Oangrän 547 

— Volvulus des 546 
Kolonektasie 179 
Kolonkrebs 481 
Koma diabeticum 291 
Konserven 244 
Kreatinin 390 
Kreatinin im Ham 71 

Krebs s. a. unter den betr. Organen 
Krebskranke, Chinin u. Malaria 607 

— Erleichternde Operation bei 604 

— Serumdiagnose des 352 

— Cancroin oei 327 
Kuhmilch, gelabte 170, 209 


L 


Labferment 211 

Längenwachstum, Gesetzmäßigkeit des 

Lävulosediabetes 55 
Laktagol 384, 428 
Laktose u. Galaktose 611 
Leber, Absceß 296 

-nach Dysenterie 350 

-Angiom 578 

— -Atrophie, Aminosäure bei der 388 

— bei pyspeptikem 345 

— -Cirrhose 179, 457 

— -Degeneration 60 

— -Dämpfung, Verschwinden der 349 

— Echinokokkus der 121 

— behandelt mit X-Strahlen 547 

— -Erkrankungen 241, 482 
-Polycythämie bei 61 

— -Kolik 93 

— -Lipase 410 

— Nudeoproteid der 673 

— -Resektion 44, 121 

— -Topographie 120 

— -Veränderungen nach Choledochus- 
unterbindung 441 

-Verletzung 399 

Leukämie 243, 297, 426, 579 

— u. Alloxurkörper 48 
Leukozyten beim Neugeborenen 359 
Leukozytenzählung bei Entzündungen 

176, 177 

Leukozytose bei Appendicitis 444 

— in der Gravidität etc. 351 
Leukotoxine 385 

— über natürliche u. künstlich erzeugte 
385 

Levuretin 210 

Linea alba, Anatomie der, u. Hysterie 
665 


Lipase der Leber 410 
Upomatosis 371 
Lipurie 17 
Lithotripsie 580 
Lymphadenie 263 

Lymghdrfisen bei Infektionskrankheiten 

Lymphomatöse 426 
Lymphozyten 460 
Lysolvergiftung 428 


M. 

Magen-Aufblähung, Apparat zur 181 

— bei Magensaftfluß 9 

— -Bindegewebe 57 

— -Blutung 396, 400 
-aneurysmatische 375 

— -Karzinom 116, 397, 398, 420 

— -Chirurgie 398 

— -Darmchirurgie 573 

— - -Erkrankungen, syphilitische 559 
--Kanal, Anatomie des kindlichen 

47 

-bei Anämie 406 

--Krankheiten bei Säuglingen 10 

-u. Kochsalzinfusion 293 

--Rupturen 59 

-Stenosen 376 

— -Diagnostik 146 

— -Erkrankung u. Tetanie 39, 420 

— -Erweiterung 421 

— -Funktion 374, 377 
-Bestimmung der 703 

-u. chlorreiche bezw. -arme Er¬ 
nährung 609 
-u. Fett 294 

-u. physikalische Heilmethoden 294 

— -Geschwür 171-173, 198, 293, 544 
-u. Krebs 259 

— -Orenze, Bestimmung der 399 

— -Husten 373 

— Inhalt bei älteren Individuen 513 

— -Kapadtätsbestimmung 376, 377 

— -Krankheiten mit Aig. nitric. behan¬ 
delt 292 

-Magensaftmedikation bei 9 

-u. Schimmelpilze 478 

— -Krisen der Tabiker 10, 147 

— Lymphsystem des 397 

— Milcnsäuregärung im 39 

-Motilität, Abhängigkeit vom Säure¬ 
gehalt 378 

-Bestimmung der 211 

-derselben durch Jod 377 

— Milzbrandbazillose des 512 

— -Neurosen 169 

— -Perforation, Ätiologie u. Chirurg. 
Therapie der 10 

— -Peritonitis, Ätiologie u. Chirurg. 
Therapie der 10 


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XV 


Magen-Saft 150, 556 

-Fluß 38, 239 

--Gewinnung, Apparat zur 181 

--Medikation bei 9 

--Untersuchung 181, 182 

— -Sarkom 57, 116. 199 

— Schicksal von Salzlösungen darin 514 

— -Schmelz, arteriosklerotischer 446 

— -Sekretion 65, 493 

— Sensibilitätsneurosen des 198 

— -Sonde bei Kindern 8 

— -Sonden, Sterilisierung der 117 

— -Spülflüssigkeit, N-Genalt der 400 

— -Störungen bei Tuberkulose 345, 346 

— -Symptome bei Migräne u. Epilepsie 

— -Syphilis 545 

— u. Herzneurosen 572 

— -Verdauung 124 

—Verdauung u. Blutentziehung 64 
-u. Kochsalz 211 

— -V eren^erungen, narbige, Behandlung 

— -Verietzui 


— -Verletzung 399 

— -VolvulusÄ9 
Magnesiumsuperoxyd 93 
Malaria 551 


Mastkuren 208, 209 
Meckelsches Divertikel 118, 403 
Medikamente, Zersetzung der 557 
Mesenterialgefäße, Embolie der 424 
Meteorismus 148 

— u. Leberlage 59 
Metrotoxin 394 
Migräne 351 
Müdi 428, 669, 671 
—Bildung 418 

— -Diät 489 

— -Enzym 557 

— Fettubeigang in die 97 

— für kranke Säuglinge 18 

— -Gerinnung 154 

— Kuh-, Physikal.-chem. Untersuchung 
der 18 

— koagulierende Wirkung autolytischer 
Organextrakte auf 24 

— -Reaktion 360 

— Schutzstoffe der normalen 410 

— -Sekretion, Steigerung der 17, 265 

— -Verdaulichkeit nach Labgerinnung 

— -Verdauung u. Fermente 610 

Müz, bei Infektionskrankheiten u. Gastro¬ 
enteritiden 407 

— Funktionsmechanismus der 21 

— -Tumor 121 

— u. Pankreas 556 

— -Zerreißung 121 
Möller-Barlowsche Krankheit 15 
Morbus Basedowii 243 

-operative Behandlung 486 

Morphium-Glykosurie 612 


Morphium u. Peristaltik 441 
— -Vergiftung 46 
Myxödem 44, 206, 427 


N. 


Nährboden für Amöben 267 

— -Klysmen 98 

— -Piiparate 208, 264 
-Phosphorgehalt der 264 

— -Zucker 18 

Nahrung, Ausnutzung der 390 

— u. Blut 555 
Nasenrachenpotypen 571 
Naturforscher- u. Ärzteversammlung 583 
Nebennierensubstanz 360 
Neugalenismus u. Haigs Lehre 206 
Niere, Ausscheidungsvermögen 525 
Nierendiagnostik u. Ureterkatheterismus 

580 

Nieren-Durchblutung 70 

— -Entlastung durcn Schwitzen 486 
Nierenentzündung 425, 426, 550 

— -Diagnostik 424 

— akute, Eisbehandlung bei 16 

— -Extrakt bei 63 

— Vegetabilien u. Oetränke bei 8 
Nierenexstirpation, Hyperchloruration 

Nieren-Fettextrakte, Lecithingehalt der 
415 


— -Funktion nach Nephrektomie 606 

— -Syphilis 96 

— u. Salizyl 207 

— -Untersuchungen, chemische 462 
Nukleinsäure 391, 414 

— Schicksal der ins Blut gebrachten 461 
Nudeoproteide 67 

— Autolyse der 414 


0 . 


Obstipation 451, 547 

— Behandlung 12 
Oesophagotomie 572 
Oesophagus bei Kindern 8 

— Dilatation des 116, 373, 396 

— -Divertikel 291, 447, 478 

— -Drüsen 122 

— -Erkrankungen 197 

— -Erweiterung 37 

— -Fremdkörper im 114, 257 

— Karzinom des 239, 292 
-Kompressionsstenose 373 

— -Operationen 321 

— Physiologie des 210 

— -Plastik 115 

— -Resektion 114 

— Striktur des 292 

—- Verätzung des 258, 372 
Opiumvergirtung 46 


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XVI 


Organgewicht. Verhältnis des, zum Ge¬ 
samtgewicht 521 
Osmose 440 

Osmotischer Druck, Bestimmung mit 
dem Differentialtensimeter 71 
Oxalsäure-Ausscheidung u. Gtykosurie 
662 

Oxydasen des Speichels 327 
Oxydationsfermente, Wirkung der, auf 
Kohlehydrate 22 


P. | 

Pankreas, aktivierende Substanz des 518 

— -Blutungen 204, 549 

— Chirurgie des 62 

— Cysten des 241, 351 

— Erkrankungen des 484 
-Organtnerapie bei 350 

— -Exstirpation, Fütterungsversuche 
nach 611 

— Karzinom des 15 

— -Saft 66, 151 

— -Sekret, Absonderung des 21 

— -Steine 61, 351 

— Strukturveränderungen des 21 

— u. Diabetes 515 

— u. Fettnekrose 578 
Pankreatitis 514 

— kindliche 454 
Paralyse, satumine 516 
Paramidobenzaldehydreaktion 678 
Paratyphus 11, 444, 445, 479 
Pellagra, Opotherapie der 62 
Pemphigus des Rachens u. Rektums 477 
Pentosurie 146, 371, 602 

Pepsin, Hemmung des durch Salze 355 

— -Bestimmung 150, 249, 378, 611 

— -Drüsen, Bedeutung der 20 

— -Sekretion 387 

-Geschwindigkeit der beim Hunde 

387 

-u. Vagus 63 

— u. Salzsäure 354 

— -Wirkung 415 

Peptonblut, Hämolyse u. Bakteridde 49 
Pepton in Pflanzen 434 
Perforationsperitonitis durch Askariden 
205 

Peritoneum, Resorption desselben u. 

Adrenalin 47 
Peritonitis 423, 514 

— perforativa 514 

— tuberculosa 44, 181, 241, 549 

— zur Ätiologie u. Chirurg. Therapie 
der 10 

Phagozytose u. Leukolyse bei Infektion 
aer Bauchhöhle 183 
Phalanx, tuberkelähnliche Bazillen im 

Phloridzin-Ausscheidung 418 

— -Diabetes 37 


Phosphaturie 456 

— falsche 352 

— u. Calcariurie 605 

Phosphor, Wirkung des organischen 671 

— -Stoffwechsel 640 

— -Vergiftung 266 

— -Wolframsaure als Reagens auf 
Kohlenhydrate 356 

Phytin 671 

Pigmentablagerungen bei Magen-Darm* 
katarrhen der Säuglinge 170 X 
Pikrinsäurevergiftung 122 
PlasteTn 150 

PlasteTnogene Substanz 24 
Plasteinferment 611 
Podagra, operiert 517 
Podophyllin gegen Wurmkrankheit 203 
Pfidpitine 493 

PreiBelbeere, Pharmakologie der 100 
Prießnitz-Umschlag 606 
Proteinstoffe 465, 466 

— Hydrolyse der 641 

— Spaltungsprodukte der 519 
Protylin 96, §84 

— bei Chlorose 327 
Pruritus linguae 544 
Pseudoasdtes 449 
Pseudoleukämie, infantile 381 
Pseudomudn, Spaltung des 674 
Purgatin 296 

Punnbasen 434, 435 

— der Häringslake 415 
Purinkörper 226, 245 
Purpura 263 

Pylorushypertrophie u. Sau re Verätzung 
258 

Pylorusresektion 478 
Pylorusstenose 57, 170 

— bei Säuglingen 294 

— Tetanie bei 199 

— Thiosinamin bei 348 

— u. Ektasie 375 
Pyrenol 145 


R. 

Rachitis 96 

Radiumbehälter für den Magen 379 
Radium, Wirkung des 389 
Räaction präcoce 517 
Rektum, Karzinom des 241 

— -Erkrankungen 203 

— -Fistel 423 

— Fremdköroer im 359 

— Prolaps des 324 

— Stenose des 260 
Rektoskopie 203 

Resorption s. n. d. betr. Organen 


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XVII 


s. 


j 

I 

i 

I 


Saccharin 98 

Säuglinge, Energiebildung der 496 

— Ernflirungspliysioic gie der 19 

— Gastroenteritis bei 10 

— Pflege der 489 

— Stoffwechsel bei den 609 
Sai^ingsernährung 45, 46, 97, 170, 209, 


— u. Lungentuberkulose 607 
Säuglingsfaces, Bakterien in 126 
Saurebildung 441 
Salmin il Clupein 387 
Salzhunger 416 
Sanduhrmagen 171 
Sarkom des Intestinaltraktus 449 
Sauerstoffaufnahme 440 


Sauerstoffzufuhr, extrabukkale 298 
Schariachnephritis, Urotropin bei 383 
Scorbutus infantum s. Möller-Bar- 
lowsche Krankheit 
Seekrankheit 478 
Senfvergiftung 352 
Selen, Giftigkeit beim Hunde 462 
Sensibilisierung 430 
Sepsin 393 

Sera, cytotoxische Wirkung der 99 
Serosamudn 674 

Skopolamin-Morphium-Narkose 608 
Skorbut 549 
— bei Kindern 15 
Sigmolditis 178 
Siris 671 


Sirupsuppositorien 60 
Speicheldrüsen zur Sekretion der 20 
Speicheldrüsenveränderung nach Unter¬ 
bindung des Ausgangs 245 
Speichel- u. Tränendrüsenerkrankung 56 
Speisewürze 264 
Splenektomie 121, 205 
Stoffaustausch zwischen Fötus u. Mutter 
69 

Stoffwechsel bei Chlorose 437 

— bei chlorarmer Kost 555 

— im Fieber 439 

— im Seeklima 438 

— mit Eiweißabbaustoffen 154 
Sublimat, hämolytische Wirkung des 429 


Sch. 

Scharlach, Urin bei 26 
Schaumweine 122 
Schilddrüse u. Paralysis agitans 44 
Schilddrüsenaffektion, unklare 12^ 
Schilddrüsenaplasie 243 
Schilddrüse, Physiologie der 462 
Schwangerschaft, Cholecystitis in 15 
Schwefelbestimmung 676 


Schwefel, Pharmakologie des 393 
Schwefelsäurebestimmung im Ham 614 

St 

Stauungsleber 179 

Steapsinsolution, über einen Antikörper 
gegen 386 

Stickstoff in Pflanzensamen 368 
Stierhoden, Autolyse der 674 
Stoffwechsel im Fieber 667 
— u. Ovarialpräparate 581 
Stuhlgangstörungen, Hypnosetherapie 
bei 12 
Styrakol 457 


T. 


Tabes, gastrische Krisen bei 10 

— Bauchkrisen bei 10 

— Gefäßkrisen bei 10 
Taenia cucumerina 604 
Tänien 203, 262 

Talma-Morissonsdie Operation 604 
Tanninpräparate 323 
Teerfarben, Giftigkeit der 264 
Teratom des Bauches 407 
Tetanie u. Magenerweiterung 39 
Theinhardts Nahrung 210 
Thiosinamin 199, 421 
Thrombose der Art mesenter. sup. 455 
Thymus u. Kalkstoffwechsel 462 
Thymusdrüse, Enzym der 354 
Thymusnukleinsäure 414 
Toxikologie, Kompendium der prakti¬ 
schen 28 

Toxinübergang auf den Fötus *492 
Transsudate, milchige, nicht fetthaltige 22 

— u. Exsudate 612 
Trinkwasser 298 
Trockenhefe 210, 215 
Tiypsin 151, 432 
Trypsinbildung 432 
Tiyptophenreaktion 611 
Tryptophan 150 
Tiyptophanreaktion 182, 433 
Tuberkelbazilien 582 
Tuberkulinreaktion 582 
Tuberkulose 553 

— der Mesenterialdrüsen 453 

— -Infektion 489 

-durch den Darm 43 

Typhus 77, 90, 103, 117, 129, 157, 200, 
240, 259, 322, 444, 479, 637, 638, 
639, 664, 665 

— -Bakterien, Nachweis von 200 
--Verchluckung von 11 

— -Heilserum 41 

— -Nährboden 267 

— Sanatogen bei 295 

— u. Paratyphus 148 
Tyrojodin-Therapie 15 


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XVI!! 


U. 

Über- u. Unterernährung d. Kinder 607 

Unterernährung 209 

Urämie 426 

Uricometer 676 

Urin s. Harn 

Urobilinnachweis 651 

Urotropin 517 

Uterus, innere Sekretion des 294 


V. 

Vagusfunktion 497 
Vandol 458 

Vegetabilien bei Gicht u. Nephritis 8 
Vegetarianer, Stoffwechsel des 100 
Veraauung, neuere Anschauungen der 
123 

Verdauungskanal, Schleimhaut des 416 
Verdauungsorgane, Erkrankungen der 
kindlichen 467, 527, 587, 615 
Verdauungsstörung beim Säugling 115 
Veigiftungen 96 

W. 

Wanderleber 350 


Wanderniere 667 
— u. Magendarmkanal 242 
Webersche Probe 400 
Widalsche Reaktion (s. auch u. Ty¬ 
phus) 117 
Wurmkrankheit 13 


X. 

Xanthom 14 


Zähne, syphilitische 372 
Zomotherapie u. Tuberkulose 607 
Zucker, Wirkung der Oxydationsfer¬ 
mente auf 22 

— -Bestimmung 614, 675, 676 

— -Bildung aus Eiweiß 265 

— ^aus Eiweiß u. Glyzerin 370, 371, 

-aus Fett 265, 435 

-in der gtykogenfreien Leber 611 

Zunge bei Veraauungskrankheiten 343 

— Cysticerkus der 5fl 

Zustand colloidaler, der Gewebe 266 
Zwerchfelllähmung nach Ammoniak¬ 
inhalation 70 


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Nr. 1 


Erstes Januar-Heft 1904. 


5. Jahrgang. 


3*nfralblaff 

fOr 

$toffwtch$tl-&VtrÖauung$-Krankluilen 

hertmgegeben von 

Professor Dr.CARL VON NOORDEN in Frankfurt a. M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vaodeakoecfc S R ap re ch t in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von IV»— 2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zn beziehen durch alle Bnchhandlttngen nnd 
Postanstalten des In- nnd Auslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal nnd ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-HrtUtel. 

6lnig* neuer* Grfabrungen über die innere Behandlung 
der 6aUensteinhranfebeit 

Von 

Dr. Walther Nie. Clemm, Darmstadt 

Ich glaube in früheren Veröffentlichungen *) *) *) hinreichende Unter¬ 
lagen und Begründungen für die Seifenanwendung bei Oaildeiden gegeben 
zu haben. Ich sah daher auch davon ab, weitere Krankengeschichten als 
Belege beizubringen, darf aber aus der Aufnahme meiner Angaben in die 
Literatur wie aus einem regen, nach allen Seiten hin in Deutschland, Öster¬ 
reich, Frankreich und Amerika mir erwachsenen Briefverkehr mit Kollegen, 
sowie, last not least, aus einem erheblich gesteigerten Verbrauch von Euna- 
trol trotz der mittlerweile erfolgten Einführung des Cholelysins den Schluß 
ziehen, daß die allgemeine Erfahrung bereits bestätigt hat und es ständig in 
größerem Maße tun wird, wie richtig meine in obigen Schriften nieder¬ 
gelegten Folgerungen waren, an deren Tatsächlichkeit mir längst kein Zweifel 
mehr möglich erschien. 

In vollkommener Übereinstimmung mit dieser planmäßigen Anwendung 
der Seife steht die wissenschaftlich heute allein gültige Diät, welche den 
vollkommenen Umsturz der früheren diesbezüglichen Anschauungen be¬ 
deutet: Während früher das Fettverbot neben einseitig-reizloser, blander 
Diät erste Bedingung war, wie es jetzt noch viele ältere Ärzte in länd¬ 
lich-abgeschlossenem Wirkungskreise als erstes zu verfügen pflegen, wird 








2 


heute neben schlackenreicher, stuhlbildender Kost (s. S. 5 d. Abhdlg.) Fett 
zur Verseifung und zur Anregung des Galleflusses eigens verordnet 

Es ist das Verdienst von J. Kraus in Karlsbad, mit der altem Hunger¬ 
diät als erster gebrochen zu haben, ihm folgten bald andere, vor allen die 
Autorität Naunyns. Heute werden in geeigneten Fällen bei Übersäure 
des Magens Gänseleberpasteten (Naunyn) und Hummermayonnaisen (Ro¬ 
senfeld, Breslau), welche früheren Anschauungen gemäß Gift für Gallen¬ 
steinleidende bedeuteten, erlaubt und empfohlen, wenigstens als bekömm¬ 
licher bezeichnet denn die früher geübte fettlose Hungerkost, welche nur 
einen unendlichen Überfluß an Wasser kannte und bei der die Kranken oft 
erschreckend schnell abnahmen und verfielen. Ich selbst allerdings spreche 
nur den Milchfetten (Rahm und Butter), nicht den im Kochprozeß 
geronnenen Fleischfetten das Wort 

Im Grunde stehen also die siegende Diät und das Seifeheilverfahren auf 
genau demselben Boden, so daß die rasche Ausbreitung des letzteren mit 
ersterer gewährleistet erscheint 

Gerade deshalb aber halte ich es für notwendig, neuere Erfahrungen, 
welche wesentliche Erweiterungen der Therapie mit sich bringen, alsbald 
bekannt zu geben. Ehe ich dieselben im Vergleiche zu den früheren Vor¬ 
schriften mitteile, ist es wohl am Platze, einen Diät- und Kurplan, wie ich 
denselben meiner Behandlung zu gründe lege und in den früheren Ver¬ 
öffentlichungen bereits geschildert habe, auch an dieser Stelle zu geben. 

Die nach Naunyns Vorschriften übernommene Trink-, und Liegekur 
lasse ich, im Gegensatz zu v.'AIdor 4 ) (Karlsbad-Budapest), welcher dieselbe 
ausschließlich kennt, nur höchstens vier Wochen lang, und zwar von 
3 bis zu 1 Stunde jeweils am Vor- und am Nachmittage abnehmend, ge¬ 
brauchen. Danach ergibt sich die allmähliche Abänderung des folgenden 
Planes von selbst 

Vs Liter fette Milch (gegebenen Falles mit Rahm gemengt) wird morgens 
nüchtern im Bett getrunken etwa um 5 Uhr. 

Nach 1V*—2 ständigem Schlaf wird alsdann das ölsaure Natron ver¬ 
abreicht unter schluckweisem Nachtrinken von Vs Liter physiologischer 
Kochsalzlösung während der Tiefatemübungen (bis zu 50 Tiefatemstößen) 
und des Ankleidens. 7 Uhr. 

Hierauf wird Vs ständiger Spaziergang an frischer Luft vorgenommen, 
und nach Heimkehr Stuhlentleerung. Dieser, dem etwa notwendigen Klei¬ 
dungs- (Stiefel-, Strümpfe-) Wechsel etc. folgt das Frühstück um 8 Uhr. 

Dasselbe soll neben dem mit Rahm zu nehmenden Frühgetränke oder 
dem gewohnten Morgensüppchen bezw. Grütze, Gebäck und gutgebackenes 
Kombrot mit Butter, fetthaltigen Schinken oder Rohspeck oder Fleisch¬ 
gallerte und eine Eierspeise oder in Butter gebratenes Heisch — Hammel¬ 
rippchen , gut entfettet, Lendenstückchen, eine Würzfleischspeise unter Ver¬ 
meidung scharfer Zutaten u. dergl. mehr — enthalten. 

Nach Vi ständiger Ruhe und gleich langem Spaziergange, gymnastischen 
Übungen oder Massage ist ein Bad oder Abreibungen mit nachfolgender 
Ruhe von V* Stunde am Platze. Nach abgelaufener Entzündung, wenn keine 
Gefahr durch Erschütterung des Körpers drohen kann, tritt, wo es möglich 


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3 


ist, zweckmäßig ein 1 ständiger Spazierritt (Kuhn) an Stelle dieser Proze¬ 
duren, an den eine Abreibung und etwas Ruhe natürlich sich anschließt 
Solange alsdann die Trink- und Liegekur von 10 Uhr 

an folgt, fällt natürlich das zweite Frühstück weg; später mag dasselbe um 
IO 1 /* Uhr gereicht werden, bestehend aus Fleischbrühe, einem weichen Ei 
mit Butterbrot oder einem solchen mit Braten, Schinken, frischem Käse 
(Kuhn). Bei mangelnder Eßlust bewährt sich vorzüglich ein mit Zucker 
(womöglich Lävulose) verschlagenes und unter fortgesetztem Umrühren mit 
gutem Rotwein oder griechischem Resinatwein (J. F. Menzer) gemischtes 
rohes Ei, zu dem ein Albert oder ähnliches Gebäck genommen wird. Zur 
Erdbeerzeit sind mit Rahm kühl gestellte Erdbeeren ein ausgezeichnetes 
Frühstück, wie es in Nordamerika allgemein üblich ist. 

Zu der Liegekur wird das Lager folgendermaßen hergerichtet: Ein auf 
etwa 40 cm Breite mehrfach zusammengelegter leichtwollener Teppich, wird 
quer über die Bettbreite gelegt, unter die Kreuzgegend des Liegenden kommt 
ein flaches, aus starken Stoffen gearbeitetes Kissen, welches mit geglühtem 
Flugsand (Fluß- oder Dünensand) heiß gefüllt ist — es kann auch eine 
Fangoeinlage gewählt werden —, und alsdann wird um den Kranken der Tep¬ 
pich von beiden Seiten her zusammengeschlagen, nachdem Leinsaatsäckchen 
durch durchströmenden Wasserdampf erhitzt, zwerchsackartig auf die Leber¬ 
gegend nach dem Magenmund und Dickdarm hinübergreifend aufgelegt 
wurden. So liegt der Patient in einer mächtigen Hitze, welche durch stetige 
Erneuerung der Leinsamensäckchen infolge des langen Anhaltens der Wärme 
in der gewählten Unterlage und durch den, um den ganzen Stamm ge¬ 
schlagenen Teppich auf ihrer Höhe erhalten wird. 

Während der ersten Stunde nun wird eine Flasche Karlsbader Wasser, 
so heiß als es genommen werden kann, schluckweise getrunken, und der 
heftige Schweißausbruch so wesentlich befördert 

Statt dieser Vornahmen kann ein langdauerndes heißes Bad (nach Por¬ 
tal, welcher im Bade einschlafen läßt, sowie nach Swift Walker, cit bei 
Kuhn 5 )) genommen weiden. Dasselbe wird dann wohl zweckmässig durch 
Einschneiden von V* hg Waschseife in Wasser und Lösen derselben durch 
Kochen in seiner Wirkung auf die Haut verstärkt (nach Lewin 6 )). 

V» Stunde vor dem Aufstehen wird wieder Eunatrol genommen unter 
Nachtrinken von V* — V* Liter Sahne oder Rahmmilch (je nachdem die E߬ 
lust dies zuläßt) und um 

1 Uhr das Mittagsmahl eingenommen, bestehend in Fleischbrühe, Suppe, 
Fisch mit zerlassener Butter und Kartoffeln oder leichter Vorspeise (Geflügel¬ 
pastete, Würzfleisch von Wild, Geflügel oder Mischfleischen), Braten mit 
Gemüse oder Salat, in Butter gebratenen Kartoffelscheibchen und Dunstobst 
sowie leichter Nachspeise, Butterbrot (Toast oder Graham, gegebenen Falls 
auch Sökelandschem Pumpernickel) mit kleinen Scheibchen Schweizer oder 
Holländer Käse und Obst oder Obstgefrorenes. Ganz ausgezeichnete Dienste 
leistet manchmal mitten im Kolikanfall ein gutes Obstgefrorenes, welches 
häufig den Schmerz jäh abbricht. Ein Täßchen Mokka hat oft sehr gün¬ 
stige Einwirkung auf den Stuhl nach der Mahlzeit Als Tischgetränk empfehle 
ich Markgräfler oder besser noch Moselwein, womöglich von den um die 

Nr. 1*. 


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4 


Weinblütezeit leicht moussierenden Lagen, oder auch Apfelwein zur Förderung 
der Stuhltätigkeit; den von Kraus, Karlsbad, und Kuhn, Kassel, angegebenen 
Rotwein finde ich mit Hinblick auf die Beeinflussung des Stuhls durch ihn 
unzweckmäßig. 

Hierauf schliesse sich V* ständige Siesta an, zu der ich linke Seitenlage 
empfohlen habe in der Annahme, daß hierdurch sowohl der Gallefluß als 
die Dickdarmtätigkeit gefördert wird. 

Die Mittagsruhe wechselt mit einem Spaziergange, leichten Sportübungen, 
Gartenarbeit u. dergl. an frischer Luft von höchstens einer Stunde Dauer 
ab, so daß von 

3 Uhr ab wieder dieselbe Liege- und Trinkkur beginnen kann wie Vor¬ 
mittags. 

Es feilt dann ein Vesperbrot bestehend aus Milch, Butterbrot und Ei 
oder Dickmilch um 

4 Uhr zunächst für die Dauer der Liegekur aus, tritt aber später in Kraft 

Nach dem Liegen folgen Tiefatemübungen und Gymnastik, um 

7 Uhr wird zu Abend gespeist: Etwas Suppe, eine Eier- oder Fleisch¬ 
speise mit grünem Salat und Butterbrot, 1 Glas Lagerbier mit Malzextrakt 
(kristallinisch, von Chr. Brunnengräber, Rostock) oder Tee je nach Ge¬ 
wohnheit; V» Stunde später Beerobst (im Frühjahr Johannisbeeren, im Spät¬ 
jahr Trauben; Erdbeeren in Rahm) um 

V]9 Uhr wird wieder Eunatrol verabreicht und V* Stunde später vor 
Bettgehen 1 / i Liter Rahm mit Milch getrunken oder Rostbrötchen mit Butter 
zur Milch genossen. 

Hiernach lasse ich etwa 1 Eßlöffel Schmierseife in der Gallblasengegend 
einreiben in der Weise, daß die spiritusbefeuchtete Hand dieselbe möglichst 
der Haut einverieibt; ein in Spiritus (Hefebranntwein) getränktes Umschlag¬ 
tuch wird einige Minuten darauf gelegt, wonach die Seife völlig ver¬ 
schwunden ist, die Haut frisch gerötet erscheint Dasselbe Tuch wird 
darnach gut ausgewunden um den Leib gelegt, mit Billroth- oder Mosetig- 
Battist ausgiebig bedeckt mit geleimter Watte und schließlich einer Flanellbinde 
umwickelt und dieser Umschlag über Nacht liegen gelassen. Hierdurch wird 
häufig der gefürchtete Nachtanfall femgehalten und die Entzündung wesent¬ 
lich günstig beeinflusst 

Die Bedeutung der Schmierseife ist — abgesehen von ihrer möglichen 
Wirkung auf das Gallensystem nach ihrer Aufsaugung — von Kappesser 7 ) 
für Entzündungen aller Art geschildert und von Hoffa 8 ) in weitem Umfange 
bestätigt worden. Der Segen der Salzwedelschen Alkohol verbände, be¬ 
sonders von Bier in der Chirurgie eingeführt ist ein so allgemein anerkannter, 
daß die Verwendung an diesem Platze ohne weiteres sich mir aufdrängte 
Zufällig feilt mir bei Niederschrift dieses ein begeisterter Artikel darüber von 
einem russischen Arzte j. S. Kolbassenko 9 ) in die Hand, welcher in seiner 
ersten Schlußthese sagt: »Ein gut angelegter Salzwedelscher Alkoholver¬ 
band (besser mit Wachstuch als mit Paraffinpapier) bildet ein mächtiges, 
schmerzstillendes Mittel, welches in den Anfangsstadien der Eiterung letztere 
kupiert, in den späteren Stadien unterdrückt bezw. einschränkt« — eine Schilde- 


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5 


rung, wie sie nicht spezieller auf die Behandlung des Gallensteinanhills (auch 
ohne Eiterung) geschrieben sein könnte. 

Daß Anfälle mit hohem Fieber, Anzeichen bedenklicher Entzündungs¬ 
erscheinungen u. s. f. — abgesehen von den je nach Sachlage in Betracht 
kommenden operativen Eingriffen — zunächst jedwede Bewegung verbieten, 
zu vollkommenster Bettruhe verdammen, versteht sich von selbst In solchen 
Fällen beginnen Tiefatemübungen, späterhin sorgfältige Massage und Gym¬ 
nastik die Einleitung zum Übergang zu obiger Kur. — 

Nach dieser Schilderung des Heilplans komme ich zu dem Mittel, welches 
den Sieg über die Krankheit bringen soll. Deren sind bereits unzählige ver¬ 
sucht und empfohlen worden, doch größtenteils ohne stichhaltige wissen¬ 
schaftliche Begründung sehr bald als wertlos erkannt worden. Warum ge¬ 
rade die homöopathische Durandesche Medikation sich so lange erhalten 
hat, das ist mir schlechterdings unverständlich. 

Die s. Z. gemachte Beobachtung, daß bei Rindvieh angeblich reichliches 
Grünfutter Gallensteine beseitigte, regte zu Versuchen nach dieser Richtung 
an, welche jedoch natürlich erfolglos blieben. Jedenfalls ist aber reichliche 
Gemüse-, Obst- und Salatwahl im Speisezettel Gallensteinkranker sehr em¬ 
pfehlenswert wegen der vorzüglichen Einwirkung der Pflanzennährstoffe auf 
die Darmverdauung: Einerseits helfen dieselben Gärung und Fäulnis verhüten 
durch ihre Milchsäurebildung, anderseits geben sie ein Skelet für den Kot ab, 
um das sich ein gesunder Stuhl bilden kann. Daher hat auch v. Noorden 10 ) 
hauptsächlich darin und in Darreichung anderer Arten von grobscholliger 
Nahrung die Behandlung der Schleimkolik gesucht 

Die Seife hat zwar bereits vor 100 Jahren der Engländer Coe 11 ) anzu¬ 
wenden versucht; allein an der Ätzwirkung des sapo viridis scheiterte natür¬ 
lich dieser Versuch. 

Alsdann hat Ferdinand Blum 1 *) das ölsaure Natron als gailtreibendes 
Mittel empfohlen. Der problematische Wert eines solchen ist jedoch von 
Naunyn u. a. früher bereits dargetan, so daß nach dieser Seite hin nicht 
viel Erfolg zu erwarten war. 

Die entzündungslindernde (Kappesser 1. c.) und gallfettlösende 
Wirkung der Seife bezw. ihre Fähigkeit, letzteres an seinem Ausfällen aus 
der Galle zu hindern, rücken dies Mittel aber mit einem Schlage allein 
in den Vordergrund als das Mittel *ar’t(ozn*l Als solches erscheint 
mir das ölsaure Natron, wie ich es in sorgfältiger, Schritt für Schritt vor¬ 
gehender Anwendung erprobt und kennen gelernt habe, in nunmehr erheb¬ 
lich über 100 Fällen. — 

Auf Ferdinand Blums Veranlassung kamen des abscheulichen Ge¬ 
schmackes des Mittels halber zunächst die schokeladeüberzogenen Eunatrol- 
pilien von Zimmer & Co. in den Handel. Die geringe Menge des Mittels 
jedoch, welche sich auf diesem Wege einverieiben läßt — es wären 100 St 
kleine oder 40 St große Eunatrolpillen nötig, um 10 g Seife auf einmal zu 
nehmen, etwa die Menge, wie sie der Anfäll anfangs, wie ich nachher zeige, 
erheischt — macht die Pillen nur für prophylaktische und Nachkuren geeignet 
nicht für das eigentliche Heilverfahren. 

Die Mixtur, welche ich angegeben habe, (10—15 Eunatrol mit XXX gtt 


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6 


Essent Ananas, 5,0 Validol oder 10 Tct Valerian., 150—200 Aq. Menth, pip.) 
ermöglicht zwar etwas größere und vor allem sichere Dosierung, — da die 
Pillen doch z. T. auch ungelöst verloren gehen können —, doch ist wegen 
des seifigen Aufschäumens der Lösung und wegen des für feinsinnige Gaumen 
zu den Schrecken des Orkus gehörigen Geschmackes derselben auch damit 
eine größere Menge Seife auf einmal nicht einzuverleiben. Zudem sind beide 
Mittel, die Pillen wie die Mixtur, in größerer Menge täglich genommen, recht 
teuer. 

So käme schließlich das von Stroschein in Berlin auf meine Veran¬ 
lassung hetgestellte und von mir «Cholelysin« getaufte Präparat, welches 
20% ölsaures Natron in klarer Lösung enthalten soll. 

Hinsichtlich der Schrecklichkeit für die Geschmacksbecher hat dieses 
Mittel aber wenig oder nichts vor meiner Eunatrolmixtur voraus; denn viele 
meiner Patienten nahmen lieber die letztere als ersteres, andere wieder um¬ 
gekehrt Abscheulich scheint die ölig-seifige Flüssigkeit jedenfalls für die 
meisten Menschen zu sein. 

Doch erlaubt das Cholelysin, größere Gaben ölsaures Natron vermöge 
seines angeblich größeren Seifegehaltes zu verabreichen, da es erheblich 
(2—3 fach) konzentrierter ist als es mir gelang, Eunatrolmixturen hersteilen zu 
lassen. 

Jedenfalls danke ich dem Cholelysin die Erprobung der Einnahme 
größerer Mengen Seife auf einmal und habe mich überzeugt, daß viele 
Gramm davon reizlos vom Magen aufgenommen werden. 

Da nun die Aufnahme des Mittels per os auf so viele und erhebliche 
Schwierigkeiten stößt, und da es anderseits erwünscht ist, in Fällen schwerer 
Erkrankungsformen möglichst rasch den heilsamen Einfluß zu erzielen, so 
ist das zweckmäßigste, in der Mehrzahl der Fälle durchführbare Verfahren, 
zu welchem ich die erste Anregung Herrn Kollegen Carl Wegeie in Königs¬ 
born verdanke, dasjenige, wonach eine wässrige Eunatrollösung durch den 
Magenschlauch dem Kranken eingegossen wird. 

Werden so 30 g Öls. Na. (QgHggOgNa) angewendet, so entspräche das, 
vorausgesetzt, daß das Cholelysin tatsächlich stets 20% davon enthält, einer 
großen, somit also relativ billigsten, Flasche desselben von 150 g Inhalt zum 
Preise von 5 Mk., während die gleiche Menge Zimmerschen Eunatrols, 
welches nur in Wasser zu lösen wäre, nur 1,35 Mk. kosten würde. In Anstalten, 
Sanatorien, Kliniken würde also die letztere Anwendungsform eine nicht un¬ 
erhebliche Kurersparnis bei 2—4monatiger Anwendung bedeuten. 

Es können so ganz erhebliche Mengen Seife zur Aufnahme kommen, 
ohne den Geschmack zu behelligen. 

Der Schlauch wird, ehe er heraufgezogen wird, mit etwas Pfefferminz¬ 
wasser durchspült, und nach seiner Entfernung wird alsdann ein Benguö- 
Dragee, ein Stück Zucker mit 2 Tropfen Pfefferminzöl oder 15 Tropfen Validol 
in den Mund genommen, um anhaftenden, beim Durchgleiten durch die 
Mundhöhle abgegebenen Seifegeschmack zu beseitigen und Übelkeit zu ver¬ 
meiden. 

So werden 3 mal täglich je 10—20 g Eunatrol verabreicht zu den Zeiten, 
welche der Heilplan angibt Mit der erreichten Wirkung läßt man die Menge 


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nach Ermessen abnehmen, bis die Nachkur gegebenen Falls noch mit Zim- 
merschen Eunatrolpillen einige Monate lang die Seifezufuhr noch in kleinen 
Mengen aufrecht erhält 

Es lagen mir bereits fast völlig geschmacklose Proben von ölsaurem 
Natron vor, doch wird dasselbe an der Luft rasch ranzig. Ich zweifle aber 
nicht, daß zweckmäßige schnelle Verpackung unter Luftabschluß in der Fabrik 
ein wenig unangenehm schmeckendes Präparat zu liefern im stände sein wird, 
so daß späterhin das Mittel auch ohne Magenschlauch und Zusätze — hoffent¬ 
lich — wird einnehmbar werden, und so auch für die nichtklinische Behand¬ 
lung auch bei weniger Bemittelten zum Segen wird werden können. 

Wer so behandelt wird, verliert bald die schmerzhafte Entzündung, welche 
den Gallensteinanfall so unerträglich und zugleich kritisch gestaltet, und wird 
bei genügend langer Anwendung der Seife und bei steter späterer Beobachtung 
der Vorschriften hinsichtlich der Lebensweise sein Leiden gänzlich los — 
wenn dasselbe nicht in anderer Weise kompliziert war. Deshalb bitte ich 
wiederholt alle Kollegen, dieses Heilverfahren zum Segen ungezählter Lei¬ 
denden aufzunehmen, gewissenhaft zu erproben und durchzuführen und — 
der Erfolg kann nicht ausbleiben! 


Literatur-Verzeichnis. 

1) Cie mm, Wiener med. Wochenschr., 1901, Nr. 12/16. 

2) Clemm, Therapeut Monatshefte, 1902, April. 

3) Clemm, «Die Gallensteinkrankheit« etc., Berlin, Januar 1903, b. Georg 
Klemm. 

4) v.'Aldor »Die innere Behandlung der Gallensteinkrankheit«, Boas 1 Archiv 
f. Verdauungskrankheiten XXVI. 

5) Kuhn, Prophylaxe und operationslose Behandlung des Gallensteinleidens, 
Berliner Klinik 1903, März und Juni, Heft 177 u. 180. 

6) Lewin, Die physikaL-diätet Ther. der wichtigsten Kinderkrankheiten, 
Wiener Klinik 1901, Heft 1. 

7) O. Kapesser, Methodische Schmierseifeeinreibung etc., Darmstadt 1900, 
Joh. Waitz, sowie frühere Veröffentlichungen dess. 

8) Hoffa, Münchener med. Wochenschr., 1899, Nr. 9, »Schmierseifebehand¬ 
lung skroful. u. tub. Erkrankungen«. 

9) J. S. Kolbassenko, übersetzt von M. Lubowski, Therapeut. Monats¬ 
hefte, 1903, Heft 12 (Dezember), S. 635. 

10) Carl v. Noorden u. Carl Dapper,Über die Schleimkolik des Darmes etc., 
Sammlung Idin. Vorträge, 1903, Heft 3. 

11) Zitiert in m. Abhandlung »Die Gallensteinkrankheit« etc., Berlin 1903. 

12) F. Blum »Über eine neue Methode der Anregung des Gallenflusses«, 1900, 
Leipzig, b. F. Leineweber. 


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Referate* 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

Hall: Vegetabilische Nahrung und Getränke bei Gicht und Nephritis. (Bert. klin. 

Wochenschr., 1903, Nr. 38.) 

Die exakten Laboratoriumsforschungen der letzten Jahre haben bekanntlich 
gezeigt, daß die als Extraktivstoffe oder Purinkörper bezeichnten Substanzen, 
welche sich in der Mehrzahl unserer Nahrungsmittel in mehr oder minder großer 
Menge finden, in gewisser Beziehung zur Bildung und Ausscheidung der Harn¬ 
säure stehen. Wenn nun in der Therapie der Erkrankungen der Nieren und der 
harnsauren Diathese eine Einschränkung des Fleischgenusses — allerdings ist es 
keineswegs richtig, weißes und anderes Fleisch in dieser Beziehung zu unter¬ 
scheiden, da ihre Purinmengen sich ziemlich gleich verhalten — geboten erscheint, 
so entspricht diese praktische Maßregel den eben genannten chemischen Befunden; 
nach H. ist aber auch der vegetabilische Teil der Nahrung in diesen Fallen nicht 
wahllos zu konzedieren, da auch er nicht unbeträchtliche Quantitäten jener Körper 
enthält Eine Reihe von ihm veröffentlichter Zahlen zeigen z. B. für Erbsen, 
Hafermehl, Bohnen das Doppelte des Gehaltes von Erbsmehl, das Fünffache von 
Zwiebeln etc. Milch hat so gut wie gar keinen Gehalt, Wein keinen, die Biere 
dagegen relativ große Mengen, die aber nicht auf ihren Alkohol, sondern auf 
Hefezerfallsprodukte zu beziehen sind. H. folgert daher, daß beim Gichtkranken 
und Nephritiker ebenso wie der Genuß des Fleisches auch der von Erbsen, Bohnen 
und Zwiebel und Spargel möglichst einzuschränken und jede Art von Bier voll¬ 
ständig zu verbieten ist. Pickardt (Berlin). 

v. Noorden: Ober Haferkuren bei schwerem Diabetes. (Bert klin. Wochenschr., 

1903, Nr. 36.) 

v. N. hat schon im vorigen Jahre über die auffällige Tatsache berichtet, daß 
man — sogen, schwere — Diabetiker, die auf dem gewöhnlichen alimentären Wege, 
durch die Entziehung der Kohlenhydrate und deren kolorierten Ersatzes durch Eiweiß 
und Fett, nicht zuckerfrei machen kann, durch Gaben von sehr großen Mengen 
von Hafer von der Glykosurie befreien kann. Bedingung dabei ist, daß in der 
eventuellen Beikost keine Kohlenhydrate und kein Fleisch gegeben werden. Im 
weiteren Verfolg hat v. N. sich des Knorrschen oder Hohenloheschen Mehles 
bezw. der Flocken bedient, die lange mit Wasser und etwas Salz gekocht, mit 
Butter und nach dem Abkühlen mit vegetabilischem Eiweiß (Roborat) versetzt 
werden, pro dje gewöhnlich: 250 g Hafer, 100 g Eiweiß, 300 g Butter, in zwei¬ 
stündlichen Portionen verabreicht 

An über 100 Patienten angestellte Versuche haben nun ergeben, daß neben 
wenigen, denen man mit diesem Regime nützt — unter Umständen sogar so weit, 
daß ein drohendes Coma abgewendet werden kann — viele Diabetiker es ohne 
Vorteil gebrauchen und eine noch größere Anzahl sogar Schaden davon tragen. 
Eine genaue Charakteristik derjenigen Fälle, in denen es indiziert ist, ist bis jetzt 
noch nicht zu geben. Ein Allheilmittel des Diabetes ist die Haferkur also natür¬ 
lich nicht, indes sollte sie möglichst versucht werden. Pickardt (Berlin). 

Schkarin, A. N.: Über den Ösophagus bei Kindern. (Zur Anwendung der Magensonde 
in der Kinderpraxis.) (Wratschebnaja Gazetta, Nr. 42/43.) 

Verf. führt an der Hand seiner im Laboratorium der Kinderklinik^ des Prof. 
N. P. Gundobin ausgeführten Untersuchungen aus, daß der infantile Ösophagus 
sich von dem Ösophagus eines erwachsenen Menschen durch seine Struktur 
unterscheidet, und zwar sowohl durch Merkmale, die dem gesamten Verdauungs- 


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tnktus und selbst sftmtlidien Oeweben des infantilen Organismus zukommen, 
wie auch durch spezielle Merkmale. Zu den enteren gehören: schwächere Ent¬ 
wicklung der Muskularis, relativ reichlicher Gehalt der Mucosa und Submucosa 
an Blut- und Zellelementen; zu den speziellen Merkmalen gehört die noch 
schwache Entwicklung des Deckepithels beim Säugling und namentlich bei der 
Frudit Es besteht eine mangelhafte Entwicklung der Papillen, die sowohl quan¬ 
titativ spärlich vertreten, wie auch an und für sich bedeutend weniger umfang¬ 
reich sind. Die häuptsächliche Eigentümlichkeit des infantilen Ösophagus liegt 
darin, daß letzterer verhältnismäßig weniger Schleimdrüsen aufweist, als der 
Ösophagus eines Erwachsenen. — Die Tatsache der schwachen Entwiddung der 
Schleimdrüsen im Ösophagus ist ein weiterer Beweis dafür, daß Kinder in frühem 
Lebensalter nur mit flüssiger Nahrung gefüttert werden müssen, da die Schleim¬ 
drüsen des Ösophagus bekanntlich die den Ösophagus passierenden Substanzen 
anzufeuchten haben. Daß der infantile Ösophagus eine leichtere Vulnerabilität 
aufweisen muss als der Ösophagus eines Erwachsenen, liegt klar auf der Hand. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Pfenon: Aceton and diacetic add as a cause of persistent recurrent vomiting of 
children. (Arch. of pediat, Juli 1903.) 

Verf. beobachtete 3 Falle, in denen die Anfälle von Erbrechen von bedeutenden 
Temperatursteigerungen und Acetonurie begleitet waren. Zur Bekämpfung der 
Addose wurde Natr. bicarb. bis zu 8,0 pro die verabreicht Keller (Bonn). 


Bleichröder, F.: Zur pathologischen Anatomie des Magens bd Magensaftfluß. (Beitr. 
zur path. An. u. allg. Path. 1903, Bd. 34, S. 269.) 

Verf. bringt die Literatur über die pathologisch-anatomischen Befunde bei 
Magensaftfluß und beschreibt einen Fall von Magensaftfluß, von dem eine genaue 
histologische Untersuchung angestellt wurde. Durch Studium von 100 Magen der 
den verschiedensten Kranldieiten erlegenen Patienten kommt Verf. zu dem Schluß, 
daß die Veränderungen, die als charakteristisch für das Bild des Magensaftflusses 
bisher beschrieben worden sind, für diese Erkrankung nicht pathognomonisch sind, 
denn die von einer Reihe von Autoren angegebenen degenerativen Veränderungen 
der Hauptzellen und der Belegzellen (Vermehrung der Kerne, Vacuolenbildung, 
Schwellung, Trübung) sind auch bei normalen Mägen nachweisbar und wohl Folge 
postmortaler Selbstverdauung. Auch die öfters beschriebene Vermehrung des 
interstitiellen lymphoiden Gewebes kommt bei normalem Magen und anderen 
pathologischen Veränderungen des Magens vor. K. Olaeßner (Berlin). 


Mayer: Ober die ther a peutische Verwendung natürlichen Magensaftes (Dyspeptine) bei 
Magenkranken. (Die Heilkunde, S. 451.) 

Die auf der v. Noorden sehen Abteilung mit der von Dr. Hepp (Paris) dar¬ 
gestellten Dyspeptine gemachten Versuche (dem natürlichen Magensaft vom leben¬ 
den Schwein) ergaben ein sehr günstiges Resultat, wie die mitgeteilten Kranken¬ 
geschichten zeigen. Die Wirkung der Dyspeptine ist eine Doppelte: sie ersetzt 
den fehlenden Magensaft und wirkt direkt heilend auf die erkrankte Schleimhaut, 
indem sie die darniederliegende Sekretion hebt Bei lange bestehendem chroni¬ 
schen Magenkatarrh mit vollständigem Salzsäuremangel und bei Magendilatation 
werden während und nach jeder Mahlzeit je 16 ccm D. gegeben. Später genügt 
ihre dreimalige Darreichung. Bei Appetitmangel, z. B. bei Phthisikern und Chloro- 
tischen, genügen 10—15 ccm eine halbe Stunde vor jeder Mahlzeit. Der Ge¬ 
schmack ist kein unangenehmer, etwas Pfefferminzessenz, Zitronensaft oder Bier 
verdeckt ihn. Als Hauptindikation für die Anwendung der D. gelten: alle akuten 
und chronischen mit verminderter oder fehlender Säuresekretion einhergehenden 
Magenerkrankungen, sowie Zustände von Appetitlosigkeit 

Schreiber (Oöttingen). 


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Nr. 1. 


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Brunner, C.: Weitere klinische Beobachtungen Aber die Ätiologie und chirurgische 
Therapie der Magenperforationen und Magenperitonftis. (Bruns’ Beitr. zur klin. Chir., 

1903, Nr. 40, S. 1.) 

Verf. teilt die Krankengeschichten von 7 Fallen von Perforation des Magens 
bei Ulcus und 3 Fällen von Perforation des «Magens bei Cartinom mit Von 
diesen wurden 6 Falle (Ulcus) und 3 Fälle (Carcinom) operiert Von den erst 
erwähnten kamen 1 Fall 12 h nach der Perforation, 1 Fall 48 h nach der Perfo¬ 
ration zur Operation. Von allen 6 konnte einer gerettet werden. Von den Fällen 
mit Perforation des Cardnoms überstand einer die Operation. Die Ursache des 
Todes war stets diffuse Peritonitis mit Oasbildung, das Exudat war stets sauer,' 
doch nie salzsauer, ln demselben wurden stets Streptococcus lanceolatus und 
Staphylococcus aureus nachgewiesen. K. Olaeßner (Berlin). 

Brunner, C.: Experimentelle Untersuchungen über Ätiologie nnd chirurgische Therapie 
der durch Mageninhalt bewirkten Peritonitis. (Bruns’ Beitr. zur klin. Chir. 1903, 

Bd. 40, S. 24.) 

Die umfangreiche Arbeit zerfällt in 2 Abteilungen in a) einen ätiologischen 
und b) einen therapeutischen Teil. 

ad a) Verf. stellte Versuche mit Übertragungen von Mageninhalt magenge¬ 
sunder und magenkranker Individuen auf das Peritoneum von Kaninchen an. War 
der Mageninhalt salzsauer, so wurde nur in einer Minderzahl der Fälle tötliche 
Peritonitis erzeugt Bei anacidem Mageninhalt war die Mortalität fast 100 %> 
ebenso bei Mageninhalt von cardnomatös entarteten Magen. Ebenso stieg die 
Mortalität, wenn Mageninhalt injiziert wurde, der erst kurze Zeit (V« h) im Magen 
verweilt hatte. Die Ursache der Peritonitis waren meistens Streptokokken und Koli¬ 
bakterien. Bei Stagnation im Magen ist es also für die Prognose einer Perforation 
wichtig, ob die mit der Nahrung eingeführten Bakterien längere Zeit mit Säure 
des Magens in Berührung gestanden sind oder nicht 

ad b) Die therapeutischen Versuche betreffen die Spülung des Bauchfells mit 
Kochsalzlösung nach Einbringung von Mageninhalt auf dasselbe. Bei salzsaurem 
Inhalt konnten durch energische NaCl-Spülung, die unmittelbar nach der Infektion 
stattfand, Rettung der Versuchstiere erzielt werden. Bei Einbringung von anaddem 
Inhalt in die Bauchhöhle war weder Kochsalzspülung noch Antistreptokokkenserum¬ 
behandlung von Erfolg. Ebensowenig Hilfe brachten antiseptische Lösungen. 

K. Glaeßner (Berlin). 

Pal, J.: Ober Gefäßkrisen nnd deren Beziehung za den Magen- nnd Baachkrisen der 
Tabiker. (K. k. Gesellschaft d. Ärzte in Wien; Wiener klin. Rundschau, 1903, 

Nr. 44.) 

Die »grande crise gastrique« der Tabiker ist eine Gefäßkrise der Darmgefäße, 
die sich in einer Hochspannung des Blutdruckes äussert, welcher bis 150% des 
für das betreffende Individuum normalen Druckes betragen kann. Die Steigerung 
geht dem Anfalle voran, ist aber nicht seine Folge, ihr Verschwinden bedeutet 
sicheres Aufhören der Krise; Nachlassen des Schmerzes ohne Absinken des Blut¬ 
druckes bedeutet nur eine Remission im Anfall. Herabsetzung der Gefäßspan¬ 
nung durch irgend welche Mittel beseitigt sicher den Anfall. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Hutinel: Traitement des gastro-entärites aignSs des nourrissons. (Rev. mens, des 
malad, de l’enfance, Bd. 21, S. 337.) 

Eine klinische Vorlesung, in der der Verf., ohne etwas Neues zu bringen, die 
Therapie der akuten Magendarmerkrankungen bespricht: Wasserdiät, Magen- und 
Darmausspülungen, subkutane Infusion von physiologischer Kochsalzlösung und 
medikamentöse Behandlung. Kurz wird noch die Ernährung erörtert 

Keller (Bonn). 


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Duflocq, P. et VoMs, R.: Tentative de snidd per Absorption de cnltures de badlle 
d’Eberth, Fiivre typhoide, Gulrfson. (Arch. g6n., 1903, S. 597.) 

Eine Patientin, die an Hysterie litt, verschluckte, um sich interessant zu 
machen, 2 Tuben von Typhusbacillen, die sich in einer eiweißfreien, nur salz¬ 
haltigen Lösung befanden. Die Kranke bekam einen regelrechten Typhus; die 
Incubationszeit dauerte 2 Tage, Roseolen kamen am 8. Tage, die Temperatur 
erreichte am selben Tage 40° Der Typhus verlief merkwürdig rasch und günstig. 
Das glauben Verff. auf die abgeschwächte Virulenz der Bacillen in der eiwei߬ 
freien Nährlösung beziehen zu sollen. K. Olaeßner (Berlin). 

Agramonte: Ober Paratyphus. (Revista de Medic. y Cirurg. de Habana, 10. Fe¬ 
bruar 1903.) 

Verf. berichtet über einen Krankheitsfall mit typhusähnlichem Verlauf und 
ganz zweifelhaftem Widal, dessen Serum noch in starker Verdünnung den Gärt- 
nersehen Enteritisbadllus agglutinierte. Aus den Fäces wurde sowohl ein dem 
Paratyphusbadllus wie auch ein dem Enteritisbadllus ähnlicher Badllus isoliert; 
letzterer wurde ebenfalls durch das Serum agglutiniert; seine morphologischen 
und biologischen Eigenschaften werden genau beschrieben. 

Dem Krankheitsbericht geht eine sehr ausführliche Übersicht voraus über die 
bisher veröffentlichten Beobachtungen von Infektion durch die Badlien der »inter¬ 
mediären«, zwischen Bac. Typhi und Bac. Coli communis stehenden Gruppe (B. 
Enteilt Gärtner, B. Paratyphi, B. Paracolon etc.). Den Schluß bilden Be¬ 
merkungen über Serodiagnostik, pathologische Anatomie und Symptomatologie 
des Paratyphus. M. Kaufmann (Mannheim). 

Vafflard, L n. Dapter, Ql: La Dysenterie äpidämique. (Ann. de l’lnst Pasteur, 1903, 

S. 463.) 

In den schleimigen Entleerungen bei der epidemischen Ruhr in Frankreich 
trifft man regelmäßig einen Badllus, der vollständig identisch ist mit dem von 
Shiga entdeckten Mikroorganismus. Er wird ausschließlich von dem Blutserum 
der an dieser Dysenterieform Erkrankten agglutiniert, das Blutserum von an tro¬ 
pischer Dysenterie Erkrankten agglutiniert ihn nicht Durch subkutane Injektionen 
des Badllus oder seines Toxins kann man bei bestimmten Tieren Symptome erzeugen, 
die mit der epidemischen Ruhr große Ähnlichkeit haben. Der Badllus der Ruhr ist 
im Jahre 1888 von Chantemesse u. Widal zuerst beschrieben worden und ge¬ 
nauer charakterisiert von Shiga. Er scheint der alleinige Erreger der epidemischen 
Ruhr in den kälteren Ländern zu sein. Das von Kruse entdeckte Stäbchen, das 
in den Entleerungen der an asiatischer Ruhr Erkrankten auftritt, hat Ähnlichkeit 
mit vorliegendem Badllus, wird aber vom Blutserum der an der in Frankreich 
epidemischen Ruhr Erkrankten nicht agglutiniert Da es außerdem noch eine 
Reihe anderer Dysenterieen gibt (Balantidiendysenterieen), so muß man den ein¬ 
heitlichen Begriff des Krankheitsbildes überhaupt fallen lassen. 

K. Glaeßner (Berlin). 

Alapy: Appendidtis mit seltnerem Verlaufe. (Budapester königl.Ärzteverein; Wiener 

med. Wochen sehr., Nr. 43.) 

Bei dem 12jährigen Patienten bestand 5 Wochen hindurch kontinuierliches 
Fieber, zwei Wochen hindurch täglich ein Schüttelfrost Dabei bestanden fast 
gar keine lokalen Erscheinungen; keine Schwellung, keine peritonische Symptome, 
bloß eine minimale Druckempfindlichkeit, so daß die Diagnose per exdusionem 
gemacht werden mußte, durch die Laparotomie jedoch bestätigt wurde. Es fanden 
sich im Bauchraume 2—3 Eßlöffel voll klaren Serums; Wurmfortsatz anscheinend 
normal, an einer Stelle an den Dickdarm angelötet, im Innern punktförmige Hä- 
morrhagieen; mikroskopisch fanden sich die tubulären Drüsen durch entzündliche 

Nr. 1*. 

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Infiltration auseinandergeschoben, zum Teil fehlend, die Veränderung im proxi¬ 
malen Teile ausgesprochener, im ganzen also das von Riedel beschriebene Bild 
der Appendidtis granulosa. Der weitere Verlauf bestätigte die Diagnose. Mit 
der Operation (Resektion) hörte das Fieber auf; dieses muß also auf den Wurm¬ 
fortsatz bezogen werden, obgleich eine nähere Erklärung schwer zu finden ist 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Riedd: Die Resultate der Appendidtis-Operationen in Jena während des letzten Se¬ 
mestern. Aus d. Chirurg. Klinik zu Jena. (Mönch, med. Wochenschr., Nr. 47.) 

Von 89 vom 1. Mai bis 1. Nov. aufgenommenen Fällen von Appendidtis 
wurden 72 im akuten Stadium operiert; davon litten 62 an eitrigen, 10 an serös¬ 
eitrigen Prozessen. 17 Kranke wurden im freien Intervall operiert Von den 89 
Operierten wurden 86 geheilt, nur 3 starben, die schon mit Perforationsperitonitis 
eingeliefert waren. Dieses günstige Resultat veranlaßt R., nochmals seinen Stand¬ 
punkt in der Frage der Appendidtisbehandlung zu präzisieren, wonach in jedem 
Fall von akuter Appendidtis so früh wie möglich, noch ehe es zur Eiterbildung 
kommt, operiert werden soll. Schade (Göttingen). 

Ddius: Ober die Behandlung der funktiondien Störungen des Stuhlganges, besonders 
der Obstipation, dnrch hypnotische Suggestion. (Die Heilkunde, S. 481.) 

S. d. Zentralbl., 1903, S. 524. Schreiber (Göttingen). 

Wdl, Lumfere et Pdiu: Traitement des diarrhäes infantiles par les solntion de gda- 
tine. (Arch. g&i. de mäd., 1903, S. 2845.) 

Es wird eine Lösung von 1 / 10 Gelatine auf Wasser (500 g) hergestellt, dazu 
so viel Kochsalz zugefugt, dass das Gemenge eine physiol. Kochsalzlösung bildet 
Die Lösung wird filtriert, 7t Stunde lang auf 120° erhitzt und von dieser Lösung 
täglich 60—80 g verteilt in 6—8 Dosen gereicht Die Erfolge dieser Behandlung 
sind vorzüglich, die.Stühle nehmen an Zahl sofort ab und gewinnen normale 
Konsistenz. Die Wirkung erklären die Autoren so, daß Gelatine die grobe Ge¬ 
rinnung der Milch im Magen verhindere. Wurde Hunden erst ein Laxans, dann 
Gelatine gereicht, so erfolgte normale Defäkation, wurde es in umgekehrter 
Reihenfolge gereicht, so war der Stuhl diarrhoisch. Gelatine scheint sowohl die 
Säurewirkung als die Fermentwirkung zu hemmen. K. Glaeßner (Berlin). 

Haas: Ober Gallogen. (Die Heilkunde, S. 493.) 

H. empfiehlt das Gallogen (Eilagsäure), einen Verwandten des Tannins und 
der Gallussäure, der aber vor diesen besonders den Vorzug besitzt, das er sich 
nur in alkalischer Flüssigkeit löst Gallogen ist deshalb im Magen unwirksam, 
besitzt einen nicht gerade unangenehmen Geschmack und wird gut vertragen. Die 
Dosis 0,3, pro die 2—2,5 g. Die damit erzielten Erfolge sind gute, so daß weitere 
Versuche damit gerechtfertigt erscheinen. Schreiber (Göttingen). 

Katzenstein, M.: Die Behandlung der Fissnra ani. (Die Therapie der Gegenwart, 

S. 543.) 

Nach einer eingehenden Betrachtung der Pathogenese der Fissura ani, sowie 
über die üblichen Behandlungsmethoden derselben empfiehlt K. die Kombination 
von Belladonna, Kokain und Ichthyol in folgender Form: Rp. Extrakt. Belladonnae 
0,5, Cocain mur. 0,05 und Ammon, sulf.-ichthyol ad 6,0 M.D.S. Vor dem Oebrauch 
erwärmen und umschütteln. Das Extr. Beilad. soll den Sphinkterenkrampf auf- 
heben, das Kokain die Fissur unempfindlich machen und das Ichthyol heilend 
wirken. Mit dem Mittel wird ein kleines Stückchen zu einem stricknadeldicken 
Faden aufgewickelter Watte befeuchtet, diese wird bei dem in Seitenlage befind¬ 
lichen Patienten eingeführt und zwar an der der Fissur entgegengesetzten Wand 


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entlang—der Sitz der Fissur läßt sich durch Betasten der den Anus umgebenden 
Haut feststellen. Die Watte soll 5 Minuten oder besser bis zum nächsten Stuhl 
liegen bleiben. 8—10 Tage täglich 1—2 malige Anwendung des Mittels soll zur 
vollständigen Heilung führen. Vor Rezidiven schützt eine Regulierung des Stuhles 
sowie Sitzbäder. Schreiber (Göttingen). 

Zinn: Ober die Warmkrankheit Ankytostomiasis and Ihre Bekämpfung. (Die Therapie 
der Gegenwart, S. 529. 566.) 

Z. gibt eine ausführliche, interessante Beschreibung der Wurmkrankheit, die 
leider in Deutschland sehr erheblich zugenommen hat — nach den neuesten Be¬ 
richten sollen neuerdings 17161 Fälle — 9,09% aller Bergarbeiter beobachtet 
worden sein. Als eigentliche Seuchenherde zu betrachten sind die Bergwerke mit 
Temperaturen um 25° und mehr, sowie hohem Feuchtigkeitsgehalt Dement¬ 
sprechend sind hauptsächlich die unter Tag Arbeitenden gefährdet. Die Infektion 
erfolgt nur durch Einführung von Larven, im Darm selbst bilden sich keine neuen 
Würmer. Die Maßregeln gegen die Erkrankung bestehen 1) in der Vernichtung 
der Larven und der Vermeidung der Einschleppung von eierhaltigem Kot in die 
Grube, was erreicht wird durch Desinfektion mit Kalkmilch resp. Aufstellen von 
Abortkübeln in den Gruben; 2) in der Feststellung der mit Ankylstoma infizierten 
Arbeiter und Abtreibung der Würmer bei denselben. Letztere geschieht durch 
Extrakt, filic. (10,0 bis höchstens 15,0) und durch Abführmittel wie Sennainfus, 
Purgatin etc., weniger durch Rizinusöl. Schreiber (Göttingen). 

Maximow: Laparotomie nebst Exdsion eines 1 m langen Darmstückes wegen innerer 
Inkarzeration und Nekrose. (Russki Wratsch, Nr. 41.) 

M. berichtet über eine 56jährige Patientin, welche wegen Darmverschlingung 
mit Erscheinungen von hochgradiger Erschöpfung, gesteigerter Temperatur und 
beschleunigtem Puls in die Klinik aufgenommen wurde. Sofortige Operation. Bei 
der Eröffnung der Bauchhöhle stellte es sich heraus, daß ein bedeutender Teil 
des Darmtraktus in einem breiten Bauchfellband, welches von der hinteren Ober¬ 
fläche des Gebärmuttergrundes zur Radix mesenterii verlief, eingeklemmt war. 
M. entfernte den ganzen Darmabschnitt, dessen Lebensfähigkeit zweifelhaft war, 
d. h. exddierte ein 1 m langes Stück vom lleum. Zweietagennaht auf den Darm. 
Vemähung der Bauchhöhle unter gewissen Kautelen für den Fall einer eventuellen 
Komplikation, da malignes Exudat bestand. Glatte Heilung. Im Anschluß an 
diesen Fall bemerkt M., daß der Erfolg der Darmresektionen voll und ganz von 
der strengen Durchführung der Aseptik, der Tadellosigkeit der operativen Technik, 
der sorgfältigen Blutstillung und schließlich von dem Fehlen des Kollaps, der in 
vernachlässigten Fällen sonst vorhanden zu sein pflegt, abhängt 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Patel, M. et Cavaillon, P.: Den observatious d’exdusion unilaterale dans les cas de 
turnen» malignes du gros intestin. (Arch. gdn. 1903, S. 2241.) 

Die einseitige Ausschaltung eines Dickdarmabschnittes wurde von den Autoren 
2 mal ausgeführt und halten sie dieselbe für eine ausgezeichnete Palliativoperation 
bei Darmtumoren maligner Natur. Sie vereinigt die Vorzüge der Enteroanasto- 
mose und des Anus praeternaturalis, sie verhindert die Inkontinenz, schliesst das 
Neoplasma vollständig vom Berühren mit Fäkalien aus, da letztere unterhalb des 
Neoplasma in den unteren Darmabschnitt gelangen. Die Geschwulst wird da¬ 
durch völlig geschont Die Operation wurde mit Hilfe des Murphyknopfs aus¬ 
geführt K. Olaeßner (Berlin). 

Prdskh, Korndl: Angeborener doppelter Klappenvenchluß des Duodennm. (Jahrb. f. 

Kinderheilkunde, 1903, Bd. 57, S. 346.) 

Im Duodenum eines am 7. Lebenstage gestorbenen Kindes finden sich 2 von 


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einander 3 mm entfernt stehende, ringförmige Klappen, Schleimhautduplikaturen, 
welche das Darmlumen bis auf eine kaum linsengroße Öffnung verschließen. 

Keller (Bonn). 

Greene-Cumiton, C.: Contribtstion k l’ätude des hernies dpigastriques. (Ardi. gen., 

1903, S. 2049.) 

Die Prognose der Herniae epigastricae ist im allgemeinen günstig zu stellen, 
wenn die Affektion zur Zeit entdeckt und beseitigt wird. Die Anwendung der 
Bauchbinden und Pelotten ist wenig empfehlenswert Die einzige rationelle Be¬ 
handlung besteht in der Operation. Dieselbe besteht in Hautschnitt, Vorziehen 
und Spalten des Bruchsackes, Reponieren des Lipoms, Abbinden und Abtragen des 
Bruchsackes, sowie Schließen der Fasde, Muskeln und Hautwunde. 

K. Olaeßner (Berlin). 

Samengo: Nähnadel hi einen Brucbsack. (Semana Mddica de Buenos Aires; Referat: 
El Siglo Mddico, 20. Dezember 1903.) 

Es handelte sich um einen 60jährigen Oießer, der behufs Radikaloperation 
einer doppelseitigen Leistenhernie das Krankenhaus aufsuchte. Sein Beruf brachte 
es mit sich, daß er oft Nadeln in der Tasche mit sich führte. Die linksseitige 
Hernie bestand bereits seit 3 Jahren; anamnestisch war nur noch zu erfahren, 
daß er eines Abends bei der Arbeit plötzlich einen derart heftigen Stich in der- 
relben spürte, daß er die Arbeit kurze Zeit unterbrechen mußte. Bei der Ope¬ 
ration fand sich in dem auffallend dickwandigen Bruchsack ein 2 cm langes 
Nadelstück (mit Öhr). 

Während organische Fremdkörper in Hernien nicht allzu selten sind, dürfte 
nach Aussage des Verf.s ein metallischer Fremdkörper noch nicht beschrieben sein. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Houzel, Ch.: Les vdncs de Tanns. (Arch. gen., 1903, S. 2037.) 

Es gibt 3 Systeme von Venen im After, ein System, das die Morgagnischen 
Falten versorgt und aus 5 Stämmen besteht, die sich später in einen Hauptstamm 
vereinigen, weiter aus sogen. Pfeilervenen, die die Verbindung zwischen den 
Morgagnischen Falten und den 3 Valvulae vermitteln, und endlich das Venen¬ 
system der großen, mittleren und kleinen Valvula. Die Ableitungen der 3 Systeme 
erfolgt durch die V. hämorrhoidales inferiores med. und superiores. Die 3 Sy¬ 
steme stehen in Anastomosen untereinander, so daß eine Störung der Zirkulation 
leicht ausgeglichen wird. K. Olaeßner (Berlin). 

Moriceau Beaucbant, R. et Besonnet, R.: La Xanthome hdrdditaire et familiale. (Ardi. 

gdn., 1903, S. 2313.) 

Aus 2 eigenen und 18 in der Literatur vorhandenen Fällen schließen Verff., daß 
das Xanthom stets hereditär und fast immer mit Erkrankungen von Leber und 
Gallenwegen verbunden ist. Auch das diabetische Xanthom ist nur eine Form 
des hereditären und wahrscheinlich Folge einer Lebererkrankung, die zu Glyko- 
surie geführt hat K. Glaeßner (Berlin). 

Brandenburg: Ober die Wirkung der Galle auf das Herz and die Entstehung der Puls- 
verlangsamang beim Ikterus. (Berl. klin. Wochenschr., 1903, Nr. 38.) 

Aus den Ergebnissen physiologisch-experimenteller Versuchsreihen zieht B. 
Schlüsse auf die Art der Einwirkung der Galle auf das menschliche Herz — aller¬ 
dings unter Anerkennung der Schwierigkeit in der Deutung seiner Resultate, daß 
die charakteristischen Erscheinungen hier erst 2—3 Tage nach Eintritt der Qalle 
in das Blut allmählich, im Tierversuch rasch, unmittelbar eintreten. 

Nach B. handelt es sich beim Menschen um zweierlei: eine reflektorisch aus- 


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gelöste Errejping des Vagus und daneben wahrscheinlich um eine durch die 
längere Einwirkung des gallenhaltigen Blutes hervorgerufene Schädigung der Herz¬ 
muskelzellen , insbesondere der an den Mündungen der großen Herzvenen ge¬ 
legenen. 

Die Wirkung der Galle auf das Herz beruht auf ihrem Gehalt an gallensauren 
Salzen, deren Produktion in der Leber- bei längerer Dauer der Gelbsucht erheblich 
eingeschränkt zu werden scheint, woraus das Fehlen der Pulsverlangsamung bei 
chronischem Ikterus verständlich wird. Pickardt (Berlin). 

Rudanz, P.: Diagnostic et traitement de la cholecystite gravidiqne. (Arch. gdn. de 

med., 1903, S. 2965.) 

Zu den fieberhaften Krankheiten, zu denen die Schwangerhaft disponiert, ge¬ 
hört auch die Cholecystitis, sie tritt am häufigsten im 8.-9. Monat auf mit Er¬ 
brechen, Obstipation, Koliken. Der Beginn ist rapide mit Schmerzen im Hypo- 
diondrium, gewöhnlich in der Nacht, das Erbrechen ist häufig gallig, Zunge 
trocken, Temperatur 38,5—40°. Puls 120—144. Urin vermindert, rot, Schmerz¬ 
punkt in der Mitte zwischen Rippenbogen, Uterushom und Spina ilei. Selten ist 
die Gallenblase palpabel und Fluktuation nachweisbar. Die Diagnose stößt auf 
Schwierigkeiten. Es kommen differential-diagnostisch in Betracht: Wehen, Leber¬ 
krisen, Nierenkolik, Darmkolik, Interkostalneuralgie, Gastralgie, Eklampsie. Unter¬ 
schiede sind das Fieber, Sitz der Druckschmendiaftigkeit; eine einzige Affektion 
hat ähnliche Lokalisation: die Appendidtis. Vor Verwechslung mit Puerperalfieber 
schützt Untersuchung des Uterus. Therapie besteht in Laxantien, Diät, Hygiene 
als prophylaktische Maßregeln, in Milchdiät, Kalomel, Salicyl, eventuell operativem 
Eingriff als kurative Prozeduren. K. Olaeßner (Berlin). 

Fabozzi, F.: Ober die HMogenese des primären Krebses des Pankreas. (Beitr. zur 
path. An. u. allg. Path., 1903, Bd. 34, S. 199.) 

Verf. hat 5 Fälle von primärem Krebs des Pankreaskopfes untersucht und 
kommt zu folgenden Schlüssen: Die Tumoren haben das Aussehen des sdrrhösen 
Krebses, sie enthalten Epithelzellen die untereinander zu Haufen von verschiedener 
Größe vereinigt sind. Ihr Protoplasma ist ^ausgesprochen addophil. Das Stroma 
besteht aus derbem Bindegewebe. An der Übergangsstelle des Pankreas zum Neo¬ 
plasma bemerkt man eine Vermehrung der Langerhansschen Inseln; in der ersten 
Zdt sind dieselben hyperplastisch infolge der Vermehrung ihrer Elemente, ihre Zahl 
nimmt dann zu, und sie verschmelzen untereinander zu größeren Zellhaufen. 
Schließlich verschmelzen sie mit den Elementen der Neubildung. Die Drüsen¬ 
substanz schwindet an dieser Stelle. Im Schwanz des Pankreas sind die Drüsen 
wohl erhalten und haben hämophiles Protoplasma. Mitten unter ihnen fehlen die 
hyperplastischen lnselchen. Aus all diesem geht deutlich hervor, daß die Elemente 
der Neubildung von den Langerhansschen Zellen herrühren. 

K. Olaeßner (Berlin). 

Crozer-Griffith: Le scorbut Infantile. (Rev. mens, des malad, de l’enfance, 1903, 

Bd. 21, S. 289.) 

Verf. wendet sich zuerst gegen die Anschauung, daß die Häufigkeit des in¬ 
fantilen Skorbuts mit dem Oebrauch von »modified milk« aus den Milchlaboratorien 
in Zusammenhang stehe. Er beschreibt kurz die Organisation dieser Laboratorien. 

Seine eigene Erfahrung über infantilen Skorbut betrifft 26 Fälle, 24 aus der 
Privatpraxis und nur 2 aus poliklinischer oder Hospitalstätigkeit Als Ursache der 
Erkrankungen sieht Verf. in erster Linie die Ernährung mit Kunstpräparaten, in 
zweiter die Sterilisation der Milch an. Keller (Bonn). 

Mazzeo, F.: Contributo pcdiatrico alla teoria tiroidiana. (Gazz. intemat di medidna, 

Bd. 6.) 

Übersicht der einschlägigen Literatur und Mitteilung von 3 Fällen eigener 


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Beobachtung. Bei einem Falle von Basedow wurde unter Tyrojodin-Darreichung 
Besserung des Allgemeinbefindens, Abnahme des Exophthalmus und der Tachy¬ 
kardie konstatiert, bei einem Falle von Infantilismus günstige Wirkung auf die 
psychische Entwicklung. Keller (Bonn). 

Stembo, L: Ober die Behandlung der akuten Nierenentzündung mit Eis. (Die The¬ 
rapie der Gegenwart, S. 504.) 

Auf Grund einer Beobachtung von 20 erfolgreich behandelten Fällen empfiehlt 
St bei der akuten resp. bei akuten Nachschüben der chronischen Nephritis die 
Applikation von Eis in der Nierengegend. Dieselbe geschieht derart, daß eine 
längliche bisquitförmige Blase mit kleinen Eisstückchen gefüllt, auf beide Nieren¬ 
gegenden gelegt und durch eine Binde befestigt wird. Der Kranke soll dabei auf 
einer Seite liegen. Nach 2—3 Stunden wird die Blase für eine Stunde entfernt 
und dann wieder aufgelegt Die Anwendung soll solange geschehen, bis das 
Eiweiß aus dem Ham verschwunden ist Die Wirkung des Eises wird durch 
Verminderung der Spannung in der erkrankten Niere eridärt 

Schreiber (Göttingen). 

Jacobson: Ober ortfaotiscfae Albuminurie. (Bert. klin. Wochenschr., 1903, Nr. 40.) 

Als orthotische hat Heubner (1890) jene Form der physiologischen Albu¬ 
minurie charakterisiert, welche ausschließlich vom Übergang von der horizontalen 
in die aufrechte Stellung und umgekehrt abhängig ist J. hat bei seinen in diese 
Kategorie gehörigen Patienten ohne Ausnahme eine schwere hereditäre nervöse 
Belastung festgestellt und sieht in ihr aus diesem Orunde ein ausgesprochenes 
Degenerationszeichen. Die Mehrzahl befand sich im Pubertätsalter, auffallender¬ 
weise — d. h. im Gegensatz zu Erfahrungen anderer Autoren — männlichen Ge¬ 
schlechts, leicht ermüdbare, schlaffe, nervöse Menschen, Eiweiß fehlte stets im 
Nachturin und nach 24 ständiger Bettruhe; im Stehen wild mehr Albumen produ¬ 
ziert als im Gehen. Das ursächliche Moment für das Zustandekommen der Ei¬ 
weißausscheidung sieht Verf. in der wechselnden sekretorischen Funktion der 
Epithelien, der Harnkanälchen, die auf Nervenreiz momentan einsetzen und 
ebenso schnell sistieren kann. Die Gesamtmenge des Eiweiß — unabhängig vom 
spezifischen Gewicht — war meist gering, die einzelnen Portionen enthielten bis 
zu 0,1 °/o* Blutkörperchen und Zylinder selten, nie granulierte. 

Pickardt (Berlin). 

Lüthje, H.: Zur Frage der sogenannten febrilen Albuminarie nebst einigen Bemerkungen 

über die Bedeutung der Zylinder. (Die Therapie der Gegenwart, S. 491.) 

L betrachtet das Auftreten von Zylindern als eine pathologische Erscheinung, 
wenn auch nicht gerade von ernster Bedeutung, ln 99 Fällen konnte er keine 
Zylinder im Ham bei normalen Menschen finden mit Ausnahme bei einem Knaben, 
bei dem aber ein die Nieren schädigendes Moment nicht mit Sicherheit ausge¬ 
schlossen werden konnte. Doch beobachtete er bei verschiedenen Versuchsper¬ 
sonen nach Genuß von Alkohol Zylinder, sowie Eiweiß im Ham. Aus seiner 
250 einzelne Untersuchungen umfassenden Beobachtungsreihe zieht L den Schluß, 
daß die sogenannte febrile Albuminurie als eine leichte Nephritis aufgefaßt werden 
muß. Als Ursache derselben muß man wohl die bei den verschiedenen Infektions¬ 
krankheiten entstehenden Bakterientoxine ansehen. Die Prognose dieser Form 
ist im ganzen harmlos, eine besondere Therapie ist nicht gerade nötig. 

Schreiber (Göttingen). 

Burckhardt, L: Ober paroxysmale Hämoglobinurie. (Jahrb. f. Kinderheilkunde, 1903, 

Bd. 57, S. 621.) 

Verf. beobachtete im Baseler Kinderspital bei einem 6jährigen Knaben eine 
typische paroxysmale Hämoglobinurie und hatte Gelegenheit, in einzelnen Punkten 


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die Angaben anderer Autoren nachzuprüfen. Es zeigt sich, daß im Anfall die 
Hämogiobinämie dem Erscheinen des Hämoglobins im Harn vorausgeht Eine 
bei dem Knaben an beiden Ohren symmetrisch auftretende oberflächliche Gangrän 
weist auf Störungen der Vasomotoren hin. Kälte übt eine direkte Wirkung auf 
das zirkulierende Blut aus, Stauung ruft nur dann Hämoglobinämie hervor, wenn 
sie mit Kälte kombiniert ist Keiler (Bonn). 

Esteban: Ein Fall von Lipurie. (Original: Boletin del Colegio de Mddicos de Sala- 
manca; ausf. Referat v. Sarabia: Revista de Med. y Cir. Präct, 14. Dezember 1903.) 

Ein zweijähriges, bisher gesundes Kind ließ seit November 1902 häufiger 
als sonst Urin; derselbe war zunächst klar, bezw. setzte beim Stehen ein geringes 
Sediment ab; nach einigen Wochen wurde er aber trüb gelassen und zeigte eine 
milchig-weiße, bisweilen auch mehr kaffeebraune Farbe. Offenbar bestanden 
beim Urinieren Schmerzen. 

Die erste ärztliche Untersuchung im Februar 1903 eigab nichts Pathologisches 
als den geschilderten Urinbefund. Es wurde eine Cystitis angenommen und mit 
Höllensteinlösung gespült Erst die Erfolglosigkeit dieser Therapie veranlaßte 
eine genaue Untersuchung des Harns: spez. Oew. 1030, Reaktion sauer, kein 
Zucker, dagegen geringe Albuminurie; mikroskopisch zahlreiche Fetttröpfchen 
und Bakterien. Filtrieren beseitigte die Trübung nicht, wohl aber Zufügeri 
von Äther und einigen Tropfen Lauge. Wenige Tage später war die Albuminurie 
verschwunden, um nicht mehr aufzutreten. — Das Kind erhielt jetzt eine mög¬ 
lichst fettarme Kost: Eier (!), Äpfel, Birnen, Schokolade, Reis, Kartoffeln, Kalbfleisch, 
Konfekt Bald zeigte sich eine zeitweilige Aufhellung des Urins, und bereits 
Ende Februar war die milchige Trübung nur noch ausnahmsweise vorhanden, 
nämlich dann, wenn die Nahrungsauswahl nicht mehr so streng gehandhabt 
wurde. — Ende März trat eine leichte Resistenz in der Lebergegend auf, die 
nach 14 Tagen wieder verschwunden war. 

Verf. hält den Fall für eine reine Lipurie, keine Chyiurie, da bei einer solchen 
neben dem Fett stets auch Albumen im Urin wahrnehmbar sein müsse. Eine 
geringe Cystitis bestand zweifellos daneben. Er bespricht schließlich noch die 
verschiedenen Möglichkeiten, die zu einer Lipurie bezw. Hyperlipämie führen 
können, und hält es für möglich, daß in dem vorliegenden Fall die Lipurie 
durch eine Funktionsstörung der Leber entstanden sei, zumal ja im Verlauf der 
Erkrankung eine Anschwellung derselben nachzuweisen war. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Wollen berg: Ein Fall von Vergiftung dnrch chloraanres Kall im Sängiingsalter. (Arch. 
für Kinderheilk., 1903, Bd. 36, S. 351.) 

Verf. führt aus der Literatur 3 sichere Fälle von Kali chlor.-Vergiftung im 
Säuglingsalter an und fügt einen vierten, im Dresdener Säuglingsheim beobachteten 
an. Es handelt sich um ein 2V* Monate altes Kind, welches infolge einer Ver¬ 
wechslung innerhalb 18 Stunden ca. 1 g Kali chlor, erhielt. Im Vordergrund der 
Erscheinungen, die im übrigen von den bekannten nicht abweichen, standen die 
Nierensymptome — schon vor der Vergiftung war eine Nephritis nachgewiesen, die 
allerdings im Abheilen begriffen war. Keller (Bonn). 

Laisney, C: De Faugmentation de la säcretion lactäe solvent les demandes. (These 

de Paris, 1903.) 

Verf. geht von der Tatsache aus, daß von allen Prozeduren, durch welche die 
Milchsekretion bei der Frau angeregt oder gesteigert werden soll, nur das wieder¬ 
holte Anlegen des Kindes — event. eines fremden, kräftig saugenden Kindes — 
Erfolg verspricht Wird dies konsequent durchgeführt, so gelingt es fast bei allen 
Frauen, die Milchsekretion nach der Entbindung in Gang zu bringen und sie 


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wieder anzuregen, wenn das Stillen eine Zeit lang unterbrochen wurde. Außer¬ 
dem ist die Milchsekretion je nach Bedarf in hohem Grade steigerungsfähig. Als 
Beweis werden fremde und eigene Beobachtungen angeführt Keller (Bonn). 

I. Szttely: Nouveau procädä de prfparatkw d'un laft modiftt destind k Ort eoployl 
eonme suecddand dn laft de fern me. (Revue d’hygifene et de mddedne infantile, 

Bd. 2, S. 178.) 

II. Grösz, J.: Ezpdriences d’aiimentation par le laft modifid de Sz&dy, en partkuller 

chez les nourrissons malades. (Ibidem, S. 155.) 

Szdkely fällt das Kasein der Kuhmilch durch Kohlensäure, welche unter 
einem Druck von 25—30 Atmosphären der frischen Milch beigemengt wird, und 
schöpft das Serum vom gefällten Kasein ab, wobei die Kohlensäure entweicht 
Durdh Mischung der Molke mit 10%iger Sahne im Verhältnis von 2 : 1 und Zu¬ 
satz von 1,5% Zucker erzielt er angeblich eine Kindermilch von 3,3% Fett, 1,2 % 
Kasein, 6,2% Zucker und 0,6% Aschebestandteilen. Da die Kohlensäure selbst 
bakterizid wirkt, genügt zur Sterilisation der Milch einstündiges Pasteurisieren bei 
60-65°. 

Mit dieser Säuglingsmilch machte Orösz Emährungsversuche an 22 Säug¬ 
lingen. Die erzielten Körpergewichtszunahmen sind relativ gut, wenn auch die 
Dannstörungen mehr oder weniger lange Zeit bestehen bleiben. Die Beurteilung 
der Erfolge wird dadurch erschwert, daß ausführliche Angaben über die Vorge¬ 
schichte der Kinder, über die Erfolge der vorangehenden Ernährung fehlen. 

Keller (Bonn). 

Brüning: Ober die Verwertbarkeit des Soxhletschen Nährzockers in der Säuglings- 
tberapie. (Beri. klin. Wochenschr., 1903, Nr. 39.) 

Der Soxhletsche Nährzucker besteht aus Maltose und Dextrin zu gleichen 
Teilen mit einem geringen Zusatz von sauren Kalksalzen und stellt ein eiwei߬ 
freies, direkt resorbierbares Umwandlungsprodukt der Stärke dar. Ein Gemisch 
von 1 Teil Milch und 2 Teilen Nährzuckeriösung (d. h. 100 g pro Liter) enthält 
11,4 g Eiweiß, 12,2 g Fett und 106 g Kohlenhydrate (nachWeißbein); der Säure¬ 
gehalt des Nährzuckers ist (nach Moro) sehr gering. 

Die Anwendung des Präparats ist indiziert 1. in akuten Fällen als erste Nah¬ 
rung nach Wasserdiät, 2. bei chronischen Ernährungsstörungen, besonders nach 
fett- und milchreicher Nahrung. Der Nährzucker wirkt ferner leicht obstipierend. 

Bei diesen schon von anderen Ärzten aufgestellten Indikationen hat der Zucker 
sich auch Verf. (Soltmannsche Klinik) — wie auch bei magendarmgesunden 
Kindern als rationeller Zusatz zur Milchnahrung bewährt. Pickardt (Berlin). 

Hotz: Physikalisch-chemische Untersuchungen über Kuhmilch. (Jahrb. f. Kinderheil¬ 
kunde, 1903, Bd. 58, S. 355.) 

Unter Leitung Koeppes (Gießen) bestimmte Verf. Gefrierpunktserniedrigung 
und Leitungswiderstand der Milch und untersuchte 

( mit Rahm 
ohne Rahm 

Einfluß des Aufbewahrens im Kühlraum 
T emperatur-Koeffizient. 

Einfluß des Kochens: 

Verdptningsvereuche | JJj“ + ^,7’+ Trypsin. 

Backhausmilch. 

Abrahmen hat in allen Versuchen eine Zunahme der Leitfähigkeit zur Folge, der 


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Einfluß auf die Gefrierpunktsemiedrigung äußert sich hingegen nicht gleichmäßig. 
Durch den Kochprozeß erfahren Leitfähigkeit wie Oefrierpunktserniedrigung eine 
Abnahme. Die Labgerinnung ist ohne Einfluß auf die Gefrierpunktsemiedrigung, 
die Leitfähigkeit wird gebessert, während Säuerung eine starke Zunahme beider 
Größen veranlaßt Bei der Trypsinverdauung sinkt die Leitfähigkeit zuerst, um 
nachher anzusteigen, die Gefrierpunktsemiedrigung nimmt stetig zu. 

Keller (Bonn). 

Popper, R.: (Jeher den Einfluß der Labgerlnnung auf die Verdaulichkeit der Milch. 

(Pflügers Archiv. Bd. 92, S. 605.) 

Kuhmilch wurde durch Lab zur Oerinnung gebracht und der Trypsinverdau¬ 
ung unterworfen. Als Maßstab zur Beurteilung des Grades der Verdauung galt 
die Summe des Stickstoffs, welcher sich nach der Verdauung in dem noch unge¬ 
lösten Rückstand sowie in noch aussalzbaren Verbindungen vorfand. Das Aus¬ 
salzen geschah nach Bau mann und Börner mit Zinksulfat Es ergab sich, daß 
nach Labgerinnung in dem ungelösten Rückstand nach 2 ständiger Verdauung 
3,2—5,3 % N mehr enthalten war, als ohne vorherige Labgerinnung. 

Szubinski (Ootha). 

Wfirtz, Adolf: Ein Beitrag zur Emährungsphysiologie des Säuglings. (Jahrb. f. Kinder¬ 
heilkunde, Bd. 58, H. 3, S. 528.) 

An dem eigenen Sohn (Anfangsgewicht 3950 g) Beobachtungen, Körperge¬ 
wichtswägungen und genaue Bestimmung der Nahrangsmenge in einzelnen Mahl¬ 
zeiten bis zum Ende der 26. Lebenswoche. Während der ersten 22 Tage aus¬ 
schließlich Brust, dann Beikost in Form von Biedertschem Rahmgemenge. (Zu¬ 
gabe von Beikost hat angeblich nach Verf. den Vorteil, daß das nun kräftiger sau¬ 
gende Kind einen intensiveren Reiz auf die Milchsekretion der Mutter ausübt) 
In der 10. Woche wurde die Beikost beiseite gelassen, vom 66.—151. Lebenstage 
ausschließlich Brust, dann allmählich bis zum 170. Tage Entwöhnung mit Voll¬ 
milch. Energie- und Zuwachsquotient wird berechnet Betreffs Einzelheiten sei 
auf das Original verwiesen. Keller (Bonn). 

Trolldenier: Tierversuche über subkutane Ernährung mit eiweißhaltigen Nährlösungen. 

(Bert klin. Wochenschr., 1903, Nr. 40.) 

Einer Anzahl von Hunden und 2 Menschen wurden unter aseptischen Kau- 
telen sterile Lösungen eines zwischen nativem Eiweiß und den käuflichen Albu- 
mosen stehenden Präparates (Fabrik Heyden, Radebeul) subkutan injiziert, am 
geeignetsten 8%ig und 0,6% Kochsalz enthaltend. Daneben wurde die gewöhn¬ 
liche Nahrung gereicht ln dieser Zusammensetzung waren die Einspritzungen 
weder schmerzhaft noch erregten sie Entzündungen, dagegen trat stets eine 
Temperatursteigerang ein. Der Urin enthielt nach den Einspritzungen (100 ccm) 
nie Albumen, oft Albumosen, so in einem Fall nach Einverleibung von insgesamt 
310 g Eiweißstoffen 3 g Albumosen. ln allen Fällen sind Gewichtszunahmen 
notiert. Pickardt (Berlin). 

Kaufmann: Der gegenwärtige Stand der Lehre von der Eiweißmast (Zeitschr. f. 
diätet. u. physik. Therapie, S. 355. 440.) 

K. unterzieht die über die Eiweißmast bisher vorliegenden Versuche einer ein¬ 
gehenden kritischen Sichtung und kommt zu dem Schluß, »daß wir zur Zeit noch 
sehr weit von irgend welchem sicheren Wissen über Möglichkeit und etwaigen 
Umfang einer Eiweißmast entfernt sind«. Eine solche ist zwar sehr wahrschein¬ 
lich und man findet eine Stütze für diese Annahme in dem mehrfach untersuchten 
Verhalten der Nährsalze. Weitere Versuche in dieser Richtung hätten sich in einer 
von K. skizzierten Weise zu bewegen. Was die praktische Frage dieser Seite an- 


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betrifft, so würden zwei Wege für eine Eiweißmast eingeschlagen werden können, 
nämlich Vermehrung des Eiweiß der Nahrung oder Vermehrung der stickstoff¬ 
freien Nährstoffe; je nachdem gleichzeitig Fettansatz erwünscht ist oder nicht, 
wild der eine oder andere Weg eingeschlagen weiden müssen. Mit Recht halt 
K. daran fest; daß vernünftig geleitete Mastkuren Ersprießliches zu leisten im 
stände sind. Schreiber (Oöttingen). 

v. Lange, E.: Die Gesetzmäßigkeit im Längenwachstum des Menschen. (Jahrb. f. 

Kinderheilkunde, 1903, Bd. 57, S. 261.) 

Verf. faßt die Ergebnisse der Massenbeobachtungen an Schulkindern und der 
Messungen an einzelnen Individuen zusammen, ln seinen Kurven tritt als cha¬ 
rakteristisch das zweimalige impulsive Auftreten der Wachstumsenergie hervor. 
Das stärkste Wachstum zeigt sich bei der Geburt des Menschen und dann noch¬ 
mals in der Periode der Pubertät. Beide Male folgt dem impulsiven Auftreten 
der Wachstumenergie eine rasche Abnahme derselben, die im ersten Falle zu 
einem gemäßigten Wachstumstempo, im zweiten bis zum Erlöschen der erkenn¬ 
baren Längenzunahme führt Auf der Strecke zwischen dem 2. Lebensjahr bis 
zum Beginn des Pubertätsantriebes stellt die Kurve eine Parabel dar. 

Keller (Bonn). 

Schilling, F.: Zur Sekretion der Speicheldrüsen, insbesondere der Glandula submazil- 
iaris im Singlingsalter. (Jahrb. f. Kinderheilkunde, Bd. 58, H. 3, S. 528.) 

Verf. stellt nochmals die über die Frage vorliegende Literatur zusammen und 
berichtet über Versuche, aus denen hervorgeht, daß die Submaxillaris 2—3 Wodien 
alter Kälber Ptyalin enthält und ebenso der (Submaxillaris ?)-Speichel 9 Tage bis 
6 Wochen alter Säuglinge. Bei derartigen Versuchen wild immer wieder die An¬ 
passungsfähigkeit des Organismus zu wenig berücksichtigt: die Funktion der Ver¬ 
dauungsdrüsen, die Produktion der spezifischen Fermente hängt von der Art der 
Nahrung ab. Keller (Bonn). 

Grobe, B.: Die totale Magenexstirpation bei Tieren. (Archiv f. experiment. Pathol. 
u. Pharmakol., Bd. 49, S. 114.) 

G. gibt eine Darstellung der bisherigen Versuche über Magenexstirpation bei 
Tieren und eine ausführliche Beschreibung der Magenexstirpation bei dem Hunde, 
den Matthes zu seinen Versuchen benutzt hat (s. S. 26 d. N.). 

Schreiber (Oöttingen). 

Dobromysiow: Ober die physiologische Bedeutung der Drüsen, weiche Pepsin im 
alkalischen Medium absondern (Pylorus- und Brnnnersche Drüsen). (Russki Wratsdi, 

Nr. 43.) 

D. suchte die Frage zu beantworten, von welcher Bedeutung und von welchem 
Sinne die Tatsache ist, dass im Brunner- und Pylorus-Abschnitt neben hoch- 
wirksamem Magensaft noch ein Saft vorhanden ist, der Eiweißsubstanzen in 
saurem Medium verdaut, der aber im Gegensatz zum Saft, der aus dem Boden 
des Magens stammt, von saurer Reaktion ist, wenig gesättigtes Pepsin enthält 
und bei geringem Aciditätsgrade (0,1 %) wirkt. Es ergab sich nun, daß die 
Säfte dieser Abschnitte in gesteigerter Quantität und mit konzentriertem Gehalt 
an fettspaltendem Eiweißferment abgesondert weiden, während die Saftabson¬ 
derung des Magengrunds eine Depression erfährt und fermentarm sowie in 
geringerer Acidität abgesondert wird. Beim Studium des Freiwerdens von Fetten 
aus fetthaltiger Nahrung und der Anteilnahme der verschiedenen Fermente an 
diesem Prozeß fand D., daß nur die Pepsinverdauung die Fette des Fleisches 
frei und folglich auch assimilierbar macht Infolgedessen tritt, wenn die Magen¬ 
saftabsonderung bei fettreicher Nahrung spärlich ist oder vollständig fehlt, eine 


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gesteigerte Sekretion von Brunner- und Pylorussaft ein, welcher einen konzen¬ 
trierteren Fermentgehalt aufweist Durch diese Safte wird nun das Fett des 
Fleisches frei gemacht; die Wirkung dieser Safte hält auch im Darm an, dank der 
geringen sauren Reaktion, die im Dünndarm herrscht, sowie dem Erhaltensein 
des Ferments desselben. Zu gleicher Zeit zerstört dieses Ferment (Pepsin), indem 
es bei geringem Additätsgrade wirkt und wenig gesättigt ist, nicht die Fermente 
pankreatischen Saftes,, wodurch günstigere Bedingungen zur Bearbeitung und 
Assimilation der Fleisdifette geschaffen werden. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Ssawitsch: Ober den Mechanismus der normalen Pankreassaftabsondernng. (Russki 

Wratsch, Nr. 36.) 

Ss. führt aus, daß die Bauchspeicheldrüse einerseits durch Impulse, welche 
den Nervensträngen entlang verlaufen (Nn. vagi et splanchnid), anderseits durch 
Erreger, die im Blute zirkulieren, in Funktion gesetzt wird. Durch Nerveneinflüsse 
wird die auf Seifen eintretende Saftsekretion bedingt, weil die Atropinisation und 
Durchschneidung der Nerven die Sekretion unterbrechen. Säuren erregen das 
Pankreas auf andere Weise, weil durch Atropinisation die Sekretion nicht gehemmt 
wird. Ein mit der Schleimhaut des Duodenum oder Jejunum hergestelltes Infus 
(Sekretin) ruft, in das Blut eingeführt, starke Saftabsonderung hervor. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Fteeher, F.: Untersuchungen über die Strnktanrerändemngen des Pankreas n. deren 
Beziehungen zu dem funktionellen Zustande bei normalen und bei entmilzten Hunden. 

(Beitr. zur path. An. u. allg. Path., 1903, Bd. 34, S. 104.) 

Das histologische Aussehen der Sekretionszellen des Pankreas zeigt in den 
verschiedenen Perioden der Verdauung und im nüchternen Zustand dieselben Ver¬ 
änderungen bei entmilzten Hunden wie bei normalen, sonach vollzieht sich die 
Erzeugung des tryptischen Zymogens unabhängig von jeder Beeinflussung der 
Milz. Die Inselchen von Langerhans zeigen in den verschiedenen Stadien der 
Verdauung funktionelle morphologische Veränderungen, welche bei normalen und 
bei entmilzten Hunden die gleichen sind. Die Wegnahme der Milz hat also keinen 
Einfluß auf die Funktion der Inselchen. Das Epithel der Ausführungsgänge des 
Pankreas ist mit der Fähigkeit zu sezemieren ausgestattet, die Milz erzeugt be¬ 
sonders während der Verdauung ein oxydierendes Enzym, das in den Kreislauf 
übergeht; von diesem gelangt es durch besondere Funktionen, die an Verände¬ 
rungen des Epithels der Ausführungsgänge geknüpft sind, in das Lumen der 
Drüsenkanäle und kann das Zymogen in aktiven Pankreassaft verwandeln. Die 
Fähigkeit des Epithels der Ausführungsgänge der Pankreasdrüsen zu sezemieren 
ist bei entmilzten Hunden sicherlich sehr gestört, bei den Hunden, die der Sple- 
nektomie unterworfen worden waren, ist der Pankreassaft unwirksam. (Dem Verf. 
scheinen die wichtigen und bahnbrechenden Untersuchungen der rassischen und 
französischen Schule über die aktivierende Wirkung des Darmsaftes auf das Pan- 
kreaszymogen gänzlich unbekannt zu sein! Ref.) K. Olaeßner (Berlin). 


Heüy, K.: Ftmktionsmechanismns der Milz. (Beitr. zur path. An. u. allg. Path., 1903, 

Bd. 34, S. 387.) 

Verf. hat die Frage geprüft, ob die Milz im stände ist, auf das Blut eine rei¬ 
nigende Wirkung auszuüben und im Sinne einer Lymphdrüse zu wirken. Die 
Antwort auf die Frage ist eine bejahende und stützt sich auf folgende Tatsachen: 
Dauernde Ablagerung von belebten und unbelebten Elementen (Bakterien, fremden 
Blutkörperchen, Zinnober) aus der Blutbahn zwischen die Zellen der Pulpa, ohne 
daß hierbei eine gleichsinnige Tätigkeit der Leukocyten erforderlich wäre. Die 
Unabhängigkeit der in der Pulpa abgelagerten Elemente von der Wirkung der 
Kapsel- und Trabekularmuskulatur. Die aus dem Inhalt der Milzgefäße durch deren 


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Wandung hindurch in die Pulpa eingetretenen Elemente bleiben daselbst abge¬ 
lagert, wofern sie nicht durch Leukocyten oder durch ihr eigenes Wachstum in 
die Gefäße zurückbefördert werden. Keinesfalls aber erfolgt diese Zurückbeförde¬ 
rung durch den Blutstrom oder durch die Gerüstmuskulatur der Milz selbst 

K. Glaeßner (Berlin). 

Sieber-Schumowa: Ober die Wirkung der Oxydationsfermente auf Kohlenhydrate und 
speziell auf Zucker. (Russki Wratsch, Nr. 44.) 

Verf. berichtet über die Wirkung der Oxydationsfermente tierischen und pflanz¬ 
lichen Ursprungs auf Kohlenhydrate im allgemeinen und auf Zucker insbesondere. 
Die Fermente tierischen Ursprungs wurden aus dem Fibrin des Blutplasmas ge¬ 
sunder und immunisierter (gegen Diphtherie, Streptokokken und Staphylokokken) 
Tiere gewonnen, wobei konstatiert wurde, daß das Fibrin der immunisierten Tiere 
(Pferde) sich haupsächlich dadurch auszeichnet, daß es Oxydationsfermente in 
bedeutender Quantität enthält, die im normalen Fibrin fast gamicht vorhanden 
sind. Im ganzen sind drei Fermente isoliert worden, von denen das erste sich 
in Wasser, das zweite in neutralen Salzen und das dritte in Alkohol und Wasser 
löste. Die Versuche ergaben, daß alle diese Fermente die Fähigkeit besitzen, 
Zucker zu zersetzen, wobei diese Fähigkeit bei dem ersten am meisten, bei dem 
zweiten Ferment am geringsten ausgesprochen ist. Der betreffende Zersetzungs¬ 
prozeß wird von Sauerstoffverbrauch und Kohlensäure-Ausscheidung begleitet, 
wobei die Kohlensäure am meisten unter der Einwirkung des ersten und am 
wenigsten unter derjenigen des zweiten Ferments ausgeschieden wird. Durch 
weitere Beobachtungen wurde konstatiert, daß nicht nur Monosaccharide, sondern 
auch Disaccharide (Rohrzucker) und Polysaccharide (Stärke) von diesen Fermenten 
beeinflußt werden. Ebensolche glykolytischen Fermente sind, vom Fibrin ab¬ 
gesehen, aus der Milz sowohl wie auch aus anderen Organen und aus verschie¬ 
denen Pflanzen, wie aus Früchten, aus verschiedenen Gemüsearten, Pilzen etc. 
gewonnen worden, wobei sämtliche isolierten Fermente trotz ihres verschiedenen 
Ursprungs die gleiche Fähigkeit zeigten, Zucker zu zersetzen. Letztere Tatsache 
ist aus dem Grunde von besonderer Bedeutung, weil sie auf die Identizität der 
in pflanzlichen und tierischen Organismen sich abspielenden Prozesse hinweist. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Bernert, R.: Ober milchige, nicht fetthaltige Eigüsse. (Archiv f. experiment. Pathol. 
u. Pharmako!., Bd. 49, S. 32.) 

Im Anschluß an zwei ausführlicher mitgeteilte Fälle von milchigem Erguß 
bringt B. eine sehr eingehende Darstellung der bisher beobachteten chemischen 
Untersuchungsresultate. Die Ergebnisse dieser Arbeit, auf deren Einzelheiten hier 
nicht näher eingegangen werden kann, lauten etwa: Die milchige Trübung der 
Transsudatflüssigkeit ist in einzelnen Fällen nicht durch Fett, sondern durch Ei¬ 
weiß bedingt. Der betreffende Eiweißkörper gehört in die Gruppe der Globuline, 
denen durch heißen Alkohol reichliche Mengen Lecithins entzogen werden können. 
Der Fettgehalt ist ein sehr niedriger. Das Fett nähert sich in seinen Eigen¬ 
schaften denen des sogen. Degenerationsfettes. Die anorganischen Verbindungen 
entsprechen in ihren Mengeverhältnissen den bei serösen Transsudaten gefundenen. 

Schreiber (Göttingen). 

v. Jacksch, R.: Beobachtungen über die Menge des im Blute des kranken Menschen 
sicn vorfindenden Harnstoffes. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 24 [N. F. Bd. 4], Jahrg. 

1903, H. 11.) 

Verf. veröffentlichte bereits in der v. Leyden sehen Festschrift 20 Fälle, die 
er auf den Hamstoffgehalt des Blutes untersucht hatte. Jetzt führt er 24 weitere 
Beobachtungen hinzu, deren Resultat sich in folgende 3 Sätze zusammenfassen 
läßt; 


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1. Die Harnstoffmenge wechselt bei verschiedenen Erkrankungen, der Wert 
ist bei Tuberkulose, septischen Prozessen und Kohlenoxydvergiftung niedrig, 
ebenso bei gewissen Nephritisformen, dagegen hoch bei Pneumonie, be¬ 
sonders bei Komplikation mit Nephritis, und bei schwerem Abdominal¬ 
typhus. 

2. Die in ihrem klinischen Bilde anscheinend gleichen Falle von durch Nieren¬ 
affektionen bedingter Urämie zerfallen in solche, welche Hamstoffzunahme 
und Erniedrigung des Wertes d für das Blutserum zeigen, und solche, bei 
denen keine Vermehrung des Hamstoffgehaltes, aber normaler Wert für d 
im Blutserum nachgewiesen wird. 

3. Die durch Phosphorwolframsäure nicht fällbare stickstoffhaltige Substanz 
des Blutes besteht vorwiegend nur aus Harnstoff. Schilling (Leipzig). 

PerHn, Anna: Beitrag zur Kenntnis der physiologischen Grenzen des Hlmoglobinge- 
haltes nnd der Zahl der Blutkörperchen im Kindesalter. (Jahrb. f. Kinderheilkunde, 

1903, Bd. 58, S. 549.) 

Verf. faßt die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in folgenden Schlußsätzen zu¬ 
sammen: der Hämoglobingehalt ist beim Neugeborenen in den ersten 3 Tagen 
am höchsten (116—119), fängt am 4. Tage an zu sinken, so daß er im 1. Lebens¬ 
jahre das Minimum erreicht (58—78). Dann steigt er bis zum 15./16. Lebensjahre. 

Ebenso ist die Zahl der roten Blutkörperchen in der ersten Woche am höchsten, 
erreicht im 1. Lebensjahre ihren niedrigsten Wert, steigt bis zum 4. und dann 
nochmals bis zum 16. Lebensjahre. Die Zahl der weißen Blutkörperchen, in den 
ersten 2 Tagen am höchsten, sinkt bis zum 4. Lebensjahre, bleibt bis zum 8. Lebens¬ 
jahre auf gleicher Höhe, um dann bis zum 16. Jahre abzunehmen. 

Keller (Bonn). 


Moll, Leopold: Ober Blntverftnderungen nach Eiweißinjektionen. (Hofmeisters 
Beitr. z. Chem. Phys. u. Path., Bd. 4, H. 12.) 

Bei dem Immunisierungsvorgange erfahren die Eiweißkörper des Serums 
quantitative Veränderungen, Globulin spielt dabei eine Rolle, zur Sicherstellung 
der Immunitätsreaktionen benutzt M. eine Messung der Präzipitinreaktion. Seine 
Tierversuche ergaben, daß die Globulinvermehrung ein wesentlicher Vorgang bei 
der Präzipitinbildung ist Wahrscheinlich hängt die Globulinvermehrung von der 
Leukocyten- und Fibrinogenvermehrung ab, die mit dem Immunitätseintritt ein¬ 
hergeht; mit dem Auftreten vermehrter Leukocyten geht auch ein Zerfall Hand 
in Hand. Schilling (Leipzig). 


Leenum, C. van: Die Enetzung physiologischer Kochsalzlösung durch ftqulmolekulire 
Lösungen einiger Natriumverbindungen zur Anwendung nach starkem Blutverlust. 

(Archiv f. experiment Pathol. u. Pharmokol., Bd. 49, S. 85.) 

L. versuchte auf experimentellem Wege die Frage zu lösen, ob sich die phy¬ 
siologische Kochsalzlösung durch äquimolekuläre Lösungen anderer anorganischer 
und organischer Natriumverbindungen ersetzen ließe. In der Tat lassen Lö¬ 
sungen von essigsaurem, schwefelsaurem, salpetersaurem, ameisensaurem Natrium 
denselben Effekt auf die erloschenen Atembewegungen erkennen, wie die phy¬ 
siologische Kochsalzlösung. Dagegen riefen Einspritzungen von zitronensaurem 
Natron Krämpfe hervor. Bei Injektion von milchsaurem Natron war der Erfolg 
nur ein geringer, etwas größer noch bei propionsaurem Natron. Als wirksam 
erwiesen sich auch Dextrose und Rohrzucker. Tiere, denen Brom- und Jod- 
nafriumlösungen eingespritzt waren, lebten 24 Stunden, während dieser Zeit 
schieden sie kein Brom oder Jod aus, dagegen ließen sich diese Verbindungen 
in den Muskeln der Tiere nadiweisen. Schreiber (Göttingen). 


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IM, LnpaM: Ober IMhte OavaaAug «w h flhMi. (Hof¬ 

meisters BeHr. z. cbem. Phyt n. PsÜl, Bd. 4, H. 12.) 

Froher glaubte man, daß sich OtobuHn kaum von den künstlichen Albumi- 
uaten trennen ließe, indessen unterscheiden sie sich nach M. durch ihr Verhalten 
gegen neutrale Salzlösungen und bei der Analyse im verschiedenen Schwefelgehalt. 

Mj Versuche ergaben, daß trotz des Unterschiedes Albumin in Globulin 
übergeführt werden kann. Worauf der Vorgang beruht, müssen neue Prüfungen 
lehren, in der Schwefelabspaltung allein ist nicht das Entscheidende zu vermuten. 

Schilling (Leipzig). 

Nürnberg, JL: Ober Ae koaguli erende Wirkung autolytischer Organextrakte auf Albu- 

moeenlüsuagen and Milch. (Hofmeisters Beitr. z. ehern. Phys. u. Path., Bd. 4, 

H. 12.) 

Bei der Autolyse zerfallen Eiweißkörper und Nuldeoproteide zu kristallini¬ 
schen Endprodukten, die Kohlenhydrate bis zur Bildung von Fettsäuren. Die 
Frage, ob die autolysierten Organe nicht auch — außer der proteolytischen, lipo- 
lytischen und gtykogenspahenden — Lab Wirkung besitzen, war schon beantwortet, 
indem die Extrakte der Magenschleimhaut, des Pankreas und Papayotin die Milch 
labten und Niederschläge in Albumosenlösungen erzeugten. 

N.s U n t ersu c hu ngen in dieser Labfrage ergaben, daß die autolytischen Ex¬ 
trakte von Lebern auf Albumosen am stärksten koagulierend wirken, dann folgen 
Magen- und Lungenextrakte, später Pankreas-, Dünn-, Dickdarm-, Nieren-, Oehim-, 
Eier- und MuskeJextrakte. Was die Labwirkung anbelangt, so stehen Pankreas¬ 
extrakte an erster Stelle, die nötige Zeit beträgt nur Minuten, bei anderen Ex¬ 
trakten dagegen Stunden. 

Für den Abbau der Organe und einzelnen Gewebe im lebenden Organismus 
bringt die Autolyse immer neue Einblicke; die Autolyse bei Störungen der Zir¬ 
kulation weist Analogie mit künstlich erzeugter Autolyse auf. Proteolyse, 
Lipolyse, Glykologenspaltung wird vermehrt durch die plasteinogene und milch¬ 
labende Wirkung. Ob die Labung und Plasteinbildung einem Fermente zuzu¬ 
schreiben sind, bleibt offen. Schilling (Leipzig). 

Beyer, H.: Ober die plastetuogeae Substanz. (Hofmeisters Beitr. z. ehern. Phys. 

u. Path., Bd. 4, H. 12.) 

Nicht nur Lab, sondern auch Pepsin, Trypsin bezw. Magen- und Pankreas¬ 
saft, selbst Darmsaft erzeugen in Albumosenlösungen einen Niederschlag. Dieser 
Vorgang wurde ehemals von Danilewski als eine Rückbildung von Eiweiß aus 
Verdauungsprodukten betrachtet B. stimmt dieser Auffassung nicht ganz zu, 
noch schließt er sich der Anschauung Sawjolows über diesen Prozeß an, daß 
die Plasteinbildung bei verschieden zusammengesetzten Eiweißstoffen zur Bildung 
des gleichen Anhydrideiweißes führe; doch gibt er der Auffassung Ausdrude, 
daß die allgemeine Verbreitung plasteinbildender Fermente in tierischen und 
pflanzlichen Geweben höchst wahrscheinlich die Zellen befähigt, zugeschwemmte 
Stücke des Eiweißmoleküls durch Überführung in unlöslichen Zustand festzuhalten 
oder gar durch einen Kondensationsvorgang den Eiweißkörpern des Protoplasmas 
anzugliedern. Schilling (Leipzig). 


Ribbert, Hugo (Göttingen): Die Morphologie und Chemie der fettigen Degeneration. 

(Dtsch. med. Woche nschr., Nr. 44.) 

Im Gegensatz zu den von Rosenfeld und Kraus auf chemischem Wege ge¬ 
fundenen Resultaten, nach denen das Fett bei Fettinfiltration und fettiger De¬ 
generation nicht aus dem Protoplasmaeiweiß der Zellen entsteht, sondern 
es sich bei diesen Vorgängen einmal um Fettwanderung aus den vorhandenen 
Fettdepots handelt und im andern Falle, bei lokaler Degeneration, das Fett aus 


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vorher bereits in den Zellen vorhandenen fettverwandten Stoffen (Ledthin, Prot¬ 
agon) abzuleiten oder als im Zellsaft gelöst oder fein emulgiert anzusehen ist, be¬ 
tont R. nochmals die Wichtigkeit der morphologischen Seite der Entstehung des 
Fettes. Er legt besonderen Wert auf die Fettzufuhr auf hämatogenem Wege. 
Aus der Menge des in den Zellen enthaltenen Fettes geht hervor, daß es nicht 
vorher in ihnen enthalten oder entstanden sein kann, sondern zugeffihrt werden 
muß. Als Beweis sieht er das Verhältnis von Protoplasma zum Fett in einer 
fettig entarteten Zelle, das bis 1 : 9 betragen kann, an, denn Rosenfeld hat ja 
selbst in der Trockensubstanz der Niere z. B. nur 18°/o Fett nachgewiesen. Auch 
die Volumzunahme der Zellen bei steigender Verminderung des Protoplasmas 
spricht für Fettzufuhr. Die chemischen Befunde, die bei stark degenerierten Or¬ 
ganen keine Vermehrung des Fettgehaltes erkennen ließen, sind insofern kein 
Gegenbeweis gegen die Neuaufnahme von Fett, als sie einen Zustand des Organs, 
aber nicht die Stoffwechselvorgänge der Zelle klarlegen. Nach R. geht aber der 
Fettumsatz bis zu einem gewissen Grade auch in der erkrankten Zelle weiter vor 
sich. Die Tatsache, daß der Fettgehalt in den einzelnen Zellen zunimmt, wird 
auch dadurch nicht wiederlegt, daß die Fettmenge des gesamten Organs keine 
Zunahme bei der chemischen Untersuchung erkennen Heß, denn erfahrungsmäßig 
nehmen an der fettigen Entartung immer nur bestimmte Partieen eines Organes 
teil, während in anderen die Fettverbrennung vielleicht gesteigert ist, ohne daß 
Ersatz dafür einträte. Auch im normalen Organ kann die Fettverteilung in ein¬ 
zelnen Gebieten ungleichmäßig sein. Die chemische Untersuchung kann also über 
die Herkunft in einzelnen Organteilen keine Auskunft geben, jedenfalls darf ein 
negativer Befund bei Bestimmung der Gesamtfettmenge nicht gegen die Möglich¬ 
keit einer Zufuhr verwertet werden, wo doch die histologische Betrachtung eine 
unzweifelhafte Vermehrung erkennen läßt. Außerdem sind die chemischen experi¬ 
mentellen Ergebnisse an der Hundeniere, die nie so stark fettig entartet wie die 
menschliche, nicht für die letzte maßgebend, da bei ihr eine Zunahme des Fett¬ 
gehalts bei Degeneration durch Rumpf erwiesen ist Das Auftreten von Fett in 
den Zellen beruht also auf hämatogener Zufuhr, die weitere Anhäufung auf mangel¬ 
hafter Verbrennung infolge der Erkrankung des Protoplasmas. Die Einwände von 
Kraus, daß der Stoffwechsel manchmal erhöht sei, jedenfalls nicht herabgesetzt 
zu sein brauche, gelten wohl für den Körper, sind aber in keiner Weise fär die 
Vorgänge in einzelnen entartenden Zellen beweisend und auch für seine An¬ 
schauung von der Entstehung des Fettes in der Zelle selbst ist die Annahme einer 
geminderten Verbrennung unumgänglich, denn wie sollte es sonst in der gleichen 
Menge wie vorher in der Zelle liegen bleiben? Die fettige Degeneration beruht 
also nur in geringem Orade auf dem Hervortreten vorhandenen Fettes und ist als 
eine Infiltration von Fett in geschädigten Zellen aufzufassen. 

Wendenburg (Göttingen). 

Goarand, F. X.: Variation de Turäogänie mm Ilnfluence de la giycosorie aHmentaire 
provoqaäe. (Arch. g6n., 1903, S. 1992.) 

Verf. hat in einer Reihe von Fällen die Hamstoffausscheidung bei Patienten 
der verschiedensten Art unter dem Einflüsse einer alimentären Glykosurie unter¬ 
sucht und kommt zu folgenden Schlüssen: 1) Die Fälle, bei denen es zu einer 
Verminderung der Hamstoffausscheidung kommt, haben geschädigte Leberzellen, 
2) die Fälle, bei denen die Hamstoffausscheidung gleich bleibt, haben normale 
und 3) Falle, bei denen die Harnstoffausscheidung erhöht ist, gereizte Leberzellen. 

K. Olaeßner (Berlin). 

Basile: La diazoreazione nei bambini chloroformizziti. (Revista di pat e clin. inf., 

1903, Nr. 3. 4.) 

Bei gesunden Kindern fehlt die Diazoreaktion; die bei Chloroformnarkose auf¬ 
tretende ist einerseits durch den bei der Narkose veränderten Stoffwechsel, ander¬ 
seits durch Resorption septischen Materials bedingt. Keller (Bonn). 


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Labbl: Le syndrome urtaalre dam la scarlatioe et la diphth&ie de reoffanee. (These 

de Paris, 1903.) 

Eingehende Untersuchungen über die physikalischen und chemischen Eigen¬ 
schaften des Urins bei Scharlach- und diphtheriekranken Kindern, aus denen Verf. 
chrakteristische Unterschiede im Harnbefund bei den beiden Infektionskrankheiten 
ableiten zu können glaubt Betreffs Einzelheiten sei auf das Original (240 Seiten) 
verwiesen. Keller (Bonn). 


Matthes, M.: Ober die Herkunft der Fermente im Urin. (Archiv f. experiment Pa- 
thol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 107.) 

Um zu entscheiden, ob das eiweißspaltende Ferment im Urin resorbiertes 
Verdauungsferment sei oder ein spezifisches autochthon entstandenes Zellferment, 
resezierte M. bei einem Hunde den ganzen Magen (s. S. 20 d. N.). Bei den zahl¬ 
reich angestellten Versuchen ließ sich in dem Urin des magenlosen Hundes kein 
Pepsin nach weisen, wohl aber in dem Magen eines normalen Kontrollhundes. 
Ebenso war der Urin des magenlosen Hundes nicht im stände, die Fermische 
Thymol-Gelatine zu verflüssigen, wohl aber der des Kontrollhundes. Bei Injek¬ 
tionen von Deuteroalbumosen fiel die Biuretprobe bei dem magenlosen Hunde 
schwächer aus als bei dem Kontrollhunde. Aus allen diesen Versuchen geht 
hervor, daß das im Urin vorhandene eiweißspaltende Ferment Pepsin sein muß. 
Es ist ferner erwiesen, daß Pepsin resorbiert wird. Schreiber (Göttingen). 

Rogovin: Ober die Empfindlichkeit der Jodproben. (Bert. ldin. Wochenschr., 1903, 

Nr. 38.) 

R. hat die gebräuchlichsten klinisch verwendbaren Proben zum Nachweis von 
Jod und Jodsalzen in tierischen Sekreten und Transsudaten vergleichend auf ihre 
Empfindlichkeit geprüft und empfiehlt folgende drei als zum qualitativen Nach¬ 
weis besonders geeignet: 

1. Probe von Harnack (Bert. klin. Wochenschr. 1882, Nr. 20 und 52): Die zu 
prüfende Flüssigkeit wird mit verdünnter Schwefelsäure und einem Tropfen 
rauchender Salpetersäure (oder etwas Chlorkalk, Chloroform, Schwefelkohlen¬ 
stoff) versetzt und dann mit Chloroform geschüttelt, in dem sich das Jod 
mit violetter Farbe löst 

2. Zweite Probe von Harnack (Lit ebenda): Die zu prüfende Flüsssigkeit 
wird mit wenig Stärkekleister, verdünnter Schwefelsäure und einem Tropfen 
Salpetersäure versetzt, wobei je nach der Menge eine blaue bis schwarzblaue 
Färbung eintritt, die bei Erwärmung verschwindet, beim Erkalten wieder 
hervortritt 

3. Probe von Sandland (Arch. f. Pharm. 1894): Die zu untersuchende Flüssig¬ 
keit wird mit verdünnter Schwefelsäure und Kaliumnitrat versetzt und mit 
Schwefelkohlenstoff geschüttelt, in den das Jod mit roter Farbe übergeht 

Mit diesen Reaktionen kann man bei Darreichung von 5 mg Kat jodat per 
os Jod im Ham nachweisen. Pickardt (Berlin). 


Blalick: Ober die praktische Anwendung der neueren Methoden der physikalischen 
Chemie in der Medizin. (Zeitschr. f. diätet. u. physik. Therapie, S. 378.) 

BI. gibt eine kurze Beschreibung der für die Praxis wesentlich in Betracht 
kommenden Gefrierapparate und Anwendungsweisen derselben von Beckmann, 
Friedenthal, Claude u. Balthazard und des Hämatokrits. Auf Einzelheiten 
kann hier nicht näher eingegangen werden, doch sei die Lektüre des Aufsatzes 
jedem, der sich mit diesem Gegenstand beschäftigen will, empfohlen. 

Schreiber (Göttingen). 


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Engefmann, F.: Die Arbeit mit dem Hämatokriten von H. Kftppe. (Zeitschr. f. diätet 

u. physik. Therapie, S. 659.) 

E. gibt eine genaue und ausführliche Beschreibung und Anwendungsweise 
des Hämatokrits, die gewiß für diejenigen, welche mit dem Apparat zu arbeiten 
gedenken, von großem Wert ist Schreiber (Göttingen). 


Besprechungen. 

v. Leyden, E. Q.: Grundzfige der Ernährung und Diätetik. Leipzig, O. Thieme. 

Daß heutzutage die Ernährung und Diätetik in der Krankenbehandlung die 
gebührende Rolle spielt, ist nicht zum wenigsten den energischen Bestrebungen 
v. Leydens zu verdanken. Er hat einen großen Anteil daran, daß die physi¬ 
kalisch-diätetischen Heilfaktoren besser und zweckentsprechender gewürdigt werden, 
als das bis dahin der Fall gewesen ist. Unter den Fachgenossen dürfte das unter 
v. Leydens Aegide herausgegebene Lehrbuch der physikalischen Heilmethoden 
genügend bekannt sein. Indes auch einen nicht unbedeutenden Teil des Laien- 
publikums dürften die Grundzüge der Ernährung und Diätetik, gegründet auf den 
Fortschritten der heutigen medizinischen Wissenschaft und Praxis, interessieren. 
Sie werden es dem verdienten Kliniker Dank wissen, dass er seine Abhandlung 
über diesen Gegenstand als besondere Broschüre hat erscheinen lassen und so 
allen Interessenten leicht zugänglich gemacht hat Die Ausstattung seitens des 
Verlags kann nur rühmend hervorgehoben werden. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Lonuid, 0.: Die Entstehung der Zuckerkrankheit nnd ihre Beziehungen zu den Ver¬ 
änderungen der Blutgefäßdrfisen. Berlin, Verlag Hirschwald. 62 S. Preis 1,60Mk. 

An der Hand eines mit wahrem Bienenfleiß zusammengesuchten literarischen 
Materials sucht Verf. zu beweisen, daß Beziehungen engster Art zwischen Dia¬ 
betes, Basedow und Akromegalie bestehen, daß alle drei wieder in Beziehung 
stehen zu Veränderungen der sog. Blutgefäßdrüsen, besonders der Schilddrüse, 
des Pankreas, der Nebenniere. — Der Diabetes ist eine Krankheit der Blut- 
gefaßdrüsen. 

»Die Langerhansschen Inseln sondern ein Sekret ab, welches der Be¬ 
stimmung dient, Toxine, die von anderen Blutgefäßdrüsen, insbesondere der 
Thyreoidea, abgeschieden werden, zu vernichten. Wenn das Pankreas (Langer- 
hanssche Inseln) intakt ist, die Schilddrüse hingegen eine erhöhte Tätigkeit auf¬ 
weist, so können mehr Toxine abgeschieden werden, als das Pankreas zerstören 
kann, und es wird eine vorübergehende Olykosurie (auch alimentäre) entstehen. 
Wenn aber das Pankreas degeneriert und die Schilddrüse in erhöhter Tätigkeit 
ist, so entsteht Diabetes. Wenn das Pankreas degeneriert und die Schilddrüse 
untätig ist, so entsteht in der Regel nur leichter Diabetes« (S. 46). 

Auf Grund dieser Theorie hat Verf. versucht, den Diabetes mit Antithyreoidin- 
Präparaten zu behandeln. Er benutzte das Rodagen, ein von Burghart und 
Blumenthal aus der Milch enthyreoidierter Ziegen hergestelltes Präparat, dann 
das Antithyreoidin Moebius von Merck und endlich ein Serum, dass ebenfalls 
von Blumenthal aus Ziegenblut bereitet wurde. — In allen Fällen «wurde Jgleich- 
zeitig Karlsbader Wasser gereicht, sodaß die Erfolge nicht ganz eindeutig und 
Nachprüfungen erwünscht sind. Hesse (Kissingen). 


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Kobert, Rudolf: Compendium der praktischen Toxikologie zum Gebrauche für Aerzte, 
Studierende und Medizinalbeamte. 4. Auflage mit 38 Tabellen. Stuttgart, Ferdi¬ 
nand Enke. 206 S. 8°. Preis 5 Mk. 

T. ist ein Zweig der Medizin, mit welchem sich der Studierende verhältnis¬ 
mäßig wenig beschäftigt und offiziell zu beschäftigen nötig hat Am Krankenbett 
gelehrt, fesselt er ausserordentlich, aber zur Aufnahme in das Gedächtnis ist der 
Stoff zu spröde. Viel schmiegsamer prägen sich die Hauptsachen, wie auch der 
Chemie, ein, wenn wenigstens einiges, der leider nur spärlichen Zeit, welche dem 
Laboratorium auf der Hochschule gewidmet werden kann, praktisch dafür ver¬ 
wandt werden wurde. So durfte K. wohl dem Compendium mit dem Motto: 
»Man muss dem Mediziner die T. mundgerecht machen, dann wird sie aufhören, 
ihm fremd zu sein« einleiten. Ganz im Gegensatz zum Bedürfnis des Studenten 
steht das des Arztes und vollends des beamteten. Die Praxis und das Leben, 
soweit dem Arzte prophylaktische Aufklärung im Volke zukommt, erfordert oft 
gründliche Beschlagenheit in der Giftlehre. So begrüssen wir Praktiker diese 
neue Auflage des Compendiums mit dem vielen Neuen, das seit der vorigen 
Auflage 1894 hinzugefügt ist, und ich glaube das zweite Motto erfüllt sich: »Willst 
Du im Reich der Gifte heimisch sein, dies Büchlein ist die Tür; tritt nur herein!« 
— K. gruppiert in die allgemeine und spezielle T. Zu ersterer gehört der che¬ 
mische und physiologische Nachweis von Giften und der physiolog. Nachweis 
und Oang der Zergliederung, als Hauptteile. Die spezielle T. bearbeitet die 
Stoffe, welche anatomische Veränderungen oder keine solche in den Geweben 
hinterlassen. Ein Anhang bringt die Uebersicht tox. interessanter Stoffwechsel¬ 
produkte, einheimische Pflanzen und Invertebraten. Die Summe der Aufzeich¬ 
nungen vom Experiment und Krankenbett ist außerordentlich groß und konnte 
nur von beherrschender Hand so präzis und übersichtlich geordnet werden. Als 
fraglos hervorragendes Lehrmittel dienen die Tabellen, welche Vermehrung erfahren 
haben und dem Lehrenden und Lernenden nach Art eines Kursbuches blitzartige 
Orientierung ermöglichen, so z. B. über die Blutgifte, Cerebrospinalgifte, Narko¬ 
tika, Krampfgifte, Pilze, Käse-, Fleisch- und Wurstvergiftungen u. a. Aber auch 
die pathologischen Behandlungen und die Therapie ist derartig übersichtlich ein¬ 
geordnet. Man ist dadurch schnell in dem Buche zu Hause. Die Toxikologie hat 
grosse Aufgaben für Arzt und Staat. K. hat mit Neuestem hier die praktische und 
theoretische Bedeutung dokumentiert, und zweifellos wird das Compendium wie 
die früheren Auflagen überall beste Aufnahme finden und Jünger für diesen 
apparten Zweig der Medizin heranziehen. 

W. von Noorden (Bad Homburg v. d. Höhe). 


Inhaltsverzeichnis. 

Original-Artikel: Clemm, Walther Nie.: Einige neuere Erfahrungen über 
die innere Behandlung der Gallensteinkrankheit 1. — Referate: Stoffwechsel¬ 
krankheiten. Hall: Vegetabilische Nahrung und Getränke bei Gicht und Nephritis 
8. — v. Noorden: Über Haferkuren bei schwerem Diabetes 8. — Erkrankungen 
der Verdauungsorgane. Schkarin, A. N.: Über den Ösophagus bei Kindern. (Zur 
Anwendung der Magensonde in der Kinderpraxis) 8. — Pierson: Aceton and 
diacetic arid as a cause of persistent recurrent vomiting of children 9. — Bleich¬ 
röder, F Ä : Zur pathologischen Anatomie des Magens bei Magensaftfluß 9. — 
Mayer: Über die therapeutische Verwendung natürlichen Magensaftes (Dyspeptine) 
bei Magenkranken 9. — Brunner, C.: Weitere klinische Beobachtungen über die 
Ätiologie und chirurgische Therapie der Magenperforationen und Magenperitonitis 
10. — Brunner, C.: Experimentelle Untersuchungen über Ätiologie und chirur¬ 
gische Therapie der durch Mageninhalt bewirkten Peritonitis 10. — Pal, L: Über 
Gefäßkrisen und deren Beziehung zu den Magen- und Bauchkrisen der Tabiker 10. 
— Hutinei: Traitement des gastro-ent€ritis aigues des nourrisons 10. — Duflocq, 
P. et Voisin, R.: Tentative de suicid par absorption de cultures de barille d’Eberth, 


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Fifcvre typhoide, Quörison 11. — Agramonte: Über Paratyphus 11. — Vaillard, L. 
u. Dapter, Ch.: La Dysenterie äpidemique 11. — Alapy: Appendicitis mit seltne¬ 
rem Verlaufe 11. — Riedel: Die Resultate der.Appendicitis-Operationen in lena 
während des letzten Semesters 12. — Delhis: Über die Behandlung der funktio¬ 
neilen Störungen des Stuhlganges, besonders der Obstipation, durch hypnotische 
Suggestion 11. — Weil, Lumifere et Päfcu: Traitement des diarrhäes infantiles par 
les solution de gälatine 12. — Haas: Übyr Oallogen 12. — Katzenstein, M.: Die 
Behandlung der rissura ani 12. — Zinn: Uber die Wurmkrankheit Ankylostomiasis 
und ihre Bekämpfung 13. — Maximow: Laparotomie nebst Exdsion eines 1 m 
langen Darmstückes wegen innerer Inkarzeration und Nekrose 13. — Pate!, M. et 
Cavaillon, P.: Deux observations d’exdusion unilaterale dans les cas de tumeurs 
malignes du gros intestin 13. — Preisich, Komet: Angeborener doppelter Klappen- 
verschluß des Duodenum 13. — Greene-Cumiton, C.: Contribution ä retude des 
hemies öpigastriques 14. — Samengo: Nähnadel in einem Bruchsack 14. — Houzel, 
Ch.: Les veines de l’anus 14. — Moriceau Beauchant, R.„et Besonnet, R.: La 
Xanthome hereditaire et familiale 14. — Brandenburg: Über die Wirkung der 
Galle auf das Herz und die Entstehung der Pulsverlangsamung beim Ikterus 14. 

— Jtadaux, _P.: Diagnostic et traitement de la cholecysnte gravidique 15. — Fa- 
bozzi, F.: Über die Histogenese des primären Krebses des Pankreas 15. — 
Erkrankungen des Blutes and der blutbereitenden Organe etc. Crozer-Oriffith: Le 
scorbut infantile 15. — Mazzeo, F.: Contributo pediatrico alla teoria tiroiniana 15. 

— Niere n erkrankungen. Stembo, L: M Über die Behandlung der akuten Nieren- 
entzfindung mit Eis 16. — Jacobson: Über orthotische Albuminurie 16. — Lüthje, 
H.: Zur Frage der sogenannten febrilen Albuminurie nebst.einigen Bemerkungen 
über die Bedeutung der Zylinder 16. — Burckhardt, E.: Über paroxysmale Hä¬ 
moglobinurie 16. — Esteban: Ein Fall von Lipurie 17. — Vergiftung, wollenberg: 
Ein Fall von Vergiftung durch chlorsaures Kali im Säuglingsalter 17. — Ernäh¬ 
rung. Laisney, C.: De l’augmentation de la säcrltion laciee suivant les demandes 
17. — I. Szekely: Nouveau proc6d£ de präparation d’un lait modifil destinä ä 
etre employä comme succ4dan6 du lait de femme; 11. Grösz, J.: Expäriences 
d’alimentation par le lait modifiä de Szekely, en particulier chez les nourrissons 
malades 18. — Brüning: Über die Verwertbarkeit des Soxhletschen Nährzuckers 
in der Sauglingstherapie 18. — fiotz: Pkysikalisch-chemische Untersuchungen über 
Kuhmilch 18. — Popper, R.: Über den Einfluß der Labgerinnung auf die Ver¬ 
daulichkeit der Milch 19. — Würtz, Adolf: Ein Beitrag zur Ernährungsphysiologie 
des Säuglings 19. — Trolldenier: Tierversuche über subkutane Ernährung mit 
eiweißhaltigen Nährlösungen 19.— Kaufmann: Der gegenwärtige Stand der Lehre 
von der Eiweißmast 19. — v. Lange, E.: Die Gesetzmäßigkeit im Längenwachs¬ 
tum des Menschen 20. — Physiologische Chemie, Verdauung, Harn etc. Schilling, 
F.: Zur Sekretion der Speicheldrüsen, insbesondere der Glandula submaxillans 
im Säuglingsalter 2Q. — Grohe, B.: Die totale Magenexstirpation bei Tieren 20. 

— Dobromyslow: Über die physiologische Bedeutung der Drüsen, welche Pepsin 
im alkalischen Medium absondem fPylorus- und Brunnersche Drüsen) 20. — Ssa- 
witsch: Über den Mechanismus der normalen Pankreassaftabsonderung 21. — 
Fischer. F.: Untersuchungen über die Strukturveränderungen des Pankreas und 
deren Beziehungen zu dem funktionellen Zustande bei normalen und bei ent- 
milzten Hunden 21. — Helly, K.: Funktionsmechanismus der Milz 21. — Sieber- 
Schumowa: Über die Wirkung der Ogydationsfermente auf Kohlenhydrate und 
speziell auf Zucker 22. — Bemert, R.: Über milchige, nicht fetthaltige Ergüsse 22. 

— v. Jacksch, R.: Beobachtungen über die Menge des im Blute des kranken 
Menschen sich vorfindenden Harnstoffes 22. — Perlin, Anna: Beitrag zur Kenntnis 
der physiologischen Orenzen des Hämoglobingehalies und der Zahl der Blutkör¬ 
perchen im Kindesalter 23. — Moll, Leopold: Über Blutveränderungen nach 
Eiweißinjektionen 23. — Leersum, G van: Die Ersetzung physiologischer Koch¬ 
salzlösung durch äquimolekuläre Lösungen einiger Natriumverbindungen zur An¬ 
wendung nach starkem Blutverlust 23. — Moll, Leopold:.. Über künstliche Um¬ 
wandlung von Albumin in Globulin 24. — Nürnberg, A.: Über die koagulierende 
Wirkung autolytischer Organextrakte auf Albumosenlösungen und Milch 24. — 
Beyer, H.: Über die plasteinogene Substanz 24. — Ribbert, Hugo (Göttingen): 
Die Morphologie und Chemie der fettigen Degeneration 24. — Oouraud, FT X.: 
Variation de l’uröoglnie sous Pinfluence de la glycosurie alimentaire provoqule 
25. — Basile: La diazoreazione nei bambini chloroformizziti 25. — Labbä: Le 


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— 30 - 


Syndrome urinaire dans la scarlatine et la diphthlrie de Fenfanqe 26. — Matthes, 
M.: Ober die Herkunft der Fermente jm Urin 26. — Rogovin: Uber die Empfind¬ 
lichkeit der lodproben 26. — Blanck: Ober die praktische Anwendung der neueren 
Methoden der physikalischen Chemie in der Medizin 26. — Engelmann, F.: Die 
Arbeit mit dem Hämatokriten von H. Koppe 27. — Besprechungen: v. Leyden, 
E. Q.: Grundzüge der Ernährung und Diätetik 27. — Lorand, O.: Die Entstellung 
der Zuckerkrankheit und ihre Beziehungen zu den Veränderungen der Blutgefä߬ 
drüsen 27. — Kobert, Rudolf: Compendium der praktischen Toxikologie zum 
Gebrauche für Ärzte, Studierende und Medizinalbeamte 28. 

Hvtoren-VerfeUbnis. 

Agramonte 11. — Alapy 11. — Basile 25. — Bernert 22. — Besonnet 14. — 
Beyer 24. — Blanck 26. — Bleichröder 9. — Brandenburg 14. — Brunner 10. — 
Brüning 18.— Burkhardt 16. — Cavaillon 13. — Clemm 1. — Crozer-Griffith 15. — 
Dapter 11. — Delius 11. — Dobromyslow 20. — Duflocq 11. — Engelmann 27. — 
Esteban 17. — Fabozzi 15. — Fischer 22. — öouraud 25. — Greene-Cumiton 14. — 
Grohe 20. - Grosz 18. — Haas 12. - Hall 8. - Helly 21. - Hotz 18. — Houzel 
14. — Hutinel 10. — v. Jaksch 22. — Jacobsen 16. — Katzenstein 12. — Kaufmann 
19. — Labb4 26. — Laisney 17. — v. Lange 20. — van Leersum 23. — Lumi&re 
12. — Lüthje 16. — Matthes 26. — Maximow 13. — Mayer 9. — Mazzeo 15. — 
Moll 23. 24. — Moriceau Beauchant 14. — v. Noorden 8. — Nürnberg 24. — Pal 
10. — Patel 13. — Pähu 12. — Perlin 23. — Pierson 9. — Preisich 13. — Popper 
19. — Ribbert 24. — Riedel 12. — Rogovin 26. — Rudaux 15. — Samengo 14. — 
Sieber-Schumowa 22. — Ssawitsch 21. — Sz6kely 18. — Schilling 20. — Schkarin 
8. - Stembo 16. - Trolldenier 19. - Vaillard 11. - Voisin 11. - Weil 12. - 
Wollenberg 17. - Würtz 19. - Zinn 13. 

HlpbabetUd) geordnetes JnhnltsverfeUbnU. 

Acetonämisches Erbrechen 9. — Albumin u. Globulin 24. — Albuminurie 16. — 
Analvenen 14. — Ankylostomiasis 13. — Appendidtis 11. 12. — Asdtes, michiger 
22. — Autolytische Extrakte, Labwirkung der 24. - Bauchkrisen bei Tabes 10. — 
Blut Harnstoff im 22. — Blut im Kindesalter 23. — Blutveränderungen nach Ei¬ 
weißinjektionen 23. — Bruchsack, Nähnadel im 14. — Brunnersche Drüsen 20. — 
Chlorsäure Kali-Vergiftung 17. — Cholecystitis u. Gravidität 15. — Cholelithiasis, 
Behandlung der 1. — Darmeinklemmung u. Exdsion 13. — Darmtumoren 13. — 
Degeneration, fettige 24. — Diabetes u. Haferkuren 8. — Diarrhoe u. Qelatine- 
anwendung 12. — Diazoreaktion bei chloroformierten Kindern 25. — Duodenum¬ 
verschluß, angeborener 13. — Dysenterie 11. — Dyspeptine 9. — Eiweißmast 19. 

— Erbrechen, acetonämisches 9. — Ernährung, subkutane mit Eiweiß 19. — Fis- 
sura ani 12. — Galle u. Herz 14. — Gallogen 12. — Gastroenteritis der Säuglinge 
10. — Gicht, vegetabilische Diät bei 8. — Glykosurie u. Hamstoffausscheidung 25. 

— Hämatokrit Z7. — Hämoglobinurie 16. — Ham, Fermente im 26. — Ham nach 
Scariatina u. Diphtherie 26. — Hemia epigastriea 14. — Ikterus. Pulsverlangsamung 
bei 14. — Jodproben 26. — Kochsalzlösung, Ersatz für 23. — Längenwachstum 20. 

— Lipurie 17. — Magenexstirpation 20. — Magenkrisen bei Tabes 10. — Magen¬ 
perforation 10. — Magensaftfluß 9. — Magensaft, Verwendung des 9. — Magen¬ 
sondierung bei Kindern 8. — Magenverdauung 20. — Milch 17—19. — Milzfunk¬ 
tion 21. — Nährzücker 18. — Nephritis, Behandlung d. 8. 16. — Nephritis, vegeta¬ 
bilische Diät bei 8. — Obstipation, Suggestion gegen 11. — Ösophagus bei 
Kindern 8. — Oxydationsfermente u. Kohlenhydrate 22. — Pankreaskrebs 15. — 
Pankreasveränderung; nach Milchexstirpation 21. — Pankreasverdauung 21. — 
Paratyphus 11. — Pepsinsekretion 20. — Perforationsperitonitis 10. — Physika¬ 
lische Chemie 26. — Plasteinogene Substanz 24. — Pylorusdrüsen 20. — Säug- 
lingsemährung 17—19. — Skorbut, infantiler 15. — Speicheldrüsensekretion beim 
Säugling 20. — Thyreoidea Veränderungen u. Erkrankungen 15. — Typhus 11. — 
Xanthom, hereditäres 14. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck 8c Ruprecht in Göttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 15. Januar 1904. 


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Nr. 2. 


Zweites Januar-Heft 1904. 


5. Jahrgang. 


3rnfralblaff 

für 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a.M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Qöttingen. 


MoutHch 2 Nrn. von lVs—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjihviger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstsltea des ln- und Auslandes. (Postbezug ln Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jlhrhch mehr.) 


Original-Hrtikel. 


DU Rekto-RomanoskopU* 

Von 

Dr. F. Schilling, Leipzig. 


Das Bestreben, Hohlorgane soweit sie sich der Besichtigung mit dem 
bloßem Auge entziehn, durch Spekula dem Oesichte zugänglich zu machen, 
ist alt und auch für das untere Darmende, das Rektum, nutzbar gemacht 
Schon Hippokrates 1 ) bediente sich bei Mastdarmerkrankungen zu diagnosti¬ 
schen Zwecken eines Spiegels, den er xtnontrjQ (= Spiegel aus poliertem 
Metall) nennt, und Leonides suchte, wie es in einem Berichte heißt, eine 
innere Fistel mit einem Instrumente, er spricht dabei von einer gewissen 
Untersuchungsmethode mit dem Worte Ugotunokiis (Hintemdurchsuchen), 
dem Paulus ry tuxw Su>n (= speculo) als Ergänzung zusetzt Ob 
xnonrrjQ oder itintpurv eine Hohlröhre oder eine ein- oder mehrarmige Hohl¬ 
rinne bedeutet, geht aus den historischen Angaben nicht hervor, in einem Falle 
von Hämorrhoiden soll allerdings von einer Sperrzange die Rede sein 
nach einem neueren Berichte 2 ). Celsus, der weniger römischer Arzt als 
Dilettant war, erwähnt die specuia ebensowenig wie Oalen. Im Mittelalter 
wird von einzenen Schulen von einem speculum ani geredet Von einer 
Rektoskopie war bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts und darüber noch 
hinaus keine Rede. Das Aufblühen der operativen Gynäkologie und Chi¬ 
rurgie kurz vor und mit der antiseptischen Periode brachte hierin Wandel. 

Sieht man die Kataloge chirurgischer Instrumente der Neuzeit durch, 
dann findet man als zur Spekulation des Rektums geeignet meist Nach- 

Nr. 2. 


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ahmungen der Vaginalspekula nach dem Modell von Fergusson oder Hohl¬ 
rinnen mit abgebogenem Griff nach Sims als Instrumente nach Ricord, 
Cusco, Sims, Allingham oder Weiß und Czerny empfohlen, unter 
welch’ letztem noch schnabelförmige, sich nach der Einführung öffnende, 
zwei- oder mehrbranchige Spekula figurieren. Die chirurgischen Lehrbücher 
reproduzieren ebenfalls nur 3—4 Exemplare dieser Spiegel und gehn über 
die Rektalspekulation meist schnell hinweg, weil der Chirurg das Tastorgan, 
den palpierenden Finger, zur Diagnose grober Anomalien im Rektum am 
geeignetsten hält Neuerdings findet man im modernen chirurgischen Instru¬ 
mentarium auch wohl Kellys Spekulum mit Obturator und Handgriff, als 
Beleuchtungsquelle dient der Reflektor mit Stimtampe oder das Sonnenlicht 
Die diagnostischen Handbücher der neueren Medizin versprechen sich wenig 
von der Spekulation, in Eulenburgs Realencyklopädie (II. Aufl.) wird die 
Rektoskopie mit 3 Zeilen abgefertigt 

Wirkliche Fortschritte in der Rektalendoskopie sind erst in der Neuzeit 
gemacht, als das Elektroskop für bessere Beleuchtung der Hohl¬ 
röhren sorgte und die Position des zu untersuchenden Patienten 
eine geeignetere wurde. Mit Hilfe des Panelektroskops von Casper 
und der Knie-Brustlage gelang es, systematisch nicht blos das Rektum, son¬ 
dern auch die untere Hälfte der Flexura sigmoidea zu spekulieren und tat¬ 
sächlich dort Erkrankungen zu diagnostizieren, für welche weder der von 
außen oder von innen palpierende und explorierende Finger oder die Hand 
noch die Sonde Anhalt bot, welche so leicht Dislokationen der mobilen 
Flexur, die dem Untersucher als Überwinden von Verlaufsknickungen impo¬ 
nieren, hervorruft und zu Täuschungen Anlaß gibt Das Sondenende kann 
in der Gegend der Flexura coli hepatica oder lienalis oder im Mesogastrium 
palpabel sein und befindet sich doch nur im Anfangsteile des S-romanum. 
Zu der Rektoskopie ist die Romanoskopie getreten oder, wie ich vorschlage, 
zur Proktoskopie die Sigmoideskopie, weil für die Mastdarmaffektionen, 
z. B. für die Entzündnng der Mastdarmschleimhaut die Bezeichnung »Prok¬ 
titis«, für die Entzündung der Flexur die Bezeichnung »Sigmoiditis«, also 
griechische Worte gebräuchlicher sind als lateinische. 

Otis 8 ) hatte Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts berichtet, 
daß es ihm gelungen wäre, den Mastdarm durch Hochlagerung des Gesäßes 
und Tieflagerung des Oberkörpers pneumatisch zu entfalten, da sich infolge 
dieser Lagerung wie bei der Trendelenburgschen Position die Dünndarm¬ 
schlingen zwerchfellwärts lagerten und im Abdomen ein negativer Druck 
bestand. Kelly 4 ) verwandte in dieser Lagerung bereits bei Patienten seinen 
zylindrischen zur Diagnostik besser geeigneten Tubus, der wohl für das 
kurze Rektum ausreichte, aber nicht für die Flexur. Fedoroff 6 ) publizierte 
kurz darauf das Verfahren als für den Chirurgen ausnutzbar. Ich selbst habe 
bereits 5 Jahre lang rektoskopiert in ähnlicher Weise, wie Rosenheim ver¬ 
fährt Für Männer macht die Otissche Lagerung keine Schwierigkeiten, wohl 
aber bei Frauen aus Gründen, die leicht begreiflich sind. Schreiber 6 ), der 
zuerst in Deutschland über die Rekto - Romanoskopie eine größere Arbeit 
veröffentlicht hat, hilft sich durch Vorlagerung von Watte vor die Vulva, 
ich binde sofort nach Lockerung der Unterkleider und Hochschlagen des 


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Hemdes eine geschlitzte Schürze um, die in der Taille durch Binder befestigt 
ist und die Analgegend frei läßt Poliklinischen Patienten kamt man mehr 
als Privatpatienten in dieser Hinsicht zumuten. 

Das Instrumentarium ist einfach. Ich benutze vom abgeschiigte zylin¬ 
drische Tuben, wie sie Rosenheim in seiner Klinik und Poliklinik empfahl, 
und die Firma Hirsch mann-Berlin vertreibt, von 15, 25, 40 cm Länge 
und 1—2 cm Durchmesser, da das Alter und die Größe der Patienten ver¬ 
schiedene Längen und Weiten erfordern, doch ohne Griff und Ansatztrichter, 
wie sie das Kellysche Instrument besitzt, mit abgestumpftem, glansartigem 
Obturator. An dem äußern Ende des Tubus ragt ein viereckiger Zapfen 
hervor, an den das Caspersche Panelektroskop angesetzt wird. Akkumu¬ 
lator, Tupfer, auch Irrigator müssen zur Hand sein, um ungestört spekulieren 
zu können. 

Die Technik hat keine Schwierigkeiten, wenn man caute verfährt Sobald 
da* Patient gut gelagert ist auf einem Sopha mit fester Unterlage für die 
Knie, wird der eingefettete obturierte Tubus in den durch Vaselin schlüpfrig 
gemachten Anus 3—4 cm tief eingeschoben, der Obtuator extrahiert, was 
nach vorherigem Anfeuchten mit Olycerin ebenso gut wie bei dem mit 
Rinnen versehenen Schreibersdien Instrument, welches der äußern Luft 
den Zutritt zur aspirierten Rektalmukosa gestattet, und leicht geschieht, und 
das Elektroskop angeschroben. Ist jetzt der Akkumulator mit der linken Hand 
eingestellt, so schiebt man unter leichten Drehungen das Spekulum mit der 
rechten unter Senken des Elektroskop-Oriffes langsam vorwärts. Oeht man in 
der Kreuzbeinaushöhlung, also an der hintern Rektalwand hinauf, dann tritt 
die sich oft zuerst voriegende vordere Rektalwand zurück, und nun öffnet 
sich die Ampulla in ihrer ganzen Ausdehnung mehr oder weniger weit, da 
die Falten bei dem Vordringen leicht ausweichen. In einzelnen Fällen 
konnte ich bei magern Personen, deren Muskulatur welk und schlaff war, 
schon nach bloßem Entfalten des Anus mit den beiden Händen bis an das 
Ende des Rektum sehen ohne künstliche Beleuchtung. Das Eindringen mit 
dem Spekulum in die Flexur, welche anscheinend geschlossen ist, da sich 
hier am Eingänge mehrfache Falten und der hypothetische Sphinkter tertius, 
eigentlich nur eine kräftigere Ringmuskulatur, finden, gelingt unter wenig 
Zuwarten oder auch sofort in der Regel leicht, wenn man das zentrale Ende 
des Spekulums stark senkt und nach rechts dirigiert, außerdem sich die ana¬ 
tomischen Verhältnisse der Rechtswendung und Drehung der Flexur um 
ihre Achse und der durch die Kniebrustlage bedingten Verlagerung des 
S-romanum ins Abdomen vergegenwärtigt. Fast regelmäßig feilt hier in 
der untern Wand der Flexur eine mehr oder weniger lebhafte Pulsation auf, 
die offenbar von der Art iliac. commun. dextra*), nicht von der Aorta wie 
Schreiber meint, herrührt, aber lange nicht so heftig ist, wie sie der Herz¬ 
stoß am Ösophagus bei der Ösophagoskopie erkennen läßt Hat man die un¬ 
tere Flexurhälfte, welche man auch als Rektalteil der Flexur bezeichnen kann, 
passiert und ist bis zu einer Tiefe von 25—30 cm vorgedrungen, dann bietet 


*) Das Rohr des Spekulums ruht ja auf der rechten Darm beinschaufel und 
die Aorta abdomin. gabelt sich meist schon vor dem IV. Lendenwirbel. 

Nr. 2*. 


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gewöhnlich der Knick der obem oder Kolonhälfte, die nun aufsteigt und 
nach oben, hinten und links zieht, halt, da sich die Schleimhaut lippenförmig 
vorlegt. Hat man den Eingang der Flexur erreicht, dann öffnet sich hier 
bisweilen das Rohr mit einem Male in weiter Strecke oder klafft peu ä peu 
bei dem Vorschieben des Spekulums in kurzer Strecke. Hat man bei den 
ersten Untersuchungen gfinstige Fälle, so orientiert man sich in Zukunft 
leichter. 

Tuttle 7 ) und nach ihm Strauß 8 ) erhöhen den pneumatischen Druck 
durch Eintreiben von Luft mittels Doppelgebläses, das an einem Seitenrohr 
am Anfang des Tubus befestigt ist, während mittels Glasverschlusses am 
peripheren Ende dem Entweichen der eingetriebenen Luft ein Hindernis 
geboten wird. Die Falten des Darmrohres, besonders die Plica recto-romana 
am Introitus flexurae, bewegen sich durch die Luftstöße leicht und zeigen 
dem Auge, in welcher Richtung der Tubus vorgeschoben werden muß. 
Schreiber übt mit Wattetupfern einen leichten Druck an verschiedenen 
Stellen aus und sucht sich dadurch in schwierigen Fällen die Pforte zu 
öffnen. Ich achte genau bei dem Senken und Vorschieben des Tubus auf 
ein Knistern oder Knacken und den meine Stirn treffenden kfihlen Luftzug, 
welche sofort verraten, daß ich die Falten passiere und äußere Luft durch 
Aspirieren in das Rektum an meinem Auge vorbeiströmt 

Voraussetzung für ungestörtes und erfolgreiches Spekulieren ist Leere des 
untern Dickdarmes. Hat der Patient nicht vorher spontan defäziert, so muß 
er durch einen Einlauf einige Stunden vorher das Rektum säubern. Auch 
wenn der Mastdarm leer ist braucht die Flexur noch nicht immer vollständig 
frei von Fäces zu sein, wie ich mich öfter überzeugte. Erfolgte Stuhlgang 
kurz vor der Spiegelung, dann hat sich die Flexur fester geschlossen, wes¬ 
halb es dann mißlingen kann, zu entrieren. Einzelne Kotresiduen, die fest 
sind und sich dem Lumen des Spiegels vorlagem, extrahiert man mit der 
Kornzange, größere spült man mit dem Irrigator fort, nachdem man das 
Elektroskop etwas nach unten verschoben und ein Eiterbecken untergeschoben 
hat Sekret Blut Eiter etc. werden mit langer Zange und Watte abgetupft, 
je nachdem sie das Gesichtsfeld bedecken. 

Anästhesierung des Rektums ist unnötig, so lange schmerzhafte Affek¬ 
tionen im Mastdarm oder dessen Umgebung fehlen. Bei akuter Proktitis 
empfiehlt sich eine vorherige Injektion von Lösungen des Kokains, Eukains 
oder Adrenalins mit der Mastdarmspritze. 

Über die anatomischen Verhältnisse des Rektums und S-romanum in vivo 
hat uns Schreiber mit seinen 100 Untersuchungen vortrefflich unterrichtet 
da die Anatomie an der Leiche wesentlich andere Verhältnisse über Länge, 
Lumen, Gefäßverzweigung, Faltenbildung, Topographie etc. gibt Leichen- 
teile verlieren die Spannung lebender Gewebe, dehnen sich infolge der 
Fäulnis enorm und veranschaulichen in unzutreffender Weise den Verlauf 
des Darmrohres, da nach der Herausnahme des Darmes aus dem Körper die 
Fixationspunkte mit der Umgebung fehlen. 

Daß man gelegentlich den Patienten, der über Hämorrhoiden klagt auch 
in Seitenlage oder in Steinschnittlage mit angezogenen Schenkeln, sogar 
im Stehn bei Flexion des Oberkörpers nach vom spekulieren kann, versteht 


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sich von selbst; ich selbst habe in jeder Lage das Spekulum eingeffihrt 
Für die Besichtigung des obem Rektums und der Flexur sind diese Posi¬ 
tionen aber ungeeignet 

Was das anatomische Bild des im kleinen Becken vom 3. Kreuzbein- 
whbel bis zur Steißbeinspitze verlaufenden Rektums anbelangt, so ist der 
Verlauf keineswegs immer ein gerader, da es bald mehr nach rechts, bald 
mehr nach links abweicht, und die Faltenbildung, deren Schreiber 3—5 
zählt, keine irgendwie regelmäßige. In einzelnen Fällen sah ich sichelartige 
Vorsprünge, in andern kaum Andeutungen von Falten. Im Anus mündet 
das Darmrohr, jedoch mit der schließlichen Richtung nach hinten, am Über¬ 
gang zur Flexur wendet sich das Rektum nach vorn. Die Länge variert 
bei Erwachsenen zwischen 10—15 cm, das Spekulum, das auf da* dorsalen 
Seite eine Zentimeter-Skala trägt, mißt den geraden Weg. Der Analteil, den 
man am besten während des langsamen Extrahierens des Spekulums ansieht, 
zeigt radiäre und Längsfaltung der Schleimhaut, mehr oder weniger stark 
gefüllte Venen und vielfache Varietäten in Farbe, Resistenz und Weite. Die 
Ampulle muß auf Fissuren, Blutungen, Plaques, Neoplasmen, Stenosen und 
diffuse wie zirkumskripte Rötung, die für Rektal-Neurosen nicht unwichtig 
sein kann, durchmustert werden. Mir fiel bei der habituellen Obstipation 
eines alten Asthmatikers die starke Schlängelung und Füllung der Venen, 
bei einem Patienten mit Prostatahypertrophie und akuter Dysurie die intensive 
Rötung und Schwellung, wie sie sich ähnlich im Blasenhalse sicherlich zu 
dieser Zeit abspielte, das Zurückbleiben von Tänien nach einer Bandwurm¬ 
kur, das Bild der sich mehrfach bewegenden Oxyuren, die graue Verfärbung 
und Trockenheit der Mukosa bei chronischer Gonorrhoe, die respiratorische 
Verschiebung der vordem Mastdarmwand als gelegentlicher Nebenbefund 
bei der Proktoskopie auf. 

Die Flexur, welche keineswegs ein regelrechtes römisches S repräsentiert, 
sondern sowohl im Anfangsteile oder Rektalschenkel als in der Mittelschlinge 
und in dem Endstücke oder dem Kolonschenkel verschiedene Verlängerungen 
und Schlängelungen darbietet, so daß sie mehr einem n ähnlich wird, mißt 
durchschnittlich 35 —40 cm bei dem Erwachsenen in der Länge, bei Kindern 
dagegen 15—18 cm, indessen sind auch Zahlen von 45—60 cm nichts Unge¬ 
wöhnliches. Wenn man das Tubenende in der Fossa iliaca fühlt, glaube 
man deshalb nicht im Kolonschenkel bereits zu sein, da eine Dislokation 
der langen Darmschlinge mit großem Mesosigmoideum nach jeder Richtung 
möglich ist Die Mukosa ist hier stärker gerötet und unebener als im Rektum, 
auch bemerkt man öfter schon peristaltische Bewegungen, Verschiebungen 
der Schleimhaut und Vordringen von Kotballen, während man das Spekulum 
vor- oder rückwärts bewegt. Ich war bereits in einem Falle in die Flexur 
eingegangen und suchte in der ß-Anfangsschlinge den Fortgang, als ich bei 
dem Rückgehn Fäces bemerkte, die unter dem Spekulum nach vorn ge¬ 
schoben sein mußten und bis in das obere Rektum vorgedrungen waren, 
wo vorher kein Stuhl lag. Das Pulsieren der angrenzenden Arteria iliaca 
habe ich schon oben erwähnt Bei einem syphilitischen Patienten, der zu¬ 
gleich eine tuberkulöse äußere Mastdarmfistel zeigte, konstatierte ich Plaques 
auf der Schleimhaut; bei einem andern Syphilitikus mit frischem Plaques 


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auf den Mandeln fiel mir die enormen Röte und partielle Weißfärbung 
zirkumskripter Stellen auf. In einem Falle von Kolitis setzte sich der ent¬ 
zündliche Prozeß bis in das S-romanum fort und schnitt unmittelbar vor 
dem Rektum ab. Man hat zuweilen den Eindruck, als ob einzelne Teile im 
Darmrohre enger als andere wären, welche Erscheinung auf partieller Kon¬ 
traktion beruht — Den größten Wert besitzt die Romanoskopie für die 
Diagnostik der Neoplasmen in der unteren Flexur, die sich weder per rektum 
wegen der Kürze des Zeigefingers noch von außen mit der Hand durch 
Palpation von der Darm schaufei aus im Beginne der Erkrankung abtasten 
lassen. Ich konnte in einem Falle von Polyposis mit stärkerem Blutabgang 
den Verdacht, daß es sich um Cardnom handele, abweisen, da ich nicht 
blos im Rektum selbst trotz tiner frühem Operation noch Polypen fand, 
sondern eine größere Zahl davon direkt ins Lumen des Spekulums nach 
Eindringen in die Flexur einstellte. Für die Diagnose des Faserkrebs, der 
nach Ewald 9 ) hier häufiger als andere Cardnomformen vorkommt, wird 
allerdings die Inspektion allein nicht immer entscheidend sdn, doch leistet 
sie mehr als die Sondierung und Luftdnblasungen oder Wassereinläufe. 

Zweifellos geht aus den kurzen Notizen, die ich im Vorstehenden gab, 
hervor, daß die Spekulation des untern Darmes von hohem Werte ist und 
der Chirurg wie der Darmspezialist sich heute nicht mehr der Anwendung 
der Rekto-Romanoskopie entziehen darf, wenn er der frühzeitigen Diagnose 
auch die geeignete Therapie bei Rektal- und Sigmoidealleiden folgen lassen 
will. 


Literatur-Verzeichnis. 

1) Haeser, Geschichte der Medidn, 1875, 1. Bd. 

2) Schreiber, Die Rekto-Romanoskopie, 1903. 

3) Anatom. Untersuchungen am menschlichen Rektum, 1887, (Walter). 

4) Annales of surgeiy, XXI, 1895. 

5) Arch. f. Idin. Chir., 59. Bd., 1898. 

6) I. c. 

7) Diseases ef the anus, rectum and pelvic colon, 1903. 

8) Berliner klm. Wochenschr., 1903, Nr. 49. 

9) Ebenda, Nr. 49. 50. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

Falta: Zar Klinik des Diabetes meHÜns. (Correspondenzblatt f. Schweizer Arzte, 

Nr. 22.) 

Verf. versucht die bekannte Tatsache, daß die Eiweißstoffe (Kasein, Ovalbumin 
etc.) für die Zuckerausscheidung beim Diabetes verschiedene Wertigkeit besitzen, 
u. a. dadurch zu erklären, daß der aus Eiweißsubstanzen gebildete Zucker bei 
den nachweislich überhaupt leichter zersetzlichen auch schneller gebildet wird und 
das Blut rascher überschwemmt Speziell will Verf. auch einen die Glykosurie 
steigernden Einfluß des Eidotters konstatiert haben, an dem wie er meint, viel¬ 
leicht auch das Lecithin nicht ganz unschuldig ist B. Oppler (Breslau). 


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Knopf, L: Beitrag zur Kenntnis des Phlorhizindiabetes. (Arch. f. exper. Pathol. u. 

Pharmakol., Bd. 49, S. 122.) 

Bei seinen Versuchen konnte K. feststellen, daß zwar zwischen der Wirksamkeit 
von älteren, bereits braun gewordenen Lösungen von Phlorhizin in 1 %igem Soda 
und frisch bereiteten kein Unterschied ist Dagegen ist die neutrale, alkoholische 
(25 °/ 0 iger Alkohol) Lösung stärker zuckertreibend, als die wässerige alkalische. 
Was die Größe der Dosis bei gleichbleibender und wechselnder Nahrung anbe¬ 
trifft, so ergaben die Versuche, daß bei kleineren Dosen zwar weniger Zucker 
ausgeschieden wird, als bei größeren, im übrigen aber zwischen der Größe der 
Phlorhizingabe und der Zuckerausscheidung keine ausgeprägte Gesetzmäßigkeit 
existiert. Ferner bestehen große individuelle Unterschiede bei den Hunden, be¬ 
sonders schwankt auch die Verhältniszahl D: N. Ebenso wie bei Hunden, welche 
durch Pankreasexstirpation diabetisch gemacht worden sind, kann man auch bei 
phlorhizinveigifteten Hunden durch Asparaginzulage (die zu Glykogenanhäufung 
in der Leber führt) eine Steigerung der Zuckerausfuhr erreichen. Merkwürdiger¬ 
weise sank unter der Asparagindarreichung die Phosphorsäure auf ungefähr die 
Hälfte. Dagegen hatte die Zufuhr von Harnstoff, der nur indirekt zu einer Gly¬ 
kogenanhäufung in der Leber führt, keinen Einfluß auf die Zuckerausscheidung. 

Schreiber (Göttingen). 


Lernen: Ober die idiopathische Erweiterung des Ösophagus. (Grenzgebiete der Med. 
u. Chirurgie, Bd. 12, H. 3. 4.) 

Für die idiopathisdie Erweiterung des Ösophagus werden von den verschie¬ 
denen Autoren verschiedene Ätiologieen angegeben. Primärer Cardiospasmus 
(v.Mikuliczu. Meitzer), primäre Atonie der Ösophagusmuskulatur (Rosen heim), 
gleichzeitiges Auftreten von Spasmen der Cardia und Lähmung der Ringmuskulatur 
des Ösophagus infolge einer Vaguslähmung (Kraus), congenitale Anlagen, inson¬ 
derheit Vormagen (Fleiner), primäre Ösophagitis (Martin). 

L. hat nun eine Reihe von Ösophagusdilatationen beobachtet. Die Klagen der 
Patienten sind fast durchweg die gleichen: Steckenbleiben der Bissen, bisweilen 
Regurgitation der Speisen, Anwendung verschiedener Kunstgriffe zum Herab¬ 
würgen der Speisen. Objektiv findet man Retentionsmassen im Ösophagus; mit 
der Sonde stößt .man auf ein Hindernis, das sich mehr oder weniger leicht über¬ 
winden läßt Als Folgeerscheinungen sind entzündliche Veränderungen der 
Schleimhaut zu nennen. 

Was die Diagnose der Krankheit betrifft, so ist sie bisweilen leicht, bisweilen 
— und zwar wenn der Spasmus der Cardia sich nicht überwinden läßt — schwer. 
Hebert man bei Einführung des Magensdilaudies zwei verschiedene Flüssigkeiten 
aus, zuerst eine solche, die keine freie HCl, bisweilen Mildisäure, unverdaute 
Speiseteile enthält und eine starke Saccharifizierung der Stärke ergibt — Öso¬ 
phagusinhalt — dann nach Überwindung eines mehr oder weniger großen Wider¬ 
standes eine solche, die freie HCl, gut verdaute Speisen etc. enthält — Magen¬ 
inhalt, so ergibt sidi daraus eine Erweiterung der Speiseröhre. Ob dieselbe ein 
Divertikel ist, entscheidet der Rumpel sehe Versudi, der darin besteht, daß man 
eine lange gefensterte Sonde in den Magen, eine kurze in den Ösophagus bringt. 
Gießt man nun durch die kurze Sonde Wasser ein, so kann man es bei Bestehen 
eines Divertikels zurüddiebem, bei einer einfadien Dilatation nicht. Ferner kommt 
als diagnostisches Hilfsmittel die Ösophagoskopie in Betracht; jedoch legt L. der¬ 
selben keinen sehr bedeutenden Wert bei. Dagegen hält L. die Röntgenphoto¬ 
graphie für ein überaus wertvolles Verfahren zur Diagnosestellung der Ösophagus¬ 
dilationen. Man läßt zu diesem Behufe den Patienten Kartoffelbrei essen, der 
mit 20—25 g Bismut. subnitric. untermischt ist 

Die Prognose des Leidens ist quoad restitutionem ungünstig, quoad vitam 
leidlich gut; allerdings bestehen immer Gefahren für das Leben durch Verschlim- 


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merung des Cardiospasmus, durch Übergreifen der sekundären Ösophagitis auf 
das periösophageale Gewebe, dadurch entstehende Mediastinitis etc 

Was die Therapie angeht, so kommt in leichten Fallen eine passende Diät in 
schweren die Sondenernährung in Frage; es sind ferner Ausspülungen des Öso¬ 
phagus, Dehnung der Cardia mit der Schreiberschen Sonde, Galvanisation der 
Cardia mit der Anode, Faradisation, Darreichung von Olivenöl empfohlen. Von 
letzterem hat L. Erfolg gesehen, ln schweren Fällen, bei Undurchgängigkeit der 
Cardia, kommt die Gastrostomie in Betracht mit der sog, Sondierung ohne Ende. 
Rumpel hat noch als radikales Verfahren die Resektion des unteren Ösophagus¬ 
abschnittes empfohlen — eine Operation, die er bei Tieren bereits mit Olück aus¬ 
geführt hat; am Menschen ist dies aber bis jetzt von keinem Chirurgen gewagt 
worden. B. Oppler (Breslau). 

Strauß: Klinische Studien über den Magensaftfluß. (Begriff, Eutstehuug, Behandlung, 

Stoffwechsel.) (Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chirurg., Bd. 12, H. 4.). 

Trotz der reichhaltigen Literatur über den Magensaftfluß sind die Ansichten 
darüber nodi nicht geklärt S. sucht daher an der Hand der Literatur und eigens 
beobachteter Fälle Begriff, Entstehung, Behandlung und Stoffwechsel des Magen¬ 
saftflusses darzulegen. 

Was den Begriff anbetrifft, so rechnet S. diejenigen Fälle zum Magensaftfluß, 
welche mehr als 20 ccm Sekret im nüchternen Magen haben. Diejenigen Fälle, 
in denen zwisdien 10 und 20 ccm Sekret im nüchternen Magen gefunden wird, 
hält S. schon für abnorm. Als Sekret bezeichnet S. eine Flüssigkeit, weiche eine 
Oesamtaddität von mindestens 30, freie HCl hat, und bei welcher der Ausfall der 
Oärungsprobe mit Traubenzucker im Brutofen negativ ist Natürlich dürfen in 
der Flüssigkeit keine Zeichen motorischer Insuffizienz, also keine Sartine oder 
Hefe in Sprossung vorhanden sein. Es kann nun das Symptom des Magen¬ 
saftflusses da sein, ohne daß die klinischen Erscheinungen ausgeprägt sind; es 
sind dies klinisch latente Formen der Affektion. 

Was die Entstehung des Magensaftflusses anlangt, so schließt sich S. der 
Ansicht der übrigen Autoren an, daß die akuten Formen im allgemeinen ner¬ 
vösen Ursprungs sind; jedoch führt S. einen sehr interessanten Fall an — für den 
er allerdings keine Erklärung anzugeben weiß —, bei dem diese Ursache nicht 
nachzuweisen war. Inbezug auf die chronischen Formen sind die Ansichten der 
Autoren geteilt Die einen halten einen chronischen reinen Magensaftfluß d. h. 
ohne gleichzeitig bestehende motorische Insuffizienz für unmöglich, die anderen 
dagegen geben die Möglichkeit zu. 

S. stellt eine Anzahl von Fällen zusammen, in denen ein reiner Magensaftfluß 
nachzuweisen war ohne gleichzeitige motorische Insuffizienz, bei denen also ein 
Reizzustand am secernierenden Apparat vorlag. 

Der Magensaftfluß hat nach S. eine multiple Ätiologie. S. unterscheidet einen 
intraventrikulären und extraventrikulären Ursprung. Bei der Entstehung der Fälle 
ersterer Art spielt außer der motorischen Insuffizienz auch das ulcus ventriculi 
eine große Rolle, die Fälle letzterer Art sind vorwiegend neurogen bedingt Ob 
auch hämatogene Faktoren in Betracht kommen, ist noch zweifelhaft 

Therapeutisch kommen folgende Maßnahmen in Frage: 

1. Die Entleerung des nüchternen Magens und zwar am besten eine Aus¬ 
heberung, nicht eine Magenspülung. 

2. Eiweißfettdiät. Zuführung von Öl. Eventuell kommt eine typische Uluskur 
in Betracht. 

3. Medikamente und zwar Argentum nitricum innerlich oder in Form der 
Magenspülung, Atropininjectionen (1—2 mg pro die), Bismut subnitr.. 
Karlsbader Wasser oder Salz, ferner symptomatisch Natr. bicarb. 

4. Der chirurgische Eingriff und zwar die Gastroenterostomie. Indiziert ist 
der Eingriff bei Absinken der Urinmenge und des Körpergewichts. 


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Im Anschluß daran erörtert S. einiges über den Stoffwechsel beim Magen¬ 
saftfluß. Besonderes Interesse beansprucht dabei die Erniedrigung der Äther¬ 
schwefelsauren. Diese Tatsache hat Veranlassung zu Bemerkungen über die des¬ 
infizierende Wirkung des Magensaftes gegeben. S. leugnet zwar dieselbe nicht, 
er spricht ihr jedoch einen entscheidenden Einfluß bei der Entstehung der soge¬ 
nannten gastro-intestinalen Intoxikation ab. B. Oppler (Breslau). 

de Rothschild, H.: Traltement de la gastro-entdrite par le lait dcrdmd addifld. (Rev. 
d’hyg. et de mid . infantiles, Bd. 2, S. 484.) 

Auf Orund der Untersuchungen von Metschnikoff, Tissier und Martelly, 
Tissier und Oasching — von der großen Buttermilch-Literatur wird nichts er¬ 
wähnt — versuchte Verf. in seiner Poliklinik bei magendarmkranken Säuglingen 
Buttermilchernährung (frische, durch Zentrifuge abgerahmte Milch, durch Milch¬ 
säure-Bakterien-Reinkultur gesäuert, dann pasteurisiert). 

Daß ein Material von 12, noch dazu kurze Zeit beobachteten Fällen, welches 
Verf. der Acaddmie de mddedne am 13. Oktober 1903 vorgelegt hat, zur Ent¬ 
scheidung der Frage, was die Buttermilchemährung leistet, nicht ausreicht, braucht 
kaum gesagt zu weiden. Wir dürfen also auch von dieser Seite große Versuchs¬ 
reihen, langdauemde Beobachtungen mit Vorgeschichte und ausführliche Kranken¬ 
geschichten abwarten. Keller (Bonn). 


Sandbeig, 0.: Ein Beitrag zur Bakteriologie der milcbsauren Gärung im Magen mit 
besonderer Berücksichtigung der »langen« Bacillen. (Zeitschr. f. Win. Med., Bd. 51, 

H. 1. 2.) 

Die in den meisten Fällen von Milchsäureanwesenheit im Magen gefundenen 
langen Bacillen gehen aus einer kurzem Form hervor. Bei Zunahme der Milch¬ 
säure wachsen die kurzen zu langen Stäbchen aus und die langen besitzen gegen¬ 
über den hohem Milchsäuregraden eine starke Resistenz, die derjenigen der Hefe 
gleichkommt, während die übrigen Milchsäurebildner zugrunde gehen. Zwischen 
den Kolonien der kurzen und langen Bacillen bestehen Übergänge, eine Form 
läßt sich kulturell in die andere überfuhren. Waldvogel (Oöttingen). 

Rntfinger, C u. Jonas, S.: Ober das Verhältnis der Tetanie zur Dilatatio ventriculi. 

(Wiener klin.-therap. Wochenschr., 1904, Nr. 1.) 

Verff. beschäftigen sich zunächst mit der Widerlegung der Flein ersehen 
Bluteindickungstheorie. Bei genauem Studium der Fälle von Tetanie bei Magen¬ 
dilatation fallt in erster Linie der große häufig viele Jahre betragende Zeitraum 
zwischen Beginn des Magenleidens und Auftreten der Tetanie auf. Schon lange 
vor dem Auftreten der Tetanie erfüllte der Kranke jene Bedingungen, welche 
nach Fl ei ne rs Theorie das Eintreten tetanischer Krämpfe erwarten lassen: Ab¬ 
nahme des Körpergewichtes, und der täglichen Urinmenge bei einwandfreier Diät 
und körperlicher Ruhe. Nach FI einer kommt es infolge von Fremdkörperein- 
klemmung oder Abknickung des Duodenums, durch Überfüllung des tiefstehenden 
Magens oder durch Pyloruskrampf infolge Reizung eines Geschwürs in der Nähe 
des Pylorus zum Pförtnerverschluß und sekundärer Hypersekretion im Sinne 
v. Mehrings. Indes sind die Pylorusspasmen schon infolge des begleitenden 
Erbrechens nicht im stände zu einer solchen Stagnation zu führen, daß daraus 
hochgradige Hypersekretion resultieren sollte. Die Hypersekretion ist in der Mehr¬ 
zahl der Fälle gar nicht das sekundäre, gar nicht das was dem Pyloruskrampf folgt, 
sondern der Pyloruskrampf ist die Folge der Hypersekretion. Auch zu der Stag¬ 
nation und der durch sie bedingten Wasserabscheidung muß noch ein Faktor 
hinbukommen, um eine kontinuierliche Saftsekretion hervorzubringen, die abnorme 
Reizbarkeit der Magensaftdrüsen. Auch für das Verhältnis zwischen Bluteindickung 
and Auftreten der Krämpfe scheint den Verff. die Fleinersche Deutung nicht richtig. 
Wohl kommt es vor dem Einsetzen der Krampfe, im Verlaufe der Tetanie häufig 

Nr. 2. 


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zu einer Steigerung der vorhandenen Hypersekretion, welche zur Bluteindickung 
führt. Indes in nicht allen Fällen findet sich die Bluteindickung, und anderseits 
müßte in allen Fallen, wo Hypersekretion besteht und anhaltendes Erbrechen cin- 
tritt, eine Bluteindickung gefunden werden. Indes eine Schutzvorrichtung fm 
Organismus stellt die verminderte Wasserabscheidung dar. Dem Ausbruch der 
Krämpfe müßte durch reichliche künstliche Flüssigkeitszufuhr gesteuert werden 
können, das gelingt aber nicht Nach Fl ein er soll durch die plötzliche Ent^ 
lastung des Magens die eben innervierte Körpermuskulatur aus dem Stadium der 
Innervation in den Krampfzustand übergehen. Jedenfalls besteht diese Gesetz¬ 
mäßigkeit in der Auslösung der Krämpfe nicht Fleiners Ansicht hat nicht für 
alle Fälle Oeltung. 

Verff. wenden sich nun zur Besprechung der von v. Frankl-Hochwart 
aufgestellten Theorie zu, welche tonische, intermittierende, zumeist die Extremitäten 
symmetrisch betreffende Krämpfe bei freiem Bewußtsein als Hauptsymptome der 
Tetanie bezeichnet. Albu und v. Jacksch sehen nicht in den spontanen Muskel¬ 
krämpfen, sondern in der erhöhten Erregbarkeit der Nerven den Orundzug des 
Leidens. Man muß daher zwei Stadien der Krankheit unterscheiden: ein mani¬ 
festes, welche durch das Auftreten der Krämpfe sich dokumentiert, und ein laten¬ 
tes, welches dem ersten vorangeht oder folgt, und nur dadurch die gesteigerte 
Erregbarkeit der Nerven und Muskeln besonders durch das Trousseausche 
Phänomen nachweisbar ist. Und tatsächlich liegt als Grundzug des Leidens eine 
Übererregbarkeit des Nervensystems vor, an welcher natürlich auch der Vagus 
teilnimmt Bei der Magendilatationstetanie zeigt sich von beiden Funktionen des 
Magenvagus, der Wasser- und Salzsäureabscheidung besonders die erstere tangiert 
Verff.erklären diesen Umstand folgendermaßen: 

Die bei der Oastrektasie vorkommende Hypersekretion besteht entweder primär, 
als Ursache jenes Geschwürs, welches zur Stenose, zur Magendilatation führt, 
oder sie ist erst eine Folge der Stauung, welche einen Reiz auf die Magendrüsen 
ausübt Es gehört aber noch eine erhöhte Reizbarkeit der Magensaftdrüsen dazu, 
um eine kontinuierliche Saftsekretion zu erzeugen, deren Nerv eben der Vagus 
ist. Jeder Hypersekretion muß ein Reizzustand des Vagus entsprechen. Infolge 
einer akquirierten Tetanie ist der Vagus übererregbar geworden und antwortet 
nun auf Reize, welche schon früher bestanden haben, ihn aber solange er frei von 
Tetanie war, nicht erregen konnten, mit Hypersekretion bezw. mit Steigerung der 
bereits vorhandenen Hypersekretion. Die einleitende Verschlimmerung nach 
Fleiner ist die erste Folge der akquirierten Tetanie. Die Auslösung der Krämpfe 
geschieht auf reflektorischem Wege durch einen äußern Reiz, wie die durch die 
bestehende Hypersekretion und die Stauung erfolgende Uberdehnung des Magens, 
die Einführung der Sonde und das Erbrechen. Hört der Reiz auf, so zessieren 
die Krämpfe, das Latentstadium der Tetanie tritt ein. Nach dem Minimum 
des Reizes, welche Krämpfe auszulösen im stände ist, kann der Grad der Erreg¬ 
barkeit des gesamten Nervensystems beurteilt werden und die Fälle eingeteilt 
werden in solche von sogen, latenter Tetanie, in welchen sich Zeichen von Te¬ 
tanie finden, ohne daß die Übererregbarkeit so groß ist, daß sie zu Krämpfen 
führt, in Fälle von intermittierenden Krämpfen, bei welchen die Kranken sich in 
den Krampfpausen völlig wohl befinden, weil die Erregbarkeit gegenüber der 
Steigerung, während der Anfälle so herabgesetzt sind, daß selbst Erbrechen und 
Sondierung keinen Krampf auslösen, und in Fälle von hochgradigster Übererreg¬ 
barkeit des Nervensystems, wo schon der geringste Reiz genügt, Krämpfe aus¬ 
zulösen. 

Was Albus Autointoxikationstheorie anbetrifft, so geben Verff. unbedingt zu, 
daß die Resorption der Oifte vom Magen aus für die in ihrer Ernährung stark 
herabgekommenen Kranken in Bezug auf ihren Allgemeinzustand nicht gleich- 
giltig sein kann. Allein auf das Zustandekommen der Tetanie erscheint sie ohne 
Belang, weil Magendilatationstetanie im Verhältnis zur Häufigkeit der Oastrektasie 
und Tetanie überhaupt ein seltenes Vorkommnis ist, und wejj ein langer Zeitraum 


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zwischen dem Eintreten der Stenose, also der Stagnation und dem Auftreten der 
Tetanie besteht, während die Giftwirkungen schon früher hervortreten konnten. 
Auch konnte nicht in allen Fällen ein Gift aus dem Mageninhalt dargestellt 
werden, oder das dargestellte Produkt erwies sich im Tierexperiment als ungiftig. 
Die gesteigerte Giftigkeit des Harnes kann zur Stütze der Autointoxikations¬ 
theorie nicht herangezogen werden, da der Ham an sich Gifte in wechselnder 
Menge enthält. Neben der Resorption der Gifte wird die ungünstige Prognose 
der Magendilatationstetanie dadurch bedingt, daß sie lebenswichtige Nerven 
ergreifen kann, und durch ihre Ausschaltung zum Tode führen kann. Der gün¬ 
stige Einfluß der Oastroenterostomie erklärt sich durch die Beseitigung des Mo¬ 
mentes, welches den Vagus zur kontinuierlichen Hypersekretion anregt und des 
den Krampf auslösenden Reizes. Außerdem ist die Dauer der Tetanie nur eine 
begrenzte'. Eine Heilung durch Operation kann durch den gleichzeitigen natur¬ 
gemäßen Ablauf der Tetanie vorgetäuscht sein. v. Boltenstern (Leipzig). 

Dn Mesnil de Rochemont: Ober die Behandlung des Typhus mit Heilserum. (Therap. 

Monatsh., 1904, H. 1.) 

Verf. hat wahllos alle zur Aufnahme kommenden Typhusfälle mit demjezschen 
Antityphusserum behandelt und gibt die Krankheitsgeschichten der Fälle wieder. 
Er vermeidet ein endgiltiges Urteil über den Wert des Antityphusextraktes 
und schildert nur den Eindruck, welchen er von dem Mittel gewonnen hat. 
Danach scheint dem Extrakt eine günstige Einwirkung auf den Typhusprozeß 
zuzukommen. Diese gelangt naturgemäß bei leichten Fällen stärker zum Ausdruck 
als in den schweren. Ganz ohne Wirkung war das Extrakt in keinem der Fälle. 
Nachteilige Folgen sind auch bei Verabreichung großer Dosen nicht beobachtet, 
vielmehr merkt der Patient in der Regel selbst eine wohltätige Wirkung. In 
leichten Fällen wird durch das Extrakt anscheinend eine Verkürzung des Prozesses 
herbeigeführt, wohl dadurch, daß durch die Bindung der Toxine der Körper seine 
antibakteriellen Schutzstoffe rascher und besser zur Geltung bringen kann. Ent¬ 
sprechend der raschen Entfieberung bei Fortbestehen sonstiger Symptome (Rose¬ 
olen, Milzschwellung) scheint in manchen Fällen das Rekonvaleszenzstadium länger 
zu dauern. Jedenfalls empfiehlt sich bei mit Antityphusextrakt behandelten Pa¬ 
tienten in der Rekonvaleszenz besonders vorsichtig zu sein. Eine weitere Prüfung 
scheint wünschenswert und notwendig. v. Boltenstern (Leipzig). 

Federmann: Ober Peritiplilitis mit besonderer Berücksichtigung des Verhaltens der 
Leukocyten. (Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 12, H. 2.) 

Seit Curschmann auf dem Naturforschertag in Hamburg 1901 die Leuko- 
cytenuntersuchung als diagnostisches Hilfsmittel bei der Epityphlitis publizierte, 
sind viele Arbeiten über diesen Gegenstand erschienen. F. hat seit der Zeit ca. 
200 Fälle daraufhin untersucht, und es kam ihm darauf an, womöglich den jeder 
pathologisch-anatomischen Form der Epityphlitis eigentümlichen Leukocytentypus 
aufzufinden, ln der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich F. nur mit derjenigen 
Form der Epityphlitis, die zu freier fortschreitender Peritonitis führt. Ehe er zu 
dem eigentlichen Thema übergeht, schickt er noch kurze Bemerkungen über Wesen 
und Bedeutung der Leukocytose bei infektiösen Baucherkrankungen voraus. Die 
Zahl von 6—10000 Leukocyten im cmm ist als normal anzusehen; bis 18000 Leuko¬ 
cyten im cmm gilt als niedrige, von 18—30000 als hohe, über 30000 als sehr hohe 
Leukocytose. Die Leukocytose ist ein Ausdruck der Reaktion des Organismus auf 
die Infektion, und zwar ist die Leukocytose ein chemotaktischer Vorgang. 

Die Faktoren, die den verschiedenen Ausfall der Leukocytose bedingen, sind 
1. die Infektionsintensität, 2. die Reaktionskraft des Organismus, 3. die örtlichen 
Bedingungen, unter denen Infektion zur Wirkung gelangt. 

F. kommt zu dem Schluß, daß eine hohe Leukocytose im Beginne der Er¬ 
krankung als ein Ausdruck einer schweren Infektion überhaupt angesehen werden 


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muß, nicht aber beweisend ist für das Vorhandensein von Eiter am lokalen Herd, 
so daB man im Beginne keine sichere Handhabe für einen Eingriff hat Die Be¬ 
deutung der Leukocytose wichst beim Fortschreiten des Prozesses; dann bedeutet 
nämlich eine hohe Leukocytose immer einen Eiterungsprozeß, und man kann an 
der, Leukocytenkurve direkt die Bewegungen des pathologisch-anatomischen Vor- 
ganges verfolgen. 

Nachdem dann Verf. die pathologische Anatomie der freien fortschreitenden Perito¬ 
nitis erörtert hat, geht er auf den Verlauf der Leukocytose ein und kommt zu dem 
Schluß, daß 1. die freie fortschreitende Wurmfortsatz-Peritonitis unter einer 
typischen Kurve verläuft, 2. diese Kurve einen ansteigenden Teil, einen Höhepunkt 
und einen absteigenden Teil hat, 3. daß sie je nach der Intensität der Infektion 
variiert, aber ihren Charakter beibehält. Ober Indikationsstellung und Prognose 
der freien Peritonitis aufOrund der Leukocytenuntersuchung ergibt sich folgendes: 

Eine Indikation zur Operation gibt eine hohe Leukocytose in den ersten 48 
Stunden nicht ab — hier entscheiden die übrigen Symptome. Nach den ersten 
2 Tagen bis zum Ende der ersten Woche ist eine hohe Leukocytose mit schweren 
Symptomen der Ausdruck schwerster Infektion und indiziert sofortige Operation. 
Fehlende Leukocytose bei schweren Symptomen ist stets der Ausdruck einer All¬ 
gemeinvergiftung. Die Operation ist indiziert, da man nie wissen kann, inwieweit 
der Organismus, wenn der Hauptherd entfernt ist, die Infektion aus eigenen 
Mitteln überwindet 

Was die Prognose angeht, so ist hohe Leukocytose stets als eftt günstiges 
Zeichen anzusehen; niedrige Leukocytose bei schweren Symptomen ist prognostisch 
ungünstig. 

Bezüglich der Leukocytose nach der Operation ist zu unterscheiden zwischen 
den glatt in Heilung übergehenden Fällen, den Fällen mit sekundärer Absceß- 
bildung und den tötlich verlaufenden Fallen. Bei der ersten Gruppe tritt entweder 
sofort ein Absinken der Leukocyten zur Norm ein oder die Leukocytose bleibt 
noch 3—4 Tage bestehen, was kein Zeichen eines Fortschrittes der Peritonitis ist 

Bei der zweiten Gruppe sinkt zuerst die Leukocytose, steigt aber dann bei 
Bildung des Abscesses zu höheren Werten an. 

Bei der dritten Gruppe wurde einmal — Tod nach 24 Stunden — eine Leu- 
kocytenzahlung nicht mehr gemacht Blieben die Falle noch mehrere Tage am 
Leben, so blieb entweder die Leukocytenzahl niedrig — dies deutet auf Allge¬ 
meinvergiftung hin — oder die Leukocytenzahl stieg an — dies ist die günstigere 
Form; der Tod tritt bei den letzteren durch Erschöpfung oder durch mechanische 
Einwirkungen ein. B. Oppler (Breslau). 

NikoQsId, A. W.: Ober tuberkulöse Darmstenoseo. (Samml. Sdin. Vortr., N. F., Nr. 362.) 

Da unsere Kenntnisse über die tuberkulösen Darmstenosen noch gering sind 
und erst seit den letzten 20 Jahren sich die operative Chirurgie mit der Resektion 
und Enteroanastomose des Leidens angenommen hat, so ist es ein Verdienst von 
N., uns auf Grund von 120 operierten und 70 obduzierten Fällen in gedrängter 
Weise einen Überblick über derartige Stenosen zu geben. 

Meist befällt das Leiden, bald akut, bald mehr chronisch, Personen im Alter 
von 20—40 Jahren, die an Lungentuberkulose laborieren. In der Mehrzahl der 
Fälle lokalisiert sich in einfacher und mehrfacher — bis löfadier — Zahl die 
Stenose im untern Ileum oder Coecum, seltener höher oben oder im Kolon. Tuber¬ 
kulöse Stenosen sind häufiger als typhöse, dysenterische, syphilitische. Die Diag¬ 
nose kann fehlgehn, auch Cardnom und andere Neoplasmen, Fremdkörper, Dann¬ 
knickungen und Kompression durch angrenzende Organe können das Darmlumen 
verlegen; die sekundäre Natur der Erkrankung ist eine wichtige Stütze. Die hyper¬ 
trophischen Formen überwiegen über die narbigen und fibrösen Verengerungen. 

Leider versagt in einer großen Zahl der Fälle auch die operative Behandlung. 

Schilling (Leipzig). 


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Wagener, Oskar: Ober prinire Tuberkuloseinfelction durch den Darm. Aus d. pathol. 

Institut zu Kiel. (Mündi. med. Wochenschr., Nr. 47. 48.) 

W. weist nach, daß die primäre Infektion mit Tuberkulose durch den Darm 
im Kindesalter ein sehr häufiges Vorkommnis ist. Das von ihm beigebrachte 
statistische Material umfaßt 600 Sektionen, darunter 76 Kinder im Alter von 1 bis 
15 Jahren. Davon hatten 21,1 °/ 0 primäre Darm-Mesenterialdrüsen-Tuberkulose 
(17,1% mit und 4% ohne Bacillennachweis). Schade (Göttingen). 

Nefarkorn: Die chirurgische Behandlung der Colitis ulcerosa chronica. (Mitteil. a. d. 

Grenzgeb. d. Med. u. Chirurg., Bd. 12, H. 2. 3.) 

Trotz der im Jahre 1902 erschienenen Monographie über diesen Gegenstand 
von Labey unternimmt es N. noch einmal eine Zusammenstellung der Fälle zu 
geben, erstens weil wohl den Deutschen die Monographie im allgemeinen un¬ 
bekannt geblieben sein dürfte, zweitens weil das casuistische Material in der Zeit 
sich nahezu verdoppelt hat 

Aus der Zusammenstellung ist ersichtlich, daß es sich meist um schwere mit 
starker Anämie verbundene Fälle von Colitis ulcerosa gehandelt hat, die jeglidier 
internen Therapie getrotzt hatten. Die Operationsmethoden, welche entweder eine 
Ruhigstellung der erkrankten Darmteile oder die Möglichkeit der Durchspülung 
derselben mit medikamentösen Lösungen oder beides bezwecken, sind verschieden¬ 
artig. Die Erfolge sind sehr gute, insbesondere wenn nach den zwei folgenden 
Methoden operiert wird — Methode von Czerny (Anlegung eines Kunstafters an 
der Flexura sigmoidea) — Methode von Kader-Oibson (Ventilfistelbildung am 
Coecum). Die anderen Methoden, insbesondere die Enteroanastomose werden 
von N. verworfen. B. Oppler (Breslau). 

Reinbach: Hämorrhoiden im Kindesaiter, zugleich ein weiterer Beitrag zur patholo¬ 
gischen Anatomie dieses Leidens. (Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chirurg., 

Bd. 12, H. 2. 3.) 

Verf. hat 4 Fälle von Hämorrhoiden im Kindesalter beobachtet und sucht an 
der Hand dieser Fälle insbesondere des einen bei dem er eine genaue mikrosko¬ 
pische Untersuchung vorgenommen hat, seine bereits früher dargetane Ansicht zu 
stützen, daß die Hämorrhoiden Geschwülste — Cavemome im Virchowschen 
Sinne — sind. 

R. weist die geltende Anschauung zurück, wonach die Hämorrhoiden Venek- 
tasieen infolge von Stauung sind. Letzterer erkennt R. überhaupt eine wesentliche 
Rolle bei der Entstehung der Hämorrhoiden nicht zu, sondern glaubt annehmen 
zu müssen, daß es sich bei dem Leiden um eine angeborene Anlage handelt, die 
dann früher oder später durch vorläufig nicht näher gekannte Umstände zur Ent¬ 
wicklung kommt R. widerlegt die Einwände die ihm von Herz, Tietze und 
Ehrich gemacht werden. Von anderen Autoren, die sich mit der Erforsdiung 
dieses Leidens beschäftigt haben, ist besonders Gunkel zu ganz ähnlichen Re¬ 
sultaten gekommen wie R. 

Übrigens erkennt Verf. an, daß es auch reine Stauungen im Gebiete der 
Hämorrhoidalvenen gibt, z. B. in der Oravidität, er will aber diese Zustände von 
dem eigentlichen Hämorrhoidalleiden abgetrennt wissen. 

B. Oppler (Breslau). 

Hiberlin: Gholelithiasis, Chologenbehandlung, Operation. (Correspondenzblatt f. 

Schweizer Ärzte, Nr. 23.) 

Ein Fall von Cholelithiasis, der vergeblich mitChologen behandelt war, wurde 
durch Operation zur Heilung gebracht 

Trotz des eklatanten Mißerfolges will jedoch Verf. das Chologen noch nicht 
ganz verwerfen, es vielmehr für die Fälle zunächst nur reserviert wissen, in denen 
die Koliken durch dyspeptische Vorgänge ausgelöst werden. Die »steinauflösende« 
Wirkung des Chologens bezweifelt auch H, B. Oppler (Breslau). 


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Anschiitz: Ober die Resektion der Leber. (Sammlung klinischer Vorträge, N. F., 

356/357.) 

Die Abhandlung beschäftigt sjdi mit der Technik der Leberresektion und gibt 
einen erschöpfenden und klaren Überblick über die in Betracht kommenden Ver¬ 
fahren und die Überwindung der dabei auftretenden Schwierigkeiten. Es handelt 
sich dabei im wesentlichen um den besten Zugang zur Leber, die möglichste 
Vermeidung großer Blutverluste und die Versorgung der Leber- und Bauchwunde. 

Auf die speziellen technischen Ausführuugen des Verf. einzugehen, erübrigt 
sich an dieser Stelle. Prognose, Diagnose und Indikationen der Leberresektion 
werden nur kurz besprochen. Am Schlüsse sind die bisher veröffentlichten Fälle 
zusammengestellt, die der Breslauer Klinik im Texte ausführlich wiedergegeben. 

Der Wert der Arbeit wird durch die klare Kritik des Verf. und die Mitteilung 
der Erfahrungen der Breslauer chirurgischen Klinik noch erhöht 

B. Oppler (Breslau). 

Zesas: Ober die Laparotomie bei tuberkulöser Peri to nitis. (Centralbl. f. d. Orenzgeb. 
d. Med. u. Chirurg., Nr. 13.) 

Nach Berücksichtigung der einschlägigen Literatur und auf Grund zweier 
von ihm beobachteten Fälle, die auch mitgeteilt werden, kommt Verf. zu der 
Anschauung, daß es wohl gewagt erscheinen dürfte, wenn man bei tuberkulösen 
Peritonitiden, die keine Neigung zum Besserwerden zeigen, auf eine Spontan¬ 
heilung hoffend den günstigen Moment zum operativen Eingreifen versäumen 
würde. 

Wenngleich wir heute noch keine unanfeditbare wissenschaftliche Begründung 
der Heilwirkung der Laparotomie besitzen, so wissen wir auf das Bestimmteste, 
daß wir durdi den aseptisch und vorsichtig vorgenommenen Bauchschnitt, indem 
wir Adhäsionen nicht gewaltsam, sondern schonend lösen, niemals (? Ref.) schaden, 
häufig aber den Prozeß damit zum Stillstand und zur Ausheilung zu bringen ver¬ 
mögen. B. Oppler (Breslau). 

Agote, L: Diagnostic prdcoce da myxoedöme coagdnital. (Arch. de m£d. des enfants, 

Bd. 6, S. 540.) 

Das Auftreten der charakteristischen Symptome eines angeborenen Myxoedems 
fällt zumeist in das Ende des Säuglingsalters, und der Beginn der Erkrankung 
wird vielfach mit der Rückbildung der Thymusdrüse in ursächlichen Zusammen¬ 
hang gebracht. Verf. sucht auf Grund von 13 eigenen Beobachtungen und 5 Fällen, 
die von andern Kollegen in Argentinien eingehend studiert wurden, die ersten 
Anzeichen der Krankheit in der Invasionsperiode festzustellen. Als Syipptome, 
deren Erscheinen bei einem Individuum nach Ansicht des Verf. die Diagnose auf 
Myxoedem gestattet, bezeichnet er eine falsche Nabelhernie, welche keinen Darm 
enthält, von bläulidier Farbe und transversaler Lage, Makroglossie, welche häufig 
ein eigentümlich rauhes, gutturales Schreien des Kindes veranlaßt, hartes Ödem 
und gelbe Verfärbung der Haut, permanente Temperaturemiedrigung, dauernde 
Obstipation, unterbrochen von Diarrhöen, starke, 200 g in der Woche überschrei¬ 
tende Schwankungen der Körpergewichtskurve ohne erkennbare Ursache. Die 
aufgezählten Symptome treten nach einander auf, erst der gesamte Komplex ge¬ 
stattet die Diagnose, welche durch die Thyreoidea-Behandlung bestätigt wird. 

Keller (Bonn). 

Codfna Castell vi: Schilddrüse und Paralysis agitans. (Revista de Mediana y Cirurgia 
Präcticas, 21. u. 28. Dezember.) 

Unter 4 Fällen von typischer Paralysis agitans, die Verf. während des letzten 
Jahres auf seiner klinischen Abteilung in Behandlung hatte, befanden sich drei, 
bei denen er Beziehungen zwischen dieser Affektion und Erkrankungen der 
Schilddrüse bezw. Störungen ihrer Funktion feststellen konnte. Im ersten Falle 
handelte es sich um eine 70jährige Frau, bei der ein eigentümlich hart sich an- 


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fühlendes, an Myxödem erinnerndes Ödem der Füße und Unterschenkel bestand, 
jedoch nur auf der Dorsalseite. In den letzten Lebenswochen trat dazu ein ebenso 
beschaffenes Ödem auf dem Handrücken, ohne daß das Ödem der untern Extre¬ 
mitäten sich nach oben hin weiter ausgebreitet hätte. Dabei war die Oesichts- 
haut der Patientin pergamentartig trocken, nie eine Spur von Schweißabsonderung 
zu beobachten. Bei der Autopsie zeigte die Schilddrüse ungefähr normales Ge- 
wicht (35 g), war aber hochgradig cystisch degeneriert; die Knochen des Schädel¬ 
dachs erwiesen sich als stark rarefiziert Der zweite Fall, eine Frau von 78 Jahren 
betreffend, zeigte einen ganz ähnlichen Befund bezüglich Ödeme und Haut; jedoch 
fand man bei der Sektion eine kleine, harte, fibröse, blasse Schilddrüse, die nur 
9 g wog. Die dritte Patientin, 71 Jahre alt litt neben den Symptomen der Para¬ 
lysis agitans an sehr häufigen profusen Schweißausbrüchen, denen ein Gefühl 
von Nadelstichen im ganzen Körper voranging. Die Kranke wurde 4 Wochen 
lang mit einem Schilddiüsenpraparat behandelt mit dem Erfolge, daß schon nach 
14 Tagen die Schweiße, die vorher durch Atropin nur verringert wurden, völ¬ 
lig wegblieben; das Zittern wurde weit geringer, so daß die Kranke wieder 
-allein essen konnte; beim Gang verlor sich die Propulsion, der Blutdruck stieg. 
Nach einigen Monaten verschlechterte sich das Befinden wieder, und Patientin 
starb; eine Autopsie konnte nicht gemacht werden. 

Verf. glaubt, daß der Symptomenkomplex der Paralysis agitans durch eine 
Autointoxikation entsteht. Oestützt auf seine 3 Fälle sowie die Beobachtungen 
von Luzzatto (Kombination von P. a. u. Myxödem), Möbius (P. a. u. Base-, 
dow) und Lunborg (P. a. u. Basedow), vertritt er die Auffassung, daß diese 
Antoinloxikation auf dem Wegfall einer spezifischen Schilddrüsenfunktion beruht 
Als Beleg hierfür dient ihm die Tatsache, daß P. a. und Basedow eine Reihe 
gemeinsamer Symptome haben, wie Hitzegefühl und Zittern, daß sich anscheinend 
gar nicht so selten mehr oder weniger ausgesprochene Bilder von Myxödem und 
Basedow mit P. a. kombinieren, daß er bei 2 Autopsien die erwähnten Verän¬ 
derungen der Thyreoidea gefunden hat, und zuletzt, daß er in einem Falle durch 
Einleiten der spezifischen Therapie die Symptome der P. a. günstig beeinflussen 
konnte. M. Kaufmann (Mannheim). 

Perret, M.: Quantität de lait qoe doivent prendre au sein de leur märe les nouveau- 
näs k terrae. (L’obstätrique, Bd. 8, S. 435.) 

Die neugeborenen Kinder erhalten in der Klinik Tarnier (Prof. Budin) am 
ersten Lebenstage keine Nahrung, vom 2. Tage an werden sie zu bestimmten 
fixierten Stunden 8 mal im Tage (7, 9, 11, 1, 3, 5, 7, 10 Uhr) und 2 mal in der 
Nacht (1 und 4 Uhr) angelegt Sind die Stunden einmal bestimmt, werden sie 
mit größter Regelmäßigkeit inne gehalten; allem Anschein nach werden also die 
Kinder, wenn es auch nicht direkt ausgesprochen ist, aus dem Schlafe geweckt 

Verf. hat bei einer großen Zahl reifgeborener Kinder mit einem Anfangs¬ 
gewicht von ungefähr 3000 g bei jedem Anlegen die getrunkene Nahrungsmenge 
gewogen, wählt aus diesen Beobachtungen diejenigen Kinder aus, deren Körper¬ 
gewichtskurve normal ist, und welche keine Ernährungsstörungen gezeigt haben. 
Von diesen 45 Kindern teilt er in Tabellenform die Ergebnisse der Nahrungs- 
raengenbestimmung bis zum 10. Lebenstage mit. Daraus ergeben sich für aus¬ 
getragene Brustkinder folgende Mittelzahlen für die Nahrungsmengen: 

Am 2. Tage 160 g 


3. 

» 

285 „ 

4. 

n 

360 „ 

5. 

ff 

430 „ 

6. 

tf 

470 „ 

7. 

ff 

490 „ 

8. 

tt 

500 „ 

9. 

ff 

515 „ 

10. 

ff 

540 „ 


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Die Zahlen steigen schnell an und sind infolge der großen Zahl der Mahl¬ 
zeiten ungewöhnlich hoch schon in den ersten Tagen. Keller (Bonn). 

Mcsnil, R.: Les mfcres qui ne peuvent pas allalter an sein lenr enfant (Thäse de 

Paris, J. B. Baillifere et fils.) 

Klinische Erörterungen und Beobachtungen über Stillen, Hindernisse von 
Seiten des Kindes, von Seiten der Mutter, Agalaktie und Hypogalaktie, soziale 
Verhältnisse, durch welche die Mütter abgehalten werden vom Selbststillen. Ini 
2. Teil wird eine die Jahre 1000, 1002 und die 3 ersten Monate 1003 umfassende 
Statistik aus der Klinik Tamier (Prof. Budin) vorgelegt, aus der hervoigeht: 

Von 3060 in der Klinik entbundenen Frauen hatten bei der Entlassung am 
10.—15. Tage nadi daf Entbindung 

2647 » 86,2 % für ihr Kind genügende Milchsekretion 
201 * 0,4 % „ „ „ ungenügende „ 

131 = 4,2 % keine Milchsekretion. 

Im 3. Teil der Arbeit bespricht Verf. die ärztlichen und vor allem die sozialen 
Maßnahmen, welche die Mütter instand setzen, ihre Kinder selbst zu stillen. 

Keller (Bonn). 

Coulon, Ch.: De raugmentation da poids <fan§ les Jours qui präcfcdent la mort da 
nourrisson. (Thfcse de Paris, C. Naud.) 

Verf. führt 28 (darunter 12 bisher nicht publizierte) Fälle an, in welchen jene 
zuerst von Budin und dann von Durante. festgestellte Erscheinung, daß in den 
letzten Tagen vor dem Tode beim Säugling häufig eine Gewichtszunahme eintritt, 
konstatiert wurde. Eine stichhaltige Erklärung dieser Zunahme, weiche von den 
einen mit der Verminderung der Ausscheidungen bei gleichbleidender Nahrungs¬ 
zufuhr im Zusammenhang gebracht, von den andern als Folge der durch den 
Krankheitsprozeß (Pneumonie, Tuberkulose, Syphilis) bedingten Gewichtszunahme 
einzelner Organe aufgefaßt wird, liegt bisher nicht vor. Keller (Bonn). 

Moor, W. O.: Ober die Behandlung der akuten Opium* und MorphiumVergiftungen 
mit Kaliumpermanganat (Therap. Monatsh., H. 11.) 

Verf. hat vor 10 Jahren die Beobachtung gemacht, daß das Morphium durch 
Kaliumpermanganat rasch zu Pseudomorphin oxydiert wird. Diese Oxydation 
findet selbst bei Oegenwart anderer organischer Körper statt, da eine bestimmte 
Menge des Permanganat seinen Sauerstoff an das Morphium so rasch abgibt, daß 
es keine Gelegenheit hat auch auf andere organische Substanzen zu wirken. Durch 
Selbstversuche hat Verf. dann gezeigt, daß man ohne Gefahr selbst bei nicht 
leerem Magen toxische Mengen Morphium nehmen kann, wenn man kurz darauf 
eine gleiche oder etwas größere Quantität von Permanganat in wässeriger Lösung 
nimmt Nach Tierversuchen übt auch subkutane und intravenöse Einspritzung des 
Permanganats auf das Morphium eine gifthemmende Wirkung. Seit der ersten 
Publikation über diesen Gegenstand ist eine beträchtliche Anzahl von Vergiftungs¬ 
fällen durch Opium und Morphium berichtet, in welchen das Permanganat teils 
innerlich, teils subkutan oder auf beiden Wegen mit unverkennbarem Erfolge ver¬ 
abreicht wurde. Trotzdem erkennen die Lehrbücher nur den internen Gebrauch an. 
Man behauptet, das Permanganat werde gleich am Punkte seiner Injektion zer¬ 
setzt und verliere die giftwidrige Eigenschaft Diesen Widerspruch zwischen 
Theorie und Praxis auszugleichen ist Verf. geglückt Das Permanganat ver¬ 
bindet sich mit eiweißhaltigen Flüssigkeiten (Blut, Blutserum) zu einer homogenen 
Lösung von Magan-Albuminoxydat (Manganoxyprot), welches durch das Blut 
nicht verändert wird und die Fähigkeit besitzt, an Morphium Sauerstoff abzugeben, 
es unschädlich zu machen. Damit subkutane Einspritzungen von Kaliumperman¬ 
ganat ihre Wirkungen ausüben, muß Manganoxyprot gebildet werden und in den 


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Blutkreislauf gelangen. Eine bestimmte Menge Permanganat benötigt eine be¬ 
stimmte Menge Eiweiß, um sich zu Manganoxyprot zu verbinden. Wenn also 
an der Einspritzungsstelle nicht genügend Eiweiß vorhanden ist, um alles 
Permanganat zu verwandeln, so bleibt ein Überschuß, welcher ätzend wirkt und 
zur Verstopfung von Lymphgefäßen und Entzündungsprozessen, zur Bildung von 
Abscessen fuhren kann. Unter diesen Umständen kann die subkutane Einspritzung 
natürlich keinen Nutzen haben, da das Manganoxyprot mit dem Morphium gar 
nicht in Berührung kommt Um es erfolgreich subkutan anzuwenden, ist es rat¬ 
sam, keine stärkeren Lösungen als 7« 7© zu gebrauchen und 10—15 ccm an 2—3 
verschiedenen Stellen des Körpers zu verteilen, wenn nötig zu wiederholten Malen. 
Noch größere Sicherheit gewähren intravenöse Einspritzungen. Die Anwendung 
von Magenausspülung und Brechmittel ist bei dieser Prozedur überflüssig und 
stellt nur eine zeitraubende Prozedur dar. 

Auf andere Alkaloide übt Permanganat unter gewöhnlichen Umständen keine 
oxydierende Wirkung aus. Seine Wirkung auf Strychnin ist eine zu langsame, 
um bei Vergiftungen zuverlässig zu sein, besonders bei Gegenwart von anderen 
organischen Stoffen. Nur Eserin und Chinin wird augenblicklich oxydiert Dagegen 
oxydiert das Manganoxyprot nur das Chinin, nicht das Eserin. Auf alle anderen 
Alkaloide übt das Manganoxyprot nicht die geringste oxydierende Wirkung. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Bloch, C E.: Anatomische Untersuchungen über den Magendarmkanal des Säuglings. 

(Jahrb. f. Kinderheilkunde, Bd. 58, S. 121.) 

Das Untersuchungsmaterial ist nicht so gut, wie es Verf. selbst wünschte, da 
es teils von Kindern stammt, bei denen die Verdauungsfunktionen noch nicht in 
Tätigkeit gewesen waren, teils von Kindern, bei denen die Verdauungsorgane in 
der lezten Zeit vor dem Tode entweder gar nicht oder nur in geringem Grade 
funktionierten. Es waren 2 neugeborene ausgetragene Kinder, ein 4 Tage altes, 
an Bronchopneumonie, ein 23 Tage altes an einer Phlegmone periumbilicalis 
gestorbenes und ein 2 Jahre altes Kind mit Meningitis tuberculosa. Gleich nach 
dem Tode wurden 100—150 ccm 10%iger Formalinlösung in die Unterleibshöhle 
injiziert. 

Aus den Untersuchungsergebnissen sei nur folgendes hervorgehoben. Im 
Magen des Säuglings sind in den Drüsen dieselben Zellformen wie in dem des 
erwachsenen Menschen. Während aber in lezterem die Haupt- und Belegzellen 
über 3 Viertel der Drüsen verteilt und die Belegzellen auch unter dem Epithel 
der Oberfläche Vorkommen, reicht im Magen des Säuglings das Oberflächenepithel 
bis auf die halbe Länge der Drüsen, und die Belegzellen sind in geringer Anzahl 
unter dem Oberfächenepithel zu finden. 

Bei den Darmuntersuchungen beschäftigt sich Verf. speziell mit der Funktion der 
Lieberkühnschen Drüsen und besonders den Panethsehen Zellen. Von den 
2 Arten der Lieberkühnschen Drüsen finden sich die serösen, die eigentlichen 
Dannsaftdrüsen im ganzen Dünndarm und beim Säugling in den oberen */a oder 
*U des Dickdarms. Die Darmschleimdrüsen, welche beim Erwachsenen und älteren 
Kinde auf den ganzen Dickdarm verteilt sind, sind beim Säugling nur auf den 
unteren Teil desselben beschränkt. 

Bezüglich der Länge des Darms hält es Verf. nicht für bewiesen, daß die 
Schleimhautoberfläche beim Kinde verhältnismäßig größer ist als beim Erwachsenen. 

Keller (Bonn). 

Einer, Alfred: Ober die durch intraperitoneale Adrenalininjektion veränderte Resorp- 
tionsfähigkeit des tierischen Peritoneums. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 24, [N. F., 

Bd. 4] H. 12.) 

Adrenalin steigert den Blutdruck infolge Kontraktionswirkung auf die Blut¬ 
gefäße und anamiaiert die Schleimhäute. Es liegt deshalb der Oedanke nahe, zu 


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versuchen, ob die Resorption durch vorherige Injektionen des Präparates beein¬ 
flußt wird. E. hat darauf gerichtete Versuche an Kanindien ausgeführt und das 
Peritoneum, bei dem außer den Lymphbahnen noch die Blutgeföße in Betracht 
zu ziehen sind, als Prüfungsobjekt in verschiedener Weise studiert 

Die Ergebnisse sind kurz in folgende Sätze zusammenzufassen: 

1. Intraperitoneale Injektionen von Adrenalin verlangsamen die Resorption von 
Cyankali, Strychnin und Physostigmin, salicyl., so daß die Giftwirkung später 
als gewöhlich eintritt. 

2. Für Jodkalium besteht kein Unterschied, da es wahrscheinlich durch Osmose 
in die Blutgefäße eindringt. 

3. Die Lymphbahnen resorbieren langsamer, wenn Adrenalin vorher injiziert 
wird. 

4. Auch Bakterien, nicht aber Toxine, gelangen in geringerer Menge ins BIul, 
wenn sie in das Cavum peritoneum nach vorheriger Adrenalininjektion in¬ 
jiziert werden. 

Ob es mit Hilfe von Adrenalininjektionen gelingt, Intoxikationen zu hemmen, 
muß in anderer Weise untersucht werden. Schilling (Leipzig). 

Galdi, F.: Ober die AlloxurkOrper in Stoffwechsel bei Leukämie. (Arch. f. exper. 

Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 213.) 

G. studierte an zwei Kranken mit myelogener Leukämie, die Alloxurkörperaus- 
scheidung im Urin und in den Fäces. Die Fäces wurden nach Petrin extrahiert 
mit dünner Schwefelsäure und weiter nach Salkowski resp. Ludwig-Salkowski 
verarbeitet Die gesamte Harnsäure im Urin schwankte in dem 1. Fall zwischen 
1,706 und 1,20, im 2. zwischen 1,176 und 0,716, die Xanthinbasen in Fall 1 
zwischen 81,9 mg und 52,9 mg. Eine Kompensation zwisdien Harnsäure und 
Xanthinbasen bestand nicht, ebenso wenig im 2. Fall, hier schwankten die Xan¬ 
thinbasen zwischen 231,5 und 58,4 mg. Die Xanthinbasen in den Fäces schwankten 
bei Fall 1 zwischen 80,496 und 9,54, bei Fall 2 zwischen 27,984 und 193,662 mg. 
Die Menge der Harnsäure in den Fäces betrug bei Fall 1 im Maximum 0,026, 
im Minimum 0,013. Bei Fall 2 0,048 resp. 0,013. Die Durchschnittzahl des Al- 
loxurstoffwechsels übertrifft den des 2. um eine Stickstoffmenge von 0,075. Wäh¬ 
rend also die Harnsäure (wenn auch geringer) und die Xanthinbasen im Ham 
vermehrt sind, so fand sich keine beträchtliche Vermehrung der Xanthinbasen in 
den Fäces. Nach Darreichung von Hypoxanthin bei den 2. Patienten stieg die 
Hammenge, ebenso zeigte bei dem ersten Versuch sich eine Vermehrung der 
Harnsäure, nicht aber beim zweiten; dementsprechend waren auch beim ersten 
Versuch die Xanthinbasen nicht vermehrt, wohl aber im zweiten. Auch bei einem 
früher angestellten Versuch zeigte sich nach Hypoxanthinfütterung nur eine ge¬ 
ringe Harnsäurevermehrung bei einem Leukämischen. 

Schreiber (Göttingen). 

Henbner, W.: Die Spaltung des Fibrinogens bei der Fibringerinnung. (Arch. f. exper. 

Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 229.) 

Trotz der zahlreichen Arbeiten über Blutgerinnung ist bis heute der Vorgang 
noch nicht völlig klargestellt worden. H. geht von der zuletzt von Schmiede¬ 
berg vertretenen Ansicht aus, daß Fibrin und Fibrinoglobulin durch eine hydro¬ 
lytische Spaltung aus dem Fibrinogen entstehe. Er weist zunädist an den bisher 
erhaltenen Analysenzahlen dieser Körper nach, daß größere Abweichungen zwischen 
ihnen bestehen, als durch die Fehlerquellen der Bestimmungsmethoden zu er¬ 
klären wären. Ferner hatte Hammersten bei seinen quantitativen Untersuchungen 
stets größere Mengen Fibrin gefunden (allerdings in schwankenden Mengen 
65—91 %) als der bei Spaltung berechneten Menge (48,84 %) entsprechen müßten. 
Indessen weisen die bei der Analyse erhaltenen Mengen schon darauf hin, daß 
das gewonnene Fibrin unrein sein muß. In der Tat gelang es H. durch eine 


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besonders ausgebildete Methode, nachzuweisen, daß das H.sche Fibrin verun¬ 
reinigt ist, und bei seinen quantitativen Untersuchungen erhielt er Werte für das 
Fibrin, die dem berechneten sehr nahe stehen. Er kommt daher zu dem Schluß, 
daß das Fibrin durch Spaltung aus dem Fibrinogen entsteht 

Schreiber (Göttingen). 

Rflcbei u. Spitta: Einige Beobachtungen Aber Blutgerinnung und Leukocyten. (Arch. 
f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 285.) 

Verff. konnten feststellen, daß zwar bei der Blutgerinnung Leukocyten ver¬ 
schwinden, indessen kommt dies wohl dadurch zu stände, daß beträchtliche 
Mengen von Leukocyten in den Fibringerinnseln eingeschlossen werden, also 
nicht zugrunde gehen. Wenn man annehme, daß Leukocyten bei der Gerinnung 
zerstört wurden, so mußten doch gerade die älteren Formen (polynukleären) zer¬ 
fallen, jedoch ergab sich, daß das relative Verhältnis der einzelnen Leukocyten- 
formen in frischem, defibriniertem und geronnenem Blut etwa das gleiche ist 
Auch bei Einwirkungen auf die Gerinnungsfähigkeit des Blutes durch Injektion 
von Pepton, Histon sowie Blutegeiextrakt ergaben keinen Zusammenhang zwischen 
Leukocytenzahlen und Blutgerinnung. Beachtenswert ist, daß das Verschwinden 
von Leukocyten nach Peptoninjektion sowie nach Durdischneidung der Nervi 
splanchnid auf einer veränderten Verteilung in den inneren Organen beruht. 
Durch wiederholte intravenöse oder intraperitoneale Peptoneinspritzungen läßt 
sich eine Immunität gegen Pepton erreichen, so daß die Gerinnungszeit kaum 
beeinflußt wird, sondern sogar die Oerinnung des perkutan gewonnenen Blutes 
erhöht wird. Schreiber (Göttingen). 

Pratt, J.: Beobacht u ngen über die Oerinnungszeit des Blutes und die Blutplättchen. 

(Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, Sj 299.) 

P. konnte bei seinen Untersuchungen über die Blutgerinnung und über die 
Zahl der Blutplättchen, (beide wurden nach näher beschriebenen, exakt ausgear¬ 
beiteten Methoden bestimmt) keine direkten Beziehungen feststellen. Bezüglich 
der Zahl der Blutplättchen bestanden sehr große Schwankungen. Die Blutplättchen 
verschwanden immer, sobald die Gerinnung begann. Im defibrinierten Blute 
finden sich nur vereinzelte Plättchen. Das Verschwinden der Plättchen nadi 
Pepton- und Histoninjektion erklärt sich ebenfalls durch die veränderte Verteilung 
io den inneren Organen. Blut aus tieferen Schnitten gerinnt langsamer, als das 
aus kleineren. Schreiber (Oöttingen). 

Frauz, F.: Ober den die Blutgerinnung aufbebenden Bestandteil des medizinischen 
Blutegels. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 342.) 

Das wichtigste Ergebnis aus den unter Jakobjs Leitung angestellten Ver¬ 
suchen ist die Darstellung des wirksamen Prinzips des Blutegelextraktes. Die 
als Herudin bezeichnete Substanz scheint eine den Peptonen nahestehende Al- 
bumose zu sein; sie ist in Wasser leicht löslich, unlöslich in Alkohol und Äther. 
Zu beziehen ist die Substanz durch die Firma E. Sachsse 6c Co. in Leipzig- 
Reutnitz. Schreiber (Oöttingen). 

Hewlett, W.: Ober die Einwirkung des Peptonblutes auf Hämolyse und Bakteriddie. 
Bemerkungen über die Oerinnung des Blutes. (Arch. f. exper. Pathol. u. 

Pharmakol., Bd. 49, S. 307.) 

Aus den interessanten Untersuchungen, auf die hier nicht näher eingegangen 
werden kann, ergibt sich etwa folgendes: Injektionen von Pepton setzen je nach 
der Menge des injizierten'Peptons die hämolytische Kraft des Hundeblutes herab, 
ebenso verhalten sich Histon und Blutegelextrakt; worauf die Beeinträchtigung 
der Hämolyse beruht, ließ sich nicht feststellen, ebenso wurde die bakteriolytische 


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Kraft herabgesetzt, allerdings nur nach starken Peptoninjektionen. Zusatz von 
Natriummetaphosphatlösung, welche Blut ungerinnbar macht, hebt auch die hämo¬ 
lytische Wirkung auf. Versuche mit Gänseplasma bewiesen, daß die bakteridden 
und hämolytisch wirkenden Stoffe bereits im Blutplasma vorhanden sind. Die 
Herabsetzung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes kann nicht durch die Gegenwart 
des Peptons im Blut erklärt werden. Da zur Wirkung des Peptons eine Mit¬ 
wirkung der Leber nötig ist, so untersuchte H. den Einfluß des Leberextraktes auf 
die Gerinnungsfähigkeit und konnte feststellen, daß derselbe einen beschleuni¬ 
genden Einfluß hat. Worauf diese Wirkung beruht, läßt sich nicht feststellen. 

Schreiber (Oöttingen). 

Simon, 0.: Ober das Vorkommen von Olykoalbomosen in der Leber. (Arch. f. exper. 
Pathol. u. Pharmoko!., Bd. 49, S. 457.) 

S. gelang es, durch Extraktion feingehackter Schweinsleber mit Wasser und 
durch wiederholte Fällung mit Alkohol einen Körper darzustellen, der beim Kochen 
nicht gerinnt, die Biuretreaktion gibt und in 4Q°/ 0 igtm Alkohol löslich ist Nach 
Spaltung mit 10%iger Salzsäure sowie 10%iger Schwefelsäure lassen sich Osa- 
zonkristalle darstellen. Der abgespaltene Komplex gärte mit Hefe. Da der Kör¬ 
per auch aus frischer Leber gewonnen werden kann, ist er offenbar ein vorgebil¬ 
deter Bestandteil derselben. Schreiber (Göttingen). 

Rosenfeld, Fritz: Die ladolbüdnng beim saugenden Kaninchen. (Hofmeisters 
Beitr. z. ehern. Phys. u. Pathol., Bd. 5, H. 1. 2.) 

Audi in einer neuen Versuchsweise mit Dimethylamidobenzaldehyd kommt 
R. zu dem Resultate, daß im Darm des saugenden Kaninchens kein Indol ent¬ 
steht und Indol bei dem Abbau von Eiweißkörpem im Organismus wahrscheinlich 
nicht durch die Zwischenstufen des Tryptophans, wohl aber Indol aus Tryptophan 
durch Bakterien zweifellos erzeugt wird. Schilling (Leipzig). 

Btnm, L: Ober das Schicksal des Cystins im Tierkörper. (Hofmeisters Beitr. z. 
ehern. Phys. u. Path., Bd. 5, H. 1. 2.) 

Die Cystinurie hat in der Stoffwechselpathologie noch vieles Dunkle. Blum, 
der Cystin dem Hunde per os, intravenös und subkutan einverleibte, konnte die 
bisher geltende Annahme, daß sie auf abnormer Eiweißspaltung beruhe, bestätigen. 
Die Leber spielt dabei eine wichtige Rolle, da sie Cystin zuröckhält und die Galle 
der Versuchstiere abspaltbaren Schwefel in starker Vermehrung zeigt. Eine Über¬ 
schwemmung des Darmes mit Cystin macht keine Cystinurie. Cystin und Taurin 
sind verwandt und das Übergehn des ersteren in das letztere im Stoffwechsel zu 
verfolgen. Schilling (Leipzig). 

Stolte, Carl: Ober das Schicksal der Monaminosiuren im Tierköper nach Einführung 
in die Blntbahn. (Hofmeisters Beitr. z. ehern. Phys. u. Path., Bd. 5, H. 1. 2.) 

Sowohl das Nahrungseiweiß als auch die im Eiweißmolekül erhaltenen Amino¬ 
säuren gelangen als Harnstoff zur Ausscheidung. Indessen zeigt sich eine Diffe¬ 
renz bei den Aminosäuren, indem die Monaminomonokarbonsäuren wie Glykokoll, 
Alanin und Leucin, ferner die Monaminodikarbonsäuren wie Asparaginsäure, 
Glutaminsäure und die aromatischen Monaminosäuren wie Phenylalanin Schwan¬ 
kungen in der Vermehrung des Harnstoffes aufweisen. Tyrosin und Phenylalanin 
veranlassen nämlich keine Harnstoffzunahmen, dagegen steigern Alanin, Asparagin¬ 
säure und Glutaminsäure die Menge des Hamstickstoffes, und Glykokoll ruft nur 
bei förmlicher Überschwemmung des Organismus eine anhaltende Hamstickstoff- 
vermehrung hervor. Schilling (Leipzig). 


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Besprechungen. 

Waldvogel, R.: Die Acetonkörper. Stuttgart, Verlag von F. Enke. 1903. 

W. hat es unternommen, die Physiologie und Pathologie der Acetonkörper 
(Oxybuttersäure, Acetessigsaure, Aceton) einer ausführlichen Darstellung zu unter¬ 
ziehen, eine sehr dankenswerte Arbeit, wenn man bedenkt, daß seit der Mono¬ 
graphie von v.Jaksch 18 Jahre verflossen sind und während dieserZeit gerade das 
Gebiet der Acetonkörper durch eine Reihe wertvoller und fruchtbringender Unter¬ 
suchungen erweitert worden ist, an denen der Verf. selbst in der ersten Reihe 
mit beteiligt war. In den ersten Kapiteln lernen wir die Chemie, das Vorkommen, 
den Entstehungsort kennen, weiter schildert uns der Verf. ihre Beziehungen zu 
den 3 Grundsubstanzen des Organismus und ihre Beeinflussung durch die 
verschiedensten Agenden. Im 2. Teil erfahren wir die Formen der Acetonaus¬ 
scheidung, ihre Bedeutung für Diagnose und Prognose, Prophylaxe und Therapie. 
Es ist selbstverständlich, daß bei einem Thema, das sich gerade jetzt in fließender 
Entwicklung befindet, manches hypothetisch und subjektiv gefärbt anmutei Nicht 
völlig klar erschien mir die Schilderung der Oxydation der Acetonkörper, auch 
mit der Erklärung des von W. beobachteten vermehrenden Einflusses des Alkali 
auf die Bildung der Acetonkörper wird mancher nicht einverstanden sein. Alles 
in allem werden wir aber in dem Buch für Klinik und Laboratorium eine wert¬ 
volle Zusammenstellung des riesigen Tatsachenmaterials gewonnen haben. 

K. Olaeßner (Berlin). 

QroQahn, Alfred: Ober Wandlungen in der Volksernährung. Staats- und sozialwissen¬ 
schaftliche Forschungen. Herausgegeben von Gustav Schmollen Bd. 20, H. 2. 

Leipzig, Verlag von Duncker & Humbloi 72 S. Mk. 1,60. 

Die von nationalökonomischer Seite aufgestellten Arbeiterhaushaltberechnungen 
haben nur hinsichtlich der notierten Preise exakten Wert, die Angaben über Ge¬ 
wichtsmengen und Zusammensetzung der Nahrungsmittel sind nur Annäherungs¬ 
werte. Aus der Arbeiterbudgetliteratur stellt Verf. für verschiedene soziale Klassen 
den jährlichen Konsum der Familie an Cerealien, Molkereiprodukten, Fett und 
Fleisch zusammen und erwägt das Verhältnis zwischen Fleisch- und Pflanzenkost, 
Cerealien und Kartoffeln, Fett und Fleisch. Er unterscheidet 4 Kosttypen: die frei- 
gewählte Kost der Wohlhabenden, die Kost der städtischen Handwerker, Unter¬ 
beamten und gut gestellten Arbeiter, die Kost der Bauern, ländlichen Handwerker 
mit ausgeprägt lokalem Charakter und schließlich die Kost der von jeder Natural¬ 
wirtschaft losgelösten, auf reinen Oeldlohn angewiesenen industriellen und gro߬ 
städtischen Arbeiter. Die letztere ist frei gewählt; die Wahl bewegt sich nach 
einer bestimmten Richtung, die identisch ist mit jener, welche die wohlhabenden 
Bevölkerungsschichten eingeschlagen haben. Folgende Verschiebungen lassen sich 
erkennen: das Fleisch erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und zwar das magere 
mehr als das fette. Die Pflanzenfette haben an Bedeutung verloren und weiden, 
soweit irgend angängig, durch tierische Fette ersetzt. Die Milch wird im weitesten 
Maße von erwachsenen Menschen gemieden. Hafer, Oerste, getrocknete Linsen, 
Bohnen und Erbsen drohen ganz aus der Volksnahrung zu verschwinden. Das 
Weizenbrot wird im steigenden Maße dem Roggenbrot vorgezogen. 

Es dürfte nach weiteren Untersuchungen Vorbehalten sein festzustellen, wie¬ 
weit die von Verf. berechneten Kostsätze dem Durchschnitt tatsächlich entsprechen. 

Keller (Bonn). 

Adanldewicz, Albert (Wien): Die Heilung des Krebses. Mit 3 Abbildungen. Wien 
u. Leipzig, W. Braumüller, gr. 8°. 237 S. Preis 4,80 Mk. 

Je größer ein Problem in der Wissenschaft, desto größer die Zahl der Hypo¬ 
thesen und Irrwege. Die Ansichten des Verf. über den Krebs, seine parasitär? 


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Natur und Heilbarkeit sind hier in einem größerem Werke kondensiert, da sie in 
der Literatur sonst nur zerstreut zu finden sind. Für Ärzte, welche die Theorie 
und die Therapie mit Cankroin noch nicht kennen, noch die Gegenbehauptungen 
angesehener Wiener Ärzte aus der Letztzeit verfolgt haben, sei wiederholt, daß 
nach A. die Krebszellen keine Epithelzellen sind, Krebs durch den Parasiten Coc- 
ddium Sarcolytus entsteht, das von ihm produzierte Gift Cankroin dem Neurin 
verwandt ist und Injektionen mit Cankroin heilend auf den Krebs wirken. 

In dem Werke selbst werden verschiedene Falle von Gesichts-, Brust-, Unter¬ 
lippen- und Speiseröhrenkrebs mit der Behandlungsweise besprochen. Das Heil¬ 
verfahren ist kein schematisches, sondern individuelles und je nach den Reaktions¬ 
erscheinungen wechselndes. Oewöhnlich injizert A. anfangs täglich 0,5—3,0 oder 
1,5, Cankroin später seltener, subkutan. Der Heileffekt besteht in Nekrose infolge 
Einwirkung auf das verlängerte Mark; da Krebs gefäßlos ist, kann auf natürlichem 
Wege kein Cankroin in den Kreislauf gelangen. Das Cankroin soll nicht als Uni¬ 
versalmittel bezeichnet werden, da es Fälle gibt, deren Natur die Heilwirkung ver¬ 
sagt oder bei denen individuelle Verhältnisse des Kranken die Heilung hemmen. 

Da der Krebskranke in der Mehrzahl der Palle ein mit schwerem Siechtum ge¬ 
plagter Todeskandidat ist, sollte jedes Mittel vorurteilslos in einer größeren Reihe 
von Fallen, auch Cankroin geprüft werden. Möge der Verf., welcher Björnsons 
Worte: »Verachtet von den Einen, den Anderen Trost und Licht« als Motto an 
die Spitze der Einleitung stellte, sein Ziel erreichen, so daß »alle Gegenstimmen 
schweigen und die Erde der Wahrheit lauscht« Schilling (Leipzig). 

Butte, L: L’alimentaßoa lactee cfaez le nouveau-nd. Paris 1903, F. R. de Rudeval. 

203 S. 3 fr. 

Der Hauptteil des Buches besteht aus einer Abhandlung Buttes über die 
Milch (Physiologie und Anatomie der Brustdrüse, chemische und physikalische 
Eigenschaften der Milch, Unterschiede der Frauenmilch und der Milch verschiedener 
Tierarten etc.). Im zweiten Kapitel bespricht Dubrisay die Ernährung an der 
Brust im letzten Dhomont die künstliche Ernährung. 

Der wesentliche Inhalt der Aufsätze entspricht den Vorträgen, welche die 3 
Verf. über die betreffenden Themata am 14. Juni 1902 in der vereinigten Sitzung 
der Pariser medizinischen Gesellschaften gehalten haben. Wesentliche Eigänzungen 
zu den vorgetragenen und jetzt vorliegenden Ausführungen brachte Budin 
(Proges mddical, 1902, Nr. 27) vor und sei darauf verwiesen. 

Von Literatur finden wir besten Falls einige französische Arbeiten, etwas 
neues ist in keinem der Aufsätze enthalten. Keller (Bonn). 

Bornträger, J.: Diät-Vorschriften für Gesunde und Kranke Jeder Art 4. verbesserte 
und erweiterte Auflage. Leipzig 1904, Verlag von H. Hartung & Sohn. gr. 16*. 

Preis 2 Mk. 

Die Bornträger’schen Diätvorschriften, welche längst bei vielen Aerzten 
Beifall gefunden haben, erscheinen bereits in 4. Auflage mit manchen Verbesse¬ 
rungen in Inhalt und Form. Der billige Preis ermöglicht es dem Arzte, seinen 
Patienten bei den verschiedensten Krankheiten bestimmte Diätvorschriften, und 
zwar nicht blos den bemittelten Patienten, zu erteilen und ihnen während der 
Krankheit und in der Rekonvalescenz nützlich zu sein und sie vor Schaden zu 
behüten. Schilling (Leipzig). 

Kuhn, Franz: Prophylaxe und operationslose Behandlung des Galleusteinleideas. 

Nr. 177. 180 (je ein Doppelheft) der Berl. Klinik. Berlin W., Fischer's Medizin. 

Buchhandlung H. Kornfeld, gr. 8°. Preis 2,40 Mk. 

Kuhn, der durch eigene Arbeiten auf dem Qebiete der Cholelithiasis bekannt 
ist, gibt uns in dieser Bearbeitung einen Ueberblick über Pathologie, Prophylaxe 


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53 


and Therapie dieses in den letzten Jahren vielfach diskutierten Leidens, das zu 
den Grenzgebieten der Innern Medizin und Therapie gehört Er ist Anhänger 
der internen Behandlung soweit ihre Hilfsmittel, die bis zu den Kräuterkuren 
herab besprochen werden, in leichtern Fällen Erfolg versprechen, überweist aber 
schwere Fälle unbedingt dem Chirurgen. Eine längere Beobachtung in einer 
chirurgischen Anstalt kommt dem Patienten zu Gute. Selbst der Spezialchirurg 
hat aber öfter Mühe, einen versteckten Stein zu finden und aus seinen Winkeln 
herauszuholen; die Wegsamkeit des Gallensystems ist das Endziel der Behandlung. 

Schilling (Leipzig). 

Sternberg, Wilhelm: Die zehn Gebote des Zuckerkranken. Praktischer Ratgeber für 
Zuckerkranke. Mainz. 55 S. Preis 1 Mk. 

Dem Zuckerkranken und den für ihn die Küche besorgenden Angehörigen 
soll die kleine Schrift die wichtigsten hygienischen Regeln nebst Begründung vor 
Augen führen. Die Regeln sind nach berühmten Mustern in die Form von 10 
Geboten gekleidet — Eine praktische Tabelle zum Einträgen der Harnbefunde 
macht den Beschluß. Hesse (Kissingen). 


7tibattsv«rj«id>nis. 

Original-Artikel: Schilling, F.: Die Rekto-Romanoskopie 31. — Referate: 
S toff w e c hs elkrankheiten. Falta: Zur Klinik des Diabetes mellitus 36. — Knopf, L: 
Beitrag zur Kenntnis des Phlorhizindiabetes 37. — Erkrankungen der Verdauungs- 
organe. Lossen: Uber die idiopathische Erweiterung des Ösophagus 37. — 
Strauß: Klinische Studien über den Magensaftfluß. (Begriff, Entstehung, Behand¬ 
lung, Stoffwechsel) 38. — de Rothschild, H.: Traitement de la gastro-entdrite par 
le lait dcrdmi addifid 39. — Sandberg, G.: Ein Beitrag zur Bakteriologie der 
milchsauren Gärung im Magen mit besonderer Berücksichtigung der »Tangen« 
Badlien 39. — Rudmger, C. u. Jonas, S.: Über das Verhältnis der Tetanie zur 
Dilatatio ventriculi 39. — Du Mesnil de Rochemont: Über die Behandlung des 
Typhus mit Heilserum 41. — Federmann: Über Peritiphlitis mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung des Verhaltens der Leukocyten 41. ~ Nikoljski, A. W.: Über 
tuberkulöse Darmstenosen 42. — Wagener, Oskar: Über primäre Tuberkulose¬ 
infektion durch den Darm 43. — Nehrkom: Die chirurgische Behandlung der 
Colitis ulcerosa chronica 43. — Reinbach: Hämorrhoiden im Kindesalter, zugleich 
dn weiterer Beitrag zur pathologischen Anatomie dieses Leidens 4.3. — Häberlin: 
Cholelithiasis, Chologenbeh^pdlung, Operation 43. — Anschütz: Über die Resek¬ 
tion der Leber 44. — zesas: Über die Laparotomie bei tuberkulöser Peritonitis 44. — 
Erkrankungen des Blutes und der blutbereitenden Oigane etc. Agote, L: Diagnostic 
prdcoce du mvxoedäme congenital 44. — Codina Castellvi: Schilddrüse und Para¬ 
lysis agitans 44. — Ernährung. Perret, M.: Quantitds de lait que doivent prendre 
au sein de leur märe les nouveaunds a terme 45. — Mesnil, R.: Les märes qui 
ne peuvent pas allaiter au sein leur enfant 46. — Coulon, Ch.: De l’augmentation 
du poids dans es jours qui prdcädent la mort du nourrisson 46. — Vergiftung. 
Moor, W. O.: Über die Behandlung der akuten Opium- und Morphiumvergiftungen 
mit Kaliumpermanganat 46. — Physiologische Chemie, Verdauung etc. Bloch, C. E.: 
Anatomische Untersuchungen über den Magendarmkanal des Säuglings 47. — 
Exner, Alfred: Uber die durch intraperitoneale AdrenalininiektiQn veränderte Re¬ 
sorptionsfähigkeit des tierischen Peritoneums 47. — Galdi, r.: Über die Alloxur- 
köfper im Stoffwechsel bei Leukämie 48. — Heubner, W.: Die Spaltung des 
Fibnnogens bei der Fibringerinnung 48. — Rüchel u. Spitta: Einige Beobach- 


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f 


hingen über Blutgerinnung und Leukocjrten 49. — Pratt, J.: Beobachtungen über 
die OerinnungszeTt des Blutes und die Blutplättchen 49. — Franz, F.: Uber den 
die Blutgerinnung aufhebenden Bestandteil des medizinischen Blutegels 49. — 
Hewlett, W.: Uber die Einwirkung des Peptonblutes auf Hämolyse und. Bakteri- 
ddie. Bemerkungen über die Gerinnung des Blutes 49. — SimoiL O.: Ober das 
Vorkommen von Glykoalbumosen in der Leber 50. — Rosgnfeld, Fritz: Die Indol¬ 
bildung beim saugenden Kaninchen 50. — Blum, L.: Über das Schicksal des 
Cystins im Tierkörper 50. — Stolte, Carl: Uber das Schicksal der Monamino- 
sauren im Tierkörper nach Einführung in die Blutbahn 50. — Besprechungen: 
Waldvogel, R.: Die Acetonkörper 51. — Orotiahn, Alfred: Ober Wandlungen 
in der Volksernährung 51. — Adamkiewicz, Albert (Wien): Die Heilung des 
Krebses 51. — Butte, L.: L’alimentation lactde chez le nouveau-nä 52. — Born- 
träger, I.: Diät-Vorschriften für Qesunde und Kranke jeder Art 52. — Kuhn, Franz: 
Prophylaxe und operationslose Behandlung des Qalfensteinleidens 52. — Starn¬ 
berg, Wilhelm: Die zehn Oebote des Zuckerkranken 53. 


Hntoren-TerftMmis. 

Agote 44. — Anschütz 44. — Bloch 47. — Blum 50. — Castellvi 44. — 
Coulon 46. — Exner 47. — Falta 36. — Federmann 41. — Frapz 49. — Oaldi 48. 
- Häberlin 43. — Heubner 48. - Hewlett 49. - Jonas 39. — Knopf 37. - 

Lossen 37. — Mesnil, R. 46. — Du Mensil de Rochemont 41. — Moor 46. — 

Nehrkom 43. — Nikoljski 42. — Perret 45. — Pratt 49. — Reinbach 43. — 
de Rothschild 39. — Rosenfeld 50. — Rudinger 39. — Rüchel 49. — Sandberg 

39. - Simon 50. - Spitta 49. - Schilling 31. — Strauß 38. — Stolte 50. - 

Wagener 43. — Zesas 44. 


HlpbabetUcb geordnet«* Jnhaltsverfeidml*. 

Alloxurkörper bei Leukämie 48. — Appendidtis und Leukocytose 41. — Blut¬ 
egel, wirksamer Stoff des 49. — Blutgerinnung 48. 49. — Cholelithiasis, Be¬ 
handlung 43. — Colitis ulcerosa, Behandlung 43. — Cystin im Tierkörper 50. — 
Darmstenose, tuberkulöse 42. — Diabetes mellitus 36. — Fibringerinnung 48. 49. 
— Gastroenteritis, Behandlung 39. — Glykoalbumosen 50. — Hämolyse und Pep¬ 
tonblut 49. — Hämorrhoiden im Kindesalter 43. — Herudin 49. — Indolbildung 
50. — Leberresektion 44. — Leukämie uud Alloxurkörper 48. — Magendarmkanal, 
Anatomie des kindlichen 47. — Magenerweiterung und Tetanie 39. — Magen, Milch¬ 
säuregärung im 39. — Magensaftfluß 38. — Morphiumvergiftung 46. — Myxoedem 
44. — Osopnaguserweiterung 37. — Opium Vergiftung 46. — Peptonblut, Hämolyse 
und Bakteriddie 49. — Peritoneum, Resorption des und Adrenalin 47. — Peri- 
tonis, tuberkulöse 44. — Phlorhizindiabetes 37. — Rekto-Romanoskopie 31. — 
Säuglingsernährung 45. 46. — Schilddrüse und Paralysis agitans 44. — Tetanie und 
Magenerweiterung 39. — Tuberkuloseinfektion durch den Darm 43. — Typhus- 
Heilserum 41. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck 8c Ruprecht in Göttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 29. Januar 1904. 


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Nr. 3. 


Erstes Februar-Heft 1004. 


5. Jahrgang, 


3enfralblaff 

Kr 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

hermusgegeben von 

Professor Dr.CARL von Noorden in Frankfurt a. M. 


redigiert von Dr. med. Ermt Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandeahoeck ft Raprecfct in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von 2 Bogen Umfang. Prds des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjihrjger Voransbezahhmg. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zn beziehen durch alle Bachhandhingen and 
Potfantfalten des In- und Anslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jlhrlich mehr.) 


Referate* 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 


Schlesinger, W.: Zur Klinik und Pathogenese des Lävulosediabetes. (Arch. f. exper. 

Pathol. u. PharmakoU Bd. 50, S. 273.) 

Nach Mitteilung der einschlägigen Literatur berichtet S. über einen eigenen 
Fall von Lävulosediabetes, bei dem ausschließlich Lävulose im Harn ausgeschieden 
wurde; die Menge derselben war allerdings nicht sehr erheblich. Die Ausschei¬ 
dung war abhängig von der Nahrungsaufnahme, den höchsten Wert erreichte sie 
6 Uhr Abends. Stärkezufuhr hatte keinen Einfluß auf die Lävolusurie, ebenso¬ 
wenig 60 g Dextrose, dagegen trat eine Steigerung nach Lävulosezufuhr auf, 
ebenso nach 100 g Saccharose. Ein Versuch mit 90 g Inulin fiel negativ aus. 
Nach subkutaner Injektion von 0,02 Phloridzin wurde ausschließlich Dextrose 
ausgeschieden, erst später trat wieder Lävulose auf; S. glaubt, daß dies gegen 
die renale Theorie des Phloridzindiabetes spräche, ln den übrigen, von anderen 
Autoren beobachteteten Fällen bestanden neben der Lävulosurie diabetische Erschei¬ 
nungen, jedoch konnte S. bei 15 schweren Diabetikern mit gewöhnlicher Nahrung 
keine Lävulose im Harn entdecken, dagegen beobachtete er bei 2 schweren Dia¬ 
betikern Lävulosurie bei reichlicher Amylazeenzufuhr. Der normale Organismus 
verträgt Lävulose schlechter als Dextrose, bei dem Lävulosediabetes vermag aber 
der alimentäre Einfluß seine Entstehung nicht zu erklären, vielmehr muß ange¬ 
nommen werden, daß sich Lävulose im Körper neu bildet und in reichlicher 
Menge; wo dieselbe jedoch entsteht, läßt sich nicht angeben. Klinisch ist der 
Lävulosediabetes von dem Dextrosediabetes zu trennen. Die Prognose ist gün¬ 
stiger; durch Beschränkung der Kohlenhydratzufuhr ist die Lävulosurie zu be¬ 
seitigen. Schreiber (Qöttingen). 

Nr. 3. 


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Snegirew: I. Beiderseitige gleichzeitige Erkrankung der Trinen- und Speicheldrüsen. 

(Russki Wratsch, Nr. 46.) 

II. Uber einen akuten Fall von gleichzeitiger beiderseitiger Erkrankung der Tränen- 
und Speicheldrüsen. (Ebenda, Nr. 46.) 

Der erste Fall betrifft eine 39jährige Patientin. Es bestand hochgradiger, 
doppelseitiger Exophthalmus; durch die oberen Augenlider sind die derben, be¬ 
weglichen geschwollenen Tränendrüsen zu fühlen, sodaß die Beweglichkeit der 
Augen beschränkt war; außerdem bestand starke Vergrößerung der Speichel¬ 
drüsen, besonders der Submaxillardrüsen und der supplementären Parotiden, 
letztere bis zu Taubeneigröße geschwollen. Schwellung der Hals-, Axillar- und 
Inguinaldrüsen. Blutbeschaffenheit normal. Die Schwellung soll seit 2 Jahren 
bestehen. Im weiteren Verlauf traten Veränderungen an der Hornhaut auf. 
Die mikroskopische Untersuchung der Schwellungen in der Umgebung der 
Drüsen ergab die Struktur eines Lymphoms. Die Veränderungen der Tränen¬ 
drüse selbst bestanden in kleinzelliger Infiltration in den interlobulären Räumen. 
Später trat auch Milz- und Leberschwellung auf. S. fast daher die Erkrankung 
als Pseudoleukämie auf. Arsen, Jod, Thyreoidin und Quecksilber hatten keinen 
Erfolg. 

Der zweite Fall betrifft einen 22jährigen Patienten, bei dem sich im Laufe 
von wenigen Tagen eine schmerzhafte Schwellung der Tränendrüsen einstellte, 
gleichzeitig trat eine Vergrößerung der Gaumen- und Sublinguinaldrüsen ein. Die 
Schwellungen bildeten sich im Laufe von ca. 6 Tagen wieder zurück. Nach 
einem Monat war von den Veränderungen nichts mehr nachzuweisen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

v. Mikulicz (Breslau): Zur Pathologie uod Therapie des Cardiospasmus. (Dtsch. med. 

Wochenschr., 1904, Nr. 1. 2.) 

Nach einer kurzen einleitenden Übersicht über die Entwickelung des Begriffs 
und der Symptomatologie des Cardiospasmus an der Hand der Literatur geht M. 
auf den Symptomenkomplex der Krankheit und ihre differentialdiagnostischen Merk¬ 
male ein. Diffuse Dilatation der unteren Zweidrittel der Speiseröhre in der Form 
einer Birne oder Flasche und Dysphagie, der er den Namen kardiale Dysphagie 
beilegt, sind die beiden Hauptsymptome. Daneben zeigt sich infolge der Stauung 
und Zersetzung des Speisebreies regelmäßig eine Ösophagitis. Über die Ätiologie 
ist so gut wie nichts Sicheres bekannt, jedenfalls ist in der Mehrzahl der Falle 
der Cardiospasmus das Primäre und die Ösophagusdilatation erst sekundär, so 
daß man keine Berechtigung hat von einer idiopathischen Dilatation zu sprechen. 
Als Beweis für diese Theorie führt er seine in den Grenzgebieten für Medizin 
und Chirurgie, Bd. 12, niedergelegten Untersuchungen über die Physiologie der 
Speiseröhre und der Cardia und die daraus gewonnenen Schlüsse an. Darnach 
wird ein Teil der aufgenommenen Flüssigkeiten immer im Ösophagus zuruck- 
behalten, sobald Cardiospasmus vorliegt Diese retinierten Flüssigkeiten sind es 
die zuerst Erweiterung und Entzündung verursachen, allerdings sehr allmählich 
im Laufe von Jahren. Die von ihm angewandte Therapie der gewaltsamen 
manuellen Dehnung der Cardia bestätigte durch ihren Erfolg bei mehreren Fällen, 
von denen einer als dauernd geheilt zu betrachten ist, die Richtigkeit seiner 
Hypothese. Wendenburg (Göttingen). 


Krassnobqjew, T. P.: Ein Fall von Gastroptosis (Glenardsche Krankheit) bei einem 
11jährigen Mädchen. (Djetzkaja Medizina, Nr. 1. 2; Petersburger med. Wochen¬ 
schr., Nr. 49.) 

Fälle von Gastroptosis bei Kindern sind verhältnismäßig selten beschrieben 
und beobachtet worden, was wohl daher herrühren mag, daß einer Lageverände¬ 
rung des Magens im Kindesalter bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet 
woiden ist. Bei dem 11jährigen Mädchen K.s handelt es sich um eine reine 


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Senkung des Magens, eine Qastroptose; alle übrigen Funktionen dieses Organs, 
wie Sekretion, Resorption und Motilität waren absolut normal. Während eines 
längeren Bettaufenthaltes der Patientin, vergesellschaftet mit energischer Ernäh¬ 
rung, schwanden alle vorher bestandenen Erscheinungen, wie Schmerzen, Übel¬ 
keiten, Erbrechen, AufstoBen und Sodbrennen. Die Patientin nahm nun an Kör¬ 
pergewicht zu, der Magen blieb aber in seiner Lage unverändert: mit der kleinen 
Kurvatur 3—4 Querfingerbreiten unter dem Nabel. Ätiologisch muß man wohl 
in den Fallen von Qastroptose eine angeborene Prädisposition verantwortlich 
machen. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Luis y Yague: Die Pytorusdenose durch Druck von aufien. (El Siglo Mädico, 1904, 

3. u. 10. Januar.) 

Ausführliche Darstellung der Symptome und der Differentialdiagnose. Bez. 
ersterer ist zu bemerken, daß stets dem Stadium der Pylorusstenosierung ein 
Stadium vorausgeht, das durch die Symptome des primären Leidens gekennzeichet 
ist. Solche primäre Leiden sind vorzugsweise: 1) die Cholelithiasis und ihre 
Komplikationen, 2) die Enteroptose, 3) das Ulcus duodeni, 4) Tumoren, 5) Peri- 
tonitische Prozesse. Differentialdiagnostisch kommen in erster Linie in Betracht 
die Pylorusstenosen durch Veränderungen am Pylorus selbst, dann aber auch ein¬ 
fache Dilatationen, Reichmannsche Krankheit und — bei durch äußere Tumoren 
verursachter Stenose — Cardnom des Magens. M. Kaufmann (Mannheim). 


Alessandri: Ober dnen Fall von gestieltem Magensarkom nebst Bemerkungen über 
einige Bindegewebsgeschwülste des Magens. (Mitteil. a. d. Qrenzgeb. d. Med. u. 

Chirurg., Bd. 12, H. 4.) 

A. gibt eine genaue Beschreibung eines von ihm operierten Falles von Sarkom 
des Magens — das übrigens vor der Operation als Milztumor diagnostiziert war 
— und schildert im Ansdiluß daran die überhaupt vorkommenden Bindegewebs¬ 
gesch wülste des Magens. Es sind dies Lipome, Fibrome, Lymphome, Sarkome 
und Myome. Letztere sind fast stets gestielt und wachsen entweder nach innen 
oder nach außen. Von Veränderungen, welche die Tumoren betreffen können, 
sind hauptsächlich interstitielle Blutungen und cystische Erweichungen zu nennen. 
Eine eigentümliche Komplikation ist es, wenn die Hohlräume des Tumors mit 
dem Magen- oder Darmlumen kommunizieren; eine weitere Komplikation ist die 
Stieldrehung des Tumors. 

Die Diagnose ist sehr schwierig, — es wird meist vor der Operation bezw. 
Sektion ein Tumor in einem anderen Organe angenommen, z. B. im Netz, Pan¬ 
kreas, in den retroperitonealen Lymphdrüsen, den Nieren, in der verlagerten Milz, 
bei Frauen auch in den Oenitalien. Die Operation besteht in Ausschälung des 
Tumors, eveni mit gleichzeitiger Resektion eines Teiles des Magens oder Netzes. 

B. Oppler (Breslau). 


Villaret (Posen): Ist die Blinddarmentzündung heute häufiger als früher? (Dtsch. 
med. Wochenschr., 1904, Nr. 1.) 


V. weist zunäscht die Annahme, daß die Anwendung von emailliertem Koch¬ 
geschirr Ursache des häufigeren Auftretens von Blinddarmentzündung wäre, zurück, 
und gibt der Ansicht Ausdruck, daß die bessere Ausbildung der Diagnostik vor 
Verwechselungen mit anderen Krankheiten schütze und somit eine Zunahme der 
Diagnosen auf Blinddarmentzündung herbeigeführt habe. Im Einklang hiermit 
müßten die Krankheiten abgenommen haben, die zu Verwechselungen Anlaß 
geben können, und tatsächlich weist V. aus den Berichten der Armeen über Kran¬ 
kenbewegung schlagend nach, daß seit den Jahren 1873/74 bis 1900/01 die Er¬ 
krankungen an Blinddarmentzündung um 70% zugenommen, diejenigen an Leber- 
leiden, Bauchfellentzündung und chronischen Magenleiden um 64,2, 70,2 und 


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Nr. 3*. 


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79,9 % abgenommen haben. Alle zusammen erfuhren eine Abnahme um 44,5 °/#> 
so daß also auch die Blinddarmentzündung absolut seltener geworden ist 

Wendenburg (Oöttingen). 

v. Hansemann: Ätiologische Studien über die Epityphlitis. (Mitteil. a. d. Orenzgeb. 
d. Med. u. Chirurg., Bd. 12, H. 4.) 

Als ätiologische Momente für das Zustandekommen einer Epityphlitis sind 
nach H. die Lage des processus vermiformis, die Entwicklung der Oerlach sehen 
Klappe, d. h. die Ein- und Auslässigkeit des processus anzusehen. Ist derselbe 
schwer ein- und besonders auslässig, so kann durch gelegentliche Ursachen — 
Meteorismus, Trauma, Massage — Kot eindringen. Der angesammelte Kot gibt 
zu Veränderungen Anlaß, es kommt zur Entwicklung von Bakterien, es entsteht 
der akute Anfall eines an sich chronischen Prozesses. Fremdkörper oder Kotsteine 
als solche würden bei intaktem processus vermiformis nichts ausrichten, erst bei 
dem vorher pathologisch veränderten können sie Verheerungen setzen. 

Die Tatsache, daß die Epityphlitis selten vor dem 3. und nach dem 40. Lebens¬ 
jahre auftritt, erklärt H. folgendermaßen: Die Oerlach sehe Klappe entwickelt sich 
allmählich, ferner ist die Lage des processus erst später eine endgiltige. Bezüglich 
der verhältnismäßigen Immunität des höheren Alters ist die physiologische Invo¬ 
lution zu nennen. Daß Frauen weniger oft befallen werden als Männer, erklärt 
sich nach H. am einfachsten dadurch, daß dieselben den Oelegenheitsursachen 
weniger ausgesetzt sind. Auf die Tatsache, daß die letzteren — nämlich die Oe¬ 
legenheitsursachen — in unserem modernen Leben mehr in Frage kommen als 
früher, führt H. die auch seiner Meinung nach bestehende Zunahme der Erkran¬ 
kungen an Epityphlitis zurück. 

Bezüglich der Vererbung äußert sich H. in dem Sinne, daß die Lage des 
processus und die Entwicklung der Oerlach sehen Klappe demgemäß auch die 
Disposition zur Erkrankung audi vererbt werden kann. B. Oppler (Breslau). 

Rostowzew: Ober Hernien des Wurmfortsatzes. (Russin Wratsch, Nr. 46.) 

R. führt aus, daß der Wurmfortsatz nach neueren statistischen Zusammen¬ 
stellungen in 1,5—2% sämtlicher Hernien im Hemiensack angetroffen wird, am 
häufigsten in Inguinalhemien, nicht selten aber auch in Kuralhemien. Auch in links¬ 
seitigen Hernien, Nabelhernien, sowie Hernien des Canalis obturatorius wird er ge¬ 
funden. In der Mehrzahl der Fälle gelangt der Wurmfortsatz mit dem Blind- oder 
Dünndarm in den Sack, er kann aber auch allein darin gefunden werden. Die 
Diagnose der Hernien des Wurmfortsatzes ist fast unmöglich, da die Erschei¬ 
nungen bei Inkarceration des Wurmfortsatzes allein die gleichen sind, wie bei 
Inkarceration des übrigen Darmes, wenn sie auch den Symptomen der Rieht er¬ 
sehen Hernie etwas näher stehen. Infolgedessen wird der Wurmfortsatz gewöhn¬ 
lich zufällig im Hemiensack angetroffen, er ist deswegen auch gelegentlich 
mit der Tuba Falopii oder dem Me ekel sehen Divertikel verwechselt In den 
beiden von R. mitgeteilten Fällen wurde er ebenfalls erst bei der Operation im 
Bruchsack entdeckt Der erste dieser Fälle ist nach R.s Ansicht insofern von be¬ 
sonderem Interesse, als er den Übergang von den sog. »primären Perityphlitiden 
im Bruchsack« zu den »sekundären« darstellt Unter den ersteren versteht er eine 
Entzündung oder Perforation des Wurmfortsatzes im Bruchsack, unter »sekun¬ 
dären« diejenigen Fälle, in denen der Wurmfortsatz, nachdem er im Bruchsadc 
gelegen und dort gewisse Veränderungen erfahren hat, nach der Bauchhöhle zu¬ 
rückgelangt und dort einen Absceß erzeugt Dies findet größtenteils bei der Re¬ 
position des Bruchsackes en bloc statt. In zwei weiteren Fallen fand R. den 
Wurmfortsatz in der Nähe des Bruchsackes liegen. Eine so nahe Nachbarschaft 
zwischen dem Wurmfortsatz und Bruchsack kann bei Entzündungen des ersteren 
leicht zu einer Eiterung im Bruchsack führen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Oppenheim: Die Lageveränderangen der Leber and der Brustorg&ne bei Meteorfemus, 
ihre Verwertung für Diagnose and Therapie. 75. Versammlung deutscher Natur¬ 
forscher u. Ärzte in Kassel. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Die Befunde O.s bei Gelegenheit von Laparotomien, Sektionen und seine 
Tierexperimente haben ihn zu der Überzeugung gebracht, daß der Leberdampfung, 
ihrem Verschwinden oder Vorhandensein stets ein wichtiges, für Peritonitis diffe¬ 
rentialdiagnostisches Merkmal in bonum, resp. malum sensum zuzusprechen ist, 
wenn auch Temperatur und Puls dem Befunde event. nicht entsprechen. Einige 
Krankengeschichten erläutern die aufgestellte These, die allerdings individuell und 
für die Fälle von allgemeiner Enteroptose bei Phthisikern nicht anzuwenden ist. 
Bei Tieren konnte er experimentell durch Aufblähen vom Darm aus und Druck 
auf die Brust Tod durch Herzstillstand erzeugen. Darauf schiebt O. auch die 
häufigen Mißerfolge bei der Anlegung eines Anus praeternaturalis an der ge¬ 
blähten Dickdarmschlinge; der Druck nach oben wird dadurch nicht aufgehoben. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Kredd: Ober Darminvagination. Versammlung deutscher Naturforscher in Kassel. 

(Wiener med. Wochenschr., Nr. 51.) 

K. betont die kolossale Differenz in der Häufigkeit der Fälle in England und 
Deutschland. Er hat 8 Falle akuter Invagination ohne irgend einen Erfolg ope¬ 
riert, von 3 nicht operierten Fällen ist einer durch Abstoßung geheilt Sämtliche 
operierten Kinder standen unter einem Jahr, mit Ausnahme eines einzigen. Das 
jüngste Kind war 11 Wochen alt Der Desinvagination stellte sich, mit Aus¬ 
nahme eines Falles, der aber an Perforationsperitonitis gestorben ist, jedesmal ein 
unüberwindlicher Widerstand des letzten Abschnittes entgegen, so daß entweder 
Resektion gemacht oder ohne Resektion wegen der Länge der Operation zurück¬ 
gestülpt werden mußte. Diese Reposition der in allen Fällen außerordentlich 
geblähten Gedärme war enorm schwierig, in einigen Fällen absolut unmöglich, 
trotz Ansdmeidens einer geblähten Schlinge, so daß sie z. T. draußen bleiben 
mußten. Trotzdem und trotz seiner schlechten Erfahrungen und nach den Sta¬ 
tistiken der englischen Autoren steht K. auf dem Standpunkte, daß die Operation 
bessere Resultate liefert als das Abwarten, vorausgesetzt, daß die Operation so 
früh als möglich gemacht wird. Die Operation am zweiten Tage ist schon keine 
Frühoperation mehr. Einmal hat er einen Operationsversuch gemacht, der eine 
Abstoßung im Sinne einer Naturheilung unterstützen sollte, indem er das aus 
dem Intussusdpiens heraushängende Netz unterband. Der Pat. ist so früh ge¬ 
storben, daß die Wirkung nicht mehr beobachtet werden konnte, doch glaubt K. 
dieses Vorgehen, da es das schnellste Operationsverfahren ist, event. wiederholen 
zu sollen. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Saaerbrach: Die Pathogenese der subkutanen Raptaren des Magen - Darmtraktus. 

(Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chirurg., Bd. 12, H. 1.) 

S. stellt die Fälle von subkutanen Rupturen des Magen-Darmtraktus zusammen 
und erörtert die Möglichkeiten des Zustandekommens derselben. S. schließt sich 
dabei der Hauptsache nach der Anschauung von Petry an, der drei Modi 
— 1) Zerquetschung, 2) Berstung und 3) Abriß durch Zug aufstellt. 

I. Die Quetschung. Die geeignetsten Momente für eine solche sind nach S.: 

1. Stoß gegen die Wirbelsäule, die Beckenschaufet oder eine funktionell 
gleichwertige Unterlage, 

2. Stoßrichtung, die die Wirbelsäule oder das Becken trifft, 

3. nicht zu gefüllter Darm, 

4. zirkumskripte Einwirkung der Gewalt 

II. Beratung. Die Vorbedingungen für diese sind: 

1. starke Füllung des Darms, 


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2. Abschluß der Darmschlinge nach beiden Seiten, 

a) durch Knickung an 2 Stellen, 

b) durch Knickung an einer Stelle und Verschluß durch das Trauma an 
einer zweiten Stelle, 

c) durch doppelt wirkende Gewalt, 

3. Kontusion des Abdomens in der Gegend der aufgetriebenen Schlingen. 

Da diese Bedingungen beim Darme selten Zusammentreffen, sind Berstungs- 

rupturen desselben ebenfalls selten. Für den Magen ist die Hauptsache die starke 
Füllung, zu der bei den traumatischen Berstungen noch ein stärkeres, bei den 
Spontanrupturen noch ein kleines auslösendes Moment hinzukommen muß. 

111. Abriß durch Zug. Bedingungen für denselben sind: 

1. schlaffe und dünne Bauchdecken, 

2. eine schiefe Stoßrichtung von unten nach oben im Winkel zur Wirbelsäule, 

3. Stoß bezw. Zug an einer entweder physiologisch oder durch besondere 

Verhältnisse fixierten Darmschlinge. 

Abriß durch Zug ist ein seltenes Ereignis. 

Natürlich kommt bei manchen Darmrupturen nicht nur eine sondern mehrere 
der Möglichkeiten in Betracht 

Die Todesursache bei der Ruptur ist meist Shock oder Peritonitis. Bezüglich 
der Diagnose muß man sich an folgende Symptome halten: Shock, Behinderung 
der Atmung, Andauern der Respirationsbeschwerden, kleiner frequenter Puls, 
Schmerz. Trendelenburg legt auf das Erbrechen und die tetanusgleiche Span¬ 
nung der Bauchdecken großen Wert. Als Behandlung kommt natürlich einzig 
und allein die Laparotomie in Frage. B. Oppler (Breslau). 


Zachrisson: Sirupsupposftorien, ein altes volkstümliches Abführmittel. (Upsala läkare- 
förenings förhandlingar, Bd. 9, S. 120.) 

Verf. hat in den Sirupsuppositorien ein sehr angenehmes Abführmittel kennen 
gelernt, besonders in Fällen, wo der Kot bereits im Rektum oder in den untern 
Kolonpartieen lag. M. Kaufmann (Mannheim). 


Kochmann, Martin (Jena): Ober die Veränderlichkeit der Baldrianpräparate. (Dtsch. 
med. Wochenschr., 1904, Nr. 2.) 

Als Resultat seiner Untersuchungen die sich auf die verschiedensten Baldrian¬ 
präparate bezogen, fand K., daß dieselben Präparate bei verschiedener Herkunft 
sowohl, wie bei verschiedenem Alter und bei anderer Art der Aufbewahrung sich 
chemisch sehr different verhielten und außerdem ihr chemisches Verhalten häufig 
rasch änderten. Dies sieht er als eine Ursache an, warum die Baldrianwurzel 
neuerdings bei vielen als Therapeutikum sehr in Miskredit gekommen ist Das 
einzige anscheinend konstant in seinem chemischen Verhalten bleibende Präparat 
ist nach K. das Valeriansäurediäthylamid, das unter dem Namen Valyl bekannt ist 

Wendenburg (Oöttingen). 

Soetbeer, F.: Ober einen Fall von akuter Degeneration des Leberpareuchyms. (Arch. 
f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 50, S. 294.) 

Der Fall betraf einen 4jährigen Knaben, der an ausgesprochenen Erschei¬ 
nungen einer akuten Leberdegeneration erkrankte. Ausführliche Krankengeschichte 
und Sektionsprotokoll werden gegeben. Eine Ursache ließ sich nicht nachweisen. 
Leider ergaben weder die Stoffwechseluntersuchung noch die Untersuchung der 
einzelnen Organe charakteristische Resultate; wohl ließ sich eine Zunahme des 
Ammoniaks feststellen, abnorme Eiweißprodukte wurden in den Geweben nicht 
nachgewiesen. Schreiber {Göttingen). 


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Schostak, I. E.: Ikterus als Komplikation bei Scharlach. (Wratschebnaja Gazetta, 

Nr. 48.) 

Es handelt sich in dem betreffenden Falle um Scharlach, in dessen Verlauf 
hinter einander als Komplikationen hinzugetreten sind: Rachendiphtherie, Ikterus, 
Arthritiden, spater Drüseneiterung und skarlatinöse Nephritis. — Daß der Fall 
tötlich verlief, braucht kaum besonders hervorgehoben zu werden. In der Ana¬ 
lyse gelangt Verf. zu der Überzeugung, daß es sich um einen infektiösen Ikterus 
gehandelt habe, wobei er die Frage offen läßt, ob in die Leber die Mikroorga¬ 
nismen selbst oder nur ihre Toxine eingedrungen waren. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Türk, W.: Folycythlmie bei Erkrankung der Uber mit beträchtlichem Milztumor. 

Gesellschaft für innere Medizin in Wien. (Wiener klin. Rundschau, Nr. 51.) 

Der Kranke ist nicht tuberkulös belastet Keine Lues, kein Potus. Es findet 
sich eine sehr bedeutende Vergrößerung der Leber in beiden Lappen mit beson¬ 
ders starker Konvexität der Oberfläche zwischen Mittellinie und rechter Mammü- 
lariinie, aber ohne umschriebene Höckerung, ohne Lappung. Die Leber ist 
ziemlich gleichmäßig derb und zeigt einen plumperen, aber nicht durch Ein¬ 
ziehungen unterbrochenen Rand; sie reicht bis zum rechten Darmbeinkamme und 
bis einen Querfinger unter den Nabel. Bis zum linken Darmbeinkamme reicht 
audt der untere Pol der gleichmäßig vergrößerten derben Milz. Sonst negativer 
Befund. T. stellte die Diagnose auf Cirrhose der Leber mit Adenombiidung. Die 
Blutuntersuchung ergab den überraschenden Befund einer hochgradigen Polycy- 
thämie. Es muß nach diesem Befunde die Frage aufgeworfen werden, ob es 
sich nicht in dem vorliegenden Falle um eine tuberkulöse Erkrankung der Leber 
und der Milz handele, da in der Literatur bei einigen Fällen der seltenen klini¬ 
schen Symptomengruppe: Milztumor, Polycythämie und Cyanose, eine chronische 
und primäre Tuberkulose der Milz als anatomische Grundlage angegeben wird, 
obschon bei einigen dieser Fälle die Sicherstellung eines tuberkulösen Befundes 
fehlt Da sich nun bei seinem Pat. kein Anzeichen einer Tuberkulose findet, 
sieht sich T. nicht veranlaßt, seine vor der Blutuntersuchung auf Cirrhose mit 
Adenombildung gestellte Diagnose umzuändem. Er glaubt vielmehr, daß nicht 
nur die Tuberkulose, sondern Erkrankungen verschiedener Art in der Milz und 
auch in der Leber, welche beiden Oigane ja zweifellos in Beziehungen zum 
Myeloidsystem stehen, unter bestimmten, aber noch unbekannten Bedingungen 
zu einer Hyperplasie des erythroblastischen Apparats im Myeloidgewebe führen 
können und damit eine Polycythämie und Polychromämie zu erzeugen vermögen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Zesas: Beitrag zur Diagnose der Litfalasis pancreatica. (Centralbl. f. d. Grenzgeb. 
d. Med. u. Chirurg., Nr. 21.) 

Anläßlich eines selbstbeobachteten Falles von Pankreassteinen hat Verf. die 
nicht allzu umfangreiche Literatur durchmustert und folgendes konstatiert: 

Die Glykosurie ist bei der Pankreaskalkulose zwar eine der häufigsten und 
konstantesten Manifestationen, tritt aber erst spät auf, nachdem das Pankreas 
insuffizient geworden ist. 

Der Ikterus ist von keinerlei Belang für die Diagnose, namentlich die Diffe¬ 
rentialdiagnose gegen Cholelithiasis, da er sowohl vorhanden sein als fehlen kann. 
Er kann sowohl durch direkten Druck des Steines als auch wohl durch Cirrhose 
des Pankreaskopfes entstehen. 

Auch Fieber ist bisweilen beobachtet Zu den Frühsymptomen gehören die 
primären Symptome wie Koliken, Konkrementerscheinungen im Stuhl, event leichter 
Ikterus, die sekundären Erscheinungen bestehen in Glykosurie, Steatorrhoe und 
dyspeptischen Beschwerden. 

Wird der Ausbau der Diagnose erst mehr gefördert sein, so dürfte auch eine 
chirurgische Therapie gute Aussichten haben. B. Oppler (Breslau). 


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Mikulicz: Ober den heutigen Stand der Chirurgie des Pankreas mit besonderer Rick- 
sicht auf die Verletzungen und Entzündungen des Otgans. (Mitteil. a. d. Grenzgeb. 
d. Med. u. Chirurg, Bd. 12, H. 1.) 

Die Chirurgie des Pankreas gehört zu den unfertigsten Kapiteln der Abdo¬ 
minalchirurgie. Dies hat nach M.s Ansicht folgende Qrfinde: 

1. Das Pankreas ist wegen seiner versteckten Lage dem Chirurgen schwer 
zugänglich. 

2. Die Diagnostik der Erkrankungen des Pankreas ist eine enorm schwierige; 
dies ist nun um so mißlicher, als es in vielen Fällen gerade auf die Schnelligkeit 
der Diagnosestellung ankommt und ein Zuwarten, wie es für den internen Me¬ 
diziner häufig möglich ist, dem Patienten zum Verderben gereicht. 

3. Die Operationen am Pankreas sind äußerst gefährlich und zwar a) wegen 
des bedeutenden Gefäßreichtums des Organs, b) wegen des Aussickems des spe¬ 
zifischen Pankreassekrets, das zu akuten und chronischen Entzündungen des Pan¬ 
kreas und zu Peritonitis führen kann. 

Zur Verhütung des letzteren Umstandes empfiehlt M. die Drainage des 
Pankreas. 

M. geht darauf speziell auf die Verletzungen und Entzündungen des Pan¬ 
kreas ein. 

Was die ersteren betrifft, so kommen zur Heilung Massenligaturen, Naht, Drai¬ 
nage in Betracht Werden schwere Verletzungen sich selbst überlassen, so gehen 
sie fast sämtlich zu Grunde. Operierte geben nach M.s Statistik eine leidliche 
Prognose. 

Inbezug auf die Entzündungen des Pankreas sind nach M. die akuten von 
den subchronischen und chronischen zu sondern. M. tritt dafür ein, bei akuten 
durch Bakterieninfektion bedingten Entzündungen ähnlich wie bei Phlegmonen 
aktiv vorzugehen. Die bisherigen schlechten Resultate seien dadurch hervorge¬ 
rufen, daß man unter Stellung einer falschen Diagnose — meist Perforations¬ 
peritonitis oder Darmverschluß — das Abdomen wieder schloß, wenn man das 
Gesuchte nicht fand oder, auch wenn man an akute Pankreatitis dachte, diese dem¬ 
nach nicht in Angriff nahm. — Bei den chronischen Entzündungen ist längeres 
Zuwarten gestattet Dieselben hängen meist mit Erkrankungen des Gallengangs¬ 
systems, selten mit Pankreassteinen zusammen; im ersteren Falle sind natürlich 
die Operationsmethoden diejenigen, die für das Gallengangssystem Geltung haben, 
im zweiten Falle kommt die Entfernung der Steine in Betracht Im allgemeinen 
spricht sich M. auch hier für ein operatives Eingreifen aus, da die Erfolge sehr 
ermutigende seien. B. Oppler (Breslau). 

Aijö: Opotherapie bei Pellagra. (Clmica Modema de Saragoza; ausf. Referat: 

Revista Medidna y Cirurgia Präct, 21. Dezember.) 

Von der Überzeugung ausgehend, daß die Pellagra nicht, wie vielfach ange¬ 
nommen wird, durch veidorbenes Mais entsteht, sondern durch einseitige und 
unzureichende Ernährung, stellte A. bei der genannten Krankheit Versudie mit 
Opotherapie an, in der Hoffnung, durch die Oiganextrakte einen anregenden Ein¬ 
fluß auf die Ernährung der Gewebe ausüben zu können. Von den 2 Fällen 1 , in 
denen er die Opotherapie mit günstigem Erfolge angewendet hat, ist der eine 
wenig beweisend, da es sich anscheinend um eine leichtere Erkrankung gehandelt 
hat. Der andere Fall betraf einen 33jährigen Mann, der seit 2 Jahren durch die 
Pellagra arbeitsunfähig war und jetzt eine akute Verschlimmerung mit Fieber, 
gastrischen Beschwerden und Delirien hatte. Eine dreiwöchentliche Behandlung 
mit den gewöhnlichen Mitteln (Arsen, kräftige Ernährung) hatte nicht den gering¬ 
sten Erfolg. Der Kranke erhielt von da ab subkutane Injektionen von Hoden¬ 
extrakt (vom Hammel), in der ersten Woche täglich 2 g, später 2 mal wöchentlich 
6—8 g, daneben per os täglich 100 g Knochenmark (vom Lamm), ferner Arsen 
und kräftige Ernährung weiter. Im Anfang bestanden starke Schmerzen und Reiz- 


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endteinfmgeti an den Injektionsstellen. Im Laufe der ersten Woche verschwanden 
die Verdauungsstörungen, die Appetitlosigkeit und die Delirien, am meisten in 
die Augen sprang jedoch die Verminderung des pellagrösen Exanthems, das 
schon seit Jahren bestand und jetzt unter Schuppung abheilte. Nach 14 Tagen 
bestand völliges Wohlbefinden, nach 2 Monaten war das Exanthem abgeheilt, 
und der Kranke konnte wieder zu seiner Beschäftigung zurückkehren. — Für 
Nachfprüfung gibt Verf. den Rat, stets nach dreiwöchentlichen Injektionspe¬ 
rioden einige Tage ohne Injektion einzuschalten. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Znfiiga: Die Albamorarie. (Gazeta Mddica de Costa Rica, Sept.) 

Der Aufsatz bringt im wesentlichen Bekanntes. Bemerkenswert ist nur, daß 
bei ganz gesunden Studenten, die sonst nie Albumosen im Urin hatten, während 
einer Periode größerer Aufregungen (Examen), nicht selten Albumosurie auftrat. 
Ferner sah Verf. Fälle vorgeschrittener Schwangerschaft mit allen sonstigen Zei¬ 
chen schwerer Nephritis, bei denen im Urin kein Albumen, sondern lediglich 
Albumosen nadizuweisen waren. M. Kaufmann (Mannheim). 


Xalabander: Nierenextr a kt bei Nephritis. (Revista Cientifica Profesional; ausf. Re¬ 
ferat: Revista de Mediana y Cirurgia Präct., 14. Dezember.) 

Bericht über die Anwendung eines Nierenextraktes (Nephrin »Turrö«) in 
einem Fall von Schwangerschaftsnephritis. Verf. sah die Patientin zuerst während 
der Geburt mit starken Ödemen in einem schweren eklamptischen Anfall; ein 
Aderlaß ließ den Anfall verschwinden; Forceps. Am nächsten Tage das gewöhn¬ 
liche Bild der schweren Nephritis. Von jetzt ab 3 mal tägl. 30 Tropfen Nephrin, 
flüssige Diät Nach 8 Tagen noch geringe Ödeme und Spur Eiweiß; nach 14 
Tagen normaler Befund. Verf. hält das Nephrin für ein ausgezeichnetes Heil¬ 
mittel bei den parenchymatösen Formen der Nephritis, während es bei der 
Schrumpfniere versage; es biete noch den weiteren Vorteil, daß bei seiner An¬ 
wendung ein strenges diätetisches Regime unnötig sei. Zur Erklärung der Wir¬ 
kung nimmt er an, daß bei Nephritis die innere Sekretion des Nierenleiden, 
welche normalerweise in erregendem Sinne auf die Exkretion einwirke. (Der 
Fall sei im Zeitalter der Organotherapie der Vollständigkeit halber referiert; Ref. 
zweifelt nicht daran, daß es sich dabei lediglich um den normalen Ablauf einer 
Schwangerschaftsnephritis gehandelt hat.) M. Kaufmann (Mannheim). 


Orbdi: Vergleichende Untersuchungen der Funktion der Pepsindrüsen vor und nach 
der Durchschneidung der Äste des N. vagus. (Russki Wratsch, Nr. 46.) 


O. hat, um die Rolle der Nn. vagi bei der sekretorischen Funktion des Magens 
zu ergründen, nach vorheriger Feststellung einer Sekretionsnorm für das nach der 
Methode von I. P. Pawlow isolierte Ventrikelchen, d. h. bei vollständiger Er¬ 
haltung der Innervation, die kleine peritoneo-muskuläre Brücke durchschnitten, 
welche das isolierte Ventrikelchen mit dem Gesamtmagen verbindet, und in deren 
Masse die Fasern des N. vagus zu ersterem verlaufen. Nach dieser Durchschnei¬ 
dung wurde dieselbe Reihe von Experimenten ausgeführt, die vor derselben 
gemacht worden sind; auf diese Weise konnte man die Funktion ein und des¬ 
selben Stückes der Magenschleimhaut unter denselben Bedingungen vor und nach 
der Durchschneidung der Äste der Nn. vagi vergleichen. Das Versuchstier (Hund) 
blieb dank dem Erhaltensein der Innervation sämtlicher übrigen Organe vollstän¬ 
dig gesund, d. h. es stellten sich weder in der sekretorischen noch in der moto¬ 
rischen Funktion des Verdauungskanals irgend welche Störungen ein; sämtliche 
Veränderungen bezogen sich nur auf den isolierten Teil des Magens. Die Er¬ 
nährung dieses Teils war nicht gestört, da doch die Gefäße zu ihm von Seiten 
des Omentum verlaufen, und bei der Durchschneidung der peritoneo-muskulären 


Nr. 3, 


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Platte nicht ein einziges Gefäß mit durchschnitten war. Sämtliche Veränderungen 
der Funktion konnten somit ausschließlich durch die Durchschneidung der sekre¬ 
torischen Fasern bedingt sein. Unmittelbar nach der Durchschneidung wurde 
eine bedeutende Verringerung der Sekretion beobachtet: sowohl des flüssigen 
Bestandteils des Saftes, wie auch des Ferments; zugleich sank auch das Ver¬ 
dauungsvermögen desselben, d. h. die Konzentration des Ferments. Bei der 
Betrachtung des Verlaufs der Sekretion bei verschiedenen Nahrungsstoffen stellte 
sich heraus, daß diese Verringerung durch Fortfall gewisser Momente der sekre¬ 
torischen Funktion bedingt war, nämlich durch das Verschwinden des Reflexes 
von Seiten der Mundhöhle und der sogenannten psychischen Saftsekretion, sowie 
durch Abschwächung des Einflusses der chemischen Erreger. Die mit fetter 
Nahrung ausgeführten Experimente zeigten, daß der hemmende Einfluß des Fettes 
verschwunden ist, während die safttreibende Wirkung ihrer Verdauungsprodukte, 
der Seifen, in bedeutendem Grade erhalten blieb. Die Nn. vagi sind somit 
Leiter der psychischen Impulse, des Reflexes von Seiten der Mundhöhle, der 
hemmenden Wirkung des Fettes und teilweise der Wirkung der chemischen Er¬ 
reger; letztere können auch unabhängig von den Nn. vagi wirken. Von den 
Veränderungen der Sekretion abgesehen, nahm man nach der Durchschneidung 
eine allmählige Verringerung der Funktionsfähigkeit der Drüsen wahr, so daß 
1 Jahr 9 Monate nach der Durchschneidung die gewöhnlichen Nahrungsportionen 
schon keine Sekretion mehr hervorriefen. Man hatte das Bild einer gleichsam 
vollständigen Drüsenatrophie. Der Umstand aber, daß stärkere Erreger (beispiels¬ 
weise Alkohol) die Drüsen in aktiven Zustand versetzten, sprach gegen Drüsen¬ 
atrophie und wies eher auf hochgradige Herabsetzung der Erregbarkeit derselben 
hin. In der Tat ergab die mikroskopische Untersuchung des isolierten Magen¬ 
teiles, sowie des normalen Magens desselben Hundes, daß die Durchschneidung 
der Nn. vagi innerhalb dieses Zeitraumes in der Struktur der Drüsen keine auf¬ 
fallende Veränderung hervorgerufen hat, durch welche man diese Herabsetzung 
hätte erklären können. Augenscheinlich sind die Nn. vagi zur Erhaltung der 
Funktionsfähigkeit der Drüsen erforderlich, jedoch nicht als trophische Nerven 
derselben, sondern nur als Leiter der sekretorischen Impulse. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

London, E. S. u. Sokolow, A. P.: Ober den Einfluß von Blutentziehangen auf die 
Magenverdauung. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 179.) 

Verff. legten bei einem Hunde nach der Methode Heidenhain-Pawlow 
einen isolierten kleinen Magen an, dieser sezemierte 6—7 mal weniger Saft als 
der große, jedoch ging die Sekretion in beiden parallel. Die Verdauungskraft war 
im allgemeinen gleich, nach 200 g Fleisch sonderte der kleine Magen 91,9 ccm 
Saft ab mit einer Verdauungskraft 5,5 (nach Mett) und einer Acidität von 0,51. 
Bei 600 ccm Milch betrugen die betreffenden Zahlen 54,4; 4,6 resp. 0,50; nach 
Brotaufnahme 45,6; 6,6 resp. 0,48. Nach einer 37 % der Gesamtblutmasse betra¬ 
genden Blutentziehung und Zufuhr von 200 g Fleisch trat die Saftsekretion erheb¬ 
lich später ein, die Verdauungsperiode betrug das Dreifache, die Saftmenge war 
um 33,5% erhöht (126,7 ccm); die Verdauungskraft dagegen um 47,3% kleiner 
(2,9 ccm). Die Acidität war unverändert »Secretio protracta abundans hypopep- 
tica«. Ein Versuch mit Brot und Milch lieferte ähnliche Resultate. Bei einem 
zweiten Fleischversuch war auch die Saftmenge vermindert (»Secretio protracta 
diminuta hypopeptica«). Gegen Ende der zweiten Woche nahm die Menge des 
anfangs sezernierten Saftes zu, in der vierten Woche war die Saftmenge wieder 
gleich, dann wurde dem Hunde eine 45 % betragende Blutmenge entnommen und 
ihm 200 g Fleisch gereicht Die Sekretion begann sehr spät und war sehr spär¬ 
lich. Die Gesamtmenge war jedoch verstärkt, die Verdauungskraft geringer, offen¬ 
bar hatten sich die Verdauungsdrüsen schon dem anämischen Zustande angepaßt. 
Zwei Tage später war die Verdauungskraft normal, und allmählich trat eine Hypo¬ 
sekretion ein. Schreiber (Göttingen). 


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Bönninger: Ober die Resorption in Magen and die sogen. Verdfinnangssekretion. 

(Arcfa. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 50, S. 76.) 

B. unterzieht die Frage, ob der Magen durch Sekretion den osmotischen 
Druck der eingeffihrten Flüssigkeit erniedrige, — hypotonisch mache — erneuter 
Untersuchungen und zwar zunächst an Hunden und Kaninchen, denen er Pylorus 
und Kardia unterband. Eine Herabsetzung der Konzentration des Mageninhaltes 
unter die des Blutes konnte er nicht konstatieren. Ebenso ließ sich beim Men¬ 
schen zeigen, daß der Magen das Bestreben hat, seinen Inhalt dem Blute isoto¬ 
nisch zu machen. Die früheren abweichenden Resultate erklärt er durch Unter¬ 
suchungsfehler. Die Magenwand beider Tierarten ist für Wasser nach beiden 
Richtungen hin sehr schwer durchgängig,, ebenso auch für Salze; daher erklärt 
sich der Umstand, daß sich der Inhalt des Magens nur sehr langsam auf die 
Konzentration des Blutes einstellt. Alkoholzufuhr beschleunigt die Diffusion. 

Schreiber (Göttingen). 

Schwarz, Leo: Zur Theorie derSinrebildung in der Magenschleimhaut (Hofmeisters 
Beitr. z. ehern. Phys. u. Path., Bd. 5, H. 1. 2.) 

Unsere Anschauungen über die HCl-Bildung im Magen und Additätsänderung 
im Urin sind hypothetisch, bisher galten die Sekretions- und Verdrängungshypothese. 
Mit dem Auftreten der Salzsäure im Magensafte während der Mahlzeit nimmt be¬ 
kanntlich die Addität des Harns ab und schlägt schließlich zur Alkalinität um. 
Man glaubte bisher, daß dies daher rühre, daß das im Blute vorhandene NaCI 
gespalten und HCl in das Magenlumen befördert würde, aber Na,CO s zum Blute 
aus der Magenschleimhaut zurücktrete und später durch die Nieren austrete; oder 
man nahm an, daß NaCI einfach NatCO, aus dem Blute verdränge und dadurch 
die Harnreaktion bedinge, ohne etwas mit der Magensäuresekretion zu tun zu haben. 

Schw. machte zur Klärung der Frage Tiere chlorarm und brachte ihnen dann 
per os, subkutan, intravenös, per rectum und per duodenum Neutralsalze bei. 
Urinprüfungen bei diesen Tierversuchen sprechen nicht für ein Parallelgehn von 
Alkalescenz und Sekretion, eher für eine Aufspeicherung der abgespaltenen Chlor- 
lone. Vielleicht reißt die im Chlorhunger befindliche Mukosa die Chlor-Ione an 
sich, um sie aufzuspeichem in einer Form, die das Nervensystem zur Auslösung 
bringt Die Harnreaktion wird dadurch aber nicht beeinflußt Während nun die 
Schleimhaut zur Zeit der Verdauung an Chlor verarmt, bindet sie vielleicht aus 
dem Blute stammende Chlor-lone und veranlaßt dadurch die Ham-Alkalescenz. 

Schilling (Leipzig). 

Masse, HL: Zur Biochemie des Siugetiermagens. (CentralbL f. Physiologie, Bd. 17, 

S. 217.) 

Die am Magen der Maus, des Meerschweinchens, der Ratte, der Katze, des 
Hundes und des Menschen ausgeführten farbenanalytischen Untersuchungen er¬ 
gaben etwa folgendes: Die nadt Carnoy und in absolutem Alkokol fixierten 
Objekte wurden mit Paraffin eingebettet und mit eosinsaurem Methylenblau in 
methyalkoholischer Lösung sowie mit Neutralrot gefärbt Die Hauptzellen des 
Fundus nahmen von dem neutralen Farbstoff die Farbbase an (mit Neutralrot in¬ 
tensiv rot gefärbt); die Belegzellen den sauren Farbstoff (mit Neutralrot das Pro¬ 
toplasma farblos, nur der Kern rot). Die oberflächlichen Pyloruszellen nahmen 
die saure Farbe an (mit Neutralrot schwach rot); die tiefer liegenden Drüsen 
waren basophil. Da die basophilen Zellbestandteile sauer sind und Neutralrot 
nur saure Zellteile färbt, so müssen die Hauptzellen sauer sein (Säuresekretion), 
die Belegzellen sowie die oberflächlichen Pyloruszellen alkalisch (Propepsinabson¬ 
derung). Die bisherigen Mißerfolge farbenanalytischer Untersuchungen beruhen 
auf der Anwendung des in dieser Beziehung weniger empfindlichen Erhrlich- 
Biondischen Triadds. Schreiber (Göttingen). 


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Müller, A. u. Saxl: Ober die QUonumcbeklaiig in Harn und ihre Beziehung zur Ver- 
danong. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 497.) 

Verff. versuchten durch Bestimmung der Chlorausscheidung in den einzelnen 
Portionen des Tageshams einen Einblick auf die Beziehungen des Chlors zur 
Magensaftsekretion zu gewinnen. Daneben bestimmten sie gleichzeitig die Ge¬ 
samtmenge der ausgeschiedenen festen Bestandteile, allerdings nur durch Multi¬ 
plikation der Harnmenge mit dem spezifischen Oe wicht und der Vierordtschen 
Zahl (2,2337); was naturgemäß den Wert der Untersuchung etwas beeinträchtigen 
muß. Unmittelbar nach der Hauptmahlzeit tritt eine Steigerung der Kochsalzaus¬ 
scheidung ein, es folgt eine tiefe Senkung, und dann eine bedeutende Steigerung. 
Ebenso verhält sich die Chlorausscheidung bei den übrigen Mahlzeiten, nur ist 
die Senkung beim Frühstück weniger aasgeprägt, beim Abendessen die Steigerung. 
Die geringe oder fehlende Steigerung nach dem Abendessen läßt sich mit Wahr¬ 
scheinlichkeit auf die relativ niedrige Kochsalzausscheidung während der Nacht zurück¬ 
führen, der eine stärkere am Morgen folgt Unter Wechseln der Versuchsbedin¬ 
gung und aus den dabei erhaltenen Resultaten glauben sie sich zu folgender Deutung 
berech tigt: Die Steigerung nach der Mahlzeit steht in Beziehung zur Resorption 
des Magens, die dann folgende mehrstündige Senkung entspricht dem Verbrauch 
des Kohsalzes zur Säuresekretion, die zweite Steigerung ist bedingt durch die 
Salzresorption im Darm. Schreiber (Göttingen). 

Popielsld, L: Ober die Gnindeigeiischaftefl des Paukreassaftes. (Centralbl. f. Phy¬ 
siologie, Bd. 17, S. 65.) 

Den zu seinen Versuchen verwandten Pankreassaft gewann P. aus einer nach 
der Methode von Heidenhain-Pawlow angelegten Pankreasfistel, teils mit, 
teils ohne Kanüle. Zur Verdauung nahm er Hühnereiweiß (15—20 Minuten lang 
gekocht) sowie Serumeiweiß. Durch Zusatz von Toluol wurde die Lösung steril 
gehalten. Aus den Versuchen selbst ergab sich, daß der Pankreassaft nicht im 
stände ist Eiweiß zu verdauen, gleichgiltig mit welcher Nahrung das Tier vorher 
gefüttert wurde. Der Pankreassaft enthält nur Protrypsin, das durch Einwirkung 
von Darmsaft oder anderen Substanzen in Trypsin übergeht. Die Verschieden¬ 
artigkeit der aus einer chronischen Pankreasfistel gesammelten Pankreassaftportion 
ohne Kanüle läßt sich durch eine längere oder kürzere Berührung des Saftes mit 
der Darmschleimhaut erklären. Die Dauer der Berührung hängt von der Schnel¬ 
ligkeit der Saftsekretion ab und diese wiederum von der Intensität des Reizes 
der Nahrung. Eine zweckmäßige Anpassung des Pankreas an die Speisesorten 
im Sinne Pawlows besteht nicht. Ebenso hat die Milz keinen Einfluß auf die 
Produktion von Eiweißferment. Schreiber (Göttingen). 

Simäöek, L: Uber die anaerobe Atmung des Pankreas und die Isolierung eines glyko- 

lytischen Enzyms aus demselben. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 3.) 

Aus den bisher vorliegenden Versuchen hatte sich mit Sicherheit ein glyko- 
lytisches Enzym nicht nachweisen lassen. S. konnte sowohl unter Anwendung 
eines Pankreasbreies (selbstverständlich unter aseptischen Kautelen) die Spaltung 
von Glykose in Kohlensäure und Alkohol nachweisen, als er auch im stände war, 
durch Fällung mittels Alkohol und Äther aus dem Preßsaft des Pankreas ein 
Enzym darzustellen, das ebenfalls Glykose in der angegebenen Weise spaltete. 
Er bejaht daher die Frage nach dem Vorhandensein eines die Glykose in Alkohol 
und Kohlendioxyd spaltenden Enzyms im Pankreas mit aller Entschiedenheit 
Wenn er Alkohol und Kohlensäure nicht in der berechneten Menge fand, so 
erklärte er das durch Versuchsfehler. Schreiber (Oöttingen). 

Simätfek: Ober die Isolierung der hydrolytischen Enzyme aus dem Pankreas und 
sein glykolytisches Vermögen. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 209. 

Die Arbeit bildet eine Fortsetzung der obigen. Das Enzym wurde durch Aus- 


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pressen des lein verriebenen Pankreas sowie Alkohol- und Ätherfällung gewonnen. 
Um die Einwirkung von Antiseptica auf das Enzym auszuschließen und gleich¬ 
zeitig doch eine Mitwirkung der Bakterien, nahm S. zu seinen Versuchen eine 30°/oige 
Zuckerlösung, die antiseptisch wirkt Allerdings verläuft die Gärung erheblich 
langsamer. Bei der Gärung selbst bildeten sich auch saure Produkte (Milch- und 
Buttersäure), die die weitere Gärung beeinträchtigten. Beachtenswert ist, daß das 
erhaltene Enzym resistent gegen Wärme ist, daß es im Laufe der Zeit aber seine 
Wirkung verliert Es wirkt mit gleicher Energie auch auf die Disaccharide, da¬ 
gegen nicht auf Stärkekleister. Das Pankreas vereinigt also in sich sowohl die 
Fähigkeit der Hydrolyse der Disaccharide als auch die der Olykolyse. 

Schreiber (Oöttingen). 

Simä£ek, E.: Ein Beitrag zu Cohnheinis »Kohlenhydratverbrennnng in den Muskeln und 
ihre Beeinflussung durch das Pankreas«, zugleich eine Gegenkritik. (Centralbl. f. 

Physiologie, Bd. 17, S. 477.) 

S. stellt gegenüber Cohnheim fest, daß er bei seinen früheren Versuchen 
eine Mitwirkung der Bakterien ausgeschlossen habe, zudem sei die Wirkung von 
Bakterien in der Zuckeriösung nur gering, wie in einer Versuchsreihe dargetan 
wird. Schreiber (Oöttingen). 


Stoklasa, J.: Beiträge zur Kenntnis der aus der Zelle höher organisierter Tiere iso¬ 
lierten, gärung s erregenden Enzyme. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 465.) 

St gibt eine Beschreibung seiner Methode zur Isolierung von Enzymen und 
der Prüfung der Oärung. ln der Polemik gegen Cohnheim stellt er fest, daß 
jede Zelle der niederen und höheren Pflanzen und Tiere glykolytisch wirkt Die 
anaerobe Atmung als primärer Vorgang der aeroben beruht wesentlich nur auf 
Spaltung der Kohlenhydrate und diese wird wieder durch Enzyme hervorgerufen. 
Es ist nicht denkbar, daß eine anaerobe Atmung sich nicht in jeder Zelle eines 
jeden Organes abspielen, sondern erst auf eine Kooperation der Zellen verschie¬ 
dener Organe angewiesen sein sollte. Die Versuche sind unter strengstem 
Ausschluß der Bakterienmitwirkung gemacht worden. Bei neueren Versuchen 
der Art konnten auch aus Blut und Milch solche Enzyme isoliert werden. 

Schreiber (Göttingen). 

Borrino, A.: Ober die biochemische Tätigkeit der Nukleoproteide in Bezug auf den 
respiratorischen Chemismus. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 305.) 

B. benutzte zu seinen Versuchen aus Rindemiere nach der Huiskampschen 
Methode dargestellte Nukleoproteide; um Bakterienwirkung auszuschließen, wurden 
Antiseptica benutzt. Um die Mitwirkung des Sauerstoffs zu kontrollieren, wurde 
in einer Parallelversuchsreihe Wasserstoff eingeleitet Aus den Versuchen selbst 
zieht der Verf. folgende Schlüsse: Die Nukleiproteide der Niere bilden bei Gegen¬ 
wart von Wasser Kohlensäure, indem sie Sauerstoff binden, wie bei der aeroben 
Atmung, so ist auch hier die Kohlensäurebildung wahrscheinlich von Wasser¬ 
bildung begleitet, auch bilden sich vermutlich Produkte der unvollkommenen Oxy¬ 
dation. Die Kohlensäurebildung und die Bindung des Sauerstoffes sind von der 
Organisation der Zelle unabhängig, sie stellen eine biochemische Eigenschaft 
einiger das Protoplasma bildender Stoffe dar. Diese Eigenschaft verschwindet erst 
mit der Denaturierung des Eiweißmolekuls. Bei dem Vorgang selbst muß man 
unterscheiden eine anaerobe Atmung, die nicht nur durch Enzyme sondern auch 
durch Nukleoproteide bewirkt wird und zweitens eine aerobe Atmung. In welchem 
Verhältnis sich die Nukleoproteide und Nukleohistone an diesem Vorgang betei¬ 
ligen, und ob auch andere Stoffe diese Eigenschaft besitzen, läßt sich zur Zeit 
nicht entscheiden. Schreiber (Oöttingen). 


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Rose, Ü .2 Der Blutzackergebalt des Kaninchens, seine Erhöhung dnrcfa den Aderlaß, 
dnrch die Eröffnung der Bauchhöhle and darch die NierenaasschaKnng and sein 
Verhalten im Dinretindiabetes. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd, 50, S. 15.) 

Aus den Untersuchungen R.s geht zunächst hervor, daß der normale Blut¬ 
gehalt beim Kaninchen, selbst bei kohlenhydratreicher Nahrung 0,150 % nur selten 
überschreitet, niemals 0,2 % erreicht Der Blutzuckergehalt wird durch verschieden 
operative Eingriffe erhöht und zwar selbst durch geringfügige. Stärker wirken 
der Aderlaß, die Eröffnung der Bauchhöhle, die Nierenabsperrung durch Unter¬ 
bindung des Nierenstieles oder der Nierenvene oder durch Exstirpation der 
Nieren. Keine oder geringere Hyperglykämie tritt ein nach Unterbindung der 
Nierenarterie oder der Ureteren. Nach Injektion von Diuretin tritt regelmäßig 
Hyperglykämie auf, und zwar ist dieselbe primär. Sie tritt auch ein ohne renale 
Einwirkung des Diuretins, nämlich nach Unterbindung der Nierenarterie, des¬ 
gleichen bei der extraperitonealen Unterbindung der Ureteren. Die Diuretingly- 
kosurie ist somit keine renale, sondern muß durch eine direkte Wirkung auf die 
Leber zu stände kommen, immerhin kann das Diuretin den Übertritt des Zuckers 
aus dem Blut in den Harn begünstigen. 

Schreiber (Oöttingen). 

Pfeiffer, W.: Weitere Beobachtungen über die hämolytische Fähigkeit des Pepton- 
Mutes. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 50, S. 158.) 

Die Untersuchungen schließen sich an die von Hewlett an (s. d. Zentralbl. 
Nr. 2, S. 49). Intravenöse Injektionen von Wittepepton ließen bei (durch Blut¬ 
injektionen) hämolytisch gemachten Kaninchen einen deutlichen Einfluß auf die 
Blutgerinnung nicht erkennen, ln diesen Fällen hatte das Pepton auch keinen 
Einfluß auf die hämolytische Wirkung des Blutes. Bei Vögeln ließ sich ebenfalls 
ein Einfluß des Peptons auf die Blutgerinnung nicht nachweisen; das Blut der 
Vögel gewinnt aber sehr wohl hämolytische Wirkung. Diese hämolytische Kraft 
wird aber durch Peptoninjektionen herabgesetzt Eine Aktivierung der durch 
halbstündiges Erwärmen auf 55° aufgehobenen hämolytischen Fähigkeit des Vogel¬ 
blutes, läßt sich durch Meerschweinchenserum sehr wohl, nicht durch Kaninchen¬ 
serum erreichen. Desgleichen läßt sich das Peptonserum in seiner hämolytischen 
Kraft durch Meerschweinchenserum verstärken, aber ebenfalls nicht durch Kanin¬ 
chenserum, jedoch gelingt es nicht auf 55° erwärmtes Peptonserum zu reakti¬ 
vieren. Beachtenswert ist auch die Tatsache, daß sich die Erythrocythen gegen¬ 
über der hämolytischen Wirkung nicht immer gleich verhalten. 

Schreiber (Oöttingen). 

Faid, E.: Ober die Vorbedingungen der Blutgerinnung sowie über die Gerinnbarkeit 
des Fluorplasmas. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 529.) 

Den Modus der Fermententstehung denkt F. sich folgendermaßen: ln dem 
körperfreien Plasma des zirkulierenden Blutes sind enthalten: Kalksalze, Profer¬ 
ment, hierzu kommt aus den geformten Elementen, sei es des Blutes, sei es anderer 
Oewebe, die zymoplastische Substanz. Alle drei sind zur Bildung des Fermentes 
nötig. Das Proferment wird nach dem Ort der Entstehung ebenso wie die zymoplasti¬ 
sche Substanz bezeichnet als »Plasmozym« und »Cytozym«, das wirksame Ferment 
als »Holozym«. Cytozym intravenös injiziert, verursacht den Tod des Tieres durch 
Oerinnselbildung. Auch außerhalb des Körpers beschleunigt dasselbe die Qe- 
rinnung. Das lebende Blut bleibt flüssig, weil in demselben das Cytozym nur 
langsam entsteht und das so entstehende Ferment schnell in eine unwirksame 
Form übergeht, und weil es ferner einen Antikörper enthält Die Einzelheiten 
der Arbeit selbst eignen sich nicht für ein kürzeres Referat 

Schreiber (Oöttingen). 


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Bürker: Eine einfache Methode znr Gewinnung von Blutplättchen. (Centralbl. f. Phy¬ 
siologie, BcL 17, S. 137.) 

Der Bluttropfen wird durch Einstich in die gereinigte Fingerkuppe gewonnen, 
man läßt ihn aus möglichst geringer Höhe auf ein durch einen heißen Objekt¬ 
träger geglättetes Stück festen Parafins, wie es zum Einbetten benutzt wird, oder 
auf einen mit Parafin überzogenen Objektträger fallen. Das Oanze wird darauf 
in eine feuchte Kammer gebracht, so daß eine Eintrocknung verhindert wird. Qie 
roten und weißen Blutkörperchen senken sich zu Boden, und die Blutplättchen 
steigen nach oben. Berührt man nach 20—30 Minuten die Kuppe des Tropfens 
mit einem sorgfältig gereinigten Deckglase, so bleiben an diesem die Plättchfen 
mit etwas Serum hängen, ln diesem Präparat tritt aber alsbald die Oerinnung 
ein. Schreiber (Oöttingen), 

Loeb, L: Ober eine Methode, Blutplättchen in großer Menge rein zu erhalten. (Cen- 
tralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 290.) 

L. fängt in 30—35 ccm einer auf 56—57° C. erwärmten 0,8%igen Kochsalz¬ 
lösung etwa 2—3 ccm des aus einer größeren Ader schnell entströmenden Blutes auf. 
Die Blutmischung wird bald zentrifugiert.. Das, falls die zuströmende Blutmenge 
nicht zu groß war, sehr verdünnte Blutplasma gerinnt längere Zeit nicht. (Höch¬ 
stens auf Zusatz eines kleinen Blutkoagulums.) Zwischen Plasma und Blut¬ 
körperchen befindet sich eine dünne weiße Zone aus Blutplättchen und Leuko- 
cyten, rührt man diese Schicht etwas auf, so erhält man eine Suspension von 
Blutplättchen. Wird die Flüssigkeit zu sehr erwärmt, so tritt Hämoglobin aus 
den roten Blutkörperchen, welches störend wirkt Ein kurz dauerndes Erwärmen 
auf 56 ° hebt die Agglutinierbarkeit der Blutplättchen nicht auf. 

Schreiber (Oöttingen). 

Loewy, A. (Berlin): Die Wirkung des Höhen- und Seeklimas auf den Menschen. 

(Dtsch. med. Wochenschr., 1904, Nr. 4.) 

Nach L ist nicht die Verdünnung allein der wirksame Faktor des Höhen¬ 
klimas, sondern die niederen Lufttemperaturen, die langdauernde und intensive 
Insolation, die starke Luftbewegung und das elektrische Verhalten derselben be¬ 
dingen größtenteils ihre Wirkung. Die 3 letzten Eigenschaften kommen auch 
dem Seeklima zu, und L stellte deshalb auf Sylt Vergleichsversuche über die 
Einwirkung des Seeklimas auf den Stoffwechsel mit den früher bei Bergbestei¬ 
gungen gemachten Erfahrungen hierüber an. Hier waren Vermehrung der Oe¬ 
samthämoglobinmenge und Umwandlung des Fettknochenmarkes in rotes Knochen¬ 
mark die hervorragendsten Resultate an Tieren. Nicht dauernd geändert wurde 
der Stoffumsatz der anfangs auch gesteigert, später aber bei allen Versuchs¬ 
individuen zur Norm zurückkehrt Ein ganz ähnliches Verhalten des Stoffwechsels 
fand sich unter dem Einfluß des Seeklimas, erst Anstieg dann Absinken zur 
Norm. Andauernd gesteigerter Appetit ist nicht die Folge erhöhten Umsatzes, 
denn bei Personen, deren Umsatz gleich blieb gegen den Landaufenthalt, war der 
Appetit dauernd angeregt Auch über die klimatischen Faktoren, die an dieser 
Wirkung beteiligt sind, kann L noch keine definitive Auskunft geben. Nur einige 
allgemeine Schlüsse stellt er als Resultat seiner Untersuchungen hin. Erstens, 
daß See- und Höhenklima keine indifferenten Heilfaktoren sind, die nur bei Per¬ 
sonen anzuwenden sind, deren Konstitution den gesteigerten Ansprüchen ohne 
Schaden für die Qesundheit genügen kann; zweitens die Wirkung der beiden 
Klimata ist noch nicht als gleichartig anzusehen, besonders was Anregung der 
Blutbildung betrifft Wendenburg (Oöttingen). 

Kreidl, A. u* Mandl, L: Experimentelle Beiträge zur Physiologie des Stoffaustausches 
zwischen Fötus und Mutter. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 281.) 

Verff. untersuchten den Übergang von folgenden Stoffen; von dem Organis- 


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mu8 des Fötus auf den der Mutter: Atropin, Adrenalin, Pilokarpin, Physostigmin 
und Phloridzin. Bei Kaninchen, Katzen, Hunden, Ziegen und Affen. Sie spritzten 
den freigelegten Föten die betreffenden Stoffe subkutan ein, um an dem mütter¬ 
lichen Organismus die physiologische Wirkung zu beobachten, ln allen Fällen, 
mit Ausnahme von Adrenalin, trat die Wirkung ein. Die betreffenden Substanzen 
verlassen den Fötus in sehr kurzer Zeit Das Adrenalin war auch bei dem Mutter¬ 
tier subkutan injiziert nicht wirksam und insofern nicht zu entscheiden, ob etwas 
von dem Adrenalin übergegangen ist oder nicht Nach Injektionen von Adrenalin 
beim Muttertier blieben trotz der Drucksteigerung die Föten am Leben. Der Über¬ 
gang der injizierten Substanzen muß direkt vom Fötus geschehen, denn auch die 
dem freigelegten Fötus injizierten Substanzen sind wirksam. 

Schreiber (Göttingen). 

Breuer, R. u. v. Seiiler, R.: Ober den Einfluß der Kastration auf den Blntbefund 
weiblicher Tiere. (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharvnakol., Bd. 50, S. 106.) 

Nach einer Zusammenstellung der bisherigen Literatur über die Funktion der 
Ovarien und besonders den Zusammenhang mit Chlorose berichten die Verff. 
über ihre eigenen Versuche, zu denen sie Hündinnen im Alter von 6—8 Monaten 
benutzten. Zu Kontrollversuchen wurden Tiere herangezogen, bei denen andere 
Bauchoperationen vorgenommen wurden. Nach der Kastration sinkt der Hä¬ 
moglobingehalt und die Zahl der roten Blutkörperchen, während der Färbeindex 
des Blutes ziemlich unverändert bleibt (also nicht der Chlorose entsprechend). 
Der Abfall der Blutwerte setzt ziemlich plötzlich ein, nimmt aber noch wochen¬ 
lang zu. Bei starker Abnahme der roten Blutkörperchen traten kernhaltige Blut¬ 
scheiben auf. Bei den Konfrontieren zeigten sich keinerlei Veränderungen. Im 
Oegensatz zu obigen Befunden erzielten sie durch länger fortgesetzte Injektionen 
von Ovarialpreßsaft eine Zunahme der roten Blutkörperchen. 

Schreiber (Göttingen). 

Lüthje, H.: Ober die Kastration und ihre Folgen. (Arch. f. exper. Pathol. u. Phar- 

makol., Bd. 50, S. 268.) 

Im Anschluß an frühere Mitteilungen über Fett- und Eiweißstoffwechsel nach 
Kastration (Arch. f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 48) berichtet L über den 
Phosphorstoffwechsel und zwar wurden Analysen der Gesamttiere gemacht. Die 
sich ergebenden Unterschiede sind so gering, daß man die Annahme irgend einer 
Veränderung im Phosphorstoffwechsel des kastrierten Tieres gegenüber dem nicht 
kastrierten leugnen darf. Ebenso wenig finden sich Unterschiede in dem Skelett 
der Tiere. Schreiber (Oöttingen). 

Sülle, M.: Ober Zwerchfdlihmnng nach Ammoniakinhalation. (Centralbl. f. Physio¬ 
logie, Bd. 17, S. 238.) 

Im Oegensatz zu Magnus konnte S. die Durchlässigkeit der Lungen für Am¬ 
moniakgas konstatieren. Bei Kaninchen trat nach etwas länger fortgesetzter Am¬ 
moniakinhalation (ca. 30 Min.) regelmäßig eine graphisch nachgewiesene Lähmung 
des Zwerchfells ein. Da bei den Tieren die Vagi durchschnitten waren, so 
konnte von einer Reflexwirkung nicht die Rede sein, wurden die Vagi nicht durch¬ 
schnitten, so kamen die Lähmungen viel später zustande. Mehrmals trat dabei 
plötzlich eine äußerst beschleunigte und vertiefte diaphragmale Atmung ein. Für 
die Wirkung des Ammoniaks gibt es verschiedene Möglichkeiten, entweder greift 
dasselbe das Zentrum des Zwerchfells im verlängerten Mark an, oder es geht 
durch die Lungenwandungen hindurch und wirkt auf das Zwerchfell selbst. Ein 
sicherer Nachweis von freiem Ammoniak im Blut oder in den Oeweben ließ sich 
aber nicht führen, so daß es unentschieden bleibt, wie das Ammoniak wirkt. 

Schreiber (Oöttingen). 


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Pfaff, P. a. V^m-Tyrode, M.: Ober Durchblutung isolierter Nieren and den Eioflafi 
defibrinierten Blotes auf die Sekretion der Nieren. (Arch. f. exper. Pathol. u. Phar¬ 
makon Bd. 49, S. 324.) 

Nach Angabe der Verff. ist es bis jetzt nicht gelungen, bei der Durchblutung 
isolierter Nieren ein normales Sekretionsprodukt zu erhalten, vielmehr war der 
Urin meistens nur spärlich, alkalisch, enthielt Blutfarbstoff und Eiweiß. Auch bei 
ihren eigenen Versuchen mit defribriniertem Blute gelang es ihnen nicht, normale 
Sekretionsverbältnisse zu schaffen. Sie konnten nadiweisen, daß das defibrinierte 
Blut eine Verminderung in der Blutzirkulation dadurch herbeiführt, daß es eine 
Kontraktion der Oefäßmuskulatur verursacht Oaben sie Tieren, deren Nieren zu 
den Experimenten verwandt werden sollten, vorher Chloroform oder Chloral- 
hydrat, so erhielten sie in der Regel zwar eine größere Harnmenge, im übrigen 
war das Sekretionsprodukt aber auch nicht normal. Es muß somit das defibri¬ 
nierte Blut überhaupt ein ungeeignetes Emährungsmittel sein. In der Tat ergaben 
Versuche mit frischem Blut, resp. mit Blut, das durch Zusatz von oxalsaurem 
Salz, Pepton oder Blutegelextrakt ungerinnbar gemacht war, bessere Resultate, 
aber auch keine vollkommenen. Schreiber (Qöttingen). 

Plebiger, J.: Ober Kreatinin im Ham verschiedener Tiere. (Centralbl. f. Physiologie, 

Bd. 17, S. 33.) 

Kreatinin fand sich im Harn gesunder und kranker Pferde, Hunde, Rinder, 
Ziegen, Schweine und Meerschweinchen. Zur quantitativen Bestimmung konnte 
die Methode von Kolisch nicht verwendet werden, da es zu schwierig ist, die 
Fällungsgrenze zu finden. Phosphorwolframsäure fällte auch Harnstoff und Am- 
moniaic Die Methode von Neubauer und Salkowski eignete sich auch mit 
der Modifikation einer fraktionierten Fällung nicht. Gefunden wurden im Pferde¬ 
harn 0,048—1,033 %, im Rinderharn 0,135% und im menschlichen Harn 0,11 % 
nach dieser Methode. Das Kreatininchlorzink des Pferde- und Rmderharns fiel 
in Form einer gelben, harzigen, hygroskopischen aus lauter kleinen kugeligen 
Kristalldrusen bestehenden Substanz. Schreiber (Oöttingen). 

Simon, 0.: Zur Kenntnis der Albamosen im Spatam Tuberkulöser. (Arch. f. exper. 

Pathol. u. Pharmakol., Bd. 49, S. 449.) 

Injektionen von Albumosen rufen bei gesunden Tieren bekanntlich Fieber 
hervor, bei tuberkulösen aber sind bereits kleinere Mengen wirksam. Ferner be¬ 
steht das Tuberkulin Kochs aus einem Oemenge von verschiedenen Albumosen. 
Eine dieser Albumosearten, die Acroalbumose, findet sich auch im Wittepepton 
und ebenso soll der von Umber und Stähelin in Exsudatflüssigkeiten gefun¬ 
dene Eiweißkörper mit derselben identisch sein. Diese Erwägungen führten S. 
zur Untersuchung von Sputum und Eiter auf diesen Körper; er konnte jedoch 
^ keine Acroalbumose darin finden, ebenso kein Nukleohiston oder freie Histone. 
Dagegen enthielt das Sputum Kühnsches Pepton oder doch einen diesem nahe¬ 
stehenden Körper. S. glaubt, daß ein großer Teil dieser Albumosen durch Auto¬ 
lyse entstanden ist, wenn sich auch bei der Autolyse anderer Organe, wie Leber 
etc. nur wenig Albumose bildete. Die aus dem Sputum dargestellte Albumose 
rief ebenfalls Fieber hervor und zwar stärker bei tuberkulösen Tieren als bei 
gesunden; er läßt die Frage offen, ob die Albumosen bei Tuberkulose allein 
fiebererregend wirken, oder ihnen anhaftende Toxine. Immerhin dürften die im 
Sputum enthaltenen Albumosen durch Resorption von den Lungen aus zu Fieber 
Veranlassung geben können. Schreiber (Göttingen). 

Friedenthal, H.; Die Bestimmung des osmotischen Druckes In tierischen Flüssig¬ 
keiten mit Hilfe des Differeutialtensimeters. (Centralbl. f. Physiologie, Bd. 17, S. 437.) 

Da sich die Pfeffersehen Zellen mit semipermeablen Ferrocyankupfermembranen 
außerordentlich schwer darstelllen lassen, und auch die Gefrierpunktsbestimmung 


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wieder erhebliche Nachteile hat, so hat F. versucht, das Differentialtensimeter zur 
Bestimmung des osmotischen Druckes zur Messung von tierischen Flüssigkeiten 
heranzuzieben. Er gibt eine genaue Beschreibung der dazu erforderlichen Appa¬ 
rate und der Arbeitsmethode. Der Nachteil der angeführten Methode ist der, 
daß freie Gase bei der Untersuchung selbst entfernt werden und durch Korrek¬ 
tion der Fehler für den Verlust derselben ausgeglichen werden muß. 

Schreiber (Göttingen). 


Besprechungen. 

Baumgftrtner, Hans: Die moderne Behandlung der Zuckerkrankheit and die diabeti¬ 
sche Küche. Für Ärzte und Laien. München. 34 S. Preis 1 Mk. 

Oenau vertraut mit allem, was wir heute über Wesen, Ursachen und Be¬ 
handlung des Diabetes wissen, gibt Verf. einen kurzen, auch für Ärzte lesens¬ 
werten Wegweiser durch dieses schwierige Gebiet Ein Überblick über die für 
den Diabetiker besonders geeigneten Nahrungsmittel und ihre Zusammensetzung 
und über Diabetiker-Präparate und ihre besten Bezugsquellen füllt das letzte 
Kapitel. Hesse (Kissingen). 

Rahner, M.: Die Gesetze des Energieverbrauches bei der Ernährung. Leipzig u. Wien, 
1902, F. Deuticke. 426 S. Preis 16 Mk. 

Der auf dem Oebiete des Stoffwechsels hervorragend tätige Autor hat es in 
dankenswerter Weise unternommen, die gesamte Übersicht über den Energiever¬ 
brauch bei der Ernähmng zu geben. Das vorliegende außerordentlich reiche 
Material wird in 20 Kapiteln abgehandelt. Es ist bei der Fülle des Materials mir 
unmöglich, auf Einzelheiten einzugehen. Das Buch bildet eine reiche Quelle für 
weitere Untersuchungen auf dem Oebiet des Stoffwechsels, es wird aber auch 
nicht ohne Früchte bleiben für die weitere Entwicklung der diätetischen Therapie. 
Es sei daher nicht nur allen auf dem Gebiet des Stoffwechsels wissenschaftlich 
Arbeitenden, sondern auch denen, die sich mit der Ernährungstherapie bei den 
verschiedensten Krankheiten beschäftigen, auf das Dringenste empfohlen. 

Schreiber (Oöttingen). 

Schmitt, Ad.: Die Erkrankungen des Mastdarms. Würzbuiger Abhandlungen. Bd. 4. 

H. 1. 44 S. Preis 0,75 Mk. 

Die kleine Schrift ist in erster Linie für die Bedürfnisse des Arztes mit all¬ 
gemeiner Praxis bestimmt und berücksichtigt daher in den Kapiteln über Tumoren 
und Verengerungen des Rektums vorwiegend diagnostische Momente; daneben 
sind aber auch, besonders in den Kapiteln über Hämorrhoiden und Fissuren, 
mit einer selbst in größeren Lehrbüchern selten anzutreffenden Gründlichkeit 
medikamentöse und operative Therapie besprochen, wie sie der Häufigkeit dieser 
Erkrankungen in der Privatpraxis entspricht. Der Verf. läßt es sich besonders 
angelegen sein, durch Hinweis auf die Anwendbarkeit der Schleichschen Anä¬ 
sthesie bei vielen Eingriffen, dieses Gebiet dem praktischen Arzt zu erhalten, 
dem Scheu vor der rektalen Untersuchung und daraus resultierende Unkenntnis 
der verschiedenen Erkrankungsformen leider nur zu oft ein dankbares Oebiet 
seiner Betätigung entziehen. Aus diesem Grunde ist die Lektüre der sehr über¬ 
sichtlich geschriebenen Abhandlung als willkommene Ergänzung zu den Dar¬ 
stellungen der Lehrbücher äußerst empfehlenswert. A. Berliner (Berlin). 


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Wroblewtki: Die Appendicitis vom Standpunkt des praktischen Arztes. Sonderabdruck 
aus der »Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des Ärztevereins«. Jauer, Verlag 
von Oskar Hellmann. Preis 1,20 Mk. 

Veit gibt eine Übersicht über die Entwicklung unserer Kenntnisse von der 
Appendidtis und führt uns in Anlehnung an die Ausführungen Borchardts die 
Ausbildung der Begriffsbestimmung, wie sie in der neueren Zeit gewonnen ist, 
die pathologische Anatomie, die Pathogenese, die Symptomatologie, die Diagnose, 
die Prognose und endlich die Therapie vor Augen. Für den in der täglichen 
Praxis stehenden Arzt, welcher die viel verschlungenen Wege der Forschung nur 
ungenügend verfolgen, nur ein wenig klares Bild von dem augenblicklichen Stande 
unserer Kenntnisse sich erwerben kann, wird die Darstellung nicht ohne Interesse 
sein. v. Boltenstern (Leipzig). 

Lederer, Ernst: Die Therapie an den Österreichischen Universitätskliniken. Wien und 
Leipzig 1904, Alfred Holder. 200 S. Preis 1 Mk. 

Eine in der Ärztlichen Zentralzeitung erscheinende Artikelserie wird hier in 
Buchform dem ärztlichen Publikum zugänglich gemacht Das vorliegende Heft 
enthält als ersten Abschnitt »Die Therapie der Geistesstörungen«, wie sie an der 
Klinik des Prof. Anton in Graz geübt wird, und als zweiten Abschnitt »Die 
Therapie in der Oeburtshilfe« ebenfalls aus der Grazer Frauenklinik stammend. 

Hesse (Kissingen). 

Kahane, Max: Therapie der Magenkrankheiten. Wien und Leipzig 1904, Alfred 

Holder. 

Das vorliegende Werk stellt den VIII. Band der Medizinischen Handbibliothek 
dar. Der Verf. hat in ihm vornehmlich die Bedürfnisse des in der Praxis tätigen 
Arztes berücksichtigt Die Menge der Heilmitteln und Heilverfahren schwillt immer 
stärker an und wächst sozusagen vtm Tag zu Tag. Der Praktiker wird es darum 
mit Freuden begrüßen in dem Werke eine Auswahl vorzufinden, welche nur das 
als bewährt oder als brauchbar sich Erwiesene berücksichtigt Gerade die in der 
AHtagspraxfs gebräuchlichen daher wichtigsten Heilmittel und Heilverfahren sind aus¬ 
führlich besprochen. Besonderes Gewicht ist auf eine gründliche Darstellung der 
allgemeinen Therapie der Magenkrankheiten gelegt Auf diese Weise sind die 
bei therapeutischen Erörterungen unvermeidlichen Wiederholungen auf ein ge¬ 
ringes MaB eingeschränkt. Eine ausführliche Würdigung hat die in jüngster Zeit 
immer mehr zur Oeltung gelangte physikalische Therapie erfahren. Außer thera¬ 
peutischen Auseinandersetzungen finden wir auch noch die Besprechung von 
Fragen der Ätiologie und Pathogenese, sofern sie für die Begründung des thera¬ 
peutischen Handelns von Bedeutung sind. Nur auf dieser Grundlage ist ein 
Verständnis für therapeutische Maßnahmen zu gewinnen und die Oefahr des 
gedankenlosen Schematismus zu vermeiden. Verf. hat sich ferner bemüht unbe- 
reditigtem Enthusiasmus und Nihilismus in der Therapie entgegen zu arbeiten, 
indem er den Bedürfnissen des Praktikers entsprechend die Verhältnisse so dar- 
gestdlt hat wie sie im realen Leben sich zeigen und stets auf die Orenzen ärzt¬ 
lichen Könnens hinweist Auch das soziale Moment ist gelegentlich nicht un- 
crörtert geblieben. v. Boltenstern (Leipzig). 

Farbwerke vorm. Meister Ladas & Brüning: Pbarmaceatische Produkte. Höchst a. M. 

352 S. 

Die Herausgeber wünschen den Ärzten ein Buch an die Hand zu geben, in 
welchem sich dieselben schnell über die Eigenschaften, Indikationen und Kontra¬ 
indikationen neuer therapeutischer Medikamente orientieren können, ln Kürze 
sind Ansichten aus der einschlägigen Originalliteratur gewissenhaft ausgeführt, und 
diese selbst ist umfangreich verzeichnet. Viele Rezeptformen sind eingeschaltet, 


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wie solche sich schon als zweckmässig in der Praxis erwiesen. Da den Ver¬ 
öffentlichungen der Höchster Farbwerke stets und grundsätzlich pharmakologische, 
physiologische und klinische Untersuchungen von autoritativer Seite vorausgehen, ge¬ 
winnen dieselben immer gleich von Anfang an hervorragendes Interesse der 
Ärzte. Der Index belehrt, daß ganz abgesehen von der Serum-Industrie sich die 
für das Krankenbett gelieferten Produkte auf mannigfaltigste Kategorieen beziehen. 
Ich nenne nur Alumnol, Suprarenin, Anaesthesin, Orthofomi-Neu, Pyramidon, 
Antipyrin, Dermatol, Ferripyrin, Hypnal-H., Valyl um die Reichhaltigkeit der 
gelieferten Produkte zu belegen. Besonders durfte der II. Teil den Praktiker 
fesseln, welcher sich mit den Serumtherapeutischen und Bakterienpräparaten be¬ 
schäftigt Um sich mit der Geschichte, Darstellung, Prüfung, vornehmlich mit 
Dosierung und Applikationsweise, den klinischen Erscheinungen und der Literatur 
schnell vertraut zu machen, ist das Buch sehr geeignet und muß großen Dank 
der Ärzte ernten. Die eminenten Leistungen des Höchster Laboratoriums haben 
Weltruf und tragen täglich und mit jedem Jahre mehr den Ruhm deutscher 
Wissenschaft und chemischer Industrie in alle Lande. 

W. von Noorden (Homburg v. d. H.). 

Späth, Eduard (Erlangen): Die chemische und mikroskopische Untersuchung des 
Harnes. Ein Handbuch für Ärzte, Apotheker, Chemiker und Studierende. Leipzig, 

Verlag von J. A. Barth. 

Den verschiedenen Ansprüchen, denen es genügen soll, ist das Buch ent¬ 
sprechend umfangreich, ohne jedoch dadurch zu einem für den Praktiker unhand¬ 
lichen Bande zu werden. In 3 Teilen enthält es in klarer, übersichtlicher Form 
alles, was man für eine Urinuntersuchung braucht, und vermöge der guten Ein¬ 
teilung und Registrierung ist es auch dem Anfänger und einem mit dem Buche 
weniger Vertrauten leicht sich über das, was er sucht, schnell zu orientieren. Der 
1. allgemeine Teil enthält im ersten Abschnitt eine gute Darstellung der physika¬ 
lischen und chemischen Eigenschaften des Hdmes unter physiologischen und pa¬ 
thologischen Verhältnissen, im zweiten Abschnitt sind die Untersuchungsmethoden 
im allgemeinen und die dazu nötigen Instrumente und ihre Anwendung durch 
zweckentsprechende Abbildungen erläutert. Im II. der chemischen speziellen 
Analyse gewidmeten Teile, der ca. */ 3 des Buches ausfüllt, bringt der Verf. eine 
wirklich umfassende und selbst weitgehenden Ansprüchen wohl genügende Dar¬ 
stellung der im Harne vorkommenden normalen und abnormen Harnbestandteile 
und der verschiedenen chemischen Methoden ihres Nachweises und eventuell 
ihrer Darstellung. Dieser Teil zerfallt in 3 Abschnitte, die nach einander die 
chemischen Untersuchungsmethoden für anorganische Bestandteile, organische 
Stoffe und für solche Körper, die nur zufällig im Harne gefunden werden, ent¬ 
halten. Oanz besonders hervorgehoben zu werden verdienen von diesem Teil 
des Buches die Sorgfalt die auf die Kritik der einzelnen Methoden gelegt ist und 
dieSvielen Hinweise auf eventuelle Fehlerquellen, die es auch dem in der Chemie 
noch zu wenig oder wenig mehr Geübten gut ermöglichen, sich von dem Re¬ 
sultat seiner Untersuchungen eine Kritik ihres Wertes zu machen, eventuell zu 
erkennen, wo bei Mißlingen oder unerwartetem Ausfall der Probe der Fehler 
steckt Der 111. Teil des Buches ist der mikroskopischen und mikroskopisch-che¬ 
mischen Untersuchung des Harns gewidmet und gibt nach einigen orientierenden 
Hinweisen für diesen Zweck eine Zusammenstellung der Methoden des Nach¬ 
weises für die allermeisten in Betracht kommenden Körper. Im IV. letzten Teile 
folgt dann noch eine Anleitung speziell für den Praktiker zur Vornahme von Harn¬ 
untersuchungen und ein Schema für den Untersuchungsbefund. Klarheit und 
Übersichtlichkeit lassen dem Buche eine möglichste Verbreitung wünschen. 

Wendenburg (Göttingen). 


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Inhaltsv«r?«icfonis. 


Referate: Stoffwechselkrankheiten. Schlesinger, W.: Zur Klinik und Patho- 
gonese des Lävulosediabetes 55. — Erkrankungen der Verdaunngsorgane. Snegirew: 
1. Beiderseitige gleichzeitige Erkrankung der Tranen- und Speicheldrüsen. II. Über 
einen akuten Fall von gleichzeitiger beiderseitiger Erkrankung der Tränen- und 
Speicheldrüsen 56. — v. Mikulicz (Breslau): JZur Pathologie und Therapie des 
Cardiospasmus 56. — Krassnobajew, T. P.: Ein Fall von Oastroptosis (Qlenard- 
sche Krankheit) bei einem 11jährigen Mädchen 56. — Luis y Yague: Die Pylo¬ 
russtenose durch Druck von außen 57. — Alessandri: Über einen Fall von ge¬ 
stieltem Magensarkom nebst Bemerkungen über einige Bindegewebsgeschwülste 
des Magens 57. — Villaret (Posen): Ist. die Blinddarmentzündung heute häufiger 
als früher? 57 & — v. Hansemann: Ätiologische Studien über die Epityphlitis 58. — 
Rostowzew: Uber Hernien des Wurmfortsatzes 58. — Oppenheim: Die Lagever- 
ändemngen der Leber und der Brustorgane bei Meteorismus, ihre Verwertung 
für Diagnose und Therapie 59. — Kredel: Über Darminvagination 59. — Sauer¬ 
bruch: Die Pathogenese der subkutanen Rupturen des Magen-Darmtraktus 59. — 
Zachrisson: Sinipsuppositorien, ein altes volkstümliches Abführmittel 60. — Koch¬ 
mann, Martin J Jena): Über die Veränderlichkeit der Baldrianpräparate 60. — 
Soetbeer, F.: Über einen Fall von akuter Degeneration des Leberparenchvms 60. 
— Schostak, I. E.: Ikterus als Komplikation bei Scharlach 60. — Türk, W.: Poly- 
cvtfaämie bei Erkrankung der Leber mit beträchtlichem Milztuigor 61. — Zesas: 
Beitrag zur Diagnose der Uthiasis pancreatica 62. — Mikulicz: Über den heutigen 
Stand der Chirurgie des Pankreas mit besonderer Rücksicht auf die Verletzungen 
und Entzündungen des Organs 62. — Arj<5: Opotherapie bei Pellagra 62. — 
Zufiiga: Die Aloumosurie 63. — Nierenerkrankungen. Xalabander: Nierenextrakt 
bei Nephritis 63. — Physiologische Chemie, Verdauung etc. Orbeli: Vergleichende 
Untersuchungen der Funktion der Pepsindrüsen vor und nach der Dunjhschnei- 
dung der Äste des N. vagus 63. — London, E. S. u. Sokolow, A. P.: Uber.den 
Einfluß von Blutentziehungen auf die Magen Verdauung 64. — Bönninger: Über 
die Resorption im Magen und die sogen. Verdünnungssekretion 65. — Schwarz, 
Leo: Zur Theorie der Säurebildung in der Magenschleimhaut 65. Mosse. M.: 
Zur Biochemie des Säugetiermagens 65. — Müller, A. u. Saxl: Uber die Chlor¬ 
ausscheidung im Ham und ihre Beziehung zur Verdauung 66. — Popiejsld, L: 
Über die Onindeigenschaften des Pankreassaftes 66. — SimäSek, E.: Uber die 
anaerobe Atmung des Pakreas und die Isolierung eines glykolytischen Enzyms 
aus demselben 66. — Simääek: Über die Isolierung der hydrolytischen Enzyme 
aus dem Pankreas und sein glykoiytisches Vermögen 66. — Simääek, E.: Ein 
Beitrag zu Cohnheims > Kohlenhydratverbrennung in den Muskeln und ihre Beein¬ 
flussung durch das Pankreas«, zugleich eine Oegenkritik 67. — Stoldasa, J.: Bei¬ 
träge zur Kenntnis der aus der Zelle höher prganisierter Tiere isolierten, gärungs¬ 
erregenden Enzyme 67. — Borrino, A.: Über die biochemische Tätigkeit der 
Nuldeoproteide in Bezug auf den respiratorischen Chemismus 67. — Kose. U.: 
Der Blutzuckergehalt des Kaninchens, seine Erhöhung durch den Aderlaß, durch 
die Eröffnung der Bauchhöhle und durch die Nierenausschaltung und sein Ver¬ 
halten im Diuretindiabetes 68. — Pfeiffer, W.: Weitere „Beobachtungen über die 
hämolytische Fähigkeit des Peptonbiutes 68. — Fuld, E.: Über die Vorbedingungen 
der Blutgerinnung sowie über die Gerinnbarkeit des Fluorplasmas 68. — Bürker: 
Eine einfache Methode zur Oewinnung von Blutplättchen o9. — Loeb, L : Über 
eine Methode, Blutplättchen in großer Menge rein zu erhalten 69. — Loewy, A. 
(Berlin): Die Wirkung des Höhen- und Seeluimas auf den Menschen 69. — Kreidl, 
A. u. Mandl, L: Experimentelle Beiträge zur Physiologie des„Stoffaustausches 
zwischen Fötus und Mutter 69. — Breuer. R. u. v. Seiller, R.: Uber den Einfluß 
der Kastration auf den Blutbefund weiblicher Tiere 70. — Lüthje, H.: Über die 
Kastration und ihre Folgen 70. — Sihle, M.: Über Zwerchfellähmung nach Am- 
moniakinhalation 70. — Pfaff. F. u. Vejnx-Tyrode, M.: Uber Durchblutung iso¬ 
lierter Nieren und cten Einfluß defibrinierten Blutes auf die Sekretion der Nieren 
71. — Fiebiger,).: Über Kreatinin im Ham verschiedener Tiere 71. — Simon, O.: 
Zur Kenntnis der Albumosen im Sputum Tuberkulöser. — Friedenthal, H.: Die 


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Bestimmung des osmotischen Druckes in tierischen Flüssigkeiten mit Hilfe des 
Differentialtensimeters 71.— Besprechungen: Baumgärtner, Hans: Die moderne 
Behandlung der Zuckerkrankheit und die diabetische Küche 72. — Rubner, M.: 
Die Oesetze des Energieverbrauches bei der Ernährung 72. — Schmitt, Ad.: Die 
Eikrankungen des Mastdarms 72. — Wroblewski: Die Appendidtis vom Stand¬ 
punkt des praktischen Arztes 73. — Lederer, Ernst: Die Therapie an den Öster¬ 
reichischen Universitätskliniken 73. — Kahane, Max: Therapie der Magerfkrank- 
heiten 73. — Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning: Pharmaceutische 
Produkte 73. — Späth, Eduard (Erlangen): Die chemische und mikroskopische 
Untersuchung des Harnes 74. 


Hotoren-TtrpUmis. 

AUessandri 57. — Ariö 62. — Breuer 70. — Borrino 67. — Bonninger 65. — 
Bürker 60. — Fiebiger 71. — Friedenthal 71. — Fuld 68. — v. Hansemann 58. — 
Krassnobajew 56. — Kreidl 69. — Kredel 59. — Kochmann 60. — Loewy 69. — 
Loeb 69. — London 64. — Luis y Yague 57. — Lüthje 70. — Mandl 69. — 
v. Mikulicz 56. 62. — Mosse 65. — Müller 66. — Oppenheim 59. — Orbeli 63. — 
Pfaff 71. — Popielski 66. — Pfeiffer 68. — Rose 68. — Rostowzew 58. — Sauer¬ 
bruch 59. — Saxl 66. — Sihle 70. — Simääek 66. 67. — Simon 71. — Sncgirew 
Stoklasa 56. — 67. — Soetbeer 60. — Schlesinger 55. — Schostak 61. — Schwarz 
65. — Türk 61. — Villaret 57. — Vejnx-Tyrode 71. — Xalabander 63. — Zachrisson 
60. — Zesas 61. — Zufiiga 63. 


HlphabttUd» geordnetes JnhaltsverteUbnis. 

Albumosen im Sputum 71. — Albumosurie 63. — Ammoniakinhalation, 
Zwerchfellähmung nacn 70. — Appendidtis 57. 58. — Appendix, Hemieen des 
58. — Baldrianpräparate, Veränderlichkeit der 60. — Blutgerinnung 68. 69. — 
Blutplättchen 69. — Blutzucker bei Aderlaß, Bauchhöhleneröffnung, Nierenaus- 
sdialtung u. Diuretindiabetes 68. — Blut und Kastration 70. — Cardiospasmus 

56. — Chlorausscheidung u. Verdauung 66. — Darminvagination 59. — Diuretin¬ 
diabetes 68. — Oastroptosis 56. — Qlykolyse und Oärung 66. 67. — Hämolyse 
68. — Höhen- und Seeklima, Wirkung des auf den Menschen 69. — Ikterus und 
Scharlach 61. — Kastration und ihre Folgen 70. — Kreatinin im Harn 71. — Lä- 
vulosediabetes 55. — Leberdegeneration 60. — Lebererkrankung, Polycythämie bei 
61. — Magenbindegewebe 57. — Magendarmrupturen 59. — Magensarkom 57. — 
Magensekretion 65. — Magenverdauung und Blutentziehung 64. — Meteorismus 
und Leberiage 59. — Nephritis, hjierenextrakt bei 63. - Nierendurchblutung 70. — 
Nukleoproteide 67. — Osmotischer Druck, Bestimmung mit dem Differentfaltensi- 
meter. — Pankreaschirurgie 62. — Pankreassaft 66. — Pankreassteine 61. — Pel¬ 
lagra, Opotherapie der o2. — Pepsinsekretion und Vagus 63. — Pylorusstenose 

57. — Sirupsuppositorien 60. — Speichel- und Thränendrüsenerkrankung 56. — 
Stoffaustausch zwischen Fötus und Mutter 69. — Zwerchfellähmung nach Ammo- 
niakinhalation 70. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Oöttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Oöttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Oöttingen. 
Ausgegeben am 5. Februar 1904. 


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Nr. 4. 


Zweite» Februar-Heft 1904. 5. Jahrgang, 


3?nfralblaff 

M» 

$tofhv«h$«l-&Veröauung$-Kpankheilen 

herausgegeben von 

Professor Dt.Carl von Noorden in Frankfurt a.M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vandcnboeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nra. tob l*fr—2 Bogen Umfang. Prds des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Voraosbezahlnng. FJnzdne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und 
PbstanstaXten des In- ond Aaslandes. (Postbezug in Ftanlcreteh, Englaad, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 PL Jähiikh mehr.) 


Original-Hrtihel. 


Hrb«lt«n ub#r Cypbu« ln den letften beiden Jebreit. 


Sammelreferat von 


Dr. v. Boltenstern, Leipzig. 


1. Epidemiologie, Ätiologie, Bakteriologie. 


Die verschiedenen Wege auf welchen Typhusbazillen an und in den 
menschlichen Körper gelangen, werden nicht immer gleich gewürdigt AU* 
gemein anerkannt ist, daß das Typhusgift nicht auf jedem verunreinigten 
Boden besteht Nur die Schmutz* und Auswurfstoffe gelten für gefährlich, 
welche mit Typhuskeimen infiziert sind. Diese können sich keineswegs auf 
jedem verunreinigten Boden existenzfähig erhalten und vermehren, sondern 
nur unter Zusammenwirken einer ganzen Reihe von begünstigenden Faktoren. 
Gelangt eine Typhuskeime enthaltende Masse (Stuhl, Urin, Auswurf, Eiter, 
Badewasser u. s. w.) in den Boden, so findet hier nicht unbedingt eine Er¬ 
haltung der Existenzfähigkeit, eine massenhafte Vermehrung der Bazillen, die 
Möglichkeit eines erneuten Erscheinens der Krankheit statt (Salomon). Eine 
derartige Annahme scheint zwar eine Stütze dadurch zu gewinnen, daß an 
manchen Orten ganz bestimmte Typhushäuser und Typhusviertel bekannt 
sind. So berichtet Schlegtendal von 19 Typhusfällen, welche in demselben 
Hause sich ereigneten, ohne feststellen zu können, ob die Infektionskeime 
auf dem Hofe oder gar im Hause selbst, zwischen und unter den Holzdielen 
ihr Leben gefristet haben. Indes bezeichnet Salomon die Erklärung, daß 

Nr. 4. 


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zwischen den im Boden aufgenommenen Bazillen und den Wohnungen eine 
dauernde Wechselwirkung auf dem Wege der Luftströmung bestehe, als 
mystisch und mit den heutigen Anschauungen nicht vereinbar. Eine Ty¬ 
phusansteckung durch verseuchten Boden an sich gibt es nicht 
jedoch verteidigen noch manche Autoren die Pettenkofersehe Grundwas¬ 
sertheorie. Clement fand in den Lyoner Epidemieen zahlreiche Momente, 
welche zu ihren Gunsten sprechen. Nach seinen statistischen Grundlagen 
zeichneten durch große Typhusmortalitit die Jahre sich aus, in welchen das 
Grundwasser den niedrigsten Stand hatte. Mit großen Schwankungen ging 
die Mortalität herunter, nur mit leichten Schwankungen stieg sie. Im großen 
ganzen stieg die Sterblichkeit ah Typhus mit dem Sinken des Grundwassers. 
Kühn und Sucksdorff konnten einen Parallelismus der Orundwasser- 
temperatur mit der Typhusfrequenz in der Warneniederung erkennen. Well¬ 
bur n legt ffir die Epidemiologie des Typhus dem Orundwasser auch eine 
Bedeutung bei. Er betont, daß bei Infektion des Grundwassers, welches 
dicht an der Oberfläche liegt, durch Typhuskeime von einem undichten 
Aborte her die Wasserläufe gefährdet werden. Tiefer gelegene Brunnen und 
Quellen können von solchem Grundwasser geschädigt werden. Je tiefer es 
hinabreicht, um so spärlicher ist das Nährmittel ffir Keime im Boden, da die 
Bazillen unter günstigsten Umständen nicht tiefer als einige Fuß unter der 
Oberfläche sich Enden. 

Die Bodentheorie ist im allgemeinen verlassen und von der Trinkwasser¬ 
theorie ab gelöst Der Hauptnährboden der Bazillen, die Hauptquelle des 
Typhus bildet schlechtes verunreinigtes Wasser. Hflnermann beschreibt 
eine Manöverepidemie, welcher 128 Mann zum Opfer fielen. Die Brunnen 
in dem armen Eifel gebiete waren größtenteils in denkbar schlechtestem Zu¬ 
stande. 36 Kranke hatten den Typhus sehr wahrscheinlich durch den Genuß 
von Limonade erworben, zu deren Bereitung mit Typhusdejektionen ver¬ 
unreinigtes Wasser verwendet worden war. Wernicke führt auf Grund 
eingehender Nachforschungen und Ermittelungen die erst 12—28 Tage nach 
Rückkehr in die Garnison aufgetretenen Typhuserkrankungen bei einem 
Bataillon auf verunreinigtes Trinkwasser zurück, welches den durchmarschie¬ 
renden Truppen von Ortseinwohnem gereicht worden ist Bei dieser Ge¬ 
legenheit seien einige oder mehrere Leute mit Typhuskeimen infiziert, welche 
sich im Darm der Leute vermehrt hätten. Mit ihren Dejektionen gelangte 
der Infektionsstoff in ungeheurer Menge in das Wasser eines Grabens, 
welches in einem Biwak zum Waschen und Trinken benutzt wurde 

Baudin bezeichnet als Quelle der Infektion in Besan^on das als Trink¬ 
wasser benutzte Wasser des Flusses Arcier. Bei gutem Wetter freilich war 
das Quellwasser dieses Flusses durchaus einwandsfrei. Nach starken Regen¬ 
güssen aber erscheint es trüb und infiziert Die Keime wurden dem Arcier 
durch unterirdische Zuflüsse aus dem Saone-Gebiet zugeführt Die Epidemie 
in Auxerre, über welche Couppey de la Foreste berichtet, zeichnete sich 
wie die meisten Typhusausbrüche durch ihren raschen Beginn in beträcht¬ 
licher Stärke und die kurze Dauer aus. Oehlmüller beschreibt eine Ty¬ 
phusepidemie, bei welcher das Wasser von zwei Quellen, da sie grob bak¬ 
teriologisch verunreinigt waren, beschuldigt werden muß. Allerdings konnte 


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der Erreger nicht auf gefunden werden. Der Verdacht, daß die Erkrankung 
von einer Konservenfabrik im Orte ausging, bestätigte sich nicht Lotz 
schildert die Epidemieen in Kleinbasel in den Jahren 1875—1900 und fand 
die Typhusepidemieen in Kleinbasel nach der Ausschaltung eines diesen 
Stadtteil allein versorgenden Pumpwerkes ihrer spezifischen Form entkleidet 
und die Typhusmorbiditlt nicht mehr von der Oroßbasels verschieden. 

Tavel wies bei allen Erkrankungen im Stiddien Olton in der Schweiz 
den Genuß unabgekochten Leitungswassers nach. Sdbstverständlich darf 
nieifials der nachweisliche Genuß unabgekochten Bach-, Fluß- oder Leitungs¬ 
wassers genügen, um die Ursache der Krankheit in dem Wasser zu suchen. 
Es muß vidmehr der Nachweis erbracht werden, daß in der Zeit, innerhalb 
welcher die Infektion der ersten Fälle stattgefunden haben muß, in einem 
oberhalb an dem Wasserlaufe gelegenen Orte Typhus bestanden hat (Salo- 
mon). In Olton nun endigte der Hauptstrang der Wasserleitung in einiger 
Entfernung von dem am meisten und am längsten an der kleinen Epidemie 
beteiligten Hause blind, nachdem sich die Nebenleitung nach diesem Hause 
abgezweigt hatte. Das stagnierende Wasser des blinden Endstückes aber 
wies einwandsfrei Typhuskeime auf. Schmidt konnte zur Erklärung einer 
in Belgrad herrschenden unzweifelhaft mit den die Stadt versorgenden Flu߬ 
läufen in Beziehung stehenden Epidemie eine in einem 12 km aufwärts ge¬ 
legenen Ortschaft einige Wochen vorher votgekommene Typhuserkrankung 
feststellen. Die Wäsche der Kranken wurde täglich in dem Flüßchen ge¬ 
waschen, die Stühle u. s. w. dicht am Flußufer undesinfiziert ausgegossen, 
die Geschirre u. s. w. im Flusse gereinigt Eine explosionsartige Typhus¬ 
epidemie in Wilhelmbuig bei Hamburg, welche aus 61 innerhalb 6 Wochen 
beobachteten Fällen bestand und sich fast ausschließlich in einem Häuser¬ 
komplex von 44 Wohnungen abspielte, beziehen Bachmann und Kattein 
auf einen mangelhaft ausgeführten Röhrenbrunnen. Zwischen Steigrohr des 
Brunnens und Ablaufsschacht bestand eine direkte Kommunikation. Die bak¬ 
teriologische Untersuchung ergab eine abnorm hohe Keimzahl, indes keine 
Typhusbakterien. 

Schlegtendal fand unter 682 Fällen 36 Infektionen durch Bach- und 
Flußwasser und 187 durch Brunnenwasser. Vielfach waren die Ortschaften 
auf mit Typhuskeimen infiziertes Wasser angewiesen, Abwässer und Fäkalien 
wurden direkt in den Flußlauf geleitet Die Brunnen lagen nahe bei Aborten, 
welche von Arbeitern benutzt wurden, welche aus Orten mit Typhusepi¬ 
demien kamen und später selbst erkrankten. Die Infektion des Brunnens 
ist eben nicht das primäre und die Erkrankung das sekundäre, sondern es 
liegt umgekehrt Ein von außen eingeschleppter Typhusfall tritt in einem 
Dorfe auf. Von ihm aus werden zunächst die Brunnen infiziert, und dann 
erst wird die Epidemie auf dem Wasserwege weiter vermittelt (Salomon). 

Springfeld schildert eingehend die Seuchen der Jahre 1897 bis 1902 
in dem durch Epidemieen aller Art und mangelhafte Sanierung sich aus¬ 
zeichnenden westfälischen Industriegebiet Fast alle haben sich als Trink- 
wasserepidemieen entpuppt Bei ihnen spielt die Stromverseuchung die 
Hauptrolle. Vorzüglich bespricht er die Entstehungsgeschichte der Epidemie 
in Gelsenkirchen 1901. Damals erkrankten in einem vorher fast typhus- 

Nr. 4*. 


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80 


freien Bezirk innerhalb eines Monats 1—2 % der Bevölkerung ohne Unter¬ 
schied des Alters, Geschlechtes, Standes und der Wohnungsverhältnisse. 
Eine gemeinsame Ursache mußte zu gründe liegen, zumal Beginn, Verlauf, 
und Ende in allen Teilen des Bezirkes identisch war. Und diese Ursache 
lag in einer Infektion des Trinkwassers. Freilich konnte der Nachweis, wo 
die Typhusbazillen eingetreten waren, nicht geliefert werden. Auch die Ty¬ 
phusepidemie in Lüdenscheid im Jahre 1902 bestätigte die Anschauung, daß 
die Ausbreitung des Typhus im großen auf dem Wasserwege erfolgt Der 
Typhus im Siegener- und Sauerlande ist dem Laufe verseuchter Ströme, 
im Industriegebiete dem unterirdischen Laufe verseuchter Leitungen gefolgt 
Daher rührt der pandemische Charakter des Typhus. Und wer den Typhus 
ausrotten will, hat in erster Linie für Reinhaltung der Ströme und Keim¬ 
dichtigkeit der Wasserwerke zu sorgen. 

Von der Milch als Typhusflbe rträ ge r in ist früher nicht viel die Rede 
gewesen. Neuerdings sind indes zweifellose Milchtyphusepidemieen wieder¬ 
holt beobachtet Die Infektion der Milch geschieht entweder direkt dadurch, 
daß die die Kühe melkenden Personen auch zugleich mit der Pflege von Ty¬ 
phuskranken beschäftigt sind, oder daß aus verseuchten Brunnen Wasser zum 
Waschen der Gefäße, dem Spülen der Kannen u. s. w. entnommen wird. 
Auf diese Weise kann die Milch die Ursache ganzer Typhusepidemieen wer¬ 
den. Hünermann beschreibt eine Typhusepidemie auf dem Truppen¬ 
übungsplatz Eisenborn im Herbst 1900, bei welcher 182 Mann erkrankten. 
Das Barackenlager wird durch eine Molkerei mit pasteurisierter Milch ver¬ 
sorgt Der Zusammenhang zwischen den Abnehmern dieser Milch und den 
Auftreten der Typhusfille unter den verschiedenen Truppenteilen konnte 
zahlenmäßig nachgewiesen werden. Die Milch war tatsächlich der Träger 
der Typhuskeime. Es stellte sich heraus, daß die Tochter eines Bauern, 
welcher seine Milch in die Molkerei lieferte, unmittelbar vorher an Typhus 
erkrankt damiederlag. Der neben dem Hause befindliche Ziehbrunnen war 
von außen im höchsten Grade verunreinigt Und mit dem Wasser aus ihm 
wurden die Milchgefäße gespült Das von der Molkerei geübte Verfahren 
der Pasteurisierung der Milch (Erwärmung auf 85—90° während 1—3 Mi¬ 
nuten) genügte nicht die in der Milch enthaltenen Typhusbazillen abzutöten, 
die gesamte Milch der Molkerei vor Infektion zu schützen. Dagegen konnte 
Bassenge im Kochschen Institut feststellen, daß eine 5 Minuten lange 
Erwärmung der Milch auf 60° zur sicheren Abtötung der etwa in der Milch 
enthaltenen Typhusbazillen genügt Für diese Zwecke sind eiserne oder 
emaillierte Blechgefäße weniger geeignet als tönerne. Es kommt darin zu 
einer zwar langsameren, aber länger dauernden Erwärmung. Das Zugrunde¬ 
gehen der Typhusbazillen in Milch, Buttermilch, Molken, Butter, Rahm ist 
nicht durch Überwuchern seitens anderer Bakterien, sondern durch Säure¬ 
bildung bedingt und tritt ein, sobald die Säurebildung 0,3—0,4% über¬ 
schreitet und länger als 24 Stunden eingewirkt hat Beim Zentrifugieren 
zwecks Rahmgewinnung gehen die in der Milch enthaltenen Typhusbazillen 
größtenteils in die Milch über. 

In Hamar, wo früher wegen ungünstiger hygienischer Verhältnisse wie¬ 
derholt Typhus in mehr minder grosser Ausdehnung vorgekommen, aber 


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mit Anlegung einer Wasserleitung und Besserung der Abfuhreinrichtungen 
geschwunden war, hatten von 53 ziemlich gleichzeitig erkrankten Personen 
42 Milch aus einem bestimmten Geschäfte getrunken. Die Frau des Milch¬ 
händlers war zuerst erkrankt Das Gehöft war von altersher als Typhushaus 
bekannt Vor dem Ausbruch der Epidemie hatte man eine Pfütze auf dem 
Hofe, welche jahrelang unbeanstandet liegen geblieben war, gereinigt und 
den Inhalt in dem Kehrichtkasten belassen, welcher den Hausbewohnern 
zum Gebrauch diente. 

Behla schildert eine Epidemie im Gebiete der Dobrilugker Sammel¬ 
molkerei mit 47 Erkrankungen in 32 Haushaltungen. 

Eine durch die Milchversorgung veranlaßte Typhusepidemie beschreibt 
Williams. Sie ist insofern von Interesse als auf die ersten Anzeichen des 
Auftretens von Typhus auf einem Gute, welches das Industriestädtchen Gy- 
bach mit Milch versorgte, der Sanitätsinspektor genaue Anweisungen in Be¬ 
zug auf die Desinfektion der Abgänge, das Kochen der Milch und des 
Wassers u. s. w. gab. Die Kühe wurden auf die Weide geschickt Die 
Melker und die Milchverkäufer durften das infizierte Out nicht betreten. So 
gelang es schnell der Epidemie Herr zu werden. 

Jamieson berichtet über 9 Typhusfelle aus einer bestimmten Farm in 
Australien und aus 16 Häusern, welche die Milch in frischem Zustande aus 
dieser Farm erhalten hatte. Schlegtendal konnte in 5 Fällen die Milch als 
infiziert bezeichnen. 

Außer den größeren Milchwirtschaften und Sammelmolkereien, welche 
zu Typhusepidemieen Anlaß geben können, kommen nach Rembold auch 
die Käsereien in Betracht ln der Gemeinde Amach erkrankten von 112 Ein¬ 
wohnern 43 Personen und starben 8. Erst als die dort befindliche Käserei 
geschlossen worden war, hörten die weiteren Erkrankungen auf. Diesen 
Käsereien wird die Milch aus der Gemeinde geliefert In ihnen wird Butter 
und Backsteinkäse bereitet Die Magermilch und das Käsewasser werden 
von den Lieferanten wieder abgeholt und in den Wirtschaften verbraucht In 
Käsereien findet sich also in hohem Grade dieselbe Möglichkeit wie bei 
Molkereien, daß von einem ersten Hause aus die gesamte Milch in der Zen¬ 
trale mit Typhuskeimen durchsetzt wird, so in die Häuser der Gesunden 
zurückgelangt und die Gefahr neuer Typhuserkrankungen bietet, sobald sie 
ungekocht von Menschen genossen wird. Dazu kommt, daß die Käsereien 
äußerst primitiv angelegt sind und durch Unappetitlichkeit, Unreinlichkeit 
und üble Düfte, durch die Nachbarschaft von Düngergruben sich auszeichnen 
und räumlich identisch mit Schlafstuben und Viehställen sind. 

Auch durch andereNahrungsmittel kann der Typhus übertragen werden. 
Levy und Jacobsthal fanden in einem Milzabsceß bei einer Kuh echte 
Typhusbazillen. Die Vermutung ist demnach vollauf berechtigt, daß Er¬ 
krankungen von Menschen an Fleischvergiftung unter dem Bilde von Typhus 
abdominalis in Wahrheit echte Typhen sind. De Poul de Lacoste hat 
Typhuserkrankungen außer auf den Genuß von Wasser auf den von grünem 
Feldgemüse und Muscheln zurückgeführt. Namentlich Austern sind schon 
früher wiederholt mit größter Wahrscheinlichkeit in kausalen Zusammenhang 
mit Typhuserkrankungen gebracht, wenn es auch bisher nicht gelungen ist, 


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82 


Typhusbazillen in den Austern nachzuweisen. Hier hatten Gendarmen die 
wegen Verunreinigung konfiszierten Austern genossen und waren an Tuphus 
erkrankt Newsholme, Nash u. a. führen namentlich sporadische Erkran¬ 
kungen an Typhus auf den Oenuß von Schaltieren zurück, welche von mH 
Abwässern in Berührung gekommenen Beeten stammen. Ja Nash betont, 
daß selbst gereinigte Abwässer fast ebenso gefährlich seien wie die unbe¬ 
handelten Fäkalien. Es genügt nicht, verdächtige Austern 3 Tage lang in 
reinem Seewasser zu halten, um sie unschädlich zu machen. In Frankfurt a.O. 
lag der Verdacht vor, daß eine Typhusepidemie auf den Genuß von Braun¬ 
bier zurückzuführen sei, welches mH Typhusbazillen verunreinigt war. Betz 
fand, daß Typhusbazillen in zu gleichen Teilen mit Wasser verdünntem Bier 
sich bis 2mal 24 Stunden lebensfähig erhalten, länger hinaus nicht mehr 
wegen der unterbrochenen Gärung. Froschs Versuche ergaben, daß Ty¬ 
phusbazillen in Bier sich längere Zeit lebensfähig erhalten, so die Krankheit 
übertragen werden kann. Außerdem kommen, wie auch Schlegtendal her¬ 
vorhebt, Gemüse und Obst in Frage als Typhusüberträger. Nach Vedder 
hat gelegentlich eine primäre Infektion des Bodens durch verscharrte Typhus¬ 
exkremente stattgefunden, die Erkrankung selbst wird ohne Vermittelung des 
Wassers durch genossene Vegetabilien, Staub, Winde, Insekten vermittelt 

Quill schildert eine Epidemie in dem Lager der das Gefangenenlager 
der Buren auf Ceylon bewachenden Engländer. Im Burenlager kamen 600 
Typhusfälle vor. Beide Lager waren räumlich getrennt, jeder Verkehr zwi¬ 
schen ihnen aufgehoben. Trinkwasser und NahrungsmiHel waren als Infek¬ 
tionsträger ausgeschlossen. Dagegen war zur Zerstäubung der Burenexkre¬ 
mente reichlich Gelegenheit und der Transport des Staubes von einem Lager 
in das andere durchaus möglich. Außerdem war während der ganzen Dauer 
des Fiebers die Fliegenplage eine besonders starke Vielleicht trugen also 
mit Infektionskeimen beladene Fliegen nicht unwesentlich zur Verbreitung 
des Typhus bei. 

Sabatier beschreibt eine kleine Hausepidemie in China, welche erlosch, 
nachdem das Zimmer und besonders die Betten vom massenhaft abgelagerten 
Staub und Schmutz gesäubert waren. Ewald berichtet 5 Typhusfälle, welche 
in 2 Zimmern einer Wohnung zur Beobachtung kamen, und der erste 1898, 
je 2 fast gleichzeitig 1899 und 1901, trotz inzwischen stattgehabter Desinfek¬ 
tion, eine Beobachtung, welche die experimentell von Gaffky, Schiller 
und Uffelmann erwiesene Persistenz der Ty|>husbazillen bestätigt 

Canneigh weist den Fliegen bei der Übertragung des Typhus eine 
untergeordnete Rolle zu. In der Hauptsache ist der Typhus eine Wasser¬ 
krankheit, besonders hinsichtlich der Ausbreitung von Typhusepidemieen 
im Felde. Turner hält nach seinen Erfahrungen in Südafrika die Theorie 
von der Typhusübertragung durch die Fliegen nicht allein nicht für zutref¬ 
fend sondern sogar für gefährlich, weil sie nur die Lässigkeit in der Inne¬ 
haltung sanitärer Maßnahmen herauszufordern vermag. Nach seinen Beob¬ 
achtungen fallen auch die Typhusepidemieen nicht mit den Fliegen- und 
Staubperioden zusammen. Dagegen hat Ficker Typhusbazillen sowohl im 
Kopf, an den Beinen und Flügeln als auch im Darm von Fliegen nachge- 
gewiesen. Er glaubt daher, daß die Fliegen bei der Übertragung des Typhus 


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eine nicht außer Acht zu lassende Rolle spielen können. Die Möglichkeit 
dieser Übertragung läßt sich nach der Natur der Sache jedenfalls nicht 
leugnen, wie auch Salomon betont Es kann nicht zweifelhaft sein, daß 
die Luft gelegentlich, wenn auch wohl nur in äußerst seltenen Fällen zum 
Überträger des Typhus werden kann. 

Endlich darf nicht vergessen werden, daß der Typhus kontagiös sein 
kann. Bornträger, Koch u. a. haben hierauf wieder von neuem aufmerk¬ 
sam gemacht Namentlich auf dem Lande hat die Untersuchung bet Epi- 
demieen für jeden Fall eine Kontaktübertragung feststellen lassen. Oft breitet 
sich der Typhus abdominalis mit einer ganz erheblichen Ansteckungskraft 
völlig nach Art von rein kontagiösen Krankheiten aus. Es bietet sich fast immer 
dasselbe Bild. Irgendwo erkrankt jemand aus unaufgeklärten oder geklärten 
Gründen an Typhus oder kehrt mit dieser Krankheit behaftet ein. Im Laufe 
der üblichen Inkubationszeit von 2—4 Wochen erkranken diejenigen, welche 
mit diesem in nächster Berührung standen, die Pflegerinnen, die Mütter, die 
Geschwister, die Stubengenossen u. s. w. Dann folgen manchmal die Be¬ 
wohner von anderen Stuben desselben Hauses, von Nachbarhäusern, Be¬ 
kannten u. s. w., bis die Spur verloren geht In erster Linie sind es die 
Hände, durch welche Fäcespartikelchen verschleppt werden. Wer einem 
Typhuskranken die Hand gibt, sein Bett, sein Haar berührt, kann seine Hände 
mit minimalen infektiösen Fäcesmengen besudeln und sich und andere an¬ 
stecken. So können auch gesunde oder nur äußerlich infizierte zu Vermitt¬ 
lern der Infektion werden. In gleicher Weise ist natürlich die direkte Infek¬ 
tion durch Urin von Typhuskranken, durch das Roseolaexanthem und die fol¬ 
gende Abschuppung, durch Eiter, Auswurf u. s. w. möglich. Überwunden 
muß jedenfalls der Standpunkt gelten, daß nur Fäces und Harn 
die alleinigen Träger der Typhusbazillen sind. Vielmehr ist der 
ganze Körper des Kranken infektiös. Der Typhus steckt eben gerade 
wie eine direkt kontagiöse Krankheit an, wenn auch die Wege noch nicht 
immer genau erforscht sind. Daß auch andere Sekrete und Exkrete des Men¬ 
schen Typhusbazillen enthalten können, haben Levy und Glaser bestimmt 
nachgewiesen. Ersterer demonstrierte Typhusbazillen in den zähen Sputum bei 
Typhusbronchitis. Das Maximum der Ausscheidung der Bazillen fand gerade 
während der fieberfreien Zeit statt. Im weiteren Verlaufe verschwanden sie all¬ 
mählich aus dem Auswurfe. Olaser kultivierte in Reinkultur die Bakterien in 
einem Falle aus dem Sputum. In 2 anderen aus postpneumonischem Exsudat 
bezw. aus aspiriertem Lungensaft bei Kranken, welche an einer fibrinösen lo¬ 
bären Pneumonie im Verlaufe des Ileotyphus litten. Auch Jehle konnte in den 
mit Pneumonieen komplizierten Typhusfällen sowohl im Sputum als im Lun¬ 
gensafte Typhusbazillen nachweisen. Das Sputum hatte stets entsprechend dem 
hämorrhagischen Charakter der pneumonischen Infiltration eine deutlich hä¬ 
morrhagische Beschaffenheit Die Typhusbazillen fanden sich sowohl in 
Reinkultur als auch vermengt mit anderen [Mikroorganismen, insbesondere 
mit Influenzabazillen. Wiederholt auch gelang es in klinisch und anatomisch 
unkomplizierten Bronchitiden Typhusbazillen im Sputum nachzuweisen. 
Die Ansteckung von Person zu Person durch zerstäubtes Sputum mag nur 
in geringem Grade möglich erscheinen, ausgeschlossen ist diese Art der In- 


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fektion nicht Die Beobachtung jedoch, daß Typhusbazillen im Sputum sich 
längere Zeit nach Ablauf der Typhuserkrankung nachweisen lassen, machen 
eine Desinfektion des Sputum in gründlicher Weise noch in der Rekonva¬ 
leszenz notwendig, ähnlich wie man es bei dem Urin von Typhuskranken 
verlangt 

Springfeld anerkennt die Bedeutung derKontagion für die Verbreitung 
des Typhus, wenn auch der erste explosionsartige Ausbruch einer Epidemie 
auf die Verseuchung von Wasser zu beziehen ist 

Schlegtendal fand Typhuserkrankungen bei Pflegerinnen, Wäscherinnen, 
welche die Wäsche von Typhuskranken besorgten, Übertragung durch Bett¬ 
wäsche und Betten, Ansteckung bei Entleerung von Abortgruben u. s. w. 
Die meisten Ansteckungen entfallen auf das Krankenhauspersonal. Nach 
Gebauer beruhen durchschnittlich 2—3% aller in Krankenanstalten behan¬ 
delten Typhusfalle auf Nosokomialinfektion. Sievers hat in den letzten 
7 Jahren im Krankenhaus zu Helsingfors, wo die Typhuskranken nicht iso¬ 
liert gehalten werden, nicht weniger als 16 Typhusfälle beobachtet, weiche 
durch Ansteckung von Typhuspatienten auf Krankenpflegerinnen, Wärterinnen, 
Stubenmädchen, Arzte und andere Patienten übe r tragen wurden. So beachtens¬ 
wert der Hinweis auf die Kontagiosität des Typhus ist, so scheint immerhin 
die Kontaktinfektion beim Typhus abdominalis eine seltene zu sein. In der 
Regel wird der Kranke ohne Gefahr für den Pfleger gepflegt und behandelt 
werden können (Cherry), vorausgesetzt natürlich, dafi die erforderlichen Vor¬ 
sichtsmaßregeln insbesondere in bezug auf die Beseitigung der Ausscheidun¬ 
gen u. & w. und auf die persönliche Reinlichkeit nicht außer Acht gelassen 
werden. 

Alle diese verschiedenen Beobachtungen und Berichte ergeben, daß der 
Infektionsweg im einzelnen oft genug nur der Vermutung unterliegt Manche 
Aufklärungen über die Verbreitungswege liefern die experimentdien Unter¬ 
suchungen von Firch und Horrocks. Sie stdlten fest, daß Typhusbazillen 
in dem Erdboden plaziert, weder sich vermehren noch seitlich oder nach 
unten sich ausbreiten. Sie können mit Hülfe von Wasser durch über 40 cm 
festgestampften Boden gewaschen werden. Sie vegetieren in gewöhnlichem 
und verunreinigtem Boden bis zu 74 Tagen. Die Beschaffenheit des Bodens 
ist ohne Bedeutung, dagegen aber wichtig der Feuchtigkeitsgrad. Aus 
trockenem, fdnen Sand können am 25. Tage nach der Inokulation Typhus- 
bazillen wiedeigewonnen werden. Nur bis zum 12. gelang es, wenn der 
Sand durch Regen- oder Sielwasser feucht erhalten wurde. Durch die Flüs¬ 
sigkeit werden die Bazillen in tiefere Sandschichten gespült Dies hat auch 
bei Braunkohle statt Nach dem 13. Tage ließen sie sich nicht wiedeige- 
winnen. In feucht gehaltener, gewöhnlicher Erde halten sich die Bazillen 67, 
nach Zusatz von Sielwasser 53, nach voraufgegangener Sterilisierung 74 Tage. 
Heftiger Regen läßt sie aus den oberen Erdschichten verschwinden. In ge¬ 
wöhnlicher zur leichten Verstaubung getrockneten Erde besitzen die Bazillen 
noch am 25. Tage ihrer Vitalität Khakizeug wurde mit einer Emulsion von 
Bazillen durchtränkt und getrocknet Aus ihm konnten nach 74 und 87 Tagen 
Bazillen kultiviert weiden. Nach Berührung mit flüssigen Typhusentleerungen 
gelang es nach 17, nach der mit festen nach 9 Tagen. Die Bazillen behielten 


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ihre Lebensfähigkeit, wenn sie innerhalb 21 Tage 122 Stunden im oberflfich- 
lichen Boden, oder in infiltriertem Zeuge innerhalb 10 Tage 50 Stunden der 
Sonnenbestrahlung ausgesetzt wurden. Die gewöhnlichen Hausfliegen können 
sie in ihrem Kopf, durch Beine, Flügel und andere Körperteile von Platz zu 
Platz übermitteln. Ob sie den Darm passieren, halten Firch und Horrocks 
noch nicht für erwiesen (s. oben Ficker). Im Gegensatz hierzu stellten 
Levy und Kayser eine beträchtliche Lebensdauer der Typhusbazillen im 
Boden fest, ohne freilich die besonderen Bedingungen hierfür zu untersuchen. 
Dejektionen eines Typhuskranken wurden undesinfiziert in die Abortgrube 
gebracht, verblieben dort 5 Wintermonate und gelangten dann auf einen 
Lehmboden als Dünger. Aus der gedüngten Gartenerde vermochten Levy 
und Kayser die Typhusbazillen zu züchten. 

Allgemein wird angenommen, daß Bacterium coli bezw. seine wasserlös¬ 
lichen Toxine einen deletären Einfluß auf den Eberth-Gaffkyschen Bazillus 
ausüben, sodaß dieser nach kurzer Zeit aus dem betreffenden Wasser ver¬ 
schwindet Dies ist nach Procas Untersuchungen über die Vitalität der 
Typhusbazillen nicht richtig. Typhusbazillen leben in einer durch Erwärmung 
auf 60° sterilisierten Kolikultur noch nach 50 Tagen. Auch durch Porzellan 
filtrierte Kolikulturen hindern den Typhusbazillus nicht in seiner Entwicke¬ 
lung. Ja die Vitalität des mit Kolibazillen assoziierten Typhusbazillus ist im 
Wasser eine viel größere als die des reinen Typhusbazillus. Um diese aus 
dem Wasser kultivieren zu können, ist für die geimpfte Bouillon eine Vor¬ 
kultur in Anaerobiose bei 37—38° während 24—96 Stunden erforderlich. 

Behufs des bakteriologischen Nachweises der Typhusbazillen ver¬ 
wandte Higley bei der Stuhluntersuchung den von Hiss angegebenen Nähr¬ 
boden. Dieser hat einen festen Agar Gelatine und Glukose enthaltenden und 
einen zweiten empfohlen, welcher sich durch Verminderung des Agar, dagegen 
durch Vermehrung der Gelatine auszeichnet Typhusbazillen lassen sich be¬ 
reits in dm ersten vorzüglich gegenüber Kolibazillen erkennen. Sie werden mit 
Sicherheit in Reinkultur im zweiten erhalten. Hiss will die Frühdiagnose 
aus Stuhl in 36—48 Stunden feststellen können. Im Blut, in der Milz, in den 
Roseolen, im Urin und in den Fäces erschienen die Typhusbazillen gewöhn¬ 
lich erst nach der ersten Woche in größerer Menge, in seltneren Fällen auch 
in Sekreten und Exsudaten von Mund, Kehlkopf und Lunge. Im zirkulie¬ 
renden Blut gedeihen die Bazillen nur schlecht, haben sie keine lange Lebens¬ 
dauer. Sie vermehren sich aber an gewissen Punkten der Gewebe, wohin 
sie durch das Blut und die Lymphe geschafft werden. Im Stuhl treten Ba¬ 
zillen zumeist erst im Beginn der 2. Woche auf und verschwinden mit dm 
Abfall des Fiebers. Regelmäßig können sie in der Periode der schwersten 
Darmveränderungen isoliert werden. Andauerndes Fehlen der Bazillen 
im Stuhl von typischen Fällen spricht für gar keine oder nur sehr 
unbedeutende Veränderungen im Darm. Im Urin zeigen sie sich erst 
gegen Ende der 2. Woche oder gar erst in der Rekonvaleszenz und werden 
dann Wochen und Monate lang ausgeschieden. Durch Isolierung nach dieser 
Methode gelangte Higley, obwohl er zugibt, daß sie zu Fehlerquellen Anlaß 
geben kann, schon in der 2. Woche zu besseren Resultaten als mit der 
Wi dal sehen Reaktion. 

Nr. 4. 


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Die Trennung von Kolibazillen und Typhusbazillen und damit die bak¬ 
teriologische Sicherstellung der Diagnose versuchten v. Drigalski und Con¬ 
rad i auf Grund des verschiedenen Gärungsvermögens durchzuführen. Ihr 
Verfahren beruht darauf, daß in einer mit Kohlenhydraten versetzten Nähr¬ 
lösung die Typhusbazillen sogleich die Eiweißstoffe in elektiver Weise in 
Anspruch nehmen. Das Baderium coli dagegen zersetzt erst die Kohlen¬ 
hydrate und scheidet aus ihnen Säuren aus. Fügt man der Lösung etwas 
Lakmusfarbstoff bei, so werden die letzten sich in ihrer Umgebung rot fär¬ 
ben, die Typhuskolonieen die blaue Farbe beibehalten. Als Nährboden dient 
ein Fleischwasserpepton-Nutrose-Agar mit Zusatz von Natron, um den Typhus¬ 
bazillen möglichst günstige Wachstumsbedingungen zu schaffen, von Lak- 
mus-Milchzuckerlösung, in welcher die Kolikolonieen die charakteristische 
und konstante Rotfärbung erlangen, und endlich von Kristallviolett als Farb¬ 
stoffantiseptikum, um das Wachstum der Typhusbazillen zu hemmen und die 
Entwickelung anderer durch Säurebildung den Nährboden rotfärbender 
Kokkenarten zu hindern. Zur Herstellung der Plattenkulturen werden die 
festgeformten Stühle mit Kochsalzlösung gleichmäßig verrieben, Urin und 
Wasser werden vorher zentrifugiert und nur der Bodensatz ausgestrichen. 
Das geschieht nach Trocknung der Platten mittels eines Glasspatels auf der 
Oberfläche des Nährbodens. Nach 20—24ständigem Verweilen bei 37° im 
Brutschrank können die Typhuskulturen durch ihre blaue Farbe und glasige 
tautropfenähnliche, nicht doppelt konturierte Struktur von den leuchtend roten 
undurchsichtigen Kolikolonieen unterschieden werden. Andere Begleitbak¬ 
terien (Bad. subt, Proteusarten), lassen sich durch die Gestalt ihrer Kolonieen 
deutlich ausschalten. Zur Identifizierung der Typhuskolonieen empfehlen 
v.-Drigalski und Conradi die Agglutination im hängenden Tropfen, 
welche nur wenige Minuten in Anspruch nimmt Das Verfahren gestattet in 
18, höchstens 24 Stunden den sicheren Nachweis der Typhusbazillen. In 50 
Fällen in den verschiedensten Stadien der Erkrankung gelang der Nachweis 
jedesmal, bei mehr als der Hälfte zu einer Zeit, als die Widalsche Reak¬ 
tion bei einer Verdünnung von 1 :10 negativ ausfiel. 

Mit Hilfe dieses Verfahrens haben v. Drigalski und Conradi die 
Beobachtung gemacht, daß Personen aus von Typhus durchseuchter Umge¬ 
bung Bazillen aufnehmen, mit sich herumtragen und trotzdem keinerlei 
Krankheitserscheinungen bieten können. Bei 4 Personen aus der unmittel¬ 
baren Umgebung von Typhuskranken glückte der Nachweis von vereinzelten 
Typhusbazillen in den zum Teil völlig normal aussehenden Darmentleerungen, 
ohne daß klinische Untersuchung auch nur den Verdacht einer bestehenden 
typhösen Infektion gerechtfertigt hätte. Diese Tatsache gewinnt für die Epi¬ 
demiologie erhöhte Bedeutung. 

Krause und Stertz haben durch ihre praktischen Erfahrungen und ihre 
Versuchsresultate das Urteil gewonnen, daß trotz der Seltenheit von Fehl¬ 
diagnosen bei diesem Verfahren die Identifizierung der Typhusbazillen für 
eine absolut einwandsfreie Diagnose die bisher üblichen biologischen Wachs¬ 
tumsmerkmale die Typhusbazillen nicht zu entbehren sind. Charakteristi¬ 
sches Wachstum auf Agar, lebhafte Eigenbewegung, positive Agglutinations¬ 
probe, fehlende Vergärung des Traubenzuckers, geringe Säurebildung in 


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Lakmusmolke, keine Veränderungen des Neutralrot-Agars sichern die Diagnose. 
Zwar wird dadurch die definitive Diagnose auf 20—24 Stunden verlängert 
Das v. Drigalski-Conradische Verfahren gewährt die Möglichkeit, mit 
Leichtigkeit und in kürzerer Zeit Typhysbazillen von dem besonders wichti¬ 
gen Nebenbuhler, dem Baderium coli, zu trennen. Der Vorzug des Ver¬ 
fahrens liegt weniger in der Beschleunigung der Diagnose als in der ver¬ 
hältnismäßig leichten Handhabung und der Deutlichkeit der Farbenreaktion, 
welche auf den richtigen und schnellen Weg zur endgültigen Diagnose leiten. 
Im Vergleich zum Bazillennachweis im Blute, der zur Zeit sichersten klinisch¬ 
bakteriologischen Methode der Typhusdiagnose, ist der Wert des Verfahrens 
dadurch beschränkt, daß nicht alle TyphusfUle Bazillen in den Fäces auf¬ 
weisen oder nur in so geringer Menge, daß der Nachweis nur ein Spiel des 
Zufalls ist Ein positives Resultat macht die Diagnose Ober allen Zweifel 
erhaben, wenn gleichzeitig Krankheitserscheinungen vorliegen. Doch darf 
man nicht auf Grund dieser einmaligen oder selbst bei wiederholten Unter¬ 
suchungen erzielten Resultaten die Diagnose Typhus ganz ausschließen. 
Zulässig ist nur der Schluß auf das Fehlen einer ausgebreiteten typhösen 
Dannveränderung. Krause konnte 58 Typhusstfihle in 8 verschiedenen 
Fällen nur 4 mal mit positivem Resultat untersuchen, eine Beobachtung, 
welche Engels im hygienischen Institut in Posen vollauf bestätigen 
konnte. 

Auch Klinger hat das v. Drigalski-Conradische Verfahren zur 
sicheren Diagnose des Typhus in einer Reihe von Fällen nicht genügt Man 
muß eben wie bei den früheren Nährboden auch die anderen Unterschei¬ 
dungsmerkmale heranziehen. Auch die Benutzung des Neutralrotagars, 
welcher sich nicht verändern darf, und die geringe Säurebildung in Lakmus¬ 
molke reicht nicht aus. Der Versuch, nach v. Drigalskis Vorschlag die 
Diagnose durch Verwendung stärkerer Verdünnungen hochwertiger Immun¬ 
sera sicher zu gestalten, führte ebenfalls nicht zum erwünschten Ziele. 
Kirsch dagegen hat sich für eine schnelle und sichere Diagnose aus Fäces 
und Wasser das v. Drigalski-Conradische Verfahren viel besser bewährt 
als das von Cambiers zur Isolierung der Typhusbazillen angegebene. Diese 
Methode wird in Paris zur Untersuchung des Trinkwassers benutzt und soll 
sich nach Bienstocks Mitteilungen genügend bewährt haben. Das zu prü¬ 
fende Wasser wird durch einen gewöhnlichen Porzellanfilter filtriert Der 
auf ihm verbleibende Rückstand wird zur Beschickung der Chamberland- 
schen Kerze verwendet Dadurch wird eine Verdünnung der Nährflüssigkeit 
der Kerze verhindert Kirsch u. a. erhielten bei der Nachprüfung dieses 
Verfahrens keine genügenden Resultate. 

Barsikow hat zwei Nährböden angegeben. Der eine ist aus Nutrose, 
Milchzucker, Kochsalz und Agar hergestellt Der andere enthält an Stelle 
des Milchzuckers Traubenzucker. Beide werden mit Lakmustinktur gefärbt 
In dem ersten bewirkt nach Klopstocks Untersuchung der Typhusbazillus 
weder Säurebildung noch Gerinnung. Kolibazillen dagegen bilden innerhalb 
24 Stunden Säure und fällen das Kasein völlig aus. Im zweiten bewirken 
beide Kulturen Säurebildung und Gerinnung. Wenft man den Nährboden 
gleichzeitig mH Trauben- und Milchzucker versetzt, so tritt im Typhusröhrchen 


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deutliche Säurebildung und Trübung der Flüssigkeit ohne Gerinnung auf, 
im Koliröhrchen Säuerung und völlige Ausfillung des Kaseins. 

Den Rothberger-Scheff(ersehen Neutralrot-Nährboden hat Oldekop 
modifiziert, weil er gefunden hat, daß die charakteristische Falbenveränderung 
am ehesten und am prägnantesten in einem Nährboden mit 0,3% Agar, 
0,15% Zucker und 2/ M Pepton hervortritt. Alle Kolistämme zeigen nach 
12 Stunden bei 37 ° Fluorescenz im Bereich des Impfstiches oder Entfärbung 
des ganzen Reagens. A. Wolff anerkennt diesem Verfahren unter den Säure¬ 
nährböden für die praktischen Verhältnisse noch die günstigste Leistung. 
Auch bei dieser Methode aber darf man auf dieses Merkmal allein sich nicht 
verlassen. 

Ende beschreibt einen Nährboden, welcher aus Neutralrotagar, Milch¬ 
zucker, alkalischer Fuchsinlösung, Natronsulfit- und Sodalösung besteht 
Die gegossenen Platten werden nach dem Erkalten ganz farblos und durch¬ 
sichtig. Kolikolonieen sehen auf diesem Nährboden rot aus. Typhus¬ 
bazillen lassen sich leicht unterscheiden, da sie runde farblose Koionieen 
bilden. 

Schüder und Hagemann haben das Valettesche Verfahren zur Auf¬ 
findung von Typhusbazillen in Wasser nachgeprüft und mit der Methode 
nach v. Drigalski-Conradi kombiniert Nach der Sedimentierung des 
Wassers nach Valette wird die erhaltene Lösung auf v. Drigalski-Con¬ 
radi sehe Platten ausgestrichen. Nach 20 Stunden kann die entstandene 
Kultur der Agglutinationsprüfung unterzogen werden. Dieses Verfahren 
eignet sich nicht für die Untersuchung von Kot, Ham, Milch. 

Schepilewski hat das Windelbandtsche Verfahren benutzt Es be¬ 
ruht auf der Eigenschaft des Typhusbazillus durch spezifisches Serum agglu- 
tiniert zu werden. 10—20 ccm Leitungswasserf, welches auf Typhusbazillen 
verdächtig ist, werden mit 50 ccm Bouillon gemischt und 24 Stunden in den 
Brutschrank gestellt Die Typhusbazillen werden durch das Serum aggluti- 
niert Der entstandene Niederschlag wird auf v. Drigalski-Conradische 
Agarplatten ausgesäet 

jochmann hat das Weylsche Verfahren zur Schnelldiagnose des Typhus 
nachgeprüft Er gibt diesem Nährboden vor den sonst üblichen Fleisch¬ 
wasseragar den Vorzug, weil er bei der Aussaat typhusverdächtiger Stühle 
bereits nach 12 Stunden ifiit einer gewissen Wahrsdieinlichkeit auf die Er¬ 
kennung etwa vorhandener Typhusbazillenkolonieen hinleitet Gewisse Koli¬ 
stämme aber bilden ähnlich geformte Koionieen, wie Typhusbazillen. Nach 
dem Aussehen allein also darf man nicht auf das Vorhandensein von Typhus¬ 
bazillen schließen. Man muß noch zur Differentialdiagnose andere Ver¬ 
fahren heranziehen. 

Gelegentlich der Nachprüfung des Weylschen und des Piorkowski- 
sehen Nährbodens und anderer daran sich schließender Untersuchungen hat 
Fr. Krause einen Nährboden konstruiert, auf welchem die Typhusbazillen in 
ganz charakteristischer Weise wachsen sollen. Das Prinzip beruht darauf, 
daß die Typhusbazillen auf geringfügige schädigende Momente hin zu In¬ 
volutionsformen und Ausläuferbildungen in den Koionieen in Gestalt dicker 
langer Faserbildung angeregt werden. Der Nährboden besteht aus einem Agar- 


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Gelatine-Gemisch von 1 % Agar und 13% Gelatine, welches bei 37° gerade 
so weich ist, daß die Ausläufer der Typhuskolonieen unbehindert sich aus¬ 
breiten können. Der Nährboden enthält außerdem 0,3% Milchsäure und 
2£% Harnstoff. Dieses Gemisch zeichnet sich durch eine relativ konstant 
gleichmäßige Zusammensetzung und leichte Handhabung aus. Typhus¬ 
kulturen weisen sowohl in Platten wie in Stichkulturen nach 24—28 Stunden 
die charakteristischen mit bloßem Auge schon sichtbaren Ausläufer auf, 
welche bei lOOfacher Vergrößerung das von Piorkowski beschriebene Aus¬ 
sehen haben. Ihnen gegenüber sind die tiefliegenden Kolikolonieen größer, 
dunkelbraun und von einem glassplitterähnlichen Hof umgeben. Ein gleiches 
Verhalten wie die Typhusbazillen zeigen indes die Ruhrbazillen und manche 
andere. Daher ist eine weitere Prüfung mittels Agglutination mit einem 
hochwertigen spezifischen Serum erforderlich. 

Über das Piorkowskische Verfahren konnte gleichwie frühere Autoren 
Oebauer folgendes Urteil abgeben. Die Hamgdatine verdient als Nähr¬ 
substanz für die Züchtung von Typhusbazillen und daher als Hilfsmittel zur 
Erkennung des Abdominaltyphus unzweifelhaft Beachtung. Sie liefert indes 
nur brauchbare Resultate bei exakter Durchführung der Methode. Außerdem 
ist die Beobachtung der Platten allein nicht ausschlaggebend, sondern muß 
durch die chemische uhd bakteriologische Differenzierung der gewachsenen 
Kolonieen ergänzt werden. Durch das frühzeitige Auftreten von Bakterien 
in den Fäces wird in manchen Fällen eine Frühdiagnose des Typhus ermög¬ 
licht, ehe die klinischen Erscheinungen dies zulassen, und ehe die Serum¬ 
reaktion auftritt 

A. Moore verfährt nach folgendem Prinzip. Er schuf in Kaninchen 
durch Injektion von immer wachsenden Dosen von Kolibakterien ein Serum 
von mächtiger Agglutinationskraft der Kolibakterien. Davon setzte er einige 
Tropfen einer Seite eines in einer U-Röhre sich befindlichen Oelatinenähr- 
bodens zu und brachte in denselben Arm ein Gemisch von lebhaften Typhus- 
und Kolibazillen. Letztere agglutinieren rasch und sinken zu Boden. Die 
beweglichen Typhusbazillen aber können nach 24 Stunden aus dem anderen 
Arm in Reinkultur entnommen werden. Für die praktischen Bedürfnisse ist 
indes dies Verfahren nicht besonders verwertbar. Denn das Serum aggluti- 
niert nur einen adäquaten Kolisiamm. Moore hat darum eine andere Me¬ 
thode ausgearbeitet, und durch Verwendung von Agar den Elsnerschen 
Nährboden modifiziert Dieser eignet sich bekanntlich vorzüglich zur Diffe¬ 
renzierung. Er findet indes keine allgemeine Verwendung zur frühen Diagnose, 
weil das Wachstum der Typhusbazillen ein langsames ist und weil während 
dieser Zeit die Gelatine bereits durch verflüssigende Organismen zerstört 
wird. Beide Bazillenarten haben nach 24 Stunden das Aussehen wie auf 
dem Elsnerschen Nährboden. Die leicht unterscheidbaren Typhusbazillen 
sind hell, transparent, kaum sichtbar bei scharfer Beleuchtung und unregel¬ 
mäßig begrenzt Die Kolibakterien sind größer und opak. 

(Fortsetzung folgt) 


Nr. 4. 


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Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

Macaggi, L: Gastro-entero-anastomosi da sfaeelo (morse metaßkhe, nodi aerid). 
(Qastro-entero-aoastomose durch Dreck.) (11 Morgagni, Parte 1, Nr. 11, November.) 

ln der Technik der Gastroenterostomie besteht eines der Ideale, wohin die 
moderne Chirurgie zielt, in der Möglichkeit eine Anastomose zwischen Magen 
und Darm durch einen operativen Eingriff zu erreichen, der uns von dem Er¬ 
öffnen des Magen-Darmrohres dispensiert, mit anderen Worten die Dauer der 
Operation auf sehr kurze Zeit zu beschranken und so der Gefahr einer Infektion 
des Peritoneums durch Erguß des Inhaltes besagter Hohlorgane auszuweichen. 

Zur Erreichung dieses Endzweckes dachte M. die Anwendung von Metall¬ 
klammern und jene von Seidenknoten aus: die mit Versuchstieren damit erzielten 
Resultate waren in jeder Hinsicht zufriedenstellend und behalt sich M. vor darüber 
in einer späteren Arbeit in ex tenso zu referieren. 

Die Metallklammern sind ähnlich den Klemmpinzetten: im geschlossenen 
Zustande wird die Magen- resp. Darm wand in 3-4 Tagen nekrotisch. 

Die Seidenknoten haben die gleichen Vorteile wie ehe Klammern, nur werden 
sie leichter eliminiert — Sie werden am Magen und Darm angelegt, nachdem 
man den visceralen Teil durch eine Klammer gezwickt hat Die operative Tech- 
nick ist einfach und dauert höchstens 30 Minuten: 

1. Schnitt in der Bauch wand, Aufsuchen der Eingeweide und Eventration. 

2. Anwendung der Klammer oder Knoten auf den Magen und den Darm. 

3. Eine einzige dieser muskuläre zirkuläre Naht zum Vereinigen der Klammern 
mit Catgut und zum Versenken, oder um die Seidennähte des Magen mit 
jenen des Darmes zu knüpfen. 

4. Reduktion der Eingeweide. 

5. Bauchnaht 

Bei den so behandelten Tieren wurden keine schwere Störungen wahrge¬ 
nommen. Plitek (Triest). 

Nammack (New-York): Typbnsgaagrän. (Medizin. Blätter, Nr. 7.) 

Nach einer kurzen Literaturübersicht dieser unangenehmen und gefährlichen 
Komplikation teilt Verf. einen von ihm selbst beobachteten Fall mit, der einen 
29jährigen Manne betraf und in 14 Tagen letal endigte. 

Wendenburg (Oöttingen). 

Tsuzuki u. Miyasaki (Tokio): Ober einen zur Anreicherung der Chderavibrionea 
passendenden Nährboden (Tsuzulds R-Peptonwasser) und seine Bedeutung bei der 
bakteriologischen Choleradiagnose. (Archiv für Schiffs- u. Tropenhygiene, Nr. 7.) 

Zufällig bemerkte Ts., daß die Häutchenbildung auf R-Peptonwasser früher 
stattfand als bei O- und W-Peptonwasser. Dies liegt vor allem daran, daß die 
Vibrionen in R-Peptonwasser ausschließlich an der Oberfläche wachsen. Beson¬ 
ders der Umstand, daß regelmäßig eine deutliche Häutchenbildung stattfindet, 
macht das R-Pepton zur Choleradiagnose wichtig. Da in ihm die Vibrionen noch 
in 2—4 Tagen nicht von anderen Bakterienarten überwuchert werden und außer¬ 
dem die Häutchenbildung schon nach 6 Stunden stattfindet, so ist es für eine 
schnelle Diagnose das beste Hilfsmittel. Wendenburg (Göttingen). 

fletsch (Berlin): Ober die Leistung von Tsnzukis R-Peptonwasser in der Cholera¬ 
diagnostik. (Archiv für Schiffs- u. Tropenhygiene, Nr. 12.) 

Nach H. findet die Häutchenbildung nicht ausschließlich bei Choleravibrionen 
und auch nicht bei allen Cholerastämmen statt Nach seinen Untersuchungen 


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kommt er zu dem Resultat, daß das R-Pepton von Tsuzucki keinesfalls mehr 
leistet als das mit Peptonum siccum Witte hergestellte Peptonwasser. Nur bei 
Stuhlversuchen war der Ausfall günstiger, eine Tatsache die er aber darauf zurück¬ 
führt, daß hier nicht allein R-Pepton, sondern auch die Peptone der Fäces in 
Frage kommen. Wendenburg (Göttingen). 

Nesninger, D. (Kiel): Herzerkrankungen bei Rohr. (Archiv für Schiffs- u. Tropen¬ 
hygiene, Nr. 11.) 

Autor berichtet über eine Ruhrepidemie an Bord der »Gera«, bei der von 
47 Fallen 30 7o mit dem Auftreten von Herzkrankheiten kompliziert waren. Nicht 
nur, daß die Ruhr den Herzmuskel schädigte und dadurch bedrohliche Erschei¬ 
nungen hervorrief, in einer ganzen Anzahl der Fälle, fast 43% der Herzkranken, 
führte sie zu dauernder Invalidität, die teilweise durch rein nervöse Schädigung 
des Herzens herbeigeführt wurde. Wendenburg (Oöttingen). 

NftoQriri, A. W.: Ober tuberkulöse Darmstenose. (v. Volkmanns Sammlung klini¬ 
scher Vorträge, Nr. 362.) 

Gestützt auf literarische Angaben (es werden 30 nicht operierte, letal endi¬ 
gende und 120 operierte Fälle zusammengestellt) und einen selbst beobachteten 
Fall sucht Verf. eine Schilderung der tuberkulösen Darmstenose, besonders ihrer 
Symtomatologie und Diagnostik, zu geben und kommt zu folgenden Schlußsätzen: 
die tuberkulöse Darmstenose ist zum mindesten in der Hälfte der Fälle eine 
sekundäre Erkrankung, die am häufigsten im Alter von 20—40 Jahren auftritt, 
vor dem 10. und nach dem 60. äußerst selten ist. Die Striktur befindet sich 
zumeist im unteren Teüe des Ueums. Multiple Stenosen trifft man fast ebenso 
häufig als in der Einzahl vorhandene, und ist daher bei der Operation der ganze 
Darm genau zu untersuchen. Jahrelang bestehende Darmstenosen, ebenso solche 
von unklarer Ätiologie sind in den meisten Fällen tuberkulöser Natur. Die Be¬ 
handlung muß ausschließlich chirurgisch sein (Resektion), und ist der Efolg um 
so größer, je früher man zur Operation schreitet. Keller (Bonn). 

Bayer, C.: Ober lokalen Blinddarmmeteorismtss bei Dickdarmverschlnß. Verein deut¬ 
scher Ärzte in Prag. (Prager med. Wochenschr., Nr. 52.) 

Es gibt einen lokalen Meteorismus des Coecums, welcher durch Anstauung 
des Inhalts bei Dickdarmverschluß bedingt wird. Der anatomische Grund für 
seine Entstehung ist vorwiegend in der Nachgiebigkeit der Wandung des Coecums, 
des schwächsten Teiles des Dickdarms, zu suchen. Durch die Arbeit des Darmes 
(Antiperistaltik und Peristaltik), welche das Hindernis zu überwinden sucht und 
die Anstauung schubweise und gewaltsam steigert, und durch den Druck der 
freien Gasansammlung wird das Coecum leicht überdehnt, erleidet die Serosa 
Einrisse und verfällt der Gangrän. Je näher dem Coecum sich der Verschluß 
findet, desto rascher tritt Gangrän ein. Dem lokalen Coecummeteorismus kommt 
insofern eine gewisse diagnostisch-praktische Bedeutung zu, als sein Nachweis 
in unklaren Fällen unter Berücksichtigung aller übrigen diagnostischen Momente 
auf die richtige Spur führt Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

CalaM u. Giardoni: Ein seltener Fall von Darmokklnsion durch Eindringen von Dann 
in die Blase. (Medizin. Blätter, Nr. 21.) 

Bei einem Manne hatte sich infolge eines Traumas ein nur aus Schleimhaut 
und Peritonealüberzug bestehendes Divertikel der Blase gebildet und in dieses hinein 
hatte sich Dünndarm (61 cm) eingeklemmt Der Patient ging unter den Erschei¬ 
nungen des Ileus zu gründe und die Sektion ergab das beschriebene Resultat 

Wendenburg (Oöttingen). 


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Braua: Ober P anrin v a glaatiofl. Versammlung deutscher Naturforscher und Ante 
in Kassel. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Von 15 Fällen hat B. 8 akute und 7 chronische aufzuweisen. Warum im 
Auslande, besonders in England, die akute Invagination so häufig ist, viel häu¬ 
figer als in Deutschland, dafür hat er keine Anhaltspunkte. Quoad Ursache der 
akuten Invagination steht er, wie heute wohl alle Kliniker, auf dem Standpunkte, 
daß ein Spasmus des Intussusceptum, nicht, wie man früher annahm, eine Läh¬ 
mung des Intussusdpiens vorliegt Er glaubt, daß mit besserer Diagnosestellung 
auch die akute Invagination in Deutschland häufiger werde. Die Diagnose sei 
leicht Bis dahin gesunde Kinder erkranken mit Tenesmus, Erbrechen, blutig¬ 
schleimigen Stühlen, verfallen schnell, und man fühlt deutlich einen Invaginations- 
tumor. Die chronische Invagination sei schwer zu diagnostizieren. Die Therapie 
kann natürlich nur eine Operation sein. Abstoßung kommt selten vor, doch 
sind solche Fälle beobachtet und als geheilt aus den Krankenhäusern entlassen 
worden. Partielle Abstoßungen kommen häufiger vor, die später doch noch zur 
Operation kommen. Im allgemeinen ist aber der Ausgang ohne Operation der 
letale. Zweifellos sind auch in einigen Fällen durch die Methoden der Luftein¬ 
blasung, Wassereingießung Heilungen erzielt worden, doch ist es ein schlimmes 
Unterfangen, diese Methoden länger als in den ersten beiden Tagen anzuwenden. 
Was nun die Art der Operation anbelangt, so kommen Anus praeternaturalis und 
Resektion in Frage. Die Anlegung des Afters ist nach der Meinung B.s gleichbedeu¬ 
tend mit dem Todesurteil, die mit Resektionen Behandelten sind meist auch gestor¬ 
ben und er steht daher iurch seinen Erfahrungen auf dem Standpunkt, daß man bei 
Kindern bei der akuten Invagination so früh operieren soll, daß noch eine Desinva- 
gination vorgenommen werden kann, bei chronischer Invagination dagegen will 
er eine Enteroanastomose der Resektion vorgezogen wissen. Die Resektion, mit 
der v. Eiseisberg so gute Erfolge erzielt hat, muß für die Erwachsenen auf¬ 
gehoben bleiben. Es kommt noch die Amputation bei den Fällen von Vorstülpung 
aus dem After in Frage, mit der er in einigen Fällen guten Erfolg und Heilung 
erzielt hat Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Ebstein, W. (Oöttingen): Exodin, ein neues Abführmittel. (Dtsch. med. Wochenschr., 

1904, Nr. 1.) 

Das dem Emodin und Purgatin chemisch nahe verwandte Exodin wurde von 
E. in Pulverform und in Tabletten, die erste Form in Wasser aufgeschwemmt 
zieht E. vor, und in Dosen von 0,5—1,0 g gegeben. Dabei machten sich niemals 
unangenehme Magenerscheinungen bemerkbar, der Appetit wurde in keiner Weise 
gestört und die Wirkung, die meist in 8—12 Stunden eintritt war angenehm mild. 
Koliken beobachtete er nur bei hartnäckigen Koprostasen, bei welchen Kot¬ 
tumoren in Strangform im Abdomen palpabel waren. Die Fäces, die nach 
einmaliger Gabe entleert wurden, waren meist von gut breiiger Form, wäs¬ 
serige Ausleerungen waren ganz selten. Die Anwendung ist fast bei allen 
Formen von Verstopfung möglich, leichte Obstipationen lassen sich ebenso 
wie hartnäckige Koprostasen mit demselben gut beseitigen, natürlich verlangt 
besonders die letzte genaue Berücksichtigung der Ursachen. Harte eingelagerte 
Scyballa und spastische Konstipation, bei der krampf- oder lähmungsartige Er¬ 
scheinungen eine regelmäßige Entleerung des Darmes verhindern, werden ohne 
weiteres nicht von dem Mittel beeinflußt werden. Hier kann es nur als Schiebe¬ 
mittel neben den altbewährten Öleingießungen angewandt werden, aber in dieser 
Kombination hat es sich vor allen anderen als ein zuverlässiges und angenehmes 
Abführmittel bewährt Auch bei den hartnäckigsten Verstopfungen der Schwan¬ 
geren hat es sich als wirksam und ungefährlich erwiesen. Außerdem hat es vor 
dem Purgatin z. B. den Vorzug keine Flecken in der Wäsche zu hinterlassen. 
Zugleich mit Ölklysmen per anum gegeben hat es keine besondere Wirkung 
gezeigt und deshalb ist diese Form der Anwendung nach E.s Erfahrungen ziem- 


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lieh zwecklos. Zum Schlüsse stellt der Verf. noch einige Parallelversuche mit 
Emodin, Rufigallussaure, Rufigallussäuretetramethyläther und Acetylrufigallussäure 
zusammen. Keine dieser Substanzen erreichte bei der gleichen Gabe (1 g) in der 
Exodin schon vortreffliche Dienste tat, auch nur annähernd dessen Wirkung. 
Das Exodin kommt in Tabletten von 0,5 in den Handel, 1—3 Tabletten, gewöhn¬ 
lich 2 davon genügen um bei den Erwachsenen reichliche Ausleerungen her- 
beizufuhren. Für Leute, die Tabletten nicht nehmen können, empfiehlt sich die 
Darreichung in etwas Wasser unter beständigem Umrühren. 

Wendenburg (Oöttingen). 

Siegel (Wien): Beitrag zur medikamentösen Kausalbehandlang dfaurrMsdtcr Zustände. 

(Medizin. Blätter, Nr. 29.) 

Zur Beseitigung primärer Dyspepsien, Enterokatarrhe und Enteritiden em¬ 
pfiehlt der Verf. die Abrotanolpastillen, die aus dem extractum abrotani angusti- 
foliae und Menthol bestehen. Ihre Darreichung zu 3—4 Stück täglich in Kakao¬ 
überzug ist bequem und besonders in der Kinderpraxis zu empfehlen. Zum 
Schlüsse 5 verschiedene Fälle, in denen mit Abrotanol gute Erfolge erzielt wurden. 

Wendenburg (Göttingen). 

Winterberg (Wien): Neuere ausgedehntere Untersuchungen über die desinfizierende 
Wirkung des Ichthoforms bei den Erkrankungen des Magendarmkanals. (Medizin. 

Blätter, Nr. 9.) 

In Dosen von 0,5—6,0 g pro die in Pulverform dargereicht, bewährte sich 
das Ichthoform als ein ausgezeichnetes Darmdesinfiziens bei akuten und chroni¬ 
schen Katarrhen und bei ulcerativen Prozessen im Magendarmkanal, sowie bei 
Atonie des Darmes. Orade bei der letzten Krankheitsform zeigte es, daß seine 
Wirkung nicht antidiarrhoisch, sondern als desinfizierend-fäulnishindernd anzu¬ 
sehen ist Wendenburg (Oöttingen). 

Winterberg (Wien): Biologische und therapeutische Untersuchungen Aber Magnesium¬ 
saperoxyd. (Medizin. Blätter, Nr. 43.) 

W. glaubt bewiesen zu haben, daß vom Magnesiumsuperoxyd freier Sauer¬ 
stoff ins Blut gelange, der im Darm abgespalten wurde, und rühmt dessen Ein¬ 
fluß auf die verschiedensten Krankheiten. Wendenburg (Oöttingen. 

Adamldewicz: Ober Cancroln-Erfolge bei fortgeschrittenem Krebs und das sog. »Aus- 
heilen« desselben. (Deutsche Ärztezeitung, S. 265.) 

Mitteilungen von verschiedenen Fallen von Krebserkrankung, in denen das 
CancroTn geholfen haben soll, ln Wirklichkeit ist aber in keinem Fall eine voll¬ 
kommene Heilung erzielt, die meisten Kranken sind mit Resten des Krebses ent¬ 
lassen. Schreiber (Oöttingen). 

Goldasann: 1. Die Ankylostomiasia. (Deutsche Ärztezeitung, S. 97.) 

II. Zur Therapie der Ankyloetomiasis-Anämie. (Ebenda S. 559.) 

O. gibt ein anschauliches Bild über die Verbreitung des Ankylostomum über 
seine Naturgeschichte sowie eine Darstellung des Krankheitsbüdes mit besonderer 
Berücksichtigung des Blutbefundes. Als Abtreibungsmittel verwendet er das 
Farrnkrautextrakt und in zweiter Linie das Thymol, resp. Menthol, ln seiner 
zweiten Arbeit empfiehlt O. zur Bekämpfung der Anämie das Levicowasser, mit 
dem er die günstigsten Erfolge erzielt haben will. Schreiber (Oöttingen). 

Rodriguez Abaytüa: Bedeutung, Pathogenese und Therapie der Leberkolik. (Revista 
de Med. y Cirurg. Präct., 7., 14., 21. Januar, 1904.) 

Die sehr ausführliche Arbeit des spanischen Autors unterzieht die typi¬ 
schen Symptome der Oallenateinkolik einer kritischen Würdigung und geht 


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dann auf die Pathogenese derselben über, wobei scharf betont wird, daß der 
Kolikschmerz zunächst nicht durch mechanisdie Ursachen ausgelöst wird, sondern 
durch eine infektiöse Entzündung, eine »aufsteigende Cholangitis intestinalen Ur¬ 
sprungs«, zu deren Zustandekommen allerdings eine Disposition nötig ist Die 
Leberkolik ist wohl meist eine Gallensteinkolik, sie ist aber durchaus nicht un¬ 
bedingt an die Anwesenheit von Steinen gebunden. 

Eine Therapie, die nicht nur symptomatisch den Anfall beseitigen, sondern 
auch dessen Wiederkehr möglichst Vorbeugen will, muß die Entwiddung der 
Cholecystitis und Cholangitis bekämpfen, d. h. vor allem das Eindringen von In¬ 
fektionserregern vom Darm aus nach Möglichkeit verhindern. Hierzu dient zu¬ 
nächst eine blande Kost (in den ersten 2—4 Wochen nur Milch, langsames Zu¬ 
legen anderer leichter Speisen nach dem Vorgang französischer Autoren), weiter 
leichte Abführmittel, am besten die pflanzlichen fräparate (Evonymin, Podophyllin, 
Cascara, Rheum). Von großer Wichtigkeit ist ferner die Anregung der Oallen- 
sekretion, und hier ist das souveräne Mittel das salicylsaure Natron (1—2 g pro 
die); seine gallentreibende Wirkung beginnt ca. I 1 /* St nach der Einnahme und 
dauert 5—8 St. Verf. kombiniert damit gern Natrium benzoicum (1—2 g). Karls¬ 
bader Salz (1—2 g), ev. auch Schwefelmilch. Diese Behandlungsweise ist Monate 
lang, ev. Jahre lang fortzusetzen, wobei stets nach 10—20 Tagen Kur 5—10 Tage 
Pause einzuschalten sind. Eine derartige konsequent durchgeführte Behandlung 
wird nach Ansicht des Verf. einen chirurgischen Eingriff in weitaus den meisten 
Fällen unnötig machen, ein Ziel, das um so mehr zu erstreben ist, als auch nach 
Gallensteinoperationen Rezidive nicht allzu selten sind. Ein Adjuvans bei der 
Behandlung sind die alkalischen und die salinischen Mineralwässer, von denen 
die letzteren besonders bei jüngeren, vollblütigen und fettleibigen Personen indi¬ 
ziert sind. Im Kolikanfall ist Morphium nicht zu entbehren. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Teschemacher: Die Neuenahrer Kur bei Qallensteiuleiden. (Deutsche Ärztezeitung, 

S. 25. 52 u. 80.) 

T. teilt hier seine aus mehr als 30jähriger Praxis gesammelten Erfahrungen 
mit, indem er gleichzeitig für die einzelnen ätiologischen Momente, die Wirkungs¬ 
weise des Neuenahrer Wassers, für die Komplikationen etc. charakteristische Bei¬ 
spiele anführt. Die Wirkungsweise des Neuenahrer Sprudels sucht er neben einer 
Cholagogen Eigenschaft in einer Anregung der Peristaltik und einer Beeinflussung 
des steinbildenden Katarrhes. Auf die Einzelheiten der Arbeit kann ich hier nicht 
eingehen. Vorzuziehen ist die Neuenahrer Kur vor der Karlsbader bei Personen, 
die durch Komplikationen oder andere Krankheiten geschwächt sind. 

Schreiber (Göttingen). 

Rirone, R.: Sulla funzione difensiva dd grande epiploon. (Ober die defensive Funk¬ 
tion des großen Epiploons.) (La Riforma Medica, Nr. 28.) 

P. beschäftigte sich mit der Beantwortung einer Frage, die im J. 1902 von 
de Renzi und Boevi auf dem italienischen Kongreß fü rinteme Medizin aufgerollt 
wurde: über die Beziehungen nämlich des großen Epiploons zur Milz. 

P. wandte sein Augenmerk auf folgende Punkte: er umhüllte die Milz, der 
am Hilus die Gefäße unterbunden wurden, mit dem Epiploon und studierte 

1) ob der sich darnach abspielende Vorgang einfach entzündlicher reaktiver 
Natur sei, oder ob er Sonderheiten aufweist bezüglich der Entstehungsursache. 

2) Treten nach der Milzexstirpation zufällige histologische Strukturverände¬ 
rungen im großen Epiploon auf? 

Als Schlußfolgerung seiner an Katzen und Kaninchen vorgenommenen Ver¬ 
suche führt Verf. folgendes an: Die durch Massenligatur ihrer Gefäße nekrotisch 
gewordene Milz wird vom großen Epiploon umgeben. Der sich nun abspielende 
entzündliche Vorgang führt zu einer rapiden Bindegewebsneubildung, die nicht 


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auf einfache Einlcapselung der Milz beschränkt bleibt, sondern sie ganz durchsetzt; 
die Endothelzellen der Serosa in Makrophage umwandelt, nehmen auf resp. fuhren 
ab den Detritus der sich auflösenden Milz. — Vermöge besagter doppelter (plasti¬ 
scher und phagocyterer) Tätigkeit zerstört das Epiploon die Milz, sich dabei 
genau so verhaltend, wie das Endothel eines Gefäßes bei der Organisation eines 
Thrombus. 

Nach der Milzextirpation geben sich keine bemerkenswerte histologische 
Veränderungen im Epiploon kund, die die Annahme einer vicarüerenden Tätig¬ 
keit aufkommen lassen könnten. — F. meint, daß das große Epiploon im Peri¬ 
tonealraume als eine Schutzmacht anzusehen ist, die bei gewissen Gelegenheiten 
den Wert eines wirklichen Sicherheitsdienstes für den Peritonealraum, folglich für 
den ganzen Organismus darstellt. Plitek (Triest). 

Marian! s Behandlung der Chlorose durch BlutUysneu. (Oaceta Mädica Catalana, 

1904, Nr. 2.) 

Verf. behandelt seit 19 Jahren seine Chlorosenfälle mit Einläufen von Ham¬ 
melblut. Die Tiere müssen selbstverständlich vor ihrer Benutzung vom Tierarzt 
auf das sorgfäligste untersucht werden. Täglich muß ein frisches Tier geschlachtet 
werden, da über Nacht aufgehobenes Blut seine »Vitalität« verliert Das Blut 
wird aus den durchschnittenen Halsgefäßen aufgefangen, rasch defibriniert und 
sofort mittels einer Spritze ins Rektum eingeführt Daß bei der ganzen Prozedur 
so aseptisch wie möglich verfahren werden soll, versteht sich von selbst Die 
täglich einzuspritzende Menge beträgt 300 ccm; im ganzen werden im einzelnen 
Falle etwa 35—40 Klysmen gegeben. 

Verf. hat auf diese Weise ungefähr 300 Falle von Chlorose (und von sekun¬ 
därer Anämie) behandelt Er hat nie den geringsten Schaden in irgend welcher 
Beziehung von der Behandlungsweise gesehen. Die Kranken halten das einge¬ 
führte Blut vorzüglich; nur einige wenige ließen eine geringe Quantität nach 
12—14 Stunden wieder abgehen. Die Erfolge sind sehr befriedigend. »Schon 
nach 5—6 Tagen beginnen sich die Schleimhäute zu Buben; zwischen dem 15.und 
20. Tag werden die Schleimhäute rot, und die Haut beginnt sich^zu färben; zwi¬ 
schen dem 20. und 35. Tag verschwindet jede Spur von Anämie, die Menses 
kehren wieder, die anämischen Geräusche und die Herzpalpitationen hören auf«. 
In einigen Fällen acquirierten die Patienten zur Zeit einer Influenzaepidemie nach 
Abschluß der Behandlung eine schwere Influenza, ohne daß es zu einem Rückfall 
der Chlorose gekommen wäre. * 

Als Beleg für die objektive Besserung des Blutbildes werden 6 Fälle mitge¬ 
teilt mit exakten Blutuntersuchungen; sie ergeben alle nach 5—8 Wochen eine 
wesentliche Vermehrung der Erythrocyten und besonders des Hämoglobins. 

Die Arbeit sei des theoretischen Interesses wegen, das sie entschieden bietet, 
hier etwas ausführlicher referiert; gegen die Anwendung der Methode in der 
Praxis sprechen schon die großen Kosten. M. Kaufmann (Mannheim). 

Lieremberger, Otto (Levico): Der Einfluß der Levico-Kurea auf die Blutbeschaffen¬ 
heit bei anämischen Zuständen. (Medizin. Blätter, Nr. 41.) 

Veröffentlichung von 5 Fällen von Chlorose und Vergesellschaftung derselben 
mit Anämie und Tuberkulose. Alle Fälle zeigten ein günstiges Resultat, beson¬ 
ders in Bezug auf subjektive Beschwerden. Wendenburg (Oöttingen). 

Goebei, Karl (Alexandrien): Pathologisch - anatomische und klinische Betrachtungen 
Aber die Bilharzia Krankheit (Archiv für Schiffs- u. Tropenhygiene, Nr. 3.) 

G. bestätigt die Ansicht Griesingers, daß die Würmer auch in^der Blasen¬ 
schleimhaut, überhaupt im Oewebe selbst Vorkommen und ist zu der Überzeugung 
gekommen, daß dieselben nicht in Venen, sondern in eigenen, eines Endothels 
entbehrenden Hohlräumen leben, die als neugebildet oder als erweiterte Lymph- 


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spalten aufzufassen sind. Oleidies behauptet er auch von den Eiern des Bil- 
harzia haematobium und ihre reihenförmige Anordnung spridit ebenfalls dafür, 
daß sie sich in Gewebsspalten ansiedeln. Die Art und Weise, wie sie hier hin- 
eingelangen, erklärt er durch Verschleppung und Embolische Vorgänge durch den 
Lymphstrom. ln seinen klinischen Beobachtungen bestätigt er im allgemeinen die 
Beschreibung die Oriesinger gemacht hat, als diagnostisches Hilfsmittel mißt 
er der wiederholten Stuhl- und Urinuntersuchung auf Bilharziaeier großen Wert 
bei. Von allen therapeutischen Eingriffen hat nur eine ausgedehnte chirurgische 
Behandlung Aussicht auf Erfolg. Wendenburg (Oöttingen). 

Lfibbert (Hamburg): Ober die Entstehungsursachen der Himoglobinarie in Deutsch- 
Sfidwestafrlka and den Begriff Schwarzwasserfieber. (Archiv für Schiffs- u. Tropen¬ 
hygiene, Nr. 10.) 

L. stellt drei Gruppen von Hämoglubinurie auf: 

1. Hämoglobinurie bei klimatisch gesteigertem Blutkörperchenzerfall und Leber¬ 
affektion. 

2. Hämoglobinurie bei Leberaffekdon, veranlaßt durch Malariaparasiten. 

3. Hämoglobinurie als echte Chininvergiftung bei Leberaffekdon. 

Der Symptomenkomplex des Schwarzwasserfiebers ist daher nach Verf. kein 
einheidicher, wenn er überhaupt als solcher angesehen werden kann. 

Wendenburg (Oöttingen). 

Laoterbach, Marceti (Wien): Ein Fall von Nierensyphilis. (Medizin. Blätter, Nr. 30.) 

Der Fall betraf einen 40 jährigen Mann, der als Erscheinungen der Lues zwei 
Oummiknoten an der Sdm, bohrende Kopfschmerzen und starke Albuminurie, die 
keiner Therapie weichen wollte, zeigte. Eine andsyphilitische Kur brachte die 
sämtlichen Symptome prompt zum Schwinden. Wendenburg (Oötdngen). 

Edlefeen, 0.: Das Ammoniak in der Atmongdoft and die Ätiologie der Rachitis. 

(Deutsche Ärztezeitung, S. 1 u. 29.) 

Polemik gegen Kassowitz. E. kann dem Ammoniakgehalt der Luft keine 
erhebliche Bedeutung in der Ätiologie der Rachitis zumessen. Abgesehen davon, 
daß derselbe durchaus nicht immer ein erheblicher sei und auch nur wenig resor¬ 
biert würde, sei der kindliche Organismus wahrscheinlich sogar toleranter gegen 
Ammoniak als derjenige des Erwachsenen. Zum Schluß folgt eine Bespreäung 
der Infektionstheorie. Schreiber (Oöttingen). 

Wachholz, Leo: Aas der Geschichte der Gifte and Vergiftungen. (Medizin. Blätter, 

Nr. 29.) 

Zum Referat nicht geeignet Wendenburg (Göttingen). 

Dorn, F.: Beitrag zur Ernäbrangstherapie. (Deutsche Ärztezeitung, S. 147.) 

Empfehlung des Kuf ekeschen Kindermehles. Beschreibung einiger Fälle, wo 
dasselbe bei Erwachsenen wie bei Kindern ausgezeichnete Dienste getan haben 
soll. Schreiber (Göttingen). 

Gnezda, J., Ober »Protylin«. (Deutsche Ärztezeitung, S. 193.) 

Das Protylin ist eine Phosphor-Eiweißverbindung, die zu den Paranuklelnen 
gehört Die Dosis beträgt dreimal täglich 4 g. Beachtenswert ist nach der Dar¬ 
reichung außer einer vermehrten Phosphatausscheidung eine erhöhte Indikanaus- 
scheidung. Seine therapeutische Wirkung besteht in einer Anregung des Appe¬ 
tits, es ist deswegen hauptsächlich als Tonicum zu verwenden. 

Schreiber (Oöttingen). 


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Memiuja (Flensburg): Warum ist man bisher so gldchgiltig gebüebeu gegenüber der 
Stflluogpiiat? (Medizin. Blätter, Nr. 52.) 

Allgemeinverständlicher Artikel, im ganzen etwas recht weitschweifig, ohne 
spezielles wissenschaftliche Interesse über das erwähnte Thema. 

Wendenburg (Göttingen). 

v. Soxhlet: Kuhmilch als Säuglingsnahrung. Nach einem im ärztl. Verein zu Hamburg 
am 5. Mai gehaltenen Vortrage. (Münch, med. Wochensdir., Nr. 47.) 

Einige Bemerkungen über die Zusammensetzung der Kuh- und Frauenmilch, 
ohne neue Gesichtspunkte. Gegenüber den neueren Bestrebungen, die Unersetz- 
lichkeit der Mutterbrust mit dem Hinweis auf die »biologisdien« Unterschiede 
der beiden Milcharten zu begründen, hebt S. hervor, daß die Frage des Mutter- 
milchersatzes eine Fettfrage sei, jedenfalls nicht eine Frage der qualitativen, 
sondern der quantitativen Eiweißzufuhr. Schade (Göttingen). 

Brüning: Ober die Ernährung kranker Säuglinge mit Buttermilch. (Deusche Ärzte¬ 
zeitung, S. 76.) 

B. hat auf der Soltmannschen Klinik an 28 Kindern mit den verschiedensten 
Erkrankungen Ernährungsversuche mit Buttermilch angestellt Die Resultate sind 
nicht gerade sehr günstige. B. bezweifelt, daß die Buttermilchtherapie eine größere 
Verbreitung finde wegen der Schwierigkeit der Beschaffung einer einwandsfreien 
Milch. Schreiber (Oöttingen). 

Petitte, V.: II valore nutritivo ddla dieta laitea a secouda dd modo di somministrarla. 
(Ober den Nährwert der Milchdiät je nach der Art ihrer Verabreichungsweise.) (Kl 

Polidinico, Nr. 2.) 

P. beschäftigte sich mit der Frage, in wie weit der Nährwert der Milchdiät 
von der Art der Verabreichungsweise abhängig sei. — Nach P. ist die Methode, 
die am wenigsten Verluste aufweist, jene, wonach alle 5 Stunden 500 cm a Milch 
eingenommen werden: die Verluste im Darme reduzieren sich hier auf 15,34 %. 
— Ihr folgt die zweistündliche Verteilung im Verhältnisse von 250 g, mit einem 
N-Verluste von 19 %. In dritter Linie die stündliche Verteilung von 150 ccm mit 
einer Einbuße von 19,34% des eingeführten Stickstoffes; in vierter Linie die vier¬ 
stündliche Verteilung von 400 cm 8 mit einem N-Verluste von 23 %. — Vom Ge¬ 
sichtspunkte der Verluste im Darme steht es am schlimmsten mit der dreistünd¬ 
lichen Vertdiung von 320 cm 8 mit einer Einbuße von 23,35% des eingeführten 
Stickstoffes. — Ferner stellte Verf. fest, daß der eigentliche Nährwert der Milch 
in kdnem Verhältnisse steht zur Darmresorption. Plitek (Triest). 

Oagttidse: Vom Obergang des Nahrungsfettes in die Mikfa. (Zeitschr. für Biologie, 
T. XLV [N. F., T. XXVU], S. 354.) 

G.» dem die bisherigen Untersuchungen über den Ursprung des Milchfettes 
nicht genügend erscheinen, hat diese Frage von neuem experimentell zu entschei¬ 
den versucht. Zur Beurteilung diente ihm die Bestimmung der Jodzahl nach 
Hübl, deren Brauchbarkeit verschiedentlich nachgewiesen wurde. 3 Schafe und 
eine Hündin fütterte er längere Zeit mit Leinöl und fand, daß schnell nach Be¬ 
ginn der Fettzufuhr die Jodzahl des Milchfettes in die Höhe steigt, während der 
Fettfütterung hoch bleibt und nach Aussetzen der Zulage langsam absinkt Aus 
der Höhe der Jodzahl ergibt sich mit Sicherheit, daß ungesättigte Säuren des Ijein- 
öles in das Milchfett übergegangen sind in einer Menge bis zu 33% und mehr. 
Er tötete dann mehrere Versuchstiere und so war es ihm auch möglich das Fett 
der Fettdepots — Unterhautzellgewebe, Omentum, Knochenmark — zu unter¬ 
suchen. Bei dem Tiere, das längere Zeit nach Beendigung der Leinölfütterung 
getötet wurde, war die Jodzahl des Depotfettes höher als die des Milchfettes, 
genau wie man es bei Kühen gefunden hat Dagegen ward die Jodzahl höher 


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als die des Depotfettes eines normal ernährten Schafes. Bei dem Tiere hingegen, 
das während der Fettffitterung getötet wurde, war die Jodzahl des Depotfettes 
niedriger als die des Milchfettes. Verf. schließt daraus, daß das Nahrungsfett 
direkt und vermittels der Fettdepots in die Milch Übertritt, und zwar zum größeren 
Teil direkt und daß die Fettdepots das Nahrungsfett lange zurückhalten. 

Cronheim (Berlin). 

i 

Schmidt, Ad«: Gebrauchsfertige Nährklystiere. Aus d. Stadtkrankenhause Friedrich¬ 
stadt in Dresden. Nach einem Vortrage auf d. Naturforschersammlung in Kassel. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 47.) 

Die Zusammensetzung der nach Schm.s Angabe von der Firma v. Heyden- 
Radebeul hergestellten und in den Apotheken in zugeschmolzenen Olastuben 
erhältlichen Nährklystierflüssigkeit ist folgende: 

250 g 0,9%iger Kochsalzlösung, 

20 g Nährstoff Heyden (besonders präpariert), 

50 g Dextrin 

und entspricht etwa 287 Kolorieen. Verf. hat diese Nährklysmen in einer größeren 
Zahl von Fällen erprobt und rühmt ihnen absolute Reizlosigkeit und eine vorzüg¬ 
liche Ausnützung nach. Der Preis eines Heyden sehen Nährklystiers stellt sich 
auf 4 Mark. Schade (Göttingen). 

Carini, F.: Contributo aüo Studio ddle infezioni alimentari. (Beitrag zur Kenntnis 
der alimentären Infektionen.) (11 Polidinico, Nr. 27.) 

C. untersuchte bakteriologisch einige Schalentiere, die an den Ufern von 
Palermo häufig vorgefunden weiden, und deren Oenuß öfters zum Auftreten von 
Magen - Darmstörungen Veranlassung gab. — Verf. wählte als Untersuchungs¬ 
objekt den Seeigel (Echinus granularis). — Er fand darin spärliche Kolonien vom 
Mikrokoldcus tetragonus; Kolonien großer, nicht pathogeneser Kokken; einige 
Proteuskolonien, zahlreiche Kolonien eines langen kettenförmigen saprogenen 
Bacillus, der nach Verf.s Untersuchungen nicht pathogen ist; ferner Kolonien 
eines stäbchenförmigen, dünnen, nicht pathogenen Bacillus, und endlich die Ko¬ 
lonien eines für die Versuchstiere pathogenen Bacillus. — C. folgert, daß gewisse 
krankhafte Zustände, die nach Genuß besagter Seetiere aufzutreten pflegen als 
wahre und wirkliche alimentäre Infektionen anzusehen sind, hervorgerufen durch 
Mikroorganismen, die sich in den Organen besagter Schalentiere aufhalten. 

Plitek (Triest). 

Bouflglio Salvatore: La saccarina ndie sue faUfteazloni. (Das Saccharin und seine 
Fälschungen.) (Oiomale della Reale Sodetä Italiana d’lgiene, Nr. 5.) 

B. veröffentlicht eine kleine Arbeit, in der er sich mit den nicht wenigen 
Fälschungen, denen das Saccharin im Handel ausgesetzt ist, eingehend befaßt, 
und eben weil besagte Fälschungen auf einer großen Skala ausgeführt weiden, 
für eine genaue chemische Analyse des Produktes vor dessen Aufnahme im Apo¬ 
thekerschranke piaidiert Plitek (Triest). 

Arnheim n. Rosenbanm: Ein Beitrag zur Frage der Znckerzerstörung im Tierkörper 
durch Fermentwirknng (Glykolyse). (Zeitschr. für physiologische Chemie, Bd. 40, 

S. 220.) 

Verff. konnten nachweisen, daß die von ihnen benutzten Oewebsbestandteile, 
wie Leber und Muskel, für sich allein bereits Zucker zu zersetzen vermögen. Bei 
der Untersuchung, wobei selbstverständlich aufs sorgfältigste auf Keimfreiheit ge¬ 
achtet wurde, bestimmten sie den Zuckerveriust einerseits aus der gebildeten 
Kohlensäure, anderseits aus der Verringerung des Drehungsvermögens. Sie 
fanden dabei jedesmal eine Abnahme, zwar verschieden starte, aber doch stets 
größer als die Versuchsfehler. Zusatz von Pankreas vermehrte natürlich den Zer¬ 
fall bedeutend. Cronheim (Berlin). 


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Fricdtaader, R.: Uber Hntveräadenmgeo durch thermische Reize. (Zeitschr. t. diltel 
und physikal. Therapie, Bd. 7, S. 431.) 

Bei der Einwirkung von Kalte findet sich eine Vermehrung der roten Blut¬ 
körperchen und der Leukocyten, letztere zeigen zuweilen eine relativ höhere Zu¬ 
nahme als die enteren. F. bezieht die Vermehrung beider auf eine veränderte 
Verteilung von Blutkörperchen und Plasma in den oberflächlichen und tiefen Ge¬ 
fäßen. Letztere ist iwiederum verursacht durch eine Erhöhung des Blutdrucks. 
Eine stärkere Vermehrung der Leukocyten bei Kältewirkung wird bedingt durch 
einen intensiveren, länger dauernden thermischen Reiz. 

Auch bei der Wärmeapplikation findet sich eine Vermehrung der roten Blut¬ 
körperchen, eine Erhöhung des Hämoglobingehaltes und des spezifischen Ge¬ 
wichtes des Blutes, allerdings wird der Befund nicht überall erhoben, ebenso findet 
sich teils eine Verminderung, teils eine Vermehrung der Leukocyten. Auch die 
Serumdichte ist nicht konstant erhöht Für dies verschiedene Verhalten sind 
heranzuziehen: 1) eine veränderte Verteilung von Plasma und Blutkörperchen im 
Sinne einer Verminderung, der roten Blutkörperchen in den Kapillaren, bedingt 
durch die mit der Gefäßerweiterung einhergehende Druckerniedrigung; 2) die 
durch das Schwitzen bedingte Eindickung des Blutes; 3) die regulatorische Fil¬ 
tration von Gewebsflüssigkeit in das Blut Je nach Vorherrschen des einen oder 
anderen Voiganges muß die Zusammensetzung schwanken. Dasselbe gilt auch 
für die Leukocyten. Wo sich eine stärkere Vermehrung der Leukocyten findet, 
muß man eine direkte Wärmewirkung annehmen. Schreiber (Oöttingen). 


Korowidd, K.: Untersuchungen über Blntverinderungen beim Gelenkrheumatismus. 

(Deutsche Arztezeitung, S. 241.) 

Die bei Gelenkrheumatismus so häufig beobachtete Blässe der Haut veran- 
laßte K. zu einer genauen Untersuchung des Blutes, die ihn zu folgenden Resul¬ 
taten führte: Der Bestand des Blutes verändert sich bei Gelenkrheumatismus im 
ganzen nur wenig. Das spezifische Oewicht bleibt entweder normal oder ver¬ 
mindert sich, aber nicht bedeutend. Die Zahl der roten Blutkörperchen nimmt 
nur sehr wenig ab; die Zahl der Leukocyten bleibt meistens unverändert, mitunter 
ist sie erhöht Morphologisch zeigen die roten Blutkörperchen keine Besonder¬ 
heiten, keine degenerativen Veränderungen. Betreffs der weißen Blutkörperchen 
findet sich eine Vermehrung der mononukleären und eosinophilen Zellen, nicht 
selten eine bedeutende Abnahme der neutrophilen. Der Rheumatismus übt also 
keinen direkt schädigenden Einfluß auf das Blut aus. Vielleicht beruht die 
äußere allgemeine Blässe auf Störung der Vasomotoren. 

Schreiber (Göttingen). 


Cafiera, C: Solle alterazioni Istologiche iodotte nei tessuti dal succhi di organi e dal 
sieri sHotomid. (Ober die histologischen Veränderungen der Gewebe nach Injektion 

von Organsäften und cytotoxlschen Sera.) (La Riforma Medica,Nr. 30. 31.) 

C. hat Organsäfte von Meerschweinchen der gleichen Tierspezies subkutan 
einverleibt, ferner solche von Kaninchen, Enten und Meerschweinchen injiziert, 
und die Veränderungen beobachtet, die durch dieselben in den einzelnen Geweben 
hervorgerufen wurden. — Die histologischen Veränderungen die durch Leber-, 
Milz-, Pankreas-, Nieren- und Nebennierensaft in der Leber, Milz, dem Pankreas, 
den Nieren und Nebennieren erzeugt weiden, sind nicht für jedes einzelne Organ 
spezifischer Natur, unbekümmert die Darreichungsweiae Tieren der gleichen oder 
verschiedener Spezies. — Die Wirkungsweise der Säfte kann von zwei Ursachen 
abhängen: entweder von einer größeren Toxidtät des Saftes wahrscheinlich be¬ 
dingt durch spezielle Eigenheiten des liefernden Tieres, oder von einer gerin¬ 
geren Widerstandsfähigkeit des Versuchstieres. Plitek (Triest), 


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Cupari, W. u. QUemcr, K.: Eia Sto f fw c chich renach aa Vegetarianern. (Zeitachr. f. 
diätet und physikal. Therapie, Bd. 7, S. 475.) 

Die Versuchspersonen waren ein Ehepear von 49 resp. 48 Jahren. Die Nah¬ 
rung war eine rein pflanzliche (Zucker, Datteln, Haselnüsse, Leinöl, Kartoffeln, 
Oerstenkaffee, Kakes und Karotten). Von dem Mann wurden während der Ver¬ 
suchsdauer aufgenommen 39,15 g N., 1099,1 g Fett : 22796 Kalor., von der Frau 
26,64 g N., 495 g Fett : 13575 Kal. Die Ausnutzung des Stickstoffs ist wesentlich 
schlechter als bei gemischter animalischer Diät, die des Fettes war besser und die 
der Kohlenhydrate ausreichend. Aus der Stickstoff- und Kraftbilanz ergab sich, 
daß der physiologische Nutzeffekt etwa der gleiche war wie bei gemischter ani¬ 
malischer Kost, indem der größere Eneigieveriust im Kot durch einen geringeren 
im Ham kompensiert wird, es wurde sogar noch N.-Ansatz erreicht Der Harn¬ 
stoff wurde etwa in demselben Verhältnis zum Oesamtstickstoff entleert wie bei 
gemischter Kost Die Ammoniakmenge ist zwar gering aber doch nicht sehr er¬ 
heblich, die Harnsäuremenge betrug bei dem Manne 0,0059 g N., bei der Frau 
0,0061; da Hamsäurebildner nicht eingeführt wurden, so muß diese Harnsäure 
wohl als endogene betrachtet werden. Kreatinin fehlt im Ham, dagegen fand sich 
Kreatin. Schreiber (Oöttingen). 

Ricgler, E. (Jassy): Eine gasometrische Bestinunnngsaietbode der Chloride im Harn. 

(Medizin. Blätter, Nr. 4.) 

R. bringt in einem kurzen Artikel die Abbildung und die Beschreibung seines 
neuen Apparates, sowie die Methode der Darstellung der Chloride aus dem Ham 
mit demselben. Wendenburg (Oöttingen). 

Kanger, A.: Zur Frage über die ehemische Zusammensetzung und die pharmakolo¬ 
gische Wirkung der Preißdbeeren (Vaednium vitis idaea L). (Arch. f. experiment. 

Pathol. und Pharmakol., Bd. 50, S. 46.) 

Es seien aus der Arbeit nur die hier interessierenden Punkte herausgegriffen. 
Die Blätter sowie ein wässeriger Aufguß derselben enthalten Hydrochinon, Oerb- 
säure, Chinasäure und wahrscheinlich Oallus- und Ellagsäure. Die Toxidtät der 
Preißelbeerblätter beruht auf ihrem Oehalt an Hydrochinon. Die Blätter setzen 
die Harnsäureausscheidung herab durch Verminderung der Hamsäurebildung. 
Sie wirken ferner diuretisch und antiseptisch. Durch Einfuhr reiner Harnsäure 
per os läßt sich bei Katzen eine gesteigerte Hamsäureausscheidung herbeiführen, 
dieselbe steht jedoch in keinem Verhältnis zur eingeführten Hamsäuremenge, 
sondern sie übersteigt ein gewisses Maximum nicht. 

Schreiber (Oöttingen). 


Besprechungen. 

Schmidt, Ad. u. Strassburger, J.: Die Fäces des Menschen im normalen und krank¬ 
haften Zustande. 111. Teil: Die Mikroorganismen der Fäces. (Mit 4 lithographischen 
Tafeln und 3 Figuren im Text.) Berlin, A. Hirschwald. 

Mit dem vorliegenden, von Strassburger allein verfaßten Heft wird das 
Werk abgeschlossen. Auch im Schiußheft sind die Ergebnisse eigener und fremder 
Forschungen übersichtlich zusammengestellt und kritisch gesiditet. Der letzte 
Abschnitt enthält Methodik, Vorkommen und Erscheinungsweisen, Lebensäuße- 
rungen und Bedeutung der normalen Kot- resp. Darmbakterien, Kotbakterien unter 
pathologischen Verhältnissen und Protozoen. Keller (Bonn). 


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101 


Degrl, Wilhelm: Therapie der Kinderkrankheiten. Leipzig, Verlag von F. C. W. 

Vogel. Preis 10 Mk. 

In alphabetischer Anordnung stellt Verf., Chefarzt des Jodbades Darkau, neben 
den Krankheitsformen die Heilmittel, die diätetisch-physikalischen Maßnahmen, 
Heilbäder und Mineralquellen zusammen. Daß er die therapeutischen Vorschläge 
verschiedener Autoren zumeist ohne eigene Kritik neben einander stellt, ist in 
diesem Falle nur als ein Vorzug des Werkes zu betrachten, das sonst nicht reich 
an Vorzügen ist Keller (Bonn). 


7nbalt*v*r?«idnits. 


Original-Artikel: v. Boltenstem: Arbeiten über Typhus in den letzten 
beiden Jahren 77. — Referate: Erkrankungen der Verdauungioigane. Macaggi, 
L: Qastro-entero-anastomosi da sfacelo (morse metalliche, nodi send). (Oastro- 
entero-anastomose durch Druck) 90. Nammack (New-York): Typhusgangrän 
90. — Tsuzuki u. Miyasaki (Tokio): Uber einen zur Anreicherung der Cholera- 
vibrionen passenden Nährboden (Tsuzukis R-Peptonwasser) und seine Bedeu¬ 
tung bei der bakteriologischen Choleradiagnose 90. — Hetsch (Berlin): Über 
die Leistung von Tsuzukis R - Peptonwasser in der Choleradiagnostik 90 . m — 
Nenninger, D. (Kiel): Herzerkrankungen bei Ruhj 91. — Nikoliislti, A. W.: Über 
tuberkulöse Darmstenose 91. — Bayer, C.: Über lokalen Blinddarmmeteoris- 
mus bei Dickdarmverschluß 91. — Calabi u. Oiardoni: Ein seltener Fall „von 
Darmokklusion durch Eindringen von Darm in die Blase 91. — Braun: Über 
Darminvagination 92. — Ebstein, W. (Oöttingen): Exodin, ein neues Abführ¬ 
mittel 92. — Siegel (Wien): Beitrag zur medikamentösen Kausalbehandlung 
diarrhoischer Zustände 93. — Winterberg (Wien): Neuere ausgedehntere Unter¬ 
suchungen über die desinfizierende Wincung des Ichthoforms bei den Erkran¬ 
kungen des Magendarmkanals 93. — Winterberg (Wien): Biologische und thera¬ 
peutische Untersuchungen über Magnesiumsuperoxyd 93. — Adamkiewicz: Über 
Cancroln-Erfolge bei fortgeschrittenem Krebs und aas sog. »Ausheilen« desselben 
93. — Goldmann: I. Die Ankylostomiasis; II. Zur Therapie der Ankylostomiasis- 
Anämie 93. — Rodriguez Abaytüa: Bedeutung, Pathogenese und Therapie der 
Leberkolik 93. — Teschemacher: Die Neuenahrer Kur bei Gallensteinleiden 94. — 
Pirone, R.: Sulla funzione difensiva del grande epiploon. (Über die defensive 
Funktion des großen Epiploons) 94. — Erkrankungen des Blutes und der blutberei¬ 
tenden Organe, Nierenerkrankung, Veigiftung etc. Mariani: Behandlung der Chlorose 
durch Blutklysmen 95. — Ueremberger, Otto (Levico): Der Einfluß der Levico- 
Kuren auf die Blutbeschaffenheit bei anämischen Zuständen 95. — Goebel, Karl 
(Alexandrien): Pathologisch-anatomische und klinische Betrachtungen über die 
Bilharzia-Krankheit 95. — Lübbert (Hamburg): Über die Entstehungsursachen der 
Hämoglobinurie in Deutsch-Südwestafrika und den Begriff Schwarzwasserfieber 
96. — Lauterbach, Marcell (Wien): Ein Fall von Nierensypnilis 96. — Edlefsen, O.: 
Das Ammoniak in der Atmungsluft und die Ätiologie der Rachitis 96. — Wach¬ 
holz, Leo: Aus der Geschichte der Gifte und Vergiftungen m 96. — Ernährung. 
Dorn, F.: Beitrag zur Emährungstherapie 96. — Onezda, J.: Über »Protylin« 96. 
— Meminya (Flensburg): Warum ist man bisher so gleichgiltig geblieben gegen¬ 
über der §tillungsnot? 97. — v. Soxhlet: Kuhmilch als Säuglingsnahrung 97. — 
Brüning: Über die Ernährung kranker Säuglinge mit Buttermilch 97. — Petitte, V.: 
II valore nutritivo della dieta lattea a seconda del modo di somministrarla. (Über 
den Nährwert de; Milchdiät je nach der Art ihrer Verabreichungsweise) 97. — 
Gagitidse: Vom Übergang des Nahrungsfettes in die Milch 97. — Schmidt, Ad.: 
Gebrauchsfertige Nähndystiere 96. — Carini, F.: Contributo allo studio delle in- 
fezioni alimentari. (Beitrag zur Kenntnis der alimentären Infektionen) 98. — 


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Boufigllo Sahratore: La saocarina nelle sue falsificazioni. (Das Sacdiarii» und 
seine Fälschungen) 98. — Pfayriologiscbe Chemie etc. Arnheim u. Rosenbaum: Ein 
Beitrag zur Frage der Zuckerzerstörung im Tierkörper durch Fermentwirkung 
(Glykolyse) 98. — Friedlaender. R.: Uber Blutveränderungen durch thermische 
Reize 99. — Korowicki, K.: Untersuchungen über Blutveranderungen beim Ge¬ 
lenkrheumatismus 99. — Cafiera, G: Sülle alteraziojii istologiche indotte nei tes- 
suti dal succhi di organi e dal sieri sitotossid. (Uber dienistoligisdien Veriin- 
derungen der Oewebe nach Injektion von Organsäften und cytotoxischen Sera) 

99. — Caspar!, W. u. Olaessner, K.: Ein Stonwechselversuch an Vegetarianern 

100. — Riegler, E. (Jassy): Eine gasometrische Bestimmungsmethode der Chlo¬ 
ride im Ham 100. — Kanger, A.: Zur Frage über die chemische Zusammen¬ 
setzung und die pharmakologische Wirkung der Preißelbeeren (Vacdnium vitis 
idaea L) 100. — Besprechungen: Schm i d t, Ad. u. Strassburger, J.: Die 
Faces des Menschen im normalen und krankhaften Zustande. In. Teil: Die 
Mikroorganismen des Faces 100. — Degrfe, Wilhelm: Therapie der Kinderkrank¬ 
heiten 101. 


Hvtertn-Vertcicbnis. 

Abaytüa 93. — Adamldewicz 93. — Amheim 98. — Bayer 91. — v. Bolten- 
stem 77. — Braun 92. — Brüning 97. — Cafiera 99. — Calabi 91. — Caspari 100* 

— Carini 98. — Dom 96. — Edlefsen 96. — Ebstein 92. — Friedlaender 99. — 
Gagitidse 97. — Giardoni 91. — Olaessner 100. — Onezda 96. — Ooebel 95. — 
Goldmann 93. — Hetsch 90. — Kanger 100. — Korowicki 99. — Lauterbach 96. 

— Lieremberger 95. — Lübbert 96. — Macaggi 90. — Mariani 95. — Memmya 

97. — Miyasaki 90. — Nammack 90. — Nikolijski 91. — Nenninger 91. — Petifte 

97. — Pirone 94. — Riegler 96. — Rosenbaum 96. — Salvatore 98. — Schmidt 

98. — Siegel 93. — v. Soxhlet 97. — Teschemacher 94. — Tsuzuki 90. — Wach¬ 
holz 96. — Winterberg 93. 


HlphabftUcb gforäniUs JnbaltmrttUniii. 

Anämie, Blutklysmen bei 95. —■ Anämie, Levicowasser bei 95. — Ankylo- 
stomiasis 93. — Bilharzia-Krankheit 95. — Blutveränderung beim Gelenkrheuma¬ 
tismus 99. — Blutveränderung nach thermischen Reizen 99. — Cancroin 93. — 
Chloridbestimmung 100. — Cholelithiasis 94. — Choleradiagnose 90. — Darm- 
invagination 92. — Darmstenose 91. — Diarrhoe-Behandlung 93. — Dysenterie 
91. — Epiploon, Schutzwirkung des 94. — Ernährung 96—98. — Exodm 92. — 
Gastroenteroanastomose 90. — Glykolyse 98. — Hämoglobinurie und Schwarz¬ 
wasserfieber 96. — Ichthoform 93. — Infektion, alimentäre 96. — Leberkolik 
93. — Magnesiumsuperoxyd 93. — Milch 97. — Nährklystiere 98. — Nieren¬ 
syphilis 96. — Preißelbeere, Pharmakologie der 100. — Protylin 96. — Rachitis 
96. — Saccharin 98. — Säuglingsemährung 97. — Sera, cytotoxische Wirkung der 

99. — Typhus 77. 90. — Vegetarianer, Stoffwechsel des 100. — Vergiftungen 96. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Oöttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 19. Februar 1904. 


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Nr. 5. 


Crates März-Heft 1004. 


5. Jahrgang, 


3enfralblatt 

Mp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a.M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vaadeaboeck ft Raprecht in Oöttingen. 


MooatHdi 2 Nrn. tob IM Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Marie bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Marie 20 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalt» des In- and Anslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Marie 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtikel. 

Hrhsitsn ubtr Cypbus in dt n letzten beiden 'Jahren. 

Sammelreferat von 
Dr. v. Boltenstern, Leipzig. 

(Fortsetzung.) 

Die Gelodiagnose von Chantemesse zur Auffindung von Typhus¬ 
bazillen im Stuhl und in Wasser besteht zunächst in einer Anreicherung in 
3% neutralem Peptonwasser. Nach 6—7ständigem Aufenthalt im Brut¬ 
schrank wird durch Papierfilter filtriert, ein kräftiges Antityphusserum zuge¬ 
setzt und zentrifugiert Die angesetzten Bazillen werden möglich in ober¬ 
flächlichem Wachstum auf einem mit Phenylsäure — zur Hemmung anderer 
Keime wie Typhus- und Kolibakterien — Laktose und Tournesol versetzten 
Nährboden von Gelatine kultiviert Kolibazillen färben ihn rot, Typhus- 
bazillen nehmen einen blauen Farbenton an. Die letzte Identifizierung ge¬ 
schieht durch die Agglutinationsmethode. 

Chantemesse uud Decobert haben an 18 Kranken, bei welchen die 
Widalsche Reaktion gleichzeitig positiv ausfiel, ungefähr 128 Untersuchungen 
nach dieser Methode gemacht Sie kommen zu folgenden Schlössen. Die 
Reaktion ermöglicht es im Stuhl von Typhuskranken den spezifischen Ba¬ 
zillus schon im Verlaufe von 18—24 Stunden zu finden und zwar in allen 
Fällen, wo die Krankheit klinisch wohl ausgeprägt und die Serumdiagnose 
positiv ist In 2 frischen Fällen, wo diese negativ ausfiel und die Symptome 

Nr. 5. 


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104 


undeutlich waren, gelang es mit der Gelodiagnose Typhusbazillen nachzu¬ 
weisen. 

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, wie redlich man an der 
Arbeit ist, die Methode der elektiven Nährböden auszubilden und zu sichern. 
Indes vermögen die neueren Nährböden die ideale Forderung der schnellen 
Typhusdiagnose durch Betrachtung der Plattenkulturen nicht zu erfüllen. 
Das andauernde und emsige Suchen nach neuen Unterscheidungsmerkmalen 
beweist vielmehr die noch vorhandene Unzulänglichkeit der bisher üblichen 
Verfahren. Immer wird betont, daß die Heranziehung der Widalschen 
Reaktion als des bisher sichersten Hilfsmittels erforderlich ist zur genauen 
Differenzierung der gefundenen Typhusbazillen. 

Alle Autoren, welche mit der Sache überhaupt sich beschäftigt haben, 
stimmen darin überein, daß die Typhusbazillen frühzeitig im Blute auftreten. 
Daher muß die kulturelle Untersuchung des kreisenden Blutes als 
einfachste und zuverlässigste Methode zur frühen Diagnose des Unterleibs¬ 
typhus gelten. Sie ist der Oruber-Widalschen Reaktion überlegen und 
ermöglicht schon früher als die Serumprobe die Diagnose. Der kulturelle 
Bazillennachweis im Blute darf natürlich nicht allein leitend sein für die 
Diagnose des Typhus. Die anderen altbewährten Symptome büßen durch 
ihn nicht im geringsten an Wert ein, sollen zu seinen Gunsten nicht be¬ 
schränkt werden. Gelegentlich aber soll die Methode mit vollstem Rechte 
da eintreten, wo umfassende klinische Beobachtung ihre Mittel erschöpft hat 
(Pfeiffer). Der Nachweis der Bazillen im kreisenden Blute ist vorzüglich 
wichtig für die Sicherstellung der Diagnose in Fällen von allgemeiner In¬ 
fektion des Typhus. Diese Fälle verdienen vom klinischen Standpunkte aus 
eine besondere Beachtung, weil bei ihnen die typischen Symptome fast ganz 
fehlen, der Kranke nur selten für typhusverdächtig gilt und darum überaus 
geeignet ist, die Krankheit auf leichte und rasche Weise zu verbreiten und 
zu verschleppen (Weichardt). 

Zur Gewinnung der erforderlichen Blutmenge bevorzugen einige Au¬ 
toren die Entnahme aus den Roseolen, andere die aus einer Armvene 
mittels Luerscher Spritze. Es genügt indes nicht, die Roseolen selbst zu 
exzidieren. Kasan i eff untersuchte von jedem Typhuskranken 3 Roseolen 
auf verschiedene Weise. Bei dem ersten Verfahren handelte es sich um 
eine Aussaat des Blutes der Roseolen. Er schnitt die Roseolen mit ste¬ 
rilisiertem Skalpell an und entnahm 2—3 Platinösen Blut, welche auf Bouillon 
geimpft wurden. Von 17 so behandelten Röhrchen wuchsen in 4 Typhus¬ 
bazillen mit den charakteristischen Merkmalen und Widalscher Reaktion. 
Die Aussaat der ausgeschnittenen, mit einem Schnitt versehenen Roseolen 
lieferte nur einmal ein positives Resultat. Die Oberimpfung der ausgeschnit¬ 
tenen, unversehrten Roseolen zeigte nur sterile Bouillon. 

Im Roseolenblute feind Courmont bei 9 Typuskranken stets Bazillen 
bei wiederholter Untersuchung. Der früheste Tag des Befundes war der 
5. Krankheitstag. Nach dem 23. Tage fand er Bazillen bisweilen noch bei 
protrahierten Formen in der Blutbahn. Im Verlaufe eines Rezidives traf er 
sie am 59. Tage wieder an, bei anderen Rezidiven wurden sie vermißt 
6mal unter sieben Fällen zeigten die Typhusbazillen eine stark verminderte 


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105 


Agglutinationsfähigkeit, welche sich beim Fortzüchten der gleichen Bazillen 
wieder hob. Eine Beziehung indes zwischen der Anwesenheit der Typhus* 
bazillen in der Blutbahn und der Agglutinationskraft des Serums konnte 
Courmont nicht konstatieren. 4mal gelang der Nachweis, während die 
Widalsche Reaktion negativ blieb, ln 2 Fällen wurde sie am 22. bezw. 45. 
Tage positiv, während die Bazillen bereits am 5. und 9. Tage nachweisbar 
waren. Die Zahl der Bazillen indes entspricht keineswegs der Sct na e rc des 
Krankheitsfadles. Busquet hat bei 20 Kranken stets einen positiven Ausfall 
der Untersuchung des zirkulierenden Blutes auf Typhusbazillen gefunden. 
Er hält diesen Befund zum mindesten im Beginn der Krankheit für konstant 

Günstige Resultate der Blutuntersuchung berichten Seemann, Polacco, 
Gemelli und Hayashikawa, während Birnbaum und Weber in drei 
Fällen, in welchen sich bei Kindern aus den Roseolen pustulöse, gelbe Bläs¬ 
chen entwickelten, aus dem Inhalt 2 mal Diplokokken, einmal keinerlei Bak¬ 
terien züchten konnten. In Seemanns 34 Fällen wurden 98 Roseolen unter¬ 
sucht, also in jedem Falle etwa 3. Nach der Neufeldschen Methode 
gelang es 32 mal Typhusbazillen zu kultivieren. In den 2 negativen Fällen 
waren die Kranken bereits am Ende der zweiten Woche. Die Roseolen 
waren vielleicht schon zu alt, oder es waren zu wenige untersucht Polacco 
und Gemelli erzielten in 50 Fällen stets ein positives Resultat Sie halten 
aber zur Erreichung eines positiven Ergebnisses es für absolut erforderlich 
etwas von der Gewebssubstanz der Roseolen abzuimpfen (s. oben) und 
flüssige Nährboden zu gebrauchen, weil Typhusbazillen im Roseolablut sehr 
spärlich sind, daher die Kulturen auf soliden Nährböden beständig negativ 
bleiben. Hayashikawa erzielte unter 12 Fällen mit durchschnittlich 3 unter¬ 
suchten Roseolen 7mal d. h. 58£% positive Resultate. 

Schottmüller betont den hohen diagnostischen Wert der bakteriologi¬ 
schen Blutuntersuchung, welcher von keiner anderen Methode in Bezug auf 
Zuverlässigkeit erreicht wird. Wir haben darin ein Mittel in einem sehr 
hohen Prozentsatz der Fälle und namentlich in einem sehr frühen Stadium 
der Krankheit den Erreger dieser innerhalb 20—24 Stunden mit derartiger 
Sicherheit nachzuweisen, daß eine negativ bakteriologische Blutuntersuchung 
bei hoch fiebernden und schwer kranken Patienten, bei welchen klinische 
Symptome eine sichere Diagnose nicht stellen lassen, die Annahme eines 
Tpphus so gut wie ausschließt 

Das Blut wird mit einer Lu ersehen Spritze aus einer angestauten Arm¬ 
vene entnommen und in flüssig gehaltene, auf 45 ° abgekühlte Agarröhrchen 
gebracht Nach erfolgter Mischung wird der Inhalt in Schalen ausgegossen 
und bei 27 0 gehalten, um in den nächsten Tagen regelmäßig kontrolliert zu 
werden. Die Typhuskolonieen erkennt man als grünschwarze Punkte im 
Innern des Nährbodens, welche allmählich zu Linsengröße heranwachsen. 
Noch größer entwickeln sich die Oberflächenkolonieen, welche einen dunkel¬ 
grauen Farbenton zeigen. 

Schottmüller fand in 50 Fällen (1899) 40mal, in 69 (1900) 58mal, in 
101 (1901—1902) 84mal im kreisenden Blute der Typhuskranken Typhus- 
bazillen. Die Blutuntersuchungen wurden bei allen Typhuskranken in den 
e rsten Stunden nach erfolgter Aufnahme vorgenommen. Bei 50 Fällen gelang 

Nr. 5*. 


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106 


es 30 mal am ersten Tage des Krankenhausaufenthaltes aus dem entnommenen 
Blute in verschiedenen Krtnkheitsstadien die spezifischen Erreger nachzu¬ 
weisen. In einem Falle, in welchem die erste Untersuchung negativ geblieben 
war, wurde bei einem späteren Recidiv ein positiver Befund erhoben. Ober¬ 
haupt konnte bei Reddiven schon innerhalb der ersten 24 Stunden der 
Krankheitserreger aus dem Blute kultiviert werden, nachdem bereits vorher 
das Blut steril sich erwiesen hatte. Ebenso wurden bei den bisweilen beob¬ 
achteten, sporadischen, ephemeren Temperatursteigerungen in der Rekonva- 
lescenz wiederholt Typhusbazillen in spärlicher Menge nachgewiesen. Im 
jugendlichen Alter sind die Typhusbazillen nicht ganz so häufig als bei Er¬ 
wachsenen und zeigen sich nicht in gleicher Menge. Der Typhus im Kindes¬ 
alter verläuft ja meist weniger schwer als im späteren. Der früheste Termin 
des positiven Befundes war der zweite Krankheitstag. Fast ausnahmslos 
gelang der Nachweis in der zweiten und dritten Woche. Überhaupt konnte 
Schottmüller dartun, daß die Bazillen vom ersten Fiebertage an während 
der ganzen Fieberdauer zum Teil in recht erheblicher Menge im Blute kreisen. 
Die Zahl der Keime schwankt allerdings in sehr bedeutenden Grenzen. Hohe 
Zahlen findet man während der Continua, niedrige im amphibolen Stadium 
und wenige Tage vor völliger Entfieberung. Eine nach der Entfieberung 
vorgenommene Untersuchung ergab nie ein positives Resultat Im allge¬ 
meinen stand die Zahl der aus dem Blute gezüchteten Keime im geraden 
Verhältnis zur Höhe des Fiebers und der Schwere des Falles. Schott¬ 
müller schließt aus seinen Beobachtungen, daß das Krankheitsbild und vor¬ 
züglich das Fieber beim Typhus durch die Anwesenheit der Bazillen im 
Blute sehr wesentlich beeinflußt, ja beherrscht wird. Man kann also den 
Typhus als Bakteriämie oder Sepsis aufhissen. Die Auffassung macht Dann¬ 
veränderungen nicht unbedingt zum Bilde des Typhus erforderlich. In einer 
Darmaffektion kann nicht der Hauptkrankheitsherd gesehen werden, zumal 
ja die Ausdehnung und Zahl der Darmgeschwüre ganz unabhängig von der 
Schwere des Falles ist 

In der Blutuntersuchung haben wir auch ein prognostisches Mittel 
zur Hand. Eine absolut niedrige Keimzahl während der Akme bietet die 
Aussicht auf Abfall des Fiebers und umgekehrt hohe Zahlen begleiten meist 
ein schweres Krankheitsbild. Steigen oder Fallen der Keimezahl bei mehreren 
Untersuchungen spricht für eine gleiche Tendenz des Fiebers. 

Den Entwickelungsgang des Infektionsprozesses denkt sich Schott¬ 
müller folgendermaßen. An irgend einer Stelle des Magendarmtraktus 
dringen die Typhusbazillen in die Darmwand ein und vermehren sich dort 
in den Lymphgefäßen an der Eingangspforte. Von da aus findet dann eine 
Weiterverbreitung der pathogenen Mikroorganismen in die abführenden 
größeren Lymphbahnen und die zugehörigen Lymphdrüsen statt Man kann 
sich nun vorstellen, daß in einzelnen Fällen der Krankheitsprozeß in dem 
bezeichneten Oebiete lokalisiert wird, es bald zur Heilung kommt, genau so 
wie eine Streptokokken-Lymphangitis an äußeren Teilen des Körpers heilen 
kann, ehe sie zu einer Blutinfektion führt Damit wäre eine Erklärung für 
die Abortivfälle des Typhus gegeben. In den meisten Fällen aber schreitet 
die Krankheit fort und für diese bedeutet die bisherige lokale Entwickelung 


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107 


des Leidens das Stadium der Inkubation des klinischen Krankheitsbildes. 
Es erfolgt, wenn die Parasiten den schätzenden Wall der Mesenterialdrüsen 
überwunden haben, eine Infektion des großen Lymphstammes und damit 
des Blutes, gerade wie bei septischen Erkrankungen nach Wundinfektion von 
einem lymphangitischen oder thrombophlebitischen Herd aus eine Ein¬ 
schwemmung von Streptokokken in das Blut eintritL Mit dem Blutstrome 
gelangen die spezifischen Erreger in die verschiedenen Organe, um dort 
entweder mehr oder weniger charakteristische Erscheinungen hervorzurufen 
od? nur deponiert zu werden. Auf diese Weise ist die Entstehung der 
Roseolen und Entzündungsherde im Knochenmark, sowie in den Follikular- 
gebilden des Darmes gleichsam als Metastasen zu erküren. 

Curschmann vermißte nur in 3 Fällen unter 21 Typhusbazillen im 
kreisenden Blute. Einmal erschienen sie schon zu Beginn des 3. Krankheits¬ 
tages in sehr zahlreichen Kulturen, bei 8 im Verlauf des 9. Krankheitstages. 
Die Methode scheint aber leider für die Erkenntnis leichter und leichtester 
Fälle nicht ebenso verwertbar zu sein, wie für die schweren und mittel¬ 
schweren. Bei letzteren sind von Anfang an und während der ganzen Fieber¬ 
zeit Typhusbazillen im Blute nachweisbar. In schweren Fällen konnte er die 
Bazillen noch am 28. Fiebertage und einmal während der Rekonvalescenz 
beobachten. Hierdurch bestätigt sich die Auffassung des Recidivs als eine 
Wiederholung oder Erneuerung der Krankheit Nach Curschmann hat 
diese Methode auch für den Praktiker Bedeutung und Wert Denn ohne 
Gefahr könnten den Patienten aus einer größeren Vene eine größere Menge 
Blut entnommen werden, mit welchem der Sachverständige die Untersuchung 
vornehmen könnte. Vor dieser Methode bevorzugen Adler und Hayashi- 
kawa die Punktion der Milz, welche Curschmann u. a. für gefährlich 
hatten, und bezeichnen sie geradezu als unentbehrlich für die frühe und 
sichere Diagnose des Typhus. In 18 Fällen war die Untersuchung H.s mit¬ 
tels der Milzpunktion 17 mal d. h. 94% positiv. Die unbefriedigenden Re¬ 
sultate, welche die Stuhluntersuchungen auf Bazillen ergeben, sind einmal 
davon abhängig, daß die Bazillen mit den massenhaften Entleerungen aus 
dem Darm verschwunden sein können, ferner aber sehr wahrscheinlich davon, 
daß in vielen Fällen des Typhus abdominalis die Darmgeschwüre geringfügig 
a u s g eprägt sein können. Der Nachweis der Bazillen im Ham gelang ihm in 
18,1 % seiner Fälle. Nach Adler ist die Milzpunktion völlig gefühllos und 
liefert in mehr als 90% der Fälle eine sichere und schnelle Diagnose inner¬ 
halb 10—20 Stunden. Als Kontraindikation kommen Hämophilie, hämorrha¬ 
gische Diathese und hohes Alter des Patienten in Betracht 

Im Urin fand Biss bei seiner Untersuchung von 311 Fällen Typhus¬ 
bazillen 39 mal und zwar am frühesten am 12, im Durchschnitt am 43. Tage, 
allerdings in Gemeinschaft mit Bacterium coli und anderen Mikrobien. 
Denyer untersuchte in 10 Fällen Typhusurin auf Bakteriengehalt Dazu 
kamen drei letal verlaufene Fälle, bei denen der Ham aus der Blase entnom¬ 
men wurde und ein Fall von vorgeschrittener Rekonvalescenz. Er fand 
2mal Typhusbazillen, 8mal Staphylokokken allein und 3 mal mit anderen 
Mikrobien. In einem letalen Falle isolierte er aus Milz, Nieren und Urin 
Parakolonbazilien in Reinkultur, in. beiden anderen waren die Nieren steril. 


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— 108 — 

Auch in Schnittpräparaten konnten Typhusbazillen nicht entdeckt werden. 
Denyer schließt daraus, daß die Typhusbazillen in den Urin von Typhus¬ 
kranken am wahrscheinlichsten auf dem Wege der Lymphbahnen gelangen. 
Dem entgegen bezeichnet es Eug. Fränkel, so mühsam und schwierig es 
auch für den geübten Bakteriologen selbst mit Hilfe der eiektiven Nährböden 
ist, Typhusbazillen in den Dejektionen von Typhuskranken oder von typhus¬ 
verdächtigen Personen nachzuweisen, als eine leichte Aufgabe, die Typhus¬ 
bazillen in den Organen von Typhusleichen speziell aus der Milz mittels des 
Kulturverfahrens zu gewinnen. Sicher sind die Bazillen in jedem Falle eines 
auf der Höhe der Krankheit Verstorbenen mit Leichtigkeit zu isolieren. Ja 
auch in späteren Stadien der Krankheit selbst, nach Heilung des typhösen 
Prozesses gelingt es, wenn auch keineswegs regelmäßig, sie nachzuweisen. 
Burdach konnte in 18 von 25 Fällen (75%) aus Eiter, Blut, Stuhl, Urin, 
und aus dem punktierten Milzsaft den Nachweis genau identifizierter Typhus¬ 
bazillen führen. Weichardt fand Typhusbazillen massenhaft in Leber, Milz 
und Mesenterialdrüsen, während sonst charakteristische pathologisch-anato¬ 
mische Merkmale bei der Sektion mangelten. Clinstock züchtete aus dem 
Eiter einer Basilarmeningitis, eines purulenten Exsudates in den Seitenventri¬ 
keln und eines Abszesses des linken Temporallappens Typhusbazillen in 
Reinkultur, während in einem Falle von Himabszeß StaphyL pyog. aur. iso¬ 
liert wurde. 

Jacobi fand Typhusbazillen unter 37 Fällen 7mal (20%) im Urin. Der 
sonst angegebene Prozentsatz ist im Durchschnitt 28%. In allen 7 Fällen 
lag gleichzeitig mehr weniger ausgesprochene Albuminurie, zum Teil (4mal) 
mit Zyiindrurie und Blutzellen im Sediment vor. Er glaubt daraus schließen 
zu dürfen, daß vorwiegend kranke Nieren Bazillen durchtreten lassen. Der 
Eintritt der Bazillurie erfolgt meist in der 2. oder 3. Woche, einmal schon 
am 8. Tage. Da in diesem Falle reichliche Roseola vorhanden waren, neigt 
Jacobi zu dem Schluß, daß in reichlicher Weise Bazillen im Blute zirku¬ 
lierten. Auch Abt fand unter 90 Typhen bei Kindern 5mal Typhusbazillen 
im Urin bei gleichzeitiger Albuminurie. Unter den 41 Fällen von Fuchs 
lag in 14 Fällen Bazillenausscheidung durch den Ham vor. Allerdings nur 
in 4 handelte es sich um massenhafte Ausscheidung von Typhusbazillen, in 
den anderen bald um Kolibakterien, bald um Kokken, bald um Bakterien, 
welche weder zur Typhus- noch zur Koligruppe gehörten. 

Ein Beispiel, wie lange noch nach dem Überstehen des Typhus die 
Typhusbazillen durch den Ham ausgeschieden werden können, gibt Büsing. 
Bei einem aus China heimgekehrten Krieger fanden sich noch 4 Monate 
nach Beginn der Rekonvalescenz im Ham Typhusbazillen, welche auf Uro¬ 
tropin schwanden. 

Die Oruber-Widalsche Reaktion betrifft eine Reihe von Arbeiten. 
Libman n hat in 860 Fällen 3514mal die Agglutination geprüft. Dabei han¬ 
delte es sich 344mal um Typhus, und unter diesen fand sich 180 mal ein 
negatives Resultat, trotzdem es um Typhus, sich handelte In den 526 
nichttyphösen Fällen war das Ergebnis stets negativ. Der früheste Termin 
des Eintrittes der positiven Reaktion war der 3. Tag, der späteste, an welchem 
die Reaktion zuerst auftrat, der 67. Tag. Im allgemeinen trat sie in Vs am 


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— 109 — 

Ende der ersten Woche, in */j *m Ende der zweiten Woche auf. Bei 84 
infantilen Typhen blieb die Reaktion dreimal aus. Unter 115 anderen fieber¬ 
haften Krankheiten war sie nicht vorhanden. Diese Erfahrung führt zu dem 
Schlüsse, daß der positive Ausfall der Widalschen Reaktion in diagnosti¬ 
scher Beziehung bei Kindern einen besonderen Wert beansprucht, da der 
Typhus im Kindesalter sehr häufig einen atypischen Verlauf nimmt, ja uner¬ 
kannt bleiben kann. Insbesondere tritt diese wertvolle Leistung bei Kindern 
unter 2 Jahren hervor. Nobäcourt und Soisin berichten 3 Fälle, in 
welchen die Differenzialdiagnose vom gewöhnlichen Darmkatarrh nur durch 
die Widalsche Reaktion möglich wurde. Für die Prognose anerkennt Lib¬ 
man n der Agglutination keinen Wert, weil sie in leichten Fällen manchmal 
spät, in schweren zuweilen früh auftritL Vigno teilt 14 Fälle mit, in welchen 
der Typhus durch positive Widalreaktion sichergestellt wurde. Kölzer 
gründet seine Erfahrungen auf 753 angestellten Proben in 32 Fällen. Abt 
fand sie unter 90 Fällen bei Kindern bis auf 2 stets positiv. Lewis erzielte 
unter 75 Fällen 64mal positive Reaktion und zwar 13mal in der 1., 24mal 
in der 2. und 14mal in der 3. Krankheitswoche. Camidge hat in 8Monaten 
177 mal die Serumprobe gemacht und 105 mal Typhus festgestellt und zwar 
mit sicherer Diagnose, wenn unter dem Mikroskop in einer Verdünnung 
1 : 40 Agglutination der Typhusbazillen beobachtet wurde, mit Wahrschein¬ 
lichkeitsdiagnose bei einer Verdünnung von 1:20. 12 dieser letzten Fälle 
erwiesen sich nachträglich als Typhus. Indes unter 60 Fällen mit negativer 
Probe handelte es sich immerhin in 6 dennoch um Typhus. Unter 37 Typhus- 
fällen Courmonts fehlte die Reaktion 6mal. Die nach Grawitz modifi¬ 
zierte Gruber-Widalsche Agglutination wandte Gebauer in 64 Fällen an. 
Sein Schluß aus diesen Prüfungen ist, daß ein negativer Ausfall nichts gegen 
Typhus beweist Ein ausgesprochenes positives Resultat aber läßt die An¬ 
nahme der Krankheit fast gesichert erscheinen. Kühn und Sucksdorff 
fanden eine positive Reaktion frühzeitig in 95 %. 

Es bricht sich immer mehr die Auffassung Bahn, daß die als ganz un¬ 
fehlbares Zeichen für Abdominaltyphus, als unerläßliche Vorbedingung einer 
wissenschaftlichen Typhusdiagnose angesehene Gruber-Widalsche Reak¬ 
tion keineswegs absolut sicher ist Sie kommt z. B. auch bei Sepsis u. a. 
vor. Sion und Negel berichten einen Fall positiver Reaktion, in welchem 
die Sektion eine linksseitige Himembolie und Bronchopneumonie zu Tage 
förderte. Lommel beobachtete einen Fall von Puerperalfieber mit ausge¬ 
sprochener Widalreaktion bei 1:80. Dun belegt die Ansicht, daß die 
Widalsche Probe nicht immer für die Diagnose des Typhus entscheidend 
sein kann, durch ein Beispiel. Der Patient erkrankte unter den Erscheinun¬ 
gen der Influenza, am 6. Tage trat Pneumonie hinzu. Gleichzeitig regte sich 
der Verdacht auf Typhus. Der Kranke wurde komatös und starb am 13. 
Tage. Die Widalprobe fiel am 11. Tage negativ, und noch am 12. unbe¬ 
stimmt aus. 

Nach CasteilanisUntersuchungen nimmt bei experimentellen, gleichzeitig 
hervorgerufenen Mischinfektionen das Blutserum von löminchen Agglutinations¬ 
vermögen für alle Mikroorganismen an, mit welchen das Tier geimpft wurde 
(Typhus-, Kpli-, Dysenteriebazillen). Anfang, Intensitätsgrad und Dauer der 


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Agglutination für jeden Bacillus entspricht den bei Tieren, welche nur mit 
einem Bacillus injiziert worden sind, gefundenen Werten. Verursacht man 
im Verlaufe einer experimentellen Infektion im Anfang oder am Schluß eine 
zweite, so nimmt das Blut Agglutinationsvermögen für die Erreger beider 
Infektionen an, welche sich identisch denjenigen verhalten, welche man bei 
gleichzeitig gemischten Infektionen beobachtet Wird die zweite Infektion 
hervorgerufen, wenn das Agglutinationsvermögen für den Erreger der ersten 
schon sehr entwickelt ist, so behält das Blutserum stets im gleichen Inten¬ 
sitätsgrade die Agglutination für den ersten Mikroorganismus bei, und nimmt 
meist auch ein Aggiutionationsvermögen für den zweiten an, nach Zeitpunkt 
des Auftretens, Intensität und Dauer dem gleich, welches man bei nur mit 
dem betreffenden Bazillus injizierten Tieren antrifft. Auch bei Mischinfek¬ 
tionen des Menschen nimmt das Blutserum sehr wahrscheinlich Aggluti¬ 
nationsvermögen gegenüber dem Erreger jeder einzelnen Infektion an. Die 
Gruber-Widalsche Reaktion kann daher in einzelnen Fällen zur Diagnose 
eine Mischinfektion dienen, allein in anderen (z. B. bei Typhus- und Koli- 
bazillen) reicht sie allein nicht ohne weiteres für die Diagnose aus, da die 
betreffenden Mikroorganismen sich gegenseitig beeinflussen. Auch Stern 
stimmt dem bei, daß das Blutserum eines Organismus, welcher von einem 
bestimmten Bazillus infiziert ist, nicht nur gegenüber diesem, sondern auch 
gegenüber verwandten Bazillen agglutinierende Wirkung besitzt Diese Ver¬ 
wandtschaft, bedingt durch die Gemeinsamkeit von Agglutinin-Rezeptoren, 
deckt sich nicht mit der bisherigen Gruppeneinteilung der Bakterien. Oewisse 
Proteus- und Staphylokokken-Stämme rufen eine erhebliche Mit-Agglu¬ 
tination gegenüber dem Typhusbazillus hervor. Die Agglutination spricht 
also nur mit Wahrscheinlichkeit für die infizierende Rolle des agglutinieren¬ 
den Mikroorganismus und zwar um so mehr je stärker das Agglutinations¬ 
vermögen des Serums ist Für die klinische Diagnose ist daher eine an¬ 
nähernde quantitative Bestimmung des Agglutinationsvermögens gegenüber 
den in Betracht kommenden Mikroorganismen, welche im Laufe der Krank¬ 
heit öfters wiederholt angestellt werden muß, erforderlich. Man darf daher 
nicht schlechthin von positiver oder negativer Reaktion reden, sondern muß 
genau angeben, bei welcher Verdünnung die Agglutination auftritt Der 
Kliniker muß die Agglutinationswirkung des Serums als ein Symptom an- 
sehen, welches er ebenso zu verwerten hat, wie andere diagno¬ 
stische Reaktionen. Auch bei der Agglutinationswirkung des Blutserums 
handelt es sich um eine Reaktion, welche jedoch nicht für eine bestimmte 
Bakterienart, sondern für gewisse Bestandteile der Bakterienzellen charakteri¬ 
stisch ist Die Serodiagnostik kann demnach den Nachweis des 
Infektionserregers nicht vollständig ersetzen. Die positive Gru¬ 
ber-Widalsche Reaktion ist wohl ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel, 
die negative aber beweist nichts (Kötzer). Dazu kommt, daß die Reaktion 
ab und zu noch lange Zeit nach erfolgter Heilung bestehen bleiben kann 
(Pfeiffer, Hayashikawa u. a.). Eine einmalige Vornahme der Probe hat 
also kaum einen Wert für eine sichere Diagnose, wenn auch der einmalige 
hochpositive Ausfall (Agglutination sofort oder in 15 Min. bei 1:30—1:50) 
mit höchster Wahrscheinlichkeit für Typbus spricht (Adler, Kühn und 


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111 


Sucksdorff). Sie muß unbedingt in Zwischenräumen von 3—5 Tagen 
wiederholt werden, um die unverkennbare Steigerung des Agglutinations- 
Vermögens nachzuweisen. Eine geringe Steigerung dieses ist unter Um¬ 
ständen schwer oder gar nicht festzustellen, da sie entweder auf dem rasch 
eintretenden Maximum konstant stehen bleibt oder auch im Bereich der un¬ 
vermeidlichen Fehlerquellen fallen kann (Hayashikawa). 

Für die Anstellung der Gruber-Widalschen Reaktion gibt Pröscher 
eine Anleitung, welche eine Vereinfachung der Methode und Zeitersparnis 
bedeuten soll Mittels U-förmiger Kapillarröhrchen wird aus einem Schnitte am 
Ohrläppchen Blut entnommen. Die gefüllten Kapillarröhrchen werden mit einem 
Tropfen Siegellack u. s. w. verschlossen und zentrifugiert Dann nimmt man 
die Siegelverschlüsse weg und läßt das Serum in eine Meßspipette laufen. 
Zur Herstellung der Verdünnung dient Kochsalzlösung. Nachdem diese 
vollzogen ist, erfolgt die Zugabe da* Typhuskultur und zwar einer Typhus¬ 
bouillonkultur, welche nach eintägigem Wachstum bei 37° durch Zugabe 
von 1 Teil 40°/ 0 igem Formalin auf 100 Teile Typhusbouillon abgetötet wird. 
Nach zweitägigem Stehen bildet sich ein Bodensatz, von welchem die 
Bouillon abgegossen wird. Sie hält sich im Eisschrank Wochen lang ge¬ 
brauchsfähig. 

Starck allerdings kann sich nicht überzeugen, daß das angegebene Ver¬ 
fahren weniger Zeit in Anspruch nimmt als das sonst übliche, welches z. B. 
auch auf der Heidelberger med. Klinik geübt wird: Blutentnahme mit der 
Lanzette in Pipettengläschen, Zentrifugieren, direkte Mischung mit der Kultur 
in der graduierten Meßpipette, Untersuchung im hängenden Tropfen. Er 
meint es sei eher das Gegenteil der Fall. 

Ficker ist es gelungen, eine Flüssigkeit herzustellen, welche es ermög¬ 
licht, die Gruber-Widalsche Reaktion ohne Verwendung einer lebenden 
Typhuskultur vorzunehmen. Die Reaktion verläuft hierbei dem bloßen Auge 
deutlich sichtbar und endigt völlig eindeutig. Sie geht bei Zimmertemperatur 
in kurzer Zeit vor sich. Das Reagenz stellt eine sterile, leicht getrübte Flüs¬ 
sigkeit dar und ist mindestens neun Monate haltbar. Das Resultat ist in ca. 
10—14 Stunden zu erhalten und seine Gewinnung erfordert kein bakteriolo¬ 
gisches Laboratorium. Hergestellt wird das Reagenz von E. Merck-Darm- 
stadt, beigegeben sind ihm die erforderlichen Utensilien in Miniaturformat. 

Ober die Vererbung und die intrauterine Übertragung der Agglutination 
von der Mutter auf den Fötus haben Stäubler und Jurewitsch experi¬ 
mentelle Untersuchungen an Meerschweinchen angestellt Sowohl die aktiv 
wie die passiv erworbenen Aggiutinine gehen von der Mutter auf den Fötus 
über, die aktiven, wenn der Beginn der Injektionen mindestens 14 Tage vor 
der Geburt zurückliegt Der Agglutinationswert des Fötalserums nähert sich 
um so mehr dem des mütterlichen Serums, bezw. kommt ihm gleich, je 
mehr die erste Injektion und der Wurf zeitlich getrennt sind. An Meer¬ 
schweinchen, welche während der ganzen Schwangerschaft immunisiert waren, 
konnte eine sehr geringe Agglutinationsfähigkeit im Blut der Früchte nach¬ 
gewiesen werden. Wenn dagegen vor der Schwangerschaft Tiere mit Typhus¬ 
kulturen behandelt wurden, war die Agglutinationsfähigkeit im Blute der 
Embryonen oft sogar viel größer als in dem der Mutter. 

Nr. 5. 


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Jehle hat die Plazenten und Föten von typhuskranken Müttern aus der 
3—5. Krankheitswoche und bei einem Alter der Föten von 2—7 Monaten 
untersucht Plazenten und Föten waren stets frei von Typhusbazillen. Das 
Blutserum eines 7 Monate alten Fötus, welcher in der 5. Woche abortiert 
wurde, agglutinierte 1:30 langsam, während die Mutter noch 1:100 aggiu- 
tinierte. Die Blutsera der anderen Föten agglutinierten auch 1:10 nicht 
Es ergibt sich also durchweg negatives Resultat in Bezug auf die Infektion 
des Fötus auf dem Wege des Plazentarkreislaufes. Ferner zeigte sich, daß 
das Blutserum des Fötus, welcher frei von Typhusbakterien ist, keine oder 
nur geringe Agglutinationskraft besitzt, selbst dann, wenn die Erkrankung 
der Mutter in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft erfolgt 

Die Ehrlichsche Diazoreaktion darf als absolut sicheres diagnostisches 
Mittel beim Typhus abdominalis nicht angesehen werden. Sie kann als wert¬ 
volles Zeichen gelten, wenn noch andere Symptome sich zugesellen (Kühn 
und Sucksdorff). Denn einmal kommt sie, wie Pfeiffer betont, auch bei 
anderen Krankheiten z. B. Influenza, Tuberkulose, vorzüglich Miliartuberku¬ 
lose, Meningitis, Masern u. a. m. vor. Sodann aber fehlt sie selbst beim 
Typhus gelegentlich. Abt fand sie unter 90 Fällen von infantilem Typhus 
nur 9mal negativ und besonders deutlich während der 2. Krankheitswoche. 
Vigno verzeichnet 11 positive Reaktionen unter 14 Fällen. Nach P6hu war 
sie in allen Fällen Mitte der 1. bis Ende der 3. Woche positiv. Gebauer hat 
von 58 Fällen die Reaktion angestellt Sie ergab ein positives Resultat in 39, 
blieb dauernd negativ in 17 und zweifelhaft in 2 Fällen. In Bezug auf den 
Zeitpunkt des Auftretens und Verschwindens der Reaktion bestätigte die 
Untersuchung die Erfahrung, daß man bei Typhus fast nur in der ersten 
und allenfalls noch in der zweiten Krankheitswoche mit einiger Wahrschein¬ 
lichkeit auf einen positiven Ausfall der Diazoreaktion rechnen darf. 

Die Blutuntersuchungen bezw. die Blutkörperchenzählungen haben eine 
Zeit lang beim Typhus eine nicht unerhebliche Rolle gespielt Man nahm 
zum Unterschied von allen anderen Infektionskrankheiten beim Typhus eine 
Herabsetzung, jedenfalls keine Vermehrung der Leukocyten im ccm an. 
Auch jetzt noch bezeichnet Kühn die Leukopenie nicht allein als eines der 
sichersten, sondern auch als eines der frühsten Typhussymptome. Kühn und 
Sucksdorff fanden Hypoleukocytose als Frühsymptom in 90% ihrer Fälle. 
Lewis fand die Zahl der weißen Blutkörperchen in 45 von 58 Fällen unter 
10000 am Aufnahmetage, 7 mal unter 5000, 4mal zwischen 5—7000. Abt 
konstatierte bei seiner Untersuchung von 90 Fällen infantilen Typhus wäh¬ 
rend des ganzen Krankheitsveriaufes eine ständige Verminderung des Hämo¬ 
globingehaltes. Die roten Blutkörperchen waren nur im Beginn unverändert 
in ihrer Form. Bei gesteigerter Anämie entwickelte sich Poikilocytose. Die 
Zahl der Leukocyten war im Anfang normal, am Ende der 3. Woche aber 
deutlich vermindert Winter beobachtete mit dem Fortschreiten des Typhus 
eine Abnahme der roten Blutkörperchen und bei beginnender Genesung eine 
Zunahme. Die Leukocytenzahi wird geringer während des Fiebers und zwar 
im ganzen regelmäßig, so daß der Befund differentialdiagnostisch sich ver¬ 
werten läßt Die polymorphnukleären Zellen vermindern sich prozentual pro¬ 
gressiv bis in die Rekonvaiescenz hinein, während die großen mononukleiren 


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Zellen entsprechend zunehmen. Der Prozentgehalt der Lymphocyten wächst 
während des Fiebers, am meisten aber in der Rekonvalescenz. Die Eosino¬ 
philen, welche während des Fiebers prozentual vermindert sind, erreichen 
oder überschreiten die Norm in der Rekonvalescenz. Indes läßt die gerühmte 
Methode der Blutkörperchenzählung gerade bei den differentialdiagnostisch 
schwierigsten Krankheiten, bei der akuten Miliartuberkulose, bei der akuten 
Sepsis im Stich (Pfeiffer}. Dagegen rühmt Rogers den differentialdiagno¬ 
stischen Wert der Leukocytenzahl gegenüber Malaria. Das Ansteigen der 
Lymphocyten auf 40% und mehr, ohne daß die großen mononukleären 
Zellen vermehrt sind, spricht für Typhus gegen Malaria. Die Vermehrung 
der großen mononukleären Formen auf 12% und mehr, besonders während 
des Temperaturabfalls, deutet auf Malaria. Das ist besonders wichtig, wenn 
Parasiten im Blute nicht nachgewiesen werden können. Die Anwesenheit 
von Mydocyten in Mengen von 1—5 % spricht für Malaria. Hochgradige 
Anämie mit Herabsetzung der Zahl der roten Blutkörperchen auf 3 Mill. und 
weniger kommt häufiger bei Malaria als bei Typhus vor. Auch die starke 
Herabsetzung der Leukocyten unter 2000 trifft man häufiger bei Malaria als 
bei Typhus, während das Verhältnis der weißen zu den roten Blutkörperchen 
bei Malaria nicht sdten größer als 1 :2000 ist, dn Befund, wdcher nur bei 
Typhus sich erheben läßt 

(Fortsetzung folgt) 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

Vaadanme: Un cas interessant de diabtte. (Polidinique, Nr. 24.) 

Der Fall ist nach mehreren Richtungen hin interessant, zunächst hinsichtlich 
des Alters. Selten betrifft der Diabetes junge Leute und in diesen Fällen pflegt 
er sehr schwer zu sein und in kurzem Verlauf letal zu enden. Der 23 jährige 
Patient steht bereits über ein Jahr in Beobachtung, und man konnte bei ihm eine 
recht beträchtliche Besserung konstatieren. Es bestand nur noch eine alimentäre 
Olykosurie, trotzdem vorher die Glykosurie außerordentlich intensiv gewesen war, 
und eine sehr ernste Prognose stellen ließ. Die Stoffwechselstörung bezog sich 
nicht nur auf die Amylazeen, sondern ebenso auf andere Elemente. Harnstoff, 
Chloride und Phosphate waren stark vermehrt. Einen sehr großen Einfluß auf 
den Verlauf der Krankheit scheint die Ruhekur gehabt zu haben. Mit dem Augen¬ 
blick der Bettruhe sank der Wert des Zuckers im Urin und der anderen Elemente 
progressiv, ohne daß ein Medikament gereicht wurde. Das Resultat hielt auch 
mehrere Monate an, so daß man darauf rechnen kann, daß es andauem wird. 
Jedenfalls konnte der Patient seine Beschäftigung wieder aufnehmen, ohne daß 
beunruhigende Erscheinungen sich zeigten. Im Gegenteil scheint der Organismus 
seine normalen Funktionen wieder erlangt zu haben. Natürlich bleibt in diesem 
Falle die Wiederkehr ernster Verhältnisse nicht ausgeschlossen, in Gegenteil 
zu fürchten. Trotzdem kann man die Prognose günstiger stellen als sonst 

v. Boltenstern (Leipzig). 


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S&mter, L: Darf der Diabetiker heiraten? (Deutsche Arztezeitung, S. 294.) 

S. faßt seine Ausführungen in folgenden Sitzen zusammen: Mit Rücksicht auf 
die mancherlei Gefahren, denen jeder Diabetische zeitlebens ausgesetzt bleibt 
(Koma, Gangrän, Impotenz, Vererblichkeit etc.) sollte von der Eheschließung ab¬ 
geraten werden, außer wo es sich um ganz leichte Formen der Erkrankung 
handelt. Dahin sind zu rechnen: körperlich kräftige Personen von gutem Ernäh¬ 
rungszustand und heiterem Temperament ohne besondere Komplikationen, mög¬ 
lichst schon in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre stehend, welche längerer 
Beobachtung zufolge, dauernd mindestens eine gleichbleibende Menge von Koh¬ 
lenhydraten (nicht unter 80—100 g pro die) zu assimilieren vermögen. Ferner 
müssen dieselben im stände sein, gelegentlich stärkere Entziehung der Amylaceen 
in der Nahrung anstandslos durchzuführen und sich in günstigen äußeren Lebens¬ 
verhältnissen befinden. Die Auffassung deckt sich wohl mit der von den meisten 
Autoren angenommenen. Schreiber (Göttingen). 

Lorand, A.: Le traitement des cases de diabtte. (Polidinique, Nr. 20.) 

L. befürwortet für die Behandlung der schweren Fälle von Diabetes die 
Wernitzsche Methode der Darreichung von Alkalien. Durch sie kann man die 
Hauptindikationen erfüllen, welche sich bei toxischen Prozessen geltend machen, 
die Elimination der Toxine. Dazu sind zweckmäßig hinzuzufügen tägliche warme 
Bäder um die Hautfunktion anzuregen. Auch hierdurch wird die Ausscheidung 
der Toxine erleichtert und die schweren Diabetesfälle gemildert Auch in mittel¬ 
schweren Fällen besonders mit hartnäckiger Glykosurie hat die Methode große 
Vorteile, besonders wenn man sie mit einer Trinkkur verbindet, weil man auf 
diese Weise mehr Alkalien einführen kann als per os allein. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Lieblein, V.: Zur Kasuistik der Fremdkörper der Speiseröhre. (Prager med. Wochen- 

sehr., Nr. 4.) 

Verf. berichtet über 3 Fälle von Fremdkörpern der Speiseröhre, bei welchen 
sämtlich die Operation ausgeführt werden mußte. Diese zeigte, daß die Extrak¬ 
tion des Fremdkörpers per os etweder ganz unmöglich gewesen wäre, oder doch 
für den Kranken von den schlimmsten Folgen hätte begleitet sein können. Im 
ersten Falle handelte es sich um ein l a / # jähriges Kind, welches einen großen 
Homknopf von 23 mm Durchmesser verschluckt hatte. Im zweiten hatte ein 
5jähriger Knabe eine sogen. Nachtigallpfeife verschluckt. Der Fremdkörper hatte 
sich eng an die vordere Wand angelegt und diese so stark vorgebuchtet, daß 
man ihm mit dem Münzenfänger nicht beikommen konnte. Der dritte Fall betraf 
ein 17jähriges Dienstmädchen, weiches einen Gansknochen verschluckt hatte. 
Ein Versuch, ihn in den Magen hinabzustoßen, war schon vorher mislungen. Der 
Knochen obturierte vollkommen den Oesophagus. Bei allen drei Fällen wurde die 
Oesophagotomia externa vorgenommen, zweimal mit Erfolg. Der erste Patient 
starb bald darauf an Bronchopneumonie. v. Boltenstern (Leipzig). 

Debromyslow, W.: Zur Frage der transpleuralen Resektion der Speiseröhre. (Russkij 
Chirurgitscheskij Archiv; St. Petersburger med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Die experimentellen Untersuchungen D.s, die an Leichen und Hunden ange¬ 
stellt wurden, hatten zum Zweck, die Zugänglichkeit des Brustabschnittes der 
Speiseröhre näher zu studieren. Die 17 Versuche an Hunden bewiesen die Mög¬ 
lichkeit, transpleural an den Ösophagus heranzukommen. Bedingung war aber, 
daß während der Operation künstliche Atmung unterhalten und später die Luft 
aus der Pleurahöhle aspiriert wurde, sonst erlagen die Tiere dem Pneumothorax. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Manddberg, L: Resektion der Speiseröhre, präventive FistelbUdniig. ösophagoplastik. 

(Russldj Chirurgitschesltij Archiv; St Petersburger med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Es handelt sich um einen 55 jährigen Patienten mit cardnomatöser Stenose 
der Speiseröhre im Halsteil, 15 cm von der Zahnreihe entfernt. Es wurde durch 
einen 8 cm langen Schnitt die befallene Partie der Speiseröhre freigelegt und 
unterhalb der Striktur eröffnet, um durch ausgiebige Ernährung den Kräftezustand 
zu heben. Nach einem Monat wurde die Resektion der Geschwulst vorgenom- 
men, wobei ein 5 cm hoher Zylinder aus der Speiseröhre entfernt wurde, ln 
derselben Sitzung wurde der Defekt an der hinteren Wand durch einen Haut¬ 
lappen vom Halse gedeckt ln zwei weiteren Sitzungen wurde dann durch Plastik 
auch die vordere Wand ersetzt und so die Kontinuität der Speiseröhre hergestellt 
Heilung mit kleiner Fistel. Eine plötzlich aufgetretene Stimmbandlähmung machte 
die Tracheotomie notwendig. Pat wurde mit Trachealkanüle entlassen. Ein 
Jahr nach der Operation bestand Wohlbefinden. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Prenss: Die Appetitlosigkeit anämischer Kinder. (Deutsche Ärztezeitung, S. 292.) 

Neben Regelung der Diät, Soolbädem, hydrotherapeutischen Maßnahmen resp. 
Aufenthalt im Gebirge und Stomachica event. in Verbindung mit Eisenpräparaten 
empfiehlt P. besonders die Theinhardt sehe lösliche Kindernahrung. Zur Illu¬ 
stration der Wirkung derselben werden einige Krankengeschichten angeführt 

Schreiber (Göttingen). 

Edlefsen, 0.: Ober den Wert des Pepsins in der Behandlung der Verdauungsstörungen 
im Sftuglingsalter. (Wiener klin.-ther. Wochenschr., Nr. 4.) 

Verf. hat die Erfahrung seit den ersten Jahren seiner Praxis gemacht, daß 
bei den durch die Schwerverdaulichkeit der Kuhmilch verursachten Dyspepsien 
der künstlich ernährten Säuglinge in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle durch 
die Darreichung von Pepsin weit bessere Erfolge zu erreichen sind, als durch 
Zuführung von Salzsäure, welche er von vornherein für rationeller gehalten hat. 
Natürlich darf man sich von Pepsin nur dann Erfolg versprechen, wenn alles, 
insbesondere das Verhalten der Ausleerungen darauf schließen läßt, daß die vor¬ 
liegende Dyspepsie der Unfähigkeit des kindlichen Magens, die zugeführte Nahrung, 
die verdünnte Kuhmilch zu verdauen, ihre Entstehung verdankt Das Pepsin ist 
um so mehr indiziert, je jünger der Säugling zur Zeit der Erkrankung ist Be» 
Kindern, welche das Säuglingsalter überschritten haben, bei anderen Formen der 
Dyspepsie, vor allem bei Cholera nostras oder bei durch Infektion entstandener 
Gastroenteritis mit ihren schweren anatomischen Veränderungen bewährt sich 
Salzsäure besser. So recht eigentlich bilden die Domäne des Pepsins die dyspep¬ 
tischen Diarrhoen der künstlich ernährten Säuglinge, wie sie nur gelegentlich auch 
bei Brustkindern Vorkommen. Die Darmkatarrhe, bei welchen schon die einfache 
Betrachtung der Stuhlentleerungen in der Regel sofort erkennen läßt, daß die 
Milch und speziell das Kasein nur unvollkommen verdaut worden ist, und deren 
Entstehung mit Recht darauf zurückgeführt wird, daß die Nahrung in nicht genügend 
vorbereitetem Zustande aus dem Magen in den Darm Übertritt und deshalb ltiditer 
als bei normalem Ablauf der Magenverdauung der Zersetzung anheimfällt, welche 
weiter eine katarrhalische Erkrankung der Dannschleimhaut, eine Beschränkung 
der Darmverdauung zur Folge hat, diese Darmkatarrhe verschwinden lediglich 
unter Pepsinbehandlung meist auch ohne Unterbrechung der Milchemährung in 
kürzester Frist, ln der Regel nehmen die Ausleerungen schon in wenigen Tagen 
ihr normales Aussehen wieder an. Die Verdauung bleibt auch fernerhin bei mehr 
weniger lange fortgesetzten Pepsingebrauch völlig normal. Die Erklärung findet 
Edlefsen in 3 Möglichkeiten. Entweder ist der Pepsingehalt im Magensaft des 
Säuglings bei bestehender Dyspepsie nicht in genügender Weise und Menge vor¬ 
handen, oder das zugeführte Pepsin wirkt nicht nur dadurch günstig, daß es den 

Nr. 5. 


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Pepsingehalt erhöht, sondern auch dadurch, daß es in den leeren Magen gebracht, 
nach Art der kohlensauren Alkalien und Mineralwässer, die Magenschleimhaut 
zu vermehrter Säuresekretion anregt, oder endlich, daß das aus dem Schweine¬ 
magen dargestellte Präparat wirksamer ist als das menschliche. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Cohnheim, P.: Chirurgische Obergriffe bei der Behandlung der Gastroptose und ihre 
Abwehr. (Deutsche Ärztezeitung, S. 289 u. 315.) 

C. wendet sich gegen den Vorschlag Rovsings, die Gastroptose operativ zu 
behandeln, da sich derselbe auf eine vollkommen verkehrte, Ursache und Wir¬ 
kung verwechselnde Auffassung von dem Wesen der Gastroptose aufbaue, und 
weil dies Verfahren einen großen Teil der Kranken nutzlos den Gefahren der 
Laparotomie aussetze. Diese Behauptung wird durch eine kurze Darstellung des 
Krankheitsbildes und der Therapie sowie durch kasuistische Mitteilungen gestützt 

Schreiber (Göttingen). 

Fedorow, S.: Zur Kasuistik der Magenchirurgie: Totale Magenresektiou. Zwei Pille 
von Gastroenterostomie bei Magenblutungen. Gastroenterostomie bei Dilatation der 
Speiseröhre. (Russkij Chirurgitscheskij Archiv; St. Petersburger med. Wochenschr., 

Nr. 51.) 

Die totale Magenresektion wurde an einem 35 jährigen, sehr reduzierten 
Kranken mit ausgedehntem Cardnom ausgeführt. Die außerordentliche Beweg¬ 
lichkeit des Duodenums ermöglichte eine direkte Vereinigung desselben mit dem 
Ösophagus. Doch trat an letzterem eine zirkuläre Gangrän des untersten Ab¬ 
schnittes ein, die zu Peritonitis führte. Tod am 6. Tage. — In dem einen Fall 
von Magenblutung wurde bei der Operation trotz weiter Eröffnung des Magens 
die blutende Stelle nicht gefunden. Nach der Gastroenterostomie trat nochmals 
eine heftige Blutung auf; doch erfolgte schließlich Genesung. — Die Ösophagus¬ 
dilatation wurde ösophagoskopisch festgestellt, es bestanden dyspeptische Erschei¬ 
nungen und Schluckbeschwerden. Wegen Annahme einer Pylorusstenose wurde 
die Gastroenterostomie gemacht Pylorus stark verengt. Heilung. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Dobromyslow, W.: Zur Lehre von den primären Sarkomen des Magens. (Russkij 
Chirurgitscheskij Archiv; St Petersburger med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Der 53jährige Patient hatte eine kindskopfgroße, ziemlich bewegliche Ge¬ 
schwulst im Epigastrium. Laparotomie. Die Geschwulst saß der Pars pylorica 
an der kleinen Kurvatur auf. Bei der Exstirpation wurde hier der Magen eröffnet. 
— Heilung. — Die Geschwulst hatte etwa 15 cm im Durchmesser und enthielt 
eine größere, mit blutiger Flüssigkeit gefüllte Cyste. Mikroskopisch war es ein 
Spindelzellensarkom, das in der Muscularis des Magens entstanden sein mußte. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Koettiltz, H.: De« cas atypiques de cardnome gastrique. (Polidinique, Nr. 23.) 

Im ersten Falle handelt es sich um Cardnom des Pylorus. Er zeigte zunächst 
die Eigentümlichkeit, daß ein normaler Chemismus mit dem Mangel von Milch¬ 
säure einherging. Darnach muß nicht in allen Fällen von Magenkrebs Milchsäure 
vorliegen. Vielleicht wird dies dadurch bedingt, wie Reissner annimmt, daß 
es sich nicht um eine candnomatöse Ulceration handelte. Dadurch wenigstens 
erklärt sich der Mangel des typischen Erbrechens, der Hämatemesis. Interessant 
ist ferner, daß sich die Entwickelung des Leidens an ein Gallensteinleiden, welches 
4 Jahre vorher bestand, anschloß. Wahrscheinlich sind die gastrischen Störungen, 
welche den Kranken nur in mäßigem Grade belästigten, unter dem hepatisdien 
Einfluß gesteigert infolge der vermehrten Magensekretion und haben durch den 


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117 


■andauernden Reiz des außerordentlich sauren Magensaftes zur Ulceration und zur 
Neubildung geführt 

Im zweiten Falle lag ein Cardnom der großen Kurvatur vor. Es bestanden 
aber weder Gastrorrhagien noch kaffeesatzähnliches Erbrechen. Auch konnte lange 
Zeit ein Tumor nicht gefühlt werden. Die Untersuchung des Magenchemismus, die 
Gegenwart von Milchsäure konnte die Diagnose nicht stützen. Gastrische Schmer¬ 
zen lagen nicht vor, sondern nur abdominelle. Einmal wurde spärlich erbrochen 
ohne charakteristische Färbung, nur einmal wies die Spülflüssigkeit braunschwärz- 
liche Partikel auf. Anorexie bestand nicht, vielmehr hob sich der Appetit unter 
geeigneter Diät Die Obstipation bot nichts Pathognomisches. Das einzige für 
Krebs sprechende Zeichen war die Kachexie. Die Gastrektasie und die Stauung 
müssen mehr auf die Muskelatonie als auf den Tumor, welcher den ungewöhn¬ 
lichen Sitz an der großen Kurvatur hatte, bezogen werden. Dazu bestand in den 
letzten Monaten des Lebens eine beträchtliche Hyperleukocytose. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Metzger, L: Eine einfache Methode der Sterilisierung von Magensonden in strömendem 
Wasserdampf. (Deutsche Ärztezeitung, S. 344.) 

M. benutzt zur Dampferzeugung eine gewöhnliche Laboratoriumsspritzflasche, 
deren lange bis zum Boden reichende Röhre mit dem Schlauch verbunden wird. 
Nach einigen Minuten soll Wasserdampf aus den Sondenfenstern ausströmen, der 
noch eine Temperatur von 100° hat Selbstverständlich muß die Sonde vorher 
mechanisch gereinigt sein. Die Sonde leidet unter dieser Sterilisation nicht. 

Schreiber (Oöttingen). 

Dombrowsld (Warschau): Ober die Widalsche Reaktion und deren praktische Bedeu¬ 
tung. (Hygienische Rundschau, Nr. 5.) 

D.s Beobachtungen umfassen insgesamt 134 Individuen, an denen 150 Proben 
ausgeführt wurden. Von den Kranken waren 96 typhusverdächtig, 18 litten an 
Lungentuberkulose, 20 Personen waren gesund und hatten nachweislich nicht an 
Abdominaltyphus gelitten. Seine Resultate sind folgende. 1) Die Widalsche 
Probe ist eins der zuverlässigsten diagnostischen Hilfsmittel bei Typhus, jedoch 
ist sie nicht als pathognomonisch für Typhus anzusehen, da sie in der ursprüng¬ 
lich angegebenen Verdünnung 1 : 10 häufig irrtümliche Resultate gegeben hat 
2) Bei den erforderlichen stärkeren Verdünnungen steht die makroskopische 
Diagnose der mikroskopischen an Genauigkeit nach, da bei der letzten die Ein¬ 
wirkung auf den einzelnen Bazillus, bei der ersten nur eine Farbenänderung, die 
bei schwachem Hervortreten unsicher ist, wahrgenommen wird. Deshalb müssen 
beide Proben nebeneinander angewandt werden. 3) Es genügt die Verdünnungen 
von 1 : 50 und 1 :100 anzuwenden. 4) Das Blutserum von Phthisikern lieferte in 
33 % der Fälle ein positives Resultat bei einer Verdünnung von 1 :10 in 16,6 % 
noch in 1 : 25. Bei akuter allgemeiner Miliartuberkulose fiel die Probe 2 mal in 
einer Verdünnung von 1 : 25 positiv aus. 5) Bei 21 gesunden Menschen war sie 
immer auch im Verhältnis 1 : 10 negativ. Wendenburg (Göttingen). 

Bienstock (Mülhausen i. E.): Die Bekämpfung des Typhus in Paris. (Hygienische 

Rundschau, Nr. 3.) 

Als in den Jahren 1899 und 1900 die Typhussterblichkeit rapide anstieg, suchte 
man durch umfassende Untersuchungen die Ursache dieser Zunahme der Erkran¬ 
kungen festzustellen. Ausgehend von dem Oedanken, daß der Typhuserreger im 
Wasser kaum mit Sicherheit nachzuweisen ist, versuchte man ihn auf seinem Wege 
vom kranken Menschen zum Wasser zu fangen und unschädlich zu machen. Dazu 
gehörte außer der Feststellung der Typhusfälle vor allem eine genaue Erforschung 
der Möglichkeiten, durch die Typhuskeime in die Pariser Quellen gelangen konnten. 
Mittels des Fluoresdnnachweises konnte man zunächst eine Kommunikation dieser 


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— 118 — 

Quellen mit Senkungen bis zu 80 km Entfernung feststeilen. Dann wurde durd» 
Ausschüttung von Bierhefe in den verschiedenen Quellgebieten versucht, die Zeit¬ 
dauer zu erfahren, die die Saccharomyceten gebrauchen, um von der Quelle bis 
in das Pariser Trinkwasser zu gelangen, und vor allem, ob sie überhaupt und auf 
welche Entfernung sie noch in das Wasser gelangten. Nach diesen ausgezeich¬ 
neten Forschungen wurde dann jeder Zulauf aus typhusverdächtigen Gegenden 
zu den Trinkwasserquellen nach Möglichkeit unterdrückt Die Untersuchung des 
Wassers auf Typhusbazillen geschieht nach der Cam hier sehen Filtriermethode. 
Diese Methode im Verein mit den Koch sehen Vorschlägen auf alle larvierten 
Typhusfälle zu fahnden, wäre sicher für unser Land empfehlenswert und der 
Typhus auf diese Weise am ehesten auszurotten. 

Wendenburg (Göttingen). 

Filimowski: Die Topographie des Wurmfortsatzes. Kongreß der polnischen Chirurgen 
in Krakau. (Wiener med. Wochenschr., 1904, Nr. 2.) 

Im anatomischen Institute des Prof. Browicz lenkte F. sein Augenmerk bei 
100 Sektionen auf folgende, für den Chirurgen wichtige Verhältnisse: Länge des 
Wurmfortsatzes, dessen Durchgängigkeit, Richtung, Insertion am Blinddärme, ferner 
auf das Mesenterium, dessen Breite, Vaskularisation und Wanddicke. Es handelte 
sich um Fälle, in welchen klinisch Appendidtis ausgeschlossen war. 

Schlüsse: 

1. Der Wurmfortsatz entspringt fast immer aus der Taenia longitudinalis, und 
zwar aus der Seitenwand des Blinddarms. Der Wurmfortsatz kann daher 
am leichtesten aufgefunden werden, wenn man bei der Operation die Taenia 
longitudinalis verfolgt 

2. Sehr häufig findet man unerwartete Krankheitsprozesse, was bestätigt, daß 
Appendidtis eine häufigere Krankheit ist, als sie diagnostiziert wird. 

3. Die Lage des Wurmfortsatzes hatte gewöhnlich eine für das Individuum 
ungünstige Richtung, indem er, sei es gegen das kleine Becken, sei es gegen 
den Dünndarm, herabstieg, ln einer großen Anzahl der Fälle verläuft die 
Appendidtis unerkannt — wegen sehr geringer Beschwerden. Der Er¬ 
kennung dieser Krankheit müßte eine größere Aufmerksamkeit zugewandt 
werden. Eine sofortige Operation ist anzuraten, in welchem Falle dieselbe 
bei der heutigen Aseptik ungefährlich ist. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Rydygier: Die neuestes Änderungen der Anschauungen in der Frage der Appendidtis. 
Kongreß der polnischen Chirurgen in Krakau. (Wiener med. Wochenschr., 1904, 

Nr. 2.) 

Auf Orund eigener Beobachtungen wäre R. geneigt, in den atypisch verlau¬ 
fenden Fällen den Wurmfortsatz schon nach 48 Stunden zu excidieren. Er empfiehlt 
auch, in schweren, septischen, mit Bildung eines kleinen perityphlitischen Abscesses 
einhergehenden Fällen die Adhäsionen vorsichtig zu lösen, den Wurmfortsatz auf¬ 
zusuchen und herauszuschneiden. Entschieden ist er gegen die Drainierung per 
rectum der Abszesse in der Douglasschen Höhle. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Wilms: Ein Fall von Meckdschetn Divertikel. Med. Oesellsch. zu Leipzig. Sitzung 
vom 20. Okt. 1903. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 48.) 

Bei einem zwölftägigen Kinde trat nach Abfall der Nabelschnur am Nabel 
ein schleimhautartiger pflaumengroßer blauroter Wulst vor. Wegen Erscheinungen 
eines beginnenden Ileus sofortige Laparotomie mit Umschneidung des Nabels und 
Exstirpation des Divertikels. Heilung. Schade (Göttingen). 




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Topper, P. Y.: Complete obstroctioo of first portion of dnodeonm doe to pd stooes. 

(Interstate med. journal, Nr. 11.) 

Wenn eine Dannobstruktion bei Patienten eintritt, welche bereits einige Zeit 
eine entzündliche Störung in der Gegend des rechten Hypochondriums aufweisen, 
muß man einen Gallenstein als wahrscheinliche Ursache der Darmobstruktion 
ansehen. Die Wahrscheinlichkeit wächst, wenn es um ein weibliche^ Wesen in 
den mittleren Jahren sich handelt. Wegen der Nähe und der fixierten Lage ent¬ 
weicht der die Gallenblase durchbrechende Stein zumeist in das Duodenum. In 
zweiter Linie kommt das Kolon in Betracht Jejunum und Ileum werden wegen 
ihrer größeren Beweglichkeit seltener perforiert In das Duodenum eintretende 
Steine werden gwöhnlich in den Dünndarm weiter befördert, aber in ihrem Lauf 
aufgehalten durch allmähliche Verengerungen des Darmlumens. Oallensteine, 
welche in das Kolon durchbrechen, sind selten die Ursache von Obstruktion, sie 
gehen in der Regel leicht in das Rektum über. Gallensteine, welche kleiner als 
das Lumen des Darmes sind, verursachen Obstruktion wahrscheinlich infolge von 
dekubitaler Reizung und Abknickung. Der Sitz der Darmobstruktion kann oft 
annähernd durch gewisse Erscheinungen bestimmt werden, wie das Vorhanden¬ 
sein oder das Fehlen von Meteorismus, von Galle und Fäces im Erbrechen. Der 
untere Teil des Dünndarms ist häufiger der Sitz der Obstruktion infolge des 
Liegenbleibens eines wandernden, einfachen Steines. Selten bleibt ein Gallenstein 
im Duodenum unterhalb des Eintrittes des Gallenganges liegen und noch seltener 
zwischen dieser Stelle und dem Pylorus. ln den meisten Fällen handelt es sich 
um einen einzelnen Stein und nicht um eine Anzahl fazettierter Steine. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Sematzki: Ober einen Fall von Resektion eines 120 cm langen Dfinndarmstiicks bd 
Adenocardnoma intestini jejuni et ilei in zwei Stellen. (Wratschnebja Gazetta, 

1904, Nr. 2.) 

S. berichtet über eine Patientin, die 17 Jahre lang an Durchfall und Schmerz¬ 
attacken im Abdomen gelitten hatte. Außerdem wurde sie von permanentem 
Erbrechen gepeinigt, so daß sie an Körpergewicht immer mehr verlor und schlie߬ 
lich kaum 80 Pfund wog. Bei der Palpation konnte man stets eine Geschwulst 
wahrnehmen, die immer ein und dieselbe Stelle einnahm. Man dachte an eine 
Neubildung des Pylorus und nahm infolgedessen die Laparotomie vor. Bei der 
Operation stellte es sich aber heraus, daß die Geschwulst vom Dünndarm ausgeht, 
auf dem eine ganze Reihe sehr stark ausgesprochener ringförmiger, gänsefederkiel¬ 
dicker Strikturen vorhanden war. Die Gesamtzahl der Strikturen betrug 12. Sie 
waren auf zwei Abteilungen des Dünndarms verteilt, zwischen denen ein 30 cm lan¬ 
ger Abschnitt von vollständig gesundem Dünndarm lag. Resektion beider Dünndarm¬ 
stücke, die von den Strikturen eingenommen waren; die Länge des einen betrug 
40, die des anderen 80 cm., so daß im ganzen 120 cm Dünndarm reseziert wurden. 
Außerdem wurde eine vergrößerte Mesenterialdrüse entfernt Die Patientin er¬ 
holte sich rasch und nahm an Körpergewicht zu. Sämtliche Beschwerden ver¬ 
schwanden. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Stukkey, L: Der Murphyknopf und seine Modifikationen. (Russkij Chirurgitscheskij 
Archiv; St Petersburger med. Wochenschr., Nr. 51.) 

St bekennt sich im allgemeinen als Anhänger des Murphyknopfes, betont 
aber ausdrücklich die Fehlerhaftigkeit einer schematischen Anwendung desselben. 
Es sind bei Anwendung des Knopfes bestimmte Indikationen und Kontraindika¬ 
tionen zu beachten, deren Vernachlässigung sich rächen kann. St. sieht im 
Original-Murphyknopf das einzige sichere Ersatzmittel der Darmnaht; den Modi¬ 
fikationen haften entweder Mängel an, oder sie sind nur in beschränktem Maße 
anwendbar, oder die Technik der Anlegung ist so kompliziert, daß der Haupt¬ 
vorzug vor der Darmnaht, die Zeitersparnis, verloren geht. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Kanslcy, L: Bemerkung Aber den Chlumskysdien Darmknopf ans Magnesium. (Russinj 
Chirurgitscheskij Archiv; St. Petersburger med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Durch Tierexperimente konnte K. nach weisen, daß der Magnesiumknopf nur 
in den obersten Dannabschnitten, wo saure Reaktion besteht, gelöst wurde, in 
den unteren dagegen unverändert bleibe und hier vor dem Murphyknopf keine 
Vorzüge habe. Bei sehr hohem Säuregehalt des Magens ist sogar eine zu rasche 
Auflösung des Knopfes zu fürchten. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Glänard, F.s Indäpendance r&pective des lobcs da fole et localisations lobaires häpa- 
tiques. (Polidinique, 1904, Nr. 1.) 

Bei der Palpation unterscheidet O. drei Leberlappen, den rechten, den lobus 
quadratus oder cholecysticus und den lobus epigastricus. Die Einteilung ist umso 
mehr gerechtfertigt, als diese drei Lappen unabhängig von einander erkranken 
können. Man kann mono-, bi- und triiobäre Hypertrophien unterscheiden. Der 
Prozeß der Hypermegalie kann eben einen oder zwei oder drei Lappen beteiligen, 
je nach der Natur, nach dem Stadium der Krankheit Die bilobäre Hypertrophie 
kann zwei zusammenhängende oder die beiden äußeren Lappen ergreifen. Der 
eine Lappen kann hart sich anfühlen, der andere weich bleiben, der eine indolent, 
der andere hyperästhetisch, der Rand einmal scharf oder verdickt sein. Ein 
Lappen kann alle diese Eigenschaften haben, während der benachbarte das Gegen¬ 
teil aufweist Diese Verhältnisse sind durch die Art der Verteilung der Porta¬ 
zweige in der Leber bedingt Darauf beruht die Prädilektion des einen oder 
anderen Lappens je nach der Ursache der Krankheit Jedenfalls ist nicht unbe¬ 
dingt erforderlich, daß sich ein krankhafter Prozeß über das ganze Organ aus¬ 
dehnt Die Art der Beteiligung der Lappen folgt keineswegs in allen Krankheiten 
denselben Regeln, hängt indes von der Eintrittspforte des krankhaften Prinzips 
ab (Vena portarum, Vena cava, Gallenkanäle, Leberarterie). Das Moment für 
eine Intervention bei einem Leberprozeß liegt also in der Pathogenese der Krank¬ 
heit Je nach dem Charakter, welchen ein Lappen zeigt, kann man die Phase 
des Krankheitsprozesses bestimmen. Es ist also durchaus irrig, die Leber als 
homogene Drüse zu betrachten, welche unterschiedslos in allen ihren Punkten 
von der Vena portarum durchflossen wird und gegenüber Krankheitsvorgängen 
stets in der gleichen Weise in ihrer Totalität reagiert, das lehren auch die 
experimentellen Untersuchungen. Die Klinik lehrt weiter den Weg, welchen man 
zu verfolgen hat, um in die Einzelheiten der Erscheinungen einzudringen. Aus 
G.s Untersuchungen »Uber die Beziehungen zwischen Leber und Magendarm- 
kanal« geht hervor, daß eine Beziehung zwischen der Lokalisation der Hyperämie 
in diesem oder jenem Darmabschnitt und der Lokalisation der Kongestion in 
diesem oder jenem Leberlappen besteht. Die Ursache von Hyperämie und Kon¬ 
gestion ist immer eine zirkulatorische Störung, obwohl die Hyperästhesie bei der 
Palpation immer der Hypertrophie und im allgemeinen den Volumveränderungen 
der Leber vorangeht. 

Audi physiologisch und pathologisch-anatomisch ist diese Hypothese bewiesen 
von Serege, Erhard u. a. v. Boltenstern (Leipzig). 

Joannovics, Georg: Experimentelle Untersuchungen über Ikterus. (Zeitschr. f. Heil¬ 
kunde, Bd. 25 [N. F. 5. Bd.], 1904, H. 1.) 

Die an Tieren ausgeführten Experimente von J., welche das Studium des 
an entmilzten Hunden, durch Toluylendiaminvergiftung, durch hämolytisches Gift 
und Ligatur des Choledochus erzeugten Ikterus zum Gegenstände haben, werfen 
ein interessantes Licht auf den Ikterus bei dem Menschen. Der Unterschied 
zwischen Stauungsikterus und lntoxikationsikterus tritt deutlich hervor. Es lassen 
sich die Resultate kurz in folgende Sätze zusammenfassen: 

1. Der durch Ligatur bedingte Stauungsikterus tritt später als der durch Hä¬ 
molyse auf, erreicht aber nie so hohe Grade als der durch Hämolyse. 


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2. Der Stauungsiktenis tritt zunächst In den großen Gallenwegen und in den 
interadnösen Oaliengängen auf. 

3. Bei dem hämolytischen Ikterus ist die Gallenstauung vorwiegend intrahepal. 

4. Bei dem Stauungsiktenis fehlt der Milztumor, bei dem hämolytischen 
ist er ausnahmslos vorhanden und erreicht hohe Grade, sein Ursprung ist 
ein spodogener. 

5. Die Funktion der Milz begünstigt die Entwicklung des Ikterus, wenn sie 
aktiv an der Zerstörung der geschädigten Blutkörperchen beteiligt ist 

Schilling (Leipzig). 

Rokitzld: Ober einen Fall von mittels Resektion eines Leberstflckes entfernten Leber- 
ecbinokokkns. (Wratschebnaja Gazetta, 1904, Nr. 2.) 

R. berichtet über eine Frau mittleren Alters, die seit längerer Zeit an Schmerzen 
in der Magengrube und Erscheinungen von Hysterie gelitten hatte. Bei der Pal¬ 
pation des Abdomens bemerkte man eine kleine rundliche Oeschwulst, welche 
von der Leber ausging. Zur Entfernung der Oeschwulst wurde die Laparotomie 
vorgenommen. Während der Operation konnte es nicht gelingen, den Charakter 
der Geschwulst festzustellen, und infolgedessen wurde beschlossen, dieselbe samt 
einem Stück von der Leber in den Grenzen des gesunden Oewebes zn resizieren. 
Die zu resizierende Partie wurde zunächst mit ununterbrochener Naht mittels 
stumpfer Nadel umnäht, worauf es gelungen ist, vollständig blutlos ein 6 cm 
langes und 3 cm breites Leberstück zu resizieren. Die Leberwunde wurde voll¬ 
ständig geschlossen bis auf eine kleine Partie, durch weiche zur Leber ein Oaze- 
tampon geleitet wurde. Glatter postoperativer Verlauf. Entfernung des Tampons 
am 4. Tage. Hierauf rasche Erholung. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Fältln: Ein Fall von Milzruptur mit Splenektomie. (Finska läraresällsk. hancfl., 1904, 

Nr. 1.) 

Ein 9jähriger Knabe wurde überfahren. Fraktur der L 7—11. Rippe; Symptome 
einer inneren Blutung. 12 St nach dem Unfall ließ sich freie Flüssigkeit im 
Abdomen nachweisen, 6 St. später wurde die Splenektomie vorgenommen. Nach 
etwa 3 Wochen traten heftige Magenbeschwerden und Fiebersteigerungen auf; 
es wurde ein linksseitiges Pleuraexsudat und dann ein subphrenischer Absceß 
festgestellt, der nach Resektion der 10. Rippe eröffnet wurde. 2 Tage später floß 
per os eingeführte Milch aus der Absceßhöhe nach außen ab; es bestand also 
eine Kommunikation derselben mit dem Magen. Ohne weiteren Eingriff erfolgte 
schließlich völlige Heilung. Eine Blutuntersuchung, 3 Monate nach der Operation, 
ergab 2832000 rote, 4800 weiße Blutkörperchen und 50% Hb. Die exstirpierte 
Milz war vergrößert, doch nicht amyloid entartet (alte Coxitis!). Die Magenper¬ 
foration ist schwer zu erklären; vielleicht wurde bei der Operation der Magen 
verletzt, oder wurde bei der Ligatur der Milzgefäße die art gastro-epipl. sin. 
mitgefaßt, möglicherweise aber ist auch eine direkte Schädigung des Magens 
durch das Trauma anzunehmen. M. Kaufmann (Mannheim). 

Godart-Danhieux: Tumeurs de la rate. (Polidinique, Nr. 22.) 

Die Wirkung des Arsens bei der Leucämia splenica ist nicht unbekannt, wenn 
auch vollsändige Heilungen selten, oft auch zweifelhaft sind. Jedenfalls ist Arsen 
im stände, eine hemmende Wirkung von mehr weniger langer Dauer in Fällen 
von Leukämie, Pseudoleukämie, malignen Lymphomen u. s. w. auszuüben. Verf. 
berichtet eingehend über einen Fall, welcher das wenigstens insofern illustriert, 
als die sich anschließende Leucämia splenica, zunächst günstig beeinflußt wurde. 
Es handelte sich um eine primäre Hypertrophie der Milz, deren ätiologischer 
Faktor in einem Falle zu suchen ist. Im ersten Stadium der Beobachtung konnte 
durch Arsenmedikation, nachdem absolute Milchdiät, Jodkali, Brom u. s. w. 
sich als nutzlos erwiesen hatte, innerhalb 2 Monate eine Verminderung des 


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Volumens nach allen Richtungen hin erreicht werden. Nach 17* Jahren mußte 
die Medikation wegen gewisser Störungen, welche sie mit sich gebracht hatte, 
ausgesetzt werden und konnte nur in Intervallen von drei Monaten fortgesetzt 
weiden. Die Krankheit verschlimmert esich rapide, die Milzvergrößerung nahm zu. 

v. Boltenstern (Leipzig). 


Sanz: Ein unklarer Fall von Schilddrüsenaffektion. (El Siglo Mldico, 1904, 31. Januar, 

7. u. 14. Februar.) 

54jährige Frau erkrankte vor 2 Jahren nach einem heftigen Schrecken mit 
Zittern, zuerst nur der rechten Hand, dann aller Extremitäten und des Kopfes; 
allmählich wurde sie teilnahmsloser, begriff schwerer, alle Bewegungen wurden 
langsamer, der Blick starr. Seit 3 Monaten nahm die Zunge an Volumen zu; es 
traten Schwindelanfälle und Kopfschmerzen in der Temporalgegend auf. Die 
Untersuchung bestätigte die gemachten Angaben; die enorm große Zunge war 
bez. Form, Farbe und Konsistenz völlig normal, dabei bestand keine Vergrößerung 
des Unterkiefers oder anderer Knochen. Der Halsumfang war normal (31 cm), 
die Schilddrüse nicht nachweisbar vergrößert oder sonst verändert Es bestand 
Bulimie. Das Zittern verschwand in der Ruhe; die Sehnenreflexe waren sehr 
erhöht; Sehschärfe herabgesetzt, kein Exophthalmus, rechtsseitige leichte Stauungs¬ 
papille. Hörschärfe beiderseits herabgesetzt. Starke Schlafsucht. Mäßige Tachy- 
cardie. — 4 Wochen später war eine deutliche Hypertrophie der Thyreoidea 
festzustellen: der Hals war um 3 cm dicker geworden; das Zittern war stärker; 
geringer rechtsseitiger Exophthalmus. — Sanz leitete eine Schilddrüsentherapie 
ein; doch entzog sich Patient der weiteren Beobachtung. — Das Krankheitsbild 
bot sonach Symptome von Basedow, von Myxödem, von Stimhimtumor und 
von Hypophysentumor in buntem Gamisch. Sanz hält die Kombination einer 
Affektion der Schilddrüse mit einem Hypophysentumor für das wahrscheinlichste. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Stuart Rose, J.: Cases of poisoning from absorption of picrid add. (Scott, med. and 

surg. journal, 1904, Januar.) 

Verf. beschreibt drei Fälle von Intoxikation mit Pikrinsäure bei arzneilicher 
Anwendung. Außer der Verfärbung der Haut und des Urins, Kopfschmerzen 
und Diarrhoe, welche in mehr minder heftiger Weise in den Fällen auftraten, 
zeigten sich im ersten, durch die Intoxikation bedingt, Mattigkeit und Schläf¬ 
rigkeit und Temperaturerhöhung, sowie bei wiederholter Anwendung des Mittels 
ein erhebliches Eiythem. Jedenfalls mahnen die Fälle zur Vorsicht bei der An¬ 
wendung der Pikrinsäure. v. Boltenstern (Leipzig). 


Helnze (Halle-Saale): Einiges über die Herstellung, die Zusammensetzung und den 
Wert der Schaumweine. (Hygienische Rundschau, Nr. 2.) 

Der Inhalt ist aus der Überschrift ersichtlich, der Artikel zu kurzem Referate 
nicht geeignet. Wendenburg (Qöttingen). 

Glinski: Ober peptische Drüsen im oberen Teile des Ösophagus und ihre Bedeutung. 
Kongreß der polnischen Chirurgen in Krakau. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 2.) 

Schäffer wies in der Höhe der Cartilago cricoidea im Ösophagus peptische 
Drüsen, welche den Magendrüsen ähnlich sind, nach. Bei den im Krakauer In¬ 
stitut für pathologische Anatomie vorgenommenen Arbeiten konnte O. diese 
Drüsen bei 6 % sämtlicher sezierten Menschenleichen konstatieren. Ihre Anwesen¬ 
heit kann die Entstehung von Carcinom, Pulsionsdivertikel, Ulcerationen etc. in 
dieser Gegend erklären. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Tschermak, JL: Die neueret Ancbuma^M Aber Verdauung. Verein d. Ärzte in 
Halle a. S. (Wiener med. Presse, 1904, Nr. 4.) 

Die Physiologie der Verdauung hat im letzten Decennium eine tiefgreifende 
Umgestaltung in Methodik und Problemstellung erfahren, besonders durch die 
biologischen Ideen der Anpassung und der spezifischen oder elektiven Reizbarkeit 
Die Verdauung ist ein Charakteristikum des tierischen Lebens gegenüber der 
Ernährungsweise der selbständigen Pflanze. Die Verdauung leistet die mechani¬ 
sche und diemische Zerkleinerung der Nahrungsstoffe zu solchen Körpern, welche 
als Material für den Aufbau der spezifischen tierischen Leibessubstanz, zur Assi¬ 
milation geeignet sind. Durch die Ernährung mit Trümmern anderer Organismen, 
mit hochkomplizierten Nahrungsstoffen erscheint die tierische Assimilationsleistung 
sehr beschränkt. Erst die Verfolgung der Verdauungsspaltung, welche speziell 
für Eiweiß viel tiefer führt, als man bisher vermutet hatte, enthüllt die impo¬ 
nierende Assimilatiossleistung des Tieres, die Doppelnatur auch des tierischen 
Stoffwechsels als Assimilation und Dissimilation. Während die Pflanzen, soweit 
sie Chromophylle enthalten, die Sonnenenergie speichern, speichert das Tier einen 
Teil der bei den Verdaungsspaltungen freigemachten Wärme; speziell tut dies der 
erste Assimilationsposten des Körpers, das Darmepithel. Neben dieser chemisch¬ 
analytischen und energetischen Bedeutung könnte der Verdauung auch eine anti¬ 
toxische Rolle zukommen: nämlich Zerstörung derjenigen Gruppen in den Nah¬ 
rungskörpern, welche bei Aufnahme in den Säftestrom die Bildung von Antikörpern 
und damit die Verlegung der Bindung aus den Geweben in das Blut, event auch 
das Auftreten von Präzipitinen im Blute, veranlassen würden. Bei der Zuberei¬ 
tung der Nahrungskörper zu Verdauungsstoffen spielen hydrolytische Fermente eine 
große Rolle. Die Absonderung bezw. Ausscheidung der Verdauungssäfte erfolgt 
im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Der nüchterne Magen secemiert 
alkalischen Schleim, nur die Galle, zum Teil ein Exkret, wird auch im Hunger 
secemiert und in einem Reservoir gespeichert (Karenzgalle). Nur ganz bestimmte 
Momente veranlassen die Verdaungsdrüsen zur Tätigkeit, und zwar zu ganz be¬ 
stimmter Tätigkeit Der erste Erreger der Verdauungsseläetion ist nach Pawlow 
das psychische Moment An zweiter Stelle kommen ganz bestimmte chemische 
Erreger in Betracht Abgesehen von den in den Nahrungskörpem vorhandenen 
oder durch den Appetitsaft oder »Zündsaft« daraus gebildeten Erregern wirkt das 
Sekret des höheren Abschnittes des Darmtraktus erregend auf den tieferen, so 
der saure Magensaft auf die Sekretion des Pankreas, der Pankreassaft auf die 
Darmsaftabsonderung. Umgekehrt wirkt Fett vom Darme aus hemmend auf die 
Sekretion des Magensafts. Die Sekretionsarbeit selbst erscheint bei verschiedener 
Nahrangsweise, speziell nach Adaptation an ein bestimmtes Regime in charak¬ 
teristischer Weise abgestuft — nach Menge, Konzentration, Acidität oder Alkalinität 
des Sekrets, nach Konzentration und Menge der Fermente. Sind auch viele 
Details dieser Variation noch unverständlich und nicht alle notwendigerweise 
zweckmäßig, so bleibt doch eine Richtung auf Zweckmäßigkeit, ein Anpassungs¬ 
charakter unverkennbar. Als Kriterium der Anpassung hat Tsch. das bloße Oe- 
richtetsein auf einen Nutzeffekt, nicht erst das Erreichen und Festhalten eines 
solchen bezeichnet Schon die psychisch bedingte Sekretion des Speichels und 
des Magensaftes erscheint anpassungsmäßig verschieden, je nachdem das Tier 
mit Mfleh, Fleisch oder Brot geneckt oder zum Schein gefüttert wird. Noch deut¬ 
licher ist dieses Verhalten in dem zweiten, wesentlich chemisch bedingten Stadium 
der Sekretion, z. B. des Magensaftes, welches Stadium bezüglich der Gallenaus¬ 
scheidung und der Absonderung des Darmsaftes das alleinige ist. 

Von besonderem aktuellen Interesse erscheint die aktivierende Wirkung des 
Dannsaftes bezw. der Enterokinase auf das Trypsinogen des Pankreassaftes und 
damit die schrittweise Auswertung des Trypsins im Verlaufe des Darmes. Eine 
Analogie dazu bildet die fördernde Wirkung der Galle auf die pankreatische Spal¬ 
tung der Fette, der Eiweißkörper und der Stärke, während die Galle selbst nur ge¬ 
ringe Stärke und Eiweißverdauung leistet Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Hinsel, L W.: Das Antipepsin als die Antodlgestion des Magens behinderndes Moment 

St. Petersburger Dissertation. (Wratschebnaja Qazetta, 1904, Nr. 1.) 

Das Antipepsin ist diejenige organische Substanz, welche von der Epithel¬ 
schicht der Magenschleimhaut produziert wird und die Wirkung des Pepsins im 
sauren Medium hemmt H. ist dieser Frage näher getreten und auf Grund von 
Untersuchung der Schleimhaut vom Schweinemagen zu der Überzeugung gelangt 
daß das Antipepsin in sämtlichen Schichten der Magenwand, sowie auch in an¬ 
deren Organen, wie in der Leber, in den Nieren, im Herzen und in den Muskeln, 
enthalten ist. Das Antipepsin besitzt antienzyme Eigenschaften, die durch Säuren 
(Salzsäure) und Alkalien (Ätznatron) geschwächt werden. Die Haupteigenschaft 
des Antipepsins ist, dem Pepsin sowohl in der Schnelligkeit der Wirkung wie 
audi in der Tiefe seiner hydrolytischen Einwirkung auf Eiweißsubstanzen hem¬ 
mend entgegenzutreten. Es behindert das Pepsin im Anfangsstadium seiner Wir¬ 
kung an der Auflösung des Eiweißes und auch im letzten Stadium seinerWirkung 
an der Peptonbildung. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Berlatzki, 0. B.: Beiträge zur Physiologie des Dickdarms. St. Petersburger Disser¬ 
tation. (Wratschebnaja Gazetta, 1904, Nr. 1.) 

Nach dem Ergebnis der von B. an Hunden ausgeführten Untersuchungen 
reagiert [der Saft des Blinddarms alkalisch und besteht aus Schleim und Flüssig¬ 
keit Er wird bei Fütterung in größerer Quantität abgesondert, wobei das Futter 
auf die Sekretion in qualitativer Beziehung keinen Einfluß ausübt Die Schnellig¬ 
keit, mit der der Saft zur Absonderung gelangt, hängt von der Schnelligkeit der 
Passage des Darminhalts durch das Darmrohr ab. Die physiologisch-chemische 
Wirkung des Saftes des Blinddarms beruht auf Vorhandensein von diastatischem 
und proteolytischem Ferment; der Saft enthält keine Kinase und ist in Bezug auf 
Fibrin und Hühnereiweiß unwirksam. Die Untersuchung der Schnelligkeit der 
Passage des Darminhalts durch das Darmrohr ergab, daß Vollmilch und abge¬ 
rahmte Milch, Milchserum und jede mit Milch zubereitete Nahrung 1—2 Stunden 
nach der Nahrungsaufnahme in den Dickdarm in einer Quantität gelangen, die 
durchschnittlich die Hälfte der gesamten genossenen Portion beträgt; bei Milch¬ 
nahrung assimiliert der Dickdarm bis 20—26% des gesamten mit der Nahrung 
zur Einführung gelangten Stickstoffs. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Plotnikow, I. S.: Ober Katalyse (Beschleunigung der chemischen Reaktion mittels 
organischer und anorganischer Fermente). Physikalisch-medizinische Gesellschaft 
zu Tambow. (Wratschebnaja Qazetta, 1904, No. 1.) 

Die Bedeutung der Katalyse ist zuerst von Ostwald in den Vordergrund 
gebracht worden, der sämtliche Erscheinungen der Katalyse in 4 Gruppen ein¬ 
teilt. Zu der ersten gehört die Katalyse in gesättigtem Medium; hier kommt als 
Katalysator eine neue Quantität derselben Substanz, mit der die Lösung gesättigt 
ist, in Betracht: durch Zusatz der geringsten Quantität dieser Substanz zu der 
gesättigten Lösung wird Kristallisation der gelösten Substanz bewirkt. Zu der 
zweiten Gruppe gehört die Katalyse in verschiedenartigem Medium, beispielsweise 
die Bildung von H 8 S0 4 mittels NO«, welches in diesem Falle als Katalysator er¬ 
scheint. Hier tritt die Theorie der sogenannten Zwischenreaktionen hervor: am 
häufigsten tritt zunächst der Katalysator selbst in Reaktion, gibt eine Zwischen¬ 
substanz, aus der er dann frei wird und die Bildung der Endsubstanz ermöglicht. 
Im tierischen Organismus gehört unter anderem zu dieser Katalyse eine Erschei¬ 
nung, die darin besteht, daß das Blut an irgend einer Stelle des Oefäßbettes 
infolge der katalytischen Einwirkung auf dasselbe von Seiten der veränderten 
inneren Gefäßhülle eine Veränderung erfährt. Sehr interessant ist diejenige Art 
von Katalyse, bei der eine ganze Reaktion als Katalysator auftritt. So verläuft 
z. B. eine sonst langsam vor sich gehende Reaktion rasch, wenn in demselben 
Medium eine andere Reaktion vor sich geht, welche gegenüber der ersteren die 


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Rolle eines Katalysators übernimmt Zu der dritten Oruppe gehört die Katalyse 
im homogenen Medium, beispielsweise wenn an der Bildung irgend eines Salzes 
als Katalysator dasselbe oder ein ähnliches Salz beteiligt ist Zu der vierten 
Gruppe gehören die Fermente. Die Katalysatoren wirken nicht immer ungehin¬ 
dert Cs gibt Substanzen, welche den Katalysatoren gegenüber wie Oifte wirken. 
So wird beispielsweise die Wirkung eines gewissen anorganischen Katalysators, 
nämlich des Platinschwammes, durch die Einwirkung von Kohlenoxyd paralysiert 
Jedoch kann diese Vergiftung allmählich vorübergehen, und schließlich kommt es 
zu einer Art Genesung. Nach Ostwald spielt die Katalyse in der Biologie eine 
sehr wichtige Rolle, indem durch diese nach seiner Meinung viele im tierischen 
Organismus vor sich gehende Erscheinungen event erklärt werden können. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Roth (Berlin): Versuche über die Einwirkung von Koffein auf das Bacterium typhi 

und coli. (Hygienische Rundschau, Nr. 10.) 

Seine Versuche mit Agarplatten, die mit 70—80% einer 1 %igen Koffeinlösung 
versetzt waren, ergaben als Resultat, daß es gelingt, hierdurch die Entwickelung, 
ja sogar die Lebensfähigkeit des Bacterium coli vollständigig zu hemmen, während 
das Bacterium typhi gamicht oder wenig beeinflußt wird. Dadurch wild die An¬ 
wendung einer Vorkultur, d. h. einer Anreicherung, möglich gemacht 

Wendenburg (Göttingen). 

Hoffmano (Berlin): Ober das Auftreten von Agglutininen nach kutaner Infektion. 

(Hygienische Rundschau, Nr. 3.) 

Nach kutaner Einverleibung von Typhus- und Cholerakulturen traten in dem 
Blute von Kaninchen Aggfutinine auf, der Agglutinationstiter war dabei nicht so 
hoch wie bei der intravenösen Injektion, ließ sich aber ziemlich bis zur Höhe des 
bei intraperitonealer Injektion erreichten treiben. 

Wendenburg (Göttingen). 

Raefclmaun, L: Ober ultramikroskopiscbe Untersuchung von Lösungen der Albumin- 
Substanzen und Kohlenhydrate und eine neue optische Methode der Eiweißbestimmung 
bei Albuminurie. (Münch, med. Wochensehr., Nr. 48.) 

Mit Hilfe des neuen von der Firma Zeiß in Jena hergestellten Mikroskops 
von Siedentopf und Zeigmondy ist es R. gelungen, in durchsichtigen Medien, 
z. B. Eiweiß- und Kohlenhydratlösungen, Teilchen bis zur Größe von 1—10 pp 
(« 0,000001 mm) sichtbar zu machen. Aus der charakteristischen Form der Teil¬ 
chen sowie aus der Art ihrer Bewegung lassen sich in ihrer chemischen Kon¬ 
stitution nahestehende Körper differenzieren, ebenso läßt sich aus der Menge 
der Teilchen bei bestimmter Konzentration eine exakte quantitative Bestimmung 
des betreffenden Körpers ermöglichen. Ein ganz besonders charakteristisches 
Verhalten der kleinsten Teilchen fand R. beim Glykogen, das sich auf diese Weise 
noch in einer Verdünnung von 1 :3 Mill. mit Sicherheit nachweisen läßt 

Schade (Göttingen). 

Singer, H.: Die Jodausscheiduiig im Harn nach interner Einführung von Aristol, 
Europhen und Jodoform. (Deutsche Ärztezeitung, S. 270.) 

Die Ausscheidung des Jods bei Aristol beginnt bereits nach 45 Minuten im 
Speichel, die Menge desselben im Harn ist aber gering (15%); es wird zum 
größten Teil in fester organischer Verbindung ausgeschieden. Das Jod des Euro- 
phens wird, teils in anorganischer teils in organischer Form ausgeschieden, etwa 
nach 50 Minuten erscheint es schon im Speichel. Die Höhe der Gesamtausschei¬ 
dung ist dieselbe wie beim Aristol. Dagegen wird das Jodoform im Körper 
fast ebenso zerlegt, wie das Jodkali, es erscheinen 86% im Harn wieder, bereits 
20 Minuten nach der Aufnahme im Speichel. Bezüglich der weiteren Ausschei- 


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düng (es verschwindet erat am 6. Tage aus dem Harn) ist es dem Jodkali sogar 
uberiegen. Seiner internen Verwendung aber steht die Oiftigkeit hindernd im 
Wege. Schreiber (Göttingen). 

Riegler (Wien): Ober die Natur der Körper im Urin, welche die Jodsäure reduzieren. 

(Medizin. Blätter, Nr. 16.) 

R. fand., nachdem er früher darauf hingewiesen hatte, daß die diabetisdien 

Acetessigsäure enthaltenden Harne mit Jodsäurelösung und Chloroform geschüt¬ 
telt, das letztere farblos lassen, die Ursache hierfür in dem Fehlen der Harn¬ 
säure in diesen Harnen und anderseits, daß die Harnsäure es ist, welche die 
Rotfärbung des Chloroforms veranlaßt Die Probe läßt sich auch zu diagnosti¬ 
schen Zwecken verwenden. Wendenburg (Oöttingen). 

Singer: Beiträge zur Lösungsfähigkeit des Harns für die Harnsäure. (Deutsche Ärzte¬ 
zeitung, S. 505.) 

S. beschäftigt sich mit der Frage des Einflusses der Diät und des Aspirins 
auf die freie und die gebundene resp. gelöst bleibende Harnsäure. Es zeigt sich 
dabei, daß bei vegetarischer Diät der Gehalt an freier Harnsäure gering ist und 
schließlich auf Null herabsinkt, während umgekehrt bei Fleischdiät der Gehalt an 
freier Harnsäure hoch ist. Das Aspirin scheint den Gehalt an freier Harnsäure 
zu steigern. Bei diesen verschiedenen Löslichkeitsverhältnissen spielt die Ham- 
acidität keine Rolle (alkalischer Ham löst selbstverständlich mehr als saurer).. .Die 
Versuche über den Einfluß größerer Wassermengen auf die Hamsäurelösung sind 
zu gering, als das daraus Schlüsse gezogen weiden können. 

Schreiber (Göttifcgen). 

Leschdner, L: Ober die Bakterienmengen in den SlngHnggfSces. (Deutsche Ärzte¬ 
zeitung, S. 385.) 

L wählte zu seinen Untersuchungen möglichst »idealen« Stuhl von Brust¬ 
kindern. Zur Isolierung der Bakterien verfuhr er folgendermaßen: An je zwei 
Tagen wurde die gesamte Tagesmenge mit 7»%iger HCL-Lösung gründlich ver¬ 
rührt, in einen */• Literkolben gebracht und mit derselben Lösung aufgefüllt. Ziir 
Verhinderung von weiterer Bakterienentwicklung wurden 15,0 Phenol hinzugesetzt 
Von dieser Mischung wurden 20 ccm zur Trodkenbestimmmung und 50 ccm zur 
Sticktsoffbestimmung benutzt. 100 ccm wurden zur Gewinnung der Bakterien 
1 Minute zentrifugiert Die Bakterien enthaltende Flüssigkeit wurde mit der 
Säugpumpe abgesaugt; der Bodensatz wiederum mit %%iger HCL-Lösung so 
oft verrieben, bis die Lösung klar blieb. Die gesamte Flüssigkeitsmenge wurde 
auf dem Wasserbade bei 50° bis auf 50 ccm eingedampft, dann mit reichlichem 
absolutem Alkohol versetzt und zentrifugiert. Der fast nur Bakterien enthaltende 
Bodensatz wurde bis zur Gewichtskonstanz getrocknet, im Soxhletapparat entfettet 
und weiterhin der Stickstoff bestimmt. Aus den Untersuchungen selbst eigibt 
sich, daß der Stickstoffgehalt der Bakterien etwa 12% der getrockneten und ent¬ 
fetteten Bakteriensubstanz beträgt (aus Reinkulturen gewonnene Bakterien gaben 
14% N.). Die absolute Menge der täglich ausgeschiedenen Bakterien schwankt 
sehr. Der Anteil des Bakterienstickstoffes am Gesamtstickstoff des Stuhles bewegte 
sich zwischen 6,52 und 29,40%. Im Ganzen scheidet der Säugling mehr Bakterien 
aus, als der Erwachsene. Schreiber (Göttingen). 

Baumstark: Ober Ficesunterauchungeii in der Praxis. (Deutsche Ärztezeitong, S. 368.) 

B. gibt eine kurze aber klare Darstellung über die Bedeutung der Schmidt - 
sehen Probediät und der Stuhluntersuchung für die Pathologie des Magendarm¬ 
kanals, ohne daß der Vortrag jedoch etwas Neues bringt 

Schreiber (Göttingen). 


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Besprechungen. 

Jeusea: Grundriß der MJIchkunde and Milchhygiene. Stuttgart, Verlag von J. Enke. 

Preis 4,80 Mk. 

Wahrend die wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahre auf dem Gebiete 
der Milchwirtschaft sich mit Vorliebe mit hygienischen Fragen beschäftigten und 
eine glückliche Vereinigung vort Theorie und Praxis erstrebten, hat es eigentüm¬ 
licher Weise bisher an einem zusammenhängenden Werke über Milchhygiene ge¬ 
fehlt, ein Mangel, dem das vorliegende Buch abhelfen will. Aus Vorlesungen, die 
an der tierärztlichen und landwirtschaftlichen Hochschule in Kopenhagen gehalten 
wurden, entstanden und diesem Zwecke entsprechend sind {die Kapitel, die die 
Übertragung von Infektionsstoffen durch die Milch auf die Menschen und die aus 
hygienischen Forderungen sich ergebenden Ansprüche behandeln, besonders ein¬ 
gehend durchgeführt, und auch der praktische Arzt wird diese Abschnitte mit 
Vorteil studieren. Wertvoll erscheint das in einer Beilage angefügte Regulativ 
des Milchgeschäftes Trifolium in Kopenhagen, das zu dem Zweck gegründet 
wurde, eine hygienisch möglichst einwandfreie Milch zu liefern und das mit seinen 
Vorschriften allerdings musteigiltig dasteht, für die Fütterung vielleicht schon zu 
weitgehende Ansprüche erhebt. Cronheim (Berlin). 


Jnbaltswr^ticbnis. 

Original-Artikel: v. Boltenstern: Arbeiten über Typhus in den letzten 
beiden Jahren 103. — Referate: Sto ff w echselkrankheiten. Vandamme: Un cas 
interessant de diabfete 113. — Sarater, E.: Darf der Diabetiker heiraten? 114. — 
Lorand, A.: Le traitement des cases de diab&te 114. — Erkrankungen der Verdau- 
ungsorgane. Lieblein, V.: Zur Kasuistik der Fremdkörper der Speiseröhre 114. — 
Debromyslow, W.: Zur Frage der transpleuralen Resektion der Speiseröhre 114. — 
Mandelberg, L: Resektion der Speiseröhre, präventive Fistelbildung. Ösophago- 

S astik 115. — Preuss: Die Appetitlosigkeit anämischer Kinder 115. — Ealefsen, 
.: Über den Wert des Pepsins in der Behandlung „der Verdauungsstörungen im 
Sauglingsalter 115. — Cohnneim, P.: Chirurgische Übergriffe bei aer Behandlung 
der Gasbx>pfese und ihre Abwehr 116. — Fedorow, S.: Zur Kasuistik der Magen- 
chtniigie: Totale Magenresektion. Zwei Fälle von Gastroenterostomie bei Magen¬ 
blutungen. Oastroenterostomie bei Dilatation der Speiseröhre 116. — Debro- 
myslow, W.: Zur Lehre von den primären Sarkomen des Magens 116. — Koettlitz, 
H.: Deux cas atypiques de carcinome gastrique 116. — Metzger, L: Eine einfache 
Methode der Sterilisierung von Magensonden in strömendem wasserdampf 117. — 
Dombrowsld (Warschau): Über die Widalsche Reaktion und deren praktische Be¬ 
deutung 117. — Bienstode (Mülhausen i. E.): Die Bekämpfung des Typhus in Paris 
117. — Filimowslri: Die Topographie des Wurmfortsatzes 118. — Rydygier: Die 
neuesten Änderungen der Anschauungen in der Frage der Appendidus 118. — 
Wilms: Ein Fall von Meckelschem Divertikel 118. — Tupper, P. Y.: Complete 
Qbstruction of first portion of duodenum due to gall stones 119. — Sematzld: 
Uber einen Fall von Resektion eines 120 cm langen Dünndarmstücks bei Adeno- 
cardnoma intestini jeiuni et ilei in zwei Stellen 119. — Stukkey, L.: Der Murphy- 
knopf und seine Modifikationen 119. - Kansty, E.: Bemerkung über den Chlum- 
skyschen Darmknopf aus Magnesium 120. — Glenard, F.: Indäpendance rdspective 
des lobes du foie et tocalisations lobaires hdpatiques 120. — loapnovics. Georg: 
Experimentelle Untersuchungen über Ikterus 120. — Rokitzki: Uber einen Fall 
von mittels Resektion eines Leberstückes entfernten Leberechinokokkus 121. — 
Erkrankungen des Blutes und der blutbereitenden Organe etc. Faltin: Ein Fall von 
Milzruptur mit Splenektomie 121. — Godart-Danhieux: Tumeurs de la rate 121. — 
Sanz: Ein unklarer Fall von Schilddrüsenaffektion 122. — Venriftung. Stuart Rose, 
l: Gases öf poisoning from absorption of picrid add 122. — Physiologische Chemie, 
Ernährung etc. Heinze (Halle-Saale): Einiges über die Herstellung, die Zusam* 


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mensetzung und den Wert der Schaumweine 122. — Olinald: Über peptische Drüsen 
im oberen Teile des Ösophagus und ihre Bedeutung 122. — Tschermak, A.: Die 
neueren Anschauungen über Verdauung 123. — Hansel, E. W.: Das Antipepsin 
als die Autodigestion des Magens behinderndes Moment 124. — Bejiatzki, Q. B.: 
Beitrage zur Physiologie des Dickdarms 124. — Plotnikow, I. S.: Über Katalyse 
(Beschleunigung der chemischen Reaktion mittels organischer und anorganischer 
Fermente) 124. — Roth (Berlin): Versuche über die Einwirkung von Koffein auf 
das Baderium typhi und coli 125. — Hoffmann (Berlin): Über das Auftreten von 
Agglutininen nach kutaner Infektion 125. — Raehlmann, E.: Über ultramikrosko¬ 
pische Untersuchung von Lösungen der Albuminsubstanzen und Kohlenhydrate 
und eine neue optische Methode der Eiweißbestimmung bei Albuminurie 125. — 
Singer, H.: Die Jodausscheidung im Harn nach interner Einführung von Aristol, 
Europhen und Jodoform 125. — Riegier (Wien): Über die Natur der Körper im 
Urin, welche die Jodsäure reduzieren 126. — Singer: Beitrage zur Lösungsfähig¬ 
keit des Harns für die Harnsäure 126. — Leschztngr, L: Über die Bakterien¬ 
mengen in den Säuglingsfäces 126. — Baumstark: Über Fäcesuntersuchungen in 
der Praxis 126. — Besprechungen: Jensen: Grundriß der Milchkunde und 
Milchhygiene 127. 


Hutortti-Verfeicbsils. 

Baumstark 126. — Beriatzki 124. — Bienstock 117. — v. Boltenstern 103. — 
Cohnheim 116. — Debromyslow 114. 116. — Dombrowski (Warschau) 117. — 
Edlefeen 115. — Faltin 121. — Fedorow 116. — Filimowski 118. — Glänard 
120. — Olinski 122. — Godart-Danhieux 121. — Hänsel 124. — Heinze 122. — 
Hoffmann 125. — loannovics 120. — Kansky 120. — Koettlitz 116. — Lesch- 
ziner 126. — Lieblein 114. — Lorand 114. — Mandelberg 115. — Metzger 
117. — Plotnikow 124. — Preuss 115. — Raehlmann 125. — Riegier 126. — 
Rokitzki 121. — Roth 125. — Rydygier 118. - Sanz 122. — Samter 114. - 
Sematzki 119. — Singer 125. 126. — Stuart Rose 122. — Stukkey 119. — Tscher- 
mak 123. — Tupper 119. — Vandamme 113. — Wilms 118. 


HlpbabstUd» geordnetes Jnbsltsvtrfeidmif. 

Agglutinine 125. — Albumine, ultramikoskopischer Nachweis der 125. — Ano¬ 
rexie 115. — Appendicitis 118. — Appendix, Topographie des 118. — Autodi¬ 
gestion des Magens verhinderndes Antipepsin 124. - Baderium typhi und coli. 
Einwirkung des Koffeins auf 125. — Darmadenocarcinom 119. — Darmknopf 
119. 120. — Darmverschluß durch Gallenstein 119. — Diabetes 113. 114. — Didc- 
darm, Physiologie des 124. — Fäcesuntersuchung 126. — Gastroenterostomie 116. 

— Oastroptose 116. — Harnsäure, Löslichkeit im Harn 126. — Ikterus 120. — 
lodausscheidung im Ham 125. — Jodreduzierende Körper im Ham 126. — Kata¬ 
lyse der Fermente 124. — Kohlenhydrate, ultramikroskopischer Nachweis der 125. 

— Leberechinokokkus 121. — Leberresektion 121. — Leber, Topographie der 120. 

— Magencardnom 116. — Magenresektion 116. — Magenverdauung 124. — Magen¬ 
sarkom 116. — Magensonden, Steriliesierung der 117. — Meckelsches Divertikel 
118. — Milztumor 121. — Milzruptur 121. — Ösophagus, Fremdkörper im 114. — 
Ösophagus-Dilatation 116. — Ösophagus-Drüsen 122. — Ösophagus-Plastik 115. 

— Ösophagus-Resektion 114. — Pikrinsäurevergiftung 122. — Säuglingsfäces, Bak¬ 
terien im 126. — Schaumweine 122. — Schilddrüsenaffektion 122. — Splenektomie 
121. — Typhus 103. 117. — Verdauung 123. — Verdauungsstörungen des Säug¬ 
lings 115. — Widalsche Reaktion 117. 

Original - Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Oöttingen, AUeestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Oöttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Oöttingen. 
Ausgegeben am 4. März 1904. 


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Nr. 6. 


Zweites Mftrz-Heft 1904. 


5. Jahrgang, 


3?nfralblaff 

Mv 

Sfoffwethstl-0 Vtröauungs-Krankluikn 

henttagegeben von 

Professor Dr.CARL von Noorden in Frankfurt a.M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenboeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von Vh— 2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjihriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Za beziehen durch alle Buchhandlungen und 
PoshmstaUen des In» und Auslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jJEhrlidi mehr.) 


Original-Hrtikel. 

Hrbeiten Ober Cypbus in den letzten beiden 7*bren. 

Sammelreferat von 
Dr. v. Boltenstern, Leipzig. . 

(Fortsetzung.) 

II. Symptomatologie, Pathologie, Therapie und Prophylaxe. 

Ober das Wesen und das Vorkommen der Pulsdikrotie bei Typhus 
abdominalis haben Oddo und Audibert an 50 Typhuskranken Unter¬ 
suchungen angestellt Sie fanden dikroten Puls in 34 Fällen (68%) und 
zwar bei mitteischweren und schweren Fällen häufiger als bei leichteren. 
In der weitaus größten Zahl trat die Dikrotie als Frühsymptom auf, so 3 mal 
schon am 5. Tage und nur einmal am 18. Gelegentlich bestand sie nur 
kurze Zeit, verschwand bald nach dem Auftreten nach 24 Stunden bis 6 
Tage. Gewöhnlich war sie andauernd vorhanden doch mit dem Unter¬ 
schied, daß sie entweder kontinuierlich oder intermittierend vorlag. Gegen 
Ende der Krankheit nahm sie in der Regel ab. Mit Sicherheit sind nahe 
Beziehungen zur Temperatur nachzuweisen gewesen. Rasches Ansteigen 
der Temperatur hatte das Auftreten von Dikrotie zur folge. Mit dem Sinken 
der Temperatur schwand sie wieder. Im allgemeinen fällt die Deferveszenz 
mit dem Schwinden der Dikrotie zusammen. Nahe Beziehungen bestehen 
auch mit dem Blutdruck. Bei leicht subnormalem Blutdruck besteht Dikrotie. 
Eine Steigerung und ebenso starkes Absinken der Spannung bringt die Di- 

Nr. 6. 


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130 


krotie zum Schwinden. Weniger konstant waren Beziehungen zum Pulse. 
In den meisten Fällen kommt Dikrotie bei normaler Herzarbeit vor, während 
Herzstörungen und Dikrotie selten neben einander angetroffen werden. Die 
Stärke der Blutwelle, die Elastizität der Gefäße und Gefäßhypotonus sind 
für die Entstehung der Dikrotie Bedingungen. 

Bendix und Bickel berichten über einen seltenen Fall von Angina 
typhosa. Sie trat am 18. Krankheitstage auf in Oestalt von kleinen scharf 
umgrenzten grauweißen Plaques mit rotem Hof auf beiden arcus palato- 
glossus und dem Kehldeckel. Aus der Substanz wurden kleine Partikel ent¬ 
nommen. Im Kulturverfahren ergaben sich Typhusbazillen. Die Stellen 
ulcerierten oberflächlich und verheilten durch Überhäutung vom Rande her 
nach etwa 10 tägigem Bestehen ohne Narbe. Regionäre Drüsenschwellungen 
wurden nicht beobachtet 

Robertson berichtet über eine starke nicht zur Suppuration führende 
Entzündung der Schilddrüse, welche akut bei einem 40jährigen Manne 
in der Apyrexie nach Typhus unter mäßigen Fieberbewegungen sich ein¬ 
stellte und vorwiegend den rechten Lappen beteiligte. Die Rückbildung 
nahm 10 Tage in Anspruch. Das hervorragendste Symptom war Dysphagie. 
Im Krauseschen Falle von posttyphöser Strumitis kam es zur Eiterung. 
Im Eiter konnten Typhusbazillen nachgewiesen werden. Dieser Fall weicht 
von den bisher bekannten 7, in welchen aus dem Eiter Typhusbazillen in 
Reinkultur gezüchtet werden konnten, insofern ab, als die heftigsten Ent¬ 
zündungserscheinungen während des lytischen Abfalles des Fiebers sich 
zeigten, ohne daß die Temperaturkurve vom normalen Verlauf abwich, wäh¬ 
rend sonst jedesmal Temperatursteigerungen sich geltend machten. Krause 
meint, diesen hinsichtlich des Fiebers reaktionslosen Verlauf vielleicht dadurch 
erklären zu können, daß eine gewisse Immunisierung des Organismus gegen 
Typhusbazillen und ihre Toxine eingetreten sei. 

Busquet fand unter 415 Fällen 3 mal zu Beginn Pneumonieen. 
Ein Fall kam mit lobärer Lungenentzündung in Behandlung. Das Vorhan¬ 
densein von Roseola wies auf Typhus hin. Er wurde durch die Widalsche 
Reaktion bestätigt. In 2 anderen stellte sich die Pneumonie gegen Schluß 
der ersten Woche ein. Sie dauerte einmal 5 Tage und rezidivierte nach 
einer Woche. Im letzten Falle hielt sie wenige Tage an, verschlimmerte 
aber das Grundleiden derartig, daß der Patient am 15. Tage an Herzlähmung 
starb. In allen Fällen waren Kultur und Tierversuche positiv. Im Blut aus 
der Armvene sowohl wie im Auswurf wurden Typhusbazillen nachgewiesen. 
Sears berichtet über einen Fall von rechtsseitigem Exsudat, welches nach 
der Punktion sich nur wenig wieder ansammelte. Nachher aber bot der 
Kranke das Bild des Typhus. Roseola fehlte, vom 38. Tage war Widalsche 
Reaktion positiv. Auch das aspirierte Exsudat gab eine positive Reaktion, 
obwohl es bei der bakteriologischen Untersuchung steril blieb. Sears fand 
unter 1065 Kranken 18 mal, unter 53 Autopsien 3 mal Pleuritis als Kom¬ 
plikation des Typhus angegeben. 

Gibbes stellt die Photographie in den Dienst der Diagnose. 
Die spezifische Typhuseruption, die Roseolen, deren Auftreten Kühn und 
Sucksdorff einen sehr hohen differentialdiagnostischen Wert beimessen 


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131 


und einen weit höheren als etwa der Diazoreaktion und dem Milztumor, 
kann durch Photographie des Abdomens au! der photographischen Platte 
sichtbar gemacht werden, bevor sie für das Auge erkennbar ist 

Barrow berichtet über einen eigentümlichen Fall von Hautgangrän. 
In einem Typhus mit schweren Darmblutungen erschien am 26. Tage über 
dem linken äußeren Malleolus und der rechten Qlutäalgegend eine Blase. 
Sie platzte und verschorfte. Die Haut wurde in grossem Umkreise un¬ 
empfindlich, mortifizierte und wurde innerhalb 10 Tage abgestoßen. Darauf 
trat rasch Heilung ein. 

Die seltene Typhuskomplikation, Mastitis, beobachtete Th. McCrae 
2 mal in der Rekonvaleszenz, einmal zur Zeit der Continua, doppelseitig und 
2 mal rezidivierend. Trotz der Suppuration betrug die Zahl der Leukocyten 
nicht über 8000. Nach McCraes Zusammenstellung kann Mastitis bei beiden 
Geschlechtern auftreten, ist nicht an die Funktion der Drüse gebunden. In 
der Hälfte der Fälle ist sie doppelseitig und wird suppurativ, bedingt durch 
Typhusbazillen und Staphylokokken. Die Prognose des Typhus selbst wird 
durch die Mastitis wenig beeinflußt Baer berichtet aus der med. Klinik zu 
Straßburg über 2 Fälle von Mastitis, welche ohne Abszedierung heilten. Ein 
Fall war mit einfacher Myositis verbunden. Bei einem stellte sich am 20. 
Tage der Rekonvalescenz eine Orchitis und Epididymitis mit Erguß in die 
Tunica vaginalis ein, welches nach 14 Tagen in Heilung ausging. 

Über typhöse und posttyphöse Spondylitis, »typhoid spine« liegen 
mehrfache Beobachtungen vor: Cutler, Gallard, Moorhouse, Lord. Der 
Letzte hat aus der Literatur seit 1889 26 Fälle gesammelt Bei 14 begannen 
die Schmerzen, das Hauptsymptom, bereits während des Typhus, oder in 
den ersten 2 Wochen nach Ablauf der Krankheit, bei 8 bis Ende der 6. 
Woche, bei 4 bis 3 Monate nach dem Fieberabfall. Kyphose fand sich in 
8 Fällen, Skoliose nur in 2, Parästhesie in 2, Incontinentia urinae et alvi 
selten, Temperatursteigerungen 10 mal, begleitende Hysterie und Neurasthenie 
6 mal. Es ist wahrscheinlich, daß es sich bei der »typhoid spine« nicht um 
ein einheitliches Krankheitsbild handelt In einigen Fällen lag tatsächlich 
eine Perispondylitis oder Spondylitis vor, in anderen aber wird das Krank¬ 
heitsbild durch Hysterie und Neurasthenie verursacht Auch mechanische 
Reizung der Muskeln der Wirbelsäure kann ähnliche Erscheinungen be¬ 
dingen. Die heftigen Schmerzen haben meist in der Lumbalgegend ihren 
Sitz, strahlen nach den Beinen, nach der Hüfte und dem Abdomen aus, 
und wechseln in ihrer Stärke mannigfach. Zugleich bestehen gewöhnlich 
Druckempfindlichkeit, Schwellung und Steifigkeit der Wirbelsäule beim 
Gehen und Aufstehen. Besonders bevorzugt wird die Lenden- und untere 
Brustwirbelsäule. Die Temperatur bleibt meist normal. Doch kommt es 
auch zu plötzlichen Temperatursteigerungen, welche nach einigen Tagen 
wieder nachlassen. Die Dauer der Krankheit beträgt einige Wochen und 
sogar einige Jahre. Rückfälle sind mehrfach beobachtet Für die Differen¬ 
tialdiagnose wichtig ist, daß tuberkulöse Knochenerkrankungen vornehmlich 
an den Diaphysen der langen Röhrenknochen sich lokalisieren, syphilitische 
dagegen meist multipel und symmetrisch Vorkommen (Gallard). Die 
Prognose ist gut, wenn auch die Heilung manchmal ziemlich lange sich 

Nr. 6*. 


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132 


hinausschiebt Todesfälle sind nicht beobachtet worden. Die Behandlung 
besteht in der Hauptsache in Ruhe und Immobilisierung der Wirbelsäule. 

Auch in anderen Körperregionen kommen Knochenerkrankung nach 
Typhus vor. Jonas berichtet über ein schweres Rezidiv nach einem mit 
starken Darmblutungen einhergehenden Typhus, an welchem eine Phlebitis 
in beiden Beinen und eine ulzerierende, langsam verheilende Periostitis der 
rechten Tibia sich anschlossen. Dazu kam ein großer Absceß an jedem 
Oberschenkel, aus dessen Eiter Typhusbazillen in Reinkultur gezüchtet wur¬ 
den. Das Blut des Kranken selbst agglomerierte Typhusbazillen nur sehr 
schwach. In Sailers 2 Fällen handelte es sich um Kiefemekrose, welche 
sich nach Schluß des Typhus einstellte. In einem Falle trat Noma hinzu 
und dadurch der Tod. In beiden Fällen wurden aus den nekrotisch-gangrä¬ 
nösen Partien Diphtheriebazillen gezüchtet Auch hatte Heilserum in dem 
letalen Falle temporär eine günstige Wirkung. 

Das Verständnis der Nacherkrankungen an Knochen nach Typhus werden 
durch Eug. Fränkels Untersuchungen näher gerückt Er bestätigt die 
Angaben anderer Autoren über das Vorkommen von Typhusbazillen im 
Knochenmark. Anatomische Veränderungen fand er inkonstante, nämlich 
Blutextravasate, Nekroseherde, vermehrtes Auftreten von Riesenzellen, ge¬ 
häufte Ansammlung kleiner Lymphocyten, und konstante, fibrinöse mit Ne¬ 
krose angehende Herde. 

Hinsichtlich anderweitiger typhöser Eiterungen liegt ein Bericht von 
Sucksdorff vor über die Beteiligung des Ohres während einer schweren 
Typhusepidemie Unter 90 Patienten erkrankten 8 an Ohrleiden davon 7 an 
Otitis media. Sie begann am 10—28. Tage In 2 Fällen schloß sich Mastoi¬ 
ditis und einmal davon Sinusthrombose an. 

Sheldon eröffnete einen posttyphösen Leberabszeß. Im weiteren Ver¬ 
laufe trat ein zweiter großer Leberabszeß auf. Dazu gesellte sich Empyem 
und schließlich trat der Tod ein. Die Verbreitung der Affektion geschah 
auf dem Wege der Pfortader. Bei der ersten Operation war die Leber ver¬ 
letzt, infolge dessen entwickelte sich der zweite Abszeß und im Anschluß 
daran das Empyem. 

McOarraham beobachtete einen Kranken, welcher wenige Tage, nach¬ 
dem er am 41. Tage das Bett verlassen hatte, über allmählich besonders bei 
der Atmung sich steigernde Schmerzen in der linken Seite klagte. Die Tem¬ 
peratur stieg etwas. Die erste Diagnose lautete auf Pleuritis. Bald kamen 
wiederholte Schüttelfröste in charakteristischer Art, Druckempfindlichkeit in 
der linken hinteren Axillariinie und'Dämpfung bis zur 8. Rippe, dazu ab¬ 
geschwächtes Atemgeräusch. Die Wahrscheinlichkeitsdiagnose wurde auf 
Splenitis und Septikämie gestellt Die Probepunktion lieferte Eiter. In der 
Annahme eines Empyems wurde operiert Die Pleurahöhle fand sich normal, 
das Zwerchfell durch einen subphrenischen Abszeß emporgedrängt Der 
Milzabszeß wurde entleert Doch trat der Tod ein. Der bakteriologische 
Befund zeigte im Eiter Streptokokken. 

Clintock hat 6 Fälle von Hirnabszeß gesammelt Davon sind 4 
nicht bakteriologisch untersucht, im 5. fand sich Staphyl. pyog. aur. Im 6. 
selbstbeobachteten Falle, in welchem in der 5. Woche schwere cerebrale Er- 


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scheinungen mit Krämpfen und sichere meningitische Symptome sich einsteliten 
und in der 10. Woche der Tod eintrat, konnten aus dem Eiter der Basilar- 
meningitis und dem purulenten Exsudat des linken Seitenventrikels Typhus¬ 
bazillen in Reinkultur gezüchtet werden. Er hat auch 19 Fälle von Meningitis 
gesammelt mit positivem Typhusbazillenbefund. 

Cerebrale Erscheinungen treten mitunter im Beginne eines Typhus 
sehr stark in den Vordeigrund. Sie können die anderen Symptome völlig 
verdecken und eine Cerebrospinalmeningitis vortäuschen. Noizard und 
Grenet beobachteten einen 5jährigen Knaben, welcher seit langem etwas 
hustete und an beiden Lungenspitzen Zeichen von Infiltration bot Die 
ersten Zeichen seiner akuten Erkrankung waren Kopfschmerz, Nackensteifig¬ 
keit, beschleunigte Atmung und Pupillenerweiterung bei bestehender guter 
Reaktion gegen Licht und Divergenz. Dann folgten mehrfaches Erbrechen, 
eine Andeutung des Kernigschen Symptoms, Schmerz und Steifigkeit in 
den Beinen beim Ausstrecken aus sitzender Stellung. Die Lumbalpunktion 
ergab eine klare sterile Flüssigkeit ohne zeitige Elemente. Die Serumdiagnose 
fiel am 12 Tage positiv für Typhus aus. 

Colbertaldo beschreibt 3 Fälle von Aphasie bei Typhus von Kindern 
im Alter von 6—9 Jahren. Die Ursache sieht er in der Wirkung des Ty¬ 
phustoxins auf die noch zarten und in der Entwickelung begriffenen zen¬ 
tralen nervösen Apparate der Sprache. Die Prognose ist günstig. 

Liebelt berichtet über einen Fall von isolierter Ulnarislähmung 
bei einem 20 jährigen jungen Manne, welcher einen schweren Typhus durch¬ 
gemacht hat Der Verlauf gestaltete sich im Gegensatz zu andern postty¬ 
phösen Neuritiden nicht günstig. Nach V» Jahre war eine Besserung nicht 
eingetreten. Auf Heilung ist nicht zu hoffen. 

Eine verhältnismäßig seltene Erscheinung ist die Beteiligung des 
Dickdarms an dem typhösen Prozeß. Le Goic beschreibt 2 sehr 
schwere Typhen mit letalem Ausgange, bei welchen die Sektion diese ab¬ 
norme Lokalisation ergab. Die Diagnose am Lebenden ist beinahe unmög¬ 
lich. Prognostisch hat diese Lokalisation immer eine schlimme Bedeutung. 
Englische Ärzte (Stewart) haben die Ansicht ausgesprochen, daß der Dick¬ 
darm vorzüglich bei Rezidiven beteiligt werde, während bei dem ersten An¬ 
fall der Dünndarm häufiger ergriffen werde. Warfield führt einige Fälle 
vor, in welchen der 3—26tägigen Apyrexie nach der primären Attacke mehre 
durch verschieden lange fieberfreie Intervalle getrennte Rückfälle und in 
ihrem Anschluß mehrfach Rekrudeszenzen von 1—2 Tagen Dauer folgten. 
Er betont, daß bei % der an primären Attacken Gestorbenen Ulcerationen 
am Kolon gefunden wurden. Er neigt daher der Hypothese von Durham 
zu. Jede Infektion ist eine komplexe Einzelne Gruppen des infektiösen 
Organs bedingen den ersten Anfall, andere den ersten Rückfall, wieder 
andere den zweiten Rückfall. 

Häufiger sind Typhen ohne jede Darmerscheinung. Schon an 
anderer Stelle ist die von Weichhardt beschriebene Allgemeininfektion des 
Organismus mit Typhusbazillen erwähnt Sie imponierte als Meningitis, 
während der Sektionsbefund die allgemeine Typhusinfektion ergab. Im Ge¬ 
gensatz zu früheren ähnlichen Fällen konnte eine Verwechselung des In- 


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134 


fektionserregers mit koliartigen Mikrobien ausgeschlossen werden. Auf die 
Bedeutung derartiger Fälle, welche in der großen Gefahr besteht, daß die 
fehlenden Typhuserscheinungen der Verbreitung des Typhus Vorschub lei¬ 
sten, ist schon hingewiesen. Michelazzi gibt die Krankengeschichte und 
den Sektionsfund von 2 Fällen wieder, in welchen der gleiche Befund der 
Typhusseptikämie erhoben wurde. In einem dritten Falle fand er sehr ge¬ 
ringfügige unbestimmte Veränderungen. Er hält diese Typhusseptikämie für 
eine Krankheit sui generis. Klinisch unterscheidet sie sich von anderen 
Septikämien dadurch, daß Symptome von Seiten der Organe, in weichen 
Typhusbazillen sich lokalisieren, in den Vordergrund treten. Sie kommen 
durch Zusammenwirken verschiedener Momente zustande: durch die ge¬ 
steigerte Virulenz der Bazillen, welche in den Körper auf anderem Wege 
oder durch die zur Aufnahme unfähige Darmschleimhaut eindringen, durch 
erhöhte Empfänglichkeit des Organismus, welche sich durch üppige Vege¬ 
tation der Bazillen äußert und besondere günstige Verhältnisse im Blute 
schafft Craigs Patient erkrankte mit leichten Frösten und bot während 
seines 9 tägigen Krankenhausaufenthaltes durch den Fieberverlauf, Milzschwel¬ 
lung, Roseolen und das Verhalten des Sensoriums das Bild des Ueotyphus. 
Die Widalreaktion erschien nur bei einer Verdünnung 1:25. Am 16. Krank¬ 
heitstage trat unter Temperaturanstieg bis 40,6° der Tod ein. Die Sektion 
eigab akute Darmentzündung ohne Beteiligung der Peyerschen Plaques. 
Aus den Organen konnte der Bazillus enteridis gezüchtet werden. Loncope 
beobachtete eine Typhuserkrankung, welche nach einem Temperaturabfall 
unter 38° unter Fieberanstieg bis über 42° letal endete. Neben Kongestion 
und ödem der Lungen fand sich ein akuter Milztumor und parenchymatöse 
Degeneration von Leber und Nieren, sowie Himödem. Im Kolon waren die 
Follikel leicht geschwollen, im Dünndarm waren aber weder die Peyerschen 
Plaques noch die Solitärfollikel intumesziert 

In Blumenthals Falle handelte es sich um eine 23jährige Gravida, 
welche mit Kopfschmerzen und Mattigkeit erkrankte und in völligem Status 
typhosus aufgenommen wurde: Fieber, pulsus dicrotus, trockene rissige Zunge, 
zahlreiche Roseolen, erbsenbreiartige Stühle, Milztumor, positive Widal¬ 
reaktion 1:150. Nach wenigen Tagen Abort und kurze Zeit darauf Broncho¬ 
pneumonie, welche am 20. Tage zum Tode führte. Die Sektion zeigte die 
retroperitonealen Drüsen geschwollen, den Darm jedoch frei von Geschwüren, 
vereinzelte Pey ersehe Plaques geschwollen, die Schleimhaut geschwollen und 
hyperämisch, mit vereinzelten Blutungen. Es handelte sich also im Jejunum 
um eine hämorrhagische, sonst um eine follikuläre Enteritis. Durch Kultur 
konnten in der vergrößerten Milz Typhusbazillen nachgewiesen werden. 
Litten hat 6 Fälle gesehen, bei denen der Darm mehr weniger intakt war, 
bei dreien sogar ganz frei von Erscheinungen. Solche Fälle sprechen für 
die alte Anschauung von der Unabhängigkeit der Fieberperiode von dem 
Zustand des Darmes. Das Fieber ist lediglich von der Infektion abhängig. 
Mit ihm teilt Fränkel die Ansicht, daß Typhen, welche ohne Komplikationen 
schnell zum Tode führen, meist geringe Darmerscheinungen bieten. Für¬ 
bringer hält den Typhus ohne klinische Darmerscheinungen nicht für ganz 
selten. Dagegen ist nach seiner Beobachtung von annähernd 2000 Typhus- 


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fällen der Typhus ohne anatomische Darmerscheinungen im ganzen selten. 
Eine Erklärung findet er darin, daß entweder die erste naturgemäße Etappe 
der Infektion, die Darmschleimhaut übersprangen wird, oder daß die Dann¬ 
geschwüre nur sehr oberflächlich gewesen und rasch wieder geheilt sind. 
Baginski betont die geringe Ausgeprägtheit der Darmerscheinungen beim 
kindlichen Typhus. Die Schwere der Erkrankung darf nicht mH dem ana¬ 
tomischen Vorhandensein von Darmgeschwüren in Verbindung gebracht 
werden, sie ist vielmehr von der Infektion, von dem septischen Faktor ab¬ 
hängig und eine Reaktionsleistung des Organismus in dem Infektionsvorgang. 
Auch in Vanuzettis Fall, welcher mH hoher Continua und progressiver 
Albuminurie verlief und unter urämischen Symptomen zu Ende ging, fehlten 
die für Typhus charakteristischen Darmläsionen, ebenso wie der Milztumor. 
Neben einer akuten parenchymatösen Nephritis fanden sich Niereninfarkte 
und eine Schwellung der Mesenterialdrüsen, in welchen Typhusbazillen nach¬ 
gewiesen wurden. Darnach scheint als Eingangspforte des Virus der Darm 
erwiesen, wenn es auch in der Blutbahn nicht mehr angetroffen wurde. 
Scheib beschreibt 2 Fälle mit intensiven Nierenveränderungen. Der 
erste bot einzelne Geschwüre im Rektum, eine an sich sehr seltene Lokali¬ 
sation, eine stellenweise abszedierende kroupöse Pneumonie und eine durch 
Typhus und Kolibazillen bedingte Cholecystitis acuta. Der hauptsächlichste 
Sitz der Erkrankung war in beiden Fällen die Niere. Im ersten wurde die 
Diagnose auf »Nephritis acuta« gestellt Aus dem Eiter der Nieren, welche 
von vielfachen Abszessen durchsetzt waren, konnten Typhusbazillen in Rein¬ 
kultur und im zweiten Falle ungemein reichlich neben spärlichen Kolibazillen 
nachgewiesen werden. 

Bakteriurie gilt beim Typhus nicht mehr als seltene Erscheinung. Sie 
ist nach Jacobi für Diagnose und Prognose des Typhus nicht von Bedeu¬ 
tung, sondern nur für die Infektionsgefahr. Bemerkenswert dagegen ist die 
durch Typhusbazillen hervorgerafene Cystitis. Biss fand unter 311 Fällen 
31 mal klinisch Bakteriurie, davon 14 mal Cystitis. Retentio urinae bezeichnet 
er nicht als prädisponierendes Moment Sichere Beziehungen zwischen der 
Schwere des Typhus und dem Eintriti dieser Komplikation bestehen nicht 
Im allgemeinen zeigt sie sich häufiger bei mittleren und schweren Fällen. 
Beide Geschlechter sind nahezu gleichmäßig beteiligt Kein Lebensalter wird 
verschont Am frühesten erscheint sie am 12, im Durchschnitt am 43. Tage, 
das Maximum erreicht sie ebenfalls am 12., im Durchschnitt am 26. Tage. 

Bernert hat unter 94 Typhusfällen 11 mal Acetonurie gefunden. Sie 
tritt nicht nur im Fieber auf, sondern auch noch im Stadium beinahe voll¬ 
kommen normaler Temperatur. Die Menge des ausgeschiedenen Acetons 
läßt sich durch die Zufuhr verschiedener Nährstoffe beeinflussen, und zwar 
sowohl durch Kohlenhydrate als auch durch Eiweißpräparate erzielt man eine 
Absenkung der Acetonmenge. Eine Rolle spielt also die Unterernährung, 
wenn sie auch nicht allein als auslösendes Moment zur Bildung der Aceton¬ 
urie angesehen werden darf, weil sie trotz dieser in der Mehrzahl der Fälle 
nicht vorhanden ist 

Kotimpaktion im Verlaufe des Typhus kommt nicht selten vor, obwohl 
die Angaben darüber in der Literatur nur spärlich sind. Bisweilen besteht 


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daneben nach Henry Diarrhoe. Einen ätiologischen Faktor stellt überreich¬ 
liche Zufuhr von Milch bei Kindern dar. 

Trousseau hat bekanntlich die Anschauung vertreten, daß es eine Peri¬ 
tonitis per propagationem gäbe. Dieulafoy hat die Möglichkeit bestritten. 
Sie findet indes ihre Bestätigung durch einige Fälle von Veron, Busquet 
und Brugnatelli. Die französischen Forscher beobachteten einen Kranken, 
welcher an Typhus ambulatorius litt Die Diagnose war klinisch wegen des 
Beginnes mit Appendicitissymptomen nur durch die Widalsche Reaktion zu 
stellen. Wegen Perforationsperitonitis kam es zur Operation. Aber weder 
bei ihr noch bei der wenige Tage späteren Sektion fand man eine Perforation 
und abszedierte Mesenterialdrüsen. In der Nähe des Coecums aber lagen bis 
zur Serosa reichende Ulcera der Peyerschen Haufen. Aus dem peritoniti- 
sehen Erguß wurden ebenso wie aus der Milz und der Leber Typhusbazillen 
gezüchtet Durch Tierexperiment sichergestellt wurde, daß per os verfütterte 
Typhusbazillen durch die anscheinend gesunde Darmschleimhaut dringen und 
zur Bauchfellentzündung Anlaß geben können, deren Eiter Typhusbazillen in 
Reinkultur enthält Sie erwähnen einen ähnlichen Fall von Chantemesse. 
Brugnatellis Patient war in der 4. Krankheitswoche gestorben. Er fand eine 
Obliteration der Arteria poplitea, welche zu frischen Thrombosierungen der 
Gefäße und zur Peritonitis per propagationem geführt hatte. Diese machte 
sich klinisch durch besondere Erscheinungen nicht bemerkbar. 

In einem Fall von Thrombose bei Typhus fand Lorenzoni in der Ge¬ 
fäßwand nicht nur dort, wo der Thrombus alt, sondern auch dort, wo er 
neueren Datums war, zahlreiche Typhusbazillen. Er vertritt die Anschauung, 
daß bei diesen Thrombosen eine durch Typhusbazillen bedingte entzündliche 
Affektion der Gefäßwand das primäre ist, welches die Ursache zur Bildung des 
Thrombus abgibt Veränderungen der vasomotorischen Nerventätigkeit des Her¬ 
zens und Störung der Blutmischung kommen als sekundäre Momente in Betracht 
Wright und Knapp dagegen schreiben die Ursache der häufigen Throm¬ 
benbildungen beim Typhus der vermehrten Gerinnungsfähigkeit des Blutes 
zu. Sie fanden bei Typhuskranken im akuten Stadium die Gerinnungsfähig¬ 
keit des Blutes beträchtlich vermindert Hierdurch finden die heftigen Blutungen 
aus oft sehr geringen Läsionen ihre Erklärung. In der Rekonvalescenz aber 
gerinnt das Blut durchschnittlich in 4 1 /* Minuten gegenüber 20 Minuten im 
akuten Stadium. Dazu kommt die erhebliche Vermehrung des Kalkgehaltes 
des Blutes, welche vielleicht von reichlichem Milchgenuß herrührt Aus 
diesem Grunde reichen Wright und Knapp Natrium citricum in 1 / i bis 
1 /»°/o*g er Lösung in Milch. Allerdings darf diese Behandlung erst beginnen, 
wenn die Gefahr einer Darmblutung voraussichtlich vorüber ist Sie scheint 
die Bildung von Thromben wirksam zu verhindern. Zudem macht der Zu¬ 
satz die Milch leichter verdaulich. 

Die äußerst seltene Komplikation des Typhus mit akutem Gelenk¬ 
rheumatismus erwähnt Pel. Der Kranke wurde von einem Recidiv des 
Gelenkrheumatismus befallen, während er im Krankenhause in der Rekon¬ 
valescenz vom ersten Anfalle Typhus akquirierte. Die Widalreaktion blieb 
dauernd aus. Beide Krankheiten verliefen unabhängig von einander. 

Daß die zwar längst widerlegte Anschauung von dem Antagonismus 


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zwischen Typhus und Tuberkulose nicht richtig ist, beweisen zwei Fälle 
P6hus. ln einem schweren, am 11. Tage mit Darmblutung komplizierten 
Typhus mit persistierendem Fieber erschienen 6 Wochen später Erscheinun¬ 
gen von Lungentuberkulose. Im anderen Falle akquirierte der Lungenkranke 
im Hospital Typhus. Für die Kombination von Typhus mit Meningitis 
tuberculosa bringt Chavigny 5 Beispiele. Die klinische Diagnose ist in 
solchen Fällen schwierig. Völlig sicher gestellt kann sie nur werden durch 
die Widalreaktion und durch die Autopsie. Erforderlich ist außerdem eine 
äußerste Aufmerksamkeit, um zu entscheiden, welche Erscheinungen auf 
Rechnung der Meningitis, und welche auf die des Typhus zu setzen sind. 
Namentlich die Typhussymptome können wenig ausgeprägt sein, von den erste- 
ren verdeckt werden. Diese sind gerade im weiteren Verlaufe meist die vorherr¬ 
schenden. Der von Baer erwähnte Fall der Komplikation von Typhus und 
Tuberkulose ist besonders interessant durch den ungewöhnlich langen Nach¬ 
weis der Typhusbazillen im Blute. Zu Beginn der Erkrankung wie zu Ende 
der dreimonatlichen Behandlung fand sich ein positiver Bazillenbefund im 
Blute. Die Sektion ergab außer Lungentuberkulose frische Darmgeschwüre 
neben alten vernarbten. 

Lemann in New-Orleans beobachtete einen Fall, in welchem es sich 
um Typhus und Malaria zugleich handelte. Die Malariainfektion scheint 
zur bereits bestehenden Typhusinfektion hinzugekommen zu sein. Widal¬ 
reaktion und Plasmodienbefund fielen anfangs negativ aus. Zuerst stellte 
sich die Widalreaktion ein und erst später der Plasmodienbefund. Jeden¬ 
falls empfiehlt Lemann solche Fälle als Typhus zu behandeln. Für die 
Differentialdiagnose können nur Widalreaktion und Plasmodienbefund in 
Betracht kommen. Die Frage, ob Typhus oder Malaria vorliege, entstand 
gegenüber 100 Fällen von kurzem remittierendem Fieber, weiche Tyndale 
im südafrikanischen Kriege in Pretoria beobachtete und als Prätoriafieber 
bezeichnet hat Indes handelte es sich um Abortivformen des Typhus abdo¬ 
minalis. Der Beginn zeigte Unbehagen, Kopf-, Rücken- und Beinschmerzen. 
Dazu kam Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber von 40°, langsamer 
dikroter Puls, Schmerz in der Nabelgegend, Obstipation, kein Milztumor, 
Druckempfindlichkeit der Milz- und der Lebergegend. Remittierender Ver¬ 
lauf mit Temperaturen von 37,7—40°. Nach wenigen Tagen allmählicher 
Abfall. Für Typhus sprechen die Unwirksamkeit von Chinin, das Auftreten 
der Erkrankungen während einer Typhusepidemie, die Abwesenheit von 
Malariaplasmodien und die positive Widalreaktion. Die Dauer der Krank¬ 
heit betrug im Durchschnitt 8 1 /* Tage. Rückfalle waren häufig. Dagegen 
kamen keine Todesfalle vor. 

Als hämorrhagisches Typhusfieber beschreibt Ettinger folgenden 
Fall. Ein 21 jähriger Patient kommt in komatösem Zustand in das Kranken¬ 
haus: 40°, Puls 86, am ganzen Körper zerstreut zahlreiche Petechien, Fu¬ 
runkel, Krusten und Phlyktänen, Herz und Lunge ohne Besonderheiten. 
Sektion ergibt starke Schwellung und vielfache Ulcera der Peyerschen 
Plaques und der Solitärfollikel. Die Mesenterialdrüsen sind erheblich ver¬ 
größert; weich und dunkelrol Es handelt sich also um Typhus abdominalis, 
welcher aber nach dem bakteriologischen Befunde mit einer Allgemeininfek- 

Nr. 6. 


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133 


tion durch Staphylokokkus aureus und Kolibazillus kompliziert war. Der 
erste konnte im Eiter der Pusteln und Furunkeln nachgewiesen werden, der 
andere nur im Blute. Die Widalreaktion war positiv in Verdünnungen 
1 :20, 1 : 50 und 1 : 150. 

Von weiteren Komplikationen berichtet Baer über das Auftreten von 
Ikterus unter Schüttelfrost bei leichten Typhen und von einem hühnerei¬ 
großen Empyem linkerseits zwischen Lunge und Zwerchfell ohne pneumo¬ 
nische Erscheinungen, während der Eiter Typhusbazillen und Pneumokokken 
enthielt Die Operation brachte Heilung. Auffallend war das Auftreten von 
Peritonitis in der 3. Woche zweimal unter Schüttelfrost In einem Fall ergab 
die Laparotomie eine nekrotische, fibrinös belegte Stelle der Darmserosa und 
einen Erguß ohne Perforation. In einem anderen lagen zwei Perforationen 
in einem Abstand von 12 Tagen vor. 

Daß ein Typhus im Verlauf einer manifesten Syphilis eine besonders 
schwere Komplikation darstellt, zeigen die Berichte von Robin, Pelot und 
Vialancix. Im ersten Falle vertief der Typhus trotz der vorausgegangenen 
starken »inneren Antisepsis« durch die spezifische Behandlung schwer und 
endete am 21. Tage tötlich. Auch in Vialancix’ Falle scheint der Typhus 
durch vorausgegangene antisyphilitische Behandlung an Schwere gewonnen 
zu haben. Es handelte sich um eine frisch akquirierte Syphilis, bei welcher 
die Hg-Kur eingeleitet wurde. Dazu traten akut hohe fieberhafte Allgemein¬ 
erscheinungen, welche am 5. Tage zum Tode führten. Bei der Sektion fanden 
sich eine große Menge ulcerierter Peyerscher Plaques. Mit Robin stimmt 
Pelot, welcher 4 Fälle an Typhus während der antisyphilitischen Behandlung 
beobachtet hat, überein, daß die gegen Typhus empfohlene innere Dar¬ 
reichung von Hg-Präparaten, insbesondere Kalomel, nicht zweckmäßig sei. 

Ewald bespricht den atypischen Typhus und betont, daß dieTyphus- 
erkrankungen in Berlin seit etwa einem Dezennium nach ihrem Verlauf und 
besonders nach ihren Komplikationen minder schwer geworden seien. In 
den 70er und 80er Jahren traten mehr entzündliche Prozesse der serösen 
Häute, perichondritische Erkrankungsformen, Gelenkerkrankungen und Lun¬ 
genentzündungen als Komplikationen auf. Das alte klassische Bild ist nun 
sehr selten geworden. Nur selten begegnet man noch dem als typisch be- 
zeichneten staffelförmigen Anstieg der Temperatur mit folgender Febris con- 
tinua. Verwechselungen mit akuter Miliartuberkulose, Endokarditis oder 
Lungenentzündung sind besonders im Anfang möglich. Die genaue Diagnose 
ist oft wochenlang nicht zu stellen, bis endlich die Widalreaktion Klarheit 
schafft In der ersten Zeit freilich pflegen alle diese neueren Hilfsmittel wie 
Diazoreaktion, Agglutination, Untersuchung der Exkrete und des Blutes auf 
Typhusbazillen nicht von ausschlaggebender Bedeutung zu sein. Vorzüglich 
fehlt der erbsenbreiartige Stuhl sehr häufig. Die Entleerungen sind braun 
und geformt; ja hartnäckige Obstipation besteht manchmal. Roseolen werden 
einwandsfrei nur selten konstatiert Statt ihrer begegnet man manchmal einem 
pemphigusähnlichen Ausschlag oder Pustelbildung und auch Herpes labialis. 

Abt analysiert 90 Fälle von Typhus bei Kindern im Alter von 8 Mo¬ 
naten bis 14 Jahren. Nach mehrtägigem Prodromalstadium setzt die Krank¬ 
heit gewöhnlich plötzlich mit lebhafter Temperatursteigerung ein. Konvul- 


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sionen und Delirien kommen vereinzelt vor, häufig Erbrechen. Kopfschmerz 
und Schüttelfrost sind fast nur im Beginn beobachtet Obstipation kommt 
häufiger vor als Diarrhoe. Darmblutungen meist leichteren Grades hat Abt 
5mal konstatiert, mit weit weniger gefährlichen Symptomen als bei Erwach¬ 
senen. Perforationsperitonitis fand sich nur einmal, Epistaxis 4mal. Der 
Puls war meist frequent unregelmäBig, bei älteren Kindern gewöhnlich etwas 
verlangsamt Bei 10 Patienten traten Rückfälle ein, welche meist milde ver¬ 
liefen. Einmal fänden sich zwei Rezidive. Die MUz war in 84 Fällen pal- 
pierbar. Nicht selten bestand schon die Milzvergrößerung in der ersten 
Krankheitswoche und blieb in schweren Fällen selbst nach Ablauf des Fie¬ 
bers bestehen. Bronchitis verzeichnete Abt 40, Pneumonie 5, Endokarditis 
13mal als Komplikation. Roseola zeigte sich 53 mal meist in der ersten 
Krankheitswoche. Einmal bestand sie 25 Tage lang. Furunkulose bezw. 
Abszesse beobachtete Abt 12, Otitis media 5, schwere Konjunktivitis 2 mal. 
Über den Ausfall der verschiedenen neueren Reaktionen ist an anderen Stellen 
bereits gesprochen worden. 

Sucksdorff verzeichnete während einer schweren Typhusepidemie 8mal 
Ohrkrankheiten. Davon waren 7 Otitis media. Der Beginn fällt gewöhn¬ 
lich zwischen den 27. und 28. Tag. In zwei Fällen kam es zur Mastoi¬ 
ditis, welche in einem Falle mit Extraduralabszeß in der hinteren Schädel- 
grube und Zerstörung des Sinus sigmoideus kompliziert war. Beide Pa¬ 
tienten waren somnolent gewesen, sodaß rechtzeitige Paracentese nicht vor¬ 
genommen werden konnte. Diese hätte vielleicht die Mastoiditis verhin¬ 
dert Es empfiehlt sich daher jeden somnolenten Typhuskranken in kurzen 
Abständen ohrenärztlich zu untersuchen, damit rechtzeitig Ohrkomplikationen 
festgestellt werden können. 

Für die Behandlung des Typhus steht ein rein exspektatives Verfahren 
obenan (Ewald). Die Hauptsache ist und bleibt die passende Diät und die 
sorgfältige Pflege. Das wesentlichste Nahrungsmittel im Typhus stellt die 
Milch dar. Manche Autoren sind für eine absolute Milchdiät eingetreten. 
Neuerdings macht sich in England eine Strömung zu Ungunsten der Milch¬ 
diät geltend. Sie wird dadurch begründet, daß Milchdiät keine flüssige Nah¬ 
rung sei, sondern daß die geronnenen Käseklumpen in festem Zustande den 
Darm reizen und belasten. Man schlägt deshalb eine Verdünnung der Milch 
mit Wasser und anderen leicht verdaulichen Zusätzen vor. Selby und 
Pridham streichen aus diesem Grunde die Milch ganz aus der Diät und 
ersetzen sie durch Molken, weil diese nur die Hälfte an festen Bestandteilen 
und ebenso nur die Hälfte an Fett besitzt Selby glaubt dieser veränderten 
Ernährung den guten Erfolg in der Typhustherapie zuschreiben zu dürfen. 
Er verzeichnet nur 2,7% Todesfälle. Der günstige Einfluß der Molke soll 
sich vorzüglich und schnell an der Mundschleimhaut und der Zunge be¬ 
merkbar machen. Bereits in der 3. Woche sollen sie gegenüber den nor¬ 
malen Verhältnissen keine Veränderungen mehr zeigen. 

Mehrfach wird neuerdings für eine mehr substantielle Diät plaidiert 
Auf Orund vorwiegend von russischen Autoren bemerkt Ladyschenski, 
daß eine reichlichere Ernährung der Typhuskranken ohne Schaden und mit 
gutem Erfolge eingeleitet werden könne Er fand in 5 Fällen, einschließlich 

Nr. 6*. 


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3 Kindern, daß die Temperatur bei gemischter reichlicher Kost unverändert 
bleibt Auch die Krankheitsdauer wird nicht beeinflußt, und Komplikationen 
seitens des Magendarmkanals bleiben aus. Das subjektive Befinden der 
Kranken war besser, das Rekonvalescenzstadium kürzer. Indes warnt Ewald 
vor einem derartigen Verfahren. Man soll Typhuskranke unter möglichster 
Schonung des Magendarmkanals ausgiebig ernähren, und das geschieht ge¬ 
nügend und gefahrlos in der bisher üblichen Weise. 

Norway glaubt daß Typhuskranke meist dadurch zugrunde gehen, daß 
die ihnen gereichte Nahrung nicht verdaut nicht ausgenutzt wird. Er meint 
daß den Typhusbazillen die Kraft innewohne, die Verdauungstätigkeit von 
Magen und Darm herabzusetzen. Er gibt deshalb seinen Kranken Pepsin 
und Salzsäure und hat mit diesem Verfahren in 40 Fällen eine treffliche 
Wirkung erzielen können. 

Um der Stagnation von putridem Inhalt im Darm, toxischen Zuständen 
Oberdehnung und Lähmung der Darmwand vorzubeugen, benutzt Lewis 
mit Vorteil Kalomel in Dosen von zweimal täglich 0,03. Dazu reicht er 
0,6 Liter Milch mit Vichywasser und möglichst große Menge mit Salzsäure 
angesäuerten Wassers. Im Krankenhaus beginnt er die Behandlung mit der 
Darreichung einer einmaligen Kalomeldosis von 0,3—0,6 mit der doppelten 
Menge Natr. bicarbon. Nach Bedarf wird diese Dosis noch einmal wieder¬ 
holt Bei vorhandener Stomatis oder Idiosynkrasie wird das Kalomel aus¬ 
gesetzt und dafür Pillen aus Nux vomica, Bellad., Coloqu. und Aloe ge¬ 
braucht 

Bekanntlich haben sich neuerdings wieder Stimmen erhoben, welche in 
gewisser Weise der arzneilichen Behandlung des Typhus mit Antipyreticis 
das Wort reden. Erb, Binz, Ooldscheider u. a. haben vor einigen Jahren 
die günstige Wirkung des Chinins anerkannt Auch Ewald schreibt 
dem Chinin unter den antifebrilen Mitteln beim Typhus die beste Wirkung 
zu. Mit Erbs Erfahrung findet sich in weitgehendster Übereinstimmung 
Kernig. Er hat seit Jahren im Obuchow-Hospital in St Petersburg Typhus 
durch Chinin und Bäder mit günstigem Erfolge behandelt Eine abkürzende 
Wirkung machte insofern sich bemerkbar, als die den Verlauf hinausschie¬ 
benden Komplikationen ausgeblieben sind. Die Dauer der Krankheit selbst 
wurde indes nicht beschränkt In 3704 Fällen verzeichnet er eine Mortalität 
von 7,6°/o> während Curschmann als mittlere 14°/o angibt Günstig war 
vor allem die Wirkung des Mittels auf die Herztätigkeit Der Puls wird 
voller und langsamer. Das Sensorium wird freier. Das Allgemeinbefinden 
bessert sich. Die Temperatur wird wesentlich beeinflußt Kernig verordnet 
das Chinin, sobald ein Kranker in die Behandlung tritt, nicht nur gegen hohe 
Temperaturen, in Einzeldosen von 1,0 meist 5—lOmai, vereinzelt auch 20mal. 
Dadurch gelingt es das Temperatumiveau für längere Zeit herabzusetzen. 
Diese Wirkung, wie sie in leichten Fällen immer hervortritt, läßt fast an eine 
spezifische Wirkung des Chinins beim Typhus denken. Wirklich schwere 
Fälle dagegen verhalten sich zuweilen außerordentlich refraktär gegen das 
Mittel. Das ist immer von prognostischer Bedeutung. Gute Chininremis¬ 
sionen in den beiden ersten Wochen gewähren die Aussicht auf einen gün¬ 
stigen Verlauf und Ausgang. Zu Beginn des Höhestadiums der Kurve ist 


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die Wirkung auf die Temperatur relativ schwach, ebenso am Schluß der 
Kurve. Als unangenehme Nebenwirkung stellt sich bei einzelnen Kranken 
bisweilen Erbrechen ein, welches sich durch Eisstfickchen bekämpfen läßt 
Mitunter macht sich Ohrensausen geltend. Blutungen, Perforation und peri- 
tonitische Erscheinungen sind Kontraindikationen gegen das Mittel. Nach 
seinen Erfahrungen an der Ostküste von Sumatra, wo der Typhus endemisch 
herrscht, hat Martin von der Chininbehandlung im Sinne Erbs günstige 
Erfolge gesehen. Die dort beobachteten Kranhkeitsformen sind jahrelang 
fälschlich für Malaria gehalten, bis ihre Natur durch bakteriologische Unter¬ 
suchungen klar gelegt wurde. Dann unterließ man die Chininbehandlung 
als unnötig. Alsbald verschlechterte sich der Verlauf der Krankheit Man 
kehrte wieder zu der Chininbehandlung zurück und erzielte gute Erfolge. 
Der Typhus in den Tropen nimmt überhaupt einen anderen Verlauf wie in 
Europa. Darmerscheinungen treten in den Hintergrund. Roseolen sind auf 
der dunklen Hautfarbe kaum zu erkennen. Dagegen finden sich stets Milz¬ 
tumor und Bronchitis. Bisweilen gehen die Diarrhoen in echte Dysenterie 
über. Das ist prognostisch von übler Bedeutung. Verabreicht wurde Chinin 
in täglichen Dosen von 2 g. Nachteilige Folgen für Herz und Zentralorgane 
hat Martin nicht beobachtet Er hat dagegen die Überzeugung gewonnen, 
daß Chinin die Fälle leicht und abortiv gestaltet hat Auch er bestätigt die 
Erfahrung, daß bei den schweren unkomplizierten Typhusfällen die Chinin¬ 
wirkung nicht hervortritt 

Von anderen antifebrilen Mitteln rühmt v. Schüler vor allem das Lakto- 
phenin, welches er in der Gelsenkirchener Epidemie ausgiebig erprobt hat 
Aus äußeren Gründen ließ sich hier eine regelrechte Bädertherapie nicht 
durchführen. Er reichte daher konsequent Laktophenin in Dosen von 3 g 
pro die verteilt auf 3 Einzeldosen. 1 g erzielte eine Temperatursenkung um 
2, sogar um 4°; das ist also eine stärkere Einwirkung als bei anderen Anti- 
pyreticis. Der Wiederanstieg der Temperatur erfolgte einige Male mit 
Schüttelfrösten. Die nervösen Erscheinungen, Delirien u. s. w. wurden vor¬ 
teilhaft beeinflußt, in keinem Falle verschlimmert Der Puls wurde niemals 
verschlechtert Aufgeregte Kranke wurden ausnahmslos beruhig}, das Sen- 
sorium freier, auf die peripheren Nervenschmerzen war jedoch eine nennens¬ 
werte Wirkung nicht zu verspüren. Magendarmkanal wurde günstig beein¬ 
flußt Die Symptome von Dannfäulnis wurden eingeschränkt und frühzeitig 
machte sich eine Hebung des Appetits geltend. Auch eine abführende Wir¬ 
kung war zu bemerken (Gehalt an Milchsäure). Üble Nebenwirkungen wur¬ 
den nicht beobachtet jedoch konnte ein spezifischer Einfluss auf den Ver¬ 
lauf der Erkrankungen nicht konstatiert werden. Die Mortalität betrug 10 %. 

Mehrfache Empfehlung hat das Pyramidon erfahren (Beniasch, Va- 
lentini, Byk u. s. w.). Durch vollständige Pyramidonisierungj durch Dar¬ 
reichung von 2stündlich 0,2—0,4 g Tag und Nacht wärend der ganzen Dauer 
der Krankheit gelang es die Temperatur gewöhnlich zwischen 37,5 und 3ty>° 
zu halten, mitunter sogar völlige Entfieberung zu erzielen. Dadurch wird 
ein Wohlbehagen der Kranken bedingt und die Pflege außerordentlich er¬ 
leichtert, zumal Puls und Sensorium sehr günstig beeinflußt werden. Selbst 
desolate Fälle kamen zur Heilung. Mehrfach wurden zeitweise kurzdauernde 


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Schwankungen der Temperatur nach oben und nach unten verzeichnet In 
einzelnen Fällen gelang es nicht die Temperatur auf einer Höhe zu erhalten. 
Sie stieg moigens, wenn in der Nacht die Darreichung des Pynunidons 
unterlassen war. Eine Gefahr birgt die Pyramidonisierung in sich. Sie kann 
durch die Entfieberung u. s. w. über den wahren Verlauf des Typhus täu¬ 
schen (Valentini). Natürlich ist eine spezifische Wirkung des Mittels auf 
den Unterleibstyphus kaum anzunehmen. Beniasch hat den Einfluß der 
Antipyretika auf die Agglutinationsfähigkeit des Blutes geprüft Die aggluti¬ 
nierende Substanz ist nicht nur als Element der Infektion, sondern auch als 
Element der Reaktion des Oiganismus gegen die Infektion anzusehen. Je 
nach der Stärke der Infektion und der Reaktionsfähigkeit des Körpers wech¬ 
seln die Mengen der gebildeten Agglutinine, welche gemessen und bestimmt 
werden können. In Pausen von 7 Tagen entnahm Beniasch seinen Kranken 
Blut und führte die Widalreaktion aus. Er fand, daß durch Phenacetin 
(19 mal) und Chinin (8 mal) erreichte mäßige Temperaturherabsetzungen und 
schroffe Temperaturstürze keine Wechselwirkung auf die Agglutinationskraft 
des Blutes erkennen lassen. Diese geht vielmehr ihren gesetzmäßigen Gang. 
Auch das in 23 Fällen verwendete Pyramidon, welches als Antipyretikum am 
sichersten wirkt, beeinflußt die Agglutinationskraft des Blutes im allgemeinen 
nicht Einige Male indes ging mit der Temperaturherabsetzung eine deut¬ 
liche, wenn auch nicht besonders scharfe Erhöhung der Agglutinationskraft 
parallel. 

Cryogenin empfehlen Demurger und G61ibert in Dosen von 0,5 in 
24 Stunden. Nach jener Gabe tritt prompt ein Temperaturabfall von 1,5° 
ein. Die Temperatur hält sich so 48 Stunden lang. Kleine Dosen sind nicht 
zu empfehlen, weil die Temperatur nur um einige Zehntelgrade sinkt Neben¬ 
wirkungen sind nicht beobachtet Neben der temperaturherabsetzenden Wir¬ 
kung zeichnet sich das Mittel noch durch seine Eigenschaft als Darmanti¬ 
septikum aus. Als solches haben Wood und Thruch und andere Ameri¬ 
kaner Acetozon angewendet 53 Fälle verliefen ohne Todesfälle. Das Mittel 
scheint die Darmfäulnis erheblich herabzusetzen und die Neigung der Kranken 
zur Auftreibung des Leibes und zum Durchfall zu vermindern, namentlich 
wenn es frühzeitig gegeben wird. Farbe und Konsistenz der Stühle wird 
verändert, nicht aber der Geruch. Das Allgemeinbefinden wird günstig beein¬ 
flußt Hohe Temperaturen erscheinen ebenso wie Rezidive seltener. Für die 
Nieren ist das Mittel unschädlich. Ein anderer Bericht betrifft 128 Fälle, in 
welchen das Mittel zu 0,8—1,0 in Lösung als Zusatz zum Trinkwasser sowie 
alle 4 Stunden als Medikation gereicht wurde. Die mittlere Fieberdauer be¬ 
trug 17 Tage, die Mortalität 8,6%. Die einzelnen Symptome, Fieber, Be¬ 
nommenheit, Tympanitis wurden günstig beeinflußt und dadurch die Pflege 
wesentlich erleichtert 

Woroschilsky hat auf Grund seiner günstigen Erfahrungen über die 
Verwendung des Sulfur, sublim, auf den Verlauf der Dysenterie die Schwefel¬ 
leber auch bei Typhus herangezogen und zwar 1,25 g 2stündlich bis 10 g 
pro die. Der Erfolg war in erster Linie eine Milderung der Diarrhoe. Bei 
längerem Gebrauch trat sogar Verstopfung ein. In allen Stadien der Krank¬ 
heit war schon in den nächsten Tagen nach Beginn der Medikation eine 


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entschiedenem Linderung der klinischen Erscheinungen, ein allmähliches 
Sinken der Temperatur, eine Besserung des Allgemeinbefindens und ein sehr 
viel günstigeres Aussehen der Kranken zu konstatieren. Der Typhus wurde 
milder und gutartiger. Diese Milderung des Krankheitsverlaufes bezieht 
Woroschilsky auf die direkte Beeinflussung der infizierten Darmschleim¬ 
haut durch die unmittelbare Einwirkung des Schwefels. Im allgemeinen 
empfiehlt sich das Mittel nicht, wenn die Symptome der Allgemeininfektion 
prävalieren, die lokalen Darmerscheinungen weniger ausgesprochen sind. 
Indes auch bei schweren septischen Formen beeinflußt die erfolgreiche Be¬ 
kämpfung der Darminfektion den Oesamtverlauf. Der Schwefel passiert den 
Magen völlig unverändert Im Darmkanal wird er durch alkalische Sekretion 
der Verdauungssäfte in Schwefelalkali übergeführt Ein großer Teil wird 
durch die Kohlensäure der Darmgase in Schwefelwasserstoff verwandelt 
Bei der ungeheuren Verdünnung des Schwefelalkalis im Darm resultiert nur 
eine ganz zarte Reizwirkung auf die Darmschleimhaut Durch die einhüllende 
Eigenschaft des unlöslichen Schwefels werden die entzündlichen und ge- 
schwürigen Prozesse der Darmschleimhaut wohltätig beeinflußt Als schützen¬ 
der Überzug bewahrt der Schwefel die erkrankte Schleimhaut vor schädlicher 
Einwirkung der irritierenden Ingesta. Dazu kommt die antiphlogistische und 
antiseptische Eigenschaft des Schwefels. Der Schwefel ist selbst in großen 
Dosen unschädlich, die Hauptmenge passiert den Darm, ohne resorbiert zu 
werden. 

Von Cavazzani ist die subkutane Injektion von Jodjodkalilösung in 
die Therapie des Typhus eingeführt Brunazzi und Lucchesini haben 
diese Methode durch Versuche an Meerschweinchen begründet Die Jodjod¬ 
kalilösung erhöht die Widerstandsfähigkeit der Tiere gegenüber den Toxinen 
des Typhusbazillus und besitzt gegenüber diesen Giften eine antitoxische 
Wirkung. 

Trotz der nachgerühmten Vorzüge des einen oder des anderen Mittels 
beim Typhus wird in der Hauptsache für eine überhaupt notwendige Anti- 
pyrese die Hydrotherapie vorgezogen (Ewald). Boot empfiehlt das 
Wasser auch in anderen Formen. Beim Typhus haben wir außer mit der 
eigentlichen Typhusinfektion mit einer sekundären Infektion zu rechnen. 
Diese läßt sich vidieicht durch therapeutische Maßnahmen beeinflussen, wäh¬ 
rend jene nur durch ein Typhushdlserum zu hdlen ist Das Wasser nun 
wirkt, wenn es in den Körper reichlich angeführt wird, als Diuretikum und 
wäscht die Toxine aus. Darum ist reichliches Wassertrinken zu empfehlen. 
Darmeingießungen wirken vidieicht in' dieser Richtung durch Resorption 
vom Darm aus. Dazu spülen sie die reizenden Fäkalmassen aus und ent¬ 
fernen schnell die in ihnen enthaltenen toxischen Substanzen. In schweren 
Fällen kommen zu diesem Zwecke endlich subkutane Wassereinspritzungen 
in Frage. 

Gegen die Bazillurie gilt das Urotropin als zuverlässiges und treff¬ 
liches Mittd (Biss, Büsing, Fuchs u. a.). Es wird geraten möglichst früh¬ 
zeitig das Mittel zu reichen und zwar in größeren Intervallen wiederholt zu 
geben und nicht kldne Dosen, und diese Medikation längere Zeit nach Ab¬ 
lauf der Krankheit fortzusetzen. An den der Darreichung folgenden Tagen 


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hat man stets ein bedeutendes Absinken der ausgeschiedenen Typhusbazillen 
beobachtet Sobald das Mittel ausgesetzt wird, stieg die Bazillenzahl wieder 
an. In jedem Falle wirkt das Mittel auf die Typhusbazillen nicht abtötend, 
sondern nur entwickelungshemmend. Man erzielt also keine Teilung der 
Bazillurie, sondern nur eine so lange andauernde Verminderung der Bazillen¬ 
zahl als der Körper unter der Einwirkung'des Mittels steht Stern allerdings 
warnt vor dieser jetzt wiederholt empfohlenen Darreichungsweise des Mittels, 
weil es mehrfach bei Typhusrekonvaleszenten Hämaturie im Gefolge gehabt hat 

Brieger hat die Frage endgiltig gelöst, ob agglutinierende und immuni¬ 
sierende Substanzen identisch sind. Durch allmählichen, äußerst vorsichtig 
und schonend eingeleiteten Abbau des Typhusbakterienkörpers auf chemi¬ 
schem Wege ist ihm durch besondere Vorbehandlung die Isolierung der 
agglutinierenden Substanz gelungen, welche in Wasser leicht löslich, in Al¬ 
kohol ganz unlöslich ist Das Agglutinationsvermögen dieser Substanz bleibt 
allerdings hinter der durch Typhusbazillen allein ausgelösten Agglutinations¬ 
kraft zurück. Der Agglutininbildner agglutiniert Typhuskulturen nicht, hemmt 
auch, zur Kulturflüssigkeit zugesetzt, ihr Wachstum nicht Die abzentrifu¬ 
gierten Bazillen müssen noch Agglutinationskraft besitzen, sind durch das 
angewandte Verfahren in ihren agglutinierenden Eigenschaften nicht erschöpft 
Sie behalten sogar ihre Lebensfähigkeit, waren zum Teil noch recht lebhaft, 
wenn sie auch in ihrer Virulenz sehr beschränkt waren. Mit dieser Substanz 
hat Schütze nach häufig wiederholter Injektion sowohl im Serum von 
Meerschweinchen wie von Kaninchen Agglutination erzeugt, welche in einer 
Verdünnung von 1 :300 Typhusbazillen sowohl im Reagensglase zusammen¬ 
ballten und noch in einer Verdünnung von 1:100—1:1200 nach 7* stän¬ 
digem Stehenlassen der Röhrchen im Brutschrank das Agglutinations¬ 
phänomen in deutlicher Weise auszulösen vermochte. Daß dieser Vorgang 
spezifischer Natur war, beweist der Versuch das Serum des vorbehan¬ 
delten Tieres mit anderen Bakterien zu vermischen. Selbst im Verhält¬ 
nis 1:1 war es nicht im stände, Agglutination zu verursachen. Aus einer 
anderen Versuchsreihe (Vermischung des agglutinierenden Serums eines Ka¬ 
ninchens mit der zur Injektion benutzten Flüssigkeits-Trübung und im Brut¬ 
schrank deutliche Präzipitinbildung) geht hervor, daß das Serum keine gegen 
die Typhusinfektion schützende oder den Ablauf dieser verzögernde Eigen¬ 
schaft besitzt Damit ist erwiesen, daß agglutinierende und immunisierende 
Stoffe beim Typhus verschieden von einander sind. 

Conradi, sowie Neisser und Shiga haben verschiedene Wege ge¬ 
wiesen, auf welchen es vielleicht gelingen kann, Substanzen zur aktiven Im¬ 
munisierung des Menschen zu gewinnen. Conradi hat die wasserlöslichen 
Toxine durch kurz dauernde aseptische Autolyse der Bakterien dargestellt. 
Das von einer zwar virulenten Typhuskultur gewonnene Gift wirkt in Dosen 
von 0,2 ccm bei intraperitonealer Einspritzung auf Meerschweinchen deutlich. 
Neisser und Shiga haben in einer wässerigen Aufschwemmung von er¬ 
hitzten Typhusbazillen nach Entfernung der Bazillen durch Filtration (Rei¬ 
chelfilter) freie Rezeptoren nachgewiesen, einmal durch die Fähigkeit Agglu¬ 
tinin zu binden, sodann auf immunisatorischem Wege. Die hier gewonnenen 
Sera zeigen stark bakterizide Wirkung. 


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Bekanntlich hat vor einigen Jahren Jez eine Reihe von günstigen Resul¬ 
taten veröffentlicht, welche er mit der Behandlung des Typhus durch ein 
antityphöses Serum, ein Antityphusextrakt erzielt hat Diese günstige 
Wirkung konnte Eichhorst bald darauf in 12 Fällen bestätigen. Casardi 
hat den aus dem schweizerischen bakteriotherapeutischen Institut bezogenen 
Extrakt in schweren Fällen angewendet Es wird in Dosen von 200 ccm 
per os gereicht und gern genommen; im ganzen werden etwa 2000 ccm 
gegeben. Als günstige Wirkung hebt Casardi das Auftreten von Polyurie 
und von abundanten Schweißen hervor, welche aber den Kranken nicht 
schwächen sollen, sondern in kritischer Weise die Ausscheidung der Toxine 
befördern. Vorzüglich tritt eine sofortige Einwirkung auf die beunruhigenden 
nervösen Erscheinungen hervor. Weniger günstig äußert sich über dieses 
Mittel auf Grund von Tierversuchen G. Markt Er kommt zu dem Schlüsse, 
daß die aus den Organen der mit Typhusbazillen vorbehandelten Kaninchen 
nach der von Jez angegebenen Methode dargestellten Extrakte sowie der 
Original-Antityphusextrakt Jez’ zwar Schutzstoffe gegen Typhusbazillen ent¬ 
halten, jedoch in geringerer Menge als die entsprechenden Immunsera. Die 
Schutzstoffe sind spezifische Körper, welche in Organen von normalen Ka¬ 
ninchen nicht nachweisbar sind. Die Wirkung dieser Stoffe ist eine anti- 
infektiöse, nicht eine antitoxische. 

(Schluß folgt) 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

Haas: Citarin, ein neues Qiditmittel. (Deutsche Arztezeitung, S. 460.) 

Auf Orund eigner sowie fremder Erfahrungen empfiehlt H. das Citarin be¬ 
sonders in akuten Fällen, nur muß das Citarin sofort bei dem ersten Anzeichen 
des auftretenden Anfalles und zwar in großen Dosen gegeben werden. Seine 
billigste Darreichung ist in Tabletten: 5 mal tägl. ä 2 g. (Auch dem Referenten 
hat sich das Mittel in verschiedenen Fällen sehr gut bewährt.) 

Schreiber (Göttingen). 

Burchard: Erfahrungen über die therapeutische Leistungsfähigkeit des Pyrenols a) bei 
Astfama und Pertussis, b) bei Gicht und Ischias. (Deutsche Arztezeitung, S. 462). 

B. rühmt die prompte Wirkung des Pyrenols bei den angeführten Krank¬ 
heiten; die Anwendung geschieht am besten in Tablettenform resp. in Lösung 
5,0 zu 100,0 dreistündl. 1 Esslöffel. Nebenwirkungen sind nicht beobachtet. 

Schreiber (Göttingen). 

Adler, Emil: Ein Fall von spontaner transitorischer Glykosurie bei Meningitis cerebro¬ 
spinalis. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 25 [N. F. 5. Bd.], 1904, H. 12.) 

Der beobachtete Fall, über dessen Diagnose anfangs große Zweifel herrschten, 
gehört zu den spontanen transitorischen Glykosurien infolge von Erkrankung an cere¬ 
brospinaler Meningitis. Die Zuckerausscheidung schwand vom 5. Beobachtungstage 
an, trotzdem die Kranke oft reichliche zucker- und amylumartige Nahrung zu sich 


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nahm, und hielt sich in mäßiger Höhe. Gerade diese beiden Symptome, die 
geringe Glykosurie, das baldige Schwinden und die Unabhängigkeit von der Diät 
charakterisiert die Olykosurien bei M. cerebrospinalis. Schilling (Leipzig). 

Otori, Jiro: Zur Lehre von der Pentosurie. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 25 [N. F. 

5. Bd.], 1904, H. 12.) 

O. prüfte die verschiedenen Nachweismethoden der Pentosen, Toi lens 9 
Absatzmethode, die Phlorogluzin-Salzsäureprobe, die Orzin-Salzsäureprobe, die 
modifierte Orzin-Salzsäureprobe, das Bi als sehe Reagens und die Resorzinprobe 
an mehrereren wässerigen Losungen von verschiedener Konzentration. Sein 
Ergebnis war das, daß Amylalkohol keinen Vorzug vor Äthylalkohol hat, am 
empfindlichsten die Phlorogluzin- und modifizierte Orzinprobe nach Brat ist 

Die Krankheit ist selten, unter 200 Patienten fand sich keine Pentosurie. 

Schilling (Leipzig). 

v. Pestfay, Stefan (Karlsbad): Ober die Brauchbarkeit der Perkussions - Auskultation 
in der Diagnostik der Magenerkrankungen. (Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 9, 

H. 4.) 

Verf. zieht aus seinen Untersuchungen folgende Schlüsse: 

1. Die Perkussions-Auskultation gibt gut verwertbare, pünktliche und verlä߬ 
liche Resultate über die Lage und Oröße des Magens. Ihre Vorteile vor 
den anderen, in Gebrauch stehenden Methoden sind: 

a) daß sie den Magen in seiner natürlichen Lage, Oröße und Form zeigt, 

b) Einfachheit und außerordentlich leichte Ausführbarkeit, 

c) absulolute Gefahrlosigkeit, sie ist auch dann anwendbar, wenn andere 
Verfahren kontraindiziert sind. 

2. Im Verein mit der künstlichen Aufblähung des Magens gibt die Per¬ 
kussions-Auskultation außerordentlich wertvollen Aufschluß über die Be¬ 
schaffenheit des Muskeltonus des Magens, da Atonie einerseits und 
Hypertrophie anderseits genauestens unterschieden werden können. Wenn 
die Lage der großen Kurvatur mittels der Perkussions-Auskultation be¬ 
stimmt wird und zwar erst bei unaufgeblähtem Magen, dann bei aufge¬ 
blähtem Magen, so ergiebt sich am normalen Magen für beide Bestim¬ 
mungen eine Differenz von 2 cm. Eine größere Differenz weist auf Herab¬ 
setzung des Muskeltonus hin, eine kleinere Differenz auf Hypertrophie der 
Magenmuskulatur. Auf diese Weise sind Atonieen geringeren Grades fest¬ 
zustellen, die mittels der Probemahlzeiten entweder gar nicht oder nur mit 
weit größeren Umständen und nur unsicher diagnostizierbar sind. 

3. Durch Anwendung der Perkussions-Auskultation wird eine genaue Qrößen- 
bestimmung der Abdominaltumoren (wenn sie zirkumskript sind) sowie die 
Feststellung ihrer Zugehörigkeit ermöglicht. 

J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

Zweig, Walter (Wien) u. Calvo, Arthur (Florenz): Die Sahliache Mageninhaltsunter- 
Buchung und ihre Bedeutung für die Diagnose der alimentären Hyperaekretion. 

(Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 9, H. 3.) 

Verff. kommen zu folgenden Schlußfolgerungen: 

1. Die Sahli sehe Funktionsprüfung verspricht nur dann einwandsfreie Re¬ 
sultate, wenn das Fett im Mageninhalt in vollkommen homogener Weise 
verteilt bleibt Es gibt eine wohl charakterisierte Oruppe von Fällen, bei 
welchen diese Homogenität gestört erscheint. Und zwar sind dies die 
Fälle von chronischer Gastritis mit vermehrter Schleimbildung. Bei schwerer 
motorischer Insuffizienz des Magens können trotz gewissenhaften Ausspü- 
lens Reste von Fett und Nahrung im Magen Zurückbleiben, welche auf die 
nachträgliche Fettbestimmung von Einfluß sein werden. 


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2. In den Fallen von Subacidität und fraglicher Anaddität ist die Untersuchung 
mittels der Sahlischen Methode nicht empfehlenswert, da der Sekretions¬ 
reiz der eingeführten Mehlsuppe ein so geringer ist, daß in manchen Fallen, 
wo nach Ewald-Boasschem Probefrühstück freie HCl konstatierbar ist, 
diese nach Sahli fehlen kann. 

3. Die Ausführung der Methode ist zu kompliziert und zeitraubend, als daß 
sie in der Hand des praktischen Arztes je geübt werden könnte. 

4. Die Hauptdomäne der Sahlischen Untersuchungsmethode stellt die nervöse 
Dyspepsie dar, speziell zwecks Unterscheidung von Atonie und »alimentärer 
Hypersekretion«. In 33 Fällen von nervöser Dyspepsie wurde 21 mal mittels 
des Mathieu-Rämondschen Verfahrens eine abnorme Vermehrung des 
Mageninhalts festgestellt. Von diesen erwiesen sich bei Heranziehung der 
Sahlischen Untersuchungsmethode nur 9 Fälle als echte Atonieen, während 
12 Fälle sog. »nervöse Hypersekretionen« darstellten. Die Fälle unterscheiden 
sich von der gewöhnlichen chronischen Hypersekretion dadurch, daß der 
Magen nüchtern kein Sekret oder sehr geringe, das Normale nicht über¬ 
schreitende Mengen von Magensaft enthält, während die Magendrüsen auf 
die Einfuhr von Speisen mit einer lebhaften, die Norm übersteigenden Se¬ 
kretion reagieren. Z. spricht in solchen Fällen von einer alimentären Hyper¬ 
sekretion, die er von der bisher beschriebenen chronischen Hypersekretion 
als nervöse Funktionsstörung sui generis abtrennt, ln einzelnen Fällen von 
alimentärer Hypersekretion ergaben sich bei besonders prompter Motilität 
des Magens für die Gesamtmenge des Mageninhalts normale Werte und es 
zeigte sich bloß das Verhältnis zwischen Magensaft und Probefrühstück 
derart gestört, daß der Sekretionsquotient auf das 3—4 fache gegenüber der 
Norm gesteigert war. Die Acidität des reinen Magensafts wurde bei der 
alimentären Hypersekretion verschieden gefunden, neben normalen Werten 
kamen auch Fälle von Hyperaddität und Subatidität zur Beobachtung, letztere 
erklären Verff. durch die Annahme einer stark vermehrten Verdünnungs¬ 
sekretion des Magens. Von der von H. Strauß und Schüler beschriebenen 
Hyperadditas larvata unterscheidet sich die alimentäre Hypersekretion durch 
das Verhalten der Amylolyse, die im Gegensatz zur Hyperadditas larvata 
bei der alimentären Hypersekretion völlig normal gefunden wurde. 

J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

Mangelsdorff: Ober ein Phänomen am Magen bei Migräne und Epilepsie. (Berliner 

klin. Wochenschr., Nr. 44.) 

M. hat die Beobachtung gemacht, daß der Magen während eines Migräne¬ 
anfalls nach allen Richtungen hin sich vergrößert; durch den infolge häufiger 
Anfälle wechselnden Tonus entsteht Erschlaffung, Atonie — oder, wie Verf. sich 
entgegen der modernen Nomendatur ausdrückt »atonische Erweiterung«. Diese 
ist also in vielen Fällen, in denen man sie mangels anderer ätiologischer Merk¬ 
male einfach als »neuropathisch« ansprach, auf diese Weise zu erklären. Die 
Entstehung der akuten Erschlaffung im Anfall ist dunkel. Das gleiche Phänomen 
zeigte sich beim epileptischen Anfall, nach einer Reihe solcher ebenfalls die Atonie. 
Die Beseitigung der Magenatonie führte zu »befriedigenden und ermutigenden« 
Resultaten für die Therapie der Migräne. 

Die Magenuntersuchungen geschahen stets am leeren Magen, durch Auf¬ 
blähung mit Luft oder Kohlensäure. Pickardt (Berlin). 

Pal, J.: Ober Gefäßkrisen und deren Beziehung zu den Magen- und Bauchkrisen der 
Tabiker. Aus der 1. med. Abteilung d. k. k. allgem. Krankenhauses in Wien. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 49.) 

P. hält die gastrischen Krisen bei Tabes (grande crise gastrique) für ein vaso¬ 
motorisches Phänomen, bedingt durch eine Erregung des Sympathikus, die zu 
einer Kontraktion der feinsten Gefäße der Baucheingeweide und damit zu einer 


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Hochspannung im mesenterialen Gefäßsystem führt. Diese ihrerseits übt einen 
Reiz nur auf den mesenterialen sensibeln Apparat und besonders den Plexus 
solaris aus und wird so die Ursache heftiger Schmerzempfindung. Die Steigerung 
der Oefäßspannung während der Dauer der gastrischen Krise und der kausale 
Zusammenhang beider konnte von P. mittels des Oärtnerschen Tonometers 
direkt nachgewiesen werden; sie kann bis zu 150% der Spannung im anfallfreien 
Zustande betragen. Schade (Oöttingen). 

Lentz, Otto n. Hetz, Julius: Eine Anreicberangsmethode für Typhus- and Paratyphus¬ 
bazillen. Aus d. k. bakt. Untersuchungsanstalt zu Idar a. d. Nahe. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 49.) 

Die an eine Mitteilung von Löffler über das Wachstum von Thyphus- und 
typhusähnlichen Bazillen auf einem mit Malachitgrün versetzten Agarnährboden 
anknüpfende Methode beschreiben die Verff. folgendermaßen. Von den mit der 
doppelten Menge physiologischer Kochsalzlösung verriebenen Fäces werden mit 
einem Spatel 0,1— 0,2 ccm auf eine Malachitgrünagarplatte verteilt, sodann der 
Spatel auf zwei Lackmus-Laktose-Agarplatten (Drigalski-Conradisches Ver¬ 
fahren) übertragen. Finden sich nach 20 Stunden Brutofenaufenthalt auf den 
blauen Platten keine Typhuskolonieen, so werden von der grünen Platte einige 
verdächtige Kolonieen abgestochen und mittels eines hochwertigen Typhus¬ 
serums auf ihre Agglutinationsfähigkeit geprüft. Fällt diese Probe negativ aus, 
so wird die ganze Platte mit ca. 2 ccm Bouillon oder Kochsalzlösung abge¬ 
schwemmt und von der Abschwemmung eine Öse auf zwei großen Lackmus- 
Agarplatten verrieben. Nach 16—20 ständigem Aufenthalt im Brutofen werden 
diese Platten auf etwa gewachsene Typhusbazillen durchgesehen. 

Schade (Oöttingen). 

Graul, G. (Neuenahr): Dickdarmcardnom and Enteritis membranacea. (Archiv f. 

Verdauungskrankheiten, Bd. 9, H. 4.) 

ln einem Falle von Cardnom der Flexura sigmoidea waren — ähnlich wie 
in einer Beobachtung von Boas — dem Stuhlgang wiederholt lange Schleim¬ 
membranen beigemengt, die alle Charaktere der beim membranösen Katarrh zur 
Ausstoßung gelangenden Membranen darboten. Da in dem betr. Falle die Mem¬ 
branen zusammen mit rein flüssigen Stühlen entleert wurden, also unmöglich 
durch den Druck festsitzender Kotballen gebildet sein konnten, nimmt Verf. an, 
daß in seinem Falle die Membranen — auf dem Boden eines Dickdarmkatarrhs 
entstanden — nur durch Kontraktion zwischen den muskulösen Falten des Kolon 
zur festen Membran geformt wurden. J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

Oppenheim, A.: Die Lageveränderungen der Leber und der Bnutoigane bei Meteoris- 
mus, ihre Verwertung bei Diagnose nnd Therapie. (Berliner klin. Wochenschr., Nr. 42.) 

Das Verschwinden der Leberdämpfung bei Meteorismus ist, wie O. in einer 
früheren Arbeit (1902) nachwies, nicht durch Überlagerung durch das Colon trans- 
versum, sondern durch Drehung des Organs um seine Frontalaxe durch den 
dessen vorderen unteren Rand hebenden geblähten Darm. Das Phänomen ist 
von Bedeutung als Frühsymptom einer — vom Proc. vermiformis und eventuell 
den Adnexen — ausgehenden Perforation, das erste Stadium eines sonst durch nichts 
markierten Meteorismus. Die Überwachung der Leberdämpfung ist daher bei 
jeder akuten Perityphlitis diagnostisch und prognostisch bedeutungsvoll. Meteo¬ 
rismus des Dickdarms kann übrigens auch durch Opium und hohe Morphium¬ 
dosen verursacht werden. 

Ferner kann das Verschwinden der Leberdämpfung zur Differentialdiagnose 
zwischen Dickdarm- und Dünndarmileus verwandt werden, indem nie eine noch 
so intensive Aufblähung der gesamten Dünndarmschlingen, wohl aber eine nur 
mäßige Auftreibung des Dickdarms die Leberkantung produzieren kann. 


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Was die Verlagerung der Brustorgane bei Meteorismus anlangt, so macht 
Verf. darauf aufmerksam, daß — was wohl aber mehr bekannt ist, als O. anzu¬ 
nehmen scheint (Ref.) — Herzstörungen als Folge einer durch Atonia ventriculi 
verursachten Meteorismus dieses Organs auftreten können. O. führt einen von 
Borchardt-Berlin beobachteten Fall an, in welchem nach einer Nephropexie 
aus diesem Grunde der exitus eintrat: mechanischer Herztod. Wie experi¬ 
mentell zu erweisen ist, kann bei Tieren durch Aufblähung per Rektum das Herz 
zum Stillstand gebracht werden und nach Entlastung durch Darmstich wieder 
seine Tätigkeit aufnehmen. Pickardt (Berlin). 

Reitter: Ober Schwierigkeiten bei der Differential - Diagnose des subphrenischen Gas- 
abnesses. (Deutsche Ärztezeitung, S. 457.) 

Wie schwierig die Diagnose eines subphrenischen Abszesses sein kann, be¬ 
weist der von R. mitgeteilte Fall. Ausschlaggebend für die Diagnose war in dem 
Fall gewesen die plötzliche Entstehung; bei einem bis dahin gesunden Manne 
tritt ein fieberhaftes, mit Durchfällen verbundenes Darmleiden auf, das mit Ödem 
und Ascites einhergeht, ohne daß eine nähere Lokalisation im geschädigten Darm 
nachzuweisen war. Plötzlich verschwindet die Leberdämpfung, an ihrer Stelle 
findet sich tympanitischer Schall; das Atemgeräusch reicht bis zum Beginn des¬ 
selben, ist vasikulär, weiter unten aufgehoben. Die Lungengrenze verschieblich. 
Auch das Röntgenbild zeigt einen Luftraum unterhalb des Zwerchfells. Die 
Succussio Hipokratis sowie die Probepunktion ergeben Flüssigkeit in dem Raum. 
Bei der Autopsie findet sich aber eine subakute tuberkulöse Peritonitis, eine fast 
vollständige Atrophie des linken und hochgradige Atrophie des rechten Leber¬ 
lappens, chronische Perihepatitis neben anderweitiger Tuberkulose. Der Symp- 
tomenkomplex war dadurch zustande gekommen, daß das ad. maximum gebläte 
Kolon transversum zwischen die Leber und das Zwerchfell eingeschaltet war. 

Schreiber (Göttingen). 

Alexander, W.: Ober Stimmfremitus am Bauch. (Berliner klin. Wochenschr., Nr. 43.) 

1001 hat de Brun (Bull, de l’acad. de m6d.) unter der Bezeichnung »vibra- 
tions abdominales« ein Symptom beschrieben, das in einem bisweilen am ganzen 
Abdomen, bisweilen in dessen Teil oberhalb des Nabels oder in den Hanken 
wahrnehmbaren Stimmfremitus besteht, der bei Vorhandensein von Flüssigkeit 
— noch besser bei gleichzeitiger Anwesenheit von Meteorismus — im Bauch da¬ 
durch entsteht, daß die auf das Centrum tendineum des Zwerchfells übertragenen 
Schwingungen durch die Flüssigkeitsschicht auf das Bauchfell fortgeleitet werden. 
Der Stimmfremitus findet sich oft und geht dem Ascites voran. Unabhängig von 
ihm beschrieb Weber (Berl. kl. W., 1903, Nr. 1) dieses Phänomen nach Ulcusperfo- 
ration und verlangt für dessen Zustandekommen freie Luft in abdomine und zwar 
zwischen Leber und Zwerchfell — der Patient muß sich also noch aufrecht 
befunden haben — und gespannte Bauchmuskulatur. 

A. bestreitet auf Grund von theoretischen Erwägungen und Tierversuchen 
die Möglichkeit des Zustandekommens des Phänomens und hat dasselbe an 
einem großen Material innerhalb zweier Jahre nie finden können. 

(Ref. hat ohne Kenntnis der beiden oben zitierten Arbeiten den Bauchfremitus 
mit Sicherheit einmal beobachtet Es handelte sich um einen 68 jährigen Herrn, 
dem 4 Wochen nach einer Oastroenterostomie wegen Ectasia ventriculi (Pylorus- 
cardnom) in der Naht eine Perforation eintrat. Trotz ärztlichen Verbots war ihm 
von Angehörigen ein Clysma verabreicht; der Pat verspürte einen intensiven 
Schmerz, ging trotzdem noch etwa V* Stunde im Zimmer herum. Es waren also 
die von Weber geforderten Bedingungen gegeben. Zu Untersuchungen war 
keine Zeit, da Pat 7i Stunde nach meiner Ankunft ad exitum kam. Sektion 
wurde verweigert) Pickardt (Berlin). 


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150 


Alba: KHobcbc und anatomische Beiträge zur Lehre vom Magensaft (Berliner klin. 

Wochenschr., Nr. 41.) 

Der nüchterne Magen ist in gesundem Zustande leer; selbst Mengen von 
20—30 ccm sind schon pathologische Zeichen von Magensaftfluß, ln solchen 
Fallen kann nach Nahrungszufuhr die Saftsekretion um ein Bedeutendes abnorm 
gesteigert werden, so sehr, daß die Salzsäurehypersekretion durch die Flüssigkeits¬ 
menge verdeckt werden kann (»Alimentäre Hypersekretion« von Zweig und Calvo). 
Der Magensaftfluß ist »lediglich und stets nur eine Folgeerscheinung einer Moti¬ 
litätsstörung des Magens«. Als Beweis gilt Verf., daß er sich stets als Kompli¬ 
kation von mit mechanischer Insuffizienz verbundenen Störungen findet wie Atonie, 
Dilatation. Die Retention von Nahrungsresten übt den Reiz zur Sekretion aus. 
Sehr häufig findet sich die Affektion, die A. nicht für eine selbständige Krankheit 
hält, bei Ulcus ventriculi. Anatomisch findet sich meist eine parenchymatöse 
Gastritis mit Vermehrung und Wucherung der Drüsenzellen und Drüsenschläuche. 
In einem Fall von inveteriertera Ulcus ventriculi ergab die per operationem ent¬ 
fernte, durch Verdickung von Grund und Rändern des Geschwürs entstandenen 
Geschwulst mikroskopisch eine lokale Hyperplasie der Schleimhaut, des paren¬ 
chymatösen sowohl wie interstitiellen Teiles derselben. A. sieht hierin die 
Folgen eines durch die Stauung verursachten Katarrhs. 

Der intermittierenden Form der Oastrosuccorrhoe liegt keine Erkrankung der 
Magenschleimhaut zu gründe, sondern es handelt sich um idiopathische Sekretions¬ 
neurose, vom Zentralnervensystem ausgehend, meist funktioneller Natur. Ferner 
kommen als Ursache noch in Betracht: Tabes (Krisen), das periodische Erbrechen 
(Leydens); Hemicranie. 

Zu trennen ist selbstverständlich von diesen Erscheinungen das spontane Er¬ 
brechen stark saurer Massen bei benigner Pylorusstenose. 

Pickardt (Berlin). 

Kalserüng, 0.: Die klinische Pepsinbestimmung nach Mett. (Berliner klin. Wochen¬ 
schr., Nr. 44.) 

Nierenstein und Schiff hatten (cf. dieses Zentralbl. 1903, S. 179. 490) die 
Mett sehe Methode für unbrauchbar erklärt, hauptsächlich weil der Magensaft 
Substanzen enthält, welche die Eiweißverdauung — des Fibrinstabchens — behin¬ 
dern; erst durch löfache Verdünnung wurde dieser Fehler ausgeglichen. 

K. bestreitet auf Orund von 50 Versuchen, daß das Optimum stets bei dieser 
Verdünnung liege, d. h. bei ihr sich das Borissowsche Gesetz anwenden lasse; 
eine allgemein gütige Regel für den Orad der Verdünnung läßt sich überhaupt 
nicht aufstellen. Für klinische Zwecke genügt nach K. das Mettsche Verfahren 
in seiner bisherigen Handhabung vollkommen, und die mit ihm erhobenen Werte 
sind brauchbar. Im Übrigen eruieren wir auch nicht eigentlich die Menge des Pep¬ 
sins, sondern lediglich, wieviel Hühnereiweiß unter von uns willkürlich gesetzten 
Bedingungen ein ausgeheberter Mageninhalt verdaut, und das erfährt man für prak¬ 
tische Zwecke in hinreichender Weise auf diese Alt Für den Chemiker arbeitet 
die ganze Methode nicht exakt genug. Pickardt (Berlin). 

Volhard, Franz: Ober eine neue Methode der quantitativen Pepsinbestimmung nebst 
Bemerkungen über die Tryptopbanreaktion und das Plastelu bildende Ferment Aus 

der med. Klinik in Gießen (Dir.: Oeh. Med.-Rat Prof. Dr. Riegel). (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 49.) 

Zur Bestimmung des Pepsins im Magensaft verfährt V. nach der von Tho¬ 
mas und Weber (dies. Zentralbl., 1901, Nr. 14) angegebenen Methode — in 
Verdauungssalzsäure gelöstes Kasein wird durch Natriumsulfat gefällt, der Nieder¬ 
schlag gewogen und aus der Differenz dieses Niederschlags und desjenigen, der 
nach Digestion der Stammkaseinlösung mit Pepsin erhalten wird, das Maß der 
peptischen Wirkung berechnet —, nur mit dem Unterschiede, daß er die peptische 


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151 


Whkmtg nicht aus den Niederschlägen, sondern aus dem Aciditätsgrade der Fil¬ 
trate bestimmt, die mit fortschreitender Verdauung proportional der Gewichts¬ 
abnahme der Rückstände zunimmt 

Die Tiyptophanreaktion ist keine für Magenkrebs spezifische Reaktion; V. 
konnte das tryptophanbildende peptonzerlegende Ferment auch in der Milz sowie 
in den Tonsillen nach weisen; vielleicht ist auch das von Cohn heim aus der 
Darmschleimhaut extrahierte Erepsin nichts anderes als das peptonzerlegende 
Ferment der Magenschleimhaut, der Milz und der Tonsillen. 

Entgegen der Ansicht russischer Autoren, welche das plasteinbildende Ferment 
mit dem Lab identifizieren, ist V. geneigt, dem Pepsin die Plasteinniederschlags¬ 
bildung zuzuschreiben, da der Plasteinniederschlag proportional der Quadratwurzel 
aus der Fermentmenge und der Verdauungszeit wächst und die Plasteinbildung 
nur in saurer Lösung erfolgt Schade (Göttingen). 

Inouye, Z.: Fettverdanung im Magen. (Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd.9, H.3.) 

Verf. berichtet über Laboratoriumsversuche, in denen die Wirkung verschieden 
hergestellter künstlicher Verdauungssäfte auf ihre fettspaltende. Wiricung geprüft 
wurde. Es fand sich bei den längere Zeit im Brutofen verwahrten Vevdauungs- 
proben nur eine geringe Fettspaltung, die nach Meinung des Verf. nicht auf 
Wirkung des Fettfermentes zu beruhen braucht, sondern auch durch Wirkung der 
Säure, durch Bakterien Wirkung etc erklärt werde, ln Versuchen mit Pa wlow schein 
Magensaft, ebenso in Experimenten am lebenden Tier (Katze) konnte gleichfalls 
nur eine ganz geringe Spaltung von Nentralfett nachgewiesen werden. 

J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

(Uacamer: Ober menschliches Pankreamekret (Zeitschr. physiol. Chemie, T. XL, 

S. 465.) 

Verf. war in der Lage das Sekret einer nicht pathologischen Bauchspeichel¬ 
drüse vom Menschen zu untersuchen. Die Menge betrug 500—800 ccm täglich, 
im Verlaufe der Untersuchung trat keine wesentliche Veränderung der Eigen¬ 
schaften ein, also wohl ein Beweis dafür, daß es sich tatsächlich um ein normales 
Sekret gehandelt hat. Trypsin war direkt nicht nachweisbar. Daß es in einer 
Vorstufe vorhanden, ließ sich dadurch beweisen, daß nach Zusatz von Darm- 
preßsaft, der allein nichts ausmachte, starke Wirkung eintrat. Ebenso führte auch 
die Stärkeverdauung durch Pankreassaft allein erst bis zur Maltose, deren weitere 
Spaltung dann durch Darmpreßsaft besorgt wird. Invertin, Lactase sowie Lab- 
ferment waren nicht aufzufinden. Das fettspaltende Ferment war im Sekret ohne 
weiteres nachweisbar, durch Zusatz von Galle und Darmpreßsaft ließ sich die 
Wirkung erheblich steigern. Besondere Versuche legten den Einfluß der Nah¬ 
rungszufuhr klar, insofern Saft- und Fermentmenge, sowie Alkaleszenz, die im 
nüchternen Zustande am geringsten sind, nach der Mahlzeit ansteigen, ein Maxi¬ 
mum erreichen und allmählich abnehmen. Cronheim (Berlin). 

Weias: Zur Kemrtnis der Trypshnrenlaaung. (Zeitschr. physiol. Chemie, T. XL, S. 480.) 

Während die günstige Wirkung der alkalischen Reaktion für die Tiypsinver- 
dauung unbedingt sicher ist, schwanken die Angaben über den Einfluß von Salzen. 
Weiss stellte systematische Untersuchungen an, indem er Kasein durch nach 
Kühne bereitetes Pankreaspulver bei Zusatz verschiedener Salze verdaute. 
Chlomatrium fördert erheblich bei sehr geringer Menge (0,05 %) in neutraler oder 
schwach saurer Lösung, in schwach alkalischer Lösung ist es fast wirkungslos, 
von 0,5 % an hindert es bei steigendem Zusatz in immer steigendem Maße. Brom- 
und Jodnatrium wirken erheblich schwächer, ähnlich die an Kalium gebundenen 
Halogene, d. h. Chlor stärker als Brom und Jod. Daneben tritt aber auch noch 
eine spezifische Wirkung der Metalle zu Tage und zwar scheint diese bei Natrium 
eine stärkere zu sein als bei Kalium. Borax übt keinen Einfluß aus, nur ergab 


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sich in Analogie früherer Beobachtungen, daß die günstige Einwirkung von 
kohlensaurem Natron, also die alkalische Reaktion, durch Borax ersetzt werden 
kann. Auf dieselbe Ursache, nämlich die alkalische Reaktion, scheint sich die 
Forderung bei Zusatz von sekundären Natriumphosphat zurückführen zu lassen. 
Eine entschiedene Hemmung ist bei Sulfaten (schwefelsaures Natron und -Magne¬ 
sia) zu beobachten, Traubenzucker erweist sich als wirkungslos, sehr fördernd 
dagegen Gummi arabicum. Cronheim (Berlin). 

Baumstark, R. (Homburg): Verwertung der Ehrlichschen Dimethylamldobenzaldeliyd- 
reaktion für eine quantitative Indolprobe in den Flces nebst Untersuchungen über 
die Elweißflulnis im Darm. (Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 9, H. 3.) 

B. vergleicht die zu untersuchenden Stuhlfiltrate mit einer Indollösung von 
5 mg auf 1000 Alk. absol., von der 1 ccm 3 ccm Alk. absol. zur Verdünnung 
braucht, um den Absorptionsstreifen des Indols im Spectrum gerade noch sichtbar 
zu lassen. Je nach Konsistenz der Stühle werden 2,5, 3,0 oder bei flüssigen 
Stühlen 10 g verwendet, mit 40 ccm Alk. absol. verrieben, zu 10 ccm des Filtrats 
wird 1 ccm des Ehrlichschen Reagens und 1 ccm konzentrierte Salzsäure tropfen¬ 
weise zugesetzt und 10 Minuten lang tüchtig geschüttelt Von dieser Lösung wird 

1 ccm so lange verdünnt, bis der Absorptionsstreifen im Spectrum gerade noch sicht¬ 
bar ist Nach der Formel: x (-= gesuchte Indolmenge der zur Reaktion benutzten 
10 ccm des Stuhlfiltrats) -=* 0,000015 xy (y =■ Summe aus dem zur Verdünnung 
benutzten 1 ccm der Reaktion plus der nötigen Verdünnungsflüssigkeit) kann der 
Indolgehalt der Fäces quantitativ festgestellt werden. 

Verf. kommt auf Grund seiner Untersuchungen, bei denen unter Darreichung 
der Schmidt sehen Probediät gleichzeitig der Indolgehalt der Fäces, der Indikan- 
gehalt des Harns (nach H. Strauß) und die Menge der Ätherschwefelsäuren im 
Harn quantitativ bestimmt wurden, zu folgenden Resultaten: 

1. In Fällen von Obstipation, Achylie, Hyperchlorhydrie, pemidöser Anämie 
und Chlorose wurde eine mittelstarke bis hochgradige Vermehrung, in Fällen 
von Diarrhöen (und einem Falle von Achylie) starke Verminderung der 
Indolmengen in den Fäces konstatiert 

2. Gewisse schwere Krankheitsbilder können bei minimalem Indolgehalt der 
Fäces einen gesteigerten Indolgehalt des Harns aufweisen. Da eine ver¬ 
stärkte Resorption bei dem schweren Krankheitszustand als Erklärung kaum 
herangezogen werden kann, wird die Annahme des Damiederliegens einer 
normalerweise vorhandenen Oxydationskraft für die resorbierten Fäulnis¬ 
produkte wahrscheinlich gemacht 

3. Die gleichzeitig mit Achylie und Hyperchlorhydrie häufig bestehenden ander¬ 

weitigen Störungen des Verdauungsaktes sind wohl imstande, die Eiwei߬ 
fäulnis ungünstig zu beeinflussen, wenn auch der Magensalzsäure kein 
direkter desinfizierender Einfluß über die Orenzen des Magens hinaus zu¬ 
erkannt werden kann. J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

Ury, Hans (Charlottenburg): Zur Methodik des Albamosennachwdses in den Flces. 
(Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 9, H. 3.) 

Durch das Verfahren des Verf. werden folgende Fehlerquellen ausgeschaltet: 
1) Das Vorkommen von Farbstoffen in den Fäces, welche die Biuretreaktion ver¬ 
decken und ihre Erkennung einfach unmöglich machen. Zu diesen gehören 
a) das Urobilin, b) ein vom Verf. in den Fäces neben dem Urobilin gefundener 
noch unbekannter (spezifischer?) Kotfarbstoff. 2) Das Vorkommen von Substanzen 
in den Fäces, welche selbst die Biuretreaktion geben und bis dahin niemals 
eliminiert worden sind. Zu diesen gehören wiederum a) das Urobilin, b) ein 
Nuldeproteid, c) ev. noch geringe Reste von Kasein bezw. ParanudeTn. 

Das Vorgehen gestaltet sich folgendermaßen: Die Tagesmenge Kot wird mit 

2 %iger Essigsäure aufs Volumen 1000 ccm verrieben, filtriert. Das gesamte Fil- 


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trat wird aufs Volumen 300—400 ccm eingedampft» mit der gleichen Menge 
96% Alkohol oder etwas mehr versetzt» jedenfalls so lange» bis ein Niederschlag 
erfolgt Filtration. Das Filtrat wird auf ein kleines Volumen eingedampft, mit 
der achtfachen Menge absoluten Alkohols gefällt Der Niederschlag wird mit 
Alkohol bis zur Farblosigkeit des Alkohols ausgewaschen, alsdann mit Äther 
nachgewaschen und verrieben. Man extrahiert den Niederschlag gründlich mit 
wenig (ca. 15 ccm) warmem Wasser und Kalilauge und filtriert Das tiefschwarz¬ 
braune Filtrat wird mit H,0 4 bis zur gelben Hirbung gekocht und nach dem 
Erkalten mit verdünnter Kupfersulfatlösung versetzt 

Verf. führt mittels der von ihm befolgten Methodik den Nachweis, daß nor- 
maliter keine irgendwie erheblichen Mengen von löslichen Produkten der Eiwei߬ 
verdauung mit den Fäces ausgeschieden werden. 

J. Strauß (Frankfurt a. M.). 

Scheschmiuzew: Ober den Einfluß des erschwerten Oallenabflnsses auf den Harnstoff- 
gefcalt im Harn und im Blute. (St Petersburger Dissertation; Wratschabnaja 

Gazetta, 1904, Nr. 5.) 

Sch. experimentierte in der Weise, daß er nach Eröffnung des Bauchfells den 
Tieren in die Ureteren Kanülen einführte, während an den Ductus choledochus 
und den Ductus cysticus Ligaturen angelegt wurden, und zwar an den letzteren 
eine tote Ligatur, an den ersteren eine Schleifenligatur, die leicht gelöst werden 
konnte. Durch die erste Versuchsserie wurde die Tatsache festgestellt, daß bei 
erschwertem Gallenabfluß die Hamquantität sinkt; aus den drei folgenden Ver- 
suchsserieen ergab sich, daß zu gleicher Zeit auch das spezifische Gewicht des 
Harns sinkt, die Hamstoffquantität sich verringert, das Blut dichter, die alkalische 
Reaktion des Harns stark ausgesprochen wird, der Ham die für ikterischen Ham 
charakteristische Verfärbung annimmt, während die Hamsekretion selbst unmittel¬ 
bar nach Unterbindung des Ductus choledochus zunächst zunimmt und dann rasch 
sinkt Der Blutdruck in der A. carotis steigt, der Puls wird weniger frequent, 
hart und hoch. Bei Einführung von taurocholsaurem Natron in das Blut in ge¬ 
ringen Dosen (0,1—0,12 1 %iger Lösung) werden bei Hunden Zunahme der 
Harnquantität, Steigerung des spezifischen Oewichts des Harns und Verringerung 
der Hamstoffquantität beobachtet (im Blut nimmt die Hamstoffquantität zu). Bei 
größeren oder häufigen kleineren Dosen kommt es zu Anurie, wobei das spezi¬ 
fische Gewicht des Harns und dessen Hamstoffgehalt abnehmen, während im 
Blute eine stark ausgesprochene Zunahme des Hamstoffgehalts eintritt Wenn 
der Gallenabfluß bei den Tieren nach einiger Zeit wieder hergestellt wird, so 
verschwinden sämtliche durch die frühere Behinderung des Gallenabflusses er¬ 
zeugten Erscheinungen. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


Erben, Franz: Ober die Verteilung der stickstoffhaltigen Substanzen des Harnes bei 
einigen akuten Infektionskrankheiten. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 25 [N. F. 5. Bd.J, 

1904, H. 12.) 

Während der Dauer der Infektionskrankheiten und auch nach Ablauf derselben 
werden die N-haltigen Substanzen des Harns in verschiedenen Mengen ausge¬ 
schieden. E. zog Morbillen, Skarlatina, Varizellen, Typhus abdom. und Strepto¬ 
kokkenangina in Betracht bei seinen Untersuchungen. Es fand sich überall 
während des Fiebers eine Zunahme der N-Ausscheidung, hauptsächlich von Harn¬ 
stoff, bei Masern und Scharlach oder kurz dauernden Krankheiten am stärksten. 
NH, geht der Vermehrung des fällbaren N parallel. Hamsäurestickstoff ist regel¬ 
mäßig vermehrt, doch im wechselnden Maße bei den einzelnen Krankheiten. 

Eiterherde im Körper erzeugen dasselbe Verhältnis wie Fieber bei Infektionen 
es sind fällbarer N, NH, und intermediäre Abbauprodukte des Eiweiß vermehrt, 
zugleich aber auch der Amidosäurenstickstoff. 


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Mit der Ruckbildung der Lymphdrüsen (Histolyse) fallt die Hauptausscheidung 
des Amidosäurenstickstoffes zusammen. 

Im Fieber scheidet der Körper mehr N aus als bei gleicher Nahrungsauf¬ 
nahme bei Fieberlosigkeit, Körpereiweiß wird verbraucht, Autophagie tritt wie 
bei Krebs und Inanition auf. Bei Histolyse und Autophagie weiden größere 
Mengen intermediärer Eiweißabbauprodukte im Ham ausgeschieden. 

Schilling (Leipzig). 

Lesser: Ober Stoffwechselversuche mit den Endprodukten peptischer und tryptiacher 
Eiweißverdauung. (Zeitschr. f. Biologie, T. XV, S. 497.) 

Verf. arbeitete mit den albumosefreien Endprodukten peptischer und tiypti- 
scher Verdauung, deren erstes er aus Wittepepton, das andere aus Pankreas 
herstellte. Um Stickstoffgleichgewicht zu erhalten, waren vom peptischen Produkt 
im Vergleich zum extraktfreien Fleischpulver ganz erheblich höhere Gaben not¬ 
wendig, wobei jedoch Erbrechen und Diarrhoe eintrat Noch ungünstiger ver¬ 
hielt sich das tiyptische Produkt Cronheim (Berlin). 

Glagolew, M. D.: Ober den Einfluß der Hypnotica auf den Gaswechsel bei Tieren. 

St Petersburger Dissertation. (Wratschebnaja Gazetta, 1904, Nr. 1.) 

O. machte seine Experimente an Kaninchen. Von den bekannten Hypnotitis 
wurden Chloralhydrat, Sulfonal, Paraldehyd, Hedonal, Uretan und Morphium ge¬ 
prüft. Es ergab sich, daß alle diese Mittel den Oaswechsel herabsetzen. Am 
meisten störte den Oaswechsel das Chloralhydrat, am wenigsten das Uretan und 
das Hedonal. Die größte Toxidtät besaß das Chloralhydrat. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Meyer: Ober die Beziehungen zwischen Molekulaigewicht und physiologischer Wirkung 
bei höheren Fettsäuren. (Zeitschr. physiol. Chemie, T. XL, S. 550.) 

Munk hatte nachgewiesen, daß die Fettsäuren, welche den Hauptbestandteil 
der gewöhnlichen Fette der Nahrung ausmachen, eiweißsparend wirken. Es kam 
nun die Frage zur Erwägung, ob etwa zwischen Nährwert und Molekulargewicht 
eine Beziehung besteht, etwa ähnlich wie eine solche zwischen Schmelzpunkt und 
Resorption zu bestehen scheint. Für die Fettsäure des Schweinefettes fand Meyer 
wie andere Autoren eine sehr gute Resorption, dagegen war die Ausnützung der 
Laurin- und Myristinsäure nicht so gut. Im Ham wurde bei Verbitterung der 
Fettsäure des Schweinefettes regelmäßig mehr Stickstoff ausgeschieden, Fettsäuren 
vermögen demnach das Fett nicht vollkommen zu ersetzen. Doch zeigte sich, 
daß auch noch Laurin- und Myristinsäure, also niedriger molekulare Fettsäuren, 
als Eiweißsparer zu wirken vermögen. Cronheim (Berlin). 

Bokorny: Nochmals über den Einfluß einiger Substanzen auf die Milchgerinnnng. 

(Milchzeitung, 1904, S. 97.) 

Im Anschluß an eine frühere Arbeit (Milchztg. 1896) prüfte B. noch einige 
andere Substanzen auf ihren Einfluß hin x die freiwillige Milchgerinnung betr. 
Borsäure verzögert in einer Konzentration von 0,2%, bei 0,5% ist die Verzö¬ 
gerung erheblich resp. vollständige Verhinderung eingetreten. Lazarus hatte 
selbst bei 1,1 % keine erhebliche Einwirkung beobachtet Bei Alaun trat Oerinnung 
ein, doch muß unentschieden bleiben, ob nicht der Alaun selbst resp. seine 
Schwefelsäure dies verursacht Von benzoesaurem Natron verzögern 0,25 %, ver¬ 
hindern 0,5%. Bei O-Kresol verzögert eine Menge von 0,5 %, bei P-Kresol ver¬ 
hindert dieselbe Menge bereits. Bei Zusatz von Alkohol ist bei 5% eine Ver¬ 
zögerung wahrzunehmen, doch muß man bis 20 % gehen, um eine Verhinderung 
zu erzielen. Bei Zimtsäure sind die entsprechenden Zahlen 0,1 % resp. 0,2 %. 

Cronheim (Berlin). 


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Meyer, R.: Zur diätetischen Brombehandluug der Epilepsie. (Berliner klin. Wochen- 

schr., Nr. 46.) 

Es ist durch Stoffwechselversuche (cf. z. B. Hondo, dieses Zentralbl. 1902, 
S. 301) erwiesen, daß bei chiorarmer Diät Brom sich im Organismus länger hält 
als bei gewöhnlicher Kost. Daraufhin ist (z. B. Balint cf. dieses Zentraibl. 1901, 
S. 513) bei Epilepsie eine Nahrung mit Ersatz des Natriumchlorid durch -bromid 
(z. B. in Brod eingebacken) versucht und von einigen Autoren ein Erfolg kon¬ 
statiert worden. 

Die Nachuntersuchungen des Verf. zeigten ihm, daß diese Therapie der ge¬ 
wöhnlichen Bromdarreichung überlegen ist (Der weitere Teil der Publikation 
ist lediglich von psychiatrischem Interesse.) Pickardt (Berlin). 


Besprechungen. 

v. Oordt, M.: Die Freiluft-Uegekur bei Nervösen. (Samml. klin. Vorträge, Nr. 364.) 

Die Ruhekur im Freien, bei welcher der Patient die frische Luft, das helle 
Sonnenlicht und die klimatischen mannigfaltigen Faktoren auf sich einwirken läßt 
während weniger Stunden oder am Tage bis zur späten Abendstunde, ist ein 
wichtiger Heilfaktor für Neurasthenie. Zu Hilfe werden Hydrotherapie, Massage, 
Elektrizität und Diät genommen, jedoch mit strenger Auswahl, die dem erfahrenen 
Arzte nach Möglichkeit vor Mißerfolgen schützt; psychiatrische Kenntnisse unter¬ 
stützen die Kräftigung der widerstandsfähigen Nerven der Kranken. Die Schablone 
schadet; nicht für jeden Neurastheniker oder jede Hysterische paßt sofort zu 
Beginn der Kur der Reiz der Luft und des Lichtes, noch eine Mastkur, noch eine 
Wasserbehandlung oder die Elektrotherapie, erst allmählich und oft versuchsweise 
wird von den einzelnen Heilfaktoren Gebrauch gemacht; dann schwinden Unruhe, 
die Schlaflosigkeit, die Zerfahrenheit, der Unmut und die Depression, selbst ex- 
cessiv nervöse Symptome chronischer organischer Nervenleiden (Tabes dorsalis, 
Morb. Basedowii). 

Ein Schema der Tageseinteilung bei der Freiluft-Liegekur verlangt: 7,7 h 
500 g Hafergrütze im Bett, 8 h kühles Halbbad, 87t—9 h Spaziergang, 9 h Früh¬ 
stück (Tee, Brot, Butter, Eier und Honig), 7*10—10 h leichte Beschäftigung oder 
kleiner Spaziergang, 10—1 h Freiluftliegen, 11 h l U— l U Liter Milch, 1 h Mittags¬ 
tisch, 2—47* Freiluftliegen, 47*—5 h Vesper, 5—6 h Spaziergang, 6—7,8 h Frei¬ 
luftliegen, 7*8—8 h Abendessen, 8—10 h Freiluftliegen. Schilling (Leipzig). 


Jnbaltsvtrjeicbiifo. 

Original-Artikel: v. Boltenstem: Arbeiten über Typhus in den letzten 
beiden Jahren 129. — Referate: Stoffwechselkrankheiten. Haas: Citarin, ein 
neues Gichtmittel 145. — Burchard: Erfahrungen über die therapeutische Leistungs¬ 
fähigkeit des Pyrenols a) bei Asthma und Pertussis, b) bei Oicht und Ischias 145. 

— Adler, Emil: Ein Fall von spontaner transitorischer Glykosurie bei Meningitis 
cerebrospinalis 145. — Otori, Jiro: Zur Lehre von der Pentosurie 146. — Erkran¬ 
kungen der Verdauungsorgane, v. Pesthy, Stefan (Karlsbad): Über die Brauchbar¬ 
keit der Perkussions-Auskultation in der Diagnostik der Magenerkrankungen 146. 

— Zweig, Walter (Wien) u. Calvo. Arthur (Florenz): Die Sanlische Mageninhalts¬ 
untersuchung und ihre Bedeutung rur die Diagnose der alimentären Hypersekretion 

146. — Mangelsdorff: Über ein Phänomen am Magen bei Migräne und Epilepsie 

147. — Pal, T.: Über Gefäßkrisen und deren Beziehung zu den Magen- und Bauch¬ 
krisen der Tabiker 147. — Lentz, Otto u, Tietz, Julius: Eine Anreicherungs- 


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156 


methode für Typhus- und Paratyphusbazillen 148. — Oraul, O. (Neuenahr): 
Dickdarmcardnom und Enteritis membranacea 148. — Oppenheim, A.: Die Lage¬ 
veränderungen der Leber und der Brustorgane, bei Meteorismus, ihre Verwertung 
bei Diagnose und Therapie 148. — Reitter: Uber Schwierigkeiten bei der Diffe¬ 
rential -Diagnose des subphrenischen Gasabszesses 149. — Alexander, W.: Uber 
Stimmfremitus am Bauen 149. — Physiologische Chemie etc. Albu: Klinische 
und anatomische Beiträge zur Lehre vom Magensaft 150. — Kaisgrling, O.: Die 
klinische Pepsinbestimmung nach Mett 150. — Volhard, Franz: Über eine neue 
Methode der quantitativen Pepsinbestimmung nebst Bemerkungen über die Tryp¬ 
tophanreaktion und das Piastern bildende Ferment 150. — Inouye, Z.: Fettver¬ 
dauung im Magen 151. — Glaessner: Über menschliches Pankreassekret 151. — 
Weiss: Zur Kenntnis der Trypsinverdauung 151. — Baumstark, R. (Homburg): 
Verwertung der Ehrlichschen Dimethylamidobenzaldehydreaktion für eine quan¬ 
titative Indolprobe in den Fäces nebst Untersuchungen über die EiweiBfäulnis im 
Darm 152. — Ury, Hans (Charlottenburg): Zur Methodik des Albumosennach- 
weises in den Fäces 152. — Scheschminzew: Über den Einfluß des erschwerten 
Gallenabflusses auf den Harnstoffgehalt im Harn und im Blute 153. — Erben, 
Franz: Uber die Verteilung der stickstoffhaltigen Substanzen des Harnes bei eini- 

§ en akuten Infektionskrankheiten 153. — Lesser: Uber Stoffwechselversuche mit 
en Endprodukten peptischer und tiyptischer Eiweißverdauung 154. — Qlagolew, 
M. D.: Über den Einfluß der Hypnotica auf den Oaswechsel bei Tieren 154. — 
Meyer: Über die Beziehungen zwischen Molekulargewicht und physiologischer 
Wirkung bei höheren Fettsäuren 154. — Bokomy: Nochmals über den Einfluß 
einiger Substanzen auf die Milchgerinnung 154. — Meyer, R.: Zur diätetischen 
Brombehandlung der Epilepsie 155. — Besprechungen: v. Oordt, M.: Die 
Freiluft-Liegekur bei Nervösen 155. 


Hstoren-Ter)cUmb. 

Adler 145. — Albu 150. — Alexander 149. — Baumstark 152. — v. Boltenstern 
129. — Bokomy 154. — Burchard 145. — Calvo 146. - Erben 153. — Oraul 148. 
— Glaessner 151. — Glagolew 154. — Haas 145. — Inouye 151. — Kaiserling 
150. — Lentz 148. — Lesser 154. — Mangelsdorff 147. — Meyer 154. 155. — 
Oppenheim 148. — Otori 146. — Pal 147. — v. Pesthy 146. — Reitter 149. — 
Scheschninzew 153. — Tietz 148. — Ury 152. — Volhard 150. — Weiss 151. — 
Zweig 146. 


Hlpbabetisd» geordnetes JübsltfreqiUmb. 

Albumosennachweis in d. Fäces 152. — Bauch, Stimmfremitus am 149. — 
Bromstoffwechsel bei Epilepsie 155. — Citarin 145. — Dickdarmcardnom 148. — 
Enteritis membranacea 148. — Ehrlichsche Reaktion 152. — Eiweißfäulnis im Darm 
152. — Fettsäuren, Molekulargewicht und Wirkung der 154. — Fettverdauung 151. 
— Gallenabfluß und Harnstoffmenge 153. - Oasabszeß, subphrenischer 149. — 
Gas Wechsel und Hypnotica 154. — Olykosurie 145. — Hamstickstoff bei Infek¬ 
tionskrankheiten 153. — Hypersekretion 146. — Indolbestimmung 152. — Magen¬ 
diagnostik 146. — Magenkrisen 147. — Magensaft 150. — Magensymptome bei 
Migräne und Epilepsie 147. — Meteorismus 148. — Milchgerinnung 154. — Pan¬ 
kreassekret 151. — Pentosurie 146. — Pepsinbestimmung 150. — Piastern 150. — 
Pyrenol 145. — Stoffwechsel mit Eiweißabbaustoffen 154. — Trypsin 151. — Tryp¬ 
tophan 150. — Typhus 129. — Typhus- und Paratyphus 148. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts- Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 18. März 1904. 


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Das Velotrab. 

Die Prophylaxe, d. h. Verhütung von Krankheiten, ist das Ziel der 
heutigen Ärztewelt geworden und dies mit vollem Recht, denn mag die Be¬ 
seitigung eines Symptomes das Eindämmen eines Krankheitsprozesses, ja die 
vollkommene Ausheilung einer Krankheit dem Arzte die vollste Befriedigung 
in seinem Berufe bieten, in wie weit größerem Maße muß dies geschehen, 
wenn man den Schaden nicht aufkommen läßt, die Krankheit überhaupt zu 
verhüten sucht Es würde mich zu weit führen, alle Mittel aufzuzählen, die 
die man erdacht, alle gemeinnützigen ärztlichen Vereinigungen zu nennen, 
die die Verhütung von Krankheiten sich zum Ziele gesetzt Ich will die 
Fachkreise nur auf einen neuen Apparat aufmerksam machen, der von hoher 
prophylaktischer und therapeutischer Wirksamkeit ist Es ist dies das »Velo¬ 
trab«, ein kombinierter Radfahr-Reit-Apparat Der Nutzen des Radeins und 
Reitens ist wohl geschätzt und therapeutisch in der Mechanotherapie ange¬ 
wandt Ich erinnere hier an die beiden Apparate von Zander zur aktiven 
Bewegung des Radfahrens und der passiven Reitbewegung. Es ist bekannt, 
daß die verschiedensten Leiden, die namentlich durch sitzende Lebensweise, 
Bureauarbeit, Mangel an Bewegung und dadurch bedingten ungenügenden 
Stoffwechsel hervorgerufen werden, durch Anwendung dieser Apparate in 
hohem Maße beeinflusst, ja das Auftreten derselben überhaupt verhütet werden 
kann. Eine Kombination beider Bewegungen wird in dem »Velotrab« er¬ 
reicht, die aktive des Radfahrens verbunden mit der passiven Erschütterungs- 
Bewegung des ganzen Körpers und zwar von der leisen Erschütterung beim 
Radfahren auf ebener Bahn bis zum kräftigen Stoße einer Trab-Bewegung 
des Pferdes. Es genügt eine einfache Drehung einer Kurbel während der 
Übung, um von der einen zur anderen Erschütterungsgröße überzugehen, 
sodaß jeder Anforderung in Bezug auf Größe und Schnelligkeit der Stöße 
Genüge getan wird und hierdurch gleichsam eine Vibrationsmassage des 
ganzen Körpers, eine Beeinflussung der Zirkulation und des Stoffwechsels 
erreicht wird. 

Dadurch verdient dieser Apparat in jede Heilanstalt aufgenommen zu 
werden, um vielen Leidenden Hilfe zu bringen, bei Gesunden aber Krank- 
keiten zu verhüten. Er verdient es auch, in der Häuslichkeit seinen Platz zu 
finden, um Jedem die Möglichkeit zu bieten, die anerkannt nützlichen Be¬ 
wegungen auf dem Fahrrad oder zu Pferde in seinem eigenen Heim bequem 
seinen Körper genießen lassen zu können. 

E. S. 

Öbtr Indikationen jur Ckerapie mit „Viafs tonischem 

«Jein“. 

Unter diesem Titel veröffentlicht Dr. Adolf Brock, Abteilungsassistent 
der K. K. Rudolfsstiftung in Wien, in der »Wiener Medizinischen Presse« in 
einer längeren Abhandlung die Resultate, welche er mH »Vial’s tonischem 
Wein« in zahlreichen Fällen zu beobachten Gelegenheit hatte. Er teilt die 
Fälle, in denen er die Darreichung dieses Weines veranlaßt hat, in folgende 
drei Gruppen ein: 


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1. Schwere Infektionskrankheiten und Rekonvaleszente nach diesen. 

2 Tuberkulöse Kranke. 

3. An Magen- und Dannbeschwerden verschiedenster Art leidende 
Kranke 

und kommt zu dem Schluß, daß der Wein von allen Kranken und Rekon¬ 
valeszenten nicht nur gern genommen, sondern auch in allen Fällen gut ver¬ 
tragen wurde, den Appetit besserte und zur normalen Höhe steigerte. In 
der zweiten Gruppe hebt Dr. Brock die günstigen Erfolge bei fieberfreien, 
appetitlosen tuberkulösen Kranken hervor. In diesen Fällen hat ihn der 
Vialwein fast nie im Stiche gelassen, auch dann nicht, wo andere Stomachica 
ganz umsonst angewendet wurden. Auch bei tuberkulösen Kranken mit 
hochgradigen Diarrhöen hat Vialwein dadurch gute Dienste geleistet, daß 
er bei fast vollständiger Entziehung der Nahrung und Anwendung von Anti- 
diarrhoicis den Kranken sowohl ein angenehmes, als auch durch seinen 
Eiweißgehalt kräftigendes Mittel war. 

In die dritte Oruppe reiht Dr. Brock jene Fälle ein, wo seitens des 
Verdauungstraktes, speziell des Magens, Störungen bestanden. Ober diese 
Kranken und die an ihnen beobachteten Erfolge mit Vialwein schreibt er: 
Abgesehen von den schweren Erkrankungen und funktionellen Störungen 
sind es besonders Kranke, bei welchen objektiv nichts gefunden werden 
kann, die aber von einem Arzte zum andern gehen, über ihren geringen 
Appetit klagen und vom Arzte ein Medikament verlangen. Jeder Praktiker 
weiß, wie schwer diese Fälle zu behandeln sind und wieviel Enttäuschungen 
man dabei erfährt Aber auch hier möchte ich, wenn es die Verhältnisse 
des Patienten gestatten, Vialwein versuchen, da ich einzelne Fälle zu beob¬ 
achten Gelegenheit hatte, wo ich von diesem Präparate ganz schöne Resultate 
sah. In dieser Beziehung ist mir besonders ein Kranker aufgefallen. 

Ch. L, 44 Jahre alt Eisenbahnbediensteter, kam Ende April auf die Ab¬ 
teilung. Die Anamnese ergab, daß er seit 4 Monaten geringen Appetit habe und 
stets abmagere. In der letzten Woche steigerte sich der Appetitmangel so, daß 
er nur mehr etwas Suppe und Tee zu sich nehmen konnte; alles andere verur¬ 
sachte ihm Widerwillen und Drude im Magen. Der Patient hat mir zugleich eine 
Anzahl von Medikamenten gezeigt die er angewendet hatte. Trotzdem besserte 
sich sein Appetit nicht und er magerte stark ab. Nachdem objektiv nichts nach- 
weisbar war, der Patient auch auf der Abteilung fast keine Nahrung mit Aus¬ 
nahme von etwas Milch zu sich nahm, verordnete ich ihm Vialwein. Am 2 Tage 
verlangte er von mir etwas zu essen. Ich gab ihm Milch, Eier und Suppe. 
Während der nächsten Tage steigerte sich der Appetit unter Anwendung von 
Vialwein soweit, daß der Kranke nach 10 Tagen seine gewohnte Kost (Rindfleisch, 
Oemüse und Mehlspeise) ohne Beschwerden genoß. Nach 3 Wochen wurde der 
Patient gut aussehend aus dem Spitale entlassen. 

Bei akuten Magenkatarrhen und Magengeschwüren habe ich von Milch¬ 
diät und Vialwein niemals einen Nachteil gesehen. Bei Intestinalkatarrhen, 
sowohl akuten als auch chronischen, habe ich in der letzten Zeit nebst An¬ 
wendung von Antidiarrhoids und Beschränkung der Diät besonders dann 
Vialwein verordnet, wo die Patienten großes Verlangen nach Nahrung hatten. 
Mit dem Hinweis, daß in diesem Weine Nährstoffe vorhanden sind, waren 
die Patienten zufrieden, und auch ich war es, da ich in diesen Kranken 
doch eine gewisse Menge von Eiweißsubstanzen ohne Schaden zuführen 
konnte. 


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Nebst diesen 3 Gruppen von Fällen, in weichen ich Vialwein syste¬ 
matisch verordnete, habe ich denselben häufig Rekonvaleszenten nach den 
verschiedensten Krankheiten dann gegeben, wenn dieselben über Appetit¬ 
mangel klagten oder in ihrer Ernährung stark herabgekommen waren. Be¬ 
sonders waren es Rekonvaleszenten nach pieuritisehen Exudaten und Gelenks- 
rheumatismen. Von diesen Fällen möchte ich auch einen hervorheben. 

B. F., 34 Jahre alt, wurde wegen Exsudatum pleuriticum sin. punktiert. Nadi 
der Punktation hatte derselbe gegen jede Nahrungsaufnahme einen solchen Wider¬ 
willen, daß er zuletzt nicht einmal Milch verlangte. Ich überredete ihn, er möchte 
öfters Vialwein nehmen. Nach einigen Tagen stellte sich der Appetit wieder ein 
und der Patient erholte sich rasch. Beim Verlassen des Krankenhauses verlangte 
er von mir das Rezept dieses Weines mit der Bemerkung, daß nur dieser Wein 
ihm den Appetit wiedergegeben habe. 

Audi bei gastrischen Krisen der Tabiker wurde Vialwein ohne Be¬ 
schwerden vertragen. 

Wenn ich mir daher aus dem Vorhergesagten irgendwelche Schlüsse 
zu ziehen erlaube, so wären es die, daß Vialwein durch seine Zusammen¬ 
setzung mit Erfolg als ernährendes Appetit erregendes und zum Tdl auch 
exzitierendes Mittel angewendet werden kann. 

Da ich zu diesen Resultaten durch Verordnung des Vialweines bei 
mehr als 60 Kranken gekommen bin, hoffe ich, daß dieselben auch von an¬ 
deren baldigst bestätigt werden. 

DU Vorjog* des neuen eisenhaltigen IDutterUugen- 
Badesaljes neurogen. 

Nach einem in Abt 16 der 75. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte in Cassel gehaltenem Vortrage. 

Von 

Dr. med. Alwin Müller, Leipzig. 

Daß der Solbäder bei der Behandlung einer ganzen Reihe von Krankheiten 
ein sehr wertvolles Heilmittel darstellen, braucht man vor Ärzten nicht erst 
zu erweisen. Aber Sole entquillt nicht überall der Mutter Erde und nicht 
alle, die derartige Bäder nötig haben, sind in der Lage einen entsprechenden 
Kurort aufsuchen zu können, da entweder die Jahreszeit, oder persönliche 
Verhältnisse daran hindern. 

Deshalb muß sich der Arzt, will er überhaupt auf das mächtige Heil¬ 
mittel der Solbäder nicht verzichten, für seine Patienten der Badesalze be¬ 
dienen und daran ist ja kein Mangel. 

Die im Hause bereiteten Solbäder finden indessen trotzdem gegen¬ 
wärtig noch zu wenig Verwendung, weil die im Handel befindlichen Bade¬ 
salze entweder wegen der Salzsteuer zu teuer sind, oder, weil sie zu wenig 
Kochsalz enthalten oder wohl gar, wie es bei den Staßfurter-Abraumsalzen, 
die zu Badezwecken verwendet werden, der Fall ist, mit ätzenden Salzen und 
groben mechanischen Verunreinigungen innig verbunden sind. 

Die vorstehend angeführten Tatsachen sind nun schon längst von den 
Ärzten als bedauerliche Mißstände empfunden worden und haben der Ver¬ 
breitung von Solbadekuren im Hause wesentlichen Abbruch getan. Es lag 


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daher der Qedanke nahe, zum Gebrauche für häusliche Kuren ein neues 
Badesalz herzustellen, das frei von den erwähnten Obeiständen war und, 
wenn es den Zweck eines Volksheilmittels ganz erfüllen sollte, zunächst 
billig sein mußte. 

Um aber Billigkeit des Produktes zu erreichen, mußte versucht werden 
den Betrag der Salzsteuer, der ja bekanntlich Mk. 12 für 100 Ko. ausmacht, 
auszuschalten. 

Es war dies nur unter Berücksichtigung der genauen Vorschriften des 
Salzsteuergesetzes möglich. Dieses, zum Wohle des Fiskus geschaffene Gesetz 
wird bekanntlich wie alle Zoll- und Steuergesetze sehr streng gehandhabt Es 
bestimmt, daß Badesalze nur, wenn sie weniger als 75% Kochsalz enthalten, 
von der Salzsteuer befreit sein sollen. 

Es ist nun gelungen ein Badesalz herzustellen, das aus 73% Chlor¬ 
natrium, 25 % Natriumsulfat und 2 % einer Verbindung von Eisen und Gly¬ 
cerin besteht Seit kurzer Zeit wird es den Ärzten unter dem Namen Neu¬ 
rogen zur Verwendung für häusliche Kuren angeboten. 

Die Hauptvorzüge des Salzes sind in seiner Weichheit und schnellen 
Löslichkeit zu suchen. 

Es fühlt sich nämlich, wegen seines reichen Glyceringehaltes und wegen 
seiner Ausscheidung in mikroskopischen Krystallen aus der Mutterlauge, 
weicher und feiner an als Dünensand. Diese Eigenschaft des Produktes ge¬ 
stattet direkte Salzabreibungen des Körpers im Bade damit vorzunehmen. 
Diese Abreibungen werden wohl von allen Ärzten, die sie bisher verordnet 
haben, für einen wesentlichen Fortschritt in der Verabreichung von Solbädern 
gehalten. In angenehmer Form können sie überhaupt nur mit dem Neurogen 
vorgenommen werden. 

Dies ist auch auf der letzten Jahresversammlung der Badeärzte an der 
Ostsee bereits von Röchling-Misdroy, Rhode-Ahlbeck und anderen festgestellt 
worden und das Salz ist denjenigen Badeorten, die sich nicht im Besitz von 
Solquellen befinden, zur Bereitung von Solbädern im Hause warm empfohlen 
worden. Aber auch für Solbadekurorte ist das Salz eben wegen seiner Ver¬ 
wendbarkeit zu Salzabreibungen im Bade aus den bereits angeführten Gründen 
von großer Bedeutung. 

Ein fernerer Vorzug dieses Mutterlaugen -Badesalzes ist, daß es im 
festen Zustande überall aufbewahrt werden kann und sich beim Stehen nicht, 
wie viele andere Badesalze verflüssigt, also nicht, oder wenigstens nur in ge¬ 
ringem Grade hygroskopisch ist 

In die Badeflüssigkeit geworfen löst es sich hingegen fast augenblick¬ 
lich; dabei greift es, weil es chemisch neutral ist und keine ätzenden Salze 
enthält, Badewannen aus Metall nicht an, selbst wenn es auf ärztliche Anord¬ 
nung bis zu gesättigten Lösungen des Badewassers Verwendung finden sollten. 

Das neue eisenhaltige Mutterlaugen-Badesalz erfüllt aber auch den 
Zweck der Billigkeit*). Es ist daher gewiß der Beachtung der Ärzte wert 
und besonders die klinischen Lehrer sollten es prüfen. 

Bis jetzt hat es von dieser Seite fast noch keine Beachtung gefunden, 
wenigstens nicht in dem Grade, als es sie nach Meinung vieler Ärzte, die es 
verordnen, seiner Güte wegen verdient 

*) 100 Ko. werden frei Bahnhof Leipzig zu Mk. 6,30 geliefert. 


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Nr. 7. 


Erstes April-Heft 1904. 


5. Jahrgang. 


3en fral blaff 

füp 

Stoffwechsel- & Oeröauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden In Frankfurt a.M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vaadeahoeck ft Raprecht in Oöttingen. 


Mo n a t l ich 2 Nrn. von lVj—2 Bogen Umfang. Prei* des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjlhriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des ln- und Auslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jihrlich mehr.) 


Original-Hrtikel. 


HrbtiUn über Cypbus in den letzten beiden fahren. 


Sammelreferat von 


Dr. v. Boltenstern, Leipzig. 


(Schluß.) 

Nicht für alle Fälle will du Mesnil die Antitoxinbehandlung ge- 
handhabt wissen. Sie soll nur dann angewandt werden, wenn die Diagnose 
des Typhus bakteriologisch absolut sicher gestellt ist durch die Gruber- 
Widalsche Reaktion, deren positiver Ausfall in einer Verdünnung von 1:80 
bis 1 : 100 als beweisend gilt oder durch die Kultur der Typhusbazillen aus 
dem Blut, welches aus der Armvene entnommen wird. Zur Gewinnung der 
erforderlichen Serummenge empfiehlt du Mesnil die Applikation eines Can- 
tharidenpflasters auf die Haut, welches mit einer Schutzkapsel bedeckt wird. 
Nach Pfeiffers Untersuchungen besitzt das Serum der gegen Typhus im¬ 
munisierten Tiere die Fähigkeit, eine Infektion mit Typhusbazillen zu ver¬ 
hindern. Von dieser Tatsache ausgehend hat Tavel (Schweizerisches Serum- 
und Impf-Institut, Bern) von Pferden nach einer Immunisierungsdauer von 
1—2 Jahren ein besonders wirksames Serum gewonnen, welches hinsichtlich 
der Widalreaktion eine Wirksamkeit von 1 :10000 besitzt Dieses Serum 
benutzte du Mesnil zur Injektion, welche nahezu schmerzlos war, keine 
Lokalreaktion und keinerlei Störungen des Allgemeinbefindens mit sich 
brachte, abgesehen von einem Erythem in einem Falle, welches nach 24 Stunden 

Nr. 7. 


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schon wieder verschwunden war. Die Einzeidosis betrug 10—40 ccm. Bei 
ausreichender Dosis wurde konstant ein staffelförmiger Abfall der Tempe¬ 
ratur auch schon in der ersten Woche des Typhus beobachtet So war es 
möglich die Continua in das Stadium der steilen Kurve und der Rekonva- 
lescenz durch die Injektion überzuf&hren. Entsprechend dem Temperatur- 
abfall besserte sich das Allgemeinbefinden, und es trat Hungergefühl auf. ln 
einzelnen Fillen stieg beim Aussetzen des Mittels die Temperatur wieder an 
mit allen Anzeichen des Rezidives, welches durch erneute Injektionen wieder 
bekämpft wurde. 

Petruschky ging von der Beobachtung aus, daß Mäuse durch Injektion 
kleinster nicht tätlicher, ja nicht einmal krankmachender Dosen lebender oder 
toter Typhusbazilien in wenigen Tagen eine Widerstandsfähigkeit gegen sonst 
tätliche bezw. schwer krankmachende Dosen erlangen. Er bediente sich 
daher auch für die Behandlung von Menschen kleinster Dosen abgetöteter 
Typhusbazillen, .um eine Toxinüberladung zu vermeiden. Durch kleinste 
täglich in steigender Menge injizierte Dosen abgetöteter Typhusbazillen soll 
der langsam wirkende Immunisierungsvotgang überholt weiden. Ist bereits 
eine schwere Toxinüberladung des ganzen Körpers vorhanden, so ist eine 
rasche Immunisierung nicht mehr möglich. Ist dagegen der KrankheitsprozeB 
noch relativ frisch, sind die Gewebe des ganzen Körpers durch das Krank¬ 
heitsgift noch nicht geschwächt, so erscheint eine Immunisierung aussichts¬ 
voll. Der Darm und vielleicht auch die Milz können bereits stark belastet 
sein, jedoch der übrige Körper, besonders die Extremitäten und ihr Knochen¬ 
mark sind noch nicht völlig mit Toxin durchtränkt. Petruschky hat ein 
»Typhoin« hergestellt, welches in 1 ccm etwa 100 Millionen abgetötete Ty¬ 
phuskeime enthält Es soll 2mal täglich 3 Tage lang in die untere Extre¬ 
mität injiziert werden und zwar in steigender Dosis von 0,05 bis 0,3. Kinder 
erhalten die Hälfte oder weniger. Ist am dritten Tage eine hinreichende 
Immunität nicht erreicht, so gelingt sie überhaupt nicht Die bisherige Prü¬ 
fung am Krankenbette in 17 Fällen, von denen 11 bakteriologisch sicher¬ 
gestellt, die übrigen nur klinisch diagnostiziert waren, ergab, daß bei 
möglichst frischen und unkomplizierten Fällen von echtem Abdominaltyphus, 
welche möglichst die Mitte der zweiten Woche noch nicht überschritten 
haben, die besten Ergebnisse sich erzielen lassen. Schon am dritten Tage 
läßt sich ein relativ rascher und leichter Verlauf der Krankheit erkennen. 
Die Temperatur sinkt zur Norm oder fast zur Norm. Begleiterscheinungen 
sind nicht beobachtet außer Rötung und leichter Schmerzhaftigkeit der In¬ 
jektionsstelle. Das Typhoin wird natürlich versagen beim Vorhandensein 
von schwerer Sekundärinfektion, sowie beim Voriiegen einer typhusähnlichen 
Erkrankung. Auch zur Erzielung eines Impfschutzes empfiehlt Petruschky 
das Typhoin, da das Verfahren absolut gefahrlos ist. 

J. Mendez hat mit seinem Typhusantitoxin 65 Kranke behandelt, bei 
welchen die Diagnose bakteriologisch durch Milzpunktion sichelgestellt war. 
Die Injektion seines Antitoxins läßt die Temperaturkurve früher absinken als 
beim natürlichen Verlauf. In einigen Fällen stieg die Temperatur in den 
nächsten 12 Stunden um 0,5—1 °, nach 48 Stunden sank sie dann. Diese Er¬ 
scheinung tritt rasch ein, wenn die Krankheit schon in der 2.—3. Woche 


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159 


sich befindet, sonst langsam. Eiweiß im Urin und Diazoreaktion schwinden, 
diese, wenn nicht besonders schwere Fälle vorliegen, nach 48—72 Stunden. 
Roseola bleibt oft bestehen, wenn die Temperatur und der Puls bereits normal 
geworden sind. Die Milz bleibt noch einige Zeit nach der Heilung ver¬ 
größert In einem schweren Falle unter 65, in welchem die Diazoreaktion 
nicht ganz verschwand, trat eine letale Darmblutung auf. Sonst ist nach 
5—7 Tagen der Allgemeinzustand völlig normal. 

Chantemesses Serotherapie ist in mehr als 500 Fällen erprobt In 
den Hospitälern von Paris, in welchen die Seruminjektionen zur Verwendung 
kamen, gelang es, die Mortalität von 12°/ 0 und mehr (19,3%) auf 4—6% 
herabzudrücken. Die Gefahr der Perforation, welche bei der hydrothera¬ 
peutischen Behandlung immerhin ziemlich hoch ist, wird durch diese Be¬ 
handlung, wenn auch nicht gerade abgewandt, so doch wesentlich vermin¬ 
dert Voraussetzung muß allerdings sein, daß die Injektion recht frühzeitig 
gemacht wird. Eine überflüssige Injektion bedeutet weder für Gesunde noch 
für bereits Erkrankte irgend eine Gefahr. Neben den Injektionen bildet die 
Hydrotherapie ein wertvolles Untersuchungsmittel. 

Basket hat das Antityphusserum von Burrough und Wellcome 
in 4 Fällen in täglichen Dosen von 10 ccm bis zum Abfall des Fiebers mit 
gutem Erfolge angewandt 

Ein lebhaftes Interesse hat die Chirurgie des Typhus in Anspruch 
genommen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Komplikationen, um 
die gefährlichste aller Komplikationen, um Darm Perforation bezw. Peri¬ 
tonitis (Escher, Mackay, Bruce, Eldar, Abbe, Briggs, Stepherd, 
Bowlby u. a.). In den meisten Fällen wird man zwar im Besitz genügender 
klinischer Erfahrung und unter Anwendung der modernen Untersuchungs¬ 
methoden imstande sein, intraabdominelle Komplikationen und besonders 
die typhöse Perforation frühzeitig zu erkennen, und für chirurgische Hilfe 
zu sorgen. Indes auch dem geübtesten Diagnostiker werden hier und da 
Zweifel und gar lrrtümer begegnen, wird er nur zu einer Wahrschein¬ 
lichkeitsdiagnose durchzudringen vermögen. Berücksichtigung verdient die 
Anamnese, besonders die Angabe der zeitlichen Dauer und des Verlaufes der 
Erkrankung. Spontane Heilungen von Perforationen dürfen nur als Aus¬ 
nahmen gelten. Wenn man daher sich abwartend verhält, und interne Mittel 
anwenden will, so muß man die Kunst besitzen, jede Verschlimmerung in 
dem Zustand des Kranken sofort und richtig zu erkennen und zu würdigen. 
Immerhin wird man gut tun, von vornherein mit dem Gedanken an eine 
chirurgische Intervention sich vertraut zu machen. Die Perforation des Darmes 
und die dadurch bedingte Peritonitis erfordert in jedem Stadium vor allem 
chirurgische Hilfe. Und selbst eine vergebliche Probelaparotomie unter 
lokaler Anästhesie bringt weniger Schaden als das Warten auf bestimmte 
Zeichen der Peritonitis. Keinesfalls soll dies so lange ausgedehnt werden, 
bis deutlich alle Symptome der eingetretenen Komplikation sich zeigen. Dann 
kommt chirurgische Hilfe meist zu spät Selbstverständlich sind moribunde 
und dekrepide alte Personen von operativen Eingriffen ausgeschlossen. Die 
in den Vordergrund tretenden Merkmale der typhösen Perforation der Darm¬ 
wand sind (Milescu, Mackenzie, Hagapoff u. a.) plötzlich eintretender 

Nr. 7*. 


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160 


Schmerz in der rechten Fossa iliaca, tetanische Anspannung der Bauchmuskeln, 
Symptome, welche noch an Wichtigkeit gewinnen, wenn Veränderungen des 
Allgemeinbefindens, jagender kleiner Puls, Erbrechen u. s. w. sich zeigen. 
Veränderungen in der Eigenwärme des Kranken sind kein notwendiges Po¬ 
stulat für die Darmperforation. Das Verschwinden der Milz- und Leber¬ 
dämpfung, Dysurie und Stuhlverhaltung sind erst sekundäre und tardive 
Zeichen, welche für allgemein septische Peritonitis sprechen. Armour legt 
großen Wert auf die Zählung der Leukocyten und empfiehlt, um ein klares 
Urteil über den Fall zu gewinnen und zu behalten, diese Zählung von An¬ 
fang der Erkrankung an regelmäßig vorzunehmen. Nur so kann eine plötz¬ 
liche Vermehrung der Leukocyten sofort entdeckt und richtig gewürdigt 
werden. Die gegen die operative Behandlung der Darm Perforation gemachten 
Einwände werden häufig in ihrem Wert überschätzt, weil die Darmläsionen 
im allgemeinen unitär sind. Die chirurgische Technik sichert zudem auch 
in hoffnungslosen Fällen ein Überleben für längere Zeit Nach Milescu 
wird in jedem 4. Falle Heilung erreicht Das ist zwar kein gerade glänzendes 
Resultat, trotzdem aber ist der abdominelle Eingriff absolut berechtigt und 
notwendig, wenn er von der Hand des Fachchirurgen ausgeübt wird, 
welchem Schnelligkeit, Sicherheit und Erfahrung zur Seite stehen. Es mag 
nochmals bemerkt werden, daß die Autoren betonen, den operativen Eingriff 
so früh wie möglich vorzunehmen, damit die Kräfte des Kranken den An¬ 
forderungen der Operation noch gewachsen sind. Über die Erfolge der 
chirurchischen Intervention gibt Mackenzie folgende Zahlen. Er selbst 
operierte 9 Fälle mit 3 Heilungen. Im John Hopkins Hospital wurden 6 
von 18 gerettet Finney gibt 23 Heilungen unter 112 Fällen, Keen 37 
unter 158 an. Dabei ist zu bemerken, daß viele Fälle zu spät, später als 18 
Stunden nach Beginn der Erscheinungen zur Operation kamen. Nur früh¬ 
zeitige Operation kann einen Fall von Perforation zur Heilung bringen. 
Über die Häufigkeit der Perforation gibt Mackenzie folgende Daten. In 
den 4 Londoner Hospitälern fanden sich 2533 Typhuskranke, welche nicht 
gebadet wurden, mit 340 Todesfällen (13,4%), davon 117 an Perforation 
(5,5%), in den Londoner Fieber-Hospitälern 5878 Fälle, welche gebadet 
wurden, mit 920 (15,6%) Todesfällen und 98 an Perforation (3,2%), in 
amerikanischen und australischen Krankenhäusern 3351 Erkrankungen mit 
240 Todesfällen und zwar 90 an Perforation (2,7 %). Unter diesen gesamten 
11752 Typhusfällen ~ waren 1500 Todesfälle mit 396 Perforationen (33%). 
Armour rechnet 4—5% aller Fälle auf Perforationen, welche bei Männern 
häufiger sind als bei Frauen. Die meisten Perforationen liefert die dritte 
Krankheitswoche. Der Sitz ist in der Regel der unterste Teil des Ileums. 
Oewöhnlich kommt die Perforation einzeln vor und ist nur klein. Doch 
erscheint die Umgebung häufig verdünnt 

Als Hämostatikum bei Darmblutungen empfiehlt Coleman Adre¬ 
nalin. Er hat das Mittel in 5 Fällen von Darmblutung beim Typhus ange¬ 
wandt Davon genasen 4 Kranke, trotzdem die Blutungen sehr schwer 
waren. Der 5. Fall ging nicht an der Himorrhagie, sondern an Toxikämie 
und Erschöpfung zugrunde. Die Dosis betrug 0,3 zweistündL bis stündL 
1—2 Tage lang. Das Pulver kann in Wasser oder Milch genommen werden 


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161 


oder auch per rectum (0,6—0,7) verabreicht werden. Wenn beide Dar¬ 
reichungsformen nicht möglich sind, bleibt die intravenöse Injektion von 
0,1—0g. Unangenehme Nebenwirkungen hat Coleman nicht gesehen. 

Bei der Bekämpfung des Typhus wird die erste und hauptsächlichste 
Aufmerksamkeit dem Typhuskranken und der von ihm ausgehenden unmit¬ 
telbaren Ansteckungsgefahr zugewendet werden müssen. »Für unser ganzes 
epidemiologisches Denken muß der Satz ,omnis typhys e typho* im Vorder¬ 
grund stehen« (Salomon). Abgesehen von den auf einen plötzlich auf¬ 
getretenen und gemeinsamen Ursprünge beruhenden explosionsartigen Mas¬ 
senerkrankungen , welche unter sich in einem Zusammenhänge nicht stehen, 
bilden alle Typhuserkrankungen eine fortlaufende Kette. Es heißt also bei 
einem einzelnen Falle die voraufgegangenen Glieder der Kette genau auf¬ 
zufinden. Je häufiger das gelingt, desto geringer wird die Zahl der infi¬ 
zierten Brunnen, Wasserleitungen, Molkereien, Bäche, die Zahl der auftretenden 
Epidemieen sein. Wohl gibt es für die Entstehung und für die Verbreitung 
des Typhus drei Möglichkeiten, welche in Betracht zu ziehen sind, nämlich 
die Infektion durch verunreinigtes Trinkwasser, die Infektion durch infi¬ 
zierte Nahrungsmittel und die Übertragung auf kurzen Wegen von Person 
zu Person (Musehold). Indes ist die Frage die wichtigste, wo ist der vor¬ 
hergehende Krankheitsfall? Hierbei spielt, wie Salomon betont, neben der 
Durchführung und Erfüllung der Anzeigepflicht vor allem die Erkennung 
der ersten leichten Fälle, die rechtzeitige Typhusdiagnose eine hervor¬ 
ragende Rolle. An die Feststellung dieser Tatsachen können sich erst sani¬ 
tätspolizeiliche Maßnahmen anschließen. Koch empfiehlt zunächst sämtliche 
Erkrankte zu eruieren und zu isolieren, damit die Infektionsquelle un¬ 
schädlich gemacht wird. Salomon fordert, daß die Typhuskranken viel 
häufiger in Krankenhäusern untergebracht werden, wie bisher, und daß die 
Krankenhäuser zu diesem Zwecke viel besser und geeigneter würden, als 
sie es zur Zeit sind, um die Aufgabe einer zweckentsprechenden Isolierung 
zu ermöglichen. Die Kranken dürfen nicht früher aus der Behandlung und 
Beobachtung entlassen werden, als bis keine Typhusbazillen mehr bei wieder¬ 
holten Untersuchungen sich finden (Koch). In dritter Linie kommt zur 
Bekämpfung des Typhus die Desinfektion in Frage, und besonders die 
Desinfektion von Brunnen, Wasserleitungen u. s. w. Es würde zuweit führen, 
wenn an dieser Stelle alle die Maßnahmen, welche zu diesem Zwecke 
empfohlen oder durchgeführt worden sind, wie z. B. die Maßregeln, welche 
Springfeld bei der großen Epidemie im Ruhrgebiet ergriffen hat, einer 
eingehenden Besprechung zu unterziehen. So interessant die Darstellungen 
Bienstocks über den hygienischen Überwachungsdienst des ganzen Um¬ 
kreises des Paris mit Trinkwasser versorgenden Quellgebietes sind, für den 
einzelnen Praktiker haben sie weniger Wert und Bedeutung als für die Sani¬ 
tätspolizei. Wichtiger ist z. B. die Frage, wie man die Desinfektion 
des Trinkwassers im Kleinen am zweckmäßigsten erreicht Salomon 
empfiehlt das beim Militär eingeführte Verfahren mittels Eau de Javelle (Na¬ 
triumhypochlorit) und Natrium sulfurosum. Durch diesen Zusstz wird das 
Wasser keimfrei gemacht und bleibt doch vollkommen schmackhaft Im 
allgemeinen zwar wird die Durchführung der Maßregeln zur Bekämpfung 


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der Seuchenausbreitung in Zivilverhältnissen nicht so durchgreifend sich 
gestalten wie in militärischen. Immerhin bieten die Berichte über die beim 
Militär ergriffenen Maßregeln einige Punkte, welche auch für allgemeine 
Verhältnisse von Bedeutung und Interesse sind (Musehold, Rieder, Pfuhl, 
Canney u. a.). Beim Betreten des Krankensaales (Krankenzimmer) wird die 
Oberkleidung gewechselt, beim Verlassen bleibt die gebrauchte Kleidung an 
einem besondem Kleiderständer zurfick. Vor dem Anlegen der reinen Klei¬ 
dung werden die Hände gründlich gereinigt und desinfiziert Nach dem 
Stuhlgang wird der After des Kranken mittels Schwämme, welche in 3 °/ 0 iger 
Karbollösung liegen, gereinigt. Das Personal* erhält jeden 2. Tag ein Reini¬ 
gungsbad. Wäsche, welche nur im geringsten Maße beschmutzt ist, muß 
sofort gewechselt und in Holzgefäße mit Kreosolseifenlösung gebracht 
werden. Stechbecken werden nach Desinfektion des Inhaltes mit Kalkmilch 
2 Stunden in Holzgefäße mit Sublimat gelegt Das Badewasser wird des¬ 
infiziert Trink- und Eßgeschirre werden an besonderen Orten aufbewahrt 
und ausgekocht Ham und Stuhl werden noch bei Rekonvaleszenten regel¬ 
mäßig bakteriologisch untersucht Das Personal wird während einer Epidemie 
nicht gewechselt Durch strengste Durchführung derartiger Maßregeln ist 
es im Koblenzer Gamisonlazareth, in welchem die Belegzahl 116 Typhusfälle 
betrug, gelungen, nosokomiale Infektionen zu verhindern (Rieder). Fliegen 
müssen aus der Küche femgehalten bezw. beseitigt werden. Die Milch muß 
stets aufgekocht und in zugedeckten Gefäßen aufbewahrt werden. Gekochte 
Kartoffeln, welche über Nacht in der warmen Küche gestanden haben, dürfen 
nicht zum Essen verwendet werden (Pfuhl). Besonders mag nochmals 
hervorgehoben werden, daß die Autoren nicht allein die Desinfektion der 
Fäces und des Harnes fordern, sondern auch die des Auswurfes von Typhus¬ 
kranken. Denn nachdem im Sputum von Typhuskranken wiederholt der 
Nachweis der Typhusbazillen gelungen ist (s. o), kann es keine Frage sein, 
daß auch der Auswurf von Typhuskranken zu einer Quelle der Infektion 
werden kann. Und diese Desinfektion hat nicht nur während der Krankheit, 
während des floriden Stadiums zu erfolgen, sondern auch noch auf die Re- 
konvaleszens sich zu erstrecken, wenn sie gründlich und zweckmäßig sein soll. 

Mit der prophylaktischen Impfung und ihrem Wert beschäftigen 
sich einige Arbeiten englischer Autoren, so besonders von dem Begründer 
dieser Methode A. Wright, sowie A. Crombie, Shaw, Stevenson. Der 
Impfung liegen folgende Versuchsresultate und Erwägung zugrunde. Wenn 
die Antityphuslymphe bei Tieren starke Allgemeinerscheinungen verursacht, 
sinkt die bakterizide Kraft des Blutes. Damit steigt natürlich die Empfäng¬ 
lichkeit des Tieres gegen die Typhusinfektion. Auf diese negative Phase 
folgt wahrscheinlich in einiger Zeit eine solche mit gesteigerter bakterizider 
Kraft des Blutes. Auch beim Menschen sinkt die bakterizierende Kraft des 
Blutes wenn der Impfung sehr schwere Allgemeinsymptome folgen. Sie 
steigt aber dann nicht wieder an. Nimmt man daher von Antityphuslymphe 
so wenig, daß keine deutlichen Störungen des Allgemeinbefindens entstehen, 
so kann man eine gesteigerte bakterizierende Kraft des Blutes ohne vorauf¬ 
gegangenes negatives Stadium erzielen. Dies tritt oft innerhalb 24 Stunden 
ein. Die Ausführung der Impfung geschieht nach Wright folgendermaßen: 


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Eine Bouillonkultur eines virulenten Typhusstammes wird 14—21 Tage einer 
Temperatur von 49° ausgesetzt und dann bei 60° sterilisiert Nach Zusatz 
von Lysolin im Verhältnis von 0,5 % von der Menge, welche für ein Meer¬ 
schweinchen von 250 g tötlich wirkt, in das Unterhautzellgewebe des Ober¬ 
armes injiziert Die Menge dürfte in der Regel etwa 0,45 ccm betragen. Bei 
wiederholter Inokulation, welche in der Regel eine Woche nach der ersten 
gemacht wird, kann man bereits die doppelte Menge verwenden. 

Nach der Einspritzung stellen sich Kopfweh, Frostschauer, Erbrechen, 
Übelkeit ein, Erscheinungen, welche im Verlaufe von 18 Stunden vollständig 
verschwunden sind. Stevenson sah nur zweimal unter 70 Geimpften stär¬ 
kere Allgemeinerscheinungen. Meist waren sie sehr gering und passager. 
Dazu kommt eine Lokalreaktion, welche in schmerzhafter Schwellung des 
Unterhautzellgewebes mit Rötung der Haut in der Umgebung der Impfetelle 
besteht Die regionären Drüsen sind geschwollen und druckempfindlich. 
Stevenson berichtet auch von einer in wenigen Tagen sich verziehenden 
Muskelsteifigkeit, welche er in allen Fällen beobachtete. Sonst sind meist die 
Lokalerscheinungen am folgenden Tage verschwunden. Die unmittelbare 
Wirkung der Einspritzung auf die Temperatur besteht zunächst in einem 
leichten Abfelle, welchem aber bald ein mehr weniger hoher Anstieg mit 
dem Maximum nach 12 Stunden folgt Bald darauf feilt die Temperatur 
auf die normale Höhe. War die Inokulation erfolgreich, so zeigt das Blut¬ 
serum des Geimpften nach mehrtägigem Intervall agglutinierende Kraft, 
welche allmählich zunimmt und 2 Jahre bemerkbar bleibt 

Was die Ergebnisse dieser Impfung angeht, wie sie vorzüglich in Südafrika 
vorgenommen ist, so gibt Wright folgende Daten. Von 8600 Geimpften 
erkrankten an Typhus 2^25%, von 41000 Ungeimpften 5,75% mit 12—21 
Todesfellen. Darnach scheint die Präventivimpfung zum mindesten eine 
zweifache in einzelnen Fällen sogar eine 6—28 fache Reduktion der Typhus- 
morbidifet herbeizuführen. Die Mortalität wurde etwa um 5% herabgesetzt 
Allerdings darf dieser zahlenmäßigen Zusammenstellung keine richtige Be¬ 
urteilung des Impferfolges zugemessen werden (Stark). Verschiedene Um¬ 
stände müssen vielmehr berücksichtigt werden, besonders das Alter und die 
Art der verwendeten Kulturen, der Grund der allgemeinen und lokalen 
Reaktion, ein früherer Typhus in der Anamnese des Geimpften u. a. m. 
Crombie hat unter 250 aus Südafrika zurückkehrenden Offizieren 102 ein¬ 
mal Geimpfte gefunden, von denen 30 erkrankten (29,4 %). Von 30 zweimal 
Geimpften erkrankten zwei (19%), von 29 welche früher Typhus durch¬ 
gemacht 3 (10,3 %), von 109 Nichtgeimpften 24 (22%). Nach seinen Er¬ 
fahrungen ist es möglich, daß die Krankheit bei Geimpften leichter verläuft 
Ziemlich sicher aber ist außerdem, daß die Gefahren, an Typhus zu erkranken, 
durch die Schutzimpfung größer wird, als wenn überhaupt nicht geimpft 
wird. Jedenfalls scheint die zweimalige Impfung die Empfänglichkeit für 
Typhus zu erhöhen. Einen beträchtlichen Schutz gegen die Ansteckung 
gewährt nur die einmalige Impfung bei jungen Soldaten unter 30 Jahren, 
also zu der Zeit, wo die Empfänglichkeit für Typhus am größten ist Diese 
Erfahrung hat Shaw durch Tierversuche gleichfalls gemacht Er injizierte 
ein durch Digerieren von Typhusbazillen gewonnenes Typhustoxin Tieren. 


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Sie wurden gegen lebende Typhusbazillen immun. Das Serum der derartig 
vorbehandelten Tiere immunisiert andere Tiere gegen Typhus. Die intra¬ 
venöse Injektion lebender Typhusbazillen kann aber bei nicht immunisierten 
Tieren eine negative Resistenzphase erzeugen. Das Blut derartiger Tiere 
besitzt zeitweilig eine viel geringere bakterizierende Kraft als das Blut ge¬ 
sunder unbehandelter Kontrahiere. 


III. Paratyphus. 

Vor einer Reihe von Jahren gebrauchten zuerst französische Autoren 
den Ausdruck »Paratyphus«, für eine Erkrankung, welche in ihrem klini¬ 
schem Verlaufe große Ähnlichkeit mit den Typhus abdominalis aufwies, 
aber nach der bakteriologischen Untersuchung ihre Ursache in dem Badlle 
paratyphoidique hatte. Es ist in der Folgezeit vielfach darüber diskutiert 
worden, ob dieser Krankheitserreger der Typhus- oder Koligruppe zuzu¬ 
weisen sei, während man darüber einig geworden ist, daß das Krankheitsbild 
sich so gut wie gar nicht vom echten Typhus unterscheiden lasse. In Deutsch¬ 
land hat zuerst Schottmüller die große prinzipielle Bedeutung der Ab¬ 
wesenheit der Typhusbazillen und der Anwesenheit von ähnlichen Bakterien 
in typhusähnlichen Erkrankungen betont und den Namen »Paratyphus« ein- 
geführt, indem er 7 derartige Fälle bekannt gab. Den in ihnen gefundenen 
Krankheitserreger nannte er Bacillus paratyphi, obwohl er kulturell und in 
Bezug auf seine Agglutininemptindlichkeit von dem sog. Parakolibazillus 
sich nicht wesentlich unterschied. Er berichtet über 5 neue von einander 
ganz unabhängige, sporadische Fälle, welche klinisch das Bild des Typhus 
boten. Die aus dem Blute gezüchteten Bazillen unterschieden sich durch 
wichtige Eigenschaften von den Typhusbazillen. Die charakteristischen Unter¬ 
schiede traten besonders deutlich hervor auf der nach Piorkowski her¬ 
gestellten Hamgelatine. Hier zeigten die Paratyphuskulturen große Ähnlich¬ 
keit mit denen des Bact coli. In Traubenzuckerbouillon erregten sie Gasbil¬ 
dung. Während Typhusmilchkulturen unverändert blieben, riefen die Para- 
typhusbazillen eine eigenartige Aufhellung und schließlich eine leicht gelb¬ 
liche Tingierung der Milch hervor. Auch hinsichtlich der Widalreaktion 
bestanden Unterschiede. Typhusbazillen bleiben von dem Serum der an 
Paratyphus erkrankten Personen unbeeinflußt Dieses verursachte dagegen 
bei den typhusähnlichen Erkrankungen Agglutination. 

Dazu kam die Beobachtung von Kurth von 5 mehr minderschweren 
Typhusfällen, in welchen das Serum die Typhusbazillen nicht agglutinierte. 
Er isolierte aus dem Urin bezw. aus dem Fäces einen Bazillus, welcher das 
Serum seiner Kranken im Verhältnis 1:250—11:800 ag glutinierte. Bruns 
und Kayser haben durch vergleichende Züchtung und Agglutination gezeigt, 
daß dieser Bazillus mit dem Schottmüllerschen identisch sei. Kayser 
und Brion isolierten aus dem Blut der Armvene eines 16jährigen Mädchens, 
welches an einer 9 tägigen fieberhaften, ziemlich plötzlich entstandenen, nach 
9- bezw. 13tägigem Intervall von 2, 16 bezw. 15 Tage dauernden Rezidiv 
gefolgten, in manchen Punkten dem Abdominaltyphus ähnelndenden Affektion 


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litt, und ebenso aus Urin, Fices und Vaginalschleim einen Bazillus, welchen 
sie durch Agglutination mit dem einen Schottmfillerschen identifizierten. 

Um diese verschiedenen Paratyphusbeobachtungen untereinander zu ver¬ 
gleichen und ordnen zu können unterschied Kayser 2 Typen, den Bacillus 
paratyphi A. und B. Sie unterscheiden sich durch geringe kulturelle Eigen¬ 
schaften und besonders durch ihre Agglutininempfindlichkeit 

Im weiteren ist besonders in Amerika eine Reihe von Fällen beschrieben, 
welche alle mehr weniger ausgesprochene Typhussymptome boten, in wel¬ 
chen aber aus dem Blut entweder Parakoli- oder Paratyphusbazillen isoliert 
und durch Agglutination identifiziert wurden: Coleman und Buxton, 
Johnston, Hewlett, Gütig, Ascoli, welche einen mit Fieber, Schwellung 
der regionären Drüsen und Milztumor einhergehenden und in der 5. Krank¬ 
heitswoche letal endenden Laryngotyphus beschreiben und bei der Sektion 
die für Typhus charakteristischen Befunde erheben, aber den Paratyphus¬ 
bazillus nachweisen konnten, Brill und Baer, deren Fälle in ätiologischer 
Beziehung insofern interessant sind, als es sich um eine nosokomiale Infektion 
einer Wärterin mit Paratyphus mit positiver Agglutination und positivem 
Bazillenbefund handelt, ohne daß ein Fall von Paratyphus auf der Sta¬ 
tion sich fand. R. Schmidt berichtet über einen Fall, welcher klinisch 
unter dem Bilde einer allgemeinen Pyämie mit mäßig reichlichen diarrhoi- 
sehen typhusähnlichen Stuhlentleerungen verlief. Die Autopsie deckte als 
Ausgangspunkt eine suppurative Cholezystitis auf. Aus dem steril gewonnenen 
Harnsediment, aus dem Gallenblaseninhalt, dem Eiter der Leberabszesse und 
vor allem aus den endokarditischen Auflagerungen wurde als ätiologisches 
Agens ein Bazillus gezüchtet, welcher morphologisch und kulturell echtem 
Typhusbazillus glich und nur auf Grund der Gruber-Widalschen Reaktion 
als Pärafyphusbazillus erkannt wurde. Schmidt schlägt für derartige Fälle 
die Bezeichnung »Paratyphusbazillose« vor. 

Neben diesen mehr weniger sporadischen Fällen Enden sich auch einige 
Paratyphusepidemieen und -endemieen. de Feifer und Kayser beobach¬ 
teten 14 Fälle, bei welchen die Widalreaktion negativ blieb, während die 
Serumprüfung und die bakteriologische Untersuchung Paratyphus ergab. 
Und zwar handelte es sich um den Typhus B der von Kayser gefundenen 
Bakterien typen. Der Erreger steht zwischen dem Bacillus typhi abdominalis 
und dem Bact coli commune. Das Blutserum der Patienten agglutinierte in 
allen Fällen die Paratyphusbazillen B. Die Erreger selbst waren in keiner 
darauf hin untersuchten Blutprobe nachweisbar. Die Autoren konstatieren, 
daß bisher 12 unter 180 Fällen, welche vorher klinisch als Typhen galten, 
bakteriologisch als Paratyphus festgestellt werden konnten. Demnach schei¬ 
nen die Paratyphen gar nicht so selten zu sein. 

Hünermann berichtet über eine Typhusepidemie in der Garnison 
Saarbrücken, welche einen sehr milden Charakter zeigte. Während dieser 
fand er unter 38 bakteriologisch untersuchten Fällen nur 16mal die Widal¬ 
reaktion 1 : 100 positiv, ln 19 Fällen konnte er aus dem Stuhl der Kranken 
einen Bazillus züchten, welcher zwar dem Typhusbazillus sehr ähnlich sah, 
aber von ihm durch das Wachstum auf Gelatine, in Traubenzuckerbouillon, 
und in Neutralrotagar, sowie durch große Virulenz gegenüber Kaninchen, 

Nr. 7. 


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166 


vom BacL coli durch das Verhalten auf Kartoffel, Milch und dem v. Dri- 
galski-Conradischen Nährboden sich unterschied, sowie durch den Ausfall 
der Indolbildung in Bouillon. Durch das Serum der Kranken wurden diese 
Bazillen in einer Verdünnung von 1:1000 oder 1:2000 in 7t Stunde völlig 
agglutiniert Das Blutserum anderer echter Typhuskranker beeinflußte sie 
wenig oder gamicht Dagegen agglutinierte auch das Serum des ersten 
bereits genesenen Falles jene Stäbchen. 

Conradi, v. Drigalski und Jürgens beschreiben ebenfalls aus Saar¬ 
brücken unter dem Bilde des Typhus verlaufende durch einen besonderen 
Erreger bedingte epidemische Erkrankungen, welche anfangs für Influenza 
gehalten wurden, aber durch den Durchfall und das übrige Krankeitsbild 
Typhus wahrscheinlich machten. 23 mal unter 38 Fällen gelang es aus Fäces, 
Urin und Roseolen Bazillen zu isolieren, welche mit den Typhusbazillen 
in Form, Beweglichkeit und Verhalten gegen Farbstoffe große Ähnlichkeit 
zeigten, durch die Vergärung von Traubenzucker aber von ihnen abwichen. 
Das Wachstum auf Agar ist ähnlich, das auf Gelatine ganz verschieden. 
Die »Saarbrückener Stäbchen« bilden rasch einen üppigen weißen feucht¬ 
glänzenden Rasen, welcher zähflüssig ist, sodaß er beim schrägen Röhrchen 
allmählich absinkt. Indolbildung fehlt, Milch wird nicht zur Geqpnung 
gebracht, sondern alkalisch gemacht Neutralrot wird in ein fluoreszierendes 
Gelb umgewandelt und in Traubenzuckeragar entsteht starke Gasbildung. 
Die Petruschkysche Lakmusmolke wird nicht getrübt, aber es entsteht 
starke Säurebildung, ln den 5 negativen Fällen wurde teils nur ungenügend 
oder gamicht auf Bakterien untersucht, weil die Diagnose durch deutliche Wi- 
dalreaktion und durch klinischen Befund festgestellt wurde. Die Widalreak- 
tion gelang überhaupt bei allen Kranken in einer Verdünnung von 1:100 und 
mehr. Das Serum der Erkrankten agglutinierte diese neuen Stäbchen inten¬ 
siver als Typhusbazillen. Die Autoren kommen bezüglich der Ag glutination 
zu folgendem Schluß. Fällt bei einem Kranken die Serumreaktion mit Ty¬ 
phusbazillen positiv aus, so liegt entweder Typhus oder diese neuerkannte 
Erkrankung vor. Fällt die Reaktion mit Typhusbazillen negativ aus, so kann 
die neue Erkrankung trotzdem vorliegen. Ergibt anderseits die Prüfung des 
Krankenserums mit den Saarbrückener Stäbchen höhere Agglutinationswerte 
als mit Typhusbazillen, so liegt kein Typhus, sondern stets die neue Er¬ 
krankung vor. Daraus resultiert die Notwendigkeit bei einer typhusähnlichen, 
typhusverdächtigen Krankheit die Serumprobe mit Typhusbazillen und den 
Saarbrückener Stäbchen anzustellen. Tierversuche ergaben, daß die schützende 
Kraft des Saarbrückener Immunserums gegenüber der Infektion mit Saar¬ 
brückener Stäbchen weitaus stärker ist, als gegenüber der Infektion mit 
Typhusbazillen. Umgekehrt lehren Versuche, daß ein Typhusimmunserum 
ausreichenden Schutz gegenüber einer Typhusinfektion wie gegenüber der 
Infektion mit Saarbrückener Stäbchen erzielten Infektion gewährt Die Autoren 
schlagen für diese neue Erkrankung den Namen »Typhoid« vor. Sie haben 
dabei außer Acht gelassen, daß in der ausländischen Literatur der Unterleibs¬ 
typhus allgemein als Typhoid bezeichnet wird. Auch liegt kein Grund vor 
den von Schottmüller eingeführten Namen »Paratyphus« zu wechseln. 

Eine Endemie beobachteten Sion und Negel in Jassy. Es handelte 


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sich hier während dieser mit großer Heftigkeit grassierenden Typhusepidemie 
um eine Hausepidemie von 5 Fällen, in welchen die Personen unter typhus¬ 
ähnlichen Erscheinungen erkrankten. Im Blute eines Kranken und nach 
seinem Tode in den verschiedensten Organen der Leiche wurde ein Bazillus 
gefunden, welcher in seinen kulturellen und biologischen Eigenschaften in 
der Mitte zwischen Typhusbazillus und Bact coli stehL Diesen fanden sie 
auch in dem Blute von den 4 andern Patienten, welche mit dem ersten 
zusammen gewohnt hatten und unter den gleichen Erscheinungen erkrankt 
waren, sowie in dem Schmutze an den Wänden eines höchst primitiven 
Schachtbrunnens in unmittelbarer Nähe der auf dem Hofe befindlichen Vieh¬ 
ställe. Aus den Beschreibungen des Bazillus und seiner biologischen Eigen¬ 
schaften geht hervor, daß es weder um Bacillus typhi noch um Bact coli 
sich handelt Auch die Identität mit den Schottmüllerschen Bazillen ließ 
sich nicht erweisen. Es fehlen freilich eingehende bakteriologische Unter¬ 
suchungen, um den gefundenen Bazillus in eine der beiden Paratyphus- 
gruppen einreihen zu können. 

jedenfalls geht aus diesen Berichten mit Deutlichkeit hervor, daß der 
Paratyphus eine weitverbreitete typhusähnliche akute Infektionskrankheit ist, 
welche unter ähnlichen ursächlichen Verhältnissen wie der Typhus auch epi¬ 
demieartig auftreten kann. 

Aus den Beschreibungen geht weiter hervor, daß der Paratyphus symp- 
tomatologisch nicht vom Typhus zu trennen ist, daß diese Infektion vielmehr 
klinisch mit echtem Typhus identisch ist Die Symptome des Paratyphus 
charakterisieren sich folgendermaßen. Ein kurzes Prodromalstadium von 
1—4 Tagen leitet die Erkrankung ein, einhergehend mit unregelmäßigen 
Temperatursteigerungen, Appetitlosigkeit, Kopf-, Rücken- und Gliederschmer¬ 
zen. Trotz manchmal heftigen Beginnes ist der Verlauf gutartig. Die 
Rekonvaleszenz dauert nur kurze Zeit und die Patienten werden nicht erheb¬ 
lich durch die Erkrankung angegriffen. Es fehlen vor allem schwere und 
ernste Komplikationen und Rezidive. Deshalb ist auch die Prognose gün¬ 
stiger als bei echtem Typhus zu stellen (Schottmüller). Schnell wie der 
Anfang kommt auch die Wendung zur Besserung (Conradi, v. Drigalski, 
Jürgens). Die Mortalität ist eine auffallend geringe, etwa 3%. Die Krank¬ 
heit hat aber einen ausgesprochenen akut-infektiösen Charakter mit leichter 
Übertragbarkeit auf die Umgebung des Patienten. Die typische Tempera¬ 
turkurve zeigt einen remittierenden Charakter oder ein intermittierendes 
Fieberstadium und bisweilen einen kritischen Abfall (de Feifer und Kayser, 
Johnston, Brion und Kayser, Coleman und Buxton). Der Pulsfre¬ 
quenz entspricht der Temperaturhöhe (de Feifer und Kayser). Ein Fall 
von Mischinfektion verlief afebril. Die klinischen Intestinalerscheinungen 
glichen denen des Abdominaltyphus. Im Beginn bemerkt man bisweilen 
Vomitus und Borborygmen. Die Zunge ist fast immer belegt Stets ist 
Ueocoecalgurren vorhanden, der Leib ist nicht druckempfindlich. Die Milz 
ist in 58% (de Feifer und Kayser) vergrößert, wie auch Ascoli, v. Dri¬ 
galski, Conradi, Jürgens angeben, in anderen Fällen aber nicht palpabel 
(Johnston). Fast immer besteht (79%) starker Durchfall mit gelben stin¬ 
kenden Massen, mitunter auch ein Zustand von Obstipation. Der Urin ist 


Nr. 7*. 


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stark sauer und eiweißfrei und weist positive Diazoreaktion und starken 
Indikangehalt auf. Das Sensorium ist in der Regel frei. Roseolen zeigen 
sich in 56% der Fälle. Im Anfang stellt sich oftmals eine Angina ein. Die 
häufigste Komplikation ist Bronchitis. Leichte Darmblutungen pflegen nur 
spärlich zu sein. Mitunter ist Myositis und purulente Arthritis und öfter als 
bei echtem Typhus beobachtet (Johnston). Gütig fand, in 6 Fällen Hyper- 
leukocytose und relative Verminderung der Lymphocyten oft bis zur Hälfte 
aller weißen Zellen und Schwinden der Eosinophilen, als besonders charak¬ 
teristisch. In abortiven Fällen von echtem Typhus wird diese Blutverän¬ 
derung in der Regel vermißt Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt 
3—4 Wochen. 

Zur Diagnose des Paratyphus gehören nicht allein der bakteriologische 
Nachweis des Bazillus und die Serumreaktion, sondern auch vor allem die 
typischen Typhussymptome. 

Wenn auch bisher fast alle beobachteten Fälle gutartig verlaufen sind, 
so muß der Paratyphus hygienisch-sanitär in gleicher Weise wie der echte 
Abdominaltyphus behandelt werden. Auch er erfordert Anzeigepflicht und 
Desinfektionsmaßregeln. Insbesondere ist dies erforderlich, weil entsprechend 
der Ätiologie Mischinfektionen durch Paratyphus und Typhus abdominalis 
Vorkommen. Als Infektionsmöglichkeiten sind nach de Feifer und Kayser 
in Betracht zu ziehen: die flüssigen Milchprodukte, die Butter und vor allem 
das Wasser. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1903 zu ergänzen.) 

v. Oefele: Was ist zielbewaBte Diabetestherapie? (Deutsche Ärztezeitung, H. 22. 23, 
S. 509 u. 532, 1902; H. 3, S. 57, H. 11, S. 249, H. 14, S. 321, H. 17, S. 395, 1903.) 

O. erblickt in diesen Abhandlungen als erstrebenswertes Ziel der Diabetiker¬ 
therapie eine Erhöhung der Kohlenhydratdarreichung bei Verminderung des De¬ 
fizits als Harnzucker, wobei auch die Gefahr der Glykämie genügend als Indikation 
berücksichtigt bleibt, indem er durch bestimmte zeitliche Einteilung der Nahrungs¬ 
aufnahme (unter besonderer Berücksichtigung der Nahrungsmittel) und Muskel¬ 
arbeit für eine Verbesserung der Kohlenhydratausnutzung beim Zuckerkranken 
sorgt. Aus seinen zahlreichen Stuhluntersuchungen zieht O. den Schluß, daß es 
sich beim Diabetiker um eine mangelhafte Verdauung der Eiweißstoffe, der Fette 
und Kohlenhydrate handle. Allerdings ließ sich Zucker im Diabetikerstuhl nicht 
nachweisen. Verf. nimmt an, daß derselbe aus dem Darm resorbiert werde und 
als solcher dann im Harn erschiene (Amylorrhoea secundaria). Diese mangel¬ 
hafte Verwertung der Kohlenhydrate im Darm läßt sich zum Teil ausgleichen 
dadurch, daß eiweißarme Kohlenhydrate gewählt werden, resp. die Kohlenhydrate 
nicht mit Eiweiß zusammen gegeben werden, und von diesem Gesichtspunkt aus 
wählt er den Zucker zur Ernährung der Diabetiker, und zwar läßt er im ganzen 
etwa 105 g (5 Stk. Würfelzucker morgens und 10 Stk. nachmittags in Wasser auf¬ 
gelöst nehmen) und reicht morgens 1— 2 Weißbrode (Wasserwecken). Der Schwer¬ 
punkt aber ist darauf zu legen, daß sofort nach der Nahrungsaufnahme Muskel- 


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169 


arbeit geleistet wird. Die Hauptmahlzeit, nach der er Ruhe halten läßt, soll 
kohlenhydratfrei sein. Die erwähnte, mangelhafte Ausnutzung der Kohlenhydrate 
fährt er auf eine mangelhafte Funktion des Pankreas zurück, wenigstens in den 
meisten Fällen und hält deswegen eine genaue Untersuchung des Pankreas für 
durchaus nötig; dieselbe bat zu bestehen 1) in einer genauen Untersuchung des 
Stuhles auf Muskelfasern und Neutralfette, 2) in einer lokalen Untersuchung durch 
Druck in den 10. und 11. Interkostalraum linkerseits, da hier bei Pankreasaffek¬ 
tionen eine reflektorische Anspannung der Interkostalmuskeln auftreten soll, ev. 
auch Schmerzempfindung. Ferner finden sich bei Pankreasaffektionen kapilläre 
Gefäßausdehnungen im Bereich des linken Hypochondriums, ferner Reflexpar- 
ästhesieen in der linken Schulter, und eine linksseitige Pseudoischias. Auch die 
Auswahl der Fette und Eiweißstoffe muß wegen der schlechten Ausnutzung für 
den Diabetiker sorgfältig getroffen werden. Zur Unterstützung der Pankreas¬ 
verdauung sind empfehlenswert das Pankreon, sowie Massage des Pankreas. 
Endlich ist auf Bekämpfung der Darmfäulnis sowie auf Abstumpfung der sich im 
Darm bildenden niederen Säuren durch Darreichung von Alkalien Gewicht zu 
legen. Schreiber (Oöttingen). 

Kttaew, Tb. J.: Znr Lehre der sekretorischen depressiven Neurosen. (Russin Wratsch, 

1904, Nr. 2.) 

Das klinische Bild der Magenneurosen ist noch nicht festgestellt, während 
die chemische, Untersuchung des Magensaftes häufig Resultate liefert, die ver¬ 
schiedene Deutungen zulassen. Man unterscheidet drei Hauptformen der sekre¬ 
torischen Depressionsneurosen: Subaddität, Inaciditat und Achylia gastrica. Einen 
Fall, der zu der dritten Gruppe gehört, beschreibt Verf. Der 19jährige Patient 
gibt an, vor 4 Jahren von einer ziemlich bedeutenden Höhe (ca. 4 m) herab¬ 
gestürzt zu sein. 8—9 Monate darauf periodisch sehr heftige Schmerzen in der 
Magengrube, sehr häufig auf die beiden Hypochondrien übergreifend; Dauer 
der Schmerzperioden einige Tage bis 1V* Wochen, Dauer der schmerzfreien Pe¬ 
rioden 2—4 Wochen. Diese Magenschmerzen sind so heftig, daß sie den kräf¬ 
tigen im übrigen vollständig gesunden Arbeiter arbeitsunfähig machten. Die 
Intensität der Schmerzen ist unabhängig von äußerem Druck, desgleichen blei¬ 
ben Wärme und Kälte ohne Einfluß auf die Intensität der Schmerzen. Wohl 
aber sind letztere heftiger auf nüchternem Magen, während sie nach Nahrungs¬ 
aufnahme etwas nachlassen. Desgleichen sind die Schmerzen heftiger beim 
Stehen, namentlich beim Gehen. Die Schmerzperioden beginnen und schließen 
mit allmählicher Exacerbation und Remission der Schmerzen. Andere Beschwerden 
hat der Patient nicht. Appetit ununterbrochen gut, Stuhl desgleichen. Schlaf nur 
während der Schmerzperioden gestört, sonst gut. Anamnese ergibt sonst nichts. 
Die Untersuchung ergab Hepato- und Gastroptose. Die Magenfunktion während 
der schmerzfreien Periode: Resorptionsfähigkeit normal, Motilität desgleichen voll¬ 
ständig normal, sogar etwas gesteigert. Stark ausgesprochene Abweichungen von 
der Norm bot die sekretorische Magenfunktion dar. Sowohl im nüchternen 
Magen wie auch während der verschiedenen Phasen der Magenverdauung und 
auf der Höhe derselben fehlten im Mageninhalt stets Salzsäure, Pepsin und Lab¬ 
fermente; der Mageninhalt selbst gab stets eine schwach alkalische Reaktion und 
reagierte nur nach der Riegelschen Probemahlzeit sauer. 

Auf Grund dieses Befundes dachte man ursprünglich an sogenannte intermit¬ 
tierende (paroxysmale) Achylia gastrica, die mit Oastroxynsis abwechseite. Bei 
dieser Form werden bekanntlich Perioden von gesteigerter sekretorischer Magen¬ 
funktion durch Perioden von Ermüdung abgewechselt, in denen die Magendrüsen 
infolge übermäßiger Arbeit in den Zustand vollständiger sekretorischer Innergenz 
verfallen. Jedoch ergab die während einer Schmerzperiode ausgefährte Unter¬ 
suchung genau dieselben Verhältnisse wie in der schmerzfreien ^Periode. Dä 
zugleich bei dem Patienten Symptome festgestellt wurden, die für das Imtial- 


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Stadium von Tabes dorsalis sprachen, so glaubt Verf., daß diese periodischen 
Magenschmerzen als tabische Magenkrisen und die Achylie als frühzeitige Mani¬ 
festation des Tabes betrachtet werden können. Die heftige Erschütterung dürfte 
wohl die Veranlassung zur Entwicklung der mutmaßlichen Erkrankung des Rücken¬ 
marks gegeben haben. Besondere Beachtung verdient noch der Umstand, daß 
die Magenfunktion trotz der permanenten Achylie allem Anscheine nach nicht 
leidet: die unterdrückte sekretorische Funktion wird durch die gesteigerte Moti¬ 
lität kompensiert, während die ausfallende digestive Tätigkeit vom Darm kom¬ 
pensiert wird. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Townson, Ch. W.: A case of pyloric Stenosis In an infani (Boston med. and surg. 

joum., 1904, 11. Februar.) 

Ein gesund geborenes Kind begann in der 3. Woche zu erbrechen. Durch 
sorgfältige Regulierung der Ernährung gelang es zwar zeitweilig, das Erbrechen 
zu heben, es kehrte indes oftmals wieder. Gastrische Indigestion lag nicht vor. 
Das Erbrechen erschien nach den verschiedensten Nahrungsmitteln. Es bestand 
Obstipation, die Stühle waren dagegen normal. Im Verlauf der Krankheit magerte 
das Kind außerordentlich ab. Endlich konnte im Epigastrium ein Tumor mit 
Magendilatation und -peristaltik gesehen und gefühlt werden. Die Gastroentero¬ 
stomie wurde ausgeführt Indes nach 23 Stunden trat der Tod ein in der zehnten 
Krankfaeitswoche. Die Sektion ergab Pylorushypertrophie insbesondere in den 
äußern Muskellagen mit Verengerung des Lumens, v. Boltens{ern (Berlin). 

Reinach (München): Behandlung von Ernährungsstörungen im Slngllngsalter mit 
gelabter Kuhmilch. 75. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Kassel. 

(Wiener med. Wochenschr., Nr. 5.) 

In den vom Verf. mit gelabter verdünnter Kuhmilch behandelten Fällen von 
chronischer Ernährungsstörung hat sich bezüglich Ausheilung der Darmstörung und 
Hebung des Ernährungszustandes des Oesamtoi£anismus ein Vorzug vor andern 
Methoden nicht ergeben; wesentlich günstiger gestaltete sich die Ausheilung 
akuter Verdauungsstörungen. Die unverdünnte gelabte Milch hat sich nur in 
einer kleinen Zahl von Fällen für längere Zeit anwenden lassen. Da aus den 
auch von anderer Seite publizierten Erfolgen einerseits mit kohlenhydratreichen, 
anderseits mit fettreichen Nährmitteln, sowie aus den mikroskopischen Stuhl¬ 
untersuchungen hervorgeht, daß neben der oft nötigen Milchverdünnung bei einer 
Zahl von Kindern Zusatz von Kohlenhydraten, bei andern Fett mit eventueller 
Herabsetzung des Eiweißgehaltes nötig ist, um dauernd gutes Gedeihen zu ge¬ 
währleisten, so ist zur Erhöhung der Eiweißverdaulichkeit auch die Labung 
prinzipiell in Erwägung zu ziehen, aber für die Bedürfnisse und Handhabung in 
der Praxis dürften solche Mischungen zu kompliziert und für das Gros der Be¬ 
völkerung zu umständlich werden. Die Pegninmilch wird durchweg gern ge¬ 
nommen. ln einer größeren Reihe von chronischen und akuten Störungen mit 
vorwiegendem Erbrechen und Unruhe nach dem Trinken wurden letztere Symp¬ 
tome in der günstigsten Weise durchweg beeinflußt. Fälle von Reizerscheinungen 
von seiten des Zentralnervensystems, die mit den Verdauungsorganen in Zusam¬ 
menhang gebracht werden können, zeigten sofortiges Verschwinden dieser Zu¬ 
stände. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Potier: Universelle Pigmentablagerungen infolge Hämatolyse bei Magen-Darmkatarrh 
der Säuglinge. (Comptes rendus de la soddtd de biologie, Nr. 32.) 

In beiden Fällen handelte es sich um 8 Monatskinder; bei dem einen wurde 
klinisch, bei dem anderen durch Autopsie das Vorhandensein hereditärer Syphilis 
konstatiert Beide waren hochgradig anämisch, Milz, Leber und alle Lymphdrüsen 
vergrößert, die Stühle waren grünlich-weiß. Neben Bindegewebswucherungen in 


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Leber und Milz, sowie Gefäßneubildungen in beiden Organen fanden sich bei der 
Obduktion in den Darmfollikeln und Drüsen Pigmentablagerungen, die mit Ferro- 
cyankalium und Salzsäure die Blaueisenreaktion, mit Schwefelammonium Schwarz¬ 
färbung ergaben. An den Leberschnitten läßt sich aus der Anhäufung des Pig¬ 
ments in der Nähe der Pfortaderverzweigungen annehmen, daß es durch die Äste 
der V. portae zugeführt ist Wahrscheinlich bat die Gastro-Enteritis in der Zer¬ 
störung der roten Blutkörperchen eine gewisse Rolle gespielt, nachdem das Terrain 
durch die Lues vorbereitet war. A. Berliner (Berlin). 


Reiter, K.s Ober einen Fall von Ulcus ventricnli. Gesellschaft für innere Medizin 

und Kinderheilkunde in Wien. (Wiener med. Wochenschr., 1904, Nr. 6.) 

Vor ungefähr einem Jahre beschrieb Mendel aus Essen a. d. Ruhr ein neues 
Symptom bei Ulcus ventriculi, welches darin besteht, daß durch direkte Perkussion 
des Epigastriums sich eine fast kreisrunde Stelle finden läßt, innerhalb der jeder 
Perkussionsschlag einen heftigen Schmerz hervorbringt, während außerhalb dieser 
keine Schmerzempfindung sich auslösen läßt Neben dem diagnostischen Moment, 
das namentlich in jenen Fällen von Bedeutung ist, in denen, wie bei nervösen 
und anämischen Personen, eine deutliche Drudeschmerzhaftigkeit im Epigastrium 
bestehen kann, und die dadurch zur Fehldiagnose eines Magengeschwürs ver¬ 
leiten können, bietet dieses Symptom die Möglichkeit, den Heilungsverlauf des 
Ulcus rotundum zu verfolgen, da mit der eintretenden Rückbildung eine konzen¬ 
trische Einschränkung der Schmerzzone parallel geht, ln den ersten Tagen nach' 
eingetretener Hämatemesis ist die scheibenförmige Steile am größten und auch 
die Haut an derselben deutlich hyperästhetisch, während die Temperaturempfindung 
keine Änderung zeigt. Im weiteren Verlauf läßt die Hauthyperästhesie nach, und 
der Kreis, innerhalb dessen die Perkussionsschläge Schmerz erregen, wird immer 
kleiner und kleiner, bis nach Wochen, mit gleichzeitigem Rückgang aller Be¬ 
schwerden, auch im Kreiszentrum jede Schmerzhaftigkeit geschwunden ist. 

Die Patientin R.s befindet sich im 6. Tage nach der Hämatemesis; es sind 
bereits zwei Kreiszonen vorhanden, eine kleinere, innerhalb deren immer Schmerz 
ausgelöst werden kann, und eine größere, die mit der kleineren einen Kreisring 
einschließt, der das Gebiet umfaßt, um welches die Schmerzhaftigkeit in den 
letzten zwei Tagen unter einer spezifischen Ulcuskur schon zurückgegangen ist. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Moynihan, B. 0. A.: Remarks on the Hour Qlass Stomach. (Brit. med. joum., 1904, 

20. Februar.) 

M. bespricht die Ätiologie, Symptomatologie und Therapie des Sanduhrmagens, 
ln manchen Fällen ist die Verengerung nicht nur im Körper des Magens, sondern 
auch am Pylorus gelegen. Das Magenulcus, welches sehr häufig die Ursache 
darstellt, kann eben oft multipel auftreten. Daraus resultiert, daß in manchen 
Fällen nicht eine einfache Operation den Anforderungen der Therapie genügen 
kann. Wenn die Gastroenterostomie von der Cardiatasche aus gemacht wird, bleibt 
die Pylorustasche unbehandelt Symptome von Stauung müssen bestehen bleiben 
und eine zweite Operation wird notwendig. Die Gastroplastik, welche die Ob¬ 
struktion im Fundus aufhebt, beseitigt noch nicht die Verengerung am Pylorus. 
In vielen Fällen wird daher eine Kombination mehrerer Operationen erforderlich 
sein: Gastroenterostomie von beiden Taschen aus, Oastroplastik in Verbindung 
mit Gastroenterostomie von der Pylorustasche aus, oder Gastroplastik und Pyloro- 
plastik. Unter den 18 Fällen, über welche M. berichtet, wurde 5 mal die Gastro¬ 
plastik allein ausgeführt, und 4 mal die Gastroenterostomie allein, 2 mal die 
Gastroplastik und Gastroenterostomie, einmal die Oastro-gastrostomie allein und 
2 mal die Gastro-gastrostomie und Oastroenterostomie. 

v, Boltenstern (Berlin). 


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Kranse, F.: Erfahrungen in der Magenehirargie. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 47.) 

K. erörtert, in einem vor praktischen Ärzten gehaltenen Vortrage die Indi¬ 
kationen zu Eingriffen bei gutartigen und bösartigen Erkrankungen des Magens; 
sie decken sich wohl mit den diesbezüglichen allgemein bei uns gültigen An¬ 
schauungen. 

Die häutigst angewandte Operationsmethode — von 79 Fällen 45 mal — war 
die Gastroenterostomie, die 16 mal bei benigner Stenose des Pylorus Heilung er¬ 
zielte; bei Carcinom batte K. mit ihr 48% Mortalität Pickardt (Berlin). 

Mayo, W. L.: Chronic ulcer of the stomach and dnodennm from a smgical stand- 
point (St Paul med. journ., 1904, Februar.) 

ln der Ätiologie des ulcus ventric. treten zwei Tatsachen in den Vordergrund: 

1) daß 75% aller Ulcera sich in der Pylorusgegend finden, weldie mechanischen 
Einwirkungen am meisten ausgesetzt ist; 2) daß in der Mehrzahl die Salzsäure¬ 
sekretion gesteigert ist Die Statistiken über das Vorkommen der Magengeschwüre 
zeigen große Differenzen. Sie schwanken zwischen 2,7 und 13% Sehr ver¬ 
schieden wird die Beteiligung der Geschlechter angegeben. Mayo fand unter 
seinen Operierten 59% weiblichen und 41% männlichen Geschlechtes. Das 
große unregelmäßige Ulcus kommt nach seiner Erfahrung häufiger bei männ¬ 
lichen Erwachsenen vor, das kleine dagegen beim weiblichen Geschlecht Die 
verhältnismäßig große Beteiligung des letzteren hängt davon ab, daß das akute 
ulcus rot junge weibliche Wesen mit chlorotischem Typus bevorzugt. In einer 
beträchtlichen Anzahl etwa 20% handelt es sich um mehr als ein Ulcus. Häufig 
kombinieren sich ein Ulcus der vorderen Magenwand mit einem solchen der hin¬ 
teren an entsprechender Stelle oder ein oder mehrere Magenulcera mit einem 
solchen im Duodenum. Vorzugsweise erwachsene Männer werden vom chroni¬ 
schen Duodenalulcus befallen. Von 24 Operierten waren 20 männlichen Ge¬ 
schlechtes. 

Die ulcera ventric. et duodeni kann man in 4 Gruppen einteilen: 1) muköse 
Erosionen, welche nur die oberflächliche Epithelschicht der Schleimhaut beteiligen; 

2) runde Ulcera, welche die Schleimhaut durchsetzen, aber vor der Muskelschichl 
und dem Peritonealüberzug des Magens Halt machen, mit Ausnahme von perfo- 
rativen Fällen; 3) das chronische unregelmäßige Ulcus, welches alle Schichten der 
Magenwand in Anspruch nimmt und in der Regel Narbenbildungen aufweist; 
4) benigne Obstruktionen entzündlichen Ursprunges. 

Das chronische Ulcus entbehrt der klassischen Symptome, welche dem akuten 
eigen sind. Akute Perforationen und gefährliche Blutungen bilden beim chroni¬ 
schen Ulcus nicht die Regel. Erbrechen kommt selten vor, wenn nicht eine 
Pylorusstriktur vorliegt. Freilich treten im Verlauf eines chronischen Ulcus ge¬ 
legentlich akute Erscheinungen auf, welche mitunter zu Täuschungen Anlaß geben 
können. Im allgemeinen schwankt das klinische Bild des chronischen Ulcus in 
weiten Grenzen. Als Symptome haben zu gelten der brennende oder bohrende 
Schmerz, welcher meist in Anfällen und nach dem Essen auftritt, die Spannung 
im Epigastrium und Obstipation. Die Erscheinungen des Duodenalulcus unter¬ 
scheiden sich kaum von denen des Magenuicus. Oft können die Schmerzanfälle 
so heftig werden, daß man eine Gallensteinkolik vor sich zu haben glaubt. Im 
allgemeinen treten sie nicht sofort nach dem Essen auf, wenn das Ulcus am 
Pylorus oder im Duodenum seinen Sitz hat Indes ist das Auftreten der Schmerzen 
kein verläßliches Zeichen, weil in der Mehrzahl die Erscheinungen vom Ulcus in 
der Nachbarschaft des Pylorus bedingt werden, während die Ulcera des Fundus 
öfter latent bleiben, und weil die Läsion in einem beträchtlichen Prozentsatz 
multipel ist. Allgemein neigt man dazu palpable Tumoren für maligne zu halten. 
Indes hat Verf. 6 wohlcharakterisierte Geschwulstbiidungen durch chronische Ulcera 
gesehen. Von den diagnostischen Hilfsmitteln beansprucht die gesteigerte Salz¬ 
säuresekretion den höchsten Wert In der größeren Mehrzahl schließen sich an 


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ein Ulcus Lage- und Größen Veränderungen des Magens an als Resultat von kom¬ 
plizierenden Narben, Adhäsionen oder Obstruktion. Von allen diesen Verhältnissen 
ist am wichtigsten die Verengerung oder die Fixation des Pylorus mit nach¬ 
folgender Magendilatation, welche das sog. Hartmannsche Pylorussyndrom be¬ 
dingt Verf. bespricht die Diagnose der Magendilatation, für welche er der Ein¬ 
blasung von Luft mittels der Magensonde vor der Aufblähung des Magens mit 
Kohlensäure den Vorzug einräumt, weil die letzte gefährlich ist und nicht so ge¬ 
naue Resultate ergibt Zur Diagnose der Motilitätsstörungen eignet sich am 
besten die Magenausheberung nach dem Probefrühstück. Unter 1200 der analog 
untersuchten Falle kamen 400 zur Operation. Die klinische Diagnose muß sich 
am meisten auf die physikalische Untersuchung stützen. Chemische und mikro¬ 
skopische Untersuchung des Mageninhaltes haben nur geringeren Wert Die 
Prognose wird nach dem Urteil aller Autoren dadurch getrübt, daß das Ulcus 
einen präcardnomatösen Zustand darstellt, daß im Ansdiluß an ein Ulcus ein 
Cardnom sich entwickeln kann. Falle von frühzeitigem Magenulcus und späterer 
Ausbildung von gastrischen Erscheinungen müssen für maligne Tumoren ver¬ 
dächtig gelten. Die Unsicherheit der Diagnose verlangt häufig eine explorative 
Operation. Für eine chirurgische Behandlung des chronischen ulcus ventriculi 
bieten sich Indikationen im Ulcus selbst, in der Behebung einer komplizierenden 
Dilatation, Torsion, Adhäsion usw. Unter den operativen Eingriffen beansprucht 
die größte Bedeutung die Gastroenterostomie. Die Exzision des Ulcus, die Pylo- 
rotomie und Pyloroplastik haben nur begrenzte Anwendungsgebiete. Bei der 
Sanduhrform des Magens kommt die Gastrostomie in Verbindung mit der Gastro¬ 
enterostomie in Frage. Unter 238 Gastroenterostomieen hat Mayo eine Mortalität 
von 25% bei malignen, von 7% bei nicht malignen Fällen gefunden. Die 
Murphy-Operation ergab 7,5%, die Mikuliczsche Sutur 5%, die McOrawsche 
Ligatur 13%, die Finneysche Operation 3%. Unter den 238 Fallen waren 14 
sekundäre Operationen. 19 Pyloroplastiken verliefen ohne Todesfall, allerdings 
mußte in 6 Fällen die Operation wiederholt vorgenommen werden. 

Was das Magencardnom anbetrifft, so ist frühzeitige Operation die erste und 
Hauptbedingung. Mayo hat 135 Fälle operiert Darunter wurde 34 mal die 
Radikalexstirpation vovgenommen. 5 starben im ersten Monat einer später aus 
anderen Ursachen. Von den übrigen 28 überlebten nur wenige die Operation 
länger als zwei Jahre. Die mittlere Zeit war ein Jahr. Einer lebte 3 Jahre und 
7 Monate. In 60 % war das Carcinom am Pylorusteil lokalisiert, d. h. am beweg¬ 
lichsten Teil des Magens. v. Boltenstern (Berlin). 

Moullin, C. M.: The sobsequent hJstory of eighteefl patients upon wbom gastric Opera¬ 
tion had beeo perförned. (Brit med. journ., 1904, 20. Februar.) 

Magenblutungen können die verschiedensten pathologischen Zustände zu 
gründe liegen. Die Hauptsache ist die Entscheidung, ob die Blutung durch ein resi¬ 
stentes chronisches Ulcus bedingt ist. Einmal ist eine Operation nur erforderlich, 
wenn eine so profuse Blutung vorliegt das eine Lebensgefahr besteht im anderen 
Falle ist die Blutung das Zeichen für die Ausdehnung des Magengeschwürs in 
die Breite und in die Tiefe. Hier kann die Behandlung sehr verschiedene Ma߬ 
nahmen erfordern. Berücksichtigung verdient zudem, daß bei rekurrierenden 
Ulzerationen Schmerzen und sonstige Anzeichen in den Intervallen zwischen der 
Bildung der Erosionen fehlen können. Besonderes Interesse unter den 18 be¬ 
richteten Fällen nehmen drei Fälle von Hämatemesis ein, bei weichen eine'ge¬ 
nügende Ursache für die Erscheinungen nach der Operation nicht gefunden werden 
konnten. Einmal handelt es sich sicher um eine hysterische Person, welche an¬ 
gab, vor der Aufnahme in das Krankenhaus an Blutungen gelitten zu haben, in 
diesem nur über Schmerzen und Erbrechen klagte. Hierdurch wurden nur ge¬ 
ringe Mengen von Nahrung wenige Minuten nach der Aufnahme herausgebracht, 
ohne daß Nausea sich zeigte. Der zweite Patient batte in den letzten zwei Jahren 


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wiederholt an Hämatemesis mit Melaena gelitten. Der letzte Anfall lag etwa 
6 Monate zurück und war sehr heftig. Ohne daß die Operation eine Ursache zu 
Tage förderte, wurde der Kranke von seinen Schmerzen und den sonstigen Er¬ 
scheinungen befreit und wieder arbeitsfähig gemacht. Bei dem dritten handelte 
es sich um atonische Dyspepsie mit geringer Magenerweiterung. 

v. Boltenstern (Berlin). 

Nikonow, S. A.: Ober einen Fall von perforatlver Appendldtis mit reichlichem Blut¬ 
erguß in die Bauchhöhle. (Russin Wratsch, 1904, Nr. 1.) 

Der 23jährige Patient erkrankte vor 10 Tagen unter heftigen Schmerzen im 
Unterleib rechts, ohne daß Obstipation vorangegangen wäre. Unter dem Ein¬ 
flüsse der eingeleiteten Behandlung wurde es besser: die Schmerzen ließen nach, 
Erbrechen fand nicht statt, wohl aber fieberte der Patient Nach einigen Tagen 
stellten sich in der rechten Fossa iliaca wieder außerordentlich akute, unerträg¬ 
liche Schmerzen ein, und bald kam häufiges Erbrechen mit grünlich-schwarzer 
Flüssigkeit hinzu. — Status bei der Aufnahme: Patient außerorientüch schwach, 
Puls fadenförmig, ca. 160, Gesichtsfarbe außerordentlich blaß. Fades hypocratica. 
Herztöne dumpf. Häufiges Erbrechen mit schwarzer Flüssigkeit. Temperatur 
36,6. Die rechte Bauchhälfte ist, zwei Querfingerbreiten oberhalb des Nabels bis 
dicht an die Fossa iliaca, vorgestülpt; man nimmt hier deutliche Fluktuation und 
starke Dämpfung des Schalles wahr. Schmerzhaftigkeit ungieidimäßig. Links 
und in der oberen Bauchhälfte ist der Schmerz bedeutend geringer. Darm auf¬ 
getrieben. Aut Grund dieser Symptome wurde die Diagnose auf perforative 
Appendidtis gestellt und angenommen, daß es zur Bildung eines Abszesses ge¬ 
kommen ist, der durch Verwachsungen von der übrigen Bauchhöhle abgegrenzt 
ist. Bei der daraufhin ausgeführten Operation stürzte bei Eröffnung des Bauch¬ 
fells aus der Bauchhöhle schwarzes flüssiges Blut mit starkem Kotgerucb, dann, 
als die Inzision des Peritoneums erweitert wurde, begannen auch Blutgerinnsel 
abzugehen, die in großer Anzahl auch mit den Fingern entfernt wurden. Im 
ganzen ist nicht unter 1 Liter Blut zum Vorschein gekommen. Zwischen den 
Blutgerinnseln ging ein kleiner kirschkemgroßer Kotstein ab. Am 5. Tage Exitus 
unter Kräfteverfall und Herzschwäche. Eine Sektion konnte nicht stattfinden. — 
In der Analyse meint Verf., daß die Blutung nicht aus den Vasa circumflexa ilei, 
wie man ursprünglich hätte annehmen können, sondern aus den Arterien des 
Wurmfortsatzes oder dessen Mesenteriolums selbst herrührte, die bei der Per¬ 
foration zerstört wurden. Desgleichen glaubt Verf., die unmittelbare Todesursache 
im ziemlich hochgradigen Blutverlust erblicken zu sollen, sonst würde der Patient 
den circumskripten infektiösen Prozeß überstanden haben. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Valentine, W. A.: Medical treatment of appendldtis. (The St Paul medic. joum., 

1904, Februar.) 

Hinsichtlich der pathologisch-anatomischen Verhältnisse, wie sie bei der 
Appendizitis vorliegen, ist zunächst die Frage zu entscheiden, ob eine Operation 
erforderlich ist oder nicht Alle Fälle, welche unter günstigen Umständen operiert 
werden können, sollten vor Ablauf der ersten 36 Stunden nach dem Einsetzen 
der Appendizitis operiert werden. Als nicht operativ sind die Falle anzuseben, 
welche erst nach 36 Stunden dem Arzte zu Gesicht kommen, in welchen 
eine Ruptur des Appendix bereits stattgefunden hat, ein Zustand von Sbock be¬ 
steht, oder die Operation vom Patienten verweigert wird. Für diese Fälle 
empfiehlt Valentine nach Kokainisierung des Rachens die Magenausspülung 
und zwar wiederholt bis Nausea, Erbrechen und Gasruktus aufhören. Denn die 
Magenausspülung entleert auch den Darm und beruhigt die intestinalen peri¬ 
staltischen Bewegungen. Jede Nahrung und Darreichung von Abführmitteln ist 
zu vermeiden, damit der Darm in möglichster Ruhe gehalten wird. Dagegen 


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empfiehlt sich die Auswaschung des Rektum mit Salzlösung und die Anwendung 
von Nährklystieren alle 6 Stunden. Heiße oder kalte Umschläge dienen zur 
Milderung heftiger Schmerzen. Auch Blutegel bringen oft einige Erleichterung. 
Nach 4 Tagen kann Fleischbrühe gereicht werden in kleinen Mengen. Die Diät 
muß flüßig sein. Unter solcher Behandlung gelingt es oft, selbst schwerste Fälle 
zu einem günstigen Ausgang zu bringen. v. Boltenstern (Berlin). 

Jaffd, M.: Wann soll bei Perityphlitis operiert werden? (Berl. klin. Wochenschr., 

Nr. 50.) 

Verf. ist Chiruig, ist aber Gegner der Frühoperation ä tout prix und steht 
auf einem wohl der Mehrzahl der Internisten sympathischen Standpunkt, der be¬ 
tont, daß so starre Prinzipien für die Entscheidung, ob Operation oder nicht, wie 
es meist geschieht, nicht aufzustellen seien, sondern die Entscheidung von Fall zu 
Fall geschehen müsse. Ref. empfiehlt die Lektüre des Originals eindringlichst als 
eines guten Promemoria für praktisch-therapeutisches Handeln. Aus dem reichen 
Inhalt sei hier hervorgehoben, daß nach J. die Krankheit in zwei Gestalten sich 
uns präsentiert, in Form des auf die Appendixgegend beschränkten Exsudats und 
der Peritonitis. Ersterer Zustand ist durchaus keine absolute Indikation zum 
Eingriff, da diese Prozesse oft von selbst ausheilen, die Exsudate sich absacken; 
ist die Peritonitis circumskript, soll man abwarten, dagegen unverzüglich ein- 
greifen, sobald sich eine Tendenz zum Fortschreiten bemerkbar macht auf bis 
dahin intakte Abschnitte; hierfür ist das gesamte klinische Bild entscheidend. 

Pickardt (Berlin). 

Sandelin: Ober die chirmgisdie Behandlung der akuten Appendieitis. (Finska Lakare- 

sällsk. handl., 1904, Nr. 2.) 

Abgesehen von den leichtesten Formen gehören alle Fälle von Appendieitis 
dem Chirurgen. Die Grenze ist schwer zu ziehen; wo man aber schwankt, soll 
man stets sich für die Operation entscheiden. Natürlich kommt viel auf die 
äußeren Umstände an; in einem Krankenhaus mit chirurgischer Abteilung, bei 
sachkundiger Aufsicht wird man Zuwarten besser verantworten könnnen als unter 
gegenteiligen Verhältnissen. Die Statistik ergibt, daß die Operation innerhalb 
der ersten 48 Stunden eine viel bessere Prognose gibt als nachher. Der Ein¬ 
wand, daß bei solchen Grundsätzen manche unnötige Operation gemacht werde, 
wiegt leicht, da man auch bei Intervalloperationen nie davor sicher ist, und da 
die Operation fast gefahrlos ist; die Gefahr des Bauchbruchs ist fast stets zu 
umgehen. — An die Ausführungen schließen sich 3 Operationsberichte: zwei vor 
und ein nach der Perforation operierte Fälle, alle 3 mit gutem Ausgang. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Uschi, L.: TyphHtis nach Amputation des Wurmfortsatzes. (Prag. med. Wochenschr., 

1904, Nr. 7.) 

In den 5 mitgeteilten Fällen lagen die charakteristischen Zeichen einer Appen¬ 
dizitis vor. Man hätte unzweifelhaft die Diagnose dahin stellen müssen, wenn 
nicht die Narbe in der Blinddarmgegend und die Vorgeschichte der Kranken be¬ 
rücksichtigt worden wäre. Es handelte sich um Kranke, denen sicher der Wurm¬ 
fortsatz entfernt wurde. Sie liefern also den Beweis, daß auch ohne Erkrankung 
des Wurmfortsatzes eine Affektion existiert, welche in ihrem Verlaufe obwohl gut¬ 
artig klinisch fast vollkommen dem Bilde der Appendizitis gleicht. Zur Erklärung 
kann man nur eine Entzündung des Coecums heranziehen. Bei vorausgehender 
Erkrankung des Peritoneums in der Gegend des Appendix können auch nach 
stattgefundener Exstirpation dieses Verwachsungen und Stränge Zurückbleiben, 
welche den Blinddarm in seiner Peristaltik hindern und so zu Kotansammlungen 
und konsekutiven Entzündungen führen. Als differentielles Moment gegenüber 


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der Appendizitis und der durch sie veranlaßten Erkrankung des umgebenden 
Peritoneums kommt die Druckschmerzhaftigkeit in Betracht, welche bei der Appen¬ 
dizitis in der Regel auf den Mac-Burneyschen Punkt beschränkt, bei Mit- 
entzündung des Bauchfells wie des Blinddarmes eine weit ausgebreitetere ist 
Jedenfalls zeigen die Fälle, daß man in der Prognose der operativen Resultate 
der Perityphlitis eine gewisse Vorsicht walten lassen muß. Man schaltet wohl 
die Lebensgefahr aus, nicht aber darf man ein vollkommenes Schwinden aller 
Dannbeschwerden und Gestattung aller lukullischen Oenüsse Vorhersagen. Auch 
lange Zeit nach der Operation ist eine schonende und dabei abfuhrende Diät zu 
verordnen. v. Boltenstern (Berlin). 

Moore, J. E.: Drainage in saigery. (The St. Paul medical joum., 1904, Februar.) 

Im Gegensatz zu früher wenden die Chirurgen heute die Drainage nicht 
überall, sondern nur dort an, wo sie wirklich erforderlich ist Wo Eiter sich zeigt, 
wo Infektion vorliegt, muß auch heute noch drainiert werden. Ausgedehnte 
Verwendung findet die Drainage in der Unfalldiiruigie. Am wichtigsten aber ist 
die abdominelle Drainage. Sie ist mehr weniger schmerzhaft, hindert die Ver¬ 
einigung, verursacht Bauchhernien, intestinale Adhäsionen, Fakalßsteln und ist eine 
Quelle der Infektion. Der Wert hinsichtlich von Blutungen ist überschätzt. Wenn 
man es irgend vermeiden kann, soll man Drainageröhren nicht im Kontakt mit 
dem Peritoneum lassen. Hier wirken sie als Fremdkörper. Wichtiger ist eine sorg- 
faltige Blutstillung und die Entfernung von Blut aus der Bauchhöhle vor deren 
Schluß, da in der Bauchhöhle zurückbleibendes Blut die Gefahren der Infektion er¬ 
heblich steigert. Chemische Lösungen sollen aus der Bauchhöhle fembleiben, 
weil sie durch Reizung des Peritoneums die Infektionsgefahren vermehren. Aus 
demselben Grunde müssen übermäßige Wärme wie Kälte vermieden werden. 
Wenn Drainage erforderlich ist, soll man sich vor der Verwendung großer 
Mengen hüten, weil hierdurch ein Trauma für das Peritoneum geschaffen wird 
und leicht eine Hernie sich anschließt 

Die Beckenchirurgie verlangt selten Drainage. Dagegen ist sie immer not¬ 
wendig, bei der Appendicitis ausgenommen, in den ersten Stadien, besonders 
jedoch bei extensiver Suppuration. Indes auch hier gilt die Regel nur wenig Gaze 
zu verwenden, nicht die ganze Abszeßhöhle auszusto'pfen und die Wunde weit 
offen zu lassen. Der Eiter zieht sich dem Oazestreifen entlang heraus. Die Ge¬ 
fahr der Infektion durch begleitende Bakterien ist nicht so groß. Bei der Chole- 
cystotomie bildet die Drainage einen notwendigen Teil der Therapie, wenn es 
sich um entzündete und verdickte Gallenblasen handelt Die sog. ideale Chole- 
cystotomie ohne Drainage weist eine höhere Mortalität auf. Auch bei Chole¬ 
cystektomie empfiehlt Moore die Anwendung der Drainage. 

v. Boltenstern (Berlin). 

Rehn, L: Ober den Wert der Blutkörperchenzihlung bei den akuten Entzündungen 
des Wurmfortsatzes. Aus d. Chirurg. Abteilung d. städt Krankenhauses in Frank¬ 
furt a. M. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 50.) 

Die Blutkörperchenzählung bei der Appendicitis kann nach R., der den Stand¬ 
punkt vertritt, jeden Fall von akuter Appendicitis mit nachweisbarer Tumorbildung 
frühzeitig zu operieren, nicht die diagnostische Bedeutung beanspruchen, die ihr 
von Curschmann u. a. zugesprochen wird. Die entzündliche Coecalgeschwulst 
beruht nicht, wie Curschmann annimmt, auf einer serösen Exsudation, sondern 
auf einem entzündlichen Prozeß von dem Charakter einer phlegmonöseitrigen 
Entzündung. Die Indikation zum operativen Eingriff soll daher nicht von der 
Blutkörperchenzählung abhängig gemacht werden, die noch dazu in ihrer Deutung 
unsicher und gefährlich ist, da der günstigste Moment der Frühoperation verpaßt 
wird. Schade (Oöttingen). 


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Reich, A.: Ober Leokocytenzählungen bei chirurgischen Affektionen. (Bruns Bei¬ 
trage zur klin. Chirurgie, 1904, Bd. 41, S. 246.) 

Die Methode der Leukocytenzählung liefert bei einer Reihe von chirurgischen 
Erkrankungen speziell bei bakteriellen Eiterungsprozessen praktisch verwertbare 
Resultate sowohl für Prognose als für Diagnose. Auch zur Kontrolle von Wund- 
heiiung kann sie verwendet werden. Dagegen ergeben sich bei Cardnom und 
chirurgischer Tuberkulose keine praktischen Resultate. Jedenfalls ist Bedingnng 
die Zählung öfters zu wiederholen. K. Olaessner (Berlin). 

Wiggin, Fr. H.: Abdominal paln of intestinal origln. (Medical News, 1904, Nr. 7.) 

Die Wichtigkeit der richtigen Interpretation von Bauchschmerzen, wie sie bei 
allen Affektionen dieser Körpevgegend in wechselndem Charakter und Grade Vor¬ 
kommen, kann kaum überschätzt werden. Oft genug bilden Bauchschmerzen das 
erste Wamungszeichen, daß der Patient an einer Krankheit leidet, welche bei 
nicht rechtzeitiger Erkennung und unmittelbarer 'Besserung des Zustandes durch 
einen mehr weniger erheblichen operativen Eingriff in Kürze zum letalen Ende 
führen kann. Denn der Hauptwert der abdominalen Schmerzen als diagnostisches 
Zeichen bei abnormen intestinalen Zuständen liegt nicht nur darin, daß sie die 
Aufmerksamkeit überhaupt darauf lenken, daß der Kranke an einer intraabdomi¬ 
nellen Störung von mehr weniger erheblicher Bedeutung leidet ln Fällen, 
welche eine chirurgische Intervention erfordern, zeigen sie dem Chiruigen die 
Lokalisation der Störung an. Darum ist es erforderlich in allen Fällen, in 
welchen der Kranke über Bauchschmerzen klagt, den Zustand des Kranken 
genau zu beobachten und ebenso die Erscheinungen, wenn man ihn zuerst 
^eht, und von einer Darreichung von narkotischen oder Abführmitteln abzu¬ 
sehen, bis, wenn irgend möglich, ein Chirurg den Kranken gesehen hat und mti 
dem Arzte im Verein den Behandlungsplan festgestellt hat Wiggin bespricht die 
Art der Bauchschmerzen und ihr Auftreten bei den verschiedensten Krankheiten 
und meint, daß ein heftiger andauernder Bauchschmerz fast immer auf peritoneale 
Verwicklungen hindeutet, vorausgesetzt, daß die Brust sorgfältig untersucht und 
Krankheiten dieses Teils ausgeschlossen sind. Das plötzliche Aufhören eines 
solchen Schmerzes, begleitet von gesteigerter Pulszahl, vermehrter Atmungs¬ 
frequenz mit oder ohne Herabsetzung der Körpertemperatur weist in der Regel 
auf Gangrän und Perforation des Daimes hin. Manche Kranke können wohl von 
diesen am Leben bleiben. Tausend andere aber werden dahin kommen, wenn 
die Ärzte im allgemeinen zu der Erkenntnis durchgedrungen sein werden, daß in 
allen Fällen, in welchen andauernde Bauchschmerzen ohne ersichtlichen Ursprung 
bestehen, explorative Operationen vorgenommen werden sollten. Denn nach 
Wiggins Erfahrung liegt hierzu immer eine Veranlassung vor, wenn ein Schmerz 
vorhanden ist, dessen Ursache nicht mit Leichtigkeit sich erweisen läßt Der 
Chirurg wird öfter zu spät, niemals zu früh hinzugerufen. 

v. Boltenstern (Berlin). 

Ewald, C. A.: Ober Darmtumoren in der Gegend der Regio iliaca sinistra. (Bert 

klin. Wochenschr., Nr. 48.) 

Neben echten Geschwülsten kommen in der Regio iliaca sinistra differentiell¬ 
diagnostisch in Betracht: Fäkalanhäufungen von bisweilen großer Härte, Darm¬ 
steine, Gallensteine, Fremdkörper, Haarkonvolute. Die wahren Tumoren dieser 
Gegend sind entweder innerhalb oder außerhalb des Darms gelegen, letztere vom 
Bedcen oder vom Urogenitalapparat ausgehend und das Peritoneum in Mitleiden¬ 
schaft ziehend (solide Tumoren, Cysten, entzündliche Schwellungen, Abszesse, 
Exsudate). 

Verf. bespricht im folgenden hauptsächlich die Tumoren der Sigmoidea. 
Durch Schreiber (Die Rectoromanoskopie) ist von Neuem ausgiebig bewiesen 
worden, daß die Lage der Flexura sigmoidea eine ganz außerordentlich variable 


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ist Die Tumoren dieses D&rmteils sind vorwiegend Stirrhen — Alveolar- und 
Medullarcardnome gehören mehr dem Rektum an. Die subjektiven Symptome sind 
ungefähr die gleichen wie beim Rektalkrebs. Der Stuhl kann unter Umstanden 
äußerlich so normal beschaffen sein, daß die Diagnose irregeleitet wird; es ist 
dann nötig, ihn zu zerteilen und — eventuell chemisch — auf Blut zu fahnden. 
Eine spontane Schmerzhaftigkeit braucht selbst im Zerfallsstadium nicht vorhanden 
zu sein. Diese Geschwülste verlaufen viel länger latent als die medullären und 
adenoiden, die dafür seltener totale Obstruktion machen als die Scirrhen. E. be¬ 
schreibt einen Sc., bei dem die Geschwulst nach innen wuchs und nur einen 
stricknadelgrosses Lumen ließ. 

Von Erkrankungen dieser Darmpartie, die diagnostisch in Frage kommen, ist 
abgesehen von Spasmen — teils nervöser Natur, teils Folge von Ulcerationen, 
Abszessen etc. — zu denken an dysenterische Prozesse, die längere Zeit latent 
verlaufen können, ehe sie Erscheinungen machen. Steifungen und drcumskripte 
Kontraktionen der Sigmoidea kommen vor — Reflex? — auch bei Erkrankungen 
entfernterer Darmpartieen. 

Tumoren, die außerhalb des Darms in dieser Gegend sich etablieren, können 
entstehen durch Pericolitis(-sigmoiditis), die nach E. aber von der Darmmucosa 
ausgeht — akut entzündlicher, tuberkulöser, luetischer, carcinomatöser Natur —, 
die durch die Wand hindurch auf die Serosa übergreift. Pickardt (Berlin). 

Vincent, 0. F.: Akute septic colitis due to milk poisoning. (Brit med. joum., 1904, 

6. Februar.) 

Die Krankheit begann mit Schmerzen im Halse und in der linken Schulter 
und geschwollenen Halsdrüsen. Nach einigen Tagen setzte ein heftiger Schmerz 
in der Lumbalgegend ein, welcher in die Leistengegend ausstrahlte. Mangels 
irgend welcher physikalischer Zeichen wurde eine Nierensteinkolik als wahrschein¬ 
lich angenommen. Bald stellte sich Ikterus ein, so daß eine Qallensteinkolik vor¬ 
zuliegen schien. Dazu kam, daß der Kranke schon wiederholt an Gelbsucht ge¬ 
litten hatte. Dazu gesellte sich Meteorismus, Erbrechen, Blut- und Schleimabgang im 
Stuhl. Der Puls wurde schwach und frequent. Leber und Milz vergrößert Nach 
etwa 3 wöchentlicher Krankheit starb der Patient, ohne das Bewußtsein verloren 
zu haben. Die Sektion ergab weder eine Nieren-, noch eine Oallenblasenaffektion. 
Es handelte sich um eine septische Colitis, welche durch verdorbene Milch ver¬ 
ursacht war. Später wurde durch den Oesundheitsinspektor einer epidemische 
Verbreitung der Krankheit festgestellt Sie begann mit akuter Tonsillitis lacunaris, 
in vielen Fällen gesellten sich Suppuration der Cervical- und Submaxillardrüsen 
hinzu, in anderen Fällen akute Rhinitis, Pharyngitis, Laryngitis, mit akutem Glot- 
tisoedem, Parotitis, Arthritis, Gesichtserysipel, und einmal akute Glossitis mit An¬ 
gina Ludovici. Die Behandlung mit Antistreptokokkenserum ergab vorzügliche 
Resultate. v. Boltenstern (Berliu). 

Edlefeen, 0.: Zur Frage der Sigmoiditis acuta. (Berl. klin. Wochenschr., Nr. 48.) 

E. faßt die von Bittorf (cf. dieses Zentralbl. 1902, pag. 97) beschriebene Sig¬ 
moiditis akuta im Gegensatz zu anderen Autoren, die in ihr lediglich dasselbe 
sehen wie in der Entzündung der Schleimhaut jedes beliebigen Colonabschnitts, als 
eine besondere Form der lokalisierten Peritonitis auf, die häufig, besonders im 
Puferperium, vorkommt In seinen Fällen bestand beträchtliches Fieber, schwere 
Störung des Allgemeinbefindens, große Empfindlichkeit bei leisester Berührung, 
Exsudat, das Bild einer Entzündung der Serosa, analog der nicht vom Proc. ver¬ 
miformis ausgehenden Typhlitis und Perityphlitis. Die Beschaffenheit der Kot¬ 
entleerungen sprach für eine Enteritis. 

Eine Verwechslung mit einer Appendidtis bei Verlagerung von Coecum und 
Appendix ist nicht wahrscheinlich, da diese Lageveränderung immerhin zu den 
Ausnahmen gehört. Differentielldiagnostisch gegen Parametritis zu verwerten sind; 


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die Anamnese, die Lage des Prozesses weit nach links hinüber und möglicher¬ 
weise der Nachweis eines nicht erkrankten Raumes zwischen der affizierten Stelle 
und dem Uterus. Pickardt (Berlin). 

Cahea-Brach (Frankfurt a. M.): Ober einen Fall von Colonektasie. 75. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Ärzte in Kassel. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 5.) 

C. berichtet über einen Fall von hochgradiger, chronischer Stuhlverstopfung 
eines dreijährigen Knaben, bei welchem die methodische Anwendung »hoher« 
Öleinlaufe bedeutende Besserung erzielte. Die Eingießungen wurden in der 
bekannten Weise vorgenommen, daß ein mit dem Irrigator verbundener elastischer 
Schlauch in den After eingeführt und dann unter gleichzeitigem Einfließen des 
erwärmten Öls die Sonde vorgeschoben wurde. Ein Röntgenbild zeigte den mit 
einer Kette armierten Schlauch in mehrfachen Schlingen im Dickdarm liegend. 
C. berechnet daraus eine mindestens 17 cm Umfang betragende Erweiterung des 
Enddarmes. Die Schlingenbildung war etwa bis 23 cm oberhalb des Anus ver¬ 
folgbar. Bei diesem Kinde war somit zur Erzielung einer ausgiebigen Klysma¬ 
wirkung die Sonde bis zu der angegebenen Höhe hinaufzuführen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Hart, E.: Untersuchungen Iber die chronische Stanungsleber. (Zieglers Beiträge, 

1904, Bd. 35, S. 303.) 

Verf. hat eine Reihe von Stauungslebem untersucht und fand, daß sich im 
Gebiet der Lebervenen eigentümliche Gerinnungsvorgänge abspielen unter voll¬ 
ständigem Freibleiben der Zentralvenen und der gesamten Pfortaderäste. Die 
Gerinnnngsprodukte bestanden fast ausschließlich aus Fibrinmassen mit geringen 
Zelleinschlüssen. Verf. begründet nun seine Annahme, daß die gefundene Oerin¬ 
nung intravital zustandegekommen sei, zeigt ferner, daß die Ausdehnung der 
Oerinnung direkt proportional sei dem Schwunde der Parenchymzellen. Beim 
Untergange der Zellen werden durch freiwerdende Abbau- oder Zerfallsprodukte 
die intravaskuläre Gerinnungen ausgelöst Es finden sich somit im Kapillargebiet 
der chronischen Stauungslebem, sobald es zum Untergang von Leberzellen ge¬ 
kommen ist, konstant Thromben. Die Thromben liegen im Gebiet der unter¬ 
gehenden Leberzellen, ihre Ausdehnung und Menge ist dem Zellzerfall proportional. 
Das Auftreten dieser Thromben ist geeignet ein neues Argument für die alte 
Schmidtsche Theorie vom Zusammenhang zwischen Fibringerinnung und Zell¬ 
untergang zu bilden. K. Glaessner (Berlin). 

Gilbert et Lerebouillet: Familiäre Cholämie und Alkobol-arrhote. (Comptes rendus 
de la soddtd de biologie, Nr. 37.) 

Es läßt sich konstatieren, daß bei Individuen mit Alkohol-Cirrhose, und zwar 
sowohl bei der hyper- wie atrophischen Form in den Antezedentien die charak¬ 
teristischen Zeichen einer »familiären Cholämie« eine Rolle spielten, d. h. es 
handelte sidi um Leute, die bereits seit früherer Jugend einen fahlen, oliven- 
farbenen Teint aufwiesen, desgleichen Eltern und Großeltern. Sie selbst litten 
seit Jahren an dyspeptischen Beschwerden, Hyperacidität, Nasenbluten, auch in 
der Descendenz fehlten diese Zeichen nicht Charakteristisch waren auch die 
Hautpigmentationen. Mit dem Einsetzen der Cirrhose traten auch passagäre 
Temperatursteigerungen auf, wohl infolge einer rasch verschwindenden Chcäan- 
gitis. Einige Mal wurde ein bei Alkohol-Cirrhose sonst fehlender Ikterus be¬ 
obachtet: hier muß dann an Verbindung der gewöhnlichen venösen Stase mit 
Gallengangsentzündung gedacht werden. Die mikroskopische Untersuchung be¬ 
stätigte diese Annahme vollauf. . . 

Wir haben daher an eine Diathese als Grundkrankheit zu denken, welche 
eine Autoinfektion mit Mikroben-Einwanderung vom Darmkanal aus zur rolge 
hatte; dafür sprechen auch die im Wurmfortsatz gefundenen Verände g , so- 


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wie eine Canaliculitis im Pankreas. Der Zusammenhang zwischen beiden Affek¬ 
tionen ist so zu deuten, daß sowohl den Leberzellen, wie den Oallengangs- 
epithelien eine gewisse ererbte Disposition innewohnt, die eine leichte Störung 
ihrer normalen Funktion zuläßt; eine solche bildet für die Leberzellen die Alkohol- 
Intoxikation, für die Gallengangsepithelien die aufsteigende Infektion mit Dann¬ 
bakterien, die sich in chronischer oder akuter Cholangitis äußert und schließlich 
das oben geschilderte, komplizierte Krankheitsbild berbeiführt 

A. Berliner (Berlin). 

Gilbert et Lerebouillet: Ober Angina pectoris biliären Ursprungs. (Comptes rendus 
de la soctttd de biologie, Nr. 31.) 

In jedem Falle von Angina pectoris soll, den Verff. zufolge, eine Erkrankung 
des plexus cardiacus vorliegen, sei es rein nervöser Natur, sei es toxischen Ur¬ 
sprungs, z. B. bei Arteriosklerotikem, woselbst urämische Gifte in Frage kommen. 
Besondere Aufmerksamkeit verdient eine bei Leuten mit Lebererkrankungen vor¬ 
kommende Form; sie wurde ebenso bei familiärer Cholämie, wie bei Cholangitis 
angetroffen. Man kann zwei Arten unterscheiden: bei der einen, der leichteren, 
handelt es sich lediglich um eine funktionelle Störung, die auf gleicher Stufe mit 
der biliären Neurasthenie steht ln schweren Fällen, wo jedes neurasthenische 
Moment fehlt, besteht wahrscheinlich eine Neuritis des Nervenplexus, wie sie 
auf gleicher toxischer Basis bei Influenza und Malaria vorkommt 

A. Berliner (Berlin). 

Golubinin: Ober die Behandlung des Ascites hepatischen Ursprungs. (Wratschebnaja 

Gazetta, Nr. 6.) 

G. führt aus, daß Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle durch ver¬ 
schiedene Verhältnisse bedingt sein können: durch den Zustand der renalen Blut¬ 
zirkulation, durch den Zustand des Peritoneums, durch die Herztätigkeit, sowie 
durch die Nieren, teilweise durch die Hautfunktion. Alle diese Störungen führen 
zur Entwicklung von Bindegewebe in der Leber, und gegen diese muß eigent¬ 
lich die kausale Behandlung gerichtet sein. Von den zu diesem Zwecke vor¬ 
geschlagenen Mitteln haben weder das Jodkalium noch das Tiosinamin die 
gehegten Hoffnungen erfüllt, und überhaupt sichern bei dem gegenwärtigen 
Stande unserer Kenntnisse keine in dieser Richtung ergriffenen Maßnahmen mehr 
oder minder einen Erfolg, ln letzter Zeit ist zur Behandlung des Ascites hepa¬ 
tischen Ursprungs die Morisson-Talmasche Operation vorgeschlagen worden, 
welche in manchen Fällen gute Resultate ergiebt. Von wichtiger Bedeutung ist 
der Zustand des Bauchfells. Ist Reizung desselben vorhanden, so wird in der 
Klinik zu Moskau die Phototherapie mit Erfolg angewendet (die Schmerzen ver¬ 
ringern sich, die entzündlichen Erscheinungen lassen nach). Man soll aber kei¬ 
neswegs an ein und demselben Verfahren festhalten, sondern den Allgemeinzu¬ 
stand des Kranken berücksichtigen, namentlich aber den Zustand der Nieren; 
man muß erforderlichenfalls schweiß- und harntreibende Mittel verabreichen, 
untern andern auch Harnstoff, der jedoch nicht immer hilft G. berichtet über 
2 eigene Beobachtungen. In dem ersten Falle handelt es sich um pseudo- 
chylösen Ascites. 8 Punktionen blieben ohne jegliche Wirkung. Nach der von 
Prof. Bobrow ausgeführten Operation war nur noch eine Punktion erforderlich. 
Dann kam es zur Entwicklung von Caput medusae. 3 Jahre nach überstandenem 
Abortus erkrankte die Patientin an Anämie, und zugleich zeigte sich wieder 
Wasser im Abdomen, dessen Umfang 104 cm erreichte. Als unter dem Einflüsse 
der gegen die Anämie gerichteten Behandlung die Hämoglobin-Quantität wieder 
bis 8D®/ 0 gestiegen war, begann der Ascites sich zurückzubilden. Beim zweiten 
Kranxen (einem Arzte) war die Leber klein, körnig, die Milz vergrößert, das Herz 
erweitert, an der Aorta ein Oeräusch zu hören. 3 Tage nach der Talmaschen 


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Operation trat infolge allgemeinen Kräfteverfalls der Tod ein. Bei der Sektion 
erwies sich die Aorta als normal, während in der Leber adenomatöse Knoten 
gefunden wurden. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Thoenes, C.: Über Bauchfeiltuberkulose. Nach einem auf d. Naturforscherversamm¬ 
lung in Kassel gehaltenen Vortrag. (Munch, med. Wochenschr., Nr. 50.) 

Th. berechnet aus dem in der Literatur vorliegenden Material die Gesamtzahl 
der bei der tuberkulösen Peritonitis erzielten Dauerheilungen bei interner Therapie 
mit 48,2 %, bei chirurgischer Behandlung mit 54,1 %. Auf Grund seiner Beob¬ 
achtungen im Eppendorfer Krankenhause und in der Göttinger chirurgischen Kli¬ 
nik schreibt er der Laparotomie einen günstigen Eifluß auf den Heilungsverlauf 
zu, nicht nur bei den exsudativen Fällen mit mangelnder Resorption, sondern auch 
bei manchen der ohne, Exsudat einhergehenden adhäsiven Formen, und empfiehlt, 
sie überall da auszuführen, wo eine längere Zeit fortgesetzte interne Therapie 
keinen sichtlichen Nutzen gebracht hat. Schade (Göttingen). 

Schilling (Leipzig): Die Sekretion der Speicheldrüsen bei Kindern. 75. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Ärzte in Kassel. (Wiener med. Wochenschr., Nr. 5.) 

Bisher galt die Ansicht,. daß nur die Parotis und das Pankreas in geringem 
Maße saccharifizierendes Ferment liefern, und daß die Glandulla submaxillaris nicht 
vor Ende des zweiten Lebensmonates Speichel produziere. S. konnte bei Säug¬ 
lingen von neun Tagen bis sechs Wochen (Einlegen eines Stärkekleister ent¬ 
haltenden Zulpes in die Mundhöhle des Kindes), und zwar sowohl bei Brustkindern 
als auch bei künstlich genährten, nachweisen, daß bereits die Submaxillardrüse 
wirksames Ferment enthält. Das Pankreas liefert gleichfalls zu dieser Zeit Fer¬ 
ment. Dadurch soll die Verdauung von Kohlenhydraten schon in diesem frühen 
Lebensalter verbürgt sein. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Rosenau (Kissingen): Ein neuer Apparat zu gleichzeitiger Magensaftgewinnung und 
LuftaufbUbung des Magens. (Münch, med. Wochensdir., Nr. 51.) 

Der von dem medizinischen Warenhaus in Berlin angefertigte Apparat besteht 
aus einem graduierten Glasgefäß mit seitlicher Ausflußöffnung, die mit dem 
Magenschlauch in Verbindung gebracht wird, und einem mit Ventilen versehenen 
Gummiballonverschluß, der es ermöglicht, je nach der Stellung der Ventile den 
Mageninhalt zu aspirieren resp. Luft in den Magen einzublasen. 

Schade (Göttingen). 

Volliard, Franz: Über das Alkalibindungsvermögen und die Titration der Magensäfte. 
Aus d. med. Klinik in Gießen (Dir.: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Riegel). (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 50.) 

V. weist nach, daß sich zur Titration von eiweißhaltigen Flüssigkeiten das 
Phenolphtalein als Indikator nicht eignet, da dasselbe erst das freie Alkali 
anzeigt, während es auf das bei Zusatz von Natronlauge zu eiweißhaltigen Flüssig¬ 
keiten zunächst vom Eiweiß bis Sättigung aller Affinitäten in Beschlag genommene 
Alkali nicht reagiert. Die Bestimmung der Gesamtacidität des Magensaftes tmit 
Phenolphtalein wird daher zu hohe Werte ergeben, um so höher, je mehr Eiweiß 
vorhanden ist. Aus diesem Grunde ist die Oesamtacidität zweckmäßiger mit Hilfe 
anderer Indikatoren, Lackmus, Azolithmin oder Alizarin zu ermitteln. Bei stär¬ 
keren Peptonlösungen erwies sich indes auch das Alizarin als nicht ganz zuver¬ 
lässig, da die Peptone an sich schon amphoter bezw. alkalisch reagieren. Hier 
empfiehlt V. Tüpfeln mit rotem und blauem Lackmuspapier. 

Schade (Göttingen). 


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Glaenner, Karl: Ober eine neue Methode der quantitativen Pepsfobestiumung nebit 
Bemerkungen fiber die Tryptophanreaktion und das PlasteTn bildende Perment 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 52.) 

Entgegnung auf die gleichnamige Arbeit von Volhard (Münch, med. Wochen¬ 
schr., Nr. 49; Ref. d. Zentralbl., Nr. 6), dem von O. die Priorität seiner Methode 
streitig gemacht wird. Schade (Oöttingen). 

Schmflinsky (Hamburg): Bemerkungen zum Nachweis und der Bedeutung makrosko¬ 
pisch nicht erkennbarer Blutbeimengungen zum Inhalt von Magen und Darm. Vor¬ 
trag» gehalten in der biol. Abteilung d. ärztl. Vereins in Hamburg. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 49.) 

Sch. bedient sich zum Nachweis geringer Blutbeimengungen zum Magen- 
resp. Darminhalt der Ouajakprobe, in der von Weber vorgeschriebenen Modifi¬ 
kation angestellt, da sie alle anderen bekannten Methoden des Blutnachweises 
an Empfindlichkeit übertrifft. Darnach wird der Essigsaure-Ätherextrakt der Faces 
resp. des Mageninhalts mit 5 Tropfen einer 1— 5%igen Spirituosen Guajaklösung 
und 10 Tropfen Terpentin (oder Wasserstoffsuperoxyd) versetzt und gut durch¬ 
geschüttelt. Der eintretende Farbenumschlag in blauviolett resp. blau zeigt eine 
Blutbeimengung an; bei geringem Blutgehalt der Faces durchläuft indes der 
Farbenton eine Skala von tiefgrün, bräunlich-rötlich, braunrot bis violet, je nach 
der Menge des in ihnen enthaltenen Blutes; die Ursache dafür ist darin zu suchen, 
daß bei schwachem Ausfall der Probe die Fäcesfarbstoffe mehr zur Oeltung 
kommen und mit dem Blau der Ouajakprobe Mischfarben bilden. Doch möchte 
Sch. das zuerst auftretende Grün bei der Ouajakreaktion in den Fäces noch nicht 
für ein sicheres Kriterium für die Anwesenheit von Hämatin gelten lassen. 

Selbstverständlich müssen vor der Anstellung der Probe alle Momente aus¬ 
geschaltet werden, die einen Blutgehalt des zu untersuchenden Materials Vortäu¬ 
schen könnten (fleisch- und chlorophyllfreie Diät, Vermeidung mechanischer 
Läsionen durch Sondieren etc.). Bei Beobachtung dieser Vorschrift ist der Nach¬ 
weis okkulter Magen- und Darmblutungen für die Diagnostik von hohem Wert, 
besonders für die Fälle von Magencardnom mit nicht palbablem Tumor und gut 
erhaltener Motilität Schade (Oöttingen). 

Siv&i: Ober die Bedeutung der Galle für die Fettresorption. (Finska Läkaresällsk. 

handl., 1904, Nr. 2.) 

S. untersuchte in einem Fall von vollständigem Choledochusverschluß (mit 
sicher intaktem Pankreas und freiem ductus pancreaticus) die Fettresorption. Der 
Versuch dauerte 3 Tage, und erhielt die Patientin während dieser Zeit 645 g 
Brot, 330 g Butter, 105 g Fettkäse, 1 Liter Milch, 1027 g Kartoffel, insgesamt 
(nach eigenen Analysen) 355,1 g Fett. Der (genau abgegrenzte) Kot wog ge¬ 
trocknet 234 g und enthielt 2,69% N, 43,65% Neutralfett und 20,43% Fettsäuren, 
insgesamt also 64,08 % Fett. Von den 355,1 g zugeführten Fettes wurden 205,1 g 
oder 57,7% resorbiert, während 150 g oder 42,3% in den Fäces abgingen. Von 
den 150 g Fett in den Fäces waren 102,1 g oder 66 % Neutralfett und 47,8 g oder 
32% Fettsäuren. Nahezu ein Drittel der gesamten Fettmenge, die Patient wäh¬ 
rend der Versuchszeit zu sich nahm, blieb also ungespalten. Dieses reichliche 
Vorkommen von Neutralfett ist bemerkenswert und stimmt nicht gut überein mit 
z. B. Röhmanns und Munks Untersuchungen an Hunden, aus denen hervor¬ 
geht, daß bei Ausfall der Oalle das Verhältnis zwischen Neutralfett und Fettsäuren 
in den Fäces sich insofern ändert, als 80—90% des Oesamtfetts aus Fettsäuren 
besteht M. Kaufmann (Mannheim). 

Strasburger, J.: Ober die Bedeutung der normalen Dannbakterien für den Menschen. 

Vortrag, gehalten am 11. Oktbr. in d. Rhein.-westphäl. Oeselisch, f. innere Med. 
u. Nervenheilkunde. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 52.) 

St.s Vortrag, der obigem Thema nichts Neues hinzufügt, gipfelt in dem 


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Schlußsatz, daß die normale Bakterienflora des Verdauungstraktus zum Ablauf der 
normalen Verdauungsprozesse unumgänglich notwendig ist und, solange sie nicht 
gewisse mittlere Grenzen überschreitet, keine schädlichen Wirkungen entfaltet. 
Daraus ergibt sich für den Praktiker die Forderung, die normalerweise vorhan¬ 
denen Darmbakterien in möglichst normaler Zusammensetzung und normalen 
Mengenverhältnissen zu erhalten. Schade (Göttingen). 

Bukoemaki, F. W.: Beitrag zur Frage der Phagocytose und Leukolyse bei Einführung 
von virulenten Streptokokken in die Bauchhöhle. (Russki Wratsch, 1904, Nr. 5—7.) 

Schlüsse: 

1. Die Phagocytose der toxischen Streptokokken ist zu Beginn der Infektion 
deutlich ausgesprochen, wo die weißen Blutkörperchen in vollständig normalen 
Grenzen empfindlich sind und die Mikrobien energisch auffangen. Oegen Ende 
der Infektion läßt die Phagocytose in den Organen weiße Blutkörperchen sehen, 
welche Mikrobien enthalten. 

2. Die Leukopenie, welche im Exsudat nach Einführung von Streptokokken in 
die Bauchhöhle beobachtet wird, bildet eine sehr reichliche Ablagerung von weißen 
Blutkörperchen auf den Organen der Bauchhöhle. Die weißen Blutkörperchen 
zeigen während der Infektionskrankheit normales Aussehen, und wenn auch Zer¬ 
störung der weißen Blutkörperchen beobachtet wird, so ist es nur in nekrotischen 
Partieen der Leber und Milz der Fall; partielle Zerstörung der weißen Blut¬ 
körperchen kann man im Exsudat nach dem Tode sehen, falls eine Infektion mit 
großen Quantitäten der betreffenden Kultur stattfindet. Leukolyse wird bei Ein¬ 
führung von Streptokokken in die Bauchhöhle während des ganzen Krankheits¬ 
prozesses nicht beobachtet 

3. Die Streptokokken üben auf die Kerne der Endothelzellen des Mesen¬ 
teriums, namentlich wenn sie in die Bauchhöhle in großen Quantitäten eingeführt 
werden, eine hochgradige zerstörende Wirkung aus. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Traina, R.: Ober das Verhalten des Fettes and der Zellgranula bei chronischem 
Marasmus and akuten Hungerznständen. (Zieglers Beiträge, 1904, Bd. 35, S. 1.) 

Die Thränendrüsenzellen des Menschen enthalten unter normalen Ver¬ 
hältnissen in ihrem Protoplasma Fetttröpfchen, deren Zahl und Größe etwas 
schwanken kann, und deren Gesamtmenge mit dem Alter zunimmt. Dieser Fett¬ 
gehalt ist von den Funktionszuständen der Drüsen nicht abhängig, die verschie¬ 
denen allgemeinen Ernährungszustände des Körpers bleiben ohne Einfluß auf den 
Fettgehalt der Drüsenzellen, bei marantischen Zuständen erleidet der Fettgehalt 
keinen Verlust. 

Die rötlichen Partieen der Harderschen^ Drüse enthalten bei Kaninchen 
in ihren Epithelzellen viel Fett, welches die Überosmiumsäure nicht reduziert, 
sich aber sehr leicht mit Scharlachlösung tief rot färbt. Das ist ein Beweis, daß 
die Drüse hauptsächlich Fett erzeugt. Dieses Fett ist vom Ernährungszustand 
des Tieres unabhängig. Die Fetttröpfchen bleiben auch während des Hungems 
unverändert. Die weißlichen Partieen der H ardersehen Drüse enthalten nur sehr 
wenig Fett, auch dieses bleibt im Hunger unverändert. 

Der Fettgehalt der Meibom sehen Drüsen erleidet bei Hungerzuständen keine 
Veränderung. i. 

Die Schilddrüse enthält in ihren Epithelzellen normaler Weise wenig Fett¬ 
tröpfchen, die mit dem Alter zunehmen, Fasten hat keinen Einfluß. 

Die Speicheldrüsen enthalten in der Norm kleine Fetttröpfchen besonders 
in den Eiweißzellen, diese Fettkömer sind von den Funktionszuständen der Drüse 
und vom Ernährungszustände des Individuums unabhängig, nehmen mit dem 
Alter zu, beim Fasten aber nicht ab. 

Innerhalb der Bauchspeicheldrüse ist der Fettgehalt am bedeutendsten 


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in den Drüsenzellen, in welchen die größten und zahlreichsten Fetttropfen in den 
peripheren Zellteilen liegen, während sie im inneren Teil spärlicher und kleiner 
sind, ln den Zellen der Langerhansschen Haufen finden sich die Fetttrö pfc hen 
fast alle gleich groß. Alles dieses Fett ist von der Ernährung unabhängig und 
nimmt mit dem Alter ab. 

Kaninchennieren enthalten Fetttröpfchen in den Epithelien der Sammel¬ 
röhrchen, und der Henleschen Schleifen. Dieses Fett bleibt während des Hun- 
gems intakt Der Fettgehalt der Nebennieren epithelien erleidet während 
marantischer und Hungerzustände keine Einbuße. 

Die Leberzellen des Kaninchens enthalten unter normalen Zuständen eine 
gewisse Fettmenge, ein Teil davon wird im Laufe des Hungers resorbiert, eine 
gewisse Menge bleibt aber immer konstant übrig. 

Die Hodenepithelien enthalten Fett, dessen Gehalt sich nicht ändert 

Das Knochenmark enthält Fett, welches direkt mit dem Hunger sich ändert 
Gleichzeitig mit dem Fettschwund tritt Volum- und Formveränderung der Zellen auf. 

Die Haut enthält Fetttröpfchen in den Epithelzellen der Malpighischen 
Schicht der Schweiß- und Talgdrüsen. Die Fettmenge schwankt mit dem Alter, 
bleibt aber bei marantischen und Hungerzuständen unverändert, dagegen wird 
das zwischen den elastischen Fasern und der Unterhaut befindliche Fett fast 
vollständig resorbiert 

Das Fett wird den Zellen in gespaltenem Zustande geliefert und im Innern 
der Zellen durch deren Tätigkeit wieder aufgebaut Auch wenn das Fett resor¬ 
biert wird, geht es größtenteils in gelöster Form in den Kreislauf über und wird 
benutzt um für die mangelhafte oder fehlende Nahrungszufuhr Ersatz zu leisten. 
Die Rolle, die die Bioblasten bezügl. der Fettbildung oder Fettumwandlung spielen 
ist nicht klar. 

Das Fett bildet in den Drüsenzellen einen konstanten integrierenden Bestand¬ 
teil des Zellprotoplasmas und hat Ähnlichkeit mit den Lipochromen und den phy¬ 
siologischen Pigmenten. Man kann daher von wanderndem Fett, das sich 
vorzugsweise in der Unterhaut, dem Netz, Gekröse, Knochenmark findet und 
seßhaftem Fett, das in den drüsigen Organen (mit Ausnahme der Leber) sich 
vorfindet, unterscheiden. K. Glaessner (Berlin). 


Besprechungen. 

Frey, H.: Alkohol und Muskelermfidung. Eine kritische Studie über die diesbezüg¬ 
lichen Arbeiten von Prof. Desträe (Brüssel), Prof. Kraepelin (Heidelberg), 
Dr. Scheffer (Utrecht) und Dr. Schnyder (Bern), nebst neueren eigenen Beob¬ 
achtungen. Leipzig und Wien, Verlag von Fr. Deuticke. Preis 4 Mk. 

Verf. hat in seiner ersten Arbeit folgende Schlüsse gezogen: »Es hat der 
Alkohol auf den nicht ermüdeten Muskel einen schädlichen Einfluß; er setzt die 
maximalen Arbeitsleistungen wesentlich herab. Das Ermüdungsgefühl wird durch 
Alkoholgenuß herabgesetzt und die Arbeit erscheint infolgedessen leichter«. Oegen 
den ersten Satz hat sich nun Destr6e gewendet. Verf. weist nach, daß D. die 
Ermüdungsversuche mit viel kürzereren Intervallen irrtümlich vorgenommen habe, 
deshalb können auch die Des tr £ eschen Schlußfolgerungen nicht als Widerlegung 
der Freyschen Versuche gelten. Kraepelin hatte die zu kleinen Alkoholdosen 
bei des Verf.s Versuchen bemängelt, das sucht Verf. zu entkräften. Auch die 
Arbeit von Scheffer vermag des Verf.s Schlußfolgerungen nicht zu widerlegen 
da sich Scheffer einer ganz andern Belastung bei seinen Ermüdungsversuchen 
bediente. Schnyder, der des VerLs Unterscheidung zwischen ermüdetem und 


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nicht ermüdetem Muskel bez. der Alkohol Wirkung bemängelt, hat die Oesamt¬ 
arbeitsleistung, nicht die maximalen Einzelleistungen in Rechnung gezogen. Trotz¬ 
dem stimmen seine Resultate in ihrer Mehrheit mit des Verf.s Ansichten überein. 

K. Olaessner (Berlin). 

Fromm: Die chemischen Schutzmittel des Tierkürpers bei Vergiftungen. Straßburg, 
J. Trübner. 32 S. Preis 1 Mk. 

ln der kleinen, sehr lesenswerten Schrift kommt F. zu folgenden Schlüssen: 
Der Körper bedient sich nur weniger Schutzreaktionen im Kampf gegen die 
Gifte, nämlich der Oxydation, Reduktion, Hydratation, Deshydratation und 
nur in einigen Fällen einer wohl als Addition zu bezeichnenden Reaktion. An 
Schutzstoffen besitzt der Körper das Alkali des Blutes, Eiweiß, Schwefelwasser¬ 
stoff, Schwefelsäure, Olykokoll, Harnstoff, Cystein uud Chlorsäuren, Olykuronsäure 
und Essigsäure. Alle diese sind Produkte des normalen Stoffwechsels und jeder 
dieser Schutzstoffe ist imstande, verschiedene Oifte unschädlich zu machen. Auch 
schlägt der Tierkörper nicht nur einen Weg zur Entgiftung ein, sondern zieht 
gleichzeitig alle verfügbaren Schutzstoffe heran, allerdings mit Bevorzugung des 
einen oder andern. Schreiber (Göttingen). 


7nbaltsw3«lcbnis. 

Original-Artikel: v. Boltenstern: Arbeiten über Typhus in den letzten 
beiden Jahren 157. — Referate: Stoffwechselkrankheiten, v. Oefele: Was ist 
zielbewußte Diabetestherapie? 168. — Erkrankungen der Verdaunngsorgane. Kitaew, 
Th. J.: Zur Lehre der sekretorischen depressiven Neurosen 169. — Townson, 
Ch. W.: A case of pyloric Stenosis in an infant 170. — Reinach (München): Be¬ 
handlung von Ernährungsstörungen im Säuglingsalter mit gelabter Kuhmilch 170. 
— Potier: Universelle Pigmentablagerungen infolge Hämatolyse bei Magen-Darm- 
katarrh der Säuglinge 170. — Reiter, K.: Über einen Fall von Ulcus ventriculi 
171. — Moynihan, B. O. A.: Remarks on the Hour Glass Stomach 171. — 
Krause, F.: Erfahrungen in der Magenchirurgie 172. — Mayo, W. L: Chronic 
ulcer of the stomach and duodenum from a surgical standpofnt 172. — Moullin, 
C. M.: The subsequent historv of eighteen patients upon whom gastric Operation 
had been performed 173. — Nikonow, S. A.: Über einen Fall von perforativer 
Appendidtis mit reichlichem Bluterguß in die Bauchhöhle 174. — Valentine, W. A.: 
Medical treatment of appendidtis 1/4, —• Jaffl, M.: Wann soll bei Perityphlitis 
operiert werden? 175. — Sandelin: Über die chirurgische Behandlung der akuten 
Appendidtis 175. — Fischl, L: Typhlitis nach Amputation des Wurmfortsatzes 
175. — Moore, J. E.: Drainage in surgery 176. — Rehn, L: Über den Wert der 
Blutkörperchenzahlung bei den akuten Entzündungen des Wurmfortsatzes 176. — 
Reich, A.: Über Leukocytenzählungen bei chirurgischen Affektionen 177. — >JVig- 
gin, Fr. H.: Abdominal pain of intestinal origin 177. — Ewald, C. A.: Über 
Darmtumoren in der Gegend der Regio iliaca sinistra 177. — Vincent, G. ,F.: 
Akute septic colitis due to milk poisoning 178. — Edlefsen,_G.: Zur Frage der 
Sigmoiditis acuta 178. — Cahen-Brach (Frankfurt a. M.): Über einen Fall von 
Colonektasie 179. — Hart, E.: Untersuchungen über die chronische Stauungsleber 
179. — Gilbert et Lerebojtillet: Familiäre Cholämie und Alkohol-Cirrhose 179. - 
Gilbert jet Lerebouillet: Uber Angina pectoris biliären Ursprungs 180. — Golu- 
biniq.: Uber die Behandlung des Asdtes hepatischen Ursprungs 180. — Thoenes, 
C.: Uber Bauchfelltuberkulose 181. — Physiologische Chemie etc. Schilling (Leip¬ 
zig): Die Sekretion der Speicheldrüsen bei Kindern 181. — Rosenau (Kissingen); 


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- 186 - 

Ein neuer Apparat zu gleichzeitiger Magensaftgewinnung und Luftaufblähung des 
Magens 181. — Volhard, Franz: Über das Allcalibindungsvermögen und die Titra¬ 
tion der Magensäfte 181. — Olaessner, Karl: Über eine neue Methode der quan¬ 
titativen Pepsinbestimmung nebst Bemerkungen über die Tryptophanreaktion und 
das Piastern bildende Ferment 182. — Schmilinsky (Hamburg): Bemerkungen zum 
Nachweis und der Bedeutung makroskopisch nicht erkennbarer Blutbeimengungen 
zum Inhalt von Magen und Darm 182. — Sivln: Über die Bedeutung der Oalle 
für die Fettresoiption 182. — Strasburger, J.: Über die Bedeutung der normalen 
Darmbakterien für den Menschen 182. — Bukoemski, F. W.: Beitrag zur Frage 
der Phagocytose und Leukolyse bei Einführung von virulenten Streptokokken in 
die Bauchhöhle 183. — Traina, R.: Über das Verhalten des Fettes und der Zell¬ 
granula bei chronischem Marasmus und akuten Hungerzuständen 183. — Be¬ 
sprechungen: Frey, H.: Alkohol und Muskelermüdung 184. — Fromm: Die 
chemischen Schutzmittel des Tierkörpers bei Vergiftungen 185. 


Hutoren-Verfeubtiis» 

v. Boltenstern 157. — Bukoemski 183. — Cahen-Brach 179. — Edlefsen 178. — 
Ewald 177. - Fischl 175. - Gilbert 179. 180. — Olaessner 182. - Hart 179. - 

Ä ff* 175. — Kitaew 169. - Krause 172. — Lerebouillet 179. 180. — Mayo 17Z — 
oullin 173. — Moynihan 171. — Moore 176. — Nikonow 174. — v. Oefele 168. 
— Potier 170. — Rehn 176. — Reiter 171. — Reinach 170. - Reich 177. — Ro¬ 
senau 181. — Sandelin 175. — Schilling 181. — Schmilinsky 182. — Sivln 182. — 
Strasburger 182. — Thoenes 181. — Townson 170. — Traina 183. — Valentine 
174. - Vincent 178. — Volhard 181. — Wiggin 177. 


HlpbabetUd) geordnetes JnbaltsverfeicbnU. 

Appendidtis 174—177. — Ascites, Behandlung des hepatischen 180. — Biliäre 
Angina pectoris 180. — Bauchhöhlendrainage 176. — Blutnachweis im Erbrochenen 
und in den Fäces 182. — Cholämie, familiäre 179. — Colitis septica 178. — Darm¬ 
bakterien, Bedeutung der 182. — Darmschmerzen 177. — Darmtumoren 177. — 
Diabetes 168. — Duodenalgeschwür 172. — Fettgehalt bei Marasmus und Hunger 
183. — Galle und Fettresorption 182. — Kolonektasie 179. — Kuhmilch, gelabte 
bei Ernährungsstörungen des Säuglings 170. — Lebercirrhose 179. — Leukocyten- 
zählung bei Entzündungen 176. 177. — Magenaufblähung, Apparat zur 181. — 
Magengeschwür 171—173. — Magenneurosen 169. — Magensaftgewinnung, Ap- 

C arat zur 181. — Magensaftuntersuchung 181. 182. — Phagocytose und Leukolyse 
ei Infektion der Bauchhöhle 183. — Peritonitis tuberculosa 181. — Pigment¬ 
ablagerungen bei Magen-Darmkatarrhen der Säuglinge 170. — Pylorusstenose 170. 
Sanduhrmagen 171. — Sigmoiditis 178. — Stauungsieber 179. — Tryptophanreak¬ 
tion 182. — Typhus 157. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck 8c Ruprecht in Göttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 2. April 1904. 


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Nr. 8. 


Zweites April-Heft 1904. 


5. Jahrgang. 


3?nfralblaff 


«Sr 

$loffwechstl-&()eröauun<js-Kranklniftn 

heranagegeben von 

Professor Dr.CARL von Noorden in Frankfurt a.M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vaadenhoeek ft Raprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von lVi—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez«, 20 Marie bei 
halbfihriger Vomusbezalüaag. Bndne Nr. 1 Marie 20 Pf. Za beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des ln- und Auslandes. (Postbezug fat Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. [IhriJch adv.) 


Original-Hrtikel. 


DU fermente. 

Von 

Dr. F. Schilling, Leipzig. 


Die Lehre von den Fermenten hat in letzterer Zeit so wesentliche Fort¬ 
schritte gemacht, daß es sich wohl lohnt, einen Rückblick an dieser Stelle 
auf die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zu werfen. Die Phy¬ 
siologen, Botaniker, Pathologen und Ärzte wetteiferten, um im eigenen 
Gebiete sich die Errungenschaften der physikalischen Chemie zu Nutze zu 
machen und Aufklärung über die fermentativen Vorgänge zu gewinnen. 

Man muß bei dieser Umschau davon absehen, nur den Tierkörper oder 
Menschen allein in Betracht zu ziehn und darf nicht nur an Ptyalin, Lab, 
Pepsin, Trypsin, Erepsin und Invertin der menschlichen Digestion denken, 
die nicht alle bei Tieren zu finden sind, sondern muß die gleichen Fermen¬ 
tationen bei dem Stoffwechsel der Pflanzen von der farblosen Hefezelle und 
dem winzigen Bakterium bis zu der Buche verfolgen, deren Blätter sich im 
Herbst bei plötzlichen Abkühlungen momentan röten, weil der Zucker unter 
dem Einflüsse des Lichtes mit Gerbsäure und andern Stoffen eine Umwand¬ 
lung in einen roten Farbstoff erfährt (Overton 1 )). Man muß auch die* 
intermediären und intracellulären fermentativen Umsetzungen berücksichtigen, 
auf deren Einfluß wir durch die Autolyse und Entdeckung der intracellu¬ 
lären Fermente hingewiesen worden sind. 

Der gewonnene Einblick in die fermentativen hydrolytischen und oxy¬ 
dativen Prozesse ist ein großer und der Ausblick in das Verständnis des 

Nr. 8. 


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Biochemismus des Organismus, der uns das Leben in den Organen bis zu 
der Zelle herab widerspiegelt, ein viel versprechender. Sind uns auch vor¬ 
läufig noch die komplizierten Vorgänge dunkel und rätselhaft und können 
wir aus den experimentellen Versuchen am toten Material im Reagensglase 
nur Vermutungen über den Auf- und Abbau der EiweiBstoffe in seinen 
Phasen sagen, so ist die Perspektive für die Zukunft geöffnet 

Oewöhnlich stellt man Synthese und Spaltung, Aufbau und Abbau ein¬ 
ander gegenüber und glaubt damit zwei große Reiche in der belebten Natur 
trennen zu können. Gar häufig schreibt man dem Tierkörper in erster Reihe 
fermentative Spaltung zu, indem er im Digestionstraktus die von den Tieren 
und Pflanzen gelieferten Nahrungsmittel in einfachere, zum Teil kristallinische 
Verbindungen zerlegt, damit sie resorbier- und assimilierbar werden, dagegen 
der Pflanze mehr Synthese elementarer Stoffe, des Kohlenstoff, Wasserstoff, 
Sauerstoff und Stickstoff zu Stärke, Zucker, Fett und EiweiBkörper. Indessen 
ist diese Differenzierung keineswegs durchweg richtig; auch der tierische 
Organismus setzt zusammen, bildet Olykogen aus Zucker, bildet Fett resp. 
fette Öle aus Stärke — doch muß die Stärke vorher flüssig, d. h. zu Zucker 
werden —, produziert kompliziert gebaute Proteine und Nukleoprotelne; 
auch die tierische Zelle spaltet und synthesiert vermöge ihrer chemischen 
Oiganisation, wie uns im Laboratorium der Leber am evidentesten gezeigt 
wird, die Einzelzelle fangt noch die Bruchstücke auf, die ihr von größeren 
Spaltungszentren zufließen, und vereinigt sie wieder zu neuen Gebilden für 
ihren Bedarf (plastelnogene Substanzen). 

Zur Zeit Pasteurs verrichtete^ die Bakterien eine Reihe bekannter Um¬ 
setzungen, heute sind es die Fermente der Bakterien *). Früher unterschied 
man Enzyme von den organisierten Fermenten (Kühne); seit Büchner 8 ) 
die Zymase der Hefe, die Hefeinvertase der getöteten Zelle, darstellte — er 
zerrieb die Zellen wie Koch die Tuberkelbazillen und extrahierte mit Gly¬ 
cerin —, ist diese Scheidewand gefallen, doch besteht eine andere, denn 
Fluomatrium, Phenol etc. töten Fermente, aber nicht Enzyme. Noch vor 
einigen Jahren standen sich die Voigänge in der unbelebten und belebten 
Welt fremd gegenüber, heute spricht man schon von organischen und 
anorganischen Fermenten, nachdem Ostwald und seine Schüler wichtige 
Analogien zwischen beiden ermittelt und den Begriff der Fermentation und 
Oxydation erweitert haben. Metalle, besonders Eisen und Mangan, sind 
unentbehrliche Faktoren für die Fermentreaktionen und Oxydationen nach 
neuem Untersuchungen. Heute verfolgt man die Reaktionen der Fermente 
nach verschiedenen Richtungen, bestimmt die Wirkung zeitlich, erkennt ihre 
Abhängigkeit von Wärme, Zerfallsprodukten und andern Beimischungen, 
mißt die Katalyse mit den Methoden der chemischen Kinetik quantitativ und 
konstatiert die Ähnlichkeit zwischen den Kontaktwirkungen in der anorgani¬ 
schen Welt und den Fermentwirkungen in der otganischen Welt (Bredig 4 )); 
der kolloidale Zustand der Fermente, der geringe osmotische Druck, die Aus¬ 
fällbarkeit, die elektrischen Eigenschaften und ihre Halbdurchlässigkeit für 
gewisse Stoffe deuten auf chemische Bindung durch Adsorption bei ihren 
Reaktionen und Wirkungen hin, worauf wir noch näher bei der Katalase 
und Oxydase zu sprechen kommen. 


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189 


Während die in Wasser oder -in anderen Flüssigkeiten löslichen Mine¬ 
ralien ohne weiteres resorbiert werden, besorgt die Lösung der organischen 
Stoffe, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß das Ferment Die Diastase der 
Mundspeicheldrüsen und des Pankreas, um mit den Fermentationen in ihren 
verschiedenen Richtungen, soweit sie Hydrolysen darstellen, zu beginnen, 
verwandelt Stärke in Dextrin und Maltose*), weniger in Dextrose**) und 
Isomaltose, der isomeren Glukobiose; der Dünndarmsaft diastasiert und inver¬ 
tiert, sein Invertin spaltet Rohr- und Rübenzucker in Trauben- und Frucht¬ 
zucker, den Milchzucker in Dextrose und Galaktose, sofern er nicht ohne 
weiteres direkt resorbiert wird, ln der Leber treffen wir das Ferment (Mal- 
tase?), welches Glykogen aus dem Traubenzucker des Blutes bildet, auch 
im Blute, in der Lymphe, im Serum und in den meisten Organen begegnen 
wir einer Diastase, wie Preßsäfte zeigen, so daß der Saccharifikationsprozeß 
ein ununterbrochener ist***). Die Frauenmilch enthält viel, die Kuhmilch 
wenig Diastase, am wenigsten ist in den Fäces zu finden (Moro 5 )). Die 
Malzdiastase in der Geiste, welche bei der Alkoholgärung oder Spaltung 
der Stärke in Alkohol und Kohlensäure nach Überführung in Zucker so 
wichtige Dienste leistet, ist nicht das einzige pflanzliche diastatische Ferment, 
hinzukommen das Glykosid spaltende Ferment mit Maltase und Invertase, 
das Emulsin in den bittem Mandeln, die Diastase im Aspergillus- und Peni- 
cilliumpilz, die Maltase und Invertase der Hefe, welche bei der Brotbereitung 
unentbehrlich ist, die Diastase des keimenden Samens, ohne welche das 
Wachstum nicht vor sich gehn könnte, das gleiche Ferment in den Blättern 
und Kryptogamen. — Glykolytische Enzyme, die oxydativer Natur sind, 
fehlen nach Stoklasa 6 ) weder in tierischen noch in pflanzlichen Geweben 
und sollen an das Protoplasma gebunden sein. Bedarf der Körper, wie bei 
schwerem Diabetes mell, des Glykogens, so verwandelt es die Leber mit 
ihrem intracellulären Ferment in Zucker nach Pick 7 ). 

Als Ursache für die Spaltung der Fette kennen wir die Lipase des Magens 
für Milchfette oder emulgierte Fette (bis 50%) nach Volhard 8 ), das Pankreas¬ 
enzym, welches die Ester in Fettsäuren und Glyzerin zerlegt, während das 
Alkali des Darmes die Verseifung übernimmt, die Lipase in der Leber, in 
der Niere und im Blute. Aber auch im Pflanzenkeime wirkt ein fettlösendes 
Enzym bei der Keimung. Fettspalter sind auch in pathogenen (?) Bakterien 


*) Bei 50° C. lösen sich nicht alle Amylumarten in gleicher Weise, da sie 
verschiedenen Charakters sind; bei der Synthese entstehn nicht nur Hexosen, 
sondern auch amorphe Polysaccharide oder Dextrine, die mit Jod nicht färbbar 
sind (Eiythro-Achro-Amylo-Maltodextrin). Rohe Kartoffelstärke wird so gut wie 
nicht angegriffen, dagegen Gersten- und Weizenstärke schnell in der Kälte. 

**) Der Speichel enthält auch Maltase. Der Prozeß ist so zu denken: 
öfQHtBO.Jn -J-4nH»0 oder Stärke + H,0 = 4nC, 1 H„0 1 , (Maltose) 

+ C,H,An + C,H 10 O s n (Achro- und Eiythrodextrin) 
3C e H, 0 O,(Stärke) + H 1 O =■ C,H„0, + C,H 10 O t -|-C«H 10 O, [Olykose, Achro- und 
Erythrodextrin]. 

***) Daß Jambulum, dessen Empfehlung gegen Diabetes neuerdings wieder 
auftaucht, die Diastasewirkung und damit die Zuckerbildung herabsetzt, also die 
Ausnutzung der Kohlenhydrate im Organismus indirekt hemmt, führt diejenigen 
irre, die eine mangelhafte Umsetzung gleich Ausnutzung und Verwertung setzen. 


Nr. 8*. 


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190 


gefunden. Lipase wurde im Penicillium und Aspergillus, in den Hefepilzen, 
sogar in den Cholerabazillen nachgewiesen. Endlich wird noch die Ver¬ 
seifung der Pflanzenfette bei der Fäulnis durch ein Enzym herbeigeführt 
Die Fettnekrose bei Verletzungen des Pankreas hat in der Pathologie die 
Bedeutung des Enzyms und seine gefährliche Einwirkung auf das benach¬ 
barte Gewebe bei ungehindertem Zutritt zum Schrecken der Chirurgen dar- 
gelegt — Der Nachweis der Lipase wird am Monobutyrin, das in Buttersäure 
und Glyzerin zerlegt wird, geführt 

Ein Beispiel der Spaltung eines Neutralfettes ist: 

QH 6 (C l8 H 1B 0 1 ) 8 +3H J 0 = QH^OHJg (01yzerin)+3(Q g H M O s ) 
d. h. Stearinsäure. 

Die Peptonisierung der EiweiBkötper durch Pepsin im Magen mit Hilfe 
der Salzsäure und des Kaseins nach vorheriger Fällung durch Lab sowie die 
Peptonisierung der Proteine durch Trypsin im alkalischen Darmsaft sind zu 
bekannt, als daß hier genauer darauf eingegangen werden brauchte. Nur 
sei noch bemerkt, daß die Spaltprodukte nach neuem Forschungsresultaten 
von Hofmeister und seinen Schülern weit über Leucin, Tyrosin und 
Tryptophan hinausgehn. Hinzugekommen ist durch Cohnheim das Erepsin 
des Darmes, das Leucin und Tyrosin in noch kleinere Bestandteile spaltet, 
um es resorbierbar und leichter assimilierbar zu machen, ob das proteoly¬ 
tische Ferment im Colon nur vom Dünndarm verschleppt ist, entscheidet 
Hemm et er*) nicht Antipepsin und Antitrypsin verhindern die Selbstver¬ 
dauung der Oewebe, die bisher rätselhaft erschien, bis das Antiferment im 
Hirudo nachgewiesen wurde. Die Autolyse der Gewebe beweist das Vor¬ 
handensein von Eiweißspaitem in der Zelle, die in Tätigkeit treten, wenn 
ihre Bindung aufhört Aus dem Pflanzenreich wurde Papayotin und Papain, 
ein proteolytisches Ferment aus der Fracht der Carica papaya, dann das der 
fleischfressenden Pflanzen, der Kryptogamen und die Endotryptase der Hefe 
bekannt Papayotin wird sogar als Förderer der Eiweißverdauung bei Achylie 
verwandt Schimmelpilze zersetzen nach Iwanoff 10 ) Nukleinsäure (Thymus) 
bis zum Erscheinen von Phosphorsäure und Nuklefnbasen. — Auf die Auto¬ 
lyse, welche neuerdings unser Interesse so sehr in Ansprach nimmt, kam 
Salkowski als proteolytischen Prozeß, als er in der Leber Leucin- und 
Tyrosinbildung konstatierte. 

Die PlasteTnbildung oder Rückverwandlung der Albumosen und Peptone 
in da* Magen-Darmwand ist Zelitätigkeit mit Hilfe intracellulärer Fermente. 
Die Cytolyse beruht nicht auf Fermentation, sondern auf Lockerung des 
Protoplasmas; die Plasmatolyse der Blutkörperchen und Bakterien ist etwas 
anders als Katalyse, Lyse ist keine Fermentspaltung. Die Autolyse bei Car- 
cinom intra vitam harrt noch der Lösung, die Lösung pneumonischer Infil¬ 
trate hat Müller 11 ) vom fermentativen Standpunkte beleuchtet Die Bildung 
der Alexine und Immunkörper folgt andern Gesetzen, die ebenso wie die 
Agglutination mehr für geistreiche Hypothesen als Tatsachen, die bekannt 
und begründet sind, Raum geben. — Bayer lehrt, daß Kohlenhydrate durch 
Reduktion der COOH zu CH t O und Vervielfachung oder Synthese von 
CHjO bei der Assimilation der Pflanze in der Wurzel entstehn; experi- 


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mentell mißlang bisher jeder Versuch in dieser Richtung, diesen Assimi¬ 
lationsgang nachzumachen. Polymerisation, Kondensation und Umlagerung 
sind ebenso wie Contakt mit SO, oder MaOH etc Bezeichnungen für Vor¬ 
stellungen und Hypothesen, deren Beweis noch aussteht 

Noch anzureihen sind hier das Lab- und Fibrinferment Das Labenzym 
spaltet im Kasein das Calcium ab und läßt Kasein gerinnen, so daß Pepsin 
Kaseon bilden kann, und das Fibrinferment fördert die Blutgerinnung und 
die zur Stillung von Blutungen so unentbehrliche Thrombosierung mit Hilfe 
der Thrombase. Geht man dem Vorgänge genauer nach, so wandelt das 
Fibrinferment das Fibringlobulin oder Fibrinogen in Fibrin um. Lösliche 
Kalksalze stehn nicht direkt mit der Umwandlung des Fermentes aus dem 
Zymogen Prothrombase in Verbindung, doch fördern sie die Geschwindigkeit 
der Reaktion. Die Aktivierung der Prothrombase erfolgt nach Pökel ha- 
ring“) aus den zerfallenden Leukocyten oder Blutplättchen. Ob es sich 
um Hydrolyse des Fibrinoglobulins dabei handelt, ist fraglich, vielleicht 
spielt blos ein Koagulationsprozeß mit wie bei der Koagulation des Kaseins. 
Wenn auch eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Lab- und Fibrinferment 
besteht und beide mit der Umwandlung gewisser Eiweißkörper zu tun 
haben, so ist der Endzweck dieser Fermentation doch ein verschiedener, 
dort der Vorakt der Digestion, hier der Verschluß eines Gefäßlumens. 

Neben der Hydrolyse kommt die fermentative Oxydation für uns hier 
in Betracht Der Organismus besitzt die Fähigkeit, schwer oxydable orga¬ 
nische Substanzen, wozu Eiweiß*), Fette und Kohlenhydrate gehören, zu 
oxydieren oder leicht oxydablen Substanzen aktiven Sauerstoff zuzuführen, 
obschon er wunderbarer Weise leicht oxydierbare Stoffe wie Oxalsäure un¬ 
angerührt läßt Benzylalkohol wird zu Benzoesäure, Tyrosin zu Homo¬ 
gen tinsäure, Xanthin und Hypoxanthin zu Harnsäure. Harnstoff entsteht 
durch oxydative Spaltung der Aminsäure. Diese Fähigkeit verleihen ihm 
die eignen Oxydasen, mit andern Worten Fermente, welche O auf organische 
Stoffe übertragen in derselben Weise wie das anorganische Ferment Platin¬ 
oxyd den Sauerstoff des H,O s nimmt, überträgt und wieder nimmt Die 
Oxydasen resp. Peroxydasen lassen sich nicht bloß an der Katalyse auf 
H,0 2 , indem sie O frei und aktiv machen, nachweisen, sondern auch am 
Salicylaldehyd, welches zu Salicylsäure wird, am frei werdenden Jod aus 
angesäuertem Jodkalium und selbst in den Organbreien und Organextrakten. 
Das Vorhandensein der Oxydasen offenbart sich am Bläuen der Guajatinktur, 
Alkohol und Ammonsulfat fällen sie, Hitze, Säuren, Alkalien und Sublimat 
zerstören sie gerade so wie Sublimat die Amylase, Borax das Lab, Alkohol 
die Invertase vernichtet Auch die oxydativen Spalter in den Zellen, im Blute 
und in den Gewebssäften verhalten sich wie Oxydasen, sie sind im Tierkörper 
an die Zelle, besonders der Leber, des Muskels und der Milz, des Ovariums, 
Pankreas und Gehirn gebunden. Sicherlich gehören hierher auch die schon 
bei den Diastasen nebenbei erwähnten glykolytischen Fermente, gebunden 
an die Leukocyten; auch die Vermittler der Essiggärung, auf die wir zum 
Schluß zu sprechen kommen, sind hierher zu zählen, ln gleicher Weise 


*) Wahrscheinlich besitzt jedes lebende Eiweißmolekfil einen O-Überträger. 


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192 


veranlaßt der Kontakt der anorganischen Fermente Oxydation, Zerzetzung 
von H,Oj und Gärung. Nach Spietzer besitzen alle Zellen in den Organen 
glykolytische Fermente, pflanzliche Oxydasen sind hinlänglich bekannt 

Kleinste Tiere haben in einer Zelle mehrere Fermente, der Tierkörper 
besitzt für einzelne Fermente besondere Organe, die Drüsen. Wenn Bickel 
und Bendix 18 ) mit dem Hinweis auf die Alkalinität des Blutes das Vorhan¬ 
densein des glykolytischen Fermentes leugnen, so ist die Frage damit nicht 
ohne weiteres verneint Das Ferment, welches Glykogen in Zucker in der 
Leber um wandelt, ist nach Pick 14 ) ein intracelluläres. 

Haben wir nun die Fermente ihrem Namen nach kennen gelernt, so 
erhebt sich unbedingt die Frage, was verstehn wir unter einem Ferment das 
hydrolysiert oder oxydiert? Diese Frage läßt sich heute nicht definitiv 
beantworten, da uns daran die Unkenntnis der chemischen Konstitution 
der Enzyme hindert Ein Enzym ist schwer zu isolieren aus alkoholischen, 
wässerigen oder Glyzerin-Extrakten. Die einen Autoren rechnen sie zu den 
Eiweißkörpern, da sie zum großen Teil deren chemische und physikalische 
Reaktionen geben; andere zählen sie zu den Albuminoiden und sehen sie nur 
als eiweißähnliche Stoffe an, andere betrachten die Diastase als Albumose, 
dagegen Pepsin als ein Nukleoprotdd. 

Sind wir über die chemische Natur der Fermente bisher wenig orientiert, 
so hat sich doch unsere Kenntnis über den Reaktionsverlauf dank des Heran¬ 
ziehens der einfacher gebauten, aber analog tätigen anorganischen Fermente 
vermehrt und erweitert Ein Ferment ist eine kolloide Substanz wie das 
Platinsol oder eine Suspension kleinster Platinteilchen. Wie das Platinsol, 
wirkt das Enzym. Der frühere dunkle Vorgang wurde verständlich durch 
Ostwalds 15 ) Ausspruch, daß Katalyse die Beschleunigung eines langsam 
ablaufenden chemischen natürlichen Vorganges in Anwesenheit oder mit Hilfe 
eines Katalysators, die Verlangsamung desselben aber die Folge negativer Kata¬ 
lysatoren ist Um ein Beispiel anzuführen, so wird Rohrzucker bei Zimmer¬ 
temperatur in Wasser langsam invertiert, wenigstens gelingt es nach Monaten 
noch nicht, aber viel später, den Nachweis der Inversion zu erbringen; bei 
100° C wird Inversion schon nach Stunden beobachtet, dagegen bei Zusatz 
von Invertin nach wenigen Minuten. Die Rolle des Invertin können Mikro¬ 
ben, Säuren — die konzentrierten Mineralsäuren mehr als die Fettsäuren —, 
fein verteilte Metalle (Solen) wie Platin, Palladium und Silber ebenfalls aus¬ 
füllen, durch alle wird Rohrzucker wie durch das Enzym invertiert Die 
H-lone der Säure sind die Katalysatoren. Die Hydrolyse ist ebenso Kata¬ 
lyse wie die Zerlegung von H 2 0 2 in HjO-f-O; hydrolytische Spaltung 
heißt Zersetzung von H s O und Aufnahme von H und O, oxydative Spal¬ 
tung heißt Übertragung von O nach und ohne Zerlegung von H 2 0 2 . Nach 
Berzelius, dem Ostwald auf seinem Forschungswege folgte, waren alle 
Körper Katalysatoren, die durch ihre Gegenwart die schlummernde Verwandt¬ 
schaft der Stoffe zu erwecken vermögen. Die Substituierung der Katalysen¬ 
anschauung an Stelle von Liebigs Kontakttheorie 18 ), nach welcher die Stoffe 
durch Berührung mit Fermenten zerfielen, und der Lehre Nägelis, daß der 
fermentative Zerfall durch Atomschwingung der Gärungserreger zustande 
komme, ist das Fundament aller modernen Fermentationsbetrachtungen. Die 


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193 


Fermentmenge ist von Einfluß auf den Umsatz. Euler 17 ) sagt, daß Katalyse 
eine oder mehrere Molekülarten vermehrt, auch Ione vermehrt, welcher Satz 
unsem Anschauungen einen gewissen Weg zeigt Langsam verlaufende 
Hydrolysen würden gewöhnlich durch H- oder HO-Katalysen erregt 

Katalysen begegnen wir auf Schritt und Tritt in der Chemie und Bio¬ 
logie. Aus Stärke wird Zucker, Pepsin und Trypsin verdauen Eiweiß, Ester 
werden verseift, Fette gespalten, Rohrzucker invertiert, Alkohol zur Gärung 
gebracht und Polymerisation hervorgerufen. Die Fäulnisprozesse im Darm 
sind größtenteils fermentative Vorgänge. Was das Ferment vermag, voll¬ 
bringt ebenso der Kontakt von Metallen; was der Sauerstoff der Luft tut, 
bringt das oiganisierte Ferment des Mykoderma aceti — auch viele andere 
Pilze — und Platinpulver zustande. Die Oxydasen beschleunigen die Oxy¬ 
dation organischer Stoffe durch Sauerstoff, ebenso manganhaltige Fermente. 
Organische Fermente bläuen wie Platinmohr Ouajaktinktur in Gegenwart 
von Wasserstoffeuperoxyd. H 2 0, wird zu H 2 0 + 0 durch Diastase, Emul¬ 
sin, Hefe, wässerige Pflanzenauszüge, Schimmelpilze, Gerstensamen, Hefen- 
preßsaft, Pepsin und Ptyalin wie auch durch Platin zersetzt Die anorgani¬ 
schen Enzyme kolloidaler Natur sind bekannt in ihrer chemischen Zusam¬ 
mensetzung und ihre Abhängigkeit von bestimmten Gesetzen ist studiert: 
die Geschwindigkeit der Zerzetzung wird gemessen, die Größenordnung der 
kleinsten Metallmengen und die Konzentration dieser Katalysatoren wird 
bestimmt, der Temperatureinfluß wird vorausgesehn und die Vergiftungs¬ 
erscheinungen unter Einwirkung von Blausäure, Sublimat und andern Giften 
experimentell festgestellt Die Metallkatalyse des H 2 0, ist das Urbild 
aller Gärungen, nach modernem Ausdruck das Zeichen chemischer 
Kinetik. Katalyse ist eine Vermehrung der Molekülarten, weiche unter der 
Reaktion mit O-, HO- und H-Ione vor sich geht Schon oben sagten wir, 
daß Enzyme häufig Metallverbindungen enthalten, Metalle sind den oxy¬ 
dierenden Fermenten geradezu ähnlich, die Zerlegung von H 2 0 2 ist ein 
Oxydationsprozeß; Oxydasen enthalten Eisen oder Mangan. Laccase enthält 
Mangan; die tierischen Oxydasen, welche H 2 O a spalten, enthalten Eisen. 
Die Oxydasen spalten den Sauerstoff ab und lagern ihn wieder an, sie ver¬ 
anlassen die Reduktion von Nitraten zu Nitriten. 

Und dennoch sind sich organische und anorganische Fermente nicht 
ganz gleich trotz des Auftretens vieler Analogieen. Das H-Ion, das Platin 
wirkt anders als Invertin; der Grad der Umsetzung, der Gang und der zeit¬ 
liche Ablauf*) ändern sich durchaus. Viele Vorgänge, die durch anorganische 
Fermente hervorgerufen werden, sind reversibel; bei den organischen Fer¬ 
menten ist dies selten der Fall**), wenigstens nach dem Stande unseres 
gegenwärtigen Wissens, wenn auch dem lebenden Protoplasma sicherlich 


*) Die Geschwindigkeit der Reaktion ist gleich der Quadratwurzel aus der 
Fermentmenge (Schfitzs Gesetz). 

**) Bekannt sind die Reversibilität des Äthylenbutyrat aus Äthylester, der Mal¬ 
tose aus Glukose, des Olyzerinester durch Lipase. Auch Kohlenhydratreaktionen 
sind zum großen Teil reversibel, z. B. entsteht Traubenzucker aus Glykogen bei 
Zusatz von Hefezusatz, dann bildet sich wieder Olykogen bei Zusatz von Trau¬ 
benzucker. 


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synthetische Kraft zusteht, wie der Eiweißaufbau in der Darmwand und die 
Plasteinbildung dartun*). Auch der Unterschied besteht, daß Glykosid 
durch das H-Ion glatt bis zu Ende, bis zum vollen Verbrauch und letzten 
Rest gespalten wird, während bei Einwirkung des Enzyms die Spaltung vor 
Verbrauch allen Glykosidvorrates aufhört, sobald eine gewisse Menge von 
Spaltungsprodukten auftritt Das H-Ion bleibt unangegriffen, das Enzym 
aber wird zerstört oder gelähmt in seiner Wirkung. 

Wie der Mechanismus der molekularen Umlagerung abläuft, ist unklar. 
Woher das Ferment bei der Hydrolyse das H,0 nimmt, ob es Wasser 
bindet und wieder hergibt, wissen wir nicht Ebenso wenig ist bekannt, ob 
bei der oxydativen Spaltung die Moleküle getrennt und O aufgenommen 
wird. Um ein Beispid zu wählen, dringt bei dem inversionsprozeß, sobald 
die wässerige Rohrzuckerlösung mit einer verdünnten Säure in Connex tritt, 
dn Molekül H,0 in dn Molekül Rohrzucker. Chemisch heißt die Formd: 

QjHjjOn-f H,0 = QH w 0 6 (Dextrose) + QH w 0 6 (Lävulose). 

Die Platinkatalyse des H,0„ welche nach Habers Anschauung in tiner 
stufenwdsen Reduktion und Oxydation abläuft, erfolgt in folgender chemi¬ 
schen Darstellung: 

yH,O f + nPt = PtnO-f yH t O 
PtnOy-f yH,O f = nPt+yHjO+yO,. 

Mit wenigen Worten wollen wir noch der Gärung gedenken, welche in 
den Forschem die ersten Anschauungen über die Fermentreaktion erweckte 
und bald hydrolytisch, bald oxydativ erfolgt Fervd, es gärt, es bildd 
sich Kohlensäure oder Gas. Heute kennen wir die Alkoholgärung, die 
Milchsäure-, Essigsäure- und Butteigärung. Die Fermentreaktion ist bei der 
Essiggärung eine oxydative. Die Reaktion verläuft bei der alkoholischen 
Gärung, die durch Hdepilze aus Stärke resp. Zucker eingddtet wird, in der 
bekannten Weise mit Spaltung des Zuckers in Äthylalkohol und Kohlen¬ 
säure: 

QHuOg = 2(Cj H 6 0)+2CO*. 

Daß Hefepilze nicht unbedingt erforderlich sind, sondern Zymase, das von 
der Zelle getrennte Prinzip genügt hat E. Büchner bewiesen. Auch Mucor 
und Aspergillus nehmen bei Sauerstoffabschluß sehr ähnliche Formen an 
und erzeugen eine alkoholische Gärung, da sie Invertase enthalten. Die 
Hefearten sind für Bier und Wein verschieden, Meyern bezeichnet die 
Hefepilze als Saccharomyces cerevisiae oder s. vini zur Unterscheidung von 
andern Formen, eine Bezeichnung, die in der Literatur oft wiederkehlt 

Geht die Alkoholzersetzung ihren Gang weiter, so kommt es zur Essig¬ 
bildung oder Essiggärung. Dabei treten Spaltpilze in Aktion!, nicht Spro߬ 
pilze, wie Pasteur mit der Bezeichnung Mykoderma aceti irrtümlich annahm; 
Büchner und v. Meisenheim 18 ) haben das Essig bildende Enzym, das 
genau so wie Platinmohr unter Luftzutritt den Alkohol zu Essigsäure oxy- 


*) Die Entstehung der Synthese braucht auch gar nicht durch das Ferment 
veranlaßt zu werden, dafür treten Licht etc. Faktoren ein, aber das Ferment be¬ 
schleunigt im Ostwaldschen Sinne den Prozeß. 


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diert, aus den Bakterien, deren es viele gibt, dargestellt Die Mittelstufe bei 
der Oxydation ist Acetaldehyd. 

Die chemische Formel dafür ist: 

QH 6 O + 0 = c,h 4 o+h,o 

(Acetaldehyd) 

QH.O+0 = C,H 4 0, oder C,H s COOH. 

Das Schalwerden des Bieres im offnen Glase stellt den Prozeß alltäglich im 
gewöhnlichen Leben dar. 

Die Milch wird sauer oder es tritt Milchsäureproduktion ein, wenn Milch¬ 
zucker durch ein Ferment der Luftpilze oder Kokken gespalten wird. Aci¬ 
dum Iacticum entsteht aus dem Saccharum lactis in folgender Weise: 

Q*H„O u -f H,0 = 4(C 8 H 6 O a ), 

in anderer Form, wenn man annimmt, daß Milchzucker wahrscheinlich vor¬ 
her in Glykose umgewandelt wird, 

CgHjjOg = 2 (Cg H 6 0 S ). 

Daß auch Pneumobazillen aus Mannit Milchsäure bilden sollen, behauptet 
Grimbert 1 *). 

Wenn das Weißkraut durch das Sauermachen zu Sauerkraut umgewan¬ 
delt wird, so geschieht dies durch Spaltung der im Blatte enhaltenen Koh¬ 
lenhydrate, des Zuckersaftes, mit Hilfe der Milchsäurebakterien und im Blatte 
sitzender anaerober Bakterien in gleicher Weise. Meist geht die Umsetzung 
weiter bis zur Buttersäure. Die Milchsäuregärung spielt auch in der Magen¬ 
pathologie eine Rolle, da sie bei Stagnation der Ingesta und mangelnder 
Salzsäure auftritt; Salzsäure hemmt die Tätigkeit des Milchsäurefermentes; 
nach Stoklasas* 0 ) letzter Publikation soll umgekehrt das Auftreten der Milch¬ 
säure in den Geweben die Pankreasdiastase lähmen und den Nichtabbau 
des Zuckers bei schwerem Diabetes verschulden. Die Milchsäurebiidung im 
absterbenden Muskel ruft ebenfalls wahrscheinlich ein Ferment hervor, da 
sich derartige Enzyme im Blute und in verschiedenen Organen auffinden 
lassen. 

Den Schluß macht die Buttersäuregärung, die uns auch im Kohl, Käse, 
Sauerkraut und in den Schnitzelresten der Zuckerrübe entgegentritt, durch 
Clostridium butyri. Die Buttersäure geht aus der Milchsäure hervor. 

QH u O* = 2(0^0,) = C 4 H 8 O t + 2CO* + 4H. 


Literatur-Verzeichnis. 


1) Höher, Physikalische Chemie der Zelle und Oewebe, 1902. 

2) Oppenheimer, Die Fermente und ihre Wirkungen, 1903. 

3) Jahrb. d. chem.-phys. Oes., 30. 31. 

4) Anorganische Fermente, 1901. 

5) Jahrb. f. Kind. 52. 

6) Dtsch. med. Wochenschr., 1904, Nr. 6. 

7) Hofmeisters Beitr. z. chem. Phys. u. Path., 3. Bd., 4.-6. H. 

8) Ztschr. f. klin. Med., 1901. 

9) Arch. f. d. ges. Phys. 1902. 

Nr. 9. 


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196 


10) Ztschr. f. phys. Chem. 39« 

11) Kongr. f. innere Med., 1902. 

12) Ztschr. f. phys. Chem., 1903, Bd. 35. 

13) Dtsch. med. Wochenschr., 1902, Nr. 1. 

14) Hofmeisters Beitr. z. chem. Phys. u. Path., 3. Bd., 4.-6. H. 

15) Naturforscher- und Ärzteversammlung zu Hamburg, 1901. 

16) Kopp, Oeschichte der Chemie. 

17) Höher, Phys. Chem. der Zelle und Oewebe. 

18) Chem. Ber., 36. Bd. 

19) Compt. soc. biol. 48. 

20) Dtsch. med. Wochenschr., 1904, Nr. 6. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1904 zu ergänzen.) 

Körner: Untersuchungen und Erfahrungen Aber den Einfluß von Operationen auf den 
Verlauf und Ansgang des Diabetes mellitus. (Mitteilg. a. d. Orenzgeb. d. Med. u. 

Chir., Bd. 12, H. 5.) 

Um zur Entscheidung der obengenannten Frage möglichst gleichartige Falle 
zu benutzen stellt Verf. 34 Mastoiditisoperationen zusammen und kommt zu fol¬ 
genden Schlüssen: 

1. Bei der leichten Form des Diabetes kann die Operation die Zuckeraus¬ 
scheidung vorübergehend steigern, ohne den Kranken weiterhin zu schädigen. 

2. Eine Oefahr des Überganges der leichten Form des Diabetes in die schwere 
durch die Operation scheint nicht zu bestehen. 

3. Der Eintritt des Koma infolge der Operation ist nur zu fürchten, wenn der 
Diabetes bereits vor der Operation die klinischen Erscheinungen der schwe¬ 
ren Form zeigt, namentlich, wenn die Gerhard sehe Probe auf Acetessig- 
säure im Harn stark positiv ausfallt. 

4. Eine Kontraindikation gegen die sonst indizierte Operation stellt die leichte 
Form des Diabetes nicht dar. 

5. Operation ex indicatione vitali dürfen auch bei der mittelschweren und der 
schweren Form des Diabetes vorgenommen werden. 

B. Oppler (Breslau). 

Loening: Zur Therapie schwerer Diabetesfille. (Die Therapie der Gegenwart, S.97.) 

Daß in der Tat nicht nur durch qualitative sondern vielmehr auch durch 
quantitative Regelung der Diabetikerdiät, wie das Naunyn vorgeschlagen hat, 
Patienten zuckerfrei und sogar tolerant gegen kleine Mengen Kohlenhydrate 
werden können, beweisen die beiden von L aus der Naunyn sehen Klinik mit¬ 
geteilten schweren Fälle von Diabetes (eine 23 jährige Krankenschwester und ein 
18jähriger Ackerer). In beiden Fällen wurde trotz bestehender Addose die Be¬ 
schränkung der Nahrung eingeführt allerdings unter gleichzeitiger Darreichung 
^ von Natr. bicarb. Unter dieser strengen Diät sank die Zuckerausscheidung und 
' mit ihr die Menge der ß - Oxybuttersäure. Die Addose geht sehr viel stärker 
herunter, als der Beschränkung der Fettzufuhr entspricht, sie ist auch unabhängig 
von der Kohlenhydratzufuhr. Dagegen geht sie parallel dem Sinken der Bildung 
des Zuckers aus Eiweiß. Ebenso ist die Addose abhängig von der Toleranz. 
Die Besserung der letztem wurde nicht sowohl erreicht durch einseitige Be¬ 
schränkung der Kohlenhydrataufnahme als vielmehr durch gleichzeitige Beschrän¬ 
kung der Eiweiß- und Fettnahrung. Schreiber (Göttingen). 


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Woftter-Pecksen: Die Fälle von Diabetes mellitus, behandelt In den Jahren 1888—1900 
in der König), med. Universititeklinik Döttingen. (Inaug.-Diss., Qöttingen 1902.) 

Seit der letzten diesbez. zusammenfassenden Arbeit aus der Oöttinger Klinik 
(Behrens 1887) sind 124 weitere Falle von Diabetes zur Aufnahme und Behand¬ 
lung gekommen. Verf. hat dieselben nach Ätiologie, Verlauf, Komplikationen und 
Ausgang geordnet und fugt schließlich eine nadi Naunynschem Muster gefer¬ 
tigte Tabelle über 19 Sektionsbefunde an. Hesse (Kissingen). 


Becker: Des Bflckebnrger Arztes Dr. Hermann Konnerdlng Briefe über die Be¬ 
handlung der Gicht (1611—1612). (Deutsche Ärztezeitung, S. 89.) 

Die vier mitgeteilten Briefe bilden einen interessanten Beitrag zur Oeschichte 
der Gichttherapie. Bei der Reichhaltigkeit der vorgeschlagenen Mittel ist es nicht 
möglich, hier auf Einzelheiten einzugehen, erwähnt sei nur, daß Aderlaß, Purgier¬ 
mittel sowie Diätvorschriften, die allerdings von unsem heutigen sehr abweichen, 
eine Hauptrolle spielen. Schreiber (Qöttingen). 

Aufrecht: Ober IchthyoIIdin. (Deutsche Ärztezeitung, S. 486.) 

Aus den Stoffwechselversuchen, die teils am Menschen, teils am Hunde aus¬ 
geführt wmden, ergaben sich die Schlußfolgerungen, daß das Ichthyolidin voll¬ 
kommen unschädlich ist (bis zu 5 g pro die); es wirkt diuretisch; bei kleineren 
Dosen bleibt der Ham sauer, bei größeren wird er schwach alkalisch. Beim 
gesunden Menschen bewirkte das Mittel eine Verminderung der Hamsäureaus- 
sebeidung, dagegen bei einem Kranken mit akutem Gelenkrheumatismus und bei 
einem Hunde eine Vermehrung derselben. Der Ichthyolidin haltige Ham vermag 
noch Harnsäure zu lösen, es ist daher auch wohl anzunehmen, daß das Mittel 
im Körper Harnsäureablagerungen zu lösen, resp. deren Bildung zu verhindern 
vermag (cf. d. Zentralbl., 1903, S. 275). Schreiber (Qöttingen). 

Starck: Die diffuse Erweiterung der Speiseröhre. Sep.-Abdr. aus »Zeitschr. f. prakt. 

Ärzte«, 1903, Nr. 7. 8. München, Seitz & Schauer. (0,60 Mk.) 

Analyse eines klassischen Falles von Dilatatio oesophagi bei einem 41 jährigen 
Trinker und Tabakkauer, welcher — in größeren Zeiträumen nacheinander — über 
Schmerz bei Nahrangsaufnahme am Speiseröhreneingang, Oppressionsgefühl über 
dem Sternum, Krampf am Mageneingang, Regurgitieren schleimiger und unver¬ 
dauter Massen klagte und abgemagert war. Die Diagnose ließ sich stellen 
durch Nachweis zweier Hindernisse am Ein- und Ausgang des Ösophagus, Ver¬ 
schiedenheit der chemischen Beschaffenheit der Contenta der beiden Höhlen 
(Speiseröhre und Magen) nach Entnahme mit dem weichen Schlauch und ge¬ 
trennten Rückflusses in den Magen gegossenen Wassers und zugleich getrunkener 
Methylenblaulösung durch den gesenkten Hegarsehen Trichter. Der erste Anlaß 
der Beschwerden war ein psychisches Trauma; voraussichtlich kam es hierbei zu 
einem Spasmus, der sich wiederholte und konsekutiv zu einer Stauungsdilatation 
führte. 

Verf. bespricht dann ausführlich die verschiedenen Ursachen der Dilatationen 
und die auf diesen basierende Behandlung. Bei der ausgebildeten Erweiterung 
ist Entleerung und Spülung das wohltuendste. (Ref. verwendet am liebsten warme 
1 ~ 2 %ige Na. bic.-Lösung, als Desinfiziens Chinosol (1:250 Wasser); bei Atonie 
Endofaradisation; in schweren Fällen Schlundsondenemährung, eventuell Gastro¬ 
stomie. Pickardt (Berlin). 


Starck: Die Erkrankungen der Speiseröhre. Würzburger Abhandlungen, 1903. Stü¬ 
bers Verlag. (0,75 Mk.) 


St, der in den letzten Jahren selbst Mehreres zur Kenntnis der Speiseröhren¬ 
erkrankungen, insbesondere der Divertikel, beigebracht hat, erörtert in einer kurzen 

Nr. 9*. 


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Monographie das bezeichnete Gebiet für den praktischen Arzt. Er erkennt an 9 
daß für die Praxis die Sondierung die souveraine Untersudiungsmethode ist. Um 
für alle Falle gerüstet zu sein, bedient sich St. eines (von Droell in Heidelberg 
konstruierten) englischen Bougies, das oben mit einem flachen Griff, unten mit 
einem Metallansatz versehen ist; in der Höhlung läuft eine Drahtspirale; an den 
Ansatz können gerade und gebogene Oliven und Ansatzstücke verschiedenen Ka¬ 
libers geschraubt werden. 

Im speziellen Teil werden nach einander abgehandelt: Entzündungen, Qe- 
schwüre, Oeschwülste. Die Therapie der Cardnome ist natürlich nur eine symp¬ 
tomatische. Zum Schlüpfrigmachen empfiehlt Verf. Ol. Ridn. 50, Glyzerin 25, 
Ol. Menth, gtt 111, Aqu. ad. 200, eßlöffelweise. Anästhesierung durch Ein¬ 
spritzung 3%iger EucaTnlösung. Von besonderem Vorteil sind Auswaschungen 
des Ösophagus mit gleicher Technik wie bei Magenspülungen. Sehr sympathisch 
ist die Vertretung der Anschauung, daß Cardnome nicht zu dilatieren sind, so¬ 
lange Breiiges und Flüssiges anstandslos geschluckt wird; in dieser Beziehung 
wird durdi Polypragmasie viel gesündigt ln der Behandlung der Stenosen car- 
dnomatöser Natur ist der Oastrostomie lediglich ein palliativer Wert beizumessen, 
während sie bei benignen Verengerungen ein kurativer Eingriff ist, zum Zweck 
der Einleitung der retrograden Sondierung, ln der Diagnose des Cardnoms ver¬ 
mißt Ref. die Heranziehung des Röntgenverfahrens, das ihm in letzter Zeit mehr¬ 
fach gute Dienste leistete. 

Den Schluß bildet eine ausführliche Besprechung der Divertikel mit besonderer 
Berücksichtigung der differentiellen Diagnose, sowie der Neurosen. Hier fehlt 
jedoch die Besprechung der »Ärophagie«. Pickardt (Berlin). 

Stander, A.: Ober Sensibilitätsnearosen des Magens. Med. Oesellsch. zu Leipzig. 

Sitzung vom 3. Nov. 1903. (Münch, med. Wochenschr., 1903, Nr. 51.) 

ln dem ersten der von St mitgeteilten Fälle handelt es sich um eine hoch¬ 
gradige Belastungshyperästhesie des Magens bei einer 38jährigen hysterischen 
Patientin. Nachdem die Patientin jahrelang ohne Erfolg mit Ulcuslcuren etc. be¬ 
handelt worden war, brachte ihr ein zweitägiger Versuch mit Kokain bei völliger 
Nahrungsentziehung und die darauffolgende Darreichung von Argentum nitricum 
nach Rosenheims Dosierung Besserung und schließlich vollständige Heilung. 

Der 2. Fall stellt eine Mischneurose des Magens dar: Akorie mit schwerer 
Anorexie bei einer 34jährigen an Paranoia chronica leidenden Frau. 

Schade (Qöttingen). 

Wagner, Max: Zar Behandlung des Magengeschwürs. Aus dem Eppendorfer Kranken¬ 
hause in Hamburg. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 1. 2.) 

W. veröffentlicht die Resultate der von Lenhartz an einem größeren Mate¬ 
rial (60 Patienten) durchgeführten Behandlungsmethode des Magengeschwürs. 
Ausgehend von der Annahme, daß die hauptsächlichsten disponierenden Momente 
zur Entstehung des Ulcus ventriculi in der Hyperchlorhydrie und in der Chlorose 
resp. Anämie zu suchen seien, sieht Lenhartz die Aufgabe der Therapie darin, 
diese zu bekämpfen und so für die Heilung des Geschwürs günstige Bedingungen 
zu schaffen. An Stelle der bisher üblichen ausschließlichen Milchkost läßt er daher 
gleich von Anfang an neben der Liegekur eine eiweißreiche Ernährung treten, 
selbst in solchen Fällen, in denen eine schwere Blutung unmittelbar vorheigegan- 
gen ist. Am Tage der Blutung erhalten die Kranken löffelweise bis zu 200 bis 
300 ccm eisgekühlte Milch und schon innerhalb der ersten 24 Stunden 1—3 ge¬ 
schlagene rohe, ebenfalls auf Eis gekühlte Eier. Die Milchmenge wird täglich 
um 100 ccm gesteigert, ebenso täglich'1 Ei hinzugefügt, so daß schon am Ende 
der ersten Woche täglich etwa 800 ccm Milch und 6—8 Eier verabfolgt werden. 
Vom 6. Tage nach der Blutung an wird mit fein geschabtem rohen Rindfleisch 
begonnen, zuerst 35 g täglich in mehreren kleinen Portionen, dann 70 g und all- 


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mählich mehr. Nach 3—4 Wochen kann eine ausreichende gemischte Kost ver¬ 
ordnet werden. Die medikamentöse Behandlung besteht in Verabreichung von 
Bismuth. subnitr., das 2—3 mal täglich in Dosen von 2 g in Aufschwemmung mit 
Wasser (nicht mit Schlundrohr!) gegeben wird. Bei dieser Behandlung verschwin¬ 
den die Schmerzen meist sofort, infolge der Bindung der freien Salzsäure durch 
die eiweißreichen Ingesta hört das Erbrechen auf, und — was die Hauptsache 
ist — die in der Enährung meist sehr heruntergekommenen Patienten erholen sich 
viel schneller als bei der mit der ausschließlichen Milchdiät verbundenen Unter¬ 
ernährung. Schade (Oöttingen). 

Hueter: Zwei Fälle seltener Magenerkrankung. Altonaer ärztl. Verein. Sitzung vom 
23. Sept 1903. (Mönch, med. Wochenschr., Nr. 2.) 

Im ersten Fall handelte es sich um ein primäres Lymphosarkom des Magens 
mit ausgebreiteten Metastasen auf dem Lymphwege, im zweiten um eine phleg¬ 
monöse Gastritis, hervorgerufen durch Streptokokken, mit ausgedehnter Nekrose 
der Magenwände. Schade (Oöttingen). 

v. Tabor»: Zar unblutigen Behandlung narbiger Magenverftnderungen. (Ehe Therapie 

der Oegenwart, S. 56.) 

T. teilt einen interessanten Fall mit von erfolgreicher Behandlung eines Sand¬ 
uhrmagens bei einer 54jährigen Frau durch Injektion von Thiosinamin und 
gleichzeitiger Magenmassage, den er auf der Riegel sehen Klinik zu beobachten 
Gelegenheit hatte. Während 3 Monate wurde alle zwei Tage 1 ccm einer 20%igen 
Glyzerinwasserlösung von Th. an den Extremitäten injiziert ohne Nebenerschei¬ 
nungen. Die Magenmassage wurde derart ausgefuhrt, daß mittels einer Magen¬ 
sonde Luft eingeblasen, so daß die Magenwand in einer mittleren Spannung war, 
und dann ausschließlich Effleurage angewandt wurde. Die Patientin wurde voll¬ 
kommen beschwerdefrei entlassen. Schreiber (Göttingen). 

Sivdo: Ober die Ursache der Tetanie bei Pylorusstenose. (Finska Läkaresällsk. handl., 

Nr. 2.) 

Zur Erklärung der Tetanie bei Pylorusstenose stehen sich im wesentlichen 
2 Theorieen gegenüber: die Eintrocknungstheorie Kussmauls und die Intoxi¬ 
kationstheorie. Eine starke Eintrocknung ist bei hochgradiger Pylorusstenose 
sicher vorhanden; ihren Grad erkennt man am besten durch Blutuntersuchungen. 
Man findet dann nicht selten 6—7 Millionen Erythrocyten und über 100% Hb. 
Während die Trockensubstanz des Normalblutes 20—22% beträgt, fand man in 
einem Falle der Helsingforser medizinischen Klinik 32%. — Der normale, nicht 
arbeitende Mensch braucht im Durchschnitt 1500—2000 ccm Wasser pro Tag; 
Kalte, Hunger und Ruhe vermindern diese Zahl. Unter ein gewisses Minimum 
kann sie jedoch nicht sinken, da der Lebensprozeß stets wasserlösliche Verbren¬ 
nungsprodukte liefert, die abgefuhrt werden müssen, und zwar kann man annehmen, 
daß um so mehr Wasser gebraucht wird, je mehr solche Abfallprodukte gebildet 
werden, die durch die Nieren eliminiert werden müssen. Also benötigt der Or¬ 
ganismus zur Abfuhr mehr Wasser, wenn mehr Eiweißstoffe verbrannt werden, 
weniger, wenn mehr die Kohlenhydrate und Fette den Bedarf des Körpers be¬ 
streiten. So schied Siven, als er eine Woche lang in seiner Nahrung nur 15 g 
Eiweiß verzehrte, im Mittel täglich nur 348 ccm Urin aus. Treffen diese Voraus¬ 
setzungen zu, so wird bei einer schweren Pylorusstenose der Körper relativ wenig 
Wasser zur Abfuhr seiner Zersetzungsprodukte brauchen, da er auch an festen 
Stoffen Hunger leidet und, von seinem Körper zehrend, relativ mehr Fett als 
Eiweiß zersetzt Im Anfang des Stenosenzustandes kann der Organismus selbst 
noch die hierfür täglich nötigen etwa 500 ccm Wasser abgeben; er bezahlt ge¬ 
wissermaßen mit seinem Wassergehalt die Reinigung seiner Zellen von Abfall¬ 
produkten. Schließlich aber versagt diese Quelle, die Abfallprodukte werden nicht 


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mehr abgeführt, und auf diese Weise könnte wohl eine Autointoxikation zustande 
kommen, die zur Erklärung des Tetanieausbruchs herangezogen werden könnte. 
Dem steht aber entgegen, daß das Bild der Tetanie mit dem der gewöhnlichen 
RetentionsVergiftung, der Urämie, gar keine Ähnlichkeit hat, ebensowenig mit 
einer CO«-Intoxikation. Qegen die Intoxikationshypothese spricht auch, daß, wie 
schon Kuss maul feststellte, der Ausbruch einer Tetanie sich gelegentlich direkt 
an profuses Erbrechen oder eine Magenspülung anschließt, Vorgänge, durch die 
Intoxikationsstoffe doch höchstens eliminiert werden können. Dieses Verhalten 
spricht vielmehr direkt für die Eintrocknungstheorie, für sie spricht weiter ganz 
besonders, daß die nervösen Symptome der Tetanie in hohem Orade dem Phä¬ 
nomen gleichen, das in der Physiologie als Eintrocknungstetanus bekannt ist 
Für die Eintroclmungstheorie spricht weiter auch eine Beobachtung von Sivön: 
In einem Falle von Tetanie vermochte die Resorption von 1—l 1 /* Liter Kochsalz¬ 
lösung vom Rektum aus den Anfall zu sistieren und relatives Wohlbefinden her- 
beizuführen. Sivän rät daher auch, alle Fälle von drohender Tetanie bei Pylorus¬ 
stenose mit häufigen kleinen Kochsalzklysmen zu behandeln. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Fraenkd, Eug.: Ober den histologischen nnd kulturellen Nachweis der Typhosbazillen 
im BInt nnd in Leichenorganen. Aus d. pathol. Institut d. allg. Krankenhauses in 
Hamburg-Eppendorf. Vortrag, mit Demonstration, gehalten in d. biol. Abt d. 
ärztl. Vereins. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 2.) 

F. weist Hartog gegenüber nach, daß zur Isolierung von Typhusbazillen, sei 
es aus Blut oder aus Organen, der Olycerinagar dem Löfflersehen serumhaltigen 
Nährboden bei weitem überlegen ist Schade (Göttingen). 

Müller, F.: Bemerkungen zur Behandlnng des Abdominaltyphns. (Die Therapie der 

Oegenwart, S. 23 u. 49.) 

Die von M. vorgetragene Typhustherapie weicht in manchen Punkten erheb¬ 
lich von der bisher üblichen ab, so daß es angezeigt erscheint, näher auf dieselbe 
einzugehen. Aus den Tabellen über die Todesursache bei Typhus ergibt sich, 
das die Hauptgefahr desselben auf der Intoxikation beruht, gegen diese hätte sich 
also die Therapie in erster Linie zu richten. Die Serumbehandlung sowohl wie 
das Kalomel, das keine antiseptische Wirkung entfaltet und auch meist zu spät 
gereicht wird, d. h. nachdem die Bazillen bereits in den Organismus übergegangen 
sind, lassen aber in dieser Beziehung vollständig im Stich. Beachtenswert ist das 
Sinken des Blutdruckes als ominöses Symptom. Zur Bekämpfung desselben 
empfiehlt sich die systematische, alle 2 Stunden wiederholte Injektion mittlerer 
Koffeindosen (1—2 g pro die) sowie das Auflegen einer Eisblase auf .den Bauch, 
um die abdominelle Blutüberfüllung herabzusetzen und gleichzeitig die Qasauf- 
blähung des Darmes zu beschränken. Die Darreichung des Alkohols empfiehlt 
M. nicht, nur bei lang protrahierten Fällen und drohender Inanination läßt er 
Wein reichen. Den Wert der Wasserbehandlung erblickt Verf. in der Reizwirkung 
derselben. In zweiter Linie kommen als Todesursache in Betracht die Darm¬ 
blutungen und die Perforation. Die bisher als Prophylaktikum empfohlene Milch¬ 
diät verwirft M. und empfiehlt vielmehr mit Rücksicht auf die drohende Inanitfon 
der Kranken geschabtes Fleisch, weiches Gemüse, Kartoffel- und Reisbrei, Ories- 
brei, Zwieback und getrocknetes Weißbrot Bei dieser Ernährung traten Darm¬ 
blutungen und Rezidive nidit häufiger auf, als bei der Milchdiät. Ist jedoch 
Darmblutung eingetreten, so ist sofort Milchdiät zu verordnen. An dritter Stelle 
als Todesursache steht die Pneumonie, zur Verhütung derselben dienen soigfältige 
Mund- und Nasenpflege (Aussprayen der Nase mit warmer 1 °/ 0 iger Kochsalz¬ 
lösung), häufiger Lagewechsel und die Aufstellung eines sogenannten Bronchitis¬ 
kessels. Letzterer soll Wasser zerstäuben, .dem ein Teelöffel voll Terpentin oder 
Latschenöl zugesetzt ist. Das 8 /« m lange Rohr des Kessels ist, gegen das Ge- 


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sicht des Kranken gerichtet, soll jedoch 40 cm davon bleiben. Die Verdampfung 
geschieht dreimal täglich je eine Stunde. Von seiten des Harnapparates ist zu 
unterscheiden zwischen Badllurie und wirklicher Cystitis; hier hat sich die Dar¬ 
reichung von Urotropin empfohlen. Eine strenge Isolierung der Typhuskranken 
hält M. nicht ffir nötig, wenn im übrigen nur in der Umgebung des Kranken 
große Sauberkeit herrsdit Schreiber (Göttingen). 

Efdmann, J. F.: Appendidtis in young children. (New-York med. Joum., S. 537.) 

E. berichtet über 29 Falle von Appendidtis bei Kindern, die er unter 250 Fällen 
insgesamt zu beobachten Gelegenheit hatte. Von diesen 29 Fallen operierte er 22 
(mit 2 Todesfällen), 9 Patienten im ersten Anfall, 13 nach dem zweiten resp. häufi¬ 
geren Anfall. In 14 Fallen bestand Oangrän und Perforation. 7 mal fanden sich 
Fremdkörper, darunter 4 mal Oxyuriden. An Komplikationen wurden beobachtet: 
Subphrenischer Abszeß, Pneumonie, tuberkulöse Peritonitis, Angina und akuter 
Gelenkrheumatismus. Dem Alter nach betrafen die Fälle ein 3jähriges, 2 fünf¬ 
jährige, 3 sechsjährige, 7 siebenjährige, 4 neunjährige und 5 zehnjährige Kinder. 
Die Diagnose der kindlichen Appendidtis ist nicht leicht, Verwechslungen mit 
Peritonitis, Pneumonie und Pleuritis sind leicht möglich. Schmerzen, Spannung 
im rechten untern Bauchquadranten, Temperatursteigerung, erhöhte Pulsfrequenz, 
Fehlen von Blut und Schleim im Stuhl sowie spätere Ausbildung eines Tumors 
sind die klassisdien Symptome. Beachtenswert ist, daß die Kinder häufig ihre 
Hand auf die Oegend des Appendix legen. E. empfiehlt in jedem Fall die Ope¬ 
ration, die weiteren Mitteilungen sind rein chirurgischen Charakters. 

Schreiber (Oöttingen). 

Conchmann, H.: Bemerkungen zur Arbeit des Herrn L Rehn, über den Wert der 
Blutkörperchenzählung bd den akuten Entzündungen des Wurmfortsatzes. (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 3.) 

C. widerlegt die von Rehn (Münch, med. Wochenschr., Nr. 50, Ref. dies. 
Zentralbl. Nr. 7) aufgestellte Behauptung, daß die Blutkörperchenzählung für die 
Diagnose einer Appendidtis und die Indikation zum operativen Eingriff keinen 
Wert habe. Schade (Oöttingen). 

Mori: Spontane Appendidtis bd dnigen Tierepedes. (Mitteilg. a. d. Qrenzgeb. d. 

Med. u. Chir., Bd. 12, H. 5.) 

Verf. widerlegt die Zweifel am Vorkommen spontaner Epityphlitis bei Tieren 
durch Mitteilung dreier eigener Beobachtungen, zwei Kaninchen and einen Hund 
betreffend. Auch durch Einspritzung von Bakterien in die Arteria appendicularis 
gelang es ihm Epityphlitis zu erzeugen. B. Oppler (Breslau). 

Richartz, H.: Ober dnen Fall von Enterorboea nervosa. Aus d. Privatklinik d. Geh.- 
Rat Prof. v. Leube in Würzburg. Nach einem in d. med.-physik. Gesellschaft zu 
Würzburg gehalt. Vortrag (Sitzung vom 5. Nov.). (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 3.) 

Zu der mitgeteilten eigenartigen Beobachtung eines Falles von sog. Enteror- 
hoea nervosa konnte R. in der Literatur nur ein einziges Analogon auffinden, den 
von Wiek in der Wiener med. Wochenschr., 1898, Nr. 40, mitgeteilten Fall von 
Enteritis nervosa. Es handelt sich in dem R.schen Falle um einen 52jährigen Pa¬ 
tienten, der, von jeher an Obstipation leidend 1 , seit mehreren Jahren täglich an 
Menge und Zahl (zuwdlen bis zu 12) wechselnde flüssige wasserklare Entleerun¬ 
gen hatte, für welche die nähere Untersudiung ein anatomisches Substrat nicht 
auffinden ließ. Bei der Rektoskopie erwiesen sich Rektum und Flexur als leer, 
nur wenn Patient gerade das heftige, die flüssige Entleerung ankündigende Drang¬ 
gefühl verspürte, zeigte die Schleimhaut des Rektums ein feucht-glänzendes Aus- 


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sehen, und es flössen aus dem Tubus einige Tropfen Flüssigkeit ab. Dagegen 
stieß eine eingefflhrte Sonde, etwa 28 cm vom Anus entfernt, auf einen Wider¬ 
stand, der durch sanftes Nachschieben allmählich überwunden werden konnte, 
worauf sich aus der Sonde eine größere Menge der hellen Flüssigkeit unter ziem¬ 
lich hohem Druck entleerte. R. nimmt, da er alle anderen in Frage kommenden 
Möglichkeiten mit Sicherheit ausschließen zu können glaubt, an, daß der ganze 
Symptomenkomplex als »Folge einer chronischen Innervationsstörung, einer moto¬ 
rischen und sekretorischen Neurose eines bestimmten Dickdarmabsdmittes« auf¬ 
zufassen ist ln einem durch Muskelkontrakturen gebildeten Abschnitt des Dick¬ 
darms findet eine dauernde Hypersekretion statt; erreicht die Spannung in dem¬ 
selben einen bestimmten Orad, so wird die den Abschnitt nach unten abschließende 
Kontraktur überwunden, und die angesammelte Flüssigkeit entleert sich. Eine Re¬ 
gelung des Stuhlgangs durch Abführmittel führte eine Besserung des Leidens 
herbei. Vf. erklärt die Wirkung dieser Therapie in der Weise, daß die täglich er¬ 
zielte Defäkation gleich die ganze vorhandene Flüssigkeit mit sich nahm und be¬ 
sondere flüssige Entleerungen, die eine Überreizung des Sphinkters zur Folge 
haben mußten, nun nicht mehr stattfanden. Schade (Oöttingen). 

Kredel: Ober die akute Darminvagioatioo Im Kindesalter. (Mittig, a. d. Orenzgeb. 
d. Med. u. Chir., Bd. 12, H. 5.) 

K. faßt seine an 9 operierten und 3 unoperierten, bis auf einen spontan ge¬ 
heilten sämtlich letal verlaufenen Fällen, gesammelten Erfahrungen folgendermaßen 
zusammen: 

Unter den Gefahren der Operation bei der akuten Darminvagination kleiner 
Kinder steht die des Shok weitaus voran. 

Um ihm vorzubeugen, ist es durchaus nötig, so früh als irgend möglich zu 
operieren, und zwar je kleiner das Kind, je eiliger. Wo das Leben erg nach 
Monaten zählt, soll man den Termin für die Operation nach Stunden rechnen. 

Der Begriff der Frühoperation, oder richtiger rechtzeitigen Operation ist nicht 
über 24 Stunden hinaus auszudehnen. Eine Operation am 2. Tage kommt häufig 
nicht mehr früh genug. Die Dringlichkeit des Eingriffes ist die gleiche, ja sogar 
größer als bei eingeklemmten Hernien. Es wäre wünschenswert, wenn dieser 
Gedanke die Richtschnur für das Handeln der deutschen Ärzte werden wollte, 
wie er es in England seit einigen Jahren bereits ist. 

Wassereinläufe oder Lufteinblasungen sollte man bei Kindern unter 1—2 
Jahren garnicht erst versuchen, ausgenommen als Vorakt für die unmittelbar fol¬ 
gende Operation. 

Wird bei der Operation die Invagination irredudbel gefunden, so ist die 
Prognose auch heute noch so außerordentlich ungünstig, daß es lohnt, nach 
Operationsverfahren zu suchen, welche so schonend wie möglich sind. Vielleicht 
wird die Unterbindung des Mesenteriums mit gleichzeitiger Anlegung einer tem¬ 
porären Darmfistel zuweilen von Nutzen sein, in ganz verzweifelten Fällen even¬ 
tuell auch allein die Einnähung und Eröffnung der nächstbesten geblähten Darm¬ 
schlinge. Nur wenn die Kinder das zweite Lebensjahr überschritten haben und 
noch kräftig genug sind, wird man an komplizierte Eingriffe denken können. 

B. Oppler (Breslau). 

M’Öutre: Intestinal obstrnction from Meckels Dlverticnlnm. (Texas med. Joum., 

Nr. 8., S. 305.) 

G. berichtet über 3 Fälle von Darm Verschluß durch Meckelsches Divertikel bei 
Männern zwischen 20 und 30 Jahren. Die Operation ergab bei allen ein gangränöses 
Divertikel, das vom lleum entsprang, und dessen Spitze mit dem Mesenterium 
verwachsen war. Im Anschluß an diese Mitteilung werden die bekannten ent¬ 
wicklungsgeschichtlichen Momente, die Symptomatologie und die Therapie be¬ 
sprochen. Schreiber (Göttingen). 


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Strauß« H.: Zar Methodik der Rektoskopie. (Bert. klin. Wochenschr., 1003, Nr. 48.) 

Str. hat einen Apparat zur Rektoskopie konstruiert, der unter Leitung des 
Auges unter gleichzeitiger Einblasung von Luft — von 11 cm vom Anus ab — 
eingeführt wird und so den Zugang zur Flexura sigmoidea leichter gewinnen 
läßt, als dies mit den gebräuchlichen Instrumenten (Kelly-Herzstein) meistens 
möglich ist Bezüglich der in Knieschulterlage geschehenden Introduktion gelten 
bestimmte genau einzuhaltende Vorschriften, die besser im Original nachzulesen sind. 

Tuttle (Med. News, 1002, Nr. 14) hat ein Rektoskop nach gleichem Prinzip 
gebaut, von dem sich das Straußsche durch die leichte Entfembarkeit des Be¬ 
leuchtungsapparates und durch Anbringung von Rinnen im Obturator zum Zwecke 
der Herstellung der Verbindung der Außenluft mit der Rektalluft unterscheidet. 
Hierdurch — das ist schon von Schreiber angegeben — wird eine Einklemmung 
der Schleimhaut beim Herausziehen des Obturators verhindert 

Auf Grund seiner rektoskopischen Befunde stimmt St Schreiber darin zu, 
daß es klinisch einen Sphincter tertius nicht gibt, daß wohl ein Verschlu߬ 
mechanismus vorhanden, aber den beiden anderen nicht gleichwertig ist 

Pickardt (Berlin). 

Adler: Some random notes on diseases of the rectom. (Pensylvania med. Joum., 

S. 247.) 

A. tritt für die Notwendigkeit der Ausbildung besonderer Spezialisten für die 
Erkrankungen des Rektums ein und macht für diesen Zweck alllgemeine Vor¬ 
schläge. Schreiber (Oöttingen). 

Riehl (Kissingen): Ober mehrfaches Vorkommen der Taenia saginata beim Menschen. 

(Münch, med. Wochenschr., 1003, Nr. 5Z) 

Die Patientin R.s beherbergte 2 Exemplare von Taenia saginata. Nach Ver¬ 
abreichung von 8 g Extract filic. gingen die eine Tänie sowie Glieder der anderen 
ab; der Kopf der zweiten wurde erst nach weiteren 4 g Extract. filic. zu Tage 

gefördert Schade (Oöttingen). 

Sonnenschein, Gustav (Olmütz): Taenia enenmerina s. dliptica bei einem 6 Monate 
alten Kinde. (Münch, med. Wochenschr., 1003, Nr. 52.) 

Abgang von 4 Exemplaren von Taenia cucumerina bei einem 6 monatlichen 

Kinde nach 1 g Extract. filic. Schade (Göttingen). 

Bendix: Zar Kasuistik des Bothriocephalns latos im Kindesalter. (Deutsche Ärzte¬ 
zeitung, S. 2.) 

Bend ix teilt einen Fall von Bothriocephalus bei einem Kinde mit Bothrio- 
cephalen sind bei Kindern sehr selten; B. beobachtete in seinem Falle den spon¬ 
tanen Abgang eines solchen bei einem 4V>jährigen Mädchen, das, abgesehen 
von einer leichten Anämie, keinerlei besondere Krankheitserscheinungen gehabt 
hatte. Das Blut zeigte eine Vermehrung der Lymphocyten und der eosinofilen 
Zellen, sowie eine geringfügige Verminderung der roten Blutkörperchen. Über 
die Art der Übertragung ließ sich nichts aussagen. Schreiber (Oöttingen). 

Neomann (Mühlheim a. d. Ruhr): Podopfayilin bei der Behandlung Wurmkranker. 
(Dtsch. med. Wochenschr., Nr. 5.) 

Bei den Wurmkuren, mittels deren man durch Darreichung von extr. filicis 
aether. und Kalomel die wurmkranken Bergleute im Ruhrfcohlengebiet von ihren 
Dannparasiten zu befreien sucht, machte N. die Erfahrung, daß die Ausscheidung 
von Wurmeiern dann besonders leicht verschwindet, wenn die Patienten selbst 
infolge der Nebenwirkungen der Arzneimittel erkranken. N. sieht die Ursache 


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hierfür nicht in der größeren Menge der Arzneimittel die im Blute zirkulieren, 
sondern in der Reizung der Darmepithelien durch die Giftstoffe. Er gab deshalb 
das verhältnismäßig ungiftige aber die Darmschleimhaut stark reizende Podo- 
phyllin in Dosen von 0,035 und hatte damit den Erfolg, daß die Wurmeier alsbald 
verschwanden. In hartnäckigen Fällen gab er später noch 10,0 g Extr. filicis 
aeth. 5 Stunden nach Darreichung von 0,035 Podophyllin. Auf eins macht er 
zum Schlüsse noch aufmerksam, nämlich, man solle nach beendeter Kur immer 
einige Tage mit einer neuen Kur warten, im Falle nach der ersten nicht sämtliche 
Eier verschwunden sind. Sehr häufig bleiben in den Falten der Darmschleimhaut 
noch Eier hängen, die sich erst nach und nach entleeren und in ca. 4 Tagen 
nach beendeter Kur gänzlich verschwinden. Einer neuen Kur soll jedenfalls 
immer eine erneute Untersuchung auf Wurmeier vorauf gehen. 

Wendenburg (Oöttingen). 

Cohnhdm: Ober Bismutose als Darmadstringens. (Berl. klin. Wochen sehr., 1903, Nr. 52.) 

C. hat mit der Bismutose, bekanntlich einem Bismut-Eiweißpräparat, das gegen 
normalen Magensaft so gut wie völlig resistent ist, gute Erfahrung bei Colitis, 
besonders von achylischen Potatoren, gemacht. Die meisten Fälle wurden relativ 
geheilt; refraktär verhielten sich zwei Infusorien-Diarrhoeen. Die Diätetik wurde 
stets gleichzeitig berücksichtigt Nach C. ist die beste Dosierung 3 mal täglich 
V*—1 Theelöffel nach dem Essen mindestens 4 Wochen lang. 

Pickardt (Berlin). 

Frenkel, M. (Paris): Hopogan MgO* und Ektogan ZnO*. (Dtsche Ärztezeitung, S.8.) 

Das Hopogan ist für den inneren Gebrauch bestimmt, das Ektogan für den 
äußeren; die Wirkung dieser beiden Superoxyde beruht auf der leichten Abspalt¬ 
barkeit des Sauerstoffes. Das Hopogan soll als inneres Antiseptikum und als 
Antidiarrhoilcum wirken und sich als solches auch bereits bewährt haben; es wird 
in Tabletten zu 6—8 Stück zwischen den Mahlzeiten genommen oder als Pulver 
in Wasser aufgeschwemmt (3—4 Teelöffel). 

Das Ektogan findet Anwendung besonders bei Hautkrankheiten. 

Schreiber (Göttingen). 

Brion u. Kayser: Künstliche Infektion der Gallenblase mit Pneomokokken nach Cho- 
ledochnsresektlon. (Mitteilg. a. d. Orenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 12, H. 5.) 

Verff. spritzten Hunden virulente Pneumokokken ein. Niemals konnte auch 
nur die geringste Anschoppung der Lunge nachgewiesen werden, obwohl Pneu- 
mokokkämie bestand und die Tiere einer Erkältungsschädlichkeit ausgesetzt waren. 

Die eingespritzten Pneumokokken ließen sich nach mehreren Tagen nicht 
mehr in der Galle nachweisen, dagegen regelmäßig im Blute. Demnadi ist das 
Fehlen der Pneumokokken in der Oallenblase von Pneumonikerleichen erklärlich 
und wenig wahrscheinlich, daß entgegengesetzt dem Oallenfluß beim Menschen 
eine Pneumokokkeninfektion nach der Leber hin vorkommt 

Besonders hervorzuheben ist das massenhafte Auftreten von obligaten Anäro- 
biem in der gestauten Gallenblase nach Pneumokokkeninfektion der Qalle und 
die Tatsache, daß die Galle bisweilen bakterizide Eigenschaften für das Bact coli 
entfalten kann. B. Oppler (Breslau). 

Fiedler: Ober Pankreasblutungen. Oesellsch. f. Natur- u. Heilkunde zu Dresden. 

Sitzung vom 24. Okt. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 3.) 

F. entwirft ein Bild von dem klinischen Verlauf der Pankreasapoplexie, von 
der er selber 5 Fälle zu beobachten Gelegenheit hatte. Die Krankheitserscheinun¬ 
gen deckten sich vollkommen mit denen, die auch von anderen Autoren beschrie¬ 
ben worden sind. Das Zustandekommen der Blutungen erklärt sich am besten 
durch die Hildebrand sehe Fermenttheorie, die schweren Krankheitssymptome 


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sind wahrscheinlich auf Reizung der in der Nähe gelegenen großen Nerven¬ 
geflechte zurfickzuführen. Schade (Göttingen). 

Hart, C.: Die multiple Fettgewebsnekrose. Aus d. pathol. Institut zu Dresden 
(Prosektor: Obermedizinalrat Prof. Dr. G. Schmorl). Vortrag, gehalten in der 
Gesellschaft f. Natur- u. Heilkunde zu Dresden. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 2.) 

Unter Hinzufügung eines zur Obduktion gelangten Falles von multipler Fett¬ 
gewebsnekrose gibt H. einen Überblick über den heutigen Stand unseres Wissens 
über das Wesen dieser Erkrankung und kommt dabei zu dem Schluß, daß die 
multiple Fettgewebsnekrose höchstwahrscheinlich unter dem Einflüsse des Sekretes 
der geschädigten Pankreasdrüse entsteht, daß aber der Zusammenhang der klini¬ 
schen Symptome mit den pathologischen Oewebsveränderungen als bisher unauf¬ 
geklärt gelten muß. Schade (Döttingen). 

Estape: Perforationsperitonitis, durch Ascariden verursacht (Aus: Rev. de Med. y 
Cir. de Barcelona; Referat: Rev. de Med. y Cir. Pract, 14. März.) 

9jähriges Kind erkrankte unter den Symptomen einer in der rechten Bauch¬ 
seite lokalisierten Peritonitis; betr. der Ursache derselben kam man über Ver¬ 
mutungen nicht hinaus. Bei der Eröffnung der Bauchhöhle floß mehr als 1 Liter 
Eiter ab; in ihm befand sich ein Ascaris von 10 cm Länge. Im Ueum, 30,4 cm 
vom Coecum entfernt, zeigte sich eine Perforation von 5—6 mm Durchmesser, 
in einem stark hyperämischen bezw. von Ekchymosen durchsetzten, warzenförmig 
prominenten Bezirk sitzend; in der Perforationsöffnung befand sich ein zweiter 
Ascaris, größer als der andere, der aber so viel Raum frei ließ, daß Kot abfließen 
konnte. — Das Kind starb 24 Stunden später an der Peritonitis. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Wolff, H.: Ober einen milchweißen Ascites bei Cardnom. (Hofmeisters Beitr. z. 
ehern. Phys. u. Path., Bd. 5, H. 3. 4.) 

Bel einem Falle von Ascites infolge von allgemeinem Cardnom der Bauch¬ 
organe ergab die Punktion eine milchweiße Flüssigkeit, deren chylöses Aussehen 
sich bei der chemischen Analyse aufklärte. Die Asdtesflüssigkeit enthielt Cho¬ 
lesterinsäureester, 75,4% Albumin, 18,9% Euglobulin und 5,4% Pseudoglobulin. 
W. glaubt, daß der Ester nicht mechanisch beigemengt, sondern chemisch ge¬ 
bunden oder molekular an das Euglobulin angelagert ist 

Schilling (Leipzig). 

Presentation of pathologic spedmens: Carter, H.: I. Horseschoe kindley. Foreign 
body in appendix. Mitral Stenosis. 11. Gradwohl: Cystic kindley. Gallstones. Prostatic 
adenoma. III. Brown: Gastroenterostomy. (St Louis med. Rev., S. 145.) 

Der Fremdkörper des Appendix, welchen C. demonstrierte, hatte die Größe 
eines Olivensteines. Die von G. demonstrierte Cystenniere enthielt gleichzeitig 
Tuberkeln. Bei der Autopsie fand O. 125 Gallensteine bei demselben Individuum. 
B. demonstrierte an zwei Präparaten die Vorteile der Kocherschen und Mc. 
Grawschen Anastomosenbildung. Schreiber (Göttingen). 

Bayer, Felix: Statistisches über Splenektomie nnd Mitteilung dnes Falles von Milz¬ 
exstirpation wegen idiopathischer Hypertrophie. Aus d. Chirurg. Abt. d. Kranken¬ 
hauses Forst zu Aachen (dirig. Arzt: Dr. Longard). (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 3.) 

B. teilt einen von Longard durch Exstirpation mit Erfolg operierten Fall von 
idiopathischer Milzhypertrophie bei einem 12 jährigen Knaben mit und gibt eine 
— nicht ganz vollständige — statistische Zusammenstellung der seit der Bes sei- 
Hagensdien Statistik veröffentlichten Fälle von Splenektomie. Zusammen mit 


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den von Bessel-Hagen angeführten Fallen beläuft sich danach die Oesamtziffer 
nunmehr auf 254 Fälle totaler Milzexstirpation mit 200 Heilungen und 54 Todes¬ 
fällen (= 21,2%). Schade (Oöttingen). 

Doban: Zur hydriatischen Therapie der Chlorose, (Blätter f. klin. Hydrotherapie, 

Nr. 2.) 

Mitteilung dreier Fälle von Chlorose, welche durch hydriatische Prozeduren, 
Teilwaschungen mit Nachfrottieren und kurze Dampfkastenbäder mit nachfolgender 
Abreibung, geheilt wurden. Nebenher wurde Biettruhe und anfangs Milch — 
später gemischte Diät angeordnet B. Oppler (Breslau). 


BoroMo: Angeborenes Myxödem; erfolgreiche Thyreoldinbehandluhg. (Original: La 
din. med.; Ref.: El Siglo Medico, 21. Februar.) 

Kind von 2 1 /, Jahren mit schwerem Myxödem. Bemerkenswert ist, daß das 
Kind in seinem ersten Lebensjahre, während dessen es die Brust erhielt, lediglich 
eine auffallend langsame Entwicklung zeigte; erst mit der Entwöhnung traten die 
typischen Myxödemsymptome auf. Verordnung von reiner Milchnahrung und 
Thyreoidintabletten, 2 x tägl. V, Tablette, nach je 8 Tagen 4 Tage Pause. Nach 
7 Monaten wurde das Kind wieder vorgestellt, blühend und völlig geheilt. 

M. Kaufmann (Mannheim). 

Sarabia: Angeborenes Myxödem. Sitzung der span, gynäkol. Oes. vom 24. Februar 
1904. (Rev. de Med. y Cir. Präct., 21. März.) 

Es handelt sich um ein Brustkind von 2 Monaten mit den Symptomen eines 
Myxödems. (Infiltration der Lider, die die Augen fast ganz bedecken, Makro- 
glossie, beständiger Speichelfluß, trockene und rauhe Haut, Halsumfang von 30 cm, 
hartes Ödem des Unterhautzellgewebes, Gewicht von 6,18 kg bei einer Körper¬ 
länge von 47 cm, Temperatur von 35,8—36,3°.) S. hält diese Symptome für genü¬ 
gend, um trotz der Jugend des Patienten Myxödem zu diagnostizieren, das eben 
dann angeboren sein müsse. Als besonders interessant bezeichnet er das Qe- 
wicht, das, wenn man ein normales Anfangsgewicht von 3,4 kg voraussetzen 
wollte, jede Woche um ca. 350 g hätte zunehmen müssen. 

M. Kaufmann (Mannheim). 


Magnus-Levy: Die Therapie des Myxödem. (Die Therapie der Gegenwart, S. 53.) 

Verf. schildert in kurzen Zügen das Bild des Myxödems und gibt genauere 
Vorschriften über die Behandlung mit Thyreoideatabletten, ohne wesentlich Neues 
zu bringen. Schreiber (Oöttingen). 


Bachmann: Dr. Haigs Lehre der diätetischen Blotverunreinlgung als weitere Stütze 
meines Nengalenismus. (Deutsche Ärztezeitung, 1903, S. 339, 392, 413 und 509.) 

B. gibt eine ausfürliche Inhaltsangabe des bekannten Haigschen Buches über 
die Harnsäure als Krankheitsursache und sucht in den Resultaten dieser Unter¬ 
suchung eine Stütze für seine eignen Theorieen. Darin muß man B. recht geben, 
daß das Buch eine Reihe interessanter Tatsachen enthält (die übrigens bekannter 
sind, wie B. anzunehmen scheint), ich habe deswegen auch seinerzeit die Lektüre 
dieses Buches empfohlen, indessen soll auch hier wieder betont sein, daß leider 
der größte Teil der Haigschen Untersuchungen wertlos sind, .weil seine ange¬ 
wandten Versuchsmethoden fehlerhaft sind, womit aber nicht gesagt sein soll, 
daß nicht manche Schlußfolgerung, die er aus seinen klinischen Beobachtungen 
zieht, richtig ist. Schreiber (Oöttingen). 


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Brogscfa: Sallzyttherapfe und Nieren. (Die Therapie der Qegenwart, S. 50.) 

B. konnte die Untersuchungsresultate Lüthjes im allgeimenen bestätigen: 
daß nämlich bei größeren Einzeldosen von Salizyl (5 g) Nierenreizungen aufzu¬ 
treten pflegen. Um dieselben zu verhüten empfiehlt sich nur die Verabreichung 
kleinerer Dosen unter gleichzeitiger Einleitung einer Diaphorese. 

Schreiber (Oöttingen). 

Donath, J.: Beiträge zur Lehre von der paroxysmalen Kftltehlmoglobinurie. (Zeit¬ 
schrift f. Idin. Med., Bd. 52, H. 1. 2.) 

Unser Wissen über den Entstehungsmedianismus der paroxysmalen Hämo¬ 
globinurie ist lückenhaft D. hat an der Hand von 5 durch ihn beobachteten 
Fallen versucht der Frage nach der Pathogenese näher zu kommen. Im anfalls¬ 
freien Intervall zeigten sich niemals auch nur Spuren von Blutfarbstoff im Serum 
gelöst, im Anfall war stets Hämoglobinämle vorhanden. Bei den Kranken bestand 
eine abnorme Empfindlichkeit der roten Blutkörperchen gegen Kalte nicht, ebenso 
wenig konnte ein Austritt von Blutfarbstoff beobachtet werden, wenn das Blut bei 
verschiedenen Temperaturen zur Oerinnung gebracht wurde. Auch konnte keine 
so starke Lädierbarkeit wie in dem Fall Chvosteks festgestellt werden. Einfache 
Stauung ruft nicht bei allen Hämoglobinurikem in gleicher Weise lokale Hämo- 
globinämie hervor, bei einzelnen fehlt sie überhaupt In keinem der Fälle zeigte 
das Intervallserum lösende Eigenschaften für die eigenen Blutkörperchen, das 
Anfallsserum nur einmal eine Spur davon. Die Blutkörperchen der 3 Fälle D.s 
in ihrem Verhalten gegenüber menschlichen normalen Seris unterscheiden sich 
nicht von normalen. Durch ein menschliches Blut lösendes Immunserum ließen 
sich die Blutkörperchen der Hämoglobinuriker nicht stärker lösen. Verf. glaubt, 
daß im menschlichen Serum sich durch Kälte hämolytische Wirkungen hervor- 
rufen lassen, und daß diese von den Serumhämolysinen verwandten Stoffen her¬ 
rühren. Waldvogel (Oöttingen). 

Hengge, Anton: Eklampsie, die derzeitigen Forschungen über die Pathogenese dieser 
Erkrankung and ihre Therapie. (Volkmanns Sammlung klin. Vortrage, 1903, 

Neue Folge, Nr. 346.) 

Seine Anschauung über die hier allein interessierende Pathogenese der 
Eklampsie faßt der Autor in folgenden Sätzen zusammen: 

1. Die bakterielle bezw. bakteriotoxische Ätiologie ist noch nicht genügend 
erwiesen. 

2. Die Untersuchungen über Oefrierpunkt von Blut und Ham, d. h. über die 
molekulare Konzentration dieser Flüssigkeiten zeigen 

a) bei */♦ aller Schwangeren ungenügende molekulare Diurese, 

b) bei Eklampsie im Beginne der Anfälle eine minimale, also völlig unge¬ 
nügende molekulare Konzentration des Harns, 

c) der Urin kann eiweißfrei sein bei ungenügend molekularer Konzentration. 

3. Die bisherigen Untersuchungen über Toxicität von Blut und Ham durch 
die sogen. Bouchardsche Methode haben keine verwertbaren Resultate 
geliefert (Injektionstechnik, spez. Oewicht, molek. Konzentr., Elektrolyse). 

4. Der Stoffaustausch zwischen mütterlichem und kindlichem Blut ist ein sehr 
inniger, er scheint aber für gelöste Eiweißverbindungen eine gewisse Aus¬ 
nahme zu erfahren. 

5. Biochemische Untersuchungen sprechen bisher nur für das Bestehen feiner 
gradueller Unterschiede zwischen mütterlichem und fötalem Blut 

6. Veits biochem. Theorie scheint geeignet, jetzt schon manche Tatsachen 
einfach zu erklären, so das häufige transitorische Auftreten von Albumen 
im Ham Schwangerer. 

Die Untersuchungen der letzten Jahre haben über das Wesen der Eklampsie 
selbst relativ wenig positive Aufschlüsse gebracht. Hesse (Kissingen). 


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Pfro Nogaera: Spontanperforation der Blase mit Austritt eines großen Steines. 
Sitzung der K. Akademie der Med. in Madrid vom 27. Februar 1904. (Rev. de 
Med. y Cir. Prici, 21. März.) 

Bei dem ^Patienten bestanden seit dem 2. Lebensjahr Blasenbeschwerden; im 
6. Lebensjahr wurde von einem Kurpfuscher die Diagnose auf Blasenstein ge¬ 
stellt. Der Sondierung folgte damals eine heftige Entzündung von Penis und 
Scrotum; einige Zeit darauf entstand vorn links am Perineum ein Abszeß, der 
spontan aufbrach, Eiter entleerte und mit Bildung einer Fistel ausheilte, aus welcher 
beim Urinieren Tropfen kamen. Etwa Vt Jahr spater stellte sich ein größerer 
Abszeß vorn rechts am Perineum ein, der ebenfalls spontan aufbrach; nach 4 
Tagen trat aus der ca. Markstückgroßen Öffnung unter heftigen Schmerzen ein 
großer Stein aus. Er hatte die Oestalt eines menschlichen Magens; die große 
Kurvatur maß 14 cm, die kleine 8 cm; das Oewicht betrug frisch 120 g, ge¬ 
trocknet 70 g. Eine Operation zur Schließung der Fistel wurde von den Ange¬ 
hörigen verweigert; mehr als 10 Jahre später starb der Patient unter den Symp¬ 
tomen einer Pyelonephritis. M. Kaufmann (Mannheim). 

Heinemann: Zar Statistik der in der mediz. Klinik za Göttingen beobachteten Pille 

von akuten and chronischen Intoxikationen. (Inaug.-Diss., Göttingen 1902.) 

Verf. beschränkt sich auf die exogenen Intoxikationen und bespricht der 
Reihe nach die Alkoholvergiftungen (73 Fälle), die Bleivergiftungen (7 Fälle seit 
1898), zwei Arsenvergiftungen, drei Phosphor-, drei Karbolsäure-, eine Formalin-, 
zwei Benzin-, eine chron. Chloroform-, zwei Chloralhydrat-, eine Jodoform-, zwei 
Jod-, drei Sublimat- und Quecksilber-, acht Kohlenoxyd-, zwanzig Morphium-, 
eine Natronlauge-, drei Ammoniak-, eine Oxalsäure-, vier Salzsäure- und Scheide¬ 
wasser-, zwei Teer- und Chrysarobin-Vergiftungen. 

Details sind in der Arbeit selbst einzusehen. Hesse (Kissingen). 

Bornstein, K.: Eine Kritik der Kritik der sogenannten »künstlichen« Nährpräparate. 

(Deutsche Ärztezeitung, S. 30.) 

B. wendet sich zunächst gegen den Ausdruck »künstliche« Nährpräparate und 
schlägt vor, kurzweg von Nährpräparaten zu sprechen. Was die Präparate selbst 
anbetrifft, so mißt er den verdauten Eiweißkörpern wenig Nährwert bei und will 
deshalb von diesen die aus natürlichem Eiweiß hergestellten Präparate scharf 
getrennt wissen, da man mit Hilfe der letzteren sehr wohl imstande sei, den 
Bedarf des Körpers an Eiweiß zu decken, speziell bei Kranken. Man wird 
auch B. ferner beistimmen müssen, wenn er sich gegen die vielfach unanständige 
Reklame für die Nährmittel wendet. B. schließt seine Betrachtungen mit den 
Worten: Unentbehrlich in der Krankendiät, aber völlig überflüssig in der Diät 
des Oesunden. Schreiber (Göttingen). 

Bornstein, Karl: Sind Mastkuren nötig? Vortrag, gehalten in d. med. Gesellschaft 
zu Leipzig. (Münch, med. Wochensdir., 1903, Nr. 51.) 

Nachdem B. schon in früheren Arbeiten den Nachweis erbracht hat, daß sich 
durch Mehrdarreichung von Eiweiß eine Vermehrung des Eiweißbestandes des 
Körpers, eine sog. Eiweißmast, erzielen läßt, geht er in diesem Vortrage auf die 
praktische Seite dieser Frage näher ein. Die eigentlichen Mastkuren, wie die 
Weir-Mitchellsche, will er nur auf jene seltenen Fälle beschränkt wissen, wo 
eine allzu intensive Abmagerung vorliegt oder wo es direkt auf einen reichlichen 
Fettansatz, wie bei der Wanderniere, ankommt; in allen anderen Fällen leistet 
die Methode der einseitigen Überernährung mit mäßigen Mengen Eiweiß in Ver¬ 
bindung mit entsprechender Muskelarbeit bessere Dienste, da sie eine Mehrung 
und Besserung der lebenswichtigen Substanz, des Körpereiweißes, gewährleistet. 
Pie Mehrdarreichung von Eiweiß hat indes nicht in Form des schädlichen Flei- 


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sches zu geschehen. B. bevorzugt di* KaseTneiweiße, speziell die Nutrose und 
des Plasmon, mit denen er noch die Verordnung von Eisen (meist Chinineisen¬ 
pillen) verbindet Die Bezeichnung »Mastkur« verwirft er überhaupt. 

Schade (Göttingen). 

Winternitz: Zur Frage der Oberernihrung und Unterernährung. (Blätter f. klin. 

Hydrotherapie, Nr. 2.) 

W. spricht sich mit Bornstein dahin aus, daß Mastkuren, bei denen ledig¬ 
lich ein Fettansatz erstrebt wird, ohne daß gleichzeitig ein Eiweißansatz erreicht 
wird, zu verwerfen seien. Das kann nur durch Arbeit oder physikalische Me¬ 
thoden und dadurch gesteigerte Tätigkeit erreicht werden. Sehr häufig genügt 
es für eine bessere Ausnutzung des Gebotenen zu sorgen ohne daß eine Stei¬ 
gerung der Ernährung notwendig erscheint Für die Möglichkeit des Ansatzes 
kommt die vorausgegangene Ernährung sehr in Frage und man kann mit der¬ 
selben Diät je nachdem Unter- oder Überernährung erzielen. Mitunter ist sogar 
eine Periode der Unterernährung als Vorkur für eine Überernährung angebracht 

B. Oppler (Breslau). 

v. Behring: Sioglingsniildi und Säuglingssterblichkeit (Die Therapie der Gegen¬ 
wart, S. 1.) 

Im wesentlichen decken sich die Auseinandersetzungen mit dem von v. B. 
in Kassel gehaltenen Vortrag. Weitere Versuche haben ergeben, daß der früher 
empfohlene geringe Formalinzusatz zur Milch dieselbe auf ca. 8 Tage steril zu 
erhalten imstande ist, ohne daß die Immunkörper der Milch darunter leiden. 
Durch das Verfüttern solcher Formalinmilch wurde eine als sogenannte »Kälber¬ 
sterben« bezeichnete Seuche erfolgreich bekämpft. Nach v. B.s Ansicht beruht 
die große Kindersterblichkeit auf der Verwendung gekochter Milch; um aber 
tuberkelfreie Milch, nur diese dürfte ungekocht gegeben werden, zu erzielen, sei 
eine Schutzimpfung der Rinder erforderlich. Schreiber (Oöttingen). 

Oppler, Therese: Ober SiugHngsernihning mit gelabter Vollmilch. (Monatsschrift 
für Kinderheilkunde, Januar.) 

An 148 Kindern ist in der Breslauer Universitätskinderpoliklinik der Einfluß 
der Peginmilchemährung beobachtet worden. 78 Mißerfolge stehen 70 Beobach¬ 
tungen gegenüber, in welchen die P/egninmilch länger als vier Wochen gegeben 
weiden konnte, und bei denen vielfach ein Dauererfolg zu erzielen war. Bei 8 
klinisch beobachteten Fällen waren die Resultate dagegen durchgehend schlecht. — 
Aus diesen Beobachtungen leitet Verf. Gegenindikationen ab: Erstes Lebensmonat 
und Überemährungserkranlcungen, während anderseits, bei einer Schädigung des 
Organismus durch ausschließliche Mehl- oder Schleimernährung, bei gewissen 
akuten Magendarmerkrankungen, und bei habituellem Erbrechen eine Ernährung 
mit gelabter Vollmilch wenigstens während einiger Wochen von Vorteil zu sein 
scheint Wie weit allerdings der Erfolg auf das Konto der Vollmilch zu setzen 
ist, und welche spezifische Wirkung dem beigefügten Pegnin zuzuschreiben ist, 
läßt sich noch nicht entscheiden. Die starken Gewichtszunahmen bei einigen 
Kindern dürften allerdings wohl mit Bestimmtheit auf die Ernährung mit Voll¬ 
milch zurückzuführen sein, während anderseits die schlechten Ergebnisse bei ganz 
jungen Kindern nicht dem beigefügten Labferment zur Last gelegt werden dürfen. 

Arthur Mayer (Freiburg i. B.). 

Miller: The inaccuracy of the common spoon as a milk sugar measnre In the home 
modification of milk. (New-York med. Joum., S. 545.) 

M. weist auf Grund eigner und fremder Untersuchungen darauf hin, wie 
große Oewichtsschwankungen die mit einen Löffel abgemessenen Milchzucker- 


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mengen zeigen; für gesunde Kinder haben diese Differenzen gewiß keine große 
Bedeutung, wohl aber ffir kranke. Er empfiehlt deshalb kleine Meßgefäße. 

Schreiber (Qöttingen). 

Kraus: Ober Dr. Theinhardts lösliche Kindernahrung. (Centralbl. f. d. gesamte 

Therapie, März.) 

Verf. empfiehlt die Th.sche lösliche Kindernahrung als Nahrung ffir gesunde 
Säuglinge als Zusatz zur Milch, als ersprießliches Nährmittel bei unterernährten 
anämischen und rhachitischen Kindern und schließlich als diätetisdies Mittel bei 
Magendarmkatarrhen ohne Zusatz von Mildi. Der kindliche Darm vermag die 
ihm in dieser Form gereichten Amylaceen zu assimilieren. 

B. Oppler (Breslau). 

Micko, K.: 1. Untersuchung von Fleisch-, Hefen- und anderen Extrakten auf Xanthin¬ 
körper. II. Die Xanthinkörper der Hefenextrakte. (Zeitschr.' f. Untersuchung von 
Nahrungs- u. Oenußmittel, T. 7, S. 257.) 

Bei der Untersuchung der Hefenextrakte fand sich, daß nach dem Stickstoff¬ 
gehalt zu schließen darin mehr Xanthinkörper enthalten sind als im Fleischextrakt 
Das gegenseitige Verhältnis ergab sich dahin, daß in fiberwiegender Menge 
Adenin vorhanden, dem dann Guanin, Hypoxanthin und Xanthin sich anschließen. 
Kamin war nicht nachzuweisen, falls vorhanden, nur in andern Körpern in 
Spuren. Cronheim (Berlin). 

Hedrich: Das Levuretin (eine völlig reine Trockeuhefe) und die Saccharomyco-Therapie 
(Hefekur). (Deutsche Ärztezeitung, S. 49.) 

Nach einer geschichtlichen Übersicht über die Anwendung der Hefe in der 
Therapie bespricht H. speziell das Levuretin, das er als die wirkungsfähigste 
Hefe und gleichzeitig wegen des Gehalts an Eiweiß, Kohlenhydraten, Fetten, 
Phosphorsalzen und Nukleinsäuren als Nahrungsmittel bezeichnet. 

Schreiber (Göttingen). 

v. Mikulicz: Beiträge zur Physiologie der Speiseröhre und der Cardia. (Mitteilg. a. 
d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 12, H. 5.) 

Verf. hat durch Beobachtungen und Versuche am Menschen, ergänzt durch 
Tierversuche, eine Reihe interessanter Tatsachen festgestellt. 

Die Speiseröhre des erwachsenen Menschen ist nur in ihrem Halsteile ge¬ 
schlossen. ln ihrem Brustteile stellt sie ein weites offenes Rohr dar, welches im 
Zustande der Ruhe Luft enthält. Der im ruhenden Ösophagus herrschende Druck 
ist im Mittel um ein geringes niedriger, als der atmosphärische Druck. 

Beim Schluckakte steigt der positive Druck im Ösophagus kaum höher, als 
beim forcierten Ausatmen und lange nicht so hoch wie beim Husten. Die gefun¬ 
denen Werte schwanken zwischen 0,8 und 22 cm Wasserdruck. 

Der Ösophagus entleert beim Schluckakte nicht seinen ganzen Luftgehalt, 
sondern behält stets einen Teil zurfick. Nur durch kräftige Hustenstöße kann er 
vorübergehend ganz leer gepreßt werden. 

Die Kardia ist im Zustande der Ruhe geschlossen und sondert Magen und 
Speiseröhre vollkommen von einander ab. Dieser Verschluß ist ein doppelter: 
a) rein muskulär durch den normalen Tonus der Kardiamuslculatur, b) ein Ventil¬ 
verschluß. 

Die Kardia öffnet sich auch ohne Schluckakt leicht für Oase und Flüssigkeiten, 
die aus der Speiseröhre in den Magen treten, gestattet dagegen nur schwer den 
Durchtritt in entgegengesetzter Richtung. 

Die Öffnung der Kardia von der ösophagealen Seite aus wird automatisch 
ausgelöst durch jede ein gewisses Maß fiberschreitende Drucksteigerung im Öso¬ 
phagus, gleichgiltig, ob sie durch künstliches Einpumpen von Luft oder Eingießen 


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von Flüssigkeiten, oder aber durch den Schiuckakt hervorgerufen wird. Der 
hierzu nötige Druck ist in der Regel kleiner, als der Druck einer den Brustöso¬ 
phagus ausfüllenden Flüßigkeitssäule. Mitunter betragt er nur einen Bruchteil 
davon und nur unter besondem Umständen (reizende Hüssigkeiten) ist er höher. 

Es bedürfen also flüssige und dünnbreiige Massen keiner Mithilfe der Peri¬ 
staltik, sondern werden durch die Phaiynxkontraktionen nur in den Anfangsteil 
des Ösophagus getrieben, fließen dann durch die eigene Schwere bis zur Kardia 
und öffnen diese dadurch automatisch. Feste Bissen werden durch die Peristaltik 
vorwärts bewegt 

Das erste Schluckgeräusch entsteht vermutlich beim Durchtritt der herunter¬ 
geflossenen Massen durch die Kardia, das zweite wenn durch die nun anlagernde 
peristaltische Welle der Rest durchgepreßt wird. 

Die Lüftung des Ventilverschlusses der Kardia beim Erbrechen kann nur 
durch einen aktiven Vorgang von seiten des Magens erfolgen. 

B. Oppler (Breslau). 

Rotoodi, Georgto: Ober die Verdannngswirkung des Labfermeuts. (Monatsschrift für 

Kinderheilkunde, Februar.) 

Verf. hat in der Breslauer Kinderklinik experimentell eine zuerst von Ham¬ 
marsten ausgesprochene Vermutung zu bestätigen versucht, nach welcher das 
Labferment eine proteolytische Wirkung auf das Kaseinogen (Halliburtons 
Nomenklatur » ParakaseTn von Hammarsten) ausübt ln einer Portion Kuh¬ 
milch wurde Kaseinogen, Albumin und Globulin gefallt, und der Stickstoffgehalt 
des Filtrats bestimmt, bei einer anderen wurde ebenso verfahren, nachdem sie 
vorher durch einige Tropfen Labextrakt zur Oerinnung gebracht war. Im zweiten 
Filtrat fand sich nun ein Überschuß an N., der ungefähr dem zehnten Teil des 
Gesamtstickstoffs der Milch entsprach und der von Rotondi auf eine neue stick¬ 
stoffhaltige Substanz bezogen wird. Den Einwürfen, den Überschuß an Stickstoff 
vom zugefügten Lab oder von dem Einfluß von Mikroorganismen herzuleiten, 
sucht Verf. entgegenzutreten. Auch ist es ihm gelungen, die Substanz zu isolieren, 
und an ihr Reaktionen nachzuweisen, die ihn zu berechtigen scheinen, das »Mol- 
kenprotein« als einen Eiweißkörper zwischen nativen Proteinen und primären 
Albumosen einzureihen. Arthur Mayer (Freiburg i. B.). 

ßönniger, M.: Ober den Einfluß des Kochsalzes auf die Magenverdauung. Aus d. 
med. Klinik in Gießen. (Münch, med. Wochensdir., Nr. 2.) 

B. stellte seine Versuche an einem nach Pawlow operierten Fistelhunde an, 
in analoger Weise, wie Riegel seine Untersuchungen über die Einwirkung des 
Atropins auf die Magensaftsekretion ausführte. Er fand dabei, daß die Magensaft¬ 
sekretion durch Kochsalz stark gehemmt wird, noch erheblicher als durch Zucker¬ 
lösungen. Die Wirkung des Kochsalzes läßt sich durch Nerveneinflüsse auf re¬ 
flektorischem Wege erklären. Die Acidität sowie die verdauende Kraft, nach der 
Methode von Mett bestimmt, erleiden keine nennenswerte Beeinflussung. Ver¬ 
suche am normalen Menschen zeigten, daß Gaben von 7 g Kochsalz die Acidität 
des Magensaftes stark herabsetzten, ohne daß dessen Menge, wie bei Trauben¬ 
zuckerlösungen, vermehrt war. Vor dem in der Therapie der Hyperaddität em¬ 
pfohlenen Zucker verdient das Kochsalz deswegen den Vorzug, weil es sekretions¬ 
hemmend wirkt, ohne die Motilität zu stören; indes ist zu bedenken, daß das 
Kochsalz auch die Spaltung des Eiweißes hemmt. Diese doppelte hemmende 
Wirkung auf die Eiweißverdauung läßt das Kochsalz als therapeutisches Mittel als 
wenig geeignet erscheinen. Schade (Oöttingen). 

Berkofsky: Vergleichsversuche zwischen Jodipin- und Salolmethode zur Bestimmung 
der motorischen Tätigkeit des Magens. Inaug.-Diss. Göttingen 1902. 

Nachdem die Versuche von Winkler und Stein festgestellt hatten, daß eine 


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Verzögerung des Auftretens der Jodreaktion im Speichel nach Einnahme von Jo- 
dipin eine Herabsetzung der kinetischen Funktion des Magens beweist, lag es 
nahe, die zeitlichen Grenzen des Auftretens der Reaktion bei verschiedenen Magen¬ 
affektionen zu prüfen und insbesondere sie mit der Salolprobe zu vergleichen, die 
als erste auf chemischem Wege ein Maß für die resorptive Tätigkeit des Intes- 
tinaltraktus abzugeben prätendierte. Auf Grund vergleichender Untersuchungen 
in der Göttinger medizinischen Klinik kommt Verf. zu dem Schluß, daß die Jo- 
dipinprobe — Nachweis des Jods bei normaler Magenmotilität in 30—45 Minuten! 
— der Salolmethode an Genauigkeit überlegen ist; sie ist auch leichter anzustellen, 
da es stets eher möglich ist, Speichel als Urin (bei Salolprobe) zu entnehmen. Einer 
absoluten Zuverlässigkeit allerdings kann sich die Jodipinprobe auch nicht rühmen; 
unter den verschiedenen Momenten, die geeignet sind ihre Bedeutung in Frage 
zu stellen, ist das wichtigste die Entscheidung, wie im Einzelfall der Oallenabfluß 
in das Duodenum sich verhält 

ln Fällen, in denen aus irgend welchen Gründen die alte Leu besehe Aus¬ 
heberungsmethode nicht angängig ist, bewährt sie sich immerhin als relativ bester 
Ersatz derselben; im Übrigen ist letztere noch immer als die rationellste anzu¬ 
sehen. Pickardt (Berlin). 

Zooge von Manteuffel: Ober die Impermeabilität des Dannkanals. (Wratschebnaja 

Gazetta, Nr. 6.) 

Z. v. M. erachtet es für zweckmäßig, die alte Einteilung in paralytische und 
spastische Impermeabilität einzuhalten; zur ersteren Gruppe rechnet er erstens 
diejenigen Fälle, in denen die Darmparalyse durch fettige Degeneration des Plexus 
mesentericus hervorgerufen ist, wie er es bei einigen Kranken feststellen konnte; 
ferner gehören hierher Paralysen infolge übermäßiger Dehnung des Darmrohrs; 
zu dieser Gruppe gehören auch die reflektorischen Darmparalysen, die beispiels¬ 
weise bei Inkaizeration des Omentum, bei Operationen an den Nieren etc. Vor¬ 
kommen. Hierher gehören ferner die Darmparalysen, die bei Kranken Vorkommen, 
bei denen die Laparotomie ohne vorherige Entleerung des Darmes vorgenommen 
wurde. Schließlich gehört zu der ersten Gruppe die Darmparalyse, die durch 
Morphium und Opium herbeigeführt wird. Die zweite Gruppe bildet der soge¬ 
nannte spastische Ileus, d. h. diejenige Darmimpermeabilität, welche durch spasti¬ 
sche Kontraktion der Muskulatur verursacht wird. Z. v. M. hat selbst einen 
solchen Fall von Impermeabilität niemals gesehen und hält das Vorkommen der¬ 
selben für nicht erwiesen. Die Fälle von Zeidler und Murphy, die als Bei¬ 
spiele für spastische Impermeabilität angeführt werden, glaubt Z. v. M. auf andere 
Weise erklären zu können. Eine besondere Oruppe bildet der mechanische Ileus, 
der in zwei Formen eingeteilt wird. Zu der ersten gehört die Verstopfung des 
Darmrohrs durch Geschwülste, Steine, Würmer (Ileus per obturationem), zu der 
zweiten Oruppe gehört Inkarzeration des Darmrohrs, die durch Knickung des¬ 
selben durch narbige Stränge oder durch Torsion der Darmschlingen erzeugt wird 
(Ileus per strangulationem). Die Unterbrechung der Darmimpermeabilität hat 
Sistierung der Ernährung des Organismus, Zersetzung des Darminhalts und in 
vielen Fällen Nekrose der Darmwand zur Folge. Wenn auch die Darmimper¬ 
meabilität durch Operation beseitigt wird, so können die Kranken doch infolge 
der Intoxikation mit den im gedehnten Darmrohr angestauten fauligen Massen 
zugrunde gehen. Ileus per strangulationem verläuft weit stürmischer und tötet 
die Kranken rascher als die übrigen Ileusformen. Eine besondere Art von Darm¬ 
inkarzeration ist die Torsion des S romanum, die auf angeborener (schmale Basis 
und übermäßige Länge des Mesenteriums dieser Darmschlinge), sowie erworbener 
(Arteriosklerose) Prädisposition beruht In Bezug auf die Behandlung ist Z. v. M. 
Anhänger der konservativen Operationsmethode (Beseitigung der Knickungen etc.) 
und schreitet zur Resektion der Darmschlinge nur in äußersten Fällen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Alba, A. a. Cahro, A.: Ober die Ausscheidung von gelösten Eiweißkörpern in den 
flces and ihre Verwertung zar Erkennung von Funktionsstörungen des Darms. (Zeit¬ 
schrift f. klin. Med., Bd. 52, H. 1. 2.) 

Selbst bei Überschwemmung des Darms eines gesunden erwachsenen Men¬ 
schen mit leicht verdaulichem Eiweiß läßt sich niemals eine Spur von Eiweiß- 
körpera in den Fäces nachweisen. In 55 Fällen von Erkrankungen des Magen¬ 
darmkanals waren nicht ein einziges Mal Albumosen oder Pepton in den Fäces 
zu finden, wenn man berücksichtigte, daß die Biuretreaktion auch vom Urobilin 
gegeben wird, und letzteres nach dem von den Verff. angegebenen Verfahren 
durch Tierkohlenfiltration abtrennte. In 13 weiteren Fällen von Erkrankung des Darm¬ 
kanals bei Erwachsenen aber war die Biuretreaktion in den Fäces positiv, also in 
20% der gastrointestinalen Affektionen erwachsener Personen, jedoch bedingt durch 
Albumin. Von den 11 Typhusstühlen zeigten 3 Spuren von Albumin und Mucin. 
11 Stuhlgänge von gesunden Säuglingen und Kindern wurden untersucht, in den 
von 5 gesunden Säuglingen fanden sich stets Spuren von Kasein und Albumin, 
nie Albumosen bezw. Pepton, von den 6 gesunden Kindern im Alter von 1—6 
Jahren entstammenden war in 4 keine Eiweißreaktion zu erzielen, in den beiden 
andern ließen sich Spuren von durch Essigsäure fällbaren Substanzen und Albumin 
nachweisen, niemals Albumosen und Pepton. In den Stuhlgängen der magen- 
dannkranken Säuglinge waren die Essigsäure- und Eiweißreaktion im Durchschnitt 
stärker als bei den älteren Kindern. Kasein und Albumin erschienen besonders 
reichlich in den klinisch schweren Fällen. Das Kasein ist unverdaut gebliebener 
Rest. Bei älteren Kindern ist die Essigsäurereaktion wohl zuweilen auf gelöstes 
Mucin zu beziehen. Das wichtige Albumin findet sich in den Fäces gesunder 
Säuglinge stets, in denen gesunder älterer Kinder zuweilen, bei beiden Gruppen 
stets im Fall einer Darmerkranlning, bei Erwachsenen nur in einem Teil der 
schweren Darmerkrankungen. Über das Zustandekommen dieser Albuminaus¬ 
scheidungen werden 3 Hypothesen aufgestellt. 

Waldvogel (Göttingen). 

Stoklasa, Julius (Prag): Die gtykolytischen Enzyme im tierischen Gewebe. (Dtsch. 

med. Wochenschr., Nr. 6.) 

Entgegen der Behauptung Umbers, die von Blumenthal und andern For¬ 
schern im tierischen Gewebe beobachtete Glykolyse sei nur durch den Einfluß 
von Bakterien bedingt gewesen, stellt St. als Resultate seiner Versuche die 
Behauptung auf, daß die anaerobe Atmung des Pflanzen- und Tierorganismus 
nichts anderes als alkoholische Gärung hervorgerufen durch ein vom Proto¬ 
plasma trennbares Enzym ist Die Feststellung des Verhältnisses zwischen der 
gewonnenen Kohlensäure und dem gebildeten Alkohol bei der anaeroben Atmung 
zeigte, daß es genau dem Verhältnis bei der alkoholischen Gärung entspricht. 
Hieraus zieht St. den Schluß, daß anaerobe Atmung und alkoholische Gärung 
identisch sind. Es ist ihm auch geglückt, sowohl das die alkoholische wie 
das die Milchsäure Gärung hervorrufende Enzym in Pulverform heizustellen. 
Zum Schlüsse glaubt St diese von ihm zuerst beobachteten Stoffwechselvorgänge 
als den Schlüssel zur Lösung der Diabetesfrage ansehen zu dürfen und gibt 
am Ende seines Aufsatzes ein Verzeichnis der von ihm in dem Artikel berück¬ 
sichtigten Literatur, das 2 Artikel von Simaczek und 6 von St selbst enthält. 

Wendenburg (Göttingen). 

Senator u. Frankenhäoser: Zur Kenntnis der Wirkung von kohlen säure- und andern 
gashaltigen Bädern. (Die Therapie der Gegenwart, S. 16.) 

Die Wirkung derartiger Bäder beruht nicht auf ihrem chemischen, sondern 
auf ihrem physikalischen Reizeffekt, und zwar handelt es sich um besondere ther¬ 
mische Reize. In dem kohlensauren Bade findet nämlich ein häufiger Wechsel 


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zwischen Kälte- und Wärmereizen statt, fand es bestehen beide gleichzeitig neben¬ 
einander an zahllosen Stellen der Haut, indem das Wasser einen Kältereiz und 
das Oas einen Wärmereiz ausübt infolge der verschiedenen Lage ihrer adäquaten 
Temperatur oder sogenannten Indifferenzpunktes. Unter Indifferenzpunkt versteht 
man diejenige Temperatur, welche die Temperatur perzipierenden Organe der 
Haut in ihrem thermischen Gleichgewicht läßt; und daher überhaupt keine Tem¬ 
peraturempfindung und keinen thermischen Reiz auslöst. 

Schreiber (Göttingen). 

Gröber, A.: Ein Fall von lodigurie mH Auftreten von Indigorat im frisch gelassenen 
Harn. Aus d. med. Universitäts-Poliklinik zu Leipzig (Dir.: Oeh. Med.-Rat Dr. 

F. A. Hoff mann). (Münch, med. Wochenschr., 1904, Nr. 2.) 

Der frisch entleerte Ham einer an einem unkompensierten Klappenfehler der 
Mitralis mit Nephritis leidenden Patientin enthielt freies Indigrot, das sich durch 
Ausschütteln mit Äther oder Chloroform direkt extrahieren ließ und sonst alle 
Eigenschaften des Indigrots erkennen ließ. O. hebt die große Seltenheit dieses 
Befundes hervor. Schade (Oöttingen). 

Oswald, A.: Untersuchungen über das Haraeiweiß. (Hofmeisters Beitr. z. ehern. 

Phys. u. Path., Bd. 5, H. 4. 5.) 

Man nimmt gewöhnlich an, daß das Hameiweiß identisch mit dem Bluteiweiß 
ist, aber Nukleoalbumin, nachweisbar durch die Essigsäurefällung, vom Nieren¬ 
gewebe d. h. den abgestoßenen Nierenepithelien stammt Letztere Annahme 
stützt sich auf den Phosphomachweis Obermeyers bei Ikterus. Über den Ur¬ 
sprung dieses sog. Nukleoalbumins sind jedoch Zweifel entstanden, da sich die 
Essigsäureprobe auch bei zyklischer Albuminurie ohne pathologisch-anatomische 
Erkrankung der Nieren positiv ergab und selbst bei Nephritis dieses sog. Nukleo¬ 
albumin fehlen kann. 

O. untersuchte deshalb einen Fall zyklischer Albuminurie und Scharladi- 
nephritis auf Nukleoalbumin oder, richtiger gesagt, auf Fällung mit Essigsäure. 
Nach Isolierung der Eiweißkörper ergab sich, daß die Essigsäurefällung allein 
von der Anwesenheit von salzfreiem Globulin oder Euglobulin bei zyklischer 
Albuminurie und bei Nephritis vom Euglobulin und Fibrinogen s. Flbrinoglobulin 
abhängt. Meist tritt die Essigprobe positiv zu Beginn akuter Nephritis auf. Der 
Schluß, der sich hieraus ergibt, lautet demnach, daß die Essigsäurereaktion nicht 
Nukleoalbumin anzeigt und zerstörtes Nierengewebe nicht in Betracht kommt 
Der geringe Phosphorgehalt beruht wahrscheinlich auf Anlagerung eines phos¬ 
phorhaltigen Körpers (Lecithin) an Albumin oder wird von den Hamwegen 
geliefert Schilling (Leipzig). 

Polin, 0.: Beitrag zur Chemie des Kreatinins und Kreatins im Harn. (Zeitschr. 

physiol. Chemie, S. 223. 

Verf. empfiehlt zur quantitativen Bestimmung des Kreatinins, die bekannt¬ 
lich bisher nur sehr wenig genau sich ausführen ließ, eine kolorimetrische Be¬ 
stimmung unter Benutzung der von J aff6 angegebenen Reaktion mit alkalischer 
Pikrinsäurelösung. Seine Untersuchungen erwiesen die Brauchbarkeit der Me¬ 
thode auch bei verschiedener Verdünnung, wofern mit der Untersuchung nach 
Zugabe des Reagens bald, spätestens nach 16 Minuten begonnen wird. Aceton, 
Acetessigsäure, Acetessigäther und Schwefelwasserstoff, die eine ähnliche Reaktion 
geben, lassen sich aus dem Ham entfernen. Durch Kochen mit Salzsäure wird 
Kreatin in Kreatinin umgewandelt Wenn man also Kreatinin vor und nach der 
Behandlung mit Salzsäure kolorimetrisch bestimmt, läßt sich entscheiden, ob im 
Ham Kreatin tatsächlich vorhanden ist ln verschiedenen Fällen, nicht immer, 
ließ sich dieser Nachweis mit Sicherheit fuhren. . Cronheim (Berlin). 


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Krane: Untersuchungen einiger Daoerhefeprftparate des Handels mit besonderer Be- 
ricksichtigung ihrer biologischen Eigenschaften nnd therapeutischen Verwertbarkeit. 

(Die Therapie der Gegenwart, S. 101.) 

Aus dem Aufsatz sei hier nur erwähnt, daß K. die verschiedenen Dauerhefen 
bezüglich ihrer Verwendung zum Nachweis von Traubenzucker im Ham unter¬ 
sucht hat; auch er konnte nur koristatieren, daß sich dieselben zu diesem Zweck 
nicht eignen, da sie alle große Selbstgärung zeigten. Ref. kann diese Angaben 
nur bestätigen, da seine in dieser Richtung früher angestellten Versuche ebenfalls 
ein negatives Resultat hatten. Schreiber (Göttingen). 


Heffter, A.: Ober die Wirkung des Schwefels auf Eiweißkörper. (Hofmeisters 
Beitr. z. ehern. Phys. u. Path., Bd. 5, H. 5. 6.) 

Mischt man Eierklar vom Huhn oder von der Oans mit Schwefelblumen, so 
läßt sich binnen kurzer Zeit H t S mit Bleiacetatpapier nachweisen. Es entsteht 
deshalb die Frage, ob bei dem Auftreten von H bei dieser Mischung ein Enzym 
oder Eiweißkörper in Tätigkeit tritt 

Die hierauf gerichteten Untersuchungen eigaben, daß Neutralsalze die Reduk¬ 
tion nicht aufheben, wohl aber 2 Vol. 95%igem Alkohol und Pepsin-Salzsäure. 
Spaltete Heffter die Eierklarsubstanz, so schicen Ovomukoid und Olobulin aus, 
und nur Albumin blieb als Faktor übrig, welcher den labilen H liefert, der höchst 
wahrscheinlich im Organismus Reduktionsprozesse anregt Speichelsekret, Magen¬ 
saft nnd Oalle, Milch wurden vom Schwefel nicht beeinflußt, wenn Bakterien 
fehlten, wohl aber die Blutkörperchen. In großer Menge wurde »Philothion«, 
wie der reduzierende Stoff bezeichnet wird, in tierischen Organen (Muskel, Ge¬ 
hirn, Darmschleimhaut etc) gefunden. 

Der Prozeß läßt sich wahrscheinlich so definieren, daß auf Eiweißkörper, die 
S in merkaptanartiger Bildung enthalten, der Schwefel bei gewöhnlicher Tempe- 
ratnr wasserstoffabspaltend wirkt Schilling (Leipzig). 


Rohmann, F.: Ober das Sekret der Barzeldrfisen. (Hofmeisters Beitr. z. ehern. 

Phys. u. Path., Bd. 5, H. 3. 4.) 

Die Frage der Fettbildung in den Milchdrüsen harrt noch der Lösung. Nach 
Virchows Anschauung sollte sich Fett durch Untergehn der Zellen aus Eiweiß 
büden. Heidenhain leitete das Fett aus dem vom Blute zugeführten Fett her. 
Experimentell suchte man die Entscheidung zu erbringen dadurch, daß Forscher 
köiperfremde Fette Tieren einführten und sie im Tierkörper nachwiesen. R. machte 
den gleichen Versuch an der Burzeldrüse bei Gänsen, denen er Sesamöl fütterte, 
das sich durch Furfurolzusatz rötet 

Der Versuch ergab, daß sich das Fett nicht durch Degeneration der Drüsen¬ 
zellen büdet Das Sekret der Burzeldrüse ist nicht Fett, sondern ein Gemisch 
von Estern des Oktodenylalkohols, welches aus Fett besteht, das der Drüse mit 
dem Blutstrom zugeführt wird. Sesamöl war im Sekret nachzuweisen. 

Schilling (Leipzig). 


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Besprechungen. 

Korach: Ober das gleichzeitige Vorhandensein verschiedener Erkrankungen, insbeson¬ 
dere von Cardnom und Diabetes. (Sonderabdruck.) 10 S. 8°. Preis 0,40 Mk. 

Nach einigen einleitenden Ausführungen über das Abhängigkeitsverhältnis 
resp. Nebeneinandervorkommen gewisser Krankheitsgruppen teilt Verf. 4 Fälle 
aus seiner Praxis mit, welche gleichzeitig an Diabetes und Cardnomen des Ver¬ 
dauungsapparates litten. Alle gelangten verhältnismäßig schnell zum Exitus letalis. 

Verf. lehnt zwar einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen 
ab, nimmt aber an, daß der Diabetes einen außerordentlich günstigen Boden für 
die Ausbreitung des Cardnoms schafft. B. Oppler (Breslau). 

v. Grolmann: Ärztliches Jahrbuch. Frankfurt a. M., Johannes Alt. Preis 2 Mk. 

Unter den zahlreichen ärztlichen Taschenkalendem erfreut sich der v. Grol¬ 
mann sehe mit Recht einer steigenden Beliebtheit. Ohne wesentliche Angaben, 
wie man sie in diesen so nötigen Begleitern des Arztes zu finden erwartet, ver¬ 
missen zu lassen, hat er sich doch den älteren Taschenkalendem gegenüber eine 
wohltuende Dünnleibigkeit bewahrt, die das Mitführen in einer normalen Tasche 
gestattet. Als besonders angenehm möchten wir aus dem reichen Inhalt das sehr 
vollständige Verzeichnis der neueren und neuesten Heilmittel und Nährpräparate 
hervorheben. Wir sind überzeugt, daß der vorliegende Jahrgang den Kreis der 
Anhänger wiederum vergrößern wird. B. Oppler (Breslau). 

Oppenheimer: Die Fermente und ihre Wirkungen. 2. Aufl. Leipzig, F.C.W. Vogel. 

440 S. Preis 12 Mk. 

Die zweite Auflage von dem bekannten Buche O.s hat gegenüber der ersten 
(cf. Besprechung derselben im Jahrg. 1900, S. 380 d. Zentralbl.) in manchem Punkt 
eine wesentliche Umgestaltung und Bereicherung erfahren. Hat doch gerade 
dieses Gebiet in den letzen Jahren zahlreiche Bearbeitungen erfahren und auch 
glücklicher Weise hervorragende Fortschritte zu verzeichnen. Die Empfehlung, 
welche ich damals ausgesprochen habe, kann ich auch jetzt voll und ganz wieder¬ 
holen. Schreiber (Göttingen). 


Inhaltsverzeichnis. 

Original-Artikel: F. Schilling: Die Fermente 187. — Referate: Stoff¬ 
wechselkrankheiten. Körner: Untersuchungen und Erfahrungen über den Einfluß 
von Operationen auf den Verlauf und Ausgang des Diabetes mellitus 196. — 
Loening: Zur Therapie schwerer Diabetesfälle 196. — Wolter-Pecksen: Die Falle 
von Diabetes mellitus, behandelt in den Jahren 1888—1900 in der König!. med. 
Universitätsklinik Göttingen 197. — Becker: Des Bückeburger Arztes Dr. Hermann 
Klonnerding Briefe über die Behandlung der Gicht (1611—1612) 197. — Aufrecht: 
Über Ichthyolidin 197. — Erkrankungen der Verdauungsoigane. Starck: Die diffuse 
Erweiterung der Speiseröhre 197. — Starck: Die Erkrankungen der Speiseröhre 
197. — Stauder, A.: Über Sensibilitätsneurosen des Magens 198. — Wagner, Max: 
Zur Behandlung des Magengeschwürs 198. — Hueter: zwei Fälle seltener Magen¬ 
erkrankung 199. — v. Tabora: Zur unblutigen Behandlung narbiger Magenver¬ 
änderungen 199. — „Siv£n: Über die Ursache der Tetanie bei Pylorusstenose 199. 
— Fraenkel, Eug.: Über den histologischen und kulturellen Nachweis der Typhus- 


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217 


bazillen im Blut und in Leichenoreanen 200. — Müller, F.: Bemerkungen zur Be¬ 
handlung des Abdominaltyphus 200. - Erdmann, J. r.: Appendicitis in young 
children 201. — Curschmann, H.: Bemerkungen zur Arbeit des Herrn L. Rehn, 
über den Wert der Blutköiperchenzählung bei den akuten Entzündungen des 
Wurmfortsatzes 2Q1. — Mon: Spontane Appendicitis bei einigen Tierspedes.201. 

— Richartz, H.: Über einen Fall von Enterorhoea nervosa 201. — Kredel: Über 
die akute Darminvagination im Kindesalter 202. — M’Gufere: Intestinal obstruction 
from Meckels Diverticulum 202. — Strauß, H.: Zur Methodik der Rektoskopie 
203. — Adler: Some random notes on diseases of the rectum 203. — Riehl (Kis- 
singen): Über mehrfaches Vorkommen der Taenia saginata beim Menschen 203. — 
Sonnenschein, Gustav (Olmütz): Taenia cucumerina s. elliptica bei einem 6 Monate 
altem Kinde 203. — Bendix: Zur Kasuistik des Bothriocephalus latus im Kindes¬ 
alter 203. — Neumann (Mühlheim q. d. Ruhr): Podophyllin bei der Behandlung 
Wurmkranker 203. — Cohnheim: Über Bismutose als Darmadstringens 204. — 
Frenke!, M. (Paris): Hopogan MgO* und Ektogan ZnO* 204. — Brion u. Kayser: 
Künstliche Infektion der Gallenblase mit Pneumokokken nach Choledochusresek- 
tion 204. — Fiedler: Über Pankreasblutungen 204. — Hart, C.: Die multiple Fett- 
gewebsnekrose 205. Estape: Perforationsperitonitis, durch Askariden verursacht 
205. — Wolff, H.: Uber einen milchweißen Ascites bei Carcinom 205. — Presen¬ 
tation of pathologic specimens: Carter. H.: I. Horseschoe kindlev. Foreign body 
in appendix. Mitral Stenosis. II. Grad wohl: Cystic kindley. Gallstones. Prostatic 
adenoma. III. Brown: Oastroenterostomy 205. — Erkrankungen des Blutes und 
der blutbereitenden Organe etc. Bayer, Felix: Statistisches über Splenektomie und 
Mitteilung eines Falles von Milzexstirpation wegen idiopathischer Hypertrophie 
205. — Dohan: Zur hydriatischen Therapie der Chlorose 206. — Borobio: An¬ 
geborenes Myxödem; erfolgreiche Thvreoidinbehandlung 206. — Sarabia: Ange¬ 
borenes Myxödem 206. — Magnus-Le vy: Die Therapie des Myxödem 206. — 
Bachmann: Dr. Haigs Lehre der diätetischen Blutverunreinigung als weitere Stütze 
meines Neugalenismus 206. — Nierenerkrankungen. Brugsch: Salizyltherapie und 
Nieren 207. — Donath, J.: Beitrage zur Lehre von der paroxysmalen Kältehämo- 
globinurie 207. — Hengge, Anton: Eklampsie, die derzeitigen Forschungen über 
die Pathogenese dieser Erkrankung und ihre Therapie 207. — P£rez Neguera: 
Spontanperforation der Blase mit Austritt eines großen Steines 208. — Vergif¬ 
tungen. Heinemann: Zur Statistik der in der mediz. Klinik zu Göttingen beobachteten 
Falle von akuten und chronischen Intoxikationen 208. — Physiologische Chemie, 
Ernährung, Stoffwechsel etc. Bomstein, K.: Eine Kritik der Kritik der sogenannten 
»künstlichen« Nährpräparate 20g. — Bomstein, Karl: Sind Mastkuren notig? 208. 

— Wintemitz: Zur Frage der Überernährung und Unterernährung 209. — v. Beh¬ 
ring: Säuglingsmilch und Säuglingssterblichkeit 209. — Oppler, Therese: Über 
Säugüngsemährung mit gelabter Vollmilch 209. — Miller: The inaccuracy of the 
common.spoon as a milk sugar measure in the home modifikation of milk 209. — 
Kraus: Über Dr. Theinhardts lösliche Kindemahrung 210. — Micko, K.: I. Unter¬ 
suchung von Fleisch-, Hefen- und anderen Extrakten auf Xanthinkörper. II. Die 
Xanthinkörper der Hefenextrakte 210. — Hedrich: Das Levuretin (eine völlig reine 
Trockenhefe) und die Sacchaiomyco-Therapie (Hefekur) 210. — v. Mikulicz: Bei¬ 
lage zur Physiologie der Speiseröhre und der Cardia 210. — Rotondi, Georgio: 
Über die Verdauungswirkung des Labferments 211. — Bönniger, M.: Über den 
Einfluß des Kochsalzes auf die Magenverdauung 211. — Berkofsky: Vergleichs¬ 
versuche zwischen Jodipin- und Salolmethode zur Bestynmung der motorischen 
Tätigkeit des Magens 211. — Zooge von Manteuffel: Über die Impermeabilität 
des Darmkanals 212. — Albu, A. und Calvo, A.: Über die Ausscheidung von ge¬ 
lösten Eiweißköipem in den Fäces und ihre Verwertung zur Erkennung von Funk¬ 
tionsstörungen aes Darms 213. — Stoklasa, Julius (Prag): Die glykolytischen 
Enzyme im tierischen Gewebe 213. — Senator und Frankenhäuser: Zur Kennt¬ 
nis der Wirkung von kohlensäure- und andern gashaltigen Bädern 213. — 
Gröber, A.: Ein Fall von Indigurie mit Auftreten von Indigorot im frisch ge¬ 
lassenen Ham 214. — Oswald, A.: Untersuchungen über das Hameiweiß 214. — 
Folin, O.: Beitrag zur Chemie des Kreatinins und Kreatins im Ham 214. — 
Krause: Untersuchungen einiger Dauerhefepräparate des Handels mit besonderer 
Berücksichtigung ihrer biologischen Eigenschaften und therapeutischen yerwert- 
barkeit 215. — Heffter, A.: Über die Wirkung des Schwefels auf Eiweißkörper 
215. — Rohmann, F.: Uber das Sekret der Burzeldrüsen 215. — Besprechungen: 


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218 


Korach: Über das gleichzeitige Vorhandensein verschiedener Erkrankungen, ins¬ 
besondere von Cardnom und Diabetes 216. — v. Orolmann: Ärztliches Jahrbuch 
216. — Oppenheimer: Die Fermente und ihre Wirkungen 216. 


Hutorm-Vci?eidmi*. 

Adler 203. — Albu 213. — Aufrecht 197. — Bachmann 206. — Bayer 
205. — v. Behring 209. — Becker 197. — Berkofsky 211. - Bendix 203. — Bön- 
ninger 211. — Borobio 206. — Bomstein 208. — Brion 204. — Brown 205. - 
Brugsch 207. — Carter 205. — Calvo 213. — Cohnheim 204. — Curschmann 201. 

— Dohan 206. — Donath 207. — Erdmann 201. — Estape 205. — Fiedler 204. — 
Frankenhäuser 213. — Fraenkel 200. — Frenkel 204. — Folin 214. — Gradwohl 

205. - Gröber 214.— M'Gufcre 202. — Hart 205. — Hedrich 210. — Heffter 215. — 
Hengge 207. — Heinemann 208. — Hueter 199. — Kayser 204. — Kraus 210. — 
Krause 215. — Kredel 202. — Körner 196. — Loening 196. — v. Manteuffel 212. 

— Magnus-Levy 206. — v. Mikulicz 210. — Micko 210. — Miller 209. — Mori 
201. — Müller 200. — Neumann 203. — Neguera 208. — Oswald 214. — Oppler 
209. — Richartz 201. — Riehl 203. — Rotondi 211. — Rohmann 215. — Sarabia 

206. — Schilling 187. — Senator 213. — Siv6n 199. — Sonnenschein 203. — Starck 
197. — Stauder 198. — Stoklasa 213. — Strauß 203. — v. Tabora 199. — Wag¬ 
ner 198. - Wintemitz 209. - Wolter-Pecksen 197. - Wolff 205. 


HlpbabetUcb geordnetes Jnhaltsverfetönis. 

Appendidtis 201. — Appendidtis bei Tieren 201. — Appendidtis, Blutkör¬ 
perchenzahlung bei 201. — Appendix, Fremdkörper im 205. — Asdtes milchiger 
205. — Bäder, Wirkung der gashaltigen 213. — Bismutose 204. — Blasenstein u. 
Blasenperforation 208. — Burzeldrüse, Sekretbildung der 215. — Cholecystitis, 
experimentelle 204. — Chlorose 206. — Cystenniere 205. — Darm, Funktions- 
prufung des 212. — Darmkanal , Impermeabilität 212. — Darmverschluß durch 
Meckelsches Divertikel 202. — Dauernefe 210. 215. — Diabetes 196. 197. — Ei¬ 
weißkörper, Schwefe]Wirkung auf 215. — Eklampsie 207. — Ektogan 204. — Ente- 
rorhoea nervosa 201. — Fäces, gelöste Eiweißkoroer in den 213. — Fermente 187. 

— Fettgewebsnekrose 205. — Fleischextrakte, Xanthinkörper der 210. — Gallen¬ 
steine 205. — Gastritis phlegmonosa 199. — Gastroenterostomie 205. — Oicht 
297. — Olykolytische Enzyme 213. — Hämoglobinurie 207. — Hefenextrakt, Xan¬ 
thinkörper der 210. — Hefekur 210. — Hopogan 204. — Harn, Eiweiß des 214. 

— Harn, Indigorot im 214. — Ham, Kreatin und Kreatinin im 214. — Ich- 
thyolidin 197. — Intoxikationen 202. — Invagination 202. — Jodipin- und Sali- 
zylprobe 211. — Kardia, Physiologie der 210. — Labferment 211. — Levuretin 
210. — Magen, Sensibilitätsneurosen des 198. — Magengeschwür 198. — Magen- 
motilität, Bestimmung der 211. — Magensarkom 199. — Magenverdauung und 
Kochsalz 211. — Magenverengerungen, narbige, Behandlung der 199. — Mast¬ 
kuren 208. 209. — Myxödem 206. — Milch, gelabte 209. — Nährpräparate 208. — 
Neugalenismus und Haigs Lehre 206. — Nieren und Salizvl 207. — Ösophagus, 
Physiologie des 210. — Ösophaguserkrankungen 197. — Pankreasblutungen 204. 

— Perforationsperitonitis durch Askariden 205. — Podophyllin gegen Ankylsto- 
nuren 203. — Pylorusstenose, Tetanie bei 199. — Rektumerkrankungen 203. — 
Rektoskopie 203. — Säuglingsemährung 209. — Splenektomie 205. — Tänien 203. 

— Theinhardts Nahrung 210. — Thiosinamin 199. — Trockenhefe 210. 215. — 
Typhus 200. — Typhusbazillen, Nachweis 200. — Unterernährung 209. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Oöttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck fk Ruprecht in Oöttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdnickerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 15. April 1904. 


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Nr. 9, 


Erstes Mal-Heft 1904. 


5. Jahrgang, 


3?ttfralblaff 

Nr 

Stoffwechsel-0 Veröauungs-KMnltiieifen 

herutsgegebeti von 

Professor Dt.Carl von Noorden in Frankfurt a.M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vaadeabocck ft R v prccht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von lh-2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vonmsbezahlnng. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Za beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des ln- und Auslandes. (Pos tb ez ug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Marie 20 Pf. jihrUch mehr.) 


Original-Hrtütel. 

Zur allgemeinen Symptomatologie der 6nteritiden und 

Kolitiden. 

Von 

Prof. W. P. Obrastzow, Kiew. 

Die Symptome der entzündlichen Affektionen der Dünndarm Schleimhaut 
und derjenigen der Dickdarmschleimhaut sind so verschieden, daß diese 
beiden Erkrankungen einzeln erörtert und mit besonderen Namen belegt 
werden müssen, wobei man den entzündlichen Affektionen des Dünndarms 
den Namen Enteritiden belassen kann, die Entzündungen des Dickdarms 
jedoch Kolitiden nennen müßte. Als Muster der bei akuten Enteritiden sich 
abspielenden klinischen Erscheinungen können wir die Erscheinungen mit 
zweifelloser Lokalisation im Dünndarm nehmen, die beispielsweise bei Cho¬ 
lera und Abdominaltyphus sowohl vom pathologisch-anatomischen, wie auch 
vom klinischen Standpunkte aus vollständig erforscht sind. Diese Erschei¬ 
nungen zerfallen einerseits in subjektive, von denen uns der Kranke selbst 
erzählt, anderseits in objektive, welche wir bei der Untersuchung des Kranken 
mittels der physikalischen Untersuchungsmethoden gewinnen. 

Die subjektiven Symptome, welche unmittelbar auf den Darmkanal Bezug 
haben, sind bei akut verlaufenden Enteritiden folgende: Vor allem beginnt 
der Patient sozusagen sein eigenes Abdomen zu empfinden, indem er eine 
mit dem Gefühl des Hin- und Herfließens von Flüssigkeit samt Gasen 
(Botborigmi) einhergehende Bewegung wahmimmt. Die Bewegung sowohl, 

Nr. 9. 

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220 


wie die Borborigmi steigern sich allmählich, dann stellt sich ein bisweilen 
mit schwachen Schmerzen einhergehender Krampf ein; auf den Krampf folgt 
rasch Stuhldrang, und schließlich findet eine mehr oder minder fl&ssige Ent¬ 
leerung statt, wobei die Stühle gallig gefärbt sind. Mit einer Entleerung ist 
es gewöhnlich nicht abgetan, die Bewegung im Abdomen und die Borbo- 
rigmi in den Gedärmen halten an, es stellt sich ein neuer Krampf ein, der 
mit lautem Kollern einheigeht, nnd es kommt wieder zu einer Entleerung 
flüssiger, gallig gefärbter Stühle. Bei manchen Enteritiden, die mit kolossaler 
Transsudation in den Dünndarm einhergehen, wie bespielsweise bei Cholera 
asiatica und nicht selten auch bei Cholera nostras, verlieren die Stühle all- 
mälich die gallige Verfärbung und bekommen ein vollständig wässeriges 
Aussehen, das an Weißwein oder dünnen Ham erinnert 

Wenn wir diese soeben geschilderten subjektiven Erscheinungen bei 
Enteritiden erörtern und von einer chemischen, mikroskopischen und bak¬ 
teriologischen Analyse der Entleerungen, die bei diesen Enteritiden statthaben, 
abstand nehmen, so muß man nur hervorheben, daß diese Stühle durch 
ihre flüssige Konsistenz vollständig dem Begriff entsprechen, der durch das 
Wort Diarrhoe als Grundsymptom der Afjektion des Dünndarms zum Aus¬ 
druck kommt 

Der diarrhoische Stuhl ist flüssig, er enthält viel Wasser; er enthält 
makroskopisch sichtbaren Schleim entweder gamicht oder nur in äußerst 
geringen Mengen. Nebst dem diarrhoischen Stuhl müssen wir bei Enteri¬ 
tiden gleichfalls als charakteristische Erscheinung negativen Charakters die Tat¬ 
sache hervorheben, daß Bauchschmerzen entweder sehr schwach ausgesprochen 
sind oder sogar vollständig fehlen. Dies ist ein hervorragend subjektives 
Symptom der Enteritiden, welches uns bei Abdominaltyphus, beijCholera, bei 
Sommer-Diarrhoen etc entgegentritt 

Den soeben geschilderten subjektiven Symptomen entspricht eine Reihe 
streng bestimmter objektiver Symptome, die bei der physikalischen Unter¬ 
suchung des Kranken festgestellt werden können. Vor allem nimmt man 
bei der Besichtigung am Abdomen des Patienten verschiedene Stadien der 
Aufblähung wahr, wenn die Cholera-Enteritis im algiden Stadium auch ohne 
diese sichtbare Vorstülpung der Bauchwände verläuft Als Muster der bei 
Enteritiden zu beobachtenden Aufblähung des Abdomens kann der bei ty¬ 
phöser Enteritis auftretende Meteorismus gelten. Bei der Perkussion finden 
wir in der Dünndarmgegend deutlichen tympanitischen Schall, nicht selten 
mit metallischem Beiklang, namentlich in der rechten Regio iliaca, während 
sonst, d. h. bei normalem Zustande des Dünndarms die Perkussion einen 
gedämpft-tympanitischen Schall ergibt Eine Ausnahme bildet hier wieder 
die Cholera-Enteritis, welche im algiden Stadium mit gedämpft-tympanitischein 
Schall oberhalb des Dünndarms verläuft Die wahrscheinliche Ursache des 
Fehlens von Meteorismus im Dünndarm im algiden Stadium der Cholera 
liegt in den ungewöhnlich raschen Bewegungen des Darminhalts, durch 
welche das Zustandekommen von Gärungsprozessen innerhalb des Darmes 
behindert wird. Schließlich sind wir in der Lage, mittels Palpation das 
wichtigste objektive Phänomen bei Enteritiden festzustellen, nämlich das 
Gurren, welches am häufigsten in der rechten Fossa iliaca, d. h. in den in 


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221 


dieser letzteren gelagerten Dünndarm schlingen wahrgenommen wird. In 
einigen Fällen kann man das Gurren bei der Palpation der ganzen Dfinn- 
darmgegend finden, wie es beispielsweise bisweilen bei Cholera nostras, bei 
Abdominaltyphus etc. der Fall ist 

Der Dickdarm bietet bei Enteritiden gleichfalls charakteristische Verän¬ 
derungen dar. Perkutorisch läßt er einen deutlichen tympanitischen Schall, 
bisweilen mit metallischem Beiklang, wahmehmen; die wichtigsten Befunde 
über den Zustand des Dickdarms erheben wir ja doch bei der Palpation, 
welche eine Erweiterung des ganzen Colon bis 5—8 cm im Durchmesser 
ergibt und im ganzen Colon ein lautes Gurren hervorruft. Das Colon trans- 
versum, welches gleichfalls gedehnt ist, ist infolge des Meteorismus des 
Dünndarms gewöhnlich hochgehoben; durch diese Verschiebung des Colon 
transversum verringert sich die Leberdämpfung, so daß der rechte Rippen¬ 
bogen bei der Perkussion tympanitischen Schall 1—3 Fingerbreiten in der 
rechten Mammillarlinie ergiebt Das S romanum bildet, wenn das Colon 
diffus erweitert ist, nicht selten eine omegaförmige Schlinge oder ein Spatium 
suprapubicum*). Die Palpation des Colon sowie der Dünndarmschlingen 
ist bei Enteritiden gewöhnlich nicht empfindlich, und nur bei Abdominal¬ 
typhus ist das Coecum bei tiefem Eindrücken gewöhnlich schmerzhaft, was 
durch die bei dieser Krankheit bestehenden charakteristischen Momente verur¬ 
sacht wird, weiche letztere in der pathologisch-anatomischen Lokalisation des 
Typhus nicht nur im Intestinum ileum, sondern auch im Coecum liegen **). 
Etas Colon läßt sich bei Enteritiden palpatorisch ziemlich leicht differen¬ 
zieren, wobei es in Form eines gespannten Zylinders erscheint Eine Aus¬ 
nahme bildet das Colon im algiden Stadium der Cholera asiatica, bei der 
weder das Coecum noch das S romanum in Form von Zylindern gefühlt 
werden können, sondern in den beiden Fossae iliacae den soeben erwähnten 
Darmabschnitten entlang bei der Palpation nur ein ziemlich lautes Gurren 
wahlgenommen wird. Nur beim Übergang in Genesung oder ins Typhoid 
beginnt das Colon bei Cholera in Form einer etwas gespannten gurrenden 
Röhre palpabel zu werden. 

Die Analyse der soeben geschilderten objektiven Veränderungen im 
Darmkanal bei Enteritiden ist mit besonderen Schwierigkeiten nicht ver¬ 
bunden. Die entzündlichen Prozesse im Dünndarm gehen parallel mit einer 
gewaltigen Steigerung der Gärungsprozesse und entsprechender Zunahme 
der Mikrobienzahl einher, deren Menge im Dünndarm, namentlich im oberen 
Abschnitt desselben, unter normalen Verhältnissen geringfügig ist (Nencki, 
Escherich); dabei tritt auch eine entsprechende Vermehrung der Gase in 
Erscheinung, von denen einige, beispielsweise die Kohlensäure, der Schwefel¬ 
wasserstoff etc, eine gesteigerte Darmperistaltik bewirken. Anderseits findet 
bei Entzündung des Dünndarms zugleich mit einer Hyperämie der Schleim¬ 
haut in dieser letzteren eine gesteigerte Funktion der Lieberkühnschen 


Drüsen statt, wobei sich das wässerige Sekret in das Darmlumen ergießt 


*) Cf. meine Arbeit über «Physikalische Untersuchung des Darmes«. Archiv 
f. Verdauungskrankheiten von Boas, Bd. 1, S. 270. 

**) Eine Ausnahme bildet auch das infiltrierte Ileum bei Abdominaltyphus, 
welches bei der Palpation schmerzhaft ist. 


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Nr. 9*. 

G< gle 



222 


Der breiartige, wenig Oase enthaltende Chymus erhält anf diese Weise ganz 
andere Eigenschaften: er wird allmählich verflüssigt und im letzten Abschnitt 
des lleums vollständig flüssig; zugleich nimmt die Gasmenge im Dünndarm 
auffallend zu. Daraus ergibt sich bei der objektiven Untersuchung die schon 
für das bloße Auge sichtbare Vorstülpung der Dünndarmgegend, daraus 
ergibt sich auch der bei der Perkussion des Dünndarms an Stelle des nor¬ 
malen gedämpft - tympanitischen Schalles auftretende deutlich tympanitische 
Schall und schließlich das objektive Hauptsymptom der Enteritiden, nämlich 
das bei der Palpation auftretende Gurren in der rechten Fossa iliaca in den 
unmittelbar unterhalb des Coecum liegenden Dünndarmschlingen. 

Es ist nicht schwer, auch die Veränderungen im Dickdarm, die bei En¬ 
teritiden beobachtet werden, zu erklären. Der wässerige Gehalt des Dünn¬ 
darms eigießt sich samt den Gasen in den Dickdarm, verflüssigt die im 
Colon enthaltenen breiartigen, sich allmählich verdichtenden Fäkalmassen, 
schwemmt sie bei den ersten 2—3 Entleerungen mit sich fort, worauf der 
enteritische Stuhl nur aus Dünndarminhalt besteht, bisweilen nur aus dem 
Inhalt des unteren Dünndarmabschnitts, wobei die Fäces nicht gallig gefärbt 
sind, d. h. reinen Succus entericus wie bei Cholera (Cohnheim) darstellen. 
Der Dickdarm spielt bei Enteritiden eine vollständig passive Rolle und do¬ 
kumentiert seine Beteiligung am Krankheitsprozeß nur durch seine Muskel¬ 
schicht, welche teilweise unter dem Einflüsse der mechanischen Dehnung, 
teilweise unter dem Einflüsse der Gase eine gesteigerte Peristaltik entfaltet; 
die Mukosa des Colon bleibt aber unverändert Das Colon wird bei En¬ 
teritiden durch die von oben aus dem Dünndarm in dasselbe hineingelan¬ 
genden Flüssigkeiten in derselben Weise gedehnt, wie es durch Flüssigkeiten 
gedehnt wird, die von unten mittels Klysma eingeführt werden. Das ist das 
Grundverhalten des Dickdarms Enteritiden gegenüber, wenn auch jede Ente¬ 
ritis bei mehr oder minder andauerndem Verlauf natürlich schließlich auch 
im Dickdarm Veränderungen hervorrufen kann; so ruft der Darminhalt bei 
Cholera, indem er den Dickdarm passiert, in demselben bisweilen mehr oder 
minder tiefe Nekrose der Schleimhaut hervor. 

Durch die soeben erörterten Momente des passiven Verhaltens des Dick¬ 
darms bei Enteritiden können die physikalischen Eigenschaften desselben 
erklärt werden. Der Dickdarm ist bei Enteritiden durch Flüssigkeiten und 
durch Gase gedehnt, und daraus ergibt sich die bei Enteritiden bestehende 
Vergrößerung des Kalibers des Dickdams bis zu 5—8 cm, daraus erklärt sich 
der tympanitische Klang, nicht selten mit metallischem Beiklang bei der Per¬ 
kussion des Dickdarms, und daraus erhellt schließlich das laute Gurren, 
welches bei der Palpation des Dickdarms bei vollständigem Fehlen von Schmerz¬ 
haftigkeit desselben zustande kommt Daraus folgt, daß wir jedesmal, wenn wir 
im S romanum durch Palpation ein Gurren erzeugen, Enteritis konstatieren 
können; aus diesem Grunde beginne ich bei Abdominaltyphus die Palpation 
des Darmes in der linken Fossa iliaca und nehme, wenn ich Gurren im 
S romanum wahrgenommen habe, davon abstand, auch in der rechten 
Fossa iliaca Gurren zu erzeugen, da ich einerseits überzeugt bin, daß dieses 
Symptom hier auch ohne Palpation da'sein müsse, und anderseits die Pal¬ 
pation bei Abdominaltyphus nicht ganz ungefährlich ist 


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223 


Wenn wir das im Vorstehenden in Bezug auf die Hauptsymptome der 
Enteritiden Gesagte nochmals überblicken, so müssen wir als das subjektive 
Hauptsymptom den schmerzlosen flüssigen Stuhl, d. h. die schmerzlose 
Diarrhoe, als das objektive Hauptsymptom das Gurren, welches bei der Pal¬ 
pation des Dünn- resp. Dickdarms zustande kommt, bezeichnen. 

Bei der Rückbildung da* akuten Enteritiden, beispielsweise bei der Ge¬ 
nesung nach Cholera, finden wir defl* Übergang zum normalen Zustande 
vor allem im unteren Abschnitt des Dickdarms. Vor allem beginnt das 
S romanum, wie es unter normalen Verhältnissen der Fall ist, in Form einer 
daumendicken Schnur palpabel zu werden, welche bei der Palpation kein 
Gurren wahmehmen läßt; hierauf verschwindet das laute Gurren im Colon 
transversum, und schließlich verschwindet das laute Gurren auch im Coecum, 
wobei gleichzeitig das Gurren in den in der rechten Fossa iliaca gelagerten 
Ileumschlingen verschwindet 

Die Symptome der chronischen Enteritiden, die subjektiven sowohl wie 
die objektiven, sind im wesentlichen die gleichen wie bei den akuten Enteri¬ 
tiden. Der Unterschied ist nur durch den Intensitätsgrad der Symptome und 
Erscheinungen gegeben, d. h. es liegt eine quantitative und nicht eine quali¬ 
tative Differenz vor. Auch bei chronischen Enteritiden ist das hauptsäch¬ 
lichste subjektive Symptom schmerzloser flüssiger Stuhl, schmerzlose Diar¬ 
rhoe, mit dem Unterschied, daß der flüssige Stuhl sich hier nicht stündlich, 
nicht halbstündlich wie bei akuter Enteritis, beispielsweise bei asiatischer 
Cholera, sondern 2—3 mal täglich, in einigen Fällen einmal täglich und 
schließlich nicht selten einmal in 48 Stunden einstellt Wohl aber behält 
der Stuhl, wie gesagt, auch bei chronischen Enteritiden seine Grundeigen¬ 
schaften. Es ist eben ein diarrhoischer, flüssiger, schmerzloser Stuhl. Bis¬ 
weilen gelangt der enteritische Darminhalt in den Dickdarm in so unbedeu¬ 
tender Quantität, daß die flüssigen Teile hier noch gerade zur Resorption 
gelangen können, und der Patient kann somit bei chronischer Enteritis doch 
normalen Stuhl haben, da* bei jedem, häufig sehr geringfügigen Diätfehler, 
bei Änderung der Lebensweise etc. durch flüssigen Stuhl ersetzt wird. 

Die objektiven Symptome der chronischen Enteritiden sind dieselben 
objektiven Erscheinungen wie bei den akuten Enteritiden: dieselbe Aufblä¬ 
hung des Dünndarms, derselbe tympanitische Schall bei der Perkussion des¬ 
selben und schließlich — und das ist die Hauptsache — dasselbe Gurren 
in den in der rechten Fossa iliaca gelagerten Dünndarmschlingen. Der Dick- 
darm wird bei chronischen Enteritiden ebenso gedehnt sein und bei der 
Palpation ebenso Gurren geben wie bei den akuten Enteritiden, nur wird 
die Intensität der Erscheinungen im Dünndarm sowohl wie im Dickdarm 
sehr verschieden sein. Das Hauptsymptom der Enteritiden, nämlich das 
Gurren in den Ileumschlingen, kann sehr wenig ausgesprochen sein und 
sich nicht zu jeder Zeit durch Palpation erzeugen lassen; anderseits kann 
das S romanum, wenn die flüssigen Bestandteile des Darminhalts im Dick¬ 
darm zur Absorption gelangen, ebenso kontrahiert sein wie unter normalen 
Verhältnissen. Was aber von den objektiven Erscheinungen bei chronischen 
Enteritiden besonders stabil und konstant ist, das ist das laute Gurren im 
Coecum, welches bei schwach ausgesprochenen Enteritiden auch dann 


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224 


erzeugt werden kann, wenn in den Ileumschlingen von Gurren noch nichts 
zu merken ist Bei der Palpation, welche Gurren erzeugt, erscheint das 
Coecum gewöhnlich gedehnt und sehr wenig schmerzhaft ln diesem Falle 
kann das Gurren im Coecum das einzige Symptom einer bestehenden 
Affektion des Dünndarms sein, da das subjektive Symptom der Enteritis, 
nämlich der flüssige Stuhl, wie soeben gesagt, fehlen kann. Wir ersehen 
daraus, daß wir bei entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms demselben 
Mißverhältnis zwischen subjektiven und objektiven Symptomen begegnen 
können, denen wir bisweilen beispielsweise bei Erkrankungen da- Luftwege 
begegnen, wo wir bei der objektiven Untersuchung Rasselgeräusche finden 
und folglich Bronchitis diagnostizieren können, ohne daß Auswurf und 
Husten bestehen. 

Die klinische Symptomatologie der Kolitiden oder der entzündlichen 
Affektionen der Dickdannschleimhaut gewährt ein Bild, welches von dem¬ 
jenigen der Enteritis vollkommen verschieden ist Als Vorbild der klinischen 
Erscheinungen' bei Kolitiden können wir die Erscheinungen nehmen, die 
bei 2 gewissen akuten Kolitisformen auftreten; die eine dieser Koütisformen 
wird häufig beobachtet, ist gut erforscht und lokalisiert sich hauptsächlich 
im unteren Dickdarmabschnitt; das ist die dysenterische Kolitis; die andere 
Form, mit der man seltener zu tun hat, ist die akute Kolitis, die häufiger 
während Influenza-Epidemieen auftritt und hauptsächlich in den oberen 
Abteilungen des Colon lokalisiert ist: das ist die Colitis grippalis. In ihrer 
intensivsten Form, d. h. bei der Lokalisation des Prozesses an verschiedenen 
Polen des Colon, nämlich im Coecum und im Rektum, haben diese beiden 
Formen, nämlich die Typhlitis grippalis und die Proctitis dysenterica, eine 
gemeinsame Erscheinung, nämlich heftigen Schmerz einerseits in der rechten 
Fossa iliaca, anderseits im Anus bezw. im Rektum. Wenn sie aber auch 
Gemeinsames haben, so unterscheiden sich doch diese Formen in Bezug 
auf den Stuhl scharf von einander. Eiei Typhlitis grippalis wird als Regel 
angehaltener Stuhl während der ganzen Krankheitsdauer beobachtet; bei 
dysenterischer Proctitis besteht im Gegenteil permanenter Stuhldrang, wobei 
jedesmal nur eine unbedeutende Quantität serös-schleimigen Exsudats ent¬ 
leert wird, welches gewöhnlich blutig gefärbt ist und Fäkalmassen gamicht 
enthält Jedoch begegnen sich diese Extreme in Bezug auf den Stuhl bei 
grippöser Typhlitis und dysenterischer Proctitis in dem Falle, wenn einerseits 
der grippöse Prozeß nicht nur das Typhlon allein ergreift, sondern sich auf 
das ganze Colon oder wenigstens auf den größten Teil desselben ausbreitet, 
und anderseits wenn der dysenterische Prozeß von unten nach oben steigt 
und gleichfalls das ganze Colon oder den größten Teil desselben ergreift: 
sowohl in dem einen wie in dem anderen Falle wird der Stuhl von gleicher 
Beschaffenheit, nämlich ein reichlicher breiiger Stuhl sein, in dem die Fäkal¬ 
massen mit Mengen makroskopisch sichtbaren Schleims und teilweise mit Blut 
vermengt sind. Das ist der Stuhl der akuten Kolitiden und das Haupt¬ 
symptom dieser letzteren. 

Das zweite gleich wichtige subjektive Symptom der Kolitiden ist der 
spontane Schmerz, welcher bald in der rechten Fossa iliaca, bald im Anus 
bei zirkumskripten Kolitiden oder — bei diffusen Kolitiden — im ganzen 


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225 


Abdomen lokalisiert ist, wobei der Schmerz am deutlichsten dem Colon 
entlang, bisweilen besonders heftig in den beiden Fossae iliacae bezw. in 
der einen Fossa iliaca, in den beiden Regiones hypochondriacae u. s. w. ge¬ 
fühlt wird. Dieser Schmerz läßt selten vollständig nach; gewöhnlich ist 
derselbe mehr oder minder dauernd, wobei er vor dem Stuhlgang und 
während desselben, desgleichen bisweilen bei tiefen Inspirationen eine heftige 
Exacerbation erfährt 

Die Befunde, die bei der objektiven physikalischen Untersuchung erhoben 
werden, bieten ein vollständig bestimmtes Bild, welches sich von demjenigen 
der Enteritiden scharf unterscheidet Die erwähnten Befunde erheben wir 
hauptsächlich mittels Palpation und teilweise mittels Perkussion. Bei grip¬ 
pöser Typhiitis erscheint das Coecum in Form einer gedehnten, 6—8 cm 
im Durchmesser aufweisenden gespannten Birne, die bei der Perkussion 
deutlichen Schall erzeugt und bei der Palpation sowohl wie bei der Per¬ 
kussion ungewöhnlich schmerzhaft ist Im Coecum Gurren bei akuter 
Typhlitis hervorzurufen, gelingt eben wegen der ungewöhnlichen Schmerz¬ 
haftigkeit nicht Anderseits erscheint das S romanum bei Dysenterie mit 
Lokalisation im unteren Abschnitt des Colons bei der Palpation in der 
Form eines derben, schmerzhaften, nicht gurrenden Stranges, der bei der 
Perkussion gedämpften Schall gibt Wenn wir uns aber von diesen äußersten 
Punkten entfernen und bei akuter Kolitis beispielsweise das Colon trans- 
versum, wenn es zugänglich ist, untersuchen, so finden wir dasselbe bei der 
Palpation in Form eines mäßig konsistenten, 2 Querfinger breiten, schmerz¬ 
haften Zylinders mit verdickten Wandungen, der bei der Perkussion ge- 
dämpft-tympanitisehen Schall wahmehmen läßt 

Wenn wir das über die Symptomatologie der Kolitiden Gesagte noch¬ 
mals überblicken, so müssen wir als subjektive Hauptsymptome den brei¬ 
artigen schleimigen Stuhl, sowie die bei der Defäkation sich steigernden 
Schmerzen im Abdomen bezeichnen; das objektive Hauptsymptom ist das 
schmerzhafte, verdichtete, dickwandige, erweiterte Kolon, welches bei Druck 
nicht besonders reichliches Gurren erzeugt 

Die Symptomatologie der chronischen Kolitiden wird uns vollständig 
begreiflich erscheinen, wenn wir den allgemeinen Satz aufstellen, daß sämt¬ 
liche chronischen Affektionen der Schleimhäute im großen und ganzen die 
Symptome der akuten Affektionen wiedeigeben. Die Differenz zwischen 
den Symptomen der akuten und denjenigen der chronischen Affektionen 
liegt in der Intensität des betreffenden Symptoms, d. h. es liegt auch hier 
wiederum eine quantitative, aber nicht qualitative Differenz vor. Von diesem 
Satze ausgehend, wird es uns nicht schwer fallen, zu verstehen, daß bei 
verschiedener Lokalisation der entzündlichen chronischen Prozesse im Colon 
die Erscheinungen ebenso verschieden sein werden, wie sie bei akuten 
Affektionen verschieden sind. Abo* den akuten sowohl wie den chronischen 
Erkrankungen ist ein Symptom gemeinsam, nämlich der Schmerz im Colon, 
der gewöhnlich. schwach ist, vor dem Stuhlgang sich jedoch hochgradig 
steigert, wenn der chronische Prozeß im größten Teile des Colon und be¬ 
sonders in den unteren Abschnitten desselben lokalisiert ist, und konstanter 
Schmerz in der rechten Fossa iliaca, wenn der Prozeß im Coecum lokalisiert 


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226 


ist Nur ist der Schmerz bei chronischen Kolitiden schwächer ausgesprochen 
als bei akuten. Was nun den Stuhl betrifft, so wird bei chronischen Typhli- 
tiden eine ebensolche Neigung zu Verstopfungen beobachtet wie auch bei 
akuten Typhlitiden, so daß der Stuhl bei chronischen Typhlitiden nicht 
selten ebenso wie bei akuten nur mittes Abführmittel erzeugt werden kann. 
Bei chronischen Proctitiden besteht im Gegenteil häufiger Stuhldrang, wobei 
unbedeutende Mengen reinen Schleimes entleert werden, wäkrend die Fäkal¬ 
massen angehalten sind; schließlich besteht bei Erkrankung des größten 
Teiles des Colons derselbe, gewöhnlich etwas frequente, breiartige Stuhl mit 
starker Schleimbeimischung. Bei der objektiven Untersuchung finden wir 
auch bei chronischer Typhlitis das Coecum von Gasen aufgebläht und 
schmerzhaft, bei diffuser Kolitis verdickt und bei der Palpation schmerzhaft, 
dickwandig und mit schwachem Gurren. 

Bei gleichzeitiger Erkrankung des Dünn- und Dickdarms (Enterocolitis), 
mag es eine primäre Affektion sein oder eine sekundäre, die sich umittelbar 
nach dem Übergang der Entzündung vom Dickdarm auf den Dünndarm 
und umgekehrt entwickelt hat, finden wir eine Kombination der Enteritis- 
und der Kolitis-Symptome. Das häufigste subjektive Symptom dieser Er¬ 
krankungen ist die schmerzhafte Diarrhoe, an deren Stelle nicht selten schlei¬ 
miger Stuhl tritt, während die objektiven Symptome der Enterokolitiden 
sind: tympanitischer Schall oberhalb des Dünndarms, Gurren in den Ileum- 
schlingen bei Palpation derselben, lautes Gurren im Coecum, welches bei 
Druck schmerzhaft ist, und schließlich verdicktes schmerzhaftes Colon, das 
bald kontrahiert erscheint, bald bei der Palpation deutliches Gurren wahr¬ 
nehmen läßt 


Aus der Göttinger med. Univ.-Klinik (Dir.: Geh. Rat Prof. Dr. Ebstein). 

DU Purinkörper und ihre Stellung int tierischen 

Organismus» 

Von 

Privatdozent Dr. A. Schittenhelm, Assistenzarzt der Klinik. 

Unter Purinkörper versteht man seit den bahnbrechenden synthetischen 
Untersuchungen E. Fischers 1 ) eine Klasse von stickstoffreichen organischen 
Substanzen des Tier- und Pflanzenreichs, welchen allen der sogen. Purin¬ 
kern gemeinsam ist Dieser ist zusammengesetzt aus 5 Kohlenstoff- und 
4 Stickstoff-Atomen, welche so angeordnet sind, daß zwei ringförmige Orup- 
pen mit zwei gemeinsamen Gliedern entstehen. Als Grundform der ganzen 


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227 


Klasse hat Fischer die Wasserstoffverbindung des Purinkerns, das Purin, 

/H 

H(,)< r < ü (s)_N(,) C> H 

bezeichnet, aus dem durch Einfügen von Sauerstofhitomen Hypoxanthin, 
Xanthin und Harnsäure, von Amidogruppen Adenin und Guanin, von Me- 
thylgruppen Theobromin, Theophyllin (= Theocin) und KaffeTn etc abge¬ 
leitet werden können. Des weiteren hat Fischer alle diese Körper und 
noch viele mehr synthetisch aus der Harnsäure dargestellt. Die Physiologie 
hat aus dieser gründlichen Aufklärung der Puringruppe großen Nutzen 
gezogen, indem die hierdurch bedingte Auffassung der Harnsäure als Purin¬ 
derivat ihren Zusammenhang mit bestimmten Substanzen des menschlichen 
Organismus äußerst nahelegte, so daß es jetzt keinem Zweifel mehr unter¬ 
liegt, daß mindestens ein großer Teil der Harnsäure im Tierieibe durch 
Oxydation präformierter Purinkörper gebildet wird. 


I. PurlnkArperdepöt im Organismus. 


Die Purinkörper finden sich in großer Verbreitung im Organismus 
selbst Es ist ein großes Verdienst Kossels 2 ), nachgewiesen zu haben, daß 
alle echten Nuklelne, deren Bedeutung für den Organismus als Haupt¬ 
bestandteil der Zelle und deren außerordentlich weite Verbreitung im Tier- 
und Pflanzenreiche seit ihrer Entdeckung in den Kernen der Eiterzellen 
durch Miescher 8 ) (1869) und Hoppe-Seyler 4 ) an der Hand späterer Un¬ 
tersuchungen erkannt worden waren, neben Phosphorsäure und einem 
eiweißähnlichen Körper die Purinkörper enthalten. Kossel fand 
damit die wichtige Tatsache, daß in den Zellkernen ein mächtiges Purin¬ 
depot festgelegt ist Nachdem dann durch Miescher 5 ) in den Sperma- 
tozoen des Lachses ein Körper gewonnen war, welcher später nach der 
Beobachtung Altmanns 8 ), daß derselbe mit Eiweiß leicht in Verbindung 
tritt und daß diese Verbindung alle Eigenschaften der Nuklelne zeigt, 
Nukleinsäure genannt wurde, ergab sich mit größter Wahrscheinlichkeit 
der Schluß, daß die natürlich vorkommenden Nuklelne als Komponen¬ 
ten Nukleinsäure und Eiweiß haben. Heute ist dies eine anerkannte 
Tatsache 

An die Entdeckung der Nukleinsäuren schloß sich eine lange Reihe von 
Untersuchungen über diese Körper. Vor allem fand sich, daß sie im engeren 
Sinne die Träger der Purinbasen im Zellkerne sind. Über die Art ihrer 
relativ lockeren Verknüpfung mit dem Reste des Nuklelnsäuremoleküls (Nu- 
kleotinphosphorsäure Schmiedebergs, Thyminsäure Kossels) haben wir 
noch keine exakte Vorstellung. Man nimmt aber an, daß es sich höchst 
wahrscheinlich nicht um eine »salzartige«, sondern um eine »organische« 
Bindung handelt (Kossel 7 ), Kossel und Neumann 8 ), Schmiedeberg 9 )). 
Neuerdings hat Burian 10 ) auf Grund erneuter Versuche die Ansicht aus¬ 
gesprochen, daß die Purinbasen durch Vermittlung ihres Stickstoffatoms 7 
an den Rest der Nukleinsäure und zwar speziell an den Phosphor gebunden 


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Nr. 9. 

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228 


sei. Aber auch seine Beweisführung ist keine absolut strikte, und so muß 
die Frage nach der Verknüpfung der Purinbasen im Nukldnsäuremolekül 
vorderhand noch als eine unentschiedene betrachtet werden. Noch weniger 
weiß man über die Stellung, welche die zwei von Kossel und seinen Schü¬ 
lern 11 ) zuerst in der Thymus- resp. Hefenukleinsäure aufgefundenen Basen 
Uracil und Cytosin im Nukldnsäuremolekül einnehmen. So hat man denn 
über die Konstitution der Nukldnsäuren, obwohl man dne ganze Rdhe Kom¬ 
ponenten kennt, noch kdnerld sichere Kenntnis und da auch die aus den 
verschiedensten Organen isolierten Produkte bei der Elementaranalyse mit 
Ausnahme vidieicht von Kossels Thymus-, Schmiedebergs Salmo- und 
Bangs 1 *) Pankreasnukldnsäure (= Guanylsäure) noch keineswegs überein¬ 
stimmende Zahlen ergeben, so ist der Zweifel, ob man überhaupt bisher 
eine chemisch rdne Nukleinsäure in den Händen gehabt hat, um so mehr 
berechtigt, als es ja auch noch keineswegs gelang, ein kristallinisches Pro¬ 
dukt zu erhalten. Wie schwierig das Arbeiten mit der Nuddnsäure ist, zeigt 
die jüngst erschienene Mitteilung von Kossels Schüler Kostytschew 11 ), 
wonach von den durch Kossel und Neumann Vorjahren aus der Thymus¬ 
drüse isolierten «- und l-Thymonukleinsäure die letztere nur dn Zersetzungs¬ 
produkt der ersteren ist, welches dadurch entsteht, daß in Folge der Einwir¬ 
kung des siedenden Wassers bei ihrer Darstdlung */* der Purinbasenmenge 
aus dem ursprünglichen Molekül abgespalten werden. 

II. Herkunft der Purinkörper. 

Es ist eine festbegründete Tatsache, daß es für den Organismus keiner 
Zufuhr von Purinkörpern mit der Nahrung bedarf, um seine Zdlkeme mit 
diesem wichtigen Bestandteil zu versehen. Er ist vielmehr, ähnlich wie die 
Pflanze vomemlich in den kemreichen Keimlingen*), imstande, sie aus 
anderen stickstoffhaltigen Substanzen synthetisch darzustellen. Bewdse 
dafür geben, die Untersuchungen von Miescher 14 ), Kossel 15 ), Bendix 14 ) 
und Burian und Schur 17 ). Ich führe hier den Versuch Kossels an. Er 
untersuchte den Eidotter und den durch lötägige Bebrütung zur Entwicklung 
gebrachten Hühnerembryo und fand, daß letzterer sehr reich an Purinbasen 
ist, während der Dotter so gut wie keine enthielt Es muß also beim Auf¬ 
bau des tierischen Organismus eine Synthese von Purinkörpern stattfinden. 

III. Die Purinkörper im Stoffwechsel. 

Die Ausfuhr der Purinkörper aus dem Organismus geschieht mit dem 
Urin und den Fäces, und von ihnen sind es namentlich diejenigen des 


*) Nukleine wurden von Hoppe-Seyler in der Hefe (mediz.-ehern. Unter¬ 
suchungen, 1871, S. 500, näher untersucht von Kossel, Zeitschr. f. phys. Cb, 
Nr. 3, S. 284 und Nr. 4, S. 290), von Stutzer in Schimmelpilzen (Zeitschr. t 
phys. Ch., Nr. 6, S. 572), von Petit im Embryo der Oerste (Compt rend., 116, 
S. 995) gefunden und neuerdings haben Osborne und Campbell (J ourna ' 
the american soc. ehern., 22. 379, 1899) und Osborne und Harris (Zeitschr. f. 
phys. Ch., 36. 85, 1902) eine Nukleinsäure im Weizenembtyo gefunden und 
untersucht. 


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229 


Urines, welche zu weitgehenden Versuchen Veranlassung gaben. Früher nahm 
man an, daß sämtliche Harnsäure aus den Zerfallsprodukten des Eiweißes, 
dem Harnstoff, synthetisch im Oiganismus dargestellt werde, ähnlich wie es 
durch die Untersuchungen von v. Schröder 18 ), Jaffö und H. Meyer 19 ), 
sowie Minkowski 90 ) für den Vogelorganismus als sicher nachgewiesen 
wurde Hierher gehören auch die neueren Versuche Wieners 91 ), welcher 
zeigte, daß der Vogel nicht imstande ist, unbegrenzt Harnstoff in Harnsäure 
umzuwandeln, daß sich aber diese Fähigkeit nicht unbeträchtlich hebt, sobald 
mit dem Harnstoff gleichzeitig ein Paarling zugeführt wird, welcher direkt 
zur Synthese der Harnsäure benutzt oder dazu im Organismus leicht in 
einen hierzu geeigneten Körper umgewandelt werden kann. Die Annahme, 
daß sich der Mensch in dieser Beziehung wie der Vogel verhalte, ist heute 
nicht mehr haltbar. Jedenfalls kann es nur der kleinste Teil der Harn¬ 
säure sein, welcher eventuell synthetisch beim Menschen entsteht 
Wiener 91 ) glaubt auf Grund dahin zielender Versuche annehmen zu können, 
daß ungefähr 12—15 °/ 0 auf diese Weise gebildet werden. 

Die Hauptmenge der Harnsäure entsteht beim Menschen je¬ 
denfalls aus präformierten Purinkörpern. Der Oedanke, daß dem 
so sei, ist schon ein ziemlich alter. Bereits Wöhler und Liebig 99 ) er¬ 
kannten die nahe Verwandtschaft von Hypoxanthin und Harnsäure und 
nachdem durch Ranke 93 ) die Milz als Hauptquelle der Harnsäure bezeichnet 
und durch Körner 94 ) Hypoxanthin im Blut und Harn von Leukämiekranken 
gefunden war, trat die Annahme der Herkunft der Harnsäure aus den Xan¬ 
thinbasen wieder mehr in den Vordergrund. Auch Meissner 93 ) leitete die 
Harnsäure von den in den Geweben vorkommenden Xanthinbasen ab_ und 
Salkowski 90 ) bezog die Hamsäurevermehrung bei Leukämie auf die Über¬ 
schwemmung des Blutes mit Milzbestandteilen, also Xanthinbasen. Füt¬ 
terungsversuche am Hunde mit Xanthin durch Nenki und Sieber 97 ) und 
mit Guanin durch Kerner 98 ) fielen negativ aus. Trotzdem kam Kossel 99 ), 
nachdem er mittels einer neuen Methode gefunden hatte, daß die tierischen 
Organe viel reicher an Hypoxanthin seien, als man bisher glaubte, wieder 
auf die Annahme zurück, daß die Harnsäure aus dem Hypoxanthin stamme. 
Er begründete seine Ansicht damit, daß bei Tieren (Vögeln, Reptilien), deren 
Blut an kernhaltigen Elementen und deren Muskeln an Hypoxanthin viel 
reicher sind als die der Säugetiere, auch eine erheblich größere Hamsäure- 
produktion zu konstatieren sei. In der Folge gelang es jedoch weder 
Stadthagen 30 ), der Nukldn und freies Guanin, noch Gumlich 81 ), (beide 
Schüler Kosseis), welcher Nuklein am Hunde verfütterte, eine Steigerung 
der Hamsäureausscheidung hervorzurufen. Ebstein 39 ) hatte jedoch schon 
früher darauf aufmerksam gemacht, daß der negative Ausfall von Fütterungs¬ 
versuchen mit diesen Basen die Anschauung von der Möglichkeit einer 
solchen Umwandlung nicht zu erschüttern imstande sei, weil es ganz be¬ 
stimmte Eventualitäten sein dürften, unter denen sich diese Umwandlung 
vollzieh^ und daß er damit das Richtige getroffen hat, zeigten die späteren 
Untersuchungen. 

Die bis dahin noch sehr zweifelhafte Frage von der Enstehung der Harn¬ 
säure aus Nuklein und Purinbasen erfuhr eine entscheidende Wendung, als 


Nr. 9*. 


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230 


Horbaczewski 88 ) mit seinen klassischen Untersuchungen den Be¬ 
weis erbrachte für einen direkten Zusammenhang von Harnsäure 
und Nuklelnen. Er zeigte, daß aus Nukldnen der verschiedensten Her¬ 
kunft unter bestimmten Bedingungen entweder Harnsäure oder Purinbasen 
entstehen, je nachdem die Zersetzung des Nukleins bei Sauerstoffzufuhr oder 
Luftabschluß vor sich ging. Er schloß daraus, daß die Hampurine der 
Säugetiere eine physiologisch-genetische Einheit bilden, und daß überall da, 
wo im Organismus Nukltine zur Zersetzung gelangen, Purinkörper und zwar 
bei der ubiquitären Anwesenheit von Sauerstoff vor allem Harnsäure ent¬ 
stehen müsse. Er verfütterte auch Nuklein aus Milzpulpa am Men¬ 
schen und Kaninchen und bekam darnach, seiner Voraussetzung ent¬ 
sprechend, eine Steigerung der Harnsäureausscheidung. Horbac- 
zewski zog nun aber nicht etwa den Schluß, daß die Vermehrung der 
Harnpurine auf eine direkte Umsetzung des verfütterten Nukleins zu rechnen 
sei, sondern deduzierte, daß die Nukleineinfuhr nur auf dem Wege einer 
verstärkten Verdauungsleukocytose mit konsekutivem Zerfall von Leukocyten, 
welche ihrerseits wieder die Vermehrung der Hampurine hervorrufe, wirke. 
Horbaczewskis Lehre läßt sich also kurz dahin formulieren, daß weder 
mit der Nahrung eingeführtes noch in Organzellen vorgebildetes Nuklein 
die Muttersubstanz der Harnsäure seien, sondern nur das der Leukocyten- 
keme. 

Ich übergehe die zahlreichen Versuche, welche im Anschluß an Hor¬ 
baczewskis Untersuchungen die Beziehungen zwischen Harnsäure 
und Leukocytenzahl zum Gegenstand hatten (Jakob und Krüger 84 ), 
Kühnau 86 ), Gumprecht 86 ), Löwi 87 ), Schreiber und Zaudy 88 ) u.a.) und 
begnüge mich damit, die heutige Ansicht über diese Frage dahin zu formu¬ 
lieren, daß zwar in vielen Fällen eine deutliche Abhängigkeit der Harnsäure¬ 
ausscheidung von der Menge der Leukocyten im Blute besteht, daß aber 
dieselbe keineswegs eine konstante Erscheinung bildet Wir wissen jetzt 
daß das Nuklein aller Körperzellen eine Quelle der Harnsäure bildet und 
keineswegs nur das der Leukocyten, eine Ansicht, welche übrigens Ma¬ 
res 89 ) schon früher vertrat 

Noch umfangreicher gestalteten sich die Untersuchungen, welche die 
Beziehung zwischen Nuklein und Purinbasen einerseits und der 
Harnsäure andererseits ohne den Umweg der Leukocytose zu eruieren 
suchten. Weintraud 40 ) war der erste, der, in Verfolgung der Nukleinfütte¬ 
rungsversuche Horbaczewskis, die nukleinreiche Thymusdrüse einem Men¬ 
schen verabreichte und darnach auch prompt eine Steigerung der Ham- 
säureausfuhr bekam. Da er jedoch keineswegs eine parallel gehende Leuko¬ 
cytose beobachten konnteso kam er zu dem Schluß, daß die Hamsäure- 
vermehrung durch direkte Überführung der im Nuklein vorgebildeten Xanthin¬ 
basen zu erklären seien. Alle weiteren Arbeiten über dieses Thema konnten 
die Beobachtungen Weintrauds bestätigen. (Umber 41 ), Hess und 
Schmoll 48 ), Smith-Jerome 48 ), Rosenfeld und Orgler 44 ), Hopkins und 
Hope 48 ), Minkowski 46 ) u. a.) Einen weiteren Fortschritt bedeuteten die 
Untersuchungen von Strauß 47 ) und Smith-Jerome 48 ), welche nach Ein¬ 
nahme von Liebigs Fleischextrakt eine Steigerung der Harnsäure 


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ausfuhr feststellten. Bestätigt wurde dieser Befund von Rzetkowski 48 ) unter 
v. Noordens Leitung und Siven zeigte ferner, daß auch Bouillongenuß 
denselben Effekt erzielt Da nun bekanntermaßen im Fleischextrakt eine 
beträchtliche Menge freien Hypoxanthins und Xanthins sich finden, so war 
eigentlich durch diese Versuche schon der direkte Übergang von Purinbasen 
in Harnsäure äußerst wahrscheinlich gemacht Einwandsfrei bewiesen wurde 
derselbe jedoch erst durch Minkowskis 48 ) Verffitterung von freiem 
Hypoxanthin am Menschen und Hund und der Beobachtung einer 
konsekutiven Harnsäuresteigerung im Harne ganz analog dem schon 
lange früher unter Minkowskis Leitung durch v. Mach 6 ®) an Vögeln nach 
HypoxanthinfQtterung erhobenem Befunde. 

Es gelang Minkowski nicht, durch Verfütterung von Adenin am Hunde 
eine Steigerung der Hamsäureausfuhr zu erzielen und dasselbe negative 
Resultat hatten Stadthagen® 0 ) bei Verffitterung von Guanin am Hunde und 
Rzetkowski 48 ) bei Verffitterung von Xanthin an sich selbst Minkowski 
glaubte sich daher zu dem Schlüsse berechtigt, daß nur dem 
freien Hypoxanthin die Fähigkeit des direkten Übergangs in Harn¬ 
säure zukomme, während den anderen Purinbasen diese Fähig¬ 
keit nicht zukomme. Nuldelne dagegen, welche Guanin enthalten, wie 
dasjenige des Pankreas und solche, die Guanin und Adenin enthalten, wie 
das der Lachsmilch steigern nach seinen Versuchen regelmäßig die Ham¬ 
säureausfuhr. Besonders beweisend für die verschiedene Wirkung freien 
Guanins und Adenins gegenüber denselben Basen als Bestandteile der Nu- 
kleine scheint nach Minkowskis Ansicht ein Versuch am Hunde, bei 
welchem er nach Verfütterung von Kalbsmilch die Harnsäure vermehrt fand, 
dagegen nicht wenn er die hydrolytischen Spaltungsprodukte jener Nährstoffe 
eingab, wobei die Purinbasen durch das Kochen mit Säure aus dem Nuklein- 
molekfil abgetrennt waren und damit Eigenschaft und Wirkung freier Basen 
erlangten. Zu ganz anderen Resultaten kamen Krüger und Schmid 61 ). 
Ausgehend von der Beobachtung Smith-Jeromes, wonach Hypoxanthin- 
nuklefn die Hamsäureausfuhr nicht in höherem Grade steigere als freies 
Hypoxanthin, fanden sie, die Richtigkeit von Jerom es Beobachtung voraus¬ 
gesetzt, einen Widerspruch darin mit den Resultaten Minkowskis, weil 
nach ihrer Meinung, analog dem Vorgänge bei Verffitterung guanin- und 
adeninhaltigen Nukleins, das Hypoxanthinnukldn in weit höherem Maße in 
Harnsäure übergeführt werden müßte, wie das freie Hypoxanthin. Nachdem 
Schittenhelm**) die relativ geringe Giftigkeit des Adenins bei Kaninchen 
festgestellt hatte, konnten die beiden Autoren die Bedenken, welche Min¬ 
kowski an der Verfütterung dieser Base am Menschen hinderten, teilen lassen, 
und sie untersuchten nun die Einwirkung sämtlicher vier Purinbasen 
(Adenin, Guanin, Xanthin und Hypoxanthin) in freiem Zustande auf die 
Hamsäureausscheidung am Menschen. Sie fanden, daß Adenin, Xan¬ 
thin und wahrscheinlich auch Guanin, ebenso wie Hypoxanthin 
bei direkter Verffitterung harnsäuresteigernd wirken, wenn auch 
in quantitativ geringerem Grade und haben dadurch den direkten Übergang 
der vier Purinbasen in Harnsäure bewiesen. Sie setzen sich also mit den 
Ansichten Minkowskis in Widerspruch, indem ihre Untersuchungen lehrten, 


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232 


daß nicht nur, wie Minkowski meinte, das Hypoxanthin, sondern auch das 
Xanthin und besonders auch das Adenin und Guanin direkt und ohne mit 
Nukleinsäure gepaart zu sdn, zu Harnsäure oxydiert werden. Minkowski, 
welcher vor noch nicht allzu langer Zeit seinen Standpunkt in der Frage 
nochmals genau formuliert hatte 69 ), erkennt nun, nachdem er von Kröger 64 ) 
nochmals auf die Tatsache der Überführung von freiem Xanthin in Harn¬ 
säure aufmerksam gemacht wurde, diese an und verweist darauf, daß die 
Oxydation von Xanthin zu Harnsäure nicht weiter auffallend sei, nachdem er 
selbst ja die Oxydation von Hypoxanthin zu Harnsäure, deren Weg über 
das Xanthin führe, bewiesen hat Es muß jedoch hierzu bemerkt werden, 
daß er von einer Überführung von Xanthin in Harnsäure früher nie ge¬ 
sprochen hat Die Oxydation von freiem Adenin und Guanin in Harnsäure 
weist er absolut von der Hand. Zur Oxydation der Oxypurine (Xanthin 
und Hypoxanthin) in Harnsäure wäre also nach Minkowski eine Paarung 
mit Nukleinsäure nicht notwendig, während sie zur Oxydation der Amino- 
purine (Adenin nnd Guanin) unumgänglich notwendig wäre. Minkowski 46 ) 
hatte früher nach Eingabe von Adenin am Hunde eine Ablagerung von 
Sphärolithen in den Nieren gefunden analog den Uratablagerungen, welche 
Ebstein und Nikolaier 66 ) nach Einverleibung von Harnsäure an Kaninchen 
hervorrufen konnten, und Schittenhelm 62 ) bestätigte diesen Befund Min¬ 
kowskis auch für’s Kaninchen. Nikolaier 67 , der dieselbe Versuchsanord¬ 
nung an Ratten wiederholte, erwies, daß es sich hier nicht um Ablagerung 
von Harnsäure handle, sondern um ein bis jetzt im Organismus noch nicht 
Vorgefundenes Purinderivat, das 6 Amino- 2,8 Dioxypurin.' Min¬ 
kowski 68 ) benutzte diesen Befund als Einwand gegen die Resultate Krü¬ 
gers und Schmids 61 ), indem er meinte, es bestehe bei der angewandten 
Methode die Möglichkeit, daß der Nikolaiersche Körper mit der Harnsäure 
zusammen gefällt werde und somit die Hamsäuresteigerung in ihren dies¬ 
bezüglichen Versuchen nur eine scheinbare sei. Derselbe Einwand wurde 
übrigens früher schon von Nikolaier selbst 67 ) erhoben. Auch Krüger 64 ) 
hat sich bereits hiezu geäußert, indem er darauf hinwies, daß doch eben 
der Nikolaiersche Körper nach Angaben E. Fischers 68 ), weicher ihn schon 
lange synthetisch daigestellt hatte, zu schließen, sich von der Harnsäure 
durch seine relativ gute Löslichkeit in Salzsäure unterscheide, so daß eine 
Trennung beider Körper eben am besten durch Salzsäure bewirkt werde, 
wie sie gerade in der von ihm und Schmid angewandten Methode ver¬ 
wandt wurde. Zudem ergaben die Doppelbestimmungen, von denen die 
eine Krüger, die andere Schmid bei ihren Untersuchungen ausführten, 
stets genau stimmende Werte, während sich bei einer ungenauen Fällung 
Differenzen hätten ergeben müssen. Diese beiden Punkte, durch welche 
Krüger seinen und Schmids Versuchen Beweiskraft geben wollte, sprechen 
entschieden für die Richtigkeit derselben. Er hätte jedoch nach meiner An¬ 
sicht noch einen dritten, schwerwiegenden, anführen können, nämlich, daß 
seine und Schmids Versuche am Menschen, Minkowskis Versuche aber 
und diejenigen Nikolaiers an Tieren ausgeführt sind. Wir wissen jetzt 
aber durch zahlreiche Versuche, daß gerade bei der Frage der Hamsäure- 
entstehung große Unterschiede bestehen zwischen Mensch und Tier und 


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sogar wieder zwischen den einzelnen Tierspezies. Als Beispiel hieffir führe 
ich vor allem Minkowskis 4 *) eigene Versuche an, nach welchen Hypo¬ 
xanthin im Organismus des Menschen zum großen Teil (nach Burian und 
Schur 8 *) zu 46£%, nach Krüger und Schmid 81 ) zu 62^3%) in Harnsäure 
umgewandelt wird, während es beim Hunde nur in etwa 4 % als Harnsäure, 
in mindestens 77% als Allantoln zur Ausscheidung gelangt Ferner zeigt 
Salkowski “), daß in den Magen eingeführte Harnsäure beim Hunde zu 
einem wechselnden Bruchteile als Allantoln und Harnstoff, beim Kaninchen 
zum größten Teil als Harnstoff ausgeschieden wird. Endlich haben Krüger 
und Schmidt 61 ) für das Theobromin, Krüger 6 *) für das Koffein gezeigt, 
daß sie beim Hunde anders abgebaut werden, als beim Kaninchen. Auf 
diese Tatsache des völlig differenten Abbaus von Purinkörpern im Organis¬ 
mus verschiedener Tiergattungen ist jedenfalls auch der Mißerfolg mancher 
früherer Untersucher wie der Kerners* 8 ) und Stadthagens 86 ) mit der Ver¬ 
bitterung von Guanin, der Nenki und Siebers* 7 ) mit der Verfütterung 
von Xanthin am Hunde und endlich der Gumlichs 81 ) u. a. mit der Ver¬ 
fütterung von Nuklein am Hunde zurückzuführen. Jedenfalls lehren die 
Beobachtungen, daß es in dieser Frage ganz besonders zu vermeiden ist, 
Resultate, welche am Tiere gewonnen sind, ohne weiteres auf den Menschen 
zu übertragen. 

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, daß auch noch auf einem anderen 
Wege der Übergang von freien Purinbasen in Harnsäure bewiesen wurde. 
Wiener 83 ) fand, daß Hypoxanthin, dem Leberauszuge des Rindes zuge¬ 
setzt, starke Vermehrung der Harnsäure bei Ausschluß von Fäulnis nach ca. 
4 Stunden bei einer Temperatur von 38° ergibt Spitzer 64 ) fand bei einer 
ähnlichen Versuchsanordnung, wobei er wässrige Extrakte von Leber und 
Milz unter Ausschluß der Fäulnis auf Purinbasen bei 40—50° und unter 
Luftdurchleitung 1—3 Tage einwirken ließ, daß Hypoxanthin und Xanthin 
sich durch den Sauerstoff der Luft bei Anwesenheit gewisser in den Extrakten 
von Leber und Milz enthaltener Substanzen zu Harnsäure oxydieren, daß 
aber auch aus Adenin und Guanin unter denselben Bedingungen Harnsäure 
sich bilde, wenn auch in geringerem Umfang wie aus den Oxypurinen. Er 
schließt daraus, daß seine Versuche dafür sprechen, daß auch der lebende 
Organismus unter bestimmten Bedingungen die Fähigkeit besitzt, Adenin 
über Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure zu oxydieren. Diese Versuche 
scheinen demnach die Resultate von Krüger und Schmid zu bestätigen. 
Ich finde, daß man über alle diese Befunde nicht so kurz hinweggehen darf, 
wie es Minkowski, der sie nur in Anmerkungen behandelt, tut, wenn ich 
auch zugebe, daß eine Wiederholung der Versuche zur absoluten Sicher¬ 
stellung sehr wünschenswert wäre. Ich unterlasse nicht darauf hinzuweisen, 
daß es mir bei der Schwerlöslichkeit der Purinkörper, vor allem des Xan¬ 
thins und Guanins, im Falle erneuter Fütterungsversuche mit denselben 
keineswegs unwichtig erscheint, die Menge der verabreichten Purinkörper, 
welche zur Resorption gelangten, eventuell an der Hand von Fäcesanalysen 
zn kontrolieren. 

Alles in allem geht aus den zahlreichen Untersuchungen mit Sicherheit 
hervor, daß wir, wie es zuerst Camerer 68 ) ausgesprochen hat, zwei 


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234 


Quellen für die Harnsäure ansehen müssen, einerseits das Nuklein 
der zu Grunde gehenden Körperzellen und anderseits das Nuklein 
resp. die Purinbasen zugeführtej Nahrungsmittel. Nach dem Vor¬ 
gänge von Burian und Schur 59 ) nennt man jetzt diejenigen Hampurine, 
welche aus dem Nuklein der Körperzellen stammen, die endogenen, während 
diejenigen, welche ihren Ursprung in den Nahrungspurinen haben, die exo¬ 
genen heißen. Der exogene Harnpurinwert schwankt natürlich je nach 
der Zufuhr von Nahrungspurin und ist, wie Schreiber und Waldvogel 65 ) 
zeigten, auch noch von der Individualität des Einzelnen abhängig; Burian 
und Schur 58 ) wollen jedoch den Einfluß der Individualität nicht anerkennen, 
sondern meinen, daß der exogene Anteil einzig und allein von der Quantität 
und auch von der Qualität, je nachdem Hypoxanthin, Xanthin, Adenin oder 
guaninreiche Nahrung zugeführt wird, abhängig sei. Kaufmann und 
Mohr 67 ) greifen wieder auf die momentane Disposition des Individuums 
zurück und schließen sich im übrigen der Ansicht von Burian und Schur 
an. Den endogenen Harnpurinwert haben Schreiber und Wald¬ 
vogel **) dadurch zu bestimmen versucht, daß sie die im Hunger ausge¬ 
schiedene Ham säuremenge bestimmten. Burian und Schur ebenso, wie 
Kaufmann und Mohr erkennen diesen Weg nicht als den rechten an, da 
Hungerwerte nicht als physiologisch angesehen werden können. Burian 
und Schur 59 ) bestimmten den endogenen Wert an einem voll, aber purinfrei 
ernährten Menschen und fanden, daß derselbe für jedes Individuum eine 
konstante Größe darstelle, daß er aber bei verschiedenen Individuen ver¬ 
schieden groß ist Löwi 68 ) machte dagegen den Einwand, daß das, was 
Burian und Schur für den endogenen Purinwert halten, ein Nukleinhunger¬ 
wert sei. Demgegenüber konstatieren Kaufmann und Mohr, daß der en¬ 
dogene Purinwert im Sinne Burian und Schurs nicht ein Ausdruck des 
Nukleinhungers, sondern der Einschränkung der Nukleinzersetzung auf das 
notwendige Mindestmaß sei. Sie vermochten außerdem zu zeigen, daß der 
endogene Hampurinwert durch Kalorieenüberfütterung wenigstens in einzelnen 
Fällen noch weiter herabgedrückt werden kann und daß also dadurch schein¬ 
bar Kemeiweiß gespart werde. 

Bei allen diesen Untersuchungen sind nur die Hampurine berücksichtigt, 
während die mit den Fäces ausgeschiedenen, welche nach Wein- 
traud 69 ), Petrin 70 ) und Krüger und Schittenhelm 71 ) doch eine beträcht¬ 
liche Menge ausmachen unberücksichtigt blieben. Es wäre immerhin von 
Interesse, dieselben in den Kreis der Untersuchungen mit einzuziehen, da sie 
einerseits einen Maßstab für die Resorptionsgröße der Nahrungspurine ab¬ 
geben könnten, andererseits aber das Gesamtbild von der täglichen Purin¬ 
körperausscheidung zu vervollständigen vermöchten. 

Alle diese Forschungen gewinnen erhöhtes Interesse im abnormen Stoff¬ 
wechsel, wie er wahrscheinlich bei der Gicht vorliegt Bei ihr handelt es 
sich um Ablagerung von harasaurem Natrium in nekrotischen Gewebspartieen 
(Ebstein 32 )) und um eine Überladung des Blutes mit Harnsäure vor und 
während des Anfalls. Der Grund für letztere ist noch streitig. Goto 72 ) 
und ebenso Minkowski 73 ) hatten nachgewiesen, daß die Harnsäure, ebenso 
wie es Kossel 74 ) schon früher für die Purinbasen gezeigt hat, eine lockere 


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Bindung mit Nukleinsäure eingeht, so daß sie weder auf Zusatz von Essig¬ 
säure, noch als Silbersalz mit ammoniakalischer Silberlösung ausfällbar ist 
Darauf baut Minkowski seine Hypothese von der Gicht 75 ). Er meint, daß 
im normalen Oiganismus die Harnsäure an Nukleinsäure oder an irgend ein 
anderes Spaltungsprodukt des Nukleins mit gleich lösenden Eigenschaften 
gebunden ist und in dieser Bindung auf ihrem Kreislauf durchs Blut an die 
Niere gelangt, wo sie nun leicht ausgeschieden wird. Im Blute des Gicht¬ 
kranken jedoch kann zwar auch mehr oder weniger Harnsäure in der obigen 
Bindung im Blute kreisen und entgeht so der Analyse; der größere Teil 
aber ist nicht oder abnorm gebunden, wodurch er einerseits durch die ge¬ 
bräuchlichen Fällungsmethoden ausgefällt werden kann und die Vermehrung 
von Harnsäure im Gichtikerblute abgibt, andererseits aber in dieser Form 
ein Hindernis für ihre Abscheidung durch die Nieren zu erblicken ist Die 
falsche oder fehlende Verkopplung führt er zurück auf eine Störung des 
Nukleinstoffwechsels selbst Dieser bis jetzt so gut wie unbewiesenen Theorie 
Minkowskis stehen gewichtige Bedenken entgegen. Weintraud 7e ) konnte 
»aus dem von der Armvene gewonnenen Blute eines gesunden jungen Mannes, 
nachdem derselbe Tags zuvor reichlich Kalbsmilch verzehrt hatte, 7 mg reiner 
kristallinischer Harnsäure neben 13 mg Xanthinbasen (aus dem von den 
Harnsäurekristallen abgegossenen Filtrate mit ammoniakalischer Silberlösung 
gefällt und auf Hypoxanthin berechnet) gewinnen, während es sonst nie ge¬ 
lungen war, bei Gesunden Harnsäure im Blute nachzuweisen«. Wenn aber 
der Unterschied zwischen gesunden und gichtkranken Individuen nach Min¬ 
kowski darin besteht, daß bei letzteren fällbare schlecht gebundene, bei 
ersteren unfällbare fest gebundene Harnsäure im Blute kreist, wie kommt 
es, daß es bei einem jungen gesunden Organismus gelingt, schon durch 
nuklefnreiche Kost das Auftreten fällbarer Harnsäure im Blute hervorzurufen! 
Diese Beobachtung Weintrauds, welche, da die Harnsäure kristallinisch 
gewonnen war, einwandsfrei ist, hätte von Minkowski erst widerlegt wer¬ 
den müssen. Meine Ansicht stimmt in diesem Falle mit der Soetbeers 77 ) 
überein, welcher gleichfalls in Weintrauds Befund einen Widerspruch zu 
Minkowskis Gichttheorie sieht 

Literatur-Verzeichnis. 

1) E. Fischer, Synthesen in der Puringrappe, Berichte d. deutsch, chem. Qe- 

sellsch., 1899, Bd. 32, S. 435. 

2) A. Kossel, Über das Nuklein der Hefe, Zeitschr. f. physiol. Chem., 1879, 

Bd. 3, S. 284. 

Ders., ebenda, 1880, Bd. 4, S. 290. 

Ders., Über die Herkunft des Hypoxanthins, ebenda, 1881, Bd. 5, S. 152. 

Ders., Über die Verbreitung des Hypoxanthins im Tier- und Pflanzenreich, 

ebenda, 1881, Bd. 5, S. 267. 

Ders., Zur Chemie des Zellkerns, ebenda, 1883, Bd. 7, S. 7. 

Ders., Weitere Beiträge z. Chemie des Zellkerns, ebenda, 1886, Bd.10, S.248. 

Ders., Über Nuklefne, Verhandlung des Kongress, f. inn. Med., 1896, S. 183. 

3) F. Miescher, Über die chemische Zusammensetzung der Eiterzellen, Hoppe- 

Seylers mediz.-chem. Untersuchungen, Berlin 1871, H. 4, S. 441. 

4) F. Hoppe-Seyler, Über die chemische Zusammensetzung des Eiters, ebenda, 

S. 486. 


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236 


5) F. Miesch er, Die Spermatozoen einiger Wirbeltiere, Verhandl. der natur¬ 

forschenden Versammlung in Basel, 1874, H. 6, S. 138. 

6) R. Altmann, Ober Nukleinsäuren, Du Bois-Reymonds Arch., physiol. 

Abteilung,_1889, S. 524- 536. 

7) A. Kossel, Ober Nukleinsäure, Zentralbl. f. med. Wissensch., 1893, Bd. 31, S.497. 

8) A. Kossel und A. Neumann, Weitere Beiträge zur Kenntnis der Nuklein¬ 

säure, Du Bois-Reymonds Arch. physiol. Abi, 1894, S. 194. 

9) O. Schmiedeberg, Uber die Nukleinsäure aus der Lachsmilch, Arch. f. 

exp. Path. und Pharmak., 1900, Bd. 43, S. 57. 

10) R. Burian, Zur Kenntnis der Bindung der Purinbasen im Nuldelnsäuremole- 

kül, Berichte der deutsch. chem.Ges., 1904, Jahrg. 37, S. 708. 

11) A. Kossel und A. Neumann, Über einige Bestandteile tierischer Zellen, 

Du Bois-Reymonds Arch. physiol. Abt., 1894, S. 551. 

A. Ascoli, Über ein neues Spaltungsprodukt des Hefenukleins, Zeitschr. f. 
physiol. Chem., 1900, Bd. 31, S. 161. 

12) J. Bang, Die Ouanylsäure der Pankreasdrüse und deren Spaltprodukte, Zeit¬ 

schrift f. physiol. Chem., 1898, Bd. 26, S. 133. 

Ders., Chemische und physiologische Studien über die Ouanylsäure, Zeit¬ 
schrift f. physiol. Chem., 1901, Bd. 31, S. 411. 

13) Kostytschew, Über Thymonuklemsäure, Zeitschr. f. physiol. Chem., 1903, 

Bd. 39, S. 545. 

14) F. Miescher, Physiol.-chem. Untersuchungen über die Lachsmilch, Arch. f. 

exp. Path. und Pharmak., 1896, Bd. 37, S. 100. 

15) A. Kossel, Weitere Beiträge zur Chemie des Zellkernes, 1886, Bd. 10, S.248. 

16) Bend ix, Jahrbuch für Kinderheilkunde, 1897, Bd. 43, S. 23. 

17) Burian und Schur, Über Nuldembildung im Säugetieroiganismus, Zeitschr., 

f. physiol. Chem., 1897, Bd. 23, S. 55. 

18) v. Schröder, Über die Umwandlung von Ammoniak in Harnsäure im Or¬ 

ganismus der Hühner, Zeitschr. f. physiol. Chem., 1878, Bd. 2, S. 228. 

19) H. Meyer, Beiträge zur Kenntnis des Stoffwechsels im Organismus der 

Hühner, Inaug.-Diss., Königsberg 1877. 

20) O. Minkowski, Über den Einflus der Leberexstirpation auf den Stoffwechsel, 

Arch. f. exper. Path. und Pharmakologie, 1893, Bd. 31, S. 214. 

21) H. Wiener, Über synthetische Bildung der Harnsäure im Tierkörper, Bei¬ 

träge zur chem. Physiol. und Pathol., 1902, Bd. 2, S. 42. 

Ders., Die Harnsäure in Ergebnisse der Physiologie von Asher und Spiro, 
1902, 1. Abt, S. 555. 

22) Wöhler und Liebig, Untersuchungen über die Natur der Harnsäure, An¬ 

nalen d. Chem. und Pharmak., 1838, Bd. 26, S. 241. 

23) H. Ranke, Beobachtungen und Versuche über die Ausscheidung der Harn¬ 

säure beim Menschen, München 1858. 

24) W. Körner, zit in F. Mosler, Klin. Studien über Leukämie, Berliner klin. 

Wochenschr., 1864, Nr. 1, S. 129 und 140. 

25) O. Meissner, Beiträge zur Kenntnis des Stoffwechsels im tierischen Orga¬ 

nismus, Zeitschr. f. ration. Mediz., 1868, Bd. 31, S. 144. 

26) E. Salkowski, Beiträge zur Kenntnis der Leukämie, 1870, Virchows Arch., 

Bd. 50, S. 174. 

27) M. Nenki und N. Sieber, Über eine neue Methode, die physiologische 

Oxydation zu messen und über den Einfluß der Gifte und Krankheiten auf 
dieselbe, Pflügers Arch., 1883, Bd. 31, S. 319. 

28) G. Kerner, Über das Verhalten des Guanins, Annalen der Chem. und Phar¬ 

mak., 1857, Bd. 103, S. 249. 

29) A. Kossel, Zur Chemie des Zellkerns, Zeitschr. f. phys. Chem., 1882, Bd.7, S.7. 

30) M. Stadthagen, Über das Vorkommen der Harnsäure in verschiedenen tie¬ 

rischen Organen, ihr Verhalten bei Leukämie und die Frage ihrer Entstehung 
aus den Stickstoffbasen, Virchows Arch., 1887, Bd. 109, S. 390. 


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237 


31) O. O um lieh, Über die Aufnahme der Nukleine im tierischen Organismus, 

Zeitschr. f. physiol. Chem., 1894, Bd. 18, S. 508. 

32) W. Ebstein, Die Natur und Behandlung der Gicht, 1882, S. 98. 

33) J. Horbaczewski, Untersuchungen über die Entstehung von Harnsäure im 

Säugetieroiganismus, Monatshefte f. Chemie, Wien 1889, Bd. 10, S. 624. 
Ders., Beitrage zur Kenntnis der Bildung der Harnsäure und der Xanthin¬ 
basen, sowie der Entstehung der Leukocyten im Säugetieroiganismus. Mo¬ 
natshefte f. Chemie, Wien 1891, Bd. 12, S. 221. 

34) P. Jakob und M. Krüger, Über Harnsäure, Xanthinbasen und Leukocytose 

bei einem mit Organextrakten behandelten Fall von Leukämie, Deutsche 
mediz. Wochenschr., 1894, Nr. 20, S. 641. 

35) W. Kühn au, Experimentelle und klinische Untersuchungen über das Ver¬ 

hältnis der Hamsäureausscheidung zur Leukocytose, Zeitschr. f. klin. Mediz., 

1895, Nr. 28, S. 534. 

36) Oumprecht, Alloxurkörper und Leufcxyten beim Leukämiker, Zentralbl. f. 

allgem. Pathologie und pathol. Anatomie, 1896, Nr. 7, S. 820. 

37) O Löwi, Beiträge zur Kenntnis des Nukleinstoffwechsels, Arch. f. exper. 

Path. und Pharmak., 1901, Nr. 44, S. 1. 

38) Schreiber und Zaudy, Zur Wirkung der Salicylpräparate, insbesondere auf 

die Harnsäure und die Leukocyten, Deutsch. Arch. f. klin. Med., 1899, 
Bd. 62, S. 242. 

39) Mares, Zur Theorie der Harnsäurebildung im Säugetierorganismus, Monats¬ 

hefte f. Chemie, „1892, Nr, 13, S. 101. 

40) W. Weintraud, Über den Einfluß des Nukleins der Nahrung auf die Ham- 

säurebildung, Berl. klin. Wochenschr., 1895, Nr. 32, S. 405. 

41) F. Umber, Uber den Einfluß nukleinhaltiger Nahrung auf die Harnsäure¬ 

bildung, Zeitschr. f. klin. Med., 1896, Nr. 29, S. 174. 

42) N. Hess und E. Schmoll, Über die Beziehungen der Eiweiß- und Nuklein¬ 

substanzen der Nahrung zur Alloxurkörperausscheidung im Harn, Arch. f. 
exper. Path. u. Pharmak., 1896, Bd. 37, S. 243. 

43) W. Smith-Jerome, The formation of add uric in man and the influence of 

diet on its daily output, Joum. of physiol., 1898, Bd. 22, S. 146. 

44) Rosenfeld und Orgler, Zur Behandlung der harnsauren Diathese, Zentral¬ 

blatt f. inn. Med., 1896, Nr. 17, S. 42. 

45) J. Gowland Hopkins und W. B. Hope, On the relation of uric add 

exeretion to diet, Joum. of physiol., 1899, Nr. 23, S. 271. 

46) O. Minkowski, Untersuchungen über die Physiologie und Pathologie der 

Harnsäure bei Säugetieren, Arch. f. exper. Pharm, u. Path., 1898, Bd.41, S. 375. 

47) H. Strauß, Über die Beeinflussung der Harnsäure und Alloxurkörperaus¬ 

scheidung durch die Extraktivstoffe des Fleisches, Berl. klin. Wochenschr., 

1896, S. 710. 

48) K. Rzetkowski, Über den Einfluß des verabreichten Fleischextrakts, sowie 

des Xanthins auf die Ausscheidung der Harnsäure, Gazeta Lekarska, 1900, 
Bd. 20, S. 107, ref. Maly Jahresber. der Tierchem., Bd. 30, S. 760. 

49) V. O. Siv€n, Zur Kenntnis der Harnsäurebildung im menschlichen Organismus 
0 unter physiologischen Verhältnissen, Skandinav. Archiv 11, S. 123. 

50) v. Mach, Über die Umwandlung von Hypoxanthin in Harnsäure im Orga¬ 

nismus der Vögel, Arch. f. exp. Path. u. Pharm., 1888, Bd. 25, S. 389. 

51) M. Krüger und J. Schmid, Die Entstehung der Harnsäure aus freien Purin¬ 

basen, Zeitschr., f. physiol. Chem., 1902, Bd. 34, S. 549. 

52) A. Schittenhelm, Das Verhalten von Adenin und Guanin im tierischen 

Organismus, Arch. f. exp. Path. u. Pharmak., 1902, Bd. 47, S. 432. 

53) O. Minkowski, Die Umwandlung der Purinbasen im Organismus, Deutsch. 

mediz. Wochenschr., 1902, S. 499. 

54) M. Krüger, Über die Umwandlung der Purinkörper im Organismus, ebenda, 

1903, S. 741. 


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238 


55) O. Minkowski, Erwiderung auf die Bemerkungen von Dr. M. Krüger, 

»Ober die Umwandlung der Purinbasen im Organismus«, ebenda, 1903, S.887. 

56) Ebstein und Nicolaier, Über die Ausscheidung der Harnsäure durch die 

Nieren, Virchows Arch., 1896, Bd. 143, S. 337. 

57) A. Nicolaier, Über die Umwandlung des Adenins im tierischen Oiganismus, 

Zeitschr. f. klin. Medizin, 1902, Bd. 45, S. 430. 

58) E. Fischer, Synthese von Hypoxanthin, Xanthin, Adenin und Ouanin, Be¬ 

richte der deutsch, chem. Oeselisch., 1897, Bd. 30, S. 2244. 

59) Burian und Schur, Uber die Stellung der Purinkörper im menschlichen 

Stoffwechsel, Pflügers Arch. f. ges. Physiol., 1900, Bd. 80, S. 280. 

60) E. Salkowski, Über das Verhalten in den Magen eingeführter Harnsäure 

im Organismus, Zeitschr. f. physiol. Chem., Bd. 35, S. 494. 

61) M. Krüger und Schmidt, Abbau von Theobromin im tierischen Organismus, 

Ber. d. deutsch, chem. Gesellsch., Bd. 32, S. 2280. 

62) M. Krüger, Über den Altbau des Kaffeins im Organismus des Hundes, 

ebenda, 1899, Bd. 32, S. 2818. 

Ders., Über den Abbau des KaffeTns im Organismus des Kaninchens, ebenda, 
1899, Bd. 32,_S. 3336. 

63) H. Wiener, Ober Zersetzung und Bildung von Harnsäure im Tierkörper, 

Zeitschr. f. physiol. Chem., 1899, Bd. 28, S. 587. 

64) W. Spitzer, Die Überführung von Nukleinbasen in Harnsäure durch die 

sauerstoffübertragende Wirkung der Gewebe, Pflügers Arch. f. ges. Phy¬ 
siol., 1899, Bd. 76, S. 192. 

65) W. Camerer, Beitrag zur Erforschung der stickstoffhaltigen Bestandteile des 

menschlichen Urins, insbesondere der sogenannten Alloxurkörper, Zeitschr. 
f. Biolog., 1897, Bd. 35, S. 206. 

66) Schreiber und Waldvogel, Beiträge zur Kenntnis der Harnsäureausschei¬ 

dung unter physiologischen und pathologischen Verhältnissen, Arch. f. Phar- 
mak. und Pathol., 1899, Bd. 32, S. 69. 

E. Schreiber, Über die Harnsäure, Stuttgart 1899. 

67) M. Kaufmann und L. Mohr, Beiträge zur Alloxurkörperfrage und zur Pa¬ 

thologie der Gicht, Arch. f. klin. Med., 1902, Bd. 74, S. 141. 

68) O. Löwi, Beiträge zur Kenntnis des Nukleinstoffwechsels, Arch. f. exper. 

Pathol. und Pharmak., 1901, Bd. 44, S. 1. 

Ders., Untersuchungen über den Nukleinstoffwechsel, ebenda, Bd. 45, S. 157. 

69) W. Weintraud, Über die Ausscheidung von Harnsäure und Xanthinbasen 

durch die Fäces, Zentralbl. f. innere Mediz., 1895, Nr. 18, S. 433. 

70) K. Petrin, Über das Vorkommen, die Menge und die Abstammung der 

Xanthinbasen in den Fäces, Skandinav. Arch. f. Physiolog., 1899, Bd.8, S.315. 
Ders., Nachtrag zur Mitteilung über das Vorkommen der Xanthinbasen in 
den Fäces, ebenda, 1900, Nr. 9, S. 412. 

71) M. Krüger und A. Schittenhelm, Die Purinkörper der menschlichen Fäces, 

Zeitschr. f. physiol. Chemie, 1902, Bd. 35, S. 153. 

A. Schittenhelm, Die Nukleinbasen der Fäces unter dem Einfluß anhal¬ 
tender Fäulnis, ebenda, 1903, Bd. 39, S. 199. 

72) M. Goto, Über die Lösung der Harnsäure durch Nukleinsäure und Thymin- 

säure, ebenda, 1900, Bd. 30, S. 473. 

73) O. Minkowski, Diskussion zum Vortrage von His, Kongreßbericht f. inn. 

Mediz., 1900, S. 438. 

74) A. Kossel, Du Bois-Reymonds Archiv f. Physiol., 1893, S. 164, Anm. 

75) O. Minkowski, Die Gicht, Wien 1903. 

76) W. Weintraud, Die Harnsäure im Blute und ihre Bedeutung für die Ent¬ 

stehung der Gicht, Wien. klin. Rundschau, 1896, Nr. 1. 2. 

77) F. Soetbeer, Über den Einfluß der Nahrungsaufnahme auf die Ausschei¬ 

dung der Harnsäure bei Oicht, Zeitschrift f. physiol. Chem., 1903, Bd. 40, S.25. 


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239 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1904 zu ergänzen.) 

Sanndby, R. n. Hwetson, J. T.: Remarks on extensive cardnom of the Oesophagus with 
unnsual nervous complications. (Brit. med. joum., 12. März.) 

Der Natur nach handelte es sich in dem vorliegenden Falle um ein Rund¬ 
zellencardnom, welches von den Ösophagealdrfisen ausging. Dies resultiert aus 
dem alveolaren Charakter der Geschwulst. Nirgend war ein Hineinwachsen oder 
eine Proliferation des Oberflächenepithels bemerkbar, während das subepitheliale 
Gewebe reichlich von soliden alveolaren Zellmassen durchsetzt war. Zellnester 
fehlten sowohl in den primären wie in den sekundären Geschwülsten. Alveolar¬ 
sarkom war wegen des Mangels an Stroma zwischen den alveolaren Massen 
ausgeschlossen. Klinisch fand sich keine Verengerung des Lumens des Ösophagus. 
Die Erschwerung des Schluckens resultierte aus der Aufhebung der peristaltischen 
Kontraktionen, welche normal während der Deglutition im Ösophagus statthaben. 
Deswegen gelangten Flüssigkeiten viel leichter in den Magen als feste Speisen. 
Soweit wie die Muskelwand der Speiseröhre durch die Geschwulst verdrängt war, 
hörte die unwillkürliche Muskelkontraktion auf. Die Abflachung der linken Brust¬ 
seite, die unvollständige Ausdehnung während der Inspiration und der veränderte 
Perkussionsschall über dieser Seite waren bedingt durch das knopfförmige Vor¬ 
springen der Geschwulst in den linken Bronchus, welches einen gewissen Grad von 
Kollaps der linken Lungen mit sich brachte. Schmerzen an der rechten Schläfe 
konnten hervorgerufen werden durch den Druck der vergrößerten Cervikaldrüsen auf 
die Nerven, welche vom zweiten und dritten Cervikalnerven entspringen und die 
Kopfhaut dieser Partie versorgen, ln ähnlicher Weise sind Schmerzen an der 
linken Körperseite durch den Druck auf die unteren Hals- und oberen Dorsalnerven 
zu erklären. Die meist täglich eintretenden plötzlichen Anfälle von Erbrechen 
wurden wahrscheinlich durch die Beteiligung des Stammes des Pneumogastricus 
im hinteren Mediastinum bedingt infolge Reizung der zum Magen gehenden 
motorischen Fasern. D^nn der Magen fand sich bei der Sektion gesund. Auch 
die Herzschwäche mit Anfällen von plötzlicher * Dyspnoe während der letzten 
Lebenswochen wurde veranlaßt durch die Einbeziehung der sympatischen Herz¬ 
fasern in die Geschwulstmassen am Halse. Am Rekurrens lag eine Destruktion 
der Axenzylinder vor. Der Kranke hatte in den letzten zwei Monaten an Verlust 
der Stimme gelitten. Die Muskeln des Kehlkopfes zeigten in mehr minder hohem 
Grade Degenerationszeichen, insbesondere die Muskeln, welche die Adduktion der 
Stimmbänder besorgen: Verminderung und Einschrumpfung der Muskelbündel, 
Verlust der Querstreifung und der Längsfaserung, hyalines Aussehen und man¬ 
gelnde Farbenreaktion. Nach den klinischen Erscheinungen war die Paralyse der 
Adduktoren eine frühzeitige Äußerung des laryngealen Zustandes. Die Abduk¬ 
toren schienen bis kurz vor dem Tode gut zu wirken. Dann trat eine Verenge¬ 
rung der Glottis durch zunehmende Lähmung der Abduktoren ein, welche die 
Stimmbänder in Kadaverstellung brachten. Der Fall stellt demnach eine Aus¬ 
nahme von dem Semonschen Gesetz dar. v. Boltenstern (Berlin). 


Bleichröder, F.: Zur pathologischen Anatomie des Magens bei Magensaftfluß nebst 
allgemeinen Bemerkungen zur pathologischen Anatomie des Magens. Aus d. patholog. 
Institut zu Berlin. (Zieglers Beiträge, 1903, Bd. 34, H. 2.) 

B. bestätigt die Ergebnisse anderer Autoren, daß es nicht möglich ist, bei 
Magensaftfluß einen einheitlichen charakteristischen anatomischen Befund fest¬ 
zustellen. Zieler (Breslau). 


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Hutchinson, J. A.: An epldemic of waterborne typhoid. (Montreal med. joum., Marz.) 

Verf. hat in der Umgebung von Montreal eine große Anzahl von Patienten 
beobachtet, mit den allgemeinen Symptomen de9 Typhus, indes ohne Milzver¬ 
größerung und Roseola. Jedoch bildeten sie ohne Zweifel, auch nach dem Urteil 
anderer Arzte, die Minderzahl während der Epidemie. Den Vorzug hatte der 
echte Typhus. Die Übertragung geschah sicher durch verunreinigtes Wasser. 
Verf. ist es gelungen, aus dem Leitungswasser einen Mikroorganismus mit charak¬ 
teristischen Eigenschaften zu isolieren, welchen er auch in den Abwässern der 
Pumpstation fand. Auf die Existenz dieses Organismus im Wasser sind die 
Fälle von Paratyphus und andere Typhus vortäuschende Fälle zu beziehen. 

v. Boltenstern (Berlin). 

Bell, James: Migration of needles from the Intestines into snrrounding tissnes. 

(Montreal med. joum., Februar.) 

Der Patient kam mit der Diagnose Appendicitis subakuten Charakters in 
die Behandlung. Die Entfernung des Appendix brachte endlich eine Beseiti¬ 
gung der Erscheinungen. Obwohl dieses Organ, chronisch verdickt, nur wenig 
Schleim enthielt, in welchem als einzige Mikroorganismen Colonbazillen sich 
fanden, mußte angenommen werden, daß im Appendix die Quelle der Stö¬ 
rungen gelegen war. Nach einiger Zeit aber wiederholten sich die früheren 
Erscheinungen. Die Probelaparotomie ergab eine Adhäsion zwischen Pylorus 
und Leberrand. Im Magen fand sich die Spitze einer Nadel, während das Öhr¬ 
ende nach Durchbohrung der vorderen Wand des Pylorusteils bis in die Leber 
vorgedrungen war. Ferner wurde in den geschwollenen Mesenterialdrüsen 
eingebettet eine Nadel gefunden, deren anderes Ende im Duodenum frei sich 
fand. Auch nach der Operation klagte Patient über gelegentliche Schmerzen, 
ohne daß die Röntgenuntersuchung weitere Nadeln feststeilen konnte. Nach 
einiger Zeit trat unter Schmerzen im Rektum bei der Stuhlentleerung Blut im 
Stuhl auf. ln ihm fand sich ein dreieckiges Glasstück von 3 1 /* Zoll Länge und 
% Zoll Breite. v. Boltenstern (Berlin). 

Derome, W. J.: Visceral Perforation. (Montreal med. joum., Februar.) 

In den fünf Fällen, welche D. in den letzten 8 Jahreft beobachtet hat, konnte 
die positive Diagnose der Perforation im Verdauungstraktus nicht mit solcher 
Sicherheit gestellt werden, daß die chirurgische Intervention gerechtfertigt er¬ 
schienen wäre. Im ersten Falle handelte es sich um eine penetrierende Wunde 
unterhalb der Rippen, bei welchem die Autopsie nach Verweigerung jeglichen 
operativen Eingriffs eine Perforation des Colon transversum ohne peritonitische 
Erscheinungen ergab. Im zweiten Falle wurde die Diagnose auf Perforation des 
Magens oder des Duodenums gestellt Die Probeinzision ergab die letztere. Nach 
der Naht kam es zu völliger Wiederherstellung. Im dritten Falle lag eine Ver¬ 
letzung durch eine Wagendeichsel beim raschen Radfahren vor. Der Verletzte 
kam moribund in die Behandlung. Die innere Verletzung, welche angenommen 
wurde, bestand in einer Zerreißung des Magens. Der vierte Fall betrifft eine 
Patientin, welche seit mehr als zehn Jahren an Verdauungsstörungen litt und 
18 Schwangerschaften durchgemacht hatte. Es trat plötzlich ein Zustand ein, bei 
welchem Verf. die Diagnose auf eine Perforation des Magens oder des Duo¬ 
denums zu stellen vermochte. Trotz lokalisierter Peritonitis erholte sich die 
Patientin. Nur blieb die Ernährung erschwert, sodaß der Verdacht auf ein 
Neoplasma, tuberkulöse Adhäsionen, Volvulus oder Enterolithen bestand. Neun 
Monate nach dem ersten Anfall wurde die Situation so dringend, daß zur Lapa¬ 
rotomie geschritten wurde. Hierbei wurden vielfache sehr feste Adhäsionen ge¬ 
trennt, eine Perforationsnarbe im Duodenum entdeckt Während der Operation 
barst ein Abszeß in einer Mesenterialfalte und führte trotz ausgiebiger Antisepsis 
zum Tode. Im fünften Falle handelte es sich um eine spontane Gallengangs- 


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rüptur, welche eine Appendidti9 vorgetäuscht hatte. Dieser Fall lehrt, daß unter 
Umständen selbst eine spate Operation nicht verworfen werden kann, wenn auch 
diese im allgemeinen einen unmittelbaren Eingriff erfordert 

Alle diese Falle zeigen, daß ein befer Kollaps, wie er fast unvermeidlich 
sich findet, in keiner Weise eine Kontraindikation für den Eingriff darstellt. Dieser 
muß unbedingt voigenommen werden, bevor der Patient das Opfer einer all¬ 
gemeinen Peritonitis, septisch und moribund geworden ist Abwarten ist gefähr¬ 
licher als aktives Vorgehen. v. Boltenstern (Berlin). 

England, Fr. R.: A case of cardnoma of the rectum. (Montreal med. joum., März.) 

Verf. vermehrt die Kasuistik der Heilungen von Rektumcardnom durch die 
Kraskesche Operation um einen Fall und betont die Wichtigkeit der genauen 
rektalen Untersuchung beim Vorliegen von unerklärlichen Störungen seitens des 
Verdauungstraktus. Nur dadurch ist eine frühzeitige Diagnose möglich und eine 
rechtzeitige radikale Operation. v. Boltenstern (Berlin). 

Tischuer, R.: Verebbende Untersuchungen zur Pathologie der Leber. (Virchows 

Archiv, Bd. 175, H. 1.) 

T. hat an Kaninchen das Verhalten der Leber untersucht nach Unterbindung 
der Arteria hepatica, des Ductus choledochus und nach Phosphorvergiftung. Nach 
seiner Ansicht kommen die entstehenden Nekrosen in letzter Linie auf Rechnung 
der durch jene Eingriffe eintretenden Kreislaufstörungen. 

»Nach der Unterbindung der Arteria hepatica ist die alleinige Ursache der 
Nekrose Thrombose von Pfortaderästen und, bei der sublobulären Form der 
Nekrose, Leukocytenvermehrung und leukocytöse Kapillarthrombose infolge des 
Nachlassens der Triebkraft des Blutes«. Nach der Unterbindung des Ductus cho¬ 
ledochus ist die alleinige Ursache der Nekrose Aufhebung der Blutzufuhr und 
zwar infolge der durch die Gallenstauung entstandenen Widerstände für die Blut¬ 
bewegung in Pfortaderästen sowohl für sublobuläre wie für größere Nekrosen. 
Nach beiden Eingriffen tritt im nekrotischen Bezirk ein vermehrter Fettgehalt auf 
aber nur in nadister Nähe der hyperämischen Randzone; im Läppcheninnem 
sinkt dagegen der Gehalt an Fett infolge der Abnahme des Blutes nach der Un¬ 
terbindung. Nach Phosphorvergiftung von kurzer Dauer mit großen Dosen sind 
die Kapillaren in der ganzen Leber stark mit Blut gefüllt und enthalten stark ver¬ 
mehrte Leukocyten. Es sei also nicht nur eine vermehrte sondern auch verlang¬ 
samte Strömung in den Kapillaren die Folge der Vergiftung. Ein besonders 
hoher Grad der Verlangsamung führe zur Nekrose; die Ursache aller Verände¬ 
rungen sei in chemischer Reizung des Splanchicus zu suchen. Das in der ganzen 
Leber vermehrte Fett entsteht aus dem bei der allgemeinen Hyperämie ebenfalls 
allgemein vermehrten und verlangsamten Transsudat durch Synthese. 

Zieler (Breslau). 

Remy: Beiträge zur Kenntnis der Pankreascysten. (Inaug.-Diss., Oöttingen 1901.) 

Zu den bis zum Erscheinen der Arbeit bekannten 160 Fällen ist Verf. in der 
Lage 7 weitere Falle von Pankreascysten zu bringen, die in den von Prof. Braun 
geleiteten chirurgischen Kliniken zu Marburg, Königsberg und Göttingen zur 
Operation kamen. 

Nach Besprechung der Symptome, Diagnose, Prognose und Therapie stellt 
Verf. die sämtlichen auf die eine oder andere Art operierten Falle der seltenen 
Erkrankung in einer übersichtlichen Tabelle zusammen. Hesse (Kissingen). 

Prevost, L C.: Tubcrcnlar peritonitis. (Montreal med. joum., Februar.) 

Die ätiologischen Verhältnisse der tuberkulösen Peritonitis beruhen völlig auf 
Hypothesen. Wir wissen nur, daß eine tuberkulöse Peritonitis vorkommt, welche 
dadurch charakterisiert ist, das eine mehr minder große Anzahl von typischen, 

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kleinen harten oder schon in den Zustand der Erweichung übergehenden Granu- 
lationen auf dem Peritoneum sich findet Die kongestionierte, verdickte Serosa 
verliert ihr normales Aussehen, zeigt frische Lymphe und entzündete Oberflädie. 
Die Intestina sind oft verklebt, die ganze Masse des Darmes kann einen festen 
Tumor bilden, weldier an die Wirbelsäule angeheftet ist Käsige Abszesse, fi- 
broide Bildungen kommen oft vor. Häufig bildet sich Ascites mit gelblicher oder 
blutiger Flüssigkeit, abgekapselt durch Adhäsionen oder frei in der Bauchhöhle. 
Alle Organe sind mit Miliartuberkeln bedeckt, das Netz liegt als fester Tumor im 
oberen Teil des Abdomens. Hinsichtlich der Frage, woher diese Tuberkulose 
des Peritoneums ihren Ausgang nimmt, lenkt Verf. die Aufmerksamkeit auf die 
Tatsache, daß in 11 Fällen, über welche er berichtet, die Bauchfelltuberkulose bei 
weiblichen Personen beobachtet wurde, und daß 9 von diesen letzten Schwanger¬ 
schaften durchgemacht hatten. Sehr wohl möglich ist, daß eine Beziehung besteht 
zwischen Sterilität und Prädisposition zur Bauchfelltuberkulose, zumal nach diesen 
Fällen die Tuba Fallopii häufig befallen ist und infektiöse Krankheiten Organe in 
abnormen Zuständen bevorzugen, ln gleicher Weise wird Extrauterinschwanger- 
sdiaft bei vorher erkrankten Tuben beobachtet, ihr geht in der Mehrzahl der 
Fälle eine mehr weniger lange Sterilitätsperiode voraus. Beachtenswert ist jeden¬ 
falls die größere Häufigkeit von tuberkulöser Peritonitis bei Weibern und das 
Vorausgehen von Störungen der Genitalfunktionen vor dem Einsetzen von tuber¬ 
kulösen Erscheinungen. Von diesen 11 Fällen wurden 7 geheilt Die Statistiken 
widersprechen sich zwar. Unzweifelhaft aber ist die Tatsache, daß tuberkulöse 
Peritonitis spontaner Heilung fähig ist Trotz alledem aber vertritt Verf. den 
Standpunkt, daß in den meisten Fällen die Laparotomie die günstigsten Aus¬ 
sichten eröffnet, zumal wenn die Krankheit noch nicht zu weit vorgesdiritten ist, 
und zwar empfiehlt Verf. die einfache Öffnung des Abdomens und die event. 
Trennung vorhandener Adhäsionen. v. Boltenstern (B^Hin). 

Calverft, W. J.: A case of abdominal anenrism. (Interstate med. joum., März.) 

Aneurysmen im oberen Teil der Bauchaorta gehören zu den Seltenheiten. 
Im vorliegenden Falle handelte es sich um ein Aneuiysma, welches etwa in der 
Höhe der Nierenarterien begann. Diese entsprangen von der vorderen Wand 
der Aortenerweiterung. Die Hauptausdehnung zeigte das Aneuiysma nach hinten, 
während es nach vom durch die vorgeschobenen Nieren, Pankreas und Duode¬ 
num verdeckt wurde. Daher konnte das Aneurysma auch im Leben nicht diagno¬ 
stiziert werden, obwohl die Erscheinungen den Verdacht auf ein Aneurysma 
erregten. Nach hinten umfaßte das Aneurysma die Körper der drei obersten 
Lendenwirbel. An der Stelle des zweiten war eine Ruptur erfolgt, der entstan¬ 
dene Bluterguß hatte sich retroperitoneal und im Muskelgewebe bis in das Becken 
hinein ausgedehnt, und die Vortreibung der Bauchorgane noch gesteigert. Be¬ 
sonderes Interesse bieten drei Anfälle von Ischias. Auch die letale Krankheit 
begann mit Ischias, welcher sich schnell die Erscheinungen einer Kotimpaktion 
und eine Beteiligung des Peritoneums zugesellten. Entscheidende Erscheinungen, 
welche für Aneuiysma sprachen, blieben indes bis zwei Tage vor dem Tode aus. 
Die Ursache des Aneuiysmas bei dem 35 jährigen Patienten ist in einer ausge¬ 
dehnten Arteriosklerose und gleichzeitiger Leberdrrhose zu suchen, deren Ver¬ 
anlassung wieder in einer früheren Doppelinfektion mit Syphilis und Gonorrhoe 
gelegen war. Die ischiadischen Schmerzen, welche im Krankheitsbilde im Vor¬ 
dergründe standen, sind als sekundäre Erscheinungen zu betrachten. 

v. Boltenstern (Berlin). 

Ludewfg: Ober Wanderniere mit besonderer Berücksichtigung der MagendarmVerhält¬ 
nisse. Inaug.-Diss., Oöttingen 1901. Preis 1,60 Mk. 

Zu Grunde gelegt sind die Fälle der Göttinger mediz. Klinik aus den Jahren 
1877—1901, im ganzen 71 Fälle. Von den durchweg mit Beschwerden einher- 


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gebenden Fällen betrafen 66 Weiber; in 67 Fällen war die rechte Niere affiziert, 
in 3 Fällen war beiderseitige Wanderniere notiert, nur einmal war die linke Niere 
allein gesunken und beweglich. 

Nur bei 7 Kranken fehlten Klagen über Magen- und Darmbeschwerden, alle 
andern boten die mannigfachsten dyspeptischen Erscheinungen. Die objektiven 
Ursachen dieser Beschwerden waren Dilatatio ventriculi (? Ref.), Ptose des Magens, 
Secretionsanomalieen. 

Autor plädiert für einen gewissen Zusammenhang zwischen Wanderniere und 
Verdauungsstörungen. Welcher Natur dieser Zusammenhang ist, läßt er dahin¬ 
gestellt. Es werden dann noch einige seltenere Komplikationen besprochen. 

Hesse (Kissingen). 

ZjpUi, S. M Zur Pathogenese der Bluterkrankungen. (Virchows Archiv, 1903, 

* Bd. 174, Supplementheft.) 

Die sehr ausführliche literarische und anatomische Arbeit ist zu kurzem Re¬ 
ferat nicht geeignet Zieler (Breslau). 

Weber, F. Parkes: Ein Fall von akuter Leukämie, mit einem Schema für die Eintei¬ 
lung der Leukämien und Pseudoleukämien. (Virchows Archiv, 1903, Bd. 174, H.2.) 

Zu kurzem Referat nicht geeignet Hauptinhalt ist aus dem Titel ersichtlich. 

Zieler (Breslau). 

Runge: Uber die Basedowsche Krankheit (Inaug.-Diss., Göttingen 1902) 

Verf. bespricht ausführlich Geschichte, Symptomatologie und Therapie des 
M. Basedowii und exemplifiziert die Klinik dieser Krankheit an der Hand von 
24 Krankengeschichten. Pickardt (Berlin). 

Erdheim, J.: 1. Ober Schilddrüsenaplasie. II. Geschwülste des Ductus thyreo-glossus. 
11L Ober einige menschliche Kiemenderivate. Aus d. patholog.-anatom. Institut d. 
allgem. Krankenhauses in Wien. (Zieglers Beiträge, Bd. 35, H. 2.) 

An den Ergebnissen der sorgfältigen anatomischen Untersuchungen E.s in¬ 
teressiert besonders, daß bei drei Fällen von sporadischem Kretinismus die 
Schilddrüse vollkommen fehlte. E. nimmt deshalb an, daß der sporadische Kre¬ 
tinismus nicht auf einer zur Atrophie oder Degeneration führenden Erkrankung, 
sondern auf einer angeborenen, vollkommenen Aplasie der Schilddrüse beruhe. 
Daß die Frauenmilch kein Schilddrüsensekret enthalte, wird daraus geschlossen, 
daß das Säugen an der Mutterbrust bei Schilddrüsenmangel das Auftreten der 
klinischen Symptome des Kretinismus nicht über die Laktationsperiode hinaus¬ 
schieben kann. In allen drei Fällen wurden außerdem in der Zungenwurzel 
angeborene, gutartige Geschwülste von sehr mannigfaltigem Bau gefunden, die 
auch sonst mit fehlender oder unvollkommener Entwicklung der Schilddrüse ein¬ 
herzugehen scheinen und von der Anlage des Ductus lingualis abzuleiten sind. 
Jene Schilddrüsenanomalieen können aber auch vorliegen, ohne daß sich die Ge¬ 
schwülste in der Zunge finden. Zieler (Breslau). 

Kuttoer: Die vegetabilische Diät und deren Bedeutung als Heilmethode. Berliner 
Klinik, H. 163. Berlin 1902, Kornfeld. Preis 0,60 Mk. 

K. referiert über die derzeitigen Anschauungen der Emährungsphysiologie 
über die Berechtigung und Bedeutung vegetarischer Ernährung. Als ausschließ- 
lidie, dauernde Diät ist sie überall da kontraindiziert, wo dem Körper neue 
Spannkräfte zugeführt werden sollen, als vorübergehende, allerdings auch nur als 
»lacto«-vegetabilische, also mit großen Konzessionen bezüglich der Provenienz 
der Nahrungsmittel, ist sie bei gewissen Affektionen gut verwendbar. Zu diesen 
gehören die nervöse Dyspepsie, vor allem die habituelle Obstipation, bei der die 


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cellulosereiche Kost die Muskulatur des Darms zu eigener Tätigkeit anregt Die 
Verschlimmerung der Symptome bei der sogenannten Enteritis membranacea nach 
schlackenreicher Diät, wie sie K. in seinen Fällen fand, kann Ref. aus seiner Er¬ 
fahrung nicht bestätigen und stellt sich auf den Standpunkt v. Noordens, der 
dieses Regime strikte durchzuführen empfiehlt Bei stringenten akuten Entzün¬ 
dungserscheinungen muß man natürlich vorsichtig sein mit der Darreichung großer 
Mengen von Vegetabiüen. Ferner ist die v. Diät bisweilen von Nutzen bei Neu- 
ralgieen unbekannter — nach Kolisch gichtischer (?) — Herkunft. Bei Epilepsie, 
für welche sie empfohlen wurde, hat K. — wie auch Jolly — nie Erfolge ge¬ 
sehen. Bei Entfettungskuren — abgesehen von wachsenden Individuen — ist sie 
indiziert, da sie den Magen füllt und den Kalorieenbedarf unvollkommen deckt. 

Pickardt (Berlin). 

Altschüler, Emil: Die Konservierung des Hackfleisches mit neutralem schwefligsaurem 
Natrium. Inaug.-Diss., Straßburg 1902. 64 S. Preis 1,25 Mk. 

Die sehr fleißige unter Försters Leitung ausgeführte experimentelle Arbeit 
wurde vor Erlaß der Kaiserlichen Verordnung vom 16. Februar 1902 beendigt 
nach welcher unter andern Konservierungsmitteln auch der Zusatz von schweflig¬ 
saurem Natrium nicht mehr gestattet ist. Bis dahin hatte das Mittel teils rein, 
teils in Kombination mit andern Antiseptids in der Konservierung des Fleisches, 
besonders des Hackfleisches eine sehr große Rolle gespielt 

A. kam durch seine Untersuchungen zu folgenden Resultaten: 

1. Schwefligs. Natr. zeigt sowohl für Fleisch als auch für den Fleischfarbstoff 
auf einige Zeit konservierende Wirkung. 

2. Der Einfluß des schwefligs. Natr. ist noch bei einem Zusatz von 0,05% 
des Salzes erkennbar, läßt sich am sichersten bei einem Zusatz von 0,5% 
konstatieren und ist nidit stärker, wenn man über 0,5 % hinausgeht. Diese 
konservierende Eigenschaft besteht in einem entwicklungshemmenden Ein¬ 
fluß auf Bakterien. 

3. Der entwicklungshemmende Einfluß steigt mit fallender und fällt mit stei¬ 
gender Temperatur. Feuchtigkeit begünstigt die entwicklungshemmende 
Kraft des Salzes. 

4. Der Zusatz von schwefligs. Natr. ist imstande, uns über die wahre Be¬ 
schaffenheit des Fleisches zu täuschen, da der eintretende Fäulnisprozeß 
unter üppiger Vermehrung der Bakterien sich ruhig weiter entwickelt, die 
stinkenden Fäulnisprodukte aber für einige Zeit beseitigt werden. 

5. Das schwefligs. Natr. vermag im Faulen begriffenen oder der stinkenden 
Fäulnis nahem Fleische den Anschein einer besseren Beschaffenheit zu 
verleihen. 

Andere Autoren haben dem fragt. Salz sogar jede konservierende Wirkung 
abgesprochen. 

Die physiologischen Wirkungen sind nach L. Pfeiffer, der sich am einge¬ 
hendsten mit dieser Frage befaßte, starke Reizung der Scheimhaut der Respira- 
tions- und Verdauungsorgane, die sich bis zu Entzündungszuständen steigern kann. 
Auf Oenuß von 0,5 g in starker Verdünnung wurde Druck und Schmerzgefühl 
im Magen mit allgemeinem Unbehagen und wiederholtem Aufstoßen empfunden. 
Ähnliche Beobachtungen machte Kionka und ihnen schließt sich A. an, indem 
er die entgegenstehende Anschauung von der Unschädlichkeit, die von Lebbin 
und Kallmann und Liebreich verfochten wurde, als unrichtig zurückweist. 

Hesse (Kissingen). 

Gielen: Sollen Konserven mit der Jahreszahl ihrer Herstellung versehen werden? 

(Wiener klin.-therap. Wochenschr., Nr. 11.) 

Trotz der großen Vervollkommnung in der Aufbewahrung von Nahrungs¬ 
mitteln aus dem Pflanzen- und Tierreich bleibt die Frage offen, ob eine Kon- 


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serve, gut verschlossen und keimfrei gemacht, nicht doch mit den Jahren minder¬ 
wertig wird. Diese Frage ist unbedingt zu bejahen, wenn auch die Veränderung 
nicht auf chemischem Wege, sondern nur durch die Zunge festgestellt werden 
kann. Es mag auch dahin stehen, ob Stoffe gebildet werden, welche unbedingt 
giftig wirken, obwohl es nicht ausgeschlossen ist. Denn ein molekularer Zerfall 
und Bildung schädlicher Stoffe sind audi ohne Bakterien und bei Luftabschluß 
denkbar. Aus diesem Grunde hält O. die Anbringung der Jahreszahl auf den 
Konserven für notwendig. v. Boltenstern (Berlin). 

v. Bunge, 6.: Alkoholismas und Degeneration, (Virchows Archiv, Bd. 175, H. 2.) 

Statistische Stütze der bekannten Anschauung des Verf., daß die chronische 
Alkoholvergiftung die Hauptursache sei für die Unfähigkeit zum Stillen bei den 
Töchtern und die Häufigkeit von Tuberkulose und Nervenleiden bei den Kindern 
erheblich beeinflusse. Zieler (Breslau). 

Langemak, 0.: Zur Kenntnis der Vorgänge in den Speicheldrüsen nach Verlegung 
ihres Ausfflhrungsganges. (Virchows Archiv, Bd. 175, H. 2.) 

Aus klinischen (Speichelstein) und experimentellen (an Hunden) Befunden 
schließt L, daß die Verlegung oder Unterbindung des Ausführungsganges außer 
von dessen Erweiterung auch von einer Hyperplasie des gesamten Bindegewebes 
der Drüse gefolgt ist Das Operationstrauma als solches steht, wie aus den 
Versudien hervorgeht, in keiner Beziehung zu der Bindegewebsvermehrung in 
der Drüse, deren Ursache die Sekretstauung und die dadurch veranlaßte dauernde 
venöse Hyperämie und ödematöse Durchtiinlcung sei. Zieler (Breslau). 

Aronsohn, Ed.: Die Zuckerausscheidung nach Adrenallniqjektioncn und ihre Beein¬ 
flussung durch künstlich erzeugtes Fieber. (Virchows Archiv, 1903, Bd. 174, H. 2.) 

A. kommt auf grund experimenteller Untersuchungen an Kaninchen zu fol¬ 
genden Ergebnissen: 

1. Nach dem Wärmestich (Reizung der dem Seitenventrikel zugewandten Seite 
des Corpus striatum) erfolgt niemals Zuckerausscheidung. 

Z Adrenalin erzeugt Zuckerausscheidung nur nach subkutanen und intrave¬ 
nösen Injektionen. 

3. Diese Melliturie wird durch eintretendes Fieber aufgehoben. 

4. Wenn sie aber mit anderen schweren Erkrankungen des Organismus ein¬ 
hergeht, so kann die zuckerhemmende Wirkung des Fiebers ausbleiben. 

Zieler (Breslau). 

Hall, J. Walther: Beiträge zur Kenntnis der Wirkung der Purinsubstanzen. Aus d. 

Kanonischen Institut zu Stockholm. (Virchows Archiv, 1903, Bd. 174, H. 2.) 

Die Versuchsanordnung bestand in folgendem: Je ein Kaninchen erhielt 50 
Tage lang 25 mg, 5 mg Hypoxanthin und 5 mg Guanin subkutan; ein viertes 
wurde bei gleicher Fütterung als Kontrolltier verwendet Das Ergebnis war, 
daß fortgesetzte Hypoxanthininjektionen beim Kaninchen keine Blutdrucks teige- 
rung verursachen, daß dagegen anscheinend die Purinstoffe, besonders das Hypo¬ 
xanthin deutliche Veränderungen in der Beschaffenheit des Blutes und des 
Knochenmarkes und degenerative Vorgänge in den Nieren- und vor allem in den 
Leberzellen hervorrufen. Der Verf. möchte seine Versuche nicht als abschließende 
betrachten und besonders die Frage offen lassen, ob beim Menschen oder bei 
anderen Tiergruppen die gleiche Wirkung zu erwarten sei wie beim Kaninchen. 
Ebenso weist er nur hin auf die Beziehungen, die bestehen zu der Annahme 
vieler Autoren, daß die Ursache der bei interstitieller Nephritis auftretenden Nie¬ 
ren-, Herz- und Gefäßveränderungen in fortgesetzten Reizen , besonders durch 
Alloxurstoffe zu suchen sei. Zieler (Breslau). 


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Rumpf» Th.: Ober den Fettgehalt des Blotes and einiger Organe des Menschen. 

(Virchows Archiv, 1903, Bd. 174, H. 1.) 

Die Hauptergebnisse der sehr interessanten Arbeit von R., deren Einzelheiten 
besser im Original nachgelesen werden, sind folgende: 

1. Fett findet sich im Blut und in allen Organen des Menschen auch ohne 
vorausgegangene Ernährung von seiten des Magendarmkanals (bei Totge¬ 
burten). Man kann es somit als einen normalen Bestandteil der einzelnen 
Organe betrachten, oder muß wenigstens annehmen, daß das Bestreben 
der eiweißartigen Gewebe, sich Fett in gewissen Mengen anzulagem, ein 
außerordentlich großes ist Die Menge des Fettes schwankt, abhängig von 
den individuellen Verhältnissen, im Blut und in den Organen in beträcht¬ 
lichen Grenzen. Abgesehen hiervon finden sich als Ausdruck pathologi¬ 
scher Veränderungen beträchtliche Abweichungen von dem Durchschnitt 
nach der Seite der Erhöhung. 

2. Der Fettgehalt des Blutes schwankt je nach dem Verdauungszustand außer¬ 
ordentlich und ist deshalb schwierig zu beurteilen, doch ist eine regelmäßige 
und starke Erhöhung bei Fällen von Coma diabeticum nicht anzunehmen. 
Sie kommt in mäßigem Grade vor, scheint sich aber nur ausnahmsweise 
zu den von Zaudy sowie von Fischer gefundenen Werten zu steigern, 
ln höherem Grade und regelmäßiger scheint die Arteriosklerose mit einer 
Vermehrung des Blutfettes einherzugehen. Ein geringer Fettgehalt des 
Blutes fand sich bei Schrumpfniere und in einem Fall von Tuberkulose. 

3. Der_ Fettgehalt des Herzens und der Muskulatur kann eine beträchtliche 
Erhöhung erfahren und zwar scheinen 16 Teile Fett auf 100 Teile Trocken¬ 
substanz noch den nicht pathologischen Werten zugerechnet werden zu 
müssen. Dabei muß allerdings in Betracht gezogen werden, daß neben 
der Fettinfiltration die Gesamtmenge der leistungsfähigen Muskulatur für 
die Funktion die Hauptrolle spielt 

4. Der Fettgehalt der Leber erfährt ebenfalls bedeutende Steigerungen (bis zu 
56,6 7, der trocknen Substanz). Alkoholismus und vorgeschrittene Tuber¬ 
kulose müssen als die wichtigsten ätiologischen Momente für die Fettinfil¬ 
tration bezeichnet werden. Für den Alkoholismus kommen indessen nur die 
früheren Stadien in Betracht, da mit den später eintretenden Schrumpfungs¬ 
prozessen der Fettgehalt bis zur Norm und unter diese sinken kann. 
Auch bei Cardnom fanden sich hohe Fettwerte der Leber. In den späteren 
Stadien des Diabetes fand sich nur ein mittlerer Fettgehalt, bald unter dem 
Durchschnittswert (bis 19,6% der Trockensubstanz), bald etwas darüber. 

5. Der Fettgehalt der Niere scheint bei Stauungsniere und bei Schrumpfniere 
etwas erhöht zu sein. 

6. Die Untersuchungen des Fettgehaltes der Milz und des Gehirns lassen 
keine allgemeinen Schlüsse zu. 

7. Da die untersuchten Organe im allgemeinen keine wesentliche Änderung 
der Größe zeigten, so setzt der mit der hochgradigen Fettinfiltration ver¬ 
knüpfte oder ihr vorausgehender Prozeß eine wesentliche Verminderung 
des funktionsfähigen Gewebes voraus. Es ist deshalb sehr wohl denkbar, 
daß die Einwanderung von Fett z. T. erfolgt, um dem geschädigten Ge¬ 
webe reichliches Nährmaterial zuzuführen. 

8. Das menschliche Fett kann unter den festen Fettsäuren neben Palmitin¬ 

säure und Stearinsäure noch Myristinsäure oder Laurinsäure enthalten; 
vermutlich sind auch der Ölsäure noch andere flüssige Fettsäuren gelegent¬ 
lich beigemengt. Eine konstante Zusammensetzung des menschlichen Fettes 
gibt es nicht Zieler (Breslau). 


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Ffacbkr, F.: Ober experimentell cnafte Fettsyntkese am überlebenden Organ, ein 
Beitrag zar Frage der Fettdegeneration. Aus d. patholog. Institut zu Heidelberg. 

(Virchows Archiv, 1903, Bd. 174, H. 2.) 

F. ist es gelungen, bei Ausschaltung einer Niere aus dem Körperkreislauf 
und Durchströmung derselben mit einer BIut-Seife-Glyzerin-Lösung eine Fettabla- 
gerung in den Nierenepithelien zu erzielen. Das Genauere der Versuchsanord¬ 
nung u. s. w. ist im Original nachzulesen. Zieler (Breslau). 

Adler, B. n. 0.: Ober eine Reaktion im Harn bei der Behandlung mit Resortin. 

(Zeitschr. physiol. Chemie, T. XLK, S. 206.) 

Als die Verff. mit der von Seliwanoff angegebenen Reaktion Harn von 
Diabetikern auf Lävulose prüften, erhielten sie mehrfach positive Resultate, wo 
Lävulose sicher auszuschlieBen war. Durch genaue Prüfung ließ sich nachweisen, 
daß im Ham auftretende salpetrige Saure gleichfalls mit Salzsäure und Resorcin 
eine Rotfarbung gibt Cronheim (Berlin). 


Besprechungen. 

v. Oefele: Zwecke der systematischen Kotuntersnchung. Selbstverlag 1902. 

Populär gehaltene Sldzzierung für Patienten der Verdauungsorgane, welche 
dieselben darüber belehrt, aus welchen Gründen eine chemische Kotuntersuchung 
in der Praxis angezeigt ist, und in welcher Richtung sich diese bewegen soll. 
Dem Verf. steht in seinem Wirkungsort Neuenahr ein diesbezüglich eingerichtetes 
chemisches Laboratorium zur Verfügung, dessen Untersuchungsresultate er in der 
Diagnostik verwendet Pickardt (Berlin). 

Veröffentlichungen der Hufelandschen Gesellschaft in Berlin. 22. Versammlung der 
Balneol. Oeselisch, im März 1901. 382 S. Preis 4 Mk. 

Aus dem reichhaltigen Inhalte des Bandes dürften für die Leser dieses Blattes 
folgende Vorträge besonders von Interesse sein: 

Kisch, Die Bedeutung der erdigen Quellen für die Therapie der Gicht. 
Pariser, Das praktische Problem der internen Behandlung der Gallenstein¬ 
krankheit 

Munk, Die Hydrotherapie der Gicht 

Posner u. Zuelzer, Neuere Methoden auf dem Gebiet der klinischen Harn¬ 
untersuchung. 

Wegele, Eine einfache Magenelektrode. Hesse (Kissingen). 


7nbalt*v*r?*td>nt5. 

Original-Artikel: W. P. Obrastzow: Zur allgemeinen Symptomatologie der 
Enteritiden und Kolitiden 219. — A. Schittenhelm: Die Purinkörper und ihre 
Stellung im tierischen Organismus 226. — Referate: Erkrankungen der Verdau- 
unggorgane. Saundby, R. u. Hwetson, J. T.: Remarks on extensive cardnom of 
the oesophagus with unusual nervous complications 239. — Bleichröder, F.: Zur 
pathologischen Anatomie des Magens bei Magensaftfluß nebst allgemeinen Be¬ 
merkungen zur pathologischen Anatomie des Magens 239. — Hutchinson, J. A.: 
An epidemic of waterbome typhoid 240. — Bell, James: Migration of needles 
from the intestines into surrounding tissues 240. — Derome, W. J.: Visceral per- 


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foration 240. — England, Fr. R.: A case off cardnoma off the rectum 241. — 
Tischner, R.: Vergleichende Untersuchungen zur Pathologie der Leber 241. — 
Remy: Beitrage zur Kenntnis der Pankreascysten 241. — Prevost, L C.: Tuber- 
kular peritonitis 241. ~ Calvert, W. J.: A case off abdominal aneurism 242. — 
Nierenertraqkungen, Erkrankungen des Blutes und der blntbereitenden Organe etc. 
Ludewig: Uber Wanderniere mit besonderer Berücksichtigung der Magendarm¬ 
verhältnisse 242. — Zypldn, S. M.: Zur Pathogenese der Bmtencrankungen 243. — 
Weber, F. Parkes: Ein Fall von akuter Leukämie, mit einem Sghema für die Ein¬ 
teilung der Leukämien und Pseudoleuldynien 243. — Runge: Über die Basedow¬ 
sche Krankheit 243. — Erdheim, J & : 1. Uber Sdiilddrüsenaplasie. 11. Geschwülste 
des Ductus thyreo-glossus. III. Über einige menschliche Kiemenderivate 243. — 
Physiologische Chemie, Ernährung etc. Kuttner: Die vegetabilische Diät und deren 
Bedeutung als Heilmethode 243. — Altschüler, Emil: Die Konservierung des 
Hackfleisches mit neutralem schwefligsaurem Natrium 244. — Gielen: Sollen Kon¬ 
serven mit der Jahreszahl ihrer Herstellung versehen werden? 244. — v. Bunge, O.: 
Alkoholismus und Degeneration 245. — Langemak, O.: Zur Kenntnis der Vor¬ 
gänge in den Speidieldrüsen nach Verlegung ihres Ausführungsganges 245. — 
Aronsohn, Ed.: Die Zuckerausscheidung nach Adrenalininiektionen und ihre Be¬ 
einflussung durch künstlich erzeugtes lieber 245. — Half, J. Walther: „Beiträge 
zur Kenntnis der Wirkung der Purinsubstanzen 245. — Rumpf, Th.: Über den 
Fettgehalt des Blutes und einiger Organe des Menschen 246. — Fischler, F.: 
Über experimentell erzeugte Fettsynthese am überlebenden Organ, ein Beitrag 
zur Frage der Fettdegeneration 247. — Adler, B. u. O.: Über eine Reaktion im 
Ham bei der Behandlung mit Resorcin 247. — Besprechungen: v. Oeffele: 
Zwecke der systematischen Kotuntersuchung 247. — Veröffentlichungen der Hufe- 
landschen Gesellschaft in Berlin 247. 


Hutoren-VencidmU. 

Adler 247. — Altschüler 244. — Aronsohn 245. — Bell 240. — Bleichröder 
239. — v. Bunge 245. — Calvert 242. — Derome 240. — England 241. — Erd¬ 
heim 243. — Fischler 247. — Qielen 244. — Hall 245. — Hutchinson 240. — 
Hwetson 239. — Kuttner 243. — Langemak 245. — Ludewig 242. — Obrastzow 
219. — Prevost 241. — Remy 241. — Runge 243. — Rumpf 246. — Schittenhelm 
226. - Saundby 239. - Tisdiner 241. - Weber 243. - Zypkin 243. 


HlpbabctUcb geordnetes JtibsltsverpUmU. 

Adrenalinglykosurie und Fieber 245. — Alkoholismus 245. — Basedow 243. — 
Bauchaorta, Aneurysma der 242. — Bluterkrankungen 243. — Blut, Fettgehalt des 

246. — Darm, Nadel im 240. — Darmperforation 240. — Diät, vegetabilische 243. 
— Ductus thyreo-glossus, Geschwülste des 243. — Enteritiden 219. — Fettsyn¬ 
these und -Degeneration 247. — Fleischkonservierung 247. — Ham, Resorcinprobe 

247. — Kolitiden 219. — Konserven 244. — Lebererkrankung 241. — Leukämie 
243. — Magensaftfluß 239. — ösophaguskrebs 239. — Pankreascysten 241. — 
Peritonitis tuberculosa 241. — Purinkörper 226. 245. — Rektumcardnom 241. — 
Schilddrüsenaplasie 243. — Speicheldrüsenveränderung nach Unterbindung des 
Ausganges 245. — Typhus 240. — Wanderniere und Magendarmkanal 242. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrucke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 
Verlag von Vandenhoeck 8t Ruprecht in Göttingen, Theaterstr. 13. 

Druck der Universitäts-Buchdruckerei von E. A. Huth, Göttingen. 
Ausgegeben am 29. April 1904. 


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Nr. 10. 


Zweites Mal-Heft 1904. 


5. Jahrgang. 


3rnfralblaff 

Mp 

Stoffwechsel-fr Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Roprecbt in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von lVs—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark 20 Pf. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und 
PostanstaHen des In- und Auslandes. (Postbezug in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausser¬ 
halb Europas 1 Mark 20 Pf. jihrlich mehr.) 


Original-Hrtütel. 

Aus dem städtischen Krankenhause am Urban in Berlin, Abteilung von 
Prof. Dr. E. Stadelmann. 


Ober quantitativ* Pepsinbestimmungen im fftagensaft 

und drin. 

Von 

Dr. Arthur Blumenthal, früherer Assistenzarzt des Krankenhauses. 


Nachdem die Wirkung des Pepsinferments dahin erkannt war, daß es 
in salzsaurer Lösung Eiweiß verdaut, war das Bestreben einer quantitativen 
Pepsinbestimmung naturgemäß darauf gerichtet, einen Eiweißindikator zu 
finden, der die einzelnen Phasen der Verdauung möglichst unterschiedlich 
erkennen läßt War es schon an und für sich nicht leicht, einen nach dieser 
Richtung zweckmäßigen Eiweißhörper zu finden, so erwuchsen nun Schwie¬ 
rigkeiten aus dem Umstande, daß dir'Flüssigkeiten, welche Pepsin in 
nennenswerter Menge enthalten, der Magensaft und Urin, gleichzeitig in 
verschiedener Menge andere Stoffe enthalten, welche das vorhandene Pepsin 
nicht zur Wirkung kommen lassen, so daß bei diesen Untersuchungen immer 
große Ungenauigkeiten unterlaufen mußten. Die ersten Autoren benutzten 
als Eiweißindikator das Fibrin. 

Später traten an Stelle des Fibrins das Protogen und koaguliertes Hüh¬ 
nereiweiß. Die Untersuchungen mit Fibrin gehen in ihren Resultaten sehr 
auseinander, ein Beweiß für die Fehlerhaftigkeit der Methode, die an einer 
großen Versuchsreihe mit verschiedenen Modifikationen von Leo 1 ), Neu- 

Nr. 10. 


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meister*), Mya und Belfanti 8 ), Grützner 4 ) und Stadelmann*) an¬ 
gewandt wurde. Stadelmann, der als erster an mehr als 900 Einzel¬ 
untersu