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Full text of "Zur kritik der doppelwährung [microform]"

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INAl Ol RAL - DISSERTATION, 

VERFASST l^ND 

LER HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

UNIVERSITÄT LEIPZIG 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOCTORWÜRDE 

VORGEUEGT VON 

ALEXAMtEK KAKE ELLMANN 

f • * 

AUS ODESSA. 


13 ^ 


KRITIK DER DOPPELWÄHRIIM 



Vorwort. 


I 


Seit Wolowski ini Jahre 1867 mit her These hervortrat, 
dass die Werthrelatiouen der beiden Edelmetalle, Gold und 
Silber, nicht das Ergebnis freier Verkehrsbewegnngen seien, 
lind mit grossem Geschick den Beweis zu tühren versuchte, 
dass die auf das Münzwesen bezüglichen Gesetze der grossen 
Staaten von ausschlaggebender Bedeutung für den Preis der 
Edelmetalle seien’), hat sich ein Streit über diese Thesen 
erhoben, welcher bald ungeheure Dimensionen annahm, in der 
Wissenschaft eine raidd anwachsende Litteratur entstehen liess 
und noch heute die betheiligten Gemüther in Atheiu hält. 

Die in diesem Streite sich einander gegenüberstehenden 
Meinungen lassen sich in zAvei grosse Parteien zusammen- 
fassen, in die des ßinietallismus und in die des Monometallis- 
mus (speciell der Goldwährung). 

Unter den Vertretern des Bimetallismns ragen besonders 
Cernuschi, Dana Horton, Seyd, Schätfle, Otto Arendt, Haupt, 
Lexis und Adolf Wagner hervor. Von den Anhängern der 
Goldwährung haben sich vornehmlich Nasse, Soetbeer, Geftcken, 
Bamberger, Bueck, Launhardt, ^nies, Roscher und Hans Kleser 
einen Namen gemacht. 

Bei der weittragenden Bedeutung dieses Streites, in welchem 
es sich um Fragen von vitalem Interesse für die Gestaltung 
der privat- wde volkswirthschaftlichen Verhältnisse handelt, 
diirf es nicht Wunder nehmen, wenn wir den Streit auf Ge- 
biete hinüber spielen und Formen annehmen sehen, in denen 
er nicht nur in seinem gedeihlichen Fortschritt gehemmt, 
sondern auch oft geradezu in seiner Würde beeinträchtigt 
wird. Unter den Erzeugnissen einer gehäuften Broschüren- 

L. Wolow'jki: .J.a question monetaire“. Paris 1869, II. Auü. 



1 


VI 


1 tteratur, wie unter den Aeusseriingen der Tagespresse und 
cft unberufener Parteiorgane finden wir )nanch drastisches 
Peispiel hierfür. Die Vertreter der Wissensc haft werden aller- 
d ings von diesem Vorwurf nicht getroffen. 1 )ie erwähnten Re- 
] räsentanten des Bimetallismus haben sich mancherlei Verdienste 
i 1 diesem Streite erworben, indem sie durch ihre geschickte, 
( ft durch treffliche Argumente unterstützte Polemik manche 
z.i gewagte Aeusserungen der Verfechter der Goldwährung 
edblgreich zurückschlugen und sie auf ihr richtiges Mass 
zirückführen halfen. Dennoch sei es gleich hier erwähnt, 
dass die Grundfehler ihres Raisonnenients darin bestehen, dass 
s e erstens nicht streng genug zwischen \?erth- und Preis- 
massstab unterscheiden^), und dass sie zweitens in der Wahl 
d?r Beispiele, welche zum Beweise für die praktische Durch- 
f ihrbarkeit ihrer Theorien dienen sollen, nicht immer glück- 
lich gewesen sind.“) Diese Grundfehler aber hatten zur Folge, 
d ass die Bimetallisten damit, trotz ihrer sonstigen Verdienste, 
d ir herrschenden Unklarheit auf diesem an sich schon schwierig 
Z I übersehenden Gebiete Vorschub geleistet und die Münz- 
fiage, als eine rein wirthschaftliche Frage, nicht genügend 
V )n politischen, tendenziösen Elementen frei zu erhalten ver- 
n ocht haben. 

Wir haben uns in vorliegender Arbeit die Aufgabe ge- 
si eilt, auf Grund der bestehenden Thatsachen den Beweis zu 
fuhren, dass die Bemühungen der Bimetallisten bei den gegen- 
wärtigen Zuständen in der Welt keine Aussicht auf Erfolg 
in der Praxis haben können. *Wir w'ollen uns bei dem Gange 
unserer Untersuchung befleissigen, stets auf dem Boden reiner 
\ Wissenschaftlichkeit zu verharren und behalten als Ausgangs- 
p.mkt unserer Arbeit die neueste Münzrevolution zu Un- 
gimsten des Silbers im Auge. 

b Knie.s; ,,Das Geld-‘. Berlin 1885, p. 805 tt'. li. Aufl. 

-) Die französische Währungseinrichtung von 1808 und der latei- 
n sehe Münzbund. 








Einleitung. 


Die gesammte, seit Deutschlands Uebergang zur Gold- 
währung angesammelte, auf die Währungsfrage bezügliche 
Litteratur dreht sich um das Pro und Contra der Durchführ- 
barkeit der Doppelwährung^), also um eine rein praktische 
Frage, die nicht nach vorgefassten Theorieen, sondern nach 
• den vorliegenden Thatsachen entschieden werden muss. 

I 

b Ernst Seyd; ,.Die Münz-, Währungs- und Bankfragen in Deutsch- 
land‘‘. Elberfeld 1871. 

W. Roscher: „Betrachtungen über die Währungsfrage der deut- 
schen Münzreform“. Deutsche Zeit- und Streitfi-agen , herausgegeben 
von F. von Holtzendortf und W. Oncken. Heft 2. Hamburg 1872. 

Adolf Wagner: Die Zettelbankreform im deutschen Reich“. 1875. 

Ludwig Bamberger: ,. Reichsgold“. Leipzig 1876. 

Henri Cernuschi: ..Silver vindicated“. Paris 1876. 

Ottomar Haupt; „Gold. Silber und Währung“. AVien 1877. 

Ernst Seyd: „Der Hauptirrthum in der Goldwährung“. Rudolstadt 
und Leipzig 1880. 

Otto Arendt: ,,Die vertragsmässige Doppelwährung“. Berlin 1880. 
2 Bände. 

Otto Arendt: ..Deutschlands AVährungspolitik“. Leipzig 1881. 

Adolf Wagner: ..Für bimetallische Münzpolitik Deutschlands“. 
Berlin 1881. 

' Hans Kleser: „Geld und Währung“. Berlin 1881. 

Schriften des deutschen A^ereins für internationale Doppelwährung. 
Heft 1 bis 8. Berlin 1882. Heft 9 und 10. Berlin 1883. 

V. von Beesten: ..Die AVährungsfrage“. Berlin 1883. 

Max Hausmeister: „DieVorzüge der Doppelwährung“. Stuttgart 1888. 

Hans Kleser: ,,Die deutsche AVährung und ihre Gegner“. Köln 1883. 

August Eggers; ..Der Duometallismus“. Bremen 1883. 

Akin Käroly: „Das Geld der Zukunft“. Leipzig 1884. 

Von einem Anti-Bimetallisten : ..Die Doppelwährungsfrage“. Cre- 
feld 1884. 

Ottomar Haupt: „AVährungspolitik und Münzstatistik“. Berlin 1884. 

1 


1 


i 


— 2 — 

Durch die Zunahme der Silberproduktion, besonders seit 
:851, und die darauf folgende Demonetisirung des Silbers 
raten in den Ländern der gesetzlichen Doppelwährung Schwan- 
cungen ini erthveiiiältnisse des Goldes und Silbers ein, welche 
ür die betreftenden Länder emptindliche Störungen im Ge- 
blge hatten und zu allerlei gewagten Spekulationsmanövern 


Erwin Nasse: ,-Der Wälirungsstreit in Deutsciilancö“. Preussische 
. ahrbücher iSc^ö. Märzlieft. Schriften des deutschen Vereins für inter- 
lationale Doppelwährung. Heft 11. Berlin 18S5. 

Arnold Lehren: „Eine Kritik des Bimetallismus'\ Köln 1SS5. 
„Goldwährung und Valutaregulierung in Oesterreich - rnganr\ 


"Vien 1885. 

L. Löll: „Die Goldwährung*'. Würzburg 1885. 

W. Launhardt: „Das Wesen des Geldes und die Währungsfrage‘‘. 
. Leipzig 1885. 


Hans Kleser: „Währungs- und Wirtschaftspolitik**. Köln 1885. 
Hans Kleser: „Preisrückgang und Goldwährung“. Köln 1885. 
Ludwig Baniberger; „Die Schicksale des lateinischen Münzbundes**. 


Berlin 1885. 

Adolf Soetbeer: „Materialien zur Erläuteruag und Beurtheilung 
( er wirthschaftliclien Edelnietallverliältnisse und der Währungsfrage**. 
JSerlin 1886. II. Ausgabe. 

Schriften des deutschen Vereins für internatiftnale Doppelwährung. 
Heft 12 und 13. Berlin 1886. 

Karl Freiherr von Thüngen-Rossbach: „Die Nachtheile der Gold- 
' ?-ährung*'. Würzburg 1886. 

H. Bungeroth: „Die Währungsfrage**. Berlin 1886. 

H. Oldekop: „Für internationale Doppelwährung*'. Berlin 1886. 
Karl Kolb; „Die Währungsfrage**. Bayreuth 1886. 

Ottomar Haupt; „L'histoire monetaire de notre temps“. Paris et 
Berlin 1886. 

H. Cernuschi: „Anatomie de la monaie'*. Paris 1886. 

Ad. Burckhardt-Bischoif: „Die lateinische Müazconvention und der 
internationale Bimetallismus**. Basel 1886. 

Lexis: „Die Währungsfrage und die Produktionsverhältnisse der 
] Idelmetalle**. In Schmollers Jahrbuch X. 1. 1886. 

G. Stille: „Unsere Währungsfrage*\ Osnabrück 1886. 

August Eggers; „Vorschläge zur Währungsfiage‘*. Bremen 1886. 
Köchlin-Geigy: „Die Währungsfrage und der Fall der Preise'*. 

L Hasel 1886. 

Karl Schüller: „Die bimetallistische Propaganda vomGoldwährungs- 
standpunkte aus beleuchtet'*. Leipzig 1886. 






— 3 - 

und Finanzoperationen, oft sehr zweideutiger Art, Veran- 
lassung gaben. Freilich trugen sie auf dem Weltmärkte 
umgekehrt zur allgemeinen Ausgleichung der im Verkehr 
sich kundgebenden Schwankungen dieser Werth Verhältnisse 
bei, aber eben auf Kosten einzelner am Werthverhältnisse 
beider Edelmetalle interessirter Staaten. Jene Störungen 
waren es dann hauptsächlich, welche neuerdings in den meisten 
dieser Länder den üebergang zur einfachen, das heisst zur 
Goldwährung bewirkten. 

England hatte bereits seit 1816 Goldwährung und fällt 
also hier eo ipso aus der Betrachtung fort. Frankreich, 
Belgien, Italien und die Schweiz, welche die Doppelwährung 
nominell, auf dem Papier, noch heute besitzen, haben sich 
schon mit der Sistirung der Silberausprägung im Jahre 1878 
der Goldwährung sehr genähert. 

Deutschland trat durch Gesetz vom 4. December 1871 
und vom 9. Juli 1873 der Goldwährung bei, hat aber noch 
410 bis 500 MillioneiD) Silberthaler mit gesetzlicher Geltung 
im \ erkehr gelassen. Es nahm anfangs Verkäufe seines 

G. D. Augspurg: „Der Niedergang der Preise und die Währungs- 
trage“. Bremen 1886. 

L. Löll: ,,Eine Währungsrede“. Worms 1886. 

Otto Arendt: .Der Währungsstreit in Deutschland“. Berlin 1886. 
(Gegen Nasse.) 

J. Meyei . „Ein Beitrag zur Lösung des ährungsproblems’h 
Berlin 1887. 

Karl Bunzel : „Die W ährungsfrage in Oesterreich-Ungarn“. Wien 1887. 

Arthur Gehlert: „Ueberproduktion und Währung“. Berlin 1887. 

Karl Melchers. ,,Die geschichtliche Entwickelung des Geldwesens 
und der gegenwärtige Währungsstreit“. Varel 1887. 

V. Lexis. ,,Die Mährungsfrage und die englische Üntersuchungs- 
kommission“, in Conrads Jahrbüchern, N. F. Bd. XVI, 1888. (Efue 
Kritik lieferte Bamberger in der „Nation“ 1888 No. 83), 

A. Görz: ,,Die Technik der Goldgewinnung“ in der Berliner 
Vierteljahi-sschrift für Volkswirthschaft 1888, Heft 2. 

Nasse: ,Jn Schönbergs Handbuch der politischen Oekonomie“ 
B. I, 2. A. Tübingen 1885. 

Roscher: „System der Volkswirthschaft“. B.HI. 5.A. Stuttgart 1887. 

0 Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1887. S. 127. 

1 * 


4 



i' berllüssigen Silbers vor, stellte dieselben aber im Mai 1879 
e.n. Das deutsche Silber wurde zu tblgeuden Preisen ver- 
t auft; 


•lahr. 

Men^e in tausenden von 

Preis in Pence 


Pfunden fein. 

Für 1 Unze. 

1873 

105,9 

/IB 

1874 

703,6 

‘50 

00 

1875 

214,8 

57'/, 

1876 

1,211,7 

52 "/, 

1877 

2,868,0 

54" 

1878 

1,622,6 

IB 

1879 

Jan.-Mai 377,7 

50 


7 Mill. 104,896 

Die Freunde der Einstellung der Süberv erkaufe be- 
hiupteten, der Londoner Silberpreis sei durch die deutschen 
Verkäufe sehr erheblich gedrückt worden. Die Gegner der 
Einstellung behaupten dagegen unter Berufung auf die an- 
g ‘führte Tabelle, dass der Silberpreis ganz (?) unabhängig 
oder wenigstens häufig unabhängig von den grösseren oder 
k eineren deutschen Silberverkäufen gestiegen und gesunken sei. 

Auch in England und andei’en Ländern mit einheitlicher 
V'ährung (Goldwährung) wurden durch die Werthschwan- 
k .mgen zwischen Gold und Silber empfindliche Verkehrs- 
slörungen hervorgerufen, die sich in England desto nach- 
d 'ücklicher geltend machten, als in seinem ungeheueren asia- 
ti^chen Reiche ausschliesslich das Silber Währungsmetall ist. 
Es machte sich daher auch hier der Wunsch geltend, jenen 
slörenden Schwankungen durch eine internationale Einigung 
ü )er ein stabiles W erthverhältnis zwischen Gold und Silber 
zu begegnen. Daher die Vorschläge, dieses Ziel durch inter- 
nationale Verträge zu erreichen. — Gelingl es, die Werth- 
rdation zwischen Gold und Silber völkerrechtlich zu stabi- 
li deren, so kann es allerdings keinem Zweifel unterliegen, 

0 Conf. Conference monetaire Internat. Proues verbaux, I. B., 
S. 16. 

E. Wiss in der Beidiner Vierteljahrschrift fürVolkswirthschaft 1881. 
H‘ft 3, S. 158, 1.59. 


t 


I 


1 




1 


I 


dass alle Staaten zur Doppelwährung übergehen, bezw. zu- 
rückkehren würden. Das Gelingen einer solchen internatio- 
nalen Einigung ist aber an und für sich schon äusserst frag- 
lich. Eine weitere Frage aber ist es, ob eventuell solche 
internationale Verträge überhaupt genügende Garantien böten 
und ausreichend wären? Ob der einzelne Staat, welcher bis- 
her im Besitze einer geordneten einheitlichen Währung Avar, 
besser daran thut, einer solchen immerhin ])roblematischen 
internationalen Einigung sofort und zwar nothwendig unter 
temporären Verlusten sich anzuschliessen, oder ob er nicht 
besser thut und w'artet, in wie weit die Lösung des Pro- 
blems gelingt? Jedenfalls scheint die Betrachtung der ge- 
genwärtigen Gestaltung des politischen Horizontes und der 
Wirthschaftspolitik der einzelnen Staaten, Avelche trotz aller 
PVrtschritte in den Verkehrsmitteln mehr denn je auf das 
System abgeschlossener, nationaler Wirthschaftspolitik zu- 
rückzugreifen bestrebt sind, nicht besonders ^ ermuthigend zu 
sein für Einigungsbestrebungen, die geAvissen hafte Vertrags- 
erfüllung zur Voraussetzung haben. 

Wir haben es in der folgenden Abhandlung unter- 
nommen, die Thatsachen vorzuführen und klarzustellen, Avelche 
in der GegeuAvart mehr gegen als für Bestrebungen sprechen, 
welche eine Aenderung des bestehenden Münz- und Wäh- 
rungssystems bezAvecken. 

Wir Averden damit beginnen müssen, den Avahreii Be- 
griff von Geld und Währung festzustellen. Sodann l aben 
Avir zu untersuchen, ob die einzelnen Staaten AA-illkürlich zu 
einem der möglichen Währungssysteme übergehen können, 
oder ob sie sich dabei durch Verhältnisse leiten lassen 
müssen, Avelche — Aveil internationaler Natur — bestimmend 
auf die Wirthschaft der einzelnen Völker eiiiAvirken und 
somit nicht nur ausserhalb, sondern sogar über der Macht- 
sphäre der einzelnen StaatsgeAvalten stehen. Kommen Avir 
zu letzterem Resultat, so Avird uns die fernere Aufgabe ob- 
liegen, zu untersuchen, Avelcher Art diese Verhältnisse sind, 
und wde sie im volkswirthschaftlichen Verkehr zum Aus- 
druck kommen. Wir Averden sehen, dass die Gesammtheit 





B 


( er Preise unter Einwirkung von räuiuliclien und zeitlichen 
Differenzen den Valntaschwankungen sich anpasst. Wir Aver- 
( en ferner sehen, wie für die Münzverhältnisse eines Landes 
i 1 erster Linie die Menge des dort betindlicüen Geldes, sowie 

< ie Schnelligkeit der Geldcirkulation massgebend ist; wie 
( ie Gestaltung der Geldverhältnisse am elementarsten be- 
ringt Avird durch das Angebot von aussen, und dieses end- 
lich durch die EntAvickelung und Lage der eigentlichen jähr- 
1 chen Gold- und Silberproduktion, Avelche Avir deshalb speciell 
7n betrachten haben Averden. 

In dieser Weise fortschreitend, Averden Avir unsere Auf- 

< abe verfolgen und auf Grund aller gefundenen Thatsachen 
1 nd massgebenden Verhältnisse den BeAveis erbringen, dass 
Aom Standpunkte der gegenAvärtigen Geldlage der Welt aus 
c as System der DoppelAvährung für die einzelnen initAverben- 
f en Nationen aussichtslos ist; dass selbst «iie Länder der la- 
tnnischen Münzconvention, Avelche ZAvar ein grosses Interesse 
^m Bimetallismus haben, dennoch denselben nothgedrungen 
cufgeben müssen. Denn es trifft bei ihnen, Avie beim Bi- 
1 letallismus überhaupt, vollkommen zu, Avas Dr. Oie Jacob 
Broch schon 1881 aussprach, als er die Aussichtslosigkeit 

( es Bimetallismus prophetisch verkündigte, nämlich : 

1 )ie Doppehvährung hat ausserdem einen ganz besonders zu 
befürchtenden Nachteil, den man häufig hervorzuheben ver- 
gessen hat: Es ist die Liquidierung im Falle der Auflösung 
tines alle oder nur mehrere Länder umfassenden Bundes. 
Offenbar Avürden, falls beide Metalle in allen Münzanstalten 
» ines solchen Bundes zur unbeschränkten Ausprägung zuge- 
]assen Averden, hauptsächlich oder gar ausschliesslich den 

dünzanstalten der Grossstaaten die Silberbarren zur Aus- 
nünzung zugeAviesen Averden. Dort allein finden nämlich 
' lie Barreninhaber so vollständige und vollkommene Ma- 
•chinenanlagen, dass sie ihr ausgeprägtes Metall rasch zu- 
ückbekommen können, ohne sich auf Münzscheine einlassen 
Ul müssen und ohne Avährend der bei Silber stets langen 
Ausprägung Zinsen zu verlieren. Die so hergestellten Mün- 
:en Avürden somit das Wappen oder das Bild des Herrschers 



— 7 — 

tragen, in dessen Staaten sie ausgeprägt Avurden, -und es käme 
infolge eines unbestrittenen völkerrechtlichen Princips diesen 
Mächten die Pflicht unfehlbar zu, diese Münzen im 
einer Auflösung des Bundes einzulösen. Beim Ablaufe des 
Bundesvertrages hätten somit zAvei bis drei grosse Staaten 
allein die ungeheuere Silbermenge aufzunehmen, die, Avenn 
nicht auf der ganzen Erde, so Avenigstens in einem beträcht- 
lichen Theile der civilisierten Welt bis dahin kursiert hätte. 
Sie AVÜrden daraus einen unberechenbaren Verlust erleiden, 
den die grössten Geldmächte vielleicht nicht ertragen könnten 
und Avelchem die Kleinstaaten sich nicht aussetzen dürfen. 
Sollte ein Weltmünzbund auf der Basis des Verhältnisses 1 
zu 15,5 errichtet werden und fortdauern, so Avären trotzdem 
die Gefahren der Doppehvährung bedeutend.“') 

Protokolle der internationalen 5fünzoonferenz zu Paris im Jahre 
1881. Herausgegeben von AI. Sc-hraut. Berlin 1882. p. 44. 


I. 



Die Theorie des Oeldes und der 
Wälirungsbegriff. 

enn wir die Mittel betrachten, deren sich im Laufe 
der Jahrhunderte die Menschen als Werkzeuge für die Be- 
messung der iin wirthschaftlichen Leben aiiftretenden Werthe 
l edienten, so wird uns bei der wechselnden Gestaltung dieser 
l^littel eine Thatsache, ein in allen Zeiten sich gleich blei- 
bendes Princip entgegen treten, das wie ein rother Faden die 
gesammte Geldentwickelung durchzieht; nämlich das Streben 
der Menschen, immer nur solche Gegenstände zu Werth- 
inessern zu wählen, deren Tauschwerth wenig der A'erände- 
r mg unterworfen ist. 

Vergegenwärtigen wir uns nun der Reihe nach die 
1 ausch Werkzeuge , welche in historischer Aufeinanderfolge 
diese Funktionen erfüllt haben, so sehen wir, dass, gemäss 
d^r gesammten Kultur- und Wirthschaftsentwickelung der 
^ ölker, diese Werkzeuge zuerst unmetallische waren, das 
heisst aus pflanzlichen oder thierischen Stollen, dann aus den 
s )genannten unedeleu und zuletzt aus den edelen Metallen, 
Silber und Gold, bestanden. Dieser Entwickelungsgang war 
bei allen Völkern ein gleichartiger, obwohl durchaus kein 
gleichzeitiger, sondern hielt mit der Entwickelung der be- 
t •eflenden Volkswirthschaft Schritt. So seh(;n wir denn auch 
beute noch sämmtliche Entwickelungsstadien der Werthmass- 
mittel vertreten, wenngleich die unterste Stufe in nicht zu 
f erner Zeit wohl allgemein überschritten sein dürfte. 

Was die erste Stufe betrifft, so wai’en die derselben 
a igehörenden V erthmesser bei verschiedenen ^ ölkeni ver- 
s ‘hiedene. Bei den Jagdvölkern waren es die Felle der er- 




9 


beuteten Thiere; so bei den Indianern Nordamerikas Biber- 
und Marderfelle, bei einzelnen Volksstämmen Sibiriens Biber- 
schnauzen. Bei den Völkern, welche die LR'er der Fluss- 
läufe, der Binnenseen und des Meeres besiedelten und sich 
vom Fisch- oder Muschelfang nährten, waren gedörrte Fische 
oder Muscheln — so die Kaurimuschel bei den Negern und 
Hindu (50 Stück gleich etwa 1 Pfennig) — als Werthmesser 
gebräuchlich. Bei den Nomadenvölkern galt das Vieh als 
Tauschmittel, und da wohl alle Kulturvölker sich aus No- 
madenvölkern entwickelt haben, so bildete das Vieh die erste 
allgemeine historische Basis der Geldentwickelung und wirkte 
auch der Name desselben in den späteren Bezeichnungen 
für das Tauschmittel fort.^) Auch nach eingetretener Sess- 
haftigkeit sehen wir die ehemaligen Nomadenvölker noch 
eine Zeit lang bei ihrem herkömmlichen Tauschmittel ver- 
harren, so in den ältesten Zeiten die Griechen und Römer, 
wie die Germanen beim Eintreten in die Geschichte. Diese 
Periode jedoch, welche im Wesentlichen mit der Abgeschlos.sen- 
heit des Stammeslebens zusammenfiel, musste allmählich auf- 
hören, als durch die immer intensiver werdende gegenseitige 
Reibung der verschiedenen Volksstämme, die sich in Kriegen 
einerseits, im internationalen Handelsverkehr andererseits 
oflenbarte, der Grund zu den Anfängen der Weltwirthschaft 
gelegt wurde. Es mussten au die Stelle der mehr für den 
Lokalverkehr sich eignenden Naturalien Gegenstände treten, die 
im Stande waren, der Aufgabe zu entsprechen, welche die an- 
gedeuteten Kulturförderer, Krieg und Handel, an den Wirth- 
schaftsverkehr stellten. Die Völker mussten darauf sinnen, 
Tauschwerkzeuge zu schäften, welche wenigstens den Keim 
des durch die Zeit geforderten internationalen Gepräges in 
sich trugen. Thierfelle, Muscheln und dergleichen konnten 
natürlich diesen Zwecken nicht im geringsten entsprechen. 
Dagegen war das Metall, Eisen, Kupfer, Zinn, ein Gut, dessen 
Besitz allen Völkern als nützliches Werkzeug für Güter- 
schaffung (Waffen, Kriegsschmuck, technische Werkzeuge) 

h gothisch: failiu = Vieh. Vermögen, Geld; lateinisch: peounia — 
Geld von pecus = Vieh u. a. m. 


10 



j leich erwünscht war und hei seiner leichten Theilbarkeit, 
] )anerhattigkeit und relativen Unveränderlichkeit in Zeit und 
Kaum sich zum Werthmesser und Tauschmittel besonders 
( [ualiticieren musste. So linden wir Eisen in Sparta, Zinn bei 
(.eil Malaven und (’hinesen als Tauschvermittler im Gebrauch. 

Als aber die Völker sich immer mehr als Staatsein- 
1 eiten fühlen lernten; als einerseits die Aussengrenzen scharf 
gezeichnet wurden, andererseits ein internationaler Verkehr 
ach stetig entwickeln, und Dank der technischen wie poli- 
lischen Fortschritte, seine Kreise immer weiter ziehen konnte, 
< Is endlich die nnedelen Metalle, einerseits durch das ratio- 
1 ellere Produktionsverfahren, andererseits durch die conimer- 
/ ielle Erschliessung neuer Bezugsquellen immer reichlicher 
( en bestehenden Bedürfnissen entsprachen , da mussten sie 
■1 othwendig ihrer Fähigkeit als universell brauchbare Tausch- 
A ermittler allmählich verlustig gehen. Der V ölkergeist musste 
1 ach anderen Gegenständen forschen, Avelche den gesteigerten, 
subtileren Anforderungen in Bezug auf Bemessung des Güter- 
irerthes besser entsprachen. Gegenstände, welche neben den 
1 lOthwendigen Grundeigenschaften Dauerhaftigkeit und mög- 
lichst weitgehende Theilbarkeit, ohne Einbusse wesentlicher 
Eigenschaften, vornehmlich die Garantie einer verhältniss- 
mässigen Werthbeharrlichkeit boten und auch in kleinen 
i lengen einen möglichst hohen Werth repräsentierten. Diesen 
Bedingungen entsprachen die Edelmetalle, Gold und Silber, 
c m besten und sie haben die Eigenthümlichkeit der sich gleich 
bleibenden Beliebtheit bis heute unverändert bewahrt, trotz 
( er rapiden Ausdehnung des nationalen wie internationalen 
bredit Verkehrs, mit seiner Unzahl von Geldsurrogaten etc. 
Die Edelmetalle mit ihren erwähnten Eigenschaften bilden 
die einzige Waare, nach welcher auf allen höheren Cultur- 
? tufen eine starke Nachfrage bestand.^) Kraft dieser ver- 
i chiedenen Eigenschaften dienen die Edelmetalle seit Jahr- 
lausenden als Geld, als Vergleichungsobjekte aller Waaren 
und Güter, welche im Tauschverkehr auftreten. 

') Knies: ..Das Geld“. Berlin 187::!, p. 105 and I4:f. 




11 



Doch scheint der volksthümliche Begriff des Geldes erst 
mit dem Bewusstsein der Staatsidee aufzutreten.^) 

Er scheint zur Geltung zu kommen, wenn die tausch- 
vermittelnden Funktionen der Edelmetalle durch die Vermit- 
telung des Staates zu einer umvandelbaren Bedeutung ge- 
langen.-) Dies geschieht an und für sich, wenn der Staat, 
hauptsächlich um den Verkehr zu erleichtern, die vom Volke 
in ihrer objektiven Bedeutung als Werthmesser acceptierten 
Edelmetalle durch seine Macht schützt, indem er kraft seiner 
Autorität jedes als Tauschmittel dienende Stück Gold oder 
Silber mit äusseren Zeichen versieht, Avelche die Solutions- 
kraft dieses Stückes bedingen und eine Garantie für den 
wahren Gehalt desselben, quantitativ wie qualitativ gewähren. 
Auf diese Weise entsteht die Münze, durch welche die tau- 
schenden Parteien der Last enthoben sind, ein jedes Edel- 
metallstück bei jeder Tauschhandlung eingehend auf seine 
Quantität und etwaige Qualität zu prüfen. Die Macht des 
Staates in Bezug auf das Geld- und Münzwesen kann nur 
so weit reichen, als durch seine Vermittelung die .Gangbar- 
keit“ des Geldes, seine Echtheit und Volhverthigkeit, nach 
Möglichkeit garantiert wird. Fehlt eines dieser beiden Ele- 
mente, so kann diese Münze nicht mehr Geld, das heisst 
allgemein anerkanntes TauschAverkzeug sein, denn sie ist 
ihres Grundcharakters, nämlich desjenigen der allgemein gleich- 
mässig begehrten Waare, beraubt and ist nur noch eine Fik- 
tion, ein Geldsurr( 3 gat, das der Staat vermöge seiner Macht- 
mittel durch Statuierung des ZAvangkurses nur Avenig oder 
eventuell gar nicht dem wirthschaftlichen Tauschverkehr als 
Tauschmittel aufzudrängen vermag. Denn das Geld ist 
Waare wie jede andere Waare, ja noch mehr, denn es ist 
internationale Waare im eigentlichsten Sinne des Wortes: und 
alle äusseren durch die Staatsobrigkeit aufgeprägten Merk- 
male mögen Avohl seiner leichteren Handhabung und grösse- 
ren Realität im Tauschverkehr dienlich sein, können aber 

') Wir fassen hier ..Staat“ in der Aveitesteii Bfdeutun^ auf: Familie, 
Stamm, Stadt, Staat. — 

-) K. Men^er: ,,Volkswirthsohattslehre‘% Wien 1871. ]. p. 254 tf. 


12 


1 ie seinen eigentlichen Werth, den durch das Geld repräsen- 
tierten Gehalt an Edelmetall, nachtheilig oder vortheilhatt be- 
i influssen. 

Seinem Wesen nach, als Edelmetall, gehört das Geld 
( er ganzen Welt an und ist der Machtsphäre des einzelnen 
Staates nicht nur entrückt, sondern sogar weit überlegen, 
teil! „Kurs“ wird durch die Gesetze der Weltwirthschatt, 
1 icht durch die der Volks wirthschaft bestimmt. Nur über die 
rorni des Geldes, welche es in der Münze unnimmt, erstreckt 
s ch die Machtsphäre des Staates. Die Geschichte bietet eine 
Menge Belege hierfür. Die schlimmen Erfahrungen des 
Mittelalters beweisen am schlagendsten, wie sich das unbe- 
r ?chtigte Streben einer Staatsmacht, auf das Wesen des Geldes 
vermöge ihrer Machtmittel in ihrem Sonderinteresse einwirken 
z 1 wollen, immer am schwersten an der betreffenden Staats- 
macht selbst gerächt hat. Es steht also fest, dass die 
IMetalle, aus denen die verschiedenen Landesmünzen geprägt 
V erden, den Gesetzen der Weltwirthschatt unterworfen und so- 
mit den Bewegungen des Weltmarktes ausgesetzt sind und 
didurch den objektiven Tauschwerth eines jedes Münzgeldes 
bäeinflussen. Der Staat kann hiergegen wenig oder gar nicht 
a ifkommen, höchstens soweit als sein Credit, den er im Aus- 
h nde geniesst, reicht. -) 

Ist somit das Wesen oder die Theorie des Geldes und 
du’ Münze genügend erkannt, so kann über den Begriff der 
\ Währung kein Zweifel mehr obwalten: 

Macht die Erklärung einer Münze zum gesetzlichen 
Zahlungsmittel das Wesen der Währung aus, so versteht es 
s:ch von selbst, dass dieses Zahlungsmittel nur aus wahrem 


b Koscher: ..Nationalökonomik des Handels und Gewerbefleisses“. 
S uttgart 1882, p. 221 und 237. 

Roscher: ,, Betrachtungen über die Währungsfrage der deutscheu 
IV ünzreform-. Deutsche Zeit- und Streitfragen , herausgegeben von 
F von Holtzendorlf und Oncken. Heft 2. 

-) L. Bamberger: ..Die Schicksale des lateinischen Münzbundes“. 
B ?rlin 1885, p. 29 tf. 

H. Kleser: „Geld und Währung“. Berlin 1881, p. 37 ft. 



I 


13 




Gelde bsstehen darf, unabhängig von etwaigen Beeinflussungen 
seitens des Staates. Die Macht desselben geht nur so weit, 
dass er dasjenige Edelmetall zum Währungsgelde gesetzlich 
erhebt und, analog der staatlichen Regelung des Mass- und 
Gewichtswesens, mit dem Zeichen seiner Garantiegewährung 
auf Vollwerthigkeit versieht, welches der Weltverkehr gebiete- 
risch als Tauschwerkzeug fordert. Wenn die Bimetallisten 
behaupten, dass das Wesen der Währung darin bestehe, dass 
der Staat durch seine Machthoheit lediglich eines der Edel- 
metalle zum Tausch- und Cirkulationsmittel eines Landes 
bestimme, und dieses Geldzeichen dadurch .sogar seine Be- 
rechtigung am Weltmärkte erhalte, sodass also z. B. auch 
Papier- oder Creditgeld als Währungsgeld internationale 
Geltung habe ^), dann vergessen sie eben jene Wahrheit, dass 
das Geld dem Weltmärkte und seinen Gesetzen angehört, und 
sein Nennwerth denselben Werthinhalt zum Ausdruck bringen 
muss, den es gegenüber den mit ihm auszutauschenden 
Waaren, je nach dem Stande des Marktes hat, oder den die 
Güter, deren Austausch es vermittelt, haben, denn das Geld, 
das heisst das Edelmetall, ist Waare, lediglich Waare! “) 

Dass hieraus sich das Wesen der Währung ergiebt, 
wollen wir in den nächsten Abschnitten durch Thatsachen 


b Ottomar Haupt: ,,Go]d, Silber und Währung“. Wien 1877, 
p. 10 tf. 

Otto Arendt: , .Die vertragsmässige Doppelwährung“. Berlin 1880. 
2 Bände. 

Derselbe: „Der Währungsstreit in Deutschland“. Berlin 1886. 

Ernst Seyd: „Der Hauptirrtum in der Goldwährung“. Rudolstadt 
und Leipzig 1880. 

Adolf Wagner: ..Für bimetallistische Münzpolitik Deutschlands“. 
Berlin 1881. 

-) Roscher: „Grundlagen der Nationalökonomie“. I. Band. Stutt- 
gart 1882, p. 358. „Jedenfalls muss die Voraussetzung vieler „Bimetal- 
listen“, als wenn das Preisverhältniss des französischen Münzgesetzes 
von 1803 (Gold zu Silber = 15,5 : Ij auf einer mysteriösen Naturnoth- 
wendigkeit beruhete, als ein durch keine Erfahrung begründeter Aber- 
glaube bezeichnet werden.“ 

Cf. auch Knies: „Das Geld“. Berlin 1873, p. 227 ff. 


14 




t 


1 

I 

► 


leiegen, und zwar, indem wir die verschiedenen W ährungs- 
srten in geschichtlicher Aufeinanderfolge bis zu dem heutigen 
^ V ährungsstreite darlegen und einer Betrachtung unterziehen. 


II. 

Edelmetallprodiiktion. 


Ehe wir dazu übergehen, aus der Geschichte der 
H' ährungssystenie Beispiele für die Wahrheit unserer im 
ersten Abschnitt gethanen Behauptungen zu gewinnen, ist 
es empfehlenswerth, noch einmal in Kürze dieser Deduk- 


t onen zu gedenken: 


ie wir gesehen haben , ist das Edelmetallgeld als 
i iternationale aare zu betrachten, auf w eiche die einzelne 
Staatsgewalt nur soweit einwirken kann, .lass sie ihre Cir- 
hulation fördernd beeinflusst und für ihre Vollwerthigkeit 
G arantie gewährt, andrerseits das Ein- und Ausströmen der- 


sflben überwacht und reguliert, soweit es unter den jeweilig 
fcestehenden internationalen Marktverhältnissen möglich ist, 
-- um stets des nothwendigen Bedarfes sicher zu sein. Erste- 
r ‘s ist Zweck der staatlichen Münzgesetzgebung, letzteres 
G egenstand, in erster Linie der eigentlichen Währungspolitik, 
s )wie der entweder von der Regierung selbst ausgeübten 
oier doch von ihr regulierten und normierten Bankpolitik, 
V eiche in der Handhabung des Diskonts, der Notenemission 
imd anderer Creditoperationen zur Erscheinung kommt. Auf 
d IS W eseu dieser M aare selbst aber vermag der Staat mit 
snner Macht nicht einzuwirken, denn der internationale 
^[arktwerth und die Werthrelationen des Goldes und Silbers 
haben ihren Grund in Verhältnissen, welche der Machtsphäre 
dis Staates weit überlegen sind. Es soll zwar damit nicht 
gesagt sein, dass nicht der einzelne Staat, — besonders wenn 
e:’ eine dominiernde Stellung am Weltmarkt inne hat, -- 
zeitweilig einen bestimmenden Druck auf den internationalen 
Geldmarkt ausüben könne, dass er nicht etwa durch grosse 
Finanzoperationen, durch Befolgung einer Bankpolitik im 



15 


grossen Stil, Fluktuationen in den Werthrelationen zwischen 
Gold und Silber erzeugen könne, kurz, wie bei anderen Waa- 
ren, so auch beim Edelmetall monopolartig einzuwirken, 
Hausse und Baisse auf dem Weltmärkte zu schaöen ver- 
möge. Immer aber werden solche von der Regel a’o- 
weichende Zustände nur vorübergehende und sporadisch aut- 
tretende sein können, denn abgesehen davon, dass heutzutage 
ein Land nur unter exceptionellen Bedingungen so isoliert 
auf dem Weltmärkte aufzutreten im Stande sein dürfte, so ist 
dies in Bezug auf das Edelmetall, diese flüssigste aller inter- 
nationalen Waaren, diesen mit gleichem Drange von allen 
Seiten begehrten Werthmesser und dies internationale Zah- 
lungsmittel noch bedeutend mehr erschwert als bei jeder 
anderen Tauschwaare. 

Es sind und bleiben eben im Grunde immer die Fr^- 
duktionsverhältnisse, w’elche für die Edelmetalle, tür ihre 
Preisbildung, ^\ ie für ihr gegenseitiges Werthverhältnis mass- 
(jebend sind und danach den Edelmetallmarkt l)estimmen. 
Aus der Gestaltung dieser Verhältnisse — der Preisbildung 
und gegenseitigen Werthrelation — ergaben sich von jeher 
die Grundsätze, nach denen ein Staat sein AVährungssystem 
einrichten oder regulieren musste; natürlich unter steter Rück- 
sichtnahme auf die jeweilige Lage der betreffenden A olks- 
wirtschaft, sowohl in Bezug auf ihren inneren Zustand, als 
auch auf ihre A^erkehrsbeziehungeu zur AA^eltwirthschatt, Be- 
ziehungen, die in der sogenannten allgemeinen Zahlungs- 
bilanz zur Erscheinung kommen, und daher gemäss ihrer 
Alannigfaltigkeit zu den verschiedenen AA^ährungssy steinen 
Anlass gegeben haben. 

Die Bimetallisteu irren daher, wenn sie das Alünzgeld 
seines Charakters als internationaler AA^aare, wie es das Edel- 
metall nun einmal ist, entkleiden und es als eine unter staat- 
liche Obhut genommene, nur von ihr abhängige Institution 
ansehen, von welcher der Tauschwerth des Geldes abhänge. 
Sie nehmen daher auch irriger AA^eise das AA^erthverhältnis 
zwischen Gold und Silber nicht als Ergebnis des freien, von 
den Produktionsverhältnissen abhängigen A'erkehrs, sondern 




16 


£ Is ein ausschliesslich von der Staatsgewalt festzusetzendes 
1 nd zwangsweise im W irthschaftsverkehr durchführbares an. 
I>a sie dies bei allen Staaten für zutreffend erklären, diesen 
(rrundsatz also auf die ganze Welt ausdelinen ^), so ergiebt 
s ch daraus von selbst ihre Propaganda für internationalen 
1 'imetallismus auf Grund eines durch völkerrechtliche Ver- 
tage testgesetzten Werthverhältnisses von Gold und Silber, 
l'ie Geschichte der Währungssysteme aber straft die Behaup- 
t Ingen der Bimetallisten Lügen, und gerade die Geschichte 
der lateinischen Münzconvention, auf welche sie sich mit 
\ orliebe stützen, zeigt, wie sehr die einzelnen Staaten in 
iliren Münz- und Währungsverhältnissen von dem Stande 
des internationalen Geldmarktes beeinffusst werden und 
d esen Einflüssen gerecht zu werden versuchen durch Opera- 
tionen und Behelfe aller Art, um den auftretenden Unzu- 
ti äglichkeiten aus dem Wege zu gehen. 

Ehe wir aber der Reihe nach die Geschichte und Ent- 
lAickelung der Währungssysteme einiger Länder betrachten, 
S( ien einige M orte über die Produktionsverhältnisse der Edel- 
n etalle und der durch sie bedingten Veränderungen in dem 
erthverhältnis zwischen Gold und Silber vorangeschickt, um 
danach einen brauchbaren Massstab für die Beurtheilung der 
staatlichen Bestrebungen auf dem Münz- und Währungs- 
g ‘biete zu gewinnen. 

Nach Soetbeers Ermittelungen-), die wohl als die um- 
ffssendsten und zuverlässigsten gelten dürfen, gestaltete sich 
die Gold- und Silberproduktion von 1851 ab bis 1883 im 
A llgemeinen folgendermassen: 


b Ottomai- Haupt : „Währungspolitik und Münzstatistik‘‘. Berlin 
11“84, p. 1 tt“. 

-) Adolf Soetbeer; „Materialien zur Erläuterung und Beurtheilung 
d(r wirthschaftlichen Edelmetallverhältnisse und der Währungsfrage'h 
Bl rlin 1886, p. 1. 



A. Gold- lind Silberprodiiktion iiacli Gewicht: 


Perioden 

Gold:* Silber: 

Kg Kg. 

Procentverhältnis : 
Gold Silber 

1851 — 1855 

199 388 866 1-55 

18.4 

81.6 

1856—1860 

201 7.50 904 990 

18.2 

81.8 

1861 — 1865 

185 057 1101 150 

14.4 

85.6 

1866-1870 

195 026 1339 085 

12.7 

87.3 

1871—1875 

173 904 1969 425 

8.1 

91.9 

1876—1880 

172 414 24.50 252 

6.6 

93.4 

1881—1885 

149 137 2861 709 

5.0 

95.0 


II. Gold- und Silherprodnktion nach Werth. 


Pei'iOflpn 

Gold 

Silber 

Procentverhältnis: 

Gold und 

Ikg.Silber 


1000 Mark 

1000 Mark 

Gold 0 

Silber ^ 

Silber 

gerechnet 

__ . 

__ 




1000 Mark 

zu Mark 

1851—1855 

556 308 

160 387 

^ ^ r4 

i t .6 

22.4 

; 716 695 

181 

1856 — 1860 

562 899 

: 164 709 

77.4 

22,6 

i 727 608 

182 

1861-1865 

516 326 

199 308 

72.1 

27.9 

I 715 634 

181 

1866—1870 

544 139 

239 696 

69.4 

30.6 

783 835 : 

179 

1871—1875 

485 207 

344 649 

58.5 

41.5 

829 856 

175 

1876—1880 

481 045 

382 062 

55.7 

44.3 

863 107 , 

1.56 

1881—18851 

416 098 

428 760 

49.3 

.50.7 

844 858 

150 


Man sieht auf den ersten Blick, dass die Silberproduktion 
im Gegensatz zur Goldproduktion in steigender Proportion 
gewachsen, die Goldproduktion aber progressiv abgenommen 
hat. Wenn man den Vermuthungen des Geologen Süss 
Raum geben darf, so wäre bereits mehr als die Hälfte alles 
auf und in der Erde vorhandenen Goldes producirt. 

Es ist nun selbstverständlich, dass infolge dieser Pro- 
duktionsverhältnisse das Werthverhältnis zwischen Gold und 
Silber erheblich zu Ungunsten des Silbers verschoben ist, 
und letzteres fortwährend im Preise sinkt.-) Ini Ver- 

') Eduard Süss: „Die Zukunft des Goldes‘-. Wien 1877. 

Dagegen: Wolf: „Zeitschrift der deutschen geologischen Gesell- 
schaft“. Band 29, pag. 82 tf. 

b Ad. Soetbeer: o. a. W. p. 18—25. 

0. Haupt: „L’histoire monetaire de notre temps“. Paris et 
Berlin 1886, p. 19 tf. 



«’S 


2 



— 18 — 

laute des vorigen Jahrhunderts war die Werthrelation zwischen 
Gold und Silber bis 1785 1:15. ln diesem Jahre (1785) 
wurde sie auf Vorschlag des französischen Ministers Calonne 
aut 1:15.5 fixiert, eine Werthrelation, welche dann das 
französische Münzgesetz vom Jahre 1803 als Grundlage nahm, 
und welche später auch in den lateinischen Münzbund hinüber- 
genommen wurde. 

Diese Werthrelation war dieselbe wie das Werthver- 
hältnis der Münze zu London, das heisst: 60 ‘ j,, pence pro 
Unze Standard Silber.-) Seit dem Jahre 1816, d. h. also 
seit der Zeit, wo England zur Goldwährung übergegangen 
war, ging das Silber noch mehr im Preise herunter, sodass 
im Jahre 1850 Silber öO'* notierte, d. b. noch etwas nie- 
driger als die französische Werthrelation. Von 1850 bis 1860 
hob sich der Silberpreis in Folge der Entdeckung der kaliforni- 
schen Goldminen in den Jahren 1847 bis 1848 wieder etwas 
über die französische Werthrelation, und es wurden durch- 
schnittlich 60 und einige Bruchtheile notiert. Von 1866 bis 
1885 geht dann das Silber stetig und rapid im Preise zurück 
und sinkt von 60''’^ bis auf 50’’ ,^!'') Am 29. Juni 1888 
war der Preis 42^ 

Fügen wir hinzu noch die Thatsachen, welche ander- 
weitig ein Freiwerden von Silber bewirkt haben, nämlich die 
Demonetisierung im deutschen Reiche, die Einstellung der 
Prägung von Silber in den Münzstätten des lateinischen 
Münzbundes, Schwedens, Norwegens, Dänemarks und der 
Niederlande, die Einschränkung der Silberprägung in der 
Nordamerikanischen Union, ferner die Abnahme des früher 
so starken AbÜusses des Silbers nach Ost-Asien in Folge der 
Missernten und Hungersiiöthe und der dadurch verminderten 
Produktions- und Kaufkraft jener Länder, und schliesslich 
der Rückgang des Silberverbrauchs in der industriellen Technik 

h Emile de Laveleye: ..Der Grund der Werthschwankungen zwischen 
Gold und 8ilber-‘. Schriften des deutschen V'ereins für internationale 
Doppelwährung. Berlin 1882, j). 14. 

-) Ad. Soetbeer; o a. W. p. 24. 

“1 Ad. Soetbeer: an oben angeführter Stelle. 




und im Kunstgewerbe’), so darf man in alledem mehr als 

genügende Ursachen für den enormen Preissturz des Silbers 
erblicken. 


ni. 

Zur (Tescliichte der Wälirungssysteme. 

\\ enden wir uns nun der Geschichte der verschiedenen 
W ährnngssysteme in einigen Ländern zu, um zu sehen, wie 
das internationale Preisgesetz, trotz der Machthoheit der 
einzelnen Staaten im Bereiche der Gesetzgebung, Verän- 
derungen in Bezug auf das Geld und .Münzwesen herbei- 
gelührt hat. 

M as zunächst die Nordamerikanische Union betrilft, 
so wurde 1873 durch Gesetz beschlossen, dass nur Gold- 
münzen als W ährungsmünze gelten, Silbergeld dagegen nur 
bis zu 5 Dollars Solutionskraft haben solle. Gleichzeitm mit 
dieser Neuerung wurde der sogenannte Trade Dollar ein- 
geführt, eine Münze, deren Bestimmung hauptsächlich darin 
bestand, dem internationalen A erkehr mit China und Japan 
zu dienen. Dieser \ ersuch ini.sslang jedoch, da die mexika- 
nischen Piaster, w^elche seit langer Zeit in den asiatischen 
Ländern im L miaut w-aren, in Folge leichtfertiger Prägung 
einige Procent Gold enthielten, was den Chinesen und 
Japanern hinlänglich bekannt Avar, um die Piaster dem Trade 
Dollar vorzuziehen. Dieser A-erfehlte mithin seine Wirkunji 
und 1878 hörte man mit seiner Weiterprägung auf, nach- 
dem bereits im Jahre 1874 der Congress sich veranlasst ge- 
sehen hatte, die Trade Dollars aus dem Verkehr zu ziehen. 
Durch die Agitation der Silberminenbesitzer wurde am 
28. Februar 1878 die bekannte Bland Bill herbeiireführt, 
in Folge deren das Silber zwar nicht rehabilitirt, aber doch 
wieder als L^mlaufsinittel in den Verkehr gesetzt wurde. 
Der Regierung wurde die ^ erpflichtung auferlegt, mindestens 


’) Ad. Soetbeer: o. a. W. p. 26 — 47. 


2 * 



— 20 — 

zwei Millionen und höchstens vier Millionen Silherdollar- 
münze auszugeben zur Werthrelation von 1:16. Der Zweck 
der Bland Bill war hauptsächlich der, Europa zu hestimineii, 
zur Doppelwährung überzugehen. Dieser Zweck wurde aber 
nicht erreicht, denn sowohl der Münzc()ngress vo)i 1878, wie 
der von 1881 beharrte de facto bei dem früheren Beschlüsse 
mit der Silberausprägung aufzuhören, tiotzdem sich Cernuschi 
die erdenklichste Mühe gab, dagegen anzukämpfen. Die 
Folge war, dass die Greldcirkulation Nord- Amerikas erheb- 
liche Störungen erlitt und der Markt mit Silber überschwemmt 
wurde, so dass sich bald im Publikum lebhafte Stimmen für 
die entschiedene Beseitigung des Silbers aus dem Verkehr 
kuiidgaben.^) Es blieb daher nichts weiter übrig, als dass 
der Staatsschatz nothgedrungen für die Folgezeit die Silber- 
dollars zur Deckung seines emittirten Papiergeldes verwenden 
musste.-) In Folge dieser Vorgänge wanderten grosse Gold- 
mengen von Europa nach den Vereinigten Staaten, wodurch 
hauptsächlich in der Geldcirkulation des lateinischen Münz- 
bundes eine Verschiebung herbeigeführt wurde.’’) (S. S. 21.) 

AVas mm die Geschichte des lateinischen Münzbunde.s 
betrifft, so wurde derselbe unter der Betbeiligung Frankreichs, 
Belgiens, Italiens, der Schweiz und seit 1868 Griechenlands, am 
23. December 1865 auf der Grundlage des französischer. 
Münzgesetzes vom 7. Germinal (27. März) XI (1803) be- 
gründet, d. h. auf Grundlage der Werthrelation von 1 : 15.5 
zwischen Gold und Silber. Es wurde unter den Bundes- 
staaten die AVreinbarung getroffen, dass alle Goldmünzen, 
sowie die Silbermünzen von 5 Francs, in den Bundesstaaten 
reciproke Solutionskraft haben sollten. Es wurde noch hin- 

b Eine Thatsache, welche auch von den Biinetallisten nicht be- 
stritten wird. Cf. darüber 0. Haupt: „AA'^ilhrungspolitik und Münz- 
statistik“. Berlin 1884, p. 153 ff. 

Ferner Derselbe : ,,L'histoire inonetaire de notre temps“. Pariset 
Berlin 1886, p. 172 ff'. 

-) Ad. Soetbeer: o. a. W. p. 119. 

*) E. de Laveleye: ..Das Wesen des Geldes“. — Schriften des 
deutschen Vereins für internationale Doppelwährung. Heft 9. Berlin 
1883, p. 18 ff. 







Es wurden in den A'ereinigten Staaten an Gold 


in den Fiskaljahren 

mehr 

eingeführt Doll. 

■mehr aiisgeführt Doll. M 

1871 


— 


59 

802 

647 

1872 


— 


40 

831 

3u2 

1873 


— 


36 

174 

268 

1874 


— 


14 

539 

283 

1875 


— 


53 

284 

184 

1876 


— 


23 

184 

341 

1877 


— 



344 

140 

1878 

4 

125 

760 


— 


1879 

1 

037 

334 


— 


1880 

77 

119 

371 


— 


1881 

97 

466 

127 


— 


1882 

1 

789 

174 


— 


1883 

6 

133 

261 


— 


1884 


— 


18 

250 

640 

1«S5 

18 

213 

804 i 

» 


— 



zugefügt, dass Scheidemünze bis zum Betrage von 100 Francs 
von den A ertragsstaaten in Zahlung zu nehmen, beziehungs- 
weise dass der Staat, dessen Gepräge die Alünze trägt, ver- 
jiflichtet sei, dieselbe gegen Goldmünzen oder Fünffrankstücke 
einzutauschen. Die A orschläge der Schweiz, dahingehend, 
dass die gesetzliche Alünze eines jeden der A'ertragsstaaten 
als AAhihrungsmünze in den anderen A^ertragsstaaten ange- 
nommen werden solle, wurden von Frankreich auf die Be- 
gründung hin, dass es genügend sei, wenn die Staatskasse 
und die grossen Banken diese Münzen wie die National- 
münze in Zahlung nähmen, zurückgewiesen. — Fnmittelbar 
jedoch nach Gründung des Bundes ffngen einzelne A^ertrags- 
staaten an, den A^ereinbarungen zuwider zu handeln. Im 
Jahre 1866 setzte Italien den ZAvangscurs für Papiergeld 
durch, was nach dem Kriege 1870/71 von Frankreich nach- 
geahmt Avurde. Die Schweiz, welche sich bereits stets des 
Geldes der Bundesstaaten bedient hatte, erklärte im Jalire 
1870 auch den englischen Sovereign zur Währungsmünze. 



'“) Ad. Soetbeer: o. a. W. p. 55. 


22 


Belgien gab schliesslich Veranlassung zu dem sich nun er- 
hebenden Liquidationsstreit : 

Das Jahr 1873 brachte den unerhörten Preissturz des 
Silbers mit sich. Der Bund dauerte jedoch, unterstützt von 
den reichen Mitteln Frankreichs, einstweilen bis zum Jahre 
1878 fort. Die italienische Silbermünze, von dem dort mit 
Zwangscurs umlaufenden Papiergeld verdrängt, strömte un- 
unterbrochen nach Frankreich ein, bis schliesslich die Bank 
\on hiankreich, von dem enormen Preisrückgänge des Sil- 
bers überrascht, die Annahme der italienischen silbermünzen 
verweigerte. Auch hörten die Münzstätten von Frankreich 
und Belgien endlicii auf, in demselben Masse wie bisher Sil- 
ber auszu))rägen. Die Schweiz, Avelche von Anfang an An- 
hangerm der Goldwährung war, schlug nun, Angesichts des 
immer wachsenden Preissturzes des Silbers vor, die Mit^J-lie- 
der des Münzbundes zu versammeln, um bei Zeiten Mass- 
legeln gegen etwaige Krisen in der Geldcirkulation zu treffen. 
Diesem Vorschläge wurde Folge gegeben; am Anfang des 
Jahres 1874 begannen die Verhandlungen in Paris und 
schlossen Ende März mit dem Resultat, dass die Silbermünze 
^on o Francs für die nächste Zukunft nicht mehr geprägt 
weiden solle. Dieser Beschluss trug natürlich zum weiteren 
Preisrückgänge des Silliers erheblich bei. Ira Jahre 1878 
traten die Delegirten des Münzbundes wieder zusammen und 
tassten tür die Gestaltung des Silberpreises noch ungünstigere 
Besclilüsse. Durch den Artikel 9 der Convention vom 5.Nov. 1878 


wuide von neuem beschlossen, dass die Prägung der silbernen 
F üntfrankstücke bis auf Weiteres zu sistii-en sei. AMn 1878 bis 
heute haben die Staaten des lateinischen Münzbundes keine 
Silbei münze mehr geprägt und sogar durch Erneuerung de-s 
Beschlusses im Jahre 1885 die Verpflichtung übernommen 
keine Silbermünze mehr bis zum Jahre 1890 zu prägen.^) 
Am 26. Juni 1884 versagte die Schweiz der Verlängerung 
des lateinischen Vlünzbundes, w’elcher 1884 ablief, ihrerseits 
die Zustimmung. Infolge dessen musste der Bund zu An- 

L. Bambevger: ,,Die Schicksale des lateinischen Münzhundes‘\ 
Berlin 18S5. 



I 


28 




fang des Jahres 1885 als aufgelöst betrachtet werden. Am 
21. October 1884 sollten die Verhandlungen wieder auf- 
genomnien werden; ein Zusammenkommen der Delegirten 
wurde jedoch erst am 28. Juli 1885 zu Stande gebracht, bei 
w'elcher Gelegenheit sofort die Liquidationsklause] zur Sprache 
kam. Hierbei zogen sich die Delegirten Belgiens zurück, 
wodurch jede Hoffiiung auf V^erlängeriing der Conveiition 
bis zum 1. Januar 1891 scheinbar illusorisch gemacht wurde. 
Trotzdem kam eine Verlängerung bis zum 1. Januar 1891 
zu Stande. Was noch den lateinischen Münzbund zusanimen- 
hält, ist allein die Liquidationsklausel, indem es sich nur 
noch darum handelt, was mit den vorhandenen silbernen 
F^ünffrankstücken werden soll, wmlche seit 1865 bis zum 
30, September 1878 geprägt worden sind. Wer soll den 
Verlust tragen, Avelcher sich aus der Differenz des nominel- 
len VWrthbetrages der vorhandenen silbernen F'ünffrankstücke 
und deren thatsächlichem internationalen Silberwert ergiebt 
und Avelcher ein ganz enormer istV^) 

Die lateinische Münzconvention liefert ein di-astisches 
Beispiel dafür, wie sich Verhältnisse, deren Gestaltung von 
internationalen Ursachen beherrscht Avird, au den Staats- 
gewalten rächen, Avenn dieselben versuchen, sie eigenmächtig 
zu regeln. 

AV'enden Avir uns schliesslich zur Geschichte des deut- 
schen Währungssystems seit 1871 bez. 1873. um ein re- 
lativ-) Avohlthuendes Beispiel entgegengesetzter Art zu er- 
halten. 

In den Staaten des heutigen deutschen Reichs war 
Silber seit Jahrhunderten Währungsmetall, Gold dagegen, 
abgesehen von Bremen, immer nur tariffrt. 

Nach Gründung des Reiches Avurde in Anbetracht sämmt- 
licher auf das Geldw esen irgendAvie bezüglicher A erhältnisse. 




Ueber den Silbermünz vorratli ii 5 Fres. cf. Soetlieer; o. a. W. 

p. 72. 

b Der Au.sdruck ,, relativ“ bezieht sich auf das s. g. Hinken der 
deutschen Währuns;. 



24 



wozu noch Umstände anderer Art, z. U. die Empfangnahme 
der grossen französischen Kriegscontribution, und wirthschaft- 
liche Gründe kamen, die Gelegenheit wahrgenommen, die 
IVIünzfrage zu regeln. So wurde denn durch Reichsgesetz 
vom 4 . December 1871 und 9 . Juli 1873 die Goldwährung 
emgeführt. In Gemässheit dieses Gesetzes ting die Reichs- 
bank an, giosse Mengen von Gold und Goldmünzen einzu- 
kaufen, um den Uebergang zur Goldwährung zu beschleu- 
nigen. Zugleich mit dieser Massregel ting die Reichsregie- 
rung an, allmählich das Silber aus dem Verkehr zu ziehen 
und auf dem Weltmärkte als Metall zu verkaufen. — 


Aut Gl und der oben geschilderten Erfahrungen sehen 
wir es wohl als erwiesen an, dass die Gestaltung der Gold- 
und bilberproduktion und der davon abhängigen Werthrela- 
tion zwischen Gold und Silber mehr als gewöhnliche Um- 
stände sind, welche von den Staaten bei der Regulirung ihres 
Münz^^esens in Betracht gezogen werden müssen, widrigen- 
falls sich die erheblichsten Missständt' für die gesanmite 
\ olkswirthschaft geltend machen. Es ist ganz unverkennbar, 
dass die gesteigerte Silberproduktion und der dadurch er- 
zeugte Preissturz des bilbers seit den siebenziger Jahren in 
erster Linie massgebend tür die Aenderung der Münzgesetz- 
gebung in den Vereinigten Staaten Nord- Amerikas, im la- 
teinischen Münzbunde und im deutschen Reiche gewesen sind. 

Auf Gl und dieser Ertahrungen wollen wir uns nun zum 
letzten Theile unserer Betrachtung wenden, welche sich da- 
mit beschäftigt, die Aussichtslosigkeit des Bimetallismus für 
die Gegenwart und nächste Zukunft angesichts der gegen- 
wärtigen Stellungnahme der einzelnen Staaten zur Währungs- 
trage und unter der gegenwärtigen Constellation der auf das 

Währungs- und Münzwesen bezüglichen volkswirthschaftlichen 
Verhältnisse darzuthun. 



Um die erhältnisse, unter denen gegenwärtig der Bi- 
metallisnius keine Aussicht auf positiven Erfolg haben kann, 
klar zu legen, wird es sich empfehlen, zunächst den Vorrath an 
Edelmetallen in den einzelnen Verkehrsländern der Welt zur 
Anschauung zu bringen. Wir werden dadurch den Boden 
gewinnen, auf welchem die einzelnen Staaten, natürlich unter 
steter Berücksichtigung ihrer sonstigen volkswirthschaftlichen 
\ erhältnisse, zu den verschiedenen Währungssystemen in der 
Gegenwart Stellung genommen haben und auch für die 
nächste Zukuntt nehmen müssen. 

. Vir werden am besten verfahren, wenn wir den Vor- 

rath an Edelmetallen in diesen Ländern sowohl im Ganzen 
als nach seinen Bestandtheilen getrennt, sowie diese letzteren 
nach ihrer auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Quote 
darstellen. 

V ir bedienen uns dabei der Ermittelungen ( fttomar 
Haupts'), welche wohl die umfassendsten sein dürften. 

Vir gruppiren danach die in Betracht kommenden 
Länder A) in solche mit faktischer Doppelwährung, d. h. 
ohne Rücksicht darauf, ob die Doppelwährung in ihnen 
durch Gesetz eingeführt ist oder nicht, also lediglich nach 
Massgabe der thatsächlichen Cirkulation von Gold und Sil- 
ber'); B) in solche mit ausschliesslicher Goldwährung und 
(’) in solche mit Silberwährung, d. h. mit theilweiser Silber- 
cirkulation, sodass hierher auch Länder mit eigentlicher Pa- 
}uervaluta, wie Oesterreich - Ungarn und Russland gezählt 
sind.'^) Bei allen drei Gruppen sind die Mengen der in den 

L Ottomar Haupt : „L'histoire monetaire de notre temps--. P.erliii 
et Paris 1886, p. 417—418 und 423. 

■) „... les pays ä double etalon, avec ou sans trappe d’argent“. 

3) „En ce qui concerne les derniers, nous laissons de c6te la 
question de la trappe, c’est-ä-dire que nous ne recherdierons pas, si eile 
est interdite au public, ou si L’Etat lui nieme est sous le regime du 
papier-monnaie.” 2) und 3) Haupt o. a. W. p. 416. 


I 

I 


2 (> 


27 


I 


betretienden Ländern nnilautenden Scheidemilnze (niüimaie 
d appoint) mit angegeben, da in ihnen noch meistens, bei 
den Ländern mit einer Goldwährung sogar ausschliesslich, 
Silbervorräthe enthalten sind. 


A. Länder mit doppelter Währung. 


liänder : 

( 

. Gold 1 Silber 

Scheidern. 

pro Kupf der Bevölkeruiis? 
Gold Silber Scheidern. 

Ini Ganzen: 
1000000 Fr. 


lu Millionen Francs 

In Francs 


Fiankreicli 

4 450 3 500 

250 

117.20 91.80 6.50 

: 8200 

Algier 

55 40 

20 

17.— 12.30 6.— 

115 

Belgien 

270 240 

33 

47.— 42.40 6 — 

543 

Griechenland 

8 2 

11 


21 

Italien i 

560 100 

171 

18.50 O.30 5.70 

831 

Schweiz ! 

80 70 

18 

26.60 23.30 6.— 

168 

Deutschland 

2 300 560 

555 

50.90 12.50 12.50 

3415 

Spanien 

470 420 

180 

28.40 25.50 11.— 

1070 

Verein. Staaten 

3 240 1 135 

390 

56.70 19.80 6.70 

4765 

Holland 

132 315 

16 

33.10 79.25 4.— 

463 

Holland. Colon. 

6 400 

38 

13.90 1.25 

444 

Rumänien i 

15 47 

30 

2.90 8.50 5.50 

92 

Türkei : 

370 180 

50 

14.70 7.40 2.— 

600 

Japan I 

470 220 

• » • 

f 

690 

Haiti 

2 10 

4 

l 

16 

Ini Ganzen: 

12428 7239 

1766 


21433 


(Tabelle B und C Seite 27) 


Aut Grund dieser Zahlen beläuft sich der Edelnietall- 
vorrath der eit imgetahr auf 18472 Millionen Francs Gold- 
münzen und 17113 Millionen Francs Silbermünzen. 

M ollten nun alle Länder gleichzeitig zur reinen Gold- 
währung übergehen, so würden nach den Schätzungen 
Soetbeer’s^) die vorhandenen Goldvorräthe nicht ausreichen. 
Die allgemeine Goldwährung aller Länder ist mithin für die 
Gegenwart unmöglich. Dies schliesst aber nicht aus, dass 
der allgemeine Bimetallismus wenigstens in der Gegenwart 
gleichfalls unmöglich ist. Scheitert die Möglichkeit einer 
allgemeinen reinen Goldwährung an der für den nöthio'en 


b Soetbeer: o. a. W. p. 70.76. 





B. Länder mit Uoldwälirung. 


1 

Länder : i 

Gold 

Scheidern. 

pro Kopf der Bevölkerung 
Gold Scheideui. 

Im Ganzen: 

1 OOuOOO F^c^^. 


In Millionen Frcs : 

In 

F raues 


England 

2 750 

540 

75.60 

15. — 

3290 

Australien | 

550 j 

! O < 

158.80 

10.70 

587 

Canada 

80 

30 

— 

— 

110 

Cap d . g. Hotthung j 

170 

12 

— 

— 

182 

Maltau. Gibraltar 

40 

10 

— 

— 

50 

Dänemark 

69 

26 

34.— i 

1 13.— 

95 

Norwegen 

32 

7 

13.30 , 

1 3.60 

39 

Schweden 

63 

22 

14.— 

5.~ 

85 

Finnland 

22 

12 

11.— 

6.10 

34 

Portugal 

230 

50 

54.30 

11.80 

230 

Aegypten 

675 

70 

96.- 

10,— 

745 

Argentien 

75 

15 

25.— 

5 (Silberj 

90 

Brasilien 


30 

— 

— 

30 

Cuba 

' 100 

5 

— 

— 

105 

Im Ganzen: 

1 

4856 

866 

f 

1 

5 722 


C. Länder mit Silberwäliruntr. 


Länder : 

Gold 

Silber 

Scheidern. 

pro Kopf d. 
(vold Silber 

Bevölkerung 

Scheidern. 

Im Ganzen : 
lOOOGOO Frcs. 


In Millionen Francs: 

In Francs : 


Österreich 

200 

300 

70 

5. — 7.60 

2, 

570 

Russland 

968 

36 

190 

9.20 0.30 

1.80 

1164 

China 

... 

3750 

... 

— — 

— 

3750 

Indien 


4u00 


. . . 16.— 

» . . 

4000 

Straits 

. 

600 

. • . 

— — 

— 

600 

Bolivia 

. . . 

16 

. . . 

— — 

— 

16 

Culiunbia 


24 


— — 

— 

24 

Chile 

. . . 

22 

... 

— — 

— 

22 

Marokko 


20 


— — 

— 

20 

]\lexiko 

20 

240 

• • . 

2.— 24.— 

1.— 

260 

Im Ganzen: 

1188 

9008 

260 

1 

1 

1 

10456 


Bedarf nicht ausreichenden Goldproduction, so scheitert die 
Möglichkeit der allgemeinen Doppelwährung, oder gar der 
allgemeinen Silberwährung, ebenfalls an den Produktions- 
verhältnissen, indem durch die immer steigende Hervor- 




28 


bringun«^ von Silber, zumnl gegenüber der allmählich znsainmen- 
schrnmpteiiden Goldprodnktion, das Silber in seinem Werth- 
verhältnis znni Golde immer mehr ms Schwanken geräth 
'ind zn sehr entwerthet wird, um als Werthmesser sreeisjuet 
zn erscheinen. Das allgemeine Streben aller Staaten nach 
Goldwährnng ist daher, obwohl nicht immer erfolgreich, 
dennoch ein tiet begründetes; und alle Gegenbestrebiingen 
können wohl das natürliche Streben nach Goldgeld ein- 
dänimen, aber dasselbe nie gänzlich zurückdrängen. Die 
Bimetallisten übertreiben den von ihnen behaupteten , Gold- 
mangel stark, wie schon daraus hervorgeht, dass Italien 
1883 seinen sog. Uebergang zur Goldwährung mit Leichtig- 
keit durchtührte und dass man, ähnlich wie in den Vereinio-feii 
-1 . ’ ® 
Staaten, eine mässige Menge Silberde])ositenscheine aus- 
geben kann. 

t ür einen grossen Staat wäre es fast der proclamirte 
liuiii seiner \ olkswirthschaft, würde er inmitten der f>'eö-en- 
wärtigen Strömung im Wirthschaftsverkehr die Goldwähruiiir 
abschatfen, respective sein Streben danach aufgeben; er würde 
damit allerdings den anderen Staaten einen grossen Dien.st 
erweisen, aber eben nur auf seine Kosten. Für einen kleinen 
Staat ist jenes Streben nur noch iiothAvendiger, denn er ist 
noch ^ iel mehr von den herrschenden Verhältnissen und 
Ideen aut diesem Gebiete, deren Träger und theilweise 
Schöpter eben die grossen Staaten sind, abhängig und muss 
hicli danach fügen, widrigentalls er nie ein Emporkommen 
im internationalen M ettstreit hotten, sondern vielmehr seinen 
eigenen gänzlichen Niedergang fürchten kann. Sehr richtig for- 
mulirt Kleser diese \ erhältnisse, wenn er sagt: ,Ein kleiner 
Staat, der theoretisch all die gepriesene Souveränität über das 
Gekhvesen besitzt, ist in Wirklichkeit demselben ffeorenüber 
ohnmächtig. Er kann die eigene Landesmünze prägen und 
nach Möglichkeit verfälschen: aber in Bezug auf das Geld 
als Tauschmittel und \\ erthmass des grossen Verkehrs ist 
er einflussloser als jeder grössere Banquier, ja als jeder 
grössere \ iehhäiidler. — ^Mecklenburg oder Luxemburg sollten 
einmal versuchen, einen anderen Münzfiiss anzunehnien, als 


LI. 



die übrigen Länder: sie würden alsbald die Erfahrung machen, 
dass sie ihr Lande.sgeld aus den eigenen Staatskassen') gar 
nicht herausbrächten, und an der Prägung würden sie nicht 
nur nichts verdienen (!), sondern verlieren. Ihr Silber oder 
Gold würde einfach gewogen und auf den Gehalt geju'üft: 
es gälte nicht als Geld, sondern als Metallwaare. Ein grosser 
Staat aber hat allerdings einen ungeheueren Einfluss aut 
das Geldwesen; aber aus dem einfachen Grunde, weil er 
einer der allergrössten, wenn nicht überhaupt der grösste 
Handel- und Geschäftsbetreiber, der grösste Geldleiher und 
Verleiher ist. Das ist der einzige Grund, warum der Staat 
auf das Geld und die Währung mehr Einfluss hat, als jeder 
andere Kaufmann. Der Staat theilt sich nach dem Verhält- 
nisse des Umsatzes mit allen Handeltreibenden in den Ein- 
fluss auf das Geldwesen. Der Unterschied zwischen beiden 
ist ein gradueller, kein wesentlicher. Die formelle Gesetz- 
gebung hinkt diesem Einfluss nach; .sie ist de.ssen Folge, 
nicht dessen Ursache. W^enn ein Staat Geld braucht, so muss 
er es entweder seinen Unterthanen in Gestalt von Steuern 
abnehmen oder von Geldverleihern borgen. Nun haben wir 
es oft erlebt, dass Staaten, um Geld geliehen zu erhalten, 
sich nach dem Geldmaterial (der W^ährung) richten mussten, 
welche bei den Banquiers oder in anderen Staaten galt, 
während sie selbst bei sich zu Hause eine andere hatten. 
Oesterreich und Ungarn haben neben Papieranleihen be- 
kanntlich auch solche in Silber und zuletzt in Gold auf- 
genonimen. Und während Oesterreich in absehbarer Zeit 
bei sich nicht zur Goldwährung gelangen wird, muss es die 
Anleihen, die es auf dem otfeiien Markte sucht, in Gold ver- 
zinsen und zurückzuzahlen versprechen. Das Gold ist that- 
sächlich die europäische W'ährung geworden. Daran kann 
die „Souveräuetät“ selbst so mächtiger Staaten wie Oester- 
reich und Russland nichts ändern. Gold wäre auch dann 
schon heutzutage europäische W’ährung, wenn noch kein 
einziger Staat gesetzlich dieselbe eingeführt hätte; wie ja 

q Aus den Staatskassen würde ein solches Gold wohl heraus- 
koninien, wenn auch wenig ins Ausland gehen. 


30 



Gold thatsächlicdi bei vielen Gescdiäfien als Zalilungsmittel 
zu der Zeit vertragsmässig bedungen ^vu^de, als wir noch in 
Deutschland ein Dutzend’) Währungen hatten. Selbst der 
Staat verlangte gewisse Zahlungen ausdrücklich in Gold, z. B. 
die Studiengelder, Examengebühren u. s. w.“ -) 

Doch wenden wir uns nun schliesslich zu einigen der 
bedeutenderen Staaten, um aus ihrer Stellungnahme zur 
Währungsfrage die Aussichtslosigkeit des Bimetallismus für 
die Gegenwart endgültig darzuthun. Betrachten wir zunächst 
England, wo, wie erwähnt, seit 1816 Goldwährung herrscht, 
während in seinen, indischen Besitzungen die Silberwährung 
besteht. — So lange der lateinische iMünzbund noch Silber- 
münzen prägte, bediente sich England dieses Umstandes für 
seinen Handel mit Indien, indem es das aus diesem ihm zu- 
strömende Silber bei den Münzstätten des lateinischen Münz- 
bundes gegen Gold eintauschte.'’) Dies änderte sich natürlich 
sofort, als der lateinische Bund aus den im dritten Abschnitt 
erwähnten Ursachen mit der Silberausprägung jinfhörte. 
Indien, welches sich bis dahin der Silbermünzen des lateinischen 
Münzbundes zur Ausgleichung seines Handels mit England 
bedient hatte, war nun gezwungen, Beträge von vielen 
Millionen für das Agio auf die nunmehr bedeutend ent- 
wertheten Silbermünzen zu zahlen. l)er rapide Preissturz 
des Silbers rief natürlich auch in Plngland lebhafte Agi- 
tationen gegen das Gold hervor, und Schriftsteller wie Giffen, 
Goschen, Patterson, Rogers u. A. fingen an, für den Bimetal- 
lismus eine Lanze zu brechen.^) Es bildete sich eine ganze 
Agitationsgesellschaft zu diesem Zwecke, jedoch in Wirklich- 
keit nur die Absicht im Schilde führend, durch ihr demon- 
stratives Auftreten die Continentalstaaten zum Uebergange 
zur Doppelwährung zu bewegen, und weit entfernt davon, 

b Richtiger: mehrere Währmigen. 

-) Hans Kleser: ..Gold und Währung’*. Berlin 1881, p. 31!32. 

Ü Henry Huck Gibbs: ,,Die Doppelwährung“. 

Schriften des deutschen Vereins für internationale Doppelwährung. 


Heft 10. Berlin 1883, p. 57 tf. 

■‘l Rede des Herrn v. Kardortf im deutschen Reichstage v. 6. März 1885. 




für England diese Agitation zu verwirklichen. Die Regierung 
Englands kümmerte sich überhaupt nicht um diese Agitation 
und beharrte bei der Goldwährung. Ihre ofhciellen Vertreter 
blieben auf dem internationalen Münzcongress von 1878 zu 
Paris auf dem Standpunkte des Monometallismus und gaben 
ihre Ansicht, dass die Doppelwährung aussichtslos sei, offen 
kund. Diese Stellungnahme Englands bewirkte denn auch 
thatsächlich, dass die Bemühungen der Bimetallisten erfolglos 
blieben’), wie selbst Heilgers zugiebt; .Im vorigen Jahre 
hat der Münzcongress keinen Erfolg gehabt. Warum? — 
Weil es England nicht wollte !■*-) — Es ist nun selbstver- 



i 


I 

r 


\ 


ständlich, dass, so lange England bei der Goldwährung ver- 
bleibt, was auch für die nächste Zukunft sicher der Fall 
sein wird, alle Bestrebungen, den internationalen Bimetallis- 
mus einzuführen, aussichtslos sind und bleiben. Denn Eng- 
land ist vorläufig nosh dmnier der gr()sste Banquier, der 
grösste Geldvermittler der Welt, durch dessen Hände alle 
die Edelmetallverliältni.sse berührenden Geschäfte gehen, von 
dessen Stellungnahme alle anderen Staaten noch erheblich 


abhängen. Hand in Hand mit dieser Stellungnahme Eng- 
lands, welche die Doppelwährung illusorisch macht, geht 
innerhalb des lateinischen Münzbundes der Streit über die 
Liquidationsklausel in Bezug auf die Silbermünzen. Der 
Streit dreht sich um die Frage, wer schliesslich den Verlust 
bei ilem definitiven Eintausche der Silbermünzen f;ey;en 
.gegenwärtiges Geld“, d. i. Gold, angesichts des gesunkenen 
Silberpreises tragen soll; welcher Verlust gerade hier für die 
Münze, welche von 1865 bis zum 31. December 1878 tfe- 
prägt wurde, ein enormer ist. Aus allen hierauf bezüglichen 
Verhandlungen geht klar hervor, dass die Staaten des Münz- 
bundes jede Hoffnung auf eine etwaige Rehabilitirung des 
Silbers und somit auch auf jede Wiederherstellung der 
Doppelwährung aufgegeben haben. Alle Erneuerungen des 
Bundes, seine Verlängerung bis 1891, haben blos den Zweckq 


q Cf. Die Einleitung von Greenfell in Gibbs’ o. a. W. p. 11. 
'“) Rede Heilgers im Mansion House 1881. 


den Kegiermigen des Münzbimdes Gelegenheit und Zeit zu 
gel)en, sich mit unerheblichen \"erlnsten inzwischen des 
Silbers zu entledigen, eine Tendenz, die sich sowohl in der 
Presse, als auch durch Handlungen der Regierungen kund- 
giebt. — So vertritt Frankreich diese Meinung, indem es 
Belgien vorwirft, dass es sich aus dem Bunde zurückziehe 
und sich der Liquidationsklausel entzöge, d. h. dass es sich 
weigere, die silbernen Fünf frankstücke gegen Gold einzu- 
tauschen. Indem Belgien sich auf diesen Standpunkt stellt, 
glaubt es, nicht für den Gehalt der Silbermünzen von fünt 
Francs verantwortlich zu sein. Diese Verantwortuim würde 

o 

allerdings bestehen, wenn die Silberaus]U’ägung frei und un- 
begrenzt geblieben wäre. Da aber im Jahre 1875 der Münz- 
bimd, an welchem Belgien auch Theil nimmt, die Prägung 
der Silbermünzen von fünf Francs beschränkt hat uud sj)äter 
ganz einstellte, so sind die Grundlagen, auf welchen der 
Bund gegründet worden ist, verändert und erwächst daher 
auch der belgischen Regierung keine Verantwortung mehr. 
Mit der Einstellung der Ausprägung von Silbermünzen zu 
fünf Francs haben sich zwei Thal Sachen erkennen lassen: 
Erstens, die Doppelwährung hat de facto aufgehört und der 
Goldwährung allein Platz gemacht; zweitens die Fünf frank- 
münze hat aufgehört, wahres Geld zu sein und ist nur noch 
Scheidemünze. Die Regierungen, die die Silberausprägungen 
einstellten, erklärten zwar, dass diese Massregel die Doppel- 
währung nach keiner Richtung hin erschüttere und dass die 
Silbermünze von 5 Francs dasselbe bleibt, was sie war. 
Allein gerade diese Erklärung zeigt am deutlichsten, dass 
die Regierungen nichts in diesen Dingen vermögen. Die 
Silbermünze von 5 Francs hatte früber bei einem Verhältnis 
von 1:15,5 einen Feingehalt von 0,32255 Grni. Was ist 
nun heute daraus geworden ? Schmilzt man vier Münzen 
aus Silber ä 5 Francs und verkauft sie daun nach ihrem 
Feingehalt, so erhält man nicht wie früher 20 Francs Gold, 
sondern nur 16 Francs Gold. Was wird nun mit diesen 
Münzen werden, so lange die betreifenden Regierungen diese 
ungewisse Stellung zur Wähmngsfrage behalten? Die Folge 


33 


wird sein, dass der Verlust, der sich beim dargelegten Stande 
der Dinge ergeben wird, zunächst vom Staate, sodann haupt- 
sächlich aber vom Volke getragen werden muss, da dieses 
behuls Deckung seines Münzbedarfs in erster Linie vom 
Staate abhängig ist. 

VV as Italien betriftt, so hat man sich hier wohl oder 
übel der Ueberzeugung fügen müssen, dass man sich dem 
Gesetze des Stärkeren unterordnen muss, aber natürlich nur 
tür den \ erlust an der eigenen Landesmünze. 

Am besten charakterisirt De Johannis den ganzen Wirr- 
warr des Streites des lateinischen Münzbundes. Derselbe 
sagt. „Der lateinische Bund zeigt uns heute ein wenig er- 
bauliches Schauspiel: die Verbündeten halten ihre Allianz 
aufrecht einzig zu dem Zweck, um Zeit zu gewinnen, dass 
Einei auf den Anderen, wenn möglich, die fatalen Couse- 
quenzen des Bundes selbst ablade. Es besteht keinerlei 
Solidarität, keinerlei Recht, keinerlei Discussion; die Namen 
und die Sachen werden auf den Eopf gestellt und unter dem 
Anschein der brüderlichen Liebe und höflicher Freundschaft 
nennt Frankreich Recht, was nur Furcht ist, achtzig Millionen 
zu verlieren, nennt Italien internationale Billigkeit, die Noth- 
wendigkeit, jenes Gesetz des Stärkeren über sich ergehen zu 
lassen, weiches es im Jahre 1878 unwillig zurückgewnesen 
hat; ruft Belgien die Solidarität und Brüderlichkeit der Ver- 
bündeten an, damit sie einen Theil des Verlustes auf sich 
nehmen, zu dem man es verurtheilen will, aber sein Apell 
wird tür eine wunderliche Theorie und sein Widerstand für 
eine That der Falschmünzerei erklärt.“ “) 

Zu derselben Angelegenheit in Bezug auf Belgien be- 
merkt Frere Orban in der Parlamentssitzung vom 11. August 
1885: , Keine der Fragen, welche uns jetzt beschäftigen, 
würde vorgekommen sein, wenn das System des lateinischen 
Münzbundes nicht auf einen Fehler beruhete, — der Doppel- 
währung. Mit einer einfachen Währung würden wir von 

Journal des Econoniistes: Novembre 1885. 

Citirt bei Bamberger: „Die Schicksale des lateinischen Münz- 
bundes“. Berlin 1885, p. 119. 


I 


i 



— 34 — 

allem Elend und von allen Verlusten, welche sowohl für den 
Staat, wie für die Privatleute zu Gunsten der Edelmetall- 
händler entstehen, befreit. Ich sehe hier ah von allen 
Theorien und führe blos Thatsachen ins Treffen; Blicken Sie 
nach England hin, dasselbe hat eine einfache Währung und 
hat während des langen Bestehens derselben niemals eine 
Störung in seiner Geldcirkulation erlitten, unbekümmert um 
die Goldproduktionsschwankungen. Es hat niemals solche 
Störungen, wie wir erlitten. Deutschland hat seit einigen 
.fahren die Goldwährung, befindet sich wohl dabei und denkt 
nicht daran zu einer anderen Währung überzugehen. Die 
Staaten des Nordens, Schweden und Norwegen, haben gleich- 
falls die Goldwährung und freuen sich täglich über ihr 
Münzsystem. Wir haben die Doppelwährung und müssen 

jetzt ihre Folgen tragen.“^) 

Der Hauptgrund der Unbeliebtheit der grösseren Silf)er- 
inünzen besteht in ihrer Schwere, ln Goldmünzen kann man 
einen viel grösseren Betrag bei sich tragen, uie in Silber- 
münzen. 

Haben wir danach die Lage der Länder des lateinischen 
Münzbundes zur Genüge dargestellt, so wollen wir uns nun 
zu Amerika wenden, um auch hier die gleiche \ erwirrung 

zu konstatiren. 

Durch die Bland Bill ist in den Vereinigten Staaten 
von Nord- Amerika die Doppelwährung seit 1878 wieder eni- 
geführt, obwohl die Goldcirkulation in ihnen überwiegend ist. 
Es war dabei im Grunde die Absicht vorwiegend, Europa 
tür den Bimetallismus zu gewinnen und dadurch eine Re- 
habilitirung des Silbers zu erzielen. Die Folge für die Ame- 
rikaner war jedoch eine erhebliche Störung ihrer Geldcirku- 
lation, und heute werden die Bland-Dollars nur noch von 
dem Staate in Zahlung genommen. Dass de facto in den 
Vereinigten Staaten die Goldwährung eingebürgert ist. und 
die Doppelwährung täglich mehr ausser Gebrauch kommt, 
beweist allein die Zunahme der überwiegenden Goldcirkula- 

1) Rede Frere Orban's im belgischen Parlament vom 11. August 1885. 


i 


B 


tion.^) -\uch ist das Ende der Bland- oder Alison-Bill viel- 
leicht nahe bevorstehend. Der jetzige Präsident der Republik 
soll sich mit der bestimmten Absicht tragen, demnächst den 
Antrag auf Abschaffung derselben beim Congress einzubringen. 
Damit wäre auch das Schicksal der Doppelwährung in Nord- 
amerika besiegelt, und ein Hauptbollwerk des Bimetallismus 
würde gefallen sein. 

Was endlich Deutschland betrifft, so sind auch hier die 
(Chancen für die Restituirung des Silbers sehr fraglich. Der 
Rest der Silberbarren des deutschen Reiches Avurde 1884 bis 
1886 theils zur Ausprägung von Einmarkstücken verwandt, 
theils an die ägyptische Regierung verkauft.-) 

Sehr bemerkenswerth ist auch folgende Stelle des .lahres- 
herichtes der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft für 1887 : 
,Die Goldwährung hat sich in unserem Vaterlande wesent- 
lieh Vjefestigt. Der Metallvorrath der Keichsbank ist duich 
Goldankäufe von 438 Millionen Mark am Schlüsse des .lahres 
1875 anf 857 Millionen Ende Februar 1888 gestiegen und 
in diesem Metallvorrath ist Gold mit mindestens zwei Dritt- 
theilen vertreten. Der Umstand, dass die Goldkrone, das 
Zehnmarkstück, sich nnentbehrlich tür den ^ erkehr gemacht 
hat, dass die Geschäftswelt sehr lebhaft nach \ ermehrnng 
der Goldkronen verlangt, und die Reichsregierung sich will- 
fährig zeigt znr Erfüllung dieses Verlangens, ist ein deut- 
liches Zeichen, dass die bimetallistische Strömung, die noch 
1886 vernehmlich anftrat, mehr und mehr an Stärke ver- 
liert.“ Das Deutsche Reich wird also sclnverlich zur Dop])el- 
w'ährung übergehen. 


') Ad. Soetbeer: o. a. W. }». 28. 

-1 Statist, .fahrbueb für das Deutsche Reich 1887, S. 128. 
Während des Druckes der vorliegenden Schrift erschien noch in 
der „Yierteljahrsschrift für Volkswirthschaft- 1888, Bd. 3 eine inter- 
essante Abhandlung unter dem Titel ..Atkinson's Bericht über den 
Bimetallismus in Europa". 








Schluss. 


Damit wären wir am Ende unserer Untersuchung an- 
^elanj^t. 

ir haben zuerst gesehen, wie sich der Begriff des 
Ueldes bildete, historisch entwickelte und vervollkommnete- 
Alsdann untersuchten wir den Begriff und das Wesen der 
Währung und fanden, dass in erster Linie die Verhältnisse 
der Edelmetallproduction auf die Gestaltung der Werthrelation 
zwischen Gold und Silber und somit auf die Gestaltung der 
Währung einwirken. 

Hierbei drängte sich uns die Thatsache auf, dass in 
neuerer Zeit das Gold zum einzigen Währungsmetall berufen 
ist und das Silber mit Naturnothwendigkeit zur Scheidemünze 
herabsinkt. Wir verweilten etwas länger bei dieser That- 
sache, gaben eine ziffermässige Darstellung des vorhandenen 

Vorraths an Gold und Silber in den einzelnen Staaten und 

% 

versuchten zu zeigen, Avie das allgemeine Streben der Staaten, 
dieser Thatsache sich anzuschliessen, ein berechtigtes, in dei’ 
gesanmiten Cultur und Wirthschaftsentwickelung Avurzelndes 
sei. Wir zeigten dann, wie in Folge dieses allgemeinen 
Strebens jede Volkswirthschaft, besonders eine inferiore, in 
ihrem eigenen Interesse verpflichtet sei, sich ihm anzu- 
schliessen. — Sodann gingen wir dazu über, die Stellung- 
nahme der in Frage kommenden Staaten zur Währungsfrage 
kurz zu schildern und kamen zu dem Resultat, welches wir 
im letzten Abschnitte ausgesprochen und welches wir zum 
Schluss noch einmal zusammenfassen: 

,Die Stellungnahme der massgebenden Länder des Welt- 
verkehrs zum Bimetallismus, sowie die Gestaltung der gegen- 
wärtisfen Wirthschaftsverhältnisse der einzelnen Volkswirth- 
schäften und der Beziehungen derselben zu einander, sowie 






— 37 — 




endlich die für den Stand des Silbers immer ungünstiger 
werdenden Productionsverhältnisse lassen die Annahme, dass 
der internationale Bimetallismus für die Gegenwart und 
nächste Zukunft aussichtslos sei, als eine richtige erscheinen.“ 
Es soll damit nicht die Möglichkeit geleugnet werden, 
dass in fernerer Zukunft in den die Währungsgestaltung be- 
dingenden \ erhältnissen nicht ein UmscliAvung in irgend 
welcher Weise stattfinden könne, und damit auch für den 
Biraetailismus sich nicht eine Aussicht eröffnen könne; — 
sowie die Dinge aber heute liegen, ist und bleibt nach 
menschlichem Ermessen die Wiederherstellung des Bimetallis- 
mus in der Gegenwart oder nächsten Zukunft nur ein Stoff 
für fheoretische Discussionen. ohne Einfluss auf das prak- 
tische Leben. 





Vita. 


Ich, Alexander Karl Ellmann, bin 4. .1 ili 1861 in Odessa 
geboren. Den ersten Unterricht genoss icb theils bei Privat- 
ehrern, theils in einer Privatschnle. Dann besuchte ich die 
iealschule zw Odessa, die ich Februar 1880 verliess. Ich 
)egab mich darauf nach Deutschland, um mir an den hör- 
igen Hochschulen eine höhere wissenschaftliche Bildung an- 
iueignen. 

Ich besuchte die Hochschulen von Aachen, Dresden, 
Öerlin und Heidelberg. Nachdem ich mich zuerst den tech- 
lischen Wissenschaften gewidmet hatte, wandte ich mich 
bereits in Dresden dem Studium der Staatswissenschaften zu, 
welches ich dann ausschliesslich betrieb. Nachdem ich tünt 
Jahre hindurch an genannten Hochschulen inscribirt war, 
irbeitete ich privatim in den Staatswissenschaften weiter. 
Im Laufe meiner Studienzeit habe ich in Bezug auf Staats- 
AÜssenschaften und Philosophie bei den Herren Profes- 
soren V. Böhmert in Dresden, A. Wagner, v. Treitschke, 
Paulsen, Dilthey in Berlin, Karl Knies und Schulze in 
Heidelberg gehört. 

Allen diesen meinen hochverehi-ten Lehrern spreche ich 
meinen aufrichtigsten Dank aus. 



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